BERLIN Montag 23. Marz 1931 10 Pf. Nr. 1 38 B 69 48. Jahrgang Erscheinttiglich außerSonutag». Zugleich Abendausgabe des„Vorwärts�. Bezugspreis beide Ausgaben 8S Pf. pro Woche, 3,«>M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW 68, Lindenstr.S Fernsprecher: Dönhoff 292— LS? Anzeigenpreis: Die einspaltigeNonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Crmäßigunaen nach Tarif. Postsch eck kont»: Vonvärts-Verlag G.m.b.H.. Berlin Nr. 37 SZS.— Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Recht des Oberbürgermeisters Wichtige Regierungserklärung im preußischen Landtag Im Preußischen Landtag begann heule mitlag die dritte Lesung des Gesetzentwurfes über die vorlöusige Regelung verschiedener punkte des Gcmcindeversassungsrechtes für die Haupt ff abt Berlin. Dazu haben die Rechtsparteien noch verschiedene Aenderungsanlräge gestellt. So soll der Magistrat noch einem Antrag der Volksparlei nicht aus dem Oberbürgermeister, zwei Bürgermeistern, neun hauptamtlichen Stadlräten usw. bestehen, sondern aus dem Oberbürgermeister, einem ersten und einem zweiten Bürgermeister, 10 hauptamtlichen Stadlräten usw. Abg. Dr. v. Kries(Dnat.) hält das Gesetz in der jetzigen � Fassung der Lorlage nicht für glucklich, insbesondere sei keine klare Abgrenzung der Zuständigkeiten zwischen Zentrale und den Bezirken gegeben. In den Bezirken muhte die Magistratsver- Hermann Müllers Aufbahrung Besichtigung am Dienstag freigegeben. Um den Parteigenossen die Möglichkeil zu gebe«, ein letzte» Mol die Züge des toten Führer» Hermann Müller zu sehe«, beabsichtigt der Parteivorsland, den Raum, in dem der Sarg aufgebahrt ist. am Dienstag der Besichtigung sreizugebeu. Zutritt haben alle Mitglied er der Sozialdemokratischen Partei und der freien Gewerkschaften, die sich als solche ausweisen. Besichtigungszeit von 10 Uhr vormittags bis 21 Uhr abends. Borausiichtlich wird der Raum auch am Mittwoch zur Besichtigung freigegeben werden, doch wird darüber erst in der wochausgobe des„Vorwärts" näheres mitgeteilt werden können. Bereits am Sonntag und am Montag haben Taufende von Parteifreunden den Raum betreten, dessen endgültige Ausschmückung jedoch erst heute abend beendet sein wird. sassung wieder hergestellt werden. Der Antrag der Volkspartei sei eine Lex Schultz. Seine Freunde würden dem Entwurf nicht zustimmen, aber seiner Verabschiedung auch keine Schwierigkeiten machen. Abg. Schüling(Z.) wendet sich gegen den Absogebrics des Prä- sidenten des Deutschen Städtetaoes, Dr. M u l e r t, mit dem dieser seine vberbürgernieisterkandidatur zurückzieht und in dem er sehr heftig die beabsichtigte Reform der Stadtverwaltung kritisiert. Vor drei Wochen wäre die Aktion Dr. Mulerts wirkungsvoller gewesen. Ministerialdirektor Dr. v. Oeyden gibt im Austrage des I n n e n m i n i st e r s folgende Erklärung ab: Einem Wunsche des Abg. Dr. Lohmann bei der zweiten Lesung des Entwurfs entsprechend gebe ich über Inhalt und Bs- deutung des§ 22 der Novelle folgend? Erklärung ab: Das RechkdesOberbürgermei st er s. die Bezirksämter mit Weisungen zu versehen, besieht aus den ver- wallungsgebielen, die durch die Sahung den Verwalkungsbezirken überkragen sind, nur insoweit, als der Magistrat nach Anhörung des Sladtgemeindeausschusies zur Einheillichkeil der Verwaltung Grundsähe ausgestellt hat. Hiernach beschränkt sich die Befugnis des Lber- bürgcrmcistcrs darauf, dafür zu sorgen, daß die Grund- sähe, die von dem Magistrat aufgestellt sind, ringe- halten und befolgt werden. Die Abstimmung über die Vorlage findet am Mittwoch, dem 25. März, 14 Uhr, statt. Brotpreis wird aufgebaut. Oer Preisabbau ist vergessen. Köln. 23. März. fEigenbericht.) Die Kölner Bäckerinnung erhöht von heute ab denBrotpreis um 2 Pfennig pro Kilo. Das hat die Wirtschaftsgemeinschaft der Kölner Gewerkschaften, in der die freien und christliche» Gewerkschaften vertreten sind, veranlaßt, an den Reichskanzler Brü» ning eine» telcgraphifchen Protest zu richte«. Sie sehe in der Brotprciserhöhnng eine Folge der übertriebenen Schubzollpolitik des Reichs- Ministers Schiele und verlange, daß den Interessen der Verbraucher durch die Reichspolitik mehr als bisher Rechnung getragen wird. Kotentvache an der tßahre Siermann lllüllers Die Zollunion mit Oesterreich Beginn der diplomatischen Aussprache. Wien, 23. März.(Eigenbericht.) Amtlich wird mitgetilt: Die Vertreter Frankreichs, Italiens und der Tschechoslowakei haben dem Außenminister Schober zur Kennt- nis gebracht, daß der Abschluß einer Zollunion mit dem Deutschen Reich gegen das Genfer Protokoll vom Jahre 1922 verstoßen würde. Der Vizekanzler hat die Gesandten entsprechend aufgeklärt. Wie der„Morgen" berichtet, hat Dr. Schober ihnen gesagt, daß eine Berletzung des Genfer Protokolls nicht vorliege, da beiden Staaten sowohl die politische als auch die wirlschast'-iche Souveränität vollkommen gewahrt bleibe. Es handle sich auch nicht um ein Ab- kommen, sondern um einen Plan, an dem teilzunehmen jcdem anderen Staate ebenfalls freistehe. Sozialdemokratische Beurteilung. Di«„Arbeitcr-Zeitung" skizziert in ihrem Leitartikel die geschicht- liche Entwicklung der Bemühungen zu einer engeren wirtschaftlichen Verbindung der beiden Staaten. Der schon im Februar 1919 geschlossene Vertrag, demzufolge Deutschland und Oesterreich ein gemeinsames Zollgebiet bilden sollten, ist damals durch den Ein- spruch der Siegermächte umgestoßen worden. Das nunmehr verkündete Ziel,«inen Regionoloertrag abzuschließen, ist bescheidener gesteckt. Durch den Abbau der Verkehrserschwcrung zwischen den beiden Ländern könnte die wirtschaftliche Lage Oester- reichs verbessert und in manchen Produktionszweigen die Arbeitslosigkeit bedeutend gemildert werden. Das Mißtrauen, welches dem Plan im Ausland entgegengebracht wird, darf nicht übersehen werden. Es wäre allerdings am leichtesten gewesen, diesen Plan im Rahmen einer allgemeinen Der- ständigung zwischen Deutschland und Frankreich durchzusetzen. Oer Widerstand Frankreichs. Paris, 23. März.(Eigenbericht.) Obgleich der genaue Worttaut des österreich-deutschen Ab- komme« noch nicht bekannt ist, protestiert die französische Presse bereits in allen Tonarten gegen diesen Plan, der eine Verletzung des Vertrages von Versailles und von St. Gcrmain sowie des Genfer Protokolls vom 4. Oktober 1922 sei. Pertinax verlangt im„Echo de Paris" einen gut dirigierten wirtschaftlichen und finanziellen Druck der früheren Alliierten aus Wien und Berlin, um das Werk Schobers und Curtius zu v e r- Nichten. Das„Journal" bezeichnet es als Ironie, daß die von der Europa-Union lancierte Idee regionaler Zollabkommen gerade von Deutschland und Oeslerreich in die Tal umgesetzt wird. Das Blatt spricht von„Wiederherstellung des Pangermanismus", der mit der Zollunion anfange und mit dem von Deutschland de- herrschten Mitteleuropa enden werde. Im„Matin" erklärt Sauer- wein, es sei sicher, daß Deutschland politischer Hintergedanken verdächtigt werden würde, weil bei der gegenwärtigen Krise ein solches Abkommen weder Deutschland noch Oesterreich wirtschaftliche Vorteile bringen könne. Der„Petit Parisien" meint, es handle sich angesichts des Mißverhältnisses zwischen der Größe und der wirtschaftlichen Organisation beider Länder wahrscheinlich um den Beginn einer wirtschaftlichen Zlufsaugung Oesterreichs durch Deutschland, der bald die politische Aussaugung folgen könnte. Das radikale„Oeuvre" erklärt, Mitteleuropa dürfe nicht der Kern zu einem neuen Europa sein und spricht seine Verwunderung darüber aus, daß sich der englische Gesandte in Wien der Protestdcwacche Frankreichs, Italiens und der Tschechoslowakei nickst angeschlossen hat. Am vernünftigsten urteilt das Gewerkschastsorgan „P« u p l e": Das Abkommen werfe zwar zahlreiche beunruhigende Fragen aus, man könne diese aber vorläufig noch nicht beantworten, ohne sich in abenteuerlich« Betrachtungen einzulassen. Ver- schieden« Blätter berichten, daß Briand sich übet diese Frage mit den Außenministern unterhalten werde, die zu der am Dienstag beginnenden Tagung des Organisationsausschusses der Europannion in Paris eintrcsscn. Versicherungsmörder Saffran Oer„ostpreußische Tetzner" vor Gericht Barten stein, 23. März. wenige Tage nachdem das Schwurgericht in Regensburg den Kaufmann Tetzner wegen des grauenhaften Mordes an einem unbekannt gebliebenen handwerksburfchen zum Tode verurteilt hat, begann heule morgen in B a r t e n st e i n in Ostpreußen die Schwurgerichtsverhandlung in dem Parallelfall zu Tehners Tat. den P r o- zejz gegen Soffran und Genossen. Für die kleine ostpreußische Stadl bildet dieser Prozeß eine nicht alltägliche Sensation. vor dem kleinen Landgerichlsgebäude drängten sich heute morgen Hunderte und aber hunderte von Zuhörern aus Bartenstein und der weiteren Umgebung, die alle dem Mordprozeß beiwohnen wollten. Um eine möglichst große Oefsenllichkeit herzustellen, hatte man den Iuhörerraum vergrößert, und zwar in der weise, daß das Beratungszimmer ausgeräumt und mit Sihbänken versehen worden war, so daß diese Zuhörer zwar nicht die Angeklagten, wohl aber den Ge- richlslisch von der Seite überblicken konnten. 3n einem kleinen Raum, der normalerweise für SO Menschen bestimmt ist. sitzen nun etwa 200 Zuhörer, etwa 50 Pressevertreter, dazu die AngeNaglen, Anwälte, Sachverständigen usw. Drei Hauptangeklagte. Kurz nach S Uhr begann die Verhandlung, die von Land- gerichtsdirektor Morawsti geleitet wird, während die Anklage von Oberstaatsanwalt Littet vertreten wird. Zunächst wurden die drei H a u p t a n g e k l a g t e n in den Saal geführt, als erster der Kauf- mann Fritz Safsran, der jetzt 31 Jahre alt ist. Sasfran ist mittelgroß, etwas beleibt, hat ein gutgeschnittenes, intelligentes Ge- ficht, das eher auf einen Künstler als auf einen Lehrer oder Kauf- mann schließen lassen würde. Safsran, der sichtlich sehr nervös und aufgeregt ist, mustert den ganzen Saal, seine Verwandten mit leisem Nicken begrüßend. Neben ihm sitzt die Angeklagte Ella A u g u st i n, ein 26jähriges schlankes Mädchen mit dunklem holblangein.haar, einem ungewöhnlich energischen, etwas grobem Gesicht mit auffällig starken zusammengewachsenen Augenbrauen und einem breiten, harten Mund. Der dritte Angeklagte, der HandlungSgehilse Erich Kipnik aus Rastenburg, ist ein schlanker und blonder Mensch mit harten, blauen Augen, mit einem Körper und Gesicht, die auf sport- liche Betätigung schließen lassen. Kipnik, der sehr blaß aussieht. schaut unverwandt auf den Richtertisch und vermeidet es sichtlich, seine im Zuhörerraum sitzend« weinende Frau anzusehen. Die übrigen vier Angeklagten interessieren weniger. Der Postschaffner Robert Katzki, der Oberpostschaffner Wilhelm Schidlowski aus Rastenburg, der Kraftwagenführer Hermann R e ck und schließlich der Zimmergeselle Johannes Augustin, Verlin, Lausitzer Str. 26 wohnhast, spielen in diesem Mordprozeß nur die Rolle von Statisten. Die Anklage wirft den einzelnen Beschuldigten folgendes vor: Die Angeklagte Ella August in, von der Anklage annimmt, daß sie die beiden anderen Hauptangetlagten unter ihren Einfluß gebracht hat, wird der Urkundenfälschung, dor Unterschlagung, der Anstistung zum Mord, zur Brandstiftung und zum Versicherungsbetrug, sowie des Betruges beschuldigt. Dieselben Delikte werden auch Safsran, soweit sich seine Handlungen mit denen der- Augustin decken, vor- geworfen. Sasfran und Kipnik werden beschuldigt des Mordes, des Mordversuches, der Brandstiftung und'des Ve r- sicherungsbetruges. Dem Angeklagten Reck wird zur Last gelegt, daß er Safsran bei seiner Flucht aus Rastenburg behilflich war. Der Angeklagte Johannes August in, ein Bruder der Hauptangeklagten, wird beschuldigt, daß er Safsran in seiner Berliner Wohnung oerborgen gehalten habe, während die beiden Postbeamten der passiven Bestechung angeklagt sind, weil sie der Augustin Briefe, die für andere Personen bestimmt waren, gegen kleine Geschenke, Zigarren usw., ausgehändigt haben. Oer Sohn des �Königs von Ostpreußen". Die Angeklagten werden von den Rechtsanwälten Dr. Pröll- Berlin, Dr. Petzall, Dr. Bötticher, Maluk und Justizrat Kantorowicz verteidigt. Als Sachverständige sind Professor Goroncy-Königsberg, Büchcrsachvcrständiger Rudkowski-Königsberg und Medizinalrat Dr. Ernst geladen. Der Vorsitzende vernahm dann zunächst Safsran, der angibt, daß er seit dem Jahre 1922 mit der Tochter des Möbelhändlers Platz verheiratet ist. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er Kinder habe, erklärte Safsran weinend, daß er einen sechsjährigen Sohn besitze. Safsran ist 1916 zur Feld- artillerie eingezogen worden, aber nicht mehr ins Feld hinausge- kommen, da der Krieg inzwischen beendet war. Er war zuerst Lehrer, während sein V a t e r, der in der ganzen Gegend den Namen „König von Ostpreußen" trägt, als Viehhändler weit über Ostpreußen hinaus bekannt war. Auf Befragen des Vorsitzenden schilderte der Angeklagte dann, daß das Möbelgeschäft in Rastenburg, das er bei seiner Verheiratung von den Schwieger- eltern erhielt, anfangs ganz gut gegangen sei. 1928 aber hätten die finanziellen Schwierigkeiten begonnen, die dadurch hervorgerufen worden seien, daß die Kunden, die Möbel auf Kredit kauften, ihren Verpflichtungen zumeist nicht nachkamen. Damals sei er zusammen mit der Angeklagten Augustin auf den Gedanken gekommen, die Ver- träge zu beleihen. Man wandte sich an die Möbeltreuhandgesellschaft in Berlin, die auch Kredite auf die Kaufverträge gab, bei der er aber 24 Proz. Zinsen habe zahlen müssen. Diese hohe Verzinsung habe ihn noch weiter ins Unglück gebracht, und so hätten er und seine Buchhalterin den Plan gefaßt, die Kaufverträge noch ein zweites Mal, und zwar bei der Absatzsinanzierungsgesellschast in Königsberg hinter dem Rücken der Berliner Gesellschaft zu beleihen. Er habe also für die Kaufverträge zweimal Kredite erhalten. Als die Zeiten immer schlechter wurden, sei man auf den Gedanken gekommen, nicht nur echte, sondern auch fingierte Verträge zu beleihen. Das geschah in der Weise, daß Kaufverträge regulär ausgefüllt, dann aber von der Augustin gefälscht wurden. Die Fälschungen nahm sie in der Weise vor, daß sie Unter- schriften von Geschäftsfreunden mit Hilfe einer Glasplatte abpauste und dann diese Schriftzüge aus die Kaufverträge übertrug. Auf diese Art und Weise haben Safsran und die Augustin, wie der An- geklagte zugibt, etwa 400 Fälschungen begangen. Um zu verhindern, daß diejenigen Leute, die von der Königcberger Firma diese Briefe bekamen, etwa zurückschrieben, sie hätten doch gar nichts gekauft, wandte sich die Augustin an die beiden angeklagten Brief- träger und ließ sich von ihnen die Briefe aushändigen, die von der Absatzfinanzierungsgesellschaft in Königsberg an die angeblichen Rastenburger Kunden kanten. Man hatt, um sicher zu gehen, nur solche fingierten Adressen gewählt, die im Postbezirk der beiden Brief- träger lagen. Der Vorsitzende stellte dann fest, daß der Angeklagte Safsran Lebensversicherungen in höhe von 134 000 Mark abgeschlossen Halle. die auf den Namen und zugunsten seiner Frau lauteten. Vors.: Aus welchem Grunde hatten Sie so hohe Versicherungen getätigt?— Safsran: Als die Fälschungen immer größer wurden und der Zeitpunkt, an dem die Entdeckung kommen mußte, immer näher rückte, war ich fest entschlossen, Lelbstmord zu verüben, um meiner Frau die immerhin große Summe zuzuführen, mit deren Hilfe sie meine Verfehlungen hätte abdecken können. In der Unterredung mit dem deutschen Volschaster hat Vriand, wie wir zu wissen glauben, erklärt, er müsse erst weitere Einzelheiten abwarten, um zu den Abmachungen Stellung nehmen zu können. Die Ansicht des„Matin", daß die Abmachungen gegen die Meisb begünstigungsklausel verstoßen, trifft nicht zu, denn der Wirt- schaftsausschuß des Völkerbundes hat in einem Gutachten erklärt, daß ein Zollbund einen auf Tradition beruhenden Sonder- fall darstellt, der diese Klausel nicht berühre. Prag zum Beitritt eingeladen. Prag, 23. März. Wie das„Prager Tagblott" meldet, hat der österreichische Ge- sandte Dr. Marek bei der Notifizierung des deutsch-österreichischen Vorvertrages gleichzeitig die Einladung an die tschechoslowakische Regierung übermittelt, dem Abkommen beizutreten. Wie das Blatt weiter erfährt, wird in Prager„politischen Kreisen" die Auffassung vertreten, daß der Plan, was Deutschland anlangt, zu den Friedensverträgen wenigstens formell nicht in Wider- s p r u ch stehe. Für Oesterreich dagegen bedeutet dos Zolldündnis zumindest einen Verstoß gegen den Geist des Genfer Sanierungs- Protokolls. Die Tschechoslowakei werde sich für dessen Einhaltung einsetzen. Amerikanische Anerkennung. Rem Jork, 23. März. Die deutsch-österreichische Zollunion wird hier in aller- freundlichstem Sinne begrüßt. Die„New-Jork Times" spricht von einer mutigen Tat, die zweifellos für beide Länder vorteilhaft und für die übrigen Nationen ein lehrreiches B e i s p i el fei. Das Abkommen sei der erste praktische Schritt rein wirtschaftlicher Art zur Bildung der von Briand angestrebten Vereinigten Staaten von Europa. Die Befürchtungen gewisser euro- päischer Mächte, daß die unmittelbar« Folge der politische Anschluß sein werde, bezeichnet die„Times" unter Hinweis auf den Verfailler Vertrag als ungerechtfertigt. Die durch den Friedensvertrag gewährleistete Unabhängigkeit Oesterreichs gebe der Wiener Re- gierung das unanfechtbar« Recht, derartige Zollabmachungen zu treffen. Deuffchland und Oesterreich hätten jetzt mit der Nieder- legung der Zollmauern begonnen. Jetzt müsse man der Washing- toner Regierung zurufen:„Gehe hin und tue desgleichen!" Thüringen gegen Oisziplinbruch. Abgeordnete sollen sich den Fraktionsbeschlüssen fügen. Gotha, 23. März.(Eigenbericht.) Der sozialdemokratisch« Bezirksoerband Groß- Thüringen hielt am 21. und 22. März in GotlM seinen Bezirksparteitag ab, der außerordentlich stark besucht war.» Trotz der großen Arbeitslosigkeit— auf 100 Mitglieder kommen 28 Arbeitslose— steht die Parteiorganisation Groß-Thüringen un- erschüttert da. Die Zahl der Parteimitglieder betrug am 31. De- zember 1930: 42 857. Es war ein Rückgang von 585 zu oerzeichnen. Der Ruf: Wo bleibt der zweite Mann? hat im neuen Jahre bis jetzt in 228 Ortsgruppen 2076 neue Mitglieder gebracht. Im Mittelpunkt der Verhandlungen stand das Referat des Reichs- und Landtagsabgeordneten Frölich(Weimar) über die politische Lag« im Reich und in Thüringen. Der Redner behandelte eingehend die Stellung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion nach dem 14. September zur Regierung Brüning und zeichnete die Gefahren für die Arbeiterschaft auf, wenn der Faschismus in Deutsch- land und vor allem in Preußen die Regierungsgewalt in die Hand bekäme. Dabei schilderte er die faschistischen Rsgierungsmethoden in Thüringen. Die thüringische Landtagsfraktion habe von Gotha aus einen Mihtrauensantrag gegen die national- sozialistischen Reg i e ru n g s m i t g lt« d e r Frick und M a r s ch l e r an den Landtagspräsidenten geschickt und verlangt, daß der Landtag zum 31. März oder I.April einberufen werden solle, um die Mißtrauensanträge zu verhandeln. Diese Mitteilung löste stürmischen Beifall aus. Den Disziplinbruch der Neun, die sich dein Frakttonsbcschluß nicht gefügt und gegen den Panzer- kreuzer gestimmt haben, anstatt sich der Stimme zu enthalten, ver- urteilte der Redner. Im Anschluß an das Referat fand eine lebhafte Aussprache statt, an der sich auch Stampfer(Berlin) als Vertreter des Par- teiborswndes beteiligte. Rosenfeld bekam eine längere Rede- zeit, auch S i e m s e n(Jena) durste sich Mach Schluß der Debatte noch ausführlich rechfferttgen. Es lagen zu diesem Tagesordnungs- punkt drei Entschließungen vor. In der einen wurde gefordert, daß in dem Parteistatut eine Bestimmung aufgenommen werden solle, daß diejenigen Abgeordneten, die entgegen den Beschlüssen der Frak- tion handeln, sich außerhalb der Partei stellen. Diese Eni- schließung wurde gegen eine starke Minderheit abgelehnt. In der zweiten Entschließung wurde unter anderem gesagt, daß die Abge- ordneten, die die Entscheidung der Fraktion nicht unterstützt haben, sich von der ernsten Sorge um die Partei letten ließen. Diese Ent- schließung wurde mit 53 gegen 45 Stimmen angenommen. Mit allen gegen 6 Stimmen kam folgende Resolution zur Annahm«: „In der gegenwärtigen Zeit, die für das Proletariat schwerste Gefahren in sich birgt, ist Einigkeit und Disziplin inner. halb der Sozialdemokratischen Partei doppelle Pflicht. Der Be- zirksparteilag fordert daher die Reichstagsabgeordneten auf, sich der Fraktioasdisziplin unbedingt zu fügen." Im Anschluß an den Bezirksparteitag fand eine Demvnstratton mif dem Hauptplatz statt, die glänzend oerlief. Aber Chemnitz bittigt...? Chemnitz, 23. März.(Eigenbericht.) Arn Sonntag tagte in Glauchau der Bezirksparteitag Chemnitz- Erzgebirge. Gegen drei Stimmen von über 280 stimmberechtigten Delegierten wurde eine Entschließung angenommen, in der es heißt: „Der Bezirksparteitag Chemnitz-Erzgebirge erklärt sich nach wie vor gegen den Panzerkreuzer B und billigt die Haltung der Zlb- geordneten unseres Bezirks, die in Uebereinstimmung mit dem Be- sthluß des Bezirksvorstandes im Reichstag gegen den Panzerkreuzer gestimmt haben." Die Entschließung, die sich gegen„die Tolerierungspolitik der llleichstagssraktion" wendet, fordert zum Schluß auf. Abspaltungen zu verhindern und die Werbearbeit für die Partei fortzusetzen. USA. fordert Aushebung des Remarque-Filmverbols. nämlich vom Athener Polizeipräsidenten. Das Gnadengesuch der verurteilten im„Menschewiki-Prozeß" war vom Präsidium des 6. Rätekongresses dem Präsidium des Zentralexekuftvkomitees überwiesen worden, und dieses hat ab- gelehnt. Eitle Hoffnungen! Bürgerkriegsparteien und die Panzerkreuzerabstimmung. Der Disziplinbruch der neun sozialdemokratischen Reichstags- abgeordneten, die bei der Panzerkreuzerabstimmung mit den Kom- munssten gestimmt haben, hat bei den Kommunisten wie bei den Rechtsradikalen große Freude und große Hoffnungen hervorgerufen. Der Hugenbergsche.Lokal-Anzeiger" redet von„innerer Zer- setzung in der Sozialdemokratie", die„Deutsche Zeitung" gar von„Panzerkreuzer-Spaltung der SPD.". Sie sieht in diesem Disziplinbruch«inen„Erfolg der nationalen Zer- mürbungstaktik". Auf de» anderen Seite hofft das kommunistische Organ „Berlin am Morgen", daß dieser Disziplinbruch„eine ganz neue Situation" für den Kampf der Kommunisten gegen die Sozialdemokratie eröffnen werde. Wir begrüßen es, daß die Feinde der Sozialdemokratie ihre Wünsch« und Hoffnungen so deutlich enthüllen— sie zeigen, daß in dem Kampfe der Partei strengste Dssziplin oberstes Gebot ist! Gegenüber dieser Erkenntnis sind alle Hoffnungen unserer Gegner eitel— die Geschlossenheit und die Kampfstimmung der sozialdemokratischen Arbeiterschaft war nie größer als heut«! Frick vor dem Sturz. Aber er verbietet einstweilen weiter. Weimar, 23. März. Am Sonabend abend fand die vom thüringischen Innenminister Dr. Frick verbotene Versammlung des Reichsausschusses für Volksaufklärung überraschend statt. Kapitänleutnant von Mücke sprach über sein« Erfahrungen mit den Nationalsozialisten und wandte sich scharf gegen die Führerschaft Hitlers, der kein Führer sei, sondern sich den Kapitalisten verschrieben habe. Weiter sprach er über seine Auseinandersetzungen mit dem nationalsozialistischen Gauführer Manfred von Killinger-Dresden und dem Deutschen Offiziersbund. Ats sich der sozialdemokratische Orts- gruppenführer, Studienrat Beer, im Schlußwort scharf gegen die vom Innenminister Dr. Frick vor einiger Zeit ausgesprochenen Demonstrationsverbote wandte und in diesem Zusammenhang von nationalsozialistischer Polizei in Thüringen sprach, löste der anwesend« Polizeihauptmann die Versammlung auf, ohne daß es zu ernsteren Zwischenfällen kam. Die für den Sonntag geplante Demonstration des Reichsbanners gegen die von nationalsozialistischcr Seite angesetzte Kundgebung, aus der Oberleutnant a. D. Schulz sprechen sollte, ist von dem Innenministerium verboten worden. parteiwirtschast in Rraunschweig. Oer Drang zur Futterkrippe. Vraunschweig, 23. März.(Eigenbericht.) Die brounschweigische Regierung hat an Stell« der o i« r«nt- lass enen sozialdemokratischen K r e i s d i r ek t o r e n vier rechtsgesinnte Staatsbeamte als Nachfolger vorgeschlagen. Unter ihnen befindet sich der Ministerialrat Dedekind, der als Führer der welfischen Bewegung in Braunschweig her- vorgetreten ist. Die übrigen in Aussicht genommenen Kreisdirek- toren gehören der D e u t s ch na ti o n a l e n bzw. der Volks- partei an._ Wirischast um Drewitz. Hessen und Rheinland fordern Bücktritt. Frankfurt(Main), 23. März.(Eigenbericht.) In einer großen Konserenz der Wirtschaftspartei, die 120 Delegiert« aus den drei Wahlkreisen Hessen-Nassau, Hessen- Darmstadt und Koblenz-Trier am Sonntag in Frankfurt vereinigte, wurde einstimmig der Rücktritt des Reichspartei- Vorsitzenden Drewitz gefordert. Falls Drewitz nicht innerhalb von acht Tagen zurücktritt, wird die neu gegründet« Ar- beitsgemeinsthait der drei südwestdeutfchen Reichstagswahlkreife ihre Beziehungen zu dem derzeitigen Parteivorsitzenden abbrechen. An der Konferenz nahmen die Abgeordneten der Wahl- kreise teil. Prinz Auwi— auweih! Er bekommt mit dem Gummiknüppel. Etwas ganz Schreckliches hat sich am Schluß der vergangenen Woche in Deuffchland zugetragen: ein leibhasttger Hohen- z o l l e r n s p r o ß hat die Bekanntschaft des Gummiknüppels gemacht. In Königsberg hatten die Nazis zum höheren Ruhm des großen Goebbels, dem dort wegen seines bekannten Auftretens das Reden verboten worden war, auf dem Bahnhof ein« unerlaubte Demonstration veranstaltet. Als die Polizei diese auseinander- trieb, bekamen auch Goebbels und der„Pg. Prinz August Wilhelm", der sich im Gefolge des Herrn Goebbels befand, einige Schläge mit dem Gummiknüppel ob! Darob Heulen und Aähneklappern in der Hugenberg-Presse, Tvbsuchtsanfälle im„Angriff". Daß so etwas auch in einer Repu- blik möglich fft! Daß da ein leibhasttger Prinz behandelt werden kann wir irgendein„Untermensch" von Proletarier! Es bedarf keines Beweises, daß ein« Republik, in der der Gummiknüppel, anstatt vor allerhöchsten Personen Männchen zu machen, auf deren Allerwertesten niederfällt, einfach ausgerottet werden muh! An den Pranger! Gipfelleistungen politischen Gtrolchtums am Garge Müllers Es würde am Bilde der allgemeinen Trauer um den Verlust unseres Hermann Müller etwas fehlen, wollte man die Schamlosigkeiten verschweigen, die in trauter Gemeinschaft von den Links- und Rechtsbolschewisten noch am Sarge verspritzt werden. Die„Rote F a h n e", die sich immer noch als Arbeiterblatt ausgibt, leistet sich diese Flegelei: „Die deutsche klassenbewußte Arbeiterschaft kann Hermann Müller, der einer ihrer geschworensten politischen Feind« war, auch auf der Todesbahr« kein mildes Vergessen angedeihen lassen. Mit seinem Nmnen ist die ganze verbrecherische Kriegspolitik der deutschen Sozialdemokratie in den Jahren 1914 bis 1918 verknüpft. Nach dem Krieg war er neben Wels einer der entscheidenden Führer der Eni- wicklung der SPD. vom Sozialpatriotismus zum Sozialfaschisnms. Der Panzerkreuzer A ist mit dem Namen des Reichskanzlers Hermann Müller aufs engste verbunden. Vielleicht wird die Bourgeoisie ihn zum Dank« mit dem Namen des toten Panzer- kreuzersozialisten benennen.* Nicht minder niederträchtig ist das Verhalten der halb- hakenkreuzlerifchen„Deutschen Zeitun g", die den Ver- storbenen auf ihre Art begeifert: „Bei der Bildung des Kabinetts Bauer, des„Varmat"-Batier, am 23. Juni 1919 wurde er Reichsminister des Auswärtigen. Als solcher ging er mit Bell nach Paris, um dort am 28. Juni 1919 das Diktatvon Versailleszu unterschreiben. Di« beiden Männer, die ihr« Unterschrift unter den Schandvertrag gesetzt haben, werden jetzt von der republikanischen Presse als Märtyrer, als Opser der Verhältnisse hingestellt. Wollte man dies gelten lassen, so hätten die beiden Unterzeichner wenigstens dafür sorgen sollen, daß sie in der Dunkelheit verschwanden, auf daß die Erinnerung an ihre Namen im deutschen Volke ausgelöscht werde. Aber so feinfühlig ist man heutzutage nicht, für Unwägbarkeiten fehlt das Verständnis � Wo Deutsche unter den Lasten des Versailler Diktats und des Poung- Plans seufzen, da werden sie auch Hermann Müllers gedenken." Doch damit ist's dem Hilfsorgan der Hochverräter noch nicht genug. Es scheut vor einer plumpen Fälschung nicht angesichts des Grabes zurück. Sie behauptet mit der dreisten Stirn des kleinen Moritz, Müller habe als Außen- m i n i st e r vor der Nationalversammlung in Weimar eine Rede mit den Worten geschlossen: „Die Zeit ist nicht mehr fern, wo Hindcnburg und Luden- dorff aller Welt als die größten Kriegsverbrecher aller Zeiten bekannt sein werden." Diese Aeußerung Müllers über Hindenbnrg ist glatt und dumm erfunden. Niemals hat Müller sich in solcher oder ähnlicher Weise über Hindenburg geäußert. Wohl aber hat er in der Nationalversammlung am 28. Juli 1919 den schon damals auftauchenden deutschnationalen' Kriegshetzereien folgendes über ihren damaligen Halbgott Ludendorff ins Stammbuch geschrieben: So sehr Ludendorff von militärischer Seite geschätzt werden mag als Troupier, als Mann der Einzelaktion,— er hat doch die Kräfte Deutschlands von Finnland bis Mesopotamien in einer Weise zersplittert und verzettelt, wie es niemals ein wahrer Feldherr hätte tun dürfen. Auch das militärische Gericht über Ludendorff wird noch kommen, und es wird dann vor der Geschichte gezeigt werden, daß Ludcndorff neben Tirpitz der größte Verderber des deutschen Volkes ist. Ich habe das Recht, das auszusprechen, und werde mir dieses Recht nicht nehmen lassen. Wir haben die Lust verloren zu schweigen! Daß diese Aeußerungen den Deutschnationalen nicht ge- fielen, die schon unmittelbar nach ihrer militärischen Nieder- läge wieder das„Schwert im Munde" führten, ist begreif- lich. Aber das berechtigt sie nicht, nachträglich noch an dem toten Hermann Müller eine plumpe Fälschung zu begehen, nur um den gegenwärtigen Reichspräsidenten von Hindenburg in den Äugen der Nationalisten herab- zusetzen. Uebrigens: das Wort von der„Futterkrippe" oder dem „Parteibuch" fiel auch in der Nationaloersammlung. In der gleichen Rede, in der das Urteil über Ludendorff gefälscht wurde, antwortete Hermann Müller auch auf die niedrigen .,Futterkrippen"-Unterstellungen: „Ich halte es auch für unter meiner Würde, näher einzugehen auf die Angriffe, die Herr von Graefe auf die Minister gerichtet hat, als er von der Gesinnungstüchtigkeit und von der Futterkrippe sprach. Aber das will ich doch persönlich fest- stellen: ich habe mich noch nie in meinem Leben um einen Posten beworben, sondern bin noch steis zu dem Posten berufen worden. auf den ich gestellt worden bin, und ich habe mich in der schwersten Stunde des Vaterlandes wahrhaftig nicht zu dem Amt des Ministers des Aeußeren gedrängt, sondern ich glaubte, in dieser schwersten Stunde meine Person dem vaterlande zur Verfügung stellen zu müssen. Ich habe es in der Hauptsache aus dem Grunde getan, weil ich weiß, daß ich einen gewissen politischen Per- sonalkredit im Auslande habe, und ich habe keine Ursache, dieses politische Kapital, das ich besitze, verwirtschaften zu lassen." Diese Antwort Müllers auf eine Aeußerung des Herrn von Graefe ist gleichzeitig auch ein Schlag auf das Läster- maul der„D. Z.", die es fertig bringt, in ihrem Schimpf- artikel zu versichern, Hermann Müller sei„nicht durch eigenes Können, sondern durch das Parteibuch an die oberste Stelle der deutschen Republik gebracht worden. Es ist gut, daß dieses Wort gerade jetzt aus den Protokollen wieder ins Licht der Oeffentlichkeit gerückt werden kann. Weitere Beileidskundgebungen Reichskanzler Dr. Brüning hat an die Gattin des verstorbenen Reichskanzlers a. D. Hermann Müller nachstehendes Beileidsschreiben gerichtet: Hochverehrte gnädige Frau! In banger Sorge gingen in den letzten Wochen mein« Gedanken öfter an das Schmerzenslager Ihres Gatten, hoffend, daß es der Kunst der Aerzte gelingen würde, fein Leben der Familie und dem Vaterland zu erhalten. Das harte Schicksal hat es anders bestimmt. Sein Leben ist nunmehr vollendet. Die Nachricht hat mich auf das tiefste erschüttert. Ich bitte Sie, mein und der Reichsregierung herzlichstes und aufrichtigstes Beileid entgegenzunehmen, meine Teilnahme bitte ich auch der betagten Mutter des Verstorbenen und Ihren Kindern übermitteln zu wollen. In dieser Stunde trauern Millionen deutscher Männer und Frauen mit Ihnen, sehr verehrte gnädige Frau, und Ihren Ange- hörigen. Als der verehrte Verstorbene zweimal an der Spitze der deutschen Reichsregierung, zum Lenker der Reichsgeschicke berufen wurde, da setzte er sein ganzes Wissen und all seine Kraft für die Arbeit an der Gesundung und dem Wiederaufbau unseres schwer ringenden Vaterlandes ein. In diesem Augenblick muß ich auch der schlimmsten Stunde gedenken, die während seines Lebens der Ver- starben« als deutscher Patriot in dem Spiegelsaal von Versailles durchleben mußte. Dann aber war es ihm auch vergönnt, die große Stunde der Befreiung der Rheinlande zu erleben, die nicht zuletzt der Erfolg feiner Regierungsarbeit gewesen ist. Mit ihm hat das Baterland einen guten Deutschen verloren, dessen zuverlässiger Cha- rakter und nationale Gesinnung auch von seinen politischen Gegnern stets anerkannt wurden. Für Sie, sehr verehrte gnädig« Frau, sowie für Ihre Ange- hörigen möge«in Trost in Ihrem schweren Leide die Gewißheit bedeuten, daß um den Verstorbenen nickst nur seine Familie, son- dern auch ein Großteil des deutschen Volkes aufrichtig trauert. . Mit meinem nochmaligen Ausdruck der innigsten Teilnahme verbleibe ich Ihr sehr ergebener gez. Dr. Brüning. Beileid der österreichischen Bundesregierung. Vizekanzler Dr. Schober hat an den deutschen Reichs- oußenminister Dr. Curtius ein Telegramm gerichtet, in dem es heißt: Tief betrübt durch die traurig« Kunde von dein Ableben des um das Deutsche Reich so hochverdienten gewesenen Reichskanzlers Her- mann Müller bitte ich im Namen der Bundesregierung, die Ver- ficherung wärmster Teilnahme an dem schweren Verlust, den Ihr Vaterland in der Person des Verewigten erlitten hat, entgegen- nehmen zu wollen. Der Witwe Hermann Müllers hat Vizekanzlsr Dr. Schober folgende Depesche gesandt: Anläßlich des schweren Verlustes, den Sie durch das Ableben Ihres Herrn Gemahls erlitten haben, bitte ich, die Versicherung meines wärmsten und aufrichtigsten Mitgefühls entgegenzunehmen. •* 4 Banderveldes Erinnerungen und Nachruf. Der Führer der belgischen Sozialisten und Vorsitzende des Exekutivkomitees der Arbeiterinternationale Vandervelde schreibt zu dem Tode Hermann Müllers im„P e u p l c": „Hermann Müller Hai bis zum Ende jenes schmerzliche Schicksal gehabt, der Mann der schlechten Stunden, der Trauerlage und der schweren Verantwortung zu fein. Ich begegnete ihm wieder nach dem Kriege in V e r s a i l l e s. Es war einem sozialistischen Außen- minister des neuen Deutschland vorbehalten, die� tragische Verantwortung zu tragen, die Buße sür die Fehler und Verbrechen des kaiserlichen Deutschland zu zahlen und unter dem Gesetz« des Schwertes die furchtbare Rechnung zu quittieren, die die Sieger ihm vorsetzten. Ich sehe ihn noch heute und werde ihn mein ganzes Leben lang sehen in seinem schwarz«» Anzug, das Gesicht bleich von Leiden, und auch von den Entbehrungen der Kriegszeit, seine hohe Gestalt gebeugt unter der«rdrückenden Last. Ander« hatten sich gedrückt, er aber brachte den schwer st en Mut auf, den Mut, um S ch l i m- meres zu verhüten, den verhängnisvollen Vertrag zu unter- schreiben, der wenigstens dem allgemeinen M«nschenmorden ein Ziel setzte. Dieser Austausch von Unterschristen— welche Erinnerung und welches Symbol der furchtbaren Probleme, die diese schreckliche Katastrophe in unsagbaren Aengsten dem Gewissen der Menschheit vorgelegt hat. Begreift man nun, daß der Tod Hermann Müllers für mich mehr sein muß als der bloße Verlust eines Freundes und Kampfgenossen? Wir haben uns wiedergefunden, wir haben in Frankfurt, Hamburg, Paris wieder Bande geknüpft, die nie wieder reißen konnten. Was auch die Zukunft bringen möge, wir hatten uns alle wieder vereint, um die Internatio- nale wiederaufzubauen, eine stärkere Internationale, besser gerüstet, um jeder Prüfung zu widerstehen, unbeugsam entschlossen, die proletarische Solidarität für die Sicherung des Weltfriedens durch den demokratischen Sozialismus über alles andere zu setzen. Wir sind in guten wie in schlechten Tagen mit ganzem herzen mit der deutschen Sozialdemokratie gewesen in ihrem schwersten Kampf gegen die schlimmste nationa- listische Demagogie. Nun hat ihr das Schicksal einen ihrer Besten, einen unserer Besten genommen. Die ganze Internationale trauert um Hermann Müller." Vandervelde und der Parteisekretär van Roosbroeck werden die belgische Sozialdemokratie bei der Leichenfeier in Berlin vertreten. Oer Gegner senkt den Oegen...! Ernst(Scholz über Hermann Müller. In der„Nationalliberalen Eorrespondenz" schreibt der oolks- parteiliche Reichstagsabgeordnete Scholz: „Die Trauer um den Heimgegangenen früheren Reichskanzler Hermann Müller ist nicht nur im Kreise scinor enger«» politischen Freunde, sondern im ganzen Reichstag und in allen seinen Parteien groß und ehrlich. Seine unermüdlich«, aufopfernde Tätigkeit als Führer des Reichskabinetts 1929 und wieder 1928—1939 sichern ihm� den Dank des deutschen Volkes. In zwei weltgeschichtlichen Augen- blicken, die beide für ihn und seine Persönlichkeit kennzeichnend waren, ist er besonders hervorgetreten. Schmerzlichste Pflichterfüllung zwang ihn als damaligen Außenminister zur Unterzeichnung des Diktats von Versailles— er selbst hat oft genug geäußert, daß der Tag dieser Unterschrift der schwärzeste seines Lebens war. Und in jenen Stunden im Herbst 1929 in Genf, als er sich in flammenden Worten gegen die Unterdrückung und Vergewaltigung Deutschlands durch die ehemaligen Kriegsgegner wandte... . In der zwischen diesen beiden Marksteinen der deutschen Nach- kriegsgeschicht« liegenden Zell habe ich unendlich viele wichtig« und bedeutungsvolle Verhandlungen unter vier Zlugen, in kleinerem und größerem Kreise mit Hermann Müller zu führen gehabt... In wehmutsvoller und dankbarer Erinnerung darf ich sagen, daß alle diese Besprechungen in mir höchste Bewunderung für diesen klugen, vornehmen und hochanständigen Menschen hinterlasien haben: ein schönes Beispiel gerade in unserer politisch zerrissenen und er- regten Zeit dafür, daß die Achtung vor der Persönlichkeit auch die stärksten sachlichen Gegensätze in der Politik zu überwinden vermag." Genosse Karl Kaulsky lclegraphierk: „Der allzu frühe Tod Hermann Müllers, in dem meine Frau und ich einen lieben Freund betrauern, fällt in eine Zeit schwerster politischer Wirrnisse, in der die deutsche Partei und die Znternatiouale seinen klugen Rat. seinen nie versiegenden Optimismus und feine un- ermüdliche zähe Arbeitskraft hart entbehren werden. Die Richtlinien seiner wcitschauenden Politik, die unerschrockene Bekämpfung des Rationalismus im Innern und nach außen werden für uns stets maßgebend bleiben." e- Der ADGB. hat folgendes Telegramm erhalten: „Der Ausschuß des französischen Gewerkschastsbundes, der in Paris versanunelt ist, sendet der deutschen Arbeiterschaft zu ihrem schweren Verlust sein herzliches Beileid. Iouhaux." Der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes, der Reichsbund der Kommunalbeamten und Angestellten Deutschlands, die Zentralkommission sür Arbeitersport- und Körperpflege haben dem Parteivorstattd ihr Beileid ausgesprochen. Aus der Internationale sind Kundgebungen eingelaufen von der Deutschen Sozialistischen Arbeiterpartei Polens, der Estnischen Sozialistischen Arbeiterpartei, der Sozialdemokratischen Partei Litauens, der spanischen Sozialdemokratie, der georgischen Sozial- demokratischen Partei, der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz, der Landesparteileitung des Landes Salzburg, der Danziger Sozial- demokratie, der Sozialdemokratischen Partei Bulgariens, des Vor- standes der Reichsbannergruppe Amsterdam und von Robert Grimm Aus der Fülle weiterer Beileidstundgebungen heben wir hervor: Reichsarbeitsminister Stegerwald, Präsident des Reichsgerichts Bümke, Polizeipräsident Erwin Barth, Professor Georg Bernhard, Anton Erkelenz, Sozialdemokratische Stadtratsfraktion Passau, Ober- bllrgermeister Dr. Lang von Eßlingen.» Selbst in Italien erkennt man unseren Verlust. Der Tod des früheren Reichskanzlers Hermann Müller wird in der italienischen Presse ausführlich gewürdigt. Das Organ der faschistischen Gewerkschaften gibt eine lange ubd objektive Schilderung der Persönlichkeit des Verstorbenen und schließt mit der Feststellung, daß die deutsche Sozialdemokratie mit Müller einen ihrer wertvoll st«n Männer verloren hat. Opfer des Gonntagverkehrs. (Schwere Motorradunfälle/ 2 Tote, mehrere(Schwerverletzte Am gestrigen Sonntag ereigneten sich wieder zwei schwere Motorradunsälle, die zwei junge Menschenleben sor- derleo. Drei weitere Verunglückte mußten mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Auf der Rückfahrt nach Berlin raste der 24jährig« Fleischer Fritz Bayer aus der Strelitzer Straße 41 mit seinem Motorrad in der, Königstraße in Wannsee, etwa S99 Meter vom Restaurant „Waldfrieden", in hoher Geschwindigkeit gegen einen Baum. Das Rad wurde völlig zertrümmert. Beyer und seine beiden Begleiter, der 25jährig« Kurt Müller aus der Hussiteisstraße 8 sowie der SSjährige Bruno Z« i s« aus der Strelitzer Straße 41, wurden in hohem Bogen auf das Chausseepslaster geschleudert. Alle drei erlitten schwere Schädelbrüche und mußten in das Städtische Krankenhaus Spandau gebracht werden. Dort ist Beyer seinen Verletzungen bereits erlegen. Der zweite tödliche Unfall trug sich vor dem Hause Friedenstr. 8 zu. Dort fuhr der 31jährige Motorradfahrer Erwin Lang aus der Fischerstr. 32, der von seiner 2Sjährigen Frau auf d«m Sozius be- gleitet wurde, gegen einen Straßenbahnwagen. Das Ehepaar wurde mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus am Friedrichshain ge- bracht. Frau Lang ist bald nach ihrer Aufnahme ge starben, das Befinden des Mannes gibt zu schlimmsten Befürchtungen Der- anlassüng. Selbstmord eines Hochschulprosessors. In seiner Wohnung in den Trendelenburg st raß« II in Charlottenburg verübte am Sonntagnachmittag der S7jährige Professor an der Technischen Hochschule Berlin, Dr. Friedrich Klock, Selbstmord durch Erschießen. Der Lebensmüde brachte sich in seinem Arbeitszimmer«inen tödlichen Schuß in die Schläfe bei. Dr. Klock dürfte im Augenblick einer Nervenstörung zur Waffe gegrifsen haben. Dr. K. befand sich bereits einmal zur Linderung seines Leidens in einer Heilanstalt, es scheint aber, daß ärztliche Kunst in diesem Falle wenig helfen konnte. Giahlhelmkheaier sür Volksbegehren. Im Lu st garten versammelten sich am Sonntagnachmittag einige tausend uniformierte Stahlhelmer, mn Propaganda sür das vom Stahlhelm eingeleitete Volksbegehren zur Auflösung des Land- taAs zu machen. Hinter den Absperrungslinien hatte sich auch die Hitlerjugend eingesunden, die durch Gebrüll und Hakenkrcuzgesänge nicht gerade das Entzücken der Stahlhelmer erregten, während Herr v. Stephan!, der Stahihelmführer, heftig gegen Sozialdemokratie und Zentrum wetterte.- Im Verlaufe des absichtlich in die Länge ge- zogenen Aufmarsches wurden zahlreiche Personen festge- nommen, darunter auch Frauen, die sich in Beschiinpsungen der Polizeibeamten gefielen. Vor und nach der Stahlhelmer- Versammlung, kam es wiederholt zu Schlägereien. Mehrere Personen erlitten leichte Verletzungen, 78 Zwangsgestellte wurden der Abteilung IA eingeliefert, der größte Teil wurde aber bald wieder entlassen. Oas Osthilfegeseh. Oer Haushaltsausschuß stimmt zu. Im Haushaltsausschuß des Reichstags wurde heute der Ent- wurf eines Gesetzes über Hilfsmaßnahmen für die not- leidenden Gebiete des Ostens(Osthilfegesetz) beraten. Den Bericht aus dem Ofthilscausschuß erstattete paragraphenweise Abg. Stelling(Soz.). An Stelle der Einzelaufzählung der unter die Osthilse fallenden Gebiete, die zu vielerlei Einsprüchen geführt hat. wurde der Reichsregierung die Ermächtigung erteilt, das Anwendungsgebiet auch auf weitere östliche Landesteile auszudehnen.» Im übrigen wurden in allen wesentlichen Punkten di« Vorlagen des Ostausschusses bestätigt. Oer sauste Shaw Hasenclevers Komödie:„Kommt ein Vogel geflogen" Wallsr Hasenclcoer hat von Bernhard Shaiv viel gelsrnt.(!r kopiert ihn nicht— was ja auch schwer fallen würde— sondern bewegt sich nicht ohne Glück im Fahrwasser des großen Iren. Seine Regiebemerkungen sind ähnlich ausführlich und ausschlußreich, und die Handlung seiner Komödien tritt gegenüber dem Dialog in den Hintergrund, wie bei Shaw, dafür bllßt und glitzert der Dialog von Paradoxen und lieberraschungen. Hoscncleoer ninnirt seit seiner famosen Komödie„Ehen werden im Himmel geschlossen" Alltäglich- leiten unter die Lupe und diskutiert mit Geist und Witz über schein- bor« Selbstoerständlichleiten, bis n>an merkt, daß sie gar nicht so selbstverständlich sind. Das macht er ohne beißende Ironie,«r bleibt liebenswürdig und spielerisch oberflächlich, kurz er entwickelt sich zu einem fidelc» deutschen Shaw. Sein jüngstes Stück„Kommt ein Nogerl geflogen" ist gewiß nicht fein stärkstes. Es hotte in der Uraufführunz der Komödie uur einen lauen Erfolg, aber nicht weil es schlecht oder belanglos wäre, sondern weil es unzureichend besetzt und vom Regisseur Gustav Hortung falsch aufgezogen wurde. Ein« dünne und etwas gekrampfi« Handlung: die junge Mutter präsentiert ihrem Liebsten die bisher verheimlichte lljöhrige Tochter. Prompt verliebt er sich in sie, es entbrennt ein Wettkamps zwischen Mutter und Tochter um denselben Mann, aus dem keine als Sic- gerin hervorgeht: er druckt sich und zieht mit dem Dicnstmädckicn los. Auf die Handlung kommt es aber bei dem heutigen Hasen- clever weniger an. Es ist der in lustigen Farben schillernde Dialog, es find die mit offenem Blick gesehenen und freimütig geäußerten Anschauungen, die den Wert des Stückes ausmachen. Zum ersten Male hat hier ein Autor das neu« kameradschastlichc Verhältnis zwischen Eltern und Khtdcrn so geschildert, wie es ist oder wie es unter Menschen sein sollte, die mit der Zeit leben.. Wie die Tochter ihre Mutter erotisch aufklärt, wie die sachlich und klug die Erfahrungen schildert, di« st« bisher mit Männern gehabt hat, das ist entzückend und einmalig geschrieben. Das macht ihm so leicht keiner nach, Hosenclever rührt mit oller Offenheit die intimsten Dinge an, und immer mit vollendeter Grazie. Daher verlästt sein Spiel um die Erotik niemals die Grenzen des guten Geschmacks. Es halle ein großer Erfolg werden müssen. Verdorben hat den Abend der Darsteller des einzigen Mannes im Stück, des Mannes, um den sich alles dreht. Ernst Deutsch spielt den Liebhaber mit grimmiger Vehemenz, angespannt, gezwungen, ohne Verständnis für die Leichtigkeit, nnt der die Roll« hätte angepackt werden müssen, und, was dos Schlimmste ist, ohne Humor. Der Mißgriff in der Besetzung ist um so bedauerlicher, als seine Partnerin, Grete Mos- heim, den Backftschton und die Backiischallüren mit überraschender Echtheit mfst. Grete Masheim kann sich in diesen Mann nicht vcr- lieben. Denn sie spielt nicht, sie i st eine Siebzehnjährige in ihrer Frische, ihrem Noturton, ihren schlaksig schlenkernden Bewegungen, ihrer wcchselliden Stimmungsloge. Und ihre Mutter, Anni M e w e s, ist die entzückendste ZSjährige, die man sich denken kann, ebenso sanft und lieb als Kamerodin, wie als Geliebte. Ida Wüst holt sich mit ihrer Routine einen Sonderapplans, ohne sich darum zu kümmern, ob sie sich nicht allzu aufdringlich vor die Rampe stellt. Dem Regiiscur Gustav Härtung ist wohl der Mißton im Zu- sammenklang zwischen männlichen und weiblichen Darstellern auf- gefallen, und er versucht daher, di« fehlende Beschwingtheit der In- szenierung durch die gekrampste Komik herbeizuführen. Dabei biegt er die Komödie ins Possenhaste und nimmt ihr dadurch die Anmut, die m ihr steckt. Die hübsche Szene, in der sich die Tochter alt und die Mutter jung geben, um dem Maring zu gefallen, verliert unter seiner Regie jeglichen Reiz. Man möchte wünschen, dos Stück in anderer Besetzung und unter verständnisvollerer. Führung noch einmal zu sehen.. Ernst Degner. „Orpheus" als Tanzdrama. Matinee in der Volksbühne. Zu Musik aus Glucks„Orpheus undEurydike" schrieb laut Programm Felix E m in c l ein Bewegungsdrama. Da alle vier Bilder der Tanzfolgc durchaus denen der Gluckschen Oper entsprechen, kenn man sich unter dieser Rtittcilung nicht recht etwas vorstellen. Die choreographische Ausarvcitung stammt von Mar- g o r c t c W a l l m a n n. Das Werk, das den nicht ganz verftänd- lichcn Titel„Orpheus Dionysos" fuhrt, erlebte seine Berliner Erstaufführung in einer Volksbühnemnatinee. Es bewies Margarete Wallmanns Begabung für die Gestaltung dramatischer Tanzfolgen. Das Werk ist im tänzerischen Entwurf aus einem Guß. Die Tänzergruppe 1930, zu einer einhcitlichm, ausdrucksfähigen Masse zusammengeschmolzen, aus der M> l a E i r y l und Hans W« i d t bisweilen sinnvoll als künstlerische Persönlichkeiten heraus- ragen, trägt die Aufführung. Leider ist die Titelrolle mit Ted Shawn völlig unzureichend besetzt, und Atarqarel« Mollmany hat, statt diesen Dtangel zu erkennen und zu beseitige», bei der Ein- sludicrung des Werkes ihm deutlich erkennbare Konzessionen ge- macht. Der Tänzer taumelte von einer ausdruckslosen Pos« in die andere. Margarete Wallmann ist eine viel zu begabte Tanz- regisseurin, lim nicht zu empfinden, daß seine künstlerische Unfähig- tut durch jeden starken dramatischen Aufschwung der Tänzermasse noch lvsondcrs unterstrichen wird. Die wunderbare Szene im Elysium, in der die Tänzerschor Trennung tanzt, sanft und schmerzlich, und aus weich fließenben Bewegungen immer wieder eine Mauer aufrichtet zwischen dem zueinanberstrebenden Paar, hätte als Darsteller des Orpheus und der Eurydike zwei Solisten haben müssen, die imstande gewesen wären, das sehnsüchtige Verlangen der b»ldcn Liebenden, ihr immer quälenderes Vcneinandergleitc» zum Erlebnis zu machen. Der Ein- druck wäre von erschütternder Gewalt gewesen. Aber zu dem un- möglichen Orpheus des Ted Shawn gesellte sich die Eurydike der Margarete W a l l m a n n mit den hingebungsvoll schmachtenden Bewegungen eines naiv deutschen Gretchens. Es war schmerzlich, daß die Schäpscrin dieser Tonzdichtung nickst ihre Unfähigkeit ein- i iah, ihr geistiges Erlebnis dieser Gestalt selber tänzerisch aus- zudrücken. Ganz einheitlich und stark wirkte der Ausklang des Schlußbildes, in dem Orpheus, selbst bewegungslos, von der Raserei des Furienchors mitgerissen wird und in ihr versinkt. Dem Tanzdrama gingen Einzeltänze voraus. Künstlerische Eindrücke hinterließen ein russischer Tanz(im Pragramm falsch als„Antike Frouengcstalten" bezeichnet) von Mila E i r y l und der t r a ß e n t ä n z e r" von Hans W e i d t. Ohne Wissen der Volksbühne hatte man Ted Sharon einen besonderen Teil vorbehalten, so daß er auch an Solotänzen seine Unfähigkeit gründlich beweisen konnte.— z. Die Theaierkrise in Berlin. Im nächsten Monat werden 14 Theater geschlossen. In diesem Jahre wird die Saison der Berliner Theater frühzeitig aushören. �ochon jetzt rechnet man damit, daß nur sehr wenige Theater über Sammer spielen werden, wobei es fraglich ist, ob man für die gesamte Sommerspielzeit überhaupt Pachtverträge bekommen wird. Voraussichtlich werden nur vorübergehende Gastspiele einer Sommer- direktion in den einzelnen Theatern stattfinden. Schon jetzt sind in Berlin neun Theater geschlossen: das Tnonontheoter, Residenztheater, Thaliatheater, Theater i. d. Kommandontenstroßc, Ecntral- theater, Walhallatheater, Theater am Rollendorsplatz, Berliner Theater und Schloßparktheater. Am 1. April wird das Piscator- Äollektio im Wallnertheater den Betrieb einstellen, am l. Mai das Kleine Theater und das Theater am Schiffbauerdamm, vorausgesetzt, daß bis dahin die neu geschlossenen Gastspiclverträge durchgehalten werden können. Voraussichtlich werden aber auch noch das Lustspiel- Haus und der Admirolspolost schon im nächsten Monat ihre Pforten schließen. Bolksspende für das Goethe-Haus. Aus Anlaß des 190. Todestages Goethes, den am 22. März 1932 die gesamte Kulturwelt soierlich begehen wird, veröffentlicht das �Smt Deutsche Hochstift" in Frankfurt a. M. einen Aufruf für ein- „Deutsche Bolksspende" für Goethes Geburtsstätte. Dos Hochstift hat im Jahre 1863 aus den Mitteln einer öffentlichen Sammlung des Dichters Geburtshaus am Großen Hirschgraben vor dem Uncergang gerettet, sein« unberührte Erhaltung gesichert und zugleich den Grund- stock zu den Sammlungen gelegt, die sich im Lause der Zeit zu einem Museum und zu einem wissenschaftlichen Forschungsinstitut über Goethe und seine Zeit auswuchsen. Krieg und Inflation haben das Stistnngskapital zerstört und so Goethe-Haus und-Museum in schwerste Not gebracht. Die„Deutsche Bolksspende" soll helfen, das Schicksal des Goethe-Hauses, die würdige Unterbringung seiner Sammlungen und die Fortführung seiner wissenschaftlichen Aufgaben sicherzustellen. Die Stadt Frankfurt hat für die Kunstschätze, Goethe-Hond- schriften und-Bibliothek zwei an das Goethe-Haus anschließende alte Patrizierhöiiser und zu deren Herrichtung eine namhafte Summe zur Verfügung gestellt. An alle deutschen Männer und Frauen ergeht der dringende Ruf, beizusteuern und zu Helsen, das Goethe- Haus als ein Nationaldcnkmol deutschen Geistes zu erhalten und zu schützen. Geldspenden werden erbeten an die„Deutsche Bolksspende für Goethes Geburtsstätte", Postscheckkonto Nr. 17 500 Franksurt-Main und Reichsbankgirokonto in Franksurt-Main. Sämtliche Reichsbank- stellen und die dem Deutschen Sparkassen- und Giroverbond angeschlossenen Spärkassey sind zur unentgeltlichen Annahm� von Spen- den bereit,,......... Literarische Ohrseigen. Zu einem peinlichen Zwischenfall kam es am Freitag bei einem Essen im N e w- P o r k e r Metropolitan- Klub, als der bekannte amerikanische Schriftsteller Theodore Drcyser dem Nobelpreisträger der Literatur, Sinclair Lewis, mehrere Ohrfeigen versetzte. Sinclair Lewis soll in einer Tischred« gesagt haben. daß Dreyser in seinem Buche„Sowjetrußlond"«in Plagiat an einem Rußlandbuch seiner Frau begongen habe. Ucber diese Be- schuldigung erregte sich Dreyser derart, daß er ausstand und Sinclair Lewis zwei Ohrfeigen versetzt«. Sinclair Lewis setzte sich nicht zur Wehr, sondern nahm mit einem Lächeln die Ohrfeigen hin. Dieser neue Komment scheint uns einer Pistolenmensur, die nach traditionellen europäischen Begriffen am Platze gewesen wäre, durchaus vorzuziehen. Die Filmregisseure haben auf ihrer Hauptoersammlung am 18. März gegen die gegenwärtig« Handhabung der Filmzensur einen energischen Protest beschlossen.„Dos durch die unberechenbare Handhabung der Zensur bedingte wirtschaftliche Risiko verhindert auf die Dauer die Entfaltung jeder künstlerischen und originalen Be- gabung in bezug auf Stofswahl und Gestaltung des Films." Dieser Protest ist nur zu berechtigt. Aber wir hätten gern von einem ebenso berechtigten Protest gegen die völlige Berkitschung des Films durch die jede künstlerische und originale Begabung erstickende Zensur der Filmherren gehört. Die Schack-Golerie bleibt preußisch. Die bevorstehende Auf- Hebung der preußischen Gesandtschaft in München Hot zu einer Münchener Meldung Anlaß gegeben, es sei beabsichtigt, die V«r- wallung der mit der Gesandschaft verbundenen Schack-Galerie den bayerischen Behörden zu übertragen. Wie wir dazu von zuständiger Stelle hören, besteht«ine solche Absicht nicht. Die Verwaltung der Schack-Galerie wird ebenso in preußischen Händen bleiben wie di« der übrigen auswärtigen Schtösser und Gärten. Der Staatliche Seethoven-Prei» lSZl. Die Preußische Slkodemic der Kilnsle veranstaltet am 26. Mörz, 8 Uhr, anS Anlaß des Todestages Beetbovens ein Konzert mit Werken der früheren Preisträger des Staatlichen Beethovcnprciics Arnold Mendelssohn, E. N. von Rezuicet nnd Julius Weismaun. Dabei findet auch die Verkündung des Preisträgers des Staat- lichcn Beethoven-Preises 1931 statt. Gas! spiel im Admiralspalast Die Direktion Roller lvird mit ihrer Neu- i mzciijcrung der Operelte„Der lustige Krieg" von Johann Strauß im Admiraltpalast vom 4. April an gastieren. nur Feier de» 60. Geimrl»loge» von Heinrich ZIlavv vcranilaltct der Hauplvorsland dcS Schutzvcrbandes Deutscher Schriftsteller ein. Feilbankett, baS am 28. März, abends Ly, Uhr Inder Deulschen Geicllschasl. Sckadow- straßc 6/7 ilallfinde,� soll. AIS Redner sind vorgesehen: Thomas Mann, Gollsried Venn und Arthur Eloeßer. Zm Hluseum für Tlaturkonde, Jnvalidenstraße 43, spricht Mittwoch, 6 Uhr: Pros. Klingbardt,.Warum sind die Tiere der Vorzeit a u S g c it o r b c n?" 8 Uhr: Dr. Pohle über.Wisent in??ot--. Eintritt jrei. Elve Schauspieler ZtachlvorsleUllvg vom.Hauptmann von Köpenick- findet DienSlog. l l.4ö Uhr im Deutschen Theater statt. Karten im Bezirks. verband Kcithstraß« t t. Der philharmonische llhor führt am 26. März in der Philharmonie unlcr Leitung O t t o K l e m p e r e r S die. I o h a n n e t- P a i s i o n- von Bach aui. Der Aufiüorung geht am 25. März, 19.30 Uhr eine öffentliche Generalprobe voraus. Mlhelm Zurtwäugler dirigiert am 27. März in der Städtischen Oper die„Hochzeit des Figaro". Da» cesfing-Iheater, dessen Direktion ab t. September Dr. Robert Klein übernimmt, wird mit den„Räubern" von Schiller eröffnet werden. Es folgt im Lause der Spielzeit ein ftvklus. der einen Ucberblick über das gesamte dramatische Schaffen Schillers bis zu„Wilbclni Teil" hin gibt. Innerhalb dieses Zqllus wird in chronologischer Reihen. folge jedes Werk 30 mal zur Aufführung gelange». Ein Abonnement zu vollstümliche» Preise» wird für diese» Zyklus ausgelegt. Kinoraub aufgeklärt. Oer Lleberfall in der Sornholmer Straße.— Drei Vvrschrn gefaßt. In der Nacht zum vergangenen Sonntag wurden, wie der„vorwärts" berichtete, in der Boruholmer Str. 20 der kinobefiher Karl Thomas und feine Ehefrau im Hausflur übersatten und beraubt. Die Töter erbeuteten einen Stodlkosscr mit ungefähr 3600 VI. Bei der Verfolgung der vier Flüchtigen konnte einer gleich fest» genommen und als der 29 Jahre alte Schlosser Bruno Schill; erkannt werden. Er leugnete sie Teilnahme an dem Ueberfall, ist ober überführt. Einer seiner Mittäter war ans einem Motor» rad entkommen, das nach Aussag« der Zeugen die Nummer I. A. 11864 getragen haben sollte. Nachforschungen nach dieser Maschine ergaben jedoch, daß sie an dem fraglichen Tage in einer Reparatur- Werkstatt gestanden hatte und nicht benutzt worden sein konnte, Di« Zeugen mußten sich also in bezug auf die Nummer geirrt hoben. Das richtig« Rad wurde von den Kriminalbeamten des Raub- dezernats auch ermittelt. Es trägt die Nummer I. A. 14 864. Drr Eigentümer des Rades ist ein gewisser Blankenburg, der in Steglitz wohnt. Er wurde herangeholt, behauptet ober, an dem Ueberfall nicht teilgenommen zu haben. Sein Rah ist wahrscheinlich entliehen worden, ob mit oder ohne sein Wissen, steht noch nicht fest. Blankenburg gehört aber auch zu den Kreisen, in denen die Täter zu suchen sein mußten und wurde daher vorläufig fest- genommen. Ermittelt und einwandfrei überführt wurden zwei andere Personen. Die eine ist ein 32 Jahre alter Ehausfeur Otto Butt, der dos Ehepaar Thomas des öfteren des Abends gefahren Hot und wußte, daß sie bedeutende Summen bei sich trugen. Er gab den Tip weiter an«inen gewissen Karl Timm, der in der Lothringer Straße wohnt und Mitglied eines Ringvereins ist. Timm beschaffte sich das Motorrad. Ehe der Ueberfall in Szene gesetzt wurde, war Timin bemüht, einen Mann aussindig zu machen, dessen Kräfte jede» Widerstand der Ueberfallenen gebrachen hätten. Er fand den Gesuchten in einem Ringkämpfer namens Sch., der bisher noch unbestraft ist. Sch. war an dem Abend nicht nüchtern und begriff nicht genau, was er eigentlich zu tun hatte. Er war es, der den Koffer mit dein Geld« erwischte. Obwohl kein Schlüssel dabei war, gelang es dem Ringer ohne Mühe, ihn zu öffnen. Bei der Teilung des Geldes erhielt er nur 330 M., denn die anderen beschwindelten ihn und sagten, sie hätten nur 1000 M. darin gefunden und jeder müsse etwas abbekommen. Blankenburg hatte 1000 M. bei sich, als er festgenommen wurde. Er behouptrt jedoch, seine Frau habe dieses Geld verdient, es stamme nicht aus dem Ueberfall. Die bisher Festgenommenen, Schulz, Blankenburg, Butt und der Ringer Sch., sind in Haft. Gesucht wird noch Kar! Timm, ein Mann von 42 Jahren, der sich wahrscheinlich bei Freunden verborgen hält. Er ist auch als der H a u p t t ä t c r bei dem Streich anzusehen._ Schottlandexpreß verunglückt. Sechs Todesopfer geborgen.— Drei Schwerverletzte. London, 2Z. März. Der«chottlondexpreß entgleiste gestern in der Nähe von Leigthon Buzzard. Gs sind sechs Tote zu beklagen, unter ihnen der Lokomotivführer und der Heizer. Zwölf Wagen sprangen aus den Schienen. Der Schnellzug, der bei Leightan Buzzard verunglückt ist, war der berühmte„Royal S c o t" der Midland und Scottish Railwan. Die Unglücksstelle liegt nur wenige Schritte außerhalb des Bahnhofs. Sämtliche wagen sind entgleist. Die nach der Lokomotive folgenocn Waggons sind durch die Wucht des Anpralls gegen die Lokomotive. zum Teil auch aus die umgestürzte Lokomotive hinuusgctriebcn worden. Der dritte und vierte Wagen haben sich in den zweiten Wagen hineingeschoben. Dank der Nähe des Bahnhofs konnte mit Hilfe der Freiwilligen Feuerwehr und der erreichbaren Aerzte sowie mit Freiwilligen aus der Bevölkerung dos Hilfswerk rasch organi- siert werden. Dabei beteiligte sich auch di« Wettspielmannschast des schottischen Fußballverbandes, die sich im Zuge befunden hatte. Gc- borgen sind bereits der Lokomotivführer nnd der Heizer, die in de» Trümmern der Lokomotive eingezwängt waren und durch aus- strömenden Dampf furchtbar verbrüht waren. Sie lebten noch, als sie gefunden wurden. Mehreren Schwerverletzten, die man nicht sofort freimachen konnte, wurde Sauerstoff verabreicht. In ein- zclnen Fällen schritt man an Ort und Stelle zu behelfsmäßigen Operationen. In einem Fall wurde der Fuß einer Frau, die«in- geklemmt war, amputiert. Nach einer ausgegebenen amtlichen Mitteilung sind sechs Personen. von denen zwei noch nicht identifiziert sind, gelötet, drei Passagiere sind schwer sowie mehrere leicht verletzt. Eine Untersuchung der Ursache des Unglücks ist im Gange. Der„Royal Scot" ist einer der schnell st en Züge der Welt. Vor einein Monat erzielte er aus der Strecke Euston— Carlisl« eine Geschwindigkeit von 144 Kilometern in der Stunde. Gedenkfeiern für Oberschlesien. Zur Erinnerung an den Abstimmungstag. Am 21. März waren zetyn Jahr? vergangen, seit die Ab- stimmun g ,n Oberschlesien über das Schicksal dieser Pro- vinz entschied. Zur Erinnerung an diesen Tag fanden am Sonn- abend und Sonntag in zahlreichen Städten des Reiches feierliche Veranstaltungen statt, in denen der Trauer um den Verlust wertvoller Gebiete und gleichzeitig dem Stolze über das mannhafte Zusammenstehen der oberschlesischcn Volksgenossen aus dem ganzen Reiche bei der Abstimmung Ausdruck gegeben wurde. In Beuthen sprachen u. a. Reichskanzler Brüning und der preußische Innenminister S e v e r t n g. Die Patentnationalisten um Hilgenberg und Hiller beteiligten sich an den gemeinsamen Feiern nicht, sondern hielten vielfach Sonderoersammwngen ab, um ihre Hetze gegen die Republik betreiben zu können. „Tor der Hoffnung" wird Jugendheim. Seit längerer Zeit war begannt, daß sich das bei Storkow ge- legen« Heim.Hubertushohe", das als„Tor der H o f f n u n g"— eine Gründung der Berliner Schauspieteri» Hedwig Mangel— für entlassene weibliche Strafgefangene eingerichtet worden war, mit schweren finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Jetzt kommt die Nachricht, daß der Verein für Deutschtum im Auslande das Heim erworben hat.„Hubertushohe" soll ein Iugendschulungs- heim für auslands deutsche Schüler werden, die unser Vaterland be- suchen und näher kennenlernen wollen. Veraulwortl. für dix Redaltipn: Kerkert Lep.re, Sccliu; Änzrigen: Th.«l»olUifclie Unterfuchungen Zwei Professoren nehmen zu aktuellen politischen Fragen Stellung: Franz W. Jerusalem untersucht die Umwandlung. die er in dem Berhättnis von„Gemeinschaft und Staat" erblickt, und Otto Koellreutter versucht den„Sinn der Reichstagswahlen vom 14. September 1930 und die Auf- gaben der deutschen Staatslehre" festzustellen. Beide Autoren gehen davon aus, daß am„System" etwas nicht in Ordnung fei: Jerusalem sieht den Grund der politischen Krise darin, daß wir am Ende eines Zeitallers, in einer Epoche stehen, die vom Jndioidua- lismus zum Kollektivismus, von der Betonung des einzelnen und seiner Werte zur Betonung der Gemeinschaft und ihrer Werte überzugehen im Begriffe cht. Es handle sich jedoch nicht um das Ende unserer Kultur überhaupt(wie Spengler glaubt), sondern um die Umwandlung der Kullurformen, die bisher durch das Prinzip des Individualismus gekennzeichnet waren und die nunmehr durch das Prinzip des Kollektivismus neugeformt werden sollen. Dieser zweifellos richtige �Gedanke verleitet den Verfasser jedoch zu dem Trugschluß, als ob eine Erneuerung der Gemeinschaftsgehatte des Staates— die Familie wieder zu einer echten Gemeinschaf: „machen"— und ein„richtig aufgefaßter" Parlamentarismus den Staat wieder in die Gemeinschaft zurückführen könne, um die Krise so zu überwinden. Daß die Krise in einem schlecht funktionierenden Parlamentaris- mus begründet ist, glaubt auch Koellreutter. In der„mecham- sierten Verhältniswahl" sieht er mit Jerusalem den Hauptgrund da- für, daß der deutsche Parteienstaat keinen„echten" Parlamentaris- mus hervorzubringen vermochte. Der Sinn der Reichstagswahlen scheint ihm daher in der Abtehr von einem System,„das keine Staatsideee kennt und dessen Bewährung in der Praxis außerdem immer mehr versagt hat", zu liegen. Daher sei es die Aufgabe der Staatslehre, eine Klärung des Verhältnisses von Staat und Nation herbeizuführen. Die nähere Ausführung der Idee des „n a t i o n a l e n Rechtsstaates" als Aufgabe der Zeit gibt Koellreutter bemerkenswcrterweise Gelegenheit warmer Fürsprache für die Nationalsozialisten, die angeblich auf der von ihm befür- warteten nationalen Volksgemeinschaft aufbauen und auf dem „Standpunkt eines positiven Christentums" stehen, welche Meinung allerdings erst neuerdings wieder durch Aeußerungen verschiedener katholischer Bischöse widerlegt wurde. Der Herr Professor scheint übrigens die Nationalsozialisten auch nur aus der Perspektive einer weltabgeschiedenen Studierstube zu kennen. Denn daß er ausge- rechnet ihren Programmpunkt„gegen die korrumpierende Stellen- besetzung nach Parteigesichtspunkten" mit kritikloser freudiger Zu- stimmung begrüßt, zeigt doch nur, daß er von der skrupellosen Aemterwirtschaft der Nationalsozialisten dort, wo sie an der Macht sind, keine Ahnung hat. Beide Autoren haben die sehr anfechtbare Redslobsche Unter- scheidung vom„echten" und„unechten" Parlamentarismus wieder aufgenommen: sie glauben im Symptom der Krise das Wesen der Krise selbst zu schen. Dieser Diagnose entsprechen auch die Besse- rungsvorschläge: Jerusalem will eine mystische„Kollektivität" und empfiehlt dazu die Gedanken des jungdeutschen Manifefts, wobei freilich unklar bleibt, wieso die äußere Zusammenschließung der Benachbarten zum kollektiven Zusammenschluß führen soll: Koellreutter ist in feinen Vorschlägen konkreter, er fordert Be- seitigung des Verhällniswahlrechts mit seinem„erstarrten" Listen- system, während er dafür auf das englische System des relativen Mehrheitswahlrechts als Vorbild verweist. Aber weder Koellreutter noch Jerusalem sehen, daß selbst ein„richtig aufgefaßter" oder „echter" Parlamentarismus immer nur eine Institution der Gesellschaft(oder des Staates) ist und daher den gesellschaftlichen Wandlungen unterliegt, nicht aber von sich aus die Gesellschaft oder den Staat beeinflussen kann. Die tiefere Ursache der Krise liegt viel- mehr in der Struktur unserer Gesellschaft, in der„un- zulänglichen sozialen Homogenität"(Heller) und kann nur mit dieser selbst behoben werden. Dr. Otto D i x untersucht„Die deutschen Reichstagswahlen 1871—1930 und die Wandlungen der Volksgliederung" vom Stand- punkt des Statistikers. Er bringt einige ganz gute stattstische Ta- bellen von der letzten Reichstagswahl, streift kurz die Parteientwick- lungen und-Wandlungen, ohne dabei etwas Neues zu sagen. xDie drei Schriften sind in der Reihe„Recht und Staat" bei I. C. B. Mohr, Tübingen, erschienen.) Auf die Frage, wer in unserem heutigen Staate Träger des höchsten staatlichen Willens ist, gibt Dr. Erich Heyen(„D a s höchste Reichsorgan". Eine staatsrechtliche Untersuchung des Satzes„Die Staatsgewalt geht vom Volke aus": Carl Heymanns Verlag, Berlin) eindeutig die Antwort:„Das Reichsoolk ist das höchste Organ", Reichstag und Reichspräsident sind nur seine be- vollmächtigten Vertreter. Eine Ansicht, die der vieler Staatsrechtter widerspricht, sich aber mit der Haltung der Sozialisten in der Ver- sassunggeb enden Nationalversammlung deckt. Riclurä Junge.* WAS DER TAG BRINGT miniinmiinniiiiimiimnnimmiimiimniiimmmminimimnmnniiimniimmiimmiiminnmmiiiimiiiiiiniiimmiimmiimiimmimiMHimnmmiiiwiiiiiHmiiMmiiiiD ERZÄHLT VON VOR ICK Auffassungssache Im schönen Schottland liegt die alte Stadt Glasgow. Mitten in Glasgow steht eine berühmte Kathedrale. Vor dieser Kathedrale liegt ein belebter Platz. Auf diesem Platz sitzt Mac Gillicuddy und spielt Dudelsack. Der Dudelsack ist das schottische Nattonalinstrument. Deshalb hat an sich kein Schotte etwas gegen die Tatsache, daß Mac Gilli- cuddy spielt. Aber w i e er spielt— das ist es. Die Töne glucksen, kreischen, grunzen und passen absolut nicht zu der berühmten Käthe- drale und der schönen Stadt Glasgow. Ein vorübergehender Konstabler findet das auch. Er wendet sich zu Mac Gillicuddy mit der Behauptung, er spiele Mist. Mac Gillicuddy �repliziert, er spiele die letzte Rose, und der Konstabler selbst sei ein Stück Mist. Kurze Zeit darauf befindet sich Mac Gillicuddy auf der Wache. Wegen Beleidigung der Amtsgewalt. Weil aber der Polizeioffizicr noch nicht da ist, muß er warten. Dabei schläft er ciss. In der Ecke lehnt der Dudelsack. Ein Dudelsack, der zwei Mund- stücke hat. Aus dem einen Mundstück tropst es. Ein Geruch nach ausgezeichnetem Whisky verbreitet sich in der Polizeistube. Die Konstabler untersuchen den Dudelsack. Sie stellen fest, daß er zur Hälfte mit Whisky gefüllt ist. Nach einiger Zeit wird Mac Gillicuddy geweckt und vernommen. „Wozu", fragt der Offizier,„wozu, Mac Gillicuddy, benötigen Sie das zweite Mundstück?" „Für die Pausen, Euer Ehren", sagt Mac Gillicuddy.„Euer Ehren wissen doch, daß es in jedem Musikstück Pausen gibt, Achtel- vausen, Biertelpausen, halbe Pansen und"— hier werden Mac Gillicuddys Augen feucht vor Seligkeit—„und ganze Pausen, und manchmal sogar Eeneralpausen... ach, so eine Generalpause...! Diese Pausen also, Eeuer Ehren, blase ich auf dem zweiten Mund- stück." „Man lagt mir aber, Mac Gillicuddy. daß Sie in Ihren Musik- stücken viel mehr Pausen machen, als nötig sind? Daß Sie manch- mal sogar fast nur Pausen machen?" „Das, Euer Ehren", spricht Mac Gillicuddy und legt be- tcuernd die Hand auf die Brust,„das ist Auffassungs fache!" Der Polizeioffizier hat Humor. Er entläßt Mac Gillicuddy mit einem dreifachen Rat: das eine, tönende Mundstück seines Dudelsacks nicht zu trocken, das andere, stumme, nicht zu naß werden zu lassen— und sein eigenes, ungewaschenes Mundstück in Zukunft besser in acht zu nehmen. Mac Gillicuddy geht, seufzt erleichtert auf und bläst vor der Polizeiwache eine lange, lange Gcneralpause.. Heroismus der Eitelkeit Der Papst lzat sich in seiner letzten großen Enzyklika auch gegen die Schönheitswettbewerbe gewandt. Er hat diesen Vexonstaltutzgen vorgeworfen, daß sie die Ettelteit, die rein aufs Aeußcrliche gerichtete Eitelkeit der Frauen aufstacheln. Einige der jüngst- geschehenen Dinge scheinen ihm recht zu geben. So das fast schon sprichwörtliche Pech der Schönheitsköniginnen. Manche von ihnen verarmen, aiftsre begehen Diebstähle, noch andere sogar Morde. Vielleicht steht das wirklich im Zusammenhang mit einer gewissen seelischen Schädigung, der sie durch die Prämiieru-ng ihres Körpers ausgesetzt waren. Noch krasser sind aber zwei Fälle, die gar nicht Schönheit?- königinnen, sondern nur Schönheitssüchtige betressen. Der eine spielt in Paris. Dort bildeten die zu dicken Fesseln den Kummer eines sonst hübschen Mädchens. Es ging zu einem Chirurgen und ließ sich operieren. Der Eingriff mißlang: sie mußte sich ein Bein amputieren lassen. Nun hat sie den Arzt auf 200 000 Franken Schadenersatz verklagt und den Prozeß in allen Instanzen gewonnen. Die Einsicht aber, die sie außerdem gewonnen haben dürfte, die Einsicht in die eigene Aeußcrlichkeit und Oberflächlichkeit — die kommt zu spät: trotz der 209 000 Franken. Tragischer noch verlief der Fall der schönen Selma Nedjib Hanum in Konstantinopel. Sie galt als das schönste Mädchen von Stambul. Als ein Geschwür am Halse bösartig zu werden drohte, rieten ihr die Aerzte zur Operation. Eine Operation aber hätte eine Narbe hinterlassen. Also schlug Selma, im Einverständnis sogar mit ihrer Mutter, die Operation ab. Acht Tage später ist sie au Blutvergiftung gestorben. Wochenragout Die letzte SBoche brachte ein ganzes Sammelsurium von Absoy- derlichkeiten. von Resten aus alter und Vorstößen aus neuer Zeit, die in engem Zeitraum zusammentrafen. Da fuhr im südlichen Teil des anhaltijchcn Kreises Dessau zum letztenmal die Postkutsche, die sich hier trotz Lokonwtive und Auto und Flugzeug bis heute be- hauptct hatte: nun aber fuhr sie sozusagen ihren Galgenweg, und ein nüchterner Postbeamter hatte Ihr nichts mitzugeben als eine trockene Aufschrift:„Letzte Landbestellung". Hingegen lebt im benachbarten Halbcrstadt ein nun hundert- achtundzwanzig Jahre altes Preisausschreiben noch immer, und da ein löblicher Magistrat an Stelle des ausgesetzten Preises von zwei Louisbor wenigstens fünfunddreißig Mark gesetzt hat, wird es auch in die neue Zeit hineinleben. Es hat ja auch zum Stifter keinen Geringeren als den alten Dichtervater Gleim, der testamentarisch besagte zwei Louisdor für das alljährliche beste deutsckie Lied aussetzte: die Beteiligung soll noch immer rege sein. In Amerika, dem sogenannten Lande der Freiheit, hat es erst einer sehr lange umkämpften Lockerung der Zollgesetze bedurft, um einige Werke einsuhrsähig zu machen, deren Lektüre dem braven Iankee von einer wohl weisen Obrigkeit bisher untersagt war. So wurden denn im Jahre 1931 für Bobbit freigegeben Boccaccios Dekamcrone, die Märchen aus Tausendundeiner Nacht,„Pantagruel und Gargantua" von Rabelais und einiges andere Unsterblich« der Weltliteratur. Die amerikanischen Frauenoerbände befürchten jür die Sittlichkeit ihrer Mitglieder das schlimmste... An der evangelischen Universität Oxsord hat jetzt erstmalig eine Studentin die Prüfung für Kriegsfühning und Strategie bestanden. Der erste weibliche General wäre also unterwegs: ob der Sinn der Frauenemanzipation nun gerade in der Schaffung weiblicher Ludendorffs besteht, ist eine andere Frage. Dafür gibt das französische Ministerium sich um so friedlicher: es hat sich zu einem Orchester zusammengeschlossen und wird dem- nächst sein erstes Konzert veranstalten. Somit wird denn wenigstens in einer Beziehung die Harmonie gesichert sein— um so mehr, als der Finanzpolitiker Barthou dirigiert. Hingegen ist noch nicht her- aus, wer eigentlich die erste.Geige spielt... Die Sonntags~Waldläufe In Hermsdorf� Bohnsdorf und Zehlendorf Unter starker Beteiligung wurde gestern in Hermsdorf (Nordbahn) der Waldlauf der Arbeitersportler der 1. Gruppe des 2. Bezirks abgewickelt. Leider wurden die Sportler in ihren Hoffnungen auf schönes Wetter arg enttäuscht. Eine graue Wolken- decke schob sich schon in den Vormittagsstunden, wenig Gutes ver- kündend, heran und als die Veranstaltung um 15 Uhr ihren Anfang nahm, ging ein feiner Regen nieder. Das alles vermochte die Stimmung aber nicht zu beeinträchtigeni über 150 Teilnehmer fanden sich am Start ein. Der stark aufge- weichte, zum anderen Teil an einigen Stellen noch mit Schnee und Eis bedeckte Boden stellte an die Läufer hohe Ansprüche. Besonders im 5l)lX>-Meter-Lauf der Männer machte sich das schwierige Gelände sehr bemerkbar. Wenn trotzdem von dem Sieger Knospe(SV. Moabit) di« Strecke in der annehmbaren Zeit von 13:06,6 bewältigt wurde, zeugt es von dem guten Läufermaterial innerhalb der Arbeitersportvereine. Nach einem wirkungsvollen Werbelauf durch einen Teil der Ortschaft Hermsdors, starteten die Frauen und die Jugend zu einem 1000- und 200g-Meter-Lauf. Selbst die Kleinsten waren eifrig bei der Sache und es war eine Freude, zu sehen, welchen Spaß ihnen dieser gesunde Sport machte. In kurzem Abstand gingen die 2000-, 3000- und ö000-Meter-Läufer vom Start. Einen unglücklichen Aus- gang nahm die 3000-Meter-Konkurrenz, bei der die Läufer infolge fehlender oder mangelhafter Markierungen den richtigen Weg ver- jehlten. Sie blieben deshalb ohne Wertungen. Bei der sonst gut aufgezogenen Veranstaltung bliebe zu be- Mängeln, daß alle Teilnehmer an den Konkurrenzen o h n e S t a r t- nummern liefen, so daß für den Außenstehenden die Ange- legenheit völlig unübersichtlich wirkte. Das Vorhandensein der Nummern hätte auch nach Beendigung der Läuse die große Raterei um die Plätze vermieden. Resultat«. Frauen, low Meter: 1. LadeVi» sASB. Weddinal 4:09,6; 2. Milller(Reintdcnimtf) 4:12,8.— Iuacnd, 2000 Meter, Einoelwertuna: 1. Zahn(Moabit) 7:08,2: 2. Seife sAESZ, Weddin«) 2ä Meter zurück: 3. Rosen (FT. Orantenbnra).— Manirsckiaftslauf: l. AEV. Wcdbina: 2. FT. Oranien- dura: 3. FTGB.. Rarhost.— Männer, 20w Meter, Einzellauf: 1. Palc�nvski (Wehhina) 7:08,6: 2. Dittmar sFT. Reinickenhorf): 3. Rcchel sTeael).— Mann. sckaftslauf: 1. Reinickentorf-West: 2. Tonil: 3. Somsdorf.— 5000 Meter, Männer: 1. Knospe(SV. Moabit) 19:06,6; 2. Nohn(Somsdorf) 19:30,6; 3. Kuschel(Moabit) 19:38,6; 4. Rllckcrt(ASV. Wedding); s. Bineas(Weddina): 6. Korne(Wittenau). Bei den Bohnsdorfern Die kleine Siedlerstadt Bohnsdorf südöstlich Berlins war das Ziel der Arbeitersportler des 1. Bezirks. Auch hier hatte das warme Wetter der letzten Tage die Strecken recht unwegsam gemacht. Als«in besonderer Erfolg kann die große Teilnehmerzahl registriert werden, da sich trotz des gegen Mittag einsetzenden Regens 250 Läufer am Start einfanden. Eine besondere„Heldentat" leistete sich die sogenannte Opposition, indem sie die Wegmarkierungen entfernte! Dadurch wurde es notwendig, daß Funktionäre an den Kreuzungen aufgestellt werden mußten. Resultat«. Acltere Svoriler über 30 Iah«(1000 Meter): 1. Helle(Wildau) 3:21; 2. Ilrbanowih(Ostrin«) 3:21,2; 3. Hoppe(Reuiölln).— Frauen (1000 Meter): 1. Ludwin(KSpenicf) 4:49,4; 2. Hauch(Köpenick) 4:50,6; 3. Barth (Wildau).— Jugend(20W Meter), Zahcnona 13-14: 1. Solz«(ASV. Neu- kolln) 7:06,3: 2. Erdmann(Wildau) 7:06,4: 3. Haerthe(Wildau) 7:11,8.— Zuaent. Zahraana 15—16: 1. Sprinaer(Wildau): 2. Schwahbetz(Klein-Becseow); 3. Vanel(Klein-Beeskow).— Mannschaftswertluna: 1. Wildau 11 V.; 2, VfL, Ostrina und Eiche-KSpenick 28 V.: 3. Bohnsdorf 36 P.— Männer, Anfänaer (2000 Meter): 1. Vicrwaa-n(Ostrina) 6:44,2; 2, Steidel(Wildau) 6:46,8: 3, Zepp. meisel(Osten).— Mannschaftswertuna: 1. VfL. Osten I 11 V.; 2. FT(HB., 3. VfL. Osten IT 35 V.— Turner u. a. Sparten(2000 Meter): 1. Fehler-Reu» mann(Freie Kanu-Union) 7:03,8: 2. Vlath(Köpenick) 7:05,9: 3, Mechner (Mahlsdorf) 7:011,— I. Mannschaftswertuna: 1, Freie Kanu-Union 16 P,: 2. Köpenick(Turner) 20 P.: 3. Proles 30 V.— Männer(3000 Meter): 1. Luve (ÄST,) 9:20,5; 2. Kintschcr(Ostrina) 9:35: 3, E, Braun(ACE,) 9:47,1.— Mannschaftswertuna: 1. ASE. 20 P.: 2. VfL.(Ostrina) 35 P,: 3. Wildau 40 P. Im Qrnnewald Im Grunewald-Geläude bei Zehlendorf fand der von der „Freien Turn- und Sportvereinigung Zehlendorf" gut durchgeführt« Waldtauf statt! er erfreute sich der Beteiligung der Vereine Volks- fport-Neukölln, ASV.-Schöneberg, FT.-Wannfee, FTGB,-Süden und Lankwitz. Der 200v-Meter-Lauf der Jugend war den Zehlendorfern Hirsekorn, Szisch, Griebner nicht zu nehmen und sie erreichten mit der gleichen Zeit 6,40 Minuten auch im Mannschaftswettbewerb den 1. Platz mit 6 Punkten vor Süden 1 und Lankwitz. Der 2000- Meter-Lauf der Männer sah 28 Läufer am Start. Hier konnte sich im Einzellauf Freudenthal-Lankwitz in der Zeit von 6,29,6 Minuten mit 10 Meter Vovsprung vor Kulicke-Lankwitz den Sieg sichern, während bei den Mannschaften Lankwitz mit 8 Punkten Erster vor Neukölln, Lankwitz 2 und Schöneberg 1 wurde. Der 3V0V-Meter- Mannschafts-Lauf der Männer sah Schöneberg 1 mit 15 Punkten als Ersten am Ziel, mußte aber distanziert werden zugunsten von Neukölln 1 mit 22 Punkten. Der 1000-Meter-Lauf der Frauen sah Müller-Schöneberg in der Zeit von 3,59,6 vor Matisseck-Schöneberg und Schwarz-Süden am Ziel, Der IVM-Meter-Lauf der„Alten Herren" fand ein geschlossenes Feld nach gleichmäßig durchlaufener Strecke am Ziel und zwar Engei-Zosien, Butter-Süden, Appelt- Wilmersdorf und Möller»Ae hl endors in der Zeit von 3,24,8 Mi- nuten. Der zum Schluß gelaufen« ö000-Meter-Lauf der Männer war eine sicher« Sache für Kakuschke-Zehlendorf, der mit 130 Meter Vorsprung in der Zeit von 17,57,4 vor Holtz-Süden und Lehmann- Zehlendorf einlief. schaft, di« es mit der Ablösung nicht so genau nahm und zwei Ver« Warnungen erhielt—, dann aber schlössen Kittler-Dubaschny zu ihnen auf. Tallmann stürzt« später so, daß er aufgeben mußte, und Kittler-Dubaschny dadurch allein Spitzengruppe wurden. Diese Position hielten die beiden bis zum Schluß, 1. Kittler-Dubafchnh, 123,470 Kilomotor, 10 Punkt«: ein« Runde zurück: 2. Mattorn-Tahowalö 35: 8, Kolbe-Lorn 22: 4, Lcvh-Brehkc 18; 5. Kaisor. Böhm 9: zwei Runden zurück: 6. Giel-Ouindt 19: 7, Iaonicke-Trostmann 8: vier Rundon zurück: 8, Kaluppa-Könia 18: noun Runden zurück: 9. Schulz- Soidel 11 Punkte,_ -ARBEiTEH WSSBtiLL Die Resultate vom Sonntag Am Sonntag gab es in beiden Abteilungen der K r e i s k l a s s e: harte Kämpfe um den Sieg. Fast in allen Spielen fielen die Eni- scheidungen erst in der zweiten Halbzeit, Eiche-Köpenick konnte gegen Luckenwalde II mit 4:2 die Punkt« mitnehmen. Bis zur Pause lagen die Luckenwalder noch mit 2:1 in Führung. Erst dann kamen di« Köpenicker auf. Eintracht-Reinickendors konnte gegen Butab bis zur Pause nur unentschieden(0: 0) spielen. Dann war es aber mit der Widerstandskraft der Techniker vorbei. Mit 2: 0 blieben die Reinickendorser Sieger, Lichtenberg I hatte gegen Pankow schwerer zu kämpfen als es das 4:1- Resultat besagt. Beim Halb- zeitpfiff führten die Lichtenberger erst mit 1: 0. Auch nach dem Wechsel setzten die Pankower den Lichtenbergern harten Widerstand entgegen. Als dann aber kurz hintereinander zwei Tore für die Lichtenberger fielen, kam einige Verwirrung in die Reihen der Pankower. Anders kann man sich nämlich das Auslassen einer so sicheren Chance, wie es ein Elfmeter ist, nicht denken. Nachdem die Lichtenberger 10 Minuten vor Schluß noch den vierten Treffer buchen konnten, gelang den Pankowern der Ehrentreffer. Minerva führte gegen Wcißensee bis zur Pause bereits mit 3: 0, Dann kamen die Weißenseer jedoch groß auf. Wenn es nicht zum Aus- gleich, sondern nur zu einem 3:2- Resultat reicht«, so lag das an der vortrefflichen Arbeit der Neuköllner Hintermannschaft. Die Karower fuhren nach Luckenwalde zu Hertha und holten sich mit 8: 0 eine empfindliche Schlappe. Weitere Resultate: Eiche Bezirksmannschaft gegen Wacker 30 1:0, Wilmersdorf gegen Friedenau 2: 1. Vorwärts- Wedding gegen Freie Scholle 4: 1. Oberspree gegen Wacker-Storkow 7: 2. ASV. Neukölln gegen Normannia 2: 3. Schöneberg gegen Tempelhof 2:1.— Zweite Mannschaften: Pankow gegen Freie Scholle 2:0, Minerva- gegen Eiche-Köpenick 5:1. Oberspree gegen Wacker-Storkow 3: 1, ASV. Neukölln gegen Normannia 4: 1. Schöneberg gegen Teltow 3 2:3. Schöneberg 3 gegen Saxonia 2: 14, Wilmersdorf gegen Friedenau 7: 2. Lichtenberg I gegen Schwarzweiß 1 0: 14. Sokol gegen Butab 3:2.— Jugend- mannschaften: Minerva gegen Nowawcs 6: 0. Nowawes 2 gegen Minerva 2 4:2. ASV. Neukölln gegen Normannia 1:1.— Zum erstenmal traten auch zwei Schülermannschaften auf den Plan, Nowawes und Minerva trennten sich mit einein 3: 0- Sieg der Nowaweser, k/ULYLÖJoCUlV Süden gegen Neukölln 11:3 Auf dem Zehlendorfer Platz standen sich FTGB.-Süden und Volkssport-Neukölln gegenüber. Neukölln hatte Anwurf, konnte es aber nicht verhindern, daß sich Süden in der Neuköllner 5?älfte fest- setzte. Schon nach fünf Minuten ging Süden durch Rechtsaußen in Führung, dem zwei Minuten später durch Halblinks das zweite Tor und gleich danach wieder durch Rechtsaußen das dritte Tor folgt«. Auch Neukölln konnte einige Mal« durchkommen und in schneller Folge durch Halbrechts und den Mittelstürmer mit zwei Toren in bedrohliche Nähe rücken, Süden gelang es aber bald, den Vmsprung auf fünf Tore zu erhöhen. Noch einmal gelang es Neukölln ein drittes Tor zu schießen, dem aber Süden noch zwei weitere entgegensetzte und so«in Halbzeitresultat von 7: 3 herstellt«. Zu Beginn der zweiten Halbzeit kam Neukölln etwas auf, aber zu Toren langt« es nicht. Nach einigen Minuten hatte Süden das achte Tor sicher. Einig« Zeit wechselten jetzt die Torbesuche, die aber alle erfolglos blieben. Erst in den letzten zehn Minuten ge- lang es Süden noch drei weitere Tore zu buchen, während Neu- kolln ohne weitere Erfolge blieb. Ganz so hock) hätte der Tor- unterschied nicht zu werd«n brauchen, wenn der Neuköllner Tor- wächter auch bei Hochbällen denselben Eiser gezeigt hätte, wie bei tiefen Schüssen. Etwas mehr Zusammenarbeit der Neuköllner Mannschaft-wäre noch zu wünschen. Nicht schön wirkt bei den Neu- köllnern das harte Abwehren des toifchießenden Gegners, Die beiden Frauenmannschaften trennten sich mit 2: 0 <2: 0) für Neukölln, Wilmersdorf(2. Männer) gewann gegen Wann- seel mit 12:2. Wannsee konnte als Aiifängermannschast nicht gegen Wilmersdorf aufkommen, zeigt« aber trotzdem gute Lsistungen. Zehlendorf verlor gegen Schenkendarf mit 1:7(0:3), Zehlendorf war durch F«h!en von drei Spielern sehr, geschwächt. Warum mußte Schenkendors in den letzten fünf Minuten, aus Angst, daß Zehlen- dovf ein zweites Tor erringen könnte, noch eine harte Note in das Spiel bringen, Zehlendorf<1. Jugend) gewann gegen Süden 2 mit 8:2(3:1), Hockey Frankreich— Deutschland. In Paris, wo vor acht Tagen die deutschen bürgerlichen Fußballer von den Franzosen mit I: 0 geschlagen wurden, holten die deutschen Hockeyspieler im Ländertreffen mit Frankreich einen knappen 3:2-(1:1) Erfolg heraus. Cambridge siegl im klassischen Rennen. Zum 42. Male hat Cambridge das historische Wettrudern, aus der Themse gewonnen. Es legte die Strecke in einer Zeit von 19 Minuten 26 Sekunden zurück und erreichte das Ziel mit 214 Pootslängen vor Oxford. Touriftenvcrein„Die Naturfreunde", Zentrale Wien. Dicn-ztag, 24. März, 2y Uhr. Abt. �riedrkfoshani:. ffranfnittcc Allee 3tf7. Finnland(Meyer).— Abt. Friedenau: Offcnbacjxr Str. 5a. Unsere Osterfahrt.— Abt. Hnmboldtl.ain: Willdenowstr. 5. Unterhalt unasabend.-- Abt. Norden:«conuenburner Str. 20. Diekussionsabend.— Abt. WeddinÄ-Gesundbrunnen: Wllldenowstr. 5. Busch Abend(Menzel).— Photoaemeinschaft, Abt. Mitte: Ioliannisstr. 15.— Pboto- acmein,'ch (> Theater, Lichtspiele usw. <) Montag, 23. 3. Staats-Oper Unter d. Linden 203. A.-V. 19 Uhr Palestrina Uitnng: Bins Pfitziir Ende 22":< Uhr Montag, 23. 3. Stadt Oper Bismarcksir. 19V, Uhr GeschUVorstilg. Die ZaDMöte Kein Rarisavirtauf staats-oper In Pill: dir RejuSlil. V-B. 20 Uhr Madame Bnfferliy Otflmil. Sirttünrlaul Ende g. 22V» Uhr Staat). (in Cndinnmntiiil. 36. R,-S. 20 Uhr Die Kitsdiuldigea. Die Matnmi«n Eptem bia larlntirknf Ende g. 22'/, Uhr StaafLSMlirtaMarltlig. 20 Uhr Nathan der Weise Ende gegen 23 Uhr Tägl. 5 u. Sonnt. 2. in. 8" E 4, Alex. 8066 Nehm. 50 Pf.— 1 M., abd». t-2 M. Hermann Leopoldi der berühmte Wiener Humorist Orbndo-Treppe. Esmanoff i Serda usw. Berlins BETRIEB:.-OV KEMPWSlfl'O W'nter * Garten■ f" 1 8 15 Ohr. Zentr. 2819. Raetken erlaubt, Young cnina. Dnnenn Collies. Lniie Werkmelsinr, 4 Pmillnps, Karolsvan's. Dormondc usw. VoiUsDUtine Tbeiter am BDIovplitt. 8 Uhr Uraufführung Die beiden Adler Jtaatl.Sdiiller-Iii- 8 Uhr Nathan der Weise Theater am SchlUhauerdamm 8 Uhr Uallenisdie Naöst Staatsoper Am Pl.d. Republik 8 Uhr Madame Bntlerfly Lessing-flieater Täglich 8Vi Uhr Die sciräne Alexandra Lmseff, Sdullver. Fol Tesperniann. Sikla Neues Theater — m. am Zoo w loHabDlLZsa. StpL 655t Täglich 8'/, Uhr VonmtersntliDDg von Max Alsberg u Otto Emst Besse Preise t— 8 Mark. Denisöies Ttieater 8 Uhr Der HauDtmann von RPoenllk v. Carl Zuckmayer Rejie: Heim Hilpert Kammerspiele S>2 Uhr Diese alte Canaillel von Fernand Hozürt Regie: Eugen Robert. Die Komödie 8V« Uhr Kommt einYogel von Walter Hasendever Regie; Cnstrr Härtung Theater d. Westens Täglich 8'U Uhr: Gisela Werbezirk Bei der Wtrlln Botenroi Kotniscno Oper SVa Uhr Kleine Preise. Reppina nhr pnOalhtar UHii] da baimstn Robert Stolz !> dir Pmlimtettzgiq Lustspislhaus Täglich 8»a Uhr Der Lügner o. die nenne von Kurt Götz Reichshaiten- Theater Ibends L»J Sonntig Ibdni. Bbr 3 Slunden Lachen bei de iä „Stettiner Nachm. ermäßigte Preise. Tel. Merkur 1247. Dönhoff- Brettl: Varici«— 10 Nummern— Tanz fmiägfichö.15 DAS BLAUE HEMD VON ITHAKA MUSIK: J. OFFEHBACM THEATER IM APMIRAISPAIAST Das ROSE THEATER entwickelt sich zu einer besonderen Berliner Pllegeslätte der guten Operette.(Volks-Zeitung) Seutag Seaaabead Von Montag bis Freitag „Die Faschingsfee" Operette von Kilmin Regie: Paol Bose Tänze: Georges BUnealel .Kilmän holte sfds la Rose- Tbeater einen groben Erfolg." (Morgenpost Abendpreite t. M. O.SO bis M. Nar noch bis 27. März die beliebten FamHIcn• Nachmittage 1 S.30 Uhr: Dlemtag, Mhtwoch. Donnerstag und Freitag: „Madame Bonlvard" GroSe Frankfurter Str 132, U-Bahn Strausberger Plau 6 tägiger Vorrerknof tägUcb ron 11—1 Uhr and 4— O Uhr. I Tel Bestellung: Alex. 3422 nod 3494 Krankentransport KOPP • Seit 48 Jahren• Tätig für sämtliche Krankenkassen und Behörden Sammelnnminer Dl- Norden 3422 Kosfenloscr Beflennadiwels Aerztliche Notwendigkeitsbescheinigung genügt zum Transport Oentsehes Klnsller-Theal. Barbarossa 3937. 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