Morgenausgabe 7kr. i39. A�0 4S.Ia1)rg22 über die Sanierung Oesterreichs, sowie mich die aus dem Friedensvertrag von Et. Germain resultierenden Vcrpslichtungcn berührt Slußenminister Bencsch soll sich über den Standpunkt der Regierung äußern und mitteilen, in welcher Weise die tschechische Regierung vorgehen will, um ihre Interessen und die ihrer Der- bllnbeten zu schützen. Die beiden deutschen Koalitionsparteien, die sozialdemokratische und di« agrarische, behielten sich ihre formelle Zustimmung zu dieser Interpellation nach Einvernehmen mit ihren Parteileitungen vor. In der Schweiz freundliches Interesse. Zürich, 23. März.(Eigenbericht.) Zu dem deutsch-österreichischen Zollvertrag bringt die„Reue Züricher Zeitung" aus Bern einen offenbar ofsi- ziösen Bericht, in dem es heißt:„Die deutsch« Gesandtschaft hat dem Bundesrat offiziell Mitteilung gemacht von dem Abschluß des deutsch- österreichischen Zollvertrages. Der Bundesrat hat in seiner heutigen Sitzung von den übernüttelten Aufschlüssen Kenntnis genommen. Die Initiative für den Vertrag scheint von der österreichischen Regierung ausgegangen zu sein. Politische Bindungen sind die beiden Staaten durch diese Zollvereinbarung nicht eingegangen. Es handelt sich um einen völkerrechtlichen und nicht um einen staats- rechtlichen Akt. Das entstandene Zollabkommen ist demnach etwas wesentlich anderes als der vor einem Jahrhundert geschaffene Zollverein oder die belgisch-luxemburgische Zollunion oder der Zoll- anschlug des Fürstentums Liechtenstein an die Schweiz. Die Eid- genossenschaft hat lediglich Kenntnis zu nehmen von dem erfolgten Vertragsabschluß. In die bereits aufgetauchte Streitsrage, ob der Vertrag mit dem VersaillSr Vertrag in Einklang stehe oder nicht, hat sie sich in keiner Weis« einzumischen. Wichtige praktische Auswirkungen aus die wirtschaftlichen Verhältnisse der Schweiz dürfte dem Vertrag kaum zukommen. Sollte er dazu beitragen, daß Deutschland und Oesterreich wirtschaftlich erstarken, so wäre das immerhin auch für unser Land als«in Vorteil zu betrachten. Rom wird keine Schwierigkeiten machen. Rom, 23. März.(Eigenbericht.) Der Eindruck des deutsch-österreichischen Wirt- s ch a s t s a b k o m m e n s in der italienischen Presse zeigt sich in den ersten redaktionellen Aeußerungcn am Montagabend. Im all- gemeinen mstk» Zurstckhakknvg geWt«nd rin flitefi auf Sei Zestpunkt verschoben, in dem der genaue T�rt des Abkommens vor-» liegt. Der Grundton der Kommentare ist ober bei aller ZurüS, Haltung durchaus sreundlich.„Lanaro Fcscista" sagt iiz seinem Leitartikel sogar, daß die Notwendigkeit von allge» meinen Regelungen und Sondcrabkommeii ficr die Gefundung des erkrankten Europa jetzt gegeben sei. Was die Haltung Italiens angeht, besteht nach unseren Infor, maiionen die Hoffnung, daß von italienischer Stite keine beson-- deren Schwierigkeiten gemacht werdun. Natürlich bleibt die Stellungnahme Italiens gerade wegen der schevebenden italienisch- französischen Verhandlungen schwierig und bis zuletzt unbestimmt. Es ist aber aus keinen Fall mit einem scharfen Vorgehen zu rechnen, wie etwa von französischer Seite. Es wird ja auch betont, daß Italien in Wien durchaus nicht diplomatische Schritte des�Pro- testes unternommen habe, wie sie der Tschcchoslowalei und Frankreich zugeschrieben werden, sondern nur, wie England, um nähere Aufklärung gebeten habe. Der deutsche Botschafter hat ebenso wie der österreichisch« Gesandt« dem Außenminister Grand! die Erklärung der Regierung mündlich gemacht. Grandi bleibt in Rom. Rom. 23. März.(Eigenbericht.) Der ungarische Außenminister Carolyi wurde am Montag vom König und von Mussolini empfangen. Mit Außen- minister Grandi hat er während seines hiesigen Auscistchaltes die zweite Zusammenkunft gehabt. Es ist im Zusammenhang mit den Auswirkungen des deutsch-österreichischen Abkommens zu beachten. daß auch der Direktor des Wiener Handelsministeriums, Sektionschcf Schiller, schon am Montag nach Rom gekommen ist. Auch er wird mit Carolyi wichtig« Besprechungen haben. Alle diese Ber- Handlungen hängen nicht nur mit der internationalen Getreide- konferenz zusammen, die am 24. März beginnt. Sie dürsten vielmehr stark mit den Rückwirkungen des deutsch-österreichischen Abkommens in Verbindung gebracht werden. Sie werden als so wichtig erachtet, daß deshalb auch Minister Grandi, der am Montag beim deutschen Botschafter speiste, nicht nach Paris sährt. Die Zollunion im Rundfunk. Im Programm der Aktuellen Abteilung sprechen über„Deutsch- österreichijche Zollunion" am Dienstag, dem 24. März, um 8.15 Uhr abends, der deutsche Staatssekretär a. D. Prosessor Dr. Julius Hirsch und am Mittwoch, dem 23. März. 19.30 Uhr, der östcr- reichische Staatskanzler Dr. Karl Renner. Das deutsch-österreichischeproiokott Nachstehend verössenklichen wir die ihrem wesentlichen Znhall nach bereits bekannten Richtlinien, die die deulsthe und die österreichische Regierung für den Verlrag über die Angleichung der zoll- und handelspolitischen Verhältnisse ihrer Länder festgelegt haben. Die Richtlinien sind in einem Protokoll enthalten. Das Abkommen der beiden Regierungen über die Annohme diese» Protokoll» ist in der Weise sormu- lierl worden, daß sich die beiden Außenminister gegenseitig vvn den übereinstimmenden Beschlüssen der Kabinette in Berlin und Wien benachrichtigt haben. Da» Schreiben des Reichsanßenmlnister» Dr. Eurtius an Vizekanzler Dr. Schober vom IS. März lautet: Sehr geehrter Herr Vizekanzler!- Mit Beziehung auf die Besprechungen, die wir Ansang März bei meinem Besuch in Wien hatten, beehre ich mich. Eurer Exzellenz mitzuteilen, daß die Reichsregierung den Plan der Angleichung der zoll- und handelspolitischen Verhältnisse Deutschlands und Oesterreichs freudig begrüßt und dem Protokoll über die Richtlinien für den ab- zuschließenden Vertrag in der aus der Anlage ersichtlichen Fassung einmütig zugestimmt hat. Das entsprechende Schreiben des Vizekanzlers Dr. Schober an den Reichsaußenminister Dr. Eurtius hat das gleiche Dalum und den gleichen Wortlaut. Das Protokoll. 3m Versolg der Besprechungen, die Ansang März ISZl in Wien stattgesunden haben, hoben die deutsche Regierung und die oester- reichisch« Regierung vereinbart, alsbald in Verhandlungen über einen Verlrag zur Angleichung der zoll- und handelspolitischen Verhältnisse ihrer Länder auf Grund und im Rahmen der nachstehenden Richtlinien einzutreten: I. 1. Anter voller Ausrechterhaltung der Unabhängigkeit der beiden Staaten und nntec voller Achtung der von ihnen dritten Staaten gegenüber übernommenen Verpflichtungen soll der Verlrag dazu dienen, den Ansang mit einer Neuordnung der europäischen Wirtschasksverhältnisse auf dem Wege regionaler ver- einbarnogen zu machen. 2. Insbesondere werden beide Teile sich in dem vertrage verbindlich dazu bereit erklären, auch mit jedem anderen Land«, aus dessea Wunsch, in Verhandlungen über eine gleichartige Rege- lung einzutreten. II. 1. Deutschland und Oesterreich werden ein Z o l l g e s e ß und Reichsbannerkameraden! Bei der letzten Fahrt unseres verstorbenen Kameraden. Reichs- ausschuhmilgliedes Reichskanzler a. D. Hermann Müller, be- leiligen wir uns nach folgendem Plan: Iii Uhr treten die Kameraden kreisweise im Sofe des „Vorwärts". Eingang Alte Zakobstraßc, an. Anzng: vor- schriftsmäßige Vundestleidung. Koppel, Schulterriemen, dunkle Krawatte,«ämtliche Fahnen und Fugend- Wimpel mit Trauerflor. Die Musikkupellen der Qrtsvereine Charlotten- barg, Friedrichshain, Treptow, Wedding und Weißensee. sowie die Spielleute aller Qrtsvereine ohne Schlag- zeuge und Glockenspiele.(Notiz bezüglich gemeinsamer Uebung in Mittwoch-Morgenausgabe beachten.) Alle anderen Kameraden, die(K Uhr nicht antreten können, sammeln sich kreisweise 18.SY Uhr in der Ruhe- Plahstraße, Spitze Gerichtstraße. Reihenfolge der Kreise auf beiden Sammelplätzen: Norden, Westen, Lsten, Süden. Für den An- und Abmarsch sind unter Beobachtung des Dcmonstrationsvcrbotes die öffentlichen Verkehrs- mittel zu benutzen. Ter Gauvorstaud. einen Z o i l i a r i s vereinbaren, die übereinstimmend in beiden Zoll- gebieten mit dem vertrage und für dessen Daner in Kraft zu sehen sind. 2. Aenderungen des Zollgesetzes und Zolltarifs können wahren» der Dauer kes Vertrags nur auf Grund einer Vereinbarung der beiden Teil« vorgenommen werden. III. l. 3m Warenverkehr zwischen den beiden Ländern sollen während der Dauer des Vertrags keine Einfuhr- und Aus- fuhrzölle erhaben werden..... 2. Die beiden Regierungen iverden sich in dem Vertrage darüber verständigen, ob. für" welche bestimmten einzelnen Warenkategorleiz und für welche Zeit Zwrschenzöll« sich als) erforderlich erweisen, IV. Die beiden Regierungen werden in dem Vertrage Vereinbarung gen treffen über«in« vorläufig« Regelung des Zwischen ner, kehr» hinsichtlich der Warenumsatz st euer und mit solchen Waren, für die zur Zeit in dem einen oder anderen Lande Monopole oder Verbrauchsabgaben bestehen. V. 1. Die Zollverwaltung jedes der beiden Lander soll ooit der des anderen Landes unabhängig und nur der Regierung ihres Landes unterstellt bleiben. Auch soll jedes Land die Kosten seiner Zollverwaltung tragen. 2. Unter voller Wahrung des vorstehenden Grundsatzes werden die beiden Regierungen durch besondere Maßnahmen technischer Art für eine gleichmäßige Durchführung des Zollgefetzes und der sonstigen Zollvorschristen Sorge tragen. VI. 1. Die Zölle werden im deutschen Zollgebiet von der deutschen Zollverwaltung, im österreichischen von der österreichischen Züllverwallung erhoben. 2. Nach Abzug der aus der Durchführung des Vertrags er- wachsenden Sonderkosten wird der Betrag der vereinnahmten Zölle zwischen den beiden Ländern nach einem Verteilungs- schlussel verrechnet. 3. Bei den hierüber zu treffenden Vereinbarungen wird Sorge dafür getrogen werden, daß die in dem einen oder anderen Lande bestehenden Pfandrechte an den Zolleinnahmen nicht beeinträchtigt werden. VII. 1. Einfuhr-, Ausfuhr, und Durchfuhroerbote sollen zwischen Deutschland und Oesterreick) nicht bestehen. In dem Vertrag« sollen die Ausnahmen, die sich aus Gründen der össent- lichen Sicherheit, der öffentlichen Gesundheitspslege oder aus ähnlichen Gründen als erforderlich erweisen können, mit möglichster Genauigkeit aufgeführt werden. 2. Die beiden Regierungen werden an Stelle des Tier, seuchenübereinkommcns zwischen Deutschland und Oester- reich vom 12. Juli 1924 so schnell als möglich, spätestens binnen einem Jahre noch Inkrafttreten des Vertrags, ein« neu« Ver- cinbarung treffen und in Kraft setzen, die den Berkehr mit Tieren und tierischen Erzeugnissen zwischen Deutschland und Oesterreich unter den gleichen Voraussetzungen nach den gleichen Vorschriften regeln wird, wie sie für den inneren Verkehr in Deutschland und in Oester- reich gelten. VII. In dem Vertrage sollen die Rechte, die den natürlichen und juristischen Personen des einen Teils in, Gebiete des anderen Teils in beziig auf Niederlassung, Gewerbebetrieb, Be- sicuerung usw. zustehen, aus der Grundloge der einschlägigen Be- stimmungen des jetzt geltenden deutsch-österreichischen Handelsver- trags geregelt werden. Auf der gleichen Grundlage werden auch Besttmmungen über den beiderseitigen Eisenbahn- und Schiffahrts- verkehr getroffen werden. IX. 1. 3kd« der beiden Regierungen soll auch nach dem 3nkrasllretcn des Vertrags grundsätzlich das Recht behalten, für sich mit drillen Staaten Handelsverträge abzu»s«hlicßen. 2. Bei solchen Verhandlungen mit dritten Staaten werden die deutsche und die österreichisch? Regierung darauf Bedacht nehmen� , Prinz Auweih! Bei einer Königsberger Zusammenrottung der Nazis machten auch der Hohen- zollernprinz Auwi und Goebbels mii dem Gummiknüppel Dekanntschafi. Manche Leute lernen nur auf diese Weise begreifen, was eine Demokratie ist! Goebbels und Prinz Auweih. Wie sie die Polizei provozierten und Bekanntschast mit dem Gummiknüppel machten. In großer Aufmachung haben Vläller der Rechten über angeb- liche Mißhandlungen des Prinzen August Wilhelm von Preußen und des nalionalsozialistifchen Abgeordneten Dr. G o e b- bels berichtet. Der Prinz von Preußen bezeichnete das Vorgehen der Königsberger Schuhpolizei als„ffanbalös". Die Berichte dieser Blätter widersprechen fich übrigens charakteristischerweise in ollen wesentlichen Einzelhelten stark und sind schon deshalb als wenig objektiv anzusehen. Ihre Meldungen und auch die Darstellung de» Prinzen hatten das Verhalten der Rationalsozialisten ol» völlig friedlich und da» der Schuhpolizei dagegen gerade al» absolut un- begreiflich aggressiv hingestellt. Der Amtliche Preußische Pressedienst veröffentlicht den amtlichen Bericht de» Königsbcrger Polizeipräsidium», der zur Verhütung einer Legenden- bildung den Sachoerhalt richtigstellt. Er zeigt, daß sowohl der Vor- wurf, die Schuhpolizei hätte durch vorzeitige» Abziehen ihre, Ver- sammlung»schuhes die Versammlungsteilnehmer schuhlo» den Kam. munisten ausgeliefert, zu Unrecht erhoben wird, wie er auch da» Ver. holten der.friedlichen* Rationalsoziolisten aus dem havptbahuhof in» rechte Licht seht. .Nachdem amtlich in Königsberg bekannt geworden war, daß vom Polizeipräsidenten in Berlin die Versammlungen der National» sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, in denen der Reichstags- abgeordnete Dr. Goebbels sprechen sollte, wegen ihre» unfriedlichen Charakters verboten worden waren, mußte mit Rückstcht hierauf und im Hinblick auf das Verhalten Dr. Goebbels in der Vorsammlung am g. September ISZv in Königsberg ein gleiches Verbot auch hier ausgesprochen werden. Infolgedessen wurde der Gauleitung der NSDAP, von diesem Verbot am 20. März vormittags Kenntnis ge- geben. Auf Grund der sofort von der Parteileitung der NSDAP. aufgenommenen Verhandlungen, in denen sie«ine ausreichende Garantie dafür bot, daß der vorgesehene Redner weder in der Der- sammlung erscheinen noch in ihr sprechen sollte, wurde das Verbot zurückgezogen. Die in hiesigen(„Ostpreußische Zeitung" uird„Preußische Zeitung") und Berliner Zeitungen(„Angriff" und„Tag") wieder- gegebene Schilderung des August Wilhelm, Prinz von Preußen, daß die gesamte Schutzpolizei.tnoch vor Schluß der Versammlung" zurück- gezogen sei. trifft nicht zu. Die Versammlung war um 22 Uhr 2» beendet. Kurz zuvor zog der Jnspektionsführer von drei Polizeibereitschaftcn ein« Bereitschaft heraus, um die Teil- nchmcr an der Versammlung auf dem Nachhausewege durch Streifen zu Fuß und aus Lastkraftwagen in der weiteren Umgebung zu schützen. Außerdem blieb das Bersammlungslokal selbst und seine nähere Umgebung durch die noch zurückgehaltenen zwei Bereit- schaften in ausgiebigster Weise gesichert. Nach Bekanntwerden der Absahrtzeit des Dr. Goebbels wurden ausreichende andere Polizeikräfte nach dem 5iauptbahnhof cnt« sandt, wie dies stets bei solchen Anlässen geschieht. Der Einsatz der Schutzpolizei auf dem Bahnsteig erfolgte auf Ersuchen der Bahn- Polizei, weil letztere die Ordnung dort wegen des Verhaltens der großen Zahl der Nationalsozialisten, welche zum Teil die Bahnspcrre ohne Karten durchbrochen hatten und auch aus sonst verbotenen Zu- gängen auf den Bahnsteig gelangt waren, allein nicht aufrechterhalten konnte. Die Räumung des Bahnsteigs war nötig, weil das Publikum dicht gedrängt bis an sein« Ränder stand und einzelne Trupps die Gleise überquerten. Sic erfolgte erst noch lauter 2luf- fordcrung an das Publikum. Von dem Polizeiknüppel wurde eben- falls erst Gebrauch gemacht, nachdem Polizcibeamt« tätlich angegriffen worden waren und die wiederholten Auf- forderungen des leitenden Polizeioffizicrs, den Bahnsteig zu räumen. unbeachtet blieben. Daß Dr. Goebbels oder der Prinz von Preußen erheblich oder gor blutig verletzt worden find, ist nicht beobachtet worden. Die weitere Darstellung des Prinzen von Preußen, daß er nach Vorzeigung seiner Fahrkarte nicht durch die polizeiliche Sperr- kette durchgelassen, sondern auf das angeblich« Zeichen des Polizci- majors mit dem Polizeiknüppel einen Schlag erholten hätte, ent- spricht nicht den Tatsachen. Vielmehr wurden. alle Person- nen— und auch der Prinz— nach Vorzeigung ihrer Fahrkarten anstandslos von den Polizeibeamten durchge- lassen. Es ist weiter nicht zutreffend, daß ein Polizeiosfizicr seinen Beamten gegenüber erklärt habe:„Laß! mir den Prinzen nicht aus, den. müssen wir auch kriegen." Ebenso unzutreffend ist die Angabc, ein Polizeimojar habe zu Dr. Goebbels gerufen:„Runter von der Bank, runter!" Es ist Tatsache, daß drei Schutzpolizelbcainte und ein Bahn- polizeibeamter mißhandelt, daß zwei Polizeibeamten die Seiten- gewehre entrissen wurden und daß der anwesende Polizeimajor zu seinem eigenen Schutz seine Schußwaffe ziehen muhte, um einen ihm unmittelbar drohenden Angriff abzuwehren. Wenn hierbei unbeteiligte Personen in Mitleidenschaft gezogen worden sind, so ist dieses an sich bedauerlich, aber unvermeidbar und auf dos undisziplinierte Verhalten eines Teils der An- wesenden zurückzuführen. daß nicht die Interessen des anderen Teils km Widerspruch mit dem Inhalt und Zweck des abzuschließenden Vertrags verletzt werden. 3. Soweit es im Interesse einer einfachen, schnellen und gleich- mäßigen Regelung der Handelsverhältnisse mit dritten Staaten an- gebracht und möglich erscheint, werden die deutsche Regierung und die österreichische Regierung Bcrhandlungcn über den Abschluß von Handelsverträgen mit dritten Staaten gemeinsam führen. Auch in diesem Falle werden jedoch Deutschland und Oesterreich jedes für sich einen besonderen Handeisvertrag unterzeichnen und ratifizieren und sich gegenseitig der Ratifikationsurkunden mit dem dritten Staate verständigen. X. Die beiden Regierungen werden rechtzeitig die notwendigen Maßnahmen ergreisen, um die zurzeit lausenden, von Deutschland und Oesterreich mit dritten Staaten abgeschlossenen Handelsverträge.|*veit sie Bindungen der Zollsätze enthalten, oder soweit sie die Durchführung der zurzeit noch bestehen- den Ein- und Aussuhrverbote und sonstigen Vorschriften über den Warenverkehr beeinkrächtigen würden, miteinander und mit dem Inhalt und Zweck des abzuschließenden Vertrages in Einklang zu bringen. XI. I. Zum Zwecke der reibungslosen Durchführung des Vertrages soll in ihm ein völlig paritätisch aus Angehörigen beider Teile zu- sammengcsetzter Schiedsausschuß vorgesehen werden, dem folgend« Aufgaben zufallen: a) Die schiedsgerichtliche Erledigung von Meinungsver- schiedenheiten zwischen beiden Teilen über die Aus- legung und Anwendung des Vertrages; b) die Herbeiführung eines Ausgleichs in denjenigen Fällen, in denen der Vertrag eine besondere Vereinbarung zwischen beiden Teilen vorsieht, oder in denen nach dem Inhalt des Vertrages die Verwirklichung der Absichten des einen Teiles von der Zustimmung des anderen Teiles abhängt, wenn in diesen Fällen ein« Einigung zwischen den beiden Teilen nicht zu erzielen ist. 2. Der Schiedsausschuß entscheidet in den vorstehend unter a) und b) erwähnten Fällen mit verbindlicher Wirkung für beide Teile. Für die Entscheidung genügt Stimmenmehrheit: bei Stimmengleichheit soll die Stimme des Vorsitzenden des Ausschusses den Zlusschlag geben. Di« Auswahl des jeweiligen Vorsitzenden soll im dem Vertrage nach dem Grundsatz völliger Parität geregelt werden. 3. Wenn eine der beiden Regierungen der Ansicht ist, daß die Entscheidung des Schiedsousschusscs in einem der unter Ib erwähnten Fälle lebenswichtig« Interessen seiner Wirt- schast verletzt, so kann sie de» Vertrag jederzeit mit einer Frist von sechs Monaten kündigen. Ein« solche Kündigung ist auch während der nachstehend unter XII 2 vorgesehenen ersten Ver- tragsperiode von drei Jahren zulässig. XII. 1. Der abzuschließende Verlrag fall ratisiziert werden und nach einer im verlrage zu bestimmenden Arist, die vom Auslausch der Ratifikationsurkunden an läuft, in Kraft treten. Z. Der vertrag soll jederzeit mit einer?rifi von einem Jahr, zum ersten Male jedoch— vorbehaltlich der Bestimmung in XI Z— für den Ablauf de» dritten Jahre» nach seinem Zn- krafttrete«. kündbar sein. Z. Die Kündigung darf nur aus Grund eines Gesetzes des Landes erfolgen, von dem die Kündigung ausgesprochen wird. Reichsrai gegen Sieuerbeschlüsse? Verhandlungen beim Reichskanzler. Reichskanzler Dr. Brüning bemühte sich am Montagabend, durch Verhandlung mit den Führern der Reichstagsfraktionen, die noch schwebenden politischen Streitsrogen zu lösen. Besondere Bc- deutung kam einem Empfang der Führer der Deutschen Volks- parte! und der Konservativen beim Reichskanzler zu. Dabei wurde, wie wir hören, namentlich die Frage erörtert, was geschehen solle, nachdem im Reichstagsplenum die Steueranträge der Sozialdemokraten angenommen worden sind. Ein parla- mentarischer Ausweg zeigte sich nicht, infolgedessen ist damit zu rechnen, daß der Kamps um die Steuererhöhungcn nunmehr in den R e i ch s r a t verlegt wird. In parlamentarischen Kreisen nimmt man an, daß die Reichsregierung sich bemühen wird, den Reichsr.it zur Einlcgung des Einspruchs gegen die Steuerbeschlüsse des Reichs- tags zu bewegen. Bis in die späten Abendstunden verhandelten Regiemngsmit- glieder mit den Sachverständigen der Parteien dann noch über die Zollvorlage, die die Regierung ermächtigen soll, von sich aus Zölle herauf- oder herunterzusetzen. Die Hauptfrage ist dab«i. ob die Zollcrmächtigung an bestimmte Bedingungen geknüpft werden soll und an welche, insbesondere, od der Reicherat bei der Anwendung der Zollcrmächtigung eingeschaltet werden soll und ob dabei noch der Lebcnshaltungsindex eine Rolle spielen soll. Die Frage ist noch nicht völlig geklärt. Di« Verhandlungen sollen am Dienetag sortgesetzt werden. Strittig bleibt auch noch die Frage der Vertagung des Reichstags. Angestrebt wird eine Einigung mit den Parteien dahin, daß nach der Vertagung des Reichstages das Parlament nur auf Vereinbarung zwischen Rcichstagspräsidium und Reichsregicrung wieder einberufen werden soll, sobald sich die Notwendigkeit dafür herausstellt. Deutschnational und betrügerisch. 2'/- Lahr Gefängnis für Unterschlagung von Kirchengelder«. Frankfurt a. M.. 23. März.(Eigenbericht.) Der frühere dcutschnationale Stadtverordnete Kaufmann Friedrich Nagel wurde am Montag vom er- wcitcrten Schöiscngcricht in Frankfurt zu 2 Jahre» G e- s ä n g n i s und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt. Der'Angeklagte hatte als Vorsteher des evangelischen Kirchensteucrausschusses die Kassengeschäjte der evangelischen Gemeinde von Groß-Frankfurt unter sich. Er benutzte seine täglichen Funkttonen, um in einem Zeitraum von sechs Jahren 161 000 Mark Kirchengeldcr zu u n t c r s ch i a g« u- Diese Delitte verschleierte er durch Beseitigung von Urkunden. Die veruntreuten Gelder steckte er regelmäßig in sein Geschäft, eine Korsettsabrik, die vor kurzem bankrott ging als die Betrügereien bekannt wurden. Bemerkenswert ist, daß der Untersuchungsrichter diese nationale Leuchte erst vor zwei Wochen in Hast nahin. obwohl bereits seit Januar die Höh« der unter- schlagcnen Riesensummc und olle Einzelheiten aufgeklärt waren. Die pariser Berichte des Hitler-Organs. Richtigstellungen. Am 7. März haben wir die unwahren Behauptungen des „Völkischen Beobachters" über die angeblich« Rustungsfreudigkeit ver französischen Sozialisten angepprangert. Bei dieser Gelegenheit stellten wir fest, daß der Pariser Korrespondent des„Völkischen Beobachters"«in ehemaliger Pastor Dr. K o e r b e r ist, der früher die„Deutsche Tageszeitung" in Paris vertreten habe. Dr. Koerber schreibt uns nun aus Cannes an der Rioicra, ipo er sich zur Erholung ausholt, daß er für nationale Zeitungen, zu denen bis heute a�uch noch die„Deutsche Tageszeitung" gehört, arbeite. t>«ine Sikretäre leisteten nichts» anderes als die Arbeit eines Stenotypisten. Wir geben gern davon Kenntnis, daß die„Deutsche Tages- zeitung", in der persönlich hochachtbare Kollegen tätig sind und die noch einen Ruf der Anständigkeit zu verlieren hat, in Paris heute noch den gleichen Korrespondenten hat wie der„Völkische Beobachter". Herr Koerber teilt uns weiter mit, daß seine Berichte im Hitler- Blatt„mit S. oder A. S., Paris" gezeichnet sind und nicht„be- scheiden mit R.". Das R. war ein osfentundiger Druckfehler. Aber auch das sei hier registriert. Damit wird an unserer Kennzeichnung Volksbühne. Stefan Großmann:„Sie beiden Adler'. Der Versuch, im bewegenden Weitanschauungsfpiel Victor Adler, den großen Führer der österreichischen Sozialdemokratie, und seinen vom Krieg« bis zur Berzweislung gepeinigten Sohn Friedrich aufeinanderprallen zu losten, mißlang. Die Träger dieser er- schuttcnchen Schicksal« sind noch viel zu nahe mit uns verbunden, als daß wir gestatten dürften, sie für eine nur unterhaltende Theoterspielerci zu opsern. Der Verfasser und die Künstler emp- singen trotzdem vielen Beifall. M. H. des Charakter seiner Pariser Berichte nicht das geringste geändert. In der gleichen Notiz hatten wir hinzugefügt, daß der Sekretär. der für Herrn Koerber die Arbeit für den„V. B." leiste, ein Herr Landau sei, der früher sür einen linksstebenden Berliner Verlaqsi teiter als Informator tätig gewescn wäre. Herr Koerber erklärt, daß er einen Sekretär dieses Namens niemals beschäftigt habe. In diesem Punkt find wir Opfer einer falichcn Iinormanon gewesen. Dr. Edmund Landau hat uns inzwischen aus- gesucht, sich als Mitglied der deutschen sozialistischen Gruppe in Paris ausgewiesen und festgestellt, daß er weder jemals für Herrn Koerber, n o ch für den gemeinten Berliner Pcrlagsleitcr lätig gewesen sei. Bon dieser zweifachen Erkläruna geben wir hiermit Kenntnis und bedauern insbesondere, daß wir ihn aus Grund irre- sührender Mitteilungen in einen Zusammenhang mit der Pariser Be- richterstottung eines Blattes vom Schlage des Hitler-Organs ge- bracht haben._ Realsteuersenkung in Baden. Durch Verordnung des Staaisministeriums. Karlsruhe. 23. Mär,. Durch ein« Verordnung des Staatsminijteriums werden in Baden die Real steuern mit Wirkung vom l. April l93l ab gesenkt. Es handelt sich dabei um die Steuern des Landes, der Gemeinden und der Kreise, die beim Grundvermögen um 4 Proz. und beim Gewerbebetrieb um 8 Proz. sür das Rechnungsjahr 1931 gesenkt werden durch eine entsprechende Ermäßigung der von den Grundsteuerbeträgcn zu erhebenden Hundcrtteile. Die Zollvorlage. Der Handelspolitische Ausschuß des Reichs- taoes, der sich am Montagabend mit der Zollvorlaze b-fchäftigcn wollte, vertagte seine Sitzung auf Antrag des Dr. Destauer(Z.) auf Dienstag früh, weil inzwischen noch Besprechungen u n!« r den Fraktionen staitfindcn sollen.. Kilmzensur und Immunität. Abstimmungen im Reichstag. Der Reichstag beriet am gestrigen Montagnachmittag zunächst den sozio l de mo trotrs che n Gesesteirtrours in dritter Lesung, dag vcr- botene Filme in geschlossener Gescllschast ungehindert vorgeführt werden dürfen. Abg. D. Dr. Schreiber(Z.) steht in diesem Eesehentwurf die Vernichtung der Filmzensur. Mindestens müßten entsittlichende, antireligiöse und strafgesetzwidrige Filme unbedingt oerboten und unausführbar sein. Anderenfalls liefe der Staat schwerste Gefahr. Abg. Schmidt-Kassel(Christl.-Soz.) beantragt Ausschutzberatung, da der Gesetzentwurs im Gegensatz zur Gesamtpolitilt der Reichsregierung stehe. Unverständlich ist nur, wie die Sozialdemokratie ihren Todfeinden, den Komimmisten und RS., ein solches Geschenk nrachen kann wie diesen unüberlegten Gesetzentwurs, der nur der Volksverhetzung Vorschub leisten kann. Abg. von Lindeiner-Wildau sVolkskons.) spricht gegen Gelegen- heitsgesetze im allgemeinen und das vorliegend« im besonderen. Ein Zentrunisantrag will die Vorführung verbotener Filme nur möglich machen, aber nicht direkt zulassen; Film« der von Dr. Schreiber bezeichneten Art sollen überhaupt unausführbar bleiben. Abg. Dr. Löwenstein(Soz.): Zu diesem Antrag hat uns die neue Praxis der Obsrsilmprüf- stelle veranlaßt, die trotz dem ausdrücklichen Wortlaut des Lichtspiel- gesetzes aus politischen und außerhalb des Films liegenden Gründen geurteilt haben. Nach dieser einseitigen Rechtsbeugung werden wir bei der angekündigten Novelle zum Lichtspielgesetz sorgsam zu prüfen baben,. ob wir die völlige Aufhebung der Zensur nicht ihrem Mißbrauch vorziehen sollen. Das Verbot des Remarque-Films Z. B. lag durchaus nicht im Interesse der Staatserholtung. Was wir jetzt beantragen, ist sogar jn der dem Rcichsrot vorliegenden Novelle enthalten. Die Regie- rung wird sich doch zweifellos darüber klar gewesen sein, daß eine solche Bestimmung ungefährlich ist. Wir wollen durchaus nicht die Borführung verrohender Filme, denn wir wollen die Kultur des Volkes heben(auf einen Zwischenruf des Abg. von Lindeiner-Wildau antwortet der Redner.) Auch das Publikum einer Vorführung in» Sportpalost kann eine geschlossene Gcsellschast sein; wir haben bei Parteikundgebunqen in diesem Lokal genau kontrollieren können, wer tellnimmt. Es muß eine Abwehr gegen die politischem Urteile der Oberfilmprüfstelle geschaffen werden.(Lebhafter Beifall links.) Reichsinnenministcr Dr. Wirlh sucht an dem Beispiel eines Werbefilms für die Fremdenlegion die Notwendigkeit der Befolgung von Zensurverboten zu beweisen. Abg. Freiherr von Thüngen(Landvolks bekämpft den sozial- demokrntischen Antrag und fordert die Sozialdemokraten auf, ihre jetzige Mehrheit nicht in einer Weise auszunutzen, die die noch im Reichstag verbliebene Rechte stark verbittern miiste. Abg. Frau Matz(DVp.) spricht für den Zentnilnsantrag. Die Sozialdemokraten sollten doch auch in diesem Falle an der Linie ihrer loizalen Politik festhalten und hier dasselbe Entgegenkommen beweisen, wie sie das in hocherfreulichcr Weise schon öfter gegenüber der augenblicklichen Minderheit im Reichstage getan habe. Abg. Torgler(Komm.): Dieses Liebeswerben wird bei den So- gialdemokraten wohl nicht ohne Erfolg bleiben.— Der Redner spricht dann vom Verbot des Granowsky-Films und von der Kultur- reaktion in Deutschland. Mit dein Beispiel des Fremdenlegionär- films will der Minister nach feinem früheren Eingeständnis die Russsvfilme treffen. Fort mit der Filmzensur! Abg. Lemmer(Staatsp.>: Dieses Gelegenheitsgesetz ist nach Vcr- bot des Remarque-Films sehr verständlich, der Redner ist aber für den ersten Teil des Zcntrumsantraqs. Gegen den Abg. von Thüngen tritt der Redner sehr entschieden für den Remarque-Film em. Wer an diesen Bildern Anstoß nehme, der sei so gut, auch am Krieg Anstoß zu nehmen.(Sehr gut! links.) Die Abstimmung wird ausgesetzt. Zu dem Gesetz über die privaten Versicherungen(Aufstchtsrecht des Staates usw.) erklärt Ministerialdirektor Rcichardl, daß der Anlehnung der Abon- nentenversicheruna von Zeitungsverlagen an einivandfrei« Berstche- rungen Hindernisse nickt bereitet werden. Abg. Schumann(Komin.) spricht gegen die Vorspiegelungen, durch die Bauspartassen aus armen Leuten Gelder herauszulocken. Es folgt eine lange Reihe Abstimmungen. Der kommunistische„Millionärsteuer'-Antnig wird abgelehnt, die sozialdemokratischen Anträge betr. Einkommen- und Tantiemesteuer werden angenommen- außer den Sozialdemokraten und den Kommunisten stimmen auch die sogenannten Zentrums- Arbeitersekrctäre dafür. Der koinmiimsüsche Mißtraucnsantrag gegen den Reichsfinonz- minister wird mit 24b gegen 5? Stinmien bei 35 Enthaltungen der Wirts chafts- und der Landvolkpartei abgelehnt. Ein konimunistischer Antrag auf Offenlegung der Steuerlislen wird mit 192 gegen 143 Stimmen bei 2 Enthaltungen angenommen. Der Zentrumsantrvg auf Ausschußbcratung des sozialdeino- kratischeu Antrags zum Lichtspielgesetz wird abgelehnt, der Zen- trumsantrag, darin die„Muß"-Vorschrist in eine„Kann"-Vorschrift umzuwandeln, durch Stimmenthaltung der Sozialdemokraten an- genommen und der sn abgeänderte Gesetzentwurf verabschiedet. Der sozialdemokratische Gesetzentrvurf auf Verlängerung des Pachtschutzgesetzes wird in allen drei Lesungen angenommen. Es folgen die Immunitätsfälle. Abg.von kardorsf(DVp.) als Berichterstatter beantragt, die Verhastungsanträge gegen die drei Kommunisten dem Ausschuß zu überweisen, ebenso den Fall Drewitz. Der Redner beantragt weiter, Anträge auf Auslreferung rocgen Beleidigung des Reichstags abzu- lehnen, kündigt aber für weitere Fälle von beleidigenden Aeuße- rungen Abgeordneten gegen den Reichstag die Aufhebung der Immunität an, da gegen die Volksvertretung in unerträglicher Weife gehetzt»verde. Die sehr.zahlreichen Anträge aus Genehmigung von Straf- Verfolgung gegen Reichstagsmitglieder sind zumeist gegen Komm»- nisten icker RS. gerichtet. So beantragt derOberreichsanwalk die Genehmigung zur Strafverfolqrmg wegen Vorbereitung zw» Hochverrat gegen die kommunistischen Abgg. G e s ch k e, Jaddasch und Schlaffer, der Reich-innenminister die Genehmigung zur Verhaftung der kommunistischen Abgg. Maddalena, Ul- bricht- Potsdanr und R e m m e l«- Bertin. Die Genehmigimg zur Vorführung vor Gericht wird» a. beantragt gegen die NE.- Abgeordneten Dr. Goebbels, Münchweyer usw. Gegen den Abg. Drewitz(Wirtschp.) ist Genehmigung z»lr Strafverfol- gling wegen Betrug, Unterschlagung und Untreue verlangt; es bandelt sich um feine Tätigkeit im Lorstand und Ausstchtsrat der Deutschen Mittelstandsbank. Abg. Drewitz(Wirtschp.) ersucht, seine Angelegenlzeit schon heute zu erledigen, da er ein dringendes Interesse an der Gerichtsverhandlung habe. Abg. Schumann(Komm.) behauptet, die Anträge der Staats- o.nlvaltschaften seien schikanös; so bestehe das Vergelien in einem Falle in der Aufsorderung an preußische Staatsbeamte, der Kommu- nistenpresse zu berichten, was der Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze gleichgestellt werde, weil preußischen Staatsbeamten die Mitgliedschaft bei der KPD. verboten ist. Die Anträge des Oberrcichsanwalts betreffen jenen„literarischen Hochverrat", dessen Verfolgung auch sozialdemokratische Redner verurteilt hoben. Die am meisten beanstandeten Anträge lverden nochmals dem Ausschuß überwiesen, im übrigen wird gemäß den Anträgen des Geschastsordnungsaiissctmsses beschlossen.(Ein Kommunist ruft: „Faschistenmehrheit!" Präsident L ö b e: Na, Sie haben wirklich keinen Grund, sich zu beklagen!— Zustimmung.) Heute, Dienstag, 12 Uhr: Dritte Lesung des Reichshaushaltes, Schenkervertrag. Gesetz gegen Waffenmißbrauch.— Schluß 19 Uhr. Wirth und Kranze«. Oer Briefwechsel über die Braunschweiger Polizeiaffäre. Gegen den braunschwcigischen Minister Dr. Franzen, der auch nationalsozialistischer Reichstogsabgeordneter ist, sind wegen seines Verhaltens bei dem Braunschroeiger Gautog seiner Partei öffentlich« Vorwürfe erhoben worden, die auch den Reichsminister des Innern Dr. Wirth zu einer Anfrage in Braunschweig veranlaßt haben. Dr. Franzen wunde beschuldigt, einen Polizcibeantten an der Ausübung seines Dienstes verhindert und dabei einseitig zu- gunsten der demonstrierenden Nationalsozialisten Partei ergriffen zu habem Die Anfrage, die Dr. Wirth an die braunschweigische Regierung gerichtet hat, scheint dort zu einigen Auseinandersetzungen zwischen dem leitenden Minister Küchenthal, einem Deutschnationale», und dem Minister Franzen geführt zu haben. Jedenfalls ist die Antwort, wie wir hören, reichlich spät nach Berlin gegangen und dies in einer Form, die deutlich die Verlegenheit der braun- schweigifchei, Regierung erkennen läßt. Sie fragt nämlich ihrerseits bei dem Reichsminister des Innern zurück, auf welche Prcsscmittei- lungen feine Anfrage zurückgehe. Dr. Wirth wird selbstverständlich die Angelegenheit noch weiter verfolgen, zumal da inzwischen eine Beschwerde des Braun- schweigischen Polizeibcamtenverbandcs e i n g e g a n g e n ist, die ausreichendes Material zur Beurteilung der wirklichen Vorkommnisse enthält. Die braimfchweigilche Regierung muß also damit rechnen, daß sie einen neuen Brief aus dem Reichsministermm des Innern erhält, der auf Grund dieses Materials eindeutige Austiinste von ihr verlangt. Oer Mißirauensanirag gegen Frick-pirmasens eingegangen. Weirnar, 23. März.(Eigenbericht.) Der von den Sozialdemokraten angekündigte Mißtrauensantrag gegen die nationalsozialistischen Mitglieder der thüringischen Regie- rung, Staatsminister Dr. F r i ck und Staatsrat Marschler, ist heut« im Thüringischen Landtag eingegangen. Der Aeltesten- rat des Landtags wird sich morgen nachmittag mit dem Antrag zu befassen haben. Nach den Erklärungen der Voikspartei in der letzten interfraktionellen Sitzung wird damit gerechnet, daß die Mißtrauens- antrüge angenommen werden, da die Volkspartci ihnen zu st im- m e n will. Es wird höchste Zeit! Weimar, 23. März.(Eigenbericht.) Bei der nationalsozialistischen Versammlung im Deutschen Nationaltheater mit dem Fememörder Schulz hat der Vor- sitzend« der nationalsozialistischen thüringischen Londtagsfraktion S a u ck« l- Weimar als Versammlungeleiter in seiner Begrüßungs- rede unter Anspielung auf die Deutsche Nationalversammlung auch gesagt: „Es ist richtig, daß wir in diesem Raun» tagen, in welchem einst eine Horde von Verrätern und Feiglingen sich erdreistet hat, eine Verfassung zu machen." Der in der Versammlung anwesende Pvlizeiofsizier sah in dlefer Schmähung keinen Anlaß zum Einschreiten. Oen Mut verloren! Eine nationalsozialistische Berichtigung. In Nr. 133 veröffentlichten wir ein« Karikatur, deren Begleit- tert lautete:„Das Dresdener Naziblatt wurde wegen Verherrlichung der Homburger Morde verboten." Dazu schickt uns dies Blatt, der„Freiheitskampf", eine Bericht!- gung, in der es als unwahr bezeichnet wird, daß das Blatt die Hamburger Morde verherrlicht habe. Die Behörde war unserer Ansicht— sie hat deshalb das Blatt verboten._ Oie Antwort entsprach der Anfrage. Eine Zurechtweisung für die.Hakenkreuzler. Vor einiger Zeit hatte der preußische Miiristerpräsidcnt Braun eine nationalsozialistische Anfrage, die von Direktorialgelüsten der Reichsregierung und davon wissen wollte, daß auch Preußen in einem solchen Regierungsdirektorium vertreten fem solle, mit dem man die Parlamente ausschalten wolle, sprach, mtt der Bemerkung beant- wortet, daß es sich hier wohl um einen verspäteten Fa f ch t ng s f ch e rz handelte. In einer neuen Anfrag« beschivert sich Abg. Kube(Rats.) gegen dies« Art der Beantwortung und fragte, ob des gesamt« Staats- Ministerium der Meinung sei, daß Braun„in der von ihm beliebten Art ernsthaste Anfragen der größten preußischen Partei beantworten" dürfe. Ministerpräsident Braun beantwortet diese neuerliche An- sage mit dem„I a" und die weitere Frage, ob die Regierung der Meinung sei, daß diese Art der Beantwortung der Würde des Staates entspreche, mit der Erllörung„Die Antwort entsprach d« m Inhalt der Anfrage". Genosse Erispien wird in der Presse der Rechten und der Kommunisten unter den Reichstagsmitgliedern aufgezählt, die bei der Zlbstimmuiig über die Panzerkrcuzerraten sich der Abstimmung entzogen haben. Demgegenüber sei festgestellt, daß Genosse Crispien schon seit mehreren Wochen infolge Krankheit den Reichs- tagsarbeiten fernbleiben mußte und auch noch weiter fern- bleiben wird. Vewährungsfrist in Spanien. Das Oberste Kriegsgericht in Madrid hat die Unterzeichtter der republikanischen Kundgebung vom letzten Dezember zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt und dabei die Regierung gebeten, den Verurteilten Vcwährungssrist zu ge- währen. (Gewerkschaftliches siehe 2. Beilage.) Vernntworliich für Politik: Dr. Curt Geyer: Wirtschaft: fi. tNingelhöscr; Gewcrkschaktsbewegung: Fr. feftkorn; FcuUIeloR Dr. Ioh» Schily w»ti; Lokales: unk» Sonstiges: Friy ftotftobt; Ameiycn: IS. GUde: sämtlich in Berlin. Berlan: Borwärts.Bcrlao® m. l>. H.. Berlin. Druck: Vormärta-Biichdruckerei und Verlogsanstält Paul Sinaer u. Co., Berlin GW. 68, Linden stranc Z. Hier,» 3 Stitagcx. WERTHEIM Zusendung von 5 M an. Obst, Gernüs« u. leid»! vardorbUdts Artikel werden nicht zugesandt« Soufdt(SJorrat* iSrlKtfe Hehettsmittel Frisch. Fleisch Obst u. Gemüse Hammel-Vorderll. 0.90 Schweinerüd(en.B"ud<0.76 Frisch. Eisbein tJÄ?." 0.60 Pökelrippchen.PiundO.80 Gulasch 0.90 Liesen 0.62 Gehacktes•••• Pfund 0.75 Rückenfett 0.64 Querrippe.... Pfund 0.70 Rinderkamm"pfünd 0.82 Kalbskamm•.■ Pfund 0.68 Kalbskoleleff.. Pfund 1.30 Fr. Bratwurst Sp9Ä 1.10 NierentalgJ�f �nd 0.40 Rinderleber s-f'-"- 116 Wurstwaren Amerik. Apfel Pfd. 0.38 0.48 Apfelsinen o«id- 0.38 0.68 Zitronen Dutzand 0.32 0.38 Bananen.... 2 Pfund 0.78 Möhren gawaKhyn, Pfd. 0.06 Weif|kohl..... Pfund 0.08 Blumenkohl Kopf v. an 0.25 Grüne Gurken von�n 0.42 Malta-Kartoffeln pm. 0.58 Räucherwaren Bücklinge Pfund VOR an 0.26 Flundern.- Pfund von an 0.32 Sprotten»0.35 tastch. 0.35 Dampfwursf �FÜlituTw' 0.88 Leberwurst 1 10 Holsteiner L'uÄndl-SS Leberwurst 1-40 Käse u. Fett Camembert zÄ-ch"'».« Dan. Schweizer'pl'nd Tlisiter volK.tt. Pfd. von an Holländer"vomttt.'pfund Schweizer Ä'von"« Margarine, KokosfeH Tafelbutter Pfund 1.52 Dän. Butter... Pfund 0.25 0.80 0.88 0.92 1.28 0.40 1.62 1.72 Teewurst 1.45 grob« 1.55 Schinkenspedc'�n�'d 1-48 Gck.Sehinken 9 v�SlU'd 0.45 Kcmserven � Schnittbohnen 0.35 0.46 Spinat........... 0.38 Schn.-u.Bredi-BohnenI 0.54 Kohlrabi......... 0.33 Junge Erbsen.... 0.54 Gemlsdif. Gemüse 0.60 Senfgurken DoU 0.40 0.72 Aprikosen-Mus'/, Elm. 0.62 Pflaumen-Kontit.'AE. 0.90 68, 78, 88»f. gefroren, Pfd. Wolgahühner gefr., Pfd. von an 0.90 Suppenhühner Pfund von an 1.10 Frische Eier... 10 stock von 0.68 Dorsch u. Scholle 3 Pfund 0.25 KabeljdU ganze Fische, Pfund v. an 0.14 Schollen-Filef.. Pfund von an 0.20 Kabeljau-Filef. Pfund von an 0.24 Schellfisch.... Pfund von sn 0.26 Nr. 139- 48. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Dienstag, 24. März 1931 Drei Menschen auf Menschenjagd. Grauenhaste Geständniffe im Gaffranprozeß. Nachdem der Möbelhändlcr Saffran in seiner Vernehmung davon gesprochen hatte, daß er aus etwa 4S0 Zlbzahlung-verträge seiner Kunden zweimal Kredit genommen habe und schließlich in eine derart finanziell abhängige und drückende tage geraten sei. daß er an Selbstmord gedacht habe, fährt er wie folgt fort: Fräulein Augustin riet mir ab, Selbstmord zu begehen. Wir über- legten und kamen plötzlich auf die Idee, uns e i n e L e i ch c z u b e- 'argen und einen Autobrand vorzutäuschen, uni so das Versiche- lungsgeld für mich zu bekommen. Ich hatte selbst keinen Mut zu einer solchen Tat, und deshalb wandte sich Fräulein Augustin an Kipnik, der Expedient war und van dem sie hoffte, daß«r uns helfen würde. Kipmk erklärte sich sofort bereit mitzumachen, und ich sprach deshalb mit ihin, ob er Fräulein Augustin und mir bei- üchen wolle, eine Leiche zu besorgen. Kipnik erwiderte: Jawohl, die Sache wird gemacht. Wenn es mit der Leiche nicht klappen sollte, dann müssen wir eben so einen schnappen. (Große Bewegung.) Diesen Gedanken wies ich anfangs zurück, doch drang Fräulein Augustin immer stärker darauf, daß wir einen Auto- brand mit einer Leiche vortäuschen sollten.— Vors.: Bei der ersten Mordfahrt haben Sie den Dixiwagen gefahren, während Kipnik und die Augustin im Adlerrvagen fuhren.— A n g e k l.: Unser Plan war, einen Menschen zu erschießen und ihn dann im Dixlivogen zu verbrennen. Tatsächlich haben wir bei der Ortschaft Sorkitten einen unbekannten Mann getrossen, dem wir zuriefen, stehenzubleiben, und den wir baten, er möge uns den Weg zeigen. Ich saß am Steuer, während der Unbekannte sich neben mich setzte. Hinter der Ortschaft Sorkitten bremste ich plötzlich, und kipnik schlug nun mU dem Totschläger dreimal aus den Mann ein.— Bors. Was war nun, als Kipnik auf den Fremden losgeschlagen hatte?— Saffran: Die Schläge hatten nicht richtig getrossen, denn der Fremde sprang aus dem Wagen heraus, so schnell, daß ein Tetz seines Rockes hängen blieb, und flüchtete. Am 12. September sprach ich nochmals mit Fräulein Augustin über unser« Lage und erklärte ihr, daß ich den Mut zu einem Mord nicht aufbrächte. Darauf entgegnete mir die Augustin:„Dann werde ich noch einmal mit Kipnik reden." Das tat sie auch und nach einer halben Stund« kam sie zu mir und sagte:„Es ist alles in Ordnung. Heute abend komme ich mit." Zunächst ging ich in meine Wohnung, um zu essen. Nachdem ich gegessen, holten wir den Adlerwagen heraus und Kipnik und ich fuhren los. In Nikoleiken tranken wir beide Bier.(Laut weinend.) Ich hatte den Mord- gedanken immer von mir gewlesen, sogar noch zu diesem Zestpunkt. Zwischen 11 und 12 Uhr nachts waren wir in Lätze n. Im Auto hinten lag ein T e p p i ch, in den wir das Opfer einwickeln wollten. Ich hatte keinen Mut und sagte zu Kipnik:„Wir fahren nach Hause." Kipnik aber sagte: »Heute nacht muß es passieren, sonst ist es zu spät. Sie wissen. daß morgen Wechselproteste kommen." In der Nähe von Luisenhof sahen wir einen Fußgänger vor uns. Kipnik sagte:„Bleiben Sie hier stehen, ich werde den Mann an- sprechen." Ich antwortete:„Ich kann nicht." Darauf sagte mir Kipnik sehr energisch:„Dann lassen Sie mich zum Donnerwetter aussteigen.(Laut weinend.) Da habe ich ihn aussteigen lassen und bin in rasendem Tempo etwa zwei Kilometer bis zu einer Kreuzung weitergefahren. Ich hatte nur den einen Gedanken:„Um Gottes- willen, er wird es doch nicht tun." An der Kreuzung drehte ich den Wagen um und fuhr in schnellstem Tempo zurück. Plötzlich sehe ich aus dem Walde einen Mann herauskommen, der den Arm er- hoben hat. Es war Kipnik, der mir zuwinkte, Ich hielt an, ich konnte kaum sprechen. Kipnik machte die Tür hinten auf, riß den Teppich heraus und sagte zu mir: „Ich habe einen, er Negl im Graben." Ich konnte mich nicht rühren und nicht bewegen, ich war völlig gelähmt. Kipnik rief mir dann zu:„So, jetzt aber im schnellsten Tempo los." Ich merk«, daß etwas Schweres in den Wagen fliegt und gebe Vollgas." Wir fuhren dann nach Rastenburg und brachten die Leiche aus den Speicher, wo sie im Teppich liegen blieb. Das ist die volle Wahrheit, meine Herren. Wenn ich bisher nicht alles erzählt habe, so geschah das, um Kipnik zu schonen.(Kipnik lacht.) Am nächsten Tage besorgten Kipmk und ich zwei Kannen Benzol, die wir auf den Speicher brachten. Nachts um 1 Uhr ging ich mit Kipnik auf den Möbelspeicher. wir gössen das Benzol aus den beiden Sännen auf dem ganzen Speicher aus, besonders aber in der Nähe der Leiche, die wir auf mehrere Teppiche gelegt hallen, und dann steckte kipnik das Benzol an. Vorher hatte Kipnik dem Toten meinen Siegelring auf die link« Hand gesteckt, hat ihm die Uhr und die Schlüssel in die Taschen und schließlich auch meine goldenen und silbernen Kragenknöpf« in das Hemd getan. Darauf ging ich aus dem Lager weg und als ich etwa fünfzig Meter fort war, sah ich, daß Kipnik am Ausgang stand und eine Zigarette raucht«. Unmittelbar darauf erfolgt« ein« Explosion. Ich lief rmn in die Wohnung von Fräulein Augustin, wo ich den ganzen Tag und auch die nächste Nacht bis gegen 3 Uhr blieb. Dann kam die Augustin und sagte:„Jetzt ist es Zeit, jetzt können Sie nach Berlin fahren." Vors.: Während Sie nun am nächsten Tag in der Wohnung der Augustin waren, ging diese an die Brandstelle und rief immer wieder weinend, daß Sie in dem Speicher gewesen und bei dem Unglück verbrannt seien. Wie sind Sie dann geflohen? Angikl,: Fräulein Augustin hatte meinen Ehauffeur Reck bestellt, der mit meinem Wagen nachts außerhalb der Stadt wartete. Wir fuhren bis in die Nähe von Königsberg, wo ich ausstieg. Ich ging dann durch die Stadt zum Bahnhof und fuhr nach Frankfurt a.- d. Oder und von da nach Berlin. Hier ging ich zu dem Bruder der Auguftin in der Lausttzer. Straße. Augustin nahm mich in seiner Wohnung auf und ich erzählte ihm, daß ich mich verbergen müsse, weil ich den Möbelspeicher angezündet hätte. Ich blieb sieben Wochen in der Wohnung, lieh mir einen Vollbart wachsen, eines Tages eignete Ich mir dann die Papiere Augustin» an und verlieh die Wohnung. weil ich es einfach nicht mehr aushielt. Ich kaufte mir von dem letzten Geld eine Fahrkarte nach Hamburg, um von dort ins Aus- land zu fliehen. Aber in Spandau erkannte mich ein Bahnbeamter, der in Rastenburg früher tätig war, und so wurde ich in Wittenberge verhaftet. Vors.: Angeklagter Saffran, wie ist denn nun Ihr Opfer, der Melker Dahl, gestorben? A n g e k l.: Kipnik sagte mir, er habe ihm drei Schüsse ins Herz ge- geben. Ich habe das selbst nicht mit angesehen.(Weinend.) Mein« Herren, ich führt« ja damals ein Doppelleben. Zu Hause mußte ich fröhlich« Miene vortäuschen und nachts ging ich auf die Menschenjagd. Ich habe auch den Brand nicht selbst angelegt. Damit war die Vernehmung Safsrans abgeschlossen und es wurde die Angeklagte Ella Augustin vernommen, die 1922 in Saffrans Geschäft eingetreten ist. Die AngeNagte schildert«, wie das Geschäft bergab gegangen sei und sie sich damals entschlossen habe, mit Saffran zusammen Fälschungen zu begehen, um Geld für das Geschäft heranzuschaffen. Von den beiden Postbeamten habe sie die Briefe der Absatzfinanzierungsgesellschaft leicht heraus- bekommen und verbrannt, um ihre Fälschungen zu verdecken. Eines morgens kam Saffran ins Geschäft und sagte zu mir: „Haben Sie die Geschichte von Tehner gelesen? So werde ich die Sache auch machen." (Große Bewegung.) Er kam nun von dem Gedanken der Tetznerschen Tat nicht mehr los. Am folgenden Tage sagte er mir, er wolle einem Totengräber gern 199 M. bezahlen, wenn er eine Leiche be- kommen könnte. Kipnik sollte die Leiche besorgen, aber Saffran sagte das in einem lächerlichen Ton, so daß ich nicht an den Ernst der Sache glaubte. Vors.: Sie sollen bei dem Morde stets die treibende Kraft gewesen sein? Angekl.: Ausgeschlossen, ich habe Saffran selbst immer wieder vorgeschlagen, daß wir uns wegen der Betrügereien dem Gericht stellen wollten, weil ich gehört hatte, man werde dann milder oerurteilt. Vors.: Wie benahm sich Saffran am Morgen nach dem Mord, also am 13. September? Angekl.: Ich kam etwas später ins Geschäft, und Saffran kam mir sehr vergnügt entgegen und sagte zu mir:„Ra, diesmal haben wir doch«inen mitgebracht." Ich glaubte dos nicht, aber da kam Kipnik, der über das ganze Gesicht strahlt« und sagte:„Jawohl, kurz vor Rastenburg haben wir«inen erwischt. Ich habe es ge- schafft." Jetzt wurde ich doch stutzig, zumal auch Saffran noch hin- zufügte: „So. nun kann es am Sonnlog brennen." Vors.: Hat Ihnen Kipnik die Einzelheiten der Tat erzählt? Angekl.: Damals nicht. Erst später im Untersuchungsgefängnis. Dabei hat Kipnik noch gesagt:„Einen feinen Ehef haben wir. Ich habe ihm die Leiche besorgt, ich habe dos Lager angesteckt imd jetzt läßt er uns derartig im Stich. Die Angeklagte schilderte dann aus- führlich die Brandoorbereitungen, an denen sie nach ihrer Angabe mitzuhelfen sich geweigert habe. Auf eine eindringliche Frag« des Vorsitzenden, gibt die Angeklagt« zu, daß sie mit Saffran ein Liebes- Verhältnis gehabt habe und daß sie bedingungslos alles getan habe, was er von ihr verlangt habe. Hierauf wurde unter großer Spannung des ganzen Saales der dritte Angeklagte, Kipnik, vernommen, der, wie zu erwarten war, sein« beiden Mitangeklagten in schwerster Weise belastete. 1927 sei er bei Saffran als Expedient eingetreten. Saffran habe ihm. der damals vierzehn Monate arbeitslos gewesen sei, freiwillig 350 M. zur Verfügung gestellt, um seine Schulden zu bezahlen. Im Juni 1939 sei die Angeklagte August in zu ihm gekommen und habe ihm erzählt, das Geschäft gehe so schlecht, daß man aicht mehr«in und aus wisse. Saffran lasse ihn. Kipnik, fragen, ob er helfen wolle, um den verfahrenen Kemren.in Ordnung':zu- bringe». Ich ging daraufhin zu saffran pnd sagte:„Sie haben mir mal aus der Not geholfen, jetzt will ich Zhnet� helfen." Saffran sagre mir, daß seine Schulden bereits so hoch seien, daß er einen Konkurs nicht mehr anmelden könne. Er beabsichtige, eine Leiche aufzu- treiben, st« mit dem Auto zu verbrennen und die Lebensversicherung zu kassieren. Ich sagte:„Die Sache wird gemacht." Vorl.: Wunderten Sie sich gar nicht, daß die Augustin in alle diese Dinge eingeweiht war?" Angekl.: Nein, sie war erstens die Vertraut« von Saffran und zweitens hatte ich beretts gemerkt, daß sie mit Saffran ein paarmal schon aus Tour war, um Menschen zu jagen. Am IS. Juni fuhren wir, Saffran, die Augustin und ich, zum ersten Male los. Wir hatten den Dixiwagen und den Adlerwagen mit. In N i i o l a i k e n stieg Saffran mit der Auguftin aus. um „Was? Kommen sie schon?" fragt sie sofort. „Ja." Er atmet tief und sagt tastend, um den Eindruck festzuhalten, der ihn heute morgen so ins Frösteln gebracht hat:„Sie sehen aus wie Leichenfinger, so weiß— so— ekelhaft—" Sie schaudert zusammen, lacht ängstlich, es klingt wie das Piepsen eines kranken Vogels:„Was erzählst du da!" Er schämt sich auch gleich, fühlt dunkel, daß er Gefahr läuft, seine Geltung bei ihr zu verlieren durch solche Kinde- reien; aber er nimmt ihre Hand: er kann nicht anders. Sie läßt sie ihm nur zögernd, weiß nicht, wo das hin soll: das, was da zu sein, zu werden scheint in ihm: das kann sie nicht glauben. „Ein hoher Stengel lag da auch. Da saßen zwei Spargel- käfer drin", berichtet er weiter. „Um Gottes willen!" erschrickt sie.„Da werden wir spritzen müssen." Er schweigt. Er kann ihr wohl doch nicht klarmachen, wie ihn das bedroht, geworfen hat: diese kleinen, hübschen, roten Käfer, die wie Totengräber aussehen, unter Papen- diecks Leiche... und Papendiecks Totengräber waren sie ja auch mit gewesen... die auch... Er drückt ihre Hand fester. „Anna", sagt er schwerfällig, mühsam,„dein Haar, Anna—" Sie fahren beide zusammen: ganz nahe beim Hause heult es. laut, wimmernd... „Rolf; das ist Rolf", sagt sie, steht auf, tritt zur Tür hin- aus— da hockt wirklich der Hund zwanzig Schritte vor ihr, leckt den blutigen Stumpf und wimmert. Aber als er sie sieht, flieht er erschreckt. Sie lockt ihn; umsonst. Als sie wieder eintritt, liegt ihr Mann zur Wand gekehrt. „Er kommt nicht", sagt sie.„Er war immer scheu, und ich habe einmal nach ihm geworfen, damals, nach der Hühner- geschichte. Aber jetzt, wo du auf ihn geschossen hast, wird er pnohf an keinen mehr rangehen, außer vielleicht an Lene Papendieck, und Lene Päpendieck ist nicht da— wann wird sie eigentlich kommen?" „Anna, sagt er statt einer Antwort,„leg dich zu mir. Ich friere so." Sie legt einen kurzen Augenblick die Hände über der ein» gesunkenen Brust zusammen, eine Geste übermäßigen Glücks — und läßt sie rasch wieder sinken. Es kann doch nicht sein... Sie zieht sich wortlos aus, legt sich zu ihm, streichelt durch sein nasses Haar, bemerkt es nicht, daß die Decke nicht über ihren Rücken reicht, daß er den Buckel sehen kann... Aber er sieht ihn nicht: es heult wieder draußen: er drückt den Kopf an ihre Brust und schläft plötzlich ein. Nach zehn Minuten fährt er auf, streckt abwehrende Hände aus irgendeinem qualvollen Traum— findet die Frau neben sich und flieht in sie hinein, flieht in die Bewegung des Lebens vor der scheußlichen Starre des Todes.,,. Zitternd vor Glück läßt sie sich nehmen. * Korns schmeckt es nicht. Es ist schon am Tage nach Papendiecks Auffindung. Aber es schmeckt noch immer nicht. „Welchen baben wir denn heute?" fragt Andreas und stochert in der Schüssel herum. „Den zwanzigsten." „Und in der letzten Aprilwoche soll die Ernte losgehen. Er zeigt mit der Gabel nach draußen, zur Straße hinüber, wo der eisige Nordost den Sand durch nackte, schwarze Birten- zweige treibt, daß man das Prasseln bis in die Küche hört. Korn lacht höhnisch.„Ernte! Eon Winterwetter und Ernte!" Sie will ablenken.„Ich muß immer an den armen Papendieck denken, daß der nun plötzlich nicht mehr mitmachen kann..." Er steht mit hartem Ruck auf, tritt ans Fenster, spricht gegen die Scheiben:„Papendieck Hais gut. Der hat sich recht- zeitig aus dem Staub gemacht."/ „Sag sowas nicht, Andreas." Er lacht nur trocken auf, weist auf das halbzerstörte Fach» werk der Scheune.„Das werden wir auch nicht vorm Herbst machen können.— Oder hast du Geld für Holz?" fährt er sie an, als hätte sie widersprochen. „Nein." „Ich auch nicht. Und deine Solokiefer gibst du doch nicht her, ehe sie uns nicht aufs Dach fällt. Für alles unnütze Zeug setzt du dich ein." „Red du nur nicht! Hast du dich nicht für deine ganze unnütze Landwirtschast—" Schmitzer kommt und unterbricht die kleine Reiberei— eine von denen, die jetzt leider alltäglich werden bei ihnen, und deren sie sich schämen. Es gibt eine Not, die größer macht: aber die Not vom Stubbenland ist von der Art, die kleinlich macht: das ist die schlimmere Art. Schmitzer hat sich erboten, in Lenes freiwilliger Vertre- tung zu Gemeindevorsteher und Arzt zu fahren und die not» wendigsten Schritte einzuleiten. Man hat sich über seine Be- reitwilligkeit gewundert und ihn gewähren lassen, froh, die lästige Arbeit los zu sein— wie Lene selbst zu erreichen ist, weiß man nicht. Jetzt ist Schmitzer zurück. Er bleibt in der Tür stehen, verneigt sich hastig und häufig mit aufgeregter Devotheit.„Es ist alles erledigt, Herr Korn. Der Arzt und der Gemeindevorsteher kommen heute abend." „Na, ist gut. Dante schön muß Fräulein Papendieck sagen." „Und— und beim Pastor bin ich auch gewesen. „Beim Pastor?" Andreas lacht kurz.„Sie beim Pastor? Alle Achtung! Na, wenn Sie mal sterben, Schmitzer, gehe ich zum Rabbiner. Das verspreche ich Ihnen." „Einverstanden, Herr Korn", sagt Schmitzer knapp. Er versteht gut, daß man scherzen muß im Angesicht des Todes, weil man nicht hineinsehen kann: mitzuscherzen aber vermag er nicht— Lenes wegen. „Wie ist es denn mit dem Sarg?" fragt Luise schüchtern vom Tische her. „Da war ich auch. Aber ich möchte das Fräulein Papen- dieck überlassen. Särge sind so teuer. Der billigste achtzig Mark." „Achtzig Mark— das sind hundert Pfund Spargel, erste Sorte", sagt Korn. Er meint das nicht böse: er kann nicht mehr anders denken; das Maß aller Dinge ist ihm der Spargel geworden. „Also einen Monat Leben", übersetzt Luise in ihre Sprache.„Arme Lene." Sie schweigen eine Weile. „Der Pastor", sagt Schmitzer dann,„der Pastor kommt übermorgen." „Kommt? Hierher? Wieso kommt er? Der Friedhof ist doch in der Stadt! Er kann doch nicht den ganzen Weg..." Schmitzer zieht ein Papier aus der Tasche und tritt ein paar Schritte in die Stube.„Ja— ich habe hier ein— habe hier was aufgesetzt. Das brauchen Sie bloß noch zu unterschreiben, Herr Korn!" (Fortsetzung folgt.) eu»cn Fußgänger zu fassen, aber der hatte Lunte gerochen unb konnte sich in Sicherheit bringen. Ich trank mir gehörigen Mut an. nahm acht Kognak, und nun suhrcn wir noch Sensburg. Kurz vor Sorkitteu trafen wir auf den Friedrichzick. Der An- geklagte Kipnik schilderte dann, wie er, von Sasfran angefeuert, aus- gestiegen sei und Friedrichzick in das Auto gelotst IM« und dann, als man am Ende der Ortschaft Sorkitteu war, mit dem Totschläger dreimal auf den ahnungslosen Fremden losgeschlagen habe. Ich will hier nichts beschönigen, ich sage ganz offen: Ich wollte den Menschen töten. (igrostc Bewegung im ganzen Saal.) Ich hatte aber nicht richtig zugeschlagen, denn Friedrichzick sprang aus dem Auto heraus. Safsran, der am Steuer saß, rief mir zu:„Warum hast du ihn nicht an der Gurgel gepackt, dann hätte er doch nicht wegkönnen?" Die Augustin aber rief:„Nimm doch Deinen Revolver und gib ihm eine Kugel!" Das konnte ich nicht machen, denn den Schuß hätte man iin ganzen Ort gehört. Deshalb ließ ich den Friedrichzick auch ruhig auf der Straße liegen. Nach diesem Vorfall stiegen Safsran und die Augustin aus dem Auto aus, um zu den: Dixiwagen zu gehen, und ich mußte mit dem Adlerlvagen allein nach chausc fahren. Zu Beginn der Nochmittagssißung gab es sofort eine Sensation, die im weiteren Verlaus des Prozcsics vielleicht noch eine Rolle spielen kann. Der Vorsitzende erklärte zur allgemeinen Ilebcrraschung plötzlich, daß an den Angeklaglen Sasfran ein Brief aus Köln gekommen sei, den das Gericht beschlagnahmt hätte. Der Brief wurde verlesen und lautete folgendermaßen: „Herr Sasfran! Sie werden wohl nicht vergessen hoben, daß Sie bereits im Jahre 1827 in einem Lokal in Rasicnburg, wo ich als Kellnerin tätig war, sich mit einem Herrn darüber unterhalten haben, das; man einen Menschen ermorden und dann verbrennen müsse, nni das Versichcrungsgcld zu bekommen. Sie haben auch davon gesprochen, daß man die Leiche mir Benzol übergießen muß, damit sie vollkommen verbrenn« und unkenntlich werde, dann könne die Polizei einem nichts nachweisen. Das habe nicht nur ich gehört, sondern das wissen auch andere Leute. Also hüten vie sich zu lügen. 91. IL" Dieser Brief löste ungeheure Erregung im ganzen Saal aus. Auf Antrag des Verteidigers, R.-A. Dr. Prüll, wunde die Sitzung sofort unterbrochen. R.-A. Dr. Pröll bat das Gericht, nach Möglichkeit zu ermitteln, wer die Briefschreibcrin fei, da man sie an Ort und Stelle hören müsse. Der Vorsitzende erklärte jedoch, daß, da die Unterschrift offenbar s i n g i ert sei, es tauin möglich sein werde, die Briefschreiberin aufzufinden. 9!ach vicrznh Tagen drang Sasfran in mich und fragte, ob ich denn allen Mut verloren hätte. Ich sagte ihm:„Mein Lieber, ich habe A gesagt,, jetzt sage ich auch B, aber die Sache muß anders gemacht werden, einen reinen Mord mache ich nicht mit." Sasfran Kinoräuber geständig. Nestlose Klärung des lleberfalls. Der Raobubersall auf das Ehepaar Thomas in der Vornholmcr Straße, über den bereits berichtet wurde, kann jetzt als ganz geklärt gelten. Der festgenommene Schlosser Bruno Schulz und der eben- falls nerhostetc B l a n kc n bürg haben ein umfassendes Geständnis abgelegt. Schulz hat zugegeben, daß er auf Anraten dös noch flüchtigen Timm einen Schlüssel für das Haus zureckst- gefeilt hat. Blankenburg, der als Besitzer des Motorrades schon er- miltelt war, zunächst seine Teilnahme an dem Ucberfall aber ge- leugnet hatte, gibt jetzt zu, daß er selbst mit seinem Rad nach der Vornholmcr Straße gefahren ist. Timm saß hinter ihm auf dem Soziussitz. Auch der Chauffeur Butt ist bei der Teilung der Beute nicht leer ausgegangen, er hat eingeräumt, daß man ihm 208 Mark abgegeben hat. Gesucht wird nun noch der Anstifter, der 32 Jahre alte Karl Timm. ?teue Säuglingsfürsorgeftelle in«pandau. Der M a g i st r a t hat dem Zlntrag des Bezirksamts Span- d a n auf Einrichtung einer neuen Säuglings- und Klcinkinderfiirsorgc- stelle im Stadtteil Wilhelmstadt unter der Bedingung zugcstimint, daß nicht mehr als 2Z48 M. laufende Kosten ciitstchen. und Kipnick feien denn auch ein paarmal losgefahren, aber es habe immer nicht gekloppt. An dem kritischen Tag sagte ich: „Herr Safsran. lassen Sie doch die ZNörderei sein, stecken Sie das Lager an, oder machen Sie einen Konkurs, dann werden wir die Sache schon schaukeln. (Heiterkeit.) Sasfran aber wollte nicht und sagte zu mir:.„Wir werden uns das Leben jetzt leichter machen. Die Augustin schafft sich einen Freund an, mit dem soll sie in den kleinen Wald an der Ziegelei gehen, dann schleichen wir uns hinterher und bringen den Menschen um. Dann brauchen wir uns nickst mehr die Nächte um die Ohren zu schlagen. Ich habe dann noch zwei Fahrten allein gemacht, um auf Friedhöfen nachzuschauen, ob ich vielleicht eine männliche Leiche erwischen könnte. Saffran war über meine Miß- erfolge sehr enttäuscht und sagte zu mir:„Dann fahren wir beide eben noch einmal allein. Ich muß unter ollen Umständen einen Menschen haben, oder ich muß mir selbst eine Kugel in den Kopf schichen." Das war an dem berüchtigten 12. September. Ich besorgte im Zluf- trage Saffrans 30 Liter Benzol, die ich in unserem Lager versteckte und am Abend fuhren Sasfran und ich los. Wir kamen bis nach Lätzen, ohne daß sich etwas Passendes gefunden hatte. Bei der Rückfahrt in der Rahe von der Ortschaft Oucbcn bei Luiscnhos sahen wir einen Radfahrer aus der Landstraße. Zch saß am Steuer, Safsran stieg aus upd ich fuhr weiter bis zur nächsten Ouerchaussec, drehte um und kam zurück. 3n dieser Zeit ist die Tal geschehen. Ob durch Schlag oder Kugel weiß ich nickst. Saffran hat mir nicht gesagt, wie er den Menschen umgebrocht hat. Vor f.: Der Angeklagt« Saffran behauptet dach gerade, daß e r weitergefahren sei und S i c den Mord begangen hätten? K i p u i k: Ich habe leichtsinnigerweise Sasfran versprochen, daß ich so aussagen würde, aber so, wie ich es jetzt schildere, ist es die Wahrheit! 9!ur durch Saffvan bin ich soweit gekommen. Hätte ich den Mord begangen, so würde ich es offen zugeben. Saffran hat ober immer gesagt:„Wenn wir alle drei schweigen, dann könne man uns nichts nachweisen." Vors.: Warum haben Sic nicht von Anfang an die Dinge so geschildert, wie Sie es heute tuu? Kipnik: Ich hatte Angst vor der Strafe. Saffran und ich haben die Leiche" in den Tcppich gewickelt und ins Auto gelegt. Dann hat Saffran dos Rad des Toten im Walde versteckt. Vors.: Saffran behauptet, daß Sie das Rad versteckt haben. Kipnik(sehr heftig): Weil der Kerl nicht den 9Nui hat, seine Tot hier zu bekennen. Dann schilderte Kipnik, wie er mit Sassron die Leiche aus dem Auto in das Lager geschleppt und alle Vorbereitungen für die Brand- st! f t u n g getroffen habe, wobei die Augustin ihnen geholfen habe. OvNeiiNiciie Frauenversammlung 10®. ÄW.— Fried rkfeSbaOen. am Mittwoch, dem 25. Märr, 20 Uhr. im Restaurant �tadttheäter am Marktplatz.„Der Kampf am«Jen§ 21®." Referent: Oberregiörungsrat Dr. med. Goldman n. Probleme des SpezialHandels. Der Reichsverband Deutscher Herrenaus- st a t t u n g s g e s ch ä f t c hatte den Wunsch, die Oesfentlichkeit in einer Pressebesprechung über die Sorgen des modischen SpeZial- Handels zu unterrichten. Roch Berrüßungswartcn des ersten Bar- sitzenden G. Rattner �sprach Syndikus Dr. Zickel über Aktuelle Probleme des S p c z i o l e i n z e l h o n d e l s. Man entnahm daraus, daß sich die Arbeitslosigkeit in den Geschäften der Herrcnausstattungsbronche an der Peripherie der Großstädte be- sonders verheerend auswirke. U m s o tz r ü ck q ä n g e bis zu '3 5 P r o z. feien zu verzeichnen. Berlin habe ein Minus von 25Proz. und im Reich sei der Durchschnitt des Rückganges 25 bis- 2b Proz. Für die Herrenausflattungsgeschäftc kämen neben den allgemeinen Gründen des Umsatzschwundes noch besondere hinzu, die die allge- meine Aufmerksamkeit verdienen. In dieser tztohzeit sei die D a m e n- modekomplizierterdennje. Da der Mann in der Bedarfs- deckung stets hinter Frau und Kindern zurückstehen müsse, litten die Branchen, die Artikel für den Mann herstellten und vertrieben, bc- sondere Not.(Eine sehr anscchtbarc Behauptung. D. Red.) Die Herrcn- ortikclbranche wünsche, daß in der heutigen Notzeit jede Kompliziert- ,hcit der Mode vermieden werde. Leider tonnte es der Redner sich nicht oersagen, das alte Paradcpfcrd der Mittclftändler, den„Fünf- uhr-Ladcnschluß am Heiligen Abend" zu reiten und er oerfangt st« vollem Ernst, daß diese den Angestellten zugute kommende B-sthn- mung wieder beseitigt werde. Herr v. Eelking, der Vorsitzende des Zentralamtes für Herrenmode, betonte, daß die Vereinfachung der Herrenklcidung darauf beruhe, daß sich im Schnitt der Oberbekleidung wenig verändere. Dadurch käme den Attributen der Herrenmodc, der Wäsche und der K r a w a t t e, größere Bedeutung zu und die jarb� liche Zusammenstellung des Herrenanzuges spiele die Hauptrolle. Gastod eines Blindenpaares. Für Selbstmord kein Anlaß vorhanden. Ein schweres Gasunglück, dem ein betagtes Blindenpaoe zum Opfer gefallen ist, ereignete sich gestern im Hause Oranienslraßc 188. Im Hinterhaus hat der öbjährige blinde Korbmacher Franz Handtke eine aus Stube und Küche bestehende Wohnung. Deir Haushalt teilte eine 62jährige ebenfalls blinde Frau Helene L o f k c. Die beiden Leute lebten feit Jahren in größter Harmonie zusammen. Beide bezogen Rente und verdienten durch Blindenarbeitcn noch etwas hinzu. Als gestern nachmittag ans der Wohnung des blinden Paares Gasgeruch drang, schöpften Mieter sofort Verdacht und alar- mierten die Polizei. Als die Beamten gewaltsam eindrangen, fanden sie Handtke und Frau Loske in dem v ö l l i.g m it Gas erfüllte n S ch l a f z i m m e r tat auf. Es handelt sich nach den bisherigen Feststellungen zweifellos um einen Unglücksfall. - Ein ireuer Bruder. Herbert Urban nimmt Selbstbezichtigung zurück. Gestern wurde Herbert Urban, der Bruder des der Ermordung des Geschäftsführers Schmollcr bezichtigten Artisten Urban, von: Untersuchungsrichter vernommen. Er blieb zunächst, obwohl ihm verschiedene Widersprüche in seiner Aussage vorgehalten wurden, bei seiner Behauptung, bei der Tötung Schmollers zugegen gewesen zu sein. Als ihm jedoch sein Bruder Karl gegenübergestellt wurde und auf das bestimmteste erklärte, Herbert sei bei der Tat nicht zugegen gewesen, gab dieser die Unwahrheit seiner bisherigen Angaben zu, die er nur aufgestellt habe, um damit seinem Bruder Karl zu helfen. Auf Grund dieser Rücknahme der Scllytbczich- tigung hob der Untersuchungsrichter den gegen Herbert Urban er- lassenen Haftbefehl auf. Großfeuer in Adlershof. Benzinexplosion in einer Schlauchfabrik. Auf dem Gelände des EifenbahnfiskusinAdlershof� Rudower Chaussee 3, wurd« gestern abend-eine langgestreckte Wahn- lmracke durch ein Großfeuer nahezu zerstört. Mehrere Familien haben einen großen Teil ihres Hab und Gutes eingebüßt. Belm Erscheinen der Feuerwehren brannte«in großer Teil der Wohn- baracke bereits lichterloh. Es mußten sofort sieben Schlauchleitungen eingesetzt werden, um eine weitere Ausdehnung des Brandes zu ver- hindern und die angrenzenden Gebäude vor der Vernichtung zu schützen. Bei einer Explosion von Benzindämpsen in der Schlauchreifen- fabrik von Wehlitz in der Waldmwrstr. 60 erlitt die 22jährigc Ar- böiterin Ella Süßmann aus der Waldemaxstx�ßä schwere Brandwunden. Die Verunglückte fand.-im Bethanien-Krankenhaus- Auf- nahnie. Das«Ntflandenc Feuer tonnte schnell gelöscht werden.. Frühlingskonzcrt des Kinderchors. Der Schwarz mcicrs che Kinder chor. der in Berlin bereits über ein Vierteljahrhundert besteht und seit Schwarzmeicrs Tod vom Ehormeistsr Bernhard K l a u k geleitet wird, gab sein alljährliches F r üh'l in g s k o n z er t in der Staatlichen Hochschule für Musik. Wer etwa zu einem Konzert dieses Chors, weil er ous Kindern zusammengesetzt ist, mit der Erwartung kommt, die be- scheidcncn Gcsangsdorbictungcn seiner Schulklasse zu hören, der er- lebt eint angenehme Ileberraschung. Dreihundert Kinder mit guter Stimme und musikalischer Begabung, sorgsam ausgewählt und prächtig geschult, baten wieder eine tüchtige und sehr bcachtenswerle Leistung. Dem Volkslied und im Kunstgesong, mit ernsten wie mit heiteren Gaben, eroberte sich der Chor, siegreich unter Klauks sicherer Führung, die Herzen der erfreuten Zuhörer. Beifolls- stürm« dankte» der Sängers char, Beifallsstürme auch dem in dem Konzert mitwirkenden Professor D a h l k c, der in Klavicroarträgcn (Bach, EhopiN) sein Meisterschaft bewährte. Reichsseifenmesse in der Reuen Welt. Die Reichsleisenmesfe 1031 wurde in den gesamten Räumen der Neuen Welt in der Berliner Hajenhcidc erässNet. Als Fächmesie bietet sie Groß- und Kleinhandel Gelegenheit, die Neuheiten der Seisenbranch« neben den bewährten alten- Erzeugnissen zu kaufen. Sie ist veranstaltet van vier großen Seisciihandelsoerbänden Deutsch- lands, der Einkaiifszcnträlc der Seifenhändlcr von Groß-Berlin. dem Einkaufsvcrsin Berliner Seisenhändler, dem Reichsschiktzver- band Deutscher Seifeichändler, dem Zentrai verband der Seisenhändler Deutschlands. Eugen W c g c n c r begrüßte im Namen der Messe- leitiing die zahlreich Erschienenen. Er betonte, daß es auch in dieser wirtschaftlichen Depression durchaus notwendig fei. alle Möglich- leiten zu bieten, um preiswerte und girtuerköuilichc Artikel zu finden und günstig einzukaufen. Eine möglichst genaue Kenntnis der Märkte ist für die Händler Izeutc besonders wichtig Für die Haupt- gemeinschatt des Deutschen Einzelhandels sprach Dr. von Poll. für das Mittelstandskartell dessen Geschäftsführer W a n z. Di« riesige Worenschau umfaßt olle Arten von Seifen, Parfümerien. chemischen und technischen Waren'und Bedarfsartikeln für Küche und Haus. Sie ist auch am heuligen Dienstag, von 13 Uhr bis 23 Uhr, geöffnet. Reben zahlreichen Berliner Firmen haben auch zahlreiche auswärtige Häufer die Messe beschickt. Außerdem sind zwei ausländische Finnen zur Sielle: Tanneric u. Maroquinerie Beiges aus Saoenthem-lex-Bruxclles und Piocr u. Co. aus Paris. Englisches Rlililärflugzeug abgestürzt. Ein Flugzeug de?- englischen Liiftstrcitkräsie stürzte bei Neuschottland aus beträchtlicher Höhe ab. Die beiden Piloten wurden aus der Stell? getötet. Ordner der Proletarischen.Feierstunden. Sonntag, den 20. März. früh 8 Uhr. Ordncrdienst im Theater am Bülowplatz bei den Jugend- weihen. Erscheine» aller dringend notwendig. Zur Bereitung von Suppen und Soßen Heinickes Luxusbeihilfe. Mißbrauch mii Hauszinssteuer. -iw«- vor dem Schösfengerichl Berlin-Mtte fand gestern eine Verhandlung stakt, die großes öffentliches Znkerefsc be- onspruchen darf. Die verkracht« Lausirma He in icke stand � unter Anklage des R a u m w ü ch c r». Die Firma hatte mit Hilfe von Hauszinssteuerhypothcken Ecke Wittelsbacher- und Zähringcrstraße in der Nähe des Oliva er Platzes einen Häuserblock mit 200 Wohnungen errichtet. Von der Wohnungssürsorgegcsellschaft wurde bei Verleihung der Hauszins- fteucrhypothcken verlangt, daß von den Mietern kein Bauzuschuß zu zahlen sein würde. Statt dessen verlangte die Bausirma aber von den Mietern„L u x u s b e i h i l f c". In Wirklichkeit unterschieden sich aber die Wohnungen in nichts von sonstigen Wohnungen. Die Mieter, die den Lvxuszuschuß gezahlt hatten, fühlten sich benachteiligt und legten bei'der Wohmingssürsorgegescllschast Beschwerde ein. Diese setzte nun von sich aus eine Miete jest, die 13 Proz. niedriger als die übliche Miete war, jedoch init den gezahlten Bauzuschllsscn der normalen Miete entsprach. Die von der Baufkrma geforderte Miete stellte sich bei Hinzurechnung des Luxuszuschlisses 30 Proz. über die normale Miete. Gleichzeitig erstattete die Wohnungs- fürsorgegesellschast auch Strafanzeige wegen Raumwuchsrs. Der Sachverständige der Staatsairwaltschaft, Dr. Küster, erstattete sein Gutachten dahin, daß die Bausirina Heinicke— ihre Anteile waren unterdessen au das Bankhaus Gildemcister und an den Bankier Beer, übergegangen eine Mchrforderuizg von 85 0st0 M. gestellt hatte,rÄngi>sick)ts. dieses-Gutackstens erklärten sich die-neuen Eigentümer des Häuferkompleres bereit, von ihren Forderungen an die Mieter 100 000 M. zu streichen— es handelt sich um Fünf- jahresoerträge— und dementsprechend die Mieten niedriger zu be- rechnen. In der gestrigen Verhandlung ergab es sich, daß 190 Mieter von den 200 bereit waren, sich mit den neuen Mieten zufrieden zu geben. Der Verteidiger beantragte daraus Einstellung des Ber- fal?rcns wegen Unerheblichkeit des Objekts. Ganz unerwartet er- statteten jedoch vier von den zehn Mietern, die sich nicht geäußert hatten, eine neue Strafanzeige gegen die Pausirma sowohl wegen Rciumwuchcrs als auch wegen Betruges. Sie behaupteten, daß die Firma Heinicke die Hauszinssteuer von der Wohnungsfürsorge- geseltschaft auf Grund falscher Angaben erschwindelr habe; sie habe den Preis des Grundstückes viel billiger angegeben als Lies der Fall war. Laut den Bestimmungen soll die Hauszinssteuer als Bau- Zuschuß nur bei billigen Grundstücken abgegeben werden, damit die unbcniittelte Bevölkerung billigere Wohnungen erhält. Der Staats- anwalk beantragte angesichts der neuen Anzeige Vertagung der Ver- Handlung zwecks neuer Ermittlungen Das Schallplatte narchiv der Funkstunde lieg nm Sonn- taq fiir einige Minuten die Stimme Hermann Müllers lebendig werde». Man hörte Worte, die er an der Bahre« t r c>«- manns gesprochen hatte, einen ehrfnrchtsnollcn, dankbaren Grug an den nerstorhenen Staatsmann, der aufopjernd, ohne Rücksicht aus seine schwer erschütterte Gesundheit, seinem Land und Volk bis zum letzten Atemzug gedient� hat. Es war im tiefsten ergreifend, in Hermann Müllers Stimme diesen Nachruf zu vernehme», der Wort für Wort nun sein eigener sein könnte.— Eine„Frühlingsfeier" veranstaltete am Vormittag das A r b« i te r k u l tu r- kartell Graß-Vcrlin. Musikvorträge und Rezitationen umrahmte eine Ansprache von Ministerialrat Dr. Heinrich Becker, die ein Aufruf wurde zum Frühlingswillen aller Schaffenden. Die Früh- lingshofsnung„Alles, alles mutz sich wenden", gilt, sa führte der Redner aus, nur dann, wenn die Menschen bereit sind zur tat- kräftigen Mithilfe. Rur dem zielbewußten Handeln ist Erfolg be- schieden. Wir müssen lernen, daß alles Tun getragen sein muß von dem Bewußtsein der Verantwortung für die Gesamtheit. Mit trauernden Worten gedachte Dr. Becker Hermann Müllers, der allezeit ein Vorbild darstellt« für verantwortungsbewußtes Wirken. Wenn jeder so bestrebt ist, seinen Platz in der Gemeinschaft aus- zufüllen, ist die wahre Freiheit gesichert. Kein„Retter" vermag sie zu erringen: nur die Gesamtheit aller Schaffenden kann sie«r- kämpfen und erhalten. Der wichtige Vortrag„Aus der Praxis der Eheberatung" am Montag war leider auf ein« so frühe Stunde gelegt worden, daß«rdadurch sehr vielen Hörern unzugänglich wurde. Dr. Friedrich Karl ivcheumann berichtete von Einzelfällen, in denen die Ehe- beratungsstellen Rat. und meist auch Hilfe bringen konnten, und er zeigte daran, wie ausgedehnt das� Arbeitsgebiet dieser Bcratungs- stellen ist. Gerade diese einfachen Schilderungen von Problemen des täglichen Lebens waren sehr geeignet, das Interesse und das Per- trauen der Hörer für diese Ehebcratungsstellen— die keinesfalls nur im gesetzlichen Sinne geschlossene„Ehe" beraten— zu wecken.— lieber„Dichtung als Ausdruck der Nation" sprach Rudolf G Bin ding. Kunst ist nach seiner Auffassung immer ein Teil des wirklichen Lebens und Ausdruck dessen, was ein Volk im tiefsten bewegt. Ein Volk, dos sich zu seiner Kunst bekennt, bekennt sich zu seiner Nation, die einen geistigen Raum, keinen geographffchen Begriff darstellt. Binding hat unbestreitbar recht, wenn er sagt, daß Kunst der Ausdruck einer Nation ist: mit seiner Behauptung, daß sie ihr einziger Ausdruck fei, griff er sicherlich zu weit. Denn in allem Geistigen drückt sich eine Nation aus: Kunst ist nur ein Teil davon.— Ofsenbachs Operette..Pariser Lebe n", in der sinn- gemäß nachschleifenden Bearbeitung von Karl Kraus, wurde am Abend gesendet. Aber es leuchtete nur dann und wann eine Wendung im Text auf. Der Zusammenhang der Handlung entglitt dem Hörer. Doch die sprühende Musik des Werkes ist so lebendig, von so mit- reißender Heiterkeit, daß um ihretwillen die Aufführung auf der ccndebühne bexechfigt war.. Tes.. Ausflugsverkehr und Sonderfahrten zu Ostern. Die Verkehrs- abteilung der Berliner Verkehrs-Gefellschaft führt an den beiden O st«rfeier tagen Sonderfahrten in die Mark durch, und zwar: Nach Rheiimberg, Buckow(Märkiichc Schweiz), Frcicirwalde, Alicnhof(Werdetinsee). Mellensee, Friedrichsthal-Fichtengrund und dem Liepnitzsee. Außerdem wird zum gleichen Termin der Aus- flugsoerkchr mit Decksitzamnibussen aufgenommen. Di« Wagen verkehren morgens 9 Uhr vom Stettiner Bahnhof nach Wandlitzsec, vom Bahnhof Zoo nach� Kladow, Nedlitz und Schild- Horn und von Pankow-Kirche nach Summt. Weitere Wagen nach Bedarf. � Cnjlijch— Französisch— Nichtiges Deutsch. Amaiig April bemnncii iteue Nachmiklog�. U>.» Nbeudlw. se lür Ansiinger hel tKcuosii» Hcsi. fe. 00, Lplcheinslr. 16, töarlcvbauS, 3 Treppen redst* lUvtergrundbahnb os Nürnberger Platz). Tciliicdnier mit Vmtenntiiiiic» liiiinrn den beslebendcn Mittel- bc»w. Oberllafsen beitreten. Nnmclduchzen, persönlich oder schrisllich bis zum Mittwoch, dem t. April, täglich 17 bis 20 Uhr. Vorträge, Bereine undVersammlungen. Reichsbauner..Schwarz-Rok-Gold". Dekchäktslielle: Dcrlin»,csanqencr, Berlin. Süden. Donnerstag. Ai. März. M'. Uhr, bei Ärgger, Äriinnutr. 1. Iunkerprovokation im Landiag Scharfe Zurückweisung durch die Sozialdemokratie.— Die blutige Verantwor- tung von Hitler und Goebbels. W Im Preußischen Landtag begann gestern die z w e it e Lesung des Etats des Innenministeriums. Nach kurzen Aussührungen des Abg. Heilmonn(«oz.) als Berichlcrstottcr erhält in der Aussprache als erster Redner das Wart Abg. von Rohr(Dnat.), der erklärt, daß die Bedeutung des Innenministeriums für den Ablauf der deutschen Politik durch die Berufung Karl Severings klargestellt worden sei. Diese Berufung sei die Antwort auf den 14. September gewesen, weil das jetzige System sich in seiner Sicherheit bedroht fühle. Die Sozialdemokratie sei einzig und allein schuld an dem jetzigen Elend. Der Verlust von Obcrschlesien wäre zu vermeiden gewesen, wenn nicht die Revolution das verhindert hätte. Die Sozialdemokratie fei auch schuld an den Reparatiauslasten und eine Revision derselben wäre solange un- möglich, als die jetzigen Machthaber am Ruder sind. Die iitnere Zerrüttung, die katastrophale Wirtschaftslage, seien die Quittung für eine zwölffährige, von den Gewerkschaften beeinflußte Wirtschafts- Politik. Es fei die Partcibuchwirtschaft. der Zug.zur Futterkrippe, die als korruptes System auch in Regierung?- und Beamten- kreisen Eingang gefunden haben.(Große Unruhe links und Zurufe! Während der Rede hak der Jnuenminislcr mik den übrigen Regicrungsvertrelern die Regierungsbank verlassen.) Abg. Dubert(Soz.): Die Achtung vor dem Hause verbietet mir, so zu antworten, wie es sich gegenüber einem so frechen und unverschämten Junker gehört. Für ihn scheint die Geschichte erst am g. November tSl8 zu beginnen,«oonst müßte er wissen, daß für die jetzige Rot- läge Deutschlands ganz andere Kräfte verantwortlich zu machen sind, als die Sozialdemokraten. Das könnte ihm Jein anderer besser als der Kollege Graf Posadowsky bestätigen.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Bereits im Februar 1917 erklärte Helfferich, wenn die U-Baotkorte nicht sticht, wäre Deutschland für immer ner- loren.(Hört, hört! b. d. Soz.) Ich erinnere an dos telegraphffche Ersuchen Hindcnburgs vom 1. Oktober 1918, sofort den Waffenstill- stand abzuschließen,(«ehr gut! b. d. So.z.) Angesichts dieser Tatsachen ist es eine Unverschämtheit, uns für das Elend des deutschen Volkes verantwortlich zu machen! Nichts konnte uns besser den geistigen Niedergang der Deutich- nationalen aufzeigen, als diese Rede. Früher besaßen die Deutsch- nationalen in ihren Reihen noch ehrenwerte Männer mit politischem Blick. Geblieben sind nur die Katastrophenpolitiker, denen der Staat nichts, politischer Haß aber alles ist. Die Dcuffchnalionalc Partei hat aufgehörk. selbständig zu sein. seil sie völlig in Abhängigkeit von den Ranonalsozialisien gc- raten ist. Das öffentliche Leben wird vergiftet durch die persönlich nieder- ziehende Kritik, wie sie unter dem«chutze der Immunität Z. B. in den zahlreichen Kleinen Anfragen der Nationalsozialisten zum Aus- druck kommt,(«ehr wahr! b. d. Soz.) Schon im Hauptausschuß haben die Deutschnationalen wie immer gegen die P c r s o n a l p o l i t i k Sturm gelaufen. Wir bestreiten ihnen das Recht dazu. Die Deutschnationaten haben sich mit der Personalpolitik in Thüringen und Braunschweig sehi" gut abgefunden, wo die Naziministcr ganz glatt über Beamtenrechte und Verfassung hinweggegangen sind. Sie haben dort die rücksichtslosesten Maßregelungen gebilligt.« Wir können in diesem Zusammenhang nur den einen Vorwurf gegen die preußische Regierung erheben, daß sie in ihrer Toleranz viel zu weit gegangen ist. («ehr wahr! b. d. Soz.) Wenn der nationalsozialistische Abg. Kerrl heute noch Iustizbeamter in Preußen ist, ccher wenn cm höherer Beamter in öffentlicher Bersammlung als Vorsitzender ein Hock) auf das Dritte Reich ausbringt, so sind das ganz unmögliche Zustände. (Hört, hört! b. d. Soz.) Wir verlangen von der Staatsregierung, daß sie hier mit ollen ihr zu Gebote stehenden Mitteln�d-urchgreist. Wenn die Dcutschnationalen dem aussichtslosen Stahlhelmvolksbegehren nachloufen, so mfoß man ihren M u t.z u m« e l b st m o rd bewundern. Wir sind überzeugt, daß sie dabei aus einen Bruchteil zusammenschmelzen werden. Jedenfalls wird die Sozialdemokratie dafür sorgen, daß die Abstimmung über die Landtagsauflösung zu einem Vertrauensvotum für die Regierung wird,(sehr gut! b. d. Soz.) Die F i n a n z n a t der Gemeinden und Gemeinde- verbände macht angesichts der Riefenausgaben für die Wohl- fahrtserwerbslofcn dringend eine Reform notwendig. Auch auf dem platten Lande steigen die Losten ins ungeheure, die von Gemeinden und Gemeiirdcvcrböndcn nicht mehr getragen werden können. Hier ist es Aufgabe von Reich und Staat, helsend einzugreifen. Die Neuregelung durch die Reichsnotvcrorduunz lzat so gut wie keinen Vorteil gebrocht. Sparsamer als jetzt können die Gemeinden kaum arbeiten. Ein besonderes Kapital ist �die Ausrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Sicherheit. Wenn diese in der letzten Zeit bedenklich gefährdet sind, wenn es immer wieder zum Blutoergießen auf der Straße kommt, so trägt dafür, wie für alle anderen politischen Wordtaten, die intellektuelle Führerschaft der Rationalsozialistcn die Bei. ontwortung. Durch Redensarten, wie sie von Hitler gebraucht werden, wird in den Kreisen der Mitläuserschast eine furchtbare Geistesverwirrung angerichtet. Dafür tragen die Hitler und Goebbels persönlich die Verantwortung.(Sehr wahr.b. d.«oz.) Auch hier zeigt sich die viel zu weit getriebene Toleranz des neuen Staates. Unter dem alten Regime wäre ein Mann wie der�staatcn- lose Hitler längst ausgewiesen worden!(-sehr ivahrl b. d. Soz.) In einer Jugendschrist der N«DAP. heißt es:„Wir verzichten auf Volksgemeinschaft, weil wir überzeugt sind, daß die Auseinandersetzung mit der Waffe erfolgen muß." (Hört, hört! b. d. Soz.) Dos ist die unmittelbare Folge davon, wenn der Naziminister Frick offen für Gewaltanwendung zur Einführung der Diktatur eintritt. Es ist an der Zeit, daß alle anständigen Weaschen um selche Elemente einen Pestkordon ziehen.> (Sehr wahr! b. d. Soz.) Es ist die Aufgahe der NSDAP-, nach dem Willen und mit Unterstützung großkapitalistischer Kreise die deutsche Arbeiter- b c w e g'u n g zu zerschlagen. Diese Kalkulation ist sicher falsch. Auch die irregeleitete Jugend wird den Weg von diesen Demagogen zu uns finden. Wir erwarten jedensalls von der preußischen Re- gierung, daß sie die Verwaltung und die Exekutive zu einem festeii Bollwerk der Republik machen wird.(Beifall! b. d. Soz.) Abg. verHülsdonk(Jtr.) tritt für die Erhaltung der Selbst- Verwaltung ein. Dabei müßten die Gemeindeetats in Ordnung gehalten werden. Die Verteilung der Lasten zwischen Reich, Ländern urrij Gemeinden sei fehlerhaft. Die Grenzhilfe müsse weiter aus» gebaut werden. 'Abg. Schwenk(Komm.) wendet sich gegen die Personalpolitik des Innenministers, die keinen Kommunisten in kommunalen«tcl- lungcn duldet. Abg. Großke(Wp.) bedauert, daß vorläufig eine regionale Per- waltungsreform nicht kommen soll. Einen so aufgeblähten Ver- waltungsapparat wie jetzt könne sich das deutsche Polk nicht weiter leisten. Wie groß die Not der Gemeinden sei, zeigten die VerHand- lungen Berlins mit ausländischen Geldgebern. Die Hilfe für die Grenzgebiete sei eine Ehrenpflicht für den«taat. Abg. von Eyncrn(Pp.) erklärt, daß es angesichts der schweren Rotlage der. Genieiydeu.jvtzt schstu/ügster �ffZmaßncchiucy.vsii selten de«-Staates- ksdürf»..„Erst arlieüe anay einen Reserentenentwurf über ein Selbstverwaltungsgesetz aus� her die Welt in �Aufregung versetze, und dann lasse man den ganzen Plan wieder tollem«o sei es auch keim Gesetz Groß-Berliii geschehen. Hierauf bespricht der Redner Einzelfälle der Personalpolüik. Die Debatte wird abgebrochen und auf Dienstag, 12 Uhr, oertagt. \Xy/�XßM Sriß. 2. dann Reichels • V■- v■■■* Huslen�rapfen Flasche Mk. 0.70 u.1.35, in Apotheken und Drogerien erhältlich, sonst durch OTTO REICHEU Berlin SO. Eisenbahnstraße 4. Verlangen Sie kostenlö« das reich illustrierte Buch„Guter Rat in gesunden und kranken Tagenu* Einstweilige Verfügung des 1 ßanclgevicbls Dresden sresfen die Fivtno. Dr. Willmttv Scbwttbe, Ceipxig, ist tan 6. fttäFZ 1931 zum«Scliscfze der Wivmtt Dr. Ifladatis ß Co., Httdohoul, ovtg ang en. Die Firma Dr. Willmar Schwabe, Leipzig, hal ein Druckblatt mit der Ueberschrift ..Zur Abfkläning" verbreitet, in dem behauptet wird, daß der von der Firma Dr. Madaus& Co. verbreitete Prospekt..Das Experiment beweist es" weiter nichts als ein noch dazu recht ungeschicktes Konkurrenzmanöver und die angeführten Experimente der Firma Dr. Madaus& Co. bewußt falsch seien. Die Nachprüfung der von der Firma Dr. Madaus& Co. angeführten Experimente durch Hern» Dr. Lottermoscr, Professor der Technischen Hochschule Dresden, ergibt aber die vollkommene Richtigkeit und eine Bestätigung, daß das homöopathische Präparat Dr. Madaus Verreibung Sulfur D 3 eine bedeutend feinere Schwcfelzert eilung enthält als das gleiche Präparat der Firma Dr. WilimarSchwabc. Auf Grund des schriftlichen Gutachtens des Herrn Prof. Loflermoser hat das Landgericht Dresden unterm 6. März 1931 gegen die Firma Dr. Schwabe eine einstweilige Verfügung erlassen(Aktenzeichen 1 C Ar 13/31), wonach der Firma Dr. Willmar Schwabe unter Androhung von Strafen für jeden Fall der Zuwiderhandlung untersagt ist, ihre, gegen unsere Firma görichtele Flugschrift mit den unwahren Angaben weiterhin zu verbreiten.—— Im zweiten Teil der durch einstweilige Verfügung verbotenen Schwabesöhen Flügschrift wird behauptet, daß das kolloide Präparat Dn Madaus eine nicht so weifgehende Feinverteilung des„Arzneisloffes" wie das Collöo-Präparat Schwabe besitze. Als Beweis hierfür zitiert die Firma Schwabe ein von ihr selbst unternommenes Experiment mit Silbernifral. Herr Professor Lottermoser stellt hierzu fest, daß die im Schwabeschen Experiment erzieltl Reaktion über einen Unterschied im Verteilungsgrad des Schwefels gar nichts auszusagen vermag, sondern lediglich die mangelhafte Reinigung des Solfur Collöo Schwabe beweist. Zu dem gleichen Ergebnis kommen in ihrem Gutachten die bekannten Kolloid- forscher Prof- Dr. Wolfgang Ostwald, Universität Leipzig, und Prof. Dr. J, Traube, Technische Hochschule Berlin. Zusammenfassend ersribt sich für uns aus den Gutaditen der drei hervorragenden Fachleute; II. In der homöopathischen Verreibung von Sulfur D3 Original Madaus ist der Schwefel der derzeitigen Herslellungstechnik feiner zerteilt und reaktionsfähiger als bei Dr. Willmar Schwabe. 2. Bei der Gegenüberstellung des Schwabeschen Xollöo" mit dem Madausschen„colloldale" beweist der Versuch mit Silbernitrat nicht den feineren Zertellungsgrad, wohl aber die mangelnde Reinheit von Sulfur Collöo Schwabe. Wenn also die Firma Dr. W. Schwabe den Satz prägt: „daß die gewöhnliche homöopathische Verreibung Sullur D3 Original Schwabe dem entsprechenden Madausschen Erzeugnis zum mindesten ebenbürtig ist und daß in dem von der Firma Dr. Willmar Schwabe in den Handel gebrachten Präparat„Sulfur Collöo" ein keiner verteiltes Schwefeipräparal vorliegt als in dem von der Firma Dr. Madaus& Co- hergestellten Sulfur colloidale", ko ist die HaUtosigkeit der für diesen Sali" angetretenen Beweisführung erwiesen durch die als G iiiachter von uns herangezogenen Autoritäten. Dl*a IVISICI8IJS St COar Radebeul- Dresden Am 21. März, 11 Uhr, entriß der unerbittliche Tod meinen innigst- gehebten Mann, unsern treusorgenden Vater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel, den Klaviermacher Friedrich Reiseck im fast vollendeten 62. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen Anna Reiseck g und Kinder Bln.-Neukölln, Schndomastraße 3/4. Sabli Die Einäscherung findet am Donnerstag, dem 26. März, IT1/, Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Am 31. März verstarb plötzlich und unerwartet mein lieber, unvergeß. llcher Mann, unser guter Bater, Schwiegervater und Opa kieksrd Voges im Alter von 58 Jahren. Dies zeigen tiefbetrllbt an Marie Voges, geb. RSeeler, Familie M. Voge*. Familie E. Beer, Reulölln. Berglir. 37, v, III. Die Elnäscheruna findet am Don» nerstag, dem 26. Marz, 16 Uhr, im Krematorium Baumschulcnweg statt Deatsdier Metallarbeiter-Vertiaoil Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeigen Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Invalide Hermaim laasch geb. 8. Februar 1859, am 20 März gestorben ist. Die Einäscherung findet Mittwoch, den 25. März, 13 Uhr, im krema» tarium Baumschulenweg statt. Am 30. März der Schlosser starb unser Kollege, Paul Warmschmidt Die Tlnäscherung findet Mittwoch, den 25 März. 17.30 Uhr, im krema- torium Wilmersdors statt. Am 22. März der Schlosser starb unser Kollege, Lkioried kaaeb Die Beerdigung findet Donnertztrg. den 26 März,>4.45 Uhr. von der Leichenholle de» Semeindesriedhos« Äelhensee, Rölckestratzo. aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Nachruf Am 1t März starb unser Kollege, der Stoßer Ernst Laue geb. 20. Februar 1873. Am 13. März starb unser Kollege, der Metalldreher Paul Lacke geb. 23. September 1880. Am 15. März starb unser Kollege, der Schlosser Ilarl Reckling Am 19. März starb unser Kollege, der Schmied Karl Steinke Die Beisetzungen haben beretts statlgesunden. Ehre ihre» Andeute«! VIe Ortsverwaltung. Beweise herzlich und zahlreichen Kranz- Für die vielen Teilnahme spenden anläßlich" des Heimganges meines lieben Mannes, unseres guten Baiers Radolk Buchholz sprechen wir allen Betannlen, ins- besondere dem Bezirkeamt Weddiug, dem Betriebsrat des Bezirksamtes Wedding, der 22. Abteilung der SPD. und dem Gesamtverdand unseren ausrichtigen Dank aus. Minna Bncbbolz aebii Kindern Danksagung Für die vielen Beweise ausrichtiger Teilnahme und herrlichen Blumen- spenden bei dem Helmgange meines lieben Mannes flermaiiii Söhncl spreche ich allen Freunden und Be- kannten, insbesondere der Verwaltung und den Kollegen der Konlum-De- nossenschaft Lichtenberg und Tempel- hos, dem Berband der Nahrung»- mlttel- und wetränkearbeiler, den Genossen der 41. Abt. SPD. und der Wohljahrtskommisfion 78 a, meinen liesempkundenen Dank au». krau Harftarele SOhnel fieo. Halb Bekanntmachung. Die in der Zeit vorn 1. Juli bis 30. September 1923 oer setzten Pfänder sind oersteigert worden. Ueberschüsse sind bis zum 23. Juni 1331 abzuheben. Staatliches Leihamt. ÜMMckMKrtlW Donnerstag, den 26. Alklrz, nachm. S Ahr. im Dresdener Garten, Dresdener Strasts 45 Versammlung der Gold- und SHberschmlede Tagesordnung: 1. Tarifangelegenheiten. 2. Branchenangelegenheiten. S. Berschtedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein gutritt. Das Erscheinen aller Kollegen wird be- stimmt erwartet. Donnerstag, de« 26. IRÜrz, abend» 7 Ahr, im Slhnngssaal des verbandshaoses. Llnlenftr. SS/SS II III Portal, 2 Treppen Konferenz der «elvi, vemrauensuersenen und Betriebsräte Tagesordnung: I. Bor trag de« Kollegen Leo vom Hauptvorftand über»Der Faschismus und seine Auswirkung sur die Ar beiiertlasse'. 2. Verbandsangelegenhellen und Ber- schiedene». Theater, Lichtfpiele ufw. Volltsbtttuie Tiat« am Bülowplati. 8 Uhr Die beiden Adler StaalUtMiler-II). 8 Uhr Bürger Schippel Himer am schitmauerdaiRin 8 Uhr Uallenlsdie Nadü Staatsoper Am Pl.d. Republik Vh Uhr Die Fiedem konferen» ZW und pllnttlich zu erscheinen. Organisterte Kolleginnen lännen al» Gäste an der Konserenz leilnehmeu. Donnerstag, de« 26. Marz, odds. r Ahr. im Gen-erkschafishan», Engelufer 24/25(Grober Saal) Branchen-Versammlung der Rohrleger und Heiter Tagesordnung 1. Berband». und Brauch euaugelegeu. hellen 2. Verschiedenes Mitgliedsbuch iegiiimiert. ' ireicher Besuch wirb erwartet. vir Ori, Verwaltung. M\m Heatei 8 Uhr Oer HauDtmEtin von Köpenitk *. Carl Zuckmayer Reg«; Reim Hilpert Kaminerspieie 8-.-, Uhr Diese alte Canaillel Ton Fernand Hozihe Regie: Engen Robert. Die Romödie 8V» Uhr KommteinVogel Dienstag, 24 3. Staals-Oper Unter d. Linden 204. A.-V. 20 Uhr Margarete Ende 23 Uhr Dienstag, 24. 3. Stadl opsr Bismarckstr Turnus III 20 Uhr Das Rbelnöold Ende 221A Uhr Slaats-Oper ha PUtt der RuwUik. V-R Wh Uhr Die Mm Oeffestl. RartsQTBrkm' Ende 22lb Uhr Staatl. (na CeadiniieDnii 175 A.-V. 20 Uhr MionaiBanhelni Ende 22�. Uhr Staati.Iciiiliei'Tiieatei.Oiarltbg 20 Uhr Bürger Schippel Ende gegen 22"! Uhr Tägl 2 Vorstg. S u. S'/a Uhr Barbarossa 9256 Katbra. 50 PI. bis 3 M, abends I bis G M. Dolile a. Billle Dance Fabies Co. mit Estelle Mattern und weitere Attraktionen. WM 9 15 Uhr. ZeDtr.-IUlü. hautta erlaubt. Vodob China, Dnncan Collies, Loue Werkmeistor, 4 Piillilpos, Karolevna's. Durmonfle osw. s«/. uhr CASINO-THEATER Lothringer Strafte 37. iiiiemieuiuiiMiiiiiiiiiuiMiiiiiiiieeuieniriiUBeiiBiiiuuimievNiitiu Nur noch bis 2. April 0 diese Schwlegerwäter und das ersikl. bunte Programm! Soanabend, den 4. Rprll 1931 zum ersten Male „Er träumt von Jise" Gotscfaein 1—4 Perionen Fauteuil 1�5 M-, Sessel 1,75 M. Sonstige Pr.; Parkett 75 PI. Rang 60 PI Tägl. S u. SIS Sonni. 2. S n. S" E 4, Alex. 8066 Nehm. 50 Pf.— 1 M., abds. 1-2 M. Hermann Leopoldi der berfihmte Wiener Humorist Oilandn-Tnipne. Esmaosfi& Gerda usr. GROSSES SCHAUSPIELHAUS Tagt. 8 Uhr. im weissen rdssi. Stg. nachm. 3 Uhr Originalbesctzung billige Preise Regie; Erik Cbarell Reichshallen- Theater ibends lAl Sonntag Hadnn. FTm Ubr 3 Stunden Lachen bei de „SSeStiner" Nachm. ermäßigte Preise, Tel. Merkur 1247. Dönhoff- Brettl; Variete— 10 Nammcrn— Tanz SwkhS.15 DAS BLAUE HEMD VON ITHAKA MUSIK: J. OFFENBACM THEATER IM ADMIRALSPAIAST Berliner ipis-7ii9 N e U k 6 1 1 B. W Lahns tr. 74175.1 sS'oaa�m V�äB?nd 25. 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Hypotheken-Aufwertungs-Konto.. Unbehobene Dividenden..,. Akzepte............ Bankschulden......... Schulden an Tochtergesellschaften Langiristige Schulden...... Verschiedene Gläubiger.,,. Avale.... 2 162 009.12 Gewinn- und Verlust-Kontor Gewinn-Vortrag aus 1928/29 Brutto-Gewinn 1929/30.., Abschreibungen..... Reingewinn RM 725315.43 Berlin, den 21. März 19JL . 448877.61 245 990 20 RM 10 000 000 1000 000 18 849 8 000 6 597 65 864 2 484 523 70 938 153131 468 370 83 1 069 137 92 Pf. Ii Pf. 90 02 522428 202887 10781812 Der Vontand. Ii ws Waller Basenclevsr Regit; Gustar Härtung RurlBrsienflarara- Theator Bismarck 449 8 Uhr Das sehwache Geschlecht r. Edouard Bourdet Regie; Ho Seintardt Rasierklingen versende ab Fabrik portofrei an Private. 20 Stück gegen Voreinsendung von Mk. 2.— in nur bester, garantiert lang- haltender Qualität Ladenpreis pro Stück 0.25 Mk. Erich Friedrichs Solingen, Karl-Marx-Allee 53. oer gute Kapiiäii' KaulaüaH�eXS: C. Böcker, Berlin UttUBimeruer Sita»» z,. KOalgiu 3881 Für die zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme, die mir beim Hinscheiden meines lieben, unvergeßlichen Mannes zuteil wurden, spreche ich hiermit meinen allerherzlichsten Dank aus. Frau E. Matlhcs, geb. MitteUtSdt. Berlin-Schöneberg, im März 1931. Rubensstraße 96 efencers wirksam sin« die KLEINEN ANZEIGEN in derGesamt. an f läge des „Vorwirts" und trotzdem übilllBB Deutsehes KQnstler-Tbeil. Barbarossa 3937. 8Va Uhr Ritter Blauhans adite Frau Renaissance- Theater Steinplatz 6780. 8% Uhr. Dordians unerlaubt U Pr. 0.50 bis 13.50. Piscatar-GQhRe (Wallner- Theater) Alex. 4592-93. Täglich SVi Des Kaisers Kuli Flr Lein ODseftr Zeitung Or.-SeKel statt 6 nur 3 H Pnrkett-f..1.2 .. 3. ÜO Saug, 2. 1 H. Das BUe-saiuter («Itkuu. Str. C TifL SVgtThr ! Xastlsrate Abend! Sonntags* wchaJ�Bhr k armäS. Preise. Zimmer. t Mk.7,-bli H- lWiö Baniowsky- Sehnen Theater In der stresemanasir. 8V» Uhr Amphitryon 38 Komödie von Jean Ciraudoux Inszenierung: Victor Barnowsky Komödienhaus 8V. Uhr Eine Königliche Familie ROSE THEATER 1 entwickelt sich zu einer besonderen Berliner Pflegesiätte der guten | Operette.(Volks-Zeitung i Soiatag 12�115�1 Sonnabend I 7nh0.l 8'/j Uhr Kleine Preise. Peppina unter pmünlidisr liitnn; di Komponisfea Robert Stolz In der Piraigrenbesehnnj Von Montag bis Freitag Lustspielhaus Täglich SVn Uhr Oer Lflgner u. die nenne von Kurt Götz Kleines Theat. Heute geschlossen! Morgen 8 Uhr Pramiarn Erika Gläßner Dersftue Bompaftnon Lustspiel reu Leu Lein. Würz, Zesch-Ballot, Kaufmann, Klubertanz. Lnslng-Tlieatef Täglich 81/. Uhr Die schöne Alexandra Losseff, ätnlturer, fuß. „Die Faschingsfee" Operette von KAlmfta Regie: Paal Bosc Tänze: Georges Blanvalel „Kaiman holie sich im Rose- 1 Theater einen großen Erlolg, � (Morgenpost Abendpreise t. M. 0.50 bis M. 3.— Nor noch bis 27. 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Wiederholungsrabatt t 10 mal 5 Proz., 20 mal oder 1000 Worte Abschluß 10 Fror., 2000 Worte 15 Proz., 4000 Worte 20 Proz.' Stellengesuches uborschrifts- wort 15 Pf., Textwort 10 Pf./ Anzeigen, welche für die nächste Nummer bestimmt sind, müssen bis 41/s Uhr nachm. im Verlag, lindenstr. 3, oder auch in sämtlichen Vorwärts-Filialen und-Ausgabestellen abgegeben sein tfr.iSö• 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Dienstag, 24. März 4934 Gowjetöl im Fünfjahresplan. Pläne über Menschenmaß.— Viele ungelöste Fragen.— Die russische Sphinx. In dem gemaltigen Umbildungsprazeß der russischen Wirtschost erfüllt das Erdöl eine lebenswichtige Doppclfunktion. Nach innen ist es der unersetzbare Grundstoff, aus dem die inecha- nisierte Londwirtschost ihre Antriebskräfte, die Eisenbahnen ihr Feuerungsmaterial, die Industrie ihre Schmiermittel und die Masse des Volkes ihr Licht empfängt. Nach außen ist es ein« chauptquclle für die Befriedigung des unstillbaren D e v i s e n h» n g e r s der Sowjetmacht. In steter Wechselwirkung bedingt und treibt eine Funktion die andere. Je weiter die Industrialisierung sortschreüet und je mehr die Landwirtschost kollektivisiert und„traktorisiert" wird, desto rascher wächst der Oel- und Trcibstofibedorf. Und je mehr sich die Jndustriegrundlagen Sowjetrußlands verbreitern, desto stärker wird das Bedürfnis nach technischer und kapital- mäßiger Hilfe des Auslandes, d. h. nach ausländischen Maschinen und Werkzeugen, nach Transportmitteln und Geräten tausendfacher Art, desto größer also auch der Valutabedarf. So wurde und ist das Petroleum ein Lebenselemenk der Sowjelwirljchafk. Aus der Erkenntnis dieser Funktionen ergab sich die Ziel- sctzung der russischen Oelpolitik ganz zwangsläufig. Sie gipfelte in der maximalen Steigerung der Produktion, weil nur aus dieser der rapid anwachsende Inlandskonsum und gleichzeitig auch der zunehmende Devisenbedarf befriedigt werden konnten. Die außerordentliche Tempobeschlcunigung des Ind«strialisierungsprl> zest'es, die der mehrfach noch oben korrigierte Fünfjahresplan dik- tierte, dedeutete automatisch auch eine umstürzende Ausweitung des bisherigen Aufgabenkreiscs der russischen Oelindustrie. Di« Frage drängt sich auf. ob sie auch wirklich in derLage sein wird, die ihr gesteckten Ziele zu erreichen. Um die Dinge zu begreifen, muß man sich ein Bild machen von der bisherigen Entwicklung der russischen Petroleum- industrie. Daß sie über die reichsten Oelreserven der Welt verfügt, ist ausreichend bekannt. 1913 betrug der Anteil Rußlands an der Weltausbeute an Rohöl 16,31 Proz.; um die Jahrhundertwende war es noch die Hälft«. Der unaufhaltsame Aufstieg der amerikanischen Oelgewinnung und die gleichzeitig« Stagnation der russischen waren die Ursache dieser Verschiebung. Im Jahre 1929, nach den Zerstörungen durch Krieg und Revolution, war die Rohöl- ausbeute auf 3,67 Millionen Tonnen oder nur 3,66 Proz. der Welt- Produktion herabgesunken. Seil 1920 ist die russische Oelindustrie unter unerhörten Anstrengungen planmäßig wieder aufgebaut worden. Die Anlagen wurden erneuert, die Arbeitsmethoden verbessert, neue Raffinerien, Rohrleitungen und Tanks errichtet. Dem Petroleum galten alle Sorgen der Sowjets. So stieg die Rohölaus- beute von 3,79 Millionen Tonnen im Wirtschaftsjahr 1929/21 auf 11,59 Millionen Tonnen im Jahre 1927/28, um mit 13,63 Mil- lionen Tonnen 1928/29 die höchste Vorkriegsproduktion(1991 mit 12,16 Millionen Tonnen) erstmalig zu überschreiten. Das letzte Rechnungsjahr 1929/39 brachte eine weitere Zunahme auf 17,2 Millionen Tonnen. In entsprechendem Abstand konnte auch die Ver- arbeiwng des gewonnenen Rohöls erhöht werden. Dieser Aufstieg der Oelindustrie war jedoch nichts Außer- gewöhnliches. Seine natürlichen Vorbedingungen waren im ungeheuren Reichtum der russischen Oelfelder gegeben, und bei der besonderen Aufmerksamkeit, die ihr von Anbeginn an geschenkt wurde, war es nur selbstverständlich, daß die Prohuktionsersolge nicht ausblieben. Auch die Aufgabe der Devisenbefchasfung wurde erfüllt, denn die hochwertigen Produkte(Benzin, Leuchtöl, Gasöl, Schmieröle) gingen größtenteils ins Ausland und brachten steigende Valutasuminen: die weniger wertvollen(hauptsächlich Mozut und Leuchtpetrolcum) wurden— in höchst ungenügenden Mengen— dem Inlandsbedarf zugeführt. Bis hierher kann die Entwicklung der russischen Oelindustrie, im ganzen betrachtet, als nornial ge- wertet werden. Der Aünfjahresplan hak phaniastische Ziele. Nun aber wind durch den Fünfjayresplan die Oelindustrie gewaltsam eingespannt in das Räderwerk einer über- steigerten, unorganischen, bei aller„Planmäßigkeit" doch plan- losen Sozial isieru u g, und darum mußte sie auch auf die gesunden Grundlagen verzichten, auf denen sie sich bisher im ganzen entfalten konnte. Die Leistungen, die künitig von der Industrie verlangt werden, sprengen alle in dieser Beziehung gewohirtcn Mag- stäbe. Die Planzisscrn für die Petroleumindustric müssen Er- staunen erregen: Die Rohölproduktion soll von 17,2 Millionen Tonnen im ab- gelaufenen Wirtschaftsjahr auf 47 bis 48 Millionen Tonnen in 19 3 2/33 gesteigert werden, also in drei Jahren um etwa 289 Proz. oder auf mehr als das Fünjfache von 1913. Im gleichen Verhältnis soll auch die Verarbeitung vergrößert werden: das heißt Verdreifachung der Raffiuericleistung und Bereitstellung der entsprechenden Lagertanks, Ocllcituiigcn, llmschlags- anlagcn, Transportmittel usw. Dieser Plan ist ohne Beispiel. Me stehi es nun mit den ZRöglichkeilen und Aussichlen für seine Verwirklichung? Kann man die gleiä>cn Gesichtspunkte und Methoden, die nian etwa beim Bau eines 5)ochosens, eines Wasserkraftwerks oder einer Tcrtil- fabrik anwendet, ohne weiteres auch auf die Gewinnung und Ver- arbeitung von Petroleum übertragen? Theoretisch ja, praktisch aber, wenn überhaupt, so nur höchst bedingt. Elementare Voraussetzung ist die Ergiebigkeit der Oelvorkommeii, deren Erschöpfung aber wieder nur innerhalb gewisser, von Wirts.chajtlichkeitsmomentcii bestimmten Grenzen möglich ist. Man kann die Ausbeutung auch der reichsten Oelfelder nicht über die Grenze hinaustreiben, bei welcher die Gefahr der Nerwässerung entsteht. Die russische Pro- duttion bewegt sich heute schon teilweise hart an dieser Grenze. Die Aufschließung neuer Vorkommen, die nötig wäre, um diese Gefahr herabzumindern oder zu beseitigen, muß an den großen hierfür benötigten Kapitalien scheitern. Die Investitionen für diese Zwecke bleiben sehr erheblich hinter dem Plan zurück, abgesehen davon, daß eine Gewähr für die ausgerechnete Ergiebigkeit neuer Felder überhaupt nicht gegeben ist. So müssen die alten Produktionsgebiete, vor allem Baku und Grosny, auf das äußerste angespannt werden. Damit sie das hergeben, was der Plan verlangt, muß in unerhörter Weise Raubbau getrieben, müssen kostbare Reserven, die bei ratio- neller Nutzung auf Generationen hinaus gereicht hätten, in wenigen Jahren vergeudet werden. Man kann natürlich die Ausbeute eines Feldes, sofern es ölrcich genug ist, sehr rasch verdoppeln oder ver- dreifachen, aber seine Erschöpfung wird zeitlich in geometrischer Steigerung beschleunigt, indes die Ausbeute in arithmetischem Ver- haltnis wächst. Gelingt es also, den Plan voll zu erfüllen, so kann dieses Ergebnis nur unter schwerster Schädigung der künftigen Produktionsbasis der russischen Petroleum- industrie geschehen. Eher ist jedoch anzunehmen, daß die schädlichen Folgen der jetzt ins Werk gesetzten Ausbcutungsmethoden schon weit früher eintreten, was für die Sowjetmacht nicht minder ver- hängnisvoll wäre. Die Zusammenhänge liegen klar zutage. Die gewaltsam hochgezüchtete Industrie und die nicht minder gewaltsam kollektivi- sierte Landwirtschaft brauchen rapid steigende Mengen an Erdöl- Produkten aller Art: ohne Petroleum kein Traktorenbetricb, ohne Benzin keine Autos und keine Flugzeug«, und ohne Schmieröle kein Fabrikbetrieb. Dem russischen Bauern und Arbeiter kann man sein Leuchtöl wegnehmen, aber der Traktor kann ohne Kraftstosf nichts leisten. Je vollkommener die allgemeine Planerfüllung gelingt, desto größer wird der Oel- und Treibstoffbedarf. Tritt also zu irgend- einem Zeitpunkt eine Verlongsamung in der Oelproduktion ein— und dies ist auch angesichts der einstweilen fehlenden Verarbeitung?- anlagen sür die Mchrmengcn durchaus wahrscheinlich—, so wäre dies das schwerste Unglück, das die Sowjets treffen könnte. Denn es müßte entweder der Export gedrosselt werden— und das wäre von unausdenkbaren Folgen für die Valutabilanz— oder der Inlandsbedarf müßte eingeschränkt werden, dann wurde dies den Zusammenbruch des Fünfjahresplanes bedeuten. Man kann wohl Menschen hungern lassen, Maschinen aber stehen still und verrosten, wenn sie kein Oel und Benzin haben. Welcher Fall auch immer eintritt, jeder wäre gleich katastrophal. Die Pelroleumindustrie der ganzen Well blickt heule gebannt auf die russische Sphinx und erwartet nichts Gutes von den immer neuen Dumpingrätseln, die sie aufgibt. Di« lähmende Krisenstimmung, die die Weltmärkte beherrscht, geht nicht zuletzt von ihr aus und von der Unberechenbar- keit der künftigen Oelpolitik der Sowjets. Die Schäden, die daraus der Weltwirtschast und damit den Arbeitsmärkten bisher schon er- wachsen sind, erreichen phantastische Ziffern, und die Zukunft liegt völlig im Dunkel. Wer aber an die Dinge nahe genug herantritt, der weiß, daß es auch im Bereich des Petroleums keine Wunder gibt. Die Sphinx der russischen Oclwirtfchaft kann deshalb auch für Rußland Geheimnisse bergen, die nicht nur wirtschaftlicher Natur sind, sondern auch große poli- tische Tragweite haben.— ar. Was wird mit dem Brotpreis? Höhere Ausmahlung, niedrigere Weizenzötle, Schluß mit dem Futierroggen! Die Sozialdemokratisck)« Partei kämpft gegenwärtig scharf gegen ein« drohende Brotpreiserhöhung. Von Mitte Februar bis Mitte März sind die Roggen- preis« um 39 Mk. je Tonne in die Höhe gegangen. Der Grund für diese Preissteigerung am Roggenmarkt lag weniger in einer Verknappung des Roggens als in der starten Abnahme der Weizen Vorräte, wodurch die Weizenpreise in die Höhe gingen und die Roggenpreise nach sich zogen. Daß ein Mangel an Roggen bis zur neuen Ernte entsteht, ist, wenn entsprechende Maßnahmen getroffen werden, nicht zu befürchten. Aber immerhin sind durch die Schielesche Roggenpolitik die Vorröte der Landwirtschaft so zu- sammengeschrumpst, daß trotz der guten Roggenernte die Verininde- rung des Weizenangebotes diese Preissteigerung am Roggenmarkt hervorrufen konnte. Die natürliche Folge dieser Preissteigerung war, daß auch die M e h l p r e i f e anzogen. Jetzt wurden aber dte B ä ck e r m e i st e r rebellisch, denn eine Preissteigerung für Mehl von 3,69 M. je Doppelzentner muß selbstverständlich ihren Profit schmälern, wenn nichi gleichzeitig der Brotpreis erhöht wird. Allerorts fanden erregte Versammlungen in den Bäckerinnungen statt, die der Regie- rung zu denken gaben: durch Verkauf von Roggen aus den Beständen der unter dem Einfluß des Reichsernährungsministe- riunis stehenden Stützungsgesellschasten wurde der Roggenpreis wieder von seinem Höchststand von 187 M. je Tonne am 14. März auf 189 M. heruntergedrückt. Auch die Mehlpreise gaben etwas noch. Trotzdem liegen sie noch um 2 M. je Doppelzentner höher als z» Be- ginn der Hausse. Die Bäckermeister oerspüren aber auch jetzt noch keine Lust, diese Preissteigerung aus eigener Tasche zu bezahlen, sondern verlangen, daß entweder der Roggenpreis weiter gesenkt oder der Brotpreis er- höht wird. 3n Köln haben die Bäckermeister beschlossen, den Brolpreis um 2 Ps. zu erhöhen. In Frankfurt a. M. wurde von den Bäckern ein« Eni- schließung gefaßt, in der die Regierung aufgefordert wird, die Mehl- preis« auf eine erträgliche Höhe zurückzufchrauben, da sonst der bis- herige Brotprcis nicht länger aufrecht erlitten werden könnte. In Berlin stellten die Bäcker ein Ultimatum an die Reichsregierung und forderten eine Senkung der Mehlprcise durch Verkauf der in Regierungshänden liegenden Getreidebeltände und Abbau der Zölle, sonst müßten sie den Brolpreis erhöhen. Ani Sonnabend wurde noch ein Kompromiß vorgefchlazcn, ebenso wie in Köln eine Brotpreis- crhöhung van 2 Pf. je Kilogramm vorzunehmen, das heißt, das Brot um 5 bzw. 6 Pf. zu verteuern. Solch ein„Kompromiß" ist aber für die Arbeiterschaft unannehmbar. Es ist ein tolles Stück, der Arbeiterschaft in ihrer jetzigen Lage eine Verteuerung des wichtigsten Rahrungs- mittels zuzumuten. Das Rcichsernährungsministerium. das alles ge- ton hat. um die Gelreidcpreisc in die Höhe zu treiben, muß jetzt dafür sorgen, daß der Brotpreis auf keinen Fall auch nur den Bruchteil eines psennigs steigt, wenn es nicht ojseu zugeben will, daß seine ganze Vreisabbauaktion ein Schwindel gewesen ist und es einseitig nur die Interessen der Landwirtschost verlritt. Den Bäckermeistern kann nicht zugemutet werden, aus länger» Zeit trotz erhöhter Roggcnpreise das Brot zum gleichen Preis zu liefern. Herr Schiele wird also wohl oder übel den Roggenpreis noch weiter senken müssen, damit auch der Mehlpreis heruntergeht. Das einfachste Mittel hierfür ist die Aufhebung des im Brotgesetz enthaltenen Verbotes, den Roggen nickst über 69 Proz. auszumahlen. Wird wie früher der Roggen wieder bis zu 79 Proz. ausgemahlen, dann können aus einem Zentner Korn 79 Pfund Rogzenmehl gewonnen werden, während jetzt nur 69 Pjund ousge- zogen werden dürfen. Diese Erhöhung der Ausmahlung wurde ermöglichen, daß die Bäcker trotz des gestiegenen Mehlpreises das Brot zum alten Preise oerkauseii können. Es war deshalb ein schwerer Fehler des Reichsrats, gegen den vom Reichs- tag angenommenen sozialdemokratischen Antrag auf Aushebung dieses Paragraphen des Brotgetreides Einspruch zu erheben. Außerdem ist es aber notwendig, um zu vermeiden, daß die Roggenprerse noch weiter steigen, daß der W c i z e n z o l l c r- m ä ß i g t w i r d, denn die Verknappung der Weizcnvorräte ist einer der Hauptgründe für die Roggenpreissteigerung. Erfolgt dies nicht, so wird von den Bäckern ick steigendem Maße Roggenmehl zur Streckung des Weizenmehls, das 19 M. je Doppclzentner teurer ist. verbraucht und auf diesem Wege eine Verknappung an Roggen her- vorgerufen. Ebenso notwendig ist es aber auch, daß die Getreidestützungs- stellen keinen Roggen mehr als Futterroggen(jetzt Eosinroggen) an die Schweinemästcr in Nordwestdeutschland ver- taufen, sondern ihre gesamten Vorräte an die Mühlen absetzen. Für alle diese Maßnahmen ist es höchste Zeit. Eine höhung der Brotpreise muß um jeden Preis verhindert werden. Er- Die Kleineisenindustrie klagi an! Reichswirtschastsministerium weicht«ms. Die Reichsgemeinschaft der Eisen-, Stahl- und Metallwaren industrie veranstaltete gestern in Elberfeld eine Kundgebung, in deren Mittelpunkt die schwere Arbeits- not in diesen überwiegend von kleinen und mittleren Betrieben besetzten Industriezweigen stand. In den Betrieben dieser ver- arbeitenden Kleinindustri« werden rund 869 999 Menschen beschäftigt, also weit mehr als das Doppelte der in der Schwer- industrie tätigen Arbeitnehmer. Die Kundgebung ge- staltete sich zu einer scharfen Anklage gegen die Monopol- Politik der Eisensyndikate, deren Preissenkungsaktion für eine weitere Vcrbrauchssteigerung von Eisen und Stahl-völlig unzulänglich sei. Nachdrücklich wurde die Forderung vertreten, den deutschen Eisenpreis auf den Stand der Weltmarkt- preise zuzüglich Zoll und Fracht zu senken. Der aus der Tagung anwesende stellvertretende Reichswirtschasts- minister, Staatssekretär Dr. Trendelenburg, wich in seiner Entgegnung einer Stellungnahme zu dieser klaren und berechtigten Forderung der Eisenverorbeiter aus. Er begnügte sich nur mit dem unverbindlichen Hinweis, daß di» Reichsregierung ihre Ausgaben darin sehe, die Interessen aller Wirtschaftsgruppcn gegeiicmander abzuwägen und auszugleichen. Vorläufer der Oiskonifenkung. Wirtschastsikrcdiie in Stuttgart verbilligt. Die Stuttgarter Städtische Girokasse, die etwa 199 Mil- lionen Mark an Gewerbe und Industrie auegeliehen hat, wird den Zinssatz für Bankkredite, uni der Wirtschaft damit einen Dienst zu leisten, vom 1. April ab um 14 Proz. herabsetzen, ohne für diese Kreditverbilligung cmf irgendeiner anderen Seite ihres Gcschäftsver- tchrs einen Ausgleich herbeizuführen. Wir haben Grund zu der Erwartung, daß die R e i ch s b a n k bald nach dem 1. April den Diskont von 5 auf 4 Proz. senken wird. �2 Prozent Dividende bei Boswau D Knauer. Der auf den 39. April einberufenen Generaiversaminluiig den Baswau u. Knauer A.-G. wird eine Dividende von 12 Proz. auf das um 9,83 Millionen Mark erhöhte Kapital vorgeschlagen. Im Vorjahr wurden 14 Proz. verteilt. Boswau u. Knauer fühlen sich also stark und sicher, trotz der Krise in der Banmirtschafr. Berbot der Zündholzeinfuhr in USA. Der Schatzsekretär der Vereinigten Staaten umerzeichnete einen Erlaß gegen die Einfuhr von Zündhölzer aus Finnland,'Norwegen, Estland. Schweden. Lettland, Oesterreich und den Niederlanden. Der Erlaß tritt sofort in Kraft. D i e Chi q rodont- Zahnbürste erreicht durch ihre SpezialUrniiniftiov igezahnler BorstenIchniU) die.gahniwilchcnröume als Echlupswinlel der Fäulniserreger und dtleiligl dadurch häigichen ZUHndelag und Mundzcruch. Nur echl in criginaUxuIunq. I Mar!.. Kinderbürft» 60 PI. Llm die Besoldungsordnung. Der Gutachterausschuß erklärt sich für das Berliner Gruppensystem. Nach dem preußischen Besoldungsgesetz sind die Gemeinden verpslichtet, die Bezüge ihrer Beamten nach dessen Grund- sätzen unter Berücksichtigung der örtlichen Berhältnissc zu regeln. Der für Berlin eingesetzte Gutachterauzschuß— drei Vertreter des Magistrats, drei Vertreter der Beamtcnorganisationen, unter Vorsitz des Scnatspräsidcnten Stadtverordneten Dr. Caspari— hat zu den vom Oberpräsidenten beabsichtigten Maßnahmen gegen die Berliner Bcsoldungsordnung ein Gutachten ausgearbeitet, aus dem wir entnehmen: Bei der Ungleichung der Bezüge der Kommunalbeamten an die der Staatsbeamten sollen nur„erhebliche Vor- l e tz u:i g e n". offenbare Auswüchse vermieden werde". Berlin hat als Rcichshauptstadt unter Berücksichtigung der einzig- artigen Verhältnisse seiner Riesenstadt und unter Beachtung der gesetzlichen„Grundsätze" ein neues Gruppensystem ge- schaffen, um die Beamten darin angemessen unterzubringen. Be- sonders maßgebend war die in der Nachkriegszeit ihrem Wesen nach ganz anders entwickelte Stellung der Beamten gegenüber den der Staatsbeamten(Neubildung der Stadtgemeinde aus vielen Einzel» gemeinden, andere Verteilung der Arbeitsgeschäste als beim Staat, geringer« Zahl von Beamten des höheren Dienstes als beim Staat. Daher liegt das Arbeitsgebiet anders als bei Staats- beamten: es ist im wesentlichen dem Arbeitsgebiet der Beamten des höheren Dienstes nähergerückt als in Preußen. Der Gutachterausschuß sieht hierin Besonderheiten, die eine„un- mittelbare Vergleichbarkeit" mit Staatsbeamten grundsätzlich nicht zulassen. Daß die Stadt bei der Würdigung dieser Besonderheiten in der Besoldung nicht zu hoch gegangen ist, ergibt sich daraus, daß der B e s o l d u n g s a n f w a» d bei der Neuregelung von 1927 17,19 Proz. beträgt, während er beim Staat etwa 29 Proz. ausinacht. Eine rein äußerliche Anpassung an die Gehaltssätze würde eine Z erreihung des Gruppen- planes in 27 Gcholtsfkalen(bisher 17) mit sich bringen. Der Staat hat seiner Besoldung ein L a u f b a h n s y st e m zu- gründe gelegt, während die Stadt das im Jahre 1929 bei Reich, Staat und Gemeinden eingeführte, sozial gerechlere Gruppensyslem mit gleichmäßigen langen Gruppen beibehalten hat. Dieses System hat sich bei Berlin bewährt. Die D i e n st a l t e r bestimmungen sind genau abgewogen. Eine Uebertragung der staatlichen Bestimmungen würde widersinnig« Ergebnisse herbeiführen. Beim Wohnungs- g c l d würden ähnliche unverständliche Verschiebungen eintreten. Der Gutachterausschuß lehnt die vom Oberpräsidenlen künstlich hlneingelragene Unterscheidung zwischen Beamten der Zentrale und der Bezirksämter als etwas Wesensfremdes ab. Er lehnt ferner die Gewährung von Zulagen, die bei einer einzigen Gattung allein«ine Auseinanderreitzung in vier verschiedene Gattungen mit sich bringt, ebenfalls ab und verwirft schließlich die Unterscheidung zwischen vor- handenen und neuanzustellenden Beamten als etwas, was der bisher üblichen Bezahlung nach der Leistung widerspricht. Der Gutachter- ausschuß stellt serner fest, daß Bestimmungen, die im Jahre 1929 von derselben Aufsichtsbehörde genehmigt worden sind, heute beanstandet werden, daß die Aufsichtsbehörde dieselbe Abweichung, die der Staat dem Reiche gegenüber ausweist, bei der Stadtgemeinde Berlin als unzulässig ansieht(Wohnungsgeldzuschuh für Ledige), und daß z. B. bei Schwerbeschädigten die Anwendung der staatlichen Bestimmungen das, was man diesen schwerbetrofscnen Bürgern auf der einen Seite als Vorteil gibt, auf der anderen Seit« wieder zunichte macht. Zum Schluß wird als Ergebnis fest gestellt, daß die Berliner Bcsoldungsordnung die siaallichen Bestimmungen nicht verletzt. * Gestern abend nahmen in den Gesamträumen der Germania- Säle die sechs freigewerkschaftlichen Organisatio- n e n der Beamten und Angestellten der Berliner städtischen Ver- waltungen, Betriebe und Gesellschaften zu dem Besoldungskonflikt Stellung. Wie die Genossen Soldes und M« h l i ch ausführten, hat also die geschlossene Abwehrfront der 30 000 freigewerkschostlich organisierten Arbeitnehmer ihre Wirkung nicht verfehlt. Der Gut- achterausschuß hat das Verlangen des Oberpräsidenten abgelehnt. Trotzdem ist der Kampf der Berliner städtischen Beamten und An- gestellten lim die Erhaltung ihrer Existenz keineswegs beendet. Am Mittwoch wird der Berliner Magistrat zu dem Gutachten Stelllmg nehmen und dem Oberpräsidenten das Ergebnis mitteilen. Es steht ldann zu erwarten, daß daraufhin der OberprSsident endlich einmal seine Abbauforderungen be gründen wird. Mag diese Begründung aber ausfallen wie sie will, die Beamten und Angestellten werden kein« Schmälerung ihrer Rechte hinnehmen. Sie vertrauen dabei nicht zum mindesten auf die Unterstützung durch die proletarische Mehrheit der Berliner Stadtverordnetenversamn,- lung und auch aus die Hilfe des Berliner Magistrats. Schließlich bleibt noch ein Einspruch bei dein Landesschledsgerlcht vorbehalten. Aber alle diese Maßnahmen werden nur erfolgreich fein, wenn sie begleitet werden von dem nicht erlahmenden Kanlpswillen der betroffenen Beamten und Angestellten. Der stürmischeBeifall der oersammelten Massen, der jedem Referat folgte, bewies, daß es an diesem Kampfwillen nicht fehlen wird. Ein« entsprechende Entschließung fand ein stimm ig» Annahme. Neichsbahn-Lohndruckschiedsspruch. Von der Hauptverwaltung angenommen. Oer Schiedsspruch für die Eiseybahllarbeiter vom IS. Würz, der im Durchschnitt«inen Lahnabbau von ß Proz., für manche Arbellec- oruppen sogar eine verschlechlcrung bis zu 11 Proz.»arsicht, ist van der Hauptverwaltung angenommen, von den G c w e c k- schasten selbstverständlich abgelehnt worden. Die Reichsbahngesellschafl wird die Verbindlichkeitserklärung be- antragen, und Herr Dr. Slcgerwald wird zustimmen. Sie Wahl bei der B»G. Sieg der freigewerkschaftlichen Listen'. Di« Zahl der wahlberechtigten Arbeiter bei der Berliner Verkehrsgefellfehaft ist von 24 922 im vorigen Jahre auf 23 144 zurückgegangen, von'denen 19 341 gewählt haben. Die sreigewerk- schaftliche Liste erhielt 0713 Stimmen(1939— 19 155), die Deutfch- natiockalen 1112 Stimmen(1643), die Gewertfchafr Deutscher Eisenbahner 1811 Stimmen(1947), die Christlichen 736 Stimmen(891) und die RGO. 5545 Stimmen(6321). Ungültig waren 424 Stimmen. Die Sitze im Arbeiterrat verteilen sich wie folgt: Arne(fcxoexV schaslen 16 Sitze(1930— 15), Deutschnationale 1(2), Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner 3(2), Christen 1(1), RGO. 9(9). Der besondere„Erfolg der R G O." ist also trotz aller Anstrengungen und Lügen ausgeblieben. Der steigewcrkfchaftliche Einfluß hat sich im Arbeiterrat um ein Mandat verstärkt. Den einen Nazimann, der bisher im Arbeiterrat war, hat offenbor die Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner verschluckt. Die Stärke des n o t i o na l s o z i a l i st i- scheg Anhanges unter der BVG.-Arbeiterschaft zeigt sich in den 42 4 ungültigen Stimmen, da die Nazis zur Abgabe un- gültiger Stimmen aufgefordert hatten. Von den Angestellten waren 1977 wahlberechtigt, wovon 1682 gewählt haben. Es stimmten für die f r c i g e w c r k f ch a f t- l i ch e Liste 1139(1939— 1228), für die Liste des GdA. 56(—).. für die gemeinsame Liste der Deutschnationalen und Nazis 439 (389). Ungültig waren 57 Stimmen. Nach der vorläufigen Berechnung erhalten die freien Gewert- fchaften im Angestelltenrat neun Sitze und die listenverbundenen Deutschnationalen., und Nazis drei Sitze. Der GdA. bekommt keinen Sitz. Im vorigen Jahr hatten die freien Gewerkschaften im An- gcstelltenrat zehn Sitze und die Deutschnationalen drei Sitze. Der Angestelltcnrat hat sich infolg? des Rückganges der Zahl der An- gestellten der BVG. um einen Sitz verringert. Der Betriebsrat fetzt sich zusammen aus 18 Frei- gewcrkfchaftern(1939— 17), sieben RGO.-Leuten(7), zwei Deutschnationalen(3), zwei Mitgliedern der Geiverkfchaft Deutscher Eisenbahner(2) und einem Christlichen(1). Or. Völkers als Schlichter. Für die fchlesischen Textilarbeiter hat er nichts übrig. Am 21. März gingen unter Vorsitz des Lohnsenkers Dr. B ö l- k« r s die Verhandlungen über den Tarifftreit in der fchlesischen Textilindustrie im Reichsarbeitsministerium in Berlin vor sich. Das Resultat ist bekannt. Die Schlichtungskammer flog auf. Ein Spruch kam nicht zustande. Bereits nach 21§ Stunden hat sich Herr Dr. Volkers aus den Darlegungen der Parteien scheinbar ein so„klares" Bild gemacht, daß er zur Bildung einer Schlichtcrkammcr schritt. In anderen großen Textiltarifbczirken dauerten allein die Parteivcrhandlungen 12 bis 14 Stunden und noch länger, dann nahm der Vorsitzende das Material der Parteien entgegen, vertagte die weiteren Verhandlungen um 8 bis 19 Tage, damit er sich mit dem Material vertraut machen SFD.-Betriebs- u. aewerkschattsfunKtionire Arn Freitag, dem 27. März, 1S>/, Uhr, Musikersile, Kaiser-Wilhelm-StraBe 31 SPD.-Betriebsfunktionärsftzuna 1 Vortrag des. Genossen Kurt Heinig, M.d R.:„Ol« wlrt«cllOVIUclM l«««" Z- Aussprache. 3. Wahl von 3 Vertretern für. den emelterten Bezirksvorstand. Parteimitgliedsbuch und Betriebsfunktionlrkarte legitimeren, Das Betriebssekretariat. konnte, berief von neuem die Schlichterkammer ein, die sich ldann nochmals zwei Tage lang mit diesem Material befaßte, ehe sie zu einem Schiedsspruch kam. Der Schlichter Dr. V ö l k e r s machte sich die Sache weit leichter. Alles deutete von vornherein darauf hin, daß er sich mit der Absicht trug, die mit am schlechtesten bezahlte schlesische Textilarbeiter- schast mit einem Lohnabbau nicht zu oerschonen. Das umfangreiche Peweismotcrial der Arbeitervertreter lieh Dr. Völlers völlig klar. Mit keinem Wort hat er es gewürdigt. Der Hunger und die Notlag« der fchlesischen Textilarbeiterschoft interessier- ten ihn nicht, wohl aber erweckte die„Notlage der schle- s is ch e n T e x t i l i n du st r ie l l e n" sein besonderes Interesse. Sein Verhalten in dieser Beziehung war so beispiellos, daß jeder Unbe- fangene zu dem Glauben kommen konnte, einen richtig gehenden Unternehmersyndikus vor sich zu haben. So hatte sich der Gesetzgeber bei Schaffung der Schlichtungsordnung den unparteiischen Borsitzenden bestimmt nicht gedacht. Während der Kammersitzung hielt es Dr. V ö l k e r s für notwendig, 5% Stunden mit den Unternehmer Rücksprache zu nehmen. Für die Bespre- chung mit den Arbeiteroertretern genügte eine Viertelstunde. Unter diesen Umständen mußten die Arbeitervertrcter zur fach- lichcn Beweisführung für die Richtigkeit ihrer Angäben folgenden Antrag stellen: „Die Arbeitnehmerbeifitzcr beantragen, daß sich die Schlichter- kammer vertagt und die Arbeitgeber beauftragt werden, aus allen Betrieben Aufstellungen vorzulegen, aus denen zu entnehmen ist, wie hoch die Akkordstücklöhne für die einzelnen Artikel 1927 waren und gegenwärtig sind." Diesem Antrage widersetzte sich Dr. Völkers, Indem er ihn mit den Unternehmern der Kammer nieder stimmte. Jetzt blieb kein anderer Weg mehr, als daß die öelsiher der Arbeiter jede Mitwirkung in einer derartigen Kammer ablehnten und dieselbe unter Protest verließen. Die Schuld für alles, was daraus entspringt, fällt auf die, die dieses Trauerspiel veranlaßt haben. Das Reichsarbeits- Ministerium hat es für richtig befunden, der fchlesischen Textil- arbeiterschaft Dr. Völkers gegen den ausdrücklichen willen der Ar- beitcr und unter Umgehung des sür diesen Fall zuständigen Schlich- ters als Sonderschlichter auf die Base zu setzen. Die G e w e r k- s ch a s t e n sind nicht einmal befragt worden, wie es in umgekehrten Fällen bei den Unternehmern stets geschieht Ein solches Verhalten des Reichsarbeitsministeriums muh als u n- freundlicher Akt unter Außerachtlassung der einfachsten An- stand-pslichten den Gewerkschaften gegenüber betrachtet werden. Das letzte Wort in der Angelegenheit ist noch nicht gesprochen. Scharfmacherei im Einzelhandel. ZdA. lehnt unverschämte Zumutungen ab. Obwohl die Arbeitgeber des Groß-Berliner Einzelhandels mit dem Schiedsspruch vom 9. Januar 1931 einen Abbau der geringen Gehälter ihrer Angestellten erhielten, haben sie auch den Mantel, t a r i f v e r t r a g sür die Angestellten zum 31. März gekündigt, um die Gehälter noch mehr zu verschlechtern. Sie wollen einen „L c i st u n g s v e r t r a g" für die Angestellten der Gruppen 1 und II durchführen und die Bezahlung der Angestellten nach den I Gruppen III und IV aus dem Tarifvertrag heraus, nehmen. Dieser Plan bedeutet für die schon jetzt unzureichenden und durch allerlei Maßnahmen stark gekürzten Gehälter eine noch weitere Verschlechterung der Existenzbedingungen der Aegestellten, die u n- erträglich ist. Auch der Urlaub soll erheblich oerkürzt und die Ueberstundenbezahluna stark eingeschränkt werden. Die Verhandlungen am Montag sind als ergebnis- los abgebrochen worden. Der Zentralverband der A n g e st e l l t e n hat es abgekchnt, über derart rigorose Forderungen der Arbeitgeber zu diskutieren, während die Herern sich nicht bereit erklärten, von ihren unglaublichen Forderungen Abstand zu nehmen. Die Gewerkschaften werden den S ch l i ch t u n g s a u s s chu h an- rufen._ Lohndruck durch Heimarbeii. Gegenmaßnahmen des Bekleidungsarbeiterverbandes. Die Heimarbeitcrfrage hat für die Arbeiterschaft der B e k l e i» dungsindustrie infolge der Wirtschaftsnot gang besondere Bedeutung erhalten; denn der Lohtidruck der Heimarbeit bedroht die tariflichen Sicherungen. Eine verstärkte Tätigkeit derFachausschüsseist unbedingt notwendig. Für alle Gruppen der Heimarbeiter und Heimarbeiterinnen, sür die keine tarifliche Regelung der Löhne besteht, müssen Winde st entgelte festgesetzt werden. Die Festsetzung eines Stundenlohns allein ohne Fest- fetzung der Stückzeiten ist unzureichend. Die Schaffung eines Stundenschemas für die Berechnung oder Festsetzung der Akkordlöhn« muß von den Vertretern bei ollen Fachausschüssen an- gestrebt werden. Um eine größere Gleichmäßigkeit in der Lohnfest- setzung für die einzelnen Branchen herbeizuführen, ist überall, wo die Voraussetzungen dazu gegeben sind, die Bildung von Gesamtfachausschüssen anzustreben. Die Durchführung und Jnnehaltung der Mindest- entgeltung und der bestehenden Tarife erfordert stärkste Beachtung. Hierfür reichen die bisherigen Schutzmaßnahmen nicht aus. Der Beirat'des Deutschen Bekleidungsarbeiter- Verbandes hat angesichts dieser von ihm bei seiner Stellung- nähme zu dem Ergebnis der Tarisoerhandlungen festgestellten Sachlage die Forderung erhoben, daß neben den beamteten Kräften der Gewerbeaussicht, die mit'der Lohnkontrolle betraut sind, auch die beiderseitigen Vertreter des Fachausschusses die amtlichen Befugnisse der Lohnkontrolle erhalten, damit sie der amtlichen Lohnkontrolle Hrlse leisten können. Die Anzahl der vorhandenen beamteten Kräfte reicht nicht aus. Eine ent- sprechende Entschließung des Beirats wurde einstimmig angenommen und den einzelnen Länderregierungen übermittelt. des Deutschen Be- auf die Wirtschafts- Zur Frage der RGO. gehört, kann Der im August fällige Berbandstag kleidungsarbeiteroerbandes wurde mit Rücksicht läge zunächst um einige Zeit verschoben. RGO. beschloß der Beirat, niemand, der zur Mitglied des Deutschen Bekleidungsarbeiterverbandes fein. Die Arbeitslosigkeit hat auch den Bekleidungsarbeiter- verband finanziell schwer belostet. Sie betrug Ende des Jahres 66 Proz. Trotzdem entschied der Beirat, daß die st a t u t a r i s ch e n Unterstützungssätze nicht verändert werden sollen, Wahl bei Karstadt. Am Mittwoch Abrechnung mit der NGO.' Die Belegschaft des Warenhauses. Karstadt am Hermannplotz hat am Mittwoch ihr« gesetzliche Betriebsocrtretung neu zu wählen. Bei der letzten Wohl im vorigen Jahr waren von den zehn Arbeiterratssitzen acht den freien Gewerkschaften und zwei der RGO. zugefallen. Die Hirsch-Dunckerschen und die Christen er- hielten keinen Sitz. Im Angestelltenrat erhielten die AsA-Gcwerk- schaften sieben Sitze, der GdA. fttns und der DHV. einen Sitz. Di« Arbeiter haben diesmal nur zwei Listen ausgestellt und zwar ein« freigewcrkschaftliche und eine RGO.-Liste. Bon den kauf- männischen Angestellten ist ousjet der freigewerkschaftlichen Liste noch je eine Liste des GdA., des DHV. und des VwA. ausgestellt worden. Die RGO. versucht natürlich mit den bekannten schäbigen Mitteln, die gewerblichen Arbeitnehmer von Karstadt für ihre Kandidaten zu„begeistern", obwohl die beiden„revolutionären" 2lr- beiterräte von ihren vor der Wahl gemachten Versprechun- gen nichts gehalten haben. Diese beiden Helden haben es noch nicht einmal gewogt, die vor ihrer Wahl auigestellten „revolutionären" Forderungen dem Betriebsrat, viel weniger noch der Geschöftsleitung zu unterbreiten, obwohl sie dazu von der Be- legschast mehrmals aufgefordert wurden. Sie haben jetzt wieder solche Agitationsforderungen aufgestellt, die aber schon viel zahmer sind als die vorjährigen. Aber auch dieses revoluttonäre Gaukelspiel wird den RGO.-Leuten nichts mehr nützen, denn die Belegschaft von Karstadt hat dieses Spiel längst durchschaut. Daß dies keine leere Behauptung ist, zeigte der Verlauf der„großen Betriebsversammlung", die die RGO. in der vorigen Woche nach Kliems Festsälen einberufen hatte und in der ganze fünf Mann der Karstadt-Belegschaft anwesend waren, also noch nicht einnral sämtliche Betriebsrots- kandidaten der RGO. Es gibt für die Arbeiter und An- gestellten von Karstadt am Mittwoch nur eine Richtung, für die sie stimmen, und das ist die f r e i g e w c r t s ch a f t l i ch e Richtung. Vciclsamt Mitte, LPD-Betriebefiakti«».?!«?rrtammtuna ittt GUT'.- Funktionäre bei-Brandis. Elralauer Str. 10, nnifi wciicn des Leichenbtaänanissc» des ßknoffen Müller auf l? t c i t a fl ltSlä Uhr) Beilegt werde». �reic Gewerkfchafis-ZuaenS Berlin Stute, Dienstag.!!>';> Ulir, tagen die ZStuppcn: Treptow: Kruppendeim Gebule Wiidenbruchftr. 53- üi(Loitsimmerl, Bunter Abend.— fttant. faltet Alle«: Stadt. Iugentbeim Litauer Str. 1». zabrtbefvWdiuna und Lichtbiidervortraat„Der Sarj".— Lichtenberg: Iugeubheiin Dossestr. 22.„Die (»rwerlfchaUen in Rnöland."—«eii-Lichtendergt Ingendheitn Sunterftr. 44. „Sitte, Gchant und SILrverkultur."— Pankow! Gruppenheim Pankow, Äisiingen-- stoasie 48, Zimmer ü. Kabarett auf Glhallplatten.— Scwerkschastsbaus t Sruprenbeim Engelufn: 24— 26, Saat 11.«Gewerkschaften und Kirche.--— Schöneweib«: Jugendheim Riederfchöneweide, Berliner Sir. 3t. Lustiger Abend: „Alfred kommt".— AdleesHoi: IitgendHeim Bismarckstr. 1. Sosentattu. Abend: Peter Bofeaacr u. a. österreichische Dichter.— Wedding: Iugendlieim Will. dcnowstr. Sil.„Die Poiuei in der Kgriiatue."- Sstendc: Zug tidbeim Karls. borst, Tresiowallee 44 IKanI-Schnle).„Getverkfchaflett und ÄolioitglfoiraNs. muo."— Köpenick: Wir sind im zt-gendlieim Sdiöneweidt.— Sotten für die Iugendrarstollung der Boltsbübne am Sonntag, 22. Mctri, um 15 Uhr, sind noch in der Iugendsentrale erdältlich. Zuaendaruppe des Zentralvertandes der Anaeffellten Seut«, Dienstag. lind folgende Veranstaltungeit: Aordwesten: Jugend. beim Lehrter Str. 18— 10. Bunter Abend.— Lichtenberg: Jugendheim Gunterstr, 44. Aitsspracheadettd.— Der Sprech, und Bewcgnngschor hält ab 20 Ubr in der Schule tTnrnhalle) Daruiher Eirafte feinen Uebungsadend ab.— Saelen ,iir IugetidBorsteUitttg der Bolksbiilin« am 2». Mö-rt find mm Preise oon 80 Pf. im nugcidsekretariai zu Iiaben, Scan Vandor: SBwei unglückliche brauen i. Die zwei unglücklichen Frauen begegneten einander aus der Treppe des Palazzo Bendrannn. Die eine kam aus Deutschland, und sie war sehr blond, sehr jung und sehr traurig. Wie ein folgsamer Hund lies sie hinter einem Mann mit rotem, verschmitztem Gesicht her, der seit sechs Tagen ihr Gatte war, und der sie seit vier Tagen unermüdlich treppauf, treppab führte, über marmorne Stiegen, zu Bildern, Statuen, Gläsern und zu den ob- getragenen Mänteln der Heiligen. Die kleine Frau ging hinter ihm her, zuerst lachend, später lächelnd, dann müde, mißmutig, jetzt schon traurig, ungeduldig. Der Mann sah nicht, was sie für ein Gesicht machte, während er die breiten Treppen emporstieg, denn er witterte alte Schmtzereien, alte Waffen. Aus den verblaßten Vorhängen schlug ihm der Atem einer blutigen, leidenschaftlichen Vergangenheit entgegen. „Schau', Gretel", sprach er mit Entzücken vor einem hoch- rückigen Stuhl, dessen Samt entzweigesprungen war, auf dessen Lehne sich aber Amoretten wälzten und küßten. Grete schaute nicht hin. Sie ging zum Fenster und starrte auf das Wasser hinaus. Der Mann ärgerte sich für einen Augenblick, dann hatte er die Frau aber schon wieder vergessen. Sein Interesse nahm ein Stück vierhundertjähriges Leder gefangen. Grete wandte sich jetzt vom Fenster ab, und durch ihr Köpfchen wirbelte der Entschluß, morgen von Venedig abzureisen. Sie hat ja schließlich nicht deshalb eine Hochzeitsreise unter- nommen, damit ihr Gatte alles begösse, nur nicht sie. Damit sie niemals lachen, sondern immer nur von etwas entzückt sein soll, was ihr fremd ist, was sie nicht versteht, nicht liebt, sich nicht wünscht. Dieses Venedig hat ihr ihren Fritz geraubt, dachte sie voll Schmerz. Der Aerger schnürte ihr die Kehle zu. „Fritz!" sprach sie mit bebender Stimme zu ihrem Gatten, de? eben eine alte japanische Vase fast mit den Augen verschlang. »Fritz", sagte sie nochmals,„mich schau' an!" „Sofort", erwiderte Fritz zerstreut und gaffte weiter auf die Vase. „Fritz!" sprach die Frau,„es ist genug! Jetzt schau' schon mich an!" „Was soll ich an dir schauen?" fragte der einwöchige Ehemann noch zerstreuter und sehr dumm. „Du liebst mich nicht", sagte Grete, aber sie weinte nicht, wie man es sonst bei solchen Gelegenheiten zu tun pflegt. „Warum liebe ich dich nicht?" fragte Fritz verblüfft, und er wäre sehr gerne zu seiner Vase zurückgekehrt. „Du liebst mich nicht: seitdem wir hier sind, liebst du mich nicht", wiederholte die Frau und drückte stark seinen Ann. „Du bist ein Kind", erwiderte der junge Ehemann und warf einen trostlosen Blick auf eine zweite Vase, auf der rosafarbige Apfelblllten zu sehen waren. „Gehen wir nach Hause." „Grete", sprach der Mann schrecklich dumm,„schau' dich doch ein wenig um. Siehst du nicht die Vergangenheit, die dort in den alten Lchnstühlen sitzt, durch die niedrigen Türen ein- und ausgeht. die sündigt, raubt, mordet, die niederträchtig ist, großartig, sündig und heilig." „Ich bin nicht dazu hierhergekommen, um das Vergangen« zu betrachten, sondern, daß du mich betrachtest. Und anstatt, daß du mich betrachtest, starrst du stundenlang eine schobige Vase an." „Das ist eine schäbige Vase? Weißt du, welchen Wert diese schäbige Vase hat?" -„Einen größeren als ich?" Fritz begriff die Frau nicht. Er konnte es nicht verstehen, wie man zwei so grundverschieden« Dinge miteinander vergleichen könne. „Wärst du glücklicher, wenn diese Vase dir gehörte, als du darüber glücklich bist, daß ich dir gehöre?" „Komm!" sagte Fritz: er nahm seine Frau unter den Arm tzich führte sie in den Nachbarsaol. Dieser war ein lieber, intimer Frouensalon, in ein seines Halb- dunkel gehüllt, mit einem großen Spiegel, vielen Nippsochcn. Sie waren allein. Grete glaubte, ihr Gatte werde sie jetzt küssen, und olles wird wieder gut fein. Sie standen eine Weile in der Mitte des Saales, schauten nach rechts und links, zur Deck« empor, auf die marmornen Tische, und plötzlich drückte der Mann tatsächlich ihren Arm an sich und zog sie in eine Ecke. Diese leidenschaftliche Geste, dieser kleine Taumel war sehr gut, «nd Grete schloß schon die Augen, wie sie es immer tat, wenn sie einen Kuß bekam. „Du", sprach fiebernd der Gemahl,„also ist das nicht wunder. schön?" Grete blickte auf. Vor ihren Augen erhob sich in sonniger, rosiger Pracht eine herrliche, schlanke japanische Vase. Ihr Gatte verschlang sie mit den Augen, er atmete die daraus gemalte Luft, sog den darauf gemalle» Duft ein, und er bemerkte nicht, daß er die arme kleine Frau bis in den Staub erniedrigt hat, und daß der armen kleinen Frau zwei Tränen über die Wangen rollen. II. 1.Howard, du gähnst?" fragt« die zweite unglückliche Frau Erschrocken ihren Gatten. Diese Frau war in Spitzen gehüllt, sie trug weiße Schuhe, auf ihrer unbeschuhten Hand blitzten Edelsteine, ihr Gesicht war sanft, länglich, fein. Howard hatte ein' römisches Prosil, und er trug ein Monokel. All« fünf Minuten gähnte er. Dieses Gähnen stach der Frau ins Herz. Ihr Gatte gähnt, während sie in Extase ist. Ihr Gatte gähnt, wenn vom Himmel Ticpolos liebliche Engel auf die herablächeln: wenn von verblaßter Seid« verschnörkelte Drachen ihr entgcgenstarren, wenn ihre Finger über alte Brokate gleiten. Es war etwas Sonderbares, etwas Unverständliches, Fremdes, daß jemand zu solcher Zeit gähnen soll. „Howard", sprach die Frau mit sanfter Stimme,„dieses Bild hat Palma gemalt." „Palma?" erwiderte Howard,„der hat verstanden zu malen, wie? Schölte Schultern hat diese Frau. Obwohl mir dieses Gemälde hier besser gefällt." Die Frau zuckte zusammen. „Diese Piuselei?" „Warum sollte das eine Pinselei sein? Bild bleibt Bild!" Di« Frau blieb stehen. Wieder stach ihr etwas ins Herz. Dieser Mann, dieser Mann,— sie wagte nicht, es zu Ende zu denken. Ein Mann, den sie anbetet, den sie küßt, dieser Mann sagt:„Bild bleibt Bild." Howard gähnte wieder. „Nun", nuinte er dann mit bewunderungswürdiger Vornehm- hcit,„sollten wir nicht gehen?" „Du langweilst dich hier, in der Gesellschaft der Katharina Earnaro?" fragt« die Frau leise schluchzend. „Katharina Earnaro? Sie scheint momentan nicht zu Hause jp, sein."__. „Howard!" schrie die Frau,„Katharina ist doch, oh, du dummer Mensch, dort an der Wand: jene schöne Frau!" Howard errötete ein wenig. „Weißt du was, Gladys, gehen wir. Mich machen diese Bilder, diese Steine und Eisen blöd. Ich getraue mich nicht zu sprechen, denn wenn ich spreche, bist du der Verzweiflung nahe. Und sie machen mich schläfrig. Ich habe dann dos Gefühl, daß ich fremd bin unter ihnen. Du oertiefst dich in den Anblick eines zerbrochenen Türschlüssels, während ich an ihm nicht anderes sehe, als daß er rostig ist." „Sprich nicht so", bat Gladys.„Schau' dir diesen Stuhl an, auf diesem hat einst der Doge Vendramin gesessen." „Willst du, daß ich dir einen solchen kaufe? Er ist ziemlich bequem." „Dich interessiert an ihm nur, daß er bequem ist? Schweig, Howard, schweig! Fühlst du nicht, daß dieser Mensch, in diesem Stuhl hier sitzend, seine Pläne gesponnen hat, hier überlegt, hier seine Entschlüsse gefaßt hat..." „Was kümmert das mich! Gehen wir nach Hause. Ich habe Hunger." Gladys war blaß. Sie war riesig unglücklich und sie schämte sich. „Du verspürst einen Hunger, statt dich zu ergötzen, statt zu genießen: du hast mich betrogen, Howard. Und ich verstehe gar nicht, wie ich dich lieben kann, Howard." Sie dachte noch etwas, das wagte sie aber nicht laut zu sagen. Wortlos stiegen sie in die Gondel. Es war ein herrlicher Sonnenuntergang. Die Paläste schwammen in einem rosigen Meer. Tränen standen einem-n den Augen vor Entzücken, und die Gondel glitt alle fünf Minuten durch eine andere Stadt. „Siehst du auch das nicht?" fragte schließlich Gladys. „Was?" fragte Howard verwundert. Gladys erwiderte nichts. Wozu auch? Laugsam, in großer Stille fuhren sie nach Hause. Die Frau entzückt und verbittert, der Mann gelangweilt, ungeduldig. Auch zu Hause sprachen sie nicht viel. Irgendein Nebel senkte sich zwischen beide. Plötzlich umarmte Howard seine Frau und küßte sie aus den Mund. Glady küßte ihn zurück und sie begann zu schluchzen. Und sie weinte und küßte ihn. Weil sie nicht verstehen konnte, wie sie diesen Menschen lieben kann, und sich schämte, daß sie ihn liebt, und unglücklich war, daß sie ihn liebt,— und sie weinte und küßte ihn. lEinzig autorisierte Uebersetzung aus dem Unzarischen von Maurus Mezei.) Alfons SPaquei: 3)er JiamhaU bei fjoelhes Zwischen zwanzig und dreißig, während ihr Wolfgang blühend auswächst, Cornelia neben ihm eher ein verschlossenes, herbes und störrisches Kinderleben führt, hat Elisabeth Goethe das Schicksal der jungen Frauen jener Zeit abzumachen. Sieben Schwangerschaften nacheinander. Ein Wunder, daß sie daran nicht verkümmert oder zerbricht. Vier von ihren Kindern sterben im zarten Alter. Eines, 17S6, kommt tot zur Welt. Sie bleibt die schöne, heitere Frau, gesund, unverwüstlich. Läßt sich als Dreißigjährige auf dem später berühmt gewordenen Familienbild von Gevatter Seekatz malen. In einer idealisierten Landschaft vor drei bewachsenen griechischen Säulen mit Urne sitzt sie als Rokokodame mit Schäfcrhut und hoher Taille, wallendem Schultertuch und wallenden Röcken, mit einem Gesicht wie beim Photographen. Neben ihr steht in Kniestrümpfen und seidenen Pumphosen der Herr Gemahl in Schäsertracht. Er hat die rechte Hand in die aufgeknöpfte seiden« Jacke gesteckt, die andere in die Seite gestützt. Er hält den Kopf ein wenig vorgebeugt, mit einem Gesicht, als habe er eine Meldung zu machen, käme aber in der Erzählung nicht weiter. Die ganze Familie scheint aus eine Kutsche zu warten, die nicht komint. Ein paar Schritte hinter dem Vater steht der Knabe Wolfgang, er bindet ein rotes Band um ein Lämm- chen: daneben seine Schwester, die in aufrechter Haltung halb als Puppe, halb als Dame erscheint. Und ziemlich weit im Hintergrund sieht man als Genien die verstorbenen Kinder, man kann nicht genau erkennen, wie viele. Auf der anderen Seite in der Ferne ist eine dekorativ« Stadt mit Turm und Brücke in klassizistischen Formen, vorn liegen ein paar Schafe. Das Ganze ist recht im Geschmack damaliger Zeit, nicht ohne Feinheit und Schule in der Malerei der Stoffe und der Blume, von wirklicher Kunst in der Perspektive. Aber süß wie Torte. Im juste Milieu, wie auf diesem hocheleganten, ein wenig ttmtifchen Bilde— sti-steht der Vater Goethe in der Familie. Statt- lich, steif, niit einem würdigen Ernst, dem die wohlwollend ermah- nenden Töne am besten liegen, dieser„Voter-Ton", der dem empfindlichen, etwas fahrigen Sohn und die eigcnwillig-launijche, dabei vom Vater innigst geliebte Tochter zuweilen aufs tieffte auf- bringt und erbittert. Was ist nicht alles gegen den Rat Goethe ge- sagt worden, gegen seine rauchsleischzähe Art, gegen seine Knauserig- keit und Grämlichkcit, gegen seine Pedanterie. Gewiß, er zwingt Frau und Kinder an langen Abenden Bowers zum Gähnen lang- wellige Geschichte der Päpste zu lesen. Unermüdlich müssen Sprach- studien getrieben werden, die jungen Köpfe werden mit theologischem Wissen, mit kleinlicher Naturbeschreibung vollgestopft. Lehrer und Schüler werden unerbittlich kontrolliert. Aber de? kleine Wolsgang lernt ja alles spielend, und so sehr ihn dieses Pauken quälen mag, die vielseitige und gründliche Art dieses Unterrichts ist für den regen kindlichen Geist unschätzbar. Durch einen glücklichen Zufall ist in der Bibliothek Goethes zu Weimar in der dunklen Ecke eines Wandschrankes neben vergilbten Kaufbriefen und einem eigenhändigen von Friedrich Goethe, Wirth im Weidenhof, geschriebenen Dokument, das Haushaltungsbuch des Herrn Rat Johann Caspar Goerhe entdeckt worden. Es ist«in in Pergament gebundenes Buch in Kleinquart.„Uber ckomcsticws" steht auf der Rückseite. Dieses ganze Buch hat nicht viele seines- gleichen. Es ist von Goethes Vater 26 Jahre long mit einer wahrhaft imponierenden Gleichmäßigkeit eigenhändig ocschricben. Es reicht vom 1. Januar 1753 bis zum 10. September 1779. Siebzehn Jahre lang, bis �1770, wird der Bericht in lateinischer Sprache geführt, von da an größtenteils in der deutschen. Gewissen- Haft sind die Gct-dausgaben jedes Tages eingetragen, von den Aus- lagen für den großen Hausumbau 1755 bis zu der„Generalen Specification" für die durch die Einquartierung des Grafen Thorane entstandenen Bau- und Reparationskosten. Aber auch jedes Talglicht, jede Kleiderbürste ist verzeichnet und dazu geschrieben, wo sie gekauft, woher sie bezogen wird. Aus dem Titel dieses Verzeichnisses heißt es, daß die Küehcnausgabcn in dem Buch nicht erfchemcn sollen. Aber schon aus der ersten Seite finden wir holländischen Käse und eine Fteischerrechnuiig von 16� Gulden über 62 Pfund Schweinefleisch. Die zur Messe gemachten reichen Geschenke an die Gattin werden besonders eingeschrieben und nie ohne einen liebenswürdigen Ver- merk, zum Beispiel„wegen besonderen Fleißes", Diese Geschenke zur Herbstmesse beginnen mit 13 und 15 Gulden: später steigen sie höher. Dazwischen erscheinen goldene Ohrringe, grüne, goldgestickte Pantoffeln, Spitzen, eine seidene, mit Pelz besetzte Polonaise für 10< Gulden 30, und andere standesgemäße Kleidung für die Frau des Hauses. Verzeichnet sind auch die Ausgaben für die geselligen und musi- kalischen Vemnstaltungen im Hause, für den von dem alten heiteren Italiener Giooinazzi erteilten Gesangs- und Sprachunterricht, für das Abonnement im Roten Haus auf der Zeil. Für das Virtuosen- konzert der Mozartschcn Kinder am 15. August 1763 werden 4 Gulden 7 Kreuzer ausgegeben. Es bedarf keiner besonderen Vorstellungskraft, um sich nach dieser, mit fast notarieller Treue geführten Urkunde das Leben in dem behaglichen, gut und deftig geführten Bürgerhaus vorzustellen mit allen feinen heiteren und klingenden Beigaben wie auch mit seinen traurigen und schmerzlichen. Am 1. April 1754 werden die Begräbniskosten der Mutter des Herrn Rat mit der hohen Summe von 514 Gulden 35 Kreuzer eingetragen. Es wird also hier nichts gefehlt haben, was den Standesvorrechten aus ein pomphaftes Bc- gtäbnis mit Himmclwageu, acht Kutschen, sechzehn Rcbengängern, zwei Hellebordieren und einem feierlichen Schmause für die ganz« Verwandtschaft samt Anhang entsprach. Am 17. August desselben Jahres wird eine Amme für das zu erwartende Kind gemietet. Am 14. September werden die Kosten der Entbindung mit 15 Gulden 20 Kreuzer verzeichnet. 1755 bekommt die kleine Katharina den ersten Zahn. Die Eintragungen bestätigen einen Bericht, daß Goethes junge Mutter nicht imstande gewesen sei, ihre Kinder selbst zu nähren. Michelangelos Amme war die Frau eines Steinmetzen: es wäre nicht uninteressant zu wissen, von wessen Milch der klein« Wolfgong getrunken, da er besser als alle seine Geschwister gedieh und der einzige war, der die volle Lebenskraft der Eltern erbte. In den Jahren, ats Wolsgang in Leipzig und Straßburg stu« dierte, berichten die Eintragungen auch die daraus entstnndencu Ausgaben. Der Sohn bezog einen recht anständigen Monats- Wechsel. Es waren 100 Gulden. Di« verschiedenen Reisen und die von Wolfgang seinen Freunden veranstalteten Feiern gehen als Extraleistimgen. Jahrzehntelang wird das Hausbuch gewissenhast geführt. Patriziermäßig kann man diese Gewissenhaftigkeit nicht gerade nennen, sie erscheint schließlich als eine spießbllrgeyliche, aus ur- fprüngtich engen Verhältnissen stammende Eigenschaft und wird>s immer mehr. Di« Genauigkeit, die Knauserei des Baters in Geldsachen hatle allmählich im Verhältnis zwischen Bater und Sahn zu einem höchst im erfreulichen Zuftord geführt. Dem Sohn erschien seine Zukunft ungesichert. Die Rolle des knapp gehaltenen Haussohnes behagte ihm nicht auf die Dauer. Er, der einzige Erb«, der weltberühinte Dichter des„Werther", an dem die Nachdrucker sich bereicherten, war auf ein karges Monatsgehalt angewiesen. Selbst in Weimar ließ ihn der Voter in Geldverlegenheit, Merck mußt« mit einem Darlehen ou-chelsen. Da bringt nun das große Ereignis im September 1779 das väterliche Haushaltsbuch gänzlich zum Stillstand. Seit 1785"war Johann Wolsgang in Weimar. An seinem 30. Geburtstag wird der Doktor Goethe dort zum Geheimen Rat ernannt. Roch vorher, am 9. August, kündigt er der Mutter sich und den Herzog zum Besuch im Elternhause an:„Mein Verlangen, Sie einmal wiederzusehen, war bisher immer durch Umstände... gemäßigt. Rmimehr aber kann sich eine Gelegenheit finden..." und nun fügt er Ratschläge übe? Bett und Kost hinzu:„Der Herzog schläft auf einem sauberen Strohsack, worüber ein schön Leintuch gebreitet ist, unter einer leichten Decke. Für mich oben in meiner Wohnung auch«in Strohsack pp. wie der Herzog. Esten macht Ihr Mittags vier Esten(Gänge), nicht mebr noch weniger. Kein Geköch, sondern Eure bürgerlichen Kunststück aufs beste." Die Gäste kommen, wie angesagt, nach Frankfurt. Frau Not schwimmt in Stolz und Wonne, den Bater bringt dos groß« Ereignis außer Fastung. Seine Eintragungen in das Haushaltsbuch höre,, auf, acht Tag«, ehe der Sohn mit dem hochgestellten Freund« in da, Haus am Hirschgraben einkehrte. Bier Jahwe war Wolsgang fern g«-w«fe!i. Es ist, als ob es dem 69jährigen alten Herrn nach dem glanzvollen Besuch ein vergebliches Unterfangen bliebe, dem Lauf der Dinge mit der gewohnten Schreiberei zu folgen. Wistmusöl gefüliig? Das so heilsame und manchmal so notwendige Rizinusöl ein- zunehmen, bedeutet für die meisten Menschen den Schrecken der Schrecken. Aber es gibt eine Methode, durch die man jeden Brech- reiz und all die Unannehmlichkeiten vermeidet, die sich sonst so leicht bei dem„Gemiß" dieses Medikamentes einstellen. Der berühmte Kliniker Naunyn hat einmal gesagt, es gehöre dazu ein Handtuch, eine lange Rede und schließlich auch das Rizinusöl. Durch die Rede müsse man dem Patienten Nar machen, daß man das Oel nur dann schmecke, wenn es mit der Zungenspitze in Berührung kaniine, daß es dagegen sonst im Munde nicht empfunden werde. Diese weis« Er- kenntnis macht auch Prof. Sachs in der„Therapie der Gegenwart" zur Grundlage seiner beherzigenswerten Ratschläge. Danach soll man das angewärmte Oel aus einem auf der Unterseite gut trockenen Eßlöffel tief in den Mund hineingießen und den Einnehmenden dann sofort mit dem bereitgehaltenen Handtuch die Lippen fest und nachdrücklich abwischen lassen. Die meisten Menschen lecken sich nämlich ganz unbewußt die Lippen ab und bringen dadurch noch die Zungenspitze mit dem Oel in Berührung. Das wird vermieden, wenn die Lippen vorher abgerieben sind. Stört schon der Geruch des Oels, so soll man sich beim Einnehmen die Nase zuhalten. Diese Methode ist nach den Erfahrungen von Prof. Sachs die weitaus beste und übertrifft alle Bersnche, durch noch nicht wirksame Ge- schmacksoerbesserungen das Einnehmen erleichtern zu wollen. Die Adamiten, eine religiöse Sekte, die die völlige Nacktheit propagiert und pflegt, haben ihre Aorläuscr schon im zweiten und dritten Jahrhundert, damals gab es in Nordafrika eine gnoftifche Sekt« dieses Namens, deren Anhänger sich nackt versammelten Im 15. Jahrhundert fanden sie dann, besonders in Böhmen, weite Verbreitung, n««in Bauer, namens NiNas. sie begründete. Dar: zeichneten sich die Sekten dadurch aus. daß sie den Kommunismus einführten und die Frauen als Allgeiivüiiqnt erklärten. Sie setzten sich auf einer kleinen Insel im Flusse Luschnitz fest und bildeten hier ihren Souderstaat, bis Ziska die Insel eroberte und viele Mit- glieder diescs seltsamen Gemeimvesens tötete. Das Wort„Pyjama" kommt ans dem Hindosta Nischen und bedeutet„Bombe dtckung". Parteinachnchten/W� fürGroß-Berlin UnfeniuBfleB f6t Utfe Rubrik st«d Ä stet«»n da«?«,irk»sel>!«torwi »erli» TW««, LindenstraKe z. t�öos-tTrevue» recht»,,« richte u Am Dcmnerslag, dem 26. März, wird das Bezirkssekretariat bereits um 14 Uhr geschlossen.— Tille Parleinachrichten müssen (pSteslüns bis 12 Uhr mittags dem Bezirksjekrelariol angegeben sein. Der Vezirksvorstand. * Beginn aller Beranstaltungen l Uhr. sofern keine besondere Zejt»ng«be! Heule. Dienstag, 24. ZNärz. t- tntit. Ifl'i Uhr onorrt KrrisvorNanbssiwlnq mit den Abteilunqsleitern bei Dvbrolilaw. Ervinemiinder Ctr. ii. 4.»reis. 20 W> Ulir SffprpdriiiKt mit den Adtrilunqsleiäern an brlannter Stelle. !>. Are,». Dir Abteilunasleiter wollen heut- abend vor der«undaebuna»» einer futjen Beivrcchuna»nsammentretcn. 112. Stet«. Zu ö« heutigen Kundaebmia erscheinen die Abtrilunaen mit ssahnrn und Bonnern. Id. Krei». Zun«« Po rteiae nassen: Znfanwicnkuntt fällt ans. Wir betciliaen uns an der Kundoebnna der Partei in Sütxnde. M. Preis. 19% Uhr Krcisnorstond und Abtcitunasleiter Sei Meier, Türkisches Zelt, U'ichtiae Sittuno. K«ie Schutaemrind«. Beriin-Bohnsdars.»0 llbr Ronatsoersamwluna im Lokal Madry, Bahnhofstrahe. Schulfreund Molina:.Grnndschulfraaen und Kr. »ichn»»'. Mitgliederversammlungen und Zahlabende morgen, Mittwoch, 25. Mörz, in nachstehenden Lokalen. 3. Abt. Zahlobenide in den bekannten Lokalen. 4. Abt. Zaiilobend bei Broubis, Stralauer Str. 10. Genosse Mauer:.Die Grmidloaen des SoMlisnius". B. Abt. RoKnthalrr Löf, Llosentholer Etr. U— 12. Dr. Norbert Mari:„Zur volitisthen Loae". tl. Abt. Schroebter ssestsiile. Schwebte? Str. 20. Stabturrardneter Paul Robinson:„Das neue Geiett virosi. Berlin�. ?. Abt. Werbe- und Märitaciiallcnen.»>rbentfcher im aroüen Saal des Rationalhoses. Bütowsir. 37. Mitwirkende: Dreie Turnerschatt und So,io. listische Arbettersuaend, Gruppe Westen. Gäste herzlich willkonuneu. Ein» tritt frei. * Abt. Zahlabende. Bezirke 72?--782 unb 135: Taber, Stephonstr. 11; Be» 1, itirte 734, 730—739: Lindncr. Lehrier Str. 44. tu. Abt. Dislkusstonsabend bei Sandou'. srlensburaer Str. 3. 12. Abt. 20 Uhr ffunklionärsthuna bei Srtunidt, Wiclefstr. 17. ti. Abt. Sminrmllnder Gosellsllursishaus, Swinemllnder Str. 42. Dr. Hart» wiq:„Wirtschaftsfroaen". llb. Abt. Lokal Müsch, Bruiuienstr. 140. ssrant Zkilnsklcr, M. d. 3t.:„Reich«. daaseraktian»nd Wehretat'. C. Abt. Aula des Patboltschen EeknU«. Mllllcrstr. 1Z8. Refcrenteu: Genosse Uaiirllk aus Kalkutta und Genosse srurtmänftler:„Die indische greiheits- lietriCAuna*. Bt Abt. Löwen brauer ei, Sochstr. 2. Willn?loaae:„Der Auswea aus der Wirt. sä>oitsirise�. Rüster den: spricht noch, Genoss? Seinen. W. Abt. Schulaula der Roten Schule, Gotenburaer Strast«. Dr. Kälhe ssraukenthol, M. d. L.:„Das neue Grsetl Grast. Berlin". La. Abt. Wendc, Koloniestr. 147. um 20 Ubr. Dr. Kurt Rosenfeld, M. d. R.: „Die inuerpolitisch« Laae". stt. Abt. Echovdcrlmus, Malplaanelstr. 74— 10. Btiraerincister Dr. Ostroiofki: „Dos neue Gesest Grast. Verlin"._ K. Abt. Lochschulbrauerei, Err. Ecke Amrumer Etrastr. Dr. Ricktord Lob. mann:„Das neue Gesrh Grost.Berlin". LZ. Abt. Steinackrr, See- Ecke Müllerslrastk. Genosse Tornow, M. d. R. lVorsthender des Deutschen Lolzarbcitcrvcrba»des>:„Wirtsck>aflskr!se und Arbeitolostakeit". 24. Abt. Allersheim. Danziaer Str. 02. Mar Brinistcr:„Zur politischen Laae". vb. Abt. 20 Ubr Mitgliederrersammlr.na im Gartcnsoal dt«„Saalbau ssriedrichshain". Ausweis: Mitaliedsbrich.„Vorwärts". Leser klebte Luit- turn») habe» Zutritt. Sqmpathisserrnbe bstrfen einaefndrt werden. Genosse, Prot. Dr. E. Nöltinq spricht st bei„Ursachen und Ueberwindunasmäalich.' kette» der Wirtschaftskrise". 20. Abt. Schwedt« c ffrstsäle, Cckuoedier Etr.»23. Genosse Abramowitsch: „Klasse, Kultur und Erzichuna". ti. Abt. Schönhauser ssestsäle, Schönhauser Aller 129. Dr. Manchen:„Soaüet. rustland". t». Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. 00. Abt. Kasino-ssestsäle, Pappelallcc lä. Hans Plettner:„Zur politische» Laae". St. Abt. Echulonla Schönsliester Str. 7. Hermami Harnisch. M. d. L.:»Das neue Gesest Grost.Pcrlin". 82. Abt. Schmidts Geselltcklaftshaus, ssruchistt. ltOa. Eduard Zachert, M. d. L,: „Zur politische» Laae". 8.7. Abt. ist Uhr Borstandoststuna. 19 Uhr Tunkt ionärsthuna bei Wertalla, Habenlohestr. 3. 19?L Uhr Mitqlicderoersammtuna, Schnloula Hohenlohe. straste 10. So»s Bauer:„Wehrhoftiakeit— Arbeitsdienstpflicht". W. Abt. Echulaula Litauer Etr. 18. Eladlocrordueter Mriicr:„Das neu« Gösch Gcost-Vertiu". 80. Abt. jsranksurtcr Hoi, frankfurter Allee 313. Mar Sendemann:„Der kommend« Porteitaa in Leipzia". M. Abt. Schutaula Petersburarr Etr. 4. Erich Zlikolos:„Arbeitslosenver. stcherunq»nd lltotpewrdnunq". 87. Abt. Ltbteilunasuerfammiuna mit Söstrn, Pohenhrfer Braucrci, Lands- berqer Aller 24—2?. friedlich Giiitlcr:„Prcisbilduna und Gcnosscnsck?ost". 88. Abt. Schmidts Gesellschaftshaus, fruckitstr. 30». Eottlicb Reese:„Zur politischen Laae" kPanzerkrruzerl. fm. Abt. Grast beere nstr. 90. Kurt Kiehmo»»:„Dir wirtschaftspalitische Laar". 40. Abt. Zahtabrnde br! Schmidt. Teltowcr Str. 18. Karl Giiutster. Kcusuer, Hoaelberaer Etr. 20». Klara Henriaues. förstcr, Dreibunüstr. 11. Karl Labubda. i*1. Abt. friesenschlästcheu, friesenstr. 14. Portraq des Genossen Dr. Julius Moses, M. d. R. 42. Abt. Bliichcrsäle, Blüchersir. 0l. Paul Zippel(com ADGB):„Die Wirt- schaftskrise"., 43. Abt. Rabe, fichiestr. 29, Miialiederversammluna. 4S. Abt. IS Uhr Adteiluna»al>end, Cchulaula Reichenberqer Ecke forster Straste. Referent Genosse Maderholz, M. d. L. Stelluna zum Bezirks» und Reichsparteitaq. •40. Abt. 20 Uhr Burabardt, Dörlihcr Str. X. Siadtverordneter Hans Womvod: „Zur politischen Lage". 4?. Abt.'20 Uhr Gewerisscknutslraus. Enaelufer 24- 25, Saal I. Rektor Walter fisckier:„Regieruua Brilniua und wir". 4». Abt. Zahlabrnde: Keller, fllrstrnfir. 1: Pröfke. Prinzenstr. 23: Ehemann, Brande»burastr. 1: Zinunerliu«. Ritterstv. 90; Tehlaii. Ritterstr. 33. 61» Abt. Wvhlfahrtssaal, Köiriain-EIisaheth-Sir. 0. Rektor Guslao Kädick«: »Unser Kamps aeaen de» faschismus". 80. Abt. Lokal Last. Etrasti 12, am Berbinbunaskanal in Plöstenser. Stadt- verordneter Hermann Ambera:..Vrrkehrsprobtem« der Stadt Berlin". M. Alt. Kleiner Saal des Türkisckien Zeltes, Berliner St. 53. Robert Breuer: »Der Rcichsparteüaa unter Beriickstchtiauna der politischen Lage". SO. Abt. 20 Uhr Zablabendt. 1. und 3. Gruppe: Liersch, Kantstr. 02. 2. Gruppe: Iustowiack. Holhendorsfstr. 20. 87. Abt. Echiller�ool, Bismarckstr. 110. Mar fechner, M. d. L.:„Was bringt uns das neu« Sesefl Grost-Berliu?" Oefffentfliclie Kunflagebungen am Dienstag, dem 24. Hän: 8. Kreis Spandau. 20 Uhr, im alten Schützenhaus, Neuendorfer 5 trabe.- Protestkundgebung gegen Terror und Mord.— Redner: Genosse Biedermann, Hamburg, M. d. R., Genossin Anna Geyer. 9. Kreis Wilmersdorf. 20 Uhr, im Florasaal. Halensee, Johann- Georgsir. 19.— Deutschlands Zukunft am Scheidewege, von Wilhelm II. bis Adolf I.— Redner: Karl Mierendorff, M. d. R 11. Kreis Schöneberg. IP1/, Uhr, Sdiulaula, Beiziger Strafte, Ecke Eisenacher Strafte in Schöneberg.— Thema: Nationalsozialismus— Volksbetru g.— Redner: Karl Litke.M.d.R. 1 2. Kreis Steglitz u. Reichsbanner Schwarz-Hot-Gold. 20 Uhr, Im Parkrestaurant Südende, gegenüber dem Bahnhof.— Thema: Der Volksbetrug der Nationalsozialisten.— Redner: Staatsanwalt Dr. Hoegner, M. d R.— Aufterdem: D ie Frau im Dritten Reich.— Rednerin: Oberschulrätin Dr. Hildegard Wegscheider, 99. und 99a. Abt. Britz» 19'/, Uhr, Lokal Reddaiz, Britz, Chausseestr. 39.— Thema: D i e SPD im Kampf.- Redner: Dr. Sdiumadier-Siuttgarf, M.d R., Sofie Christmann-Barmen, M.d.L. 103. Abt. Oberschöneweide. Lokal Blumengarten. Ostend- strafte,— Thema; Der Volksbetrug der Nationalsozialisten.— Redner: Otto Meier, M. d. L., und Margarete Schenkalowsky. Volksgenossen, erscheint in Massen! Helft den Faschismus bekämpfen! 71. 78. 81. 8«. 88. 91. 96. 191. 102. 108ß III. 114. 1,8. 1)9. 127. 129. 136. Abt. Lau, Hildegardstr. 14. Max Eendttvist, M. d. R.:»Die Aufgaben der sungen Generation in der Partei". Abt. U Uhr, Lokal Piccadilln, Ebereitr. 78 k oberer Saal). Genosse Stadt- rot Dr. Löwcnstein, M. d. Lt.:„Die Aufgaben der Arbeitercklossc". Von den Genossen begleitete Gäste willkommen. Abt. 29 Uhr Mitgliedcrversaimnlung. lllatskeller frieden«». Thema:„Wo stehen wir politisch und wirtschaftlich?" Referent Taver Kamrowski. Abt. 29 Uhr, Lokal Piali, Chausseestr. 305, Mitgliederoersanrmlung. Abt. Ldkak Rohrmann. Mitglicdcrpersatmnlunq. Alle Krcisvrrtrcter müssen unbedingt erscheinen. Abt. Grimm, Boddinstrastc, funktionärststung. Abt. Arbeitsgemeinschaft junger Genossen. Lesehalle Zkogate Ecke Zlsestrast«. Tliema:„Wirtschaftskrise und Arbcttsloügtkelt". Abt. Lokal George sfrllher Renabahnlokall, am Bhf. Treptow. Kurt Seinig. M. d. R.:„Die legten politischen Ereignisse". Abt. Lokal Boronrann. Baumschulen- Ecke Kicfholzstrast«. austerordentlicher Vortrags- und Schulungsabend, an dem stch mich die Arbeiterjugend beteiligt. Genosse Zkaphtali:„Ursachen der Wirtschaftskrise und die Vor- schlage zu ibrcr Behebung durch Partei und Gewerkschaften". . Abt. Aula der 9. Volksschule, Borgmannftraste. Johannes Stelling, M. d. 9t.;„Der Rcichsparteitag in Leipzig". Stellungnahme zum Bezirks- Parteitag. Abt. Lokal Hrimann, Wastersdovser Str. 199. funktionärsshuug..Die Krrisocrtrricr werben acbetrn, auch an dieser Sistunq teilzunehmen. Abt. Zahlabendc. 1. Gruppe: Korina. Mainzer Straste. Ecke franksurtrr Atter. Referent Artur Richter. 2. Gruppe: Kupsch, Simon-Dach-Str. 41. Rcferentin Genossin Marie Junker. 3. Gruvpr: Sckuoarzcr. Gabricl-Mor. Str. 17. Referent Emil Michlenz. 4. Gruppe: Schüler. Wsthlischstr. 30. Referent Genosse Breudow. Abt. Schulaula Eieofriedstraste. Erich LindstordI:„Jugend und Partei". Abt. Gruvornzahlobend«: Sckmiidt, Landsberger Chaussee 11: Kluckc. Scheffelstr. 10: Kubisch, Psarrstr. 13. PoUtische Tagesfrogeu. Abt. Kolonie der Kinderreiche», Bezirk Weist« Tanbe: Zahlabenb bei Ruhkn, Dinaelstädter Str. 95. Genosse Lewn:„Politische Togesfeagen". Abt. Tvrkischcs Zelt, Breite Str. 14, 29 Uhr. Günther Joachim:„Kampf dem Faschismus". Abt. Schsthenhaus. Rendenzstr. 1. 29 Uhr. Genosse Lcngersdovf:„Wirt- fchoftspolitifche Tagrsfragen". freunde imd Sinnpathisterend« können ein- gcssthrt werden. 7. Kreis. Krrisvcrtretcrpersammsuna am Donnerstag fällt aus. Der spätere Termin wird noch bekaiuitgraebe». 14, Krei». Die Kreispertoetervrrsammlilna findet nicht am Donnerstag statt. Re>:er Termin wird bekanntgraeben. 17. Keeis. Ableilnngsmietervcrircler und Znteresjcirten: Eihung wird verlegt rou Donnerstag auf Freitag. 113. Abt. Achtung! Wegen»er Bciiehnnq unsere« Genosse» Hermann Müller findet die Abrechnung nicht Donnerstag, sondern rrst Freitag, 27. März, bei Seifert, statt. 'Frauenveranstaltungen. De» Genofnanen zur Kenntnis, dast die öffentliche Frauenuerfammluaa der 129. Abt. Friedrichsfeld«»ud die Frauenabende der Abtrilnugen 85, 139, »nd 141 am Donnerstag, 20. März, ausfallen. 15. Krei». Die kür Donnerstag, 29. März, angefesttr funktionärinnenststung findet wegen der Traucrfeierlichkeiten für den Genossen Hermann Miller bereits am Mittwoch, 25. März. 19>,h Uhr, bei Blockwih. Johannisthal, Park- Ecke Herrenhausstraste, statt. Arbeitsgemeinschaft der kindersreunde Groß-Berlin. Kreis Friedrickishain. Leute. Dienstag. 19 Uhr, Nreishelfersthung, Heim Di«stelm«»erstr. 5— S: gnschlicstcnd Kursus mit Mara Loewenstein. Die Lichten. berger Genossinnen sind eingeladen. Mittwoch, 18 Uhr, sind alle Raten und Iungfalten des Kreises im Jugendheim Ebertnstr. 12, zur Sprechef-orprob« für die ÜHaifeinc. Donnerstag. 10 Uhr: Alle Roten und Iungfallcn pünktlich auf dcm Küstriner Platt zum Sinqrkrcis für die 19.Zahris.feicr. Der Kreiseiter». abend fallt aus. Freitag, 19 Uhr, Trrffrn aller Helfer mit Turnzeug Hochbahn. Hof Warschauer Brücke. Prcnzlancr Berg. Morgen, Mittwoch, 18 Uhr, Ebertnstraste, Iimrnbheim, stkvte und Zungstalten zur Probe zum 1. Mai. Kreis!>«Isersittu»g rrst am 16. Apii.-»r>:vi>e Bitoor Adler: Heute Lelsersistun«.— All« Gruppen bis DonncrstagngckMittag Teilnehmer am Neftfalkenlager melden. Sterbetafel der Groß> Berliner Partei- Organisation 47. Abt. Unser Genosse Waldemar Köhler ist infolge Herzschlages am 29. März verstorben. Ehre seinem Andenken! Einitschcrung Mittwoch. 25. März, 1314 Uhr, Krematorium Daumschulenwrg. Wir bitten um reg« De- teiliguug. Sozialistische Ardelterjugend Groß'Serllo awsendangen lllr dies- Rubrik nur a» da« Zogeadsekert-rtat ZZerllu SW 68. Ttudeusirate J Zur Tciluabm« an der Trauerkundqebnng am Donncrstaa treffe« stch all« Genossin»!» und Genossen um lOlH Uhr pünktlich>» der Lindenftrast« lnor den» Borwärts-Sebäude). Fahnen umtlort mitbringe». In Falkentracht aatretrn. * Wanderleiter! DU arologische Wanderung findet endgültig am Sonntag. 29. März, statt. Treffpunkt ist 8 Uhr Bahnhof Grünau. Führer: Georg Münkle. Heute. Dienstag. 24. März. 19� Uhr. Arkonaplah: Elisobrthkirchsir. 19:„Proaoammatitche Forderungen der Bar. teien".— Sewerkschastsbau»: Köpenicker Str. 92:„ssrcindenlegion".— Köllni. scher Park: Waisrnstr. 18: Glastbrenner-Abend.— Oranienburger Tor: Treck- straste 18:„Politische Satire".— Zentrum: Landsberger Str. 59:„Warum freie Geweikscha-tcu?"— Gesuirdbrunnca I: Gotenburger Str. 3:„Die Politik der Staaten".— Hochplast: Gerichtstr. 12:„Arbeiterbewegung und Rauschgifte".— Sumboldthain und Brunnenplast: Putbusser Str. 3:„Was ist Sozialismus?"— Weddina-Rord: Turiner Ecke E.cestrastc: LTaaespolitik".— Arnimplast: Sonne». burger Str. 29:„Aktuelles".— Balkan: Mandelstr. 2:„Unsere Presse".— Helm. dolstplast: Danziger Sit. 62:„Snnditatisten und Anarchisten".— Wärther Plast: Kastanirnalle« 82:„Die politische Lag« in Polen".— Reichenberger Viertel: Reichenberger Str. 60:..Körperkulkirr und Alkohol".— Eharlottenburg, Jüngere: Rosinenstr. 4:„Wie habe ich de» Krieg erlebt?"— Siemensstadt: Bolksschulc: „Bub und Mädel".— Westend: Sportplast:„Was bringt die Zeitung?"— Steglist I: Albrechistr. 47:„Tagespolitifche Fragen".— Neukölln II: Eteinmcst- ftraste 94: Berllner Humor.— Neukölln IH: Ziethenstr. 58:„Faschismus".— Neukölln IV: Schierkestraste:„Programm der NSDAP."— Neukölln VI: Anti» kriegsabend im Seim Kanner Straste.— Reukölln VIT: Karl-Marr-Schule:„Der Zugendliche im Betrieb".— Neukölln VHI: Rutliftraste:„Das Parteiprogramm". — Neukölln IX: Eckiirrkestrastr:„Kirche, Religion unb Sozialismus".— Neukölln XI: Flughofenstr. 08:„Bub und Mädel".— Köpenick I: Grünauer Str. 5: ..Paul Simmcl".— Köpenick II: Dahlwister Etr. 12:„Zungbanner und SAZ."— Wittenau: Lauptsir. 13:„Tagespolitik".— Arnswalder Plast I: Rastrnburgcr Straste 10:„Wesen des Bolschewismus".— Südwesten: Lindrnstr. 4; Märzfeicr. — Reinickendors-Osti Lindauer Str. 1:„Aufbau der Reichsvcrwaltung".— Schöueweidc: Heimabend fällt ans. Beteiligung an der Versammlung in Ober. schöncweide. Werbebezirk Ticrgarteu: W.-B.P.�Zistung wird wegen Parleiveranstaltunq auf Donnerstag, W. März, 20h Uhr, verschoben. Werbebezirk Neukölln: Sprechckwr um 19 Uhr be! Raddast, Brist. Ehaussec. Ecke Gradcstrastc. Werbebezirk Schoneberg: Sprcchchvrprvbe in der Wartburgschuk« tnn 29 Uhr. Heimabenb« fallen ans. Werbebezirk Prenzlauer B«rg:„Wir klagen an", Einzels prccherprvbc um ISlh Uhr im„Burgfrieden". Allgemeine Wetterlage. 23.März �93�abds. OvwIkenlos.O heiher.Olnlbbedeckf ® wolkig,# bedeektaR�eoAGratipeln SchneasNetel.TGewistei�Winilsmi« Äm größten leite Deutschlands herrscht wolkiges, im Osten und Westen zum Teil rsgn enisches Wetter. Auch in Polen und Frank- reich hat es geregnet. In Deutschland hält sich jetzt nur nod, die Schneedecke in Ostpreußen und teilweise im Alpenvorland. Nur teilweise war es im Reiche heiter. Die Temperaturen stiegen im Binnenland fast allgemein über 1» Grad, in Westdeutschland aus 17 Grad. Jetzt dringt ganz langsam nordwestliche Luft aus den Kontinent vor. Infolge der sehr langsamen Bewegung der Kalt- luft dürste sie nur eine geringe Abkühlung bringen. * Wetter für Berlin: Wieder ziemlich wolkig und etwas Regen. Temperaturen im ganzen etwas niedriger als bisher.— Für Deutschland: Allgemein molkig, im Küstengebiet auch vielsach neblig, in Nord- und Mitteldeutschland stellenweise etwas Regen; langsame von Nordwest nach Südwest fortschreitend« Abkühlung. preis» nur Dienstag und Mittwoch! Frisches Fleisch Sdiwefnebaudi«. ph. 0,74 Sdiweineblatt.......... pfd. 0,78 0.90 Sdiweinekoteleitpid Y. 0.96 a» Kassler wnä........ rid. von 0. 88 a» Rütkenfett br»ttertig..... ptd. 0,64 Eisbein mitSpilzbeis, gepdir., PM. 0.54 Kalbskamm o Big., Pfa.v. 0.68 a» Kalbsbrust od Raokin. rrd.v. 0,78 m Hammelvorderfl. pu. ,. 0,90.» Sdiweineköpfemitstcke.PM. 0,36 Rinderbecken o.kdocil. Pfd. 0,46 _ Rinderherzen.......... pm. 0,56 IM Gefrierflctsdi M WWMgA Hammelvordepjleis-Ji pu» 0,58» M MXSsSmSß Suppen; leisch........ Pick, van 0.5Z-N M WWMMz �ciünorslaiicl,«,ssa„ Ptd. zoa O.SZ.a §g Rtnderleber............ m. 1,16 71 Reiseti ond laichlvsrdsrbücha__ Vfaren sind vom Versand ausgatchlsuen. Die Zusendung von lebenamltteln erfolgt d»t Beetellung von 5,03 Mark an. Backartikel usw. Auszugsmehl lose, Pfd. ▼. 0,27»ji Sulfaninen........ pfd.v»n 0,4?.° Korinthen........ Pid.von 0,42«° Rosinen.......... Ptd.vv° 0,48 an Kokosraspel........... ptd. 0,48 Zitronat................. Pfd. 1,10 Mandeln soz«........... pm. 1,40 Vanillezucker....opakete 0,24 Linsen, Vikl.-Erbsen pm. 0,16 Weisse Bohnen........ ptd 0,18 Wurstwaren Königsb. Fleck..... 2 Do«en 0,95 Dampswursl........... pm. 0,88 Metlwurst nach Br. Art, PM. 0,98 Wiener Würslchen...r/d. 1,08 [f. Leberwurst.......... pm. 1,18 Zervelal u. Salami...pm. 1,38 Tauben 0,50, Hühner f.?irovon» 0,90. Hirsciirückenp d 1�08 Hirsdikeule ptdljs Konserven 1,°-- Sdiniltbohnen.............. 0,35 Bredibohnen 1............. 0,54 Stangen• Sdiniltbohnen 0.68 Konsumgemüse aus getrockneten Erbsen....... 0,44 P|laumen ohne Stein....... 0,75 Sauerkirschen mit stein... 0,92 Birnen vei?s. j/.»uciit...... 1 ,05 Singapore-Ananasbscüsia. 0.92 1 Margarine............. m 0,40 Verkauf soweit Vorrat. Obst und Gemüse Apfelsinen........ 3 pm. 0.72aa Jafla- Apfelsinen.... 2 pm. 0,75 Amerikan. Aepfel pm.imi, 0,38 Weisskohl............. pm. 0,08 Wirsingkohl............ pm. 0,12 Rotkohl................. pm. 0,14 Blumenkohl.. Kopt von 0,25 an Malla-Kariofieln..,. apw. 0,58 Käse und Fette Camembert... 2 schachtein 0,25 Harzer....i Paket ca. 1 pm. 0,35 Sieinbusdier voufett.. Pfd. 0,80 Tilsiter voiifott........... pm. 0.88 Molkereibuticr....... pm. 1,48 • 1 Hengenabsabe � vorbshalteo. Fische u. Räucherwaren 'Dorsdi............. 3 pm. 0,25 'Schollen........... 3 pm. 0,25 Heringe........... 3 Pfd 0,40 'Zander gefrorev, s. g. Pfd. 0,28 'LadlS gelr., 1. g. PM. von 0,68 an 'LadlS sefr., i. Anaschnitt PM. 0,95 'Kabeljau............ pm. 0,14 'Seelachs............. pm. 0,14 'Scheie jisdi........... pm 0.26 'Rolbars.............. pm 0,32 'Kabeljaufilet...... pm 0,24 �üaffisdl abgezogen... Pld. 0,30 Bücklinge geria:h»l,Pld.?. 0,26an Seelachs geränchert... Pld. 0,40 Stückenflunder n ger.. Po 0,48 Rogdl geräuchert..... PM. 0,48 Flundern geräuchert.. Pld. 0,32 Mi all«, Mtoaani uatw Andraaaatrataa