Erscheisttäglich a« ß er Souat«««. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 8S Pf. pro Woche, 3,603». pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SWS«, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Dönhoff 292— 2S7 SficUau�aße xle6 n}Jbtt0tLf4& Suzetgeoprets: Di« eiospaltigeNoupareMezeile 80 Pf., Reklamezeile KW. Ermäßigungen nach Tarif. Poßscheck konto: Dvrwärts-Verlag G.m.b.H.. Berlin Nr. S? S3S.— Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor'. vL«l.lks Sienstag 24.Mrz 1931 10 Pf. ?Ir.140 B 70 4S. Jahrgang Abschied der Massen Oer Zug der Tausende vor der Bahre Hermann Müllers Der schlichte Ehrenraum im Parlcihause der deutschen Sozial- demokratie in der Lindenstrahe. in dem der lote Aührcr Hermann Müller bis zur Totenfeier am Donnerstag aufgebahrt liegt, ist heute Ziel und Wallfahrtsort oller, die das Antlih des Toten noch einmal sehen wolleu. Die Zlagehörigen. die Parteigenossen, die Freunde, die Vertreter der DeHörden. Menschen im feierlichen Anzug und Menschen im schlichten Arbeilsrock treten herbei und uehmen Abschied. 2m schwarz drapierten Raum flackern von vier Leuchtern herab die Serzeu, dem Sarge zu häuplen ragt dos Banner der Sozial- demokratische« Partei, der Hermann Müller sein Leben und Wirten gewidmet hatte. Straff sieht die Ehrenwache des Reichsbanners Schwarz-Rok�Sold zur Rechten und Linken. Das Gesicht des Toten. das der Besucher mit schmerzlicher Ehrfurcht betrachtet, ist schmal und eingefallen durch die Leiden der schweren und so schmerzhaften Krankheit. Um so stärker tritt die hohe Stirn des Toten hervor, unter der rastlos das Hirn arbeitete für Volk und Partei. Die schwarz ausge- ichlagenc Ausgangskreppe herab verläfzt der Besucher tun Ehrenraum des loten Führers.... Als erste Besucher kamcu in früher vormittagsstuude Gattin und Töchter Hermann Müllers, von den nächsten Angehörigen geleitet, tief gebeugt von Schmerz. Mit einem schlichten Slraust roter Zielten erwies der Aelteften einer unter uns, Genosse Eduard Bernstein, dem Freund und Mitkämpfer die Ehrung. Eine Abordnung der deutsche st erreichischcn Gesandt- schuft legte in rotweißrotem Schleiseuschmuck die Kränze der Bruderrepubllt. der Stadt Wien und der Gesandtschast nieder. Die Vaterstadt Mannheim weihte in blauweihblauer Sladtschleise ein ehrendes Kranzgedenkeu. Der Parteworftand der deutschen Sozial- demokratie, Redaktion nnd Verlag des»Vorwärts", der Bezirk Ober- bayern, Schwaben haben Kränze in den roten Farben der Partei gewidmet. während die Abschiednchmenden in ununterbrochenem Zuge den Totenraum durchschreiten, wird draußen auf dem ersten Hof des Parteigebäudes an der Errichtung des Katafalks gearbeitet, vor dem ozn Donnerstag die Abschiedsfeier der Partei von ihrem toten Führer abgehalten werden soll. Aus der Front des Hauses nach der Linden- siroße zu, weht vom ersten Stockwerk herab schwarzer Flor, der durch Tanoengirlanden unterbrochen wird. 2m Schaufenster steht auf rotem Grunde das schwarz umrahmte Bild Hermann Müllers, grüne Blattpflanzen zieren da« Trauerfenster. Auch der Dieh-Verlag hat feine beiden Fenster in den Dienst der Totenehrung gestellt. Reben dem Bild des Verstorbenen, dem die Trauernachricht aus dem„Vorwärts" beigefügt ist, llegen auf schwarzem und rotem Grunde die Schriften Hermana Müllers, fein Buch über die deutsche Revolullon von 1918 und anderes. Die Republik, die Arbeiterschaft, die Sozialdemokratie ehrt den ' toten Führer. Das Gefühl, daß dieser Mensch nicht umsonst gelebt hat, mag alle, die den Lebenden liebten und verehrten, in Schmerz und Trauer trösten. Daß sein wirken und Schaffen nicht vergeblich war. hat sich nie so deutlich gezeigt, wie in diesen Tagen und besonders cm diesem vormittag, der Wallfahrt zu seiner Bahre. Weitere Beileidskundgebungen. Zum Tode Hermann Müllers gingen bei der sozial- demokratischen Neichstagsfroktion weitere Beileidstund- gedungen ein von Reichsinnenminister Dr. Wirth, Reichsarbeits- minister Stegerwald, Reichsverkehrsminister von Guerard, Staats- fekretär Scheffer, Staatssekretär Heutamp, Staatssekretär Dr. Abbegg, Ministerialdirektor Dr. Zechlin, vom Reichsrat. von der bulgarischen Gesandtschaft, von den Reichstagsfraktionen des Zentrums, der Deutschen Volkspartei, der Bayerischen Volkspartei. von der deutschnationalen Reichstagsfraktion, von der sozialdemo- kratischen Fraktion des Danziger Dolkstages, vom Rcichsbund Deutscher Mieter, von der Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege, von der Redaktion der„Frankfurter Zeitung", von den Abgeordneten von Kardorff, von Raumer. Rheinbaben, von Georg Bernhard und von vielen anderen Organisationen und Einzel- Personen mehr. Di« französische Sozialistische Partei hat ihren Führer, den Genossen LäonBlum.mit ihrer Vertretung bei der Beerdigung?- feier am Donnerstag beaustragt. Mermann Vlüllers Totenmaske gefertigt von Julius Obfl Programm der Trauerfeier. Feierliche Bestattung am Donnerstag. Die Vereinbarungen zwischen dem Parteivorstand und de« Berliuer Polizeipräsidium über den Leichenzug am Donnerstag- nachmittag gehen dahin, daß die Trauerfeier im Hofe de» Partei- Hauses etwa eine Stunde dauern wird. Bor dem Leichenwagen marschieren tausend Reichsbannerleute mit Trauermusik an der Spitze. Der Leichenwagen wird von Arbeiterjugend in Tracht geleitet. 5)int«r dam Leichenwagen folgen die Angehörigen Hermann Mülllers und seine nächsten Freunde, sowie die Vertreter der ausländischen Bruderparteien, dann wieder taufend Reichsbannerleute. Davon schließen sich die Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei Grast- Berlins, der freien Gewerkschaften und der übrigen Arbeiterorgani- sationen. Vor der Reichskanzlei wird sowohl der Reichskanzler wie der Staatssekretär beim Reichspräsidenten einen Kranz auf den Sarg legen. Die Mitglieder der Reichsregierung, der preußischen Re- gierung, anderer deutscher Länderregierungen, des Mogiftrais Berlin usw. reihen sich unmittelbar hinter den Angehörigen in den Trauerzug ein, den sie bis zum Reichstag begleiten. Dort spricht von der großen Freitreppe Präsident Löde Abschiedswort« und legt den Kranz des Reichstages auf den Sarg. Vom Reichstag aus wird der Trauerzug seinen Weg über die Kronprinzenbrücke zum Krematorium Gerichtstraße nehmen. Die Zollunion im Reichstag Breitscheid über die Methode der Borbereitung. Der Reichstag hat heute mittag die dritte Beratung des Reichshaushaltsplanes begonnen. Di« Redezeit betrögt für jede Fraktion zwei Stunden, sie kann natürlich auf die einzelnen Etats ausgeteilt werden. Reichsfinanzminister Dr. Dietrich erklärt die Zu- stimmung der Regierung zu dem heut« geschlossenen Kompromiß über die Erhöhung oder Herabsehung eiuzelner Etat»Positionen. Ferner erklärt der Minister, daß die IV Millionen für die Westhilfe auch dann bezahlt werden, wenn die ursprüngliche Voraussetzung eines entsprechenden Verkaufs von Grundstücken aus öffentlichem Besitz nicht eintreffen sollte. Zum Etat des Auswärtigen Amtes nimmt das Wort Abg. Of. Breitscheid(Soz): Die Zollunionsverhandlungen mit Oesterreich wollen wir in diesen, Stadium nicht sachlich diskutieren, und wir wollen auch nicht prüfen, ob bei dieser Gelegenheit diplomatisch geschickt verfahren worden ist. Wir hoffen, daß die internationalen Aus- einaiibersetzungen, die nun begonnen haben, zu einem Ergebnis ge- langen, das den nationalen Interessen Deutschlands auf Wirtschaft- lichem Gebiet gerecht wird und gleichzeitig zu einer tatsächlichen Zusammenarbeit aller europäischen Staaten führt. (Zustimmung.) Wir wissen, daß derartige Vorbereitungen nicht auf offenem Markt getroffen werden können; aber meines Erachtens wäre eine frühere Unterrichtung der deutschen Volksvertretung doch am Platz« gewesen. Die Fraktionsführer sind erst in dem gleichen Augenblick unterrichtet worden wie die ausländischen Regierungen Man hat diese Geheim- Haltung mit entsprechenden Verabredungen zwischen den Regierungen des Reiche» und Deutschösterreichs begründet. Aber gerade in der österreichischen Presse sind schon vor der Bekanntgab« in Deutschland sehr weitgehende Andeutungen über diese Verhandlungen erschienen, und bereits am Freitag der vergangenen Woche hat die österreichische Regierung den Hauptausschuß des Nationalrates in Wien unterrichtet. wäre es nicht zweckmäßig gewesen, bereits vor dem vergangenen Sonnabend den Reichstag oder deu Auswärtigen Ausschuß ins Bild zu seheu? (Sehr wahr.) Wozu haben wir schließlich den Auswärügen Ausschuß mit seinen vertraulichen Verhandlungen? Doch wohl nicht dazu, daß er immer vor vollendete Tatsachen gestellt wird, und um sich darüber zu unterhalten, was bereits längst allgemein bekannt und öffentlich diskutiert worden cft. Den Herrn Außenminister, der nicht auf seinem Platze ist, ersuche ich doch, in Zukunfi etwas mehr Rücksicht auf die Ansprüche der deutschen Volksvertretung zn nehmen. (Lebhaste Zustimmung links und in der Mitte.) Schwächliche pariser Polemik. Keine direkte Aktion gegen die Zollunion angekündigt. Paris, 24. März.(Eigenbericht.) Die Betrachtungen über das deutfch-österreichische Zollbündnis nehmen auch heut« noch in der französischen Presse den größten Raum ein. Die meisten Zeitungen treten dafür ein, daß die fron- zösische Regierung es nicht bei den platonischen Protesteinwendungen bewenden läßt, sondern daß sie mit allen Mitteln die Verwirklichung des Abkommens verhindert, weil es gegen die Friedensverträge und die Meistbsgünstigungsklausel verstoße und gegen den Europa- plan Briands gerichtet sei. Aus den im„Matin" oerösfenüichten Mitteilungen Sauerweins kann man sich jetzt ein Bild von der Auffassung der französischen Regierung machen. Danach wird der deutsch-österreichische Plan als ein« Ungeschicklichkeit der deutschen Diplomatie ausgefaßt. Während die verantwortlichen deutschen Politiker bemüht seien, die wirtschaftliche und politische Lag« Deutschlands im Einvernehmen mit Frankreich wieder aufzurichten, hätten die deutschen Diplomaten Briand zeigen wollen, daß auch sie«ine Europaunton mit Deutschland und Oesterreich als Kern zustande bringen könnten. Gegen solche und ähnliche Darlegungen wendet sich Leon B l u m im„P o p u l a i r e". Der sozialistische Führer erklärt, es sei nicht bewiesen, daß sich das Abkommen gegen die Vcrt'äg« richte, es ici klar, daß Oesterreich sich aus verschiedenen Gründen nach Deutsch- land hingezogen fühle. * Versicherungsmörder Saffran bittet di' Bartenffein, 21 ZNärz. Der heutige zweite Tag der Verhandlung begann mit dem Auf. marsch der Zeugen, die im Lause des Tages vernommen werden sollen. Besonders interessierten diejenigen Personen, die von den als„Raflenburger Kopfjäger" bekannten Angeklagten überfallen worden sind. Es haben sich nämlich bei der Staalsanwallschost im Laufe der letzten Wochen ungefähr noch 10 oder t5 Personen gemeldet, die von Sassran und Kipnik auf ihren nächtlichen Autofahrten angefallen sein wollen, heule morgen wurde vor allen Dingen der Hilssmonteur F r i e d r i s c i k aus Zttkoiaiken ver- nommen, der um ein haar den drei Angeklagten zum Opfer gefallen wäre. Nach ihm wird Arau Elisabeth Seth und ihr Ehe- mann aus Rössel und der Postschaffner Gustav Grintsch aus Rössel vernommen werden, von denen feststeht, daß sie wirklich von Sassran und Kipnik tätlich angegriffen worden sind. Bei Eröffnung der Verhandlung erhob sich R.-A. Bötticher, der Anwalt der Angeklagten Augustin, und gab folgende Erklärung ab: „Die Angeklagte Augustin macht mir die Mitteilung, daß der An-'' geklagte Kipnik gestern in der großen Pause versucht hat, sie wiederum zu beeinflussen. In einem unbewachten Augenblick habe Kipnik sich zu ihr herübergebcugt und ihr zugeflüstert: Ella, relle mich, dann rette ich Dich auch!" (Große Bewegung.) Der Angeklagt« Kipnik. der bei dieser Mit- teilung sehr blaß geworden war und längere Zeit brauchte, ehe er sprechen konnte, bestritt energisch, sich derart geäußert zu haben. Dann wurde der 29jährige Hilfsmonteur Paul F r i e d r i f c i t aus Nikolaiken aufgerufen, ein mittelgroßer, schlanker Mann, der in sehr klarer und präziser Weise seine Angaben über den Ueberfall macht, der an ihm in der Nacht vom IS. Juni 1930 am Ausgang der Stadt Sensburg verübt worden ist.„Ich stand zwischen 12 und und 1 Uhr am Ende der Stadt In der Nähe des Landgerichts, wa weit und breit kein Haus ist. Plötzlich kam ein Wagen, hielt bei mir an und der Angeklagte Kipnik stieg aus. Cr bot mir eine Zigarette an und fragte, wo denn der Weg nach Sorkittcn gehe und lud mich schließlich ein, mitzufahren und den Weg zu zeigen. Ich stieg in das Auto, einen Adlerwagen, und Kipnik fragte mich in aufdringlicher Weise aus, wer ich sei, wo ich wohne usw. Ich bekam es nun mit der Angst zu tun und in dem Dorf Sorkittcn bat ich Sassran, zu halten, da ich aussteigen wollte. Sassran bremste, ich öffnete die Tür des Wagens und in diesem Augenblick bekam ich von hinten einen Schlag über den Kopf, daß das Blut meinen ganzen Anzug bis zu den Stiefeln bespritzte. Ich war eine Sekunde besinnungslos, rafste mich dami aber ans und st ü r z t e aus dem Wogen, da mein Verdacht sich so bestätigt hatte. Als ich raus wollte, hielt Saifran mich an der Jacke fest und versuchte, mich wieder in den Wagen hineinzuziehen. Ich riß mich mit oller Krast los, so daß ein Teil meiner Joppe in Sasfrans Hand blieb, und in diesem Augenblick bekam ich wiederum zwei Schläge auf den Hinter- köpf. Mit letzter Kraft stürzte ich auf die Straße, schrie laut um Hilfe und brach nach etwa fünf Schritten zusammen. Das letzte, was ich hörte, war ein Ausruf von Sassran:„Halt ihn doch fest!" Ich sah noch, wie Kipnik bei meinen Hilferusen in den Wagen sprang und schrie:„Los doch, los!" Dann»«rgingcn mir die Sinne und ich erwacht« erst nach geraumer Zeit aus der Bc- täubung. Nachdem ich zu einem Arzt gegangen war, lief ich noch- nials zu der Ueberfallstelle, und dort fand ich ein Zigarettenetui und einen Herrenhut am Boden liegen, der offenbar Kipnik gehörte. R.-A. Dr. Pröll:„Sie haben doch öfter in Rastenburg zu tun gehabt, haben Sie da nicht die Leute wiedererkannt, die Sie überfallen hatten?" Zeuge: Ich habe kipnik wiedererkannt, da er aber in Rastenburg einen glänzenden Ruf halle, glaubte ich an eine Sinnestäuschung und getraute mich nicht, gegen ihn vorzugehen. Sassran hatte ich wohl erkannt, war meiner Sache ober nicht ganz sicher. Fräulein Augustin, die hinten im Wagen saß, konnte ich nicht erkennen, da sie eine Decke vor das Gesicht gezogen hatte. Saffran(aufstehend und weinend): Herr Friedriscik, ich bin in dieser Nacht wohl mit bösen Gedanken durch das Land gefahren, aber ich wollte nicht, daß Ihnen etwas passieren sollte. Ich bitte Sie hiermit um Verzeihung für das, was Ihnen angetan worden ist. Die Frau öes Ermoröeien. Nach Vernehmung einiger weiterer Zeugen, die ebenfalls von dem Angeklagten überfallen worden sind, wurde unter allgemeiner Spanmmg die Ehefrau des ermordeten Melkers Dahl aufgerufen, Frau A n n a D a h l aus Königsberg, eine 24jährige Frau. 'ger Kopfjäger ! Krau des Ermordeten um Verzeihung die ihren Mann erst sechs Monate vor seiner Ermordung geheiratet hatte. Beim Eintritt der Witwe, die in tiefer Trauer erschien, brach die Angeklagte A u g u st i n in Tränen aus, während der Angeklagte Saffran zu Boden sah und der dritte Angeklagte Kipnik sich derartig zu setzen bemühte, daß er die junge, schwarz gekleidete Frau nicht anzusehen brauchte. Frau Dahl schildert in tiefer Bewegung, daß ihr Mann, mit dem sie in Königsberg wohnte, stellungslos ge- wefen sei und am 11. September ein Inserat gelesen Hobe, daß in Lätzen eine landwirtschaftliche Stellung frei sei. Daraufhin habe ihr Mann beschlossen, mit seinem Fahrrad dorthin zu fahren und sich vorzustellen. Am 12. September sei Dahl dann mit dem Fahrraa der Zeugin, einer Damemnaschine, losgefahren. Er hatte eine braune. fast neue Aktentasche bei sich, in der sich Lebensmittel befanden. Nack, der Verabredung der Eheleute sollte Dahl in Lätzen übernachten und am nächsten Tag zu seiner Frau nach Königsberg zurückkehren. Dahl kam von dieser Fahrt nie wieder. Die junge Frau stellte mit Hilfe der Polizei alle möglichen Nach- forschungcn an, aber erst als man das Damenfahrrad im Walds bei Oucben sand, ergab sich der erste Fingerzeit, daß der Melker einem Verbrechen zum Opfer gefallen war. Der Vorsitzende läßt durch einen Justizwachtmeister dann auf dem Gcrichtstisch die R e st e der Kleidungs st ück« ausbreiten, die man bei der Leiche in dem Speicher des Saffranfchen Geschäfts gefunden hat. Die Sachen strömen noch heute einen intensiven Brandgeruch aus. Frau Dahl be- trachtet sich alle diese Stücke sehr eingehend und sagt: Jchkcnnedie Sachen als die meines Mannes wieder. Das hier war seine Jacke. Unter tiesem Schluchzen erklärt sie: Dieses Hemd war sein H o ch z e it s h e m d, das er an dem Tag, als er niich verließ, angehabt hat. Damit war die Vernehmung der Zeugin beendet. In dem Augenblick, als sie den Saal verlassen will, bittet Rechtsanwalt Dr. Pröll den Vorsitzenden, dem Angeklagten Saffran das Wort zu einer Erklärung zu gestatten. Saffran erhebt sich und erklärt weinend und schluchzend, so daß man kaum die einzelnen Worte verstehen kann.:o!gei:d«s: „Frau Dahl, ich bin mitschuldig. Ich habe mit Schuld an dem Tode Ihres amen Mannes. Ich bitte.... Ich flehe Sie an. verzeihen Sie mir das. was wir getan haben, und wenn Sie mir heule noch nicht Ihre Verzeihung gewähren können, dann tun Sie es später. Niemand kann mir nachfühlen, was ich seit dieser Zeit leide. Ich flehe Sie an, verzeihen Sie mir." Während dieser Erklärung, die der Angeklagte mit erstickter Stimme macht, wird seine Mitangeklagte August in von einem Wein- k r a m p f geschüttelt, während Kipnik den Kopf tief senkt und zu Boden sieht. Frau Dahl, die sich vor Schluchzen an dem Gerichts- t'sch festhalten muß. schüttelt bei der Bitte Sasfrans, ihm zu verzeihen. nur leise den Kopf, ohne ein Wort sogen zu können. Nach- dem Sassran, das Toschentuch vor den Augen, sich wieder gesetzt hat, erhebt sich Kipnik und erklärt stockend, aber ohne zu weinen oder sonst ein« tiefere Erregung zu zeigen, folgendes:„Ick) bitte Sic ebensalls um Verzeihung. Frau Dahl. Ick kann es heut« noch nicht begreifen, daß ich meine Hand zu dieser Tat mitgcboten habe. Es ist mir heute unverständlich, wenn ich an mein« arme Frau und an meinen Jungen denke und mir überleg«, wie die wohl empfinden würden, wenn es ihnen so gegangen wäre." Darauf setzt sich Kip- nik wieder auf seinen Platz und zeigt das unberührt«, steinerne Ge- ficht, das er während der ganzen Verhandlung bisher gehabt hat. Dies« Aeußerungen der bcid«n Angeklagten haben im Saal tiefe Erregung hervorgerufen. Im Zuhörerroum uitd aus der Zeugenbank schluchzen die Frauen und selbst die Männer sind von dieser Szene stark ergriffen worden. Mitten in dies« Rührung hin- ein erhebt sich der Oberstaatsanwalt und erklärt mit schneidender Stimme: ,F)err Borsitzender, ich bitte, den beiden Angeklagten vorzuhalten, daß einer von ihnen trotz der rührenden Erklärungen hier eben Theater gespielt hat". R.-A. Dr. Pröll(aufspringend): „Herr Staat-omvalt, der Angeklagte Saffran hat bestimmt kein Tf-eater gespielt. Er hat bei seiner Erklärung durchaus die Frage offengelassen, ob er sich als Täter oder als Mittäter gefühlt hat. Jedenfalls kann von einem Theater hier keine Rede sein." Ober- staatsanwalt:„Wer Reue hat, der legt ein offenes Geständnis ab." Dorf:„Angeklagter Kipnik, Sie haben die Worte des Herrn Oberstaatsanwalts gehört. Haben Sie uns etwas zu sagen?" Ki�- n i k(mit fester Stimme):„Ich bleibe bei meinen bisherigen Erklä- rungen". Die letzte Versammlung. Hermann Müller in Herzogenaurach, 28. Februar 1931. Von M. Foescbke, Erlangen. Hermann Müller war am 27. Februar nachmittags in tzlürnberg angekommen. Er begab sich in die Sitzung des Bezirksoor- standcs der Fränkischen Parteiorganisation, um mit ihm die schweben- den politischen Fragen zu erörtern. Am gleichen Abend sprach er noch in dem Industriestädtchen Zirndorf bei Fürth. Für den 28. Februar war eine zweite Versammlung in Herzogenaurach bei Erlangen festgesetzt. Sie wurde die letzte, in der er sprach. Noch am Vormittag redeten wir ihm zu. sich doch Beschränkun- gen in der Parteiarbeit aufzuerlegen. Mit der Durchsicht eines Bündels Zeitungen beschäftigt, meinte er:„Solange man schnauf.m kann, muß man kämpfen." Tauwetter hatte die Straße überschwemmt, die wir am Abend zur Fahrt nach Herzogenaurach benützen mußten. In einem Miet- wagen fuhren Hermann Müller, der Nürnberger Parteisekretär und ich auf schlechten Wegen zum Versammlungsort. Es ging über Schlaglöcher, durch Wasserpfützen und Straßcnschlamm. Wir hatten Sorge, denn wir wußten, daß diese Fahrt einem Mann mit einem schweren Gallenleiden nicht zuträglich sein konnte. Hermann Müller selbst blieb unverdrossen. In der Wageneck« sitzend, war er nur darauf bedacht, nicht mit dem Kopf an die Wagendccke zu stoßen. Massen waren erschienen: sie begrüßten mit stürmischem Bei- fall den Führer. Seit Iahren sind die Herzogenauracher Arbeiter in der Schuhindustrie beschäftigt gewesen, nun sind sie erwerbslos «der Kurzarbeiter. Die Not in dem 4999 Einwohner zählenden Städtchen ist groß. Hermann Müller setzte auseinander, daß wir Sozialdemokraten. der durch die Eeptemberwahlen neu geschaffenen pvlitisch.'n Situation Rechnung zu tragen haben, wenn uns überhaupt daran gelegen ist, die Demokratie, die Republik zu retten. Wir haben zu überlegen, was angesichts der furchtbaren Wirtschafts- krise zu tun ist. Maßgebend für unser Wirken muß der Wille sein, stabile Verhältnisse in Politik und Wirtschaft zu schaffen, weil jede Unruhe weiteren Wirtschaftsschadcn bringt. Hermann Müller kam dann— was er sonst eigentlich in Ver- sammlungen nur selten tat— auf den Unterzeichnungsakt von Versailles zu sprechen. Mit sichtbarer innerer Erregung setzte er die Gründe auseinander, die ihn veranlaßt hatten, den schweren Gang nach Versailles zu tun, um das Friedensdiktat zu unterzeichnen.„Es war für uns wahrlich keine Vcrgnügungstour nach Versailles zu fahren, um das Friedensdiktat zu unterschreiben," sagte er,„worauf es damals aber ankam, war die Einheit Deutschlands zu retten. In jener Zeit sind auch in Weimar die Frauen unserer noch gefangen gehaltenen Soldaten zu uns ge- kommen und haben uns beschworen, fest zu bleiben und nach Versailles zu fahren, damit die Männer befreit werden. Nicht nur die Blockade wurde durch die Unterzeichnung beseitigt, sondern auch die Gefangenen kehrten heim."„Was ich damals getan habe," so rief Hermann Müller,„habe ich traft Mandats der vom Volk gewählten Nationalversammlung getan." Er wandte sich gegen sein« nationalsozialistischen Kritiker und sagte:„Wahrhast national ist und handelt derjenige, der all« Kräfte seiner Nation zur Besserung der Verhältnisse zufammensoßt." Ein Kommunist leierte in der Diskusston die bekannten Redens- arten her. Hermann Müller antwortete: „Solange die Kommunisten und Nationalsozialisten sich be- mühen, die Arbeiterschaft durcheinander zu bringen, solang« wirkt das wie eine Lebensversicherung für den Kapitelismus. Karl Marc hat uns verkündet:„Proletarier aller Länder vereinigt euch", aber nicht,„schlagt euch gegenseitig die Schädel ein". Die Sozialdemokratie ist da, um den politischen Kampf zurückzuführen auf die Ebene geistiger Auseinandersetzungen. Sie hat unter den zwölfjährigen Bedrückungen des Sozialistengesetzes, unter der Führung von Bebel, den Boden der Gesetzlichkeit nicht verlassen. Wir haben uns in jener Zeit auf unsere guten geistigen Waffen verlassen. Auch jetzt lassen wir uns in dem Willen, dem arbeitenden Volk zu dienen, nicht durch die Zersplitterungsarbeit der Kommunisten hindern. Wir setzen unseren Vormarsch fort, ohne dabei mit dem Rüstzeug der Barbaren zu kämpfen." Das war Hermann Müllers Abschied von seinen fränkischen Wählern. Eine glänzend verlaufene Versammlung. Keiner von uns ahnte, daß es feine letzte gewesen sein sollte! Hat die Volkspartei genug? Sie erklärt die Hakenkreuzler für koalitionsunfähig. Weimar. 24. März.(Eigenbericht.) Von oolksparleilicher Seite wird mitgeteilt, daß die Abgeordneten dieser Partei im Thüringischen Landtag für die sozialdemokratischen Mißtrauensvoten gegen Friik und den Nationalsozialisten Marschler stimmen werden. Die Regierungsherrlichkeit der Nazis in Thüringen dürfte also oller Wahrscheinlichkeit nach bald besiegelt sein. Die ganze Hoffnungslosigkeit... Die„Nationalliberole Korrespondenz" schreibt: „Die grundsätzlich antiparlamcntarische Hol- tungderNSDAP. läßtimGrundeeineRegierungs- beteiligung gar nicht zu. Wenn es trotzdem möglich war. in Thüringen dieses Experiment bereits über ein Jahr durchzuführen. so ist das der außerordentlichen Loyalität der übrigen Regierungs- Parteien zu verdanken, die sich von der Hoffnung haben leiten lassen, daß sich die Nationalsozialisten in der Verantwortung allmählich ab- schleifen würden. Heute muß man freilich feststellen, daß die National- sozialistcn die Loyalität der anderen Regierungsparteien dauernd mißbraucht haben, daß sie eine Krise nach der anderen heraufbeschworen haben, so daß am Ende die Erkenntnis steht, wie sie Abg. Dr. Geier formuliert hat: daß in Zukunft schwerlich eine Partei mit der NSDAP, arbeiten könne. Das ist der tiefere Kern dieser Krise: im Verlaus einer mehr als einjährigen Regierungsbeteiligung haben die Ngtionalsozialisten bewiesen. daß sie eine amtiparlamentarisch« Partei ge- blieben sind, daß sie sich nicht einmal zu dem ersten Ersordsrnis parlamentarischer und koolitionsmäßiger Zusammenarbeit durch- gefunden haben: der Fähigkeit, eine andere Ansicht gelten zu lassen. „Wir ollein dienen dem Wohle des Landes, alle anderen sind Landes- Verräter." Das sind nicht nur Worte, das ist eine G e i st c s- Haltung, die sich in jeder Handbewegung auswirkt. Und in ditfcr Erkenntnis liegt die ganze Hoffnungslosigkeit einer weiteren Zusammenarbeit in Thüringen." Londoner Vertehrsgejellschask beschlossen. Die vom Verkehrs- minister Morrison eingebrachte Londoner Aerkehrebill, die ein« Ver- schmelzung der Londoner Untergrundbahnen, Autobus- und Straßen- bahngesellschaften zu einer einzigen Verkehrsgesellschast vorsieht, wurde vom Unterhaus mit 271 gegen 224 Stimmen angenommen. Der Gesetzentwurf ist von den Konseroatiocn als«in ausgesprochen sozialistischer Plaa lebhaft angegriffen worden. Oer vierspaliige Or. Goebbels. Die Bilanz einer Woche. Daß der Berliner Bizekönig der NSDAP., Herr Dr. Josef Goebbels, Prätendent auf den Thron Hitlers, kein Mann der Bescheidenheit, Zurückhaltung und Unausdringlichkeit ist, dürste be- könnt sein. Wie groß seine geradezu psychopathische Eitelkeit aber ist, erhellt aus einer kurzen Aufstellung, die auf einer Durchsicht der letzten sieben Nummern des von Herrn Goebbels herausgegebenen „Angriff" beruht. In diesen Nummern erscheint die Person des Herrn Dr. Goebbels wie solgt: Nr. 59, 21. März. Vierspaltiger Hauptbalken: Gummiknüppel- Überfall auf Dr. Goebbels. Leitartikel Dr. G. Bloch 1. Seite: Heute spricht Dr. Goebbels. Dreispaltig: Dr. Goebbels von der Polizei niedergeschlagen. Nr. 58, 29. März. Dierspaltiger Hauptbalken: Dr. Goebbels darf sprechen— aber nur vor fünf Männern. Leitartikel Dr. G. Nr. 57, 19. März. Block 1. Seite: Dr. Goebbels spricht. Lcit- artikel Dr. G. Nr. 56. 18. März. Zweispaltig: Briefwechsel mit dem Polizei- Präsidium. Nr. 55, 17. März. Leitartikel Dr. G. Block 1. Seite: „Dr. Goebbels spricht. Nr. 54, 16. März. Vierspaltiger Hauptbalken: Polizeiliches Redeverbot gegen Dr. Goebbels. Block 1. Seite: Dr. Goebbels spricht. Leitartikel: Dr. G Nr. 53, 14. März. Vierspaltiger Hauptbalkcn: Attentat auf Gr. Goebbels. Leitartikel: Dr.»G. Vierspaltig: Wie das Attentat auf Dr. Goebbels ausgesührt werden sollte. Bilanz von sieben hintereinar.derlaufendcn Nummern: Vier vierspaltigc Hauptbalken auf der 1. Seite mit Dr. Goebbels, sechs ge- zeichnete Leitartikel Dr. G.. ein vierspaltiger, ein dreispaltiger, ein zweispaltiger Balken innerhalb des Blattes über Dr. Goebbels, vier Blockankündigungsn agf der 1. Seite JLr. Goebbels spricht", in Summa: 17mal Goebbels in einer Woche! Goebbels kennt das alte Scherzwort: Bescheidenheit ist ein« Zier, doch weiter kommt man ohne ihrl Doch erinnert der kleine Josef nicht an den Knaben, der allzuviel Torte mit Schlagsahne futtert und sich den Mage/i verdirbt? Wie sehr aber wird sich erst S. M. Adolf I. über den Berliner Trommler freuen, der nicht für IHN, sondern für sich selbst die Pauke schlägt!_ Nie Lage der �eichsfinanzen. Sine Erklärung der Reichsregicrung. Di« in einem Berliner Vormittagsblatt von heute entHallen« Meldung über ein neues Milliardendefizit des Reiches und den Plan einer Spardiktatur entspricht in keiner Weis« den Totfachen. Vom Reichskanzler sind Erklärungen der behaupteten Form nicht abgegeben. Insbesondere sind von keiner Stelle die Steuerausfälle des Reiches im Jahre 1931 auf mehr als 699 Mil- lionen gegenüber den Schätzungen des Reichsfinanzminifters be- ziffsrt worden. Im Haushaltsausschuß hat der Reichsfinanzminister lediglich auf die Gefahrenquellen hingewiesen, die auf der Einnahmeseite vorliegen, deren Höhe«ber von der«irtfchastlich:n Entwicklung'n Deutschland abhängt. Richtiz ist an der Meldung nur, daß die Re- gierung entschlossen ist, etwaige Fehlbeträge 1931 durch Ersparnisse im Etat zu decken. Ein« Ermächtigung hierzu wird ihr in dem Haushaltsgesetz erteilt werden. Vom Giadtbahnzug zerstückelt. Auf den Stadtbahngleisen kurz hinter der Station W a n n s e e machten Bahnbeamte heute früh einen grausigen Fund. Im Kilo- meter 20 lag die schwer verstümmelte Leiche einer Frau, der Kopf war vom Rumpf getrennt. Wie die polizeilichen Ermitte- lungen ergeben haben, hat sich die Frau, eine 29iährige Giesela K e h l e r aus der Sudetenstraße 33 in Nikolassee, wahrscheinlich schon in den Abendstunden vor die Räder eines Zuges geworfen. „Die beiden Adler" Reportagestück von Stefan Großmann in der Volksbühne Im Sprechzimmer des Gesiingnisses sollen sich Victor Adler und Friedrich, sein Sohn, der Oesterreichs Ministerpräsidenten, den Grasen Stürgkh, erschoß, begegnen. Das Reglement der Strafanstalt ge- stattet sünf Minuten Sprechzeit. Der Vater für sich, der Sohn für sich, sie iiherlcgen, was sie sagen sollen, um der kurzen Zeit ihren gedanklichen Erlösungsinhalt zu geben. Der Sohn will sagen:„3ch erkenne, daß die individuelle Tat weniger wichtig ist als die Energie der Masse." Sagen will der Vater:„Ich erkenne, daß ein vcr- zweifeltes Individuum nicht moralisch zu verurteilen ist, wenn es über den Willen der Mass« hinweg die Tat vollbringt, wegen derer die Richter den Kopf des Täters verlangen." Aber zwischen Vater und Sohn wird dieses Wort nicht gesprochen! Vater und Sohn treten sich gegenüber. Sie umarmen sich:„kein Wort!" bettelt der Vater. Es redet das Stück mit einer stummen Szene. Diese Szene ist sehr beredt, und sie ergreift. Es schwebt über dem Ausgang der tragischen Ereignisse die Macht des Unbegreiflichen. Was in vier Akten vorausgeht, ist eine oberflächliche Zustands- malerei, ohne daß die Zustände des österreichischen Volkes wesentlich belichtet werden. Der alt« Adler und der junge brennen in dem Gegensatz der Meinungen, bevor das Spiel beginnt. Das Be- deutungsvollste, das Ernsteste, das allein Wünschenswerte fehlt: das Seclendrama zwischen Vater und Sohn, das heißt die Entwicklung der inneren Kämpfe. Statt dessen rollen sich einige winzige Milieu- bilder ab. Im Cafehaus und im Wirtshaus platzen die Meinungen, die nur mit Worten, ober selten mit Sinn ausgestattet sind, auf- einander. Einige Typen, der schiebende Kriegsgewinner, der schäbig- korrupte Beamte, der journalistische Geschäftemacher, die lächerliche Schauspielerin, die ihren Liebsten von der Front loseisen will, werden karikiert. Der Michstcrpräsidcnt erscheint. Er wird, aus- gerechnet im Restaurant, ans Telephon beordert, damit der Staat ihm mitteilt, daß wieder einmal die Friedensverhandlungen ab- gebrochen wurden. Plötzlich knallen zwei Schüsse. Graf Stürgkh sinkt tot über den Tisch. In dem Akt der Schwurgerichtsverhand- lunq ist der Vater der Hauptzeuge. Er erklärt, daß sein Sohn und bester Freund immer noch den höchsten Bürgerrcspekt verdient. Diese vier Akte, deren zweiter im Parteibüro spielt, sind schlecht konstruiert, sie sind vor allen? ideell mangelhast fundiert. Wirken sollen sie nicht durch die Bezwingung des ungeheuren Problems. Kaum einige Minuten lang vergißt der Zuschauer, daß satirische Nadelstiche und pathetische Skorpionstiche ollein dazu dienen, etwas Sensation hervorzurufen. Alt-Oesterreichs Kriegstragödie, symboli- siert durch Victor und Friedrich Adler, wird nicht gegeben. Gegeben wird nur ein« theatralische Reportage, deren einzelne Glieder logischoberflächlich ineinandergreifen. Uebrigens hätte der Dramatiker ein großes psychologisches Talent sein inüsscn, um etwas airderes zu schaffen. Er ist aber nur ein witziger Kopf und beherzt iin Ge- brauch« einiger erprobter Bühnenkniffe. Die Teilnahm« erlischt schließlich pollkommen, weil niemand ungestraft Männer solchen Ranges zu Trägern einer kleinlichen Theaterintrige erniedrigen darf. Der Tlzeaterkenner Stefan Großmann, der fein Schauspiel selber inszeniert, leistet als Regisseur Besseres, wenigstens in der Ein- spannung der scharf gesehenen Nebentypen. Hans B e h a l spielt den journalistischen Geschäftsinann Mendel Singer, der sich amüsant und abschreckend rühmt, bis in das Badezimmer seines Gönners, des Ministerpräsidenten, Eingang zu haben. Ein Kommerzialrat Mosel (Bösel, sagt die Chronik) wird von Sigmund N u n b e r g mit all der unangenehmen Oeligkeit ausgestattet, die zur zuxiten Natur dieser Kriegspiraten zu gehören scheint. Bis auf die wienernden Kellner. bis aus die schnösclnden Deutschen, bis auf die raunzenden Hof- und Stadthalterbeiräte, bis auf die Koketterie der Wiener Schauspielerin ist alles Lächerliche und Dialektische vorzüglich getroffen. Bleiben die Hauptpersonen Victor Adler, der Sohn Friedrich. Walter Frank, der Vater, zeigt nicht das lcidenschwere Gesicht des gealterten Führers, das wir kennen und verehren. Nicht einmal Haar- und Varttracht sind getroffen, ebensowenig von Ernst Busch, dem Darsteller des Sohnes. Hier vermißt« man den pietätvollen Naturalismus der Maske, der geboten gewesen wäre, und den Der- such, dem Schauspieler eine annähernd historische Aehnlichkeit mit dem Vorbild zu empfehlen. Victor und Friedrich Adler tragen einen Namen, mit dem sich sofort die Vorstellung von ganz besonderen. auch im Aeußeren unvergeßlichen Männern verbindet. Wurde man schon nicht ihres Geistes mächtig, so hätte inan sich wenigstens be- mühen sollen, ihrem Körperlichen gerecht zu werden. Mäx Hochdorf. preußenkaffe und Gcherlverlag Das Ergebnis der LandtagSuutersuchung. Der Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtags zur Nachprüfung der Finanzgeschäfte der Preußenkasse nahm am Montag- abend nach Abschluß der Beweisaufnahme den Bericht und die An- träge des Berichterstatters Kuttner(Soz.) entgegen. Der Berichterstalter erklärte einleitend� daß bei der Unvollständigkeit des Aktenmatsrials und der Unoerläßlichkeit der Zeugenaussagen infolge des Zeitraums von 16 Jahren, der zwischen den Ereignissen und der Untersuchung liege, das Ergebnis der Untersuchung vielfach negativ habe ausfallen müsse??. Der Berichterstatter K u t t n e r(Soz.) kommt zu folgendem Schlußfeststellungscntweirf, den er dem Aus- 'chuß zur Annahme empfiehlt: „Die Gründung des Deutschen Verlagsvereins e. V. erfolgte im Jahre 1913 auf Wunsch des ehelnaligen Kaisers und Königs unter Führung des preußischen Landwirt- schaftsmini st ers von Schorle in er und seines Vortragen- den Rates von Hammerstein-Loxten. Zweck der Gründung war Erwerb einer Anteilsmehrheit am August Scherl-Verlag G. m. b. H., um diesen nicht in die Hände linkslibcraler, voi? der dainaligen Regierung als staatsfeindlich angelehenen Verleger gelangen zu lassen. Die Staatsregierung hatte dein Verein weit- gehende Unterstützung zugesichert. Es ist kein Beweis dafür erbracht, daß außer der m o r a- tischen und ve r wa ltu nq s m ä ß i g c n. U n te r st ütz u n g dem Deutschen Derlagsverein von der damaligen Regierung m a- terielleMittelin irgendeiner Forn? zugestossen sind. Dagegen haben einige mit insgesan?t 1 Million Mark an der Gründu??g be- teiligte Großzechen ihrerseits dos Anerbieten gemacht, weitere 4 Millionen Mark für den Verlagsverein herzugeben, falls unter Führung des Staats eine Nerlä.ngeru??g des Kohlensyndikats zu- stände käme. Es ist jedoch nicht erwiesen, daß sich staatliche Organe durch dieses an sich bedenkliche Angebot haben beeinflussen lassen. Geheimrat Hugenberg schei??t an der Gründung des Deut- schen Verlagsoereins nicht beteiligt gewesen zu sei??, nach der Bekundung des Herrn v. Hammerstein-Loxten ist nicht ausgeschlossen. daß Gehcimrat Hugenberg als Vertreter der Firma Krupp den? Rerein angehört hat, eine führende Rolle hat er jedoch in dieser Periode nicht gespielt. Die Finanzieru??g des in große finanzielle Schwierigkeiten ge- ratenen Deutschen Verlagsvereins e. 93. erfolgte, beginnend De�mber 1915, wiederum auf Betreiben des p r e u- ßifchen Landwirtschaftsministers o. Schorlemer und seines Ministerialdirektors v. Hammerstein-Loxten durch eine Gruppe von rheinisch-?v«stfälischen Schwerindristriellen. Führend war hierbei Generaldirektor Hugenberg von der Firma Krupp. Diese Sanierung geschah aus Mitteln der Großindu- striellen, abgesehen von einem Betrog von 1 Million Mark, der durch Vermittlung der Regierung von„u n b e I a n?? t" beige- steuert wurde. Die Herkunft dieser Summe ist insoweit geklärt, als es sich dabei um die verfallene Konventionalstrafe einer privaten Kroßfirma gehandelt hat. Nicht dagegen ist geklärt, welche Stelle durch Verzicht auf diese Summe als die eigentliche G e b e r i n des Betrages anzusehen ist. Dafür, daß dies eine staatliche Stelle aeroesen sei, ist kein Beweis erbracht. Danach ist nicht erwiesen, daß dem Deutschen Berlagsverein e. P. zu irgendeiner Zeit seines Bestehens, fei es vor. sei es nach dem Eintritt des Geheimrats Hilgenberg in diesen Verei??, staatliche Mittel zugeflossen sind. Eine gelegentliche Aeußerüng des»er- siorbenen Vizepräsidenten der Preußenkasse, des Geheimen Finanz- r.-ts Glaeser, zu dem Abg. Heitmann, die auf die Hergabe einer Su?nme von 5 Millionen rn? den Derlagsverein schließen ließ, hät durch die Beweisausnahn?« keinerlei Bestätigung gefunden. Sie ist auch deswegen nickst beoaeiskräftig, rveil ine Aeußerungen des Geheimrats Glaeser über diesen Gegenstand?v«chs«lnd und wider- sprechend gewesen si?ch. Dagegen ist die Einräumung des?.5-Millionen-Kred?ts an dos Bankhaus Oppenheim jr. u. Co. in Köln durch die Preußenkasse wesentlich motiviert gewesen durch die Beziehungen dieses Bank- Hauses zum Deutschen Verlagsverein. Diese Krediteinräumung ist zu beanstanden, nxU sie nicht aus geschäftlichen Gründen erfolgte, n>eil sie nicht unter Beobachtung geschoftsmännischer Grundsätze, namentlich?x>e?l sie ohne Prüfung der Sicherheit durchgeführt wurde ?ind rveil sie schließlich ohne Wissen und Genehmigurrg des Finanz- mmisiers geschah."_ Begünstigung durch Nachrichtenfälfchung. Wie die Schuld der Hakenkreuzbanditen vertuscht wird. In Halle a.VS. wurden vor einigen Tagen zrvöls Sozioldemo- traten von 25 Nationalsozialisten überfallen. Der amtliche Polizei- bericht stellte den Hergang solgerstrernwßen fest: „In der Nacht zum 15. März wurden in der Lindenstraße zwölf Angehörige der SPD. und des Reqatto-Klubs, die sich aus dem Hermwege befanden, von etwa 25 Nationalsozia- listen überfallen. Die Uebersallenen hotten die Nationalsozialisten bereits auf dem Riebeckplatz getrofsen. Beim Passieren der Landlvehrstraße merkten sie, daß' sie verfolgt wurden. Bevor die Verfolgten das Polizeirevier erreichen konnten, wurden sie von den Nationalsozialisten gestellt, die so- fort auf sie«inschlug«n." Die„Saale-Zeitung" In Holle, ein rechtsbürgerliches Blatt, das mit den Nationalsozialisten sympathisiert, frisierte den Polizeibericht folgendermaßen um: „In der Lindenstraße kam es zu ei?tem Zusammenstoß zwischen Sozialdemokraten. Mitgliedern des Regattotlubs und Nationalsozialisten. Di« gegnerischen Parteien waren schon auf dem Riebeckplatz aneinondergekommen. Sie verfolgten sich(!) durch die Landlvehrstraße. In der Linden- ftraße kam man hart aneinander, und es kam zu ei??«r Schlä- gerci, bei der«s?nit Messern über den Gegner herging. Dabei wuude�ein Sozialdenwkrat durch einen Stich in die Lunge und zwei Stiche in den Kopf verletzt. Polizei kam schließlich herbei und verhastete einen Angreifer." Mit Halse einer Fälschung ist die Schuld der Nationalsozialist«?? vollständig hinweggelogen worden. Es ist die klassische und typische Nachrichtenfälschung, die der Begünstigung des nationalsozialistischen Mordgesindels dient. Die Komplizität dieser Sorte von Presse mit den Hitlerbonditen wird durch dies« Art der Berichterstattu???, die in der Rechtspresse üblich ist. hinreichend be- vstesen! Im übrigen lst die„Saale-Zeitung" das Amtsblatt der Stadt Hall« und der preußischen Handelsregister- b e h ö r d e. Wetter für Berlin: Roch etwas kühler, wechselnd bewölkt. schvxlche Lustbe?vegung.— Für Deutschland: Ueberall ruhiges, vor- wütend trockenes Wetter, leicht« Zlbkuhlung, stellenweise Nachtfrost. „Mary". Mozart-Saal. Die meisten Filmregisseur« arbeiten nach einer Schablone, die sie. soweit sie ihr Handwerk verstehen, durch originelle Einfälle an- gcnchin belebe??. Nicht so Alfred H? t ch c o ck. Er schafft aus starker persönlicher Eigenart heraus. Man soll es ihm erst nachmachen, wie er die Kleinstadt sieht, wie er das Los des Zimmerherrn bei einer kinderreichen Vermieterin veranschaulicht u?id wie er die Auf- regung im Zirkus nach«lnem Unglücksfall schildert. Ein großer Publikumcerfolg wird ihm aber wohl kaum beschieden sein: denn er läßt auf Spannung spielen, ohne die Aufmachung des ganz großen Reißers zu ivählen. Das Drehbuch, un? das sich insgesamt fünf Personen, also entschieden zu v:el, bemühe??, erzählt in eigei?art:ger Fassung eine?? Kriminalsall. Man beginnt mit seelische?? Begründungen und endet in Hint«rtr«ppenroma??tik. Sir John Mcilier, Schauspieler und Leiter eines Theaterunternehmens, der als Geschwore?i«r eine Schauspielerin schuldig sprach, wird von Gewissensqualen getrieben, aus eigen« Faust Detektiv. Er entdeckt den Mörder,«inen ei?isprungenen Sträfli??g, der als Schauspieler und Trapezkünstler arbeitet. Sir John ist die ga??z große Rolle für Alfred Abel. Mit knappsten Mitteln wirkt er derartig ei??drucksstark, daß diese Leistung nicht so leicht vergessen w?rd. Paul Graetz?!nd Lotte Stein er- bringen in??etter Art den Beweis, daß selbst hochdramatische Szenen im Menschenleben sehr oft der Komik nicht entbehre??. Gut in ihren bedeutungsvollen, aber kleinen Rollen sirrd Olga Tj'chechowa und Ekkehardt Arendt. Die akustische Leistung blieb hinter der optischen zurück. Ob- ?vohl es sehr aufs Wort anka?n, waren fast alle Gespräche unser- ständlich._ e. b. 30 Millionen Inder mehr. Die alle 10 Jahre stattflndende Volkszählung in Indien ist jetzt durchgeführt worden, und?venn auch noch nicht sämtliche Zahlen vorliegen, so wird doch bereits aus Delhi mitgeteilt, daß sich dt« Bevölkerung des Landes in einer alle Schätzungen übertreffenden Weis« vermehrt hat. Die Zunahn?« beträgt in einzelnen Staaten, in denen durch die neuen Bewässerungsanlagen die Lebensmöglich- leiten sehr verbessert?»urden, zwischen 39 und 49 Proz. Aber auch in anderen Bezirken übersteigt das Anwachsen der Bevölkerung»- zisfer bei weitem 19 Proz., und es ist schon jetzt sicher, daß die Be- völkerung Indiens in dem Iahrzeh??t von 1921 bis 1931 um mehr als 39 Millionen Seelen zugenommen hat. Die Bevölkerungszunahme ii? dem vorangegangenen Jahrzehnt belief sich auf etwas über 1 Proz. Diese gering« Steigerung wurde damals besonders der Influenza- Epidemie von 1918 zugeschrieben, die allein etwa 6 Millionen Opfer gesondert hatte. Das letzte Jahrzehnt, das von Seuchen und Hungers- nöten verhältnismäßig frei war, hat nun zu einer so gewaltigen Zunahme geführt. Deulsch-srauzösische Hachschulkcnserenz in Dijon. I?? Dijon wurde an? Montag die dcutsch-französische Konserenz cröffi?et, die von der Internationalen Studentenhilse organisiert wird. An der Konferenz nehmen 70 Vertreter der beiden Länder teil. Die Er- össnungsrede hielt der Rektor der llniversität. Terracher. Professor Mannhavdt von der Universität Marburg hielt dann ein Rcsdrnt über das Thema„Die llni?>ersität u??d die internationalen Fragen". Die Arbeiten der Konferenz oaerden am Donnerstag abgeschlossen. Ein philharnwnische» Orchester aus Arbeitslosen. Der frühere Leiter des städtischen Orchesters in Bochum, Musikdirektor Franz Merkert, hat 45 erwerbslos« Kon.zertisten zu einem philharmonische?? Orchester vereinigt, das im Ruhrgebiet eine Reihe von Konzerten ?!eronstalten wird. Die erst« Verstattung in Bochum gestaltete sich bereits zu einem außerordentlichen Erfolg. Georg Heinrich INeyer,«in um die jüngere deutsche Literatur sehr verdienter Verleger, ist i?? M ü n ch e n an einem Herzschlage gestorben. Der Kurt-Wolf-Berlag. den er?vährend und nach den? Krieg leitete, ist fast zu gleicher Zeit eingegangen. Zm Ihealer am?tolleod»rfplatz stellt sich Mittwoch, zu Beginn der letzten .Tnanlali'- Vorstellung, deren Reinertrag der Aktion der Selbflbi- zichtiqung gegen§ 218 zugute kommt, da» vorbereitende Komitee dieser Aktion der LessenUtchlei? vor und bringt einen Ausruf zur Verlesung. Gegen den langen Rock! Auf dem Kongreß der englischen Vereinigung der Gesellschaften für gleiches Bürgerrecht, der dieser Tage in London tagte, ist eine tnerkwürdige Resolution angenommen worden, nämlich eine Eni- schließmrg, die gegen die Einführung des langen Rocks protestiert. Di« zahlreichen Abgeordneten der verschiedenen Vereine wurden aus- gefordert, einem Antrag zuzustimmen, der„die Wiederkehr der lange?? Röcke ms Attentat gegen das persönliche Behagen u?id die körper- liche Freiheit der Frauen vcrdamnit und olle Frauen, die aus eine solch« Freiheit Wert legen, auffordert, sich zu weigern, diesem Mode- gebot wie gc?dankenlose Schafe zu folgen." Di« Ai?tragstellerin, Frau Stocks, führte aus. daß die Frauen durch die langen Röcke viel mehr behindert und in die alte Sklaverei zurückgeworfen wurden, als die meisten ahnten. Nicht zufällig sei die Befreiung der Frau in politischer u??d sonstiger Beziehung m?t ihrer Befreiung von den Hemmmssen der Tracht zusammengefallen. und Frauen, die nicht mehr?nit ihren Füßen gehörig ausschreiten könnten, würden mich auf anderweitigen Fortschritt verzichten müssen. Auch andere Rednerinnen führten aus, daß dieser Anfrag «inen sehr ernsthaften Hintergrund habe und daß es die Pflicht der ganzen Frauenwelt sei, ihn zu unterstützen. Das Frauenlebcn hänge in großem Umfange von der Kleidung ab, und man dürfe diese Frage nicht leichtsinnig behandeln. Die Resolution wurde denn auch angenommen, in dem beantragten Wortlaut, nur mit Strei- chung der„gedankenlosen Schafe". Gportbriefmarken. Sportbriefmarken zeigt eine Sonderschau des Reichspojtmuseums in Berlin. Es dürste über die Kreise der Sammler hinaus wenig bekannt sein, daß es solche Postwertzeichen schon zu einer Zeit gegeben hat, als der Sport noch nicht seine heutige Bedeutung hatte. Griechen- land hat im Jahre 1896 auf diesem Gebiet den Anfang gemacht. An- läßlich der Wiedereinführung der Olympischen Spiele wurde eine Markenreihe herausgegeben, aus der das Athener Stadion, Faust- kämpfer, Diskuswerfer und ein Viergespann zu sehen waren. Zehn Jahre später kam ein ähnlicher Satz in Athen heraus, als es galt, wiederum für die Athener Olympischen Spiele zu werben. Auch Läufer und Ringkämpfer erschienen damals auf der Briefmarke. Für die Olympischen Spiele 1929 in Antwerpen, von denen man die Deutschen noch ausgeschlossen hatte, gab Belgien drei Marken mit Diskuswerfer, Läufer und Viergespann heraus. Frankreich folgte 1924, anläßlich der Pariser Olympiade. Im selben Jahr fand in San Jose eine panamerikanische Olympiade statt, für die Costarlca einige Sondermarken herstellte. Im Jahre 1925 gab Ungarn mit 199prozentigem Preisaufschlag eine Markenserie aus, deren Erlös den sthwer um ihren Bestand ringenden ungarischen Sportver- einigungen aufhelfen sollte. Auf diesen Marken sieht man Ski-, Schlittschuhläuser, Schwimmer, Pfandfinder, aufmarschierende Turner, Fechter, Fußballspieler und Hürdenläufer. Solche Zuschlaginarken hat auch Portugal im Jahre 1928 herausgegeben und mst ihrem Ertrag die Beschickung der Amsterdamer Olympiade ermöglicht. Die holländischen Olyinpiamarken selbst zeigen Ruderer, Fechter. Segler, Fußballspieler, Kugelstoßer, Läufer, Reiter und Boxer. Als sich die Fußballmannschaft von Uruguay ii? Amsterdam den Siegespreis holte, gab die Republik eine Markenserie mit einem lorbeerbekränzten Fußballtor heraus. Schließlich haben 1929/39 auch Mexiko und Kuba die Sammlerinternationale mit Sportbriefmarken erfreut. Die erste Gebirgs-Vogelworie in Europa. In Garmisch wird eine Bogelrvorte errichtet, mit deren Ausbau am 1. Mai begonnen wird. Während die beiden ältesten deutschen Vogelwarten. Rossitten und Helgoland, hauptsächlich der Erforschung des Vogelzuges dieuen, hat sich die neue Warte, die mit ihnen in enger Arbeitsgemeinschaft stehen wird, vor allem die Lehrtätigkeit im Dienste des Vogelschutzes und einen volkstümlichen Unterricht über die Grundbegriffe der Vogelkuirde zur Aufgabe gemacht. Zu diesem Zwecke ilxrden kosten- lose Lehrgänge mit Ausflügen veranstaltet. Die Forschungen des I??stituts werden neben rein wissenschastlichen Zielen vor allem die Bekämpfung der tierischen Schädlinge durch den Vogelschutz im Auge haben. Die Vernunft marschiert. 40-Stunden-Woche im Eberswalder Messingwerk. Unter Mithilfe des Gemeindevorstehers von Finow ist«s dem Metallorbeiter- Berdanv in Eberswalde gelungen, eine Neuregelung der Arbeitszeit bei der Firma Hirsch-Kupfer-Messing- Werk A.-G. herbeizuführen. Die Betriebsleitung hat sich damit einverstanden erklärt, daß die Arbeitszeit von 48 Stunden auf 4g Stunden verkürzt wird, um für eine Anzahl von Erwerbslosen Arbeitsplätze zu beschaffen. Don der Belegschaft arbeiten nach der neuen Vereinbarung 1753 Arbeiter 4g Stunden und 21g Arbeiter 48 Stunden. Di« 48stündige Arbeitszeit wurde lediglich für die Ar- beiter der unteren Lohngruppen beibehalten, weil sich in diesen Arbeitergruppen die Verkürzung der Arbeitszeit zu stark auf den Verdienst und damit die Lebenshaltung ausgewirkt hätte. Durch die Verkürzung der Arbeitszeit bei der Firma Hirsch- Kupser-Messingwerk A.-G. sind sofort8g Neuein st cllungen möglich gewesen. Es wird erwartet, daß bei voller Durchführung der Vereinbaning Zgg Erwerbslosen wieder Arbeit beschafft werden kann. Vertreter des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes in Eberswaldc sind zugleich mit dem Vorsitzenden des Ortsausschusses des ADGB. und dem Stadtrat Genossen Lehmann an die Stadtverwaltung mit der Anregung herangetreten, auch in den übrigen noch voll beschäftigten Betrieben die gleiche Arbeitszeit- regelung wie bei der Firma Hirsch-Kupfer-Messing-Werk A.-G. zu treffen. Wenn diese Aktion Erfolg haben sollte, dürfte noch für einige hundert Arbeitslose die Möglichkeit der Neuem- stellung geschaffen werden. Diese Vereinbarung ist«in erfreuliches Aeichen praktischer Gc- werkschaftsarbcit und Solidarität der Arbeiter der Firma Hirsch- Kuple»Messing-Wert A.-G., die durch Verkürzung der Arbeitszeit mit LohnveNluft die Neueinstellung arbeitsloser Berufskollegen er- möglicht haben. Streikbeschluß aufrechterhalten. Abwartende Haltung der französischen Grubenarbeiter. Die Delegiertenversammlung der nordfranzösischen Grubenarbeitergewerlschaften, die am Sonntag in Lens tagte, um über die Folgen der ergebnislos verlaufenen Lohnverhandlungsn von Douai zu beraten, hat einen energischen Protest gegen die Lohnsenkung erhoben und beschlossen, zunächst die von der Negierung angekündigten Vergleichsverhandlungen abzu- warten. Falls die Bergbauunternehmer an ihren Forderungen festhalten sollten, würde der von dem französischen Grubenarbeiter- verband gefaßte Streikbeschluß am 30. März durchgeführt werden. Die zu gleicher Zeit in Douai versannneltcn kommunistischen Grubenarbeiter haben sich dagegen fest für den Streik am 30. März ausgesprochen. Zu Tode geprügelt? Llngeklärter Tod eines zweijährigen Kindes. Die schwere Beschuldigung, ihr 2 Jahre altes Töchterchen so schwer mißhandelt zu haben, daß das Kind an den Folgen v e r- starb, wird gegen die 28 Jahr« alte Ehefrau Dora Sch. aus der Blumen st rahe erhoben. Das klein« Mädchen wurde am letzten Sonnabend auf Anordnung eines Arztes noch dem Spanhauer Krankenhaus gebracht. Dort ist es im Laufe des Montag verstorben. Der Befund ergab, daß die Klein« schwer mißhandelt worden war. Sie hatte S ch ä d el v e rl« tz u ng e n und Ber- letzungen an den Weichteilen, die auf harte Prügel zurückzuführen sind. Strangulationsmerkmale an den Handgelenken lassen weiter vermuten, daß das Kind angebunden worden ist. Durch die Haus- bewohn« wurde das Wohfahrtsamt aufmertsam gemacht, das seinerseits Anzeige erstattete. Bei der Vernehmung bestritt die Mutter, die Tochter über Gebühr gezüchtigt zu haben. Dagegen sprechen aber die schweren Wunden. Die Mutter behauptet, das Kind fei lungenkrank und habe sie„durch ständiges Husten belästigt'. Sie habe ihm lediglich ein paar„Klaps«' gegeben, damit es still sei. Die kleine Tote, die Hildegard hieß, ist nicht das einzige Kind. Der Vater befindet sich in ein« Lungen Heilstätte. Dos älteste Kind, das aus d« Che hervorgegangen ist, zählt jetzt 0 Jahre, dann ist noch ein 1 Johr altes Mädchen da. Bon'der Kriminal- polizei ist ein« Untersuchung eingeleitet worden. Krauen sprechen zum H 215. Ueberfullte Versammlungen in den Spichernsälen. In wie starkem Maße die Kampffront gegen den§ 21S StGB, anwächst, bewies der Andrang bei einer Versammlung, die vom Ausschuß Groß-Berliner Aerzt'nnen in die Spicherusäie berufen war. Der Raum reichte nicht aus. eine porollelverfammlung mußte abgehalten werden. Als erste sprach Or. mcä. Heusler-Edenhuizen: „Man wirft den Gegnern des Z 218 mangelnde Ehrfurcht vor der Mutterschaft vor. Mir scheint im Gegenteil, daß die Befürworter des Paragraphen diesen Mangel an Ehrfurcht zeigem Eine Frau, die abtreibt, tut dies nur unter stärkstem wirtschafllichen Druck. Kein Paragraph wird � sie hindern. Eine Arbeiterfrau mit drei Kindern, die in einer Elendswohnung haust, und deren Mann arbeitslos ist, kam zu mir, da sie sich Mutter fühlle. Als Mensch mußte ich ihren Wunsch, die Frucht � abzutreiben, würdigen, als Aerztin mußte ich„nein" sagen. Später kam sie wieder, fiebernd und wund, und ein Eingriff, der vorher mit Leichtigkeit hätte voll- zogen werden können, muhte unter den schwierigsten Umständen vor- genommen werden. Die Frau ist immer nur das Opfer.' Frau Assessor Dr. Edith Klausner erklärte, daß der§ 218 nicht mehr Bestandteil des allgemeinen Rechtsempfindens fei. Eine Gesetzesbestimmung, die von Millionen abgelehnt wird, ist schlecht und muß fallen. Die Sozialbeamtin, Frau Klapper, berichtete aus ihrer reichen Berufspraxis eine Reihe besonders tragischer Fälle. Die Schriftstellerin Frau K r i s ch e behandelte den ethischen und kulturellen Schoden, den der veraltete Paragraph hervorrufe, während Frau Margarete K a i s e r- H a r n i s ch die sozialwirt- schaftliche Seite der Frage beleuchtete und zu dem Schluß kam, daß der Paragraph unter allen Umständen beseitigt werden müsse. Mit sehr scharfen Worten verlangte im Schlußwort Frau Thea o. H a r b o u die Abschaffung. Eine Resolution verlangt die Aufhebung des Paragraphen, der durch ein Gesetz zu ersetzen ist, in dem für Aufklärung der breiten Massen über all« Fragen des Sexuallebens und die Mög- lichkeit der Empfängnisverhütung zu sorgen sei. Weiter werden die Bekanntgabe und der Berkauf von staallich geprüften und unschädlich befundenen antikonzeptionellen Mitteln im freien Handel, kostenlose Abgabe solcher Mittel durch Krankenkassen und Fllrsorgeverbände an Versicherte und Unbemittelte, Zulassung der Schwangersihastsunter- brechung u. a. m. gefordert. Bernhard gegen Mstein. Abermals ergebnislose VergleichSverhandlvngen. Heule morgen wurden die Vergleichsverhandlungen vom Amtsgerichtsrat Vues wieder aufgenommen, mir ebenso geringem Erfolg wie gestern. Sie schetterten an der Weige- rung des Klägers Professor Bernhard, die Nichtexistenz der Akten Üd« Frau Rost, geschieden« Ullstein, zugegeben. Erst gegen 11 Uhr wurde dann in die Bernehmung des Londoner Korrespondenten der „Frankfurter Zeitung', S i e b u r g, eingetreten. Oer Abfall von Orewih. Die mecklenburgische Wirtschastspartei bricht die Aeziehunaen ob. Rostock, 24. März.(Eigenbericht.) Der Vorstand der Wirtschaftspartei des mecklen- burgischen Mittelstandes gibt folgendes bekannt: Da der Vorstand der Reichspartei des deutschen Mittelstandes unserer Entschließung nicht entsprochen hat, derzufolge Herr D r e- w i tz solange von dem Borsitz zurückzutreten hat, bis die gericht- lich« Auseinandersetzung zwischen ihm und Herrn Coloss« beendet ist, ziehen wir beschlußgemäß heute nach sechs Wochen die Konse- quenz und sehen uns leid« gezwungen, unser« Beziehungen zur Re i ch s l e it u ng abzubrechen. Die Arbeiten«n Wahl- kreis nehmen ihren unveränderten Fortgang. Freispruch im Wiener Mordprozeß. Wien, ZZ. März.(Eigenterichi.) 3m Prozeß wegen des Mordes im Lainzer Tiergarten wurde der Angeklagte Bauer freigesprochen. Die Ge- schworenen bejahten die Schuldfrage mit 7 gegen 5 Stimmen. Da zum Schuldspruch S Stimmen notwendig sind, wurde der Angeklagte freigesprochen. Der Reichsbund der kriegebeschädigten. Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebeneu beteiligt sich an der Bestattung Her- mann Müllers. Antreten 1k Uhr: Linden-, Eck« Hollmann- straße. Männctchor Aichte Georginia. Der Chor singt bei der Be- stottungsfeier für Hermann Müller. Probe Mittwoch an bekannter Stelle/ Erscheinen aller Mitglieder Ehrenpflicht. Donnerstagprobe fällt aus. Arbeiter- Samariterbund. Alle dienstfreien Genossen versammeln sich am Donnerstag, dem 26. März, 16 Uhr, an d«r Jerusalem« Kirche. P-rantwortl. für die Redaktion: Sc eiert Le»i>e«, Berlin; Anreizen: Tb. Slecke. Berlin. Verlan: Vorwärts Verlag y—Ii Wochentags 7, 9.10 Uhr «C" Sonntags S. 7, 9.10 Uhr Potsdamer Str. 50 Stg 2 30 Jugendv Großtoniilm; Mit Byrd aom Südpol Beiprogramm Marlanderf Vf a I s Marlendorler Wochentg. 1 18- 1-1 Lichtspiele ab 7 Uhr Chausseestr. 305 lOOproz.Tonfilm! Stürme über dem Montblanc mit Leni Rletenstahl Betprogramm— Jugendliche Zutritt XlVOli Berliner Str. 97 Beg. 5, 7, 9, Sonntags 3 Uhr: Jug-Vorst. lOOproz. Tonfilm: Drei Tage Liehe mit Haas Albers, Küthe Dorsch, Trade Berliner— Beiprogramm W Südweaten> Lichtspiele Südwest Blücherstr. 12 W. 5. So. ab 3 Uhr lOOproz. Tonoperette: Die blonde Naditigall mit Else Elster Tonbelprogr.— Ton Wochenschau Film-Palast Kammersäle Teltower Str. 1 W. 530, Stg. 3,30 U- lOOproz. Tonfilm: Afrika sprldit (Das Paradies der Hölle) Beiprogramm ■" o Primus-Palast Am Hermannplatz, Urbanstr. 72/76 Wo. 6.45, U„ Sonnt ab 3 U. Nur drei Tage! Die- lustige Tonfilmposse: Die Instigen Weiber von Wien mit Willi Forst, Lee Parry Beiprogramm— Auf der Bühne: Internat. Bfibnemscbaa Th. am Moritzplatz Beg.: Wochtg. ab 5 Uhr, Stg. ab 4 Uhr Tonlustspiel! Der Hampelmann mit Max Hansen, Llen Deyers Beiprogramm Mercedes- Palast HermannstraBe 212, Ecke JägerstraBe Werktags 6�« Uhr, Sonntags 3 Uhr lOOproz. Tonfilm! Töter gefacht mit Gerda Maurus Beiprogramm Bühnenschaa Kukuk Wochent 6.45, 9 U. Sonnt. 3, 5, 7, 9 U. Kottbusset Damm 92 Großtonfilm: Schuberls Frühlings- träum— Chaplin im Variete lugendliche haben Zutritt pYrelüi/M* Wochent. 6.45, 9 U. CXCCISlOr Sonntags 3. 5, 7, 9 U. Kaiser-Friedrich-Straße 191 Tonfilm: Aschermlitwoch m. Et, Holt Chaplin haut sich durchs Leben Beipzogrnmm Stern, Hermannstraße 49 Wo. 6,45. 9, Sbd. 5. 7, 9, Stg. 3, 5, 7, 9 Uhr lOOproz. Tonfilm: Stürme über dem Montblanc mit leni Riefenstahl Beiprogramm— Jugend), bab. Zutritt Filmeck Skalitzer Straße, am Göriitzcr Bahnhof Beginn Wochentags: 6.30 ond 9 Uhr Sonntags: 3, 5. 7, 9 Uhr Lustige Tonopperette: Marquise ron Pompadour mit Anny Ablers Bühncnscfaaa— Beiprogramm Luisen- Theater Reichen berger Str. 34 Anf. W. 6 30 n. 9 U. Stg. 3, 5, 7, 9 U. 100 proz. Tonfilm: Die PriTaisekre- ISrinm Renate Müller, FcllxBressart Bühncnschau— Beiprogramm Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Wochtgs. 5.30, 9 ü. Sonntags ab 3 Uhr 100 proz. Toniostspiel: Moriiz macht sein Glück mit Siegfried Arno Beiprogramm— Auf der Bühne Lustiges Intermezzo Im Senderaum Jugendliche haben Zutritt Sternwarte— Treptow Dienstag, 8: Rand am d. Erdball, Fi Im Mittw.8; Der dentsefae Rhein, Lichtb Vortrag, Donnerst. 8: Mü dem Rar- bclkastcn durchs Riesengebg. Film. W Nordoofa W Prenzlauer Allee 56 W. 5.15, 7. 9.15, S. 3.15, 5, 7.15, 9.15 Uhr Sonntag 3.15 Jugendvorstellung Grock Grob« Bühncnscfaaa— Jugdl. Zutritt Flora-Licfatsp. Wo. 6.30, 9. Sbd. ab 5, Sonnt ab 3 Uhr. Afrika apridii(Das Paradies d. Hölle) Das Ungeheuerlichste, das je gezeigt wurde! Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochemgs. 6 30 U.. Sbds. 5, Stgs. 3 U. 100 proz. Tonfilm: Drei Tage Liebe mit Hans Albers Küthe Dorsch, Trade Berliner, Paal Samson-Kürner Dasts das gnte Beiprogramm Bfthaei S gr. Varl cl6- Attraktionen Luna-Palast Gr. Frankfurter Str. 121 Tonfilm: S Tage Liebe mit Küthe Dorsdi, Hans Albers Bühne: Wilh. Bendow, Willy Roten Frankenburg, Große Frankfurter Straße 74 Tonopperette: Zapfeasirelch mit Chart. Sota, S. Arno— Beipro gr, Bühnen scfaaa Schwarzer Adler X,"" 99 Woch. 5, 7, 8 45, Sonntg. 3, 5, 7, 8.45 Großtonfilm; Der Beitelstadent mit Jarmila Novolna, Hans Bollmann, Fritz Scholz— Tön. Beiprogramm Jugendliche Zutritt_ Concordia-Palast Andreasstr. 64 W. ab 6 U, Stg. ab 3 U. 100 proz. Tonposse: 3 Tage Mittel» arrest mit L. Englisch, Fr, Scholz, Brestart- Gehetzte Mädchen mit Lien Deyers— Bühncnschau Viktoria Lichtbild Th. Frankfurter Allee 48 Woch. 5, 7, ca 8.45, Stg. 3,5,7, 8.45 U. Tonf.-Opcr.: Das Land des Lücbelns mit Richard Tauber, Tonbeipr. Jugendliche Zutritt— Ab Freitag; Der Bettelsludent Zentrum Babylon, am BQlowplatz Wochentags 5 U„ Sonntags 3, letzte 9.10 U Varieitsdian Russenfilm: Erde Fat und Patacfaon, Vagabunden die lustigen �_Heu-Uchtento«ra�p Kosmos-Lichtspiele Lückstr. 70 Woch. 5, 7. 9 U. Stg 3, 5, 7, 9 U 100 proz. Tonf.: Die Privatsekretär in mit Renate Müller, Felix Bressart Tontilmbeiprogramm > FricdrlchsKId« M Kinn Rh erb w- � � vbr nino DUSCU 5. 5. 7 u. 8.45 Uhr Alt-Friednchsfelde Mein Himmelreich m. Vilma Banky Der fliegende Pfeil m Ken Maynard Beiprogramm Schloßpark Füm- Bühne Berlinet Allee 206— 21 u Tonfilm; Die Drelgroscbenoper mit Rod. Förster, Cor, Neber— Bühne PROGRAMM für die Zeit vom 24. bü 26. März A lU~mbrA MüllerstraCe 135. mnamora Ecke Seestraße Wochent 5, 7, 9 U, Sonnt. 3, 5, 7, 9 U. 100 proz. Tonoperette: Die Marquise ▼ob Pompadour— SUberkondor über Feuer fand mit G. Plüschow f Pharus-Lichtspiele Mailerstr.142 W.S,7,9U, Stg. 3.5, 7. 9 U. Crock in seinem großen Tonfilm mit Liane Haid— Jugendliche Zutritt! Grobes Beiprogramm Prater-Lichtspiel-Palast Kastanienallee 7-8 W. ab 6, Stgs. 4 U. Cyanlcali— f IIS— Kleinstadt- sündor— Bühne:»LaArevue Filmpalast Puhlmann Schönhauser Allee 148 W. 5, S. 2>7 U. Tonfilm: Ihre MaJestüt die Liebe m. Roberts, K. r. Nagy, Lederer Lohntag m. Chaplin. Bühne: Variete ■■ Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 7 u. 9, Stg. S, 7. 9 100 proz-Tonfilm: Die Prl»alselcretär. mit Renate Müller, Felix Bressari Bühncnsdtan � Wtaderichönhamun P Film-Palast SÄue» Blankenburger Str. 4 Sonnt. Z1/� Jgd.-V. Wochent, 6.30 8 45, Sonnt. 4.30, 6 45,9 U. Tonfilm: Stürme über d. Monlblenc Tonbeiprogramm—Jugend l- Zutrittl • T«g«' Filmpalast Tegel suÄ'" Stgs. 2 U. Jgd.-Vorst. W. 6. Stg. i\i U. Tonlustspielerfolg: Moritz macht sein Glück m Siegfried Arno— Charlys Abcnlener mit Charly Chaplin Union— Theater Hauptstr. 3 W 6. 8-0. Stg.«>/., 6Vj. 83,i U. Stg. 2 U. Jgd.-V. Mlliemacht. Stunde des Todes Bob, der Boxercowboy Achtung, Kurve I mit Manty Bank» Hünntg»aort Filmpalast Stft. Berliner Straße 59 Stg. 2 U. lug.-Vorst. Im Kampf mit der Unterwelt mit Carlb Aldlnl— Ehekonflikte SiVÄbimS �uUnultfaßa jUI iuy*u>tir4* „ITEieli hmi�ert...** lOOOOO Kinder suchen Schutz ßbcrmcli fonunt..f)i-cr werften Buchwahrtzeiten Leben?wohrhciten. In den Höfen der Mietkascrnen spielen diese Kinder ihre unfrohen Spiele, hier hört der Buchstabe auf und di« nüchtern« Tatjache be- ginnt. In den Akt«n der Jugendämter liegen die„Fälle" verankert und die Fürsorgeschwestern führen einen mitt«n hinein in die Schwarzweihzeichnung des Lebens, dessen schwärzeste Seite sich hier in den Elendsquartieren offenbart. Kösliner Straße Die Kösliner Straß« ist«ine Zelle für sich,«in Schulbeispiel für Uneingeweiht«. Was diese Familien zusammenkettet und sie sotbst hier von den anderen abscheidet, ist das Solidaritäts» gefühl ihrer Armut. Ein Kastenstaot im Norden. Alles kinderreiche Familien, verkettet in ihrer Not, mißtrauisch gegen alle Maßnahmen, die von außen an sie herantreten. Und wenn die Kinder verhungern, man scheut sich, sie sorszugeben, man wehrt sich gegen Zwangsentziehung, man schart sich zusammen und macht Front gegen di« Eingriffe der bürgerlichen Welt, die sie aus ihrer Lage heraus hassen und oerachten. Zum größten Teil sind die Müt- ter und Väter vorbestraft, was bleibt ihnen übrig, als Arbeit zu er- gattern, wo sie sich irgend findet. Wie die Ameisen schassen sie aus allen Teilen der Stadt Lumpen herbei, stapeln sie in ihren engen Räumen, schleppen mit dem geringen Lebenskapital Krank- Helten und Seuchen mit ins Haus. Von den Lumpen lebt eine Straße. Biennal vier Meter ein« Stube, ein halbdunkler Raum, der die Küche vorstellt. Mit zwei Betten dreiviertel ausgefüllt. In dem Wohnraum steht ein drittes Bett und ein hnlbzcrsallencs Sofa. Sieben Menschen wohnen in der.Wohnung". Ein, zwei finstere Stubenlöcher, ein Gewimmel von Kindern, Erwachsene, Ju- gendliche, Halbwüchsige, durcheinander, übereinander. Der Vater drei bis vier Tage in der Woche beschäftigt oder arbeitslos. 23 Mark die Woche Verdienst, 23 Mark Miete im Monat. Ob die Zahlen um nnnimal« Beträge variieren, das spielt ja keine Rolle. Für alle gilt dieselbe Norm. Vier Jahre alt war die kleine Inge. Ein uneheliches Knd. Und als die Mutter heiratet, schickt der Stiefvater die un- erwünschte„Beigade" auf die Straße zum Betteln, zum Brotoer- dienen. Das Kind zittert davor, nach Hause zu kommen, es zittert vor den Schlägen, vor den Mißhandlungen, die es erwartet.— Fünf Kinder in einer engen Stube. Nachts werden Lumpen auf sin Wrack von Sofa gebreitet, Lumpen, die am Tage zum Verkauf wandern, um durch neue ersetzt zu werden. Früh ,mi 5 Uhr, um 4 Uhr hinaus aus die Straße, Zeitungen austragen. Durch den kalten Morgen mit dem schweren Pocken und um 8 Uhr in die Schule. Dos Gskd der Unterstützung verbraucht der Vater. Die Not hat ihm das Bewußtsein für seine Lage genommen, er braucht die wenigen Groschen zur Abzahlung einer„Klubgarnitnr". Aber«in letztes Stück Vatergcfühl ist vielleicht doch noch in diesem Mann, den seine eigenen Kinder„fauler Hund" und„dicke Pelle" nennen. Als man ihm sein Kind in ein Erholungsheim entführt, reist er ihm nach, bedroht die ahnungslose Hortlerin mit einer Schußwaffe, bis er sein Kind wieder zurück hat, in den eigenen vier Wänden. Kinder in Gesahr: Der Mann geht arbeiten, die Frau geht auf ihre Weise den Tag ausnutzen. Ein Kind schreit sich allein in seinem Bettchen die Lungen aus, zwei alte Schrippen als Siahrung in den Händen. Kinder in Gefahr: Die Mutter betreibt ein Absteigequartier und das sexuelle Erlebnis der Jugend- jähre hastet sich fest im Bewußtsein der Kinder und ist aus den Gedanken nicht mehr zu bannen. Ihre Entwicklung ist in vielen Fällen vorgezeichnet mit furchtbarer Konsequenz. Säuglinge, Halbwüchsige, Kinder und Jugendliche werden in dauerndem Turnus von der Jugendfürsorge erfaßt. Um noch weiter zu greifen, noch mehr ihre Aufgab« zu ersüllcn, wird sie sich vor Bürokratisierung hüten und den Rahmen einer Behörde sprengen müssen. ewis. (Beilage Dienstag, 24. März 1931 l>ie Esakien Wer kennt nicht unsere„exakten" Wisseirschaftlcr? Für sie ist nur überzeugend, was in Tabellen eingetragen, was mit Ziffern und Kurven und Diagrammen verschen ist. Ihre Bibel ist die Statistik, die Anhäufung von Zahlen, mögen sie auch noch so falsch und irre- führend sein. Was läßt sich nicht olles statistisch beweisen— und was läßt sich nicht statistisch als Gegenteil beweisen? Wie viele Statistiken haben sich als Unsinn, fa geradezu als Verhängnis er- wiesen(z. B. Calmettes Statistik mit ihren taufenden Ziffern) und wieviel Gegenstatistiken waren gleichsfalls Unsinn? Aber Statistik ist das Morgen- und Abendgebet unserer„Exakten"! Was jedoch die praktische Erfahrung, die lebendige Kenntnis an Tatsachen, das lebende Leben vermitteln, daran glauben sie nicht, das exsstiert fiir sie nicht, das ist.Mrwissenschastlich"! Wieviel Statistiken haben sich namentlich in der Medizin als irrig herausgestellt? Die Verschiedenheit der sozialen und ökono- mischen Verhältnisse als Krankheitsfaktor wurden unberücksichtigt gelassen, mit toten Ziffern wurde manipuliert, das Individuum in seiner sozialen Vielfältigkeit wurde herdenmäßig verallgemeinert. Aus Sachlichkeit wurde Irreführung! Statistiken, auf die einst unsere Wissenschaftler Stein und Bein schworen, sind inzwischen als sinnlose Zeitvergeudung erkannt worden. Aber noch immer finden sich gelehrte Männer, die als Kriterium lebendiger Vorgänge das Vorhandensein irgendwelcher Ziffernsannnelsurien verlangen. Was die Praxis sud die Erfahrung zu Tage fördert, ist für sie Nichts. So lese» wir i» �ner, der sozialen Medizin gewidmeten Zeitschrist gelegentlich einer Besprechung der Denkschrift„Ar- beitslosigteit ein Problem der Volksgesundheit": „Aus de» Antworten erkenne ich im ganzen nur ein Ignoramus. Dieses Ergebnis war zu erwarten. Nun es' ganz deutlich vorliegt, sollte es dazu anregen, den Problemen- komplex noch mit anderen Methoden als den herkömmlichen klinischen der Auskultation, Perkussion, Urin» und Röntgen- Untersuchung anzugehen." Ein solches Mißverständnis war bei den„Exakten" zu„er- warten". In der erwähnten Schrsst kam es darauf an, zu zeigen, daß vom ärztlichen Standpunkt aus gesehen die Arbeitslosig- i kcit eine Gefährdung der Bolksgesundheit bedeutet. Zwei Drittel der befragten Aerzte haben aus ihrer praktischen Erfahrung dies bestätigt. Ueberaus wertvolle Erkenntnisse neuer und unbekannter Art wurden bekanntgegeben. Aber es fehlten die Striche, die Kurven, die Diagrmmne und die Zahlen... und des- halb haben sie kernen Wert für die„Exakten"! Ignoramus! Wir werden„es" von ihnen erst dann wissen, wenn jahrelang mit Ziffern gespielt worden ist, wenn unfruchtbare Statsstiken fabriziert wurden und— wenn inzwischen die Arbeitslosigkeit ihr gesundheitlichesVernichtungswerkbeendethaben wird. Sarai werden die„Exakten" erscheinen und uns vielleicht nochweisen, daß die Arbeitslosigkeit eine gestmdheitliche Gefahr ist. Was Aerzte j e tz t mit eigenen Augen sehen, das kann den„Exakten" nicht befriedigen! Was er ober aus Ziffern und Strichen und Linien in zehn Iahren herauslesen wird, das wird ihm endliches Wissen bedeuten! Rur mit der kleinen Einschränkung, daß dann die Schäden niemals mehr repariert werden können. Aber was bedeutet das schon für den„Exakten"! Die Theorie der Statistik geht ihnen über die Tatsachen der Wirklichkeit, auch wenn sie selber Fabrikanten von Krankenkassenstatistiten sind, die von anderen längst widerlegt wurden! Es gibt Aerzte und Aerzte: Die«inen verlangen, daß schleunigst geholfen wird, eh« es zu spät ist— und solche haben sich in erfreulich hohem Maß an der Beantwortung der bekannten Rundjrog« beteiligt. Die anderen warten auf die Offenbarungen, die ihnen Zahlen Dis- putationen. Untersuchungen und Statistiken bringen sollen. Die Arbeitslosigkeit aber wütet verheerend in der Gesundheit des Volkes! S i e kümmelt sich um kein« Statistik! Meäicus. I>er Film vom Gelilrii Die Mechanik des Gehirns, vorgetragen und erläutert von Pudowkin, verliert die Trockenheil und Abstraktheit der schwierigsten medizinischen Materie und wird blühendes Leben. Er gibt in unvergleichlicher Form, eindringlich wie nie ein Wissenschaft- licher Vortrag es könnte, den Extrakt der Lebensarbeit des großen Forschers P a w l o w, der seit Jahrzehnten den physiologischen Bc- dingungen des geistigen Lebens nachforscht und dem es in hohem Alter vergönnt war, noch selbst den Schlußstein in den Wissenschaft- lichcn Bau einzusügen. Der russische Staat hat ihm zum 80. Geburts- tag ein Institut in Petersburg geschenkt, und dort wurde auch der Film, das Bild seiner geistigen Schöpfung, aufgenommen. Wie P a w l o w in seinen Forschungen ausging von seinen Beobachtungen an der Speicheldrüse, so stellt auch der Film diese Experimente in den Vordergrund. P a w l o w hatte beobachtet, daß der Speichel eines Hundes einmal dünn, einmal dickflüssig, sehr schleimig oder rein wässrig sein, reichlich fließen oder gänzlich ver- siegen kann. Menge und Zusammensetzung des Speichels erwies sich abhängig von der Art des Futters, das dem Hunde vorgesetzt wurde. Trockenes Futter rief einen dünnen, schleimigen, reichlichen Speichel hervor. Fleisch«inen dicken, spärlichen Saft. Selbst gänzlich un- genießbare Stoffe, wie Sand, auch Wasser, verursachten ein« stets charakteristische Spcichelproduktton, gleichgültig unter welchen Bedingungen das Reizfutter dargereicht wurde. P a w l o w nannte den Vorgang der Reizübertragung, den er als einen angeborenen, mit der ursprünglichen Bedürfnisbefriedigung verhasteteo erkannte, einen unbedingten Restex. Man beobachtete nun aber, daß der gleiche charakteristische Speicheljluß eintrat, wenn man etwa die Schüssel hinhielt, in der sonst das Fleisch gegeben wurde. Also ein Reslexvorgang, der nicht mehr auf die Frcßtätigkeit und di« dazugehörigen Organe beschränkt war, sondern durch andere Sinnesorgane eingeleitet wird, schließ- lich ober zu genau dem gleichen Endergebnis sührt, zum charakte- ristischen Speichelfluß. P a w l o w stellte diesen bedingten Reflex in Gegensatz zum unbedingten Restex— und fand damit den Schlüssel zur Mechanik des Gehirns! Denn, so folgerte er, die gesamte Tätigkeit des Gehirns ist vicllcichr nichts weiter als ein Riescngcbäude von bedingten Reflexen. Trotz des Widerstandes der Psychologie, die in der Erklärung der geistigen Tätigkeit nicht ohne die Seele auskommt, ging er daran, di« Arbeit des Gehirns zu analysieren allein mit den Mitteln der Naturwissenschaft. Und jetzt behauptet er mit ollem Nachdruck— und die Sprache des Films, dieses Bildcrhnch eines krmschen Phantasten, erläutert und verstärkt seine Kundgebung geschickt—. daß sich tatsächlich auZ iifc xeichste zqistize Tätigkeit ableiten lätzt Hinter einer Barriere steht ein« Bank, eine nüchterne braune Hol.chank aus einem der Millionen Warteräumen der Welt. Auf der Bank sitzt«in junges Mädel mit einer Baskenmütze und einem schäbigen Mantel. In den Armen hcht sie in ein« Wolldecke gewickelt ein kleines Bündel, ihr Kind. Sie sitzt da mit gjeichgütti- gem, abwesendem Blick. Nur wem, das rote, runde Gesicht des Säuglings aus der Decke heroorkriecht und der Mund sich zum Weinen verzieht, beugt sie sich herab mit einer liebkosenden streicheln- den Bewegung. Hinter einer Barriere schreibt eine Beamtin angestrengt Formulare, registriert und notiert.„Sie heißen? Wie alt? Levig, verheiratet? Wie heißt der Voter?"„Das steht noch nicht fest." Das klingt leichtsinnig. Aber es ist ja der Ausgangspunkt, der Anfang dieser Millionen kleinen Menschen, die gezeugt werden aus Liebe, wis Berbrechen, aus Not, aus Ahnungslosigkeit, und die dann in ein« Wolldecke gewickelt„abgegeben" werden. Die Bcamttn schaltet an dem Telephon:„Schwester, holen Sie den Säug- ling." Eine Mutter wartet, bis eine weißgekleidete Schwester er- scheint und eine Tür hinter ihrem Kinde sich abschließt. 5000 Kinder erscheinen im Jahr vor der nüchternen Holzbarriere im Aiufnahmeraum des städtischen Waisenhauses. In ihm bilden di« Waisen nur«inen geringen Prozentsatz. Dieses Haus ist «in Sammelbecken der Not, der Verzweiflung, des Elends. Frei- willig oder gezwungen, aus Einsicht oder mtt Hilfe des Gerichts- befchlusses werden Kinder vor dem Verhungern, vor Wohnungs« elend, Verbrechen und sittlicher Gefährdung bewahrt. Immer wie- der dasselbe trostlos« Bild der Statistik, derselbe Hintergrund: Miß- Handlung, Zwist der Eltern, Wohnungsnot, Vater und Mutter in Haft, krank, Waisen, ledige Mütter. l¥lrt»el»»ftliel»e Not and die Folgen Es geht nicht um ethische Forderungen, es geht um praktische, ernsthafte Erkenntnis bei den fürchterlichen Zahlen der Statistik. Wirtschaftliche Not treibt die Kinder auf die Straße, schafft Verwahrlosung zu Hause, züchtet verborgene Triebe und läßt Kinder schuldig werden, die unschuldig sind. 20 000 Kinder haben die Jugendämter ermittell, bei denen die Eltern vor der nackten Tatsache standen: Wir können unsere Kinder nicht mehr ernähren. 18 000 Kinder wandern in die Krippen und Kinderhorte. Die Mütter stnd auf Arbett und das„zu Haufe" fft für diese Jungen und Mädel kern« Heimstätte mehr. 9000 Kinder haben mit der Ge- burt den Keim der Krankheit erhalten. Psychopathen, geistig, phy- stsch abnorm. Heilerziehungsheime nehmen sie auf, 38 000 Kinder gehen in die Krüppelfürsorge. 8000 Kinder werden ihren EUern entzogen, kommen aus der verwahrlosten Hölle einer zerrütteten Familie in die Obhut eines Heims, einer Privatpflegestelle. 4000 Kinder werden straffällig und stehen unter Jugendschutz. Tag für Tag pilgern di« Fürsorgefchrvestern Trepp aus. Trepp ab in ihrem Häuferviertel, kontrollieren, mahnen, über- reden Väter und Mütter. Tag für Tag meldet das Standesamt die Geburt unehelicher Kinder, Tag für Tag kommen Mütter frei- willig in den Aufnahmeraum im Waisenhaus und trennen sich von ihren Kindern, die Lebensfreud« sein könnten und Lobensqual werden. Es gM ein Buch„Mich hungert" und darin ist Mittelpunkt ein kleiner Junge, dessen Kindheit darin besteht, an zugigen Ecken, mit einem dünnen Mantel bekleidet, zu betteln, dessen Kindheit unter den Launen eines trunkenen Vaters und einer kranken Mutter steht, dessen Inneres beeinflußt wird durch die unglaubliche Not einer Brutstätte des Elends: durch die Mietkaserne. Diese Kinder werden Greise, kaum daß sie geboren sind. Auf diese Kinder stür- men die Sorgen und Laster der Erwachsenen ein, bevor sie denk- fähig geworden stnd. Dies« Kinder kennen keine andere Jugend, als. die Rücksichtslosigkeit und Grausamkeit eines erbitterten Existenz- kampfes. Moralbegrifs« verschieben sich, Wertungen, die ein Er- zieher anstellt, weim er in Wilmersdorf, in Schöneberg, am Zoologi- scheu Garten in die U-Bahn steigt, verlieren ihre Geltung, wenn er aus dem Schacht der Station Wedding, Seestraße, an die aus dem Schema des bedingten Reflexes als ein Vorgang oder als Reihen von Vorgängen, die ausgehen von den primitiven, angeborenen Reakttonen des Neugeborenen, sich ver- binden mit den begleitenden und bestimmenden Umweltreizen, durch unbewußte und bewußte Uebung und Erfahrung sich einspielen, sich gegenseitig steigern oder hemmen, sich tausendfach kombinieren, durch Erziehung willkürlich bestimmt und gewandelt werden. So wird die Lehre von der Mechanik des Gehirns zur Reflexologie. Die Erziehung wird als Ausbau eines Systems von bedingten Reflexen erkannt und in die Reihe der Naturwissenschaft- liehen Fächer eingerecht. Die Teile des Films, in denen das spielende Kind als Reslcxwesen gezeigt wird, sind von einer so unmittelbaren Eindringlichkeit, sie vermitteln so lebendig den mensch- lichen Gehalt des großen wissenschaftlichen Werkes von P a w l o w, daß dringend zu wünschen wäre, daß auch ein größeres Publikum. vor allem Laien, Gelegenheit bekämen, an der Hand von Pudowkin zu erfahren, was selten so lebendig zu uns spricht: daß die wirkliche Wissenschaft und das blühende Leben eins sind und eins fein müssen. Dr. Günther Woli. Hange alg Krebganxeiger Es ist seit langem bekannt, daß es sogenannte Krebshänfer gibt, d. h. Gebäude, in denen auffallend viele Krebskranke vor- kommen. Kürzlich wurde nun in einer Brikettfabrik eine Maus gefangen und genau uniersucht. Dabei stellte sich heraus, daß die Maus zahlreiche Geschwülste aufwies. Die größeren Ee- schwülste waren ausgebildet« Plattenepithelkrebse, während die kleineren Geschwülste und Wucherungen der 5)aut echte Vorstadicn von Krebsgeschwüren darstellten. Nach Professor Teutsch lande r in Heidelberg(Institut für Krebsforschung) waren die Krebsgesckwüre der Maus durch den Pechstaub in der Fabrik entstanden. Professor Tcuffchländer wies nach, daß die Krebsgeschwülste der Maus, im« gesagt, hirch den Pechstaub der Fabrik, und zwar nur dadurch veemjacht worden sind. Wenn man nun im Publikum von Ärebsgcjchwürcn spricht, so ist damit nicht gesagt, daß es sich in solchen Gebäuden um eine Infektion mit einem spezifischen Krantheitserreger handelt, sondern um Schädlichkeiten ganz bcstinmitcr Art, die den Ausbruch der Krebserkrankung fördern. Professor Teuffchländer macht nun den Vorschlag, in gefähr- deten Betrieben an bestimten Stellen Käfige mit weißen Mäusen mifznstellen, die dann im Falle der Er- krankung sofort eingehend untersucht werden könnten. Dadurch wäre dann auch die Möglichkeit gegeben, die nähere Nawr der Gifte zu ermitteln und diese eventuell selbst zu beseitigen, also den Ausbruch der Krebskraukheit zu verhindern. Dr. S. Uer Schiefhals Der Schief hals ist ein bekanntes Uebel und ist gewöhnlich an- geboren. Die Beseittgung ist mir durch eine Operation möglich Dieser Eingriff ist nötig, weil sich insolge der Schieshalsstellung ganz bestimmte Skelcttverändernngen ausbilden, nämlich eine Ver- biegung(Skoliose) der Halswirbelsäule noch der gesunden Seite hin. Aber auch der Gehirn- und der Gesichtsschädel werden asymmetrisch Schließlich stellt sich auch eine ausgleichende Skoliose der Brust- wirbelseite noch der entgegengesetzten Seite ein. Die Ursache des Uebels ist Raummangel im Uterus(Gebärmutter), woraus eine intrantcrin(innerhalb der Gebärmutter) erworbene Degeneration des einen der beiden Kopfivendernmskeln ensstcht. Di« Operation besteht in einer Durchschneidnng des kranken Muskels. Diese allein genügt aber in keinem Fall. Daraus hat eine orthopädische ausgedehnt«'Nachbehandlung zu folgen. Dann kommt der Kopf auf zwei bis drei Wochen in einen Gipsverband, was den Erfolg hat, daß alle mltverkürsten Muskeln und Weichteile der operierten Seit« mitgedehnt werden. Die bereits eingetretene Halswirbelfäulenverbiegung ist um so schwieriger zu bescitincn. je älter das Kind schon war. Eltern werden gut tun, Kinder mit Neigung zu Schieshals so früh wie möglich dem Facharzt zuzuführen. Dr. S. Zum Weltkindertag! Jetzt gehts an die Arbeit Olympia-Festtage in Wien— Weltkindertag am 19. Juli nicht nur in Wien, sondern an allen Orten diesseits und jenseits der Grenzpfähle! Da sind Vorbereitungen in den Arbeitersportoereinen nötig, mit denen rechtzeitig begonnen werden muß. Die Kreis-, Bezirks- uird Bereinsleiter des 1. Kreises fanden sich Sonnabend und Sonntag zu einer Tagung in Berlin ein, die sich vornehmlich mit dem Weltkindertag beschäftigte. Kreiskinderlciter Scholz hielt an Hand des vom Bund erhaltenen Materiols das einleitende Referat. In den Kreisbezirken werden zweitägige Kindertreffen am 18. und 19. Juli arrangiert, die für den 1. Bezirk in Erkner, 2. Bezirk hi Eberswalde, 3. Bezirk in Brandenburg, 4. Bezirk in Zossen statte sinden. Sonnabend soll Sammeltag der Kinder aller Organisationen sein und mit Abendveranstaltungen, wo Kinder freunde und alle der Zentralkommission angeschlossenen Vereine mit Kindervorsührungen mitwirken, seinen Abschluß finden. Der Sonntag, 19. Juli, bringt vormittags Drei- und Vierkämpfe und Stafettenläufe besonders der Turner- und Schwimmerkinder. Festzüge mit anschließenden Massen- Übungen aller Knaben und Mädchen, Sondervorführungen der Be- zirke, Gruppen und Verein«, Masscnsingspiele füllen den Nachmittag des Hauptfesttages. Als Ausklang werden anschließende mehrtägige Kinderwanderungen vorbereitet. Um alle Irrtümer richtigzustellen: Die Kindcr-Massenübungen werden nach den Noten, Angaben und Bildern der„Technischen Festschrift zum Olympia" ausgeführt. Be- zirks- und Gruppenleiter haben diese Uebungen unverzüglich allen Vereinen und einzelnen Abteilungen zu vermitteln. Di« Bezirks- Kinderleitcr sind verpflichtet, sich mit den jeweiligen Bezirksfunktio- nären zur Borbereitung dieser Vezirks-Kindertrefsen in Verbindung zu setzen. Intensive Tätigkeit muß und wird bei allen beteiligten Organisationen einsetzen, um diese Feste zu Erlebnissen, zu Feier- stunden für die Kinder zu gestalten! Die sehr gut beschickt« Tagung nahm ferner Referate des Kreis- tcchnikers Gradtk« über„Neuzeitliche Festkultur" und des Sportarztes Dr. Georg Löwenstein über„Kind und Leibesübungen" entgegen. Die Vorführungen einer Musterturnstunde der größeren Kinder durch den Leiter der Kreisklasse, Scholz, und einer llebungsstunde mit Kleinkindern(die kleinsten waren 3 Jahre!) durch Bezirks-Kinder- lsiter Schiftan waren ein willkommener und gut gelungener Anschau- ungsunterricht. -Arbeiter-ttockex Die letzten Scricnspicle In den Serienspielen siegte in Gruppe A der bisher ungeschlagene Kreismeister V. f. L. O st r i n g über den Athletik- Sport-Club mit 6:2 Toren. Der Club leistete bis zur Pause guten Widerstand. Zweimal gelang es ihm, die vorgelegten Tore bis zum Stand von 2: 2 aufzuholen, um aber dann, besonders nach der Pause, dem besseren Stehvermögen Ostrings nachzugeben. Die ASCer lieferten dem Gnippenersten ein gutes Spiel, so daß sich Ostring strecken mußte, um sich durchzizsetzcn. Freie Turner- schaft G r o ß- B c r l i n- M a r i e n d o r f gegen Sport- verein Moabit 2:0. Vor einem großen Zuschauerring, den besonders die interessierte Sportlerschaft und Parteikreise stellte, fand dieses Spiel in dem schönen Mariendorfer Volkspark stat'. Mariendorf war die bessere Partei und hatte in der Verteidigung und im besonders gut spielenden Mittelläufer ein Ilebergewicht. Bis zur Halbzeit führte Moriendorf 1: 0. Trotz Umstellung und starkem Druck gelingt es Moabit nicht, einen Erfolg anzubringen. Dagegen konnte Mariendorf durch eine gut verwandelte Flanke noch einmal zum Erfolg kommen. Tennis- Rot 1 gegen FTGB.- Nordring 2 7:4. Die sonst sehr stark spielende Nordring- Mannschaft mußte die Ueberlegenhcit der Tennis-Monnschaft an- erkennen. Tennis-Rot zeigte sich von besonders schußfreudigcr Seite und guter, einheitlicher Aktion. Freier Hockey- Club Spandau gegen Arbeiter-Sport-Club Wedding 7: 9. Die Spandauer haben eine gute Mannschaft beisammen und konnten im Mittelstürmer und Mittelläufer ein klares Uebergewicht erzielen. Auch der Spielaufbau war gut, insbesondere konnte das beiderseitige Flügelspiel gefallen. Wedding verlor vielleicht ein bißchen hoch.Aber einiges Spielpech ließen sich durch Torchancen nichtausnützen. Freie Turnerschaft Groß-Berlin-Friedenau verlor gegen Maricndorf 2 1: 3: Freie Turnerschaft Groh-Berlin-Pankow 2 gegen Athletik- Sport-Club 2 4:1. In der Frauen gruppe siegten Tennis- Rot 1 gegen FTGB.-Pankow 1: 1 und FTGB.-Nordring gegen Tcnms-Rot 2 4:0. Die Freie Turnerschaft Groß-Berlin-Nordring weilte in Kott- b u s und mußte sich von der dortigen Mannschaft 3: 0 schlagen lassen. Die sehr energisch spielenden Kottbuscr waren in der Ausnutzung ihres heimatlichen Bodens besser daran. Technisch waren die Ber- liner überlegen. Aber Mangel an Anpassungsfähigkeit dem Boden und dem Gegner gegenüber gaben ihnen das Nachsehen. Trotzdem war das Spiel sehr schnell. .Amateur-Voxmeistei�dwtten im Brandenburger Verband Die Enitscheidungskämpfe um die Meisterschaften des Brandenburgischen Amateur-Boxverbandes gingen gestern im Sportpalast vor 4000 Zuschauern vor sich. Die Geduld des Publikums wurde auf eine harte Probe gestellt, denn das Pro- gramm begann erst mit erheblicher Verspätung. Der geboten« Sport stand mit wenigen Ausnahmen auf mäßiger Höhe. Hervorzuheben ist der Vantanigewichtskampf, den Riethdorf (Sparta) gegen Balsam(Maccabi) in der 2. Runde durch L o. gewann. Riethdorf ist nicht nur ein guter Boxer, sondern er kann auch variiert und hart schlagen. Der Kampf im Halbschwergewicht zwischen den beiden Polizisten Goikowski und Pautz fand ein vorzeitiges Ende dadurch, daß Pautz sich in der 2. Rund« eine schmerzhafte Knöchelverlctzung zuzog, und somit Gaikowski, der allerdilyzs bereits nach Punkten vornlag, einen schnellen Sieg über- lassen mußte. Das Schwergewichtstreffen zwischen R a m e k(Westen) und Surma(Polizei) artete zum Schluß in eine wüste Prügelei aus. Der Polizist hatte anfangs durch gutes Boxen Punkte ge- sammelt, er ließ sich aber später mit dem viel schwereren Ramek in Schlagwechsel«in, in denen er den kürzeren zog. Nach mehr- fachen Niederschlägen in der letzten Runde gab er sich dennoch nur noch Punkten geschlagen. Meister im Mittelgewicht wurde B r i t s ch (Weißensee) gegen Geißler(Kottbus), den Leichtgewichtstitel holte sich Donner(Polizei) kampslos, da der deutsche Meister Bächler (Heros) krankheitshalber nicht antreten konnte. Dos Einladung»- treffen mit Dalchow(AEG.) gestaltete Donner unentschieden. Sehr mäßige Leistungen gab es im Fliegen- und Federgewicht. Ball (Maccabi) schlug seinen Klubkameraden Noschkes nach Punkten und M o e h l(Heros) fertigte Geelhaar(Tennis-Borusiia) nach Punkten ab. Der Titelkampf im Weltergewicht endlich sah B e r e n s m e i e r (Oberf-pree) über Kriefe(AEG.) nach Punkten in Dorteil. Berlins Arbeitersport Die Kartcll�eneraivcrsammlung— Zahlen und Leistungen Die furchtbare Wirtschaftskrise hat der Berliner Arbeiter- sportbewegung nichts, aber auch gar nichts anhaben können, so berichtete Oehlschläger, der Geschäftsführer des Kartells für Arbeitersport und Körperpflege auf der K a r t e l l g e n e r a l- Versammlung. Ganz entgegen den in mir zu begreiflicher Absicht ausgestellten Behauptungen der Leute aus der kom- munistifchen Parteifportbewegung find die bunde-lreuen Vereine im letzten Jahre um fast 5000 Mitglieder stärker geworden! Dos will angesichts der Wirtschaftskrise, die selbstverständlich mit ungeheurem Druck auch auf den Ardcitersportvcreinen lastet, wirklich etwas Izrdsitsi'spsi'tlsi'l heißen, und man kann der Bewegung zu ihrem Erfolge nur Glück wünschen. Vor fünfviertel Iahren, auf der letzten Generaivcrsamm- lung, wies der Geschäftsführer 134 Vereine mit 24 345 Mitgliedern aus: bis zum I. Mär; 1931 waren diese Zahlen aus 150 vereine mit 28 880 Mitgliedern gestiegen! Obwohl die Radfahrer in ihrem Verband„Solidarität", die Samariter und die Naturfreunde jetzt in den einzelnen kommunalen Bezirken keine Ortsgruppen mehr unterhalten, sondern in ganz Berlin je einen Zentralverein haben, so daß dadurch also die Zahl der Vereine hätte geringer werden müssen, sind dach 16 Vereine neu dazugekommen. Wie arbeits- Wo bleibt der zweite Hann T| freudig müssen die Funktionäre gewesen sein, daß sie in dieser trüben Zeit dieses Kunststück fertig brachten. Wie blöd ist aber auch die Politik der kommunistischen Parteisportvereine, daß sie immer wieder die Gründung neuer bundestreuer Sportvereine ermöglichen, weil die Sportler ganz einfach die Nase voll haben von dem Partciquatsch in den KPD.-Vereincn. Uns soll das nur recht sein. Bei uns gehts vorwärts— am 1. April ist das dreißigste Tausend überschritten— neue Anmeldungen liegen schon wieder vor. Das bniüicstreue Kartell kann es sich auch leisten, in aller Offenheit seine Mitgliederzahlen zu nennen, w«il die Geschäfts- vi« psrtsl braucht such ll führung im Kartell wie in den Vereinen auf absoluter Wahrhaftig- keit aufgebaut ist, im Gegensatz zu dem Gebaren der anderen Seite, wo alle möglichen und unmöglichen Radau- und Klimbimvereine d«n Sportlern hinzugerechnet werden, nur um den kommunistischen Laden recht groß erscheinen zu lassen. Oehlschläger berichtete dann noch über die Turnhallen- und Sportplatzfroge, über das Stadtamt für Leibesübungen, die Frage des vorjährigen und des kommenden Reichsarbeitersporttagcs und weiterer organisatorischer und sportlicher Aufgaben. Die Dis- k u s s i o n ergab Zufriedenheit mit den Arbeiten der Kartelleitung. I AUe» tnN jetzt ein!| Anerkannt wurde di« unbedingte Nolwcndlgkeil der Zusammenarbeit mit der Sozialdemokratischen Partei, anerkannt wurde auch die Haltung des„Abend" in Arbeitersportfragen. Die Wahlen er- gaben die einstimmige Wiederwahl des bisherigen Vorstandes mit Darthelmann an der Spitze, nur ein Beisitzer wurde gegen Zlenne Wolter ausgetauscht. Der Vorsitzende eröffnete die Sitzung mit einem Nachruf aus den verstorbenen Parteivorsitzenden Müller, er schloß sie mit einem Frei Heil aus die lebende Bewegung. M. J. •fc Der Mitgliederbestand der einzelnen, dem Berliner Kartell für Arbeitersport und Körperpflege angeschlossenen Verbände stellte sich nach dem Bericht am 1. März d. I. wie folgt dar: Verband Vereine Mitglieder Darunter Kinder ATu.SB...... 73 18418 4952 Athleten...... 9 732 161 Volksgesundheit... 3 1441 180 Schützen...... 1 142— Samariter,.... 1 1 009— Schach....... 1 330— Touristen...... 1 1 808— Solidarität..... U 1 956 77 Segler....... 23 1 518— Angler...... 31 1 450— Kegler....... 6_ 76_—_ 150 28 880 5360 Olympiade~ Ausscheidungsringen Endkampf der ostdeutschen Gruppe am Sonntag In ollen Ländern der Sozialistischen-Sport-Jnternationale rüsten die Sportler eifrig für die Wettkämpfe der Olympia in Wi«n. Auch die deutschen Arbeiterathleten., die als eine der stärksten Waffen Deutschlands gelten, stehen seit einiger Zeit in den Aus- fcheidungskämpfen, um die besten Vertreter in den Box-, Heber- und Ringersporten zu ermitteln. Die Ringerspart« ist nun bereits bei den Endkämpfen angelangt. Die Durchführung de» Schlußtreffcns der ostdeutschen Gruppe ist dem 4. Kreis(Berlin und Brandenburg) übertragen worden. Am Sonntag, dem 29. März, treffen sich in der„Neuen Welt" die besten Ringer aus Ostpreußen, Schlesien, Pommern, der Lausitz und Berlin- Brandenburg zum letzten Kampf. Damit nur di« besten Ringer nach Wien entsandt werden, haben die mehr als 30 Gegner jeder gegen jeden zu kämpfen. Dis Vorlämpf« beginnen um 10 Uhr, dis Endkämpfe nehmen gegen 17 Uhr ihren Anfang. Die Eintrittspreise sind sehr niedrig gehalten. Im Rahmen dieser Veranstaltung wirkt die Artistensparte des 4. Kreises mit. Berliner Boxer in Italderg Die Boxmannschaft der Sportlichen Vereinigung Lichtenberg-Friedrichsfelde weilte am Sonntag in K o l b e r g und trug mit der Mannschaft des Sport-Club Heros einen Freundschaftskampf aus. Die Berliner waren die körperlich leichteren und technisch besseren, die Heroslcute glichen dieses durch außerordentliche Härte aus. Im BaMamgewicht verlor der Berliner Milling nach Punkten gegen Hobus(Heros), Henneberg(L.-F.) konnte sich mit seinem bedeutend größeren Gegner E. Hobus(Heros) nicht zurechtfinden und mußte sich mit einem Unentschieden begnügen. Im Federgewicht kämpften Berndt(L.-F.) und Fölz(Heros) un- entschieden, während Gmireck(L.-F.) unverstöndlichcrweise auch nur zu einem Unentschieden kam, trotzdem er zwei Runden hoch für sich hatte und nur eine an Fölz(Heros) fiel. Leichtgewicht: Konieczay (L.-F.) schlägt Wolter(Heros) nach Punkten. Weltergewicht: Preller (L.-F.) und Otto(Heros) liefern sich einen ausgeglichene» Kan.pf, in dem Preller eine Kleinigkeit für sich hatte, die aber nicht zum Siege reichte. Bierhalz(L.-F.) bezieht eine Punktniederlage von Storm(Heros). Mittelgewicht: Henke(L.-F.) zwingt seinem Gegner Wertwein in der zweiten Runde zur Ausgabe. Im Halbschwcr- gewicht gibt Peter(L.-F.) wegen Verletzung in der ersten Runde auf; Sieger Wetzel(Heros). Der Mannschaftskampf endete somit 10:8 für Heros-Kolberg. 6. Hallenfest der Polizei lieber das am 26. März im Sportpal nt stattfindende 6. P o l i z e i- 1) a l l e n f p o r t f e st, mit dessen Durchführung der Berliner Polizeisportverein betraut worden ist, kann man sich schon heute einen Gesamtüberblick gestatten. Fast alle Sportarten kommen in dem Riesenprogramm zur Geltung, auch die Turner haben Ge- legenheit zur Betätigung. Den breitesten Raum nehmen natürlich die leichtathletischen Wettbewerbe cm, deren Höl)epunkt wieder ein Sprinter-Dreikampf ist. Im Rahmenprogramm findet man u. a. Vorführungen der Polizeiturner am Reck und an den Ringen, gym- nastische Vorführungen, ein Handballspiel, ferner wird man Gelegen- heit haben, einen Ausschnitt aus dem Uebunasbctrieb der Polizei und des Polizei-Sportvercins zu sehen. Der Berliner Bollschuh-Hockeyklub 1931 veranstaltet Mittwoch, 25. März, 20 Uhr, im Orpheum, Hascnheidg 32/38, ein Rollschuh- Sportfest. Eintritt 50 Pf. Der Meistertag im Spichernring am Freitag, 27. März, ist der Weltergcwichtsklasse vorbehalten. Außer der d e u t s ch e n M e i st e r- schaft zwischen dem Titelhalter Gustav E d e r und dem Heraus- forderer Konrad Stein sind noch die Weltergewichtsboxer Erwin Volkmar, Paul Richter, Rudolf B o g u h n, Fritz Kühn, Gustav E y b e l und Peter D r e k o p f verpflichtet. Boxkämpfe im Gcrmanio-Bing. Der Deutsche Berufs-Box-Cluo veranstaltet Freitag, 27 März, 20,15»Hr. im Germama-Ring, Chausseestraßc. seinen vierten Kampfobcnd. Verpflichtet sind bis jetzt der starke Mannheimer Scherlc gegenzBob Frank. Bob Frank lieferte am letzten Boxabend gegen Mielenz einen großen Kampf. Der Mittelgewichtler Jim Dubak, der bei seinen letzten Kämpfen eine große Form zeigte und immer durch ko. gewann, kämpft im Mischgewicht gegen Halbschwergewichtler E. Krüger. Ferner in einer Revanche über 10 Runden R Stü.'mer-Berlin gegen R. Krimm-Berlin. Außerdem noch drei Kämpfe. Eintrittspreise 80 Pf. für Ertverbslose und 1 bis 4 Mar! für andere Besucher. Achtung Ardeitersportler Z Zille Karkellvereine senden ihre Bereinsfahne mit schwarzem Alorband zur Deisehung Hermann Rl ü l l e r s am Donnerstag, 26. ZNärz. zum Sammelpunkt der Zirbeitersportler. Antreten 17 Uhr in der Charlottenstraszc, Ecke Lindenstraße. Die Vereinsfahnen treten hinler den Sturmsahnen an. so daß die Sportlerfahnen in einem Block sind. Kleidung oller Teilnehmer dunkles Hacket, Schillerkragen und Mühe. Alles tritt an. Pslichlveranstaltung! Kartell für Arbeitersport und Körperpflege. Geschäfts- führender Ausschuß. 1. Kreis, Arbeiler-Turn- und Sportbund. Sreisvorstand. 318«.,?»»ilijn>»rtult»r. V>ruppc II. Dicnstaq. 24. Mär,. l#Vi Uhr,?!-. (uffionMbenti im Seim Walt>«»serstr. 2B. Miltmmd. 25. Mir,, 20',- U5r, Raii:- bfliicabjnb im öiaMbob«Scriditftra&c.—«ciiit Westen. Heute nach dem Tinnen iirnfo tZunftirnfirfiSuna bei Rnkcrt. Morsen 20 Ufte im ZIationalliof »ut Mäaiteirr brt Tar'ei in Sportlertleidun« ontrctrn. Wir lieben a!» erst« auf dem Proaramm. Alle müffen erscheine». Ruder»« rein aollcqi». Nastenrndern jeden Tonnobend bei Borwärtz und i» der Ruderanlaae Tiergarten. Mitaiieder, die am 10. Mai in Brondenbum R-aatta fairen, müssen sich am IZreitaa in der«erfammlnna melde». Neu- anfnabmen jeden IZrcita« um 20 Ubr im Bcrcinslotal Tbunat. CKarlottcnbura, TSiclandstr. 4. Stete Wafseesahrer Auswärts S. B. Dirnsiaq, 24. März, 20 Uhr, Monats. »crsammluna bei Reubnrr, Lee. Elke Malpsvquetstrage. Eäsic willkommen. Mit. «liedcr werden jcdertieit am'aonommon. Bootsständ« noch frei. Ruderer und skanusahrer. I. Sreia. Mittwoch. 22. Mär», Epartcnouzschub» fitrunq um 20 Ubr in der Geschäftsstelle Elsäger Ctrabe. «reiaschulklaffe der Zurnerinuen. Nächster Lebradend Mittwoch. 22. Mär», 20 Ubr. Krei-acschäslsstcll«. Elsasscr Str.»0— d«. Vortrac,: Srau Dr. Beramann. Di- Srouenbandballadteiluna de»«KL. Butob benotiat noch Miialirder»uc Bcrvollstänbiouna der Mannschaft. Interessenten wende» sich an Hilde Schellcr. Ebarlolienburo, Kamminer Str. 21«. Telepbon: Srouenbofer 1082. Mannschakts- sibun« leben Mittwoch um 20 Ubr im Bundesbau» des Bulab, NW. 40, Werft. strabr 7(»riminalaerjcht). Dienstag, 24. März. Berlin. 16.05 Dr. Leo Schwerins:. M. cj. L.: Bismarck und Windthorst. 16.30 Alt- und ncaspanische Musik.(Joanne Oautier, Violine, und Joaquin Nin, riflsel.) 17.10 Jugendstunde(Sport). 17.30 Tanz-Tec-Musik. 18.00..Romane in billigen Neudrucken.4*(Mikrophon: Hermann Strcsau.) 18,30 Heilfron: Rcchtstragen des Tages. 19.00 Wien: Aus der Staatsoper:„Der Rosenkavalier". 22.45 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Königswusterhausen. 16.00 Künstlerische Handarbeiten. 16.30 Konzert. 17.30 Stockmayer: Naturdenkmäler und ihre Erhaltung. 1K.00 Dr. N. Fcinberg: Deutsche Schicksale in Rußland. 18.30 Fostrat Cailloud: Postschcckvcrkchr. 19.00 Französisch für Anfänger. 19.30 Legationsrat Dr. R. W. Drechsler: Der Rundfunk In U, S. A. 20.00 Unterhaltungsmusik. 21.36 Breslau: Hermann Stehr spricht. 22.15 WStter-, Tages-, Spcrtnachricbten. 22.35 Dr. Josef Räuscher: Politische Zcitungsschan. Anschließend bis 24.00; Hamburg; Was Hamburg tanzt.