Morgenausgabe Nr. 141 A 71 48.Jahrgang Böchentlich 85 Bf., monatlich 3,60 m. im voraus zahlbar, Bostbezug 4,32 m. einschließlich 60 Pf. Poftzeitungs- und 72 Bf. Bostbestellgebühren. Auslands. abonnement 6,-M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachene porto 5,- m * Der„ Borwärts" erscheint mochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend" Illustrierte Beilage Volk und Zeit". Ferner Frauenstimme", Technit"," Blid in die Bücherwelt" Jugend- Borwärts" u. Stadtbeilage Vorwärts Berliner Boltsblatt Mittwoch 25. März 1931 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die einspalt. Nonpareillezeile 80 3f. Reflamezeile 5,- RM. Kleine Anzeigen" das fettgedrudte Wort 25 Pf. Gulässig zwei fettgedrudte Worte), jedes weitere Wort 12 Pf. Rabatt It. Tarif. Stellengesuche das erste Wort 15 Pf., jedes weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Arbeitsmarkt Beile 60 Pf. Familienanzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3, wochen täglich von 81/2 bis 17 Uhr. Der Berlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vorl Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Vorwärts- Verlag G. m. b. H. Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Postschedkonto: Berlin 37 536.- Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3, Dt. B. u. Disc.- Ges., Depofitent., Jerusalemer Str. 65/66. 4980000 Arbeitsuchende. Der Druck auf dem Arbeitsmarkt hält an. Die kleine Entlastung, die sich erstmalig bei dem Arbeitsmarkt-| der gleiche Prozentjah unter den Wohlfahrtserwerbslofen der Geausweis der Reichsanstalt für Ende Februar anzubahnen schien, hat sich in der ersten Märzhälfte nicht eingestellt. Nach dem jetzt vorliegenden Bericht der Reichsanstalt vom 15. März hat sich in den ersten beiden Wochen dieses Monats auf dem Arbeitsmarkt im ganzen Reich noch nichts geändert. Die Gesamtzahl der Arbeitsuchenden stellte sich auf 4 980 000 Personen, also jogar noch 8000 mehr als Ende Februar. Diese unerfreuliche Stockung in der aufkeimenden Saisonbelebung fommt allerdings nicht überraschend, da die starken Schneefälle und der Kälterüdgang in ganz Deutschland von den ersten Märztagen bis Mitte des Monats anhielten und jede Belebung der Außenberufe unterbanden. Im vergangenen Jahre, wo ein derartiger Witterungsumschlag nicht eingetreten war, konnte in der ersten Märzhälfte die Zahl der Arbeitsuchenden sich bereits um 88 000 Personen verringern. Von den verfügbaren Arbeitsuchenden entfielen im einzelnen 43,5 Proz. auf die Saisonaußenberufe und 56,5 Pro3. auf die übrigen Berufsgruppen. Die Zahl der von der Bersicherung betreuten Hauptunterstützungsempfänger verringerte sich Mitte März auf 2 526 000 gegen 2 589 000 Ende Februar. Die Belastung der Krisenfürsorge ist weiter gestiegen, und zwar von 908 000 auf 949 000 Personen. Von der Gesamtzahl der Arbeitslojen dürften sich schähungsweise 52,1 Proz. unter den Hauptunterflühungsempfängern, 18,3 Pro3. unter den Krisenunterstützten und Abschied von Hermann Müller. Massenbesuch an seinem Garge. 0000# 9 Auch gestern nachmittag bis in die Abendstunden hinein, da die schlichte Totenhalle, in der Hermann Müller liegt. für die Oeffentlichkeit gefchloffen wurde, war der Sarg unseres dahingegangenen Führers das Ziel von unzähligen. Ohne Unterbrechung kommen und gehen die Frauen und Männer, die Abschied nehmen wollen. Da sieht man eine Arbeiterfrau mit ihrem Jungen an der Hand, da naht eine Gruppe von Jungkameraden des Reichsbanners, da fóreifen Männer mit grauem Haar einher, die in der Arbeit und im Dienst der Arbeiterklasse, im Dienst der Sozialdemokratie alt geworden sind. Beim Wechsel der Schichten, beim Schluß der Büros und Geschäfte, zwischen 17 und 19 Uhr, war die Zahl der Besuchenden besonders start. Neben den Blumenfpenden, die jetzt schon um Hermann Müllers Sarg sich lagern, ist ein schöner Kranz weißer Blumen ohne Inschrift, ohne Schleife, schweigend und doch redend zugleich, niedergelegt worden. Als erste Reichsbehörde hat das Reichsverkehrsminifterium einen Kranz mit fchwarzrofgoldener Schleife gesandt. Letzten Blumengruß entbietet auch die Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamfen. Auf einem Kranze der Verlagsanstalt Schmalfeldt u. Co., Bremer Buchdruckerei, der die roten Schleifen der Sozialdemofratie trügt, stehen die schlichten Worte„ Dem raftlosen Kämpfer für die Sache des Proletariats". Der Gesandte DeutschDesterreichs, Herr Dr. Frant, erschien persönlich, um am Sarge Kränze im Namen seiner Regierung und der Stadt Wien niederzulegen. Selbst während der Regenschauer am Nachmittag ließ der Zustrom nicht nach. Es war, als wenn die Menschen des schaffenden Boltes spürten, daß sie es dem Toten, der in allen Mißgeschicken eines schweren und duldenden Lebens bis zum Ende start blieb, schuldig wären, letzte Ehrerbietung zu bezeugen, letzten Gruß zu erweifen. Auch heute Aufbahrungsraum zugänglich. Auch am heutigen Mittwoch wird der Raum, in dem die Leiche Hermann Müllers aufgebahrt ist, für Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei und der freien Gewerkschaften zur Befichtigung ab 9 Uhr vormittags freigegeben sein, voraussichtlich in der gleichen Form wie am gestrigen Tage. Beileidsfundgebungen. Beim Parteivorstand sind noch eine Reihe von weiteren Beileidskundgebungen eingelaufen, darunter Schreiben von Präsident Klepper( Preußische Zentralgenossenschaftskaffe), vom General von Schleicher, vom Deutschen Auslandsinstitut in Stuttgart usw. Als Vertreter der holländischen Sozialdemokratie wird Genoffe W. H. Bliegen an der Bestattungsfeier für Hermann Müller teilnehmen. meinden befinden. Der Rest entfällt auf diejenigen Erwerbslofen, die sich im Wechsel zwischen Beschäftigung und Unterstützung oder in der Wartezeit befunden haben. Kompromiffe im Klassenkampf. Lehren für frante politische Kinder. Von N. Lenin. Die deutschen Kommunisten beschimpfen uns Sozialdemo fraten als laffenverräter" wegen unserer elastischen Tattit im Kampf gegen den Faschismus. Da dürfte es manchem Genossen erwünscht sein, über eine solche Tattit Lenin zu hören, der ein unbestrittener Meister einer beweglichen, elastischen, lavierenden Taktik war. Er sagt in seiner Broschüre Der Radikalismus, die Kinderkrankheit des Kommunismus" folgende allgemeine Wahrheiten, die man den uns beschimpfenden kommunistischen Pseudorevolutionären entgegenhaiten sollte: Zu der Konjunktur sagt der Bericht, daß in der ersten Märzhälfte die saisonmäßige Belebung im Bekleidungsgewerbe und zum Teil auch in der Schuhindustrie angehalten habe. Der Grad, den die Saisonbelebung im Vorjahr in diesen Industriezweigen aufwies, ist jedoch noch nicht erreicht. Im Bau,, Was ist das für eine findische Naivität die eigene gewerbe und den Baustoffindustrien haben Frost und Schneefall Ungeduld für ein theoretisches Argument auszugeben!" zunächst einen Rüdfall mit sich gebracht. Die Lage im Kohlenberg-( Fr. Engels: Das Programm der blanquistischen Kommubau, der Großeisenindustrie und auch der Metallindustrie im allge- nards".)... Natürlich, sehr jungen und unerfahrenen Remeinen weist teine Besserung auf. Auch die Anforderungen volutionären, wie auch fleinbürgerlichen, sehr erfahrenen Reder Landwirtschaft gingen infolge der schlechten Witterungsverhält- volutionären von sehr ehrwürdigem Alter, scheint es außerniffe nur sehr schwerlich ein. Die Reichsanstalt weist zum Schluß ihres Berichtes darauf hin, daß in der zweiten Märzhälfte mit der Besserung des Wetters die Saifonbelebung einsehen wird und hofft auf eine Entlastung des Arbeitsmarktes um 100 000 bis 150 000 Personen. Welche schwerwiegenden Folgen gerade bei der jetzigen katastrophalen Höhe der Arbeitslosigkeit der strenge Nachwinter in diesem Monat für den Arbeitsmarkt mit sich gebracht hat, beweist, daß im vergangenen Jahr bereits 300 000 Erwerbslose im Monat März wieder eingestellt werden konnten. Frick- Pirmasens a. D. Canis Vorläufig geht er in Urlaub. Weimar, 24. März.( Eigenbericht.) Der Thüringische Landtag tritt am 1. April zur Beratung der sozialdemokratischen Mißtrauensanträge gegen den Naziminister Frid und seinen Kollegen im Kabinett Marschner zusammen. Die Annahme der Mißtrauensanträge ist sehr wahrfcheinlich, da die Volkspartei bisher an ihrer Absicht festhält, den Mißtrauensanträgen zuzustimmen. In unterrichteten Kreisen verlautet, daß Frick bereits in den nächsten Tagen einen Urlaub antreten wird, von dem er nicht mehr in sein Amt zurückkehren dürfte. ordentlich gefährlich", unverständig, falsch, Kompromisse zu gestatten" Ein derartiges Rezept oder eine solche allge= meine Regel( ,, feinerlei Kompromisse") zu verfassen, die auf alle Fälle paßt, daß ist eine Absurdität. Man muß einen eigenen Kopf auf den Schultern haben, um sich in jedem einzelnen Falle zurechtzufinden. Darin besteht u. a. die Bedeutung der Parteidisziplin und der Parteiführer( die diesen Titel verdienen), um durch langwierige, beharrliche, verschiedenartige, allseitige Arbeit aller denkenden Vertreter der gegebenen Klasse, die notwendigen Kenntnisse, die notwendige Erfahrung, den notwendigen außer Wissen und Erfahrung politischen Instinkt auszuarbeiten, um tomplizierte politische Fragen schnell und richtig zu lösen. * ,, Mit aller Entschiedenheit ist jedes Kompromiß mit den anderen Parteien... jede Politik des Lavierens und Paktierens abzulehnen" schreiben die deutschen Raditalen" Es ist zum Erstaunen, daß diese ,, Radikalen" bei solchen Ansichten nicht den Bolschewismus entschieden verurteilen; es ist doch nicht möglich, daß die deutschen ,, Radikalen" nicht wissen, daß die ganze Geschichte des Bolsches wismus, voor wie nach der Oktoberrevolution, voll ist von Fällen des Lavierens, Pattie Im Haushaltsausschuß des Landtags gab die Regierung am rens, der Kompromisse mit anderen Para Dienstag bekannt, daß die Prozesse, die bisher wegen Berteien, darunter auch mit den Bürger boten von Zeitungen, Filmen und Theatervorstellungen lichen!... durch Frick erfolgten, dem Lande bis jeht 1000 mark Kosten verursacht haben. Außerdem sind wegen der Verbote gegen das Land Thüringen bisher Schadensersag tlagen angestrengt worden in Höhe von insgesamt 33 000 Mart. Der Trauerzug am Donnerstag nteressengegenfäße zwischen den Feinden, Antrefen: 16.45 Uhr- Abmarsch: 17.15 Uhr 1.- 4. Kreis: Charlottenstraße zwischen Koch- und Lindenstraße; Spike Lindenstraße. 5.- 8. Kreis: Markgrafenstraße zwischen Koch- und Lindenftraße; Spitze Lindenstraße. 9.- 12. reis: Neuenburger Straße; Spiße Lindenstraße. 13.- 17. Kreis: Lindenstraße zwischen Ritter- und Hollmannftraße; Spike Hollmannstraße. 18.- 20. Kreis: Hollmannstraße; Spike Lindenstraße. Der Trauerzug nimmt den Weg durch folgende Straßen: Lindenstraße, Belle- Alliance- Platz, Wilhelmstraße, Unter den Linden, Brandenburger Tor, Friedensallee, Platz der Republit, Hindersinstraße, Reichstagsufer, Kronprinzen- Brüde, Prinz- Friedrich- Karl- Ufer, Alexanderufer, Scharnhorststraße, Kieler Straße, Am Nordhafen, Tegeler Straße, Triftstraße, Courbièreplay, Gerichtstraße. Die einzelnen Züge lösen sich auf wie folgt: 1. 4. Kreis: Abmarsch durch Ruheplahstraße, Leopoldplatz, dort Auflösung. 5.- 8. Kreis: Abmarsch durch Gerichtstraße, Nettelbeckplatz, Pantstraße. Auflösung Pant- Ede Wiesenstraße. 9.- 12. reis: Abmarsch durch Gerichtstraße, Nettelbedplay, Gerichtstraße, Lenzener Platz, dort Auflösung. 13.- 17. Kreis: Marsch durch Ruheplahstraße zum Leopoldplay, dort Auflösung. 18.- 20. Kreis: Abmarsch durch Gerichtstraße, Pantstraße, Auflösung Wiesen- Ede Pantstraße. Krieg führen zum Sturze der internationalen Bourgeoisie, einen Krieg, der hundertmal schwieriger, langwieriger, fomplizierter ist als der hartnäckigste der gewöhnlichen Kriege zwischen den Staaten, und dabei im voraus auf das Lavieren auf die( wenn auch nur zeitweilige) Aus nuhung der auf das Paktieren und die Kompromisse mit möglichen( wenn auch nur zeitweiligen, unbeständigen, schwankenden, bedingten) Verbündeten verzichten ist das nicht grenzenlos lächerlich? Ist das nicht dasselbe wie bei einem schwierigen Aufstieg auf einen unerforschten und bis dahin noch unzugänglichen Berg von vornherein ablehnen, manchmal im 3idzac zu gehen, manchmal zurückzukehren, die einmal gewählte Richtung aufzugeben und verschiedene Richtungen zu ver fuchen?... --* Einen mächtigen Feind besiegen kann man nur bei größter Anspannung der Kräfte und bei unbedingter, sorgfältiger, forgsamer, vorsichtiger, geschickter Ausnuzung wenn auch des kleinsten wie eines jeden Risses" zwischen den Feinden, eines jeden Intereſsengegensatzes zwischen der Bourgeoisie innerhalb der einzelnen Länder so auch einer jeden wenn auch der fleinsten Möglichkeit, sich einen Verbündeten zu erwerben, wenn auch nur einen zeitweiligen, wankenden, unbeständigen, unzuverlässigen, bedingten. Wer das nicht begriffen hat, der hat auch nicht ein Gramm von Marrismus und vom wissenschaftlichen heutigen ,, zivilisierten" Sozialismus überhaupt begriffen. Wer nicht praktisch während einer ziemlich bedeutenden Zeitspanne und in 3iemlich verschiedenartigen politischen Lagen erwiesen hat, daß er es versteht, diese Wahrheit in der Bragis anzuwenden, der hat es noch nicht gelernt, der revolutionären Klasse in ihrem Kampfe um die Befreiung der ganzen werktätigen Menschheit von den Ausbeutern zu helfen. Das Gesagte bezieht sich in gleicher Weise auf die periode vor und nach der Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat. * Unsere Lehr ist kein Dogma, sondern eine Rl ch t s ch n i/r fürdie Handlung— sagen Marx und Engels... Die russischen revolutionären Sozialdemokraten haben bis zum Sturze des Zarismus wiederholt die Dienste der bürgerlichen Liberalen in Anspruch genommen, das heißt, sie sind mit ihnen eine Menge praktischer Kompromisse ein- gegangen, und 1901 und 1902, noch vor der Entstehung des Bolschewismus, hat die alte Redaktion der„Jskra"(zu der Plechanow, Axelrod. Sassulitsch, Marlow. Potresfow und ich gehörten) einen formalen politischen Bund(freilich nicht für lange) mit S t r u v e, dem politischen Führer des Liberalismus geschlossen... Im Augenblick des Oktoberumsturzes schloffen wir mit der kleinbürgerlichen Bauernschaft dadurch einen formalen, aber sehr wichtigen(und sehr erfolgreichen) Block, daß wir das ganze sozial- revolutionäre Agrarprogramm annahmen, das heißt, wir gingen ein unzweifelhaftes Kompromiß ein, um den Bauern zu beweisen, daß wir sie nicht majorisieren, sondern uns mit ihnen verständigen wollen. >» Der Kapitalismus wäre nicht Kapitalismus, wenn das „reine" Proletariat nicht durch eine Menge außerordentlich bunter Uebergangstypen vom Proletarier zum Halbproletarier (zu dem, der seinen Lebensunterhalt zur Hälfte durch Verkauf seiner Arbeitskrast erwirbt, vom Halbproletarier zum Klein- dauern und kleinen Handwerker, Heimindustriellen, kleinen Besitzer überhaupt), vom Kleinbauern zum Mittelbauern usw. umgeben wäre, und wenn es innerhalb des Proletariats selbst nicht Teilungen in mehr oder minder entwickelte Schichten, bäuerliche, gewerkschaftliche, manchmal religiöse und der- gleichen Teilungen geben würde. Hieraus aber erfolgt mit absoluter Unumgänglichkeit die Notwendigkeit, die bedingungs- lose Notwendigkeit für die Vorhut des Proletariats, für seine bewußten Teile, für die Kommunistische Partei, zum La- oberen, Paktieren, zu Kompromissen mit den verschiednen proletarischen Gruppen, mit den verschiedenen Parteien der Arbeiter und der kleinen Besitzer ihre Zuflucht zu nehmen. * Endlich ist einer der unzweifelhaften Fehler der„Radi- kalen" in Deutschland, ihr hartnäckiges Bestehen aus der Nichtanerkennung des Versailler Friedens. Je„solider" und „wichtiger", je„entschlossener" und„unduldsamer" diese An- ficht formuliert wird, desto weniger klug wirkt sie... Man muß verstehen, daß die Taktik von Grund auf falsch ist, die nicht für Sowjetdeutschland(wenn bald eine deutsche Sowjet- republik entstehen würde) die Verpflichtung, für eine gewisse Zeit den Versailler Frieden anzuerkennen und sich ihm zu fügen, zugibt... Jetzt aber ist die Lage offenbar derartig, daß die Kommunisten Deutschlands sich nicht binden und die unbedingte Ablehnung des Versailler Friedens im Falle des Sieges des Kommunismus versprechen müssen. Das wäre dumm... Wenn Rußland allein imstande war, mit Nutzen für die Revolution mehrer« Monat« den Brester Frieden zu ertragen, so ist nichts Unmögliches darin, daß Sowjetdeutschland mit Nutzen für die Revolution«in längeres Bestehen des Versailler Friedens aushalten kann. Die Imperialisten Frankreichs, Englands usw. provozieren die deutschen Kommunisten, stellen ihnen eine Falle:«Sagt, daß ihr den Versailler Frieden nicht unterschreiben werdet." Und die linken Kommuni st en gehen wieKin- der in diese ausgestellte Falle, anstatt geschickt gegen den hinterlistigen und im gegebenen Augenblick stärkeren Feind zu manöverieren. anstatt ihm zu sagen:„Jetzt werden wir den Versailler Frieden unterschreiben." Sich im voraus binden, dem Feinde, der gegenwärtig besser bewaffnet ist al» wir, offen sagen, ob und wann wir mit ihm kämpfen werden, ist eine Dummheit und nicht revolutionärer Geist. Den Kampf annehmen, wenn dies wissentlich für den Feind und nicht für uns vorteilhaft ist, das ist ein Verbrechen, und solche Politiker der revolutionären Klasse taugen nichts, die nicht„zu lavieren. paktieren" und„Kompromisse einzugehen verstehen", um einer wissentlich unvorteilhaften Schlacht auszuweichen. Sachsen und das Gefrierfleisch. Obstruktion ver Rechtsparteien. Vresben. 21. März.(Eigenbericht.) Am Schluß der heutigen Londtagssitzung wurde sin sozialdemo- krotischcr und ein tominunistischer Mißbilligungsantrag gegen dieRe gierung wegen ihrer Stellungnahme im Reichsrat gegen den Reichstagedeschluß auf Gefriersleifcheinfuftr verhandelt. Ministerpräsident S ch i e a suchte die Regierung dahin zu rechtfertigen, baß die 50 000 Tonnen Gefrierfteischeinfuhr da» Agrarprogramm der Reichsregierung durchkreuze, an dem auch die Verbraucher Interesse hätten. Den kommunistischen Antrag, den sächsischen Gesandten in Berlin Dr. Gradnaucr wegen der Ab- sttmmung abzuberufen, beantwortete der Ministerpräsident überhaupt nicht, sondern erklärt«, dieser Antrag sei keiner Antwort wert. Zu«tner Abstimmung über die Anträge kam e, ober nicht, weil die Bürgerlichen in der Minderheit waren und da« Hau« beschlußunfähig mochten. Nach einer L ä r m s z« n e, die die Kommunisten provozierten, wobei der Präsident die Sitzung unter« brechen und zwei Kommunisten teils für die heutige Sitzung, teils für weitere fünf Sitzungen ausschließen mußte, bezweifelt« ein Wirtschaftsparteilsr erfolgreich die Beschlußfähigkeit des Hauses. Die Sitzung mußte daher abgebrochen werden. Die nächste Sitzung findet rtst nach Ostern statt. Lloyd George Hai sich durchgesehi. Mehrheit der Liberale» für Llnterstühung Macdonalds. t o n d o n. 24. März(Eigenbericht). Kach S�stlladiger Debatte billigte die liberale Fraktion mit 1Z gegen t? Stimmen die Politik Lloyd George». Die angenommene Kcst-l'-lion betont die weitere Unabhängigkeit der Liberalen, zugleich die Uvterßühung der Arbeiterregicruag. deren Stellung damit aus lange Z«U gesichert fein dürste. Die Zollvertragsdebatte. Offiziöse deutsche Erwiderung. Von zuständiger deut/chcr Seile wird erklärt: Die mehr oder weniger offiziöse Pariser Presse erhebt gegen Deulschland irndDeutjchöstesreich den Vorwurf, durch ihr vorbereitendes Zollabkommen gagen—.Paneuropa verstoßen zu habe», obwohl der Plan regionale Verträge als Vorstufe zu Paneuropa nicht nur zuläßt, sondern sogar empfiehlt. Der Plan beruht allerdings auch auf der Gleichberechtigung aller europäischer Staaten; somit kann ein Abkommen Berlin-Wien den Plan nicht verletzen, wenn ihn ganz ähnliche Abmachungen Belgrad-Bukarest und die Ver- Handlungen mv Oslo über eine sktoudinaoische Wirtschaftsunion nicht verletzt haben. In diesen beiden Fällen aber hat kein Pariser Blatt eine Verletzumg der paneuropäischen Idee behauptet. Ebensowenig sst der Vorwurf der Geheimhaltung stich- haltig. Die beteistgten Regierungen haben ihr Abkommen den anderen Mächten wcht später mitgeteilt als den Parlamenten (Fraktionsführern) und der Presse Deutschlands und Deutschöftsr- reich?. Dagegen ist z. B. das Flottenabkommen von Rom Deutsch- iand bis heut« offiziell nicht mitgeteilt worden! B r i a n d, der Vortkämpser Paneuropas, scheint übrigen» in den Rachechor der Presse nicht einstimmen zu wollen. Er hat in seiner Eröffnungsrede der Par«er Tagarng des Paneuropa-Organisations- ausschusses mit keinem Wort und keiner Andeutung von dem Zoll- unionsplan Deutfchland-Oesterreich gesprochen. Englisches Bedauern. London. 24. März.(Eigenbericht.) Spaltenlang veröffentlicht der„Daily Telegraph" Telegramme seiner Korrespondenten aus den europäischen Hauptstädten, um seinen Lesern den Protest unt» die Bejürchtungen zu zeigen, die der österreichisch-deutsche Plan hervorgerufen hat. Der linksstehend«„Manchester Guardian" begrüßt die Zollunion und sagt, Frankreichs Protest und Furcht feien nur politischer Art. Die Zollunion bedeute kein Ausgeben der öfter- reichischen Selbständigkeit, obgleich» durch die wirtschaftliche Einheit der beiden Länder sie auch poliiisch so nah« aneinandergerückt würden als es auf legalem Wege wur möglich sei. Deutschland und Oesterreich hätten alle anderen Staaten aufgefordert, sich der Zoll- union anzuschließen. Deshalb sei sie geeignet, den europäischen Zußimwenschluß zu fördern. Der Leitartikel der„Times" kann als die Ansicht des Auswärtigen Amtes betrachtet werden. Er bedaueick, daß Oesterreich und Deutsch- land die übrigen Länder vor die o o U e n d e t e Tatsache gestellt haben. Ein Jammer, so heißt es iv dem Artikel, daß nicht die Ankündigung der Zollunion bis»ach der Tagung in Paris zurück- gehalten worden ist. In Paris wäre es möglich gewesen, die Frage mit den anderen Mächten zu disiÄtieren. Wenn die Zollunion auch in der Linie einer europaischen Ihsiion lieg«, so sei es um so bedauernswerter, daß die Aktion so geheim gehalten worden ist. wären die anderen Staaten vorher unterrichtet worden, so wäre auch der Zollunion ein ganz anderer Empfang zuteil geworden. Gewiß wären auch dann noch Protest« aus anderen Ländern gekommen, ober ohne den Haß und Verdacht von heute. Berlin und Wien seien darüber erstaunt. Bei einigem Nachdenken und bei einiger Kenntnis der Psychologie anderer Staaten hätten Berlin und Wien das voraussehen müssen. Was auch heute Berlin und Wien fagei«, der Verdacht werde nicht von der Hand zu weisen sei», daß die Zollunion nur den Weg pflastern soll zum völligen Ein- gehen Oesterreichs in das Deutsche Reich. Echo im Schweizer Parlament. Bern, 24. März.(Eigenbericht.) Im Bundesrat berichtete der Vorsteher des Volkswirtfchafts- dcpartcments(Wirtschaftsminister> S ch u l t h e ß über die Mitteilung der beiden Gesandtschaften betreffend geplante österreichisch-deutsche Zollunion. Die Rückwirkungen dieses Vertrages auf die Schweiz würden noch zu prüfen sein, ob und inwieweit die vereinbarte Meistbegünstigung unter den neuen Verhältnissen noch Be- stand habe. Im N a t i a n a l r a t brachte der Sozialdemokrat Grimm die Frage der Zollunion zur Sprache und erklärte, auch für die Schweiz könnten regionale Zollabkommen in Frage kommen. Paneuropa. Vorbereitungstagung in Paris. Paris, 24. März.(Eigenbericht.) Unter dem Vorsitz Bnands wurde im Außenministerium die Tagung des Organisationsausschusses der Europa-Union eröfsnet. 12 Staaten sind in dem Ausschuß vertreten, darunter Deutsch- l a» d durch Staatssekretär a. D. S i m s a n, England durch Außen- minister Henderson und Polen durch Außenminister Zaleski. Auf- gäbe des Ausschusses ist, ein Statut für die Europa-Union auszu- arbeiten und die Tagesordnung für die Maitagung vorzubereiten. In seiner Eröffnungsrede setzte Briand Ziel und Bedeutung des in Angriff genommenen Werkes auseinander und wie» auf zwei Gefahren hin, die der Europa-Ausschuß vermeiden müsse: die eine Gefahr bestehe darin, daß man eine zu ehrgeizige Kon- struktion schasse, die die Aufgaben des provisorischen Organismusses überschreite, die andere Gefahr sei, daß man zu enge Grenzen für das endgültige Statut dieses Organismus festlege, dessen Dauer man nach nicht voraussehen könne. Eine Anspielung aus das österreichisch-deutsche Zollabkommen macht« Briand nicht. Auf Vorschlag Hendersons wurden Briand zum Dorfitzenden und auf Vorschlag Briands Motto- Schweiz zum Berichterstatter des Organisationsausschusses gewählt. Gemäß dem Antrag der belgi- schen Regierung trat der Ausschuß dann in die Beratung folgender Fragen ein: Transport und Transit der elektrischen Energie, Bc- Handlung der Ausländer und Versahreil zur Anmeldung von An- sprächen bei Aenderung von Zollsätzen. Am Schluß der Sitzung erklärte der Direktor des Internationalen Arbeitsamts, Albert Thomas, daß«r einen Bericht über die sozialen Felgen der Arbeitslosigkeit in Europa unterbreiten werde. Hakenkreuz in Kapitalsdiensten. Hitler verkaust seine Manuen gegen Parteispenden. Unser Mainzer Parteiblatt ist in der Lag«, diesen Uriasbrief Hitlers an seine Getreuen in Hessen zu oerösfentlichen: ,, Reichs geschöstsstelle Braunes Haus. München, 4. März 1931. Brienner Straß« 45. Geheim! H.— R.!*•, An den Gauleiter des Kreises Hesisn. Dannstadt. An K a m p s s ch a tz s p e n d« n sür den Sau Hessen stnd«in- gegangen 15 000 Mark. Beteiligt sind daran die Firmen wie folgt: Kommcrzienrat Dyckerhoff, Dr. 21. Dyckerhoff. Diplomingenieur 21.(Kastell, sowie die Direkloren Schindler und Jung. Diese Spenden verpflichten bei weiteren Einstellungen zur besau- bereu Auswahl vou gesinnuogstreuen SA.-Leuleu. um dem Anwachsen der kommunistischen Element« in den betreffenden Betrieben durch unsere Parteigenossen tatkräftig entgegentreten zu können, und hauptsächlich aber, um bei den Betriebsrätewahlen unsere Macht noch mehr zu stärken. Rur dadurch können wir unter den Anhängern der Kommunisten mit Hilfe größtmöglicher Propaganda jede» einzelnen SA.-Mann«« eine Bresche in die Rotfrontpartei schlagen, um da» Endziel für uns, da» Dritte Reich, zu erringen. Für wsitsre Einstellungsmöglichkeiten unserer SA.'Leute in die Betriebe der obengenannten Parteigenossen ist absolut einwand. freier Leumund und restlose Gesinnungstreu« Voraussetzung. Ge- di«nt« Leute sind in erster Linie zu berücksichtigen. Die Gauleitung hat dementsprechend ihre Kreis- und Ortsgruppenführer zu instruieren. gez. A. Hitler." Scheringer hatte schon recht, al» er von seiner bisherigen Partei schrieb, daß sie„die Interessen der Kapita- listen gegen die Interessen des Proletariats vertrete". Es wird auch bei den Mitläufern der Hitlerei bald ein grattsames Erwachen geben! Enilarvie Enilarver. Kommunistischer Schwindel über Braunschweig. Die Berliner„Rote Fahne" und ihr« Ableger im Reich« de- richten in großer Aufmachung über xinen„bedeutsamen politischen Erfolg der KPD. in Braunschweig". Dort will die Kommunistisch« Partei die sozialdemokratisch« Stadtverordneten- iraktion„gezwungen" haben, 18 sogenannt« Minimalforderungen um den Preis eines Zusammengehens im Konmrunalparlament an- zunehmen. Die Braunschw«ig«r Sozialdemokratie hätte sich ver- pjlichtct, das„Ultimatum der KPD. anzunehmen". Di« Sozialdemo- kratie habe damit i.eine politisch« Kapitulation vollzogen". Dazu wird uns aus Braunschweig geschrieben: An diesem neuesten KPD.-Sieg über die SPD. ist k« i n W o r t w a h r. Im Verlauf einer Besprechung zwischen Vertretern der sozialdemo- krattschen Stadtverordnetenfrattion und der Kommunistischen Partei legten die Kommunisten allerding» ein« Reih« von Miiidestforde» rungen vor, auf die einzugehen die sozialdemotro- tischen Vertreter aber von vornherein ablehnten. weil es sich zum Teil um ganz demagogische Agitabions- und „Entlarriung»"anträg« handelte. So war u. a. für die E r w e r b s- losen ein« Sond«runt«rstützung, die Bezahlung der rückständigen Met«, die Lieferung von Hausbrand, die Bezahlung für Gas, Elektri- zität usw. gefordert worden. Di« Erfüllung allein dieser Punkte hatte für die Stadt Braunschweig«inen Kostenaufwand von rund 4 Millionen Mark im Jahr gefordert! Aehnlich sah« mit anderen Bedingungen au», über die überhaupt meist verhandelt worden ist. weil sie außerhalb jeder ernsthaften Diskussion standen. Die sozialdemakratischen Stadtverordnetenfraktionen in der Stadt und im Land« Braunschweig haben e« demgemäß abgelehnt. sich auf die von der KPD. geforderten„Bedingungen" festzulegen und es der KPD. überlassen, ob sie die aus Sozialdemokrat«» und Kommu- niste» bestehenden Mehrheiten im Interesse der Arbeiterschaft ausnutzen wollt« oder nicht. Ohne weiter« Verhandlungen hat dann die KPD. für die von der Sozialdemo- trati« vorgeschlagenen Kandidat«» gestimmt. So sieht«» in Wahrheit mit der Behauptung der kolnnrunistischen Presse au», daß unser» Braunschweiger Genoslen„restlos vor den Forderungen der KPD. kapituliert" hätten. In Wirklichkeit versucht die kommunistische Presse ihren Lesern nur die Tatsache schmackhaft zu machen, daß die KPD. in Braun- schweig es vor ihren Wählern nicht wagen konnte, etwa dieselbe Taktik wie bisher im Reich zu befolgen, nämlich durch Stimm- «nthaltung positiv den Ausschlag für die Wahl von Nazi» in führende Kommunalfunktionen zu geben. Stalinisten helfen Zaschisten. Sie wähl«» Haktii kreuzler zum Bürgermeister. Weimar. 24. März(Eigenberichts. In Effelder, einer Gemeinde von rund 1200 Einwohnern, in» im Kr«is« Sonneberg liegt, war die Lürgerm-lsterstell« zu besetzen. Der Gemiinderat setzt sich zusammen au» 4 Sozial- demokraten, 3 Kommunisten und 3 Bürgerlichen. Zur Wahl standen «in Sozialdemokrat und ein Nationalsozialist. Die slalintreuen Kommunisten wählten in Gemeinschaft mit den Bürgerlichen ein «ingeschriebene, Mitglied der Ilationalsozialististhen Partei zum vüigermeisteri__ Ergänzung zu Or. S. Der neueste Dr. G-Leitartikel„Dumpfes Schweig«»" beginnt mit dem Halbs atz:„Wenn das so weiter geht, ein halbes Jahr—"„Harn wir'» Delirium, hallelujahl" ergänzen automatisch die trink freudigen und sangeskundigen Pg,-Leser. Die Volksfeinde am Pranger. Abrechnung mit den Kaiastrophenpoliiikern.— Scharfe Ablehnung durch Zentrum und Christlichsoziale. Präsident Varlels eröffnet die Sitzung mit einem Glülkwunfch an den Abgeordneten Faßbendcr zu seinem 73. Geburtstag. Hierauf wird in der Beratung des Innen ctats fort- gefahren. Abg. TNültepJsernlxigcn(Chrstl.-nat. Bauernp.) fordert von der Regierung stärkere Unterstützung der Landgemeinden. 'Abg. Dr..fall(Dem.): Herr von Rohr hat gestern als typischer Exponent der preußischen Junkerkaste gesproä)«n. Er bat über den sittlichen Niedergang Preußens geklagt. Dazu ein Zifat: „heutzutage hat die Strebere! alles andere verdrängt. Man will um jeden Preis im Staate vorwärts kommen oder einen Angehörigen vorwärts bringen. Dabei handelt es sich durchweg um Leute, die nicht gern arbeiten." So Bismarck im Jahre 1897 über das alte Preußen. (Heiterkeit.) Wir verwahren uns gegen die Hetzer und Lügner, die Nolksvergifter und Bolksredner, die zu Unrecht das Wort„national" für sich in Anspruch nehmen. Abg. Lindner(Ehrist/.-soz. Volksdienst): Alle Schuld in der gegen- wärtigen Not dem Marxismus zu geben, ist kinderleicht, wenn man wie Herr von Rohr nur aus zehn Meter Entfernung einmal einen Einbanddeckel eines Merkes von Marx gesehen hat.(Heiter- seit.) Wir reiten nicht mit auf dem Steckenpferd der Marxisten- Heye. Herr von Rohr hat den Nationalismus als Ueberwinder des Materialismus gepriesen. Aber wenn er in kürzester Zeit aus seinem Gut fast ein Dutzend In- spektoren hinausgeworfen bat und wenn er von den Arbeitern der Grohgüter verlangt, daß sie ein Kampssähnlein ihres Arbeil- gebers sein sollen, dann wird die deutschen Arbeiter ein Grauen «»r ihm packen, oleichviel, ob er seine Politik materialistisch oder national nennt. (Sehr gut!) Herr von Rohr hat den F a l l S k l a r e k wieder in die Debatte gezogen. Kennt er die Namen Linke, Kimbel, Fedler und Lawerentz? Wenn nicht, kann er sich bei Herrn Steinkopf und bei Herni Kocnnecke erkundigen, daß man nicht aus dem Glashausmit Steinensch m«iß l.(Vielfaches Sehr richtig!) Die Verbündeten des Herrn von Rohr sind Hunger und Not. Eine gefährliche Bundesgenossenschaft! Sie werden die Geister nicht bändigen, die Sie gerufen haben. Der Redner bespricht dann die Mordtaten in Röntgental und tadelt heftig das Vorgehen des Oberbürgermeisters I a r r e s in Duisburg mit der Zumutung eines Zvprozentigen Lohnabzugs an die Arbeiter. Die vozialdemo- kratie habe bedauerlicherweise noch manchen Grützner in ihren Reihen. Auch Freidenker-Pfasfen und Freidenkcr-Rabbiner spielten in ihr «ine große Rolle. Aber die Regierung müsse im Schutz der Religion eine ganz klare Linie halten. Innenminister Severins: Ich bin für jede sachliche Kritik im anständigen Ton dankbar, allo auch für die Kritik der Herren Müller- Isernhagen und Lindner. Aber ich muß ihnen bestreiten, daß wir die nationale Opposition zu scharf anfassen und die Kommunisten zu tolerant de- bandeln.(Zurufe bei den Kommunisten: Das kann kein Mensch behaupten!) Sehen Sic, diese Bestätigung habe ich bloß heraus- sordern wollen.(Heiterkeit.) Der«chutzpolizeiofsizier. der verboten hat, bei der Totengedenkfeier auf dein Friedhof in Pankow Choräle zu spielen, ist bereits gerügt:«, handell sich bei seinem Vorgehen um«in ganz törichtes Mißverstehen einer An- ordnung des Kommandos der Schutzpolizei. Der Schutzpolizei- beamt« in Halle, der wegen Spielen des Liedes„Hakenkreuz am Stahlhelm" entlassen worden ist. b le i b t« n tla s s e n, weil es sich um«in« beabsichtigt« Demonstration gehandell hat. Deshalb hat sich auch der Beamtenaueschuß mit der Entlassung einverstanden erklärt. Ein anderer Schutzpolizeibeamier. der nur im angetrunkenen Zustande mitgesungen hat, wird wieder einge- stellt. In Solingen hat sich mein Oberrregierungsrat Brisch während der kommisiarischen Verwaltung des'Oberbürgermeister- amts soviel verdiente Anerkennung erworben, daß seine endgültige Ernennung eine Selbstverständlichkeit war.(Lärm bei den Koni- munisten.) Solange die Kommunisten an dieser Stelle sortdauernd erklären, daß sie den gegenwärtigen Staat zerstören wollen, können sie keinen Anspruch aus leitende Stellen in der Kommunalvcr- waltung erheben.(Zuruf bei den Komm.: Sie reden wie Putt- kamer!) Ich wußte gar nicht, daß der auch so vernünftige Sachen gesagt hat.(Große Heiterkeit.) Wenn sich aber Kommunisten mit solchem Eifer und solcher Aufmerksamkeit der kommunalen Ange- legenhesten annehmen wie gestern Herr«chwenk, können sie mit der Zeit noch ganz passable Gemeinde beamtc werden.(Erneute Heiterkeit.) Es ist diesen Winter wider Erwarten gut gelungen, sämtliche Gemeinden vor dem Zusammenbruch und der Einstellung der Unter- stützungszahlungen zu bewahren.(Sehr gut!) Der Mordhehc wird die Regierung mit größter Entschiedenheit entgegentreten. Herr von Tynern hat das gestern gebilligt, oder gemeint, ich ver- teidigte nicht nur den heutigen Staat, sondern auch glcichzestig die Sozialdemokratie. Ich kann aber doch nicht dafür, daß der heutige Staat immer als sozialdemokratisch und marnstsich hingestellt wird. Wenn Herr C u r t i u s sich stark für die D ö l k e r v e r st ä n d i» gung einsetzt oder Herr Wirth schart gegen die Rechts- radikalen svricht, werden sie doch einfach für Marxisten erklärt. Was man nicht definieren kann, das sieht man als marxistsick an. «Heiterkeit.) Der aktive preußische Landrat von Bismarck hat erst dieser Tage von der sozialdemokratischen Reoiernng in Preußen gesprochen.(Hört! hört! und Bewegung.) Natürlich kann er nicht politischer Vertreter der Regierung bleiben.(Zuruf recht?: Reichs- lagsobgeordneter!) Auch als Reichstagsabgeordneter kann er>n Preußen unter diesen Umständen nicht politischer Beamter sein. (Zurufe: Er ist ja gar nicht im Reichstag, er strekkt ja mit!— Heiterkeit) Vir haben in Preußen fest 12 Iabren keine lo-'al- demokratische Regierung.(Zurufe rechts.) Na ja, höchstens mit Bei- mahlungszwang.(Große Heiterkeit.) Wir sind in Vreußen auch rnchi zuständig für Währungs- und Wi rt f ch a ft s f ra g« n. Wir haben weder Inflation noch Arbeitslosigkeit zu verantworten. Es war eine Unverfrorenheit des Herrn von Rohr, diese Dinge der preußischen Regierung zur Lost zu legen. Wenn wir durch DerwaUungsmaßnohmcn der Wirtschast Gesetze vorschreiben könnten, verlassen Sie sich darauf, wir hätten von dieser Möglichkeit längst den weitest gehenden Gebrauch gemacht. (Heiterkeit und Zustimmung.) Herr von Rohr hat im'Hinblick aus meine Tonntagsredc in Obcrschlesien erklärt, mit solchen Reden tämen wir nicht weiter. Aber gleichzeitig haben doch in Ober- schlesien Hugenberg, Schmidt-Hannover, Kleiner usw. geredet. Kommen wir damit weiter? Wollen Sie Polen den Krieg er- klären? Wenn Sie das nicht können und nicht wollen, sparen Sie sich Ihre hämischen Bemerkungen.(Lebhafte Zustimmung.) Ich habe im Jahr« 1919 mit Hörsing und dem Generai Höfer die deutsche Phalanx zur Verteidigung Oberschlesiens aufgebaut. Hätten sich damals nicht Arbeiter. Beamte. Angestellte und kleine Leule zu den Massen gedrängt, wäre im Zahre lSZt ein deulschcs Oberschlefien. das verteidigt werden könnte. nicht mehr vorhanden gewesen. Al» hinderndes Element habe« sich damals lediglich de« Rechtsparteien betätigt. (Hört, hört! und Sehr gut!) Die Bezeichnung Polenfreund lasse ich mir in dem Sinne gern gefallen, daß wir mit dem demo, kratischen Polen gut Freuud werden wollen.(Zu- rufe rechts.) Ja, die Macht der Demokratie in Polen ist äugen- blicklich gering: aber man soll nie die Hoffnung ausgeben, nicht einmal bei den preußischen Deutschnationalen.(Heiterkeit.) Herr von Rohr hat gemeint, ich sei mehr Polizei als Verwaltungsminister. Das nehme ich als Schmeichelei an. Aber ich bin Polizeiminifter nicht nur im Sinne eines Gummi- knüppel-Ministers, ich bin ein Minister der vorbeugenden Maß- nahmen.(Lebhafte Zustmmung.) Für theoretisch akademische Erörterungen über neue Verwaltungsgesetze habe ich aller- dings keine Zeit. Aber ich sorge dafür, daß keine Gemeinde zusammenbricht, und wenn ich Ihnen heut noch nicht sagen kann. wie wir das erreichen sollen, so schlußfolgern Sie daraus ja nicht, daß wir uns passiv verhalten. vielleicht werden wir schon im Laufe dieses Iahres gezwungen sein. Schrille zur Ermäßigung der Poung- Zahlungen zu tun. In diesem Falle wird die Regierung um so leichteren Stand haben, je ehrlicher sie den guten Willen zur Erfüllung gezeigt hat.(Leb- hafte Zustimmung.)' Wir haben unsere ganze Kraft'daran gesetzt, die Katastrophe zu vermeiden. Aber was will Herr von Rohr? In einer Provinzialvorstandsfitzung des Landbundes in Stettin ist in feiner Gegenwart aufgefordert worden, alle Ge- meinde- und Kreisetats abzulehnen, damit alles zusammenbreche: wenn die Gemeindevertreter und Kreistags- abgeordneten nicht wollten, sollten die famosen Kerle aus der Sturmabteilung sie einfach verprügeln.(Heiterkeit.) Mit dem Vor- gehen des Oberbürgermeisters Iarres bin ich in keiner Weise ein- verstanden. Ich habe ihn nur beamtenrechtlich und menschlich in Schutz genommen und gebeten, die Spielerei mit Mißtrauensvoten gegen Bürgermeister aufzugeben. Die Grundsätze meiner Beamten- Politik lege ich nicht nochmals dar. Sie sind Ihnen bekannt, und ich bleibe dabei. Ich darf auch hinzuillgen, daß mehr Innen- minister der Länder als ich den Eindruck haben, daß nicht alle Reichsverwaltungen genügende Sorg- falt darauf gelegt haben, daß nicht ihre Beamten den Staat unterhöhlen.(Lebhaft« Zustimmung und Bewegung.) Herr von Rohr hat wiederum Staatsamt und Futter- k r i p p« in einem Atem genannt. Ich verbitte mir ein für allemal diese hanebüch«Ni Beleidigung. Aber wenn Sie schon das Staatsamt auch im alten Preußen als Futter- krippe angesehen haben, dann können Sie doch nichts dagegen einwenden, daß an der Futterkrippe einmal ein Schichtwechsel ein- getreten ist.(Große Heiterkeit.) Die Deutsche Volkspartei wünscht von mir eine Erklärung über die Freiheil der Beamten beim Volksbegehren. Jeder preußische Beamte ist auch bei diesem Volksbegehren inner- halb der Pflichten feines Amtes völlig frei. Die ge- wünschte Eccklärunp ist damit abgegeben. Aber wenn der Landrat von Rcgenwaldc, Herr von Bismarck, in der Agitation für das Volksbegehren über das Thema spricht:„Nieder mit der roten Regierung in Preußen!" kann er natürlich nicht politischer Beamter bleiben. And ich werde uunachsicht- lich gegen jeden Beamten einschreiten, der sich an dieser Art der Agitation beteiligt. Der etwa hie schonen Verse des Stahlhelm propagiert:„Stürzt den roten Bonzenthron, helft mit goldener Munition."(Heiterkeit) oder„Die Bonzen kleben das Volk ver- dirbt, helft Preußen erheben, eh' Deutschland stirbt",(Erneute Heiterkeit.) ,,, Wir haben dos Volksbegehren nicht.zu fürchten. Wir haben in wirtschaftlicher Not und politischer Zerrissenheit alle Kräfte zu- sammengefaßt, um Staat und Volk durchzubringen. Auch wenn die Demagogie vorübergehend« Erfolg« erränge, auf die(Dauer haben nur diejenigen ein Recht auf Zukunft und Herrschaft, die in der schwersten Zeit des Landes ihren Mann gestanden und Verant- wortung getragen haben. Ich habe mich nie nach einem Amt gedrängt und Nebe an keinem Amt. Aber in außenpolilischcr Bedrängnis und inneren Wirren stehe ich aus dem Posten, auf den mich das vertrauen des Volkes berufen hat. Aendert sich der Volkswille. dann treten wir ab und führen, frei von der Last der Aemter, die Agitation und wir werben da» mit saubererer Masse tun als Sie. Wir wallen sehen, wie lang« Sie das dann aushalten. Wie immer die Zukunfhjich gestaltet, wir geizen ihr mit dem besten Gewissen entgegen.(Stürmischer Beifall sink» und in der Mitte.) Abg. Steuer(Diu.) verteidigt die Reoe des Herrn von Rohr und propagiert das Volksbegehren. Abg. Letterhaus(Z.): Das Jahr 1931 wird ein Jahr des K a m p f c s um Preußen fein. Nachdem sich die Rechtsradikalen im Reiche festgefahren habw» haben sie den Hebel wieder bei Preußen abgesetzt. Herr Steuer hat im Hinblick auf das Volksbegehren uiiaushörlich von den Rechten der Verfassung geredet. Aber selbst diese schützen niemanden davor, sich gründlich zu blamieren.(Große Heilerkeit.) Die Deutschnationalen hallen einmal in diesem haus über 190 vian- dale. Sie werden froh sein, wenn sie aus der nächsten Wahl b0 retten. Freilich hat Herr Hugenberg ihre Niederlage vom 14. September mit einem Druckfehler erklärt: er habe nicht die Parole ausgegeben, macht den rechten Flügel stark, sondern: macht mir den rechten Flügel stark. Herr Hugenberg inuß das Ich in Zukunft also noch etwas größer schreiben. Das ganze Volks» begehren hat nur einen Sinn: Sie wollen die innere Unruhe, weil Sie die Festigung des Staates und der Wirtschaft verhindern wollen.(Stürmische Zurufe rechts: Dieses Staates, dieses Systems!) Sic vergessen nie zu betonen, daß dieser«Staat auf Hochverrat beruhe. Aber Sie konnten einmal auch anders. Am 12. Februar ISIS schrieb die„Deutsche Tageszeitung": Ruch freier Willensbestimmung der weitesten Volksschichten baut sich das deutsche Volk einen neuen Staat aus.(Abg. Steuer: Was interessiert was irgendein Journalist geschrieben Hai!) Run gut,«in anderes Zitat:„Mit klarer Entschlofseuheik stellt sich die Deulschnationale Volkspartei aus den Boden der gegebenen Notwendigkeiten." Das hat nicht„ein Journalist" geschrieben. das ist der Wahlaufruf der Deutschnationalen Volkspartei zur Nationalversammlung.(Lebhaftes Hört, hört!) Und weiter:„In jeder von der Rationolverfammlung geschossenen Staatssorm wird die Deutschnationale Voltspartei sreudig zum Wohle des Vaterlandes mitwirken." Ihre Mitwirkung haben wir kennen- gelernt.(Sehr gut! im Zentrum und links.) Sie beschimpfen uns wegen des Poung-Plans.„Frankreich hat das Recht, ein Pfand dafür zu verlangen, daß seine Interessen gewahrt werden." Wer sagt das? Der deutschnationalc Parteivorsitzcnde H e r g t aus dem Parteitag in Görlitz. Sie sind die typischen Etappenpolitiker und schmähen uns, die wir an der Front des Kampfes sür Volk und Vaterland stehen.(Großer Lärm rechts.) Von christlich-konservatioem Geist haben Sie längst die letzte Spur verloren. Ein Friedrich Eberl und die Männer, die von Ihren An- hängern gemeuchelt wurden, werden vor der Geschichte bestehen. (Lebhafter Beifall links und im Zentrum.) Sie aber sind die Tod- feinde jeglicher Art von Autorität: denn Sie haben die Last- autos mit ausgerüstet, auf denen die jungen Leute herantransportiert wurden, um den Kanzler Brüning auf seiner Ost reise zu schmähen und zu verfolgen. Welch himmelweiter Unterschied zwischen Ihnen und der Haltung der englischen Konservativen gegen» über dem Kabinett Macdonald! Schlimm genug, daß man es sagen muß: lernen Sie vom Ausland Takt und An stand! (Lebhafter Beifall links, großer Lärm rechts.) Herr Hugenberg ist der Wegbereiter des Nationalsozialismus. Ich Verzichte daraus, Ihnen nachzuweisen, was für Verbrecher und Unter» menschen die Nationalsozialisten in den Reichstag geschickt haben. Wa» wissen diese Nichtskönner von dem Fleiß und der Energie, mit der die sogenannten Gewerkschaslsbonzen sich nach schwerer Erwerbsarbeit ihre Bildung erarbeitet haben. (Sehr gut! links.) Durch die Mordhetze der Extremen ist Deutschland hinter den Dreißigjährigen Krieg in die Zeit der Blutrache zurückgefallen. W>e kann Herr Goebbels die Ver- antwortung dafür ablehne», wenn er am 2.«eptember 1929 dichtet: „Und wenn die Handgranate kracht, das Herz im Leibe lacht!" Dos Zentrum fordert von der Staatsregierung, zur Niederhaltung der halbwilden Landsknechte die staatliche Macht mit höchster Entschieden- yeit einzusetzen.(Stürmischer Beifall.) Zu diesem Terror he- kennen wir uns. Die Extremen wollen hie Macht mit Gewalt erobern oder sie fühlen. Mögen sie also die Macht fühlen! (Lebhafter Beifall.) Westanschauliche Gegensätze trennen uns von der Sozialdemo- trati«. Aber Koalitionen entspringe» immer aus der Verminst der einen und der Unvernunft der anderen.(Heiterkeit.) Wir arbeiten gemeinsam an der Rettung von Staat und Aalt. während die sogenannten Nationalen sich seitwärts in die Büschs schlagen. Wir lehnen den Radikalismus ab um unseres Volkes willen. Wir vergessen trotz aller weltanschaulichen Gegensätze nicht den Kumpel, der mit uns im Grabe» das Vaterland verteidigt hat. («Sehr gut! im Zentrum und links.) Wir wollen eben den deutschen Volksstaat in Freiheit entfallen und mit allen zusammenarbeiten, die guten Willens sind. Wir haben in zwölf Iahreu schwerer Arbeit die deutsch« Nation vor dem Untergang gerettet. Wenn Demokratie feste Führung und ehrlicher Gesolgschaflswille ist, dann folgen wir vom Zentrum diesen, versassungsminister, diesem Kommunalm inisler, diesem Polizeiminister! Wenn der V o l k s ft a a t ruft, ist dys deutsche Zentrum jederzeit mit an der Arbeit.(Stürmischer Beifall und Händeklatschen im Zentrum.) Die Wciterberatung wird auf Mittwoch, 19 Uhr, vertagt. Die deuisch- österreichische Zollunion. < 1 Die europäischen Nachbarn:„Was, die beiden wollen die Mauer zwischen sich niederreißen, wo wir doch alle so bequem weiträumig wohnen!" Solidarität! Wie sie der Verband der Deutschen Buchdrucker übt. Sobald die Jahresberichte der im ADGB. vereinigten| ein Extrabeitrag von 10 Pf. erhoben wurde, der sich vom vierten freien Gewertschaften für das Jahr 1930 vollzählig vorliegen, wird Quartal 1930 ab auf 30 Pf. erhöhte. Die Einnahmen an Extrader Deffentlichkeit ein Bild geboten werden, welche Leistungen unsere beiträgen ergaben die Summe von 523 750 Mark. Aus der VerGewerkschaften während der Krise vollbracht haben. Die bandskasse mußten noch 624 445 Mark dazu aufgewandt werden, um Riesensummen, die sie zur Unterstützung ihrer erwerbslosen diese Hilfsaktion durchzuführen. Die Ausgesteuerten erhalten je nach Mitglieder zahlten, sind nicht nur für die Unterstüßten persönlich, der Dauer ihrer Mitgliedschaft wöchentlich 5 Mart, 7,50 Mark und fondern von hoher volkswirtschaftlicher Bedeutung. 10 Mart Unterſtügung. Die gewerkschaftlichen Leistungen verhinderten die vollständige Lähmung der Kaufkraft, zu der die Arbeitslosigkeit, die geringen Sätze der Arbeitslosenversicherung und der Lohndrud neben Feier schichten und Kurzarbeit führen mußten. Sie verhinderten auch die Verzweiflung der Arbeitslosen, die der Reaktion von rechts wie von links am Ende nicht ganz unwillkommen gewesen wäre. Der blindmütige Haß der KPD. gegen die reformistischen" Gewerkschaften ist hauptsächlich mit darauf zurückzuführen, daß die Gewerkschaften ihre arbeitslosen Mitglieder vor der Verelendung schüßen und sie damit vor der Berzweiflung bewahren. Der Verband der Deutschen Buchdrucker hat im verflossenen Jahre an Reiseunterstützung 340 017 Mart gezahlt, an Ortsunterstützung 2 709 063 Marf und für Notstandsbeihilfe 1 116 194 Mart, insgesamt 4 215 275 Mart. Die ausgesteuerten Mit glieder waren für den Verband keineswegs abgefunden. Er schuf eine Notstandsbeihilfe für ausgesteuerte Arbeitslose, wofür zunächst Die Metallarbeiter zur Maifeier. Neues Ortsftatut für die Berliner Verwaltung des DMV. Die Generalversammlung der Berliner Metallarbeiter am Montag hatte reichlich Arbeit. Von den acht Anträgen wurde der erste gegen vier Stimmen angenommen. Er fordert die Ortsverwalhung auf, dafür zu sorgen, daß in den vom ADGB. herausgegebenen Zeitungen teine 3nserate von Erfaßtranfenfassen. mehr aufgenommen werden sollen, da dies entgegen den Beschlüssen der Gewerkschaftstongresse zur Zersplitterung der Krankenversicherung beitrage. Ohne Debatte wurde ein Antrag der Rechtsver= treter des Verbandes angenommen, der den Vorstand ersucht, auf eine Abänderung des Arbeitsgerichtsgesetzes dahingehend zu wirken, daß die Gewerkschaften nicht nach§ 77 des deutschen Gerichtsfostengesetzes verpflichet sind, die Kosten eines Arbeitsgerichtsverfahrens zu tragen, den ein verklagter, aber zahlungsunfähiger Unternehmer verloren hat. Ein weiterer Antrag, der sich für eine Der Verbandsvorstand hat jetzt beschlossen, diese Nothilfe bis zum 27. Juni dieses Jahres zu verlängern. Die gesteigerten Anforderungen an die Verbandskasse durch die zugesteigerten Anforderungen an die Verbandskasse durch die zu nehmende Arbeitslosigkeit zeigt sich darin, daß 1928 1176 221 Mart an Unterstützungen auf der Reise und am Orte gezahlt wurden, 1929 bereits 2 130 345 Mart, worunter die neueingeführte Nothilfe mit 38 182 Mart, im Jahre 1930 dagegen 4 215 275 Marf. Insgesamt rechnet der Buchdruckerverband in seinem am 31. März zum Abschluß fommenden Geschäftsjahr 1930 mit einer Ausgabe für Unterstützungen in Höhe von 8 275 000 mark, worunter etwa 2380 000 mark an Invalidenunterstützung. Was können dagegen KPD. und RGD. oder gar die Nazis ihren Anhängern bieten? Sie speisen fie mit Redensarten ab und vertrösten sie auf ein Somjetdeutschland" oder auf das Dritte Reich". Ein Narr, wer darauf wartet und darüber seine gewert schaftliche Organisation vergißt! SPD.- Betriebs- u. Gewerkschaftsfunktionäre Am Freitag, dem 27. März, 19%, Uhr, Musikersäle, Kaiser- Wilhelm- Straße 31 SPD.- Betriebsfunktionärsitzung 1 Vortrag des Genossen Kurt Heinig. M.d R.:,,Die wirtschaftliche Lage" 2. Aussprache. 3. Wahl von 3 Vertretern für den erweiterten Bezirksvorstand. Parteimitgliedsbuch und Betriebsfunktionärkarte legitimieren. Das Betriebssekretariat. Rotzow treibt der stramme RGD.- Mann Helbig Arm in Arm mit Banten seine Hezze. Banten hat für seine Bemühungen im Aufsichtsrat 300 m. liquidiert. Das war selbst seinen kommunistischen Genossen zu start. Sie wandten sich an das Karl- Lieb fnecht- Haus, wo man zu dem salomonischen Entscheid tam, die Geschichte fönnte nur eingerenft werden, wenn Banten die 300 M. an die JAH. abliefert. Hodapp bedauerte außerordentlich, daß diese Leute so engstirnig sind, die Zersplitterung der Kollegen jetzt furz vor dem fchweren Lohnfampf mit allem Hochdruck zu betreiben, wo die Geschlossenheit besonders notwendig sei. Für solche Leute ist in den Reihen des Verbandes kein Platz mehr. Wenn die Unvernunft siegte und die RGO.- Helden das in der Roten Fahne" Nr. 45 verbald zusammenbrechen. Nur Betriebsräte, die fest in der Organisation stehen, fönnen für die Kollegen Erfprießliches leisten. einheitliche Demonstration aller Gewerkschaften am 1. Mai und für die Aufhebung des Demonstrationsverbotes öffentlichte ,, Kampfprogramm" durchsetzten, würde ihre Herrschaft am 1. Mai einsetzt, wurde ohne Debatte einstimmig angenommen. Ueber einen Antrag, der die Einführung von Pflichtmarken zur Weihnachtsunterstützung der erwerbslosen Verbandsmitglieder verlangte, wurde sehr ausgiebig diskutiert. Der Antrag wurde jedoch abgelehnt, da sich seine Undurchführbarkeit ergab, aber auch seine 3medmäßigkeit in finanzieller wie agitatorischer Hinsicht bezweifelt wurde. Angenommen wurde noch ein Antrag, der sich gegen die Bestrebungen auf Einführung der Arbeitsdienstpflicht wendet sowie ein anderer Antrag, der die Ankündigung von Bersammlungen in der Berliner Beilage der Metallarbeiterzeitung" verlangt. Es folgte dann die Beratung des Entwurfs eines neuen Ortsstatuts. Im wesentlichen ist der Entwurf eine Anpassung an das Verbandsstatut des Deutschen Metallarbeiterverbandes, wie es auf dem letzten Verbandstag in Berlin beschlossen wurde. Die Vorgänge bei der Spaltung der Rohrleger, der Former- und Dreherbranchen machte aber auch eine juristisch einwandfreiere Fassung verschiedener statutarischen Bestimmungen notwendig, wie z. B. über die Einrichtung und Erhaltung eines Branchenfonds, die Eigentumsrechte der Organisation an diesen Branchenfonds und dergleichen. Die von der Opposition" gestellten Abänderungsanträge zu dem Entwurf wurten gegen wenige Stimmen abgelehnt und der Entwurf in seiner vorgelegten Fassung angenommen. Das neue Ortsstatut tritt demnach am 1. April in Kraft. Eine Abrechnung. Bor den Brauerei: Betriebsratswahlen. Der Verband der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter hatte am 20. März die Betriebsräte und Vertrauensleute in den Berliner Brauereien im Dresdener Garten zusammengerufen, inn noch einmal vor den Wahlen zur Betriebsvertretung die gewerf: schaftsfeindliche Rolle der RGO. aufzuzeigen. Genosse Schmitz beleuchtete in sehr eingehender drastischer Weise die muffigen Hintergründe der Organisationszerstörer. Auch der Schmarozerpilz, der unter den Brauereiarbeitern noch ein fümmerliches Leben fristet, der Bund deutscher Brauergesellen, wurde gebührend eingeschätzt. Wie diese Blauen sich in die Betriebsvertretung hineinschleichen wollen, zeigt ihr Vorgehen in der Malzfabrit in Pantom. Sie stellten eine Liste auf, reichten sie aber nicht dem Wahlvorstand ein, sondern hefteten sie aus eigener Machtvollkommenheit ans Schwarze Brett.. Ihre Liste mußte wieder verschwinden. In der Brauerei Kindl in Neukölln sind 17 Blaue, die den 417 organisierten Arbeitern ebenfalls eine eigene Liste zur Betriebsvertretung präsentieren wollten. Auch diese Liste erwies sich als ungültig. Einige Betriebsleitungen der Brauereien versuchten das Manöver, Arbeiter, die auf den Vorschlagslisten der freien Gewerkschaft stehen, vor der Wahl in eine andere Abteilung zu versetzen. Die Organisation hat diese Versuche vereitelt. Die RGO. beschimpft in Flugblättern die Funktionäre der Organisation in gemeinster Weise. Besonders in der Abteilung Niederschöneweide der Schultheiß Patzenhofer- Brauerei wurde gegen den Betriebsratsvorsitzenden gehegt. Auf der Brauerei Ihre Nerven brauchen Baldrament die natürliche Nervenmedizin gegen nervöse Störungen, Erregungszustände, unruhigen Schlaf, Schwindelanfälle und Nervenkrämpfe Flasche Mk. 1.50 u. 2.50, in Apotheken und Drogerien erhältlich, sonst durch OTTO- REICHEL, Berlin SO, Eisenbahnstraße 4. Verlangen Sie kostenlos das reloh illustrierte Buch„ Guter Rat in gesunden und kranken Tagen". Die Löhne der Reichsarbeiter. Regierung fordert jetzt 10 Proz. Lohnabbau! Die in der letzten Woche abgebrochenen Lohnverhandtungen für die Reichsarbeiter sind am Dienstag wieder aufgenommen worden. Sie haben wiederum zu keinem Ergebnis geführt. Die Regierung hat den in der letzten Woche gemachten Vorschlag, die Löhne um acht Prozent zu fürzen, am Dienstag noch verschlechtert. Sie verlangt jetzt einen 3ehnprozentigen Lohnabbau. Die Organisationen haben im Verlauf der Verhandlungen der Regierung einen Gegenvorschlag gemacht, die Arbeitszeit allgemein auf 48 Stunden festzusetzen, mas ohne weiteres einen Lohnabbau von mindestens sechs Prozent bedeuten würde. Nach längeren Berhandlungen erklärten die Regierungsvertreter, einen weiteren Vorschlag nicht machen zu können. Die Angelegenheit müsse mun= mehr das Kabinett beschäftigen. Es besteht der begründete Verdacht, daß man die Lohnverhandlungen solange hinausschieben will, bis der Reichs= tag vertagt ist, damit er nicht eventuell auf die Lohnverhandlungen Einfluß ausüben kann. Nach dem Verlauf der Verhandlungen vom Dienstag scheint eine Einflußnahme der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion munmehr notwendig. Betriebsratswahlen im Ruhrbergbau. Die freien Gewerkschaffen an der Spitze. Bochum, 24. März.( Eigenbericht.) ! Die Versammlungssprengung ist bereits in der Sihung der RGOA Zelle am 18. März beschlossen worden. Es ist bisher in der Mitgliedschaft Berlin des Verbandes der Lithographen und Steindrucker stets üblich gewesen, daß über ge= werkschaftliche und politische Meinungsverschiedenheiten in den Verfammlungen, wenn auch manchmal leidenschaftlich, so doch stets in anständigen Formen diskutiert wurde. Die traditionelle Meinungsfreiheit im Verbande der Lithoraphen und Steindrucker foll offenbar von der RGO. aufgehoben werden. Berufungsklage der Eisenbahner. Nette Tarifvertragstheorie der Arbeitgeberverbände. Dresden, 24. März.( Eigenbericht.) Vor dem Landesarbeitsgericht Dresden wurde am 24. März die Berufungsverhandlung gegen das Urteil des Arbeitsgerichts geführt, das die von den Gewerkschaften eingereichte Lohnflage wegen entgangener Arbeitszeit durch Feierschichten zurüdgewiesen hat. In der Berufungsverhandlung war die Reichsbahnverwaltung durch Rechtsanwalt Meisinger- Berlin, die Ge= wertschaften durch den Bezirksleiter Voelkers und den Ge- vertreten. Die Vertreter der richtsassessor Jacoby Berlin Gewerkschaften wiesen nach, daß die im Tarifvertrag festgelegte Arbeitszeit eine Mindest arbeitszeit fei und daß insbesondere aus der Natur des geltenden Tarifvertrages als Marimaltarifvertrag zu folgern märe, daß die im Tarifvertrag festgelegte Arbeitszeit abschließend geregelt jei, mithin die im Tarifvertrag nicht erwähnte Kurzarbeitszeit im Interesse des Betriebes unzulässig wäre. Demgegenüber beschräntte sich Rechtsanwalt Dr. Meisinger auf die Forderung, daß es dem Unternehmer möglich sein müsse, durch Abschluß besonders gearteter Teilarbeitsverträge die Arbeitnehmer der Wirksamkeit des Tarifvertrages zu entziehen. Die Gewerkschaftsvertreter fonnten erwidern, daß die Anerfennung dieses Standpunktes das Ende des kollektiven Arbeitsrechtes bedeuten müßte, da der Arbeitgeber alsdann jeden Tarifvertrag beseitigen könne, dessen Bestimmungen ihm nicht passen. Die Entscheidung fällt am 31. März. Berband der Maler und 2adierer. Mitgliederversammlung am Freitag, 27. März, 19% Uhr, im Gewerkschaftshaus. Engelufer 24-25, Gaal 4. Tagesordnung: Was veranlaßt die Unternehmer, die Gründung einer Innungsfrantentaffe für Groß- Berlin vorzunehmen?" Diskussion. Geschäftliche Mitteilungen über Tariffragen. Gesamtverband Betriebsräte- Jnformationsabend. Der Abend B ant Donnerstag, 26. März, findet wegen der Beischung Hermann Müllers nicht statt. Der nächste Abend ist am 9. April. SPD. Fraktion der Buchdruder! Die für Donnerstag angefekte Rusammenkunft fällt infolge der Trauerfeierlichkeiten für den Genoffen Hermann Müller aus. Eic findet am Dienstag, 31. März, an gleicher Stelle statt. Rollegen und Genoffen der BVG., die fich am Trauerzuge für unseren verstorbenen Führer Hermann Müller beteiligen, stellen sich vor dem 5. Kreis, Martgrafen- Ede Lindenstraße, auf. Antreten 16% Uhr. Dienstanzug erwünscht. Feuerwehr Groß- Berlin! Alle Kollegen beteiligen fich an der Ueberführung des verstorbenen Genossen Hermann Müller. Treffpunkt unter Führung der Musik zur Bugaufammenstellung am Donnerstag nicht 15 Uhr, sondern 16% Uhr, Berl. Charlotten- Ecke Lindenstraße. Knorrbremse! Freitag, 27. März, 16 Uhr, Lokal Roßfi, Gürtelftraße 28, SPD.- Frattionsfigung mit Sympathifierenden. Wichtige Tagesordnung. Der Fraktionsvorstand. Freie Gewerkschafts- Jugend Berlin Seute, Mittwoch, 19% Uhr, tagen die Gruppen: Baumschulenweg: Jugendheim Ernststr. 16. Gutheit fommt mit seiner Micki- Maus. Neukölla: Gruppenheim Bergstr. 29( Sof).„ Der Lehrling einst und ickt." Südwesten: Städt. Jugendheim Nordstr. 11, Fabrikgebäude. Bunter Abend: Humor und Frohsinn". Flughafen: Jugendheim Neukölln, Flughafenſtr. 68. Berlin. wie es weint und lacht." Weißenfee: Jugendheim Parkstr. 36. Bunter Abend. Nordring: Jugendheim Sonnenburger Str. 20. Alt- Berlin in Wort und Bild." Chöneberg: Jugendheim Hauptstr. 15.„ Das Gespenst Arbeitslosigkeit." Humboldt: Jugendheim Graun- Ede Lorkingstraße. Das Unterstützungswesen der Gewerkschaften." Tegel: Jugendheim Schöne= berger Str. 4. Lichtbildserie: Durch die Mark Brandenburg". Spandau: Jugendheim Lindenufer 1. Warum Organisation?" Jugendgruppe des Ge. famtverbandes: Jugendheim Engelufer 24-25. 19% Uhr Film- und Lichtbilder. vortrag. Jugendgruppe des Metallarbeiterverbandes: Jugendveranstaltung in der Kulturabteilung Linienstraße. Jugendaruppe des Zentralverbandes der Angeftellten Heute, Mittwoch, sind folgende Veranstaltungen: Gesundbrunnen: Jugendheim Willdenowstr. 5. Vortrag:„ Neue Zeit- neue Menschen". Referent Artur Nadow. Reinidendorf: Jugendheim Lindauer Str. 2 ( Barade). Vortrag: Was ich im Gefängnis fah". Referent Wilhelm Lewinsti. Charlottenburg: Jugendheim Rosinenstr. 4. Bortvag:„ Die freien Gewerk schaften im Rampf um die Sebung des Lebensniveaus der Arbeiter und Angestellten". Referent Karl Lehrer. Schöneberg: Jugendheim Hauptstr. 15 ( Sofgebäude, Eachsenzimmer). Vortrag: Die deutsche Freidenkerbewegung". Referentin Kollegin Echneider.- Echönhauser Borstadt: Jugendheim der Schule Kastanienallee 81. Märzstürme." Oberspree: Niederschöneweide, Berliner Straße 31( Schule), Eingang Hasselwerderstraße. Wir sind ein lustiges Bolt." Nordoft: Jugendheim Danziger Str. 62( Barade 3). Revolutionäre Litera tur." Stralau: Jugendheim der Schule Goßlerstr. 61. Distuffionsabend über die Richtungen in der Gewerkschaftsbewegung der Angestellten. Neukölln: Jugendheim Böhmische Str. 1-4. Vortrag: Arbeitsdienstpflicht eine Lösung der Wirtschaftskrise?" Referent Christian Mähl. Südost: Jugendheim Wrangelstr. 128. Wir üben neue Lieder unter Leitung von Frik Rubit. Spandau: Jugendheim Lindenufer 1. Distuffionsabend. Potsdam- Nowawes: Jugendherberge Nowawes, Priesterstraße. Fragetaften unter Leitung des KolTegen Walter Eschbach. Köpenid: Jugendheim Dahlwiger Str. 15( Gasanſtalt, am Bahnhof Köpenid). Buntes Allerlei. Seute um 20 Uhr veranstalten die Bezirke Neukölln und Urban in der Aula der Mädchenmittelschule Neukölln, Donauftr. 127, eine Werbefeier. Einheitspreis 20 Bf. Karten zur Jugendvorstellung der Volksbühne am 29. März sind für 80 Vf. im Jugendfekretariat zu haben. Gewerkschaftsbewegung: Fr. Eztorn; Feuilleton Dr. John Schitowski; Lotales: und Sonstiges: Frik Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen. abend folgendes Teilergebnis von 19 Schachtanlagen Bon den Betriebsratswahlen im Ruhrbergbau lag bis Dienstag Berantwortlich für Politik: Dr. Curt Geyer; Wirtschaft: G. Klingelhöfer; vor: Freie Gewerkschaften 10592 Stimmen( im Borjahre 11 914), chriftliche Gewerkschaften 4738( 5753), HirschGelbe 327( 418), Nationalsozialisten 1087(-). Dunder 100( 127), Polen 56( 58), RGO. 3975( i. B. die KPD. 5543), ficher Abbau der Belegschaften vorgenommen wurde. Es ist zu beachten, daß auf sämtlichen Schachtanlagen ein erhebScheu vor der Wahrheit. ROD. sprengt Lithographenversammlung. Generalversammlung der Berliner Lithographen und Steindrucker Zu beschämenden Standalszenen fam es gestern abend in der der Beitragszahlung zur Unterstützung der ausgesteuerten erwerbsim Deutschen Hof. Nachdem die Versammlung die Neufestsetzung losen Verbandsmitglieder nach durchaus sachlicher Diskussion erledigt hatte, sollte der Bevollmächtigte des Metallarbeiterverbandes, Urich das Wort erteilt worden war, setzte ein von den„, oppositioGenosse Urich, über die RGD. referieren. Als dem Genossen nellen" Verbandsmitgliedern vorbereiteter Krakeel ein. Ein zweifellos nur geringer Teil der Versammlungsbesucher, in Brüllchorgruppen im Saale verteilt, empfing den Genossen Ulrich mit blöden Rufen wie ,, Streitbrecher", Streitabwürger"" und mit gellenden Pfiffen. Daß der Radau planmäßig organisiert war, ging schon daraus hervor, daß sich verschiedene der Krakeeler Signal pfeifen und ähn licher Konzert"-instrumente bediente. Es fehlten nur noch die weißen Mäuse und Stinkbomben. Als Hauptakteure dieser Verfammlungssprengung hatte die RGD. vornehmlich jugendliche Verbandsmitglieder engagiert, deren Führer sich im Hintergrund hielt. Da es nidyt möglich war, dem Redner Gehör zu verschaffen, mußte die Bersammlung vorzeitig geschlossen werden. Aslen gärt, und Rußlands Kolonialpolitik Hierzu bringen wir heraus: Oifo Mänchen- REISE Helfen Großformat Reich illustriert Halbleinen Preis 4.80 Mk. INS ASIATISCHE TUWA Tuwa, im Herzen Asiens, ist nur dem Namen nach eine selbständiga Volksrepublik, in Wirklichkeit eine Kolonie Sowjetrußlands. Monatelang leble der Verfasser im Sommer und Herbst 1929 in den Jurton der Wanderhirlen und in Lamaklösiern. Mit dem Altesten mischt sich Nouestes. Leicht und flüssig geschrieben interessant durch seinen Stoff wichtig für die Kenntnis der russischen Außenpolitik. VERLAG ear ( Für Mitgliedor DER BUCHERKREIS M. B. H. Sonderpreis) Berlin SW 61+ Belle- Alliance- Platz 7 Nr. 141 48. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Die Brandnacht. Theater im Saffran- Prozeß.- Wer hat die Schüsse abgegeben? Nach jener erschütternden Szene, in der nacheinander die beiden bewiesen war. Ich habe auch heute noch die Ueberzeugung, daß Hauplangeklagten, Saffran und Kipnik, die Witwe des Er- Ripnik die Schüsse abgegeben und damit den Mord begangen hat. mordeten um Berzeihung gebeten hatten und der Oberstaatsanwalt( Bewegung.) R.-A. Dr. Pröll: Haben Sie für diese Ansicht beerklärt hatte, daß einer von den beiden Angeklagten Theater ge- sondere Gründe? 3euge: Jawohl, denn Saffran hat mir die spielt haben müsse, wurde in der Zeugenvernehmung fort- Minuten vor und nach der Tat ganz eingehend schildern können, gefahren. Zuerst wurde der Polizeioberinspektor kleift aus während Kipnik um dieses wichtige Moment sich etwas herumgeRastenburg vernommen, gegen den in der Oeffentlichkeit schwere drückt hat. Vorwürfe nach der Richtung erhoben worden sind, daß er die Unterfachung im Falle Saffran nicht mit der notwendigen Energie geführt habe, weil er selbst weitläufig mit Saffran verwandt sei. Der Zeuge schilderte eingehend, daß er in der Brandnacht durch den voraufgegangenen Wahldienst übermüdet gewesen sei und daß seine ersten Ermittlungen am Brandort in ihm die Gewißheit hätten entstehen lassen, daß Saffran in den Flammen umgekommen sei. Er sei in dieser Ansicht bestärkt worden durch das Benehmen der Augustin, die wie eine Irre um das brennende Gebäude herumgelaufen sei und weinend immer geschrien habe: ,, Mein armer, armer Chef." Auch Kipnik hätte eine echte Trauer an den Tag gelegt. Erst am Abend des nächsten Tages seien gewisse Verdachtsmomente aufgetaucht und besonders die Tatsache, daß die Auguſtin bei mehreren Autovermittlern in der Stadt für die Nacht nach dem Brande ein Auto nach Königsberg bestellen wollte, habe in ihm den Verdacht geweckt, daß nicht alles mit rechten Dingen zugehe. Er habe sich an den Schwiegervater Saffrans und auch an den Bruder gewandt, ihnen die Lage geschildert und den Verdacht ausgesprochen, daß Saffran nur einen Brand vorgetäuscht habe und offenbar in Königsberg size. Wahrscheinlich wolle die Augustin in der Nacht zu ihm hinfahren. Man habe sich dann zu dritt auf die Lauer legen wollen, um Fräulein Augustin abzufassen. Das Unternehmen sei jedoch gescheitert, da an der verabredeten Stelle der Chauffeur Red, der den Wagen fuhr, in dem sich ja bekanntlich der Angeklagte Saffran selbst befunden hatte, nicht anhielt. R.- 2. Dr. Petall: Herr Zeuge, ist es nicht so gewesen, daß Sie als ein entfernter Verwandter Saffrans sich von dem Schwiegervater und dem Bruder des Angeklagten, auf gut Deutsch gesagt, haben einwickeln lassen. 3euge( sehr verlegen): ,, Das halte ich für ausgeschlossen, obwohl ich leider zugeben muß, daß meine Arbeit in dieser Sache ein völliger Mißerfolg gewesen ist. 24 Stunden nach dem Brand habe ich, weil ich mich als Verwandter befangen fühlte, die Sache an die Königsberger Polizei abgegeben und diese hätte alles weitere veranlassen müssen. Angeklagte Augustin: Ich habe am Brandherd nicht, wie der Zeuge behauptet, gerufen: ,, Mein armer Chef." 3euge: Jawohl, das haben Sie doch getan. Kipnit: Der Zeuge hat mit seinen Angaben recht. Ich selbst habe der Augustin geraten, an der Brand: stelle tüchtig zu schreien und zu jammern. In Anschluß daran wurde der Untersuchungseichter oerne vernommen, der die Untersuchung geleitet hats A Pröll Welchen Eindruck, Herr Zeuge, hatten Sie von den Geständnissen der Angeklagten? Zeuge: Ich machte dem Angeklagten Kipnik schon nach furzer Zeit ernste Vorhalte, daß er sich nicht nur wegen Brandstiftung, sondern evtl. auch wegen Mordes werde verantworten müffen. Kipnit gab mir darauf faltblütig zur Antwort:„ Geftatten Sie biffe, daß ich lächle." Saffran dagegen, der anfangs einige Winkelzüge gemacht hatte, legte dann ein offenes Geständnis ab und blieb bei seinen Aussagen. Kipnit leugnete immer jo lange, bis ihm jede Einzelheit haarklein Gerhart Herrmann Mostar 36] Chicksal um fanie ,, Ich dachte", sagt er schüchtern, während Andreas lieft ,,, es Und und es ist doch zu weit zur Stadt. 3wei Stunden. wenn man hier seine märe doch auch sehr schön, wenn man Toten begraben tönnte. Und nicht so peinlich, wegen unserer - unserer aller Armut und so Und es ist genehmigt von vornherein, ich war deswegen beim Landrat felbst." Das Papier enthält einen Antrag der Anwohner vom Stubbenland, ihre Toten auf einem noch näher zu umgrenzen den und nur für diesen Zweck zu benutzenden Stück Land im Siedlungsgebiet selbst bestatten zu dürfen. In einem furzen ,, m!" verbirgt Andreas Erregung, Rührung, Anerkennung. ,, Und wo friegen wir das Land her?" ,, Das möchte ich von meinem Boden stiften", sagt Schmitzer und fährt schnell sort: Ihr Pastor wird es dann gleich weihen." Ein Landwirt werden Sie nie, Schmißer!" Korn wendet sich rasch wieder zum Fenster. 3d) habs immer gesagt." Er trommelt an die Scheiben. Uebrigens, Luise das Fachmert muß doch noch vor der Ernte erneuert werden. Es regnet uns ja sonst noch auf die Köppe. Deine Kiefer wird dran glauben müssen." ,, Andreas ,, Doch, sie wird dran glauben müssen." Er wendet sich an Schmizer, spricht tastend, als fiele ihm das erst jetzt ein: ,, Uebrigens wenn wir ihn gleich hier bestatten, dann kann der Sarg wohl ruhig ein bißchen einfach sein. wie?" ,, Gewiß doch", sagt Schmizer. Andreas tritt zu seiner Frau und faßt sie unters Kinn, hebt ihren Kopf zu sich auf: ,, Na, Alte?" Sie reißt den Kopf weg, geht der Tür zu. Meinetmegen", sagt sie schon draußen, und schlägt die Tür schnell hinter sich zu. ,, Sie ist nun mal so, hängt sich immer an unnüze Dinge", entschuldigt sie ihr Mann. Oh, ich verstehe das Mittwoch, 25. März 1931 seine Eindrücke in der Brandnacht. Er sei mit seiner Tochter der Ueberzeugung gewesen, daß Saffran in den Flammen umgekommen sei. In dieser Ansicht sei er von der Augustin und Kipnik bestärkt morden. Nach seiner Aussage, bei der Saffran unausgesetzt weinte, erlitt der schwer herzkranke Zeuge einen Schwächeanfall. Er schmantte und brach am Richtertisch zusammen, so daß er aus dem Saal gebracht werden mußte. Anschließend daran wurde der Schwager Saffrans, der Volkswirt Erich Platz aus Königsberg, vernommen, der dem Angeklagten ebenfalls ein glänzendes Zeugnis ausstellte. Es folgte dann die Bernehmung einer Reihe von Leumundszeugen, die sowohl dem Angeklagten Saffran, als auch der Ella Augustin sehr günstige 3eugnisse ausstellten. Damit war die Beweisaufnahme erschöpft und es folgte Im weiteren Verlauf der Beweisaufnahme wurde dann der 58jährige Kaufmann Franz Plaz aus Rastenburg vernommen, die Vernehmung der Sachverständigen. der Schwiegervater des Angeklagten Saffran, dessen Tochter sich in Alls erster gab Oberpostamtmann Müller aus Rastenburg sein zwischen von dem Angeschuldigten hat scheiden lassen. Der Zeuge, Gutachten dahin ab, daß die beiden Postbeamten Schidlowski und der Saffran im allgemeinen ein glänzendes Zeugnis ausstellte, Kazki zweifelsohne ihre Pflicht in den Fällen verletzt hätten, in schilderte, daß er Saffran als einen tüchtigen und gewissenhaften denen sie Briefe mit fremden Adresse an Fräulein Augustin ausgeKaufmann kennengelernt habe, der ihm eine wahre Stütze und Hilfe händigt hätten. Nach Lage der Dinge könne er den beiden Beamten gewesen sei. Auch die Ehe Saffrans mit der Tochter sei nach außen j den guten Glauben jedoch nicht absprechen, da die Augustin ihnen hin glücklich und ungetrübt gewesen. Der Zeuge, dessen Wohnung seit langen Jahren bekannt gewesen sei und sie in ihrer Handlungsdem Geschäft seines Schwiegersohnes gegenüberlag, schilderte dann weise bestimmt nichts Unrechtmäßiges erblickt hätten. Um Berlins Wohlfahrt. Kommunisten für Unterstützungsabbau! In der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten ging| Genosse Bublih ruft dem kommunistischen Frechling zu, er sei ein es zeitweise wieder recht stürmisch zu. Der Kommunist Wis- unverschämter Lügner. Vorsteher Haß( Soz.) ruft Bublib newsti erfrechte sich, den stellvertretenden Kämmerer Dr. Cange zur Ordnung; der Proteft der anderen Fraktionsmitglieder mar aber in der übelsten Weise zu verleumden. Das rief den stärksten so start, daß Wisnewsti minutenlang nicht weiter reden konnte. Protest der Sozialdemokraten hervor. Bei einer Debatte Immer wieder wurde W. ein unverschämter Lügner genannt, doch er steckte die Bezeichnung ruhig ein. Schließlich mußte er abtreten. über über die Fürsorge der WohlfahrtsunterstüßungsDie empfänger fonnte die sozialdemokratische Rednerin, Genoffin Todenhagen nachweisen, daß die kommunisten durch ihren starten Mangel an Sachkenntnis mit ihren Anträgen praktisch einen Unterstüßungsabbau erstreben. In der nächsten Sigung am Donnerstag, der letzten vor Infrafttreten des neuen BerlinGesetzes, wird es eine große Aussprache über das geplante preag Geschäft geben. In einem Antrag hatte die sozialdemokratische Fraktion verlangt, daß der Magistrat nachprüfen soll, welche Garantien das bisher von den Bezirksämtern geübte unterstüßungs== Prüfungs- und Auszahlungsverfahren bietet, damit nicht Leute bisher Don den Bezirksämtern geübte Unterstüßungs= bedürftig ausgeben, die Bedingungen aber nicht erfüllen. Die etwa einzusparenden Geider sollen die Möglichkeit geben, von einer Her absehung der Unterstützungsfäße abzusehen. In einem weiteren Antrag unserer Fraktion war festgestellt worden, daß die Reichsinderziffer- die inzwischen gefallen war für den Magistrat Berantaffung war die Unterstihungerichtjähe herabzusehen. Der Magistrat, wurde aufgefordert, die bisherigen Säße bestehen zu laffen. Die Kommunisten wandten sich in Anträgen ebenfalls gegen die Herabjegung der Wohlfahrtsunterstützung. Als in der Aussprache der Stadtv. W i snewsti( Komm.) den Magistrat wegen der Wohlfahrtsunterstügung in maßloser Weise angriff und besonders dem stellvertretenden Kämmerer Lange( Soz.) vorwarf, bei feiner von Wisnewsti behaupteten Teilnahme am Presseball im Jahre 1929 trotz der Not der Erwerbslosen geschlemmt zu haben, tommt es zu stürmischen Protesten der Mitglieder der sozialdemokratischen Fraktion. ,, Ich nicht. Also dann wird wohl ein Sarg für Papen dieck dabei abfallen." Schmitzer verabschiedet sich; als sie durch die Diele gehen, sehen sie Luisen im Wohnzimmer am Fenster stehen und die Kiefer anftarren. ,, Jetzt sagen Sie mir bloß, Schmizer", fragt Andreas recht laut ,,, wie kommen Sie eigentlich dazu, Land für das Grab von Papendied herzugeben?" ,, Wie kommen Sie dazu", gibt Schmitzer zurück ,,, das Holz für Papendiecks Sarg pon Ihrer einzigen Kiefer zu nehmen?" ,, Das will ich Ihnen genau erzählen", sagt Andreas so laut wie möglich. Weil ich ausgerechnet hinter unserem Juden nicht zurückſtehen will." Ich muß schnell zur Bahn, Fräulein Papendied abholen! Ich nehme an, daß sie heute kommt", verabschiedet Schmitzer sich hastig. " Andreas blickt nachdenklich hinter ihm her. Sonderbarer Kerl, der Schmitzer. Läuft aufs Geratewohl zur Bahn. Unter zieht sich der bitteren Aufgabe, Lene vorzubereiten. Weshalb? Macht er sich Hoffnungen? Armer Kerl... Er geht in den Schuppen und holt Säge und Art. Anna Maschte hastet auf Papendiecks Haus zu. Sie weiß, daß Korns ihr nachblicken, und daß ihr Buckel am häßlichsten aussieht, wenn sie läuft aber heute macht ihr das nichts aus. Es hat Zeit genug gekostet, Korn zur Herausgabe des Dietrichs zu überreden, den doch ihr Mann gemacht hat; irgendwie mußte man doch Papendiecks Haus öffnen fönnen, um seinen toten Besitzer hineinzutragen. Nun ist Schmizer zur Bahn gegangen, in einer Stunde kann Lene Papendied zurück sein: dann muß Anna fertig sein mit der Arbeit, die sie sich vorgenommen hat. Sie schließt hastig auf und steht in der Diele. Vor ihr am Boden liegt ein weißes Tuch; Erhöhungen und Falten verraten, daß etwas darunter ist. Nun bieibt sie doch stehen: etwas? das ist ja Friedrich Papendied; sie erschrict, so schwer erscheint ihr plöglich die Aufgabe, und sie versteckt vor ihr die Hände unter der Schürze. Aber lange zögert sie nicht. Friedrich Papendied soll hier begraben werden, hier, wo er gearbeitet hat und ge= fcheitert ist das findet sie schön und richtig, und eine Leichenwäscherin gibts erst in der Kreisstadt, und Lenes Ausgaben werden so schon groß genug sein, und dieser Tote ist im Leben ihr Feind gewesen, und eben deshalb. Und sie tritt, auf den Zehen unwillkürlich, zu dem Tuch hin und beginnt es langsam abzuheben. Aber schnell läßt sie | Stadtv. Frau Todenhagen( Soz.) fertigte den kommunistischen Redner treffend ab. Sie stellte nämlich fest, daß nicht der Sozialdemokrat Lange, sondern der frühere Kämmerer Dr. Lange, der der demokratischen Partei angehörte, an hätte auch Herr Wisnewski wissen müssen! zur Sache selbst bedem Presseball teilnahm.( Lebhaftes hört, hört bei den Soz.) Das dauerte Genoffin Todenhagen, daß bei der Fürsorge für die Wohlfahrtsunterstüßungsempfänger nicht so mitgearbeitet werde, wie im Plenum vor der Deffentlichkeit geredet werde. Bei den vorliegenden fozialdemokratischen Anträgen handele es sich nicht um Erwerbslose, wie Wisnewsti ständig behauptete, sondern um Wohlfahrtsbetreute, " die nach Säßen unterstützt werden, die in Deutschland einzig dastehen. Genossin Todenhagen verbreitete sich dann eingehend über den Begriff Richtfäße" und Inderziffer. Die Sozialdemokraten verlangten die Aufgabe der Errechnung der Unterstützungsfäße nach den gleitenden Richtfähen" und die Anwendung der Fürsorgepflichtnerordnung, die günstigere Säge zulasse. Die Kommunisten hätten es allerdings im Haushaltausschus fertig bekommen, für die ständig sich ändernden gleitenden Richtfäße zu stimmen. Das ist eine Art von Wohlfahrtsfürsorge, die nicht nur den einen fiefen Mangel an Sachkenntnis zeigt, sondern auch das Gegenteil von Fürsorge ist. In der Abstimmung wurde zunächst beschlossen, Magistrat zu ersuchen, alsbald 400 000 m. für Wohlfahrtsunterflühungen bereitzustellen und für März und April je ein Zwölftel der Summe auszuweisen. Der sozialdemokratische Antrag wegen der Prüfung des Unterstützungsermittlungsverfahrens wurde ebenfalls angenommen. Da, wie bereits bemerkt, die Kommunisten es wieder fallen; sie hat bei den Füßen angefangen; die beiden toten Füße, die noch in den beschmutzten Schuhen stecken, find so sinnlos und erschrecken sie. Nun hebt sie das Tuch von seinem Gesicht, hält erst eine Weile inne und sieht hinein, ob es noch immer Papendiecks Gesicht ist: ja, er ist es noch; im Winter, wenn nichts wächst, west auch nichts; da zieht sie das Laken vollends hinunter und wundert sich, daß tote Füße sinnloser und schrecklicher sein können als ein totes Gesicht. Sie hebt seinen Oberkörper, um ihm die Jacke auszuziehen; das gelingt nicht gleich, und es strengt sie sehr an; in ihre flache Brust quält der Atem sich pfeifend ein und fährt in einem Hüfteln wieder aus. Auch entsetzt es sie wieder, daß feine beiden Hände schwer auf die Diele schlagen, als seien sie abgefallen; sie läßt ihn los und muß von vorn beginnen. tut Als sie ihm dann die Schuhe von den Füßen streift, verliert sie jede Scheu. Sie ist nichts als das Weib, das dem Mann die Stiefel auszieht, wenn er von weiten Wegen oder von schwerer Arbeit kommt und müde ist; früher hat sie ihrem Vater allabendlich die kleine Güte erwiesen, und vorgestern ihrem Mann, und heute Papendied. Alles andere ist nun nur Fortführung des Liebesdienstes, die sie fast gedankenlos und plöglich ist sie soweit, daß sie zum Brunnen gehen und Wasser holen kann. Während sie ein Tuch in den Eimer taucht und es sorgsam über sein Gesicht führt, findet sie Lenes buschige Augenbrauen bei ihrem Vater vorgezeichnet; da denkt sie daran, daß Lenes Gesundheit und Geradheit bisher ihren Haß erregt hat, und prüft genau und findet, daß dieser Haß weg ist; noch nicht lange, wohl seit gestern erst, seit der Flucht Pauls zu ihr. Sie lächelt schön. Es rührt sie, daß man alle Rippen fantig heraushafen sieht aus Papendiecks trockener, grobporiger Haut, daß der Körper dieses fräftigen Menschen genau so ausgemergelt ist wie der ihre in seiner Schwäche, und nun fürchtet sie sich wieder vor der düsteren Zukunft auf Stubbenland, der dieser hier entflohen war. Und doch hat gerade er ein bißchen Platz geschaffen für ein fleines Glück, das für einen so winzigen, so verwachsenen Menschen wie sie doch groß und hoch genug ist. Als sie ihm das Hemd überstreifen will, fällt ihr ganz von ferne ein, daß dies der zweite Mann in ihrem Leben ist, den sie nackt sieht. Sie hält inne und fühlt unklar, daß in dieser Tatsache Reichtum und Armut ihres Seins beschlossen sind, und daß dies Schuld oder Verdienst ihres Buckels ist. Und sie empfindet diesen Buckel zum ersten Male ohne Haz. ( Fortsetzung folgt.) für die gleitenden Richtfähe einfraten, so wurde der sozialdemofratische Antrag auf Beibehaltung fester Richtsäke abgelehnt. Die Kommunisten waren also dafür, daß die Wohlfahrtsunterstützungen abgebaut werden können, fobald der gleitende Richtfah eine finkende Tendenz aufweist. Das ist kommunistische Wohlfahrtsfürsorge. Eine ganze Reihe Grundstücksvorlagen wurden ohne Debatte verabschiedet. Bei der Vorlage über die vorläufige Regelung der Haushaltswirtschaft für 1931 beantragte die sozialdemokratische Fraktion, schon jetzt Mittel für die laufende Unterhaltung der Schulen auszuweisen, damit in den Ferien Ausbesserungsarbeiten ausgeführt werden können. Der Antrag wurde nach kurzer Begründung durch Stadtv. Faust( S03.) ange: nommen. Reichsbannerkameraden! parteinachrichten für Groß- Berlin Berlin 6 68, Sindenstraße 3, Die gestrige Bekanntmachung über unsere Beteiligung bei infenbungen für diese Rubrik find der Trauerfeier unseres Kameraden Hermann Müller wird hierdurch ergänzt, bzw. wiederholt:: Pflichtbeteiligung für alle Kameraden! 1. Trauergefolge: 16 Uhr Antreten auf dem Hofe des Vorwärts" Eingang Alte Jakobstraße. Für Spielleute und Musiker aller Ortsvereine sämtliche Fahnen und Jugendwimpel, Jungbanner u. Sanitäter. Stafo und Schufo Antreten 16 Uhr außerhalb d. Hofes am MetallDie Stadtverordneten hielten dann noch eine nichtöffentliche arbeiterverbandshaus. Sigung ab. An Stelle der sozialdemokratischen Stadtverordneten Frau Dr. Frankenthal( Soz.) ist Genosse Hennig aus dem Bezirk Tiergarten in die Versammlung eingetreten. Einige Dringlichkeits: anträge der Kommunisten und der Nationalsozialisten konnten nicht verhandelt werden, da gegen die beantragte Dringlichkeit Widerspruch erhoben wurde. Besondere Sorge hatten die Nazis, weil einige Ausgänge der Untergrundbahn am Aleranderplay vor die Warenhäuser Tiez und Wertheim gelegt werden. Sie können allerdings gar nicht anders gebaut werden, aber die Nazis sehen darin eine besondere Bevorzugung" der Warenhäuser! " Die Sizung am morgigen Donnerstag beginnt wegen der Beisehung Hermann Müllers erst um 18 Uhr. Gegen Faschismus. Doppelfundgebung im Berliner Wedding. 2. Spalierbildung: Alle anderen Kameraden, die nicht um 16 Uhr antreten können, sammeln sich kreisweise 18,30 Uhr Ruheplatzstraße, Spitze Gerichtstraße. Anzug: Vorschriftsmäßige Bundeskleidung, Kniehose und Koppel, Schulterriemen und schwarze Krawatte. Fahnen und Wimpel mit Trauerflor. Die Antrittsplätze sind mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Geschlossener Rückmarsch findet nicht statt. Demonstrationsverbot beachten! Vorstehende Answeisungen gelten für alle Kameraden. Sonderanweisungen ergehen nicht. Achtung Spielleute! Mittwoch, den 25. März, 20 Uhr, im Hackeschen Hof, Rosenthaler Straße 40-41, gemeinsame Uebung der Spielleute aller Ortsvereine. Der Gauvorstand I. A.: Neidhardt. In den beiden Affanfic- Sälen am Bahnhof Gesundbrunnen Röntgental- Mörder in Moskau sprachen in zwei großen Kundgebungen des Kreises Wedding der Sozialdemokratischen Partei die Genossen Kuttner und Stelling über das Thema„ Nationalsozialismus Boltsbetrug". Beide Redner gingen von den ungeheuerlichen Widersprüchen zwischen Programm und Versprechungen der Nationalsozialisten einerseits und ihren Taten andererseits aus. Jeder, auch der reaktionärsten Bevölkerungsschicht, versprechen sie die Erfüllung ihrer Wünsche, um eine Truppe im Dienste der großkapitalistischen Ausbeutung heranzuziehen. Ihre eigene Parteistellung wissen die Naziführer sehr geschickt finanziell auszubeuten, wobei sie vor Straftaten nicht zurückschrecken. Kein Wunder bei einer Partei, für die als Befähigungszeugnis zum Abgeordneten die Verurteilung wegen Mordes, wie beim Leutnant Heines, ausreicht. Diese Gesellschaft von der Macht fernzuhalten, war die dringendste und wichtigste Aufgabe der Sozialdemokratie, hinter der andere berechtigte Wünsche zurückstehen mußten. Darum war es auch richtig, die Regierung Brüning als fleineres lebel gegenüber einer bei ihrem Sturz zu erwartenden faschistischen Terrorregierung zu erhalten. Es mußte die Möglichkeit erhalten bleiben, auf demokratischem Wege die Machtverhältnisse fo zu ändern, daß in Zukunft Politik im Interesse der Arbeitenden gemacht werden kann. Diese Möglichkeit würde durch ein faschistisches Regime auf Jahrzehnte hinaus verschüttet werden. Der Beifall der Versammlungsbesucher zeigte die Uebereinstimmung mit den Wünschen der Arbeiterschaft, die den Wedding bewohnt. Feuerwehrauto gegen Polizeiauto. Bier Personen verletzt. Auf dem Hofe des Grundstücs& driftt. In Brig Hirze gestern ein Kind in den etwa vier bis fünt Meter tiefen Brunnenschacht. Von Hausbewohnern wurde die Feuerwehr alarmiert, die sofort mit einem Rettungswagen ausrückte. Auf der Fahrt zur Unfallstelle stieß das Feuerwehrfahrzeug an der Ecke der Grimmund Dieffenbachstraße mit einem Polizeiquto zusammen, wobei insgesamt vier Personen auf das Straßenpflaster geschleudert wurden. Ein 21jähriger Forstaspirant namens Keller mußte mit schweren Verletzungen ins Urban- Krankenhaus gebracht werden. Die andern drei konnten nach Anlegung von Notverbänden wieder entlaffen werden. Das abgestürzte Kind war inzwischen durch das Fahrzeug einer anderen Wache geborgen und ins Brizer Krankenhaus überführt worden. Es hatte glücklicherweise mur leichte Verletzungen erlitten. Städtische Decken für die Nazis? Eine Sache, die noch der Aufklärung bedarf. Gestern nachmittag hielt vor der Goebbelszentrale, Hedemannftraße, ein Kraftwagen, der mit Decken, die das Wappen der Stadt Berlin tragen, beladen war. Eine Streife der Schußpolizei, die von einer Passantin auf diesen seltsamen Umstand aufmerksam gemacht murde, fragte den Chauffeur, woher er die Decken habe und zu welchem Zwede sie bestimmt seien. Als der Krafiwagenführer darauf jede Auskunft verweigerte, forderten die Beamten ihn auf, zweds Legitimation und Prüfung der Angelegenheit mit zur Bache zu kommen. In diesem Augenblick öffnete sich das Tor des Hauses Hedemannstraße 10 und etwa hundert Nationalsozialisten fielen über die Beamten her und befreiten den Chauffeur, der die Flucht ergriff. Verstärkungen der Schuhpolizei beschlagnahmten dann den Kraftwagen mit der Ladung und nahmen einige der Täter fest. Die ganze Angelegenheit bedarf noch der Aufklärung und unterliegt jetzt der Prüfung der Polizeibehörde. Paul Dobert gestorben. Genosse Paul Dobert, seit Jahren Mitarbeiter des ,, Bormärts", ist Sonntag früh im Alter von 71 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalles erlegen. Auf dem Lande, an der mecklenburgischen Ostseeküste geboren, blieb Dobert unbeeinflußt durch die lange Zeit, in der er in der Reichshauptstadt Chefredakteur illustrierter Blätter war, Freund der Natur und der ländlichen Ungebundenheit. Seit langem bewohnte Dobert ein Häuschen in Nä ch st- Neuendorf bei Zossen, Kreis Teltow. Dort pflegte und hegte er seinen Garten, von dort wanderte er durch die Mart, zu deren hervorragendsten Rennern er gehörte. Unsere Leser werden sich der Sonntagsausflüge mit dem Straßenbahnfahrschein, die in den Sommern der letzten Jahre eine ständige Erscheinung unseres Blattes waren, entsinnen. Daneben aber gab er in Aufsägen, die mit historischen Erinnerungen gewürzt maren, Anregungen zu größeren Wanderungen in die Marf; unserer Rubrik Für den Kleingärtner" lieferte er wertvolle Beiträge. Darüber hinaus mar Dobert ein besonderer Berehrer und Kenner des größten märtischen Dichters Theodor Fontane, und seine Sammlung von Fontane- Erinnerungen verbiente Beachtung. Doberts Andenken wird bei uns in Ehren gehalten werden. Juristische Sprechstunde fällt am Donnerstag, dem Die 26. März, aus. Die Haupttäter sicher in Sowjetrußland. Die polizeilichen Ermittlungen zur Aufklärung der kommunistischen Bluttat in Röntgental, bei der am 17. Februar das Lotal Edelweiß beschoffen und eine Person getötet sowie zwei weitere verletzt wurden, haben eine sensationelle Wendung genommen. ftets en bas Bezirkssekretarias 2. Hof, 2 Treppen rechts, zu richten. Achtung, Abteilungsleiter! Die neuen Funktionärkarten für das Jahr 1931 können vom Bezirkssekretarial, Lindenstr. 3, 2. Hof, 2 Treppen, Zimmer 5, ab geholt werden. Abgabe nur an Genossen, die durch den Abteilungsleiter legimitiert sind. * Beginn aller Veranstaltungen 19% Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! Heute, Mittwoch, 25. März. 28. Mbt. Sablabende in allen Bezirken in den bekannten Lokalen. 35. Abt. Rahlabende. 8. Gruppe: Godenschwäger, Wallftr. 90. 9. Gruppe: Reimer, Wilmersdorfer Str. 21. 10. Gruppe: Röhrig, Schloßstraße. Die Mitgliederversammlung fällt heute aus. Distufianabend bei Ruppert. 83. Abt. 100. Abt. 111. Abt. 131. Abt. Bibliothek ist geöffnet heute von 20% bis 21 Uhr. Unser Weg" ist vom Genaffen Buchweis. Blücherstr. 17, abzuholen, Morgen, Donnerstag, 26. März. 4. Areis. Freie Schulgemeinde: Mitgliederversammlung Donnerstag in der Schule Danziger Str. 23 fällt wegen der Bestattungsfeier des Genoffen Miller aus. Der Vorstand. 118, bt. Abrechnung mit dem Kaffierer findet wegen der Einäscherung erst am Freitag, 27. März, 18% Uhr, bei Ludwig, statt. Freitag, 27. März. 12. Kreis. Der legte Abend des Rursus Goldstein:„ Sozialistische und bürger. liche Kultur 20 Uhr bei Schulz, Steglik. Birlbuschstr. 90. 14. Kreis. Die Kreisvertreterversammlung ist im 2okal Bergschloßhöhe, Karls. gartenftr. 6-11. Frauenveranstaltungen. 62. Abt. Heute, Mittwoch, 25. März, 20 Uhr, bei Marsand im Heidekrua": Die Friedensbestrebungen der Sozialdemokratie". Referent Bernhard Krüger. 73. Mat. Freitag, 27. März, 20 Uhr, im Deutschen Haus", Breite Straße: Das Rundschreiben des Bapstes". Referentin Gertrud Rudloff. 89. Abt. Der Besuch des Planetariums findet nicht, wie norgesehen, ant Donnerstag, 26., sondern am Freitag, 27. März, statt. Treffpunkt 15 Uhr U- Bahnhof Schönleinstraße.. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 13. Areis. Freitag, 27. März, 20 Uhr, im Rathaus, Dorfstr. 42, Gikungs aimmer 1. Referat:" Die Aufgaben des ehrenamtlichen Helfers. Referentin Genoffin Lotte Lemke. 20. Areis. Abteilungsleiter abholen bei der Genoffin Soffmann, Sermsdorf, Steinmesstr. 7, Freitag, 27. März, weitere Sendung. Arbeiter- Bildungsschule. Bon der politischen Polizei unter Leitung des Kriminal. kommissars Dr. Braschwih konnte sehr bald festgestellt werden, daß vier Täter, die der ,, Agitprop" angehörten, an dem Attentat beteiligt waren. Zwei Beteiligte, der 19jährige Willi Rettig und der 17jährige Alfred Schulz, wurden bereits acht Tage nach der Tat festgenommen. Nach ihrer kriminalpolizeilichen Vernehmung wurden sie dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Bei der Vernehmung ergab sich, daß beide bei Ausführung des hinterhältigen der Trauerfeier des Genossen Müller aus. Verbrechens ,, Schmiere" gestanden hatten. Die beiden Schützen, der 18jährige Rudolf Schiemann und der 17jährige Kurt Kuh= nert, dagegen blieben spurlos verschwunden. Alle Nach Karl Schröder über Aufgaben fozialistischer Bildungsarbeit in der Gegenwart". forschungen nach ihrem Verbleib verliefen ergebnislos. In den letzten Tagen ist es der Polizei gelungen, durch untrügliche Beweise zu ermitteln, daß sich die beiden Haupttäfer in Sowjetrußland befinden. Der Zentralfurfus Alexander Stein fällt am Donnerstag. 26. Mära, megen 5. Kreis Friedrichshain. Der Donnerstagkursus des Genoffen 3. B. Maner fällt aus. Nächster Abend wird befanntgegeben. Am Sonnabend. 28. Mära, 19% Uhr, Abschlußabend unserer Winterarbeit im Jugendheim Tilfiter Str. 4-5. Musikalische Darbietungen des Orchesters der SAJ. Vortrag des Genoffen 16. Kreis Köpenid. Der zum Donnerstag, 26. Mära, festgesette Kursusabend ( Dr. Gurland) fällt aus. Nächster Kurfusabend am 10. April. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß- Berlin. 10- Jahres- Feier. Die Singe und Sprechchorproben fallen wegen der Bes stattungsfeierlichkeiten für Sermann Müller am Donnerstag aus. Beide Proben finden am Montag, 30. März, am gleichen Ort und zu gleicher Zeit ftatt. Kinderfingekreis. Donnerstag, 26. März, 17 Uhr, in der Aula des Ober Bewegungschor. Freitag, 27. März, 20 Uhr, das legtemal in der Schuls Danaustraße, Neukölln, Brobe für die 10- Jahres- Feier. Von der Polizei murde eine Karte beschlagnahmt, die von Kuhnert aus Mostau an einen Bekannten in Berlin geridytet Kuhnert aus Mostau an einen Bekannten in Berlin gerichtet Inseums Neukölln, Berliner Strake, Brobe für die 10- Jahres- Feier. ist. Eine weitere Karte traf aus Chartom( Ukraine) in Berlin ein, die die Unterschrift des flüchtigen Schiemann trägt. SEJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Einsendungen für diese Rubrik nur an das Jusenbiefretariatdarb Berlin SW 68, Linbenfraße 3. Das Jugendsekretariat ist Donnerstag ab 14 Uhr geschlossen. Nachrichten für Jugendveranstaltungen milfsen bis 12 Uhr eingereicht fein. In Falfentracht treffen sich unsere Genoffinnen und Genossen Donnerstag, 16 Uhr, in der Lindenstraße, gegenüber dem Vorwärts- Gebäude, zur Teilnahme an der Trauerkundgebung. Achtung, Wanderleiter! Die geologische Wanderung findet am Sonntag. 29. März, ftatt. Treffpunkt' 8 Uhr Bhf. Grünau. Anträge auf Fahrpreisermäßigung für die Osterfahrt bei Benukung von Fernaügen müffen am Abgangsbahnhof( für Rüge über Stadtbahn Schlesischer Bahnhof bzw. Charlottenburg) bis spätestens 31. März gestellt werden. Heute, Mittwoch, 25. März, 19% Uhr. Hallesches Tor: Sprechcorprobe um 19% ihr Vordstr. 11, Jugendheim. Gesundbrunnen, Gesundbrunnen II: Christianiaftr. 38: Jugendgerichtshilfe". Areis Friedrichshain. Donnerstag fällt der Turnabend aus, dafür beteiligen fich alle am Singetreis. Treffen 16 Uhr Rüstriner Blah.. Achtung, Ofter. fahrt! Falten, melde an der Fahrt teilnehmen wollen, erscheinen Freitag, 18 Uhr, Seim Frankfurter Allee 307. Fahrt vom 3. bis 6. April( 4 Tage) nach Bertenbrüd. Kosten 5,50 M. Gruppe Landsberger Plak: Ofterfahrt nach Bertenbrüd. Anmeldung fofort. Sonntag, 9 Uhr, Treffen Faltenede aupt Museumsbefuch). Gruppe Freiheitsdrang: Alle Teilnehmer an der Ofterfahrt erscheinen Freitag, 18 Uhr, im Gruppenheim Fabritosten nur 5,50 M.. Die Fahrt leitet euer Kreisleiter, Fahraeld tann. bort, bezahlt werden. Areis Kreuzberg. Gruppe Bergmannstraße: Achtung! Wir sind heute, Mitts woch, im Jugendheim Nordstr. 11. Bunter Abend. Kreis Neukölln. Morgen, Donnerstag, ist Jahresversammlung des Streifes um 20 Uhr im kleinen Gigungsfaal des Rathauses. Gruppe Falte: Seute, Mittwoch, um 20 Uhr, Elternversammlung in der Schule Herzbergplak. Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation 93. Abt. Am Sonnabend, 21. März, verftarb int Krankenhaus im 62. Lebens jahr unser treuer Freund und Rampfgenoffe Friedrich Reised, Schudomaſtr. 3-4. Seit drei Jahrzehnten stand er treu und fest zu unserer Fahne. Ehre seinem Andenken! Die Einäfcherung findet Donnerstag, 17½ Uhr, in Baumschulenmeg statt, Rege Beteiligung erwartet der Borstand. 96. Abt. Unser Genosse Richard Boa es ist verstorben. Ehre feinens Andenken! Einäscherung Donnerstag, 26. März, 16 Uhr, Krematorium Baum schulenweg. Wir bitten um rege Beteiligung. Die Stellung der Frau in der heutigen Geſellſchaft Raulsbert: bolt Vorträge, Vereine und Bersammlungen. R. F.: Gotenburger Str. 2: Bub und Mädel". Petersburger Biertel: Ebertystraße 12:„ Aus dem Fahrtenarchiv". Luisenstadt: Waffertorstr. 9: Selbst erziehung der Jugend". Lindenhof: Jugendheim Siedlung: med und Riele der SAJ." Tempelhof: Lichtenrabe: Noonstraße: Warum SAZ.?" Götzstraße:„ Rußlands Weg zur Diktatur". Friedrichsfelde: Gunterstr. 44: Adolfftraße 25:„ Sport und Gymnaſtit". Lichtenberg- Mitte: Scharnmeberstr. 29: ..Alte und neure Mufit". Mahlsdorf: Melanchthonstraße: Bolitisch- fatirischer Abend. Gewerkschaftshaus, Köllnischer Park, Zentzum: Köpenider Str. 125, Werkraum: Uebungsabend. Westen: Märzfeier der Partei im Nationalhef, Bülowstr. 53.- Tegel: Werbefeier im Restaurant Alten Krug", Hauptstraße, 20 Uhr. Unkostenbeitrag 30 Pf. GGG. Reukölln, Melterengruppe: 20 Uhr, Religiöser Gozialismus". Werbebezirk Kreuzberg: Alle Gruppen holen heute bis 19 Uhr Propagandamaterial vom Jugendsekretariat. ab. Werbebezirk Neukölln: Sprechstunde von 17% bis 19% Uhr Ganghoferstraße. Sprechchorprobe 19% Uhr Kanner Straße. Funkwinkel. ,, leber Mode läßt sich streiten" war das Thema einer Distusfion zwischen Peter Flamm und Marianne Schönfeld. Das Gespräch hätte ergiebig sein fönnen, wenn Peter Flamm dabei eine Partnerin gehabt hätte, die imftande gewesen wäre, etwas unter der Oberfläche zu schürfen. Peter Flamm versuchte ein paarmal, den Begriff Mode" gesellschaftsfritisch zu beleuchten. Er ist selber viel zu fünstlerisch eingestellt, um als fanatischer Puritaner gegen Mode und Moden grundsätzlich zu Felde zu ziehen; aber er wies wenigstens auf die unheilvolle Suggestions! raft hin, die das Wort„ Mode" auf sehr viele Frauen zur Freude erwerbstüchtiger Unternehmer ausübt. Leider war Marianne Schönfeld außerstande, das Gespräch anregend oder gar bereichernd zu beeinflussen. Sie begnügte sich damit, Blattheiten in dem altflugen, affettierten Sti! eines mondänen Modejournals zu schwägen. Die Frage:„ Ist Nervosität eine moderne Krankheit?" glaubt Dr. Ludwig Panet bejahen zu müssen, da keine Ueberlieferung aus älteren Zeiten jene Symptome beschreibt, die uns heute als Kennzeichen des Nervösen geläufig sind. Der Vortragende erklärt das Entstehen dieser Erkrankung aus der Unbefriedigung der Triebe, der Entstehen dieser Erkrankung aus der Unbefriedigung der Triebe, der förperlichen sowohl als auch der geistigen. Unser modernes Leben, die heutigen Arbeitsformen ,, vor allem der Arbeitsmangel, führen zu Berdrängungserscheinungen, die den Menschen einengen, per fümmern, nervös machen. Ausreichende Arbeitsmöglichkeiten für alle würden in erster Linie dazu beitragen, die Maffenertrantung ,, Nerpofttät“ einzubämmen; dann aber ist es nötig, usgleiche zu fchaffen, bie natürlichen Triebanlagen des Menschen nicht fünstlich zu ftauen, sondern ihnen die Möglichkeit zu einer finnnollen, zeitgemäßen Entwicklung zu bieten. Aus der Wiener Staatsoper wurde ,, Der Rosenkavalier" übertragen, die volkstümlichste Komposition von Richard Strauß und vielleicht seine einzige Oper, deren Musik einer Berbreitung durch den Rundfunk nicht widerstrebt. Der Empfang der schönen Sendung wurde durch Störungen faum getrübt. Tes. www „ Sturmvogel", Flugverband, der Werftätigen, e. B., Ortsgruppe Berlin. Moabit. Mitgliederversammlung am 27. März, 28 Uhr, im Restaurant Schmidt, Berlin NW. 21, Wiclefftr. 17. „ Socialista Esperanto Asocio", Grupo Berlin. Gruppenveranstaltungen Donnerstag und Freitag mit Thema: Tradukado el esperanta- lingvo." Geschäftsstelle: Adolf Sproeck, N 58. Choriner Str. 45. Sonntagswanderung fällt aus. Longfellow English Debating Club: Mittwoch, 20 Uhr, Zahnärztehaus, Bülowstraße 104. Guttmannsaal: The Hon. Mr. Raymond H. Geist, American Consul: ,, Readings from old English Literature." Wetteraussichten für Berlin: Wechselnd bewölkt, keine oder nur unbedeutende Niederschläge, weiterer Temperaturrückgang. Für Deutschland: Allgemein veränderlich, strichmeise auch nebelig, namentlich an den Nordseiten der Gebirge noch Niederschläge, auch im Süden des Reiches Abkühlung. Neue Wohnräume bei Gerson. Das Haus Gerson, Werderscher Markt, zeigt in einer mit viel Geschmack aufgebauten Ausstellung eine Reihe neuzeitlicher Wohnräume. Das wohnliche Moment im Sinne einer persönlichen Heimgestaltung tritt jetzt immer mehr in den Vordergrund, man ist von der allzustrengen Linie der Sachlichkeit abgekommen, ohne deswegen etwa unnötigem und unschönem Krimstrams das Wort zu reden Bei aller Schlichtheit der Einrichtung. ist jedem Raum Wärme und Behaglichkeit gegeben; hier durch eine helle, lustige Fensterdekoration, dort durch eine intime Wandbeleuc tung. Die Möbel aus deutscher Alteiche, kunstvoll gebeizt, daß es wie Majerung aussieht, aus englisch Walmuß, Schleiflack und Mahagoni, zeigen durchwegs breitausladende niedrige Form, sehr hübsch und weich wirken rohrgeflochtene Lehnen, die man nicht nur bei Stühlen, sondern auch bei Schränken und Betten findet. Wirkungsvoll und praktisch ein Schreibtisch, dessen Rückwand als Bücherbrett eingerichtet ist, dann Wandnischen, die durch fensterartige Eckschränke cder Kleinmöbelgarnituren gut ausgenutzt wurden. heute geht's los hei Sagenbed! Die Testen Rorbereitungen zur feftlichen Bremiere am brutigen Mittwochabend find beendet. Artiften und auch die Tiere aus dem Stellinger Tierpart find eingetroffen, in der Manege wird noch tüchtig geprobt. Seute abend um 84 Uhr muß alles fit" fein. Dem Besucher mind ein glänzendes circenfisches Brogramm geboten werden, wie es in GrokBerlin in diefer Sufammenstellung mohl noch nicht geboten wurde. Bor allent hat die Direktion Carl Sagenbed den pielen Binfchen des Bublifums enta fprochen, dak endlich mal mieber atähtiges ferbematerial in dez Manage fehen wollte. weit über 120 ferde marten schon ungebuig in den Stallungen auf den Auftritt. Um 7% Uhr beginnt der Einlas in das große Biermafterzelt. Ab morgen, Donnerstag, täglich 2 Borfteffungen, 3½ Uhr nadmittags und 8 Uhr abend. Zu den Nachmittagsvorstellungen sahlen Rinder und ermachsene auf allen Blägen nur halbe Breife bei ungetürztem Abendprogramm. Die riesige Tierschau mit den feltensten Tieren der Erde ist ab Donnerstag, 10 Uhr täglich, geöffnet. Eintritt 30 Pf., Kinder 20 Bf. Schenkervertrag und Osthilfe. Heute Schlußabstimmung über den Reichshaushalt. Die dritte Beratung des Reichshaushalts im Reichstag am gestrigen Dienstag wurde fast ganz von den Kommunisten bestritten. Beim Reichsarbeitsministerium verwies Abg. Lipinski( Soz.) auf die umfangreichen Arbeiten des Reichstages zur Linderung der Wohnungsnot, aber auch auf die Folgen der Wirtschaftskrise, die den Wohnungsbau furchtbar beeinträchtigen. Der Bau großer Wohnungen hatte zur Folge, daß die Miete in der Krise nicht mehr im Einklang mit dem Einkommen der Mieter steht. Dazu treten Lohnjenkungen, Arbeitszeitverkürzung und damit weitere Einkommens verminderung, so daß viele Menschen audy fleinere Neubauwohnungen nicht mehr mieten fönnen. Eine Senkung der Mieten fönnte nur erreicht werden durch Beschränkung des Großwohnungs baues und wenn neben Hauszinssteuermitteln noch Anleihemittel da wären. Der Weg, den die Notverordnung dazu geben will, ist falsch.( zurufe der Kommunisten: Ihr habt ihr zugestimmt!) Die Mehrheit des Hauses erklärte, daß die Notrerordnung nur im ganzen angenommen oder abgelehnt werden könne. Es blieb uns daher nur übrig, zu den einzelnen Gesezen, die durch die Notverordnung geändert worden sind, gleichfalls Aenderungen zu beantragen. In der zweiten Lefung des Etats ist unser Antrag angenommen worden, daß mehr Mittel für den Wohnungsbau bereitgestellt werden müssen. Besonders nachteilig ist die Kürzung der Hauszinssteuermittel, meil damit auch proportional der Anteil des Wohnungsbaufapitols gefürzt wird. Es besteht die Gefahr, daß der Wohnungsbau in Diesem Jahre überhaupt zum Erliegen kommt. Solange nicht ein Weg gefunden wird, die Finanznot der Gemeinden zu mildern, folange ihnen nicht Steuerquellen erschlossen werden, die die Hauszinssteuermittel wieder freimachen, fönnen wir den Wohnungsbau nicht finanzieren. Die Kommunisten beantragen, 400 Millionen für den Wohmungsbeu zu vermenden, aber sie sagen nicht, woher man sie nehmen sell.( Hört! hört!) Leute, die vor zwei Jahren noch 70 Mart in der Woche verdient haben, jetzt aber 35 bis 40 Mark, fönnen eine Monatsmiete von 70 Mart nicht mehr tragen. Die Neubaumieten müßte man durch Zinslosigkeit der Hauszinssteuermittel fenfen. Biele Kleinsiedler stehen vor der Gefahr des Konkurses; diese Gefahr muß beseitigt werden. Dazu ist eine Revision des Wohn- und Mietrechtes oder wenigstens ein Notrecht erforderlich. Der fommunistische Borredner hat über die hohe Zahl der Räumungsflagen gesprochen. In Wurzen hat ein fommunistischer Siedlungsleiter nicht weniger als 22 Räumungsflogen eingereicht, und erst nach dem 8. Termin sie zurückgezogen. Wenn man ein folches Doppelspiel treibt, hat man tein Recht, sich als Retter der Mieter aufzuspielen.( Sehr wahr!) Wir sind hier immer für die Mieter eingetreten. Wir hatten hier immer gegen eine Mehrheit zu kämpfen, die die freie Wohnungswirtschaft anstrebt. Soweit es die Machtmittel gestatteten, haben wir alles getan, was möglich mar.( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Zu den meisten Haushalten wird das Wort nicht verlangt, mehrere Haushalte und alle Abstimmungen werden auf heute pertagt. Das internationale Abkommen zum Schutz des menschlichen Lebens auf See wird angenommen, ebenso das Gesetz gegen Waffenmißbrauch in der zweiten Lesung. Es folgt der Bertrag der Reichbahn mit der Speditions: firma Echenker. 98 Der Abg. Chmalet( Komm.) verweist auf den Widerspruch zwischen den Angaben der Reichsbahnhauptverwaltung und des Verkehrsministers, über dessen Unterrichtung von diesem Vertrag. Minister hat den Reichstag belogen( Ordnungsruf), als er behauptete, erft hier von dem Vertrag erfahren zu haben. Abg. Schumann- Frankfurt( Soz.): Hier steht Behauptung gegen Behauptung. Leider ist der Vertehrsminister nicht anwesend, um der Deffentlichkeit die verlangte Klarheit zu geben. Hier gestellte Anträge behaupten, daß der Schenker- Vertrag die Entlassung von 150 000 Mann nach sich ziehe und bereits Kündigungen erfolgt seien. Das find lebertreibungen. Es scheint sich um sogenannte vorsorgliche Kündigungen zu handeln. Das deutsche Speditionsgewerbe ist außerordentlich stark übersetzt, und daher stammen die Mißstände. Die Rollfuhrgebühren sind unhaltbar buntscheckig, von weniger als 50 Pf. bis über 3 Mart. Diese Deutscher Metallarbeiter- Verband Freitag, den 27. März, nachmittags 2 Uhr, bei 3ander, Caufiher Straße 25 Arbeitslosen- Versammlung aller Gürtler, Monteure, Kronenschlosser u. Klempner, Montiererinnen und Bronziererinnen Tagesordnung: 1. Branchenangelegenheiten. 2. Berschiedenes. Zahlreiches Erscheinen wird erwartet. Die Ortsverwaltung. Danksagung Allen Freunden und Bekannten sowie dem Boiftand und Angestellten Der Konsum- Genoffenschaft und den Kollegen der 93. Abgabeftelle und der 22. Abteilung der SPD. sprechen mir fir die herzliche Teilnahme bei der Trauerfeier unserer lieben Tochter, Schwester und Schwägerin Gertrud Wehnert unseren herzlichen Dant aus. Familie Paul Wehnert und Familie Alfred Kind und andere Mißstände haben die Reichsbahn zu ihrem Entschluß gebracht, den Schenker- Bertrag abzuschließen. Die Zustände im Frachtverkehr haben alle Bemühungen der Organisation zum Scheitern gebracht. Wir begrüßen den Versuch, hier Ordnung zu schaffen. Schon vor Jahren habe ich den Spediteuren geraten, einen vernünftigen Vertrag mit der Reichsbahn zu schließen: freilich vergebens. Bei diesem Vertragsabschluß allerdings war die Reichsbahn von allen guten Geistern verlassen. Niemand wird ihr verdenken. daß sie sich gegen die Konkurrenz des Autofrachtverkehrs schützen will. Aber sie hat nicht rechtzeitig die Abgrenzungsmöglichkeiten mit dem Ministerium durchgesprochen, und dann hat sie mit einer Firma die Regelung getroffen und alle anderen Firmen zu Heloten herabdrücken wollen. Bon der Gütermenge, die an- und abgerollt wird, befördern die Spediteure nur 25 Proz., während 75 Proz. von den Absendern oder Empfängern direkt befördert werden. Nun will die Reichsbahn einen größeren Teil der Güter der Bahnspedition zuführen. Gelingt das, so treten überhaupt feine Ent. lassungen ein. Das Reichsjustizministerium hat im Ausschuß erklärt, daß die Reichsbahngesellschaft nicht das Recht zu diesem Bertrags: Oeffentliche Frauenversammlung 109. Abt. Friedrichshagen. Heute, Mittwoch, 25. März, 20 Uhr, im Restaurant Stadttheater am Marktplatz. Der Kampf um den§ 218." Referent: Oberregierungsrat Genosse Dr. med. Goldmann. ebfchluß gehabt hat. Wir stimmen für den Ausschußantrag, der Anrufung des Reichsbahngerichtes fordert. Nachdem auch Abg. Mollath( Wirtschp.) Aufklärung des Widerspruchs verlangt hatte, antwortete Reichsverkehrsminister v. Guérard: Ich stelle nochmals fest, daß ich vor der Mitteilung durch den Abg. Molloth von dem Schenfervertrag feine Kenntnis hatte. ( hört! hört!) Bei der Bedeutung dieses Vertrages habe ich selbstver ständlich mit der Reichsbahnverwaltung darüber verhandelt, und heute beschäftigt sich der Verwaltungsrat der Reichsbahn mit dem Bertrag. Sobald diese vertraulichen Berhandlungen erledigt sind, wird die Reichsregierung dazu Stellung nehmen und ihre Stellung nahme der Deffentlichkeit mitteilen. Wenn ich an den Berhandlungen des Verkehrsausschusses nicht teilnahm, so war das nur auf ein bedauerliches Mißverständnis zurückzuführen. Ich stehe nach wie vor auf den schon am 19. Februar von mir vertretenen Standpunkt, daß der Bertrag der Zustimmung der Reichsregierung bedarf, um gelfen zu können. Das ist auch die Meinung des ganzen Reichsfabinetts. Die Osthilfe. Es folgt die zweite Beratung des Osthilfegesetzes und der damit verbundenen Vorlagen zur Förderung der landwirtschaftlichen Siedlung und zur Abwicklung der Aufbringungsumlage und zur Neugestaltung der Bank für deutsche Industrieobligationen, Berichterstatter ist Abg. Stelling( S03.). Minifter Treviranus: Es ist beabsichtigt, den jezigen Geltungsbereich der Hüfsmaß nahmen möglichst umfangreich auszubehnen, sobald die Erleichterung der Finanzlage des Reichs die Möglichkeit hierzu eröffnet. Eine Gewähr, daß von dieser Möglichkeit schon im nächsten Jahr auf weiten Gebieten Gebrauch gemacht wird, kann ich jedoch nicht überHilfe durch allgemeine Lastensenkung eingehend geprüft, fic aber ver nehmen. Die Regierung hat die zahlreichen Pläne zur wirksamen werfen müssen. Die Regierung hat deshalb an der Kredithilfe durch Darlehen mit planmäßiger Entschuldung festgehalten. Troh ichwerer berechtigter Bedenken hat sich die Reichsregierung entschlossen, auf die Einnahmen aus der Industrieausbringungsumlage für die nächsten Jahre im Reichshaushalt zu verzichten. Dadurch ist die Möglichkeit gegeben, der Industriebant ein Zwedvermögen von 50 Millionen Mark zur Ablösung der landwirtschaftlichen Personalschulden in den östlichen Gebieten zur Berfügung zu stellen. Darüber hinaus sollten 200 millionen Mark durch Schuldverschreibungen der Industriebant im Laufe der Jahre angeschafft werden. Kleine Anzeigen wirkungsvoll und billig Überschrittswert 25 Pf., Textwort 12 Pt./ Wiederholungsrabatt: 10 mal 5%, 20 mel oder 1000 Worte Abschluß 10%. 2000 Werte 15%, 4000 Werte 20% Stellengesuche: Uberschriftswort 15 Pf., Textwort 10 Pt. Annahme durch den Verleg, Lindenstr. 3( 49 bis 5 Uhr, und sämtliche Vorwärts Fillelen u. Ausgebestellen Verkäufe Teppichhaus Emil Lefevre, Berlin, feit 49 Jahren nur Oranienftraße 158.. Rahaus foftenMusikInstrumente Linkpianos, Fahrräder Laternen Kochherbe! ciferne, Gas, Rohle lungserleichterung Mietpianos über, 2,20, Schläuche 1,20, ieber Art, Bade- ohne Aufschlag. Spe einrichtung, Teil- laltatalog zahlung, Basch frei. 1000 Teppiche. teffel, Defen aller Art. Die alte Spe- 5000 Meter Läufer Bianos sialfabrik Semmler in Cocos, Boucle, Riefenlager, 1. Blenberg A.-G., Belour. Bettvor- ftein, 1.50, Fahrraddeden preiswert. Bedalen 1,50, Bor berräder 8,50. Vianofabrit Lint, Brunnenstraße 35. 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Die Reichsregierung muß diese Opfer fordern, weil Siechtum des Ostens das Sterben des Ganzen im Gefolge hat. Abg. Stelling( Soz.): Wir haben bereits im vorigen Reichstag erklärt, daß wir uns die Osthilfe anders vorstellen. Auch wir halten es für dringend notmendig, durch Bereitstellung ausreichender Mittel das Wirtschaftsleben im Osten zu fördern, aber nicht eine einzelne Wirtschaftsschicht, sondern die ganze Wirtschaft. Wir meinen nicht, daß die Notlage im Osten größer als andersmo, und daß sie auf die Grenzziehung zurückzuführen sei. Gemiß leiden viele Menschen in Dsten bittere Not, aber nicht nur Landwirte, sondern auch Gewerbetreibende, Handmerfer und Arbeiter. Der Wirtschaft im Osten sind die Absatzgebiete genommen. Die polnische Industrie versucht, sich selbständig zu machen. Dadurch und durch den immer noch andauernden Zollfrieg wird der deutsche Osten schwer geschädigt. Die Landwirtschaft allerdings versteht es besonders qul, durch fräftiges Schreien die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, und auch durch Bombenwerfen, Boykott ufw. Regierungshilfe zu erwerben. Niederträchtig ist aber die Behauptung, daß für den Osten nichts geschehen fei. Preußen hat an Hilfe geleistet, mas mur möglich war. Rechtsblätter haben als Beweis sozialdemokratischer Feindlichkeit gegen den Osten einen Antrag angeführt, monach ganz Pommern in die Osthilfe einbezogen werden solle; diesen Antrag hat aber Herr Moldenhauer gestellt!( Sört! hört!) Dann wird behauptet, Braun und Severing wollten Bommern dafür bestrafen, daß der den fommissarischen Regierungspräsidenten Brovinziallandtag Dr. Simons nicht bestätigt hat. Eine solche Kampfesweise braucht bloß niedriger gehängt zu werden.( Sehr wahr! links.) Kenner der Berhältnisse haben der Landwirtschaft oft genug geraten, nicht immer Staatshilfe zu verlangen, sondern sich durch moderne Betriebsumstellung selbst zu helfen. Industrie und Gewerbe sind auch nicht besser daran, aber moher sollte der Staat die Mittel nehmen, um auch ihnen zu helfen? Jedenfalls wird man nach den Vorkommnissen bei der Ostpreußenhilfe jeden Einzelfall scharf prüfen müssen. Wir begrüßen die Vorschrift, daß u. 11. Siedlungsland abgetreten werden muß. Dabei muß verhütet werden, daß wiederum Siedlungsland zu teuer gekauft wird, so daß dann die Berzinsung nicht aufgebracht werden kann. Eine solche Siedlungsweise, bei der die ganze Familie bis in die späte Nacht angestrengt arbeiten muß, ist zu vermeiden, denn auf diese Art schafft man nicht siedlungs= freudige und zufriedene Menschen. Mit der Konfession hat das gar nichts zu tun, es fommt auf die Leistungsfähigkeit und den Leistungswillen an. Da die Mittel für die Osthilfe durch die Industrieumlage aufgebracht werden sollen, wird von einem Opfer der Industrie gesprochen. Aber es handelt sich in Wahrheit um die Steuer, die der Dawes Plan eingeführt hat. Die Gläubigermächte haben im Young- plan diese Steuer nicht aufrecht erhalten, sie ist aber bestehen geblieben und wird nun zu einem Teil für innere Zwecke des Reiches verwendet. Bei all unseren Bedenken wollen wir das Gefes doch nicht ab= lehnen. Mit Ausnahme einiger Bestimmungen werden wir daber der Vorlage zuftimmen.( Lebhafter Beifall der Sozialdemokraten.) Ostpreußen und findet es ganz unerfindlich, wie der offizielle VerAbg. Hönnekes( 3.) schildert die besondere Notlage im isolierten treter Ostpreußens( s. Ganl) im Reichsrat sich beim Osthilfegejes der Stimme enthalten konnte.( Lebhafte Zustimmung im Zentrum.) Abg. Dr. Pfleger( Baner. Vp.) wünscht Zusammenwirken aller Länder an der Osthilfe. Es sollen nicht nur Berliner an der Ausführung mitwirken. Schließlich fordert der Redner von der Regierung unter Hinweis auf gedrucktes und Lichtbildmaterial aus dem Banerischen Wald Reichshilfe für dieses Notgebiet. Reichsminister Treviranus polemijiert gegen den Hugenberg- Plan zur Osthilfe. Auf einen Zuruf des Kommunisten Jaddasch: ,, Was ist mit der halben Million für Graf Braschma?" antwortet der Minister, daß nicht einzelnen, sondern dem gesamten Osten geholfen werde.- Kein Sachverstän biger hat sich für den Hugenberg- Plan ausgesprochen, außer der Parteikritik hat sich niemand darum gefümmert und es scheint, daß der Auszug aus diesem Hause veranstaltet wurde, um nicht sagen zu müssen, woher man die 400 Millionen dieses Blans decken will. Abg. Schütz( Komm.): Die Sterblichkeit in Ostpreußen beträgt 11,8 gegen 9 Broz. im übrigen Preußen. Das ist die Folge ostpreußischer Landarbeiterbehandlung und dortigen Kleinbauernelends. Nach 19 1hr vertagt das Haus die Weiterberatung auf heute, 12 Uhr; außerdem Schluß der Haushaltsberatung mit Abstimmungen, Bollermächtigungsgesetz. Juins Mittworf für 2016 Kind Braun Rindbox Spangen solide Verarbeitung 31/35 6,25 27/30 550 DERSCHUHHOF Am Sonnabend, dem 21. März, verschied plötzlich infolge eines Herzschlages mein lieber Pflegesohn, unser lieber Bruder, Neffe, Vetter und Schwager Wilhelm Günther im 40. Lebensjahre. Im Namen der Hinterbliebenen Albertine Talman, geb. Röpert Berlin, Dircksenstr. 38 Die Einäscherung findet am Freitag, dem 27. März, 18 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt 75, Klubtische Straße 14. Schwechtenpians wundervoller 16,50. Riefenauswahl. Sahlungs erleichteruna, Unterricht staubfreie, ruhige 2age, felten schöne Fernficht. Liege- j miefe. Borzügliche Flügel 140 Baich. Am Bahnhof G. Verpflegung. Bolle Neuheuwohnung, Batentmatrogen Banfom, Görichstr.50 fundbrunnen, Saut Tension 45 Mart, 2 Simmer, fofort, Brimiffimo", emännische Brinat, je nach 2age bes 86,50, Batezlend Bioso, talbetten, uflege foule von B. Roffon Simmers. Brefpett Friedrichsfelde, Del. metrosen, Chae- fhmorses, ppliert, Berlin R. 20, Bad- gratis. Brijdstraße 17. 98qlter, 180, Seilaablung. ftraße 67. Tongues. 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Ich machte mit dem Kerl eine halsbrechertsche Fahrt über zweihundert Meilen. Sein Wagen schleuderte von einer Kurve in die andere, genau wie er am Steuer von einem Ertrem in das andere jagte. Siebzig Meilen fraß sein Motor in der Stunde. Dabei ging ihm die Zigarette nicht aus und brach unsere Diskussion nicht eine Sekunde ab. Die Geschwindigkeit seiner Sinne und sein rasendes Mundwerk waren in der Tat ein Gummiband von Angebot und Nachfrage. Er war die lebendige Verkörperung aller Radikalismen der Gegenwart in jeglicher Beziehung. Sein Salat von Meinungen reichte von der freien Liebe bis zu Lenin. ,, Warum streiken heute wieder 4000 Mann in Danville? Ich fenne den Besitzer persönlich. Er behandelt seine Leute wie die eigenen Kinder, und sie treten ihn nieder. leber den Haufen schießen aufhängen soll man das ganze Gesindel! Das ist meine Ueberzeugung, und der ganze anständige Süden denkt wie ich!" Gleich fuhr er fort: ,, Ich bin gespannt, was mein Mädel machen wird! Wir haben uns eine Woche nicht gesehen. Wir gehen morgen zum Fußballwettspiel. Hoffentlich wird es nicht regnen. Dufe gegen Carolina. Glauben Sie, daß Carolina es schaffen wird?" Ich war nahe daran, ihm eine vortreffliche Antwort zu geben. Aber ich sagte mir, Mensch, sei vernünftig. Du bist in Alexandria eingestiegen und du kommst mindestens heute noch bis Richmond. ,, Ich denke, Carolina wird sicher gewinnen. Duke hat zwar... aber..." Sie machte Kaffee, brachte Refs und Marmelade. Ich aß den letzten Keks und wischte mir immer wieder meinen Mund mit ihrer Serviette. ,, Sie haben große, schöne Augen!" ,, Das sagt jeder, wenn er sich bei mir satt gegessen hat." Dann saß sie auf meinem Schoß. Am nächsten Morgen Spazierfahrt im Lastwagen auf Trage stühlchen. Ich verlor Charlotte. In der Mainstreet riefen abends die Lautsprecher die Resultate des Sonntags:„ Colgate gegen Nym. 7: 6... Dufe gegen Carolina 0: 0." Aufleuchtende Bogenlampen schlugen Lichtbrücken von heute nach morgen in die schwarze Nacht. Wirbelnd strömten Licht und Zeit, Menschen und Stunden zusammen und auseinander. Ein junger Mensch fragte mich nach einem Nachtasyl. Komm mit! Ich bin auch dahin unterwegs." Er winkte eine Frau mit einem Kinde von der anderen Straßenfeite zu sich, und wir gingen zusammen zur Heilsarmee. Ehe wir in das Hinterhaus traten, blieb er vor einem Müllkasten stehen und trant eine Flasche leer. Bayrum stand darauf. Er warf die Flasche in den Müll. Der Aufnahmeraum. Name, Namen der Angehörigen und Adresse, wo geboren, mann, Beruf, wohin, welche Unterkunft in der vorhergehenden Nacht und dann unter die Brause. Der Baderaum. Das Wasser war noch nicht heiß und alle saßen schlafmüde und warteten. Es waren mehr als vierzig Leute, ein Dutzend von Berusslandstreichern, die anderen Arbeitslose, mutlos, verwildert und verzweifelt. Wie die Aktionäre von ihren Dividenden, so sprachen wir von Aussperrungen, Streifs, Arbeitslosigkeit und Meilen. Ich hörte einen Welteren erzählen: ,, Von Cansas City krabbelte ich weiter südwärts. Tag und Nacht. Wohin ich komme und gehe, überali ist es, als drehe ich mich im Kreise. Du gehst nach Westen und begegnest deinesgleichen, die von Osten kommen. Du gehst nach Süden, und sie kommen dir überall entgegen, die nach Norden streben. Es ist nirgendwo Stillstand. Ein Kettengang, von Schrecken und Angst getrieben." ,, Ich bin in weniger als einer Woche tausend Meilen weit von ,, Es tut mir leid, ich fann Sie nicht weiter mitnehmen, bester aller Arbeit abgetrieben, und jetzt bin ich soweit und vertaufe mich an die Armee" erwiderte ein Jüngerer. Freund!" ,, Sie wissen nicht? Ich spiele Halblinker in Duke!" Das war in Durham, Nordfarolina. Die Steilwände der Mainstreet sah ich hinauf. Leuchtende Läden, Nationalbant, Universität. Die Annoncenaushänge der Zeitungen und die Arbeitslosensammelstellen. Wie fämpfende Ameisen haufen um ein zerflossenes Zuckerstück, so drängten sich die Haufen um die winzigen Spalten. Ich wanderte die erste, zweite, dritte, vierte Avenue bis zur zehnten und weiter hinauf und wieder hinab bis in die Nacht. An einer Ede blieb ich vor Greta Garbos Film„ Geheimnisvolle Frau" stehen, als ein Mädchen mich ansprach. ,, Wollen wir ins Kino?" ,, Nein, ich bin arbeitslos!"... ein schönes Gesicht. ,, Sie? Arbeitslos?" Ja, und ich suche ein Quartier für die Nacht!" Eine Stunde später lag ich bereits darin. ,, Wo fommen Sie denn her?" ,, Du willst in die Armee?" rief der dürre Kerl, der auf der Treppe saß. Ich war Soldat, 17 in Frankreich, 18 in Sibirien, 25 in China! Elf Jahre habe ich Gas geschluckt und Blut gespuckt, wohin ich fam. Hier!" er zog sein Hemd herunter und machte seinen Körper bis zum Hintern frei, hier oben zwischen die Schultern jagte das Sprengstüd herein und jetzt ist es mit mir gewandert von Norden nach Süden, von Westen nach Osten. Hier, sieh her, wo es jetzt sitzt!" Er machte sein Hinterteil völlig frei und zeigte eine Geschwulst, groß wie ein Eßlöffel. ,, Siehst du, es fitzt jetzt genau da, wo alles, was du frißt, heraus muß!" Schallendes Gelächter war die Antwort. ,, Daß ihr alle, die ihr darüber lacht, daran verreden sollt! Jeder von euch trägt sein Sprengstück im Leibe mit sich herum. Das New York!" Es ist etwas mert, arbeitslos von New Yort wandert und brennt solange von Norden nach Süden, von Westen 3u lommen. Ihre Wohnung war hochfein. Nicht gerade luxuriös, aber hoch, sehr hoch. Ich habe die Treppen nicht gezählt, weil ich zu müde und zu hungrig war. nach Often, bis es euch alle padt und euch zu einem einzigen, brennenden Sprengstück macht und... " ,, Das Bad ist fertig!" rief der Wärter und öffnete den Bade( Berechtigte Uebertragung von C. V. Hiesgen.) raum. Aufbau des Sowjettheaters Der proletarische Vormarsch an der Theaterfront im Sowjet staat vollzieht sich mit langsamer Zähigkeit. Nach Daten der großen Moskauer Fachzeitschrift„ Teatr" betrug der Anteil der proletarisch- bolschemistischen Dramatik am Gesamtspielplan der Moskauer Theater in der Zeit von 1919 bis 1927 nur 2,2 Prozent. Bon diesen 2,2 Prozent entfiel mindestens ein Viertel auf die Produktion des auch als Bühnenschriftsteller sehr betriebsamen früheren Bildungskommissars Lunaticharsti, dessen proletarische, Wiege in einer adligen Familie stand. Als einziger aus dem Arbeiter stande hervorgegangener Bühnenautor war bis 1927 nur BillBelozerkowski in Erscheinung getreten. Inzwischen hat sich das Bild nicht unwesentlich verändert. Der proletarische Anteil am Moskauer Spielplan stieg in der Spielzeit 1928/1929 auf etwa 10 Prozent. Neue Bühnenautoren proletarischer Herkunft und Prägung tauchten auf, wie z. B. die Arbeiter Kirschon, Kobez und Wagramow, die Rotarmisten Wischnewski und Kurdin, der Bauer Chodyrew und der in die Sowjetunion emigrierte indische Arbeiterrevolutionär Es: Chabib- Waf mit seinen beachtlichen Bühnentalentproben„ Bombay" und Blut". " Trotz dieses zissernmäßigen Fortschrittes, muß die Zeitschrift Teatr" zugeben, daß die Zahl der„ Ausschußware" in der Sowjetdramatik weit höher und daß es um die soziale Zusammensetzung der Dramatikerbelegschaft weit schlimmer bestellt sei, als in dem rückständigsten unter den rückständigen 3meigen der Sowjetindustrie". Doch schließlich entscheidet auch hier nicht die Quantität, sondern die Qualität, die bis 1928 nur bei den sogenannten Mitläufern des Sowjetregimes zu finden war; von diesen liberal- bürgerlichen Mitläufern hatten Katajem( Quadratur des Kreises"), Olescha( Die drei Didwänste"," Verschwörung der Gefühle") und Iwanow( Panzerzug"," Blockade") die nachhaltigsten Bühnenerfolge aufzuweisen. Die sowjetfremd eingestellte Autorengruppe, der hochbegabte Alexej Tolstoi, Andrej Bjely, M. Bulgatom, E. Gamjatin und andere, ist für die Bewertung dieser Entwicklungsvorgänge belanglos. In der vergangenen Saison hat sich nun eine gewiffe geistige Hegemonie eines proletarischen Autorentreifes auf den Brettern durchgesetzt. Entscheidend ist wiederum hier nicht die äußere Thematik als solche, sondern der Stil ihrer Wiedergabe auf der Bühne als Gesamtausdruck kommunistisch- proletarischer Sinnesart. In dieser Hinsicht hat jetzt sogar das widerspenstige Mostauer Künstler theater Stanislawftis mit seiner letzten Premiere, Brot" Don Kirschon, eine Schwentung ins Sowjetlager vollführt. Dies ist ein fünstlerischer Gärungsprozeß, den der Sowjetwörterschak Um bruch der Theater- Erbmasse" nennt. Diese ererbte Masse soll cben von Grund aus aufgewühlt und neu beadert werden. Die Sowjetunion befizt etwa 500 Theater( die vielen Arbeiter-, Bauern und Soldatentheater, Laienbühnen ufm. nicht mitgerechnet). | Diese 500 Theater werden durchschnittlich von etwa 50 Autoren beliefert, obwohl Hunderte von Unberufenen oder vielleicht auch Berufenen jährlich Tausende von Stücken einreichen. Die Klubtheater der Gewerkschaften und sonstigen Verbände zahlen keine Autorentantiemen, so daß für die angehenden Bühnendichter dieser Kreise der dauernde Ansporn fehlt und der Aufstieg zum allgemein anerkannten Sowjetdramatiker erschwert ist. In der Sowjetpresse murden seit geraumer Zeit Stimmen laut, die einen organisatorischen Zusammenschluß des proletarischen Theaters forderten. Dieser Verband sollte nicht nur die entsprechenden Berufstheater, sondern alle größeren Klub- und Dorfbühnen und als Zentralgruppe die Trams, die Theater der Arbeiterjugend, umfassen. Ein solches Sammelbecken perjucht jetzt die neugeschaffene Assoziation der Arbeitenden des Proletarischen Theaters"( ARPT.) zu sein. Der entscheidende Vorstoß fann natürlich auch hier nur von einzelnen überragenden Talenten ausgehen. Diese befruchtenden Talente werden noch gesucht. Man sucht sie mit der margiftisch rotleuchtenden Fadel bei Tag und bei Nacht. Aber wer weiß, viel leicht finden sich einmal unter dem Triebsand der dramatischen Massenproduktion einige waschechte Goldförner. Welche gewaltigen Reserven hier noch unverbraucht schlummern, zeigt der interessante Fall, daß bei einem jüngst von der Bauernzeitung Bednota" ausgeschriebenen Weitbewerb nicht weniger als 4000 Bühnerstücke, und zwar von wirklichen Bauerndichtern, eingesandt wurden! " Der rote Vormarsch schreitet vor. Der proletarische Grundton des Repertoires erweitert und befestigt sich. Von den rund 70 Mos tauer Erstaufführungen der Saison 1929/1930 galten 25 den Bühnen werfen proletarischer Autoren, also bereits 30 Prezent, deren Anteil am Gesamtspielplan ebenfalls start emporgeschnellt sein dürfte; entsprechende Ziffern für diesen letzten Zeitabschnitt liegen noch nicht vor. Erich Grifar: G. Sp. Großfladitragödie Dies ist in der Stadt passiert, in der ich lebe. Eine Stadt, die einige hunderttausend Einwohner hat. Jeden Tag werden neue Menschen geboren. Jeden Tag sterben Menschen, aber trotzdem, die Stadt wächst. Und der Raum für den einzelnen wird enger und enger in der großen Stadt, aber die Menschen werden sich fremder und fremder, je näher sie sich auf den Leib rücken. Wie fremd sie sich sind, das habe ich in diesen Tagen erfahren. Ein Mensch war gestorben. Ein alter Mann. Vor der Tür eines Hauses wurde er gefunden. Menschen liefen zusammen. Jemand erinnerte sich, daß im Nebenhause ein Arzt wohnt. Man trug den Toten herein zu dem Arzt. Der rief die Polizei an. Die schaffte den Toten fort. Nicht ohne die Menschen, die in dichten Haufen das Haus umlagerten, zu fragen, ob jemand den Alten kenne. Niemand kannte den Alten, niemand wußte seinen Namen. So wurde er fortgebracht. Am nächsten Tage kam eine Frau zur Polizei und meldete, daß ihr Mann seit gestern Abend fort sei. Daß er gegen 7 Uhr, just um die Zeit, als draußen der Auflauf gewesen sei, das Haus verlassen habe. Sie hätte noch gehofft, daß ihr Mann bei dem Auflauf sich aufgehalten, aber sie habe ihn nicht geschen. Er müsse wohl fortgegangen sein. Ob er öfter abends fort ginge. Ja, öfter, aber er fäme immer zur Zeit zurück. So lange sei er nie geblieben. Darum sei sie auch gekommen. Es könne ja sein, daß ihm etwas zugestoßen sei. Es passieren so viel Unglücke in der Stadt. Gestern abend noch sei ein Mann vor ihrem Hause zu Tode gekommen. Der Wachtmann schrieb alles auf. Und dann war es gut. Ein Er konnte paar Tage vergingen. Der Mann kam nicht wieder. nicht wieder kommen, weil er genau so lange, wie er verschwunden war, steif und tot auf der Pritsche der Totenhalle lag, denn er hatte in dem Augenblick einen Schlag bekommen, als er das eigene Haus verließ. Aber weil er ein stiller Mann war und es in den Häusern der großen Städte nicht Sitte ist, daß sich wer fümmert um den, der unter dem gleichen Dache sein Leben lebt, darum hatte niemand ihn gekannt. Und selbst die Frau des Toten, die, von dem Auflauf angelockt, aus ihrer Wohnung heruntergekommen war, um ihre Neugier zu befriedigen, hatte wie alle anderen teilnahmlos in dem Hausen gestanden, ohne zu wissen, daß der, der da im Mittelpunkt des Haufens lag, sie am allerehesten anging. Dies ist die Geschichte. Eine sehr nüchterne Geschichte. Ich fann nicht erzählen, wie sie mich ergriffen hat, als ich sie hörte. Daß wir Fremde sind in unseren großen Städten, das wußte ich immer. Aber ich wußte es nie wie jetzt. Willy Ley: Trunksüchtige Tiere In einem alten Druck, den ich einmal zufällig in die Hände be= fam, befindet sich ein ziemlich umfangreiches Gedicht, das den schlagfräftigen Titel„ Wider den Gauffteuffel:" führt und folgendermaßen anhebt: Ist es nicht eine große schandt, daß, sonderlich im Teutschenlandt, wir also fauffen in die Wett, wie wenn's Gott selbst gebotten hätt...? Daß mit diesem in die Wett sauffen" nicht gerade der Durst auf Limonade und Milch gemeint ist, dürfte wohl über jeden 3meifel erhaben sein. Etwas komisch berührt es jedoch den Sachkenner, wenn einige Dutzend Zeilen weiter behauptet wird, daß das unschuldige Tier solche Laster natürlich nicht fenne. Dos stimunt nämlich nicht, denn jedem, der einmal Sametterlinge oder Käfer ge= jammelt hat, fällt hierbei das ein, was man ,, Schmetterlingsfneipe" nennt. Ich habe ein Mustereṛemplar einer solchen Schmetterlingsfneipe por Jahren einmal am Beginn der Kurischen Nehrung gefunden. Es gibt dort eine Landstraße, die mit Birken bestanden ist. Eine alte Birke hatte durch einen Wagen eine tüchtige Bunde bekommen, und rings um diese Wunde saßen Schmetterlinge in ganzen Horden Trauermäntel, Segler und Admirale waren und konnten einfach neben Pfauenaugen die Hauptmissetäter nicht genug von dem hervorsidernden gärenden Sajte bekommen. Griff man in den Schwarm hinein, so ließen die meisten Falter fich gar nicht stören. Die relativ Nüchternen machten wohl einige Flugversuche, aber die sahen aus, als wehe ein furchtbarer Sturm, während es in Wirklichkeit ganz windstill war. In der Mart fand i bald darauf ein ähnliches Schauspiel; nur wären es hier Hirschläfer, die sich rudelweise bekneipten und sich zum Schluß in der obligaten Keilerei gegenseitig beträchtlichen Schaden zufügten. Geschichten von Elefanten in Zoologischen Gärten, die gelegentlich wegen Magenverstimmung mit Rum behandelt werden und dann ständig ,, trant" sind, kann jeder erfahrene Tierwärter erzählen. Studenten von früher haben mir auch versichert, ihre Hunde hätten die verschiedenen Biersorten unterschieden, und schworen gleichzeitig, mein Bedauern über die armen Tiere sei völlig unnötig und abwegig. Das alles wird jedoch von Tropentennern als harmlos bezeichnet gegenüber den Gelagen gewisser Gecko- Eidechsen auf den Marshall- Inseln im Stillen Ozean. Die Wirtshäuser sind hier nicht verwundete Bäume, sondern große Blüten, die einen alkoholischen Saft absondern. Was sich da unter den hübsch bunt gefärbten Eidechsen abspielt, soll einfach unbeschreiblich sein. Das berühmte Wort vom Branntwein, der um Mitternacht nicht schädlich sein soll, wird hier glänzend als Irrtum bewiesen; wenn man sich am Morgen dem Standorte solcher Blüten nähert, dann findet man nur noch ihre Reste vor. Die Blüten sind gründlich demoliert, zerrissen und zertrampelt, und überall liegen schwer berauschte und durch Beißereien oder Abstürze verletzte Eidechsen herum. In anderen heißen Gebieten fann man solche Gelage überall beobachten, wo bestimmte Palmen wachsen, aus denen der schönste Naturlikör fließt, so daß man nur einen Einschnitt zu machen und den Sammelbechher darunter zu hängen braucht. Schließlich aber lebt nicht nur der Mensch in Palmennähe. Auch Affen und Halbaffen sind dort, die sich wahrscheinlich aus übertriebener Furcht, den Inhalt der von einer Giftschlange gebissen zu werden??? Kürbisflaschen zu Gemüte ziehen und am nächsten Morgen für Hagenbeck ausgelesen werden können. In Indien befinden sich sogar Lippenbären unter dem Palmweinleibchen, und in Europa kann man mit Baumsaft nicht nur Schmetterlinge und Käfer, sondern auch Eichhörnchen fangen, wenn man Glück hat. Vom Specht hat sogar ein Naturforscher behauptet, er meißle sich mit seinem Schnabel künftliche Löcher zur Saftgewinnung in die Bäume, menn einmai feine natürlichen zu finden seien. Das ist vielleicht nicht allgemein Brauch bei allen Spechten; vorkommen wird es aber schon und wirft gerade fein günstiges Licht auf diese Vögel. Nun gibt es aber sogar ein Tier, dem der Alkohol ein noch zu schwaches Rauschgift ist. Ironie der Natur wäre es, wenn es in den ,, trodenen" Vereinigten Staaten vorkommen würde. Eo ironisch ist die Natur denn doch noch nicht; vielmehr lebt dies Tier in cinem Lande, dem man solche Ausschweisungen schon zutraut: in Sibirien. Es ist die sibirische Wurzelmaus, die sich ähnlich unserer Hamster große Borratskammern anlegt, in denen man häufig die Wurzeln des stark giftigen Eisenhuts findet. Da die Wurzelmaus sicher nicht ihre Kranken mit dem Giste behandelt, so bleibt nur der Schluß übrig, daß fie unterirdisch in sibirischer Winternacht, abseits von Schneestürmen, Wolfsgeheul und Sowjetkommissaren, eine trauliche Rotainbar zum Hausgebrauch unterhält. Mit der üblichen Entschuldigung des„ Durstes" kommt man hier, wie man sieht, nicht aus, und ich glaube auch nicht, daß man der sibirischen Wurzelmaus mit irgendeiner Entwöhnungstur auf den Leib rüden könnte. Die Chinesische Mauer ist über 4000 Kilometer lang, hat also ein Zehntel der Länge des eauators. Nach anderen Berechnungen beträgt ihre Länge mit allen Abzweigungen 6300 Kilometer. Jetzt find große Teile zerfallen. Trogdem trägt die Mauer noch 20 000 Türme. Zur Zeit ihrer Verwendung zählte sie 25 000 Kastell- und 15 000 Wachttürme. 1 Rr. 141 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Das zweite Jahr der DD.- Bank. Der größte Fusionsgewinn kommt aus der Mehrleistung des Menschen. Die Deutsche Bank und Disconto Gesellschaft hat ihren Bericht für das Jahr 1930 veröffentlicht. 1930 war das zmeite Fusionsjahr der DD.- Bant, zugleich aber auch ein ungünstige res Wirtschafts- und Bantenjahr als 1929, so daß sich aus den Bilanz- und Erfolgsziffern nur mit Vorsicht Schlüsse auf den Fusionserfolg ziehen lassen. Jedenfalls läßt die Her absegung der Dividende von 10 auf 6 Broz. auf die Fusionswirkung www teinen Rückschluß zu, freilich auch nicht und zwar noch weniger als sonst auf die tatsächlich erzielten Gewinne, denn die Dividendentürzung ist zwischen den Großbanken vereinbart. Das Geschäftsbild des vergangenen Jahres ergibt sich noch weniger als sonst aus den reinen Bilanzziffern. Dafür waren die Auswirkungen der weltwirtschaftlichen und innerpolitischen Störungen des vergangenen Jahres auf das Bankgeschäft viel zu groß und zu verschieden. Jedenfalls sind die Geschäfte beträchtlich zurüdgegangen. Die Bilanzsumme hat sich uni 610 auf 4924 Millionen verringert. Bei den Kreditoren schon fommt diese Berringerung mit einem Rüdgang von 4727 auf 4137 faft voll zum Ausbrud. Die Afzepte, bas zweite Geldbeschaffungsinstrument, zeigt eine Steigerung um. 32 auf 245, Millionen Mart. In den Aktiven sind die Veränderungen naturgemäß vielfältiger. Kasse und Guthaben bei Rotenbanken wurden trotz der Schwächung der Passiven von 193 auf 408 Millionen gestärkt. Dagegen zeigen die Guthaben bei Banken und Banffirmen eine Senfung um 110 auf 322 Millionen Mark. Das Konto Wechsel und verzinsliche Schah anweisungen deutlichster Ausdrud der Wirtschaftsentwid. fung ift um 311 auf 939 Millionen verringert; Wechsel allein gingen um 334 Millionen Mart zurüd. Der günstige Außen: handel des Jahres 1930 ließ die Vorschüsse auf lagernde und schwimmende Waren mit 699 Millionen unverändert, wenn auch die gewährten Einfuhr- zugunsten der Ausfuhrkredite dabei um 80 Millionen Mark abnahmen. Bei den Schuldnern in laufender Rechnung zeigt sich teine Steigerung wie bei der Dresdner Bant, sondern ein Rüdgang um 111 auf 2293 Millionen. Man habe die Kunden nicht gedrängt, so wurde vom Vorstand erklärt: wahrscheinlich hat man sie nicht stärker drängen können, denn ein gefroren ist ja genug. Bei den Geldausleihungen an die Börse zeigt sich ein refordmäßiger Tiefstand; Reports und Lombards sind meiter um 62 auf 90 Millionen gesunken, davon waren nur 30,8 Millionen reine Börsendarlehen. Den Bosten von 90 Millionen standen Ende 1928 bei Deutsche und Disconto zusammen noch über 300 Millionen gegenüber! Die Börsenpleite seitdem kann nicht deutlicher charakterisiert werden. Auf eigene Wertpapiere und Konsortialbeteiligungen, die zu sammen mit 125 Millionen gegen 152 Millionen im Vorjahr ausgewiesen und höchstens mit den Kursen von Ende 1930 bewertet sind, maren durch Kursverluste und sonstige Entwertungen Abschreibungen im Betrage von 21,3 Millionen Mark nötig, die offen aus dem Gewinn vorgenommen worden sind. Auf die Bankgebäude, die mit 93,5 gegen 99,3 Millionen eingesetzt sind, wurden 6,5 Millionen, zum größten Teil wahrscheinlich aus Verkäufen abgeschrieben. Die Gewinn- und Berlustrechnung zeigt ebenfalls. erhebliche Veränderungen. Die Gesamteinnahmen sind von 229,14 auf 207,4 Millionen zurückgegangen, davon die Zins cinnahmen um 13 und die Provisionen um rund 4 Millionen. Auf der Ausgabenseite ergab sich aber eine noch um rund 6 Millionen stärfere Entlastung. Die Handlungs unfosten gingen von 155,94 auf 134,39, die Steuern von 24,89 auf 18,20 Millionen zurüd! Unter Berücksichtigung der genannten 21,3 Millionen 2lbschreibungen auf Wertpapiere und Beteiligungen ergab sich mit dem Vortrag von 2,89 Millionen ein Reingewinn von 20,39 gegen 34,18 Millionen im Vorjahr, aus dem 17,10 Mil lionen für die fechsprozentige Dividende auf das volle Aktienkapital von 283 Millionen verwendet werden. Durch die Dividendentürzung erhält der Aufsichtsrat auch weniger Tantieme, nämlich nur 0,43 gegen 1,29 Millionen im Vorjahre. Wie weit im laufenden Jahre noch stille Reserven gebildet merden konnten, wurde nicht gesagt. Im Vorjahr sollen eingetretene Verluste teilweise, wie zugegeben war, aus stillen Reserven gededt morden sein. Das wird in diesem Jahre faum anders sein. Zum mindesten wurden die stillen Reserven um etwa 5 Millionen Mart gefürzt, die fich als Kursdifferenzen beim Ankauf von 35 Millionen Mart eigener Aftiern ergeben, mooon noch die Rede sein wird. Bilanz der Rationalisierung: der Mensch bezahlt! Der auffälligfte Posten in der Geminn- und Verlustrechnung, der auch als michtigster Fusionserfolg angesprochen werden fann, ist der Rückgang der Handelsunkosten um 21,2 millionen Mart. Im Geschäftsbericht wird gesagt, daß drei Viertel dieser Summe auf Bersonaltostenersparnisse zurückzuführen sind. Das wären 16,2 Mil lionen Mart. Wieviel davon auf ersparte Tantiemen der Direktoren und sonstigen leitenden Beamten entfällt, wird nicht verraten. Der größere Teil dürfte auf alle Fälle auf ersparte Angestellten gehälter zurückzuführen sein. Die Zahl der Angestellten hat sich gegen Ende 1929 meiter von 21 600 auf 20 051, affo sehr erheblich verringert Das ist geschehen, obwohl die Bankleitung im Frühjahr 1930 noch erklärt hat, daß ein weiterer Personalabbau nicht zu erwarten sei! Auf der anderen Seite hat die DD.- Bant die Zahl der Filialen von 289 auf 301, die Zahl der Stadtdepofitentassen von 177 auf 193 ( in Berlin von 57 auf 61) erhöht. Obwohl das Jahr 1930 offenbar eine erhebliche Verringerung des Geschäftsumfanges gebracht hat, ist es gelungen, den Anteil der Handlungsunkosten an den Zinsen und Provisionseinnahmen gegenüber dem Vorjahr von 85 auf 82 Proz. zu senken! Die Bantleitung hat die große Leistung des Personals im ver gangenen Jahr anerkannt; sie hat auch allen Grund dazu. Nach den oben einander gegenübergestellten Ziffern ist aber auch festzustellen, daß das Personal zweifellos eine beträchtlich erhöhte Leistung auf fich nehmen mußte, und daß ganz zweifellos die Quelle aller Garantierte Dividenden. Krisenwirkungen nur für Arbeiter, aber nicht für Attionäre. Die Eisenwert A. G. Marimilianhütte, die sich zum größten Teil im Besitz des Montangewaltigen Friedrich Flick befindet, und nach Auffauf der Aktienmehrheit der Mitteldeutschen Stahlwerke A.-G. einen neuen großen Eisenbloc bildet, veröffentlicht jetzt einen Halbjahresabschluß für die Zeit vom März bis September 1930. Obwohl inzwischen der Beschäftigungsgrad der Werke auf weniger als 50 Bro3. gesunten ist und starke Belegschaftsabbauten vorgenommen wurden, zahlt die Gesellschaft für das halbe Jahr eine Dividende von 3½ Proz., die also einer 7 prozentigen Jahres dividende entspricht. Nach der durch das Zusammengehen mit dem Mitteldeutschen Stahlkonzern( Lauchhammer) erfolgten Neuregelung der Flickschen Montaninteressen wird den Aktionären der Maximilianhütte fünftig auf Grund eines Interessengemeinschaftsvertrages mit dem Stammunternehmen Friedrich Flicks, der Charlottenhütte, fünftig eine Jahresdividende von 8 Proz. garantiert. Die Aktionäre der Maximilianhüite fönnen also ruhig schlafen. Mag die Krise sich noch so sehr verschärfen, mögen aus den Stahlbetrieben und Walzwerken des Unternehmens weiterhin underte von Arbeitern auf das Pflaster fliegen, die Aktionäre brauchen sich darüber nicht den Kopf zu zerbrechen, denn ihnen ist eine gute Konjunkturdividende von 8 Broz. gesichert. So wird in Zeiten schwerster Wirtschaftsnot Eisenpolitif in Deutschland gemacht! Günstiger Werkzeugmaschinen- Abschluß Schieß- Defries A.-G. bleibt bei Z Proz. Dividende. Nach dem fürzlich veröffentlichten Abschluß der Wolf- Budau Maschinenfabrik A.-G. in Magdeburg, dem ersten größeren Maschinenabschluß für das ganze Jahr 1930, ist die jetzt erfolgte Beröffentlichung des Gewinnergebnisses der Schieß- Defries 2-6. in Düsseldorf ein meiterer Beweis dafür, daß der deutsche Maschinenbau mit seinen großen Erfolgen auf dem Auslandsmarkt die Krisenwirtungen im vergangenen Jahr weitgehend ausgleichen fonnte. Nach dem Geschäftsbericht lagen Auftragseingang und Umsätze bei der Gesellschaft nur um 11 Pro 3. unter dem Stande von 1929. Der Schwerpunkt des Umsatzes lag bei dem Export, denn trotz einiger größerer Inlandsgeschäfte betrug der Anteil des deutschen Marktes am Auftragsbestand des Unternehmens Ende 1930 nur 34 Pro 3. Wenn der Ende Dezember vorhandene Auftragsbestand bei Schieß. Defries um 15 Pro3. unter dem entsprechenden Monat des vorher gehenden Jahres lag, so ist dies im Verhältnis zu dem Beschäfti gungsrüdgang in anderen Industrien noch als verhältnismäßig günstig anzusehen. Der vorliegende Auftragsbestand sichert den Betrieben eine Beschäftigung von vier Monaten. Wie bei anderen Maschinenabschlüssen ist auch bei SchießDefries die bemerkenswerte Tatsache festzustellen, daß troß des Um fabrückganges der erzielte Rohüberschuß mit 2,84 gegen 2,95 Millionen Mart sich nur ganz unwesentlich verringert hat. Der ausgewiesene Reingewinn liegt zwar mit 0,64 gegen 0,78 Millionen erheblich unter dem Ergebnis des Vorjahres, jedoch ist dies neben einem Anwachsen der Handlungsunkosten auch auf die Erhöhung der Abschreibungen von 0,43 auf 0,47 Millionen Marf zurüdzuführen. Der fast gleich hohe Rohgewinn weist also mie bei Wolf- Budau auch bei diesem Unternehmen darauf hin, daß die ZUM FRÜHJAHR Beachten Sie besonders: Braune Herrenschuhe 1550 1850 Farbige Damenschuhe 1250 1550 Neu aufgenommen: Knabenschuhe u. Stiefel 1250 1550 Mittwoch, 25. März 1931 Fusionserfolge bei der DD. Bant in erster Linie in der Mehrleistung, das heißt in der schärferen. Anspannung und Ausbeutung des Personals zu erblicken ist. Demselben Personal wird aber ab 1931 noch das Gehalt gekürzt, den alten Beamten sollen die Zulagen gekürzt werden und bei den Einstufungen sollen grundlegende Umstellungen erfolgen!! Ueber den Abbau bei den Direktoren wird nichts mitgeteilt. Es erscheinen zwar nur zehn statt zwölf ordentliche Vorstandsdie stellmitglieder nach dem Abgang von Fehr und Bonnvertretenden Vorstandsmitglieder haben sich aber von 13 auf 14 erhöht. Sicher geht dieser Abbau im ganzen sehr viel langsamer, und sicher fostet er erheblich mehr als der bei den Angestellten. Von den 332 Bankgebäuden sind nur 266 in Benutzung und 66 stehen heute noch zum Verkauf. Die DD.- Bank jetzt das Kapital herab. Ein überraschender und wichtiger Vorgang, der äußerlich wohl als Abschluß der Rationalisierung angesehen werden darf, ist die beabsichtigte Herabsetzung des nominellen Aktienkapitals von 285 auf 250 millionen. Die DD.- Bank hat, einem angeblichen alten Wunsche aus der Zeit der Fusionsverhandlungen entsprechend, die sinkende Kurstendenz für DD.- Bank- Aktien zum Ankauf von 35 Millionen Mark eigener Aftien benutzt und diese mit der Absicht ins Depot genommen, das verantwortliche Eigenkapital auf die Summe von einer Viertel Milliarde festzusetzen. Ab 1931 follen nur noch diese 250 Millionen Dividende erhalten; die Reserven von 260 Millionen betragen damit 64 Proz. des Aktienkapitals. erhöhten Belegschaftsleistungen die Selbsttosten des Unternehmens weiter gesenkt haben. Bei diesem Gewinnergebnis fällt es der Gesellschaft auch leicht, für 1930 wieder die gleich hohe Dividende von 7 Proz. wie in den beiden letzten Jahren auszuzahlen. Großaufträge im Maschinenbau. O Die Maschinenfabrit Augsburg Nürnberg ( MAN.), die in letzter Zeit auch starke Betriebseinschränkungen vors genommen hat, erhielt von der Stadt Stockholm einen Großauftrag auf Herstellung eines Riefengasometers. Die Anlage erhält eine Höhe von 100 Meter. Fertigstellung und Montage sollen bis zum Herbst nächsten Jahres erfolgen. Auch die besonders schlecht beschäftigte mittlere Ostseewerft Neptun" in Rostock hat durch einen neuen russischen Auftrag auf Lieferung von zwei Schleppdampfern neue Arbeit erhalten. Der erste der im Bau befindlichen Schleppdampfer für Rußland ist dieser Tage vom Stapel gelaufen. lleber ein hochwertiges Objekt verhandelt gegenwärtig der Rheinisch- Westfälische Stahltrust mit der Stadt Riga. Es Dünabrüde. Der Wert dieses vorgesehenen Eisenkonstruktionshandelt sich um den schon seit Jahren fälligen Neubau einer baues stellt eine hohe Millionenziffer dar. Die Verhand lungen über diesen Auftrag find aber noch nicht abgeschlossen. Einen in jetziger Zeit seltenen Inlandsauftrag hat die Braunschweiger Maschinenfabrik A.-G. erhalten. Es handelt fich hierbei um die Wiedererrichtung der durch Feuer zerstörten 3uderfabrif Batenem. Der Auftrag, dessen Wert eine Million Mark übersteigt, muß bis zum Beginn der Zuckerkampagne im September ausgeführt sein. Schuhaußenhandel bleibt aktiv. Auch im Monat Februar weist der deutsche Außenhandel für Lederschuhwett einen fräftigen Ausfuhrüberschuß auf. Dies fällt um so mehr ins Gewicht, als im Februar infolge nachträglicher Abrechnung laufender Zolltonten die Einfuhr um mehr als das Siebenfache höher ausgewiesen ist, als im Januar. Diese ftellte sich auf Grund der Abrechnungen auf 182 270 gegen nur 24 897 Paar im Vormonat. Gegenüber dem Januar hat sich aber auch die Ausfuhr von 240 543 auf 310 548 Paar, also um rund 29 Proz., erhöht Danach liegt der Februarexport der Schuhindustrie nur um 8,5 Proz. unter den entsprechenden Ziffern des Vorjahres, ein Stand, der im Hinblick auf die Verschärfung des Konkurrenzfampfes infolge der Weltkrije als verhältnismäßig günstig gelten fann. Bertmäßig ergab sich im Berichtsmonat bei einer Einfuhr von 1,27 Mill. M. und einer Ausfuhr von 2,80 Mill. M. ein Exportüberschuß von rund 1,53 Mill. M. Die Allgemeine Deutsche Credit- Anstalt in Leipzig verteilt für 1930 nur 5 Pro 3. gegen 8 und 10 Proz. Dividende in den Vorjahren. Der Umsatz von 22 Milliarden ist um 2 milliarden niedriger als 1929. Einnahmen aus Zinsen und Provisionen gingen um Der Reingewinn beträgt 2,31 2,5 oder rund 12 Broz. zurüd. gegen 3,62 Mill. Bei den Kreditoren zeigt sich ein Rüdgang von 371 auf 349 Mill. Das amerikanische Nationalvermögen. Nach einer amtlichen Statistik belief sich das Nationalvermögen, der Bereinigten Staaten im Jahre 1929 auf 362 Milliarden Dollar und das Nationaleinkommen auf 84 Milliarden Dollar. Auf den Kopf der Bevölferung entfielen ein Kapital von 2877 Dollar und ein Einkommen von 692 Dollar. MARKE SALA MA SALAMANDER Theater, Lichtspiele usw. Mittwoch, 25 5. Staats- Oper Unter d. Linden 205. A.-V. 19 Uhr Der Rosenkavalier Ende 23 Uhr Mittwoch, 25. 3. Städt. Oper Bismarckstr Turnus III 191 Uhr Hoffmanns Erzählungen Ende 2234 Uhr Staats- Oper Staatl. Schausph. Am Platz der Republik. V.-B. 20 Uhr Die verkaufte Braut Oeffentl. Kartenverkauf Ende n. 2212 U. ( am Gendarmenmarkt). 176 A.-V. 20 Uhr Agamemnon Ende n. 22 Uhr Staat. Schiller- Theater, Charltbg. 20 Uhr Die Bekehrung des Ferdys Pistora Ende gegen 2212 Uhr Tägi. 5 u. 815 PLAZA Sount. 2, 5 u. 8 10 E 4, Alex. 8066 16 Nchm. 50 Pf.- 1 M., abds. 1-2 M. Hermann Leopoldi der berühmte Wiener Humorist Orlando- Truppe, Esmanoff& Gerda usw. Heute M.ttwoch, 81, Uhr PREMIERE Im Circus Carl Hagenbeck Viermaster- Zeltbau( geheizi!) auf dem ehem. Reitplatz an der Gneisenaustr.( Nähe Hallesches Tor U- Bahnhof Gneisenaustraße) Ab Donnerstag Tägi.2 Vorstellungen( 32, 84) Nachm. Erwachsene u. Kinder halbe Preise Preise 50 Pig. b s 4 Mark Logen 5.- Mark Die riesige Tierschau ist läglich von 10-18 Uhr geöffnet. Erw. 50 Pfg., Kinder 30 Pie, Vorverkauf Circuskasse fel barwald 59 Theaterkassen Werine'm n. Tietz Nur einige Tage! Winter Garten 8 15 Uhr. Zentr. 2819. Rauchen erlaubt. Young China, Duncan Collies, Lotte Werkmelster, 4 Phillipps, Karolewna's, Dormonde usw. Deutsches Künstler- Theat. Barbarossa 3937. 82 Uhr Ritter Blaubarts achte Frau RenaissanceTheater 84 Uhr CASINO- THEATER 84 Uhr Volksbühne Deutsches Theater Steinplatz 6780. Lothringer Straße 37. Nur noch bis 2. April Theater am Bülowplatz. 8 Uhr Der Hauptmann von Köpenick 8 Uhr O diese Schwiegerväter Die beiden und das erstkl. bunte Programm! Sonnabend, den 4. April 1931 zum ersten Male „ Er träumt von Jise" Guischein 1-4 Personen Fauteuil 1,25 M., Sessel 1,75 M. Sonstige Pr.: Parkett 75 Pt., Rang 60 Pi Das ROSE THEATER entwickelt sich zu einer besonderen Berliner Pflegestätte der guten Operette. ( Volks- Zeitung Sonntag 25 9 Uhr 00 Uhr Sonnabend 7 thr Adler Staatl. Schiller- Th. 8 Uhr Ole Bekehrung des Ferdys Pistora Theater am Schiffbauerdamm 8 Uhr Italienische Nacht Staatsoper Am Pl.d. Republik 8 Uhr Die verkaufte Braut 00 10% Uhr Metropol- Theater Von Montag bis Freitag 8 Täglich 8% Uhr 15 Das Velldien ,, Die Faschingsfee" Operette von Kálmán Regie: Paul Bose Tänze: Georges Blanvalet Kálmán holte sich im Rosev. Carl Zuckmayer 8 Uhr Durchaus unerlaubt Pr. 0.50 bis 13.50 Zimmer: 1Bett Mk 7- bis 112Betten 14- bis 22Bad: Mk.3 Salon: 10 höheren Preise Reine Eine m Großmacht europäischer Hotels P "/ Berlin HOTEL sin EXCELSIOR Regie: Heinz Hilpert Komische Oper Kontobücher Kammerspiele 81 Uhr Diese alte Canaille! von Fernand Nozière Regie: Eugen Robert. Die Komödie 8 Uhr Kommt ein Vogel geflogen. 812 Uhr kleine Preise bei Peppina JUERGENS ter persönlicher Lettung des Komponisten Robert Stolz in der Premierenbesefzang Lustspielhaus Täglich 8 Uhr per Lügner u. die Monne von Kurt Götz von Waiter Hasenclever Theater d. Westens Regie: Gustav Hartung KurfürstendammTheater Bismarck 449 8 Uhr V. Montmartre Das schwache Operette v. Kalman, Gitta Alpar, Anni Geschlecht Ahlers, Karl Jöken, v. Edouard Bourdet Rich. Waldemar a. G., Regie: Max Reinhardt Ergon Bosig als Gast. Täglich 8% Uhr sowie Sonntags auch 1/3 Franz Lehárs Sensationserfolg! Schön ist die Welt Barnowsky- Bühnen Theater in der Stresemannstr. 81 Uhr Theater einen großen Erfolg Neues Theater Kleines Theat. Amphitryon 38 ( Morgenpost Abendpreise v. M. 0.50 bis M. 3.Nur noch bis 27. März die beliebten am Zoo Am Bahnh. Zoo. Stpl. 6554 Täglich 84 Uhr Familien Nachmittage Voruntersuchung 5.30 Uhr: Dienstag, Mi twoch, Donnerstag und Freitag: Madame Bonivard" Große Frankfurter Str 132, U- Bahn Strausberger Platz 6 tägiger Vorverkauf täglich von 11-1 Uhr und 4-9 Uhr. Tel. Bestellung: Alex. 3422 und 349. von Max Alsberg u Otto Ernst Hesse Preise 1-8 Mark. Piscator- Bühne ( Wallner Theater) Alex. 4592-93. Heute 8 Uhr Premiere Erika Gläßner in: Der stille Kompagnon Lustspiel von Leo Lenz, Würz, Zesch- Ballot, Kaufmann, Klubertanz. Komödie von Jean Giraudoux Inszenierung: Victor Barnowsky Komödienhaus 81 Uhr Elne königliche Famille Täglich 8% Lessing- Theater re- sänger Täglich 8.15 Des Kaisers Kuli Täglich 84 Uhr DAS BLAUE HEMD VON ITHAKA MUSIK: J. OFFENBACH THEATER IM ADMIRALSPALAST GROSSES SCHAUSPIELHAUS Tägl. 8 Uhr. Im weissen Rössl. Stg. nachm. 3 Uhr Originalbesetzung billige Preise Regie: Erik Charell. HAUS VATERIAND KURFÜRST 7460 Da P Pergnügungs Restaurant Berlins BETRIEB KEMPINSKI Reichshallen- Theater Abends Sonntag Nachm. 3 Uhr 3 Stunden Lachen Varieté bei de ,, Stettiner" Nachm. ermäßigte Preise Tel, Merkur 1247 Dönhoft- Brettl: 10 Numinern Tanz Für Leser unserer Zeitung Die schöne Or.- Sessel statt 6 nur 3 M Parkett- F. 4 2.. 29 Rang " Zum 90 Alexandra 31,50 Losseff, Schollwer, Fuß. 2.1 M. Vespermann, Sikla Kottbuss. Str. 6 Tigl. 8% Uhr Der lustigste Abend! Sonntags nachm.31% Uhr ermaß. Preise. Alexanderplatz Neue Königstr.43 Ein Riesenerfolg der Qualität... MARK Neu Lanella diefeine Einen solchen Ansturm haben die| so wundervolle Margarine zu so Läden kaum je erlebt! In vielen niedrigem Preis! Von vielen tauFällen war Sanella schon nach send Hausfrauen wird jetzt Saein paar Stunden restlos ausver- nella begeistert verbraucht. Überkauft.... Aber das ist ja auch zeugen Sie sich selbst und auch erklärlich: noch nie gab es eine Sie werden zufrieden sein. Sanella 885-128 MARGARINE Dresdner Bank DIE FEINE PREISWERT WIE KEINE Achtundfünfzigste ordentliche Generalversammlung. Hiermit werden die Aktionäre zur die achtundfünfzigsten ordentlichen Generalversammlung. Dienstag, den 14. April 1931, vormittags 114 Uhr im Bankgebäude Dresden, Johannstraße 3, stattfinden wird, eingeladen. Tagesordnung: 1. Vorlage des Geschäftsberichtes sowie der Bilanz mit Gewinn- und Verlust- Rechnung per 31. Dezember 1930. 35 das Pfund Berliner Handels- Gesellschaft. Bilanz vom 31. Dezember 1930. Vermögen. Kasse, Sorten, Kupons und Guthaben bei Noten- und Abrechnunesbanken Nostroguthaben bei Banken und Bankiers Schecks, Wechsel und unverzinsliche Schatzanweisungen Reports und Lombards gegen börsen gängige Wertpapiere Vorschüsse auf Waren und Warenverschifffungen( dav. gedeckt RM 86 615 598,20) Schuldner in laufender Rechnung ( dav. gedeckt RM 133 006 637,17) Eigene Wertpapiere 2 Beschlußfassung über die Genehmigung der Bilanz und die Ver- Konsortialbeteiligungen wendung des Reingewinnes 3. Beschlußfassung über die Entlastung des Vorstandes und des Aufsichtsrates. 4 Wahlen zum Aufsichtsrat. Dauernde Beteiligungen bei anderen Banken und Bankiirmen*) Bankgebäude. Sonstiger Grundbesitz Bürgschaften Jeder Aktionär ist zur Teilnahme an der Generalversammlung berechtigt Um in dieser stimmen oder Anträge stellen zu können, müssen die Aktionäre ihre Aktien oder die über diese lautenden Hinterlegungsscheine einer Eifektengirobank gemäß§ 21 der Satzungen spätestens bis zum 11. April 1931 einSchließlich bei einer der nachverzeichneten Stellen hinterlegen und bis zur KommanditBeendigung der Generalversammlung dort belassen: bei der Dresdner Bank in Dresden und Berlin sowie ihren übrigen Niederlassungen. bei der Dürener Bank in Düren, bei dem Bankhause Simon Hirschland in Essen und Hamburg, bei dem Bankhause Veit L. Homburger in Karlsruhe, bei dem Bankhause A. Levy in Köln, bei dem Bankhause Flemming& Co. in Magdeburg, bei der Oldenburgischen Bank in Oldenburg i. O., bei der Rostocker Bank in Rostock und Schwerin, bei den Herren Proehl& Gutmann. in Amsterdam. bei der Amsterdamschen Bank N. V.) Dresden, den 21. März 1931. Der Vorstand Nathan. Umtausch Gutmann. der am 1 April d. J. zur Rückzahlung kommenden 7% Goldpfandbriefe vom Jahre 1926 in reichsmündelsichere 7% Landesbank der Rheinprovinz Goldplandbriefe 5.Ausgabe unkündbar bis 1. April 1936, zum Kurse von 96,50% oder: 7% Goldkommunal- Schuldverschreibungen der Landesbank der Rheinprovinz 5. Ausgabe unkündbar bis 1. April 1935, zum Kurse von 94,25% und zur hochverzinslichen, sicheren neuen Kapitalanlage empfehlen die genannten Werte Landesbank der Rheinprovinz, Düsseldorf Filialen in Aachen, Essen, Köln, Trier Kapital Reserven Gläubiger RM PL 8 388 075 49 56 402 682 77 71 701 056 23 21 360 652 20 104 320 685 10 167 670 187 47 16 326 163 08 9417 747 78 5519 898 75 5.000 000 2302 473 25 RM 8 613 572,24 Verbindlichkeiten. 468 409 622 12 RM Pf. RM 28 000 000, 99. 15 000 000, Rückständige Gewinnanteile Akzepte Bürgschaften Reingewinn 43 000 000397 196 054 28 25 385 000 23 760 RM 8 613 572,24 2 804 807 84 468 409 622 12 Gewinn- und Verlust- Rechnung vom 31. Dezember 1930. Soll. Verwaltungskosten( einschl. Tantiemen) Pensionskassenbeiträge und Ruhegehälter Steuern Reingewinn Verteilung des Reingewinns: 4% Gewinnanteil auf das gewinnberechtigte Kommandit- Kapital v. RM 28 000 000.- RM 1 120 000, Gewinnanteil des Verwaltungsrats 4% wei erer Gewinnanteil auf das Kommandit- Kapital Vortrag auf neue Rechnung Haben. Vortrag aus 1929 Zinsen, Wechsel und Devisen Provisionen. 119 953,10 1 120 000, " 444 854,74 RM 2 804 807,84 RM Pf. 5 061 1 59 191 664 330 85 1277 800 04 2 804 807 84 9 808 28 74 RM Pf. 324 479 10 6 455 350 56 3028 99 08 9808 128174 *) Der Bilanzposten ,, Dauernde Beteiligungen usw." enthält Beteili ungen an der Internationalen Bank te Amsterdam in Amsterdam, der Niederösterreichischen Escompte- Gesellschaft in Wien. der J. F. Schröder Bank Kommanditgesellschaft auf Aktien in Bremen. Berliner Handels- Gesellschaft. Sintenis, Jeidels, Bieber, H Fürstenberg, FEN 18 auch bis zu Monatsraten Raddatz Berlin Leipziger Stn 122-123