Morgenausgabe Nr. 143 A 72 4S.Iahrgang Wöchentlich LSPf� monatlich 3, SV M. im voraus zahlbar. Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitun gs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands» abonnemenl 6,— M. oro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen» oorto S.— M. Der �Vorwärts' erscheint wochentäg» lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend" Illustrierte Beilage„Volk und Zeit" Ferner„Frauenstimme". �Technik".„Blick in die Bücherwelt", .Iugend-Vorwärts"u..Stadtbeilage* P- VMG. Berliner Voltsblatt Donnerstag 26. März 1931 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die einspalt. Nonpareillezeile 80 Pf. Reklamezeile 5,— RM.„Kleine An- zeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pf Rabatt lt. Tarif. Stellengesuche das erste Wort 15 Pf.. jede» weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien- anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenslraße 3. wachen» täglich von SVa bis 17 Uhr. De» Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Jentralorgan der«Sozialdemokvatifchen Htaetei Deutschlands Redaktion und Verlage Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprechern DönbosI 292—297 Tclegramm-Adr.: Sozialdemokral Berlin. Vorwäris-Verlaa G. m. b. H. Postscheckkonto. Berlin 37 S3 slchtigung abgeschlosien wird, hat der Andrang der Besucher nicht abgenommen. Berlins Arbeiterschaft trauert, aber in ihrer Trauer legt sie wiederum, wie schon so oft, ein Treuegelövnis ab für die Partei der Arbeiterschaft, für die S o z i a l d e in o k r a t i e l Der Sarg wurde gestern um 22 Uhr geschlossen. Oie Fahnen auf halbmast! Dos preußische Staatsministerium hat angeordnet, daß sämtUche in Berlin gelegenen staatlichen und kommunalen Dienstgebäude, Gebäude der öffentlichen Körperschaften, des öffentlichen Rechts, sowie Gebäude der öfsentlichen Schulen am 26. März 1031, dem Tage der Beisetzung des Reichskanzlers a. D.' Müller nach den Bestimmungen der Verordnung vom 29. Juni 1029 halbmast zu beflaggen sind. Der Trauerzug am Donnerslag Airirefen: 16.45 vkir- Abmirsdi: 17.15 Dlir I.— 4 kreis: Charlottenstraße zwischen koch- und Linden- ftraße: Spitze Lindenstraße. 5.— S. kreis: Martgrafenstraße zwischen koch- und Lindenslraße: Spitze Lindenstraße. S.— 12. kreis: Reuenburger Straße; Spitze Llndenstrahe. 13.— 17. kreis: Lindenstraße zwischen Riller- und Hollmann- straße: Spitze Hollmannstraße. IS.— 20. kreis: Hollmannstraße: Spitze Lindenstraße. Der Trauerzug nimmt den Weg durch folgende Straßen: Lindenstraße. Velle-Alliance-Plah. Wilhelmstraße. Unter den Linden. Brandenburger Tor. Friedensallee. Platz der Repu- blik, Hindersinstraße. Reichslagsufer. Kronprinzen-Brücke. Prinz-Friedrich-Karl-Ufer, Alexanderufer. Scharnhorstsiraße, Kieler Straße. Am Rordhafen. Tegeler Straße. Triflsiraße. Courbiöreplah. Gerichtstraße. Die einzelnen Züge lösen sich auf wie folgt: 1.— 4. kreis: Abmarsch durch Ruheplahstraße. Leopold- platz, dort Auslösung. 5.— S. kreis: Abmarsch durch Gerichtstraße. Reltelbeckplah. Pankstraße. Auslösung Pank- Ecke Mesenstraße. 9.— 12. Kreis: Abmarsch durch Gerichtstraße, Rettelbeckplatz. Gerichtstraße. Lenzener Platz, dort Auflösung. 13.— 17. Kreis: Marsch durch Ruheplahstraße zum Leopold» platz, dort Auflösung. IS.— 20. Kreis: Abmarsch durch Gerlchtstraße. Pankstraße, Auflösung wiesen- Ecke Pankstraße. -i° Sozialistische Studentenschaft. Ortsgruppe Berlin. Antreten mit der SAZ.. Reuenburger Straße, Spitze Linden» straße. IfcU»errfoI$*e des Trauerzuges: Alle Teilnehmer am Trauerzug zu Ehren unseres Geuoffen Hermann Müller werden gebeten, folgendes zu beachten: Der Trauerzug wird von einer Reichsbannerformation mit Musikkorps geführt. Es folgen: Der Leichenwagen, der von Mitgliedern der Arbeiter- fugend flankiert wird. Die wagen mit den Angehörigen. Eine zweite Reichsbannerformation. Die Sranzwagen. Der Parteivorstand mit den ausländischen Gästen, die Delegation von Franken, der Bundesvorstand des ADGB. und die Reichstagsfraktion. Der Reichstagsfraktion schließen sich an die Züge der Partei: 1. von der Reuenburger Straße; 2. von der Holl- mannstraße: 3. von der Llndenstraße. mit der Spitze Holl» mannstraße: 4. von der Eharlotlenstraße: S. von der Marg» grafenstraße. Die Teilnehmer an der Trauerfeier auf dem ersten Hof des Lindenhauses, die nicht zur Reichslagsfraktion und den Zentralinstanzen der Partei gehören, reihen sich in die Züge der Partei ein. Alle Teilnehmer werden gebeten, durch Disziplin dazu beizutragen, daß ein geordneter Aufmarsch des Trauerzuges gewährleistet ist. Der Bezirksvorstand. Oer Reichsetat verabschiedet. Zustimmung der sozialdemokratischen Reichsiagsfraktion.— Abgabe einer Fraktionserklärung. Was vor einem halben Jahre für völlig unmöglich gehalten worden ist, das ist am Mittwoch verwirklicht worden. Der Etat des Reiches ist vom Reichstag mit 277 gegen K4 Stimmen der Kommunisten und 14 Enthaltungen der Wirtschaftspartei in dritter Lesung angenommen worden. DieSozialdemokratie steht vielen einzelnen Positionen mit großem Vorbehalt gegenüber. Dennoch erblickt sie in der Parlamentarischen Erledigung des Reichsetats einen außerordentlich wichtigen Schritt zum Wieder- aufbau der deutschen Wirtschaft und der öffentlichen Finanzen, der günstige Rückwirkungen auch auf den Stand der Arbeitslosigkeit ausüben muß. Die sozialdemokratische Rcichstagsfraktion hat ihren Standpunkt in einer Erklärung dargelegt, die Genosse Dittmann im Reichstag abgab. Die Erk'ärunq der ZTeitbsiaaSfrakiion. Durch die Kriscnwahlcn am 14. September hat der Reichstag eine Zusammensetzung erhalten, die eine unmittelbare Gefahr für die Demokratie, für alle politischen, sozialen und kulturellen Voraus- setzungen des Befreiungskampfes der Arbeiterschaft darstellt. Die Partei der kapitalistischen und großagrarischen Scharfmacher, der Prinzen und kaiserlichen Generäle, die sich hinter dem Namen einer nationalsozialistischen Arbeiterpartei verbirgt, hat die Der» zwciflung wirtschaftlich schwer bedrängter und politisch unausge- klärter Volksschichten in demagogischer Weise ausgenutzt und durch trügerische Versprechungen weite Wählermasscn an sich gerissen. Die rasche Entwicklung des reaktionären Charakters hat die Ralionaisozialisten zum verlassen des Reichstags gezwungen. Ihnen folgten die Deutschnationale«. Seitdem haben sich beide Parteien Immer enger zu einem einzigen reaktionären Block verbrüdert. Die Sozialdemokratische Partei hat ihre Massen im Lande aus- gerufen, die Demokratie und die Rechte des Proletariats zu vir- leidigen. Um diese Verteidigung erfolgreich zu gestalten, mußte die sozialdemokratische Reichstagssraktion ein Abgleiten der Staats- gewalt in die Hänoe des Faschismus verhindern. In der Erhaltung der Demokratie, der Sicherung der Verfassung und dem Schutz« des Parlaments hat deshalb auch die Reichstagsfraktion die oberste Aufgabe ihrer parlamentarischen Taktik gesehen. Das geschah in der klaren Erkenntnis, daß ohne die polilisch'■ Freiheiten keine Möglichkeit besteht, die Sozialpolitik i schützen und die Lebenshaltung der Arbeiterklasse, die dura, oie Mirischastskrise auss stärkste bedroht ist, zu lzeben. Entsprechend diesen Absichten hat die Sozialdemokratie durch» gesetzt, daß die Notverordnungen de: Regierung Brüning in Oer Wunsch nach gemeinsamer Besprechung der ZoNunion im Völkerbundsrat. Der britische Botschafter hat heute den Reichskanzler wegen der deutsch-öfferreichischen Vereinbarung über die Zollunion ans- gesucht und ihm mitgeteilt. Herr henderson halte es im allgemeinen Interesse für erwünscht,. dah die Angelegenheit im Hinblick aus das Genfer Protokoll vom 4. Oktober 1922 gemeinsam besprochen würde und daß Deutschland und Oesterreich bis zur nächsten Sitzung des völkerbundsrals nicht zu endgültigen Feststellungen schritten. Der Reichskanzler hat den Botschafter in seiner Antwort darauf hingewiesen, daß die deutsch-österreichische Vereinbarung sich ganz im Rahmen des Genser Protokolls halte und somit nach Aus- sassung der Reichsregierung und der österreichischen Regierung für den Völkerbundsrat kein Anlaß gegeben sei, sich mit der Angelegenheit zu befassen, wenn von anderen Regierungen eine Prüfung der Rechtsfrage angestrebt werde, so brauchten die deutsche und die österreichische Regierung dies nicht zu scheuen. Eine Prüfung des Abkommens durch den Völkerbundsrat unter p o l i t i- scheu Gesichtspunkten Halle die Reichsregierung nicht für zulässig, da das Abkommen rein wirlschastlichen Charakter habe. Der Reichskanzler erläuterte die Ziele der deutsch-österreichischen Verhandlungen, die natürlich ihren Forlgang nehmen müßten, die aber, wie von vornherein festgestanden habe, mit Rücksicht aus die zahlreichen zu regelnden technischen Einzelheiten nicht vor zwei oder drei Monaten zum Abschluß gelangen könnten. Eine englische Mitteilung. Paris, 25. März. Die englische Botschaft in Paris gibk folgendes Kommunique aus-. Der französische und der englische Außenminister haben heule vormittag über die Lage beraten, die durch den Plan eines österreichisch-deutschen Zollabkommens geschaffen worden ist. henderson setzte Briand davon in Kenntnis, daß er die Aufmerksamkeit der deutschen und österreichischen Regierung aus die Beunruhigung gelenkt habe, die vielerorts wegen der Vereinbarkeit des geplanten Vertrage» mit den bestehenden Verpflichtungen verspürt worden sei. henderson hat der h o s s n u n g Ausdruck gegeben, daß. bevor diese Regierungen die Verhandlungen über den Plan einer Zollunion fortsetzen, dem völkerbundsrot, unter dessen Auspizien da» Protokoll von 1922 zustande gekommen ist. Gelegenheit gegeben werde, sich selbst in der Maitagung davon zu überzeugen, daß die fraglichen Vorschläge nicht den verpftichlungen. die dieses Protokoll Oesterreich auserlegt, zuwiderlaufen. * London. 25. März. Der parlamentarisch« Unterstaatssekretär im Ministerium des Auswärtigen, Dal�on, erklärte im Unterhaus: Der Plan einer Zollunion zwischen Deutschland und Oesterreich werde unter dem jurtstischen, handelspolitischen und politischen Standpunkt sorgfältig geprüft werden. Es sei noch kein Abkommen zwischen Deutsch- land und Oesterreich abgeschlossen worden, und die Frage, ob eine nach den Lkichtlinien, die im den-mitgeteilten. Lorschlägen enthalten- seien, errichtet». Union den Bestimmungen irgendeines Vertrages widersprechen würbe, sei»ine s'ü r i ff! f che Frage,' öle gegenwärtig nicht beantwortet werden könne, die aber äußerst eingehend geprüft werde. Die britisch« Regierung beabsichtige nicht, jetzt mit Deutsch- land oder mit Oesterreich Verhandlungen zum Abschluß einer Zollunion einzuleiten; denn dies würde«ine vollkommen« Aende- r u n g der britischen Zollpolitik bedeuten, nicht nur gegenüber den ausländischen Staaten, sondern auch gegenüber den Dominions und Indien. In Beantwortung weiterer Anfragen führte Dalton dann aus, die erste Nachricht über die geplante Zollunion fei von dem französischen Botschafter übermittelt worden, der am»er- gangencn Freitag im Ministerium des Auswärtigen vorgesprochen und da», was er in Erfahrung gebracht hätte, mitgeteilt habe. Dalton lehnte ab, auf die Frage zu antworten, ob irgendeine Beschwerde vorgebracht worden wäre, weil die deutsch-österreichischen VerHand- lungen hinter dem Rücken der anderen europäischen Nationen vor sich gegangen seien. Er sagte, es sei besser, wenn Henderson s e l b st nach seiner Rückkehr aus Paris diese Frage beantworte. Dalton sagte zum Schluß, die Richtlinien enthielten eine Bestimmung, nach der die deutsche Regierung bereit sei, ein ähnliches Abkommen mit jeder anderen Macht abzuschließen. Die amtliche englische Mitteilung aus Paris über das Resultat der englisch-sranzösischen Verhandlungen über die deutsch-österreickische Zollunion und die Erklärungen des par- lamentarischen Unterstaatsselretärs im Unterhaus gibt zu auf- geregten Kommentaren keinen Anlaß. England beugt sich keineswegs dem Willen Frankreichs, wie es in übereilten Zeitungsüberschriften bereits heißt. Die englische Regierung kündigt auch keinen Antrag an, die Angelegenheit dem Völkerbundsrat zu unterbreiten, sondern gibt der Hoff- nung Ausdruck, daß der Rat Gelegenheit erhallen werde, sich davon zu überzeugen, daß die geplante Zollunion mit dem Genfer Protokoll von 1922 über die Sanierung Oesterreichs im Einklang steht. Der englische Außenminister stimmt weder im das voreilige Geschrei des französischen und tschechischen Nationalismus ein, der Deutschland einer Rechtsverletzung in einem Augenblick schon beschuldigt, wo ein fertiger Zoll- Unionsvertrag überhaupt noch nicht formuliert, noch viel weniger ratifiziert ist— noch weniger stützt er sich aus die Bestimmungen von Versailles und St. Germain über die Un- abhängigkeit Oesterreichs, die das Londoner Arbeiterblatt eben erst wieder als eine der größten Torheiten von 1919 be- zeichnet hat. Vom deutschen Standpunkt aus können wir nur der Hoff- nung Ausdruck geben, daß es auch schon vor der Maitagung des Rates der deutschen und österreichischen Diplomatie ge- lingen möge, Europa für ihre gemeinschaftliche Uebcrzeugung zu gewinnen, daß die geplante Zollunion mit den bestehenden Verträgen übereinstimmt, so daß die Zollunionsverhand- lungen ungestört weitergeführt werden können. Briand ebenfalls für die Einschaltung des Völkerbundes. Paris, 25. März. Pör der zweiten am Mittwoch stattgefundenen Anker- reduag mit Henderson hak Briand den Vorsitzenden der auswärtigen Ausschüsse der Sammer und des Senats Aufklärung über da» deutsch-österreichische Protokoll gegeben. Er teilte ihnen mit. daß er bereits v o r der Bekanntgabe des Protokolls die Berliner und die Wiener Regierung auf diplomatischem Wege darauf habe aufmekt- sam machen lassen, daß sie die bestehenden Verträge und Abkommen respektieren mühten. Briand erklärte weiter, daß im Hinblick auf das Genfer Protokoll vom 4. Oktober 1922 über die simmzielle wloderaufrichtuag Oesterreich». der Völkerbund muH setner An- sichl zu dem deutsch-österreichischen Plan Stellung nehmen mühte, bevor dieser zur Durchführung gelange- z« der Mittwoch. Sitzung des Auswärtigen Ausschusses der Kammer erstattete Paul Soucour Bericht über dle Erklärungen Briands. Die Aufregung, die mit wenigen Ausnahme» in der französischen Press» über die deuts ch- ö sterr»ich isch e Zoll- Vereinbarung festzustellen war, scheint jetzt wenigsten» in der gemäßigten Presse einer etwas ruhigeren Beurteilung Platz zu machen. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß dieser vor- läusig noch etwas zaghaft« Stimmungsumschwung auf den Einfluß Briands zurückzufichren ist, der sich nach seinen Unterredungen mit Henderson wahrscheinlich davon überzeugt hat, daß England die An- gelegenheit nicht so tragisch nimmt wie Frankreich und zu irgend welchen P r o t e std e m a rche n nicht entschlossen zu sein scheint. entscheidenden Punkten verbessert worden sind, oaß trotz des Anwachsens der Zahl der Arbeitslosen auf säst 5 Millionen, trotz Rückgang aller Steuereinnahmen die Unterstützung an die-Arbeits- losen ausrecht erhalten werden konnte. Sie hat. schließlich durch ihre Mitarbeit an der parlamentarischen Erledigung des Reichsetats mit dazu beigetragen, daß das durch den Wahlaussall aufs schwerste erschütlerle vertrauen p-r deutschen Wirtschaft langsam zurückkehren und so eine allmähliche Besserung in der wirtschaslslage Deutschlands angebahnt werden kann. Nutionalsozialisten und Deutschnationale, die nach dem 14. Sep- tember in kurzer Zeit die faschistische Diktatur glaubten errichten zu können, sind durch die parlamentarische Arbeit der Sozialdemo- krakie und durch die gesteigerte Aktivität der Massen �daran ge» hindert worden. Nun hofften sie. daß ihr Auszug aus dem Par. lament ein« Lahmlegung des Reichstags und eine Sprengung oer Regierung herbeiführen werde. Aber auch diese Hoffnung hat die Sozialdemokratie zuschanden gemacht. Sie stand vor der Tatsache, daß durch den Auszug von Rationalsozialisten und Deutschnationalen an den Machtverhältnissen nichts geändert worden ist, und daß sie diejenigen Entscheidungen, die in' einem vollbesetzten Reichstag von der bürgerlichen Mehrheit getroffen worden wären, nicht durch eine Scheinmehrheit von Sozialdemokraten und Kom- munisten durchkreuzen konnte, wollte sie nicht den Absichten ihrer faschistischen Gegner Vorschub leisten. Aber so wichtig es ist, daß der Reichstag seine Arbeitsfähigkeit trotz einer starken antiparlamentarischen Opposition bewiesen hat, und so wichtig es ist, daß die Aufgaben der Gesetzgebung auf vcr- fassungsmäßigem Wege erledigt worden sind, so steht dennoch die Lösung der Hauptausgaben, die Ueberwindung der Wirtschaftskrise, noch aus. Sie kann nicht erreicht werden durch die Verminderung der Kaufkraft auf dem Wege über den Abbau der Löhn« uns dem Abbau der sozialen Einrichtungen. Sie wird auch nicht erreicht werden durch einen hemmungslosen Aufbau der landwirtschaftlichen Zölle, die nur die Kosten der Lebenshaltung in die Höhe schrauben, die Ausfuhr deutscher Fertigerzeugnisse hindern und die Arbcitslosig- keit vergrößern. Die Sozialdemokratie hat deshalb süx dle von der Reichsregie- rung verlangte Sparermächtigung die notwendige Sicherung zur Aufrechlerhaltung aller gesetzlichen Berpslichtungea für die sozialen Leistungen geschassen. Ebenso hat sie, ohne die Hilse für die schwer ringende bäuerliche Wirtschaft zu gefährden, dafür Sorge getragen, daß bei der Ermächtigung zur selbständigen Festsetzung von Zöllen für landwirtschaftliche Erzeugnisse die Kosten für die Lebenshaltung der breiten Massen nicht gesteigert werden dürfen. Die sozialdemokratische Fraktion wird auch dem Etat ihre Zustim- mung geben, nachdem es gelungen ist, die in ihn: enthaltenen so-. ztälen Leistungen zu sichern und für schärfere Besteuerung der be- sonder» leistungsfähigen Schichten Mittel für dringende soziale Zwecke neu zu beschaffen. ' Sie oerlangt jedoch von der Reichsregierung, daß sie entsprechend' den abgegebenen Erklärungen nun mit allen Mitteln daran geht, die Wirtschaftskrise und die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Der Lohnabbau, der die Wirtschafkedelebung nur erschwert hat. darf nickst fortgesetzt, die Verkürzung der ArbettszeU muß. wenn sie nicht in kurzer Zeit freiwillig eingeführt wird, gesetzlich angeordnet werden. Di« sozialen Leistungen an die Hilfsbedürftigen müssen au i recht er- hallen werdeir vi« Gemeioben. die unter der Last der wohlfahrkeenverbslofeu- sürsorge zusammen zubrecheu drohen, muß dle Aufrechterhaltuug ihrer Leistungen durch die Schaffung der einhellllcheu Arbeits- losenfürsiorgc ermöglicht werden. Die Regierung muß alle Miliel anwenden, um die Wirtschaftskrise durch arbäkschasfende Maßnahmen abzukürzen. Nur«ine entschlossene demokratische und soziale Politik wird imstande sein, das deutsche Volk aus der Gefahr einer Selbstver« nichtung im Bürgerkrieg zu befreien und einer besseren Zukunft cntgegenzusühren. Wir Sozialdemokraten werden die bevorstehende parlamcn- tarische Pause benutzen, um ins Land hinauszugehen und dort.zu wecken und zu werben. Der Kampf zwischen Kapital und Arbeit spielt sich heute auf polittschem Boden als ein Kampf zwischen Fa- schismus und Demokratie ab. Wir gehen hinaus zum Kampf gegen die faschistischen Söldner des Kapitals, für das Recht der Arbeit, für Demokratie und So- zialismus.(Lebhafter anhallender Beifall bei den Sozialdemokraten.) Beschlüsse des Reichstags. Bor der Abstimmung über den Etat wurde das Ost Hilfe- gesetz ohne wesentliche Aenderungen in der Ausschußfassung in z.weiter Beratung angenommen. Die dazu vorliegenden Tut» schlietzungen des Ausschusses wurden angenommen, dazu eine sozio ldemokraiische Entschließung, die sich gegen den Abbau der Tariflöhne der ländlichen Arbeiterschaft wendet. Das Gesetz gegen Waffenmißbrauch wurde in dritter Beratung gegen die Kommunisten angenommen. Zum Reichshaushaltsgesetz wurde der Antrag der Mehrheits- Parteien, der der Regierung Brüning die Einsparungsermächtigung erteilt, mit 290 gegen 65 kommunistische Stimmen angenommen. Au» den übrigen Abstimmungen sei hervorgehoben die Annahme des sozialdemokratischen Antrages auf Erhöhung de» Etolansahes bei der Einkommensteuer um 43 Millionen, das ist der Mehr- crtrag au» der erhöhten Besteuerung der Aufstchlsrate und des Rot- opfer, zur Einkommensteuer. Gleichzeitig wurde beschlosten, daß Z5 Millionen davon den Ländern zur Weilergabe an die not- leidenden Semeinden zufließen. 5 Millionen an die Snappschosisversicheruug überwiesen werden, die damit einen Reichszuschuh von insgesamt 45 Millionea erhält, während 3 Millionen für die Speisung von Kindern angesetzt worden sind. Außerdem wurde eine Enischließuug angenommen, die die Reichsregierung ausfordert, einen Gesehentwurf vorzulegen, der die Ansnahmebesteuerung der Konsumvereine und Grohladengeschäste b e s e i l i g k. ' Beim Marineetat wurde der kommunistische Antrag auf Streichung des Ersatzbauplans bei den Kriegsschiffen mit 284 gegen 65 kommunistische Stimmen abgelehnt. Der kommunlstische Antrag auf Streichung der vierten Rate des Panzerschiffes A wurde mit 176 gegen 74 Stimmen bei 106 Stimmenthaltungen abgelehnt, ebenso der kommunistische Antrag auf Streichung der ersten Rate für das Panzerschiff B mit 176 gegen 73 Stimmen bei 106 Stimmenthaltungen. Wieder Oisziplinbruch! Die letzte Abstimmung über den Panzerkreuzer ergab-leider wieder eine nichteinheitliche Abstimmung der sozial- demokratischen Fraktion. Acht sozialdemokratische Abgeordnet« stimmten für den kommunistischen Antrag, und zwar: Graf, Kuhnt, Oetting- Haus, Portune, Dr. Rosenfeld, Seydewitz, Dr. Siemsen, Ströbel. 28 Abgeordnete beteiligten sich nickst an der Abstimmung, zehn davon fehlten wegen Krankheit oder dringender Geschäft«. Die 18 Abgeordneten waren: Frau Agnes, Arzt. Aufhäuser, Bergmann, Dietrich, Fleißner, Graupe, Krätzig, Künstler, Frau Kunert, Lllke, Dr. Löwenstein, Schirmer, Frau Schreiber-Krieger, Frau Sender, Stücklen, Frau Wurm, Ziegler. Die zehn fehlenden Abgeordneten sind: Beims, Bernhard, Crispien, Ferl, Gerlach, Jäcker, Larssen, Dr. Remmele, Streufert, Witt«. Das Schicksal des Broipreises. Das noch nicht ganz fertige Kompromiß. Obwohl nach Verhandlungen zwischen der Regierung und den Bäckerinnunzen schweben, auf welche Weise sich eine Erhöhung de» Brodpreises verminen werden soll, haben verschiedene Meister und.Fabriken in Berlin den Brotpreis bereits auf 50 Pf. er- höht. Sie zeigen damit, daß sie keinerlei Verständnis für die 'Loge der Arheiterfchast besitzen und keinerlei wirkliches Verant- woriunasgefühl. Die s o z i a l d e m o k r a k i s ch e R e i ch s t a g s f r a k t i o n hat sich inzwischen mit aller Energie bemüht, die Regierungsparteien zu überzeugen, daß jede weitere Verteuerung der Lebensinittel, nameni- lich des Brotes, für die breiten Massen untragbar ist. Die Verhoind» lungen haben zu einem. K o m p r o m i ß geführt, das einige Zu- fätze zu dem dem Reichstag von der Regierung vorgelegten Zoll- ermäckstigungsgesetz vorsieht. Diese Zusätze sollen zum Schutz der Verbraucher ein« weitere Preissteigerung verhindern. Die Re- gierung soll durch sie verpflichtet werden, einer Erhöhung des Brotpreises über den Durchschnittspreis der letzten sechs Monate entgegenzuwirken. Außerdem muh die Reichsreglerung Zölle herabsetzen oder andere geeignete Maßnahmen ergreifen, um das Preisniveau zu senken, wenn die Indexziffer, die. tste Kosten der Lebensmittel anzeigt, vier Monate lang über 133 Przz steigt. Schließlich müssen die Beschlüsse der Reichsregierung über Zoll- änderunzen dem Reichsrat zur Kenntnis gebracht werben und- sind, wenn der Reichsrot Einspruch gegen sie erhebt, wieder rückgängig zu machen.' • Einfacher wäre es gewesen, wenn die Reichsregierung sofort durch eine Senkung der Weizen» und Roggenzöll« und«ine Herab- setzung des Weizenvermahlungszwonges eine Senkung der Preis« für Mehl und damit für Brot herbeigeführt hätte. Es brauchte dann nickst dieser umstäMiche Weg gewählt werden, um eine Senkung des Preisniveaus zu erreichen. Wird das Kompromiß im Plenum aber angenomrnen, so ist indessen ein D« r b r a u ch« r- schütz in dem Zollermächtigungsgesetz verankert. Dies gitt aber nur unter der Voraussetzung, daß die Regievung die Bestimmungen wort, und sinngemäß durchführt. Die Entscheidung wird im Reichstag noch fallen. Auf jeden Fall muß. Um eine allgemeine Preissteigerung für Brot in der nächsten Zeit zu oermeiden, die Ausmahlung«. grenze für Roggen von 60 auf 70 Proz. erhöht werden, damit den Bäckern jeder Grund genommen wird, den Brotpreis heraus- zusetzen. Ebenso notwendig ist es aber auch, daß endlich der Paragraph des Brotgesetz«» in Kraft gesetzt wird, derdenDerkauf de» Brotes nach Gewicht vorschreibt. Erst dann ist«s für den Verbraucher möglich, ein« Kontroll« der Brotpreis» bei den einzelnen Bäckermeistern vorzunehmen und so die Profite der Bäcker einzuschränken. Berlin-Gesetz beschloffen. Es tritt am-1. April in Krafi.- Volksdühnenvertrag wieder nicht zustandegetommen. Der Preußische Landtag stimmte am Mittwoch über die an- gefochtenen Titel des Kultusministeriums in zweiter Lesung ao. Dabei wurde auch ein Zentrumsantrag bei Stimmenthaltung der Sozialdemokratie angenommen, mit Ablauf der Spielzeit 1931 die Staatliche Krolloper in Berlin zu schließen. Die namentliche Abstimmung über den Staatsvertrag mit der Berliner Volksbühne ergab zum dritten Male die B e s chl u ß uns äh i g k e i t des Hauses. Wieder gaben Kom- munisten und Rechtsparteien kein« Karten ab. Die Regierung»- Parteien brachten nur 225 Stimmen auf. Es fehlte also nur. eine Stimme an der Mehrheit. Die Sozialdemokraten waren vollzählig vertreten. Dann wurde in dritter Lesung ebenfalls in namentlicher Abstimmung das neu« Berliner S.e l b st v e r wa l. tungsgesetz endgültig verabschiedet. Hierbei gelang es den Rechtsparteien und den Kominunisten nicht, das Haus beschlußunfähig zu machen, weil die Landvollpartei sich an der Abstimmung beteiligte. Das Gesetz tritt nun am 1. April 1931 in Kraft. Rußlands offizielles Geficht. Das Zazit des Rätekongresses. Vor» I'stor Garwy. Der Rätetongreß der Sowjetunion ist geschlossen. Von außen gesehen war er ein Triumph der von Lenin hochge- priesenen.chöchsten Form der Demokratie". Die Zahl der Wahlbeteiligten stieg von 3Z.6 Millionen im Jahre 192? auf 47 Millionen im Jahre 1929 und auf 61 Millionen(72 Proz. der Wahlberechtigten) im Jahre 1931(davon 12,8 Millionen in der Stadt und 48,1 Millionen auf dem flachen Lande). /Aber was besagen diese Zahlen? Der Rätekongreß ist in vielfach indirekten, ungleichen und öffent- l i ch e n Wahlen gewählt worden. Es gab dabei keinen Wahl- kämpf, keine Gegenliste, keine Wahlfreiheit. Die Sowjets, denen nach der Losung Lenins und nach der Räteoerfassung „alle Macht" gebührt, spielen in Wirklichkeit dre Rolle eines Deckmantels, hinter dem sich die persönliche Diktatur Stalins verbirgt, die mit Hilfe des militärisch disziplinierten Parteiapparats durchgeführt wird. Im angeblichen„Parlament der Arbeit" gab es keine, wenn auch nur kommunistische Opposition! Kein einziger Trotzkist, kein Rechtsabweichler oder Versöhnler durfte in die Sowjets gewählt werden. Das langjährige Haupt der Sowjetregierung R y k ow konnte auf dem Kongreß nicht auf- treten, um sich und seine Politik zu verteidigen. Nur die linientreuesten Stalinisten und die von ihnen bestimmten „ehrlichen Parteilosen" bildeten den„Rätekongreß des sozio- listischen Aufbaues". Statt R y k o w erstattete M o l o t o w diesmal den Be- richt der Sowjetregierung. In diesem Personenwechsel spiegelt sich die schrofse Wendung in der Politik der Diktatur ab. Molotow ist der farblose Handlanger Stalins. Der Diktator hielt sich auf dem Rätekongreß, wie immer, im Hintergrunde. Aber seine eiserne Hand leitete die Handlungen des zwei- tausendköpfigcn Rätemeetings, das einmal in zwei Jahren zu- sammentritt, um beim werktätigen Volke die Illusion der Selbstregierung aufrechtzuerhalten. Die außenpolitischen Ausführungen Mo- losiows waten im Grunde genommen eine fade Wieder- holung der bekannten Rede Stalins auf dem letzten Partei- kongreß 1939. Wie damals lag den Ausführungen Molotows die prahlerische Entgegenstellung der„sozialistischen Erfolge" in Sornjetrußland und dem zunehmenden Zerfall in den Ländern des Kapitalismus zugrunde. Die Schlußfolgerung war grotesk einfach:.Keinem Volke ist der Weg der Oktober- reoolution verboten.".». Es ist nicht zu bestreiten, daß der gegenwärtige Moment für eine derartige demagogische Entgegenstellung günstig ist. Die Bolfchewisten haben es verstanden, die Weltkrise und die steigende Arbeitslosigkeit im Westen zu propagandistischen Zwecken auf dem Rätekongreß mit Geschick auszunutzen. Es . ist. übrigens eine sozialistische Binsenwahrheit, daß die kapi- tälistische Produktionsweise und Gesellschaftsordnung unge- mein schlecht ist und- daß sie ün Interesse wsrltäWen Volkes und der Zivilisation durch eins höhere, bessere, ge» rechtere abgelöst werden mutz. Die Frage ist nur die. ob die bolschewistische Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. die in einer staatssklaversi mündet, die von den Sozia- listen erstrebt« höhere Produktions- und Gesellschaftsform ist, durch die der Kapitalismus abgelöst werden muß! Der Rätetongreß hat keine Beweise dafür erbracht, daß der„Weg dcc Oktoberrevolution" für die Arbeiter Westeuropas der „einzig gangbare" ist, und die Lage der Arbeiter in Sowjet- rußland ist keineswegs beneidenswert. Die sozialrevolutionäre Zuspitzung der außenpolitischen Ausführungen auf dem Rätekongreß wurde durch die übliche Betonung der Friedfertigkeit der Sowjetunion begleitet. Einerseits wurde dabei die eingetretene Besserung der Beziehungen mit den meisten Fremdmächten unterstrichen. andererseits wurde aber mit Berufung auf den infamen ,.Menschewiri"-Prozeß die interventionistische Gefahr an die Wand gemalt. Der Kriegsalarm ist offenkundig ein Ab- lenkungs- und Einschüchterungsmanöver nach innen und ein Propagandamanöver nach außen. Die außenpolitischen Ausführungen bildeten nur eine Umrahmung für die W i r t s ch a f t s p r o b l e m e der Sowjetunion. Der traurigen Wirklichkeit zum Trotz wurde von den Regierungsvertrctern betont, daß„d a e Land in den Sozialismus eingetreten ist". Die P j a t i l e t k a. der Fünfjahrplan habe sick) in den ersten zwei Jahren bewährt. Der Prozentsatz der Ausführungen beträgt nämlich im Vergleich zum Voranschlag für die ersten zwei Jahre: für das Nationaleinkommen 102 Proz.. für den Staats- Haushalt 124 Proz, für die Kapitalinvestitionen 109 Proz., für die Bruttoproduktion der geplanten Industrie 104 Proz.. für die Saatfläche 103 Proz.. für die Marktgetreideproduktion 121 Proz. und für den Güterverkebr 117 Proz Der Räte- kongreß hat den Wirtschaftsplan für das Jahr 1931 bestätigt. der von der herrschenden Partei aufgestellt war. Das Nationaleinkommen soll demnach um 39 Proz, die Bruttoproduktion der Staatsindustrie um 45 P-oz. gesteigert werden bei einer Herabsetzung der Selbstkosten um 10 Proz. Nicht weniger als 518 neue Fabriken und Werke sollen in diesem Jahre in Gang gesetzt werden. In den Hauptzweigen der Industrie soll der Fünfjahrplan in drei Jahren durch- geführt werden. Hiermit hat der Rätekongreß das überspannte Jndustria- lisicrun�stempo Stalins feierlich bestätigt, dos nur mit Hilfe. der weiteren Drosselung des Konsums, der Inflation, der Verschlechterung des Arbeiterschutzes, der Ausdehnung der Antreibermethoden und der Beschränkung der Freizügigkeit der Arbeiter eingehalten werden kann. Es läßt sich nicht bestreiten, daß in Sowjetrußland ein gewaltiger Industrie- aufbau stattfindet. Es ist aber kaum daran zu zweifeln, daß das ungeheure Experiment letzten Endes fehlschlagen wird. da es in Rußland an allen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Voraussetzungen für den sofortigen Aufbau des Sozialismus fehlt. Die alkumfassende Staatswirtschaft, die von Oben dem Volke aufgezwungen wird, hat übrigens mit Das Regime Frick wird abgebaut. Raiionalsozialisiische Götterdämmerung in Weimar. Weimar, 25. März(Eigenbericht.) Im Haushallsausschuß des Thüringischen Landtag» kam es am Mittwoch zu öwer lebhaften F r i ck- D« b a t t e. Veranlassung dazu gaben die Theaterskandale des Fachberaterz von Frick, Dr. Ziegler. Ziegler ist Redakteur an dem Weimarer Naziblatt und nichtamtlicher Sachberater des Herrn Frick für Theaterfragen. Für diese Tätigkeit erhall er inonatlich 200 Mark. Auf Veranlassung Zieglers sind in letzter Zell mehrere Künstler mit jüdischem Aussehen oder ausländischem Namen vom National- theater in Weimar entlassen worden. So u. a. der bisherige Generalmusikdirektor, weil seine Frau eine Jüdin ist. Slußerdem ist das Deutsche N a t i o n a l t h e a t e r auf Ver- anlassung Zieglers fortgesetzt zu nationalsozialistischen Partei Veranstaltungen benutzt worden. Die Nazis be- nutzen das Theater mit besonderer Vorliebe, weil hier die ver- sassünggebcnde Nationalversammlung getagt hat und die Versassung der Republik geschaffen wiiri5e. Erst kürzlich hat der Fememörder Schulz im Nationaltheater eine Rede wie folgt begonnen:„In diesem Raum hat sich einstmals eine Horde von Verrätern und Feiglingen angemaßt, einen neuen Staat auszubauen." Die Sozialdemokratie protestierte lebhaft gegen die unerhörte Beschimpfung deutscher Männer und Frauen, die der National- Versammlung angehört haben. Aus ihren Antrag wurden zwei Entschließungen angenommen, die sich gegen die Kunst- Politik Fricks und den Mißbrauch des Deutschen Nationaltheaters durch die Hakenkreuzler richten. Angenommen wurde ferner mit den Stimmen der SPD., der Nolkspartei und der Kommunisten folgender volksparteilicher An- trag:„Die Landesregierung wird beauftragt, den von dem Herrn Volksbildungsminister als Fachberater für Kunstangelegenhelten be- rufenen Dr. Ziegler unverzüglich aus sciner Tätigkeit zu entfernen." Ein Beschluß der Volkspartei. ' Frick-Pirmaftns wird ausgestaltet. Weimar, 25. März Der Ländesausschuß der DVP. trat am Mittwoch zusammen, um zu der politischen Lage in Thüringen Stellung zu nehmen. Der Fraktionesührer der Voltspartei,. Dr. Wigmann, gab«inen Bericht über die jüngste polltische Entwicklung in Thüringen, in dem er erklärte,»ach ollem, was sich ereignet Hab«, gebe es für die Bolkspartei keine' ander« Möglichkeit, als durch die Zustimmung zu den von den Sozialdemokraten eingebrachten Mißtrauensanträgen die nationalsozialistischen Regicrungsmit- g l i ede r in Thüringen auszuschalten. Einstimmig nahm der Landesausschuß folgende Entschließung an:„Der. Landesausschuß der Deutschen Bolkspartei Thüringens begrüßt und billigt die entschiedene Haltung der Landtagssrattion in der Abwehr nationalsozialistischer Anwürfe. Er unterstützt die Ansicht der Fraktion, daß die Partei an einer Verwilderung des politischen Kampfes nicht mitschuldig werden darf, wie sie unweiger- lich eintreten muß, wenn selbst Koalitionsgenossen in der gegen- seifigen Kritik sich keine Beschränkungen auferlegen. Nach der Weigerung der Nationalsozialisten, schwere Beloi- digungen gegenüber der Deutschen Volksparjei zurückzunehmen. gebot es die Selbstachtung, die Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten aufzugeben. Nach- dem im Verlaufe der seitherigen Regierungsperiode bereits eine ganze Reihe ernster sächlicher Gegensätze in Erscheinung getreten waren, die sich je länger je mehr zuspitzten, hat die Hai- tung der Nationalsozialisten, insbesondere die«inseitige Partei- egoistische Betätigung der nationalsozialistischen Kabinettsmitglie- der, wie auch die Einstellung der Nationalsozialistischen Partei bei den Haushaltsberatungen in den Fragen der Fachberater als Partei- organe, der Personaipolitik, der Verhetzung der Jugend anstatt ihrer Erziehung zur Bolksgemeinschast, des Mißbrauchs des Theaters, der einseitigen Handhabung oer Versammlung, Polizei usw. die Möglichkeit eines koalitions mäßigen Zusammenbleibens endgültig zerstört. Eine Haltuno, die eine Bereitschaft zur Achtung und Anerkennung des Koalitionsgenossen ausdrücklich ablehnt, schließt auch in sachlicher Hinsicht die Möglichkeit einer sruchtbarcn Zusammenarbeit aus. In der Verurteilung der hemmungslosen und unverantwortlichen Kampfesweise der Nationalsozialisten besteht erfreulicherweise weit- gehende Uebereinstimmung mit den übrigen Regierungsparteien. Der Landesausschuß spricht der Fraktion einmütig sein Ver- trauen aus, in der Gewißheit, daß auch ihre jetzige Haltung nur dem Wohl« des Landes dienen wird." Gymnasialdirekior Siefert bkeibt in Weimar. Weimar. 25. März.(Eigenbericht.)' Das thüringische� Volksbikdungsministerium hatte angeordnet, den Direktor des Wilhelm-Crnst-Eymnasiums in Weimar Dr. Eiefert mach G r e i z zu v e r j e tz e n. Es stand aber von vornherein fest, daß diese Versetzung Dr. Sieferts, der ein führendes Mitglied der Deutschen Volkspartei in Thüringen ist und der seinerzeit wegen des Verbots nationalsozialistischer Schülerbünde mit Dr. Frick Diffe- renzen hatte, auf politisch» Ursachen zurückgeführt werden mußte. In der letzten Kabincttssitzung hat man sich auf Antrag der Deut- schon Volkspartei gegen die Versetzung Dr. Sieferts ausgesprochen. dem Sozialismus nichts gemein. Indem man mit dem bolschem-istischen Experiment sozialistisch« Hoffnungen verkzyyjst. lcmst man Gefahr, daß der Zusammen- bruch diesi-K Hxpsriuzautd-- auch den Sozialismus diskredi- tieren wirdb vi■>■• Der Schwerpunkt der Verhandlungen de« Rätekongresses lag auf dem Gebiet der neuen Agrarrevolution, die von Stalin feit 1929 eingeleitet wurde. Auf dem Kongreß wurden verblüffende Zahlen über den Gang der Varftaat- lichung und Kollektivierung der Landwirtschaft angeführt. Die Zahl der kollektivierten Dauernwirtschaften betrug 1927 288 000(1.1 Proz.). 1928 595 000(2,3 Proz.). 1929 2 131000 (8,1 Proz.). 1930 5 565 000(22,2 Proz.), 1931(1. März) 8 830 000(35,3 Proz.). Im laufenden Jahre sollen nicht weniger als 50 Proz. der Bauernwirtschaften in den Kolchosen organisiert werden, die übrigens völlig den Staatsorganen untergeordnet find. Dasselbe rasende Tempo ist auf dem Ge- biet der Gründung der Sowjetgüter eingeschlagen worden. Die Mechanisieirung der Landwirtschaft wird in aller Eile durchgeführt. In seiner Rede hat zwar der Voltskommissar für Land- Wirtschaft Jakoblew das Freiwilligkeitsprinzip bei dem Ein- tritt in die Kolchosen betont, aber gleichzeitig wendete er sich gegen die passive Haltung der Partei- und Staatsorgan« bei der Durchführung der Kollektivierung. Jeder Einzelbauer soll nunmehr vor die Wahl gestellt werden: für oder gegen die Kollektivwirtschaft. Was das in der Praxis bedeutet, ist ohne weiteres klar. Da die Einzelbauern in der Entwicklung ihrer Wirtschaft völlig gehemmt werden und Ge- fahr laufen, als Kulaken behandelt zu werden, so ist es nicht verwunderlich, daß sie sich massenhaft kollettioieren lassen. Mit der S o z i a l i s i e r u n g der Landwirtschaft hat diese Zwangskollektivierung nichts gemein. . Der Rätekongreß stand also völlig im Zeichen der Generallinie. Die„Selbstkritik" bewegte sich in den vorge- schriebenen Grenzen der Einzelheiten und der Teilfehler. Die Generallinie als solche stand außer Kritik, außer Besprechung. außer Zweifel, In den langwierigen Debatten auf dem Räte- kongreß. ist daher keine Spur von der Ernährungstrise, vom Warenhunger, von Ueberanstrengung der Arbeiter, vom Terror— kurz von alledem zu finden, was die wirtliche Lage der Volksmassen in Rußland kennzeichnet! Böse Kosgen von drei Hinrichtungen. Alutige Kämpfe in ganz Indien.— Gandhi„der verröter* Bombay.». März.(Eigenbericht.) Die Hinrichtung der drei Inder in Lahor« hat lata- strophale Folgen hervorgerufen. Wilder dr n» s e ist im ganzen Lande di« nationalistisch« Bewegung aufgeflammt. Aus allen Teilen Indiens und vor allem an» den großen Städten kommen Nachrichten über T r a n e r f e i e r u. die mit. schwere« Ausschreilungen und mit blutigtn fiämpsen endeten. Sie europäischen Geschäfte mußten geschlossen werden. Europäer wurden auf offener Straß? angegriffen und ihr« Wogen verbrannt. An zahlreichen Orten mußte Militär eingreifen. Besonders.heftig, sind die immer noch andauernden Kamps« In der Stadt Cawnpuba, die zwijchea Delhi und Allahabad liegt. In den hier stattfindenden Straßenschlachten zwischen Demonstranten und Milllär wurden bis jehl Z0 Inder gelölel und über loa verletzt. Uebel sind auch die Folgen der Hinrichtung auf de« tn Sarachl versammsllen und entscheidenden alllndlschen Kon- greh.der'« dem Frsedenrlchluß Sfettistin nehmen soll. Die Oppo- slllanunler Nehr« M stärker denn je, S-fndhi wird von dex naklauallstische« Zugend oerlolgt und wo e» sich zelglalsverräleraugeschrien. vi« Eröffnung de» Kongresse» ist aus Sonnlaa verschoben worden, ein Vewei», wie schwer die Lage für Gandhi und die Friedensanhänger geworden ist. Reue Straßenkämpfe in Madrid. Zwischen Studenden und Polizei. Madrid. 25. März.(Eigenbericht.) In der spanischen Hauptstadt haben sich am Mittwoch vor den Gebäuden der medizinischen Fakultät und der Veterinärschule wieder heftige Studentenunruhen ereignet. Es kam zu einer regelrechten Schlacht zwischen Polizei und republikanischen Studenten. Ein Hauptmann der Zivilgarde wurde schwer ver- wund et. drei Studenten wurden getötet. Am Abend w'eder Ruhe. An, Abend war in Madrid, übereinstimmenden Meldungen zu- folg«, die Ruhe wieder hergestellt. Neue Ausnahmebestimmungen werden von der Regierung nicht beabsichtigt, doch dürfte die Unioer- sität abermals geschlossen werden. Gegen den Geist von Versailles. Ver Standpunkt des Lobour-Orqans London. 25. März.(Eigenbericht.) Der Lorschlag Hendersons, die Frag« der deutsch-österreichischrn Zollunion dem Völkerbundsrat zu unterbreiten, wird vom„Daily H, r a l d" als ein kluger Rat bezeichnet, der auch von Berlin und Wien beschritten werden sollte. Zweifellos habe der Völker- bundsrat das Recht, zu prüfen, ob durch die Zollunion irgendein internationales Abkommen verletzt werde. Das sei aber auch das einzige, worüber der Rat zu verhandeln habe. Die wiederholt von der französischen Presse gegebene Anregung, England müsse sich irgendeiner deutschen Aktton widersetzen, ledig. lich weil Deutschland in Frankreich mißliebig ist, solcher Anregung kann nach der Ansicht des„Daily Herald" keinen Augenblick stattgegeben werden. ..Sprechen wir frei und ossen", sagt dus Organ her Labour Party,„es gibt in Pari» eine Tendenz, die die französischen Wünsch« mil dem internationalen Recht zu vermengen suche, derart, daß Frankreich alle Rechte. Deulschland alle Pflichten habe. Das ist ein lleberbleibsel de» Geiste» von Versailles, das ausgeroltei werden muß. wenn Europa Frieden haben will. Di« Unantastbarkeit der Vertragsverpflichtungen, das gleiche Recht für alle Staaten, die Autorität des Völkerbundes: das sind di, drei Pfeiler, auf denen der Frieden Europas ruhen muß. Kleines Theater. Leo Lenz:„Oer stille Kompagnon." Eine Harmlosigkeit, wie wir sie von Lea Lenz gewohnt sind, aber diesmal lustiger als sonst. Verwechslungskoniik nach altein Muster. Zum Schluß die übliche Verlobung. E r.i k.a Gläßner spielt nicht ihre Rolle, sondern sich selbst, womit sie immerhin wie da» ganze Lustspiel«inen freundlichen Erfolg erringt. Dgr. Immer neuer Gchlichtungsunfug. Or. Völker diktiert den schlesischen Webern 6 Prozent Lohnabbau. Am 24. März trat die von Dr. Dölcker erzwungene Schlich- tungskammcr wieder zusammen, um de» bereits fertig geschriebenen, von ihm i» der Tasche getragenen arbeiterfeindliche» Schieds- ' s p r u ch zu verkünden. Nach diesem Schiedsspruch werden die Ecklöhne der schlesischen Textilarbeiter um ö Proz. gesenkt, alle übrigen nach dem bisherigen Schlüssel. Die bisherige Akkord- sicherungsklausel wird gestrichen, dafür eine Bestimmung gebracht, die das gesetzlich verankerte M i t b e st i m m u n g s r« ch t der Betriebsräte aufhebt und völlig beseitigt und den Unter- nehmern eine noch leichtere Möglichkeit zu weiterem Abbau der Akkorde und somit zur weiteren Lohnsenkung gibt. Die bisherige töprozentige Akkordsicherungsspanne wird auf 12 Proz. gesenkt. Die Bestimmung, daß dort, wo bereits höhere Lö�ne gezahlt werden, diese nicht gekürzt werden dürfen, wird ebenfalls gestrichen. An Stelle dieser Bestimmung tritt eine ander«, die nichts weiter als Kautschuk ist und ganz bestimmt von jedem zwölfjährigen Schüler klarer ge'aßt worden wäre. Somit hat der Lohnabbausavorit Dr. Völker allen Anträgen der Unternehmer Rechnung getragen, dafür aber um so konsequenter alle Anträge der Arbeitervertreter, ohne sie auch nur einer Beachtung zu würdigen oder sie auch nur einmal in die Diskussion zu werfen, abglehnt. Der Schlichter hat den Parteien eine Erklärungsfrist bis zum 30. März gesetzt. Die schlesische Textilarbeiterschast wird diesem Schiedsspruch die Antwort« erteilen, die ihm gebührt. Streik der Tuchmacher in Forst i. L. Die Llnternehmer fordern 7—25 proz Abbau Der Schlichtungsausschutz in Kottbus hatte einen Schiedsspruch gesäM, der einen Abbau der Tariflöhne für die Lausitzer Tuchindustric um 6 Proz. vorsah. Dieser Spruch wurde aus An- trag der Unternehmer für verbindlich erklärt. Die Textilunternehmer in Forst glauben jedoch noch ein boson- deres Geschäft dabei machen zu känncn, indem sie den Webern cinen A k k o r d t a r i f anbieten, der einen Abbau der Akkordslücklöhnc von 7 bis 25 Proz. vorsieht, obwohl sie bei den Tarrflohnerhöhungen am 27. Januar 192S und am 3. April 1930 keine entsprechende Erhöhung der Akkord- löhne eintreten, sondern einfach die alten Sätze bestehen lietzen. Dadurch hatten sie die Zlkkordarbeiter von jeder Lohnerhöhung ausge- schlösse». Bei Tarislohnerhöhungen keine Erhöhung der Akkordstück- löhne, bei Tariflohnabbau einen ganz bedeutend höheren Abbau der Akkordftücklöhne, das scheint die Parole der nicht sehr bescheidenen Textilunternehmer in Forst zu sein. Datz sich die Arbeiter eine» derart rigorosen Lohnabbau nicht bieten lassen konnten, liegt aus der chand. So kündigten die Akkordarbeiter in zwei Betrieben ihr Arbeitsverhöllnis mit dem Ziel, diesen brutalen Akkord loh nabbau abzuwehren Soweit nur eintägig« Kündigungsfrist besteht, befinden sich die Ar- bester bereits seit dem 25. März im Streik, der sich, wenn die Unter- nehmer zu keiner Verständigung bereit stnd, wester verschärfen wird. Streikabstimmung der Brauer. SchtichtungSausschup verfügt 3.S0 Mark Lohnabbau. Am Dienstag sällt« der Schlichtungsausschuh unter Vorsitz des Gewerberats Körner«inen Schiedsspruch für die Arbeiter der Berliner Brauereien, der einen empfindlichen Lohn- abbau vorsieht. So wird der tarifliche Wochen lohn ab 30. April um 2,50 M. und ab 1. Oktober um eine weitere Mark, i n s- gesamt also 3,50 M. gekürzt. Danach beträgt der tarifliche Wochenlohn des gelernten Ärbestcrs ab 30. April nur noch 59,50 M., ab 1. Oktober nur noch 53,50 M. Der Wochenlohn für das Fahr- personal stellt sich dann aus 54 bzw. 53 M., der der ungelernten Ar- beiter auf 52,50 bzw. 51,50 M. Im übrigen bleibt es bei den Bc- stimmungcn des bisherigen Abkommens. Zu diesem Schiedsspruch, für den man keine andere Begründung fand, als dah der Lolznabban auch vor der Branindustrie nicht halt machen dürfe,»ahm gestern eine überfüllte Versammlung der frei- gewerkschaftlichen Brauereiarbeitersunktionärc in den Musikersälen Stellung. Ohne Diskussion wurde der Schiedsspruch ab g e- lehnt und entsprechend dem Vorschlag der Orgnifationsleitungen die Durchführung einer Urabstimmung beschlossen. Diese Nr- abstimmung über Streik oder Arbeit findet am Freitag und Sonn- abend in den Betrieben statt. Abstimmungsberechtigt sind nur die Mitglieder der Arbcitnehmeroerbände, die am Tarnvertrag beteiligt sind. Unorganisierte Arbeiter, wozu auch die RGO.-Gruppen rechnen, haben kein Stimmrecht. Am Montag tritt dann die Lohnkomnnsiion zusammen und am Dienstag, abends um 6 Uhr, wiederum der Funktionärkörper, und zwar wie gestern in den Musibersölen. Protest der Berliner Zimmerer. Gegen d-n lAprozentigen Lohnkürzungs-Schiedsspruch. Die Zahlstelle Berlin des Zentralvcrbandcs der Zimmerer be- fatzte sich in ihrer Delegierlenoersavnulung am 22. Mäx; mit dem vom Tarifamt gefällten Lohnschiedsspruch. Der Vorsitzende F r a ch berichtete eingehend über die Verhandlungen am 4. und 17. März. Er unterzog das unverschämte Verlangen der Arbeitgeber, den Lohn des Baufachorbeiters um 33 P f. pro Stunde zu kürzen, einer kritischen Betrachtung. Der Schiedsspruch, der einen 15 p r o z e n t! g e n Lohn- <�b b a» vorsieht, ist ein« Provokation der Berliner Bauarbeiter- schaft. Dag dieser oder auch nur ein ähnlicher Schiedsspruch im Jnlercsle des Baugewerbes liegen könne, und zwar auch dann, wenn er wider Erwarten für verbindlich erklärt werden sollte, wird niemand glauben, am allerwenigsten die baugcwerblichen Unter- nehmer Berlins, die schon im Laufe der Verhandlungen nicht im unklaren darüber gelassen wurden, welche Folgen eine auch'wr teilweise Berücksichtigung ihrer Forderung nach sich ziehen mutz. Der Aistrag eines Delegierten, über den Schiedsspruch weder zu diskutieren noch abzustimmen, sondern über eine solche Der- hohnung glatt zur Tagesordnung überzugehen, wurde einmütig angenommen und dadurch der berechtigten Empörung Ausdruck gegeben. Lahresrückblick im„Buiab". Auch die Techniker leiden unter der Arbeitellofigkeit. Die Berliner Ortzoerwaltung des Butab hielt am Sonntag im Reichswirtschastsrat ihre Jahreszcneraiversammlung ab. Auch für die freigewerkschastliche Technikerorganisation ist das Jahr 1930 ein Jahr schwerster finanzieller Belastung und riesiger Zlnstrengungen gegen das abbauwütige Unternehmertum gewesen. Der Geschäfts- sichrer, Genosse R o g a tz, zog in seinem Geschäftsbericht zunächst eine Parallele zwischen der politischen Entwicklung im Vorjahre und den wichtigsten sozial- und wirtschaftspolitischen Geschehnissen, die sich zwangsläufig aus der politischen Entwicklung ergeben haben. Für die Techniker und Ingenieure, die im Zluftrage des Unternehmertums die Rationalisierung in den Bclriebeu vornehmen inutzien, ist die Ardestsinöglichkeit jetzt fast ebenso eingeschränkt wie für die chand- orbeitcr und die übrigen Angestellten. Die Krise auf dem Arbeits- markt hat auch die Technikcrschaft hart angefaßt. Au Beginn des Jahres 1930 waren 706 Bundesmitglieder oder 5,4 Prozent der Berliner Mitgliedschaft stellungslos, am Jahresschluß aber waren bereits 1869 oder 14,4 Prozent, und bei der letzten Zahlung, am 20. März. d. I.. 2153 oder 16.9 Prozent der Techniker arbeitslos. Im Hinblick auf die allgemeine Arbeitslosigkeit unter den Angestellten ist die Fzststelluckg überraschend, daß von den am Schluß des Be- richtsjahres gezähiten arbeitslose» Technikern rund drei Viertel unter 45 Jahre alt waren und nur ein Viertel über 45 Jahre. Die größte Zahl der erwerbslose» Techniker ist in der Metallindustrie zu verzeichnen, ihr folgt das Baugewerbe und an dritter Stelle die Technikerschaft in den Gemeindebetrieben. Erfreulich ist dagegen die Tatsache, daß trotz der Krise der Mitgliederbestand der Organisation im vorigen Jahre noch eine Zunahme um 271 auf 14 844 zahlende Rlilgliedcr ausweist. Die Solidarität der in Arbeit stehenden Techniker gegen- über ihren stellungslosen Berufskollegen hat sich am vorbildlichsten bei der Weihnachtssammlung gezeigt, deren Ertrag e« der Organisation ermöglichte, an 656 erwerbslose Bundes Mitglieder eine Extraunterstützung von rund 9500 Mark auszuzahlen. Nach einer kurzen Diskussion wurde dem Ortsoorstand Entlastung erteilt. Der Geschästssührer. Genosse Rogatz, wurde ein- stimmig wiedergewählt. Neben zwei Anträgen, in denen der Butab ersucht wird, sich bei den zuständigen Behörden für die Ausgabe von Wochenfahrkarten auch für An- g e st e l l t e einzusetzen, wurde eine Entschließung angenom- men, in der gegen den Gehallsabbau und die damit verbundene Verelendung der Arbeitnehmerschaft protestiert wird. Hinsichtlich des Ueberstundenunwesens heißt es in der Entschließung: „Einig In der verurieilung des Ueberstundenunwesens erwartet die Gcneralversaminlung, daß sich kein Berliner Bundes- initglied bereit findet, Ueberftundcn zu leisten. Im Hinblick aus die zur Frage der Arbeitszeitoerkürzung vom Internationalen Gewerkschaitsbund auf seiner Tagung in Stockholm gefaßten Beschlüsse richtet die Generalversammlung an die Berliner Mitgliedschaft das Ersuchen, sich mit aller Kraft dafür einzusetzen, daß der Bund in kürzester Zeit zahlenmäßig und materiell so weit erstarkt, daß kommende Tarisvcrhandlungen die 40-Stunden Arbeitswoche mit Gehallsausgleich zum Ergebnis haben," Oer Kampf um die Besoldung. Magistrat und Gutachterauvschuß einig. Der Magistrat hat sich gestern mit den beabsichtigten Maß- nahmen des Oberpräsideuten gegen die Berliner Besoldung und mit ! dem bereits erstorteten Gutachten des für die Berliner Besoldung � besonders eingesetzten Gutachtcrausschusses besaßt. Er hat sich jm � wesentlichen den Ausführungen des Gutachterausschl-sses ange- I schlössen und protestiert insbesondere gegen die Zerreißung der Besoldungsordnung und die Bcrnichtung der Der- waltungsvorschristen. Die mit der Herabgruppierung einhergchcnde Häufung der bisher vorhandenen Gruppen in eine den gegebenen Verhältnissen nicht angepaßte Mehrzahl wird eine Verwaltung?- arbeit mit sich bringen, die sich in unendlich kleinlichen und minutiösen Abmessungen erschöpfen wird. Damit ist der Magistrat zugleich dem bereits vor kurzem gefaßten Beschluß der Stadtverordneten aus Herbeiführung einer Grundlage zur Beibehaltung der bisherigen Bcsoldungsregelung beigetreten. Nachdem auch schon die Vorsitzenden der Bezirksämter in ähn» licher Weise zu den Absichten des Oberpräsidenten und dem Gut- achten des Gutachterausschusses Stellung genommen haben, ist eine völlig einige Front zwischen Gutachterausschuß, Magistrat, Stadt- verordnctenversammlung, Bezirksämtern und Beamtenschaft her- gestellt. Dos sollte darüber zu denken geben, ob die Aufsichtsbehörde in der Arbeit ihrer fchematischcn Nachprüfung nicht zu weit ge° gangen ist. Oie Verschmelzung bewährt sich. Zirichsfachgruppentagvng der Gärtner. Im Ferienheim des Gefamtoerbandes in Kochel hielt die dem Gesamwerbande angegliederte„Reichssachgruppe Görtne- rei— Park— Friedhof" kürzlich ihre erste Reichs konfe- renz ab. Diese Tagung bot Gelegenheit, das Ergebnis der Ber- fchmelzung zu prüfen. Vorweg sei betont, daß die Delegierten recht oft und stark ihre Freridc darüber zum Ausdruck brachten, daß die Eingliederung der Gärtner in den Gestrmrvcrband viel besser gelungen ist, als manche es erwartet hatten. Der gedruckt vorliegende Geschösisbericht wurde von dem Reichs» fachgruppenleiter Busch ergänzt. Busch hob hervor, daß durch die Verschmelzung die früheren Grenzstreitigkciten zwischen dem Gärtnerverband und dem Verband« der Gemeinde- und Staats- arbeiter erledigt feien. Es sei aber noch ein besseres Zusammen- wirken in der Werbearbeit notwendig. Po?enskc vom Bcrbanösvorstand unterstrich die Wirtschaft- liche Bedeutung des Zusammenschlusses. Ohne stark«, finanziell ge- sicherte Gewerkschaften wäre z. B. der Lohnabbau in der fetzigen Krise viel verheerender ausgefallen. Die Debatte über den Geschäftsbericht brachte eine ehrliche und kollegiale Aussprache über einige verhältnismäßig nebensächliche Schwierigkeiten, die an einezlnen Orten sich ergeben hatten. P o l e n s k e- Berlin gab dann ein anschauliches Bild von dein „Ausbau des G e s a ni t v e rb a n d e s": die Forderungen zur „gärtnerischen Berufsausbildung" begründete L e h- m a n n- Berlin: den„Kampf der privaten Uitternehiner gegen die ö j f e Ii t l l ch e ii Gärtnereien" behandelte Meißner» Frankfurt a. M.: die„A g i t a t i o n s- und B i l d u n g s a r b e i t" der Fachgruppe besprach Busch-Berlin: den„Kampf um den Tarifvertrag in den Gärtnereien" beleuchtete Bcrnotat- Berlin und über den„Stand der gärtnerischen Rechtsfrage" berichtete Lehmann- Berlin. Alle in diesen sechs Vorträgen aufgeworfenen Fragen wurden in hochstehender fachlicher Dobatte eingehend durck>gesprochen, so daß die Koirferenz als eine Arbeitsiagung im wahrsten Sinne dieses Begrisfes zu werten ist. Wichtig« Beschlüsse und Forderungen wurden in einstimmig angenommenen Entschließungen niedergelegt. Di« Reichsfachgruppenleitung wurde e i n st i m m i g wiedergewählt und eine Reichsfachkommission aus 15 von den Bezirken bestellten Bertretern eingesetzt. Lohnkürzung um-12 prozeni. Schiedsspruch für das westdeutsche Baugewerbe. In dem Lohn streit im Baugewerbe Westdeutschland wurde am Sonnabend durch die vereinbarte Tarifkammer unter dem Vorsitz des stellvertretenden Schlichters fiir Westfalen folgender Schiedsspruch gefällt: Mit Wirkung vom 1. April 1931 ab wird der Lohn des Maurers in Ortsklasse l aus 1,40 M., der Lohn des Tiefbauarbeiters auf 0,7l M, festgesetzt, das bedeutet eine Lohnkürzung um 12 o. H. Beiriebsraiswahlen hei Osram. Ein Erfolg der freien Gewerkschaffen. von den vetriebsralswahleo In den Verllner Osram-Velrieben liegen folgende Ergebnisie vor: Fabrik V. Berlin BW S7. Sickingenstraße 7t. Arbeikerrat: Freie G e w e r k s ch a f k c n Z1S7(2409). 16 Mandate(11): RGO. 197 sl5Z2). 0 Mandate(6). Die RGO. hat also 1ZZ5 Stimmen und sämtliche sechs Mandate verloren. Angestelltenrak: l freigewerkschastliche Liste 8 Mandate(8). Betriebsrat: Arbeitermitglieder freie Gewerkschaften 14 Mandate, Angestelltenmilglieder freie Gewerkschaften Z Mandate. Fabrik 1). Berlin 0 17, Rolherstraße 23. Arbeilerrat: Freie Gewerkschaften t544 sl5Z9). 10 Mandate(9); RGO. 704(886), 4 Mandate(5); Ange- sl e l l t e n r a t: Freie Servertschaftea 29Z(325), 5 Mandate(6): Gedag l55(155), 3 Mandate(3): Betriebsrat: Arbeiler- milglieder freie Gewerkschaften 8 Mandate; RGO. 4 Mandate: Angestelltenmilglieder: freie Gewerkschaften 2 Mandate, Gedag 1 Mandat. Maschinen Glaswerk B erlin- S iemensftadt. Arbeiterrat: 1 freigewerkschastliche Liste 8 Mandate(8): Angestelltenrat: 1 Liste 5 Mandate(5) sunorganisiertj: Betriebsrat: Arbeitermitglieder: freie Gewerkschaften 6 Mandate; Angestelltenmitglieder: 2 Mandate. Fabrik 8, Charlottenburg, helmholhstraße 4— S. Arbeiterrat: Freie Gewerkschaften 210. 5 Mandate(im Borjahr eine freigewerkschastliche Liste). RGO. 13 t. 3 Mandate; Angeslelllenrat: 1 Liste, 5 Mandate; Betriebsrat: Arbeilermllglleder: freie Gewerk- schaflen 5, RGO. 2 Mandate, Angestelltenmitglieder 1 Mandat. Die KPD. und ihre RGO. halten es für unmöglich, daß diese Ergebnisse stimmen. Sie stimmen und bilden die Ouitlung ftir da» gewerkschastsselndliche Treiben der„Revolulionäre". HreieGewerkfchafiS'Luaend Verlin Seutc. Tonnttäta«, 26. Mär,, um 1914 Udt, IBdbCMtanftattnna in int 6dmIouIo ict 7. Stullsfdiulf, Sctlin-SBpcnid, flte.hcit 15. Pro. acamm: iliufif. qiimnaftifdw Sotfülinmaen, fidiattcnfpiclf. Littet ,ut Laute..Svted). uint Vemeaun« schar:„Streit". Äogenbcittaa CO Pf.— Tic chriiDpcntrranftaltunqcn lallen an»! Wir beleiliqen uns aefchloffen ont Trauer. au« de» Drnossen Hermann Müller. Srinfrl die IStilppenmiMpel(umflort) mit. Ttcffen: Sammclvliitie der Areife tet SPD. Iuoendorupve des�entralverbandes der Anoesiellten Wjdf Heute. Tonnetsta«, finden folgend« Veranstaltunsen statt: Vanlow- Siledetschönhanse»: guqenlchcim Dijrfchsit. 14(«tokos Zimmer). Zeitmiasauslchnittabend: Volitifch«(jalire.— Osten: guqendheim der Schule Litauer Str. 18. Aurareferate.— Treptow: Jugendheim der Schule Wilden» btuchsit. 33(Zuaau« n»ii der EraehstraKr in Treptow). Tischtennis.— Die Berliner Uebunasbonk hält ihren Arheilsabend von 20 bis 22 Uhr im Berbands» haufe ad.— Aarten aut?uqeiidoorstrllu»a der Volksdithne am 29. März stnd aum Preise ran bU Pf. im Iugrndselreiariot au haben. Berliner Gewerkschaftsschule. Demnächst teqinnen awci Betricbsrätekursc:„Das Wahlvcrfahren, die Ec- fchäfisfiihruna. Einspruchsverfahren und Entlassunqsschilh". Die Alirsc finden wie fatal statt: E>cn>. 13. Miltwoch. 8. Avr.I. IS Uhr. im Saal U des De- werkschaftshanfes. Enqelnfer St-23. Lehrer: fitih finde. C. 14. TOon'nq, 18. April, um 19 Uhr, im Sophieu-Lnaeum, Weinmriftcrstr. 14—15. Lehrer Otto Bach. Dauer der Aurfe ö Abende. Kurlusaebühr insqefami 2 M.— Anmeldimqen küunen am ersten Unterrichts« bend im Aurlus selbst, oder Montags und fireitaqs in den Lchrberatunqs-Svrcchfwnden der Gcwerlschaits- schule, Enqclufer 24— 2S, 2 Treppen, Zimmer 25, gemacht werden. Berqniwortlich für Politik: Dr. llnrt Keqrr: WirtfdiasI:vas Sie für eine Sofie einzeln einkaufen und zubereiten müssen. Der. praktische Würfel erspart Zeit, Arbeit und Geld! • Ein Würfel ergibt'A Liter wohlschmeckende Soßef 3lr. 143 ♦ 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 26. März 1931 Todesstrafen im Saffran-ProzeB Barten st ein. 35. März. Im Mordprvzetz«affrnn verkündete das Gericht in später Abendstunde folgendes Urteil: Gegen 2 a f f r a n und Kipnik wird auf Todesstrafe und auf Zucht- hausstrafen von je 13 Jahren erkannt. Ella August in wird zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt, wovon 0 Monate durch die Untersuchungshaft als verbüfit gelten. Johann Augustin erhielt 3 Monate G e- f ä n g n i S. wovon 1 Monat durch die Untersuchungshaft als verbüht gilt,«affran und Uipnik werden die burger. lichen Ehrenrechte auf Lebenszeit aberkannt. Ella Auguftin auf die Tauer von 5 Jahren. Tic übrige» An- geklagten. Retk. Schidlowski und Siafcki. iverdcn freigesprochen. * Nach dem Plädoyer des Staatsanwalts ereignete sich noch etwas sehr Ungewöhnliches und Seltsames. Wie bereits gemeldet, ist die Mappe, die von dem Verteidiger Sasfrans als ein außerordentlich wichtiges Beweisstück angesehen wird, im vorigen Herbst gesunden worden. Merkwürdigerweise hat keine Behörde darüber Nachforschungen angestellt, ob und wer die Mappe ge- sundcn haben könnte, denn aus diese Art und Weise hätte sich über- Haupt jrft einmal feststellen lassen, wo die Mordstelle gewesen ist. Sasfran und Kipnik leugnen bekanntlich, die tödlichen Schüsse auf den Melker Dahl abgegeben zu haben, und bisher war man in: Prozeß darüber im Dunkeln, wo sich die fürchterliche Tat wohl abgespielt haben mag. Mitten im Plädoyer des Berliner Anwalts Dr. P r ö l l wurde nun Klarheit über diesen wichtigen Punkt geschossen. Wie auf das Stichwort erschienen ein Landjäger imö zwei F ü r° sorgezöglinge. Der eine dieser beiden Jungen Hot am nächsten Tag nach dem Mord nicht nur die Aktentasche gefunden, sondern auch die Mord stelle selbst entdeckt, da er auf der Chaussee noch dicke Klumpen geronnenen Blutes gefunden hotte. Unter diesen Umständen brach der Vorsitzende die Ausführungen des Anwalts ob und trat noch einmal in die Beweisaufnahme ein. Nach der Vernehmung des Fürsorgezöglings H e n z wurde die Beweisaufnahme wieder gefchlosicn und R.-A. Dr. Pröll-Berlin fuhr in seinem Plädoyer fort. Seine Ausführungen gipfelten in der Darlegung, daß, wenn Saffran die Tat begangen hätte, Kipnik keinen Moment gezögert haben würde, dem Gericht alle Einzelhcttcn so zu schildern, wie er sie von Saffran erfahren hatte. Aus der Tatsache, daß aber ai.uh Kipnik nichts über die Tasche erwähnt habe, gehe hervor, daß er nur sein eigenes Verbrechen habe bemänteln wollen. Der Oberstaatsanwalt wandte sich sehr scharf gegen die Aus- führungen des Verteidigers und erklärte, daß eine milde Strafe nicht ptoKMisIfsnn Augustin angebracht sei, da gerade heute der anständige und ruhige Bürger unter der Hochflut der Verbrechen zu leiden habe, daß Revolver- aitentate und andere Verbrechen immer mehr überhand nehmen. Für Menschen wie Saffran sei die Strafe notwendig, die den Tod androhe, um zu verhüten, daß eine Kette gleichgerichteter Ver- brechen folge. R.-A. B ö t t i ch c r- Bartenstcin plädierte dann für die An- geklagte A u g u st i n, für die nach seinen Ausführungen das alte Sprichwort„Mitgefangen, mitgchangen" gelte. Dann sprach R.-A. Dr. P c tz a l l- Bartenstein für den Angellagien Kipnik. Er stellte an den Anfang seiner Ausführungen die Erklärung, daß er angesichts so schwerer Verbrechen für den Kops seines Mandanten nicht kämpfen könne. Sasfran sei der Urheber der ganzen Ver- brechen gewesen, Saffran sei der Kops, Kipnik lediglich die grobe Faust des Unternehmens gewesen. Der Verteidiger schloß sein« Aus- sührungcn mit der Bitte, ein gerechtes Urteil zu fällen, denn es sei ungerecht, wenn etwa der Kopf Safsrans auf Kosten des Lebens Kipniks gerettet werden sollte. Die letzten Worte der Angeklagten. Nach den Repliken und Dupliken, die nichts Besonderes mehr brachten, erteilte dann der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Murawski, den Angeklagten das letzte Wort. Saffran erhob sich und er- klärte mit tränenerstickter Stimm«:„3ch bereue alles. 3ch bin auch bereit, für meine Taten zu büße n." Die An- geklagte A u g u st i n, die von Schluchzen geschüttelt wurde und die nur mühsam ihre Fassung bewahrte, erklärte:„Auch iclz bereue alles. Fch hätte viel verhindern können. Ich habe Saffran geliebt, und er war nicht schlecht. Ich habe ihn dem Kipnik in die Hand gegeben, indem ich diesem von den Fälschungen erzählte." Dann erhob sich Kipnik und sagte langsam und stockend:„Auch ich bereue und will für meine Taten büßen. Saffran hier hat mein Leben vernichtet. Ich lege mein Schicksal in die Hand des Gerichts und der Geschworenen. Ich wünschte, ich könnte Ihnen beweisen, daß ich doch ein anständiger Mensch bin.� lieber diese etwas setisam wirkende Behauptung des Angeklagten Kipnik geriet die Angeklagte A u g u st i n, die mit den Händen vor dem Gesicht tief gebeugt dagesessen halle, in Erregung. Sic richtet« sich plötzlich auf, wandte Kipnik den Kopf zu und schrie ihn an: „Und Sie sind doch der ZNörder!" Kipnik war irber diesen plötzlichen Angriff überrascht und«s dauerte einige Sekunden, bis er zu antworten vermachte. Endlich erklärte er, die rechte Hand hoch erhoben:„Wer der Mörder' ist, das wird Ihnen Gott im Himmel zeigen. Vielleicht werden Sie aber noch ein Opfer auf dem Gewissen haben." Mordgeständnis Tetzners. Regensburg, 25. März. Die Zustizpresiefkelle keilt mit: Der wegen Mordes zum Tode verurteilte Surl Tetzner hat heute zuerst dem Wachtmeister des Gcrichtsgesängnifscs und dann dem Richter ein Gestand. nis abgelegt. Er gibt an. einen Wanderburschen in der Röhe von Reichenbach i. V. in fein Auto ausgenommen zu haben. Etwa 20 Silomcler von Hohcnschambach sOberpsalzs habe er angehalten. Beide seien dann ausgestiegen. Da habe ihm die Gelegenheit zur Ausführung des Mordes günstig geschienen, da der Wanderbursche über kälte klagte. Tehner habe seine große Reise. decke ausgepackt und den Wanderburschen so in die Decke gehüllt, daß auch die Arme eingewickelt waren. Dann habe er eine starke Schnur aus der Tasche genommen, sie dem Wanderburschen u m d e a y als ge leg t und Ihn dann er w ü(tjj l, Bei M a r> a o rt(bei Regensburgj habe er die te i ch e v e r b r a n n t. nachdem er sie vorher aus den Führersitz gesetzt Hobe. Den Ramcn des Ermordeten will Tehner Nicht wissen. Die Angaben über die Person werden nachgeprüst, so daß Auxsjcht aus Ermittlung derselben besteht. Zum„Tag des Buches" veranstaltet das V o l k s b i l d u n g s- n m t C h a r l o t t e n b u r g in Verbindung mit der Siadibücherei int neuen Lesesaal der Zweigstelle Nord in Charlottenburg, Wernigerodcr Straße tö, in dieser Woche bis zum 29. März eine Ausstellung„Frau und V u ch". Die Ausstellung zeigt: Die Frau als Schöpferin des Buches, die Frau als Mittlerin des Buches lMutter, Pädagogin und Bibliothekarin), das Buch über die Frau. Die Ausstellung ist täglich von 11 bis 11 Uhr und von 16 bis 26 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Zwei Großfeuer. Am Spittelmarkt und Köpenicker Straße. Die Feuerwehr«war gestern fast zu gleicher Zeil mit der Be- kämpfung zweier Großfeuer beschästigt. In der B e u l h- st rohe 1/2, dicht am Spittclmarkt, brannte eine Hutfabrik aus und in der köpenicker Straße 154 wurde ein großes Furnier- lagcr durch die Flammen vernichtet. 3n beiden Fällen waren die Wehren mit den Lösch, und Aufräumungsarbeilen stundenlang angestrengt beschäftigt. Der erste Alarm kam aus der Beuthstrahe 1/2. Im zweiten Stockwerk des Vorderhauses hat eine H u t f a b r i k ihre Verkaufsräume, daran schließen sich im Seitenflügel die Werkstätten. Kurz nach 14 Uhr brach in den Hinteren Räumen plötzlich Feuer aus. Mit geradezu imheimlicher Schnelligkeit griffen die Flammen um sich. Große Vorräte an Stroh-, Filz- und H a a r h L t e n boten dem Feuer reiche Nahrung. Beim Erscheinen der Wehren, die unter Leitung des Oberbranddirektors Gempp und des Branddirektors Tamm angerückt waren, hatte der Brand bereits auf die vorderen Räume übergegriffen. Durch die große Hitze, die dem Feuermecr entströmte, platzten im Haus« zahlreiche Fensterscheiben. Nach etwa zweistündigem Wassergeben töar die Hauptgcsahr beseitigt. Der Schaden ist erheblich. Während die Löschzüge in der Bcuthstroße noch inmitten der Aufräumungsarbeiten waren, kam ein zweiter Großfeucralann aus der Köpenicker Straße 154. Hier lag der Brandherd im Dachgeschoß des ersten Fabrikqucrgebäudes, in dem die Holz- bearbeitungsfabrit Barkel u. Gebrüder Weißbach ein umfangreiches Furnier- und Kartonlager unterhält. Von dem Lagerbestand konnte leider wenig gerettet werden. Das Feuer grii- sehr schnell auf den Dachstuhl über und dehnte sich aus den au- grenzenden Seitenflügeldachstuhl aus. Sieben Schlauchleitungen, vier mechanische Leitern und über ein Dutzend Rauchschutzapparate mußten zur Niedcrkätnpsung des Großfeuers eingesetzt werden. Noch in den späten Abeitdslunden waren die Züge intt den Aus- r ä u m u n g s a r b e i t e n au der Brandstelle beschäftigt. Die Ent- stehungsursachen der beiden Großseucr konnten noch nicht einwand- frei geklärt werden. Mörder seines Sohnes. Mit dem Messer niedergestochen.- Oer Haß des Alten. Eine grauenhafte Familieotragödie hak(ich gestern in der JJettenkoferstraße zugetragen. Ein junger, fleißiger und erfolgreicher Arbeiter ist von seinem eigenen Vater niedergestochen wordett. Verblendung durch haß und Eisersucht durste dem Achtundscchzigjährige« das Messer in die Hand gedrückt haben. Im Hause Nr. 13 wohnt im dritten Stock des Oucrgcbäudes der 68 Jahre alle.Heizer Fritz W i p p l« r mit seiner Ehefrau und seinem 26jährigen Pflagasohn Walter. Der junge Mann war gelernter Motorenschlosser und hatte bis vor kurzem bei bei: Ford- werken in Köln sehr erfolgreich gearbeitet. Ein Posten im Aus- ko n d watr-KM--In" Bor einem.. Bkrtelßihr kam er nach Berlii» zu vorübergehende U)'Aufenthalt zurück. Zwifchou ilnn und dem Pflegevater war es in der letzten Zeit Zti' Mißhellih- leiten gekommen, denn der- Alte warf ihm vor, daß er�uml>er- bummele. Die Mutter versuchte mehr als einmal, den Streit zu schlichten und nahm die Partei des Sohnes. Dadurch wurde auch das Verhältnis zwischen ihr und ihrem Manne getrübt. Die Nachbarn waren oft Ohrenzeagen lauter Streitigkeiten. Am Mitl- wochnachinittag kam es wieder zu einem Austritt. Vater und Sohn gerieten aus dem alten Anlaß aneinander. Die Mutter mischte sich vergeblich ein. In seiner Wut packte der alte Heizer plötzlich ein großes Messer und stach aus den Inngen ein. B l u t ü b e r st r ö m t brach dieser zusammen. Der Heizer lies aus der Wohnung fort und rief einer Nachbarin noch zu:„Ich habe meinen Sohn totgestochen, aus Nimmerwiedersehen!" Er irrte durch mehrere Straßen und Sie fährt in ihrer Arbeit fort: da schlägt sein Kopf gegen ihre Brust. Sie erschrickt gar nicht mehr; ihr linker Arm hält seinen Kopf, und als sie fertig ist, glättet ihre rechte Hand sein graues, widerborstiges Haar, ehe sie ihn sanft zurück- gleiten läßt. Sie steht auf und sieht ihn an. Durch das Fenster kommt das Licht des frühen Abends: es ist blau und merkwürdig und rein und wie in einer Kirche.— Von draußen heult es winselnd: der Hund, der nun schon seit drei Tagen umherschleicht und um Hilfe ruft gegen den Schmerz der Wunde und sich dach niemandem zu nähern wagt... Aber es schreckt sie nicht: es weckt sie nur. Sic will nicht hadern. Vielleicht mußte ein Hundcleib lahm werden, damit der gute Wille eines Menschen auf die Beine kam: vielleicht mußte man einen Buckel hoben, dainit die Seele gerade wuchs: es ist alles rätselvoll und gläsern klar, ein bißchen bitter und ein bißchen süß, ein bißchen' häßlich und ein bißchen feierlich. Sie löst die Hände voneinander, geht leise hinaus und schließt die Tür hinter sich, langsam und vorsichtig, damit das Schloß nicht knarre. 4? Korn und Schmitzcr bringen den Sarg. Es ist höchste Zeit: der Geistliche ist schon da. Er ist mit dem Rade ge- kommen, die Schutzklammern stecken noch an seinen schwarzen Hosen: so steht er am Ofen und tastet mit den Handflächen gegen die Kacheln. Draußen ist helle Sonne und kalter Wind, und im Stubbenland ist immer der Wind der stärkere: den Geistlichen friert. Lene steht stumm dabei, während sie ihren Vater in den Sarg legen. Schmitzer sieht sie erwartungsvoll an: er hat den Sarg bauen helfen. Schwer ist es gewesen: zuerst mußte das Grab gegraben, dann das zwei Meter lange Stammstück der Ktejer darübcrgelegt, dann ins Grab himultergestregen uob die Brettsäge von unten geführt werden: das hat er machen müssen, ihm hat beinah gegraut, dann hat ihm von der An- strengung des Sägens die Brust wehgetan, und Korn hat wieder gespottet— nun hätte er gern, daß sie das anerkennt, auch Korns Opfer anerkennt, dessen Kiefer nicht mehr knarrt und rauscht: aber es ist natürlich unsinnig, das von ihr zu ver- langen: daran kann sie natürlich gar nicht denken jetzt... später wird sie's gewiß nicht versäumen. Er ärgert sich über seine eigene Eitelkeit und oergißt sie dann, denn die kleine Diele hat sich inzwischen gefüllt: Luise Korn ist gekommen und die beiden Maschkes, und das— und das ist alles. Der Geistliche tritt nun vom Osen weg zmn Sarg, sagt, als habe er es eben erst bemerkt:„Das ist also der liebe Tote" — es klingt eingelernt und abgeleiert, wieso denn der liebe Tote, wer hat ihn denn geliebt, denkt Lene gequält, der alle Zeichen wahrer Anteilnahme vorerst entgehen. Sie ist bisher wie betäubt gewesen, die Wucht des Geschehens an sich, der Ilmsturz allen Planens ließ die Stärke des Schmerzes, die Größe des Verlustes noch nicht fühlbar werden— und jetzt Hot der Blick, den sie über das kleine Trauergefolge in den mühsam zusammengestöppelten, albernen schwarzen Anzügen und Kleidern schickt, beinahe Lzumor: hätten sie doch ihr Ar- beitszeug anbehalten, denkt sie, es märe feierlicher gewesen. Aber gerade die leise Heiterkeit macht sie wehmütig und weich — sie ist dem Pastor, der eben dos Gebet spricht, dankbar für seine Worte, die sie gar nicht gehört hat, und beschließt überhaupt, allen dankbar zu sein für dies hilflose Be- gräbnis... Der Sarg wird verschlossen. Korn hat noch schwarze Leimfarbe gehabt, die hat herhalten müssen: so ist das Holz von stumpfem, unerbittlichem, häßlichem Schwarz, ohne den ver- söhnlichen Glanz des Lackes. Die Männer treten vor, um den Sarg zu heben: sie sind nur drei. Paul Maschkc, als der stärkste, soll das eine Ende allein tragen. Es wird allen deutlich, daß sie nun für immer, nicht nur für heute, bloß drei Männer sind im Stubbenland: der vierte liegt da drinnen... Anna beginnt zu schluchzen: Lene bleibt stumm. Da greift der Geistliche ein, der noch jung ist.„Sie ge- statten wohl", sagt er und tritt an die eine Ecke, hebt mit an. Sie dulden es in demütiger Dankbarkeit. Jemand öffnet die Tür, der Sturm wirst sich heulend in den Raum und schlenkert die Rockenden Korns und des Pastors umeinander: es prasselt an des Pastors Brille: Sand. Sie legen alle den Kopf schräg gegen den Wind und schreiten vorsichtig durch die enge Tür .nach draußen. Lene geht allein, hinter ihr haben Luise und Anna sich untergefaßt und lassen schnell wieder los: gegen Sturm muß man allein stehen. In der äußersten Ecke von Schmitzers Besitz, die am höchsten gelegen ist vom ganzen Stubbcnland, haben sie das Grab geschauselt. Der Weg ist nicht weit: trotzdem sind die Männer matt, als sie ankommen, und ihre Hände sind schwarz: die Farbe ist noch nicht trocken gewesen. Sie stellen sich eng um das Grab, olle schräg gegen den Wind gelehnt: sie sehen alle in die Grube hinein und beinerten erschreckt, wie tief der Sand hinunter reicht: soft zwei Meter tief ist das Grab, und immer noch Sand... Der Geistliche, den man in diesen verlassenen Winkel ge- schickt hat, ist noch jung: er ist als Vikar mit der Vertretung verhinderter Kollegen im Bereiche der Superintendantur be- auftragt. Er hat keine große Lausbahn vor sich, weil er kein guter Redner ist: das weiß er und hat resigniert. Dies trüb- selige Begräbnis aber, dies Mithelfemnüssen beim Sarg- tragen, das hat ihn gepackt: es ist ihm, als habe er eine tiefere Beziehung zu diesem unbekannten Toten gefunden, weil er die Last seiner Leiche getragen hat: als sei er diesen Männern enger verbunden, weil sie mit ihm trugen. Nun hält er die Hand vor die Augen, zum Schutze vor Sonne und Sand, und sieht über die Siedlung hin, ehe er zu sprechen beginnt. Bei- nahe erschrickt er, als er diese gelbe, tote, baumlose Fläche über- blickt, mit den beiden Häusern und der Baracke und dem Pavillon, die regellos hiiieingcstreut scheine», mit diesen tiefen Furchen, in denen der Wind wühlt... In dem blauen Schilde des Sees, der unten weißkämmig blitzt, in den Kicfernstämmen der fernen Waldwand, die silbern glimmen wie Prospekt- pfeifen einer Orgel, in den langen, lustigen Zweighaaren der Straßenbirken sucht er sich Trost und Mut zu schönen Worten und will eben beginnen— da sieht er vor all dem, vor See und Wald und Straße, dicke, gelbe Schleier, hintreibend von Nordost gen Südwest, aufgelesen vom Wind in den Graben der Spargeläcker und höhnisch in den blauen Frühlingshimmel gehängt, auftveheno und hinwehend und wegwehend und wehend immer wieder, wehend— da drängen sich ihm andere Bibelworte auf die sandtrockenen Lippen, trostlos und wahr- haftig:„Des Menschen Leben aber ist wie eine Sandwehe: wenn der Wind darübergchet, so ist sie nimmer da. und ihre Stätte kennet sie nicht mehr..." Und dann spricht er. spricht... .(Fortsetzung folgt.; siollte sich endlich selbst auf dem 84. Polizeirevier. Der Nieder- gestochene konnte sich trotz des Blutverlustes aufrafsen mrd wollte wahrscheinlich einen Arzt aufsuchen. Er lies die Treppen hinunter und kam noch bis zur Mirbachstrcchs chier brach er zusammen Ein Lieferauto, das gerade des Weges kam, nahm sich des jungen Mannes an und brachte ihn bis zum Hubertus-Krankenhous. Dort iit er, ohne das Bewuhtfeii» wiedererlangt zu haben, bald verstorben. Der Stich hatte in die Brust unweit des Herzens retrosfen. Die Bewegungen haben zweifellos die innere Blutung beschleunigt Der alte Heizer Wippler ist in Gewahrsai» behalten worden. » Freidenker im Kampf. Der Verzirk Berlin des Deutschen Areidcnter- Verbandes hielt dieser Tage seine Generalver. s o m m l u n g ob. Bor Eintritt in die Tagesordnung gedachte die Versammlung des Ablebens zweier Männer, die ihr Leben der sozialistischen Arbeiterbewegung gewidmet hatten: Adolph Hoffmann und Hermann Müller. Adolph Hoffmanns Arbeit gerade in der Freidenkerbewegung und Hermann Müllers staatspolitischc Tätigkeit im Interesse der Arbeiterschaft, werden ihre Namen in der Ge- schichte der Arbeiterbewegung unvergessen machen. Der Bericht des Bezirtsvorstandes, erstattet vam Genossen Schmidt, war die Rechtfertigung über ein« Zeit des Kampfes, aber auch der inneren Stärkung und Gesundung der Organisation. Bor Jahresfrist wurde eine Entscheidungsschlacht von weittragender Bedeutung geschlagen Die Kommunisten hatten nach den Angriffen gegen Gewerk-- schaffen, Konsum- und Sportorganisationen auch bei den Freidenkern ihre Spaltungstätigkeit ausgenommen. Aber der Kampf endete ichließlich doch mit einem Siege der Organisation. Aus dam Nerbandstag, auf dem das fünfundzwanzigsähnge Bestehen der Organisation gefeiert wurde, waren keine Kommunisten anwesend. Die Mitgliederbewegung ist in Anbetracht der Wirtschaftslage und des dreijährigen Kampfes mit den Kommunisten eine sehr gute gewesen. Berlin hat zur Zeit über 223000 Mitglieder. Eine gröhere Agitation konnte während der kommunistischen Wühlarbeit nicht durchgeführt werden, da die Kommunisten alle öffentlichen Kundgebungen unmöglich gemacht hätten. Jetzt jedoch ist die Tätig- kell in verstärktem Mäste wieder aufgenommen worden: Kurse zur Weiterbildung der Mitglieder und Veranstaltungen in befreundeten Organisationen wurden abgehalten. Auch die Internationole hat durch den Abgang der Kommunisten ihre volle Arbeitsfähigkeit wieder erlangt. Aber auch die Kulturreaktion ist im Vorrücken be- griffen, die Verurteilungen auf Grund des Gotteslästerungs- Paragraphen mehren sich, einmal hat sogar die blähe Ausforderung zum Austritt aus der Landeskirche zur Verurteilung geführt. Es muß deshalb jetzt heißen: Auf, Freidenker, an die Arbeit für eure Weltanschauung! In der D i S k u s s i o n wurde auch zur Frag« der d i s s i d e n- tischen Fürsorge in den Krankenhäusern gesprochen, eine Angelegenheit, die der Verband gemeinsam mll der Arbeiter- wohlsahrt regeln will. Eine stärkere Berücksichtigung der Freidenker- bewegung im Rundfunk wurde gefordert. Aus dem K a s s e n b e- r i ch t des Genossen M e h l h o s e ist besonders zu erwähnen, daß der Verband fett der Inflation etwa 68000 Altersmitglieder kostenlos bestattet hat. Zum Schlust wurde eine Resolution angenommen, die Ein- spruch erhebt gegen die Art, in welcher in letzter Zeit gegen die weltanschauliche Betätigung des Verbandes ausnahniegesetzliche Maß- nahmen angekündigt wurden. Mll den Entartungen auf dem Gebiete der Kulturbewegung habe man nichts zu tun. Der arbeiterschädlichen kommunistischen Neugründung werde eine viel'zu große Bedeutung beigemessen. Der Freidenkerbewegung muß nach der Weimarer Ber- fasiung dieselbe freie Meinungsäußerung zugesichert werden, wie sie den religiösen Organisationen zusteht. Gesordcrt wird: Di« Her- stellung der Gleichberechtigung durch Gewährung der Körperschasts- rechte. Abschaffung des Gotteslüsterungsparagraphen und Durchführung der Trennung der Kirche vom Staat. Di« Resolution schließt mit einer Aufforderung an all« Freidenker und Sozialisten zur Ab- wehr jeder Ausnahmegesetzgebung. iroh Verbot. Gekängnieisirafen für 21 Angeklagte. Vor dem Schöffengericht Med ding standen 21 A N- geklagte wegen Zugehörigkeit zu einer staatsfeindlichen B«r- einigung, mit anderen Worten wegen Vergehens gegen das Repu- dlikjchutzgesetz und gegen das Gesetz zur Durchführung des Fris- densvertragcs. Von den 21 gehörten 20 der Kommunistischen Partei an, anscheinend sämtlich Funktionäre der KPD., nnd von diesen gehörte wieder der größte Teil früher dem Rotfrontbund an. Am 25. September o. I. überraschte die Polizei in einem Lokal am Wcdding«ine kommunistische Versammlung: sie fand unter ge- wissen Vorsichtsmaßregeln statt. Die beschlagnahmten Dnickschristen und die widerspruchsvollen.Aussagen der 21 in der Sitzung An- wejcnden schienen keinen Zweffel darüber zu lassen, daß es sich um eine Funktionärsitzung des verbotenen Rotfronlbundes handle. In der Gerichtsverhandlung behaupteten die Angeklagten, ähnlich wie seinerzeit bei der Polizei, daß es eine Funttionärsitzung der RGO. gewesen sei. Auch gingen die Aussagen über den Zweck der Vcr- anstaltung auseinander. Bald hieß es, das Referat habe den, Aus- gang der Reichstagswahl gegolten, bald dem Internationalen Kon- greß der RGO. in Moskau. Die Angeklagten wurden jedoch durch die beschlagnahmten Schriftstücke überführt. Es war daher die Rode von politischer und technischer Leitung, vom Roten Jung- stürm, von Einheiten, von Führerschulen usw. Der Staatsanwalt beantragte gegen zwei Angeklagte vier Monate Ge- •fängnis, gegen 18 Angeklagte die Mindeststras« von je drei Monaten Gefängnis und Freispruch für einen Angeklagten. Das Gericht entsprach dem Antrage des Staatsamvalts. Zwei tödliche Unfälle. Auf der Charlottenburger Brück« wurde gestern abend der -iäjährige Handwerker Fritz Baumbach aus der Leibelskraße in Treptow mit seinem Fahrrad oon einem Autobus der Linie 9 ersaßt und schwer verletzt. Der Verunglückte wurde durch die alarmierte Feuerwehr ins Moabiter Krankenhaus gebracht, wo er gleich nach seiner Einlieferung gestorben ist. Ein weiterer tod- licher llnsall ereignete sich gegen 20 Uhr vor dem Hause Hohen- .zollernhamm 193. Dort wurde eine bisher noch u.n bekannte, etwa 40 Jahr« alte Frau von einem Straßenbahnwagen der Linie 32 icherfahren und lebensgefährlich vsrlstzt. Di« Frau st a r d auf dem Transport zum Wilmersdorf«! Krankenhaus in der Achenbachstraße ..äugend und Nationalsozialismus."' lieber dieses Thema spricht in einer öffentlichen Iugsndversammlung am Frellog, 27. März, 20 Uhr. in der Schulaula der Knaben-Mittelschule In Lichtenberg. Marktstraße 10/11, Genosse Walter Kalo. Umsteiger 50 Pfennig? Die Pläne der BVG.— Verbilligung der Einzelfahrt auf 20 Pfennig. Die städtische Verkehrsgcscllschafi hatte vor längerer Zeit zwei Sulachleu über die Verkehrs- und Tarifgestaltung angefordert. Diese Gutachten von den Sachverständigen Dr. G i e j e und dem inzwischen verstorbenen Geheimrat S e m m a n liegen jetzt dem Aufsichtsrot der BVG. vor. während der Vorschlag Semmons, der eine Drei. st o s f e l u n g de» Tarife» mit Fahrscheinpreisen bis zu 4 5 Bf. vorsieht, vollkommen undistutabel erscheint, findet der Plan Dr. Giese» in Kreisen des Aufsichtsrales stärkste» Interesse. Der Sachverständige schlägt in seinem Gutachten vor: Der Preis des llmsteigesahrscheias wird ans allen Verkehrsmitteln auf Zd P f. festgesetzt, vlit einbezogen werden soll in diesen llm- steigepreis die Stadtbahn, bisher kostete dieser Umsteiger 40 P s. Die E i n z e l s a h r t soll, vorausgesetzt die Reichsbahn macht mit, bei allen Verkehrsmitteln wie bisher 25 ps. kosten. Eine Verbilligung will man durch die Einführung neuer Sammelblocks sür Untergrundbahn und Straßenbahn schassen. Zeder Block soll fünf Fahrscheine sür eine Mark enthalten. Die E i n z e l s a h r t würde also um 5 Pf. verbilligt werden. Ob der Giesesch« Vorschlag tatsächlich zur Durchführung gelangt, ist natürlich noch vollkommen ungewiß. Vorher wird es sowohl im Aufsichtsrat der BVG. wie auch im Rathause noch manche bewegte Debatte geben. Di« Erhöhung des Preises für den Umsteiger auf 30 Pt. würde für viel« Arbeitnehmer zweifellos eine neue storks Belastung bedeuten. Demgegenüber weilen die Besürwor-er des Planes auf die Verbilligung der E i n z e l f a h r t durch die Ein, führung der Sammelblocks hin. Damit werde, so argumentiert man, das Verlangen der Bevölkerung nach Herabsetzung des Preises für die Einzelfahrt endlich erfüllt. Das stärkst« Plus an dem Vorschlag Dr. Gieses scheint uns fein Gedanke zu fein, mit der Stadtbahn in eine engere Tarffgeineinschaft zu kommen. Gelingt es, einen Umsteiger zu schaffen, der es dem Fahrgast erlaubt, sür 30 Pf. von jedem städtlschen Verkehrsmittel aus zur Stadtbahn um- zusteigen, so wäre das ein Erfolg im Interesse der Berliner Bevölkerung. Die durch di« Politik des sozialdemokratischen Stakt- rotes Reuter erreichte Vereinheitlich u�g des Berliner Verkehrs würde sich dann erst voll auswirken können. In Kreisen der BVG. glaubt man, daß die Durchführung dcs Gicseschen Planes der Gesellschaft finanziell einen Einnahme- r ü ck g a n g bringen würde, da man dann mil einem Rückgang der Umsteigefahrscheine zugunsten der Sammelolocks rechnet. Diesen Aussall hofft man aber durch Ersparnisse wettmachen zu können. ReHfflsbsnnsi'ksinvraaeiil Die gestrige Bekanntmachung über unsere Beteiligung bei der Trauerfeier unseres Kameraden Hermann Möller wird hierdurch ergänzt, brw. wiederholt: Pflichtbeteiligung für alle Kameraden I 1. Trauergefolge: 16 Uhr Antreten auf dem Hofe des „Vorwärts" Eingang Alte Jokobstraße. Für Spiel- I e u t e und Musiker aller Ortsvereine sämtliche Fahnen und Jugendwimpei, Jungbanner u. Sanitäter. Stafo und S c h u f o Antreten 16 Uhr außerhalb d. Hofes am M e t a 1 1- arbeiterverbandshaus. 2. Spalierbildung: Alle anderen Kameraden, die nicht um 16 Uhr antreten können, sammeln sich kreisweise 18,30 Uhr Ruheplatzstraße, Spitze Gerichtstraße. Anzug: Vorschriftsmäßige Bundeskleidung, Kniehose und Koppel, Schulterriemen und schwarze Krawatte. Fahnen und W i m p e I mit Trauerflor. Die Antrittsplätze sind mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Geschlossener Rückmarsch findet nicht statt. Demonstrationsverbot beachten! Vorstehende Answeisungen gelten für alle Kameraden. Sonderanweisungen ergehen nicht. Zugunglück durch Hochwaffer. Visher drei Tote geborgen. Prag. 25. ZIWrz. Oer Personenzug Tit. 702, der am vlittwoch, 5 Ahr früh, von Drlov an der polnischen Grenze nach Eperjes abgefahren ist. ist zwischen den Stationen Sabinoro und L i p j a n beim Aeber- snhren de» Flusses Turosch, der in der Rächt infolge der raschen Schneeschmelze über die Afer getreten war, in da» Hochwasser geraten. Da der Zug mit voller Geschwindigkeit über die Brücke fuhr, sprang die Lokomotive aus dem Gleis und stürzte mit dem Dienstwagen und zwei Personenwagen in den Fluh. Unler den Trümmern blieben der Zugführer und der Heizer. Der Lokomotivführer wollte sich durch Ab- springen retten, erlitt aber dabei tödliche Verletzungen. Bisher werden drei Tote gemeldet. Ferner besagen die Meldungen, daß sechs weitere Personen leicht und ein Zugbegleiter schwer verletzt worden sind. An der Befreiung der Passagiere wird gearbeitet. Eine Milllärabteilung ist zur Hilfeleistung an die Unglücksstellc komman- dierl worden. Es geht machtvoll auswärts. IVO neue Miigliever in Reinickendorf. In der Generalversammlung des 20. Kreises R e i n i ck e n- darf referierte zunächst Stadtverordnetenvorsteher Genosse Haß über die augenblickliche Lage der Stadt Berlin und erntete mit seinen Ausführungen lebhaften Beifall. Genosse Karl Schwarz gab den Jahresbericht und wies auf den erfreulichen Auf- stieg des Kreises hin. Sind doch im laufenden Jahre Wer 700 Mitglieder neu gewonnen worden, so daß der 20. Kreis jetzt nahezu 4000 Mitglieder zählt. Genossin Haß wies auf die äußerst rege Tätigkeit unserer Frauenfunktionäre hin und zeigte damit, daß auch in den Außenbezirken die Fravenagitation äußerst notwendig nud auch erfolgreich ist. llnserer Jugend und den Kindern sei besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Genosse K r« u t l e i n gab den Bericht der Bezirksverordnetenfraktian und schilderte die Cr- fchwernisse, die der Arbeit im Bezirk besonders oon kommunistischer Seite bereitet werden. Genosse Sperling berichtete über die Bildungsarbeit des Kreises. Die Methode der ausbauenden orga- Nischen Bildungskurs« hat sich sehr bewährt. Der Besuch der Abende ist der st ä r k st e von allen Berliner Kreisen. Genosse Garling berichtet über die Tätigkeit der Presse kam- Mission und forderte nicht nur den zweiten Mann, sondern auch den zweiten„B o r w ä r t s"- L e s e r. In den Kreisvorstand sind folgende Genossen gewählt worden: Korl Schwarz(1. Vorsitzender), Friedr. Przwerzinski(2. Vorsitzender), Frieda Marquardt(1. Schriftführer), Mar Martin(2. Schriftführer), Karl Tenzer(1. Kassierer), Herrn. Schulz(2. Kassierer), Gertrud Haß(1. Frauenleiterin), Frieda Martin(2. Frauenleiterin). Zu Beisitzern wurden gewählt Genosse Sperling, Paitt Hcfffnann, Meidenstein, Rohde, Bacher, Elpel und Wilh. Schulz. Gegen die Vernichtung der Innenstadt. Zu dwstm Themg sprach in der stimmungsvollen, asten Urrwersitätsaula Prof. Seeck. Die ungeheure Schnell! Ziest der Entwicklung Berlin» zur Weltstadt hat es mit sich gebracht, daß dr« Fürsorge für die alte Stadt in den Hintergrund trat und ein wert- volle» Gebäude nach dem anderen fallen mußte. Nach pem Urteil der Zeirgenoslen war Berlin vor 100 Iahren eine der schänsten Städte der Welt. Nickst aus sentimentalen Gefühlen heraus, erheb« man Widerspruch gegen die Forderungen der Wirtschaftlich- keit und Technik, aber ethische Gründe sprechen für die Erhaltung unseres Kunstbejitzes, zu dem eben auch ein alles Stadtbild gehört. Zlnderen großen Städten, wie Frank- f u r t a. Di, und München, gelang es, in glücklicher Weife die Allstadt inmillen des lebenden Organismus der Großstadt zu er- hasten. Auch für den Fremdenverkehr sei die Erhaltung künstlerischer Baudenkmäler als Anreiz zum Besuch einer Stadt van großer Wichtigkeit. Trotz des von Jahr zu Jahr steigenden Autoverkehr, in den engen Straßen um den Dom von Florenz wird es dort keinem Menschen einfallen, deshalb durch Niederreißen aller Baulichkeiten Platz zu schaffen. Gewiß sei der Wagemut und die Arbeit der Männer zu bewundert, die das moderne Berlin schiffen, aber selbst Amerikaner würden uns um das alte Stadtbild im Innern be- neiden. An Hand oon Lichtbildern gab damr Dr. Gull, der Direktor der staatlichen Schlösser und Gärten, einen ausführlichen lieberblick über das Werden Berlins und die zu Wilhelms II. Zeit ein- setzende Berschandciung des alten, vornehmen Stadtbildes. Das Modenhaus der Armut. Es werden ihrer Immer mehr, die zur nokweudigstea Ein- kleidung der ässentlichen Hilfe bedürfen, so daß sich die städtische Kleidekammer Schöneberg zu einem Rotrus um Ucberlssiung von Alttlciduag enlschließcn muhte. Eine Woche lang fuhr ein von der Stadtkommandairtur zur Dcr- fügung gestellter Wagen und sammelte die Beiträge ein. Die seit dem Jahre 1923 bestehende Schöneberger Kleiderkammer rn der Ebersstraße hat sich fest dem Januar 1930 bedeutend vergrößert. Ein Zeichen der Zell: Nur Elendsbetriebe wachsen! Außer den bisher innegehabten Baracken wurden die Parterreräume der gegenüberliegenden früheren städtischen Badeanstali hinzugenomme». -Hier sitzen 25 Frauen, auch sie von dcr Not Gezeichnete und verrichten wahre Wunderwerke schneiderischer Künste. Aus altem, unaiffshnlichom Zeug erstehen Kiuderkleider, putzige Spielhöschen und Laufkittel: ein oller Soldatenmantel ergab eine dreiteilige Knabengarnitur. Jeder Flicken wird oerwahrt und eines Tagcs findet er seine Verwendung. Alles Eingelieferte wird zuerst des- infiziert, dann gewaschen, geplättet, auseinandergetrennt und auf Neu verorbeüet. Zu vielen Hunderten hängen an Regalen Klei- dungsstück« für Männer, Frauen und Kinder: außerdem gibt es noch Schuhe, Wäsche, Strümps«, Hüte und Handschuhe. Der Bedarf ist groß, am meisten gefragt ist Männerkleidung. Täglich kommen gegen hundert Käufer, meist mit dem Ueberweisungs- schein des Wohlfahrtsamtes. Nicht jeder findet natürlich gleich das Passende, viele haben besondere Wünsche: so reflektiert die weibliche Zioeunerkundschoff vom Sachsen damin nur aus bunte, lebhaft gefärbte Kseidungsstucke. Die Stabilität spielt gegenüber der Wirkung nur eine untergeordnete Roll«.„Da Hab ich gerade so wo? Knalliges für sie znrückgehängt", ineint die Beamtin an der Aus- gabestelle und si« erzählt, daß die Töchter des sonnigen Südens ihr viel zu schaffen machen, Sie wollen so gut wie nichts bezahlen und legen«inen Groschen sür einen Pullover aus den Tisch. Es gibt ober auch viel Stamlnkundschaft, die schon jahrelang hier„billig" kaust, dankbar und ziffrieden ist, Träger der Einrichtung ist die Arbeits- gemeinschaft für öffentliche und frei« Wohliahrtkpflcge, die Durch- führung ist dem Pestalozzi-Fräbzlhaus übertragen. Die Arbeit in der Werkstatt ist vom Landesarbeüsamt als Nofflandsorbeit aper- kannt, sie dürste die einzige Frauen-Nofftandsarbeit in Berlin sein. Die Arbeiterinnen sind durchlveg Wohlfahrtscrwerbslose, die durch- schnittlich drei Monate beschäftigt werden. Der Abnehmer bezahlt nur die durchschnittlich für die Herstellung des Stückes angewcndeie Arbeit./_ »ilbergruben unter der Wartburg. Bei Zll'sprengungen am Wartburgberg zur Verbreiterung des Parkplatzmeges fand man Gesteine, die die überlieferten Berichte über Silbergruben unter der Wartburg bestätigen. Der Name „Silbergraben" deutete bereits auf das Vorhandenfein derartiger Gruben hin Es wurden Gesteine gefunden, die blattdünne Silber- äderchen erkennen ließen. Im Mittelalter befanden sich auch am Flußlauf der Hörsel Goldwäschereien, die das Edelmetall aus dem Kies gewannen, Ivetlerausjichten für Berlin. Ziemlich heiter und trocken, Tages- temperaturen wenig verändert.— Für Deutschland, An oer Ostsee küst« und im Nordosten auch am Tage kühl, später wieder zu- nehmende Bewölkung, im übrigen Reiche größtenteils heiter, Tagcsteurperaturen im Südwesten etivas niedriger als bisher. Kochbeträk Ki Carl SanruDcrf. Taufende und afict Taufende waren be- qeiftert vom qlänzenden Premiere?rnaramn>,?.5 Älaffeuummeen für so PI, bis 4 M, Täglich vnei Bnrftellunaen: ZVj Uhr und 8fi Ithr. äJadnni'raos ftindee und Erwachsen» Salbe Preise. Platz: Hneisenaustratze(U- Labnftaüeiu und Sttzatzenbqbnbaltesrelle z und VU. vstarei eefucken bei S>. Zuseph u. 4». 0>n« inteteifaute und anftwtbnie Ueberraschun« tu« alle Runden und wiche, ine e» zuw. Osterfest mich werden »»San, ve«nIiaUet da, detannte Sarenbaus s. Iasevb u, C.. Neukölln. Der. lin« Str. 51— Si S« fast allen Wtellunaen de, qroftea Swirfes sind am ftegitea. V- März, ad 9 Ubr. Ostereier mit prak'iichem Geschenk gnbati jeweils aus der betreffenden AbteNun« aneaelefli. Der aufmerksam« Bend, achter findet dies« Ostereier vor und auf den Perkauschisöien'— Wer ein Osterei findet, darf e, auch mitnehmen!— Also auf zu« frSblichen Suchen. TTlac�t Dein Knfenftungeu rot dies» Ztubrti fiud v e r l i» SV 68, Si-de»ttratze 8. parteinachnchten fSgk für Groß-Berlin stet, an da» Bezirkasekretariai Z.Has,ZTrev»en recht», zu richte»» Beginil stllcr Veranstaltungen 19Vi Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! Henke. Donnersiag, 26. März. 16. Äreis Köpenick. Bildu u asausschilh: Dcr Äursusabend(Dr. Gurlarld) fallt aus. Nächster �.ursusabcnd am 10. April. 17. Abt. Die Abrechnuna sämtlicher Markenbestänoe imd di« noch im Bestie ' der Be.;ir?sführer befindüchen Einlaßkarten sind bis Sonntag, 30. Mär�;, beim, ftaffictct abzurechnen. 74. Abt. Alles direkt Kur Neuenburger Straße, 1G% Mr. Morgen. Areikag. 27. März. i. Stttt». Sackeschee Sas. zlosenthaler Str. w— 4t,«reiaaertreteracriaarm. Ilms. Scuailc Krauatdal:»Aussaben der WIrtschaftspolltil in der ftzifc". Namiaicruaa des Ziandidaten für den Reich«vartcitas. Beratuna der Aa- träge zum Sezirtaparteitag. Maifcicrtomurlssian trifft sich bereits im Uhr edeudort zu einer lurzcn Befprechunq. ?. Äreis� SachfchulLraucrcl. See, SSc«wrumrr Strafe, Z!rei»ocrtreter»cr. samnUnas. Sans Bogel, R. d. Zt.:.Der Rcickisuarteitaq in Leipzig'. 6. greis, zrreisdclegiertenoersammlung, Ziabr» Feftsäle, Fichtestr. Z». izrau, »üuftlcr, R. d. R.»„Der Reichspartcitag". Nreisoorstand und Abteiluua»- leitcr: Borbefprechuaa i»?« Uhr im llciac» Sigungszimmer. l'I. greis. 15' e gB.»Si!!N»g, Baracke 8, Semeindcfchule Mariendorf, am Bahnhof. iS's Uhr edeudort greisoertrcterpcrfammlung. lZ. greis. 2» Uhr greisoertreteroerfamuUung im Bürgerparf, Oberschöne. iwde. Ostcndstrahe. BSrgcrmeistcr Dr. Oktrowsli:„Zur politische» Lage". StelUrngnahme zum Bezirksparteitaq. Stelluuqnahme zum Rcichspartcitag. 18. greis, glciner Saal de» Stadttheaters, Äreisvertreteroerfammlung. Erich gisttuer. M. d. L.!„Zur politifcheu Lage". Stelluugaahm« zum Bezirt«. uud Ncickspartcitaq. Lorfchlag eines Delegierten zum Reichs porteita«. Verschiedenes. 2g. Abt. Kr-ispertreterperfammluag im Schühenhaus. Reinickenborf-Ost, Renbenzstr. t. Otto Meier, M. b. L.:„Zur politischen Lage'. ll. Abt. iSrmciirslMier Zahladend bei Niederstraß, Emdener Ecke Waldenser- siraße. 2g. Abt. Ab Ist Uhr Quartalsabrechnung der Bezircksführer bei flitstfunaim., Prenzlauer AUec 180. Gleichwertig Abrechnung der Billetts zum Bunten Abend vom 2S. März. ZI. Abt. A Uhr Arbeitskreis sunger und neu zur Partei gelmmnensr Sc» noiiinnen und Gerroisen bei Soldlcknnidt, Stolpiiche Str. Z0. 34.«dt. 1»� Uhr Abrechnung bei Seidliß, Ronrintener Str. 7. zn. Abt. Die Isirnktionärstszung källt aus., gz. Abt. I9»i Uhr, 14, Schule, liopsstr. 55, Bersaumllung des Arbetteckrerses. Borwag der Senosnn Fabian:„Die Grundlagen des Sozialismus'. 143. Ab«. Absehet zur Zireisdelegicrtrnversanmllung vom Vorortbahnhof Waid» mmrnslust 18.57 Uhr. Bezirksausschuß für Arbeikerwohlfahrk. 7. Krels. S7. März, ISlz lifo Rathaus, Zimmer 80, ATten. besprcchmkg. Zlrbcikerbildungsschule. 1. Arri» Mitte,«unsus Mendclwhn am 28. Mär, fällt wegen der Trau«. fcierlichckeiteu aus. Nächster Abend: Dienstag, A. März. 7. greis Eharlottradurg. Der Bildungsausschuß vcranflaltet Sonnabend, 28. März, um 18 Ubr. ein« Führung IN das neue Fun!l>a»s mit Besichtigung der Senderäume.. Arbeiterjugend und Gälte Willlonunen. Beitrag 20 Pf. Trcffpunlt: Saupteinqang. Mackurenallee.— Der lcßte Abend des Genossen Ä. Golliftein über„Bürgerliche uud sozialistische Uultur' findet am Sonnabend, 28. März, 10 Uhr, im Jugendheim Rbsineustraßc, statt. Arbeiksgemeiaschaft der kiuderfreuude Gcoß-Berlin. Zshagen 17.33, Köpenick 17.38, Svindlrrsfeld 17B9 und —~ M-■■——-Bir Grünau 17.40 Uhr bis Bhf. Wedding.— Freitag, 27. März. Wilmersdorf Dr. Max O s b a r n sprach„Von der bildenden Kunst". Seine Betrachtungen beschäftigten sich mit der Architektur Hans P o e l- 5 i g s und den Werken des Malers Karl H s f e r, die in der Zlka'demieausstellung gezeigt werdeiL Beide Gebiete sind in einem Höroortrag nicht leicht anschaulich zu machen. Dr. Osborn gelang mehr als das: bei seinem Vortrag kam es dem Hörer gar nicht zum Bewußtsein, daß die bildhafte Ergänzung dazu fehlte. Die Aus- fuhrungen umrissen den Geist des Poelzigschen Schaffens: sie zeigten an Karl Hofer das ewige Ringen des reifen Künstlers nach neuen, vertiefteren Ausdrucksmoglichkeiten.— Die Ilebertragung des mufika- lifchen Spiels von Paul H i n de m i t h„Wir Valien ein« neue Stadt" aus der Hans-Richier-Schule in Lichterfelde war für musikalisch interessierte Erzieher recht beachtenswert: in der Jugendstunde war die Darbietung jedoch nicht recht am Platz, da der jugendliche Hörer ohne sichtbare Handlung von diesem Spiel nur eine sehr blasse Vor- stellung bekommt.— Ueber den„Tomtilmreporter" und sein Arbeits- gebiet berichtete Dr. Kurt L. Hey mann. Aufschlußreich waren besonders feine Ausführungen, die er über das Synconisieren der Tonfilme machte.— linier dem anspruchsvollen Titel„Moderne Unterhaltung" wurden Schlagertextc gesendet. Der kitschige Sing- laug ist bei vielen Harem beliebt: aber man sollte sich wenigstens nicht scheuen, ihn beim richtigen Namen zu nennen.— Am Abend hatte man die Auswahl zwischen zwei großen Konzerten,'der Berliner Veranstaltung für die Winterhilfe, die ans dem Sport- palast übertragen wurde, und dem von Königswusterhaufen aus London übemoinmenen„Fünften enropäischen Konzert". Die Ent- scheidung wird manchem schwer gefallen sein. Tes. lFungbanner): 30 Uhr Jugendheim Wiihclmsoue ISS. Lichtenberg tOrisver. ein): Um 20 Uhr haben Derfammluna in den bclanitten Lolalen die itamerod- ldiaften Friedrilbsfelbe, Rumurelsburg. Traoeplaß. Boxhogen und Gustav Tempel,— Fricdrichshain lIungbanneri' stamcvoben. die nach Lagow lSrenz- morfi fahre» wollen, melden sich bei Luisch, Tilsitcr Ser. 27. Fahrgeld 8 351. Meldeschluß Montag im Jugendheim. * Hauvorftand. Das Gaubüro wird wegen der Bcifcßung Lermann Müllers heute bereits um 13 Uhr geschloffen. Arbeiter. Abstinenten. Buub. Donnerstag. 28. Mörz. Bazirlsgruppe Fried. richshola: Zu Ubr. Iugcndbeim Eberttsslr.>2. Vortrag über„Bolksfürsorge". Bczirl-qruppe Norden:>0 Uhr im Zuqeirbheim Gerichtstr. 12—13, Fndusttichau», Ducrgcb. z?r. Genosse Schneller:.„stultur und Absttnenzbemegung in Snmfet- rußland". Bezirtsgruppc Schillerpart: 20 Uhr In der alkoholfreien Eaststatt'. Malplaqnetstr. 28. Genosse Äaiser:„Sozialistische Staatsauffassung". Eintritt für sämtliche Dorttäge frei. Gäste willkommen. Deutscher Friedensbunb. Donnerstag, 26. März. 20 Uhr, im Restaurant Rottscholi, Belle. Alliance-Ploh 8. öerr Erich W. Abraham spricht über„Gibt es einen Weg aus der Krise?" Giisie willkommen. W Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serliv awsendunaen fü? diese Zwbrt? nur m da< Jucenbfefretart«, ?erlw GW 68, iindenffrafi*? Zuqcndvolksbühnc. Am Lonntaa. 29. März, um 15, Wir, im Tbeater am Bülowplatz, wird �Gesellschaft der Menschenrechte" noch einmal gegeben. Gin- lasikarten Vneise von 80 Pf. im Iuaendsekvetariat. Wanderleiter! Die geologische Wandrruna findet endMItig Sonntag, !$. Mär�. statt. Treffpunkt 8 Usir Bsif. Grilnau. Anträge auf sfahrprei?- ermösiiguna für die Osterfasirt bei Benutzung von Ter neigen müssen am Ad- «�anasbasinsiof(Mr Mge über Stadtbalm Schlcsischcr Bahnbof bzw. Charlotten- bürg) bis spätestens 31. Mär� gestellt werden. heute. Donnerlag. 26. März. »at Zooeudsetretarlat ist ab 14 Uhr geschlossen. Nachrichten für Jugend» veraustaltungen müssen bis 12 Ubr eingereicht sein, Z» Foll-utracht treffen sich unsere Genossinnen unk» Genossen um 16>A Uhr in der Lindenstraße. gegenüber dem Vorwärts-Gcbäudr. zur Teilnahme an der Trauerkundgebung. -!- Friedrichsfelbe: Funtktionärvepsammlung fällt aus.— Lalcsche» Tor: Heimabend fällt aus. Werbe bcziek Oberfpree: Uebungsabent» fällt aus. Nächster Uebungsohend Somrtaa. 29. März. 0>z Uhr. Oberschöneweide. Laufener Straße. «erbebezirl Tiergarten: Borstandssißunq 20' i Uhr bei Schlegel, Nggow. straße 4d. Rosenlhal.sieramiken bei Wertheim. Die Rosenthalschen Por- zellanmanufaktiiren Huben ihren Werken ein« Werkstätte für Töpfereien nngegliedert, deren kunstvolle Erzeugnisse in diesen Tagen bei Wertheim, Leipziger Straße, zu sehen sind. Das uralte Töpfcrhandwsrk erlebt hier in edelster Formgebung und kunstvollster Materialverwertung seine Wiedergeburt. Gotisch« Madonnen und prächtige Basen, Tierplastiken, der Kops der Nosrctctc, ein prächtiger Buddha, Antikes und Ncu�itlich-Groteskes wechseln In bunter Reihenfolge und geben eine ebenso schöne, wie abwechslungsreiche Schau künstlerischci, Schadens. Die Elajurtechnik feiert Triumphe in metallisch phosphareszierender. dann wieder in patiniert- wirkender Ausführung verschiedener Gegenstände, ganz besonders kunswoll ist die täuschend hergestellte Kopie eines alten Tellers: da- neben sieht man Stücke in schlichter Materialvcrarbeitinig, schön und ruhig in Farm und Ausdruck. DEDISCHE BANK UND DISC0NT0- GESELLSCHAFT. Geschäftsbericht für das Jahr 1930. TerftraacBitÄrcnic poÜtisdie. Entwicfclynj bat nn Jahre 1930 h» wirisebaft- . k_._■ 1_V-.._— C A„T.sn w A. I. r» V«' l, l» ,» l l II(, l r\ 1 T" ff£* TVl I T 1 1 I I- I" T u freisstni�ea aanaaerno doppel...——_. gewesene Depression der WcJiwirtiiajaft noch sehr-�crsiärkt. Das Bunk- ircscbJiit hat daher allerorten infolge der gesunkenen.Wa�npreise vie Wert- »»apie.rkursc nnd dadurrh beeinträchiigter Kredits ich emBt ein ungünstiges .fahresergebnis zo verzeichnen, zumal in Deutschland, die gemeinsamen Schwierigkeiten noch durch besondere innerpolitisdie Faktoren und den Druck der Hcparationsverpfliditungen vermehrt werden. Finden in unseren Umsatz- und Bilanz/iffcrn sowie in der vorgeschlagenen geringeren Dividende die widrigen Verhältnisse ihre Auswirkung, so können wir andererseits mit Genugtuung auf den bisher erzielten Frfolg unserer durda die Fusion ermöglichten, Arbeit nnd Kosten sparenden Betriebsrationa- lisieruug hinweisen. Sic läßt im laufenden Jahre weitere Fortschritte erhoffen» Tra Geschäftsjahr 1930 haben wir mit unserer Kundschaft(also unter AussdioJtuog aller Verrechnungen mit unseren Filialen und Nostroverbindun- gen) KM 198,69 Milliarden umgesetzt. Die Wirtschaftscutwicklung brachte Umsatzschrurnpfung mit sich und gebot Zurückhaltung in Kreditgewährung und in Anbahnung neuer Geschäfts- Eine Vermindernng erfuhren die Umsatz- und die Bilanz- verbindtmgen.________________„ aud» durch Uebcrfdlirung der laufenden Geschäfte nnsercr Amsterdamer Filiale auf die Handel-Maatschappij H. Albert de Bary& Co. N. V. /iffe.rn au« »er Fili—-——______________ Die Zahl der Konten stellte sich am Jahresschlüsse auf 837 000(gegen 800 000 im Vorjahre). Es sind dabei 137 000 ninsatzlose Spar-Konten gegen nur 80 000 solcher Konten im Vorjahre mitgezählt, so daß die eigentlichen Umsatzkonten sich__ nm 20 000 vermindert haben, größtenteils durch Umwandlung in Spar-Konten. Wir unterhalten an 301 Plätzen Niederlassungen, daneben 193 Madtdepositenkassen, davon 61 in Berlin. Unser Personalbestand hat sich von 21 600 Köpfen weiter auf 20 051 vermindert. Wir möchten es nicht unterlassen, allen Mitarbeitern. im besonderen den Herren in leitender Stellung oder mit langjähriger Dienstzeit, die infolge der Fusion haben ausscheiden müssen, auch nn dieser Stelle Dank und Anerkennung für ihre treuen Dienste zu sagen. Die Zahl der aus leitenden Stellungen ausgeschiedenen Mitarbeiter ist natürlich infolge der Zusammenlegungen unserer Niederlassungen an den einzelnen Plätzen prozentual höher als die der Ihn' fangestellten. Nicht weniger Anerkennung verdient der Diensteifer der bei uns verbliebenen Angestellten aller Grade, an deren Leistung und Hingebung die einschneidende Um- Organisierung in geschäftlich schwieriger Zeit hone Anforderungen gestellt hat. Um so schmerzlicher ist es uns, daß die aTlgerneincn Verhältnisse, die zur Einschränkung auf allen Gebieten zwingen, uns nicht darauf verzichten lassen, von allen unseren Angestellten die Opfer an ihrem Gehalt. seinkommen ab 1. Januar 1931 zu verlangen, die die Staatsbeamten bringen müssen. Auch die Zahl der Vorstandsmitglieder hat eine Verminderung erfahren. Im November ist Herr Dr. Paul Bonn und um Jahresschlüsse Herr Selmor F e h r ausgeschieden. Herr Febr. dessen Wahl in unseren Aufsichtsrat der Generalversammlung vorgeschlagen wird, ist am 1. Januar 1931 als Teilhaber in die Firma Georg Fromborg& Co. in Berlin eingetreten. Diese altangesehene Firma war im Jahre 1877 von dem Srhlesischcn Bankverein in Breslau kommanditiert worden, und wir halten nach der Fusion mit dem Schlesischen Bankverein das Kommanditverhältnis fortgesetzt. Durch die Goldumstellung im Jahre 1924 ist unsere Einlage auf einen verhältnismäßig geringen Betrug vermindert worden; wir haben sie unläßlich des tiutrills geringen Betrug.......................- des Herrn Fehr auf BM 3 000 000 erhöht. Hir schon im letzten Bericht erwähnte Übernahme der Firma 1 bernahme der Geschäfte der Firma Bankhaus Dodrtenbae h x. r;. Stuttgart, durch unsere Filiale ist erfolgt. Die daran ge- " 1,.___. i... i.„.. i.l. mvCciII, I z: t 1 L.._,_.______.] m. I�i,r.,iirti�i3 l oüpfteit Erwartungen haben sich erfüllt. Die Übertrugung des laufenden Geschäfts der 1 irma E. Ladenbur g in Frankfurt a. M. auf unsere Frankfurter Niederlassung wurde auf Grund der seinerzeit verofientliaucn Richtlinien durchgeführt und hat sich programmäßig vollzogen. Die uns nahestehende Handel-Maatschappij II. Albert de B a r v A Co. N. V. in Amsterdam kann für das am 30. September v. J. abgelaufene Geschäftsjahr trotz der auch auf dem holländischem Arbeitsgebiet fühlbaren Wigtsdiafts- und Rohstoff knse und de« Rückschlages im inicruatiooalen Emissionsgeschäft ein sehr befriedigendes Ergebnis aufweisen. Aus«-inem Reingewinn �on rund hfl. l.b Millionen konnten wieder 7% Dividende au! das Aktienkapital von hfl. 15 Millionen ausgeschüttet und bO. 500 000 den offenen Reserven zugeführt werden. Die tbernabme der Geschalte unserer Amsterdamer Filiale hat den Wirkungskreis der Gesellschaft erweitert und zugleich zu einer erheblichen Einsparung von �Dle K'r e Vi tbapk. Sofia, dürfte kür 1 930. obwohl sich in Bujgmnen die Krisis k�um mmildort hat, auf das erhöhte Kapital von Lewa 15 000 000 dre gleiche Dividende von 9% wjc im Xp�ahre vorteilen... Bei dem Bankhaus Epbrussi& Co., Wien, entspraAftn die Ergebnisse uüsoren Erwartungen. Die Deutsche Üeberseeische Bank hat die Fusion mit dem Bau co Brasileiro AlIemÄo im Laufe des Geschäftsjahres durchgeführt. Sie bat Im abgelaufeneu Jahre ihren Geschäftsumfang ausdehnen können:'v- folge des starken.�bsinkons der Währung in 0cn meisten Ländern, in denen »ic ihre Geschifte betreibt, ist die Gcschäflsmehrunsr aus den Uilanztiffern allerdings nicht e.rsidttlicJi. Diese Unsicherheit der Wechselkurse, wie Uber- bai2pf die ivirtsdioftJidien und poljtisdien Nöte, denen sie entspringt, ver- anUssen die Varvaltung. die Dividende auf das erhöhte Aktienkapital auf 5% zu ermäßigen, tun nach Vornahme reichlicher Absdirelbungcn und RttdcfteUungen einen gegenüber dem Vorjahre stark erhöhten Betrag als m- kffnftig verfügbaren Gewinnffbenchuß auf neue Redinnng vorzutragen. Die Bankflrmen C. G. Trinkaus und Ernst Wilhelm Engels & C o. in Düsseldorf fusionierten mit Wirkung ab 1. Januar 1930. Es hat sich im abgelaufenen Geschäftsjahre unsere Annahme bestätigt, daß sich die beiden Bankhäuser in ihren besonders gepflegten Geschäftszweigen gut ergänzen. Die neue Firma C. G. Trinkaus Inn. Fugels& Co. beschloß ihr erstes.-Ge3(häftsjalir mit einem guten Ergebnis. Die J. Wichelhaus P. Sohn A.-G.. Wuppertal-Elberfeld, konnte auch im abgelaufenen Geschäftsjahr trotz der schwierigen l äge des Großhandels una der Industrie des Wuppertales einen zufriedenstellenden Abschluß herausbringen, der die Verteilung einer Dividende von 6% gestattet. Die Kommanoite Philipp Elimeyer, Dresden, hat im laufenden Geschäft befriedigend gearbeitet. Zu den einzelnen Positionen der Bilanz und der Gewinn- nnd Verlnst-Rechnnng bemerken wir folgendes; Unser Aktienkapital beträgt RM 233 000 000, die ausgewiesenen Reserven belaufen sich auf RM 160 000 000. Der Betrag des Aktienkapitals hat- sich aus den Fusionsbedingungen ergeben. Er ist angemessen unter der Voraussetzung gedeihlicher Entwicklung der deutschen Wirtschaft und demgemäß des Gesdiältsvoluraens unserer Bank. Ende 1929 entsprachen unsere ausgewiesenen Eigenmittel an Aktienkapital und Reserven 8�4% der Gläubigersumme, einschließlich Akzepten und Bürgschaften. Ende 1930 ist dieser Prozentsatz infolge der Geschäftssdirumpfung auf 914% gestiegen. Die entsprechenden Ziffern betragen bei den englischen Großbanken 6— 71�0 und bei den größten französischen Depositenbanken Tis— 8%%. Da nun die allgemeinen Verhältnisse wie in allen Aktien auch in den Aktien unserer Bank alten festen Besitz gelockert und zum Angebot an der Börse gebracht haben, ohne daß sich beurteilen läßt, ob die schwimmend gewordenen Beträge in absehbarer Zeit wieder in den von uns gewünschten Dauerbesitz übergehen werden, haben wir im Laufe des Sommers beschlossen, diese Umstände zu benutzen, nm an der Börse bis zu RM 35 000 000 unserer Aktien allmählich zurückzukaufen. Die so aufgenommenen Aktien sollen im Besitze der Bank verbleiben, bis bei geänderten Verhältnissen durch Generalversammlungsbeschluß über ihre Verwendung bestimmt wird. Bis zum Jahresschluß hatten wir RM 23 202 500 zn einem Dijrchschnitt's- kurse von 115%% gekauft. Den an der beabsichtigten Aufnahmehöhe fehlenden Betrag haben wir von Freunden erworben mit der Maßgabe, ihn /um Erwerbskursc zurückzugeben, insoweit sich uns Gelegenheit zu weiteren börsenmäßigen Käufen bietet. In unserer Bilanz haben wir die gesamten RM 35 000 000 zum Nennwert verrechnet und das gezahlte Agio intern abgeschrieben. Für unsere Aktionäre ergibt sich ans dieser Transaktion der Vorteil. daß die unverändert gebliebenen offenen Reserven von insgesamt Reichs- mark 160 000 000=» 56% des Aktienkapitals von RM 285 000 000 sich auf 64% der nunmehr in Umlauf befindlichen RM 230 000 000 Aktien berechnen. Das Konto der Gläubiger in laufender Rechnung hat sich, nachdem es bis zum März angestiegen war. vom April ab nnd namentlich im letzten Jahrescjnartal erheblich vermindert. Politische Einwirkungen trugen dazu mehr hei als die wirtschaftliche Entwicklung. Von der Gesamt abnähme von RM 615 Millionen entfielen RM 200 Millionen auf Inländer. auch hier weit mehr aus politischen Gründen als ans wirtschafllicher Notwendigkeit. Eine mäßige Zunahme haben die bei Dritten benutzten Kredite erfahren. Der Untersdiied zwischen den niedrigen Zinsen an den ausländischen Geldmärkten und unserem hohen Inlandzins war zu bedeutend geworden, als daß die am Außenhandel interessierte Kundschaft nicht nach der billigeren Kreditmöglichkeit drängte. Für den Einfuhrhanriel wurden zwar in Ueberein Stimmung mit den geringeren Iniportziffern etwa RM 80 000 000 weniger beansprucht, dagegen hatten wir für Exportkredite etwa RM 100 000 000 mehr bereitzustellen. Der Anteil der Ausländer an der Gesamtsumme der Gläubiger unserer inländischen Niederlassungen ist anf 37*6%(40%) zurückgegangen. Scheidet man die seitens der Kundschaft für unsere Rechnung bei ausländischen Banken benutzten Kredite, denen verfrachtete oder eingelagerte Waren zugrunde liegen, aus, so verbleiben an Auslandsgeld 24,/a%. davon 8.30%(10,80%) in Reichsmark uud 16,20%(19,15%) in ausländischer Währung. Unser Akzeptkonto hat sich entsprechend der von der Reichsbnnk geförderten Erweiterung des Marktes für Bankwechsel erhöht. Die von uns geleisteten Bürgschaften haben sich um RM 2t 600 000 ermäßigt. Zoll- und Steuerbürgscüaflen sind um etwa RM 12 000 000 gewachsen. dagegen wurden infolge des geringen Außenhandels um etwa RM 30 000 000 weniger Bietnngs- und Lieferungsgarantien benötigt. Wechsel nnd unverzinsliche S c h a t z a n w e i s n n« e n sind unter Diskontabzug eingesetzt Der Einlauf von auf Reichsmark lautenden Vcrrechnongs-Scbecks und Wechseln(also ohne Berücksichtigung der Valuta-Abschnitte) betrug RM 19,259 Milliarden. No.stroguthaben bei Banken und Bankfjrmen enthalten über 72%(75%). Vorschüsse auf verfrachtete oder ein gelagerte Waren 97�%(97H%) ValutarFordcrnngenv Report» und Lombard», die»ich schon im Vorjahre anf die Hälfte ermäßigt hatten, sind infolge der Schrupipfung des Börsengesdiäfts wieder am 40% znnickgegangeo. Bör»enreporU betragen nur noch RM 30.8 Millionen. Unseren sämtlichen Varpfliduungen in fremder Währung stehen entsprechende Aktivposten gegenüber; der in den ersten fünf Bilantposten enthaltene Devisenbesitz unserer inländischen Niederlassungen deckt allein 65.67%(65,04%) unserer Valuta-Verpflichtungeu an Inländer und Ausländer. Eigene W ertpapicre uud Beteiligungen an Gerne i n. s c h a f t s- G e s c b ä f 1 e„ n sind mit einem um 27 � Millioneu RM niedrigeren Befrage eingesetzt als im Vorjahre. Unsere sämtlicher, Wertpapiere einschließlich der Gemcinschafisgesdiäfte und des Anteils an dem Imcrventionskonsortiunj stehen, soweit sie au Börsen notiert sind, zu oer Kursen vom 31. Dezember 1930 oder darunter, soweit nicht börsenfähig, zu �ehr vorsichtigen Wertansätzen zu Buch. Da» gleiche gilt für unsere Dauernden Beteiligungen bei anderen Banken und Bankfirmen. Die Erhöhung auf diesem Konto entspringt im wesentlichen der Vermehrung unseres Besitzes an Aktien der Deutschen Überseeischen Bank, der Handel-Maafsdiappij H. Albert de Barv dr Co. N. V., der Übernahme von Aktien der J. Wichelhaus P. Sohn A.-G. und der Erhöhung unserer Kommanditbcteiligung bei der Firma Philipp Elirocror. Die hauptsächlichsten Bcstandsverminderungcn betreffen die Kommandit- bcteilipung bei der Firma E. Ladenburg' im Zusammen hange mit der vorerwähnten Überleitung des laufenden Geschäfts auf unsere Frankfurter Filiale und die Abstoßung von Aktien, die bei der Fusion von Tlypotlieken- bankeu der Gcmeinsdiaftsgruppe benötigt wurden. Dieser auf unsere Initiative hin und unter unserer Führung vollzogene Zusammenschluß von Hypothekenbanken war von unseren Konsortialgeschäftcn des abgelaufenen Jahres weitaus das bedeutendste. Der Zahl nach haben sich unsere Beteiligungen an Gemeinschaftsgeschäften gegenüber dem Vorjahre sehr vermindert. Schuldner in laufender Rechnung. Über die nötigen Ab- Schreibungen hinaus ist den Risiken, die sich aus der Wirtschafislagc ergeben, durch Rückstellungen Rechnung getragen. Von unseren Debitoren(ohne Vorschüsse auf verfrachtete oder eingelagerte Waren) waren durch börsengängige Wertpapiere gedeckt 22,50%, durch sonstige Sicherheiten gedeckt 51,30%, ungedeckt 26,20%. Der Abstoßung unserer durch die Fusion verfügbaren Bankgebäüdc und unseres sonstigen Grundbesitzes war die der Buchwert unseres Immobiliarbesitzes konnte nur Zeit ungünstig 6'> Millionen Reichsmark ermäßigt werden und beträgt am Ende des Berichtsjahre» insgesamt RM 105 500 000. Er umfaßt 518 bebaute und 22 unbebaute Grundstücke. Von den an 231 Plätzen belegenen 332 Bankgebäuden dienen 266 dem Geschäftsbetrieb. Der sonstige Grundbesitz verteilt sich auf 95 Plätze. Von unseren Wohlfahrtseinrichtnngen wurde unter dem Drucke der wirtschaftliche!» Verhältnisse besonders viel Gebrauch gemacht. Wir konnten den Wünschen nnserer Angestellten in Berlin insofern entgegenkommen. als wir in Berlin-Mariendorf 21 Häuser als selbständige Beamten- siedelung mit insgesamt 124 Wohnungen herstellen ließen, die im Laufe des Jahres bezogen wurden. Da wir auch aus laufenden Mitteln im Berichtsjahre erhebliche Beträge für Unterstützungen von Beamten aufgewendet haben, sehen wir diesmal von einer Dotierung der Dr. Georg von Sicmcns- und David Hansemann-Wohlfahrtsfonds ab. Der Gewinn aus Zinsen und Wechseln hat sich gegenüber dorn Vorjahre erheblich vermindert, weil insbesondere im zweiten Halbjahr politische 8tö sangen den Zinsfuß für Guthaben hochhielten, während die Rücksicht anf die Wirtschaftslage einer Erhöhung der Zinsbelastung im gleichen Ausmaße entgegenstand. Auch die Einnahme aus Gebühren hat sich, allerdings nicht so erheblich, ermäßigt. Die Abnahme verteilt»ich ziemlich gleichmäßig auf Kredit-, Umsatz- un3 Konsortial-Prnvisionen. Nur Im Effektengeschäft ist kein Gebührcnausfall entstanden, weil der Entgang am Börsengeschäft durch Mehreinnahme aus dem Absätze festverzinslicher Anlagewerte ausgeglichen werden konnte. Wir haben allein an Hypothekenbank Pfandbriefen und landschaftlichen Pfandbriefen 420 Millionen Reichsmark. rund 30% der Jahres-Gesamtcralssion dieser Papiere, in unserem Kundenkreise verkauft. Die Abschreibungen, die wir an Wertpapieren und Gemein- Schaftsgeschäften vorgenommen haben, betragen über die Gewinne. die auf diesen Konten zur Verfügung standen, hinaus 6,1 bzw. 15,2 Millionen Reichsmark. Das Erträgnis aus Dauernden Beteiligungen ist hauptsächlich durch den Fortfall der Dividende aus Aktien der mit uns iusionienen Rheinischen Creditbank und Süddeutschen Disconto-Gesellschaft beeinflußt. Die Verminderung unserer Handlungsu n kosten um 21,£ Millionen Reichsmark zeigt, wie sich im ersten Jahre die Fusion ausgewirkt hat. Drei Viertel der.Summe ist an persönlichen, ein Viertel an sachliches Ausgaben eingespart worden. Steuern und Abgaben erfordern infolge des vermin derten Ge- winnergebnisses geringeren Geldbetrag. Relativ ist die Belastung aber gestiegen; sie geht jetzt über den Beirag der Dividcndcn-AusschUftung uinaus. Einschließlich des Vortrags aus dem Jahre 1929 von RM 2 893 038.53 belauft sich das Erträgnis des Jahres 1930 auf...................... RM 20 389 371,58 Hiervon erhalten zunächst die Aktionäre(nach§ 27h der Satzungen) 4% Dividende auf RM 285 000 000,—.......... 11 400 000,- Von den verbleibenden............................... RM 8 989 371,58 abzücljch RM 2 S60 339,32 Vortrag auf neu� Rechnung erhält(nach§ 27d der Satzungen) der A n f- sicbtsrat..................................._ 429 032, 26 W'jr schlagen vor, von den rcstlidieo.................. RM 8 560 539,32 2% Superdivideade an! RM 285 000 000.— mit.................................. 5 700 600z-. zu verteilen und den Überschuß von..................... RM 2 860339.32 auf neneRecbnnnf vorzutragen. Es würde demnach erhalten jede Aktie voy uom. RM 100.—: RM ...... 1000.—:.. 60, Berlin, den 24. März 1931. ßcrVorstand der Deutschen Bank und Disconto-Geselischaft Blinrig Boner Frank Kehl Moslor Sdiliepcr Sdüitter Solmssen v. Stauf! WassernUaA Stellvertretend: Abshagfn Berne Bruck Brunswig Burghardt HHnrfdudorff Kichl Mandel Röslcr Rnmmel SippeÜ Sperber WeigcK Wiufcrpiwrtel 6% Dividende. Wint«� Garten- IN». Zntr. 2613. Riuto«liul Von»» China, Dnncan Collies, Lotte Werkmeister. 4 Phllilpps. Karolesua's, Dormonde usw. r Berlin hat seine � Sensation! A, Täglidi 2 mal 3.30 m»! 8.15 Ufr nur Dcä Hadiraittags Rmder und Erwadisws ?om halb« Preise s Telephon Birw. 8598 cTm Hagenbeck U- Batmhol Ggelsnantrili. StnlnlMhn 3 nd Ul Imin; 5. 4. 9. 15, 21. 95. 115 his H&kmtnk Linie 24 bis Zossen«: S'reät Preise: so PI.-ein, uns«, Hadim. 50 Pf. bis 3 M, abinds I bis 5 M. Dollie u. Billie Dance Fables Co. mit Estclle Mattern und weitere Attrakt'onen. GROSSES SCHAUSPIELHAUS Tag). 8 Uhr. Im weissen RCSSl, Stg. nachm. 3 Uhr Originalbcsttzung nilligc Preise Reg e: Erik Charell. I Tägl. 5 u. Sin Saarn, i. si. t" E 4. Alex. 8066 Nehm. SO Pf.— I M., abds. 1-2 M. Hermann Leopold! der berühmte WienerHumorist Orlando-Truppe, Esmanoff 1 Gerda Iis«. »v«uh, CÄSINO-TBEATER»''vd' Lothringer Strafte 37. **<■> tr ttiiin ei in 11111111iMi111111111t11.nl ii 1111111 iiiiniii in rutimuiu n Nur noch bis 2. April o fliese senwiegervater und das ersikl. bunte Programm! Sonnabend, den 4. Ipr0 1931 im ersten Male „Er träumt von Jise" Galsdieln 1-4 Penonen Fauieuis 1�6 Sessel 1.76 M. Sonstige Pr.r Parkett 75 PI. Rang 60 Pi DAS BLAUE HEMD VON ITHAKA MUSIK: J. OFFEHBACH THEATER IM ADMIRALSPAIAST Das ROSE THEATER. entwickelt sich zu einer besonderen Herliner Pflegestätte der guten Operette(Volk,-Zeitung WagfSTlfsTP?*] Sonnabend Von Montag Ui Freiing „Die Faschingsfee" Operette von Kftlmftn Regie: Paul Bo»c Tänze; George» Blanvalet „Kalmftn holte sich im Rote' rheater einen großen Ertolg," (Morgenpost * bendprelte ▼ M. 0.50 Ii» M. 3.— Nur noch bU 27. März die beliebten Familien- Nachmittage! $.30 Ohr: Donnersta und Freitag: „Madame Bomvard" Große Frankfurer Str 132, U-Bahn Strausberger Platz 6 tagiger Vorverkauf iftgUch von il—l Uhr und 4—9 Uhr. | Tel. Bestellung: Alex. 34�2 und 349 I MUMM knugung� Restaurant Berl i ns WM Theater 8 Uhr Der Hauptmann von KOpenlA v. Carl Zuckmayei Regit: Heinz Hilpert Kammerspiele b% b'hr Diese alte Canaillel von Fernand Hnzüre Regit; Esgio Rnbert Die Komödie S1/* Uhr Kommt einVogel ene Weiter tiaundr/ir Regit: toslev Härtung Kurfürslendamm- Theafer Bismarck 449 |» Uhr\ Das schwache aascmecht v. Edouard Bourddt Regie: Mil Reinberd! Homiscna Oper 8>, Uhr Kleine Preise. Peppjna idtujjfcs Kmipiiiln Robert Stolz ig dir Oeotsebes Klfnsller-Theal. Barbarossa 3937. 8'.? Uhr Ritter Blaubarts adite Frau Renaissance Theater Stein platz 6780 8*/a Uhr Durdians nnerlaabt I» Pr u.SO bis 13.51'. Neues Theater mm am Zoo—" tm Babn!;. Inn. Stpl.6554 Taglich 8'.« Uhr von Max Alsberg u Otto Ernst Hesse Preise 1—8 Mark. Zimmer; 1 Bett Mk.7,- bis 11.- Zöetten H-bisZZr BodiMk.?,- i)Qlon;1Ctr 'V.IM Bert in HOTEL EXCELSiOR i mm tpoi« man< BUl«IM MIIIS T Nur aross- Berlin JUoxanOorplatz Barnowsky- Bühnen Tbgater In Der Slresentaansh. KV. Uhr Amphitryon 38 Komödie von Jean Ciraudoux Inszenierung: Victor Barnowsky Komödienhaus SV. Uhr Eine Mnigtiche Familie Plscator-BDhnc (Wallner- Theater) Alex. 4592-93. Täglich 8V. Des Kaisers Kuli Für User umererZeihnig Oi.-SesselsiittEnin3M Partrntt-F.. 4.2.. .. 3.. 1�0 Heng. 2.1». «.usispisihsus Täglich 8V- Uhr Der Uipner u. mc nenne von Kurt Götz Mrd. Wejteoi Täglich 8V. Uhr snwii Sonntags antb'r-3 Franz Lohirs Sensationserfolg! schön ist die weit metropoi-Theater Täglich 8". Uhr Das Veiithen v. Montmartre Operette v. Kaiman Gina Aipar, Annl Akiers, Kau lohte. Rim. Waiilemar a. B., Eroon Bosig als Gatl. leM-IdM Täglich 8V« Uhr Die schöne Alexandra Lnsufl. Sdinllwtr. Fnl Vaspemrann. Sif.Ia EUie-SAndtcr blWss». Str. I Tici-»Vitn» Der Inatiffote ; Ab�nd! Sonntags Mclini.3-/3Bfer ermlB. Preise. Osterwein Reichshallen-Theater übende|T| Sonntag Hadun. PPTI Obi Steiliner Sänger Neu! Neu! ..Sallcttsdiiiie Klappermatz" Nachm. ermäBiete Preise Oönhoft- Brettl; Varietd— Komert— Tanz! «. h ladMnt. In| ihMaMMfc VoiKsotthne Theater am BOlovplatz. 8 Uhr Die beiden Adler Staa}l.5dii!ler-Th. 8 Uhr Nalhan der We.sc Theatsr am SchltTDaaerdamm 8 Uhr Ualienisdie Nadtf Staatsoper Am Pl.d Republik * Ühr Der Barbier von Sevilla Kleines Theat. Heute 8 Uhr Premier« Erika üläßner in: Der slllle Kompagnon lastspial ra laa lanz, Würz, Zesch-Ballot, Kaufmann, klubertanz. DEUTSCHE BANK UND DISCDNT0-6ESELLSCHAFT Die Aktionäre nnserer Gesellsobait werden hierdnreb zu der am 17. April 1931 TormittagH 11 Cbr, in unserem Bankgebäude, Eingang KanouicretU-. SS L3. stattfindenden ordentlichen Generalversammlung eingeladen. Aktionäre, die ihr Stimmrecht nach Maßgabe des§ 18 der Satzung ausüben wollen, müssen ihre Aktien oder die über diese lautenden Hinterlegungsscheine einer deutschen Effektengirobank spätestens am 13. April 1931 bei unserer Effektenkasse In Berlin« Mauerstraße 26=27 oder einer unserer Zweigniederlassungen während der üblichen Geschäftsstunden oder bei einem Xotar hinterlegen und bis nach der Generalversammlung belassen. Im Falle der Hinterlegung bei einem Notar ist dessen Bescheinigung über die erfolgte Hinterlegung in Urschrift oder in beglaubigter Abschrift spätestens am ersten Werktage nach Ablauf der Hinterlegungsfrist bei der Gesellschaft einzureichen Stimmkarten werden bei den Hinterlegungsstellen ausgehändigt Soweit sich noch Aktienurkunden, die auf.Deutsche Bank" oder.Direction der Disconto-Gesellschaft lauten, im Besitz unserer Aktionäre befinden, fordern wir ■die Besitzer auf, solche Aktien mit Dividendenscheinbogen gleichzeitig zum Umtausch in neue, auf.Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft" lautende Aktienurkunden einzuliefern, weil die Dividende für das Geschäftsjahr 1030 lediglich auf die neuen Dividendenscheine zur Auszahlung gelangen wird. Tagesordnung: 1. Jahresbericht über die Geschäfte der Gesellschaft 2. Jahresrechnung mit den Bemerkungen des Aufsichtsrats, 3. Beschlußfassung über die Genehmigung der Jahresbilanz, die Gewinnverteilung sowie über die Entlastung des Vorstandes und des Aufsichtsrats, 4. Wahlen zum Aufsichtsrat. Berlin, den 23. März 1931. DEUTSCHE BANK UNO DISCONTO-GESELLSCHAFT Schlftlcr Sohmscn DIESE MARKE BÜRGT FÜR UND FRISCHE Zum Osterfest! Liter Feinster Dessert-Apfelwein, süß.... Johannis- und Stachelbeerwein, süß.....„ Echter ital. Vinn Vermouth„Marke Special"„ Echter Tarragona„Special" un verschnitten. ,, Echter Pepsinwein für Kranke..... t/z„ Echter Malaga„Special" unverschnitten...„ Echter Tasano„Mach mich fröhlich"....» Echter Insel Samos„Edel".........» Nordhäuser Branntwein-Aquavit.......» Feinster Weinbrand Verschnitt....... m Feinster echter Weinbrand„Masue**,,,»„ Prima Pfälzer Weißwein......»»>. 7� FI. Prima roter Tischwein...........'/, Fl. 29er Liebfrauenmllch-Niersteiner etc..... V, Fl. Echte rote Bordeauxweine........ Fl. von Prima weißer Bordeaux„26er EntrcdeuxMers" FL Echter feinst, w. Bord.„25er Haut-Sauternes" 1/i Fl. Extra feine echte Edelliköre........ 0.72 O.BS 1.16 1.20 1.26 1.36 1.80 1.80 3.20 3.60 4.40 O.T 6 0.76 0.96 1.20 1.60 1.76 EDUARD SÜSSKINO BERLIN: N, Brunn enstraße 42 N, Müllerstraße 144 N, Chausseestraße 76 O, Koppenstraße 86 N, Prenzlauer Allee 50 O, Petersburg. Str. 42 SO, Grünauer Straße IZ SO, Köpenicker Str. 121 W,Mart.-Luther-StT.86 Deatsdier Metallarbeiter-lferbaDil Verwaltungsstelle Berlin Nachruf ®cn Mitqliodern zur Nachricht. daß unltr Rolleg?, der Schmelzer Liutvig Rasche cm 23. März jeftorben ist. am 18. Marz starb unser Kollege, de: Rostrieger Eduard Alscber geb. 4. November 1879. Beiseßungeii haben berriis ftattzesunben. Ehre Ihrem Andenken: Die Ortsvcrwaltung Danksagang ffüt die vielen Bemeile herzlicher Teiinehme beim dinscheiben meines Heben Gatten, unseres treusorgenden Vater» DleDsr«! Fl»«kvr fagen mir allen Genosten und- Ve- rannten sowie auch den Arbeit« kollege» der Niles-Verte. Reinickendorf, un- feien tnnizsten Dank. Zn tiefstem Schmers Panla FlMher und Söhne. Die Veilegunq der Afche stnd» am IS-März. vorm. Il�hr. Seestraße statt, s�dr DeitsiMtallaMrtW Achlnug! A-dtnng! USI'waiillNgSMiyUDDKI'i Freitag, de» 27. März, abends 7 llhr, Schnng der Mittleren Verwallung. Aehlnng! Uchlnng! «ellll.VDIII'DUDNDiiei'DDNDN vna Betrlehsr&te! Mefllr heute, Dannerstag, bem?ü März, einberufene Koniereni der weiblichen Der- trauen» eure finbet wegen der Bestattung des Genofl-n M Ü 1 1 e r am vienatar, dem ZI März 1931, abends 7 Uhr. im Zugend- heim, Änlenstr. 83/85, 2 Tteppen, statt Die Kolleginnen werden gebeten, an diesem Tage sämtlich und zahlreich zu er- scheineu.__ Arbeitslose und KranKel Wegen Ouarlalschliiß ist die Arbeits- losen- und Kranfenabteilnng ani Montag, bem M und Dienstag, dem 3t. März, gl- schloffen. Di« Unterstützung, welche am Montag. dem 30. März, lallig tst. wir» am Donnerstag. dem 26. März, ausgezahlt. Für Dienstag, dem 81. März, fällige Unterstiißun« wird am Freitag, Sem 27. März, ausgezahlt. Die Mitgliedsbücher müsten fvätesteno bis zum 28. Marz abgegeben fein. Müglieber, die ihr Buch nach bem 31. Marz abgeben, erhalten erst eine Woche später ihre UnterstüAung. Die vrtoverwaltnng. KLEINE ANZEIGEN liiiimiiuiiiKmiiiiiiiimiiiimmmiinimimuuiiiiiiiiim UebertchriftswertZSPf., TertwortIZPf. WiederholungsrabaitrlOmalö Proz» 20 mal oder 1000 Worte AbschluS 10 Proi. 2000 Worte 15 Proz. 4000 Wort© 20 Proz./ Ötellenpcsuche: Ueberschrlftswort 15 Pf., Textwort 10 Pf/ Anzeigen, welche für dje nächste Nummer Gestimmt sind, müssen bis 4�/z Uhr nachmittags im Verlag, Llndenstr. 3, oder auch In sämtlichen Vorwärts- Filialen und -Ausgabestel en abgegeben sein I verKailie| Stanbndren 95�-, Meiallbeii- stcllen 35,00 Sah. lungserleichterung Kamerring. Kasta- nienallce 56. Teppichhan» Emil Lesear«. Berlin, seit 40 Zah- reu nur üranien- straste 158. Zah- lungserleichlcrung ohne Aufschlag. 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Zrifadre. död Ledui di ckun?-Re te«ir Oder-etzuncka) gwe Alleemeindllckuns. sclirlft» un2 spraclizewanckt. guter Leilist. tacke! lose Umeangsfornen, aus böherer Beara enfa-nilte s'ammend, sucht in Parteibetrieb Stellung als RedaHllonS'HlUskraU I Erstklassige Zeugnisse u. Referenzen stehen auf Wunsch rur Verfügung. Ev. Angebote erbeten an Paul Opitz. Coswig-Aihalt, Leute Reihe lOu Ufr. 143« 45. Iahrgang 2. Beilage des Vorwärts Donnerstag. 26. März 1931 Oer Neichsetat angenommen. In dritter Beratung mit 222 gegen 64 Stimmen bei 14 Stimmenthaltungen. In der fortgesetzten Aussprache über die Osthilfe schilderte am gestrigen Mittmochnachmittag Abg. B« ck e r- Breslau(ftomra.) die Not im Waloenburger Gebiet. Abg. Baur(Landvolk) erklärt die Vorlag« für eine Ent- täuschung. Abg. Graf von Westarp(Volkskons.): Wenn das Osthilfegesetz angenommen ist. so wird der Austrag, um deswillen der Reichs- Präsident das Kabinett Brüning«ingesetzt uno mit besonderen Boll- machten versehen hat, ausgeführt sein. Es handelt sich hier um das geschichtliche Ringen zwischen Deutschen und Polen um den deut- scheu Ostem Dem intensiven polnischen Vordringen gegen das Deutschtum im Osten müssen wir einen Wall entgegensetzen. Wenn der deutschnationole Abg. Dr. Bang das Osthl'feqeseh einen Hohn aus die Ostnol nennt, so verstehe ich das nicht, wenn ich auch die Motive für solche Agitation verstehe. Man darf sich auch durch Parteiagitationsgründ« nicht bestimmen lasten, hilfs- maßnahmen«in Nichts zu nennen, die wahrllch kein Nichts sind. Ne'chsminister Trev'ranuS: Für die Osthilfe werven 1S31 bis 1938 mindestens 950 Mil- lionen oerwendet, außerdem an Kreditmitteln, aus Haushalts- Mitteln, Zweckoermögen und Schuldoerschreibungen 1140 Millionen, im ganzen also etwa 2 Milliarden Mark. Wenn wir für drfes Hilfswerk wenig Dank erhalten, so können wir uns damit trösten. daß auch oie segensreich« Einrichtung der Generallandschaften vor 150 Jahren zunächst wenig Anerkennung gefunden hat. Zu der Fürsorge für die Landa'-beiter. die In der Vortage nicht so gering ist. wie verschieden« Redner«nn-int haben, werden wir in der nächsten Zeit Fortschritte machen können. Die vorgeschlagen? gesunde Mischung zwischen der behördlichen Be» treuung und der Heranziehung der Selbstverwaltung wird die beste Lösung sein. Damit schließt die Aussprache. In der dritten Beratung des Gesetzes aus Bestrafung des Mitführers von Hieb-, Stich- und Stoßwaffen bei politischen Kundgebungen behauptet Abg Schneller(Komm.), daß die Reichsregierung und Länder- regierungen Mordbanoen gegen die Arbeiter organisieren. Die Vorlage wolle die Arbeiterschaft an der Gegenwehr verhindern. Der Redner fordert die Arbeiter auf, sich di? Waffen der'cnigen zu nehmen, die gegen die Arbeiter vorgehen.(Lebh. Beifall der Komm.) Daraus wird die dritte Beratung des Reichshaushalts zum Abschluß gebracht. Abg. Dittmann(Soz.) gibt eine Erklärung der sozialdemo- kcatischen Reichrlaossraksion ab, die wir im Hauptblatt wiedergeben. 2lbg. Frau Himmler l.Komm.) tritt für einen Antrag ihrer Frakchon ein. die Reichsrepierung aufzufordern, die sofortiqe Haft- Entlastung der Stutiearter Aer-tin Frau Dr. Kienle zu veranlassen: sie stehe seit sechs Tagen. im Hungerstreik. Außerdem befürwortet sie den Antrag, den 8 218 des Strafgesetzbuchs aufzuheben. Abg. Dr. hoeaner(Soz.1 aibt unter stürmischen Entrüstunas- rufen der Kommunisten die Erklärung ab, daß der kommunistische Antrag einen gesetz- und verfassungswidrigen Einariff des Parla- ments in ein schwebendes Gericktsverfahren darstelle: außerdem sei die Iustn Landessarl-e. Keine R�crienma und kein Gericht könn- ten dem zuständigen Richter die Hastentlassuna vorschreiben. Die sosialdemokratische Fraktion werde aus diesen Grünoen gegen den Antraa stimmen. Abg. Ripvcl(Cbrsoz.) spricht u. a. gegen die Wahlreiorm, die nur den radikalen Parteien nütze, gerade bedeutenden Politikern aber die Erlanminq von Mandaten ebenso s-t-wer machen werde, wie es früher Männern wie Bassermann, Rösicke und Naumann geganoen sei. Abg. Toroler(Komm.) hält der Erk/Srunq Hoegners den Protest der Ha'wtoersamml'mg der Stuttgarter Sozialdemokratie gegen den barbarischen 8?18 sowie die Kamvsansage dieser Versammlung gegen das.,mitt??clterlich« Sexualstrafrecht" entgegen. Dittmann sprach von der Verhinderung des Faschismus: ist die Zustimmung zum Panz°rkr«uzer, zur Zoll- und Sparermächtiaunq, zur Anwen- duna des Gummiknüppels aegen Arbeitslose und zu einer langen Rarlamentspause auch Verhinderung dos Faschismus? Liegt die Verbesteruna der Notverordnung in der Ermä-l-tigung der Länder und Gemeinden zur Verdreifachung der Bürgersteuer? Der Redner fuhrt dann aus. daß die Leuin-Zitate im Mistwoch-„Vorwärts* einer Schrift gegen jene Taktik der deutschen Kommunisten ent- nomm?n seien die heute der Sozialdemokratischen Partei so fatal sei. Zum Schluß fragt Torgler den Finanzminister m&f verschiedenen Dingen, darunter auch, aus welchem Fonds dem Exkönig von Bulgarien noch im Februar d. I. 500 010 M. gezahlt worden seien. Abg. Graf vou Westarp(Volk kons.) vevl�nat, daß die R'me- rung neue Verhandlungen zur Revision der Reparationsverpflich- tung einleitet. Zk'chsfinamm'niffer Dr. Oseirich erklärt, die Reichsregieruna werde den Reicbsrat bitten, die Steuer. erhöhungsbeschlüsie des Reichstags, wenn sie auch in der dritten Lesung bestätigt werden sollien, abzulehnen. Dem Abgeordneten' Torgler antwortet der Minister unter Hinweis auf frühere Er- klärungen im Ausschuß: 1. daß das Reich mit der ZlEG. um 2H Millionen Mark prozessier«. sie aber nicht der AEG. geschenkt habe-, 2. daß jeder Deutsche das Recht habe, Handelsniederlasiungen im Ausland zu betreiben, was noch lange nicht Kapitalverschicbung und Steuerhinteniehung bedeute: 3. daß dos Berfobren gegen den Berliner Fabritanten Iako- bowPi weiter gehe. Die Anaelegeuheit des Exzaren von Buk- g a r i e n stamme noch aus dem Kriege und wäre am besten dem Auswärtigen Ausschuh zu überweisen.(Hohnlachen der Komm.) Aba.!?rau Schreibet-Kr'eaer("Soz): Gegen den Gebv'-tenzwang kämpft dle so'iasd«mokrotsche Fraktion seit langem. Sie hat ein« ganze Reih? Anträge in diesem Sinne eingebracht. Bei der Beratung der Strafrechtsreform wird Gelegenheit sein auf die gesundheitlichen, seelischen, moralischen und mat riellen Schädigungen einzugehen, die der � 218 zur Folge hat Zahlreiche Versammlungen im ganzen Reiche zeigen, daß«ine Dolksbewepung im Gange ist. die nicht zur Ruh? kommen kann, ehe da, Gesetz in Eingang gebraut ist mit den Tatlo-ben des Lebens und mit der Rot der breiten Schichten die stärker sind al» Mutterinstinkt und Mutterliebe. Jene Volk-bewegunq wird nicht zur Ruhe kommen, ehe Nahrungsstand und Kinderzahl sich in Uebereinsiimmung befinden. An dieser Bolk-bewmuna kann dl? Bolksvertretung nicht achtlos vorübergehen. Die sozialdemokratische Fraktion hat neue Anträge vorberestet, deren Ziel di? vöt'ige Um- gestaltuna des 8 218 ist, um diese Frage aus der Heimlichkeit und Lüg« mit all ihren furchtbaren Konsequenzen zu lösen und den ganzen Komplex in die Hand des berufenen Arztes zu legen. Rur dann wird die unerhörte Zahl von Opfern dieses Paragraphen verschwinden, und nur dann wird auch der Arzt von dem furchtbaren Konflikt erlöst sein, in dem er heute steht: entweder durch Verweigerung der hilse und Befolgung des Gesetzes verzweifelnde Wenschen der Kurpfuscherei zu überantworten oder die hilse zu leisten und sich strafbar zu machen. Drei Fünftel der Berliner Aerztinnen haben sich für die Abschaf- fung des§ 218 erklärt, in Hamburg ebenso 80 Proz. der Aerztinnen. Möge dieses Haus die Zeichen oer Zeit verstehen und wenigstens, solange das Gesetz besteht und täglich tausendfach gebrochen wird. Milde walten lassen für die Opfer. Zu diesen Opfern g hört auch Frau Dr. Jacobowitz-Kienle in Stuttgart. Meine Fraktion bringt folgende Entschließung ein: Der Reichstag ersucht, da er nach der Verfassung nicht dos Recht hat, den von einem Gericht erlassenen Hastbeschl aufzu- heben, die Reichsregierung, auf das württemberpische Justizministerium einzuwirken, daß der zuständige Staatsanwalt schleunigst den Antrag aus Aushebung des gegen Frau Dr. Kienle in Stutt- gart erlassenen Haftbefehl stellt. Es wird als ganz besonderes Unrecht empfunden, daß Frau Kienle in Hast bleibt, nachdem Dr. Wolf aus der Haft entlassen worden ist. Wir glauben, daß Verdunkelungsgefahr oder Fluchtverdacht nicht vorliegen und bitten deshalb um Annahme unserer Entschficßuna. (Beifall der Sozialdemokraten.— Gegenrufe der Kommunisten.) Abg. Dr Gereke(Landoolik) erNärt. die Landvollpartei habe gegen viele Einzelheiten des Etats starke Bedenken, stell« sie aber zurück, um dem Reichskanzler und dem Ernähruugsminiiter ihr Vertrauen zu bekunden. Sie billige auch das Zollermächtigungs- gesetz in seiner neuen Fasiung und bedaure nur, daß es durch den Auszug der Deutschnationalen und Nationotsoziatisten unmöglich geworden sei, mehr für die Landwirtschaft zu erreichen. Abg. Slöcker(Komm.) kündigt in einer längeren Erklärung die Ablehnung des Etats an. Die Kommunisten bringen einen Mißtranensantrag gegen das Kabinett ein das die Bevölkerung oetäuschl und betrogen habe. Vizepräsident Ester erklärt unter Pfui-Rufen der Kammunisten, daß dieser Antrag wegen seiner unparlamentarischcn Fassung nicht zugelasien werde. Die Aussprache über den Etat ist beendet. Es folgen die vielen vorher zurückgestellten Abstimmungen, zunächst über das Osthilfegesetz. Dieses wird in zweiter Lesung in der Ausschußsassung angenommen. Zum Osthilsegesetz wird auch eine sozialdemokratische Entschließung angenommen, die sich gegen Berlin-Gesetz angenommen. Vertrag mit der Voltsbühne abermals nicht zustandegetommen. Zu Beginn der Landtagssitzung am Dienstag beantragten die Deulschnationalen in der fortgesetzten Aussprache über den Innen- etat die Redezeit um ein« halbe(Stunde zu verlängern, damit st« Gelegenheit bekommen, noch auf die Rede des Abg. Letterhaus(Z.) zu antworten. Der Antrag wurde abgelehnt. Abg. Prelle(Dtfch-Hann.) wendet sich gegen di« Ausführungen des Abg. Falk. Di« Hannoveraner hätten sich trotz aller Unter- drückungen immer loyal benommen. Sie dächten nicht daran, für die Wiedererrichtung der hannoverschen Monarchie«inzutreten. Sie seien durchaus modern gesinnt. Abg. Leineri(Soz.): Die modern« Einstellung der Welfen spiegelt sich nur in Wieder- nolungen ihrer alten Tiroden. Ihre Loyalität bekundete Kollege Biester, der bekanntlich erklärte, daß die Welsenpartei das Bestreben hat, das Innenminsterium zu unterminieren.. Daß der von ihr ge< stellte Oberbüroermeister von Hannooer von der Rcgieruna bestätigt wUbdr, zeigt dt«' Toleran, der Demokratie. Würde die Regierung nach der Aeußcrung des Herrn Biester aber noch den zum Landes- Hauptmann gewählten Welfen bestätigen, so wüßte sie wirklich nicht, was sie tut. Wie alle bürgerlichen Mittelparteien sucht auch die Welfenpartei aus Angst vor dem Tode Anschluß an di« National- svziolisten.(Sehr wahrl bei den Soz.) Um d'e Parteibuchwirtschaft In der Personolpolitik zu beweisen, hat die Volkspartei über die Borgänge Im Statistischen Landesamt einen Untersuchungsausschuß einsetzen lasten. Sie hat über den„roten Terror in den öffentlichen Betrieben" Flugblätter verbreitet, obwohl die Berhandlungen durch Zeugenaus- sagen das Gegenteil ergeben haben. Diese ganze infame Hetze ist kläglich zusammengebrochen.(Hört, hörtl bei den Soz.) Merk- würdiAerweise übersieht dabei die Rechte vollständig die Maßrege- lung von Beamten in Braunschweig und Thüringen. Weil es der Rechten an Zlqitationsmatertal fehlt, hat der Stahl- Helm dos Volksbegehren auf Landtoasaufläsunq eingebracht. Dabei haben Deutschnationale und Bolkspartei«ine Heidenangst vor Reu- wählen und der Stahlhelm rechnet selbst damit, daß sein frivoles Spiel keinen Erfolg hat. Es ist nur ordinäre Demagogie, wenn gesorderi wird, daß um der Osthilse»nd der inneren Gesunduno willen Preußen von den jetzigen Machthabern befreit werden müsse. Wenn das geschehen sollte, müßten die Winistersessel wieder beseht werden. Daß die Herren von rechts sich hiersür bereithalten, ist schließlich nichts weiter als der Drang zur Futterkrippe!(Sehr wahr! bei den Soz. und Heiterkeit.) Di« Rechte bezeichnet das jetzige Preußen als«ine nationale Gefahr, sie fordert Sperrung der Reichszuschüsse, weil keine Gewähr für deren verfassungsmäßige Verwendung gegeben sei. Es soll die Reichseinheit bedrohen. Ein maßgebendes bürgerliches Blatt in Bayern beurteilt Preußen allerdings anders. Es begrüßt, daß Preußen fest steht und der jetzige Innenminister di« staatliche Ord- nung garantiert.(Hört! Hört! bei den Sozialdemokraten.) Tatsächlich hält Preußen das Reich zusammen. Ein Sieg Hitler» würde dessen Bestand und Kreditfähigkeit er- schüttern und das Fünfmillionenheer der Arbeitslosen verewigen. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Schon die Wahl vom 14. September bat dem� Reich durch die Riickziehunq ausländischer Kredite unermeßli'ben Schaden zugesüot. Aber da- Volk wird klug genug sein, einzusehen, was es mit Hitler und Hugenbcrg gegen Braun und Severing eintauschen würde: die völlige Auflösung des Staates!(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Stablbelm bat anaekündtgt doß beim tNoiesbeoeb'-en Go- legenheit sei, sestzustellen, wer seine nationale Pflicht erfüllt. Nach all den Fälsebunaen und Ve>-le>undunaen über di? Mißwirtsebast des Marxismus wird also noch der unoerjchämteste Terror angekündigt. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es ist da» Verdienst der So'Ialdemokralle und ihrer Organi- salionen, beim Zusammenbruch Deutschland gerettet zu haben. Die Sozialdemokratie hat den Ruhrernmorsch abgewehrt und nicht die Rechtstreis« mit Schlaget«« und Genossen. Damals svrach hiller das Wo t: nicht Rieder mit den Franzosen muß es heißen, sondern Rieber mit den Rovemberverbrechern. kHört! Hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Sozialdemokratie hat Deutschland von den äußeren Geanern befreit. Sie hat über den Dames-Plan im Ponng-Plan die jährliche Zahlung der Tributkasten um 700 bis 800 Millionen Mark herabgemildert, sie hat die Souveränität des Reichs wieder hergestellt und den Rhein befreit Wenn die Saar noch nicht frei ist, so einzig durch die Schuld der Rechtsparteien! Heliierich hat während des Krieges einmal erklärt: „Die Kriegslasten iverden unsere Feinde wie eiserne Ketten durch die Jahrhunderte schleppen müssen."(Hört! Hört! links.) Unser« Gegner habe» die Dauer der Lasten für uns aus SS Jahre, ein Menschenleben, beschränkt. Es ist leichter gewesen, die haßerfüllten Gegner zur Vernunft zu bringen, als«inen Teil der eigenen Volks- genossen, die in blinder Wut olles unter die Stiesel treten, was mühselig in Notzeiten ausgebaut wurde!(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Seil der Ermordung Rathenaus ist der Word zur politischen Waffe geworden. Dafür tragen Deulschnationale und Rationalsozialisten die Verantwortung. Sie sind verantwortlich für dos vergossene Blut. Wenn Hitler für die Hamburger Mörder des kommunistischen Abgeordneten Hennig jetzt die Verteidigung stellt, so nicht nur. weil er sich verantwortlich fühlt, sondern auch aus Angst, daß di« Mörder gegen lein« Partei aussagen könnten. Es steht fest, daß die Nationalsozialistische Partei die Mörder begünstigt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Solchen Leuten dürfen wir nicht Preußen überlassen! Ihre Herrschaft würde die Wiederherstellung des Dreiklassenwahlrechts, des Herrenhauses und der Gesindeordnung bedeuten. Wenn wir uns gegen das Slahlhelmvolksbeaehren wenden, so wollen wir die Kultur und die Arbeilerrechte nicht pollllschen Kannibalen überant- worten, sondern sür den Ausstieg des Volkes kämpfen zu besseren Zuständen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokrat«� Abg. Kasper(Komin.) verwahrt sich gegen die Unterscheidung des Innenministers zwischen anständigen und unanständigen Mit- gliedern der kommunistischen Fraktion. Mit solchen Wendimgen könne man keine Sprengkapseln legen. Man habe nie solche viehischen Ausschreitungen der Polizei erlebt als in der Republik. Der Redner beschwert sich weiter über Maßnahmen gegen kommu- nistische Parteiorganisationen. Hierauf werden die sür 2 Uhr angesetzten Abstimmungen vorgenommen. Zunächst wird abgestimmt über das neue Berliner SeibstverwalivnqSgesetz. Das Gesetz wird in dritter Lesung unverändert in der Ausschuß- fassung, d. h. unter Ablehnung aller Aenderungsanträge der Rechtsparteien und Kommunisten, angenommen. Die Schluß- abstimmuikg ist namentlich. Hierbei obstruieren Kommunisten und Rechtsparteien, mit Äusnahme der Landvoltpartei, indem sie keine Karten abgeben. �.... Die Auszählung ergibt 223 Za-Stimmen und tS Reln-Stimmen. Damit ist das Berliner Gesetz endgültig verabschiedet. Es folgen die Abstimmungen über den Haushalt des Kultusministeriums in zweiter Lesung. Unter den an- genommenen Anträgen besindet sich auch der Zentrums- antrag, die Staatsoper am Platz der Republil mit Abschluß der Spielzeit 1931 zu schließen. Hierbei enthielten sich die Sozialdemokraten. Die Abstimmung über den Vertrag des Staates mit der Volksbühne ergibt, wie nun schon zweimal vorher, wiederum dle Beschlußunfähigkeit des Hauses. Rechtsparteien und Kommunisten gaben keine karten ab und die Regierungsparteien brachten nur??5 Stimmen auf. Es fehlte an der Beschs,-ßsählgkeit also nur eine Sllmme. Die Sozialdemokralen waren vollzählig. Hierauf wird die unterbrochene Aussprache über den I n n e n e t a t sortgesetzt. Abg. Wetzenlhin(D. Vp.) erklärt, daß die Dauer eines Kabinetts noch kein Zeichen für gute Leistungen fei. Die Posten der Ver- waltung seien mit Anhängern der Regierungsparteien überschwemmt worden. Statistisch sei nachgewiesen, daß Kommunisten an Gewalt- tätiakeiten und Versammlungsstörungen den meisten Anteil haben. Abg. Grzlmek(Staatsp.) meint, daß sich nach dem Scheitern im Reich die Offensive der Rechten gegen Preußen richte, weil es sich in den letzten zwöls Jahren als der starke Fels der deutschen Republik erwiesen hat. Preußen habe in der Notzeit Großes geleistet, und das sollten auch die Oppositionsparteien anerkennen. Die von der Rechtsregierung im Reich gemachten Steuern feien in Preußen gemildert worden. Im weiteren Verlauf seiner Rede geht der Redner auf die verhetzenden Methoden der Nationalsozialisten ein und fordert den Minister aus. noch schärfer als bisher zuzupacken. Hierauf schlägt Präsident Bartels dem Hause vor. sich zu ver» tagen.— Zur Geschäftsordnung erklärt Abg. Riedel(Staatsp.). daß während der Rede des Abg. Grzimek der nationalsozialistische Abgeordnete Haak« diesem zuge- rufen habe:„Dir werden wir noch die Eier schleifen!" Dieser von unglaublicher Roheit und von einem nicht zu kennzeichnenden geistigen Tiefstand zeugende Zuruf sei offenbar vom Präsidenten uberhört worden.(Große Unruhe im ganzen Hause.) Präsident Bartels bemerkt dazu, daß er diesen Zuruf tatsächlich nicht gehört habe, weil er sonst sofort eingeschritten wäre. Hieraus oertagt sich das Haus aus Donnerstag l0 Uhr. Tagesordnung: Fortsetzung der Debatte über den Innenetat. den Abb an der Tariflöhne der ländlichen Arbeiterschaft wendet. Angenommen wird auch eine Entschlicßung des Christlichsozialen Volksdienstes zugunsten der Landarbeiter. Die dritte Beratung muß auf Einspruch der Kommunisten unterbleiben. Das Gesetz gegen Wafsemnißbrauch wird unter Gegenrufen der Kommunisten verabschiedet. Ein kommunistischer Mitztrauensantrag gegen das Kabinett Brüning wird mit 284 gegen 65 Stimmen bei 15 Enthaltungen abgelehnt. Eine vom Abg. Rauch(B. Vp.) begründete Entschließung zu- gunsten der technischen Beamte» wird mit großer Mehrheit ange- nommen. Angenommen werden Anträge der Sozialdemokra- ten und des Zentrums, die im Reichsfinanzministerium Aenderungen im Stellenplan herbeiführen wollen. Ein« kommunistische Eni- schließung auf Aushebung der erhöhten llmsaßsteuer für Konsumvereine und Warenhäuser wird angenommen, da auch die Sozialdemokraten dafür stimmen. ebenso eine kommunistische Entschließung, wonach der Einzelverkauf von Zigaretten wieder zugelassen werden soll. Im Haushalt der Allgemeinen Finanzverwaltung wird aus Antrag von Sozialdemokraten, Zentrum Staatspartei, Wirtschafts- Partei, Bayerischer Volkspartei und Christlichsoztalen der Etats- j ansaß der Vorzugsdividende aus d«n Reichsbahnvorzugsaktien um � 700 000 M. erhöht und der Ansatz der Unterstützungsmittel für not-, leidende Beamte um 600 000 M. ermäßigt. Dadurch und durst eine Kürzung der Mittel für den Beamtenwohnurgsbau um SWOZO Mark soll die Deckung für die Entschädigung der gewerbsmäßigen Stellenvermittler erreicht werden.(Kommunisten und Deutsche Volkspartei haben dagegen gestimmt.) Nach Bewilligung des Finanzetats wird beim Haushalt des Reichsinnenministeriums mit 299 gegen 65 Stimmen b«! einer Stimmenthaltung eine kommunistische Entschließung aus Aufhebung der Demonstrationsverbote für den 1. Mai abgelehnt. Zum Kriegslastenetat wird eine Zlusschußentfchließuna angenommen. daß die erste Rate für die im linksrheinischen Westen vor- gesehenen Bohnbauten schon 1981 aus den Mitteln des Osthilfege- setzes bereitgestellt wird. Beim Etat des Arbeitsministeriums wird ein sazlaldem�l'atischer Antraa angenommen, der S Millionen zur Sanierung der Knapps6)astsversicherunq aus der erhöhten Aussichisratssteuer verwenden will. Beim Marineetat wird der kommunistische Antrag auf Strel- chung des Ersatzbauplancs bei den Kriegsschiffen mit 284 gegen 65 kommunistische Stimmen abgelehnt. Der kommunistische Antrag auf Streichung der 4. Rate des Panzerschiffs A wird mit 176 gegen 74 Stimmen bei 106 Stimm- enthaltungen abaeiehnt. Wie in der zweiten Beratung hatten auch diesmal einige Sozialdemokraten gegen die Etatspolitian gestimmt, während die übergroße Mehrheit der sozialdemokratischm Fraktion Stimmenthaltung geübt hat.— Der kommunistische Antrag aus Ssteichung der 1. Rate für das Vanzerschiff S wird gl ichfalls mit 176 gegen 73 Stimmen bei 106 Enthaltungen abgelehnt. Die Gesamkabstlmmunq über den B eich-- hau sbalt ergibt die An- nähme mit 277 geaen 74 Stimmen(der Kommunisten nnd einiger Sozialdemokraten) bei 15 Enthaltungen der Wirt- schaslspartei. Der kommunistische Antrag betreffend Frau Dr. Kienle- Stuttgart wird abgelehnt, die sozialdemokratische Entschließung hier- zu mit den Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten angenommen. Zu dem kommunistischen Antrag aus Erklärung des 1. Mai zum gesetzlichen Feiertag beantragen die Sozialdemokraten das rleich« auch für den 11. August. Abg. Esser(Z.) beantragt Ueberweisung an den Rechtsausschuh. Auf Verlangen der Kommunisten wird darüber namentlich ab- gestimmt. Die Sozialdemokraten holen die weißen Ia-.Kart«n her- aus, was die Kommunisten mit höhnischen Rufen begleiten. Die Ueberweisung an den Ausschuß wird mit 294 gegen 65 kommu- nistische Stimmen beschlossen. Zum Gesetz über Zolländerungen spricht -Aba. �rau Sender(Goz.): Bei allen wirtschaftlichen Maßnahmen in oieser schweren Zell ist größte Behutsamkeit nötig, damit eine weitere Erschw-rung des Absatzes und ebenso eine Teuerung oermieden wird. In dieser Beziehung erinnern wir nachdrücklich an die entsprechende Erklärung der Reichsregierung. Die Vorlag? soll der Regierung eine Cr- mächtigung geben, die durch das Scheitern der Genfer Wirtschafts- konferenz erforderlich geworden sein soll. Wir nmssen die ungestör- ten Beziehungen zum Ausland aufrecht erhalten. Schon sind Brot- Preiserhöhungen in Köln, Frankfurt am Main usw. eingetreten. in anderen Städten, wie Berlin, wird damit gedroht, und schon kommen Hilferufe von Büraermeistern an uns, die einer Vrotver- teuerung um so sorgenvoller entgegensehen, als dl« Wohl- fahrtslasten ohnehin schon die Gemeinden zur Verzweiflung treiben. Wir fordern die Regierung zur Wachsamkeit und gegebenenfalls auf, solch« Preiserhöhungen rückaänoig zu machen. Es ist Sviel- räum gnug, um die zuungunsten der Landwirtschaft geöffnet« Preisschere ohne Nachteil für die Verbraucher� zu schließen. Die eandwirkschasl hat das größte Znlcrcsse au der fieb"nq der Kauskrast ihrer Hauptabnehmer, d. h. der großen Massen der Arbeiter und Angeslelllen. Durch Lohnabbau und Dreislreiberei wird auch die Landwirlschast geschädigt. Haß gegen die Verbrauchermassen kann der Landwirtschaft nicht helfen, nur organisiertes Zusa>mnenw!rken mit den Verbrauchern. Die Regierung verlangt diese Dollmacht, um der Landwirtschaft eine Erholungspause zu geben. Wir können diese Vollmacht nur erteilen, wenn die Konsumentenintcressen durch ein« starke Reichs- tagsmehrheit geschützt werden, und wir erteilen diese Vollmacht auch nur dieser Regierung. Diejenigen Parteien, die immer vorgeben, allein landwirtschaftsfrcuirdüch zu sein, haben die Arbeit hier im Hause eingestellt, aber die Arbeiterschaft reicht durch ihre Der- treter der Landwirtschaft die hilfreiche Hand. Trotz aller Verhetzung haben die großen Massen der Verbraucher Verständnis für die Rollage und die 3nleressen der Bauern, und sind bereit, ihnen entgegenzukommen. Schließlich wird man auch im fernsten Dorf einsehen müssen, daß nicht Parademärsche und Mordanschläge, auch nicht Versprechungen für das Dritte Reich den Bauern helfen, sondern die wirksame Hilse nur in der Zusammenarbeit der Bauern und der Verbraucher für die gemeinsamen Interessen liegt. Gemeinsam und planvoll wollen wir die Wirlschaft ausbauen und arbeiten, daß die schassenden Menschen Arbeit und Brot finden.(Lebhafter Beifall.) Ernährungsminifter Schiele antwortet: Der Reichsregierung stehen ein« Reihe praktischer Maß- nahmen zur Verfügung, und sie ist bereit, dies« Möglichkeiten recht- zeitig anzuwenden, um einer ungerechtfertigten Brotpreiserhöhung entgegenzuwirken. Nach einer Rede des kommunistischen Abg. Putz gibt Reichs- ernährungsminister Schiele in Ergänzung zu seinen ersten Aus- siihrungen eine neue Erklärung ab: Zu der Reibe von Maßnahmen,! die die Reichsregierung infolg« der drohenden Brotpreiserhöhung zu' treffen beobstchiigt, gehört auch ein« Vorlage, die dem Reichs- kabinett bereits am Donnerstag.zugeleitet werden soll. Diese Vor- läge bezweckt die Erhöhung der Ausmahlungsquote van 60 auf 70 Proz. Hierdurch wird alsbald eine Senkung des Mehlpreises eintreten, die eine Senkung der Brotpreise zur Folge haben muß. Im Zusammenhan»! tamtt te�lt Minister Schiele mit, daß die Berliner Bäckerinnung am Mittwochabend den Beschluß gefaßt habe, von einer Brotpreiserhöhung abzusehen. Bei der setzt folgenden Abstimmung über das Zollönderungs- gesetz in zweiter Lesung stimmt neben den Kommunisten beim Art. 3 des Gesetzes auch das Landvolk nicht für die Regierungs- vorläge. Sein Vertreter Hepp erklärt, daß seine Fraktion sich die Stellungnahme bis zur dritten Lesung vorbehalte. Schluß noch 20 Uhr, nächste Sitzung heute, 10 Uhr: Dritt« Lesung des Osthilsegesetzes, des Gesetzes über Zolländerungen, Aends» rung der Entschädigungen für Arbeiter der Tabakindustne, Abstimmung über gerichtliche Verfahren gegen Mitglieder des Reichstags. Europas Weg ins Freie. Die Ziele der deutfch-österreichischen Zotlunion. Acber die Bedeutung der deutsch-österreichischen Zollunion sprachen gestern im Rundfunk Genosse Karl Renner-Wien und Skaalssekrelär a. D. Professor Julius Hirsch. Jeder der beiden Redner hatte sich die Aufgabe gestellt, über die Bedeutung und die Ausammenhänge des deutsch-österrnchiichen Wirts choftsadkommens, das in den politischen Kreisen der europäischen Länder so großes Auflehen erregt hat, vom Standpunkt seines Landes aus zu sprechen. Prosessor Hirsch, der zuerst sprach, wies einleitend darauf hin, daß Deutschland und Oesterreich mit diesem Abkommen einen ersten Schritt zu dem großen Ziel hin tun, das der sranzöstsche Außenminister B r i a n d seit Jahren verkündet hat. JUGENDWEIHEN der Sozialismen, Freidenker und Gewerkschaften Berlins Sonntag, den 29. Mflrs Serlin, Volksbonne am BOlowpIa'z um 91'» und 12 Uhr Spandau( Aula der Oberreaücbule, Spandau. Friedrich- Ecke Moltkestrafce um 10 Uhr Llchtenbcre, Aula de, Gymnasiums Lichtenberg, An der Parkaue um 10 und 13 Uhr Weißensce, Sladthal eWribensee, Pistorluutrabe 23 um 10 Uhr Cha iottenlBlirc», Aula der Sophie-Charlotte-Sdiule, Charlotten- hurg, Scharrenslrabe 23/27 um 11 Uhr Pankow, livoli-Llchlspi' le Pankow Berliner Strabe 27 um 11 Uhr Musik» Gesang» Rezitationen» Sprechchor»Welherede Eintritt: Erwachsene 75 Pf, Kinder 50 Pf. Für Voiksbffhne ausverkanft Dieses Ziel ist der Aufbau größerer Wirtschafts- e i n h e i t e n in dem durch die Friedensverträge talknnisterten Europa. Welches ist das begrenzte Ziel des Zollimion-Vertrages. was bedeutet er für Deutschland und was für Europa? Man muß sich bei der Beantwortung dieser Fragen von vornherein klar darüber sein, daß große Märkte die Grundlagen für höhere wirtschaftliche Entfaltung darstellen. Großbetriebe und Großunternehmungen in der Wirtschaft sind aber bei politischem Kleinbetrieb und bei wirtschaftlicher Krähwinkel- Verfassung auf die Dauer nicht möglich. Was anderes hat Amerikas Volkswohlstand so hoch über den europäischen gehoben, als der breite Markt und das weite Land. Die jetzige Krise hat uns inst brutaler Deutlichkeit gezeigt, daß der kleine Markt von einer Hochkonjunktur nur den halben Nutzen, von einer Krise aber den vielfachen Schaden hat. Sioventausend Kilometer neuer Grenzen sind durch die Friedensbestimmungen in Europa neu entstanden, Grenzen mit neuen Handelshemmnisien, mit Ein- und Ausfuhrverboten und peinlichsten Erschwerungen für den Wirt- ichoftsocrkchr. Kommt Deutschland jetzt mit Oesterreich zu einer Zoll- einheit, so wird den in Oesterreich bis an die Grenze der Daseinsmöglichkeit eingeengten Wirtschaftskräften endlich ein Weg ins Freie geöffnet. Das soll aber nur ein Ansang ftir hoffentlich weit größere Wirtschaftsverbindungen sein. Im weiteren Verlmif seines Vortrages wies Professor Hirsch auf die Vorkämpfer einer deutschen und österreichischen Zollunion hin. deren Reihe mit Friedrich L i st, dem hervorragenden Volkswirt der fünfziger Jahre, beginnt und mit Friedrich Naumann und Walther Rathenau endet. Wirtschaftlich bedeutet die Zollunion Deutschland-Oesterreich, daß nach einer gewissen Uebergangszest Deutschlands Zollgrenzen gleichsam an die österreichisches gerückt werden und Oesterreichs Arbeitsgebiet dann erst am Rhein und an der Nord- und Ostsee endet. Ein einheitlicher Wirt- schastsvcrkehr kann sich dann von Stachen bis nach Wim und von Flensburg bis nach Kärnten vollziehen. Soweit nicht Handels- politisch« Bindungen dem noch entgegenstehen, werden die Zölle für beide Länder nach außen hin gleichgesetzt und zwischen ihnen werden die Zollmauern abgebrochen. Dies bedeuiet andererseits, daß bei künftigen Zollfragen ganz schnelle Enffchlüsie nicht mehr so wie vor dem Vertrage möglich sind, denn statt einer Regierung, die in Zollermächtigungen, wie in Deutschland, von einem Tag zum andern handeln konnte, müssen sich jetzt zwei Regierungen und zwei Parlamente oerständigen. Bei Streitfragen wird ein völlig paritätisches Schiedsgericht in der Zollunion entscheiden. Praktisch bedeutet die Zollunion für Deutschland zunächst eine Erweiterung des inneren Marktes und gibt die Vorbedingung zur Arbeitsteilung und Arbeltsvereinigung für wichtige wirffchastliche Gebiete. Damit gelangen wir zur Anpassung und zum?lusgleich der Lebensräume beider deutschsprechender Staaten und hoffen, damit einen ersten Schritt zur wirtschaftlichen Konsolidierung Europas zu tun Deutschlands innerer Markt erhält 6% Millionen neuer Verbraucher, also einen Zuwachs von 10 Proz., und auf der anderen Seite einen gleichen Zuwachs an Arbeit und innerem Wettbewerb. Die Einfuhr Oesterreichs je Sopf der Bevölkerung ist anderthalb mal so groß wie die deutsche, dagegen seine Ausfuhr je Kopf etwa gleich hoch. Für Oesterreichs Einfuhr lieferte Deutsch- land bisher zwei Fünftel und von seiner Ausfuhr kaufte Deutschland etwa ein Sechstel. Es ist sicher, daß der gegenseitige Anteil nach dem Abschluß der Zollunion stark anwachsen wird. Die Befürchtung, daß die billigeren Löhne in L« st erreich Schwierigkeiten für Deuffchlond mit sich bringen könnten, teilt Professor Hirsch nicht. Er glaubt vielmehr, daß sich nach einer gewissen Uebergangszeit der Lebensstandard um le«her miteinander ausgleichen wird, s« stärker sich die Zoll- einheit auswirkt. Eine bewußt durchgeführte Zusammenfassung des deutschen und österreichischen wirtschastsgebicte» kann aus die Dauer nur die eine große organisalorische Besserung bedeuten, daß der Ausbau der Gefamtwirlschosl zweckmäßiger gestaltet, die teistungssähig- kcit nach innen und außen erhöht wird und damit die Lebenshaltung der Massen gesteigert werden kann. Angesichts des außerordentlich schweren wirtschaftlichen Druckes in Oesterreich, der dieses Land zu einem wirtschastlichen Zusammen- lchluß noch irgendeiner Seite zwang, stand Deutschland vor sosge-hder Wahl- Entweder die Zusammenarbeit mit Oesterreich zu wählen und damit das Tor nach Südoslen auszustoßen oder bei einer Ablehnung Oesterreich einer anderen Wirtschaftsaruppierunz in die Arme zu treiben und damit den Zugang nach dem europäischen Südosten zu verrammeln. Den unfreundlichen Kritikern im Auslande crllärtc der Redner, daß die Verständigung zwischen wenigen den Weg zeigt, wie eine größere Zahl von Parteien zur Heber- brückung der politischen Grenzen gelangt. Die Voraussetzung hierzu sei aber das gleiche wirtschaftliche Wollen. Ein Wirts chaftcausstteg und ffrisenausgleich in Europa sei nur möglich, wenn die Zollumon zwischen Deuffchlemd und Oesterreich nicht allein bleibe und andere Länder diesem Beispiel folgten. Daraus ergriff Genosse Karl Kenner das Wort, dem bei den Friedensverhandlungen in St. Germain die gleiche verantwortungsschwerc Aufgabe zugesallen war wie Her- mann Müller in Versailles. Wie Renner eingangs erklärte, sollte sich sein Vortrag darauf beschränken, den österreichischen Standpunkt klarzulegen, so wie er sich ihm als den seinerzeitigen Führer der österreichischen Friedensdelegation darstellt. Der Friede von St. Germain hat das Doitaureick nach Sprach- gebieten zerstückelt und aus den Stücken eine Anzahl neuer Staaten gebildet, deren Grenzen die alten Verkehrswege verbarrikadieren. Zwerghafte Wirtschaftsgebiete sind neu entsianden, in einem Zeitalter, das nach Friedrich Naumann in Kontinenten denkt, uralte Märkte sind zerrissen und nicht die ökonomische Ler- nunft, sondern die Grammatik hat als Staatsbaumeistcr fungiert. Dcutschösterreich gegenüber hat man indessen auch die Grammatik verleugnet, indem man große, geschlossene Gebiete demjcher Zunge von uns getrennt hat. kvas Ist geblieben? Eine MIlliooenstodl ohne Hinlerland! Große Industriegebiete ohne Rohstoffe und ohne Absolzmärklc, denn die Zollmauern ringsum versperren unseren Daren den Deg. Ein Znduslrievolk ohne Ackerland, denn vier Fünftel des Weizens und ein Drittel des Schlachtviehs muß Oesterreich«!n- sührcn. Man macht es uns aber unmöglich, unseren Einfuhrbedarf durch In- dustrieexport zu bezahlen. Auf einer derartigen Grundlage tonn ein Land nicht wirtschafte». Die Arbeitslosigkeit in Oesterreich ist nickst die Folge der augenblicklichen Krise, sie ist das dauernde Er- pcbnis unserer Wirtschastsstruktur und setzt Hunderttau'ende von ar- beitsfähigen Menschen auf den Aussterbeetat. «Wir können so nicht leben," haben Oesterreichs Vertreter bereits in St. Gcrmain erklärt. Man hat uns mit Krediten, mft der Neuordnung der Welt durch den Völkerbund vertröstet, den Llnschluh aber hat man '.ms verboten, obwohl wir nur ein Stamm der deutschen Nation sind. Auf die Neuordnung der Welt haben wir zwölf Jahre geduldig gewartet. Europa ist in diesen Iahren allgemeiner wechselseitiger Hungerblockade— denn nichts anderes ist das herrschende zoll- politische System— nicht herausgekommen. Oesterreich kann nicht auf Paneuropa, das alt« hundertjährige Ideal, warten, denn Hunderttausende sind ohne Arbeit, und Österreichs Jugend hungert und oerelendet! Oesterreich kann auch nicht warten, bis mittel- europäische Wirtschaftskonferenzen ein greifbares Ergebnis zeitigen. Bisher sind diese Konferenzen über gegenseitige Klagen nicht hinaus- gekommen. Eine Zoll-Waffen still st andskonferenz wird nach Genf einberufen und soll auch für Ocstercctd) eine Er- leichterung seiner Lage bringen. Nach endlosen Beratungen ist das Ergebnis eine einzige große Enttäuschung. Oester- reich aber kann nicht warten! Oesterreich kann den gegenwärtigen Zustand einfach nicht länger ertragen. Das Friedensdiktat hat Oesterreich durch das Attschlußverbot mit ewiger Unabhängigkeit„beg-nadet". Eine Gnade, die einer Verurteilung zu lebenslänglicher Einzelhaft mit periodischen Fast- tagen gleicht. Oesterreich hat nicht die Absicht, diese Schranke bei dem Abschluß der Zollunion zu durcl/brechen. Oesterreich sieht sich politlsch gebunden, aber Wirtschaftsverträge stehen ihm frei. Bei der Zollunion behält jedes Land seine Souverämtät, jeder Teil verpflichtet sich nur dem anderen gegenüber, von ihr in gleicher Richtung Gebrauch zu machen. Diese Abmachungen widersprechen nicht dem Genfer Protokoll, das Oesterreich bei der Gewährung der Völkerbundskredite unterschreiben mußte. Ebenso wie Deuffchlond gegenüber ist Oesterreich jedem anderen Staat gegen- über bereit, die gleichen Beiträge abzuschließen. Niemals kann Oesterreich zugeben, daß die politische Anschlußklausel der' Friedens- vertrüge extensiv ausgelegt und zur wirtschaftlichen Fesselung Deutschösterreichs mißbraucht wird. So tief da» Schicksal Deutschland und Oesterreich gebeugt hat, das Recht zu leben, das Recht auf Arbeit, dos Recht auf freien Handel und Wandel haben wir und müssen wir haben. Nicht irgendwelche Abenteuerlust oder politischer Ehrgeiz, sondern einzig und allein die wirtschastlichen und sozialen Nöte unseres Landes sind die Triebfeder zum Abschluß der Zollunion mit dem Deutschen Reich. Der gegenwärtige Zustand Oesterreichs ist w i r t- s ch a f t s w i d r i g für uns, denn er erlaubt uns nicht zu arbeilen und Weib und Kind zu erhalten! Er ist aber auch wirtschafts- widrig für Europa, das von diesem Zustande mitbetrosjen wird. Dieser Zustand ist nicht christlich, sondern ist angesichts des österreichischen Kinderelends eher b e t h l e h c m i t i s ch zu nennen. Er ist auch nicht stttlich, denn er verleiht uns eine erheuchelte Selbständigkeit mit dem Verbote, von dieser den einzig vernünftigen Gebrauch zu machen. Genosse Renner schloß seine temperamenwollen Ausführungen mit folgendem Appell: Man schaffe Paneuropa— wir sind dabei! Man schaffe ein wirtschaftliches Mitteleuropa— wir sind dabei! Will man es nicht, oder wird man mit diesem Problem nicht fertig, so gebe man Seulsch. land und Oesterreich den ersten Schritt frei. Mögen andere Staaten, möge Europa folgen! Das Deutsche Reich und Oesterreich haben den Weg ins Freie durch die Tat gebahnt. Mögen die anderen beweisen, daß sie nicht bloß mit der Idee listen, sondern sie auch im Ernste verwirNIchen wollen! Ganat zeigt erhöhte Gewinne! Die Nazis haben Deutschland mehr geschadet als die Weltwirtschastsknse. Der Jahresbericht der Darmstädter und Nationalbant für 1330 bringt wieder ausführliche Be- trachtüngcn seines führenden Geschäftsinhabers zur Wirtschaftslage und Wirtfchaftsenlwicklung. Jakob Goldschmidt ist unter den deutschen Bankmagnaten der Trommler für de» Wirtschastsoptimismus ge- worden� was niemals schaden kann, und er ist der eigenwillige Wer- sechter des Individualismus in der Wirtschaftsordnung, was immer zu schissen Urteilen sührt, weil die Tatsachen zugunsten der vor- gefaßten Meinung vergewaltigt werden. Diesen Neigungen ist Gold- schmidt auch diesmal gefolgt. Seine Ausführungen sind kein Ereignis, aber was er zur deutschen Wirtschaftskrisis über die Auswirkungen des 14. September und der die letzten Reichstagswahlen begleitenden innen- und außen- wirtschaftlichen Beunruhigung beibringt, ist beachtlich. Nach seiner Auffassung halte die deutsche Wirtschaft gegenüber der Entwicklung in der Weltwirtschast eine große Chance, die durch die Folgen des 14. September zerstört worden sei. Im Jahre 1930 hätte Deutschland eine vorteilhasle Sonderstellung in dem Ablauf der ge- waltigen Weltwirtschaftskrise erwarten können, da das Ausland ge- neigt war, das dort unverwertbare Kapital Deutschland zur Der- fügung zu stellen. Im Zug« dieser Entwicklung hätte die Umwandlung kurzfristiger Kredite in langfristige Anleihen durchgefühn und die Derbilligung der deutschen Zinsleistungen herbeigeführt werden können. Im zweiten chalbsahr 1330 habe sich Deutschland aber durch die innerpolitischen Vorgänge von der Aussicht weit entfernt, aus dem kritischen Zustand der Weltwrrtschast Vorteile zu schöpfen. Ein jäher Zusammenbruch des Vertrauensverhältnisses zwischen in- und ausländischem Kopital und dem deutschen Wiederaufbau, schließlich die egozentrische Verzweiflungsparole: Rette sich wer kann. habe zu katastrophalen Verhältnisicn geführt, da die Vertrauenskrise die Unrentabilität und den Zusammenbruch zahlreicher Unter- nehmungcn nach sich zog und gleichzeitig die Freisetzung großer Mengen arbeitsfreudiger Menschen be- wirkte. Im zweiten Halbjahr hätten die gewaltigen landesflüchtigen Beträge, sowie die großen Kreditkündigungen des Auslandes und der mehrmonatige zeitweilig panikartige Verkauf deutscher Aktien und Obligationen durch das Ausland eine ent- schieden? Verringerung der Investitionstätigkeit zur Folge gehabt, eine Situation, die noch durch die einschneidende Drosselung aller Aufträge der öffentlichen Hand verschärft worden sei. Als Auffassung des Leiters der Darmstädter und Nationalbank ergibt sich also, daß die aus der Weltwirtschaftskrise für Deutschland möglichen Vorteile und Entlastungen durch das Auftreten der Nationalsozialisten in der deutschen Politik der deutschen Wirtschaft/v o r e n t h a l t e n worden sind, eine Ausfasiung, für die wir selbst immer wieder Material beigebracht haben. Die Eolwlckluag der Dauat war relativ sehr günstig. Das ergibt sich schon au» der B> l a n z. Di« Gesamtsumme der fremden Gelder Ist relativ wenig, nämlich um nur 33 auf 2231 Mil- klonen Mark zurückgegangen. Die Jahresschlußziffer liegt freilich— Goldschmidt kennzeichnete das Ansteigen bis Ende Juni als Beweis für die deutsche Wirtschaftschance in der Weltkrise— um über 200 Millionen unter der Ziffer vom Juniend«, wenn man die Kredite für die Warenbevorschusiung we-gläßt um über 300 Millionen. Ab September hatt«, wie Goldschmidt ausführte, dos Ausland den Appetit verloren, an dem ungedeckten Zinsentisch für Deutschland noch mitzuessen. Die Geldbeschaffung aus eigenes Akzept ist um 25 auf 120 Millionen Mark erhöht. In den Aktiven zeigt sich bei den Schecks, Wechseln und Schatzanweisungen ein Rückgang um 45 auf 559 Millionen, bei den Warenvorschüssen die auch bei den übrigen Großbanken eingetretene Steigerung, und zwar um 76 auf 454 Millionen Mark: die Debitoren haben sich ähnlich wie bei der Dresdener Bank erhöht und zwar um 52 auf 1009 Millionen. Bei den BörsengesckäsKn kommt der vorjährige Zusammenbruch der Kurse in der Verringerung der Darlehen um 82 auf den Tiefstand von 79 Millionen zum Ausdruck. Die Gewmu- und Verlustrechnung ist überraschend günstig. Provisionen und Zinsen sind— vornehmlich durch das glänzende Pfandbrief- und Obligationengeschäft im ersten Halb- jähr— um nur 1,4 auf 71,3 Millionen Mark zurückgegangen. Sehr viel stärker aber sind die wichtigsten Ausgaben gesunken: die Verwaltungskosten zeigen einen Rückgang um 3,6 auf 53,1 Mil- lionen, die Steuern— behauptet wird durch St«uerrück- erstattung— sogar einen Rückgang von 7,27 auf 3,22. also um mehr als 4 Millionen oder um fast 60 Proz. I Dieser starke Rückgang der Ausgaben hat den Reinllberschuß beträchtlich über den im Vorjahre ausgewiesenen erhöht, und die Danat hätte bequem ihre 12 Proz. Dividende wieder zahlen können, auch unter Stärkung der Reserven, wenn sie nicht aus den Ueberschüsien auf die eigenen und Konsortialpapiere eine offene Abschreibung von 10 Millionen Mark durchgeführt hätte. So ergibt sich ein ausgewiesener Reingewinn von 8,17 Mil- lionen Mark, aus dem auf das 60-Millionen-Kapital die ver- einbarungsgemäß um 4 Proz. auf 8 Proz. herabgesetzte Dividende verteilt und ein Betrag von 3,13 Millionen(unter Hinzunahme des Vortrags) in das neue Geschäftsjahr übertragen wird. Der Mensch und der vankenprofil. Der Personalbestand blieb im System der Danatbank mit 7239 Personen während des Jahres 1329 im wesentlichen unver- ändert. Erst gegen Schluß des Jahres wurde eine Anzahl Pen- stonierungen vorgenommen, doch soll auch diese Personalverringerung jetzt beendet sein. Die Inanspruchnahme des Personals ist g e st i e g e n, was sich aus der Vermehrung der Filialen um 3 von 108 auf III und der auswärtigen Depositen lassen von 48 auf 57 ergibt. Die sehr günstige Gewinnrechnung beweist, daß die zum 1. Januar d. I. vorgenommene Gehaltskürzung um 6 Proz. in der Unkostenentwicklung nicht be- gründet und der Widerstand der Gewerkschaften berechtigt war. Gegenwärtig werden in den Großbanken die Betriebsräte gewählt. Es liegt im Interesse der Angestellten, das zeigt auch der Geschäftsbericht der Danat, die Front der freien Gewerkschaften zu stärken. Die Nazis sind überall mit den Unternehmern im Bund«, und die Kommunisten haben für die Lebenshaltung der arbeitenden Massen noch nie etwas herauszuholen verstanden. Die Baubank des Reiches. Die Oeuische Bau- und Bodenban? fördert Wohnungen. Die Deutsche Bau- und Bodenbank A..G., deren Kapital von 24,3 Millionen sich voll im Besitz des Reichs und sonstiger öffent- licher Körperschaften befindet und die in erster Lini« Zwischen- k r e d i t« für den Wohnungsbau durch Devorschuffung der ersten Hypotheken zu beschaffen hat, meldet für das Jahr 1330 eine weiter« starke Ausdehnung ihrer Tätigkeit. Die im wesentlichen aus dem Geldmarkt beschafften Mittel zur Gewährung der Zwischenkredit« hat sich im ver« gangenen Jahre von 113,4 auf 162,4 Millionen Mark erhöht. Nur für 90 Millionen wurde bisher die Reichsgarantie von 300 Mil- lionen in Anspruch genommen. Die Bilanzsumme ist von 133 aus 244 Millionen, der Hauptbuchumsatz von 5,2 auf 5,4 Milliarden gestiegen. Bei der Verwendung dieser Gelder z«igt sich bei den kurzfristigen Zwischcnkrediten und Schuldnern in lausender Rech- nung— die leider in der Bilanz nicht getrennt ausgeführt sind— eine Steigerung von 85,1 auf 127,6 Millionen Mark. Neu in der f Bilanz ist ein Posten Lombarddarlehen gegen börsengängige Wert- papiere von 4,21 Millionen, den man den kurzfristigen Baukrediten wird zurechnen dürfen. Di« Bestände an Wechseln und unverzins- lichen Schatzanweifungen sind von 32,5 aus 16,9 Millionen verringert, die flüssig gehaltenen Guthaben von 15,5 auf 35.2 Millionen erhöht: davon sind 25,7 Millionen innerhalb sieben Tagen fällig. Die Flüssigkeit lag also zum Jahresschluß günstig. Die Gewinn- und Verlustrechnung zeigt gegenüber dem Vorjahr eine erhebliche Verbesserung. Di« Einnahmen sind von 5.17 aus 6,01 Millionen gestiegen. Gleichzeitig erhöhten sich die Unkosten von 1,63 auf 2,04 Millionen, so daß nach Abschreibung«» von 0,22 Millionen sich ein von 3,20 aus 3.76 Millionen erhöhter Reingewinn ergibt. Aus diesem Reingewinn erhalten die Aktionär« für das 24,3 Millionen Mark Kapital, die bei gemein- nützigen Gesellschaften nach oben auf 5 Proz. begrenzte Dividende. Der Rest wird zur Stärkung der offenen Reserven verwendet: der gesetzlich« Reservefonds wird um 1,2, die Pensions- referoe um 0,3, die Rückstellung für schwebende Geschäfte um 1 Mil- lion erhöht. Diese besondere Rückstellung für schwebende Gefchäft« ist be- rechtigt, nachdem die Deutsche Bau- und Bodenbank bei den kürz- lichen Zusammenbrüchen in der Bauwirtschast ebenfalls als Gläubi- ger genannt worden ist. Bei der gegenwärtigen Kris« in der Bauwirtschaft sind für jeden Bankgläubiger gewisse Risiken unvermeidlich. Die Deutsche Bau- und Bodenbank erklärt, daß sämt- liche Forderungen gedeckt seien und daß nur kaum nennensrvert« Verluste«intreten können, was wir sehr hoff«n wollen. Der Personalbe st and der Deutschen Bau- und Boden- bank hat sich gegen das Vorjahr von 228 auf 290 Angestellt« er- höht. Diese Vermehrung ist nicht überraschend angesichts der Tat- fache, daß der Baubodcn im vergangenen Jahre auch die Der- waltung der Deutschen Gesellschaft für öffentliche Arbeiten A.-G., der neuen Reichsgesellschoft für Arbeltsbeschaffung, übernommen hat, daß ihr das Reich die durch die Rheinlandräumung frei gewordenen reichseigenen Wohnungsbauten zur Verwertung und Ver- waltung treuhänderisch übertragen hat und daß sie für die österreichische Regierung gegenwärtig die Geschäfte der Wiener Baukredit-Bank führt. die die staatliche Wohnungsbauförderung in Oesterreich finanziell zu überwachen hat und deren Aktienmehrheit sich bei der Deutschen Bau- und Bod«n- bank befindet. Für alle diese Tätigkeiten werden der Deutschen Bau- und Bodenbank nur die Kosten ersetzt. Es wäre wünschenswert, daß die in diesem Zusammenhang«intretenden Ausgaben in der Zukunft im Geschäftsbericht genannt werden. Wir hoffen auch, daß die im Geschäftsbericht angekündigte Hinzunahme anderer kurz« und mittelfristiger Geschäfte auf dem Gebiet der Bau- Wirtschaft— neben der Beschaffung von Zwischcnkrediten— in Uebereinstimmuirg mit den für ein gemeinnütziges Institut gegebenen Voraussetzungen erfolgt. Im Jahr« 1930 konnte die Deutsche Bau- und Bodenbank zur Finanzierung von 60 000 Wohnungen beitragen. Konjunkiurumfchwung in Amerika? Die bekannten amerikanischen Wirtschafts- und Finanzwochen- berichte von Woody stellen in ihrer neuesten Ausgabe fest, daß der amerikanische P r o s p e r i t ä t s i n d ex, der im vergangene» Jahr« einen stetigen Rückgang aufzuweisen und Ende Dezember mit 69,2 Proz.(gegen 98,6 Ende März) seinen tiefsten Stand erreicht hatte, im Januar auf 72,2 und im Februar weiter auf 76,3 g e- st i e g e n ist. In einem Kommentar zu dies«n Berechnungen wird ausgeführt, daß der Wiederanstieg der Indexziffer nicht etwa so zu verstehen sei, daß sich die amerikanische Wirtschast bereits im Anfangs- stadium eines kräftigen Konjunkturausstiegs befinde. Die Bewegung der Indexziffer beweise jedoch, daß ein Konjunktur- umschwung eingetreten sei und daß man einer allmählichen Besserung der Geschäftslage mit Vertrauen entgegensehen dürfe. Die Woodys Zeitschrist glaubt, daß sich die Konjunkturbesterung im Laufe dieses Jahres fortsetzen werde, obgleich die Wiederherstellung normaler Wirtschaftsverhältnisie vielleicht erst nach längerer Zeit zu erwarten fei. Gchlechie Finanzlage der Reichsbahn. GeseUÄiastsfahrten und Zerienzüqe sollen billiqer werden. Auf der Tagung des Berwaltungsrats der Deutschen Reichsbahn am Dienstag und Mittwoch in Berlin wurde mit- geteilt, daß die Entwicklung der Einnahmen im Jahre 193! sich weiter verschlechtert hat. Trotz größter Einschränkung sind die laufenden Ausgaben im Januar und Februar rund 100 Mil- lionen h ö h er als die laufenden Einnahmen gewesen. Neben der Wirtschaftskrise sieht der Verwaltungsrat als Ursache der schlechten Reichsbahnverhältnisse die fehlende Regelung im Wettbewerb der verschiedenen Verkehrs», Utel an. Eine durchgreifende Ordnung des Verhältnisses der Reichsbahn zum Kraft- wagen fei ohne gesetzgeberische Maßnahmen, die durch Staffelung gleicher Konkurrenzgrundlagen für alle Verkehrsmittel einem ge- sunden Wettbewerb Raum geben, nicht zu erwarten. Der Ernst der sinanziellen Lag« habe ein schnelles Handeln der Reichsbahn durch Selbsthilfe erforderlich gemacht, wenn das Reichsbahnunter- nehmen gesund bleiben soll.— Mit diesen Erklärungen will Sie Reichsbahnverwaltung nochmals den in der Oeftentlichkeit heitig um- stritten«» Schenker-Vertrag rechtfertigen, dessen In- kraftsetzung noch, wie Reichsverkehrsmini st er Guörard erklärt hat, der Zustimmung der Reichsregierung bedarf. Um die jetzt vorhandene Unsicherheit im Speditiansgewerbe zu beseitig«», wäre ein« baldig« Entscheidung des Reichsverkehrsministeriums allerdings dringend erwünscht. Der Berwnltungsrat der Reichsbahn stimmte sodann dem Vor- schlag zu, die Gesellschastssahrten, Ferienzüge usw. zu verbilligen, und zwar um 20 Proz. gegen bisher nur 10 Proz. Die Verwaltung erhofft von dieser Maßnahme, die besonders die minderbemittelten Kreis« des Reisepublikums betrifft, eine Verkehrssteigerung. Reichsbank weiter entlastet. Für die Oiskontsenlung allmählich reif. Zmn 2 3. M är z hat sich nach dem neuesten Reichsbankausweis eine weitere starke Entlastung der Reichsbank ergeben. Die Wechsel» bestände haben nach einem Rückgang um 161,0 auf 1465,4 Mill. einen rekordmäßigen Tiefstand aufzuweisen, die Lombard- bestände blieben nach einem Rückgang um 4,6 mit 86,7 Mill. relativ hoch, ein Zeichen, daß auch die Banken eine baldige Diskontfenkung erwarten. Die Bestände an Reichsschatzwechseln haben um 5,7 auf 8,7 Mill. zugenommen. Als Vorbereitung für den Mörz- ultimo ist die Vermehrung der Gelder auf Girokonto um 77.0 auf 342,8 Mill. anzusprechen. Auch der Notenumlauf ist rekord- mäßig niedrig. Der Umlauf verringerte sich um 20? 3 auf 3765,7 Millionen. Die Deckungsverhältnisse sind weiter verbessert. Die Goldbestände blieben zwar mit 2286.1 Mill. fast unverändert, dagegen haben sich die deckungsiähigen Devisen weiter um 13.4 auf 222,6 Mill. vermehrt. Die Deckung der umlaufenden Roten durch Gold und Devilen zukommen ist von 62.9 am 66 6 Vre-i-mt weiter angewachsen. Der jetzige Stand beträgt mehr als 60 Prozent über der gesetzlichen Vorschrift. Es kann angenomnien werden, daß die Banken sich auf den Apriltermin gut vorbereitet haben, so daß die Beanspruchung der Reichsbank zum 1. April kaum übermäßig und auch die Ent- lastung in der ersten Aprilwoche beträchtlich sein wird. Die Vor- aussetzungen für eine Diskontsenkung sind sehr g ü n st i g, und zwar um so mehr, als auch aus der diplomatiscben Diskussion über die deutsch-österreichische Zollunion ungünstige Folgen für den deutschen Kredit nach allen bisher vorliegenden Nach» richten bestimmt nicht zu erwarten find. Die ausländifrhen Finanziers haben für begrüßenswerte Realitäten ja mehr Verständnis als die Diplomaten. Oer Arbeiismarkt in Berlin. lleber 700 ovo Arbeitsuchende in Berlin und Brandenburg. Wie im Reiche, so ist auch in der ersten Märzhälfte in Berlin unid Brandenburg keine Erleichterung aus dem Arbestsmarkt ein- getreten. Die Ende Februar festgestellte Entlastung im Bereich des Landesarbeitsamtes Brandenburg um 10 672 Arbeitsuchende ist in der ersten Märzhälst« durch einen Neuzugang von 10 864 Arbeit- suchenden wieSer rückgängig gemacht worden. Die Gesamtzahl der Arbeitsuchenden betrug am 15. März 708 269 gegen 697 417 Per- sonen. Davon entfielen auf B e r l i n 486 434, auf die Provinz Brandenburg 203 921 und auf die Grenzmark Posen- Westpreußen 17 914 Personen. Die Zahl der Hauptunter- stützungsempfänger in der verficherungsmähigen Arbeits- losenunterstützung betrug 311 726, in der Krisensürsorge 140 458, zu- sammen 452 184 Personen. Bon den Haupwnterstützungsempfängern in der Arbeitslosenversicherung entfielen auf Berlin 177 981, auf die Provinz Brandenburg 121 508, auf die Grenzmark Posen-West- preußen 12 237. Für die Krisensürsorge betrugen die entsprechenden Zahlen für Berlin 107 824, Brandenburg 30 795, Grenzmark Posen- Westpreußen 1839. Zur Entwicklung der Saisonbelebung bemerkt der Bericht, daß sich trotz der Verzögerung der Frühjahrsbestellung durch den Kälte- rücksall in der Landwirtschast doch schon leicht« Anzeichen einer beginnenden Besserung bemerkbar machen. Auch im Braun- kohlen bergbau hat der Abbau der Stapelbestände zu einer kleinen Besserung geführt. Dagsg«n blieben die Berhältnisse in der Metallindustrie unverändert schlecht, woran auch die lebhaftere Vermittlungstätigkeit für den Berliner Automobil- und Flugzeugbau nichts änd«rn konnte In der T e x t i l i n d u st r i e und dem Bekleidungsgewerb« hat sich der Beschästtgungsgrad der Saison entsprechend gehoben. Auch im Verkehrsgewerb« Hai sich die Lag« nach dem Abschluß der Kälteperiode und der Freigabe der vderschisfahrt gobesfert._ Erste Anleihe der Internationalen Vodenkreditbank-Vasel über- zeichnet. Die kürzlich von deutschen Hypothekenbanken und in- und ausländischen Kreditbankengrnppen gegründete Internationale Bodenkrcditbank-Basel, die dem deutschen Realkredit Ka- pital zuführen soll, halte den ersten Anleiheerfolg. 15 Mil- lionen Schweizer Franken Oprozeniige Anleihe wurden sofort über- zeichnet. In England und Schweden aufgelegte 10 Millionen Franken wurden ebenfalls sofort untergebracht. Neue Zndustrieskillegung In der Ostmark. Die durch Masten- stillegungen von Betrieben besonders hart betroffenen ostbvonden- burgische Jndustriearbeiterschast hat jetzt durch die Stillegung der Paul S t e i n b a ch, Papier- und Z« l l u l o s e f a b r i k A.-G. in Frankfurt a.d. Oder«inen neuen schweren Schlag erhalten. Die Entlassung der Werksangestellten erfolgt am 1. April. In den beiden stillgelegten Werken waren 500 Arbeiter und Angestellte beschästigt. Die arbeitstäglich« Papier er- zeugung betrug 2? 000 Kilogramm und die Zellstoffproduktton 18 000 Kilogramm. Zunahme der Arbellsloseu in der rschechoslowakei. Di« Zahl der Beschäftigungslosen in der tschechoslowakischen Republik beirug Ende Februar rund 337 700 gegen 313 511 Ende Januar 1931. Die Amerikaner exportieren 314 Milliarden Mark. Nach Mit- teilungen des amerikanischen Departement of Commerce machten dl« amerikanischen Ausleihungen an das Ausland im Jahre 1930 862,2 Millionen Dollar aus. da» sind rund 3,6 Milliarden Mark oder etwa 1.3 Milliarden mehr, als der englische Kapitalexport im Jahre 1930 betragen hat. Gegen lästigen Juckreiz der Haut» schmerzbaft-- Brennen und Röte der Hände und des Gesichts, hervorgerufen durch WMerungscmflliss«, ver- wendet man die schneeig-wels!« Leodor-Kühl-Creme(rote Packung), gleichzeitig vorzügliche Puderunterlage, herrlich dustend« Echönheitscreme, Tube 60 P,. und 1 Marl, wirksam unterstützt durch Leodor-Edel-Setsi, Stück 60 P?., in allen Chlorovonl-Verlaus-stellen zu haben. 'lllnx SSernardi:*£Vtl Itll II(fSjl II 1*111 Wenn die Scirocco über die Bergspitzen streicht und ins Tal hinunterfällt, dann tummeln sich die Frauen hinter der großen Wäsche. Wo sich nur ein Strick spannen läßt, wird er mit' nässe- triesender Wäsche bestückt, in die der brandige Sturm wollüstig fährt. Aufgeplustert hängen Hemden und Hosen wie angefressene Dickbäuchc an schwingenden Seilen und an dem flatternden Naß netzt der trockene Wind seine heiße Zunge. Aus der Sahara aufgejagt, hegt er über den blauen, italienischen Himmel und stürzt kopfüber als glühender Orkan lawinenpolternd in die Berge. Wo es ihm gefällig, streift er mit seinein Bauch schneefeuchte Wiesen, Aecker und Gärten, legt sich über Nacht in schwüler Schwere auf die Dächer, in Straßen, Gassen und in die Behausungen braver Bürger, die am Morgen plötzlich oerwundert den Frühling in ihren noch geheizten Stuben hocken sehen. Marianne, ein kaum fünfzehnjähriges Pflegekind der ver- witweten Frau Rat, hatte unter Dach«in Seil gespannt. Ein junger Körper stemmte sich gegen die Böen, die heulend durch Glück fuhren. Oft mußte sie sich aus Zehen recken, um einen wollenen Strumpf oder eine Flanellhose der Frau Nat mit Holzklammern zu befestigen. Dann schwankte sie mit hocherhobenen Armen wie eine Gliederpuppe die das Stehen lernen soll und ihre kleinen Brüste zeichneten sich spitz durch Kleid und Schürze ab. Es war finster geworden. Im Treppenhaus brannten die Lichter. Als Marianne die Stufen hinab nahm, blies ein Windstoß plötzlich die Lampen aus. Nur ein leiser, dämmernder Schein aus dem Ober- fenstcr des letzten Stockwerkes spiegelte sich in des Mädchens er- fchrockenen Augen, als es sich mit einem Male auf der knarrenden Holztreppe allein in der Finsternis sah. Marianne versuchte diesen matten Schein, der in ihren Pupillen schimmerte, in das schwarze Loch des Treppenhauses zu tragen. Als sie aber den Nacken senkte und ihre Blicke in das Dunkel zu ihren Füßen schickte, verlor sich das Augenlicht in Myriaden feuerroter, tleiner Kreise, die selbst dann noch vor ihren Blicken tanzten, wenn sie die Augen schloß. Mit gesenkten Lidern— unbewußt das Taftgefühl erhöhend— setzte sie einen Fuß nach der unteren Stufe. Der rechte Arm klammerte sich an die Brüstung und die linke Hand strich blind rudernd durch den Raum. Der Sturm hatte eine Pause«in- geschoben, die in ihrer Stille unheimlich war. In dieser Stille lauschte das Mädchen, horchte in das Stiegenhaus und in sich. Es fand nicht den Mut, das andere Bein nachzuziehen Im Erdgeschoß schlug jemand die Türe ins Schloß. Schritte hallten treppaufwärts. Plötzlich verstummten sie. Angestrengt horchte Marianne ins Dunkel. Nichts regte sich Auf der Treppe inußte jemand im Auswürtsschreiten stehen geblieben sein. Bielleicht um einen Schlüssel aus der Tasche zu befreien, vielleicht um einen Augenblick zu verschnaufen. Vielleicht aber auch, um ihr aufzulauern O ja, sie konnte sich das vorstellen Ah— sie würde schreien, beißen! Aber was nützte es sie, wenn ein Mann mit schruppigem Schimrrbart ihren Hilferufenben Mund erstickte? Sie hielt den Atem an, wagte keine Bewegung. Eine dunkle Kammer hatte ihr als Kind das Gruseln beigebracht. Zu- weilen zitterte sie noch in furchtsamer Erinnerung. Durch das Treppenhaus rieselte ein Strom warmen Windes Marianne verspürte den sanften Windstoß wie eine warme Wasser- welle, die sich an ihren Gliedern brach. Sie fühlle im Wind plötzlich eine wohlige Quelle springen, die kitzelnd ihren Körper umspülle. Das Gruseln bei dem Gedanken an einen Mann, der sie im Vorüber- huschen um den Leib fassen konnte, begann sogar ihren Rücken zu streicheln, verscheuchte die Furcht vor der finsteren Treppe. Sie sandte die dunklen Stufen ein paar fremde Gedanken hinab, die den vermuteten Mann neugierig betasteten. Marianne hatte noch nie über einen Mann begehrlich nach- gedacht Wie in allen Mädchenkindern, staut« sich in ihr nur die dumpfe Urahnung, daß einst ein Mann ihr ein Leid antun mochte. Dieses verstandslose Ahnen übertrug sich aber in die Gegenständlich- keit wie etwa das ungefähre Wissen eines Schulmädels um feine künftige Mutterschaft: Ein gelegentliches Grübeln in einer Atem- pause über das Wie und Warum des Geschehens, dem man am Ende wieder ein Fragezeichen anhängt. Maim, das war noch ein fest umrisiener Begriff, der mit langen Hosen und blank gewichsten Stiefeln marschierte. Ein zusammengeschmolzenes Vielerlei aus Vater, Onkel, Besuch�und Straße. Immer schärfer hob sich aus dem Gemisch von Furcht und Neugier ein Gedanke: Auf der Treppe steht ein Mann, der dich küssen will. So unheimlich die Treppe erschien, die Gewißheit des bestimmten Geschehens, dem sie sich mit jedem Schritt nähern konnte, verminderte ihre Befangenheit. Ihr Arm, der das Treppengeländer preßte, löste sich aus der krampfhaften Umklammerung. Ohne es sich streng zu befehlen, zog sie den noch immer schwebenden Fuß und setzte ihn behutsam an den anderen heran. Dabei preßte sie die Knie aneinander, verwundert wahrnehmend, welche Kräfte in ihnen schlummerten. Noch ein Gedanke schlich sich ein, tanzte als heller Fleck wie ein fonnentrunkener Kohlweißling durch ihr Bewußtsein Knapp über dem roten Strumpfband saß ein Loch in ihrem Strumpf, geldstückgroß das weiße Fleisch rundend. Marianne nahm sich vor, die gefallenen Maschen noch vor dem Schlafengehen mit der Nadel auszunehmen. Mit diesem Entschluß, wenn er auch in keinem sinnfälligen Verhältnis zu dem Tief der Treppe zu stehen schien, wagte sie sich wieder ein Stück abwärts. Stufe um Stufe nahm sie mit der Beharrlichkeit des Unabwendbaren. Und jeder Schritt scheucht« einen Schwärm Gedanken auf. Atemwarm blies der Sturm. Er fing sich in dem Mädchen, schmiegte sich an seine Glieder, koste Nacken und Arme, wirbelle im Unterkleld. fuhr wie ein aufgeregter Kreisel um Schenkel und Beine. Frau Rechnungsrat besaß ein dickes Buch, in welchem Frau Rat nachschlug, wenn sie die Gicht plagte. Einmal hatte Marianne in Zu Hermann Müllers Tod Die Glieder lösten sich die schmerebefairnen. Du strecktes' dich zum letzten Schlaf Nun zählst du auch zu unsren Märzgefall'nen, Trotzdern dich keine Kugel traf. Dir nahte sich der Tod nicht als der Ri'ter, Der unverseh'ns, mit einem Schwert-treich fällt. O nein, dir ward dein Sterben wie dein Leben bitter, Obgleich du standhieltst wie ein Held! Das war das Große an dir, daß du all die Jahre Dir schweigend aufgebürdet unser aller Last Und daß du selbst auf deiner Leidensbahre Das Schwerste stumm getragen hast! Wir Sozialisten, Volk der schütternden Fabriken, Wir, eingezwängt im Bergwerk, in der Werkstatt, im Kontor Spüren erschüttert, wenn wir dir ins starreAntlitzblicken, Was unsereins an dir verlor! Doch soll nicht unnütz Klagen unsdas Herz zerreißen! Nein, heute, da halomast die roten Fahnen wehn, Da wollen wir dir uns're Dankbarkeit beweisen, Inaem wir fester noch zu unserm Banner stehn! Schließt die Lücke, keine Zelt zu verlieren I Kampfvolki Proletariat! Vorwärts den Fuß! Der Soziaiismus muß und wird marschieren! Dies, Hermann Müller, unser letzter Gruß! OskarWöhrle. dem Band geblättert, es waren viele Abbildungen darin. Aber Frau Rat hatte es chr mit einem Scheltwort aus der Hand genommen und im Wäscheschrank verschlosien. Natürlich ließ Frau Rat einmal den Schlüssel stecken und Marianne konnte sich über das geheimnisvolle Buch beugen. Es war grausig: Zerschnittenes Fleisch und Geschwür«. Der geöffnete Leib einer jungen Frau schmerzte ihrem eigenen Leib Hinter einer Seidenoblate schimmerte das farbige Bildnis eines nackten Mannes. Und als später Frau Rar ins Zimmer trat, da konnte Marianne ihre Verwunderung kaum oerbergen. Ihre Ver- wunderung über die alte Frau Rat, die das alles, olles, längst wußte, ohne mit der Wimper zu zucken... Der Sturm sing einen Wehlaut auf. Trug chn klagend durchs Treppenhaus. In zufammengekrümmter Stellung hockte Marianne auf den Stufen. Ein unbekannter Schmerz wühlte in ihrem Schoß. wilder Schreck peinigte sie. Der Mann, der da irgendwo im Dunkeln lauern sollte, war vergessen. Zitternd schleppte sie sich die letzte Schneckenwindung der Treppe hinunter. Schlich mit Tränen tn den Angen in das Schlafgemach der alten Frau Rat. Am Morgen lag im Antlitz der kleinen Marianne ein Heiligen- schein. Bedächtigen Schrittes stieg sie die Treppe empor. Aus emer Stufe lag braun ins Holz gebrannt, ein häßlicher Tropfen Blut. Marianne sah ihn nicht. Sie hielt den Kopf erhoben. Die große Wäsche vom vergangenen Abend hing wie dürres Laub im Geäst des Dachstuhls. Marianne sammelte sie in ihrem Ann. Bevor sie sich zum Gehen anschickte, wandte sie noch einmal den Kopf. Die Bergspitzen guckten ins Dachfenster, klar und ganz nahe gerückt durch den nächtlichen Scirocco. Cr hatte ihren Schnee ge- fressen. Von der Straße herauf winkte ein Schulmädel. Mariannes Mund umspielte ein erhabenes Lächeln. Ihr Blick folgte einem Soldaten, der quer über den sonnbeschienenen Platz schlenderte. Die Knöpfe seiner Uniform blitzten wie viele kleine Sonnen. Im Tal lag der Frühling. .Strrnamch: 3)� YläCllfle «ICaMcr Die sogenannten Fixsterne, also die Sterne, die wir allabendlich am Himmel leuchten sehen und die ihre Stellung zueinander nicht merklich ändern und darum seit aliersher zu den bekannten Stern- bildern zusammengefaßt werden, sind ebenso Sonnen wie unser Tagesgestirn', gasförmige, Licht und Wärme ausstrahlende Himmels- körper, die da aus unermeßlicher Ferne zu uns herübergrüßen. Nur die bekannten Planeten oder Wandelsterne, die sich am Himmel unter den anderen Sternen fortbewegen und durch ihren ruhigen und milden Glanz sich von den anderen unterscheiden, bilden eine Aus- nähme: sie sind nämlich ebenso wie unsere Erde JDlitglieder des Sonnensystems, empfangen ihr Licht erst von der Sonne und um- kreisen seit Iahrmillionen schon in mehr oder wenrger großen Bahnen das Zentralgestirn. Die Entfernungen in unserem Sonnensystem sind nun, obwohl sie natürlich für menschliche Begriffe und Maß- Verhältnisse immer noch riesenhaft sind, immerhin noch vorstellbar, mit Instrumenten und durch scharfsinnige astronomische Meßmethoden festzustellen und in uns geläufigen Längenmaßen und Zahlen aus- zudrücken, wenn es dabei auch in die Hunderttausende und Millionen geht, was aber, da wir es hier ja mit kosmischen Entfernungen zu tun haben, weiter nicht oerwunderlich sein sollte. Ganz anders und weit schwieriger liegen die Verhältnisie in der Fixsternastronomie. Hier sind die angegebenen Entfernungen kaum noch vorstellbar, sie in Kilometerzahlen auszudrücken, wäre sinnlos: man muß hier zu anderen Maßen und Entfernungseinheiten greifen. Zur Natur der Fixsterne sei kurz gesagt, daß dies Sotmenkörper sind, die sich im gasförmigen Zustand mit derart hohen Temperaturen befinden, daß die Elemente, die die Welt aufbauenden Grundstoffe also, sich noch gasförmig vorfinden, oder sogar, was den allerneuesten Forschungen der Fixsternastronomie entspricht und durch die Arbeiten des bc- kannten englischen Astronomen Eddington dargelegt wird, daß die Elemente im Innern dieser Sonnensterne unter dem ungeheuren Materiedruck und Temperaturen von vielen Millionen Hitzegraden als Elemente in unserem Sinne noch gar nicht vorhanden sind: viel- mehr sind die Atome, die Bausteine der Elemente, m ihre Urbestand- telle aufgelöst und wirbeln im Innern eines Fixsternes chaotisch durcheinander. Es gibt nun Sonnen, die größer sind als unsere Sonne, z. B. der Siriusstern im Großen Hund und Kapella im Fuhrmann, und auch solche, die kleiner sind als unser Sonnenstern. Es ist jedoch erwiesen, daß unsere Sonne zu den Zwergen im Reich der Sonnenkörper gehört, die Wissenschast reiht sie in die Klasse der gelben Zwergsterne. Die Farben der Fixsterne lassen Schlüsse aus das Alter und die Temperaturen zu. So hat man gefunden, daß die Sterne mit blauem Licht zu den heißesten und jüngsten Sonnen zählen, die gelben Fixsterne nehmen etwa die Mittelstellung ein und die roten Sterne sind am wenigsten heiß und vielleicht die ältesten unter den Fixsternsonnen. Der Astronom rechnet nun bei Fixsternentfernungen mit Licht- jähren. Das Lichtjahr ist die unendlich tauge Strecke, die das Licht, das ja bekanntlich in einer Zeitsekunde rund 300 000 Kilometer zu- rücklegt, im Lause eines irdischen Jahres im Weüenramn durcheilt. Run sind aber die uns nächsten Fixsternfonnen immer noch viele Lichtjahre von uns entfernt. Bis vor wenigen Jahren galt der helle Stern Alpt�i im südlichen Sternbild des Centauren als der uns nächste Fixstern. Seine Entiernung von der Erde ist nach den neuesten Messungen auf 4,3 Lichtjahre bestimmt worden. Nun aber haben die Astronomen Jnnes und van den Bos von der südafrika- nischen Sternwarte zu Johannesburg in allernächster Nähe von Alpha Centauri ein Sternchen 11 Größe genauer untersucht und nach sorgfättigen Beobachtungen sestgestellt, daß dieses Sternchen uns noch näher steht als Alpha Centauri. Diese Sonne ist nur 3,6 Lichtjahre von uns entferM. Der uns so nahe Fixstern wurde Proxima Centauri benannt. So hat also der groß« und helle Stern Alpha Centauri die jahrzehntelang innegehabte Stellung als uns nächster Fixsternnachbar im Wettenraum aufgeben müsien zugunsten eines winzigen Sternchens 11. Größe, das menschlicher Scharfsinn und astronomische Rechenkunst auf diesen Ehrenplatz unter den Fixsternen gehoben hat. Wart Xorafsy: 9)ie Qelchichle einer Katfegiaffee Der Kellner stellt« den Kaffee auf den Tisch und ging wieder fort, der Kaffee aber begann zu sprechen: „Ich sehe, verfluchter Gast, wie sich deine Mundwinkel, während du dich an meiner lichtbraunen Farbe ergötzest, zu einem Lächeln oerziehen. Bevor du noch mtt deinen gierigen Krallen den Henkel der Tasse ergreifst, um mich hinunterzuschlürfen, damit ich für immer und spurlos aus dem finstersten Grunde deines Magens oerschwind«, höre noch all die Klagen und Vorwürfe an, die in mir verborgen sind. Die Milch, die in mir entHallen ist, stammt von einer rotge> fleckten Schweizer Kuh, von einer Mutterkuh. die auf der Weide kläglich nach ihrem daheimgebliebenen Kalb brüllt«, aber niemand erhörte ihre mütterlichen Klagen. Nicht einmal der Hirt, der ihr mit seinem Stab einige tüchtige Hiebe aus den Rücken versetzte, sein Hund aber biß sie in das Vorderbein, weil sie melancholisch und über ihr Junges nachsinnend, am Rande des Maisfeldes stehen geblieben war. Die Kuh kam am Abend noch Hause, chr hungriges Kalb eilte zu ihren Eutern, aber feine rosenrote Schnauze wurde von dem Absatz eines rohen Stiefels weggestoßen, denn die Milch war für dich nötig, damit du heute nachmittag ruhig deinen Kaffee winken kannst. Den alten Neger streckte die Ohrfeig« des gestrengen Farmers zu Boden. Auch er bekam tüchtig« Fußtritte, damit er sich beeile, feine Tagesarbeit zu vollenden; die verstreuten Kaffeekörner, aus welchen der schwarze Sud zu deinem Kaffee zubereitet wurde, be- netzte der kaffeebraune Alte mit seinen Tränen, und er gedacht« seufzend der auf dem hohen Wipfel einer Kokospalme verbrachten sorglosen Jugendzeit... Und es klagt auch die Zichorie, deren Wurzel dem Bohneickoffee beigesetzt wurde, denn als man sie aus der Erde herausriß, oerletzte sich mtt ihr eine Arbeiterin den Finger, daß er blutete. Eine leise erklingend« Dorfglocke war einst die Kanone, die man, nachdem sie menschliche Arme und Beine zerfetzt hotte, wieder ein- schmolz, und es wurde daraus jener Kesiel angefertigt, in welchem aus der süßen Sahne der vor dem hungrigen Kalbe gemolkenen Mllch der Mutterkuh«in fester Schaum geschlagen wurde, um demen Nachmittagskaffee hübscher, oppetttlicher und geschmackvoller z» machen. Nun aber kos! Packe die Tafle beim Henkel, hob« sie hoch und leere sie bis auf den Grund— wenn du kannst!"... So sprach der Kaffee, und ich ließ ihn unberührt auf dem Tisch stehen. sAuwrisikrti Uebirsetuma aus dem Unaarifcheu osb Maurus MutU Abrahams AlUag 3)as lleuiie ton den Ausgrabungen in Vr Wie der Letter der Ausgrabungen in Ur soeben an das Londoner Britische Museum berichtet hat, beschränkte sich die Ausgrabungs- tättgkeit der gemeinsamen Expeditton de« Britischen Museums und der Universität von Pennsyloanien im Januar auf die Wohnviertel der Stadt.„Auf einem Areal, das etwa 10 000 Quadratmeter groß ist", heißt es in dem Bericht,„haben wir 27 Privathäuser, drei öffeMliche Kapellen und eine Anzahl von Gebäuden freigelegt, die als Geschäfts- und Warenhäuser dienten. Sie gehören alle nach den in den Häusern gefundenen Inschriften der Zeit der Larsakönige an, d. h. dem 20. und 21. Jahrhundert vor Christi Geburt, so daß sie als Zeugen der Baukunst zur Zeit Abrahams zu gellen haben Die Häuser sind tadellos erhalten und zeigen große Ausmaße. Zählen doch manche bis zu 22 Räumen. Fast alle haben Privatkapellen, unter deren Boden die Grabstätten der Familien liegen. Dort wurde auch der häusliche Gottesdienst abgehalten. In einem der Räume standen noch die Opsergesäße aus Lehm auf ihrem Platz auf den# Altar aus Ziegelsteinen. Auf der anderen Seite fanden wir einen Pfeiler, edssen bearbeiteter Lehmputz darauf schließen läßt, daß er einer hölzernen Originaloorlage nachgeahmt wurde. Aus den Häusern brachten wir reiche Sammlungen beschriebener Tafeln aller Art zusammen. Den kleinen Reliquienkästen, die ein Wahrzeichen dieses Stadtviertels bilden, entnahmen wir die Originalfiguren des Kults, die aus Stein gemeißelt sind, und daneben fanden wir große Reliefs aus Terrakotta, die die Mauern schnnickten. kurz, wir sind im Begriff, ein Material zusammenzubringen, das ein erstaunlich genaues Bild von dem Alltagsleben geben wird, wie es sich vor 4000 Jahren in Ur abgespielt hat." Qeologifche Jtufidüüffe durch 9>flansBon Die Tatsache der Kenntnis, daß gewisse Pflanzen einen Boden von ganz bestimmter mineralogischer Beschaffenheit bevorzugen und nur auf ihm gedeihen, hat man sich schon seit langem zu geologischen Aufschlüssen über die Zusammensetzung des Bodens zunutze gemacht. So sind auch im Waldgebiet von Orleans auf Grund der inmitten der auf Kieselboden hinweisenden Flora austretenden viele Kilometer langen Streifen von Kalkpflanzen Untersuchungen angestellt worden, die zu dem Ergebnis der Freilegung einer allen mit Kalksteinen ge- pflasterten Römerstraße führten. Beim Aufsuchen von Lagerstätten edler Mineralien konnte die Pflanzenbedeckung des Bodens zu den wichtigsten Schlüssen führen. Das Vorhandensein von Zink zeigt deutlich das Galmeiveilchen an, das zum Beispiel in Oberschlesien. Belgien und Westfalen aufttitt, wo der Boden zinkhaltig Ist. Die Ackerdistel spielt als Anzeiger öon Lehmstellen ein« hervorragende Rolle und Huflattich weist meist auf trockenen kalkhaltigen Ton hin. Orchideen dagegen sind ausgesprochene Kalkpflanzen, während Heide- kraut und Heidelbeere als Sandpflanzen angesehen werden. Das Gänsefüßchen ist eine typische Salzpflanze, das im norddeutschen Flachlande �dort anzutreffen ist, wo offene Stellen vorhanden sind. aus denen Solen aus den Salzlagern emporsteigen.