BERLIN Donnerstag 26. Mörz 19ZI 10 Pf. Tit. 144 B 22 48. Jahrgang erfcheiuttSslichavßerSouutas«. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts'. BcingSvreis beide Ausgaden 8S Pf. pro Woche. u.soM. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SWK�.Lindenßr.S Fernsprecher: Dönhoff 292— 297 Aai«tgeopret<: Die eiuspaltigeNonpareillejeile so Pf.. Reklameitile ü M. Crmaßigun en nach Tarif. Poüscheckkont»! Vorwärts-Verlag G. m. b.H.. Berlin Nr. 37 S36.- Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Kampf um den Brotpreis Sicherungen im Zollermächtigungsgesetz Nach lauge«» Ringe» ist es de» soziuldeatokratische« Unterhändler» gelungen, das ZollerntSchtigwngs- gesetz sehr erheblich zu verbesser», vor alle» Diuge« eine Sicherung des Brotpreises dnrchzu» setze». Die Ausmahlungsqnote für Roggenmehl wurde von 60 auf 76 Proz. erhöht zum Zwecke der Streckung der vorhandenen Roggenvorräte. und durch dieses vom Reichs» ernährungsminister Schiele der Bäckerinnung und dann offiziell im Reichstag abgegebene Versprechen der be- absichtigten Brotpreiserhöhung die Begründung ent» zogen, so dasi sie unterbleiben muß. Die Neichsregieruug wird ferner verpflichtet, auch weiterhin jeder Erhöhung des Brotpreises über den vom Statistischen Reichsamt ermittelte» durch» schnittlichen Brotpreis der letzten sechs Monate vor Inkrafttreten des Gesetzes vorzubeugen. Außer diese» Zusicherungen erreichte die Sozial» demokratie noch die gesetzlich« Festlegung, daß, sobald die vom Statistischen Reichsamt ermittelte Reichsindexziffer für Ernährung über 133 steigt, und vier Monate ans diesem Stand bleibt, die Reichsregiernng«nverzüg- lich durch geeignete Maßnahme» einschließllch Herab- setzung von Zollsätze» auf die Preisgestaltung so eiuzn- wirken hat, daß die Indexziffer auf oder unter de« Iudex von 133 sinkt. Die Zollermächtigung ist dahin eingeschränkt worden, daß sie nur Gültigkeit hat, solange die jetzige Regierung Brüning im Amte ist. Im Falle ihres Rücktritts treten diese Bestimmungen nach Neubildung der Reichsregie- rung außer Äraft. Gegenüber der ursprünglichen Gestaltung des von der Regierung vorgelegten Entwurfs bedeutet die jetzige Fassung des Ermächtigungsgesetzes eine erhebliche Ver- besserung und auch eine Verbesserung des jetzt bestehen» den Zustauds. Ter von der Sozialdemokratie seit langem geforderte Verbrawcherschutz wird durch deu jetzige» Wortlaut des Gesetzes, wenn auch noch nicht vollkommen. so doch weitgehend verwirklicht. » Der Reichstag begann heute, lv Uhr. mit der dritten Be» ratung der Ost Hilfe. Abg. Hörnle(Komm.): Die Osthilfe fängt mit der sechs- prozentigen Lohnsenkung gegen die schlesilchen Weber durch den staailichen Schlichter Dr. Völker an. Der„Vorwärts"' spricht von immer neuem Schlichtungsunfug, pber die ganze Schlichtung»- ordnung ist ein Werk der Sozialdemokratie. Es spricht, kein weiterer Redoer: die Abstimmung wird aus- gefetzt. Es folgt die dritte Beratung des Gesetzes über Zolländermigen. Auch dabei hast l) ö r n l e die gewohnte Rede über den„Verrat' der Sozialdemokratie und die allcinigö Volksrettung durch die KPD. Abg. hepp(Landvolk) lehnt eine Kollektivierung des deutschen Bauernstandes ab. Mit der indioiduallstischen Betriebsweise würde die Grundlage des Staates und die ganze deutsche Kultur vernichtet werden. Der gewaltigen Steigerung der londwirtschafUichen Well- Produktion steht eine entsprechende Erhöhung des Konsum» nicht gegenüber: die daraus folgende Not der Landwirtschaft zwingt den Staat zu Schutzmaßnahmen, so auch zu dem jetzige» Ermächtigungs. gesetz. Abg. Arrybe(Wp.): Wir müssen ausländische Einfuhr fern- halten. Der Zwischenhandel verteuert die Preise nicht wesentlich, die Handelsspanne ist sogar gesunken. Das war eine Vorleistung für die zugesagte Steuer- und Abgabensenlung, und wenn die nicht käme, würde man nicht bei dieser Handelsspanne bleiben können. Abg. Herbert(Franken, Bop.): Die Ermächtigung, den Zollschutz auch auf die Veredelungswirtfchast auszudehnen, dient den Interessen der Kleinbauern, besonders in Bayern. Abg. Dr. Drees(Z.) befürwortet den Kompromkßantrag zum Artikel 3 der Vorlage. Der Verbraucherschutz sei auch aus psycho» logischen Gründen notwendig, ahne daß dadurch der Schutz der Pro- duzenten zu leiden brauche. Abg. Dr. Schncldcr-Dresden(D. Vp.) erklärt die Zustimmung seiner Fraktion und verlangt, daß die handelspoliiischsii Bedürfnisse bei der Ausführung des Gesetzes mcht zu kurz kommen. .(Fortsetzung aus der 2. Seite.) Oer Weg zum Zottvereinsfrieden Kein prozessieren, sondern europäische Einigung im Pari», 26. März.(Eigenbericht.) Aus den Mitteilungen der Morgengeitnngen über die gestrige Unterredung Briands mit Henderson geht hervor, daß sich der eng- lisch« Außenminister geweigert hat, einen formellen P r o t e st bei der Berliner und Wiener Regierung gegen die deutsch-österreichS- sche Zollvereinbar ung einzulegen. Die beiden Minister haben sich schließlich darüber geeinigt, die Angelegenheit im Mai vor den Völkerbundsrat zu bringen, der feststellen soll, ob Oestereich das am 4. Oll ober 1922 unterzeichnete Protokoll in bezug auf sein« Wirtschaft- liche Unabhängigkell verletzt hat. Der Välkerbundsrat kann aber, worauf Pertinax im„Echo de Paris' hinweist, nur eine an Deutsch» land und Oesterreich gerichtet« Empfehlung beschließen, die die beiden Staaten annehmen oder aftehnen können. Da aber Deutschtoü» und Oesterreich die Zustöndigkell des Dolterbundez mit der Begründung bestreiten, daß die Ahgelegimheit nur ihre beiden Länder angehe, kann der Rat, wenn er sich diesem Standpunkt an» schließt, überhceipt kein« Lösung empfehlen. Pertinax meint daher, man müsse sich darauf vorbereiten, daß der Rat«ine vollendete Tatsache anerkenn«, und er schlägt daher vor, die weiteren Derhand» lunzen zwischen Deutschland und Oesterreich dadurch zu unterbinden, Tag des Abschieds. Vom Hause des Reichspräsidenten, von den Ministerien des Reiche» und Preußens, von den Botschaften und vielen Prioathäusern sind die Fahnen auf Halbmast gestellt, am Brandenburger Tor weht von vier Säulen das Schwarz der Trauer, vor dem Reichstags- gebäude sind die Fahnenstangen errichtet. Im Hause der Partei in der Lindenstraße ist der Andrang der Besucher heute noch stärker als in den letzten Tagen. Da steht man eil« Gruppe von Rcichswehrsoldaten, da fleht man die Deputation einer höheren Schule, da sieht man geschlossene Abteilungen der .Linderfreunde'. Das Auswärtige Amt hat für seinen früheren Ehef einen Kranz mit den Farben des Reiches niederlegen lassen. An Kranzspenden seien noch erwähnt: die Grotzemkaufs- gesellschast deutscher Konsumvereine und der Zentralverband deutscher Konsumvereine Hamburg, die Sozialdemokratisch« Partei Hessen- Kassel, die Reichstagsfraktion der Sozialdemokratie, die Arbeits- gemeinschast sozialdemokratischer Aerzte, der Haupworstand und die Bezirkslellung der Sozialistischen Arbeiterjugend, der Senat der Freien Hansastadt Hamburg, die Finna Roselius-Bremen, der Per» band der Tabakarbeiter, die Sozialdemokratisch« Partei Hannover. Beim Parteivorstand häufen sich die Beileidsschreiben. Wir führen an: den Verband der Maler, den Landrat des Kreises Quedlinburg, der Präsident der Preußischen Zentralgenossenschafts- lasse, die Russische Sozialrevolutionäre Partei. Par�s, das Deutsche Auslandsinstitut Stuttgart, den-Deutschen Arbeiter-Sängcrbund. da« Berliner Sinfonieorchester, das seine Mitwirkung bei der Trauer- seier unentgelllich zur Verfügung stellt. Ed. Bernstein« Beileid zum„erschütternden Hingang unseres hochverdienten Hermann Müller', den preußischen Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff, den Vorstand des Verbandes der Bergbauindustriearbeiter Deutschlands, den Zentraloerband der Steinarbeller Deutschlands, die Sozialdemo. kratische Partei Belgiens, die Sozialistische Partei New Yorks, den ..Sturmvogel', Flugverband der Werktätigen, die oberschlesisch« Flüchtlings» und Berdrängtenvereinigung, die Großeinkaufsgesell- schaft deutscher Konsumvereine, den Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands, die ukrainisch« sozialistische radikale Partei. »i» Einen prächtigen Lorbeerkranz, geschmückt mit den Reichsfarben und den hamburgischen Landesfarben mit der Aufschrift:«Der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg' legte der Hamburgische Ge» sandte Dr. Piper an dsr Bahre de» Verstorbenen nieder. -» Di« Feier vor dem Reichstag wird heute nachmittag gegen 13 Uhr von der Funkstunde aus den Bertiner Sender übernommen. Anschließend an die Kranzniederlegung an der Bahre Hermann Müllers werben die Abschiedswort« des Reichstags- Präsidenten Gen. Lob« übertragen. daß man die deu tstchLsterr eichische Vereinbarung als eine„Kriegs- drohung' betrachtet und den Völkerbundsrat zu einer sofortigen außerordentlichen Tagung«inberuft. Sauerwein vertritt im„Matin' den Standpunkt, daß Frank- reich unabhängig von seiner Aktion gegenüber Oesterreich einen formellen Protest bei der deutschen Regierung einlegen könne, well der d e u tsch- f r anz ös i s ch e Handelsvertrag nicht zuläßt, daß ein Zollbund zwischen mehreren Ländern als eine Ausnahm« der Meistbegünstigungsklausei betrachtet wird. Schließ- lich spricht Sauerwein die Hoffnung aus, daß die beiden Länder, die angesichts der schweren Wirtschaftskrise das Vertrauen des Auslandes brauchten, ihre Stellungnahme ändern werden. -i° Die Behauptung französischer Nationalisten, daß die kommende deutsche Zollunion ein«„Kriegsdrohung' darstelle, ist in jeder, namentlich auch in völkerrechtlicher Hinsicht em glatter Unsinn. Es Legt vickmehr ein« Meinungsverschiedenheit über die rechtlich« Zu» lässigkell und ihre Vereinbarkell mit dem Protokoll von 1922 oor. Di« deutschen und österreichischen Juristen behaupten entschieden. den Zollunionsvertrag so geschickt formuliert zu haben, daß er die österreichischen Anleihebestimmungen von 1922 nicht verletzt. Die französischen behaupten das Gegenteil und die englischen scheinen beide Meinungen zu teilen. Für eine juristische Entscheidung einer in Wahrheit polltischen und europäischen Angelegenheit stehen mancherlei Wege offen. Der eine wäre, daß die Garantiemächte des Protokolle? von 1922 gegen Oesterreich, das damals mitunterschrieben hat, eine Klage wegen Vertragsverletzung«inlellet: ihre Durchführung würde aber wohl erst nach Abschluß und Ratifizierung der Zollunion möglich sein, also auf lang« Zell in den beiden deutschen Staaten und Europa einen höchst ärgerllchen Zustand der Unsicherheit schassen. Der zwelle gerichtliche Weg wäre der über den Völker» bundsrat, der ein Gutachten des Ständigen Gerichts- Hofe« im Haag«inholen könnte. Aber hier ist erst noch die Vorfrag« ungelöst, ob ein solches Gutachten von einer-Mehrheit des Völkerbundsrotes oder nur von ihm auf einstimmigen Beschluß eingeholl werden kann. Auch dieses Versahren würde in höchst unerwünschter Weise die Entscheidung über die abzuschließende Zoll» union für viele Monate hinausschieben und die Atmosphäre in Europa vergiften. Vom Standpunkt sowohl der deutschen wie der europäischen Politik au» erscheint«s demgegenüber wünschenswert, daß der Ab- fchluß des österreichisch-deutschen Zollvereins herausgehoben wird aus der Atmosphäre des P r o z e s s i« r e n s. Gewiß ist Prozessieren besser als Kriegführen, aber besser als Prozessieren ist eine sachlich- politische Einigung, die ebensosehr den Interessen Deutschlands wie Europos dient. Man sollte in Deutschland sich darüber klar sein, daß ein« Zollunion mll Oesterreich keine An- gekegenhell der Wirtschaftsressorts, sondern eine eminent poll- tisch« Frag« ist, und man sollte in Europa verstehen, daß Deutschland nicht gebunden ist an Beschlüsse, die der Völkerbundsrat 1922 ohne deutsche Beteiligung gefaßt hat. Eine Besprechung des österreichisch-deutschen Zollvereins im Völkerbundsrat auf seiner Maitagung soll Einmütigkeit darüber ergeben, daß eine Er- Neuerung des Anfchlußoerbotes— eine der großen Torheiten von 1919— ganz unmöglich und der wirtsthasts- politische„Anschluß' in der Tat die Keimzelle der europäischen Wirt- schastseiichell ist. Oer Hungerstreik der Aerziin. Vor dem körperlichen Zusammenbruch. Skullgark. 26. März.(Eigenbericht.) Die wegen Verstoß des Z 218 in Hast befindlich« Frau Dr. ZJakobowitz-Kienle ist durch ihren seit Tagen andauern- den Hungerstreik jetzt so geschwächt, daß sie das Bett nicht mehr verlassen und kaum noch sprechen kann. Frau Dr. Iakobowitz soll fest entschlossen sein, ihr Vorhaben selbst bis zum schlimmsten Ausgang durchzuführen. Polizei im �Prinzen" werden nicht anders b< Der Preußische Landtag fetzte am Donnerstag die Beratung des Innen etats fort. Abg. Marquardt(Soz.): Der Abg. Kaspar hat behauptet, der „Vorwärts" kritisiere nur Ausschreitungen der Polizei in Indien. Unmittelbar danach hat er selbst aus dem„Vorwärts" eine Kritik des Verhaltens der Polizei in Mansfeld zitiert.(Heiterkeit.) Der Minister kann unmöglich weiter gehen, als daß er erklärt: für Polizeibeamte, die sich Mißhandlungen zuschulden kommen lassen, ist in der Polizei kein Platz mehr. Der Abg. Kaspar hat behauptet, die herrschenden Klassen wollten die Arbeiter zu Ausschreitungen provozieren und dann niederschlagen. Wenn das wahr wäre, wäre die Kommunistische Partei verpflichtet, die Arbeiter eindring- lich vor Provokationen zu warnen. Solange die Kommunisten nicht aufhören, Proletarier anderer Gesinnung niederzuschlagen und totzuschießen, trifft fle die ganze Verantwortung für die Anwendung der Gewalt im politischen Kampf. (Lebhafte Zustimmung bei den Soz.) Ueber die Ausbildung der Polizeibeamten will ich nur sagen, wir wünschen sie überall so, wie sie in Hannoversch-Gmünden und Brandenburg jetzt ist. Polizeimajor Sander hat seine Beurlaubung für den Polizeisportverein durch Heil-Hitler-Rufe vergolten. Das sollte ein Anlaß dazu sein, mit diesen Beurlaubungen endlich Schluß zu machen. Vom Reichswasserschutz sind nicht weniger als drei Offiziere uu- mittelbar nach ihrem Ausscheiden in die nationalsozialistische pro- paganda übergegangen. Minister Severing hätte unverantwortlich leichtfertig gehandelt, wenn er die Offiziere des Reichswasserschutzes ohne Prüfung ihrer positiven Stellung zur Verfassung in den preu- ßischen Dienst übernommen hätte. Herr v.R o h r hat davon ge- sprochen, die Polizeibeamten würden auch merken, daß sie einem falschen System dienen. Das System in Preußen besteht darin, daß der Beamte nichts weiter zu tun hat, als die be- stehenden Gesetze auszuführen. Wenn aber Beamte das Geld der Republik nehmen und sie unterwühlen, dann trifft sie das Wort, das der Vorsitzende eines faschistischen Gerichts über solche Beamte gesprochen hat: Es sind verwerfliche Heuchler und Schurken. (Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Bock(Dnat.): Der Abg. Letterhaus vom Zentrum hat vorgestern in der Maske eines Biedermannes alle nationalen Führer infamiercnd angegriffen. Er hat damit einen unübersteigbaren Graben zwischen dem Zentrum und dem chrifi- l'.cheu Volk gezogen. Das Zentrum hat keinen Rückweg mehr frei zum Staat Friedrichs des Großen, es muß durch dick und dünn mit den Sozialdemokraten zugrunde gehen.(Lachen im Zentrum.) Herrn Severing bringen wir persönliche Achtung entgegen, aber deshalb ist es dop- pelt gefährlich, daß er zielbewußt und zäh auf den sozialistischen Volksstaat handelt als andere Staatsbürger Staat losgeht. Der Ueberfall auf August Wilhelm tu Königsberg war von der Polizei �planmäßig organisiert.(Zurufe bei den Kom- munisten: Die deutschnationalen Polizeioffiziere sind die schlimmsten Prügler.) Minister Severing: In meiner ersten Rede habe ich die Kritik sowohl des kommu- nistischen Redners wie des Redners der Landvolkpartei und der Christlichsozialen als sachlich anerkannt. Das hat Herr Kaspar für seine Partei als Niederträchtigkeit zurückgewiesen.(Heiterkeit.) Aber auch Herr Kaspar kann seinem Schicksal nicht entgehen: auch er be- müht sich, in die Sachen der Polizei einzudringen. Auch er kann mich nicht hindern, zwischen sachlich und unsachlich zu scheiden. Der Bolksparteiler Metzenthin hat freilich geglaubt, meine Freund- lichkeit richte sich aus Hilfskonstruktionen nach der nächsten Wahl. Aber das werde mir nicht helfen, nach der nächsten Wahl eme neue Zeiti so oder so. Diese Weisheit der Deutschen Bqltspartei erinnert mich an die alte Bauernregel: Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter, oder es bleibt wie es ist.(Schallende Heiter- keit.) Gewiß, Herr Metzenthrn, es kann so oder so kommen. Aber ich glaube, es wird so kommen.(Erneute schallende Heiterkeit.) Würde die Polizei nicht so ungeheuer in Anspruch genommen wie jetzt durch die extremen Parteien, würde auch die Zalst der polizeilichen Ausschreitungen geringer sein. Bei jeder Gelegenheit .wird den Polizeibeamten eingeschärft, daß sie den Gummi- knüppel nur gebrauchen dürfen, um Widerstand zu brechen. Ein Prinz wird von der preußischen Polizei nicht anders behandelt wie jeder andere Slaaisbürger. Hat er unschuldig etwas abbekommen, tut«s mir leid. Hat er sich dem polizeilichen Räumungsbefehl widersetzt, dann hat er mit Rech: den Gummiknüppel zu' spüren bekommen. Jedenfalls ist es w solcher Situation gescheiter, nicht dabei zu sein.(Heiterkeit.) Alle Sparten der Polizei haben auch im letzten Jahr hervor- ragend ihr« Schuldigkeit getan. Die Kleinen Anfrage» des Herrn Kube sind an verleumderischer Leichtfertigkeit nicht mehr zu übertreffen. Dieser Mensch bekommt von mir in Zukunft über- Haupt keine Antwort mehr.(Lebhafte Zustimmung� Meiner Aufgabe, die Polizei aktionsfähig und schlagfertig zu erhalten, hoffe ich auch in Zukunft gerecht zu tperdsn.(Lebhafter Beifa,.) Abg. Lellerhrnis(Z.) polemisiert erneut heftig gegen die Deutsch- nationalen. Er mache sich das Wort des Lizentiaten Schmidt aus Bochum zu eigen, daß Hugenberg in seiner Presse nur den Ehebruch und die Hurerei fördere.(Großer Lärm rechts.) Gegen diesen Der- derber des Christentums und des konservativen Gedankens werde das Zentrum einen schonungslosen Kampf führen und für seine Ueberwindung auch an olle ehrlichen evangelischen Christen appellieren.(Beifall im Zeirtrum.— Großer Lärm bei den Deutsch- nationalen.) Nach einigen weiteren Rednern vertagt sich der Land- tag auf Dienstag, den 28. April. Abstimmungen im Reichstag. (Fortsetzung von der 1. Serie.) Das Zollermächtigungsgesetz wird mit de« erwähnte« Kompromißantrag in namentlicher Abstimmung mit SS» Stimmen gegen 82 Stimmen der Wirtschaftspartei und Kommunisten angenommen. Zum Ost Hilfegesetz wird ein kommunistischer Antrag, der Bestimmungen zugunsten der Erwerbslosen einfügen will, mit 306 gegen 63 Stimmen abgelehnt. Nach Ablehnung weiterer kommunistischer Aenderungsanträge wird das O st h i l f e g e f e tz in der namentlichen Schlußabstimmung mit 309 gegen 66 kommunistische Stimmen ver- abschiedet: ebenso das Gesetz zur landwirtschaftlichen Siedlung angenommen. Zum Jndustricbankgesetz wird ein Aenderungsantrag der bürger- lichen Parteien angenommen, der im§ 7 die Aufgabe der Bank aus- dehnt auch auf die Gewährung von Krediten für allgemeine Zwecke der Wirtschaft. Nach Ablehnung eines weiteren Zentrumsantrages im Hammelsprung mit 191 gegen 181 Stimmen wird auch dieses Gesetz gegen die Stimmen der Kommunisten verabschiedet. * Der Wohnungsausschuß des Reichstags beschloß, die Beratungen über die Wohnheim st ättengesetzentwürfe vierzehn Tage vor dem Wiederzusammentritt des Reichstags im Ok- tober aufzunehmen und die ausgesetzte Bestchtigungsreise bis Ende Juni durchzuführen. Dietrich gegen Steuern. Er hofft immer noch auf den Reichstag. Reichsfinanzminister Dr. Dietrich hat heute vor den Vertretern der Presse in einer längeren Darlegung der Wirtschaftslage die schon gestern im Plenum des Reichstages abgeg'bene Erklärung «ieoerholt, daß die Reichsregierung im Reichsrat für die Ablehnung der beiden, auf sozialdemokratischen Antrag be- schlossenen Sie uererhö Hungen, nämlich der Tantieme- st e u e r �lnd des Notopfers der Steuerpflichtigen mit über 20 000 2R. Einkommen sich einsetzen werde. Da diese beiden Steuern nicht im Etat enthalten sind, sondern in eigenen Gesetzen, kann der Reichsrat gegen sie Einspruch erheben, ohne gegen den Etat Ein- spruch erheben zu müssen. Nach der Meinung Dietrichs hängt die Entscheidung des Reichs- rates, besonders bei dem Notopscr, sehr erheblich von der Haltung' der preußischen Regierung ab, vi« nächster Tage darüber Bc- schluß fassen wird. Die Tanliemesleuercrhöhung würde nach der Meinung des Ministers sür 1930, also im laufenden Zahre, ein be- tcächlliches Ergebnis liefern, aber schon im nächsten Jahre nicht mehr, da die' sehr hohe Besteuerung der Tantiemen Maßnahmen veranlassen würoe,' die die Tantiemen verschwinden lassen, so daß für das Einkommen daraus nur die vormale Einkommensteuer zu zahlen wäre. Würde die Tantieme st euer fallen, so wäre allerdings auch die in den Etat eingestellte Kinderspeisung(3 Mill. Mark) ungedeckt. Die Regierung könnte dann auf Grund des Sparkompromisses den Betrag dafür herabsetzen oder an anderer Stelle im Etat ersparen. Oemonstrationsverboi sür Sachsen. Die Zolge der taglichen Prügeleien. Dresden. 26. März. Das sächsisch« Ministerium des Innern hat auf Grund des Artikels 123 Absatz 2 der Reichsoerfassung für das Gebiet des Freistaates Sachsen alle Versammlungen, Umzüge und son- stigen demonstrativen Veranstaltungen unter freiem , Himmel zunächst sür die Zeit vom 29. März bis 7. AprN wegen unmittelbarer Gefahr für die öffentliche Sicherheit verboten. Das Verbot wird mit dem Hinweis be- gründet, daß es fast täglich in döm einen oder anderen Orte des Landes zu Zusammenstößen und Schlägereien zwischen politischen Gegnern oder zu Ueberfällen auf politisch Andersdenkende gekommen ist. Auch sind in mehreren Fällen Polizeibeamte angegriffen und verletzt worden.. Oer Weg zum Frieden. London über die Zollunion. London. 26. März. Unter der Ueberschrist„Eine vernünftige Anregung" iogt .Times" in einem Leitartikel, die foauzösische Regierung habe keinen Zweifel daran, daß die österreichifch-deutsche Vereinbarung gegen das Protokoll von 1922 und gegen Artikel 220 des Vertrages von St. Gennain sowie gegen die von Oesterreich mit anderen Ländern abgeschlossenen Handelsverträge verstoße. Di« anderen Signatarmächte des Protokolls feien in dieser Hinsicht nicht so positiv und hätten die Frage an ihre Sachverständigen verwiesen. Ganz abgesehen vorn Wert oder Unwert der Vereinbanmz, handele es sich vor allem um feine von Frankreich hitzig bestrittene L e g a l i- tat. Der Völkerbund fei besonders zuständig in der Sache, weil er für den gangen im Protokoll niedergelegten Finanzplan verantwort- lich chei. Der Reichskanzler bleib« bei der Ansicht, daß die vorge- fchlazene Vereinbarung völlig in Uebereinstimmung mit den Be- dingungen des Genfer Protokolls stehe und daß daher kein Grund fiir eine Erwägung durch den Völkerbundsrat vorliege. Aber er habe auch hinzugefügt, wenn eine Prüfung der juristischen Lage ge- wünscht werde, würden die deutsche und die österreichische Regierung diese nicht scheuen. Daß der Völkerbundsrat nicht vor Mai zu- sammentritt, ist keineswegs ein' Unglück, sondern im Gegenteil sehr gut. Bis dahin werden die Gemüter Zeit haben, sich abzukühlen. Die interessierten Regierungen werden Gelegenheit' haben, in aller Ruhe sämtliche Seiten des Problems zu prüfen. Die Verhandlungen über die Zollunion, die sehr kompliziert seien, würden auf jeden Fall beträchtliche Zeit beanspruchen, und eine Verzögerung ihres Jnkrast- tretens um einig« Wochen brauche keine Unruhe zu verursachen. Eine Verweisung der Sache an den Völkerbundsrat biete aber noch einen anderen Vorteil. Diese Körperschaft könne die Frage ebenso vom politischen, vom wirtschaftlichen, wie vom j u r i st i s ch e n Gesichtspunkt bezüglich dessen sie wahrscheinlich Anleitung beim Internationalen Gerichtshof suchen wird, erörtern. Wenn ein politischer Zusammenschluß sich in der vorgeschlagenen Form als illegal erweisen sollte, so würde der Völkerbundsrat mel» leicht sogar in der Lage sein, einen Plan vorzuschlagen, zu dem die Zustimmung aller am Protokoll beteiligten Parteien erlangt werden könnte und der die von der Zollunion erwarteten Lorteile ohne jede Vertragsverletzung sichern würde. Alle Welt ist sich einig darüber, daß die ganze wirtschaftliche Entwicklung Europas durch die zahl- reichen Tarifmauern gehemmt wird, ebenso darüber, daß die Industrien Oesterreichs durch seine Zerstückelung in eine u n m ö g- liche Lage gebracht'worden sind.'.Oesterreich braucht.- wenn es eine auch nur leidliche Wohlfahrt genießen soll, Zutritt zu aus- gedehnteren Märkten, als sie sein beschränktes Gebiet gewährt. Die vorgeschlagene Zollunion würde«in« der viel zu zahlreichen Tarifmauern niederlegen und der österreichischen Industrie«inen weiteren Markt eröffnen. Aber könnten diese Vortelle nicht durch ein« Vereinbarung allgemeineren Charakters erreicht werden, die zum mindesten gegen einige gegen die jetzig« Union«r- hobenen Einwände geschützt sein würde? Der Völkerbunidsrat könnt« mit Unterstützung der Studienkommisston für die europäische Union in dieser Richtung eine Lösung des jetzigen Streites finden, die für alle Parteien annehmbar und wohltätig sein würde: wenn die deutsche und die österreichische Regierung tatsächlich von den Beweg- gründen� getrieben werden, die der deutsche Reichskanzler in seiner gestrigen Rede geltend macht«, dann würde sie eine solche Lösung willkommen heißen und alles in ihrer Macht liegende tun, um sie zu erleichtern._ . Noch keine Vroipreiserhöhung. Stürmische Sitzung der Berliner Bäckermeister. Der Vorsitzende des Zw e ck v« r b a n de s der Bäcker- meister gab gestern in einer stark besuchten Mitgliederversamm- lung in den Germaniasälen eine Darstellung über die Ber- Handlungen beim Reichsernährungsminister und oerlangte«in« eindeutige Stellungnahme der Berliner Bäckermeister zu der beabsichtigten Brotpreiserhöhung. Nach etwa 15 Diskussionsrednern, die sich scharf für und gegen die Stellung des Gesamtoorstandes der Bäckermeister wandten, wurde am Schluß der Versammlung eine Entschließung mit großer Mehrheit angenommen, die die Vertreter des Bäckerhandwerks dringend ersucht, für eine kurze Zeitspanne es noch bei dem bisherigen Brotpreis zu belassen. Es sei dies zur Aufrechterhaltung der bisherigen Preis- senkungsakiion dringend notwendig. In der Entschließung heißt es zum Schluß: Wenn wir unseren Kollegen, wenn auch schweren Herzens, deshalb empfehlen, es vorläufig bei dem alten Brotpreis zu belassen, so erwarten wir, daß die Versprechungen des Reichs- ernährungsministers auf Herabsetzung der Ausmahlung des Roggens von 60 auf 70 Prozent und Regulierung des Marktes aus den Beständen sich umgehend ersüllen. Einbrecherjagd im Zentrum. Feuergefecht am Bahnhof Friedrichstraße. Eine Diebesjagd, wie sie im Film nicht phanlastischer gezeigt werden kann, spielte sich heute morgen zwischen 4 und VA Uhr in der oberen Friedrichstadt ab. In der Nähe des Hauses Friedrichstrah« 92 sah ein Schupo- beamter zwei Männer, die ihm verdächtig vorkamen. Als er auf sie zuging, um sie nach ihren Personalien zu fragen, flüchteten sie, der ein« nach links, der andere nach rechts in die Dorotheenstraße hinein. Der Beamte rief eine Droschke herbei, der Flüchtende rannte aber durch alle möglichen Seitenstraßen wie ein Hase und erreichte an der Prinz-Louis-Ferdinand-Stratze schließlich die Spree. Hier war immer noch starker Fußgängerverkehr, in dem der Verfolgte unterzutauchen versuchte. Der Schupobeämte fand ihn aber doch heraus. Der Verdächtige rannt» wieder weiter nach nach dem Nord- ausgang des Bahnhofs Friedrichstraße. Dort versteckte er sich und gab aus dem Hinterhalt auf den Beamten mehrere Schüsse ad. Der Beamte nahm Deckung und erwiderte das Feuer. Alle Schüsse gingen jedoch- fehl. Der Dieb' flüchtete wiederum durch den Bahnhof him• durch und nach der Georgenstraße zu. Aus die Haltrufe des Beamten stellten sich dem Rennenden mehrere Chauffeure entgegen, die ober beiseite springen mußten, da der Dieb sie mit der Pistole bedrohte. Vor dem Hause Georgenstroh« 29 hatte der Beamte schließlich den Verdächtigen eingehott und konnte ihn festnehme". Schleunigst warf der Ertappte seine Pistole weit von sich. In wenigen Augenblicken hatte sich natürlich eine Schar von Neugierigen angesammelt und einer von ihnen hob die Pistole auf. Unversehens löste sich dabei«in Schuß und traf einen Mann, der gerade zur Arbeit gehen wollte, lu den Oberarm. Der Neugierig« ließ erschrocken die Waffe wieder fallen und machte, daß er weiter kam. Er konnte auch nicht gesaht werden. Die Verletzung des Angeschossenen ist zum Glück nicht bedeutend, es handelt sich um einen Streifschuß. Der nach langer Jagd Festgenommene ist ein 36 Jahre aller De-' korateur Fritz Dietzel, der ohne Wohnung ist. Da er im Vcr- dacht steht, Einbrüche verübt zu haben, wird er bereits von mehreren Dienststellen der Kriminalpolizei gesucht. Wie sich bei den Nach- forschungen zeigte, hatte er mit dem entkommenen Helfershelfer den Versuch gemacht, in ein Konfektionsgeschäft im Hause Friedrich- straße 92 einzudringen, war aber gestört worden. Die Flucht durch den See. Eine wettere aufregende Diebesjagd spielte sich heute mittag in der Villenkolonie am Königssee im Grunewald ob. Ei" junger Mann hatte sich in das Villengrundstück Winklerstraßc 20 ein- geschlichen, wo sich der Eindringling gewaltsam in die Gärtner- wohnung Eingang verschaffte. Als der Einbrecher gerade mit dem Einpacken seiner Beute beschäftigt war, wurde er vom Gärtner überrascht. Der Bursche flüchtete und sprang, als sich ihm keine andere Fluchtmöglichkeit bot. kurj entschlossen in voller Kleidung in den.Königssee. Der, Gärtner holte sein Motorrad heraus und es gelang ihm, noch vor dem schwimmenden Flüchtling das jenseitige Ufer zu erreichen. Als der Dieb auf dem Grundstück Königsdarnm- allee 37, das dem Direktor Haller gehört, an Land kletterte, wurde er festgenommen und zn halberstarrtem Zustande der Polizei übergeben. Der Dieb ist ein 2Sjährig«r Konditor Josef K. aus Wicn. Oie blutigen Chawnpore-Kämpfe. 50 Tote, darunter S Kinder. Bombay, 26. März.(Eigenbericht.) Die Kämpfe in Ehawnpooe dauern nach beretts zwei Tagen und einer Nacht immer noch fort. Polizeiliche Verstärkungen sind aus den Nachbarstädten herbeigerufen. In erster Linie handle es sich um eine Schlacht zwischen Hindus und Moslems. Anläßlich der Hinrichtungen in Lahor« hatten die Hindus einen religiösen Trauertag einberufen, den die Mohammedaner nicht aner- kannten. Daraus kam es zu blutigen Straßenunruhen zwischen An- hängern der beiden Religionen. Im Laufe der Ausschreitungen wurden Tempel und Moscheen eingeäschert und von beiden Seiten wurden auf offener Straße Menschenjagden veranstaltet unv ge- morhet. U. a. sind neun Kinder dem Wüten zum Opfer gefallen. Die Straßen gleichen einem wüsten Chaos, und bis zur Stande ist es nicht möglich gewesen, die Ruhe wieder herzustellen. Der'größtt Teil der Geschäfte wurde geplündert. Die Zahl der Toten beträgt etwa 50. Hilfe! Hilfe! Stör die große prevßeuschlacht fehlt Munition. Die„nationale Rechte� will Preußen vom Albdruck des Marxismus befreien. Eine gute Absicht. Aber es fehlt an allen Ecken, an der notwendigen Begeisterung, an den not- wendigen Mannen und— vor allem— an Geld. Es muß doch wieder ein großes Propagandabüro aufgezogen werden, wie beim Zuchthaus-Begehren. Das aber kann feine un- sinnigen Flugblätter nicht drucken lassen ohne Geld, denn selbst die geduldigsten Druckerfirmen pumpen nicht ewig. Hugenbergs Druckereibetriebe sind zwar technisch leistungs- fähig, aber sie verdienen lieber an FUm-Propagandaschriften für den verbotenen Remarque-Film, als daß sie chr Geld in den nicht verbotenen Preußenrummel steckten. Also gehts auf Klinkenputzen. Ein Ausschuß deutschnationaler In- dustrieller. unter ihnen Namen wie Ravens und Thyssen, verschickt diesen wunderbaren Bettelbrief: Arbeitsausschuß Deulschnationaler Industrieller An Berlin NW. 7, den 2. März 1931. Dorocheenstr. 30. unsere industriellen Freunde. Die Kollektivierung. Frühjahrsaussaat gefährdet. Moskau über Kowno, 26. März. Die Blätter veröffentlichen eine amtliche Mitteilung des ßunb» wirtschastskommifsariats, wonach am 20. März im gesamten Gebiet der Sowjetunion 9,8 Millionen bäuerliche Privatwirtschaften sich zu Kollektiven zusammengeschlossen hätten. Dies bedeute eine Gesamtaussaatfläche im„vergesellschafteten Sektor' im Ausmaß von öv Millionen Hektar. Damit fei die H a u p t f o r d e r u n g des Programms für die Frühjahrsaussaat durchgeführt, nach der 9 bis 10 Millionen Bauernwirtschaften von der Kollektivierung zum Zeitpunkt der Frühjahrsaussaat ersaßt werden sollten. Die Mitteilung gesteht«in. daß der Schwung und das Tempo der Kollettivbewegung nachgelassen hätten. Die Lage der D i« h» und Weidewirtschaft laste besonders zu wünschen übrig. Aber auch die mangelnde Vorbereitung der Frühjahrs- aussaat bei den Eigenbauern schaffe eine bedrohliche Lage. 26 Proz. der Eigenbauern haben noch keine Vorbereitungen zur Aussaat getroffen. Schließlich werden Maßregeln angeordnet, um die Gefahren zu beseitigen, die der Durchführung der Aussaat hier, drohen. Heinrich Mann Dem Geistkämpser zum 60. Geburtstage Die schicksalsschwere Aufgabe dieses Jahres ist es. dem Marxismus fein« letzte starke Schlüsselstellung in Deutschland, seine Machtposition in Preußen zu ent- reißen, von der aus er, unmittelbar oder mittelbar, auch die Poluik des Reiches beherrscht. Das Gelingen dieses Schlages wird über die Möglichkeit ent- scheiden, in letzter Stunde der versinkenden deutschen Wirtschast noch Hilfe und Rettung zu bringen. Qb die Umgestallung der politischen Lage in Preußen durch das vom Stahlhelm eingeleitete Volksbogehren beschleunigt eintritt, oder ob die terminmäßigen Wahlen zum Preußischen Landtag im März rder April nächsten Jahres die Läsung etwas später bringen, spielt für Zielsetzung und Einleitung des Kampfes keine wesentliche Rolle. Auf jeden Fall bedarf es rechtzeitiger, g r ü n d- licher Lorbereitung bis in das letzte Dorf. Die Deutschnationale Volkspartei, die seit der Revolution un- beirrt ihre Stellung gegendenMarxismus gewahrt hat. die seit zwei Jahren die nationalen Kräfte gegen marxistische Mo- rhoden und Einflüsse zu neuem Angriff aufrafft, sieht endlich die Früchte ihrer Arbeit reisen. Unsere Sache steht gut. Um aber den Angriff zum vollen Erfolge zu führen, müssen wir unsere Freund« um ein neues Opfer bitten: trotz aller Rot; denn nur durch Einsatz aller Kräfte kann diese Rot gewendet und endgültig gebannt werden. Wir bitte« Sie deshalb: sttsten Sie uns einen mög- liehst hohen Beitrag für den Prenßen-Kiampffonds! Ferner wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie uns auf an- liegendem Bogen noch ein« Anzahl Firmen und Person- lichleiten nennen w ü r d en, an die wir uns mit unserer Bitte wenden könnten. Spenden bitten wir auf das Konto:„Arbeitsausschuß Deutsch- nationaler Industrieller' bei der Dresdner Bank, Deposiienkaste B, Berlin W. 10, Potsdamer Str. 20(Postscheckkonto Nr. 25 040) einzuzahlen. Mit deutschen, Gruß qtecr:«ez:\£: F. Bartels, Generaldirektor, Hettigenbeil. Vr unk,.M. h. L.. Hauptmann a. D.. Berlin-Zehlendorf. E. Böhringcr. Geheimer Landesbaurat, Dipl.-Jng., Generaldirektor, Rojenberg. Erwin D e l i u s, Fabrikbesitzer, Bielefeld. Alfred D i e t e l, Fabrik- besitze? und Handelsgerichtsrat, Reichenbach. L. Ebbinghaus, Fabritbesitzer, Hohenlimburg. Paul E g g e r s, Fabrikdirekwr. Rendsburg. E u l i n g, Dr. Ins. e. h., Generaldirektor, Mikult- fchüg/O.»©. Julius Fabian, Generaldirektor, Berlin. Fritz Giesecke, Schelter u. Giesecke, Leipzig. L. G. Gock, Direktor, Hamburg. Dr. H e i m s o e t h, Köln am Rhein. Dr. H e u b e l. Dr. Ing. e. h., Genraldirektor. Klitzsch, Generaldirektor, Berlin. Dr. L ü b b« r t. Generaldirektor d. A. G. für Verkehrswesen, Berlin. M a h l a, Fabrikbesitzer. Pforzheim. Dr. Meydenbauer, Ministerialdirektor a. D., Berlin. Möllers, Direktor. Berlin. Dr. L. Raven«, Geheimer Kommerzienrat, Berlin. M. Rock- st r o h, Generaldirektor der Rockstrohwerke A. G.. Heidenau. Schleisenbaum, Bergassestor, Siegen. Dr. Thyssen, Mül- heim an der Ruhr. Dr. Tänzler. Berbin-Licksterfelde-West. Dr. v. Waldthausen, M. d. L., Essen-Ruhr. vr. In«.«. K. Fritz Wider, M. d. Stuttgart. Winnacker. Bergassessor. Borstandsmttglied der Bereinigten Stahlwerke A. G.. Düsseldorf. Paul Woermann, Woermann, Brock u. Co., Hamburg. Dr. K. A l i n g s p o r, Dr. Ing. e. h., Offenbach am Main. Da die Herrschaften„trotz aller Not' sich selbst bereit finden zu„opfern' und das gleiche noch von anderen Klassen- genossen erhoffen, tun wir ihnen sicher einen Gefallen, wenn wir sie bei der Sammeltätigkeit unterstützen, indem wir den Bettelbrief der gesamten Oeffentlichkeit zur Kenntnis bringen. Hilfe! Hilfe! Einige notleidende Industrielle, die durch den allgemeinen Lohnabbau noch immer nicht genug saniert sind, brauchen Unterstützung, damit sie den Ordnungsstaat Preußen mit Herrn Frick aus Pirmasens beglücken können. Wer hilft? Greift in den Beutel und schickt Munition, damit die Industrie dem reinen Wollen der Stahlhelmfront etwas— vorschießen kann! Da der Stiere der beiden in der Literaturgeschichte stehenden Brüder, H«inrichMann, geboren zu Lübeck am 27. März 1871, das sechste Jahrzehnt seines Lebens vollendet, öffnet sich von selbst «in Ausblick auf die Gesamtheit seines Schaffens: unabhängig von den«mzelnen Leistungen und Fehlleistungen enthüllt sich Wert und Wesen des ganzen Werks. Etwas Sinnbildliches steckt darin, daß er an der Schwell« «ines neuen G e f ch ich ts a b s chn itt s zur Welt kam, als ge- rode die schmetternden Musikkapellen des neugegründeten bismarcki- fchen Kaiserreichs durchs Brandenburger Tor zogen usid die fünf Milliarden Kriegsentschädigung einen tollen Tanz ums golden« Kalb entfesselten, denn als den äußerlich kühlen Sproß«ines hanseattsch«n Patriziergeschlechts die Leidenschaft des Schreibens ergriff, sollt« er der unerbittliche Porträtist dieses Reiches und dieser Gesellschaft werden. Seinen ltterarischen Erstlingen allerdings ist davon wenig anzumerken: es waren Novellen, denen heute auch ein guter Stilkenner die Urheberschaft Heinrich Manns schwerlich nachzuweisen vermöchte, und die Gesinnung, die dahinter stand, war«her eine ironische, weltmännische Gleichgültigkeit als irgendeine sittliche Forderung. Aber da romanisch« Erzähler. Fran- zosen und Italiener, France und d'A n n u n z i o, auf Mann als Vorbild wirkten, mutze er mtt der Rase darauf gestoßen werden, daß in den freier entwickelten Ländern der Dichter, der sich vom Leben der Ration abschließt und gegen den Ruf der Zeit die Ohren ver- stopft, der unmündig sein will, indem er sich unpolitisch gibt, ein Unding ist. Als denn 1900 Manns„Schlaraffenland' mtt dem Untertitel„Ein Roman unter feinen Leuten' erschien, bitterböses Spiegelbild des Berliner Tiergartenviertels mit fettem Jobbertum und feiler Journaille, sah die hellsichtige Kritik über diesem Zeit- gemäld« schon etwas wie„den blutroten Feuerschein einer nahenden, kapitalistischen Götzendämmerung' zucken. Aber noch blieb der Dichter nicht bei der Stange. Der dreibändige Farbenrausch der „Romane der Herzogin von Ä s s y', obwohl auch um- wittert von der Untergangsstimmung einer versinkenden Welt, schien eine Aus« und Abschweifung von der Linie der deutschen Gesell- schaftsschilderung in südliche Gefilde, und auch später drehten sich immer wieder einzelne Schöpfungen Manns nicht um die Kämpfe und Krämpfe der Zeit, sondern um die des Menschenherzens. Doch die Entwicklung der Dinge selber bewirkt«, daß„Schlaraffenland' nur der erste einer Romanreihe wurde, über der der Titel eines Bildwerks von George G r o s z stehen könnte: Das Gesichtder herrschenden Klass«: dazu gehören„Professor Un- r a t'.„M u t t« r M a r i e',„D e r Un t e r t a n',„D i« A r m e n'. „Der K o p f': die drei letzten sind sogar zusammengefaßt unter der Bezeichnung„Das Kaiserreich. Die Romane der deutschen Gesell- schast im Zeitalter Wilhelms II.' Wie Mann trotz seiner erlesenen Sprachkunst merkwürdig zwischen den Stilen schwankt: Naturalismus, Impressionismus, Expressionismus, neue Sachlichkeit, und bald als Rea- list, bald als Romantiker, bald als Phantastiker wirkt, so war nicht jeder seiner beunruhigenden und ungemütlichen Eesellschaftsromane«in Schuß ins Schwarze:„Die Armen' mißrieten, weil ihr Verfasser die Welt des Proletariats zu wenig kannte, sogar ganz. Aber die beiden stärksten, „Professor Unrat' und„Der Untertan' sind gültige Do- kunrente lüv eine ganze Zeit, sind grausame Opervtiowsschmtte durch. die gedunsene Bauchdecke eines Geschlechts, unter der es von Fijul- nis und Eiter quillt, sind historische Romane aus der wilhelminischen Epoche, die mit genialem Scharfblick und unbarmherzigem Slift sehr oerbreitete Typen des deutschen Bürgertums vor 1914 umreißen. Wenn kommende Generationen eiitmal wissen wollen, wie die deutsche Katastrophe möglich ward, werden sie sich auch in dos Wesen des Schullyrannen Heßling vertiefen müssen. Aber der Kaste, die, ihrem Götzen Wilhelm II. Weihrauch streuend, zugleich vor drei anderen Erbärmlichkeiten, dem Geld, dem Erfolg, der Macht, auf dem Bauch lag, als deren Losung Mann einem seiner negativen„Helden' das schneidende Wort in den Mund legte:„Geschäfte kann man nur mit der bestehenden Gesellschafts- ordnung machen', wurde keine emporsteigende Schicht als Gegen- spieler gegenübergestellt, sondern ein Abstraktum: der Geist. Macht und Geist sind die Gegenpole von Manns Welt, Macht als Gewalt, im Unrecht j ehern, werl sie Gewalt ist, und Geist als„die menschliche Fähigkeit, der Wahrheit nachzugehen, ohne Rücksicht auf Nutzen oder Schaden, und Gerechtigkeit zu erstreben sogar wrder die praktische Bernunfr': die hingerissenste Kündenn dieses hellen Ethos, daß olle schuldig sind, solange e i n Unschuldiger unter der Willkür der Macht leidet, ist Madame Legros in dem gleich- benannten Dorrevoluüonsdrama Manns. Der, ohne jede Neigung zu schwachmütigen Zugeständnissen, von den aufgeputzre» Lügen des Kaiserreichs den letzten Flitter herunter- riß, nimmt auch nicht«ine beliebige kapitalistisch« Republik als Ver- wirklichung des Geistes hin. Beweis: sein jüngster Roman„Die große Sache', der, 1929 spielend, die Eespensterweltdes untergehenden Kapitalismus in der Zell des„Tempos', des„Betriebs' und der„Rationalisiel ung' mit sicherer Hand malt: m gehetzten Filmszenen ist er die blutigst« Verhöhnung einer Gesell- schoft, die sich keuch« rid um Geld, um Einfluß, um Macht, um Lächer- lichkerten also, dreht, und eines Wirtschaftssystcms, das vollkommen leerläuft und um sin bares Nichts taufend Energien vergeudet. Aber für die wahre Republik,„den Staat, der Gedanken offen ist', für die echt« Demokratie, ,di« Anerkennung, daß, wir, sozial genommen, alle für einander verantwortlich sind,', tritt der Dichter in Wort und Schrift auch außerhalb seines erzählenden Werks entschieden ein. Unter den großen Namen unserer Gegen- wartsliteratur ist es nicht der vorsichtige Gerhart Hauptmann. sondern Heinrich Mann, der, ein deutscher Zola mit mutigem: Ich klage an!, aussteht, wenn es Zeugnis abzulegen gilt gegen die Zensur, gegen die Kriegshetze, gegen die Klassenjustiz, gegen hie Meuchlung S a c c o s und B a n i z« t t i s, für die Verfassung, für den tteferen Sinn der Republik, für die deussch-französifche Ver- ständigung, für ein geistiges Locarno, für Pancuropa, mit einem Wort: gegen die Mackit, für den Geist! Mit gutem Riecher haben darum feit jeher alle, die mit dem Vorgestrigen in Staat und Gesellschaft versippt und verfilzt sinh, hinter Heinrich Mann hergezetert:„Verrat am deutschen Volk!' „Erbärmlicher Schund!'„Literarische Schändlichkeiten!' und neuer- Vings mit einem besondereii Mund voll Geifer:„Kulturbolschewist"! Wir aber lieben diese gottlob aufwiegelnd« Literatur, mag sie auch in der Verneinung stärker sein als in der Bejahung, und freuen uns um der deutschen Dichtung willen, datz seit kurzem dieser nicht sanfte Heinrich, mich als Sechziger weder des Schlafrocks noch der Schlummerrolle bedürftig, den Präsidentensessel der preußischen Dichterakademie einnimmt.�'- Hermann Wendel. Der Abschied. Wie Herzblut flammt der roten Schleifen Band Ruhlosem Kämpfer, der zur Ruhe fand. Die Kerzen flackern. Menschen kommen, gehn, Verklärtes Antlitz einmal noch zu sehn. Gewölbte Stirn— nun hat sie ausgedacht. Beredter Mund— ihn schloß die Todesnacht. Lebend'ger Kranz des Volkes zieht den Kreis Und Treueschwur steigt aus den Herzen heiß. Bruno Schöi lank. Schwank nach bewährtem Muster. Kleines Theater:„Ver stille Kompagnon'. Die Provinzbühn« aus dem Berliner Fremdenverkehrszentrum. das Kleine Theater, erheitert sein Publikum seit gestern mit einer neuen Belanglosigkeit:„Der stille Kompagnon', von Leo Lenz. dem Schriftsteller, der mit Bienenfleiß und unbekümmert um den Zug der Zeit Stücke nach altem Stil fabriziert. Seit Jahrzehnten bewährt sich folgendes Schwankrezcpt: der Bühnenzusall schafft Kombinationen, durch die die handelnden Personen in Verlegenheit geraten. Im Gegensatz zum Zuschauer haben sie von den wahren Zusammenhängen keine Ahnung und müssen daher im Augenblick oerzweifelte Ausreden ersinnen, was den Zuschtmex amüsiert und in seinem Selbstbewußtsein stärkt, da er sich viel klüger vorkommen darf als die Bühnenfiguren. Im„Stillen Kompagnon' kauft ein Lebejüngling«inen Par- sümladen nur zu dem Zweck, zu einem unauffälligen Absteige- quartier zu kommen. Seine Geliebt« ist nämlich verheiratet und hat Angst vor ihrem Mann. Der Witz des Schwanks besteht nun darin, daß dieser Mann eben den Laden der Borbesitzerin«inge- richtet hat, die wiederum seine Liebste ist. Daraus ergeben sich Situationen, oerzwickt genug,«in anspruchsloses Publikum zwei Stunden lang in heitere Laune zu versetzen. Es merkt nicht, daß der Star des Abends, Erika G l a ß n e r, falsche Tön« anschlägt und einen bocksischhasten Tausendsassa mimt, der weder zu ihrer Persönlichkeit, noch zu ihrer Roll« paßt. Sie spricht undeutlich und einen Dialekt, der bislang noch nicht in den Sprach�ehrbüchern verzeichnet ist, den Verlin-W-Dialekt, der vor- nehm-blasiert klingen soll. Darin übertrumpft sie der Hauptrollen- inhaber und Direktor des Theaters. Will Kaufmann, was sehr zur Belebung des Abends beiträgt, well die noble Sprechweise wiederum nicht zu seinem Benehmen paßt. Anerkennung verdient der frische und natüriiche Hans Z« s ch- B a l l o t, ein erfreuliches Talent._>rrbeitsminister die Die freien Gewerkschasten führen. Vergeblicher Ansturm der„Revolutionäre�. Bei den Wahlen Aum Betriebsrat der Bremer Woll- kämmerei Blumenthal erhielten die freien Gewerkschaften 6 lim Vorjahr 6) Sitze, die Christetz 2(2), die Kommunisten S(6). Trotz wüstester Hetz« der NGO. haben die Kommunisten«in Mandat eingebüßt. Bei den Arbeiterratswahlen der Bremer Straßenbahn konnten die freien Gewerkschaften einen schönen Erfolg buchen, während die Nazi-Großmäuler leer ausgingen. Die Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen betrug 1201, davon erhielten die freien Gewerkschaften SIS(10 Sitze), die Christen 110(1), die Stahlhelmselbsthllfe 102(1) und die Nationalsozialisten SS(keinen Sitz). Die Kommunisten hatten aus Angst vor einer Niederlage es nicht gewagt, eine Liste auszustellen. Auch diese Wahl zeigt, daß die nationalsozialistische.Arbeiter» parte!" unter der Arbeiterschaft keinen Anhang hat. -i- Bei den Betriebsrätewahlen im Kölner Bezirk haben die freien Gewerkschaften bis jetzt gut abgeschnitten. Die Nazis sind so gut wie ganz ausgefallen, Sie erhielten z. B. bei den IG,-Färb- werken in Wiesdorf-Leoerkujen nur 116 Stimmen und keinen Sitz. Die REO. konnte nur in der chemischen Industrie einige günstige Ergebnisse buchen, aber auch hier gelang es ihr nicht, die Mehrheit in den Betriebsräten zu erreichen. In der großen Schokoladenfabrik Gebr. S t o l l w« r ck er- hielten die freien Gewerkschaften 1062 Stimmen(im Vorjahr 096), die Nazis S6 Stimmen. Die NGO. brachte keine Liste zustande. In der T e x t i l i n d u st r i e wurde bei der Fär- berei Römer in Leichlingen die REO, aus ihrer beherrschenden Stellung verdrängt. Die freien Gewerkschaften erhielten 4, die Kommunisten 2 Sitze. Schlecht abgeschnitten hat die RGO. in der Metall- Industrie, Bei Westwaggon in Köln-Deutz erhielt sie 4 Sitze (im Vorjahre S), die List« der freien Gewerkschaften 6(6). Glänzender Wahlsteg in Bremen. llnbedeuiender Arbeiteranhong der Nazis. lieber das Ergebnis der Wahlen zur BrenrerAr heiter» k a m m e r liegen jetzt die genauen Zahlen vor. Das Wahlergebnis hat sich durch die Kachwahlen am Montag noch zugunsten der freien Gewerkschaften verschoben. Den frei'en Gewerkschaften mußte noch ein Mandat zugesprochen werden, so daß sie von den insgesamt 30 Sitzen in der Arbeiterkammer über 2 3 S i tz« verfügen, während die RGO. anstatt sieben Sitze nur sechs Sitz« erhält. Das letzte Mandat entfällt'auf den christlich-nationalen Deutschon Gewertschoftsbund. Bon den 23 020 gültigen Stimmen erhielten die freien Gewerkschaften 16 420— 68,7 Proz., die RGO. ■409S= 21,1 Proz,, die Christen 1311~ 5,6 Proz., die Stahlhelmer und Nazis zusammen 1194~ 4,6 Proz. Besonders hergehoben zu werden oerdient das Wahlergebnis aus den bremischen Landgemeinden. Dort erhielten die freien Gewerkschaften 941 Stimmen, die christlichen Gewerkschaften 71 Stimmen, die Liste des Stahlhelms 8, die Liste der KPD. SO und die Nationalsozialisten eine einzige Stimme. Hier ist die Niederlage der Nationalisten geradezu katastrophal,. Trotz der furchtbaren Wirschaft-krise, die den günstigsten Nähr- baden für die nationalistische und konnnunistlsche Propaganda bildet, haben sich d!« freien Gewerkschaften glänzend geschlagen. Das entscheidende Merkmal dieser Wahl ist: Den Nationolsozia» listen und Stahlhelmern ist es nicht gelungen, in die Kreis« der Arbeilerschaft vorzudringen. Die paar Stimmen, die sie erhaschten, sind Späne, die bei jeder Arbeit absallen. An den freien Gewerk- jchasten werden sich die Feind« einer freien Arbeiterbewegung von links und rechts die Schädel einrennen. Beiriebsstillegung. !lm de« Betriebsrat loszuwerden. Die, Telephonsabrit Dauern hei in hotte mit Genehmigung des Oberpräsidenten ihren Betrieb am 31. Dezember 1930 vorüber- g«he nd stillgelegt, weil«s ihr, wie sie angab, an Aufträgen mangelte. Bei den Stillegung svcrhandlungen mit dem Gewerberat Hot sich die Firma verpflichtet, bei Wiedereröffmmg des Betriebes keine betriebsfremden Arbeitnehmer einzustellen, bevor nicht die bisherige Velegschast wieder in Arbeit genominen fei. Ani 12. Januar 1931 nahm die Firma den Betrieb wieder auf. Die am 31. Dezember beschäftigt gewesenen Arbeiter und Ar- besterinnen wurden wieder eingestellt, nur die vier Mitglieder des Betriebsrats nicht. An ihrer Stelle wurden andere Arbeitskräfte eingestellt, die früher, aber rficht bei der Stillegung an, 31. Dezember, im Betriebe beschäftigt waren. Mit vollem Recht faßten die Bc- Iriebzratsmitfllktder ihre Nichnuiedsreinstellung als eine Maß- r eg e l u n g auf. Sie sind der Meinung, daß die Stillegung nur«in Scheinmanöver war, durch das die Firma den ihr mißliebigen Betriebsrat loswerden wollte. In dieser Auffassung wurden die Gemaßregelten bestärkt durch eine ihnen bekannt ge- wordene Acnßerung des Herrn Dauernheimc„Zch werde ein. mal meinen Betrieb ein Vierteljahr stillegen, dann bin Ich die un- bcgz-men Elemente los!"> Die genwßregeiten Bemebsratsinitglieder klagten beim Arbeitsgericht. Sie beriefen sich auf die Vereinbarung, wonach Betriebs- fremde nicht vor der bisherigen Belegschaft eingestellt werden sollten. hat das Wort im �eichsbahnkonfliki Verbindlichkeit nicht ausspricht, da dadurch das gesamte Schlicht ings- mesen bei den Ersenbohnern einen horte» Stoß erhält. Für den Fall, daß der Reichsarbeitsminister sich trotzdem zur Verbindlichkcits- erklärung entschließt, treten an dem Schiedsspruch einige A ende- rungen ein, die bei den gestrigen Nachverhandlungen festgelegt wurden: Der vorgesehene Lohnabbau ermäßigt sich in allen Orts- klassen und Lohngruppen des Wirtschaftsgebiets 1 um einen Pfennig. Andererseits ermäßigen sich der Schichtlohnzuschlag bei Slstündiger Wochenarbeitszeit um 4 Pfennig und bei 54 Stunden Wochenarbeitszeit um 3 Pfennig pro Tag. Diese Regelling stellt eine soziale Verbesserung des Völckersschen Schiedsspruches dar. ist aber nicht geeignet, den Schiedsspruch als Ganzes erträglich zu machen. Frick wackelt Verdammtes Stuhlbein! — Die Erörterungen vor Gericht drehten sich im wesentlichen darum, was unter„betriebsfremd" zu verstehen ist. Die Firma möchte als„betriebsfremd" nur solche Arbeitnehmer gelten lasten, die noch ni« bei chr beschäftigt waren. Die Kläger sind dagegen der Meinung, daß der Sinn der Vereinbarung der sei, die bei' der Stillegung Entlassenen sollten zuerst ein- gestellt w« rd en. Dos Gericht gab dem Beirrst„betriebsfremd" ein« weitere Ausdehnung wie die Kläger. Es hielt diejenigen, die schon einige Wochen vor der hier in Rede stehenden©iillegung entlasten wur- den, nicht für„betriebsfremd". Deshalb wurden die Klägerinnen, an deren Stell« solche„nicht betriebsfremd«" Arbeiterinnen einge- stellt sind, abgewiesen. Verurteilt wurde die Firma, die Forderung eines Klägers, eines Mechanikers zu zahlen, an desien Stelle ein schon vor längerer Zeit entlassener Arbeiter, den das Gericht als einen Betriebs- fremden betrachtet, getreten ist. So ist also die Firma die„unbequemen Eleinente" tatsächlich losgeworden und-«s kann gar nicht bezweiselt werden, dag die Stillegung während neun Arbeitstagen zur Maßregelung des Bc- triebsrats beabsichtigt war. Der Mißbrauch der Betriebs st ilOegungsbe- stimmungsn, der den Unternehmern ziemlich leicht gemacht wird, zeigt sich an diesem Beispisl besonders deutlich. �Zortschriite" der Aormung. 6 Prozent Abbau im Aachener Kohlengebiet. Köln, 26. März. Nach langen schwierigen Verhandlungen fällte am Mittwoch die Schlichierkammer unter dem Vorsitz des Schlichters für das Rhein- loni im Lohntarifstreit der Aachener Steinkohlenindustrie einen Schiedsspruch Hiernach bleibt der zur Zeit gellende Lohntarif über den 31. Mär; hinaus in Kraft, jedoch mit der Maßnahme, daß sich die tariflichen Schichtlöhne um 6 Proz. ermäßigen. Diese Regelung kann erstmalig am 1. Juni 1931 zum 30. Juni 1931 gekündigt werden. Die Erklärungsfrist über Annahme oder M- lchnung des Schiedsspruches läuft bis zum 27. März. Der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter in Aachen hat be. schlössen, den Schiedsspruch abzulehnen. Oer Kurfürstendamm ohne Bäume. Nur die mittleren Reihen fallen. Der M o g i st r a t Hot sich in seiner letzten Sitzung erneut mit der Frage der Umgestaltung des K u r f ü r st e n d a m m s beschäftigt. Aus technischen Gründe» ist es nötig, die Straßenbahn- gleise auf dem Kurfürstendamm zu erneuern und einheitlich, wie dies bereits bei einem Toll des Kurfürstendamms geschehen ist, in die Mitte der Straß« zu verlegen. Bei dieser Gelegenheit müsten die beiden mittleren Baum/eihen der Straße fallen. Es erscheint auch zweckmäßig, die Bäum« dann einheitlich zu beseitigen und nicht etwa einzelne Baumstümpfe stehen zu lasten. Erhallen bleiben selbstverständlich die beiden seitlichen Baumreihen der Straße. «° Di« Stadtverordnetenversammlung Halle in chrer letzten Sitzung zur Beratung der Dringlichkellsvorlage über den Ankauf eines Geländes von 4L 113 Quadratmeter am Siemensdamni— Nonnendamm in Eharlotlenburg einen Sonderausschuß eingesetzt. Der An- kauf wird vorgenommen, um den S t i ch ka n o l Siemens- st odt—-West Hafen bauen zu können. Der Au-schuß hat nun nach eingehender Beratung mit überwiegender Mehrheit deschlossen, der Stadtverordnetenversammlung Zustimmung zu dieser Vor- läge zu empfehlen. Kunst in der Volksschule. Aufvauarbeit im Bezirk Frievrichshain. Di« Klagen über den schlechten Zustand der S ch a l e n im Bezirk Friedrichshaia werden wohl so lange nicht verstummen, als Baumnot und Flächenmangel im Bezirk jede großzügige BaumZz- lichkeik unterbinden. Durch die Initiative des unter s o z i a l d e m o- k r a t i s ch e r Leitung flehenden Bezirksamts sind zwar bereits eine Anzahl Schulen modernisiert worden, und man sieht mit Freude, ivas mit verhältnismäßig geringen Mitteln noch aus de» vollständig veralteten und verbauten Schulgrundstücken geschaffen werden kann. Die M e h r z a h l der Schulen bedarf aber noch immer einer gründlichen lleberholuug und ausgedehnter Neuanlagen. In solchen Schulen zu arbeiten mag für Lehrer und Kinder keine ungetrübte Freude sein. Um so mehr ist aber airzucrieimcn, daß die Lehrerschaft des Bezirks Friedrichshain bestrebt ist, durch eine lebendig« Gestaltung des Unterrichts den Kindern und Evern die vorhandenen technischen und' hygienischen Mängel er< tragen zu losten. Die in der Nähe des Zentraloiehhofss gelegen« 3. Volksschule, die uirler Leitung des rührigen fozialdemokra- tischen Rektors G e n s ch steht, hatte kürzlich einen engen Kreis interessierter Pädagogen, Vezirksamtsmitglieder und Bezirks- verordnete zur Eröffnung eines ständigen Kunstraumes ein- geladen. Bürgermeister Mielitz begrüßt« den für den proleta- rischen Bezirk Friedrichshain so wichtigen Gedanken, gerade der Arbeiterjugend durch Darbietung guter Kunst zu starkem Erleben zu führen. Von 100 Schülern des Bezirks besuchen 92 die B ol ks- schule. Dieser Jugend, die nur eine an Entbehrungen reiche Kindhell kennenlernt, soll ein Höchstmaß an Wissen, an gefftiger und seelischer Stärkung und an Lebensfreude für den immer schwerer werdenden Daseinskampf vermittelt werden. Das Bezirksamt wird. getreu seiner zehnjährigen Aufbauarbeit, die Bestrebungen der Lehrerschaft, die Kunst im Leben des Kindes zu fördern, nach Kräften unterstützen. Genosse Gensch sprach dann vom Staichpunkt des Lehrers über den Wert solcher ständigen Aus- stellungen. Ilmrahmt wurde die schlichte Feier durch Musikdar- bietungen von Schülern der 264. Volksschule unter Leitung des Lehrers Felix Reben tisch Obdach ohne Obdachlose. Warum das Obdachlosenheim in Neukölln unbesetzt ist. Die Stadt Berlin baute von 1928 bis 1930 in Neukölln in der Teupitzer Straße in her Nähe des Weigandufers ein Obdach- l o s e n h e i m für 4Z0 Personen, das etwa 1,4 Millionen Mark kostete (nicht wie ein Blatt kürzlich schrieb 13,4 Millionen). Die Stadt Berlin hat sich, auf starkes Betreiben des Bürgermeisters S ch o l tz. im Jahre 1928 zu diesem Bau enffchlossen, weil sie befürchtete, daß in den kommenden Jahren die Obdachlosenheime mehr als in der Zeit vorher infolge der steigenden Not in Anspruch genommen werden würden. Nun hat sich ober herausgestellt, daß dl« starke A b- schreckungspropaganda vor dem Zuzug Erwerbsloser nach Berlin aus dem flachen Land mit der Zell nicht unerheblich« Erfolge gezelligt hat. Außerdem wurde festgestellt, daß seit 1930 in allen Großstädten Deutschlands ein starker Rückgang der Obdachlosen eingetreten sei und zum Dritten ist die Obdachlosigkell durch die überaus gute Tätigkeit der Wohlfahrtsämter in dieser Be- ziehung herabgedrückt worden. Augenblicklich wird die Küche des Obdachlosenheims in Neu- tölln, die als die größte und modernste Küche von ganz Berlin anzusehen ist. dazu benutzt, um etwa 7000 Essenportionen täglich für die unterstützungsbedürftige Berliner Bevölkerung herzustellen. Der Magistrat und die Stadt Berlin werden in Kürze über die Ler- wendung der anderen Räum« endgültig verfügen. * Der Magistrat hat beschlossen, den Vertrag mll dem Berliner Asyloerem für Obdachlose wegen der Benutzung des Obdachs in der Wiesen st raße infolge der geringen Belegung der vor- handenen städtischen Obdacheinrichtungen zum 30. September 1931 zu kündigen. Gleichzellig hat. er den Beschluß gefaßt, die Ab- tcilung der Jugendlichen von dem städtffchen Obdach in der Fröbel- stratz« nach dem Obdach in Eharlottenburg, Sophie-Charlotte-Straße. zu verlegen._ Ordner der Prolekarischea Feierstunden. Sonntag, den 29. Mär.z, früh 8 Uhr. Ordnerdienst im Thealer am Bülowplatz bei den Jugendweihen. Erscheinen aller dringend notwendig. üirchenauetrilt. Am Freitag, 27. März, von 18 bis 20 Uhr, kann in der Freireligiösen Gemeinde, Poppel-Allee IS, Hof pt., der Kirchenaustritt vollzogen werden. Legitimation ist vor- zulegen. Gebühr 2 W. Wer bis Ende März seinen Kirchenaustrllt vollzieht, hat nur noch ein Vierteljahr Kirchensteuer zu zahlen. M ekler für Berlin: Bewölkungszunahme bei wenig veränderten Temperaturen. Mäßige Winde aus westlicher Richtung.— Für Deuifchland: In Süddcutschland wellerhin beständiges und helleres Wetter, im übrigen Reichs wieder wolkiger, in Ostpreußen etwas Milderung und vereinzelt Niederschläge. Donnerstag, 2b. B» r 1 1 l>. I6.0S Dr. Leo Matthias: Weisheit des Orients. 16.30 Moderne Klaviermusik. Vera Winozradovn.(Die Kompooistin, I. Vier Episoden über cht Thema. 2, Tempo mirciale. 3. Zwei Tinae. 16.45 Lettische Musik. Dir.: Prof. Janls Medlns. I. Withols: Dramatische Ouv. 2. Ahbela: Einsamkeit, sinfonische Meditation, Z. Kalnlns; Ballade. 4. Modins: Der Maue Ben;, sinfonische Dichtung.(Berliner Funkorch.) 17,50 Bücher für die Jusend.(Dr. lise Masbacb.) 17.50 Chorgesiinse, 18.10 Dr. Arthur Eloesser: Das Ifltsel der Schauspielkunst. 18.35 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 18.40 Linterhaitunesmusik. 20.50„Der letzte Akt." II. Teil;..Ankommt eine Depesche". Hörspfeldichtung von Hans Kyser. Kegle: Haus Kyser. 22.15 Melier-, Tages- und Sportnachticbten. Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. Königswusterhausen. 10.00 Stud.-Rat ITlimann: Scbulmusfk und Hausmusik. 17.3- 1 Mersmann: Hausmusik. 18.00 Reg.-Präsident Dr. Otto Junghaun; Europas Interesse am Minderheiten- Problem. 18.30 Prof. Dr. Edgar Atzler: Arbeltsphysiologie and Lebenseriol*. 19.00 Englisch für FeitgeschriUene. 19.30 Scbiange-Schöningeo. M. d. R-: Wie stellt der Landwirt seine Wirtschaft auf die heutigen AbsalzmöglichkeUen ein? 20.00 Ofccring. Otto Maitz: GroOsenderproIekt der Reichspost und Rundfunk- cmplang. ScTcntmorti. filz bie lRebat'inn: Satfcctt 8cpM», 95:ilin:•Sitgciaeu: Th. Siecke. Jistlitt. Sletiefl: Cocmörts Setia«®. m. b. S. Berlin. Druck: Vnrmdrls Buch» druckezei imb Striae sonftaU Dnnl Sinncr&(To.. Strlm 639 tS. fitabenfttafte S, CteriB i Bctlae«. BrrAtaft Si&laul&i/ü ds* ff Msm Vater läßt Zha'a farn. Der Kampf am Sie Laaöjugeaö/ Do«€mm Mmv U * ch Daß das Berufsschulwesen am dem Lande entschieden auf- und ausbaubedürftlg ist, gilt als eine über alle Fachkreise hinaus längst bekannte und von keiner Seite bestrittene Tatsache. Ihr trägt der im „Abend" mehrfach vertretene, auf sofortig« Abhilfe gerichtete Vorschlag, den Volksschullehrer durch Befreiung von dem Berufs- (Fortbildungs-) Schulncbenamt zu entlasten und an seiner Stelle vollamtlich tätige Berussschullehrer zu verozenden, Rechnung. Osfenstchtlich ist von der Erfüllung dieser Grund- bedingung der Erfolg der Förderungsarbeit, die nun einmal der wichtigsten öffentlichen Bildungs- und Erziehungseinrichtung für die schulentlassene Jugend auf dem Lande zuteil werden muß, abhängig. Die erforderlichen Lehrkräfte sind zudem da. Unter den Tausenden von stellenlosen Lehramtsbewerbern brauchen nur die geeignetsten ausgewählt zu werden. Auf Grund der besonderen Land- und jetzigen Zeitverhältnisse sollte hierbei jedoch die angeregte Ein- gliederung dieser Lehrer indiegesamteössentlicheJugend- pflegearbeit entschiedene Berücksichtigung erfahren. Neben den uuterrichtlicheu, schulorganisatorischen wirtschaftlichen und sonstigen Gründen gebieten gerade gegenwärtig die staatspolitischen Interessen und Ziele eine beschleunigte Inangriffnahme dieser Ausgabe. Leider lassen Raschheit und Intensität viel zu wünschen übrig. Auch wird schauderhast lange gezögert, unnütze Hemmungen endlich abzustreifen und üble Berechtigungsmaßstäbe in Rücksicht auf die Erfordernisse einer aufgereizten Wirklichkeit bedenkenlos zu zerbrechen. Wie fieht's auf öem Laude aus? Die Beunruhigung der Landjugend durch parteipolitische Geschäftemacher nimmt nachgerade einen Umfang an, der keine Langmut mehr duldet. In der Oeffcntlichteit mehren sich die Klagen über die politische Verhetzung selbst der Schulkinder. Mit den landes- üblichen Erziehungsgrundsätzen ist dagegen allein nicht anzukommen. Zwei Beispiele: Ein zwölfjähriger Junge, mit dem sich der Lehrer wegen wiederholten gemeinschaftstörenden Verhaltens in der schul- freien Zeit aussprechen wollte, hat dieser Ausforderung nicht Folge geleistet und anderen Tags erklärt:„Mein Vater läßtJhn'n sarn, det Jhn'n meine freie Zeit jar nischt an- jeht, un Se möcht'n heite Ahmt in de Ver» sammlung von de NSDAP, komm'n, da wirde vor nc Abreibung jesorcht.' In einem anderen Fall bildet«in in unmittelbarer Nähe der Schule unterhaltener Bücher-, Zeitschriften, und Bilderladen der Nationalsozialisten einen begreiflichen Anziehungspunkt für die Schulkinder. Die Uniform des hinter dem Ladenlisch stehenden jungen Mannes wirkt neben den ausgelegten Bildern und Broschüren imponierend. Und da der uniformierte Mann dafür sorgt, daß«in anderer„Jungmann* sich der Schulkinder in ihrer freien Zeit annimmt, mit ihnen im Schützenhaus exerziert. sie im Hitler-. Gruß übt und blutrünstige Lieder singen lehrt, sind diese Kind«? willig genug, nationaliozialistische Zeitungen von Haus zu Haus gehend zu verkaufen. Ohne Zweifel wird auf diese Weis« da und dort in die Schul« ein ihre Bildungs- und Erziehungsobsichten ungemein erschwerendes politisches Moment hineingetragen. Die hierdurch gefährdete„Schul- zucht" du.rch Verbote und st r e n g st e Bestrafung der Schüler aufrechterhalten zu wollen, sollte bei der diesen Maßnahmen meist innewohnenden gegenteiligen Wirkung unterlassen werden. Auch die etwaige Drohung mit Fürsorgeerziehung, von der die Landlehrer mitunter gar zu gerne Gebrauch machen, ist hierbei völlig abwegig. Gn Kind für etwas verantwortlich machen oder gar bestrafen wollen, für das ihm die notwendige Einsicht fehlt, widerspricht allen geltenden pädagogischen Grundsätzen. Die ange- führten Beispiele dürften übrigens hinreichend erkennen lassen, daß es einmal auf das Elternhaus und' zum anderen auf die Ver- Wendung der schulfreien Zeit bei den zu betreuenden Schulkindern ausschlaggebend ankommt. Worauf es ankommt Daß dem Geist des Elternhauses mit keiner Gewalt beizukommon ist, hat bestimmt seine Richtigkeit. Eben deshalb gilt es, sich darauf zu besinnen, daß ein etwaiger abträglicher Geist der Eltern am ehesten durch den entgegengerichtetcn des eigenen Kindes beeinflußt werden kann. Die Einflußgewinnung der Kinder auf die Eltern, die in hygienischer Beziehung— es sei nur an die tatsächlich häufig erfolgte Einführung der„Zahnbürste" durch das Kind im Elternhaus erinnert— möglich ist, kann auch in geistigen, in gesellschastlichen Dingen nicht ausgeschlossen sein. Dieser Wirkungs- Möglichkeiten sollte man sich jedenfalls bei allen pädagogischen Aktionen bewußt fein. Die praktische Durchführung dieses Gedanken.» setzt allerdings eine planmäßige Erfassung der Kinder auch außerhalb der Schule und eine sinnvolle Anleitung zur Betätigung in ihrer schulfreien Zeit voraus. Damit der Volks- schullohrer dieser Ausgabe in Verbindung mit. dem zu berufenden, als Jugendführer nnrkenden Berufsschullehrer voll gerecht werden kann, ist er von ollem ihn behindernden nebenamtlichen Ballast zu befreien. Die Erziehung der Schulkinder zu künftigen Staatsbürgern er- fordert selbfwerständlich Lehrer, die chrerseüs den heutigen Staat freudig bejahen und aus innerer tleberzeugung zu seiner Verfassung stehen. In der kaiserlich-königlichen Zeit konnte ei» Sozialdemokrat nicht Mitglied des Schulvorstandes sein, well die Zugehörigkeit zur Sozialdemokratischen Partei mit der Ausübung der Pflichten eines Schuloorstandsmitgliedes für unvereinbar erklärt wurde. Damals gehörte nach einer Entscheidung des Oberver» waltungsgerichtes zu den gesetzlich der Volksschule zufallenden Aus- gaben die Erziehung der Schüler zu gottessürchtigen, dem König ge- horsamen und treuen Staatsbürgern. Gewiß, stets wird ein Staat, der sich nicht selbst aufgeben will, die Erziehuiigsmoximen. die seiner Erhaltung am förderlichsten sind, bestimmen müssen. Und wenn heute in der Schule republikanische Gesinnung, demokratischer uni» völkerversöhnender Geist zu pflegen sind, so können Lehrkräfte, die mit den Bestrebungen republikfeindlicher und kriegst lüsterner Parteien offen oder versteckt sympathisiere». nicht geduldet werden. Wo Hosenmätze in der Schule zu hören bekommen, daß dos Hakenkreuz in einem Meteorstein vom Himmel gefallen sei, muß mit dem Lehrer-etwas nicht in Ordnung sein. Die spätestens beim Schulkind einzusetzende zielklare Erziehung zum staats- und gesellschaftsbewußten Menschen, hat besonders heut» bei der schulentlassenen Jugend, die vielfach im Brenn- puntt heftiger parteipolitischer Auseinandersetzungen steht, eine intensive Fortsetzung zu ersahren. Dieser Aufgabe hat auf dem Lande die Berufs-(Fortbildungs-) Schule in erster Linie zu dienen. Wie ihr durch die Einstellung berufener Lehrkräfte die im Interesse der Jugend notwendige Förderung und Auflockerung zuteil werden sollte, ist im„Abend" in den Aufsätzen„Junglehrer aufs Land" vom 17. April 1930,„Berufsschule, Disziplin, Junglehrer" vom 31. Juli 1930,. die unerfreuliche Berufsschularbeit" vom 15. Dezember 1930 und.„heran an die Landjugend" vom 29. Januar 1931. Änk vsrlocevem poste«? Daß es sich bei alledem nicht um theoretische Maßnahmen. sondern um sinnfällige Hilfe durch den Staat handeln muh, braucht bei der Zerrissenheit des Zeitgefühls und den brüchig gewordenen Existenzbedingungen kaum betont zu werden. Eine durch die aufgewühlte Zeit beunruhigte, erschütterte, bestürmte Jugend wird nur dann in eine lebensvolle Beziehung zum Staat gebracht werden können, wenn sie der Staat aus der Not der Erwerbslosigkeit oder der Bitternis gesellschaftlicher Minderwertigkeit durch seine ihm dienenden Organe unter Hinführung zu posttioem Schassen reißt. Sind der Kräfte zu wenig, die der Jugend beratend. aufklärend und führend zur Seite gestellt werden, dann wird st«. deren Sinne für das Erkennen wirtschafllichen Geschehens und ge- schichllichen Werdens erst noch zu schärfen sind, schwerlich den Ver- heißungen routinierter PseudoPolitiker widerstehen können. Ein allein auf sich angewiesener Jugendpfleger in einem größeren agrarischen Landkreis befindet sich auf verlorenem Posten, wenn die Iungmannen von Stahlhelm und Hakenkreuz im Verein mit Königin-Lulse-Lund, Kyfshüuserjugend, Artamaneu-Spielschar, Junglaudbund usw mit deutschen Volkskunstabenden unter Schalmeien- und Schwerterklang die Dörfer in Bewegung bringen. Und weil das Land heutzutage Aufmarsch- und Uebungsgebict für alle Handgranatcnfreunde ist, droht der Landjugend besondere Gefahr. Diese Erscheinungen dürften die Forderung, jugendnahe, schoffensfreudige und staatsbejahende Lehr- k r ö f t e als Berufsschullehrcr auf dem Lande«inzusetzen, zuv Genüge begründen. Gerade die Landjugend muß in die Welt staats- politischer und gesellschaftlicher Ausgaben und Interessen eingeführt, mit den Wandlungen jüngster Vergangenheit und den jetzigen inneren und äußeren Schwierigkeiten, die Staat und Wirtschaft zu überwinden haben, vertraut'gemocht werden. Die Jugend muß gegen stahlhclmimsche und nationalsozialistische niedcrzerrende Einflüsse ge- wappnet werden. Dann wird allen Widerständen zum Trotz gerade die Jugend der menschlichen Ventunst zum Siege verhelfen können. Vellage Donnerstag, 26. Marz 1931 fole tSärtfateger; 4-Vich«my|nt Musik Die Nachkriegszeit ist auf Rekordleistung und maschinelle Der- oolllommnung eingestellt. Man hat das Wort von der Ertüchtigung des Körpers geprfest, man hofft in irgendeiner unklaren Art auf die Erlösung aus Jtot und Zwang durch die überlegene Körperlichkeit. Alles Kulturelle, olljes, was sich nicht ohne weiteres den mechanischen Zielen einer einseitig eingestellten Bestrebung fügt, wird zerstört oder als überflüssig verachtet. Und doch ist zu.eilen Zeiten die Erlösung vom Geist« gekommen. Die Entgesstigung der Musik durch die Mechanik zeigt es deutlich. Es ist beqpem. Musik indirekt zu empfangen, sich Radio, Platten, Tonfilm vorspielen zu lassen, halb zu hören und ganz zu vergessen. Ein gewisses Gefühl der Leere, des Mangels, der Un- Vollkommenheit ist aber bei alle? Präzision der Wiedergabe nicht loszuwerden. Es bleibt ein schaler Rest, der auf diese Weise nicht aufzulösen ist. Das Befreiende, i leb erzeugende und Eindringlich« liegt immer nur w der durch ecne Perfönlichkeit in direktem Kontakt mit der Umwelt ausgeübten Musik. Erfüllen will sich die Sehnsucht noch eigener Betätigung, das:„ich will selbst" der Kinder wie der Erwachsenen, dar Wunsch sich mitzuteilen, eigenes Erleben und eigenen Geist reproduktiv zu produzieren. Begeistertes Hören ist nicht gleichbedeutend mit begeistertem Ausüben und deshalb bleibt die Erziehung zumufikalifcher Disziplin und Ausübung wichtig. Leider lag in einer Hin- stcht schon vieles im argen, bevor die geistige Umstellung nach dem Kriege die Quellen einer vertieften Kultur zuschüttete. Reben der Gymnastik war die Musikpflege das Stiefkind in den Schulen. Und heut« ist es— von den wenigen Anstalten abgesehen, die auch in anderer Hinsicht den ernsten Willen zur Lebens- und Menschen- näh« haben—, zumindest nicht besser geworden. Der Hauptfehler liegt darin, daß man Musik und Gesang gleichsetzt und innerhalb seiner musikalischen Gemeinde zwischen den verschiedenen Wesens- arten der musikalischsn Veranlagung nicht unterscheidet. Selbstverständlich ist es, daß der Pädagoge mit einem Kollektiv zu rechnen hat, mit einer Masse, die zusammenzuhalten und zu „beschäftigen" an sich eine Leistung ist. Selbstverständlich aber auch. daß die alte Mcchode den heutigen Erkenntnissen nicht mehr genügt. Wie man in den übrigen Unterrichtsfächern dazu übergegangen ist, an die Stelle des Drills die lebendige Zlrbeit des einzelnen zu setzen, wie man Arbeitsgruppen getrennt nach Sonder- begobungen und Interessen schasft, so sollte auch der Musikunterricht von dem starren System korporatioen Gesanges zu dem eiucr Musik- pflege im zugleich allgemeineren und tieferen Sinne übergehen. Geschaffen werden die Voraussetzungen für ein oerständnisoolles Erfassen erst durch den mehr oder weniger bewußten Einblick in die Gesetzmäßigkeit der musikalischen Materie. Es ist ein Irrtum, daß unmusikalische oder für musikalisch« Erkenntnisse unzugängliche Menschen existieren. Es gibt so viele Arten von Musikalität, wie es verschiedene Individualitäten gibt. Der eine hat Talent für Klang- iarben, der andere besonders ausgeprägtes Gefühl für Rhythmus, der dritte, besitzt vorwiegend technische Begabung. Häufig ist auch die neroenmäßlge Erfassungsmöglichkeit des Stimmungsgehaltes der Mitsil Die Aufgabe des über feiner Sache stehenden Pädagogen ist os, die Spezialbegabung des Lernenden herauszrnmden und auf ihr mühelos aufzubauen, während anders rein schematische Wege mühevoll sind und nicht zum Ziele führen. Keine Ungeduld, keine Besser- wisscrei, keine U eberheb lichk-vt, sondern nur Liebe zur Sache und zum Menschen und verständnisvolles Eindringen in feine Eigenart taugen etwas. Das andere war ebenso üblich wie schädlich und hat viele Keime-zerstört. Es ist nicht gut, die abgeschlossene Kaste der absoluten Musiker allzu stürmisch zu lieben.' Das absolute Tonbewußtsein wird in iünem Werte als Beweis für musikalische Begabung sehr überschätzt. Die innere Kultur ist viel wichtiger. Das absolute Gehör Hot oft als unangenehme Begleiterscheiimng eine Art von Snobismus im Gefolge, der Besttzerstolz auf mühelos übernommene Wert« hemmt die ieinere Nerven- und Geschniacksentwicklung. Das absolute Gehör veriührt oft zu dilettantischer Halbheit. Nur das Erarbeitete bleibt haften und behält Wert. Die Unmöglichkeit, bestimmte Toik, mit der Stimme rein zu treffen, ist oft«ine organische Ungdschultfyeit, die leicht beseitigt werden kann. Niemals wird der Mangel an Musikalität so weit gehen, daß nicht-bei entsprechender Unterstützung Melodien erkannt und übertragen werden können. Im Vordergrund der Pädagogik muß also eine praktische Ein- sühnmg in dos Wesen der Musik und in die Erlösungsmöglichkeiten lurch die Musik stehen. Die musikalische Betätigung wird nur zur Landplage, durch ein« in gedankenlosem Drill erworbene .Kunstfertigkeit. Technische Mühelosigkeit wird ohnehin von selbst zur Entfaltung drängen. Es gibt aber- einen einfachen und klaren Weg zur musikalischen Erkenntnis, der den artistischen Ehrgeiz möglichst schnell, mög- lichst viel Material der unendlich reichen Literatur zu bewältigen, im Hintergründe läßt. Dann erst ist«in Ausgleich vorhanden für den Ausfall an sportlicher Energie zugunsten einer vertieften und persön-- lichen Mustkpfleg«. Das Klavier hat den Vorzug, daß die Töne nicht erst müh- fem gebildet werden müssen, es hat gleichzeitig als Einzelinstrument die reichsten HarmonisterungsmöglichkeUen. Deshalb ist es dazu prädestiniert, schon in der frühesten Jugend zur Einführung in die Grundlagen der imistkalischen Materie zu dienen. Kinderhände müssen im Spiel und ohne gymnastischen Zwang die Akkordlehre praktisch am Instrument erfassen, Kinder müssen langsam in die Theorie hineinwachsen, wobei vorsichtig dosiert Literatur als Lehrmittel hinzukommt. Nicht durch Zwang, sondern nur durch Liebe wächst die Kunst und die Erkenntnis. Die Möglichkeit der I m p r o v i s a t i o n ist im Laufe der Zeit iast völlig verloren gegangen, weil man zur Erreichung allzu hoch gesteckter Ziele die Ausbildung der individuellen Veranlagung ver- nachlässigt hat. Im Rahmen dieses kleinen Aufsatzes ließen sich die Möglichkeiten nur andeuten, wie dos Musikleben in der breiteren Masse wieder zur Gefundung gebracht iverden könnt«. Der Weg führt über die ein- wachsten am Instrument gebildeten Akkordfolgen, über Kadenzen und über bescheidene Melodien zu eigener Aeußerung, zu allmählichem Hineinwachsen in technisch« und musikalische Probleme. Dann ist es wieder eine Kunst, weim man etwas kann und kein Problem, wenn es gelöst tst. Der Geist braucht die oerständnisoolle Anleitung zu Willen und Weg und wird letzten End« den Sieg über die Mechanisierung daooutrageu. Lwömtifche Völksebttttösarbeit Vom 19. bis LI. März tagte in der flowaftschen Hauptstadt Bratislava(Preßburg)«ine Konferenz studentischer Organi- iotionen. Aus 15 Staaten Mittel- und Südosteuropas hatten die „Univerfitätsgruppeu für studentische Völker- bundsarbeit"(F. U. I.) zu dieser Konferenz, die von der ilchechifchen und deutschen Zentralstelle der F. U. I. vorbereitet war, m-gesantt 110 Delegierte entsandt. Insbesondere waren beteiligt Deutschland, Oesterreich, die Tschechoslowakei, Polen, Ilrigarn, Ru- mänien, Jugoslawien, Bulgarien. Aber auch Frankreich, die bal- tischen Randstaoten und selbst Norwegen waren vertreten, ein Be- weis, welch großes Interesse eine überstaatliche Verständigung als erster Schritt zu Paneuropa allseilig erweckt. Dieses Interesse be- herrscht die akademische Jugend der verschiedensten politischen Stich- tunzen. So bestand z. B. die reich sdeutsche Delegation aus Angehörigen der Sozialistischen Studentenschaft, der Studenten- gruppen der Demokraten, der Staats Partei, des Zentrums, der Volkspartei und der Deutschnationalen. Eingehend« Referate, von Kennern der mitteleuropäischen Wirtschafttfrageu gehalten— unter, anderem sprach der ehemalig« tschechische Wirtschaftsminister Dr. Schuster- Prag—, standen im Mittelpunkt der Tagung. Im Anschluß an diese Referate wurden m zwei Arbeit og nippen die Diskus sümen geführt, in der ersten über die volkswirtschastlichen, m der zweiten über die wissenschaftlichen und literarischen Beziehungen in Zentraleuropa Die reg« Aussprache zeigte, daß man einen Abb«« der Zoll» schranken und«ine Vereinigung der aufeinander angewiesenen Staaten allgemein für notwendig hält. Es bestand kein Zweifel darüber, daß die Wirtschaftskrise oller Länder weitgehend auf der Desarganisotion des heutigen privatwirtschaftlichen und national- staatlichen Wirtschaftssystems beruht. Es ist daher im Interesse� der Selbsterhaltung Europas notwendig, an Stell« meser Desorganisation eine Planwirtschast zu setzen, in der die In- dustriegebiete des westlichen Mitteleuropas und die Agrargebiete des östlichen und südöstlichen Mitteleuropas sich in ihrem jeweiligen Ueberschuß und Bedarf ergänzen. Es muß Ziel dieser Wirtschaft- lichen Neuordnung sein, den landwirtschaftlichen Ueberschuß an Ge- tretde und Vieh mis Rumänien, Ungarn und Jugoslawien in die dichtbevölkerten Industriegebiete Westdeutschlands und Belgiens ohne Zoll und andere Belastungen zu überführen und. gleichzeitig diesen Industriegebieten den Markt der erwähnten industriewsen Agrarländer zu erschließen. Als ziemlich am Schluß diese: Aussprachen die Mitteilung von dem Regionaloertrag zwischen Deutschland und Oesterreich gemacht wurbe. herrschte allgemeiner Bestall für diesen Erfolg und für diesen ersten Schritt zu einem einheitlichen Europa. Es liegt in der Natur dieser studentischen Tagung, daß sich ein praktisches politisches Ergebnis nicht erzielen ließ Zwar wurde zum Schluß ein gemeinsamer Bericht abgefaßt, wonach eine ständige Kommission«ingesetzt werden soll, die wirtschaitüche und kulturell« Problem« für eine mitteleuropäische Verständigung in studentischen Kreisen dauernd zu diskutieren, zu propagieren und soweit möglich durch praktisch« Cinzelarbeii vorzubereiten hat. W. Tietseiu. Die Auslese für Wien Leiditathlelisdie Ausscheidungskämpfe für das Olympia Di« L'e i ch t a t h l e t i k wird bei der 2. Arbeiter- Olympiade in Wien einen breiten Raum einnehmen und span- nende Kämpfe bietei» Die Abwicklung der leickitathletischen Weit- bewerbe geschieht in der 5>auptkampfbahn des neuerbauten Wiener Stadions, das.. umgeben mit 60 000 traversenartig angebrachten Au- schauerplätzen, einen großartigen Rahinen bietet. Die leichtathletischen Vorproben im vergangenen Jahre haben gezeigt, daß nicht nur Finnland und Deutschland über gute Kräfte verfügen, sondern daß auch Lettland, Oesterreich. Ungarn und die Tschechoslowakei ebenfalls große Fortschritte in den Leistungen zu verzeichnen haben. Die Zahl der Länder, die an den leichtathletischcn Wetttämpfen in Wien teilnehmen, wird größer sein als bei der 1. Arbeiter-Olympiade 1025 in Frankfurt a. M. Deutschland entsendet 5 0 Leichtathleten, deren Auswahl sorgfältig vorbereitet wird. An Stelle von Bundesausscheidunzskämpfen ist es den einzelnen Kreisen überlassen worden, in Kreisausscheidungswetttämpsen ihre besten Leute zu ermitteln. Die Kreise Brandenburg-Berlin, Pommern und Provinz Sachsen-Anhalt-Braunschweig führen ihre Entscheidungskämpfe gemeinsam durch. Schlesien hat mtt Rücksicht auf seine geographisch« Lage und die in seinem Gebiet noch nicht sehr stark ausgeprägte Leichtathletitbewegung auf eigene Kreis- ausfcheidungen verzichtet. Der Kreis Freistaat Sachsen hat dasselbe getan, weil seiner Meinung nach die vom Bundessportausschuß ge» troffene Regelung die sächsischen Kreisverhältnisse ungenügend berücksichtigt. Die sächsischen Leichtathleten, die Wert darauf legen, in die Olympiamannschaft aufgenommen zu werden, müssen sich dadurch an den Ausscheidungskämpfen anderer Kreise beteiligen. Die endgüllige Auswahl der Mannschaft trifft nach den Aus- fcheidungswettkämpfen der Bundessportausschuß in Verbindung mit den Fachoertretern des ArbeUer-Athletenbundes, deren Mitgliecer ebenfalls an diesen Ausscheidungen teilnehnien können. Sportler oder Sportlerinnen, die an den Kreisausscheidungen nicht teil- genommen haben, können nicht in die Olympiamannschaft eingereiht werden. Die Kreisausscheidungskämpse konzentrieren sich auf de» 31. Mai, 7., 14. und 21. Juni. Am 31. Mai haben die Kreise Brandenburg-Berlin, PoinMern und Provinz Sachsen- Anhalt-Braunschweig ihr« gemeinsame Veranstaltung in Berlin- W a'n n s e e: Rheinland-Westsalen in Reuß, Nordbayern in Nürn- berg, Württemberg in Feuerbach, Kasscl-Südhannover in Kassel, die Lausitz in Annahütt« und Nordwestdeutschland in Bückcburg. Noch nicht endgüllig fest ist, ob die Nordmark am 31. Mai oder 7, Juni ihre Ausscheidungskämpfe in Hamburg durchführt Am 7. Juni Hot der Kreis Baden-Pfalz sein« Veranstaltung in Mannheim, Ost-West- Preußen und Danzig in Elbing, Südbayern in Dachau. Am 14. Juni läßt der Kreis Hessen-Mittelrhein seine Leichtathleten in Mainz starten und am 21. Juni Thüringen die seinen in Allenburg. V erband V olksgesundheit ist 40 Jahre alt In den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts enttvickelle sich in Deutschland eine gewaltige Volksbewegung, die Natur- k> e i l b e w e g u n g, in der der Ruf:„Zurück zur Natur� mächtigen Widerhall fand. In großen Scharen strömten auch die Arbetter, die noch am meisten unter den neuen Verhältnissen, der fortschreitenden Industrialisierung, zu leiden hallen, zu ihr. Die Leitung der Be- wegung lag und liegt heute noch in den Händen des Bürgertums, da» ängstlich darüber wacht, daß das Volk ja nicht über die tiefer- liegenden sozialen Ursachen ihres Krankheitselends aufgeklärt wird. Die weitsichtigeren Arbeiter erkannten das bald. Viele kehrten der Bewegung den Rücken und gründeten im März 1801 in Leipzig den Verband Voltsgesundheit. Von 1801 bis 1008 hatte der Verband seinen Sitz in Altenburg in Thüringen, von da bis jetzt in Dresden. Die größte Zahl der Vereine finden wir m dem hoch- industriell entwickelten Freistaat Sachsen, jedoch auch im übrigen Deutschland sind überall Ortsgruppen anzutreffen. Vor allen Dingen ist der Verband bestrebt, die werktätige Bevölkerung über Gesund- heitspflege und Heilkunde aufzuklären. In energischer Weise be- kämpft der Verband das medizinische Zunftwesen und tritt für eine S o z i a l i s i e r u n g des gesamten Gesundheits- und Heilwesens ein. Um dem werktätigen Volke Gelegenheit zu prakttscher Gesundheitspflege zu geben, haben die dem Verband Volksgesundheit angeschlossenen Vereine überall Gesundheitsstätten, wie Spiel- und Sportplätze, Licht-, Luft- und Wasserbäder sowie Schrebergärten errichtet. Für den weiteren prakttschen Dienst der Gesundheitspflege wurde das Reform- und Versandhaus in Dresden gegründet. Durch den Anschluß der Gruppen für Freikörperkultur und Lebensreform erfuhr der Verband eine Verjüngung und Bereiche- rung. Frühzeitig genug hat der Verband auch Anschluß an das groß« Ganze der sozialistischen Arbetterbewegung gesucht. Seit 1013 gehört der Verband der Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege an. und damit der Sozialistischen Arbestersport- internationale. Die in letzter Zeit groß ausgezogenen Veranstal- tungen haben gezeigt, daß die Arbetterschaft dringend einer Orgam- sation bedarf, in der die Problem« der Gesundheitspflege und der Heilkunde in sozialistischem Sinne erörtert werden. Trotz der schweren Zeiten kann der Verband frohen Mutes der Zukunst entgegensehen. Wir sind gewiß, daß der Sozialismus und mit ihm die Idee einer naturgemäßen Lebens- und Heilweise zum Siege gelangen wird. Karteliteit in Schöneberg? Das Arbeiter-Sportkartell Schänebcrg-Friedcnau veranstaltet am Sonntag, 20. März, 16 Uhr, in der Turnhalle Rätherslroße ein W e r b e s p o r t f e st, bei dem die verschiedensten Sportarten. durch alle Kartellocreine demonstriert werden. Vorführungen der Rodfahrer, der Arbeiterschützen, Leichtathleten und Fußballer wer- den in bunter Reihenfolge ihre Sportarten zeigen. Außcroem wird die Spieltruppe der„Roten Rebellen* das Programm durch einige Vorführungen umrahmen. Das Programm ist zum Preise von 10 Pf. bei den Funktionären sowie an de? Kasse zu haben. Di« Arbeiterorganisationen Schönebergs werden um weitest gehende slnterstützung gebeten. Fricks Zurückzieher Er kapituliert vor dem Sport Frick in Thüringen uno Franzen in Braunschweig sind-Muster- beispiele nationalsozialistischer Regierungskunst. Gern hätten beide, hätten sie es nur geschafft, dem Arbeitersport das Lebenslicht aus- geblosen. Weitest gehende Unterstützung der nationalsozialistischen Bewegung. Verweigerung der Mittel und Zurückverlangen schon niedergeschlagener Darlehen für den Arbeitersport, das sind Kenn- zeichen der Förderung, wie sie Frick und Franzen dein Arbeiter- sport angedeihen lassen. Am 14. März verfügt« Frick, daß spart- liche Wettkämpfe an Sonntagen in der Zeit vom Be- ginn der Polizeistunde des vorhergehenden Tages bis 1154 Uhr vormittags unzulässig seien. Daß diese, den Sport ein- engende Verfügung eine starke Erregung unter den Sportlern aus- löste, war verständlich, denn noch kann man in Deutschland nie- mandem vorschreiben, wie er den Sonntag verleben möchte. Die scharfen Proteste der gesamten Thüringer Sportler haben das Thüringer Ministerium des Innern nunmehr zu folgender Per- östentlichung genöttgt, die Mir dem„Thüringer Arbeitersport*«nt- nehmen: „Um die Austragung von sportlichen Wetttämpfen an Sonn- und Feiertagen, mit Ausnahme am Karfreitag, Bußtag, Toten- sonntag und" Volkstrauertag, auch vor 11.30 Uhr vormittags wie bisher zu ermöglichen, ist bestimmt worden, daß die Vorschriften des einengenden Z 11 der Verordnung über den Schutz der Sonn- und Feiertage auf sportliche Wetbkämpfe keine An- Wendung finden.* Dieser Zurückzieher bedeutet für Frick wieder eine Blamage. Es wäre auch für den Thüringer Arbeitersport nur zu wünschen, daß dem Regierungsspuk in Thüringen—: iws gleiche gilt auch für Braunschweig— bald ein Ende bereitet wird. Olympinbahn plus Hütt-Arena Die beiden Berliner Radrennbohnen Olympiabahn und Rütt-Arena werden in der demnächst beginnenden Saison unter einer Regie stehen, nachdem die bisherigen Pächter der Olympia- bahn, Königsberger und Tadewald, nun auch die sportliche Leitung der Rütt-Arena übernommen haben. Dadurch ist die kleine Bahn ift der Hasenheide, die lange Zeit einen schweren Existenzkampf durch- zumachen hatte, der Berliner Radsportgemeinde vorläufig noch er- hallen geblieben. Die Olympiabahn öffnet ihr�Psorten am ersten Ostertag, 5. April. Im Mittelpunkt der Geschehnisse steht das Stundenrennen um den„Großen O st e r p r e i s*. Weit» be- streiten die Dauerfahrer noch ein 25- Kilometer- Rennen. Wegen einer erstklassigen Besetzung sind die Verhandlungen noch iin Gange. Daneben wird es einige gut besetzte Amateurrcnnen geben. Die 7. Meistermannschnst dey Berliner Zeittmgssahrcr ist wego:, des Verbots aller sportlichen Veranstallungen am Karsrettag auf Osterinontag, 6. April, 15 Uhr, verlegt worden. Als Neuerung wird in diesem Jahre ein Maimschafiswettbewerb ausgefahren. Die Weltmeisterschaft der Landstraße Die Dänische Rndsahrerumon, die Ende August die Rad- Weltmeisterschaften aus Bahn und Straße zur Durckstührung bringt, hat die Strecke �ür die äin 26. August-auszufahrende Straßen- Weltmeisterschaft ausgewählt. Der 172 Kilometer lange Weg mlt Start und Ziel in Domhuskrven in der Nähe von Kopenhagen führt über Roskttde, Ringsted. Naestoil, Baarse, Rönnede, Köge und Taastrup und ist mit ganz geringen Ausnahmen durchweg slach, stellt also bei weitem nicht die hohen Anforderungen an die Teilnehmer, wie die letzte Weltmeisterschaftsstrecke in Belgien. Dafür wird das Rennen diesmal in beiden Klassen, für Professionals und Amateure, mtt Einzelstart ausgefahren und zwar mit einem Abstand von fünf Minuten für jeden Teilnehmer. In die Lausitz und durdi die Mark Die Naturfreunde veranstalten an den Ostertagen mehrere Gesellschaftsfahrten. Da die Anmeldefrist in den nächsten Tagen abläuft, sollen unsere Leser nochmals auf diese Fahrten hingewiesen werden. Die erste der Fahrten führt ins Lausitzer Gebirge mit Standquartier im Naturfreundehaus am Valtenberg. Bequeme Wanderungen führen von hier aus in die nahe und weite Um- gebung des Hauses, so u. a. nach Bautzen. Die andere Fahrt führt über zwei Tage zunächst noch Brandenburg mit Führung und Be- sichtigung der tausendjährigen Stadt, anschließend Dampferfahrt nach Plauen und Stendal. Ein Rundgang durch die Stadt wird den ersten Tag beschließen. Am zweiten Tage Bestchfigung von Tanger- münde und von Rathenow. An diesen Fahrten sind Gäste herzlichst willkommen. Alles Nähere durch dos Reisebüro des Touristen- Vereins„Die Naturfreunde*, N. 24, Iohannisstr. 15. Dresdens neue Jugendherberge Dresden hat dieser Tage seine neue zentrale Jugend- Herberge-,„Das Haus der Jugend*, eingeweiht und seiner Be- stimmung übergeben. Damit hat die Stadt ihr Iugendherbergswerk vereinhettlicht. Insgesamt sind in der neuen Herberge 60 Betten ver- fügbar, so daß auch zu Zetten stärkeren Andrangs genügend Platz vor- handcn ist. Lichte, farbenfrekchige, schlicht aber gediegen ausgestattete Aufenthalts- und Speiseröume sowie ein großer Garten mit beson- derer Abteilung für das Einnehmen der Mahlzeiten im Freien ge- währen den jugendlichen Wanderern«inen angenehmen Aufenthall. Die Schlafräume sind von den Kleider- und Gepäckablagen getrennt, Wasch-, Dusch- und Baderäume entsprechen den modernsten hygieni- schen Anforderungen. Die neue Jugendherberge liegt etwas außer- halb der Stadt, am Strehlener Platz, und ist vom Haupt- bahnhof wie vom Stadtzentrum aus in kürzester Zeit zu erreichen. üugendherbergsverzeichnis für das Deutsche Reich. Der Reichs- verband für Deutsche Jugendherbergen meldet das Erscheinen der 10. Ausgabe des Jugendherbergsverzeichnisses 1031 für tws Deutsche Reich und Nachbargebiete. Pistulla im Wintergarten. Hans Breitenfträter präsentiert Pistulla, den neuen Europameister in Trainingsvorsührungen und Schau boxen, in jeder Vorstellung des Wintergartens am 28., 20., 30. und 31. März._ RP. Vonvätt, Berti». Tcnncrstap. 26. Mar.,. 20 lUc augerordeutttche Borstandsllyunü. Tonn-ag. 29. Mär,, 17 Ufir, Mitqliederversammluna. ZTSB.. Sindeibeiärk. Tonnerstoq. 26.-Diätü, SiRuna bei Echmibt, SckSre» weidk. Berliner Str. 97- 98. Besinn 20 Uhr. Ildcn Moiua» IS Uhr Ruber» trainina im Bootoha»» Bormärts. Boirmschiilenmes. Touristenoercin„Die Raturlreuabc». Zentrale Wir-, grritafl. 27. MSr». 20 Uhr. Abt. CharloUenbura: Sprcrstr. 30. Sinnaboni.— Kaltbootadtmlnnm Lohannisstr. is; Unser« Oliccfofiricn.— Abt. Brih: Cbausseestr. 4L. Zechnll des Wanberns.— Snmbnlbtbain sIuliendqruppel: Bant. Ecke Wiesenttraße. Geschäftliche» sOsterfahrtl.— Abt. Trcniow: Elsenstr. 8. tSeschättliche«.— UM. Lichtenrode: 10 Uhr bei Dcblam, Bahnhof. Ecke Eolhstrage. Arbeitsabenh.— Dienste», 31. Mär,. Lichtbilbcroortrag in der Schuir Roonstrahe:„Dir Landschaft unserer Seimat, ihre gormeu und Entstehung.— Abt. Viuetenteh: Lorhin». Ecke Grau nitro he.— Abt. Südost: Brihcr Str. ZT. SefchSftlichez.— Pho'vaemrinfchaft, Abt. Osten: grantturter Allee 307.— Phato»rme>ne>iau 07. Donncrste». 26. Mir», 23 Uhr, nach bei» Turnen bei Hochaeschurü. Müblcnstr. 9, Sihunq der Techniker aller Sparten. Di« Sp!cl»ührer der ffufi. und Handballmannschaflen nuisscn auch erscheinet». »artellbc,irl Sehönebcr».grirt>cna«. Alle Sportler beteiligen stch an der Begehuna Hermann Müllers. Treffpunkt 17 Uhr Ebarlotten»� Ecke Linden. strafte,»lciduna dunkles Jackett. Schillerkraaen und Müfte. Volkssport Reulöllr-Brift. Vereinslehrstundc Sonnabend, 2S. Mär,. Turn» ball« Lesünnstrafte. 19 Uhr, ab 21 Uhr aemrinsam« Eiftun» der Techniker und des Berwaltunasansschulics bei Grieaer. Lcfiinaftrafte. 2. Iuaend» und Juno- Mädchen., 2. grauen... 2. Männcrabteilun»: Sonnabend, 28. Märe. 1914 Uhr, aemrinsam« Ouarlalsvertemmluite im Rathaus, Chauffeestrafte sIugctrdhcim). Unter anderem: Bartra», Arbeitersport und Nacktkultur. Lebende.Oskerhasen! In originellster Weise erinnert die Firma P. Raddatz u. Co., Leipziger Straße 122/123, in ihren Schausenstcrn an das bevorstehende Osterfest. Dort gibt Herr Osterhase nel'st Familie persöiiiich Audienz und bereitet durch sein lustiges Geboren groß und klein die' größte Freude. Der ganze österlich festliche Hos- slaa: ist umgeben von allerlei schöneii Oslergeschenken für die Dome und den Herr». Die Raddatzschen Schaufenster worden deshalb auch diesmal von Schanluftigeit und Liebhabern geschmackvoller Geschenke umlagert und bewundert. Donnerst.. 26. 5. Staats-oper Unter d. Linden 206. A.-V. 20 Uhr Qae Nadit in Venedig Ende g.221,« Uhr Donnerst., 26.5. Stadt. Oper Bismarckstr. Turnus III 20 Uhr Nadame Batleiliy Ende n. 22';« U. Staats-oper la Pltü iu Hepüblil. V-B. 20 Uhr Willi! OiilutL Rirftovcrtacf Ende 22'� Uhr Staatl. Sdiassph. (am Geadanrenmartt). 177 A.-V. 20 Uhr Die WlickililiM Ii» Mjtran» m [phew: Ende g 22' t Uhr 1 Tägl 2 Vorslg. 4 u.»><- Uhr Barbarossa 9256 Nadrai. Sil PL da 3 abend-, 1 bis 6 M. Dotlie u. Billie Dance Fatales Co. mit Estailc Mattarn und waitare Attraktlonan. TdOl. 5 U.«i» Sonnt. 2. 5 D. 8" E 4. Alex. 8066 Nehm. 50 PL— 1 M., abds. 12 M. Hermann Leopold! der(jerühmte Wiener Humorist Irlamlii- Trupp«. Eanaitlf i Siräi m. Mi.StliiHer-TÄMlis. 20 Uhr Nathan der Welse Ende gegen 23 Uhr m GROSSES SCHÄUSPiELHAUS ITägl. 8 Uhr. im«Müssen Rli.Sl. Stg. nachm. 3 Uhr Originalbesttzung billige Preise Regte: Erik Charell. Tagfichö."'® PAS BLAUE MEMD VON ITWAKA MUSIK: J. OFFEMBACM THEATER IM APMIRALSPAIAST Volksbühne Tbul« am Küowjlat;, 8 Uhr Die beiden Adler Staitl.Sdiil)er-Tb. 8 Uhr. Nathan der Weise iftestsrani SMthauekitaRun S Uhr llalienSsdie mm Staatsoper Am PI. d. Republik S Uhr Der Barbier von Sevilla 1 WM malet 8 Uhr Der HauptinaBn ven RGpeniffi v. Carl Zuckmayer Iqit: Hein Hilpert Kantmersplele 8'» Uhr Diese alte Canaillel tm Fmanä Heilen Regie: tegm RoPert. LüStSPMIiniS Täglich S'l Uhr bet* u-gner u. die aonne von Kurt Götz Die Komödie (Pm Übr Kommt einVogel gsfisgen... tu Wilter Hasuslnv Hijic: üasfJT Härtung Kwllrslenöama- Tdeater Bismarck 449 CH3 Bas seftwaene Gescidecht V. Edouard Bourde« legi«: Hc Irnla�t malEfd. Westens Täglich 81- Uhr uwii Sopntjgs aidi>l-Z Franz Lehärs Sensationserfolg! schön is: die Welt ntetropoi-Tiieater Taglich 8". Uhr Das Vellitien v. Montmartre Operette v. Kaiman Kitu Mpar. Anoi AUcrs. Karl ISKtii. m. Waldemar*. 6., Eraon Bosio als Gast. Renaissance Theater Steinplatz 6780. 8� Uhr Dnrdiaas unerlaubt k.Pr. O.SO bis I2.ö0. 1 essieg-Tlieatet Tägiich SV» Uhr Die schöne Alexandra losaff, JdnUatr. Fu(L »b kllüiischs Oder R'i Uhr Kleine Preise Peppina nl« ptnüßdut Itetnj 4n Robert Stolz Ii Orr Deulsetaes' ROnstler-Tneal. Barbarossa 3937. S*h Uhr Ritter Blauöarts adilc Frau Das THEATER entwickelt sich zu einer besonderen I Berliner Pflegestätte der guten I Operette.(Volks-Zeiiungr Sonntas I Sonnabend rio� Von Montag bis Freitag Neues Theater ■-- am Zoo *raBahBh.Z(JO. S?p!.6554 Täglich S'/« Uhr! VQtQDtEtSUQlüi von Hex Alsberg u 1 Otto Ernst Besse I Preise 1—8 Mark. _i„Dre Faschinosfee" Operette von Kätmän Regie: Paul Bosc Tänze: Georg« Clouralci „KAI min holte»idi Im Ro«e« Iheoicr einen großen Ertolg," (Morgenpost Abendprelte r M. 0.5a bis M. J.— Schwerhörige EUie-Sbtfcr bttteu.Str I Tigl«Vdr n«*r Iom�I o Abend Sonntags er» II. Preise. Nor nodi bU 27. MÄrz die beliebten Famnien- Nachmittages 5.30 Uhr: Donnerstag und Freitag: „Madame SonlTard" Große Frankfurter?!r 132. U Bahn Slrausberger Platz 6 tlgltrr Vorverkauf fdgltch von It— 1 Uhr und 4—9 Uhr. Tel. Bestellung: Alex. 3422 und 3494 bereu Mtlorl wieder mit dem ärztlich empfohlen», OBIfilUL- AHII5T1H. APPARAT mii neuedem Hielabflrerl — Noch Besseres gibt es nicht!— Itoistlu) Ätetik PKslIsdiaft m. b. Ii. Aeltcstc u(ühiendc SpcziaUab: ik Verkjut u. Vorlührung: Eepiin-wilmersaopt, woizrtr.«3 Dia.. Kiosteratr.»a. Ehig.epBrorstr. Reinickendonmst, anenzer str.4 Verl. Sie Hauptkatalog 16 kostenlos! Auf Wunsch Jtehiungserleichtcrung Daueiheilung! Eige.cs System. Facbiostilul ü Naeckrl, Berlin. Dahlmannsirafle 24. Ecke Kur- fflrstendamm. SprechsUJ— 7. Prosp. rrei.