BERLIN Soimerstag 27, Marz 1931 B 73 48. Jahrgang ErscheinttS glich a»ßerSo»»t«g«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben«5 Ps. pro Woche. rro Monat. Äiedaktivn und Expedition: Berlin SWtt�.Zindenstr. 3 Fernsprecher: Dönhoff 292— 237 Anzeigenpreis: Die cillspaltigeNonparelllezette «o Pf.. Reklamezeile ü M. Crmäßigun en nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwans-Verlaz ch.m. b.H.. Berlin Nr. 37 S36.— Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor? ä)er au eräug auf dem SieüeJüliance&laix (Cor der Steichskanadei: Steichskanseler SSriining hält fehle.dufpraclw De? große StnJwuch, den die gewallige Trauerkundgebung das Berliner Zentrumsblait. gibt dem deuiSch Ausdruck, indem sie für Hermann Müller auf die nichtsozialistischen Kreise, Berlins schreibt:,,, hervorrief, spiegelt sich lebhast in der Presse wider. Die..Germania'..Die Sozialdemokratische Partei hat ihrem toten Zührer her- mann Müller eine imposante und bewunderung»- ' w ü r d i ge Bestattung bereitet. Der objektive Beurteiler, der ' sich nicht leiten läßt von kleinlichen Gesichtspunkten, muß unum- �~ i,, Ir'i wunden zugeben, daß dieser Trauerzug, der sich stundenlang durch " ii il�l die Straßen von Berlin bewegte, ein grandioses Massen. '- � a u f g e b o t gewesen ist— ein Massenaufgebot, das besonders a n- � genehm auffiel durch die Disziplin, die in den Beiheu der- jenigen Tausenden und aber Tausenden herrschte, die Hermann Müller *"* als Anhänger der Sozialdemokratischen Partei das letzte Geleit ge- ~ J geben haben. Ein unübersehbarer Fahnenwald Lberslatterte diese Bolksmasien. Die schwarzrotgoldenen Fahnen des ��7.. Beichsbanners und die roten Fahnen der Partei drückten r--■ Äti■ dem endlosen Zuge das Gepräge einer großen feierlichen I Bolkskuadgebuug aus. Wohl ein Dutzend Musikkapellen liehen ihre Trauerweisen erklingen, eine schwer ernste Musik. Es K i mar ein Leichenzug, der Zeugnis ablegte von einer m u si e r. Hermann Müller ist bestattet worden der punkten sozialistischer organisatorischer Fähig. leiten gerechnet werden muß. Ebensosehr aber muß diese Masien- K' i-igOr. beleiligung als ein Zeichen der großen Verehrung und B e- liebtheit angesehen werden, die Hermann Müller in der Partei Beichsbanners— in mustergültiger Ordnung. Stramme DM Gestalten in ladelloser Haltung. Voran ein Wald von schwarzrotgoldenen Fahnen, hinter dem Beichsbanner marschierte HB| die sozialistische Arbeiterjugend io blauen Sitteln mit roten Schlipsen. 3a ihrer Mitte der Leichenwagen mit dem schlichteu ein. Na» ZJugendgeleH am SSrandenburger 9jOr fachen Sarg, der unter Kränzen fast verschwand.' 3>er&ahneiimald des SHeichsbanners Erinnerung an Hermann Müller Wie er Porte, beamter wurde. Im Scmnner 1898, gleich noch der ersten Generalversammiuug des Zentrale er bandes der Handlungsgehilfen, hielten wir in Bres- lau eine öffentliche handlungsgehilfenversammlunz ob. Nach Schluß der Versammlung kam ein hochaufgeschossener junger Manu mit zwei Mitgliedsbüchern in der Hand zu mir cm den Vorstandstisch heran und stellte sich als organisierter Kollege und Porteig« nosie mit Namen Hermann Müller aus Frankfurt a. M. vor. Zur da- maligsn Zeit hatte man eine besondere Freude am Zuwachs eines organisierten Kollegen. Müller kam in feiner freien Zeit des öftere» zu uns und war wie zu Haus« in den Räumen der-Boltswocht', bereit Geschäftsführer ich seinerzeit war. Ab und zu lieferte er der Redaktion kleiner« aber auch größere Beiträge,«S herrschte zwischen Müller und uns allen in der, BoUswacht" ein inniges Verhältnis. Da kam der Wendepunkt in seinem Leben. Im Frühjahr 1893 legten sich die Görlitzer Parteigenossen«in Kopfblatt mit dem Titel„Gör» lijjer Boikszeitung" von der„Volksmacht" bei. Das neue Sopfblatt ließ sich sehr gut an und florierte glänzend. Wie nichts in der Welt vollkommen ist, fo auch hier: leider hatten wir mit beut ersten Filialleiter, einem Görlitzer Genossen, einen Mißgriff getan, wir mußten ihn absetzen. Woher schnell einen Ersatz schaffen? Da trat ich an unseren Hermann heran und bat ihn in die Bresche zu springen. Müller bat sich ein« Woche Bedenkzeit aus, damit er seine Bcrhältnisse geschäftlich und familiär regeln konnte. Nach acht Tagen kam Müller und sagte: Ich nehme den Posten an. So- fort setzten wir uns gemeinsam aus die Bahn und fuhren nach Görlitz. Er stellte sich den Görlitzer Genossen vor und übernahm die Geschäfte als Filialleiter und Korrespondent. Jetzt war beiden ge- Holsen, der„Volksmacht", die einen tüchtigen Beamten gewonnen hatte, uitd den Görlitzer Genossen, die um ein« agitatorisch« Kraft reicher geworden waren. Müller wurde bald darauf von den Gör- Iitzer Genossen als Stadtverordneter gewählt. 1905 bis 1906 kam der zweit« Wendepunkt im Leben Hermann Müllers. Paul Singer hielt damals in Schlesien mehrere Der. sammlungen ab, nach der Breslauer Versammlung kam er an mich heran und bat mich um Auskunft über die Person Müllers. Selbst- verständlich konnte ich mir Gutes berichten. Der Porte ivorstand ging damals daran, ein« Berjüngung vorzunehmen und suchte nach geeigneten Genossen. Kurz daraus war ich in Berlin, wo Bebel gleichfalls mich über Müller ausfragte. Auf dem nächsten Partei- tag wurde Müller in den Parteworstand gewählt, dem er bis zu seinem Ende als bewährtes Mitglied angehSrte. Jetzt ist er dahingegangen, der treu« Freund, mit dem ich nach semer ersten Ehe in«in verwandtschoftliches Verhältnis kam. Aber stets hatte ich eine innere Befriedigung, ihn mit auf die Bahn ge- bracht zu hoben, auf der er so Großes für die Partei und die Mensch- heit leisten durste. O. Heymami-Passau. Bombenleger-Ltrieil rechtskräftig. Oer Staatsanwalt zieht Zirvision zurück. Altona, 27. März.(Eigenbericht.) Die Staatsanwaltschaft hat ihre Revision im großen Bombenseger-Prozeß bezüglich derjenigen Angeklagten zu- rück genommen, die ihrerseits keine Revision«ingelegt hatten. Das Urteil des Schwurgerichts Altona vom 31. Ottober ist damit hinsichtlich der Angeklagten Heim, Johnsen, Hennings, Becker, Schmidt. Riep er und Nickels rechtskräftig geworden. Don den Verurteilten hat Heim bereits am Donnerstag seine Strafe angetreten. In dem Altonaer Prozeh waren die oben- genannten Angeklagten zu folgenden Strafen verurteilt worden: Heim zu sieben Iahren Zuchthaus, Johnsen, Hennings und Becker zu je fünf Iahren drei Monaten Zuchthaus und Schmidt zu fünf Iahren sechs Monaten Zuchthaus, Rieper zu einem Jahr drei Monaten Zuchthaus und Nickels zu zwei Jahren sechs Monaten Gefängnis. Altona. 27. März.(Eigenbericht.) In das Raturfreundehaus des Gaues Nordmark sind Nazi» eingebrochen. Sie hausten dort wie die Vandalen. Sie stahlen, was nicht niet- und nagelfest war und demolierten außerdem Türen und Fenster. Dafür hinterließen sie ihre Quittungen in großen Kreibeinschriften wie„Heil Hiller",„Nieder mit der SPD." und„Deutschland erwache". Tüchtige Burschen! Ihr Kind geopfert. lebensmüde aus dem Wasser gezogen. Kind ertrunken. In da« Urbaukraakenhaus wurde in der vergangenen Nacht eine junge Frau eingeliefert, die an der värwaldbrücke einen Selbst- Mordversuch unternommen hatte. Die Unbekannte war in den eaudwehrkanal gesprungen. Sie konnte aber von Passanten gerettet werden. Im Kronkenhaus erzählte die Frau später, daß sie mit ihrem kleinen Kinde wegen Ehezwistig- ketten ins Wasser gegangen sei. Obgleich der Sanalabschuitt heut« früh mit einem Feuerlöschboot stundenlang abgesucht wurde, konnte die£ eiche des Kinde» bisher nicht gelandet werden. Die Polizei hat die weiteren Ermittlungen aufgenommen. Ein anderer seltsamer Vorfall spielte sich in den gestrigen späten Abendstunden an der Marschdrücke in Moabit ab. Aus dem Wasser ertönten plötzlich laute Hilferufe. Zlls Leute hinzueilten, sahen sie im Wasser einen Mann, der verzweifelt mit den Wellen kämpfte. Sonderbarerweise ließ der Mann den Rettungsring, der ihm zugeworfen wurde, unbeachtet. Ein Reichswehrsoldat sprang in» Wasser, um den Ertrinkenden zu retten. Es war aber bereit« zu spät: noch bevor der Heiser sich dem Unglücklichen nähern tonnte, ging dieser unter. Die Angelegenheit rückt dadurch in ein eigenartige« Licht, daß von Passanten«in Mann beobachtet ivurd«, der die Oberklcider des Ertunkenen im Ann gehalten und sich dann schnell entfentt hat. Man rechnet mit der Möglichkeit, daß der Unbekannte, dessen Leiche ebenfalls noch nicht gelandet werden konnte, das Opfer einer unsinnigen Wette geworden ist. Leichenfund an der Mühlendammsch'euse. Durch das Stoppen seiner Maschine wurde der. Führer eines Schleppers, der durch die Mühlendamm-Schleus« kam, gestern veranlaßt, genauer nachzusehen. Es war ihm schon auf dem Wege zur Schleuse im Landwehrkanal aufgefallen, daß die Maschin« schwer lies. Beim Nachsuchen entdeckte man, daß ein Leichnam sich in den Schraubenflügeln verfangen hatte. Es gelang mit vieler Mühe, den Toten zu bergen. Int Schauhause wurde er festgestellt als ein 28 Jahre aller Bruno Mudrack aus der Ällmersdorser Straße 32 in Charlottenburg. Es handell sich zwerfel- lo« mit Selbstmord. Bor etwa 6 Wochen fand«in Echleuseraoärter in Charlottenburg morgens am Ufer eine Aktentasche und«men Herrcnhut. Beides wurde als Eigentum des Mudrack fest- gestellt. Da gerade Neuschnee gefallen war, kannte der Wärter«lue Fußspur erkennen, die von der Böschung zum Wasser führte. Durch diesen Umstand ist der Verdacht widerlegt, daß Mudrack von fremder Hand getötet worden sei. * Vor dein Hause Gotztowskystroße 23 in Moabit brach gestern adend kurz vor 10 Uhr«in« unbekannt« Frau bewußt- lo« zusammen. Schupobeamt« brachten sie nach dem Krankenhaus, wo sie starb, ohne die Besinnung wiedererlangt zu haben. Die Tote ist etwa 70 Jahr« all. 1,65 Meter groß, hat ergrautes Haar und zahnlosen Mund. Besonderes Kennzeichen ein Gewächs auf der linken Wange. Der Worfeiller Oberbürgermeister Dr. Floissieres, früher Arzt und soziaLstischer Senator, ist im Aller von 80 Iahren gestorben: 'er ist 22 Jahre Bürgermeister von Marseille gewestn. Parlamente sprechen über Zollunion Debatten in London und Prag London, 27. März. Im Unterhause sagte Abg. Mise, vom linken Flügel der Ar- betterpartei, das Anschlußverbot von St. Germain sei v e r n u n s t- widrig und ein Ergebnis der Kriegsmentalität. Mise fuhr fort: Der jetzig« Schrill Deutschlands und Oesterreichs wird im Zusammen- hang mit unseren allgemeinen auswärtigen Beziehungen und im Hinblick auf die kommende Abrüstungskonferenz sehr wertvoll sein. wenn er uns klar macht, daß Europa nicht für ewige Zeilen gestatten wlrd. daß seine Geschicke von Haß und Furch« diktier! werden, die natürlich in den Friedensverträgen zum Ausdruck gekommen find. D>e jetzige Generation wird sich nicht dauernd durch den versailler Verlrag einschnüren lasten. Der Redner schloß: Deutschland und Oesterreich werden durch wirt- schastliche Notwendigkellen zusammengetrieben, der Doung-Plan wird in einigen Monaten, wenn nicht gor Wochen, zusammenbrechen. Unterstaatssekretär des Aeußeren D a l t o n führt aus, er könne sagen, der Staatssekretär des Aeußeren wünsche sehr dringend, daß keine aussichtsreiche Bewegung, die die Verminderung und den Abbau der Zollschranken in Europa zu fördern geeignet sei, durch Mißverständnisse oder falsche Art, sie aufzufassen. verhindert werde. Dies sei die Politik der Regierung, die sie von ihrer Vorgängerin übernommen habe. Eine so schwierige Frage wie diese sollte in der freundschaftlichen Atmosphäre des Völker- b und es erwogen werden. Man habe deshalb den Vorschlag ge- macht, es solle der Völkerbundsrat die Angelegenheit luverhalb der nächsten Wochen prüfen, um festzustellen, wie weit die geplante Vereinbarung aus irgendwelchen juristischen Gründen al» den bestehen- den Verlragsverpslichlungen zuwiderlaufend angesehen werden könne. Die Regierung wünsche die ganze Tragweite ihres Vorschlages sorg- fältig und unparteiisch zu prüfen, und er brauche kaum daran zu erinnern, daß die Regierung mit voller Billigung oller Teile des Hauses darauf gedrungen habe, daß solche Pläne wie der Zoll- Waffenstillstand und andere Maßnahmen durchgeführt werden als erster Schritt zur Beseitigung der Zollschranken. Die Regierung habe für diesen Gedanken volle Sympathie. Eine ausschließliche Vereinbarung zwischen diesen beide» Ländern, die zur Folge haben könnte, daß die Zollschranten um die neue geplante Zollunion herum erhöht werden, wodurch wiederum noch größere Hindernisse für den Handel entständen ol» gegen- wärtig, müßte natürlich untersucht werden. Aber ich bin sicher, daß nicht der Eindruck entsteht, als ob der Staats- sekretär des Aeußern mit dem Grundgedanken nicht voll« Sym- palhie hätte, wenn er vielleicht auch etwas gezögert hat. was er getan hat im Hinblick auf die besondere Art und Weise der Bekanntgabe dieser Vorschläge. Lloyd George empfiehlt dem Völkerbundsrat, nicht nur die juristische Auslegung der Klausel der Verträge zu prüfen, sondern auch zu erwägen, bis zu welchem Grads eine Milderung dieser Verpflichtungen vielleicht wünschenswert sei. Dalton sagte noch, es sei vielleicht bedauerlich, daß die Außenminister De-urichlaubs und Oesterreichs während der letzten Tage nicht persönlich in Pgris anwesend gewesen seien, weil es dabei vielleicht möglich gewesen wäre, eine große Anzahl von Mißverständnisten zu beseitigen, die bei der ersten Bekanntgabe des Vorschlages entstanden seien. Sir Austen Chamberlain kritisierte die Art und Weise der Vorbereitung des Abkommens und glaubt, die anderen Nationen, die an der Konferenz über den Zollwaffenstillstand oder an den Erörterungen über andere Vereinbarungen Europas beteiligt waren, haben einigen Grund zur Beschwerde, wenn ein plan dieser Art in Heimlichkeit vorbereitet wird, während die erwähuleu Konferenzen im Gange sind, und wenn dann die Mächte plötzlich mit einem Plan überrumpelt werden. Das zeigt einen gewissen Mangel an diplomatischem Be- nehmen bei den beiden Parteien. Außer den juristischen Fragen werden durch diese Bereirtbarun? auch verschiedene politische Foogen aufgerollt, die vielleicht nicht weniger wichtig sind. Senaidebaiie in Prag. Im Senat führte Senator Dr. Feierfcil(Deutsch Christ- lich-Sozial) unter andrem aus: Das Rezept Dr. Beneschs, die Kleine Entente auch zu einer wirtschaftlichen Entente zu machen, müsse vollständig versagen. Für Rumänien und Jugoslawien mit ihrer Agrarausfuhr könne die Tschechoslowakei kein genügend? o Absatzgebiet sein. Für sie sei Deutschland ein viel besserer Auf- nahmeplatz. Darum sei es natürlich, daß diese beiden Staaten die neueste'Aktion Dr. Beneschs gegen die Zollunion Oesterreich- Deutschland nicht so mitmachen, wie es sich Dr. Benesch gedacht hätte. Senator Dr. B o t t o(tschechischer Agrarier) erklärte, die Frage einer Union, sollte einen Antrieb zur raschen Regulierung des tschechoslowakischen Teiles der Donau für den Fall der Verwirk- lichung der Union bilden. Senator Scholz(Bund der deutschen Landwirte, in der Re- gierung vertreten) sagte unter anderem, daß die Zollunion Deutschland— Oesterreich durch die wirtschaftliche Jtot und nicht durch die Politik geradezu diktiert worden sei. Seit Jahren sei man einig, daß sich Europa nur behaupten könne, wenn es sich in großen Wirtschaftsoerbänden zusammen- schließe. Und wenn Deutschland den ersten Schritt auf dieser Basis vollführe, würden die größten Quertreibereien in Szene gesetzt. Würde sich dieses Zollbündnis auch auf Polen, Ungarn und die Balkanstoaten erweüern, so wäre die Tschechoslowakei dann voll- ständig isoliert. Gelänge es aber, das Zollbündnis noch zu zer- schlagen, so zwinge man Deutschland direkt dazu, sich einen anderen Verbündeten zu suchen, einen Verbündeten, dessen Handlungen schon im vergangenen Jahr« von ganz Europa und Amerika sehr unliebsam empfunden wurden. Es würde Deutschland nichts anderes übrig bleiben, als sich mit Rußland zu verbinden. Durch das Mittun unserer Diplomaten würde es in die Arm« Rußlands getrieben werden. Senator Scholz schloß, es wäre zu überlegen, ob«s nicht für die innere Rich« und das Wohl der gesamten Bevölkerung zweckdienlicher wäre, die Beziehungen zu Deutschland und Oesterreich zu vertiefen und sich mit ihnen zu einem großen Wirtschaftsblock zu vereinigen. Italien— neutral. Rom. 27. März.(Eigenbericht.) Italien wird sich, wie jetzt seststeht, gegenüber der österreichisch- deutschen Zollunion neutral erklären. Die Meldung eines Berliner Blattes, daß Italien sich sogar der Zollunion anschließen würde. entspricht keineswegs den Tatsachen. Die Rechtsangleichung. Der österreichische Iuskizminister Dr. Schürff ist zu Be- sprechungen über Fragen des Urheberrechts usw. in Berlin ein- getroffen. Staatssekretär Dr. Joel und Gesandter Dr. Frank begrüßten Schürff auf dem Bahnhof. Krankreich und Mossul-peiroleum. Sozialistifcher Monopolantrag abgelehnt. Vari». 27. März.(Eigenbericht,) Die Kammer beriet die Abkommen zwischen der Regierung und der Französischen Petroleumgesellschast, die zur Verwertung des Frankreich zugesprochenen Anteiles an dem M o s s u l- Petroleum mit staatlicher Beteiligung gegründet worden ist. Der Antrag des Sozialisten F r o s s o r d. ein staatliches Petroleum Monopol zu errichten, statt die Rechte Frankreich» ohne entsprechende Gegen- leistung der Französischen Petroleumgesellschast abzutreten, wurde mit 305 gegen 215 Stimmen abgelehnt. Darauf wurde der erst« Artikel des Gesetzentwurfes, das Abkommen vom Jahre 1924 mit der Petroleumgesellschaft in Kraft zu setzen, mit 350 gegen 210 Stünmen angenommen. Aber es stellte sich heraus, daß der zur Abstimmung gestellte Text von der Grubenkommission der Kammer und nicht von der Regierung war, die von ihm keine Kenntnis hatte. Der Handels- minister protestierte gegen diese U-berrumpelung, aber es war nicht mehr zu ändern, da der Präsident den Sitzungssaal bereits ver- lassen hatte.__ Sir Zahn Simon trennt sich von Lloyd George. In einein Briefe an die liberale Parteiorganisation seines Wahlkreises erklärt Sir John Simon seine Unabhängigkeit von Lloyd George. Der wahre Feind Indien» ist der Massenmörder Glaubenshaß, Ein Irrtum hat in unserer heutigen Morgenausgabe ihn den wahren „Freund" Indiens genannt, aber sehr zu Unrecht. pilsudski fährt aus einem polnischen Kriegsschiff von Madeira über Edingen heim. Sm f hrenhof des SSerlfner tParieihaufes während der Qedenkrede von OUo ICeU Der Abgang des Herrn Gcholh. Ai«> zur Wahl des Oberbürgermeisters arbeitet er weiter. Wie der„Vorwärts" bereits berichtet«, überraschte Bürger- ineister S ch o l tz die gestrige Stadwerordnetenoersammluag mit der Mitteilung, daß er sofort von seinem Amte zurücktreten wolle, wenn dke Stadtverordneten ihm nicht ein besonderes Vertrauensvotum aus- stellen würden. Die Sadtoerordnelen sahen zu einer solchen Der- trauenskundgebung keine Veranlassung, zumal die brüste Form, in der Sckzoltz sein« Forderung stellte, noch besonders ver- st i m m t hatte. Eine Fraktionscrtlärung der Sozialdemokraten, JSUrgcnneijler Scholl* der Voltspartei, der Demokraten und der Wrtschastspartei bescheinigt« dem Herrn Bürgermeister in einigen sehr kühl gehaltenen Sätzen lediglich, daß man von seinem Wunsch«, sein Amt nach Inkrafttreten des neuen Berlin-Gesetzes niederzulegen, Kenntnis genommen habe. Nach der.Haltung, die Herr Scholtz nach diesem Bescheid«in- nahm, schien es gestern abend, als würde Berlin bereits am I. A p r i l ohne Bürgernieister sein. Inzwischen hat Bürgermeister Scholtz jedoch dem Vertreter eines Berliner Mittagsblattes erklärt, daß er bereit sei, sein« Geschäfte bis zur Wahl des neuen Ober b ärger- meisters westerzuführen. Leider scheinen die Vorbereitungen zur Wahl des neuen Berliner Oberhauptes im Rathaus auf dein toten Punkt angelangt zu sein. Es dürft« sehr im Interesse der Reichs- Hauptstadt liegen, hier eine erhöhte Aktivität zu zeigen. Nachtsitzung im Nathauö. Wie wir im heutigen„Vorwärts" noch mitteilen konnten, ist in der gestrigen Stadtoerordnctensitzuug die Erllärmig der Sozialdemokraten, der Volkspartci, der Demo- k r a t« n und der W i r t s ch a f t s p a r t e i l e r zu der Mitteilung des Bürgermeisters Scholtz wegen der Fortführung seiner Amts- geschäfte mit 83 gegen 73 Stimmen der Deutschnationalen, der Kom- munisten und der Nationalsozialisten, die sich wieder in trauter Ge- meinschast fanden, angenommen worden. Damit war der kam- munistische Mißtrauensantrag erledigt. Die Antrag- steller verlangten allerdings sehr stürmisch eine namentlich« Abstim- mung. aber die Mehrheit war anderer Meinung. Dann gab es noch einmal Tumultszenen. In der Stacht um tZ Uhr wurde von den Sozialdemokraten und der Mitte des Hauses der Vorschlag gemacht, die Debatte über den vom Magistrat beab- sichtigten Plan für die Weiterverhandlung zur Her» einbringung eines großes Kredites(im Anschluß an den 7.;>MIll>onen-Zwischentr«dit) zu vertagen und bis zum Wieder» zusammentritt der Versammlung einen Äontrollausschuß von 25 Mitgliedern einzusetzen. Dieser Kontrollousschuß sollte in ständige? Ver- bindung mit dem verhandelnden Magistrat bleiben. Die ftornrnu» nisten machten bei Bekanntgabe dieses Vorschlage» durch den Vor- steher furchtbaren Spektakel, bezeichneten die Vorschlagenden als Schieber und tobten so heftig, daß eine Unterbrechung der Sitzung unvermeidbar erschien. Der Varstchcr ließ schließlich weirer debat- ticreir. In der Abstimmung wurde ein, Antrag der National- sozialisten, der die Kenntnisnahme der Magistratsvorlage verweigcrt. mit'1 zu 71 Stimmen abgelehnt. Ein Antrag der Zentrums. frallion, der die Genehmigung zur Ausnahme des 7S-Milllonen. Kredite» oersagt, wurde mit den Stimmen des Zentrum», der Deutsch- nationalen, der Kommunisten und der Nazis angenommen. Der Vorschlag, den Lägliedrigen Kontrollauoschuß einzusetzen, scheiterte am Widerspruch der Kommunisten. Das war die letzte Sitzung der Stadtverordneten vor Jnkraft- treten des neuen Gesetzes Groß-Berlin: sie endete um Uhr früh. (Sanierung bei Scherl. Die Ergebnisse der Untersuchung festgefieUt. Der Untersuchungsausschuß des Preußischen Land- tages über die Preußen lasse beendete am Freitagvormittag die Aussprache über die Anträge des Berichterstatters des Abgeordneten K u t t n« r, die sich beziehen auf die S a n i c r u n g d e s Scherl- Verlages und des zu diesem Zwecke gegründeten Deutschen Ver- lagsvereins E. V. Die hier bereits wiedergegebcnen Leitsätze des Berichterstatters wurden a n g c n o in in« n. nachdem ein Gegen- antrag der Deutschnationalen abgelehnt war. Für den Antrag des Berichterstatters stimmten die Koalitionsparteien. Die Recht« stimmte geschlossen für den demschnationalen Gegenantrag, während ein anwesender Kommuistst(in dem Ausschuß stehen den Kommunisten drei Vertreter zu) ossenbar nicht wußte, was er tun sollte, und weder für den einen noch für den anderen Antrag stimmte. Nach der Osterpause wird der Ausschuß den Vorbericht des Be- richtcrftmter» über die Hugenbergsche Londbank in einer Abeudsitzung entgegennehmen, ferner wird er in einer Tagessitzung die Bericht- seststellnng über den Fall der Landbundbank treffe». In dieser Sache ist Berichterstatter der Abgeordnete Leinert. Ltnier Schlacken erstickt. Dortmund. 27. März. Im Stadtteil Aplerbeck wollten die beiden Erwerbslosen Ernst A l t und Willi Jäger auf der Schlackenhalde Schlacken. fand holen. Die Schlackenmajjen gerieten aber in Bewegung, so daß die beiden unglücklichen Menschen immer tiefer ein- sanken. All gelang es nicht mehr, sich zu befreien, er wurde von den Schlackenmasien«rdrückt und erstickt und konnte nur nach als Leiche geborgen werden. Jäger kannte sich mit übermenschlicher Anstrengung aus der tödlichen Nmklammerung be- freien; er hatte lebensgefährlich« Verletzungen davongetragen und wußte dem Krankenhaus zugeführt werden. Große Orchester- Konzertrundschau/ Sinfonie als Ereignis. Es Hatte feine guten Gründe, daß sich das Sinsnniekonzert im neunzehnten Jahrhundert zum repräsentativen Typ des Musiklebens entwickelt hat, ein historisches Ergebnis, das einstweilen auch für uns güllig geblieben ist Denn eben das Hauptwerk solch eines Abends, die S i n s o n i c, stellt die höchste, reichste, zugleich weiteste und konzentriertest« Kunstsorm des öffentlichen Musizierens dar: die Sinfonie Beethovens und seiner Nochjolger. Die„gesell- schaftliche" Idee der Musik alz gemeinfchaftblldcnder, gemein- schoftbindender Kunst, noch immer lebendig selbst im Alllag de» modernen Konzertbetriebes, findet darin höchste Verwirklichung. Es war«ine Idee des bürgerlichen Jahrhunderts, und sie ersüllte sich in den Grenzen der bürgerlichen Gesellschaft, aber„bürgerlich" war nur der Rahmen, in dem sie sich zunächst erfüllt hat; die Idee ist nicht-- und in dieser Festellung liegt ihre Zukunft—, sie ist nicht an die ftlaffe gebunden, in der sie sich durchsetzen mußte. Doch so, wie den Hörerkreis des Publikums, dos unser« großen Konzertsäle füllt, hat die Sinfonie den künstlerischen Apparat unserer großen Konzerte geschaffen: Orchester und Orchesterspiel sind an den Auf- rben der sinfonischen Literatur in ihre heutige Hph« gewachsen. i« Sinfonie— zahllose Werke der Gattung sind in huudert Iahren entstanden, im Grunde aber sind es kaum>n«Hr alz zwei Dutzend, in denen sich diese Iahrhunoertleistung der Konzertmusik beispielhast darstellt. Die Sinfonie seit Beethoven, beginnend etwa mit der Drillen, der„Eroica"— in kurzen Worten läßt sich's kaum erklär«», was in solch einem vierjätzigen Werk, meist von weniger als einstündiger Dauer, so Entscheidendes, Umfassendes eingeschlossen ist; und beinahe scheint es, wollt« man es in Worten erklären, immer wieder dasselbe: allemal ist es, als sollte in einem Wenk dos Universum der Musik durchmessen werden. Es scheint unbegreiflich, wie Beethoven nach der Dritten noch die Fünfte, die Siebente, die Neunte schassen konnte— jede will gleichsam die ganze Welt um- spannen, doch jede bildet, einmalig, eine ganze Well für sich. Sinfonie als Ereignis— Beethovens Fünfte wird es im höchsten Sinn, dann eine Wiedergabe von elementarer Groß- artigkeit, im letzten der B r u n o. W a l t« r- K o n z c r te in der Philharmonie. Gipfel eines klassischen Programms, das Händel mit dem prachtvollen Ooucejto grosso in OMoll eröffnet; zwischen Händel und Beethoven ein« Haydn-Sinsonie; zwischen den Orchester- roerken csts Solistin Moria Ioogün, die in Arien von Hifndcl und Mozart mit den Gaben des zugleich beseeltesten und tunst- vollsten Singens bezaubert. Ein Abend der höchsten Ersüllung. Schuberts E-Dur-Sinfonie, man hat sie oft die„Zehnte" von Beethoven genannt—, bei Furtwängler, im ö. Phllhar- monischc» Konzert, Hot sie in der Tat die leidenschaftliche Dramatik einer Beethooen-Sinfonie. Das mag vielleicht nicht mehr schubcrtisch sein; es überzeugt kraft der suggestiven Persönlichkeit und Chorabende Von Klaus pringshetm des Dirigenten. In der Programmgestaltung ist der Abend nicht ganz glücklich. Debusiys„Nachmittag eines Fauns",«in Stück von feinstem, zartestem.Klongreiz des impressionistischen Orchester», scheint, an den Anfang gestellt, von allzu flüchtiger Wirkung; und in der darauf folgende» Novität, Tanejews Konzert-Suite für Violin« und Orchester, interessiert wesentlich nur der Solist, Georg K u l e n k a m p f f, Geiger vom Rang der Besten. Und noch einmal wird eine unserer großen Sinfonien, die Vierte von B r a h m s und gewiß seine wichtigste,«reignishaster Mittelpunkt eines Konzertabends: im ö. Abonnementskonzert der Gesellschaft der Musikfreund«, die diesmal den Bremer Generalmusikdirektor E r n st Wendel als Dirigenten gewonnen hat(und als Solisten für Beethovens Ls-Dur-Klavier-Konzert den Meisterpianisten Wilhelm Backhaus). Man weiß, daß Wendel als Brohms-Kenner und-Gestalter heute mit an erster Stelle steht; mit dieser Zlüfführung tritt er von neuem in 0>e Reih« unserer größten Äonzertdirigenten. Endlich aber, ob unter Walter oder Furtwängler oder Wendel, immer wieder sind es dl« Philharmoniker, durch vi« so Außerordentliches vollbracht wird; die Leistungen dieses Orchester», das eben erst van einer Reise der internationalen Triumphe heimgekehrt ist, kann auch in Berlin nicht laut genug gerühmt werden. Zohannes-passiou. Die große» Lokalwerke der geistlichen Musik haben in unserem Musikleben nicht, wie di« klassischen und romantischen Sinfonien. «ine zentrale Stellung errungen. Das ist nicht zuletzt in den schwierigeren Aussllhrungsbedingungen begründet: wir haben Be- rufsorchester. aber für solch« Ausgaben kein« Berusschör«. Und di« Passionen Bachs scheinen noch immer einer Ueberlieferung unter- tan, die ihre Wiedergab« an das Datum der Osterivochen blichet. Die Möglichkeit breitester volkstümlicher Wirkung, di« diesen Werten jenseits ihrer kultischen Bestimmung innewohnt, wird auf dies« Art freilich nicht erschöpft. Mit dem Philhormonischen Ehor hat Klemperer, der am Platz seines Begründers, Siegfried Ochs, wirkt, im vorigen Jahr die Iohanncs-Passian von Grund auf neu studiert. Bei ver ersten Wiederholung scheint die Chorleistung in ihrer Klarheit und Geschlossenheit noch bedeutend gesteigert. Dazu für die Parti« des Jesus Heinrich Rehkempers reis«, vollendet« Kunst, als Evan- gelist Julius P a tz o k in musitalischer und geistiger Ueberlegenheit; in den weiblichen Solopartien Elisabeth Schumann und Rosette A n d o y; Günther R o m l n am Cembalo: und wieder die Phil- harmoniker; und vor allem: an der Spitze Otto Klemperer. der dos Werk mit dem Fanatismus eines wahrhaft religiösen Willens zu strengster und höchster Sachlichkeit erfaßt und den vielgestaltigen Klangkörper mit der unerhörten Intensität seiner Führerkraft durchdringt solche Abende können nur Ausnahmeereignisie sein. Oer neue Chaplin-Iilm Dichter der Großstadt" im llfa-palast Die Festvorstellung des Dereins Berliner Presse hatte sür den. vorschristsmößigen gesellschaftlichen Rahmen durch entsprechend« Preise gesorgt. An Kl«idern und schönen Frauen war das Möglich« ausgeboten, das Berliner Funkorchester spielte unter Leitung von Franz von Hoeßlin Richard Strauß'» musikalisch höchst geistvolles, aber zu Qfhoplin in gar keiner Weise passendes Jugcndwert„Till Eulenfpiegels lustige Streiche". Die einzige Enttäuschung für die Festgäste war es, daß Chaplin nicht selber zur Uraufführung erschien. (Er hat seine Berliner Reklame bereits hinter sich und ist nun in den anderen europäischen Großstödien an der'Arbeit.) Chaplins neuer Film bietet natürlich keine Ucberraschungen. Charlie ist immer derselbe, der er von Anfang an war: der melancho- lisch« Stromer, der philosophisch- Nichtstuer, der Vagabund, de? airdere beglückt und selber mit leeren Händen ausgeht. Chaplin ist längst zu einer stehenden Figur geworden, er hat tue Tradition vergangener Jahrhunderte wieder ausgenommen und den volkstümlichen Schelm, den Belustiger der Jahrmärkte, den Clown der Zir- kusi«, neu geformt und auf ein höheres Niveau gehaben. In den „Lichtern der Großstadt" setzt er die Tonart sort. di« er im„Zirkus" und im„Ealdrousch" zuerst so vernehmlich angeschlagen hat. In dem gewohnten Kostüm schlendert er diesmal in den Straßen der Welt- stadt herum, immer auf Abenteuer aus, lininer bereit, einem ander«» zu helfen, immer nach der Spott der Straßenjungen, immer noch der Geprellte des Schicksals, aber immer auch noch das Stehaus- Männchen, das über olle Tücken der Menschen und Objekte Herr wird, einer, der sich nicht unterkriegen läßt, weil er seine Sache auf nichts gestellt hat. Entzückend ist gleich sein erstes Austreten: als das neue Denkmal enthüllt wird, kommt darin der Vagabund zum Vorschein uird verdirbt die ganze Feststimmung. Di« hohen Herr- schoflen werden gleichzeitig auch sonst verulkt, näselnd und quäkend kommen ihre Stimmen heraus— ein Hohn auf den Tonfilm. Im übrigen ist der ganze Film bis auf einige Geräusche und die von Chaplin selbst veranstaltete Musik natürlich stumm— und damit ein Triumph des stummen Films, der sein Lebensrecht aufs neue beweist. Die Handlung ist mehr oder weniger«in Bocwand und ein Rahmen für die lustigen Streichs Chaplins. Er verliebt sich— auf di« ritterliche edle Weise, die nun mal bei den Angelsachse» Mode ist— in ein armes, hübsches Blumenmädchen, die bllnd Ist und Charlie für einen reichen Kavalier hält. Er hilft ihr in jeder Tsteise; ihr zuliebe arbeitet er sogar, ihretwegen kommt er ins Gefängnis. Als er wieder raus kommt, ist sie sehend geworden dank seiner Unter- stützung und die soziale Stufenleiter ein Stück höher hinausgerückt. Sie schenkt ihm«ine Rose und einen Dollar, und damit ist der Fall erledigt. Dies« sentimental« Begebenheit wird dauernd unterbrochen durch die Kette der Abenteuer und Streich«. Hier entfaltet sich das ganze Genie Chaplins. Er ist unerschöpflich im Erfinden immer neuer spaßiger Situationen und tragikomischer Zwischenfälle. Er produziert sich al» der ulkigste Lebensretter, der je da mar, und macht sich dadurch den reichen Mann zum Freunde, mit dessen Geld««r feine Blinde unterstützt. Ab«r der Reich« kennt ihn nur wenn er besoffen ist; sowie er wieder nüchtern ist, läßt er ihn rousschmeißen. Charlie als Makkaroniesser, als Tänzer, als betrun.'ener Autolenkcr, alz Daxer oder gar als Spieler eines verschluckten Pseüchens— das ist natürlich«in Strudel von Komik und Lustigkeit, die der chinesisch« Kuli so gut auffaßt wie der von Arbeit und Gewinnsucht gehetzte Amerikaner, der dabei in Knabenerinnerungen schwelgt. Chaplin ist wie sein eigener Manuskriptv-rsass-r, Musiker. Dar- steller auch sein eigener Regisseur. Man muß e» ihm lassen, er läßt seine Mitspieler voll zur Gellung kommen. Virginia Cherill hat als das blind« Mädchen für die Gemütsbedürfnissr d«r Amsrl- lauer auszukommen, und sie tut es bei Gott. Chaplin ist nicht, wie einige Salonsozialiften es wahr haben möchten, der Schöpfer des proletarischen oder gar des sazialiftischen Films. Er gibt immer nur den Außenseiter, d«n Lumpenproletarier. Die Literatur hat seinerzeit auf gleiche Weise den Proletarier entdeckt, ol, sie sich diesem Stoffgebiet zuwandte. Aber da» ist fünfzig und mehr Jahrs her. Man tut dem G«ni« Chaplin» keinen Abbruch. wenn man dos hier wieder einmal feststellt. Seine Einzigkeit bleibt davon unberührt: Eberl!« ior«ver! D. Slargehäll-r der Kapellmeister. In Preußen zerbrechen wir uns die Köpfe, wie wir die Staatstheater erholten können. An olle Einsparungen hat man gedacht, nur daran nicht, die sehr beträcht- lichen Gehälter der Intendanten und Kapellmeister zu kürzen. Sachsen gibt uns eben ei» gutes Vorbild: der Haushaltsousschüß des Sächsischen Landtags Hot die Stellung des Generalmusikdirektors einfach gestrichen, weil er sein Gehältchen von 62(W1 M. nicht reduzieren wollte. Recht so! Sollte da« in Preußen nicht auch möglich sein? Schließlich ist der Generalgewaltige Busch noch bekannter und populärer als unser« Klemperer, Kleiber. Tutjen, Iessner usw., und wir leiden an elnem Ueberfluß von Kunstgenerälen, während Dresden nur seinen Busch hat. Es wird gewiß nur der öffentlichen Anregung bedürfen, um auf dem Kunstgebiet da» eintreten zu lassen, was überall sonst längst gang und gäbe ist. Da» Münchener hildebraub-MvI-nm. In dem großen Atelier des Hauses Adolf von Hildebraiws in München ist jetzt«i, Museum eröffnet worden, das einen lobendigen Einblick in dos Schaffen dieses großen Bildhauers gewährt. Es find besonders die vielen Hundert« von Zeichnuugtu und plastischen Skizzen, die in das W«f«n seines Schaffens einführen. Dazu kommen architektonische Entwürfe,«Ine große Anzahl von Portraitbüsten, auch Gipsmodelle von zum Teil noch unbekannten Figuren und Reliefs und einig« schön« Originale in Marmor und Bronze.'Alle Perioden in dem Lebenswert des Meisters sind durch bezeichnende Arbeiten vertreten. Eine Huldigung für Heinrich Mann. Zu seinem heutigen 60. Geburtstag wurde Heinrich Mann heyte ein« Kundgebung van 130 Schriftstellern und Künstlern de» In- und Auslandes überreicht vir tigo für u»»lihlhr. in der.Rct-n Mübl«", cw-n Dorirag von valter Kuttmann. 06« die tun stiel iichen OTinlljsteikit de« Tonfilm». Gezeizt»erden Seispiele pfltt Ruttmann, Richter, Cavaleanti, flilcher. DI« Slng-kademl« bringt unter Leitung von Georg Schumann Sonn- abend in der Alten Garnilonkirch« Vach« Rattbäuspgsst»n zur Aus» sührung. 3o Mlhaly zeigt ihr«? ä n: e am S7. Mär, im Schwechtensaal. T>e Künjtlm» lanzt u a. Blbtiich« Themen. Im S. Teil ihre« Programm« ianzt sie: Mütter, der junge Herr, Bision eines Kriege», vlume im Hinter- hos, Arbeit und Aushau. Die Guthaben der Gefangenen Immer noch Opfer des Welttriegs. Der Kriegsbeschädigtenausschuß des Reichstags bc- schäftigte sich mit einer Eingabe der Verbände der ehe- maligen Kriegsgefangenen. Diese Eingabe bezog si6> auf die Guthaben aus französischer Gefongensldost. die Guthaben aus cngliischer Kriegsgefangenschaft, auf rückständige Sanitäts- töhmmg, auf Gewährung einer WiederaufbaueMfchädigung und die Verhandlungen mit den ehemaligen Feindstaaten. Was die Guthaben aus französischer Gefangenschast an- belangt, so ist Anfang des Jahres 1928 auf Grund eines mit Frank- reich geschlossenen Vertrages ein Betrag von rund 899 000 Mark an Deutschland überwiesen worden. Da die zur Auszahlung kam- wenden Beträge zum erheblichen TeS bis auf Pfennige herabgehen, war ursprünglich geplant, die Auszahlungen überhaupt zu unter- lassen und das Kopital zur Grundlage einer Stiftung für Kriegs- gefangene zu machen. Von diesem Plan ist man jedoch teilweise wieder abgegangen� Die Regierung will die Beträge in Höhe von 39 Mark und darüber zur Auszahlung bringen, den verbleibenden Rest aber einer Stiftung zuführen. Die Guthaben aus englischer Kriegsgefangenschaft sind fämilich ausgezahlt. Auszahlungen für Anfpruchbcrechtigte, die nicht mehr zu ermitteln find, lehnt die englische Regierung ab. Das gleich« gilt von der Sanitätslöhnung. Soweit es sich hier wn An- fprüche noch nicht befriedigten ehemaligen Sanitätspersonals handelt, steht England auf dem Standpunkt, daß diese in englischer Gefangenschaft gewesenen deutschen Heeresangehörigen nicht als Sanitätspersonal anerkannt werden könnten, weil den gleichen Per- sonen im englisä�en Heere Sanitätsgebührnisfe nicht zustanden. Es besteht daher auch kein Anspruch aus Grund internationalen Rechts. Für eine Wiederausbauentschädigung für die nach dem Wo ffen still st and im Kriegsgebict durch deutsche Kriegs- gefangene geleisteten Arbeiten gibt das internationale Recht keine Handhabe. Eine Reihe von Versuchen der deutschen Regie- mng, diesem Anspruch Geltung zu verschaffen, mußte daher leider ergebnislos bleiben. Der Forderung nach Mitteilung über den Inhalt der Verhand- lungcn mit den ehemaligen Feindbundstaatvn glaubt die Regierung durch ihre Denkschrift, die sie unterm 4. Juni 1929 über die Kriegs- gesangenenfragc dem Reichstag zugehen ließ, Rechnung getragen zu haben. Auf Grund dieser Sachlage beantragte der Vorsitzende des Aus- schnfies,?ll>g. Mumm(Chrsoz. V.). im Einvernehmen mit dem Berichterstatter. Abg. Roßmann(Soz.), zu beschließen, der Reichs- regierimg gegenüber der Erwartung Ausdruck zu geben, daß 1. aus den Beträgen, die die französische Regierung der deutschem Regierung zur Verfügung gestellt hat, soweit es sich um Beträge über 19 Reichsmark handelt, die Gebührniffe zur Aus- Zahlung kommen: 2. die Beträge, soweit«enlger als 10 Nelchsuwrt zvr Auszahlung kommen würden, einer Stiftung mit der Auflage, daß die Gelder ausschließlich ehemaligen Kriegsgefangenen zugute kommen, zuzuführen; 3. die Forderungen der Eingabe gegenüber England, die For- derungen der Sanitäter, die Forderungen der zu Reparations- leistungen in Frankreich und Belgien zurückgehaltene» Gefangenen und die Forderung der Rechenschaftslegung als durch die Er- klarungen des Rcgierungsoertrcters erledigt zu erklären. Diese Entschließung wurde angenommen. Sie wird auch die Bestätigung des Reichstagsplenums finden. Als Stiftungen, die zur Bcrwaltung der Restbeträge in Betracht kommen, sind die Hinden- burg-Spende oder das Elfa-Brandströin-Hilfswerk in Aussicht ge- nommen. Die Kriegsgefangenenangelegcnheiten sollen dannt ihre ab- schließende Erledigung gefunden haben. Er möchte nochmaldenKrühling erleben. poetische Derteivigungsreve eines 79 jährigen. vor dem Schöffengericht verli«. Mitte war der 78jährige llusNzsekrelär a. D. S. wegen sorlgefetztcn Betruges angeklagt. Der gebrechliche alt« Manu wurde von feiner rüstigen Ehefrau gestützt und auf der Anklagebank gehalten. Der Angeklagte ist schon vor langen Jahren wegen Betrugs vorbestraft. Er war geständig, daß' er vor' fünf Jahren es übernommen hatte, die Rechte von etwa 19 Straßen- bohnern, die im Jahre 1924 fristlos entlassen worden waren, wahrzunehmen, daß er aber in der Sache nie etwas getan Hab«. Wahl ab?r hatte er sich Geld und Lebensmittel von seinen Auftraggebern geben lassen und ihnen vorgespiegelt, daß ihre Sachen günstig ständen und bereits Tennme vor dem Oberverwaltungs- gericht stattgefunden hätten. Wie die Ehefrau angab, ist ihr Mann nicht mehr klar bei Bcrstond. Namentlich wenn er getrunken hat, verspricht er alles mögliche. Er bezeichnet sich als Dichter und Schriftsteller. Die Frau meinte aber, daß er sich das nur einbilde. Die Ehefrau hat den Mann feit ihrem 39. Lebens- fahre betreut, da sie Pflegerin ist, und hat ihn nach ihrer Versich«- rung vor drei Jahren aus Mitleid geheiratet. Der Ange- klagte selbst vermochte wenig zu sagen und hatte dem Gericht eine Verteidigungsrede in Form eines Gedichtes über- reicht, das aus sein Aerlangen von Amisgerichtsrat Keßner als sein Schlußwort zur Verlesung gebracht werden mußte. Darin spricht er davon, daß er noch einmal den Frühling erleben möchte und daß er hoffe, daß der Heiland ihm lange in seinem Grobe Ruhe gewähren würde. Das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten wegen fortgesetzten Betrugs zu zwei Monaten Gefäng- ins, fetzte ober die Strafvollstreckung durch Bewilligung einer Be- Währungsfrist von drei Jahren aus. Wirischastsftiedliche Wachtparade. Die Arbeiter müssen bescheidener werden. Zu den Kreisen, die unter dem Deckmantel„vaterländischer Volksaufklärung" die Arbciterschait für die w i r t s ch a f t s s r ie.d- liche Ideologie einfangen wollen, gehört offenbar auch„Die Wacht für deutsches Volkstum" in Berlin-Schöneberg, Hauptstr. 199. Ein vertrauliches Schreiben dieser Volkstumwächter an die Unternehmer läßt ihre gewerkfchafts- und arbeiterfeindlichen Bestrebungen klar erkennen. Ihr Zweck und Ziel ist„eine tatkräftige v a t c r- ländische Volksaufklärung gegen den Vergiftungsprozeß der deutschen Seele durch die in Berlin erscheinende Volkspresse: wozu neben Flugblättern und Broschüren eigens eine Vaterländische Dolkszeitnng" herausgegeben werden soll. Die Pointe dieses Schreibens ist der Hinweis, daß sich all« Betriebe, Verbände und sonstigen Stellen, von denen angeblich die besten Referenzen vorliegen, darüber einig seien,„daß für den Arbeitgeber durch die Aufklärung nicht allein eine gesinnun g s- mäßige Besserung der Belegschaft eintritt, sondern vor allem auch wirtschaftliche Bortelle daraus erwachsen, weil die Leute vernünftiger und daher zufriedener und bescheidener werden". Wenn auch die Männer des Volkstums all« ehrenämtlich arbeiten, so oersteht es sich doch von selbst, daß die Unternehmer pro Monat und Kopf der Belegschaft die„Kleinigkeit" von 19 Pf. an Mitgliedsbeitrag zu leisten haben, mindestens jedoch 3 Mark monatlich. Als Gegenleistung soll allerdings„die eigene Belegschaft versorgt und dasselbe Quantum(vaterländische Flugblätter und Broschüren natürlich) auch sonst noch. im Volke verteilt" werden. Die Bekanntgabe dieser Ziele der„Wacht für deutsches Volks- tum", dessen Ausschuß u. a. auch der bekannte Herr Soden st er n angehört, dürfte für die aufgeklärte Arbeiterschaft schon genügen, um bei ihr das nötige„Verständnis" für die Pamphlete dieser getarnten Wirtschastsfrlcdlichen zu wecken. Tetzners Revision zurückgezogen. Regensburg. 27. Mörz. Der vom Schwurgericht Regensburg am 13. März wegen ver- sichernngsmorde, zum Tode verurteilte Kausmauu Kort Tehner hat die unmittelbar uach der Urteilsverkündung eingelegte R«. vision jetzt zurückgezogen. Melier für Berlin: Weiterhin kühl und meist, stark wolkig. Mäßige Westwinde.— Für Deutschland: In Süddeutlchlond Fort- dauer des heiteren Wetters mit Nachtirösten. Im Norden über- wiegend bewölkt, doch meist ohne Niederschläge. Weiterhin kühl. Vnantwortl. Mr die Redaktion: K-rbert Septtt, Berlin: Antigen: Th.«locke. Berlin. B-rl-a: Voew-iits Z-rla« E. m. b. S.. Berlin. Druck: Borwärt, Buch- druckere: und B-rlagsanstalt Vau! Siiiarr& Co.. B-riin S3B 08, Lindenstra�c 3. Lirrzu 1 Beilage. für die Zeit vom 27. bU 30. März ©ioig Potsdamer Strafe 35 W 5; 7. 9 Uhr S. 3. 5, 7, 9 Uhr Ol« 3- frladrlchstadt D Franziskaner abnCloV OeorgenstraBe(Ecke FrledrichstraBe) 1t, 1.30, 4. 630, 9 und 11.30 Uhr Der Knf mit Greta Garbo u. a. Neueste Kultur, und Woebmsch au > Moabit A r 4h als r\f tTIrn- n. W a, 6.30 Uhr /VTIUSnOI BObne Sab 5 Uhr Perleberger Str. 29 lOOproz. Tonfilm! Heute geschlossen. Morgen, Sonn abend rontllmerfilfninig. 100 proz. Tonlustspiel: Tingel- Tangel m. Frliz Kampei*. E. PlnafeH— Tonbelpr. Bflbncnzdiaa Welt.Kinn Wochenu 6 45. 9.05 TT CII SVlllU Sonntags ab 4 45 M(-Moabit 99 100 pror. Tonfilmi Die Fasdilngsfee IN- Waller Janssen, Anny Ahlers, Verebe»— Tonbelpr. W Charlotteniburg"g Kant-Lichtspiele Kamstr 54(an der Wilmersdorfer Str.) W. 5. 7. 9 Uhr Stg. ab 3 Uhr Krimina'tonfilm: Tiler gesnefa« mit G. Maurus. C. L. Dfchl— Gnies Beiprogramm Schlüter-Theater Schlüterstr. 7 Beginn: 5. 7, 9 Uhr Stg ab 3 Uhr; Jugend-Vorstellung Tonfilm: Eine Freundin, so goldig wie da mit A. Ondra. Bressart, Arno- Beiprogramm Atrium Beba-PaUzt �q.iz uhr. Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Sonnabend u Sonntags 5, 7 u. 9.15 Uhr Uraufführung! Tonfilmhumoreske; Er und seine Schwester mit Anny Ondra, Vlasta Darlan, Roda Roda Regie; Carl Lamac Ausgew Ahlies Beiprogramm m Schflnabera E Titania Schönebg. Hauptstraße 149 lOOproz.Tonfilm! Stürme Ober dem Montblanc mit Lcnl Rietenstahl— Ab Sonnabend Drei Tage Liebe mit Hans Albers Friedenau i 9 Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 65 W. 7, 9. Sbd.. So. 5, 7, 9 Nochmals der größte Lacherfolg I 3 Tage Ml.lclairest— Relcbh. bclpr. ■«fg.it«■ Titania-Palast&tÄ Steglitz, Schloßstr. 5. Ecke Gutsmuthsstr. lOOproz. Tonlustspiel- Der wahre Jakob mit Anny Ablers, Ralph A. Roberts, Felix Bressart, Paul Henkels— Beiprogramm Ab Montag: lOOproz. Tonfilm; Ariane mit Ellsabclb Bergner M l5ildn3ör?rHn!td""k Wochentags 7, 9.10 Uhi £jCU Sonntags 5. 7, 9.10 Uht Potsdamer Str. 50 Stg 2S0Jugendv Tonfilm Da* Lied Iii aus mit Liane Haid. Willy Fora! MarienderF IVf a I 4 Mariendorter Wochentg. L i et— lel Licfaiopiele ab 7 Uhr Chausseestr. 305 100 proz. Tonfilm I 3 Tage Uebe mit Hans Alben, Ktlhe Dondi, Trade Berliner— Beiprogramm ■ TampaHioF> TiVOli Berliner Str. 97 Beg 5. 7, 9, Sonntags 3 Uhr: Jug.-VorsL Tonlustspiel: Morilzmacht sein Gl&dc mit Siegfried Arno— Tonbeiprogr. J Sfidwastan Lichtspiele Südwest Blücherstr. 12 W. 5. So. ab 3 Uhr lOOproz. Tonfilm: WeoMronl 191» mit der großen deutschen Besetzung Beiprogramm— Tonwocbe Film-Palast Kammersälc Teltowcr Str. 1 W. 5-30, Stg. 3 30 U- lOOproz. Tonfilm; 5 Tage Liebe m K&lhe Dorsch, Hans Albcrs T onbeiprogram m € Süden Primus-Palast Am Hermannplatz, Urbanstr. 72(76 Wo. 6.45, L'., Sonnt, ab 3 U. Des groß. Erfolges wegen verlängert; Die lustige Tonfilmposse: Die lustigen Weiber von Wien mit WU1I Forof, Lee Parrr Beiprogramm— Auf der Bühne Internal, ööhnenseban Th. am Moritzplatz Beg.: Wöchig ab 5 Uhr, Stg. ab 4 Uhr Lubitsch-Tonoperette! Llcbezparadc mit Maurice Cbcvalier Auf dem Dachgarten— Belprogr. ���JHeukölIfi�� Mercedes- Palast Hermannstraße 212, Ecke Jägerstraße Werktags tfiit Uhr, Sonntags 3 Uhr Tonoperette! Die lustigen Weiber »on Wien— Beiprogi Bühne: Gasioptel Max Ebrltdi Kukuk Wochent. 6.45, 9 U. Sonnt. 3. 5. 7. 9 U. Kottbusser Damm 92 Großtonfilm; Slörmc Ober dem Montblanc mit Lcnl Riefenstahl Beiprogramm— Jugendliche Zutritt Wochen L 6-45. 9 U- EXCClSlOr Sonntags 3, 5, 7, 9 U Kaiscr-Friedrich-Straße 191 Tonfilm! Die Königin einer Nachi mit Friedl Haerlin. W. j MIcky Maus Stern, Hermann» trache 49 Wo. 6,45, 9, Sbd. 5, 7. 9, Stg. 3.5 7, 9 Uhr lOOproz.Tonfilm! Aschermittwoch mit Evelyn Holt, Hans Stflwe, Clirc Rom m er Mlcky Maos ���Südojtjn��p Filmcck Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Beginn Wochentags: 630 und 9 Uhr Sonntags: 3. 5, 7. 9 Uhr Kriminaltonfiim! Oer MordprOzcl Mary Ougan Beiprogramm— Bühnensdtao Luisen-Theater Reichenberger Str. 34 Anf. W. 630 u. 9 U. St«. 3. 5. 7. 9 U. lovproz. Tonfilm! Eapteuztreleb am Rhein— Bcipr.— BObnenzcban Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Wochtgs. 630, 9 l). SonnUgs ab 3 Uhr Die große Tonfilmoperette: Wiener Llebubaften mit Georg Alexander Dazu das gute Beiprogramm und die ausgewählte Bühnenodiaa Sternwarte- Treptow Sonnabend 8, Sonntag 4. 6, 8 Uhr Rand am den Erdball, Weltreisefilm. Natur, Leben und Völker. 33 Länder ssElySlUm Prenzlauer Allee 56 W. MS, 7. 9.15, S. 3.15,5, 7.15, 9.15 Uhr Tonfilm: Moritz maebt«ein Glück mit Slegfr. Arno— Grote Bübnen- zchau— Foxlonwochc Flora-Lichtsp. LA,"£b%*r Wo. 630, 9, Sbd. ab 5, Sonnt ab 3 Uhr. Tonfilm: Stürme über dem Montblanc mit Lcnl Rlefeaslabl, E. Udei Jugendliche haben Zutritt I Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochentgs. 6 30 U-, Sbds. 5. Stgs. 3 U. 100 proz. Tonfilm: Der Mann der seinen Mörder sackt Beiprogramm— Auf der Bühne: Max Wollßelm mit seinem großen Mandollncnorcbezler Serilla Luna-Palast �.cSba3b5h?r Gr. Frankfurter Str. 121 Tonfilmoperette: Die lästigen Weiber von Wien mit Willy Forst, Lee Parry Bühne: Wieder Prominenfe: Many Ziemer, Vortragskünstleiin, Lajos Szendy. Parodien am Flüge! Frankenburg, stgajSv Große Frankfurter Straße 74 Tonlus'spiel: Tlngcl'Tan�.el m. Kam- jers, EL Pinajcft— Beiprogramm ensehau Schwarzer Adler zi™* Woch. 5. 7. 8 45, Sonntg. 3, 5. 7. 8 45 Großtonfilm: Der Beitclsindcni mit Jarmila Novoina, Hans Dolimann, Fritz Schulz— Tön. Beiprogramm Jugendliche Zutritt__ Concordia-Palast Andreasstr. 64 W. ab 6U.,Stg.ab3U. 100 proz. Tonfilm: Grock m Liane Haid, Lon Choney— Das eiserne Netz— Bühne: Brnno Kästner, __________ Viktoria Lichtbild Th Frankfurter Allee 48 Woch. 5. 7. ca 8.4.5. Stg. 3, 5. 7. 8.45 U. Tonl.-Oper.: Der Brttelsfudcni mit Heinz Bollmann— Tonbeiprogr. Woebe Jugendliche Zutritt � Zentrum" k Babylon, am Bülowplatz Wochentags 5 U„ Sonntags 3, letzte 9.10 U Variciesckao Tonfilm; Der Fall des Gcneralsfabs- oberst Redl mit Theodor Loos, L. Dagorer g��leMU-llcMentoürj�ng Kosmos-Lichtspiele Lückstr. 70 Woch 5, 7. 9 U. stg 3, 5. 7, 9 U. Gioßtonfilm: Afrika zprickt, das Paradies der Hölle— Tonbeiprogr. >' FrtedrumfW> Kino Busch Alt-Frledrichsfelde 3 Unser Tonfilm-Eröffnungsprogramm auf der neuesten Kloagfilm-Llcki- lon-Apparninr Die PriTatzekreilrln mit Renale Müller, Felix Brcszarl, H. Thimlg Dazu daz ausgczclcknctc Beiprogramm » WalOanzan Schloßpark Film- Bühne Berliner Alice 206—210 Tonfilm: Die OrelgroMkenoper mit Rad. Fonter, Cor. Neber— ßelpr. PROGRAMM für die Zeit vom 22. bis SO. Märt Norqen Alhambra EckeSS� Wochcnt. 5. 7, 9 U-, Sonnt 3, 5,7, 9 U. Tonfilm: Liebe«ül Befehl'mit O. Tschechowa, T« ßlreli— Beiprogramm Pharus-Lichtspiele Mülierstr. 142 W.5.7.9U. Stg.3.5,7.9U. 100 proz. Tonfilm: Die Dreigloscken- oper mit Carola Neb er, Förster— Beiprogramm Rudolf Proter-Lichtspiel-Palast Kastanienallee 7-8 W. ab 6. Stgs. 4 U. Uraufführung: Da» Gebelmniz seiner Frau mit E. Jannlng»— Seemanns- llebcken— Bühne. Ausstsltungs- Rerae_____ Filmpalast Puhlmann Schönhauser Allee 148 W. 5, S.4U. Tonlus'spiel: Tingel-Tangel m. Verebe», Kamper»- Beiprogramm— Gr. BOhzten» eben Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 7 u. 9, Stg- 5, 7, 9 Großtonfilm: Afrika»prtehl, der ungeheuerlichste Film, der je gedreht wurde— Beiprogi amm Film-Palast ÄÄ»» Blankenburger Str. t Sonnt, 2'/» Jgd.-V. Wochent, 630 845, Sonnt 430, 645,9U. Die Privat»« krclÄi In mit Renate Müller, Fei Ix Örcssar.— Tonbelpr. ** Filmpalast Tegel Stgs. 2 U. Jgd.-Vorst. W. 6, Stg. 41/« U Toniususpielerfolg: Morliz roaekt»ein Glück m Slegtried Arno— tbaily» Abiniener mit Charly Chaplin Union-Theater Hauptstr. 3 W 0, Stg. iVi, 6�.2. 82,4 Ü Stg. 2 U. Jgd.-V. Der goldene Abgrund mit Han« Albcrs, Liane Haid— Mitgift) figer W Hennigsaorz M Fiimpalast stg. Berliner Straße 59 Stg. 2 U. lug.-Vorst. Siegfried-Arno-TonL: Moritz m.dil •ein Glück— Charly» Anealcner m. Charly Chaplin gleilagc Frcifag, 27. März 1931 LprUnlS KOfSxJQ�'Ä Charlie zieht in den Krieg Begegnungen mit Chaplin- von Erich Gottgetreu Das war 1928— aber alles steht mir nach sa deutlich nor den Nugen. als ab ich es gestern eriebt hätte. Ost- London. Nachmittag. Graue Trauer längs der Mauern. Ringsum jpielende Kinder. Sie haben einen mtereffankn Abzähle vers: A is tor Anderson Charlie's best pal A ist für Anderson Charlies besten Freund. B is kor boots that fit Charlie quite well B ist für die schönen Schuh, die ihm so gut Pasten. C is kor Charlie, the Chaplin ok farne C ist für Charlie selbst, den berühmten Chaplin. D is kor things that have rnade his rfame D für die Streiche, die ihm den Namen schufen. Und so geht das Chaplin-Alphabet weiter bis zum Z. Was sich auch bei Charlies letztem Besuch in London zeigte, liest sich schon damals beobachten: Chaplin genießt im Osten Londons eine gegen die Verehrung der übrigen Welt noch erhöht« Popularität, »ämlich ein« durch Lokalstolz gesteigerte: er ist„ein hiesige r", er gehörte selbst einmal zu den Cockneys. Am nächsten Morgen last« ich mir in der Nationalbibliolhek im Britischen Museum all die zum größten Teil längst vergriffen« Literatur über Chaplin geben, die in England erschien, als er dort bekannt wurde. Authentisch scheint zu sein, daß Chaplin im Frühling 1889 in London geboren wurde, und zwar vermutlich in Whitechapel, dem ausgesprochenen Iudenviertel. Das hat »m so«her viel Wahrscheinlichkeit für sich, als doch Chaplins ganze Art urjüdisch ist und zwar rührend ghettojüdisch. Chaplin selbst antwortet aus die doch psychologisch ganz wesentliche Frage nach seinem Judentum immer nur ausweichend. Zu diesem Leben: der Vater starb snih. Die Mutter sang und tanzte in Music-Halls. Der Junge muß mitnerdicnen. Tritt mit zehn Jahren zum ersten Male aus. 2luch in einer Dtusicchall. Gehört zur Truppe der Lancashire Lads. Kommt mit 17 Jahren �ur Äarno-Schau, einer reisenden Äonrödiantengesellschast, deren Ausführungen wie bei Shakespeare mit Improvisationen und artistischen Kunststücken durchsetzt sind,' das .Genie Chaplin konnte keine bessere Schule haben. Was nun kommt, .wissen wir: die Entdeckimg, der Aufstieg, der Glanz der großen Ver- trage, schließlich wird Chaplin sein eigener Unternehmer. Kleineren Filmen folgen ,�THe Kid",„The Pilgrim",„Goldrausch",..Zirkus" und jetzt»Lichter der Stadt". Aber nun will ich euch mal etwas erzählen: der Film, den ich bei westfw für Chaplins schönsten Halle, der ist ü-b er hon p t noeh nicht in Deutschland gezeigt worden, und ich sürcht«, wir werden Ihn, da bei uns ja in diesen Dingen nicht der Geist, sondern — na ja. wir wissen ja, auch nicht so rasch zu sehen bekommen. „Shoulder nrm�"(„Dos Gewehr über") ist ein Kriegsfilm, in dem natürlich auch der Feind, das find wir, eine große Rolle spielt— aber nur dieselben Kindsköpfe können an ihm Anstoß nehmen, tue von„Im Westen nichts Neues" behaupten, daß es dem deutschen Ansehen abträglich sei. Der Film ist«ine Persiflage des Krieges an sich, wie sie witziger und gescheiter überhaupt nicht gedacht werden kann. Ich fand ihn 1928 in Whitechapel, Chaplins.Heimat, und sah ihn an sechs Tagen je dreimal, wozu tagtäglich«ine einstüudig« Neisc in der Untergrund- bahn nötig war— es war die schönst« Woche meines Lebens. * Charste zieht in den Krieg. Was geschieht? Unter vielem ander« die«: Ein« Kompagnie amerikanischer Soldaten marschiert aus der Stell«. Charlie mit. Mit den Füßen! Charlie bekommt Extra- Unterricht, Charlie lächelt, Charlie tänzelt— es geht trotzdem nicht. Die Kameraden ziehen in den Krieg, Chariie merkt das gor nicht, allmählich gewinnt er doch ein bißchen Usbiing im Morsch ans der Stell«. Mso tritt er ruhig weiter, während die anderen schon längst nor dem Feind stehen. Wie er schließlich erschreckt den Irrtum merkt, kann er gor nicht rasch genug nachlaufen, erreicht seine Kollegen wieder, fällt aber dann Wdmüds als erster aufs Feldbett im Zelt, schläft ein... Im Schützengraben. Charlie kommt und grüßt, indem er den Stahlhelm genau so abnimmt, wie er sonst das chüt- che« zieht(auch mit dem Gewehr geht er um, wie sonst mit seinem Stöckchen). Der Unterstand ist überschwemmt. Die Bettstellen sind übereinandergerichtet. Charlie liegt natürlich unter Wasser. Das macht nichts. Er logt sich ruhig hin. Und steckt den Grammophontrichter in den Mund. Der ragt doch wenig- stens über das Master Hhtrnis und führt ihm die notwendige Atem- inst zu. Einmal wird Post aus der Heimat verteilt. Der„Briefträger" kommt auch in Charlies Unterstand. Jeder kriegt was, Schlemihl Charlie natürlich nichts. Jeder ißt was, er aber jetzt auch: eine Grammophonnadel, die er nnt demselben verzweifelten Das-schmeckt-aber�gut-Gestcht verzehrt, mit dem er einige Filme später, und zwar im„Goldrausch" gekochte Schnürsenkel wie Mokka- rom oerschluckt. Di« Kameraden geben ihm nichts ob. aber-lasten ihr Erstaun«« merken: nun, Charlie hat sein erschütternde« Lächel- Aewein in den Augen und geht in den Schützeng™ hei, zmmck. ♦ Nun geschieht etwas unglaublich Aufwühlendes: Charlie stiehlt Glück. Da» ist so:«in Sgldat liest einen Brief, den er von zu Haus bekommen hat. Charlie steht hinter ihm, liest mit. der andere merkt nichts. Chariie sieht auch nicht das Gesicht des anderen, nur den Nrief. Ist der andere gespannt, ist Chariie es auch, e n t spannt sich da» Gesicht des anderen in Heiterkeit, lächelt auch Charlie. Er «tan* Anteil an der fremden Freud« und.an.s r«m d e m "■..............'' Leid, stiehlt sich Eriebniste aus fremdem Bezirk, um etwas für's eigene Herz zu hoben,«r raubt sich die Illusion des Glücks— bis der ander« den vermeintlichen Neugierigen bemerkt und ärgerlich bei Seit« geht. Aber Charlie will nicht immer im Schützengräben bleiben, sondern die patriotische Pflicht tun, die ihm die anderen einreden. Man erlebt, wie er einmal aus der Schlacht nach Haus« kommt, natürlich als Sieger: dreizehn Gefangen« hat er gemacht. Wie— das erfährt weder der Zuschauer noch der Leutnant, der ihn fragt, doch nur die Antwort bekommt:„Ich uni- zingrite sie." Jetzt ist natürlich alle Feindschaft aus, und Charlie verteilt Zigaretten an seine deutschen Soldaten, die alle.lustig, aber keineswegs bösartig karrikicrt sind. Unter den dreizehn ist aber auch ein Offizier und der wirst die Zigarette in den Dreck. Was macht Charlie? Kurz entschlosten legt er den Offizier übers Knie und haut ihn durch, genau so, wie ein Lehrer einen frechen Jungen verdrischt, und die deutschen Soldaten freuen sich herzlich, denn der Ofizier gehörte immerhin zu denjenigen die nicht gut. getan haben— nun tut's i hm gut, denken sie. Eine gewagte Szene. Aber ganz herrlich durchgeführt. Ohne Haß, ohne Niedrigkeit, ohne Freude am Brutalen, Chaplin scheidet nicht nach Nationen, sondern nach Unterdrückten und Unter- dr ü cker n. * Weiter im Text, der kaum da ist: man sieht alles in Bildern. Freiwillige vor! Alles meldet sich. Charlie natürlich auch, jeder Zoll ein Heros, Zwei werden ausgewählt, Charlie ist wieder mit von der Parti«, aber wie es ernst wird und ihm der Leutnant sagt:„Du wirst nie mehr zurückkommen", da ist ihm, diesem tragi- komischen Ahasver, auf einmal wieder das Leben lieb, das ihm doch «inen Tritt nach dem anderen uersetzt— weshalb er jetzt zurück- treten will und äugelt und fußelt und sich windet. Zu spät. Charlie mutz„kundschaften".— Und das macht er nun, indem er sich als Baum anzieht. Der Körper ist der Stamm, die Arm- bilden Aeste, und jeder Feind, der in die Nähe kommt, kriegt eins mit dem Knüppel auf den Kopf, aus welch« Weise denn ein de- trächtlicher Teil der deutschen Armee vernichtet wird. Aber einmal muß er doch ausreißen— mit diesem Baumgerüst, mit diesen Beinen! Die Komik der Szen« ist unbeschreiblich -i- Nun wird's aber furchtbar ernst. Charlie flüchtet in ein fast restlos zerschostenes sranzösisches Haus, schiebt die längst zerschösse- neu, glaslosen Rahmen eines Schiebefensters hoch, mn Ausschau nach seinen Verfolgern zu halten, rettet auch noch schleunigst ein einsam herumsitzendes bildschönes junges Mädchen vorm sichern Tod, aber dann: tatütata! Wr tritt ins Zimmer? Der Kaiser'! Und Hindenburg und der Kronprinz! Sonst niemand weiter. Draußen wartet eine Kompagnie Soldaten, führerlos, denn Charlie hat rasch noch ihren Hauptmann eingesperrt. Hindenburg — er sieht gutmütig aus— fragt-„Wo ist der Offizier?" Und sagt zum Kaiser, der sich damit beschäftigt,«ine Heereskarte zu studieren: „Willi, paß gut auf den Krieg auf." Und dann kommt Charlie in der Uniform des von ihm vorhin gefangenen Hauptmanns und schreit auf alle Fälle erst mal:„Ja!", das einzige deutsche Wort, das er weiß und nun mit heiliger Ueberzeugung von sich gibt. (Es ist das die einzige Stelle im Film, an der Chaplin, der Meister der Sparsamkeit, den Mund auftut, um zu reden.) Draußen di« Soldaten wundern sich wohl über den neuen Offizier, sind aber damit einverstanden, weggeschickt zu werden. Ein bißchen viel Köpenick im Krieg, ober warum nicht? Auch den allerhöchsten Offizier und seinen Beifahrer schiebt Charlie beiseite und fährt dann in Beglei- tnng des schönen Mädchens, das er, natürlich, liebt, den Koffer. Hindenburg und den Kronprinzen huppdiwuppdi zu seinen Kam-- raden, die seinen Triumph feiern. Der Kaiser ist, wie er das olles merkt, begreiflicherweise ein bißchen erstaunt... und Charlie, wie er in seinem Zelt aufwacht, ist es auch---- Denn alles war nur ein Traum. Der Traum eines Menschen, der ewig unterwegs, trotzdem aber auf dem richtigen Wea- ist. Der Traum eines unbewußten Revolutionärs. Gotxe Bauch A ussteilungsgespräche— Von Heinrich Hemmer Das Esten ist leariirgetnäß ein Stoff, in den die Menschen am meisten verbissen sind. Diskussionen.darüber enden niemals..In diesem Reich unbegrenzter Gier, und ebensovieler Möglichkeiten, sie zu stillen, bei den über allen Grenzen verschiedenen Kochpraktikcn, stehen die verschiedensten Wünsche einander schroff gegenüber. Es gibt so vielerlei eingeschworcne Fanatiker der Religion des Bauches, als es Kochorten gibt. Und wer könnte diese je alle aufzählen. Allein di« deutschen! Bon der noch Rauchfleisch duftenden Hamburger Patrizerküche, über die monotonen westfälischen Brllhtöpfe nach dem Lande des Späzles, zu den Lcberknödeln, hin nach den Speck- knödeln von Südtirol, das über ein« eigene reiche, in Goldschnitt herausgegeben« Küche verfügt, sowie alle übrigen kulinarisch her- vorragenden Länder der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie, mit dem PHäakenzentrum Wien. Und wer sich dann durch die würzigen balkanlschcn Bauernküchen nach dem rotiomerten Rußland durchgegessen hat(mit der einmal fettesten Küche der Ende) und über das Edelvegetarierland Indien(wo es nichts- destoweniger spezialisiert« Curryköche gibt) nach O st a s i e n gelangt, dem bleibt der Mund vor Staunen offen. Was es im Kochkunst- Zentrum Paris nicht gibt, die r e i ch e n Mongolen leisten es sich: lukullisch« Gastmäler mit Dutzenden von Gängen, Nachtigallen- znngen, Fischmägen, die ruinösesten, extravagantesten Arabesken, Grotesken... dargebracht dem Götzen Bauch. Man soll aus seinem Bauch keinen Götzen machen, heißt es in der Bibel. Zu den heiligsten Gütern der Nationen gehört aber gerade dieser Götzenkult. Der auch hier wohlbekannte Wiener Architekt Adolf Loos sagte seiner aufschreienden Vaterstadt vor meiner Abreise einmal, daß man in Paris bester als in Wien koche, feiner, raffinierter. Man regt den Magen mehr an und belostet ihn weniger. Nun. alles haben die Wiener diesem Loos verziehen, seine ganzen(vermeintlichen) Verrücktheiten, aber daß er ihnen, den armen Wienern, die im Kriege alles verloren haben, nun auch den letzten Trost rauben will, die wunderbar blähenden Germbergbuchtel, die ausgezogenen Griehstrudcl, di« Sennnclknödel, die ganze fellaus- polsiernde Mchlspeiscnherrlichkeit und den Kruspelspitz... das fordert« ihren bittersten Haß heraus, d o hörl sich wirklich olle Ge- mütlichkeit auf. So ist es überoll. Wagen Sie etwas zu jagen gegen die holländisch-indische Rcjstafel, ein Monstergencht, das man(«in Dutzend Boys tragen es heran) in einem Riescnsuppen- teller auf ein Reispolster häuft, 24 scharf« Saucen, alles mögliche Geflügel, Fleffcharten, w a s es nur gibt, danach man regungslos wie eine Riesenschlange daliegt, die einen Elefanten verschluckt hat... wagen Sie es,..nein, wagen Sie nicht so ein Sakrilegium. Oder: Wer Hot den traurigen Mut,, einem den Leibriemen wonnig öffnenden Berliner, der sich anschickt, ein über seinen Teller quollen- des Eisbein zu verzehren, einen welschen Töuritedos zu empfehlen: so einen aus Brot gelegten elenden Fleischhoppen, umgeben von einem gefüllten Rübchen, einem gefüllten Awiebelchen und einem .anderen, sejne Eßaeduld auf'eine harte Prob« stellenden Kinker- litzchen! Gegen den Götzen Bauch kämpfen selbst die Götter vergebens. Ilm ein Köpfchen Ich selbst hatte in der Kochkunst aus st ellung nichts zu suchen. Nichts- außer einem kleinen, mittels Dochts regulierbaren Spirituskocher, den man in dieser patcntreichen Berliner Stadt nicht findet, weil er zu einfach ist. Ich bin Anhänger des „siippsf in'«.", der.orimitiven Lebensführung� l!sth loche fetty*-. mein Süppchen auf f o einem kleinen Spirituskocher, den man iur distzqes Geld stundenlang brennen haben kann, der mich unabhängig ge- macht hat von Menschen und Ländern und mein stiller Lebens- gejährt« war in jo vielen unruhigen Jahren. Ich denke nicht an den Götzen Bauch. Ich esse, irgendwann, wenn ich sohle, daß ich hungrig bin, irgendetwas, das ich mir auf einfache Weife bereite, heute und auch das gleiche wieder morgen, und dann wieder irgend- etwas anderes, das ich mir nicht ausgeklügelt Hab« und van dem ich nicht spreche. Die Engländer, das gefiel mir so an ihnen, reden nicht über das Essen. Niemals, trotzdem sie im Smoking dazu erscheiueir. Es ist, als schämten sie sich dieser menschlichen Bedürftigkeit. Das, was eine Pariser Hausfrau mit Entzücken hört,„Madame, ich habe wunderbor bei Ihnen gegessen", würde eine Eng- ländcrin schwer beleidigen. Und im übrigen koche in einem 10-Psennig-Blechtops, wie man ihn draußen in der Welt überall.zu kaufen kriegt, oder in einem alten Kansitüreneimerchen, Und dos versteht man in Berlin nicht: hier leben ganz einfach nur Leute, die mir ganz einfach leben. „Sie müssen einen Patentkochtops haben, darin können Sic in fünfzehn Minuten ein vollständiges Menü kochen", riet imr Frau Kunigunde. „Hm Gottes willen, kaufen Sie keinen Patentkoch?r, der zerkocht alles", sagte dos zarte mazdaznanisch angehaucht» Fräulein Hedi zu mir, die mir, wie die meisten Frauen, kochenden Männern Äochratschläg« gibt und auf Vitamine etwas hält: Sonnenlichtnahrung. Neu ist an dieser guten alten Sache(man hat immer Saläte gegessen, rohe Selleriestengel, jungen Spargel usw.) nur das System, das einseitige, um jeden Preis durchführen und alles andere ver- abscheuen wollen, und das scheint mir weniger gut. Achnliches sagte ich auch zur Enifettungskur der gar nicht fetten, aber zur Vor- beugung strikte nach Kalorien rechnenden Frau Edith, die das Balkan- und verschiedene Wiener Restaurants aufgegeben hat, um zu fasten. Man hat feit jeher gefastet, und ich beobachte heute noch ganze und halbe Fasttage, dt« irgendwie ganz unvorhergesehen fallen und wo ich meine'2409 Kalorien einfach nicht'zoiammen- trommeln kann. Tier Mörhe nnierhallen Kielt Mit dem Spirituskocher wars»ichts. Ich sah mir die glasierten Pratzenpmnkaussätze an, die mich kalt ließen wie ein Museum, und setzte mich dann erschöpft an einen bierbestandenen Tisch, wo vier hannios aussehend« Herren sahen, die sich aber dann, o, Himmel, als vier Köche verschiedener Nationalität entpuppten. „Berlin ist eigentlich die Stadt permanenter Cßauestellungen", begami ich,„nirgends werden einem so viele Menüs unter die Nase geschoben, und grellfarbige, einzelne, billige, aber aus die. Dauer sehr teure Happen, nirgends steht marr st» vieke oft-außerordentlich reichhaltige Speisekarten ausgestellt,- während doch die Speisen selbst mohreres zu wünschen übrig lassen." Explosion. Alle vier Köche explodierten, und ich simplc.lile. Führer mit. Jetzt erhob sich die wild«, von ollen Seiten gleichzeitig geführt« Diskussion, die nie enden kann, sondern nur aus technischen Gründen abgebrochen wiird«, und hier notdürsttg zusammeng»- stoppell ist Der Berliner Koch sprach von den Leiden der deutsche» üeclifefpcctyen des Tcig&s Qe9cbicdenc in einer Wohnung Eines der traurigsten Kapitel in der Geschichte unseres Woh- nungselends stellen die Wohnverhältnisse von früheren Ehegatten dar, die, obwohl rechtsgültig voneinander geschieden, dennoch in ein und denselben Röunien oder gar Einstnunerwohnung noch monote-, ja jahrelang miteinander Hausen müssen. Durch die Scheidung wird die liebe rtsgemeinschost der Ehegatten bekanntlich beendet: sind beide für schuldig erNärt, so haben sie auch keine Unterhalts- onsprllche mehr gegeneinander. Sie haben sich einander nichts mehr zu sogen, häufig wünschen sie nichts fchnlicher, als„den anderen los ?u fein'. Ob solch Sehnen immer und unter allen Umständen be- rechtigt ist, soll hier nicht entschieden werden. Wollte man näher in solche Beziehungen hineinleuchten, so würden sich zuweilen die seltsamsten Dinge zeigen. Schon Goethe läfst mit lächelnder Satire in der Walpurgisnacht im„Faust" deklamieren: Wenn zwei sich lieben sollen, braucht man sie nur zu scheiden. Aber er gibt dann weiter den Rat, wenn man die Liebe der Gatten stärken wolle, solle man den einen in den sernsten Osten und die.andere ans Ende der SSclt, in den Westen schicken. Dann sieht nämlich erst jeder, was er am anderen Gutes hat, und die gröstten Güter, die der Mensch hat. weig er«nahrungsgemäß nicht zu schätzen, er hält sie für selbst- verständlich, bis das Schicksal ihn eines besseren oder schlechteren belehn. Alles dieses gilt ober nicht für ein Menschenpaar, bei dem die Liebe in mehr oder minder offenen l>aß umgeschlagen ist, die sich einander längst über gesehen haben und sich an ollen Ecken und Kanten stören. Besonders traurig erscheint hier dos Schicksal älterer Gatten die beide mehr oder minder nervös, gereizt oder herzkrank und überempfindlich sind; sie führen manchmal Szenen miteinander aus, die für dritte fast humorvoll oder komisch sind, für sie selber aber gor nicht. Hier haben wir nun immer die Beobachtung, daß jeder Teil den anderen ans der Wohnung herauszuschikaniercn sucht. Der Dichterling seufzt, er könne nicht dichten, wenn„sie' da sei: und die ron ihm einst so angebetete Eva sucht mit allen Listen und Kniffen ihm das Beroleiben in der Wohnung zu verleide«. Es haben sich einstweilige Verfügungen der Gerichte als not- wendig erwiesen, um den geringen Wohnung snium zwischen den geschiedenen Gatten gleich und gerecht.zu verteilen. Selbst die Bade- zeit wurde geregelt. Sehr häufig läßt sich ein Gattenteil, beson- der» die Frau, auch die Einwilligung der Scheidung mit der Au- sicherung abkaufen, daß der andere Teil aus sein Mitwohnung-- recht verzichtet. Don diesem Gesichtspunkt aus hat auch die Schuld- frag« eine neu« Bedeutung gewonnen: Der für schuldig erklärte geschiedene Gatte wird dem unschuldig Geschiedenen weichen, ihm aleichsam das Feld räumen müssen.. Neigt der Mann zu Gewalt- tätigkciten, und läßt er sich erheblich« Körperverletzungen seiner Frau mährend des Scheidungsprozesses oder gor nach solchen zuschulden kommen, so kann die Frau Erlaß einer einstweiligen Verfügung dahingehend beantragen, daß ihm verboten werde, die ihr zu, zu- sprechenden Räume in der gemeinsamen Wohnung.zu betreten. Aber euch hier stoßen sich im Ziaume hart aneinander die Sachen. Es muß gleichsam ein gegenseitiger teilweiser Umzug stattfinden, damit icder Teil seil« Sachen erhält: und bei den Sachen, die im Mit- cigentum stehen, oder deren Eigentum von beiden Parteien beon- ip ruckst wird, bricht gar zu leicht wieder ein Kriegszustand aus. Auch hier wird gegenseitiges Nachgeben und ein gütlicher Ausgleich die einzige Art und Weife sein, um miteinander auszukommen. Aber wem steht nun eigentlich die Wohm.mg zu oder was soll in solch unmöglichen Fällen geschehen, damit es nicht zu Mord und Totschlag kommt? Im ollgemeinen werden beide Ehepartner den Mietvertrag seinerzeit unterschrieben haben. In Ansehung des Rechts, die Wohnung zu benutzen, stehen sie also in einer Art Rechts- gcmeinschaft, deren Auseinandersetzung jeder von ihnen beanspruche kann. Sie müssen sich also beide ans Wohnungsamt wenden, beide ihre Wohnung diesem zur Bersügung stellen und beantragen, daß jeder Teil feine eigene Wohnung erhält. Man kann sich denken, mit welch gemischter Freude der zuständige Vertreter des zuständigen Wohnungsamts solche Anträge liest, die er anuehincn und tunlichst Küche, verursacht durch Armut und Nachwehen der hungrigen Zeit. Di« Fonds werden zu kurz gehalten, die zum Einkauf notierten Posten vom Prinzipal gestrichen: Butter kiloweis«, Sahne literweise, dann muß man zu Hilfsmitteln greifen, Farben, auch an Mensch« Ii material wird gespart(mini«st ein Drittel). Die Preise werden herabgesetzt, die Oualttät folgt auf dem Wege nach unten. Und manchmal haperts sogar mit der Sauce espagnol«, der Ursauc«, der eine halbe Woche kochenden, braunen Grundttmke, be- stehend aus allen dem Koch zufliegenden und von ihm gehamsterten Knochen... von Trüffel- und Madeiratunken nicht zu sprechen. „Plap, plapp,' stigte der Pariser 5loch,„ihr schreibt laiig« Protzenspeisetarten aus, alle Tage dieselben, nicht zu bewältigen, und wechselt zu wenig die Spezialitäten, heute kriegt man da das, morgen dort jenes, am delikatesten iil Paris.' „Und in Wien," sagte der Wiener,„und dann muß der Koch «in Mathematiker sein, das Rezept haargenau ausführen, immer gleich, das gibl's in Berlin nicht, da geht man nach dem Auge, «ich daher esse ich heute hier eine gute Bouillabaisse extra, und morgen im selben Lokal«ine schlechte. Und was ist mit den Berliner Tunken los: sie sind schlechter als die der Provinz, zu fett, zu monoton, zu wenig dem Fleischgericht angepaßt, irgendeine Würze schmeckt vor, statt daß alles zusammen einen unanaly- fierbare», unvergleickzlichcn Effekt hervorruft. Zu jedem Fleisch seine Sauce, zu jedem Gericht der dazugehörig« Wein. Halbe-, Viertel- Portionen, aber eine Reihe davon.(Zwischenruf:„Die machen einen Berliner wahnsinnig.") Der Berliner Koch hat keine Küchen- Prinzipien, versteht nicht den Magen zu dirigieren, Appetit zu erregen. Sagen c-ie in einem Pariser oder sogar Wiener Restaurant, Sie haben keinen Hunger: man macht Ihnen Vorschläge... hier sieht man Sie erstaunt an, so zu sagen, „warum gehen Sie dann ins Restaurant?!'(Ich:„Sehr richtig!") In den billigen Restaurants ißt man in Paris für denselben Preis besser— während in den besseren dieselbe Qualität wie in Berlin teurer ist.' „Man kocht in Berlin,' griff der Pariser wieder in die Unter- Haltung ein,„mtt zu wenig Liebe: Hingebung zur Sache.(Zwischen- ruf des Berliners:„Dqs wird uns nicht anders gelehrt!') Selbst das heUigs Eisbein ist vom raschen Kochen oft zu weich und Gulasch, das«ine Beriiner Nationalspeise zu werden droht, hat mit dem Urgulajch nur die Fleischbrocken gemeinsam, man schmort nicht, man kocht... Tempo, Tempo, fatales Tempo!' Tempo. Tempo, fatales Tempo, machte ich. daß ich wog kam, und im Nachhausegehen dachte ich an das— wie heißt es nur— Sanatorium, in dem man glatt gar nichts zu essen kriegt und dabei arbeiten muß— dos bekommt f 0 gut, bald duftet der wicderge, borene Körper wie eine Blume... aber was das nur wieder kosten wird, die Bewachung des Götzen Bauch vor sich selber? erledigen muß: 2 Wohnungen muß er hergeben und«ine erhält er nur. Es ist sogar der Fall vorgekommen, daß zwei Ehegatten, die eigentlich recht innig miteinander befreundet waren, aber eine sehr schlechte Ehewohnung hatten, sich pro kormo scheiden zu lassen ver- suchten, in der allerdings nur leise ausgesprachenen Absicht, durch das Rechtskraftattest des ScheidungsurteUs zwei bester« Wohnungen zu erlangen. Der Geringschätzung der Einrichtung der Ehe stand das große Sehnen nach zwei Eigenheimen gegenüber— eine Ansckiau- una, die erheblich mehr zum Weinen als zum Lachen anregen mag. Einen besseren Stoff zur.Komödie liefert das alte Ehepaar in der Dreizimmerwohnung, dqs sich in den Tod nicht mehr mag: im einen Zimmer wohnt er, im dritten wohnt sie und im Mittelzimmer hallen sie sich abwechselnd auf: Tritt der eine ins Mittclzimmer, so entflieht die andere voller Antipathie. Einmol droht der Mann, er werde der Gegnerin die Wohnung aufbrechen, wenn sie nicht zugegen s«: ein anderes Mal revanchiert sie sich wieder, wenn nicht mit tätlichen, so doch wörtlichen Beleidigungen. Eine große Rolle spiest bei oll diesen Fragen naturgemäß die Verteilung der Mietleistung. Legt der Mann den größten Teil seines Geldes in Kneipen m Bier oder Branntwein an und überläßt er die Aufbringung der Mietzahlungen nur der Frau, und zwar dauernd, sa kann er sich nicht wundern, wenn der Richter in diesem seinen Verhallen einen Verzicht auf seine Altteilsrechte aus dem Mietvertrag erblickt und der allzu gequällen, vielleicht auch fleißigen Frau schließlich die Wohmmg allem zuspricht. Anders liegt der Fall, wenn z. B. der Mann unter Vorbehalt seiner Rechte zunächst einmal fortzieht und der Frau regelmäßig reichlichen Unterhalt sendet. Hier kann man vielleicht sagen, daß in den Unterhaltsrenten auch ein Teil für die Wobnungsnürtc mitenchalten ist und daß der Mami auch durch längere?lb Wesenheit noch nicht deutlich und endgültig auf seine Wohnrechte verzichtet hat, zumol ivenn er sein« Sachen wenigstens im großen und ganzen als seine hat stehen lassen. Auch das Der- hasten des Hauseigentümers kann hiermit hineinspielen. Ist der Wann ein Trunkenbold und Raufbold, unter dem die Nachbarn schwer zu leiden haben, so wird der.Hauswirt die Gelegenheit, der ruhigen und pünktlich zahlenden Frau zu helfen, nicht narbeigehen lassen Er kann z. B. unter Umständen auf Mietaufhebung nur gegen den Mann klagen: oder euch im umgekehrten Falle nur gegen die Frau, sofern diese ihm genügenden Grund da, zu gibt. Jedenfalls ist dem Teil, der aus eigenen Mitteln dem Hauswirt die Miete -ahll, nur zu empsehlen, sich gegebenenfalls Quittung auch nur auf seinen Namen ausstelle» zu lassen. Lertstoick Herr. II lax Mcmmerich: JUnU'r der Xupc" Dr. Max Kemmerich, der Verfasser der„Kusturkuriasa', der Mann, der in seinen„Beiträgen zur Geschichte der menschlichen Dummheit' gegen die Engstirnigkeit und Intoleranz der Kirchen Sturm lief, W überzeugte Astrologe zieht In einer Aphorismen- sommlung„Unter der Lupe"(Verlag Albert Longen, München) die Bilanz seiner Lebensweisheit im Umgang mit sich selbst und den Mitmenschen. Es ist immer wieder reizvoll, Aphorismen zu lesen. Der Aphorismus bleibt die Quintessenz einer Gedankenkctte, befreit von den Vorgängen der Schlußfolgerungen und Begründungen. Er erhellt blißartig eine Situation, er trifft ihren Kern. Tut er es nicht, dann ist er schlecht formuliert oder falsch gedacht. Manchmal sind es wie bei Schapenhauer Gedanken, die am Rande einer Arbeit auf- tauchen, oder Jmpressianen und Erfahrungen eines reichen Lebens, auf das La Rochesoueould zurückblicken durste. Aber stets muß der Leser die Empfindung der gedanklichen Improvisatian haben. Der Aphorismus ist nicht mühsam konstruiert in dem Bestreben, geistreich zu erscheinen, med hier bei Kemmerich kann man nicht immer daran glauben, daß diese Dinge um ihrer selbst willen dastehen. Kemmerich kokettiert hin und wieder mit seinem Geistesreichtum, erstellt sich für die Großausnahme in Positur, er applaudiert sich selbst über jeden gut gezielten Florettstoß. Doneben steht anderes, das ganz intuitiv Zusammenhänge aufdeckt. Jeder Aphorismus trägt schließlich den Stempel desjenigen, der ihn prägte, aber es kommt darauf an. aus welcher Perspektive der Aphoristiker die West be- trachtet. Kemmerich bleibt öfters an der Oberfläche. Es genügt ihm, wenn er bestimmte Formbildungen feststellt. Das Buch soll gewissermaßen eine Sammlung von Aphons- inen zur Lebensweisheit bedeuten, vor allem über die Beziehimg im gesellschaftlichen Leben. Es ist fast eine Anleitung zum reibungslosen Verkehr zwischen den Menschen, gesehen von einem aristo- kratijchen Standpunkt aus. Für Kemmerich gist mir die Individuali- tät. Er pflegt die Geste des überlegenen, wissenden Weltmannes, der die Relativität der Erscheinungen kennt. Manches nur in der Zeit Begründete überhöht er zu einer Bedeutsamkeit, die dafür nicht paßt. �clix Scherret. Unsere Uzenenf ezrm im&pril Ein wüster Gesell, dieser Monat, bald düster, bald hell. Für die Bienen bringt er manche kritischen Tage. Mit lieblicher Sonnen- glut lockt er sie aus dem warmen, schützenden Haus in die Frühlings- natur hinaus; dann gleich wieder Hagelt und wettert es wild her- nieder. Ungezählte Lienen fallen diesen Wetterstürzen zum Opfer. Schützen wir die Bieuenwohnungen auch im April noch vor lockenden Sonnenstrahlen! Was im April und in der ersten Maienhälfte in der Brut sitzt, entscheidet deic Ausgang der Honigschlacht. Deswegen muß es unser unausgesetztes Bestreben sein, in dieser so wichtigen Zeit der Vor- bcreiwng dahin zu trachten, daß der Bruteinschlag ungestörten Fort- gang nehme. Dazu sind notwendig: i. Unbedingte Wnrme. Schwer sündigen alle Anfangsimker, die mit dem ersten Lenzes- sonnenstrahle alle ihre Völker der äußeren Schutzhüllen entkleiden. Wärme ist jetzt nötiger als mitten im Winter. Der Würmcäkonoinie KSnigin.�bzperrgltter aus hartem Hole mit Laubsäge ausgeschnitten und geglättet. Die hellen Durchgänge sind genau 4l/3mm weit dienen wir im April dadurch, daß wir die Völker recht enge hallen. Da glauben ja manche Anfangsimker ihren Bienen keinen größeren Gefallen erweisen zu können, als wenn sie ihnen, wenn die ersten Blümlein aus der Frühlingserde gucken, den ganzen Brut- räum mst leeren Waben auspolstern: denn— so denken sie—, je mehr Borratskammern, desto reicher die Honigernte. Weit gefehlt! Iii übermäßig großem Räume müssen die Bienen die verzweiseltsten Anstrengungen machen, die Stocktemperatur auf normaler Höhe zu hallen. Das gelingt ihnen nicht immer: dann stockt der Druteinfchlag oder hört ganz auf. Deswegen erweitern wir gegen Ende des April, wenn der Kasten ganz„schwarz' von Bienen ist. den Brutraum mm Honigaufsatzkasten mit Rahmchen Richtig gebeuter Strohkorb fflr den gemischten Betrieb durch Zuhängen einer leeren, schon ausgebauten Wabe. Es wird immer nur eine Wabe zugehängt, unmittelbar an das Britt- lagcr. niemals in dasselbe. Künstlich s Mittelmünby (Kimstwaben) dürfen zum Ausziehen mir gereicht werden, wcim wirkliches Bauwetter eingetreten ist, also nicht vor Mitte oder Ende Mai. 2. Gute Honignahrung. Mit fader Zuckerbrühe alleinig locken wir kein Boll aus der Reserve. In der Zell der Borberellung aus die Volltracht sollten die Bienen förmlich im Honig schwimme». Wer gezwungen ist, zu füttern, der besorge dies nur am späten Abend, wegen der im April besonders stark austretenden Räuberei und gebe dos Futter gut louwar m. Am vorteilhaftesten würde sicki eine Frühjahrssütterung gestalten, wenn eine Honigreserven- wab e, entdeckell und ein paar Sekunden in laues Wasser gestoßen, den Bienen an ihren Sitz gehängt würde. Deswegen gebe ich den wohlmeinenden Rat, beim nächsten letzten Schleudern für jedes Kastenoolk zwei gedcckelte Honigwaben zu reservieren. Wir legen damit ein kleines Kopital auf hundertfache Zinsen an. st. Unentwegte Ruhe. Diele Imker können sich nicht genug tun in der Befnedignng ihrer Neugierde. Jeden Tag wird kuriert, doktoriert, im Brutlager heruiugeschuüsfelt. Das kann sich verhängnisvoll auswirken. Ick) möchte nicht wissen, wie viele Völker schon zu Tode geguckt wurden! Die Bienen werden renitent, stechlustig, der Bruteinschlag wird bei jedem Eingriff gestört, das kostbare Leben der Königin ist in steter Gefahr. Alfa— liebe Jmkergcnossen: Eine Beute in dieser Zeit nur in dringend st er Not öffnen! 4. Tadellose ftünigin. Niemals kann ein Bolk hoch kommen, wenn es ein altes. krankes, schivaches, müdes Müllerlein fein eigen nennt. Ausschluß über die Leistungsfähigkeit der Königin gibt der Befund des Brut- neftes. Ist dies geschlossen, d. h. befinden sich innerhalb der Brut- kreise keine oder nur wenige leere Zellen, so kann die Stockmutter belassen bleiben. Andernfalls wird sie auf die„schwarze Liste" gesetzt und in der Schwarmzeit von einer erstklassigen Nachschwarm- königin umgeweiselt. Der bienenwirtselzaftliche Betrieb setzt im April in vollem Umfange ein. Welche Betriebsart wählen wir? Auf Grund meiner mehrere Dezennien umfassenden Erfahrung müssen wir den gemischten Betrieb besonders für Anfänger empfehlen. Reiner Strohkorbbetrieb rentiert sich heute nicht mehr. Die Bienen müssen dabei viel zu viel kostbare Zell mst dem Wachs- bauen vertragen. Wenn der Korb vollgetragen ist, legen sich die 'Arbeiterinnen in einem starten Zopf unter dem Flugloche vor, die so kostbare Zeit im süßen Nichtstun versäumend und verträumend. Zum gemischten Betrieb gehört zunächst der richtige Strohkorb, im Haupte mehr abgeplattet als spitz, ohne Flugvssnung, die, in dos Unterbrett eingeschnitten ist. Wer später wieder Strohkorboölker einkauft, nehme auch daraus Bedacht! Der untere Stroh wulst ist besonders stark geflochten, damit er der Honigschwere— wenn der 'Aufsatz angebracht ist— gewachsen sein kann. Der wichtigste Teil des gemischten Betriebes ist der Honigaufsattkasten. Wir ferttgen ihn uns selbst aus sechs Kistenbrettchcn. Der Deckel ist übergreisend, damit kein« Wärme entfliehen kann. In das Unter- brett ist eine kreisrunde Oeffnung eingeschnitten, die ans der Innenseite mst einem Königinabsperrgitter übernagell ist. dornst die Königin nicht in den Honigraum gelangen kann. Das ist alles! Kostet wenig, verlangt wenig Zeit und garantiert eine Ernte, die jener des reinen Äastenbetriebes in nichts nackisteht. Die Aus- stattung des Aufsatzes bilden Rähmchcn mst'Abstandsstiften, deren Anfertigung wir in nächster Abhandlung beschreiben wollen. In die Rähmchcn werden künstliche Msttelwande mittels flüssigen Wachses eingelötet. Auf keinen Fall darf der Honigaufsatz zu frühe angebracht werden, nicht vor Mitte oder Eiche Mai, nicht vor dem Einsetzen der Bolltracht. Um das Spundloch des Strohkorbes wird ein kräftiger Ring aus fteinfreicm Lehm gelegt und daraus der Aufsatz gedrückt. Oeffnung auf Oeffnung! Gelegentlich unserer späteren Mitteilungen werden wir immer wieder auf den gemischten Betrieb zurückkommen. � Der Weltkinderiag in Wien Olympiade der ABC-Sdiützcn I Daß i if„Großen' im Äuli nach Wien fechren, wiss-en wir schon. iind daß es eine seine Sache wird, ist auch bestimmt. Aber bcs Neueste ist doch, baß diesmal auch die Kinder daran teilnehmen. So etwas war noch nicht da. Selbst 1925, als die 1. Arbeiter- Ryinpia« in Frankfurt o. M. stattfand, wurden die Kinder nicht mit herangejoaen. Diesmal ist eine besondere Form gefunden, die amen Erfolg»erjpricht. Die Buben und Mädels sollen nämlich zur O u o e r t ü r e fiir dos große Fest ausspielen. Am Sonntag nor der D'ympiod«, om 19. Juli, treuen die ösierreichischen Kinder sich im Wiener Stadion. Zur gleichen Swnde sollen auch in allen anderen der Arbeiter-Sport-Jnternationale angeschlossenen Länder die Sport treibenden Kinder zu örtlichen Veranstaltungen zusammengerufen werden. Fiir diesen Weltlindertag sind Massenübungen aus- gearbeitet, die Äinderlieder in den Dienst der Gymnastik stellen. Diel- leicht können auch Rodiogrüße aus Wien vermittelt werden. Vor allem soll aber Freude sein, auch Freude darüber, daß in allen Ländern die Kinder des Arbeitersports zur gleichen Zeit das gleiche Fest seiern. Das gibt«inen internationalen Gleichklang, dos Gesühl allgemeiner Verbundenheit. Es wird zur Erinnerung für lang« Zeil. Das besondere Gepräge dieses Weltkindertages besteht aber nicht nur in seinem internationalen Charakter. Es wächst über di« bisherigen Kinder-Sportneronstolwngcn hinaus, denn alle V e r- bände sind daran beieiligi. Neben den Turnern, di« zweifellos die größte Teilnehmerzahl stellen, werden die Schwimmer, Natur- sreund« und anderen Organisationen ihre Kindcrscharcn delegieren. Ilnd ihre besondere Note roerdcn die Feste durch die Teilnahme der Klnderfrcunde erhalten. Die Reichsleitung der Kindcrsreunde hat bereits alle ihre Ortsgruppen aufgssardert, sich am Weltkindcr- tag des Arbeitersports zu beteiligen. So erkennt unsere Jugend spielend und unbewußt das schöne Wort Solidarität, sie lernt die enge Verbundenheit und die Ideal« der Arbcitcrsportbewegung ver- stehen. Neben dem„Frei-Hcil* wird der Gruß„Freundschasl" alle eng verbinden. Es mär« eine schöne Sache, wenn die Kinder wie in Oesterreich über den Ort hinaus im größeren Verband« zujammcngeiühr: werden könnten. Aber kür den ersten Versuch können auch die ort- lichen Veranstolwngen einen guten Erfolg bringen. In der gegen- wärtigen Zeit der Not scheitern auch an der Finonzsrage größere Pläne. Selbst viele unserer erwachsenen Spartler und Eportle- rinnen werden infolge Arbeitslosigkeit nicht nach Wien fahren können. Sie sind willkommen bei der Olympiade der Jüngsten. Helft mit zum guten Gelingen des Welt-Kindertages! Z-taliensportf est der Polizei Dos sechste Hallensportfest der Berliner Schutzpolizei, für das wieder der Berliner Poli zeisport verein v«rantworrli6> zeichnete. wurde abermals ein großer Erfolg. Polizeiprösitzcnt G r z e s i n s k i und Vizepräsident Dr. Weiß waren anwesend, ferner Vertreter des Reichsministeriums und des Preußischen Ministeriums des Innern, des Preußischen Finanzministeriums, des Reichswehr- Ministeriums und der Heeresleitung. Alle Vorführungen,-darunter die bekannten Massenübungen der Polizei, fanden außerordentlich starken Beiiall. Den Mittelpunkt der Geichehnissc bildeten jedoch die l« i cht a t h l e t i s ch e n Weit- bewerbe. Die erste große Entscheidung gab es mit der 4X�00- Meter-Staffel, in der Kurt Weiß als dritter Mann den Berliner Sportklub an die Spißc brachte. Di« Träger des gelben Adlers siegten schließlich mit der Mannschaft Weißkind, Wies«, Weiß, Pöschke in 5:41 vor dem Schönebergcr TSC.(3:41,4) und dem Polizeisportverein(3:41,7). Im 3 000- M e i e r- M a n n- fchastslaus setzte sich erwartungsgemäß Hannover 78 mit der Mannschaft Dieckmann, Petri, Boitze siegreich durch. Die Hau- noveraner ließen mit einer Zeit von 9:l1 di« Berliner Polizist«» Molitor, Behnkc, Psarr um etwa 60 Meter hinter sich. Den dritten Platz besetzt« Allianz. Den ersten über 60 Meter führenden Erst« scheidungslauf zum S p r i n t« r k a in p f, für den Norkämpf« er- erforderlich waren, Holle sich Körnig In 6,9 vor Lierfch(Charlotten- bürg), Dent(Schönelxrg) und Lammers(Oldenburg). Körnig holte sich in gleicher Zeit auch den zweiten Lauf und siegte damit im Gesamtergebnis' mit 12 Punkten vor Vent und Lierfch mit je neun sowie Laininers mit sechs Punkten. Im 60- Meter- Hü rd.e n l a u fe n kam Beschetznil(DSC.) als Erster«in, mußt« aber wegen Reißens zweier Hürden disqualifiziert werden,(o daß T r o ß b a ch(Berliner ST.) in 8,4 Sekunden einen glücklichen Er- folg davontrug vor Langwald(BSC.) und Richter(Zehlendorf) Der interessanteste Wettbewerb war der 1000-Meter-Lauf, in dem Kahler (BSC.) lange mit großem Aorsprung führte. In der letzten Runde ging aber Fredy Müller(Zehlendors) an die Spitze und siegt« überlegen in 2:35 vor Dr. Peltzer(2:35,6), Kahler, Hellpap(Stettin) und Danz(Charlottenburgf. Spannender denn je verlief die 20X2- R u n d e n- S t a f f e l, die erst beim letzten Mann zugunsten des S p a rtklubs Charlottenburg vor dem Deutschen Sportklub, Polizei und Berliner Sportklub entschieden wurde. Auch die übrigen Wettbewerbe brachten viel Anregung, be- sonders das Handballspiel, das der Turn verband Berlin dank eines ausgezeichneten Torhüters überraschend mit 2:0(2:0) gegen den Polizeisportvercin gewann. Im Fußball sicglen die Schüler des Polizeisportvereins mit l:0 gegen Diktorio, und beim Tauziehen behielt Polizeischule Brandenburg gegen den Polizeisportvercin einen Vorteil. Schwächere Beleuchtung bei Motorrädern erlaubt. Die Ver- ardnung über den Krastsahrzeugvcrkehr vom 15. Juli 1930 hat be- kanntlich eine wesentliche Verschärfung der Beleuch- tungsvorschrijten gebracht. Während bis dahin 20 Meter vor dem Fahrzeug die Lichtstärke mindestens 1 Lux betragen mußte, forderte die neue Vorschrift die gleiche Wirkung auf 100 Meter Entfernung. Die Vorschrift dieser mehrfach stärkeren Leistung er- schien den Behörden notwendig im 5)inblick auf das Internationale Abkommen über den Kraftsahrzeugvebkehr, das diese Reichweit« der Scheinwerfer sür Kraftfahrzeuge im internationalen Grenz- verkehr vorsieht. Schon damals wurde von der Kraftverkehrswirt- fchaft auf die Notwendigkeit einer Differenzierung der Borjchriften sür die einzelnen Kraftfohrzeugarten hingewiesen. Die in der neuen Berkehrsordnung gestellte Forderung sei zwar sür Kraftwagen be- rechtigt, sür Motorräder, insbesondere aber für Klein- krafträdcr, ginge sie zu weil. Dieser Auffassung hat sich nunmehr mit Rücksicht auf die schlechte Wirtschaftslage auch die Behörde angeschlossen. Die Landesregierungen sind daraufhin um Erlaß einer Vorschrift ersucht worden, nach der die vor dem 15. Juli 1930 gültige Bestimmung über«in« Reichweite der Scheinwerfer von 20 Meter bei ausschließlich im inländischen Verkehr benutzten Krafträdern varläuftg ihre Gültigkeit behält unh entsprechend aus- gerüstete Maschinen bis zum 31. Febniar 1932 zugelassen werden. -ARBÜTER. ruSSBALL Am kommenden Sonntag wird in beiden Abteilimgen der Kr« ist lasse die Borentscheidung fallen. Der Kreismcistcr Luckenwalde l erwartet auf dem Sportplatz in der Hetzheide in Luckenwalde Eintracht-Rcinickcndorf. Die Reinickendorfer haben in ihren letzten Spielen so erkennbare Fortschritt« gezeigt, daß sie wohl imstande sein werden, dem Kreismeister die Punkte abzunehmen. Hertha-Luckenwalde muß nach Trebbin fahren. Auch die Trebbiner zeigten bisher Leistungen, die man von ihnen nicht gewohnt war. Spandau 25 erwartet in der Seeburger Straße Lichtenberg 1. Die Lichtenberger sollten nach den bisher gezeigten Spielen als Sieger den Platz verlasien. Karow spielt auf«igenem Platz gegen Eich« Köpenick. Die Karowcr haben wenig Aussicht auf Gewinn der Punkte. In den Bezirken gibt es interessante Spiele um die Füh- rung in den Abteilungen. In Lichtenberg, Normannenstraße, stehen sich Normannia und Oberspree gegenüber. Der Sieger aus dieseni Spiel dürfte auch die Führung in der Abteilung an sich reißen. ASB.-Neukölln spielt gegen Herzseldc. Britz 88 geg«n FTGB.-Osten. Storckow gegen Hoppegarten. Wildau gegen Minerva, Bezirks- Mannschaft. Eich« 2 gegen Äagel. Strausberg gegen Wacker 30. Lichtenberg, Bezirksmannschast, gegen Eiche, Bezirksinannschast. Deutsch-Wusterhausen gegen Selchow, Friedersdorf gegen Dolgen- brodt. Wildau 2 gegen Storckow 2. Freie Scholle gegen Eilstracht, Bezirksmannschast. Zehdenick gegen Borwärts-Wedding. Saxonia gegen Weißensee, Bezirksinannschast. Eintracht-Spandau gegen No- wawes. Ketzin gegen Nauen. Potsdam gegen Brandenburg. Brieselang gegen Eladow. Rathenow gegen Rathenow-2üd. Havel- berg gegen Wittstock. Wittenberge geg«n Pritzwalk. Perleberg gegen Kyritz. Bolkssport-Ncukölln gegen Tcmpelhof. Wilmersdorf gegen Teltow. Luckenwaldc I, Bezirksmannschast, gegen Treuenbrietzcn. Woltersdorf gegen Kloster Zinna. Zweite Mannschaften. Normannia gegen Obersprce. ASB.-Neukölln gegen Herzselde. Britz 88 gegen Osten. Storckow gegen Hoppegarten Templin 1 gegen Pankow 2. Zehdenick gegen Lychen l. Wanedorf gegen Fr. Scholle. Freienwalde gegen Oderberg. Eintracht-Spandau gegen Nowowes. Ketzin gegen Nauen. Potsdam gegen Brandenburg. Brieselang gegen Eladow. Rathenow gegen Rathenow- Süd. Sokol gegen Staaken. Caputh gegen Werder. Potsdam 2 gegen Charlottenburg. Spandau 2 gegen Butab 2. Fohrde 2 gegen Premnitz 1. Trechwitz 1 gegen Ältbensdorf 1. Grebs 1 gegen Schollehne 1. Neukölln gegen Teltow 3. Wilmers- darf gegen Teltow.— Iugendmannschastcn. Normannia gegen Minerva. Lichtenberg 1 gegen Nowowes 2. Brandenburg gegen Wilmersdorf. Beginnder Spiele: Erste Männermannschaften: 16 Uhr: zweite Männermannschaften: 14.13 Uhr: Jugendmonnschasren: 10.30 Uhr._ Hockey am Sonntag Freie Turnerschoft Groß- Berlin Nordring 5«mpfängt auf eigenem Platz in der Schönhauser Wee den Bezirk Pankow vom gleichen Verein. Nordrin-g dürfte den voraussichtlichen Sieger stellen. Spielbeginn um 15.30 Uhr. Schiedsrichter: Ostring. Im anderen Spiel der Gruppe A treffen sich der Bercin sür Leibesübungen Ostring, und der Sportverein Moabit um 10.30 Uhr im Lichtenberger Stadion. Schiedsrichter: Nordring. Hier drüftc Ostring als vor- aiixstchtucher Sieger z» erwarten lein. In der E r u p p e B spielen: Tennis-Rot 2 gegen FTGB. Nordring 2 um 10.30 Uhr I Platz Ost, Laskerstraße. V. f. L. Ostring 2 gegen FTGB. Pankow 2 um 9 Uhr, Stadion Lichtenberg. Schieds- richter: Moabit l. In der Gruppe C spielen: Tennis-Rot 3 gegen FTGB. Osten l um 9 Uhr in der Laskerstraße. V. f. L. Ostring 3 gegen SV. Moabit 2 um 12 Uhr, Stadion Lichtenberg. Schieds- richter Osten 1. FTGB. Nordring 3 gegen FTGB. Mariendorf 2 um 18 Uhr in der Schönhauser Alle«. Schiedsrichter Pankow 1. In der Fraucngruppc: Nordring gegen Tcnnis-Rot 2 um 14.30 Uhr, Schönhauser'Allee. Schiedsrichter: Pankow 2. V. f. L. Ostring gegen FTGB. Pankow Frauen um 14.30 Uhr. Schiedsrichter: Nordring 2. An Gesellschaftsspielen beteiligen sich in Spandau aus den Sportplatz Wilhelmstrahe(Exerzierplatz) Freier Hockey- Club Spandau und Tennis-Rot um 13,15 Uhr. Schiedsrichter: Ostring 2. Nachdem findet noch ein Frauenspiel Volkssport Neukölln-Britz gegen Tennis-Rot um 16.45 Uhr statt. Außerdem findet«in weiteres Spiel auf dem Wassersport platz Plötzensee zwischen den De reinen Volkssport Wedding und dem Athletil-Sport-Club statt. Spiel-, beginn: 10.30 Uhr. Schiedsrichter: Neukölln 1. MxauUockW Reger Spielbcirieb am Sonntag •>!.,! Vi! In der 1. Klasse spielen am Sonntag in der Abteilung A FTGB.-Osten gegen Velten um 15,10 Uhr in Bödikerstraß«: FTGB.- 1 Nordring gegen Volkssport Wcdding 1 um 15 Uhr auf dem Platz an der Schönhauser Allee, und Mahlsdorf gegen Köpenick mn 14 Uhr in Mahlsdorf, Hönower Straße. In der Abteilung B spielen Voltssport Neukölln gegen Volkssport Wedding 2 im Neuköllner Volkspark: Schöneberg gegen FTGB.-Siidcn auf dem Dominikusplatz, und Nowowes gegen Hennigsdorf in Nowawcs. Diese drei Spiele beginnen um 10 Uhr. Außer FTGB,-Osten werden die andören Platzvcrein« di« Punkte abgeben miissen. Etwa» un- gewiß ist nur das Spiel Neukölln gegen Wedding 2, die sich in der Herbstrunde unentschieden trennten. Spiele der übrigen Klassen: 2. Klasse: Bauinjchulenweg 1 gegen Köpenick 2; Adlershof gegen Fürstenwaldc: Kaulsdorf gegen Erkner: Stralau gegen Strausberg: FTGB.-Oberspre« gegen Osten 2: Wildau gegen ASC.: Reinickendors-West gegen Pankow: Zllt-Ruppin gegen Roscnthal: Nordring(Sportler) gegen Bernau: Norden 1 gegen Norden 3; Luckenwalde(Sportler) gegen Schöne- berg 2; Süden 2 gegen Volkssport Neukölln 2: Wilmersdorf gegen Friedenau: Berlin 12 gegen Teltow: Zossen gegen Schöneberg 3. 3. Klasse: Müncheberg gegen Fußballklub Oberspre«: Südost gegen Rehsclde: Kalkbcrge gegen Lichtenberg: Kaulsdorf 2 gegen Halbe 1: Nordring 2(Sportler) gegen Falke 1; Marwitz gegen Sportklub 1930: Retzien gegen Nowowes 2; Treuenbrietzen gegen Zehlendorf: Ruhlsdorf gegen Luckenwalde 2(Sportler): Wannsee gegen Friedenau 3: Lankwitz gegen Neukölln 3.— Frauen: Kauls- darf gegen Nowowes: Mahlsdorf gegen Osten: Köpenick gegen Bohnsdorf: Adlershof gegen Baumschulenweg: Südost gegen Lichten- berg; Reinickendors-West gegen Volkssport Wsdding 2; Tegel gegen Nordring: Luckenwalde I gegen Schöneberg: Luckenwalde II gegen Süden; Luckenwalde(Sport) gegen Volkssport Wedding 1. I» Gesellschaftsspielen stehen sich gegenüber: Männer: Bohnsdorf gegen Rahnsdorf: Baumschulenweg 3 gegen ZDA. 1:- Friedrichssclde 1 gegen Proles y, Frisdrichsthol gegen Bötzow: Bornstedt gegen Nauen: Potsdam gegen Tennis-Rot.— Frauen: Hennigsdorf gegen Norden 1 und Veiten gegen Fichte. ..Solidarität", Radiahrrr, Ortsuruppc Srosi'Berlin. Tourcn am coiuo««. dem 29. Ääriii 1. Abt.: Wänodori. Start 9 Utir Bittomtlr. Sö. bei Nroll.— 2. ildt.: Polsdom. Riuuerschanv. Saatrm uiel. Start S Udr M-ffrnbachttr. SS, bei Rdode. IS Utir in Saattvinkcl Besickttauna der Rcttunqssiation de» ASP. — S. Abt.: Werbetour. Start ti llbr MariannenpIatV IS Uhr Lirlchaarten. Wcltretlaurant.— 6. Abt.: Start»ur Werbefahrt!» Uhr Napenliaaener Str. 17, Zelt.— 9. Abt.: Sckönwatdc. Start IN Uhr Triftstr. Iis, Schreiber.— Abt. �riedrichshai»: Aniahrt nach Pohnsdorf.„.Zu den Vier Jahreszeiten". Start IS Uhr Petersburacr Plah.— Abt. Jtcutütiii; Rundfahrt: Öctncc, Fredersdorf. Ndniaswulterhaufen. Start S Uhr Kohen�ollernplah.— Abt. Moabit: tziel am Start. Stört IS Uhr Wicteffir. 17, Schmidt.— Abt. Retnickentarf: Rainerf«. Start S Uhr Proviniftr. 108. Rcuinonn.— Abt. Lichtender«: Werdelabrt. Start 7>4 Uhr Kinow. Ecke Oderftrahe, Jöeirtel.— Abt. Wilmersdorf: An- fabrt: Pichetsberhe. Start IN llbr AUdeaardftr. IS. Lau.— Abt. Steatih- Lichterfetde: Beleiliftun« am Narteltfvvrtfrf«. Schöueber«.— Abt. Echöncber«: Ziclcillaun« am kiarlettfoortfeZt.— Abt. Weihenfee: Wcrbefabrt. Star: 10 Uhr Antonplah.— Abt. Obcrfchönemcide: Ahrensfelde. Start IS Uhr Wilhelmine»» hofstr. St.— Abt. Mahtsdsrf: Linbenber«. Start IS Uhr. Nord.— Abt. Trevtow.Paumschutcnioca: Sputcndorf. Start 10 Uhr Bahnhoi Baumschulen- me«.— Rennfahrer Bertln-Mitte: SerAfetde. Start 8 Uhr Srldcl- Scke Neu- diritnstrahe.— Die Abteitunae». die Werbesahrten fahren, werdrn darauf hinnemiescn. daß Demonstrieren verboten ist. Verteilen der Flunblätter ist «eftattet, aber nicht während der»irchieit.— Abteiluagssahnoarte! Montau. tbl. Märt, findet bei Lohann. Brltderstran«, eine �ahrwartesiäunu statt. Besinn 20 Uhr. Erscheinen aller Adieitunusfahrwarie ist nolwendi«. SO. Mitu. 20 Uhr, Iuuendlciteriillnna im Lokal der IZahrwarte.— Achtnn«, Achtllp«! Welle »Solidarität". Im Avril freiem Eintritt! «eichobannee, Ztuderrie«? Berlin. Sonnabend. 28. Muri, 20 bis 32 Uhr, Naftenrndern in Stralau, Tunnelsli. S— t. Sonntag, 2S. März. Aurndern vilnkltich 9 Uhr Bookshali« Bcndenschloh. Ab l" Uhr Bunter Abend im Boot». hau». iNältt willk-Nnmen., vfrrie ttauu Union«öroh-Berlin E. B., Abt. Kaoel. Sonntau, 39. Märt. 10 Uhr, Arbeitsdienst im Bootshaus. Sand ball. Bärseufvicl. TTSB.. Baumfcknllenwea N«eqen Erkner in Erkner um 1214 Uhr. Ztino-Bufch. Berlin. Friedrich» feldc, Alt-llriedrichsfelde 3, das bekannte Binotheater des Osten», deuinnt heut« feine Towfitmprourammc. Die?a». filme werten auf allerbester Alanufilm-Lichtwn-Apvuratur norueMbrt. Ei»- trittsvrcife»nverändcrl. 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J6.05 Paul Hempcl: Deatschtands Marathonlätifer und die oiymimcken Spiele 10.32. 16�0 Uuterhaltungsmusik. 17.30 Agnes Miegcl liest eigene Dichtungen. |7.55 Das neue Buch. Hia'mar Schacht: Das Ende der Repacafloaeau(Mikrophon: Dr. Emil Leimdörfer.) 18.05 Dr. Wilhelm von Kries: Europäische und asiatische Wirtschaitsaescbammg. 18.30 Heinrich Mann zum 60. Geburtstag.(Gottfried Benn.) 19.00 Josef Strauß.(Eine musikalische Plauderei.)(Dr. Erich Tertner; Berliner Konzert-Verein. Dir.: Dr. Wilhelm Qrosz.) 20.00 Breslau: Drsendung...Im Osten die Schlesiag.44 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 2J.10 Opernlyrlk. Dirigent: Oscar PreuB. Mitnr.: Rose Adler; Joseph Schmidt; Cornelis Bronsgeest 22.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend: Stunde für die Winterhilfe, K ft n i g t v n s t• r h t«» e*. 16.00 Schulrat E. Saupc: Die Scbabesichügvngeo in der AibetKnchnle. 16.30 Leipzig: Konzert 17.30 Curt Holzel: Setbstdacstellnngen großer Zeitgenossen. |8.00 Dr. Gerhard Gottzmann: Die steuerliche Belastung in den greden Tndn- striestaaten. 18.30 Prof. Dr. Sachs: Stil der Zeit J9.00 Wissenscb ältlicher Vortrag für Tlcrtrrte, J9-30 Min.-Rat Prof. Woldt und Otto Heßler: Mecha nnteraoe ata I�ehena- schicksal. 30.00 Köln: Abcndmosik.— Lustiger Abend. Total AosveM wegen günzlicher Oeschaftseufiösung Gardinen, Stores, Ripse, Mull, Voile, Bettdecken, Portierenstangen zu RSumungspreisen �pezial-Ganünen-WerkstSttei s. Rrfloer, NenkOlln, Bergstr. 67 2. Stock, direkt ani Ring-u U-Bahnhof Südrins Benenaemedern alle Arien Baumuiolluiaren billig und dauerhaft bei Ed. Hofffmeister, SO s«, Wiener StraBe 20 seit 40 lab reu am GArlitzer Bahnhot Berliner Fahnenffabrik Fischer& Co.. 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