Morgenausgabe Nr. 147 A 24 4S.Iahrgang Wöcheutllch SVPs� monatlich 5,SV M. im voraus zahlbar. Postbezug 4,32 SR. elnfch(leBlid) 60 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands» abonnement 6,— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksache» vorto 5.— SR. ♦ Der.Vorwärts� erscheint wochentäg» lich zweimal. SoniUags und SRontags einmal, die Abendausgabe für Berlin und tm Handel mit dem Titel.Der Abend- Illustrierte Beilage„Bol? und Zeit- Ferner.Frauenstimme", �Technik"..Blick in die Bucherwcll". .Iugend-Borwarts'u..Stadtbeilage� P> WG> VsrSinee VolkSvlatt Sonnabend 28. Marz 1981 Groß-Äersin pf. Auswärts 15 pf. Die eins palt Nonpareillezeile 80 Pf. Retlamezeile 5,— RM.„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. (zulässig zwei fettgedruckie Worte), jedes weitere Wort 12 Ps. Rabatt lt. Ta,if. Stellengesuche das erste Wort 15 Pf, jedes weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaden zählen flu zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien» anzeigen Zeile 40 Pf. 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Berichterstatter: Wilhelm Sollmau«. 5. Bericht des Parteivorstandes: a) Allgemeines. Berichterstatter: Max Westphal. b) Kasse. Berichterstatter: Konrad Ludwig. 6. Bericht der Kontrollkommiifion. Berichterstatter: Wilhelm Bock. 7. Wahl des Parteivorstandes und der Kontrollkommission. 8. Erledigung der Anträge, soweit sie durch die vorstehende Tagesordnung nicht erledigt sind. Der Parteitag setzt sich zusammen aus den in den Bezirksverbänden gewählten Delegierten, der Vertretung der Reichstagsstaktion, den Mitgliedern des Parteivorstandes, des Parteiausschusies und der Kontrollkommission. Anträge für die Tagesordnung des Parteitages werden nur behandelt, wenn sie von Parteiorganisationen gestellt und spätestens bis zum 28. April beim Parteivorstand eingereicht sind, damit sie laut Organisationsstatut § 13 Absatz 2 spätestens am 3. Mai im„Vorwärts" veröffentlicht werden können. Zum Parteitag gestellte Anttäge, müssen jeder für sich auf ein besonderes Blatt Papier, einseitig beschrieben und mit der Angabe, zu welchem Punkt der Tagesordnung gehörig, versehen sein. Wegen Wobnungsbeschaffung müssen sich die Delegierten rechtzeitig beim Lokalkomitee melden. Adresse: Karl SchrSrs, Leipzig, Tauchaer Straße 182 21. Gastkarten für den Parteitag werden von dem Lokalkomitee in Leipzig ausgegeben; Zutrittskarten für die Berichterstatter der Presse nur vom Parteivorstand, Berlin SW68, Lindenstraße 3. Der Parteworstaud. Einspruch des Reichsrais. Steuererhöhungen nicht zustande gekommen.— LichtspielnoveNe ist Geseh. Der Reichs rat hat gestern mit Mehrheit gegen dt« vom Reichstag auf Antrag der Sozialdemokraten be> schlossene Tantiemensteuer und Erhöhung der Einkommen- steuer Einspruch erhoben. » Der Berichterstatter empfahl für den Einspruch gegen betbt Gesetze folgende Begründung. Der Reichsrat schließt sich der in wiederHollen Kundgebungen vertretenen Ansicht der Reichsregierung an, daß in der heutigen Zeit, in der alles darauf ankommt, die Bildung von Privatkapital inner- halb der deutschen Grenzen zu fördern und das Bertrauen der Wirt- schaft zu stärken, es nicht vertretbar ist, die Steuern erneut an- zuspanncn. So sehr der Reichsrat eine Erleichterung der notleidenden Genicindefinanzen für geboten hall, so muß er doch diesem Gesichts- punkt den Vorrang einräumen. Cr spricht aber die bestimmte Erwartung aus, daß dos Reich den durch die Unterstützung für die Wohlfohrtserwerbslosen schwer belasteten Gemeinden mll größter Beschleunigung in anderer Werse ausreichend« Hilfe zuteil werden läßt. Als sofort in Frage kommend« Maßnahme muß die Ber« ringerung der Auslaufsfrist der Krisenunter» stützung gesordert werden, damit nicht plötzlich eine große Zahl von Krisenuntcrstützten ausscheidet und den Gemeinden zur Last fällt. Der Vorsitzende, Staatssekretär Zweigert, stellt daraus ohne besondere Abstimmung fest, daß der Retchsrat dem Vorschlag der Ausschüsse auf Cinlegung des Einspruchs mit Mehrheit zustimmt. Hessen erklärt, daß es Stimmenthaltung übt. Kein Einspruch gegen Lichifpielnovelle. Zu der vom Reichstag beschlossenen Novelle zum Lichsspielgesetz, wonach verbotene Filme vor bestimmten Personenkreisen zur vor- sührnng zugelassen werden können, beantragt bayerischer Gesandter v. preger den Einspruch des Reichsrats, da es nicht notwendig sei, aus der resormbedürsligen Materie des Lichlspielgesehe, jetzt einen einzelnen Punkt Herauszugreisen. Der Antrag findet nicht ge- nügende Unterstützung. Entsprechend dem Vorschlag des verichlerstatler« beschlieht der Reichsrot, Kenntnis zu nehmen ohne Einspruch einzulegen. Osthilfe und Eiat. Durch Kenntnisnahme werden ferner die Reichstags- Seschlüjje über die Osthilsegesetze. über Zolländerungen. über die Verlängerung der Pachtschutzordnung, über die Verschärfung der Versicherungsaussicht, über das Gesetz gegen Waffen- mißbrauch und über den Schiffssicherhellsvertrag endgüllrg be- stätigt. Bei der Zollvorlage übte der Vertreter Bremens Stimm- enthalkung. Entsprechend dem Antrag des Berichterstatters beschloß der Reichsrat, dem Haushalt endgültig zuzustimmen. In einer Entschließung spricht der Reichsrat für den Fall des Erlasses von Notoerordnungen die Erwartung aus. daß unbeschadet des Art. 67 der Reichsoerfassung die Reichsregierung, wenn durch eine Notverordnung die Länder und©entcinden berührt werden, vorher mll dem Reichsrat Fühlung nehmen wird. * Auf Grund der Erklärungen, die die Reichsregierung in den letzten Tagen zu den Steueranträgen der Sozialdemo- kratie abgegeben hatte, war anzunehmen, daß die Lerabschie- duna der Anträge im Reichsrat nicht einstimmig erfolgen werde. Bei dem Beschluß des Reichstags über die Er- höhung der Einkommensteuer konnte man aus gewissen Anzeichen entnehmen, daß sich im Reichsrat eine Mehrheit für einen Einspruch finden werde, zumal das preu- ßische Kabinett unter Ueberstimmung der sozialdemokratischen Kabinettsmitglieder beschlossen hatte, im Reichsrat für einen Einspruch gegen das Gesetz zu stimmen. Die Beschlüsse des Reichsrats haben zur Folge, daß prak- tisch für bestimmte Zwecke im Reichshaushalt für 1931 keine Mittel zur Verfügung stehen. Die ablehnende Haltung des Reichsrats trifft vor allem die in den Etat eingesetzten 5 M i l- lionen Mark zur Sanierung der Knapp- s ch a f t s v e r s i ch e r u n g, die mit den Einnahmen aus der Tantiemensteuer direkt verknüpft worden waren. Einer Sanierung der Knappschaftsversicherung sind durH den Reichsratsbeschluß außerordentlich große Schwierigkeiten in den Weg gelegt worden. Zur Deckung des wegen des Fort- falls der beiden Steuererhöhungen außerdem noch bestehenden Fehlbetrags hat der Reichsrat wesentliche Streichungen im Reichshaushalt nicht vorgenommen. Insbesondere sind die auf sozialdemokratischen Antrag in den Etat eingesetzten 3 M i l- lionen Mark zur Durchführung der Kinder- speisung nicht angetastet worden. Dafür ver- weist der Reichsrat auf die der Regierung im Haushaltsgesetz gegebene Ermächtigung zu Einsparungen an gesetzlich nicht gebundene Ausgaben. Man wird also wohl schon in der nächsten Zeit gewissen Haushallsabstrichen durch die Reichs- regierung entgegensehen müssen. Ein erster Abschnitt. Nach der Beriagung des Reichstags. Von I'aul Horts. Mit der rechtzeitigen Annahme des Reichsetats hat der Reichstag eine Tat vollbracht, die noch vor weni- gen Monaten als fast unmöglich angesehen wurde. Nur einmal, im Jahre 1928, ist es seit dem Aus- bruch des Weltkrieges gelungen, den Reichsetat rechtzeitig zu verabschieden, in allen übrigen Jahren wurde ganz oder teil- weise mit Notetats gearbeitet. Aber wie günstig war damals die finanzielle und politische Lage Deutschlands im Vergleich zu der jetzigen, die durch die Weltwirtschaftskrise, die Be- lastung der deutschen Wirtschaft mit fünf Millionen Arbeits- losen, den drohenden Zusammenbruch der öffentlichen Finanzen und die Erschütterung des Vertrauens als Folge des 14. September als fast ausweglos angesehen wurde! Es ist verständlich, daß die Reichsregierung angesichts dieser ge- waltigen Häufung von Schwierigkeiten noch im November die Absicht hatte, den Reichsetat für 1931 durch die Notver- ordnung vom 1. Dezember in Kraft zu setzen. Man glaubte nicht daran, daß der Reichstag ihn ordnungsgemäß beraten und rechtzeitig verabschieden könne, man zweifelte an seiner Arbeitsfähigkeit, und man wollte ihn deshalb sobald als mög- lich wieder oertagen. Hermann Müller war es, der diese Pläne der Reichsregierung durchkreuzte. Im Namen der Sozial- demokratie erhob er Einspruch, daß der Reichstag vor voll- endete Tatsachen gestellt werde, daß man ihm mit Hilfe des Artikels 48 das Etatrecht nehme. Er verlangte, daß wenigstens der Versuch gemacht werde, die Arbeitsfähigkeit des Parla- ments im Kampf um die Annahme des Etats wieder herzu- stellen. Die Sozialdemokratie verhehlte sich keinen Augenblick, daß diese Aufgabe ungeheuer schwierig fei und gerade ihr eine schwere Verantwortung aufbürden werde. Sie entschied sich trotzdem für diesen dornenvollen Weg, um alles getan zu haben, den Parlamentarismus zu retten und das Abgleiten in die Diktatur zu verhindern. Daß dieser Entschluß richtig war. wird nicht nur dadurch bewiesen, daß das angestrebte Ziel erreicht worden ist. Durch den Auszug von Nationalsozialisten und Deutsch- nationalen wurden zwar die Beratungen technisch vereinfacht und erleichtert. Aber die dadurch geschaffene Schein mehr- h e i t von Sozialdemokraten und Kommunisten stellte gleich- zeitig eine politische Belastungsprobe dar, die leicht zur völli- gen Arbeitsunfähigkeit des Reichstags hätte führen können. Sie vergrößerte die Verantwortung der Sozialdemokratie. In den Augen der Massen wurde sie im Parlament zum ent- scheidenden politischen Faktor. Man erwartete von ihr, daß sie jetzt der bürgerlichen Minderheit ihre Bedingungen dik- tiercn würde. Aber diese Anschauung übersah vollkommen, daß das entweder dazu führen würde, die noch im Parlament verbliebenen Rechtsgruppen auch zum Verlassen des Parla- ments zu veranlassen wodurch automatisch die Unsähig- keit des Reichstags, überhaupt Beschlüsse zu fassen, herbei- geführt worden wäre,— oder sie zu zwingen, sich den Hitler und H u g e n b e r g in die Arme zu werfen, die dann als die Retter und zugleich die Herrscher zurückgekehrt wären. Die Sozialdemokratie mußte von dieser Scheinmehr- h e i t um so vorsichtiger Gebrauch machen, als die letzte Ent- scheidung über die Beschlüsse des Reichstags im Reichsrat fällt. Die Mehrheitsverhältnisie im Reichsrat sind aber ganz anders als im Reichstag und deshalb hat der Reichsrat den Beschlüssen des Reichstags mehrmals feine Zustimmung ver- weigert. Das ist z. B. bei dem Beschluß der Fall gewesen, den der Reichstag über die Wiederherstellung der zollfreien Ein- fuhr von Gefrierfleisch gefaßt hat, und dasselbe Schick- sal ereilte auch die Verbesserung des B r o t g e s e tz e s. Wider Erwarten ist das jetzt sogar bei den Steuererhöhungen eingetreten, die unter der Führung der Sozialdemokratie gegen den Willen der Regierung vom Reichstag beschlossen worden waren. Obgleich sowohl für die Erhöhung der Aufsichtsrats- steuer als auch für die Erhöhung des Notopfers der höheren Einkommen eine ganze Anzahl von bürgerlichen Abgeordneten gestimmt haben und obgleich die Erträge dieser Steuer- erhöhungen größtenteils den Ländern und Gemeinden zu- fließen sollten, hat der Reichsrat beide Steuererhöhungen ab- gelehnt. Unter diesen Umständen mußte sich die Sozialdemokratie damit begnügen, alles zu versuchen, um die gefährdeten sozialen Errungenschaften zu schützen. Die Er m ä ch t i g u n g zur Sparsamkeit, die der Reichsregierung erteilt worden ist, gilt nicht für die gesetzlich gebundenen Ansprüche. Ver- änderungen in der Sozialversicherung und bei den Leistungen an die Kriegsbeschädigten können daher nur auf dem in der Verfassung vorgesehenen Weg herbeigeführt werden. Zwar ist das ketn absoluter Schutz, da der Reichsregierung neben dem Weg der ordentlichen Gesetzgebung auch der der Not- gesetzgebung durch Artikel 48 zur Verfügung steht. Aber die Reichsregierung weih, daß Absichten, auf dem Wege über den Artikel 48 Kürzungen an den kargen sozialen Leistungen vor- zunehmen, nicht nur auf den erbitterten Widerstand der Sozialdemokratie, sondern auch der Gewerkschaften aller Rich- tungen stoßen würden. Die Ermächtigung zur selbständigen Festsetzung der Zölle ist gegenüber den ursprünglichen Ab- sichten der Regierung sehr stark eingeschränkt worden. Der Schutz der Konsumenten gegen eine Steigerung der Lebensmittel bzw. des Brotpreises wurde so eindeutig fest- gelegt, wie das gesetzestechnisch möglich ist. Immerhin wird man damit rechnen müssen, daß die parla- mentarische Erledigung des Reichsetats erst den Anfang der Sanierung der deutschen Wirtschaft bedeutet und nicht das Ende. Kann man auch hoffen, daß nun das für eine Belebung so wichtige Vertrauen des In- und Auslandes vergrößert wird und eine Verminderung der Erwerbslosen- zahl eintritt, so bleiben dennoch noch große Aufgaben z u l ö s e n. Es hat sich herausgestellt, daß die Senkung der Löhne, von der sich die Reichsregierung eine Verminderung der Erwerbslosenzahl versprochen hat, ihr Steigen nicht hat verhindern können. Nicht Lohnabbau, sondern Erhaltung des Reallohns muß deshalb der Kern der Wirtschafts- Politik fein. Daneben ist an die A r b e i t s st r e ck u n g als Mittel zur Verminderung des Erwerbslosenheeres zu denken. 3luf keinen Fall darf die weitere Sanierungsarbeit auf dem Rücken der breiten Massen der Bevölkerung ausgetragen werden. Schon melden sich die Ratgeber, die die Regierung mahnen, die vom Reichstag beschlossene Vertagung zu be- nutzen, um selbständig die ihr geeignet erscheinenden Ein- griffe vor allem in die Sozialversicherung vorzunehmen. Es fei dem Reichstag nicht zuzumuten, daß er in seiner jetzigen Zusammensetzung so unpopuläre Mahnahmen billige. Der Weg der Notverordnung sei auch jetzt der geeignete Weg. W i r können gegenüber solchen Absichten nicht früh und ernst genug zur Zurückhaltung und Be- sonnenhett mahnen. Die Sozialdemokratie und mit ihr die arbeitenden Volksmassen haben entscheidend mitgewirkt, daß Demokratie und Parlamentarismus erhalten geblieben sind. Damit haben sie die Grundlage für die Wiederherstellung des Vertrauens gelegt, die für eine Wirtschaftsbelebung uner- läßlich ist. Die verlangen nunmehr aber auch, daß der weitere Weg der Sanierung nicht mit neuen Opfern für sie belastet wird. Weder Lohnabbau noch Sozialabbau find geeignete Maßnahmen, um die Wirt» schaftstrtse zu überwinden. Sie gefährden auch die politische Beruhigung und erschweren den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit und Massenelend. Der Wirbel um die Zollunion. Henderson ermahnt Deutschland. London. 27. März. R«ut«r weidet aus Paris: Bei einem P r e s s e e m p fa ng sagte gestern abend der britische Staatssekretär des Aeuheren H e n d c r s o n u. a.; Ich warte noch auf eine Mitteilung der deutschen und der österreichtschen Regierung, ob sie die Anregung annehmen werden, die ich in der Frage des geplanten Zoll- abkomnieiis gemacht habe. Es gibt sehr viele Gründe, aus denen ich glaube, daß der Weg, den ich mir erlaubt habe, den beiden Regierungen vorzuschlagen, beschritten werden sollte. Vor allem ist das Protokotl von 1322 unter den Auspizien des Völkerbundes aufgestellt worden, und wenn es unter irgendwelchen Unterzeichnern des Protokolls eine Meinungsver- schiedenheit gibt, scheint es nur. daß. die Körperschaft, unter deren Leitung das Protokoll geschaffen wurde, zum mindesten Ge- l e g e n h e i t haben sollte, die Sache zu prüfen, und ich hoffe auf eine günstige Mitteilung in diesem Zusammenhang. Auf die Frage, was geschehen werde, wenn Deutschland offiziell auf dem Standpunkt beharre, daß der Völkerbund nicht zu- st ä n d i g sei, erwiderte chenderson: Ich würde die Lage sehr ernstlich zu erwägen haben. Ich kann mir aber nicht denken, daß dies die endgültige Stellungnahme der deutschen Regierung sein wird angesichts der eben erwähnten Tatsache, daß das Protokoll von 1322 ein Werk des Völkerbundes ist. In Beantwortung einer weiteren Frage erklärte chcnderfon: die britischen Sachverständigen prüfen»och die rechtliche Seite des Falles. Henderson berät im englischen Auswärtigen Amt. London, 27. März.(Eigenbericht.) Außenminister Henderson, der am Freitag nach London zurückgekehrt ist, hatte sofort nach seiner Ankunft im Auswärtigen Amt eine Besprechungüberdiedeutsch-österreichifchs Zollunion. Ein Beschluß wurde nicht gefaßt. Protest des französischen Senatsausschustes. Paris, 27. März. Der Senatsausschuß für Handels- und Zollfrageu hol heute zum deulsch-österreichischeu Zollangleichuugsprota- Loll Stellung genommen und folgende Entschließung gefaßt: «Der Ausschuß hält die geplaule deutsch-österreichischc Zoll- union für geeignet, die Handelsbeziehungen zu beiden Ländern, um nur bei der wirtschaftlichen Seite der Frage zu bleiben, ernstlich zu stören. Cr fordert die Regierung dringend aus. in Verhandlungen einzutreten und alle Maßnahmen zu treffen, damit den aus dem Vertrag sich ergeben- den Rechten weder direkt noch indirekt Abbruch getan wird." Sozialdemokratische Interpellation im Schweizer Nationalrat. Lern, 27. März.(Eigenbericht.) Der sozialdemokratische Nationalrat August hugg- lex hat im Parlament eine Interpellation über die deutsch- österreichischeZollunion eingebracht, in der der Bundesrat gefragt wird, welche Rückwirkungen er von der deutsch-öfter- reichischen Zollunion oder ähnlichen Abkommen zwischen verschiedenen Staaten aus die s ch w e i z e r i s ch e- V o l k s w i r t s ch a f t erwarte. Ferner wird der Bundesrat gefragt, ob er der Meinung sei, daß die Schweiz alle Möglichkeiten ausnutzen solle, die aus die Nicderlegung der Zollmauern zwischen verschiedenen Ländern hin- zielen und ob er bis dahin versuche, eventuell durch Beitritt zu einem internationalen Wirtschastsabkonnnen die Lage der Schweiz zu oerbessern. Die Arbeitslosenfrage. Dorfch'äge der Sutachterkommifflon anSgea» bellet. Ae tRutachterkommsssson zur Arbeitslosepfrag« hat bisher fünf Sitzungen von je drei Tagen abgehalten. Sie hat zu 7*11 Frage« einer besseren Arbeitsverteilung und zu den Fragen der Arbeitsbeschaffung tn ausführlichen Beratungen Stellung genommen. Die Verhandlungen über die Fragen einer Regelung der Arbeitszeit und der Behandlung der Doppel- Verdiener sind abgeschlossen. Di« Kommisston wird ihre Gutachten hierüber noch vor Ostern der Reichsrcgicrung zuleiten. Jedem Gutachten werden formulierte Borschläge zu Mahnahmen der privaten Wirtschaft, der Verwaltung und der Gesetzgebung beigefügt sein. Di« Kommission wird in der zweiten Woche nach Ostern während vier Tage ihre Beratungen fortsetzen, um dann auch das im wesent- ltchen bereits feststehende Gutachten zu dem ganzen Fragenkomplex der Arbeitsbeschaffung ebenfall, abzuschließen. Unmittelbar daran anschließen werden sich Beratungen über die unter» stützend« Arbeitslosenhilfe. Zollunion und Anschluß. Ein Vortrag des Genoffen Karl Kenner in Berlin. Notverordnung gegen radikalen Terror! Abwehrmaßnahmen gegen die Bürgerkriegshehe. Auf der Konferenz der Minister des Innern, dt« vor einiger Zeit unter dem Vorsitz von Dr. Wirth im Reichsministerwm des Innern stattfand, ist im Anschluß an den Hamburger Mordfall ver- einhart worden, daß die gesetzlichen Vorschriften zur Abwehr radi- kaler Exzesse in der Politik oerschärft werden sollen. Da e« nicht möglich war, dem Reichstag rechtzeitig ein« Vorlag« zu unterbreiten, wird, wie wir hören, Ansang nächster Woche auf Grund des Artikels 4S»ine entsprechend« Notperordnung erlassen werden. Sie dürfte Aenderungen im Vereins- und Persomm. lung«recht, verschärst» Bestimmungen gegen Waffen. hesltz und Waffenhandel und Verschärfung her Strofbestimmungen gegen die Aufforstung zu politischen Gewalttaten enthalten. Morgan stabilisieri die Peseta. Ein(K)- Millionen-Oollar- Kredit. Wie au« Madrid gemeldet wird, Ist zwischen Spanien und '.Norgan, der amerikanischen sowie der französischen Banqv« de Pariset des Pays-Bas, dl« europäisch« Bankgruppen vertritt, ein Anleihevortrag über Ali Millionen Dollar abgeschlossen worden. Bon Morgan sollen 38, von den europäischen Banken 22 Millionen Dollar besorgt werden. Das spanische Finanzministerium erklärt, daß der Kredit zur Stabilisierung der spanischen Währung verwertet wird. Die Beisetzung der Asche. Nebea den Veleranen der pariei in Verlin-Frledrichetfelde. Di? Veffehung iher Asche von Hermann Müller stodet Mit!« nächster Woche tu Lerlin.Friedcichsfeld« statt, hier sind u. a. auch Vau! Singer. Kerl Legten, Richard Fischer und Adolf Braun zur letzten Rvh« gebettet. Eine stark besuchte Fe st Versammlung des Oester» reichisch-deutschen Volksbundes im Haufe vre Presse dankte lebhaft dem Vorsitzenden Paul L ö b e für fein zehnjährige Tätigkeit in der Anschlußbewegung. Den Fefwortrag hielt der erste Staatskonzler der Republik Deutsch-Oesterreich, Dr. Karl Renner-Wiea. Cr begann mit einem Rückblick auf die Anschlußbewe- EU n g. die sofort nach dem Zerfall der alten Monarchie in Deutsch» efterreich entstauben ist und die selbstverständliche Rückkehr dieses deutsche« Lande» zum Reich forderte, dem e? 900 Jahre lang angehört hat. In den Tagen des 11. und 12. November 1918, als im Reiche noch ganz andere Dinge im Vordergrund standen, hat der Staatsrat und die Nationalversammlung in Wien einstimmig die oorlöutige Verfassung beschlossen, die Deutsch- Oesterreich zur demokratischen Republik und zum Bestandteil der Deutschen Republik erklärte; ebenso einstimmig wurde Ludo Hartmann zur Durchführung dieses Beschlusses als Ge- fawdter nacht Berlin geschickt. Einstimmig hat die N o t i o n a l v e r- sammlung in Weimar 1319 gleichfalls die Vereinigung der beiden Republiken beschlossen und Ludo Hartmann sowie seine Mit» arbeiter zur Teilnahm« an den Arbeiten de» Versassungsausschusses in Weimar eingeladen. Diese Vorgeschichte widerlegt für olle Feite« die Behauptung von einem imperialistischen oder annexionlsttschen Charakter des Anschlußgedankens. Rechlllche und wirtschaftlich' Anglelchung ist uns� nicht verwehrt. Der Zollunionsplan der beiden Regierungen ist nicht aus der Anschlußidc« entstanden, sondern aus der gegenwärtigen Wirts chaftfslage. Gelingt der russische Fünsjahrs- plan, so stehen dann alle anderen Staaten den bdVn Wirt- schastsgroßmüchten USA. und USSR. wirffchaftlich als Zwerg« gegenüber. B r i a n d hat Paneuropa zu einem Programm ge- macht. In Genf hat die Wellwirtschastekonserenz und die Zollfriedenskonferenz getagt. Man predigt Abbau der Zoll- mauern, die ganze Well erkennt dos an. aber praktische Ergebnisse sind nicht erreicht. Aus dieser allgemein- europäischen Bedrängnis ist der Gedanke der Zollunion bei den zwei Regierungen entstanden. Er will n u r. daß die beiden Staaten von ihrer Souveränität einen wirtschaftlich ver- nünftigen Gebrauch machen. Die beiden Slaotcn erklären, wer mitgehen will, ist willkommen. Da» ist nicht der Anschlußgedankc. eher ba Gedanke der Föderation der europäischen vemokrolle. Renner erinnert daran, daß er als Stootskanzler in seiner De- gründungsrede für dl« vorläufige Verfassung neben dem Anschluß diese alleuropäische, demokratische Föderation als Ausweg be- zeichnet Hot. Er führt zum Schluß aus:„Die weltumfassende Be- wegung noch großen Wirtschaftsgebieten war der Anlaß zu der Aklion der beiden Regierungen. Im Rahmen einer demo- kralischen, europäischen, wirtschaftlichen und politischen Union ist diese Grenze von passau eine solche Kleinigkeit, daß ihre Beseitigung aar keine Rolle spielen wird. Unser Ziel bleibt die E i n b e i t d c r Deutschen in all ihren Stämmen, die Freiheit der d e u t- schenNatiotrim Rahmen der Völker.- Die Versammlung dankt« Renner durch stürmischen Beifall. Friedrich Bartels 60 Lahre! Am heutigen Sonnabend begeht Genosse Friedrich Bartels, Präsident des Preußischen Landtags und Mitglied des Vorstandes der Sozialdemokratischen Partei, seinen 6 9. Ge» b u r t» t a g. Aus kleinsten Anfängen hervorgegangen, arbeitete sich Friedrich Bartels schon in jungen Iahren zu einem maßgebenden Funktionär der deutschen Arbeiterbewegung empor. Er begann seine Laufbahn in der Gewerkschaftsbewegung, übernahm später da» Amt eines Sekretär» in der Sozialdemokratischen Partei und würbe 1913 m deren Dorstand berufen. In der Zwischenzeit und auch später sah ihn die Oeffentlichkeit dank de» Aertrauens. dessen«r sich nunmehr seit Jahrzehnten in allen Schichten der Arbeiterbewegung erfreue« darf, wiederholt in wichtigsten Vertrouenzstellungen der Sozialdemo» kratischen Partei. Ein« ganz besonder« Ehr« wurde ihm vor Iahren durch die Wahl zum Präsidenten des Preußisher Landtage» zuteil. Seme Sachlichkeit, sein Taktgefühl und sein ausgleichender Charakter ließen ihn zu diesem hohen Amt belonders beruien erscheinen Das vertrauen, das ein« große Mehrheit des Preußischen Landtages seinerzeit in seine Obsektivität und seine Fähigkeit zur Führung der Geschäft« des preußischen Parlament» setzte, hat Friedrich Bartels vollauf gerechtfertigt. Unser« herzlichsten Gluckwünsche zum heutigen Tage gellen dem Menschen und dem Politiker Friedrich Bartels. Wir verbinden sie mit der Hoffnung, daß es ihm noch recht lange vergönnt sei« möge, weiterhin an perantwortungsreicher Stelle im Interesse der deutschen Arbeiterschost erfolgreich zu wirken. Derirauensvotum für Gandhi. Im Vollzugsausschuß des Notionaikonarefses. London. 27. März.(Deluniov.) Der Vollzugsausschuß des indischen Rational- kongresses hat beschlossen, da» Abkommen zwischen Gandhi und I dem Vizekönig von Indien anzunehmen. Zn einer CotschNe- Ißung dazu wird daraus hingewiesen, daß da» Ziel der Indische« Raklonalbeweguog die llnabhängigkelt Zndiev» bleib«. Indien müsse die voll« Kontrolle über die o v» w ä r t i g e v Beziehungen sowie über die Finanz- und Zollpolitik erhalten. Sämtliche politischen Gefangenen ohne Ausnahme müßten aus den Gesängnissea entlassen werden. Burma solle das Recht der Selbstbestimmung erhaltev. jedoch müsse die öffentliche Vlcinung in Burma vorher befragt werden, ehe die Trennung von Indien vor- genommen werde« dürfe. Gandhi erhielt vom Vollzugsausschuß ein Vertrauen,- votum und wurde zum Leiter der Abordnung des Kongresse» ervannt, die an einer neuen englisch- indischen Kons«- renz teilnehmen soll. Gandhis Ausgabe wird e, nunmehr sein. den Ratioaalkongreß zur Annahme dieser Beschlüsse zu bewege«. was im Hinblick aus die wachsend« Opposition gegen ihn mit gewissen Schwierigkeiten verbunden sein dürste. Gandhi spricht vor 60000 Menschen. Bombay, 27. März.(Eigenbericht.) Gewaltige Menschenmassen strömen zum all- indischen Kongreß noch Ä o r a ch i. Gandhi legt« noch einmal seine Friedenspolitik in einer Massenversammlung dar, die von 60900 Menschen besucht war Der allindische Führer erklärte, er werde an seiner Versöhnung»Politik festhallen, selbst wenn er sterben müßte. Die Stimmung ist bedeutend ruhiger und Gandhi gewinnt zusehends an Boden. Unversöhnlich bleiben jedoch R e h r u und die nationalistische Jugend. Ihr Führer Dose verlangt«Ine nationalistische-indische Republik. 123 Tote in Crawnpur. Bombay. 27. März.(Eigenbericht.) In Erawnpur ist dl« Zahl der Toten auf 123 ge- stiegen. In Burma und an der nordwestlichen Grenze dauern die Bondengesechte noch an. Ein Teil der Aufständischen wurde festg«- nommen._ Fischereiabkomwen. Nachdem jetzt sämlliche beteiligten Staaten das Uebereinkommen über die Recelung der Schollen- und Flundernfischerei in der Ostsee ratifiziert haben, tritt die Vereinbarung endgültig am 3. April 1931 in Kraft. Freude über Disziplinbruch. Hilgenberg hofft aus Kämpfe in der(Sozialdemokratie. Die sozialdemokratische Reichstagssraktion hat durch ihre kluge Taktik die Rechtsopposition um den«nvarteten Erfolg gebracht. Hitler und Hugenberg wollten durch den Auszug ihrer Mannen aus dem Reichstag der Demokratie den Todesstoß oersetzen: statt dessen haben sie sich selber eine Blamage zugefügt, die ihnen tödlich zu werden droht. In der Verlegenheit, ihren Anhängern einen Erfolg ihres törichten Treibens nachzuweisen, haben sie sich nun der Vorgänge in der sozialdemokratischen Reichstags- fra kt io n bemächtigt. Unter der triumphierenden Ueberschrift„Die torpediert« SPD." berichtet die deutschnational« Parteikorrespondenz über jenen Be- Schluß des Bezirksvorstandes von Chemnitz, der den Abgeordneten empfahl, gegen die Fraktionsdisziplin zu handeln. Sie druckt be- geistert einen Artikel der sozialdemokratischen„Volkszeitung für das Vogtland" nach, in dem die herkömmliche Fraktionsdisziplin als „Kasernenhofdisziplin" verspottet und ihre 2krtrcter als„Schädiger der Partei" bezeichnet, und bemerkt dazu: Der Torpedo scheint gut gesessen zu haben— der Torpedo, den die nationale Opposition gegen die Brüning- Mehrheit und die Sozialdemokratie gerichtet hat. Warten wir in Ruhe ab. welche weiteren Explosionen folgen werden! Der Disziplinbruch der neun und die aufgeregte Schreiberei der „Volkszeitung für das Vogtland" haben also zunächst den Erfolg gehabt, den Mannen Hugeribergs und Hitlers neu�n Mut einzu- slößen. Kronzeuge Goniard. Der Veleidigungsprozeß gegen Rechtsanwalt Rosenfetd. Das Landgericht III verhandelte gestern zum zweitenmal in der Klage des Kronzeugen des Reichsgerichts im Bullerjahn-Prozeß, des Herrn o. Gontard. gegen Bullerjahns jetzigen Verteidiger, Genossen Dr. Kurt Rosenfeld, auf Unterlassung. Be- kanntlich hat Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld in einem offenen Schreiben an Staatssekretär Joel erklärt, Herr o. Gontard habe sich v e r s u ch t e Erpressung und Urkundenfälschung zuschulden kommen lassen. Der Vertreter des Klägers hatte erst im legten Augenblick dem Gericht und den Vertretern des Beklagten Dr. Rosenfeld, den Rechtsanwälten Otto Landsberg und Dr. Schönfelder, einen aus- fiihrlichen Schriftsatz überreicht, in dem der Versuch gemacht wird, die Behauptungen von der versuchten Erpressung und Urkunden- sälschung zu widerlegen. Eigentümlicherweise beruft sich dieser Schriftsatz ausgerechnet auf eben dasselbe Material, das zur Behauptung der Erpressung Anlaß gegeben hat. In einem Brief an Herrn von Stauß, dem Direktor der Deutschen Bank, vom 24. Juni 192Z, schreibt Herr v. Gontard u. a.: „Ich habe auch Sie, Herr v. Stauß, gewarnt, jedes aggressive Vorgehen gegen mich zu unterlassen, da sonst ein öffent- licher Skandal unvermeidlich ist, der den drei be- teiligten Banken und vor allem Ihnen selbst, als dem eigentllchcn Spiritus rector(geistigen Urheber), der die ganze Frage aufgerollt bat, peinlich werden würde. Ich muß Sie persönlich daher auch für all« weiteren Konsequenzen verantwortlich machen... Ich füge eine Aktennotiz hier bei. die ich nach unserer letzten Unterredung niedergeschrieben habe..." Diese famole Aktennotiz lautet: „Die ins Rollen gebrachte Kugel kann leicht zur vernichtenden Lawine werden.— Ich warne, irgendeine Veränderung in der Verwaltung der DM.(Daimler-Motoren-Gesellschaft) votlSusig eintreten zu lasien, nach dem Grundsatz, quiet» noa movere (Ruhendes nicht in Bewegung setzen), andernfalls ein öffent- licher Skandal i la Barmat unvermeidlich ist." Rechtsanwalt Dr. Schönfelder beantragte die Vertagung der Verhandlung, damit er, Rechtsanwalt Otto Landsberg und Dr. Rosen- feld die Möglichkeit haben, den Schriftsatz durchzuarbeiten. Das Gericht war zu einer Anberaumung eines neuen Termins bereit. Bevor es zur Vertagung kam, stellte aber der Vorsitzende fest, was sür Beweise noch zu erheben wären. Unter anderem hielt er es jiir erforderlich, die Bullerjahn-Akten vom Reichsgericht zwecks Einsicht einzufordern. Es müßte festgestellt werden, meinte er. inwieweit die Betreibung des Wiederaufnahmeverfahrens den ofsenen Brief Rosenfelds rechtfertige, ob er bei der Aufstellung seiner Behauptungen noch in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt oder die Grenzen der Verteidigung überschritten habe. Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld meinte darauf, daß die Reichs- gerichtsakten bis jetzt allerdings ständig vom Reichsgericht benötigt worden seien, da immerzu Erklärungen und Gegenerklärungen ab- gegeben werden. Augenblicklich befinde sich jedoch das Betreiben des Wiederaufnahmeverfahrens auf einem toten Punkte. Soviel stehe jedoch fest, gerade die Flucht in die Oeffentlichkeit habe der Wieder- oufnahmeqngelegenheit einen heftigen Anstoß gegeben. Der Vertreter des Herrn v. Gontard, Rechtsanwalt Dr. Berg, hielt seinerseits die Einsicht der Bullerjahn-Akten für überflüssig. Er bestreit, nicht, daß Dr. Rosenfeld als Bullerjahns Verteidiger im Wiederaufnahmeverfahren tätig sei: die von ihm öffentlich aus- gestellten Behauptungen hätten jedoch mit dem Betreiben des Wieder- aufnahmeveriahrens nichts zu tun. Rosenseld erwiderte darauf, daß die von ihm aufgestellten Be- hauptungen, Herr o. Gontard hätte sich versuchte Erpresiung und Urkundenfälschung zuschulden kommen lasien, seien für ihn als Bullerfahns Verteidiger von größter Bedeutung: sie ließen Schlüsse auf die Glaubwürdigkeit Herrn v. Gontards als Kronzeuge des Reichsgerichts zu. Das Gericht beschloß, die nächste Verhandlung auf Anfang Juni festzusetzen._ Giurm im ltllstein-Prozeß. Rechtsanwalt Aisberg unterbricht sein ptadoyer. Der Prozeß Bernhardt gegen Wstein erlitt gestern eine gänzlich unvorhergesehene Unterbrechung. Als Rechtsanwalt Dr. Alsberg in seinem Plädoyer die Behauptung ausstellte, man habe den fran- zösischen Ministerpräsidenten Tardieu zu seinem Brief über die Existenz von Rosi-Ullstein-Akten durch Vorlegung gefälschter Matthe»- Dokumente veranlaßt, kam es bei der Gegenpartei Professor Bernhardt. Rechtsanwalt Dr. Frankfurter und Rechtsanwalt Otto Landsberg geradezu zu einem Pro- t est stürm. Rechtsanwall Alsberg erklärte darauf, er sei zu er- regt, um seine Rede fortzusetzen: er würde In seinem Plädoyer erst am nächsten Morgen fortfahren. Aus die Einwendung de» Amtsgerichtsrates Bues hin erbat Rechtsanwalt Alsberg eine halbstündig« Pause. Di« halb« Stunde war zu Ende. Rechtsanwall Alsberg erschien aber nicht. Eine telephonische Rücksprache des Amtsgerichtsrate, Bucs mit ihm ergab, daß er völlig zusammen- gebrochen sei, und daß der hinzugezogene Arzt selbst das Erscheinen de« Patienten für den heutigen Morgen im Gerichtssaal in Zweifel stestl, Stahlhelm- Volksbegehren. „Da steht noch sin sauberes solides Haus. Bas muß gerammt werden!" Kredit für die Reichsanstalt. Die Neichsbank leiht der Arbeitslosenversicherung 83 Millionen. Die Reichsanstalt sür Arbeikslosenversicherung hat nach längeren Verhandlungen von der Reichsbank einen Ueberbrückungs- kredit von LZ Millionen zur Deckung des durch die Abhänguug von dem Reichshanshall und den Rückgang der Beiträge bedingten vor- übergehenden Mehrbedarfs erhalten. * Die Reichsanstatt sür Arbeitslosenversicherung bedarf eines Kredites für die Zeit vom I. April an aus dem Grunde, weil von diesem Tag« andasReich keineZuschüssemehrleistet, auf der anderen Seite aber wenigstens bis zum Mai voraussichtlich die Zahl der arbeitslosen Unterstützungsempfänger noch so groß ist, daß trotz der Beitragserhöhung aus öB Proz. die regulären Einnahmen zur Auszahlung der Unter st ützungen nicht ausreichen. Der Kredll beträgt 83 Millionen Mark und ist im Laufe des neuen Haushaltsjahres aus den Mehrein- n a h m c n. die die Reichsanstall regelmäßig im Sommer und Herbst erstell, abzudecken. Im Gegensatz zu früheren Angaben ist festzustellen, daß die Reichsbank den Kredit nicht gegen eine Reichsgarantie gegeben hat. sondern gegen die Lombardierung von Reichsbahn. Vorzugsaktien aus dem Besitz des Reiches. Es wurde ein Palet von nominal 125 Millionen Mark mit 73 Proz. des gegen- wärtigen Kurses lombardiert. Das Eigentum des Reiches an den Vorzugsaktien bleibt bestehen, es geht also nicht etwa an die Reichsanstalt über. Der Zinssatz für das Darlehen beträgt 1 Proz. mehr als der Reichsbankdiskont, zurZeitalsoLProz.,' andere Kosten entstehen bei der Kreditaufnahme nicht. Auch die weitere Vorbedingung, die die Reichsbank für di« Gewährung des Kredits gestellt hatte, wird verwirklicht, indem die Bant in den Geldverkehr der Reichsbank einge- schaltet wird. Die Arbeitsämter werden angewiesen, sich, soweit es noch nicht geschehen ist, Reichsbankgirokontcn anzulegen und ihren Geldverkehr über diese Konten abzuwickeln. Außerdem hat die Reichsanstalt die Verpflichtung übernommen, dafür zu sorgen, daß in möglichst weitem Umfang bei der Auszahlung der Unterstützungen Hartgeld verwendet wird. Die Reichsbank hofft offenbar, auf diese Weise ihre erheblichen Münzbestände fühlbar verringern zu � können. Das Personalreferat bei Severing. Ministerialdirektor Dr. Brand wiil ausscheiden. Der Amtliche Preußische Pressedienst teill mit:«Die.Lölnische Zeitung" bringt in ihrer Nr. 170 vom 27. März d. I. die Meldung, daß Ministerialdirektor Dr. Brand, der Leiter der Personalabteilung im preußischen Ministerium des Innern, aus seiner Stellung ausscheiden werde und bereits vor einigen Tagen zur Disposition gestellt worden sei. Diese Meldung ist irrig. Ministerialdirektor Dr. Brand ist nicht zur Disposition gestellt worden: es besteht auch nicht die Absichi, ihn zur Disposition zu stellen. Zutressend ist allerdings, daß Dr. Brand schon wiederHoll den Wunsch geäußert hat, seine gegenwärtige, bereits viele Jahre wahr- genommene Tätigkell mit einer anderen Stellung inner- halb des preußischen Staatsdienstes zu vertauschen. Wie und wann sich eine derartige Veränderung herbeiführen lassen wird, ist zur Zell noch nicht zu übersehen._ Der deuischnaiionale Landrai. Landrat v Bismarck in den einstweiligen Ruhestand verseht Der Landrat des Kreises Regenwalde in Pommern, von Bismarck in Labes, dessen Verhallen bereits früher bei der Durchführung des Volksbegehrens„Frecheitsgesetz" zu Beonstan- düngen Veranlassung gegeben hatte, hat neuerdings in Köln aus einem sogenannten Kampsabend der Deutschnationalen Volkspartei unter der Devise„Nieder mit der roten Regierung in Preußen!" eine Propagandarede sür das Volks- begehren„Landtagsauflösung" gehalten und dabei die preußisch« Staatsregicrung und die von ihr verfolgte Politik in gehässiger und aufreizender Form öffentlich angegr'fsen. Dos preußische Staats- Ministerium hat daraufhin den Landrat durch Beschluß vom SS. März 1931 in den ein st weiligen Ruhestand versetzt und den Regierungsrat Dr. H ü t t e n h e i n vom Oberpräsidium Stettin mit der Verwaltung des Landratsamts betraut. Er Hai nicht„Heil Hitler" gerufen. Falsche Behauptung über einen poli,«major. Bei den Verhandlungen des Preußischen Landtags über den Etat des preußischen Innenministeriums wurde von einem Redner die Behauptung aufgestellt, daß der Polizeimojor Sonder von der Polizeioerwollung Berlin„Heil Hitler!" gerufen halle und deshalb suspendiert worden sei. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst feststellt, ist diese B c- hauptung unrichtig. Es haben seinerzeit Ermittlungen über angebliche ungehörige Aeußerungen des Polizeimajors Sander ge- schwebt: doch ist dabei di« völlige Schuldlosigkeit des Polizeiosfizier» erwiesen worden. Ein Zeilungsverbok ausgehoben. Der' vierte Strafsenat des Reichsgerichts hat durch Beschluß am Freitag das vom Dresdener Polizeipräsidenten gegen den nationalsozialistischen „F r« i h e i t s k o rn p i" nrn 18. März erlassene Erscheimmgsverbot ausgehoben. Was wird in Thüringen? Die Wirkschastopartei will vermitteln. Weimar, 27. März.(Eigenbericht.) Der thüringische Landtagsabgeordnete der Wirtschaftspartei Flach erklärte in einer Versammlung in Ohrdruf, daß die Wirtschaft?- Partei nicht sür die Mißtrauensanträge gegen die Nationalsozialisten Frick und Marschler stimmen werde. Die jetzige Koalition müsse aufrechterhalten werden, da es fraglich sei, ob noch- mals eine bürgerliche Mehrhell in Thüringen zustande käme. Wenn nicht, dann sei es mit der Selbständigkeit Thüringens zu Ende. Heute stehe man vor der Frage, was wird aus Thüringen. Es gehe jetzt um Sein oder Nichtsein Thüringens. Es sei zu wünschen, daß es zwischen Nationalsozialisten und Volkspartei wieder zu einer Einigung komme. Neun SA.-Vandi deutend gesenkt worden sind, hören wir nicht» von einem Rückgang der Baukosten oder der Ivohnuog». mieten. Der Lohnabbau bezweckt weiter nichts, als den Unternehmern größere Vorteile zu verschossen. Die Bauarbeiter in den einzelnen Bezirken hoben jetzt über die Lohnabbauschiedssprüche im Baugewerbe zu e n t- scheiden. Der Zimmercrverband wird auf seinem außer- ordentlichen Verbandstag am 3. April dazu Stellung nehmen. Oer Oeutfche Werkmeifterverband. Was er im lehten Lahre geleistet hat Der Deutsche Werkmeister-Verband, der in Düsseldorf seinen Sitz hat und 130 000 Mitglieder zählt, hat jetzt seinen Kassenbericht für 1930 veröftentlicht. Ein paar Zahlen beweisen, was der Ber- band seinen Mitgliedern bietet. Für die Ausbildung der Mitglieder in über 100 technischen Kursen und 20 gewerk- schaftlichen und orbeitsrechtlichen Kursen hat der Pcrband über 324 000 Mark aufgewandt. Seine Krankenkasse hatte bei über 4 Millionen Einnahmen ungefähr die gleiche Summe an Leistungen zu verzeichnen. Außerdem unterhäll der Verband eine Sterbekasse und eine Brandkasse. Seine stellungslosen Mit» glieder unterstützte er mft 2014 000 Mark(1929: 1,3 Millionen). Die Invalidenunterstützung erforderte 736 449 Mark. Durch den Rechtsschutz, den der Verband seinen Mitgliedern gewährt, wurde ihnen über eine Million Mark erstritten. Die gesamten Unterstützungsleistungen(ohne Kronken-, Sterbe- und Brandkasse) erforderten die Summe von 3 759 000 Mark(1929: 2,79 Millionen Mark). Versicheruirgs- und Untcrstützungsleistungen zusammengenommen betrugen 7 900 000 Mark(1929: 6,29 Millionen Mark). Der Verband bietet feinen Mitgliedern auch billigen Ferienaufenthalt in seinem Erholungsheim in Frankenhausen in Thüringen, das von über 1000 Mitgliedern im letzten Jahre besucht wurde. Der Deutsche Werkmeister-Verband gehört zum AfA-Bund. Seine Leistungen sprechen für Ihn. Beiriebsratswahl bei Scherl. Die„Rote Einheitsfront- zog nicht. Trotz gewaltiger Anstrengungen sst es den vereinten Bemühun- gen der RGO. und den aus allen Lagern zusammengesuchten gelben Hilfstruppen der Nationalsozialisten nicht gelungen, die feste Stellung der freien Gewerkschaften im Betriebe zu untergraben. Das zeigt die Gegenüberstellung der diesjährigen und der vorjährigen Stimmenzahlen: » 1931 1930 Freie Gewerkschaften....1229 1225 Stimme« R G.O.(„Rote Einheitsfront"). 436 479„ Nazi(„AntiMarxisten')... 160 90-)„ Die RGO. ging diesmal unter der Firma„RoteEinhetts- front" auf Stimmenfang aus. scheinbar hatte sie das Gefühl, daß die Bezeichnung RGO. an Zugkraft eingebüßt hat. Einen Stimmen- oerlust konnten sie aber unter der neuen Fahne trotzdem nicht ver- hindern. Die R a z i l i st e, die, ebenfalls getarnt, sich unter der irre- führenden Bezeichnung„A n t i m a r x i st e n" als Planschbecken aller gelben Verbände und Vereine etablierte, konnte ihre Stimmenzahl mir auf Kosten des Stimmenverlustes der RGO. und der in diesem Jahre weniger abgegebenen 28 ungültigen Stimmen des Vorjahres(Nazi-Hell Hitler-Zettel) erhöhen. Einen Resonanz- boden haben die Gelben bei der verständigen Arbeiterschaft nicht finden können. Durch die Eigenart der Wahlberechnung hat die Liste der freien Gewerkschaften trotz Stimmenzuwachs ein Ar- beiterrots Mandat weniger erhalten: die Stellung der freien Gewerkschaften ist aber zum Vorteil für die gewerkschaftstreue Be- legfchaft immer noch unerichüttert. Die Mandate verteilen sich wie folgt: Die freien Gewerkschaften erhalten Im Betriebsrat 7(7) Slhe. die RGO. 2(3) und die Nazis 1(0). Im Arbeiterral haben dlc freien Gewerkschaften g(10). die RGO. 3(3) und die Nazis 1(0) Sitz. Bei den Wahlen der Angestellten standen sich eine Liste des DHL.(unter Protektion der Nationalsozialisten) und eine„u n. politische" Liste gegenüber. Di« DHV.-Liste hat trotz oder in- folge der Nazi-Unterftützung 37 Stimmen eingebüßt, ein neu hinzu- gekoiirmenes Angestclltcnmandot fiel an die„unpolitische" Liste. Das Gesamtergebnis der Wahl zeigt ersreulicherweise, daß poli- tische Experimente wie im August 1923 mit der Scherl-Belegschaft nicht mehr zu machen sind. „Zum erstenmal Rate Einheiislifte." Die Wahl bei H L> Hermann. G m. b. H. Iifl diesem Buchdruckereibetrieb waren früher— mit Ausnahme des Vorjahres— Gemeinschaftslisten ausgestellt worden, wobei der „Opposition" durchweg drei bis vier Sitze«ingeräumt wuydcn. Allein die Moskauer mußten diesmal ein«„Rote Einheitsliste" auf- stellen.- Für die freigewerkfchafiNche Liste umrbeu 452 Sktuuuen abg». geben, für die RGO. 200 Stimme». Im Arbeiterrat erhalten die Gewerkschaften sieben Sitze, die RGO. drei, im Betriebsrat haben die Gewerkschaften sechs Mandate, die RGO. zwei und die Angestellten zwei Mandate. Freigewerkschastlicher Sleg im Bankgewerbe. Bei den Betriebsratswahlen in der Darmstädter und Rational- bank, Kommerz- und Privatbank, Hardy u. Co., Bank des Berliner Kassenoereins, konnte der freigcwerkschaftlich« Allgemeine Berbond der Deutschen Bankange st eilten seine überragende Stellung im Bankgcwerbe behaupten und stellenweise sogar noch erweitern. Nationalsoziali st en und kommunistische RGO. überboten sich in persönlich gehässigen Angriffen und Verleumdungen gegen die freigewerkschaftlichen Bertretcr. Unter dem Schlagwort „Kampf dem Marxismus" oereinigten sich DHV. und DBV. (0221.), um die„rote Mehrheit" zu brechen. Statt Erfolge hatten sie Rückschläge zu oerzeichnen. Getreue Helfersdienste leisteten den Nazis in der Kommerz- Bank die Kommuni st en, die trotzdem auf ihrer RGO.» Lifte von über 2000 abgegebenen Stimmen nur kümmerliche 16 5 Stimmen auf sich vereinigen tonnten. In den anderen Be- trieben gelang es ihnen nicht einmal, eine eigene Liste aufzustellen. In allen vorgenannten Betrieben hat der Allgemeine Verband der deutschen Bankangestellten weiterhin die unbestritten« Mehrheit. „Note Mehrheit." Bei W. Spindler, Spindlersfeld. Bei der Betriebsrätewahl im vorigen Jahre erhielt die RGO. 527 Stimmen, in diesem Jahre 364 Stimmen, also 163 Stimmen weniger. Die„Rote Fahne" erklärt diesen Rück- gang damit, daß die Zahl der Beschäftigten von 1212 aus 864 zurück- gegangen ist. Trotzdem aber hat die G e w e r k s ch a f t s l i st e in diesem Jahr« 284 Stimmen erhalten, 17 mehr als im Vorjahre. Die RGO. hat sechs Mandate anstatt sieben, die Gewerkschaften vier wie im Vorjahre. Die RGO. tröstet sich über ihren Stimmenverlust damit, daß sie die Mehrheit hat. Oie Wahlen im Nuhrbergbau. Ergebnis von 102 Schachtanlagen. Von 102 Schachtanlagen des Ruhrgebiets liegen die Ergebnisse der Betriebsrätewahlen vor. Es erhielten: Freie Gewerkschaften 42 102 Stimmen, christliche Gewerkschaften 27 584, Hirsch-Dunckersche Gewerkschaften 896 Stimmen, Polen 56 Stimmen, RGO. 29 186 Stimmen, Syndikalisten 325 Stimmen, Wirtschasts- friedliche 4097 Stimmen, NSDAP. 4577 Stimmen. Es stehen noch die Ergebnisse von rund 70 Schachtanlagen aus. Bein'ebsraiswahlen in Krankfurt a. M. In den Betrieben der Frankfurter Metallindustrie sind mit Ausnahme zweier Betriebe nur freigewerkschaftliche Vorschlagslisten eingereicht und ohne Stimmenabgabe gewählt worden. Bei den Adlerwerken erhielten die freien Gewerkschaften 2277 Stimmen, die RGO. 117 Stimmen: bei der Firma Heidelberger erhielt der DMV. 40 Stimmen, die RGO. 36 Stimmen. Erfolg in den Opelwerken. Bei den Opel-Werken ist gegen das vorige Jahr die Zahl der Beschäftigten von 3076 aus rund 7500 zurückgegangen. Bei der diesjährigen Betriebsrätewahl erhielten die freie» Gewerk- schoflen 4231 Stimmen und 17 Sitze. Im Vorjahr 16 Sitze, die Christen 198 Stimmen 0 Sitze, im Vorjahr«inen Sitz, die RGO. 884 Stimmen und drei Sitze, im Vorjahr acht Sitze, die Nazis bekamen 436 Stimmen>md einen Sitz, im Vorfahre 0 Sitze. Vor dem Betrieb kam es anläßlich der Betriebs- ratswahl zu Schlägereien und Messerstechereien. Nationalsozialisten und Kommunisten nahmen sich durch Stoßtrupps gegenseitig die Flugblätter ab. Ihr Hauptkampf richtete sich jedoch gegen die freien Gewerkschaften, deren Erfolg sie aber nicht zu hindern vermochten. *) Ein Teck dieser Listeichewerber segelte 1930 unter der Bezeichnung R. v. A.(Reichsverband vaterl. Arbeiterverein«!.) Generalstreik oder Verständigung? Oie französischen Bergarbeiter vor der Entscheidung. Paris, 27. März.(Eigenbericht.) Ministerpräsident L a v a l hat den Vertretern der Gruben- arbeiter am Freitag nach einer Unterredung mit dem Präsidenten der nordfranzösischen Bergwerksgesellschaften als Ergebnis seiner Einigungsbemühungen in dem Lohnkonflikt mitgeteilt, daß es ihm gelungen sei, die Grubengesellschaftcn dazu zu veranlassen, die Lohnherabsetzungen erst zu einem späteren Termin vorzunehmen und die anfänglich beabsichtigte Höhe des Lohnabbaus zu reduzieren. Die Arbeiterdelegierten dankten dem Ministerpräsidenten für seine Bemühungen, erklärten aber zu- gleich, daß sie die Zugeständnisse für unzureichend hallen. Der Ministerpräsident wird deshalb am Freitagabend mit den Arbeitgebern eine neue Unterredung haben und weitere Zuge» ständnisse zu erreichen versuchen. Inzwischen hat der Nationalverband der französisch«, Grubenarbeiter zu Sonnabeichvormittag eine Delegiertenocrsammlung ein- berufen, in der endgültig darüber beschlossen werden soll, ob das An- gebot der Grubengesellschoften angenommen oder der Gencrolstreik ausgerufen werden soll. Baiigewerlsibaft Berlin, �ach�rn»pc Glaser. Hie Hersommlunq, die Tonnta«. 20. Mär,, oorzeieden war, ist verlegt auf Doanerataa, 2. A»ril, n UI>r, Saal 4 des«Sewerkfchaftsdauscs. Mitgliedsbuch ist am Eingana vor- llmcigen. Di« ffachgrupvenleitnug. verantwortlich kilr Politik: Dr.«vrt Geyer: Wirtsiliaft: IS. llNngelhöfers «Sewertschattadeweliung:!>r. Ggtorn: ZenlUelon Dr. John Schilowoti! tiokaicst und Sonstiges: krih kearstadt;'Anzeigen: Td.«Sloitc: sämllicki in Berlin. Verlag: Borwarto-Berlag schwinden wir gestern berichteten, einem Verbrennen zum Opfer gefallen ist, hat durch das Aussinden der Leiche der vermißten ihre schreckliche BefiäUgung gesunde«. Der Täter der' 4chährig« Händler Bruno Funke aus der Warschauer Straße, befindet sich zur Zeit als Geisteskranker� in der Heilanstalt Buch. Gr wird wegen des Verbrechens kaum zur Verantwortung gezogen werden können, da er sich nicht zum ersten Mai» unter der Obhut der Irrenärzte befindet. Es besteht kaum sin Zweifel, daß Funke, der zu der Ermordeten ein Verhältnis unter- hielt und sehr eifersüchtig war, in einem Wahnsinnsanfall die Frau erschossen hat. Meta Tschierkey, die am Schlesischen Bahn- Hof Männerbekanntschaften anzuknüpfen pflegte, war mit Funke, der in der Gegend den Spitznahmen„der(kierjude* führt«, weil er mit Butter und Siern handelt«, seit IM Jahren bekannt. Seit dem 18. März war das Mädchen plötzlich verschwunden und bald wurde in ihren Kreisen gemunkelt, daß„der Eierjude" sie umgebracht habe. Di« Polizei konnte aber wenig ermitteln, da Funk« bei einer vor- sichtigen Vernehmung in der Heilanstalt einen schweren Tobsüchte- anfall erlitt. Der Zufall brachte die Polizei der Klärung des Ver- brechen» schnell naher. In der Forst von Berkenbrück bei Fürstenwalde a. B. Spree stieß der Nevlersörster gestern vormittag bei einem Komrollgang auf die Leiche« i n er Frau, die offen- bar durch zwei Kopfschüsse den Tod gesunden hatte. Der Förster hatte in der Zeitung oon dem Borschwinden der Tschierkey gelesen und er glaubte, daß die Tot« vielleicht die Eesuäste sei. Der Loa.säger nahm den Pesund kurz aus und gab die Meldung sofott an da» Berliner Polizeipräsidium weiter. Zwei Beainte begäben sich mit mehreren Zeugen, die zu den Bekannten der Ermordeten gehörten, nach Berkenbrück, dort konnte die Tale elnwaudfrel als die vermißte Tschierkey ideniisizier» werden. DI» Tat wird sich so abgespielt haben, daß Funke seine Ge- liebte, als er hinausfuhr, um Einkäufe zu machen, mitgenommen hatte. Unterwegs ist es zwischen beiden zu Streitigkeiten gekommen. Bon sinnloser Wut übermannt, muß Funke, der ver- mutlich stets eine Waffe bei sich führt«, um sich gegen räuberische Ueberfäll« zu sichern, zur Pistole gegriffen und seine Begleiterin niedergeschossen haben. Vorher muß es noch zu einem Hand- gemenge gekommen fein. Die Frau hat sich noch verzweifelt ge- wehrt, denn Funke kehrte mit blutbesudelten und völlig zerkratzten Händen nach der Tat in seine Wohnung zurück. Rumpfmagistrat regiert. Wahl deck Oberbürgermeisters am 16 April. Zlm Miktwoch, dem 1. April, kritk da» neue Berlin- geseh ln Kraft. Damit scheiden automatisch die bisher im Amt befindlichen zehn unbesoldeten Stadträte aus. Idach dem neuen Gesetz besteht der INagistrat au« IS Mitgliedern, davon sind S unbesoldete Sladkräle. Wie wir hören, wird der Siadtverordneten- Vorsteher Genosse haß die erste Sladtverordnelenver- s a m m l u n g nach Znkrasllrelen des neuen Lerlin-Gesche» s ü r d e n g. April einberufen. Zn dieser Sitzung soll der Sladlgemeinde- ausschuß und die neuen sechs unbesoldeien Stadlräte gewählt werden. Die so dringliche Wahl des neuen Oberbürgermeisters soll das Stadtparlamenk dann endgültig in seiner Sitzung am lö. April vornehmen. Bis dahin wird Berlin von dem Rumpf- Magistrat regiert werden. Diese Taisache zeigt, wie dringend notwendig jetzt die Reubcsehung der leerstehenden Magistralsstühle geworden ist. Man weiß Im Rathaus im Augenblick noch nicht, wie die im Amt verbleibenden Magistratsmitglieder bis zur Reuwahl der freien Stellen die Fülle von Arbeit bewältigen sollen. Der ehrgeizige Herr S ch o I tz hat sich, wie wir schon mitteilten, doch noch bereit erklärt, seine Geschäfte als Bürgermeister bis zur Wahl des neuen Berliner Oberhauptes weiterzuführen. Dann wind er das Rathaus für Immer verlassen. Er erhält auf Grund seines VerknKjes, auf den er wie«in Shylock besteht, sein volles Gohatt in Höhe von 33 300 Mark bis 1930 weitergezahlt. Bon den sechs unbesoldeten Stadträten wird die Sozialdemokratie zwei Stadträte zu stellen haben. Einen Vertreter entsendet die Mitte, einen Vertreter die Deutschnationalen und einen Vertreter die Kommunisten. Der sechste Stadtrat muß zwischen Deutschnationalen und Kommunisten ausgelost werde«. Um den 7S-Millionen-Kredit. In der Donnerstagsitzung hatte die Stadtverordnetenversamm- lung der Ausnahme de» neuen 7S-Millionen-Kredits, der im Zu- sammcnhang mit dem Preag-Geschäft der Stadt Berlin gewährt werden soll, ihre Zustimmung oersagt. Der Beschluß war bekanntlich zustande gekommen, weil das Zentrum zusammen mit � Deutsch- nationalen und Natlonalsozialisten gegen die Aufnahme des Kredites gestimmt hatte. Die Stadtverordneten haben Nun aber damit über einen Kredit Beschluß gefaßt, dessen Aufnahme lediglich Sache d e» M a g i st r a t s ist. Die betreffende Vorlage war dem Stadt- Parlament auch nur z u r„K e n n t n I s n a h m e' überreicht worden. An der Sachlage hat sich also nichts geändert, wenn auch der Magi- strat selbst der Ansicht ist, daß das Angebot in der jetzigen Fdrm noch eingehender verantwortungsbewußter Prüfung unterliegen mutz. Drei Kinder in einer Truhe ersiickt. Erschütternde Folgen eines gefährlichen Spiels. Budapest. 27. März. Zu einer nahe gelegeneu Orlschasl krochen drei Kinder in Ab- Wesenheit der Elisrn beim Spielen in eine große Truhen plötzlich klappte der mit einem Schnappschloß versehene Deckel der Truhe zu und die Kinder waren gefangen. Die Elkern, die erst nach einigen Stunden heimkehrten, entdeckten zu ihrem Entsetzen die eutseettsn Körper der»leinen, die elend erstickt waren. � Hochstapler Gantner entsprungen. Aus dem RudolfaVirchow-Krankenhaus entsprang der 31 Jahr« alt« Untersuchungsgefangen» Eugen Gantner, der im August vorigen Jahres als Spion und Hochstapler ver- haftet worden war. Gantner lag im Krankenhaus wegen starker Darmblutungen. Sohn wohlhabender Eltern und anfangs Student der Recht», dann auf die schiefe Ebene geraten und wegen Betrugs „Ach nein", sagt Lens und steht auf, als könne sie das Nächste nicht im Sitzen sagen. Sie tritt an den Schrank, lehnt sich fest daran, die Hände auf dem Rücken geschlossen, „Stiefmüterchen würden schnell darauf wachsen, wenn man noch ein bißchen düngt", sagt Andreas. „Grassamen habe ich noch ein bißchen zu liegen, für ringsherum, meine ich", stottert Maschke ungeschickt— sie sprechen noch lange davon, kommen gar nicht los davon. Vis es Andreas Korn endlich auffällt, daß Lene immer- fort schweigt. Acngstlich unterbricht er:„Aber das muß sich ja natürlich nach Fräulein Papendiecks Wünschen richten." Da fährt jedoch Lene aus ihrer Vertäumtheit auf:„Ach nein, meine— sie findet nichts Passendes.„Herrschaften" paßt nicht und man muß die Anrede verschlucken,„ach ja, ich bin Ihnen allen ja so dankbar... nein, Sie müssen nicht abwinken ich sage das ja gar nicht, weil sich das so gehört... es kommt bloß so raus... ich meine es aber viel herz- licher... ich weiß nur gar nicht, wie ich das sagen soll... Herr Schmitzer hat einen halben Morgen Land weniger, und daß Ihr schöner Baum fort ist, das habe ich wohl gesehen, Herr Korn... und ein Heinzelmännchen hat ihm sogar die letzten Liebesdienste erwiesen und ihm ein— ein Totenhemd angezogen, meinem lieben, lieben Vater..." Jetzt erst ist es aus mit ihrer Fassung: sie schlägt mit der Stirn auf den Tisch und weint hemmungslos. Sie sitzen alle re/pekwoll dabei und schweigen; nur Korn stopft und enizünoct umständlich seine Pfeife. Als das Streich- holz aufflammt, gibt es in Lenes Haar einen kleinen Wider- schein, denn es ist schon dämmrig im Raum; Sstnuitzer sieht dos flüchtige Spiel des Lichtes, und sein brauner, großer Blick kommt nicht mehr los von ihrem Scheitel. Als sie sich gefaßt und die Tränen getrocknet hat und nun steif und tapfer aufrecht sitzt, zwei rote, gequollene Kreise unter den buschigen Brauen und dennoch sehr schön— da. und niobt eher, darf man wohl zu trösten beginnen. „Sie sind ia noch jung. Lene", sagt Luise Korn.„Und Ihre neue Stellung wird Ihnen darüber weghelfen, und über- Haupt Berlin �.. die Augen fest auf den Tisch gerichtet, die Stimme sehr sicher: „Ich nehme die Stellung nicht an." Und nach langer Pause, in der niemand spricht, nur Korns Pfeife schmurgelt und der Ofen bullert und irgendwas im Raum gemütlich ist trotz Tod und Elend:„Ich bleibe hier." Wieder ist die Pause sehr lang. Dann sagt Korn be° dächtig zwischen Zug und Zug:„Sie müssen mir's nicht übelnehmen: das verstehe ich noch nicht." Aber da springt Schmitzer auf; es hält ihn nicht mehr. Cr weiß selbst nicht, was in ihn gefahren ist: es ist auch nicht Mut. woraus er handelt, wenn man ntcht Zwang von innen als Mut bezeichnen will. Er tritt zu Lene, reißt ihr die Hand hinter dem Rücken hervor und preßt sie:„Aber ich ver- stehe das, Fräulein Papendieck, oh, ich verstehe das so gut! Es ist sehr schön von Ihnen, daß Sie hier bleiben..." Dann verschluckt er sich und setzt sich wieder, mit denselben fahrigen Bewegungen, die Andreas vorhin ein unwillkürliches„Nanu" entlockt hatten— ein„Nanu", das die Aufforderung der andern von seinem Berhalten am besten widergab. Sie aber, die Lene, sie führt die von Schmitzer hervor- gezogene Hand zur Stirn und streicht etwas heraus, Haar oder Bedenken oder so was, und die Bewegung sieht sehr ruhig aus:„Jawohl, ich bleibe hier. Ich habe das eingesehen, was der Pastor gesagt hat. Und gefallen hat mir's gar nicht in Berlin: jetzt nicht mehr. Ich mache auf dem Boden weller, auf dem Vater aufgehört hat. Und ich bitte Sie, daß Sie mir doch alle dabei helfen möchten. Nicht viel, jeder hat mit sich zu tun, nicht soviel, wie gestern und heute: nur son bißchen." Und als sie sieht, daß alle genickt haben und Herr Schmitzer aufgeregt mit den Händen durch die Luft gefahren ist:„Danke schön.— So. Und nun will ich die Lampe anstecken." Anna Maschke nimmt ihr das ab; dazu muß sie erst die Hände aus denen ihres Mannes lösen, der sie rasch noch ein- mal streichelt, ehe sie aufsteht: olle sehen es mit Verwunde« rung. Und dann finden sie, daß das Lampenanmachen der Anna Maschke sehr gut steht. Die Petroleumlampe wird auf den kleinen Tisch vor Papendiecks Sessel gestellt: sie sehen alle, daß das Buch mit den gesammelten„Landwirtschaftlichen Ratgebern" noch aufgeschlagen daliegt. Zuerst müsien sie lächeln: dann jedoch denken sie wieder an die Not, die Papendieck erwürgt hat, und die auch die ihre ist: und Andreas sagt langsam und ernst:„Ich will Ihnen ja gern helfen, Fräulein Lene. Aber wie Sie das machen wollen, das weiß ich wirklich nicht: ich weiß ja nicht mal, wie tch's machen soll." Aber Herr Schmitzer hat heute seinen großen Tag: er wischt Korns Sorgen mit einer Armbewegung fort, die dem beinahe die Pfeife gekostet bätte.„Ach was! Fräulein Papen- dieck hat vorhin ganz richtig gesagt: wenn wir uns nur alle helfen, dann wird's schon gehen!" „Das habe ich ja gar nicht gesagt, Herr Schmitzer, das sagen Siel" wehrt Lene ab und muß lächeln. „Aber es ist so richtig, als ob Sie's gesagt hätten!" schreit Herr Schmitzer und hat das Kompliment noch nicht einmal beabsichtigt. „Richtig! Richtig ist vieles, aber darum ist's noch nicht möglich!" sagt Slndreas fast wütend. Und dann traurig: „Beim Sterben kann man sich helfen im Stubbenland. Beim Leben nicht" „So?" zerbricht Schmitzer respektlos die trübe Stille. „Warum hat denn Ihr Herr Vater"— er nickt zu Lene hin— „die Hypothek nicht bekommen? Weil er bloß achtzehn Mor- gen hatte' Und warum würden Sie keine kriegen, Herr Korn? Und Herr Maschke nicht? Weil Sie bloß sechzehn oder zehn Morgen haben. Und ich habe zwar fünfundfünfzig, aber die sind ungerodst und weniger wert als fünf kultivierte, ich würde auch kein Geld daraus bekommen!" „Na also!" knarrt Korn und rückt ein Stück von seinem gefährlich gestikulierenden Widersacher weg. Aber der rückt ihm nach, indem er sich über den Tisch legt, und zählt dicht vor Korns Gesicht an den Fingern ob: „Aber zusammen, zusammen haben wir sechzehn, sechsund- zwanzig, vierundfünfzia, hundert Morgen! Zusammen kriegen wir drei Hypothken! Zusammen, Herr Korn! Berstehen Sie denn nicht?" „Nee. Wie wollen Sie denn das Land zusammenlegen, das vier verschiedenen Partelen gehört? Wollen Sie's auf- kaufen?" „Nein." Schmitzer steht endgültig auf.„Aber eine Ge- nossenschaft will ich gründen!" Das Wort klatscht geradezu vor Korn auf den Tisch. „Entschuldigen Sie man, Fräulein Papendieck"', bemäntelte er seinen Rückzug,„daß hier so geschrien wird, gerade beute." „Oh", sagt aber Lene, ich finde, daß da vieles dran richtig ist, was Herr Schmitzer sagt. Wenn's auch laut gesagt ist. Mein Vater sagte seine Sachen auch laut."(Forts, folgt.) Wanderburschen als Freiwild Von Haarmann über Denke zu Tetzner und Saffran bestraft, füJjtic er das Leben eines Hochstaplers, der„Filmgesellschaften" gründete und Pensions- und Hotelschwindeleien betrieb. Zum Zwecke der S p i o n a g e trat er mit ausländischen Nach- richtenstellen in Verbindung, er stand zeitweise unter dem Verdacht, lg27 den Mord am Arnswalder Platz begangen zu haben. Sein kriminelles Sündenregister ist groß. „Durchaus verwerflich." Ttom Monate Gefängnis wegen Körperverletzung im Amt. Wegen Körperverletzung im Amt in zwei Fällen wurde der Polizelwachlmelster L i u k o w s k i vom Schössengerichl Berlin Milte zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Der sehr jugendliche Angeklagte hatte bis dahin seinen Dienst gut ausgeübt und war mehrmals gelobt worden. Er mar aber, wie die Veweisanfnahme ergab, einmal allzu„tatkräftig" gewesen. Eines Tages hatte er nach Dienstschluß mit einem Bekannten ein Lokal aufgesucht. Als er von dort herauskam, sah er in einem Haus- slur in der Koppenstraße einen Mann stehen, den er ohne jede Ver- anlassunq aufforderte, sich auszuweisen. Da der Mann keine Papiere bei sich hatte, wollte er ihn zur Wache mitnehmen. Der Mann de- ichwerte sich darüber, er habe doch nichts getan und es läge kein Krund zu seiner Festnahme vor. Als Antwort erhielt er von dem Polizeibeamten, der sich in Uniform befand, einen F a u st s ch l a g ins Gesicht. Linkowski zog auch sein Seitengewehr und ichlug auf den Mann ein, so daß er nach den ärztlichen Fest- stellungen mehrere Wunden am Kopf davontrug und einige Zähne einbüßte. Nun wollte der Angeklagte sein Opfer zur Wache bringen. Ein anderer Mann, der den Vorfall von der anderen Straßenseite aus beobachtet hatte, kam herübergerannt und rief:„Pfui, das ist eine Gemeinheit, einen Menschen so zu behandeln." Auch er erhielt mehrere Schläge mit dem Seitengewehr über den Kopf. Inzwischen hatte sich ein größeres Publikum angesammelt, das laut um Hilfe rief und das Polizeirevier gegen den rabiaten Polizeibeamten alar- mierte. Die eingetroiienen Beamten brachten alle Beteiligten zur itvache, unterwegs schlug der Angeklagte nochmals mit seinem Seiten- gewehr auf sein Opfer«in. Auch aus der Wache benahm er sich nach den Bekundungen anderer Beamten sehr disziplinwidrig und großspurig. Der Angeklagte behauptete, daß er von dem Manne schwer gereizt worden sei. Dieser habe ihn schon einige Zeit vorher beim Vorbeigehen verhöhnt. Der Zeuge bestritt dies ganz«nt- schieden. Der Angeklagte hatte sich auf der Rettungswache untersuchen lassen und der Arzt war zu dem Ergebnis gekommen, daß er de- trunken gewesen sein müsse, da«r stark nach Schnaps und Bier gerochen hätte. L. behauptete aber, daß das unzutreffend sei, denn er habe ja gerade ein Attest haben wollen, daß er nicht betrunken gewesen sei. Im Urteil, das auf g Monate Gefängnis lautete, führte Amts- gerichtsrnt Burkert aus, daß die Polizei im Verkehr mit dem Publikum einen schweren Stand habe und unter allen Umständen geschützt werden müsse. Selbstverständlich aber dürfe ein Polizeibeamter nicht, auch wenn er erregt sei, auf schuldlose Opfer losdreschen. Die Handlungsweise des Angeklagten sei durchaus verwerflich. Gerade in der jetzigen Zeit, in der so viele Zusammenstöße auf der Straße erfolgen, müssen solche Ausschreitungen empfindlicher bestraft werden. Wilderer in Berliner Wäldern. Ziehe, Hasen und Kaninchen waren ihre Beute. Wilderer eine halbe Bahnstunde von>der Friedrichstraße entfernt? Undenkbar! In welchen Berliner Wäldern soll sich, denn Wild de- finden? Etwa im Grunewald? Jawohl, im Grunewald! Soeben bat die Kriminalpolizei in Spandau zwei regelrechte Wilderer festgenommen und dabei ermittelt, daß die beiden in den Berliner Wäldern um Spandau, Cladow und Gatow und im Grunewald im ganzen 20 Rehe und 100 Hasen, von .Kaninchen gar nicht zu reden, erbeutet haben. Die Sache lam auf folgende merkwürdige Weise heraus. Man wird sich entsinnen, daß man im September 1930 am P o st s e n n im Grunewald die Leiche eines erschossenen Ingenieurs, von dem man annahm, daß er von Verbrechern erschossen worden ivar, fand. Eine Waffe fand man bei dem Toten nicht. Vor kurzem wurde nun in gewissen Spandauer Kreisen eine Pistole zum Kauf angeboten. Die Kriminalpolizei, die auch davon erfuhr, sah sich die Verkäufer, einen Waldemar P. und einen Franz B., genauer an und holte sie zum Berhör heran. Nach längerem hartnäckigen Leugnen gestanden beide ein, daß sie sich gerade an jenem Sep- temdertag wildernd im Grunewald befunden hatten, als sie von fern einen Förster herankommen sahen. Ilm nicht gefaßt zu werden, verkrochen sie sich in eine dichte Schonung am Postfenn. Dort fanden sie später die Leiche des Ingenieurs und durchsuchten die Taschen, ab etwas für sie Verwertbares darin fei. Sie fanden an barem Gelde nur 2,65 Mark, die sie sich ebenso wie einige Zigaretten teilten. Ihr besonderes Interesse aber galt der Pistole, die einige Schritte von dem Toten entfernt lag, wo sie ihm aus der Hand gefallen war. Die Waffe konnte einen guten Preis erzielen. P. und B. liehen aber erst einige Monate verstreichen, bis sie sich damit herauswagten. Als nun die Polizei die Wohnung der beiden, die sich durch das Angebot der Pistole verdächtig gemacht hatten, durchsuchten, fand man eine Menge Schlingen, mit deren Hilfe die Männer und ihre Helfershelfer dem Wilde nachgestellt haben: sie gaben die Wildereien endlich zu. Wieder tödlicher Betriebsunfall. Bei der Firma Werner, At a r i e n s e l d e, wurden sechs üirbeiter mit der Montierung einer Falltür beschäftigt. Dabei lösten sich die Kontergewichte, und die Falltür geriet dabei ins Rutschen. Ein Arbeiter wurde dabei derart verletzt, daß er an den Folgen des Unfalies verstarb. Dies ist innerhalb von vier Wochen der zweite tödliche Unfall, der sich bei dieser Firma zugetragen hat. Julius Cohn J)0 Jahr« all. Heute feiert Direktor Julius Cohn, der erste Direktor der Allgemeinen O r t s k r a n 5 e n- fasse Berlin, seinen 60. Geburtstag. In ihm verkörpert sich ein gutes Stück der Geschichte des Berliner Krankenkossenwelms. Er trat im Jahre 1893 in die Krankenkasse der Handlnugsgehitsen ein, die später zur Ortskrankenkasse für die Gewerbebetriebe der Kaufleute, Apotheker usw. ausgebaut wurde. Am 1. Januar 1914 wurde Cohn bei der Gründung der Allgemeinen Ortskrankenkasse Berkin Ge- schästzführer und seit dem 1. April 1925 steht er an der Spitze dieser größten Krankenkasse in der ganzen Welt. Seit früher Jugend gehörte Cohn der Sozialdemokratie an und, zählte zu den Gründungs- Mitgliedern der Bojksbühne. Als Direktor der Ortskrankenkasse Berlin erwarb er sich große Verdienste für die Persicherten durch die Gründung und den Ausbau von Erholungsheimen und Behand- lungssiuuen. Cohn gilt als einer der besten Kenner der gesamten Soziatversicherung und wurde Haus ig als Sachberater zu Gesetz- entwürjen sozialpolitischen Inhalts zugezogen. Die Tiersicherungsmörder Tehner und Saffran sind, wie nichk anders zu erwarten war. zum Tode verurteilk worden. Was sie begangen, war Word. Aber Rastenburg liegt in Preußen; das Todesurteil gegen Saffran wird nicht vollstreckt werden: seine Bc- goadigung zu lebenslänglicher Zuchthausstrase dürfte aller Boraus- ficht nach auch dem Regensburger Todeskandidaten zugute kommen. Oder wird Bayern, ähnlich wie Würlkemberg, den Burgfrieden in der Todesstrafe durchbrechen und das Urteil vollstrecken? Tetzners und Saffrans Verbrechen ist so gräßlich, die an den Tag gelegte kaltblütige Grausamkeit so abscheulich, daß es einfach unmöglich seheint, auch nur dos geringste Mitgefühl mit dem Schick- sol dieser Menschen auszubringen. Sie habe» sich jenseits der mensch- lichen Gesellschaft begeben. Gleich Kopfjägern sind sie aus die Land- slraße nach Menschenwild gegangen. Sie bedurften fremder Leben, um ihr eigenes in Freuden außerhalb Deust'chlonds genießen zu können. Es sind ja soviel Menschen im Krieg ums Leben gekommen, daß es auf einen mehr oder weniger nicht ankommt", meinte dieser wie jener. Und so vergriffen sie sich an den Schutzloseste» der Schutzlosen, an den Wanderbursche» auf der Landstraße, an den Namenlosen, die durch Not und Arbeits- losigkeit aus Heimat und Elternhaus getrieben, nicht wisien, wo am Tage ihr Stück trocken Brot finden, wo nachts ihren müden Körper zur Ruhe legen..Hunderte von Müttern", sagte der Vorsitzende im Tetzner-Prozeß,„haben an mich geschrieben, sie vermissen ihre Söhne." Und der Uistersnchungsrichter fügte hinzu:.„Zehntausend« von Menschen bevölkern die Landstraße, ohne daß sich jemand um sie kümmerte." Darauf eben spekulierten Saffran und Tetzner. daremf grimdete sich das Sicherheitsgeiühl von Haarmann und Denke. Wanderburschen Freiwild des Lustmordes für diese,' des Dersichc- rungsmordcs für jene. Hoarmann holte sich seine Opfer vom Bahnhof in Hannover. Er nahm die unglückseligen Wanderburschen bei sich ans, füttert« sie, legte sie ins warme Bett,— und dann schlachtete er seine Opfer ob, durchbiß ihnen die Kehle. Kein Hahn krähte nach den jungen Burschen, niemand vermißte sie und geschah es einmal— der Polizei war Haarmann unverdächtig, er war ihr Vigikont. Die Raubpsychose. Zwei jugendliche Handtaschenräuber vor Gericht. Die Raubpsychose greift erschreckend um sich Vor einigen Tage,, war über einen 15jährigen Räuber zu berichte», Jetzt standen vor dem Schöffengericht Tempelhof ein 16- und ein 19jährige r. Wegen Straßenraubes Am 29. November vorigen Jahres gegen 91- Uhr abends lauerten die inngen Burschen einer olleingehenden Frau auf, der 19jährige blieb stehen, der 16jLhrige lief auf die Frau zu, sagte:„Die Aktentasche ge- hört mir", riß sie an sich und lief davon. Die Frau, im ersten Augenblick starr vor Schreck, kam zu sich, schrie um Hilfe, zwei Männer, die von einer Seitenstraße einbogen, packten den Komplicen des Flüchtigen, dieser wollte anfangs mit dem Räuber nichts zu tun haben, dann gab er seine Mittäterschaft zu und nannte auch den anderen. lieber das Leben der beiden jungen Leute erfuhr man in der Verhandlung nicht viel, wenn auch dem Gericht aus- führliche Berichte des Jugendamts Tempelhof vorlagen. Der Aeltere hatte weder Bater noch Mutter, lebte früher bei Pflege- eitern, arbeitete ein« Zeitlang bei einem Landwirt und später in Berlin als Arbeiter auf einem Bau, wurde arbeitslos und erhielt 12,50 M. wöchentlich Unterstützung. Der Jüngere, dessen Vater gleichfalls tot ist, lebt mit der Mutter und befindet sich in der Lehre. Wie in den Burschen der Raubplan entstand, blieb unklar. Das Gericht verurteilte den 19jährigen zu der gesetzlich zulässigen Mindeststrase von 1 Jahr Gefängnis, de» Jüngeren auf Grund Iugendgerichtsgesetzes zu 5 Monaten Gefängnis und Stellung unter Schutzaufsieht des Jugendamtes. Die Frage der Bewährungsfrist in bezug auf den Jüngeren sollte noch geprüft werden. Dem Aelteren wurde Bewährungsfrist nach Verbüßung eines Teiles der Strafe in Aussicht gestellt. Wie immer, entsteht hier die Frage: Hat es einen Zweck, den unvorbestraften und durchaus noeb nicht verwahr! aste» 19jährigen auf wenige Monate ins Gefängnis zu schicken— die moderne Theorie ist ja gegen kurzfristige Strafen— damit er von Mck- gefangenen zulernt, was ihm noch fehlt. Wäre es nicht ratsamer, ihn unter der Drohung der ganzen Strafe zu belasfen und ihn gleichfalls unter Schutzaussieht zu stellen? Von der Frau ober, bei der er augenblicklich lebt und die für ihn sorgt— der 20jährige Sohn dieser Frau hatte ihn vom Arbeitsamt zur Mutter imtgeiwmmen— erfuhr man, daß der junge Mensch einen Bormund besaß, der sich In diesen Tagen wurde über einen schweren Unglücksfall be- richtet, der sich in Lübeck in einer Kaserne der Reichs- wehr zugetragen dal. Unter Führung eines Studien rotes besichtigten zwei Klassen des Realgymnasiums, Untertertianer zwischen dreizehn und vierzehn Jahren, die Reichswehrkaserne. Auf dem Kasernenhofe wurde ihixn von Mannschaitcn des 2. Bataillons des Infanterieregiments 6 das Exerzieren am Maschinengewehr gezeigt. Daraus wurde ihnen in der Wosfenmeisterei das Schießen mit dem Maschinengewehr erläutert. Der Weftseinneister bediente selbst und lud dos Gewehr mit einem Gurt Exerzierpotronen. Die Schüler hatten sich vor dem Lauf des Maschine n g e w e h r s aufgestellt. Als der Waffenmeister das Gewehr in Tätigkeit setzte, kam plötzlich ein scharfer Schuß heraus, der einen Schüler schwer verletzte. Einem hinter ihm stehenden lllassenkameraüen wurde der Daumen der rechten Hand abgerissen. Die Fahrlässigkeit des Waffenmeisters ist selbstverständlich durch nichts zu entschuldigen. Jedem Rekruten wird eingeprägt, daß die Mündung einer Waffe immer so zu halten ist, daß sich niemand ihr gegenüber befindet. Handelt er dem zuwider, wird er beitrait. Weiterhin aber ist zu sogen, daß den St»dien rot der Bor- wurf trifft, dadurch, daß er die Vorführung eines Malchinengewehrs bei seiner Bedienung zuließ, eiyen argen pädagogischen Mißgriff begangen zu haben. Unser« Jugend neigt zur' Gewalt- Denke legte selbst Hand an sich: so entkam«r der irdischen Gerechtigkeit, mit ihm entschwand, das Geheimnis seiner Missetaten. ?luch er lackte die Wanderburschen zu sich in die Wohnung, auch er fütterte und mordete sie hin in einem unbewachten Augenblick. Mit dem Fleisch seiner Opfer trieb er Handel. Ein miß- glücktet Mordversuch wurde ihm Verhäirgnis. Wäre Denke nicht ein ganz simpler Mann gewesen, er hätte vielleicht anstatt sich das Leben zu nehmen, gleich Tetzner, sei» Opfer des Ueberfalls bezichtigt. Tetzner und Saiiran konnten die Wanderburschen nicht zu sich in die Wohnung locken, das oerbot ihnen ihre gesellschaftliche Stellung: sie, die Nimmersatten, wohlgenährten Bürger, im Geschäftsleben gescheitert, aber noch immer im Besitz einer wohlaus- gestatteten Häuslichkeit und mannigfacher gesellschaftlicher Beziehun- gen, waren zu feige, ihrem eigenen nutzlosen Leben ein Ende zu machen.„Wozu soll ich arbeiten," sagte Tetzner,„ich kann auf andere Weise das Leben genießen." Und weshalb sollten Tetzner und Saffran auch nicht irgendeinem Namenlosen das Lebenslicht ausblasen, in Feuer aufgehen lassen. Was riskierten sie schon viel? Die Wanderburschen sind gerächt. Zehntausende ihrer Leidens- gefährten aber werden nach wie vor von Not und Irrungen, von Berbroehen und gewaltsamen Tod umlauert. Moiorradunglück auf der Todeschaussee. Drei Todesopfer. Vergedorf. 27. März. In der Nacht zum Freitag ereignete sich auf der sogenannte» Todeschaussee zwischen Lohbrügg« und B o b e r g«in schwerer Motorradunfall, dem drei Menschenleben zum Opfer gefallen sind. Ein Motorrad mib Beiwagen, das mit drei Personen besetzt war. sauste in der gefährlichen Kurve vor Boberg in rasender Fahrt gegen einen dort hallenden schweren Möbel- wagen. Dos Rad wurde vollständig zertrümmert. Zwei Fahrer wurden auf der Stelle getötet, während der drille so schwer verletztt wurde, daß er kurz nach seiner Einlieferung in ein Hamburger Krankenhaus starb. um den Jungen nicht kümmerte und daß bis zu der Tat, die ihn auf die Anklagebank gebracht lpit, eigentlich niemand da war, der sich seiner richtig angenommen hatte. OisIniernationale der Schuljugend. Die Gesellschaft für ko- nationale Erziehung (Eltern- und greundebund sllr Schulgemeinschaften und Ferienschulen), zu der sich die seit mehreren Jahren sür den internatio- nalen Schüleraustausch arbeitenden Organisationen zusanunenge- schlössen haben, veranstalteten im Konzerthaus ,,C l o u" eine Fest» lichkeit für Lehrer, Schüler und Eltern. Der afsiziellc Teil der Feierlichkeit begann mit der Begrüßungsansprache des Beriincr Swdtschulrats Genossen R y d a h l und einer Festrede dos prenßi- scheu Kultusminist ücrs Genossen Grimme. Der Minister feierte das gemeinsame Erziehungswerk, zu dein sich Schüler. Lehrer und Eltern nach dem Grundsatz der freiwilligen Gemeinschaftsarbeit zusammengefunden haben, als«inen Akt wahrer staatsbürgerlicher Gesinnung, als den Versuch, durch Verständnis und friedliehe Zusmmcnarbeit den Staatsbürger der Zu- kunft zu erziehen. Die Achtung und Liebe zur eigenen Nation steige nur durch die richtige und unvoreingenommene Schätzung der Kulturarbeit und wertvollen Eigenschaften der anderen Bölker und diene der sich gegenseitig befruchtenden Schicksalsgemeinschaft der in Zukunft hoffentlich in Frieden und Freundschaft zusammenlebenden Gesamtmenschheit. Der Minister beglückwünschte die Stadt Berlin zu ihrer Pionierarbeit bei dem internationalen Schüleraustauich und zu Ihren Erfolgen bei diesem Werk. Nach französischen und engftsehen Gesängen, die von Schülerchören vorgetragen wurden, sprach der Nektar der Universität Lille, der zugleich der General- direktor des gesamten nordfranzösischen Unterrichtswesens ist. Er überbrachte die Grüße und besten Wünsche des französisehen Unter» richtsministers und berichtete von den Erfolgen des Schüleraus- taufchs auch in pädagogischer Beziehung, die von 14 französischen Schulverwalluugen, darunter aus Den Städten des früheren Kriegs- gcbiets Lille, Eombroi. Attas usw., begeistert gelobt wurdeiu Es sprachen noch Oberstudiendirektor Dr. Storr-Best, Shefiield-England, der.spanische Botschostsallache N o d i n o, der Bizekonsul der südamerikanischen Republik Kolumbien, Dr. Le- cerra Trebert, der die Hofsnung aussprach, den internatio- nalen Schülerausto-usch demnächst auch über die Grenzen Europas hinaus auszudehnen, und zum Schluß der Berliner Magistratsober- schulrat Heyn. Warum Maschinengewehre? Wie zwei Schüler in Lübeck schwer verletzt wurden. , tätigkeit: sie hierin durch die Borführung von Maschinengewehren zu bestärlen, ist ein grober Fehler. An sich ist im Rahmen eines objektiv geleiteten staatsbürgerlichen Unterrichts auch gegen die Besichtigung einer Kaserne der Reichswehr tauni etwas ein- zuwenden. Die Schulklasscn hatten übrigens vorher die Einrielz- tungen der Lübecker Feuerwehr besucht, was für eine durchaus zu begrüßende Unterrichtsmethode spricht! Die prattijehe Borsührung eines Maschinengewehrs aber jällt aus dem Rahmen eines wün- fchenswerten staatsbürgerlichen Unterrichts unserer Schulfugend well heraus und ist aufs schärfste zu verurteilen. v-Bahn-Storung durch Selbstmordversuch. Durch einen Selbstmordversuch wurde gestern in der Haupt- verkehrszell der U-Bahnbetrieb nahezu eine halbe Stunde lang ge- stört. Kurz vor 18 Uhr warf sich aus der Station Friedrich» stodt ein 26jähriges Mädchen vor die Räder eines ein- fahrenden U-Bohnzuges. Die Selbstmörderin wurde derber so un- glücklicb zwischen Wagenwand und Bahnsteig eingequetscht, daß die Feuerwehr alarmiert werden mußte. Die Unglückliche wurde noch lebend aus chrer furchtbaren Loge befreit und ip die Universitäts» klinik nach der Ziegelstrahe gebracht. bnngf heute nur diese sehr ertreu 'iche Mitteilung. Mit e«nem laufen «Hoch!" auf die niedrigen Preise lsf unsere Ahfcifung Heff&nrKhu�� '■"'�rheh auch mit Jü„g|inss, "°d Knab"-Klaidung) unser Geschäft Qp&MASM&tfc tingezogen! 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Stf._ TSgllch a«A Uhr Diese alle Canaille! ibb Fernaod lozibit Regie: Eugen Robert. Die Komödie SV. Uhi Kommt einYogel «ob Waller flasenrteiei Regie: Custai Härtung RunBrstendamm- Theater ßismaicit«49 Das schwache Geschlecht ', Edouard Bourdet Regie: Hsx Beiobiidt Kleines Theat. Heute 8 Uhr Prüm Iure Erika Gläßner in: Der sttue Kompagnon Lustspiel von Leo Lenz, Würz. Zcsch-Haliot. Kaufmann, Klubeitani. wmt • Garten- 8's Ohr. Mi. 2818. Rautbeo ertnbL Ein alles überragendes Vari6tdprogramm aoBeriiei Breitensträter ptäaentiert Pistulla. Souuabend und Sonntags ie 2 HoistBlInnen ♦ und 8" Uhr. 4 Uhr kleine Pr. 4«/. uhr CASINO-THEATEB Lothringer Strohe 57. Nur noch bis 2. April o fliese Schwiegervater and das erst kl. bunte Programm! Snnnabeni den 4. Ipril 1931 zn eisten Hill „Er träumt von Jlse" Gnladieln 1— 4 Pcrtoncn Fauteull 1�5 M.. Sessel 1,75 M. Sonstige Pr.: Parkett 75 PL. Ran« 60 PI GROSSES SCHAUoPIELHAUu Tägl. 8 Uhr. im«taiuen RDssi. 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Gegen Herrn Jgnaz Petschek, den heute mächtigsten Großaktionär bei der Ilse sind seit langem schwerwiegendste Angriffe in der Oesfentlichkeit wegen seiner Doppelrolle als Grubenbesitzer und KohlengroßhärsiZler erhoben worden, die von den zuständigen Stellen leider immer noch nicht geklärt sind. Die skandalösen Vorfälle, die sich gestern auf der Generalversammlung der Ilse A.-G. abgespielt haben, zwingen den unbefangenen Beobachter die Feststellung aus, daß die Geschäftspolitik des Braunkohlen inognaten Zgnaz Pelschek in der Tat viel zu verbergen hat. Die Generalversammlung der Ilse hatte gestern die Ausgabe, neue Wahlen zum Aussichtsrat vorzunehmen, der sich infolge Todes- fall von IS auf 13 Mitglieder verringert hatte. Völlig überraschend brachte die Verwaltung den Antrag ein, den Aufsichtsrat künftig auf 14 Mitglieder zu beschränken und daher nur eine Person- lichkeit neu zuzuwählen. Für die Neuwahl schlug die Verwaltung den bekannten mittelideutschen Braunkohlenindustriellen Konrad Piatschek vor. Im vergangenen Jahr hat nun das Reich über die reichs- eigene Vereinigte Industrieunternehmungen A.-G.(Viag) von der Ilse ein Aktienpaket in Höhe von 4,7 Millionen Mark Stammaktien und 1.3 Millionen Mark Vorzugsaktien erworben. Dieser Kauf hängt mit den elektropolitischen Interessen des Reiches zusammen. Die Viag, bzw. das Reich, ist also jetzt Großaktionär bei dem Ilse-Konzern, und es liegt auf der Hand, daß das Reich, seinem Aktienbesitz entsprechend, auch im Aufsichtsrat der Ilse vertreten sein muh. Der Vertreter der Viag, Dr. Landauer, erklärte auch persönlich in der Generaloersammlung, daß dos Reichs- unternehmen Wert darauf leg«, daß Komme rzieirrat Le nz ma nn in den Aufsichtsrat der Ilse gewählt werde. Auch mehrer« frei« Kleinaktionärc schlössen sich diesem Vorgehen an, wobei ein Sprecher darauf hinwies, daß die Gruppe Petschek bei einem gleich starken Aktienbesitz, wie ihn das Reichsuntern eh men jetzt aufweisen könne, sogar zwei Aussichtsratssitze für sich beanspruchi habe. Die Antwort des leitenden Ilse-Dircktors Rcinhart, der als Sprachorgan von Jgnaz Petschek anzusehen ist. stellte eine glatte Brüskierung der Viag und damit des Reiche» dar, wie sie krasser nicht gedacht werden kann. Er erklärte rund her- aus, daß es bei solchen Gelegenheiten grundsätzliche Gegen- s ä tz« geben könne. Derartige Gegensätze lägen zurzeit noch zwischen der Ilse und der Biag vor. Aus diesem Grunde müsse die Ilse- Verwaltung es heute noch ablehnen, einen Vertreter der Viag in den Aufsichtsrat hinzuzuwählen. In der darauf folgenden Ab- stimmung wurde die Wahl des vorgeschlagenen Viag»Verl reters Dr. Lenzmonn in den Aufstchtsrat abgelehnt, und zwar mit 229 561 gegen 59 931 Stimmen. Hiergegen gab die Viag und der Aktionär, Rechtsanwalt von Berg Protest zu Protokoll. Bei der Abstimmung haben neben den Derwoltungsstimmen sich auch die Banken auf die Seit« Petscheks geschlagen und gegen das Reich gestimmt. Dieser Fall Ilse ist deswegen von so grundsätzlicher Be- d c u t u n g, weil er zeigt, wie Herr Petschek jeglichen, durch die Besitzverhältnisse auch noch so begründeten, Einfluß de» Reiches zu sabotiere« sucht. Es liegt auf der Hand, daß sich durch die Zuwahl des Viag- Vertreters die Machtverhältnisse im Aussichtsrat des Ilse-Konzerns überhaupt nicht geändert hätten. Der Einsluß der Der- waltungsgruppe unter Petscheks Führung ist groß genug, um etwaig« unliebsame Anträge des Reichs Vertreters abzulehnen. Der wahre Grund zu der Wahlsabotage auf der Ilse-Versanunlung kann also einzig und allein nur darin liegen, daß die Verwaltung der Ilse allen Anlaß hat, in ihre Geschäftspolitik niemanden außer den jetzigen Mitgliedern des Aufsichtsrats und der Direktion hinein- sehen zu lassen. Dies läßt nur den einen Schluß zu, daß die in der Oesfentlichkeit bereits vielfach angegriffene Braunkohlenpolitik des Herrn Petschek ein« derartig« ist, daß sie sich nur hinter verschlossenen Türen durchführen läßt. Debatten um die Kohlenwirtschast. In der Vollverfammsung des �eichskohlenrats.— Händlergewinne hemmen Preissenkung. In der Volloersammlung des Reichskohlenrats, die am Freitag in Berlin stattiand, erstattete Berg Hauptmann Bennhold einen Bericht über die Lage der Kohlenwirtschaft. Die Gesamt- kohlenförderung Deutschlands(Braunkohlen auf Steinkohlen umgerechnet) ist danach im Jahre 1939 aus rund 175 Millionen Tonnen gegenüber einer Gesaintzifser von rund 292 Millinoen Tonnen im Jahre 1929 zurückgegangen. Die deutsche Kohlenhandels- bilanz ergibt für 1939 eine» Ausfuhrüberschuß von etwas über 576 Millionen Mark. Er bleibt hinter dem des Borjahres um reichlich 70,3 Millionen Mark zurück, ist aber um 29 Millionen Mark höher als iin Jahr« 1928. Die Steinkohlengewinnung der Welt bleibt mit 1297 Millionen Tonnen um rund 115 Millionen Tonnen hinter der des Vorjahres zurück und ist unter die Welt- färderung des letzten Borkriegsjahres, in der sie 1 216 Millionen Tonnen betrug, gesunken. Vom Rückgang entfallen 72 Millionen Tonnen auf Amerika, während Europa reichlich 32 Millionen Tonnen verloren hat. Die Produttion in den übrigen Erdteilen Hot sich behauptet. Heber die internationale Kohlenoer st ändigung führte Bennhold aus, daß die Frage einer zwischenstaatlichen Rege- lung nach wie vor in der Oesfentlichkeit und in den verschiedenen Parlamenten, gelegentlich auch von Vertretern der Regierungen leb- hast erörtert werde. Aber zu einer grundlegenden Aussprache zwischen den beteiligten Industriekreisen selbst, deren Anbahnung dem Vernehmen nach noch vor einigen Monaten von englischer Seite in Aussicht genommen war, sei es bisher nicht gekommen. Interessant waren Bennholds Ausführungen über die russischen verhällnisse. Selbstverständlich ist es der russischen Regierung gelungen, die Für- derung zu steigern. Man hat viel Energie und viele Mittel dafür verwandt. Nach Bennhold hat der russische Bergbau aber den größeren Anforderungen nicht genügen können. Dabei machten sich Mangel an tüchtigen Bergleuten und die Neigung der russischen Bergarbeiter, die Arbeitsstelle sehr oft zu wechseln, unangenehm bemerkbar. Der Versuch, dies« Unzulänglichkeiten durch Einfüh- rung von deutschen Bergarbeitern abzustellen, sei klag- lich gescheitert. Die Erfahrungen dieser Auswanderer, die sich im Sommer 1939 durch russische Anwerber nach dem Donez. und Uralgebiet verlocken ließen, seien denkbar schlecht gewesen. Die ihnen für Lohn, Unterkunft, Behandlung und Ausstattung gemachten Vev- sprechungen seien nicht gehalten worden, und die unglücklichen Opfer dieses Versuchs wären froh gewesen, als sie mit Mühe und Not dem russischen Elend den Rucken hätten wenden können. Rußland versuche auch, seine Kohlen zu Dumpingpreisen loszuschlagen, was auf die Deoifennot des Landes zurückzuführen sei. Es sei nur allzu verständlich, wenn die beteiligten Länder energisch Front gegen die Störungsversuche machten. Im Anschluß an die Berichterstattung kam es. zu einer aus- gedehnten Debatte. Zunächst mußte der Bericht Bennholds in einem Punkt richtiggestellt werden. Der Bericht sagt, daß die Berg- arbeiterinternationale mit ihrer Forderung nach Sieben- stundenschicht im Bergbau auf den nachdrücklichen Widerstand des Internationalen Gewerkschaftsbundes gestoßen sei. Schmidt vom Bergarbeiterverband unterstrich, daß der Internationale Gewerk- schaftsbund mit der Forderung der Bergarbeiter durchaus einoer- standen sei. In der weiteren Debatte sprachen Martmöller und Dr. B e r g e r vom Bergarbeiterverband, H a l b f e l l vom Butab und S t e e g e r von den Christlichen Gewerkschaften. Die Aus- einandersetzung drehte sich um die U r s a ch e der K o h I e n k r i s e. Die Arbeitnehmervertreter verwiesen darauf, daß die gegenwärtige Krise im Kohlenbergbau vorwiegend strukturelle Ursachen Hab«. Man habe unter Aufwand großer Kapllalmengen im Bergbau eine Ueberkapazität geschossen. Diese wirke sich jetzt aus und belaste die Produktion. Der Bergbau Hobe versucht, zu einem Kosten- ausgleich zu kommen. Dabei hätten die Unternehmer aber immer an die Lohnkosten gedacht und versucht, tikse zu drücken. Hier sei man bis an die Grenze des Aeußersten gelangt. Dabei müsse berücksichtigt werden, daß der Lohnanteil ständig sink« und sich unter Vorkriegs st and abgeflacht habe. Ein weiterer Kostenousgleich sei nur möglich durch Druck auf die Kapitalkosten. Die unbeschäftigte Kapazität sei zu teuer. Die Syndikate hätten de« Kohlenpreis um 8 bis 9 Proz. gesenkt! im Kohlengroßhandelsindex sei aber nur eine Senkung von 4.5 Proz. eingetreten. Das beweise. daß man nicht nur in der Kohlenproduktion, sondern auch im Kohlenhandel eine unrentable Ausweitung vorgenommen habe. Demgegenüber versuchten die Kohlenhändler, für die nicht genügend« Preissenkung die Frachten verantwortlich zu machen, die nicht ver- billigt worden seien. Ein praktisches Ergebnis hatte die Debatte nicht und konnte fi« auch nicht haben, solange die gemeinwirtschaftliche Kontrolle der Kohlenwirtschaft nicht wesentlich erweitert und gefestigt wird. „Wirtschaftsprüfer." Die staatliche Regelung des AuchprüfungswesenS. Im Gesetzentwurf über die A k t i e n r e ch t s r e f o r m ist be- kanntlich die Einführung der regelmäßigen jährlichen Pflicht» revision für sämtliche größeren Aktiengesellschaften vorgesehen, und das Gesetz über die Neuregelung der staatlichen Aufsicht über die Privatversicherung und über die Bausparkassen führt für diese Unter- nehmungen die Pflichtrevision bereits jetzt ein. Das Buchprüfungswesen ist bis jetzt sehr wild gewachsen. Seit einem Jahr sind nun Verhandlungen über eine staatliche Rege- lung des Buchprüfungswesens im Gange. Wie in der Zeitschrist „Der praktische Betriebswirt" mitgeteilt wurde, ist folgende Regelung vorgesehen: Die Organisation des Buchprüfungswesens wird nicht vom Reich vorgenommen, sondern auf der Grundlage einer Länder- Vereinbarung. Das Uebereinkommen enthält gemeinsame Vorschriften über die Zulassung zur selbständigen Tätigkeit als„Wirt- s ch a f t s p r ü f e r", wie die neue Berufsbezeichnung lauten soll. Für die Zulassungsstellen ist folgende Organisation vorgesehen: Beim Industrie- und Handelstag wird eine Hauptstelle errichtet, bestehend aus Vertretern der Spitzenverbände der Unternehmer, der Organisationen des Revisionswefens. der Länder und der Hochschulen. Die Hauptstelle stellt die Zulassungsbedingungen und die Prüsungs- ordnungen aus. Die Zulassung selbst erfolgt durch die Zulossungs- und Prüfungsstellen, die in einigen Großstädten errichtet werden sollen. Sie weisen eine ähnliche Zusammensetzung auf wie die Hauptstelle. Die Zulassung soll an folgende Bedingungen geknüpft werden: Sechsjährige praktische Tätigkeit, davon drei Jahre Buch» Prüfungstätigkeit: theoretische betriebswirtschaftliche Borbildung: Ablegung einer Prüfung, für die im wesentlichen betriebswirtschaftliche und juristische Vorkenntnisse verlangt werden. Für einen Zettraum von fünf Iahren sind Uebergangsbestimmungen vorgesehen, wonach die Ablegung der Prüfung in bestimmten Fällen erlassen werden kann. Die Zulassung kann nur für selbständige Berufsprüfer bzw. deren zeichnungsberechtigte Vertreter und für gesetzliche Bertreter oder Prokuristen von Treuhandgesellschaften erfolgen. Von den Treuhandgesellschaften wird verlangt, daß mindestens einer ihrer gesetzlichen Vertreter bzw. Geschäftsführer zugelassen ist. Daß eine staatliche Regelung des Buchprüfungswesens bereits dringend notwendig ist, muß ebenso anerkannt werden wie die Absicht, die Zulassung der Buchprüfungstätigkeit an strenge persönliche und fachliche Bedingungen zu knüpscn. Denn nur wenn auf diese Weise eine Gewähr dafür geschaffen wird, daß die Revision der Unternehmungen in die Hand persönlich und fachlich geeigneter Prüfer gelegt wird, wird die Pflichtrevision die Ausgabe erfüllen können, die ihr im Interesse derDurchlenchtungderPrivat» Wirtschaft gestellt werden muß. Es muß freilich gesagt werden. daß fachliche Eignung nicht immer nur auf Hochschulen erworben werden kann, und es muß daher verlangt werden, daß jene Aus» nahmen von dem von manchen interessierten Kreisen angestrebten Akademikerprinzip gemacht werden, die den Ausstieg begabter und theoretisch und praktisch gut durchgebildeter Richtakademiker ermöglichen. Schließlich soll unserem Befremden darüber Ausdruck gegeben werden, daß man bisher nicht daran gedacht zu haben scheint, daß auch die 15 Millionen Arbeiter und Angestellten zur Wirtschaft gehören. Es muß entschieden oerlangt werden, daß die Spitzen- verbände der Arbeitnehmer genau so zur Mitwirkung an der Haupt, stelle und an den Zulassungsstellen herangezogen werden wie die Spitzenverbände der Unternehmer. Win So ist der Absatz gegenüber 1929 nur unwesentlich von S,8 auf 5,55 Millionen Doppelzentner zurückgegangen Andererseils weist der Geschäftsbericht noch auf Verringerung der Zinseinnahmen aus den freiliegenden Geldern hin, doch auch dieser Rückgang dürste die starke Gewinnkürzung nicht erklären. Den Hauplanteil hieran scheint viel- mehr ein sehr starkes Abschreibungsbedürfnis auf die Wertpapiere zu haben, denn an den Kursverlusten dieser bei der Kalibank ruhenden Wertpapiere und Beteiligungen hat der Winters- halltvnzern vertragsgemäß mit zu tragen. Da diese Sonderabschreibungen vorweg abgezogen sind, ergibt der ausgewiesene Rohgewinn von 59,4 gegen 68.1 Millionen kein treffendes Bild. Nach Abzug nur wenig veränderter normaler Abschreibung auf die Werksanlagen in Höhe von 19,3 Millionen verbleibt ein Reingewinn von 15,9 gegen 23,7 Millionen im Vorjahr, aus dem eine Dividende von 8 gegen 12 Prozent auf das Kapital von 299 Millionen Mark ausgezahlt wird. Neben dem besonderen Abschreibungsbedarf auf die Wertpapiere und Beteiligungen stellt die Dividendenkllrzung zweifellos eine Vorsichtsmaßnahme für die Zukunft dar, die von der Wintershall-Verwaltung in Anbetracht der anhaltenden schweren Weltagrarkrise ungünstig beurteilt wird. So weist der Ge- Ichäftsbericht auf das starke Absinken der Syndikatsumsätze im Januar und Februar hin und rechnet bei Ablauf des Düngejahres(Mai bis April) mit einem Umfatzausfall von zwei Millionen Doppel- Zentnern Reinkali für das Syndikat. LlSA.-Elektro. Ernste Krisenw.rkungen in der amerikanischen Elektro- industrie. Die großen amerikanifchen Elektrokonzern« find, wie ihre Um. sotz- und Gewinnziffern zeigen, von der Krise durchweg stark betroffen worden. Verglichen mit Deutschland, unterscheidet sich jedoch die Krisenauswirkung darin, daß in Deutschland vorwiegend das Jniandsgeschäft zusammengeschrumpft ist, während der Export sich relativ gut gehalten hat.(Rückgang nur um etwa IM» Proz.) Dagegen ist der amerikanische Elektroexport von 139 aus 119 Mit- lionen Dollar zurückgegangen, d. h. um über 8 Proz. In Deutsch land hat sich die Schwachstromindustrie, insbesondere auch die Radio- industrie. recht widerstandsfähig gezeigt, während diese Gruppe in den Vereinigten Staaten ebenfalls stark gelitten Hot. Die führende amerikanische Radiogesellschaft, die'Radio Corporation of America, zeigt z. B. einen Rückgang ihrer Roheinnahmen von 182 aus 137 Millionen Dollar, d. h. um rund 25 Proz. Der Reingewinn ist noch stärker, nämlich auf ein Drittel des Standes von 1929, zusammengeschrumpft(von 15,9 auf 5,5 Mil- lionen Dollar). Die Zahlung einer Stammaktiendividende fällt wiederum aus. Di« großen starkstromtechnischen Unternehmungen der Ver- einigten Staaten zeigen ähnlich« Ausfälle wie die deutschen. Bei der G e n er a l Electric Co. ging z. B. der Umsatz von 415 auf 376 Millionen Dollar zurück, d. h. um etwa 9,5 Proz.. der Rein- gewinn von 67,3 aus 57,3 Millionen Dollar, d. h. um 14,5 Proz. Das zweitgrößte Unternehmen, die Westinghoufe Electric andManufacturingCo., ist von der Krise noch etwas stärker betroffen worden. Der Umsatz betrug nur 189 Millionen Dollar, rund 17 Proz. weniger als im Jahre 1929. Der Reingewinn ist sogar von 27,1 auf 11,9 Millionen Dollar zusammengeschrumpft, d. h. auf weniger als die Hälfte des vorjährigen Ergebnisses. An dritter Stelle steht die Allis-Chalmers Manu. facturing Co., deren Reingewinn auf 3,6 Millionen Dollar zvrückgegangsn ist, etwa 17 Proz. weniger. Weliorganisaiion für Geireide. politische Getreidepreise durch Ausfuhrregelung. Der Staatssekretär im ungarischen Ackerbauministerium, Baron Georg von Pronay, macht in einem für die international« Getreide- tonferenz in Rom bestimmten Vortrag, betitelt„Die internationale Regelung der Getreidefrage", interessante Vorschläge, in denen es u. a. heißt: „Der Exportüberschuß aller Getreideausfuhrländer der Welt beträgt 345 Millionen Meterzentner. Der Einfuhrbedarf aller Getreideeinfuhrländer der Welt beträgt 239 Millionen Meterzentner. Der Weltausfuhrüberfchuß beträgt somit 113 Millionen Meterzentner. Davon ist abzuziehen derjenige Vorrat, der auch in normalen Zeiten jährlich vorhanden zu fein pflegt und mit etwa 45 Millionen Meterzentner angegeben wenden kann. Allerdings hat sich dieser in den letzten vier Jahren infolge der teilweisen Absatz- stockung aus 79 bis 89 Millionen Meterzentner erhöht. Die jährliche Vergrößerung des Ueberschusses ist mit etwa 29 Millionen Meter- zentner anzunehmen. Der Kongreß hat somit die Frag« zu l ö f e n. was mit dieser verhättnismäßig kleinen Menge, die den Preissturz hervorruft, geschehen soll. Pronay schlägt vor, eine Weltorganisation der Ausfuhrländer zu schaffen. Diese Organisation, die kein Getreide exportieren darf, wird für jeden Staat das Ausfuhrkontingent feststellen und auch die Preispolitik beeinfluffsn. Der Ueberschuß soll für menschlichen Verbrauch un- brauchbar gemacht und als Viehfutter ausgeführt werden. Von einer Erhöhung der Anbaufläch« soll abgesehen werden. Ausfuhrflaaten, die sich dem nicht unterwerfen wollen, sollen dann von den Einfuhr- staaten gewissermaßen boykottiert werden." Dt« Vorschläge sind interessant und fast revolutionär zu nennen, aber auch reichlich utopisch. Wieder eine Veamienbank gefährdei. Die Nordwestdeutsche Bant in Hannover, die dem Deutschen Beamtenbund nahesteht, hat ihre Zahlungen«in- gestellt. Eine Stützungsaktion ist von der Nordwestdeutschen Ge- nossenschaftsbank bereits eingelettet. Die Nordwestdeutsche Bank läßt sich zu der Zahlungseinstellung folgendermaßen aus:„Um die Gläubiger der Nordwestdeutschen Bank A.-G. vor Schwierigkeiten zu bewahren, hat sich die Nordwest- deutsche Genossenschaftsbank e. G. m. b. H., Hannover, entschlossen, als Ueberbrückungsmaßnahme den Gläubigern der Bank einen Teil ihrer Guthaben zu bevorschussen. Die bei der Nordwestdeutschen Bank A-G eingegangenen Gehalts- Überweisungen für April werden in voller Höhe ausgezahlt werden." IUOENDWBIHEN der Sozialisten, Freidenker und Gewerkschaften Berlins Sonntag, den 39. Mars Berlin, Volksbühne am Bülowplatz um 91/; und 12 Uhr Spandau, Aula der Oberrealschule, Spandau, Friedridi- Ecke Mollkestrafce um 10 Uhr Lichtenberg, Aula des Gymnasiums Lichtenberg, An der Parkaue um 10 und 13 Uhr Weißensee, Siadthal eWeibensee, Pistoriuss trabe 23 um 10 Uhr Charlotienburg, Aula der Sophje-Charlotte-Schule, Charloiten- burg, Scharrenstrabe 23/27 um 11 Uhr Pankow, Tivoli- Lichtspi'le Pankow Berliner Sfrabe 27 um 11 Uhr Musik» Gesang» Rezitationen»Sprechchor.Weiherede Eintritt: Erwachsene 75 Pf., Kinder 50 Pf. Für die Volksbühne Erwachsenenkarten 1,— M. Für die 12-LJhr-Weihe sind Karten ausverkauft Die britifchc Handelsbilanz. Das Handelsministerium schätzt die Passivität der britischen Handelsbilanz für 1939, nämlich den Ueber- sdiuß der Einfuhr über die Ausfuhr, auf 392 Millionen Pfund Sterling. Im vorangegangenen Jahr betrug die Passivität 366 Mil- lionen. Der Fehlbetrag wird jedoch durch die unsichtbare Aus- fuhr, vornehmlich durch die Einnahmen der Schiffahrt, durch Kommifsionsqebühren usw., mehr denn ausgeglichen. Für 1929 war der Wert dieser unsichtbaren Ausfuhr auf 594 Millionen Psund Sterling geschätzt worden, so daß sid' ein Ueberschuß von 138 Mil- lionen ergab. Für das Jahr 1939 ist der Wert der unsichtbaren Ausfuhr, hauptsächlich infolge der verminderten Einnahmen der Schiffahrt, aus 431 Millionen Pfund Sterling zurückgegangen. Die Handelsbilanz 1939 schließt demnach mit einem Ueberschuß von 39 Millionen Psund Sterling ab. Untersuchungen über den Texlilgrohhandel. Der Handels- ausschuß der vom Reichswirtschaftsrat veranstalteten W i r t s ch a f t s- cnquet« hat jetzt seine Untersuchungen über die Lage des Textilgroßhandels abgeschlossen. Die Entwicklung des letzten Jahrzehnts hat auch innerhalb des Textilgroßhandels stärkere Umschichtungen verursacht. So haben die Kapitaiveriüste während der Inflation die Stellung des Großhandels als Bankier für Einzelhandel und Handwerk ziemlich beengt. Auch die Zu- sammensetzung der Sortiments hat sich infolge der schnell wechselnden Modeanforderungen stark gewandelt. Gegenüber den Ein- kaufsgenossenschaften sitzen die Textilgroßhändler, wie sich dies aus der Befragung vor dem Ausschuß ergab, noch auf reichlich hohem Pserd. Auch den direkten Verkauf des Fabrikanten an die Kundschaft sehen die Großhändler natürlich nicht gern. Jnter- essant ist aber, daß die vielfach direkten Gesihäste zwischen den Werken und den Warenhäusern auch die Textilgroßhändler z u schärferen Kalkulationen und billigeren Preisangeboten gezwungen haben. Vogler Präsident der österreichischen Alpinen Montan. Der Der- waltungsrat der Aloinen Montan-Eesellschast hat das Borstands. Mitglied der Bereinigten Stahlwerk« A.-G., Dr. Albert Vogler, zum Präsidenten der Gefellschoft gewählt. parteinachrichten fürGroß-Berlin kinjendungen für dies» Rudrit find Berti» SS«. Li»d«»itraße 3, ftrt, an bat Sr jirttfefrrtarial t. Hot. 2 Trrooen rechts, zu richten Beginn aller Veranstaltungen 1S� Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! heute. Sonnabend, 28. März. 7. und 8. Brei». Juristische Sutethilunbe findet Mit 17 bi« Ist Übt hn Zueendbeim STostiKtiftr. 4 statt. Seleaenbcit»um stlrif-enau»tritt! 31. Abt. stur flctiaDfttrelenxtfammluuq om 81. Mär» musseu Mandate von Ealdscharidt, Stolvisch« Str. 96. abgebalt werden. Morgen, Sonnlag. 29. März. 7. JhsU. M« Zugendweibe findet statt um 11 Übt. Aula der Sot>bi»-alt»r Srmrte* und gutes Beivrogramm. 1. Vorstellung: Einlast 17 Uta. Beginn 17% Übt; 2. Vorstellung: Einlaß 19?» Übst, Beginn 20U Übst Eintritt 60 Pf. * 2. Srei«. Montag, 80. Mär», Sreisoorstandsslßung mit Beifißern und l-dAb. tcilungsUitern. Lokal wird noch bekanntgegeben. Sterbetafel der Groß> Berliner Partei« Organisation «. Akt. Die Beerdigung unsere« verstorbenen Genossen Robert Heide findet beut«. Sonnabend, 14i4 Übt, auf dem ssriedbof Neukölln. Mariendorfer Weg, statt. Wir bitten um rege Beteiligung. 11«. Abt. Unser Genosse M o r r, Reu« Babnboistr. 28, ist verstorben. Cbbst« seinem Andenken! Einäscherung Montag. 80. Mär», IS Uhr, im Srema- torium Baumschulenweg. Wir bitten um reg« Beteiligung. Berlin hat aus Breslau schon manches ausgezeichnete Hörspiel empfangen. Das Zeitbild„Im Osten d i e S ch l e f i n g" war zwar auch hörenswert, denn es brachte Berichte über fchlefifche Menschen und schlesisches Land; es erzählte von Lebenskampf, von Not, Hunger, und es erzählte von Heimat. Bilder von packendem fach- lichen Gehalt wurden durch gebundene Rede dichterischen Höhen zwar nicht nahegebracht, wohl aber chrer ergreifenden oder helleren Wirklichkell etwas entfremdet. Die musikalische Belastung war für den Hörbericht zu schwer. Für die Inszenierung des Werkes dürften besonders die mchtschlesischen Hörer Dr. Franz Josef Engel dankbar gewesen sein:°r hatte geschickt dafür gesorgt, daß die Sprache Schlesiens auch dem Ferncrstehenden etwas von ihrem derben Reiz enthüllte. Dr. Erich Fortner widmete eine Stunde Joses Strauß, dem Bruder des Fledermauskomponisten. Die Gestali des Menschen und Musikers, dl« noch heute im Schatten des povu- läreren Bruders steht, wurde von Fortners Aueführungen und den ausgewählien Kompositionen freundlich erhellt.— Gottfried Ben» sprach zu HexnrichMannsss 9. Geburtstag, atemlos schnell abgelesene Sätze, überlastet mit Fremdwörtern. Sein« Darlegungen, offensichtlich für einen kleinen Kreis Auserwählter bestimmt, gehörten nicht vor das Mikrophon. Der Masse der Hörer wurde Heinrich Mann durch diese Red« nicht nahegebracht, sondern höchstens ent- fremdet.— Im Programm der Deutschen Welle sprachen Ministerialrat Professor Wold! und Otto Hehler über das Thema „Mechanisierung als Lebensschicksal". Der Hörer dieser ilnterhallung bekam den Eindruck, daß der theoretische Be- trachter der Frage, Professor Woldt, ihrem Kern näherkam als sein aus der praktischen Arbelt hervorgegangener Gesprächspartner. Heute ist di« Grundstimmung der großen Masse der Arbeiterschaft im rationalisierten Betrieb wohl kaum arbellssreudig. Professor Woldt halt« sicher recht, als er von der Tragik der Versachlichung des Berufslebens sprach. Te». Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serlio «taftnbunaen fär dtete Zttibrv irnr an bun«en ittt die Oitecfabrt nimmt ßurt Rochier. Schu!»estr. 4L um I9!-2 Übt taute noch an.— Hallesch« Tor: stunk- tionärocrrcmmUmfl. Werbedeidtk Pten»lauer Berg: iS',4 Übt. Dan»iaet Str. 62, Aeltetenkutsus: »Die Elemente dct kopttaliftischen Wittschaft". Stteichotchestti des SAI.: 20 Übt Pflichtptobe im Seim Sotstin«. Ecke ffitaunfttafcf.* Morgen. Sonnkag. 29. März. Destb«be»irk Schönebern: Wandctleltet�ieffvunkt um 7 Übt Bbf. Schöne- tat«»ut«to ionischen Waitdetung. W«etata»itl Neukölln: ssilmabend im S'abtsaal. Betgstt. 147. Wir fo:tIeit „ßobnbutfbnrct Srcmtc" und ein qutes Btiptoaiamm. Beginn der Betall» ftaltun« um 171b und 2044 Übt. Eintritt 60 Pf. Borträge, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rol-Gold". GeschäMssteli'- Berlin£ 14 Sebastianstr 37- 38 Kol 2. St Sonnabend, 28. Mär». Renkölln-Bstist: Unser stametad ssstiedtich Sitvbalm ist am 24. Mät» verstorben. Einäschetun« beute. Iß Uta. Baumschitlenwea. Schöneweide-Iobnunistbal: 20 Uta Mitaliederoetsamm'unq in der Btnckenkiause, Btstcken- Ecke Spteesttaste. Votstandsmitalietat 19 Übt. Bernau: 20 Übt Versammlung im Vetein-iokal Mobisch. Rudcerieat: 20 tas 22 Übt ßaftentubetn, SItala». Sunnelstt. 3—4.— Conniag, 2». Mär», fleei« Osten: Uebunatmatsch der Echufo, Etaso und des Immbanners. 22 Rilomclct. Antreten 9 Übt Bbf. Niablsdonf, hinter dct W«ichbi!daten»e von Berlin. Rudtrtieqr: Anrudern nach der Alten Berliner Schwei» 9 Übt Bootsbau« Wendenschlost. Ab 17 Übt Bunter Abend im Bootsbaus. Sintetwott. adteitung: Sonnabend, 28., ab Iß Übt, und Sonntag, 29., ab 10 Übt Arbeitsdienst auf unserer Tennisvialtanlaar am Tunkturm.— Mairtag. 30. Mät». Mitte(Iimgiannet): 20 Uta, Iugendbeim Tieckstr. 17, lestter Iabitaa der Sbüringcnfabter._ RepubManisch« Rednerveteinignng. Montag. 20V> übt, Botitagsabend mit Diskussion im„Alten Askaniet". Anltaltstt. IL iZwiegesptäch übet»Deutsät- östertcichisch« gollun'on". Gäste willkommen. Arbeitet.Laienfgieler.verband. ssrcie Spieltrnpp« Berlin l: Montag. 30. Möt». 20 Übt, Sistuu« bei Lohann, Btildetftt. 16—18. Gast« können ein- aeMhtt werden. Allgemeine Wetterlage. 27.März-133�, abds. Oyi«lkanlos,0 heirer.Ohalbbedockr awllkig.BbedeclttsRegefutGraupeln lSciii>»e.sHrtiel,8GtwiHet@Winjsfine Während in Deuischland westlich der Elbe und in Süddeuischland im Bereiche eines zerfallenden Hochdruckgebietes helleres Weiter mit Mitiagstemperawren von 8 bis 16 Grad Wärm« herrscht«, machte sich im Osten des Reiches die nordrufsische Depression in stärkerer Be. wälkung und auch in«in wenig tieferen Temperaturen bemerkbar. Niederschläge kamen jedoch nirgends vor. Ueber Südskandinavien befindet sich zur Zell«in Tiefdruckausläufer der russischen Depression, der südwärts zu wandern und sich allmählich zu einer selbständigen Depression zu entwickeln scheint. Auf feiner Nordseite dringt ein Sttom polarer Lufmtassen nach. Sonnabend wird unser Bezirk in den Bereich des Ausläufers kommen, so daß etwas unbeständiges Wetter zu erwarten ist. * Wetterausjichtea für Berlin. Uebergang zu unbeständigem Weller mit einzelnen Schauern: nordwesttiche Wind«: weiterhin kühl.— Für Deutschland. In Süddeutschland Fortdauer des heiteren Wetters mit Nachtfrösten, im Norden wechselnd bewölkt und nameni» lich in den Küstengebieten Niederschläge tu Schauern. Eine sehr reizvolle Gegenüberstellung der„Kleidung vor dreißig Iahren" mit der unserer Zell bringt der neu« Katalog„Frühjahr und Sommer 1931" von Peel u. Cloppenburg. Es lohnt sich, ihn(kostenfrei!) anzufordern, zumal der Inhalt viel Wertvolles bietet. Der Herrenkleidung. die von dieser Firma seit drei Jahr- zehnten besonders gepflegt wird, ist der größte Teil des Kataiogs gewidmet. Beachtung verdienen aber auch die Seiten, auf denen Damen- und Kinderkleidung angeboten wird. Bor allem sind die Preise wirklich zeitgemäß. Man sännt bänfiu ans der Strast« von«ritbewbenden Passanten Ge. sprächsteil, auf, die in ibtet Rerridenbeit»»weilen recht komisch, man-dmol aber auch ungemein prägnant wirken. So bört. man gestern im Voruber» neben die liedenawllrdige Stimme einer ssran, die»u ibtern Bfieilet focte: »Sic setan aber prachtvoll in Ibtern neuen Hut au»". Dieser Herr hatte bereit» Erfola und et wird noch webt Erfolg haben, denn er wählte lich einen .Wilie-Luk". Dies« alt», ieit 1322 bekannte Hutmari«, die von Millionen Männern getragen wird. Die IWllßSdgapeÜQ dick un&rund 9U Commerz- und Privat-Bank Aktiengesellschaft Einundsecbzigstc rs der Aktionäre am Dienstag, dem 28. April 1931, vormittags 11 Uhr, im Sitzungssäle der Bank in Hamborg, Neß Nr. 9. Tagesordnung; 1. Geschäftsbericht des Vo s"ndes sowie Vorlegung der B lanz nebst Gewinn- und Veriust-Rechnung und Vorschlag zur Gewinnverteilung. 2. Bericm des /tul-ichisrates Ober die Prüfung der Bilanz, d.-r Gewinn- und Verlus-Rechnung sowie des Vorschlages der Gewinnveiteilung Z. BeschluBiassung über die Genehmigung der Bilanz und d e Entlastung des Vorstandes und des Aufsichtsrales sowie über die Verteiluni des Reingewinnes 4. Wahlen zum AufsichtsraL Diejenigen Aktionäre, die in der Generalversammlung Ihr Stimmrecht au-üben wollen, haben ihre Aktien oder einen ordnungsmüDigen Hinter lassungsschein eines deutschen Notars spätestens am 24 April 1931 während der üblichen Ges'häftsstunden bei unseren Nieder- ta-sun en in t amburg, Berlin und Magdeburg, bei unseren säm liehen Filialen und Zweigsiel en, in Fraal fotl a. M. bei unserer dortigen Niederlassung und dem Bankhause J. Oreyfn»& Co�, in KSin a. Rh. bei unserer dortigen Filiale und dem Bankhause 1. H. Stein, in Amsterdam I ei der N. V. Hatto Kaufmann n Co's Bank, außerdem für die Mitglieder des Oiroeffektendepots auch * bei der betreffenden Effektengirobank zu hinterlegen und bis zum Schluß der Generalversammlung dase Ost zu belassen Hinterlegunpsscheine gelten nur dann als ordnungsmäßig, wenn daiin die hin erlegten Aktien nach B trag und Nummern genau bezeichnet sind und wenn überdies in den Hlnterlegungsscheinen selbst bescheinigt ist, daß die Aktien bis zum S hluß der Generalversammlung bei der Hinterlegungssielle in Verwahrung bleiben Die Hinterlegung ist auch dann ordnungsmäßig erfolgt, wenn die Aktien mit Zustimmung einer Hinterlegunfsstelle für diese bei einer anderen Bankfirma bis zur Beendigung der Qeneralvcrsammluno im Sperr depo gehalten werden. Gegen Hinterlegung der At-tien oder Einre chung der notariellen Hin'erlegungsscheine werden Eintrittskarten ausgehändigt. Die zu hinterlegenden Aktien können ohne Gewinnanteilscheine und Erneuerungsscheine eingereicht werden. Hamburg, den 27. März 1931. Der Vorstand. Deutsche Landesbankenzentrale Aktiengesellschaft Bilanz per 31. Dezember 1930_ Aktiva i. Nicht cingezaiiltcs Aktieokapital.................... 2. Kasse, fremde Geldsorten and fällige Zins- und Divi- dendenscheinc.............. 3. Guthaben bei Noten- und Abredinungsbanken........ davon entfallen auf deutsche Notenbanken allein...... RM 106 622,36 i. Scheck«, Wechsel und unverzinsliche Schatzanweisungen: a) Schecks und Wechsel.. b) unverzinsliche Schatzan- weisungen des Reichs und der Länder........ c) eigene Akzepte......... d) eigene Ziehungen...... e) Solawechsel der Kunden an die Order der Bank� 3. Nostroguthaben bei Banken und Bänkfirmen mit Fälligkeit bis zu 3 Monaten...... davon innerhalb 7 Tagen ! 336,80 RM 10 526 369,-«- fällig RM 9 812 2 6. Reports und Lombards gegen börsengängige Wertpapiere. davon entfallen auf Reports allein.. RM— 7. Vorschösse auf verfrachtete oder eingelagert« Waren.. 8. Eigene Wertpapiere: a) Anleihen und verzinsliche Schatzanweisungen des Reichs und der Länder................ b) Sonstige bei der Reiths- bank und anderen Zentralnotenbanken beleihbare Wertpapiere.... 9. Konsortialbeteiligungen... 10. Dauernde Beteiligungen.... 11. Debitoren in laufender Rech- Dung........................ davon entfallen auf Kredite an Banken. Bank- firmen, Sparkassen und sonstige Kreditinstitute.. RM 1! 152 887,13 auf Guthaben zur Einlösung fälliger Zintscheinc und gekündigter Schuldverschreibungen.......... RM 7 524 432.23 Von der Gesamtsumme sind gedeckt: a) durch börsengängige Wertpapiere.......... RM 8 240 714.90 b) durch sonstige Sicherheiten RM 10 860 307,03 12. Langfristige Anslelhungen gegen hypothekarische Sicherung oder gegen Kommnnal- deckung: a) Wohnungsbandarlehen. b) Industriedarlehen.... c) Darlehen aus Mitteln der Deutschen Renten- bank-Kreditanstalt.... 13. Sonstige Aktiva............" 100 693.50 RM 3 000 000.— 122 206.11 135 789,22 10 526 349,— 35 510 586,80 215 001,15 RM 410 000,— 40 000.— 53 960 946.08 13 272 760.42 100 693,50 945 595,36 13 380,— 28 753 142,21 Passiva 1. Aktienkapital...........— 2. Reserven: a) Reservefonds.......... b) Dekrederefonds........ � 3. Kreditoren: a) seitens der Kundschaft bei Dritten benutzte Kredite................ b) deutsche Banken, Bank- firmen, Sparkassen und sonstige deutsche Kreditinstitute................ c) sonstige Kreditoren......_ Von der Gesamtsumme der Kreditoren sind; 1. innerhalb 7 Tagen fällig RM 11 898 507.66 2. darüber hinaus bis zu 3 Monaten fällig..... RM. 34 142 883.40 8. nach mehr als 3 Monaten fällig____.... RM. 21 192 315.44 4. Akzepte...............— 5. Langfristige Anleihen bzw. Darlehen: a) First Mortgage Securcd Gold Sinking Fund Bonds Series A 6%$ 5 000 000.- davon getilgt bis 31. 12 30$ 227 500.— 20 044 500.— b) Mortgage Sccured Gold Sinking Fund Bonds Series B6%$ 10 000 000,— davon getilgt bU31. 12.30$ 725 000,— c) Darlehen der Deutschen Rentenbank-Kreditanstalt 1. Noch nicht eingelöste Zins- scheine und gekündigte Schuldverschreib im gen.............. 6. Sonstige Passiva............ 7. Reingewinn.................- 20 044 580 74 38 935 706,32 � 150 123,03 67 150 410,29 533 669,73 |t47 008 823,37 Außerdem: Aval- und Bürgschaftsdebitoren....... - 2 888 000.- 88 955 000,— 8 150 123.03 RM 3 000 000,- 450 000,— 67 233 706,50 67 149 633,03 6 176 674,23 712 892.53 285 727,08 147 008.823,37 Außerdem; Aval- und Bürg- schaftsverpflichtungen....... 2 888 000,— davon langfristig für provinzielle Kreditinstitute.. RM 2 735 000,— Eigene Indossamentsverbindlichkeiten: a) a. weiterbegebenen Bankakzepten RM 6 100 000,—> b) aus sonsti. gen Rediskontierungen 8 513 665,61 Von der Gesamtsumme sind in spätestens 14 Tage fällig RM 1 435 956,42 Gswlnn- und Verlutt-Rechnung Ausgaben. 1. Handlnngsunkosten: a) persönliche Unkosten.... b) sächliche Unkosten....... c) Stenern................... 2. Reingewinn................... per 31. Deiamber 1930. RM RM 361 773,39 267 753,22 139 739.65 769 266,46 285 727,i 1 054 993.34 Einnahmen 1. Vortrag von 1929............ 2. Provisionen................. 3. Zinsen....................... 4. Diskont...................... 5. Sonstige.................... RM 38 978,28 223 988.09 328 107,91 330 410,32 133 508.94 1 054 993.54 Pertrix- Batterien sind durch längste Lebensdauer imr Gebrauch am billigsten/ ab Lager Wellblech-, StaD]-u.Betonbauien Jeder Art. Angeb. u Prosp. kosienl Ge&r Adienfiadi G.m.b.H., Weld cnan Sieg Eisen- und Weltblechwerka- PosHach 38 Zentrale für Bodenkulturkredit Körperschaft des öffentlichen Re:chts Bilanz per 31. Dezember 1930 Aktiva RM RM 1. Nostroguthabro bei Banken.. 1 305 319,20 davon innerhalb 7 Tagen fällig 305 319,20 2. Langfristige Deckungsdarlehrn nach Maßgabe des Pfandbrief- gesetzes vom 21. 12 27; a) Darlehen an Meliorations- unternehmen............ 4 995 000,— b) Bardeckungen............ 5 000,— 5 000 000,— 3. Zusatzkredite 183 578.55 6 488 897,75 ..... Passiva k Stammkapital................ 2. Langfristige Anleihen: 8% Goldschuldverschreibungen Reihe I.................. 3. Diverse Passiven: a) Zinsscheineinlösnngsfonds b) Tilgungsfonds............ c) Zinsverbilligungsfonds des Reiches............... d) schwebende Abrechnungen 4. Reingewinn.............. 200 000,— 12 500.— RM 1 200 000,- 5 000 000,— 230 371,79 38 525,96 6 488 897.75 Ausgaben 1. Handlungsunkosten................ 2. Zinsen für Schuldverschreibungen 8. Reingewinn........................ Gewinn- und Verlus'-Rechnung per 31. Dezember 1930. RM 2 994,20 200 000,— 38 525,96 241 420,16 1. Zinsen 2. Sonstige, Einnahmen diese Marke i Aktiva 1. Kasse. Reichsbankgiro-, Postscheck- und Bankguthaben...... 2. Wechsel und Schauanweisungen................... A, Wettpapiere............................. 4. Devisen 5. Beteiligungen a) an der Finanzierungsgesel'schafi für Land- kraitmaschinen, Aktiengesellschaft...... BM 1 000 000,— b) gemäß§ 3 Zilfcr 3a oes RKA.-Qeseucs...■ RM 8 464 65', 68 6. Petsonalkredite a) bis zu 9 Monaten befristete Darlehen..... RM 188 495 489,75 bt Abzahlungskredi e............... RM 80 5-3 199,50 c) sonstige länger befristete Darlehen(Molkerei- Kredite).................... RM 22 296 605,85 7 Abwicklungskreditc.......................... 8. Umschuld-ngsktedite......................... 9. MeLorat onskredite ai Dauerkredite aus Anlelhemitteln....... RM 17 075 908 60 b) Dauerkredite aus eigenen Mitteln....... RM 19 591 250,50 c Zw.schenkredite................ RM 23 272118,56 10. Siedlungskredite' a) Zwischenkiedite................ RM 19, 066 438,98 b) Dauerktedite.................. RM 49 682 744,39 lt. Hypothekendarleben— aus Mitteln der 1. Amerika-Anleihe............... aus eleenen Mitlein zu denselben Bedingungen......... aus Mitteln der Golddiskontbankanleine............ aus Mitteln der 2. Amerika-Anleihe............... aus eigenen Mitteln zu denselben Bedingungen......... aus Mitteln der 3 Amerlka-Anleine............... aus eigenen Mitteln zu den.-clben Bedingungen......... aus Mitteln der 4 Amerika-Anleihe............... aus eigenen Mitteln zu denselben Bedingungen......... J2 Hypothekar Stundungskredite.................... 13. Bei der Go:ddiskontDank hinterlegt zur Deckung von Hypothekar- Schuld- ehernen......................... 14 Anteilige Z nsen aus Hypothekar an eihen.............. 15 Bankgebäude............................. 16 Mobil en und Bilroutensilien..................... 17. Sonstige Aktiva................,.......... RM 93 664 825,15 6772597,54 41 989 325,19 645 227,31 9 464 651,68 291307 295,10 8 404 087,44 5117 711,64 59939 277,66 242 749,183,37 95 609 574,08 2316 411,31 97 978 9.il,— 121 172 648,94 488 536,84 198 098 857,62 3552 358,22 104 851 817,77 978 077» 29987 327» I soi 099— 9007 829.41 I 600 000,- 1,— 3964 745.24 Passiva 1. Kapital................................ 2 Hauptrücklage............................ 3. Sonderrücklagen für ausgegebene Schuldverschreibungen..... H ervon getrennte Sonderrücklagen a) für d e 1 Amerika-Anleihe............ RM 5 035 380,— b) für die 2 Amerika-Anleihe............ RM 6> 68 120— c) für die 3. Amerika-Anleihe............ RM 10 279 920,— d) für die 4. Amerika-Anleihe............ RM 5 242230.— e) für die Melloratlons-Auslandsanlelhe....... RM 963900,— 4. Beteiligungsrü'klage......................... 5. 1. Amenka-Anleihe 7% Schuldverschreibungen.......USA. Dollar 25 0"0 000,— hiervon getilgt... Dollar 2 236DOO.— 6 Golddiskontbankanleihe 7% Hypothekar-Schuldscheine..... 7. 2. Amerika-Anleihe b8/» Schuldverschreibungen....... hiervon getilgt 8. 3. Amerika-Anleihe 6% Schuldverschreibungen...... hiervon getilgt 9. 4. Amerika-Anleihe 6% Schuldverschreibungen...... hiervon getilgt 10. Melioration« anieihe Dollar 22 764 000,— USA Dollar 30 000 000,— ... Dollar 1 150 000,— Dollar 28 850 000,- USA. Dollar 50 000 000.- ... Dollar 2 6?0 000.— I 431 952 367,83 Dollar 4738,1000,— USA. Dollar 2 000 000,— ... Dollar 1 037 060,- Dollar 24 963 000— bAi0,!) Schuldverschreibungen........ schw. Fr. 25 000 000,— hiervon getilgt,.. schw Fr 1 200 000— schw. Fr. 23 800 000.- H. Guthaben des Reichs......................... 12. Darlehen für Siedlungsdauerkrcdite................. 13 Deutsche Rentenbank........................ 14. Noch einzulösende Zinsscheine................... 15. Anteilige Zinsen f Schuldverschreibungen u Hypothekar-Schuldscheine 16. Rückstellungen............................ 17 Pensenslonds............................. 18 Sonstige Passiva........................... ...........«....»..»D..»..?..» RM 231 910,90 9 509,26 241 420,16 Bilanz der Deutschen Rentenbank-Kreilitaistalt(Lau Iwlrtschaftüche Z�ntralhaalO Berlin am 31. Dez. 1933 Gew'nn- und Verlustrechnung Soll Handlungsunkosten...................... Sonstige Aufwendungen einschl. Umhaitkosfen........ Stempel, Emi-Sir nskosien und andere Ausgaben für Anleihen Zinsen für Anleihen...................... Abschreibung auf Wertpapiere................. Reingewinn..,....................... RM 1 951 001.38 796 340,— 585 679/6 43 501 875.43 1 010000,— 14 927 812,25 62 852 707 92 Haben Z'n»en aus Krediten und kurzfris icdn Anlagen.... Zinsen aus Wertpapieren und Devisen........ Zinsen au-t Hypol eka d riehen............ Abschlußvcrgutungen, Vciwcltungskostcnbeitriige usw. Hüte mein Herr! Zu haben in allen leistungsfähigen Hut- Spezialgeschäften Unser Programm tn Wort und Bild Eine Folge von 140 Bildern RM 420 000 000- 26 464 437.55 37 873 670,— 1 000000,- 95 608800,- 99 370 000,— I2t 170 000,— 198996 000,- 10« 844 600,- 19 278 000,— 188 426 878.13 49 059 33 2.87 27 746 635.40 320 692— 12 394124.13 5 015 269,62 1 205 93910 8 260 175.73 149 7812.25 14319 2 367.83 Begleittext: rsr�rd�Ä�nC Mit einem Vorwort von Hermann MUller Reichskanzler a-D. Was will die SPD.? Zu haben ! Für ganze 90 Pfennig In der Buchhandl. J.H.W. Olet* LlBdonelr«#*• Uebar 30 000 Kunden belldffcrtl liefert ••it 27«lahrwn in bekannt gedlegeiMler OmfOhruna Schlafzimmer SpeUezimmer Herrenzimmer Küchen u. Einzei- RM 14 625 363.11 3 036 659,83 44 239 250,49 951 394,4 62852 707.9. Niedrige Preise 24 M onatsrsten auch ohne Anzahlung Geschäftshäuser. 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'.... ■■■ n". .v- f«j,-?; 1*' ToSSrj Ber" 'a&s««, 1 Kleine Ansaigen. --- UbsrsehrHffwort 75 Pf., Texfwort 13 Pf./" St« liengcsuclie: Uberschriftswor« 1 c HOf..... "■■'JeiiJS"' Kereii. Nr. i47* 48. Jahrgang 3. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 28. März 4934 Zu kurzes Glück. Aus der Neubauwohnung in die Arbeitslosigkeit. 5rf>cn Sonntag, vom frühen Morgen bis zum späten Abend, wallfahren Taufend« von Wohnungfuchenden an alle Enöen der Stadt. Nach Reinersdorf, Ruchleben, Ze Hiendorf und T« m p e l H o f gleichermaße». Männer und Frauen, junge wie alte, klettern Sonntag für Sontag unverdrossen über Berg« von Balken und Sand, tasten sich in d«n Treppenhäusern von ungeputzten Roh- bauten mühselig umher, noch ist kein« Tür da, die sich aufmachen und kein Geländer, das sich anfassen ließe. Und wo die Neubauten schon fertig sind und der erste blond« Frauentopf zum Fenster hin- ausschaut, wird dieser Kopf von den unten vorbei Defilierenden be- staunt als etwas, das beinahe alles Glück auf Erden erreicht Hot. „Fünfzigmal bin ich heute kreuz und quer durch die ganze Baustelle geklettert, mir ist ganz schwindlig und Fusseln habe ich wohl auch am Mund", seufzt der Angestellte des Vermietungsbüros, der Kolonne um Kolonne durch den Neubau führt und geduldig alle Viertelstunde von vorn erklärt: Hier sehen Sie ein Muster unserer geräumigen Zweizimmerwohnungen mit Zentralheizung und Warmwasserversorgung. Beachten Sie die einbruchsicheren Korridortüren, die modernen Gasherde in der Küche, die Randwasch- decken in den Bädern, die gute Sonnenlog« der Zimmer, ihren regel- mäßigen Schnitt, die herrliche Aussicht auf die Grünanlagen. Es ist wahrhaftig alles gut und schön, ebenso wie die achtzig Mark, allmonatlich auf den Tisch gelegt, ein Batzen Geld sind, aber wenn es noch diese achtzig Mark wären, denn das dicke End« kommt hinterher:„Zu der Miete kommt noch ein kleiner Zuschlag sür Zentralheizung und Warm wasser in Röhe von fünfzehn Mark", sagt der Erklärer. Dann verfliegt das Lächeln auf den strahlenden Mienen der Wohnungsuchenden und enttäuscht machen die Kolonnen wieder kehrt. Doch viele Wenig machen ein Viel. Wenn von jeder zweiten Kolonne nur« i n Begeisterter hängen bleibt, dann sie dies schon fünfundzwanzig entschlossen« Mieter, und so kommt es, daß innerhalb kurzer acht Tage ein Neubaublock mit seinen zweihundert Wohnungen anstandslos vermietet wird. Der Andrang zu den Neu- bauten scheint der Krise direkt ins Gesicht zu spotten. Aber die ehernen Gesetze der Krise kennen keinen Spaß. Wer jetzt durch Wittenau oder Johannisthal oder Friedrichsfelde geht, der sieht die Möbelwogen aneinander vorbeifahren. Die einen ziehen voller Roffnumg ein und die anderen voller Betrübnis aus. Auch Noubauwohnungen sichern keine Immunität gegen das Gespenst der Arbeitslosigkeit. Für die Scheidenden bleibt nur die Erinnerung an «in paar kurze Tage des Glücks. Es wird uns immer wieder gesagt, daß wir nur arme Proletarier sind. Die Hcimisschwlndkrin — und der Mann, der eine gute Partie machen wollte. Reiratsschwindler erlebt man in Moabit oft genug. Eine Frau als Reiratsjchwindlerin gehört dagegen zu den Seltenheiten. Vor kurzem lernte man aber in der Person der Frau X., einer üppigen Blondine, vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte auch diese Abart von Betrügerin kennen. Reiratsschwindlerin?! Wenn ein Mann eine Frau um ihres Vermögens willen„lieb" ge- winnt, zu ihr in Beziehungen tritt, Vaterfreuden entgegensieht und die Frau, um sich die Liebe des Mannes zu erhalten und ihm Gcfd aus der Tasche zu ziehen— geschieht ja auch sonst—, ein Lügengebäude, das sie, einmal aufgerichtet, immer weiter kunstvoll ausbaut, ist sie dann«in« Reiratsschwindlerin? Allerdings lag der Fall der Frau X. komplizierter, lieber ihre Vergangenhest erfuhr man soviel wie gar nichts, wohl aber, daß sie von ihrem Manne, einem Oberingenieur, geschieden wurde, unter anderem, weil sie zwei Jahre lang sein Guchaben plünderte,„aus Liebe zum Mann und um sein« Wünsche zu erfüllen", daß sie auch ihrem Rechtsanwalt vorspiegelte, sie habe große Summen zu erwarten und daß sie das Lügennetz monatelang gesponnen hatte. Das Gut- achten der Reil- und Pflcgeanstolt, in der sie damals, 1922, auf ihren Geisteszustand untersucht woroen war, sprach von pathologischer Lügenhasligkeit, von einer Unfähigkeit. Wirklichkeit und Phantasie voneinander zu trennen. Sie glaube an die Romane, die sie anderen erzählt. So war es auch diesmal. Frau X. lernte eines schönen Tages den Architekten Z. kennen. Sie führte sich unter dem Namen ihres früheren Mannes ein, ob- gleich ihr das gerichtlich verboten worden war, erzählte, daß er tot sei und daß st« aus der Verwertung seiner Patente 499 900 M. zu erwarten Hab«. Sie brauch« aber Geld, um die An- waltskostm zu bezahlen. Sie erhielt es. Dann traf die Trauer- anzeige vom Tode ihres Vaters ein. Auf der' Rückseite standen einig« Zeilen von der Mutter an den Zukünftigen der Tochter:„Sei gut zu Maust" usw. Rerr Z. bezahlte 300 M. für die Trauerkleidung. Jetzt war Frau X. auch Erbin des väterlichen Gutes Grauen. Als Rerr Z. sich das Gut ansehen wollt«, bekam Frau X. Krampfanfälle: es sei unmöglich, das Gut zu besuchen:«s traf auch ein Brief vom Pächter des Gutes ein: man trachte Frau T. nach dem Leben. lind joden Tag kamen neue Briefe von„Mutti", von„Onkel Franz". und von„Onkel Gustav", von der„Schwägerin Frieda" und von der„Tante Trude", ein Brief zärtlicher als der andere. Die zu- künftige„Verwandtschaft" betrachtete Z. bereits als den Ihrigen, weihte ihn in alle Familiensachen«in, dankte ihm, daß er zu „Maust", das heißt zu Frau X., so gut ist. Balo hatte der Onkel Gustav die ihm anvertrauten Gelder unterschlagen, bald hatte sich Onkel Franz im Gefängnis erhängt, und immer wieder brauchte Maust Geld. Die Mutter lag angeblich sterbenskrank im Sanatorium, die Aerzte» rechnüng mußt« bezahlt und Reifen unternommen werden, bald nach Ramburg, bald nach Magdeburg oder Braunschweig usw. Jeden- falls, wenn Frau X. Geld brauchte, trafen Briefe und in Mengen Telegramme ein, die irgend ein Unglück oder dergleichen mehr vor- täuschten. So hieß es zum Beispiel einmal: Onkel Gustav ist zu- sammengebrochen, grünes Kleid anziehen, damit sie abgelenkt wird, Mutter kommt sicher durch. Auch konnte Frau X. äußerst freigiebig sein. Sie telegraphiert« ihm«ines Tages: Einen dunkelblauen Mercedes, ein Viersitzer, habe ich für dich gekaust. Ein anderes Mal: 0009 M. sind an die Commerz- und Privatbank überwiesen. Natür- iich war alles Rumbug und stammten alle Briefe und Telegramme von„Maust" selbst. Als der Architekt in der Roffnung auf zukünf- tigen Dermögensjegen sich seine Lieb« bereits etwa 4000 M. hatte kosten lassen, wurde er plötzlich hellhörig. Cr forschte nach einer Cousine in Magdeburg, die nie gelebt hatte, stellte Ermittlungen in Braunschweig an und lieh Frau X. verhaften. Das Gericht verurteilte die Reiratsschwindlerin zu sechs Monaten Ge- f ä n g n i s. Eigentümlicherweise fand die Verhandlung, obgleich Frau X. bereits seit einem Monat in Untersuchungshaft sitzt, vor dem Schnellgericht statt. Sie hatte auf die Einhaltung der gesetz- lichen Frist verzichtet. Man fragt« sich aber, ob die Aburteilung solcher Fälle Ausgabe des Schnellgerichts ist und ob es nicht doch richtiger gewesen wäre, einige weitere Feststellungen über Frau X. zu machen. Vielleicht hätte man auch einen psychiatrischen Sach- verständigen hör«n sollen. Mörder nicht verantwortlich. Im August 1939 hatte der Weichenwärter Brüggemann, wie erinnerlich sein dürfte, auf einem Laubcngelände in N o w a- w« s aus Eifersucht zwei Frauen erschossen. Brüggemann wunde dann in die Landesirrenanstalt Görden bei Brandenburg übergeführt und hier auf seinen Geisteszustand unter- sucht. Das Ergebnis der Untersuchung liegt jetzt vor. Danach ist Brllggemann für seine Tat nicht verantwortlich zu machen. Es soll jedoch noch ein Obergutachten von dem gerichtlichen Aerzteausschuß für die Provinz Brandenburg in Berlin eingeholt werden.. S. bis 5. April: Die stille Woche. Am Donnerstag. 2. April, und Sonnabend, 4. April 1931, dürfen in Theatern, Zirkussen, Lichtspieltheatern, Varietös, Kaba- retts und sonstigen Vergnügungslokalen, sowie auf Vergnügungs- Plätzen nur ernste Darbietungen stattfinden. Vom Donnerstag, 2. April, 20 Uhr, bis Sonntag, S. April einschließlich, sind öffentliche Tanzlustbarkeiten, am Karfreitag auch alle nichtösfentlichen Tanzlustbarkeiten in öffentlichen Vergnügungslokalen und ösfent- lichen Versammlungsräumen verboten. Am K a r s r e i t a g, 3. April, sind Theater, Zirkusse, Lichtspielcheater, Varietes. Kabaretts, Konzert- und sonstige Vergnügungslokale und-Plätze grundsätzlich geschlossen zu halten. Nur folgende Ausnahmen sind zulässig: a) die Ausführung von Bühnenwerken religiösen oder legendären Inhalts, b) die Vorführung von Filmen religiösen oder legendären Inhalts, c) die Veranstaltung von Konzerten mit geistlicher Musik. In Lokalen mit Schankbetrieb jeder Art sind jedoch alle mufl- kalischen Darbietungen oerboten. Ordner der proletarischen Feierstunden lressen sich zur Zugend- weihe Sonntag. S Uhr. vor der Volksbühne. Zirkus Carl Ragenbeck bleibt nur noch wenige Tage in Berlin und spielt täglich zweimal, 314 Uhr nachmittags und 5� Uhr abends. Wesentlich ist, daß nachmittags nicht nur Kinder, sondern auch E r- wachsen« auf ollen Plätzen halbe Preise zahlen.(30 Pf. bis 4 M.) Di« riesige Tierschau, die die seltensten Tiere des Erdballs zeigt, ist täglich von 10 bis 18 Uhr durchgehend geöffnet. Erwachsene 30 Pf., Kinder 30 Pf. Eintritt. Der Zirkus ist sehr gm zu erreichen. Er liegt direkt an der U-Bahn st ation Gneisenaustraße. Außerdem halten die Straßenbahnlinien 3 und 141 ebenfalls dicht vor dem Zelt. Der Zirkus ist stets angenehm geheizt. Spart für die Sommereise! Die gegenwärtige Wirtschaftsnot zwingt viele Menschen, entweder aus ihre Urlaubsreise ganz zu ner- zichten oder die Ausgaben daiür auf das äußerste einzuschränken. Der Reichsausschuß für sozial! st ische Bildung«- arbeit bietet die Möglichkeit, das Geld für die Urlaubsreise, die gerade für den Werktätigen besonders notwendig ist, durch geringe Monatsraten zusammenzubringen. Eine Anzahl schöner Reisen führen nach Tirol, in das herrliche Unterinntal und nach Innsbruck. Diese Reisen kosten bei 14tägiger Dauer(je nachdem, wann man anfängt zu sparen) 109 bis 112 Mark. Durch tyualUät zur Simsahr$tesgerung, durch Umsatz&ieigerung zur Preissrnkutsg! JßÜUü Staufen imd IniUq SFaiiren islxwriwlel Die Frage des wahren Gebranchswertes die Frage der»WirtschalUIchkeit auf die Dauer* steht beim Kauf eines Automobils heute mehr denn je im Vordergrund. Wer es sich irgend leisten kann, wählt daher gleich ein richtiges Automobil— von 2 Liter Hubvolumen aufwärts— und auch da wieder eine Marke, deren Ruf sichere Garantien bietet. Denn, daß es Unterschiede gibt zwischen„PS44 und„PS44, das hat sich allmählich herumgesprochen. 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Er rauchte sie zu clner Tasse Kaffee mit soviel umständlicher Lorbereitung, aus- gcklügelter Verschwenderpofe und feierlicher Grandezza, daß er selbst der festen Ueberzeugung wurde, er Hobe ein Kraut zwischen den Lippen, das eines Banderbilt würdig sei. Für die übrige Woche nmßtc der Abialllabak reichen, denn Anton chornemann war in einer kleinen Bibliothek ein kleiner Bibliothekar mit noch viel kleinerem Gehalt Die Vergnügungen, mit denen er seine freie Zeit ausfüllte. hielten sich im Rahmen feines Taballuxus und bestanden vornehm- lich aus Phantasie und Geldmangel. An diese sonnadendlichen Tabakseinkäuse schloß sich regelmäßig ein längeres, nicht aufregendes Gespräch mit cherrn Siedebold, dem Inhaber des Zigarrenladens, der Anton schon seit vielen Jahren kannte und eine große Sympathie für ihn hatte— nicht so sehr als prominenten Kunden, was selbstverständlich erscheint— wie als netten, bescheidenen und harmlosen Menschen. Als Anton eines Sonnabends wieder wie gewöhnlich den kleinen Laden betrat, bemerkte er zu seinem großen Erstaunen hinter dem Ladentisch nicht das gewohnte, ein wenig unrasierte Gesicht cherrn Siedebolds, sondern das einer hübschen jungen Dame. Anton war enttäuscht, oerwirrt und erfreut zugleich. Enttäufcht— denn er war auf ein würdiges Mäitnergefpräch mit cherrn Siedebold vorbereitet: oerwirrt— denn sein Umgang mit Frauen hatte sich vorzugsweise' aus seine schwerhörige Tante Emma beschränkt,— und erfreut, nun ich bitte Sie, warum ist ein junger Mann erfreut, wenn er ein hübsches junges Mädchen sieht?! „Ist Herr Siedebold nicht da?" fragte er zunächst. „Nein, mein Onkel ist im Augenblick nicht da� sagte die junge Dame,„was wünschen Sie. bitte?" Ich kann unmöglich, schoß es Anton durch den Kopf, zu diesem wunderhübschen Geschöpf sagen, daß ich für fünfzig Pfennig Abfall- tabak haben will. Das würde einen schauderhaft kläglichen Eindruck machen. Er griff verstohlen nach seinem Schlips, mtt dem er stets einen entnervenden Kleinkrieg führte und der sich auch in der Tai wieder an irgendeiner sinnlosen Stelle verborgen hielt. „Geben Sic mir, bitte, zehn Sechs-Pfennig-Zigarctten!" sagte er dann leichthin, konnte ober nicht verhindern, daß ihn hierbei ein leises hochstaplerisches Gefühl übertanu „Welche Marke?" fragte sie. „Ja... hm.. Anton erklomm mutig einen kleinen Gipfel der Sicherheit,„ich nehme immer die.Semiramis'." Er erhiell Manchmal wundern wir uns, daß wir so viel aus den ältesten Zeiten der Erde wIsscn�daßUlle.Steine, wenn nicht uns allen,'so doch den Gelehrten ein beredtes Zeugnis aus den grauen Vorzeiten der Erde ablegen. So ein Fund, der uns nichts oder nicht viel sagt, ist für den Wisienschastler, der nach ihm gräbt und an chm forscht, eine Quelle vielseitiger Erkennmisse, aus denen er die Geschichte der Well in der Vorzeit erkennt, die Tiere und Pflanzen beschreibt, die damals lebten, und von den Uranfängen des Menschengeschlechtes die Schleier zieht. Was damals auf der Erde lebt«, wurde wieder zu Erde: die Erde versteinte, und in diese Steine hinein ist das Ge- heimnis ihres einstigen Lebens gewebt. An alle» Ecken und Enden der Erde hat man solche Funde, viele nach langem Suchen, die meisten zufällig gemacht uird sich so allmählich«in Bild von der End wicklung der Flora, der Fauna und des Menschen machen können Man hat das Wachsen seiner Gestalt und seines Geistes, seine Werk- zeuge, seine Waffen, seine primitive Kunstentwicklung erforscht: man weiß in großen Umrissen, welche Pflanzen und wclck)e Tiere in den verschiedenen Zeilen lobten, und welche neuen sich aus den allen cittwickellem Bäume sind versteinert: Pflanzen und Fische haben sich zwischen Steinen abgepreßt: aus Knochen, Zähnen, Schädeln hat man die Tiere rekonstruiert, die damals lebten Aber ist das nicht nur ein ganz kleiner Ausschnitt, vom Zufall bewahrt, von noch größerem Zufall wieder entdeckt? Wi« war es mit den kleinen und kleinsten Tieren? Mit Käfern, Infekten, Wür- mern, mtt all' dem winzigen Getier, das doch sicherlich auch damals schon kreuchte und fleucht«? Darüber wußte und weiß man bis heute so gut wie nichls. Ein Fund, merkwürdig, zufällig und von unschötz- barem Wert wird aber bald in dieses Dunkel Licht bringen. In Rheinhesfen, dem engeren Bezirk des geologisch so inter- efsanten und an Fundon reichen Mainzer Beckens, hat man etwas aus der Tiefe geHoll, was bislang auf der ganzen übrigen Well noch nicht entdeckt worden ist: große Tonplatten mit einer Un- stimme deutlich erkennbarer und tadellos erhaltener Laufspuren von vielerlei Jnsetlen und Würmern und Kleintieren der Eiszeit. G«- nauer.zeitlich bestimmt, da es ja verschiedene Eiszeiten gab: des ersten Eisvorstoßes der sogenaimlen Würm-Eiszeitgruppe, während deren das Mainzer Becken eine große Lössteppe war. Diese Funde, über die in einiger Zeit zum erstenmal� wissenschaftlich berichtet werden soll, haben eine interessante Geschichte Schon seit Iahren bautet man In Wallertheim eine reiche prähistorische Fundstelle aus. In Wallertheim, einem kleinen Ort am Wicsbach in Rheinhesien— in der Nähe liegt am gleichen Wiesbach ein anderer Ort, der durch seinen Wein bekannt geworden ist: Gau-Bickelheini—, hat man in einer Ziegelei direkt am Bahnhof die ersten Fund« gemacht. Die Ziegeleibesitzer zeigten sich den Interessen und Wünschen der Forscher zugänglich, und so wird dort nicht nur nach Ton für Ziegel, sondern auch nach den Zeugnissen der Vorzeit gegraben. Der Leiter des Mainzer Naturhistorijchen Museums Prof. 0. Schmidtgcn. der eins der reichsten Heimatmuseen verwaltet, weil dieses die besten und ivertvollstcn Bestände und viele Unika, die es auf der ganzen Welt laum noch in dieser Erhaltung gibt, direkt vor seiner Türe findet, überwacht diese Ausgrabungen, die einen allen Eiszeitsumpf bloß- gelegt haben, an den die Tiere zur Tränk« gingen. Zuerst fand man lleberreste der verschiedensten Tiere, fand Knochen. Schädel und Zähne von Bisons, Pferden. Hirschen, Renntieren, Nashörnern, Schweinen. Großkagen. Bären, Eisfüchsen. Mammuts, Wühlmäusen und Steppenmurmeltieren. Dann fand man die ersten Knochenstücke, die menschliche Bearbeitung auswiesen, scHjeßlich auch noch Steinwerkzeugs. Alles deutet darauf hin, daß an diesem Sumpf ein« Jagdstelle gewesen ist. Während das Wild zur Tränke kam, hielt sich der primitive Mensch in der Steppe verborgen und suchte zu» seine„Semiramis", legte sein Geld auf den Tisch, grüßte und war wieder draußen, ehe er auch nur den Derfuch einer Unterhaltung gemacht hatte. Er ging durch die Straßen, dachte an die junge Dame und verrauchte binnen einer halben Stunde fünf„Semiramis", ohne nachher eine Ahnung davon zu haben. Am Montag kaufte sich Simon einen hervorragend schönen Schlips, band ihn um, suchte den Zigarettenladen auf und erwarb zehn„Semiramis", wobei er mit Herrn Siedebolds Nichte zehn Worte wechselte. Er erfuhr hierbei, daß Herr Siedebold aus einige Zeit verreist war. Die Zigaretten und das Erlebnis hielten bei fparfamster Haushallung zwei Tage vor. dann mußten beide drin- gcnd erneuert werden— Neuer Schlips! Sechs-Pfennig-Zigaretten! — man sieht, daß Antons Ausgaben die bedrohlichen Formen eines verjchwenderifchen Lebenswandels annahmen. Aber er schlug olle Gewisiensrcgungen mit dem Argument nieder, daß er sich diese kleine Chance oder das. was einmal eine kleine Chance werden konnte, nicht durch einen schlechten Eindruck und falsche Sparsamkeit oer- mauern wollte. Endlich— am folgenden Sonnabend— brachte er es fertig, in ein Gespräch mit ihr zu kommen. Was sie so den Tag über treibe, fragte er sie, nachdem er seine zehn„Semiramis" verlangt hatte. Handarbetten machen in Gesellschaft der Großmutter und des Schäserhundes Nero, klagte sie Es sei schrecklich langweilig, aber ihr Onkel habe ihr streng verboten, auszugehen, sie sei aus einer Klein- stadt, und er sei furchtbar besorgt um sie. „Oh" fragte Anton teilnehmend,„hat denn Ihr Onkel gar keine Bekannten?" „Ach, einen befreundeten Herrn nannte er mir, auf den er sehr große Stücke zu Hollen scheint. Wenn der käme, sagte Onkel, sollte er mll der Großmutter sprechen, und dann könnte ich mtt ihm spazieren gehen, sooit ich wolle." „Soso" n:achte Anton. Eine herzhafte Eisersucht hatte ihn gepackt. .Leider", fuhr die Kleine fort,„ist dieser Herr nicht gekommen. Schade, es fall ein famoser Kerl sein, wisien Sie. Aber Onkel meinte, an diesen Herrn zu sihreiben sei nicht notwendig, denn der Herr käme jeden Sonnabend, den Gott werden ließe, und hole sich fünf Zigaretten und für fünfzig Pfennig Abialltabak und er heißt, glaube ich...— was ist Ihnen?" unterbrach sie sich. „Oh— nichts!" sagte Anton und bemühte sich, gleichgültig aus- zusehen, während er eine temperamentvolle Rede an sich selbst hielt. Dann stürzte er mit einem dumpsgemurmelten Gruß hinaus. Herrn Siedebold, der in diesem Augenblick eintrat, gerade in die Arme... der Sismeii meist jüngere Tiere zu erlegen. Wahrscheinlich benutzte er Holzspeere und Fallgruben zur Jagd.■■•:., Allmählich baute man diefeu versiemerten Tümpel mtt seinen zahlreichen und wertvollen Dokumenten der Dorzett immer mehr ab und gelangte auf die Sohl«. Es ist ein sellener Zufall, daß. eine Fundstelle so gut erhalten ist. Die einzelnen Bodenschichten des Sumpfes waren, durch keine Naturgewoll verschoben oder zerstört, in ihrem Urzustand im Laufe der Jahrtausende immer härter und schließlich zu Stein geworden, so daß man jetzt die einzelnen Ab- lagerungen in Form großer Platten abheben konnte. Und auf diesen Platten fand man, auf der einen vertieft, auf der anderen erhaben, genau ineinander passend wie Gießform und Gußplatte, diese Lausspuren Leiner Eiszeitinsekten und-würmer, über deren Existenz man bislang nichts wußte. Immer noch gräbt man zurzeit wettere Platten mtt oft bis zu zwanzig, dreißig verschiedenen Laus- und Kriechspuren in Wallertheun aus und schafft sie ins Mainzer Naturkundcmufeum. wo sie in oft langer und mühevoller Ar bell bestimmt und gedeutet werden Diese Wissenschaftler sind wie die Kriminalbeamten. Finden die aus den Fußspuren einen Verbrecher. so finden die Paläontologen aus den Lauifpuren die Tier« der Vor- zeit. Dieser Steckbrief verrät sie. Man hat das in Mainz Hauptfach- lich auf eine geradezu raffiniert einfache Weife gemacht. Indem man über frischen, feuchten Lehm die verschiedensten Insekten und Würmer unserer Zeit kriechen ließ Man oerglich die neuen Laufspuren mit den alten und erhielt auf diele Weis« Anhaltspunkte über die Infektenwelt dieser Eiszcitperiodc Direktor Schmidtgen erklärte mir auf meine Frage, der Wert dieser Platten sei unschätzb-ar weil man sie auf der ganzen Welt nicht findet und sicherlich auch kaum in dieser Erhaltung und Anzahl jemals finden wird. Es sind'hm die kostbarsten Stticke feines Museums, und für andere hat man ihm schon Millionenbcträge geboten. Nicht aber dieser angenommene oder tatsächliche Wert macht den Wissenschaftlern so viel Freude an diesen sellenen Insektenspuren, sondern der Umstand, daß man aus ihnen wieder ein ganz neues und nicht geringes Stück Erkenntnis gewinnen kann aus den frühen Tagen unserer alten Well, aus der Umgebung, in der die ältesten Vorfahren unseres Geschlechts lebten. 1t aller Appell: Was ifl ein Wlädchen? Babba. was iffn ä Mädchen? — Du willst mich wohl feräbbeln? Nee. Was iffn ä Mädchen? — Das weeßde doch. Das weeßde doch gans genau! Awr du kenudeft mirs ruhig mal sagen. Ich frage nämlich aus cnn gans befchdiinrndeu Grunde. — Also meindwegen. Ae Mädiljen— ja, wie soll ichn das sagen? Ae Mädchen, dos iss-- nu. ahm ä Mädchen. S Gegen- deil son enn Buhm. Ae Schulmädel. So, das wolldc ich heern. Ae Mädchen, das iss also ä iochul- mädchen. Unn nu muß ich dich noch was fragen! Da bin ich awr sehr gcschpanitt off destre Andword: Was issn ä junges Mädchen? — Wie du bloß off solche komisch- Fragen kommst. Ae junges Mädchen, das iss cens, was aus dr Schule iss. Schon halb unn halb ä Freilein. SIsde, das wöllde ich ooch heern. Das habb ich nämlich schon gewußt, daß du das sagst. — Da häddsde mich doch nich erscht zu fragen brauchen. Oia. Das iss nämlich sehr indrcssant. — Was denn? Da find ich nischt Jndresjandes drbei. Awr ich. Daß nämlich enne weibliche Versöhn sozusagen immer jinger werd. — Was soll dn das Heeßen? Junge, schdrcng doch nich mtt solchen Schbitzfindigkeiden unneedj dein Geist an! Nu, iewrleg drsch doch mal: Erscht iss ä Mädchen ö Mädchen, bloß so, eesach ä Mädchen, weider nischt. Un» wenn se älder werd, da isse off eemai ä junges Mädchen. Das ferfchdch ich nämlich nich. Unn das sollst dn mir mal crklärn. — Was gibäds denn da zu erklär»? Das iss nu eemal so. Awr das iss doch fr'rickt. Fmdsd« nich ooch? Ae Mädel kann doch nich bletzlich jung sinn, unn forher war ses nich. — Sdadierlich war die«rfcht ooch schon jung. In Gcgendeil, da war je doch sogar noch jinger. Na also. Da missde das doch grade umgckshrt Heeßen. — Da Hache schon recht. Awr ich kamt doch ooch nich drfar, daß dos nich so iss. Wer beschdimmdn das? — Das wecß doch ich nich. Ich denke, das beschdimmt ihr Großen. Ihr duht doch sonst inuner so geschett in allen. — Du, wer nich frech! Nu, siss doch wahr! Wemmer eich so reden heert... — Daß ich dir nr nich noch baar neinhaul Das sieht dir schon ähnlich. Awr wceflde. was das wör? Das war S Eingeschdändnis, daß du nich mit gsifdigen Waffen kämfen kannst... 3ieino Jßandrock: dn der Spreekslimde eines Ein Mann betritt das Sprcchzimnier eines Spezialarztes für Hunde und Katzen Er führt einen kleinen, furchtsam dreinschauenden Pinscher an der Leine. „Ich möchte den Hund töten lassen" sagt er und sieht dabei auf den Hund hinab. „Worum?" „Ich bin arbeitslos." Als er geht, fließen ihm Tränen über die Backen. Eine alle Frau kommt mtt einem Kater, der ein Jahrzehnt mtt ihr gelebt hat. Sie geht ins Stift, weil sie ihre Wohnung nicht mehr hallen kann. Nun muß sie den Kater hergeben, well im Stift vierbeinige Hausgenossen nicht geduldet werde». „Soll Ich ihn töten lassen?" fragt sie, ständig den Kopf schüttelnd. Was soll der Tierarzt sogen? Schließlich meint er, sie solle ihn einstweilen im Katzenheim abgeben, vielleicht finde sich ein anderer Herr. „Neln, nein, nein, kein anderer." Das Tier von sich streckend, das Gesicht abgewendet, übergibt sie den Kater dem Arzt. Viele Gründe gibt es. die die Menschen zwingen, sich von ihren Begleitern zu trennen. Hunde werden am häufigsten in den Tagen gebracht, in denen die Steuer fällig ist. Wie soll man die Steuer bezahlen können, wenn man selbst kaum satt zu essen hat! In der Sprechstunde eines Tierarztes herrscht ein Ton, wie man ihn in den Räumen des Menschenarztes nicht kennt. Da unter- hallen sich Besucher miteinander, zwischen denen sonst soziale Schranken ein Gespräch nicht auskommen lassen. Man tauscht Er- fahrungen in der Tierhaltung aus, man erzähll sich Streiche, die Hund und Katze ausgcsresien haben, man oerurteill die herzlosen Menschen, die für ein Tier nichts übrig haben. Der Gesprächsstoff geht niemals aus. Auch unter den Patienten werden Bekanntschaften geschlossen. Ein Dackel nimmt mit sachtem Gewedel und krttifch zurückgestelltem Kops die Huldigung eines Schäferhundes entgegen. Ein Schoßhund strampell so lange auf dem Arm feiner Herrin, bis er sich an der Begrüßung seiner Artgenossen beteiligen kann. Rur zwischen Hund und Katze besteht ewige Feindschaft. Knurrend und doch furchtsam umstehen die Hunde einen Kasten, in dem eine Katze untergebracht ist. Die Tür zum Sprechzimmer öffnet sich, ein Terrier kommt stürmisch herausgelaufen, der Arzt tritt in die Tür: „Bttle, der Nächste." Der Tierarzt ist ein wohlwollender Mann, der sich zunächst von den Hunde- und Kotzenbcsitzern über die Patienten berichten läßt. Dann schreitet er zur Untersuchung. „Also die Ohren sind es?" Eine kleine Angorakatze, die schmeichelnd den Kopf an der Hand der Pflegerin reibt, hat auf dem Tisch in der Mitte des Zimmers Platz genommen. Der Arzt umwickett eine Pinzette mit Watte und taucht sie in eine Flüssigkeit. Die Pflegerin hall die Katze an den Beinen fest. Der Arzt säubert die Ohren, die Katze mauzt leise. „Ohrenräude" sagt der Arzt.„Daran leiden viele Kotzen, ich habe heute schon mehrere Fälle behandelt. Kommen Sie m vier Togen noch einmal wieder." Der Patient ist entlassen, der nächste kann hereingebracht werden. Eine Dame erscheint mtt einem Boxer. Es ist eine bereits zwölfjährige Hündin, die aber noch straff und gesund aussieht. Sie wird aus Typhus behandelt. Ruhig stellt sie sich auf den Tisch, der Arzt mißt die Temperatur und fühlt den Puls. Dann macht er eine Einspritzung. „Wie ist der Appetit?" fragt er. „Immer noch schlecht." „Das Fieber ist aber heruntergegangen, der Höhepunkt der Krankheit ist vorüber." Er gibt noch Anweismigen und entläßt die Patientin mtt einem freundlichen Klaps. Immer neue Leidende kommen. Ein Dackel hat �in gelähmtes Hinterteil, er sieht verstockt und traurig aus. Einem Kanarienvogel wird ein Bein geschient. Ei» junger Kater wird kastriert. Es sind Tierschickjale, die hier vorüberziehen, Schicksale, von denen wenig zu sagen ist, weil denen, die sie erleben, oersagt blieb, davon zu reden. Der Arzt kann nicht fragen, er muß wissen, studieren Be- wundernswcrt ist, wie alle Patienten stillhalten. Wohl weiß das Tier nicht, was mit ihm geschieht. Aber es riecht und steht eine fremde Wett, fremde Menschen berühren'es und fügen ihm Schmerzen zu. Und doch hält es still. Und wenn der Arzt neben das Tier hintritt und hält in der Hand die todbringende Flüssigkeit, auch dann ist es ohne Arg Es weiß nicht um den Tod, es vertraut dem Menschen, auch wenn er sein Dasein zerstört. Möchte der Mensch dieses Vertrauen niemals mißbrauchen. Wiario lilolir: dnsehlenlehen