BERLIN Mittag 30. Mrz 1931 10 Pf. JIr. 1 50 B 75 43. Lahrgang €rfd)etBtta«H<6«nßtrSonatag». Zugleich Abendautqabe de«»Vonvart«'. B.zuasrreis beide Au«gaden«s Pf. reo Woche. pi» Monat. Sedaktion und Txoebitivn: Berlin SW�.Lindenstr. 3 .�ernsorccher: Dönhoff 292—297 „IbwasÄ An»«tgen»ret«: Die etnspaltigeNonvarelllejeile so Pf., Rcklameitile» M. Crmaßigun en nach Tarif. Poftscherkkootv! Vorwärts-Verlag G.m.b.H.. Berlin Nr. 3? 536.- Der Verla« behalt sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor.' Diplomatisches Zwischenspiel Llnterhaltung Briand-Curtius-Henderson Am heutige»! Montag erwartet»non eine Rede des britischen Außenministers Arthur Henderson im Unterhaus. Reichs- außenminister Dr. C u r t i u s beabsichtigt, die Reden Briands und Hendersons am morgigen Dienstag in einer Sitzung des Reichsrates zu beantworten Da die Reichsratssitzungen für die Presse zu- gänglich sind, wird die Rede des Reichsaußenministers öffentlich gehalten und im vollen Wortlaut veröffentlicht werden. Einstweilen Hot Dr. Curtius dem Berliner Vertreter einer Wiener Montagszeitung erklärt:„Ich will am Dienstag Briands Worte in ruhiger und sachlicher Weise völlig entkräften. Gegen den Vorwurf der Heimlichkeit und Ueberraschung und dein der mangelnden Höflichkeit kann ich nur sagen, daß ich alles getan habe, was nach loyaler Auffassung möglich war. Au« der Darlegung de» Sachverhalts wird man einsehen müssen, daß ein loyaleres verhalte» nichl möglich war. Nichts hat uns ferner gelegen, als mit Heimlichkeiten und Ueberraschungen vor- zugehen, oder gar eine Brandfackel zu legen und Beunruhigung hervorzurufen. Ich glaube, auch, mit Recht fragen zu dürfen, wieweit denn in Wirklichkeit von uns eine Beunruhigung in die außenpolitischen Vcrhällnisse hineingetragen wurde. Wir haben aus unseren Ab- sichten durchaus kein Geheimnis gemacht und sind keines- wegs als ffriedensstörer aufgetreten: wir sind im Gegenteil be- strebt, die Friedenspolitik auch mit diesem wirtschaftlichen Mittel fortzusetzen. Im übrigen ist es klar, daß wir die Wirtschaft- liche Seite der Angelegenheit zu erörtern haben: denn wirt- schaftlich ist das Problem und nicht politisch. von einer Verletzung der Protokolle und der Friedensverträge kann keine Rede sein. Es war ja gerode das Ziel unserer Be- mühungen, uns streng im Rahmen der Verträge zu halten, und ich bin fest überzeugt, daß die gesamte europäische Oeffentlich- keit sich zu meiner Austastung wird bekehren müsten. Der natürliche Weg zur Sanierung Europas geht davon aus. zuerst das Sanierungswerk im kleinen Kreise zu versuchen: erst dann kann man Europa als Gesamtheit zusammenfaisen. Es liegt mir nicht» ferner, als diese europäische Zusammenarbeit nicht mitzu- machen oder gar zu stören. Ich bedaur« es außerordentlich, daß Minister Briand geäußert hat, daß wir den Weg des Friedens verlassen: aber, wie wir hoffen, muß es sich in kurzer Zell heraus- stellen, daß wir in Wahrheit keine Friedensstörer sind. Aach Briands Aede. Oesterreich«deutsche'Zollunion- deulsch-sranchsischer Konflikt Briands Senatsrede vom letzten Sonnabend hat denen, die es noch nicht wußten, gezeigt, daß der Plan einer'ö st e r r e i ch»> a,- deutschen Zollunion auf sehr harten Widerstand stößt. Der französische Außenminister, der eben ivegen dieses Zollunionplans von rechts her aufs stärkste bedrängt wird, hat von der Weltöffentlichkeit das ganze, nicht geringe Ansehen seiner Persönlichkest dafür eingesetzt, daß aus diesem Plan nichts wird. Sollte er' stürzen, so wird sein Nachfolger mit noch stärkerem oder vielleicht plumperen Mitteln das- lelbe Ziel oerfolgen wie er. Wir stehen also mitten in einem neuen Konflikt zwischen Deutschland und Frankreich. Diese Tatsache festzustellen ist notrvendig denen gegenüber, die so tun, als gäbe«s draußen in der Welt weiter nichts als ein bißchen Geschrei, das sich schon wieder legen werde, wenn Berlin und Wien irur fest blieben. Wäre es so, so wäre das für uns alle sehr angenehm, leider aber ist es nicht so. Mit der Ankündigung der Zollunion ist etwas begonnen worden, von dein wir alle wünschen, daß es gut enden möge, von dem aber nieniand weiß, wie es enden wird. Zugleich mit dieser Tatsache muß auch noch eine merkwürdige Aenderuirg im Verhalten unserer„nationalen' Presse sestgestellt iverden. Bisher wußte man es aus ihr nicht airders. als daß die deutsche Außenpolstit von Schwächlingen und Dummköpfen, wenn nicht gar von bezahlten Agenten des Feindbundes gelestet werde. Das ist auf eüunal ganz anders geworden. Die„nationale' Presse hat den Ehreaschutz de. Auswärtigen Amtes »bernonnnen und paßt wie ein Schießhund auf, daß mrgends in Deutschland über die neueste außenpolitische Aktion etwas Nachteiliges oder»"-tz nur Nachdenkliches gesagt werde. Ihrer besonderen Auf- mertfainlest erfreut sich zur Zeit der Thesredakteur des„Berliner Tageblatt', Herr Theodor Wolff, weil er an der Zwcctinäßigkest des Wien-Berliner Unternehmens einige Zweifel geäußert hat. aber such Seaoffe Breitscheid hat sich schon verdächtig gewacht, weil er im Reichstag über die sornrale Vorbereitung ein paar nicht ganz zustimmende Bemerkungen gewagt hat. Der Grund dieses Frontwechsels der„nationalen' Presse ist leicht zu erraten.- Man hofft, daß es der Regierung Brüning» T u r t i u s gelingen werde— sei es auch gegen ihren Willen—, die deutsche Außenpolstik, die seit Iahren auf die Verständigung mst Frankreich gerichtet war, in ihr Gegenteil umzubiegen. Das wird einem um so klarer, wenn man sich dessen erinnert, daß die „nationale' Presse bisher nie etwas für den Anschlußgedanken übrig gehabt hat, und daß der Reichslandbund auch jetzt noch gegen«ine handelspolitische Expansion nach Südosten sehr bedenklich ist. Der „nationalen' Presse geht es gar nicht um die Zollunion, es geht ihr nur darum, daß Deutschland eine in. ihrem Sinn«„starke' Polstit macht. Die deutsche Dozia.ldeinokrati« hat alle Ursache, diese Entwicklung her Dinge aufmerksam zu beobachteit. Sie ist vom ersten Tage an für das Sechstbestimwungsrecht und für das Reckst Oesterreichs auf Anschluß eingetreten. Sie kämpft gegen die Handels- politische Zersplitterung Europas, sie ist grundsätzlich für jeden Zusammenschluß. Darum ist sie aber keineswegs verpflichtet, das, was die Regierungen von Berlin und Wien jetzt getan haben, füp ein Meisterstück, der Diplomatie zu hallen. Sie Höst sich»n ihrem Urteil darüber völlig frei, und sie ist sich dessen gewiß, daß sie gerade dadurch dem deutschen Volke einen guten Dienst eriveist. England kein Borspann Vriands. London, 30. März. Das Arbeiterblatt„Daily Herald' schreibt zur Rede Briands: Anscheinend ist es notwendig geworden, Paris gegenüber mit gleicher Deutlichkeit zu sprechen wie vorher Berlin gegenüber, Henderson hat vorgeschlagen, die Frag« der Legalität der Zollunion Genf zu unterbreiten: aber Briand schlägt einen anderen Ton an. Er ist g e g e n die Union selbst. Er spricht von einer „ernsten Gefahr' und von„Wegen, die zu einem Kriege führen'. Er sagt, Frankreich werde, soweit es an ihm liege,„etwas Derartiges nicht zulassen'. Der Präsident des Auswärtigen Ausschusses des französischen Senats spricht von 1914 und erklärt, daß„ein Versprechen der Zusammenarbeit' von Großbritannien erlangt werden müsse.—„Daily Herald' sagt weiter: Dies erfordert eine deutliche Sprache. Die Politik Englands ist, init angemessenen Mitteln die Legalität des von Deutschland und Oesterreich geplanten Schrittes zu prüfen. Wenn er legal ist, dann ist die Angelegen- heit, soweit England in Betracht komint, erledigt. Es kann keine Rede davon fein, daß wir Deukfchland und Oesler. reich erklären würden, wir würden ihren Schrill nicht erlauben, wenn sie lalsächlich das Recht haben, ihn zu tun. von„völliger Zusammenarbeit" mit Frankreich oder mit irgendeinem anderen Lande, da» anderen europäischen Staaten seinen Willen zu diktieren wünscht, kann keine Rede sein. Großbritannien tritt für die Ausrechterhaltung des öffentliche* Rechtes Europas und für die Autorität des Völkerbundes«in und wird durch keine Art von Drück veranlaßt werden, für das Recht einer Gruppe von- Staaten einzutreten, einer anderen Gruppe ihren Willen aufzuzwingen. Der„Observer' meint: Tatsächlich handle es sich bei der ganzen Angelegenheit darum, ob man die Gleichberechtigung Deutschlands und der anderen besiegten Länder in den Siegerstaaten anerkennen wolle oder nicht. Wenn der Bölkerbund eine In- stitution zur Verewigung der Ungleichheit sei, so würde er zwangsweise zu der Ohnmacht der allen Heiligen Allianz herabsinken. Jede Macht habe ein Recht, ihre Handelsverträge als völlig unabhängiger Staat abzuschließen, und auch keine andere Macht habe bisher bei ähnlichen Verhandlungen ihre Karten vorher auf den Tisch gelegt oder sich verpflichtet gefühlt, Deutschland oder j Oesterreich zu befragen. Reichstag, hilf! Die Raus gelaufenen flehen den Reichstag an. Die Notoerordnung gegen Ausschreitungen im politischen Leben hat eine seltsame Wirkung gehabt: die„nationale Opposttion'— d. h. Hitler plus Hugenberg— hat sich in Nürnberg verfammell und beschlossen, den Reichspräsidenten aufzu- fordern, daß die eben unterzeichnet« Notverordnung sofort wieder aufgehoben und daß er sich von feinen bisherigen Beratern trenne! Weiter aber verlangen die Flüchtlinge, daß der Reichstag, detn sie ferngeblieben find, solange er tagte, jetzt so-fort wieder zu- s a m m e n t r« t e. um die Notverordnung aufzuheben! Die Parlamentcstreilenden flehen den Reichstag um Arbeit an! Der Auszug des Lölkes HUler au? dem Reichstagsägypten ist solang« als einzige retwngbringende Heldentat gefeiert worden, daß die jetzige Liebe zu den parlamentarischen Fleischtöpfen mehr komisch als ernst wirkt. Ztzas haben sich die Nürnberger„national Opponierenden' denn eigentlich gedacht? Wenn eines Tages Hitler-Hugenberg in Deutschland„regieren' würden— welche Bestimmungen der deutschen Reichsverfassung würden s i e noch bestehen lassen? Und welch« Be- ftimmung dieser Notverordnung würden sie freiwillig durch Wieder- kehr zum alten Presse- oder Vereinsgesetz außer Kraft setzen? U. A. w. g.! Paris vermutet Hintergedanken. Paris. 30. März. Der„Matin' sieht in der Notverordnung den ersten Schritt zu einer R e g i m e ö n d e r u» g, die dazu dienen soll, neue politisch.: Manöver zu verschleiern. Der Begründung, die inan in Berlin gebe, dürfe irtan keine Glauben schenken, die Wahrheit sei vielmehr, daß die Reichsregierung— und hierin Lege die ganze Bedeutung des Schrittes— sowohl in innen- wie-auch in außenpolitischer Beziehung eine außerparlamentarische Geheimpolitik betreiben wolle. Pertinax sagt im„Echo de Paris', wenn die Deutschen erst sechs Monate unter einer Diktatur gelebt hüllen, so würden fie über- Haupt nicht mehr an Reichstag oder Landtag denken und in ihren Augen würden die beiden Häuser nicht mehr in Per- bindung mit der Innen- oder Außenpolitik stehen. Die vorläufige Trennung berelle die endgültige Scheidung vor und sie sei das einzig« Ziel Hindenburgs, Brünings und Treviranus'. Der „Temps' schreibt, daß in diesen Verordnungen vielleicht der erste Schritt zu einer Diktatur gesehen würden»nüsse Es werde sich ball» herausstellen, ob damit tatzachlich nur die UnterdrüÄmg der bolschewistischen und rechtsradikalen Uintnebe beabsichtigt war, oder ob es sich um den Ausgangspunkt einer neuen Politik zur Erleichterung der Aufgaben des Kabinetts Brüning handele. Das „Petit Journal' glaubt zu wissen, daß man im Quai d'Orsay diese Maßnahme für eine verschleierte Diktatur halte. Wahlerfolg in Heffen. Halenkreuzler verlieren 35 Prozent ihrer Stimmen. Darmstadk. 30. Elärz.(Eigenbericht.) Bei der Beigeorduelenwahl in Reo-Isenburg et« zielte die Sozialdemokratie eineu glänzenden Erfolg. Ihre Kandidaten erhiellea 2400 Stimmen, während die Kommunisten 1200. die hakenkreuzler 900 und der Bürgerbiock nur 820 Stimmen aus- brachten. Die Kommunisten büßten 50 Prozent ihrer srüherea Stimmeozahlen ein. die hakenkreuzler 35 Prozent, während die Sozialdemokratie ihren Bestand vom September glänzend behauptete. Die Zusammenarbeit mit dem Reichsbanner bewährte sich vortrefflich. Großangriff an der Ruhr. Tarife für ZOOOOO Arbeiter und Angefleilte gekündigt. Der Ruhrzechenverband hat„mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Notlage der Zechen" die Nahmentarif- vertrage sowohl für die Bergarbeiter als für die tech- nischen und kaufmännischen Angestellten im Ruhrbergban gekündigt. Für die Ruhrbergarbeitcr wird die Tarif- kündigung am 31. Mai wirksam und für die Angestellten am 3v. Juni. In den Rahmentarisen ist unter anderm die Arbeitszeit und der Urlaub festgelegt. Obwohl die Bergbauunternehmer ihre Forderungen noch nicht bekanntgegeben haben, ist mit Bestimmtheit anzunehmen, daß sich dieser Generalangriff auf die rund 300 000 Arbeiter und Angestellten des Ruhrbergbaus hauptsächlich gegen die Urlaubsregelung und die übrigen wichtigen.sozialen Be- stintmungen der Rahmentarifoerträg« richtet. Im Vertrauen auf die Schlichtungsinstanzen hoffen die Bergbauunternehmer offenbar, die Absatzkrise dazu ausnutzen zu können, die Errungenschaften der Ruhr- bergarbeiter wieder auf ein„erträgliches' Maß zurückschrauben zu könne». Verfassungsurkunde wieder da Aufklärung des Nokumentendiebstahls im Reichstag Nach fast sechs Monaien ist es gelungen, den sellsamen Bofu- mentendlebstahl im Reichstag vom Offobet vorigen Zahres aufzuklären und den Zxtcr zu verhafleu. Cs maren damals aus dem Reichstag' gebäude«ine Anzahl wertvoller Dokumente und Bücher gestohlen worden: Bilderlexika, politische Karikaturen aus den Jahren 1818 49 und als wichtigstes die Originalurkunde der deutschen Reichsoer» fassung vom 28. März 1849 mit vielen Unterschriften be- kannter Politiker der damaligen Zeit. Alle Nachforschungen nach den verschwundenen Dokumenten schienen ergebnislos verlaufen zu sollen, es hatte den Anschein, als seien sie ins Ausland verschoben und unwiderbringlich verloren. Nach wochenlangen Beobachtungen und Ermittlungen ist es jetzt dem Kriminalkommissar Salaw und den Beamten der Dienststelle B8 des Polizeipräsidiums gelungen, einen als dringend verdächtigen Maler Walter Wohl- g e m u t h aufzuspüren und festzunehmen. In einem geschickt gewählten versteck wurde auch die ver- fassungsurkunde gesunden. Nach dem Silberdiebstahl im Juli erschien am 2ö. August bei einem Pfandleiher im Westen der Stadt«in Mann, der Silbersachen versetzen wollte. Zufällig hatte der Pfandleiher, während der Kunde noch auf Abfertigung wartete, am Telephon zu tun. Ehe ein Gespräch aber zustande kam, lief der Kunde Hais über Kopf aus dem Geschäft und ließ die Silbersachen im Stich. Er mochte wohl befürchtet haben, daß der Pfandleiher die Polizei an- rufen wollte. Nach der Beschreibung, die der Geschäftsmann gab, erkannte man in dem Geflüchteten den Maler Walter Wohlgemuth. Er war aber allem Anschein nach aus Berlin verschwunden, in seine Wohnung am chorstweg in Charlottenburg kehrte eik jedenfalls nicht zurück. Bon dem Dokumentendiebstahl war zu jener Zeit noch nichts bekannt. Als er aber entdeckt wurde, geriet Wohlgemuth wiederum in Verdacht. Endlich machten die Beamten ein Ring- lokal in der Nähe des Oranienburger Tore» aussindig. wo Wohl- geirmth als Gast verkehrte. Dort entdeckte die Kriminalpolizei die im Reichstag gestohlenen Bilderlexika. Di« Lerfajsungs- Urkunde lag aus dem Loden eines Hauses In der Wilhelms: raste in einem alten bestaubten Koffer unter Gerumpel versleck«. B:s auf einige geringere Kleinigkeiten ist somit'die Beute wieder zur Stelle. Die Suche nach Wohlgemuth wurde fortgesetzt. Einmal— es ist etwa vier Wochen her— erhielt die Kriminalpolizei einen anonym en Brief. Der Schreiber teiltie mit, dah die Ber- fassungsurkunde an einen Amerikaner oder Engländer verkauft werden sollte. Er bat, ihm sreias Geleit zu gewähren und sicherte zu, daß er die gestohlenen Dokumente dann zurück- bringen werde. Da aber keine Adresse angegeben war. tonnte man mit dem Briefe nicht viel beginnen. Mit dem Inhalt des Schreibens stimmte allerdings überein. daß man bei der Durchsuchung der Wohnung der Braut In der Mittelstraße Briefe in englischer Sprache gefunden hatte. Außerdem hatte Wohlgemuth bei seiner Braut modernstes Einbruchswerkzeug untergestellt, wie es In der Art noch nicht„auf den Markt" gekommen ist. Mit Hilfe dieser Wertzeuge konnte er von den besten Sicherheitsschlössern Nachschlüssel erlangen. Durch die Ermittelungen wurde festgestellt, daß am Freitag, dem 27. März, die Urkunde aus dem Dersteck geholt und am Sonnabend an einen Ausländer, eknen Amerikaner oder Engländer, verkauft werden sollte. Jetzt galt es, rasch zuzugreifen. Das Versteck wurde ausgeräumt, und in den späten Abendstunden wurde auch Wohl- gemuth von den Kriminalbeamten in der Nehringstraße ermittelt, oerhaftet und nach dem Polizeipräsidium zum Verhör gebracht. Wohlgemuch ist der Polizei bereits von früher bekannt. Im Jahre 1925 verübte er in seiner Heimatstadt in Königsberg i. Pr. einen großen Gemäldediebstahl, wurde damals verhaftet und ver» büßte die ihm auferlegte Strafe in Infterburg. Er gibt an, daß er. als er noch„einen reinen Namen" hatte, Mitglied einer religiösen Vereinigung gewesen fei und dort Bibelvorträge gehalten habe. Die Untersuchung zur völligen Klärung, wie viele Personen an dem Dokumentendiebstahl beteiligt waren, wird von der Kriminalpolizei fortgeführt. Hitler baut ab. Berliner Ausgabe des„V. 3." fanfi entschlafen. Die Berliner Ausgabe des„Völkischen Beobachter" wird ab 1. April eingestellt. Das Fiasko des Naziblattes ist charakteristisch für den Nieder- gang der nationalsozialistischen Presse und der nationalsozialistischen Bewegung überhaupt. So hatte der„Völkische Beobacbter" kurz vor oem 14. September 1930 allein in Berlin einen S t r a ß e n v e r- kauf von rund 8000 Exemplaren. Die Ziffer stieg nach den ersten beiden Wochen nach dem 14. September auf über 71 000 Exem- plare. In der Folgezeit ging der Verkauf fast ebenso rapide zurück wie er in die Höhe gegangen war. So schnell die Straßen- Verkäufer des„Völkischen Beobachters" an allen Ecken erschienen rnaren, so schnell verschwanden sie wieder. Um die Weihnachtszeit wurden in Berlin nicht einsiial mehr 10 000 Exemplare des völkischen Blattes verkaust. Inzwischen ist die Ziffer noch weiter herunter- gegangen. Sie ist jetzt so gering, daß der Verkauf des„Völkischen Beobachters" in Berlin für die Nazis einen beträchtlichen finanziellen Zuschuß erfordert. Dieser Niederganz ist zu verzeichnen, ohne daß es dem in Berlin erscheinen Goebbels-Blatt viel besser ginge als dem„Völkischen Beobachter". Auch der„Angriff" schwebt dauernd zwischen Leben und Sterben. Das gleiche gilt von der gesamten Hitler-Presse im Reich._ Banditen bedrohen Schupo. Nächtliches �eneraefecht an der Soorstraße. Ein verwegener Uebersall wurde in der Sonntagnacht auf einen polizelbeamten in Eharlottenburg verübt. Der Polizeihauptwachtmoifter E. vom 124. Revier wurde von unbekannten Automobilisten überfallen, bedroht und seiner Dienstwasfe beraubt. Der Hauptwachtmeister kam gegen 4 Uhr früh auf seinem Strelsgang an die Ecke der Soor- und Hölderlin- ftraße. Dort sah er einen Kraftwagen stehen, den er schon in der vorigen Nacht bemerkt zu haben glaubte. Der Beamte schöpfte Ber- dächt, trat au den Wagen heran und sah, daß am Steuer ein Chauf- feur saß. Neben ihm sah ein anderer Mann, der einen dritten auf dem Schöße hielt. Der Hauptlvachtmeister bat, dl« Wagenpapiere sehen zu dürfen. Der Mann neben dem Chauffeur erklärte, der Fahrer habe sie und werde sie gleich zeigen. Der Chauffeur tat auch, als krame er in seinen Taschezi, brachte aber kein« Papiere zum Vorschein. Plötzlich fühlte der Beamte, wie sich die Rlündun- gen zweier Pistolen in feiaeu Rücken bohrten. Er wollte noch nach seiner eigenen Waffe greifen, als die Banditen ihm ankündigten, sie würden sofort abdrücken. Zugleich waren die drei aus dem Wagen ausgestiegen und bedrohten ebenfalls den Beamten mit Schußwaffen. Angesichts der Uebermacht nmßte er zulassen, daß ihm seine Dienstpistole weggenommen wurde. Dann hießen ihn die Banditen die Soorstrahe entlanggehen. Als er sich um- >»rehte, um wenigsten die Nu.nmer des Wagens festzustellen, fbigen ihm sofort die Revoloerkugeln um den Kopf und er mußte Deckung nehmen. In schnellstem Tempo fuhr das Auto los nach dem Kaiser Lamm in der Richtung nach Berlin. Für die Ergreifung der Waffendiebe ist eine Belohnung von 500 Mark ausgesetzt worden. Es waren alles Leute im Alter von Lö-�-SS Jahren, die weiche Hüte trugen und gut gekleidet waren. Sie traten sehr sicher und energisch auf. Soweit der Beanife erkennen konnte, hatte das Auto blau« Lackierung und«in Verdeck. Vierfacher Mord! Sttern, Frau und Kind mit dem Beil erschlagen. Stuttgart, 30. März.(Eigenbericht.) Zu Engelsbrand bei Reuenbrück im würtlembergifchen Schwarz- wald wurde am Sannabend eine furchtbare Llutlal eut- deckt. Die nach hause kommende Tochter de» Landwirt» Karl Zoll fand ihre Eltern ermordet auf. Auch ihre verheiratete Schwester und deren Kind war umgebracht worden. Der Vater lag mit zertrümmertem Schädel in der Küche, im Schlafzimmer seine Frau, ebenfalls mit schweren Kopf- wunden. Im ersten Stock lag die Leiche der 30 Jahre alten Schwester Rosa Beile und ihres achtjährigen Sohnes. Das andere vier Wochen alte Kind der ermordeten Schwester war unversehrt. Der Verdacht richtete sich aus den Ehemann der Ermordeten, den Goldarbciter Beile, der in letzter Zeit mit seiner Frau und seinen Schwiegereltern in Streit lebte und in der Trunkenheit öfters seine Angehörigen mißhandelt hatte.„ Seiner Frau, die vor kurzem die Scheidung eingereicht hatte, hatte er gedroht, etwas Furchtbares anzustellen, wenn es zur Scheidung käme. Der aus Stuttgart herbeigerufenen Mordkommission gestand Beile seine grauenhaft« Tat ein. Booisunglück auf dem Müggelsee. Faltboot gekentert.— Sin Mann ertrunken. Da» stürmische Wetter, das fast den ganzen Sonntag über anhielt, hat auf dem Müggelsee ein schwere» Faltbootunglück zur Folge gehab». Kurz nach IS Uhr bemerkten dl« Insassen eine« Motorbootes, wie in einiger Entfernung ein mit zwei Personen besetztes Faltboot insolge des hohen Wellenganges plötzlich kenterte und die beiden Insassen, ein Mann und eine Frau, ins Wasser stürzten. Leider gelanF es nur die Frau zu retten; ihr Begleiter, ein 2öjähriger Paul Petras aus ber Steinmetzstraße 61, war inzwischen untergegangen. Die Suche nach seiner Leiche durch den Reichswasserschutz verlief erfolglos. Linter das Lastauto... Schwerer tlnfall in Zehlendorf. Lei einem Siraßenunfall in Zehlendorf verunglückte heute mittag der 12jährige Sohn de» Kultusminister« Genossen Grimme. Der Schüler geriet mit feinem Fahrrad unter die Räder eine» Lastautos. Schwerverletzt wurde der verunglückte in» Krankenhaus gebracht. Greisin springt aus dem Fenster. Im Haus» Rügener Straße 18 im Norden Berlin« spielt« sich am Sonntag um 19,30 Uhr eine Schreckensszene ab. Aus dem Fenster ihrer Im dritten Stockwerk gelegenen Wohnung stürzte sich die 87jährige Witwe Luise G« r l a ch auf den Hof hinab. Die Greisin war sofort tot. Das Motiv zur Verzweiflungstat ist offen- bar Schwermut. „Familienklüngel" bei Llllfleins. Schärfen in der Urteilsbegründung. Wie wir bereit» am Sonntag berichteten, endete der Privat- beleidigungsprozeß Georg Bernhard gegen Dr. Franz U l l- stein und Born stein mit Freisprechung. Der Richter stellte in seiner Begründung des Urteils fest, daß in den Schriftsätzen und Artikeln des Beklagten tatsächlich ehrenkränkend« Behoup- t u n g e n aufgestellt worden seien, die den PrivatNäger als Journa- listen. Politiker und Menschen schwer beiasteten. Die Verteidigung der Bekiagten erbot sich einerseits den Wahrheitsbeweis für die Be- f)auptungen zu erbringen, machte andererseits für sie den§ 193 StGB.(Wahrung berechtigter Interessen) geltend. Die gegen den Pripatkläger aufgestellten Behauptungen gingen dahin, daß«r gegen Frau Dr. Ullstein In leichtfertiger Weise Spionage- verdacht ausgesprochen und sich dabei des Laudesverräter» Mathes bedient habe, daß er ferner in Nicht einwandfreier Weise sich in den Familienzwist der Brüder Ullstein eingemischt Hobe. Die Beweisaufnahme habe ergeben, daß gegen Frau Ullstein«in begründeter Verdacht der Spionage nicht bestehe und nicht bestehen könne. Das Vorhandensein von Akten in französischen Ministerien und bei der Pariser Polizei sei möglich, auch mögen Ueberwachungsmaßnahmen wegen ihres unvorsichtigen Verholtens vielleicht stattgefunden haben. Doch sowohl der Brief des Ministerpräsidenten Tardieu als auch der Brief des Pariser Polizei- Präsidenten Ehiappe enthalten keine greifbaren Tatsachen. Sie konnten auch nicht vorhanden gewesen sein, denn sonst hätte die fianzösssch« Regierung Frau Ullstein nicht jahrelang in Frankreich geduldet. Auch die deutschen Akten ergaben nichts Positives. Die französischen Akten waren aber durch das Material des Mathes, dessen Rolle in dieser Angelegenheit ebenso bedenklich wie verhängnisvoll gewesen ist, angeschwollen. Jodensalls war der Verdacht der Fälschung vom Standpunkt des Angeklagten Dr. Ullstein gerecht- fertigt: daher kam auch sein Mißtrauen. Wenn der Privatkläger behauptet, er habe stets nur von Akten, nicht ober von Spionage gesprochen, so ist dies unerheblich, denn beide Behauptungen fließen unter den gegebenen Umständen zusammen. Dr. Ullstein ist unter Berufung auf diese Spionageakten von seinem Amt entfernt. Das Mißtrauen gegen Prof. Bernhard mußte aber noch durch dessen Stellung im Familienzwist des Hauses Ullstein erhöht werden. Allerdings ist dem Prioatkläger zu glauben, daß er nicht aus persön- licher Abneigung oder Selbstsucht, aus Angst um Pöstchen oder Haß gegen Frau Ullstein zu seinem Vorgehen veranlaßt worden sei. Prof. Bernhard ist eine zu bekannte uzzd abgeschlossene Persönlichkeit, um ihm derart niedrig« Motive unterstellen zu können. Rein sachliche Beweggründe, getragen von Besorgnis um das Schick- fal, des von ihm damals geleiteten Blattes und um die Auswirkungen der Angelegenheit Rost Ullstein auf das Haus Ullstein, sind für ihn maßgebend gewesen. Bei der Stellung Prof. Bernhards zu Dr. Ullstein war auch zu berücksichtigen, daß die jüngeren Mitglieder der Familie Ullstein, unter deren Bann Louis Ullstein als allerer Bruder geraten war. gewisser- maßen den Keil gegen Franz Ullstein immer weiter trieben und Prof. Bernhard für ihre Zweck« be- nutzten, indem sie ihn gegen Dr. Franz Ullstein a u f st a ch e l t e n. In Wirklichkeit war er von den ersten gegen Frau Ullstein gerichteten Schritten g a r n i ch t> n f o r m i e r t. In seinem späteren Verhalten in dieser Angelegenheit mag heut» manches unverständlich und unklug erscheinen: berücksichtigt man aber die Mentalität des Privatklägers, so erscheint viele?, was die Verteidigung als grobe Fahrlässigkeit, und geflissentliches Verfcbließen der Äugen ausgelegt hat, in ganz anderem Licht: er hatte bloß die Sicherung seines Lebenswerk» als unverrückbares Ziel im Auge: er ließ sich vom DrangnachWahrheitundKlarheit hin- reißen und wurde hierbei gehemmt durch die Familien- k l ü n g« l. Mag fein, daß die Familienmitglieder die Spionage- bezichtigung gegen Frau Ullstein nur allzu willig aufgenommen haben, obwohl deren Unglaubwürdigkeit zu erkennen war, die Uebarzeugung vom Vorhandensein der Akten mußte aber beim Pripatkläger durch seine Reis« nach Paris gebärkt werden. Die behauptet« eng« Verbindung zwischen Prof. Bernhard und Mathes hat nicht bestanden. Es kann ihm kein Borwurf in dieser Richtung gemacht werden. Bei der Atmosphäre de» allgemeinen Mißtrauen» konnte ober Dr. Franz Ullstein der Annahme sein, daß die große Zlutort- tät des Prof. Bernhard von der Familie Ullstein gegen ihn aus- genutzt wird. Für feine Abwehr waren unter diesen Umständen weiter« Grenzen zu ziehen als in gewöhnlichen Fällen. Daher ist in dem Schriftsatz vieles zu entschuldigen, was sonst unentschuldbar gewesen wäre. Das gleiche gilt auch für den AngsNagten B o r n st e i n. Seine Tätigkeit lag sowohl im öffentlichen Interesse, als auch im Jnteresse der Erforschung der Wahrheit. Äus allen angeführten Gründen werde beiden Beklagten der Schutz des§ 193 zuerkannt, da sie berechtigte Interessen wahrnahmen. Zum Schluß äußerte Amtsgerichtsrat Bues noch den Wunsch, daß dieses Urteil zu einer Versöhnung beider Parteien beitragen möge und daß die Zusammenstöße und die in der Verhandlung ge° fallenen beleidigenden Ausdrücke als nicht gewesen betrachtet würden._ Bluttaten der Nacht. Zwei Schwerverletzte durch Nevolver und Messer. Au» der vergaugenen l-cht«erden wieder mehrere schwere Bluttaten bekannt.. Am sogenannten.„Halbenweg" in der Kolonie„Märkische Schweiz" in Weißenses wurde gegen>14 Uhr der 19jährige Arbeiter Erwin Luckstadt mit mehreren Schußverletzungen bewußtlos aufgefunden. Der Schwerverletzte, der starken Blutverlust erlitten hatte, fand im Weißenfeer Krankenhaus Aufnahme. An seinem Aufkommen muh gezweifelt werden. Wie bisher ermittelt werden tonnte, hat der junge Arbeiter in einer benachbarten Gastwirtschaft mit anderen Gästen Streit gehabt. Offenbar ist Luckstadt später von einem seiner Gegner heimlich verfolgt und hinterrück» nieder- geschossen worden. Eine Kugel ist in die Brust eingedrungen, ein zweites Geschoß hat die linke Hand zerschmettert. Ein ähnlicher Vorgang hat sich bald nach Mitternacht in Reu- kölln am Verbindungsweg zur Donaustraß« zugetragen. Passanten entdeckten d»rt in einer großen Blutlache einen jungen Menschen, der noch schwache Lebenszeichen von sich gab. Der Bewußtlose, der als ein 2Zjähriger Arbeiter Harry Kühn aus der Kirchstraße 6 festgestellt wurde, ist in das Buckower Krankenhaus eingeliefert worden. Kühn hat mehrere Messerstiche erhalten, die seine Lunge durchbohrt haben. Don dem Täter fehlt jede Spur. Nach einem vorangegangenen Streit schlug der Z4jährige Arbeiter WM K. in der Kleinen Hamburger Straße die Freundin seines Vaters, eine 37jährige Elfriede S., mit einem Beil nieder. Die Frau wurde mit schweren Verletzungen ins Lazaruekrankenhaus gebracht. Der Täter ist flüchtig. Fünf Kinder erfroren. Schulomniduö im Schneesturm.— Gräßliches Unglück. Towner(Eolorado), 30. März. Ein Schulomnibus, in dem sich insgesamt 23 Kinder im Alter von 8 bis 14 Jahren befanden, wurde von einem heftigen Schneesturm überrascht. Der Fahrer versuchte die nächste Telephon- station zu erreichen, um Hilfe herbeizurufen, blieb jedoch unterwegs im Schneesturm stecken. Zwei Scheiben des Autobusses wurden von dem Sturm eingedrückt. Die Kinder versuchten sich vor der Kälte zu schützen, indem sie»in Feuer aus den Sitzen machten. Fünf Kinder sind jedoch erfroren. Ein Flugzeug konnte die übrigen Kinder retten. Zeppelins Frühjahrsfahrt. Gelungene Fahrt nach Ungarn. Der am Sonnabendabend mn 23 Uhr unter Führung von Kapitän Lehmann nach Ungarn gestartete.Graf Z-ppelin" er- schien am Sonntag um 8.30 Uhr über dem Flughafen von C s e p e l. Eine ungeheure Menge von Schaulustigen traf schon vor dieser Zeit ein, die das schwierige Landungsmanöoer des Luftriesen beobachtete. Nach kurzem Aufenthalt trat der Zeppelin mn 9.35 Uhr seinen Rundflug über Ungarn am Der ungarische Rundfunksender stand mit dem Lustschiff in ununterbrochener Berbindung. Um 17 Uhr stieg das Luftschiff zur Rückfahrt nach Friedrich»- Hafen auf. Die Mustkkapell« spielte die deutsche Nationalhymne. Ungefähr ein« Viertelstunde nach Berschwinden de» Suftschisfes be- gann es in Budapest stark zu schneien. Friedrichshasea, 30. März. .Graf Zeppelin" ist heute früh um 6.05 Uhr aus dem hiesigen Werstgclände glatt gelandet. Das Luftschiff erschien bereits um Zl-s Uhr über Friedrichshofen, mußte aber die auf 6 Uhr dk- stellte HaUemannjchaft abwarten. April in Thüringen Die Entscheidung über Krick-MmasenS Der Landtag von Thüringen tritt am Mittwoch, dem 1. April, zu einer wichtigen Sitzung zusammen. Die Sozialdemokraten haben Mißtrauensanträge gegen den Nazimini st er F r i ck und seinen Parteifreund Staatsratsmitglied Marschler ein- gebracht. Das sind nicht die ersten Mißtrauensanträge gegen die Nazi- regierungsmitglieder. Am 23. Januar 1930 wurde die letzt noch im Amt befindliche Regierung gewählt und bereits am 3. April 1939 stand ein sozialdsmotrotischer Mihtrauensantrag gegen Frick zur Be- ratung und Abstimmung. Die Volkspartei rettete zedoch den Ministersessel des Herrn Frick, indem sie zwei ihrer Mitglieder be- stimmte, gegen den sozialdemokratischen MihtrauensaiUrag zu stimmen, während sich drei Volksparteiler der Stimme enthielten. Der Mißtrauensantrag wurde damals mit 23 gegen 25 Stimmen abgelehnt. Durch die Abstimmung gab die Volkspartei Frick zu ver- stehen, avie sie zu ihm steht. Die Nazis hatten den Wink auch sehr gut verstanden, sie waren ungehalten über das Abstimmungsergebnis und betrachteten das Verhalten der Volkspartei als eine Mißachtung Fricks, ja sie er- klärten sogar, daß sie durch das Verhalten der Volkspartei ihre volle Handlungsfreiheit zurückerhalten hätten und sich nicht mehr an die Koalitionsabmachungen gebunden fühlen, falls die Volkspartei keine Für 25 Prozent Provision! Der Slahlhel» verhciht seinen Sammlern Iii Prozent der geschnorrten Gelder. Gebt für das Stahlhelm.'Volksb''gehren-wir haben es dringend nötig! Wmgende Erklärung für ihr Verhallen geben sollte. Die Einigkell wurde dann auch wieder hergestellt, unter welchen Bedingungen, wurde nicht bekannt. Am v- Juli 1939 standen nneder sozialdemokratische Miß. trauensanträge zur Beratung, diesmal gegen Frick und M a r s ch l e r. Bei der Abstimmung enthielt sich die B o l k s p a r t e i der Stimm«, so daß die Anträge mit 25 gegen 23 Stimmen vom Landtag angenommen wurden. Frick und Marschler hatten keine Mehrheit mehr hinter sich. Allerdings zogen die beiden keine Konsequenzen aus der Niederlage, sie klebten weiter an den Sesseln. Nach der Landes- Verfassung brauchten sie ja nicht zui-ückzutreten, weil nicht die Mehrheit der Abgeordneten für die Mißtrauensanträge gestimmt hatte. Die Reichstagswahl im September 1939 gab den Nazis Ge- legenheit. sich in Thüringen auszutoben. Bolksparteiler, Nazis und Landbündlcr bekämpften sich in der persönlichsten Weise. Die Nazis brachten es sogar fertig, vvlksparteiliche und landbündlerifche Versammlungen zu sprengen. Nach der Wahl brachten die Sozialdemokraten abermals Mißtrauensanträge gegen Frick und Marschler ein. die am 29. November 1939 vom Landtag verabschiedet wurden. Die Nazis holten zum Gegenschlag aus und brachten einen Antrag ein, der besagte:„Die Regierung besitzt das Vertrauen des Landtags." Die Deutsch« Volkspartei sucht« dadurch um eine Entscheidung herumzukommen, daß sie Uebcr- gang zur Tagesordnung über den Vertrauensantrag der Nazis beantragte. Es kam je-doch anders. Im letzten Augenblick liatte man sich noch geeinigt. Vor der Abstinlmung gab der Führer der Land- bündlcr namens aller Regierungsparteien die Erklärung ab, daß sie dem Vertrauensantrag der Nationalsozialisten zustimmen werden. Gleichzeitig beantragte er: Uebergang zur Tagesordnung über die sozialdemokratischen Mißtrauensanträge. Die Sessel der Herren Frick und Marschler waren wieder einnval gerettet. Aus dieser Darstellung geht hervor, daß sich die Volks- Partei in der Koalitionsgeweinschaft mit den Nazis nie w o h l- gefühlt hat. Von vornherein war es ihr im nöchsten Grade unangenehm, daß sie Frick in Kauf nehmen mußte, denselben Frick, der wegen Beihilfe zum Hochverrat mit einem Jahr und drei Monaten Festlingshast bestraft worden war. Schließlich fand sie sich schwer«, Herzen» damll ab. Den äußeren Anlaß zur jetzigen Regierungskrise in Thüringen war ein von S a u ck e l geschriebener Artikel, der am 8. März 1931 in dem in Weimar erscheinenden„Nationalsozi ilist" stand. Sauckel ist Gauleiter der Nazis für Thüringen und auch Fraktionsführer. In dem Artikel beschäftigt» sich Sauckel mit der Volkspartei im Reich und in Bremen und gebrauchte dabei in bezug auf die Volkspartei folgende lieblich« Auedrücke: Grundfaßlosiflkeit. Unfähigkeit. Untermenschen, Niedertracht. Feigheit, eüge. Korruption. Charakterlosigkeit. Gemeinheit, Leise- treier, Schlappschwänze,»rottelhaste Greise. Die Fraktion der DDp fühlle sich durch diese gemeinen Schimpf- warte beleidigt und verlangt« Genugtuung oo» den Nazis, die ihr jedoch nicht gegeben wurde. In einem weiteren Artikel schrieb Sauckel: „Es wird nicht» zurückgenommen, wir denken nicht daran. Dieser Artikel war dl« noch gelinde Antwort auf das Verhalten der Volkspartei im Reichstag..." Der Landesausschuß der Deutschen Volkspartei hat am 25. März einen Sitzung gemeiiischofllich mit der Landtagssraktion abgehallen, in der zu den Disferenzen Stellung genommen wurde. Abg. W i tz- mann hielt das Referat und kam zu dem Schluß: „Für die Deutsche volkspartei gäbe es daher keine andere Ulöglichkeit, als durch die Zustimmung zu den eingebrachten Miß- traucnsanträgen die natioaalsozialisiischcn Regierungsmitglieder in Thüringm auszuschalten. Der Landesauoschuß billigt« die entschiedene hallung der Landtagssraktion und sprach ihr einmütig das Vertrauen aus. Nach diesem Beschluß dürste Fricks Herrlichkeit in Thüringen endgültig besiegelt sein._ Die Bürßermeisterwahl. Komplizierter Wahlakt— Doraupsichti ch v'ei Wohliansse. Am 16. April soll Berlin endlich seinen neuen Oberbürger- meisler bekommen. Der Wahlakt wird sich seh schwierig gestalten, zumal man mit drei Wahlgängen rechnen muß. Die Wahl der besoldeten Magistratsmitglieder findet in Berlin gemäß§ 32 der Städteordnung stall. Dieser Paragraph lautet: „Für jedes zu wählende Mitglied des Magistrats wiro besonders abgestimmt. Die Wahl erfolgt durch Stimmzettel. Wird die ab- solute Stimmenmehrheit bei der ersten Abstimmung nicht erreicht. so werden diejenigen vier Personen, auf welche die meisten Stim- men gefallen sind, auf eine enger« Wahl gebracht. Wird auch hier- durch die absolute Stimmenmehrheit nicht erreicht, so findet unter denjenigen zwei Personen, ans welche die meisten Stimmen ge- fallen sind, auf eine engere Wahl gebracht. Wird auch hierdurch die absolut« Stimmenmehrheit nicht erreicht, so findet unter den-, jenigen zwei Personen, welch« bei der zweiten Zlbstimmung die! meisten Stimmen erhalten haben, ein« engere Wahl statt. Bei Stimmengleichheit entscheidet das Los." Das Preußische Gcmeindewahlgesetz vom Jahr« 1924, das den § 32 der Städteordnung durch andere Bestimmungen ersetzt, gilt nicht für die Stadt Berlin. Kinder feiern den Frühling. Shakespeare in der wrttlichen Sldule. Das Aula-Parkett in der Schule Danziger Straße 23 war zum Brechen voll. Als Frühlings seier stieg Shakespeares„S o in m e r» nachtstraum", dargestellt von Schulkindern der 162. und 197. weltlichen Schule. Man hat kaum den Puck so mitreißend lachen gehört und so von Herzen meschuggene Sprünge machen gesehen: aber der großschnäuzige P i r a m u s samt seiner wort- und gestenreichen T h i s b e stellten ebenso ihren Mann. Von dem wirk- lich zuckrigen Elfenkind„Zuckercrbse" gar nicht zu reden, das mit leinen rundlichen' Patschhändchen und putzigen Bcinchen bloß die Szene zu betreten brauchte, um dem gesamten Zuschauerkreis ein entzücktes„J o t t, wie niedlich" zu entlocken. Die Rüpelszene war ein einziger Vorn der Heiterkeit, ivenn die jugendlichen Akteure wie die losgelassenen Füllen durcheinandersprangen und schrien. wobei sich.„Statt er f ranz" als Driller im Bunde einen Sondererfolg holte: besonder» im Dialog mit Piranius vor der Hofgesellschaft, die in prächtigem, selbstgeschneidertem Staat«in äußerst dekoratives Bühnenbild abgab. Auch der Elflein zarte Gewandung, die Riipelmonturen und alle anderen Kostüme waren aus geschickten Mutter- und Schwesterhänden erstanden, ebenso die Bühnen- dekoration, die Belsuchtimzsessekts und was eben solch Bühnen- geschehen noch erfordert Alle? klappte vorzüglich, trotzdem„Fxau Oberregisseur". Genossin Kopp, wegen plötzlicher Erkrankung einiger„Prominenter" um Nachsicht bat. Auch ein Orchester war da, die Voltskunllgemeinschast Weddtng, die mit Sch-tming und Schmiß die Mendelssohnsche Ouvertüre und Beglellmusik spielle. Der Reinertrag dieser hübschen Feier wind für Ferienwanderungen und Lands chulaujertthalte bedürftiger Kinder verwendet._ Nacktheit und Körperfreude. Matinee der AdoisiKoch-Schuie. Im Großen Schauspielhaus veranstaltet« in« Körper- kullurschule Adolf Koch eine Matinee unter dem Titel„Nacktheit und Körperfreude": dainll war in der Tat das Welsilllichste über sie ausgesagt. Man mußte die nahezu 299töpfige Menschenschar auf der Bühne sehen. Männer und Frauen aus Arbciterkrersen. Alle inrd Junge, Bewegliche und Schwerfällige, die ihrsn neuentdecktcn Körper In seinen Bewegungen genossen, die sich vielleicht in diesen Macktüdungen zum erstenmal ihres Körpers froh bewußt wurden. Viele waren gymnastikungewohnt: aber ihre Glieder spannten und entspannten sich leicht in helleren Wechselbewegungen, die von Gesang, Pfeifen, melndsschem Gesumm b»gleitet, angosportn, ab- gelöst wurden. Menschen, die aus grauem, lastendem Alltag koinmen, werden hier aus eine einfache und natürliche Weise zur Entdeckung von Lebensfreude geführt. Bor diesen Massenübungcn zeigten einzelne und Einzelgruppen Gymnastik, die Ihren Körper In gesunder Schönheit entfalteten. Und doch entstammen all« werktätigen Kressen, und die meisten mögen ein Leben unter wenig günstigen Bedingungen führen. Wenn man diese Erfolge sieht, so kann man nur von Herzen wünschen, daß die Forderungen, die Adolf Koch in seinem einführenden Dortrag aus- führllch formulierte: Förderung der Nocktkullur durch Staat und Stadt, in weitestem Maße Ersüllimg finden. Vor allem sollt« der Aufenthall lln Freigelände nicht engherzig beschränkt werden: denn ehe nicht verhältnismäßig nahe bei Berlin Gelände zur Verfügung steht, ist vielen Infolg« von Zell- und Geldmangel die Möglichkell genommen, ihren Körper in Licht, Luft und Sonn« gesunden zu lassen._—!r. Tonfilm-Pioniere. veranstattuna der„Deutschen Liga iür onobhänioen Filtji'. Die„Deutsche Liga für unabhängigen Film" versuchte am Sonntag bei ihrer sechsten Veranstaltung in der Roten Mühle. Halenkee.«Inen Querschnitt durch das Werk Walter Ruttmann« zu legen. Ausschnitt« aus alleren Filmen und Neufassungen kamen zur Vorführung. Walter Ruttmanns erster großer Erfolg siegt vier Jahre zurück. Cr errang ihn mll dem stummen Film„Berlin Sinfonie einer Graßstadt", und dieser Film enthält bereits alle Elemente der spärcrn Schöpfungen.. Den Film von der Spielhandlung lösen, die Wirklichkeit in ihren Gegensätzen darstellen und wiederum in den Gegensätzen die Aehnlichkellen, die Parallelen finden, sind die Nenner, auf die die Filme ausgehen. Der Tonfilm kommt diesem Bestreben entgegen. Zu dem charakterisicrenden Bild tritt der charnkteristssch« Ton, das Geräusch, oder soll wenigstens dazu treten. „Die tönende Welle" und„M e l o d i e der Welt", die vorgeführt wurden, zeigen, daß der Hauptakzent nach wie vor auf dem Bild liegt und daß das Geräusch, das Wort oder die Musik gewissermaßen nur als Verstärker der bildliche» Vorgänge dienen. Dies ist der richtige Weg, den der Tonfilni leider selten beschreiret. Ruttmanns vorliegende Tonfilme sind Versuchs, Vorstöße in ein unbekanntes künstlerisches Land.-> Ein anderer Versuch Ruttmanns befriedigt dagegen nicht. „Wecken d" ist eine Tonmontage, die aus Geräuschen. Wortsetzen und Musik ohne Unterstützung des Bildes die Impression des Wochenendes herbeiführen will. Das Ganz« wirkt wie die Studie zu einem Hörlpiel. Aber die Geräusche, allein auf sich gestellt, sind nicht fest umrissen genug,»m diese Impression zu erwecken. Jeden- falls deutet Ruttmann an, daß der Tonfilm auch andere Dinge be- handeln kann als Liebesangelegenheiten oder ähnliche Dinge. Dasselbe beweisen Nichters„Alles dreht sich" und Eaval- cantis„Petite Lily". Filme, die ebenfalls aus den Ansängen des Tonfilms stammen. Grotesken, die mit den Elementen der Wirklichkeit spielen, die die elementaren Gesetze der Schwerkrast aus- heben.?. 8cd. Lunge Künstler für noilechende Kinder. Das„Jugendwerl für Kinderspessung" will dt« Lücke ausfüllen, die die Sparmaßnahmen Berlins in die Kinderfürsorge gerissen haben. Es wirbt Mitglieder, die ihm die Speisungskosten tragen helfen, und hat soeben als nobelste Propaganda eine Aus» stellung junger Künstler veranstaltet, die bei Verkäusen die Hälfte des Erlöses der Kinderfveisung überlassen. Es wäre dringend zu wünschen, daß dies« Ausstellung lauten und klingenden Ersolg hätte. Denn dieser Edelmut der Künstler, die selber wahrhajtig nicht auf Rosen gebettet sind, verdient weitgehendste Belohnung, die sich ja nach zwei Seiten auswirkt: und mit der doppelten Genugluung erwirbt der Kunstfreund zugleich mich aus billigst« Wesse ousgezeich- nete Kunstwerke, beim die Preise sind ebenso niedrig wie die Qualität des Ausgestellten hoch zu nennen ist. Es ist eine Schau, die sich überoll sehen lassen kann. Die Preise sür Oelbilder bewegen sich zwischen 199 und 499 Mark, die für Aquarelle und Zeichnungen zwischen 49 und 159 Mark. Besonders hervorzuheben sind die Bilder des hier schon häufig ausgezeichneten Felix Nußbaum, die .-Leoparden" von Ortet, Aquarelle von Riester, vortresfliä� Akte von Erich Rhein und die schön empfundenen Landschaften von Fella Platek: unter den Zeichnungen ragen die phan- lastischen Traulndilder von A b e hervor. Dann gibt es noch die sehr schönen Figurenstickereien von Ilse Häsner-Mode und köstliche Photographien, vor allem von Marianne Breslauer. Die anregende Ausstellung ist in den Räumen von Heß u. Rom. Leipziger Straße 196/7(nahe Friedrichstraße) un- entgeltlich zu sehen. p. k.«-Ii. Die Erforschung des Hechlondes von pomir. In den letzten Jahren haben die wissenschaftlichen Zentral- institute Rußlands mehrere Expeditionen ausgerüstet, welche die Ausgabe lzallen, das Hochland von Pamir planmäßig zu erforschen. Im Jahre 1939 waren dort sechs Expeditionen tälig, die jetzt nach Maskau zurückgekehrt sind und die Ergebnisse ihrer Arbeit dar- gelegt haben. ' 219 Kilometer südlich von Fergan, in der Gegend von Sauk- Say, hat die Expedition des Instituts für Metallforschung umfang- reiche goldhaltige Quarzschichten entdeckt. Di« Proben Häven ge- zeigt, daß die Schichten von 59 bis 399 Gramm Feingold auf 1,6 Tonnen Erde enthalten. Die Ausbeulung kann erfolgen, wenn die damll verbundenen technischen Schwierigkeiten beseitigt sein werden. Am See Kara-Kul, 3499 Meter über dem Meeresspiegel. arbeitet«ine Expedition, die große Salpeterlager entdeckt hat. Außerdem wurden noch wettere Lagerstätten von wertvollen Metallerzen in Westpamir festgestellt. In der Gegend, von Tschatyr- Tasch am Fluh Zllitschur, sind reiche Silber- und Bleivorkommen gefunden und am Fluß Schach-Darja ausgedehnte Lagerstätten von Lapis-Lazult festgestellt worden. Besonders reichhaltig sind die Bleivorkommen. Es wurden ferner falle alle Quellen der afghanischen Grenze erforscht, von denen viele ein« sehr hohe Temperatur ausweisen. Als die heißxste wurde eine Quelle gesunden, deren Wasser ständig 71 Grad Celsius aufweift. Bei Rabat ist im Gebiet der heißen Quellen bereits ein kleiner Kurort entstanden. Hegel-Kongreß Verlin 1931. Zur Feier des 199. Todestages des Philosophen Hegel wird in Berlin in der Woche ab 18. Oktober ein Internationaler Hegel-Kongrcß stattfinden, auf dem die he'vor» ragenvsten Hegel-Kenner des In- und Auslandes ein Gesamtbild der Hegelschen Philosophie in ihren wichtigsten Zweigen erstehen lassen und in seiner Gegenwartsbedeutung würdigen werden. Der Kongreß findet unter Führung des Jnternottonalen Hegcl-Bundes (Sitz Haag) und mit Unterstützung eines Berliner Ortsausschusses statt, in dem unter Führung von Prof. Heinr. Maler die rhiloio- phifche Fakultät der Universität, die Behörden, die philosophischen Verein« und die interessierten Kreise der Bürgerschaft vertreten sind. Anfragen an Dr. Helfried Hartmann, Bcrlin-Britz, Onkel-Bräsig- Straße 34. Woronofs vertäust sein? Affen. Der Verjüngungsprofessor Wo. ronoff beabsichtigt, einer Pariser Meldung zufo'g«, seine Assen« form an der französischen Rioicra auszulösen. Die Kosten, die ihm durch die Haltung der Tiere erwachsen, konnten in der letzten Zell durch die Einnahüien der Woronofsschen Praxi? nicht m hr ausge- glichen werden. Der Patientenkreis des Professors hat sich überdies dur'' die-wesselbaften E->'esinille der Veim'-ounosturen immer mehr verkleinert, so daß Woronofs sich ernstlich mit dem Diane trägt, sich von seiner Verjüngungspraxis gänzlich zurückzuziehen. Da» Gastspiel de»„Sl oen voge s" Ist bIZ zum 6. April verlängert worden. Eine SchauIpieler-IlachlvorsteNung in Erich E n r o w? renovieiter„Lach. büdne am Weinbergsweq- findet IstenStnn, ab.np» 12 Uir, zugunsten der Wohlsabrtslassen der Bübncngenofsenichaft statt. Karten im Bezirksverband. ..Ikiemandslaud" Lconhaid Frank nnd Viclor Triwas habe» e-nen Tonstim„Niemandsland"«ntworfe». der vom Deutschen Ailschiiß des ftrtedensvreistomilees des BälkerbundcS zur engeren Wahl vorgeschlagen wurde. „V«euutcr'uchurg-. Die 12R. Aufliihrung deS Bühnenwerkes von Max Alsberg und Otto Ernst Hesse findet im„Neuen Tbeater am Zoo' am Mittwoch stnit. Sur« Singer inlzcnieit im April aiss Einladung der Deutschen Kunst» gestv chast Aufiübrurgen von WorailS„Cofi lon lulle* und.Entnibruna aus tem Efiflil" mit elnem deutichen Nosupiel-Ei iemdle in Agram und Belgrad. Der verband Deutscher Erzähler und die Scell chafl sür volk»dl>dvng boten rin» cnacre?Iibeitsce«n«inlchast aus dein Gebiete de» Vor- tiaaewclens bclchloflcn. Zweck und Ziel dieser grineiulanirn Arbelt soll'ein. die Pflege de.? beutlbeu Lchiillti'wS duich Veianstaltung von 7 ickstei um> lelimgen und lileiarifchen Sprechkunstabeiiden im gefamlcn Deutschen Reir zu sördern. > Lugend tritt zur Kampffront Berliner Lugendweihen in allen Bezirken Die s o z t a l l st l s ch e n Zugendweihen reihen schon einen großen Teil der schuleallassenen Zugend in die Sampfsront der Arbeilerschast ein. Die gcsühlsmähige Einwirkung im Sinne der Solidaritäl aus die jungen Menschen durch Musik, Spiel,' Gesänge und Sprechchor in einem enlscheidenden Lebensabschniit wird immer mehr von den Arbeilereltern erkannt. So ist es nicht zu verwundern. daß auch der gestrige Sonntag wieder eine Anzahl von Zugendweihen brachte. In der V o l k s b ü h n e, die für Weihespiele schon die Stim- mung des schönen Raumes mit sich bringt, fanden hintereinander gleich zweiIugendweihen statt mit dem Sprechchorspiel„Seid geweiht" von Bruno Schönlank und«inlettender Musik und Chor- gesängen. Warme Anerkennung gebührt der„Arbeitsgemeinschaft proletarische Kunst", die hier mir Chören und Orchester der„Freien Schulgemeinde Pankstraße" aufopferungsvoll und mit starkem Können der großen Sache diente. Ueber Schönlanks Weihespiel ist genug ge- schrieben. Es ergriff und packte. Aber alle die Kleinmütigen, die zweifeln an dem Schwung und der chingabe an die Bewegung, sollten sich einmal klar machen, welche Opfer an Zeit, Kraft und Geld hier von jungen und alten Menschen gebracht werden. Für sie ist der Sozialismus mehr als Lippenbekenntnis, er ist ihnen kömpserijche und kulturell« Tat. Die jungen Menschen, die hier der Arbeit ge- weiht werden, bekommen eine Stelle wahrer Begeisterung für ihr Leben mtt. Von den Jugendweihen, die am gestrigen Sonntag mehr in der Peripherie stattfanden, sei die in P a n k o w eingehend besprochen, weil hier neue Wege zu dieser wichtigen Feier beschritten wurden. In der knappen Jett einer Stunde wurde die Gedanken- und Gefllhlswell der Arbeitenden der Jugend nahegebracht. Mit dem gemeinsamen Gesang: Brüder zur Sonne! zogen unter Borantritt der Arbeiterjugend die Kinder m den Saal. Musik leitete über zu dem Sprech- chorwerk„zum Land« der Gerechten" von Walther May, einer schönen symbolischen Dichtung. Das Liebermann-Trio begleitete das Werk mustkalisch. Die ausgezeichnete Sprechgemeinschaft Niederschönhausen (Leitung: Karl chahn— Bewegung: Martin Gleisner) erschütterte und packte durch Wort und gefühlte Bewegung. Wie in einem Räderwerk griff«in Test in den anderen. Worte des Erwachsenen. Ausgang der Weihekinder zur Bühne. Der temperamentvoll« Singe- kreis Niederschönhausen unter der Leitung von Herbert Sochaczewky singt den Arbeitersängerspruch von Gerster. Die Sprechchorgemein- schaft weiht die Kinder und spricht für eine Spanne Zeit mit ihnen im Chorgespräch. Die Kinder gehen wieder von der Bühne. Ein frisches Wanderlied schallt. Musik leitet wieder über zum Sprcchchor, der den Fahnenspruch spricht. Unter dem Gesang„Wann wir schreiten" ziehen die der Arbeiterschaft geweihten Kinder hinaus. ihnen voran mit roten Fahnen dl« sozialistische Arbenerjugend, deren Kampsgefft sie nun auch angehören. So fand diese schön« Feier- stunde ihren Ausklang. .In Lichtenberg fand die Jugendweihe der Sozialisten. Frei- denker und Gewerkschaften in der festlich geschmückten, überfüllten Aula des Gymnasiums an der Parkau« statt. Stimmungsvoll leitete das Ebert-Manz-Quartett die Feier ein, die durch die Darbietungen des Sprechchors der welllichen Schule Lichtenbergs, der unter der Leitung des Lehrers Zischer steht, verschönt und eindrucksstark gestallet wurde. In bewegten Worten hielt Rektor Priebe die Weiherede. in der auch von dem Einfluß der welllichen Schule auf das BUdungs- vermögen der Kinder sprach. Die wellliche Schule gibt ihren Schul- entlassenen drei Worte und drei Begriffe mit auf den Weg: Eltern. liebe. Tüchtigkeit im Berufsleben und Gemeinschaftsgefühl. Aus- gerüstet mit diesen dreien wird der junge Proletarier um seine karge Existenz kämpfen, bis auch im Wirtschastsleben«in Morgen der Frei- heit anbricht. Eine würdige Jugendweihe fand in Charlottenburg in der Sophie-Charlotte- Schule statt. Di« Charlottenburger Liedertafel und ein Musiktrio umrahmten die Feier mit musikalischen Darbietungen. Vor der festtich geschmückten Bühne in der Aula hatten die Jugendlichen Platz genommen. Jahrgang 1317, Kriegs- geborene, zart und schmächtig. Genosse Stadtrat Schneider- Neukölln hielt die Weiherede Aus den schweren Jugendjahren, aus der Geschichte der modernen Entwicklung des Arbeiterdafeins heraus muh die Jugend sich in die Schar der erwachsenen Kämpfer einzu. reihen. Gewerkschaft, Partei und Jugendbewegung sind die Säulen, an denen sich der fortschrittlich denkende und kämpfende Mensch auf- richtet„Treu zur Klasse zu stehen!", damit schloß der Redner seine ernsten Worte. Leichter hatte es die SAJ.-Jugend, die mit roten Fahnen und frischem Jugendmut auf die Bühne zog und ihr« be- freienden und kameradschoftlichen Werberufe erklingen ließ. Das schöne Sprechchorwerk Bruno Schönlanks„Seid geweiht!" verfehlte auch hier feine Wirkung nicht. Mit dem Ueberrcichen eines Erinne- rungsbuches und dem gemeinsamen Schlußgesang„Die Internatio- nale" nahm die schöne Feier ihr Ende. Kein Bergarbeitersireck in Frankreich. Sonderaltionen der Kommunisten. Paris, 30. März.(Eigenbericht.) Der dem Allgemeinen Arbeiterbund angeschlossene verband der sranzösischen Grubenarbeiter hat den Generalstreik für heute abgesagt. Er soll später nur dann ausgerufen werden. wenn die von den nordfranzöstschen Grubengesellschastcn gemachten Zugeständnisse nicht allen französischen Grubenarbeitern gewährt werden. Die Verhandlungen zwischen den nordfranzösischea Grubenarbeitern haben nämlich mit Anlerstühnag der Regierung zu dem von beiden Seiten angenommenen Ergebnis geführt, daß die Löhne uichk. wie vorgesehen, um 10 proz., sondern um b p r o z. gesenkt werden. Die Kommunisten rufen für heute zu einem Z4stündigen Generalstreik aus, da sie jede Kürzung der Löhne ablehnen. Eni- sprechend dieser Aufforderung haben die kommunistischen Gruben- arbeiter Rordsrankreichs in drei Kongressen den Streik für heute beschlossen. Dieser Streik soll das Vorspiel zu einem zeitlich un- begrenzten Streik sein, falls die Lohnsenkungen nicht endgültig rückgängig gemacht werden., Fest der Techniker. Die Berliner Ortsverwallung des Bundes der Technischen An- gestellten und Beamten(Butab) ließ es sich auch in diesem Jahre nicht nehmen, die Ehrung der Berbandsjubilore mtt einem Fest der gesamten Berliner Technikerschast zu verbinden. Die Beranltlltung erfüllte wieder einen doppelten Zweck: in dieser freudlosen Zeit sollte den sreigewerkschaftlich organisierten Technikern die Möglich- kett gegeben werden, im Kreise von Gesinnungsfreunden für einige Stunden die Trübsake des grauen Alltags zu vergessen, während zugleich durch den Hebers chuß der festlichen Veranstaltung dem Fonds zur Unterstützung in N»t g-raten-r Bunde». Mitglieder neue Mittel zugeführt werden sollten. Dieser Zweck ist vollkommen erreicht worden. Der Zoo. wo das Tschnil-rfest stattfand, registriert« 7000 Besucher— und die Unterstützungskasse d«s Butab eine ansehnlich«„Kapttalaussrtschung". Die allen Rundsunkhörern bekannten Kapellen Otto K e r m- dach, Paul G o d w i n. Gerhard H o f f m a n n sowie einige ander« Tanzorchester trugen ebenso zur Unterhaltung bei wie Leo Schützendorf, Violetta de Strozzi. die Bultett- g r u p p e der Städtischen Oper, Charlottenburg, und die R o b i n» fon- Girls. In einer besonderen Ansprache gedachte der Vor» sitzende der Ortsverwaltung, Ingenieur Bühl, der Verdienste, die sich die 32 Iubilare während ihrer 25iähr!gcn Mitgliedschaft für den Bund erworben haben Die„Opposition" dürste sich auch in diesem harmonischen Kreis von Bundas Mitgliedern recht wohlgefühlt haben.__ 2. kreis Tiergarten. Achtung, Richlungslelluazl Heute 13K Uhr Kreisvvl stanössitzung mit den Beisitzern und ersten Abteilungsleitern bei Berger, Jagow- Ecke Lcvetzowstraße. Wetter für Verlin: Für Berlin weiterhin kalt und vorwiegend heiter, mäßig« Nordostwinde.— Für Deutschland: Im ganzen Reiche beständiges und noch kattes Wetter. Montag, 30. März. Berlin. 16.05 Dr. J. Wasenbach: Nene Arbeltstnöellchkeilen dnreli Siedinns. 16.30 Neue Untertaaltunssmusilt(Bearbeitunsen der Rundluokversucbsstelle). 1. Racherncgs: Stcirischc Spielmusik. 2. Cradeovltz: Pasüccio aus der Musik der Bettleroper. 3. Bersei: Divertimento aus Werken von Dittersdorf. 4. a) Dyck-Levy: Tango: b) Sonntag: Tarantella. S. Mussorgsky- üeutsch: Bilder aus einer Ausstellung(Alois Pacbernegx und sein Orchester). 17.30 Dr. Lieberall erzählt. 17.50 Dr. med. Emst Rothe: Olfiek haben— Uebnngssachet 18.15 Violinvorträge. 1. Robert Schumann: Sonate A-MslI. op 105. 2. a) Mayerhoff: Grave: b) Anlin; Gavotte und Musette(Edith von Voigtländer. Violine; Flügel: Max Nabralh). 18.45 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 18.50 Arnold Schänberg(ein Diskussion). Sprecher: Arnold SchSnberg, Dr. H. Strobel, Dr. C. Preußner. Am Flügel: Else C. Kraus. 19.40 Unterhaltungsmusik. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Fred Hildenbrandt; Ein Mensch mit Büchern nnd SchallpIatleTi. 22.15 Wetter. Nachrichten. Sport. Anschließend Abendumerhaltung. KOnigswuster. hausen. 16.00 Otto Viereck: Schulfunk in einer Landschule. 17.30 Nikolaus Schwarzkopf liest ans„Judas Iskariof. 18.00 Günther: Deutsch. 18.30 Prof. Dr. Uetzn.ann: Anfinge des Christentunis. 19.00 Englisch für Anfinger. 19.30 Oekonomlerat Kaiser: Folgerungen ans der Schwelnezlhlnng vom 1. März, 20.00 Breslau: Staffel-Hflrbericht aus Oberschlesien. 21.00 München: Aus dem Regensburger Dom: Geistliche Abendmusik. 31-50 Leipzig: Klaviervortrige. für hie-Trbflf'icm; grtberl Berlin: Xmeia»: Xh. etode, -----.._ �„(f. ZnrmSrle Bernntmnrtl._______________—■ I.>------,-- Aerlb!. itetlao: Sonnitls Snloa®. M. b.$.. Berlin Druck: ücutfetei ur.b T)etI«5chftaH Paul ernaer& Co. verlin S2B 68. Cittbenftroftc Hierzu t Setlaae. Krankentransporte führen fett 48 Jahren auch Koppsche Krankenwagen aus. Diese Firma verrechnet bei Dtttgkiedschasi mit den Krankenkassen direkt— arztk. Bescheinigung genügt— kostenlos. Bettennachwei-— Tag und Nacht— Sammeln. D. 1 Norden 3422. Montng. 30. 3. Staats-Oper Unter d. Linden 210. A.-V 20 Uhr Oer flleoende HaUänfler Ende 22 Vs Uhr Staats-Oper (n Pill! dir SfJtWL V.-B. 20 Uhr Rigotsito Mtnü. Kirtecnrtiof Ende 22W Uhr Montag, 30. 3. staut. Oper Bisrnarchstr QeschUVorstllg. 20 Uhr Fldelio Ishi Ininndnet Staatl. (am üendaraaimirkli 37. R--S. 20 Uhr GBdiiditj Oottfrii- deosra Berüdimgen mit der tiiemcn Kind Kill lartiimitiuf Mi.St&illEt'Iliealer.Otarmg, 20 Uhr O'te BekehroDg das Ferdys Pistora Ende gegen 22'h Uhr Tägi. S u. 81) Senat Z. Sil 6» E 4. Alex. 8066 Nehm. SO Pf.— I M., abds. 1-2 M. Hermann Leopoldi der berühmte Wiener Humorist DrIjDdo-Tiilpüt, Etmuolf t Gerds usw. •v.uhr CASINO-THEATEfi Lothringer Strahc 37. 8M8MUHlllUIIUIIilllUlll|IUII»m)IIIIItlllllll|l!UinilUt«HI(llllll Nur noch bis 2. April 0 dtese scnwiegentatep and das ersifcl. bunte Programm! Sonasbsiid. dm 4. fpril 1911 zun ersten Male „Er trfiumt uon Jlse" Gutschein 1-4 Peiionai f— ttull 1.25 iL, Sessel 1.75 2,1. Sonstige Pr.: Psiktu 75 PL. Rang 00 PI. 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Bamowsky- Söhnen Tbaatar Ii dar Slrejnmaimslr. 8'/, Uhr Amphitryon 38 Komödie von Jean Giraudoux Inszenierung: Victor Barnowsky Komfldienhaus S'k Uhr Eine hORigüche Famliis RaHürsteBdamm- Theaier Bismarck 449 | 8 Uhr"� Des schu/sche floscniecstt v. Edouard Bourdet ROSE THEATER Gro6e Frankfurter Straße 13a U-Bahn Strausberger Platz dtäfiger Vorverkauf täglich von ix— 1 Uhr und 4—9 Uhr TcL Bestellg.: Ale». 343a u. 3492 Vtm MtnUa b. tonnabd.] o 15 1 tuSw Kanralla*|0J-r| Die Faschingsfee Operette von K41niis Regie: Paul Rose Time: George« Blanvalct Am beidan Oaterfeicr tagen t j rSTTTTT � kuten I�Uhrl 2 Aufftihnzagen: „Madame Bonivard" Di« letzten 4 Aufführungen „Die Faschingsfee" Dienstag, den 7. Aprils Premiere! | Erstaufführung für Berlin: Die Sache, | die sich Liebe nennt| Komödie in 3 Akten voq E3urke MMY5 Hestawbiit Berlins BETRIEB /•% KEMPIHSKlO GROSSES SCHAUSPIELHAUS Tägi. 8 Uhr. Im WMSEvfl RniSL I IStg. iiachm.3ühr Chgiualbe:«.izuiigi billige Preist: kgg'e: Erik LlurjU-G, ni« SeuenswnrdigKdlt Berlins Die tuhrende Variete- und FiimhUhaa Direktion: Luis Gutman Berlin- Gesundbrunnen Fraltaa. il HGrz bis Moning, fi. iprli BÜHN ENTEIL LliIittaTg-5Tinplioiii«-ormni«r _ Dlilodnl Paul Hcnul 10 tauiges(iasrspiel Sylvester Sdiaifer Ute grStzl« 5rhen*wtlrd!gkcil des in t r rn« i o nalrn Varie tt Syl». Schäf.er zeigt sein gesamtes Programm in jeder Vorstellung FILMTEIL „Eine Stunde Humor" Besuch im Karzer mit Carl Platen, Georg lohn Flick£ Flockles neuest. Abenteuer Die Verwandten der Micky-Maus 10 Minuten Anfenthall Groteske in 2 Akten mit dem bekannten Komiker Davison AktpellerBildberlditd.Lldi bürg Wochent S't u-S'« Uhr, Sonnabends, Sonn- und Feiertags 3, 5",, 8"« Uhr. Preise d. Plätze: 0.80 bis 150 i Parkett und Rang; 2,—, 2.50 Balkon u. Logen Sonnab„Sonn-u. Fe ert nachm.3Uhr Einheitspreis: Parkett u- Rang 0.80 M., Baikon und Loge 1,20 M W'nNär - Garten- l,sUbr. 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(Beilage Hontag, 30. März 1931 SprÄbimd 9eo\gij ilicfiaßowi Sin neues �tand entdeckt! Augenblicklich weilt eine russische Forschungs- e x P e d i t i o n im nördlichen Eismeer, wo sie zwischen dem 79. und 8ch Breitengrad ein neues Land entdeckt hat, das den Namen„Sewernaja Semlja�—„Nordisches Land" erhalten soll. Die nachfolgend« lebendige Schilderung ist ein Funkbericht des Leiters der Expedition. Im Frühjahr werden wir die nördlichen Teile des von uns cnt- deckten„Nordischen Landes" erforschen. Unsere Arbeiten beschränken sich zunächst auf geologische Untersuchunger» und kartographische Landesaufnahmen. Die Strecke, die wir in der Weise durchwandern müssen, dürfte sich etwa 1900 Kilometer hinziehen. Dafür benötigen wir(5 0 Tage Unsere beschränkten Mittel, die Unzu- länglichkeit der Hunde und das Gewicht der wissenschaftlichen In- strumente und Lebensmittel erlauben uns leider nicht, die Vorräte für'60 Tage mitzuschleppen, sondern mir für 30 Tage. Wir sind deshalb augenblicklich damit beschäftigt, unterwegs Hilfsdepols zu errichten, um somit die Bewältigung unserer nächsten Aufgabe zuwege zu bringen. Unsere Arbeit wird durch den Umstand, daß unser Hauptdepot etwa 60 Kilometer vom„Nordischen Lande" cnt- fernt liegt, erheblich erschwert. Um olle Vorräte auf das Nnrd-ische Land zu schaffen, müssen wir mindestens 6 bis 7 Fahrten unternehmen. Die Proviant- depots errichten wir dann am Kap„Sichel und Hammer", von dort gehen wir weiter nach dem Norden und Westen. Um den Westrand des Landes zu erreichen, müssen wir 700 Kilometer durch Eis und Schnee wandern. Die ersten Fahrter» zum„Nordischen Land" trugen mehr einen Erkundungscharokter. Weitere.Fahrten uMernahmen wir mit zwei Hundegespannen, ledes Gespann konnte 30 Kilogramm Last mitführen. An eine Regelmäßigkeit solcher Fahrten ist nicht zu denken. Die Polarnacht und heftige Winde sind unsere Haupt- gegner. Als im Februar die ersten Lichtstrahlen uns erreichten, begonnen wieder heftige Stürme, die unsere Ausfahrcker» vereitelten. Die Stürme waren mit starken Schneefällen begleitet. Eine längere Fahrt unternahmen wir am i. Dezember bei 25 Grad Kälte. Wir hofften, den Moirdschein ausnutzen zu können. Die erste Strecke von 30 Kilometer legten wir über blitzende Schneefelder zurück. Bald verschwand aber der Mond hinter dichten Wolken und den weiteren Weg mußten wir in einer absoluten Finsternis fortsetzen. Die Dunkelheit war manchmal so undurchdringlich, daß es nicht möglich war, ein Hunde- gespann von dem anderen zu unterscheiden. Am dritten Tag unserer Wanderung sank die Temperatur auf 36 Grad. Es erhob sich ein starker durchdringender Wind. Auf dem Rückweg nicht weit von unserem Hauptquartier wurden wir von einem Orkai» buchstäblich umgelegt. Einige ljunkie waren nicht mehr imstande, die Schlitten zu schleppen. Sie wurden auf die Schlitten ausgeladen und dadurch die Last vergrößert. Schießlich gelangten wir doch glücklich zu unserem Ziel. Die dritte Expedition zum Nordischen Land unternahm ich a m 2 8. I a n u a r bei einer Kälte von 40 Grad. Infolge guter Tragfähigkeit der Schneeoberfläche konnten wir den ganzen Weg, 165 Kilometer, binnen 48 Stunden zurücklegen. Dabei haben wir uns in der Dunkelheit oft aus den Augen verloren und nur mit großen Anstrengungen wiedergefunden. Da wir ständig unterwegs waren und infolge des absoluten Mangels an Heizmaterial konnten wir unsere Expcditions- öfen gar nicht verwenden. In unserem Zell war die Temperatur daher auch mir einige Grad wärmer, als wir etwas kochten. Sobald wir aber das Feuer löschten, glich sich der Tem- pcraturunterschted sofort aus. Bei solch einer Kälte sah ich, wie unsere Stearinkerze nur in der Mitte ausbrannte. Die Außenwand blieb wie ein Zylinder stehen, während sich da» Feuer im Herzen tiefer fraß. Die Butter war hart wie Eis und ließ sich kaum durchbeißen. Di« Schlafsäcke aus weichen Renntiersellen hören auf, Wärme zu spenden, gegen morgen sind sie iimen und außen mit einer dichten Schicht Reif bedeckt. Die Fellkleidung wird hart, so daß es unmöglich ist, sie anzuziehen Infolge der Kälte ist es oft unmöglich, Nachtruhe zu halten. Die Furcht. die Hunde zu verlieren, zwingt uns oft, nur kurze Raststunden ein- zuschalten, und weiter geht die Reise über das unbekannte Land. Wegen der ungünstigen Wettervcrhiiltnisse konnten wir im Fe- bruar keine Depots auf dem Nordischen Lande errichten. Daher konnten wir unsere fünfte Erkundungssahrt zum Nordischen Land erst am 2. März antteten. In der ganzen Zeit der Fahrt wütete ein heftiger Schneesturm, der noch jetzt nicht aufgehört hat, als ich dielse Zeilen schreibe. Wir kehrten zurück zu unserem Hauptquartier. Ich werde im nächsten Monat die Frage der Proviantdepots klären und dann Mitte März eine neue Reise zum Nordischen Lande unternehmen. Jiaxi THoeCCet: .•.-# j . ($avaf Sumaixa7(fyati Java zählt zur Zeit 36 Millionen Menschen, die sich auf einen Flächenraum von 131 000 Quadratkilometer verteilen. Java hat also unter allen Ländern der Erde die dichteste Bevölke- r u n g. In Deutschland kommen auf den Quadratkilometer 134 Menschen gegenüber Java mit durchschnittlich 266 Menschen. Sechs javanische Städte sind Großstädte mit über 100 000 Ein- wohncrn je Stadt. Besonders groß ist die Zahl der auf Java leben- den Europäer; sie betrügt nämlich 135 000. Auf Java wohnen drei malaiische Stämme. Im Westen der Insel sind 7)4 Millionen Sudanesen ansässig. Sie sind fremdem Einfluß relativ leicht zuganglich und überaus reinlich und sehr gepflegt. Ein zweimaliges Bad am Tage ist die Regel. In der Mitte der Insel Java wohnen die Iaoanen, insgesamt 23 Millionen. Sie stellen in Kleidung und Sitte das konservativ« Element auf der Insel dar. Im Osten und auf der nördlich liegenden Insel Madura wohnen 3,7 Millionen Maduresen. Sie haben Temperament und greifen leicht zum Messer. Auf Java gibt es noch keinen Schulzwang und doch hat auch das hoch gelegene Ge&irgsdorf schon seine Schule mit ein- geborenen Lehrern. Eine so überaus dichte Bevölkerung fetzt inten- sivstc Bodenkultur voraus. Der Wert der Ausfuhr übersteigt den der Einfuhr um rund 260 Millionen holländische Gulden! Während Europa das Bild einer Kultur steppe bietet, hat der kritische Beschauer in Java den Eindruck eines großen Parkes. Bor- wiegend sind große Reisfelder, ab und zu bestimmt auch Zuckerrohr das Landschastsbikd. Bon übrigen Kulturen seien genannt: Tee, Kaffee. Chinarinde, Tab«?, Rubber, Ka/ao. Außer sehr gepflegten Automobttstraßen finden wir ein Schienennetz von 5500 Kilometer. Tiger und Rhinozeros leben nur noch vereinzelt in den stark zurück- gedrängten Urwäldern. Nicht ganz so paradiesisch sind die Verhältnisse auf Sumatra sman vergleiche die grundlegenden Forschungsreisen des Professors Bolz um die Jahrhundertwende). Auf Sumatra gibt es noch Ur- wälder, die bisher keines Menschen Fuß betrat. In Nordsumatra ist aber der nicht so häufige Oran-Utan unter Naturschutz gestellt. Der Elefant kommt noch herdenweise vor, und die GeHöste rechnen noch mit dem nächtlichen Besuch des Tigers. Zwei Meter lange Eidechsen sonnen sich auf den Felsblöcken am Ufer der Gewässer, und in den großen Strömen leben noch massenhaft Krokodile. Das Zwergvolk der Kubus ist noch nickst ganz ausgestorben. Sumatra hat sehr wenig Eisenbahnlinien, aber vorzügliche Auto- straßen, die die Urwälder durchschneiden. Beim Vordringen der Kultur wird der Urwald meistens durch Brand vernichtet. Sumatra ist im Gegensatz zu Java sehr schwach besiedelt. Nur 15 Menschen entfallen auf 1 Quadratkilometer Fläche. In Mittel- sumatra wohnen die Minangkabauer. ein Menschenstamm. bei denen dos sogenannte Mutterrecht noch herrscht. Sie sind Mohammedaner. Auf Sumatra gibt es unter 6 Millionen Inländern nur 24,000, Europäer, dazu A0 000 Chinesen. Weltberühmt sind die Silberschmieden ist der Gegend von Palembang, Inter.essant ist ein Blick aufdie kl eiste InfelSBalr lSOKilo- Meter lang von Mit» nach Süd und 150 Kiloinstcr breit von Ost nach West). Bali ist das Land der Tempel und der Tänze. Hier hat sich der alte Hindukutt frei von fremdem Einfluß erhalten. _ Dr. 8. H, 5*-(PoftCen$t £in(park entsteht Der friedliche Besucher des großen Parkes, der Mischen frischen Wiesen und tausend farbigen Blumenbeeten, unter schattigen Bäumen und auf sonnigen Wegen ziellos lustnxmdelt, mag sich von ungefähr vielleicht einmal die Frage stellen: Wie nmg wohl dieses Stück Land ausgesehen haben, bevor hier der Gärtner am Wer? war? Er wird sich dann vielleicht vorstellen, was er so hin und wieder im Vorbeigehen gesehen hat: wie Arbeiter mit Schubkarren Erde hin- und hergefahren sind, wie sie die Wege mit groben Steinen und Schlacke angefüllt, gestampft und mit Kies bestreut haben, wie gegroben und unzählige Meter Wasserleitungs- rohr eingebuddelt wurden, wie kleine Mauern und Wasserbassins entstanden: wie später viele Wagen eintrafen, mit Dünger be- laden, der auf das Erdteil verteitt und untergegraben wurde, wie Bäume und Sträucher mit sorgsamer Hand eingepflanzt wurden. Schließlich kam noch der Sänronn und streute weit ausholend den Grassamen über die grauen, sauber ausgeharkten erdigen Flächen. Das Uebrige tat dann'die liebe Sonne, und der Park war vier Wochen darauf grün und fix und fertig. Aber so einfach war es doch nickst. Noch bevor derer st e Spatenstich getan wurde, find viele Wochen Arbeit und Müh? verwandt worden, um die hundertfältigen Vorbereitungen für den Bau de- zukünftigen Parkes zu bewältigen. Erst wenn die ersten hartnäckigen Fröste vorbei sind, so im Februar, Anfang März, zieht der Gartens achimmn mit seinen Helfern zu dem öden Brachland, mit dicken Zeichenrollen bewaffnet, mit Meßinstrumenten, Geräten, Maschinen und merkwürdigen Werkzeugen ausgerüstet! Denn nun muß in wenigen Wochen das Wert geschaffen Vierden. Rock» ehe die Frühlingssonn« mit ihren fruchtbaren Strahlen das Grün aus den leblosen Zweigen hervorgezaubert hoben wird, soll hier der neue Park zu Nutz und Frommen des Werttätigen ent- standen fein. Verfolgen wir einmal den Gartenarchitekten bei feiner ersten Arbeit am Zeichentisch. Wenn die Grenzen des zukünftigen Parkes festliegen, schickt, er den Vennesser hinaus, der erst einmal alle etwa vorhandenen Bäume und Sträuchcr genau ausmißt. Er baut sein Nivellicrungsinstrument auf, guckt alle Minuten durch dos Fernrohr nach einer langen mit Zahlen bemalten Latte, die von feinen Gehilfen, scheinbor wahllos, hin und her getragen wird, und notiert sich allerlei merkwürdige Zahlen. Später trägt er sie in seinen Plan ein: es find sogenannte Höhenzahlen, die die Tcrrairmnterschiede verdeutlichen. Sie sind äußerst wichtig für die Einebmmg des Geländes oder den Bau einer Terrasse oder sonstigen Erhebungen. Dann werden verschiedene Bodenproben gemacht, die die wechselnde Beschaffenheit und den Feuchtigkeit sgrad der Erde feststellen, um danach Düngungen vorzunehmen und für dos be- treffende Erdreich geeignete Pflanzen auszusuchen. Auch die Lage des Geländes zu den Himmelsrichtungen muß sorgföltiz ermittelt werden. Run beginnt erst das Entwerfen der Anlage. Der Garten- Gerade als ich das von Otto von Halem geschriebene und im M. Krayn- Verlag, Berlin W. 35, soeben erschienene Buch: Stahlland Amerika gelesen habe, fehe ich in der Presse die Notiz, daß unsere Reichsbahn neuerdings große, moderne Wagentypen ganz aus Stahl herstellen wird. Es scheint also auch in Deutschland aktuell zu werden, was der Verfasser aus eigenen Beobachtungen während einer Studienreise durch den Osten der Ber- einigten Staaten zu berichten weiß: die Verwendung von Stahl steigt dauernd an, ja, er ist der Grundstock, auf dem sich viele tech- nische Neuheiten und ganze Industrien ausbauen. Automobile, Wolkenkratzer und Eisenbahnriesen, das sind die drei Gebiete, mit deren dauernder Ausdehnung sich auch die Stahlerzcu- gung weiter und höher entwickelt hat. Beim Automobilbau liegt die Sache ziemlich klar, hier wurde wohl schon immer fast ausschließlich Stahl verarbeitet und oer Ber- brauch wird nur noch bei mengenmäßig steigender Produktion zu- nehmen. Der Verfasser beschäftigt sich mit diesem Abschnitt auch nur sehr kurz, aber gerade hier scheint ihm ein Bluff unterlausen zu sein: in 45i Stunden wird selbst bei Ford vom flüssigen Eilen bis zum gebrauchsfertigen Wagen kein noch so raffiniertes laufenoes Band fertig. Warum also übertreiben, wenn gerade im nächsten Abschnitt, in der Bauindustrie, sich solch ungeheure Zukunftsp�rspektiven ergeben, daß der kleine Mensch neben seinen riesigen Werken un- scheinbar verschwindet. Aus der Vielheit nur eine Tatsache:„Das bisher höchste, noch im Bau befindliche Gebäuoe, das Empire State Building, hat 85 Stockwerke und eine Höhe von 330 Metern. Es enthält 610 Kilometer elektrische Draht- leitungen, 120 Kilometer Wasserleitungen und 50 000 Tonnen Stahlkonstruktion. Technisch wäret, heute Geballde von 200 Stockwerken und 600 Meter Höhe möglich." archtteit sitzt an seinem Zeichentisch, brütet über einem mit u n e n d- lich viel Zahlen, ein paar Linien und Kreisen— welche die Bäume andeuten sollen— bedeckten Plan und matt sich allerlei schöne Gartenbilder aus. Zuerst aber überlegt er, wohn, die Ein- gänge projektiert werden sollen, die in flüssigem Zusammenhang mit den Verkehrszentren der das Gelände umschließenden Straßen stehen müssen. Dann überdenkt er vie Wünsche und Notwendigkeiten, die sich aus der in der Umgebung ansässigen Bevölkerung zwangsläufig ergeben. Das Programm wird sich heute fast immer ähneln. Vor allem müssen große Spielwiesen gefchasfei, werden, Sport- und Spielplätze, Sandkästen für die Allcrkleinsten, Plansch- decken mit großen Sandflächen, Luft- und Sonnenbäder. Auch ein schöner Blumengarten darf nicht fehlen. Kleine Gebäude, etwa eine Milchhalle oder eine Umklcidehalle für die Sportler, ein Radio- toutsprecher auf einem Konzertpatz und vielleicht eine Blumenanlage oder ein kleines Dogslhäuschen müsssn in die, Anlagen geschickt ein- gegliedert werden. Wie er nun diese einzelnen Teile zu einem rhythmischen Ganzen zusammenfügt, so daß sich das eine aus dem andern wie zufällig intwickelt, und sich doch wieder auf einer harmonischen Gesamllinie findet, ist schwer zu beschreiben, denn hier entscheidet die künst» lerische Befähigung, der Einfall, die Idee allein. Ist alles genau aufgezeichnet, dann skizziert er wohl zum besseren Verständnis noch einige besonders anziehende Bilder des Zulunftsparkcs. Damit i/t die eigentliche Entwurfstätigkcit beendet Bei solchen Hochbauten ist es erklärlich, daß die alte Bauweise immer mehr verschwindet und man versucht, die Mauerung auf ein Minimum zu beschränken und statt dessen dünne, isolierte Metall- platten, insbesondere rostfreien Stahl zu verwenden. Ferner weiß der Verfasser von phantastischen geplanten Bauten auf der Chikagoer Weltaus st ellung zu berichten, die ganz mit farbigen Stahlplatten verkleidet werden sollen. Diese Gebäude erhalten ausschließlich künstliche Belichtung und Belüftung und werden deshalb keine Fenster haben. Des Nachts fallen die nüch- ternen Wände durch Scheinwerferbeftralstung vrkibfcht weerdn. Der Eindruck wird noch erhöht, wenn man liest, daß neuer- dings«ine Ganzstahl-Hochstraße im Bau ist, die i n e i n c r Breite von 18 Metern und 7)4 KilometerLänge den Automobilverkehr zwischen der City von New Jork und den oberen Stadtteilen, den Wohn- vierteln, ausnehmen soll. Wesentliche Ersparnisse an Zeit und Arbeitslöhnen verspricht man sich serner bei der Verwendung von Stahl im Kl ein wo h- nungsbau. So konnte durch einen Stahlhauskonstrukteur ein 2!4!stöckiges Stahlskelettwohnhaus in Forest Hills mit 4 Arbeitern ohne befondere Hilfsmittel in 3 Stunden und 20 Minuten montiert werden. Das. Buch gibt dann noch die neuesten Methoden der Stahl- Herstellung in Amerika an und zeigt die wachsende Verwendung von Stahl in vielen anderen Industrien auf. Der Text wird durch viele gute Bücher und Zahlen ergänzt, sodah das kleine Werk jedem technisch interessierten Arbeiter empfohlen werden kann. Aus dem Inhalt sprechen die Erfahrungen eines Fachmannes, der aus seinem Gebiete sehr viel Neues und Interessantes zu berichten weiß, ohne daß er tiefer in die wirtschaftlichen und sozialen Probleme Ameri- las eingedrungen ist. und die t e ch n i s ch e Arbeit beginnt. Es muß eine genaue K o jt e n b e r e ch n u n g und ein Arbeitsprogramm auf- gestellt werden. Die Mengen des benötigtsn Düngers, der Wege- schlacke, die Zahl und Art der Pslanzen. die zu transportierenden Erbmassen u. a. m. muß errechnet und kalkuliert, die zur Ausführung der Arbeiten notwendige Arbeitszeit geschätzt werden. Der gesamte Bau des Parkes wird van Anbeginn bis zur Fertig- stellung sozusagen theoretisch abgewickelt. Viele Tage vergehen darüber, immer werden die Vorschläge noch einmal nach allen Seiten auf Verbesserung und Bcrbilligimg und reibungslose Abwicklung der Arbeiten geprüft, bis alle Möglichkeiten erschöpft sind. Liegt nun alles wohlgeordnet und vorbereitet zusammen, dann schaut der Gartenarchitekt öfter einmal nach der Witterung, läßt sich Wetterberichte kommen und studiert sie eifrig. Endlich aber ist der Tag gekommen, an dem das Signal gegeben wird: Wir fangen an! Wochen angestrengtester Arbeft und voller Verantwortung folgen, tausend fleißige Hände regen sich und auf dem Bauplatz und im Büro summt es wie in einem Bienenkorbe. Langsam formt sich der neue Volkspark aus dem ehemaligen Brochland seiner Be- stimmung entgegen: Eine Stätte der Freude und Erholung für Jung und Att zu werden. Und wenn dann die Menschen fröhlich und heiter dahin pilgern, steht der Gartenarchitekt in einem stillen Winkel und ist beschenkt durch dos Deglückende seines Berufes: Diener am Volk-wohl sein zu können, Sellin sendet: Deutsch für alle ßine schlechte De-povtage Em Dichter wurde 60 Jahre alt, ein Mann, der uns mit seinem Werk mehr geschenkt hat als nur Kunst um der Kunst willen, und der seiner Zeit auch in Zukunft noch manches zu sagen haben wird: Heinrich Mann. Sein Geburtstag wurde an vielen Orten, wo die Geistig'eit eine Stätte hat, festlich begangen, und manches gute und kluge Wort ist dabei über diesen strengen Menschheitskritiker und zukunftsglöubigen Menschenfreund gesagt worden. Die Funk- stunde hatte ihm eine Geburtstagered« von Gottfried Venn bestellt. Venn ist Lyriker, und als dieser hat er das Recht, sich als Mittelpunkt einer Welt zu fühlen, feine Erlebdisfähigkeit als den einzigen Spiegel alles Seins, seinen Begriffskreis als die einzige Ausdrucksmöglichleit olles Geschehens zu empfinden: denn alles lyrische Schaffen ist egozentrisch, Jch-betont. Aber In dieser Red« zu Heinrich Manns Geburtstag interessierte den Radiohörer der Lyriker Gottfried Venn nicht Im allergeringsten. Venn jedoch zeigt« in ihr nur sein eigenes Gesicht: er spiegelte sich in dem Werk dessen, den zu feiern er vorgab und den er der Meng« unter einem Wust hochtrabender Fremdwörter verhüllte. Es ist anmaßend, vor einer Millionenschar sich einer Sprache zu bedienen, die nur einige Hundert oerstehen. Venn hat schon mehrfach bewiesen, daß er kein Rundfunkredner ist, der einer großen Hörerschar etwas zu sagen hat. Es ist daher unverständlich, daß man ihm diesen wichtigen Bortrog anvertraute. Diese verunglückte Geburtstagsrede zeigte, daß immer wieder der Name des Vortragenden von der Funkstund« für wichtiger behalten wird als feine Ausführungen, und daß die Bedeutung der sprachlichen Gestaltung für den Inhalt eines Vortrages nicht genügend erkannt ist. In fast allen Fällen liegen den maßgebenden Funkstellen die Manuskripte der angeforderten oder eingereichten Vorträge vor. Kein Redakteur würde einem Mitarbeiter, in dem er nicht nur«In« dekorative Gestalt, sondern einen tatkräftigen Mithelfer an seinem Werk sieht, solche Sprachschnitzer durchgehen lasten, wie sie leider in den Funkvvrträgen noch fast alltäglich sind. Freies Sprechen nur an Hand von Stichworten oerträgt gelegentliche Entgleisungen viel eher, weil es— von seltenen Ausnahmen abgesehen— fast immer lebendig, als unmittelbarer Ausfluß des Gedankens wirkt und den Hörer zu diesem hinzwingt, ohne ihn für das Nebenher des Sprach- und Satzbaues zu interessieren. Der wohlausgear» beiteteVortrag aber wird abgelesen. Lückenlos reiht sich Wort an Wort, Satz an Satz. Wo im gesprochenen Vortrag vielleicht eine natürliche Sprechpaus« einen Gedanken heraushebt, muß er hier von klarem Schriftdeutsch emporgetragen werden. Kanu im ersten Fall eine plötzlich die Rede abstoppend« Begeisterung, ein jähes Suchen nach dem besten, treffendsten Ausdruck uns birweilen einen Wert deutlicher machen als die schwungvollste Sprach«, so überzeugt uns im zweiten gerade die Selbstverständlichkeit, mit der dem Vortragen- den dafür klare, treffende Wendungen zuzufließen schienen. Aber die am lausenden Band der sogenannten ,. Umgangssprache* produzierten Phrasen werden noch recht ausgiebig für solche schrift- deutschen Funkvorträge bezogen. Man sollte gegen solch« Vorträge von vornherein mißtraustch sein. Denn alle dies« beliebten Wen- düngen sind im Grunde doch nur Worte, die Begriffe vortäuschen fallen, aber kein« darstellen. Gewiß kann man gelegentlich« flüchtige Satzfüllsel übersehen. Aber wer mit„i r g e n d w t«* und. i r g« n d- w o* und„irgendwann* und„letzten End«»* Stimmung»- Malerei treiben will, drückt schon dadurch feinem Bortrag den Stempel der Unklarheit auf. auch wenn man über„glatt und rund' und „einige wenige* verzeihend hinwegsieht. Sämtliche Wen- düngen sind einem einzigen Vortrag entnommen, der im Programm der Deutschen Well« über ein Gebiet der deutschen Literatur gehalten wurde, und der sonst sprachlich durchaus nicht unter dem funküblichen Durchschnitt lag. Name und Thema des Vortragenden tun hier nichts Zur Sache: wichtig ist nur, daß laut Ankündigung die Ausführungen eine Beziehung zum täglichen Leben suchten. Das war eine Vorspiegelung falscher Tatsach««: die Darlegungen bewegten sich in den Sphären nebelhafter Remontik und blickten von da aus auf die Ihnen verschleierte Wirklichkeit herab. Da» einzige Ergebnis, das sie dem aufmerksamen Hörer brachten, war die Erkenntnis, daß sich letzten Endes irgendwie immer irgendwo und irgendwann mit einigen wenigen Gedanken über Literatur glatt und rund ein Dortrag halten läßt. Was aber eigentlich nicht zu beweisen war. » Von der letzten Fahrt HermannMüllere brachte di« Funk- stunde einen kurzen Hörbericht. Am Mikrophon stand«in Sprecher, der über eine gute Kenntnis politischer Persönlichkeiten verfügte und der daher imstande war, sie im Trauerzug zu erkennen und den Hörern namhaft zu machen. Doch von der schmerzlichen Gewalt, di« von dieiem unabsehbaren Auge ausging, von dem erschütternden Eindruck, den er auf jeden Beschauer ausübte, wußte der Reporter nichts zu sagen. Er zählte durcheinander wesentliche und unwesent- liche Einzelheiten aus, erwähnt« flüchtig, daß die alte Mutter des Verstorbenen von einem Ballon aus auf den Leichenzug herabblicke, schien selber unberührt von dem tragischen Bild, das die Fünfund- achtzigjährig« bot. Bei den Feiern anläßlich von Hlndenburgs Geburtstag wurde von deni Platz vor dem Reichstag ein« Repor- tage gesendet. Damals, in Erwartung des Erscheinens von Hinden- bürg, füllte Alfred Braun einige Aeit damit aus, daß er beschrieb, wie die Pferde der berittenen Schußpoltzei unruhig zu werden begannen. Natürlich'hätte es auch Irgend etwas anderes zu berichten gegeben, aber die Schilderung dieser nervös tänzelnden Pferde vermittelte etwas von der heiter erwartungsvollen Spannung, mit der man auf den alten Reichspräsidenten harrte. Bei dem Vor» beizug des Trauergeleites von Hermann Müller aber die Hörer mit einem solchen Bericht über die Bewegunoen der Pferde unterhalten zu wollen, wirkte fast als Taktlosigkeit. Daß die„Roten Fal-ken* in ihren blauen Kitteln mit dem roten Abzeichen von dem Bericht- erstatter für Vfadsinder gehalten wurden, war schließlich nur eine kleine Entgleisung. Di« Funkstunde hätte sich selber geehrt, wenn sie von dem letzten Wege de» verdienstvollen Staatsmannes, des Menschen, der sein gan-es Tun und Denken seinem Volk gewidmet hatte,«inen würdigen Bericht übermittelt hätte Tes. SlecIsfsfFczgrezx des Tages Wann ist Fvlslselxung notwendig? Ein Mühlenbesitzer hatte von einem Landwirt«inen Waggon Roggen zu einem fest vereinbarten Preis« gekauft, der nach der Ernte geliefert werden sollte. Kurz nach Abschluß des Vertrages stieg der Roggenpreis und der Mühlenbesitzer dachte mit Befriedi- gung feines festen Abschlusses, wonach er den Roggen noch zu dem niedrioen Preise erhakten mußte. Nach der Ernte wartete er indes von Woche zu Woche auf de» Eintreffen de» Waggons und mahnt« den Landwirt mehrmals, di« Lieferung zu beschleunigen. Da er hierauf keine Antwort erhielt und e» den Anschein hatt«, als ob der R.ogaenpreis weiter steigen würde, schrieb er an den Landwirt, er sähe sich genötigt, sich nunmehr anderweit einzudecken. er würde aber den Landwirt für den ihm durch Zahlung der höheren Preise«ntstehenven Schaden haftbar machen. Aber auch hier- auf erhielt er� keine Antwort. In dem Bewußtsein, alles nötige getan zu haben, sich vor Schaden zu bewahren, kaufte er nun den Roggen anderweit und erhob Klage gegen den Landwirt auf Er- staUung der von ihm gezahlten, über den vertraglich festgesetzten Preis hinausgehenden Summe. Die Klage wurde abgewiesen. Warum?! Der Mühlen- besitzer hatte die Bestimmungen des Z 326 des Bürgerlichen Gesetz- buches nicht gekonnt oder jedenfalls nicht beachtet. Er hätte, da der Landwirt keinerlei Erklärung abgegeben hatte, diesem eine an- gemesiene Frist zur Bewirtung der Leistung bestimmen müssen mit der Erklärung, daß er nach Ablauf der Frist die Annahme der Leistung ablehne. Erst nach Ablauf dieser Frist war er berechtigt, Schadenersatz wegen Nichterfüllung zu verlangen. Hätte der Landwirt zum Ausdruck gebracht, daß er die Be- Wirkung der Leistung ernstlich verweigere, so hätte es der Fristsetzung nicht bedurft. Da der Landwirt aber auf olle Zuschriften ge- schwiegen hatte, also aus seinem Verhalten nicht zu ersehen war, ob er den vertrag erfüllen würde oder nicht, so mußte ihm der Mühlen- besitzer zunächst die nach lj 326 gebotene Frist zur Erfüllung des Vertrages bestimmen, um nach Ablauf dieser Frist seine Schadens- ersatzansprüche wirksam durchführen zu können. Anders lag folgender Fall: Ein Kaufmann hatte mit einem Strumpffabrikan- t e n eine große Lieferung von etwa 1000 Dutzend Paar Strümpfen abgeschlossen: der Preis wurde bei dem Umfang der Bestellung auf 16 M. pro Dutzend vereinbart. Die Lieferung sollte auf fort» laufenden Abruf erfolgen: ein Zeitraum, innerhalb besten die Ware abzurufen sei, wurde nicht bestimmt. Der Geschäftsgang war indes nicht so rege, wie die Parteien wohl bei Abschluß des Ver- träges angenommen hatten, so daß der Abruf der Waren langsamer erfolgte, als der Strumpffabrikant erwartet hatte. Nachdem er daher etwa die Hälfte der Ware geliefert hatte, erklärte er, daß«r z u dem vereinbarten Preise nicht weiter liesern könne, er müsse die Lieferung einstellen, wenn ihm nicht 2 M. mehr, also 12 M. pro Dutzend, bewilligt würden. Der Kaufmann lehnte dies ab und erklärte, daß er sich die Ware anderweit beschaffen und den Fabrikanten für den ihm entstehenden Schaden ersatzpflichtig machen würde. Er ist dann auch mit semer Klage durchgedrungen. Das Reichsgericht folgte der Reichsgerichtsentscheidung, wonach es keiner Fristsetzung bedarf, wenn der eine Vertragsteil an Be- Wirkung der Leistung unzulässige Bedingungen knüpft, was dann der Erfüllungsverweigerung gleichsteht. In dem Verlangen eines höheren Preises, von dem der Fabrikant die Weiterlieferung abhängig ge- macht hatte, sah das Gericht eine solche unzulässige Bedingung. Hier brauchte also im Gegensatz zu dem ersten Fall keine Frist gesetzt zu werden. Xsargaretd« Falkenfeld. Wlelnberg:» SDic europäische Nuttun der Weusell Die Notwendigkeit geschichtlicher Selbstbesinnung ist aus dem Wesen des marxistischen Sozialismus nicht wegzudenken. Wenn wir die Zukunft gestallen wollen, müssen wir die Gegenwart scharf bestimmen können und auch die Gegenwart erfasten wir nur dann richtig und fügen uns handelnd In sie«in, wenn wir die Vergangen- hell, unsere Werdenegeschichte kennen. Dabei ist es nicht immer leicht, der Gefahr der Historisierung, b. h. der Ge schichte schreibung lediglich um t«r Geschichtsschreibung willen, zu entgehen. Wenn Alfred Kleinberg in seinem neuen Werk„Die europäische Kultur der Neuzeit, Umrihlinien einer Sozial- und Geistesgeschichte*(Verlag Teubner, Leipzig 1931, ge- bunden 7,20 M.), die europäische Kulturgeschichte vom dreizehnten Jahrhundert bis zur Gegenwart darzustellen unternimmt, dient er damit dem Leben, hilft er dem um die Erkenntnis geschichtlich-gesell- schaftlicher Zusammenhänge Bemühten sich in der Fülle dieser Jahr- hundert« zurechtzufinden. Es ist schwer, auf zweihundert Druckseiten auch nur die..Umrißlinien* der europäischen Kullurgeschichte zu ziehen, wenn man Vollständigkell erstrebt, w'e es Kleinberg versucht. Wirtschaft, die großen politischen Ereignisse, Technik, Naturwissen- schast, Philosophie, Musik, Malerei, Literatur, Erziehung in jeder Epoche dieser Jahrhundert« mit ungefährer Gleichmäßigkeit zu umreißen, stellt an den Verfaster und an den Leser große Anforderungen: denn der Umfang dieser Gebiete ist«nzyKopädisch und«s ist fast unmöglich, alles quellenmäßig zu beherrschen. Trotz dieser Schwierig- kciten stt es dem Verfaster zweifellos gelungen, den Gefamtzusammen- hang der europäischen Kullurgeschichte einheitlich zu gestalten, weil er einen festen Bezugspunkt hatte: die um chr« Befreiung kämpfend« Arbeiterklaste. Blickt man jedoch von Klcinbergs Gesamtdi-positwn in di« Einzelheiten, so ließe sich z. B. einwenden, daß die ersten drei Jahr- hunderte der neueren Geschichte(bis 1666) im Vergleich zu der späteren Zeit entschieden zu knapp gefaßt sind. Kleinberg drängt di« i Entwicklung vom Ausgang des Mittelalters bis zur Mille des sieb- zehnten Jahrhunderts auf 22 Seiten zusammen. Damll werden die Uebergangsprobleme vom Mittelalter zur Neuzeit, die für eine tiefere Bewährung der historisch-materialistischen Geschichtsausfastung so entscheidend sind, kaum berührt. Aehnlich steht e» mit dem Schlug- kapitel, welches die Epoche feit etwa 189S bis zur Gegenwart auf- zeigen soll. Der Weltkrieg mit seinen Folgen bedeutet doch einen Einschnitt, einen entscheidenden Wendepunkt in der Entwick- lungsgeschichte der modernen Welt. Die eigenständig« Struktur unserer Gegenwart ließe sich, scheint mir, doch schon bestimmter fassen als es Kleinberg gelingt: ,„.. das Vor. und Beiläufige unserer Gegenwart weckt bestenfalls technisches Können, Ordnungssinn und kühle Stoffbeherrschung, aber keinen Aufschwung, keine Hingab« und keinen Glauben.* Unsere Gegenwart ist nicht erst reif zum Neubau. vielmehr baut sie schon— allenthalben. I. P. Mayer. Glück haben— Hebuugsfache? Jawohl,„Glück haben— U« b u n g s sa che!* nennt Dr. med. E r n st R o t h e ein in Max Hestes Verlag, Berlin-Schöne- berg, erschienenes Buch, und er bemüht sich, den Beweis dafür zu erbringen, daß man, wie den Leib, so auch die Seele und das Gemüt trainieren und zu immer vollendeteren Formen der Leistungsfähigkell bringen kann. Der Charakter, sagt Rothe, ist die Summe unserer psychischen Eigentümlichkeiten, die sich etwa als Angst, BildungÄ>rang, Demut, Dünkel, Ehrgefühl, Eifersucht, Freihellclieb« usw. äußern. Aber alle diese Qualitäten und Mißqualitäten(und mithin auch der Charakter im ganzen) lasten sich, durch geeignete Methoden, die dann mitgeteilt werden und die von der Atemlehre bis zu Couös Auw- suggestion und Freuds Psychoanalyse reichen, entweder weiter her» ausbilden oder eindämmen. Es kommt, nach Roche, nicht so sehr auf die Höhe der vorhandenen Glückswerte an, als auf die Ein- ftellung zu ihnen. Glück mag etwas Objektives sein, Glückegefühl ist ihm etwas Subjektives. Auch Erziehungsregeln gibt der Autor, die etwa mit den Reformbestrebungen unserer modernen Pädagogen übereinstimmen. Das Buch ist amüsant und leicht geschrieben und wenn in ihm di« Maßnahmen, die in der Macht des einzelnen liegen, um zu größerer Lebensfreude zu gelangen, auf Kosten der kollektiven Maßnahmen, auch zweifellos überschätzt werden, so liest es sich doch mit Gewinn. Hans Bauer. WAS DER TAG BRINGT ■naiuiinimiiiiiuiuiiiiminniiiiiiiimninitiiiiiiiiimiiunnmnniiiiiiniiiniMiiiiiiinuiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiHiiiiiiiiiiiiuiiiHiiiiiiiHiiiiiimnHmiiNiiiiiHiNi! ERZAHLT VOH YORICK Die Klage der siamesischen Zwillinge Manchmal, in Kabaretts und Dariätes,.sieht man auf der Bühne körperlich Anormale, etwa Liliputaner; und es ist wohl bei jedem Gesunden die Schaulust beeinträchtigt durch ein peinliches Gefühl des Mitleids: vielleicht bedeutet für diese, die in den selbstverständ- lichen Ablauf des Lebens nicht eingereiht sind, solch ein Agieren- dürfen vor den Normalen den einzigen Ausgleich, sowohl in seeli- scher wie in wirtschaftlicher Beziehung. Da berührt es denn fast grausig, wenn man jetzt von der Klag« der„Siamesischen Zwillinge* liest: diese aneinandergewachsenen beiden Schwest.rn, die den Umkreis ihres Lebens im Darietö sehen müssen und Gagen von 14666 M. für di« Woche bewilligt bekommen— diese armen Wunderwesen leben als Sklaven. Im Londoner Elendsviertel wuchsen sie auf, ihre Mutter hatte sie an«ine Amme verkauft, und als die starb, hinterließ si? die Zwillinge ihrer Tochter, wie man «in« Ware hinterläßt. Die Tochter heiratete einen Mr. Rothbaum, und dies Ehepaar lebt seither von den phantastischen Gagen der verwachsenen Mädchen, indes die Verdienenden selbst nur das zum Leben Notwendigste bekommen. Nun haben die Mädchen, wohl bei irgendeinem Anlaß, der ihnen ihr Los besonders unerträglich erscheinen ließ, Mut gefaßt und haben vom Gericht die Bestellung eickes Verwalters erdetem Mister und-. Miß Rothbaum aber stehen Im harten Scheinwerferlicht der Oeffentlichkeit— und der Mensch fragt sich erstaunt, wovor menschliche Gemeinheit eigentlich Halt macht.... Der Mann, der vom Selbstmord lebte Vor vielen Jahren tauchte in dem englisäien Städtchen Glau- cester Herr William P r i c e auf— ein wagemutiger junger Mann. Er eröffnete am Ufer des Seoern, an dem Gloucester gelegen ist,«in Bootsverleih Institut. DI« Liebespaare von Gloucester, so rechnete damals Herr Price, würden kommen und Boote mieten und romantisch sein und auf dem Wasser lieben. Ob aber nun den Liebenden das Master zu kalt oder zu Übersicht- stch war— jedenfalls war ihnen fester Boden unter den Füßen auch in den Dingen des Herzens lieber, und Mister Prices Boot« blieben unvermietet. Jahre lang, und der Pleitegeier mischte sich bereits unter die Strandvögel-- da geschah es. Es geschah nämlich, daß die Brück«, die fast über Mister Price» Institut den Seoern überquert«, der Lieblingsplatz der— S« l b st- mörder von Gloucester wurde. Kaum eine Woche verging, ohne daß einer oder eine sich in den Fluß stürzt« auch die ernstesten Dinge unterliegen den Gesetzen der Mode. Und auch dl« ernstesten Dinge können ander« Leute froh machen— so auch die Selbstmörder Mister Price. Denn nach jedem Sturz in die Flut wurden all seine Boote zum Absuchen des Flusses gemietet und, meist aus öffentlichen Mitteln, gut bezahlt. Man tat das um so lieber. als Mister Price, selbst«in vorzüglicher Schwimmer, häufig unter Einsatz seines Lebens, hinterhersprang, um die Lebensmüden zu retten. Freilich gelang das fast nie: Herr Price erklärte, daß der Severn gerade an dieser Stelle besonders gefährliche Wirbel habe, die jeden sofort hinabrissen und nicht wieder empor gäben, es sei denn erst weit unten am Meer. So ging es Jahrzehnte hindurch: Leute stürzten sich von der Brücke, ihre Leichen wurden nie gefunden, ihre Namen nie«rmillelt, welch letzteres sich daraus erNärt, daß es in England keine polizei» liche Anmeldepflicht gibt. Einmal geschah es, daß«in mutiger Polizist sich einer Frau nachstürzte, die eben von der Brücke gesprungen war— er fand die Frau nicht und wurde erst nach längerer Zeit und im letzten Moment von Mister Price gerettet. Mister Price bekam jene englisch« Auszeichnung, die unserer Ret- tungsmedaille entspricht, und jeder gönnte sie ihm: hatte sein Opfer- mut doch wenigstens einmal Erfolg gehabt! Endlich aber beschloß man höheren Ort», gegen das Ueber- handnehmen von Selbstmorden nie ermittelter Personen etwas zu tun. Uno zwar begann man mit einer eingehenden Unter- f u ch u n g. Man brauchte sie aber nicht durchzuführen, denn gleich am Beginn erschien aus der Polizei Mister Price und— gestand. Gestand: daß er selbst e, gewesen sei, der sich allwöchenllich in stets wechselnder Verkleidung in ven Severn gestürzt habe; daß er, da er vorzüglich schwimm«, stets tauchenderweise sein Booteheus erreicht und dort sich abgetrocknet und die Kleider gewechselt habe; daß er anschließeno seine Boote in den Dienst der Rettungeaktion gestellt habe, manchmal auch sich selbst— im allgemeinen ober zu- gesehen habe, wie man ihn suchte, natürlich stets ohne Erfolg: daß er aber nur von den Pfeudo toten lebe, weil er es von den Lebenden nicht könne, und daß er als Belohnung für sein offenes Geständnis auf Straffreiheit rechne. Hatten di« Polizisten nun Humor ooer waren sie so froh, das Rätsel gelöst zu sehen— es geschah ihm wirklich nichts selbst den fast ertrunkenen Polizisten verzieh man ihm. Und somit hat der falsche Lebensretter doch wenigstens eins aufs Trockene gebracht: sein Schäfchenl Wochenragout Nun hat man also nachgemessen, für welch« Tätigkeit der Mensch den größten Aufwand an Energie machen muß. Dabei hat man zunächst herausbekommen, daß man die geringste Energie zum — Denken braucht! Tatsächlich genügt«in Gabelbisten Nahrssoff, um den Energieverbrauch einer ganzen Stunde angestrengter Kopf- arbeit zu ersetzen.— Somit ist es denn endlich heraus, wieso die deutschen Dickster und Philosophen von ihren Einnahmen leben konnten! (Es ist kaum zu glauben: aber es gibt ein deutsches Tanzlokal, das keine Lergnügungesteuer zu zahlen braucht. Jetzt hat es Ihm ein hoher Bezirksausschuß sogar ausdrücklch bestätigt. Es handelt sich um«inen Ost siedampfe r. Auf ihm veranstaltet der Ree' er Tanzvergnügungen, und die Stadt Stettin wollte diese �äll« besteuern. Slber der Reeder wandte ein, daß die Veranstaltungen erst auf h o h e r S« e beginnen, und bekam recht!— Wie wir jedoch erfahren, wären Tanzveranstaltungen etwa auf dem Müggelsee nicht steuerfrei! % Montaö ü mäST Nr150 30. Mörz 1931 p||B| D» 48. Jahrgang Das Stratosphärenflugzeug NadilantfenSfndienwfrdjelzt ein soldiesfMeaääeüanf/DcrKUnsfiidi ernährte Nolor, der Nensdi in der lultkammer/ In 10 Sfundcn nadi New ¥orK? Kaum haben wir gelernt mit Ballons und Fiugmwschinen in den unteren, dichtesten Teil der Lufthülle einzudringen, da streben die Flieger auch schon wieder höher. Die Wolken stören, der Sturm hindert und man möchte vor den Unwettern, die hier drohen, flüchten in eine ander«,' freier« und schönere Welt, der die Wissenschaft den Namen„Stratosphäre" gegeben hat. Hier herrscht ewiger Sonnenschein und fast völlige Windstille, hier finden wir allerdings auch mörderische Kälte von 70 bis 80 Grad und eine Luft so dünn, daß Menschen in ihr nicht existieren können. Wer es sind ja immer die Schwierigkeiten, die den Menschen locken und daß die Stratosphäre — wenn man der technischen und physiologischen Schwierigkeiten Herr werden sollt«— der ideal« Flugraum ist, dos ist sicher. Es gab in den letzten Jahren zahlreiche Pläne in das obere Stockwerk unserer Lufthülle vorzudringen. Am meisten machten die Raketenfahrer von sich reden, die aber heute wohl weiter von der Erfüllung ihrer Träum« entfernt sind denn je. Aber es gibt eine Möglichkeit: das Stratosphärenflugzeug. Man kann nämlich auch mit gewöhnlichen Flugzeugen in die oberen Luftschichten gelangen, wenn man dafür sorgt, daß Mensch und Motor mit der Luft, die sie notwendig brauchen, künstlich versorgt werden. Ein solches Höhenflugzeug wird zurzeit bei der Firma Junkers gebaut, und zwar in Zusammenarbeit mit der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt. Sein Konstrukteur, Dipl.�Jng. A. Hansen, hofft, alle Schwierigkeiten, die sich bisher dem Höhenflug entgegenstellten, grund- sätzlich überwunden zu haben. Zunächst die Versorgung des Motors mit Luft: Mit der Lustdichte sinkt gleichzeitig auch die normal« Leistung de« Motors. Man muß ihm also Lust von normaler Duhte zuführen. Da» soll in dem geplanten Höhenflugzeug durch«in Turbogebläs« geschehen. Um das zu betreiben, nützt man die Energie der Auspuffgase aus. Die Auspuffgas« verlassen den Motor mit einer Spannung von vier Atmosphären. Hansen will mit den Abgasen eine Turbine betreiben, die wiederum das Lustgebläse für den Motor betätigt und auf diese einfach« Werse den Energiehaushall ins Gleichgewicht bringt. Für den Luflbedarf des Menschen wird durch eiae luftdicht abgeschlossene Kammer gesorgt. Führer und Passagier« werden sich darin bei künstlich normal gehaltenem Lustdruck gefahrlos bewegen können. Welch«ine Fülle von technischen Schwierigkeiten mußte überwunden werden, bi» ein« solch« brauchbare.Hohenkammer" fertig gestellt werden konnte. Allein schon die Abdichtung ist eine komplizierte Aufgabe, weil ja von " innen Motor, Steuerung und Instrumente bedient werden müssen. Aber sekbst wenn alle diese Schwierigkeiten überwunden sind und das Stratosphärenflugzeug startbereit ist, dann beginnen neue Problem«, deren Umfang wir noch gar nicht kennen. Noch wissen wir nicht, welche Strahlungen dort oben die Maschine und die Menschen treffen«erden. Di« Himalajaexpeditionen haben gelegentlich d«r Der- suche den Mont Everest zu besteigen, bei längerem Auftnthalt in den Hochregionen starke Hautverbrennungen und Vorboten des Sonnen st ichs beobachten können und welch« elektrischen Er- scheinungen dort oben zu erwarten sind, das können wir gleichfalls nur vermuten. welche vorkeile bringi der Skrakosphärenflug? Vor allem natürlich die völlige Unabhängkeit vom Wetter. Denn in den oberen Luftschichten gibt es kein„Wetter", dort oben ist auch der Gchall der Luft an Wasserdampf so gering, da sich kein Nieder- schlag bilden kann. Das Stratosphärenflugzeug ist vor dem gefürchteten Feind der Ozeanslieger, der Vereisung gesichert. Der wichtigst« Vorteil des Höhenfluges ist aber die Möglichkeit, große Geschwindig- t«iten zu erreichen. Infolge des geringeren Luftwiderstandes würde eine Flugmaschine, die etwa in 16 Kilometer Höhe fliegt, bei gleicher Geschwindigkeit einen well geringeren Brennstoffverbrauch haben, bei gleichem Brennstoffbedarf, also eine wesentlich höhere Ge- schwindigkeit erzielen. Dadurch wird der Aktionsradius ganz erheblich größer. Flugzeuggeschwindigkeiten von Sl>0 Kilometer und darüber, wie sie bisher vereinzelt bei dem Kampf um den Schneiderpotai schon erzielt worden sind, würden beim Stratosphärenflug als normal« Geschwindigkeiten gellen müssen, das hieße aber, daß man vom Morgen bis zum Abend von verlin nach New Jork fliege» könnte. Ein nicht zu unterschätzender Dorteil ist es noch, daß das Höhenflugzeug selbst bei Molordefekten sich seinen Landungsplatz aussuchen kann, denn aus diesen Höhen kann es mchr als 100 Kilometer Gleitflug machen. Mit Spannung wird jetzt also die technische Well dem ersten Start zum Stratosphärenflug entgegensehen. Vielleicht ist der lO-Stunben-Flug über den Atlantik nur noch«in« Frage von wenigen Jahren, vielleicht nur von Monaten. Dr. L. Steinberg. Flugzeuge auf Tage, Wochen usw. England, das Land des Sports, hat di« größte Zahl an Sport- f lugzeugen In privatem Besitz, der Flugsport steht dort in seiner Blüte, denn leder, der während des Krieges fliegen gelernt hatte oder sich in der Nachkriegszell dem Flugsport zuwandte, besitzt den Ehrgeiz, ein eigenes Flugzeug xa unterhalten Wie bei uns, wirkt sich auch in England die Weltwirtschastskrif« stark aus, so daß es Dielen nicht vergönnt ist, ein eigenes Flugzeug zu besitzen Diesem Uebel hilft jetzt die britische Sport Flugzeugsabrik, die de Havilland Company, ab Genau so wie bei uns und anderwärts Auto» auf Stunden, Tage, Wochen und Monate geliehen bekommt, genau so verleiht diese englisch« Firma jetzt ihre bekannte Sport- type„Moste" an die Sportslcute. di« kein eigeixs Sportslugzeug haben. Sie Flugzeuge, in«iner besonderen Serie heigestellt, also kein« alten, überlebten Maschinen, sind mit allen Anforderungen der modernen Technik wie Spaltslügel, Kompaß, Bordtelephon versehen und tosten eine monatliche Miete von 66' Psund. Versicherungen werden vom Vermieter getragen. Niacht ein solcher Vogel Bruch, so hat der Pilot nur für einen Schaden bis zur Höchstgrenze von 26 Pstind Ersatz zu leisten. Interessant ist, daß sich der Mietpreis nach einer Benutzungsdauer von 6 Monaten um 16 Pfund ver- billigt. Mehr kann man wirklich nicht verlangen, wenngleich sich der Leser beim Berechnen der Preise selber sagen wird, daß das Ausleihen von Sportflugzeugen immerhin für den Geldbeutel der arbeitenden Klasse nicht in Frag« kommt, so gut die Idee ist. W. H. Methan statt Benzin Auloinobilinoioren werden mit Gas gespeist Die Dersuche, Benzinmotoren in Automobilen mll verdichtetem Methangas, das in Etahlflaschen mitgeführt wird, zu betreiben. haben in neuerer Zeit zu guten Resultaten geführt. Wie die Zeitung des Verbandes Deutscher Ingenieure mitteilt, ist der Betrieb der Motoren mll Methan, was den Preis des Gases, das bekanntlich bei der Zerlegung von Koksosengas in großen Mengen anfällt, anbetrifft, sehr wirtschaftlich. Die Schwierigkeit besteht allerdings immer noch in der Mitführung des Gases auf dem Wagen in schweren Stahl- slaschen. Das Methan kann ohne irgendwelche konstruktive Aende- rungen am Motor benutzt werden. Sell einem Jahr arbellet die Concordia-Bergbau-A.-G. in Ober- Hausen mll einem Lastwagen von 4% Tonnen Tragfähigkeit, der mit Methan in der geschilderten Weift betrieben wird. Der Wagen führt das aus"! 56 Atmosphären oerdichtete Methan in Stahlflaschen mll, wobei die hohe Tragfähigkeit des Lastwagens die Mitführung mehrerer Stahlflaschcn gestattet. Durch eine einzige Ueberwurf- mutter wird immer jeweils eine Stahlslasche an den Motor an- geschlossen, wobei natürlich der bei Benzinbetrieb notwendige Der- gaser sortsällt. Es hat sich gezeigt, daß bei einer Geschwindigkeit von 26 Kilometerswnden 6.85 Kubikmeter Methan gleich einem Liter Benzol zu setzen sind. Die hohe Verdichtung des Gases in den Stahl- flaschen gestattet also immerhin eine verhällnismäßig lange Betriebs- zell mit dem Gas. Es hat sich auch gezeigt, daß bei Methanbetrieb die Auspuffgase völlig frei von Kohlenoxyd sind, weil Methan selbst ein Kohlenhasserstosf in ziemlich reiner Darstellung ist. Für den Betrieb von Personenwagen kommt die Mitführung der schweren Stahlflaschen gegenwärtig noch nicht m Frag«. Methan, das unter der landläufigen Bezeichnung Sumpfgas oder Grubengas besser bekannt ist, ist der einfachste Kohlenwasserstoff, der aus einem Atom Kohlenstoff und vier Atomen Wasserstoff sich zusammensetzt. E» ist außerordentlich leicht brennbar, mit Luft Semischt sehr explosibel und führt in Gruben oft zu schweren Explosionen. ♦ Die Dersuche, Automobile mit Methan zu betreiben, reichen in Deutschland bis in die Kriegszeit zurück. Als damals das Benzin sehr knapp war, oersucht« man Lastwagen mit kleinen Generatoröfen auszustatten, die. mll Koks beheizt, da» Methan an Ort und Stelle erzeugten. U«ber ein« Reinigeranlage wurde das Methan dann dem Motor zugeführt, der es explosibel verarbeitete. Die Versuche sind damals in den Anfängen stecken geblieben, doch nie aufgeg«ben worden. Auch heute kann ein Glückskind gelegentlich noch Lastwagen- automobile beobachten, die einen solchen Generatorofen an Bord haben. Der Betrieb ist zwar wesentlich billiger, dafür aber bedeutend umständlicher als der mll Benzin oder anderen flüssigen Treibstoffe». Ein neuer Hilfsmotor für Sporiboole Segel-, Ruder- und Paddelbootbesitzer wird es interessieren, daß jetzt«ine Firma einen neuen Hilfsmotor herausge- bracht hat, der die Motorentechnik auf eine völlig neue Basis stellt. Es handelt sich um einen kleinen 5?S leistenden Hilfsmotor, der nicht mehr mit Benzin gespeist wird, sondern wieder zur Erzeugung von Kraft durch hochgespannten Dampf zurückkehrt. Im Grund« ist es«ine kleine Dampfmaschine, die sich aber Güterwagen aus einem Stück Eine rheinitche Waggonbaiunstelt hat otm den N icderlandischen Eisenbahnen einen Auftrag auf Herstellung oon sechzig Wagen erhalten, die gänzlich gesdimeipi sind, so daß sieh daran also kein einziger Niet oder Nagel befindet Durch diese neuartige Konstruktionsmeise mar es möglich, eine Gemidiiaersparni» oon 40 Zentnern Je Wagen zu erzielen, wobei die Siabüit&i sogar noch vergrößert merden konnte. Die Gesamtmagenlänge beträgt 15 Meter; die einzelnen Entladeklappen sind 674 Meter lang und 2,61 Meter breit. Die Entladung des 100 Kubikmeter fassenden Wagens geschieht durch Druckluft von der Ie>ko- motive aus, und zmar so, daß ein gesamter Wagenzug auf einmal zur Entladung gebracht merden kann. Die Wagen sollen zur Midibeförderung dienen alle Fortschritte des Kraftmaschinenbaues zunutze" macht. Der Kessel ist nicht größer als eine Konservenbüchse, die etwa zwei Liter Wasser saßt: die Feuerung steht aus einem kombinierten Spiritus- Petroleumkocher. Die Maschine, die einen Zylinder von nicht ganz 266 Kubikzentimeter Inhalt hat, also fteuer- und Führerscheinsrei ist und mit einem Kickstarter angelassen wird, arbeitet nach dem System der kompresserlosen Dampfturbinen. Sie eignet sich deshalb besonders gut für Sportleute, wetl sie bei 7666 Touren pro Minute eine im Verhällnis zu ihrer Kleinizeit außerordentlich hohe Kraft entwickelt, gleichzeitig aber für den langsamen Gang, der beim Anlegen an Stegen usw. gebraucht wird, bis auf 26 Touren in der Minute herabgedrosselt werden kann. Der Kolben hat Kolbenringe aus Gummi, so daß stets für ein unbedingtes Dichthalten gesorgt ist und Kompressionsverluste nie austreten. Die Kraftübertragung vom Zylinder geschieht auf«inen ganz neu konstruierten Propeller, der eine Kombination zwischen der bisher üblichen Schiffsschraube und einem Schaufelrad darstellt, wie man sie jetzt noch bei Rad- dampsern verwendet. Um auch das letzt« bißchen Kraft des hoch- gespannten Dampfes verwerten zu können, wird der Abdampf aus dem Zylinder in einem„Spanopf" aufgefangen, nochmals komprimiert und dann durch eine raketenähnliche Borrichtung abge- blasen, wobei di« Rückstoßkräfie zum Vorwärtsireiben des Bootes zusätzlich verwendet werden. Man hat sich dabei den neuerdings in Mode gekommenen Vorderantrieb bei Automobilen zunutze ge- macht, indem man di« Raketenvornchtung am Bug des Schiffes angebracht hat. Um die Mitfahrer des Bootes vor Rauch- und Dampfentwicklung zu schützen, ist es allerdings notwendig, sah bei Segelbooten di« Masten hohl angefertigt werden, damit sie gleich- zeitig als Schornstein dienen können. Bei offenen Paddel- und Ruderbooten wird der überschüssig« Dampf und Rauch eigens ton- struicrten Fußstützen zugeleitet, wo er besonders bei kaltem Wetter dafür sorgt, daß die Bootsinsassen warme Füße behalten. Schließ- llch ist der kleine Kessel herausnehmbar gemacht, so daß er bei Be- »ndigung der Fahrt als Teekessel zum Aufbrühen von warmen Ge- tränken benutzt werden kann. Die billige Maschin« kommt von Mlltwoch dieser Woche an zum Bertrieb. Lmjott. *- Technische Neuigkeiten Elektrische Farbenbestimmung. Kleine Farbenunterschiede ein- wandfrei zu erkennen ist von großer Bedeutung für die Farben- industrie, die Textil- und di« Papierindustrie. Neuerdings wird auch hierfür die photoelektrische Zelle benutzt, indem man Zellen koppelt, die beide mit einem im Gleichgewicht befindlichen Strom- kreis in Verbindung stehen. Dieser Stromkreis enthält ein enip- sinnliches Galvanometer, dessen beweglicher Zeiger ausschlägt, sobald der Gleichgewichtszustand gestört ist. Dieser Zustand wird erhalten oder gestört, wenn dn eine Zelle mehr Licht als die andere erhält. Bringt man die. untersuchenden Proben von zwei Materialien (Farben, Papier, Stoff) vor den beiden Zellen an, so fällt das von den Proben reflektierte Licht auf dies« Zellen. Fließt kein Strom, so sind beide Proben gleich, im anderen Fall wird die Galvanometer- nadel einen Ausschlag zeigen, dessen Größe vom Farbeminterschied bestimmt wird. Das aulomalische Tanken. In gleicher Weis« wie man heute durch Einwerfen eines Geldstücks von jedem Fernsprechautomaten sprechen kann, ist es neuerdings möglich, Brennstoff zu kaufen. In den Bereinigten Staaten werden jetzt zahlreiche automatische Tank- stellen eingerichtet. Nach dem Einwerfen der notwendigen Geldstücke wird eine elektrische Pumpe in Bewegung gesetzt, die selbständig die entsprechend« Brennstoffmeng« aus dem Dorratsbehälter entnimmt. » Neue Bücher von der Reichsbahn. Man kann nicht verlange», daß Wbenftehende sich ohne weiteres ein Bild vom Eisenbahnwesen machen, hantelt es sich doch oft um verzwickte technische Fragen. Es muh Gelegenheit gegeben werden, in faßlicher Form Einblick in das Getriebe der Eisenbahn zu gewinnen. Die Deutsche Reichsbahn ist in dieser Ausklärungsarbeit vorangegangen. Ihr Pressedienst hat eine Schriftenreihe unter dem Namen„Bücher von der Reichsbahn" herausgegeben, die in populärer Form einige Hauptgebiete des Eisenbahnverkehrs und-betriebe behandeln. Besonders auch an die Jugend wenden sich diese Bücher und finden dort größtes Interesse. Bereits- im Jahre 1929 sind Bücher erschienen unter dem Titel: „Abfahren"(Bilder vom Bahnhofbetrieb).„Die Reise der Kiste L. K. 221*(Bilder aus dem Güterverkehr),„Signal aus Halt!" (Sicherheitseinrichtungen).„Anschluß verpaßt!"(Entstehung der Fahrpläne). Soeben sind vier weitere Schriften erschienen, und zwar: „Reise bequem!"(Bilder vom Personenverkehr),„Vom Adler zur Z666.l'S.Maschine"(Die Dampflokomotiven der Deutschen Reichs- bahn),„-�BC dü-Vpwh(Die Wagen der Deutschen Reichsbahn), „Täglich 44mal um den Aequalor"(Betriebs- und Vertehrsleistun- gen). Alle Hefte sind herausgegeben vom Pressedienst der Reichs- bahn, Berlin W. 8, Doßstraß« LS, im Verlag E. S. Mittler u. Sohn, Berlin. Der analysierte Kuh Was täten wir ohne die Amerikaner! Sie ergründen die schwierigsten Probleme, schielen mit wissenschaftlicher Neugierde in die dunkelsten Ecken, entdecken die erstaunlichsten Dinge— kurz, sie bekümmern sich um jede Kleinigkeit und zerstören das letzte bißchen Romantik, das in dieser Zeit noch übrig geblieben ist. Mit großem Triumph wird jetzt verkündet, daß ihnen eine unerhörte Kulturtat gelungen sei: Sie haben herausgefunden, wie ein Kuh schmeckt! Der unermüdlich« Forscher, dem diese Tat gelang, ist Professor John H. Foulger von der Medizinischen Universität oon Cincinnatt. Er untersuchte 160 Gramm„Rosenlippen" und fand, daß sie folgendes enthielten: 61 Gramm Wasser, 6,7 Gramm Eiweiß und Globulin, 6,16 Gramm Schleim, 6,34 Gramm Elastin, 33,2 Gramm Collagan, 0,032 Gramm Phosphate, 0,761 Gramm Fette, 0.45 Gramm Kochsalz, 0,04 Gramm Chlorkalium, 0,01 Gramm Kalk und geringere Quanten von Magnesiumoxyd, Eisenoxyd, Aluminiumoxyd und Schweftl.— Da kann einem das Küssen gründlich vergehen. Aber das Problem des Sex Appeal ist aelöst, und der Fabrikation künst- licher Küsse steht nichts mehr tm Wege. Die Redaktion der technischen Beilage hat unser Redaktionsmlt- glied Blax Zaehner übernommen. Zuschriften bitten wir nur an die„Redaktion des Vorwärts, Technische Beilage", zu richten. I '"V f Arbeiter- Serienspiele Fußball/ Handball/ Hockey/ Wasserball Am gestrig«,, Sonntag stellte der Fußballkreismcister, Lucken- walde I, s«in Können wieder einmal unter Beweis. Eintracht- Reinickendorf mußt« die Ueberlegenl�it der Luckenwalder mit 11: 1 anerkennen.— Hertha-Luckenwalde fuhr nach Trebbin, um sich dort eine 9: 3-Niederlag« abzuholen. Die Trebbincr scheinen das Zeug in sich zu haben, allen führenden Bcreinen die Punkt« abzunehmen. — Eiche-Köpenick bereitete dem Bezirk Karow der FTGB. mit 13: 0 ein« sehr hohe Niederlage. Die Karower scheinen sich in einer sehr ernsten Krise zu befinden.— Lichtenberg I mußte gegen Spandau 25 mit 4: 1 geschlagen die Rückreise antreten. Daß nicht nur die Spiele in der Kreisklassc von besonderer Be- deutung sind, bewies der gestrige Kampf zwischen Normania und Oberspree. Die Normannen(früher Lichtenberg II) konnten ihren ernstesten Gegner mit 2: 0 schlagen. Damit halten sie bis jetzt die Führung in der Tabelle.— ASD.-Neukölln konnte gegen 5) erziel de mit 5:2 die Punkts gewinnen.— Eintracht-Spandau mußte den 'Nowaweferu mit(i: 1 die Punkte überlassen.— Sokol-Charlotten- burg gewann gegen Staaken mit 2:1.— Woltersdors schlug Kloster Zinna sicher mit 5: 2. Resultate der zweiten Mannschaften: Normannia gegen Oberspree 3: 1, Kagel gegen Eiche-Köpenick 2: ll, ASV.-Neu- kölln gegen Herzfclde 0: 4, Wcißensee gegen Pankow 3: l>, Trebbin gegen Löwendors 1: 1, Luckenwalde I gegen Treuenbrietzen 1: 0, Borwärts-Wedding gegen Friedenau 1: 3. Jugendmannschasten: Normannia gegen Minerva 2: 1, ASB.-Neukölln gegen Minerva Spiclangebol. Der Berein Dresden-Coswig, 4. Kreis, wünscht Gegner zu Ostern zu sehr günstigen Bedingungen. Fahrgeld pro Mann 2 M., hin- und zurück. Auskunst telephonisch Kreisgeschästs- stelle, Zlmt Weideichamm 4123. Znlernalionaler Fußball. Turn- und Sportverein Rössen(Bez. Halle) gegen Wien- S tadlau 1: S. Vor 1500 Zuschauern zeigten die Wiener, die vornehmlich ein flaches Poßspiel pflegen, ein stets ge- fälliges Spiel. Rössen spielte mit größtem Eifer und konnte bis zum Wechsel der Seiten erfolgreich Widerstand leisten. Nach der Halb- zeit sah man die Stadlauer in glänzender Verfassung, so daß sie noch dreimal erfolgreich sein konnten, dem die Rössener das verdiente Ehrentor entgegensetzten. Handball FTGB.-Nordring ging mit bangen Gefühlen an das Spiel gegen Volkssport Wedding heran, hat aber doch ein ehrenvolles Resultat herausgeholt. Nordring hatte Anwurf, muhte aber den Lall sofort abgeben. Weddings Jnnentrio zeigte eine gute Zu- sammeuarbcit und konnte schon nach fünf Minuten durch den Mittelstürmer das erst« Tor anbringen. Dem folgte bald«in zweites Tor. Nordrings Torwächter bekam reichliche Arbeit, die er meister- hast bewältigte. Allmählich kam jetzt auch Nordring� auf, konnte aber die Werdinger Verteidiger nicht überwinden. Wedding gelang es dann noch durch Halblinks ein drittes Tor zu schießen. Die zweite Halbzeit wurde ebenso wechsclvoll weiter gespielt. Wedding nahm zwischen Halbrechts und Rechtsaußen, eine Um- stellt, ng vor, die sich dann auch auswirkte. In der zehnten Minute konnte Wedding dos vierte Tor buchen, dem der linke Läufer nach einigen Minuten das fünfte folgen ließ. Die Anstrengungen Nord- rings sollten aber doch noch von Erfolg gekröot werden, denn bald gab der Halbrechte zum ersten Tor ein, dem bald das zweite und letzte folgte. Allgemein gelobt wurde der Mittelläufer, der mit be- wundernswcrtcr Ruhe seine Aufgabe erfüllte. Nordring verdarb sich leider viele Chancen durch die weiten Gewaltschüsse. FTGB.-Osten verlor gegen Velten mit 0:1(0: 0). FTGB.« Stralau und Straußberg trennten sich 6: 0(2: 0). FTGB.-Nordost gewann gegen Zehlendorf mit 20: 1(10: 1). Hockey Als Sensation des Tages ist das Unentschieden des bisherigen Gruppenersten,„Verein für Leibesübungen Ostring", gegen den Sportverein Moabit zu bezeichnen. Nicht, daß der Sportklub über- raschenderweiie das Resultat erzielt hat, sondern daß er während des ganzen Spiels ebenbürtig und gleichouf mit Ostring war. Ost- ring brauchte geraum« Zeit, um einigermaßen ins Spiel zu kommen, und nach etwa zwanzig Minuten durch Rechtsaußen mit einem Tor in Führung zu gehen. Moabit hatte bis zur Pause keinen Er- folg. Nach dem Seitenwechsel dann vollkommen ausgeglichenes Spiel, in dem Moabit infolge besserem Zusammenspiels ein geringes Plus aufzuweisen hat. Endlich zehn Minuten vor Schluß ge- lang es Moabit, gelegentlich eines gut vorgetragenen Angriffs einen guten Torschuß anzusetzen, der auch von dem rechten Verteidiger trotz besten Bemühens nicht verhindert werden konnte. FTGB.-Nordring und Pankow spielten in der Schönhauser Zlllee vor einer ansehnlichen Zuschauerinenge 9: 0. Die Pankower hielten sich bis zur Pause gut, fielen aber nach dem Wechsel ihrem eigenen Tempo zum Opfer. Nordring war technisch besser und holte in gleichmäßigen Abständen die Torerfolg«.— Di« in Spandau bei dem dortigen Freien Hockeyklub zu Besuch weilende Mannschast von Tennis-Rot konnte nach interessantem Spiel einen 4: 1-Sieg gegen die sympathische Elf der rotweißen Spandauer erzielen.— FTGB.-Osten konnte gegen die Mannschaft von Tennis-Rot 3 einen imposanten 8-2-Sieg erspielen. Weitere Resultate: VfL.-Ostring 2 gegen FTGB.-Pankow 2 7:1. FTGB,--Nordring 2 gegen Tennis- Rot 2 8:1. VfL.-Ostring 3 gegen SV.-Moabit2 4:2. FTGB.- Mariendorf 2 gegen FTGB.-Nordring 3 4:0. Bei den Frauen erzielte Nordring gegen Tennis-Rot 2 ein 7:0. VfL.-Ostring und FTGB.-Pankow trennten sich 1:0. � Die Wasserball-Serie Neukölln— Hellas II 8:4 Infolge Unabkömmlichteit einer Mannschast war«ine Um- stcllung der in Aussicht genommenen Spiel« notwendig geworden. Neukölln warf im Flachen an, es gab ausgeglichenes Feldspiel, beiderseitige Nervosität ließ kein« einheillichcn Aktionen zu. Allmäh- lich setzte sich die bessere Taktik und Technik von Neukölln durch, einen gut zugespielten Ball verwandelte der linke Stürmer Neuköllns zum ersten Erfolg. Einen kurz danach auf gut Glück abgegebenen Weitschuß des linken Hellasstüriner wurde vom Neuköllner Torhüter nicht genügend abgewehrt und es stand 1: 1. Bei mäßiger Abwehr- arbeit der Hellasverteidigung waren Neuköllns Stürmer durch gut« Schußentfchlosfenheit dreimal hintereinander erfolgreich. Bei einem Kampf vor dem Neuköllner Tor entfernte sich der Torwächter zu weit aus seinem Heiligtum, verlor den Ball und ein Hellasstürmer konnte ungehindert«insenden. 4:2 für Neukölln zur Halbzeit. Die zwellen Spielzeit sah Viedennn Neukölln klar in Front. Der aktivste Mann Neuköllns, der Verbinder, wurde vost Hellas nicht geschickt genug abgedeckt, was sich dann auch prompt in drei weiteren Erfolgen Neuköllns zeigte. Gegen Schluß des Spiels wurde Hellas leicht seldüberlegen und holte in guter Manier zwei Tor« auf. Neukölln war noch einmal durch gutes Stellungsspiel erfolgreich. Während das Spieltempo von Anfang bis Ende gleichbleibend schnell war, ließen die balltechnischen Leistungen aus beiden Seiten mit Zlusnahmen zu wünschen übrig. IJnion-Sdmitninskest Ausklang der Wintersaison Bei mäßigem Besuch beschloß der Arbeiterschwimmvcvein Berliner Schwimm-Union die diesjährige Wintersaison mit einem internen S ch w i m m f« st. Die Frauen leiteten das Fest mit einem Kunstreigen ein, der bei den 2lnwesendcii großen Anklang fand. Durch den Zweikampf der Abteilungen Kreuzberg und Friedrichs ha in erhielt die Beranftalwng eine besondere Note. Zum Sieg reichte es bei keiner Abteilung: unentschieden(32: 32 P.) irennten sich die Parteien. Die M ä n n e r b r u st st a f« t t e war «ine sichere Sache der Abteilung Friedrichshain. Die Knaben- und Mödchenabieilungen zeigten, daß nicht nur die älteren Mitglieder in der Lage sind, einem Volksgenossen in der Not Hilf« bringen zu können. Manchen der Anwesenden, die des Schwimmens unkundig sind, haben sie mit ihren Rettungsvorsührungen bewiesen, daß durch systematische Erziehung Großes geleistet werden kann. Im Wasser- Kalls piel der Knaben waren die Vertreter der Freien Schwimmer Groß-Berlins denen des festgebenden Aereins physisch überlegen. Nach schönem Spiel treimten sich die jungen Gegner mit 4: 1 Toren. Den Abschluß des Festes bildete«in Jugend- und ein Männerwasierballipiel. Während Kreuzbergs Jugend das Spiel für sich entschied, konnte die Männermannschaft, der Abteilung Friedrichshain die von Kreuzberg entscheidend schlagen. Ziesultat«: M 70.— Matorräder mit Seitenwagen: 1. Z. n. Krabn-Berlin l.Kündapv) 74; 2. Luga Schuls-Berlin l.TN.) 140: 3. W. Ulbriäi» Berlin(D»Nad) 195.— Sola-Motvrräber: 1. W. Mobr-Perleberg(T3!) 151: 2. 5. Sesse-�reienwalbe(Sdnhtoff) 161; 3. Hein, Linbner-Berlin«TN.) 183; 4. W. Imwr.Perlin IBMW.) 219; 3. B. Schilk-Dcrlin< D-Rad) 225;» K. Kri». ioU'Scrltn tGillet) 243_ Kartellfest in Sdiöneber� Das Arbeitersportkartell Schöneberg-Friedenau hatte nach eine? etwas langen Pause wieder einmal zu einer gemeinsamen Beran- staltung aufgefordert und dabei den Zweck verfolgt, den Arbeiter- spart Schöncbergs in einem Gesamtbilde zu zeigen. Das Prograinm begann mit einem Austnarfch aller Teilnehmer: lebhaft begrüßt fuhren dann die Arbeiterradfahrer von„Solidarität" «inen flotten Schulreigen. Nicht minder beifällig ausgenomnieir wurde die Vorführung der Schöneberger Junginädchen. Wieder er-. schienen die Radfahrer un> zeigten einen schwierigen Viererkunst- reizen. Ein Ausschnitt aus dem Hallenbstrieb brachte das Turnen an den verschiedenen Geräten. Nun waren die Arbeiter- schützen an der Reihe. Sie bestrillen einen Mannschaftskompf im Scheibenschießen mit dem ASV.-Schöneberg. Abermals folgen die Radfahrer, die mit der flotten Durchführung ihrer Borführungen das Programm angenehm belebten. Nach einem Kopfballspiel der Fußballer erschienen die„Roten Rebellen", die mit einem gesungenen Marsch und einer anschließenden„Proletarischen Selbst- kritik" großen Beifall fanden. Ein spannendes Radballspiel, ein Singspiel der Altersturnerinnen folgten. Die Leichtahtleten liefen eine SO-Runden-Mannschastsstafette, der sich ein schnelles Hand- ballspiel anschloß. Zum letzten Male kamen die Radfahrer, sie er- zielten mit einem 12-Farb«n-Reigen großen Beifall. Den Abschluß bestritten die„Roten Rebellen" mit einem Sketsch„Arbeitsdienst- Pflicht" und einer Werbeszene für unser« Partciliteratur. die sofort danach unter die Anwesenden verbreitet wurde. Unter dem gemein- samen Gesang des Liedes„Büder zur Sonne" schloß die Der- anstoltung. Kleiner Sport Hertha BSC., Ableilungsmeister. Wie allgemein erwartet, ist aus dem Reimen um die Berliner Fußballmeisterschaft der Ab- teilung A nun doch der deutsche Meister Hertha-BSC. als End- sieger hervorgegangen, denn auch im zweiten Ausscheidungsspiel mit Viktoria behielt Hertha die Oberhand, und zwar mit 2:1(1: 0) Toren. Hertha hat damit die Berechtigung zur Teilnahm« an den Endspielen um die brandenburgijche Meisterschaft erlangt und trifft im ersten Kamps am Donnerstag auf dem Preußenplatz mit dem Berliner Pokalmeister, Sporwercin 92, zusammen. Pistulla im Wintergarten. Der frischgebackene Europameister im Halbschwergewicht, P i st u l l a, hat einen geschickten und ge- schäftstüchtigen Manager, nämlich Hans Breitensträter.„Hans" präsentiert seinen Schützling zur Zeit im Wintergarten, wo er heute und auch noch morgen Schouboxen vorführen wird. Es soll nun niemand mit zu hoch geschraubten Erwartungen dieses Varietöetoblissement betreten, denn was Pistulla zeigt, übt auf den Kenner keine sonderlich« Wirkung aus. Aber dos große Publikum findet zweifellos Gefallen an dem Seilspringen, Schattenboxen und den Sparringsrunden. Das Schauboren findet innerhalb des aus, gezeichneten Varietöprogramms statt. Schottlands 25. Fußballsieg. Einen unerwarteten Ausgang nahm der SS. Länderkampf England gegen Schottland, das größte sußballsportliche Ereignis auf dem Jnselreich. Im Beisein von annähernd 100 000 Zuschauern erlitt Englands Nationolmann- schaft im Hampton Park zu Glasgow eine Ztiederlage von 2: 0. Eine polyvesische vauerschwimmerin. Nach einer Meldung aus Sydney in Australien hat ein« geborene polynesisch« Schwimmerin, Frau Katharina Nehua, einen neuen Rekord im Dauerschwimmen aufgestellt, indem sie 72 Stunden und 9 Minuten ununterbrochen im Wasser blieb und damit den bisherigen Rekord um fünf Minuten schlug. Frau Nehua hat sich dem Bcrufsschwimmertum gewidmet, um, wie es heißt, ihre vier Kinder ernähren zu können. lurnerschaft und Politik In der letzten Zeit hatten sich im Bereiche der„Deutschen Turnerschait" verschiedentlich Strömungen gellend gemacht, die auf eine„Politisierunz" der DT. hinzielten. Der Hauptaus- j ch u ß der DT. beschäftigte sich bei der Fortsetzung seiner�Togung am Sonntag eingehend mit dieser Frage und legte seine Stellung- nähme in folgender Entschließung fest: „Der Hauptausschuß billigt den Beschluß des Vorstandes der DT. vom 21. Februar, der jede Abänderung des 8 2 der Satzungen ablehnt. Er stellt vor aller Oeffenllichkeit fest, daß die Bestimmun- gen über die Pflege deutschen Bolksbewußtieins und vaterländischer Gesinnung völlig ausreichend sind, um die bewußt nationale Arbeit der DT. im Sinne vaterländischer Würde und der inneren Einigung des deutschen Volkes zu gewährleisten." Die Deutsche Turnerschaft ist also l>ei der Tradition geblieben; Sie will sich nach außen unpolitisch geben, ermöglicht aber durch solche Beschlüsse jede, auch die reaktionärste Politik. ;fee>« Turnerschait Bilrnetebatf sucht für 1. unir 2. Wannichart am I. und 2. Teierbaa Spiele. Angebote an Hilnler Törstrr. Brrlin-Wilmersdars, Ubianb- strafte 134. FTKB.-Mitteil»ug,blötter beute tMontaa) von ber Geschäftsstelle abbolen. «.-a.-eisuna ebenfalls beute, 19': Ubr. Geschäftsstelle. gitin Sportuerein»Saxonia 28" sucht Spiel« für 2. Mannschaft lud Kar- freitaa uni> 19. April auf eigenem unh«um 12. April auf Geanero P'at>. An» aebnt« an Meriner. NO. 33, Zablonikisir. 3, oder Donnersioa, 2. April, von 20 Ubr ab Teleplion v 4. Siimbolbi 1592 bei Baaan.,.. Bezirtakartell jsriedrichfhain. i>c u: r. Montan, 19>2 Ubr, Kortellsiäunn bei Soul, Borlianener Sir. 114. Aussiellimasvronramme abrechnen! T»nn>,-R»t Groft-Berli», At.t. Nenlölln. Dienstan, 31. Mär«. 12',; Ubr, ssunktionärkonferen«. Kreisgeschüfissielle, Elsässer Sir. 86— 88. Revisoren müssen auch ersebeinen.._ 1. und 2. Gruppe be» 3. Pezirk, im 1. Kreis. Freitag, 3. April, tn Drowlü, Lokal Grabl. Iunenbleiierslftunn. 10 Ubr. Bezirtetarte» PrenUaurr Bereu Aprilssirunn fällt ans. NäHste Siftuna Airfana Mai. An den Brreinen Werbeivache 29. Juni bis 4. Juli. UNSLR-L NEUESTEN FRÜHJAHRSMÄNTEL! Gabardine*MSntel Cheviot-Ulster Chest er£ield imprägniert, elegant gefüttert Fisdigritmustcr, grau u. mode diaraktervoIleForm,l-u.2-rhg. M. 39.- 47- 65- 75- M. 47- 56- 65- 75- M. 56- 65- 75- 86- DAS HAUS DAS JEDEN ANZIEHT/ KÖLLNISCHER FISCKMARKT/ 2. GESCHÄFT: BRUNNENSTRASSE 17t ' ttinnwta*