Morgenausgabe �r. 159 A 80 4S.Zahrgang Wöchentlich Lb Pf.. monatlich 3,60 M, im voraus zahlbor, Postbezug 4,32 einschließlich 60 Pf. Postzeitungs« und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands« obonnement 6,— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen» oorto S.— M. ♦ Ter„SpnDörts* erscheint wochentäg« lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend" Illustrierte Beilage»Dokt und Zeit�. Ferner.Frauenstimme", �Technit�,„Blick in die Bücherwelt", »Iugend»Lorwärts"u.„Stadtbeiläge� Verttnev VoWsvlaii Sonntag s. April 1931 Groß-Äerlin HL Z)f. Auswärts 20 pf. Die einfpalt. Nonpareillezeil« 80 Ps. Reklamezeile 5.— RM.„Kleine An» zeigen" das fettgedruckte Wort 2ö Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), fedcs weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Taiif. Stellengesuche das erste Wort 15 PU jede» weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. ArbeUsmarkt Zeile«0 Pf Familien» anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahm« im Hauptgeschäft Lindenstraße 3. wachen» täglich von SVj bis 17 Uhr. Det Verlag behält sich das Recht tat Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vorl Jentvalorgan der Sozialdemotvatifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Fernsprecher: Dönbofs 292—297 Telegramm»Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 3? 536.— Bankkonto: BankderArbeiter, Angestellten und Beavlteu, Lindenstr. 3, Dt. B. u. Disc.-Ges., Dcposilcnl., Jerusalem« Str. 65/66. Aufschiebung der Zollunion? pariser Wünsche. Poris. 4. April. lEigeirbericht.) Lerschicdclie Abgeordnete und Senatoren sind nach einer vom Minisierprasideirten ausgegebenen Mitteilung zu einer gemeinsamen Sitzung zusammengetreten, um die durch die deutsch-östcrreichische Zollvercinbarung geschossene Lage zu erörtern. Im Anschluß an diese Versammlung hat sich eine Abordnung zu Briand uiÄ später zu Laval begeben und die beiden Minister aus die Notwendigkeit ausmcrksam gemacht, sich in diesem Falle nicht mit einem nega- tiocn Vorgehen zu begnügen, sondern an Stelle des An- fchlusscs Oesterreichs an Deutschland eine positive Politik der wirt- schaftlichen Reorganisation Europas vorzuschlagen. Die Delegation hat besonders den Wunsch ausgesprochen, daß sich die Regierung bemühen möge, die gesetzlich autorisierten D e r k ä u s e von Getreide für die Broiherstellung im Auslande vorzunehmen und die Unterbringung französischer Kapitalien im Auslande zu begünstigen, um auf diese Weise der Politik der internationalen Soli- darität zu dienen. Zu diesem Zweck soll eine engere Zusammen- arbeit der zuständigen Parlamentskommissionen erwogen werdei». In der französischen Presse bildet die österreichisch-deutsche Ver- einbarung immer noch das Thema zahlreicher Artikel. Im„Matin" schreibt Saucrwein, nia» vertrete in Paris, London und in den anderen interessierten Hauptstädten den Standpunkt, daß der von Oesterreich und Deutschland angenommene Vorschlag Hendersons, die Angelegenheit vor den Völkerbundsrat zu bringen, für die deutsch- österreichischen Verhandlungen einen aufschlebenden Charakter habe, daß also die Verhandlungen nicht fortgefüchrt werden könnten. Unter diesen Umständen könne man sagen, daß der Versuch einer wirtschaftlichen Verschmelzung der beiden Länder nur noch die Be- deutung eines D o r s ch l o g s habe, der von dem doppelten Gesichts- punkt seiner Wirksamkeit und seiner Gesetzesmäßigkeit geprüft werden müsse. Der Außenpolitiker des„Echo de Paris' erklärt, es könne nicht mehr verheimlicht werden, daß Frankreich in der Frage der deutsch- österreichischen Zollgemeinschaft den ersten Gang verloren habe. Wir sind, so meint er, nicht mehr fähig gewesen, England und Italien für einen formellen Protest zu gewinnen. Wenn nicht die Kleine Entente eine energische Haltung einnimmt und wenn sie nicht auf Grund des Artikels 11 des Völkerbundsstatuts beim General- sekretär des Völkerbundes die dringliche Einberufung des Völker- bundsrates beantragt, wird die ganze Angelegenheit zu einer juristi- schen Auseinandersetzung im Studienausschuß für die europäische Union und im Völkerbundsrat werden. Eher wird Briand, wenn man ihn gewähren läßt, sich mit der deulsch-österreichijchen Zoll- gemeinschast abfinden, falls er mir einige rein formale Zugestand- niste erzielt, als Studientomitee und Völkerbundsrat zu zerschlagen. Er lebt eben immer noch in Illusionen. „Echo de Paris' glaubt auch nicht, daß Gegenpläne Wirtschaft- licher Art, die Frankreich etwa bereithalten könnte, der deutsch- österreichischen Zollgemeinschaft den Weg verlegen oder sie harmlos machen würden. Dazu sei anderes notwendig: Ein Wille, eine überlegene Macht, die in ihren Kundgebungen auch ge- sährlich sei. Krauen NevUns! Hausfrauen. Arbeiterinnen, Angestellte, Beamtinnen! Euch alle bedrücken die Folgen der kapitallstifchen Wirtschaftskrise. Die politische und kulturelle Reaktion bedroht die Freiheit und das Recht der Frau. Fanati- scher Rationalismus hetzt zu neuem Krieg, zu neuer Zerstörung. Das wirtschaftliche Gefüge der ganzen Welt ist in seinen Grundfesten erschüttert. Der Kapitalismus hat versagt! Er hat das vornehmste Ziel jeder Politik und Wirtschaft nicht erreichen können, nämlich die Wohlfahrt der Völker. Trotzdem liegt der Kapitalismus noch nicht in seinen letzten Zügen. Im Gegenteil, während in den Ländern aller Erdteile Millionen Arbeitslose hungern, ballt sich immer mehr der Reichtum in den Händen weniger zusammen. Mit ihrem Bürgerkriegsgeschrei haben die Kommunisten in den Ländern Europas dem Faschismus in den Sattel verholfen und damit die bürgerliche Reaktion gestärkt. Die elementarsten politischen und sozialen Rechte der Arbeitenden, insbesondere der Frauen, sind dadurch bedroht. Die Mädchen und Frauen der Arbeiterklasse stehen in vorderster Front des von den vereinten Kräften des Kopilalismus geführten Kampfes gegen alle Arbeitnehmergruppen. Wird doch bei den Frauen oft die geringste Widerstandskraft vermutet. Keine Arbeiterin, keine Angestellte und keine Beamtin, die nicht trotz ungerechter Minderbezahlung der Frauenarbeit vom Lohn-»nd Gehallsabbau betroffen wäre. Aber auch keine Hausfrau und Mutter, auf der nicht Lohnabbau und Arbeitslosigkeit schwer lasten! Keine Familie, die nicht Arbeitslose in ihren Reihen zählt! Die kulturelle Reaktion jedoch bedroht die Grundrechte der politisch freien Frau! Will der Katholizismus das Grauen des 8 218 verewigen und die Frau in eine überlebte Form der Familie pressen, so will der Rationalismus nichts Geringeres, als die Frau aller ihrer politischen Rechte berauben. Der deutsche Faschismus hat im Nationalsozialismus den deutlichsten Ausdruck für seine eigentlichen Ziele gefunden: Brudermord und Kriegshetze! Soll die politische Verrohung durch verhetzte Nationalwzialisten und Kommunisten auch weiterhin zahllose Opfer finden? Soll ein neuer Krieg— ein Gaskrieg!— Millionen von Männern, Frauen und Kindern dahinraffen?. Rein und abermals nein! Wir organisierten Frauen in der Sozialdemokratischen Partei und in den freien Gewerkschaften werden mit unseren besten Kräften kämpfen: Gegen Krieg nnd Faschismus! Für Sozialismus und Frieden! Die politische Schlagkraft der Arbeiterschaft kannaber nur verstärkt werden, wenn die Frauen noch zahlreicher als bisher sich als Mitkämpferinnen einreihen in die Sozialdemokratie und die freien Gewerkschaften. Frauen und Mütter, Arbeiterinnen, weibliche Angestellte und Beamtinnen, werdet Mitglied der Sozialdemokratie, organisiert euch in den freien Gewerkschaften. Kommt zu uns! Besucht die anlätzlich des„Internationalen Frauentages" von uns getroffenen Ber- anstallungen! Nehmt dort Stellung zu den brennendsten Fragen unserer Zeit! Kämpft mit uns: Gegen Arbeitslosigkeit!/ Für Verkürzung der Arbeitszeit!/ Gegen Lohn- nnd Gehaltsabbau! Für Ausbau der Sozialpolitik!/ Gegen politische Entrechtung!/ Gegen die Kulturreaktion! Für Sozialismus!/ Für Freiheit und Recht der Frau! Sozialdemokratische Partei Allgemeiner freier Angestelltenbund (Bezirksverband Berlin)(Srtskartell Berlin) Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund (OrtsansschnH Berlin) Bessere Zukunft! Nachdenkliches zum Osterfest 1931. Von s.■Aufliäussi'. Ostergeläut tönt in eine dunkle Zeit. Die höher gestiegene Sonne strahlt wieder wärmer, sie leuchtet über den Millionen von Menschenmassen, die gewohnt sind, im Schatten zu leben. Das christliche Europa feiert Ostern als das F e st d e r Auf" er stehung, denn der Herr ist selber auferstanden aus niedrigen Häusern und dumpfen Gemächern. Auf die Kar- freitagstrauer soll Osterjubel folgen. Aber auch die M a s s e n d e r P r o l e t a r i e r, die weder mit jener Auferstehungslegende verbunden sind, noch den Osterglauben teilen, sind darum nicht hoffnungslos. Für sie ist es nicht ein einzelner, der zusammenbrechend sein Kreuz schleppen muß. Alle Städte und Dörfer sind voll von Leidens- genossen. Es ist eine Welt von Menschen, die in Not und Elend keucht. Aber auch wir grüßen im Kreislauf der Natur mit ihrem Wiederaufleben, Keimen und Grünen ein neues Leben, Kraft und Farben der Verheißung und der Hoffnung. Alle Not und Entsagung der Kriegs- und der Nachkriegszeit vermag uns das Vertrauen auf die eigene Kraft nicht zu rauben. Unser Osterhoffen ist unser eigenes Wollen. Der Gemeinfchaftswille des organisierten Proletariats hat sich stärker erwielen als die Welle des anstürmenden Faschis- mus. Sozialreaktion und Nationalfozialis- mus glaubten nach dem Auftrieb bei der letzten Reichstags- wähl Nutznießer der Wirtschaftskrise und der wachsenden sozialen Not sein zu können. Mit der Zerschlagung des demo- kratifchen Parlamentarismus sollte gleichzeitig der Arbeiter- schütz tödlich getroffen werden. Der Monopolkapitalismus, der die letzten Reste einer Massengrundlage im Volk verloren hat, ist zum Gegner j�der Demokratie, vor allem jeder demo- kratifchen Kraftentfaltung ver Massen geworden. Die faschistische Diktatur sollte die sozialen Errungenschaften be- seitigen, Arbeiter und� Angestellte wiederum der Willkür eines unumschränkten Untemehmerabsolutisnms ausliefern. Die politische Lage der deutschen Arbeiterklasse war um so schwieriger, als zunächst nicht nur das Bürgertum in völliger Passivität der Entwicklung der Gegenrevolution zusah, sondern auch die Kommuni st en als„echte Klassenkämpfer" im Anhängewagen der Nazis Platz genommen hatten. Wenn es dennoch gelungen ist, in wenigen Monaten den von anli- parlamentarischen Kräften durchsetzten Reichstag arbeitsfähig zu gestalten und Anfang Februar die Hitler-Partei in die Flucht aus dem Parlament zu treiben, so dankt Deutschlaitd dieses Ergebnis jener unerhörten Aktivität, die von der sozial- demokratischen Arbeiterschaft seit dem 14 September 1930-m Kampf gegen den Faschismus entfaltet worden war. Der durch die Haltung der Sozialdemokratie miede'' �ikä- vierte Reichstag hatte die Aufgabe, den Reichsetat'recht- zeitig und selbst zu verabschieden. Angesichts der Reichsstnanz- not einerseits, der durch die soziale Not wachsenden Anforde- rungen andererseits konnte der Verteidigungskampf für die Sozialpolitik nicht im luftleeren Raum geführt werden. Die unerläßliche Voraussetzung für die Erhaltung der Sozialver- sicherung war vielmehr eine beschleunigte und parlamentarische Verabschiedung des Reichsetats. In den Beratungen des Sozialetats konnten die weitgehenden Anträge auf Abbau der Bersicherungsleistungen sämtlich abgewehrt werden. Der vorgelegte Etat hat eine Erweiterung um 3 Millionen Mark für die Kmderspeisung erfahren. Die Sozialoersiche- rung ist auf dem Stand von 1930 gehalten worden. Im Jahre 1930 hatten Kranken-, Unfall-, Invaliden-, Angestellten und Knappschaftsoersicherung einen Gesamtaufwand von 4337 Millionen Mark gegen 1371 Millionen Mark im Jahre 1913. Der Aufwand für die Erwerbslosenunterstützung war insge- samt 2% bis 3 Milliarden Mark. Es war und es bleibt die große Aufgabe der deutschen Sozialdemokratie, dieses soziale Gut der Arbeiterschaft mit allen Mitteln zu verteidigen. Aber auch die von der sozialdemokratischen Reichstags- fraktion in monatelangen Kämpfen für die A r b e i t s b e- fchaffung vertretenen Vorschläge beginnen sich durchzu- setzen. Unser Ruf nach der Vierzigstundenwoche war nicht umsonst. Die von der Reichsregierung eingesetzte Kommission, deren erste Beratungsergebnisse gestern bekanntgegeben wor- den sind, und deren Zusammensetzung nicht gerade hoffnungs- voll stimmen konnte, hat nunmehr positiv zur Arbeitszeitver- kürzung Stellung genommen. Sie schlägt statt einer generellen gesetzlichen Einführung der vierzigstündigen Arbeitswoche eine Ermächtigung der Reichsregierung vor, wonach diese die Ar- beitszeit in einzelnen Gewerben bis auf 40 Stunden herab- setzen kann. Damit könnte bei starkem Willen der Regierung ein wirb- samer Anfang zur Einführung der Vierzigstundenwoche ge- macht werden, wobei allerdings über den Ausgleich des Lohn- ausfalls noch ein Wort gesprochen werden müßte. In dem Vorschlag der Kommission ist auch zu vermissen, daß zunächst in den öffentlichen Betrieben die kürzere Arbeitszeit obliga- torisch eingeführt wird. Ebenso fehlt der Zwang auf solche Betriebe, die öffentliche Aufträge erhalten. Auch die Ein- schränkung der lleberarbeit hätte eine schärfere Fassung er- fahren müssen. Die im Vorschlag enthaltene Anweisung an die Schlichtungsbehörden, kürzere Arbeitszeiten zu bringen. bleibt unvollständig, wenn über die Lohnpolitik der staatlichen Schlichtungsorgane nichts gesagt wird. Der Reichsarbeits- minister hat bei den Etatberatungen die Erhaltung des Real- löhnes betont. Es ist nun an der Zeit, in Verbindung mit der Arbeitszeitverkürzung klar und eindeutig den Schluß d es Lohnabbaues anzukünden. Eine weitgehende Berücksichtigung hat der sozialdemokra- tische Antrag in der Kommission gefunden, soweit es sich um das Verbot von Nebenarbeit für Beamte und Behörden- angestellte handelt. Um so unverständlicher aber bleibt, daß den Staatspensionären und Wartegeldempfängern keinerlei Vorschriften gemacht werden sollen, um den Arbeitsmarkt von diesen Personengruppen zu entlasten. Es gibt gewiß pensto- nierte Beamte mit kleinen ungenügenden Existenzmitteln, aber wo bleiben all die Großpensionäre, die gleichzeitig erhebliche private Arbeitseinkommen haben? Sind den Professoren in der Kommission auch jene Doppelverdiener unbekannt, die an den Hochschulen selbst sitzen? Hinsichtlich der mechanischen Ausschaltung v e r h e i- rateterFrauen von jeder Erwerbstätigkeit hat die Kom- Mission erfreulicherweise kein Verbot der Frauenarbeit ausgesprochen. Wenn vorgeschlagen wird, daß bei Ein- stellungen und Entlassungen auch in Privatbetrieben die sozio- len Verhältnisse der Bewerber geprüft und danach entschieden werden soll,, so wird ein solches Verfahren nur gebilligt werden können. Diese Methode hätte aber eine viel durchgreifendere Wirkung, wenn die Kommission gleichzeitig den Melde- und Benutzüngszwang der öffentlichen Arbeitsnachweise verlangen wollte. Bei einer solch straff zentralisierten Arbeitsvermittlung könnten die sozialbedürftigen Erwerbslosen tatsächlich und in erster Linie in Arbeit.gebracht werden. Es wäre wohl doch besser gewesen, die berufenen Arbeiteroertreter zu den Kommissionsberatungen zuzuziehen, um bei all diesen Vor- schlügen nicht auf halbem Weg stehen zu bleiben. Immerhin mag die Reichsregierung erkennen, daß die Schaffung neuer Arbeitspläne durch Arbeitszeitverkürzung zum brennenden Problem der herrschenden Krise herangereist ist. Es ist auch lange genug geprüft worden, es gilt hier zu Händeln. Angesichts des Charakters der herrschenden Weltwirt- schastskrise wird indes die Arbeitsbeschaffung auf absehbare Zeit beschränkt bleiben und die soziale Seite der Erwerbslosen- srage, nämlich die Unterstützung, bohält ihre maßgebliche Be- deutung. Wenn es zutrifft, daß die Kommission demnächst (vielleicht als Hauptaufgabe) wiederum die.„Mißstände" in djefer Versicherung nachprüfen soll, so nzöchten/ wir schon jetzt betonen, daß die Gesamtausgaben für die Erwetbslosenuntet- stützung nicht auf versicherungstechllische Mißstände, sondern auf die Unfähigke it d er' t äp tt atistlschen Wirt- f ch a f t zurückzuführen sind. Eine weitere Einschränkung der Leistungen, sei es durch Kürzung der Unterstützungsdauer. sei es durch Senkung der Sätze, wäre für die Arbeiterschaft, damit auch für die Sozialdemokratie unerträglich, auch falls eine solche„Reform" etwa vor dem Erlaß einer Notverord- nüng durch die„wissenschaftliche" Kommission begutachtet sein sollte. Sollte der Reichsetat in nächster Zeit noch weitere Er- sparnisse erforderlich machen, dann möge der Reichsfinanz- minister seine Ermächtigung benutzen, um endlich die noch un- gekürzten Etats auf Ersparnismöglichkeiten hin nachzuprüfen. So könnte eine Selbstbeschränkung in der Durchführung des Reichswehretats zur sozialen Tat werden. Die Sozialdemokratie wird wachsam bleiben: Ihre Aktivität im Ringen mit dem Faschismus war von Erfolg be- gleitet, ihre Aktivität zur Ueberwindung der sozialen Not ist die Osterhoffnung des arbeitenden Volkes. Uns leuchtet als Erlösung der Sozialismus, wir hissen in den N ied eru 0 g en d er k ap i tlist isch en Wirr- nis und Krise die F ahn e einer besseren Zukunft. Wo ist Michael Bwunstein? Verdächtiges Schweigen der Sowjetbehörden. Das Mitteilungsblatt der Rufsischen Sozialdemokratie schreibt: Die Frage, die nach Beendigung des Moskauer Prozesses der vierzehn von uns und zugleich von der gesamten internationalen sozialistischen Presse und auch von den„eigenen Berichterstattern" der bürgerlichen Zeitungen aufgeworfen wurde, haben die Mos- kauer Diktatoren unbeantwortet gelassen. Wir wiederholen die Frage. Wir fragen angesichts der ganzen Well von neuem: Wo ist Michael Braunstein? Wo sst unser Genosse, der„durch Beschluß des OGPU.-Kollegiums bereits abgeurteilt" worden ist und dessen Akten aus dem Moskauer Prozeß, wie es in dem Anklageresumee hieß,„ausgesondert" worden sind? Wo ist der Mann, der als Hauptzeuge im Prozeh gegen Groman, Suchanow und Genossen halle fungieren müssen und den die Henker in die Oessenllichkell der Gerichtsverhandlung zu bringen nicht wegen dürften, weil sie offenbar sein Rückgrat nicht haben brechen können und wissen mußten, daß seine Aussage eine einzige schallende Ohr- feige an die Adresse der Verleumder. Lügner und Erpresser gewesen wäre, die jenes„AnNagerefumee" zusammengebraut haben? tsk Michael Braunstein?- Oder— wir wollen deutlicher werden: Ist Michael Braunstein noch am Leben? Oder haben ihn die Henker im Dunkel der Folterkammern der Tscheka zn Tode gemartert? Um eine Antwort auf diese Frage kommen die Folterknechte und Henker nicht herum. Sie können schweigen. Aber ihr Schweigen wird ein�eiwdeut�ig« A.lltwort sei?l.. Vom Nazikri Stennes verzweifelt.— Er wiri MTB. berichtet in später Nachtstunde des Sonnabendr In der Hasenheide fand heute abend eine Vers ammlung der Gefolgschaft von Stennes statt, aus der mehrere Unterführer, die.zu Stennes stehen, zu Worte kamen. Die Versammlung war von einem großen Mißtrauen getragen, da auch sehr viele hillertreue SA. oertreten waren. Es kam in den Reden zum Ausdruck, daß in der Person Stennes die gesamte SA. getroffen werden soll, und daß es hier nicht um einen Führerkampf gehen, sondern um die Sache des Nationalsozialismus. Besonders scharfe Worte wurden gefunden gegen die Errich- tung des Braunen Hauses in München in einer Zeit,>n der die einzelnen SA.-Lcute kaum das Geld aufbringen könnten, um ihren Lebensunterhalt zu stiften. Die entfachte Bewegung solle keinen Putsch darstellen, sondern einen Kampf für die alten Ideale. Der richte sich nicht.gegen Hitler, sondern solle eine Saude- rung um ihn herbeiführen, mit dem Endziel, das Bonzen- tum, das sich auch in der Partei breit gemacht habe, zu zer- schlagen. Gegen die Koalllion mit der Deutschnationalen Bolls- parte: wurde scharf polemisiert. Wenn Fr ick der Mann gewesen wäre, der nach dem Ideal des Nationalsozialismus gehandell hätte, dann wäre er nicht freiwillig vom Ministersessel ge- gangen, sondern hätte genau so wie in Preußen nach Artikel 48 regiert. Zum Schluß ergriff Stennes das Wort, der die Erklärung abgab, daß er von den Oberführern der SA. Nord zu feinem verhalten ge- zwangen wäre und schon am nächsten Tage die Erfahrung machen mußte, daß ein großer Teil der SA. ihm nicht mehr die Treue gehalten habe. Das Häuflein, das zu seiner Versammlung gekommen sei, habe sich zu entscheiden, und dabei stellte Stennes eine Frist bis Dienstag abend, ob es seinem alten Führer, also Stennes, die Treue be- wahren oder ob es sich der Partei unterwerfen wolle, was einem Tod gleich sei. Er betonte hierbei besonders, daß ihm mit dem Häuflein der treuen SA. nicht gedient fei, sondern daß die An- wesenden bis Dienstag abend entweder die ganze SA. auf seine Seite zu bringen haben oder den anderen Weg gehen müssen. Da unter den etwa 250 Derfammelten ein nicht unerheblicher Prozentsatz Hitler-Anhönger waren, so ist mit Bestimmtheit cmzu- nehmen, daß die Forderung von Stennes von der ihm treuen SA. nicht erfüllt' werden kann, was einem völligen Fiasko der Palaft- Revolution gleichkommt. Die Bersammlung selbst verlief ahm Störungen. Giegeshymnen der Braunen Bonzen. Der wieder von den Gosbbels-Leuteu redigierte„Angriff" strotzt von amüichen Heeresberichten über die Lage vom Hedemann- Kriegsschauplatz. Mit„Alle herhören!" beginnt die Nummer im schönsten ZdaserNenstoston, um dann im gut nachgeäfften Militär- jargon zu melden: Die gesamte«Ml. des Gau«s Berlin, sowie auch der umliegcn- den Bezirke Aufnahme von'zwei Stürmen, deren Auflösung bereits verfügt ist, fest rn der Hand des Gauführers'Dr. Sve bbeks und des von A. Hitler neu- eingesetzten SA.-Gvttppenführer-Ost Oberleutnant a. D. Schulz, der seinen Dienst bereits angetreten hat. Nach dem gleichen Heeresbericht wird der offizielle Dienst- betrieb nach den Feiertagen wieder„normal" sein(dl.L. soweit bei den Nazis überhaupt von„normal" geredet werden kann. Red. d.„V.") und, die Hauptsache: Derlag und Redaktion des Berliner Gouoroans„Der An- griff" befinden sich nach dem inzwischen erfolgten Hinauswarf einiger unsicherer ttanlonisten restlos in den Händen der Partei- leitung. Ueber den Hinauswurf der„unsicheren Kantonisten" erfährt man weiteres aus einer Proskript ionsli st e, die mit dem Nomen des bisherigen Verlagsleiters des„Angriff" Dr. Weißauer'beginnt. Der nächste ist der bisherige Sekretär im„Angriff"-Derlag Ernst Werner Techow(der Rathenau- Mörder). Es folgt als dritte ein Fräulein Melitta Miede- mann, die bisher in der Schristleitung des„Angriff" tötig war, — offenbar nicht nur als„Magd und Dienerin", sondern journo- listisch. Die Liste umfaßt bisher acht Namen, aber tröstend wird versichert: Selbstverständlich wird diese Liste noch bedeutend vervollständigt werden. Es schließt sich an eine Liste der von Adolf Hitler aus der NSDAP, ausgeschlossenen„R e b e l l« n f ü h r e r". Hier lauten die prominentesten Namen: Polizei Hauptmann a. D. Stennes, Hauptmann a. D. Hagemann. Oberleutnant a. D. Jahn, Hauptmann a. D. Wetzet, Leutnant a. D. Iantzen. Di« Ironie will, daß sich unter den insgesamt dreizehn auf dieser Liste Ausgeschlossenen„Osafs" und„Stafs" auch ein Staf mit dem schönen Namen Krach befindet. Sollt« es wirklich ge- lungen fein, den Krach aus der NSDAP, auszuschließen?! Die im Goebbels-Layer verbliebene Rumpstebaktion des„An- griff" erläßt eine Erklärung an die Leser. Ihr« in den kritischen Tagen etwas zweideutige Haltung sucht sie durch Kraftworte gegen die Rebellen zu verbessern. Di« Erklärung der Rumpfredaktion nennt diese„pflichl- und ehrvergessene Elemeute. die fich noch vor dem Strafrichter werden verantworten müssen". Ihr- Berbleiben unter diesen„ehr- und pflichtvergessenen Elementen" motiviert die Rmnpstedaklrön mit folgenden Sätzen: Trotz wütendsten Terrors haben es, die unterzeichneten Schriftleiter(Pg. Dürr war dienstlich verreist) auf ihren Posten ausharrend am Donnerstag erreicht, daß das Blatt nicht wie es beabsichtigt war, gänzlich im Sinne der Rebellen ab- gestimmt wurde, daß' insbesondere die eindeutige Erklärung Hitlers und Goebbels' zum Konflikt an die Spitze des Blattes kam und daß angedrohte Sabotageakte auch an den Maschinen unterblieben. v Danach kann man sich einen Begriff machen, wie herrlich es bei dem Auseinanderprall der deutschen Mannen zugegangen ist. Aber,— natürlich sind auch hier an allein die Juden schuld! Ein wüstes Geschimpfe aus die. Berichterstattung der„Judenpresie" soll nämlich von den Lorgängen ablenken. Aber zum Glück schweift unser Blick bis in das satirische Feuilleton, wo wir in einem Reim- werk des Goebbelsschen Hospoeten die Zeile finde«:„Siehe, wie lieblich ist es, w«m Brüder einträchtig beieinander- wohnen." Der erste gute Witz, der diesem Mann gelungen ist, chavakterl- sicrt sich leider als ein unfreiwilliger! Der Goebbelssähe Hofdichter «will nämlich nfit diesem Zitat— die Sozialdemokratie treffen! „Itad aus den Schützt!»' prallt zurück bee Pfeill" von seinen Getreuen verlassen. Geheimnisvolle„Krasse"— die an Adolfs Thron knabbern. Zur Entwicklung der Vorgänge bei der NSDAP, in Berlin macht der Stabschef der SA., der frühere b o l i o i a- nische Häuptling R ö h m. im„Völkischen Beobachter" u. a. folgende Mitteilung: „In Verbindung mit Kräften, die zu nennen im Augenblick noch verfrüht wäre, hat Polizeihauptmann a. D. Stennes sich offen gegen Hitler gewandt. Die Bor- bereitungen hierzu liegen lange zurück. Ich habe zweimal in Berlin versucht, den ehemaligen Kameraden von der verhängnisvollen Bahn, auf die er sich begibt, abzuziehen. Am Ende der Aussprache stand beide Male ein feierliches Treue- und Loyalitäts- gelöbnis von setten des Gruppenführers Stennes, zuletzt am 20. März 1931. Es hinderte ihn auch das zwcitemal nicht, bereits am 21. März in Führerbesprechungen gegen Httler und gegen mich heftige Vorwürfe zu erheben. Ich bat meinen Führer Adolf Httler, mir nunmehr Frechett des Han- delns zu gA>en, die ich auch erhielt. Unmittelbar nach Httlers Ab- fahrt nach Weimar erhiett ich die letzte Meldung, daß Stennes in einer Führerversammlung in Berlin erklärt hatte, Befehle von München nicht mehr anzunehmen und jetzt„los- zuschlagen". Ich griff daher nunmehr sofort durch. Stennes wurde mit allen Unterführern, die er sich besonders verpflichtet hatte, ab- gesetzt und aus der Partei ausgeschlossen. Das Losschlagen sollte der Auftakt zur Zerschlagung und zum Verbot der NSDAP, und zur rücksichtslosen Niederknüppelung der nationalen Bewegung sein, wozu die Notverordnung die Hand- habe bot. Dieses Ziel der Feinde der nationalen Bewegung ist vereitelt." Das ist eine wundervolle Gesellschaft, die da versammelt war. Moskau kann vor Neid blaß werden angesichts dieses Sammelsuriums von Treuen, Linientreuen, Untreuen und „Verrätern", die sich gegenseitig überwachen, denunzieren, Ehrenworte geben und nach Bedarf auch halten, und die sich endlich gegenseitig ausschließen und an den Pranger stellen! Ein Vorgeschmack der Herrlichkeiten aus dem Dritten Reich— es ist nur schade, daß wir in Deutschland keine Solowjetzki-Inseln haben, wohin die Safs, Stafs und sonstigen Ass aus der Hakenkreuzler-Trödelbude sich gegenseitig ver- schicken könnten! Christian hat es leyd. Köln. 4. April. Friedrich Christian Prinz zu Schaumburg-Lippe gibt bekannt, daß er seine Geschästsbeziehungen zu dem derzeitigen Gauleiter der NSDAP., Dr. Robert L« y, umgehend lös c. Dr. Ley habe keinen Anteil mehr, weder an dem Kölner Parteihaus rwch an den Druckereien in Köln und Koblenz. Friedrich Christian Prinz selbst sei andererseits an den Zeitungen des West- mark-Verlages ab heute nicht mehr beteiligt. Von Lllm bis Gtenues. Der aus dem Leipziger Reichswehrprozeß bekaruüc Oberleutnant a.D. Mendt, der zur Zeit sein« Strafe tn der Festung Göll- now verbüßt, veröffentlicht eine Erklärung, in der er sich von Hitler lossagt. Er wirft der Zteichslettung der NSDAP, in München vor, immer mehr in da» Fahrwasser der bürge r- lichenReaktion zu geraten, und ist der Zuversicht, daß Haupt-, mann Stennes den Wcg zur sozialen und nationalen Befreiung des deutschen Volkes gehen wird. Wörtlich heißt es in einer Erklärung an die Berliner SA.: „Die Verräter sitzen in München. Sie schieben uns Putschfflenobsichten unter, weil wir die revolutionäre Schwungtrost behalten haben. Wir haben kein Interesse daran, uns provozieren und zu vorzeitigen Verzwefflungstaten hinreißen zu lassen, aber wir gehören dahin, wo die Revolution des werktätigen deutschen Volkes vonvärtsgetrieben unrd wird. Ich sage mich daher ebenso wie mein Kamerad Scheringer von Hitler und seinem Faschismus los." Auf der«.Verräter"- Suche. Kassel. 4. April.(Eigenbericht.) Aus der hiesigen Ortsgruppe der NSDAP, wurden sieben SA.-Leute unter dem Verdacht ausgeschlossen, für die Polizei Spitzeldienste geleistet zu haben. Vorher hatte man groß« Lernehmungen mit den SA.-Leuten veranstaltet. Inwieweit die Behauptung zutrifft, daß die ausgeschlossenen SA.-Leute für die Polizei tätig waren, konnte bisher nicht festgestellt werden. Schwankende Gestalten. Die von Berliner Mittagsblättern gebrachte Meldung, daß der preußische Landtagsabgeordnete K u b e und der Chefredakteur des „Angriff", Dr. L i p p e r t, sich gegen Hiller und für Stennes erklärt haben, sst falsch. Lippert hatte ursprünglich eine Haltung«in- genommen, die zu Stennes neigte; unter dem Druck des Münchener Ultimatums schlug er sich j e d o ch auf die Seit« von Goebbels. Kube hat von allem Anfang an den Standpunkt der Parteileitung, also von München, vertreten. Wir erfahren ferner, daß die Aktion Stenn«?' gegen Hitler fett langer Zeit vorberettet war. Zu dem engsten Führerkrcise der „revolutionären Richtung" in der Hiller-Partei gehörten u. a. auch Manfred o. Sillinger; der Führer der sächsischen SA. Herr v. Killinger hat dem Hauptmann Stennes vor kurzem angeblich sein Ehrenwort gegeben, er würde, sobald gegen Stennes etwas unter- nommen wird, w brettester Front gegen Httler losschlagen. Roch am 31. Mär� als der Vertreter von Stennes, Oberleutnant Frickc- Danzig, in Dresden war, soll Killinger wörtlich erklärt haben(wir zitieren aus dem Stenogramm des Herrn Flicke):„Glauben' Sic, daß ich dieser Operettendiva von München iwch lange folgen werde?" Jetzt aber hat Killinger einen der schärfften Aufrufe gegen Stennes losgelassen. Woraus man entnehmen kann, wie weit man den Loyalitäts- und nach Bedarf Legalitätserklärungen oder sonst irgendeiner Versicherung der Hakenkreuzler Glauben schenken kann.- Die kakholssche Geiflichkeit in Ostoberschlesien hat auf das Ver- langen der Sozialisten und Freidenker nach der Errichtung von Gemeindefriedhofen, auf denen nicht mehr Geistliche unreligiöse Begräbnisse stören könnten, bereitwilligst Verhandlungen mit den Arbetteroerttetern aufgenommen. Die Kirche will inkonsessionelle Begräbnisse mich aus chnm Arietchöfen zulassen......."" Verbote. Auf Grm'd der Votverordnung gegen Ausschreitungen. Der PolxMprtisidcnt von Magdeburg Hot auf Grund der Der- ordnung zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen die Nummer 14 der nationalsozialistischen Zeitung„Der Trommler" und die Num- mer 5 der kommunistischen Zeitung„Der Arbeitslose" polizeilich beschlagnahmt: serner hat der Polizeipräsident eine ösfent- liche Dortragsoeranstaltung mit Lichtbildern der NSDAP. über das Thema:„Magdeburger S.-A. im Kampf um das Dritte Reich" verboten. In der Begründung dazu heißt es: Der Kampf der SA. um das Dritte Reich stellt nach der letzten Entscheidung des Reichsgerichts eine hochverräterische Handlung dar: die Versammlung ist somit eine unfriedliche, die zum Ungehorsam gegen Gesetze auffordert und auch in sonstiger Weis« die öffentliche Sicher- heit gefährdet.— Der Polizeipräsident hat ferner einen Aus- marsch des Kampfbundes gegen den Faschismus am k. d. Mts. in die Umgebung von Magdeburg verboten. Die monatlich zweimal erscheinend« nationalsozialistische Zeitung „Die Front"(Kampfblatt des Gaues München-Oberbayern) wurde durch Beschlutz der Polizeidirektion München wegen Vergehens gegen die Notoerordnung und das Gesetz zum Schutz der Republik auf die Dauer von drei Monaten verboten. Die Nummer 5 der Zeitung„Die Front" vom 1. April wurde polizeilich beschlagnahmt. Kommunistenspuk in Flensburg. Ein Veichstagsabgeordneter muß verhaste« werden. Hamburg, 4. April.(Eigenbericht.) Am Sonnabend versuchten Kommuni st en in Flensburg trotz des Derbots össentlicher Kundgebungen eine Demonstration durchzuführen. Als die Polizei sich den Demonstranten entgegenstellte. wurde sie tätlich angegriffen. Zahlreiche Personen wurden verhaftet, unter ihnen der holsteinische Kommunistensührer und Reichstagsabgeordnete Heuck. Da heuck auf frischer Tat fest- genommen wurde, wird er sich wieder einmal wegen Aufruhrs vor Gericht zu verantworten haben. * In der letzten Sitzung vor der Vertagung hat der Reichstag die Genehmigung zur Strafverfolgung dieses Abgeordneten erteilt. Der Antrag daraus war gestellt, weil Heuck mit dem Grenzübertritts- ausweis eines anderen nach Dänemark zu gelangen versucht hatte. Auf Ersuchen der dänischen Grenzpolizei wird ihm nämlich kein Uebertrittsschew mehr ausgestellt. Im Westen doch Reues. Schwindungsprozeß der Almverbote. Der nordamerikanischen Herstellerfirma des Films„Nichts Neues im Westen" scheint es gelungen zu sein, die Unionsregierung iür die europäischen Verbot« dieses Grotzfllms zu'utteressieren. Die Vereinigten Staaten haben es ja meistens recht ernst genommen mit dem Schutz oerletzter Interessen ihrer Bürger. So haben in letzter Zeit die Gesandten Washingtons bei den Regierungen von zweien der Verbotsländer, nämlich Griechenland und Deutischösterreich, die Aus- Hebung der Verbot« befürwortet. In Athen ist sie auch schon erfolgt, in Wien scheint sie bevorzustehen. Die größte Wiener Kinogesellschast hat das Verlangen nach Aushebung des Verbots u. a. auch damit begründet, daß man das Verbot auf die Art begründet habe, es müsse solidarisch not dem Deutschen Nei ch vorgegangen werden: nun aber habe doch der Reichstag einen Beschlutz gefaßt, der das Verbot de» Remarquefilms tadle und seine Vorführung doch ermöglichen wolle. Wso verbiet« dies« Solidarität nicht mehr die Lorführung. Man erwartet nun die Aufhebung des Verbotes in Oesterreich: die genügend« Verurteilung einer Anzahl jener Herren, die seinerzeit durch zahlreiches und lautes Auftreten auf den Stratzen, Brandlegung im Schwsdenkino u. a. m. die Oberv orimi nd s chaft über das Publikum angetreten haben, dürste der Wiederholung solch sportlichen Tuns ausreichend vorgebeugt haben._ Moskauer Orientarbeit. Syrischer Sowjetagent verhastet. Beirut. 4. April.(Eigenbericht.) Der Tätigtest der gemeinsamen Abwehrstellen Englands und Frankreichs gegen die bolschewistisch« Propaganda im Orient ist die Entdeckung einer weiwerzweigten Organisation in Syrien geglückt, die zur polittschen Agitation und militärischen Spionage diente. Als ihr Letter ist ein armenischer Freiwilliger der Territorial- miliz der Libanon-Republik, Badrusian, ermittell worden, der einer der bedeutsamsten Sowjetagenten im Orient zu- sein scheint. Das schließt man aus den bedeutenden Geldmitteln, über die er nach eigenem Gutdünken verfügte, wie daraus, daß er ein Mensch inst«mer umfassenden Sprachenkenntnis ist, dar an Schweizer Hochschulen studiert hat und der die militärische Ausbildung eines hohen Offiziers besitzt. Aus den bei Badrusian beschlagnahmten Dokumenten hat die Polizei die Namen verschiedener Syrier er- fahren, die m russischem Sold« stehen. Im Zusammenhang damit werden wettere Verhaftungen erwartet. Da» Land wird auch weiter nnt einer Hochflut von Flugschristen der Soinintern und der Liga gegen den Irnpenaiismus überschwemmt. Di« Behörden haben bisher Druckerei und Redaktion des in arabischer Sprach« erscheinenden koimnunistischen Organs für Syrien ,�Der Rote Morgen" ermitteln können, das weiter pünktlich erschemt und auch regelmäßig verbrestet wird. Gandhi bleibt(Sieger. Im allindischen Kongreß/ Veforwpoliiik gewinnt. Bombay. 4. April.(Eigenbericht.) Der allmdische Kongreß, der vollständig von Gandhi beherrscht worden war. hat seine Arbeiten beendet. Gandhi bleibt der un- bestritten« Führer. Er hat zwar N e h r u in das Präsidium wählen lassen, nicht aber den Führer der extremistischen Jugend, B o s e, der die Errichtung eines vollkommen unabhängigen und soziali- stischen Indiens verlangt hat. Die Auswahl der Delegierten zur Zwesten englisch-indischen Konferenz bleibt Gandhi überlassen, der gleichzeitig beaustragt wurde, zwischen Hindus und Moslems eine Verständigung herbeizuführen. Gandhi geht nach London zur Indienkonferenz._ Zn ZSrfieuwalde hat der Hochverrats-Untersuchungsrichter des Reichsgerichts, Landgerichtsdirektor Braune, zwölf Zivilisten und zwei Soldaten vom Reiterregiment S verhastet. Es soll eine im Ausbau befindlich», noch nicht arbeitende kommunistisch« Zersetzungsorganisation aufgedeckt worden sein. Einig« der verhaftete» Zivilifteu waren vor kurzem noch— rechtsradikal. von der ersten Sorte!") Der Osterhase versteckt sich selber.(Motto:„Ich mag nicht hin, mir graut es vor dem Ortei") Stennes- und hitleranhänger machen einander Visite. (Motto:«Du überlustiger Gesell, juckt dich zum drittenmal das Aell?") Erst beim„Eier"suchen stellt sich volle Harmonie zwischen SA. und SS. ein.(Motto:„hier ist des Volkes wahrer himmeli") Die prinzipienfesten Hakenkreuzler. Oer Aaziführer von Corswant beantragt ausländische Landarbeiter. Einer der vielen Nazihäiiptlinge, die immer wieder, wenn auchstfl" unruWlicher Werse, von sich" redKk�nrochrn� ist der Gau- lester des Gaues Pommern der NSDAP, und der in Pommern gewählte Reichstagsabgeordnete der Nazis. Rittergutsbesitzer von Eorswant in Cuntzow bei IärMen. Ihm. der nicht stark genug gegen alles ilndeutsche wettern tarn, konnte im vorigen Jahr nachgewiesen werden, daß er in seinem Betriebe nicht weniger als 13 ausländische Wanderarbeiter beschäftigte. In die Enge getrieben, redete er sich darauf hinaus, daß er,.würde er keine ausländischen Arbeiter beschäftigen,„sehr bald bankrott gehen würde". Daß eine derartige Ausrede als ein Beweis dafür auf- gefaßt werden konnte, daß die ausländischen Landarbeiter in der Hauptsache ihrer Billigkeit wegen beschäftigt werden, ist dem Nazimann von CorSwant nicht in den Sinn gekommen. Trotz der Tatsache, daß selbst den Nazis bei der Beschäftigung ausländischer Landarbeiter durch von Eorswant nicht recht wohl war, denkt dieser nicht daran, damit zu brechen. Bon sozialdemo- krattschcr Seite wurde in der letzten Sitzung des Pommerschen Provinziallandtages mitgeteilt, d'aß er auch für das Jahr 1931 wieder die Zulassung von 20 ausländischen Landarbeitern beantragthat. Als Begründung führte er diesmal an, daß die deutschen Arbeiter für den Zuckerrübenbau nur bedingt brauchbar wären. „Gestern und heute." Llraufführnnq im Theater in der Stresemannstraße. Der Autor, hinter dem man einen britischen Komödien- importeur vermutete, zeigte sich als eine brave deutsche Dame. Frau W i n s l o e bemüht sich, die schrecklichen Uebelstände in den heute noch immer bestehenden adligen Stiften zu befestigen. Dort werden die Töchter der Aristokratie, deren Herz noch heute in monarchischer Inbrunst erglüht, zu altpreußischer Zucht dressiert. Die Mädchen sollen Soldatenmütter für die Zukunft werden. Natürlich ist Protektorin solchen Stiftes die hochgeborene Prin- zessin, und sämtliche Zöglinge bücken sich im tiefsten Hostnicks, so- bald das Auge der königlichen Hoheit auf sie fällt. Diese Stifte sind pädagogische Folterkammern. Kadettenanstalten und Unter- offiziersschulen für Jungen gibt es heute nicht mehr. Also rächt man sich an den armen Mädels. Da ist eine, die ist zarter besaitet. Sie leidet, sie bricht zu- sammen, sie will nicht mehr leben.. Die strenge. Oberin hat das ein- Zige Bedauern:„Was wird die Prinzessin dazu sagen?" Frau Wins loe dachte sich ein anklagendes Schauspiel aus, sie machte es schlecht und recht, eher schlecht. Denn es gelingt ihr nicht, allerhand mirrischen Uebertreibungrn zu entgehen. Die übliche Schwarzweißmalerei, mst der sich-dr�' min schon durch allerhand gute und böse Gesinnung abgebrühte Premierenmärtyrer abfinden muß. Man hoffte immer, es würde doch aus diesem reizvollen Milieu irgend etwas Merkwürdiges, Psycho!»gisch-Zartez, die Seele wirklich Tressenites herauskommen. Nichts von dem geschah. So dick und grob wie das Stück wär auch die Vorstellung. Alles wurde auf Effekt hervorgesprudelt und heroorgedröhnt und die vierundzwanzig oder mehr hübschen, talentierten Mädels ver» lorev die Stimm«, weil sie sich überanstrengten. Das tleiue Leiden#- kinö der altpreutzischen Femepädagogie wurde von Gina Falckenberg gespiell, die manchmal doch recht innig Kunde von ihren Gemütsschmcrzen gab.— Schade, daß trotz aller österlichen Milde nichts Besseres von'der sicher prachtvoll cmpsindeist>en Ver- fasserin des Stückes, der Regisieurin Leontin« Sagan, und des aaa ihr geleiteten Juugmädchenkorp» gesagt werde» kann. M. H. Obwohl die fragliche Sitzung des Pommerschen Provinziol- kandtages bereits mehrere Wochen znrückiiegt, also damit gerechnet werden kam:, daß die dort öö» stlzialdemokratischer Seite getroffenen Feststellungen den Nazis inzwischen bekannt geworden sind, ist von diesen gegen von Eorswant bisher nichts unternommen worden. Er darf noch immer eine führende Rolle in der Nazibewegyng spielen. Das Vorgehen des Rittergutsbesitzers von Eorswant gewinnt an Bedeutung, wenn man sich die Entwicklung des landwirtschaftlichen Arbcttsmarttes ansieht. Ansang März dieses Jahres wurden von den öffentlichen Arbeitsämtern nicht weniger als rund 2S7 083 arbeitsuchende deutsche Landarbeiter gezählt. Eine ähnlich große Arbettslosigkett ist bisher zu keiner Zeit in der deutschen Landwirtschaft festgestellt worden. Bei der Lage der Dinge muß leider damit gerechnet werden, daß in diesem Jahr auch zur Zeit des stärksten Arbeitsandronges eine allzu groß« Entlastung des landwirtschaftlichen Arbeitsmarktes nicht eintteten wird. Die Behauptung des von Eorswant, daß die Land- arbeiter für den Zuckerrübenbau nur bedingt brauchbar sind, ist dummes Geschwätz. Der deutsche Landarbeiter ist für den Zucker- rübenbau nicht minder brauchbar als jeder andere Arbeiter. Von Eorswant möge sich drehen und winden wie er will, er wird, von seinesgleichen abgesehen, keinen finden, der sein Verhalten billigt. Hüte dich...! Oer oute Vat eines Klopffechters. Das Blatt. Otto. Straßers ist indiskret. Besonders wenn es sich um die- Verfechter der„legalen" Hstlerei handelt. In seiner neuesten Ausgab« veröffentlicht es folgenden Brief, der nicht in der kleinen Razi-Presse untergehen darf: Lieber Herr Pg. Paael! Auf Ihr Schreiben vom 8. d. M. teile ich Ihnen mst, daß die kommunistische Broschüre, die Sie uns gesandt haben, schon seit Jahr und Tag bekannt ist. Za der Heilmann-versammlung werden Sie nicht sprechen, da Sie sich und die Partei gegenüber diesem gerissenen Juden blamieren werden. Selbst unser« gewiealesteu Redner haben in einer Versammlung, in der heilmann das Schlußwort Hai. einen schweren Stand. Außerdem unterhalten wir Naiianaljozialisten uns nicht mst Juden über politische Ding«. Bei Ihren Reden bitte ich Sie, etwas vorsichtiger zu sein, da Beschwerden in Massen über Sie hier eingelaufen sind. Arbeiten Sie meine Broschüre:„Die Berdunmmng des deutschen Volkes durch die Sozialdemokratie" einmal durch. Nicht Schimpfen, sondern Tat- sachen beweisen! Wenn ich als Zlelterer und als Ihr Gauleiter das schreibe, wollen Sie das in Ihrem und im Interesse der Partei als käme- rads chaft liche Ermahnung entgegennehmen. Mit deutschem Gruß und Hstler-Hest! 6l)r Wilhelm Kube, Gauleiter und Mttgl. des Preuß. Landtags. Die Angst des-Klopffechters Kube vor einer Auseinandersetzung mst einem Sozialdemokraten ist so stark, daß er selbst dem jungen „Aktivist" die väterliche Mahnung gibt: Hüte dich, du könntest dichbla mieren! Karl Kautsky. Der letzthin veröffentlicht« Brief der Genossin Luise Kautsky enthielt die Mitteilung, das Karl Kautsky nicht unerheblich erkrankt sei. Wir können jetzt berichten, daß das Befinden Karl Kautskys gebessert und unser verehrter Freund fieberfrei ist: die völlig« Gesundung wird allerdings nach der Meinung der Aerzte einige Zett brauchen. Ostern in der Hedemannstraße. Nach Motiven aus dem Osterspaziergang in Goethes«-Faust". «sfenbnngen für birfc Rubrik sind 9 c t Ii n SB«8, Linden strahe 3, parteinachnchien�W� fürGroß-Nerlin stets an da« Bezirkssekretariat 2. Hof, 3 Treppen recht», zu richten Erweiterter Bezirksvorstand. Sitzung des erweiterten Bezirksvorstandes am!?rei- tag. kv. Äpril. Pünktlich 19 Uhr, im Sitzungssaal, Linden- stratze 3, 2. Hof, 2 Treppen. ip Beginn aller Veranstaltungen 19ztz Uhr, sofern keine besondere Zeitangabel B. sttei» zrirdrichshaill. Die Abteilunpskastirrer boiru sofort die Billetts für dir Maifeier vom Kreiskafsiercr ab. Dieselben müssen bestimmt am Zoblabcnd ausaeaeben werden. Dienstag. 7. April: SBD..?rcidenker.?raktion Gro�-Berlin. Heute, IS Uhr, au bekannt«, Stelle bestimmt erscheinen. Parteibuch und Einlabunfl ist mmmeiacn. Der graktionsoorstand. 6. Abt. iTunltipnocritvun« bei Dobrobiaw, Croinemünder CK. III. 8. Abt. ssunktioniirstbuua bei Rickert, Eteinmetistr. 36*. 13. Abt. stnnltionärstüuna bei Lonfch. Wiclcfstraste. 1». Abt. üofal Kiniek, Uscdomstr. 22, ssunft ionärfitanfl. 18. Abt. ssunkNonürssstuna bci Schade, Kösliner CK. g. 20. Abt. 20 Ubr isunktionörststima bei Pose, stoloniestr. Ib. 23. Abt. ssunftionärsistuna bei Trunrwaldt, Kameruner CK. 12. Abteilunps- vorstand ISib Ubr cbendort. 24. Abt. zunktionarstpuna bei Rösncr. 27. Abt. eznnflioniirssbuna bci Ufert. SleimsK. 56. 32. Abt. 20 Uhr ffimltionärfifcuna bei Kromvbarbt. Paus�inaer�k. 4g. 38. Abt. B«,irksfiibrer nebmen 20 Ubr Material bei Bartusch, ss rieder ffr. 88. cntaeae». Anschliessend ttir�c Besprcchuna. 43. Abt. isunktionärüknna bei Krepp, Planuser. 44. Abt. gunklionärsissun« bei Ewald, Clalisser CK. 128. 43. Ab». 10 Uhr Funstionärstssuna bci Zander, Laustster CK. 2b. 78. Abt. lsunstionärstssuna im bekannten Lokal. 00. Abt. ssilnklionarstssima bei Cchabeiko. Wcichselstr. S. 13«. Abt. 20 Uhr bei Kiebne,!?unklionärstssuna. Mitgliederversammlungen und Zahlabende am Zstillwoch, 8. April, in nachstehenden Lokalen: I. Abt. Hackcscher Hof, Roseirtbaler CK. 40—41. Willy Ropae: Wirtschaft»- fronen. Z. Abt. chewerkschastsbaus. Enaelufer 24— 26. Ministerialrat Dr. Joachim: Der arsellschafNichc Aufbau der Cowietunion. «. Abt. Zal,u>b,�d in den bekannten Lokalen. 8. Abt. Zablabciode i» sola«„den Lokale»: Richert, Ctcimncssstr. 86». Thema: ..Gesess Gross- Berlin". Refrrcnt: Gcnossc Guro». Klemk«, Elssholgsk. 19. Refcrrnt: Ecnossr Sirschbera. Seiler, Etrinmessstr. 20. Rrfercnt: Genoste Kricke. Plotb, Lüssowstr. 7. Referent: Genosse SIratmann. 11. Abt. Beracr, Lcvchow- Ecke Iagawstrosse. Dr. Hanisch: Die Wcltwirt- schaftskrisc. Ursachen und Lehren daraus. 12. Abt.- irischer, Beusselstr. 32. Bernhard Krüacr: Cosialismns und Landes- ncrteidiquna. 14. bis 23. Abt.(3. Kreis). Zohlobende der 14. bis 23. Abt. in de- de- kannten Lokalen. 24. Abt.. 1. Gruppe: Rösncr. Zimnanueirirchstr. 26. 1». Gruppe: Ahl- schlaoer. Win». Ecke Ehristburger Strasse. Internationaler, nicht natio- naler Sozialismus. Paltin Hartig. 2. Gruppe: Bieberstein, Daniiaer Strasse i«. 3. Gruppe: Wcnzkc, Carmcn-Snlva-Str. 51, Ecke Holemann- strossc. Prensscnpolitik. Luise Köhler, M. d. 91. 4. Gruppe: Restaurant Serina nnsbeiin, Laubrnfolonie. 25. Abt. 20 Uhr Zahlabend? bei Zahrenholz. Esmarch. Ecke Allensteiner Strasse. Sawahki. Allensteiner Str. 23. Röseler. Goldaper Str. 9. Schmidt, Kurische Ecke Kniprodestrasse. Wcrncuchencr Schloss, Eltinqer Ecke Werneuchener Strasse. Krämer, EothcniussN. 3. In allen Zahlabenden Referate. 27. Abt. Zahlabendr in den bekanutcu Lokalen. 28 Abt. Cöiwcd'rr Testsale, Schwedtcr Str. 2S. San« Bogel, 99t. d. 9t.: Die aecieinvärtiaen Aukaoben der Sozialdemokratie. 2». Abt. Altershrim Tanzigcr Str. 62. Robert Breuer: Di« Aufgaben des Rrichsparteitaars. 30. Abt. Zahlabendr i» den bekannten Lokalen. 31. Abt. Di« Zah labende werden vom 8. auf den IS. April verschoben. 34. Abt. Zablabende. Lokal Eadiner Str. ll. Scidliss. Romintcner Str. T. 37. 38. 3». 41, 43. 44. 45. 48. 52. 68. 73. 78. 79. 84. 9tamt Tay Iackko« 9mM. JNbbuuw. Mna«fc«. Lewinski: Moderner Skafvollzu«. Abt. Zablabende und Diskufnonsabend« w den bekannten Lokalen.«»» trag: Zur politischen Loge.... � Abt. Zablabende in ollen 19 Bezirken rn den dekannten Lokalen. 9t-« Mitalieder find besonders einaeloden. Adteilungslertuna dl» 14. Aprrl Genosse Sründlcr, Koppcnstr. 48. Abt. 20 Ubr Bauacwerksbund. Grossbrerrnstr. 96. Sermann Sarmsch, M. d.£.: Das neue Gesess Gross-Berlin. Abt. 20 Ubr Zablabende in den betannten Lokalen. 18>4 Ubr Srssuna der Funktionär« mit der Abteilungsleituna bei Lipfert. Mariendorfer Str. 6. Abt. Zablabende in den bekannten Lokalen. Achtung. Bezirke 123. 124 bei Schulz, Eompbaufenstr. 1. Bezirk 130 bei Krüger, Grimmsk. 1. Abt. Schule Marionnenstr. 47. V-rkag drs Genossen Franz Künstler. Abt. 19' Mir in den bekannkn Lokalen. Gruppe Sohlstein im Lokal Sommer, Wiener Str. 26.„» Abt. Achtung, neues Lokal! 20 Uhr Armin-Saie. Kommando nie nftr. 58, Müglirdervcrsommlung. Carl Litke: Zur politischen Log«. Abt. 20 Ubr bei Kofske. Kaiscrin-AuguNo-Allt« 81. Stadtrat Ernst Reuter: Was bringt uns dos neue Gesess Gross-Berlin?____ Abt. Sandmann. Westfälische Sk. 42. Mar Brintsser: Politische Tage«. fragen.„„ Abt. Deutsches Sans. Breite Skasse. Stadtverordneter Sans W-Ywod: Kommunalpolitik.„. � Abt. Zablodendr am 8. April fallen in diesem Monat aus. Dafür Ab- teilungsversammlung am IS. April im Gesellschaftsbaus des Westens, Sauptstr. 30., m.,,. Äbt. Zablabende in den bekannten Lokalen. Bezirk 117 tagt icsst im Lokal Klöckner.... . Abt. Ledigenheim, Enthstrvsse. Mar Schrafftädt: Arche lisk rite mich Misere schulentlassene Jugend._„ Abt. Lokal Lebmai, n. Kaiser-Wilhelns�k. 29— M. Bvrgermeistrr Dr. Ostrowski: Das neue Gesess Gross-Berlin.._.. Abt. Zablabende. 2. Bezirk im Lokal Ranak, Werdcrstr. 12. 3. Bezirk im Lokal Lennig. Frirdrich-Wilhelm. Ecke Manteuffclstrasse. 5. Bezirk im Lokal Senning. Kaiser-Willielm-Sk. 1. Ecke Rtoltkrstrasse. 6. Bezirk IM Lokal Eämfer, Ringbohnstr. 12. 7. Bezirk im Lokal Happel. EoMieb- Dunkel-Sirasse Ecke thrrmoniaskassr. Referent: Genosse Burgemcister: Koimnunalpolitisäie Togessragrn. Abt. 20 Ubr bei Schustrr. Kirchstr. 68. Gorl Wermutch: Der Bankrott der kavitalistisäien Weltwirtschaft.„.».. Abt. Zahlabrnd in den bekannten Lokalen. 6., 6. und Ist. Bezirk bei Schulz. Rcuterstr. 47. 8. und 9, Bezirk bei Winker, Ransenstr. 38. In sämtlichen Zahlabenden Vortrag: Sozialistische Arbciteriugend und Barte,. Abt. Zablabende in allen Bezirken in den bekannten Lokalen. 2g. Bezirk im Lokal Rüdiger, Lobmülilrnstrasse. Srinz Mann: Die Politik unserer Abt.% Ubr Zablabende. Thema: Der Kampf um Preussen. A., 58.. 60. Be. zirk: Iägerheim, Wildenbruchstr. 81, Genosse Kolb. 54., 55. Bezirk: Ganter, �....... n—«,0..._ rr.■— Jf.-r"!______ f CO-.: w*. 6T�ü*�fvÄ»» Äjs f f—" s r- 1 80., 85. Bezirk: Schade. Rosengcrstr. 9. Ecnossr Pacsscl. 87. 88. Bezirk: Schneider, Roirnstr. 7. Emil Strinkc. 52.. 53.. 57. Bezirk: Schtkorra. Schandauer Sk. 1. Geburtenrcgciung und K 218. Dr. Löw. 93.«cht. Schilling. Kirchlios. Eck- Wippcrstpassc. Otto Meier, M. d. L. Di« Aufgaben des Reichspartritaacs..____ 9«. Abt. Meisels Festfäle, Ionasstt. 22. Friss SÜMidt: Sozialismus und Frei. drnkcrtnm.... � 99. Abt. 19>d Uhr.Zablabende in den Bezirken. 152. und 166- Bezirk un Der. sommlunqsraum Srnnannstr. 40. Vortrag:„Die Frau in der>nter- nationalen Arbciterbeweguna". Ref.: Genossin Rietsch«. 134. v. 165. Be» zirk bei Echillhig(früher Roddass). Chausseestr. 39. Vortrag:„Parte, und SAI." Rcierent: Gciiosse Scigewasser. 156. bis 169. Bezirk bei Tristrand. Pstrqerstr. 48—49. Vortrag:„Sozialpolitik imd Arbeiicrrecht". 160. Bezirk bei Discher. Buckow. Chausscesk. 12. Vortrag Genosse Gutschmidt: Das neue Gesess Gross.?«rlin". Für den 147.»md 148. Bezirk findet der Zahl. abend am 15. April, bci Thomas. Chausseestr. 10, statt. 192. Abt. Baitmschulrnweg. Dir Mitgliederversammlung findet für alle 16 Be. zirke gemeinsam rm 19H Uhr im Saale von Bieler, Altes Eierhäuschen. statt. Tbcnia:„Die Reue Notverordnung, ihre Anwendung und Au» Wirkung". Referent: Assessor Genosse Dr. Adrian vom Polizeiprästdinm. Enneinfamer Abmarsch der Mitglieder von Alt.Baumichulempeg 1911 Uhr, am Bahnhof.._,.„, 97. Abt. Zablabende.«leistnrr. Sermann. Eck« Cchierkestrasse. Swdtverorch. netcr Reinbold Eiäiberg: Das neue Gesess Gross-Berlin.«usski. Sermatm- Eck- Leiiirstrassc. Richard Günther..Srlmle, Wartheplass. Oppermann. Wivper. Ecke OdersKassc. 98. Abt. 136. Bezirk. Wanzlick. Oberlandstr. 1. Mein« Eindrücke von der ADGB..Bundcssä>ule Bernau. Refcrent: Erich Schmiedel. 136. bis 141. 9�. zirk: Lokal Teich. Kn-sebeckstr. 136(1»'4 llhr). Oefsrntlichr Wirtrchafi. Referent: S. Iakubowicz. 142. bis 145. Bezirk tagt erst am llttittwoch. dem 15. April._, 99. Abt. Tristram, Dürgevstr. 48-4». Paul Zippel: Soziolversscheruna 191. Abt. Zablabende in den bekannten Lokalen. Lokal Mann Kiefholzstr. 21. Eduard Zachert, M. d. L.t Der Reichspartei tag. IM. Vllt WBaBiliiiiinfiiunlu«Mit 8.«2*8. Mm®- 8axtt t» Saal des Knffbäuser.___—,.-„■ 107. Abt. Geineiilschaftsbau« der Gartenstadt Falkenberg. Aus el2t«ZN Rapchti». dampfer in Russland und»er Türkei. 119. Abt. Werner, Köpenick«- Str. 126. Viktor Mali na: Dre Enzyklika de» Papstes. III. Abt. Zgblabend find et erst 16, April statt. 114. Abt. Logeiikosino. Knorrpwnienad« 2. Vortrag des G-»ollen Dr. Richard Mischler. 115. Abt. Schulaula. Kr-Iiprinz-Iistrass«. Die Wirtschaftslage. Mar Scydemann. 118. Abt. Sarunann, Irenen. Ecke Rofenfelderstrasse. Airiia Sartoch: Kultur. politisch« Fragen. 12«. Abt. Wiehes Gesellschaftsbaus- Wilhelmstr. 36.«iktor Scheff: Der' Reichspart ei tag in Leipzig..... 121. Abt. König. Treslowolle«. Mar Eirvers: Freidenker im stnlkirianrvi. 123. Abt. Ochiist-'nklause, Hönower Sk. 5. Paul Bernstein: Jugend und Partei. 128. Abt. 1. Bezirk: Roack. Kaiser-Frirdrich-Sk. 5ß. 2. Bezirk: Griffel, Kaiser. Frirdrick8Str. 15. 3. Bezirk: itobcr. Berliner Sk. 86. 4. Bezirk: Fnlbe, Lindenpromenade Eck« Bcrliiirr Skasse. 5. Bezirk: Boreik, Berliner Kisstngcnfk. 4. 8. Bezirk: Heinz«. Kisiingenstr. 4«. 7. Bezirk: Bader. Ksfingenstr. 4. 8. Bezirk: Grass«, Kisfingenstr. 11. 9. vnd 10. Bezirk: Lclunann, Mühlen. Ecke Morimilianstrasse- 129. Abt. Dezirk 1—4. Bunter Abend im Sängerheim, FlorasK� 93. Vor» tragender: Henry Reiff. Bezirk 6—8: Tltrkifche« Zelt, Breite Strasse. Be» zirk 9—10: Rcumann. Mendelstr. 17. 134. Abt Göpsert, am Bahnhof. Zur politischen Lage. Kurt SästndZer. 136. Abt. Zahlabrnd« in den bekannten Lokalen. 138. Abt. Lokal Forsthaus. Auaustc.BikwrioStr 84. Emil Barth: Der Weg aus der Krise. 139. Abt. Alter Krug, Lauptstr. 14. Jakob Weier: Wir und das Kadinett Brüning. 14«. Abt. Lokal Woitschach. Ernstste. 1. Dr Sans Muhle: Nazi lUtd ihre Re- volution. Parteiangelegenheitrn. 140-.. Abt. Abteilungsversammluna 8. April findet nicht statt. Dafür Nitt. woch, 15. April. 20 llhr, bei Secf«, Berliner Ett. 73, öffentlich« Kund- gebung:„Gegen Fgsäiismus und Kriegsgefahr". Referentin: Käthe Kern. Alle Mitglieder werbrii bierfür und beteiligen sich Soirnabend und Sonntag, 11. und 12. April, an der Flugblattverbrciwng. 143. Abt. Zahlabend erst am 15. April. Frauenveranstalkungea. 4. Kvei«. Funkttonärinnenistssuna am Mittwoch, dem 8. April. IL llhr, bei Klug, Danziger Sk. 71. Ausgabe der Billetts zum 21. April. ». Abt. Mittwoch. 20 llhr. be! Hufmbach, Perleberger Ecke Lehrter Skasse, gemütlicher Fraucnabcnd unter Mitwirkung der SAI. 24. Abt. nnd 24. Abt. 3. Senpp«. Freitag, 10 April. 19(4 Uhr, im Alters. heim Danziger Sk. 62:„Unser Kampf gegen den.6 218" Referentin: Dr. Käthe Frankenthal, M. d. 8. 121. Abt. Montag, 13. April, 20 Mir. bei König. Treskowallee:„Die Zukunft der deutschen Frau". R esc rentin: Helene Schmiss. M. b. L. 134. Abt Blich. Besichttgung des Sehlrnforsämngsinstitut» am 8. April. Treff» vunkt 14(4 llhr Normaluhr. 137 Abt. Diens'ag. 7. April, 19(4 llhr. im IValkshaiis". Echarnweherstr. 114. �ö«itcrrr Abend" Vortragender: San» Fuhrmann. Kuchen und Tasse bitte mitbringen. Arbeitsgemeivschasl der Sinderfreunde Groß-Berlin. Kr«i» Schöueberg. Karttn für die Zehn-Iahres�Frirr im Grossen Schauspicl- daus am 12. April stnd bei der Genosstn Peterson. Feurigste. 66, zu holen. Preis 80 Pf. für Eltern und Falken. Reukölln. Nestfalkenhelfer. Die Teilnehmer zahl zum Nestfalketrlager ist bis zum 12.. April an Grrttud Schulz. Manitiusstr. 30, zu melden. Krei» Krenzbeeg. Unsere Kinder fahren Montag, 19.39 llhr, von Rüders- dorf zurück. Ankunft Schlestsäier Bahnhof. Dienstag Kreishclferstssung uui 20 llhr in der Wasscrwrstr. 9. Ahrechnung der bisher verkauften Karten für di« Zehn.Iahr«s4Fei»r. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 7. Abk. Seuoss« Franz Gr«ue, Boyenstr. 16, ist verstorhcn. Einäscherung Dienstag, 7. April, 18 llhr, Krematorium Gerichtskasse. 93. Abt. Genosse Wilhelm Cchulss. Köllnische Allee 1L7, ist verstvrben. Beerdigung Dirnstag, 7. April. 14 Uhr. auf dem Neuköllner Gemeindefriedhof, Mariendorfer Weg.__ (Gewerkschaftliches siehe 4. Beilage.) Verantwortlich für Politik: Frau, Klübs: Wirtschaft:®. KNugclhöfer; Dcwerkschaftsbeweguiig: Fr. Essloru: FeuMeion Dr. Zoh» Schit»w»ii: Lokales: und Sonstiges: Friss Karftödt; Anzeigen: Th. Slocke: sämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts-Verlag®. m. b. L-, Berlin. Druck: Borwärts-Buckchruckeref und Verlagsanstalt Paul Singer u. Eo.. Berlin EW. 66, Lindenstrgsse 3 Kicrzu 5 Beilagen. x-sWM Ve® MM ö' Verlangen Sie den neuen Fi ühjahrskatalog Gros*® Gartenrnöbel» «cba« im 1. Stock S 6 1 d 6 nve I O U n 6 tte reine Seide mit reinerWoIle 100 cm breit, Meter Bedruckt. Crepe Satin reine Seide, neue Muster, In marine und»cbwart, ca. Bedruckt. 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Von diesem erhöhten Standpunkt, zwischen Konseroenbüdisen und Marmeladeneimern, kann man auf eine langgestreckte Sandwüste sehen, deren äußerste Grenze am Horizont die helle Sdiotierzeile der Heerstraße bildet. Es verlohnt sich nicht, einen Schritt in die Wüste zu tun, mo der Sand ohnedies schon unbarmherzig in die Schuhe rieselt, wenn dort unten, am Abhang eines Hügels, nicht jenes merkwürdige Stacheldrahtverhau wäre. Führt hier jemand Krieg, etwa gegen das eisenberoehrfe Oval des Sportplatzes zur Linken? Oder wenn nicht, welches Geheimnis birgt sonst der Stacheldraht? Sonderbar, jetzt steigt Rauch auf, dünner, blauer, ja, haben sich dort vielleicht nach Neu-Westend verschlagene Buschleule in die Erde eingegraben und braten gerade einen Hammel? Oder hat»ich dort ein Mann mit einem Spleen ein groteskes Eigenheim errichtet? Knappe tausend Meier entfernt vom Reichskanzler platz, wo am Abend, vorerst in blauen Leuchtbuch st aben, das entstehende neue Zentrum Berlins angekündigt wird. Wir klettern einen verlorenen Schienenstrang entlang, die ausgedörrten Bahnschwellen liegen zu einem Haufen getürmt, daneben. Anscheinend ist das hier der„milde" Westen, aber so sehr wir den Draläverhau absuchen, so wenig läßt sich irgendwo ein Loch zum Durchschlüpfen finden, geschweige denn ein Eingang. 3m Llntepsiand am Funkturm. „fjallnh!" Keine Antwort. Nur die Rauchfahne zittert ein wenig und streicht, vor einem Windstoß stch duckend, über Bretter, Kisten, einen Reisekorb und eine umgestülpte Lore.„He, komm' doch mal einer raus!' Wir waren aus olles gesaßt: aus Rübezahl, aus Winne- tou, aber der Wann, der jetzt Zoll für Zoll aus dem Baden her- vorkam, war beileibe kein Erdgeist, sondern ein untersetzter Jünf- ziger. mit einer Ledermühe aus dem Kopf, einer Shagpfeise im Mund, dazu ein Wollsweater, Manchesterhosen und Klohpantiueo, ein Mann also, wie man ihn zu Tausenden findet. Er hält sich auch gar nicht lange mit der Vorrede aus, rollt ungefähr einen halben Meter lang den Stacheldraht zusammen»nd holt uns herein. „Kommen Sie man ruhig weiter, hier draußen ist's kalt, aber unten ist es warm." So geht es an einer Latrine, einem Häuschen Koks, einer Wäscheleine, aus der ein Nejsellaken baumelt, und einem Sägebock vorbei zur Treppe. Diese Treppe, die in eine wirkliche Unter- weit führt, ist kunstvoll ausgehoben, mit Brettern und Bohlen ab- gesteift und die beiden letzten Stufen bedeckt je«in Streifen einer roten Kokosmatte. Dann kloppt eine Tür auf und man ist in dem Die Hütte am Waldeshang warmen Ualersiand, denn zu diesem seltsamen„Eigenheim" des SSjährigen, ausgesteuerten, ehemaligen Tiefbauarbeiters Otto 1. „Höhle" zu sagen, wäre nichtswürdig. Wir sind drei Mann, aus jeden kommt ein guter Kubikmeter Raum, einer sitzt aus dem Bett- rand, das Bett ist wie eine große Ofenröhre in die linke Seitenwond eingelassen, und damit niemand aus den Gedanken kommt, wir wären bei armen Leuten, verdeckt den Schlafraum ein dunkelgrüner Fries- Vorhang. Der zweite sitzt auf einem Hauklotz vor dem Ösen,„der brennt wie der Deibel', sagt der Mann, über dem Ofen ist noch ein schmales Fenster und der dritte hat auf einem kleinen Schemel Platz genommen, dicht vor dem Küchentisch. Dieser Tisch ist ebenso wie das Bett in die Wand eingelassen, also richtiger ein Wandloch, auf desscm Boden eine linoneumüberzogene Tischplatte liegt. Auf oder über dieser Platte liegt, steht und hängt: Küchenlampe. Reibeeisen, „zum Pusferbacken', sagt der Mann. Nadelkisten, Handspiegel. Weckeruhr, Koffeemiihle, Teller, Messer. Gabel, Löffel. Tasten, Töpfe. Büchsen und eine Schmalzkrause. Zwischen Bett und Tisch steht ein Spind, hier hängt die JDiaiichestersacke, ein Paar Ausgchhoscn und ein Hut. Unter dem Spind sitzt„Mäuschen".„Aläuschen ist die Katze und wichtiger als die Weckeruhr und das Reibeeiscn. Tagsüber pennt„SR du scheu" und nacksts, nacht sie Jagd aus Natten. Wäre die Katze nicht da, würden die Rotten de» Unterstand mit Beschlag belegen...Die cm der Heerstraße", sogt der Mann weiter,.chalde» keine Katze, die können.süh vor Ratten nicht retten.'„Wie lange haben Sie denn an diesem Unterstand gebaut?'„Knapp seebs Wochen, es will doch alles ordentlich gemacht fein, mit Fenster, Dach. durch das kein Regentropfen kommt, auf die Erde Hobe ich erst«ine Schicht Pappe gelegt und darüber einen Läufer." Im übrigen leben diese Arbeitslosen hier aus Kosten eines Rechts st reits zwischen einer Bausirma und der Stadt Berlin, vorerst weiß kein Mensch, wann das Schlußwort in diesem Prozeß gesprochen wird, der das Schicksal jener Sandwüste zwischen Funk- türm und Heerstraß« einmal entscheiden soll. Am 1. Mai können die Funkturm-Leute chr erstes Wohnjubiläum feiern. Einheitsmenu: Kartoffelsuppe. Neben dem Achtundfünfzigjährigen wohnen uoch vier Menscheu am Rande des vornehmsten Berliner Sladt teils, drei Männer und eine Frau. Alle ungefähr im gleichen Zltter. Zwei Hausen an der Funkturmsettc, drei an der Heerstraße. Die Frau des Achtundfünfzig- jährigen ist vor neun Iahren gestorben. Sie hatte ihm sieben Kinder geboren. Aber diese sieben können nicht ihren alten Vater ernähren. Die alle Geschichte. Die älteste Tochter ist seit drei Jahren oerheiratet, hat selbst zwei Kinder: der Mann ist arbeitslos. Sonntags kommt er und holt stch von seinem Schwiegervater, dem„Höhlenbewohner", Koks! Im übrigen geht der alte Mann ordnungsgemäß stempeln und bezieht Erwerbs- losenhilse.„Wie richten Sie sich denn nun Ihr Leben ein?"„Wir schlafen lange. Bis zehn Uhr schlafen, heißt das erste Frühstück sparen. Sonst reicht die Unterstützung gerade so für Kartoffeln, Heringe, Bryt. Schmalz. ZNalztastee. Petroleum und etwas Tabak. Um nicht ewig Kartoffelfiippe zu essen, hole ich mir manchmal grüne Heringe. Die esse ich entweder gebraten oder ich leg« sie mir ein. Zu Fleisch reicht es nicht. Mein Kollege von nebenan geht mittags meistens zu den Krankenhäusern in der Umgegend, die geben vom übriggebliebenen Essen. Aber da treten auch immer fünfundzwanzig bis dreißig Mann an."„Und wo holen Sie Master?" „Früher vom Funkhaus, aber da mußten wir neuerdings durch ein Zaunloch krauchen, deshalb holen wir Wasser jetzt von der Avus. Wir haben eine Tonne in die Erde eingelösten, die säht gleich sechs Eimer. Das reicht für drei Tage." Auf unsere erstaunten Gesichter über diese seltsame Art von Wasserversorgung ergänzt der Mann' „Ja, wir sind kein« Schweine. Sonntags machen wir heiß' Wasser, ziehen uns nackend aus und baden. Sehen Sie unser Hemd an, es ist ganz rein«.' Dana holt der Alte sein« Schnupftabakdose hervor, kippt sich eine Prise aus die linke Daumenwurzel, schnupft behaglich und beginnt das Feuer in dem Koksofen zu schüren. Man muß mit seinem Los zufrieden sein, meint er und zieht„Mäuschen' von ihrem Lager hervor.„Mäuschen' legt aber gar keinen Wert darauf, unsere Bekanntschaft zu machen und wäre lieber bei ihrer Konservenbüchse voll Heringsköpfen geblieben. Nächtliche Sturmangriffe. So sonderbar es klingt, so ist es dennoch wahr: die„Hahlen- bewohner überfallen niemanden, werden jedoch ständig überfallen. Aus diesem Grunde umspannt auch das Drahtverhau die Unterstünde am Funkturn,. Neulich griffen dreizehn Maua Otto uud Wilhelm au. (Wilhelm ist Ottos Knmpel von nebenan.) Die dreizehn waren Betrunkene, jüngere und allere, die der Uebernmt plagte. Otto und Wilhelm saßen um elf Uhr nachts bei Oito im Unterstand. 2>ie Lampe brannte, sie erzählten sich etwas von vergangenen Zeiten. Bums, bullert es mit einem Male gegen dos Dach und dann geht ein Tronnnelseuer los. ein Stein nach dem anderen sauft herüber. Jetzt wird es brenzlich, denken die beiden, pusten die Lampe, damit das kleine Fenster kein Ziel bietet, Otto bewaffnet sich mit einem Gummischlaml), Wilhelm mit einer Eisenstange. Plötzlich gehen die Trunkenbolde zum Sturmangriff über, aber ihr Kriegsgeschrei weicht schnell einem fürchterlichen Geschimpfe, der Stacheldraht, der in der finsteren Nacht schlecht zu sehen war, muh eklig gepiekt haben. Johlend zogen st« ab..Kommt denn so etwas öfter vor?"„Mann, emmal kamen ungefähr dreißig Bengels. Die verlangten, wir sollten die Lore herausgeben, die wie Innerhalb des Drahtverhaus zu stehen haben. Hier fackelten wir aber nicht lange, holten Schlauch und Knüppel vor und jagten die Lümmels in die Flucht. Einmal hat Vorhof und Hauseingang man uns aber doch einen bösen Stretch gespielt. Wir waren in der Stadt und als wir zurückkamen, sagten uns am Funkhaus schon die Kinder:„Sie. bei Ihnen haben sie eingebrochen!" Wir rannten wie di« Bürstenbinder und ertappten noch gerade zwei Kerle, die die Schlösser ausgeschlagen hatten und eben dabei waren, Ottos Unterstand zu demolieren. Das Bett war schon zersetzt. Die Burschen haben wir uns ober gekauft, die brechen kein zweites Mal bei uns ein. Aber sagen Sie selbst, ist das nicht eine Schande, dauernd uns alte Leute zu übersollen?' Im übrigen ist es interessant, daß die Polizei jede Woche über- raschcud die Unterstände untersucht, allerdings weniger auf Schaud- taten der Bewohner hin. die zufrieden sind, daß sie hier hausen können. Wichtiger ist, daß die„wilden" Westler keine Berbreckn-r verstecken, aber Otto und Wilhelm beteuern:„Und wen» uns ein Räuber hundert Mark bieten würde, wir nehmen keinen auf. Jedes- mal, wenn drüben im Grunewald etwas los war, dann haben wir schon genug Scherereien. Nee, nee, wir wollen unsere Ruhe haben." Fraktionelle Spaltungen. Es bestätigt sich also nur wieder einmal, daß der Frönuujle nicht in Frieden leben kann, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Das gill aber nicht minder für die fünf Berliner„Außensellcr" untereinander. Irgendwo hat es einmal jemand gesagt, wenn inan drei Deutsche auf eine Insel sperren würde, gründeten zwei davon einen Verein uud beschimpften den dritten. Aehnlich machen es die fünf. Di« haben wohl noch keinen„Berein der Höhlenbewohner e.V.' gegründet, sind aber treu und brav„fraktionell gespalten". Die vom Funkturm erklären die von der Heerstraße für verrückt und umgekehrt. Das geht mit der Katze los, die die von der Heerstraße nicht haben. Also werden die Heerstraßcn-Leute von Ratten aus- Der Unterstand hinter Stacheldraht _____WOUPLöSOf BOUCLE TEPPICHE -SSSiMSW-». Si3i§% M ii59.- ca 300 MO BETTUMRANDUNGEN USUFERSTOH uniara mccn-Ou«. /> I-XA«"VPS vecove, Hoftm . ,1 VsJw o«O-MO UK-*' nwrt«*'noiaen Ab- bang hineingcbaX't. Ihn Glanzstück ist cyi alter Kachhevt� oen die drei gesunden Haiden.'Bor diesem cherd steht die Frau und kocht das Einheitsmenü' aller Höhlenbewohner: Kartosselsuppe. Nur sind die drei nickst vsrückt. Im Gegenteil. Die haben eine alte Therniosslasche vor ihren Unterstand gestellt,'die sich mit Münzen füllen soll. Es kla ppert aber nur selten, obwotj e� an ganzen Scharen feingebügelter Jltcugietigct nicht fehlt. Die schütteln jedoch nur immer den Koch über das Elend und fasjer, nicht jkn die Tasche. Die Heerstrahenbewohzrer— d. h. die um. Rande ivkr Wüste, nicht etwa die ans den Villen— solle» übrigens zu denje nigen gehören. die seinerzeit im den FSrstenbrunncr Mülllierge». gehaust haben. Die Kolonie doch kriegte sich eines Tags w die Huare und begann sich gegenseitig die Waden in Klump zu schl»>zen.. Vielleicht ist das ei» Zeichen der Nerruckiheit. Aber sonst äusjert. der eheinalioe Ma- trose, der seinen A»iker auf den Unterarm tötopzisrt hat und in" seinem roten Fliegenbart une- Rübezahl aussieht, gary v ernünstigc Ansichten. Er meint:„Wir nzohnen jetzt schon den ga gz?» Winter durch hier. Es ist aber nichts'los in dieser Gegend.'.Vir werden unser Zeug zusammenpacken und an die Ostsee machen. Wenn wir uns da am Strand eine Wohjnmg bauen, kräht lein Hahn danach und die «--ommergäste sind vielleicht nicht so knickrig, wie die Leute hier. Ich habe gehört, einer! soll im vorigen Som/ner schon an der Ostsee gehaust haben." Aas hört sich wieder gar: nicht verrückt an, sondern recht gerieben. * Als nachher ein»''Arbeiterfrau von dieser Entdeckungsreise in den müden Westen hörte, war die Szene, tief traurig, als sie folgenden tiatz sprach:„Was wollen Sie denn, zwölf Mark Unterstützung kriegen und dabei keine Miete zahlen brauchen, ich möchte Zwölf '.Wark reines Kostgeld haben." Der Ostsrspazi«gang IM uns also nach lanze nicht zu den ärmsten Leuken Berlins geführt.... iragihomiscne VerwicKeiungen. Der Nebenbuhler in Notwehr.— HaKenKreuz aus um. Gefährlicher Schreckschuß. tti, beteiligter tlil jähriger«Schüler durch eine Kugel verletzt. Zu. einem bedauerlichen Lwischensoll kam es gestern nachmittag im Fri'edrichshaiu,»p ein Polizeibeamter in Zivil einen Glücksspieler festnelZinen wollte. Der Beamte wurde umringt, und als eine gröheaze Zahl von Spi eilen: auf ihn'ein- drang, zog er feine Dienstwasse und feuerte einen Schreck- schuy ab. Die Kugel prallte so unglücklich vom Erdboden ab, day sie den in einigen Emsernung stehenden lk jährigen Schüler Heinz A l b r e ch r aus der Tü�jter Str. 82 in den rechten Un- t e r sche nkel drang. Der Friedrich sha in pvor iir letzter Zeit bereits wieder- bolt das Ziel größerer Palizeipusgebote, um der Glücksspielseuche. die dort feit einiger Zeit wiedarmisgelebt ist, zu steuern. Trotz der stöndigeu polizeilichen Maßnahsmen treffen sich aber immer wieder aus den Bänken kleinere oder größer« Gruppen von Bankhaltern und Spielern aller Art. Gegen IkiZ-- Uhr ging ein Beamter des zstständigen Reviers durch den.Friebrichshain. Er wurde schon von weilöm vou den Spielern erkcmnt, die nach allen Sellen ausein- anderstobe». Eine» der Fliehanden konme der Beamte einholen. Als der Polizist den Feftgeiwllunenen zur Wache brnigcn wollte, rauchten die anderen Burschen wieder auf und riefen:„Schlagt den Hund doch tot?" Als dem Schupobeamten die Gegner immer mehr auf den Leib rückten und den Siftierten zu befreien suchten, gab er den unglückliche»! Schutz ab. Der verletzte Schüler hat in: Krankenhans Friedrichshain Aufnahme gesunden. Aus der Krummen LanZe wurde gestern die Leiche des Zlljahrigen Kriminalbeainten Gustav Winkler aus der Gaudi)- strotze 9 gelandet. Winkler hatte sich, bevor er ins Wasser ging, noch einen Schutz in die rechte Schläfe beigebracht. Was dem Beamten zu der Berzweijlungsiat Veranlassung gegeben hat, bedarf noch der weiteren Klärung. Voll tragischer Verwickelungen war das Eheleben der Fannlie Adler. Die Frau litt unter den Mißhandlunge» des Mannes, der Mann unter seiner eigenen Eifersucht. Bielleicht hatte er damit nicht ganz unrecht. Ein anderer Mann, Sperling, schien im Leben seiner Frau keine ganz unerl?«bliche Rolle zu spiele». Mag sein, daß der Adler auch nicht begreif«:: konnte, wieso sie ihm. de»: Hünen, den kleine» mickrigen Sperling vorzog. Die Eheleute trennten sich, sie lagen in Scheidung und hoffte» aus baldige Erlösung von den Ehesessein. Sperling wurde ständiger Gast im Hause der Frau Adler. So war er eines schönen Tages gerade in der Küche damit beschäftigt, das Radio in Ordnung zu bringe», als es klingelte. Frau Adlers Mutter öffnete. In der Tür erschien der Ehemann.„Meine Sachen."„Deine Sache»? Zuerst gib mal Grelchens verpfändete Sachen her. Mach, datz du fortkommst." Sie verwehrte ihm den Eingang, Grete kommt hinzu. Ein Wort gibt das andere. Der Hüne schlägt auf die Frauen ein, tritt ihnen aus die Füße, sie schreien. Er zieht einen Gegenstand aus der Tasche, wohl einen Revolver, ruft:„Ich schieß«!", die Frauen kreischen um Hilfe, Nachbartäre» öffnen sich, niemand traut sich heran. In der Küche kämpft Sperling einen schwere» Kamps. Soll er dazwischen treten oder nicht, wird er, der kleine Mann, mit dem großen fertig werden? Er faßt einen Entfchluh, ergreill ein Messer— eins von den Gegenständen, die dem Mann gehören und die er zurückhaben will— er läuft zur Eingangstür und sticht auf den anderen ein. Eins, zwei, drei... achtmal... Vor Gericht verteidigt er sich: Adler hatte einen Revolver, es wäre bestimmt auch ihm an den Kragen gegangen, sollte er, Sperling, etwa mit bloßen Händen gegen Adler aufkommen. Adler bestreitet. einen Revolver gehabt zu hoben, er besitze überhaupt keinen. Darauf schwört er einen Eid. Eine:: Eid beschwören auch die Frauen: sie haben einen Revolver in seinen Händen gesehen. lind der Sperling meint, es sei was Schwarzes gewesen, er habe cs für eine» Revolver gehalten. Das Gericht verurteilt Sperling wegen Ileberjchrcitung der Notwehr zu drei Monaten Gefängnis. In den Augen seiner Freundin ist er ober jetzt ein Adler. In einem anderen Fall handelt es sich um Verwickelungen politischer Natur. Der Erössnungsbeschlutz sprach von«iiien: Raubüberfall. Der Angeklagte aber, mit den Verhältnissen im Gefängnis wegen Körperverletzung und Zuhällerei gut vertraut, schob diesmal derartige gemeine Motive weit von sich, seine Tat sei politischen Beweggründen entsprungen. In seinem Stammlokal, in der Nähe des Echlesifchen Bahnhofs, hatte» bereits seit langem zwei Männer seine Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Sie protzt»» mit Hakenkreuzen, gaben haut ihre faschisti- schen Neberzeuanngen zum besten. H., linksradikal, in der kam- munistischen Ideenwelt verfangen, ärgerte sich: insbesondere, wenn «r eins zu viel getrunken hatte. Eines schönen Sonnabends sollten sie an ihn glauben.?lm Montag hatte er eine Strafe anzutreten. Er beschloß, zum Abschied von der Freiheit in seinem Stammlokal einen„tüchtig zu heben". In Gesellschaft dreier Freunde goß er ln sich hinein, so viel er konnte, am Rebentisch saßen oie beiden Ceoner. Die Polizeffruiche mahnte zum' Aufbruch, R. trat in Gesellschaft seiner Freunde aus dem Lokal, bat sie, einen Augenblick auf ihtTzii warten, ging zurück, rief die beiden nichtsahncr.den Gegner heraus, versetzte dem einen von ihnen einen Faust schlag, datz der Mann bewußtlos zu Boden sank, streckte den anderen mit vier bis fünf Schlägen nieder. Alles wickelte sich so schnell ab, datz die Freunde des Schlägers überhaupt nicht dazu kamen, dazwische:: zu treten. Die beiden Niedergeschlagenen wurden ins Lokal gebracht: als der Bewußtlose wieder die Besinnung erlangte, fehlten aus seiner Brieftasche 59 Mark, deshalb lautete ja auch der Eröffnungsbeschlutz aus Raub. N. hotte aber nichts genommen. Er habe den Leuten nur einen politischen Denkzettel geben wollen. Do machten aber die beiden Mißhandelten— der eine brauchte sieben Tage, der andere vierzehn Tage, um sich von den Schlägen zu er- holen— große Augen. Einen politischen Denkzettel? Ach so. wegen der Hakenkreuze. Die hatten wir ja nur aus Ulk angelegt, um die anderen zu ärgern: aus Ulk haben wir auch die faschistischen Redensarten geführt, wir haben damit nichts zu tun. Die Mystifikation kostete dem Angeklagten neun Monate Gefängnis wegen gefährlicher Körperverletzung. Die AnNaoe wegen Raubes ließ der Staatsanwalt fallen. Angeklagter und Zeugen schienen sich vortrefflich zu amüsieren.. KOlIsginräiiSni Qsk»c>ssir»r»sn! Besucht die zentrale- Kundgebung mm internationalen Frauentag! Donnerstag, den 33. April 1931, SO Uhr, in beiden Sälen der„NEUEN WEUT" Hasonhoide 108— 114 Es sprechen; für die Partei: rrelchstagspräsident Pawl Löbe. M.d.R., Frau Klara Bohm-Schuch, M.d.R. für die CewerkscboFtcn: Gertrud Ellert vom AFA-Bund, Gertrud Hanna, M.d.L., v. A.D. G.B. Es wirken mit; Freie Sport- und Musik-Vereinigung. Sportlerinnen des Arbeiter-Turn- u. Sport-Bundes. Sozialistiscne Arbeiterjugend, die Kleinkunstbühne zeigt eine polltische Revue„Am laufenden Band der Zelt". Pflicht Jeder Kollegin und Jeder Genossin ist es, mindestens eine Frau aus ihrem Bekanntenkreise mitzubringen! Wetter und Osterverkehr. Ungünstige Voraussagen, ober Hochbetrieb bei der Bahn. wenn die wcllerkundigcn recht bestallen sollten, so ist leider von heule ab mit einer Verschlechterung des Wetters zu rechnen: Die voraussage für Deutschland lautet im ganzen, daß sür den Osten zunächst noch gutes Wetter, für das übrige Reich aber grötzleuleils stärkere Bewölkung und verbreitcle Regen- fälle zu gewärtigen sind. lieber Westeuropa hat bereits in der abgelaufenen Woche ein Schlechttveltccgebict gelegen, das sich in den letzten Tagen nach den Osten und Nordosten herübergezogen hat, so datz man mit einem End« der sonnigen Frühlingslage rechnen zu müssen fürchtet. Gestern hatten wir in Berlin sonniges Wetter mit Temperaturen bis zu ll und 12 Grad über Null, aber vom Rhein und aus Baden und Württemberg wird bereits Regen gemeldet. Ob freilich bis zum Ostersonntag bereits die Schlcchtwetterwelle bis zu uns her- überdringt, darf bezweifeU werden, und wir wollen un Interesse der Bielen, denen die Feiertage seltene Gelegenheit bieten, aus dem Höusermcer der Großstadt herauszukommen, hoffen, daß die Opti- misten recht behalten. Für den Oft ermontag indessen mutz man doch nach allen Nachrichten etwas schwarz sehen, wenn auch, die Wissenschast der Meteorologie in allen Ehren, oft der nach- herige tatsachliche Befund die Voraussicht der Gelehrten strafte. Sicherlich aber haben alle diese Voraussagen den O st« r v e r- sehr bisher nicht ungünstig zu beeinflussen vermocht. Ja. man kann bei der Reichsbahn sogar für den Donnerstag und den Sonn- abend von Rekorden sprechen. Am Donnerstag mutzten zu den fast vollbesetzten fahrplanmäßigen Zügen nicht weniger als ö 7 V o r- und Nachzüge von Berlin abgelassen werden. Die Führung haben natürlich wieder der Stcttiner und Anhalter, es folgen Potsdamer, Göriitzcr und Lehrter Bahnhos, während die Stadtbahn nach Westen und Osten die Zahl von 29 Sonderzügen ausweist. Für den Karfreitag ist die Ziffer von 31 Vor- und Nach» zögen zu vermerken. Gestern war der Andrang auf allen BckMi- höscn ganz besonders stark. Man wird wohl nicht fehlgehen, wenn man die Gesamt, Ziffer der Verreisenden aus Berlin mit mindelkens 400 000 annimmt, was etwa der Ziffer des Vorjahres entspräche. Auch die Berliner V e r k e h r s- A.- G. ist für dos Ofrer- fest vollauf gerüstet, und auch bei ihr rechnet man mit einem Massenbcirieb. Die nächste Ausgabe des„Vorwärts" erscheint, der Qstcrtagc wegen, Dienstag früh. Der Artistenverein Einigkcii verlin- Neukölln. Mitglied des AABD. gibt, wie alljährlich am 1. Oskerfeiertag, eine Varietc- Vorstellung in der NeuenWelt. Hascnheide 108— 114. im großen Saal. Bekannte Künsller haben ihre Mitwirkung zugesagt. Anna Maschke fängt an zu erzählen mit ihrer dünnen, zirpenden Stimme, immer in das große, schöne Tierauge da hillein. „�ast du gehört. Hans? Ich bin also schwanger. Ich soll ein Kind kriegen. Ein richtiges Kind, ich, ein Kind. Einen Jungen oder ein Mädchen. Was sagst du dazu, Hans? Das hättest du nicht gedacht, was? Ich auch nicht. So'n armes. verwachsenes Ding wie ich, und darf ein Kind haben. Und iileiilc Freundin Erna Mahler zum Beispiel, die ist ein so großer, starker Mensch und hat sichs so gewünscht, und sie hat nie eins gekriegt. Und es wäre sicher«in schönes Kind geworden... Ob meins auch schön wird? Ach Hans, o Gott, Haits— wenns nun einen Buckel kriegt?" Sie schlägt die blassen Hände mit den rauhen Finger- spitzen, die sich nie von ihrer Zerstochenheit erholen werden, vor den zitternden Mund. Das Pferd senßt langsam das grau ge fältele Lid und hebt es langsam wieder: das ist ein trösten- des Zublinzeln. „Ach nein, ein Buckel vererbt sich doch Nicht, wie? Nein, natürlich nicht. Sonst hätte ich keinen haben dürfen: in meiner ganzen Familie Hot niemand einen Buckel. Ach du lieber Himmel, wenns bloß nach dem Bater schlägü Aber das wird cs gewiß. Ein Junge wie Paul, das märe etwas, mckjt wahr, Hans? Jetzt, bei der Zicherei mit dem Wagen muH Paul sicher auch wieder das meiste tun. Hoffentlich schaffen sie's■— sicher schaffen sie's... Ob mein Körper das wohl aushält, Hans? Er ist doch so schwach. Ich kam: mit gar nicht vorstellen, daß der ein Kind austragen kann. Ach Heins. ich habe ja solche Angst.. Sie streicht mit den Händen über ihre flachen Brüste. „Ob die wohl säugen können? Ach, ach.. Das Pferd beginnt dieselbe tröstliche Geste wie vorhin; aber es bekommt das Auge nicht wieder auf: feine Erfchöp- jung ist sehr groß; Hans schläft ein. ich habe ja solche Angst", wiederholt Anna-„Solche Angst... ach, und ich bin ja so froh! Ein Kind! Ein richtiges Kind, mein Kind, solche Angst und so sroh..." Sie verstummt. Ihr Blick läßt das geschlossene Ange los und findet die auf- und abwehenden, leise zitternden Flanken des Pferdes. Der gleichmäßige Rhythmus des Atmcns schläfert sie ein. Sie spricht nichts tzne.hr: aber indes die Angst in ihren im Schoß verkrampften Händen gefesselt bleibt, be- hält der Mund das schmale Lächeln der Freude. Sie sieht nicht mehr, daß die Atemstöße des Pferdes schneller und lauter werden, die Bewegungen der Flanken heftiger: daß manctimal ein Schnauben der Nüstern, ein cvchurren der Füße die Ruhe des Liegens unterbricht: Hans träuntt. Es sind keine erregenden Träume, die das fiebernde Blut noch höher peitschen: dies Blut ist zü alt, dieser Leib ist zu alt, um auch nur Fieberkräfte zu haben. Eigentlich sind es mehr Erinnerungen, die durch das Pferdehirn gehen und Ge- stalt annehmen. Da kommt der geistliche Herr, Hansens erster Besitzer, in den Stall, um Hans anzuschirren an den leichten Kutschwagen. Wie schnell geht das doch, wie inüyelos— sie fahren über glatt gepflasterte Chausseen, kein ausgefahrener Sandweg ist dazwischen. Hans fühlt plötzlich, daß feine Zähne nicht mehr auf den Zaum beißen, wenn sie gegenemonder mahlen: der Zaum muß gerissen sein. Aber auch die Scher- riemen sind los, das ganze Geschirr ist abgefallen— Hans läuft allein, ohne Last hinter sich, er hat ganz vergessen, wie das ist. wenn man die Brust nicht so noch vorn.zu drücken braucht. Dann entsinnt er sich an ganz frühe Fohlentage aus der Weide, und er galoppiert, und plötzlich ist da schon die Weide, es ist kein Pflaster mehr unter klappernden Eisen, es ist Gras unter eisenlosen Hufen, und Hans ist ganz klein und ganz hochbeinig und schmalleibig, und ein anderes Pferd ist neben ihm, das ficht so aus, wie Hans einst aussehen wird, aste? es ist eine Stute. Wie Hans sich an sie lehnt, hungert und dürstet thn, und er ist sehr müde, merkwürdig plötzlich müde, er will nur noch zu fressen haben, das wird die Mutter- stute ihm geben, und dann schlafen... Da hört Hans Schritte, die auf die Stalltür zu kommen: Menschenschritte, dos bedeutet: aufstehen, um zu arbeiten oder um zu fressen: aufstehen in jedem Fall. Hans schreckt aus dem Traum und springt hoch.. Es ist sehr schwer, aber er fchaffts, das Herz jagt— als Andreas in der Tür steht, steht auch Hai:s, eine Licrkelminute lang-- dann knicken die Beine unter ihm zrisammen, er schlägt dumpf hin. das Herz setzt aus—- setzt nicht wieder ein. Anna Maschfe fährt aus dem Schlaf, schreit auf. Hansens Körper rollt auf die Seite, die Beine strecken sich starr. Andreas steht noch in der Tür, vor Luise. Seine Brust keucht. Seine Unterlippe schiebt sich vor in sinnloser Wut gegen Unfaßbares. Seine Hönde hängen gesaustet an den Armen. „Herr Gott", sogt er, droht er. betet er,„wenn du jetzt nicht wenigstens Schmitzern rettest.. Unten am Berge haben sie zunächst Paul Rkoschkes Motorrad vor den Ackerwagen gespannt. Was Paul befürchtet hat, ist eingetroffen: nur ist es noch schneller gc- kommen als gedacht. Sluf asphaltierter Chaussee wäre die Verwendung der Maschine vielleicht möglich gewesen: auf dem Sandweg nicht. Schon nach etwa anderthalb Kilometern ist der Motor defekt. Es bleiben drei Kilometer bis Bahnhos Schloßheide. Es bleiben anderthalb Stunden bis zur Abfahrt des Zuges. Selbst für ein Pferd wäre diese Zeit reichlich gewesen: für die fünf Menschen ist sie mehr als knapp. Ob wohl schon jemals, fragt sich Andreas Korn, jemals, solange die Welt steht, ein voll beladcner Ackerwagen von Menschen so weit befördert worden ist. Und er greift in die Speichep. Die Hinterräder bedienen er und Schmitzer, die Vorderräder Lene und Luise. Und Paul Maschke bleibt in seiner Deichsel; hat sich die Kette um die Brust gelegt und zieht, schräg nach vorn gestellt den ganzen Körper, vorgedrückt die breite Brust, wahrhast ein Pserd von � einem Menschen. Die Berbesserungsarbeiten am Wege machen sich günstig bemerkbar. Dar erste Kilometer wird in zwanzig Minuten zurückgelegt. Die an den Rädern haben noch nicht einmal viel zu tun bekommen, sie haben nur an den Seitcnhölzern kräftig zu schieben brauchen: so hat Maschke gezogen. Es wird eigentlich auch beim zweiten t-.ÜLiuetcr noch nicht sehr schlimm. Zwar läßt Pauls Krast nach, es dauert dreißig Minuten: aber vierzig Minuten bleiben ihnen ja noch für Äüoineter drei. Immerhin verpusten sie nicht. Das ist jetzt nicht wichtig. Ausruhen kann man sich später. Nur für einen wäre es doch wichtig, das Ausruhen: für Siegfried Schmitzer. Aber der sagt nichts, der denkt selbst kaum daran, daß da winzige rote Stäbchen sind im Gewebe seiner Lunge, die man nicht sehen kann, die nur die Aerztc durchs Mikroskop sehen; daß diese roten Stäbchen seit Iahren in ihm sind, und daß diese roten Stäbchen das Lungengewebe zerfetzen.(Fortsetzung folgt) Wäschefabrik in Flammen. Großfeuer im Zentrum.— Waldbrand bei Clodow. Billige Auto-Eonderfahrten. Taxe S um 30 Prozent ermäßigt. Der Zweckverband d« r Kraftdroschkenbesitzer Groß-Verlins hat für die gesamten Sommermonate ob Ostcrsonntag besonders billige Droschkensonder fahrten eingerichtet. Der Zweckverband stellt Krafldroschkensonderfahrten für fünf Personen nach allen Orten außerhalb Berlins zu nachstehenden Preisen zur Verfügung: Neuruppin hin und zurück 37, ZO M., R Heinsberg 45 M., Fürstenberg 46 M., Lübbenau 48 3)1. und vielen aiideren. Auskunft erteilt der Zweckoerband unter Stephan 9645. Besprechungen der Kraftdroschkenverbändc haben ein ein- stimmiges Ergebnis dahin gebracht, daß die T a x e 3 gegenwärkig zu t e u e r ist und eine Revision des gesamten Tarifes notwendig ctfcheinen leiht. Da der Zweckoerband aber befürchtete, daß Bee- Handlungen sich bis Ende d. I. hinziehen könnten, hat er der all- gemeinen Wirtfchoitslage Rechnung getragen und sich entschlossen. ab 5. April auf Tax« 3 tdrei und mehr Personen) einen Rabatt von 39 P r o z. auf den von der Uhr angezeigten Betrag zu gewahren, was ungetähr dem Fahrstreifen der jetzigen Taxe 2 entspricht. Der bestehende Fahrpreis der Taren 1 und 2 wird bei- behalten.(Sollte sich durch diese Maßnohme ein« gesteigerte Bc- Nutzung der Droichken für mehrere Personen ergeben, so würde der Zweckverband auch eine Ermäßigung der Taxe 2 vornehmen. 20 OOO Mark im Eimer. Der Rietgeldraab in der WohnstättemS m.b.p. Die Untersuchung über den großen Mietgeldraub in der Wohnstättcn-Gmbch. in den Eäcii'cngärtcn, bei dem die Töter bc- konmlich 20 000 M. erbeuteten, läßt jetzt deutlich erkennen, daß die Rauber über die Osrtlichtcit genau orientiert gewesen sein müssen. Das Bürozimmer, in dem die Mieten abgeliefert und verrechnet werden, wird nur am ersten und zweiten Tage jedes Monats benutzt. In einer Nische hinter dem Kachelofen stand ein nicht ganz neuer Zinkeimer, in dem Kohlen für den Ofen anfbewahrt wurden. Den 'Mietern ist von dem Vorhandensein dieses Eimers nichts betonnt gewesen. Die Rauber müssen aber daoon gewußt haben, denn einer van ihnen ging ohne zu zögern auf die Nische zu. kippte die kohlen aus dem Eimer und stopfte das geraubte Geld hinein. Das Auto der Räuber wurde, wie berichtet, in der.'Hanauer Straße gefunden, der Eimer ist noch nicht wieder aufgetaucht. Ein Beweis dafür, daß die Räuber von vornherein damit rechneten, für das Geld ein Le- hältnis zu finden, ist schon dadurch gegeben, daß sie weder eine Tasche noch einen Koffer oder sonst etwas mitgebrocht halten. Unter ftinweis auf die Belohnung von 3000 Mark die unter Ausschluß des Rechtsweges für Mitteilungen aus dem Publikum ausgesetzt ist. werden nochmals alle, die zur Aufklärung beitragen können, gebeten, sich beim Raubdezernat im Zimmer 80 des Polizei- Präsidiums zu melden. Leffingmuseum bleibt erhalten. Bei der Borstondssitzung und chauvtacrsammlung der Lessina-Gesellfchast im L e s s i n g- M u s e u in fand die lebenswichtigü« Frage des Fortbestandes der Gesellschaft zur Die- kussian. Di- imrtschast'iche Lage des Lessing-Museuinz. dessen Träger der Verein ist, hat sich unter der Ungunst der Perhältnisse so oer- jchlimmert, daß am 1. April die M u s e u m s r ä u m l i ch k e i t e n gekündigt werden mußten. Die bisher von der Stadt Berlin gewahrten Zuschüsse reichten nicht aus, die Schließung der Pflege- statt« echter Gcisteskultur schi«n unvermeidlich. Den energischen Bemühungen des Borsitzcnden, besonders des Begründers des Museums. Georg Richard Kruse, gelang es schließlich mit 5)ilfe der Stadt Berlin das Fortbestehen des Museums im Rechnungsjahr 1331 und auch darüber hinaus zu sichern. Äußer dieser erfreulichen Tatsache brachte der Geschäfts- bcricht von Georg Richard Kruse weitere wichtige Angaben. Der Besuch des Museums hat sich bedeutend gehoben, die regelmäßigen Donnerstagoeronstaltungen wurden aufrecht erholten. Zum 25iahrigen Bestehen des Museums w»rde Lessings„Schlaftrunk". ztnn 75. Geburtstag von Kruse„Die Matrone von Ephcsus" auf- geführt. Besondere Anerkennung fanden die Gesellschastsabende, die an Alt-Berliner Stätte stattfanden, wie z. B. ein der Litera- rischen Musikoereinigung des„Tunnels" gewidmeter Abend im Bortragssoai der Universitätsbibliothek. Besondere Gedenkfeiern wurden veranstaltet für Wallher von der Vogelweide, Heinrich Ein gefährlicher Fabnlbrand bcschästigle die Berliner Feuerwehr am liochmillag des Oflersonnabend im Hause Reue Friedrich st raße Z7. Im dritten Stockwerk des Vorderhauses hat dort die Wäsche- sabrik der Firma Leon Rosenzweig ihre Werkstätten und Versandräume. Der Betrieb wurde gestern, der bevorstehenden Feier- tage wegen, bereits um 12 Uhr geschlossen. Etwa zwei Stunden später, kurz nach 14 Uhr, entdeckten Passanten, daß aus den Fenstern der Wäschefabrik dichte Rauchwolken hervordrangen. Wenige Augenblicke später zerplatzten die Fensterscheiben und meterlange Flammen schlugen hcrvcr. Der Feuerwehr, die mit mehreren Zügen anrückte, war es zunächst nicht möglich, über das Treppenhaus gegen den Brandherd vorzudringen, da die schweren eisernen Türen von innen noch stark gesichert waren. Es blieb nichts weiter übrig, als die Löschtruppen über mechanische Leitern nach oben zu schicken. Die Beamten drangen mit R a u ch s ch u tz- masken in die brennenden Fabrikroume ein, und jetzt gelang es ihnen, die Türen nach dem Treppenhaus zu erbrechen, so daß die Löschtrupps wirksam in die Belömpfung des Feuers eingreifen konnten. Das Feuer, das an Regalen, Tischen, großen Wäscheballen und Fertigsobrikaten reiche Nahrung fand, drohte zeitweilig auch auf das vierte Stockwerk üherziigreifen. Das Holzgesims des Doch- stuhls war bereits in Brand geraten, doch gelang es hier, die Gefahr noch rechtzeitig abzuwenden Noch mehrstündiger Lösch- und Auf» räumungsarbeit rückten die Wehren gegen 17 Uhr unter Zurück- lassung einer Brandwoche wieder ab. Die Entstchungsursoche des Feuers konnte noch nicht ermittelt werden. * In C l a d o w an der Krampnitz gerieten gestern nachmittag in den Jagen 118 vis 122 über 50 Morgen Kiefern- s ch o n u n g i n B r a n d. Die Spandauer Wehren hatten stunden- lang mit der Lokalisierung des gefährlichen Waldbrandes, der auf .Hochwald überzuspringen drohte, angestrengt zu. tun. Weiterhin werden aus Nikolassee, vom Königsweg-Grunewald, aus Rudow. Spandau, Lichtenberg und Marienfelde ebenfalls Gras- und Heidebrände gemeldet, die zweifellos durch die anhaltende Trockenheit der letzten Tage hervorgerufen worden sind. Zugkaiastrophe in Güdrußland. �Zehn Personen getötet, M verletzt. Moskau, 4. April. Ein schwercs Eisenbahnunglück ereignete sich in der Station Poletajcwo, die nahe bei Tschcljabinskou- | verncment Qrenbnrg) liegt. Vei der Katastrophe fanden �zehn Personen den Tod,.51 wurden verletzt. Vierorlh, Lortzing, Wilhelm Raabe, Kreutzer, Frau Aja, Goeches Mutter, Mozart. Im Anschluß an die Hauptversammlung hielt Ministerialrat Galt, Direktor der staatlichen Schlösser und Gärten, einen hoch- interessanten großen Lichtbildervortrag über das schöne alte Berlin. Saison der Katzen. Zwei große Katzcnoussiellungen in Berlin. In Berlin sind zur Zeit gleich zwei große Katzen-Aus- st e l l u n g e n, die beide den Ostersonntag über geöffnet sein werden. In den Spichernsälen, Spichernstraße 3, steht Drahtkäfig an Drahtkäfig und man muß eingeftehen. daß die 6. Berliner Bundes- ousftellung von wahrhaft prächtigen Katzen beschickt ist. Ob die Tiere nun verschüchtert, gleichgültig oder aufmerksam sind, das ist ganz gleich, eine unfaßbare Anmut und Grazie steckt stets in ihnen. Da liegt z. 23., sich streckend ein graues Sammetfell und läßt sich pstichtschnldig von den Menschen bewundern, denn Besitzerin dieses Felles ist ausgezeichnet mit der goldenen Medaille in Kiel im Jahre lS3l. Ferner sieht man de», einem Filmregisseur gehören- den Iilmkater Kasimir. Er ist weit besser als sein Ruf, denn er, der im Film stets ein Strolch und Räuber sondergleichen ist. haust hier im trauten Verein mit Tauben und einem Huhn. Uebcr- Haupt sieht man viele reizvolle Ticrfreundschastcn und manch« Kotze tut sich als Vogelwächter hervor, das heißt, sie bewacht die ihrem Schutze anvertrauten Vögel. Das ist natürlich nur bei einer An- einandergewöhnung satter Tiere möglich und auf keinen Fall auf die'Natur zu übertragen. Im N a t t o n a l h o f sind Berliner Hauskatzen ausgestellt und mancher wird sagen, sie konkurrieren sehr zu Recht mit den teuersten fremdländischen. Ein Kater ist dort, der nicht mehr und nicht weniger als 22 Pfund wiegt. Für 20 Pfennig Extracintritt ober zeigt sich Murry. ein Kater, der ans Kommando spricht. Der Wilsen- schast werden seine Sprachkcnntnisse nicht genügen, jür die Phantasie- freudigen Katzenfrennde hingegen ist er eine große Zlttraktion und Murry sagt unermüdlich„nein" und„Anna" singt, alles zugunsten eines Katzenheims. Custen Gautuer wieder verhaftet. Der seinerzeit wegen Spicknaqeverdochts verhaltcic und aus dem .Krankenhause entsprungene Eugen Gantner ist von einer Streiie der KrinünalpoUzei in einem Lokal an der Ecke der Leipzigerund Friedrichstrahe festgenommen und in das Unterfuchungs- gefängnis eingeliefert worden. Gantner war bekanntlich aygetlagt. mit einer Person, die im Interesse einer ausländischen'Regierung tätig ist, Beziehungen angeknöpft zu haben. Der gegen ihn erlassene Haftbefehl war im Januar wegen seiner Hostunfähigkeit ausgehoben und Gantncr in das Rudolf- Birchow- Krankenhaus übergeführt worden. Bon dort hatte er sich heimlich entfernt. Inzwischen ist ein neuer Haitbcsehl gegen ihn erlassen worden. Tragödie aus unglücklicher Ehe. Gutsbesitzer tötet Frau. Eohn und sick» selbst. O e l s n i h. 4.'April. Im benachbarten k l e i n- G ö r» i h erschoß am Montag der 5g Jahre alle Gutsbesitzer p ö h I a n d l feine öOjährige Ehe. f r a u und trars die Leiche In den in die Scheune eingebauten Schiveinestall, den er verbarrikadierte. Am Donnerstagnachmittag brachte Pöhlandt seinen Zg jährigen S-ohn'auf die g'eiche Meise um und schleppte den Taten in die Scheune. Gr machte dann seinem eigenen Leben ein Ende, indem er sich z w i s ch e n beiden Leichen erhängte. Der ermordete Sohn stammt aus der ersten Ehe pöhlandts. In hinterlasienen Briefen schilderte Pöhlandt die Tat und erklärte, er habe die Eye mit der zweiten Frau nicht mehr ertragen können. Sonderschau im Reichöpostmuseum In der Postwertzeichcnabteilung des Reichspostmuseums sind jetzt preußische Posteinlieferungsscheine zu sehen. An der Ziand der ausgestellten und mit Erläuterungen versehenen Stücke kann man die Entwicklung dieser Urkunden vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis zur Gründung des Norddeutschen Post- bezirks(1868) verfolgen. Man erfährt, daß die Post zeitweise für 'Ausfertigung von Einlieferungsscheinen eine Gebühr crhoben"hat. Scheine besonderer Art erinnern an die Einverleibung des Königreichs Hannover in Preußen(1866). Ebenso spiegelt sich die Ucber- nähme der Thurn und Torissthen Post(1867) in den Einlieferungsscheinen wider. Die Erklärung zu einem kleinen Zettel ohne Text, der nur einen Stempel mit geheimnisvollen Buchstaben und Ziffern trägt, erinnert daran, daß es in Berlin von 1827 bis 1851 so- genannte Königliche Bricssammiungen gab, die von Privatpersonen (Kaufleutcn usw.) besorgt wurden. Zirku» Eerl hagendcck! Oftei ionnülg und Sstcimeiitng ist scckiSiiiiil Oielegeahel! gebvleu. sich die Voiftetlimpeu im ftictuo ö'mt Hakenbeck an- ziüctien. SI» beiden!>eiertaxcn von II1/, bis ist, Nbr ErtlcnI-rüb-Bor- slclluug mit volliländigiin Abendprogramm,.«rnder und Ecwachsenc zahleir bntbe Pceije. tlbr nachmittags Familien-Imtlellung. Kinder und Er- wachtriic ,;cli[cri an«, hier balbe Preise bei vollem Abciidprograimn. b'ft llhr große. Icstnos'Ietlimg. Tie Ticrichau iit an de» lrcierlagen von In Ilbr mar-.euS ob durchgcbcnd aeöftnet. Erwachsene 50 Pf., tginiicr 30 Ps. Ein- iritt. L'ierLieootag wie gewöhnlich zivet Vorstellungen. April- weiß nicht, rvas er will, Wir aber wissen genau die Wunsche jeder Frau! 1 Und wenn Sic die ungeheure Au#wal\l I unserer Läger durchmustern, werden auch Sie bald ] wissen, was Ihnen fehlt und was Sie am besten kleidet. Dt« berrlicheu Stoffe und Schnitte, die bis zum So&crctea gebeude PrelataördijkeU werden Ihr« bewundernde [ Zuslimmunt Loden. I Besitzen Sie eine schlanke, eine voOsdilankC oder starke FfÄ«»»', für all« ist j.sorgt. Komplets, die trotze S a i s o n m o d e 1 BUlsmes Met i f-w-m Namvaet S'elMeUK wäte-Bh». au. ,°t..Vmelu. J«cS.di«a» Beiaro- Rock n. rsbl- Ä ■«ichbB, ▼.r •. rotwMUL Cr*v>* mit aufgMetciTvacK.lUcM»u» ctm •clKe« («»cb|e«rb«tPt mit Tischcb u.«od.F«l- £•<>•*. to allft» OtrMuui nur Zu iadea Kaaplat gakort«is. SncfeauWl. laOarMuaM PractatvaDa Sa»«« Cbanneüse-Hemer io hcrrl�uiUra.iwt t bubsch.Garn.cJ.Au?- schoitts mit-vs cit ß« scbniltGlockcwocV. w visl.Aysfübr.acd. •IlaWolt Zs dl.Ma UeU paiMe« rdscadaa nueb ytrroIU atao(H|iii| nller tzoy.* rTühjnbrt» Kleider zu Koni« plet» geeiuet aar Das Haus für fjrosse Welten % Ift der Abteil und für Iraner- Klefdana iad«R Sie für jeden Gticbmack, f*irJo4« Pidor.«ueb d. Stork«, yooo— 4« Troacrlileidcr, •MAotol,•Bla»«n utw.(a allcr- Auswahl zu deakW aicdrijlca Frei»»« Tweed- kleider frilscböp- C«nuerlcg«,tnödftra vtrubeilct, m viel«® Mv«t«rn la der Abteilung für Redcn- uad Wciter-MMntcl finden Sic Treuen- Coafs. 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Dieter schone Mantel kostet Sporf-Pnilover ärnielios, in weiß, einfarbig und bunt■M M nur%Fd Berren'Pullover bunt, in vielen Mu- � M slern und allen D MLs M Weiten aur M Original Wioa«r SfrlcKKleid in neuester Strickart. in vielen Farhea, mit aparter Qaralerund aur 25 Au» dem große» M orgearock• Lad« r i Modaraco flor�cnroäf- auch für da« Weckend unentbehrlich,«os Morgenrock. Botekleid und l�cUdien besteh, im bunten Japan!- •cfaan Druckalil WMMMs fein plissiert, aus rein walle- nem Plaid-*£ tat Stoff, ia allen V Zte M Weiten» nur M tjr% Klubiadlen in gröBter tzTV Auswahl»k tt gestreift ab vJrd einfarbig ab In der großen BlUSCIl aMeiinnä finden sporlbluscn BieiwiMiisen Crtpe de Cltinc Wasen ToileWasen»«,. in.llrrroich-ter Auswahl für|wl. Figurm Kampf um die politische Staatsform zu erschöpfen. Wir müssen vielmehr auch im polltischen Staate unsere Weltanschauung zur Geltung bringen. Der Kampf um den christlichen oder unchristlichen Charakter de» Staates ist wichtiger als der Kampf um die Staatsfor in/ Und der Sachverständige der katholischen Kirche in Frei- denkerfragen. Pater Algermissen, schrieb in der �kölnischen Volkszeitung" am 16. Februar 1931: �.. Hier hat unsere Tätigkeit einzusetzen, die sich nicht auf papierene Proteste beschränkt, sondern klar sieht, daß der Einfluß des russischen Golllosenbundes sich schon längst bei uns auswirkt und ebenso klar bekennt, daß der zahlenmäßig und geistig be- deutender« Deutsche Freidenkerverband diesen antireligiösen Geist mit viel raffinierteren und deshalb vi«l gefährlicheren Methoden zum Sieg« zu verhelfen sucht.. Auf derselben Linie bewegt sich dann der„Bayerische Kurier" vom 2. Mai 1930: „Der ausgesprochen politisch« Tharakter des Deutschen Frei- denkerverbande« wird durch die Tatsach«, daß der Verband die organisierten kommunistischen Freidenker nicht mehr umschließt, nicht etwa verwischt, sondern im Gegenteil noch besonders gekräftigt. Weltanschauliche Motiv« können ja für die Trennung nicht maß- gebend gewesen sein... es waren politische bzw. parteipolitisch« Erwägungen..." Am 24. Februar 1931 schrieb die„Germania" unter der Ueberschrist„Uebele Freidenkerhetze": „Die Kirchenaustrittsbewegung des Deutschen Freidenker- Verbandes unterscheidet sich in keiner Weise von der der kom- mumstischen Freidenker. Sie hat mit dem Begriff der freien religiösen Ueberzeugung nichts mehr zu tun, sondern ist vielmehr di« sinngemäße Uebertragung des übelsten Rowdytums auf das kirchlich-religiöse Gebiet." Gerade diese letzte Auslassung des führenden katholischen Blattes zeigt, was man in diesen Kreisen unter politischem Rowdytum versteht. Denn der Anlaß zu dieser Schimpf- kanonade war e i n F l u g b l a t t d e s De u t s ch e n F r e>- denkerverbandes. das die Summen anführte, die der Staat jährlich den Kirchen zuschießt. Und was war denn sonst geschehen? Der größte Teil dieser und vieler anderer Aussprüche über die Freidenker- bewegung fiel im Rahmen einer Besprechung über den Kon- greß des Deutschen Freidenkerverbandes, der im April v. I. in Berlin stattfand und sich mit rein geistigen Fragen befaßte. So wurde seit Monaten die Hetze vorbereitet, die nun- mehr zur Ausnahmegesetzgebung gegen die freigeistige Welt- anschauung geführt hat und deren Auswirkungen sehr gut prophezeit werden können. Es liegt von nun an in dem Crmessen eines jeden Polizeibeamten, ob er eine Freidenkerversammlung genehmigt oder untersagt. Kein Minister, welche Absicht er auch immer verfolgen mag, wird verhüten können, daß die Entscheidung der Polizeibehörden je nach der individuellen Einstellung ihrer Organe in weltanschaulichen Fragen ausfällt. Ein xbeliebiger Polizeibeamter kann in einer ge- nehmigten Versammlung entscheiden, ob der Redner soeben eine Gotteslästerung ausgesprochen hat und dann diese Ver- sammlung auflösen. Aus Gründen der Staatsraison wird jede Beschwerde gegen ein solches Verbot oder eine solche Auflösung wirkungslos verpuffen Diese Gefahren einer Ausnahmegesetzgebung treffen die Freidenkerbewegung viel schwerer als alle anderen Organi- fationen, weil einmal der Begriff der Gotteslästerung oder � Verächtlichmachung der Religion oder der Kirche gar nicht fest umrissen werden kann, sondern immer nur gefühlsmäßig � entschieden wird. Die Verneinung der Existenz eines Gottes, An alle Mitglieder der Sozialdemokratie Trage stets einige ZM.- Flugblätter bei dir. die Verneinung der Auferstehung nach dem Tode kann— und auch hierfür liegen Erfahrungen vor—, als schwere Gotteslästerung angesehen werden, selbst wenn sie in der einwandfreiesten vornehmsten Form vorgetragen wird. Vor allem aber muß beachtet werden, daß alle ver- fassungsmäßigen und gesetzlichen Bestimmungen, die die Be- tätigung einer Freidenkerbewegung schützen sollen, immer als Kompromißformeln zur Welt gekommen sind, und darum schon keine feste Rechtssicherheit bieten. Die Gefahren dieser Notverordnung sind damit aber keineswegs erschöpft. Nach ihrem§ 7 können ganze Vereinigungen. die wiederholt gegen die doch sehr kautschuk- artigen Bestimmungen der. Notverordnung verstoßen haben. aufgelöst werden. Und nun sei es ausgesprochen: Das Ver- bot der gesamten Freidenkerbewegung ist das Ziel.aufdas.die stark katholisch beein- flußte Regierung Brüning-Wirth hinzielt. Dem Preußischen Landtag liegt ja bereits folgender Antrag vor: „Das Staatsminifterium wird ersucht, gegen Organisationen, die unter Verächtlichmachung der Religion die organisierte Kirchen- austrittepropaganda fördern, einzuschreiten und zu prüfen, inwie- weit ihr Verbot und die Beschlagnahme ihres Werbematerials möglich ist." Die Kirche will nicht länger mit ansehen, daß der Deutsche Freidenkerverband heute bereits 600 000 Mitglieder umfaßt, sich jährlich um mindestens 50 000 vermehrt und jährlich mehr denn 100 000 Mitglieder der Kirche entreißt. Was diese in legalem geistigen Ringen mit der Vertretung der frei- geistigen Weltanschauung nicht erreicht, will sie auf dem illegalen Wege eines Ausnahmegesetzes durchsetzen. Gegen diese ebenso geistlosen wie reaktionären Methoden wird sich nicht nur die Freidenkerbewegung zur Wehr setzen, sondern hat sich auch die Sozialdemokratische Partei' zu 'wenden. Die Freidenkerbewegung erwartet von der sozial- demokratischen Reichstagsfraktion und vom Parteivorstand, daß sie unverzüglich Sicherungen verlangen. Der Reichsinnenminister muß zur verbindlichen Aeußerung darüber veranlaßt werden, ob er die Kirchenaustritts- bewegung an sich verbieten will, ob er Versammlungen zu unterdrücken gedenkt, in denen vom weltanschaulichen Standpunkt aus im Sinne der Freidenker kritisch zu Fragen der Religion und Kirch« Stellung genommen wird. Die Partei muß entscheidenden Einfluß auf den Inhalt der Ausführunjjsbestimmungen nehmen, in denen verbindlich für alle Polizewrgane dargelegt werden muß, was unter groben Beschimpfungen zu oerstehen ist, und muß scharfe Grenzen für die Möglichkeit eines Verbotes oder einer Auf- lösung ziehen. Gelingt es der Partei nicht, diese unbedingten Siche- rungen zu schaffen, so wird sie, und sie hat die Möglichkeit dazu, die Notverordnungen zu Fall bringen müssen, weil sie sonst die Verantwortung dafür tragen müßte, wenn mit den Mitteln einer Ausnahmegesetzgebung eine Bewegung vernichtet wird, die nur deswegen so stark aufblühen konnte, well sie von rein sozialistischen Gesichtspunkten getragen ist. * NachschriftderRedaktion: Wir haben die Aus- führungen des Genossen Max S i e v e r s gern zum Abdruck gebracht, well wir mit ihm einig sind in der Absicht, die Frei- denkerbewegung in ihrer legitimen Bewegungsfreiheit zu schützen. Wr meinen jedoch nicht, daß die Partei an Herrn Wirth Fragen stellen soll, wie er die Verordnung handhaben will— die Handhabung liegt bei den Landesbehörden sondern wir fo r d e r n, wie der„Vorwärts" das sofott nach dem Erscheinen der Verordnung getan hat, daß in allen Fragen des Glaubens oder Nichtglaubens, der Kirchen- Zugehörigkeit oder des Kirchenaustritts volle Freiheit gewahrt bleibt. Sollte sich herausstellen, daß die Verordnung statt gegen das radikale Rowdytum gegen die maßvollen und besonnenen Bestrebungen des Deutschen Freidenkerverbandes zur Anwendung gebracht wird, so wäre es auch nach unserer Auffassung die Pflicht der sozialdemokratischen Reichstags- fraktion, ihre Aufhebung herbeizuführen. Iiim Internationalen Frauentag! Frauenwerbeveranstaltungen 1. Kreis Mitte. Dienstag, den 21. April, 19% Uhr, im Hackeschen Hof. Rosenthaler Str. 40/41, groher Saal. Musik. Fahnen- einmarsch der SAJ.. Rezitationen, Politische Revue. Ansprachen: Dr. Käthe Frankenthal, M. d. L.. Gertrud Ellert. AfA-Bund. 2. Kreis Tiergarten. Freitag, den 17. April, 19% Uhr, in den Arminiushallen, Bremer Str. 72, Vorführung der Lichtbiwferie „Im Westen nichts Neues". Ansprache: Franz Künstler, M. d. R. 3. Kreis Weddina. Freitag, den 17. April. 19% Uhr. in den Pharus-Sälen. Müllerftr. 142. Gesang. Rezitationen: Elfried« Wollmann, Vorführung der Lichtbildseri«„Kampf der Frau um den Sozialismus", Ansprache: Klara Bohm-Schuch. M. d. R. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Dienstag, den 21. April, 19% Uhr. in der Aula der Schule Gleimstraße 49. Vorführung des Films „Lohnbuchhaller Kremke". Ansprach« Gertrud Hanna, M. d. L. 5. Kreis Friedrichshain. Montag, den 29. April, 19% Uhr, in den Andreas-Festsälen, Andreasstr. 21. Ansprachen: Mari« K u n e r t. M. d. R.. E l s e M i ch a e l i s. AfA-Bund. 6. Kreis Kreuzberg. Montag, den 29. April. 19% Uhr, im Orpheum. S. 59, Hafenheide 32/38, Vorführung des Films ..Lohnbuchhalter Kremke". Ansprachen: Genosse G rz e s i n s k i. Gertrud Hanna, ADGB. 7. Kreis Charlottenburg. Dienstag, den 21. April, 19% Uhr. in Ahlerls Festsälen, Berliner Str. 88, Vorführung des Films „Giftgas", Ansprache: Gertrud D üb y- Schweiz. 8. Kreis Spandau. Montag, den 29. April, 19% Uhr.(Lokal wird noch mitgeteilt). Ansprachen: Dr. Hildegard Weg- scheider. M. d. L.. Luis« Köhler. ADGB. 9. Kreis Wilmersdorf. Freitag, den 17. April, 19% Uhr, im „Viktoriagarten", Wilhelmsaue 114/115,„Unser Kampf gegen den Faschismus", Referentin: Mathilde Wurm, M. d. R., außerdem Ansprache der Genossm Gertud Ehler t, AfA- Bund. 10. Kreis Zehlendorf. Donnerstag, den 9. April, 29 Uhr, im „Lindenpark", Garten- Ecke Berliner Straße,„Unser Kamps gegen den§ 218". Nähere Mitteilung wegen der Referentm erfolgt am Mittwoch, dem 8. April, im„Vorwästs". 11. Kreis Schöneberg. Dienstag, den 21. April, 19% Uhr, im Gesellschaftshaus des Westens, Hauptstr. 29/39(unterer Saal). Vorführung der Lichtbildserie„Im Westen nichts Neues", Re- femüin für die Gewerkschaft Frida Gladosch vom ADGB. Nähere Angaben folgen noch. 12. Kreis Steglitz. Montag, den 13. April, 19% Uhr, in den Lichterfelder Festsälen. Lichterfelde, Zehlendorfer Str. 5, Vor- führung de» Films„Giftgas", Ansprache: Käthe Kern. 13. Kreis Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde, Lichten- rade. Mittwoch, den 15. April. 19% Uhr. in der Aula de« Realgymnasiums, Tempelhof, Kaiserin-Augusta-Straße, Gesang: Voltschor Tempelhof-Mariendorß Rezitationen: Friedet Hall, Emma 14. Kreis Neukölln. bau, Bergstr. 147, Kremke", Ansprache 13. Kreis Treptow. Ansprachen: Klara Bohm-Schuch, M. d. Ritsch«. ADGB. Montag, den 29. April. 19% Uhr, im Saal- Vorführung des Films„Lohnbuchhaller Dr. Meyer-Brodniß. Donnerstag, den 16. April, 19% Uhr. in Mörners Blumengarten, Oberschöneweide. Ostendstraße, Fahnen- einmarsch der SAJ., Gesang: Volkschor�„Südosten", Rezi- tationen, Ansprachen: Klara Bohm-Schuch, W. d. R.. Marie Weber. ADGB. 101. Abt. Treptow. Montag, den 27. April, 19% Uhr, im „Viktorlogarten", Am Treptower Park 25/26(vorm. Nitschke), Vorführung des Films„Lohnbuchhaller Kremke", Mitwirkung der SAJ., Ansprachen: Adele Schreiber-Krieger, M. d. R.. E m m a R i t s ch e. ADGB. Kreis Köpenick. Montag, den 29. April, 29 Uhr, im Stadt- theater Köpenick, Withelmplatz. Referat des Genossen Dr. Georg Löwen st«in. Außerdem Ansprache von Marie Weber, ADGB. 17. Kreis Lichtenberg. Sonntag, den 19. April.%12 Uhr vormittags, in der Städtischen Jugendbühne In der Schule Holtei- straße in Lichtenberg, Vorführung des Films„Lohnbuchhalter Kremke", Ansprachen: Minna Todenhagcn, Stadtver- ordnete. L u i s e K ä h l e r, M. d. L.. ADGB. 10. Kreis Pankow. Dienstag, 21. April. 19% Uhr, bei Linder. Breite Straße, Vorführung des Films„Lohnbuchhalter Kremke", Ansprachen: Marie Kunert, M. d. R., Else Krumm- sch m i d t, ADGB. 20. Kreis Reinickendorf. Sonntag, den 19. April, 14 Uhr, Film- Vorführung. Das Lokal wird noch bekanntgegeben. Ansprachen: Marie Kunert. M. d.R., Gertrud Hanna, ADGB. 16. * MW % m:% 1 i6t\m■■ v4>>-';v\ l-.MN.' i M i'.k.'.hs.\ �•; :/ /' £«. r';-.•O.i 1 m.v-w. M M, gm.'\ Für einen einzigen Waschtag in Berlin ersetzt Henko-Bleich-Soda diese riesige Menge Regentonnen, die sonst das weiche Regenwasser für die Wäsche sammeln müßten! Das Berliner Leitungswasser ist hart; auf 100 Liter enthält es bis zu 18 Gramm Härte. Sdion 10 Gramm dieser Härte machen— wenn sie nicht vor dem Waschen ausgeschieden wird— mehr als Pfund der im Waschmittel enthaltenen Seif© zunichte. Henko-Bleich-Soda ist das ideale Mitfei, dies© störende Härte zu entfernen und das harte Leitungs« wasser in vorteilhaft weiches Waschwasser zu verwandeln. 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Hacke bremst.„Aber gewiß", sagt er,„was wollen Sie denn wissen?" vrsnlenktt.40 Am Oranlannlfftz Chauneettr.113 Könlgrtraöe 33 M» SMttIntr ftafeakol*aB«hnhol«Hrt»iMltrpiW Pio obigen Angebote stoben Vorfilgungl— SchrKtllebo Bostellungen kfinnon nicht berücksichtigt werden} i lTff VpjfbeH ���W1pPiniTW;W3ae — uj-n Uli II lUTP� rssr?'........"T" vs rt 1...... n m�apuff*'*'—-„ rff�gBEg" w�S��""'48' 69 0: "1 25* Japonisc�-�f Neuheit®«« P�rtwNL** kl»'6Sr. g �«uk«'� 2« �->w°ng°�... !; e >e 'Z> ____ � °--r"Xc�.ur�.3'0. »SrTc:_____ �a90. rä�oö>"at'reinC O90 mltiuJn»— pro�wo«®' Vi ek\P�.~9'foße Auswa...... u., O40 F\eur de W'NS>)* l�ooniscn-� �»4«vk»�®®. krt'bt®" �' L.• r- Speziolrn.ar woUe, dopp J°"?o\ iapan,sd,e.______ DoUpP»00. Fröhiahr» � Me,er|A.*-""�iebe reine Wo"6'.«5 � o��sUno origi"0.............. Flameng0 yV;nevVo«e.c0- � �O 1 B c�nderpr®"'*•" — n p"-iib—-—»-—"T�r, �asa-.-d->-«-»' f V H ERMANN PLATZ •->-�r*"' rii'i1 t � g Ii-*» ii i- 1«>> "-' UmiWi«-—■•• i.. t.-J>.»,*«««_ BAHNHOF EütAiJiÜi.L Durch den Tod nnsere« Chefs, Herm Hermann Roll haben wir einen schweren Verlust erlitten. Mit ihm ist ein Mann von außerordentlicher Tatkraft und Weitsicht auf der Höhe seiner Schaffensfreude dahingegangen. Wir verlieren in ihm einen gerechten Arbeitgeber. der für seine Arbeiter und Angestellten ein Vorbild an Pflichtbewußtsein Und unermüdlicher Arbeitskraft war. Sein Andenken wird von jedem, der unter ihm gearbeitet hat, stets in Ehren gehalten werden. Neukölln, den 5. April 1931. Die Arbeiier und Angcstellien der Firma Gebr. Roll, Neukölln, Maybachufer 26 Die Beerdigung findet Dienstag. 7. April, naohm 4 Dhr, auf dem alten Jakobi-Kirohhof, Neukölln, Berliner Str.(am Hermannplatz), statt. Statt Karten I PSr die uns erwiesene herzliche Teilnahme für unsern lieben Verstorbenen Wilhelm Günther sagen wir allen Bekannten, insbesondere den Koietinnen und Kollegen des Oesamiverbandes, den Parteigenossen der SPD.(5 Abteilung), den Kameraden des Reichsbanners und dem Verband der Freidenker unsern tiefempfundenen Dank Im Namen der Hinterblebenen Albertine Talman C2S, Dircksenstraße 38. Verzogen nach Rosenthaler Str. 46 (nahe Bahnhof Börse)»mm Dr. Levy-Lenz Sexua.arzt Telephon: Wefdendamm 1644 (Statt besonderer Anseige. Am 30. Mars bat uns ein Unglücksfall unseren Eckart * Sein Wesen entrissen. Er ist zwölf Jahre alt geworden. war Freude. Die Anteilnahme so vieler Menschen hat uns gut getan. Wir bitten, nachdem die Ein&scherang im stillen stattgefunden hat, ihnen allen durch diese Zeilen danken zu dürfen. Mascha und Adolf Grimme und Eckarts Geschwister Liselotte und Peter. Berlin-Zehlondorf. Hakenheide 78. den 4. April 1931, Danksagung Für die sielen Beweise herzlicher Se Inoime bei ber EmSscherung meine« lieben Manne«, Bruder« und Schwager« Kurt Holze spreche ich Hiermit den Herzlichsten Dank au«. Besonh.ren Dank dem Redner der Freidenker, den Genossen W i e l o ch und Lambrecht sowie den Aollegen vom Gesatnioerdand, seiner der SPD Boutnsdmlenweg. dem Reichedanner. dem Retchensteiner(«oidrwz und dem Kleingartenoeretn Goldregen. Im Samen der HinferdUebenen: Mari« Götze Dr. med. Gaetcke Amt I Jetzt: Kottbuseier Damm «» 1. uaeier I (Hermannplatz), 9-10,'Vb—6 Don it. 10— Ii TeU F 2(Neukölln) 0692 Danksagung Für die oieltn Beweise inniger Teilnahme dei der Etnästderung unsere« lieben, unvergeßlichen Sohne» und Bruder» Willi Klemm sagen wir allen Freunden und Be- kanmen, insbesondere der SPD, Adlig. Tegel. der SAZ Tegel, dem RetMsbanner Schwarz Rol-Göld. dem Dorliand und den Angesiellten der Bewag sowie der Belegschost des Kraftwerl» Spandau, ebrnsall« dem Selamiverdand dem Wafsetspotlliud „Blau-Weist" und der n. Seine', chen Guisvetwallung unseren herzlichsten Familie Klemm Dank. Ich habe Praxis und Wohnung verlegt nach 32 Warscbauee Sir. 32 Dr. med. Alfred Cokn TeU Andreas 5264, Sprechet g'/t-XO, 4-6 Verband der BodibiRder and Poplerverarbeiter Denis thiands OrtsTerwaitung Berlin Todesanseige Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Buchbinder Stephan Schnster gestorben Ist. Ohre(einem Andenken! Die Einäscherung findet Dienstag. den 7. April. 13'/, Uhr, im Krematorium Baumschuienweg statt.' Um rege Beteiligung ersucht Die Orisvcrwalfang, Nach kurzem schweren Leiden ver- schied am S. April mein lieber, un- vergeßlicher Mann, mein immer treu- sorgender Vater, unser Bruder. Echwa- ger und Onkel Fritz Holtkamp im 74. Lebensjahre. Sophie HoUkamp geb. Gutsche nnd Tocfaler. Dankiagaog Für die vielen Beweise ausrichtiger Teilnahme beim Seimgange meine« lieben Manne« und guten Bater« Karl Zahn sagen wir Hierdurch allen Beteiligten unseren Herzlichsten Dank Frau Berta lahn u. Sohn Bernhard Zehlendorl. Am Wie e!bau 24 ßccnnrlDre wirksam smaen ucaunuers Kleinen /inrelge, in der acsamt• Auflage|.1||3~l des Vorwärts und troudem OIIIIJJJ Spielplan nafttet SnIturableUnnA. Z» der Boche vom 7. bis 12. Apzdt 1. Menschen am Sonntag. 2. Etwa« vom Hamster. 3. Humore-ke. In der Boche vom 12 Ms 1». April: t Svrengdagger 1010. 2. Humoreske. In ber Woche vom 20. bis lt. April: I. Zwischen La Piaia und Zeuerland (Film und Bortrag de» Forschet« fiertn Dr. Poich!« Uber die Gegend es Günther PUischow) Anfragen wegen Besuch und Uebet- lalsung der Abteilung find telephonisch oder ichriMich an dt« Lulturadteilung Büro LinienstrA2/S5. Zimmer 20) zu richte». Dar Offerfslarlage mea.u bleibt die Sulluradteilung ftaclceilon. den ?. April, Sonnabend, den 4. April. oiterlonnlag, den 6. AprU. nnd Osler- monlag, den 6. April, oelchiossen; autzerdemvoanerslag. den IS April. Die Ortoverwallnag. pfänderversieigerung. Di« in den Monaten Juli. August, Sep- lemder 1930 versetzten Pfänder kommen. soweit sie nicht erneuert worden sind, zur Versteigerung: bei Abteilung II. Glsasser Str. 74, vom Monlag. dem 20 Aotil Ig3i. ab u Uhr, und zwar tu der Reihensvlge: F thrriider pp Bäsch«! Kleider, Pelzwerk und bei«bteiinna I, Iägerstr C4. vom Montag- dem 27 April IS3l. ad 0 Uhr, und zwar in der Reihensvlge,, Juwelen. Gold- und Eilbersachen, Krifiaü, Fahrräder. Gege, stände der Optih: leider, Pelzwerk, Wäsche Für verfallene Psänk.er, welche erst nach dem Auklionsdeainn erneuert oder eingelöst werden, muß bestimmungsgemäß Aukiions- gediihr berechnet werden Staatliches Leihamt. J!r. 4A9» 4S. Jahrgang Sonntag. 5. April �93� Deutschland und Oesterreich. Oer Zollunionsplan und die Wirtschastsbeziehungen der beiden Länder. D?« Ark>eit«rbew«gung Deutschlands und Oesterreichs ist seit je Vorkämpfer fiir ein« engere Verbindung der beiden Lärcher gewesen. Sie begrüßt daher grundsätzlich den Plan eines engeren wirtschafte lichen Zusammenschlusses Deutschlands und Oesterreichs aufs wärmste. Bei oller gefühlsmäßigen Zustimmung zu dem Zoll- unionsplan muß man sich aber darüber klar fein, daß das größere Ziel einer Neuordnung der europäischen Wirtschaftsverhölt- nisse nicht außer acht gelassen werden darf. Es liegt auf der Hand, daß vom rein wirtschaftlichen Gesichts- punkt eine Zollunion der beiden Länder für Oesterreich wesentlich stärkere unmiklelbare vorteile bietet als für Deutschland. Dos heutige Deutsch-Oesterreich ist, zunächst durch die politische und wirtschaftlich« Zerstückelung des früheren Wirtschaftsgebietes in ganz besonderem Maß auf die Aus- fuhr nach äußeren Märkten angewiesen. Pro Kopf der Bevölkerung betrug der Außenhandelsabsatz Deutsch-Oesterreichs im Jahre 1929 etwa 500 TO., demgegenüber vergleichsweise der Deutschlands nur 420 TO., und der der Tschechoslowakei rund 350 TO. Die Ausfuhrquote der österreichischen Pokkswirtschast(Industrie und Landwirtschaft zusammengerechnet) beträgt mehr als 25 Proz., und von der industriellen Produktion muß mehr als ein Drittel auf den Außenmärkten untergebracht werden. Die wichiigsten Industrien, die Holz-, Papier-. Baumwoll-, Lederwarenindustrie und andere arbeiten zu 50 Proz. und mehr für den Export. Bei dieser oußerordentNch starken Exportabhäugigkeit ist die TOarkterweiterung von größter Bedeutung für Deutsch-Oesterreich. Nun ist Deutsch-Oesterreich schon heute aufs stärkste mit dem deutschen Mar» verflochten. Deutschland steht als Bezugs- und Absatzgebiet für Oesterreich weit an der Spitz«. Die österreichische Emsuhr wird von Deutschland zu 21 Proz.(also rund ein Fünftel) bestritten; von der österreichischen Ausfuhr gehen 16 Proz.(also rund ein Sechstel) ins reichsdeutsch« Gebiet. Au» dem deutschen Blickfeld. Ganz ander» sind die Größenordnungen von deutscher Seite her gesehen. Deutsch-Oesterreich rangiert bei den Einfuhr- ländern Deutschlands erst an 18. Stelle, bei den Exportgebieten an 11. Stelle. An der deutschen Einfuhr ist Oesterreich mit weniger als 2 Proz., an der deutschen Ausfuhr mit rund 3 Proz. beteiligt. Auch Handels- und exportpolitisch gesehen, befinden sich beide Länder in einer ungleichen Lage. Der österreichische Export ist heute im wesentlichen auf die angrenzenden Gebiete beschränkt. Deutsch- l a n d, die Nachfolgestaaten, Italien und die Schweiz nehmen 70 Proz. des österreichischen Warenexportes auf, während der deutsche Export sich auf fast alle europäischen Absatzgebiete verteilt und dementsprechend die deutsche Handelspolitik auch wesentlich stärkere handelspolitische Rücksichten nehmen muß. Nun war man sich aber immer darüber im klaren, daß die Frage der deutsch-österreichischen Wirtschaftsverständigung„nicht mit dem Rechen st ist* durchzuführen ist. Das erweiterte Wlrtlchafts- und Zollgebiet bietet aber in jedem Falle die Möglichkeit fiir eine rationellere Arbeitsteilung und Ergänzung der beiden Länder und wird auch der deutschen Wirtschast gewiss« zusätzliche Absatzmöglichkeiten erschließen. Man hat in Oesterreich in früheren Jahren stark« Befürchtungen gehegt, daß einzelne österreichische Industriezweige der Kontur- renz der überlegeneren reichsdeutschen Industrie nicht gewachsen sind, und daß daher die Niederlegung der Zollschranken zwischen beiden Ländern und die Herstellung eines ein- heillichen Zollgebietes zahlreiche österreichische Industriebetriebe zur Strecke bringen würde. Man muß nun aber berücksichtigen, daß in den letzten Jahren sich in Oesterreich bereits ein sehr starker Reinigungsprozeß vollzogen hat. Das Rumpsgebiet litt nach der Lostrennung der Nachfolgestaaten an einer ganz unhaltbaren Ueberfülle von Betrieben und ülbennäßigen Größe der Produktionsanlagen. Unter dem Druck der wirtschaftlichen Verhältnisse sind jedoch bereits zahlreich« Stillegungen erfolgt. An Stelle der früheren fünf Lokomotivfabriken arbeitet seit 1930 k« Oesterreich nur noch«in Werk. In der Textil-, Leder- und Papierindustrie sind gleichfalls einschneidende Stillegungen und Zusammenlegungen erfolgt. Ferner ist insbesondere in der Groß- industne eine starke technische Rationalisierung zur Durchführung gelangt. Es bestehen endlich enge kapital- und kartellmahige Bindungen zwischen der deutschen und der österreichischen Industrie, unter anderem m der Schwerindustrie, Elektroindustrie, Kunstseiden- industrie, Papierindustrie usw., so daß die lebensfähigen Teile der österreichischen großindustriellen Werke auch nach Wegsall dir Zollschranken ihren Wirkungskreis weiter behalten werden. Für die Uebergangszeit will man außerdem für einzelne öfter- reichische Industriezweige noch Zwischenzollsätze belassen. Das Schwergewicht des deutschen industriellen Absatzes auf dem österreichischen Markt liegt heute in der Aue- rüftung der österreichischen Wirtschaft mit Maschinen, elektrischen Apparaten sowie chemischen Stoffen, ferner in der Belieferung des österreichischen Marktes mit Textilwaren. Wenn auch, insbesondere auf den erstgenannten Gebieten, der deutsche Beliescrungsantcil schon sehr beträchtlich ist— von üer österreichischen Maschinen- und Apparateeinfuhr stammen bereits mehr als zwei Drittel aus Deutschland—, so dürsten sich nach Niederlegung der Zollschranken und im Zug« der zu erworieuden Verbesserung der mirt'chnstlichcn Lage Oesterreichs die Absatzbedingungen der deutschen Maschinen-, Elektro» und chemischen Industrie in Oesterreich noch verbessern. Es ist auch möglich, daß in Zukunft Oeustchlond an der Kohlenversorgung, die heute zu vier Fünftel durch Polen und die Tschechoslowakei erfolgt, in stärkerem Maße teilnimmt. Vci einer engeren zollpolitischen Zusanimensassung dürste ferner Wien al» große» Bank- und Handelszentrum sich als wert- voller Stützpunkt für den deutschen Balkanexport erweisen. Auf dem Gebiet der Textil- und Bekleidungswtrt- schaft besteht heute schon zwischen den beiden Ländern aus zahk- reichen Gebieten eine starke wechselseitige Ergänzung. So liefert zum Beispiel die österreichische Lederindustrie noch Deutsch- land hochwertiges Sohlenleder, während die deutsche Lederindustrie i» beträchtlichem iimfrmy«ach Oesterreich Oberleder ausführt. Oesterreich ist ein beachtliches Absatzgebiet für baumwollene, wollene und seidene Stoffe, während andererseits die überschüssige Garn- Produktion der österreichischen Spinnereien in Deutschlnnd Absatz findet und für die österreichische VeNetdungsindustrie für Damen- kleider, Wirkwaren, Wäsche, Hüte, der deutsche Markt ein unent- behrliches Absatzgebiet darstellt. In diesem Industriezweig werden aber unvermeidlich die Interessen der tschechischen Textilindustrie stark berührt werden. Oesterreich sind übermäßige Spinnercianlagcn sowie zahlreich« Ausrüstungsbetriebe verblieben, während die Webereien sich zum größten Teil in Böhmen befinden. Zwischen diesen staatlich und zollpolitisch getrennten Wirtschastsgebildcn besteht nun auf der Grundlage des zollfreien Vcrcdelungsverkchrs eine starke wechselseitig« Verflechtung, und es wird bei der praktischen Ausgestaltung der Zollunion notwendig sein, hier zwischen den Interessen der berührten Länder einen Ausgleich zu schaffen. Füt die Landwirtschaft, von der Forstwirtschaft ab- gesehen, dürften sich kaum weitreichende Auswirkungen«tgeben. Es ist denkbar, daß zur Deckung des Zuschußbedarfcs Oesterreichs an Nahrungs- und Genußmitteln, insbesondere des großen Wiener Konsumplotzes, zu einem gewissen Teil auch die deutsch« Landwirt- schaft herangezogen wird(Schweine, Fleischwaren, Obst, Wein). Andererseits wird die österreichische Alpenwirtschaft mit oerbesserten Absatzmöglichkeiten für Zuchtvieh, TOolkereiprodukie usw. rechnen können. von entscheidendem Einflnsj für den Fortgang der europäischen wirtschaftlichen Zusammenarbeit wird die künf- tige Zoll- und Handelspolitik des Zollunionsgebiets sein. Es wäre verhängnisvoll und der Idee der umfassenderen Zollunion aufs stärkste abträglich, wenn der gemeinsam« Zolltarif auf den jeweilig höchsten Zollsätzen der beiden Länder ausgebaut würde. Desgleichen birgt eine Kombination der deutsch- österreichischen Zollunion mit einem nach Südosten ausgebaute» Präferenzsystem(Vorzugszölle) starke Gejahren fiir die deutschen allgemeinen Handelsbeziehungen sowie für die gesamt- europäische wirtschaftliche Verständiguirg in sich. Eine Wirtschaft- liche Fundierung und Erschließung der oft- und südostcuropäischen Agrarländer ist unserer Ausfassung nach überhaupt nur im Zu- sammenwirkcn mit Frankreich denkbar, da die für die Landwirtschaft dieser Länder notwendige Kredithilfe sowie die Finanzierung von Erschließungsarbeiten in größerem Umfange nur vom französischen Kapitalmarkt bewerkstelligt werden kann, wie denn überhaupt das große Ziel jeder weitsichtigen deulschcn Handelspolitik nicht einseitige wirtschaftliche Blockbildung, sondern die An- bahnung einer europäischen Einigung auf der Grundlage engster deutsch-französischer Zusammenarbeit sein muß. Bei dem Fortgang der Verhandlungen über die Aus- gestollung der Zollumon werden diese Gesichtspunkte zu beachten sein. Es sst aber darWer hinaus noch erforderlich, daß im Rahmen der sonstigen wirtschaftlichen Angleichnngsfrogen auch auf eine Vereinheitlichung der sozialen Arbeitsbedingungen sowie der Sozial- Versicherung geachtet werden muß, wobei selbswerständlich das höhere deutsche Niveau richtunggebend sein muß. Abschluß der Thüringer Gas. Das neue gemifchtwirtschastliche Unternehmen. Di« Thüringer Gasgesellschaft, an der sich Ende vorigen Jahres die dem preußsschen Staat gehörig« P r e a g (Preußische Elektrizitätswerke A.-G.) maßgeblich beteiligte, legt jetzt ihren Abschluß für 1930 vor. Das Unternehmen verzeichnet als Folg« der Wirtschaftskrise einen Rückgang des Absatzes an Industrie gas von 11,2 Proz„ dagegen einen Absatzrückgang an Handwerk und Kleingewerbe von nur 2,4 Proz. Unter Einbeziehung der im Berichtsjahr erfolgten Neuangliederungen ist die gesamte Gasabgabe sogar noch von 155,5 auf 156,5 Millionen Kubikmeter gestiegen. Auch bei dem Stromverkauf sank hauptsächlich die Abgabe an die Groß- Verbraucher. Der Rückgang belauft sich hier auf 2,7 Proz.. und unter Berücksichtigung der neu angegliederten Werke stellt sich die Strom- abgab« im Berichtsjahr auf 245,5 gegen 250,3 Millionen Kilowattstunden. Die Gesellschaft hat akso auch in dem schweren Jahr 1930 erfolg- reich gearbeitet,»»« sich in der G« w i n n r« ch n« n g entsprechend auswirkt. Der Rohertrag der Gas- und Krastbettiebe stellt sich auf 6,2 gegen 6,6 Millionen Mark, hat sich also nur wenig gemindert, während Unkosten und Steuern um mehr als 10 Proz. auf 3 Millio- nen Mark gesenkt werden konnten. Der Reingewinn wird mit 3,29 Millionen Mark um reichlich 8 Proz. höher ausgewiesen, so daß die zehnprozenttge Vorkriegsdioidende wieder zur Auszahlung gelangt. Di« durch die Beteiligung der Preußischen Clektrizitäts A.-G. herbeigeführte engere Zusammenfassung der Grohunter- nehmen auf dem Gebiete der Stromerzeugung und-Verteilung wird die Entwicklung des Thüringer Gaskonzerns, der über 4000 mittel- und westdeutsch« Gemeinden versorgt, in Zukunft sehr günstig beeinflussen, da zahlreiche Beteiligungen des Unternehmens an preußisches Elektrizitätsgebiet grenzen. Hierdurch ist die planmäßige Vereinheitlichung der deutschen Elektrowirtschaft einen guten Schritt vorwärts gekommen. Kleinverbraucher bringen die Gewinne. Wieder iO proz Dividende bei der Slelirizitäts-Liefervngs« gesellfchast. Der jetzt vorliegende Abschluß der zum AEG.-Konzern ge- hörenden Elektrizitäts-Lieferungsgesellschaft A.-G. Berlin ist von der Krise des letzten Jahres noch völlig u n- berührt geblieben. Dies ist hauptsächlich dadurch bedingt, daß das Unternehmen als reine Finanzierung?- und Verwaltungsgesell- schaft im Jahre 1930 erst die Dividendengewinne seiner vielfachen Beteiligungen von 1929 verrechnete. Aber hiervon abgesehen, zeigt sich auch bei dieser Gesellschaft das für Elektrosinanzierungsunter- nehmen typische Bild einer verhältnismäßig leichten Krisen- Überwindung. So ging bei den eigenen Betrieben sowie bei den Pachtunternehmen und Beteiligungen die Stromabgabe von 400 auf 391 Millionen Kilowattstunden, osso nur um wenig mehr als 2 Proz. zurück. Dem Geschäftsbericht zufolge ist die günstige Entwicklung im letzten Jahr durch eine weitere Steigerung des Kleinabsatzes bedingt gewesen, bei dem durch scharfe Werbearbeit eine verstärkte Berbreitung von elektrischen Hauseinrichtungen durchgesetzt werden konnte. Anderer- seits haben Betriebseinschränkungcn und Stillegungen von an- geschlossenen Industrien erhebliche Ausfälle im Großkonsum ver- ursocht, so daß das Gesamtergebnis des Stromabsatzes den oben erwähnten kleinen Rückgang aufweist. Die Bilanz der Eesells host stellt einen Glonzabschluß dar. Der Bstriebsgewinn erhöht sich von 3,5 auf 4.1 Millionen, was beweist, daß bei der erwähnten stärkeren Dcteiligmiz des Klein- Verbrauchs hier die stärksten GZwinnqucllen der privaten Strom- licfcrungsgcsellschastcn liegen. Die Gewinne ans Wertpapieren und Beteiligungen sind mit 4 Millionen wieder unverändert ausgewiesen, wo? aus die gleich hohen Gewinnausschüttungen der Beteiligungen und aueesch'rsscr.en I'iüernehmungen, wie im Bor- jähr, zurückzuführen ist. Den Reservefonds, denen in den beiden vorhergehenden Konjunkturjahren nur 933 000 bzw 1 Million Mark überwiesen wurden, werden diesmal 1,34 Millionen zu- geführt. Trotz dieser verstärkten Reservepolitik bleibt die D i v i- d e n d e mit 10 Proz. auf der Höbe der letzten Jahre. Da die von dem Unternehmen tomröllierten Elektrizitätsbetr ebe auch im le''ten Jahr verhältnismäßig gut gearbeitet haben, dürfte der Ab- schb'ß im nächsten Jahr sich geoenäbrr dem jetzigen kaum ver- s ch l c ch t e r n. Osteuropäische Giaatsanleihen. Harte Bedingungen der Gläubiger. Di« osteuropäischen Sbaaten sind dabei, größere Auslands- anfeihen im Anspruch zu nehmen; die Art d«r Anleiheaufnahina beansprucht in hohem Grade internationales Interesse. Die Kapital- Märkte der Welt, besonders London und New Jork hwb«n infolge der Krise wenig Anlagemöglichkeiten und dementsprechend sind auch die Zinssätze stark gesunken. Man sollte glauben, daß schon aus diesem Grunde die Battanstaaten heute billige Anleihen erhalten können, um so mehr, als die Finanzplätze der Welt mit- einander um die Dergebung dieser Anleihen konkurrieren. In der Praxis verraten die Anl«ihebed!noungen nichts von diesen so Fünstiig erscheinenden Verhältnissen. Die Ante che, die z. B. Rumänien jetzt mit einem inter- nationalen Bankenkonsortium abgeschlossen hat, lautet auf 53 Millionen Dollar(223 Millionen Mark), der Reinerlös, den Rumänien nach Abzug aller Provisionen, Gebühren usw. erhält, ob«? nur aus 42 Millionen Dollar(1�6 Millionen Mark). Das find nur vier Fünftel des Betrages, auf den die Anleihe offiziell lautet und der verzinst und getilgt werden muß. Auch der Zinssatz liegt mit 7,5 Prozent außerordentlich hoch. Anleihegeber sind houpifächkich französisch« Banken, in ziveiter Linie stehen schwedische und amerikanische, in dritter belgische, holländische, deutsche, österreichische, schweizerische und tschechoslowakische Banken. Ein großer Teil der Anleihe ist für Materialien bestimmt, die aus Frankreich und Schweden bezogen werden müssen. Der Gouverneur der Rumänischen Nattonalbont. Burileanu, der sieh der ftanzössschen Herrschaft aus das rumänische Wirtschaft. sieden widersetzte, wurde abberufen und mußte einem gefälligeren Mann(Angelesco) Platz machen. Englische und italienische Banken sind an der vumänischen Anleihe nicht beteiligt. Die Führung der griechischen Staatsanleihe liegt bei eng- lisch«» Gruppen. Der gesamte Bettag lautet aus 6,6 Millionen engl. Pfund(132 Millionen Mark), doch dürste die griechische Re- gierung als Erlös nicht mehr als 110 Millionen bis 112 Millionen Mark erhalten, zumal der Ausgabekurs nur 87 Prozent bc- tragen wird. Die Verzinsung scheint mtt 6 Prozent günstiger zu sein als bei der rumänischen Anleihe. Beteiligt sind neben engli- scheu Banken amerikanische und italienische Gruppen, nicht aber sra ngosische oder belgische. In der Artleihevergebung spiegeln sich also dl« politischen Machtverhältnisse in Osteuropa getreulich wieder. Die Verluste bei der Gewerbebank Hannover Regreßansprüche gegen Vorstand und Aufsichtsrat. Der Zusammenbruch der mittelständlerischen genossenschaftlichen Gewerbebank Hannover G. m. b. H., zu dem wir bereits Stellung genommen haben, hat noch dem Bericht des Revisors einen Gesamtverluft von 1,60 Millionen Mark ergeben. Hiervon sind 1,2 Millionen Forderungen an die G e» w e r b e b a n k A.-G., die uneinbringlich sind. Diese Gewerbe- dank A.-G. ist ein« Eigengründnng der Genossenschaft, deren unsolide Geschäftsführung den Ausschlag bei dem Zusammenbruch gegeben hat. Außerdem sind 400 000 M. Verluste du r ch Kredite an«ine Grund st ücksgescllschaft entstanden. Es dürfte interessieren, wie die Genossenschaftsbank ihre Beziehungen zu einer Grundstücksgescllschaft(unbebaute Grundstücke) gegenüber den ge» schäftlichen Satzungen eines genossenschaftlichen Unternehmens in Einklang bringen will. Direktor Kort haus vom Deutschen Genossenschastsverbond Berlin schlug zur Beseitigung dieser Verluste vor, zunächst das eigene Vermögen der Genossenschast mit 500 000 M. heranzuziehen und weitere 400 000 M. durch Erwirkung der Volleinzahlung auf die Genossenschaftsanteil« heranzuholen. Der Rest soll mit Hilfe von Regreßansprüchen gegen das Direktorium und den Aufsichts- rat sowie durch Zinscrsparnisse aus einem zweijährigen Zahlungs- aufjchub ausgebracht werden. Auf dies« Art sei zu hoffen, die Gläubiger der Genossenschaft voll zu befriedige». Die völlig überschuldete Gewerbebank A.-G. wird vor« aussichtlich den Konkurs anmelden müssen, wobei es sehr fraglich ist, ob für die Gläubiger, unter denen sich Sparer mit 2,7 Mil- lionen Mark Spareinlagen befinden, eine auch nur einigermaßen erträgliche Quote herauskommt. Der Vorfall in Hannover hat jedenfalls wieder die Notwendigkeit erwiesen, daß die Kontrollen bei den kreditgenossenschaftlichen Banken dieser Art im ureigensten Interesse des genossenschaftlichen Gedankens nicht scharf genug durchgeführt werden können. Die auf dem kürzlich abgehaltenen Genosscnschaitstag in Berlin in dieser Richtung vorgebrachten Forderungen sollten sobald wie möglich in die Praxis umgesetzt werden. Lokaltermin im NaziprozeH. „Angriff'- liedattevr Kiefer weiß absolut nichts. Der Lokallermio im Naz-iprozsß Marko wfti und Genossen gestalkcle sich gestern zu einer regelrechten SA.-Vemonstration. Die Hebb elstraß e um die berüchtigte Nazigastwirtschaft non Reisig ist im größeren Umkreise abgesperrt. Auf den Bürger- steigen drängen sich Menschen. Punkt 1t) Uhr sind Gerichtshof, An- geklagte, Zeugen und Berichterstatter beisammen. Das Lokal ist non SA.-Leuten dicht besetzt. Die Nazimannen sind dem Rufe ihrer Führer gefolgt und sind erschienen, um den sechs ..Idealisten'— so nennt sie der„Angriff"— einen feierlichen Empfang zu bereiten. Als die Angeklagten den Schankraum be- treten, werden sie mit lauten Heilrufen begrüßt: Heil Paul, Heil Junge, Heil--- Es werden ihnen weiße Blumensträuße in die Hand gedrückt. Auch der am Mittwoch in Haft genommene Konrad Domning ist kreuzfidel. Nur seine Mutter weint. Di« Verhandlung wird in einem seitlichen Gastzimmer eröffnet. Der Vorsitzende erklärt, daß er für die Zeit der Gerichtssitzung das Hausrecht im Lokal ausübe und fordert die SA.-Leute, die sich auf Tische und Stühle gestellt haben, auf, Ruhe zu bewahre«. Ange- klagte und Zeugen sollen im Schankraum zeigen, wie sich die ein- zelnen Phasen der blutigen Schlägerei in der Nacht auf den 29. Januar abgespielt haben. Die einzeln« Ange- klagten bestätigen hintereinander, daß niemand von Ihne» zugeschlagen habe. Die kommunistischen Zeugen wollen es ander» nassen. Einen breiten Raum in den Kreuz- und Querfragen nimmt die Erklärung ein. wo dem später verstorbenen Schirmer die tödlichen Stiche beigebrocht worden sind.■ Jedenfalls steht fest, daß sie ihm nicht auf der Straße von dem großen Unbekannten versetzt worden sind, wie dies der Redakteur des„Angriffs", Kiefer, in der Verhandlung behauptet hat, sondern im Lokal s e l b st. Der Vorsitzende nimmt sich i>en Zeugen Kiefer ganz l e s o n d e rs vor: Ich frage Sie, Herr Kiefer, wer hat im Lokal selbst geschlagen? Zeuge: Ich berufe mich auf meine protokollarische Aussage. Vor f.: Sie weichen aus, wollen also nichts sagen. Ich werde das protokollieren lassen. Ich frage Sie zum letzten Male, wer hat geschlagen? Zeuge: Ich weiß nicht. Vors.: Wer war der Messerstecher? Zeuge: Ich weiß es nicht. Vors.: Sie haben es auch später nicht erfahren?. Z e u.g e: Ich kann nur wiederholen, daß es mir zu Ohren gekommen war, der Angeklagte Becker habe sich gerühmt, Schirmer eins tüchtig bewilligt zu haben, ich habe ihn zur Rede gestellt wegen seiner Aufschneiderei, er hat darauf nichts erwidert. V o rf. r Wäre es nicht natürlicher gewesen, wenn er einfach bestritten hätte, der Täter gewesen zu sein? Der Redakteur Kiefer bleibt trotz der Kreuz» und Querfragen bei seiner Behauptung, nicht gesehen zu haben, wer geschlagen hat. Der Lokaltermin ist zu Ende. Die Angeklagten werden zum Polizeiauto zurückgeführt-, die Frau des Gastwirts Reisig reicht ihnen zum' Wagen gefüllte Schnapsgläschen hinauf. Rufe der Empörung: Sie trinken noch Schnaps, diese Arbeiter- mörder! Unter Heilrufen der SA.-Leute und Niederrufen des Publikums fährt das Auto davon. Die Verhandlung geht am Mittwoch 149 Uhr weiter. Professor Brüning soll darüber gehört werden, ob die Verletzungen mit dem Beckerschen Messer zugefügt werden konnten. Um 19 Uhr beginnt vor demselben Gerickst der Naziprozeß gegen Stief und Ge- nassen wegen versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung und Landfriedensbruchs. Das Urtell gegen Markowski und Genossen wird erst am Donnerstag gefällt werden. Sr-s-lfft Scala. Den Clou im April-Programm der Seala stellt Al Tra ls an. der lustige„Konzert"-Begletter. Wir sehen ihn zum ersten Male in Berlin, leider nur in einem Iliägigen Gastspiel. Wie er seinen Flügel mißhandelt und quält, dabei herrlichstes Können offenbart und immer noch Zeit findet, die tollsten Kapriolen zu machen, das ist eine einzigartige Leistung. Seine Begleiterin Hucona Ca- meron verfügt über einen glockenreinen Sopran und macht mtt unendlicher Geduld immer wieder neue Einsätze, aber ebenso oft wird sie von dem lustigen Mann am Flügel gestört. Der sym- pathische D' A u s e l m i bringt die gute alte Bauchrednerkunst in höchster Vollendung wieder zu Ehren. Ein mauzender Kater und ein kläglich piepsendes Kücken werden täuschend»achgeahmt. Ein Illusionist mit wirklich verblüffenden Tricks ist A m a c. Das Ver- schwinden eines Mädchens hinter Riesenkarten ist einer seiner besten Tricks. Sil und Bal R e n o gehören zum großen Heer der Step- tänzer. dagegen sind Charles Moor« und Billy R e v e l prächttge Tanzparodisten, die das Groteske scheinbar in seiner Urform studiert haben. Das Gegenteil zeigt Drena Besch. Anmut, Grazie und alle Qualitäten, die eine gute Varietekünstlerin haben muß. Nicht jedermanns Geschmack dürften die im Tangoschritt arbeitenden beiden 'Akrobaten, T a n g i n o s. sein. Tanz allein und Akrobatik allein, aber beide zusammen verpuffen in der Wirkung. Thea Alb e r zeigt, daß man nicht mir mit beiden Händen zu gleicher Zeit schreiben, sondern daß auch jede Hand zu gleicher Zeit eine andere Sprache schreiben kann, ja, es ist sogar möglich, mit beiden Händen und beiden Füßen gleichzeitig zu schreiben. Mc S o v e r e i g n s rotterende, musizierende und springende Kreisel ttin gehorsam alles, was der Meister von ihnen wünscht. Zum Schluß die 8 Frilli, eine Akrobatentruppe mit guten Tricks und sauberster Ausführung. Plaza-Variete. Läpp und Habel such wieder einmal da, die Urkomischen, über deren Ulk man sich wälzen kann. Auch die beiden Hugos holen sich ihren Riesenapplaus: die kleine kesse Partnerin dieses Paares hat bald alle Sympathien. Okitos Zaubereien, Bernhard S a o o n a s glänzende Beinakrobatik und Hans K o l i s ch e r s Frechschnäuzigkeiten finden gleichfalls großen Beifall. Herrn Kolischer könnte zum Entree endlich auch mal etwas anderes einfallen als sein allmählich etwas schimmelig gewordener „Brötchengeber". Der Spanier Jose auf schneeweißem Hengst ist etwas ganz Apartes. Drei Männer turnen sehr schön, zwei Mädels tun schön: das sind die famosen fünf Mauntners, die als HandooltigeUre bekannt sind. Auch die L a r g a r d s am dreifachen Reck sind beste Klasse. Das Zirkus-Dariel- Rusch hat in seinem Saisonschlußprogramm eine große Nummer, den italienischen Zauberer Casficis. der in freier Manege von allen Seiten sichtbar seine verblüffenden KunsWückc vorführt. Die Nummer ist an. sich zu lang und sollte auf eine halbe Stunde komprimiert werden. Bester Zirkus ist und bleibt die Schulreiterin Lydia W a l t e r st e i n, mit ihren pracht- vollen Pferden eine Augenweide für Kenner und Laien. Kraft, männliche Schönheit und höchstes artistisches Können oereinen sich in den sieben Nelsons. Der Perchakt(vom Untermann balan- eiert» Stange, an der geturnt wird) der drei H o u ft o n s nebst «iner schönen Frau ist gleichfalls erstklassig. Bei der arabischen Ergitruppe ein winziges, vielleicht achtjityriges Mädel, das die wiResten und kühnsten Sprünge macht Einzigartig. Und Fräulein Ray ist auf, neben, über und unter dem Drahtseil ein selten guter weiblicher Groteskkomiker, während ihr männlicher Partner C o l l i n s im besten Sinn Tänzer auf dem Seil ist. Die goldene Hochzeit feiert am 8.?Ipr>I das Ebepaar.Bruno und Anna W r n i it a d r. wafmhajt Neukölln. Mldeubruchstr. 84. Am gleichen Tage begeben beide Eheleute, die feit Jahrzehnte»„Borwärts'-leser find, ihren 71. bzw. 72. Geburtstag. ArbeilsgemeiiisAan Der RinMeufide M-Mb 10 Jahre BerlSner Kinderf reunde Feierstunde:„Unser die Sonne" am Sonntag, dem 12. April, 1130 Uhr, im Oreften Sdiaaspieinans. Zwei Chorwerke:„Mein Vater geht auf das Hammerwerk* und„Unser die Sonne, unser die Erde" s Sprech- und Singchöre /■ Bewegungsgruppen/ Ordiester/ Orgel/ Film. 1000 Mitwirkende 1 Eintritt 80 Pfennig/ G a r d e r o b e f r e i!/ Karten bei allen Kindcrtreundehelfem und in der Geschfiftssfelle, Lindenstrafee 3. Aus der Partei. Der ZS. Parteitag der Niederländischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei tagt in Arnhem. Der Parteivorsitzende Oudegeest stellte mit Genugtuung fest, daß die Partei am 31. März mehr als 73 000 Mitglieder zählt und in den letzten zwei Jahren um 20 000 Mitglieder zugenommen hat. Diese Zunahme ist nicht zuletzt auf die arbeiterfeindliche Politik der niederländischen Regierung zurückzuführen. Den gleichen Aufschwung hat die Gewerkschaftsbewegung, aber auch di« Arbeiterpresse genommen, so daß die beiden Zeiwngs- Unternehmungen mehr als 110 000 Abonnenten zählen. Da die Sozialdemokratie am 1. Januar 1932 fünf neue Zeitungen in verschiedenen Provinzialhauptstädten ins Leben ruft, ist für den Herbst eine Werbeaktion größten Stils geplant. Der Parteivorstand legte«ine Entschließung aegendas Auf. treten des linken Flügels vor: die Haltung der Linken fall mit der Mitgliedschaft in der Partei als unvereinbar erklärt werden.__ Allgemeine Wetterlage. 4- April 4934, abds W OW» wotkBAloaO haittr.O ImHitudncki ,1iGewitt«c@W»fcrt» Geknüpft an eine kleine Depression, die am �Sonnabend abend über dem mittleren Norddeutschland lag, ist ein Schlechtwettergebiet im Laufe des Sonnabends bis zur Elbe vorgedrungen und hat in Westdeutschland verbrettete, zum Tell ergiebige Regenfälle gebracht. Oestlich der Elbe blieb der Himmel heiter: die Temperaturen stiegen zwischen Elbe und Oder auf 15 bis 17 Grad Wärme. Auch am Main wurden noch 16 Grad Wärme erreicht, während im Nordwesten innerhalb des Schleckitwettergebiets Abkühlung eintrat und mittags nur 8 Grad Wärme erreicht wurden. Da der Druck über der öst- liehen Hälfte Deutschlands fällt, dürste sich das Tief in östlicher Richtung weiter verlagern. Damit ist bei uns am Osterfonntag mit vor- wiegend wolkigem, etwas kühlerem Weller und mit Regenneigung zu rechnen. wetteraussichten für Verlin: Ueberwiegend wolkig mit Neigung zu leichtem Regen, nachts mild, am Tage etwas kühler als am Sonnabend.— Für Deutschland: Im Osten noch heiter und trocken mit leichtem Nachtfrost, im übrigen Reiche stark bewölkt, vielfach Regen. Sport. Fußballklub vorwärls-wedding. Das Spiel gegen Walhalla- Stettin findet nicht in Plötzensee, sondern im Stadion vor den Rehbergen, am Goethepark, 1. Osterfeiertag, 3. Uhr, statt. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serllu «atadimg-» ftr diese Jtadrtl ZaaertUetretart* SeeN» SM«. ÖobmfteoS, 1 Das Sekretariat bleibt am drillen Feierlag geschlossen. Abteilungsmitgliederversammlungen Dienstag. 19i/z Uhr: l9«sce(TAafts6an: KSpenicker Str. 92.— Nöllaifcher Bart: SBalfcnftr. IS.— Zentrum: Landsberacr ött. 50.— k<:suudbru»»en I:©».lanbutuct Str. 2.— Öodwlaft; Gerichtfir. 12— IS.— Leopoldvlati: Utrechter Strafte.— Weddina: Willdenrnoitr. 5.— R. S.: Willdeoowstr. 5.—««»walder Ploft I: Raitenturger Str. tö.— SelmholHplaln Damiaer Sir. 02.— Rordasten I: ". 8.— W-rttier Plaft: Nasianicnallee 82.— Saienheid«: datHifler Str. CS. Wafsertoritr. 9.— fläpotilfct Bi-rtel Wranaclftr. 136.— Rev-Tempelh-!: Wint»enstr Stadwn Reu-. kölln aufgenommen. Die Uebunasstunden finden iedeu Dienstag von 29 bis' 22 Uhrim Lnseum Berliner Str. 10 sHenmannwIatz) statt: ansgenommen Dster. woch«. in der die«Zesangsstunden auf Mittwoch. 8. Apeil, nach dem Jugend. heim K-ll-.AIIlancoPlaft 1 oerlegt werde», woselbst ab 17% Uhr der Kinder. chor oorher übt. an dem iich stiigent« Kinder noch beteilige» kSirneu. Reichsbund der Kriegsbelchsbigten. Kriegsteilnehmer»ich Kriegerhiuter- blieb«»«». Ortsgruppe Obersorpe. Dersammluna am 7. April. 29 Uhr, im Restaurant„Zum Krüger', Berlin.Riederschöneweide, Berlin« Str. 110, Ecke J-nnstraft«. Referent Samerad Rathmann:„Rechtsfpagen de» Tages". Tonristenuere!»„Die Raturfreundc", Ortsgruppe BerNn, E. B. Di« Ein» äscherung unseres Genossen Karl Mener findet am Mittwoch, dem 8. April, 18>� Uhr, im Krematorium©erichtstrafte statt. Reg« Beteiligung wird erwartet. Znterrfsen verband der durch Verkehr»uufäll« Geschädigt»».„Uufall-Sitic". Geschäftsstelle: Berlin NW. 40. Rathenowrr Str. 4(am Krimi nalgeri cht). Sprechstimdeii mid kostenlose Auoknirftsertellun« täglich von U. bi, 12 und 17 bi» 19 Uhr. Billige Kleiderstoffe. Dienstay»ad, Ostern, den 7. April, beginnt die günstiaste Kaufgelegenheit der Frühsichrs�leiderstoss« in dem be- kannten Warenhaus H. Joseph u. Co.,'Neukölln, Berliner Str. S1— 55. 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Bei dem geringen Entgegenkommen der Deutschen Reichsbahn zur Förderung des inländischen Freindenverkehrs und bei der ollgemeinen Desorganisation des deutschen Fremdenverkehrswesens wird die Belebung des Reiseverkehrs nur gelingen, wenn die Preis- gestallung der Bäder und Kurorte einen Anreiz auch für die weniger bemittellen Bevölkerungskreise bietet, mehr wie bisher Gesundung und Erholung in deutschen Kurorten zu suchen. Ein allgemeiner wesentlicher Preisabbau im deutschen Bäderwesen läßt sich zur Zeit leider nicht durchführen, da sich die allgemeine Preissenkung gerade auf die Unkosten der Bäderbetriebe bisher nur in taum merklichem Umfange ausgewirkt hat. Trotzdem haben die Bäderorganisationen für die Äurzell 1331 einen AbbaudcrKurtaxe vorgesehen. Um daher den Kreisen des Mittelstandes besonders entgegenzukommen, hat«ine Anzahl von Bädern verbilligte Pauschalturen eingeführt, in denen je nach den besonderen Berhällnissen alles ein- geschlossen ist, was zur Durchführung einer Kur im Regelfalle gehört. Die von: preußischen Staat selbstbewirtschafteten Bäder Ems, Schwalbach, Schlangenbad, Bertrich, Nenndorf und R e h b u r g haben sich nunmehr diesem Beispiel angeschlossen und den Versuch gemacht, oerbilligte Pauschalkuren für die Kurzeit 1331 bei sich einzuführen. Diese Kuren sollen allen zugute kommen, deren Einkommen 6000 Mark jährlich nicht übersteigt Die Prüfung der EintommensverhälMisse, die bisher öfters der Durch- führung dieser Kuren durch ihr umständliches Verfahren entgegen- stand, ist bedeutend vereinfacht worden. Die Pauschalkuren werden für die Dauer von drei und vier Wochen abgegeben. Sie enthalten Unterkommen mit voller Verpflegung in guten Häusern, Kurtaxe, Trink- und Badekuren und die Kosten der ärzt- lichen Behandlung für den Kurgebrauch. In einigen Bädern, in denen die verschiedenartigsten Leiden zur Behandlung und zahlreiche im Preise unterschiedliche Kurmittel zur Anwendung koimnen, sind teils die Kosten für die ärztliche Behandlung, teils die einzelnen Kur- mittet im Interesse der Kurgäste nicht in die Pauschaltur einkalkuliert morden. Die Pauschalturen sind in den einzelnen Bädern nach ver- schiedenen— meist zwei bis drei— Gruppen je noch der Preislage der Hotels und Pensionen und der Ausstattung der Zimmer eingeteilt. um allen Ansprüchen gerecht zu werden. Bei schärfster Kalkulation ergeben sich so Preis« für eine Rur von drei Wochen von 186 bis24SMark, von vierWochenvon166bisZ1SMark, je nach den einzelnen Leistungen in den Badern und der verschiedenen Preislage der Hotels und Pensionen. Auskunst über die Einzelheiten der oerbilligten Pauschalkuren erteilen die Kurverwaltungen der genannten staallichen Bäder und die größeren Reisebüros, in Berlin die Auskunftsstell« der preußischen Staatsbädcr, Strcscmannstraße 188(Kurfürst 1702). Aordlandzauber. Qn htm. kommenden Sommermonaten wirb das Rordlond wieder das Ziel vieler nattcrliebender, fchönheftsfrsudiger Wanderer sein. Wie ein riesiger Schutzwall unseres Erdteils gegen die Mächte des Eismeers dehnt sich ein breiter Felsgürtel in vielgestalliger Glieds- rung vom Skagerrak bis zum Nordtap, reihen sich auf einer Front von etwa 2000 Kilometer Bergmasstoe von zyklopenhafter Dtassigkell, von ttefen Taleinschnitten durchfürchte Hochebenen und stell aus- An Zucker sparen, grundverkehrt! Der Körper braucht ihn— Zucker nährt! ragende Gipsekformationen von bizarrer Wildheit aneinander, toett Ewigkeiten brandet hier das Meer gegen den Stein. Ueberall greift es tief in das Land hinein, vereinigt sich mit den Wassern der Firnen- 'cher und ttägt Bewegung, Leben und Lieblichkeit in die Starr- der Landschaft. In diese Majestät und Anmut harmonisch in sich vereinigte Well führen die in der Zell vom Juni bis September geplanten Rordlandfahrten der Hamhurg-Amerita-Linie, deren Programm außerdem noch die sonnenüberfttahtken Cisbuchten Spitzbergens, Islands historische Stötten, Schottland, Schweden, Dänemark und die übrigen Ostseeländer umfaßt. Das Programm bietet dem Rordlandfteund kurze Fahrten, wie die«lftägig« Fjord- reise des Beranüaungsreisen- Dampfers„O c e a n a". Reisen mittlerer Länge, wie die sechzehntägigen Nordkapiohrten der„Oceaoa' und schließlich ausgedehntere Reisen, wie die Schottland-, Island-, Spitz- bergen- und Norw« genfahrt des Dreischrauben-Luxusdampfers„Re< solille" und die Skandinavien- und OstseesaHrt der„Oceana". Vad Grund(Oberharz). Das im iwesUichen Oberharz legem Bergstädtchen Bad Grund hat den unschätzbaren Vorzug, birgs-Luftkurort und Hellbad zu sein. Es wurde im letzten Jahre von 3200 Kurgästen zur Erholung und von 2100 Badegästen aufgesucht. £ Die hier gebotenen, hochgradig radioaktiven Moorbäder, bereitet aus den bei Bad Grund liegenden Harzhochmooren, haben, wie zahlreich eingehende Dankschreiben bezeugen, ganz bedeutende Heilerfolge er- zielt, insbesondere bei Ischias, chronischem Gelenkrheumatismus, Frauenleiden, Nervenentzündungen u. ä. Heilungsuchenden aus dem Mittelstand wird eine Badekur dürch die in Bad Grund eingeführten, sehr billigen Pauschal-Heilkuren(drei Wochen 136 M bzw. 153 M.) >VoelieiiproKrsmm des Berliner Rundfunks. Sonntaz:, 5. April: t.ZHi Fnnktmuiastik AnschHeSeirf F rötikorsert. 8-M; gtondnzlocken- tplel fler Potsdamer Uaroisonkirche. 9; Osterrottesdienst. AmcUleSead GlockeDseliat des Berl'ner Doms. 19.08: Wettervorhersase. 11: CItenist«ode, 11.39: Aus Leipzig: Rcichssendunr. Bach-Konzert. 12: Reportage vom Wintersportfest aui dem Zügspitzplatt. 12.39: Mittagskonzert 11.30; Jugcnd- stundc, IS; Mandolinenorcfaester-IConzert. Ii; Die vier Temperamente. 16.59: Konzert. 18.59: Berliner Ostern. 19.29:„Hintertreppe", Musik von Oronosfar. 19.59: Sportnachrichten. 29: Tagesglossen. 29.30: Aus der Mailänder Scaia, Anschließend Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach Unterhaltungsmusik. Montag, 6. April: 6.39: Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert. 8.59: Morgenfeier. Anschließend Qiockengelint des Berliner Doms. 19.05: Wettervorhersage. 11: Orgelmusik. 11.30:„Neue Herzlichkeit", Gedichte von Werner Finck.. 12: Aus Königsberg: Mlttagskonxert. 14; Jugendstunde. 14.40: Viollnvortrige. 15.05: Konzert. 15.39: Liebesbriefe. 16: Unterhaltendes aus der Tonfilmpraxis. 16.25; Von der Rennbahn Karlshoroi. 17: Miiitürkonzert. Ais Einlage Willy Schaeffers. 19: Berliner Ostern vor hundert Jahren. 19.59: Sportnachriehteu. 20:„Flotte Bursche", komische Operette von Suppf. 22: Weiler-, Tages- und Sportnachrichten. Danach Tanzmusik. Dienstag, 7. April: 6.30: Fnnkgymnastik. Atiscliließend Frülikonzert. 12.19: Die Vierlclslunde fOr den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.29: Reisebilder aus Griechenland. 15.49: Medizinisch-hygienische Plauderei. 16.05; Programm der Aktuellen Abteilung. 16.90: Unterhaltungsmusik. 17.40: Jugendstunde. 15.19: Bacher- Stunde. 18.49: Konzert. 19.95: Krise, und Währung. 19.30: Milteilnngen des Arbeitsamtes. 19.35: Arbeiter-Chorgesänge. 20: Wovon man spricht. 29.39: „Ostereier". Musik von Qrothe. Als Einlage: Das aktuelle Potpourri. 22.15: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Mittwoch, 8. April: 6,29: Fnnkgymnastik. Anschließend Frübkonzert. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 14; Schaliplittenkonzert. 15.39: Strömungen Im modernen Kindergartenweaen. 15.49: Gewebezficbtung. 16.05; Zum Andenken na Ernst von Possart. 16.30: Unterhaltungsmusik. 17.10: Jugendstunde. 17.30; Programm der Aktuellen Abteilung. 18; Konzert. 18.25; Deutsche Laude. 18.50; Unterhaltungsmusik. 19.45: Politische Zeitungsschau. 20: Orchesterkonzert. 21t Tages- und Sportnachrichten. 21.15: Aus Breslau:„Erdbeben in Neuseeland" von Gerhard Menzel(Hörspiel). Danach Tanzmusik. Dounerstag, 9. April: n'AOt FtmWgymtiastik. Anschließend Frühkonzert. 12.50: Die Viertel stunde für den Landwirt. 14: Sehailplattenkönzert. 15.29: Frauen berühmter Minner. 15M0; Gesetz und Notverordnung. 1*2*; Soziale Umschichtung im heutigen Rußland. i6M; Kammermusik. 17.30: Jugendstunde. 15.19: Von der bildenden Kaust. ISJO: Für und gegen HerautseUung de* Wahl alter, v 19.05: Mitteilungen des Arbeitsamtes. 19.19: Unterhaltungsstunde. 20.40t Tages- und Sportnachrichten. 20.80: Leben und Sterben des großen Singers Enrico Caruso. Hörspiel. Danach Tanzmusik. Freitag, 10. April: 6.30: Funkgymnastik. Anschließend Friihkonzert. 12.59: Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Tempo. Tempo— auch schon frfihert 15.49: Hat die heutige Jugend Ideale? 16.95: Radsportiich es Allerlei. 14.30: Aus Leipzig: Der unbekannte Haydn. Konzerf. 17.39: Erholungsreisen hiifsbediirftiger Schulkinder und erwerbstätiger Jugendlicher. 17.55: Lieder. 18.15: Das neue Buch. 18.25; Musikalische Jugendstunde. 18.55; Sprechstunde am Mikrophon. 19.40: Unterhaltungsmusik. 20.30: Friedrich Kayssler liest aus eigenen Werken. 21: Tages- nnd Sportnachrichten. 21.10: Orchesterkonzert. Danach Blasorcbesterkonzert. Sonnabend, 11. April: 6.39; Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.29: Jugendstunde. 15.45: Erfolgreiches Verhandeln. 16.05; Unterhaltungsmusik. 17.30: Die Erzählung der Woche. 18: Koloratur-Gesänge. 18.20: China mit und ohne Zopf. 15.45: Hans Sochaczewer liest eigene Erzählungen. 19.15; Unterhaltungsmusik. 19.40; Interview der Woche. 29:„Ein Tanz-Abend fn Att-Berlln." 22.19: Wetter-, Tages- nnd Sportnachrichten. Danach: Aus Budapest: Zlgeunermusik. Königs wusterhaus en Sonntag, 5. April: Ab 6.30; Uebertragung aus Berlin. 11.30: Elternstunde. Anschließend Uebertragung aus Berlin. 20: Deutschlandscnder; Aus Köln: Rezitation, Musik» Vorträge. 22.10: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend Uebertragung ans Berlin. Montag, 6. April: Ab 6.30: Uebertragung aus Berlin. 19: Die Bedeutung der AuferslehungS- hoiinung für das gegenwärtige Leben. 19.30; Dculschlandsendtr: Aus Stuttgart; „Die sieben Schwaben". Volksoper vdn Millöcker. 21: Aus Hamburgs Orchesterkonzert. Anschließend Uebertragung aus Berlla. Dienstag, 7. April: 16: Künstlerische Handarbeiten. 16.30; Aus Leipzig: Nachmittagskonzert. I7.3$: Einführung in die neue Musik. 18; Die Rechtsgrundlagen des Deutschtums in Oberschlesien. 18.3®; Anfänge des Christentums. 19: FranzÖslch ff�f Anfinger. If.ü: Yolkswirtschaftsfunk. 1�.65 1 Wetterbericht für die Lanoe Wirtschaft. 20: Uebertragung aus Berlin. 22.15: Deutschlandsender: Politische Zeitungsschau. Anschließend Wetter-, TngeS'- und Sportnachrichten. Danach ans Hannover: Su-Vkonzert. Mittwoch, 8. April: 16: Pädagogischer Funk. 16.30: Aus Hamburg: Nachmittagskonzerl. I7.30| Zum 50. Todestag von Moussorgski. 18.10: Lehrgang lür Einheltskurzschrüt 18.30: Die Eroberung der Welt. 19: Stunde des Beamten. 19.25; Wettet" beriebt für die Landwirtschaft. 21.10; Ans Dantes Göttlicher Komödie. 19.305 Deutschlandsender: Aus Leipzig: Unterhaltungskonzert. 21: Uebertragung aus Berlin. 21.45: Aus Leipzig; Deutsche Volkslieder. 22.20: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend Uebertragung aus BerH«. Donnerstag, 9. April: 14; Musikgeschichten in des Volksschule. 16.30: Aus Berlin: Nachmittags» konzert. 17.30; Hausmusik 18: Als deutscher Architekt in Niederländisch-! iidi« n. 18.30: Das Aesthettsche und die Kunst. 19: Englisch für Fortgeschritten«. 19.30: Stunde des Landwirts. 20: Die Welt des Arbeiters. Anschließend: Uebertragung aus Berlb. Freitag, 10, April: 16: Pädagogischer Funk. 16.30; Aus Leipzig: Nachimttagskqpzerl. 17 30: N aturwiss©a schafüich-astronomisch e Bücberstuade, 15: Die wirtschaftliche und soziale Bedeutung des Alkoholverbotes in U. S A. 11.80: Die Weltagrarkrise. 19: Wissenschaftlicher Vortrag für Zahnärzte. 19.30: Diesseits und ienseits der deutsch-holländischen Grenze. 19 55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 20; Deutschlandsender: Aus Hamburg: Konzert. 21: Uebertragung aus Berlin. 21.10: Aus Stuttgart;„Sturm und Drang", Schauspiel von Maximilian Klinger. Anschließend: Uebertragung aus Berlin. Sonnabend, 11. April: 16; Pädagogischer Funk. 16.30: Aus Hamburg: Nachmittagskonzert. 17.30: Viertelstunde für die Gesundheit. 18: Französisch für Fortgeschrittene. 1840: Psyche. Körper und Stimme. 19; Konstantin Meunier zum 100. Qeburtstac. 19.39: Stille Stunde. 19.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. Anschließend: Uebertragung aus Berlin. chels ipfen dann Reicht Magenlropf Flasche Mk. 0.93, gr. Fl. Mk. 2.45, in Apotheken und Drogerien, sonst durch OTTO REICHEL, Berlin SO, Eisenbahnstraße 4. Verlangen Sie kostenlos das reich Illustrierte Buch„Guter Rat in gesunden und kranken Tagen". 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Der Rcichstagswahlkampf im September, die Lohnabbau welle und die wilde Streikaktion im Januar, die Gefähr- dung der Knappschaft sowie die fortgefthlen Mastenentlossungkn und zahllose« Feierschichten — so argumentierten die Antragsteller weiter— hätten innerhalb der Bergarbcllerschast zu einer Unruhen ndVerwirrung geführt, die äußerst bedenklich sei. Einige Beispiele aus der Jahresbilanz des Ruhrt'ergbaues genügen, um den Ernst der Situation zu vcran- schaulichcn. Im Laufe des letzten Jahres wurden im Ruhrbcrgbou rund 93 000 Bergarbeiter entlassen. Ende Januar dieses Jahres registrierte man an den rhcinisch-wcst- säiischcn Arbeitsämtern etwa lOWXl arbeitsuchende Bergarbeiter. Dazu kommen die im letzten Jahre eingelegten 9.6 Millionen Feierschichten mit einem Lohnausfall von etwa 70 bis S0 Millionen Mark. Diese ungünstige Entwicklung muß natürlich in Verbindung mit der allgemeinen Wirtschaftskrise und dem Produktionsrückgang im Berg- bau gesehen werden. Daß jedoch der Beschäftigungsgrad weit ungünstiger als die Produktionslage ist, geht aus der Entwicklung des Schichtförderanteils hervor. Dieser betrug im Januar ISW 1299 Kilogramm, im Dezember dagegen 1437 Kilogramm. Demnach ist im Ruhrbergbau im Zeitraum eines Lahres das Leistungsergebnis je Mann und Schicht um 13S Silogramm gestiegen. Steigender Schichtsorderanterl ohne entsprechenden Lohnausgleich be- deutet aber gleichzeitig ein Sinken des Lohnanteils. Wäh- rend dieser im Jahresdurchschnitt 1929 im Ruhrbergbou noch 7,92 Mark betrug, war er im Dezember 19Z0 auf 6,27 Mark zurückgegangen. Dem ungünstigen Beschäftigungsgrad steht demnach eine verhällnisniäßig günstige betriebswirtschastlick)« Entwicklung gegenüber. Der scchsprozentige Lohnabbau im Januar inußte daher unter den Bergarbeitern eine große Empörung aus- lösen. Diese Erregung wurde verstärkt durch die Sorge mn die Er- Haltung der knappschoftlichen Versicherung, die infolge der rapiden Belegschaftsverminderung in eine schwierige finanzielle Lage ge- kommen ist. Die Sanierung der Knappschaft steht noch aus. Die stark politisierten Bctriebsratswahlen sind gerade beendet und schon holen die Fuhrunternehmer zu einem neuen Schlag aus. Den Vertretern der Rordwestgrupp« folgend hoben sie zu Ende Mai den Manteltarif für den Ruhrbergbou gekündigt. tinbekümmert darum, daß die durch Lohnabbau und Feierschichten stark geschmälerte Existenzbasis der Bergarbeiter keine weitere Ein- fchränkimg mehr verträgt, unbekümmert auch darum, daß die Bcrg- arbeiterfchaft keine neuen seelischen Belajwngsprcchen ertragen kann, glaubt man einen neuen Tarifkonflikt entfesseln zu können. Welche Ziele die Unternehmer mit dieser Kündigung verfolgen, ist bis jetzt noch nicht bekannt. In dem gekündigten Manteltarif für den Bergbau ist die Arbeitszeit(ohne Mehrarbeit), der Urlaubs- anspruch, die Lieferung von liausbrandkohlen, der Mindest lohn für Gedingehauer u. a. m. geregelt. Da die Unternehmer sicher nicht gekündigt haben, um den Bergarbeitern Erleichterungen zu bieten, kann es sich für sie nur um« r h e b ll ch e Verschlechterungen in der Urlcuibsregelung, der Deputate ufw. handeln. Dieser Plan ist aber, gemessen an der wirtschaftlichen und sozialen Lag« der Bergarbeiter, so ungeheuerlich, daß die Unter- nehmer selber nicht daran glauben, daß das Existenzminimum der Bergarbeiter noch mehr herabgrdrückt werden kann. Sollten sie es dennoch versuchen, dann muß dieses Vorgehen als eine sozialpolitische Brandstiftung von unübersehbaren Folgen bezeichnet werden. Ein gefährliches Spiel mit dem Feuer bedeutet es schon, wenn die Kündigungsaktion der westdeutschen Unternehmer nur als taktisches Manöver geweitet wird. Jede weitere 'Schürung des sozialen Brandherdes muß unter den gegenwärtigen Verhältnissen zur Katastrophe führen. Auch für die organi- sierte Ruhrbergarbellerschait, die sich bis jetzt in bewunderungs- würdiger Weis« jeder Katastrophenpolitit widersetzt Hot, gibt es Grenzen. Werden sie mutwillig überschritten, dann gibt es kein Halten mehr. Man kann daher dem Treiben der Unternehmer im rheinisch- westfälischen Industriegebiet nicht ruhig zusehen. An der organi- sierten Widerstandskraft der Arbeiterschaft wird es nicht fehlen. Aber auch allen verantwortlichen Staatsmännern fei dringend empfohlen, die Ding« aujtiiLrksam zu verfolgen, um die Brandstiftung rechtzeitig zu verhüten. J. T. 40--Giunden-Woche in der Büchergilde Die gemeinwirtfthafilitben Betriebe voran! Die Büchergilde Gutenberg, die sich iusolge ihres ausgedehnten literarischen Programms und ihrer vorbildlichen buch- künstlerischen Arbeit ein lebhaftes ollgemeines Interesse gesichert hat, ist jetzt dazu übergegangen, zusammen mit der für sie ar- beitenden Buchdruckwerkstätte und den anderen Abteitungen im Buchdrnckerhous zu Berlin die 4l)-Stunden° Woche einzusühren. Die neue Arbeitszeit- und Lohnregelung, die den vom Buch- druckeroerband gesielllen und von den Unternehmen» abgelehnten Forderungen entspricht, tritt in der Woche nach Ostern in Kraft. Das technische Personal arbeitet fünf Tage in der Woche, das k n u f m ä n n i f ch e täglich sieben Stunden. Sonnabends fünf. Für die Urlaubszeiten wird der vor Inkrafttreten der neuen Vereinbarung gezahlte volleWochen- lohn gewährt. Dmik dieser Regelung werden 25 Neu ein- stellungen vorgenommen. Damit wird die von den Gewerkschaften geforderte soziaftio- litische Aktion in die Praxis umgesetzt und der Oesientlichkeit ge- zeigt, daß die von den Wortführen? der privatkapitalistischen Wirt- schaft oft geringschätzig behandelten oder gehässig geschmähten ge- meinwirtschaftlichen Betriebe imstande sind, auch aus diesem Gebiete bahnbrechend voranzugehen. Osteriagung der Außenmonieure. Für die gestrige traditionlle Osterkonferenz der in, Deutschen Mctallarbeiterverband organisierten Auhenmonteure lag diesmal ein reicher Verhandlungsstoff vor. So hatte entsprechend dem jetzt allenthalben geübten Vorgehen der Unternehmer der Verband Berliner Metallindustrieller das im Jahr« 1929 abgeschlossene Monteurabkommen am 12. Februar des Jahres g e- kündigt. Die kurz danach gefolgtcn Verhandlungen zwischen den Tarifkontrahenten gestalteten sich außerordentlich schwierig: denn die Metallindustriellen wollten sich nicht etwa mit einem Ab- zug von 8 Proz. begnügen, wie er seinerzeit für die BBMJ.-Ve- triebe festgelegt wurde, sie verlangten vielmehr einen Abbau der Auslöstingssätze bis zu 1Z und 14 Proz. Derart hohe Abzüge waren selbstverständlich für die Organisation untragbar. Wie Ge- nosie Grohn als Berichterstatter gestern in den Musikersälen aus- jührte, gelang es der Derhondlungskmnmission des Metallarbeiter- verbände?, selbst einen achtprozentigen Abbau abzuwehren und d i e Kürzung der Auslösungssätze aus rund 5 Proz. zu beschränke». Nur den Eisenkonstrukteurmonteuren wurden ungefähr 7 Proz. abgezogen. Dementsprechend wurde mit dem BBMJ. ein neues Abkommen geschlossen, das ab 1. April gilt. In der dem Bericht folgenden sehr regen Aussprache wurde insbesondere darüber Klage geführt, daß viele Firmen die an sich klaren Bestimmungen des Vertrages zu umgehen trachten. Sa wurden Monteure ins Ruhrgcviet geschickt. Sie nahmen, da nicht anders möglich, ihren Etarchort In emer der Großstädte dieses Jirdustriebeziries, hatten chr« Arbeit jedoch m einer ym wenig« Minuten von der Stadt entfernten Land- gemeinde zu oerrichten. Daroufhm zahlt« ihnen die Firma nur die für eme Landgemeinde geltenden Auslösungssätze. Natürlich konnten die Monteure bei den teuren Lebenshaltungs» kosten im Ruhrgcbiet mit diesen Sätzen nicht auskommen, zumal es in der Provinz Brauch geworden zu sein scheint, den Monteuren aus Berlin Sonderpreis« KU berechnen. Ein anderer Teil der Be- schwerdcn drehte sich um die sonderbare Bewertung der Fahrzeit, wodurch Monteure trotz eines hinter ihnen liegenden achtstündigen Arbeitstages nur den halben Auslösungssatz bezahlt erhielten. Es wurde auch gestern wieder betont, daß sich die betroffenen 23 erbandsmitgl iedcr bei solchen Differenzen an ihre Organisation wenden sollen, die dann dir notwendigen Schritte einleiten wird. Im übrigen war sich die Konferenz darüber im klaren, daß die jetzt erfolgten Abzüge bei einer künstigen Besserung der Konjunktur wieder wettgemacht werden. Die nächste Zusammenkunft der Außemnonteure erfolgt zu Weihnachten. Verbandsiag der Zimmerer. 'Zustimmung zum Reichstarifvertrag. Hannover, 4. April.(Eigenbericht.) Der Lerbandsvorsitzende W o l g a st erläuterte auf dem außer- ordentlichen Verbandstage des Zentraloerbandes der Zimmerer Deutschlands die Bestimmungen des neuen Entwurfes zu einem Reichstarifvertrag und betonte die Schwierigkeiten, die sich bei den Verhandlungen ergeben hätten. Die Unternehmer hätten alles ver- sucht, um ihre Absichten durchzusetzen. Das sei nicht gelungen. Trotzdem müßten gegen den Vertragsentwurf schwere Bedenken geltend gemacht werden. Wolgast empfahl dennoch die Annahme des Entwurfs, die mit 152 gegen 27 Stimmen erfolgte. Schiedssprüche im Baugewerbe abgelehnt. Auch in Groß-B«rlin. 'Vierzig Schiedssprüche für das Baugewerbe sind von der Schiedsstelle in Berlin am 27. März gefällt worden, wozu die Er- klärungsfrist am Sonnabend ablief. Die Schiedssprüche für die Ber- tragsgebiete Westdeutschland und Rheinland sind von den Gewerk- schaften und vom Arbeitgeberverband abgelehnt worden, während der Reichsverband industrieller Unternehmungen angenommen hat. Der Schiedsspruch für den Kreis Berlin ist von den Gewerkschaften abgelehnt, von den Unternehmern angenommen worden. Für das Vertragsgebiet Hamburg haben zwei Arbeitgeberverbände den Schiedsspruch abgelehnt, zwei andere haben ihn angenommen. Di« Gewerkschaften haben abgelehnt. Der Schiedsspruch für Westfalen- Ost-Lippe ist von den Gewerkschaften abgelehnt und von den Arbeit- geberverbänden angenommen worden. Oer befristeie Arbeiisverirog. Eiae Waffe des tlnfernehmerS gegen% 84 LRG. Auf dem Rittergut Blumberg(Besitzer Gras Arnim« Muskau) ist ein Motorpflugführer seit 1996 beschäftigt. Er steht zwar noch im besten Mannesalter, hat aber immerhin wegen leiner langjährigen Bejchästigungsdaiier gemisse Ansprüche aus dem Tarifvertrag, die einen, jüngeren Arbeiter nicht zustehen. Nach dem Arbeitsverträge sind auch die Frauen der Ar- beiter zur Arbeit auf dem Gut« oerpflichtet. Aber die Frau des Motorpflugführers ist krank und kaim deshalb nicht arbeiten. Die Gutsverwallung jetwch rechnet mll der Arbeitstraft der Frauen ihrer Arbeiter. Grund genug für die Berwallung, den Mann ohne arbeltssähige Frau als ungenügende Arbeitskraft ein. zuschähcu. der man sich ganz entledigen möchte. Der Verwalter setzte also dem Motorpflugsuhrer auseinander, daß er«inen neu c u Vertrag urll ihm abschließen molk, und zwar einen befristeten vertrag, der vom 1. April 1930 bis 31. März 1931 läuft. Der Arbeiter kannte die Bedeutung des Fachausdrucks „befristeter Arbeitsvertrags natürlich nicht. Er wußte nicht, daß ein derartiger vertrag es in das Belieben des Unternehmers stellt, übers Zahr entweder einen neuen vertrag zu schließen oder ihn ablausen zu lassen, ohne daß eine Sündigung vorauszugehen brauchte. In Unkenntnis der ZKrtragsfoloen unterschrieb der Motor- pftugführer den neuen Vertrag. Als er ihn aber zu Hause genau besah, da fand er, daß in dem Dertrage von einer Kündigung keine Rede ist. Auf Kündigung wollte der Arbeiter nicht verzichten. Hall« er doch in seinem alten Arbeitsverträge eine sechswöchige Kündigung zum Quartalsschluß. Der Arbeiter ging wieder zum Verwalter und stellte ihm vor, daß er einen Vertrag mit Kündigung haben wolle. Doch der ZZerwaller erwiderte kalt lächelnd, der neue„befristete� Vertrag sei unterzeichnet, der'Arbeiter sei an denselben gebunden. Aber, wenn ihm dos neue Vertragsverhältnis nicht behage, dann stehe es ihm frei, zum 1.'April d. I. dos Arbeitsverhällins aufzu- geben und die Werksivohnung zu räumen. Während dieser Aus- einandersetzung nahm der Verwalter dem Arbeiter die Schlüssel.zum Motorpfliig ab, was der Arbeiter als Kündigung seines allen Ver- träges auffaßte und beiin Arbeitsgericht Einspruchs klage gegen die Kündigung erhob. Das Gericht kam zur Abweisung der Klage, weil die Abnahme der Schlüssel nicht als Kündigung aufzu- fassen sei. Eine Kündigung sei nicht erfolgt, also könne auch kein Einspruch gegen sie erhoben ivcrdcn. Der alte Arbeitsvertrag des Klägers gelte bis zum 31. März, der Kläger möge also abwarten, ob er am 1. April entlassen werde, dann könnte er Einspruch er- heben. Der neue, vom Kläger unterzeichnete Vertrag sei gültigi Vor der Urteilsverkündung hatte sich der Vertreter des Klägers, dem Rat des Vorsitzenden folgend, zur Zurücknahme der Klage bereit erklärt. Der Vertreter des Beklagten widersprach der Klage- rückntchin«. Das hat sür il/n nicht den geringsten Vorteil, aber für den klagenden Arbeiter den Nachteil, daß«r die für seine Ver- hälwisse nicht unerheblichen Prozeßkosten zu tragen hat. War das die Absicht des G u t s o e r w a l t e r s und seines Vertreters? Der Abschluß befristeter Vertröge mit Landarbeitern ist nichts Seltenes. Dies Manöver, die Arbeiter um das Einspruchsrecht auf Grund des§ 84 des Betriebsrätegesetzes zu bringen, wird öfters von Gutsbesitzern geübt. Deshalb rät der Landarbeiterve�r- band seinen Mitgliedern, sich nicht auf besristeke Arbeitsverkräge einzulassen.____ Meiallarbeiierwahlen in Ttordwest. Bon den Betriebsratswahlen im Bereich der nordwestlichen Gruppe der Metallindustrie liegt ein Teilergebnis aus 136 Betrieben— 34 Proz. der Betriebe— vor. Es erhielten Stimmen Mandate Deutscher Alelallarbeiler-Verband. 46 999 69S Christen.......... 23 388 207 Hirlch-Dunckcr........ 2 569 19 REO............ 22 260 129 Nazi............ 5 039 30 Gelbe........... 4 279 18 Sonstige.......... 2 134 14 Wahlerfolge in Hannover. Bei den Angestelltenratswahlen in den Eontinentalwerken erzielte die Liste des AfA-Bundes trotz übler Kampiesweise der Naziange- stellten erheblichen Zuwachs. Auf Liste 1(AsA-Bund) entfielen 1259 Stimmen(1065)= 8 Eitze, auf Liste 2(GdA.) 350 Stimmen (390)— 2 Sitze, auf Lifte 3(Nazi-Angestellte) 313 Stimmen= 2 Sitz« und auf Liste 4(Deutschnotionaler Handlungsgehilfenoerband und Verband weiblicher Angestellten) 376 Stimmen(401)•=- 2 Sitze. Der A f A- B u n d hat also im Angestelltenrat der Eontinental- werke nach wie vor die absolute Mehrheit 1930 waren 2320 wahlberechtigte Angestellte vorhanden, 1931 2651. Wahl- beteiligung— 86,4 Proz. Im Arbeiterrat konnten die freien Gewerkschaften trotz 30prozentiger Verminderung der Belegschaft ihre Mandate von 16 auf 17 erhöhen, während die NGO. von sechs Mandaten im Vor- jähre nur zwei bchiell, bei einen, Stimmenrückgong von 1716 auf 567. In den meisten übrigen Großbetrieben in Hannover wurden nur freigcwerkschaftliche Listen eingereicht. Bei der Hanomag erhielten Sitze: Freie Gewerkschaften 11(12), RGO. 3(2), bei Gebr. Körting A.-G. und Hackethal, wo während der Metallaussperrung zahlreiche Hakenkreuzler eingeschmuggelt wurden, erhielten die Freien Gewerkschaften 567 Stimmen(8 Sitze), die Hakenkreuzler 46 Stimmen(keinen Sitz). Bei Hackethal brachten es die Freien Gewerkschaften auf 619 Stimmen(8 Sitze), die Gelben auf 152 Stimmen(1 Sitz), die Nationalsozialisten auf 48 Stimmen (keinen Sitz)._ Entlassungen ohne Ende. 1200 Bergarbeiter unk» Angestellte auf der Abbauliste. Oberhausen, 4. April. Die Concordia Bergbau A.°G. hat beim Demobilmachungs- kommissar den Antrag auf Entlassung von 1200 Bergarbeitern und Angestellten gestellt. Als Grund wird Abfatzmangel angegeben. Entlassungen deutscher Arbeiter. Trier, 4. April. Am 1. April sind 640 sogenannte Lothringen- ganzer aus dem Bezirk Trier, die auf französischen Kohlengruben beschäftigt waren, entlassen worden. Aus dem Luxemburger Hütten- wert„Arbed* in Esch sind für Mitte April 500 ledige Arbeller fast ausschließlich aus dem Trierer Bezirk gekündigt worden. Dänische Arbeiterschast bedroht. Unternehmer wollen 50000 Mann aussperren. Kopenhagen, 4. April. Dir Ablehnung einer Echiodsgerichtsentscheidung durch zwei Fachgruppen hat die Lage auf dem dänischen Arbeitsmarkt so verschärst. daß die Abendzeitungen mll der Aussperrung von mindestens 50 000 Arballeru zum kommenden Freitag rechnen. Die Entscheidung fällt am Li-notog. 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Bei uns läftt sich's leben" Breitschultrig, doch mager, steckte Amelka in einem zerrissenen, settgetränkten Altväterrock, dessen Rücken bi» zum Kragen aus- geschlitzt, besten Aennel zersetzt waren Ausgetrennt baumelten die Schäfte An seinen nackten Füßen klebte vertrockneter Straften- Ichmutz. Seinen Kops bedeckte eine altersgrüne Mönchskappe. Sie hatte ihm bei den Kameraden den Namen„Amelka der Mönch- eingetragen. Sein Gesicht sah schmutzig gelb und kränklich aus. Der Mund war breit mit dicken Lippen, die Augen klein, ebenfalls gelblich. Paschka Kamel war klein und bucklig. Sein Lumpenzeug de- stand aus lauter Löchern, hie und da zugeflickt. Seine von Unge- ziefer wimmelnden Haare hingen in die Schläfen, das dreieckige Gesicht zeigte einen greisenhaften Ausdruck, böse und zynisch blickten die Augen. Dieser Paschka mißfiel dem Filka. Dagegen machte der dritte Verwahrloste einen guten Eindruck auf ihn Er glich einem rotbäckigen Mädchen. Sein Gesicht war weniger schmutzig als das der anderen. Seltsam genug war er angetan: die Brust nackt ohne Hemd, zerlumpte Kniehosen, die Hände vergraben in einem Frauen» mufs mit hervorquellendem Futter, aus dem Kopfe ein Altweiber- Hütchen. „Du mußt dich von seiner Weibermaskerade nicht irreführen lasten", sagte Amelka. Er hat seiner Mutter Znit der Axt den Schädel eingeschlagen. Er heißt darum auch Stepka der„Schädelspalter". „Das lügst du", schrie Stepka beleidigt und drehte der Gesell- schast den Rücken zu. Filka betrachtete den schmutzstarrenden Rücken des Unglücklichen mit dem unförmigen Höcker und lachte. Ein unanständige» Wort war darauf eintätowiert.„Die Marke da hat er von uns", sagte Paschka Kamel. Stepka der Schädelspalter spie aus and rief, ohne sich umzu- drehen:.Kanaillen l" „Hauen wir ab." Und Amelka packte den Filka am Arm.„Also, kommst du mit?" „Für immer?" ..Na klar. Wenn du erst eine Woche bei un« gehaust hast, bist du nicht mehr loszuwerden." Mit einem plötzlichen Fachausdruck und einem Augenzwinkern wie« Amelka aus«ine vorübergehende Dame: „Flink, macht euch dran!" Paschka Kamel stürzte vor, stieß die Dam« mit dem Ellbogen heftig in den Rücken. Der Stoß drückte ihr den Hut auf die Augen. Für Sekundenpause stand sie verwirrt, dann kreischte sie: .Lu Hilfe, zu Hilfe!" „Rette dich. Filka. die Polizei!" rief Amelka.„Lauf hinter mir her!" So rasch er konnte, flitzte Filka hinter den Verwahrlosten her. *** Die drei entführten Filka an das sandige Ufer eine» großen Flustes. Vornübergesunken stand auf dem Sande inmitten de» Schilfrohr» eine große Hütte, gestützt auf dicken Pfühlen. Hier hausten an die hundert Kinder. In der Mitte der Hütte hatten sie aus dem Sandboden einen Lehmosen aufgeführt. Als Rauchabzug diente ein Loch in der Wand. „Nur keine Bange!" sagte Amelka zu dem Neuen.„Hier bin ich Herr! He, ihr! Hier habt ihr einen Neuen! Er heißt„Filka sei Führer". Wer ihn anrempelt, kriegt eins in die Fresse. Der läßt nicht mit sich spähen. Trag ihn ein, Kraß, und händige ihm seine Marke aus. Hier ist unsere Wandzeitung", sagte Amelka und wies auf einen großen Bogen an der Wand, bedekt mit kleinen Olterhotfrtmjl Osierbolfchaft; Auferstehen! Hoffnung, die die welk umspannt, Zieht im ersten Arühliagsweheu Durch da» qualgeprüste Land. Deckte auch die braunen Schollen Weiß des Winter» Le'chentuch, Spürst du jetzt den kräflevollen Dust im herben Erdgeruch. Spürst des Leben» Urgewalten, Das die Sternenwell bewegt, Das im ewigen Gestalte« Sich im Neiusteu hälmchea regt. Da» den Tod hat überwunden Und da« Illarlerkreuz zerbricht; Leben, das nicht zeitgebunden, flammt auch in dein Angesicht. Sieh, e» fästt von dir ein böser Sterbetraum wie Schatten ab. Mensch, du selbst bist dein Erlöser! Schreite aus dem Duldergrab. Otto Meter. Schristzügen und Zeichnungen. Da sind Verse. Die Wandzeitung stammt nicht von un». Sie ist in einer Lederfabrik gestohlen." Filka wandte sich um Hinter seinem Rücken wollten Paschka und Stepka vor Lachen bersten. Eine Schar schmutziger und zer» lumpter Knaben und Mädchen umstanden sie Auch einige Jugend- liche waren dabei. Filka lächelte aus Höflichkett und um von Nacken- ltößen verschont zu bleiben. Einer mit einem geschwollenen Kopfe wies aus Filka. „Beim Satan! Neue Schuhe! Ist der vornehm!" „Karaft!" rief Amelka. „Karaß! ftaraft! Der Ehef ruft dich!" Ejn hinkender Zunge kam gelaufen. Ohne Hosen, in einem neuen, über und über besudelten Frauenhemd. Hinter der Schnur, die an Stelle eines Gürtels seine Taille umspannte, steckte ein hölzerner Dolch. Auf dem Kopfe saß eine zerrissen« Fellmütze. „Hast du dem Burschen die Marke gegeben?" „Ja." „So trag seine Stiefel ein, Hemd und Mütze. Brauchst nicht zu fürchten, die Stiefel kommen nicht weg. Unsere Vorratskammer ist gut organisiert Mit solchen Stiefeln und in einem nagelneuen Hemd kannst du unmöglich auf dem Markt arbeiten. Für» erste gehst du barfuß. Sobald es kühl wird, bekommst du Schuhe Du darfst dir beileibe nicht die Fratze waschen, auch nicht den Kopf bürsten. Da» ist eine Erfindung der Bourgeois. Das Wasser ist dem Menschen zum Trinken gegeben."« Splitternackt setzte sich Filka auf» Stroh. Karaß warf ihin elende Lumpen zu, trug Hemd und Stiefel fort. Filka kleidete sich an. Da» ging denn doch zu weit. Das war einfach Gewalthabereil Filka zitterten die Hände. Er verspürte große Lust loszuheulen. SylvefHer 3>epper: önietTtneSESZO Ich komme frierend nach Haus. Draußen regnet es, und meine Schuhe sind kaputt, mein Mantel sieht nur noch von weitem wie «in Mantel aus. Das Zimmer ist kalt. Wir haben es am Morgen mit allen Zeitungen, Manuskripten und Entwürfen geheizt. Das biftchen Wärme ist längst aus dem Schornstein hinaus. Mein Freund sitzt am Tisch und mall. Er hat eine Decke um die Beine gewickelt und will wissen, ob ich«in paar Zigaretten mitgebracht habe. Zigaretten! Da» Wort enthält allen Luxus und alle Herrlichkeiten der Welt. Ich antworte nicht einmal auf seine Frag«. Er arbeitet weiter und pfeift vor sich hin. Wir haben un- nichts zu erzählen. Es geht abwärt» mit uns, jeden Tag sinken wir ein Stückchen tiefer, wir wundern uns, daß wir nach immer nicht ganz unten angekommen sind. Wir werden unsere Arbeiten nicht tos. Es bleibt uns nichts weller übrig, als weiter zu machen und auf das Glück zu warten. Die Klingel schrillt. Was! Jetzt um diese Zeit der Gerichtsvollzieher! E» läutet Sturm. Ich öffne zögernd. Eine Dame steht vor der Tür. Pelzmantel. Hut. Handschuhe. Da« ist mein erster Eindruck. Ich kenne sie nicht. Ein diskretes Parfüm streichelt meine Nerven. Sie will meinen Freund sprechen. Wir gehen ins Zimmer. Ich erfal/re, daß sie meinen Freund von früher her kennt. Sie ist die Frau eines Industriellem Die beiden scheinen sich früher mal geliebt zu haben. Ich werde nicht recht draus klug. Sie benimmt sich, als ob sie schon oft bei uns geschlafen hätte. Wir rauchen ihre Zigaretten. Sie atmet den Nauch tief ein und ftöftt ihn beim Sprechen wieder aus. Sie sieht sich dt« Bilder meines Freundes an und lobt sie. Wa» soll sie auch sonst dazu sagen! Sie merkt aber, daß sich mein Freund verändert hat. Seine Arbellen passen nicht mehr an die Wand eine» Eßzimmers. Im Gegensatz zu seinen früheren Arfxiten sind seine Bilder jetzt unruhig, sie klagen an. Und sie gehört zu der angeklagten Gesellschaftsklasse. Ich komme nur überflüssig vor, ich weift rächt, was ist tun soll. Es ist alles so merkwürdig. Ich verstehe da» Verhältnis nicht. Wir reden von Büchern, Zellschristen und Ausstellungen. Kommen uns aber nicht näher. Ich erfinde eine Verabredung, um fortzukommen, und laste die beiden allein. Ehm kommt erst spät in der Nacht nach Hau». Er stellt eine Flasche Wein aus den Tisch und die Rest» eine» fabelhasten Estens, auch Zigarren und Zigaretten. Guten Appetit, sagt er. Ich esse und trinke. Die Zigaretten sind gut. Er schweigt. Ick) bin neugierig, aber ich mag nicht fragen. Ehm hat jetzt inimer Geld. Wir haben ein warmes Zimmer und reichlich zu essen. Ick) fange an, mich wohl zu fühlen und kann wieder arbeiten. Die Frau ist nicht wieder- gekommen. Aber sie ist noch da, sie sieht im Hintergrund. Ich spüre sie.' Ehm ist oft nicht zu Hau». Er verrät nicht», ober ich weift, daft er bei ihr ist Er matt sie und porträtiert Leute aus ihren Kreisen. Wir sprechen nicht darüber. Ehm ist still und ver- bittert. Wir haben Geld, die Leute zahlen gut. Ich schaue mir manchmal Ehms revolutionäre Bilder an. Proletariergesichter. Ar- beitslose, hungernd« Massen. Ein revolutionärer Schrei steckt in den Arbellen, ein Schrei nach Freiheit und Sattsem. Sein letztes Bild zeigte Arbeiter auf der Barrikade. Es war noch nieht fertig. Er rührte es nicht mehr an. Er malte jetzt ihren Mann, den Berg- werksdirektor, einen Herrn mit einem prominenten Bauch. So kriegten auch wir von der feiten Dividende etwas ob und Ehm glänzte auf den Gesellschaften der Frau Direktor. Cr hotte sich oerkauft. Wir litten keine Not mehr. Aber wir hatten auch an nichts richtige Freude. Wir würden uns wohl trennen müsten. Es war alles so anders geworden. Die fünfhundert Särge der er- schlagennen Bergarbeiter standen zwischen uns. Entweder für die Frau Direktor oder für die Toten und die, die noch sterben werden bei der Arbeit! Ehm muhte sich entscheiden. Und er entschied sich mll aller Heftigkeit Er malte die Henker in Slbendcmzügen. er über- steigerte ihre Schuld und schickte der„gnädigen Frau" das Blatt Er hatte sich frei gemocht und auf seinen Platz zurückgefunden. Die Dame in Pelz lieft sich nicht wieder bei uns sehen. Vielleicht hat st« ihn geliebt, wer weift. Er hat nie davon gesprochen. Wir sitzen jetzt wieder im kalten Zimmer und sehnen uns nach einer Zigarette. Wir haben den Kampf wieder aufgenommen. Wir demonstrieren mit den Arbeitelosen. Sie sind mißtrauisch gegen uns„Literaten", ober ihre Sache ist auch die unsere. Mit Beschützermiene schlug ihm Amelka aus die Schulter. „Du bist nun gut ausgestattet. Das da ist ein warmes Gewand. Man sollte fast meinen, seine Gnaden vor dem Kriege. Das gilt übrigens bei uns als vornehm. Host du den Fragebogen ausgefüllt? Gib her, Karaß!" Karaß brachte einen Bleististrest und ein vorgedrucktes Formular, das übersät war mit Fettflecken. „Füll das da aus!" Filka nahm alles äußerst ernst Die Hüttenordnung schien streng Es galt sich zu fügen. Sorgfältig füllte er aus. Zweimal brach der Bleistift ab. „Was soll ich da hinschreiben?" Amelka unterwies ihn. Bei der Frage„Beruf" wurde Filka nachdenklich. Schon wollte er schreiben: ehemals Blindenführer bei dem Bürger Reseda, als ihm Amelka zuflüsterte: Schreib„Dieb". „Ich habe noch nie gestohlen."— Filka zitterte vor Erregung. „So schreib... angehender Dieb." Getragen dröhnten sieben Schläge gegen eine Eisenplatte. „Es schlägt sieben Uhr. Es ist Zeit zu Abend zu essen." Filka spähte umher, lieber dem Herd hing an einer Schnur em Marktgong. Ein kleines Mädchen von zigeunerhastem Aussehen hatte darauf die Stunden abgeläutet „Das ist Nadja die Bäckertn", sagte Amelka.„Die Hütten- zemetnschast stand vor dem Ruin. Da haben wir fünf Säcke Mehl gestohlen. Mit zwei großen Barten haben wir sie uns nachts m aller Sttlle geholt Nun haben wir Brot die Fülle Es war eine schwierige Angelegenheit. Aber wer arbettet, braucht nicht zu hungern." rUebertTaaen ett» dem ZwMtchen von Sasid« Rvseatdal.) sl Trance: Was Meihl übrig? Man hat, obwohl die ganze Wett voll ist von den erstaunlichen Ueberresten vergangener Schöpfungen, eigentlich noch nie daran gedacht, was denn vor unserer gegenwärtigen Welt, die doch ebenso sicher von einer fernen Zukunft durchforscht werden wird wie jede Vergangenheit von uns, eines Tages als„Versteinerung" übrig- bleiben wird. Wird eine späte Zukunft, etwa eine Zeit, die zur Gegenwart so ferne steht wie diese zur Braunkohlenzeit wisien, daft inzwischen der Erde etwas widerfahren ist, was vordem nie da war, nämlich die Eroberung und Umgestaltung durch ein einziges Geschöpf? Oder wird alles, was der Mensch geleistet hat, sich in unkenntlichen Staub und Rost auflösen und seine„Welt" nicht mehr hinterlassen al« noch jede„Well" vordem? Jedenfalls wird man auch in fernster Zukunft aus der dunklen Erde ebenso bleiche Zähne graben und rotbraune morsche Knochen. die an der Luft zu Staub zerfallen, wie wir auf diese Weise Zeugen ättester Vergangenheiten für unser Wisien retteten Im rein Natürlichen wird sich also offenbar gar nichts ändern. Das ewige Gleichmaft der Dinge wird weitergehen, Sonne wird scheinen, Wolken werden ziehen, das Meer wird rauschen und schäumen, Leben wird aufsprießen, sich des Daseins freuen und dahinsinken auch in Tagen, in denen unsere Gegenwaa noch aus Versteinerungen besteht Wa» wird aber au» den Kulturwerten werden, den großen Lauwerten, den Kunsterzeugnisien, den eisernen Maschinen, de» Gegenständen au» Glas, Porzellan, den geschliffenen Steinen, dem Edelmetall, aus den tausend und abertausend in sinnvolle Forme» geprägten Geräten und Zeugen unserer Zivilisation? Da ist denn zunächst kein Zweifel, daß die Leistungen, worauf wir eigentlich am meisten stolz sind, Apparate, Kunstwerke und die auf Papier gedruckten Erzeugnisse des Menschengeistes, am raschesten vergehen. Papier, Stoffe, Holz, Gummi, auch Eisen, überhaupt alle nicht edlen Metalle, werden niemals„fossil" sein. Auch Bauten, soweit sie aus Mauerwerk bestehen, haben keine weitreichende Dauer. Wohl sind heute ägyptische Tempel und die ebenso allen Bauten von Ur und Babylonien teilweise noch gut erhalten, aber was find fünf-, oder wenn es hoch kommt siebentausend Jahre gegen die Zeiten, die bei Fossilien In Betracht zu ziehen sind! Kein Zweifel daher: bis wieder ein neue» Erdzeitalter über die alte Erdkugel hin die Lose von Glück und Unheil verteilt wird nichts von menschlichen Kunst- und Bauwerken der Segenwart mehr er- halten sein können. Di« Steine werden zerbröckelt sein, selbst der behauen« Marmor wieder zusammenbacken, zerrieben worden, zur Unkenntlichkeit zusammengedrückt in neuem Gestein, alle» Eisen in Rost zerfallen, wieder«ingegangen in die Erde, au» der es hervor» kam. Rur eins wird ebenso unveränderlich wie die kleinen Kiesel- algen der Steinkohle und ältesten Schiefer das Wirken des Menschen- geiste» auch allerfernsten Zeiten künden: Gla», Porzellan. Edelsteine! Melancholisch und doch wieder großartig der Gedanke: Alles. alles wird vergehen, nur ein großer Berg von Scherben wird übrigbleiben. Daran allein wird man eines Tage« noch erkennen, daß es Menschen gegeben hat Und wenn soviel Zeit hinabtropft in da» Meer der Ewigkeit, al» vergangen ist bisher seit den Tagen der ersten Schöpfung. Gläser und Edelsteine, ihr wunderbarer Schliff, ihre prachtvollen Farben künden doch: ein intelligente» Wesen ist einmal dagewesen. Wenn man heute in Glasbildern, in farbigen Mosaiken au« Glasfluß eine Chronik der Well in die Erde versenkte, etwa im erdbebenfreien Gebiet de» europäischen Norden», könnte man dadurch gleichsam bis an«„Ende der Welt" allen künftigen Zeiten da» Wissen von heute übermitteln, und es ist nur ein einziges Naturerelgnls denkbar, das auch diese Spur auslöschen könnte: ein Neuerglühen der Erdrinde, sei es aus innen heraus oder durch elnen Sternzusammenstoß. Beides ist aber eine zwar denkbare, aber kaum wahrscheinliche Möglichkeit Und vielleicht würden sogar dann in dem schrecklichen Augen- blick, in dein selbst Glasflüsse neuerdings schmelzen müßten, ge- schliffene Smaragde und Diamant« noch widerstehen und ihre Form behalten können als die letzten und beständigsten Zeugen menschlichen Schaffens. Man hat es sich oft schon ausgemalt daß in einer fernen ftem- den Zukunft auch die heute noch so lebensfrische Erde erloschen, kalt und tot gleich dem Mond«, wie«in ungeheurer Sarg ihrer Ver- gangenhell durch das Weltall schweben wird Es mag uns ein stolzes Gefühl sein, daß sie auch dann Runen tragen wird, die Msnschenleben künden und einer ungeahnten Verwirklichung des prophetischen Wortes unseres Dichters, das da auf einmal für die ganze Menschheft gilt: „Es kann die Spur von deinen Erdentagen Nicht in Aeonen untergehen" Stichard SCuetfenbeck: CtlflJfUUcpßC Chapullepec war der Lieblingssitz der Kaiserin Carlota, der Frau jenes unglücklichen Maximilian von Oesterreich, der in Quarten), eine Stunde von hier, vor den Gewehrläufen mexikanischer Mebellen seinen Herrschertraum austräumte. Damals mag der Park von Chapultepec noch nicht so groß und schön gewesen sein wie heute-, aber es gab schon die herrliche Schloßterrasse, von der man den heiligen Berg Mexikos, den Popocatepetl, sehen kann. Ich habe dort gestanden, wo die Kaiserin sicher oft die Fremdartigkeit der subtropischen Vegetation empfand. Was für ein Unterschied zwischen Oesterreich und Mexilo. Das Land ist wild und schön: aber je länger man es betrachtet, um so mehr sehnt man sich nach der Einfachheit unserer nordischen Wälder zurück. Jetzt wohnt im Schloß von Chapultepec der Präsident der mexi- konischen Republik, und eine Menge schwerbewaffneter Soldaten bewachen die Auffahrt zum Präsidentenpalais. Ich betrachtete diese wütend aussehende Menschenklasse mit einiger Sorge und traute mich nicht recht an chnen vorbeizugehen Zumal mein Spanisch recht elend ist und ich nicht wage» konnte, ihnen schnell auseinander- zusetzen was ich wollte. Und zumol mir ein sehr gewichtiger Deutscher Mexikos kurz vorher gesagt hatte, das hiesige Heer bestände zum großen Teil aus einem nordischen Indianerstamm, der große Verwandtschaft mit unseren Knabenbuchopachen habe und wegen semer Wildheit gefürchtet sei. Ms ich noch stand und zögerte, näherte sich ein kleines Indianer- Mädchen, das sine» Korb am Arm trug, den auf ihr Gewehr ge- stützten Rebellen, sah sie frundlich an und ging an ihnen vorüber. Wen» es mir auch nicht gegeben ist. Soldaten mit einem Lächeln zu entwaffnen, gab ich mir doch einen Stoß und tat desgleichen. Ich legte mein Gesicht in freundliche Falten und schritt gelaflen an der Wache vorbei. So bin ich denn auf die Terrasse gekommen, auf der die Kaiserin Carlota gestanden hat. Cr war au einem Sonntag, und ich war eigentlich her- gekommen, um den Korso zu sehen. Der gedruckte Führer verspricht, daß man bei diesem Korsa viele elegante Frauen sehen könne. Ferner Mexikaner in alter Nationaltracht, sogenannt« Charros. Ich habe beides gesehen und bin von meinem Ausflug nach Chapultepec sehr befriedigt. Die Banda polizia, die Kapelle der Polizei, spielte zum Promenadentonzert auf, und unter den Zuhörern gab es nicht nur »ine Menge eleganter und schöner Mexikanerinnen, fondern auch unverfälschte Indianer, die die ganze Sache wie«in Wunder aus Tausendundeiner Nacht anstarrten. Besonders wenn die Pauke drauflos schlug, daß es krachte, empfanden sie Vergnügen, und sie »achten mit merkwürdig unmelodischen exotischen Stimmen. Das ist überhaupt einer der größten Reize Mexikos, daß man überall unter den modisch gekleideten Menschen die Indianer sieht, die einen so unverfälschten llrwaldblick haben, daß man meint, sie müßten gleich mit wildem Hussa zum Tomohawk greifen und davonspringen. Aber nichts liegt ihnen ferner. Die langen Jahre der spanischen Zivi- lisation haben diese Leute ganz verändert. Die Indianer haben übrigens in der jüngsten Zeit große Er- folge gehabt. Seitdem sich Mexiko vom Mutterland Spanien los- gerisien hat, haben sie das verlorene Terrain langsam wieder aus- geholt. Die augenblicklichen Herrscher des Landes müssen nach den Paragraphen der Revolution von 1917 leben, und diese Revolution hat praktisch den Indianer zum Herrn des Landes gemacht Der wichtige Deutsche, der Mexiko seit vielen Iahren kennt, erzählte mir. vor kurzem habe er einer offiziellen Rede beigewohnt, in der gesagt worden sei, es werde der Tag konimen, wo der Indianer an der Spitze der Zivilisation marschieren würde. Der Redner habe durch- blicken lassen, daß er die Indianer für wertvoller als die Europäer und Amerikaner halte: und es habe hinterher eine gewisse Ver- itimmung geherrscht. Es liegt mir fern, die Zukunft des Indianers voraussagen zu wollen. Daß das indianische Boll hier mit Recht die Hauptrolle spielt, geht schon aus dem Verhältnis seiner Zahl zu dem der ein- gewanderten Eroberer und Europäer hervor. Zehn Millionen Indianern stehen nur drei bis vier Millionen Spanier und andere Euroväer gegenüber. Große Freude haben die Indianer an wilden Tieren. Ich sah das im Tierpark von Chapultepec. Im Süden Mexikos, in Chiapas und anderen Provinzen, die zum Teil unerforscht sind, gibt es noch Löwen und es gibt dort sogar noch Tiger. Diese Tiere sind zwar kleiner als die Löwen und Tiger, wie mir sie in unseren zoologischen Gärten gewohnt sind: aber es sind gleicbwohl richtige Löwen und Tiger. Ich habe sie hinter Gittern im Park von Chapultepec ge- sehen: und die Indianer sind von chnen begeistert, weil es ja eigent- »ich noch nicht fo lange her ist, als sie mit den Tieren auf du und du im Urwald standen. Diese zivilisierten Indianer sprechen mit den Bestien, als ob sie noch von chnen oerstanden würden. Es ist komisch zu sehen. Die Mütter heben chre Kinder hoch gegen das Gitter, und die würdigen Väter reißen einen Grashalm ab und machen den ver» wegenen Versuch, einen Löwen an der Schnauze zu kitzeln Die beliebtesten Tiere in Chapultepec sind und blechen aber die Affen Beim Anblick der Affen, die hier auf einem freien, nur durch einen kleinen Wasserstrcif vom Publikum getrennten Felsen herum- springen, gehen sogar die Herren Soldaten aus chrer Reserve her- aus; sie vergessen die Krieqsartikel und ihr Reglement und brechen in eine unvorschristsmäßige Heiterkeit aus. die einen alten Preußen befremdlich berührt. Was soll werden, wenn sie in den Krieg ziehen müssen? Wenn der Gegner auf die Idee kommt, ewige Käfige mit Affen heranzuschleppen, ist das Land geliefert. Die Reiter in Nationaltracht, mit breitkrämpigem Hut, Lasso, geschnürten Hosen und einem Prunksattel(der soviel wert ist, daß man sich dafür ein Haus kaufen kann) sind Mitglieder des Vereins zur Erhaltung alter Volkssitten. Aber das macht nichts, und in dieser bunten Umgebung wirken sie wunderbar echt. Man möchte sie sich nicht anders wünschen. Ich entdeckte auch«ine Calrada de poctas, was offenbar soviel wie Dichterweg heißt. Dieser Weg, eingebettet m tropische Farne, Lianen und Palmen, war wunderschön. Dichter gab es dort wenig: um so mehr aber Liebespaare, die sich nach dem Schatten sehnen und entfernt sein möchten vom Lärm des Alltags. Aber auch hier hörte man die Vanda polizia, das Krachen der Pauke und das Lachen der Indios. Alfred mauck: Ais„gttle alle" SEeH Srgöi&licheg aus vergilbten Teilungen Erlangen vom 15. Juni Es war leicht zu vernmtlzen, daß die Infectenfchwärme, welche mau neulich bey Hirschbruck hat niederfallen sehen, lem« Heuschrecken gewesen, well diese noch nicht Flügel haben, womit sie sich in der Luft erhalten können. Es sind Maikäfer gewesen, welch« kurz vor einem Gewitter so häufig ge- zogen gekommen. Die Schweine, welche man bey solcher Gelegenheit mit einem Gericht Heuschrecken troctiren wollt«, mußten also hungrig und mißvergnügt zu ihren Trabern wieder nach Hause gehen.(„V osfische Zeitung Nr. 76. Berlin 1750.) W e ich s e l st r o m vom 6. September. Der Magistrat zu Posen hat vor kurzem eme Kleiderordnung publizieren lassen, nach welcher dem bürgerlichen Frauenzimmer nicht mehr fieq stehen soll, die Haare fliegen zu lassen, nach Mäntelchen, auch keinen Stoff und Dragct, sondern mir Crosdewur und Taffent zu tragen. Berschie- dene, die dawider gehandelt, hat man auf das Rathäuß gebracht und ihnen daselbst die Haare abgeschnitten.(„D osfische Zeitung" Nr. 112, Berlin 1754.) Donau st rom vom 12. October. In Wie» soll allen Damens nochmahls angesagt worden seyn, nicht geschminkt nach Hofe zu kommen, und den Kirchenaufsehern soll ebenfalls nochmahls angedeutet worden seyn, wenn sie solche Personen in der Kirche ansichtig werden, gleich aus der Kirche zu weisen.(„V osfische Zeitung" Nr. 127, Berlin 1765.) • Maynstrom vom 6. März. Tausend Guineen sind auf eine Wette in London gesetzt, die künftigen Aprll entschieden wird. Der Gegenstand davon ist. daß kein Mensch auf einem Bein 1K Stunden lang hüpfen kann. Herr Hughes, ein Schieferdecker. der wegen seinen Fertigkeiten in solchen Sachen berühmt ist, hat sich's unternommen, und werden viele Wetten davon abhängen. („Bosslsche Zeitung" Nr. 51. Berlin 1767.) Don au st rom vom 16. November. In Wien soll«ine besondere Traucrordnung für die dasigen Einwohner bekonntge- macht werden. Zufolge derselben soll die Trauer für Eltern nur 3 Monat, für Ehegatten 8 Wochen, für Kinder und Anverwandten aber entweder gar nicht, oder doch nur eine kurze Zeit getragen werden.(„Vossische Zeitung" Nr. 139. Berlin 1 767.) Maynstrom vom 2 6. April. Die Natur weicht bis- weilen von ihrer bekannten Ordnung und Einrichtung ab: davon hat man verschiedene Beyspiele, und unter andern auch folgendes. Zu Westerwick fand man in dem Gelben eines Hühnereys ein zweytes, Ey mit der Schale, in der Größe eines Taubeneys, und als man solches ausmachte, war es inwendig ebenso beschaffen wie ein ander Ey. Es fragt sich dabey, wenn diese Eyer hätten aus- gebrütet werden sollen, ob es mit Heyden möglich gewesen, und wie viel Zeit dazu erforderlich gewesen wäre?(..Vossische Zei- tung" Rr. 54. Berlin 1 768.) Alle Briefe aus Paris sind voller Lobeserhe« bungen des Herrn Navarre, welcher vor kurzem eme neue Art von Stühlen, die man ganz bequem beyy sich tragen kann, er» fimden hat. Eben dieser geschickte Künstler hat auch ein« Art von kleinen Sprengfässern erfunden, die überaus niedlich und überaus leicht ausgearbeitet sind, und die man ebenfalls, wenn sie gleich voll Wasser sind, ohne die geringste llnbequemlichkett bey sich führen kann. Diese beydeu Kunststücke hoben einen erstaunlichen Abgang. .und es ist kein Stutzer in ganz Paris, der nicht neben seinem Taschenspiegel auch«inen solchen Stuhl und ein solches Arrasoir bey der Hand haben sollte. Die vom Spatzierengehen ermüdeten Damen finden ein unbeschreibliches Vergnügen daran, auf diesen Sesseln sich niederzulassen, nachdem vorher der zum Ausruhen erwählte Platz von ihren galanten Begleitern mit aller Fertigkeit des kunst- erfahrensten Gärtners besprenget, und dadurch die ganze Attno- sphär«, in deren Mittelpunkt sie sitzen, erfrischet worden. Sie haben unter sich beschlossen, den» Herrn Navarre eben sowohl als dem Herrn Chaumont, dem Erfinder des neuen Toupe(t), eme Bildseule von eben dem Meister, der jetzt an der Statue des Herrn von Lol- taire arbeitet, verferttgen zu laßen, die in der Mitte der Thuillerien aufgerichtet werden soll. Die Kosten dazu sollen durch Subskribtion zusammen gebracht werden und man wird den dazu beretts ent- worfenen Plan dem dasigen Publica nächstens bekanitt machen. („Bossische Zeitung" Nr. 57, Berlin 17 76.) Ein Beytrag zur Geschichte der Thier«. Unweit Newgate in England ist ein Hund, den«ine Katze gesäugt hat: diesen Hund hat man noch nicht einmahl Bellen hören: wenn auch mitten in der Nacht an der Thür geklopft wird, die er bewacht, so schweigt er. als ob er nicht Bellen könnte.(„Vossische Zei» tung" Nr. 74. Berlin 1770.) Da denen bisherigen Verordnungen zuwider sich viele Leute unterstehen, die Straßen durch Ausgießung derer Nachtcymer und Hinwerfung des Mülles zu verun- reinigen: so machet das Policeydirekwrium zu jedermanns Achtung und Warnmig hierdurch bekannt, daß dergleichen Personen künftig statt 2 Rthlr. mit 5 Rthlr. oder proporttonirlicher Leibessttafe be- legt, überdem aber ohne Ansehen der Person an den Ort, wo sie betroffen werden, öffentlich mit einem Zettel vor der Brust aus- gestellet werden sollen. Berlin, den 12ten May 1771. Königs. Preuß. Policeydirettorium. Philippi. („Vossische Zeitung" Nr. 60. Berlin 1771.) In England sind seit kurzen bei dem Frauen» zimmer, wenn sie ausreiten, die Sttefel mod« geworden. Sie solle» in dieser Kleidung gut ausschen.(„Vossische Zeitung� Rr. 109. Berlin 1771.) Ein beliebtes Wochenblatt macht die Anmerkung. daß die Speisen von Mehl mehr gutes Geblüt kochen als die Fleisch- speisen, und deswegen wären auch die Allen so stark gewesen, und das Frauenzimmer wäre in vorigen Zellen auch um einen Centncr schwerer gewesen, hätte auch einen leibichtern und festern Körper gehabt, well sie meist Mehl- und Milchspeisen, sehr wenig aber von Fleischspeisen genossen, und auch viele Hausarbeit sclbsten verrichtet hätten.(„V osfische Zeitung" Nr. 6, Berlin 1773.) Die Frau Oberrentmeisterin und die Frau Oberschatzmeisterin zu Paris haben unlängst gezeigt, wie standhaft eine rechtschaffene Dam« auf ihrem Range beharren müsse. Sie begegneten emander mtt ihren Kutschen in einer engen Straße, wo eine von chnen hätte zurückfahren müssen. Ehe daß aber eine gechan hätte, blieben sie lieber von Morgens 9 bis Abends 4 vor- einander halten. Ihre Bedienten fütterten unterdessen die Pferde auf der Straße, und höhlten den Frauen das Mittagessen in die Kutsche. Vermuchlich würden sie chnen auch die Schlafhauben. Kopfkissen und Nachtgeschirre haben holen müssen, wenn nicht der Ouarttermeister, um' der Narrheit ein Ende zu machen, und dem Publica die Straß« wieder zu öffnen, das kluge Mittel ersonnen hätte, daß sie beyde zugleich hinter sich aus der Straße, und hernach in eine andere fahren sollten.(„Journal", Frankfurt am Main. 1774, 4. Februar.) Aus Oberdeutschland, den 18. Februar. In der Grafichaft Neuwied wurden am 5. dieses 3 Verordnungen: 1) Die Abschaffung der Kindtaufschmausen: 2) Der Hochzeitfeierlichkeiten, und 3) der Christ» und Reujahrsgeschenke an Pachen und Gothen von der Kanzel oerkündigt.(,LZ osfische Zeitung" Nr. 24, »erlin 1786.) S>er Steiler mit dem Oflerfeuer Der Kosakenkorporal Wassilis galoppierte auf der Straße von Jerusalem nach Jaffa, er trug eine Laterne auf dem Rücken, in der eine dicke Kerze flackerte und trieb sein Pferd unbarmherzig zum schärfsten Tempo an. denn das brennende Licht sollte nach an» Mittag mit dem Dampfer„Krim" von Jaffa nach Odessa abgehen: Diese brennend« Kerze war das für Rußland bestimmte Oster- seuer, das wie an jedem Karsamstag in der Grabkirche Jerusalems von den griechisch-orthodoxen Patriarchen gespendet worden war. Zu dieser Osterfeier pilgerten vor dem Kriege ganze Scharen von Gläubigen aus Rußland, Palästina und Armenien nach Jerusalem, denn nach der Lehre der griechisch-orthodoxen Kirche er- scheint am Korsamstag das heilig« Feuer in Geftall einer kleinen Flamme, der Patriarch entzündet an ihr seine Kerze und Hunderte von Menschen drängen sich dann an ihm vorbei, um ihre Lichter und Fackeln zu entzünden. Für das alle RußUmd war dieses Fest von großer Bedeutung und es wurde jedes Jahr eigens ein schneller Dampfer nach Jaffa, dem Hafen Jerusalems, geschickt. Sofort nach der Feier brachten Berittene die Osterflamm« zum Schiff, das sogleich nach Odessa fuhr, dort wurde das Feuer des Patriarchen den Moskauer Kirchenvätern übergebe» und vom Kreml über ganz Rußland verbreitet. Unser Wassillj war einer der Stafettenreiter und galoppierte. was sein Gaul hergab, als plötzlich ein Hammel hinter einem Felsblock hervorsprang, vor dem das Pferd jäh scheute. Im nächsten Augenblick flog der Feuerreiter kopfüber in den Sand, überschlug sich und stellte, als er wieder auf den Beinen stand, zu seinen, Schrecken fest, daß zwar die Laternen unversehrt geblieben, ober die Kerze erloschen war!— Er fluchte und überlegte eine Welle. Nach Jerusalem waren mehr als vierzig Kilometer zurück, das konme sein Gaul nicht leisten und hätte einen halben Tag gekostet. Zu seinem Pech hatte er kein einziges Streichholz in der Tasche, nach Emmaus, wo ihn schon die Ablösung erwartete, durfte er unmöglich ohne brennende Kerze kommen, er beschloß also trotz aller Gewissensbisse, einen Helfer zu suchen, ritt weller und entdeckt« bald einen arabischen Schafhirten, der seine Oelkuchen über einem kleinen Feuer röstete und nicht wenig erstaunt war, als der fremde Reller vorn Pferd sprang, sein« Kerze bei strahlender Sonne anzündete, die Laterne auf den Rücken band und davongaloppiertc. So war dem guten WassUif ebenso geholfen wie dem heiligen russischen Reich und keiner von den Millionen Bauern, die iv jenen, Jahr in ihren Dorskirchen die Kerzen anbrannten, hatte eine Ahnung, daß sein Osterfeuer nicht von dem Patriarchen Jerusalems, sondern von einem arabischen Schafhirten stammte. Volkmar Ire». Begegnung Es hatte gekmgell. Ich ging zur Tür und öffnet«. Bor mir stand ein Unbekannter, den Hut in der Hand. „Verzeihung, wenn ich störe, ich bin sell einein halben Jahr ohi« Arbeit: hätten Sie vielleicht eine Zkleini gleit, ein Paar abgc- legte Schuhe..." Ich hörte gar nicht recht hin; ich sah ihn mir an, während er da vor mir stand und leise, stockend sprach. Seine Hände um- krumpften den Hill, seine ganze Hallunz war so verschieden von den vielen Menschen, die jeden Tag vor der Tür stehen und betteln. Dos ist auch gar kern Bettler, so empfand ich plötzlich. Ich 'weiß doch seit frühester Kindheit, was ein Bettler ist, wie ein Bettler aussieht. All, zarzaust, fadenscheinig. Der Mensch vor mir aber ist sung, jung wie ich selber. Warum nimmt er den Hut ob? Bin ich fem Vorgefetzter? Wir stehen doch im gleichen Aller und haben vor nicht langer Zeit die Schule ver- lassen, um hinaus ins Leben zu fahren. Vielleicht sagte man damals zu ihntt Da draußen weht zwar cm scharfer Wind, aber ein Kerl wie du, fleißig und anständig, wird seinen Weg schon machen. So hm er seinen Weg begonnen wie wir all«, voller Vertrauen zu fkl) selbst und voller Hoffnung für die Zukunft, hat gearbeitet und seine Pflicht getan. Und dann hat ihm alles Streben, alles Mühen doch nichts geholfen. Jetzt stand er vor meiner Tür. arbeitslos, und bettelte. 3