Morgenausgabe Nr. 162 A 52 4S.Iahrgang Wöchentlich 8d Pi.. monatlich 2.6Q M. im voraus zahlbor. Postbezug 4,32 M. ein'chließlich 60 Pf. Poftzeitungs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslände' «bonnemenl 6— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen» porto 6.— M. K Ter..Dorwarrs- erscheint wochentäg. iich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Adendausgabe für Berlin und im Rondel mit dem Titel.Der Abend" Illustrierte Beiloge.voll und Ferner.Frauenstimme-. �Technik-..Blick in die Pücherwell". .Iugend-Lorwärts-u. �StadtbeUoge' Berliner Sottsvlatt Mittwoch 8. April 1951 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 Pf. Die einipalt. Nonparetllezetle SV Pf. Reklamezeile ö.— RM.„Äleine An- zeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. (zulässig zwe» fettgedruckte Worte), fedes weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Ta-if. Stellengesuche das erste Wort lS Pf-, jebe« weitere Won lv Pf Worte über 15 Buchstaben zahlen fui zwe» Worte. 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Brüning und des Reichsauhen- Ministers vr. Curtius wahrscheinlich nicht vor Ende 7NaI er- folgen wird.?m Anschluß an seinen Besuch in Paris, so heißt es weiter, hohe hcndcrson den Wunsch, sich mit Dr. Eurtius über verschiedene die beiden Länder gemeinschaftlich interessierende Fragen auszusprechen. Deshalb sei die englische Einladung erfolgt. Dem vernehmen nach werden sich die Besprechungen über sehr niannigsallige Eegenilände, so gut wie sicher aus die geplante deutsch- österreichische Zollunion erstrecken. Ein bestimmtes Programm werde ober nicht s e st g e s e h t werden. Die offiziöse..Deutjche diplomattsch-politische Korrespondenz" be- hauptete zur selben Ze»t, daß die Reise der Heiden deutschen Regie- rungsmitgliedcr nach Chequers„entweder am 1. M a i oder am K. M a i" vor sich gehen wurde. Wenn wir recht unterrichtet sind, wat in der Tat ursprünglich der l. Mai in Aussicht ge- ramme» worden. Eine solche Zusammenkunft wäre dann besonders bedeutungsvoll gewesen, denn sie hätte den beiden Regierungen die Möglichkeit geboten, sich über die Probleme der nächsten Rats- tagung— z. 35. über die Behandlung der deutschen und ukrainischen Minderheilenbeschwerden— zu verständigen, ebenso über die weitere Behandlung der Abrüstungssrogen.(3ln die österreichisch- deutsche Zollunion dachte man— wcpigsiens auf englischer Seite~ noch nicht, als die Einladung nach Chequers zgm ersten Male unterbreitet wurde.) Dtzin dürsten sich in der zweiten Maihälste die beiden A u ß o n ni i n j st o r o h n« d i.e s. i n G e n f bei der nächsten Tagung des Dölkerbundro.ts begegnen. Infolgedessen würde ein« un- nriitelbar danach erfolgende neue Zusonnnenkunst erheblich von ihrem sensationellen Charakter verlieren. Sie würde dann vor allem den beiden Regierungschefs. Macdonald und Brüning, Ge- legenheit bieten, sich kennenzulernen und an der Fortseßung der bereits eingeleiteten Besprechungen ihrer Außenminister mitzuwirken. Zu diesem Zeitpunkt dürfte freilich auch das Problem der Zoll- Union durch die Genfer Beratungen grundsätzlich geklärt sein. Es scheint demnach, daß Macdonald und Henderson als hasliche Menschen die schon lange vor der Ankündigung der Zollunion erfolgte Einladung zwar nicht wieder rückgängig machen wollten. daß sie aber jetzt bestrebt sind, durch ihre Verlegung bis nach der (Benser Tagung den Anschein einer besonderen Intimität zwischen Deutschland und England zu vermeiden, an der Frankreich gerade jetzt'Anstoß nehmen würde. Kein Widerspruch in Enqland. London, 7. April.(Eigenbericht.) Die von der englischen Regierung an den Reichskonzier und ?lußenminister Eurtius ergangene Einladung ist der englischen Presse am Dienstag früh durch eine Berliner Reutermeldung bekannt geworden. Nirgends ist ein Widerspruch gegen die Einladung zu lesen und da das offizielle England noch in den Osterserie» lebt, geben die meisten Blätter die Nachricht ohne jeden Kommentar. Ueber den Zweck der Einladung und worüber zwischen den deutschen und englischen Ministern diskutiert werden fall, gehen die Ansichten weit auseinander. Man wird jedoch in der Annohinc nicht sehlgehen, doh die gesamte europäische Lage, die Abrüstungskonferenz und selbstverständlich auch die deutsch-öster- reichische Zollunion in den Kreis der Erörterungen gezogen werden wird. Es steht ferner fest, daß der französische Außenminister 35 r> a n d bei den für die erste?ZZai-Woch- festgesetzten Besprechungen nicht anwesend«st und nicht anwesend sein will. Das gibt der dcutsch-cngtischcn Besprechung eine um so höhere politische Bedcntnng. Briand hat noch nicht abgelehnt. pari», 7. April. Wie a v a s berichtet, erklärt man in unterrichteten Kreisen, Außenminister Briand sei schon vor einigen Wochen von Staats- sekrctär chendersmz wegen der Zusammenkunft befragt worden, die vom 2. bis 4. Mai in Chequers mit Reichskanzler Dr. Brüning und Stußenminister Dr. Eurtius stattfinden sollte. Entgegen anderslautenden Nachrichten habe Briand die Ein- ladung nicht abgelehnt, sondern sich nur seine Antwort vor- behalten. Seine Antwort werde teilweise von den Erfordernissen der französischen Innenpolitik abhängen. Zlußerdem würden möglicherweise andere Mächte, namentlich Italien, zur Teilnahme an dieser Besprechung eingeladen werden. London nicht Abrüstungskonferenzort? Landon. 7. April. Die vom„Daily Herald" gebrachte Behauptung, daß Henderson als Zusammenkunstsort für die'Abrüstungskonferenz London vor- schlagen wollte, wird in den englischen amtlichen Kreisen als nicht zutreffend bezeichnet. Auf der letzten Völkcrbundsratssitzung seien sich die Mitglieder des Rates schon im Prinzip über Gens einig geworden. Englischer Ftottenbesuch in Kiel? 3n London waren gestern Nachrichten über eine beobsichNgle Einladung englischer Seeossiziere und Matrosen durch die deutsche Regierung nach Siel verbreite». Der Besuch würde im Verlaufe einer Fahrt der englischen Flotten nach der Ostsee durch den Nordastseekunal im kommenden Sommer statt- finden. Eine offizielle Bestätigung war an hiesigen Stellen bisher nichts zn erhalten. Doch scheinen die Gerüchte tnsosern auf Wahrheit zu beruhen, als sie auch keineswegs bestritten werden. Die Dinge befinden sich offenbar noch Im Stadium der diplomatischen Vorbereitung. Ich warne Neugierige...! Severings Antwort an einen unvorsichtigen Zrager. Der Vorsitzende der deutschnationalen Landtags- fraktion, Abgeordneter von Winterfeldt, hatte an den preu- ßischen Innenminister kürzlich einen Brief gerichtet, in dem er um Auskunft darüber bat, inwieweit das preußische Mini- sterium des Innern an dem Zustandekommen der Notverordnung des Reichspräsidenten gegen das politische Rowdytum beteiligt ge- wesen sei. Der Brief war in der Form äußerst höflich ge- halten. Inzwischen hat Severing dem Abgeordneten von Winterfeldt ebenso höflich wie folgt geantwortet: „Es ist richtig, daß ich an dem Zustandekommen der Rot- Verordnung beteiligt gewesen bin, wenn Sie meine Vorstellungen bei den zuständigen Stellen des Reiches und Preußens um Erlaß gesetzlicher Bestimmungen gegen die Verrohung der pol i- tischen Kampsformen als eine Beteiligung ansehen wollen. Ich habe darüber hinaus in privaten und amtlichen Besprechungen, zuletzt in der Konserenz der Innenminister der Länder, dem Herrn Rcichsminister des Inner» meine Auffassung über die erforderlichen Einzelmaßnahmen mitgeteilt und dabei keinen Zweifel darüber ge- lassen, daß das erbetene Mehr des gesetzlichen Schutzes sich nicht nur gegen die Gotllolenpropaganda, sondern gegen jede Art der politischen und kulturellen Verwll» d c r u n g richten müsse. Insoweit bekenne ich mich gern zu einer Mitwirkung an der Verordnung. � Auf ihre endgültige Formulierung und Para- phicrung habe ich jedoch keinen Einfluß nehmen können. Es itt Ihnen, Herr Kollege, genau so wie mir bekannt, daß die Voll- macht des Artikels 4S der Reichsverfassung nicht dem Reichsrat, auch nicht der Reichsregierung, sondern dem Reichspräs!- d e n t e n erteilt worden ist. Das entbindet den Reichskanzler zwar nicht von der politischen Verantwortlichkeit, die er dem Reichstag gegenüber trögt, läßt aber keinen Raum für Verhandlungen mit den Länderregierungen über Einzelheiten der allein vom Reick) spräsidenten zu bestimmenden Maßnahmen. Es überrascht mich, daß gerade Sie In diesem Falle die Rechte der Länder besonder» gewahrt wlsten wollen, da von Ihren polltischen Freunden bei anderen Gelegenheiten doch recht ost und nachdrücklich eine Vermehrung der Rechte des Reichspräsidenten gefordert worden ist. Zu einer Mitteilung von den in Vorbereitung befindlichen Maß- nahmen an die preußische Volksvertretung war ich nicht ermächtigt und ans eigenem nicht in der Lage, weil ich keine Gewißheit darüber hatte,»b überhaupt, wann und mit welche ni Ein- z e l I n h a l t eine Notverordnung erlassen werden würde. Im übrigen begrüße ich Ihre ErNSrung, daß auch Sie die Notwendigkeit eines Schutzes des Lebens der Bürger gegen ein politisches Rowdytum nicht verkennen. Es kommt bei diesem Schutze aber nicht so sehr daraus an, erst im letzten Augenblick den Rowdys die Mordwaffe aus der Hand zu schlagen, als vielmehr der Verwilderung entgegenzutreten, die zur Mordtat an- reizt und den Mord verherrlicht. Ein Staat, der dieser Vergiftung des öffentlichen Lebeps nicht entgegentritt, gewährt seinen Bürgern nicht nur keinen Schutz, sondern gibt sich selbst alls." Bon einer Gefährdung der Vereins- �nnd Versamm- lungsfreihest, der Freiheit in Wort und«ehrift, die auch die Freiheit anderer anerkennt und achtel, soll, so versichert Severin� am Schluß des Schreibens, in Preußen n ich t die Rede Hiilersiey— durch Oemokraiie! Die Lehren eines putsches. Die Rebellion der Sturmabteilungen im Lager der Hakenkreuzler scheint überraschend schnell beendet zu sein. Zu- nächst schien es, als wenn das„militärische Heerlager" des Dritten Reiches sich geschlossen erhebe, um gegen die„Zivi- listen" in München und anderwärts den Anspruch aus die Macht geltend zu machen. Dem Häuptling Stennes in Berlin stimmten andere Häuptlinge, begeistert zu. Bald schien der ganze Nordosten Deutschlands— soweit es vom Hakenkreuz- gestirn beschienen ist— in Flammen zu stehen. Inzwischen ist es bedeutend ruhiger geworden. Die Häuptlinge halten wohl noch weithin hallende Kriegsreden gegeneinander und schlagen vernehmlich an die Schilde. Im wesentlichen vertrösten sie sich jedoch gegenseitig auf das Wiedersehen vor dem Schöffengericht, allwo sie sich einander— im Schwören nicht unerfahren bescheinigen wollen, wie weit sie sich für Ehrenmänner oder für das Gegenteil davon halten. Für uns Außenstehende bietet sich da ein besonderes Schauspiel. Und niemand wird vermuten, daß wir den ver- schiedenen Gerichtsprozeduren der deutschen Erneuerer nicht mit starkem Interesse entgegensähen. Soweit sie überhaupt zustande kommen, versteht sich. Indessen bietet auch der bisherige Verlauf der Dinge schon allerhand Anregungen. Man denke, daß die militärisch aufgezogenen Kohorten, die unter dem Namen SA. die Welt unsicher machten, so manchem Spieherscelchen einen gelinden Schrecken eingejagt haben, wenn sie, geführt von allerhand mit Orden geschmückten Oberen, sich ost den An- schein gaben, als ob sie wirklich schon den„Marsch auf Berlin" angetreten hätten, wie ihr Vorbild Mussolini den Marsch auf Rom. Ilnd der Fanatismus, mit dem die Braunhemdenmotze ihr„Heil Hitler!" zu brüllen pflegten, ließ bei den Wunder- und Militärgläubigen des Spießbürgertums wirklich die Hoffnung aufkeimen, als ob aus den Reihen der SA. einmal die Erlösung aus der Knechtschaft des Marxismus oder auq der Poung-Sklaverei kommen würd�. In diese Träume fiel Aufstand des„Ofsiziersmeuterer- klüngels", um im Stile des Braunen Palastes zu reden. Fiel die Nachricht, daß ein Gau des Nordens nach dem anderen sich den„Rebellen" anschlösse und damit die ganze Front der Hakenkreuzformationen aufzurollen beginne. Auch im engsten Kreis um Hitler bangte und wankte alles. Und doch ist der Spuk überraschend schnell verflogen. Aus der Ferne kann der Diktator die„Führer" ab- und einsetzen, Generalbevollmäch- tigte für seine innerparteilichen Henkersdienste ernennen und weitere„Säuberungs"-Aktionen ankündigen. Die Prätorianer- garden knurren zwar, aber sie schwenken ein. Die eben noch allgewaltigen Sofs und Stafs fliegen hinaus und stehen allein mit den Wenigen, die— bis jetzt— ihnen treu blieben. Keine militärische Macht trieb sie aus ihren Stellungen. Nur der Utas des Heiligen von München oermochte solche Wunder- dinge zu vollbringen! Das aber ist das Wesentliche an all diesen Borgängen. So gewaltig auch das militaristische Gepränge der SA. schien, st ä r t e r erwies sich auch hier die politische Idee, die in der Bewegung wirksam ist. Diese Idee ist ohne Zweifel dünn wie Wassersuppe, dazu konfus, wie kaum eine zweite, die wir kennen. Aber sie bildet doch den sozusagen geistigen Inhalt einer ungeistigen Gesellschaft. Das Gerede von der „Befehlsgewalt" des großen Adolf, der die Diktatur erstrebt und selbst sich als Diktator fühlt, mutet zwar mehr als grotesk an in einem Lande, das so starke demokratische Willenskräfte entwickelt hat, wie unsere Arbeiterorgani- sationen. Aber auch dies Gerede ist immer noch stärker als das militärische Spiel, von dem es bisher begleitet wurde. Tatsächlich haben die„Zivilisten" in der Hitlerei mit ihrem Legalitätseide einstweilen gesiegt über die militaristische Garde, die sich als den Nabel der Hakenkreuzwelt betrachtete. Das mag zunächst für Hitler und die Seinen als ein Erfolg seiner „starken Persönlichkeit" aussehen. In Wirklichkeit bestätigt es alle Erfahrungen, die in unserem demokratischen Zeitalter ge- macht werden konnten. Selbst die„Diktatoren" können in ihrer eigenen Partei oder Bewegung mir dann stark sein. wenn sie getragen werden von einer breiteren ganz unmili- tärischen Idee, die sich selbst gegen die Kommandogewalt militärischer oder halbmilitärischer Führer durchsetzt. Sicherlich wird diese Erhebung der Prätorianer gegen ihr „Hauptquertier" für die Hitler?, noch sehr unangenehm und sehr lange nachwirken. In wie starkem Maße, das wird sich erst im Laufe der nächsten Jahre zeigen und nicht unwesent- lich abhängen von der Energie und der Geschlossenheit, mit der die Sozialdemokratie den Kampf gegen dos faschistische Tollhous fortsetzt. Aber man wird gerade deshalb die Dinge im rechten Lichte sehen müssen. Und da zeigt sich. daß die Hakenkreuzpartei schon zu stark Parter im landläufigen Sinne geworden ist, als daß sie nur mit milstärischen Paraden und mit geheimbündlerischen Ueberraschungen arbeiten kann, wie in ihren Anfangszeiten. Der Auflösungsprozeß der alten bürgerlichen Parteien hat die Hitler-Bewegung überraschend schnell aufgeschwemmt. Zu viele ihrer Glieder sind a u s d e m Lager der Reaktionsparteien gekommen, als daß sie mit wirklich revolutionärem Schwünge ein Volk über- rumpeln könnte. Die Kräfte, die ihr von den Deutschnatio- nalcn, aus dem Bauerntum und von Anhängern der Bolks- parlei zuströmten, sind nicht geneigt, sich von den SA>-L«uten ohne ganze Stiefelsohlen— nach Stennes— in politische Un- gelegenheiten. treiben zu lassen. Deshalb bläst Hitler den Sturm ab: deshalb klammert er sich immer fester an die „Legalität�, deshalb ist ihm ein M i n rst e rp o st e n in irgendeinem deutschen Lande für den Ruf feiner Politik wichst- oer als alle die Braunhemden, die sich hungernd für ihn schlugen. Auf die Länge gesehen, ist der Sturz des F r i ck in Thüringen für den Unbesiegbarkeitsdünkel der Hitler-Garde rnschneiden&er als die Rebellion der„Dhneschuhe". der braunen SA.-Kompanien. In der Demokratie kann die Macht ..legal" erobert werden, wenn man das Volk für feine Idee gewinnen rann. Aber auch für die Demokratie gilt das Wort. daß an ihr stirbt, wer von ihr nascht. Nnd Hitler hat von den Möglichkeiten der Demokratie bereits zu stark gekostet, als daß er in diftatorisicher Unberührtheit sich außerhalb stellen könnte. Mögen die Garden protestieren und rebellieren, der Diktawr siegte mit seiner ehrlich oder unehrlich gemeinten „Legalitätsidee", weil sie an dasvorhandene demo- kratifche System anknüpft und mit ihm Bündnisse zu versprechen scheint Den Weg zum Siege in der Demokratie aber versperren dem Pseudodiktitor nicht die Mannen um Stennes. sondern die viel stärkeren, in unzähllgen Kämpfen geschulten Reihen der sozialistisch-demokratischen Arbeiterschaft. Sie wissen, daß die Demokratie zu den Lebensnotwendigkeiten des arbeitenden Volkes gehört und daß sie nicht zum Spielzeug eines politischen stharlatans gemacht werden darf. Die Aeichsfmanzen im Kebkttar. Llkber eine Milliarde Fehlbetrag. 5m Mannt Februar stelUen sich nach dein Ausweis des t'Leichsfinanzminhteriuins die R e i ch s e i n n a h m e u auf 7tl,7Mil. I.cmen Mark im ordentliche» Haushalt gegen IlZchÖ Mil- I.meit im Januar. Die großen Mehreinnahmen im Januar gegenüber d-m Bestchsmonat sind darauf zurückzuführen, daß im ersten Monat eines jeden Quartals für wichtig« Stsuergruppsn. wie Ein- kommen?, und Umsatzsteuer, die Zahlungstermins fällig sind. Die Gesamteinnahmen seit Beginn des laufenden Rech- nungkjahres 1930/31(April— März) stellen sich einfchln ifkich Februar auf.9547/6 Millionen Mar?. Die Äusga-b en'lm ord�ni� l.&.rn Hau? halt betrugen rm Februar 837�3 Millionen und feit Beginn des Rechnungsjahres 10 431.4 Millionen Mark. Somit er- r cht sich im ordentlichen Haushalt eine Mehrausgabe von in«. > efamr 8S3-S Millionen Mark.— Im außerordentlichen Ctat betrugen die Einnahmen einschließlich des Februars zusammen ?■ i.\6 Millionen und die Ausgaben 283 Millionen Mark. Somit ergibt sich im außerordentlichen Haushalt c i n c M» h r e i n n a h m e ron 3olt,V Millionen Mark. Der Abschluß weist im ordentlichen Haushalt einen Fehlbetrag aus den Lorjahren in Höhe van 463 Millionen auf. Hier- von gehen ab als außcrai deutliche Tilgung der schwebenden Schuld 4si5 Millionen, so daß ein Ausgleich entsteht. Die Mehrausgabe vom April>030 bis Februar 1931 beträgt 883,8 Millionen. Im außer. rrdenilichen Haushalt zeigt der Abschluß aus dem Lorjahre einen Fehlbetrag von 771,7 Millionen, dem Mehreinnahmen im laufenden fi inanzjohr von S39,b Millionen gegenüberstehen, so daß am Ende des Berichtsmonats Februar ein Fehlbetrag von 212,1 Millionen t er bleibt. Damit stell! sich also der Gesamks thlbelrag im ordentlichen und avßervrdenllichkn Haushalt Ende Februar auf 1095,9 Millionen Aiari. Der Stand der schwebenden Schuld betrug Ende Fk- bruar 1380,4 gegen 1662,4 Millionen Mark Ende Januar. Hiervon waren 1084,5 Millionen unverzinsliche Schatzanweisungen(1100 Mil- Honen im Vormonat) im Umlauf, an Reichswechseln 400 Millionen <400 Millionen im Vormonat) und turzstistige Darlehen 76,5 Mi!- lionen(79,8 Millionen im Vormonat). Betriebskredit bei der Reichs. l ank, der im Januar in Höhe von 63.2 Millionen beansprucht»vor. wurde im Berichtsmonat nicht aufgenommen. llniformverbot für Hitlerkvabeu. Im /Rheinland und in SchleawiS'Holflem Der Oberpräsident der R h e i n p r o v i n z hat folgendes Verbot ertasisn: Auf Grund des§ 8 der Notoerordnung in Verbindung mit der hierzu erlasse»«» Ausführungsverordnung des preußischen Innen- Ministers verbiete ich hiermit für die Rheinprovin; bis auf«olleres das Trogen einheitlicher, insbesondere mUitärähn» I i ch« r Parteiuniiormen oder Bundesklei du n g der NSDAP, ihrer Unter-, Hills- und Nebenorganisationen, insbesondere der Sturmabteilungen(SA.), der Schutzstaffeln und der Hitlerjugend. .lu solchen Umstmnen oder Bundestrachten gehören alle Gegenständ«, die dazu bestimmt oder geeignet sind, abweichend von der üblichen bürgerlichen Kleidung die Zugehörigkeit zu den genannten Organr- iationen äußerlich zu kennzeichnen. Etn gleiches Verbot hat der Oberprasident für die Provinz S ch i e s w i g- H o l st e i n erlassen. Oesterreich weist AWtitz aus Innsbruck, 7. April. Der 6!>jährlge reichsdeutsch« Hauptmann a. D. Ludwig von Moltitz aus Weset am Rhein wurde für immer aus Oester? ich aur-zewiefen. Er war seinerzeit unter der Beschuldigung fest- gtnovrr.ien morden, die Nationalsozialisten, die wegen Tötung von zw« Netchobannerleuten in der H u s e l a n d st r a ß e zu Berlin über die österreichische Grenz« geflüchtet waren, Vorschub zur m-zitSre» Flucht noch Italien geleistet zu hoben. Er wurde damals wieder freigelasien. Oer Razikrach vor Gericht. SSeunes erwirkt eine einstweilige Verfügung. Unmittelbar nachdem Stennes mit seinen Mannen das Haus in der Hedemannstrahe verlassen hatte und der„Angriff" wieder in Goebbelscher Klarheit herauskommen konnte, oeröffenllichte dieses Blatt in Fettdruck eine Notiz mit der vielsagenden Ueberschrist: „W er ist Herr Stennes? Pslizcihouptmann außer oder im Dienst?" In der Notiz fand sich ein Auszug aus einem Brief des Berliner Polizeipräsidenten, gerichtet an einen f r i st l o s e n t l a ff« n e n S ch u p o m a n n, mit folgendem Satze: „Im übrigen ist mir durch«in Schreiben des Osos» Stellvertreters Ost der NSDAP, bekannt geworden, daß Sie an einem Ausmarsch der NSDAP, teilge- n o m m e n und von der SA.-Gef- und Verw.-Hilfe ein Darlehen erhalten haben." Es liegt auf der Hand, welchen Zweck die Goebbels-Leute mit dieser Form der Fragestellung oerfolgten. Stennes, der bisher der Obertommandierende aller SA.-Leute war. sollte p l ä tz l i ch als Polizeispitzel gekennzeichnet werden. Das wurde be- sonders noch unterstrichen durch den„Völkischen Beobachter", der die gleiche Andeutung machte unter der knallenden Ueberschrist: „Der Meuterer entlarvt: Stennes ein Mitarbeiter Grzejinskis: ' Cr denunziert die Parteigenosse« bei dem marxistischen ".'" r Polizeipräsidenten.' Zu dieser Ueberschrist kam noch die„Beweisführung": .Damit ist also der B« w« i» der schon seit langem schwebenden Behauptungen gegeben, daß zwischen dem Polizeipräsidenten und dem Polizeihauptmann a. D. Beziehungen bestehen. Die Reste der Anhängerschaft des Polizeihauptmanns Stennes werden nunmehr ihren„Führer" zn würdigen wissen." Die Verdächtigung eines Mannes, der bis dahin fast u n u m- schränkte Kommandogewalt im Auftrage Hitlers aus- geübt hatte,, zeugt von einer besonders gemeinen Gesinnung, um so mehr, als denen, die sie veröstentlicht-n, genau bekannt war, um was es sich bei dem Zitat aus dem Briese des Polizei- Präsidenten handelte. Als nämlich vor einigen Wochen tn den Räumen des Berliner Gavbüros eine polizeiliche Haussuchung statt- fand, wurde auch ein Briefwechsel gefunden, aus dem sich ergab, daß ein gewisser Polizeiwochtmeister an SA.-Uebungen sich beteiligt und ein Gelddarlehen von der NSDAP, erhalten halte. Der Polizeipräsident hat daraufhin diesen Mann fristlos entlassen und die von ihm eingelegte Beschwerde abschlägig beschieden. Die Entscheidung wurde dem Wachtmeister unter dem 6. Mörz mitgeteilt und mit dem ausdrücklichen Hinweis, daß dem Polizeipräsidium durch ein Schreiben des Osas-Stellvertreters Ost „bekannt geworden" sei, daß der Wachtmeister an Aktionen der NSDAP, teilgenommen und von der Hitlcr-Partei Geld er- holten habe. Dieses„bekannt geworden" ober haben die Hitler- Jünger dahin u m g« f ä k s ch t. es fei dem„Polizeipräsidenten durch den Ofaf-Stellvertreter bekanntgegeben worden". Sie wollten damit zum Ausdruck bringen, daß Stennes der Berliner Polizei unmittelbare Mitteilungen gegen eigene Leute hob« zugehen lasten. Eine dreistere Fälschung ist kaum je erlebt worden! Der so verdächtigte S te'n n' hat Kit* bei dem Bötlisier Landgericht l eme einstweilige B« r f ü g u n g gegen Hitler, Alfred Rakenberg. Dr. Goebbels und Dr. Lippert erwirkt, nach der den Genannten unter Androh ungeinerGefängnisstrafe bis zu sechs Wockzen und einer Geldstrafe in unbegrenzt« Höhe verboten wird, die Behauptung weiterhin zu verbreiten, Stenn«? habe sich als Polizeispitzel betätigt. Dies« einstweilig« Verfügung, die am Dienstagnachmiltag gefällt wurde, ist da» erst« Ergebnis de» großen Prozeßkrieges, der jetzt vor den„Gerichten dieses Systems" ausgefachten wird. um die germanischen Edelinge mit Hilfe der demokratischen Justiz vor Schaden zu bewahren. Oer Gerichtsvollzieher gegen die GA. Die zweit« Entscheidung siel in unmittelbarem Zusammen- hang mit der ersten. Auch die Gauleitung der Nationalsozialisten bat ein« zivilrechtlich« Verfügung erwirkt, wonach Stennes olle Büromöbel, Schreibmaschinen usw. herausgeben muh. die er bei der Räumung des Hauptquartiers in der Hedemannstroß« mitgenommen hatte. Deshalb erschien gestern nachmittag in der Matthäikirchstraße ein Gerichtsvollzieher mit Hilfsmannschaften und Lastautos, um von Stennes die erwähnten Sachen abzuholen. Um auf jeden Fall vor unliebsamen Ueberraschungen geschützt zu sein, hatte der Gerichtsvollzieher„dieses Systems" von dem„marxistischen Polizeipräsidenten" polizeilichen Schutz erbeten und erhalten, damit Herr Goebbels wieder in den Besitz seiner Schreibmaschinen kommen konnte. Um so lustiger werden diese wieder klappern, wenn es gill, den„marxistischen Polizeipräsidenten" und„dieses System" zu begeifern. Mal herhören! Großes Aufrücken bei den Hitlerireuen. Der„Angriff" vom Dienstag sieht auf seiner Titelseite un» gesähr so aus wie ehemals die militärisch« B e s ö r d e- rungsliste zu Kaisers Geburtstag. Man liest nur von Ernennungen und Besörderungen der Hitlertreucn,— natürlich an Stelle 0«r hinausgesetzten Rebellen. Unter„Anordnung" wird zunächst in Fettdruck die. von uns bereits berichtete Veränderung bekanntgegeben, daß durch die Gnade des großmächtigen Adolf Hauptmann Cöring zum„politischen Kommissar mit außerordentlichen Vollmachten"'für das Gebiet der Gruppe Ost bestellt ist. An zweiter Stelle meldet sich F e m e- S ch u l z: Mit der kommistarischen Führung des Gausturm Berlin der SA. habe ich mit Wirkung vom heutigen Tage den Pg. Leut- nont a. D. H e i n e s, MdR., beauftragt. gez. Schulz, Oberleutnant a. D. und vsasstelloertreter Ost. Also: Fememörder ernennt Fememörder. Wo bleibt übrigens der brav« Klapproth? Für die ihm gerichtlich bescheinigte„un- menschlich« Grausamkeit" hat er doch gewiß einen leitenden Posten bei d«r SA. oerdient. Als Dritter meldet sich der neue Verlagsleiter des„Angnst". Herr H i n k e l. Es genügt, aus seinem Aufrufschwufft die n.ue Devise abzudrucken: „Diener wollen und werden wir alle sein!" Herr Hinkel, Sie hoben das Wesen d«r Diktatur völlig richtig begrissen. Ihr Diener! An nächster Stelle folgt ein Aufruf der Standarte IV. Wir können die erfreuliche Mitteilung machen, oaß an Stelle des hinausgeworfenen„Staf" mit dem schönen Namen Krach nunmehr ein Stäf namens Knüppel die SA. zieren wird, Herr Knüppel hat die Würde iciner neuen Stellung richtig begrissen, indem er jeoen Absatz seines Aufrufes mit„Ich" beginnt. Ein weiteres großes Aufrücken steht bevor, denn der Raus- schmiß ist noch lange nicht beende!. Vielmehr teilt der„Angriff" mit: „Selbstverständlich werden die Maßnahmen, die der Partei- führ« zur Reinigung der Bewegung in Angriff genommen hat, zielbewußt fortgesetzt. Schon die nächsten Tage werden, nachdem die zuständigen llntcrsuchnngeausschllsse ihre Arbeit de- endet haben, eine weitere Reihe von Ausschlüssen aus der Partei bringen. Das dabei beobachtete rücksichtslose Durchgreifen ohne Ansehen der Person und der bisher be- kleideten Parteiämter wird wie ein reinigendes Ge« witter wirken." So ist nach Meldung des„Angriff" der Standartenführer Hoffman» in Glotz bereits seines Postens enthoben und aus» geschloflen worden. Dies steht in merkwürdigem Widerspruch zu der Behauptung, die man zwei Absätze vorher liest, daß nämlich die ganz« Stennes-Angelegenheit von vornherein auf Berlin be» schränkt gewesen sei. Dr. Goebbels, jetzt wieder quicklebendig, leitartitelt nochmals über d«n Konflikt. Cr gestattet gnädigst der NSDAP,«ne ..charaktervoll, Kritik", aber von„Nörgelsucht" will er nichts wisien..Herr Dr. Goebbels weiß vielleicht nicht, daß er hier eine klein« historisch« Anleihe gemacht hat. Es war der absolutistisch« König Friedrich Wilhelm IV.. o«r vor der Revolution von 1848 versicherte:„Ich siebe eine charaktervolle Opposi« t i o n". Was praktisch für ihn darauf hinauslief, jede Opposition mundtot.zu machen. Es ist interessant, daß auch Goebbels ganz in der Soldaten- ratssprache gegen die„Clique von ehrgeizigen Ossi» zieren" hetzt. Im übrigen ist der revolutionäre Phrosenschleimcr Goebbels auf einmal von entzückender Friedfertigkeit. Er schreibt: ..Revolutionäre Gesinnung kann sich' in vielerlei Formen äußern. Die verlogenste aber ist jene, bei der man„zu den Waffen" ruft, wenn man keine Waffen Hot, und„Auf die Barrikaden", wenn man weiß, daß man selbst dafür den Kopf nicht ins Loch stecken braucht." Wir haben nie angenommen, daß Herr Goebbels feinen edlen Kopf„ins Loch stecken" würde. Weitere Ausschlüsse. Liegaih. 7. April. Eine Anzahl führender Liegnitzer Nationalsozialisten, etwa ein Dutzend, sind aus der Partei ausgeschlossen worden. Unter ihnen befinden sich die beiden Hauptführer der Lieg- n i tz« r SA., der Turnlehrer an der Liegnitzer Rittcr-Akademie (Staatliche» Gymnasium Iohanneum), Rittmeister u. D. v o n N i ck i s ch- R o s e n e ck. der den Posten eines Stau-- dartenführers bekleidete, und der S t u r m b a n n f ü h r er Fritz Reiß. Russischer Terror. Derhoiinngen- Derbannnngen— ein Attentat. Nicht amtlich«, aber aus sonst ziemlich verläßlicher Quell« kommende Moskauer Nachrichten melden: 30 Mitglieder des Qb e r ft e n Gerichtes der Sowjelrepubiit Usbekistan in Zentrolosien sind verhastet worden, weil sie i m Dienste der Gegenrevolution gestanden haben sollen. Als verhaftet werden auch der Vorsitzende des Genästes und der Oberste StootsonwaU, beide Träger russischer und nicht vsbe- kischer Namen, ferner sechs Untersuchungsrichter und elf Rechts- onwälle genannt. Nach mehr als halbjähriger Hast sind der langjährig« Bor. sitzende des Deutschen Biidungsvereins in Leningrad Dr. Schiele und etwa vierzig Mitglieder der oeutsch-evangelifchen Kirchen- gemeinde in Leningrad ohne Prozeß auf zehn Jahre tn die Verbannung geschickt morden. Sie sind beschuldigt, mit ihren Freunden in Deutschland Beziehungen unterhalten und deutsche Zeitungen bezogen zu haben! Sie sollen auch abgelehnt hoben, in kommunistischem Sinn«, tätig zu sein. Die Verbannten kommen zum Teil auf die Solowki-Inseln im Weihen Meer, zum Teil in das Tundragebiet am Narnm in Nordsibierien In der kaukasischen Stadt Suchum wurde auf der Straße der Letter der Organisattonsobteillmg der südrussischen Kommunistischen Partei. Patschulia. hinterrücks ermordet. Täter ist geflüchtet, achtzehn Personen wurden verhastet. Der KonflittSstoff im Kernen Osten. Moskau. 7. April. Die Beilegung des sowjetrussisch-javanischon Fischereikonflikis begegnet Schwierigkeiten. Infolge des Attentats auf den Sowjet- Handelsvertreter in Tokio herrscht in-hiesigen Regierungskrcison Un- Zufriedenheit gegenüber Japan. Noch einer Meldung ans Tokio sollen in der Mandschurei Weißgardisten wieder etwas gegen die Sowjetunion planen. Ein« Anzahl sowjetrussischer Beamter der O st ch i n e s i s ch c n Bahn seien zugleich mit der Bildung weißgardistifcher Orgom- sationen entlassen worden, um die normale Tätigkeit der Ost- chinabahn zu stören Das Budapester Atientai. Die Opfer des Irrsinnigen. Budapest, 7. April.. Die beiden schwerverletzten Opser des am Karireitagabend in der Birdcpester Hanptsynagoze erfolgten Reoolveratteittats, der Agent Ferdinand Ta glicht und der Lehrling Eugen Rot» wer- den, wie man hofft, mit oem Leben davonkommen. Allerdings ist zu befürchten, daß der erster« gelähmt bleiben und der letztere ein Auge verlieren wird. Der geistesgestörte Ingenieur Emil Zatloka. der Urheber des Anschlags, ist im Irrenhause. Protest gegen Ausnahmerecht. Tagung der Berliner Freidenkerfunktionäre. Im Klubhaus in der Ohmstarße tagte gestern«ine Konferenz, des sozialdemokratischen Funktionäre des Deutschen Freidenker- Verbandes, Bezirk Groß-Berlin, die außerordentlich stark be- sucht war. Das Referat hielt Genosse Max Sievers über das Thema „Ausnahmegesetz gegen Freidenker". Er legt dar:„Goethe hat«in- mal über die Gesinnungsschnüffelei der.Kirche gesagt: es ist die ganze Kirchengeschichte Mischmasch vam Irrtum und von Gewalt. Das Wort des Ächters wird wieder einmal durch die Ereignisse der letzten Monate bestätigt, die wir in unserer letzten Versammlung im vorigen Jahre voraussahen. In Bayern unterbindet d« Kirche die weltlichen Fortbildungsschulen, in Braunsehweig werden alle weltlichen Schulen unterdrückt, in Thüringen ist der Kirchcnaustritt erschwert, in Preußen ist die weltliche Lehrer- ekademie nicht eingeführt, und Lehrer, die Dissidenten sind, warten vergeblich auf Anstellung. Bisher ist ein Vertrag" Preußens mit der evangelischen Kirche zwar nicht ge» schlössen, und auch das badische Konkordat steht noch aus, dafür ober erlebten wir die Notverordnung vom?8. März. Syiit wird p o l i t'i s ch e s Rowdytum mit der Freidenker- bewegung geradezu gleichgestellt, und weil sich die Verordnung"scheinbar gegen das überhandnehmende politische Rowdytum wendet, wird sie von manchen als rettende Tat angesehen. Aber die Arbeiterschaft hat von Ausnahmegesetzen noch nie- m a l s einen Dorteil gehabt. Heute schon werden in Braun- schweig sozialdemokratische Versammlungen verboten, und Polizei- beamtc können Kundgebungen der Freidenker überwachen und auf- lösen, weil der Z 1 der Verordnung doppelzüngig und kautschukartig ist. Verschwommen angedeutete Vollmachten ermöglichen reaktiv- uarcn Behörden Maßnahmen, die sogar zu einem Verbot der Freidcnkergruppen führen können und eine höchst bedenk- lichs" R e ch t S u n's i ch e r h e i t schaffen. Was ist eine Verächtlich- machung? Schon die Behauptung, daß es keinen Gott und keine Unsterblichkeit gebe, kann als solche ausgefaßt werden. Wir stnd der Willkür der Kriminalbeamten ausgesetzt. Wie kam es zu der Notverordnung? Wir verkennen nicht, baß die Kommuni st en ihre Gottlojenpropaganda in pöbelhafterWeise geführt haben. Die blöden und geistlosen Methoden der Kommunisten schaden den Freidenkern mehr als der Kirche. Aber um. derartige Ausschreitungen zu unterdrücken, hätten die be- siehenden Gesetze vollaus genügt. Die Notverordnung ist ein S ch l a g der kirchlichen Kreise gegen den weitanschaulichen Gegner, die Freidenkerbewegung. Ee geht nicht an, politisches Rowdylum und Freidenker in einen Topf zu werfen, und es ist sehr bedenklich, daß auch unser« Landtagssrattwn in Preußen einem An- trag ihre.Zustimmung gab. durch die dos Staatsministerium ersucht wird, gegen Organisationen, die„unter Verächtlichmachung der Religion die organisierte Äirchenaustrittsbewcgung fördern", einzuschreiten. Man kann sagen, daß seit Monaten gegen die Freidenker eine Hetze geführt wird, um unsere Bewegung lahmzulegen. Die Initia- tioe zu meinem Artikel im„Vorwärts" am Ofterfonntog ist nicht von mir, sondern vom Genosten Stampfer ausgegangen. Wenn aber Stampfer in seinem Kommentar ausgeführt hat, daß bei einer An- roendung der Notverordnung gegen die maßvollen und besonnenen Bestrebungen des Deutschen Freidenker-Verbandes die jozialdemo. kroistch« Reichstagsfraktion die Pflicht habe, ihre Aufhebung herbeizuführen, so wollen wir diese Ankündigung ans-. nehmen und dafür sargen, daß an ihr festgehalten wird. Wir stehen'in einer scharfen Abwehr st ellung. Durch ver- stärkte Aktivität und durch Kritik eventuell auch an sozialdemokratischen Ministern und Abgeordneten werden wir dafür sorgen, daß die Freidenkerbewegung keinen Schaden leidet. Di« evangelische Kirche ist die Bundesgenossin des Faschismus. Ein Pertrag mit ihr kommt einer Unterstützung des Faschismus eleich. Deshalb bekämpfen wir einen solchen Vertrag."Unsere Lage ist nicht leicht. Wcchl wissen wir, daß die Kirche die Freidenker- bewegung nicht entzweischlagen kann. Anhänger einer entschieden freiheitlichen Kulturpolitik, hüten wir da» Errungene, um es weiter auszubauen! Wir denken dabei an das Wort, daß es viele Wege vom Recht zur Gewalt, aber keinen Weg von der Gewalt zum Recht gibt, und daß man deshalb den Anfängen wehren muß." Anhaltender Beifall.) Nach eister lebhaften Diskussion wurden zwei Cktschließun- gen angenommen, von denen die eine vor allem betont, daß die Ler- sammlung von der sozialdemokratischen Fraktion des Preußischen Landtags verlangt, dem Vertrag mit der reaktionären evangelischen 5urche die Zustimmung zu versagen. Die zweite Resolution stellt den Kulturkampfbestimmungen der Notverordnung des Reichspräsidenten vom?8. Mörz lllstl die schärfst« Abwehr entgegen. Die Ber- lincr Freidenker verpflichten sich, jetzt erst recht den Kampf für die Verbreitung der freigeistigen Weltanschauung und die Agitation für den Kirchenaustritt mit verstärkter Aktivität auszunehmen. Spanische Prozesse. Majestätsbeleidiguag und Hochverrat. San Sebastian. 7. April. Der Text einer Red«, die Professor Unamuuo am Oster- janntog holten wollte, wurde beschlagnahmt. Unamuno wird sich wahrscheinlich wegen MajestStsbeleidigung zu verantworten hoben. Das vom Kriegsgericht im zweiten Iaco- Prozeß gefällte Urteil, dos gegen fünf Offizier« aarf Gefängnisstrafen und gegen die übrigen Angeklagten auf Arrestftrafen erkannt«, ift vom General- kaxitän bestätigt worden. Oer Wojewode lernt um. Graczynski predigt Friedea. kattowiß. 7. April. Dem Borstand des Äusttändischenverbandes antwortete Woje- wode Graczynsti auf Ostenoünsche u. a., daß er eine friedliche und harmonische Zusammenarbeit aller staatstreuen Element« an- strebe und die gesamt« polnische Dolksgemeinschaft auf den Boden. eine» staatsbejahenden Programm« zusammenschließen möchte. Er richte an alle ohne Unterschied diesen Appell und fordere besonders auf. dazu beizutragen, daß da? gegenseitig« Bertrauen in allen Schichten der Bevölkerung wachse. Er gebe als Ehren- Vorsitzender des«ufständischenverbandes dies« Richtlinien für. die weiter« Arbeit. Die Belehnung. .Hitler ernennt den Hauptmann Äöring zum Gauführer der östlichen Provinzen. Hitler:»Nimm hin mein Schwert, ziehe ans und vernichte die Meuterer!" S ö ri n g:»Die Novembermeuterer, hoher Osaf?" Hitler:»Unsinn, die Meuterer in der SA.!" Ein Warschauer Sensationsprozeß Oer Bombenanschlag auf die Gowjetgesandtschast. Im April v. I. wurde ein Bonibenaitentat aus das Gebäude. der Sowjetvertretung in Warschau noch rechtzeitig entdeckt und da- durch, vereitelt. Russische Emigranten.»» Polen mußten aus Verlangen der russischen Regierung Verfolgungen und Verhaftungen über sich ergehen lassen. Der Attentäter wurde in Jugoslawien verhaftet und an Polen ausgeliefert. Am 9. April steht er vor dem Warschauer Gericht. Der Angeklagte hat mit E n th ll7 l ün g e n gedroht, uavrauf die Sowjetregierung erklären ließ, sie verzichte darauf, als Nebenlläger aufzutreten, da man«inen„Tendenzprozeß gegen die Sowjetunion" führen wolle. Die Höllenmaschine im Nauchfang. Am 26. April v. I. entdeckte der Portier des Hauses Nr. 17 in der Poznanskistraße eine Höllenmaschine.. Die Polizei entfernte aüs dem Rauchfong mit größter Vorsicht die verdächtige"Holzkiste: sie enthielt einen Hhrmechanismus und 5� Kilogramm Iagdpulver. Bon der Höllenmaschine führten Drähte zu dem Gebäude der Sowjctgesandtschost. Don dem Täter keine Spur. Nur«in An- Haltspunkt fand sich: Ein Brett, wie man es in Buchbindereien benutzt. Das Brett stammte aus der Buchbinderei von Rudolf Stahlbach in der Nähe des Sowjetgebäudes. Ein Unbekannter hatte am 18. April um Nachtquartier gebeten und es erhalten. Am nächsten Morgen brachte er einen großen Knäuel Draht mit, wickelt« ihn um dos Buchbinderbrett, verabschiedete sich und kam nicht wieder. Einem arbeitslosen Chauffeur, der ihm beim Auf- wickeln des Drahtes behilflich war, schrieb er auf«ine Postkarte «ine Empfehlung an den Verband der Chauffeure in G r o d n o (Weißrußland). Damit war ein weiterer Fingerzeig gegeben. Oi� Vorbereitungen zum Attentat. Der Attentäter mußt« der aus Czernowitz(jetzt Rumänien) gebürtige Jon Poljanski sein. Er lebte seit einiger Zeit in Grodno und ernährte sich durch deutsche Privatstunden. Am 7. April löste er ganz unerwartet seinen Haushalt auf. brachte Frau und Tochter bei Bekannten unter und fuhr nach Warschau. Bon hier aus schrieb er seiner Frau, daß er Kurse besuche und sich wohl fühle. Die Polizei machte den Laden ausfindig, wo Poljonski den Draht gekauft, die Uhrmacherwerkstatt, in der er das Gehwerk er- warben und den Tischler, bei dem er die Holztiste bestellt hatte. Sein Schüler hatte im Laus« der Jahre 1929/30 ihm nach und nach das Pulver besorgt: Poljanski brauchte es angeblich zur Belau- bung von Fischen. Mit allem Notwendigen ausgerüstet, war er nach Warschau gereist, um einige Tage später, verschen mit einem jugoslawischen Bisum, die Stadt zu verlassen. Im Dienste der Sowjets. 1923 unterhielt Poljanski in Wien enge Verbindung mit der Sowjetvertretung' und wurde von dieser nach Moskau obkomman- diert, dort sollt« er eine Stellung erhalten. Einig« Monate später wurde er bei unbefugtem Grenzübertritt verhaftet. Das Sowjctregime habe ihm nicht gepaßt, erklärt« er in der linier- suchung. Man fand bei ihm eine von der Wiener Sowjetoertretung ausgestellte Bescheimmg.' daß er als russischer Bürger im Russenloger unweit Wien untergebracht gewesen sei; auch ein anderes Ausweispapier,, von der S o w j e t v e r tr e t u n g ausge- stellt, worin es hieß, er sei Hauptmann der österreichischen Artillerie gewesen und am 2.-Dezember 1923 zur Verfügung des Zentralkomitees der russischen Kommunistischen Partei abkommandiert. Die bei der Frau des Angeklagten Anna Poljanski gesundenen Papiere besagten, daß sie als Mitglied der kommu- nistischen Organisation in Graz zur Verfügung der österreichischen Sektion des Komintern nach Moskau abkommandiert sei und seit Januar 1924 der Rllsstschen Kommunistischen. Partei angehöre. Theater„Die Tribüne". Kelemen:„Das Märchen von der JlederinavS*. Ein« lustig« Anekdote mit stark«ratischem Akzent und vielen Pointen, von dem ungarischen Autor geschickt und bühnenwirksam. aufgebaut. GeorgAlexander belebt den Bühnenulk mit seiner »«romiten charmanten und jungenhaften Liebenswürdigkeit. Dgr, Die Eheleute Poljanski wurden von den polnischen Behörden nach Rußland abgeschoben. Es dauerte ni�>t lange und sie waren wieder in Polen. Wie sie in Rußland unbehelligt ge- blieben und neuerdings illegal die Grenze zu überschreiten gewußt, konnte nicht geklärt werden. Jedenfalls wohnten sie von nun an u n g e st ö r t in Grodno. Geheimnisvoll« Dinge scheinen zwei Grödnoer Gerichtsurteile gegen sie zu verraten: eins wegen Land- streichcrei und ein anderes wegen Spionage. Etwa im Jnter- esse Sowjetrußlands? Anfang April erhielt Poljanski von der Grodnocr Vetwaltung einen Auslandspaß, angeblich für Kurzwecke. Das Geheimnis der Höllenmaschine. Poljanfki bestreitet, irgendwelche Kompliren gehabt zu haben. Er behauptet zu der Tot durch seinen Haß gegen dos Sowjet- regims getrieben zu sein. Da es keine Organisation gäbe, die sich mit terroristischen Akten gegen die Bolschewisten befasse, habe-er beschlossen, auf eigene Faust zu handeln. Er habe die Absicht gehabt, den Sowsets durch das nicht zur Dollendung gebrachte Atten- tat eine ernste Warnung zuteil werden zu lasten. Die An- llageschrift läßt durchblicken, daß die Rolle der Sowjstbehörden in dieser Sache nicht ganz durchsichtig sei. Ob Poljanski aus ehrlicher Ueberzeugung eines politischen Wirrkopses oder als Lock- spitz«! gehandelt hat, wird erst der Prozeß ergeben. Hakenkreuz in LtSA. Äoaz wie daheim in Deutschland. Ttem Jork, 7. April(Eigenbei'icht). Die im benachbarten Newark"' erscheinende„New Jersey Freie Zeitung",«in bürgerliches, parteipolitisch unbeschriebenes Blatt. hatte eiise Meldung verbreitet, wonach die Kasseler Leitung ihre SA. angewiesen haben sollte, sich nicht mehr wie bisher mit Tot- schlägern, Schlagringen und anderen Waffen auszurüsten. Die Mel- dung stützt« sich auf eine Notiz im„Bölkischen Beobachter" und rvar dementsprechend gekennzeichnet. Die„New-Dorker Ortsgruppe der NSDAP." verlangte eine Berichtigung mit der Begründung, die Nachricht rufe den Eindruck hervor, daß die SA. früher be- naaffnet gewesen wären!!! Da die Aufforderung zur Richtigstellung erfolglos blieb, wurden die Buben frech und schrieben an die Redaktion einen Brief, in dem es heißt:„Gleichzeitig bitten wir um Nachricht, ob Sie irgendwelche Schrill«»rnternommen haben, diesen Artikel... zu dementieren, wie Sie es zu tun hätten, wenn Sie Wert auf den Ruf einer anständigen Zeitung legen. Sollte Ihnen ein Widerruf... nicht an- genehm sein, was rmr schließlich verstehen können, so müßten mir Sie bitten, dies uns zu überlasten, indem wir Ihnen eine Abhimd- 'tunfi zusenden, welche Sie als Leitartikel in Ihrem Blatte zu ver- öffentlichen hätten. Wir würden dies als Genugtuung hin- nehmen..." Seldstverständlich hat das Blatt diese Unoerschäimheit blaß niedriger geliöngt: aber mir zu leicht werden solche Ausschreitungen wie dieser Brief dem Deutschtum überhaupt zur Last gelegt. König Georg wieder schwer krank. Besorgnisse in unterrichteten Kreise«:. London, 7. April.(Eigenbericht.) Der englische König ist sett einigen Tmlen an hoch» gradiger Bronchitis erkrankt. In der Presse iverden b e» ruhigende Bulletins veröffeittlicht, die aber eigentümlicherweise von keinem Arzt unterzeichnet sind. Wie wir erfahren, herrscht in eingeweihten Kreisen große Besorgnis um das Befinden des Königs, da sein Herz sehrfchwach ist. Der in Schottland auf Osterurlanb befindliche Ministerpräsident Macdonald steht tn ständiger Lerbindung mit den behandelnden Aerzten. Presserescrcnt zum Landrat ernannt. Dr. Otto Stcgemonn, Re- gierungsrot im preußischen Handelsministerium und longsahkiger Press eres erent des Handelsministeriums, wurde zum L a n d r o: des Kreises Osterholz-Schornbeck im Reglerimgsbezirk Stade(Hannover) eevannt. Die Weltarbeitslosigkeit. 20 Millionen suchen Arbeit. Ein erschütternties Bi!t> van!>cr Arbeitslosigkeit in der Welt e:rchüllt eine Untersuchung des Statistischen Reichs- o mt s. Danach standen Ende 1330 mindestens 19 bis 20 Millionen Menschen unter der Geißel der Errverbslosigkeit. Diese Zahl ist aber nicht vollstänidig, denn es gibt noch eine Reihe von Ländern� in denen die Arbeitslosen, wie zum Beispiel in Süd- omerika, in Afrika und in'Asien, statistisch gar nicht erfaßt werden. Di« Verschärfung der Krise seit dem Herbst des vorigen Jahres hat tm Zusammenhang mit der saisonüblichen Zunahme der Erwerbs- lostgkeit im Winter allein im letzten Vierteljahr 1930 etwa 4 bis ö Millionen Menjchen-neu in die große Elendsarmee«ingereiht. Von den schätzungsweise erfaßten Erwerbslosen der Welt ent- fallen allein auf die drei großen hochkapitalistischen Länder, Dcukschland, England und die Vereinigten Staaten 14 bis 15 Millionen, also rund vier Fünftel. Bei diesen drei Industrieländern ist der Beschäftigungsgrad der erwerbstätigen Vevölkerung seit Mitte 1929 um löbis 13 Pro z. zusammengeschrumpft. Leder achte Erwerbstätige ist arbeitslos, d. h. 6 bis 7 Prag, der Gefamtbevölkerung. Im einzelnen hat in Deutschland von Ende 1929 bis Ausgang 19L0 die Zahl der bei den Arbeitsämtern angemeldeten Erwerbs- losen von 2,83 auf 4,38 Millionen, also um 54 Pro;, zugenommen. Ln G r o ß b r i t a n n i e n ist in der gieichen Zeit ein« Zunahme um 86 P r o z., nämlich von 1,34 aus rund 2,3 Millionen Erwerbs- losen, festzustellen. Hierbei ist zu bemerken, daß die englische Statistik nur die versicherten Arbeitslosen umfaßt, und da in England verschiedene Arbeiterkategorien nicht in die Arbeits- liosenversicherung einbezogen sind, dürfte die Gesamtzahl der briti- sehen Erwerbslosen noch höher liegen. Bei den Vereinig- ten Staaten sind infolge fehlender statistischer Erhebungen nur Schätzungen möglich. Aus Grund dieser Schätzungen wird die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten für Ende 1929 auf I Millionen und für Ende 1930 auf 7.5 Millionen beziffert. Das würde einem Zuwachs von 150 Proz. entsprechen. Mit welcher Wucht die Weltwirtschaftskrise, auch die uicht rein industriellen Länder und auch die kleineren Staaten er- faßt hat, geht daraus hervor, daß zum Beispiel in Holland im letzten Jahr die Arbeitslosigkeit um rund 95 Proz., in Polen um 6 2 Proz., in der S ch w« i z um 73 Proz. und in Ingo- slawien um 76 Proz. gestiegen ist. In Belgien hat sich die Arbeitslosigkeit im letzten Jahr sogar verdreifacht: in der Tschechoslowakei ist eine Zunahme um 337 Proz., in Palästina um 511 Proz. und in Rumänien um 514 Proz. eingetreten! Am schärssten prägt sich die Arbeitslosigkeit, auf den Kops der erwerbslosen Bevölkerung berechnet, in den Vereinigten Staaten mit 13 bis 15 Prag,(geschätzt) in Deutschland mit 13,3 Proz. und in Großbritannien um 12,1 Proz. aus. Da in England, wie bereits erwähnt, nur die versicherten Erwerbs- losen, in Deutschland dagegen die Ilrbeitsuchenden ersaßt werden, dürfte der Anteil der Arbeitslosen, an der Gesamtzahl der berusstätigen Bevölkerung gemessen, in Großbritannien fast sbenso hoch fein wie in Deutschland. Es folgt dann an vierter Stelle O e st e r r e i ch mit 9,2 Proz. und unmittelbar danach der Australische Bund mit-7,8 Proz., die Tschechoslowakei mit 6,2 Proz. und Italien mit 5,6 Proz. der erwerbstätigen Bevölkerung. Rechnet man diesen Elend szrffern noch den milliardenhohen V?r- dienstausfall der Arbeiterschaft durch Kurzarbeit hinzu, dann zeigt sich wahrhaft erschreckend, in welch ungeheurem Ausmaß die Krise des Kolpitalisnms an der Kaufkraft und der Lebenshaltung des Weltproletoriats zehrt. » Der Berwaltunigsrot d>s Irrternationalen Arbeitsamtes beginnt seine Beratungen am 18. April in Gens. Im Mittelpunkt seiner Beratungen steht die Fortführung der Aussprache über das Problem der Arbeitslosigkeit. Die Arbcitslosensrag« wird auch auf der Internationalen Arbeits- konferenz, die am 28. Mai zusammentritt, eine Rolle spielen. Zwischen der Tagung des Vcrwaltungsrates und der der Konferenz wird der Bericht des Direktors erscheinen, der diesmal besonders eingehend das Arbeitslojenproblem behandelt. Naturgemäß können auf der Konferenz noch keinerlei internationale Arbeitslofenüber- einkominen vorbereitet werden. Dafür ist die Arbeitslosenfrage in der ganzen Welt noch zu sehr im Fluß. Im übrigen wird die Arbeitskonserenz in erster Linie dos Arbeitszeitproblem des Bergbaus zu klären haben. Daneben stehen auf der Tagesordnung der Kinderschutz, d. h. eine Art Abrundung der Kinderschutzgesetzgebung durch Festlegung der Alters- grenze für die Zulassung von Kindern in nicht gewerblichen Bc- trieben, ferner das vor allem von England gesorderte B erbot der achtarbeit für Frauen und schließlich der Bericht des Verwaltungsrates über dl« Durchführung der internationalen Uebereiirkommcn. Der große Betrug. Lügen haben kurze Beine. „Betrug aber ist es, wenn München vor einigen Wochen dm Erftwurf eines Wirtschaftsprogramms herausbrachte, den man bis heute wohlweislich der Partcigenossenschaft vorenthalten hat, weil das Programm für die deutsche Arbeiterschaft für die Lösung der sozialen Fragen weniger enthielt als etwa das Programm der Staatspartei*. Mit diesen Worten beleuchtet Hauptmann Stenn es den Zu- fammenhruch des großen Betruges, der an der deut- fchen Arbeiterschaft verübt werden sollte. Di« Protektoren des Nationalsozialismus im Unternehmerlagcr, d. h. die Geldgeber Hitlers verlangen eine Reinigung der Partei van allem, was die Noch- und Mitläufer mit dem Sozialismus viel- leicht bekanntmachen könnte. Diese Reinigung ist ober nicht so ein- fach. Mit dem bisherigen Programm der Programmlosigkeit kannte der Nationalsozialismus leicht hantieren. Zlnders siegen die Dinge, wenn vor aller Welt ein« o s s e n a n t i s o z i a l i st i s ch e Einstellung proklamiert und dennoch der bisher von einer völlig hemmungslosen und verlogenen Demagogie an der Nase hermn- geführte Mitläuser bei der Stange gehalten werden soll. Um bei der Llrbeiterschaft Fuß. fassen zu können, haben die Nationalsozialisten nach kommunistischem Vorbild systematisch überradikale Töne angeschlagen, und unvorsichtige Leute ihres Lagers haben zuweilen selbst ossen eingestanden, warum die taktische Schwenkung in der Streik- und Gewerkschafts. frage seinerzeit vorgenommen worden ist. Erst vor kurzem hat in Sachsen ein Naziorgan, eine Jugendzeitschrift, die„Fansare*, wieder einmal aus der Schule geplaudert. Sie hat in einem Artikel„Gewerkschaften und Jugendarbeit" treuherzig verraten, dr.ß «s in Deutschland ebenso gemacht werden müsse wie in Italien, wo Mussolini durch Schcinradikalosmus den sozialistischen Gewerkschaften das Wasser abgegraben habe. Wie die Kommunisten, so haben di« Nazis in ihrer rein demagogischen Schmutzkonkurrenz gegen die Gewerkschaften Erstaunliches geleistet. Genau wie die NGO. beschimpfen die Nazis die sozial- demokratischen und gewerkschaftlichen Führer als„Streikbrecher". Sie behaupten, die„Gewerkschaftsbonzen* zettelten nur dann immer einen Streik an, wenn sie schon im vgraus wüßten, daß die Be- wegung zusammenbrechen müsse. Mit den getrennt geführten Lohn- kämpfen besorgten die Gewerkschaften nur die Geschäfte der Kapita- listen. Das einzig wirksame Mittel gegen den Lohnraub sei aber nur der Generalstreik. Zu diesem riefen jedoch die Bonzen nicht aus, weil dann ihre letzte Stunde geschlagen habe und weil dies ja auch eine Bankrotterklärung ihrer bisherigen Politik wäre. Di« Kommunisten haben gelehrige Schüler gefunden. In der systematischen Lüge und Verleumdung stehen die Hstlerdemagogen unsere» braven Kommunisten in nichts nach. Trotzdem haben jedoch auch sie bis jetzt bei der Llrbeitcrjchaft kein Glück gehabt. Die Betriebsrätewahlen zeigen von Tag zu Tag deutlicher, daß die Arbeiter von den Nazis nichts wissen wollen. Metatlfchleifersireit.. Zn den Berliner Kundenbetrieben. Der Arbeitgeberverband der Berliner Metallschleifereien hatte zum 1. Februar dem Deutschen Metallarbeiterverband den Lohn» tarisvertrog gekündigt. Als zwischen den Tarifkontrahenten über Abschluß eines neuen Vertrages eine Einigung nicht erzielt werden konnte, fällte der S ch l i ch t u n g s a u s s.ch u ß am 30. März einen Schiedsspruch, zu dem die Schleifer in einer Dersamm- lung Stellung nahmen. Es wurde der Beschluß gefaßt, den Spruch abzulehnen und den Lohnabzug durch St r e l k a b z u w eh r e n. Seit Sonnabend, dem 4. April, werden die Kundenbetrieb« bestreikt. An der Bewegung sind etwa 175 Schleifer und Galvaniseure beteiligt. Di« Berufsangehörigen werden ersucht, Solidarität zu üben. KpO. gegen Gewerkschafter. Der Haß der Kommunisten gegen die Gewerkschaften kennt keine Grenzen. So haben sie vor kurzem im Pommerschen Pro- oinziallandtag zusammen mit dem Nazi-Führer van C o r s- w a n t für einen Antrag der Deutschnationalcn auf Streichung der Zuschüsse für das soziale B i l d u n g s w e s e n der Gewerkschaften gestimmt: der Antrag wurde mit 41 gegen 31 Stimmen— diese bestanden in der Hauptsache aus den Stimmen der Sozialdemokraten— angenommen. Die Großagrarier quittierten diese I u d a s t a t der Kommunisten mit l e b h a s t e m Beifall.__ Massenkündigungen bei Hamburger Wersten. Die Werft Blohm u. Boß und die Deutsche Werst haben ihren sämtlichen kaufmännischen und technischen Angestellten sowie den Werkmeistern zum nächstzulässigen Termin gekündigt. Während es sich bei der Deutschen Werft lediglich um„formale* Kündigungen handelt, die mit den augenblicklichen Tarifverhandlungen zusammenhängen, sind die Kündigungen bei Blohm u. Boß durch den hohen Grad der Beschäftigungslosigkeit bedingt. Erfolglose kommunistische Gtreikmache. Paris, 7. April.(Eigenbericht.) Die Zahl der in Nordfrankreich streikenden Grubenarbeiter hat noch den Feiertagen beträchtlich abgenommen, obwohl die Kommunisten über Ostern starke Propaganda für einen General- streik gemacht haben. Die Mehrzahl der Grubenarbeiter verhält sich den kommunistischen Machenschaften gegenüber völlig ab- lehnend und folgt den Direktiven der sozialistischen Gewerk- schasten. Auch im Gord-Departement haben die Kommunisten mit ihrem für Dienstag angekündigten Generalstreik keinen Erfolg ge- habt. In der Mehrzahl der Zechen sind die Belegschaften zur Arbeit erschienen. Polen kürzt Arbeitslosenunterftühung. Die Verwaltung des Arbeitslosenfonds gibt bekannt, daß mit dem 6. April die Leistungen aus dem Fonds für Arbeitslose herab- gesetzt werden. Ferner werden auch die Beiträge für den Arbeits- losenfonds herabgesetzt, und zwar auf 2 Prozent der Bezüge, von denen 1,5 Prozent der Arbeitgeber und 0,5 Prozent der Arbeit- nehmer zu entrichten hat. Die Unterstützungen der Arbeitslosen betragen jetzt für ledige Arbeitslose 30 Prozent, für Arbeitslose mit Familie bis drei Personen 35 Prozent, für Arbeitslose mit Familie bis 5 Personen 40 Prozent und für Arbeitslose mit Familie mit mehr als 5 Personen 50 Prozent des Berdienstes, wobei ein Höchstlohn von 10 Zloty je Tag zugrunde gelegt ist. Ü beim Bc,irl»a»>t Sch-ach«-«. Mora-U, W Donnerstag, 20 lldr. Lokal Will, Mort!i>Luti>er.Str. 69. ffraktionsver. 3 ~ sammlung. Scnosfc Varl Drcfsel:„Wirtschaftskrise und Arbeitslollgreit". � ÜäS »eutscher Sattle r., Tape, ierer- und Portefe»iller.««rbaad, Lederv-a-cn. beanche, Dersannnlunq am Donnerstaq, 9, April, 19 Uhr, in den Andrea: geftsflken, Andrea astr. 21. Stellungnahme jurn Lolniabkommcn. Erscheinen ist Pflicht._ @�iuaendti nippe des 3en Aus dem Polizeipräsidium erklärte.er,. daß er sich, als seine Frau in der Nachbarschaft Besorgungen machte, mit seinem achtjährigen Töchterchcn und seinem vierjährigen Sohn tzans im Wohnzimmer aufgehalten habe. Der'Kleine habe sich unbemerkt am Spiegelschrank zu schassen gemacht und die in einem Seitenfach liegende geladene Pistole an sich genommen Der Schrank sei sonst immer verschlossen gewesen, nur gestern habe er unglück- licherweise offen gestanden. Das Kind sei dann offenbar dem Abzug der nicht gesicherten Pistole zunahe gekommen, wobei sich der ver- hängnisvollc Schuh löste. Ob sich der traurige Vorfall tatsächlich in der geschilderten Weise zugetragen hat, können erst die weiteren polizeilichen Nachforschungen ergeben. Drei Krauen vom Starkstrom getötet. Kowno. 7. April. Durch Berühren eines Drahtes, der von unbekannter Hand über die Hochspannungsleitung geworfen worden'war, wurden in 5kowno drei Frauen getötet. Der Draht wurde zuerst von«mein jungen Mädchen berührt, das einen Tag vor seiner Trauung stand. Es war auf der Stelle tot. Bei dem Versuch, das Mädchen zu retten, kamen zwei zufällig vorübergehende Frauen, als sie die Leiche berührten, gleichfalls ums Leben. Da sich in letzter Zeit solche Borfälle wiederholt zugetragen haben, ist von den Behörden eine Untersuchung eingeleitet worden. AufMruM der»,e.uey.N.otyerordnMg pe.rurteilt. Bc4n Sckznellgericht. wurde am- Dienstag auf Grund des Para- graphen 2 Ziffer 1 der neuen Notverordnung des. Reichspräsidenten. vom 28. März der Rjährige Arbeiter Hermann Ma uj ocks.zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Maujocks halte am Gründonners- tag als Leiter an einem Erwerbslosendemonstrationszuge in der Franksurter Allee teilgenommen und Rufe„Nieder mit der Regie- rung!" ausgestoßen. Auch der 24 jährige Erwerbslose Heinz Schmidt wurde vom Schnellrichter zu drei Wochen Gefängnis verurteilt, weil er in der Nacht vom Karfreitag zum Ostersonn- abend mst anderen Erwerbslosen an Geschästslokalcn Zettel ange- klebt hatte. Schmidt hatte einen Schlagring und eine Schreckschuß- pistole bei sich getragen. Nuchhatter Mar festgenommen. Tschechische Grenzwächter erkennen den Sefraudanten. Der bei der Deutschen Allgemeinen Dersicherungs- A.-G., Taubenstraße 4— 6, beschäftigt gewesene Oberbuch- haller Friß klar, der nach Begehung von. Unter- schlagungeu seit dem 28. März 1331 flüchtig ist. ist am 5. April in Mährisch-Ostrau durch tschechische Gen- darmeriebeamte festgenommen worden. Am 26. März dieses Jahres flüchtete, wie wir mitteilten, nach Unterschlagungen von etwa 126 066 Mark der Hauptbuchhalter Fritz Klar, der in der Trabener Straße im Grunewald wohnte. Er hatte aus seinein Vertrauensposten bei der AUgememen Deutschen Bersicherungs-A.-G. in der Taubenstraße sich an dem fremden Gelde oergriffen. Als die Entdeckung seiner Veruntreuungen durch eine Kassenrevision bevorstand, verkaufte er sein Auto und flüchtete. Er hatte das Gerücht m Umlauf gesetzt, daß er über Genua oder Marseille nach Süd- amerika entkommen wolle. Trotzdem war seine Pcisonal- bcschreibung auch den östlichen Staaten übermittelt worden. Dm 2. April fuhr ein Auto, das das ostpreuhische Kennzeichen trug, durch eine tschechische Grenzstatwn in der Richtung nach Mährisch- Ostrau. Erst izachdem der Wagen schon vorüber war, entsannen sich die Beamten, daß der eine der beiden Insassen Aehnlichkeit mst dem gesuchten Klar gehabt hotte. Sie gaben die Meldung nach Mährisch-Ostrau weiter und dort, wurde Klar am Ostersonntag in einem Hotel. ausgespürt und sestgenommen. Wer der Begleiter wgr,„ der dci» Wagen nut cher. ojtpreutzischcn Nummer gefahren hat, weiß man noch, nicht.-.... Dankfpende eines Oesterreichers an den Reichskanzler. Ein in Berlin ansässiger Oesterreicher, dessen Name nicht genannt werden soll, hat in„Anerkennung der in dem abgelnusenen ersten Regie- rungsjahre vom Reichskabinett Brüning geleisteten wertvollen politischen Arbeit" dem Reichskanzler die Summe von 2 5 6 6 6 M a r k für Zwecke, deren Förderung dem Reichskanzler be- sonders am Herzen liege, zur Verfügung gestellt. Der Reichskanzler hat von dieser-summe 5666 M. an die Berliner Winterhiste, 16 666 M. an die Deutsche Nothils« und 5666 M. an die Hindenburg-Spenke überwiesen. Die restlichen 5666 M. wurden sür Einzelunterstützungen in Fällen dringender Not bestimmt. Rote Stäbchen hin. rote Stäbchen her. Geht es hier um Schmilzers rote Stäbchen? Es geht um den Spargel vom Stubbenland. Ein Loch im Sande— holup! Hände in die Speichen! Tief Atem geholt und weiter! Wenns nur so ginge mit dem tiefen Atemholen. Aber es paßt nicht mehr genug Atem hinein m die Lunge; es sind zuviel Gewebekörperchen losgelöst, ausgespien. Es ist nicht viel, was man so täglich spuckt; zwanzig, dreißig Kubikzenti- Nieter vielleicht; aber es summiert sich im Lause der Jahre. Wenn mau viel liegt, sehr langsam geht, nichts schleppt, hebt, zieht, dann treibt der ruhige Atem wenig Blut durch die Lunge, dann sind die Gewebe fester, dann haben die roten Stäbchen schwerere Arbeit. Aber wenn Uebcranstrengung die Lunge weitet— Zwanzig Minuten. Zurückgelegt etwa ein halber Kilo- meter. Also für den Rest auch bloß noch zwanzig Minuten. Und Maschke ist vollständig ausgepumpt; jetzt kommt's auf die hinten an. Speichengriff— rum— Speichengriff— rum— Es ist dämmrig geworden. Aber dreihundert Meter vor- aus schimmert das Bahngleis; es schimmert stumpf, naß, denn die Luft ist feucht. Feuchte Luft lastet schwerer in der Lunge. Was ist stärker: Wagen, Sand, Zeit— oder Herrn Schmitzers Lunge? Holup— über den Hügel— kräftig— so— rum das Biest! Genießt Herr Schmitzer nicht etwa feit Wochen das größte Glück im Stubbenland: Lene Papendieck dienen zu dürfen? Will das nicht etwa schwer verdient sein? Holup— Hundert Meter. Es pfeift fern und hell: der Zug! In drei Minuten spätestens ist er heran. Mafchk« legt sich mit letzter Kraft nach vorn. Die andern stemmen sich mit dem ganzen Körper gegen die Speichen, auch die Frauen. Der Wogen kommt schneller vorwärts. Ein Ruck noch— jetzt noch zwanzig Meter Chaussee. Glatte Chaussee! Und die Lichter des Zuges in Sicht. „Schieben!" schreit Maschke. Sic schieben. Maschke zieht. Dar Wagen kommt ins Rollen. Sie müssen sogar Trab laufen. Sch«itzers Muud ist voll jader, warmer Feuchte. Die Bremsen kreischen am Zuge. Mit ihm zugleich rollt der Wagen vom Stubbenland in flottem Tempo aus den Kies der Haltestelle. Mit ihm zugleich hält er. Genau vor dem j Wagen mit der ungeschickten Kreideaufschrift eines Kleinbahn- beamten:„Für Spargel von Schloßheide nach Hamburg." Sie reißen das Schutzbrett vom Wagen. Sie werfen die Körbe durch die Kette der Hände in den Zug. Rur Schmitzers Hände fehlen. Schmitzer lehnt am Geländer. Es geht nicht mehr. Die Luft kommt immer nur bis zur Hälfte der Luft- röhre. Da hält sie irgend etwas auf, das langsam, langsam steigt. Die Körbe fliegen. Der Zugführer hat schon die Schluß- lichter angezündet, mahnt zur Eile. Das in Schmitzers Luft- röhre ist schon in der Gurgel. Pfiff des Zugführers. Pfiff der Lokomotive. Letzter Korb. Ruck des Anziehens. Langsames Fortgleiten. Langsames Fortgleiten— Fortgleiten— warum fährt der Zug um Schmitzer herum im Kreis? Warum fährt der Weg neben ihm her mit den Menschen daraus? Bloß Lene kommt heran, faßt die Hände... da sind Sie, Lene, geschafft, hurra, nicht mich so rumdrehen, Lene, so wild— das drin quillt in die Kehle— in den Mund— ach so, Blutsturz. Sich fallen lasten. Nur noch bluten. Die roten Schlußlichter verlöschen. Der Spargel fährt. Minutenlang fließt das Blut. Sie fangen es mit Tüchern ab, sie sind ratlos, sie wissen nichts anderes zu tun. Andreas ist im Dorf und telephoniert einen Arzt heran. Endlich hört das Strömen auf. Nur ein Sickern bleibt, aus dem nach unten gezogenen rechten Mundwinkel über die kalkweiße Haut, ein knallrotes Sickern immerzu. Die Zeit läuft hin. erbarmungslos, quälend. Die Sc- tündei, hasten wie mit Spinnbeinen über ihre Haut, sie fühlen das fast körperlich, wie sie ihn so hilflos umstehen. Nach fast einer Stunde erst ist der Arzt da. „Können Sie mich sehen, Herr Schmitzer? Verstehen Sie mich? Können Sie mir ein paar Fragen beantworten? Na, das ist ja schön. Wie lange sind Sie schon lungenkrank? Zehn Jahre? Wie lange dauerte das Bluten, meine Herrschaften? Fünf Minuten etwa, danke schön. Fühlen Sie sich transport- fähig? Der Patient muß ins Krankenhaus, meine Herrschanm. Ich werde ihn K meinem Auto hinbringen. Jemand von Ihnen muß Herrn Schmitzer begleiten. Wie ist Ihr Name bitte, Fräulein? Fräulein"Papendieck, danke schön. Also in diese Ecke setzen, Kopf hoch halten, buchstäblich, Herr Schmitzer. Bstte de» Oberkörper das Patient» mnfajj« und stützen. Fräulein Papendieck. So ists recht. Ich chauffiere selbst. Tag." Das Auto zieht langsam, sehr ruhig an. Die Stubben- lander sehen ihm eine Weile stumm nach; dann wenden sie sich und gehen; ihr leerer Wagen bleibt auf dem Bahnsteig Ihre Herzen schlagen verständnislos, unrhythmisck, wie Kopsschütteln. Bom Dorfe her klingt es achtmal, gleichmäßig, fest- legend: Das alles ist geschehen. Geschehen in einer Stunde. Zwischen sieben und acht. Seit einer Stunde fährt der Spargel vom Stubbenland. Die Decken mancher Körbe haben sich etwas gehoben durch das eilige Werfen. Die Pfeifen schimmern bleich in dos Dunkel des Waggons, dessen Tür offen ist. Wind hat sich aus- gemacht, manchmal weht Sand hinein. Sand wie der im Stubbenland. Heimatsand; noch blickt auch heimatliche Land- schast durch die Tür: Kiefern, Seen, im Abendlicht nur zwei Samte, schwarz und grau. Die kleinen Haltestellen, an denen der Zug bisher stand, lagen im Dunkel. Jetzt flammen Signallichter auf, die Strecke wird mehrgleisig, vielgleisig. Der Güterzug hält bedachtsam auf der Endstation der Kleinbahn. Während die Achsen noch seufzen, wird eine Laterne hin- und hergeschwenkt: eine Staatsbahnlokoniotive stößt grob auf die Wagen auf; nimmt dann die Hälfte davon mit sich; im letzten ist der Spargel vom Stubbenland. Seine Kleinbahnfahrt ist beendet. Seine große Fahrt nach Hamburg beginnt. Der Arzt chauffiert vorsichtig. Der Motor arbeitet leicht, die Kolben gleiten weich in den Zylindern, der Wagen wird nicht mehr von seiner Maschine erschüttert als etwa ein Dampfer. Es ist, als schwimme man durch Dunkel, und die ' Bäume, die rechts und links undeutlich sichtbar werden, das sind Mastc fremder Schiffe, sie steigen auf, ziehen lautlos vor- I bei, eine Welle aus Nacht nimmt sie hin. Siegfried Schmitzers Gesicht hat die Bleichhett des Todes — oder des Spargels... Lenes Backen sind nicht viel farbiger. Ihre eine Hand hält ihm ein Taschentuch vor den Mund, das ist erdig, lieber Himmel, wer hätte heute morgen, wer hätte vor zwei Stunden gedacht... Ihre andere Hand streichelt seine beiden Hände, die im Schoß liegen; das tut ihm wohl. Er versucht im Zettmaß dieses Strcichelns zu atmen, und es gelingt ihm; es ist ein gutes Zeitmaß. Einmal hat sie ihre Hand weggenommen, um ihn zu stützen, wie der Arzt anordnete: da hat er sie wieder hingelegt: sie hat begriffen unb weitergestreichelt. Er schweigt, er atmet nur; seinen Körper fühlt er sehr schlaff, und es kann die Schlaffheit des Todes fein; aber es ist wohl die Schlaffheit des Siegers, den sei, Sieg da» letzte kostete aa Keajt. tFortjetzung jolM Abgeirrte Lungen. in Vater verteidigt den Sohn/ will nicht ins Gehirn" Zwei FürsorgeKöglinge sor dem Schöffengericht ZöedÄing. Der«ine, N., aus der Anwalt bereits entlassen, der andere, K-, ist„getürmt". K- kann nicht zu seinem Vater, hat keine Vlet�e, keine Mittel zum Leben. Er macht, was so oft Für- sorgczöglinge in seiner Lage tun— er läßt sich von einem Herrn „mitvehineir". In einem Lokal am Schlesischen Bahnhof, Sammel- puntt flüchtiger Fürsorgezögluige und anderer abgeirrter Jungen, tchift er feinen Freund N. Dann erzählt er von seinem Aberteucr. Sahst du noch ein andermal hin?—„Klar."—„Ich komme mit." „Abgemacht!" Sie suchen den Herrn in seiner Wohnung auf, es wird' Kaffee getrunken, Grammophon gespielt. Als der Gastgeber sich für einen Augenblick aus dem Zimmer entfertn, sagt N. plötzlich zu St.:„Wir Hauen ihm eins auf de» Schädel und erben was."— Der Herr bücv sich gerade, um dem Schrank eine neue Platte zu entnehmen, Im selben Augenblick erhält er einen Schlag über den L.opf. Er richtet sich auf, wehrt sich, die Jungen laufen davon. Der Staatsanwalt beantragt neun Monate Gefängnis. Da tritt N.'s Vater, ein einfacher Arbeiter, vor den Richtertisch. „Herr Hoher Gerichiishof," sagt er,„ich muß Ihnen mal was sagen. Ich muß Ihnen erzählen, wie diese Jungen überhaupt auf so was kommen. Der Junge war schwer erziehbar, ist nach der Fürsorge- onstahl gekommen. Sie haben aus ihm dort einen ganz ordentlichen Renschen gemacht: alle waren mit ihm zufrieden. Auf meine Anfrage erhielt ich die Antwort, daß er am 1. Oktober entlasten werden soL. Daun kam aber etwas dazwischen, der Junge hatte wieder eine Kleinigkeit ausgefressen und wurde nicht am l. Oktober cuklassen. Da ist er ausgerissen. Das kann man doch keinem Menschen verdenke»- Und da er wußte, daß er zu mtr nur auf „legalem Wege" kommen kann, so hat er eben Unterschlupf in der Wünzstraße gesunden. Sehen Sie, hoher Senatspräsident, dort wei-de» dann die Junggns angeleitet, folche dummen Sachen zu inochßn. Die beiden Bvistrafen habe ich nicht tragisch genommen. ich habe sie für Dummejungenstreichl: gehalten. Ich habe gesagt: dast ausgefresten. mußt auch büßen. Aber hier, wenn ich den Lerrn Staatsanwalt höre, der neun Monate Gefängnis beantragt, so will mir das nicht ins Gehirn hinein. Die Strafe ist viel zu hoch."<• . Doch die Verteidigungsoede des Arbeiters, der für seinen Jungen kämpfte, hatte keinen Erfolg. Das Gericht verurteilte die b�den Jungen zu je neun Monaten Gefängnis. Im Streit erschlagen. Haß zwischen Voter und Sohn. ~ Utemel, 7. April. Der etwa ISjährige Frig Wohlgemut hat seinen 4l>jährigeu Sttefoater, den Besitzer Haupt aus Maedewold im Memelgebiet erstachen. Wohlgemut war Schmiedelehrling in Ostpreußen. Er weilte Ostern zu Bestich im Elternhause und geriet mit seinem Stiefvater in Streit. Vach seiner Schilderung habe der Stiefvater ein Brotmesser ergriffen« das er ihm aus der Hand geschlagen habe. Als dann der Stiefvater: mit einem Holzsthert auf"ihn. einschlagen wollte, habe er das Vcohmesser ergriffen und ihm einen Stich in bis Brust beigebracht, der zhn sofort tötete. Wohlgemut stellte sich selbst. der Polizei stnd. ttürfc fti. �afk.gMmmxij, Lehrlinge zeigen, was sie können. Einen inkerestanten Eiabück in den Werdegang des Facharbeiters der ZNelallindnstrie vermittelte eine Befichfi- gung van Prüfungsarbeilen, die der Siemens- konzern gestern veranstaltete. Ausgestellt waren die Gesellenstücke von 128 Fach- arbeiterlehrlingen, sowie die Prüfungsarbeiten von 80 Hoch- und Mittetfchulpraktikanten» die am 1. April ihre Ausbildungszeit beendet hatte». Diese Ausstellungsstücke waren ausnahmslos gute Werkmannsarbeiten, einerlei, ob es sich»int die Gesellenarbeiten der Feinmechaniker-, Werkzeuginacher-, Maschinenschloster-, Dreher- und Formerlehrlinge handelte, oder um. die dar jungen Fernmelde- Monteure, Elektroinstallateure, GlasinstrlNHenteumacher oder Modelltischler. Besonders anziehend für den ckritischen' Fachmann war weniger jedes einzelne Gesellenstück, obgleich das gerade der -Stolz des jungen Gesellen ist, als die Darstellung der systema- tischen Ausbildung der Facharbeiterlehrliuge. In dieser etappen- weisen und planmäßigen Ausbildung der Handfertigkeit vom ersten Feilenstrich an bis zur hochqualifizierten Montage und Faßarbeit, mit der eine ebenso systematische theoretische Unterweisung in der Werkschule einhergeht, hebt sich der Unterschied zwischen der Lehre in einem modernen Großbetrieb und einem kleinen Handwerks- betrieb besonders kraß ab. In der gründlichen praktischen und theoretischen Ausbildung lzegt eben der Vorteil des Lernens in einem Großbetrieb mit eigener Lehrwerkstatt und Werkschule. wenn auch: die damit verbundene Werksport» und Werivereinsbewe- nung ein weniger angenehmer Beigeschmack ist. Anzuerkennen ist. daß alle diese Lehrlinge,. die wirtlich etwas gelernt haben, im Siemenstvnzern weilerbeschäftigt werden und nicht mit ihren» Geselleubries in der Tasche zum Arbeitsnachweis obgeichoben werden, wie es jetzt meist den Jungausgelernten geht, die drei oder vier Jahre lang ihrem Lehrmeister oftmals nur ein williges und billiges A u s b e u t u n g s o b.j e k t gewesen sind. wirischaftsschule an der Deutschen Hochschule für Politik. Die Wirtschaftsschule an der Deutschen Hochschule für Politik, die ihren Hörern neben der Erwerbsarbeit eine möglichst umfassende All- ge meinbildung vermitteln will, beginnt am 27. Aprll 1931 mit einein neuen Semester. In einein geschlossenen Lehrgang über vier Hochschulsemester wird unterrichtet in Wirtschajtslehre und Wirtschaftspolitik, Arbeitsrecht, Wirtschaftsrecht und Sozialpolitik. Unterrichtet wird in den Abendstunden zwischen 17,30 und 21 Uhr. Der U n k o st e n b e i t r a g beträgt für ein Semester 30'Mark. Erwerbslosen kann auf Antrag der Betrag gestundet werden. Aus- kunft erteilt der Direktor der Wirtschoftslchule, Genosse Dr. Felck. jeden Dienstag in der Zeit voir 17,30 bis 19 Uhr im Dozentcn- zimmer der Hochschule. Aufnohmcanträge mit einem ausführlichen Lebenslauf find zu richten an das Büro der Hochschule, Berlin W 56, Schinkelplatz 6. Stadt und Dorf am Funkturm Das Werden der Bauausstellung Größte Schau des neuen Berlin Die seit Jahren vorbereitete große Deutsche Vau. aus st elluag Berlin 1931 wird in knapp einem INonal eröfsnet lverden. Die Ausstellung stellt die größte Veranstaltung der Reichshauptstadt nach dem Kriege dar und kann wegen ihrer internationalen Bedeutung als ein cueropäijches Ereignis angesprochen werden. Diese Riesensckiau des Sauens und UJohnens. an der 21 fremde Staaten bcleiligl sind, hat für die gesamte Oessenllichkeit höchste Bedeutung. Während die großen Ausstellungshallen auf dem Messe- gelände von den Hammerschläzen der Handwerker und Arbeiter dröhnen, rollt auf Lastwagenzllgen immer neues Material heran zum Aufbau der Freiluft- Ausstellung in unmittelbarer Nachbarschaft der Hallen, die die Fülle der Schauobjekte, Pläne und Modelle, Materialien und Maschinen, nicht zu fassen vermögen. Die geschlossenen Hallen werden in wenigen Wochen, nach Entwürfen von vielen Hunderten der bedeutendsten Fachleute der Welt, die Aus- stellung für Städtebau, vom Sisdluugsplan mit allen Aenderungen und in jedem Stadium des Werdens, bis zur fertigen und vollkommenen Sladl unserere Zeit. die Wohnung unserer Zeit, die Verwendbarkeit der Baustoffe, Holz, Beton imd Zement, Metalle, Glas, Stahl, Naturstein, Kalk, Gips, Keramik, Isolierstoffs, Installation, zeigen. Nicht weniger interessant wird die F re i l u f t- A u S st e l l u n g werden, die schon im Werden ist, obgleich das nichtsachverftändige Auge zwischen Bauboden, Stapeln von Holz und Steinen, ratternden Motoren und fleißigen Händen das endgültige Aussehen noch nicht erkennen kann. Hier wird der bearbeitete Naturstein in jeder Form zu sehen sein. Die oielsältigen Maschinen der Bauwirtschan werden an anderer Stelle in besonders typischen Arbeitsanordimnoen in Form einer„wechamsierten" Baustelle im B e i r i« b gezeigt werden, von Straßcnbaumaschinen und Geräten für den Tunnel- und Stollenbau bis zu den gewaltigen Trockcnbaggern. Besonderes Interesse wird die gewissermaßen aus dem Boden gestampft« Sonderausstellung für landwirtschaftliches Bau- Wesen beanspruchen dürfen. hier wird ein kleines Dorf in natürlicher Größe für die Bauausstellung errichtet. Entsprechend der großen Bedeutung, welche die S i e dl u ng für das Bauen auf dem Lande jetzt und in nächster Zukunft hat, wird die planmäßige Aufteilung eines großen Gutes von 2000 Morgen zu Siedlunzsstellen gezeigt, wobei die wichtigsten Bauarten und Teil- gebiete der ländlichen Siedlung berücksichtigt werden. Als Musterbeispiele, die die beste und neueste Lösung zeigen, wird man Bauern- stellen für Weidewirtschaft, Köruerwirtschust, Viehzucht, Geflügel- formen, Bienenhäuser. Ausbaustellen. Landarbeiterstellen undGcmein- schastsonlagen wie Molkerei. Schlächterei. Silo, Speicher und Schuppen, Einlagerungslzäuser für Genossenschaften, auf der anderen Scile Anlagen für den Gartenbau sehen, eine Einrichtung für Obstbau, Blumenzucht, Geinüsebau mit.Frübeeten, Treibhäusern, Beregnüngz- und Bewässerungsanlagen, schließlich Scheunen für all« Zwecke, von der Kohlschcune zum Obstlagcrungsraum mit Sorticr-Auküons- räumen und sogar einer Äonseroensabrik. In der.Großzügigkeit ihrer Anlage wird diese seit Jahren vorbereitete Ausstellung, von keiner ihrer Vorgängerinnen übertrofsen werden. Der Cid. Ein alter Mann hat vor dem Richter in Moabit seine Au?- sag« gemacht. Er soll sie beschwören. Der Graubart steht un- schlüssig da..„Herr Richter,", sogt er schließlich,„ich bin Jude und habe noch nie geschworen." Der Richter:„Ich kann Sie davon nicht entbinden." Der Alte:„Wegen solch einer Kleinigkeit soll ich Gottes Namen anrufen." Der Richter:„Dos Gesetz verlangt dos." Der Alle nach einer Pause:„Aber die Verantwortung da- für tragen Sie, Herr Richter." Der Richter:„Gut, ich übernehme die Verantwortung.'" Der Alte, feierlich mit erhobenem Zeigefinger und lauter Stimme:„Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht unnützlich führen, denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, 5er seinen Name» mißbraucht." Dann erhebt er die ganze Hand und schwört:..... Im Namen des Allmächtigen und Allwissenden..." Ms er zur Zeugenbank zurückkehrt, schüttelt er miß- billigend sein graues Haupt... Vielleicht hätte der Richter dem alten Juden sagen sollen, daß er, obgleich gottesgläubig, seinen Eid auch ohne Anrufung Gottes in weltlicher Form hätte leisten können. Und wieder soll ein Zeuge seinen Cid leisten. Der Richter fragt: „Wollen Sie den Eld in weltlicher oder in religiöser Form leisten?" „Ich weih nicht."„Das müssen Sie selbst entscheiden, also wollen Sie in weltlicher oder in religiöser Jon»."„Ist mir egal,"„Mir auch. Also, wie wolle» Sie den Eid leisten?"„Ich verstehe nicht, ich bin zuin ersten- vor Gei4cht�--ZiSia kj>m,en.bei» Eid mit oder dyne�ÄiuttOltchÄMtyS-rÄsta,�:,Ästr.«iir«Mlst-sStadM«. aus ftrt Kirche ausgetreten.".„Neiü." n.„Alsö, erheben. Sie die. Hand: ...Im Namen des Allmächtigen und Allwissenden..."- Der Zeuge: Im Nomen des Allmächtigen und Allwissenden..." Dem war es ganz egal:/..." Tagung der Arbeiierabstinenien. Nahezu 1 Million Flugblätter verbreitet. Während der Oitertaze fand in Berlin der 9. Bundestag des Deutschen Arbeiter. Abstinenten. Bundes stall, der über erfolgreiche und ersprießliche Arbeit berichten konnte.. Aus dem Geschäftsbencht ging hervor, daß die Organisation sich trotz der katastrophalen Wirtschaftsknf« g u t gehalten hat. Der Bund veraiistaliete in der Berichts-zeit zwei Reichslehrgäng«. von denen-einer der Mkoholkranken-fürsorge gewidmet war. In Berlin wurden zwei alkoholfreie G a ststä t t e n. geschossen. Die A l k o h o l k r a n t e n s ü r s o r g e wurde ausgebaut, ein beson- derer R e i ch s a u s s ch u.ß für sozialistisch« Alkohol- krankensürsorge nnier dem Vorsitz vcm Stodtorzt Dr. Drucker- Berlin leitet diese Arbeit. In der Lcrichlszeit er- schiel«» 2.6 FluHblätter mit einer Gesamtauflag« von 987 000, die fast restlos vergriffen ist. Außerdem wurden 9 Broschüren neu herauszczebcn.— Hinsichtlich des Ausbaus und der Umgeftol- tung der bisherigen Bundeszeitung„Der abstinente Arbeiter" wurde beschlossen, die Zeitung in handlicherem Format unter dem neuen Titel„Der sozialistische Alkohol- gegner" eischeinon zu lassen. In jedem Jahre soll ein« besonder« Werbewoche stattfinden. Bes-ondere Ausmerksamieit soll der Evwerbslosenfrage gewidmet werden; der Bundesvorstand wird geeignete Richtlinien zur ArbeitunlerdenErwerbs losen herausgeben.— Ais Vorsitzender wurde der Genosse Höh- eiset wiedergewählt, als Schriftleiter der Genosse Simon Katzenstein. Beisitzer wurden Dr. Drucker, C-Harlet und Nits ch k e.— Tie Berliner Ortsgruppe veranstaltete für die Dele- gierten einen Begrüß ungsabend, auf dem. eine von zwei Genossen hergestellte neue L i cht b i l ds e r i e uraufgeführt wurde. Es handelt sich dabei um Aufnahmen aus dem Leben des Trinkers, wie sie bisher nirgends gezeigt wurden und die zur Aufklärung über die Alka hol frage sicher lverwolle Dienste leisten werden! Appell an die Arbeiterschaft. Der Bundestag des DASkB. richtet an die Arteiterschaft und ihre Organisationen nochfolgenden Appell: Zlirgesichts der oer- schärst«, wirtschaftlichen Gegensätze und der daraus entstehenden Streiks und Aussperenmgen lenkt der Bundestag die Auftnerksoinkett der verantwortlichen Arbeiterorganisationen w'« der Arteiter selbst darauf hin, daß der Alkc-halgenuß sich ganz bespnders zun, Schaden der Arbeiterklasse auswirft. Der Bundestag richtet deshalb an alle Arbeiter-Organe den Appell, bei allen mirtschosllichen Kämpfen und bei politischen Demonstrationen zur Enkhaltung vcm Alkohelgenuh aufzusorder». Seltsamer Pfadfinderführer. Wissen die Eltern von dieser„Ertüchtigung?" Wir erhalten folgende Zusihrifl: Vielen Osterwandcrcrn, die in der Sächsisch-Bohmischen Schweiz die Feiertage verleben wollten, bot sich am Ostcrsonnabclrdnachmilloz ein eigenartiges Bild. Die Gruppe Berlin XI(Charlottiinburg) des Deuts chenPsadfind erb undes unternahm durch das eiskalte Wasser der Edinundstlamm bei Herrnskretschen eine Flußdurchschrei- tung als Ucbung. Die 12- bis 14jährigen Berliner Psadsinderjiiiigen— die von ihrem Führer niit Namen wie Hitler, Goebbels, Kaczmoreck usw. gerufen wurden— mutzten den Fluß tn voller Kleidung durch- schreiten. Verschiedene Jungen hatten sich die Schuhe ausgezogen, wahrscheinlich in der Hoffnung, daß es nicht so tief hineingehen würde. Verschiedene Pfadfinder rutschten von den noch eis- bedeckten Felsblöcken ab und fielen ins Wasser, während ihre Kleidungsstücke davonschwammen. Als einige Jungen um ihre weg- gcschwoinmeiren Schuhe jammerten, schnauzte sie der etwa 22jäyrige Führer— der übrigens n ich t durch das Wasser ging— an: „Deutsche Jungen nrllssen überall durch!" 2lls man ihn daraus aus- Nrerrsain. �niachte, daSf«steige Jungett-Hlatkten, virief~cr r„Das lassen Si? getMgsk"nieln< Sorge.sein!" B�benbanderuLeN hbkftn den' Pfadfindern'-aüs' den»' Sisioaffer und-' witschen'i-hnon das Psiir ab.- In vollständig nasier Kleidung hatten die. Jungen danv"och einen drei- bis vierstündigen Marsch nach Ottendörs(Sachsen) zurückzulegen. Ob wohl die Eltern der jungen Menschen. mit. dieser „Ertüchtigung" deutscher Jugend,, hie in diesem Fall einem-. ihrer Kinder leicht das Leben hätte kosten können, einverstanden sind? Ifteichsbannerkonzert in Neukölln. Dos traditionelle Osterkonzert des Musikkorps„Reichs- ban ner Neukölln" in Kliems Festsälen, Hosenheide, zeigte auch in diesem Jahre wieder, welcher Popularität sich dos Reichsbanner erfreut. Der Riesensaal war nicht bloß bis auf den l-tzten Platz gefüllt, es standen noch tlnzühligo, denen es nicht qe> lungen mar, seßhaft zu werden. Diese starke Gefolgschaft im Bezirk Hot neben den, Moment des freudigen Beisammenseins vor allem den weit tieferen Grund eines festen, unverbrüchlichen Zu- sammengehörigkeitsgefühls Gleichgesinnter, das gerade heute nicht hoch genug gewectet werden kann. Mit Frau und Kind war man gekommen, um unter lauter guten, alten Bekannten einige frohe Stunden zu verleben. Und die Veranstalter wußten, was sie ihren Gästen schuldig waren und warteten mit einem ebenso abwechslungs- reichen wie unterhaltenden Riesenprogramm auf. Für Unterhaltung sorgten außer dem Musikkorps des Reichsbanners der Neuköllner Fanfarenbläserchor, die Streichkapell« Tesche.. das. Schromnieltrio „Vindobona", das Berliner Ulk-Trio und die ,,5 Gladiatoren". jDtil ein paar flotten Musikdarbietungen wurde das Programm eröttnct, dann sprach der Vorsitzende herzliche Begrühungsworte, der Bläser- chor schmetterte die„Kreuzritter-Fanfare" von Henrion und die Stroichmusiker ließen schmiegsame Walzerweisen erklingen. Biel Spaß bereitete der Mann mit dem Leierkasten, und dos Berliner Ulk-Trio schürte die einmal angefachte Stimmung mit lustigen Vor» trägen.__.; Die TNulterschulkurs« beginnen wieder. Der nächste Mutter- schultursus des Landesjugeudcmts beginnt Dienstag, den 14. April, im Waisenhaus. Berlin SW. 68, Alte Jakobstraße 83—33. Junge Mütter, Pflegefrauen, Verlobte werde» in kleinen Arbeits- gemeinschait�n unter Leitung eines Arztes und einer Pödagogin in die Säuglingspflege sowie in die. körperliche und seelische Pfleg« des Kleinkindes eingeführt. Der Kursus umfaßt 14 Doppelstunden an zwei Nachmittagen der Woche von 16 bis 18 Uhr. Die Gebühr betrögt 8 Mark. Ermäßigungen und Freistellen können aus Antrag gewährt werden. Anmeldungen sind zu richten an dos Landes- wohlsahrts--und Jugendamt Berlin. Berlin E. 2, Poststraße 16, Fernsprecher: Lcrolina(E 1) 0011, Zimmer 79 b. rr*Ö2 dann ReitheU, ELECTRICUM Oroo«ri*i»«rhiHIMi aenst durah Otto Roiohol TJorlln 80, Claonbahnatr» 4. iVPze tWlld�gavelle U dick zm<9-rand%( Die Partei in Charlottenburg. Auch hier starke Aufwärtsentwicklung. Ein Beweis für den Eifer und die Arbeitsfreudigkeit der Charlottenburger Sozialdemokraten ist die Tatsache, doh zur Erledigung der organisatorischen Angelegenheiten sowie zur Stellung- »ahme zur politischen Situation und zum Bezirks- und Reichs- Parteitag drei stört besudhte Kreisvertretcrversaminlungen stattfanden. Aus dem Geschäftsbericht des Genossen Will ergab sich, daß die Charlottenburger Genossen im Jahre Z930 rege Arbeit geleistet haben, so daß sie mit einem starken Anteil an der starken Auf- wärtsbewegung der Partei beteiligt sind. Bei der Wahl des Kreis- Vorstandes wurde der 1. Kreisleiter. Genosse Alfred W i l k, ein- stimmig wiedergewählt. Neue Mitglieder des Kreisvorftandcs wurden die Genossen Seigewasser. Miltkowsli, Körbechcr, Schulz, Caro und die Genossin W e i d e r als Frauenbeisitzerin. Zum Mitglied der Pressekommission wurde wieder Genosse B e i d l e r vorgeschlagen, als Berliner Revisor Ge- nosse M e n d e. Auch die Berichte der Jugend, SAJ. und Kinder- freunde, brachten die erfolgreiche Arbeit des vergangenen Jahres zum Ausdruck. Auf der letzten Kreisvertreteroersammlung referierte Kurt He in ig über„Die Aufgaben des Reichsparteitages". Die parla- mentarifche Loge sowie die politische Gesamtsituation erfordern stete Abwehrbereitschaft der Partei. Wohl können wir mit den Stimmen der„nationalen Opposition" und der Kommunisten die Regierung Brüning stürzen, ohne jedoch einer besseren Regierung die Arbeit sichern zu können. Aus dieser Zwangslage muß die Partei die Politik der Tolerierung und des kleineren Uebels fortsetzen. In dieser gefährlichen Situation sei immer Geschlossenheit und schärfste Disziplin mehr denn je notwendig.— Zum Partcitagsdelegiertcn wurde Genosse L« w i n mit übergroßer Mehrheit gewählt. Das Ergebnis der Kreisvcrtrctcrtage ist die Zuversicht, daß die Charlottenburger Genossen auch im Jahre ll>31 erfolgreiche Arbeit für den Ausstieg der sozialistischen Bewegung leisten werden. Aus der Partei. Der dänische sozialdemokratische Zugendverband beschloh aus seinem Kongreß in Aarhus enge Zusammenarbeit mit den Kinder- freunden. Gen, einsamer Vorsitzender beider Organisationen wurde der bisherige Vorsitzende des Jugendverbandes Johannes Hansen. parteinachrichien fürGroß-Berlin Einsendung?» für diese Swtril find Berlin SB S», kindenstrafie X stet» an da» Bezirkasekretarlat 3. Kos. 3 Treppen recht», richten Und wieder Komwunistcntunmlte. In der Brunnenstrahe. in der Nähe der Umgebung des Rosenthalsr Platzes, versuchten gestern abend kurz nach 13 Uhr kammunistische Trupps zu dcinonstrieren. Die Polizei- beamten, die weisungsgemäh zur Auflösung der Züge schreiten muhten, wurden dabei von den Demonstranten bedroht und zum Teil sogar tätlich angegriffen. Einige Schupobeamte muhten in ihrer Bedrängnis von ihrer Dienstwaffe Gebrauch machen und Schreckschüsse abfeuern. Nachdem Verstärkung herangerückt war. kannten die Straßen von den Demonstranten freigemocht werden. Es erfolgten mehrere Festnahmen. „3irci Heil!"— vor Köunerke. Die nationale Jugend(Bismarck-Jugend) veransta.ltcte Mi't- wochobend in der„Neuen Welt" eine sogenannte Kundgebung gegen Rot-Preußc». Der deutschnatlonalz Landtagsabgeord- net« Könnecke leierte vor dem halbgefüllten Saale sein« lang- weilige Rede herunter: allen teutschen Spiehbürgern und Backfischen zur Freude. Aber wie rutscht« den guten Lemen das Herz in die Hofs,»ol» am Schluß der Rede ein donnerndes Frei Heil auf die deutsche Republik und die preußische Regierung ertönte. Bon den rund 600 Anwesenden waren 500 junge Arbester da, die sich das Gestammel einmal anhören wollten. Im ganzen Saale sah man die Anzeichen vom Reichsbanner und der SAJ. Unter dem Gesang der Internationale loel't«'skch der Saal, iknter dem Gelächter der Ab. mäikfchicrenden blieben die paar, genau aus zwei Stuhlreihen vcr- teilten Nationalen im Saal. Allgemeine Wetterlage. Erweiterter Aezirksvorfland. Sitzung des erweiterten Vczirksvorftandes am Frei- tag. dein 10. April, pünktlich 10 Uhr. tut Sitzungssaal des Bezirksverbandes, Lindenftr. 3, Ä. Hof. Ä Treppen. Beginn aller Veranstaltungen\9Vi Uhr. sosern keine besondere Zeitangabe.'—(SV.— kreisvorstand.) Mitgliederversammlungen und Zahlabende heute, Mittwoch. S. April, in nachstehenden Lokalen: 3. Abi. Abteilunaaveriammlmi« fällt an«. Dasür 13. Atnäl. 1. Abt. Lokal Betocäkrc. AIrtandnstr. 21. Alfrrd gllatau:..Die neu«» Zkai- u«rart>nunsen". Z. Abt. Ros«nt>>altr Saf, Rafenthalsr Str. 11—12. Otto Most:„Wafinunas- »»!> Miekrfraa«»". 7. Abt. in Zrn bekannten Lokalen. 13. Abt. Ärininius-Äallcn, Bremer Str. 73. Dr. Mener.Pradnii,:„8 218 und die päpstliche En/nkliia". 17. Abt. Einlafikarien jum tzilnt der ersten und»weiten VorfMiruna find bis 9. April beim(Genossen Köbne restlos abturechncn. 3«. Abt. Gruppenabende. 2. Gruppe bei Beinlich, Vortroa�„Mieterfraaen". 3. Gruppe bei Bönen, Lortraq:„Büracr im Voltsstaat", Genosse Hol». richter. tzreitap, l». April. J.«rnppe bei Heile». Bartraa:»Die»alitisch« Latte". Senass« Buchatal». 33. Abt. Gruppe Fiedtkau bei Kromvbardt, Paul-Sinaer-Str. 4.9. Rcsercnt Bürgermeister Genosse Miclifi:„Gefefc Grofi-Brrlin". Gruppe Wartina»» i bei Schmidt, lsruchtstr. 3So. Bortraa mit Lichtbildern über„Sozialistische Erziebuna". Die airderen Gruppe» in den bekannten Lokalen. 34. Abt. Lokal Scidlitt, Romintener Str. 7. Bortraa des Genossen Dr. Balter Gross. 33. Abt. Zahlabenbe i» de» bekannten Lokalen. 38. Abt. Gruppe l bei Buscki, Tilfiter Str. 37: Gruppe II bei Harn, Zarn- dorser Ecke Loetpessrasse: Gruppe IN bei Biosch. Peiersburaer Str. 82: Gruppe IV bei Witts ckniss. Peteroburacr Str. 2. 39. Ab«. I8zz lllir Kunktionärfissung. 19'e Ubr Mitalicbervcrsammlu»«. Gross- berrcnsir. K. 43. Abt. Zal, labend« i» de» bekannten Lokalen. Betirk 117 tBiiiermanni toat Boerwalbstr. 89, bei Klöckner. 4«. Abt. Zalilabendc bei Adam. Liibbener Sir. 39: Eicktbolz. Envrnstr. 23. 47. Abt. Zablabende in de» bekannten Lotaie». Da»nee»taa,». April, Dia- kussioneabend bei Mor Krause, Mariannenploss 23. .11. Abt. Zab'nbenbe mit Bortraa in den Wannten Lokale». Gruppe 4: ?ablaben d fällt au» und findet am 13. April statt. 33. Abt. Zablabende in den bekannten Lokalen. 34. Ab». AI Ubr sluaendbaim Rofinenfrr. 4 tzunktianärfissuna. 19 Ubr ebenbort Borsiandsfissuna. 57. Abt. Bortraasabinde. 1. Gruppe bei Arndt, Kanislr. A. Genosse Deiacl: „Barte! und Bresse. 3. Grippe bei Tbnnaek, Wielandstr. 4. Dr. slatze: ..Di« Wirkunaen der Noivirorbnunq in be»na auf Sotialpolitik". 3. Gruppe bei Hoch, Schill! crstr. 47. Genossc Dr. tzaii:„Die Bolitik des linken 7.�1. tä3\ibds. Ä'«G- K>-- ®Yvcll<«nios,3 heiler, Ghjlbbedscki ® wolkig,•bedeck'.aRegen.AGraupeln .sNebel.T. Gewitt»c@Winfaill« Im Bereich der kühlen polaren Luftströmung, unter deren Ein- fluß das Wetter am Dienstag in Mitteleuropa stand, wir der Himmel im größten Teile Deutschlanos heiter. Ilnpedeutende Schauer kamen nur noch östlich der Weichsel vor. Die Temperaturen stiegen im Binnenlande meist auf 10 Grad Celsiu?: nur im Nordosten wurden nur 3 Grad Wörme erreicht. Ein Hochdruckgebiet reicht jetzt von Deutschland bis noch Nardskondinooicn. Es scheint sich noch zu kröstiqen und zunächst noch unser Wetter zu bestimmen. 41 Vkiterovssichsen für Berlin: Trocken und heiter, om Tage e'was wärmer. Züt Deuischiond: Im ganzen Reiche trocken und vor- wiegend heiter, Togestemperaturen allgemein etwas höher. Düaels". 38. Abt. Ronkibaus, Ziankcftr. 4. 4 Tr. Dr. Paul Hertz. M. d. R.t„Die volltische Laar". 71. Abt. Lau. Hildcaardstr. 14. Dr. Hermann Echützinaer:„Die Partei im Aeichsiaa".» 73. Abt. 20 Ubr, Rosenau, Parziner Ecke Laubocher Strasse. Walter Stölting: 218". 7». Abt. Zablab«nde in den bekannten Lokalen. 83. Abt. 23 Ubr gablabendc für olle Bezirke in den bekannten Lokalen. 7. Be. .«c*irf: Sill. Schiüerprome- nade ll: 37.. 38. Betirk: Lafol Breuer. Schillerpromenode 39: 71.. 94.. 93. Betirk: Lakai Schröder. Clcinmetzstr. 52: 97., 98. Bezirk: Kwella. Bkerftr. 15. 199. Abt. Lokal Ruppert, Neuköllner Strasse. Mitaliederversammluna. 193. Abt. Loaenbau», griedrichstrasse. Genosse Rüben:„Die mieterpoliiische Saar". Tarteianaeleaenbeiien. 197. Abt- Mitaliederperlammluna wird vom 8. aus den 15. Aprsl veeleat. 198:. Abt..loblooend« finde» erst in der nllchsian Woche sdoti. Donnerstag, 9. April, sitzuna aller Funktionäre bei Schult. Babnlwfssr. 34. 117. Abt.?ablabend«. Gruppen Selchow. Pobl und Dietrich bei Eienert: Grupp-N Untner und Döbrina bei Brunn: Gruppe Wottke bei Ptiua: Gruppe Ullenbom bei Kloie: Kruppe Hartmann ausnobmsepeise Donners- taa be! Dtupo. Eitel- Ecke Ludwiafirasse. Karten zur Kundaebuna am 14. April, Sporivalasi. sind bei den Genossen Selchow. Karlsborster Strasse. und Klose zu boben. 118. Abt. Zablobeude- Gruppe üliasebl bei Schade. Rusche» Ecke Rormaunen. -strasse. Gruppe PIumbera-Hahn bei Tempel. Gudrunsir. 7: Gruppe Poebl bei Hartmann. Roienseldcr Ecke tzrenenstrassr: Sruppc Bcllcrt bei Böckel. Sopbie- Ecke tzriedrichstrasse. >19. Abt. gablabend bei Weener, tzraukfueier AUcc 238. Ausspracheabend. i33u. Abt.-j] Ubr R!italieder«ersammluna. Bartraa:„Unsere Polizei". tRefc- reut wird in der Bersamwluna brkanntaeaeben.l 134. Abt. tHblabendc 8. April fallen aus, dafür Mitaliederversammluna am Miliwoch. 32. April, im Lokal Aichers. am Babniof. 131. Abi. 23 Ubr. Lokal Son-loue!. Nordend, Kaiser-Wslbelm-Strasse,!Zr!tz Lchuiidt:.tzreidcnker»»» ibre Bcmcauna tguaendwetlien usw.l". 132. Abt. Lokal Alna. Dorssir.-L Dr. Gctltatb Suckow:„Diktatur und Kapital". 137. Abt."abladende für alle Bezirke fallen ans. 141. Ab». Haifmann. Rosentbal, Edclwetssstr. Z. Heinrich Iatubowlcz:„Karl Man". E schwalbe. 20 Ubr ssabkabend im Waldschlösschen br! Witte. Referat: i.?ie »olitlsch« Laar". Wildau. 23 Ubr bei Dubia». t Donnerstag, 9. April. 4. Kreit. Echulanla Dantiaee Str. 28, Antffaschistentursus. Ilde Abteilpna sende jünaere üunklionäre und besonder» aktive Mitglieder. 83. Abt. Zablabende. 1. Bezirk: Lokal Pinaer. Dorkstr, 80. Referent Genosse Schlowe: �0 Iadre Kinderfreunde". 4. Bezirk: Lokal Pvmmerenina. Bcr, lincr Str. 103. >9 91. Abt. Die gablabendc werden um ackt Tage verlegt, tzunktionärfitzung tZreitaa. 198:. Ubr. bei �leckinger. Wissmannftr. 19. 95. Abt. ssrcitaa. 20 Ubr. bei Keusch. Iagersir. 13. Sitzung de» Borsiaudes mit alle» Tunttiouärcn. tzunktionärausweise a«a.'» neue einlauschen. Malcrlalatlsaoh«. Zrauenveranstallungen. 19. Krej» gesslendaes. Donnerstaa. 9. Avril. 20 Ubr. im„Lindcnparl". Garten. Eck« Berliner Strasse. Krcioveravttolttiua als Auslaki tu den internalia. naten tzraucuwerbewochen:„Unser Kamps aegen den ss 318". Resemntin De. grida Ateronder. 139. Abt. T onr.frf loa, 9. April, 19Vb Ubr. in der Baracke Lindauer Strasse. Heiserinnens, nung, anschliessend 2l Ubr Sitzung drr Anbeiterwoblsabri mit den lommnnolen Woblsabrtspfleaerinnen und.Pflegern. 139. Abt. Die tzuntlionärinuen treffen sich beute t. Stunde vor Beginn des eahlabends im gleichen Lokal. i:i»u. Abt. Zreitag. IN. April, 33 Ubr. im Schalleulrua. Tcael. Treie Scholle. Henmadorler Strasse. Borfübrnna der Lichtbjlinerie:„Die JZeau im Dritten Reich". Ansprache der Genosfin Mari» Kuneri. M. d. R. Rintgental-gepernick. Dannerptaa. 33 Ubr, bci Mcisel, Babuboistr. 73. Genosfin Henkel:„Ebebeeotung". Arbeiter-Bildungsschule. 5. Kp»i». Kurtux T B. Illanec:..Rlarr' Leben und?Lert" am Donners- lau. 9 Aprik, pünktlich 19>, Ubr. im ltugendbeim Zilsster s>r, i 5. >9.>ret». Kursus des E".essen Arkgd'i Eürlaud:„Die llrbeiterkiasse im nalitischen Kamp-" beginnt Treitag, 13. April, 30 Ubr. Bidl.otbei. Schloss. strasse 37. l. Hörgeolldr 1 M. 39. K«i». Kursus de: Genossen Dr. Schlesinger:„Besen, Siel und Weg der sotialdrmotralischen Arbeiterpartei" fällt au, Donnerstag, 9. April, aus. Nächste Abende: 13. und 33. April. Arbeitsgemeinschaft der kindersrcunde Groh-Bcrlin. IN-Zahrcs-Feier.(Generalprobe am Sonnabenö, 11. April. 16 Uhr, in bec Liarl-Marr-Lchule. Nenkölln, Äaiser-Triedrich-Str. 2V8— AO(Turndallc). Fabnenicbwincter. Gruppenführer vom Beivequngschor und die bestimmten irtcilyen-fübrcr für den Aufmarsch schon um 15 Ubr cm cTcichcn Ort.— Karten Sur lO-�abrcs-ftcicr Mittwoch von 16--19 Ubr in bcr Geschciftsstelle ebsurechnen. Kreis Weddinq. Trefspuukte zur Generalprobe für die lO-Iabres-�eier am Conuabcnd um 15 Ubr am Lcopoidplab und BcbitHof©cfuiibbrunnrit. 20 Pf. Aflbrficlb sind mitzudrina-e n. Die Eprechstuuda- fällt am Donnerstca aus. Die Eintrittskarten für d e lO-Iabres-�cier sind am �reitea von 171a 19 Ubr in bcr Turnballe Lüt Lichte Str. 1 abzurechnen. Spater werden keine mehr zurück- genommen. Ärei» Kreuzberq. Gruppe Kottbusser Tor: Donnerstag fribrt in den Trüb- ling, Treffpunkt 81 2 Ubr Kottdusser Tor(Apotbckc). Eben und 30 Pf. s?abr- geld mitbringen. Tiergarten. Achtung. Eltern! Karten für die lO-IabrcS'Feier cm 12. April im Groben Schanfpiclbans sind umgehend cbxubolcn bei Anne Pcersch, Essener Sirasie i. Preis 80 Pf. Kreis Neukölln. Wir erinnern an die Abreckmung der«arten für die KbIcbres. Feier Donnerstag in der Arbeitsstunde um 18 Ubr Baracke.—- Instrumental- und Singekreis und Nestfalken kommen Freitag um 17]$ Ufte Turnhalle Niltlifchulc, Neukölln. Rütlistrasie. | Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation J 18. Abt. Am 2. April verstarb unser langsäliriger Parteiaenosle Emil R! u r t i tz, R. 33. Martin-Ovitz-Str. 3, im Alter' von 34 Iabren. Einäscherung am Mittwoch, 8. April, 13 llbr. Krematorium Gerichtstrasse. 103. Abt. liniere Genom» Gertrud Bär. Parsevalftr. 8, ist am 3. April oerstorbeu. Ebre ibrem �lndruken! Beerdiauint am Donnersiag, 9. April. IV'; Ubr, auf dem Friedhof OberschSueweide, Wublhride. Wir bltien um recht rege Brteiliauug. Sozialiflische Arbeiterjugend Groß'Berlin Swscndunaen für diese JbibrM nur an das ItWfpWc'rctttrtai 6S. f indttiOrafi'-? fheufe, Zstittwoch. 8. April. Igl/, Ahr: Weste»: Gentbiner Str. 17: iZunttionürfitzuva.— Geiunbbrunven 11; Ebristiauiaftr. 38:..Unser« Organisation".— Gcsunddrn«»«». Zi. a-: Gat«u. burger Strasse:„Utopischer Sozialismus".~ Arnimplatz: Sonnenburger Strosse 23: tznukliouärversammluna.— Baltenplati: Tilfitar Str. 4— 5: M::. gliederveriammluua.— skranksurter Viertel: lsrankfurter Allee 337: �kKtss«». justiz".-- Vetersburaer Viertel: Ebcrtnstr. 12: ssabrtenbericht.— Warschauer Birrtel. R.?.: Litauer Str. 18:„Unsere Ostersabrt".— Beftend: Spartplatz: Vrobe.— Etcqlitz II: cheulminastr. 14: Funktionarützung.— Lichte»r»d«: Roon- strasse:„Nationalsozialismus".— Tempelhss: Götzstross«:„ssabrtenerlcbnisse".— Seiedrichsseld«: Gunterstr. 44:„Die geauerilchen Iuaendorgavisationen".— Matzladoes: Melanchllwustr. 84: Teil I:„Die Bartei UN» ibre:Z!el«".-» Pankow III, R.!?.: Kiliinaeustr. 48;„Noic-Tallcn-Arbcit innerbalb drr SA?.". Wrrbedczirk Renk.lin: Die Sprechchorprvbe fällt beute aus. Nächste Vrab« Dannersiaa. 9. April.__, „Zwischen Amozoniis und Ca pfalaflrom", Qnei: durch gübameiira, Ickiitcl bni Zssenia des Dorlragej. den Harr Dr. Rudolf Roch unler Z?or- iübrung eine« AilmS am Mittwoch, 8. Slpril. abends 8 Ubr. im Verein vmr Freunden der T r e b t o w- S 1 c r u w a r t c halt. Gäste haben gegen Lösung eiuer Karte Zutritt. »»»aMW»»>>a»WW��W»MM»M»aWMWa»aa»a»aW»a»�»»»>M»»W»»W»»>»>»>»»«»»» Unserer brutigen Nummer liegt eine Etypsebluna der Preussisch-Süddeut- scheu Staatslotteric bei. Da die Ziebuna der. ersten Klasse bereit» am 2». und 21. April stattfindet, ist sofortige Bastevung ratsam. Die Lose find erbältlich bc! ollen Staatlichen Lotterie. Eiunebmern und be! der Prnissisch-Tüddeutschen Lotteriebank in Berlin W. 8. lsriedrichsir. 183. «AZGKV HlarkS ««tt I8SS UÜtS mem iierr! Zu haben in allen lex stungsgfähigen Hut« �pezlal Geschäften Brunnonschritten durch da» Fachinger Zcntrolburo, Bariin 87 Wt, WIUMlnutr. iö. Crhiltlich ja rtlnaralwasicrhandlungen, Apotheken. Drogerien usw. sow. b d- Venandatalle dar Staataauellen Pmehmgan und Niederselters, Berlin SW 11, Sehflneberger Str.l6a. Tel.(B2) Lützow 8260, 51. Llnfinnige Branntweinwirtschast. Neue Beweise im Geschästsbericht der Monopolverwaltung. Für die absolut falsche 5ic>nstrullwn der deutschen Brannt- wcinwirtschaft. durch die der Staat jährlich KD bis 80 Millionen Einnahmen verliert und deren Reform die Sozial- demokratie schon seit Jahren fordert, gibt es keinen besseren Beweis als der kürzlich veröffentlichte Geschäftsbericht der Reichsmonopolverwoltung für das am Z0. September beendete letzte Wirtschaftsjahr. Noch dem letzten Bericht des Branntweinmonopols ist der Oesämtabsatz an Branntwein gegenüber dem Vorjahr von 2,6 auf Z Millionen Hektoliter gesunken. Dieser Rückgang ist vor allem auf die Verminderung des Verkaufs von Trinkbrannt- wein zurückzufiihren. Gegen 661 782 Hektoliter im Jahre 1928/29 wurden von der Monopolvcrwaltung im Berichtsjahr nur noch 388 367 Hektoliter zur Herstellung von Spirituosen verkauft. Der im Interesse der Volksgesundhcit nicht unerwünschte und im ver- gangencn kritischen Wirtschaftsjahr auch erfolgte Rückgang des Schnopsverbrouchs ist ober nicht die olleinige Ursache für den Rückgang der Zlbsahziffern. Der enorme Absatzrückgang von über 41 Proz. muß vielmehr in «rster Linie dadurch erklärt werden, daß infolge der Erhöhung der Aranntweinst/uer(Hcktolitereinnahme) am 1. Juli 1929 auf 409 Mark die verarbeitende Spirituoscnindustrie große V o r e t n- deckungen vorgenommen hat. Der Absatz an Trtnkbranntwcin im Jahre 1928/29 in Höhe von 662 090 Hektoliter entsprach damals nicht dem tatsächlichen Konsum. Die Behauptung des Geschäfts- berichts, daß der Trinkbranntweiv durch die billigen„a u s g e- f p r i t e t e n" Südweine verdrängt sei, ist irresührend: denn die Einfuhr von Südweincn ist im letzten Jahre gesunken. 1930 wurden aus Frankreich, Italien. Spanien, Portugal und Griechenland nur noch S26 000 Doppelzentner gegen 775 000 Doppelzentner in« Jahre 1929 importiert. Nicht nur der Absatz an Trinkbranntwein ist aber gesunken, sondern auch der Absatz an technischem und Brenn- spiritus sowie an Motortreib st off ist viel geringer ge- worden. Der im Sommer vorigen Jahres eingeführte Bei- Mischungszwang zu Benzin hatte sich bis Ende September noch nicht ausgewirkt, weil die Zeit vor Inkrafttreten der Ver- ordnung zu starker Vorversorgung ausgenutzt worden ist. Im allgemeinen dürfte der Rückgang des Absatzes von technischem Spiritus auf die allgemeine WirtschaftsentwicklunK zurückzuführen sein. verdoppelte Lagerbeslände. Die Folge dieser Verringerung des Absatzes war die Erhöhung der Lagerbcstände auf 1,58 Millionen Hektoliter gegen nur 887 990 Hektoliter am 30. September des Vorjahrs. Schon Ende Dezember 1930 waren die Bestände auf 1,8 Millionen Hektoliter, also mehr als drei Viertel der gesamten, in einem Jahre absetzbaren Spiritusmenge angewachsen! Selbstverständlich ist infolgedessen auch der Gewinn der Monopolverwaltung außerordentlich gesunken. Das vor- letzte Wirtschaftsjahr konnte noch mit einem Ueberschuß von 328 Mil- lionen Mark abschließen, im vergangenen betrug der Ueberschuß nur noch 213 Millionen. Es muh also ein Minderertrag von 113 Millionen Mark für dieses Jahr verzeichnet werden. Aehlerhafler Zirkel— der Staat kann blechen. Der Bericht schließt mit den Worten:„Für das Geschäftsjahr 1930/31 ist mit einer Besserung der Ergebnisse nicht zu rechnen. da der starke Rückgang des Absatzes von Trinkbranniwein an- halten wird." Die notwendige Schlußfolgerung wäre nun oie An» posiung der Erzeugung von Trinkbranntwein an die Nachfrag«. Da aber 2000 o st e l bl s che Großagrarier ihre Kortoffelnd auf dem Wege über die Brennerei besser verwerten können als durch die Bersütt«rung, hat man für dieses Jahr das Brennrscht völlig ungenügend nur auf 79 Proz. ermäßigt und damit die Voraussetzung für ein weiteres Steigen der nicht abgesetzten B o r r ä t e geschaffen. Aber nicht geinig damit: obwohl sich der Beirat der Monopolverwoltung gegen eine Erhöhung des Brenn- rechts ausgesprochen hat, vom Reichsrat das Brennrecht auf 89 Proz. erhöht worden, wodurch die Monopolverwoltung ge- zwangen ist, obwohl 246 990 Hektoliter Spiriws mehr abzunehmen. Natürlich wird von den Kartofselagrariern auch die Erhöhung der Beimischung von Spiritus zu Benzin lebhaft gefördert, obwohl für die Kroftoerkehrswirtjchoft der Brennstoff außerordentlich ver- teuert wird. Der letzte Bericht der Reichsmonopolverwoltung ist ein neues Warnungszeichen, endlich eilte grundlegende Reform der Branntweinwirtschaft vorzunehmen. Rund 50 Proz. des landwirt- schaftlichen Brennrechts ruht auf Gütern, denen die Kartoffel- brennerei keine Lebensnotwendigkeit ist. Durch eine Neugestaltung der Branntweinwirtschaft müßte diesen Gütern das Brennrecht entzogen werden. Dann könnten die landwirtschaftlichen Betriebe mit geringwertigen Böden 199 Proz. ihres Brcnnrechts ausnutzen und infolge der besseren Ausnutzung der vorhandenen Anlagen auch den Spiritus billiger herstellen. Damit könnte auch der von der Monopolverwaltung den Landwirten gezahlte Uebernahmeprei- gesenkt und der gänzlich überflüssigen dauernden Schädigung der Reichseinnahmen aus der Monopolverwaltung endlich sin Riegel vorgeschoben werden. Hier wird mit Einnahmemöglichkeiten ge- wüstet, als ob das Reich in Gelbem schwimmen würde. Ausgerechnet in Vaduz... Sitz eines neuaeq'ündeten Weltunteruehmens. Das anglo-amerikanische und deutsche Chemie- und Oel- kapital hat jetzt gemeinsam eine neue Gesellschaft gegründet, die olle gemeinsamen Interessen auf dem Gebiet der Kohleoerslüsfigung und Kohlehydrierung zusammenfassen soll. Bisher arbeitete» auf dissem Gebiete die döe utfch e n I G-- F a r be n-I n d u str i e A.-G. und"die a m e r i k s n i s che S t a n d a r d- O i l von Nep> Jersey ans Grund ihrer vor zwei Jahren abgeschlossenen Verträge zusammen. Nunmehr such als weitere Interessenten an diesem Kohleverflüssigungsverfahren auch die mächtigsten Vertreter des britischen Oel- und Chemiekapitals der Imperial Chemical T r u st und die bekannte Che l,l- Gruppe hinzugekommen. Der Zusammenschluß dieser vier Riesenkonzerne bedeutet eine Zusammenarbeit aus dem Gebiete der Kohleverflüssigu>g, die die ganze Welt umspannt. Die neue Gesellschaft wird den Namen International Hydrogenation Patent Comp. fuhren und chren Sitz in Vaduz hoben. Diese winzige Hauptstadt des Zwergfürstentums Liechtenstein war in den letzten Jahren die beliebteste Zufluchtsstätte für geflüchtetes Kapital. Sollte die Wahl dieses kleinen Städtchens als Sitz eines weltumspannenden Unter- nehmen» ihre bestimmten Gründe haben? Kräftiger Aufschwung im Kaliabsah. Der März hat eine kräftige Erhöhung des in den ersten beiden Monate» dieses Jahres stark zurückgegangenen Kaliabsatzes gebracht. Nach den Ntitteilungen des Deutschen Kalisyndikates stieg der Absatz im Berichtsmonat auf 1,79 Mill. Doppelzen- »er gegenüber 1,54 bzw. 1,16 Mill. Doppclzentner in den beiden vorhergehenden Monaten. . Wenn auch der für die diesjährige Frühjahrsbestellung in» Jn- und Auslanh vorhandene Kalibcdarf hinter den vorhergehenden Jahren erheblich zurückblieb, so zeigt sich doch in oer Be- lebung des Kaliabsatzes im März, daß der Absatzrückgang in dem befürchteten Umsang nicht eingetreten ist. Es ist jedenfalls bemerkenswert, daß, von dem Katostrophenwinter 1928/29 abge- sehen, in allen anderen vorhergehenden Jahren die Hauptein- deckungen bereits im Februar erfolgt waren und im März bereits eiu�ückgang einigt. !'''..r• V«—...-•_ �.. Oes Grafen Volpi Elettrokonzern. Wachsend« internationale Bedeutung. Die Cocieta Adriaiica di Clettriciiä sAdriatische Elektrizitäts- Gesellschaft), die jetzt mit einem Aktienkapital von 499 Millionen Lire arbeitet, war auch im Jahre 1939 trotz der Weltkrise imstande, ihren Reingewinn van 51 auf fast 79 Millionen Lire zu st e i g e r n. obwohl der Stromabsatz von 892 auf 765 Millionen Kilowattstunden zurückgegangen ist. Die Gesellschaft kontrolliert die Elektrizitätsversorgung in fünfzehn oberitalienischen Provinzen und ist auch an Wasserleitungs-, Dampffchiffahrts- und Hotclgefell- schaften beteiligt. Von wachsender Bedeutung ist ihr ausländischer Macht- b e r e l ch. Sie kontrolliert die Compagnie Italo-Belgo(eine mit italienischem, schweizerischem und belgischem Kapital arbeitende große international« Dachgesellschaft für elektrische Untevnehmun- gen), serner die ebenfalls von Brüssel aus geleitete E u r o p e l und die European Electric Corporation, die ihren Sitz in Montreal(Kanada) hat. Wettere Elektrizitätsinteressen hat der Zldriatica-Konzern in Spanien, Griechenland und auch in Großbritannien. In Rumänien und Ungarn will der Konzern gleichfalls Interessen erwerben, und zu diesem Zweck ist auch vorgesehen, daß das Aktienkapital demnächst erhöht werden soll. Die Führung des Konzerns und ebenso der erwähnten inter- nationalen Dachgesellschaften liegt bei dem Grafen Volpi, durch dessen Aktivität diese Konzerngryppe in de» letzten Jahren zu elaem Schrittmacher des faschistischen Imperialismss ge- worden ist_ Vorzugszölle für Oonauländer. Ergebnis der Weligeireidekonferenz in?tom.- Nene Konferenz in London. Di« Weltgetreidckonferenz in Rom Hot noch vor Ostern ihNe Arbeiten beenden können. Aus den komplizierten Vcrhandlungpn ist der Beschluß herausgekommen, eine neue Konferenz ein- zuberufen. Die Konferenz in Rom fiel mit einer Verschärfung der Loge an den Getreidemärkten zusammen. Sie ging von der An kündigung des nordamerikanischen Bundesfannamtes in», die Stützungsaufkäufe mit dem Ablauf des allen Erntejahres cinzu- stellen. Dazu trug bei, daß die Getreideüberschußgebiete vuf der nördlichen Halbkugel eine gute Wetterlage hoben und der Saaten- stand im allgemeinen günstig und sogar gut beurteilt wird. Außerdem sind die Vorräte fast überall weiter gewachsen. So bleibt dqn Exportüberschüssen in Uebersee. also in der Hauptsache in Nord- amerika und Kanada, der Aussuhrkanal nach Europa verjwpst- Das hat bei der internationalen Getreidekonferenz in Rom den Gegen» I a tz zwischen den überseeischen Ueberschußgebieten und den«uro- päischen Zuschußgebieten verschärst. Dieser Gegensatz sivnd aber in den Hauptsache auf der Tagesordnung. Hinsichtlich der mehr europäischen Probleme kam man zu materiellen Ergebnissen. So nahm die Schllißversamnüung zwar Anregungen, die sich aus Vorzugszölle für die Donau- getreideländcr beziehen, an. Damit ist aber der Widerstand der überseeischen Länder gegen die europäischen Vorzugszölle noch nicht gebrochen: es zeigte sich höchstens Entgegenkommen für Einzel- Verhandlungen von Fall zu Fall. Angenommen wurden auch die Anregungen, die auf eine Organisation der Getrcideerzeugung, des Weltgetreidchondels und auf die Bereitstellung kurzfristiger Land- wirtschastskredite hinzielen. Eine Beschränkung der Ge- treideanbaufläche wurde abgelehnt. Im übrigen bleibt es bei dem Beschluß, eine Sonderkonferenz für die über- seeischen Aussuhrstaaten und für die europäischen Zuschußländer einzuberufen. Sie soll im Mai in London stattfinden und zu einer endgültigen Verständigung führen. Eine besondere Rolle hat die Sowjetdelegation ans der internationalen Getreidekonferenz in Rom gespielt. Anfangs er- klärte sie, daß sie sich als durchaus souverän betrachte und sich keinem Beschluß fügen werde, der nicht ihre Zustimmung erhall«. Es blieb bei den Worten. Die Sowjetdelegation hat hier und da wohl Ein- Wendungen gemacht, was den Verlaus der Konferenz nicht berührte. An der Konferenz in London werden die Russen teilnehmen. Wachsende Defizite in Staatshaushalten. Das italienische Defizit belief sich Ende Februar 1S31 auf 1150 Millionen Lire gegenüber 1931 Millionen Lire Ende Januar. In den Vereinigten Staaten wird für das Finanzjahr 1939/31, dos am 39. Juni enden wird, ein Defizit von nicht wenig.-r als 700 Millionen Dollar oder fast 3 Milliarden Mark«rwartet. Wichtigste Ursache des amerikanischen Defizits find der Rückgang der Einkommensteuerergebuisse, andererseits die erhöhten Aufgaben für öffentliche Arbeiten. Abovnenlenverficheruvg aufsichtspfNchtig. Die cm März in Kraft getretene Berficherirngsnovelle hat auch die Abonnenten- versiäicrung unter Aussicht gestellt. Das Reichsaufsichtsamt für' Privatversicherung hol an die betreffenden Z eit u ng s u n t e r.- nehmungen die Aufforderung gerichtet, die Gesckäft- plane über die Versicherungseinrichwngen innerhalb vier Woche» einzureichen. Muß der Papst eigenes Geld haben? Cr mntz? Der Gouverneur der Vatikanstadt hat dem Papst die erste Serie des neuen Vatikanaeldes überreicht. In einigen Tagen wird das neue Vatikan- aeld in Umlauf gesetzt. Es Handell sich zunächst um die Erinnerungs- serien mit dem Datum des Verföhnungsjohres 1929, das dem Vatikan die � staatliche Anerkennimg durch Mussolini brachte.— Hoffentlich hat der Papst keine anderen„Geld"sorgen. Verringerte Zementdividcnden. Die den Syndikaten angegli,:- derien Zemeittsabriken in Deutschland haben die ebenso schädliche wie rigorose Preispolitik der Z em e n t k a r tel l e in der Krist des letzten Jahres durch ein rapides Absinken der Umsätze zu spüren bekommen. Diese Entwicklung ist natürlich nicht ohne Einfluß auf die Dividenden geblieben. So hat sich die Port- land-Zementfabrik H e m m o r in Hannover von ihrem hohen Sitz einer lüprozentigen Dividende zu lOprozentigen Aktionär-gewinnen herabbegeben müssen wobei die Gewinne im wesentlichen aus Zinsen und nicht aus dem Betriebe stammten— und die Breiten- burger Portland- Zementfabrik in Hamburg hat ihre Dividende von 12 auf 6 Proz. herabsetzen müssen. Auslandsaufträge für die Eisenwerk-lveserhülie.A.�L. iu Oeyn. Hausen. Die E i sc n w c r k- W e s e rh ü t t e- A.- G.. Bad Oeynhausen, Hot'Auslandsaufträge in beträchtlichem Umfange erhalten. Es handelt sich um Bagger für Rußland, die der Gesell- schaft Arbeit für fast ein Jahr geben. ooWrtv»«0 1* v«at>«n hu*-adcn«n I fer 2.?? fürfeTaWe*" Schu\-Woscn «sf: fattew00* sä. 6 imprä&n3ton� aOf st. \UMh4 AI»«« irev lanteve- mPbI -vi. 50 KSS' AUwettei- m.Wre» TTet�l idicWerP�.-50 I ffoio 1�6 V tuft XI* TAVJt ÜBehstrasse Menöenaböabe: vorbetiauea- Nr. 1 62• 48. Jahrgang des Vorwärts Mittwoch. 8. April 4 934 Sgon&riedell: Qeheimnis der 9£absburger Dorauqeilend hat Rudolf von Habsburg den ganzen Matcriabs- mus der späteren siädtijchen Kultur in sich bereits erlebt und in- korniert in einer Zech die die Zusammenhänge� des Lebens noch norwiegend romantisch sah. Es ist weder einem kuriosen Zufall, noch einem schlauen Frontwechsel der kurfürstlichen Politik zu per- danken, daß nach den Hohenstaufen ein solcher Mann auf den Thron gelangte In diesem Geschlecht hatte die Kaiseridee ausgeblüht, das deutsche Königtum hatte von nun an nur noch zwei Möglichkeiten: entweder völlig abzudanken oder sich aus ein« völlig neue Basis zu stellen, sein Gesicht so vollständig zu verändern, daß eine Negation de» Bisherigen herauskommen mußte. Dies tot Rudolf von Habs- bürg: darum mar er der rechte Mann. Und es ist klar, daß auch nur ein Mensch nut solchen Clgenschosten im Deutschen Reich Ord- nung schaffen tonnte: ein völlig feuerloser, idcalloscr, nur auf das Handgreiflichste und Nächste gerichteter, dies aber fest und sicher erfassendes Geist. Rudolf von Habsburg ist der erste große Philister der neueren Geschichte, der erste bürgerlich orientierte Mensch un Königsmantel: in chm gelangte der Geschäftsmann, der Real- Politiker, der Hausmachtschieber, ans Staatsruder, der Mann ohne Borurteile, das heißt: ohne Gewisien und ohne Phantasie. Eine eigentümliche, fast unheimliche Glanzlpsigkeit liegt um seine Gestalt und seine Regierung. Wie sein Gewand, so war dieser ganz» Mensch: grau, farblos, abgetragen, unansehnlich, unrepräsen- totiv. Seine vielgerühmt«.Schlichtheit hat ihre Wurzel teils in schlauer Berechnung, einem Werben um Lesebuchsyinpathien, teils in Kleinlichkeit und Geiz, tells tn einem völligen Mangel an Tem- perament. Er war eine vollkommen amusische Natur: ohne Ler- sändnis oder auch nur Sympathie für die Künste, gegen die Dichter seines Hofes knauserig und sie nur so weit fördernd, als er in ihnen eine„gute Presse" witterte, wie er denn überhaupt olle Menschen unter dem Gesichtspunkt seines persönlichen Borteils ansah, den er ebenso vorsichtig zu erspähen wie energisch festzuhalten wußte: der Prototyp des biegsamen und zähen, fischblütigen und gewalttätigen, versierten und skrupellosen Selfmademan. Römisch war er aus reiner Politik, weder aus Frömmigkeit noch aus Ueberzeugung, auch nicht au« Bigotterie: den» in diesem engen Herzen hatte nicht ein- mal der Fanatismus Platz. Er war wie alle Geschäftsleute sehr peinlich um den äußerlich guten Ruf der Firma besorgt, was ihn natürlich nicht hinderte, wenn er sich vertuschen oder beschönigen ließ, zu den gröbsten Unredlichkeiten und Brutalitäten zu greifen und, wo es nur anging, zu schnorren und zu erpressen. Sehr treffend sagte Johannes Schere von ihm, daß er heutzutage wahrscheinlich an der Börse gespielt hätte wie Louis Philipp. Er er- innert auch darin an einen modernen Finanzmonn, daß er die lypisthc Börsoanerf exu aliiöt besaß, jene grobe Form d-r Geilheit und Potenz, die bei großen Geldmännern sehr häufig angetroffen wird. Schon die Zahl seiner legitimen Kinder war sehr groß, und er heiratete noch mit sechsundsechzig Jahren ein vierzehnjähriges Mädchen, aber auch das scheint ihm nicht genügt zu hal'en, denn er hielt sich„auf Anraten der Aerzte" dazu noch mehrere Mätressen. Der Instinkt der Geschichte hat aber trotz oder vielmehr wegen dieser dubiosen Eharaktereigenschaften durchaus das Richtig« ge- troffen, wenn er in ihm den Inaugurator einer neuen Zeit und >m besonderen den Begründer der österreichischen Grußmacht erblukt hat. Denn er mar es in der Tot, der den Kanevas geschaffen hat. nach dem Oesterreich groß geworden ist und ollein groß werden konnte: er ist der Urheber der Austria-Nube-Politik und Erfinder jener Taktik des..Temporifierens", Lavierens, Hinhaltens, halben Versprechens, die sich sechs Jahrhunderte lang für die Habsburger in erfolgreich erwiesen hat. und er hat schon damals mit klarem Bück die Traisen für das spätere osterrcichisch-ungarische Staatsgebilde abgesteckt: Bähmen, Ungar», Siidslawien, gruppiert um den festen Kern der deutschen Stammländer. Er war die siegreiche Berkörpe- rung eines Seelenzustandes, den die Welt erst viel später in semer Nützlichkeit und in seiner Nichtsnutzigkeit begriff und dem erst Kürn- berger einen Name» gegeben hat: der österreichischen Haus-, Hos- und Staat sp flicht: nicht zu sein« sondern zu scheinen." Den höchsten Gipfel seiner Macht hat das Haus Hoäsburg unter Karl V. erreicht, der sein ganzes Leben long von'unerhörtein Glück begleitet war: stegreich gegen innere und äußere Feinde, gegen auf- ständische Spanier und Niederländer, gegen Päpste und Ketzer. deutsche Fürsten und tunesische Seeräuber, Franzosen und Eng- länder, Indianer und Türken; und doch hoben olle diel« Siege im Grunde zu nichts geführt, was wert wäre, in der Geschichte der europäischen Kultur als bedeutsam oerzeichnet zu werden. Dies: das Leerlaufen oller seiner Erfolge lag in seinem Charakter und. im Eharakter der Habsburger überhaupt. Dieses Geschlecht, das ein halbes Jahrtausend laug die Geschicke Europas so wesentlich mitbestimmt hat, ist«in psychologisches Rätsel. Hevmann Bahr sagt in einer Monographie„Wien":„Ü:ster den hobsburgischen Fürsten sind genialische und simple, stürmische und stille leutselige und mürrische, siegend- und geschlagen«, gesellige und vereinsamte gewesen, Menschen jeder Art. aber allen ist gemein, daß ihnen der Smn für das Wirkliche fehlt." Und in semer Schrift „Da? Geschlecht Lzobsburg" bezeichnet Erich von Kahler als einen der entscheidendsten Grundzüge der Habsburger ihre Entrück, heit. „Wenn etwas die Habsburger unter den Sprosien anderer Go- schlechter besonders auszeichnet, so ist es dies, daß sie alle... stetig von Geheimnis umzogen sind. An jedem von ihnen und tn jeder von ihren Bewegungen, von der Staatsaktion bis zum unwilllür- Uchen Wenden d'es Körpers spürt man ein Ferngehaltcnsein." Die «in« Beobachtung ergänzt die andere. Sie hatten keinen Sinn fürs Wirkliche, weil sie selbst nicht wirklich waren. Der Bischof Liud- prand von Cremona, der um die Mitte des IE. Jahrhunderts Kon- stantinopel besuchte, berichtet über seine Audienz beim byzantinischen Kaiser:„Nachdem ich zum dritteiniml nach der Sitte m-ch vor den, Kaiser anbetend in den Staub geworfen Hatto, erhob ich mem Zsnllitz, und ihn. den ich eben noch in mäßiger Hohe über der Erde hatte thronen sehen, sah ich jetzt in ganz neuem Gewand fast die Decke der Hall« erreichend. Wie das kam, konnte ich nicht begreifen. «zenn er nicht vielleicht durch eine Maschine emporgehoben wurde." Euiok derartigen Maschinerie haben sich die Habsburger auf psycho- lggischem Gebiet hedient. Oder eigentlich gor nicht dedient: e» war ihronalüriiche Mg ist und ererbt- Fählgfest. in jedem Äutzondlick ..V ganz neuem Gemanh" hoch über der Erde schwohen zu können. Alle Habsburger kann man irgendwie auf dies« Generalnenner dringen. Sie sind da und nicht da. zugleich stärker al» da« Wirtlich« mch schwächer als das Virffiche. wie ein Alpdruck, et» böse? Trau«. Sic sind diaphan. zweidimensional, nicht zu sasien. Sie haben keine Brücken zu den Menschen und die Menschen keine zu. ihnen. Sie sind Inseln.„Die Wirklichkeit soll sich nach ihnen richten, nicht sie sich nach der Wirklichkeit": aber das wäre ja die Definition des Genies; denn was ist das Genie anders als ein höchst gespannter Wille, der die Welt, die Zeit gebieterisch nach seinem Ebenbild modelt> Aber sie waren leider keine Genies. Ohne diese Voraussetzung jedoch ist, wer eine solche Veranlagung besitzt, ein gefährlicher Phantast, ein Feind de- Menschengeschlechts. Sie haben aus einer selbstgeschafse- ncn Scheinwelt heraus, die sie nie verliehen, jahrhundertelang die wirkliche Welt beherrscht: ein sehr sonderbarer Vorgang. Nur die Kehrseite dieser seltsamen Vcrstiegcnheit ist die große Nüchternheit, der Mangel an Begeisterung, Schwung, Hingabe, wo- durch alle Habsburger charakterisiert sind. Und im Zusammenhang damit steht ihre vollständige Unbelehrbarkeit, der berühmte Habs- burgische Eigensinn, der es verschmäht, an Menschen, Dingen, Creig- nissen etwas zu lernen, am Leben zu wachsen und sich zu wandeln: sie haben alle keine Entwicklung. Ob sie papistische Fanatiker waren wie Ferdinand II. oder liberale Weltverbesserer wie Josef II., starre Legitimisten wie Franz I. oder halbe Anärchisten wie der Kronprinz Rudolf, immer nehmen sie die Materialien zu dem Weltbild, das sie der übrigen Menschheit aufzwingen wollen, ganz aus sich selbst, wie die Spinn« die Fäden zu ihrem Gewebe aus ihrem eigenen Leibe zieht. Für alle diese Eigenschaften kann Kaiser Franz Josef I. als klassisches Beispiel dienen: in einem fast neunzigjährigen Leben ist chm nie irgendein Mensch, irgendein Erlebnis nahe gekommen. in einer fast siebzigjährigen Regierung hat er nie einem Ratgeber oder dem Wandel der Zeiten Einfluß auf feine Entschließunzen ein- geräumt, nie ist ein farbiges oder auch nur ein warmes Wort, eine starke Geste, eine besonders hohe oder besonders niedrige Handlung, die chn als Bruder der übrigen Menschen enthüllt hätte, von ihm ausgegangen: es war, als ob die Geschichte alle Wesenszüge des Geschlechtes in dem letzten Habsburgischen Herrscher noch einmal vor- bildlich hätte zusammenfassen wollen. In dem letzten: denn— dies ist der tragisch-iranische Epilog dieses s echshundertjährigen Schicksals — die große Reihe endete mit einer Rull. Karl I. war nur«in Linienofsizisr. Die Zeit des Geschlechts Habsburg war erfüllt. Mit jenem anderen Karl dem Ersten aber, der als deutscher Kaiser der Fünfte hieß, beginnt die Reihe der echten Habsburger. Maximilian war noch ein normaler deutscher Fürst: helter, spart- jreudiz, redselig, von liebenswürdiger Sprunghostigkeit, für alles mögliche lebhaft, wenn auch etwas oberslächlich interessiert, ein Mensch unter Menschen. Um seinen Enkel liegt der Habsburgische Flor. Wer hat je in seiner Seele gelesen? War er ein Macht- besessener, ein unersättlicher Löndcrsresser, der alles Nahe und Ferne dem Riesenleib seines Weltreiches assimilieren wollte: afrikanische Küsten, amerikanische Märchenreiche, Italien, Deutschland. Ostfrank- reich? Aber von seinem Erbe verschenkte er schon beim Antritt seiner Regierung fast die Hälfte an seinen Bruder und aus der Hohe seines Lebens dankte er plötzlich ab, ging in ein Kloster, wurde Gärtner und Uhrmacher und ließ seine eigens Totenmesse lesen. War er ein treuer Sohn der römischen Papstkirche, der gewaltsam das Mittelalter ver- längern und die Kirchenspaltung um jeden Preis verhindern wollte? Aber er hat fein halbes Leben lang den Papst erbittert bekämpft und seine Landsknechte hoben das heilige Rom in der furchtbarsten Wesse geplündert und verwüstet. War er deutsch wie sein Vater, spanisch wie seine Mutter, niederländisch wie seine Heimat, französisch wie seine Muttersprache? Er war nichts von alledem: er war ein Habsburger. Tizian hat in seinen beiden Bildnissen mit fast unbegreiflicher Genialität dieses geheimnisvoll«, weltentrückte, außermenschlich« Wesen des Kaisers ersaßt. Im Morgengrauen läßt er ihn über das Schlachtfeld von Mühlberg reiten: als schwarzen, gepanzerten Ritter, mit eingelegter Lanze langsam daherkommend wie ein unwidersteh- liches Schicksal, ein Sieger, der ober seines eigenen Triumphes nicht froh werden kann: die Welt liegt ihm zu Füßen; aber was ist die Welt? Und auf dem Münchener Porträt läßt er chn einfach still dasitzen, in schlichtes Schwarz gekleidet, den Blick in unergründlich« Fernen gerichtet, als fei alles um ihn herum Luft oder Glas, durch dos er teilnahmslos hindurch sieht: ein tief einsames, gegen alles Leben völlig abgeriegeltes Geschöps; die ganze Tragik des Herrschers ist in diesen Gemälden aufgefangen und der ganze Fluch dieses Geschlechts, kein Herz besitzen zu dürfen. Johannes T.Jenfen: Qorra und der Sklave Gorra, der Ackerbauer, hatte sich einiges Geld erspart und wanderte zur Stadt, um sich einen Sklaven zu kaufen. Der Händler zeigte ihm verschiedene, aber keiner war gesund und kräftig genug.„Du willst wohl um deine armseligen Silber- linge einen Riesen kaufen, der mit einer Hand eine Eiche entwurzeln kann?" höhnte der Händler., „Gewiß, wenn ich einen Riesen bekommen könnte.. sagte Gorra ernschafl. „Sieh dir einmal diesen an. Hast du schon solch mochtigen Brustlasten gesehen? Beachte die kräftigen Muskeln, Sehnen und Gelenke! Und die Zähne sind wie die eines Eisbären. Den Sklaven kannst du haben." Gorra bedachte sich eine Weile, denn der Sklaoenkauf ist keine kleine Sache, befühlte gründlich Arm- und Beinmuskulatur. Da entschloß er sich und zahlte mit saurer Miene. Der Sklave wurde losgekoppelt und Gorra zog mit ihm, seines Handels froh. nach Hause.,. Nach einigen Tagen wurde der Sklave müde und krank. Denn er fühlte sich nicht mehr Ware. die angstvolle Spannung, was wohl die Zukunft bringen würde, war vorüber; jetzt erwachte die Sehnsucht nach seinen heimatlichen Wäldern. Gorra verstand sich gut auf diese Krankheit, und er freute sich. denn Heimweh hatten nur die guten und treuen Sklaven. Er setzte sich an das Lager des Kranken, der regungslos dalag und sterben wollte, und sprach bedächtige Worte zu ihm: „Du host Sehnsucht nach deinen Bergen, Mann, ich weiß es. Und du sollst zu ihnen zurückkehren. Ich verspreche es dir, und du kannst dich auf mein Wort verlassen.— Du bist noch so jung... wenn du meinen Acker rechtschaffen und fleißig fünf Jahre fleißig bearbeiten willst... ich hob« ja viel Geld fiir dich zahlen müssen. aber ich will nicht daran denken... dann sollst du deine Freiheit zurückerhalten. Fünf Jahre, fünf kurze Jahre!" Der Sklave sprang auf, bekam helle Augen und arbeitet« mit »oller Kraft. Wie«in Hungernder auf die Mahlzeit stürzte er sich tagtäglich aus die Arbeft. Es war eine Lust für Gorra, nJenn er vor der Hauststre in der Abendsonne saß und seinem Sklaven zusah, wie die Muskeln sich unter der braunen Haut wölbten und die mächtigen Fäuste unermüdlich schafften. Fünf Jahre �ang. Fünf Jahre lang..— der Sklave rechnete so viele Sonnen- wenden, wie er Finger an der Hand hatte. Er sah die Sonne jeden Tag. mft Freude untergehen und machte sich Runen in die Rinde der 5>öfeiche, setzte sich Zeichen an den Rand des Feldes, um den Fortschrftt zu verfolgen. Als zum erstenmal wieder die Ernte kam,— nach der Weinlese war er gekauft worden—, rechnete er nicht mehr den Daumen mit. Räch der zweiten Sonnen- wende— es dauert« allerdings bitterlich lange— war auch der Zeigefinger frei. Er liebte diese Finger mehr als die anderen, die noch lange, lange Zeit vor sich hatten. Diese beiden Finger waren frei, waren sein einziger Besitz, alles andere gehörte noch feinem Herrn Und so rechnete er, und auch diese Rechnung wurde sein heimlichstes Eigentum. Niemand wußte davon und niemandem teilte er etwas mit. Die Iahreszeften zogen vorbei wie große, grenzenlose Ewig- leiten, die nicht zu fassen waren, aber sie wurden durchschnftten und geteilt durch das täglich sich erneuernde Sterben der Sonne. Der Tag war Arbeit und. Gedankenlosigkeit, aber jeden Abend starrt« der Sklave voll Sehnsucht in den blutigroten Sonnenunter- gong. Fünf Jahre lang... Fünf lange Jahre. Als sie ober endlich um waren,— es sagt sich so leicht—, kam der Sklave zu Gorra und bat um seine Freiheit. Cr wollte heim. „Du hast mein Land gut bearbettet. Mann", sagte Gorra, sage mir nun. wo liegt deine Heimat? Ich sah dich oft gegen Westen hinstarren." Und d«r Sklave dachte diron, daß sein Heimweh alltäglich mis der Swine gegen Westen gezogen war und glaubte, wo die. Sehnsucht«ar. war auch die Hewiat.„Gegen Sonnenuntergang liegen mein- Wälder. Herr." „Sonnenuntergang ist ein ferne« Land, und der Weg ist weit und schwierig. Und du hast gewiß kein Geld?!" Der Sklave hatte noch niemals Geld gehabt. Er schwieg de- stürzt, und ein großer Wolkenberg legte sich vor die Sonne. „Mann, wenn du noch drei kurze Jahr« für mich schassen willst, dann will ich dir Gold, blankes Gold geben, damit du in deine Heimat reisen kannst." Der Sklave neigte sein Haupt und arbeitet« weiter. Wer er rechnete nicht mehr so genau und so freudig wie früher. Keine Runen zeigten mehr den Gang der-Tage, und die Sehnsucht wanderte nicht mehr mit der Sonne. Doch seine Träume waren voll von Wäldern und Bergen, wildem Getier und großen, starten Menschen, und Gorra hörte ihn oft aus dem Schlaf« in fremden, tierähnlichen Worten rufen. Und dann kam die Zeit, wo«r nicht mehr wußte, ob die drei Jahre schon vergangen waren oder ob sie ewig dauerten, da legte er sich stumm auf sein Lager und wurde krank. Gorra neigte sich bestürzt zu ihm und sprach lange auf ihn«in. Seine Worte klangen ehrwürdig und erfahren wie die Rede eines Priesters: „Ich bin ein aller Mann und du bist jung. Auch meine Sehn- sucht wanderte früher zu den fernen westlichen Wäldern, aber die Arbeit, die Not und die Ketten meiner Familie waren stärker als meine Sehnsucht. Ich werde niemals gegen Westen ziehen können. denn meine Tage neige» zum Abend. Du aber, Mann, bist jung, und dein Leben steht nicht einmal auf Mittag, ich weiß, du wirst einmal nach Westen kommen, nach Westen, wohin ich mich ver- geblich gesehnt. Aber du mußt stark und gesund bleibenl" Ungern wurde der Sklave gesund. Er arbeitete schwerfällig und bekam einen Hang zum Faulenzen und zum Schlafen. Denn da waren süße Träume bei ihm pnd er sah sich als freien Mann in den Wäldern. Aber aus feinen Träumen riß ihn eines Tages unbarmherzig die Peitsche. Da duckte er sich, arbeitete wieder und weiifte oft in den Nächten... Wieder verging eine Zeit. Müde war der Sklave und zur schweren Apbeit schon untauglich,— da gab Gorra seinem Sklaven wirklich die Freiheit. Und er ging gegen Westen und suchte... Nach Iahren kam er zurück, tausendmal müder, als er ge- gangen. Er hatte Berge gesunden und Wälder, wilde Tiere null wilde Menschen, aber überoll war er fremd, und nirgends war seine Heimat. Gorra war all und blind und nicht mehr Herr auf dem Hofe. Aber sein Sohn herrschte und freute sich, einen Sklaven zu bekommen, der die Felder und Wiesen kannte und liebte. Gorros Aecker trugen gute Früchte. Waldungen wurden ge- kauft, ihres'Baumbestandes' beraubt, gerddet und gepflügt. Mft der Arbeit lebte der Sklave wieder auf, und Gorras Sohn kaufte eines Tages auf dem Markte eine Sklavin. Jahrs vergingen. Hcrrenföhne wuchsen Hera» und Sklavcnsähne. Und» die Herren wurden zarter und schwächer, und die Sklaven wuchsen hart und knorrig wie Eichen. . Manchmal knallte noch die Peitsche in ihre Sehnsuchtsträume. und manchmal zerrissen sie ihre Ketten und zogen gegen Westen. Aber immer wieder kehrten sie mutlos zurück und arbeiteten weiter als Sklaven. Bis einer von ihnen eines Tages die Axt nicht gegen die Bäume, sondern gegen den schwächlichen 5)errn hob. Da wurden sie mft einem Schlage frei und Herren ihrer Fäuste, ihrer Arbeit, — und hatten Heimat, Wälder, Berge. Doch ihre Sehnsucht blieb wach und wanderte tagtäglich gegen Westen.< Deutsch von£. Lödcrsen.l Langlebigkeit der Tarantel. Neue Beobachtungen der Leben»- weise der Taranteln haben ergeben, daß sich dieses Insekt einer ganz außergewöhnlichen Langlebigkeft erfreut. Das Weibchen einer Tarantelart. welche im amerikanischen Staate Zlrkansaz vorkommt. kann 20 Fahre und eventuell qnch noch älter werden. Auih d«s Männchen könnte dies Hster onrithen. wenn nicht die weibkichc Spinne i«? Mamftier ssfort nach der Paarung verspeisen würve. Ver van de» Luezkanal» dauerte vom t5. April 1R89 bis 19. November 1869. E» arbeiteten ständig gegen AI 000 Arbeiter daran. Sport. Rennen zu Strausberg am Dieustag. dem 7. Zlpnl. 1. R e n n e n. 1. Pcllegrino0. April. 18.15 Uhr, im Krematorium Geilchtstrahe, llene Kalle /Cv/Cv/Cv�vf Theater, Lichtspiele usw. Mittwocn, 8 4. staats-Oper Unter d. Linden 219 A� V 20 Uhr Cavallerto nutecana Balazxi finde n. 22WU. Staals-Qper >e kiel! der llerelrlst. V.-B 19'e Uhr .. Die fiifflflite Mteall. Ktnegnrteel fand« rult'ii» Uhr \A/«n<-«v' Mitwoch, 8. 4 Stadt, opar ßismareksir Turnus 1 W'd Uhr Keeiumiereti] PtoersB« knieuilämst: fosephsiegende ende n. 22 unt Staatl. Scbaisph. •am Gndarmtnmariu lSZ A�V. 20 üb» Derblaue BOli Endeg. 23l.e Uhr itaat.icHilist'Mt.Ms 20 Uhr Bürger Schippel finde gegen 2213 Uhr CASISID-THEATER Lothringer Strafte§7. •iiuiiuiMuiiuuHiiiiniiiiiuHiiwmiHiiiHnHaMaMiinHUitiMMmi = Der neue Schlaceris „Er traifmi uon Jlse" Dazu doa neu« r« s t- Prooramm Gvteebcla 1-4 Perion em Fauteuil 1,25 M» Sessel 1,75 M Sonstige Pr.: Parkett 75 PI. Rang 60 Pi CJ)te C�a�he, ehe ttßt jReU fiettni Amerikaxüschc Komödie eon Edwin Burk* Di« Anfseheo erregende Novität | des Rose- Theater« 1 mvrmi I Sonnabend Von Hanta« di» Freitag Abendpreise ▼. 0.50-3 M Grc.Bc Frasfcfuitee StraSe 13» U-Bahn Sttouaberger Platz Stiglger Vorrarbeuf ÜtgUad von n—»t Uhr und 4—» Uhr Tel. Beetel'e.: Ale*. Mz* u.»z-zz ROSE THE ATE« Relchshailen-Theater »bmdi Ui dl-l-t-,»adm-sTTf DU vundenoke Oster»Progr der Stettlner SHnger 4 Dönhoff-Bretth VarleW— Konkert— Im«! Nachm. ermistigt« Preise! TeL Merkur 1247 M«« (rgnugun� Restaurant Berlins Die letzte Gelegenheit Clrcus Carl Hagenfeecii ror seiner jroHen Auslandsreise«u besuchen Heute Mittwoch 8. Aorll V/. Leleie Familien- Vorstclluag Htztz Grade Abadiicds-Varatellaiig 1 Kinder», Erwach«, nachm. halbe Fraise Tlerccnau»an U Ms Ii Übt. Erw. I, | Ow Oral llul»Mit m I-Eif. lo»is»i»rh. Til.< Noroiscne Oper 8», Uhr Letzte Vorstellung! Peppina loijn gedikma! 10 April 8 Uhr Neueinstudierung Alt-Heldeiberg. tsliuiMtllgT Nur eross-MrttQ AlAxandarplatc GROSSES SCHAUäPIELHAUv Täglich 8 Uhr; Ist) RClSItn RDSSI. Stg. nachm 3 Uhr Orlginalbesttzung billige Preise Reg e: Erik Cbarctl Neoes Theater am ZOO mmmm SiBüallali.Zad. Styl 655< Täglich 8V. Uhr Ueber 125 Mal: MMMW von Max Alsberg u Ot<0 Emst Mette Philharmonie 8 Uhr BeEtbofii-Zyklos d.Phiiharmon.Otcli. vir. Prof. J. Prower 7. Abend: Sollst: Georg Bertram Uniir-Kniirt Es-to, LSilnit Kleines Theat. Täglich S'i», Uhr Erika Glllßner in: Der stille Kompagnon lustspisl tod Uo Um. n- Ellle-Sänger m Koitbusser Str. o Tägl SV.Uhr • Sonnlag Ml Uhr I FRITZI Dui CutipW Lotte Man« li. bnpm. legwar« Ehrlich »«dui. gnitilgt» Fidi»! TDeoter Im Admlralsoaiul "Täglich»>/. Uh. Der lustige Krieg Öhmann. Ablers, Trautenhayn a O. d a m Ziehwegsbeglnn*0. 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Im Vertag, lindenstr 3, odsraveh in slmllichm Vorw&rteFilialon und.Ausgabestellen abgegeben sein | tferKame| *«•»'41 Sasfl tel d Vor Uriaiifiuruog Alles Schwindel von Schiffer Musikv Spollansky sssjt«: Dnui örädmi Lusispiainaus Täglich su, Uht Oer Lügner o. dt« Nonne von Karl Götz l kei»»«, »,rlln. seit 43 Sah. »en nur vranirn» strofi« 158. Kad. lungsrrlelchirruna »hne Aufschloa, Lp». zlalkalaloa ireL koste». ekserne. Gas. Kohle ledee Art. Badr- rluzichtuno. Teil, zahluna. Wasch« kess-I. Orirn alle: Art. Die oltr Sve. zialsadzrk Srmmlte u. Blrudrrg A.-S.. Drrsbenerstr. 38/100 Tinkplane«. Mlrtpiono» lldrr- au» vrelsivrrL Bianosadrik Link, Brunneustrsh» 85' Bandonlonlager, noakksrdeon«, j un'BrncM| kS&SSSST'Ü. Uule-pn- "'" der. P*1 tofjToetfaüf, rlcht. Ackerstrass« Radle Am Bahnhol Er- lunhhznuarn. Kau'- männtsch« Pr.vat- .."«-Zeb. Uiurz. Derlin R. 30. Bah. -— strafie 87. ssrra- jkorecher: Sum;a:b' 223 April 6ej;n- nrn 8». 4» 3- und lz.Mai>m»l-hr. gänae in lämlliche» Donhel-fstchrrn. 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