Morgenausgabe Nr. 164 A 63 ■ 4S.Zahrgang Wöchentlich SS Pf, monaMch 2,60 M. irn voraus zahlbor. Postbezug 4L2M. einschließlich 60 Pf. Poftzeitungs- und 72 Pf.Postbestellgebührin. Ausland». abönnement 6.— M. oro Monat; füi Länder mit ermäßigtem Drucksache» vorlo b.— M. * Ter„Soraärts* crfchetn! wochentäg- lich zweimal. Sonntags und Mi/lUag» einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem TSel„Der Abend" Illustrierte Beilage.Volk und Zeit" Ferner„Frauenstimme*. �Technik*, Blick in die Bücherwelt*. .Iugend-Dorwärts*».»Stadtöeilage� P> WeMnse Volksblatt Donnerstag 9. April 1931 Groß-Äerlin 10 pf. Auswärts tZ Z)f. Die einspelt. Nonparewueile 80 Pf. Retlamezeile ü,-. RM.„meine An» zeigen" das fettgedruckte Won 25 Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Wone). ,edes weitere Wort 12 Pf Rabatt lt. Tarif. Stellengesuche dos erste Wort 1ö Vi, jede» weitere Won Ist Vi Wone über 15 Buchstaben zählen fih zwei Warle. Lrbeitsmartt Zeile 60 Pf yämilien« anzeigen Zeile 40 Pf Anzeigenannahme im Hauptgeschäft ßinbe nitre h 1 3. wochen» täglich von$*/■> bis 17 Uhr. D« Verlag behält sich das Recht der Abtehaung nicht genehmer Anzeigen vor! Jetttralorga« des Gozialdemokratifchen Oavtei Neutschlimds Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindcnstr. 3 tfcrnlpredjct: Sönboft 292—297 Telexiramm.Adr; So�ialdemckra« Berlill. Vorwärts-Verlaa G. m. b. H. Vostschccklvnio: D-rlin375LS— Vanklonio: VankderArbeiler.riNßcsleLicnunb veamsen, Liudeuslr.S.Dl.B.u DiKc-.Ges.,2cposit«nk.,LerusaIemer Str. 65-96. Sie wollen wiederkehren... Beruht und Gtöhr versprechen asles, wenn der Reichstag einberufen würde. Der Versuch der ausgerückten Rechtsparteien— Deuischnati» nalen und chakenkreuzler—, den von ihnen sonst geschwänzten und deschimpsten Reichstag gerade während seiner eben eingetretenen Vertagung wieder einberufen zu lassen, ist, wie wir schon kurz berichteten, gescheitert, da im Aeltestenrat nur die Vertreter von 228 Abgeordneten von insgesamt 577 Abgeordneten sich für die L tnberufung aussprachen. Dieses Ergebnis stellt keine Uebcrraschung dar. Immerhin ist es politisch bemerkenswert. Es bedeutet für die Deutsch- iiatwnalcn und die Nationalsozialisten eine neue Enttäuschung. Sie hatten gehofft, für chren Lorstoß Unterstützung bei denjenigen Parteien zu finden, mit denen sie zur Zeit gemeinsam das Volks- begehren zur Auflösung des Preußischen Landtags betreibe:?. Sie ließen es deshalb in der Sitzung des Aeltestenrats nicht an Hin- weisen fehlen, daß die gemeinsame Front in Preußen die Pflicht in sich schließe, alle Bestrebungen zu unterstützen, jene Notverordnung zu beseitigen, durch die das Volksbegehren beeinträchtigt werden solle. Aber alle Anbiederungsversuche blieben erfolglos. An der Ein- berufung des Reichstags lag der Rcchtsopposition um so mehr, als sie seit Wochen dringend nach einer Gelegenheit sucht, baldmöglichst den. mit dein Auszug aus dem Reichstag begangenen Fehler wieder gutzumachen. Die Vertreter der Deutsch- nationalen und der Nationalsozialisten erklärten daher ausdrücklich. sie hätten in, Falle der Einberufung des Reichstags die feste Absicht, in den Reichstag zurückzukehren! Die antragstellenden Parteien wußten,, daß eine..Wehrhejt. für die sofortige Einberufung des Reichstags� schwerlich zu erreichen stln werde Sie stellten sich deshalb«w'�Cen Standpunkt, daß der Teil des Artikels 24 der Reichsvers>'1.»g in Anwendung gebracht werden müsse, m dem vorgesehen�(et. daß der Reichstag früher einberufen werden müsse, wenn mindestens ein Drittel der Reichstagsmitglieder es verlange. Dem wurde entgegengehalten, daß eine solche Auslegung des Artikels 24 nicht nur mit seinem Wortlaut in Widerspruch stehe, sondern auch zu den unmöglichsten Konsequenzen führen müsse. Aon allen Staatsrechtslehrcrn, früher aber auch schon vom Reichstag selbst, ist in ähnlichen Fällen das Recht einer Minderheit auf Herbeiführung der Einberufung des Reichstags nicht anerkannt worden, weil es nur für eine vorher erfolgte Schließung des Tagungsabschnittes gilt. Da der Reichstag zur Zeit seine Tagung nicht geschlossen, sondern seine Beratungen nur unierbrochen hat und der Termin des neuen Zu- sammenlrists auf den 13. Oktober festgesetzt ist, billigte die Mehr- liest die Au'fasiung des Reichstagspräsidenten, daß nur eine Mehrheit die frühere Einberufung des Reichstags verlangen könne. Die Sozialdemokratie hat den sofortigen Zusammen- trist des Reichstags nicht nur aus formellen, sondern auch aus sachlichen Gründen abgelehnt. Das lst in keiner Weise eine Billigung aller Bestimmungen der letzten Notverordnung des Reichspräsidenten. Die Sozialdemokratie verkennt durchaus nicht, daß die weitgehende Einschränkung der versammknugs-, Presse- und Demonstrations- freihast bedenklich ist. Sie ist jedoch nach wie vor der Anschauung, daß die unerträg» ftche Mordhetze, die seit Monaten Leben und Gesundhest der Bevölkerung bedroht und schließlich zu einem permanenten Bürger- krieg führen kann, nicht länger geduldet werden darf. Die Sozial- dcmokratie hat deshalb nach den politischen Attentaten in Hamburg gesetzgeberische Maßnahmen gegen die Mordhetze verlangt. Es mag zweifelhaft fein, ob die neue Notverordnung in ollen Teilen nur der Bekämpfung der Mordhetze dient, oder ob nicht auch andere Bestrebungen, die mit Mordhetz« oder Verrohung des poli- tischen Kampfes nichts zu tun haben, damit getroffen werdeil. Wir verlangen, daß solche Absichten unterbunden werden. Entscheidend wird daher für die endgültig« Haltung der Sozial- demokratie die praktische Anwendnng der Not« vcrprdnung sein. Die politische Freiheit der Staatsbürger, die sich in erlaubten Formen oetotigt, darf izichf gehftldprt werden. Angesichts der Forldauer der Älordhetze und der von den extreme» Parteien iminer noch gesteigerten Verrohung des politischen Kampfes aber ist eine Gegenwehr der demokratischen Republik un- erläßlich. Mißbräuche in der Anwendung der Verordnung wird die Sozialdemokratie durch direkte Becinflusiung der zuständigen Staatsorgane zu beseitigen suchen. * In der Mittwochsitzung des Aeltestenrats wurde unter anderem noch festgestellt, daß die Ausschüsse des Reichstags mit Genehmigung des Präsidenten zufainmentreten können. Der Untersuchungsausschuß für die Roggenstützung wird am 22. April zusammentreten. Der Ueberwachungsausschuß des Reichstags ist bei seinem etwaigen Zusammentritt nicht an die Zustimmung des Präsidenten gebunden. 200000 Arbeitslose weniger. Die erfte Zrühjahrsbesserung auf dem ArbeitSmarlt. Die Zahl der Arbeitsuchenden, die Mitte März noch auf ihrem kföchststand von 4 980 000 Personen verharrte, ist In der zweiten Rlörzhälsle um gut 200 000 zurückgegangen. Der Bericht der Reichsaniiait mit den Einzelheiten der Arbeilsmarklcnlivicklung liegt noch nicht vor. Der källerückschlag Ansang Mär, hat in diesem Jahr dt- saisonmäßige Entlastung des Arbcitsmarkke» um mehrere Wochen verzögerk. Die Entlastung im März vorigen Zahrez war daher infolge der günstigen Witterung mit einer wieder- elnstellung von rund 300 000 Erwerbslosen erheblich höher. Frick mit Rückversicherung. Pension in Thüringen, Ami in Nayern, Diäten vom Reich- München, 8. April.(Eigenbericht.) Frick stedellc sofort nach seinem Sturz in Thüringen nach München über. Im bayerischen Ännemninisterium sieht man nun seinen westeren Plänen»ist einiger Spannung entgegen. Als Frick anläßlich seiner Thüringer Sendung aus seine Stelle als bayerischer Oberamtmann verzichtete, wurde die Oeffentlichkeit offiziös davon unterrichtet, daß er endgültig aus dem bayerischen Staatsdienst ausgeschieden sei. Diese Mitteilung entsprach offenbar aber mehr dem Wunsche der Regierung als den wirklichen Tatsachen. Denn der „Bayerische Kurier' berichtet jetzt, daß. das an sich nicht»nerjreu- liche Ausscheiden Fricko aus dem bayerischen Staatsdienst seinerzeit zu folgenden inhaltreichen Vereinbarungen geführt hat: 1. Dr. Frick ließ sich das Recht zum Rücktritt ,n den bayerischen Staatsdienst vorbehalten. 2. Es wurde Dr. Frick die Zusicherung gemacht, daß ihm die in, thüringischen Staatsdienst zugebrachte D i e n st- zeit in Bayern angerechnet wird 3. E» wurde ihm in Aussicht gestellt, daß fein Dienswcrhällnis dn Fall» der Wiedereiustekluilg sofort un widerruf» ltch sei. 4. Herrn Dr. Frick wurde die bisherige Stell« für die Dauer des Reichstagsmandats offengelassen. Der Putschist des Jahres 1923 kann sich also wirklich nicht darüber beklagen, daß der von ihm verratene Staat ihn nicht mit der höchstmöglichen Zuvorkommenhest behandelt hat. Eine solch« Rückversicherung wird sonst im allgemeinen nur solchen aus dem Staatsdienst scheidenden Beamten gewährt, die sich während ihrer Amtszeit in vorbildlicher Weis« geführt haben. Das kann man von dem Pirmasenser Etappenhekd Frick nicht behaupten, denn seine Sonderleistungcn für den bayerischen Staat bestanden erwiesenermaßen nur darin, daß er unter dem Kommando Poehner m der Münchener Polizeidirektion den Nazi« in München und Bayern zielbewußt den Weg ebnet« und sich im November 1923 aktiv an dem Putsch Hitlers beteiligt«, der noch amtlicher Feststellung dem bayerischen Staat nahezu 160999 Goldmark nebst 4199 Goldmark dauernder Iahresrente kostete. Dazu kommt noch die nicht viel geringere Summ«, die dem Reich durch Derwendung der Reichswehr als Auslagen, entstanden sind. Leipzig knappt bei den Armen. Weil der Reichstag sich vertagte. Leipzig. 8. April. Der Rat der Stadt Leipzig ha! mit Wirkung vom 8. April ab die Unter st ützungssätze in der Wohlsahrts- und Krise ufürsorge um zehn Prozent gesenkt. Diese Maßnahme begründet der Rat in erster Lime mit der aus Poxa- groph 88 der sächsischen Gemeindeordnung ihm obliegenden Ber- pslichwno, das Gemeindevermögen sorgfältig zu verwalten. Für Leipzig ergibt sich aus der Durchführung dieser Maßnahme eind monatliche Ersparnis von 499 999 Mark. Leipzig ist die erste Großstadt im Reich, die— gestützt auf einen nach jeder Rich- tung gedrosselten Voranschlag— Abbaumoßnahmen dieser Art trifft. Nach Mitteilungen des neugewählten deutschnationalen Oberbürger- meisters Dr. Goerdelers ist für den Entschluß des Rates, der durch Stadtverordnetenbeschluß noch nicht bestätigt, durch Berfügung aber in Kraft ist, die Tatsache entscheidend gewesen, daß der Reichsteg sich vertagte, ohne über die Anträge des Deut- scheu Städteiages, die Gemeinden von de» Wohifahrtslasten zu de» freien. Beschluß zu fassen. Faschistische Hängejustiz. OaS neue Strafgesetzbuch LialienS. Alien„modernen" Diktatoren ist gemeinsam, daß sie bc» haupten, den Volkswillen zu verkörpern, was ober nichts daran ändert, daß sie keine Meinungsfreiheit gewähren und jede kritische Regung auf das schärfste verfolgen. Einen neuen Beweis dafür liefert Muffolinien. Mit dem I. Juli 1931 tritt in Italien ein Strafgesetzbuch in Kraft, das Sondergesetz vom 23. November 1926 einsetzend: dieses Gesetzgebungswerk der Faschisten stellt mehrfach einen Rückschritt dar. Das jetzt abzuschaffende Strafgesetz vom 39. Juni 1889 N. 6133 hat die Todesstrafe in Italien auf- gehoben: die höchste Strafe war lebenslängliches Zuchthaus. bei den schwersten Verbrechen durch sieben Fahre ununter- brochener Einzelhaft verschärft. Diese Verschärfung, Ucber- bleibsel der überlebten Theorie, die Verbrecher würden in der Einzelhaft Reue empfinden, wollten Gelehrte und Staats- männer in der vorfaschistischen Zeit abschaffen und durch Zwangsarbeft ersetzen. Das faschistische Sondergesetz vom 25. November 1926„zum Schutze des Staates'" führte jedoch die Todesstrafe für einzelne politische Delikte wieder ein und setzte zu diesxm Zweck ein Parteigericht aus Offizieren der Faschistenmiliz ein, von denen man seine juridischen Kennt- nisse verlangt. Der große Rat der Faschistenpartei Hai gerade in diesen Tagen auf Alftrag des Vorsitzenden des Sonder- gerichtes und mit Zusage Mussolinis beschlossen, daß das Parteigericht das Ausnahmegesetz überlebe und stand ig werde! Das neue Gesetzbuch übernimmt vom Ausnahmerecht die Todesstrafe für schwere politische Verbrechen, deren Zahl auf achtundzwanzia gebracht wird. Attentate auf den König und die Königin, den Kronprinzen oder den Regie- r u n a s ch e f unterliegen der Todesstrafe. Als todcswürdigen Anschlag bezeichnet das neue Gesetz jede Tat, die auch nur entfernt sich mit einer todbringenden Absicht verknüpft. auch wenn kein Anfang der Bollziehung dieser Absicht gemacht wurde und selbst wenn die Mittel, die zur Anwendung be- stimmt wurden, nicht geeignet sind, den beabsichtigten Tod herbeizuführen, wird es wie ein vollzogener Anschlag angesehen und als solcher bestraft! Das neue Gesetz unterscheidet sonderbarerweise zwischen dem Versuch, einen Bürgerkrieg anzustiften(ij 285) und dem Versuch eines Bürgerkrieges mit Plünderung lind Blutver- gießen(§ 286). Der erste wird mit dreißig Fahren Zuchthaus. der zweite mit dem Tode geahndet! Wenn man die Art be- denkt, wie der Faschismus in Italien ans Ruder gelangt ist und sich jeder gesetzmäßigen Opposition entledigt hat, wenn man nämlich des„Marsches auf Rom" vom Oktober 1922 und der gewaltsamen Besetzung des Parlaments im Jahre 1923 gedenkt, die geschah, um das vom Faschismus gewünschte Wahlgesetz zu erzwingen, wirkt es scharf tontrastierend, mit welcher Strenge das neue Strafgesetz dieselben Handlungen bestraft, wenn andere Parteien sie begehen. Die widerrecht- liche Besitzergreifung der öffentlichen Macht wird mit Zucht- haus bis 15 Iahren bedroht(Z 287), die Anwerbung be- waffneter Scharen mit Zuchthaus bis 6 Iahren(§ 288), die Hemmung der verfassungsmäßigen Gewalt mit Zuchthaus bis 19 Iahren(§ 289). Der alte§ 139 verfolgte jede Handlung, die den Zweck hatte, der Ausübung der politischen Rechte der Bürger ein Hindernis in den Weg zu legen: dieser Schutz war unbegrenzt. Der neue 8 291 wiederholt diese Bestimmung und verschärst das Strafmaß, aber Iustizminister Rocco interpretiert In seinem Berichte, der den Willen des Gesetzgebers ausdrückt und der in der gerichtliche» Verfolgung eines Straffalles be- rücksichtigt werden muß, diese Bestimmung so:„Der ftrafrecht- liche Schutz der politischen Rechte des Bürgers ist noch anerkannt, aber nur in den Fällen und in den Grenzen, in welchen seine Mitwirkung den Interessen des Staates(lies: Fakchismus) nicht widerspricht. Das Gesetz, wie alle Gesetze im öffeniliclzen Recht, berücksichtigt die Interesse» des ein- zelnen Bürgers nur sofern sie als Mittel dienen können, um auf jedem Gebiete die absolute Bejahung und die vollständige Verwirklichung der Staatsinteressen zu erzielen."„Der Staat bin ich", sagt mit Ludwig XIV. auch der Faschismus. 8 256 führt ein Delikt ein, das bis heute im Strafrecht aller Länder vollständig unbekannt war und dem man schwer- lich einen Namen geben könnte. Ein jeder, der die Neu- gierde verspürt. Angelegenheiten zu erforschen, die„die Sicherheit des Staates" oder auch nur„das politisch» Interesse des Staates" betreffen, auch wenn keine Absicht de- steht, aus diesen Nachrichten einen Nutzen zu ziehen, genug. daß es sich um Dinge handelt, die von der Regierung nicht der Oeffentlichkeit preisgegeben worden sind oder deren Ver- öffentlichung die Behörde verboten hat, unterliegt einer Kerkerstrafe von 2 bis 5 Jahren. Dieses Delikt besteht s 6) 0 n beim ersten Versuch, Erkundigungen einzuziehen. � 269 bedroht diejenigen Italiener, die im Ausland über innere italienische Angelegenheiten so sprechen oder schreiben. daß daraus eine Minderung des Prestiges des Staates ent- stehen könnte, oder die auch nur. in ganz allgemeinem Sinn. irgendeine Tätigkeit außerhalb der Grenzen des Landes aus- ühen. dts geeignet ist, den„nationalen Interessen" einen Schaden zuzufügen, mit Zuchthaus von fünf bis fünfzehn Jahren und lebenslänglichem Ehrenverlust. Unter diese Bestimmung fallen alle Antifaschisten, die heute im Ausland leben und für die Freiheit ihres Landes kämpfen. Zu den politischen Delikten gehören auch jene gegen die „öffentliche Wirtschast, die Industrie und den Handel". Streiks und Aussperrungen werden im allgemeinen mit Geldbuße bestraft CH 502), wenn sie aber einen politischen Zweck haben(Z 503), auch mit Kerker; mit Buße oder Ge- fangnis bis zu einem Jahre werden diejenigen verfolgt» die einen gemeinschaftlichen Arbeitsvertrag nicht einhalten — und hier ist zu bemerken, daß solche Veriräge nicht von Arbeiterorganisationen geschlosien werden, sondern von den Leitern der Syndikate, die von der Regierung ernannt sind, was der Strafe einen ganz besonderen mittelallerlichen Charakter verleiht. Die Verrusserklärung(§ 507), wenn sie mit einem Streik oder mit einer Aussperrung verbunden, aber nicht von Gewaltanwendung begleitet ist, wird mit drei Jahren Kerker geahndet: wenn aber Gewaltmittel oder auch nur Drohungen vorliegen, kann die Strafe bis sechs Jahre Kerker betragen. Auch diejenigen, die mit eigenen Kräften und ohne Angestellte Handel oder Gewerbe betreiben, werden als Urheber eines Streikes oder einer Aussperrung betrachtet(§ 506). wenn sie ihre Arbeit in gemeinsamer Ver- oinbarung einstellen, um dadurch Vorteile zu erzielen. So z. B. ein Landwirt, der seine Produkte nicht zu den von der Behörde festgestellten Preisen abgeben will und daher, in Ver- cinbarung mit anderen, sich weigert, den Käufern seine Ware wie zuvor zu liefern. Auch diese Bestimmung bedeutet eine Neuerung selbst vom juridischen Standpunkt aus. Alles ist der Staat, besser gesagt die Partei, die allein das Recht hat, den Staat zu vertreten— nichts das Individuum und dessen Wille. Auch auf dem Gebiete der politischen Vergehen ent- hält das neue Gesetzbuch Bestimmungen, die für die innere Lage Italiens bezeichnend sind. Jeder Bürger, der bei öffent- licher Gefahr der Behörde seine Mithilfe verweigert, wie auch, wer im Falle eines Aufruhrs sich weigert, die Schuldigen anzugeben, wird mit drei Monaten Gefängnis bestraft 52). Als„Behörde" gelten in diesen Fällen nicht nur die Polizeibeamten, wie im alten Gefetz, fondern auch ein jeder Miliziant oder auch nur ein einfacher Angestellter, der seinen Eifer der faschistischen Partei gegenüber beweisen will. Es ist leicht ersichtlich, zu welchen Zuständen diese Bestim- mung führen kann, da jeder vor das Dilemma gestellt wird, Angeber und Spitzel zu werden oder ins Gefängnis zu man- dsrn. Gesetzliche'Bestimmungen dieser Art gab es um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts unter der Herrschaft der Bourbonen und im Kirchenstaat und man kann wirtlich nicht behaupten, daß sie zur Festigung und zur geistigen Ent- Wicklung des Charakters der Bürger beigetragen haben. Z 724 führt die Geldbuße gegen das Fluchen ein. Als Flüche werden auch alle die Worte betrachtet, die sich gegen die„von der Staatsreligion verehrten Personen" richten. Da nun dos Fluchen eine im Volk sehr verbreitete Gewohnheit ist, kann man damit rechnen, daß dieses neuein- geführte Vergehen dem Faschistenstaate recht viel Geld«in- bringen wird, selbstredend wenn die Schuldigen zahlungs- fähig sind: denn im entgegengesetzten Falle wird die Buße in Gefängnis umgewandelt und abgefeffen. Das Nreußen-Negehreu. Geringe Beteiligvng in Verllu. An dem gcsckigen ersten C-nzeichnungstags für das Volks- li«!h«f)ren zur Auflösung de? Vreußischen Landtages wurden in Berlin insgesamt 13 052 Einzcichnungen gezählt, während am ersten Tage des von den gleichen Kräften betriebenen und schließlich versackten Volksbegehrens gegen den Ioung-Plan 20110 verzeichnet wurden. Nationalistischer Hehfiim verboten! Die Folge der Einführung politischer Zensur. Tin deutschnationaler Werbefilm ist von der Kanuner I der Filinstelle im Rcichsministcrium des Innern verboten worden. Es handelt sich dabei um denselben Film, der unter dem Titel ..Wohin wir treiben!" bereits beim Wahlkampf 1028, beim Volts- begehren 1020 und beim Wahlkampf 1929 gelaufen ist. In den Echtußtitel» aber ist eine veränderte Fassung vorgelegt worden. In der Begründung der Filmstelle heißt es u. a.: ..Der Film beginnt mit Rcoolutionsbildern. Als Nutz- nie{z er der Not erscheinen anerkannte Führer der Sozialdemokratischen Partei. Im Bilde selbst wird von den„raten Helfern Barmats" gesprochen. Dieser wahlsilm arlel aus in eine Beschimpfung von Personen und eine De- schimpfung der demokratischen Grundlagen der deutschen Republik. Infolge seiner hetzerische» Verallgemeinerung ergibt sich schon aus seinem Inhalt die Möglichkeit einer Gefährdung der öffentlichen Ordnung." Der Sachverständige hat überdies besonders die sekundäre Ge- fahr der Störung der öffentlichen Sicherheit infolge der politisch besonders erregten Gegenwart betont. Gegen das Verbot wurde Beschwerde eingelegt. Die Beschwerde wurde jedoch verworfen. Als sich der deutschnetionale Ver- treter an den Vorsitzenden mit der Frag« wandte, ob nicht durch Beseitigung der beanstandeten Stellen der Film zur Freigabe ge- eignet werde, erfolgte die Antwort:„Nein, der ganze Film ist oerboten." Daran fügte der Vorsitzend« di« Bemerkung: „Das ist ein H e tz f i l m. derartige Filme macht man nicht." Die Nationalisten aller Lager haben über die politische Zensur gejubest. als sie sich gegen„Im Westen nichts Neues" und gegen den sozialdemokratischen Trickfilm wandle. Jetzt sind sie in der eigenen Schlinge gefangen. Gen'chSZiches(Schnellverfahren. Runderloß des preußischen ZustizmioisterS über die lKotvcrordnnng. Dlirch die Notoerordnung zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen ist das Anwendungsgebiet des Schnell- Verfahrens in Strafsachen erweitert worden. Während bisher das Schnellverfahren nach ß 212 SlPO. bei Vergehen und Ver- brech.'» an die Voraussetzungen gebunden war, daß der Deschuldigte sich i.-"willig stellte oder infolge einer vorläufigen Festnahme dem G-Ücht vorgeführt wurde, können olle in der Nowerardimng era-' hnte» Straftaten ohne diese Vorovssi'tzungsn abgeurteilt werden. Wie der Zsmtllche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische Justiz min ist er die Justizbehörden in einem Erlaß Der große Kehrbesen. Keme-Schulz und Goebbels nehmen Maffenausschlüffe vor. Liest man die großspurigen Ausruf« auf der Titelseite des „Angriff", so müßte man glauben, die ganze Stenne-j-Meuterei sei nur«in« Erfindung der„jüdischen Journaille", während in Wirk- lichkeit es nickst lohne, davon zu sprechen. Wendet man das Blatt, so sieht es anders ans. Auf der zweiter! Seite wird unter„Parteiausschlüsse im Reich" eine An- ordnung des„kommissarischen Gruppenführers Ost", des Feme- Schulz veröffentlicht, die lediglich Ausfchlüsie und Neubesetzungen Mitteilt. Damit es nicht so ausfällt, hat man cu.e zweite Pro- skriptionslist», die Goebbels für Berlin aufstellt, schamhast auf die n i e r t e Seite gerückt, so daß der gläubige„Angrifs�Leser den Schrecken geteilt vorgesetzt bekommt. Geteilter Schreck ist halber Schreck! Aus der Anordnung des Feme-Schulz erficht man. daß die gesamte bisherige Leitung des Gausturm» Brandenburg, die die Gaue Brandenburg und Ostmark umfaßte, für ausgelöst erklärt wird. Aber nicht nur die Leitung der Gaue Brandenburg und Ostmark, sondern auch die Gaue Schlesien und Mecklenburg werden durch kommissarische Führer neu b e s e tz t,so daß also in diesen vier Ostgauen die bisherigen Führer verschwunden sind. Ferner werden von Schulz ausgeschlosien eine ganze Anzahl„Stöfs" in Pommern, Ost mark und Brandenburg— eine tröstliche Jllustratic», der Behauptung des„Angrist", daß die Siennes- Meuterei lediglich auf Berlin beschränkt gewesen sei! Goebbels seinerseits schließt füns bisherige Ange- stellte des„Angriff" aus, darunter den bisherigen Ver- triebsleitcr Ehorn und den bisherigen Versandleiter Gundel. Ferner schließt er aus fünf Angestellte der bisherigen Gaugeschäftsstelle sowie ein reichliches Dutzend weitere Mitglieder. Nach Mitteilungen der Stennes-Gruppc gehen die Ans- schlüsie noch viel weiter. Der Rechtsanwalt des Polizeihmiptmanns a. D. Stenncs, Dr. Kurt Becker, teilt der Presse mit, daß in Ber.in bereits 900 Mitglieder der Rakionalsazialistischen Partei aus- geschiosien seien, allein von der bisher 400 Mann starten Sektion Schöneberg seien 280 ausgeschlosien. Feme-Schulz solle sich mit dem Gedanken tragen, die Berliner SA. wegen„Uvzuverlösiigkeit" gänzlich aufzulösen und neu zu formieren. Weiter behauptet Becker, daß Stenn«? in den Besitz von Geldmitteln gekommen sei und seine Absicht, ein eigenes Blatt aufzumachen, wahr- zumachen gedenke. Wenn wir auch diese Behauptungen im einzelnen nicht nach- prüfen können, so zeigen doch die Proskriptionsüsten des„Angriff", daß gerade in der Führerschichl der SA. von Berlin und der Ost- Provinzen der Ausruhr gegen Hitler sehr viel mehr Boden gewonnen hatte, alz die Parteileitung wahr haben will. Die Landökuechte. .Bei den Wachenden herrschte ein« unglaublich- kriege- rische Stimmung. Die anfängliche Empörung über den Meutererklungel wich bald jener La n d s k n e cht s st i m m u n g. di« zu einem normalen Lagerbet rieb der SA. gehört. Di« Skateliquen hatten sich nach einer halben Stund« gefunden. In einer anderen Ecke erwachte der unsterblich« Mikosch. Es herckcht«In rauher, aber h« r zli ch« r Tbick Man lacht vkÄ und gern." i"~ Das Bedrückend« der Ereignisse der letzten Stunden ist bald überwunden. Die innerlich gesund gebliebenen SA.-Männer zer- brechen sich nicht lange den Kops, �wr eins wissen st« sehr genau? Wenn einer kommt, der Hitler beschimpft, der kann sich gratulieren. Eine sehr einfache und probat« Lösung des ganzen Problems." * So schildert der„Angriff", das Orga� dieser Landsknecht«, das „Feldlager in der Hedemannstraße" nach.der Wiederbesetzung der Gejchästsstellc durch goebbclslreue SA. Es ist nichts hinzuzusetzen. Die Zerbröckelirng. Die Ausschlüsse mit chrem Drum und Dran zeigen den Grad der inneren Zersetzung der Hiller-Partei. Sie sind geradezu symptomatisch für die Lage. In Brandenburg a. d. Havel fand gine geschlossene SA.-Versammlung statt: von den onazesenden 430 Leuten erklärten sich 400 für Stenncs und nur 30 für Hitler. Dabei ist be> sonders zu beachten, daß bei der SA.-Revolte im letzten Herbst gerade Brandenburg der Hauptstützpunkt der Hitlcrtreueur war. In B r e z- lau erklärten sich rund 1500 SA.-Leute solidarisch mit ihrem bis- herigen und von Hitler ausgeschlossenen Führer Kremser. Die gesamte Lage hat sich derart verschärft, daß Hitler und Schulz(d-r neue Osaf-Stellvertreter) nunmehr in Erwägung ziehen, die gesamte SA. im Nordosteu aufzulösen. Daneben hat Hitler mit sofortiger Wirkung verfügt— was gleichfalls ein bezeichnendes Licht auf die Situation wirft—, daß die SA.-sichrer, die bisher über den Sonderetat der SA. sinon, ziert wurden, nim- mehr unmittelbar durch die Parteileitung b>«soldet werden. Auch die Gehaltssätze wurden bei dieser Gelegenheit neu bestimmt: ein Standartenführer erhält rnernailich 500, ein Ofaf-Stellvertreter monatlich 800 M. Hitler hofft durch diese Maßnahme, die Abhängigkeit der militärischen Führer der NSDAP, von ihm enger zu gestalten. Gegen K i l l i n g e r, den Osaf-Stellvertreter in Sachsen, ist ein Untersnchnnysvcrfahren eingeleitet worden, weil 5lillinger dem Dan- ziger S 21.-Führer Fricke noch am 30. März erklärte, er, Killinger. würde der„Münchener Operettendiua" nicht länger Gefalgschast leisten und Hitler müsse endlich und endgültig beseitigt werden. Die innere Zersetzung im Hitlcrloger schreitet also lustig fort, trotz des„Sieges", den Hstler gegen die Rebellen vorläufig erzieite. Stennes hat am Mittwoch sein Büro in der Matthäikirch- straße geräumt und ein neues Büro von 9 Zimmern in der Mhe der Potsdamer Straße. Am Karlsbad, gemietet. Inzwischen halte der Hauswirt in der Matthäikirchstrahe gegen Stennes eine einst- weilige Verfügung erwirkt, derzusolge da? von stennes gemietete Büro sofort geräumt werden mußte. Der Vollstreckung der Vor» sügung ist Stennes durch den freiwilligen Auszug zuvorgekommen. Prag verzichtet dantend. Prag. 8. April. Auf Kabinettsbelchluß können folgende reichsdeutsche Zeitungen nicht mehr durch die Post bezogen werden, sondern nur als Brief- sendupg:„Der Angriff". Berkin:„Nationalsozialistische Briefe". Berlin?..Nstionolsozialistisch« Monatshefte". München:„Der Frei- hcstslompf" in Dreyen und Chemnitz.„Der NätionalsoziäNst", Weimar:„Schlesische Tageszeitung" und„Der Schlesische Beod- achter", beide in Breslau. hierauf hingewiesen und gleichzeitig bestimmt, daß die früher für df« Durchführung des Schnellverfahrens gegebenen Anordnungen auch weiterhin Anwendung finden. Danach soll ein Beschuldigter im abgekürzten Verfahren nomentlich dann zur Aburteilung gebracht werden, wenn er geständig ist oder dar Nachweis seiner Schuld durch sofort bereitzustellend! Beweismittel gefichrt werden kann. Erforderlich ist jedoch. daß die Persönlichkeit des Beschuldigten einwandfrei festgestellt, uiü» daß seine Verteidigung durch die Anwendung des beschleunighm Verfahrens nicht beeinträchtigt wird. Der Iustizminister hat weiterhin di« Lorstandsbeamten der Gerichte und Staatsamvalifchaften ersucht, allen Straftaten wegen Zuwiderhandlung gegen die Verordnung des Reichspräsidenten ihr besonderes Augenmerk zuzuwenden und alle Maßnahmen sür die schleunigst« Durchführung di«ser Strafverfahren zu treffen. Es wird ferner darauf hingewiesen, daß der Zweck der Derorte- mmg nur erreicht werden könne, wenn«ine verhängte Strafe in der Regel unnachsichtlich vollstreckt werde. Bei Freiheitsstrafen komme eine Aussetzung der Vollstreckung mich nur eines Teils der Strafe mit Bewährungsfrist nur ganz ausnahmsweise, bei Vorliegen besonderer Umstände, in Betracht. Die Staatsanwaltschaften sind angewiesen, bei ihrer Stellungnahme zur Frage der Strafaussetzung aus Beachtung dieser Gesichtspunkte hinzuwirken. I am Sonnabend vor den Feiertagen zugestellt wurde, hatte Solinsli erst unmittelbar vor dem Ablauf der ihm gestellten Frist die Wäg- lichkeit, sich mit dem deutschen Generalkonsulat und anderen Be« Hörden in Verbindung zu setzen. Solinski Hot sich zunächst nach Gleiwitz begeben. »* Wie verlautet, will die Regierung zum Nationalfeiertage am 3. Mai eine Amnestie in größerem Maßstabe erlasien. Verbotene Wahrheit über Flugskondale. Warschau, 8. April. Vor kurzem stürzte«in Militärflugzeug in die Straßen von Warschau ab, was beiden Piloten das Leben kostete. Am 10. d. M. verhandelt das Obermilitärgericht die Revisionsklage des polnischen Ozeanfliegers, Major K u b a l a, der wogen der von ihm ver- breiteten Schriftstücke, die Angriffe aus die Leitung des Militär- flugwefens enthielten, angeklagt wurde. In seiner Revisionsklage beschwert sich Kubala darüber, daß ihm die Führung des Wahr- heitsbeweises über die unzulängliche Verwaltung des pol- irischen Flugwesens unmöglich gemacht wurde. Mckfchritt, liebliche Bewegung... Äraunschtoeig gegen den 1 Mai. Rraunschweig, 8. April.(Eigenbericht.) Im Rechtsausschuß des Braunschweigischen Landtags wurde am Mittwoch mit den Stimmen der bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft und den Nazis der l. Mai seines Charakters als gesetzlicher Feier- tag entkleidet. Die Nazis erklärten, daß zwar auch sie den 1. Mai als Feictag feiern wollen, die gesetzliche Anerkennung müsie aber, da der Tag international sei, beseitigt werden. Ausweisung als Ostergefchenk. Einem reichsdentschen Journalisten in polen gespendet. Gleiwitz. 8. April. Der seit 1022 in Polen tätige rcichsbeuische Redakteur Paul Solinsli Ist ausgewiesen worden. Er war zunächst in Bielig tätig und vertrat seit 1924 die.Kottowitzer Zeitung" in Rybnik. Seit einiger Zeit war er auch Korrespondent reichsdeutscher Zettungen. Am Ostersonnabend wurde ihm der Ausweisungsbefehl der Wojewodschaft Kattowitz zugestellt, in dem er ohne Angab« von Gründen aufgefordert wurde, bis zum 8. April das polnische Staatsgebiet zu verlassen, andernfalls zwangsweiser Abcransport«.-folgen werde. Gegen die Ausweisung steht Solinski mir di« Beschwerde beim obersten Gericht in Warschau zu, so daß eine Aufhebung der Ausweisung auch bei Enolz der Belchiperd« in absehbarer Ze>t nicht zu erwarten ist. Da der Ausweisungsbefehl Die liiauischen Ausweisungen. Oeutschland unterbreitet sie dem Echiedsaericht. MTB. meldet: Die litauische Regierung hat in letzter Zeit sünf Reichsdeutsche aus dem litauischen Staatsgebiet ausgewiesen. Dies«. Ausweisungen waren nach Zluffassung der deutschen Regierung gemäß Schluhprotololl Artikel l des deutsch-litauischcn Handels- und Schiffahrtsvertrages unzulässig. Da die litauische Regie- rung es abgelehnt hat, die Ausweisungen zurückzunehmen, hat der deutsche Geschäftsträger in Kowm» der litauischen Regierung eine Note überreicht, in der mitgeteilt wird, daß di- deutsche Regierung diese Zlusweisungssälle dem vorgesehenen Schiedsgericht unter- breiten werde. Professor Ludwig Heyde, bisher Generalsekretär der Gesellschaft für soziale Reform, hat sich wogen Ueberlastung mit akademischen Tterpfllchtungen genötigt gesehen, dieses Amt nieder- zulegen, dasn der Altstadt ein .Haus gemietet haben, das nach außen als„Schlaf- und Speisehaus" deklariert wurde, erwarben sie jetzt in einem der Firma Tee-Grosch gehörigen Gebäude drei Stockwerke. Mitten in einem Arbeiter- viertel, am Güterplotz, ist damit«ine neue Nazikaserne ausgemacht worden, die tausend Menschen bequem Schlafgelegenheit bieten kann. Zutritt ist hier nur durch große tunnelartige Toreinfahrten zu erhalten. Abgeschlossen von der Straße finden die National- iozialisten dort sicheren Unterschlupf. Man hat ein Fort, eine Aus- sallstellung geschaffen, wie man sie sich besser nicht denken kann. Welchem Zwecke diese„Männerhcime" dienen, zeigte der Tot- schlagzprozeß gegen den Nationalsoziali st en S e i p e l und orei seiner Genossen vor dem Frankfurter Schwur- gericht. Der Fall spielte in der Naziwirtschaft Heun in der Niddastraße in Frankfurt. Dort saßen um die Mitternachtsstunde des Ist. Oktober vorigen Jahres etwa zehn Kommunisten. Sie sangen dann und wann ein Lied. Einer spielte Klavier. Kein Mensch in der Wirt- schast nahm daran Anstoß. Nur des Wirtes Töchterlein Trude. Sie tclephonierte— damals hatte man die beiden Razikasernen noch nicht— das Nazilokal„Reichsapfel" an und sagte:„Bei uns sind Kommunisten im Lokal". Sofort organisierte der SA.-Führcr Wenner den Angriff. Sechs Autos rasten noch der Niddastraße. Trude 5?e»n dirigierte die Nazis durch«inen Hinteren Eingang ins Lokal. Alles ging mit sekundenhaster Schnelligkeit. Sogar ein«dien st habender" Sanitäter war bei der Alarmkolonne. Plötzlich stürzten dreißig Nazis in den Schankroum und packten die zehn Kommunisten. Dreißig Biergläser wurden zer- schlagen. Der Arbeiter Breitenboch erhielt mit einem Bierglas einen Schlag auf den Kops und brach mit zertrümmerter Schädel- decke zusammen. Zwei Schüsse knallten hinter den fliehenden Kommunisten her. Der Nationalsozialist Kirschstein schlug aus den sterbend am Boden liegenden Breitenbach noch mit einem Stuhl- dein ein und schrie:„Hund, verrecke vollends!" Vier andere Kommu- nisten lagen verletzt zwischen den Tischen. Auch der Wirt beteiligte sich an der Schlägerei und schlug mit einer Spülbürste und mit einer Hundepeitsche auf die Flüchtenden«in. Ein Toter und vier Verletzte waren die Opfer der Aktion des nationalsozialistischen Roll- kommandos. Angeklagt wegen dieses Treibens wurden der Schlosser S e i p e t, der Vertreter Kirschstein, der Kraftwagenführer Geyer und de? Laborant Fell. Einwandfrei wies der Staats- onwalt nach, daß es sich um einen planmäßigen, hinterhältigen und feige» Angriff der Nationalsozialisten gehandelt hat. Bon den Angenagten hatte sedoch nicht einer den Mut, zu den Taten zu stehen Seipel gestand lediglich, daß er geschossen hatte. Drei Zeugen bestätigten, daß er Breitenbach mit dem Bierglas auf den Kopf geschlagen hat. Andere Zeugen bekundeten, daß Kirschstein aus den Sterbenden mst einem Stuhlbein eingehauen hat. Trotz» dew fällte das Gericht milde Strafen. Es verneinte den Angriff und nahm nur Schlägerei an. Dar Schlosser Seipel wurde wegen Raufhandelz und wegen Vergehen» gegen das Waffengefetz zu vierzehn Monaten Gefängnis vsrurtellt, der Vertreter Kirschstein und der Kraftwagenführer Geyer erhielten wegen Raufhartdels se sechs Monate Gefängnis, Fell wurde freigesprochen. Bei solchen Urteilen ist es kein Wunder, wenn die Roll- kommandos in den Razikasernen neuen Mut zu neuen Morden schöpfen. Zerfahrenheit der ZLP. <9iückwllnschtelegromm nach Moskau. London, 8. April.(Eigenbericht.) Der Parteitag der Unabhängigen Arbeiterpartei in Scarborough ist beendet. Der von der Präsidentschaft zurück- getretene M a x t o n bleibt Führer der 14 Abgeordnete zählenden Porlamentsgruppe. Maxton. Wise, Wallhead, Kirkwood und Jowett bilden den Natronalrat der Partei. Der letzte Konferenztag zeigte noch einmal die große Zer- k a h r e n h e r t in der JLP., die sich besonders drastisch in zwei Beschlüssen ausdrückte: aas der einen Seite sandte der Parteitag ein Sympathietclegramm an die Sowjetregie- r u n a, die u. a. zum Gelingen(?) des Fünfjahrplanes beglück- wünscht wird. Auf der anderen Seit« mußte ein Beschluß gefaßt werden, der den JLP.-Mitgliedern die Zugehörigkeit zur Moslcy« Partei verbietet und Zuwiderhandelnde Mit dem Ausschluß bedroht. Diese Kampfansage gegen Mosley, bei einer radikalen Vozialistenvartel doch eine glatte Selbstverständlichkeit, stieß sogar auf den Widerstand verschiedener Delegierter. Wenn der Parteitag eines gezeigt hat. so daß die JLP. zwar einig ist in der Kritik an der Arbeiterregierung und an der Labour Party, daß sie aber sofort in drei Teile auseinoiiderfälU. wenn es gilt, programmatisch zu wirken und politische Taktik zu erörtern. Eine Partei der Kritik, aber beileibe keine Partei der Geschlossenheit und Kraft. Teddy hoch zu Roß. Cr ist(5.hef eines sowjetrossische« Kavallerieregiments. Aus Moskau meldet TU.: Die Milstärkonfareuz hat den Führer der KPD., Thätnuuui, wegen seiner Verdienst« um die Weltrevolutior, zum Chef eines Kavallerieregiments gewählt, das sich an den Operationen gegen China beteiligt hatte. Wir sehen Teddy bereits auf weißem Zelter vor der Front galoppieren, Wilhelm der Ehemalige dürfte vor Neid erblassen. Ratschläge für die Gestrigen. »AdelSpräditale sind auszuschreibend Die Hugenberg-Presse gibt den Ewig-Eestrigen Rotschläge in Fettdruck:„Adelsprädikate wie„von",„Freiherr"...Graf" sind auszuschreiben. Abkürzungen... kömwn die Unterschrift ungültig machen." Deren Sorgen mächt' ich haben— sagt der Börsenmonnl Enifeffelie Justiz. Stuf die Stennes-Äteuierei folgt ein Nottenkänig von Prozessen. Die Justiz ist die Fortsetzung des Parteikrieges mit andern Mitteln. (Frei»ach Slansewitz.) Besuch in Chequers am S. Juni. Endgültige Festsetzung.— Brüning und Eurtius bleiben bis 9. Juni in London. Tie auf englische Initiative eingeleiteten Besprechungen zwischen London und Berlin über den Besuch des Reichskanzlers Dr. Brüning und des Reichsaußenministers Dr. Curtius bei dem englischen Premier- minister sind heute abgeschlossen worden. Die eng- tische Regierung hat die beiden deutschen Staatsmänner eingeladen, am Auni nach($hequers zu kommen und bis zum 9. Juni als Gast der englische« Re- gicrnng in Chequers und Londo»zu bleiben. Geplant ist eine intime, freund schnstliche Aus- spräche über alle wichtige» Fragen, welche die beiden Länder berühren. Die ursprünglich für eine der beide« ersten Mniwochen in Aussicht genommene Aufammen- kunft mußte auf die Zeit nach Pfingsten verlegt werde», weil für die ersten Maitage der englische Premier- minister und mehrere seiner Kollegen bereits ander- weitig gebunden waren und weil das zweite Wochenende im Mai z e i t l i ch z u n a h e an die Tagung des Vuropa- ausschusses und die daran anschließende Ratstagung rückte. Oer Flottenpakt stark gefährdet. London. 8. April.(Eigenbericht.) Außer auf die Einladung der englischen Regierung an den Reichskanzler und den ReichsaußemninisUr richtet die englische Presse ihr Hauptaugenmerk auf die englifch-fronzösisch-italienischen Flotte np erHandlung«», die in letzter Stunde»u scheitern drohen.., Eindeutig werden di« sranzöstschen For- derungen für übertrieben und als für England unannehmbar bezeichnet. Während Italien und England bereit seien, sich iechs Jahre an ein Abkommen zu binden und die Rüstungen bis lM> einzustellen, wolle Frankreich das Recht haben, bereits noch vier Jahren freie Hand zu bekommen. Das nehme dem beabsichiigten Vertrag jeden Wert, und wenn Frankreich nicht nachgebe, sei das Scheitern der Verhandlungen unvermeidlich. Oer Zollplan Berlin-Wien. Sudeieudeutsch-sozialdemokrattfche Stellungnahme. Drag. 8. April. Die lebhasi« internationale Auseinandersetzung über die Derein- barung der Regierungen de» Deutschen Reichs und Deutschösterreichs, «in« Zollunion der beiden Staaten vorzubereiten, ist in den letzten Tagen durch die Einladung der britischen Regierung an den Reichs- kanzler und den Reichsaußenminister etwas zurückgetreten. Die hohe Bedeutung der Berlin-Wiener Vereinbarung für ganz Europa ist aber nicht vermindert und sie wird gerade von den sozialdemo- kratischen Parteien vollauf gewürdigt, die die zweckmäßige Organisierung der Wirtschast und des Völkerlebens fordern. Wie seinerzeit die Leitung der oeutschösterreichischen Sozialdemo- krotic, so haben jetzt auch unsere deutschen Genossen in der Tschccho- slowatei zu dem Zollunionsplan Stellung genomryen und ihr Partei- vorstand hat folgende Entschließung dazu angenommen, die sich sehr wesentlich von den ablehnenden Erklärungen des Außenministers Dr. Benesch unterscheidet: Der österreichisch-deutsche Zollplan hat wie selten ein außenpolitisches Ereignis in der gesamten durch Paneuropa- und Zollsriedensoerheißungen«ingewiegten und irregeführten internationalen Oesfcntlichkeit geradezu alar- mierend gewirkt. Er hat blitzartig die Tendenzen bloßgelegt, die heute IS Jahr« nach Kriegsende Europa beherrschen, seine B«> sriedung unmöglich machen und seiner gesunden Entwicklung im Wege stehen. Er hat ober auch, was eine seiner lichtvollsten Seiten ist, die Völker Europa, zur Selbstbesiaauog erweckt und ihnen zwingend die Rolweudigkeil raschester llebmuindoag der bisher auf den Kampf oller gegen alle ausgebauten Wirlschosispolitik vor Augen geführt. indem er den Finger an Wunden der europäischen Wirtschaft legte und aller Welt auszeigte, wie weit wir noch außenpolitisch, politisch und wirtschasllich von einer Normalisierung der Verhältnisse entfernt sind, welche schweren Gefahren Europa umlauern und vor welchen gigantische» Aufgaben wir angesichts dieser außer- ordentlich schwierigen Situation in der nächsten Zeit gestellt sein werden. Soweit der Plan Bcrlin-Wien das Ssfentliche Gewissen Europas aufgerüttelt hat und eine Wendung in der bisherigen iickernotionalen Wirischastspokitik erhoffen läßt, hat er bisher schon gute Auswirkungen gezeitigt. Darum ist es bedauerlich, daß der Zollpakt schon aus formalen Gründen auf so großes Mißtrauen gestoßen ist. Denn nur dadurch konnte die Tatsache verschleiert werden, daß der Zollplaa in Wirklichkeit auf jenen Ideen aufgebaut ist, die den Ausgangspunkt und das Fuvdaweal der gerade in letzter Zeil im Rohmen des Völkerbundes abgehallencu große» inter- i rationalen Wirtschaslsberalnngeu bildeten. Nur dadurch: konnten Zweifel darüber auftauchen, daß j e d« r Staat Anspruch auf freie Entwicklung seiner Wirtschaft und auf selb» ständige Regelung semer Angelegenheiten besitzt. Indem wir dies feststellen, wollen wir uns für die umfassendst«, freundfchaft- lichste Zusammenarbeit aller Staaten und Völker einsetzen. Für die tschechoslowakische Republik verlangen wir, daß mit der bis- herigen politischen, wirtschaftlichen und handelspolitischen Pro- grammlosigkeit ernsllich ausgeräumt und endlich«in zielbewußter, den Interessen aller arbeitenden Beoölkenmgsfchichten des Landes Rechnung tragender Wirtfchastsplon ausgestellt wird, der auf der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit allen für unser« Wirtschaft in Betracht kommenden Staaten, vor allem aber mit jenen Ländern beruht, die in erster Linie für das Gedeihen unseres Landes ausschlaggebend sind. Nur durch eine aus Niederrcißung aller Schranken und Hindernisse aus- gebaute, von Freuadschaft und Vertrauen gelrage»« Wirtschafl»- Politik können die arbeitenden Menschen dieses Staates wieder in einen 'Nährzustand versetzt und kann das Land mit seinen reichen Natur- schätzen und seiner arbeitsamen Bevölkerung vom Bann der schweren Wirtschaftskrise befreit werden. Labans Antwort. Die Kündigung der Solotänzer ist eine Maßnahme der Generalin tmdanz. Die Solotänzer der Staatsoper hatten einen(auch von uns vevösfentlichten) Brief an Herrn v. Laban gerichtet, in dem sie baten, ihnen die Gründe für die Richtverlängcrung ihrer Vertrage mitzuteilen. Auf diese Vitt- ist ihnen jetzt folgender Bescheid zugegangen: Sehr geehrte Herren und Damen! Auf die Zusendung Ihre» Briefes möchte ich Ihnen folgendes mitteilen: Die Nicht- Verlängerung Ihrer Verträge ist eine Maßnahm« der Generalintendanz und bin ich nicht befugt, über diese ö-ttentlich« Erklärungen' abzugeben. Ihr Wunsch, daß ich als Vühnenvorstand Ahnen, ineinen Mitglieder», Mitteilungen über meine künstlerischen Pläne durch die Presse mache, scheint mir reichlich ungewöhnlich und ich sehe dazu keine Veranlassung. Hochachtungsvoll gez. Laban. Vielleicht hat aber Herr v. Laban die Güte, wenn nicht feinen gekündigten Solisten, so doch der O e f f e n t l t ch t e t t Mitteilungen über seine künstlerischen Pläne zukommen zu lassen Diese hat— scheint uns— das Recht, zu erfahren, wie man sich die zukünftige Gestaltung eines folistenfreien Tanzensembles an unserer Staats- oper vorstellt. Die Kürzung der Arbeiiszeii. Die unausweichliche Kolge des technischen Fortschritts. Die Fünftagewoche beginnt sich nicht nur in Amerika durch- zusetzen. Auch in anderen Ländern, besonders aber in Deutschland, bat man schließlich einzusehen begonnen, daß der technische Fort- schritt zu unhaltbaren Zuständen sühren muß, wenn die Arbeits- zeit diesem technischen Fortschritt nicht angepaßt wird. Das hat auch die Gutachterkommission, die von der Reichs- regierung eingesetzt worden ist, festgestellt. Auch die Unternehmer, die gegen jede Arbeitszeitverkürzung Sturm liefen und sogar ein« Verlängerung der Arbeitszeit zur Ueberwindung der Wirtschosts- krise forderten, haben in der Praxis vielfach ihre Theorien im Stich lassen muffen und stnd zur Verkürzung der Arbeitszeit über- gegangen. Wir«rinnern in diesem Zusammenhang nur an die 3X3. Forbenindustrie und an die Firma Blohm und Baß in Hamburg. Ein Mitinhaber der letzteren Firma hatte in einer rechtsstehenden Hamburger Zeitung zur Ueberwindung der Krise die Einführung des Neunstundentagcs gefordert. Vier Monate später hat die Firma Blohm u. Boß die Stunden tnoche eingeführt. Natürlich stnd diese nur widerwillig Bekehrten stets bereit, zu ihrer ersten Liebe zurückzukehren. Die Taksachen sind aber stärker als die Ideen. Die ,J>AZ.' versucht noch einmal, die kapitalistische Tradition zu retten, indem sie �wissenschaftliche" den Nachweis zu führen sucht, daß«ine Arbeitezeitkürzung die Krise oerschärfe und die kommende Hochkonjunktur von vornherein verhindere. In dem Artikel heißt es: «Die Arbeitsmenge ist nämlich keine starre Groß«! man kann nicht sagen:«die Deckung des Gesamtbcdarfes-von 60 Millionen Deutschen erfordert A Stunden Arbeit"'— sondern die Arbeit s» msngc ist eine Funktion des Auftragsbestandes in Industrie und Gewerbe. Die Höhe des Auftragsbestandes ober hängt wieder von dem Nutzen ob, den die Zlusjührung der Aufträge den Be- trieben läßt. Also nach der«DAZ." gibt der Klein- oder Großhändler Mir. Fabrikanten nur dann einen Auftrag, wenn er sicher ist, daß der Fabrikant dabei gut verdient. Mögen die Kunden auch die Läden belagern, der Händler wird st« kalltlüchelnd abweisen, well er nicht die Sicherheit hat, daß der Fabrikant einen hohen Nutzen bei der Ausführung der Aufträge hat. Ebenso..wiffenschafttich" ist die übrige Argumentation der «DAZ�. Es ist beinahe überflüssig, dabei zu betonen, daß die Be- houptung des Blattes falsch ist, wonach die Gewerkschaften zu- gegeben hatten, daß der Tagesverdienst des Arbeiters entsprechend der Kürzung der Arbeitzzeit gesenkt werden müsse, und daß der Lohnausgleich nur noch von den Kommunisten vertreten werde. Richtig ist nur, daß die Gewerkschaften lieber die ArbeitszeWreckung auch ohne Lohnausgleich hinnehmen, als eine Vermehrung der ArbeitÄostgkest durch Entlastungen herbeiführen zu lassen. Die «DAZ." singt in gleichem Tone das hohe Lied des Lohnabbaues, denn dieser«verschiebt das Verhältnis von Lohnzahlungen und Kopiialbildung zugunsten der Kapitalleite, schafft also die Voraus- setzungen für neue Arbeitsnachfrags." Niemand wird bsstresten, daß der Lohnabbau das Verhältnis „zugunsten der Kapitalseite" verschiebt. Wie aber dadurch die Bor- aussetzungen für neue Arbeitsnochfrage geschaffen werden, dos nach- zuweisen hat die.DAZ." vergessen. Vielleicht weil dieser Nachweis immerhin einige Schwierigkeiten machen würde. Die Behauptung, daß die Verkürzung der Arbeitszeit die Produktionskosten erhöhen, ist nicht neu. Sie ist noch bei jeder Arbeitszeitkürzung aufgestellt worden. Uno doch ist der Anteil des Lohnes am Produkt immer mehr zurückgegangen, gerade infolge der Arbeitszeitkürzung. Die technischen Schwierigkeiten, die sich das Blatt ausmalt, sind Hirngespinste, die jedem Einsichtigen nur ein Lächeln abnötigcn können. Am merkwürdigsten ist es. ooß in dem Blatt schlankweg behauptet wird, die allgemeine Arbeitszeitkürzung würde eine Erhöhung der Soziallosten nach sich ziehen. Gegenwärtig beträgt der Beitrag zur Arbeuslofenoersicherung 6 Proz. Dazu müssen nach die Summen gerechnet werden, die vom Reich, Länoern und Gemeinden zur Unterstützung de? Arbeits- losen aufgebracht werden müssen, die aus den Mitteln der Reichs- anstatt nicht oder nur ungenügend unterstützt werden. Sinkt die Arbeitslosigkeit wesentlich infolge der Arbeitszeitiürzung, oann werden natürlich auch die Beiträge.zur Reichsanstatt gesenkt werden und die ungeheuren Summen, die für die Unterstützung der anoercn Arbeitslosen ausgebracht werden müssen,»werden sich gleichfalls senken. Man geniert sich beinähe; hiese Binsenwahrheiten nochmals zu betonen, aber da sich die„DAZ." nicht geniert, die abgestandensten und. verstaubtesten Argumente aus der Rumpelkammer herpor- zuholen, ist es vielleicht angebracht, aufzuzeigen, auf wslchem Ties- stand sich die Gegner der Arbettszeitkür.zung befinden. Wie immer auch die Krise weiter verlaufen mag: die Arbeits- zeitkiirzung ist eine unausbleibliche Folge des technischen Fort-- schrittes. Da niemand imstande ist, diesen technischen Fortschritt, den man heute Rationalisierung nennt, rückgängig zu machen und ihn in dar Zukunft zu verhindern, so ist auch niemand imstande, Sie Verkürzung der Arbeiiszeii aufzuhatten. Oer Kampf im Baugewerbe. 6000 Berliner Bauarbeiter im Abwehrkampf. ; Lex Verband der Bgugeschäste von Groß-Berkin hat den Schiedsspruch des zentralen- Schiedsgerichts,- der einen Abbau der Berliner Büuarbeiterlöhne um 7V Proz. vorsieht, angenommen und feine Verbindlichkeitserklärung beantragt. Ent- sprechend diesem Antrage hat der Schlichter die Tarifparteien zu beute vormittag zu Nach Verhandlungen über den Schiedsspruch geladen. Die Ccwerkschasten werden auch vor dem Schlichter versuchen, den Lohnabbau abzuwehren. Bekanntlich war vom Tansaml unter Vorsitz des Regierungs- rats Tincautzer-Stettin ein Schiedsspruch gefällt worden, der emen Abbau der Berliner Bauarbeiterlöhne um "3 Proz. vorsah. In den Verhandlungen vor dem zentralen Schiedsgericht gelang es zwar den Gewerkschaftsvertretern, diesen Lohnabbau fast um die Hälfte zu vermindern, aber auch durch den zweiten Schiedsspruch wird der Mauererlohn von l.53 M. auf t,4l M.. der Hilfsarbeiterlohn von 1.27 auf 1.17 M. und der Tief- bauarbeiterlohn von 1 M. auf 92 Pf. gesenkt. Die Regelung der sogenannten Zwischenlöhne für die übrigen Arbeiterkategorien überließ das zentrale Schiedsgericht den noch folgenden freien Ber- handlimge» zwischen den Parteien bzw. dem Tarifamt. Die Er- klärungsfrist zu diesem Schiedsspruch wurde auf den 4. April festgesetzt. während das alte Lohnabkommen schon am 31. März ablief. Ein Teil der dem Arbcitgeberverband angeschlossenen Firmen legte am 1. April den Bauarbeitern einen Revers vor, worin sie sich verpslichten sollten, ab 1. April zu den vom zentralen Schiedsgericht festgesetzten Löhnen zu arbstten.. Der ander« Teil der Unternehmer ließ zunächst zu den alten Bedingungen weiter- arbeiten. In der berechtigten Empörung über den diktatorischen Lohnabbau lehnten die Bauarbeiter die Unterschrift unter diese Reverse ab, was chre Entlassung zur Folge hatte. Das änderte aber nichts an der Haltung der Bauarbeiter. Dem Unwillen der Bauarbeiror nachgebend, wies der Arbett- geberverband seine Mitglieder daraufhin an, generell die alten Löhne bis zum?. Aprll weiterzuzahlen. Er tot dies offenbar in der Erwartung, daß er bis dahin die V« r b i n d l i ch k e i t s- erkkärung des Schiedsspruches des zentralen Schiedsgerichts erwirkt haben würde. Trotz dieser Anweisung der Unternehmer gaben die nicht am Tarifvertrog beteiligten Spltttcrorganisationen in völliger Kopflosigkeit die S t r« i t p a r o l e für den 1. April heraus. Dies geschah vornehmlich durch die RGO.. die auf diese sinnlose Weise die„Notwendigkett" der Gründung eines kommu- nistischen Bauarbeiteroerbandes nachweisen wollte. Die RGO.-Stra- tegen haben sich jedoch anscheinend darüber nicht den Kops zer- bwchen, was zur Zeit, wo mehr als 76 Proz. der Bau- arbeite? arbeitslos sind, durch eine solche Streikbewegung erreicht werden kann. Dein krampfhaften Versuch der REO.,„die Streikfront zu ver- breiten,", verhalfen d,e Unternehmer des Berliner Baugewerbes zu einem gewissen Erfolg. Am 8. April legten sie den Bauarbeitern wieder die gleichen Reverse vor, die die Bauarbeiter»otür- lich wieder zurückwiese� Infolge dieser diktatorischen Maßnahme der Berliner Bäüünterbehmer, und NUp zu einem ganz geringen Tell auch infolge der Streikparolcn der RGO., befinden sich jetzt etwa 6666 Berliner Bauarbeiter im Abwehr- kämpf. Es ist zu hoffen, daß es den für den Tarisoertrag und für die Existenz der Bauarbeiterschaft verantwortlichen Gewerkschasts- führern bei den Verhandlungen vor dem Schlichter gelingen wird, die Lohnbewegung so zu Ende. zu führen, daß die Existenz der Berliner Bauarbeiter für dieses' Jahr gesichert bleibt. Oer Z G B. zieht bald um! Mit Rücksicht auf die vom 27. bis 29. Aprll in Madrid tagende Ausschußsitzung des IGB. wurde ber zunächst zum L Aprll vorgesehene Umzugstermin endgültig auf den 1. IMi verlegt. Der Generalsekretär des Internationalen Gcwerkschafts- bunbes, Genosse W. S ch e o e n e l s, Hot bereits im Hansahaus, Köpenicker Straße 113 die erforderlichen Büroräume gemietet. Das Personal des IGB. wird mit wenigen Ausnahmen von Amsterdam imt nach Berlin übersiedeln. Oer Mißerfolg der RGO. Die Betriebsratswahien in der Textilindustrie. In der Textilindustrie haben die Kommunisten hei den Betriebsrätewahlen trotz Anwendung wildesten Terrors schlechte Geschäft« gemächt. So weit die vorliegenden Teilergebnisse einen Ueberblick gestatten, ist in fast ollen Betrieben nur die Liste des Deutschen T e x t il o r b e i t« r o e r> b a n d e s eingereicht und gewählt worden. Selbst in der einst- moligen kommunistischen Hochburg Pößneck kam eine RGO.-List« nickst zustande. Sämtliche 48 Mandate entsollen auf den DTB. Wo die RGO. mit eigenen Listen auftrat, ergaben sich folgende Resullate: In Leipzig erhiell der DTV. noch de», norläiisigen Gesamt- ergcbnis 169 Mandat« zum Betriebsrat, die RGO. 22. die Nazis 2: bei der Firma Stöhr u. Co.: DTV. 6 Mandate(im Vorjahr 6), RGO. 3(ö): Blumenthal. Wollkämmerei: DTV. 6(6), RGO. S(6): Berlin, Spindler A.-G.: DTV. 4(4). RGO. 6(7): Limbach— seit Iahren kommunistische Hochbürg—: DTV. 32(29), RGO. 18(27). Nazi 7(6). Augsburg meldet, daß in 26 Großbetriebe» die RGO. Listen nicht aufzustellen vermochte. Erfolg hatte sie nur in der Stadtbach- Spinnerei, wo der DTD. 6(8) Mandate erhielt, während die RGO 4(2) erzielte. Nach Abschluß der Wahlen tn den 22 Groß- betrieben werden 174 froigewerkschasilichen Arbetterratsmiigliedern kur 6 bis 8 RGO.-Leiste gegenüberstehen. Gera hat bis jetzt folgendes Ergebnis aufzuweisen: DTV. 76 Mandate. RGO. 9; Bremen, Iutcspinnerei und-Weberei: DTV. 4(2). RGO."f(9); W i t t w e i d a, Baumwollspinnerei A.-G.: DTV. 6, RGO. t Mandat: Chemnitz berichtet, daß die RGO. in den meisten Be- trieben leinen Einfluß gewonnen hat. Bei der Firma Siegmund Göritz erhiell der DTV. 293 Stimmen, die RGO. 28. E i s e n o ch. Kammgarnspinnerei: DTB. 8. RGO. 3. Gelbe 1 Mandat. Wüstcgi e s d o r s meldet aus 9 Betrieben mit 3l46 Beschäftigten: DTV. 51 Mandate. Christen 6. Nazis 3. RGO. 1. Kulm dach, in der werksvereinsfreundlichen Kuimbacher Spinnerei bei 1226 Beschäftigten(gegenüber 1423 im Vorjahr): DTD. 16 Mandate(16), Stahlhelm 1(2), RGO. ohne Liste In Landsberg machten die Kommunisten mächtige Anstrengungen, um in dem Großbetriebe der Firma Bohr mit etwa 2666 Beschäftigten die Mehrheit des Betriebsrots zu erlangen. Das Ergebnis lautet: DTV. 1133, 16 Mandate. RGO. 188 Stimmen, 1 Mandat. Für die Zukunft dürfte in diesem Betrieb der RGO. die Lust zu der Aufstellung einer eigenen Liste vergonqen sein. Das vorläufige Gesamtbild zeigt, daß in der Textilindustrie so- wohl RGO. wie Nationalsozialisten bei der Arbeiterschaft trotz wildester Terrorisierungsversuche so gut wie abfielen. Ein Durchfall. Theaterarbeiter lehnen KPD-Theater ab Seit Monaten bemüht sich die RGO., auch in den Berliner Theatern festen Fuß zu fassen. Besondere Anstnngungen machte sie bei den Bctriebsrätewahlen in der Städtischen Oper Char- lottenburg. Hier wur-de mit den üblichen Mitteln der Lüge und Verleumdung, deren sich besonders das kommunistische Aufsichtsrars- Mitglied W i s n e w f k i bediente, gegen die freigewerstchaftlichen Betriebsräte gehetzt. Der„Erfolg" dieser Hetze blieb auch nicht au?. Während in den früheren Jahren, auch noch bei der letzten Betriebs- ratswalil im vorigen Jahre, die Kommunisten im Ar- beiterrat stets die Mehrheit bekamen, sind sie jetzt als RGO. nur noch mit einem Mann im Arbeiter- � und Betriebsrat der Städtischen Oper vertreten. Bon den 262 abgeoebencn Stimmen erhielt die RGO. ganze 46 Stimmen. Genau so ist es mit den„Erfolgen" der RGO. in den anderen Berliner Theatern bestellt. Bei sämtlichen Staatsthjeatern machten die Kommunisten erst gar nicht den Versuch, sich durch die Ausstellung eigener Betriebsratslisten vor aller Oeffentlhhkeit zu blamieren. Das trifft auch für die Prioottheater und Vaqietcks zu. Vei der„P l a z a", in der eine Anzahl von RGO.-Mitgligdern beschäftigt ist, hotte die KPD. alle Minen springen lassen, um ihre Anhänger zur Ausstellung einer kommunistischen Vetriebsrwisliste zu bewegen. Aber auch hier blieb es bei der Erteilung des Bofehls, de» die Mannschaften nicht ausführten. Da der überwiegepide Teil der Belegschaft im Gesamtverband organisiert ist, behielten die RGO.-Leute ihr« Vorschlagsliste wohlweislich in der Tasche. Diese Pleite mußte die RGO. eigentlich voraussehen. Die Theoterarbeiter wissen auf Grund ihrer Berusstätigkeft Wirklichkeit und Komödie zu unterscheiden. Es war demzufolge ganz felbst- uerständlich, daß sie sich von den kommunistischen Komödianlien nichts vormachen ließen. Mazis und Gelbe. In Thüringen sind bei der Neubesetzung der 2irbeitsigerichts- behördcn auch vier Besitzer berufen worden, die von den sogenannten wirtschaftsfriedlichen Verbänden in Vorschlag gebracht morden sind. Das Ministerium steht auf dem Standpunkt, die in Thüringen vorhandenen Werksvereine, seien tariffähig. Diese Stellungnahme ist wohl nur eine Folge des bisherigen Nazikurses. In der Agitation haben die Nationalsozialisten die Werksgemeinschaften abgelehnt. Dort, wo die Herrschaften zufällig eine Zeitlang das Heft in der Hand hatten, haben sie jedoch den wiri- schaftssriedlichen Verbänden besondere Gunst zuteil werden lassen. Severins für paritätische Arbeitsnachweife. Der preußische Innenminister hat in einem Rund- erlaß die Behörden angewiesen, dafür zu sorgen, daß die Letter der städtischen und sonstigen gemeindlichen Theater für die Der- Mittlung des künstlerischen Personals aus- schließlich die paritätischen Stellennachweise in Anspruch nehmen und so die D-rmittlungstätigkett unbefugter Personen ausschalten. Bezeichnend, daß hierfür noch besondere Runderlaste notwendig sind. Es wird allmählich Zeit, daß die Schieberei und Nepperei bei der Hintenherumvermittlung von Arbett ausgerottet werden. MW Fl TPD.zZr.Ni,» beim stöbt, vbda»! Morflen, IZreiwa, 20 Uhr. tfj im fiotul ÄiififtiJiq, IablonNistr. S, miftiiae SifeanS-©er.oile Paul £1 Strafniu:»Dte wtiiiftfn Uaftc". pj Fl(gdiiunq. AK»iner»! Am 9. und lt. April sindra in den-j Fi Aas.-Petricbe» die Petriebeiatswahlen statt. Die tränten»nb an,. Fl W i'estenben Salcgcn müjen unbedinat in ihren Betrieben»nr Natt Sä W erscheinen nnd ihre Stinumea für die Listen ber freien Dewertschaflr» Fi abgeben. f �reie Gewertschasts-LuaenüVerlin Heute. Dannciätoa. um Tß'-A Uhr. tagen die(Snaspctt: tlepenick: Auqenddeinr Grüna»er Str.?. K«!mbesprechu»q. sZadrtenertebnIsse.— Schönhauser Zar: Augendkieim Tieckstr. IS. Austausch von tzahrten- «rlebnisst.— Desnadbrnnae»: tzuaendhcim Ä'oie iSchuic. Goienburcher Str. Z. Heimdesprechune. iZadvtcxerlednils». Sildoften: GvUovcnhrtm Rcichrnderg-r Gtrane«0 sgeuxrMehrhausi. Aeimbesprschung. sZiahrlcnerlebuilie.— Tempel. hat: GcitTOcnlirim Lmeum German iastr. ä-t, Ginaana Göfcfttahe.»e-m- deiner--»! na. Vvrtvaa:-Dir Internationale Tmserkschartsbemeauna".— Moabit! tzuoendiieim Lehrter Str. 15— 18. Sreiswerbeabend.— Neu-Licht ep ber.! tzuaenddeim©ünietftr. Ü.„Darum Tarifvertraa und Schlichtunaswesen?"— Sichtenberq: Auaenbheim ibauff. an der LresinaRraftc. Kcitnbesprcchune.— Saababergrr Pia»:.?uaendhetm Diestelmcyerstr. Z. Hciürbcsvrechung. �uoenvoruvpe des�erlraiverbandes der Anaestettten IsrS beute. Donnerstag, finden folaeiid« Deransiatwnaen statt: Pankow- Nleberfchöahanseai Zupendhrii« ffijrfiftr. 14 Igroke« Sinraiträ. Lied..:. abend. Leiter: Dei�anberaer.— Osten; Zugendhcim der ccfiulc Litauer Strohe 18. Politisch« Satire. Vertraaeichee:££mi,— Treptow: Jugend- beim der Schute Wildenbruehstr. 53(auffand von der Gcartifttaftc in Trep dum. Bortraa:.Unser Verband und seine Einrichtungen". Referent: sttause.— Die Berliner Uefnmaabant hält ihren Arbeitsabend von 20—22 Uhr im Bcrdairös- Hause ab._ Verantwortlich für PctittJ: Jfiaa» aiih»; Wirtschaft:®. stliagelhöfer; Gewertschattadewegun� gr. Etzlorn; ffeoisteton Dr. John Echilowsti: Letales: und Simitigrs; Z-ih AarftaM; An, eigen: Zh. Gimte;'ämtlich in Berlin. Verlag: Vorwäri-.Verlog s w. h. ch.. Verün. Druck: VorwiNt-.Vuchdrnckeret und Vcrlagsanstalt Paul Tinacr u.3 jährige Tochter. Der Alte bändell mir der 14�jährigen an. Ein Jahr später hat das Mädchen, selber noch ein halbes Kind. von dem Zweiundsechzlgjührige» ein kinü. Dos Jugendamt bringt das Mädchen in die Fursorgeanftalt, später in ein Kloster. Achtzehn- jährig kommt sie zur Mutter zurück. Der Alte erneut seine Be- Ziehungen zu dem Mädchen. Die Mutter, gleichfalls seine Geliebte, duldet das. Ein Nachbar erstattet Anzeige wegen Kuppelei. Um einem Gerichtsverfahren aus dem Wege zu gehen, heiratet der Greis die Tochter seiner Geliebten. So leben sie zusammen: Der Alte, seine Geliebte, deren Tochter als feine Frau und das uneheliche Kind von ihr und dem Alten. Der Alte mißhandelt aber seine junge Frau auch in der Ehe, wie er es früher getan hat. Im Jahre 1923 kehrt der 27Iährige Sohn des Alten aus feiner ersten Ehe aus Holland zurück. Er zieht zu feinem Vater und findet Gefallen an feiner 26jährigcn Stiefmutter. In der jungen Frau erwacht zum ersten Male wirkliche Liebe zu einem Mann, zu ihrem ?7jährigen Stiefsohn. Der Alte merkt es und duldet es anfangs. Eines Tages wirft er den Sohn hinaus und erstattet gegen ihn imd seine Frau Anzeige wegen Blutschande. Beide sind vor Gericht geständig, werden zu geringer Gefängnisstrafe verurteilt und erhalten Bewährungsfrist. Sie„bewähren" sich aber nicht. Die junge Frau reicht gegen ihren alten Mann die Scheidungs- klage ein und übernachtet des öfteren im Hotel bei ihrem Stiefsohn. Der Alte spioniert sie aus und findet sie auch eines Tages bei seinem Sohn im Schrank versteckt. Er beschimpft und mißhandelt sie, bedroht sie immer wieder und fordert von ihr, daß sie mit dem Sohn breche. „Ich mache, was ich will", schreit sie ihm ins Gesicht.—„Nein, du bist meine Frau, du sollst von ihm lassen."—„Ick) liebe deinen Sohn, ich lasse nicht von ihm. meinerwegen erstatte wieder Anzeige." Der Alte erstattet zum zweiten Male Strafanzeige wegen Blut- schände. Er hofft aus diese Weise ihre Ehescheidungsgründe— Mißhandlung und Beschimpfung— zu entkräften. So stehen Stief- multer und Stiefsohn zum zweiten Male vor demselben Gericht, das sie bereits einmal wegen Blutschande verurteilte. Diesmal be- streiten sie, sich strafbar gemacht zu haben. Die junge Frau leugnet nicht, mit ihrem Stiefsohn im Hotel übernachtet zu haben, und gibt auch zu, sich einmal vor ihrem Mann im Schrank versteckt zu haben: das olles sei jedoch nur aus Furcht vor ihrem Mann geschehen, der sie mißhandelt habe: Sie habe bei ihrem Stiefsohn Zuflucht gesucht. Der Alte spritzt Gift und Galle:„Sie haben Blutschande getrieben, ich habe feste Beweise dafür."—„Sie hoben die Mutter geschlagen und beschimpft", ruft ihm der Sohn zu.—„Brauchst mir gar nicht Sie zu sagen, du Verderber und Zerstörer meiner Ehe", schreit der Alte,„du hast sie oerführt, anfangs hat sie dir widerstanden, später konnte sie es nicht mehr. Vier Wochen habe ich es zugesehen, dann habe ich dich hinausgeworfen..." Der Staatsanwalt beantragte wegen Blutschande gegen die Stiefmutter vier Monate, gegen den Stiefsohn sechs Monate Ge- fängnis. Handle es sich in diesem Falle auch nicht um Blutsver- wandte, so fordert das Gesetz doch, daß der Sohn die Ehe seines Vaters respektiere. Dos lehle Wort der Angeklagten bringt eine unerwartete Wendung. Der Borsitzende, Landgerichtsdirektor Masur, bemüht, den beiden unglückseligen Angeklagten zu helfen, greift eine Andeutung des Verteidigers auf und fragt Stiefmutter und Stiefsohn, ob nicht zwischen ihnen intime Beziehungen harmloserer Art bestanden hätten. Die Stiefmutter bestreitet auch das, der Stiefsohn gibt es zu. Unter Ausschluß der gesamten OeffenUichkeit, auch der Presse, schüttet die unglückliche Frau ihr Herz aus. Dos Gericht sprach die Angeklagten frei. Der Alte schien vor Wut platzen zu wollen. Um die Lippen der jungen Frau zuckte so was wie Lächeln: Sie ist Siegerin geblieben. Das sinnlose Gesetz wird aber nach wie vor ihre Liebe zum Stiefsohn um- lauern und bedrohen und ihr Mann muß wieder mit ihrer Mutter, feiner Schwiegermutter in.Liebe" vereinigt, sich nach wie vor zum Hüter von Moral und Sittlichkeit aufspielen. Klar stellt klar. Wer aber ist der Klar in Mährisch-Ostrau? Der seltene Fall, daß sich für eine Unterschlagung zwei Defraudaulen finde». Heck sich jetzt bei dem Buchhalter Fritz Klar ereignet. Bereits im.Llbeud" hotten wir mitgeteilt, daß der richtige Fritz Slor sich dem Amtsgericht BerUn-BUlte selber ge- slelli halte, so daß also der von deu tschechischen Grenzbeamten als der flüchtige Fritz Klar Festgenommene unmöglich der Gesuchte sein konnte. Bor einem Berliner Rechisauwoll und späterhin vor dem Unters uchuagsrichter Hai Klar Aussagen gemacht, die folgendes Bild ergeben.,..... Am Dienstag war. wie erinnerlich, aus Mährisch-Ostrau in der Tschechoslowakei die Meldung eingegangen, daß dort der ver- folgte Dcfraudont Fritz Klar festgenommen worden sei. Er hatte am 2. April mit einem Kraftwagen, der eine ostpreußische Rummer trug, die Grenze überschritten. Man mußte also annehmen, daß noch der Verhaftung in Mährisch-Ostrau die Fahndung nach dem Defraudanten erledigt sei. Da stellte sich unerwartet am Mittwoch bei dein Berliner Rechtsanwalt Dr. Frey ein Mann, der sich eben- falls Fritz Klar nannte und sich der Veruntreuung an der Berliner Allgemeinen deutschen Versicherung? A.-G. bezichtigte. Wie die Nachprüfung ergab, war dieser Fritz Klar der richtige Defraudani. In Begleitung des Anwalts gelangte Klar nach Moabit und wiederholte vor dem Richter fein Geständnis. Er be- stättgt, daß sich die Summe auf etwa 129 990 M. beläuft. Zu seiner Entlastung macht er jedoch Angaben, die noch der Nachprüfung be- dürfen. Nach fewer Darstellung hat mit den Veruntreuungen ein inzwischen verstorbene« Vorstandsmitglied begonnen. Das böse Bei- spiel Hab« ihn. Klar, verleitet, auch für seine eigene Tasche die Kaste anzugreifen. Er behauptet jetzt, daß für ihn persönlich nur etwa 1ö 999 b i s 29 909 M. abgefallen seien. Als das Mit- glied im vergangenen Herbst verstorben war, hätten seine eigenen Unterschlagungen erst eine geringe Höhe erreicht gehabt. Wie er sagt, befürchtete er, daß man ihm, dem Lebenden, das ganze Defizit zur Last legen und daß er keine Gelegenheit mehr haben würde. das Gegenteil zu beweisen. Um nun sein Manko wieder herein- zubringen, habe er angefangen zu wetten und immer auf den großen Schlag gehofft. Der blieb natürlich aus. Schließ- lich kam es zur Entdeckung und zur Flucht. Er hat sich, nachdem er aus Berlin verschwunden war, zunächst mit seiner Frau zusammen in H a i l e a. d. S. und später allein in Leipzig und Dresden aufgehalten. Vor einigen Tagen kehrte er nach Berlin zurück, hielt sich aber noch verborgen. Erst am Mittwoch faßte er sich ein Herz und suchte den Anwalt auf. Gegen diesen Klar ist aus Grund der Selbstbeschuidigung vom Richter Haftbefehl erlösten worden. Zu klären ist noch die Frage, wer nun der Klar ist, den man in der Tschechoslowakei erwischte. Aus Brünn ist inzwischen ein Telegramm eingegangen, in dem die Festnahme des Klar in Mährisch-Ostrau als Irrtum festgestellt wird. Ein ausklärender Be- richt ist in Aussicht gestellt. Magistrat beschlußfähig. Richtigstellung einer irrigen Auffassung. Ein Berliner Blall verbreitete gestern die Mitteilung, daß der Magifirak, der am Mittwoch wie stets eine Sitzung abgehalten hat, befchlußunfShig fein soll, da zur BefchlußsShigkeil angeblich die Anwesenheit von 1Z Mitgliedern erforderlich sei. Diese Aufsassnug ist irrig. Der ß 56 der Skädleordnnng bestimmt. daß der Magistrat Beschlüsse fasten kann, wenn mindestens die Hälfte der Mitglieder anwesend ist, bestimmt aber weiter für Sladl- gemeindeu, die mehr als 199 999 Einwohner haben, daß mindestens ein Drittel der Mitglieder des Magistrats zugegen sein müssen. Mut) der allen Magistralszusammensetzung von 24 Magistratsmitgtiedec» müßten zur Beschlußfähigkeit mindestens 8 Mitglieder anwesend sein. Da der neue Magistrat nur 18 Mitglieder zählt, genügt zur Befchlußsähigkeit die Anwesenheit von 6 Mitglieder». 3n der Sitzung am Mittwoch waren aber g Magist ratsmitgticder anwesend, so daß der Magistrat beschlußfähig war. E» wurde« in der Sitzung jedoch nur die lausenden Berwaltungsgeschäfle erledigt. Zu irgendwelchen wichtigen Beschlüssen wird es vor der Wahl des Oberbürgermeisters vnd der übrigen„neuen Herren" von Berlin natürlich nicht mehr kommen. Jus Waffer! Mutter stürzt sich mit zwei Kindern in den Rover. B u n z l 0 u, 8. April.' Gestern nachmittag sprang die Frau des Arbeiters G r a f e aus Eckersdorf bei Bunzlau mit ihren beiden Kindern im Alter vou ein und zwei Jahren an einer tiefen Stelle in den Bobermühl- graben. Die drei Leichen wurden später geborgen. Nach Erklärungen des Ehemanns kann von ehelichen Zwistigkeiien keine Bede sein, wahrscheinlich hat die Frau die Tat in einem Anfall geistiger Umnachtung begangen. pflegt Graber und Llrnensiellen. Um den Friedhöfen zu Beginn des Frühjahres ein würdiges und sauberes Aussehen zu geben, wird die Berliner Bevölkerung gebeten, verwelkte Blumen und Kränze von den Gräber» und Urnenstellen ihrer Angehörigen bis zum IS April zu ern- fernen. Das gleiche gilt für Ausschmückungsgegenstände und Wasser- b ehälter, die unansehnlich geworden sind. Nach den Bestimmungen der Friedhofsordnung der Stadt Berlin ist die Friedhofsverwal- tu na sonst berechtigt, die Säuberung der Gräber nach ihrem Ermessen vorzunehmen. Gleichzeitig wird daraus aufmerksam gemacht, daß mit dem 1. April das Gießen und Pflegen der Gräber beginnt. Damit dies rechtzeitig ausgeführt werden kann, wird gebeten, Bestellungen dieser Art schon jetzt vorzunehmen Wie das Bezirksamt Wedding mitteilt, können die Bestellungen für die städtischen Friedhöfe Gericht- und Scestroße im Büro des Kremo ioriums in der Gerichtstraße 37/38 während der Dienststunden: wochentags von 9— 13 Uhr und Sonnabends vairg— 12 Uhr ausgegeben werden Herabsechnttg der Vergnügungssteuer? Wie mitgeteilt wird, hat der von der Stadtverordnetenverjamm- lung zur Neuregelung der V e r g n ü g u n g s st e u« r f ra g e ein- gesetzte Unterausschuß in seiner heutigen Sitzung befch1osse:i, die Vergnügungssteuer für Lichtspieltheater von 19 auf 12, von 121-- auf 19 und von 9 auf 7 Proz. herabzusetzen. Auf der Dienftfahrt einem Herzschlag erlege». Der Berliner Polizeihauptmann Möglich, der zu einem Majorkursus in der Höheren Polizeischule in Eiche kommandiert war, ist während der Fahrt dorthin einem Herzschlag erlegen. Auch Lene sagt nichts. Wenn sie sprechen würde, müßte sie weinen, das weiß sie. Dies also ist das Ende, und das hat es ihn gekostet... so viel hat ihn seine Liebe gekostet: seine Demut; sein— Heldentum. Noch nie hat sie das so be- griffen wie heute, daß er, der da blaß neben ihr sitzt, ein Held ist. Jeder andere hätte nach seiner Lunge gelebt, und nicht nach feinem Herzen: hätte sich gewahrt, geschont: hätte sein Leben gestreckt: er hat gearbeitet, gedient... Was ist größer: Kampf mit dem Leben oder Hingabe ans Leben? Sie weiß es nicht: weiß nur: beides ist schwer. Lichter sind um das Auto: Straßenlaternen. Ein. Tor in grauer Mauer, undeutlich aufwehend, ein erleuchtetes rotes Kreuz in weißem Rundfelde, ein Portal. Der Wagen hält. Das besorgte Bartgesicht des Arztes:„Na, gut überstanden? Gott sei Dank!" Ein lauter Portier; leise segelnde Schwesternhauben: ein hastiges Arztgespräch.„Blutsturz, ja. Tbc-, offen, Phthsic-, jawohl. Zehn Jahre schon." Achselzucken. Eine der Schwesternhauben schwimmt lautlos an Schmitz« heran.»Herr Schmitzer, nicht wahr? Litte, kommen Sie." Er, steht vor Lene, hält sich an ihrer Hand. Sie denkt: Ach du armer, häßlicher Mund, der du geblutet hast, geblutet für mich! Aber sie kann nur weniges sagen:„Ich danke Ihnen. Und ich komme bald, und... werden Sic gesund.. Das gute weiße Segel geleitet ihn; er versinkt im Halb- dunkel irgendeines Ganges, unter irgendeiner Nummer, die in den Augen verschwimmt. „Glauben Sie, daß es gut geht. Herr Doktor?" „Man soll nie die Hoffnung verlieren. Fräulein Papen- dieck. Auf dem Gebiet der Tuberkulosebekämpfung ist in den letzten Jahren viel, sehr viel erreicht worden. Bitte, wir kv ollen fahren." Schienen schimmern, meilenlange Schienen, blaß und starr. Sie sind um das Land gespannt als ein mächtiger, mattsilberner Gürtel. Manchmal beginnt es in ihren Gelenken leise zu beben, zu klirren. Dann legen sie sich fest auf die Schwellen. Dann kommen ihre Herren, die Räder. Im Bruch- teil einer Sekunde sind sie vorüber. Aber sie rollen sich heiß seit Stunden. Sie müssen noch weiter rollen für Stunden. Sic hoben Herkunft und Ziel. Ihre Achsen kreischen, denn es ruhen Wagen darauf. Die Wagen sind schwer, denn es ruhen Lasten darin. Spargel etwa. Spargel von Schlaßheide nach Hamburg. Bleich blickt der durch die offene Wagentür nach draußen. Das Bild des Landes wandelte sich. Die Erde ward schwarz und schwer. Die letzten Körner vom leichten, gelben Sande der Mark werden in die Fugen der Bretter geschüttelt und versinken. Der Spargel ist allein, mitten in fremdem Land, mitten in Rübenland, Weizenland, Wiesenland. Vorüber. Es ruckt unter ihm: eine Weiche. Es donnert unter ihm: «ine Brücke. Es rauscht unter ihm: ein Fluß. Zwanzigmal so breit wie die Blecke, zwanzigmal so schmal wie der See. Vorüber. Alles bleibt liegen. Unter ihm, neben ihm; über ihm bleiben die Sterne stehen. Es fährt nur. es rast nur vor- wärts der Spargel vom Stubbenland. Sie müssen alle auf den Herbst warten, die schweren, reichen Früchte da unten Nur er kommt mit dem Frühling. Der Spargel vom Stubben- land fährt Triumph. „Schläft der Patient?" Die Schwester, die in dieser Nacht bei Siegfried Schmitzer wacht, ist aufgestanden.„Unruhig, Herr Doktor." „Temperatur?" „Achtundreißigfünf, Herr Doktor." „Also kaum was zu befürchten für heute Nacht. Wieder so ein Fall, den wir wahrscheinlich abgeben werden. Wissen Sie, wie damals Nr. 56. Schwere Tb, also doch wohl Plastik. Schwierige Operation, auf die wir hier nicht so geoicht sind. In Berlin machen sie das jeden Tag. Haben Sie schon Sputum genommen?" „Jawohl. Herr Doktor." „Blutproben?" „Nein, Herr Doktor." „Also gleich morgen früh.— Was sagt er da?" Jix redet immerzu vom Spargel, Herr Doktor." „Sehr ulkig. Gute Nacht, Schwester." „Gute Nacht, Herr Doktor." Die Schwester setzt sich wieder und liest. Der Mann im Bett verhält sich ziemlich ruhig. Nur ab und zu macht er mit den Händen buddelnde Bewegungen. Immer mehr Schienen. Immer mehr Weichen. Und immer mehr Frühe. Der Fluß wird nochmals überquert: ist jetzt so breit geworden wie der See. Häuser. Schlote. Signale. Signale... olles hat sich verändert. Nur der Spargel ist sich gleich geblieben. Der Zug steht vor der Rampe des Güterbahnhofs. Ein Mann in Zivil geht den Zug entlang, einen Frachtbrief in den gestikulierenden Händen. Gemüsehändler mit ihren Karren hinter sich.„Wo ist der Spargel?" Jetzt bleibt er vor dem Wagen mit der Kreideaufschrist stehen.„Platz!" schreit er in den halben Lärm beginnender Tagcsarbeit hinein.„Platz für den Spargel!" * Am Tage nach Schmitzers Unfall und Hansens Tod sind Andreas Korn und Paul Maschke mit der Bahn in die Kreis- stadt gefahren. Sie lzoben die Unterschriften geleistet, und es ist ihnen daraufhin gelungen, bei der Krciobank einen große- ren Lorschuß auf die Hyotheken zu bekommen. Für diesen einen Tag haben sie sich daher ein Auto zur Beförderung des Spargels mieten können, und am Tage darauf haben sie ein neues Pferd gekauft: es ist eine alle Stute, die sich billig stellte, und sie haben olle zur Kaufsumme beigetragen, weil sich der Hans in ihrer aller Dienst abgerackert halle.' Eine Woche später ist dann die Hypothek ausgezahlt worden, und sie haben sich Arbeitskräfte mieten können. Es wurde Zeit dazu: denn der schwache Körper Anna Maschkes zeigt schon jetzt alle Merkmale der Schwangerschaft und hindert sie an harter Arbeit. Wieder drei Wochen danach, am Johannistage, haben sie den letzten Spargel gestochen, und über den Sandhügeln liegt nun der grüne Schleier des Lebens: die Stauden schießen ins Licht, als wären sie nicht zehn Wochen lang Tag für Tag verwundet worden. Die Schlußabrechnung aus Hamburg liegt vor; sie ergibt fast doppelt soviel Ein- nahmen, als sie vor Beginn der Ernte errechnet hatten. Auch das ist allerdings nur so viel, daß sie bei allerbescheidensten Ansprüchen bis zur nächsten Kampagne werden leben können: aber das ist mehr, als sie aus diesem Sand erwarten dursten. (Fortsetzung folgt.) Berlins Lungen weiten sich Die Großstadt wird gelüftet Ueberall neue Freiflächen und Anlagen Auf eigenen Wunsch ermordet. Toller Versicherungsbetrug mit dem Leben bezahlt. Nur unsere an Widersprüchen und Unbegreiflich- ketten überreiche Zeit kann etwas so TolleS entstehen lassen wie den wachstehend geschilderten Fall: Um seiner Familie eine Versicherungssumme zukommen zu lassen� verpflichtet ein hochversichertcr Mensch einen anderen» ihn zu ermorden« Vor einigen Wochen, so wird aus B u d a p e st gemeldet, war im Personenzug Budapest— Keczkomet(etwa 100 Kilometer südöstlich von Budapest) der Kaufmann Karl Steinherz mit tödlichen Verletzungen, die von chammerschlägcn herrührten, aufgefunden worden. Als festgestellt wurde, daß er lurz vorher Versicherungen auf hohe Summen abgeschlossen hatte, entstand der Verdacht eines Ver- stcherungsbetrugcs. Die Budapester Polizei verständigte auch die Wiener Polizeibehörde, die auf emcn Häftling aufmerksam wurde. der sich drei Tage lang untcrkunftsloz in Wien aufhielt und Fischt heißt. Dieser gestand die Tat ein und gab an, von Steinherz dafür gedungen worden zu sein. Der Plan scheiterte jedock daran, daß Fischl sehr hart dreinschlug und den Steinherz tödlich i verwundete. Fischl gab an, für die Ausführung der Tat von Steinherz 5000 Dollar versprochen erhalten zu haben, die er bei einer ihm genannten Wiener Adresse habe abholen sollen. Später stellte sich jedoch heraus, daß die Adresse fingiert war. Fischl hatte bereits vor der Tat eine goldene Uhr, 35 Pengö und den Hammer. mit dem er die Schläge gegen Steinherz führte, erhallen. Steinherz hat noch kurz vor seinem Tode eine falsche Personenbeschreibung von dem Mörder gegeben, um damit die Bersicherungssumme wenigstens seiner Familie zu sichern. Indes dürfte die Versiche- rungsgefellschaft der Zahlungspflicht entgehen, da Steinherz er- wiefenermaßen seinen Tod selbst verursacht hat. Einer mit dem Beamtenkoller. Kriegsverlehter beschimpft die Republik. Ja welcher Weise kommunistisch verhetzte Arbeiter ihre unbegründete Wut gegen sozialdemokratische Beamte und die Republik auslassen, erfuhr man wieder einmal in einer Rloabiter Gerichtsverhandlung. Der Bildhauer K., fünfzig Prozent kriegsbeschädigt, erhält eine Rente in Höhe von 170 Mk. monatlich. Jedesmal, wenn er in das Wohlfahrtsamt Prenzlauer Berg kommt, um feine Rente zu erheben, schimpft er als treues ÄPD.-Mitglled auf die Beamten des Wohlfahrtsamtes, die zur Sozialdemokratie gehören und hetzt die anderen. Kriegsbeschädigten gegen sie auf. Schließlich wird es den Beamten zu bunt; sie verbieten dem K. das Haus, die monatliche Rente erhält er in drei Raten zugeschickt. Als er eines Tages trotzdem das Wohliahrtsamt aufsucht, wird er wegen Haus- friedensbruchs unter Zubilligung einer Bewährungsfrist zu einer geringen Strafe verurteilt. Am 12. August ist wieder einmal seine Rente fällig, am 11. ist Berfassungsfeier. der 9. fällt auf einen Sonntag. Am 8. August erscheint K. trotz des- Hausverbotes und des gegen ihn ergangenen Urteils im Wohlfahrtsamt und fordert die Aushändigung seiner Rente.- Man erklärt ihm, daß das Geld bereits überwiesen sei und rät ihm, seiner Wege zu gehen, da ja gegen ihn das Hausverbot oerhangt fei. Das bringt den Mann: auf. Ja der tolliren Weife be- jchimpft er- die Beamten ustd schmäht, e�.die.Republit.�Die Bea>ntest wollen sich-das-nicht gefallen lasfest- Das Wohlfahrtsamt stellt Straf-: anzeige. K. hat sich vor dem' Schöffengericht Berlin- Mitte wogen Beschimpfung der Republlk und wegen Hausfriedens- bruchs zu verantworten. Er ist übrigens bereits einmal auch wegen Körperverletzung vorbestraft. Er bestreitet, die ihm zur Last gelegten Ausdrücke gebraucht zu haben; er habe nur gesagt, man solle ihn nicht wie einen Strolch behandeln; er habe nur von einer saube- r e n Republik, nicht aber von einer„S a u r e p u b l i k" gesprochen. Die Beamten bestätigen unter ihrem Eide das Gegenteil. Als der Staatsanwall vier Monate Gefängnis beantragt, schreit der An- geklagte etwas von Komplott gegen ihn und verläßt den Gerichtssaal. Das. Gericht verurteilte den Wann zu einem Monat Gefängnis, billigte ihm aber eine Bewährungsfrist zu. Nazis trauten sich nicht! Die Mahlsdorf er Parteigenossen veranstalteten kürzlich eine öffentliche Volksversammlung mit Redefreiheit für die Nationalsozialisten. Wie erinnertich, sorderte die NSDAP, zum 15. Oktober ihre Anhänger«uf, die„marxistische Hochburg� in Mahlsdorf durch Besuch ihrer Versammlung zu erobern. Diese Ver- fammlung war seinerzeit von den Sozialdemokraten voll besetzt worden, da eine Diskussion abgelehnt wurde, zogen wir geschloffen ab und es blieb ein Bäckerdutzend von Anhängern der Nazis zurück. Jetzt hatten die Nationasozialisten Gelegenheit, ihre Angriffe öffent- lich vorzutragen, machten aber davon keinen Gebrauch. Genosse Gottlieb Rees« zeigte' in treffenden Ausführungen das wahre Ge- ficht des Nationalsozialismus und den wahren Charakter dieser Par- tei. die lediglich dem Großgrundbefftz und dem Großkapitalismus helfen will, und schilderte die Praxis der Hakenkreuzler. In Thü- ringen z. B. erhielten die sozialdemokratischen Minister 19Z4 7500 M. GeHall, während der Nationalsozialist F r i ck sich sein Gehalt auf etwa 19 000 W. erhöhte. Aber auch die innerlich hohle Struktur dieser Partei wurde gezeigt sowie Proben pus den, sogenannten Wirtschaftsprogrammen vorgelesen. Obwohl Nationalsozialisten an- wescnd waren, nahmen sie nicht das Wort. Die Partei des Maulheldentums hat wieder gezeigt, daß sie nie imstande sein wird, sich sachlich auseinanderzusetzen, weil an und für sich jede sachfichc Grund- läge zu ihrer Existenz fehlt. Die Versammlung schloß mit einem Hoch aus die Sozialvemokrotie. Als Gratulant bei der Hundertjährigen. Ein seltenes Fest, ihren hundertjährigen Geburtstag konnte in diesen Tagen Frau Luise Michaelis in Frankfurt a. d. O begehen. Leider konnte die Jubilarin diesen Tag nicht im Kreise chrer Angehörigen verleben, da sie sich fett Monaten infolge eines Bein- bruches in Krankenhausbehandlung befindet Die Landes- Versicherungsanstalt Berlin, in deren Bezirk Frwr Mchaelis früher wohnte und von der seit 21 Jahren eine Invaliden- rente gezahll wird, ließ es sich nicht nehmen, ihrer älleften Renten- »mpfängerin durch einen Vertreter des Vorstandes unter Usber- «ichung einer Blumenspende und eines namhaften Geldgeschenks die Glückwünsche des Borstandes aussprechen zu lassen Interessant und erwähnenswert ist auch hier dag Verhältnis der Leistungen der Sandesversicherungsanstalt gegenüber den Beitragsleifwngsn der Hundettjährigenn, die mit ihrem Arbeitgeber zusammen nur einen Betrag von 2L,84 Mark zur Invalidenversicherung eingezahlt hat. Dies« Betrag würde als Sparguthaben eine Aufwertung von Die Frühjahrs arbeilcu haben diesmal wegen des lange anhaltenden Bodenfrostes starke Verzögerungen erlitten und noch vor ein paar Tagea hieß es:..Wenn jetzt Vicht bald Regen kommt, der uns den Bodes ausweicht, dann wird die Sache kritisch: tagsüber Sonne und nachts Frost, die pflanze atmet uad kann kein Wasser ziehen!� Ein bißchen guten Willen hat Petrus ja inzwischen gezeigt und es bleibt zu hoffen, daß die Frühjahrsbestellung jetzt raschere Fort- schritte machen kann. Inzwischen' ist man noch mit W i n t e r a r b e i t beschäftigt. hackt Holz, entfernt Unkraut' das den Iuugpflanzen die ohnedies so rare Bodenfeuchtigkeit wegnimmt, und säubert den Grunewald von Abfallresten, wobei die Äusflüglervisttenkarten keine allzu große Rolls spielen! Daneben gibt es dann Ausbesserungsarbeiten an den Geländen, Neuanlagen im abgeholzten Gebiet. Saat und Pflanzung müssen beizeiten fertig sein. Schleunigst müssen, sobald der Bode» offen ist, die Pflanzentulturen gesetzt werden, denn die zarten dies- jahrigen Kiefcrnpflänzchen bedürfen zur guten Entwicklung der Feuchtigkeit des Winterbodens. Das„Fegen" des Waldteppichs macht schon so allerhand Arbeit und es ist hierfür noch kein geeigneter Rüttelbesen oder Staubsauger konstruiert worden; die allgemeine Säuberung erfordert etwa 1000 Arbeitstage. An ständigem Personal sind hierfür durchschnittlich 250 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt, in der Saison erhöht sich der Personalstand etwa auf das Dopelle: die Männer verrichten die schwerere, die Frauen die leichtere Arbeit, insbesondere das Pflanzen. Pro Jahr wird ungefähr 1 Proz. der' gesamten Boden- fläche neu bepflanzt; Berlin besitzt 230 Hektar, auf 1 Hektar kommen 250000 bis 300 000 gesäte Samenkörner, bei den Pflanzungen auf 1 Hektar 14000 Pflanzen, dies messt einjährige, da sie später schwer gedeihen. Die Kulturen werden teilweise selbst gezogen, jedes Forst- revier besitzt, wo es gute Flächen gibt, eigene Saat- und Pflanze»schulen. Zum Teil werben die Iungpflanzen auch gekauft, das Zentrum der deutschen Pflanzenzucht befindet sich in der Hamburger Gegend, bei Holstenbeck, wo der Boden infolge günstiger Riederschlagsverhältnssse sehr geeignet ist. 20 einreihige Drillmaschinen verrichten die Säarbeit, aber nicht jedes Samenkorn fällt auf fruchtbaren Boden und aus den 300 000 Samenkörnern, die pro Hektar gesät werden, erstehen später bloß 200 000 Kiefern, dos übrige hat der Wind verweht oder ist sonstwie umgekommen. Alle 20 Zahre wird da, Arbeitsprogramm für den Grunewald aufgefielll. olle 10 Zahre wird pflanzeninveatur gemacht. In jeden, Jahre aber freut sich der Grunewald seiner Gäste und schmückt sich zu ihrem Empfang. 1000 Morgen Grünanlagen in Treptow. Der Bezirk Treptow, der über die meisten und größten Spielwiesen— 13 an der Zahl mit einer Belegschaft bon über 100 Schulen und Vereinen— verfügt, hat allerhand zu tun. die stark beanspruchten und abgenutzten Grünflächen wieder in Schuß zu bringen. Künstlicher Dung mit Kali und Kalk im Winter, mit. Stickstoflpräparaten im Frühjahr helfen dem Boden wieder auf die Beine, im Turnus von fünf Jahren kommt jede Wiese einmal daran. 125 ständige Arbeitskräfte, die dürch Saisonarbeiter noch -Maßgabe der' viKhänddeen-Mitt'el�verst«kt-werd»nr bearbeiten den Boden,. säen und pflanzen. Bei Neuanlagen und Zusatzarbelten trachtet man nach Möglichkeit W o hs f a hrtsunter stü tz l e heranzuziehen. Auch hier drängt die Arbeit, denn Mitte Mai müssen spätestens die Spielwiesen den. Schulen und Vereinen zur Verfügung stehe». Eine besondere Mischung von Grassamen ergibt das für starke Benutzung, verwendbare Gras. Im Treptower Park werden alljährlich Rachpflanzungen vorgenommen, wobei der i�oden rigolt, d. h. aufgelockert und'60 Zentimeter tief gegraben werden muß. In. der Wuh lh e i d e werden im. Voltspark Er- Weiterungen vorgenommen, und zwar werden an der Treskowallee 50 000 kleine Waldgehölze,"Birken, Akazien, Ahorn ujw. gepflanzt. Ebenso werden neue Weganlagcn geschaffen. Die 60 Morgen große städtische Baumschule liefert alles Nokwendige wie Sträucher. Alleebäume und 200 000 Pflanzen. 80 000 Steckhölzer, im Winter geschnitten, werden jetzt für Sträucher gesteckt, 120 000 Wurzel- stecllinge werden ausgepflanzt. Treptow besitzt 25 000 Alleebäume, deren Betreuung ebenfalls allerhand zu tun gibt, da die Raupen- plage, und zwar eine bestimmte Sorte, der Goldaiter, den Bäumen viel zu schaffen macht. Im Winter müssen die Raupennester her- etwa 4 Mark erhalten haben, während die alte Dame an Rente. ungerechnet die Zahlungen in der Inflationszeit, bis jetzt die statt- liche Summe von 4140 Mark erhallen hat. Gewiß handelt es sich um einen Ausnahmefall, aber gerade deshalb wirkt er um so mehr als Beweis dafür, daß der in der heutigen Zeit vielfach propagierte Sparzwang an Stelle der Invalidenversicherung diese niemals er- setzen kann. Moiorschiff im Exirazug. Oas größte Schiff der Masurischen Seen. Dieser Tage ist auf der Schichau-Werft in Königsberg ein neues Motorschiff vom Stapel gelaufen, das für den Passagierverkehr auf den Masurischen Seen bestimmt ist und zu Beginn des Sommers feine Fahrten aufnehmen wird. Das neue Motorschiff, das den Namen„Ostmark" trägt, ist 28 Meter lang und 4,10 Meter breit und vermag 250 Passagiere zu fassen. Eine Maschine von 165?S verleiht ihm eine Geschwindigkell von 24 Kilometer in der Stunde. Die„Ostmark" wird damit das schnellste Schiff der Ma- surischen Seen sein. Neben dem geräumigen Deck stehen den Passa- gieren auch ein großer Speisesaal und ein Salon zur Per- fügung. Das Motorschiff wird hauptsächlich die Strecke Lätzen— Rudezanny befahren, also auf dem Lowentin- und dem Spir- dingsee verkehren. Der Transport des in Königsberg erbauten Schiffes nach seinem Heimachafen Lötzen muß mit der Eisen- bahn erfolgen und dürfte ein Lerkehrskuriosum darstellen. Wegen der Brette, des Schiffes darf der Zug. der das Schiff noch Lötzen bringt, keinem anderen Zuge begegnen. Aus diesem Grunde mußte für den Exttazug des Schiffetransports eiu eigener Fahrplan ausgearbeitet werden. In Lötzen erhall das Schiff die letzte Inneneinrichtung und wird dann zu Beginn des Sommers dem Ausflugsverkehr übergeben werden. Die Ordner der Proleiarischen Feierslundeu übernehmen an: Sonntag, dem 12. Aprtt, zur Zehnjahrsseier der Kindersreunde den Orötterdienst und treffen sich am Sonntag um>-10 Uhr, im Großen Schcnsspielhi»«.(Rnga�' �iffbäuerdomM�....." ausgeschnitten werden und es finden sich oft an einem Zweig Hmtderte dieser Schädlinge; mit der Drahtbürste wird der Schwamm- spinner abgekratzt, für den Bogelschutz werden im Winter alle Rist- hohlen nochgesehen— deren es 700 Stück gibt— sie werden mit frischem Torsmull gefüllt, Unreinlichkeiten. wie tote Tiere und Eier daraus entfernt; Sträucher werden als Nsstgelegenhellen oben zusammengebunden, für Frau Nachtigall schichtet man Reisig- Haufen als Nestunterlage. Frühling auf dem Wedding. Auch der Bezirk Wcdding wartet mtt einem gärtnerischen Frühjohrsprogramm auf; un Humboldthain wird eine große Lagerwiese eingerichtet, um all den Menschen, die dicht bei dicht in dem stemernen Häusermeer leben, eine neue Erholungsstätte zu schassen. Dieses Terrain, das die frühere Rodelbahu, den Fußball- platz und sonstige Rasenflächen umfaßt, bettägt 30 000 Quadrat- meter. Die Rodelbahn wird all eine andere Stelle verlegt und hierfür«ine richtige Ncuanlage geschaffen: wcller ist an der Wind- huker Straße aus einem allen Fenngelände, nach Senkung des Grundwasserspiegels eine 10 000 Quadratmeter große Teich- a n l a g e geschaffen worden. Die Wasserfläche soll durch Geflügel aller Art belebt werden. Außerdem sst der Uferweg P l ö tz e n s e e durch Hinzunahme der Rcstslächen erwellert worden, so daß er jetzt um den ganzen See führt; ein durch alten Baumbestand sehr idyllisches Gelände von 15 000 Quadratmeter konnte den Gesanu- oittagen mtt eingefügt werden. Durchgangswege zwischen dem Volkspark Rehberge, dem Plotzensee und dem Höhenzollern- tanal sollen eine bessere Verbindung der verschiedenen' Anlagen herstellen. Für die Arbetten konnten rund 200 Wohlfahrtserwerbs- lose Arbeit finden, neben dem ständigen Arbeitspcrstmal von etwa 126 Kräften. Auch Tempelhof macht sich schön. Auch die Grünflächen des Bezirkes Tempel Hof erfahren allerhand Nvuanpflanzungen und Erweiterungen. 650 000 Ouadrot- meter Bodenfläche des Tempelhofer Ostfeldes, angrenzend an das Flugplatzgelände, werden als Sport- uird Erholungsgebiet bearbeitet, mtt Gras- und Blumenfamen bepflanzt, um im nächsten Jahr seiner Bestimmung übergeben zu werden; niedrige Kugelbaume dienen als Rand« in fastung und Schmuck der einen Kllometer langen Prowc- nade, die vom historischen Steuerhaus bis zum Tempelhofer Ring- bahichof führen wird. Der Park gürte l der stadtischen Siedlung am westlichen Tempelhofer Feld wird erweitert; die Marichpkatz in All-Tempelhof wird als Schulsporrplatz ausgebaut, weiter soll eine Promenade mit Bänlen und ein Buddelplatz erstehen, der für die zahlreichen Kolonisten dringend erforderlich ist. In Märien- f« l d c werden mn städtischem Gebiet 450 Kleingarten- parzellen geschaffen, mir Spiel- und Festwiese, Kinderspielplatz und Aogelschutzgehölz. Der Siedlerkolonie am Tempelhofer Feld, die in ständiger Angit wegen Gebietsabtretung für den Flugplatz lebt, droht vorläufig leine Gefahr; der prächtige 23 Hektar große Maxi end orfer Volkspark erhall ein Riesenplonschbecken von 3000 Quadratmetern, am kleinen Teich wird ein llemer Wildpark mit Hirsches uttd Rchen" erskeyen. Die Rodelbahn'(350 Meter'lacht» wird erhöht; dann wird ein neuer Sport- und. Fußballplatz und«in Stadion geschaffen, dessen Ausbau mit Umkleidehallen, Tribunen und Badeeinrichtung allerdings einer späteren besseren Zeit vor- behalten bleiben muß. Eine Schwimmbahnanlage mit Strand ist geplant, ebenso die Anlage von Tennisplätzen.. An: Wulfilaufcr werden neue Spiel- und.Erholungsplätze geschaffen, spater Ist der Aufbau einer Promenade am Teltowlanal entlang, von Steg Iii; über Tempelhof nach Neukölln, gedacht. Auch Lichtenrade er- hält mehrere Neuanlagen von Grünslachen als Anlagegebietc, der Spielplatz in der Dorfaue und der Kaifer-Friedrich-Platz werden ausgebaut. Waldreste neu aufgeforstet. Insgesamt 800 Wohlsahtts- unterstützte, zumeist ungelernte Arbetter, konnten hierbei L«r- wcndung finden. Gegen 300 neue Baumpflaiizungon sollen der Verschönerung und Ausgestaltung. der Wege und Anlagen dienei,. Im Rahmen des Rotstandsprogranunes wird soviel wie uuiglich geschaffen, einmal um Arbeitsmöglichkett zu bieten, dann aber auch. um dem Großstädter«in wenig mehr Sauerstoff für die Lungen und ein wenig mehr Dafeinsfreude zu vermitteln. Llngetreuer Postschaffner. Auf einem Postamt in Pankow waren seit einiger Zeit mehrfach Klagen und Beschwerden über das Abhandenkommen von Briefsendungen eingegangen. Der Verdacht fiel auf einen 52 Jahre alten Possschaffner K., der an einem Sortiertisch beschäftigt war. Gestern wurde er unerwartet in das Direktionszimmer gerufen und zur Rede gestellt. Bei einer Untersuchung ergab sich, daß er Briefe entwendet und sie in seinen'Unterhosen versteckt hatte. Er nahm mir solche Sendungen, in denen er Geldscheine vermutete. K. ist gestündig, die Diebereien schon seit geraumer Zeit verübt und die unterschlagenen Briefe nach der Bc- raubung vernichtet zu haben. Er wurde verhafter und wird dem Richter vorgeführt werden. Aegypten-Fahrt des Zrppeliu. Friedrichshafeo. 8. April. Wie der Luftschiffbau Zeppelin mitteill, wird das Lustschiff„Graf Zeppelin" heute(Donnerstag) früh etwa 6 Uhr unter Führung von Dr. Eckener, der am Dienstag von seiner Amerikareis« zurückgekehrt ist, zu der geplanten Aegyptenfahrt aus- steigen. An der Fahrt werden 24 Passagiere teilnehmen.„Graf Zeppelin" wird aus der Hinfahrt wahrscheinlich die Strecke Rhone- abwärts über Marseille, Korsika, Rom, Neapel. Kreta, Alexandrien und bei der Rückfahrt entweder die über Konstantmopel— Schwarzes Ms«, oder Adria— Karst oder Italien— Rtzonetal wählen. Das Luft- schiff wird voraussichtlich am Sonnabendsruh um 8 Uhr in Kairo ein- treffen. Nach der Zwischenlandung und Auswechselung der Passa- giere wird es anschließend sofort zu der achtstündigen Rundfahrt über Aegypten und Palästina(Jerusalem) wieder aufsteigen. Mit der Kamera durch All-Verli». 3m Rahmen der„Photo. graphischen Führungen" des Photofchriftstellers H. Starke findet an, Sonntag, dem 12. April, ein Rundgang durch Äll-Berlin(Jiidenhrf bis Schloßhof) statt. Historische Erläuterungen und phototechnische Anweisungen begletten die Motivsrudien. Treffpunkt: E-Buhnhof Kllssterstraße, Ausgang Stralauer Straß«, 10 Uhr. Wie im Reichstag so in(Stendal. Heber ein Östliches kommunalem Vorkommnis weiß die ,.<3 e> m e i n d e", die Halbmonatsschrift für sozialistische Arbeit in Stadt und Land, zu berichten. In der chauptstadt der Altmark, in S t e n- dal. hat die letzte Stadtoerordnetenwahl den Sozialdemo- traten von 33 Mandaten nicht weniger als nahezu die 5? ä l s t e. nämlich 16 gebracht. Die Rechtsparteiler hatten aller- dings ihre Rqchnung ohne die vier Mann starke Beamtenfraktion gemacht, die besonders in Mieter-, Siedlungs-, Wohn-, Bodenreform- und anderen Fragen mit der Sozialdemokratie ging. Darob bei den Rechtsparteilern einschließlich der Nazis, dem Stahlhelm, dem Lieschen-Bund, der Wirtschastspartei usw. wilde Wut. Erst legten fünf Männekeas der„Nationalen Einheit" ihre Mandate nieder und oerschwanden aus dem Stadtparlament, dann taten acht Männlein der„Bürgerlichen Einheit" dasselbe. Die 16 Sozialiften halten aber mit den vier Beamtenoertretern zu- sammcn die Beschlußfähigkeit auftecht, und so leistet man erspricß- liche Arbeit ohne die Rechtsleute, wie im Reichstag.— Die„® e- m e i n d e", Verlag I, S). W. Dietz Nachs., Berlin SW) bringt weiter- hin wichtige Beiträge über Selbstverwaltung— Staatsaussicht— Staatskommissar von Willi Äonnemann, Besteuerung der toten Hand von Müthling-Wandsbek, Erwcrbslosennot und Gemeindehilfe von Dr. E. Rinner u. a._ VKJ. In Berlin ist die„Bereinigung k r a f t s a h r e n d e r Journalisten E. 25."(VkI.) gegründet worden. Dig Vereinigung hat nach der Satzung den Zweck, die beruf- licheu Ausgaben und Interessen der traftsahrenden Journalisten im Dienst der Allgemeinheit zu fördern. Mitglieder können nur Journalisten werden, die hauptberuflich an einer Tageszeitung oder einem Nachrichten- oder Korrespondenzbüro tätig sind und für ihre hauptberuflichen Aufgaben einen Kraft- wagen fahren. Der vorläufige Vorstand, der die Geschäfte bis zur ersten Generalversammlung führt, ist folgendermaßen zusammen- gesetzt: Vorsitzender Redakteur Paul Steinfurth.i Monaten durch eine Ehe legitimiert werden müssen. Man ist der Ansicht, daß die meisten dieser ungesetzlich vereinigten Paare Ungarn und Slowaken sind, die im Falle der Nicht- ersüllung dieser Bcrschriftcn aufgefordert werden sollen, das Land unverzüglich zu oerlajsen. Skala der Kraftmeier Der moderne„Haut-den- Lukas" als Berufsanzeiger Hin und wieder, auf den kleinen Rummelplätzen und in stillen Kneipen zumeist, stößt man auf sinnige Einrichtungen, die uns auf automatischem Wege eine umfassende Analyse unseres Kräfte- zuftandes geben; sie sagen uns auch gleich, in welchem Beruf wir unsere Kräfte am besten betätigen können. Zuweilen ist man leicht- gläubig und vertraut dann Dingen, denen man sonst skeptisch und mißtrauisch aus dem Wege geht: man tritt dann also auch einmal zu einem solchen Kraftmesser in nähere freundschaflliche Be- Ziehungen und läßt sich automatisch von ihm beraien, wobei man die überraschendsten Auskünfte kriegt. Gebaut ist dieses Ding wie eine Uhr. In das Zifferblatt find 49 Striche geritzt. Jeder Strich, mit einer Nummer darüber, bedeutet einen Beruf, wie einem die an das Gehäuse dieses Jnstru- rnents genagelte Tafel belehrt. Am Fuß der Uhr befinden sich zwei Hebel, die sich betätigen lassen. Mit aller Gewalt hcü man sie zu- sammenzudrücken, das Resultat der Zkrästeverausgabung zeigt sich dann auf der Uhr, dieser Skala der Kraftmeier. So sieht dieser moderne„Hoiü-den-Lukas" aus. Der alle freilich war romantischer und machte auch mehr Spaß. Man konnte ihm doch kräftig mit dem Hammer zu Leibe gehen und seinen Grimm an ihm austoben, und traf man gut, gab es hoch oben in der Luft bei dem Lukas einen tollen Knall, an dem die Umwelt und man selbst sich freute. Hier drückt man nur still und heimlich ein paar simple vernickelte Hebel, und wenn inan eine Hundcrtzahl geschafft hat, flammt ein kläglich blinkendes Birnchen auf oder es ertönt ein ebenso kläglich bimmeln- des Glöckchen, das ist alles. Dafür allerdings wird man dann von diesem Kraftmesser nun fa auch berufsberaten. Das konnte der gute alte 5)aut-den- Lukas, der in einer Zeit geboren wurde, in der man von Psycho- technik, Eignungsprüfung, rationalisiertem Betrieb und Berussaus- lese noch nichts ahnte, freilich nicht. Drückt man min also hier beispielsweise die Zahl 160, so weiß man sofort, daß man über die Kraft verfügt, wie sie ein Iockey braucht, ein Jockey. der herrliche Favoriten in aufregend interessanten Rennen über den grünen Rasen treibt und von den Abbaunöten eines im Gehalt ge- kürzten Bankbeamten, wie man selber unglückseligerweise einer ist, gar keine Ahnung hat. So automatisch unbestechlich und gut be- raten, wie man nun ist, wird man natürlich andern Tages sogleich die nötigen Konsequenzen ziehen und umsatteln— in den Iockeysitz. Nur muß man sich hüten, hinterher noch einmal an dieser Skosa für Kraftmeier zu drücken. Dann kann es nämlich sein, daß man, von der vorhergehenden Anstrengung erschöpft, um einige Grade auf dieser Musteluhr sinkt und nur 130 Zwingt, was dann ein Kammerjäger ist. Bielleicht überlegt man sich nach diesem überraschenden Resultat dann doch das Umsatteln und findet die ganze Berufsberatung dieses Automaten überhaupt ein wenig fragwürdig, zumal dann, wenn man nun noch ein drittes Mal druckt, nun aber unter Heranholung Allgemeine Wetterlage. S.�ppit.>193� abds. 0 wolkenlos. 0 heirw.QInlbbedeckf «wolkig,•bedeckt'ReoenjiGnupeln «Schfiee.sNebel.BGewiNedSiWwifctill« Unter dem Einfluß eines über Skandinavien befindlichen Hochdruckgebietes yerrschie am Mittwoch im größten Teile Deutschlands heiteres und trockenes Wetter. Nur ist Ostpreußen machle sich ein Tief über Rußland in einzelnen leichten Tchouerii bemerkbar. Die Temperaturen stiegen nur am Rhein aus 1Z bis 16 Grad Wärme. Im übrigen Reiche war c» ziemlich kühl; fast nirgends wurden inchr als 10 Grad Wärme in den Mittagsstunden gemessen. In Ostpreußen wurden sogar nur 2 bis Z Grad'Wärme als höchste Temperaturen beobachtet. Das obenerwähnte Hochdruckgebiet, das einen Kern von über 770 Millimeter Druck am Nordkap und einen anderen von etwa 7b7 Millimeter über Südschwede>i besitzt, wände ri jetzt langsam nach Osten. Sein Einfluß, der noch ziemlich weit nach Westen reicht, durste jedoch am Donnerstag bei uns noch bestehen bleiben, so daß mit dem Fortbestand des heiteren Wetters zu rechnen ist. -!- Wetleraussichlen für Berlin: Beständig und heiter, nachts sehr kühl, am Tage mild.— Für Deutschland: lieber all Forldauer des beständigen Wetters bei wenig oeränderten Temperaturen. aller noch verfügbaren Reserven, und sich dann gor als Detektiv etikettiert sieht, mit 230 Punkten, oder als Maler mit 270 Strichen. Mißtrauisch geworden, traut man nun„dem ganzen Schwindel" nicht mehr und betrachtet höhnisch diesen schlecht unterrichteten Kraft- messcr, ärgerlich darüber, oaß man sich in seiner Leichtgläubigkeit wieder einmal hinters Licht hat führen lassen und geglaubt hat, daß Buchhalter mit 40, Schneider mit 30, Ingenieure mit 80, Glasbläser mit 100, Friseure mit 110, Buchbinder mit 260, Weber mit 320, Chauffeure mit 360, Schmiede mit 480 und Athleten mit 300 Punk- t«n zu bewerten sind. Wo es die Zeltscheine gibt. Die Wanderlustigen werden daraus aufmerksam gemocht, daß die Ze l t s ch e i n e für das Jahr 1931 zum Preise von 2 Mgrk wieder bei der zentralen Forstocrwaltung im Stgdthau», in der Oberförsterei Oberspree am Bahnhof Friedrichshagen, in der Oberförsterei Spandau tn Spandau, Schönewalder Allee, und in der Oberförsterei Tegel zu hoben sind. Di« städtischen Zcltschei.ie gelten gleichzeitig für die Etaatsforsten der Provinz Brandenburg. Durch Entgegenkommen der Mecklenburg-Strelitzschen Forstverwol- tung ist es der städtischen Forstoerwaltung ermöglicht worden, Zelt- scheine auch für die mecklenburgischen Forsten in Berlin zum Originalpreis von 2 Mark auszugeben. Es kommt dies für Wanderer in Frage, die ihre Zelte am Müritzsee, Fürstenberg usw. ausschlagen wollen. Die Ausgabe der Scheine erfolgt durch die oben gsnaniiten Stellen mit Ausnahme der Oberförsterei Tegel. Hedwigs-Kirche vorübergehend geschlossen. Vom Dienstag, dem 7. April, ab wird die älteste und schönste katholische Kirche Berlins, die Hedwigs-Kachedrale, infolge Umbaus auf längere Zeit geschlossen. Di« Durchführung des Umbaus muß jedoch so ausgeführt werden, daß an dem Acußeren der Kathedrale nichts geändert wird, da sie unter Denkmalsschutz steht. ü Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serllo alnsevduaqen iSr biete Jinirrfl aar<■ bo* JooenbieVtlartai Sera» SD 68. üabenflrafc 3 Slbteiliumalttter, lialt forort, soweit nodi nicht arfrfwficn. hie Jtottcit fiii unsere iSerbenetonfialtuno am IS. Ävril in der i8otf»Wtl»»e«jbl Spielleite rkurw»: Stcfftmnlt Sonnaheni, II. Äplil, IS Iftr und 30 Uhr, 35[>f. Kriebrichslrafte. ctmnlna hU übt edenbort. Srreicknrchester Srok Berlin: Morsen, lO'i Hftr, Mlichlprode, See- Cd: Turin er CtraSc ltl-Babn SceftroV). heute. Donnerskag. 193� Uhr. arnsnaUtcr Pla» II: 3iafleitiiut«er Str. 16: Berichte liier slunerMtiqr.— Tnltpla» I: conncnbutflcr Sir. 30;„Sas neue BerwoltunsoaeseN Berlin".— Nordosten II: Dan., in er Str. 62, B. S:„Geschichte der■Slricite.rbejrenima".— Prenzlauer Lorstadt:(SIeimftc. 03—65: M.it»liebeonersamnrluns.— Schön. dauser Lorstadt: Sonneniuraee Str. 20: Mitaliederoersammluna.— Kallesche» Tor: Porckstr. II:„Worin unterscheiden mir uns von den anderen i?raani. satipnen?"—«apenicker Viertel. Wranoelstr. 12Ö: Stimobeni».— vattduffer Tor: Brfitct Str. 37—30: Mitnlirderversommluns.— Süden: �lotcfftr. 11; SunttlDnäroerfaminlun«.— Sübwesl: ßinbcnflt. 4: Mitaliederoersammluna.— Schon ederq III: SaupHtr. 15: MilfllieOeroerfamoiIunfl.— ßborlatlenbarq Rord S. 1; Olbersstrasie:„Tabrtenrllckluia".— SdarloUenbura-Norb S.'2; Naiserin Auausta-Allee OOTi:„Die SPD. oor unb nach dem Nrieae.— Westend: Sportplaü Westend: Probe.— gehlenbors.Kablem: Scftlieffcnftrafle: Mitaliederl Versammlung..— Lei»: Sjufc.ifcn: gunktioniirsituina.— Sseiniekenbors.West: Seibelstr. I: MUglsederuersammIuna.— Tegel: Babnftoistr. 15; Milgliederoer- iuNftV.lfseg.■..............."" Werbe bezirt OIcuUDr; Sprechchorprobe, Keim Kanner Sirafte. Werbebezirt j-ichtendera: Uebe» bet„Raten ffunlct" fällt«US. Rachftec Iltbimq-abcnb wird noch bclanntflcaeben. Werbebezirl Tiergarten: Marge» 10 llbr, Sprech chorprobe, Heim Lebrter Straiie IS— 19. Alle Gruppenveranstaltungeu fallen au«. Werbebezirte Tiergarten. Neukölln, Webbinq, Singetrei», Streichorchester Gron-Berlin und Spielgruppe Osten: Generalprobe am Sonntag, 13. April<Är unsere Werbeveranstaltungs, 16 llbr. in den Armininosälen, Moabit, Bremer Straie 72. Straiendabn bis Turmstrafte, Autobus II, 16 und 36.— Sprech. chor Tiergarten Übt bereits um 15 Uhr. Werb»be,>rt«remiderg: Sonntag Treffpunkt für Lindear-Benchtlguns 91; llbr Bliicherplaft. Filmveranstaltung fällt aus. Vorträge,Vereine undVersammlungen. LA» Reichsbanner.Schwarz-Rok-Gold'. JföSBKä Gefdiäftsftene: Berllu 6 14. Scbaflianttr 37—36 Kol 3. St. nWlV»' Tuitag. 10. April. Tiergarten. 3. Kameradschaft: 3» llbr Ber- lammliina bei Richert. Steinmetistr. 36a. Reserent Kamergb vam, burger.»reufberg: 20 Uhr Mitglieberoersammlunqen. Zu« V bei Teftlais. Ritterstr.:!3: Zug>1 bei Wolf. Graesestr. 36. vrtooerein: Jeden Donnerstag von 20�— 22 Uhr Baden in der groften Schwimmhalle. Baenvaldslrafte. Dilmar sdors sSunabaniier): 26 Uhr Heimabend Suacndheim Wilhelmsaue 123, Zimmer 7. Referent Dr. Mark. Lichtenberg iOrlsverein): 20 Uhr baden in ihren Lokalen Lersammluila die Kameradschaften Mahledorf, Rummeisburg. Borhoaen. Traveplaft und Gustav Tempel. Weiftenlee sOrtoverein): 20 Uhr Berliner Sol. Antonplag. Mitaliedemeriammliing. Referent Dr. Soubam. ssunttionäre 19 Uhr. Buchiontrolle. Reinickendors, Kameradschaft Reinichen. dors-Wes:: 20 Uhr Kameradschaftsoersaminluna. Bortrag. Borstand 10 Uhr. Kameradschaft Sennsdorf: 20 Uhr Kamcrodschansoersa mmlung des Okrent. Bahnhof- Gche Berliner Strafte. Bortrag. Kameradschaft sZreie Scholle: 20 Uhr Moualsverlammlung im Restaurant„Schollenkrug". Wassersportabtellang: Kna Segel: 20 Uhr Mitgliederveisammlung im Bootshaus. Toae-ordnun» wird deiaunlgegebeii.___ Deutsch« Lanbomannschast bet Prooi», Polen, Groft. Berlin.«. B. Monat». slftuna Donnerstag. 30!,s Uhr, tn der Kindl-Brauerel, Reukälln, Hermann. strafte 211—210. Deutscher isriebenodnub. Donnerstag. 20 Uhr. im Restaurant Rottschair, Belle-Allianee-Plaft 6. Hcrr-rucl. in?. Alfred Bulle spricht über„Die hoch» sänilpolUIsäie Lage". R«ich»ku»,schristoerei» Berlin. Moabit. Donnerstag. 20—22 Uhr, Anfänger., Torigrichritleue-, Redeschristlehrgänge, 172. Gemeiitdesämlr, Bremer Sil. 13—17. Bund deutscher hienuerleftter Krieger, e. L. fsreiwg. 19 Uhr, Monats» per.sgmmlunq wt Lokal von Einil Brandenburg, Berlin G. 2. Siralauer Straft« 3—6. Reichsocrrinigunq ehemaliger Kriegagesaugeuer. Ortsgruppe Tbarlotten- bürg. Siftung tzreiiog.. 10. April, 20 Uhr, Suarr,. Klause, Suare,str. II. Sinheitsverdand der Handel- und ideiverdrtreidenden und freien Lr-ule, Ortsgruppe Berlin. Donnerstag, 9. April, 20 Uhr. MitgliederoeriammIuNg. Wohnstadt Legion, Larmen-Sulva-Str. 61, Werbeverfammlunq für Prenglauer Berg und Weiftense«. Tbema:.Die Lebensfragen der Scldstäudlgen". sine augenebwe Ucberraschung für die Hausfrau bedeutet die Herab. feftuug des Preises für die seit Hahtiehnsen bewährte» Moagi-Suppen«uf 10 Ps. für den Würfel. Dieser„Dienst am Kunden" wird uiäit nur Kroude bei allen Berdraucheea von Moggis Suppen auslösen, sondern diesem berpsr» ragenden Oualltätsorgeugnis auch zahlreiche neue freunde buführen. MAGQI$ Suppen 4 A kosten nur noch lw™S der Würfel Einfenftonacn für biete Rubrik stob •(Clin SB«8, Liobeottraße a. parieinachn'chien für Groß-Verlin stet»»o ba» DezlrkOsekrelerioi t, Hof, 2 Scewea recht», zo richte» Beginn aller Bcranstaltungcn tSIL Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! heute, Donnerstag. 9. April. ßü. Abt. Arbeit»!«,, iunoer Partctae»»steo: SN Uhr?!us«zrmenkunft bei Löffler, Weichsel. Ecke Sssallraste. Kurt Stechert,»Der Reichsvartetta«''. IS. Abt. Arbeiiekreis iooqer Parteiaeoosten! Lokal Schauer, Trev'owcr Straße SU. Sottlieb Reese:»Boraussexunaen zum politischen Denlcn". � Morgen, Areilag. 10. April. 1. strei».(Zenomnnrn unb Senossen. welche am Sprechchor zum 1. Mai mitwirken wollen, treffen sich zur 1. Probe im Lokal Svieael, Ackerstr. 1. M. Abt. 20 Uhr Arbeitskreis j, inner und neu zur Partei gelommencr Sc» nassen bei Eolbschmidt, EwlpUche Str. 38. 77. Abi. Funitionärversanmilunq bei Itiraens, Barbarossastr. 5a. 78. Abt. 2U>« Uhr Abteilunassunltionarsikung. Genosse Reese:»Die Grunb» Ionen unserer Werbearbeit". Lokal Nalho, sseuria» Ecke Prinz-Scorg- Stroßc. Porher ebenda Vorstandsüüunq um IVA Uhr. St. Abt. sfunktionärsitning bei Klabe, Landjernkir. UO—«l. W. Abt. Am Nestamnuri LiabtSeator. am MarktvSach»rc AriedrichÄase n. Mita li rde-roer sammlun a. L Äortraa:»Ammer weiter im Äamvf geaen den Faschismus". Referent Genosse A. Moses. M. d. R. 2. Berichte. Semion. Mitaliebervcriommluna im Bolkshaus Bellevue. Bericht vom Unter. bezickstaz. Arauenveranstalwngea. t. streik Eonnabend. 11. April. 17 Uhr. bei Spiegel, S&rstr.|» Sttnf. tionarinnennbuna. 42. Abt. Freiiaa, 10. April, 10 Uhr, Führung durch das Franrnkunde- mmeum. Sharlotlenhurq, Berliner Eir. 1-?7. Dreffvunkt vünktliäl I8li Uhr U-Bahn Sneisenausiraße. Die Senosstnncii de: 10. und 47. Ah- teiiuua ssnd zu dieser Führung einaeladen. S2. Abt. Freitag, 10. April. BestckUiauu« des Frauenkundemuseuins, Ll«i» lattenburg, Berliner Str.. 1:17. Treffpunkt 18 Uhr am Rathaus. U-Bahn, 12?. Abt. Heute, Donnerstag. 0. April, 20 Uhr. bei Hübner, Wilbelm. Geke Babnbofsrraüe:»Arbeiterwohlsahrt, oifentliche Wohlfahrt und Sozialdemo. l«Uie". Referent Sladtrat Weiß. Arbeiler-Bildungsschule. 1. strei» Mitte. Der Kursusabend findet beute, Donnerstag, 20 Uhr, im Saal der Sozialistischen Studenten, Albrechtstr. 11. Eartenhaus, statt. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Grost-Berlin. steei, Sharlottenbnrg. Montag, IZ. April, 20 Ubr. Helsersthung, Jugend» heim Rossncnstr. 4. Krei» Friedrichsbaia. Donnerstag, 9. April: Die Turnabende finden nicht mebr statt. Sonnabend, 11. April: Treffpunkt zur Generalprobe 15 Uhr KWAwr Plad. Helfer für«-weanngsS«:«flfert» W- strechMa-r-Schnke. Neuköllu. sein.— Gruppe Freiheitsdrang und Londsberg« Platz: Wie Sster. sahrtteilnehmer kommen pünktlich 18 Uhr ins Seim Siestelmeperstr. 5—8. Fahrtenbcrichte, Trinkbecher und Instruments mitbriugpn. LpclheitÄtvang oarher. 17>.7 Uhr, Frankfurter Allee 307. Kreis Reukölln. Heute. Donnerstag, um 18 Uhr. Arche, isltimde. Abrech nun« der lO-Zahrcs-Feicr-Kartetr. Quartiere und Delegierte müssen ebenfalls tart gemeldet werden.— Gruppe Lichttämpscr: Rate Falten lontoten morgen, Freitag, um 17' j Uhr, Baracke Sanghoferitraüs, wieder»niauuneil. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 2. Abt. Am 8. April verstarb unser lanaiährige» Mitglied, der Rcichne;' Mar Sache. Ghre seinem Andenken! Beerdigung Freitag, 10. April, w Buch, Friedhof HI. 31. Abt. Unser Genosse Karl Behnfelb. Echioelbein-r Str. 47. ist am 4. April verstorben. Ehre seinem Andenken! EinSscherung Freitag, 10. April. 181, Uhr, in der kleinen Salle des»rrnnrtoriumz Scrichtstrohc. 34. Abt. Am 5. April verstarb unser Genosse Eduard Seibt. Riidersdorser Str. M. Die Beerdigung findet am Freitag. 10. April, uw USa Uhr. in Friedrichsfelde, statt. Wir bitten um zahlreiche Beteilütuna. <8. Abt. Ilm 4. April»erstarb unsere Genossin Ha s eleu. Schönc- berg. Erdmannstt. 12. Ehre ihrem?lndenten! Die Ernäschenung findet am Donnersiag, 0, April, 10 Uhr. iill Srematorimn Baumschulenweg. Kiosholz- strafte 221, statt........ 128. Abt. Pankow- Süd. Am 7. April verstarb unsere lern»iah inge Ge- noffin Martha Bdlter, Berliner Stt. 78. Ehre ihrem Andenken! Ein. Lscheruna am Freitag, 10. April, 19 Uhr, im Krematorium Srnchtstras,«. I Mi bringe Urnen OlOdf Bestellen Sie sofort ein los der PpBUIi.-5iiiId.Staat5lottBriB Heilung I Klasse am 20.11.»I. April bei einem Staad. Lotterie*Einnchmer oder bei der Prcußisdi»Söddcutsdien Lottcricbank Berlin WS, Friedridistraße 186 V. Los 5 RM, V» 1 0 RM, 20 RM, Vi 40 RM | Tägl. 5 u.S'u Uhr. iSBarD. 02361 | Hadiiniltags 50 PL-3 B. ibeads 1—8 M.| Nur noch wenige Tagel AI Trahan | der amerikankdie Meister d.MosicaI-CrDleske| d' Anselm1, Brenn Beadi usw. Tägl. S, Sich Sonnt. S, 5, SU Nachm. 60 Pf. bis 1. M. Abend» 1.- b. 2.- M. Alex.»0«6 Komik, äe»ano HugOS! Hans Kolischer Moeser Jos6/ Okito »inH weitere t'>»nen sv» Uhr CAS1N0-THEATER Lothringer Strafte 97 (iiiiiiitiuieiiiiniiiiiiiiiiiiiitiiiiieieiiiininiiiiiniiiiiieeiMiiiMeiiiiii ----- Der neue Schlaa®''|= „Er traumi von Jise" Dazu das neue Post Programm Ciuiscfaein 1-4 Personen Fauteuü 1,25 M.. Sessel 1.75 M. .Sonstige Pr. Parkett 75 Pt. Ranj» 60 P «MMM lllMWl Kesfairaut IBerlins BETRIEB< 4 KEMPIHSKO WinNr •Garten- Zeotr. 2819. Rauöen ertabL Bavelma-Ballett. ______ Vernon. 2Hartwclls. RfoState Marlmba Band osw. f" R 8 13 Uto. Gren. 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Theater am sthiitDanerdamn) 8 Uhr Itallenlsdie Nadil Staatsoper 4m PI. d Republik 8 übt Perichoie Neues Theater —— am Zoo— liiiBaM.ZQiSf|il.E55t Täglich SV» Uhr Uebcr 125 Mal: von Max Alsberg u Otto Emst Hesse OiQttdies Miel 8 Uhr Ber Hauptmann von Böpenldt v Carl Zuckmaye; Regie; Belm Hilpert Die Komödie 7 Vi Uhr: Beute zun erstip Haie Natalie v Iwan Turgenjew Rafk: Iwan Schmith Bühnenbilder: Ernst Schütte. Kurtörstcndamra- Theater Bismarck 449 Heute geschlossen! Hargci Uraafführaeg | 8 Ehr j Alles Schwindel von Schiffer Musik v. Spoliansky bjit: Cuitaf Grüadgen; Baniowsky-BDiinCT Tbeafer Ii dn stresemonasn. Täglich 8>.» 6e$lcrn o. Benfe Schauspiel von Christa Winsloe Komödienhauo Täglich 8'/» Uhi Eine Mnlgiiche Familie p— Elite-Sänger Kotibusser Str. 6 Tägl 83 Uhr smoD ist nie Veit metropoi-Ttieater Täglich 8". Uhr Das Veildien v Montmartre Operette v. Kaiman filOa Mb«. ftlJli.Waiüeraäia.G. Sonnt. 4 Uhr Kl Pr Das VeilOBD von Uontmanrn Tbealer im AdmirallpalBsl Täglich 8'. Uhi Derluslige Krieg Öhmann. Ahlers, Trautenhayn a G. a. a. m. Großgarage Nordbahnhof |. Maximilian Janischewski D C D I I Itl M KO Ebenwalder Str. 14— IS O E K b I E vi WM■«#(7f Oderbergcr Strohe 19 (I Minute vom Nordbahnhof) Garagen:: Tankstellen Werkstatt Tau und Nadit gefiffnot.— Tel.: B. 4. Humboldt 2887 Am 4. April verlchied nach langem. schwerem, mit bewundernswerter Geduld ertragenem Leiden unier lieber Kollege und langjähriger Mit- ardeiter, der stortcltoc Johannes Albin Im Aller von 61 Zahren. Durch leine Uneigennstgigleit, seinen edlen Eharaiter und voidigen Humor hat er sich die Freundschaft aller er- worden Ein ehrendes Aitdcnlcn de- wahren ihm Die Kollege» der HoleaxbcUer'OTackerel. Beftottunggieier am Sonnabend. dem II. Auril, nachmüiags 2 Uhr. im Krematorium Baumschulenweg Verhond der Bumbinder und Papierverarbeiter neutsdiloods Ortsvenvaltung Berlin Todesanzeige Den Mitgliedern zur Ziachridst. daß unser Kollege, der Invalide Adam Dell wohnhaft Reulölln, Hobtechillc. 59/60, gestorben ist. Ehre seine» Andenken! Die Einafd�erung stndct am Eonn- obenh. dem lt. � April/ vormittagz Tl Uhr. ich. Krematorium Baum- schulenweg statt. Um rege BcteUignng ersucht Die vrtoverxvoltnng. Am? d M. verstarb im 57. Lebens- jähre unsere treue Genossin Martha Bölter Pankow. Berliner Eirahe 78. Ehre ihre» Andenken! 128. Abt. SPD. Pankow, Einäscherung am Freitag, dem 10. April, 19 Uhr, im Krematorium Gerichiftrahe llellücHei Metallariteiter-Teriiaoil VcrwoUaagulcIle BcxUn Todesanzeigen Den Mitgliedern zur Nochrichi, daß unser Kollege, der Ar Keiler Eltogfl! 8etdt am ö. April goftordcn ist. Die Beerdigung smder am FrcUag. dem 10. April, nachmittags'•.•2 Uhr. von der Leichenhalle des Friedrichs- seider Kirchhofe» au>! statt. Am 7. April starb unser Kollege, ber Packer keiobvlö Köppett geb am 17. Okiober 1869. Die Beerdigung findet am Freitag. dem 10. April, l«1/» Uhr. von der Leichenhalle des Wald-Kirchhofes in Obersdiöneweidc aus stall. Am 6. April- starb nnser Kollege. der Former Ssr! HolSelldsvet' Die Emöscherung findet am Freitag, dem 10. April, abends K'tS Uhr, un Krema oruun Gerichtstraße ftctL Ehre ihrem Andenkru! , Siege Beteiligung erwartet. -Dle41rl»vcTwallö»g.' Für die zahircichen Beweise hetz» iiche: Teilnahme beim Hinscheide» meines lieben Mannes und treu- sorgenden Bater» 8töp!isll 8t!bll8tkr sage ich allen Verwandten und Be> tannten sowie dcui Verband der Buchbinder»leinen ausrichiigsten lloiborio» Sebntter nebst Kindern »MUIMM-MU Freitag, den 10. April, abend» 7 Ahr, Sitzung der Mittleren Verwaltung. KB-�BI�K A�TLBÄKI� tlttiliilII!llltltINIiIlIIlitN!Ittli:tItNIIilttitlIliilUlMlttMMjl!llilUttllittI!IttMINlI«,tllllll!lUMttttltIItIllllIllllIIIUtIllIIIIIt �eelsez wberschrirtiwort 25 Pfennig, Textwort 13 Pfennig Wiederholungsrobatt: 10 mal 5 Proz.» 20 mal oder 1000 Worte Abschluß 10 Fror., 200U Worte 15Proz., 4000 Worte 20 Fror, ✓ Stellengesuche: Oberschriftswort 15 Pf., Textwort 10 Pf. ✓ Anzeigen, welche für die nächste Nummer bestimmt sind, müssen bis 4,/j! Uhr nachm. im Verlag, lindenstr. 3, oder auch in sämtl. VorwörtS'Filialen und-Ausgabestellen abgegeben sein Am 7 April entschlief sanft nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwager und Onkel Paul Kunz im 47. Lebensjahre. Im Namen der Hinterbliebenen: Gertrud Kunz, geb. Winkelmann Die Trauerfeier findet am Sonnabend, dem 11 April, um 16(viert Uhr im Krematorium in Berlin-Wilmcisdorf. Berliner Straße, statt Nachruf Am 7. April starb nach langem, schwerem Krankenlager der Leiter unserer Teilschritten. abteilung Herr Paul Kunz im Alter von 46 Jahren. Herr Kunz gehörte unserem Verlage seit November 1911 an. Er war ein Vorbild eilrlgs.er Pilichterfflllung Der Verlaa verliert in dem Verstorbenen einen treuen Mitarbeiter, die Kollegenschah einen stets freunllichen und hilfsbeiei en Menschen U'ir alle haben Ihn deshalb hoch geschätzt. bek'agen aufs tiefste seinen frühen Tod und werden Ihm ein dauerndes und ehrendes Andenken bewahren Verlagsleitung und Personal J. H. W. Oletz Nachfolger GmbH. Berlin SW 68 Mute ]i mofiei Tcppich», Bcttcu. Eiouucncrrcgcnd. Prachiieppiihe 10.—. Ricsenlager sSm!. licher Grössen. Läu. sersioffc. Brücken, Diwandecken 5,—. ! Federbetten. E'.and 25,—.(«rint Ber. lohivarc.Xbardincn» lager. Psandleih- Dcrkauisliaus Lchönhauscr Allee llö. Nord ring. KieidungsstDcks. wasene usw. Anzna- 1120.—, Paleiois. Monaisgarderohr. 1!(«eint Keriast- . wäre.) 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Kritische Bemerkungen zur russischen Oelpropaganda. ..Im Lauf« von elf Iahren/ so erklärte kürzlich aus einer Arbeiter- vn*> Angestelltenkonferenz der Leiter des im Bakugebiet tätigen Asneft-Trusls,„hat die Sowjetregierung mehr für die Erdölindustrie getan, als die Nobels, Mantafcheffs, Lianosoffs und die ganze Kompagnie der ehemaligen Besitzer insgesamt in fünfzig Jahren geleistet haben. Eine Reihe von wertvollen Erfindungen und Vervollkommnungen haben die gesamte Erdölindustrie von Baku umgestaltet. Wir haben bereits eine Reche von kapitalistischen Staaten überholt und stehen zur Zeit an zweiter Stelle der Welt- Produktion. Wir stellen uns die Aufgabe, die amerikanische Pro- duktion einzuholen und zu überholen." Eine offiziöse Mittellung der Sowjetregierung verkündet« kürzlich, daß der Fünfjahre-plan der russischen Petroleumindustrie bereits zum 1. April 1v3l. also schon in 2� Iahren erfüllt worden sei. Die„Rote Fahne" hat in größter Aufmachung die Naphthaleiswng Rußlands als Beweis der Ueberlegenheit des Sowjetsyitems gefeiert. Uns liegt jede böswillige Kritik fern. Aber die Bedeutsamkeit des russischen Industrieproblems zwingt zu einigen sachlichen Feststellungen. Äsiohl trifft es zu. daß es den Sowjets gelungen ist, die Oel- Industrie nach den Zerstörungen durch Krieg und Revolution in zwölf Jahren wieder aufzubauen und die Produktion von 1313(9,2 Mil- liönen Tonnen) im Jahre 1930 etwas mehr als zu verdoppeln. Das ist aber keineswegs eine gewaltige Tat, wenn man sich vergegenwärtigt, daß die jetzt vielfach raubbauartig ausgebeuteten Oclfclder Ruß- lands von außerordentlicher Ergiebigkeit sind und daß der Auf- und Ausbau der Petroleumindustrie als der wichtigsten Valutaquelle ohne Rücksicht auf dauernde Wirtschaftlichkeit mit allen erdenklichen Mitteln betrieben wurde. Auch im Weltkrieg wurden phantastische unwirtschaftliche Pröduktionssteigerungen aller- orten erzielt. Rußland ist zwar an die zweite Stell« unter den ölproduzierenüen Ländern der Erde aufgerückt, aber ohne Rücksicht auf das Prinzip der Oekonomie und auf die Aufnahmefähigkeit der Märkte. Amerika hat wegen des schlechten Marktes seine Aus- beute im letzten Jahre um 197 Millionen Faß(etwa IS Millionen Tonnen) gegen das Vorjahr gesenkt; das sind allein rund 78 Proz. der Rohölmenge, die die Sowjetunion im ganzen Jahre 1939 gefördert hat. Auch Venezuela, das den zweiten Platz an Rußland abgetreten hat, schränkte seine Förderung ein, obgleich dieses Land ein Mehrfaches der russischen Oelausbeute hätte erzielen können. In Mexiko, Kolumbien, Persien, Niederländisch-Jnkim wurde die Rohölgewinnung ebenfalls stark gedrosielt, weil der Be- darf für die überschüssigen Oelmengen nicht vorhanden war. Die Steigerung der russischen Produktion allein ist also durchaus keine Ruhmestat. Ader auch die industrielle Leistung Sowjetrußlands steht durch- aus nicht einzig da. Amerika hat sein« Produktion, die vor dem Kriege bereits viermal so groß war als die russische, bis 1929 vervierfacht. In den letzten zwölf* Jahren stieg sie von 54 Millionen Tonnen auf 144 Millionen Tonnen, also um 99 Millionen Tonnen, dagegen erhöhte sich die russische Förderimg seit 1919 nur um 14,5 Millionen Tonnen. Die Zunahme in USA. war also in zwölf Jahren mehr als sechsmal so groß. In Venezuela ist in der gleichen Zeit inmitten eines Urwaldgebiets eine Erdölindustrie neu empor- gewachsen, die mit ihrer Produktion seit einer Reihe von Iahren den zweiten Platz in der Welt behaupten konnte. Demgegenüber hat Rußland, das im Jahre 1999 über die Hälft« der Weltausbeute auf sich vereinigte, heute erst knapp 19 Proz. der Welt- Produktion erreicht. Auch das stolze Wort von der Erfüllung des Plans in zweieinhalb Iahren braucht nicht wörtlich genommen zu werden. Gemeint ist dabei nämlich der ursprüngliche Plan. der' für 1339/31 eine Rohölgewinnung vor 25,5 Millionen Tonnen vorsah. Ob die ursprüngliche Ziffer erreicht wird, ist noch zweifel- Haft, well die augenblickliche Förderung vorerst einem Jahres- ergebnis von etwa 21 Millionen Tonnen entspricht. Indesien haben diese Planziffern heute nichts mehr zu bedeuten, denn nach dem wirklichen, dem hinausrevidierten Plan sollte 1933 ein Rohöl- quantum von 47 bis 48 Millionen Tonnen gefördert werden. Das ist heute erst zur knappen Hälfte erreicht, und es gehört der Optimismus ver Sowjelleiter dazu, dieses Ziel unter Wirtschaft- lichen Gesichtspunkten für erreichbar zu halten. Die Erdölproduktion der Vereinigten Staaten aber einholen oder gar noch überflügeln zu wollen, das ist, was kein ernster Sowjetwirtschaftler bestreiten kann, schon reine Propaganda. Trotz scharfer Einschränkungsmaßnahmen ist die amerikanische Er- zeugung gegenwärtig etwa 6� mal so groß als die auf ihr Leistungs- Maximum gesteigerte russische Förderung, die Leiswngskraft der wenigen russischen Produktionszentren reicht nicht an die Ergiebig- keit der amerikanischen Oelgebiete heran, in USA. arbeitet man mit größter Wirtschaftlichkeit, während die Oelfelder Rußlands auf Kosten chrer künftigen Produktivität rücksichtslos ausgebeutet werden. Das muß zur Beurteilung der realen Zukunftsmöglich- keiten der sowjetrussischen Petroleumindustrie berücksichtigt werden. Wie m vielen Sowjetdingen, ist offenbar auch hier der Wunsch der Vater des Gedankens. Wirtschastsbericht aus Oesterreich. Wenig Gilberstreifen.— Arbeiterfeindliche Politik.— Wohnungsbauonleihen. wies. 7. April 1931. Das österreichische Institut für Konjunkturforschung sprach kürz- lich in etwas gewundener Form von einer leichten Besserung der wirtschaftlichen Lage unserer Republlk. Allerdings ist die Aufwärts- Kewegung, die in der ersten Hälfte Februar eingesetzt hat, bUcits wieder zum Stillstand gekommen und das Institut erwartet wohl mit Recht«ine Fortdauer der Depression aus„höherem Niveau" bis weit in den Sommer hinein. Die Arbeitslosigkeit hat seit Anfang Januar nicht mehr weseni- ljch zugenommen. In den letzten Wochen ist die Zahl der Ar- deitslosen in Wien ziemlich stark gefallen, sie be- trägt Ende März 193 475 Unterstützte. Trotzdem gibt es immer nach um IS 418 Unterstützte mehr als vor einem Jahr, obwohl die Writschaftskrise damals schon sehr schwer auf Oesterreich lastete. Die ArbeUerkammer veröffentlichte vor kurzer Zeit eine Statistik der Kurzarbeit. Sie umsaßt nur größere Betriebe, also etwa 15 bis 29 Proz. der beschäftigten Industriearbeiter. Im Januar 1939 waren von 143 996 Arbeitern 89 Proz. normal beschäftigt, nur 3j5 Proz. waren Kurzarbeiter. Im Januar 1931 waren von 115 121 Arbeitern 72 Proz. normal beschäftigt und 21 Proz. waren Kurz- arbeiter.(Der Rest stich Ueberstunden.) Man sieht, haß zwar die 5kurzarb«it lm letzten Jahr stark zugenommen h?t, aber doch eine geringere Rolle als im Reich spielt. Die Ursache ist die mangelnde Eiusichk unserer'Unternehmer. die lieber Acheiter entlassen, um die Sozichbeiträge zu ersparen, als die Arbeiter weiter zu beschäftigen und oie Arbeitszeit zu strecken. Ein Zeichen für eine leichte Besserung ist es auch, daß der Index der Rohstoffpreise im letzten Monat um 2 Proz. gestiegen, die N o ch f r a g e a l s o g e w o ch s e n ist. Der allgemeine Geschäfts- gong ist von 73,3 im Januar auf 74,2 im Februar gestiegen. Sonst ist fast nur Uebles zu berichten. Die Eisen- erzsöchcrung, die in Oesterreich ziemlich bedeutend ist, ist wieder ge- funken, ebenso die Zahl der offenen Bestellungen in der Eisen- industrie. Recht traurig sehen die Ziffern unserer Ausfuhr aus Die Ausfuhr ist im Februar zwar gegenüber dein Januar etwas gestiegen, sie ist aber noch immer um ein Drittel geringer als Im Vorjahr. Die Rahstöffeinfuhr ist gegenüber dem letzten Jahr nur um 19 Proz. gesunken, was immerhin Dafür spricht, daß die Lage unserer verarbeitenden Industrie nicht ganz so katastrophal ist, wie man bei der Betrachtung der Ausfuhrziffern glauben mühte. Der starke Fall der Metallpreise hat auch bei uns ein Opfer gefordert. Das einzige Bleibergwerk in Blciberg-Krcuth wurde, nachdem man mit der Regierung vergeblich wegen einer Subven- tionicrung umerhandelt hatte, stillgelegt und 609 Arbeiter wurden egtiasien. Der Ausfall der Transportcinnahmen der Bundesbahnen bei ragt iin Jahre 1930 4 8 Will. Schilling, das Defizit wird auf 49 bis 46 Mill. Schilling geschätzt. Der Ertrag der öffentlichen Einnahmen litt auch unter den Wirkungen der Wirtschaftskrise: Di« Einnahmen aus öffentlichen Abgaben waren im ersten Monat dliejos Iohres gegenüber dem Januar 1939 um 12 Proz. niedriger, Äe Einnahmen aus der Warenumfatzsteuer sind sogar um 29 Proz gefallen. Die Umsätze des Kleinhandel» weilen auch im März eine rückläufige Bewegung auf. Di« Regierung hat der Entwicklung«mtättg zugesehen. Der erste positiv« Schritt, de» sie zur Behebung der Kr ist getan hat, war der Vorschlag einer deutsch-österrsichischen Zollunion. Die bis jetzt bekannten Richtlinien sind aber noch so vage, daß es verfrüht wäre, auf wirtschaftliche Einzelheiten näher einzugehen; es wird ganz von der Höhe undArt der Zwischenzölle sowie vom fcweils gewählten Z o l l n i v e a u abhängen, ob die Zollunion, Di« wir als wirtfchaftlick� Annäherung begrüßen müssen, uns schon in der nächsten Zeit«ine wesentliche Besserung der wirtschaftlichen Lage bringen wird. Die Regierimg tut einstweilen das ihrig«, um die S t i m m.u n g der Arbeiterschaft noch zu verschlechtern. Die Verschlechteruageu der eiagebrachteu Soziawersiche. rungsreform sind eine Kampfansage an die Arbeiter' Für die ärztliche Hilfe und die Medikamente, die bis jetzt gratis waren, wird«ine Behandlungs- bzw. Medikamentengebühr«in- geführt, die Familienvsrficherung wird gedrosieli, der Kreis oer ver- sicherungspflichtigen Personen eingeengt, die freiwilligen Mehr- leistungen der Kasten werden verboten, die Höhe und Dauer der Stillprämien der Wöchnerinnen herabgesetzt. Die Arbeiterschaft hat ähnlich harte Kampfzeiten wie im Reich. In den letzten Tagen hat die Regierung einen Entwurf vorgelegt, durch welchen die Nacht- arbeit in Bäckereien wieder eingeführt werden soll. Um den privaten Wohnungsbau. zu fördern, um den von den Sozialdemokraten propagierten öffentlichen Wohnungsbau zn hemmen und den M i e t e r f ch u tz zu durchlöchern, hat das Paria- ment schon vor längerer Zeit eine Wohnungsbauaktion des Bundes beschlossen. Zur Finanzierung dieser Aktion'wurde zum ersten Male noch langer Zeit, am 27. März d. I., eine halbösfent'iche Wohnung»- bauanleih«. und zwar in der Höhe von 159 Mill. Schilling, aufgelegt. Bis zu 69 Proz der Baukosten sollen aus öfseMlichen Mitteln sinan- ziert werden. Die Gefahr besteht, daß den Wohlhabenden für billiges Staatsgeld jetzt Villen gebaut werden. Zu den Zollunionsbestrebungen paßt diese arbeiterfeindlich« Haltung der Regierung sehr wenig. Sie ist nicht geeignet, die schwachen Kräfte des österreichischen Volkes zu vereinen, um gegen alle Widerstände den wirtschaftlichen Anschluß an Deutschland so zu fördern, wie es nötig wäre. T. 8. KaffeeHag bleibt bei-ivproz. Dividende Verdoppelung des Att enkopitals. Unbeeinflußt von der Konjunktur kann die Kaffeehandels- A.-G. Bremen(Kaffee Hag) ihre in den Vorjährsn auf 19 Proz. stabilisierte Dividende auch für 1939 wieder ausschütten. Der Umsatz der Gesellschaft konnte im letzten Jahr sogar noch gesteigert werden. Wenn der Geschäftsbericht daraus hinweist, daß trotz erheblicher Erhöhung des Kasseezolls er oe zweimalige Preisherabsetzung erfolgt sei, so hat sie wirklich keinen Grund, sich damit zu brüsten Wir wollen viel- mehr die Gegenfrage stellen, um wieviel sich die Preise für Rohkaffee ermäßigt haben, ohne daß bis zum Herbst vorigen Jahres die Konsumenten in Deutschland davon etwas zu spüren bekamen. Die Verwaltung schlägt überraschenderweise«in« Verdoppe- lnng de« Aktienkapital« von S auf 19 Millionen Mark vor. Aus welchem Grunde die Gsfe-lschast ihr Kapital. verwässert, ist nicht ersichtlich. Als Grund wird angegeben, daß das bisherige Kapital in keinem- Verhältnis mehr. zu dem Gefchäfisumfang stände. Weltbank für Slaalsanleihen. Em grandioser Plan des enylifchen Notenbanlprasleenten. Der Gouverneur der Bank von England Montague Norman befindet sich gegenwärtig in Washington und soll-nach dem ..Berliner Börsen-Courier" übet eine Bankgründung verhandeln, die in erster Linie der Krisenbckönipfung dienen soll und zwar im Weltmaßstabe. Beabsichtigt sei die Schaffung einer nternatio- n a l e n Kreditorganisation, der säinlliche Notenbanken, die führenden internationalen Bankinstitute und die großen Wirt- schastskorporationen der Welt angehören und die ein vorläufiges Kopital von 199 Millionen Dollar erhalten soll. Norman wolle bereits am 29. April gelegentlich der nächsten Sitzung des Ver- waltungsrats der BIZ. von den vorbereitenden Verhandlungen Mitteilung machen; in der Generalversammlung der BIZ. vom 19. Ma> waren dann endgültige Beschlüise zu lassen. Die Aufgabe des Weltmstituts ist die Vermittlung von Staatsanleihen für solche Länder, die unter starkem Gold- und Kapitalmangel leiden, und zwar zu dem ausgesprochenen Zweck, die K a u s k r a f t der kapitalschwachen Länder zu stärken. Die be- treffenden Staaten sollen der Bank Schuldscheins geben; auf Grund dieser Schuldscheine werden dann von der Bank selbst aus den flapitalmärkten Zertifikate begeben, deren Erlös den betresjenden Staaten zufließt. Man will diese Form wählen, weil es sehr vielen kapitalschwachen Ländern heute vielfach unmöglich ist, selbst mit Anleihen an die Kapitalmärkte heranzutreten, da das Vertrauen fehlt und die politische Unsicherheit in der Welt noch zu groß ist. Man denkt vor allem an die Kapitalzuleitung an Mitteleuropa. Südamerika, Australien und China. An Rußland denkt man noch Nicht. Auf jeden Fall soll die Gründung des Instituts noch in diesem Ja h r e erfolgen, da die weltwirtschaftliche Situation zu emer Krisenbekämpfung in großem Stile drängt. 9 proz. Wolldividende. Vermehrte Exportfchwierigkeiten nach dem Fernen Osten. Die schon von jeher hochrentable Wollwarenfabrik Merkur in Liegnitz kann auch für da» am 39. November � abgelaufene Geschästsiahr 1929/30 mit einer hohen Dividende von 9 Proz. gegen 12 Proz. im Vorjahr auswarten. Die Be- triebsgewinne gingen von 1,90 auf 1,53 Millionen Mark zurück. zugleich verringerten sich aber auch Unkosten, Steuern und Sozial- abgaben um mehr als 20 Proz. aus 1 Million Mark. Bezeichnend für den hohen Nutzeffekt, für den das Unternehmen auch >n der schweren Textilkrise von 1939 arbeiten konnte, ist die Tat- fache, daß Reingewinn und Abschreibungen zusammen 28 Proz. des Aktienkapitals ausmachen. Der Umsatzrückgang im Berichtsjahr ist nach den Erklärungen der Verwaltung hauptsächlich auf den Preisrückgang zurückzuführen. Die anhaltenden Preissenkungen aus Sem Rohwolt» markt haben trotz vorsichtigster Einkaufspolstik, die sozusagen den Bedarf von der Hand in den Mund deckte, Verluste nicht vermeiden lassen. Im Exportgeschäft waren es besonders die Länder des Ostens, die äußerste Zurückhaltung im Verkauf erforderlich machten. So läßt die Käuserschaft im Orient, in Indien und China derart an Sicherheit zu wünschen übrig, daß die Gesellschaft sich veranlaßt sah den E x p o r t nach dem Fernen Osten zeitweilig gänzlich einzu st eilen. Die schon immer flüssigen F i n a n z v e r h ä l t n i ss e bei diesem Unternehmen haben sich im letzten Jahr noch erheblich ver- bessert. Die Bankschulden sind von 959 099 Mark säst gänzlich bis auf 79999 Mark zurückgezahlt und die übrigen Schulden um weit mehr als llie Hälfte pon 560 999 auf 220 900 abgedeckt worden. Andererseits werden Forderungen und Lankguthaben mit IL Millionen ausgewiesen, wovon infolge guter Zahlung?- cingänge zur Zeit ein großer Teil auf Bankguthaben entfällt. Neichsbahnverkehr bleibt schlecht. 3m Februar 58 Millionen Defizit. Der Güterverkehr auf der Deutschen Reichsbahn blieb auch im Februar außerordentlich schwach und die a r b e I t s t ä g l ich e Wagengestellung blieb sogar noch hinter dein schon sehr schlechten Januar um 9,7 Proz. zurück. Im Vergleich mit dem Feburar vorigen Jahres war der Güterverkehr um 16 Proz. geringer. Auch der Personenverkehr blieb im allgemeinen gering, nur nach den Wintersportgebieten war er zusriedenstellcnd. , Die Betriebseinnahmen sanken im Februar auf 281,3 gegen 302,6 Millionen Mark im Vormonat. Hiervon entfallen auf den Güterverkehr 178,8 Millionen Mark. Der Rückgang der Ein» nahmen ist aber im wesentlichen darauf zurückzuführen, daß der Februar nur 24 gegenüber den 26 Arbeitstagen des Vormonats auf- wies. Die schlechten Verkehrsverhältnisse und der Rückgang der Betriebseinnahmen hat zu weiteren Einschränkungen der Ausgaben geführt. Daher sind auch die Ausgaben der Betriebs- rechnung auf 271,6 gegen 292,2 Millionen Mark im Januar ge- funken. Gegenüber dem Januar und Fehruar des vorhergehenden Jahres wurden in den beiden letzten Berichtsmonaten bei der Reichs- bahn 33 bzw. 42,7 Millionen Mark eingespart. Trotzdem bleibt auch im Februar ein sehr hohes Defizit von 55,2 Mil- l i o n o n, so daß sich die durch Einnahmen nicht gedeckten Ausgabe- Verpflichtungen der Reichsbahn in den ersten beiden Monaten dieses Jahres bereits auf 198,5 Millionen Mark belaufen. Großhandelspreise im März unverändert. Die für den Monatsdurchschnitt März berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamts behielt mil 113,9 etwa den gleichen Stand im Vormonat(114,9). Von den Haupt- gruppen ist die Indexziffer für Agrarftoffe um 9,8 auf 196,7 Proz. gestiegen, wahrend die Jndexzifser für industrielle Rohstoffe und Halbmaren um � 0,2 auf 106,2 Proz. und diejenige für industrielle Fertigwaren um 9,8 auf 138,7 Proz. zurückgegangen ist. wieder Ausschuß für Roagenflüßung. Der Untsrsuchungsaus- schuß für die Rogqenstützunq tritt am Mittwoch, d e m> 22. April, vormittags 19 Uhr, zu einer öffentlichen Sitzung wieder zusammen. Svend&leuron: Unser Gastgeber, ein reicher Brasilianer, hatte uns sein« un» geheuren Herden wilder Pferde von edelstem Blut« gezeigt und wir konnten uns an dem prächtigen Schauspiel, das dies« herrlichen Tiere boten, nicht sattsehen. Höchste Begeisterung klang aus den Worten der Gäste, oie zumeist wirkliche Pferdekenner waren. Nur einer, ein Russe— ich habe seinen Namen vergessen— fand kein lobendes Wort, ja, mir schien es sogar, als ob manchmal ein leichter. verächtlicher Zug über fein Gesicht flog. Auch der Haziendero mochte das bemerkt haben, denn nun wandte er sich, Anerkennung fordernd, direkt an den Russen: „Senhor, Sie sagen ja gar nichts. Wahrscheinlich haben Sie noch niemals so ein« große und schön« Pferdeherd« gefehen.� Der Russe wandte sich mehr an uns als an den Brasilianer: „Haben Sie schon einmal etwas von einer Tabuna gehört?" Tabuna, Tabuna? Das Wort klang uns allen bekannt, doch wir konnten nichts damit anfangen. Die Stimme des deutschen Professors unterbrach das Schweigen: »Tabunen nennt man oie riesigen Wtldpjerdeherden auf der ukrainischen Steppe." „Sehr richtig, Herr Professor, von so einer Tabuna will ich erzählen." Wir hatten es uns auf der großen schattigen Veranda bequem gemacht und der Russe begann: „Mein Vetter, hatte mich auf eines seiner ukrainischen Güter geladen. Als ich ankam, war Ostern schon vorüber, und doch lag die Steppe noch in Schnee und Eis erstarrt. Aber der Frühling kam über Nacht. Wie durch ein Wunder war die Ebene plötzlich mit einem dichten, seidigen Grasteppich bedeckt und darüber spannte sich ein wolkenloser, dunkelblauer Himmel. Eine Troika bracht« uns zu einem kleinen Hügel, von wo wir die große Tabuna überblicken konnten. Es war ein herrliches Schauspiel, dies« ruhelose, unzählbar« Herde. Die Pferde zogen gruppenweise an uns vorüber, immer zwanzig bis dreißig Stuten mit ihren Fohlen, dicht ineinander ge- keilt, von ihrem Hengst überwacht, der abseits graste und mit«ifer» süchtigen Blicken die Seinen betrachtet«. Wenn eine Stute sich spielend entfernen wollte,«in Fohlen sich neugierig einer Nachbar- gruppe näherte, stürzt« er sofort herbei und trieb den Ausreißer energisch zurück. Di« Stuten mit den schlaffen Eutern weideten gierig das junge, fette Gras, sie schwelgten im Segen nach der Not des Winters. Die einzelnen Rudel bildeteten eine feste Mass«. Ein majestäti- scher, alter Schimmelhcngst umschritt sie in hohen Gängen. Jede Faser an ihm war Rasse, kein königlicher Schauspieler schritt jemals adeliger. Das war der Herr der Tabuna, hundert« Kämpf« hatten ihm die Herrschaft erstritten, ein Veteran der Schlacht und der Liebe. Zuweilen sagte er. mit gesenkter Stirn über den elastischen Boden, sprang auf einen Hügel und ließ seine weiße Mähne wie eine Standarte im Winde flattern So stand er da und stieß ein schmetterndes Gewieher aus, das oie Morgenstill« durchgellte. Dann standen alle Pferde wie gebannt und antworteten ihrem Gebieter. Da erzitterte die Erde vom Gestampf einer sich nähernden Herde. Wie ein Wirbelwind kam es näher, Dröhnen, Schnauben, Wiehern und»Stampfen. Eine andere, noch größer« Tabuna war es, die mit Sturmesgeschwindigkeit andonnerte. Auf Meilen hatte sie die Rivalen gewittert. Die Angegriffenen standen im Nu in einer Kampffront, die Hengst« in der ersten Linie, die Fohlen nicht bei ihren Müttern, die die zweit« Linie bildeten, sondern bei den tragenden, nicht kampffähigen Stuten. Die heranbrausende Flui mußte sich an dieser Mauer brechen. Doch die fremde Herde stand plötzlich, wie auf ein Kommando, still. Nur ihr Führer trat vor,«in junger, riesiger Rapphengst. Er bäumte sich, bleckte das Maul und schlug den Boden ungeduldig mit den Hufen: ein stolzer, edler Kämpe. Der Schimmel erwartet ihn mit vorgestrecktem Hals—, In semer gespenstigen Magerkeit ähnelt er einer Giraffe. Jugend und Kraft stieß auf Erfahrung und Wildheit. Lange Zeit sahen sich die beiden Widersacher grimmig an, dann ging der Tanz los. Kinnbacken krachten, eisenharte Hufe Hämmer- ten, Wutschrete der Kämpfer erfüllten die Steppe. Hatte der Rappe auf die Härte seiner Borderhufe gebaut, so oertraute der Schimmel seinem oft erprobten bleckenden Gebiß. Der Rappe sprang hoch und traf mit ganzer Gewalt die Brust seines Gegners. Der Weiße biß sich im Sturze fest und riß den Schwarzen zu Boden. Dann war alles still. Langsam verblutet« der Rappe, es dauerte lange, bis der Schimmel sich zitternd erheben konnte, um ein schwaches Triumph. gewieher auszustoßen. Dann sank auch er, für immer, um. Und nun kam das Gräßliche. Die jungen Hengste der beiden Herden brausten herbei; nicht um zu kämpfen, nein, sie überfielen mit rachedürstiger Wut die gefallenen Führer, die sie seit Jahren mit harten Schlägen und Bissen regiert und ihnen gewiß oft die schönsten Stuten genommen hatten, und zerstampften die zuckenden Körper. Ohne Gegenwehr, ohne Klage fielen die Führer. Dann trennten sich die beiden Tabunen. Sehen Sie. Senhor, gegen diese Pferd« sind Ihre wildesten Hengste zahme Lämmer. Machen Sie doch kein so finsteres Gesicht, es mögen ja einige ganz annehmbare Gäule darunter sein; aber natürlich ein« Tabuna ist ihr« Herde noch lange nicht." gveutsch von S. LSbccken.) Qcrharl Mermann TOoffar: 3)ie wahre QeSchichte von 3 eng, dem SSettler Groß ist das Reich der Mitte, es ist das größte Reich der Erde: es zählt zu seinen Söhnen Menschen, die frieren im Eiswind Si- biriens, und wiederum Menschen, die dörren in der Sonne Indiens. Es gibt Hunderte in Nanking, die goldene Dächer haben auf ihren Palästen, und Hunderttausende in Scheust, die verhungern an einer einzigen Mißernte. Mehr als dreihundert Millionen ober gibt es, die nicht reicher sind als die Leute von Schensi und vielleicht morgen! verhungern werden: und doch ist einer in China, der ist ärmer, der ist der ärmste dieser Aermsten, well er einst aller Reichen reichster � war. Das ist Feng. der Belllor. Er versäumt nicht, seine» vergangenen Reichtums zu erwähnen, wenn er um Reis und Wasser bittet, oder wenn er die selbstgemalten Glasbildchen oerkauft. Die Bildchen sind hübsch, viel Kunstfertigkeit ist auf sie verwandt und viel Liebe, und meist stellen st« Schlachten dar: Schlachten, nicht aus der bunten Zeit der Mikado«, sondern aus der grauen der Generäle, die das Erbe des großen Sunyatsen antraten und es in eben diesen Schlachten, die Feng darstellt, ver- taten. Die Bauern und Hirten, die für ein Weniges solche Glas» plättchen kaufen, schütteln die kahlen Häupter, die nun keinen Zopf mehr tragen dürfen, und senden Seufzer in die böse Zeit, die rings um sie ist mtt Hunger und Krieg und Krankheit. Manchmal erzählt «in Alter von seinen Söhnen, die auch dabei waren, bei irgend- einem der Generäle, und nicht wieder kamen.... Dann lauscht der Bettler Feng auf und streicht erregt seinen schütteren, langen Bart:„Bei welchem General waren sie denn, Väterchen, bei welchem wohl?" Manchmal heißt die Antwort:„Bei Tscheng": manchmal nennt sie einen anderen, der mächtig ist, im Norden oder im Süden: zu- wellen aber sagt der Alte auch:„Bei General Feng, dem Christen." Und dann sagt der Bettler Feng leise:„Da war ich auch." „Bist du auch zu Fuß gewesen, wie mein Aeltester?" „Nein." „Oder zu Pferd, wie mein Jüngster?" „Manchmal..., aber meist bin ich gefahren, in den seltsamen Wagen, weißt du, Alterchen, die sich aus sich selbst bewegen... Ach, was war da» doch für eine Zeit, vor einem armseligen Jahre noch..„ oh. den Boden dieser Straße, aus der ich hier stehe, habe ich nie gesehen, so viel Soldaten gingen darauf..., die Stille, die jetzt um uns ist, habe ich nie vernommen, so viel Lärmen war ringsum au» Stimmen der Menschen»nd Stimmen der Ge- wehre..„ diese Luft habe ich nie geschmeckt, so viel Räuch von Schüssen und Bränden füllte sie aus..." Zuweilen verwundert sich so ein Alter über die Erregtheit des Lettlers Feng oder darüber, daß dieser Berlumpte, dieser Verwahr- loste m einem der kostbaren und unheimlichen Wagen gefahren sein will..., meist aber schüttelt er nur in der Gewöhnung klagender 'Gebärde den Kops, er ist stumpf geworden vor Grauen, stur und stumpf... und sagt:„Ja, es war eine böse Zeit..." Doch hat der Bettler Feng den Seufzer wohl gar nicht ge- hört: er hat ein Bildchen hervorgezogen und weist es vor, und seine schmutzigen Finger wischen über die Figuren:„Siehst du den hier, der hier steht zwischen den weißen Christen au» dem Westen? Das ist der General Feng, der so viel Siege ersiegte... Oh, da» war ein großer Mann, er hat China befreien wollen, er hatte es schon befreit, er war weithin berühmt, in aller Welt berühmt, die großen Zeitungen in Europa und Amerika zeigten denen, die sie lasen, sein Bild, ganz groß..., aber freilich, du weißt ja nicht, was Zeiwngen sind, und was Europa ist und Amerika... Aber was dieser Mast hier an der Straße bedeutet und die Drähte, die er hält und dem nächsten Mast zuführt und immer so fort, bis Kanton und wetter, was die bedeuten— daß da Stimmen hindurchgehen, die einer ab- schickt in Nanking und einer anhört in Kanton, im gleichen Augen- blick'— das weißt du doch? Siehst du, die Stimme des Generals Feng ist all diese Drähte entlanggeflogen, alle haben si« ihn ge- hört, die Drähte, olle ihm gehorcht, die Söhne der Mitte, und die Weißen haben gewetteifert, ihn zu bestechen, und er hat's nicht ' billig gemacht, der christliche General Feng!" Plötzlich hält der fast Verzückte inne. Eine Röte steigt ihm unter die zerfaltete Gelbhaut, sein Gesicht wird ganz dunkel. Seine Gedanken schreien in ihn hinein: Du Echo,' du dünnes dürftiges Echo einstiger Größe— schämst du dich nicht, um ein bißchen Be- wunderung zu betteln bei diesem Kuli, den du vorgestern mit einem Lächeln hättest erschießen lassen____ Aber die Hemmung ist kurz, kann den Durst nach Ruhm, nach dem ärmlichen Fetzen Ruhm nicht mehr löschen.... er packt den Alten am zerschlissenen Tuch über der Brust, so, wie man als Offizier wohl einen Untergebenen an den Reversen der Uniform- jacke packt, mtt beiden Händen.., er schüttelt die flache Brust da vor ihm hin und her und schreit:„Weißt du, wo er ist? Er steht vor dir, der General Feng, er steht vor dir!" Der Alte sinkt an Fengs Fäusten vorbei zu Boden, in die Knie, winselt etwas, wohl eine Bitte um Gnade-- Und der General Feng erschrickt. Er hat sich vergessen. Er ist ja der Bettler Feng. Einer, der wehrlos ist, den man oerraten kann, verraten an Tschang, der die Macht hat. Einer, der sich nun in die Hände dieses Alten gab. Aber der liegt noch immer und zittert. Da redet es weiter aus Feng: „Du kannst ruhig aufstehen, Alterchen. Wirst mich doch nicht verraten, h«? Stehst du. ich bin doch nichts als der Bettler Feng. wirklich nicht». Ich gehe baren Fußes die Straßen, die gestern noch meine Truppen marschierten, meine Wogen fuhren, ich beuge mich vor dir, der sich gestern noch vor meinen Kanonen verkroch. Ich bin ohne Macht, ich bin vogelsrei, die anderen haben mich ver- raten, wie ich auch sie verriet, aber sie verstanden das Verraten besser..., nun habe ich Lumpen am Leib und einen Bart im Ge- sich?, nun male ich Glasbildchen, da male ich mein« Siege daraus und lasse sie mir bezahlen... So unglücklich bin ich: willst du mich nicht trösten, da du doch all und also weise bist...?" Aber der Greis schweigt, er ist«in Armer, er ist nur all und gar nicht weise: etwas geht ihm durch den alten Kopf von oftmals gehörter Weishett anderer: an zufrieden« Bettler denkt er, denen er schon begegnete, die dieser Welt Eitelkeit erkannt hatten, wie Ge- neral Feng si« erkannt haben mußte, und die im Nichtshaben und Nichtswollen das Glück gefunden hatten, das Glück und den Frieden. So mochte auch dieser hrer, der so viel Krieg gebracht hatte, den Frieden finden auf den Straßen, deren es viele gibt im Reich der Mitte, viel und schwere und schöne..., so etwas Aehnliches geht also dem Alten durchs schmerzende Hirn, aber er kann es nicht aus- drücken, und er schweigt. „Du weißt also keinen Trost, Alter... Dein Trost wäre wohl auch zu alt für mich. Denn ich habe ja Arme, Hirn, Kraft..., noch weiß ich mich selbst zu trösten, Alterchen! Siehst du. ich ziehe meines Weges, einsam, arm, aber ich werbe mir überall Freunde, auf den Straßen, in den Hütten. Ich will der General der Armen werden, oerstehst du? Ich habe ein Herz für euch, immer gehabt. jawohl! Noch eine ganze Zeit werde ich so umherziehen.„ noch eine lange Zeit..., aber eines Tages werde ich rufen über alle Straßen in China und in alle Hütten... und dann werdet ihr alle kommen, alle zu mir kommen und euch um mich scharen und meine Spleen sein, und ich bin wieder der christliche General Feng, und der Bart wird weg sein und das Gelump und das Bettlertum. und auf diesen Straßen, die ich jetzt schleiche, werden wieder die Stiefelschritte meiner Armee hallen, und die Dörfer werden brennen und Krieg wird wieder sein, herrlicher Krieg, und ein Sieg wird kommen, ein Sieg über die Herren in Nanking und über alle meine Feinde—" Der Bettler Feng geht während seiner Worte weg von dem Alten, sein Schritt ist weit und wie berauscht, seine schmalen Augen sehen ein weites, loderndes Schlachtfeld---- Der Greis sieht ihm nach, und ein Satz wird klar inmitten all seines wirren Denkens: daß dieser Mensch doch unglücklich ist, immer unglücklich bleiben und immer unglücklich machen wird: daß er vielleicht noch einmal siegen wird über die anderen Generale, aber nie über einen: nie über den General Feng... Und doch wäre dieser Sieg der einzige, der des Kampfes wert wäre. Durch die Zeitungen Europas aber ging in den letzten Tagen diese Notiz: „Der berüchtigte christliche General Feng wandert seit einiger Zeit als Landstreicher durch China. Angeblich lebt er vom Verkauf kleiner Glasmalereien, die er mit künstlerischem Geschmack ausführt. Er haust meist bei Kulis und Kleinbauern, denen er sich gern zu erkennen gibt, und hofft, mit ihrer HUfe eine neu« Armee aus dem Boden stampfen zu können." Die Umschiffunq der Av'arkkis. Die Geographische Gesellschaft in Oslo erhielt kürzlich die Nachricht von der Norvegia-Expedition, daß von ihr die Umschiffung des ganzen antarktischen Kontinents vollendet worden sei. Am 7. Februar sah die Norvegia. die sich auf ög Grzd 26 Minuten südlicher Breite und 26 Grad 5 Minuten östlicher Länge befand, das Eis weiter nach Süden treiben, während die bisherigen Karten an dieser Stelle da» Vorhandensein einer T:s- barriere oder von Land angeben. Di« Gletschersront oder hie KUste liegt also an dieser Stelle weiter südlich als auf den Karten vermerkt. aber wie weit, tonnte di« Expedit irm nicht feststellen, da sie weiter ostwärts fahren mußte» Medizin für Blumen. Es ist sehr wenig bekannt, daß es sich in manchen ffällen empfiehlt, Blumen mit Medizin zu behandeln. Süddeutsche Blumenzüchter haben zum Beispiel neuerdinos festgestellt, daß manche Schnittblumen durchaus günstig auf Asvirin und. ähnliche Mittel reagieren Eine halbe Tablette, in Wasser aufgelöst, soll bewirkt haben, daß große Chrysanthemen, die bereits ansingen zu welken, wieder vollkommen frisch werden. Ein zweites Rom. Die Italiener wollten 1870«in neues zweites Rom, IS Kilometer vom alten entfernt, bauen. sia: ffiökmifch Klixdorf Eine Gans watschelt behäbig über den Hof, auf dem Misthaufen sonnen sich die Hühner, im Stalle liegen schwarzweiße Kühe auf der Streu. Ringsum träumen einstöckige Bauernhäuschen mtt hohen Giebeln und bunten Fensterläden, mit sorgsam gepflegten Gemüse- gärten und kleinen Reihen von Obstbäumen. Ueber allem aber leuchtet der lange, weiße Bau einer Kirche mit Glockentürmchen als Wächter und Beherrscher der dreihundert Menschen dieses Dorfes. Ein Dorf? Wir find doch mitten im südlichen Berlin, gingen eben über glatten Asphalt, an hohen Miethäusern vorbei, umtutet von Autos, umllingett von Straßenbahnen— und nun, wie mit einem Zaubsrfchlag, ist die Weltstadt verschwunden, wir stnd Plötz- lich auf dem Lande: im„Böhmischen Dorf". Am Einganz steht ein Denkmal: herrisch und starr steht der „Soldatenkönig" Friedrich Wilhelm I. auf dem Sockel, im Sieges- allee-Stil des beginnenden zwanzigsten Jahrhunderts. Aber die Ge- schichte des Böhmischen Dorfes und dieses Denkmals beginnt Jahr- hunderte früher— mit Johann Hus. Hus, der erste große Kirchenrevolutwnär des ausgehenden Mittetalters, war vom Klerus mit dem Feuertode bestraft worden. Aber feine Ideen und Lehren lebten weiter: die Sekte der„Brüder- unität" sammelte sein« Anhänger, verfolgt und gemartert durch die Inquisition. Nur ein kleines Häuflein von Gläubigen rettete sich hinüber in liberalere Zeiten. Im Anfang des 18. Jahrhunderts verließen sie ihre ungastliche Heimat Böhmen und zerstreuten sich in alle Well: der Hauptrupp zog nach Sachsen und gründet« dort die vor kurzem zur Stadt ernannte„Gemeine" Herrnhut: ein zweiter Zug kam bis nach Preußen und fand bei Friedrich Wilhelm wohl- wollende Ausnahme— es galt, die moger besiedelte Mark zu be- Völkern. Der König schenkte den Böhmen ein Stück Land: so ent- stand vor den Toren Berlins im Jahre 17SS die.Lrüdergemeine" Böhmifch-Rixdorf. Nahezu unberührt hat sie sich durch eindreiviertel Jahrhundert« erhalten: als Dorf mll eigenem Grund und Boden, mit dem trade- tionellen Glauben seiner Bewohner. Noch heute ist der Ritus ihres Gottesdienstes, die älteste noch bestehende evangelische Religions- ausübung, der gleiche wie damals: im Kirchengebäud« wohnt in feinen Amtsräumen der Prediger, weltfremd und weißbärtig wie fein erster Vorgänger: der Friedhof, besteht aus gleichmäßig ein- fachen Steintafeln, und die Kirche, in bewußter Abwendung von allem Düsteren und Mystischen, ist nichts anderes als ein Heller. freundlicher Versammlungsott, von allen Sellen den Strahlen der Sonne zugänglich: es gibt hier keine Kanzel, kein« Ornamente, keine Alläre, keine Heiligenbilder. Hier ist alles Auedruck der schlichten und großen Idee ursprünglichster chrsstlicher Gemeinschaft, un- beschwert von kullischem Ballast— der Idee ehrlicher und einfacher Brüderlichkeit, durch die Jahrhunderte getrogen vom starken Glauben einiger hundett armer Emigranten. In Herrnhut befindet, sich die Zentrale dieser kleinen.internationale" der Brüderaemeinden in aller Welt. Alle zwei Jahre kommen die Abgesandten der 60000 Brüder in Amerika, Asien. Schweden, Holland und England nach Herrnhut, um hier ihre „Direktiven" zu empfangen und Rat zu halten. Seltsam, daß diese kleine Gemeinschaft nicht schon längst von ihren Gostvölkern ab- sorbiert worden rst: daß dieses böhmische Dorf mitten in Berlin noch nicht von seinen Bewohnern verlassen, daß es der lockenden Wellftadl vorgezogen wurde: daß es noch nicht überspült wurde von der grauen Welle der Mietkcrsernen, sondern still und oerträumt, in unerschütterlicher Ruh«, den ringsum tobenden Lärm nicht zu beachten scheint. In her Kirchgass« hämmert Ionsa, der Dorfschmied: Frau Maresch hilft der Frau Spohar, die Wäschelein« vom Zaune nach der Tenne zu ziehen: Herr Nemec sitzt vor seiner Tür in der Gärinerstraße und raucht die langstielige Pfeife von Anno Toback... Am Ostersonntag, morgens um fünf Uhr, bewegt sich alljährlich feit Bestehen vom Böhmisch-Rixdorf der lange Zug aller Gläubigen durch die schmalen, ungepflafterten Straßen: in feierlichem Schwerz die Männer, in festlichem Weih die Frauen. Auf dem Friedhot stellen sie sich in weitem Rund auf und beten nach uralter Sitte die Osterlitonei. Es ist der heiligste Tag ihrer Religion, deren geistiger Sinn nicht Leid und Dunkel, sondern Helligkeit, Auserstehung und Frühling ist. Vielleicht, ja wahrscheinlich ist es in diesem Jahre das letztemal, daß in Böhmisch-Rixdorf dieses Osterfest gefeiert wird. Im nächsten Jahre beginnen vielleicht schon di« Bauernhäuschen zu verschwinden, die Menschen des Dorfes im Millionenheer.der Welt- stadt unterzutauchen... Berlin will t- fo steht es der städtische Be- bauungsplan vor— feinen blassen Kindern hier ein« riesige Grün- fläche schaffen, und die Gesetze geben ihm die Machtmittel in die Hand, um die Brüdergemeine zum Verkauf zu zwingen. Ein einziger Zeuge des.Osterdorfes wird zurückbleiben und an die Ge- schichte dieses kulturellen Kuriosume erinnern: das Standbild des fürstlichen Gönners mit seiner Inschrift, di« dann ihren letzten Sinn verloren haben wird:.Lew ostriha holubicku"—„Der Löwe be- schirmt das Tänbchen"...