Morgenausgabe Tlr.ies . 85 4S.IahrgMg Wöchentlich SbPf� monatlich 3.60 M. im voraus zahlbar, Postbezug 4.32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitun gs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands- obonnement 6.— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen- vorto S.— M. * Der„Vorwärts* erscheint Wochentag- lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend" Illustrierte Beilage„Volk und Zeit*. Ferner„Frauenstimme*. �Technik",„Blick in die Bücherwelt". .Iugend-Dorwärts*».»StadtbeUage* rV Berliner Solksblatt Eonnabend 11. April 1931 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die elnspalt. Nonpareillezelle 80 Pf. Reklamezeile 5.— RM.„Kleine An- zeigen" das fettgedruckte Wort 2ö Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Taiif. Stellengesuche das erste Wort l5 Pf.. jede» weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen flu zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien- anzeigen Zeile 40 Pf Anzeigenonnohme im Hauptgeschäft Lindenslrohe 3, wachen« taglich von 8�/2 bis 17 ll.hr. Der Vertag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vorl Jentralorgcm der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Äedaktion und Verlag: Berlin SW 68.' Lindenstr. 3 Fernsprecher: Dönboss 222— A7 Telegromm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 53 t ä t werden die großen Forderungen sein, unter denen sich unsere Erziehungsarbeit vollzieht und voran ihr die rote Fahne als Symbol des internationalen So- z i a l i s m u s. Regierungssorgen in Thüringen. Bolkepartei sträubt sich— aber in Braunfchweig ist sie hakenkreuzsetig. Die am Freitag weitergeführten Verhandlungen zur E r g ä n- zung der thüringischen Regierung blieben ergebnislos. Im Verlauf der Besprechungen. machte der Landtagepräsident den Regierungsparteien den Vorschlag, die Regierung künftig aus sieben Mitgliedern bestehen zu lassen, und zwar aus zwei Mlnistern und fünf Staatssekretären. Die Landvolk- und Wirtschaftspartei sollen je einen Minister und zwei Staatssekretäre erhalten, während die Boltspartei sich init einem Staatsrat begnügen soll. Das hat die Voltspartei abgelehnt. Sie will nunmehr eine neue Vorschlagsliste einreichen, über die am Montag verhandelt werden soll. In der Freitagmnnmer der Allgemeinen Thüringer Landes- Zeitung„Deutschland" veröffentlicht der Landbundminister Baum einen Artikel, in dem er sich gegen die Angriffe der National- sozialisten wehrt, die in der Oesfentlichkeit behaupten, es sei mit ihnen ein unehrliches Spiel getrieben worden. Baum erklärt daß er ehrlich bestrebt gewesen sei. zwischen den streitenden Parteien eine Verständigung herbeizuführen. Die Einigungsver- Handlungen seien dadurch erschwert worden, daß die Volkepartei und die Nationalsozialisten sich so scharf gegenüberstanden und jeden Berkehr miteinander oermieden hätten.„Ich kann," so schließt Baum seinen Artikel,„es aber nicht unterlassen,- im Zu- sammenhanz auch darauf hinzuweisen, daß noch am letzten Abend vor der Abstimmung über die Mißtrauensanträge eine bereits an- gebahnt« BesprechungzwischenHerrnHitlerundmir dadurch unmöglich geinacht wurde, daß von seiten der National- sozialisten offiziell mitgeteilt wurde, Herr Hitler sei nur dann bereit, in ein« Besprechung mit mir einzutreten, wenn ich so- fort erklärte, daß ich am andeoen Tage mit- der Gesomtregie- rung zur-ück treten wolle. Das Urteil über dies» Mitteilung de» Herrn Hitler überlasse ich der Oefsenllichkeit.� Der Landesousschuß der Wirischoftspart-i Hai die Fraktion dieser Partei beauftragt, nochmals den Versuch zur Einigung der streitenden Parteien zu machen. Im Gegensatz-zu ihren thüringischen Parteifreunden ist die Volkspartei in Braunschweig noch ganz in die Hakenkreuz- Partei verschossen. Ihr Fraktionsführer Brandes erklärte in einer Versammlung in tzolzminden, die Nazis hätten in Braunschweig in Dr. Franzen einen Mann präsentiert, der ohne Rücksicht auf parteipolitische Einstellung sachlich» Arbest leiste s'??), er habe das Vertrauen zu Dr. Franz« n. daß er b«- ruhigend ans seine Partei einwirke» werde. Die Deutsche Volkspartci sei in Braunschweig ernstlich bemüht, mit den Nationalsoziali st en gemeinsam zu regieren. Voraussichtliche Zufammensehung des KabmettS. Weimar. 10. April. Die Vertreter der Wirtschaftspartci und der Landvolkpartei dürsten, soweit bis jetzt festgestellt werden kann, am Montagabend der Deutschen Lolkspartei folgende Ministerliste vorschlagen: Baum(Inneres und Finanzen), Dr. Kästner(Justiz, Wirt- schaft und Volksbildung), Staatsräte: Döbrich, M. d. R., Land- volkpartei(als Vertreter für Meiningen): Mackeldty. Landvolk- parte,(als Vertreter für Weimar): Gastwirt Krctzschmar. Wirt- schaftspartei(als Vertreter für Reuß): Krause. Wirtschoftspartei (als Vertreter stir Altenburg): Bauer, Deutsche Volkspartei(als Vertreter für Sondershausen). Der Sonntagsretter. Tktbq imiTfc« mil ttwe SSnsto« Mlliiir- fonfcttitj zum Chef einte Jiotidtttrifrtgimrnt» tcnonnt. Stilecht sitzt auf hohem Pferde der beliebte Thälmann jetzt. Moskaus Militärbehörde hat den Teddy draufgesetzt. Unter seinem Schenkeldrucke fliegt der Rappe durch den Preck. Teddys Freunden bleibt die Spucke und ihm bleibt der Atem weg. Einstmals war die Prinzgemohlin Ehrenchef der Kompagnie. Neuerdings, im Reich« Ttolin. wird ersetzt durch Thälmann sie. Freudig glänzt ihm seine Backe auf dem stolzen Soitelihrön. Jetzt per Kavall'rieottack« auf zur Weltrevalution! Isd«,fall?: Zur neuen Ehre bu/«n wir Reit Front! dir zu. Mach in»oller Karriere dein« Karriere du'. fcUni Bauer. Stenn«» hatte seine Getreuen gestern abend in den Viktoriagarten nach W i l in e r S o o r s zusammengerufen, um einen, wie es in der Ankündigung ausgedrückt war,„S A.- A p p e l l" abzuhalten. Die Versammlung, die von etwa äOO bis 600 Personen besucht war, wurde vom Stadtverordneten Wetzet eröffnet, der alsbald einem gewissen Merker das Won gob.„Goebbels hat Fieber, Stennes ist gesund", begann der- Redner gleich recht viel- versprechend seine Ausführungen, und die Bcrsammlungsbcsucher wurden nicht enttäuscht in ihrem Haß gegen alles, was Hitler heißt und in München sitzt.-Hilter sei«ntschlossen, die„ruhmvolle Vergangenheit" der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei über Bord zu werten, um- aus ihr eine gulbürgerliche Partei jüdischer Couleur zu inachen. Um der Koalitionsfähigleit willen beteiligte man sich an der Regierung in Thüringen, trat man den Kanossa- gang zu der Botksparlei an. Gewiß brauch« die Be- teiligung an einer Regierung, erklärte Merker, nicht unter allen Umständen zu einer moralischen Versumpfung sühpen. Das beweise Italien und Rußland. Der politische Tagcskamps er- sordcre durchaus eine elastische Haltung, aber man darf nicht, wie Hitler es tut, stur an einer Taktik sesthalten und die Regierungsbeteiligung Selbstzweck werden lassen. Ohne Tlot habe Hitler vor jedem Polizeipräsidenten, vor jeden, Gericht seine Legalität und die der Partei beteuert und be. schworen. 3n München sei man von Legalität zu Legalität gestolpert, der Legilitätssimmel beherrsche die Partei vollkommen. Deshalb haben sich Stennes und seine SA.-Leute von der Partei getrennt. Nie hätte die SA. die Absicht gehabt, die Partei zu sprengen. Wohl aber wollte man sie von innen heraus revo- l u t i o n i e r e n, sie wieder zu den alten Grundsätzen zurück- führen. Aber das paßte den Herren der Parteileitung in München nicht, dort wollte man seßhaft werden, man wollte Ruhe haben, gutbürgerliche Ruh«. Deshalb kaufte man in der Zeit der größten wirtscholtlichen Rot das braune Hops und baute es unter Aufwendung vieler Millionen zu einem.Prunkbau um! Man wollte einigen Hofbräuhausbesuchern die Unannehmlich- keiten eines Umzuges ersparen, deshalb wählte man das abseits gelegene München zum Sitz der Parteileitung. Deingegenübcr cil-rr erkläre die alte SA.: wer kämpfen will, baut sich keine„Palozzos", wer kämpfen will, macht sein Gepäck recht leicht. Hitler aber hat seinen Frieden mit der Hindenburg-Republik ge- macht. Wie oft habe man in diesem Saal, so erklärt« Merker, unter deutlicher Anspielung aus Goebbels, die Worte gehört: ein „Kämpfer kann nur in der Minorität stehen, jede Legalität und jede parlamentarische Tätigkeit weisen wir National- sozialisten weit von uns!" Das seien allerdings die alten Grundsätze der Partei gewesen, die man von Hitler und seinen Münchener Getreuen damals gehört, heute ober nur in ihren Schriften nachlesen kann. Der z weit« Redner dc§ Abends mit dem echtdeutschen Namen Swögvnna hatte sich mehr aus da« Gefühlsmäßige eingerichtet. Er erklärt«, dl««A.-L«ute seien in die Bezsommlvng gekommen, nicht um sich zu verteidigen, sonderst anzuklagen diejenigen, die der alten Fahne der NSDAP, untreu geworden sind. Mit Paragraphen schindenden Reichstogen und mit Kuhhandeln seien die Mt« des Volkes nicht zu beseitigen. Die SA. hätten nicht der Person Hitler» Treu« geschworen. sonder» der Idee der Porlei. Hier gab es zum ersten Mole in der Versammlung lebhaften Bei- fall und Heilrus«. Hitler sei tot, erklärt« der Redner weiter, Stenn«- lebt und führt.da» Kommando. DI« alt« SA. klebe nicht an Personen, sie wolle kelnen Byzantinismus, sie stehe treu zu ihrem Führer Stennes. Dann wurde der Redner«chtpreußisch, indem er Hitler feine außerpreußische Abstammung vorwarf, sich auf den alten Fritz berief und Mostke, den großen Schweiger. Dessen Grundsatz, nian müsse mehr sein als scheinen, habe man in München vollkommen vergessen, dort scheine man in dem Braunen Palost mehr als man ist. Im Kriege baue man keine Denkmäler, sondern Unterstände. Das beste Denkmal, das Hitler der Partei bauen konnte, wäre nicht ein Braunes Haus gewesen, sondern die Aufrecht- «rhaltung der alten Parteigrundsätze. Wenn Hitler die Absicht hatte, auf den Krücken der valksparteitlchea Kapilallsten ins Dritte Reich zu hinken, so erkläre demgegenüber die alte SA., daß sie das Dritt« Reich erkämpfen werde. Dann gab es n o ch eine schoes« Spitze gegen HiUer, in dem Swogonna erklärt«, blinder Gehorsam sei nie echt-preußisch gewesen, sondern immer jesuitisch. So sei auch der Kadavergehorsam abzu- lehnen. So wie Martin Luther zum Meuterer gegen die Obrigkeit wurde, so wolle die alt« SA. Meuterer sein gegen alle� Faule, Schleimig« und Schmierige in München. Stennes, der als Hauptredner des„Appells" angekündigt war, beschränkte sich in dieser ersten„Kontrollversammlung" über seine Getreuen auf ganze zwei Sätze. Cr«rllärt«, daß die SA. weitermarschiert. Sie sei nicht destruktiv, sondern wolle im positiven Sinne die alt« Partei nach den alten Grundsätzen untermauern, da- mit die Partei bald wieder so dastehe wie früher. Schließlich sang man das Wesssl-Lied und ging nach kaum«in- stündigcr Dauer der Versammlung auseinander. Sprenger-pulver in Frankfurt. Frankfurt a. BL. 10. April.(Eigenbericht.) Dos Gewitter, das gegenwärtig unter den Berliner National- sozialisten tobt, äußert sich in Frankfurt am Mai durch ein starkes Wetterleuchten. Sicherem Vernehmcn nach sollen sich von etwa 800 Frankfurter SA.-L«uten 200 zu dem Osaf-Stellvert.-etcr Stennes bekennen. Der Frankfurter Gauleiter Reichstagsobge- ordneter Sprenger, der sich durch seine Diätenhamsterei diskreditierte, versucht jetzt, zu beweisen, daß er ein treuer Nasall des großen Adolf ist. Er hat den Sektionsleitcr von Frankfurt- Innenstadt, den pensionierten Oberlandjöger Theodor Schneider, seines Postens enthoben. Schneider trägt die Verantwortung für die Unterschlagungen, die in seiner Sektion begangen wurden. Gegen ihn schiebt ferner«in Wemeidsversahren. da» in den nächsten Wochen zur Barhandlung kommt. Schneider ist außerdem aus- gefordert worden, sein Ttadtverordnetemnondat niederzulegen. Auch in der Sekiion Sachsenhauscn hoben die Nazis krumme Finger ge« macht. Der Organisationsleiter beschwert sich, daß 300 Mark ein- kassierte Mitgliedsbeiträge nicht abgeliefert wurden. Oer Revisor Reich entdeckte ferner in einer anderen Kasse einen Fehlbetrag von etwa 000 Mark. Wie stark die Gegensätze zwischen den Frankfurter SA.- Leuten und der politischen Führung der NSDAP, sind, dafür liefert der Ausschluß einer Reihe von SA.-Leuten und eines Sturm» führers Beweis. Drei Bczirksleiter, der Kaufmann Scheidt(Be- zirk 8), der Ingenieur Kempf(Bezirk 3) und der Kaufmann Wilhelm Förster(Bezirk 9) sind von ihren Posten als Bezirksleiter„zurück- getreten". Auch der Diplomkaufmann Reich hat sein Amt als Revisor und Kassen- und Zellenobmann„niedergelegt". Weißauer wehrt sich. Der bisherige Leiter des„Angrifs"-Berlage?, Rechtsanwalt Dr. L. Weißouer, übermittelt uns nachstehende Erklärung: „Durch einen Teil der Presse geht die Nachricht, die Münchener Parteileitung der NSDAP. Hobe gegen mich Strafanzeige erstattet wegen Betruges, Unterschlagung und Urkundenfälschung, weil ich Gelder des„Angriff" Hauptmann Stennes bzw. der SA. zur Ver- fügung gestellt hätte. Hierzu stelle ich fest, daß alle von mir an die SA. geleiteten Beträge entweder in direktem Auftrage oder mit Wissen von Dr. Goebbels gezahlt wurden, der als Geselljchastcr Generalvollmacht für den„Angriff"-Verlag besaß. Diese Zahlungen stellten darüber hinaus nichts Außergewöhn- liches dar, da durch den..Angriff"-Verlag zahlreiche p o 1 ick i( ch c Parteistellen des Gaues Verlin der NSDAP, wie auch ein- zelne politische Führer finanziert werten" Nur sür Offiziere! Wie man in der NSDAP, zu Posten gelangt. Der Zwergriese Dr. Goebbels ist von seinem Grippeloger auf- erstanden und sein Moniteur, der„Angrifs", verfehlt nicht, der besorgten Mitwelt mitzuteilen, daß das Fieber des Erlauchten von 40 Grad gestern auf 37,6 Grad heute gefallen ist. Der genesene Siegfried schreibt denn auch schon wieder den Leitartikel, aber es ist kein rechter Schwung darin, die sonstige Forsche fehlt. Nachwehen der Grippe oder des Stennesausstanoes?— Haß macht bekanntlich blind, und der Haß des Berliner Regenten, der den rechtzeitigen„Absprung" zu Hitler gefunden hat, gegen den konsequent meuterisch gebliebenen Stennes, treibt seltsame Blüten, Wir registrieren folgendes Geständnis aus Dr. Goebbels Feder: „Es kann nun ernsthaft gar nicht mehr von einer Krise der nationalsozialistischen Bewegung gesprochen werden. Es sind eine Reil)« von ehemaligen„Führern" ausgeschlossen worden. Sie — und da» war unser FeHer— sich nie malsinderPartei heraufgedient hatten, sondern gleich bei ihrem Eintritt in vorgesetzte Dienststellen hineinberusen wurden. Sie konnten deshalb auch gar kein Verständnis haben sür vi« geistige und organisatorisch« Struktur der Bewegung, der sie angeblich dienten. Von den dreißigtausend SA.'Männern, die angeblich zu diesem Verichwörerllüngel standen, ist nichts übrig geblieben als ein tläglicher Rest von O i f i z i e r e n ohne Mannschaften, an denen die NSDAP, schon deshalb nichts verloren Hai, well sie niemals Rakonalsozikllfien waren und deshalb auch niemals von der Organisation unserer Partei eingeschmolzen werden konnten." Goebbels hat in seinem ermatteten Zustand offenbar nicht bedacht, welche vernichtend« Sclbstchoraktcristik in diesen Sätzen liegt Mit dürren Worten besagen sie: es brauchte nur jemand als ehemaliger Offizier in diese„Arbeiterpartei" hinein- zuschneien, um sofort einen leitenden Posten in der SA. zu kriegen. Diese Befehlsposten sind obendrein recht ansehnlich honoriert, es bekommt z. B. ein„Sias" 500 INk. monatlich, ein Osaf-Stell» Vertreter L00 2JU. monatlich usw. Die SA. waren also eine Ver- sargungsstäfte sür ausgeschiedene Offiziere, während die Mann- schasten in den berühmten zerrissenen Stiefeln.herum- lausen mußten. Sie waren es? Sie sind es heute noch, wie die Ernennung der Fememörder Schulz und Heines zu Hochstkonimandierenden beweist. Herr Goebbels möge doch einmal angeben, seil wieviel Jahren der Femeleutnant Schul; der NSDAP, angehört? Es wäre interessant zu erfahren, ob Schulz nicht noch viel jüngeren Partei Votums ist als Stennes. Solange Schulz nämlich noch im Gefängnis saß, also bis vor ein höchstens zwei Jahren, und solange er bei ollen Parteien um Gnade winselte, wurde von seinem Fürsprecher verbreitet, daß Schulz ein gänzlich unpolitischer, nur rein national gesinnter Mann sei. dem nichts serner liege als irgendeine parteipolitische Be- tätigung. Außerdem sollt« Schulz— immer nach den Bctcuarungcn seincr Fürsprecher— an öer Grenze de- W a h n s i n n s stehend, nur den«inen Wunsch haben, in Ruhe und Frieden leben zu können. Kaum aber war die Amnestie beschlossen, da wurde Schulz auf einmal quicklebendig und sofort Führer in der NSDAP. Es gibt also nur zweierlei.' entweder ist oamols zugunsten von Schulz dreist gelogen worden oder aber Schulz kann der NSDAP. nur etwa seit einem Jahr angehören. Und nach so kurzer Zeit bereits oberster Gauführer! Was doch eine Offiziersuniform in dieser „Arbeiterpartei" vermag! Hitler und die Großindustriellen. Adolf Hitler ersucht uns um Aufnahme folgender Berichti- g u» g: Der in Nr. 141 Ihres Blattes vom 25. März 1931 unter der Ueberfchrift.Hakenkreuz in Kapitolsdiensten" wiedergegeben« Brief, der meine Unterschrift trügt, ist«ine Fälschung. Ich habe niemals«inen derartigen Brief geschrieben. Im einzelnen stelle ich fest: Es ist unwahr, daß Kampf- schatzspenden für den Gau Hesse» seitens folgender Firmen eingegangen sind: Kommerzicnrat Dr. A. Dockcrhoff, D'pl.-Ing. A. Gastell. sowie Direktor Schindler und Jung. Wahr ist, daß weder Kampsschatzspendcn noch irgendwelche sonstige Zulpendungen direkt oder indirekt an irgendeine Stell« der NSDAP, seitens der obengenannten Firmen, deren Inhaber oder Leiter gegangen find. Unwahr ist demgemäß auch die Behauptung, daß diese bei weiteren Einstellungen zur besonderen Auswahl von gesinnungs- treuen SL.-Leuten verpflichtet sind. Wahr ist, daß die NSDAP, niemandem gegenüber je«in« der- artige Forderung gestellt Hot. München, den ZI. März ISZI gez. Hitler. Oer„krankhafte" Charakter. Hitler: ,Llnd wenn euch der Magen vor Hunger kracht, so habt ihr die Zähne zusammenzubeißen und den Blick auf den Keind zu richten? Ver- standen?- So, jetzt gehe ich zu Herrn von Gtauß ein bißchen frühstücken." >. v Gegen eine Ernährungskatastrophe Oer Weizenzolt muß herunter.— Geregelte Einfuhr ist notwendig. Die Ding« auf den deutschen Getreidebörsen und in unserer Cr- nährungswirtschaft werden demnächst zur Katastrophe treiben, wenn die Regierung nicht schnell eingreift. Di« Borräte a» deutschem Brotgetreide, vor allem die Borräte an W«izen, gehen zu Ende. Mit der neuen Ernte kann man erst nach Witt« des Jahres rechnen. Wir gebrauchen aber monatlich ungefähr 300 000 Tonnen Weizen, was, gemessen an den Bestandserhebungen. die Notwendig- keit bedeutet, zum mindesten 500 000 Tonnen Weizen einzuführen. Die Reichsregierung hat die Vermahlungsquote zunächst von 80 Proz. auf 65 Proz. und dann, auf 50 Proz. erniedrigt. Das. ist über nur«ine Gest«, die angesichts des. hohen Zdlles nichts- bedeutet. Es kommt nicht darauf«n, ddß Waizan eingeführt wird, sondern darauf, daß Weizen so billig eingeführt wird, dah dio Bevölkerung ihn auch bezahlen kann. Die Ermäßigung der Leimahlung muß durch ein« Zollsenkung ergänzt werden. Die Erwartung einer solchen Zollsentung hat bis jetzt«inen Druck auf die Weizenpreise an den deutschen Börsen ausgeübt und oerhindert, daß die Preis« sich weiter überhöhten. Zögert die Regie» rung ober mit der Weizenzollermäßigung. dann ist ein« Preis- katastrophe unvermeidlich. Dann werden sich die Preise eines guten Tages auf Grund des sich ständig verknappenden Weizenangebot« ziigellos erhöhen. Eine solch« Preisanarchie liegt nicht im Interesse der deutschen Volkswirtschaft und der deutschen Landwirt- schast und widerspricht dem Argument, das der gegenwärtige Reiche- ernährungsminister immer für seine Getreidepolitik angeführt hat: die Preise stabil zu halten. Nicht nur der im Gesetz festgelegt« V« r° brauch erschüfe fordert unbedingt die Ermäßigung des Weizen- zolls, sondern auch die Lage des deutschen Getreidemarttes und das Interesse der Landwirtschaft. Mit der Ermäßigung des deutschen Weizenzoll», die unbedingt kommen muß, wird Deutschland wieder als Käufer in den inier- nationalen Getreidehandel eingeschaltet. Es entsteht dadurch eine Reihe von Gefahren. Einmal wird sicher eintreten, daß die Spekulation den niedrigeren Weizenzoll restlos ausnufet und ohne Hemmungen kauft. Es würde so eine unerwünscht« Vorratscindcckung eintreten, die später den Absatz der deutschen Weizenernte hindern und den er- reichten Fortschritten auf dem Gebiet der Einschränkung des Roggen- bau«? durch oermehrten Weizenbau Mbruch tun wird. Es wird also nötig, daß das Reich die Weizeneinfuhr zu verbilligten Zollsätzen be- schränkt. Andererseits dürste die vermehrte Nachfrage aus Deutsch- land dos Preisniveau auf dem Weltweizenmarkt nicht unberührt lassen. Ewa.. plötzliche und ungeregelte Nachfrage nach Aus- . landsweizen whxde zu.Häujje'auf den.GetreidÄnärkten in der.Welt fuhren und den Weizenpreis steigern. Den höheren Preis hat ober die Verbreu che rschoft in Deutschland zu bezahlen. Hier muß eine Regulierung der Nachfrag« eintreten. Di« angedeuteten Gefahren sind so schwerwiegend, daß Abhilfe ge- schaffen werden mutz. Abhilfe kann aber nur geschaffen werden, in- dem man die für Deutschland notwendigen Mengen planmäßig aufkauft. Der Getreidehandel wird in gewohnter Weise gegen solche Maßnahmen opponieren, ohne Rücksicht darauf, daß sie voll«. wirtschaftlich geboten sind. Dem Getreidehandel, der es liebt, in der Oeffentlichkeit sehr viel Lärm zu schlagen, muß aber bedeutet werden, daß hier die Versorgung der deutschen Bevölkerung mit Brotgetreide zur Debatte steht und nicht die Frage der Privatwirtschaft oder die öffentliche Hand. Man wird bei der Versorgung Deutschlands mit dem nötigen Brotgetreide bis zur nächsten Ernte den Weg gehen, der am billigsten ist. Das ist aber die Versorgung durch die öffentliche Hand. Deshalb ist auch das Projekt abzulehnen, durch die Mühlenindustrie«ine besonder« Einkaufsgesellschast für ausländischen Weizen zu bilden. Zum„Eiahlhelm"-Verbot. Erwachender Sinn für demokratische Freiheitsrechte. Gesetze oder Verordnungen, die die staatsbürgerliche Frei- heit einschränken, sind manchmal notwendige Hebel, aber Uebel sind sie immer. Iubelhymnen über sie anzustimmen, weil sie unsere Gegner treffen, stünde uns Sozialdemokraten schlecht an: denn wir haben stets Meinungsfreiheit auch für unsere Gegner gefordert und fordern sie auch heute noch. Darum halten wir die Notverordnung des Reichspräsidenten vom 28. März auch nur solange für erträglich, als die sie aus- führenden Behörden sich auf die Bekämpfting offenbarer gröbster Ausschreitungen beschränken, die politische und religiöse Meinungsfreiheit aber refpek- t i e r e n. Daß es sich im Fall der für drei Monate verbotenen Stahl helm-Zeitschrift� um eine Ausschreitung gröbsterArt handelt, der mit dcmMittel desVerbots begegnet worden ist, kann kaum bestritten werden. Wir würden unter normalen Umständen auch lieher solche Ausschreitungen passieren lassen, als an der Pressefreiheit zu rühren. Nachdem sich aber aus der Pressefreiheit immer mehr eine Schimpf- und Verleumdungsfreiheit und aus dieser eine ziemlich hemmpugs- lose Hau-, Stech- und Schießfreiheit entwickelt hat, waren Maßnahmen zur Einschränkung solcher„Frei- heiten" leider unvermeidlich, geworden. Im Grunde handelt es sich doch nur darum, daß eine Zeitlang, bis sich die Dinge wieder beruhigt haben, nicht mehr so ordinär geschimpft werden soll wie bisher. Abgesehen davon haben aber die einschränkenden Maß- nahmen noch eine andere gute Seite. Sie wecken die Erkenntnis für den Wert demokratischer Rechte und E in r i ch t u n g e n dort, wo sie bisher gefehlt hat. Mit aufrichtiger Freude bemerken wir, wie beispielsweise die„Deutsche Tageszeitung", das Organ des Reichslandbundes, aus Anlaß des Stahlhelmfalles für die Pressefreiheit Lanzen bricht. Sie darin zu stören, ist nicht unsere Absicht, wir möchten ihr nur eines zu bedenken geben: Gerade die „Deutsche Tageszeitung" liefert in ihrer Haltung den B«- weis dafür, daß man sehr oppositionell und sehr kritisch sein kann, ohne deswegen in einen gemeinen Schimpfton zu ver- fallen. Wird sie weiter wie bisher redigiert, so wird sie alles sagen können/ was sie auf dem Herzen hat, ohne daß jemand auch nur daran denken wird, sie deswegen zu behelligen. Die„Deutsche Tageszeitung" und andere Rechtsblätter sehen in dem Verbot der Stahlhelm-Zeitschrift eine Behinde- rung des vom Stahlhelm«ingeleiteten Voltsbe- gehrens. Aber wenn die Einleitung eines Volks- begehrens jedem das Recht geben sollt«, die Bestimmungen der Notverordnung zu übertreten, so wäre die ganze Not- Verordnung zwecklos: denn ein Volksbegehren einleiten kann schließlich jede irgendwie bemerkenswerte Organisation. Uebrigens, wenn die Rechtspresse jetzt so sehr darauf be- dacht ist, die demokratische Einrichtung des Volksbegehrens und des Volksentscheids vor jedem rauhen Polizei- hauch zu behüten, so darf doch in aller Bescheidenheit daran erinnert werden, daß diese Einrichtung des Volksbeaehrens und des Volksentscheids nicht wäre ohne den verfluchten 9. November und die dreimal verfluchte marxistische Sozialdemokratie! Das Gericht bestätigt. ■ 1•' Di« Zuftizprefiestelle teilit mitw:— i-• i--,..' i „Auf Beschluß des Amtsgerichts Berlin-Witt« vom 10. April ist die durch den Polizeiprösidenteir Berlins ausgesprochene Beschlagnahm» der Nr. 13 der Zeitschrift„Der S ta h l h e l m" vom 5. April b« st ä t i g t worden. Die Beschlagnahm« erfolgt auf Grund de» Paragraphen 5 Ziffer 1 de» Bepublikschutzgesetzes und des Paragraphen 185 Strafgesetzbuch wegen des Artikels„Außen- Politik und Preußenvoltsbegehren" von dem Bundeskanzler Major a. D. Wagner. Dieser Artikel enthält dem Inholt und der Form »ach böswillige Verächtlichmachungen der preußischen Staats- regierung." Schulstreit in Braunschweig. Empörung gegen die Maßregelung der Lehrer. Braunschweig. 10. April.(Eigenbericht) Der von der Elternschaft der weltlichen Schulen Braunschweigs proklamierte zweitägige S ch u l st r e i t hat Franzen veranlaßt, den Erziehungsberechtigten die schärfften, im Gemeindeschulgesetz an- geführten Strafen anzudrohen. Er hat eine Verfügung erlassen, in der es heißt: „Nach mir zugegangenen Meldungen haben Vertreter des welt- lichen Elternbundes im Land« Braunschweiq beschlossen, zum Schul- streit aufzufordern. Ich warne alle Beteiligten, dieser Aussorde- rung zu entsprechen und verweise aus die gesetzliche Verpflichtung der Erziehungsberechtigten, chre schulpflichtigen Kinder regelmäßig und pünktlich der Schule zuzuiühren. Zuwiderhandlungen werden gemäß ß IS des Gemeindeschulgesetzes mit Geldstrafen bis zu ISO M. oder Haft bis zu 14 Tagen geahndet. Die Polizeibehörden sind angewiesen, jeder Störung des Schulbesuchs der Kinder mit allem Nachdruck entgegenzutreten.", Außerdem hat Franzen die S ch u l o o r stände angewiesen, in jedem Falle der Zuwiderhandlung Strasantrag zu stellen. In Walsenbüttel hat die Polizei mehrere Erziehungsberechtigt«, die angeblich in der Nähe der Schule Streikposten gestanden haben, fest- genommen. Unter ihnen befindet sich auch der von Franzen abgebaute sozialdemokratische Studienrat Elchlepp. Die Erbitterung der Elternschaft ist so groß, daß der Schulstreik mit großer Ge- schlossenheit durchgeführt wird. Daran werden auch die Straf- androhungen Franzens, die von der Elternschaft übrigens voraus- gesehen wurden, nicht» ändern. Am Montag werden die Kinder die Schulen wieder besuchen. Das sind ja schöne Pan-Europäer! »Separatismus" Berlin-Wien.— Zlbtretvag deutscher Gebiete für den.Anschluß". Warschau. 10. April(Ost-Expreß). Der polnisch« Paneuropa-Verband hat dem Außen» minister Zalesti und dem Borsitzendeu des paneuropäischen Zentral- komitees Grafen Coudenhove-KÄlergi ein« Entschließung übersandt, in der die ö st err e i chi s ch- deu ts ch« Zolloereinbarung als ein„separatistischer" Schritt verurteilt wird, der die bestehenden Gegensätze verschärfen und alles bisher auf dem Weg« zu einer poneuropäischen Konsolidierung Erreichte zunichte machen konnte. Der vcm Regierungslagcr nohestehend«./Czas" schreibt, dl« Pofixif des Anschlusses bedeute für Polen-ine Abriegewng seiner Lcmdoerbindungen nach dem Westen hin und mache eine Festigung des polnischen»üstendesitze» zu einer um so gebiete- Ahherpa Rotwendststcit. Für jodev Schölt Deutschlands in der Rst� tung des Anschlusses müsse Polen daher als seine Mindestsorderun- gen ein O st- L o c a r n o, also«ine absolute Garantie sür die Sicher- heit seiner Grenzen verlangen. Ueber dies« Mindestforderung hinaus müsse aber auch ein Ausgleich geschaffen werden für den Macht- Zuwachs Deutschlands, das Gebiete angliedern wolle, deren VevöUe- rungszahl die der nach dem Dersailler Vertrag« abgetretenen Ge- biete übersteige. Einen solchen Ausgleich erblickt der..Czas' in einer Erweiterung der polnischen Recht« in Danzig und in einer Abtretung an Polen.der ethnographisch polnischen Landgebiet«, die gegenwärtig im Staats verbände des Deutschen Reiches verbleiben". •"" Oer Ltmfchwung in Chikago. Eermak spielt auf. Ehitoga. 10. April. Bürgermeister Cermak wurde am Donnerstag in sein Amt eingeführt. Die Feier war äußerst kurz und schlicht. Cermak, der versprochen Hot, Ehikago innerhalb von 60 Tagen von seinen be- rüchtigten Verbrechern zu befreien, hat bereits die Entlassung taufender Hilfsange st eilten der Stadtverwaltung vor- genommen. Unter den Entlassenen sollen zahlreiche Günstling« des früheren Bürgerineisters Thompson sein. 5. Tag des Ehirurgenkongreffes Arusterkrankungen. Beckenbrüche. Kehlkopfersatz,«in neues Verbandmaterial. Die gestrig« Vormittagssitzung begann mit Vorträgen über hie Chirurgie der B ru st e r t r a n ku n ge n.' Der holländisch« Chirurg Zaaaer-Aeiden sprach über Lunyenchirurgic. Er«wäbnte neu« Methoden, um da» Risiko der operativen Behandlung zu verringern. insbesondere bei Tuberkulose.. Sauer d riuch• Berlin schildert« eindrucksvoll die Operation eines HerzaneurvtMas bei einem jungen Mädchen, bei dem es ihm in' schwieriger Arbeit gelang, das Leben zu retten und die Kranke der Hellung zuzuführen. L. W- Meyer« Berlin tonnte den vierten Fall einer jungen Embolie vorstellen, die er durch Herausziehen de« Blulgerinsels aus der Lungenschlagader heilen konnte. Die großen Fortschritte, die in den letzten Jahren in der Behandlung der Knochenbrüche gemocht sind, zeigte K l a p p- Märburg. Maanus-Bochum sprach über 1200 Beckenbrüche, die im westfälischen Bergbetrieb sehr häufig vor- kommen. Er zeigte, daß es bei gewissen Formen der Beckenbrüche nicht notwendig ist, die Verletzten längere Zeit liegen zu lassen, son- der» daß man häufig schon die Verletzten nach zwei bis drei Wochen aufstehen läßt. Als obersten Grundsatz der Behandlung der Becken- bruche stellte er die Forderung auf, den Verletzten wissen zu lassen. daß er vollkommen hergestellt würde, damit seine Gedanken von vornherein nicht zu sehr auf eine Rentenversorgung gerichtet würden. v. B r a m a n n- Berlin schlug zur Einrichtung von Knochenbrüchen die Zwei-Röhren-Vurchleuchlung vor. bei der sich jede Umlagerung des kranken Gliedes vermeide» lasse, In der Nachmittaassitzung behandelte Geh. Rat Gluck-Berlin den künstlichen Ersatz des Kehlkopfes, wenn dieser wegen bösartiger Geschwülste entfernt werden muß. Der Bortrogende, der diese Nailliche Operation selbst angegeben, hat, erklärte, man könne heute der kllnst- lichen Stimme nicht nur willkürlich männlichen oder weiblichen Charakter geben, sondern könne auch beliebig- die Höhe der Tonlage wähl«», so daß selbst mit der künstlichen Stimme der Träger singen kann. Weitere Vorträge galten der Auswertung ph»sikali infiziert. Zum ersten Vorsitzenden für den Kongreß 1932 wurde Prof. Völker- Halle gewählt.___ Veich-llags Präsident töbc ist mit einigen anderen Abgeckidneten zur Teilnahme an einer Sitzung des Verwaltungsrats der Jnter- parlomentatifchen Union in Genf cingetrofsen, verboten wurde die Bochumer natianalsozioliftische TageszeitunA „R o t c Erde" auf die Dauer von vierzehn Tage«. ÄÄ B'SUIil IkU. 2819. Haudicii nlaulL Davelma-Balleu. Grell. Vernon. 2 Bartwells, Klo State iLarimda Baad usw. Soooalienii und Sonntags je 2 Vorstellungen 4 und&11 Uhr. 4 Uhr kleine Pr, scata GROSSES SCHAUdPIELHAUo Täglich 8 Uhr: Im welfsen ROtSI. Stg. nachm 3 Uhr Originalbesctzung billige Preise Rege: Erik Chan-M ROSE THEATER Rennen su Strau: Sonnabend, 11. April oaotoiuag« 3� Uta. Reichshallen-Theater llliends|T| Sonntag Sadim. nPTl Oes April-Ladi-Programm der Stettiner" Populäre Preise von 60 Pf. bis 2,50 M. auch Sonntags) Nachm. ermäßigte Preise! Oönhoft- Brettl; VarieW— Konzert— Tanz! Kleines iheaf. Täglich«>/. Uhr Erika GiaBner in: Der stille Kompagnon Lustsgiel«on Leo Uns, Sonntags 4 Uhr Oer Sprung In die Ebe kleine Pr. 1— 4 M. Theater IWeslem Täglich 8V« Uhr Das Land des Lädielns. Preise 1—9 M Sonntag Uht SAfin ist die Veit Täglich 8'/« Uhr Husarenfieber Oudio Thielscher. Kastner, Arnstadt, Vespeimann TolRsbimne Hitattr antPiowplil!. 8 Uhn Die beiden Adler Staatl.Sdiiller-Tli. 8 Uhr Die Bekehrong des Ferdys Plstora Oeotsme! Theater 8 Uhr Der HaupiinaDn von ROpeniA Carl Zuckmayer Regie: Heinz Bilpert Die Komödie 8'Ä Uhr Natalie V Iwan Turgenjew Hrgii: Iwan Schmith KuriOrslenaamm- Tbeater Bismarck 449 Heute Uraufführung r Gine neue Kant in 3 Tagen. Javi, weis und Statt. Gtofa Pore». Witeffer lchuppige. rauhe Haut verschwiaöe«.— Versuchen Si» öteseo Rezept eines Sachmaunes. 8 Ehr Alias Zehwlndsl von Schikfer 3tusikv. Spoiiansky Uni,: Gnhi Orüidens BQhnenhilder; Wilhelm Reinking Komiscne öper 8><, Uhr Rudi Seonteg 4 111» Alt Uxie Englisdi. Vestemeler. H.i Mölbis. Peakert — Elite-Sänger»» Kopbusser Str. 6 Tägl S'/iUhr Sonntag Uhr FRITZI Ol» Cuhpiil Lotte Hane 1. 1. bmpen. ilegwart Ehrlich. OldiB.»maul! Prtiu! Tausende haben erweiterte Paren und wissen es nicht. Jede erweiterte Pare entsteht durch Reizung. Wenn Sie sich nicht nan der Reizung der Hautporen beireien, sammeln sich Aremdkarperchen an und die folgen sind hähliche Mitesser, Pickel, Pusteln, sohle, dunkle Gesichtssarbe und grobe, rauhe Haut. 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März rund 15 OOS Unlerfluhungsempfänger aus der Krisensürsorge ausgeschieden, die nunmehr zu einem grofzeu Teil der Gemeinde zur weilerea Unterstützung zur Last fallen. Diese am 28. März 1931 aus der Krisenfikjorge Ausgesteuerten sind in den Veröffentlichungen der Tageszeitungen icher die Abnahme der Arbeitslosen in der Krisen- sürsorge bereits berücksichtigt worden, während sie in der Stichtag. Zählung der WohlsohrtserwerbOloseu vom 31. März 1931 noch nicht enthalten sind, da sie bei den Wohlfahrtsämtern erst Ansang April eine Unterstützung nachgesucht haben. Ausländer verkaufen Berliner Grundbesitz. Ziückerwerb durch inländische Käufer. Seit eiuer Reihe von Jahren macht sich eiu wachsender Rück- erwerb des in der Inflationszeit ia ausländische Hände über- gegaageueu Berliner Grundbesitzes durch laläudische Käufer bemerkbar. Aus dem Grundstücksmarkt der Reichshauplstadt allein wechselten nach den vorläufigeu Ermittluugeu des Statistischeu Amts der Stadl Berlin 21Z? Grundstück- im vergangenen Jahre 1330 den Besitzer und zwar bestanden die Verkäufer m den weitaus meisten Fällen aus Inländer«<1416 oder SSL?roz.s: an zweiter Stelle steht der Gruudbesihwechsel der«ichtphysifche« Personen<552 oder 26.0 Proz.), den Schlnh endlich bilden die Ausländer mit lö3 freiwilligen Grundstücksveräutzernngen<7.8 Proz. der Gesamtzahl). Wenn auch die Ausmaß« der Grundstücksgeschöstc nicht den Umfang früherer Jahre erreichten— im Jahre 1929 wurden z. 58. im Jahre 1928 sogar 3262 bebaute Grundstücke in der Reichshaupt- stadt veräußert— so ist doch erneut festzustellen, daß die Zahl der aus ausländischen Besitz verkauften Grund-- st ü ck e mit 13S wesentlich höher liegt als der neuerliche Grundstücksrückerwerb seitens der Ausländer, der im Lauf« des ver- gangenen Jahres nur zu 33 freiwilligen Grundstücksveröußerungen an Personen mit ausländischen Wohnsitz führte. Es ergibt sich also ein Plus von 102 Grundstücken, die in deutsche Hände zurückgeführt wurden. Außerdem wurden weitere 10 Grundstücke von Ausländern an nicht physische Personen vertaust und endlich fanden 24 Grund- stücksgeschäste unter Ausländern statt, so daß der ausländische Grund- besitz in Berlin einschließlich der 12 durch nichtphysische Personen an Ausländer oeräußerten Grundstücke bei einem Derkaus von 143 Grundstücken(ohne die 24 nur unter Ausländern ausgetauschten Grundstücke) nur einen Reuerwcrb von 345 Grundstücken— mithin also«inen Verlust von 100 Grundstücken zu verzeichnen hatte. Auf diese Weise geht allmählich die durch die Inflation bedingte Heber- fremd ung des Berliner Grundbesitzes, der sich im Jahre 1927 noch zu 7.4 Proz. in ausländischen Händen befand, wieder aus ihren Ziormalstand zurück. Abgesehen von den 2137 bebauten Grundstücken wurden im Laufe des vergangenen Lahres noch 5006 unbebaute Grundstücke veräußert. Märchen über die Gtadioper. Eine Erklärung. Unter der lleberschrist„Was geht i» der Städtischen Oper v o r?� bringen ein Atittagsblatt und ein Spätabendblatt ziemlich gleichlautende Artikel, die der Phantasie des Bersasscrs alle Ehre machen, im übrigen«ine völlige Ahnungslosigkeit beweisen. In dem Artikel wird die Behauptung aufgestellt, Generalintendant Tietjen Hobe„durch seine Freunde im Aufsichtsrat der Städtischen Oper die Herren Dr. Weinberd, F l a t a u, haß und he»» mann(das sind die Vertreter der sozialdemokratischen Stadt» nerordnetenfraktion im Aufsichtsrat) dahin wirken lasten, daß an stelle des ihm nicht sehr genehmen Dr. Singer, der seine eigenen Wege ging, und als künstlerische Konkurrenz nicht an- genehm gewesen wäre, ein von ihm vorgeschlagener, also ihm ge- . uehmer. Intendant die Städtische Oper'übernimmt": Als diese- von lietjen durch Vermittlung unserer Genossen„gestellte� Perföntichtcii wird im Laufe des Artikels der Darmstädter Intendant E b e r t bezeichnet. Wie wir hierzu von den genannten Genossen erfahren, ist jede dieser Behauptungen falsch. Im einzelnen ist folgendes zu sagen: Der gegenwärtige Intendant Dr. Singer hat sein Ersuchen, bei der Neubesetzung des Postens des städtischen Intendanten von seiner Person abzusehen, ohne vorheriges Wissen unserer Genossen abgegeben, die hiervon ebenso überrascht waren wie die anderen Mitglieder des Aufsichtsrats. Keiner der genannten Genossen hat seit der Nerzichter'lärung Dr. Singers mit Generalintendant Tietjen eine Unterredung gehabt. hat also auch keinerlei Vorschläge über die Neubesetzung des Postens entgegennehmen können und entgegengsnommen. Der Name des Herrn E b e r t ist im ganzen Verlauf« der Inten-- dantenkrise niemals genannt worden, insbesondere nicht von einem unserer Gr.wsten. Unser« Genossen werden ihre Vorschläge nach bestem Wissen und Gewissen unter alleiniger Berücksichtigung der ihnen an-- vertrauten Interessen der Städtischen Oper machen. Kanan'envögel als Lebensretter. In der vergangenen Nacht wurde ei» Mieter des Hauses Trift st raß« 44 dadurch aufgeweckt, daß seine Kanarien» vögel in ihrem Bauer ängstlich umherflatterten und dann bptäz-stt. zu� �oheil fiesest. Er v-rspürie starken Gasgeruch- und ein» Benommeyheit im Kopf.'. Eo benachrich- tigtc die Feuerwehr, die nach gewaltsamer Oefsnung der Korridortür in die darunter liegende Wohnung des 28jährigen Schlossers Eduard Marode eindrang und hier M. regungslos in feinem Bette liegend auffand. Wiederbelebungsversuche, welche Samariter der Feuerwehr sofort anstellten, hatten keinen Erjolg• mehr. Aus einem Tisch lagen Abschiedsbriefe, in denen M. mitteilt. daß seine Frau am Tage zuvor im Krankenhause verstorben sei und er ohne sie nicht mehr länger leben könne. Seinen Verwandten gegenüber� hatte er geäußert, daß er den Verlust seiner Frau nicht verwinden könne und ihr bald nochfolgen werde. Der Besitzer der Kanarienvögel wäre sicher ebenfalls eiu Opfer des Gases geworden, wenn die beiden Tierchen ihn nicht aus dem Schlaf geweckt hätten. Geschichte einer Abenteurerin. Die Frau mit der Kriegsverletzung. Eine seltsame Lebensgeschichte erzählte eine Frau dem Schöffengericht verlin-UIitle, vor dem sie wegen Diebstahls im Rückfall angeklagt war. Di« Angeklagte. Frau Anastasia S.. stammt van der russisch- persischen Grenze und ist allein aufgewachsen, weil ihre Mutter nach ihrer Geburt Nonne wurde. Schon als junges Mäd- che» geriet sie in p o l i t-i j ch e Kreise und nahm mehrsach an nationalen Aufständen teil, aus denen sie eine Reihe schwerer Verwundungen davontrug. Ihre letzte und schwerste Bor- letzung war«ine Kopfwunde durch ein Schrapnell in einem Kampf gegen die Rote Garde. Nach diesen Erlebnissen wurde Frau S. nach Deutschland verschlagen, wo sie nach einer kurzen Ehe geschieden wurde und sehr bald in bitterste Not geriet. Da begann sie Diebstähle in Warenhäusern und größeren Läden auszuführen, so daß sie sechsmal deswegen bestraft wurde. Im Februar stahl sie aus einem Juwelcngeschäft einen kostbaren Ring. Sie trat als Käuferin auf und ließ sich Ringe vorlegen. Den wertvollsten steckte sie an den Finger und gab ihn nach kurzer Be- sichtigiing zurück. Durch einen Taschenspielertrick hatte sie ihn aber mit einem wertlosen Neppring vertauscht. Der Verkäufer, der den Vorwond beobachtet hatte, hinderte die Frau an der Flucht und benachrichtigte die Polizei, die die äußerst erregte Diebin festnahm. Ihre Angaben über ihr Borleben wurden durch die Untersuchung des Sachverständigen bestätigt, der die Angeklagte als eine männlich ver- anlagt«, schwer hysterische und durch ihre Vergangenheit psychisch belastete Person schilderte. Der Staatsanwalt legte die Tat der Angeklagten als Diebstahl aus und forderte wegen dieses Deliktes im Rückfall eine Strafe von D? Jahren Zuchthaus. Dagegen wandte der Verteidiger«in, daß das Vorgehen der Auge- klagten die typische Handlung einer Betrügerin sei. Da sie aber dieses Vergehens wegen noch nicht bestraft sei, könne das Gericht auf eine geringe Strafe erkennen. Er Hobe die Verteidigung der Angeklagten auf Bxranlafsung der Direktorin des Frouengefäng- nisses übernommen, die ihm gesagt habe, daß Frau S. eine künstle- risch sehr begabte Handarbeiterin sei, die in geordneten Verhältnissen. wie z. B. im Gefängnis, tüchtig und ernsthaft arbeite. Eine Zucht- hausstrafe wäre für diese Angeklagte eine äußerst lange Jnter- nierung im Irrenhaus, da die sehr labil veranlagte Trau wahr- scheinlich sofort in Haftpsychose fallen würde. Das Gericht schloß sich auch den Rechtsausführimgen des Ver- teidigers an und erkannte, daß die Tat als Betrug anzusehen sei. Die Angeklagte wurde demgemäß zusechsMonatenGefä�g- ni» verurteilt._ Zeppelin über Ober-Aegypten. Landung ia Kairo erst heute früh. Kairo, 10. April. Das Lilftschisi„Graf Zeppelin' überflog um 4.20 Uhr reefc mittags örtlicher �eit, also 13 Stunden.vor der progrannnäßigeu Zest,"Kairo und fragt«, durch Funkspruch an, ob es landen könne. Es mußte dem Luftschiff geantwortet werden, daß die Vorbereitungen zur Lairdung noch nichtbeendet seien. Das Luftschiff wird die Zwischenzeit zu einer Fahrt nach Ober- Aegypten benutzen und morgen früh um 3.30 Uhr nach Kairo zurückkehren._ In der Kiste nach Amerika. An Bord des augenblicklich von Eherbourg nach Neiv-Pork fahrenden französischen Dampfers„ß a f a y c t t e" lagert eine an die Firma Taylor in New Uork adressierte Kiste, die von einem 20jährlgen Handwerker aus Paris„bewohnt' wird. Der Sie möchte trösten.„Sic werden in ein Sanatorium gehen, gesund werden. Sie werden in einem langen Leben Sic spricht nicht weiter, denn er hört sie nicht mehr. Er ist plötzlich aufgestanden und weggegangen, so säniell er es oermag. lst fast gelaufen, wie sonst nur weinende Frauen laufen» gebückt mid ohne sich umzusehen. Lene folgt ihm nicht. Er ist zurückgegangen in sein Krankenzimmer dritter Klasse: zwischen die lauten Stubengenossen, die ihn wegen der blonden Braut ansticheln und grobschlächtige Witze reißen: zwischen die sachlichen Pfleger und Schwestern, die noch am gleichen Tage eine bedenkliche Temperaturerhöhung feststellen und vorn herbeigeholten Arzt Bettruhe verordnen lassen. Am Abend kommt das Fieber. Die Aerzte hallen es für bösartig: sie können nicht wissen, daß es mildtätig ist. Denn als Siegfried Schmitzer nach Tagen daraus erwacht und den ersten Blick tut in das Krankenzimmer, das müde erhellt ist vom herbstlichen Licht: da ist vor ihm nur Wirklichkeit, hinter ihm nur Traum. Es hätte kommen können, daß man nicht wieder aufgewacht wäre aus diesem Traum, das wäre viel- leicht schöner gewesen: nun ober ist da das Leben, ein herbst- liches Leben, das immerhin gelebt sein will. Herr Schmitzer läßt sich Tageszeitungen geben. Daß er bald den Handelstell aufschlägt, liegt zunächst nicht daran. daß er ihn bevorzugt: die gefülilvollen Liebesgeschichten des Feuilletons tun so weh und treiben die blätternden Hände vor sich her bis in die Starre der Antiqualettern. Mit schmerz- llcher Lust fühll Herr Schmitzer eine Bertramhell aufsteigen aus den gewundenen, fremdländischen Ausdrücken dieser ge- schäftlichen Ding«: ste machen ihn wie vorher, wie vor dem Traum, aber sie machen ihn stark für nachher. Sie macheu ihn sogar stärker als je: er fühll in sich ein Interesse erwachen für dies kaufmännische Leben, das sich nur so viel Gefühle leistet, als es bezahlen kann, daß feine Befriedigung in zähl- barer Wirklichkeit sucht. Sein Interesse ist ein bißchen bös- mZSg.« U das Znterege ases Mevjch«. der doch auch die» Leben nicht überschätzt, denn er hat ein größeres gelebt, und der ihm darum nicht verfällt, sondern es beherrschen wird. Mit dieser machtvollen Bösartigkeit, die jede Empfindung weg- klesft aus dem engen Zaun der geschäftlichen Vorteile, sammelt Herr Schmitzer seine Chancen aus den Handclsteilcn, immer in dem Bewußtsein, daß seine erste Chance das Stubben- laild ist. Er liest, daß diesmal erst nach Beendigung der deutschen Spargelernte die kalifornischen Schiffsladungen eintrafen: lieft, daß der Preis dieser exotischen Spargel billiger, ihr Geschmack aber dem der einheimischen wenigstens in den beiden ersten Sorten unterlegen ist. Es ist ihm klar, daß demnach in Kürze mir noch die beiden ersten deutschen Sorten auf dem Markte absetzbar sein werden, daß hingegen für die drille und vierte Sorte andere Verraufsmöglichkcitcn geschossen werden müssen. Als Herr Schmitzer soweit ist, bestellt er sich Andreas Kam in die Charit�. Andreas kommt auch, und sie führen ein langes Gespräch sachlichster Art. Von nun ab häuft sich Fachliteratur auf Herrn Schmitzcrs Bettdecke. Als die gelesen ist und Korns Ratschläge durchdacht sind, ergibt sich als lohnende Möglichkeit und bittere Not- wendigkeit zugleich der Bau einer Konservenfabrik, die den Spargel der dritten und vierten Sorte verarbeiten kann. Mit fünfundfünfzig Morgen künftigen Spargellandes und einer landwirtschaftlichen Genossenschaft hinter sich sollten Geldgeber für die Konservenfabrik. Geldgeber für künftigen Landerwerb zu finden sein. Das ist Herrn Schmitzers erstes Ziel. Das zweite: den Kommissionsverkauf des Stubben- landcr Spargels schon vom nächsten Jahre ab in die Hand bekommen Noch bevor er aus der Eharlle entlassen wird, ist Herrn Schmitzer all das klar. Seiner linken Brust sieht man die Opcralwn an; sie ist enger geworden. In der linken Brust schlägt auch das Herz. Wild, jäh, wie es nötig war für die Liebe zu Lene Papendieck, vermag es nicht mehr zu schlagen: ruhig, gemessen, kalt, wie es nötig ist für den Aufbau eines großen Geschäfts, kann es besser schlagen als je. * Sobald es eine Welle gut geht im Stubbenland, besinnt sich Luise Korn aus das. was Andreas ihreu religiösen Fimmel nennt. Das führt dann zu Gesprächen, die Andreas nicht liebt: denn der Gläubige ist unüberwindlich: ihm wird noch der Ein- wand zum Argument. Folgendermaßen etwa beginnt es, meist dao», wen« Luise am Herde steht und m ihre» Töpfen ...».»tt-u. i—----. 1 „Nun ist Erntedankfest vorbei, und wir sind wieder nicht in der Kirche gewesen.' ..Nö.' „Dabei gab es wirklich genug zu danken!" „So?' „Andreas, sei doch nicht so undankbar. Sieh mal, die reiche Ernte—' „Ist dem lieben Gott ganz egal. Ich kann mir nicht vor-- stellen, daß er so ein leidenschaftlicher Spargelesser ist.' „Andreas—!! Und daß wir die Hvpochck gekriegt habcick Und daß wir ein neues Pferd kaufen konnten! Und ganz be-- sonders, daß Schmiszer wieder gesund geworden ist! Wo er aufgegeben war!' „Na schön. Mit Schmitzern hast du recht. Wir körnten ja mal in die Synagoge gehen.' Dann ist sie still. Und ihre kleinen Angriffe würden auch vergeblich bleiben, wenn ihr nicht schließlich der Zufall zu Hilfe käme. Der Zufall heißt Rönnebach, ist Gemeindevor- steher von Schloßhcide und besucht Korns. Das ist ein unerhörtes Begebnis und bedeutet viel. Es bedeutet für die Besuchten, daß man sich jetzt in Schloßheidc um die bisher so oerachteten„Stubbenlander Sandslöhe' zu bemühen beginnt. Für den Besucher freilich bedeutet es, daß in dein kleinen Schloßheide die Stubbenlander mit ihren sechs Stimmen bei den bevorstehenden Gemeindemahlen den Aus- schlag geben können, und daß es also gilt, sie hinter sich zu haben. Demgemäß entwickell sich denn auch die Untechallung als ein sozusagen politisches Gespräch. Ob denn die Herren von der Genössenschast nicht endlick, Antell an den Gomeindeangelegenhellen nehmen wollten? Diesfalls würde man einem von ihnen einen sicheren Platz aus der Wahlliste geben. Ia. ja. es wäre schon richtig, malt würde ja wohl öfter ins Dorf kommen, wenn bloß der Sandweg ein bißchen besser wäre. Na, darüber würde sich ja reden lassen in der nächsten Sitzung. Uebrigens wäre da schon vor den Wahlen eine schöne Gelegenheit, zu zeigen, wes Geistes Kind die Stubbenlander seien. Nämlich die Pfarrstelle, der auch Schloßheide unter-- stehe, solle neu besetzt werden, und zwar durch den bisherigen Kreispfarrvikar— denselben, der damals bei dem Tode des Herrn Papendieck int Stubbenland gewesen war. Der würde nun am Totensonntag in der Donkirche seine Probepredigt hallen. Es wäre doch schön, wenn die Stubbenlander dc> durch ihr Erfchemeu Lnteresje bekunden würden. tFvrtfejyinz jotjM Naturschutz ist Volkssache Fünfundzwanzig Jahre preußischer Naturschutz reifeluftige junge Mann hat sich bei einem Freunde in bis Kiste einschließen lassen und die Reise nach llebersee als„Muster ohne Wert" angetreten. Erst als der Pariser Spediteur die Fracht- kosten bei den Eltern des chandinerkers einkassieren lvollte, kam der Schwindel ans Tageslicht. Aber die Kiste selbst konnte von der sasort benachrichtigten Schiffsleitung in dem oollgestauten Laderaum de» Schiffes bis jetzt noch nicht ausfindig gemacht werden... Erlaubte Sterilisation. Einstellung des Verfahreos gegen Graher Arzt. Das gegen den Professor Schmerz in Graz wegen Verbrechens der schweren körperlichen Schädigung, begangen durch Sterilisation von Männern, schwebende Versahren ist von der Staalsanwaltschafl Graz eingestellt worden. Die Anklage gegen Schmerz wurde im Oktober ZSZS erstmalig erhoben. Der Angeklagte wurde zunächst in zwei Instanzen v e r- urteilt. Daß nunmehr die Einstellung des Verfahrens gegen Professor Schinerz, der an Männern Eingriffe vorgenommen hatte, durch die die Zeugungsfähigkeit unterbunden wurde, erfolgte, be- deutet gleichsam die Rehabilitierung des Arztes. Professor Schmerz läßt bei Männern im Gegensatz zu dem bekannten Zwickauer Kreisarzt a. D. Dr. Boeters, der nur für die Sterilisation geistig minderwertiger Menschen eintritt, auch die jozialeZndikotion außer der medizinisch-biologischen gelten. Seine Patienten waren «eistens schlechtbezahlte Unterbeamte der Eisenbahn, die Schmerz vor der Sorge drohenden Nachwuchses, dessen Ernährung und Er- ziehung materiell nicht sichergestellt war, befreite. Soweit bekannt, erlitt keiner der behandelten Beamten gesundheitlichen Schaden. Auch rein theoretisch ist von medizinischer Seite gegen das Schmerz- sche Verfahren kein erheblicher Einwand gemacht worden. Löffelschlucker aus passiv«. Jortgesehte Selbstbeschävigungen in der Gefangenschafi. Der 23jährige Angeklagte B o m b e l k a, der den Straf- und Heilanstalt eu durch seine häufigen Scllrstbeschädigungen hinreichend bekannt ist, stand wieder vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte. In der Gefangenschaft verschluckt dieser junge Mensch fortgesetzt Löffel und Gabeln und hofft, dadurch seine Freiheit zu erzwingen. Seine Sehkraft hat er durch Kopierstift ernstlich gefäbrdet. Bombe lka war vor kurzem wegen verschiedener D i e b st ä h l e verurteilt worden und hat nach diesem Urteil wiederum in seiner Zelle die oerschie d ensten Gegenstände verschluckt, so daß er vor vier Wochen operiert werden mußte.. Dabei wurden drei Löffel und drei Gabeln aus seinem Magen entfernt. Jetzt erzählte er dem Gericht, daß er seit dieser Operation von neuem zweimal Löffelstiele verschluckt Hab«, da er auf irgend- eine Weife seine Entlassung erreichen machte. Das Gericht verurteilte ihn diesmal wegen Fälschung einer Aufenthaltsbefcheiniguilg und wegen Betruges gegenüber dem Wohlfahrtsamt, von dem er unter falschen Angaben Unterstützung bezogen hatte, zu vier Monaten Gefängnis. Km'lichtiheater in Friednchshagen. °;';r»,.7 Eröffnung zu Pfingsten."' i �7 �7, Das groß« Freitich4tk>eckter m Frledr rchshagen/ das dos Bezirksamt Köpenick mit Hilfe von Wohlfahrtsarbeitern anlegen läßt, geht seiner Vollendung entgegen. Das Theater, dos in dem großen, unmittelbar am Bahnhof Friedrichshagen gelegenen Kurpark liegt, bietet Raum für 800 Personen. Am Freitag vor Pfingsten wird es mit Shakespeares„Sommernacht?- träum" eingeweiht werden. Am l. und 2. Pfingstfeiertag folgen weitere Vorstellungen, und zwar je nachmittags um 4 und 7 Uhr: zur Aufführung gelangt neben dem„Sommernachtstraum" Gerhart Hauptmanns„Versunkene©locke". Für die Ausführungen hat sich eine besondere Truppe von Darstellern dem Bezirksamt zur Verfügung gestellt. Zwei schwere Zusammenstöße. In her NeuenKrugallee, unweit des Rathauses Treptow, fuhr gestern ein Krankenauto mit einem Fuhrwerk heftig zusammen. Beide Fahrzeuge wurden so schwer beschädigt, daß sie später abgeschleppt werden mußten. Der Kutscher des Fuhrwerks. der üZjährzge Paul Eggert aus der Elbinger Straße, wurde auf den Fahrdomm geschleudert. Mit schweren Kopfverletzungen fand er im Hubertnstrankenhaus Aufnahme. Ein ähnlicher Unfall ereignete sich vor dem Hause B r u n n e n str a ß e 149 im Norden Verlins. Dort stieß ein S t r a ß e n h a h n w a g« n mit einen? Geschäfts- g e s p a n n zusammen. Durch die Wucht des Zusammenpralls wurde der auf dem Kutscherbock sitzende 12jährige Heinz Go l l a s aus der Kottbusfer Straße hinabgeswleuderk und schwer verletzt. Das Kind wurde ins Lazaruskranienhaus übergeführt. Förster wegen ForftdiebstahlS verurteilt. Umfangreiche Holzdiebstähle im Rheinsberger Forst führten zu einer Anklage gegen den staatlichen Förster Mendt, den Landmann Aßmann, den«ägewerksbefitzer Schneider, den Gemeindevorsteher Herrn und den Laadwirts- sahn Müller aus Rheinsberg-Glienicke. Mendt, der bei der Ober- förfterei Rheinsberg-Glienicke angestellt war,. hatte mit Hilfe Aßmanns Langholz gefällt und ohne Wissen seiner Behörde oer- .kauft. Ablielstner war def Sägewertsbesitzer Schneider. Zum Schutz vor Entdeckung hatten sie die Stämme mit dein amtlichen Stempel oersehen. Müller und Herrn hatten bei der Abfuhr Hilfe geleistet. Der Staatsanwalt beantragte gegen Mendt und»schnerder Zuchthausstrafen. Das Gericht erkannte am Freitag gegen Mendt rnegen Forftdiebstcchl auf drei Monate Gefängnis, gegen Aßmann auf zwei Monate Gefängnis, außerdem auf je 1200 Mark Geldstrafe, Schneider erhielt wegen Hehlerei 1200 Mark Geldstrafe. Herrn und Müller wurden fm- gesprochen. Arbeiterartistc« in der„Neuen Welt". Der Artistenverein„Einigkeit e.V. bot seineu Besuchern in der „Neuen Wekt", Hasenheide, ein Moirstreprvgromm wirklich guter artistischer Darbietungen. Es gab keine Kunftgattung. die nicht oer- treten war. Der komische Radfahrer und der Exzentriker, die Tanz- gruppe. Kraftakte. Gymnastiker, Lustakrobaten, Hoiialeur«. Humo- risten. sie alle boten ihr Bestes. Nicht, daß man hier Amateirre wohl- wallend ob ihres Fleißes und guten Willens beurteilt, es wurde ernst- daste, jeder sachlichen Kritik standhält enoe Arbeit geleistet. Aus der Fülle des Gezeigten seien einige ejanz bei anders ansvrecheude Darbietungen herausgehoben, so die sechs Arata>K>s. Luftakrobaten von starker Qualität, die kunstvolle und neuartige Tricks zum besten gaben: das Silva noballett tanzte mit Grazie und hübschen Kostümen. ein liebliches Rokokoidyll, einen schmissigen Jazz und anmutige Wiener Walzcrweifeiu Gerd u. Gilstte vollführten auf ulkigen Fahrradkarikaluren komischste Verrenkungen, Stepp n. Trepp waren prächtige akrobatische Spaßmacher, und die snnf' Dorri» sind Schlellderbretterkrobaten von Rang. In den Mittelpunkt des IV. Deutschen Naturschutz- t a g c s, der vom 8. bis 12. April vom Deutschen Ausschuß für Natur- schütz in Berlin veranstaltet wird, stand die 2ö-Iahrsei«r der Staatlichen Stelle für Natturdcnkmalpflege in Preußen, die am Freitagmittag im Großen Sitzungssaal des früheren Herrenhauses stattfand. An Stelle des durch einen Trauerfall am Kommen behinderten Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, Grimme, sprach Staatssekretär W e i ß m a n n Worte der Begrüßung. Vor 23 Jahren, so sagte er, wurde die Staatliche Stelle aus der Er- wägung heraus geschaffen, daß der Staat vorangehen müsse in der Wahrung der ideellen Güter des Volkes. Auch in der Oeffentlichkeit des In- und Auslandes hat die Arbeit der Staatlichen Stelle noch- haltigen Eindruck erweckt und weitgehende Anerkennung gefunden. Naturschutz kann sich aber nur entfalten, wenn er ausgebaut wird unter tätiger Michilse der Bevölkerung. Den wirtschaftlichen Opfern. die der Staat dem Gedanken des Naturschutzes gebracht hat, steht die gleichgerichtete Arbeit der Kommunen zur Seite. Die preußische Regierung hofft und wünscht, daß es der Staallichen Stelle in Gemeinschaft mit den Gemeinden und allen an Natur- und Heimat- .schütz ernsthaft interessierten Persönlichkeiten gelingen möge, im Interesse des ganzen Volkes die Gedanken des Natur- und Heimat- schutzez zu verbreiten und zu vert'efcn. Dann nahm Professor Dr. Walther S ch ö n e i ch« n. der lang- jährige verdienstvolle Letter der Staallichen Stelle für Natur- dcnkmolpflcze dos-Wort zu einem Jestvartrag, der sich nicht nur durch wissonschaflliche Vertiefung auszeichnete, sondern der ganz besonders sympathisch berührte durch dos offene Bekenntnis zu der Notwendigkeit, den Naturschutz zu einer Sache des Volkes, zur Sache der Menschlichkeit werden zu lassen. Mtt Warten warmen Dankes gedachte der Redner zunächst der Pioniere des deutsche» Naturschutzes, i» erster Linie des Professors Wilhelm W c t e- k a m p, der als rüstiger Siebzigjähriger in der Mitte der Fest- Versammlung weilte, und des unvergeßlichen Hugo C o n w c n tz, des wissenschaftlichen Kommissars und Leiters der neugegründeten behördlichen Stelle. Nachdem sich die. Staatliche. Stelle eine über das ganze preußische Staatsgebiet verteilte Kerntruppe von Mitarbeitern geschaffen hatte, ging sie an ihre Hauplaufgabc, eine größtmögliche Aozahl von Naturschutz- gebieten zu schaffen und sie in den Dienst der wissenschaftlichen Durchforschung in bezug auf Tier. Pflanze und Stein zu stellen. Etwa.30-0 derartige Schutzgebiete weist Preußen heute auf. Das ausgedehnteste ist mit 370 Quadratkilometer Flächeninhalt die Schorsheide in der Uckermark. Etwa von derselben Größe werden die vorläufig freilich erst geplanten Schutzgebiete im R i e s e n g eb i r g e und in der R o m i n t e n e r Heide in Ostpreußen fem. Es foigi mit 270 Quadratkilometer Flächeninhalt der vom Verein Natur- schutzpark eingerichtete Natursdzutzpark Lüneburger Heide. Bei dem Einrichten von Schutzgebieten aller Art ist der preußische Staat mit dem besten Beispiel vorangegangen Die Fläche der staallichen Schutzgebiet« ist fast doppelt so groß wie die aller übrigen zusammen. Fast genau die Hälfte aller preußischen Schutzgebiete befindet sich im Eigentum von Gemeinden. Private Besitzer sind immerhin mtt 17 Proz., Acreine mit etwa 12 Proz. an den Schutzgebieten beteiligt Hervorragend betätigt hat sich der Verein Naturschutzpark und der Bund für Bogelschutz. 33 dieser Schutzgebiete dienen der Erhaltung der Eigenart einer ganze» Landschaft, 73 sind erdgeschichllichc Schutzgebiete meist kleineren llmsanges, 160 stellen pflanzenkundliäie Schutzgebiete dar und nur ganz gering, etwa 36, ist die Zahl der Ticrschutzgebiete: darunter befindet sich das E l ch s ch u tz g e b i e t in Ostpreußen, das B i b e r s ch u tz g« b i c t an der Mittelelbe und die Wisent- zucht im Saupark Springe in Hannover. Neben der Schaffung und Erhaltung besonderer Naturschutzgebiete einher gehen Maßnahmen zum Schutze einzelner Tier» und Pjlanzenarlrn. Aber die Erfahrung hat gelehrte daß solche behördlichen Anord- nungen sich nur dann erfolgreich durchführen lasien, wenn sie für das Volk wie für die Polizeiorgane verständlich sind und für das gattze Staatsgebiet in gleicher Weife gellen. Den polizeilichen Schutz noch wesenllich weiter auszudehnen, würde in der breiten Oefferttlichkeit kaum den erforderlichen Widerholl finden, denn niemals wird eine Kulturforderimg, die sich vorzugsweise auf den Schutz durch Polizeistrasen schützen muß, volkstümlich sei»- Der Anfang zu einem praktischen Naturschutz muß ober bereits in der Schule gemacht werden, denn überall hat das neue Ethos unserer Sache bereits Wurzel geschlagen, daß nämlich die Natur nicht mehr als bloßer Gegenstand der Ausbeutung gelten darf, sondern daß ein Recht der Wildnis grundsätzlich anerkannt werden muß und daß um der Menschlichkeii willen der Nalur und aller Sreokur mil Schonung und Achtung begegnet werden muß. Naturschutz ist Dienst an der Wissenschaft. Dienst am Volt, Dienst an der Menschheit. Diese mit stärkster Eindringlichkeit und umerster Anteilnahme vorgetragenen Ausführungen Professor Schoenichens, die an die letzten und tiefsten Fragen des Naturschutzes rühren, fanden ungc- teillen Beifall der ergriffenen Zuhörerschaft und es waren erhebende Augenblicke, als im Anschluß daran die Vertreter Oesterreichs und D a n z i g s und ausländische Bertreter aus Polen, Däne- mark, Ungarn und Lettland in oft wahrhaft begeistenerf Worten das vorbildliche Wirken des Freistaates Pscußen und seiner Staatlichen Stelle für Raturdenkmalpslege priesen. Rauh, versuchter Einbruch, und vollendete Hehlerei Am frühen Nachmittag,-noch Erledigung der Haupioerhand- llmgen im ordentlichen Gerichtsoersahren, beginnen vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte breinwl. iy der.Woche — Montags, Mittwochs und Freitags— die Sitzungen des Schnell» schöjjengericht». In der Regel sind es drei bis vier. Verhandlungen. In zwei bis drei Stunden, ist die. Sitzung beendet, ❖ In dem Lokal„Fortuna" kneipt bis in die frühen Morgen» stunden hinein«in braver Bürger. Er. spendiert. den anderen Gästen, greift eifrig in seine Brzejwsche und zahlt. Also muß er Geld haben. Vier, die ihn beobachten, verabreden untereinander, ihn zu berauben.— Zwei davon sini> mehrfach vorbestraft, die beiden anderen, zwei Brüder, 17- und Igjährig, unvorbestraft. Der 19jährige erhält den Auftrag„Paß auf, daß er bald kommt, sonst versäuft er den ganzen Kohl". Cr nimmt den Mann sachte um die Schultern und führt ihn auf die Straße. Unweit dem dunklen Toreingang erwarten ihn die drei Komplicen. Der„Führer" stellt dem Geführten«in Bein, einer von den dreien drückt ihm die Pistole auf die Brust, ein anderer entreißt ihm die Brieftasche, alles flüchtet. Die B e u t e. b« st e h t aus 10 M k.. der 17jährige wird verhaftet, nennt seinen Bruder und«inen weiteren Komplicen R. Der 17jährige gehört vor das Jugendgericht, der 19jährig« Bruder und R. stehen vor dem Schöffengericht.„Ich habe den Raub nur pro forma initgemacht," sagte R.„So wie ich es früher für die Inspektionen 7 und 9 gemacht habe: ich tat mit. um die anderen in die Hände der Polizei zu liefern." Der„pro iorma"-Mann erhöll zwei Jahre Gefängnis wegen Straßenraube*, der 19jährige die Mindeststraze von einem Jahr Gefängnis. ■f Der Mann ist 32 Jahre alt, hat zwölf Vorstrafen, mit 16 Jahren hat es begonnen. Seit 1926 hielt. er sich straffrei. Der Eräffmmgsbeschluß lautet ans versuchten schweren Ein- bruch, auf dem Richtertisch liegen zwei Aktentasche» mit erst- klassigcm Geldschrankknackerwerkzeug. Der Mann verteidigt sich: Ich war auf dem besten Weg«, ein anständiger Mensch zu werden, ich lebte bei den Ettern und half dem Vater. Seine Geschäftslage war schlecht, er konnte mich nickst mehr unterstützen, ich bezog eine Schlaf- stelle, von nun an ging es bergab. Ich erhielt nur einmal 10 Mk. Wohlfahrtsunterstützung, bezahlte davon 8 Mk. für meine Wohnung. Als ich wieder 10 Mk. Wohlfuhrtsrutterftützung bekommen sollte, wurde ich zur Steuerkafle Hohcittoheftrahe geschickt. Das Geld kommt erst, wurde mir da gesogt. Ich sah, wie der Beamte den eisernen Schrank öffnete und Kohlenkarten herausholte. So kam mir die Idee, den Geldschrank zu erbrechen. Da ich auf diesem Gebiet nicht die nötigen Kenntnisse besitze, erzählte ich dem langen Erich davon. In der Nacht zum 21. März stiegen wir durchs Fenster ein. Plötzlich hörten' wir Geräusch und kiesen davon. Ich wurde verfolgt, kletterte über zwei Zäune und zerriß mir die Hose. An der zerrissenen Hose würde ich erkannt. Wir wollten' kein Geld holen, es war ja kein? da, bloß Mc Kahlenkarten. Vors.: Ultimo und kein Geld in der Steuerkasse?! Das Urteil lautet«: acht Monate Gefängnis. i- „schicksolsspiel," jagte der Angeklagte,„ich habe mich vom Geld wieder mal blenöen lassen. Das kann jederdündern auch passieren. Als N. am jrnhen'Morgen aus der Gastwirtschaft trat, war ich ganz zufällig auf der Straße. Ich habe hier Scheine, sagte er, und gab mir daoon.kiOO Mk' ob." N.,«in 19jähriger Schlöchtergcsellc, war in die Gastwirtschaft, in der er gewöhnlich verkehrte, ern- gebrochen und hotte 1200 Mk. erbeutet. Seinen Teil gab er einem'Bekannten zur Aufbewahrung. Als er«rffchr, daß die Polizei bereits bei ihm war, stellte er sich selbst. Er gab auch den Aufbewahrungsort des Geldes an. Der onvere. B., der ganz zufällig am frühen Morgen vor der Gostwirtschoft sich eingefunden hatte, stellte sich ebensalls der Polizei— ohne Geld.„Wo haben Sie öas Geld gelassen?" fragt der Vorsitzende.„Als ich erfuhr. daß die Polizei mich sucht, beschloß ich. mich sofort zu stellen: ich traf einen Bekannten: er fragte mich, weshalb ich so erregt bin, ich sagte ihm den Grund.„Wat," meinte der,„willst« das Geld zur Wache bringen, bist ja ooof, Strafe kriegfte doch. Kommst du raus, hast< wenigstens Geld."„Wer war denn der Mann?"„Den Namen kenne ich nicht. Wenn die Polizei mich herausgelassen hätte. hätte ich ihn schon gefunden."„Und das wollen Sie uns aufbinden?" Die beiden Angeklagten hatten auch einen zweiten Einbruch gemein- fam ausgeführt. Der Staatsanwalt beantragt gegen oen mehrfach vorbestraften B. 1 Jahr 10 Monate Gefängnis, gegen den uiworbeftraften N. 10 Monate. Explosion im Kabelfchacht. Eine seltsame Explosion ereignete sich gestern abend vor dem Hause Artillerie st roße 2 8. Gegen 19 Uhr erfolgte plötzlich eine heftige unterirdische Explosion. Eiu großer zentnerschwerer S t e i n d e ck e l eines Kabelschachtcs wurde fortgeschleudert. Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Wie von der alarmierten Feuerwehr festgestellt wurde, war in dein Kabelschacht durch Kurz- schlug Feuer entstanden. Die Verbrennungsgase suchten einen Ausweg und drückten mit großer Gewalt den Steindcckel fort. Durch ein« Arbeiterkolonne der„Bewag" wurden die zerstörten Kabel aus-' gewechselt. Daibstohlbrand iu Alt-Moabit. Die Feuerwehr wurde am Freitagnachmtttag nach dem Wohn- gruiidstück Alt-Moabit 133 alarmiert, wo im Dachstuhl des rechten Seitenflügels Feuer ausgebrochen war- Durch einen um- fassenden Löschangriff konnte der Brand schon nach kurzer Zeit auf seinen Herd beschränkt uno niedergekämpft werden. Die Eni- stchungsursachc ist noch Gegenstand der kriminalpolizeilichen Ermittelungen. 3in Znstlwl für Sernatnnjsesschaft findet der nächste seruglwisfenlchast» liche slrageabend am Montag- den 13. Aprll. abend» Ä Uhr. im Grn'i• Haeck«I-Saal, In den Zelten Sa, Eingang Kartenportal, statt. Unteiten- bettrag O.ZO Mark, Erwe? bSIose die fällte. Ter nächstfolgende Fragebogen wird am Montag, dem 4 Mai, abgcbalteu. DU Ordner bet Proletarlschca Jelerftunden treyrn sich am Sonnlag, dem 12. April, vormittag» h',10 Uhr, im Großen Schau Ipcelhause, Eingang Schiffbauerdamm Di« Ad« d-Leallchnle Berlin Ik. Siplstr. 23 a, nimmt setzt nach den Ferien am Dienstag, dem 14. abend» 7 Uhr, ohne Aufnabmepiüiuna ebe- molige Voltsirbüler und Volksttbälei'nnen und auch ehemalige döbere Schiller und Schülerinnen. die die Oberjekunoa-Rcise n'0)l erreicht habe», au?.— Unterricht ist auger Sonnabend und Sonntag abends ab','»8 Ubr. Sa» Honorar beträgt 10 SRI. monallich. Teiler«?lu».'ünfte TievSiaz» und Freitags, abends von. 7 bis 10 Uhr. im Schulgebäude Schsjtr. SS». 35 Jahre Trepiower Giernwarie. Errichtung eines physikalischen Kabinetts. Ende April kann die von Dr. A r ch c n h o l d gegründete T r e p- towcr Sternwarte auf ein ZZjährigcs Bestehen zurückblicken. Auch das groß« Fernrohr, das mit 2! Meter Längs das größte der Welt ist, feiert das Jubiläum feiner IZjährigsn Existenz. Es wurde 1896 anläßlich der großen Gewcrbeausstellung der Oeffentlichkeit übergeben. Das Fernrohr, das 2600 Zintner wiegt und durch fünf Elektromotoren in Tätigkeit gesetzt wird, gibt infolge seiner große» Brennweite die schärfsten und beut» lichsten Bilder des Himmelskörpers.. Das Rohr steht auf einem 12 Meter langen, 3 Meter breiten und 96 Zentimeter tiefen Zement« klotz, der alle Erschütterungen abhält. Der ursprüngliche Holzbau, in dem die Sternwarte bis zum Jahre 1998 untergebracht war. ist noch erholten und findet jetzt als Werkstatt Verwendung. 3m Laufe der Jahre wurde die Sternwarte durch ein g r o ß e s a st r o- nomisches Museum erweitert, in dem den Besuchern der Lauf der Planeten, die Stellung der Sonne, die Entstehung von Ebbe und Flut usw. an Modellen praltisch vorgeführt wird. Die große Archeicholdsche Bibliothek wuchs im Laufe der Zeit auf etwa 39999 Bände. Später wurden auch die astronomischen Vortröge und Film» Vorführungen eingeführt. Im Laufe dieses Sommers wird der Oeffentlichkeit«in neues phlifikolisches Kabinett übergeben werden, in dem in all- gemein verständlicher Form dem Publikum die Entstehung von Strahlen demonstriert werden soll. Mit dem Aufbau des Kabinetts ist bereits begonnen. Allgemeine Wetterlage. �3Al.sdcte. Das Tief, von dessen Bildung über England wir gestern be- richteten, ist im Laufe der letzten 24 Stunden rasch oftsüdostwärts über Deutschland hinweggewandert. Sein Kern lag am Freitag- abend über Böhmen und Oesterreich. Der Borübergang des Tie,s brachte im größten Teile von Norddeutichiand stärkere Bewölkung und vielsach Regenfälle. Dabei blieben die Temperaturen meist unter 19 Grad, in den Küstengobieten und im Nordosten sogar unter 6 Grad. Am Rhein und in Süddeutfchland war es wärmer! dort wurden vielfach l.Z Grad Wärme erreicht. Für die Gestaltung imjercs. Wetters ist ein Hoch über der Nordsee von Wichtigkeit, das sich ostwärts fortzupflanzen und sich noch zu kräftigen schemt. Be- merkenswert ist ferner die rasche Aufheiterung, die über Frankreich und dem Rheingebiet erfolgte. Sie wird sich auch bei uns durchsetzen können, so daß wir am Sonnabend mit Bcwölkungsobnahme rechnen können. Wetter ausfichten für Berlin: Im ganzen ziemlich heiter, keine oder nur unerhebliche Niederschläge, Temperaturen etwas ansteigend. — Jär Deutschland: Im Westen Wetterbesserung, im Osten wechselnde Bewölkung mst einzelnen Niederschlägen. Temperaturen im ganzen wenig verändert. parteinachrichten für Groß-Berlin VtalenSuKaw die Mefe SubeU gab • e c I i a L»«B. eiabcafttabt 4, ® stet»*■ b«» SettektfrtTCUci« :. H»t. 2 SrtotKn recht,. ,» richte» Beginn aller Veranstaltungen 1 S'- Uhr, sosern keine besondere Zeitangabe! heule. Sonnabend. 11, April. 7. unb 8. Nr ei». Iurlllislh« Sprcdiitimiie flnbct ttm 17— 18 Uhr im Iuari!� heim iHcfiircnftt. 4 statt.—«-Itgci.hcit jam Kirch« n»u»trittl II. Rrei». Mir dir Filmoeranllaltnn». 20 Uhr in,?Ilrg«saaI dri Rathaus«,, am Rubals-Wildr-PIae, Nart-n nur Im beu Adtrilungsl-il-ra, Dttirtsfübrern und dcin, Ern. Raihmaniu Brlzigrr Str. 27. zu hadciu Adendkaffe studet nicht statt, Morgen, Sonnlag. 12. April. I. ftteitf. All« Mitwi-l-ndrn X, Mail«sts»ill» trrssra sich aicht.»i« zaerA onqeachrn, II Uhr. sand«-»»-«», 7-4 Ub- früh»ar I.«ra». i» M»*'. 18. Krcia. A«si6,tiau»-I tws Rcichstaasq�baud-.S um IS Uhr. Sni�lasam« bin- > sahrt IZVi Uhr ab-änlor-alcS. Arauenverauslallnogeu. lt. Kr«i» Mr zunktionäiinnrn treikcn sich am Äiontaa, 12. Lpril. 1814 Uhr, tum Ahrrchurn im'varirrsiaurant. 88. Rdt. Di« W«ri>cdIL:trr kLr dir fs-aurntui�nirbunq zum Internatianalrn graurutoi, am Mittwoch. 13. April, sollen durch bi« Brzirlaksihrer aus Steitanabeni)»ou Scninücc cbac&olt wrrbr». Arbeitsgemeinschaft der stiadersreuade Srosz-BerUv. Srci, Zllttt«: zur Aoncralproh« troff«, sich di« Grupnrn Stistttotti, Toll-r, ZZarpalvlok um 14 Uh« am Papvrlvlasi, grth WiUo.-i'rhtnccht, Suasie um 1H Iii)« am CnflCtb«!«!.— Moiacn, Sdnntaz, frrifrn sich all» Srmachchartoil. nrhmcr um 0 Übt am Srrsir» Scham Plllw'noinaana.»fit Sxneral- naslw. Sit AusmeuIotJc-n nicht v«ra»Iktn. All» ksiotrn zlalkrn umb belkrr. bi» sich nicht an der li>2ahr»s.ä»!»7 bsMUtgjn, treffen sich läenntaa krich u« 7U Uhr vor dem Llou. Mauerstraßo, zur Maifeiervrnh». Weddina! Die Wusi!aruvre kommt am Riirmoch, IS Uhr. Im He'M Eta. Lcke Turiner Slrasie»ulammen. tZruvve Sesunddrunntn kämmt erit a» Dolksvorftetlungen. S)ie in dem geftrigen Vnfcrat der Sirma Hermann ZUelsr angeseiglen Tolksvorflellungen rJDa» J2and des£ächelns" finden Im Theater des Iteflcns flatt. HB.«omk im geim-atammr». Am©ttn«»«« ewRefofeBt« A asileltmtiMÄefach. Suffvunft 16 Uhr Shf. ffiefunbirannen. ttrel, abatblteBiaeq; All- Mitwirk-ncheu an der KUJahreo-sWer treffen sich Xut«, 15 Uhr, Bilhelmplah. U-?al>n, UIÜ» Eonnta». 8 Uhr, ebesedort. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei« Organisation 11».»M. Unser Grnosie Mar Benkert. Niitergutstr. W. ist am Miit. wvch nach schwerer Srankheit verswrben. Ehre seinem AnXnken! Eiaijsche- ru na Dienstag. 14. Loril. lä'/j Uhr. im ftremotorlum Saumfchulcm»?«. Dir brNen um reae Setriliguna._ Vortrage, Vereine undVersammlungen. FA» Reichsbanner»Schwarz-Rol-Gold'. SKmS Cefchäflsftelle; Berlin£ 14. Cehastiansir 37—33 60I 2. St jmV� ch»»«rstanb. Spielleirt«. greienwalde.Fahrer: Abfahrt Sonn, MT» abenb. II. Avril. vilnMich 16 Uhr, Bhf. Lchtinrweibe.— Friedrich». Hain, Kameradschaft irrankfurt: Lonnabenb. II. April. 20 Uhr, ansierarden:. liche Kamerabfchostsves'sammluna bei Mar Grammer, Boiatstr. 26.— Biater, I»»rt«bleil»»a: Das Tennisspielen hat lleqannen.£onnaheiU> unb Gonntoa Arbeitsbunfr au« der Plahanlaze.- Roataa, N. April. Ritte lZunabannerl:. 20 Uhr IuqenÄbeim Tie-sflr. l8. griebrichshaia. Kamerabschofl Amching: M'-s Uhr Sa n: e eo M Aeritsn» rio ntm Iura bei Vallschniidt. Sriebenfttafte.— Steglitz (Ottarertin); Die Ronatsoerfammluna finbti eine Wvckie später statt. Da-stir Artret«: 1» Uhr zum EaalschuK im sinrekrestaurant EUber.be. NeuNilln. Britz ... Mitalü �"' fSwitabaitwe): 19U IReferat.~" W>. M bei Pries«. ZSetchselstr. 8, ___________________ flametoMdyjlf Siollrnbarf: Di« am Dienstaa, 14. April, anaeletzte Kameeabschaftsversannnlunq musi weqeu ber Spartaalast. Kuntmebuna aussaller, unb wirb aui Diensta». 31. April. ucrTect. Nähere Nachrichten ersehen nach. Presse beachten. geatralaersiaab b«r«rbeit»>n«Iibe»«ab Witwe» D«»tichl-ads.«,» Graii- Derlin. Geschäftsstelle: Verlin W. 57, Biilvwstr. 49. rechter Seitenslüael 1 Dr. Saaaabeal», 11. April: Krernbeeq lV: Schutaula Gneisenaustr. 7, IS Uhr. N-fe. reu« Äolleae Vom«. Äebbina Ut guhrmann» Bierlwllen, Demminer Elle Graunstrntze. 18 Uhr.— Sonnt««. 12. April: Neukölln: Iuaenbheim Steinmetz. sirasie 114. 1» Uhr. Prenzlauer Per« TT: Alter-Heim. Dantzitzer Strasie, 10 llbr. Kreuzber« I— IV: Zfilm.Wir klagen an* iu ben Kammersälen. Berlin SW. 64, Telwwer£tr. 1—4, ll Uhr.— M-ntaq, 1Z. April: fflriirflit; Werner,«öpe- triefet Sir. 125, 18 Uhr. ltichterselbr: Rahbe. Hin»enburgt>amm Ecke Noonftraiie, 18 Uhr. Eharlottenbuig: chalmholtz. Quelle, Kelmholtzstoasie, 1? Uhr.■Befcrnntin Kallegin krause. »eichsbnad»er»eiagsbeschäbiqte».»rie«»tailaebmer»ab»rieae-hinter. bliebe nea,»e,trk Zeatrum. Monbaa. l». AnmI. A> Uhr. finhet i» ben Nest- sälan Ä.relrlch'r ba'. Nofenthaler Sir. 40-41. die Rbnatsewamniinriss statl. N-'erqt Kamerad Schwäre:..Ursachen und Aueapirkunq der Weltwirtschaft-. krrfe*.-»e»rrt vebdin«. M-raüeberversammluna am Dienatan, 14. April, tjm 20 Uta I»i Lakai Patzenhbler. Ehausseest!. 84.— Der Varstanb. Nelchanereialaana ehemalige, keieasgelanaewee. vetagm-ppe»echen«. t. Mitaltebenaersammlun« mit Bortraa am Ermnabeub, U. April, SU Uhr, im WSHIert-Barten. Pfluastr. 0. Ecke Wöhlertstooße. .Stamnoagel*. vwsgruppe«ie�ertea�baitettenbnrg. Saerntoa. 12. Anril, Tt Uhr. ssuhriirm durch die Hassen bar»Deutschen Lust-Hans»* i» Tempel ho>. Vesickchiaun« her De>ckehesflv«euae. Treffpunkt: Enbholtestelle b-r Strotzen. habnlinie 73 lzentralllmcharers. Einkrittsprei» inklvsioe githruna 1Z Ps. Mit. «liehet anderer Qet-acutu'en unb Säfte a-illlaauneu. Ardeiterjugend Groß- Serlin «aseabmuien tär btefe Ttabrß am'n. «erhebeErle Tiergarten, Weddivss, Nenkövn. Siassekrtl«, Sttzaich. W l-j«rchefter unb Spielgruppe Osten; Morgen, Iii Uhr. Generalprobe(für r4 kR bi- Kerhefeierf iu ben Arminivssälen. Moabit. Bremer Str. 72. ll W Stnasienbohn bis Turmstratze. Aertobus 11, 16 und 28.— Sprechchor' ü Tiergartra übt bereit» un: 15 Uhr. «»rsttzendentoaferen» Wontog. 18. April, 1«'� Uhr. im Sitzungssaal bes Bezirksamts kreuzh-r«, Korckstr. 11. Zutritt nur mit Wtsmeis und Mitulieds» buch. Alle Abteilunaen müssen vertreten sein. Bbteilunaslaiter! Zur kundgebuna ber Partei im Sportpalast am Diens- tag müssen alle Zahnen bis 1» Uhr im Vorraum des Sportpalastes sein. Heute, Sonnabend. Webbiag.Jlarb: SOVj Uhr. nach dem Baden, zur Sprechchormobe. Baracken- schule. Seeftr. 84.— Kattbusser To«: Britzer Str. 27—30:„Unsere Sstersahr"'. — Jleichenberger Viertel: Neichenberger Str. W: Werbeab-nb.— Weste»b: Känitzin�Itsaheth-Str. 65 sWohIsahrtssaaN: Werbe« bend. II. o. aelanat zur Ausführung„Die Matrosen von Sottaro" von Dr. ss. Kols. Saaleifmuna 19 Uhe, Beginn 101. Uhr. Eintritt 30 Pf.— Neukölln rx: Echierlestr. 44: Hunktionärsitzuna.— Neiaickeadorf-vst! Mrr.rrn Tahrt nach Nüber-chorf. Tresf. Punkt 7 Uhe Bhs. Gesundbrunnen.— kottbuffer Tor: Treffpunkt zum Besuch be» krematarirnns 1716 Uhr kotbusser Tor. Werbe bezi et Preailaner Berg: 19 Uhr Sprechchorprode:„Wir klagen an", Danzigee Str. 62. B. 3. 20 Uhr Sprechcliorprode für die Maifeier. B. 7. ff-be Gruppe stellt 10 Genossen Wanderleite riauserenz 20 Uhr. B. 3. Morgen Nadfahrt, 7 Uhr Schönhauser Allee Ecke Datuiper Strotze lNoemzluhel. «erbe bezi eck Teenpelbas: Spieltruppe..Note? Sturm" üben 19 Uhr Seine Germaniaseratze. Alle anderen Genossen beteiligen sich am„Sozialistischen Abend" der Partei im„Sreltad", Marienboef. Morgen, 9 Uhr,„Mali". Ehausseestratze. Generalprobe zur„Roten Matinee". Werbeb-zirk Ritte: Morgen, Ii- Uhr. Probe für die Maifeier der Partei im Eiou, Mauerstratze. «e-bebezirl Lichtende«g: Morgen. 17 Uhr, Ueben ber»Roten Irui.ker". Karlsharst, Treskowollee 44. Di, h»»arnolle A-slchmuckuog der Schaukaden der Staatliche« Latteric. EiiaahM, vnt Cratab Baick. Wilhtlorstr. 148. not Belle-AIionee. Plötz, ijith be» Vertoufsraums. von der vor rund 14 Tagen an dieser Stell« berichtet mürbe, hat ihren Eindruck auf weite Schichten der Berliner Bevölkerung nicht verfehlt. Täglich finden sich viel« Schaulustige an dieser schon populaven Ecke ein. INN eine.Besichtigiing" vorzunehvien. Wer da konunt, kann zualeich das Angcnehme mit dem Witzfichen verbinden. Der Berliner mcitz, wer bort einen Losiaut besorgt— die Sewinnou-sichtrn in der Staatliöien l-tlassenlotterie haben sich bedeutend verbessert- spielt an der„Glüefsecke". Den ffriiblinatzlatarrb halten viele Menschen für unvermeidlich unb be- binken nicht, batz sich daraus ort lehr s3>were Erlrankungrn Hilden lännen. Man schützt sich am Helten von voenhercin vor derartigen Erkrankungen, wenn nur» von zeit zu zeit einige„Ponitovin-Paftillen" im Munde zergehe» lätzt. �tvas sagt öer %ii Berlin bis Cottbus verfolg! eine s p ort fr e u d ige Menge das große, alljährlich staftffnden de Strassenrennen�A}]' die Tausende, die sich für diese Rddrennfahrl begeistern, sind auch begeisterte Anhänger von sMoseiii«fnno AnAremllagy: 3)er SchillSt CllllllS Aus den Erzählungen des Itdlofch XokUfch Wir arbeiteten arabische Taglöhner. (Schluß.) in einem lange» Graben: ich unb ein paar Der Rothaarige schlenderte immer den Graben- rand entlang und überwachte uns mit Sperberblicken. Gleich am ersten Tage hatte ich Glück: ich fand eine halbe Tonschüssel, deren Glasur von der Zeit opalisierte. Sie war mit ungelenken, hebräischen Lettern bemalt Mein Herz schlug heftig, als ich sie in die chand nahm. Diese Schüssel stammte noch von den UrHebräern, die hier gelagert hatten. Vielleicht hatte Moses selbst gebratene Gänsekeule daraus gegessen. Als ich meinen Fund dem Rothaarigen zureicht«, machte er nach einfältiger chändlerart ein gleichgültiges Gesicht und brummte vor sich hin, er wisse nicht genau... er würde mal nachsehen... möglich, daß die Schüssel etwas wert war. Am liebsten hätte ich den Gauner w den Bauch getreten. Noch nie war mir ein Kapitalist so widerlich, wie mein da- maliger Prinzipal Und hier, in diesem gottverlassenen Winkel der Natur, erschien mir seine Geldgier noch verwerflicher. Die Gräber der Jahrtausende zu schändcnl Ausgraben, was die Ge» schichte schön langsam bestattet hat! Dieser Platz, an dem ich arbeitete, steckte voll Steingeröll, von den Regengüssen der vielen Jahrtausende zusammengeschwemmt. Es war eine grausame Arbeit, hier zu graben, während die Sonne von früh bis abends dumm und ziellos niederbrannte. Jetzt ver» stand ich, warum gerade hier die Sonnenanbeter entstanden waren; nicht die Bankbarkeit brachte sie darauf, sondern die Angst, die die verlässigste Religionsgrundlage ist. Etwa am vierten Tage, vormittags, traf meine Spitzhacke aus einen Fund. Auf den ersten Blick begriff ich. daß ich einen enormen Schatz entdeckt hatte. Es war das Bruchstück einer Tafel der zehn Gebote. Solche Steintafeln mag es ja zu chunderttaufenden auf der Erde geben. In jeder Synagoge findet man ein paar davon. Aber diese war«cht. Diesen Stein hatte noch dem Alten Testament Iehova persönlich angefertigt und Moses überreicht. Ich konnte unzweifelhaft feststellen, daß sie echt war. denn nach der kabbalistischen Bibelauslegung waren auf dieser Tafel die Lettern nicht eingemeißelt sondern vollkommen durchgeschlagen, gleichsam ajouriert, und bei den Buchstaben, die einen geschlossenen Kreis bilden, blieb der innere Teil starr an seinem Platz, obwohl ihn nichts mit dem Stein verband. Nun, auf diesem Stein war«in Wpha, dessen inneres Feld auch jetzt noch freischwebend und dennoch unverrückbar auf feinem Platze stand. Es war auch natürlich, daß ich nur ein Bruchstück der Steintafel finden konnte. Als nämlich Moses— das weiß jedes Kind— vom Berg herabkam und bemerkte, wie das Volk das goldene Kalb umtanzte, warf er in seiner Wut Iehovas Geschenk so zu Boden, daß die Steintafel in viele Stücke zerbrach. Eines dieser Stücke hatte ich jetzt gefunden. Ich brauche nicht erst zu sagen, daß mein erster Gedanke war, diesen Fund dem Rothaarigen zu oerheimlichen. Was denn! Wenn ich diesen Stein nach Paris mitnahm, zu Baron Rothschild, erhielt ich bestimmt so viel Geld dafür, daß ich in Ungarn ein ganzes Komitat kaufen konnte Ich empfand dem Rothaarigen gegenüber keinerlei moralisch« Verpflichtung. Was die Schüsseln und Näpfe, Sporen and Bruchstücke alter Statuen anging, waren diese— sozusagen— die Katalogwerte des normalen Geschäfts. Ich führte sie gewissenhaft ab. Aber eine von Iehova eigenhändig verfertigte Steintafel war ein so einzigartiger, exotischer Schatz, der keinesfalls in sein Geschäftsprogramm gehörte. Das war mein spezielles und separates Glück, wie es nur einem einzigen Menschen und nur einmal widerfährt. Ich hätte verdient, ewig ein Sklave zu bleiben, wenn ich dieses außer- gewöhnliche Geschenk des Schicksals aus elenden, moralischen Er- i wägungea von mir gewiesen hätte. Um zu diesem Entschluß zu gelangen, brauchte ich kein Macchiavelli und kein Nietzsche zu fein. Meine größte Sorge wul. den Schatz vor dem rothaarigen Halsabschneider zu verbergen. Mit einem halben Blick stellte ich fest, daß er sich gerade eine Zigarette ansteckte. Diesen Augenblick benutzte ich und steckt« den Stein schnell in meinen Brotsack. Dann ergriff ich— denn wenn es fein muß. bin ich ein schlauer Hund— den ersten besten merkwürdig geformten Stein, brachte ihn zum Roten und sagte mit der harmlosesten Miene der Welt: ..Mir scheint, das war einmal etwas. Ich weiß nur nicht, was.� Er nahm den Stein in die Hand, drehte ihn herum, warf ihn weg und sagte mit Verachtung: „Das ist der Stein, den die Juden auf die Ehebrecherinnen geworfen haben. Mein Freund, Sie sind nicht gerade ein Glückspilzl" Mir konnte er lange reden. Nach dem Essen folgten jene zwei, drei Stunden, die kein lebendes Wesen in jener Gegend ohne Schlaf aushält. Die arabischen Taglöhner schllefen, in ihren Burnus gehüllt, im Graben, und der Rochaarige flüchtete in das Zelt zu feinem Whisky. Diesen Zeitpunkt erwählte ich, um auf mein Glück loszugehen. Ich warf mir den Brotsock mit dem Eckzatz über die Schulter, stopfte meine Taschen voll Brot, Zwieback und Konserven und ging los, hinein in die Wüste, immer der Nase lang, gegen Westen. Der Sand fraß mir die Sohlen von den Schuhen, mein Hirn brodelte von der Hitze, aber was kümmerte mich das allesl Ich wußte, daß ich jetzt die entscheidende Schlacht meines Lebens schlagen muhte, und daß nachher alles das auf mich wartete, was ich stets ersehnte: Wohlhabenheit, eine Veranda, ein Lehnstuhl, in dem man am Abend seine Pfeife schmaucht, während der Blick bis zur letzten Pappelreihe des eigenen Grund und Bodens— der mindestens tausend Morgen umfaßt— Hinüberschweist... Der Stein war nicht schwer, wenn er viel wog, wog er zwanzig Pfund Aber wenn man sejjien eigenen Körper kaum ertragen kann, dann ist das kleinste Gewicht eine unerträglich« Lost. Während ich so, ausgedörrt von der Sonne, todmüde meinen Leich- nom viele Tage und Nächte vorwärts schleppte, krallte sich der Brot- sack mit dem großen Stein so um meine Schultern wie ei» rieseiz- großer Blutegel. Ost hatte ich den wahnsinnigen Wunsch, meine Lost fortzuwerfen und mich selbst in den Sand zu legen, der das Grab so vieler mir ähnlicher, unnützer Wesen ist. Da inußte ich mir stets das heldenhafte Beispiel großer Männer vor Augen halten, um neue Kraft zu gewinnen. Der Grundstoff der Unendlichkeit ist die Faulheit, und nur der Wille durchstößt sie wie ein Schwert. Endlich kam ich in Smyrna an. Im Hasan entdeckte ich einen elenden Frachtdampfer, der drei Tage später noch Genua abfuhr. Ich sprach mit dem Kapitän: er war geneigt, mich mitzunehmen. Ich hatte nichts weiter zu tun, als zu warteu und auf meinen Schatz «Mjziip/ijst», tupnit tx Mit mcht irnfnhmif«friiw je he, Jetzt nachträglich sehe ich freilich, daß dies die allergrößte Dummheit war. Wenn ich in jener Absteige, in der ich mich«in- gemietet hatte, meinen Stein in die Mitte des Speiseramnes ge- schleudert hätte, wäre er noch noch einen» Jahr dort zu finden gewesen, unter den Melonenschalen und dem anderen Mist: aber well ich ihn immer mit mir herumschleppte und ängstlich abtastet«, begann mich die faulenzende lcvantinische Bevölkerung mit Miß- trauen zu betrachten. Eines Nochmittags faß ich im Hafen und betrachtete mein Schiff. Es war ein häßliches, braunes, kleines Fahrzeug, aber mir dünkte es jetzt schöner als jene mit Lampions verzierte Galeere, die der Maharadscha für seine Hochzeil verwendet. Meine Phan- taste ergriff Besitz von diesem Schisschen und fuhr in den lächeln- den Hafen von Genua«in. Dort stieg sie in die Eisenbahn, fuhr Über die Alpen, sprang ab, auf den Gore de l'Est, spazierte über die Boulevards, durch die feine Lue Faubourg St. Honorc, trat durch das Bronzetor von Rothschilds Palast und hielt dem un- gekrönten König der Münzen lächelnd Moses' Tafel hin: „Na, alter Bursche, was würdest du dafür zahlen, wenn ich sie dir anböte?" Versunken in diesen wunderbaren Traum, nahm ich nur un- klar zur Kenntnis daß«in vierschrötiger Vagabund auf meiner Bank Platz genommen hatte. Und gerade, als der alle Rothschild aufstand und mit zitternden Fingern zu seinem Geldschrank trat. um die Banknotenbündel hervorzuholen, gerade in diesem Augen- blick griff der Vagabund in seine Tasche, zog eine Eisenstonge hervor und schlug sie mir gegen den Kopf, daß ich hintenüber fiel. Dann riß er den Brotsack an sich und begann zu laufen. Einen Augenblick packte mich wieder die verfluchte Mattigkeit: ich wollte die Augen schließen und mit aller Gewalt dort auf der Bank liegen bleiben und sterben Aber dann peinigte mich der Gedanke, unter wieviel Leiden, und Gefahren ich den Schatz bis hierher zum Hafen gebracht hatte, und jetzt wollte man mir ihn durch so lächerlichen Bauernfang abjagen. Beschämend wäre das? Ich kümmerte mich nicht um meinen blutenden Schädel, sprang auf, lies dem Räuber nach und brüllte aus vollem Halse. Meine Beine halsen mir nicht viel, ober meine Stimme schaffte es. Ein türkischer Polizist ergriff den Vagabunden, und als ich an der Stelle angelangt war, lag er bereits gefesselt und keuchend auf der Erde. Wir traten in die Wachtftub«— ich schleppt« den Brotsack. den ich an mein Herz preßte—, und als mich der Wachtmeister auszufragen begann, vermengten sich die Aufregung, ber Bkuk- veriust und die Freude so in meiner Brust, daß ich zu heulen begann. Schluchzend sagte ich: .„Herr, dieser©aiuicr wollte mir einen unermeßlichen Schatz rauben. Ich erwarb ihn aus ehrlichem Wege, ich fand ihn on> Berg« Sinai und schleppte ihn unter tausend Entbehrungen bis hierher. Der Wachtmeister hob interessiert den Kopf: „Ein unermeßlicher Schatz?" Meine übertriebene Freude brachte in erster Linie wich selbst in Verlegenheit. Dieser Wachtmeister mar schließlich nicht ver- pflichtet, meine archäologische Ekstase zu teilen und würde mich noch für wahnsinnig hallen, wenn er sah, daß ich eine Steintafel als unermeßlichen Schatz bezeichnete Ich erklärte chm also: „Herr, es handell sich hier nicht um Gold oder Diamanten, sondern um einen noch viel wertvolleren Schatz! Ich habe die Tafel gefunden, auf die der Gott der Juden die zehn Gebote für Moses aufschrieb!" Dieser moslemische Wachtmeister war tatsächlich kein so ver- blendeter Anhänger Mohammeds, um nicht auch für den Propheten der Konkurrenz Inlereffe zu zeigen. „Das will uh mir wahrhaftig ansehen—", sagt« er, den Brot- sack öffnend. Aber un nächsten Augenblick starrte er mich verständnislos an und mein Herz erstarrte vor Schrecken. Ein uniörmiger. wertloser Stein war im Sack, wie man sie zu Taufende» in ausgetrockneten Flußbetten findet! Dos Blut lief mir in die Augen, Schaum trat mir auf die Lippen, und ich brüllte wie«in Besessener: ,. Verbrecher. Schmutzfink«! Ihr habt meinen Schatz gestohlen!" Ich sah nichts mehr, wollte nichts mehr sehen, stieß, trat, kratzte, biß wild um mich. Als ich zu mir kam, war ich gefesselt und versohlt und log auf der Pritsche der Wachstube. Jetzt nachträglich wußte ich freilich, wo diese Wandlung vor sich gegangen war. Es gab zwei Möglichkeiten. Entweder hatte ich in meiner großen Eile, während ich den Rochaarige» be- obachtete. die Steintafel selbst mit diesem wertlosen Felsstuck ver- tauscht oder aber hatte diese göttliche Reliquie durch die profane Hand eines Ungläubigen chre Form verloren und die Bedeutung. die ihr Iehova einst gab.(„Ich halte die letztere Möglichkeit für wahrscheinlich", bemerkte einer der Zuhörer.„Denn daß du etwas liegen läßt, was du zu stehlen beabsichtigst, das kannst du deiner Großmutter erzählen, du Haderlump!") Wie es auch gewesen sei, ich wurde jedenfalls in die Irren- anftall abgeführt: drei Tage lang wütete ich unter der kalten Brause in einer gevolslerten Zelle. Erst als amtlich beglaubigt wurde, daß ich weder Geld noch reiche Verwandte besaß, die für mich die Kosten der Pflege entrichten konnten,— dann erst stellten die Aerzte fest, daß ich vollkommen normal sei und ließen mich laufen. tUebersctt von Socher-RakochZ f/irau Jfeilbui: I Der graue Himmel senkte sich, weit hinten, auf die Landschaft. Kaum war es Morgen. Die Weide lag da wie ein fahles Tuch. Da stand«in« Kuh dicht an der Straße, die das Heidedors mit der kleinen Stadt verbindet. Mit ihren vollen Lngen sah sie mich an. Ich grüßte,„Goten Morgen", sagt« ich..... „Guten. Margen", sagt« sie.„ich habe Hunger." „Rein, sollt«-man das denken", meinte ich verwundert,,„Sie aus ihrer Weide beNagen sich?" „Sehen Sie sich das miserable Wachstum nur an", sagte sie vorwurssvoll,„mein Kind hoben sie schon fortgeführt. Bei allem Schmerz, den ich, die Mutter, empfinden muß— bin ich den Menschen doch dankbar, die mein gutes Baby in ordentliche Ber- hällniffe brachten. Das unglückselige Stück Land reicht kaum für eine Person." „Aber daß auch in Ihren Kreisen der Mißstand des Doseins so peinlich empfunden wird! Ich dachte, Sie überließen das Denken dem Menschen, der Sie auf seine Weide stellt." Sie sah mich an. Was erwartet Sie denn? „Wenn ich", begann ich mit Vorsicht,„mir die Freiheit nehmen darf, Sie einzuladen? Der Heidegafthof ist gar nicht fern. Dort gib« es eine gut« Weide." In einem Satz sprang sie über den Graben. Die Hufe schlugen neben mir auf. Wir gingen frisch durch den Morgen, links lagen Wiesen, rechts Heidesand. „Es ist eben das Unglück", begann sie, indem sie den Hinter- körper mit ihren Schritten schwenkte,„dos Unglück, daß unier euch Menschen die wenigsten unsere Sprache verstehen. So können wir niemals Kontakt bekommen. Zwei Jungen, die mich zu hüten bestellt sind. Hab' ich bei ihrem Gespräch belauscht..Die Kuh-, sagte der Aeller«,.hat nur einen einzigen Ausdruck-—.Muh', mochte der Kleiner«.—.Richüg�, sagte der Große.— Aber nun bitte ich Sie, sagen Sie selber: sehst uns denn irgendeine Vokabel in unserer Sprache? Sind wir nicht fähig, jede Bewegung unseres Gemütes j wiederzugeben? Denken Sie. wenn wir Kühe unvernünftig genug wären, zu sagen: Der Mensch hat nur«inen einzigen Laut in der Kehle, nämlich den menschlichen Laut.— In unserem Muh... hören Sie nicht darin die Begehrlichkeit der Liebe, die Gereiztheil des Hasses, die Ungeduld der Verlassenheit, den Rachedurst des Beleidigt- feins? Als sie mir mein Kind von der Weide nahmen, brüllte ich Muh! Später seufzte ich: Muh... Und am Ende sagte ich lächelnd, leise, ergeben: Muh. Und ich betete vor Dankbarkeit, denn irli bemerkte— spät, wie Bemerkungen dieser Art immer kommen— daß es gut ist, wie es geschehen ist." „Sie sollten die Memoiren einer Unverstandenen schreiben", sagte ich und legte die Hand auf den schönen Racken. So gingen wir nebeneinander. „Sehen Sie doch die herrliche Morgensannc", lächelte, die. Kuh. „wie sie durch die graue Lust vorkämpst. Und die weite-Heidc! Die Wiesen! Ein Fluh ist auch in der Näh« Wann soll ich denn da zu schreiben beginnen! Wann fände ich Zeit dazu! Was gibt es nicht alles zu sehen in dieser gättliäzen Welt!" „Das ist die Weide", sagte ich. „Fuhren Sie mich bitte", bat sie und drängte ihre braunweiße Seite an meinen Arm.„Was sollte ich sagen, wenn man mich überraschte! Mich würde niemand verstehen!" Wir gingen über einen Steg, der den Groben überquerte und links vom Gasthaus direkt in die Wiesen führte.?ln einem Knick, der zwei Weiden voneinander trennte, nahm ich Platz. In meiner Nähe graste die Kuh. Gesättigt, setzte sie sich an meiner Rechten. Mst ihren bekümmerten Augen und schmerzlichein Munde redete sie, unermüdlich, sie machte dem lange verschlossenen Herzen die Türen weit. „Wie schön ich die kleinen Bogel finde", sagte die 5luh.„Sehen Sie, da flitzen sie raschelnd llurch's Laub." „Ich sehe gar nichts", sagte ich. „Dort in den Büschen.— Neulich sagte der Hütejunge:.Der Mensch muß sterben, das ist sein Schicksal.' Der kleine Bruder ver- stand ihn nicht.—.Das Leben entweicht aus dem Körper', sagte der Große,.und der Körper wird begraben oder verbrannt.'— .Geschieht dos inst uns Kühen auf dieselbe Weise?' fragte ich chu. .müssen wir allo sterben?' Der Junge schlug mir aber den Zweig auf die?lose, und der Kleine riß miäj am Schwanz." „Sie sollten ihre Gedanken", bemerkte ich,„der Menschheit nicht vorenthalten. Sie würden sich selber den besten Dienst erweisen, wenn Sie ihre Gesinnung, zum besseren Berständnis ihres ganzen Geschlechts, der Well mitteilen wollten." „Nein", sagte sie mit Schwermut um Auge und Mund.„Die Menschen verstehen, wie man sagt, sich selber nicht untereinander. Wie sollten sie eine Kuh verstehen."— Aus solche Weise saßen wir nebeneinander. Wir hörten Sonne, Wolken und Blumen, Stille und Ferne reden, die Flöte des Pen. die große Musik. Her VDoif und dag Qefgenfpiel Im Zoologischen Garten zu London hat man Versuche an- gestellt, um zu ergründen, ob etwas Wahres an den alten Ge- schichten ist, wonach die Wölfe die Töne von Streichinstrumenten fürchten und bei Gehör dieser Tön« zsttern. Aus der Kinderzest ist die Erzählung non jenem Wustkante» bekannt, der aus einer Kirchweih ausgejpiest hast« und de» auf dem Heimwege die Wölfe verfolgteir. Der Musikant fiel in eine Grnbe, in der sich schon ein Wolf befand, und kam in der Angst aus den Gedanken, dem Wolfe etwas vorzuspielen. Der Ton der Geige entsetzt« den Wolf so sehr. daß«r auf den Getgenmann keinen Angriff wagte, und dieser nach Stunden der Pein gerettet werden konnte. Die In London mit den Wölfen angestellten Versuche haben mm ergeben, daß der Ton gewisser Geigensaiten bei Wölfen, bei«uro- päischen sowohl wie indischen, die größte Erregung und Furcht her- vorries. Das Instrument wurde zuerst hinter dem Käfige eines Wolfes gespielt, so daß er nichts davon sehen konnte. Schon beim ersten Ton fing er an zu zsttern. sträubte das Haar, zog den Schwanz zwischen die Beine und kroch unruhig in seinem Käfige umher. Als dann die Töne lauter wurden, zittert« der Wolf noch well mehr und verriet durch unzweideutige Zeiche» so große Angst. dich(n» 9&ri0r trm ytnjtoHmig ßar JSeiJuche«vli hirft* fcon» Tiere sonst schaden könnten. Ein anderer, gleichfalls diesem Zoo- logischen Garten angehörender Wolf gab sein Mißsallen an der Musik auf andere Weise zu erkennen. Er sträubte zunächst die Haare, bis er dadurch viel größer als gewöhnlich aussah, und zog seine Lefzen zurück, so daß seine weißen, von dem roten Zahnfleisch scharf abstechenden Zähne deutlich sichtbar wurden. Im übrigen verhielt er sich ganz still. Erst als der Mann, der das Instrument gespiell hatte, sich ohne dieses vor den Käfig stellte, sprang der Wolf mst fürchterlichem Geheul auf ihn und versuchte, sich aus ihn zu stürzen. Kr. Gewlchlsiunohme der Erda. Nach astronomssck.'sn Berechirungen nimmt das Gewicht der Erde alljährlich um 70010 Kilogramm infolge der ununterbrochenen Stcrnschnuppensällc zu. Man Hot d Konzerns umfaßt und neben Kohlen» hauptsächlich Zink- gruben beherrscht. An dieser Gruppe ist außer Harriman die Anaconda Copper Mining Company, der größte Kupserlonzern der Welt, beteillgt. Der zweite� von Harriman kontrollierte Oswber- schlesien-Äonzern ist die Consolidated Silesian Steel Corporation, an der die drei wichtigsten, jetzt ebenfalls polnischen Eisen» und Stahlwerke zusammengeschlossen sind: die Bismarckhütte, die Laurahütte und die Kattowitzer Bergwerks A.'G. Diese Unternehmungen kontrollieren rund die Hälfte der gesamten polnischen Eisenindustrie. Was den neuen Harrimanschen E l e k t r i f i z i e r u n g s p l a n für Polen betrifft, so muß daran erinnert werden, daß im Sommer des Jahres 1929 W. A. Harriman einen umfasienden Plan bereits vorgelegt hat, der aber dann von der polnischen Regierung abgelehnt worden ist. Daraufhin hat Harriman sich aber noch nicht vollständig von elektrizitStswirtschaftlichen Projekten in Polen zurück» gezogen, sondern sich an Dorschlägen zu beteiligen versucht, die von einigen französischen Gruppen ausgingen. Im Gegensatz zu den alten Vorschlägen, wonach der Harriman-Gruvpe eine weitgehende Monopolstellung auf Kosten der betrofsenen Gemeinden zugebilligt worden wäre, soll das neue Projekt wesentlich günstiger sein. Freilich behauptet schon jetzt eine Meldung aus Warschau, die polnische Regierung werde auch die neuen Pläne Harrimans ablehnen, well sie kein zentrales Kraftwerk und die polnische Kraft- Wirtschaft regional ausbauen wolle. Sanierung der rumänischen Oelwirkschaft. Unmittelbar nach dem endgülligen Zustandekommen der großen rumänischen Stabilisierungsanleihe, an der sich interessanterweise diesmal englische Banken nicht beteiligt haben, hat sich SirHenry D e t e r d i n g. der LeUer des englisch-holländischen Royal D utch Shell-Konzerns nach Rumänien begeben, wo er vom König und den Ministern mit großen Feierlichkeiten empfangen worden ist. Zweck des Besuchs ist zweifellos die Sanierung der rumänischen Petroleumindustrie, die im letzten Jahr nicht hat glücken wollen. R u m ä n i e n, in dessen Wirtschaft die Petroleumindustrie seit jeher eine überragende Rolle spielt, leidet nicht nur unter dem inier- nationalen Preisrückgang für Petroleum und Petroleum» erzeugnisse im allgemeinen, sondern im besonderen unter der von Jahr zu Jahr immer stärker forcierten Erdölproduktion. Im Jahre 1925 hatte die Produktion 2,32 Millionen Tonnen betragen und stieg bis 1929 fortgesetzt weiter auf 4.SZ Millionen Tonnen, das find 198 Proz. mehr als im Jahr« 1925. Das Jahr 1939 brachte dann trotz des zurückgegangenen Weltbedarfs und trotz der sinkenden Preise eine weitere starke Steigerung aus 5,72 Millionen Tonnen. das sind Hl Proz. mehr als 1925. Etwa ein Fünftel der rumänischen Produktion wird von der A st r a Romano gestellt, einer vom Royal Dutch Shell-Konzern kontrollierten Gesellschaft. Im Jahr« 1929 hatte deren Produktion 852 999 Tonnen betragen, im Jahre 1939 dagegen 1.94 Millionen Tonnen. Schon im vergangenen Jahre waren Versuch« gemacht worden. die rumänischen Oelgesellschaften syndikatsmäßig zu- sammenzuschließen, um die Produktion zu drosseln, und die Preise zu regulieren. Diese Versuche schlugen fehl, und d e r W e t t- bewerb der Oelgesellschaften Rumäniens war noch heftiger als zuvor. Offenbar wird jetzt nicht nur ein Produktions-, sondern auch ein Exvortsyndikat für Petroleum geplant. Daß dabei an solchen Organisationen der Chcll-Konzern einen hervorragenden Anteil er» halten würde, ist selbstverständlich. 6�4 Mill. Geschästsguchaben. Die Konfom-Genossenschost Berlin im März. In den letzten Monaten wurde in der Konsum-Genossenschast Berlin und Umgegend, die Gutschrist der Umsatz- Rück» Vergütung für 1929/39 auf Geschäftsanteilkonto für diejenigen Mitglieder vollzogen, die. den Betrag des Geschäftsanteils von 99 Mark noch nicht voll eingezahlt oder von der Rückvergütung angesammelt hatten Die Gesamtsumme der Geschäfts- guthaben erhöhte sich dadurch um rund 1li4 Millionen Mark auf 6272919 Mark. Mit diesem Betrage des genossenschaftlichen Eigenkapitals steht die Berliner Verbraucher- Organisation weitaus an der Spitze aller deutschen Konsum- verein«. Die nöchstgrößten Konsumgenossenschaften in Hamburg. Leipzig und Dresden weisen Geschästsguchaben nur in Höhe von 2 bis 3 Millionen Mark auf. Im Durchschnitt entfällt in Berlin auf jedes Genossenschaftsmitglied ein Geschäftsguthaben von 39 M. Die Zahl der Mitgliederaufnahmen belief sich im März auf 1591: am Monatsende betrug der Mitglieder- bestand 219 482. Im Umsatz machen sich die Einwirkungen der überhöhten Ar- beitslosigkeit und der Preissenkungen in den verschiedensten Waren gattmigen stärker bemerkbar. Der private Eiazechandel weist schon seit Monaten verminderte Umsätze im Vergleich zum Vorjahr auf: die privatwirtschafllichen Warenhäuser zum Beispiel berichten für den Monat Februar über einen Umsatz- rückgang von 17,1 Prozent. In der Konsum-Genossenschaft Berlin betrug der Gesamtumsatz im März 6 092 399,98 Mark, der Vergleich zum März 1939 zeigt eine Umsatzminderung um 091 877,39 Mark— 14,0 Prozent. Für die ersten neun Monate des laufenden Geschäftsjahres beziffert sich der Umsatz auf 59118 828,43 Mark; der gleichen Zeit des voraufgegangenen Geschäftsjahres gegenüber ergibt sich ein Rückgang um 1,5 Prozent. Der Einlage nbeständ der konsumgenossenschafllichen Spar- k a s s e weist, trotz aller wirtschaftlichen Widrigkeiten, mit denen der Großteil der Mitglieder zu ringen hat, eine weitere Erhöhung um 373191 Mark auf: die Summe der Spareinlagen betrug Ende des Monats 49 596 346 Mark. » Das Warenverteilungsnetz der KGB. wurde von neuem durch Errichtung einer Lebensmittelabgabestelle in Alt- Landsberg(Niederbarnim), Berliner Straße 25. erweitert. Norddeutsche Kabel lOprog. Dividende. Mengenmäßiger Umsah ans Vorjahrshöhe. Die NorddeutscheKabelwerkeA.»G-. Berlin, zahlt für das jetzt abgeschlossene Geschäftsjahr 1939 die hohe Dividende von 19 gegen 12 Proz. im Vorjahr. Der Rückgang der Um- sätze, der sich befonders im inländischen Starkstromkabelgeschäft, der auf ein Drittel des Borjahrs sank, fühlbar machte, konnte durch verstärtten Export ausgeglichen werden. Auch der Bedarf der Reichspost an Leitungsdraht und Schwachstromkabeln hielt sich aus der Höhe des vorhergehenden Jahres. Insgesamt hielt sich der Um- satz mengenmäßig aus dem Stande von 1929, ging aber wertmäßig infolge der starken Preisembrüche auf dem Kupfer- markt um etwa 15 Proz, zurück. In der Bilanz treten die starken Wertoerschiebungen auf dem Wetallmarkt deutlich zutage. So hat sich der Posten Vorräte von 2.12 auf 1,39 Millionen Mark verringert, davon die Rohstoffe allein mit 9,59 Millionen Mark auf die Hälfte des Vorjahres. Diesem Abbau der Vorräte entsprechend sind die Finanzverhältnisse bei der Gesellschaft erheblich flüssiger geworden. So er- höhten sich die Vorräte von 1,39 auf rund 2 Millionen Mark und die Bankguchaben von 9.9 auf 1,12 Millionen Mark, während auf der anderen Seite die Schulden von 1,16 bis auf 9,72 Millionen Mark zurückgezahlt wurden. Das neue Geschäftsjahr hat für die Gesellschaft mit einem guten Auftragsbestand«ingesetzt. Hiera» ist das Inland allerdings nur mit 39 Proz. beteiligt, so daß der Hauptanteil auf Exportaufträge entfällt. Brown Bovert kürzt Dividende auf 5 proz. Der Aufsichtsrat der Brown, Bovert e u. Co. A.-G. in Mannheim hat beschlossen, die Dividende für 1939 von 9 auf 5 P r o z herabzusetzen. Der Reingewinn wird nach Zlbsetzung von rund 1,4 gegen 1,88 Millionen Mark Abschreibungen mit 1,31 gegenüber 2,43 Millionen Mark ausgewiesen. Geschäftsbericht und Bilanz der Gesellschaft liegen noch nicht vor. Es scheint aber jetzt schon sicher zu sein, daß der Gewinnaus- weis und die Dividendenkürzung eher als eine Dorfichtsmaß- nähme für die Zukunft als den tatsächlichen Geschäftsgewinnen des letzten Jahres entsprechend anzusehen sind. Daraus deutet schon die Tatsache hin, daß der Umsatz des Unternehmens nicht wesentlich zurückgegangen ist, dagegen der Auftrags- bestani» in den letzten Monaten 1939 sich stark vermindert hat, so daß die Gesellschaft mit erheblich geringerem Auftragsbestand das neue Jahr begonnen hat. Vorverkegunq öffenilicher Aufiräoe. Auf Grund eines Landtagsbeschlusses hat der preußische Finanzminister eine alsbaldige Vergebung der Bauarbeiten des preußischen Staates schon vor Beginn des Rechnungsjahres 1931 zugelassen. Desgleichen hat der R e ich s arb e i t s- m i n i st e r einen Vorgriff auf den Haushalt 1931 bei der Auf- tragsvergebung angeregt. Mit Rücksicht auf dl« große Bedeutung solcher Maßnahmen für den Arbeitsmarkt empfiehlt der preußische Minister des Innern in einem Runderlaß auch den Gemeinden und Gemeindeverbändcn, die haushaltsmäßig vorgesehenen Arbeiten baldmöglichst in Auftrag zu geben, soweit dies ohne nachteilige Beengung de? Kredit- oder Kassenlage möglich ist und die zur Finanzierung der Arbeiten beschlossenen Anleihen genehmigt und in rechtsverbindlicher Form zugesagt sind. Betonbau aut befchästiqt. Die Beton- und Monierbau- A.-G. Berlin, deren Arbeitsgebiet sowohl im Bctonhochbau, wie in Fundamentierungen liegt, nimmt für 1939 eine Dividendcnkürzung von 12 auf 8 Proz vor. Allerdings hat das Unternehmen seine Abschreibungen trotz erheblicher Neuinvestitionen auf der Vorjahreshöhe von 219 999 Mark gelassen, so daß trotz der verringerten Umsätze ein- schließlich der Abschreibungen rund 19 Proz des Kapitals verdient wurden. Bemerkenswert ist der Hinweis im Geschäfts- bericht, daß der gegenwärtige Auftragsbestand— unter anderem ist das Unternehmen am Bau der Odertalsperre beteiligt— kaum geringer ist als im Frühjahr 1939. Zvar Kreuger berichtet. Der Zündholzkönig zahlt wieder 30 Prozent Dividende. Die Spitzengesellschaft des schwedischen Kreuger-Konzerns, das Fmanzunternehmen Kreuzer u. Toll, veröffentlicht jetzt seinen Jahresbericht für 1939. Die Verwaltung dieses welmmspannende» Unternehmens besaßt sich in ihrem Bericht eingehend mit den Methoden der Krisenbekämpsung aus internatipnaler Basis. Bc- sonders wird auf die Bedeutung hingewiesen, die eine Wieder- Herstellung normal« Zustände auf dem Markt der a u s l ä n d i- schen Schuldverschreibungen für die Weltwirtschast hätte. Eine Wiederbelebung dieses Marktes, so heißt es im Bericht, würde das Exportgeschäft der Gläubigerländer sofort günstig be- einflussen, auch würden damit die Hauptfaktoren, die heut� die Warenpreise dauernd unter Druck halten, beseitigt werden. Zu diesem Zweck sei aber die Hilfe der Regierungen und Zen- tralbanken notwendig. Die Nachfrage nach Staatskrcditen in Verbindung mit indu, striellcn Konzessionen war im Berichtsjahr noch stärker als 1929. Die Gesellschaft hat jedoch bei der schlechten Vdrfassung des Marktes ausländischer Schuldverschreibungen stark« Zurückhaltung auf diesem Gebiet geübt. Der Anleihebetrag, der gegen Zünd- holzkonzessi oncn gewährt werden kann, lst verhältnismäßig gering, und die Gesellschaft ist daher stark daran interessiert, andere Objekte als Grundlage für internationale Kredit« zu finden. Sie sieht hier ein starkes Tätigkeitsgebiet auf dem Mark der Hypo- t h e k e n p f a n d b r i e f e. In dem Gewinnausweis kommt die Weltbedeutung des Kreuzer u. Toll-Konzerns deutlich zum Ausdruck. Der Gesamt- gewinn ist im Berichtsjahr noch von 198 5 auf 122,3 Mill. schweb. Kronen gestiegen Hiervon stamme? 99.16 gegen 6596 lchwed. Kronen aus laufenden Gewinnen und 32,18 gegen 53,28 Mill. schweb. Kronen entfallen aus Gewinne aus einmaligen Transaktionen. Die Verteilung der Gewinne läßt erkennen, wo das Schwergewicht des Kreuger-Konzerns liegt. Rund 28,4 Mill. schwed. Kronen entstammen Dividende»einnahmen aus Industrie- a t t i e n, 9,9 Mill. schw. Kr. Einnahmen aus Grundbesitz, 4,7 Mill. schw. Kr. Dividenden aus Bankaktien und 22L Mill. schw. Kr. Zinseinnahmen aus Schuldverschreibungen. Di« Einnahmen aus Zündholzkonzessionen brachten neben Beteiligungen 18,7 Mill. schw. Kr. Einschließlich des Gewinnvor- träges aus dem vergangenen Jahr ergibt sich ein G e s a m t ü b« r- schuh von 214,3 gegen 153,3 Mill. schw. Kr. Der Generalversamm- lung wird wieder eine Dividende von 39 Proz. vor- geschlagen. In der Bilanz stellen die ausländischen Staatsanleihen und ähnliche Schuldverschreibungen den stärksten Posten in der p h a n- tastifchen Höhe von rund 429 Mill. schw. Kr.(479 Millionen Mark) dar. Hierunter befinden ssch auch die Anteile des Kreuger-Konzerns an der Toung-Anleihe und die verschiedenen neuen Moiwpolanlcchen für Rumänien, Griechenland und Polen. Bei der wichtigsten Tochtergosellschast, der Schwedisch« Z ü n d'h o l z f a b r i k e n A.- G., ist über das Kapital nunmehr von 270 auf 360 Mill. schw. Kr. herausgesetzt worden. Dieses Unter- nehmen betreibt setzt 259 Zündholzfäbriken in 43 Der, schiedenen Ländern. Ihr Gewinn beträgt im letzten Jahr 57,6 gegen 542 Mill. schw. Kr., und die Dividende wird für 1939 wieder 15 Proz ausmachen Der große Besitz von Erzberg- werken des Konzerns, der in der Grängesberg-Gefellfchaft zu- fammengefaßt ist, verfügt nach dem Geschäftsbericht dieses Unter» nehmens über Erzvorkommen von 2 Milliarden Tonnen. Der Iahresgewinn wird mit 29,4 Mill. schw. Kr fast unverändert ausgewiesen. Dagegen wird die Dividende von 17 auf 12 Proz. gesenkt, da die internationale Eisenkrise für 1931 stark verringerte Umsätze erwarten läßt. Schwerindustrie in Sialins Schule. Skalin als Kronzeuge für Ven tohndruck Die rheinisch-westfälifche Schwerindustrie bereitet für Mai und Juni eine neue mächtige Lohndruckosfenstve vor. Die Zeitschrift „Ruhr und Rhein", das offizielle Organ des Langnamvereins, betrommelt bereits die öffentliche Meinung zu diesem Zweck. Sehr interessant und lehrreich ist aber, wie auch Sowsetrußland dabei für die deutschen Lohndruckabsichten nutzbar gemocht wird. Es heißt in deb neuesten Nummer vom 19. April: „In dem vielgepriesenen Rußland geht Stalin, der Mann eines kommunistischen Regimes, nicht von der Ueberlegung aus, wie an die Arbeiter ein möglichst hoher Ertrag aus de? Produktion verteilt wird, sondern überall im Fünfjahres nlan finden sich die Klauseln wieder, wie Ertraqssteigerung, Kosten» Herabsetzung und Neuinoesticrung. Die russische Regierung hätte es gewiß leichter, wenn sie an die Arbeiterschaft hohe Löhne zahlen würde, aber nichts von alledem kennt das russische Regime. Sie weiß nichts von einer Kaufkrafttheori«, sondern bei ihr stcht an erster Stelle die These, daß die Produk- tion dem Konsum voranzugehen habe. Man spricht dort nicht, wenn man die Löhne zu senken beabsichtigt, um Still- legungen der Betriebe zu vormeiden, wie bei uns von einer „Primitivität wirtschaftlicher und wirtschoftspolitiicher Anschau» ungen": wenn wir auch nicht dem russischen Beispiel folgen wollen, so sollte doch diese dort geführte Produktionspolitik für uns eine Lehre sein." „Wenn wir auch nicht dem äußersten Beispiel folgen wollen. diese Einschränkung ist natürlich schwerindustrielle Rabulistit zur Irreführung der Ocffentlichkeit. Aber selbst die deutsche Schwer- industrie wagt es danach nicht, öffentlich den fürchterlichen Raubbau an der Arbeitskraft zu propagieren, wie er in Rußland, im„sozialistischen Vaterland", üblich ist. Das spricht Bände für die Verantwortungslosigkeit, mit der die deutschen' Kommunisten in ihren Hosiannah-Liedern für das Arbeiterglück unter kommu- nistifcher Führung die Kampfkraft der deutschen Gewerkschaften zu torpedieren suchen. 6 Proz Dividende bei Mix u. Genest. Di« Verwaltung der Mi� u. Genest A.-G. schlägt der Generalversammlung für 1989 eine Dividende von 6 gegen 8 Proz im Vorjahre vor. TjaJvrtspucuiXcx, 90/XAJHrui 5A-jÜ WUmxiwcuAerM. Z?SJC dp& 5 OA JjOLhnbürzX&nA 1- ajutuI 60 A Für die Vierzig-Stunden-Woche. Gewerkschastskundgebung für Berlin-Nrandenburg. Mit der zurzeit brennendsten Frage, der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit durch die Einführung der 4<)-Stunden- wache, beschäftigte sich gestern eine Konferenz von Oewerkschasts� funktionären, die das Bezirtssekretariat Berlin-Brandenburg-Grenz- mark des ADGB. und das SlfA-Bezirkskartell Brandenburg nach dem Berliner Gewertfchaftshaus einberufen hatte. Der Referent, Genosse Hermann Müller, vom Bundes- vorstand des ADGB., zeichnete zunächst ein Bild von dem Umfang der Arbeitslosigkeit,.ihren Ursachen, ihrer bisher falschen Bekämpfung durch den Abbau der Löhne und Gehälter, und ihre verheerende Wirkung auf die Knappschafts-. Invaliden- und Arbeitslosenver- Versicherung. Hinsichtlich der Verkürzung der Arbeitszeit haben die Spitzen- körperschaften der freien Gewerkschaften gegenüber dem Herbst des Vorjahres ihre Auffassung dahin geändert, daß sie die Einführung der 411-Stundenwoche nicht mehr als eine vorübergehende Notmaßnahme fordern, sondern daß sie nunmehr auf gesetz- lichem Wege diedauerndeVerkürzungder Wochenarbeitszsit auf 40 Stunden verlangen. Die Frage des Lohnausgleichs ist erst in zweiter Linie zu stellen. Das Hauptziel der Arbeiterschaft muß zunächst sein, die Arbeitslosen wieder in den Produktionsprozeß einzureihen, um da- durch den indirekten Druck aus die Löhne, den diese Reservearmee ausübt, zu beseitigen. Die Verkürzung der Arbeitszeit und der damit verbundene Rück- gang der Arbeitslosigkeit ist aber nicht zuletzt auch ein wirksames Mittel zur Beseitigung der politischen Unsicherheit in Deutschland und zur Eindämmung des Rechts- und Linksradikalis» mus. dessen Nährboden hauptsächlich das ungeheure Elend der Massen ist. In der Diskussion wurde von den Genossen O r t m a n n(Ge- samtoerband) und Gott furcht(ZdA.) gefordert, daß jetzt endlich mit der staatlichen Lohnabbaupolttik Schluß gemacht und nicht noch der Verkürzung der Arbeitszeit eine dritte Lohnabbauwelle vorausgeschickt wird. Ebenso wurde von beiden Rednern scharfe Kritik an den Reichsbehörden und-Betrieben geübt, die es noch nicht einmal für notwendig gefunden haben, die 4Lstün- dige Arbeitszeit einzuführen. Einstimmig nahm die Konferenz eine Entschließung an, in der es heißt: „Mit den bisher vom deutschen Unternehmertum propagierten Mitteln zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit wie Lohnabbau, Abbau der sozialen Einrichtungen, schärfere Rationalisierung der Betriebe usw., ist es nicht möglich gewesen, die Arbeitslosigkeit zu verringern. Das Gegenteil ist eingetreten. Leider hat auch die deutsche Reichs- regierung sich vielfach diese Argumente der Unternehmer zu eigen gemacht und ihre Arbeitsmarktpolitit darauf eingestellt. Der Reichs- tag hat auf Grund der Erfahrungen, die mit der Lohnabbaupolitik und dem Abbau der Sozialversicherungen gemacht worden sind, in einer Entschließung im März von der Regierung gefordert, einen Gesetzentwurs vorzulegen, der u. a. im besonderen zur Eni- lastung der Arbeitsmarktes die 40 st findige Arbeitswoche vorschreibt. Die von der Reichsregierung eingesetzte Kommission zur Unter- suchung aller mit der Arbeitslosigkeit in Verbindung stehenden arbeitsmarktpolitischen Fragen hat in ihrem Bericht die verschie- densten Mittel und Wege zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit vor- geschlagen. Leider ist auch in diesen Borschlögen nicht mit dem nötigen Nachdruck die Verkürzung der Arbeitszeit als das zunächst wirkungsvollste Mittel zur Behebung der Arbeitslosigkeit gefordert. Einsichtige Wirtschaftspolitiker aus dem Kreis« des Unternehmertums haben in ihren Eigenbetrieben an praktischen Beispielen bewiesen, daß sich eine erhebliche Kürzung der Arbeitszeit durchführen läßt mit dem Erfolg erheblicher Neueinstellungen von Arbeitslosen. Die Konferenz fordert deshalb von der Reichsregierung die beschleunigte Durchführung der 40standlgen Arbeitswoche durch gesetzliche Mahnahmen. Sie ist sich darüber klar, daß die in Arbeit Stehenden sich solidarisch mit den Arbeitslosen fühlen und die Forde- rungen der Bundesvorstände auf Verkürzung der Arbeitszeit selbst unter V ringung persönlicher Opfer, unterstützen.- Abwehrkampf der Bauarbeiter. -16000 ausgesperrt oder im Streik. Di« Lohnregelung im deutschen Baugewerbe hat w diesem Jahre zu Kämpfen geführt, die besonders in Rheinland-West- falen, Berlin. Hamburg, Magdeburg und Erfurt größere Aus- dehnung genommen haben. Insgesamt dürften gegenwärtig in ganz Deutschland etwa 16 000 Bauarbeiter im Abwehrkamps stehen. Wenn es sich also hier um recht ernste Kämpfe handelt. so ist man doch weit entfernt von den Hunderttausenden, die die kommunistisch« Presse ihren Lesern vorschwindelt. Es handelt sich um einen Abwehrkampf! Bekanntlich sind in den Schiedssprüchen, die in den Bezirken zunächst gefällt wurden, die Löhne der Bauarbeiter ganz exorbitant gekürzt worden. Da» zentral« Schiedsgericht hat an diesen Schiedssprüchen zwar wesentliche Korrekturen vorgenommen, aber immer noch ist der Lohnabhau kür die Bauarbeiter außerordentlich schwer, besonders weil sie eine lange und ausgedehnte Arbeitslosig- k e i t hinter sich haben und weil für diese» Jahr keine Aus- ficht besteht, daß die Bautätigkeit eine bessere sein wird, als sie es im Vorjahr gewesen ist Zur Zeit sind immer noch mehr als drei Viertel der Bauarbeiter arbeitslos. Auf dieser Tatsache fußend, haben die Unternehmer in einer Reih« von Bezirken den Bauarbeitern Reverse vorgelegt, um sie zur Annahme der Schiedssprüche zu zwingen, ehe noch das Schlich- tungsverfahren beendet worden ist. Die Unternehmer rechneten offenbar damit, daß die Bauarbeiter, soweit sie in Arbeit stehen, aus Angst vor der Entlassung sich ihrem Diktat fügen würden und daß. wenn sie es nicht täten, die Arbeitslosen in Massen herbei- strömen, um die frelgewordenen Arbeitsplätze einzunehmen. Diese Rechnung hat sich als doppelt falsch erwiesen. Die Bau-- arbeiter können sich auf ausgezeichnete Organisationen stützen, die auch in finanzieller Beziehung so fundiert sind, daß sie selbst in den Zeiten der schlimmsten Krise einen von den Unter- nehmern aufgezwungenen Kampf nicht zu scheuen brauchen. Da gleichzeitig da» Organisationsverhältni» der Bauarbeiter durchweg sehr gut ist. können die Unternehmer auch nicht hoffen, genügend Ersatz von den Unorganisierten zu bekommen. Ander» steht es mit den Splittergruppen, die hinter der KPD. herlaufen. Sie müssen schon setzt den Klingelbeutel schwingen, kaum daß der Kampf eingesetzt hat. Glücklicherweise sind diese Splittergruppen ohne wesentliche Bedeutung für den Ausgang des Kampfes, wie sie auch nicht als Vertragsparteien bei den Lohn- Verhandlungen zugelassen find. Di« Träger de» Abwehrkampfes sind die Gewerkschaften, die als Tarifparteien allein in Frage kommen: der Deutsche Baugewerksbund, der Zentraloerband der Zimmerer, der Verband der Maschinisten und Heizer und schließlich der Christliche Bauarbeiteroerband. Was daneben hinter der KPD. herläuft, hat glücklicherweise auf die Führung des Abwehrkampfes keinerlei Einfluß. Die Arbeitszeit im Bergbau. Beschlüsse der Internationale. Das Internationale Bergarbeiterlomitee hat dieser Tage in Brüssel abermals zur Lage der Kohlen- industrie Stellung genommen, die überall das gleiche Bild zeigt: Steigerung der Haldenbestände, Versuch eines Kostenabbaus zur Herabsetzung der Löhne, Vermehrung der Konflikte und Streiks vor allem in Frankreich. Das.Komitee beschloß im Hinblick auf diese unhaltbaren Zustände, im Juli eine außerordentliche inter- nationale Konferenz einzuberufen, um für den Fall, daß die Genfer Verhandlungen zu keinem greifbaren Ergebnis führen, «in direktes Eingreifen der Bergarbeiterorga- n I f a t> o n e n vorzubereiten. Bei der Prüfung des vom Internationalen Arbeitsamt aus- gearbeiteten Vorentwurfs für ein Arbeitszeitabkommen wurde mit besonderen Nachdruck gefordert, die Bestimmungen über Arbeitszeit und Ueberstunden im Braunkohlentiefbau denen im Steinkohlenties- bau anzugleichen. Desgleichen wurde die Forderung erhoben, daß in den Vorentwurf die Bestimmung ausgenommen werde, wonach die � Ratifizierung des Abkommens etwa bestehenden günstigeren Arbeits-. bcdingungen in dem einen oder anderen Land in keiner Weis« Ab- bruch tun dürfe. Buchdrucker und Krise. ArbeitSruhe im Buchdruckqewerbe am i Mai Die Situation im Berliner Buchdruckgewerbe hat sich auch im 1. Quartal 1031 wenig oerändert. Die Arbeiterschast des Buch- druckgewerbes stand im schärfsten Abwehrkampf gegen eie Abbaumaßnahmen, besonders gegen den von den Unternehmern geplanten Abbau der übertariflichen Leistungslöhne. Die Unternehmer haben sogar den Verbandsvorstand ver- klagt, weil er die Mitglieder aufgefordert hat, für die Erhaltung der übertarlslichen Löhne einzutreten. In verschiedenen Letriebcn ist es aus Anlaß des Lohnabbaus zu Streits gekommen, die durch die Treibereien der RGO. zum Teil einen mehr oder weniger ungünstigen Ausgang nahmen. Die Druckerei„Germania- mußte wegen Maßregelung der freigewerkschaftlichen Mitglieder gesperrt werden. Am 1. April zählte der Gau Berlin 16 122 Mitglieder. Obwohl Ir der legten Zeit eine kleine Besserung in der Konjunktur eintrat, waren am Schluß des Quartals noch 40SS Mitglieder arbeitslos. Der Gauvorsitzende Braun forderte in seinem Bericht in der Generalversammlung der Berliner Buchdrucker am Donnerstag im Gewertschaftshaus mit allem Nacfjdruck, daß eine Stetigkeit in den wirtschaftlichen Verhältnissen erreicht werden müsse. Eines der wichtigsten Probleme der Gegenwart sei die Verkürzung der Arbeitszeit. Der Kassierer S ch l e f f l e r schilderte im Kassenbericht die durch die langanhaltende Arbeitslosigkeit geschaffene schwere finan- ziell« Lage. Während die Ausgaben für Unter- stützungen rapide gestiegen, sind die Einnahmen ständig zurück- gegangen. Dennoch wolle der Gauvorstand jetzt weder eine Beitrags- erhöhung noch«ine Herabsetzung der Unterstützungssätze vor- schlagen. Die Versammlung billigte die Maßnahmen des Gau- vorstand«». Sie bestätigte gegen wenige Stimmen die vom Gauvorstand aus Anlaß des Streiks in der Druckerei der„Zioten Fahne- wegen Streikbruchs und wegen Kandidatur auf so- genannten„roten- Betriebsratslisten vorgenommenen Aus» s ch l ü s s e. Auch der frühere kommunistische Spitzenkandidat Engelmeier hielt die Ausschlüsse, da in allen Fällen g« w e r k- schaftsschädigendes Verholten zugrunde Lege, für berechtigt. Einstimmig angenommen wurde ein Antrag der Arbeitslosen, wonach die in Arbeit stehenden Mitglieder zum Zweck« der Veschäfti- gung Arbeitsloser die Ferientag« stets auf volle Wochen nach oben abrunden sollen. Ueber«inen Antrag, einen außerordent- lichen Verbandstag einzuberufen, der sich mit dem Problem der 40-Stund«N'Woche beschäftigen soll«, ging die Versammlung zur Tagesordnung über. Trotz des Hinweises des 2. Gauvorsitz nden A l b r e ch t auf«in Urteil des Reichsschiedsamts, das die Feier des 1. Mai durch Arbeitsruhe als tärifwidrig bezeichnet, beschloß die Versammlung einstimmig, am l. Mal in allen Betrieben die Arbeil rvhen zu lassen. Betriebsratswahl bei der Victoria. Sin Erfolg des ZdA. Bei den Betriebsratswahlen bei der V! c t o r i a- Versiche- rungsgesellschaft waren insgesamt 1187 Angestellte wahlberechtigt. Die prozentuale Beteiligung betrug bei den Innenbeomten fast 100 Proz., während die Auhenbeamten, 400 an der Zahl, sich nur mit rund 50 Proz. betelligten. Für Liste 1(Zentraloerband der Angestellten sAsA-Bundj) wurden 578 Stimmen abgegeben, worauf 6 Sitze kommen; für die Liste 2 Gedag(DHV) wurden 353 Stimmen abgegeben, woraus 3 Sitze und 1 Ersatzmann kommen; für di« Liste 4 Einheitsliste de» Gewerkschastsringes(GDA. und APP.) wurden 190 Stimmen abgegeben, worauf 2 Sitze kommen. Dieses Ergebnis ist ein Erfolg des Zentraloerbandes der An- gestellten, der gegenüber dem Borjahr auf Kosten des DHV. emen Sitz im Betriebsrat gewinnt.__ Schiebsfpruchannahme im GastwirtsgewerSe Die am Donnerstag unter den freigewerkschaftlich organisierten Gastwirtsgehilfen Berlins durchgeführte Urabstimmung hat nicht die statutarisch notwendige Mehrheit für den Streik ergeben. Der Schiedsspruch gilt daher von den Gostwirtsgehilsen als an- genommen, da auch die Unternehmer dem Schiedsspruch zu- gestimmt haben, ist der Lohnkonflikt im Berliner Gastwirtsgewerbe beendigt. Neueinsiellungen durch Arbeitszeltkürzung. Ein Avkommen im Fre ssaa' Lübeck Im Freistaat Lübeck hat der Gesamtverband eine Vereinbarung erzielt, wonach die bestehend« Arbeitszeit auf 44 Stunden verkürzt wurde. Die bisherigen Stundenlöhne bleiben bestehen. Auf elf Arbeiter wird ein Arbeiter neu eingestellt. In Betrieben mit weniger als elf Arbeitern wird die ausfallende Lohnsumme einem Fonds überwiesen, aus dem andere Betriebe zum Zweck der weiteren Einstellung von Arbeitslosen unterstützt werden. Dollscher Baua«w«l-tunb. Senn'.aS, 12. Arml,•O'/i Übt, in den German'a. ProchlsSkn. Berlin 31., Chausseeiir. HO, ntoRe ffunl lonäcntriammlun«. Sancc. ordnun»: Bericht übet die 3!achverband!una beim Echiichtcr, In Anbetracht der wichtiaen Zaaesordnuna Ist es Bricht. daR alle Sollegen bestimmt und vilnltlich erscheinen. Bes weiteren Ist das Berbandsbuch am Saaleinstana vo-. auaeiaen. Die Baudelealerten weisen stch durch ifiren Baudelestiertenauswris au». Der Baugewertschaft-uotstand! Eberl. fo» �reie G ewerk�cha�ts-�uaend�erkip Mal-Iuaeudtae. Der diesiäbeiae Mai-Iuaerdtaq ist am Sonntaq, S. Mai, in Gemeinschaft mit bcr AfA-Iua-nd, Sua aiist fchen Arbeiter. lugend. Epor'lerjugand und Arbeit-gemcinschaft der stiirdersreunde im Bdllsvari Rebberge. Platetten sind schon legt erhiiltlich.— Die Meldungen der Teilnehmer a» den Iv»rtlichen Wettläwulcn müssen bis ftreitag. 17. Avril. der Iugendaentrale ll ernrittelt werden.— Morgen. Sonntag, folgende Ber. anstaltungen: Rte'i vberfpreee Elternabend um 19% Uhr im Iug-nddeim Oberschilneweide, Laufen«: Str. 2.— lirei» Südriag: Um 1? Uhr im Jugend. heim Reulölln. Bergstr. 29.„Lustiger Abschluß unserer Wintrrsalson". UM Melallarbeiter-feM VerwaltoiitfMlcUe Berlin Todesamelie Den Mugliedern*iir Nachricht, daß unser Kollege, der Schmied Karl 8ck!vrleke am 8 April gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonn- abend, rem II. Avrtt. nachmittag- Übt von der Leichenballe de» Zr>edrich»f«lder stirchh le» au« stau Rege Beteiligung wird erwartet NacliMi? Am 2. April starb unser Kollere der Arbeiter Adolf Rappmann Die EwSschetling har bereit« fw«- gesunden. Ehr« ihrem Andonten! Die OrtiVC! wolttinp. Wenig getragen. I Piano»- istiigel. teil» auk Seide ae- Sliesenlaacr. Bech. arbeitete Iacke'tan. stein Blütbner. ,üge. ssrackanastg«. Steinwav. Sckwech. Smokinganiüge.!ten Salonvianos Gebrockanallae.'27Z.— 890- 42),—, Bauchanzüne ssriid- gebrauchte Abend. iabr». und Som- roth. Bolshame:- mermSntel. bochele. straße 74 gante neue Mast»! ÄL.n M Fanppacer| fcn. fffufe in Serien und Damenuclaen. Leibban» Lowick!. 150 ae brauch te Kahrräder. 15,-. 20— 21.-. Prinaenstrast» 103. 80,—. Machnow. eine Treppe»ein-jWeinmeisterttr. 14 Lomdardware Danen, teu&a und BaiKon Sdel-Bufchrofen. 10 Stück 2,50 Mart versende' per Nach- nahm« Zst. Boden Gärtnerei. lSaaleZ. Balloarenncr. �Ballonwuren-, Bat- londam-n. Makchi- nen 58.—. 63,—, 75,—. Orioinal» 98 ce n r. o bot orte iräder 83.—. mcach. no». WeilUncil!«» straste 14 IM,I KLEINE ANZEIGEN iiimiiiiiiiniimniiiiiiiiiHiuiiiimiinniiiimiminiitimu UabertctarifUwort 25 Pfn TaxUort 12 Pf. W ede»holungsrabatt:10mal5Pror i 20 mal oder 1000 Worte Abschluß 10 Proz. 2000 Worte 15 Proz. 4000 Worte 20 Proz./ Stellenoesucne: Ueberschrlftswort 15 Pf». Textwort 10 Pf/ Anzeigen, welche iür die nächste Nummer oesilmmt sind, müssen bis AV�Uhr nachmittags Im Verlag, Undenstr. 3, oder auch In sämttlcnen Vorwärts- Filialen und •Ausgabestel en abgegeben sein ,— fllühztitbez. CoISe»jiraaSlun« monat» \m 10 Mars. Ditr. kopp. Wittler Dia. Imant. auch mit Ballonreifen. .Sport.. Sirnn» und Batevtmatraden I Taurenräder 58 MI. .Brimisstma-, 38c. Gtdruuchte irptl» tallbetten Auslege, billig,«leln. Cbar» ma' rasten. Eh-ise» lottenburg. Bi». longue, Walter, marckstraste«2 Staraarderstraste achtarbn. LeinLadev vornehme gediegene Wohn. möbel. Lamerlina. iiostanienalle» 56 »ustbaumbüfett Balonsahrräder. Brenpabor. Dia- manträder, Köricke. rüder. Multipler. tüiet. Ervrcstrilder. 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