BERLIN Montag 13. April 1931 10 Pf. Nr. 171 B 8b 48. Zahrgcng erscheinttSglichauierSonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben«S Pf. pro Woche, 3,60 Vf. pro Monat. Sedaktion und Expedition: Berlin SWos.Lindenstr.s Fernsprecher: Dönhoff 292— 2S7 fflbwasfa Anzeigenpreis: Die einspaltige Nvnpareillezcile 80 Pf., Reklamezeil« SM. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: VorwärtS-Verlag G.m. b.H� Berlin Nr. 37 S36.— Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen»orl Spanien will die Republik Sieg bei den Gemeindewahlen Paris, 13. April. Dir erste« Wahlergebnisse habe», wie eine Agentur aus Madrid meldet, in der spanischen Hauptstadt große Erregung hervorgerufen. Ein Regiment von Alcala bei Madrid soll in Bereitschaft stehen, um den König zu schuhe». Ter Königspalast wird scharf bewacht. Man behauptet, daß in Madrid der Belagerungszustand der- hangt werde. Die spanischen Minister sind gestern abend zusammengetreten, um über das Wahlergebnis zu be- raten, ein Beschluß soll jedoch nicht vor dem nächsten KabinettSrat getroffen werden. Heute wird Minister- Präsident Aznar mit König AlfonS über die Lage beraten. Zllodrid, 13. April.(Eigenbericht.) Seit dem Staatsstreich Prima de Riocras im Herbst 1923 hatte Spanien am gestrigen Sonntag zum ersten Male wieder Gelegenheit, der Valksstimmung durch allgemeine Wohl Ausdruck zu geben. Tie Wahlbeteiligung durch gesetzliche Wahlpflicht gefördert, war auch mit über 80 Proz. überaus stark. Schon beim Beginn der Wahlhandlung, um acht Uhr, standen die Wähler, besonders in den großen Stödten, in langen Reihen vor den Wahlbüros, lim jeden Betrug zu uerniciden, wurden Urnen aus Kristallglas verwandt. Di« Wahl dauerte bis 1b Uhr, worauf sofort die Stim- , menzählung begonnen wurde. In Madrid kam es zu einigen unbedeutenden Zwischenfällen, da in verschiedenen Wahlbüros Monarchisten gegen ein Entgelt von 2Z Peseten die Stimmen der Wähler k a u j e n wollten; mehrere Stimmenkäuser wurden verhastet. Vor dem Wahlbüro im Schloß- bezirk ereignete sich ein Zusammenstoß zwischen bewaffneten Legio- nären und Republikanern, der jedoch ohne Blutvergießen verlief. Zwei Legionäre wurden verdöstet. In Valencia wurden mehrere Wahlurnen zertrümmert. In Santander gerieten die Spieler eines Fußball kampfes wegen Wahlfragen in Streit. Die Zu- schauer stürmten den Spielplatz; in einer Schlägerei zwischen Mon- archistcn und Republikanern wurden drei Personen verwundet. Die bisher bekannten leilresultate ergeben einen gewaltigen Sieg der sozialistisch.republikanischen Koalition und eine vernichtende Niederlage der Tlionarchisten. Die Sozialisien und Republikaner hoben in 47 von 50 der größten Städte einschließlich Madrids die Mehrheil erhallen. Di« Monarchisten haben die Mehrheit in Burgos, Avila und Eadiz. Wie groß der Sieg der Linkskoalition ist, geht u. o. daraus hervor, daß im Madrider Schloßbezirk, wo die Monarchisten mit Leichtigkeit zu triumphieren glaubten, drei Äairdidoten der Linkskoalition und nur Zwei Monarchisten gewählt worden sind. Von den Madrider Sozialisten ist u. a. Garcia S a n t o s gewählt worden. In Bar- celona stich 27 Kandidaten der republikanischen Linken, deren Führer der bekannte Oberst Macia ist, gewählt, ferner)3 radikale Republikaner und Ii) Regionalisten. In Valencia sind 32 Republikaner und Sozialisten, 18 Monarchisten gewählt, in E o r- doba 27 Repichlikancr und Sozialisten, 17 Monarchisten, in Eadiz 40 Monarchisten, in Ovicdo 25 Republikaner und Sozio- listen, 15 Monarchisten. In den Kleinstädten und Dörfern wurde die Opposition erheblich beeinträchtigt durch die Gesetzbestimmung, daß nur der kandidieren darf, der von einem Mitglied der abtretenden Gemeindevertretung empfohlen ist! Weitere Ergebnisse aus größeren Städten sind: Monarchisten Republikaner Huesca........ fi 14 Logrono....... 8 20 Pontcvedra...... 4 10 Salomanca...... 12 19 � nno b 8 Derucl........ 5 14 Leon........ 7 18 Badafoz....... 11 20 Eiudud Real..... 8 16 Cardoba....... 17 27 Jörn........ 10 22 Saragossa....... 17 30 Toledo........ 10 15 Zomara....... 7 15 Samander...... 15 25 Vallodviid IL 20 In Madrid wurden 30 republikanisch-sozialistische Gemeinde- rate und 20 monarchistische gewählt. San Sebastian 28 Repu- blikaner und Sozialisten, 6 Monarchisten; Orense 11 Republikaner, Otto Braun und FrilzTarnow sprechen Dienstagabend im„Sportpalast" über: „Was wird aus Preußen?" 11 Monarchisten, Burgos 13 Republikaner, 17 Monarchisten; Alicante 20 Republikaner, 10 Monarchisten; Linares 32 Republikaner, 10 Monarchisten; Albacete 22 Republikaner, 11 Monarchisten: Eeuta 20 Republikaner, 2 Monarchisten. Große republikanische Mehrheiten werden aus Bilbao, Malaga, Alcoy, El Ferro! und Cartagena gemeldet.— Oberst Macia erklärte in Barcelona bei der Verkündung des Wahlergebnisses: Angesicht» des Triumphes der Republikaner bleibt dem König nichts übrig als abzudanken. Sonst würde er gezwungen sein, eine Diktatur einzuführen, die einen blutigen Verlauf nehmen würde, denn das Volk würde sich erheben. Die Könige, die nicht ihrem Volke gehorchten, müßten mtf das gleiche Schicksal wie Ludwig XVl. gefaßt sein. 3» den noch sehr spärlichen Kommentaren der eng- lische» Presse zn den spanischen Wahlen kommen ernste Besorgnisse um das Schicksal der Monarchie zn« Au»- druck. England hat lange Zeit aus dynastischen Interessen die spanische Monarchie gestützt. Massenmörder Kürten Beginn des Prozesses— Erste Vernehmung des Angettagien Düsseldorf, 13. April. Am heutige» Montagvormittag um SVi Uhr begann vor dem Düsseldorfer Schwurgericht der langerwartete Prozeß gegen den Massenmörder Peter Kürten, der sich wegen neun Morden und sieben Mordver- suchen verantworten muß. Tie Prozeß wird in der Turnhalle der Polizeiunterkunft Düsseldorf- Nord bnrchgesührt, da sich der SchwurgerichtSsaal im LandgerichtSgebäude als zu klein erwiesen hat. Von den weit über 100 Pressevertretern, die angemeldet wurden. sind 70 zugelassen. Den Vorsitz führt Landgerichts- dircktor Rose, dem als Beisitzer die LandgerichtSräte WenderS und Dr. T c n n a r z zur Seite stehen. Unter den sechs Geschworenen befinden sich ein Stadtbaurat, ein Vahnbeamter und vier Handwerker. Die Anklage wird vertreten von LberstaatSanwalt Dr. Eich und Staats- anwaltschaftsrat Jansen. Tic Anklageschrist umfaßt 217 Seiten. O ffizialverteidiger des Angeklagten ist Rechtsanwalt Dr. Wehncr-Tüsscldorf. Kürten wurde durch eine Seitentür inS Verhandlungsgebäude geführt, so daß die vor dem Haupteingang versammelte Menschen- meng« vergeblich auf sein« Ankunft wartete. Kürten nimmt aus der Anklagebank Platz. Cr sitzt mit dem Rücken gegen die Zeugen und ist gut gekleidet. Die lange Unter- fuchungshait ist ihm kaum anzumerken. Sein stechender unsteter Blick fällt sosort aui. Kurz darauf erscheint der Gerichtshof mit den Geschworenen. Nach der Vereidigung der Geschworenen verliest der Vorsitzende, Landgeriäitsdirektor Dr. Rose, den Erösfniingsbeschlutz. in dem die Toten Kürtens einzeln ausgeführt sind. Dann werden die Sachverständigen ausgerufen und zwar ist van der Staatsanwaltschaft noch Sachverständiger Dr. Kreuz nachträglich geladen worden, gegen den der Verteidiger keinen Einspruch erhebt. Der Vorsitzende fragt dann Kürten, ob er sich zu der An- klage äußern wolle. Das bejaht der Angeklagte. Er ist ziemlich nervös und hat' sich Unterlagen mitgebracht. Es dauert jedoch immerhin ein bis zwei Minuten, ehe er beginnt; anfangs stockend und mit sehr leiser Stimme. Er ist am 26. Mai 1883 in Köln- Mülheim geboren als Sohn des Formers Pctcr Kürten. Bei seiner Geburt lebte nach eine ältere Schwester. Dazwischen waren nach zwei Ästider. die ober inzwischen verstarben sind, so daß er der älteste Sohn war. Die Bestätigung der vom Vorsitzenden an Kürten gerichteten Fragen erfolgt jedesmal durch ein kurzes, kaum vernehmbares Ja des Angeklagten. Der Angeklagte bittet dann durch seinen Verteidiger während der Vernehmung sitzen bleiben zu dürfen, was ihm auch erlaubt wird. Mein Vater ist in Kalt geboren, meine Mutter ist vom Lande in der Nähe von Essen zu Hause. In den ersten Iahren meiner Jugend hoben wir in Mülheim am Rhein gewohnt. Bevor ich schulpflichtig war, sind meine Eltern häufig hin und her gezogen und zwar mit Rücksicht aus die Trunksucht meines Vaters. Es gab mit den Hausbewohnern häufig Zerwürstiisse und Meinungsoerschiedercheite» in der Familie. Das hatte des öfteren Wohnungswechsel zur Folge. Mein Vater war öfter so b e- trunken, daß man buchstäblich sagen konnte, er war betrunken wie ein Vieh. Mein Voter hatte Anfang der 00er Jahre, wo ich die ersten Jahre die Volksschule besuchte, kleine Gefängnisstrafen zu verbüßen und war deshalb mehrfach von Haufe abwesend. Infolgedessen herrschte große Rot. War mein Vater zu Hause an- wefend, mißhandelte er nicht nur die Mutter, sondern auch die Kinder. So ist es zu erklären, daß ich im Alter von acht Jahren auf drei Wachen von zu Hause fortgelaufen bin. Geschlafen habe ich in dieser Zeit in einem Möbclloger, oder in einer alten Sägemühle. Ich habe von regelrechtem Straßenraub gelebt, bi» mich die Polizei ousgegrissen hat. Und damals bin ich mit knapper Rot an der Erziehungsanstalt vorbeigekommen. Einige Jahre später, etwa um 1805 herum, sind wir nach Düsseldorf gezogen. Mein Vater hatte hier in einem Fabrikbotriebe Arbeit bekommen. Unsere erste Düsseidorser Wohnung befand sich in Grofcnbcrg, aus der damaligen Wrasenberger Chaussee. Zlls Kürten etwas stockt, fragt der Vorsitzende d-rzwischen: Sie besuchten nun weiter die Volksschule und kamen gut mit? Kürten: Jawohl; ober es waren nur noch vier Klassen der Volksschule. Wir waren zu zehn Kindern, und da war es manchmal recht traurig zu Hause bestellt. Wenn der Boter nicht zu Hause war, weil er vielleicht eine Strafe verbüßen mußte, manchmal auf längere Zeit, ließ sich denken, daß es die Mutter mit zehn Kindern nicht leicht hatte. Ich möchte aber sagen, daß, wenn der Voter zu Hause war. die Not, Schande und Schmach manchmal noch größer waren, da der Vater immer einen Teil seines Geldes vertrunken hat. Dann war es in der Schule so, daß ich zu dieser Zeit schon geächtet war. Die Kinder, andere Mitschüler und Mitschülerinnen zeigten mit Fingern auf mich wegen des Lebens- wändels meines Vaters. So habe ich mich dann in den letzten Jahren meiner Schulzeit freiwillig von allen anderen Mitschülern isoliert. Der Vorsitzende fragt: Es kommt da ein Crinnerungs- fehler bei Ihnen vor. Zu dieser Zeit ist Ihr Vater mit Zuchthaus noch gar nicht bestraft worden. Das war erst während Ihrer Lehrzeit. Kürten wiederholt, daß ihn die Kinder wegen des schlechten Lebenswandels und der Geiängnisstrafen seines Vaters geächtet hotten. Nach meiner Schulentlassung, so fährt Kürten fort, bin ich auf der gleichen Fabrik wie der Dater beschäftigt gewesen und wollte dos werden, was mein Voter war. Vors.: Ihr Vater ist wegen Blutschande mit seiner eigenen Tochter mit einem Jahr Zuchthaus bestraft worden. Sjx blieben weiter aus der Lehrstelle und waren von der Gnade anderer Menschen abhängig, die Ihnen hin und wieder etwas schenkten? Kürten bejaht das. Kürten schildert dann eingehend die häuslichen Verhältniss". Er malt immer wieder mit Nachdruck und nicht ohne rednerisch« Ge- schicklichkcit dos wenig erfreulich« häusliche Milieu aus. Wenn der Vater, was sehr häufig geschah, betrunken noch Hause kam, hat er erst die Mutter und wenn diese geflüchtet war, ihn als den ältesten Jungen mißhandelt. Sein Vater hat auch Sonntags mit ihm in einer Gießerei, die er im Keller eingerichtet hotte, ge- arbeitet. Er habe andere Kinder immer mir vom Kellerloch aus spielen sehen. Das sei natürlich aus seine seelische Verfassung nicht Parteitag für Brandenburg Breitscheid spricht über die Politik der Fraktion Der Bezirk Brandenburg-Grenzmark der Sozial- demokratischen Partei hielt am Sonntag im Londtagsgebäude seinen diesjährigen Bezirkvparteitag ab. Der Vorsitzende, Genosse Stahl, widmete dem verstorbenen Parteiführer Hermann Müller und den anderen Im Berichtsjahre verstorbenen Funktionären und Mitgliedern ehrende Nachrufe. Ueber das Thema: „Die Ausgaben der Partei nach der Reichslagswahl" sprach Reichstageabgeordneter Dr. Breilscheid, der zunächst der Mei- ming Ausdruck gab, die Reichstagsfraktion habe sicher im Sinne der Gesamtpartei gehandelt, als sie im neuen Reichstag die Nationalsozialisten von jedem direkten und indirekten Einfluß auf die Politik ausschloß. Breitscheid wandte sich dann bei der Betrachtung der politischen Geschehnisse scharf gegen die bürger- lichen Partelen, die der sozialdemokratischen Fraktion die Tolerierung des Kabinetts Brüning wahrlich nicht leicht machten. Trotz dieser parlamentarischen Schwierigkeiten gelang es uns, die Grundzüge unserer Politik durchzusetzen� Wir erhielten dem Parlament die Arbeitsfähigkeit, wir konnten die demokratische Auffassung lebendig erhalten und dem Reichstag das Etotsrecht sichern. Schwer war der Entschluß, bei der ersten Rate des Panzerkreuzer» sich der Stimme zu enthalten, doch war die Frage rein politisch zu werten. Sollten hier durch unsere Haltung alle Gefahren, die wir seit den Wahlen abgewendet hatten, wieder heraufbeschworen werden, sollten die Kommunisten herrschen oder die Rechtsradikalen als Retter Deutschlands auftreten können? Breitscheid wandte sich scharf gegen die Disziplinbrecher in der Fraktion: Niemals sei es zu billigen, daß Fraktionsmitglieder gegen die Beschlüsse der Fraktionsmehrheit stimmen. Wer in eine parlamentarische Fraktion»intrete, begebe sich von Anfang an in gewissem Maß« seiner Selbständigkeit, er kann nicht mehr auf der Durchsetzung seines persönlichen Willens bestehen, müsse vielmehr die Beschlüsse der Mehrheit anerkennen.(Lebhafter Beifall.) Nach der Vertagung des Reichstages sei eine Etappe erreicht, aber kein Ziel. Durch die Politik der sozialdemokratischen Fraktion sei Deutschland vor dem Schicksal Italiens bewahrt geworden. Aber noch lastet die furchtbare Wirtschaftskrise auf dem Volk. Da erheben wir die Forderung nach Einführung der 4. Montag, 13. April. Berit«. 16.03 Johannes R. Becher liest neue Gedichte. 1G.30 I. Delins'; Sonate für Cello und Klavier. 2. Haas: Lieder. 3. Schumann; Märchenbilder für Klavier und Bratsche, op. 113. 4. von Hausejcer: Dref Gesänjc iür eine Sinsstimme, Bratsche und Klavier. 5. Popper: Zwei Stücke für Cello und Klavier.(Elly Hartwig-Correns, Alt; Willy Fiala, Bratsche; Gottfried Zeelander, Cello: Flfleel: Waldemar von Vultü.) 17.30 Das deutsche Turn- und Sportabzeichen.(Dr. Artbor Jensch.) 17.50 Lorenz Breunie: Interessen vertretunz der Arbeiterschaft. 18.15 Maurice Chevalier(Schallplatten). 18.40 Dr. Gustav Stolper: Krise und Währunr. 19.05 Mandolincnorcbester-Konzert. 20.30 Interview der Woche. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Orchesterkonzert. Dirigent: Dr. Friedrich Weismann. I. Mozart: Sink. C-Moll(K.-V. 351). 2. Schubert-CassadÄ: Konzert für Cello und Orchester. (.Vach der Arpeggionesonate.)(Qaspar Cassado, Cello.) 3. Rieh. Strauß: Don Juan, sinfonische Dichtung.(Berliner Funkorchester.) 22.15 Wetter-. Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. 23.00—0.30 Literarische Sonderveranslaltung:„Der Tag des Ulysses". Querschnitt durch James Joyces„Ulysses". Manuskript: Iwan Göll und Kurt Hirschfeld. Ltg.: Edle! Kuppen. Köulgswnsferhanse*. 16.00 Dr. Gerhard Lehmann: Pädagogische Theorien der Gegenwart. 17.30 Erik Landberg: Schwedische Volkslieder. 18.00 Dr. Job. Günther: Satzzeichen. 18.30 Prof.. Dr. Hans Lfetzmann: Anfänge des Christentums. 19,00 Englisch für Anfänger. 19.25 Ober-Reg.-Rat Dr. lichter: Vorteil der gesetzlichen Kennzeichnung der Eier. 19.45 Ob.-Ing. Nairz: Sie fragen, wir antworten. 20.00 Leipzig; Sinfonie-Konzert. 21.25 Breslau: Ursendung;„Kleine Anzeigen". 22.10 Breslau: Kompositiopsauftrag der Schlesischca Fujikstunde. ,22.30 Wettet. Nachrichten und Sport.■ isütranftBOtioffir Ate R'daktion:«eOett ScyMe,«Witt;«njeigrn:*».«locke. Berlin,»erlag: B-rwärtz«erlag G. m. b. S.. Berlin. Druck: B°rwSr:e Bur» druckeret und Derlogsaustalt Daul Singer& Co..«enin CW 68, Sinhcutttofie 3. Bierw 1 Beilage._ Krankentransporte führen auch K o p p s ch e Krankenwagen aus. Bestellungenannahme in den Apotheken oder Zentraldepot Sammeln. D. l— Norden 3422— ärztl. Bescheinigung genügt— IIP.». I", Säest. 2, 5, I>« tticlin. 54 Pf. Ms 1.- M. tHts V kil 2.. M. lleiisear UM Tast.Komtk.fiEtisj Hans Knltichar Musar Jas4— Oklto und vettere Altrattli Winter • Garten• 815Dhr. lentr. 2811 Wen erimbt. Dayelma «.211. Vernon, RfoStatß ManmDa Ballett. Hartvells, Bandi GROSSES SCHAUSPIELHAUS Täglich 8 Uhr; Im IMUMII UUI. Stß. nachm. 3 Uhr Orlginalbcsetzung billige Preise Regie: Erik Charetl. ROSE THEATfeR Ton Montav bis Frelta* SonnaNnd vW Eratanffuhrang für Berlin| 'o/ta cJallie, die sich oßi e nennt (This thing called love) Amerikanische Komödie von Edwin Burk« Kegle: Pnul Rose , Eine splendide Aufführung mit vorzüglichem | Ensemble"(4 Uhr Al>tnJH.) ,Jn Amerika vierhun- [ dertmalgespielt"[Tempo)| „Donnernder Beifall" (Vouisctu Ztizung)\ | Abeadpreiae v. O.SO— 3 M Große Frankfurter Straße 13a U-Bahn Strausberger Platz I f Vorverkauf tfiglich 1 l von 11-1 Uhr und 4— 9 Uhr | Tel. Besteßc-iAkz. 3*21 u. 3494| VolKsbUhne TMitr Jtn BSIarplafi. 8 Uhr Die beiden Adler Staat). Schiller-Iii. 8 Uhr Nafhan der Weise Staatsoper Am Pl.d.Republik 8 Uhr Madame Bnflerliy Deotsdies Uieatei 8 Uhr Der Hauptmann von RSpenidt . Carl Zutkmayer Regie: Heinz Hilpert Die Komödie S'.'a Uhr Natalie v Iwan Turgenjew Rsjii: Iwan Schmith BaroovskHOhnei Theater lo der Sircscmaans». Täglich SVs Gestern n. üenfe Schauspiel von Christa Winsloe Komödianhaua Täglich S1/* Uhr Eins königliche Familie Kleines Iheat. Täglich 8 Vi Uhr Erika GliBner Oer still« bempaanon I lushpel tm in Leu, Neues Theater —— am Zoo» ImBilmt. Zus. StpLES54 Täglich 8Vs Ohr Ueber 125 Mal: von Max Alsberg u. Otto F.rnst Hesse Merd. Westens Täglich 8-/4 Uhr Dos Und des Ucheins. Preise- 1—9 M. komische oper S'.t Uhr Alt- Heidelberg lüde Ettglisdi. Westemeiir, Li Mortis, Poliert Insiw-Tieatei Täglich 8>« Uhr Husarenfieber fludlo Thielscher, Kastner, ArnstSdt, Vespermann Theater im Admiraisoaiast Täglich S'.'s Uhr Der lustige Krieg Ohmann, Ahlers, Trautenhayn a G. »am Bahrstielei Reitstiefel braun, schwarz 29.50 motorradsttefel 22.50 25.50 Ulanflerstlelel, wetterfest, 11.50 13.50 15.50 Alle Sorten Sport-, Jagd-, Rott-, Berufsstiofel ffl. Bttlar Berlin SW19 Spitfelsnarkt 7 fror der Brödal Mtrkgr(7)1 PreUilste gratis .KoblankiD). 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Es bereitet mir Müh«, mich daran zu erinnern, daß wir beide einmal durch unsere Heide gegangen sind, daß tagsüber honiggelbe Sonne auf weißen Birkenstämmen lag. die sich im dunklen Grabenwasscr spiegelten und da, wo sie schräg übers Wasier hinwuchsen, im Doppelbild wie riesenhafte, halbgeöffnete Zirkel erschienen: daß ein roter Schein über der Weite der Heide lag—, und blauer.Himmel mit Wolken wie Watte—, und nachts ein Mond wie verknittertes Silberpapier, dos ein spielender Knabe verlor--- Es liegt so weit zurück, daß wir nachts einsam auf der Dorfstroßc standen und dem Geheul der Hunde lauschten, den Glockcnschlägen der Turmuhr, die sich losrissen wie reise fruchte—, dem Pfiff der Lokomotive, der lockend klang und von weit hinter dem Walde herüberkam... Ich niußte fort von Dir und fuhr nach Berlin. ./Ilexanderplai* Ich stand auf dem A l e x a n d e r p l a tz. Die Autotaren spritzten an mir vorbei. Vom Bahnhof tönte das Donnern der ein- fahrenden Stadtbahnzüge herüber. Die Straßenbahnen kreischten in den Kurven. Mein Blick fing sich an Bauzäunen und flatterte über das aus dienstfreien Beamten, einkaufenden Haus- frauen, aus den Geschälten kommenden Angestellten, strichende» Mädchen mit ihren Zuhältern und Leuten mit Wochenbärten, ein- gefallenen Wangen, zerlumpten Kleidern bestehende Publikum, das sich aus der Münzstraße auf mich zuwölzte. Ich hotte in jeder Hand einen Koffer und stand hilflos da. Neben mir wurde gebuddelt. Das sah aus, als würde an einem Riesen eine Bauchopcrotion voll- zogen: die Eingeweide waren bloßgelegt, und die Aerzte liefen mit Preßluftbohrern, Schneidbrennern und Spitzhacken zwischen dem Gewirr der Kabel und Rohrleitungen umher, beobachtet von einer Schar Gasscr. Vor den Bierquellen und Schnellimbiß- st u b e n der Münzstraße lockten die Preistafeln, in den Schau- senstern lagen gebrühte Schweinsköpfe, Buletten garniert, Hackepeter, Koteletts und Würstchen. Bon den Kinos mit ihren grellbunten Aushängeschildern schollen die Stimmen der Ausrufer und dos Ge- klimpere der Leierkästen herüber. Die Abendzeitungen wurden an- geboten:„Der Abend"—„Tempo"—„�-Uhr-Abendblatt"— „Nachtausgabe". Dazwischen: Die gut« Solinger Rasierklinge A-Ha be, 10 Stück 50 Pf.!— Weltmogozine zum Aussuchen, jedes Heft 20 Pf., nur 2 Groschen!— Em Witzbuch und ein Schlagerbuch, beide zusammen 10 Pf., nur'n Iroschcn! In den strahlenden Schau- senstern von T i e tz drehten sich ununterbrochen Lichtsterne und warfen magische Reflex« auf die Pyjamas, Seidenstoff« und taillierte Sackas anhabenden, gleichgültig dreinschauenden Wachspuppen. Meine Augen nahmen wahr: einen Herrn, der ungeheuer vornehm aussah: Leute, die, ihre Ballonmützen tief ins Gesicht gezogen, an den Häuserwändcn lehnten. Der Untergang einer Welt sprach aus ihren Augen; sie guckten, als könnten sie in genügend dunklen Winkeln jedem beliebigen Menschen die Gurgel zudrücken. Andere linztcn sehnsüchtig noch den in den Schaufenstern ausgelegten Lebensmitteln: welche sprachen Straßenmädchen an. Leute von un- bestimmtem Aussehen wollten meine Koffer kaufen. Ostjuden mit fiorkziehcrbärten, schivarzcn Hüten und fleckigen Koftanen gestikulierten mit den Händen. Die Busse brummten wie Hummckn. Mich fror. Ich hätte am liebsten geheult und wäre davon- gelaufen. Noch Hause. Ich dachte an den Ausrufer, der bei uns die Togesneuigkeften ausruft... Jnt Strudel de* terkehrs Als ich den ersten Schritt in den Berliner Straßenverkehr tot und von dem Trubel aufgesogen, einfach mit weg- gespült wurde, da fühlte ich sofort: das ist etwas Fremdes, etwas deinem Wesen, deinem Innern Zuwideres, dieses Berlin. Ich war wie betäubt, mir wurde übel. Woran das lag, weiß ich nicht, ob es das Tempo allein war, das viel schneller als in dem doch auch lebensgefährliches Pflaster habenden Hamburg ist. ob es die grauen, trostlosen Fassaden waren, mit dem Stuckkitjch, den fackelhaltenden. undefinierbaren Figuren, die fleckigen Brandmauern... ich weiß es nicht. Alles bedrückte, erdrückte mich. Du weißt, wie ich nach Berlin ging, voll fiebernder Erwartung: Berlin! Es ist nicht leicht zu sagen, wie ich Berlin erwartete. was ich erwartete. Ich hatte mir die Hauptstadt als ein« Stadt voll Glanz und Licht vorgestellt, mit pathetisch hingeschmetterten Plätzen, mit Häusern voll Würde und Stolz auf altpreußische Tradition sworüber ich mich dann lustig zu machen gedacht«), kurz und gut, vor ollem: ungeheuer repräsentativ, jeder Zoll des Reiches Hauptstadt,— und ein Konzentrationslager der in Deutschland ver- mutlich nie aussterbenden Mittelmäßigkeit, von der die kulturelle und politische Stellungnahme des Durchschnittsbürgers bedingt ist: Mittelmäßigkeit, in Berlin, wie ich glaubte, durch Bonmrts auf Geist zurechtgemacht: und dann: Berlin ein bißchen frivol, ein wenig lasterhaft und gefährlich...(Das sind doch die Vorstellungen, die wir von Berlin hatten.) Ich erfuhr in wenigen Tagen, daß alles nicht so war. Berlin ist nicht glanzvoll, es ist grau. Gewiß gibt es Plätze und Denkmäler, die in ihrer Auigeblosenheit und Gespreiztheit an die Vergangenheit als wilhelminische Residenzstadt erinnern, es gibt Kunstmarmorvestibül« selbst im Hinterhaus— ober altpreußische Tradition mußt Du in Potsdam suchen. Die Linden, die Gegend um das Schloß, zählen nicht. Die Plätze und Denkmäler machen nicht dos Wesentliche von � Berlin aus, das sind d i« Fabrik- und Kontorgebäyde in Siemensstodt, die Warenhäuser, die modernen Riesenbauten aus Eisenbeton und Glas, die Stahlkonstruktion des Funkturmes, der Flughofen. Der Kunst- mormor beginnt speckig zu werden, Stuck und Putz bröckeln ob, und hinter den Prunkiasiaden leben Arbeiter, Angestellte, Beamte, Hand- »nerker... und Arbeitslose. Nirgend? gibt es in Deutschland ja viele gute Zeitungen, wie in Berlin. Und lasterhaft? Berlin schreit: Keine Zeit, keine Zeit! Deshalb sind die Amüsierbetrieb« für die Provinzonkcls da. Die darin betriebenen Laster sind nicht Hand- fest, nicht echt. Sie sind nur Surrogate, Schein eines Scheines. Das sieht man und lacht sich eins. Die Lister grassieren hier in Privat- zirkeln. Und um die kennenzulernen, muß man gewiss« Jeitungs- anzeigen aufmerksam lesen... Ueherrafehungeu Ich entdeckte, daß Berlin 100 Gesichter, 1000 Masken und ein gutes Bäckerdutzeud verschiedener Stilarten hat. Du stehst vor der Rikoloikirche. Du gehst durch die Sicberstraße: hinter halb- offenen Haustüren von niedrigen Häusern gähnen geheimnisvolle, dunkle Flure. Ein Geruch von Aepseln, die lange lagerten, kommt heraus. Ein Schlosser hat einen kunstvoll gearbeiteten schmiede- eisernen Schlüssel über seiner Haustür hängen. Du glaubst in einer Kleinstadt zu sein. Du würdest Dich nicht wundern, in der nächsten Gass« Bachsteingotikhäuser zu finden, wie sie in Lüneburg auf dem„Sande" stehen, mit den Giebeln der Straße zugewendet. Dem ist nicht so: Du findest einen Warenhauspalast, in dessen Fenstern Sturzbäche von Seidenstoffen sich ergießen, Wochcnend- Häuser aufgebaut werden. Du kommst zum Alexander- platz... Oder— Du bist am W« st h a f e n. Du meinst in Hamburg zu sein: an einem der Binnenhäfen mit den„halben Rundstücken" (Ewern), den„Äppelkähnen"(Schuten). Die Barkassen flitzen. Da hinten müssen doch die Seehäfen sein, da wird die„Cap Polonio" liegen, der„Antonio Delfina", die.„Hamburg". Sic liegen nicht da. Plötzensee, die Strafanstalt ist da. Luxusautos flitzen den.Kurfürstendamm entlang. Die Licht- reklamen leuchten grell an der Gedächtniskirche. In den Schau- senstern der teueren Geschäfte liegen die neuen Frühlingsmodelle aus Poris. Menschen, für die das. Wort„arbeitslos" cm Fremdwort ist, flanieren durch die Straße— und doch! Die Luxusautos sind meistens nicht bezahlt, die Lichtreklamen blitzen vor leeren Häusern, und an den Frühlingsmodellen hängt das Schild„Ratenbezohlung!" Es kriselt auch am Kurfürsten dämm! Der äußere Glanz ist immer noch da, aber er kommt einem vor wie die Schminke einer alten Frau, die Runzeln verbergen möchte. Aber die Krise dieser Luxusstraße kann man mit ruhigerem Herzen be- trachten: Die Bewohner des Kurfürstendamms verlieren durch die wirtschaftliche Rot nicht wie Millionen andere das Brot, nicht ein- mal die Butter vom Brot, vielleicht verschwindet nur der Kaviar. * Wenn man von Halensee bis zur Ioachimsthaler Straße den Kurfürstendamm entlang geht, dann sieht man kaum eins der Pracht- gebäude ohne das Schild: g bis 10 Zimmer, cuxuswohnong. per sofort zu oermieten. In jedem Hause sKht mindestens ein« Wohnung leer. Viel« Häuser haben unter acht Wohnungen nur bis drei besetzt. Am ersten April stampften die Möbelwagen durch den Kurfürstendamm, olles zog fort. Niemand kann mehr die hohen Mieten bezahlen. Die Möbel oersucht man zu verkaufen. weil die früheren Kurfürstendammer jetzt Wohnungen von nicht über fünf Zimmer beziehen. Die Hauswirt« setzen die Mieten b i s zu 40 P r o z. herab, um die Flucht abzustellen. Es hilft nichts. Di« leeren Wohnungen zu vermieten ist ausgeschlosien. Jetzt ver- sucht man aus den Zehnzimmerwohnungen drei kleine Dreizimmer- Mahnungen zu machen und sie einzeln zu vermieten. Andere Haus- wirte machen aus ihren leeren Wohnungen Pensionen: es fehlt bloß an Gästen! Die Hotels am Kurfürstendamm stehen leer. Es werden nur die kleinen billigeren Zimmer oermietet. Die Fremden kommen heute ohne ihre Frauen noch Berlin. Gleich nach Erledigung ihrer Geschäft« gcht es nach Haus« zurück, um Aus- gaben zu ersparen. Menschen, die früher kamen, um sich Berlin anzusehen, soll es heute nicht mehr geben. Di« kleineren Hotels haben noch Gäste, das sind die, die früher in den großen Luxushotels wohnten. Die früheren Gäste der kleinen Hotels sind schon lange in die billigsten Pensionen geflüchtet. Die C a f 6 s sind noch immer gut besetzt. Die Besitzer aber klagen: „Ja, die Leute kommen: sie essen und trinken aber beinahe gar nichts." „Leute, die früher leicht S M. ausgaben, nehmen heute nie mehr etwas über 1 M. Wir sind gezwungen, Kasse« in einzelnen Tassen zu servieren, weil kein Mc.isch ein« ganze Portion be- zahlen will." Und von den Besitzern teuer st er Luxuscases und Tanzlokale kann man hören: „Jeder Pfennig wird heute gewendet, bevor er ausgegeben wird. Dir mußten die Preise bis zum äußersten herabsetzen. Unsere beste Stammkundschaft bleibt zu Hause. Es kommen Fremde, die zwar alles sehen, aber nichts verzehren wollen. Die Leute aus Berlin kommen nur, wenn sie ihres Kredites wegen gesehen werden wollen. Dann nimmt hier und da sogar jemand Champagner, wie einst." „Die beste Tanzkapelle, das beste Programm, die schönste Be- leuchtung— nichts brinzt heute die Leure in Stimmung. Man fühlt Die„amerikanischeste Stadt Europas" kam mir vor wie ein Konfirmand, der in Vaters abgelegtem Anzug steckt, in den hinein- zuwachsen er verzweifelte Anstrengungen macht. Täppische Versuche, durch Hochhäuser. Rolltreppen und Sodafontänen New Port nach- äffen zu wollen, jeden Hökerladen zu überorganisieren... Ich fand Berlin stillos. Ich konnte keinen Kontakt mit Berlin be- kommen, ich verstand den Pulsschlag nicht. Viel Späler... Viel später habe ich alles kennengelernt: als ich down war, im Obdachlosenasyl saß. in den Höfen die Drehorgel spielte. In den trostlosen, engen Höfen mit schmutzigen Wänden, von denen der Putz abblättert, in deren Ecken Afchcnkübel stehen und Kinder spielen. Hier lernst Du Berlin kennen, so/ wie Zille es gemalt hat. Hier findest Du Leute, die Zeit und Verständnis für Dich hoben, die ihr Letztes mit Dir teilen. Diese breiten Voulevards des Nordens nut ihren Käufhäusern, Kinopolästcn und fliegenden Händlern, mit ihrem Getriebe an Sonnabenden, diese Masse von Arbeitern, kleinen An- gestellten in fadenscheinigen Mänteln, die Frauen, die alle vergrämte Gesichter haben, selbst die jungen Mädchen schon sehen trotz ollem sex appeal irgendwie verhärmt, müde aus—: das ist Berlin. Stadtreifende mit Musterkoffern, die Schultern hochgezogen, die Hände in den Manteltaschen verkrampft, den Oberkörper vor- geneigt— so jagen sie dem bißchen Geld nach, dos sie zum Leben brauchen— offenborten mir den Rhythmus von Berlin. Das Verständnis ist über Nacht gekommen, und heimlich ist Liebe daraus geworden. Jawohl, ii�i liebe dieses Berlin! Und deshalb versinkt olles, was hinter mir liegt: die Heimat... Lirich Prensse. förmlich die Wechselproteste über die Köpfe rauschen. Wir hoben das reichst« Publikum... ober heute— nee, die Gesichter müssen Sie sehen! Bei vielen ist sogar dos Auto ver- fchwunden." Der Oberkellner eines früher bekonnten Nepplokoks ver- zieht die Miene: „Bei uns wird heute am meisten Pilsner getrunken." Ueberall dasselbe Jammern:„Biel Leute, kein Geld!" Die Kabaretts machen gute Erfahrungen mit stark herab- gesetzten Preisen:„Auf das Kurfürftendammpublikum kann mau nicht mehr bauen. Nur mit ganz volkstümlichen Preisen können wir uns halten." Kinos sind bei guten Bildern immer gut besetzt. Das Publikum scheint von den teueren Theaterplätzen in die billigeren Kinos geströmt zu fein. Die Krise am Kurfürstendamm hat nicht nur die Hausbesitzer, Cafes, Tanzlokole und Restaurants, fondern auch die Geschäfte des ganzen Viertels ergriffen. Diese Geschäfte, die auf den Luxus angewiesen sind, merken natürlich doppelt die schwer« Lage. Es gibt für sie nur eine Rettung: Herabsetzung der Preise und weitest- gehende Streichung der ausgesprochenen Luxusartikel vom Lager. Das Publikum, das die Luxuswohnungen des Kurfürstendamms fluchtartig oerlassen hat, ist auch für die teueren Geschäfte als Kund- fchaft verloren. ' Der Leiter eines früher als sehr teuer bekannten Mode» salons, äußert sich über die Krise so: „Frauen, die früher ohne mit dem Auge zu zucken b i s tausend Mark ausgegeben haben, geben kein« hundert mehr für ihre Kleider aus. Die alte Kundschaft ist verschwunden. Ratenbezahlung können wir nicht mehr einräumen. Unser« Kundinnen haben den Kredit sehr in Anspruch genommen, seit Monaten aber haben sie Ihre Verpflichtungen nicht mehr erfüllt. Durch die Ratenbezahlung sind die Leute daran gewöhnt worden, über ihre Möglichkeiten zu leben! Viele Frauen haben die teuersten Toiletten erworben, natürlich auf Kredit, während ihre Männer schon in Konkurs waren. Jetzt verkaufen wir nur geg«n bar und die Kundinnen sind sehr sporsam geworden." Andere Modegeschäfte jammern, daß die Kundschaft geschlossen zu den kleineren Schneiderinnen abwandert. Die Mieten glaubt trotz aller Herabsetzungen kein Geschäft mehr zahlen zu können. So kracht und wackelt es an allen Ecken und Enden in der Hochburg des Luxus. Interessant sind die Beschreibungen des Direktors eines der großen Delikotesiengeschäfte. Kaviar geht überhaupt nicht mehr. Wenn die Leute taufen, dann Heringssalat und Radieschen. „Leider," sogt der Geschäftsführer,„sind wir gezwungen, noch immer ganz ausgefallene und teuere Delikatessen zu führen. Kein Mensch tauft sie. Nur ab und zu fremde Gesandtschaften und sonstwer, der zur Repräsentation gezwungen ist. Schwalbennesten Raketenschuß und-flug ver» kehrstechnisch praktisch verwerten zu können. Die Erfindung de» Osnabrücker Ingenieurs Reinhold Tiling, des verdienstvollen früheren Leiters des Osnabrllcker Flugwesens, ist hierin als bahn- brecheno zu bezeichnen. Nach jahrelanger stillen Arbeit ist ihm der »echte" Raketenslug, wenn auch noch in Modellform, gelungen, der echte Raketenslug, dem das schwierige Problem zugrunde liegt, Hochgeschwindigkeitsflug mit sicherer gefahrloser Lande- Möglichkeit zu verbinden. Die schwierige Lösung ist ihm in doppelter Art gelungen. Einmal in Form des geschoßähnlichen Kraftstugs verbunden mit segelflugähnlicher Landung und zum zweiten in Form des geschoßähnlichen Krastflugs, verbunden iyit für tote Lasten unschädlicher fallschirmähnlicher Landung,«Miei Fallschirm oder ähnliche Hilfsmittel keine Anwendung finden. Tiling geht von dem Gedanken aus, den Roketenflugkörper erst nach Beendigung des Kraftslugs zum eigentlichen Flugzeug zu ent- wickeln, so daß letzterem nur die Aufgabe des Landens zufällt. Ein Gedanke, dessen Richtigkeit er bezüglich der praktischen Ausführbar- keit durch zahlreiche praktische Versuche nachweisen konnte. Etwa nur die Hälfte des zurückzulegenden Flugweges braucht hierbei unter Kraft zu erfolgen, da die andere Hälfte durch den Hochleifwngsflug überbrückt wird. Ferner leitete ihn der Gedanke, den Raketenslug- körper bis dicht an das Ziel heranzubringen und ihn dort fallschirm- ähnlich aus geringer Höhe landen zu lassen. Die erste Methode ist die Vorstufe zum Menschenslug, die zweite zum Po st flug. Durch seine hochwertigen Raketen ist Tiling schon jetzt in der Lag«, Höhen von mehreren tausend Metern und Entfernungen von sieben bis zehn Kilometern zu erreichen. Tiling beabsichtigt, der breiten Oeffentlichkeit demnächst durch Lichtbildervorträge und Vorführungen seine Erfindungen zu unter- breiten. Mit der Krattpost in 2000 m Hohe Der Kampf gegen den FrühHngssdmee auf den Alpenpässen Die Alpenstraßen. über die der Nord-Süd-Weltverkehr mit Pferdefuhrwerken stattfand, schieden durch den Eisenbahnbau aus dem Transportwesen aus und lagen teilweise jahrzehntelang brach. Zwar verkehrten auf ihnen Pserdepostwagen für den Pcrsonenver- kehr der Fremden und der wenigen Bewohner in den durch Aus- Wanderung entvölkerten Hochalpendörfern. Ader diese gewaltigen Kunstbauten, deren Herstellung heute im Zeitalter des Autostraßen- baue Hunderte von Millionen kosten würde, wurden und konnten nicht ernstlich ausgenutzt werden. Erst der Kraftwagen brachte hier neues Leben. Erwiesen sich aber schon die überkommenen Chausiecn und Landstraßen dem Kraftverkehr kaum gewachsen, so erst recht die steilen kurvenreichen Alpenpässe. Und doch gelang es mit wenig Aufwand, sie dafür geeignet zu machen. Die betreffenden Poswerwaltungen— die Schweizerische Ober- posUurektion und zum Teil auch die Oesterreichische Post— ließen Omnibusse bauen, die den modernsten Ueberlandfahrzeugen der BBG. für die Fahrten in die Mark äußerlich ähneln, aber so konstruiert sind, daß trotz der großen Länge des Wagenkastens auch scharfe Kehren spielend genommen werden können. Natürlich ist die Fahrgeschwindigkeit aus den schwindelnden Partien der Hoch- olpenpässe mit teilweise mehreren hundert Meter tiefen Abstürzen gering— 10 bis 20 Stundenkilometer. Das ,st kein Nachteil, weil es sich um reine Aussichtsstrecken� handelt. Für den Naturfreund haben diese neuen Pfade durchs Hochgebirge insofern Jnteresie, als es dem Motorradfahrer möglich ist. die Alpen mit dem geringsten Auswand an Zelt und Geld kennenzulernen, ebenso billig zu leben wie der Fußwanderer, in wenigen Tagen jedoch die be- rühmtesten Täler und Päsie zu besuchen. Lassen sich doch dabei mühelos Vorräte für mehrere Tage— und Zelte mitführen, so daß der Reifende von der Fremdenindustrie ganz unabhängig ist. Im Frühsommer werden die Schweizer Alpenstraßen für den Kraftverkehr geöffnet. Zu dieser Zeit liegen die oberen Partien teilweise noch unter metertiefen Schneedecken, die so kompakt sind, daß der S ch n e e f l u g, ja manchmal auch die im Betrieb so kostspielige Motor schleuder dieser weißen Barriere nicht Herr werden. Das biologische Werkzeug, das noch keine Maschine er« setzen kann— die menschliche Hand— schafft die Fahrbahn. Er- werbslosen-Kolonnen werden eingesetzt, die in mühsamer Schaufel- arbeit die Alpenstraßen vom Schnee befreien. Im Cngadi,» aber, dem 1600 bis 1900 Meter ü. M. liegenden 96 Kilometer langen Hochtal Graubünden und feinen Verzwei- gungen, dauert der reguläre Winterkraftpostverkehr bis in den Mai. Hier werden Motorschleudcr und Motorpflug ständig eingesetzt. Der Motorpflug schiebt die Massen des täglichen oder besser gesagt nächt- lichen Schneefalls beiseite. Die Motorschleuder greift mit ihren beiden Schaufelrädern als„Schneepumpe" die dicht von ihr rechts und links zusammengepreßten Flockenmassen und wirst sie fein zer- stäubt bis zu dreißig Meter weit weg. Wo aber durch Lawinen die Fahrbahn gesperrt ist. was im Gebiet der meist über 2000 Meter ü. M. ansteigenden Paßhöhen gelegentlich der Fall ist, da treten wieder die Schneeschaufler ans Werk, um die Straße im frühen Morgen zu öffnen. ö. L. Vorträge der Woche Der Leiter der Literarischen Abteilung der Reichs-Rundfunk- Gesellschaft, Schlee, spricht Freitag, 17. April. 2054 Uhr, im Bild- und Filmamt. Berlin, Levetzowstr. 1— 3, über das Thema:„Ueber- Windung von Raum und Zeit durch die elektrischen Wellen." Die Funktechnische Vereinigung Berlin veranstaltet Mittwoch, 22. April, 20 Uhr. im Bortragssaal des Film- und Bildseminars, Berlin, Levetzowstr. 1— 2, einen Experimentalvortrag über„Kurzwellenrundfunk und die damit zusammenhängenden Fragen". Refe- renk: Professor Dr. L e i t h ä u s e r. Eintritt frei. Ein staubfreier Mülleimer Staabheie Müllabfahr, das war lange Jahre eine wichtige hygienische Forderung, die— wenigstens in den Großstädten— nunmehr erfällt ist. In der Wohnung selbst aber Ist man bei einem der größten Stauberreger noch nicht weiter gekommen. Unerträglich ist die feine Siaubasche der Briketts in den Oefen. Wirklich gute Resultate sind mit einem Ascheimer, wie ihn die Abbildung zeigt, erreicht worden. Bei ihm wird die Asche im Ofen selbst in den abgeschlossenen Eimer übergeführt, so daß sie gar nicht erst aastreten kann Der abgeschlossene Eimer, der so hoch ist, daß sein oberer Rand ungefähr mit dem oberen Rand der Feuerungsöffnung abschließt, hat vorn oben einen viereckigen Ansah, der sich konisch verjüngt. Diese„Schnauze" wird in den Ofen hineingeschoben and durch die gegenüberliegende große, durch einen Schieber zu verschließende Oeffnung mittels einer besonders langen Schaufel die Asche aus der Feuerung unmitieD bar in den Eimer gebracht. Daß der hierbei entstehende Staub nicht durch diese Oeffnung in das Zimmer heraustreten kann, beruht darauf, daß die Schnauze des Feuerloch infolge ihrer konischer. Form gut abschließt und infolgedessen der Ofenzug durch die vordere Oeffnung und die seitlich noch vorhandenen Spalten der F eucrungsöffnung geht. Sieht man während des Herausnehmens der Asche durch die Eimeröffnungen in die Feuerung, so bemerkt man, wie der feine Staub beim Hineinwerfen im Eimet ein wenig wirbelt, aber durch den entgegenkommenden Zug sofort niedergeschlagen wird. In einfachster Weist erfolgt auch die Entleerung des Eimers in den Müllkasten: ein leiser Druck auf einen kleinen Scherenhebel, und der Boden öffnet sich durch Federdruck. Das Eis verschwindet Man baut Kuhlwagen mit fester Kohlensaure Die bereits seit langem bekannten Vorteile fester Kohlen- säure zur Kühlung von Lebensmitteln gegenüber dem zur Zeit noch am meisten zur Verwendung kommenden Eis haben die Einführung besonders konstruierter Kühlwagen zur Beförderung von Gemüse und Obst zur Folge gehabt. Die Vorteile sind in dem vollständigen Verdunsten der festen Kohlensäure, d. h. in der vollständigen Ueberführung der festen Be- standteile in die Gasform zu erblicken, was bei Verwendung von Eis nicht der Fall ist, da hierbei noch das zurückbleibende Schmelz- waffer beseitigt werden muß. Nach einer Mitteilung in der Zeit- schrift des Vereins Deutscher Ingenieure hat der vierachsige, 13 Meter lange Güterwagen der Dry Jce Corporation of America(Amerika- nische Trockeneisgesellschaft) Behälter zur Aufnahme von 1360 Kilo- gramm Kohlensäure, einer Menge, die je nach der herrschenden Außentemperatur sür etwa 6 bis 15 Tage ausreicht. Einstellbarg, selbsttätige Regler lassen nur die bestimmte Gasmenge, die für das Ladegut als zweckmäßig erachtet wird, in den Wagenraum strömen. Die Regler ermöglichen eine fast vollkommene Gleichhaltung der gewünschten Temperatur: so wurden aus die Dauer bis zu 11 Tagen Schwankungen innerhalb von nur 5 Grad Celsius beobachtet. Was den Einfluß der Kohlensäure auf Gemüse, Obst usw. betrifft, so wurde durch Untersuchungen festgestellt, daß er sich durchaus günstig bemerkbar macht, nämlich die Entwicklung von Bakterien aus den Lebensmitteln oerhindert. Eine Driefschliehmaschine Sic klebt in der Minute 300 Briete zu Die lange Reihe der Büromaschinen wies bisher eine Lücke auf: die peinliche und zeitraubende Arbeit des Verschließens der Briefumschläge mußte nach wie vor auf mehr oder weniger— meistens weniger— appetitliche Weife mit der Hand erfolgen. Diese Lücke wird nunmehr durch eine kleine Maschine ausgefüllt, die alle Brief ohne Rücksicht auf ihr Format verarbeitet und stets nur den gummierten Rand der Umschlagklappen anfeuchtet, so daß eine Be- schädigung des Inhalts oder ein Aufeinanderkleben der Briefe aus- geschloffen ist. Dann stapelt die Maschine die verschlossenen Briefe in der richtigen Ordnung und Reihenfolge, was wieder die Frankier- arbeit erleichtert. Der Arbeitsvorgang der B r i e f f ch l i e ß m a f ch i n e ist der. daß bis zu hundert offene Umschläge durch ein endloses Band gegen einen„Anleger" vorgeschoben werden, der angestoßen wird und jeweils nur einem Umschlag den Weg freigibt. Gemäß der Stärke des Anstoßes, der bei dicken, schweren Briefen stärker ist al» bei dünnen und leichten, stellt sich dieser Anleger automatisch ein: es können also Briese jeder Dicke verarbeitet werden. Das laufende Band bringt den Brief dann zur Anfeuchtevorrichtung, bei deren Passieren die Umschlagklappe so durchgebogen wird, daß nur ihr gummierter Rand mit der Anfeuchtflüche in Berührung kommt: dann wird die Klappe umgelegt und durch eine andrückende Gummi- walze geschloffen Die Maschine hat eine Arbeitsgeschwindigkeit von 300 Briefen pro Minute. Die Briefe werden sauber geschlossen und können nicht mehr durch Aneinanderheften falsche Postwege einschlagen. Serienspiclc in Fußball Spandau 15 schlagt Eintracht 3: 0(1: 0) Das hatte sich wohl Eintracht-Reinickendorf auch nicht träumen lassen, dah sie von Spandau 2 5 geschlagen wurden, Äorweg sei gesagt, daß das Resultat dem Spieloerlaus nicht ent- spricht, die Reinickendorfer waren fast das ganze Spiel hindurch die überlegene Mannschaft. Schußunvermögcn des Sturmes und eine Portion Leichtsinn der chintermanschait verhalf den Spandauern zu diesem Sieg. Allerdings war der Schiedsrichter dem Spiel in keiner Weite gewachsen, Schon in der 0. Minute siel das erste Tor für Spandau. Trotz Reklamation der Reinickendorfer, die glaubten, daß der Schieds- richter Abseits gepfiffen hätte, wurde dieses Tor gezählt. Dann waren die Reinickendorfer stets im Vorteil. Rur vereinzelte Durch- bräche brachten die Spondauer in des Gegners chälfte. Die Reimcken- dorfer machte» hier den große» Fehler, die gesamte Mannschaft nach vorn zu schicke». Da nun die Spandauer auch olle verfügbaren Kräfte nach Hinten zogen, so blieb der Ball in den Beinen hängen. Die wenigen Schüsse, die aufs Tor gingen, wurden stets eine Beute des Spandauer Torwarts. Nach der Pause dasselbe Bild. Wieder war es ein Durchbruch der Spandauer, der zuin zweiten Tor führte. Von da an ließen die Reinickendorfer merklich nach, hauptsächlich im Sturm fehlte jeglicher Zusammenhang. Nachdem auch noch der Mittelläufer der Reinickendorfer und der Mittelstürmer Spandaus die Zuschauerreihen füllten, war es mit Eintracht ganz und gor vorbei. Di« Spondauer verlegten in den letzten 15 Minuten das Spiel ganz in die chälfte Eintrachts. Kurz vor Schluß gelang es dann dem Rechtsaußen der Spondauer, nach einem guten Allein- gang, das dritte Tor zu buchen. Schlußresultat 3:0.— Wenn die Reinickendorfer am kommenden Sonntag gegen Lichtenberg I keine besseren Leistungen zeigen, dann dürste es zu der Wiederholung des 5: 2-Resultates nicht kommen.— Die Trebbiner scheinen nur auf eigenem Platz gewinnen zu können. In Luckenwalde mußten sie sich von der 2. Abteilung der Luckenwalder Turnerschaft mit 5: 3 schlagen lassen.— Der 3. Abteilung der Luckenwalder gelang es, den Bezirk Pankow der FTGL. hoch mit 7: v zu schlagen.— Die Weißense er scheinen sich auf ihre alte Form besonnen zu haben. Der gestrige Gegner Hertha- Luckenwalde wurde mit 2: 0 auf die Heiinrcise geschickt. Auch in den Bezirken gab es interessante Kämpfe. Hoppe- garten gelang es, den Lichtcnbcrger Normannen mit 5:4 die ersten Punkte abzunehmen. Oberspree konnte seine führende Stellung mit einem 7: V-Sieg über FTGB.-Osten befestigen. Wildau und Wacker 30 trennten sich 3:1. Herzfelde gewann gegen Britz 88 2:1. Tempelhof gegen Wilmersdorf 3: 2, Woltersdorf gegen Dahme 8: 0, Luckenwalde V gegen Ruhlsdorf 4:2. Zweite Mann- schaften: Oberspree gegen Osten 6:1, Hoppegartcn gegen Nor- mannia 4: 6, Herzfelde gegen Britz 88 4: 0, Freie Schalle gegen Schöneberg 7: 0, Zehdenick gegen Weißensee 4: 3, Werder 1 gegen Butab 7: 3, Spandau 25 gegen Eintrocht-Staaken 11:6. Luckenwale I Ostdeutscher Auhball-verbandsmeister. Im Feld« spiel zeigte Danzig einen guten Spielaufbau, litt ober vor den Toren an Ueberkombination und den Stürmern fehlte es am entschlossenen Torschuh. Luckenwalde zeigte nach eigenem Eingeständnis sein bis- her bestes Spiel. Der Sturm erwies sich als außerordentlich schuh- sicher. Die Luckenwalder Spieler waren sehr schnell und gewandt, was auf ihr eifriges leichtathletifch'es Training zurückzuführen ist. Resultat: 7:1 für Luckenwalde. In Hamburg siegte Lorbeer 06 bei der Nordwest- deutschen Meisterschaft über Obersprockhövel nur knapp mit 2:1. üanAJoaMU Wedding gegen Süden 6: 4 Der Bolkssportverein W ed d i n g hatte sich zu seincin Werbe- spieltag für die 1. Männermannschaft FTGB.-Süden 1 ver- pflichtet. Wedding eröffnete das Spiel, das sofort in schnellem Tempo begann. In lebhafter Folg« wechselten die gegenseitigen Torbesuche, die aber ergebnislos verliefen. Jnd der 7. Minute er- öffnete der Halbrechte von Süden den Torrcigen und schoß das erste Tor. Dos wurde der Zlnsporn für die Spieler, denn das Tempo wurde nun noch febhaftcr. In der 10. Minute führte der Wedsinger Halbrechte den Ausgleich herbei. Allmählich fing Wed- ding an zu drücken und konnte durch überraschende Schußmöglich- Arbeitersport keilen die Torzahl erhöhen. In der 14, Minute schoß der Mittel- stürmer das zweite Tor, dem sofort durch Halbrechts das dritte und wenig später das vierte folgte. Der Weddinger Rechtsaußen sicherte dann in der 28. Minute noch den fünften Erfolg, während Süden durch Halbrechts das Halbzeitresultat auf 5:2 erhöhte. Die zweite Halbzeit begann ruhiger. Das Endresultat stellte sich auf 6: 4 Tore. Bei den vorher spielenden Jugendmannschaften ge- wann Süden 4: 3(2: 2). Die 2. Männermannschaft verlor gegen Reinickendorf 2:7(2: 4>, während die Frauen Luckenwalde mit 5: 0(3: 0) heimschickten. Hockeyergebnisse Freie Turne rschaft Groß« Berlin Norbrtng— Tennis-Rot 6:0(4:0). Tennis-Rot hatte einen schweren Gong getan. Die Nordringmoiznschaft spielte ganz groß, sie war auf allen Posten gut besetzt und hotte keinen Versager. Tennis-Rot hatte besonders vor der Pause guten Widerstand geleistet und dank eifrigen Spieles nur ein 0: 4- P a u s e n- R e s u l t a t zugelassen. Infolge Nachlassen des Tempos bekam Tennis nach dem Wechsel etwas mehr Spielraum, so daß auch Nordrings Torwort wiederholt eingreifen mußte.— Freier Hockey-Club Spandau 1— Athletik-Sport-Club 1 4:0. Dank ständig besser werden- dem Spielvermögen konnten sich die Spandauer einen achtbaren 4:0- Sieg erkämpfen. Die ASCer hatten wohl ihren Gegner zu leicht genommen und mußten den Verlust hinnehmen.— Volkssport Reuköln-Britz überspielte ASV.-W e d d i n g 6: 0. Wedding hatte durch Ersatzeinstellung an Kampskraft ver- loren und mußte den gutspiclenden Neuköllnern den Sieg über- lassen. Weitere Resultate: FTGL.-Friedenou 1— FHC. Spandau 2 2: 0; VfL. Ostring 2— FTGB. Nordring 2 5: 3(5: 0), Ostring 3— Nordring 3 8:2. Die Frauen-Mannschaften von FTGB.-Nordrsng und Tennis-Rot trennten sich unent- schieden 1:1. -5= Der Stand in der Gruppe A zeigt sich wie folgt: Die Wasserball~Seric SpandaU'Lichtenberg 7: 3 Spandau zeigte am Sonnabend im Spiel gegen Lichten- b e r g eine bemerkenswerte Formverbesserung. Gutes gegenseitiges Verstehen und«in annehmbares Zuspiel, das man beim Gegner sehr vermißte, verschaffte dieser Mannschaft eine ständige leichte Feldüberlegenheit, die von den Stürmern taktisch klug ausgenutzt wurde. Gleich kurz nach Beginn kam Spandau nach gutem Durchspielen zum ersten Erfolg. Gut« Kombinationen Spandaus kgnote die Lichtenberger Vereidigung nicht abstoppen,' kurz hintereinander fielen zwei weitere Tor« für Spandau. Lichtenbergs Bemühungen wurden dann durch eine famose Leistung seines Mittelstürmers be- lohnt, der nach einem Durchbruch vom linken Verteidiger Spandaus gestoppt wurde, aber trotzdem mit scharfem Schuß unhaltbar ein- senden konnte. Der Kampf nahm an Schärfe zu, Lichtenberg spielte jedoch zu zerfahren, um wirklich gefährlich zu werden. Spandau kam noch zum vierten Tor, dann ertönte der Halbzeitpfiff des auf- merksam amtierenden Schiedsrichters. Die zweite Spielhälfte bot ein ähnliches Bild, Nachdem Spandaus Tormann einen haltbaren Weitschuß des rechten Lichtenberger Verteidigers passieren ließ, setzte sich Spandaus taktische Ueberlegenheit entscheidend durch. Der linke Stürmer Spandaus, wenig glücklich von der Lichtenberger Verteidi- gung abgedeckt, verwandelte von den ihm geschickt zugespielten Bällen noch weiter« drei, dagegen vermochte Lichtenberg nur noch einmal nach einem Fehler eines Spandauer Verteidigers den gegnerischen Torsteher zu überwinden. Der 7: 3-Sieg Spandaus kommt überraschend, ist aber in voller Höhe verdient. Lichtenberg bot ein sehr uneinheitliches Spiel. Das Sonntagsspiel zwischen Weißensee und Möwe mußte wegen einer anderen Veranstaltung aussallen. Ringkämpfe in Neukölln Schüler und Jugendliche auf der Matte Um noch einer längeren Kampfpause, die durch Mannschafts- kämpfe der Männerklassen dem Ringernachwuchs aufgezwungen wurde, wieder einen Maßstab über die Ergebnisse des Winter- trainings zu erhalten, veranstaltete am Sonntag der bundestreue Kraft-Turnverein„Sparta 1 89 6" einen Wettstreit im Ringen für die S ch ü l e r und Jugendlichen des 4. Kreises. Daß es mit dem Nachwuchs gut bestellt ist, bewies die große Zahl der Meldungen: 40 Teilnehmer entsandten die Vereine Sparta, Tegel, Lichtenberg-Friedrichsselde, Einigkeit, AU-Weddlng und Brandenburg in diese Prüfung. Unter Führung des Jugendleiters Höhne wurden die Kämpfer den Zuschauern vorgestellt. So gefällig und im Können überzeugend wie die Schüler und Jugendlichen auf der Matte waren, braucht man um den Nachwuchs nicht bange zu fein. Zuerst wurden die Kämpfe der Schüler ausgetragen: mit einem wahren Feuereifer rangen diese Kleinsten in den Fünfminuten- Treffen, kein Suchen nach Griffen, sondern hier schon ein klares und pausenloses Ringen: die Schüler wissen das Gelernte bereits nützlich zu verwenden. Früh übt sich, was ein Meister werden will, galt für jeden einzelnen. Eine glänzende Fortsetzung der Schüler- treffen gab es in allen Klassen der Jugendlichen. Auch hier zeigte sich stets gutes Können. Angriffe und Paraden gaben den Zuschauern den besten Einblick in den Uebungsbetrieb der Kraft- jportler. Mit aller Energie wurde im Stand- und Bodenkampf gestritten, Resultate wurden erzielt vom Blitzsieg bis zum Unent- schieden. Sparta und Tegel entsandten die meisten Kämpfer. In den Schülertreffen brachten es die beiden Vereine auf die gleiche Anzahl erster Plätze: erwähnt sei nur der Sieg des Herst(Sp.) über Fischer(Br,). In den Iugendkämpfen holten sich die Tegler 4 erste Plätze, die andern wurden unter den fünf Vereinen auf- geteilt. Hoffentlich folgt dieser gelungenen Veranstaltung bald eine zwcet:! i« Schalmi»tKi>: Klasse bis fiO Pfand: 1. Aersc(Sparta); 2. Mischer(Zlrandenbura). SHoffc bis TO Pfund I I. Henni»(Ir. Binder012) 10:38,5(Berliner Iuqeno. dund): h) 1. Stcpbon(PIK. Seiner-darf.— Mairnschaftswertuna: 1. Sporl- Klub 1912._ Anpaddeln der Naturfreunde Am gestrigen Sonntag fanden sich eine große Anzahl Natur» sreundepaddler zum Anpaddeln in Erkner zusammen. Der lange Zug der mit dem roten Naturfreundewimpel geschmückte« Boote erregte allerorts große Aufmerksamkeik. Der Weg führt» durch den Löcknitzkanal zum Werlsec, auf dessen Insel bald ei» lustiges Treiben mit dem üblichen„Zimt und Zauber" fröhlicher Fahrtgenosien begann. Wie sich mehr und mehr Sportler zui« Wosserwondern. zum Erleben und Erschauen der Natur vom Wasser aus zusammenfinden, zeigt das starke Anwachsen der Faltboot» abteilungen der Noturfru.nde. So konnten diesmal wieder zch» „Taufscheine und Geleitb-iefe" an Mitglieder ausgeteilt werden, dir unter der Fahne der Naturfreunde fahren wollen. Dann ging die Fahrt weiter noch dem Möllensee: da der Wind gut stand, sah moa bald die weißen Treiber aufleuchten. Aus der Rückfahrt wurde wieder auf der Werlseeivfel halt gemacht, Spiele veranstaltet und der Regen, der sich inzwischen bemerkbar gemacht hatte, abgewartet. In Erkner schloß die erste Fahrt, der Auftakt zu den großen und kleinen Fahrten durch die Mark und über ihre Grenzen hinaus. Kleine 8portergebnisse Dos gestern obgehollene Schauturnen des Arbeiter-Turnverein« Friedrichsfelde war ein weiteres Zeichen für den Ausstieg des Vereins. Bon den anwesenden Gästen wurden die Leistungen mit lebhaftem Beifall ousgenommen. Anschließend fand in Bruno Tempels Festsölen ein gemütliches Beisammensein statt. Dem Verein wurde eine Ueberraschung durch dos Erscheinen des ehemoligeu Mitgliedes Richard B a r t h o l d. Dieser, ein Artist von Beruf, erklärte sich bereit, den anwesenden Gästen etwas von seiner Kunst zu zeigen. Es war interessant, den Darbietungen zu folgen und die Lorstellung wurde für ihn ein Triumps, wie er ihm wohl kaum an den Stätten seiner beruflichen Wirksamkeit, im Wintergarten und im Zirkus Busch, zuteil wurde. Sein Auftreten ließ erkennen, daß man es mit einem erstklassigen Mitglied der Artistenloge zu tun hatte. Wasserball-Blitzturnier iu Berlin. Im Lunabod wurde am Sonntag erstmalig der Versuch unternommen, ein Wasserball- Blitzturnier bürgerlicher Vereine durchzuführen. Das Turnier ergab eine Ueberraschung, denn der SSE. Neukölln endete im Gesamtergebnis mit 16 Punkten an erster Stelle vor dem brandenburgischen Meister SV. Wcißcnsee 1896 mit 11 Punkten. Den dritten und vierten Platz teilten sich Wasserfreunde 09 und Polizei mit je 9 vor Spandau V4 mit 8 Punkten. Mnerva gegen FC. ZNailand 1: 1. Das Berliner Gastspiel der bekannten Fußballmannschaft des FC. Mailand war nichts weniger als eindrucksvoll. Minerva zeigte sich den Gästen vor 10 000 Zuschauern auf dem Herthaplatz mehr als nur ebenbürtig, wenn der Kampf auch schließlich unentschieden 1:1(1:1) ausging. Als Mannschaft konnten die Italiener gar nicht imponieren, obwohl sie in ihren Reihen in Torriani und Magnozzi, die den linken Flügel bildeten, im Halbrechten Santagostino und den Verteidigern Schienoni und Perversi gute Einzelspieler hatten. Caraeeiola fährt 101 km Stundenmittcl „Coppa Mille Miglia", Italiens und der Welt größtes Automobilrennen, wurde ain Sonntag von Brescia über Bologna— Florenz— Rom und zurück über Ancona— Verona nach Brescia von Rudolf Earacciola auf Mercedes-Benz in der neuen Rekordzeit von 16:10:10 Stunden mit dem fabelhaften Stundendurchschnitt von 101,147 Kilometer gewonnen. Der Sieg ist umso höher zu bewerten, als er gegen die mit der Strecke bestens vertrauten italienischen Klassefahrer erstritten wurde und die deutsche Marke Mercedes-Benz allein den Kampf gegen die Uebermocht der italienischen Industrie führen mußte. Der alte Rekord des vorjährigen Siegers Nuvolari stand auf 16:18:59 mit einem Stundenmittel von 100,450 Kilometer. ffteiet Spothietein Reinickenbarf-Weft. Alle Mitglieder beteiligen(ich a« der Kuirdaebung der Partei am Dienstaq im Srortpatast. ilreitag. 17. April, 20 Uhr, Mitgliederaerfammlunq bei SeiMU. Tonnctstaq, 18. April, 8u- fairanenturnen. Anfportelu am 10. Mai in Glienicke a. d. Rordbab». Alter,rieaen 1. Krei». Sonmaq. 26. April, 9 Ufte, Spiellag, Sportplah in Sobenfdiönfioufen, Sommcrfteaftc, Jede?austballma»nschaft stellt einen Scktied»- rieh-ter. Zreie Spart,„ab Tckäuenaereiniguna. Adteilnnq Prenalancr Berg. Ab deute, Mantag, 20 Uhr, wieder Schiostabende bei Refchke. Mefcer Str. 26.(Säfte litnnen einaefiibtt«erde». Stete Schwimptee ckharlattendnrg. Dienstag, 14. April, Manatsaerfamm- lung bei Kriefcha. Srlln. Ecke Kaifer-Sriedrii�Srraste,'20 Uhr. Aufnahma neuer Mitglieder. Kampfriehtar.Beaeinigung de« iieichtathleten. Sidung findet nicht a» 14. April, sondern Mantaq. 20. April, stall. ASB. RenlSllo, Leichtathleten. Dienstag und Dannerstag, 18 Uhr. Platt- iraining. Reu« ollner Stadion. Mmvo», 20 Uhr. in der Turnhalle Walter. Rathenau-Schule, Boddinfrraöe: vorher, 18 Uhr, Kinderabteilung. STGB., Venirl Südost-Treptow. Turnen beginnt 14. April. Bouchastrahe. Begirt Rardrittg. Das Berkehrslokal ist aus politischen Gründen gewechselt Warden. Reue Adresse: Otto Ufert, Berlin 3t. 58, Gleimstr. 56, Telephon: Humboldt D 4 4425, Balkasporr Reutälln-Beih. Kinderleiter und Helfer aller Abteilungen: Sitpjng Montag, 13. April. 19'; Uhr.-Büro, Suldastr. 53—56,— Sport, abt-ilung: Diens-gg. 14. April. letttcr Uebungsobend. HgOo Herhbergplatti Donnerstag. 16. April. Ueduitgsbegim, Sladion Reicköltn. Platt 2. Rudeeee und Kanttfahrer 1. Kreta. Techntkersthung heule, Montag. 20 Uh� Ge-cha-tsirelle, Elfässar Str. 86—8«.