Morgenausgabe Nr. 114 ASS 4S.Iahrgang Wöchentlich SV Pf, monatlich 3,60 M im voraus zahlbor. Postbezug 4.32 M. e'ivchüeßlich 60 Pf. Postzettun gs» und 72 Pf. Postbestellgebühreu. Auslands» obonnement 6.— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen» oorto 5,— M. * Der„Bonvarta* erscheint Wochentag» (ich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend" Illustrierte Beiloge„Dolt und Zeit" Ferner„Frauenstimme". �Technik".„Blick in die Bücherwelt". .Iugend»Dorwärt»"u.»Stadtbeilage� berliner Voltsblatt Mittwoch �lS. April 19)1 Groß-Äerlin 10 pf. Auswärts i5 pf. Die einspolt. Nonpareillezeile 80 Pf. Rellamezeile 5.— NM.„Kleine An» zeigen" das fettgedruckte Won 2b Pf. (zulässig zwei fettgedruckte WoNe). iedes weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Talif. Stellengesuche das erste Won 15 Pf, jede» weitere Won 10 Pf. WoNe über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien» anzeigen Zeile 40Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3. wachen» täglich von SVa bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vorl Jeniralorgan der sozialdemokratischen Oavtei Deutschlands ittedaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Kernsprecher: Dönbofi 292— SS? Telcgramm-Adr.: Sozialdemolral Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 536.— Bankkonto: Bankder Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr.Z, Dt. B.u.DiSe.-Ges.,Deposttenk., Jerusalemer Str.bä.'SS. Spanien Republik! Alfons' Abdankung.- Republikanische Regierung.- Rote Fahnen über Madrid. Madrid. 14. April.(Eigenbericht.)(v Uhr abends.) König Alfons von Spanien hat.am Dienstag auf den Thron verzichtet und eine entsprechende Er- klärung unterzeichnet. Der Verzicht wurde zugleich im Namen der gesamten Liönigsfamilie ausgesprochen. Er erfolgte unter der Zusage eines ehrenvollen Ge- lcits bis zur Grenze und der Zusicherung, dah die königlich« Familie ihr Privatvermögen liqui- dieren kann. Dem Thronverzicht gingen zahlreiche Besprechungen des Königs mit führenden persönllchkeilen voraus. Am Dienstag halte der König eine Unterredung mit Ministerpräsidenten Aznar. in deren Verlauf Aznar nicht, wie allgemein erwarlcl wurde, die De- Mission des Kabinetts unlerbreitete, sondern dem König empfahl, zunächst die Führer der K o n st i k u t i o n a l i st e n, d. h. der für eine verfassunggebende Nationalversammlung eintretenden Elemente, um ihren Rat zu fragen. Anschlieszeud empfing König Alfons die Mitglieder des Kabinetts, und zwar jeweils zwei Minister allein. Ais sie später das königliche Palais verliehen, beschränkten sie sich auf d»e Erklärung, dah sie dem König ihre persönliche Ansicht über die Lage auseinandergeseht hüllen...> ' Am Nachmittag lieh der König die Führer der Sonstitutionalisien Vergamin, Villaaueva und Sanchez Guerra zu sich bitten. Sie sollen dem König erklärt haben, daß sie die Regierung nicht übernehmen könnten. Daraufhin soll König Alfons, der bis dahin immer noch gehofft Halle, durch Errichtung einer verfasinngs- mähigen Monarchie den Thron zu retten, den Entfchlnh zur Abdankung gesaht haben. Nicht zuletzt haben Nachrichten aus der Provinz, nach denen in Barcelona. Saragossa, Eordoba, San Sebastian, huelva, Bigo, Leon und vielen anderen kleineren Städten bereits die Republik ausgerufen worden ist. zu dem Enlschluh des Königs beigetragen. Die erste Regierung der Republik. Madrid. 14. April.(Eigenbericht.) Das lebte königliche Kabinett Aznar hat an» Dienstagnachmittag nach der Abdankung des Königs einer republikanischen Regierung Platz gemacht, die sich wie folgt zusammenseht: Ministerpräsident Alcalazamora. Außenminister L e r r o u x. .Kriegsminister A z a n a. Marineminister CasareS Quiroga. Finanzminister P r i e t o. Innenminister Miguel M a u r a. Arbeitsministcr E aballer o. Wirtschaftsminister M a r t i n e z V a r r i o S. Unterrichtsminister Fernando de los Rios. Minister für öffentliche Arbeiten Marcellino Domingo. Unterstaatssekretäre sind beim Ministerpräsidium Raffael Sanchez Guerra, beim Justizministerium Manuelle Ossorio Gallardo. beim Mi- nisterium für öffentliche Arbeiten Gordon Ordax. Zum Zivllgouverueur von Madrid ist er- nannt worden Eduardo Ortegoh Gasset. zum Bürgermeister von Madrid der S o z i a l i st S a b o r i t. Ter Finanzminister der provisorischen Regierung Jndalecis Prieto und eine gewisse Anzahl spanischer Persönlichkeiten, die sich bisher in Paris im Exil auf- hielte«, reisen heute abend nach Madrid ab. Sämtliche in Frankreich im Exil lebende Persönlichkeiten sind aufgefordert worden, nach Spanien zurückzukehren. Der 14. April 1931 ist zu einem h i st o r i s ch e n T a g der europäischen Geschichte geworden. Eine ISOOjährige Dynastie hat aufgehört zu bestehen. Ein Volk, durch die Jahrhunderte hindurch in seiner geistigen und politischen Aufwärtsbewegung niedergehalten, hat sich vom Joch der Monarchie befreit. Die Nutznießer und Schildhalter dieses Regimes, der Hochadel, die Militärkamarillen und der hohe Klerus, sind einem friedlichen Aufstand der Volksmassen unterlegen. Der Umsturz in Spanien ist eine typisch demokratische Revolution. Mit der Waffe des Stimmzettels hat das Volk die Monarchie besiegt. Hätte der König weiter mit Hilfe der Dittatur zu regiereu oersucht, dann wäre das Endergebnis das gleiche gewesen: das erbitterte Volk würde die Republik im revolutionären Kampf erfochten haben. Ob er und seine Familie auch dann mit Ehrengeleit und zuge- sichertem Privatvermögen nach dem Ausland hätten reisen können, ist allerdings sehr zweifelhaft. So ist diese unblutige Form der Revolution für beide Teile nur von Vor- teil gewesen. Die spanische Arbeiterschaft, die die einzige wirk- liche Massenorganisation im Lande darstellt, hat an dieser siegreichen Entwicklung den entscheidenden Anteil genommen. Ihre Führer sind sich aber dessen bewußt, daß die republikanische Staatsform keineswegs das Endziel des modernen Proletariats ist. Aber sie wissen, genau wie die sozialistischen Arbeiter in Deutschland, daß der soziale V o l k s st a a t nur auf dem Boden der Republik errungen werden kann. Das gilt besonders für ein Land, das eine konstitutionelle Monarchie eigentlich nie gekannt hat. Um die Monarchie zu beseitigen, mußten die Sozialisten mit den bürgerlichen Republikanern jn eine W a h l k o a l i- t i o n eingehen. Um die neue Republik zu behaupten und sozial auszubauen, werden sie auch in der nächsten Zukunft mit diesen gegenwärtigen Bundesgenossen zusammenarbeiten müssen. Das wird ihnen um so leichter sein, als es in Spanien Kommunisten kaum(jibt. Dieser Umstand allein vermindert schon die Chancen einer monarchistischen Gegen- revolution, denn gäbe es in Spanien Kommunisten in nennenswerter Zahl, dann würden sie sich selbstverständlich, wie überall in der Welt, als Schrittmacher der Reaktion betätigen. Schon einmal vor mehr als 30 Iahren war Spanien Republik, aber nur während eines Jahres. Damals aber konnte die Dynastie der Habsburg-Bourbon wieder siegen, weil es einerseits keine organisierte Arbeiter- klasse gab, und weil andererseits der monarchistische Gedanke in der Welt mit Ausnahme Frankreichs und der Vereinigten Staaten in den meisten Ländern unerschüttert war. 5)ente ist es umgekehrt, heute verschwindet eine Monarchie nach der anderen, von den großen Ländern sind nur noch Großbritannien und Italien Königreiche. Groß- britannien, weil seine Herrscher schon lange verstanden hahen, nur noch ein Schattendasein zu führen und dem Volke die volle Ausübung seiner demokratischen Rechte zu gewähren(ebenso wie in Skandinavien, Belgien und Holland). Was Italien de- trifft, so dürfte dem König Victor Emonuel seit heute übler zumute sein denn je. (Weiteres siehe 3. Seite.) Was wird aus Preußen? Otto Braun und Fritz Tarnow rufen zum Kampf! Zu der Kundgebung für das republikanische Preußen in, Sportpalast strömten schon über eine Stunde vor Beginn unaufhaltsam die Massen der Besucher hin. Tausende von Versammlungsbesuchcrn muhten abgewiesen werden, weil keine Karten mehr vorhanden waren. Im Vorraum des Sportpalastes boten die unzähligen Fahnen der Arbeitersportler, der Sozialistischen Arbeiterjugend und der Parteiabteitungen ein sarbcnsrohes Bild. Der Innenraum des Sportpalastes war bis zum letzten Platz der obersten Ränge voll be- setzt. Geduldig harrten die Massen aus den Beginn der Kundgebung. Als Otto Braun kurz vor>-8 Uhr den Riesenraum betritt und zur Rednertribüne schreitet, wird er durch stürmische Ovationen bc- grüßt. Pünktlich um'AS Uhr beginnt der Einmarsch der Fahnengruppcn, der wiederum begeisterten Beifall auslöst. Die Wahlen im Rathaus. Dr. E>ahm Oberbürgermeister von Berlin. Die Stadtverordnetenversammlung wählte gestern mit Ilv Stimmen den ehemaligen Danziger Seuatspräsi- denten Dr. S a h m zum Oberbürgermeister der Rcichshauptstadt. Die absolute Stimmenmehrheit betrug 103 Stimmen, so daß der Oberbürgermeister bereits im ersten Wahlgang gewählt wurde. Im Anschluß an die Oberbürgermeisterwahl fand die Wahl der beiden Bürgermeister und des Stadt- kämmerers statt. Hierbei erhielten der bisherig« stellvertretende Stadttämmerer Friedrich Lange lOK Stimmen, der bisherige Vizepräsident des Deutschen Städtetagcs Dr. Elsas IlS Stimmen. Beide sind da- mit zu Bürgermeistern gewählt. Ter seitherige Stadt- kämmerer von Frankfurt a. M.. Bruno A s ch, erhielt 101 Stimmen als Kämmerer von Berlin. Zu Beginn der Sitzung hatten die Deutschuationalen noch einmal versucht, die Wahl um zwei Tage zu ver- schleppen. Da die hinter den Kandidaten stehenden Frak» tioncn fast vollzählig erschiene« waren, mißlang dieser Versuch. Bei der anschließenden Waht der u n b e s o l» detcn Magistratsmitgliedcr wurden u. a. die Sozialdemokraten A h r e n s und O r t m a« n gewählt. (Weitere Mellmogeu an anderer Stelle dieses Blattes.) Die Kundgebung wird eingeleitet durch die Kapelle der Freien Turnerschaft und durch die Musiker des Reichsbanners Treptow, die den Sozialistenmarsch intonieren. Franz Künstler erössnet sodann die Kundgebung mit folgenden Ausführungen: Die schwarßwcißrote Reaktion um Hugenberg im Bunde mit Hitler hat ein Volksbegehren organisiert, das die Auflösung des Preußischen Landtags fordert. Jn Wort und Schrift wird die„Miß- Wirtschaft m Rotpreußen", wie sich die Gegner der Republik auszu- drücken belieben, aufgezeigt. Wir Sozlaldemokrolen danken dem Steuermann des preußischen Staatsschisses, Otio Braun, von ganzem herzen (bei diesen Worten erhebt sich erneut tosender Beifall), daß Preußen kein Frick-Thüringen, kein B r a u n s ch w e i.g eines Franzen geworden ist. Wir erklären weiter, datz trotz Volk»- begehren das Ziel der Reaktion in Preußen niemals erreicht wer- den wird. Am 14. September zählten in Berlin Deutjchnationate und Nationalsozialisten zusammen 747 002 Stimmen. Gestern, am b. Tag der Eintrogungsfrist, waren es insgesamt 1345338 Personen, die dem Rufe ihrer Parteien gefolgt«ercn. Es gehört keine allzu große Prophetengabe dazu, wenn nmn heute schon erkläre» kann, daß 30 Proz. der nationalsozialistischen und deutschnationalen Wähler dem Ruse der Hugenberg und Hitler zum Volksbegehren nicht folgen werden. Preußen war und bleibt das Bollwerk der deutschen Republik. In der Hugenbcrg-Presse für tieine Leute war neulich zu lesen: „Die Anklage geht dahin, daß die preußische Negierung wesentlich dazu beigetragen hat, den Glauben und das Vertraue'! in die unparteiische' Staatsautorität zu erschüttern, daß sie in miß- verstandener Demokratie eine knappe zahlenmäßige Mehrheit zur Parteidiktatur statt zur überparteilichen Staatssührung nutzt." Diese Anklagen erfolgen zu Unrecht. Wir werden dafür Sorge zu tragen haben, daß aus der knappen zahlenmäßigen Mehrheit im gegenwärtigen Landtag eine große Mehrheit im kommenden Laudtag wird. Doch die Entscheidung wird nicht gefällt bei dem schwarzweiß- roten Volksbegehren, sondern vom gesamten preußischen Volk am Tage der Neuwahl. Die politische Rolle derer um Oldenburg-Januschau ist in Preußen für immer ausgespielt. Im schweren Wahlkampf standen un vergangenen Jahr Partes und Gewerkschaft«! n Schulter an Schuller. Diese Kampf- gemeinschaft besteht auch heute noch. Darum wird unser Ge- nosse Fritz Tornow neben O t t o B r a u n das W?rt ergreisen und erneut die Geschlossenheit von Partei und Gewerkschaften be- künden. In den begeisterten Leifall nach der Rede Künstlers mischte sich sofort ein neuer Begrüßungssturm, als nun Otto Braun an das Rednerpult trat. Der preußische Ministerpräsident führte etwa aus: „Vor zwei Wochen hat hier im Sportpalast eine Dersamm- lung der Deutschnationalen Volkspartei als Auftakt zum Volks- begehren stattgefunden, in der Herr von Oldenburg-Ianu» schau erklärte, daß Preußen zweimal am Rande des Abgrunds gestanden habe, im Siebenjährigen Kriege und vor den Freiheits- kriegen. Er vergaß, daß zum dritten Male Preußen nach dem Weltkriege am Rande des tiefsten Abgrunds stand. Die Herren, die vor dem Kriege das Heft in der Hand hatten, wollen nicht gern daran erinnert werden, daß ihre Politik zum Zu- jammenbruch von 1318 führte. Aber es jft notwendig, die heranwachsende' Generation, die den Krieg nicht mehr wie wir Alten miterlebte, aus die Zusammenhäng« aufmerksam zu machen. Damals liesen die Herrschenden, die sich bis zum Schluß an die Macht geklammert hatten, rat- und hilflos davon. Während des Krieges noch waren sie nicht zu bewegen, das Dreiklassei, Wahlrecht zu beseitigen, den Landarbeitern das Koalitionsrecht zu geben und die Homogenität der konservativen Verwaltung an- tasten zu lassen. Vach ihrem hilflosen Davonlaufen übernahm die sozialdemo- kralische Arbeiterschaft die Sorge dafür, daß das Reich nicht verfiel und Preußen nicht in den Abgrund glitt. Aber je mehr die Furcht der alten Machthaber nachließ, um so größer wurden wieder ihre Unverfrorenheit und Frechheit.(Sehr richtig!) Sie haben entweder nichts aus der Geschichte ge- lernt oder sie sind unehrlich. Alle Not, alle Sorgen, die den einzelnen mit Recht bedrücken, fallen nach ihrer Darstellung auf das Schuldkonto der Republik, und die Opposition gewann nicht zuletzt durch die politische Unreife weiter bürgerlicher Kreise. Nur im Vertrauen auf diese Unreife konnte der Stahlhelm beispielsweise in Ostpreußen sein Volksbegehren mit handgreif- lichstem Schwindel beginnen. Ein von einem Grafen von Eulen bürg unterzeichneter Aufruf spricht von„Zwölf Jahren roter Parlamentsmehrheit in Preußen"'. Das ist eine glatte Lüge. Es gab nie eine rote Mehrheit in Preußen. Selbst in der Landesoersammlung von 1919 standen 1(58 Sozialdemokraten 233 Bürgerlichen gegemiiber.. 3n der Regierung war niemal» eine sozialdemokratische Mehr- heil. Von acht Rlinislern waren zwei und sind heule drei Sozialdemokraten. Am 7. Februar hat die„Kreuz-Zeitung" die Sozialdenwkratie verdächtigt, daß sie durch einen Staatsstreich ihre Macht diktatorisch befestigen wolle. Das ist die Methode derer, die den andern in dem Busch suchen, hinter dem sie selber hocken. Wir verkünden unsere Ziele ehrlich, sehen aber«in, daß jene Kreise bei einem gleichen Versahren wenig Vertrauen aus die Werbekrast ihrer Programm« haben können.(Lebhafter Beifall.) In einem Aufruf des Berliner Stahlhelms an die zahlungsfähigen Kapitalisten wird die Zahlung als Gegenleistung für die Hilfe verlangt, die dem Kapital bei den vom Rcichsbannergeneral Hörsing vor- bereiteten Unruhen geleistet würde. Hier trifft doch schon der Strosgesetzparagraph zu, der da sagt:„Wer in der Absicht, sich einen rechtswidrigen Vermögensvortei� zu ver- � schassen, dos Vermögen eines andern durch Vorspiegelung falscher Totsachen beschädigt, wird bestrast."(Anhallend«, heitere Zustimmung.) Aber die Ebbe in der Stahlhelm- kosse ist vielleicht deshalb so groß, weil die um Hilfe ersuchten Kapitalisten schon zuviel an die Nazis bezahlt haben. Um doch noch Geld zu bekommen, greift man zu solchen Mitteln. Weiter wird unter dem Schlagwort..Kampf dem Marxismus" soviel Unfug verbreitet, daß man sich über jeden wundern muß, der noch darauf hereinfällt. Alles Unangenehme ist„marxistisch". Hat der Marxismus im Kriege unendliche Werte vernichtet, hat der Marxismus uns mit zwei Milliarden inneren und zwei Milliarden äußeren Kriegslasten jährlich belegt? Hat der Marxismus die Unternehmertrusts, die Konzerne und die aus den Geldinstituten zusammengelegten Riesenbanken gegründet? Hat er durch falsche Rationalisierung die Wirtschaft gelähmt und die Menschen arbeits- los gemacht? Hätte der Marxismus rationalisiert, er hätte es zum Besten der Volksmassen getan. Heute, im kapitalistischen System, ist der Prosit primär, das Wohl der Massen sekundär. Merkt denn keiner die Abgesottenheit des Schwindels, wenn er heute in dem doch wahrlich unsozialistischen Nordamerika acht bis neun Millionen Menschen arbeitslos sieht? Der Kapitalismus zeiligle die Rot, nicht weil nichts da ist, sondern weil Uebersluß herrscht. Unendliche Mengen Kaffeebohnen werden ins Meer geschüttet, während sich manches Mütterchen kein« Tasse Kaffee leisten kann. Roggen wird verfüttert, während es an Brot fehlt, und die Schuld trägt der Mangel an Planmäßigkeit. Di« Herabsetzung der Löhn« und Gehälter soll die Lösung des Problems bringen- Ich glaube nicht daran. Sie wird den Lebensstandard berabdrücken. die Kaufkraft schwächen, die Arbettslosigkeit vermehren. Aber Not und Verzweiflung, durch das kapitalistische System hervorgerufen, bilden den Boden für jene verlogene Demagogie, die das System von heute verantwort» lich macht. Wir sind eben jahrzehntelang regiert worden, und de r Wandel, daß wir uns heute selbst regieren, ist noch nicht in dos Bewußtsein aller eingedrungen. Staatsformen lasten flch«her umgestalten als Menschen. Auf die hungrigen Mägen spekuliert die Demagogie derer, die vor, im und nach dezn Kriege nersagt haben. Durch den Wahlersolg vom 14. September glaubten si« sich der Zeit nah«, da sie im verheißenen nebelhaften Dritten Reich wieder zur Macht kommen. Es kam ander«, als sie hofften. Der geschickten Taktik der sazialdemokrattschen Reichstogsfraktion ist es Ölungen, zu verhindern, daß die Nationalsozialisten zu Einfluß kamen. Hiergegen hat sich Widerspruch in Parteikreisen erhoben, aber der Erfolg hat gelehrt: die Taktik des Ausweiche»» ist richtig, wenn man uichl stark genug ist, selbst cnlscheide» zu können. (stebbafter Beifall.) Demokratie ist Bolksberrschaft, besagt ober nicht, daß sich die erwählten Abgeordneten und berufen« Minister nachher gängeln lassen.(Beifall.) Der Wähler mutz zu den Gewähllen Per- trauen hqben.(Anhallende Zustimmung.) Mem« Politik Ist oft auf ein« harte lsirssie innörholb der Partei gestellt worden. Aber der Er- folg zeigt, daß ich bisher richtig gehandelt Habs.(Stürmischer Beifall.) Als der Weg zur Macht den Nazis durch die Hallung unserer Reichptagsfraktwn oersperrt war, da sahen sie den Borteil ihres Parlamentsinandates, in der Freiheit, zu verleumden und zu be- schimpfen. Als wir ihnen den Freibrief zu gewissenloser Verleumdung entzogen, da zogen sie, die wie die Gladiatoren in den Reichstag einmarschiert waren, wie die Gladiatoren wieder heraus. Ein Kind, das ein Spielzeug wegwirft und bockend aus dem Zimmer rennt, ist eine komische Figur und hat nur einen Lacherfolg. Denn wenn die anderen sich nicht stören lassen, wartet es an der Tür, ob es nicht wieder hercinschlüpsen kann. Wenn Lächerlichkeit tötet, dann müßten die Nationatsozialisien und ihr deutschnationales Anhängsel erledigt sein. Selbst ihr Versuch, mit dem Panzerkreuzer wieder ins Parlament hineinzusegeln, ist ihnen durch die Sozialdemokratie vereitell worden. Das Sonderbarste aber ist. daß die weggelaufenen nach der Verordnung des Reichspräsidenten vom 28. März den Reichstogspräsidenken ersuchen, den Reichs- tag, den sie doch als Quasselbude verachten, zusammenzurufen. Und wenn sie jetzt durch ihr Bolksbegehren eine Neuwahl des Land- tages drei oder vier Monate vor dem Ablauf der Legislaturperiode erreichten, wer bietet uns dann die Sicherheit, daß sie im neuen Landtag mitarbeiten?(Lebhafte Zustimmung.) Dem Stahlhelm war es unangenehm, als ich ihm nachwies, daß er sich einst zur Republik bekannt hat. Er l e u g- n e t e es mit einem stolzen Artikel„Abfuhr für Braun". Hier (Braun zeigt ein Flugblatt im Original) steht:„wir stellen uns ans den Boden der Republik und unlerslühen die Regierung mit allen Machtmitteln". Dies ist ein Slahlhelmslugblatt vom Winter ISIS! Heute sagt der Stahlhelm, damals habe es keine Republik gegeben, sondern nur ein Chaos. Dann hat sich der Stahlhelm eben aus den Boden des Chaos gestellt, das er auch jetzt wiedex herbeiführen will. Wer lügt, meine Herren vom Stahlhelm, der muß ein gutes Gedächtnis haben! Der zweite Vorsitzende. Oberst- leutnant Düster berg, hat erklärt, daß er vom Parlamen- tarismus keine Besserung erhofft. Warum will er dann aber durchaus den Landtag neu wählen? Nein, die Rechtskreise fürchten eine Besserung unserer Ber- Hältnisse. Und weil sie wissen, daß Lügen kurze Beine haben, und durch Irreführung niemals ein Dauererfolg erreicht wird, deshalb ihre Hast, den Landtag aufzulösen. Sie sagen, Preußen sei nicht preußisch. Kann denn Preußen noch preußischer sein, als wenn ich als alter O st p r s u ß e regiere? Nein, sie wollen die Macht In der Verwaltung, in der Zusliz, der Polizei und der Schule, damit wieder die Gesinnung des konservativen Parteibuches allein regiere, oder, um Bi s m a r ck zu zitieren, jenes Pack, mit dem er regieren müsse und vor dem er den Ekel nicht los werde. Das Volksbegehren ist«in Freihcllskampf, heißt es: es gibt nirgends soviel politische Freiheit wie in Preußen. Wenn die Stahlhelmer nicht Sklaven bleiben wollen, so mögen sie sich von der Sklaverei der Lüge und der Phrase freimachen und die Freiheit der Anständigkeil erringen. Der Stahlhelm sagt: Unsere Geduld ist zu Ende. Ich ant- warte wie der Berliner: Platzt s«, denn platzt se!(Heiterkeit). Die Notoerordnung hindert niemand im politischen Kampf, der anständig kämpft. Nur die Aufhetzung zu Gewalt und Mord muß unterdrückt werden. Die Freidenker bcsärchieu. daß auch ihr Kampf durch die Rowerordnung unterdrückt werden könnte. Führen sie ihren Kampf In geistigen Forme« um wellanschauliche Fragen, dann brauche« sie keine Sorge zu haben. Darum bitte ich die Freidenker.(Lebhafter Beifall.) Gewiß ist bei Gesetzen und Verordnungen nicht der Wart- laut, sondern die Ausführung maßgebend. Ein Polizeimini- st e r, der um einen Parteigenossen zu schützen, die Polizeieine» anderen Landes belügt, ist für eine gute Ausführung nicht geeignet. Wer Frick-Thüringen, das der Vergangenheit an- gehört, und Braunschweig sind nicht ernsthast gefährlich. Eine Gefahr aber liegt vor, wenn Preußen nach zwölf Jahren konti- nuierlicher Politik ein ähnliches Schicksal hätte. Man sagt mir, ich solle die Frick und Franzen, alle Andersdenkende» aus den Aemtern herauswerfen. Ich muß eine solche Politik ablehnen, wer seinem Eide gelreu arbeitel, wird von mir nicht im Stich gelassen werden. gleichgüllig, welche politische lleberzeugung er hat. Die Leistung Preußens kann sich sehen lassen. Aus wirtschaftlichem Gebiete, namentlich aber aus dem Gebiet der Landwirtschaft in der freilich die Osthilfeaktion von Preußen dahin geleitet wurde, daß nicht nur der ostelbische Junker, sondern die Gesamtheit Nutzen hätte. Sich«in bißchen über die große Liste der kleinen Vereine, wie Adelsgcnossenschaft, monarchischer Deutscher Arbeiterbund und Koni- gin-Luise-Bund zu uuterhalte», wäre vergnüglich. Sonderbar ober ist es, daß Gruppen wie die Volkspartei und der Christlich-Soziale Volksdienst sich beteiligen. Man denkt an kranke, die Gift nehmen, weil sie glauben, daß sie sowieso sterben. Oder hoffen sie auf eine nationalsozialistische Bluttransfusion zur Kräftigung? Man kann doch aber nur gesundes Blul übertragen. Die Kommunisten wieder rufen:„Hinweg mit Braun und Severing" und„Nieder mit dem Stahlhelm". Was bleibt dann noch? Der bewährte Reitergeneral Teddy Thälmann an Stelle des allen Kavallerieoffiziers von Oldenburg! Das Voltsbegehren ist ein Vorpostengefecht, die Kampf» entscheidung ist die Wahl zum Landtag. Dann wollen wlr die ganze Kraft der republikanischen volksmassen einsetzen gegen das alle Preußen des Drciklossenwahlrechks, der tonservaüvcn Alleinherrschaft und der Entrechtung, für das neue Preußen der Republik, der demokratischen Gleichberechtigung und der sozialen Gerechtigkeit; (Stürmischer, onhallender Beifall) Als zweiter Redner nahm ssdonn Fritz Tornow, ebenfalls von Beifall stark begrüßt, das Wort. Er wies darauf hin, daß in der gleichen Stunde, wo da» preußische Republlkanertum im Kampfe gegen die faschistische Reaktion steht, in Spanien ein Sieg des Forsschritts und der Demokratie errungen worden fei. Dieser gewollige Sieg der Republikaner und Sozialisten ist«tu gute» Vorzeichen für Preußen, denn ein» Diktatur- dämmerung scheint jetzt zu beginnen. Trotz seiner rückständigen Oekonomie hat Spanten schon nach sieben Iahren Diktatur die Uevcr- zeugung gewinnen müssen, daß die Gestallen der morarchischen und faschistischen Reaktion nicht in unsere Zell gehören. Ich bringe den spauischen Arbeitern und Republikanern die Grüße der Berliner Ar- beiterschast zu diesem großen lag!(Iichelnder Beisoll.) Ein gleiches Ziel wie die spanisch« Reaktion.verfolgen die preußi- schen Diktalpren Hitler und Hugenberg. Zjlus Spanien» Literatur ging einst der unsterbliche Don Quichotte hervor. Aber unsterblich scheint er nicht nur in der Literatur, sondern auch im pali- tischen Leben zu sein. Ebenso wie er sehnen sich die deutschen Diktaturanhänger nz�ch einer idcolistertcn Vergangenheit. Sie malen sich einen Drach-71 kämpf in der Phantasie aus. den sie als Ritter von der tro'urigcn Gestalt bestehen wollen. Ihre Phantasie hat' ihnen den Drachen Marxismus vorgezaubert, dessen finstere Höhle das republlkanqjche Preußen ist. Der gewalltätige Riese,' der diese Höhle bewacht, ih unser Genosie Otto Braun(stürmische Heiterkeit). Er trägt zwar nicht den wilden Haarschopf der Urwelt- riefen, aber was ihm aüxzen fehlt, trägt er innen im Kopf.> Die heutigen Drachentöter unterscheiden sich nur in einem von dem edlen Don Quichotte: sie sind keine reinen Toren und keine idealistischen Ranmanliker. Sie tun zwar, als kämpften sie für hohe Ideale.„Zur Rettung der deutschen Kultur vor dem Marxismus", ruft heute der„Lokal- Anzeiger" im Leitartikel auf. Diese„Kultur" im Stahlhelm und die Kultur der„rauhen Kämpfer" Hstlers ist uns nur allzu gut bekannt. Bor ihr wird sich dc�s deutsche Voll zu bewahren wissen, wenn es seine wirkliche Äulttuchöhe beHallen will. Am besten ge- kennzeichnet wird diese Art t Kultur durch einen Bettelbrief der Arbeitsgemeinschaft deutschnationvler Verbände, der um Hilfe für die„versinkende deutsche Wirtschaft" fleht. Was diesen Herren„Hilfe für dje Wirtschaft" ist, wissen wir auch schon längst. Wofür machen die Herren Unternehmer die Geldschränke auf, wenn es um ihre Wirtschaft geht? Ihre Wirtschaft ist die Wirtschaft des Profitin�eresses, der kapitaMischen Unterdrückung. Sie wollen in Preußen die Schlüsselstellung für eiye unumschränkt« Ge- wascherrschaft im Reich erobern und d�e Hemmungen, die sich jetzt noch einem radikalen Lohnabbau entgegenstellen, beseitigen. Von unserer heutigen gewerkschaftlichen Freiheit würden wir bei einem Erfolg der Reaktion wemg übrigbehalten. Zer. ich lagung der Tarifverträge, Aufhebung des Arbeits- f ch u tz e s und ves Arbeitszeitgesetzes ist das Ziel der Wirtschafts- reattion. Ihr Kapital soll Fell ansehen aus Kosten der ausgeunergeltcn Arbeiterschaft. Nach-neuer»Kapital- bildung" sehnen sich die Kapitalisten schon seit Monaten; dazu sollen die Besitzsteuern gesenkt werden. Es wird offen, ausgesprochen, daß die Sozialpolitik des neueur Staates zertrümmert werden soll. Die Arbeitslosenversicherung ist nach ihrer Ansicht nur«ine Prämie für die Faulheit. Ihre Abschaffung soll die„wahre Arbeitsmoral" wie» der einführen, die Moral der K n e ch t s« l i g k e i t und Unter- würsigkeit. Nach historischem Recht gehart der ganze Heerbann der saschistischen und monarchistischen Reaktion schon längst in die M 0 t t e n k i st e. Die hysterische Heldengestalt Adolf Hitlers und der Großverdiener Hugenberg sind überlebte Figuren. Sie leben von dem politischen Wunderglauben, der an Stelle der früheren In- difserenz breite Schichten beherrscht, die durch die plötzlich ein- brechende Wirtschastsnot oerzweifelt sind. Darauf bauen sie ihre letzte Hoffnung auf einen Aufstieg vor ihrem endgüttigen Fall. Preußen muß und wird gegen sie gehalten werden. Un�er Genosse Otto Braun darf noch längst nicht in den Ruhestand trqten. Seine starke Hand muh weiter im Interesse von Republik und Demokratie arbeiten. Die gesamte Arbeiterschaft, auch die unorganisierte, muß be- greisen, worum dieser Kampf geht. Es ist nicht das Begehren des Volkes, sondern es ist die Begehrllchkcik der kapitalistischen Klasse. die nach der preußischen Machtstellung greift. Dieser Angriff muß von der Arbetterklasse abgeschlagen werden, denn dieser Kampf hat aus» neue die Fronten aufgerissen zwischen Kapital und Arbeit. Es ist ein politischer Lohnkampf, der jetzt aus- gesochten wird! Wie Preußen einst das republikanische Bollwerk gegen den Bolschewismus war, so muß es heute das Bollwerk gegen den Faschismus sein, um die Vorbedingungen für den Kampf um den Sozialismus zu erhalten. Wäre das Volk politisch reif, so könnte man es picht zu einem Bolksbegehren gegen den Marxismus aufrufen. Wenn das Volt den Sozialismus erst kennt, so muh es ihn als Erlösung geradezu herbeisehnen. Mitten im Wahnsinn der kapitalistischen Anarchie, mit ihren Millionen von hungernden Menschen, muh dem Volk der Sozialismus als einziger Erlöser erscheinen. Denn der Hunger wütet ja nicht etwa, weil die Ratin sich dem wcnschen versagte, sondern weil der wensch, der alle Raturkröfle in seinen Dienst gestellt hat. unter kapitalistischen Voraussehungen nicht fähig ist. eine planvolle Ordnung in der eigenen wirtschafl zu schassen. Das ist die Folge davon, daß der einzig beherrschende Trieb im Kapitalismus das Streben nach Profit ist. Riesenmengen von Lebensmitteln und anderen lebensnotwendigen Erzeugnissen ver- derben nur deswegen, weil sie nicht gewinnbringend oertaust wer- den können. Um die Beseitigung eines solchen Systems geht letzten Endes auch der jetzige Kampf. Sollte die reaktionäre Gefahr, die sich jetzt schon auf dem Abstieg zu befinden scheint, doch noch wider Erwarten erstarken, so muß die Arbeiterschaft sie mit starken Armen dorthin schleudern, wo sie hingehört: in die Mottenkiste der Geschichte! Nach minutenlangem Beifall sangen die Versammelten das Kampflied„Brüder, zur Sonne zur Frecheit", und als Genosse Künstler zum Schluß verkündete, daß in Spanien die Repu- blik ausgerufen sei und die rote Fahne auf dem Rachaus von Madrid wehe, wollte der brausend« Jubel kein Ende finden. Die Kundgebung schloß mit einem Hoch aus die intcr- nationale Sozialdemokratie und das republika. nifche Preußen! Unter Horner- und Trommelklang setzten sich die Fahnenabteilungen an die Spitze der abmarschierenden Masten, die langsam den Riesenbau des Sportpalastes verließen. Obwohl der Abmarsch reibungslos oonstatten ging, währte es doch über eine halbe Stunde, bis die verkehrsreiche Potsdamer Straße wieder das gewohnte Abendbild zeigte. Gtahlhelmpleiie. Oos Schnorren bringt nichts ein. In einem vertraulichen Rundschreiben de? Berliner„Stahl- Holm", das uns auf den Tisch geflogen ist, heißt es: „Zsus den empfangenen Sammellisten bitte ich noch bis ein- schließlich zum 21. April weiter zu sammeln und die abgeschlossenen Listen, sowie dos gesammelte Geld an Herrn..... einzusenden. Sammlungen hoben leider bisher noch nicht den gewünschten Erfolg gehabt, so daß ich bitte, die Sammeltätigkeit noch recht energisch zu betreiben. Neue Sammellisten können noch bei Herrn.... angefordert werden." Das Schnorrgsschäft blüht nicht, und darob ist große Trauer bei den wackeren Mannen! / Kränzen verbietet. Der sozialdemokratische„Bolksfreund" stillgelegt. Braunschweig, 14. April.(Eigenbericht.) Am Dienstagabend hat der Naziminister Dr. Franzen zu einem Schlage gegen den sozialdemokratischen „V olksfreund" ausgeholt, indem er ihn auf die Dauer von 3 Wochen bis cinschliehlich 5. Mai vcr> boten hat. Dem Verlage und der Redaliion wurde folgende Verfügung zu- gestellt: Auf Grund des§ 13 in Verbindung mit den ZZ 1 und 12 der Verordnung des Reichspräsidenten zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen verbiete ich auf Beschluß des brounschwei- gifchen Staatsministeriums hiermit den„Volkssreund", Organ der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, wegen Verstoßes gegen Z 1 Absatz 1 Ziffer 1 in Verbindung mit Z 12 der genannten Verordnung für die Zeit vom IS. April bis einschließlich 5. Mai. In dem Artikel in Nr. 83 mit der Kopfleiste„Gegen Franzcn-Reaktion" und der durch großen Druck hervorgehobenen Uebcrschrist„S ch u l st r« i k der weltlichen Schulen im Lande Braunschweig" ist nach Inhalt und Fassung seines gesamten Wortlauts, insbesondere durch die Worte:„alle Kräfte müssen jetzt zusammengerissen werden, um dem Willkürregiment eine moralische Schlappe zuzufügen" zum Ungehorsam gegen Bestimmungen des braunschwcigifchen Gesetzes über die Gemeindeschulcn vom 5. April 1913 angereizt worden, um Erziehungsberechtigte, Schulkinder und andere Personen zur vorsätz- lichen Verletzung der gesetzlichen Schulpflichten am 19. und 11. April dieses Jahres zu bestimmen. Das Verbot umsaßt auch jede angeblich neue Druckschrift, die sich sachlich als die alte darstellt. Gegen das Verbot ist nach tj 13 Absatz 2 der Verordnung des Reichspräsidenten die Beschwerde zulässig, die bei mir binnen zwei Wochen nach Zustellung einzureichen ist. gez. Franzen. Der Verlag des„V o l k s f r e u n d" hat gegen den Akt des Wahrheitsfanatikers Franzen sofort alle Rechtsmittel auf Auf- Hebung des Verbots ergriffen. Thüringer Regierungsrumpf. Ergänzungswahl gescheitert. Weimar, 14. April.(Eigenbericht.) Die am Dienstag von den Regierungsparteien des Thüringischen Landtages beabsichtigte Er» gänzung der Rumpfregierung Baum durch die Wahl von zwei neuen Staatsräten ist g e- scheitert. Mit 29 Stimmen der Sozialdeinokraten, Kommunisten und Nationalsozialisten wurde der Wahlvorschlag der Regierungsparteien abgelehnt. Dafür stimmten 19 Abgeordnete des Lairdbunds. der Wirtfchastspartei und der Voltspartei. Daraufhin beantragten die Nationalsozialisten, die immer noch einen großen Drang nach der Futterkrippe zur Schau trogen, den erst vor wenigen Tagen davon- gejagten Minister F r i ck und den nationalsozial�tischen Staatsrat Marschler wiederzuwählen. Gegen diesen Antrag stimmten 27 Ab- geordnete der Sozialdemokraten, der Kommunisten und der Volks- parte!. Die Abgeordneten der Wirtschaftspartei und des Land- Uiuid�enchielten sich der Stimine, während die D c u t j ch n a t i o- nolen mit den Nationalsozialisten für deren Antrag stimmten. Im Anschluß an diese Abstimmung beantragten die Kommu- nisten, in einer neuen Sitzung ihren Antrag aus Auflösung des Landtags zu beraten. Ehe es zur Abstimmung kam, die zur Ab- lehnung des kommuni st tschon Antrags führte, ließen die Nationalsozialisten erklären, daß sie für die Auflösung des Land- tags sind. Der Landtag oertagte sich dann. In der Zwischenzeit soll unter der Führung der Volkspartei versucht«erden, in inter- fraktionellen Beratungen eine Verständigung über die Ergänzung der Regierung Baum herbeizuführen. Gtrafantrag Otto Brauns. Gegen eine„christliche Erfindung. Amtlich wird mitgeteilt:„In Wahlversammlungen und bei anderen Veranstaltungen rechtsstehender Parteien ist des öfteren ein angeblicher Ausspruch das preußischen Ministerpräsidenten zitiert worden:„Er sei mit dem russischen Bolschewismus grundsätzlich einverstanden, die Moskauer hätten sich nur im Tempo vergriffen." Vor kurzem hat nun auch die Monatsschrift„Haus und Schule", Organ des„Deutschen Bundes für christlich-cvangelischc Erziehung", einen früher in der„Deutschen Zeitung" erschienenen Artikel von Pfarrer Kondert-Neugohz als„sehr beachtenswert" wiedergegeben, in dem es ebenfalls so hingestellt wird, als habe der preußische Mi- nisterpräsident diese Aeußerung getan. Aus eigenem hat die Zei- tung die Bemerkung hinzugefügt:„Die Zeit der Rede- und Verdrehungskünste ist vorbei, dl« Zeit der Entscheidung ist gekommen." Der preußische Ministerpräsident Dr. Braun hat gegen diese Zeitschrist, wie nunmehr gleichzeitig aucki gegen die„Deutsche Zeitung" G t r a s a n t r a g g c st- l l t. Er hat sich insbesondere zu diesem Schritt entschlossen, weil ihm die Äervfsentlichung in„Haus und Schule" durch die persönliche Einsendung des Herausgebers einer anderen religiösen Zeitschrist bekannt geworden ist. Deren Redakteur, ein evangelischer Prediger, war aber gewissenhaft ge> nug. den Ministerpräsidenten vorher zu befragen, ob er wirklich dies« Aeußerung getan habe, weil er es seinem Gewissen als Re- dakteur nicht zumuten könne, kritiklos«ine Aeußerung abzudrucken, die ihm unglaubwürdig erscheine. Ministerpräsident Dr. Braun hat jenem Prediger sofort brieflich geantwortet, daß er diese an- gcblicho Aeußerung niemals getan habe, und daß sie«ine jener zahlreichen Agitationslügen sei, die über ihn verbreitet werden. Erfolg gegen Gozialreaktion. Minister Refch tritt zurück. Wien, 14. April.(Gigenberfcht.) Der Minister für soziale Verwaltung. Dr. Resch. hat dem Bundespräsidenten fein Rncktrittsgesnch überreicht; der Bundespräsident wird ihm wMfahren. Die Demission ist offenbar auf den scharfen Protest des Arbeitskammertages gegen die Gesehentwürfe des Ministers zur Berschlechtgrung der Sozialversicherung zurückzuführen. Rcchlsanwalt Dr. Löweuthal, über dessen Red« zur„Meineids- seuche" wir berichtet haben, ist nicht das gleichnamige Mitglied der LPD.»Reichstagsfrattiou. Der grade Verstand. (Oer erste Mensch, der gegen den kommunistischen Werkspion Verdacht schöpfte, war eine Köchin.) „Ein pöttetieker.— Das ist nichts Reelles!" Oer Ilmsturz Drei Sozialisten . In dieser neuen Regierung sitzen drei Sozialisten, und zwar der Vorsitzende des Allgemeinen spanischen Gewerkschafts- bundes und Vizepräsident der Sozialistischen Partei Largo Ca- b a l l e r o als Arbeitsminister, der Universitätsprosessvr Fernando de los R i o s als Unterrichtsminister und der bis gestern im Exil in Paris lebende Indaleeio Prieto als Finanz- minister(nicht zu verwechseln mit dem Liberalen Garcia Petrio, der der letzten Regierung angehörte). Ministerpräsident ist der Führer der Republikanischen Partei A l c a l a Z a m o r a, der den mißglückten reupblikanischen Um- sturzoersuch vor vier Monaten leitete, und der erst kürzlich nach dem freisprechenden Urteil des Gerichts das Gefängnis verlieh. Die meisten Mitglieder des neuen Kabinetts hatten an dieser Bewegung ebenfalls führend teilgenommen und sind erst zugleich mit Zanwra aus der Hast entlasien worden. Der Innenminister Miguel Maura ist der Sohn des lang- jährigen konservativen Führers und mehrfachen Ministerpräsidenten Grafen Maura. unter dessen Regierungszeit die standrechtliche Er- Ichiehung des Freidenkcrsührers Ferrsr«rsolgt«. die die gesamte freiheitliche Welt damals aus das stärkste gegen die spanische Man- archie empörte. Auch der Unterstaatssetretör Raffael SäNchez G u e r r a ist de: Sohn jenes früheren konservativen Führers, der sich ober als einer der ersten gegen das Diktaturrsgime Primas auflehnte und den mißglückten Putsch von Valencia unternahm und seither offen den Kampf gegen König Alfons führte. Der neue Außenminister L« r r o u r ist schon seit Jahrzehnten als republitanischor Führer bekannt und war vor allem in Barce- lona tätig. Aus Opposition gegen die Monarchie, die aus dynastisch- klerikalen Gründen während des Weltkrieges zu den Mittelmächten, vor allem zu Oesterreich und den Habsburgern hielt, war Lerroux als sranzosenfreundlich bekonnt. Di« Deutsche Republik braucht aber aus dieser damaligen Einstellung des neuen Außenministers nichts zu befürchten, wenn sie selbst ihren rcpublikanisch-sreiheitlichcn Cha- rakter nicht verleugnet. Dafür bürgen schon die durchaus herz- lichen Beziehungen zwischen den deutschen und den spanischen Sozialisten, die zwar infolge der geographischen Entfernung bisher nur spärlich sein konnten, die aber stets bei jeder Gelegenheit zutage getreten sind. So hat der neuernannte Bürger- Meister von Madrid, Genosse S a b o r i t, nach dem Hamburger internationatcu Kongreß 1923 in einer sozialistischen Kundgebung in der Bötzow-Brauerei in Berlin eine Rede gehalten, die vom jetzigen Pressechef der Reichsrcgierung, Ministerialdireltpr Zcchlin, übersetzt wurde. Erst türzlich hatte der spanische Parteivorstand ein herzliches Beileidstelegramm zum Tode Hermann Mijlltrs gesandt. Umfassende Personalveränderungen in der inneren'Verwaltung ebenso wie in den Auslandsvertretungen werdsn von der neuen Regierung angekündigt. We das„Berliner Tage- blyst" aus Madrid meldet, ist als spanischer Botschafter in Berlin der Journalist Alvarez del Lays in Aussicht genommen, der hier kein Unbekannter ist. Er war noch dem Kriege während mehrerer Jahre Vertreter spanischer und argentinischer Zeitungen in Berlin und Borsitzender des Vereins der auslän- dischen Presse. Er gehört der Sozialistischen Partei an und stand sogar auf ihrem linken Flügel. Während der Diktatur wurdü er mehrfach wegen seiner publizistischen und rednerischen Tätigtest in Haft genommen. Einmal gelang es jedoch einer Intervention de» Verbandes der Bölkcrbundsjournalistcn, dem er angehört, seine baldige Freilassung zu. erwirken.' Vrovisorische Verfassung verkündet. Madrid. 14. PpxU. Izn Rathans von Madrid ist die Republik aus- renk» worden. Die provisorische Regiprung tpird eine roklamation veröffentlichen, die außer einen» Manifest an die Nation auch die provisorische Ber- fassung in großen Linien enthalte, die solange Gel- tung haben wird, bis die verfassunggebenden Eortes über die endgültige Qerfassnng beschlossen haben. Die erste Handlung der neuen Regierung wird die Perkündung der Amnestie sei««. Es ist tele- phonische und tclcgraphiiche Anweisung gegeben wyrdeo. sämtliche politischen Gefangenen sofort in Freiheit I* setzen. in Spanien. in der Regierung. Eine Abordnung von Offizieren hat beim neuen Kriegsminister vorgesprochen und angeboten, sich in Ber- waltungsposten zu betätigen, bis die Armee e n d» gültig reorganisiert ist. Die Uebertragung der Befugnisse der bisherigen Re- gierunq auf die neue provisorische Regierung ist durch- geführt worden. Tie definitive urrd offizielle Verkün- dung der Replubik soll erst nach endgültigem formellen Uebergang der Regierungsbefugnisse erfolgen. Alfons hat Madrid im Auto verlassen. Madrid. 14. April. Der König hät heute abend um 10 Uhr mitlclcuropäischer Zeit in Begleitung des Morincwinistsrs der letzten königlichen Regierung, des Herzogs von Minrnda und des Infanten Alsonjv die Hauptstadt.im Automobil verlassen. Er fährt«ach Cärtagena.(Noch einer anderen Meldung begibt er sich noch E 0 d i x.) Die königliche Familie chird morgen voömittag um 9 Uhr mttkeleuropäischer Zeit die Hauptstadt verlassen. Näheres über den künftigen Aufenthaltsort des Königs und seiner Fomili« ist noch nicht bekaniü geworden. Da der König äe stcto auf den Thron verzichtet hat und unmittelbar daraus die Republik ausge» rufen wurde, sind keine Abdankungsdoku Menke unter- zeichnet worden. Alles deutet darauf hin, daß das gesamte Gebiet des bisherigen Königreiches Spanien limftig eine Bundesrepublik bilden wird. Republik Katalonien.» Barcelona. 14. April. Auf dem Bürgcrmeifteromt und auf dem Gebäude des Pro- vinziallandtags ist die republikanische Flagg« gehißt war- den. Beide Behörden sind in die Hand der Anhänger des Obersten Macia übergegangen. Die Polizei leistete keinen Widerstand und wagte gegen die republikanischen Demonstranten. an deren Spitze sich Mocia gestellt hatte, in keinem Augenblick ein- zuschreiten Oberst Macia betrat dos Gebäude des Provinzialland- tags und forderte, daß es ihm übergeben werde. Dies geschah noch einem gewissen Widerstand? Oberst Macia vcrössentlichte hierauf folgende Erklä- r u n g:„Im Namen des katäloiiischen Volkes rufe ich dnr katalanische» Staat unter republikanischem Regime aus, bissen Einführung ich gleichfalls für die übrige n iberischen Völker wünsch«, mit denen wir eine Konföderolian der idedschen Völker zwecks Befreiung von der Monarchie der Bourbonen bild«n werden. Wir wünschen, daß diese Stimme zu allen freien Staaten im Narnen der Freiheit, der Gerechtigkeit und des Frieden» unter den Völkern dringt. Gezeichnet Frances Macia, Präsident der katalanischen Republik." Glückwunsch öer deutschen Sozialdemokratie. Der Parteivorstand hat an die Sozialistische Partei Spaniens am Dienstagnachmittag folgendes Glückwunschtelegramm abgesaust: „Die deutsche Sozialdemokratie, die stärkste Trägerin des republikanischen Godantcns in Deutschland, beglückwünscht aus das herzlichste die spanischen Sozialisten zu dem herrlichen Sieg der Republik in Spanien." gez. Otto Wels. Berenguer und fein Bruder verhastet. London, 14. April.(Eigenbericht) Auf Anordnung der republikanischen Regierung wurde äm Dienstagabend der ehemalige Diktator, General V e r e n g u s r und sein Bruder Frederiro, der bisher Milityrgouverneur von Ma- drid gewesen ist. verhostet. Letzterer weigerte sich, zurückzutreten und seine Machtbefugnisse einem republikanischen Beamten zu über- geben. Ungeheure Menscheumagen ziehen jubelnd durch die Stadt. Arbeitszettkürzung setzt sich durch. Sie schafft Arbeitsgelegenheit. Dresden. 14. April.(Eigenbericht.) Vor einiger Zeit gelang es in der Dresdener Straßenbdhn-A.-G.,' an Stelle der bisherigen 48stündigen Arbeitszeit die 4 4-S t u n d e n- W o ch e einzuführen. Durch diese Herabsetzung tonnten über Ztzg Erwerbslose untergebracht werden Nunmehr ist auch der Rat der Stadt Dresden dazu übergegangen, für dos T�i e f- bauaint(Straßenreinigung, Kanalbctriebsinspektion), für die Garlenvcrwaltung und für die Arbeiter der Volksbäder und des Güntz-Bades die 44stllndige Arbeitswoche, einzuführen. Sie trat in diesen Betrieben mit dem 12. April in Kraft. Etwa 40 Ein- stellungen sind durch diese Arbeitszeitoerkürzung möglich ge- worden. Der Gesamtoerband hatte gefordert, die 44stündigc Wochen- arbeitszeit in ollen städtischen Betrieben zur Durchführung zu bringen. Leider'ist das bis fetzt noch nicht gelungen. Die getroffene Vereinbarung läßt jedoch die Einbeziehung weiterer Betrieb« und Geschäftsstellen offen. Bielefeld, 14. April.(Eigenbericht.) Die hiesige Wäschcfabrik Ernst K a st A. G., die zur Zeit eine Belegschaft von 250 Köpfen unterhält, wird ab heute die 40-Stundcn-Woche einführen. Da zugleich auch eine Ausdehnung der bisherigen Produktion beabsichtigt ist, dürften etwa 100 Arbeitskräfte neu eingestellt werden können. Die zur Zeit in der Fabrik beschäftigten Personen erleiden durch die Kürzung der Arbeitszeit einen Lohnausfolt von etwa 15 bis 18 Proz. Erledigter Schwindel. Geschlossene Arbeitsaufnahme im Baugewerbe. Entsprechend dem Beschluß der Baudelegierten der Baugewcrk-. schoft Berlin des Baugewerksbnndes ist gestern auf f a st allen Berliner Baustellen die Arbeit wieder aufge- n o m m e n worden. Um den bombastischen Ausruf der RGO., in dem zur Weitersührung und Lerbreilerung des Kampfes aufgefordert wurde, hat sich kein Menlch gekünimert. Diese Richtbeachtung der KPD.-Parolen zeigt am besten, wie es mit der angeblichen Führung des Bauarbeitcrkampfcs in Berlin durch die RGO. bestellt gewesen ist. Lediglich auf einigen Baustellen wurde gestern noch nicht gearbeitet, und zwar entweder wegen Differenzen mit den Bauführern wegen der Wiedereinstellung, oder wegen bRaterialmangel und aus ähnlichen Gründen. In nicht un- erheblichem Matze trug auch das Regenwetter dazu bei, datz mll der Arbeit noch nicht überall wieder begannen wurde. Die RGO. kann also im wahrsten Sinne des Wortes dem Himmel danken, datz ihren Strcikparole wenigstens infolge des schlechten Wetters noch nicht von einigen hundert Bauarbeitern befolgt wurde oder vielmehr l», freiwillig befolgt werden mutzte. Im Laufe des heutigen Tages dürfte auf allen Berliner Bau- stellen die Arbeit wieder im Gange sein. Die Disziplin der frei- gewerkschaftlich organisierten Berliner Bauarbeiter— und daran war von vornherein gar nicht zu zweifeln— hat sich gegenüber den Phrasen der RGO. als die stärkere Macht erwiesen. Damit ist wieder ein Ricsenschwindel der KPD. erledigt. Vereinbarung in der Herrenkonfektion. Der Schiedsspruch allgemeinverbindlich. Der Schiedsspruch für die Herrenkonfektion ist allgemeinverbindlich erklärt worden. Die Unternehmer hatten den Spruch abgelehnt, die Arbeiterorganisationen hatten ihn angenommen und die Allgemeinverbindlichkeitserklärung beantragt. Dieser Tage fanden im Reichsarbeitsministcnum die Nachverhand- lungen statt. Dabei kam es zu einer Verein barung der Par- leien. Der neue Reichstarif und das Lohnabkommen find mit Wirkung ab 7. April in Kraft getreten. Selbstentlarvung der NGO. Sie denkt nicht daran, selbst etwas zu riskieren. Mit großem Tamtam stürzen sich die Marktschreier der söge- nannten Revolutionären Gewerkschafts-Opposstion in den Betrieos- rätewahlkampf bei den Berliner Eisenbahnern. Die bisherigen Zugpferde und eine Anzahl von Süddeutschland oder Ostpreußen herangezogene orts- und betriebsfremde Personen haben ihre Werbe- traft'bei den Berliner Eisenbahnern schon eingebützt. Die ort- l i 6) e n Berliner RGO.-Betriebsräte schämen sich, innerhalb ihrer Dienststellen Bericht über ihre Betriebstätigkcit zu erstatten. Hier wird gemäß der Parole Moskaus nur gegen den Einheitsoerband und wenn dieses nicht zieht, gegen die SPD. gewettert. In der öffentlichen Versammlung am 11. April der Station Anhalter Güterbahnhof, der Bahnmeistereien 81 und 82. die von knapp 40 Personen besucht war, erklärte das kommu- nistischc Bctriebsratsmitglicd Hollmann:„Die RGO. ist nicht dumm genug, nach der Wahl roter Betriebsräte bei irgendeiner Auseinanderfehung mit der Deutschen Reichsbahn-Sesellschast die Eisenbahner zum Streik auszurufen. Würde die RGO. dies tun. dann wäre sie nicht nur verantwortungslos, sondern würde auch Selbstmord begehen. Vielmehr bedarf es langer Zahre, den Beweis zu erbringen, daß die RGO. bzw. ihre roten Betriebsräte besser or- beiten würden als die bisherigen freigewerkfchastlichen.' Was Hollmann in seinen Trainingstunden bei der RGO. ye- lernt und nun ausgesprochen hat, b e st ä t i g t, daß die Eisenbahner in der gewissenlosesten Art belogen werden. Vorläufig über- lassen sie, wie er sagte, dem.Einheitsverband die Beseitigung des Lohnabbaues, der Feierschichten und, weil er stark genug ist, auch den Sturz der Regierung Brüning, denn er hat, wärt- lich wiedergegeben,„immer noch die Hand an der Gurgel des Staates". Auch in der Betriebsversammlung des Wagenwerkes Anhalter Bahnhof am 10. April, die von 12 Arbeitern besucht war. bei einer Belegschaftsstärke von 250 Personen, stellte der kommunistische Land- tagsabgeordnete Steinfurth zu dem Bericht des RGO.-Bc- triebsrates Z i r k(Jörk hat gekniffen) fest, datz dieser Geschäftsbericht nicht als Geschäftsbericht zu bezeichnen fei, wie er von einem roten Betriebsrat von der Zentrale verlangt würde. Diese Beispiele der Selbstentlarvung zeigen, mit welchen Kennt- nissen die roten Betriebsräte ausgestattet sind, aber auch, welchen Mut diese Herrschaften besitzen. Oer Weg zur Einheii. poliere verhandeln mit dem Baugewerksbund. Die der gesamten Bouarbeitnehmerschaft drohende Gefahr, während der Krisis im Baugewerbe vom Unternehmertum im Lebensstandard auf Jahre hinaus tief herabgedrückt zu werd»», zwingt ihre Organisationen zu stärkerem Zusammenhalt. Der An- schlutz der freiorganisierten Dachdecker an den Deutschen Bau- gewerksbund war ein Schritt hierzu, und aus dem Bundestag des Polier-, Werk- und Schachtmcistcrbundcs. der dieser Tage in Dortmund'stattfond, standen die Pläne zur Schonung einer Einheitxorganisotion oller Poliere, Werk- und Schachtmcister im Baugewerbe im- Vordergrund der Beratungen. Die Notwendig- keit einer solchen Einheitsorganisation kann nicht bestritten werden. Die jüngsten Torifoerhandlungen im Baugewerbe zeigten zur Gc- nüge, was die Bauunternehmer im Schild« führen, und die Massen- kündigungen von Polieren und Schachtmcistern sind ein Beweis da- für, dotz die tariflichen und gesetzlichen Rechte dieser baugewerblicheit Angestellten stark bedroht sind. Daher der Ruf nach der Einheits- orgainfation. Um ihr den Weg zu ebnen, sollen die hierfür zwischen dem Polier- und dem Baugewcrksbund bereits aufgenommenen Ver- Handlungen weitergeführt werden.> parieibuch im Statistischen Landesamt. Die„Chnstlichnationalen" tun, was sie andern vorwerfen Schon wieder müssen wir uns mit den jetzt geradezu recht merkwürdig werdenden Verhältnissen im Statistischen Landesamt beschäftigen. Bon unterrichteter Seite werden uns wenig erfreuliche Dinge berichtet. Ganz unfaßbar scheint darunter die Totsach« zu sein, datz bei der Kündigung im April von 32 Angestellten 35 Proz. der Gekündigten auf die frei- gewerkschaftlich Organisierten entfallen, während die ch r i st l ich n a t i o n a l e Richtung nur ganze 10 Proz. stellt. Besonders auffällig dabei ist, daß einige vom ZdA. auf die christlichnationole- Betrtsdsratsliste hinüber geschaukelte„echte Klafsenkämpfer" recht liebevoll behandelt worden sind. Man scheint die Abwesenheit des republikanischen Personal de zernenten als willkommene Gelegenheit be- nutzt zu haben, um diese preutzifchc Behörde von Freigewerkschaftern und Republikanern zu säubern, wobei die sehr stramm„auf dem Boden der Tatsachen" stehenden rechtsradikalen Beamten hilfreiche Unterstützung geleistet zu haben scheinen. Wir nehmen natürlich nicht an, daß die geübte Form der diesjährigen Massen- entlassungen in irgendein« Beziehung zu bringe» ist zu den dem- nächst wieder beginnenden Verhandlungen vor dem Untersuchungs- ausschirtz des Landtages. Der Zentralvcrdand der Angestellten wird bei der Amtsleitung keine Zweifel darüber aufkommen lassen, datz die ganze Angelegenheit mit dem Hinauswurf der Freigewerkfchofter noch lange nicht erledigt ist. „Nheinschifferstreik." Ausgeblasener Kommunistenschwindel. Die„Rote Fahne" trompetet stolz von einem angeblichen„Rhein- fchisfcrstrcik". Ihre Quelle ist die nicht minder zuverläjsige Mann- heimcr kommunistische„Arbeiter-Zeilung", die am 11. April an der Spitze ihres Haüptblattes unter dreispaltiger Ueberschrift solgcndc Notiz bringt: „In einer Bordversammlung, an der sich das Personal der ---chiffc„Nancy",„Lyon",„Boulognc",„Reims",„Saint Mala", „Länierburg" und„Hagenau" beteiligte, wurde nach einem kurzen Referat eines Vertreters der Revolutionären Gewertfchofts- Oppositiizn befchloffen, sofort gegen den Lohnraub der Rhcinreeder in den streik zu treten. Der Streik breitet sich auf weitere Schiffe aus. Unter Führung der RGO. gehen die Schiffer daran, fäintliche den Rhein befahrcnde Schiffe und die Schiffe auf den Ilüsien restlos stillzulegen." Die Meldung ist eine einzige Lüge. Erstens find die genannten Schiffe Eigentum der„Compaguie Generale ponr!c Navigation" in Stratzburg. Sie und ihre Besatzung kommen für den gegen- wärtigen Torifkampf des deutschen Rheinschifspcrsonals gar nicht in Frage. Zweitens liegen diese Stratzburger Schiffe seit etwa zehn Wochen auf der Ludwigshafener Rheinfeite st l l l. An Bord sind vier Wachtlcute sowie einige Reparaturarbeiter(Metall- arbctter). Es ist natürlich purer Unfug, zu behaupten, diese Leute, die mit der deutschen Bewegung nichts zu tun haben, hätten in schlössen,„sofort in den Streik zu treten". Die weitere Meldung, datz im Mannheimer Hofen 12 0 Schiffe stillgelegt sind und die Hälfte der Mannschaften entlassen ist, stimmt. Es stimmt sogar, datz die n o ch in Arbeit stehende» Binncnschifser sest cntschlosien sind, lieber das Risiko eines Streiks auf sich zu nehmen, als die g c- plante Verschlechterung der Lohn- und Zirbeitsbedingun- gen, die das Personal der Rheinschiffahrt um gut 20 Jahre zurückwirft. Eine Lüge ist aber die Behauptung, daß diese Kampf- entschlösse nhcit unter der„Führung" der RGO. entstanden ist. Das Personal der Rhein schiffahrt steht ge- schlössen hinter ihrer gewerkschaftlichen Organi- s a t i o n, die mit allen Mitteln den Plan der Unternehmer zu zzall bringen will, wenn es nicht anders möglich ist, auch durch den Streik auf dem Rhein und am Rhein. Die sagenhaste RGO. hat— vorläufig wenigstens— dort gar nichts zu bestellen. Wahl bei der E. Lorenz A-G. Tempelhof Bresche geschlagen in?�GO-Hochburg. Durch Entlassungen ist auch in diesem Betriebe die Zahl der Wahlberechtigten stark zurückgegangen. Im Vorjahre wurden ins- gesamt 2703 Stimmen abgegeben, in diesem Jahre dagegen 1935 Stimmen und zwar 1501 der Arbeiter und 434 der Angestellten. Die RGO.-Liste erhielt 815 Stimmen(1348 im Borjahre), die srei- gewerkschaftliche Liste 035 Stimmen(874)'. ungültig waren 51 Stimmen. Von den Angestellten stimmten 255 für den AfA- Bund(376). 1l7 für den'GdA(105) und 62 für den DHV.: un- gültig waren 62 Stimmen. Im Arbeiterrot haben die Frei» gewerkschaster sechs Sitze anstatt fünf erhalten, wäh- rend die RGO. sieben statt neun Sitze bekam. Im Betriebsrat haben die Gewerkschaften vier Arbeiter- und drei Angestelltenmandate, die RGO. sechs Sitze und der GdP. einen Sitz. Im Angestelltenrot haben der AfA-Bund sechs Mandate, der GdA. zwei und der DHV. eines. Unter den obwaltenden Verhältnissen bedeutet diese Wahl einen gewerkschaftlichen Erfolg, den die RGO. trotz größter An- strcngungen an Lügen und Verleumdungen nicht verhindern konnte. Bei Llllstein enischeidei das Los. Die Wahlen zum A n g e st e l l t c n r a t der Firma Ullstein hatten eine Beteiligung von ungefähr 70 Prozent. Abgegeben wurden l453 Stimmen, van denen 33 ungültig waren. Aus die Liste 3, die als„rote Einheitsliste" firmiert und auf der der GdA.- Mann Axmann kandidierte, entfielen 734 Stimmen, für die frei- gewerkschaftliche Liste 4 wurden 624 Stimmen abgegeben. Den sechs Freigewerkschaftern stehen sieben sogenannte„Rote" gegenüber. Das GdA.-Mitglied verwässert etwas das Bild: die Hoffnung ist"«der nicht sehr groß, da ja auch der GdA., wenn seine Agitation in Gefahr ist, der RGO. seine Sympathie erweist. Da auch beim Zlrbciterrat 1544 Stimmen der freien Gewerkschaften 1544 Stimmen der RGO. gegenüberstehen, wird es von der Loscntschcidung abhängen, ob die Ullstcin-Belegschaft noch ein Jahr eine wenn auch stark verminderte RGO.-Vertretung haben wird. Guie Aussicht für Bergbauabkommen. London. 14. April. Der englische Bergbaüminister Shinwell teilte am Dienstag im Unterhause kurz das Ergebnis seiner Pariser Verhandlungen über die Arbeitszeit in den Kohlenbergwerken mit. Im Laufe der Verhandlungen hätten sich die Ansichten der verschic- denen interessierten Regierungen einander soweit genähert, dotz sich die Aussichten für die baldige A n n o h m e des internotto- nalen Arbcitszcitobkommens im Bergbau erheblich ver- bessert hätten. An den Verhandlungen seien u. a. die deutsche, polnisch«, französische und belgische Regierung beteiligt gewesen. t Freie G ewerkschafis-Luaend Berlin Heu», attittirod». 1»>4 Ulli, tnaen Sie Gruppen: SanmMmUa»««:?»- arnificim(Emftftt.]fi. Heim bleibt qefcftlofftn.— RculöU»:©tuppen. beim SfraftT. 29(Hof). Bunter Abend.— EübweZte»: Stüiit. Jugend» beim Borrfftr. U, Kabrilgebünbe. Di«©emertichaften im Ausland(Kronlreich). — Zslngbaieu: Iuaendbeim Neukölln, lsluabofenstr. 68. Wir als Beru-sschiller. Anfaaben und Pililbtrn.— Spandau 1 Iuaendbeim Lindenufcr l. R©O. oder AD©B.?— Nordring: Iuaendbeim Eonnendurgcr Etr.'20. Lobnabbau und Gewerktchaften.— S-böncberg: Jugendheim Sanplstr. lS. Lustiger Abend.— Kumboldt: Jugendheim©raun. Ecke Lorbingltrahe. Erlebnisse von den Ostcr- fahrten.— Tegel: Jugendheim Tegel, Sehöneberger ölr. 4. Wir berilbtcn aus unferrn Berufen.— Oftkreis: WcrBeperanstaltunä llllb vhr in der Aula des Reform-Reol-Gumnonums. Bcrlin-Lichtcnbcrg, Parkauc 12. ©�»uaendoruppe 0es?ev.„Iragrn, die uns angehen."— Stralau: Iiiqendhcim der Sckiule©ohlerstr. Sl.„Unfcr Iahrieglied." Bor- tragrnder: Weihenberger.— Neukölln: Jugendheim Böhmische Sir. Z t. Ecke Kann er Slrahe Borirag:„Mehr Iugcndschun und Iuaendrccht". Referent: Eschbach.— Siibast: Jugendheim Wranqelstr. 128.„Warum bin ick> im IdA.?" — Spandau: Jugendheim Lindcnufer 1. Wir ilbcn nrue Lieder.— Potadam- Rowawes: Jugendherberge Rowowes, Pricsterstrahc. Ausspracheabend.— SSponick: Iuaendbeim Dahlwiher Str. IS((Sa-gnsiall«nn Bahnhof lköpcnickl. Wir lesen und besprechen:„Das.gommunistifche Manifest". Leitung: Holt. Verantwortlich fiir Politik: Kranz tklüb«: Wirtschaft: ffi. Alingelhöfer! ©ewerklchaslsdeioegung:?r. Ehlorn:>Zenillelon Dr. John Schitowski: Lokale»: und Sonstigcs: Krig«arftöbt; Anzeigen: Tb.©locke: sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts-Verlag© m b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckcrek und Berlogsanflalt Paul Singer u. Da. Berlin SM. 68, Lindenstrahl a Sierzu 2 Beilagen. Die Kaufkraft jeder Mark ist größer, wenn Sie Opel wählen. ADAM OPEL A.C., RDSSELSHEIM AM MAIN Personenwageu• Lastwagen• Fahrräder Hohe Qualität niedrige Preise große Leistung geringe Kosten ZwcWiizer(offen).... RM 1990 WttnxiTGr(offen)..... HM 2350 Cabriolei(m. 2 Reserve*.) HM 2500 Limousine(viersitug).. RM 2700 Licferwagco....... RM2400 fünffach bereift• Preise ab Werk. • Eine Anzahlung genügt,- für das Weitere bürgt uns Ihr guter Ruf. Unser Händler erklärt Ihnen den günstigen Zahlungsplan der Allgemeinen Finanzierungc Gesell- •cbaHL Ar. 174* 48. Jahrgang -1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 16. April 1931 Berlins neuer Magistrat Sahm, Lange, Elsas und Asch im ersten Wahlgang gewählt. Die ober burgerm eisterlose Zeit ist für die Reichs- Hauptstadt endlich vorbei. Der ehemalige Danziger Sc- natspräsident Dr. Heinrich Sahm ist gestern im ersten Wahlgang von den Berliner Stadtverordneten zum Oberbürgermeister gewählt worden. Es wurden bei einer absoluten Mehrheit von 10Z Stimmen 1 10 Starten für ihn abgegeben. Tie Deutschnationalen hatten ihrem Standidaten die Blamage des sicheren Durchfalls nicht erspart. Ihr Kandidat erhielt 46 Stimmen. der Kommunist Pieck 52 Stimmen. Die gleichfalls zu wählenden zwei B L r g e rm e i st e r und der Stadt- kämmcrer wurden ebenfalls gleich im ersten Wahl- gang Utit Mehrheit gewählt. Ter bisherige stellver- tretende Slämmerer Friedrich Lauge erhielt 106 Stim- men. der bisherige Vizepräsident des deutschen Städte- tages Dr. Elsas 112 Stimmen und der zukünftige Ber- lincr Stadtlämmerer Bruno Asch aus Frankfurt a. M. 101 Stimmen. Das Stadtparlamcnt hatte seine» grasten Tag. Presse- und Zuschauertribüne» waren überfüllt und die einzelnen Fraktionen hatten alle ihre Mitglieder mobil gemacht. Von der sozialdemokratischen Frak- t i o n fehlte nicht ein Stadtverordneter. Durch diese Disziplin gelang es einen neuen Verschleppungsversuch der Deutschnationalen zu vereiteln. Das Haus vertagte sich nach der Wahl der unbesoldeten Stadträte aus Ton- ncrstag nächster Woche. * Die Wahl der besoldeten Magistrotsmitglicder. also des Oberbürgermeisters, der beiden Bürgermeister und des Kämniererz wurde programmäßig um ISM Uhr begonnen. Ihr folgte die Wohl der sechs unbesoldeten Magistratsmitglieder. Zunächst mochten die Deutschnationalen einen letzten V« r s ch l« p p u n g s v« r s u ch. in- dein sie die Vertagung der Wahl bis Alm Donnerstag beantragten. Die Abstimmung zeigte wieder einmal, daß gewisse Fraktionen völlig direttionslos in der Versammlung herumlavieren: die Dcutschnatio- nalen, die Kommunisten, die Nationalsozialisten und die Splitter- sraktionen stimmten zunächst in trautem Verein für die Vertagung. während die Sozialdemokraten, die Volkzpartei, die Staatspartei, das Zentrmn und die Wirtschaftspar teiler dagegen waren. Die Abstimmung wurde angezweifelt, der Vorsteher ließ noch einmal die chände hochheben und auszählen. Nun ergab sich, daß die Nationalsozialisten sich der Stimme enthiel- ten, während der größte Teil d«r Wirtschastspartei für die Ver- tagung votierten. Man war sich also bei den Nazis wie'auch bei den WirtstHoftsparteilern durchaus nicht einig, wie man seine Stimme abgeben sollte. Durch die Auszählung wurde festgestellt, daß SS Stadtverordnete fDeutschnalionole. Kommunisten. Wirtschasls- parteiler und die Splittergruppen) für die Vertagung waren. Für die Erledigung der Wahl stimmten 104 Stadtverordnete. Die Saboteur«, also die Parteien, die am liebsten sofort nach dem „Fall Bäh" den Oberbllrgermeisterposten Halz über Kopf wieder besetzt hätten, hatten jetzt gute Weile damit. Bei stark besetztem Hause— es kamen im ersten Wahlgang 222 Stimmzettel ein, bei 225 Stadtverordneten, die s o z i a l o e m o- k ratische Fraktion war oll zähl ig vertreten— wurde im Namen der Mehrheit des Wahlausschusses als Kandidat für den Oberbürgernreisterposten Dr. Sahm vorgeschlagen, während die Deutschnationalen den 67iährigen früheren Direktor des Zweck- Verbandes Berlin Dr. Steiniger, und die Kommunisten ihren Allerweltstandidaten, Herrn Pieck, benannten. Pieck hätte also von Moskau für die Auzüluing des Oberbürgermeisterpostens Urlaub bekommen müssen, denn er wird fest Monaten in der Sowjet- liauptstadt festgehalten. Doch die Mehrheit der Abstimmenden cnt- hob die Rechtser und Linkser der-Sorge um ihr« Kandidaten. Ab- gegeben wurden beim nanientlickx» Anfnif der Stadtverordneten 225 Zettel, davon waren 13 unbeschrieben, also ungültig. Di« a b- solute Mehrheit betrug 105 Stimmen. Auf Dr. Sahm entfielen 110 Stimmen, er war £lso im ersten Wahlgang gewählt; auf Pieck vereinigten sich 52, aus Steiniger 46 Stimmen. Dann wurde sosort die Wahl für den einen der beiden Bürgermeister vorgcnonnncn. Vorgeschlagen wurden namens der Ausschußmehrheit der stellvertretende Kämmerer Lange(Soz.), von den Kommunisten Braun und von den Deutschnationalen Dr. S t e i n h o f f. Auch bei der Wahl der Bürgermeister war nur ein Wahlgang nötig, denn von 229 abgegebenen Zetteln waren 29 ungültig, die absolute Mehrheit betrug also 191. Genosse Lange erhielt 106 Stimmen. war also ebenfalls sofort gewählt, während Braun 51 und Steinhotf 42 Stimmen erhielten. Das Ergebnis der Abstimmung wurde van den Sozialdemokraten mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Bei ter Wohl der anderen Bürgermeister gab es eine kleine Demon- ftration der Deutschnationalen. Ihr graktionsführer Gran aß erklärte nämlich, sein« Fraktion werde sich an den weiteren Ab- stimmungen nicht mehr beteiligen. Granaß wie auch der als Redner folgende Kommunist Wisncwski konnten sich noch nicht an die neue Geschäftsordnung gewähnen, die ihnen wohl dos Recht zu Erklärungen oder Kandidatenvorschlägen gibt, nicht aber dabei zu Angriffen aus Fraktionen. Sie mußton beide vom Vorsteher unterbrachen werden. Kandidaten für den anderen Bürgermeister waren für die Ausschußmehrheit Dr. Elsas fStoatsportei), für die Kommunisten wieder Braun. Es kamen 167 Zettel ein. 3 Stimmen waren ungüllig, die absolute Mehrheit betrug diesmal 83 Stiinmen. Dr. Elsas wurde mik 112 Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Braun erhielt 51 Stimmen. Zum Kämmerer schlug die Ausschußmehrheit den Sozialdemokraten Bruno A s ch vor, die Kommunisten den Stadtverord- neten Schwenk. Auch Genosse Asch wurde im ersten Wahlgang gewählt, da er von 168 abgegebenen und 154 gültigen Stiinmen 191 erhielt, während Schwenk 51 Stimmen bekam. Bei allen Mahlgängen waren einige Stimmen zersplittert, woraus sich die Differenz zwischen der Zahl der gültigen Stimmen und der Summe der auf die Kandidaten entfallenden Stimmen ergibt. Oie unbesoldeten Stadträte von Berlin. Für die unbesoldeten Stadträte waren Listen aus- gestellt. Die sozialdemokratische Liste begann mit den Namen Ahrens, O r t in a n n. die kommunistische Liste mit Fritz Lange- Neukölln, was mit stürmischer Heiterkeit ausgenom- men wurde; die Deutschnationalen hotten ihren L i n x w e i l e r an die Spitze der Liste gesetzt, die Dolkspartciler I u r s ch. Als Ergebnis der Verhandlungen zwischen den Mittelparteien und den Sozialdemokraten um eine Mehrheit bei den Wahlen war eine Listenoorbindung zwischen der sozialdemokratischen und der valk-- parteilichen Liste erreicht worden. Die Liste Slhrens erhielt kil Stimmen und 2 Stadträte. Liste Lange 51 und 1 Stadtrat, Liste Linxweiler 49 und ebenfalls 1 Stadtrat und Lifte Jursch 53 Stiinmen und 2 Stadträte. Gewählt sind also die Genossen Ahrens und Orlmann. der Volksparleiler Iursch, von der Wirtschaftsparlei stinschcr, ferner der Kommunist Lange und der Deukschnakionalc Linxweiler. lim 2134 Uhr waren die Wahlen endlich abgeschlossen. Ein Antrag der Mittelporteien, die Sitzung bis zum Donnerstag klugieim Benin-Breslau aMeslürzl tflpH Pilot und Bordwart getötet.— Vier Schwerverletzte. Görliti. 14. April. Arn Tienstagmittag stürzte das auf der Strecke Berlin— Breslau verkehrende Flugzeug„D 1028" bei Rietschcn in der Oberlausih ad. Tie Maschine war mit drei Mann Besatzung und sieben Passagieren besetzt, von denen zwei getötet und vier schwer verletzt wor- den sind. Getötet wurden der Flugzeugführer S ch i r- m e r und der Bvrdwart Bischof. Tie Schwerverletzten befinden sich im Krankenhaus in RietscheR- Ueber das Schicksal des Bordfunkers Stoewer ist noch nichts br- kannt. Auch sind die Personalien der verunglückten Passagiere noch nicht festgestellt. Wie zu dem Flugzeugunglück bei Hähnichen von der Lufthansa »ach mitgeteilt wird, war das Flugzeug v 1928 auf einem Sonderflug von Berlin nach Görlitz begriffen. Außer dein Flugkopitän Schirner und dem Funkermaschinisten Bischoss, die beidc getötet wurden, befanden sich noch acht weitere Insassen an Bord. Nach den bisher eingelaufenen Nachrichten sind vier schwer und vier leicht verletzt. Eine Sachocrständigenkoinmission ist zur Unter- suchung des Unfalls zur Unglücksstclle abgegangen. Wie Augen- zeugen berichten, soll der Absturz des Flugzeuges, der sich um 13.50 Uhr ereignete, brennend crsolgt sein. Die Verletzten wurden in das Cmaus-Krankcnhaus Nicski)(Oberlausitz) eingeliefert. Unter den Verletzten soll sich ein Herr Sauberzweig aus Berlin befinden. Unter den Fluggästen befanden sich außerdem die Herren von Hühnersdorf aus Berlin, Schnieivindt aus Potsdam und Bork aus Berlin-Wilmersdorf! ob sie zu den Verletzten zählen. ist noch nicht bekannt. (Schluß.) Bald fährt der schnelle Wagen an ihren Spargelfeldern vorüber. Sie haben das Kraut bereits gemäht; es liegt zu Haufen geschichtet, es liegt zum Verbrennen bereit. Andreas hat, auf Luisens Vorschlag bin, den Kutscher ge- heißen, bis zum Friedhof zu fahren. Während der Wagen umkehrt, stehen sie um das Grab. Es trägt viele Astern und «inen Stein: in dessen Rückseite ist in groben Buchstaben ge- meißelt: Viel Tod, viel Leben. Anna Maschke sieht es, und tröstet sie. Wenn nur das Kind gesund sein möchte... nur das Kind! Lene sieht es, und jetzt gefällt es chr. Ihr Vater ist tot: aber ihr Boden lebt. Alles ist gut jo. wie es geschah. Schmitzer sucht ihren Blick: aber der läßt sich nicht finden. Gern würde er ihr sagen, daß er nun zu den Menschen ge- hört, die das Stubbenland gerne trägt, und die das Stubben- land groß machen werden: zu den Menschen nämlich, die nicht in ihren Gefühlen ersticken. Erst als sich die weiße Nebelmilch ins Dunkel gießt, gehen sie nach Hause und schlafen fest in ihren Häusern. Draußen rinnt im Winde die Sanduhr Gottes, das Stubbenland. * „Ich habe veranlassen können, daß der Stubbenlander Spargel bei den Marktpreisen besonders notiert und in der Presse sowie im Rundfunk genannt wird. Ich denke, Sie werden begreifen, daß dies wieder ein großer Schritt vor- märts ist." So hat Herr Schmitzer vor fünf Tagen in dem ihm jetzt eigenen Direktorenjargon gesogt. Seither sitzen Korns jeden Morgen am Lautsprecher und erwarten fiebernd die Markt- preise. Luise gibt sich den Beweggrund zu: Androps hingegen erfindet immer einen anderen Vorwand, um zur passenden Zeit im Zimmer zu sew, Sie sind die altea Kioder gebQebe«. obgleich sie doch jetzt gewissermaßen Eltern sind: Eltern des dreijährigen kleinen Maschke, der heute wie immer draußen auf dem Kzofc kräht und spielt— gesund und gerade, Luise kann ihn vom Fenster aus sehen: Andreas ist heute noch nicht öa, obschon es bald soweit ist. Hinter dem spielen- den Kinde strecken sich die Spargelfurchen, und hinter ihnen stehen die Straßenbäume wie Baugerüste des Frühlings und warten auf ihre Fassaden. An die Scheiben rauscht leise der Sand: im Stubbenland hat noch die Stille eist erinnerndes Lächeln: auch ich war Sturm, ehe ich hier zu Reste ging. Wenn Luise sich hinauslehnt aus dem Fenster, kann sie die ganze, geneigte Fläche überblicken, vom Friedhof hinunter zum See. Zwei Gräber hat dieser kleine Friedhof jetzt: im zweiten liegt seit drei Jahren die bucklige Anna Maschke, die im Kindbett starb. Die Ernte ist im Gange: auf jedem der drei Felder ist eine Reihe von sieben Mädchen am Werk. Schon im Vorjahr haben sie zwanzig auswärtige Erntearbeiter beschäftigen können, und heuer sind es dank Herrn Schmitzers Großzügigkeit sogar fünfzig geworden. Die weißen Schuten der Mädchen blühen in die Sonne: manche knien, andere gehen langsamen Schrittes weiter, eine steht über den Hügeln: das ist keine Sachfengängerin, das ist Lene Papendieck, die feit Jahren Hof und Feld versieht wie ein Mann. Die langen «pargelmesser leuchten, die gelben Körbe schimmern. Die Mädchen singen: es ist eine langgezogene Melodie, die den Rhythmus des Bückcns und Sichaufrichtens hat. Die Stim- men sind alle etwas schrill, aber sie singen mehrstimmig, und es klingt gut, wie es ins Fcyster weht. Heiseres, dröhnendes Schnaufen hechelt dazwischen: dos kommt von links, wo noch Stubben sind, und wo die Männer graben und hacken: und das ist der schwarzeiserne Traktor, den die Genossenschast kürzlich gekauft hat, und der an besonders schwierigen Stellen eingesetzt wird. Seine Stahlflanke trägt in sorgfältigen weißen Buchstaben den Namen„Hans", und Paul Maschke steuert ihn. Luise lächelt, wie das eiserne Pferd die Arbeit des alten Hans tut: es zieht an einer Kette, bis der Stubben sich neigt und herausgeschleift wird und einen Zopf aus Wurzeln hat. Die Männer rufen einen hellen Siegesruf, der eiserne Hans läßt seine weiße Triumphsahne aus Dampf in die Luft wehen, und die Kette windet sich um den nächsten Stubben. Jetzt, kommt Andreas über den Hof, geht ganz aufgeregt mitten durch die«char der auseinander stiebenden Hühner, denen das Kind gerade sein Frühstücksbrot verfüttert. Andreas nimmt sich nicht Zeit, es zu streichet«, er tritt hastig in die Stube und gleich an den Rundfunkempfänger:„Ijeute ist es so weit", sagt Schmiger,„er hat es geschrieben bekommen." „Also wenn er das geschafft hat", sagt Luise ehrstirchtsvall und erregt,„dann wird er auch die Konservenfabrik schaffen!" Deim daran hat sie bisher gezweifelt, obgleich die Bauarbeiter schon beim Ausschachten sind. „Gerade da hin, wo unsere Bauhütte stand", will An- dreas berichten,„kommt das Maschinenhaus und—" Achtung, Achtung, Achtung! Hier ist Hamburg, Bremen, Flensburg, Hannover und Kiel. Achtung, Achtung, Achtung! Hier ist Hamburg, Bremen, Flensburg, Hannover und Kiel. Wir geben die heutigen Marktpreise bekannt. Amtliche Notierung. Gemüse: Karotten 50 Pfennig. Spargel erste Sorte 90 Pfennig bis 1 Mark. Kalifornischer Spargel 70 bis 80 Pfennig. Der Ansager hält einen Augenblick inne: man merkt, daß er aus ein Wort stößt, das ihm ungewohnt ist. Und jetzt... und jetzt, sie hallen den Atem an: Stubbenlander Spanzel 1,10 bis 1,20 Mark. Blumenkohl—• „Abstellen!" sagt Andreas ganz heiser. Luise stellt ab. Zehn Pfennig mehr also zahlt man für den Spargel vom Stubbenland. Sie haben beide Tränen in den Augen. Zehn Pfennig also, und der Rundfunk verkündet das. Und das hat sieben Jahre gedauert. Sieben Jahre Not. Das bot zwei Menschen gekostet. Den Riesen Papendieck und die kleine bucklige Anna, die so ungern starb. Das hat drei Rheumatismen und einen Blutsturz gekostet. Das hat zwei Tiere gekostet, sie sollen nicht vergessen sein, Haus, ein Pferd, und Rolf, ein Hund. Nun aber ist es soweit. Nun hat der Mann im Rund- funk zwischen Karotten und Blumenkohl den Stubbenlonder Spargel genannt. Und er ist um zehn Pfennig besser als ge- wohnlicher.. Las alles hat zehn Pfennig gebrocht pro Pfund. Wie viele, große Unglücke sind doch nötig für ein einziges, kleines Glück! Nicht wehren gegen die Tränen. Wir dürfen es geuießen, das Glück. Das einzige, kleine... das gewaltige Glück! Das spielende Kind draußen stößt einen hellen, jubelnde» Schrei aus. Ein Habicht, der herniederstoßen wollte, flieht erschreckt i» die WlldttiH, Kürten berichtet... Schauerlicher Reigen der unglücklichen Opfer I t-i sH k? L. R. Düsseldorf, 14. April.(Eigenbericht.) kürten als Persönlichkeit ist seit heute kein Rätsel mehr. Mag sein, daß die Verhandlung das Bild von ihm abrundet. Aber eines ist vollkommen klar: In diesem Menschen lebte eine stete Mordbereitschast, seine sexuellen Zwangsvorstellungen hatten ihn vollkommen in der Gewalt: er stürzte von einer Be- sriedignng seiner Luft in die andere. Keine brachte ihm die ersehnte Ruhe. Daher die Suche nach immer neuen Objekten. Und doch sehnte auch er sich nach„Ruhe". Ging aber Kürten direkt aus das Töten aus? Er bestreitet das, entweder aus gescheiter Berechnung als Abwehr gegen die ZNordparagraphen, oder weil es wirNich so ist. wie er sagt,„was ich suchte", behauptete er. „war Befriedigung. Der Tod des Opfers war für mich von nebensächlicher Bedeutung. Schon die bloße Verletzung, das Rufen um Hilfe brachte mir nicht selten Entspannung: dann lieh ich von meinen, Opfer ab. Das war ihre Rettung". Dabei führte er das Mordwerkzeug stets bei sich. An verschiedenen Stellen eines Bau- geländes hatte er Hammer versteckt, um sie zu jeder Zeit bei der Hand zu haben. Kürten weih, worum es geht.„Glauben Sie nicht, dah ich bloh aus Verteidigungsgründen die absolute Tötungs- absichk bestreite", meinte er heute. Er spielt den Schicksalsergebenen. Er ist im Gefängnis fromm geworden. Das einzige Buch, das er liest, ist die Bibel, und man fürchtet beinahe, er könnte seinen Zuhörern mit Bibeltexten aufwarten. Und doch schwelgt er selbst im Gerichtssaal noch in den sexuellen Vorstellungen seiner ehemaligen Arrestzelle: seine Stimme zittert verdächtig von gewohnter Erregung. Vielleicht fehlt ihm heute die dunkle Arrestzelle, in der er so schön seine blutbrünstigen Visionen hervorzauberu konnte. Es gäbe wohl eine Möglichkeit, sowohl die Allgemeinheit als auch Kürten vor ihm selbst zu retten— ihn zu sterilisieren. Da hätte er sich aber beizeiten zu erkennen geben müssen, oder man hätte ihn beizeiten erkennen müssen. Zeht ist es zu spät für derartige Ueberlegungen. Nach der Mittagspause werden die drei Fälle des Zl. August besprochen. Kürten führte aus, er habe bis 10 Uhr abends ge> arbeitet, dann sei er zur Kirmes gegangen, wo er Personen anzu- sprechen versuchte. Er verfolgte dann zwei Mädchen, die von der Kirmes kamen. Auf die Aennc Goldhausen stach er i m Vorbeigehen ein und flüchtete dann auf ihre Hilferufe. Ebenso stach er nach Frau Mantel, die„fürchterliche"' Schreie ausstieß, so daß Kürsten schleunigst flückztete. Erst als er Kornblum noch hinterrücks einen Stich versetzt hatte, ließ die sexuelle Spannung nach. Beim Fleher Doppelmord am Samstag, dem 25. August 1929, will Kürten durch das Feuerwerk auf der Kirmes sehr erregt worden sein. Er spricht van einem„Aufruhr der Gefühle". Er fei herumgelaufen wie ein hungriger Löwe. Dann traf er die beiden Kinder, schickte das größere Mädchen nach Zigaretten, und als es ein paar Schritte fort war. würgte er das kleine. Als das größere Mädchen zurückkam, überfiel er es auch. Das Mädchen wehrte sich aber heftig. Er stach es hauptsächlich in den Rücken. Dann säuberte er Hände und Dolch, versteckte das Stilett und ging nach Hause. Am nächsten Tage hat er. sich in Tat- ortnäh« aufgehalten und Gespräche mit Neugierigen gesucht. Darauf sprach Kürten über Gertrud Schutte. Kürten be- zeichnete sie als ein ordentliches, gutes Mädchen. Aber er habe doch angenommen, daß sie willfährig wäre, weil sie ohne Widerstand mit ihm durch Feldwege ging. Kürten bezeichnete es als Un- glück, dah sie mit ihm zusammentraf. Den Dolch, der bei dem Ueberfall abgebrochen war, warf Kürten in die Weidenbüsche am Rhein, die Handtasche der Schulte in einen Lorgarten�in der Leo- strahc, nachdem er die Uhr herausgenommen und die Schlüssel fort- geworfen hatte. An einer Bank wartete er. bis das Ueberfall- kommando kam. Zum Fall der Ida Reuter am 30. September 192.9 sägt Kürten, daß er geglaubt habe, wenn man in Düsseldorf annehme, daß mehrere Mörder tätig seien, würde die Aufregung in der Stadt noch gesteigert. Er freute sich, wenn vor den Zeitungen viele Leute standen. Die Reuter hatte er die Böschung hinmiter- gezogen und dann getötet. Der Versuch, die Leiche in den Rlzein zu werfen, scheiterte durch das Erscheinen eines Polizeibeamten, worauf Kürten flüchtete. Einen Ring der Reuter versteckte er unter einem Dachziegel, wo er auch gesunden wurde. Die Dörrber schildert Kürten als großes/ schlankes, junges Mädchen, die nicht den Eindruck einer Dirne machte. Sie gab an. ohne Stellung zu sein, ging bereit- willig mit ihm angeblich zu seiner Wohnung. Am 2S. Oktober erfolgten zwei weitere Ueberfälle. Kürten hatte den Hammer wieder bei sich. Cr versuchte erst, Kinder anzu- sprechen, sah dann am Hellweg Frau Meurer. Er schildert dann den Totvorgang. daß Frau Meurer bereits auf den ersten Schlag zu Boden gesunken sei. Die Aktentasche nahm er mit. um sie etwa 200 Meter vom■ Tatort entfernt fortzuwerfen. Dieser Ueberfall geschah abends um 8 Uhr. Kürten ging dann in den hofgarten. Dort sprach ihn die Prostituierte W a n d e r s an. Es kam zu einer der üblichen Unterhaltungen. Die Wanders schenkte ihm ein« Zi- garette. In weiteren Verlauf schlug er von hinten auf sie ein. Dabei zerbrach beim dritten Schlag der Hammerstiel. Er war o u ch hier am nächsten Tage am Tatort, will aber kein großes Interesse am Wiederfinden des Hammers gehabt haben. Der letzte Fall betrifft die kleine Gertrud Albermann, die er am 7. November traf. Er nahm sie mit über die Hans-Sachs- Straße, trug sie auch zuweilen, weil das Kind müde war, bis zur Mauer der Hanielschen Fabrik. Der Vorsitzende gibt dann noch Kenntnis von weiteren Fällen: so von drei Mädchen, die Kürten im August des gleichen Jahres ansprach, und erwähnt auch einen Fall aus dem Frühjahr 1930. Eine Zeugin berichtet über einen Ueberfall, den Kürten auf der Drehergaffe verübte. Die Zeugin, ein schlankes, hübsches Mädchen, erzählt, wie sie den Schatten des hinter ihr kommenden Kürten bemerkte und sich dabei dachte, daß sie bei einem Ueberfall in den Graben stürzen würde. Kürten stieß sie dann auch in den Graben, aber die Zeugin setzte sich heftig zur Wehr, schrie laut, und ihre Hilferufe wurden auch gehört. Sie schildert ausführlich das wut- verzerrte Gesicht Kürtens, der über ihr gekniet und versucht Hobe. sie zu würgen. Er muhte aber von dem Mädchen ablassen, weil Leute herbeikamen. Die Weiterverhandlung wurde auf Mittwochvormittag vertagt. nächster Woche zu vertagen, fand den lebhaften Protest der Kam- inunisten. Dabei ist interessant, festzustellen, daß in der letzten Sitzung am Donnerstag die Kommunisten gegen die Mehrheit de» Vorwurf der'„Diätenschinderei" erhob, well gestern und morgen «ine Sitzung geplant war. Nun sollte die für morgen geplant« Sitzung ausfallen und das war den Kommunisten nun auch wieder nicht recht. Bei der Abstimmung über den Vertagungsantrag .zeigte sich die ganze Erbärmlichkeit der Oppositwnsführung: Die Abstimmung war zweifelhaft, Vorsteherstellvertreter Dr. C a s p a r i ließ auszählen: währenddessen wollten Deutschnationale, Nazis und Kommunisten die Versammlung beschlußunfähig machen, indem sie den Saal verließen. Noch während der Auszählung konnte aber Eofpari eine Mehrheit für die Vertagung konstatieren, weil ja inzwischen ein Teil der Opponenten aus dem Saal gelaufen war: di« Mittelparteien und die Sozialdemokraten aber behielten ihre Plätze inne und stimmten geschlossen für die Vertagung. Glückwünsche an den Oberbürgermeister. Der M a g i st r a t Hot sofort nach der in der Stadtverordneten- versanunlung erfolgten Wahl des früheren Senatspräsidenten Dr. Sahm zum Berliner Oberbürgermeister«in Glückwunschtele- g r a m m an den Gewählten gerichtet. Namens der Stadtverord- netenversamnüung hat der Vorsteher ch a ß nachstehendes Telegramm on den neuen Berliner Oberbürgermeister gesandt:„Wahl zum Oberbürgermeister mit 110 Stimmen erfolgt. Herzlichen Glückwunsch. choß." Sahm an die Berliner. Gestern abend sprach er schon in der Wochenschau. Fox Tönende Wochenschau übermittelte noch gestern abend, so- fort nach der Wahl, den Berlinern die erste Ansprache des neuen Oberbürgermeisters. In der Ansprache heißt es: Die nunmehr vollzogene Wahl zum Oberbürgermeister der Reichs» und Landeshauptstadt Verlin bedenlet für mich einen neuen Leben sabfäxnilt und, wie ich zuversichtlich hasse, auch für Berlin. Ich erblicke in der Wahl den Beweis eines großen Vertrauens in mein können und in meine Absichten. Dieses vertrauen ist um fa höher zu bewerten, als sowohl die Wählenden wie der Gewählte sich völlig darüber klar sein müssen und auch sicher gewesen sind. daß es in der Zukunft große Schwierigkeiten zu überwinden gibt. Ich habe die feste Absicht, die Verwaltung Nor. einfach und rein zu führen und zu gestalten und die Würde der Stadt nach jeder Richtung hin zu wahren. Ich komme aus dem deutschen Osten, an dem ich mit heißer Liebe auch weiterhin hängen werde. und ich darf wohl das Work des großen Sönigsberger Philosophen Kant gebrauchen:..Es ist überall nichts in der Welk. ja. über- Haupt auch außer derselben zu denken möglich, wa» ohne Einschränkung für gut gehalten werden kann, als ollein ein guter Wille?" Diesen guten willen bringe ich mit, und ich darf ein Wort von Goethe hinzufügen und damit schließen:„Im Anfang war die Tai!" Bruno Asch über seine Berufung nach Berlin. Frankfurt a. vl.. 14. April. Stadtrat Genosse Asch, Berlins neuer Kämmerer, gewährte einem Vertreter des WTB. eine Unterredung, in der er sich über seinen zukünftigen Posten als Berliner Finanzdezernent wie folgt äußerte:-/: Sw schwer es mir fällt, meinen Frankfurter- Wirkungskreis, in. dem ich starte Befriedigung und vielr, dankbar empfundene" Äner» kenming gefunden habe, zunzcrlässen, fo notwendig erfcheini es- mir> gerade unter den gegenwärtigen Verhältnissen den Ruf nach B e r- l i n zu folgen. An der Gesundung der Berliner Finanzverhältnisse an entscheidender Stelle mitzuarbeiten, ist eine Aufgabe, die nicht nur groß und reizvoll ist, sondern die ich auch als besonders wichtig und wertvoll für die Gesamtheit der deutschen Gemeinden an- sehe. Die Vorgänge in Berlin haben den Kredit aller deutschen Städte in den letzten Jahren erheblich beeinträchtigt, und wenn das In» und Ausland zu der Berliuer Finanzpolitik und Finanzlage wieder volle, vertrauen gewinnt. dann wird dieses auch allen deutschen Städten bei ihren Kredit- bedürsnissen zugute kommen. Ich weiß, daß die Erfüllung dieser Aufgabe besonders schwer ist. weil durch die gegenwärtigen Be- st rm münzen der Finanzausgleichgesetzgebung den deutschen Gemein- den so unzureichende Mittel zur Verfügung gestellt sind, daß bei den stark gestiegenen Wohlfahrtslasten ein Ausgleich des chaus- holtsplanes kaum möglich ist. Ich werde daher auch in Zukunft meine Hauptaufgabe nicht nur darin sehen, im Rahmen der stödti- jchen Finanzpolitik meine Kräfte für eine gesunde Entwicklung ein- zusetzen, sondern auch bei den Reichs- und Landesbehörden dahin zu wirken, daß sie den dringenden Bedürfnissen der Städte in Zu- kunst mehr Verständnis entgegenzubringen, als es leider in der letzten Vergangenhest der Fall war, Voraussetzung für eine er- solgreiche Arbeit ist natürlich, daß die Parteien des Berliner Rat- Hauses, die bei der Wahl der neuen Mitglieder des Berliner Magi- ftrats sich zusammengefunden haben, auch bei den schwierigen künftigen Beschlüssen sich zu geineinsamer, fruchtbringender Arbeit zu- sammenzu finden. - r-. Munsterlanöisches Schloß niedergebrannt. Wüuster(Westfalen), 14. April. Am Dienstag früh brach aus bisher unaufgeklärter Ursache auf dem dem Grafen Landbcrg-Belen gehörenden Schloß Velen ein Brand aus, der /ich mit rasender Geschwindigkeit ausbreitete. Bei Eintreffen der Feuerwehren bildete der Dachstuhl bereits ein Flammenmeer. Innerhalb weniger Stunden war das Schloß bis auf die Umfassungsmauern niedergebrannt. Auch das aus 37 Glocken bestehende wertvolle Glockenspiel konnte nicht gerettet werden. Am stärksten mitgenommen sind die Mitte und der rechte Flügel des Gebäudes, deren Inneres einen rauchenden Trümmerhaufen bildet. Um die Mittagsstunde war der Brand noch nicht gelöscht. Die wertvollen Kun st schätze konnten zum größten Teil gerettet werden. Selbstmord Seuff-Georgis. In seiner Wohnung in der S r o ß b e e r e n st r. 28 ist gestern der bekannte Rezitator und Schriftsteller Seuff-Georgi tot auf- gefunden worden. Nach dem Befund liegt zweifellos Selbstmord vor: der chahn der Gaslampe im Schlafzimmer stand weit geöffnet. Senff-Georgi, der erst vor wenigen Monaten seine Frau durch den Tod verloren Hot, stand im 49. Lebensjahr. Er lebte sehr zurück- gezogen und hatte in letzter Zett mit wirtschaftlichen Sorgen zu kämpfen. Das scheint auch der Hauptgrund zu sein, der in dem sehr bekannten Rezitator den Plan reifen ließ, freiwillig in den Tod zu gehen. In den Iahren nach der Revolution war Sensf-Georgi ein sehr beliebter Vorfragskünstler: späterhin hörte man in Berlin weniger von ihm. ......-O v-w-Tw I Oeffentliche Kundgebung Heute, Mittwoch, den IS. April Abt. 140a, Wittenau, 20 Uhr, Lokal Heese, Reinickendorf-Wut. Berliner Straffe 73(an der Kremmener Bahn).— Thema:„Gegen Faschismus und Kriegsgeiahr", Rednerih Kfithe Kern. Vorführung der Lichtbildserie aus dem Film„Im Westen nidiis Neues". Volksgenossen! Folgt unserem Rufe, kommt zur Kundgebung! Helft den Faschismus bekämpfen I Großfeuer in Paris. Benzinlager in Flammen.— Biesiger Sachschaden. Paris. 14. April. Ein Riescnseuer kam am Dienstag in den frühen Nachmittags- stunden in den staatlichen Eisenbahnwerkställen von Batignol in Paris zum Ausbruch. Das Feuer, das ursprünglich in einem neben den Eisenbahngebäuden gelegenen Kohlenkeller entstand, dehnte sich mit ungeheurer Geschwindigkeit aus die zahlreichen Gebäude aus, die bald in hellen Flammen standen. In den Gebäuden waren große Wengen von Venz in und S pirilu asen aufgestapelt. die sämtlich explodierten. Der gesamte Gebäudekomplex in einer Länge von 100 Wekern und einer Brette von 260 Weleru wurde ein Raub der Flammen. Malier Harlan gestorben. Schlaganfall während einer Versammlung. Kurz nach Beginn einer außerordentlichen General- Versammlung, die der Verband Deut-sdier Bühnen- dichter und Vühnenmusiker gestern nadimittag abhielt, wurde der Dramatiker Dr. Walter Harlan von einem Herzschlag befallen. Wiederbelebungsoersuche, die der anwesende Arzt D r. Ludwig Zip- pert vornahm, blieben ohne Erfolg. Die Generalversammlung wurde sofort abgebrochen. Harlan, der ein Atter von 63 Jahren erreicht hat und erst kürz- lich eine schwere Blinddarittoperation durchmachte, gehörte dem Vor- stand des Verbandes seit 22 Jahren als Beisitzer, während der letzten Jahre als einer der Vorsitzenden an. Walter Harlan ist vor allem durch die Komödie„Der Jahrmarkt zu Pulsnitz"(1908) und das Schauspiel„Das Nürnbergisch Ei", das 1913 im Berliner Deutschen Theater seine Urausfiihrung erlebte, bekannt geworden. Als Theoreti- ker des Dramas trat er mit seiner„Schule des Lustspiels" 1908 hervor., Großer Oachsiuhlbrand in Wilmersdorf. Im Dachst ahi de? Lorderlzaches OffenbacherStraße 9 in W ilmer kKv.ru�irach geltem nachMtag aus noch.unbekannte Ursache Feuer aus, das sich mit großer Schnelligkeit ausbreitete. Durch das regnerisch« und böige Wetter wurden die Rauchmengen nach unten gedrückt, so daß die ganze Umgebung an der Brandstätte in einen undurchdringlichen Qu»n» mfltjttn, 19'4 Uhr. int Vorirae-iaal de« Part»!. veriian-drs. Ipndrwstr. 3, 2, öof, 2 Swppen.»ssahrtrn um Fronifurt am Mai»." Jede Gruppe ntub pertreten sei«. heute. ZNittwoch. 13% Uhr. Kapsa: lsunktianLrnersammlunq bei lsuta-«. Alt-Maabit 41.— Westen: Ernthiner Str. n,.Zimmer«. Äetteren-Ärdeitstrei»:„Ter«raanisierte Unter- uebmer".— Gesirnddinnnen II: Gliristianiastr. ZS. Mitpliederversammlunn.— eSesnndbruauen iR.-Z.): Gotentmraer Elr. 2. Einfithruna-abend.— Jirn»- walder Plad I: IE Uhr Sportplah,„Einsame Pappel", Trainin« zum Iuaend» lag.— Andrcaaplat,: Brommnitr. 1.„Die persassunpsmähiaen Rechte des Zreihenkers."— Baltertplatz: Tilliter Str. 4— 0. Lichtbilder:„SJI."— Ehar. lottenbarg-Rarv: Aeltere. Olbersstrahe lSportplah). Gegnerische Parteien (ZPD.).— Westend: Evortplah Westend...Ausland."— Wannsee: Char- lottenstrahe.„Unser Beruf."— Tempelhof: Göhstrahe. Einfüheungsabend.— Brih: Wir beteiligen nns geschlossen an der Parteiversammlung bei Becker. „Partei und Iugrnd."— Reulöln IV: FnnktionärvrrsamnUung beim Genossen TÜdentscher. Weiteste. 16.— Reukälln VIII; Probe»ur Weröekeier»m Igss- Uhr in der Nittli-Schule.- Rahlebork-Tiedlnng: Melanchtlionssr. R.1 sTtil I). •> Uhr Nuddel-Muddel. Spieltruppc!!>>- Ilhr ebenda.— geiedriche Hagen: Zricdtichstv. 87.„Religion und Eoilaliamus."— stau l« darf: Rdolsslrage. „Sctuoloeohlcm."— Lichtenberg. Mitte: Scharnmeberslr. 2H.„Die ÄPD. van Liebknecht b!» Tbölmann."— Lichtenberq-Rord iR.-ss.I: Gunterstr. 44. Poti. tische Satire.— Bnchholz: Eprechchor beun Genossen»aulbars. Blankenburg, Eifelslrabe.— Parti»» III,4 bis 1014 Uhr Sprechstttltbr Sangboferstrasr. 1914 Uhr Sprechstunde Sännet Strasse. Zum Internationalen Frauentag! Frauenveranstaltungen 2. Kreis Tiergarten. Donnerstag, 18. April, 19% Uhr. in den Arminiushollen, Bremer istr. 72, Vorführung der Licht- billiscris„Lm Westen nichts Neues". Anspraclic: Franz Künstler. M. d. R. 3. Kreis Wcdding. Freitag, den 17. April, 19% Uhr, in den M. d. R., Frieda Licht, AfA-Bund. i). Kreis Wilmersdorf. Freitag. 17. April, 19% Uhr, im „Viktoriagartcn", Wilhelmsaiie 114/115,„Unser Kampf gegen den Faschismus". Reserentin: Mathilde Wurm, M. d". R., außerdem Aniprachc von Gertrud Ellert, AsA-B»nd. 13. ssireis Tempelhof. Mariendorf, Marienfelde, Lichten- radc. Heute, Mittwoch, 15. April, 19% Uhr, in der Aula des Realgymnasiuins, Tempelhof. Kaiserin-Augnsta-Straße. Gesang: Volkschor Tempelhof-Mariendors. Rezitationen: Friedet Hall. Ansprachen: Klara Bohm-Schuch, M. d. R., Emma Ritschc, ADGB. 13. Kreis Treptow. Donnerstag. 18. April. 19% Uhr, in MSrners Blumengarten. Oberschoneweidc, Ostendstr., Fahnen- einmarsch der S?lL., Gesang Volkschor„Südosten". Rezlla- tianen. Ansprachen: Klara �Bohm-Schuch, M. d. R., Marie Weber, ADGB. 120. Älbt. Friedrichsfelde. Donnerstag, 16. April, 19% Uhr. bei Wiehe, Wikhelmstraße 38, Borfiihrung des Films„Giftgas über Berlin". Ansprache: Marie Kuncrt,' M. d. R. stet,«» dg» Bezlrksselmtariai 2. Hof, 2 Treppen recht», zu richten. parteinachrichien für GroßtBerlin Unfendattgen fit diese Ktt&rll sind ®9B 68, Lindrnstrpss» 3. Beginn aller Veranstaltungen 1 S% Uhr, sofern keine besondere Zeitangab«! heule. Milkwock). 15. April: 2. Serie. Sr»i,fA»ttionöetonserett» mit allen in der«ohlsahrtapslege tätigen Genossinnen und Genoffen in der Pattenhosrr.Braurrri. Tnent. Ecke Stroms« rosse. Thema:„Das Geleit Gross Berlin nah Sownrpr.alpolitik in der Wohlfahrt--. Reserenten: Dr. Säte 5ranlenth-l, M. d. L., und Mar gechner, M. d. L. 26. Abt. 20 Uhr Diokusssonsabend der iiingeren Parteigenossen bei Bartelt, Wörther Ecke Rytestrasse. 34. Abt. Versammlung der greidrnkcr. Ersehriueu der parteigr-nösssschen Mit- «Neder ist Pflicht. 46. Abt. Disktisstousabend bei Ehwilkowski. Wangelstr. 67. 48. Abt. Diskusstonsabend der jüngeren Genossen mit der SAZ. im Jugend» heim Wassertorstr. 0. 74-. Abt. gunktionärsstu.-ng Lindettparck. 31. Abt. i, h!» 8. Be.ziri. 20 Ufir bei Slabe..pandiervstt!. 60—81. Sahiahend. Ref.: Sutck Siessmann: Wirtschaftskrise und Möglichkeiten, deren Lösung. 6». Abt. Bezirke 147 und 146. Zablabeud bei Thomas, Ehausseestr, s. Reie- rent: Genosse Sunstmann. 166. Abt. Die eiahsobetide fallen in diesem Monat aus. Dafün Mitgliederper- sammlmig am Montag, dem 27. April, im Stadttheater. Morgen, Donnerstag, 18. April: 6. Zteei«. 20 Uhr Sitzung des Sreisvorstandes mit den Abtrrlungslettern und dem Sassierer der 67. Abteiluna bei Sroifi, Holsteinische Str. 50. 12. ftrria. 20 Uhr öffeitilichc Versammlung der Freien Schulgemnmchas: Sieglitz in der Aula der Oberrralschule' Steglitz. Elisenstrosse. Es spricht vberstndietidircöoi Sari Müller über:„Reue Werte in der Erziehung". 37. Abt. lö>,4 Uhr Petersburger Platz, slalkenseite. Wir gehen alle mit zum .zentralsriedhoi mit unserer Sindersueundegrnppe Maria Demmning. Die anderen Abteilttttgrn find hierzu eingeladen. 96. Abt. Jüngere tt-Pärteigettossen'.ztisammenkutt et in der Lesehalle Rogat- Ecke Ilsestrasse. Fortsetzung unserer Disiusston über:.Weltmirtschaftskrise und die BckLmpfuna der Arbeitslossqkeit". Freitag. 1?. April: 47. Abt. ssreidenker! Lichlbilbervortrag:„Die Sirche in der Sarikatur". Ge- merkschaftslious, Engclttfrr, Saal 4. Unlostenbettrag 30 Pf. Erwerbs. lose frei. 4. Are!«. Ertpeiierie SP.-Sitzung mit allen Bezittsiagsbelegieeten findet infolge ber Sitzung de, E-werterien Bezirlooorstande, nicht Freitag, den 17. April, jottbern erst Montag, dcn 20. April, bei Bieberstein. Danziger Strasse 4«. statt, 14. stret«. Die enociterte Sreisrorstandositznng kann erst gm 21. April statt, Itnben. 3 rauenveranstallungcn. u. Donnerst««. 16. April, 29 Uhr, bei Will. MartiN'Lutber-Gtr. 68, ssunktionitriimenii�ung. SO, Abt. Heut«. Mittwoch, 13. April. 29 Ufrr. bei Koch. SBiekmbflt. 23, Ehe. beratuna:§ 218. Ref�rcntin: Dr. Frieda Alexanber. 91. Abt. Donnersda«. 16. April, 18 Ilhr, bei Lüdbttke, Karlsgarten» Eck? Fo nta nestrcche, Funltionür innen sitzung. Arbeiksgemeinschaft der Kiuderfreunde Grojz-Bcrlin. Srei» Reukälln. Alle Hettossiti, die Mitglieder des Jngendlierhergsverbandes sind, beteiligen ssch an der Mitglstderversanunlung am Donnerstag um 20 Uhr in der Sari-Marr�Schule. Bleibenausweis oder Mitgliedskarte mitbringen. Seuppc Pankow. Heule Elternversammlung im Jugendheim Sissingen. Ecke Sronitzstrasse, Zimmer 2. Gruppe Maria Demmning. Alle Talken und Eltern treffen sich Donnerstag um 16 Uhr Petersburger Platz, Talkencele. zur Sraitznicderleguttg am Grabe unserer Maria Demmning in Triedrickisfeldc. Parteigenossen und Freunde herzlichst eingeladen. Gruppe Hohenschönhausen. Wir qchcn heule zur Ausstellung„Zehn Jahre Sindersreundcarbeit--. Tressmtnlt Freietrwaider Strosse um 15!- Uhr. Allc Falken und Eltern beieiligen stch. Fahrgeld ist ntiiituhrtngrn. Sterbetafel der Groß- Derliner Partei- Organisation I 30. Abt. Unser longiährtger(benosse Aisred Rörina ist verstorben. Ehre seinem Andenken. Einäscherung Donnerstag, 10. April, k7!4 Uhr, Krentatorium Eerichtstrasso. Um rege BeteUtgtmg wird gebeten. 3.1. Abt. Räch ganz kurzem Sraniettlager verstarb plötzlich nach vollendetem SO. Lebensjahre unsere Genossin Margarete Berg, Sohenlohestr. 7. Dir Ge» ttoslinn.'n verlieren in ihr«in äusserst reges Mitglied. Wir werden ihr An- denken in Ehren holten. Einäscherung heute, 20 Uhr, im Krematorium Baum- schulenweg. Um rege Belciligung bittet dcr Vorstand. Voriräge,Vereine und Versammlungen. « Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold�. Geschäkksstelle: Berlin s 14. Sebastianstr 37—38. Lok 2. Tr. Do» Tennisspielen der Wintersportabteilung auf ihrer Plotzanlage hat begonnen. Kameraden, oder deren tvridltche Angehörtgrtt, können stch daran beteiligen. Meldung bei Kgmcrad?ames Breslauer. Mark. qrasenstr. ZZ. Telephon: Dönhoff 521.- Mittwoch. 15. April. Fried ei chshain. l'entcradschaft Warschau. 20 Uhr Kaineradschastspersammlung. bei Becker. Sinton. Dach-Sir. S. Wichtige Tagesordnung.— Donnerstag, 16. April. Feirdrichs- Hain. Kameradschaft Andreas. Kamerodfchastsnersgmmluttg. Ort und Zeit werden noch bekanntgegeben. Die Äameradstliastsversommlnng am Mittwoch, dem 13. April, fällt ous.— Freitag, 17. April. Reinickendors. Komerädsckiait Tegel. Werbeversammlung im Bootsliaus Tegel, Uterstr. l. Thenta: Brauchen wir das Reichsbanner? Referent: Kanpimann Dobberan. Znteressengemeiaschost der Sleinsteblervereinigungen e.?. Berlin SO. 10, Dannerslgg. I!>'..> Uhr, int Einbltans. Ohmsir. 2, öffentlicher Vortrag Über: „Das Eigenheim, seine Herstellung mtd Finanzierung". Langtellow Engiish»ebs ing Club: Mittwoch, 20 Uhr. Zahnärrlehaus, Rfllowstraflc 104, Guttniannsaal: Miss. 15. M. Wiskernann;„The eicker anck the younger Pitt" „hocialista Tsperantn Asocio", Orupo Berlin. Atendckt Trc grava rnona'a tzunvero cn junislar-hejmo Am Ostbahnhof 17, cambro I. Tcmo: Nta I. Asoci-tago cn Frankfurt. Allgemeine Wetterlage. >H.Appil�l,abäs. Owdlkenlos.O hciter.O hslbbedeckr ®wolkig,#bedeckl»Re9enAGr9up«li !Schn«tz£NebeiritGewiktei:@WiniistHle Deutschland lag am Dienstag auf dcr Südwcstseitc einer De- pression über dcr südöstlichen Ostsee im Bereiche einer kühlen, leb- haften nordwestlichen Luftströmung.-Das Wetter war allgemein recht unbeständig, und mit Ausnahme von Teilen Süddeutschlands kamen überall schouerartigs Regenfällc vor, die im mittleren Nord- deutschland ergiebig waren und hier Niederschlagshöhen bis 18 Milli- meter brachten. An der Küste Ostpommerns, wo es besonders kühl war und nur Ä Grab Wärme erreicht wurden, fiel Schnee und Regen gemischt. Lm übrigen Reiche stiegen die Temperaturen mittags auf 8 bis 8 Grad, in Westdentschlano aus 18 bis 12 Grad-. Da sich das Ostseetief nunmehr zu verflachen scheint, und andererseits dos Hoch über Westeuropa icinen Einfli'ß ostwärts ausdehnt, dürste bei uns am Mittwoch besseres Wetter herrschen als am Dienstag. 4'' Wetteraussichlen für Berlin. Noch ziemlich kühl, veränderlich, nur noch vereinzelt Schauer.— Fiir Deutschland. Im Osten des Reiches veränderliches Wetter mit Schauern, im Westen und Süden vielfach heiter, keine wesentlichen Niederschläge. �Belmonle in dcr Eharlolleustrahe. Das altbekannte, seit über 48 Jahren bestehende Gold- und Juwelengeschäst Belmonte hat seine im Hause Leipziger Straße 97 innegehabten Verkaufsräume noch dem 5)ause Charlotten st raße 2 7 verlegt: die dadurch erzielte Mietecrspornis soll den Kunden zugute kommen in Form eines 38prazent!gen Rabattes, ebenso gewährt die Firma weitest- gehenden Zahlungskredit. Im neuen ijanse schlicht sich an einen geräumigen, hellen Berkaufsraum das Kontor, weiter die B c- t r i e b s w e r k st ä t t e n, die einen interessanten Einblick in dies überaus minutiöse Arbeitsgebiet geben, ein Ihandwerk, das sich in- mitten aller technischen Errungenschaften fast unverändert erhatten hat. Direkt historisch in seiner Primitivität wirkt der in Chamotte- gestcin eingebaute Goidschmelzticgel, der bis zu 5 Kilo verarbeiten kann und durch einen Gasofen mit Lustgebläse betrieben wird. An 3 Policrmaschincn erhalten die fertigen Stücke ihren letzten Glanz und Schilfs und ein Exhauster saugt jedes noch so feine Gold- stäubchen aus-, ebenso analysiert eine Filieranlage das Höndcwasch- wosser dcr Arbeiter, und was das Jahr über so inechanisch zn- sammengefcgt wird, soll einem Gegenwert van 3888 Mark ent- sprechen. In einem besonderen Raum sitzen die Uhrmacher, die, liipenbewaffnet, kleine und kleinste Bestandteile zusammenfügen. An drei großen Ringwalzen reisen bei kompliziertestem Fabrika- tionsgang die Trauringe ihrer Vollendung entgegen: im Keller- geschah befinden sich die Lagerräume sür die großen Standuhren und sonstiges Material. •Sfaafs-loflerie-iose' Ziehung 20. und 21. April-1931 V,_'u_'/. Vi Poppellos 5- io.—»«.— 40.— 80__ KM. Sdiernlkan. Berlin 0 112. Slmplonsür. 29 Pa*tsch«ck Barlin 73614 nach ostsaeöad Riisdroy, Villa uiaid und See. Pensionshatis u. Priv�-Speisebaus. Schönst« l ajje. Vorzügl. Verpflegung. Billigst« Preise. Mai. Juni, August, Septbr. bedout, Erm&ßtg. .Rechtzeitige Anmeldung. Genosse Blum. Frisier-Salon Gute Bedienung Damen/ Herren _* BILUGE PREISE StadtbadHitte Berlin H««ertenttr.»-«j Üttafianferiigung f. ßerreit: Ansagt, msattl, QtselU sQaftskleitomg- fflaßan* ferßgungf. Damenkonfektion gegen langfristige Zabüingserlei�fterung "n»,,"Qßtta l c�' RR' y ffittfünl -4? k Mittwoch, 15. 4. Staats-opsr Unter d. Linden 226. A.-V. 20 Uhr Eine Nartit in Venedig Endeg. 22V2 Uhr Mittwoch, 15 4. Stadl Oper Bismarck str. Turnus II 19'� Uhr Aida Ende g.M', Uhr Staats-Oper In Piilt dir V.-B. I9',h Uhr Die Hodiseil des Figaro Oeffsot). Karten vertan f Ende Wi Uhr Staatl. Sdiaosph. im Dcidanuiimaittl. 194 A.-V. 20 Uhr Agamemnon Ende n. 22 Uhr WtMlleMer.Qiarillig. 20 Uhr Die Journalisten Ende gegen 23 Uhr Alex. 8OO6 Tüglich 5, 8", Sonntags 2, 6, S" Nehm. SOPf.— 1 M., abds.(-2 M. Jtciilr, Irialer Tag? 2 U■•««#«£ Tanz, Komik, nUgOS Gesang Hans Kellscher, Meeser Jos*, Okito usw. Ab morgen vollständig neues Programm! lagl. 2 Vorst__ Tel. Keldeadainm 1840 nachm. Oy, Uhr 30 Pfg.— I.SO Mk. 1 cbeads 8y, Uhr: 30 Plg.- 3.- Mk. Am 19. April mralderniHidi. SoUansthlnS I Wledertnglnn Mi 29.>89011 Reichshallen-Theater UiDih|T| Sonntag Hadto. Das April- La dl-Programm der „StettinerM Popolire Preis« von 60 Pf. bis 2,50 M.'auch Sonntags) Nachm. ermäßigte Preise! Dönhoff- Brettl: Variefß— Konzert— Tanz! Wint<3r Garten- 8 13 ütr. Zeiitr. 2819. Raudieo crinl Davelma-Ballett. Prell, vernon, 2 Hartweils RfoState MarimDa Sand uv GROSSES SCHAUSPIELHAUS Täglich 8 Uhr; Im NWI8888 RUH. Stg. nachm. 3 Uhr Originalbesetzung billige Preise Regie: Erik Charell. FolKsbOlue TbuttranUliif glitt. 8 Uhr Das unntermorctien StaatLSdiiller-Tti. 8 Uhr Die Journalisten. Staatsoper Am PI.d.Republik Vi Uhr: DleBoduell des Ff�aro »ASWW MMltyl Restaurant Berlins! BETRIEB KEMPIKSKlO Sarnowsky-Botirai Timter)■ fl«r SireseMaRoilr. Täglich P/i Gesfern n. Beole Schauspiel von Christa Winsloe KomSdianhaus Täglich BV« Uhr Eine komgiicbe Familie metropol-itieater Täglich 8". Uhr Das Vellöicn v. Montmartre Operette v. Kaiman Gitta älptr. Rißi. Waldeoiari.G. Nenes Theater wna am Zoo« InBahilLZiig. Stg!. 6551 Täglich 8'/» Uhr Leber 125 Mal: von Max Alsberg u Otto Ernst Hesse Kleines Theat. Täglich 8'/. Uhr Erika GISBner Der stuie Hompadnon läTiMl nii Leo lenz. Tbeaterl Veltens Täglich. 8". Uhr Dos Land des Lacbeliu. Preise 1— 9 M. ROSE THEATER ▼ob KoBtov him Freitag SMUiitand UlM Erstanffühnng für Berlin d)i9 cJaßte, dt»»tßi oOteb « nennt CThä chinc c*U*d lore) AmmTarische Komödie von Edwin Burho Regie: Paul Rot« iJEtne splendide Aufführung mit vorzüglichem Enzemhld"(8-UJifAbnun,l.) 9Jn Amerika vierhundertmal gespielt*<( Tempo) „Donnernder Beifall" (Votsische Zeitung) 1 Abendpreise ▼. 0.5(H3 M Große Frankfurter Straße 132 U-Bahn Strausberger Platz I dtiigiger Vorverkauf tAglich 1 von n-Z Uhr und 4—9 Uhr I Tel. BesteUg.: Alex. 3422 u. 3494 fleotidiet lieatet 8 Uhr Der Haaptmaan von Kögenift v. Carl Zuckmayer Heg»: leim Sügert Die Komödie 8'/» uhr- Nalalie r. Iwan Turgenjew tigii; Iwan Schmith Kurtdrsiendanun- Thealer Bismarck 449 | 8'» Uhr| Alles Schwindel von Schiffer Musik r. Spoliansky Rijit: Dutzl Gitilgm Theater In Adniraisoalut Täglich 8':. Uhr Oer lustige Krieg Öhmann, Ahlers, Trautenhayn a.O. u a.m. Lustsptemsus Täglich 8Vi Uhr Der Logner u. die Bonn« von Kurt Götz Komische oper 8>/> Uhr Alt-Heidelberg Isdi Egglad. fBtniMiff. B.J.iwKs. Pnitrt Irolni-Tbeatii Täglich 8V. Uhr Hnsarenfieber Gudio Thielscher, Kastner, Arnstadt, Vespermann — Elite-Sänger—| Kottbusser Str. 6 Tägl.SV.Uhr Sonntag ZV, Uhr FRITZ1 Dm Cuhpit! Lotte Hanä i. L lomcM- Slegwtrt Ehrlich. hta. Ptihal usmo-irnnv Lothringer Strafte 37. tMWUHMIIIIIMIIinilllUIUMIiMMIBItnitUUWttlirmKfMiWBUM = Der neue Schlaoerl= „Er träumt von Jise" Dazu das n©ue Fest-Progromm Goischcla 1— 4 Personen Fauteuil 1�5 Sessel 1,75 M. Sonstige Pr.: Parkett 75 PL. Rang 60 PI. LICHT DM BMwmwOnitgtM tertins Direktion tLulsGutman Berlin-Ge*undbrunnen Dienstag. 14. Iprtl b. Montag. 20. April BÜHNE: Udiftnra-Spaplianlg-Oranttr Diiiamii Pif«! Rens cl 3 Rebbisens und ein FIDgel Fred Berger der Humorist Der besoffene Hund Eine lustige Szene m r red Borger FILMTEIL J. Wodie. Der größte Lachochlager, der bisher gedreht wurde, den Tausende ein zweites Mal sehen wollen Darum I Woche verlängert Der wahre Jakob mit FELIX BRESSART. PAUL HENCKELS, RALPH ARTHUR ROBERTS. ANNY AHLERS. Beginn der VorHcIlnngen: Wochent Slh u- SV. Uhr, Sonntags 3. 5V,, 8'/'« Uhr. Sonntags 3 Uhr Einheitspreis: Parkett u.Rang O.SOM.. Balkon und Loge 1,20 M. Vorverkauf ab 12 Uhr für 7 Tage im voraus Inserate Im Vorwärts bringe» Erfolg I (fraltaa. IT.flptff, abenh« r»Hr. im JSarlccrefaal Oes Ortbanba- hänfen, Ciniraffc.«3 85. Versammlung aller Bau- und BeldsciiraM- Schlosser• Lehrlinge Tageaarbnnng. L Ta« Urteil be» Reithaarheft egericht« im Lehrling,- Tarifstreit zwischen DMV. und Schlosserinnung. i. Bericht oon bem getündiglen Rahmen» »ertrag. Z. Verschiedenes. Setfantni' ~ lltlert . e für einen guten Besuch und bringt alle Jugend- tollegen, die unserer Organisation noch nicht angehören, mit. Die Ingendkommlufon. BangfoOegea! Zn dieser Versamm Inng darf lein Aollege sohlen Agitier in der Wertilalt und in der Schule(ü AdüoiiBl AdUimBI Teilnehmer oom fturfu, lüt tlerhrm- nnaBntraftaaafdiiocn nah«traft- fahejenge. Sonntaa, de» I». April, vorm. tt V, Uhr, im Ufa-Palast am goa, Ausithrnng»es Tonfilme»: ..v«r BlBscnie tfotor" (Elntrittsforten sind foslenloe in der Iugendadteilung zu haken.— Die Aus- gäbe erloigt am Freitag, dem 17. April, in der Zeit von 1« bis IS Uhr. vi« Ortsverwalhieg. Montag, den 13 April,»erftacb Sanj plötzlich meine iningstgeliedte rau, unsere gute Mnlti Margarete Berg im Alter von 50 Jahren. In tiefem Schmerz Max Berg und Sohn Hohenlohestr. 7. Einäscherung heute, Mittwoch. 15. April, abends 8 Uhr, im Rrema- totmm Banmichulenweg. SPD. DBltiwttz-Hoppenarlen Tedesanzeise Unser(ScnnfTe Hermann Herpich ift plötzlich gestorben. Die Em- Zscheruiig findet am Donnerstag, 18 Uhr. im Arematorium Baum- fchutenweg statL Um rege Beteiligung wird gebeten. Oer Vorstand. WM MefallariigiIrttiaDd VerwaUnnftssiclle Berlin Todesanzeigen Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Aollege, der Schletser Paul Rittbe geb. 30. Januar 1886, am 11. April gestorben ist. Die Beerdigung findet Mittwoch. den 15. Apeii, 14'/, Uhr, von der Leichenhalle de, Pankower Airchhofez, Bahnhosstraße, auZ statt. Am 4. April starb unser Aollege, der Schlosser Hklnncli Gondlach geb. 17. Juni 187!). Sie Einäscherung findet Donner?. tag. den IS April, 4Vj Uhr, im Arematorium Baurnschuienweg ftott Rege Beteiligung wird erwartet. Nachruf Am 11. April starb unser Aollege, der Wertzeugmacher Valtet' Schinske Sie Beerdigung hat bereits stattgefunden. Ehre ihrem Andenlen! Die Qrtoeerwallnng Danksaguitg Für die vielen Beweise herzlichster Teilnahme beim Hinscheiden unseres lieben Sohne» Eduard Marode und unserer lieben Tochter, Schwiegertochter Martha Marode, geb. Boke sagon wir allen Freunden und Be. tonnten sowie den Genossen derßl.Abt SPD. und den Kollegen desDrsamt- Verbandes unseren innigsten Dant. Familie Marode Familie Boese KLEINE ANZEIGEN iiitiiiuniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitniiiiiiiiiiiiiiiniiiiuntimHiinitiiitinttiitiiiiiiiitiiinimttin Preis«: überschriftswort 25 Pf., Textwort 12 Pf. Wiederholungsrabort: 10 mal 5 Proz., 20 mal oder 1000 Worte Abschluß 10 Proz., 2006 Worte 15 Proz.» XOOO Worte 20 Proz. � Stellengesuche: überschriftswort 15 Pf., Textwort 10 Pf./ Anzeigen, welche für die nächste Plummer bestimmt sind, müssen bis 4Vs Uhr nachm. im Verlag, lindenstr. 3, odcrooch in samtlichen Vorwärts-Filialenund-Ausgabestellen abgegeben sein | uerltöule j Teppichhan, Emil gefeote, Berlin, seit 49 Iah. ten nur Otonien ftrafic 158. Aah» lunflsctlcidiierur.a ohne Aufschlag. Spe. tioltataloa kosten frei. Wahrheit übet Rußland. Er. Icbniffe und Schill deruimen eines deutschen Masdii- nen-Fachmanns im heutigen Rufiland. Breis der Schrift nur 30 Pf. zuziig- lich Porto. Bestellungen an R. M. Bostamt S98.ll. mfiQBi Baten tmateafcen „Brimiffima". Me- iallbetten. Auflege mateatzen, Ehaife. longues Walter, Slarqgrderstrafie adttzehn. KeinLaden Vornehme gedienene Wohn Möbel. Somerling, Aastanienallee öS. Seerenzimmee 290,—: polierte Limmer 500,—;(blas Vitrinen 75, «lubtssche ISdv. Riefe na uswabl. Teilzahlung. Abgebaut find unsere Preise. Sehen, staunen. Sellen schöne Schlaizinuner, Herrenzimmer in einfacher und ganz reicher Aussührnng zu Spaüvreifen. Riesenauswahl. Rosfien, Kastanien. allee 57.' Röbel-Udrlsman» onr Aleranderstr. 14:14» Do» Ha», der guten Qualitäten! Verkauf zu Scufo- lionspreisen: Schlaf- »immer, Mahagoni. Viele, Nußdaum, Birnbaum, Eiche, nur 345,—. Speise- »immer, echt Eiche, mit Keiilallmtrine nur 295,—, Herren» »immer, apartes Modell, 295, Küchen 85,—. Sämtliche Einzelmöbel zu Spottpreisen! Nie- senouswahll Lang. jährige Garantie! Besonders günstige Gelegenheit für Aassakäuferl Siche. ren Kunden auch Zahtungs-Erleichte- runa,' Biete polierte, Schlafzimmer mit 2.Meter-An- kleidefchrank, RV) M. tomplett, Möbel- Haus Moritz Sir. fchowitz, Südosten, Skalitzerstoaße 25, Lochbahn Kottbusser Tor. Tiliale: An- dreasstraße 30, qe- genüber Markthalle, musik- lostrumeniB Viano»—{flfigel Riefenlager. Bech. stein. Blstthner Steinwaq, Schwech- ten, Salon r iano 275�-.. 390,—, 425,—. gebrauchte-Abend. eoth. Potsdamer. kratze 74 Linkpia»»,. Mietpianos über. aus preiswert. Pianofabrik Link. Brunnenstraße 35. Grammophone 19.— an. Sdiall. slofttit 0230 an. Su. behörteile. Reoara tureu, Plattenum tausch billigst. Kö- venickerstraße 183». Bandonion». Lanae-Uhlig, weit. berühmt. Tabrik. lager. sTobttlprcifc, Teilzahlungen. kleine Anzahlung. Mufilweigel. Adas berlstraße 91. Radio Anoden, Neunziger 4 Hunderter 4,50, Spgrröhren 2,—. Apparate Seil. Zahlung. Schönleiu- »raße 2.» faiii'i'Siiofi 150 aebegnchre {fohtrobe», 15,-. 20,— 25,- 30,—. Machnow Weinmeisterstr. 14 Balloneenner. Ballontouren-. Bal- londaifieu. Masch!. nen 58,—, 65.— 5,—. Original. Brennabor-Dallon- riider 85.—. Mach- now. Weinmeister. straße 14._ Laternen 1,50, Fahrraddecken 22!0. Schläuche 1,20, Pedalen 1,50, Bor. bettöber 3,50. Schönleinstraße 2. iHamgesiicnel Snbnaebiffe, Plotinabfitlle. Quecksilber.,{tinn. metalle, Silber- schmelze. Goldschmel- »ecet. Ehristionot. Kövenickerftraße 39 Haltestelle Adalbert. straße. Gebraucht« Möbel preiswert abzugeben Riesenauswahl. Mö- bel.Mogazin. Inva. lidenstraße IZL 1 Uisacuast«»«� «öpenicker Dampfwäschere! »Eharlotte�, Grill nauerstratze 33». Telephon F 4, 0687, wäscht ohne An» wendung schorfer Mittel, trocknet im Freren. Billigste Preisberechnung. Abholung täglich. Pfnnbwälcherei Deutscher Fleiß. Waldemarftratze 64» Oberboum 3740. Blül eirweiße Wäs che, bodenrerlig getrocknet 0,2.4, schrankfertig ge mangelt 0P2. Abholung Scrfidjetuttfi fttL Hur-, Ertiolungs- auieniüält Gaitwirtichalt Brntieldt, Dabei in Mecklen. bürg, berrlich au Wald imb Wasser oelegen. nimmt Sommergäste aus. Voller Pensionspreis pro Tag 4 Mark.' Täonesbera . SZ0 Weier, Station ZZobburg ILinie Berlin— Hof— Mün. chen). Penfiou Schlaßber». Fernsprecher 18. Behog lich eiirgerichlei, 35 Betten, Bade, im. wer. elelirisches Licht. Waldreiche, staubfreie, ruhige Lage, selten schöne Fernficht. Liege. miese. Borziiglzche Verpflegung. Polle Pension 4—5 Mari 'c nach Lage des .inrmers. Profperl gratis.' Frenndtiche Soormeemohnnng zu»ernrieten. Ei dam.MühIe. Schöna, Sachfische Sehweiz. VW- raieiungen Zimmer Teilmoblixrte» Zimmer, elektrische� Lieht, Kochgelegen. heit. Lehmann, SO, 36. Britzerstr. z.0, v. 2 Trp, ff Vorwärts"-Ausgabestellen u. Inseraten-Annahme Haupterpedilion: Berlin. Lindenstratzi Z, Laden. Tön- hoss Aga_ 29V. �Zentrum: Äckersir, 174. am Koppenplatz. VI Norden 12135. „ Ne u m a n n, Grünstr 21(Ausgabe: Kur straße 25), Berolina 1371. „ Waller. Ww,. Kronenstr 2. Merkur 283. Westen: Steglitzer Str, 37. Ecke Magdeburger Straße. »Tüdeu: Baerwaldsir, 47, a. d Gnetsenaustraß«.? 5 Baerwald K218, �Prinzeuftr. 63. Laden. Jannowitz 4438 •Csten: Marknsstr, 3ü. E 4 Alexander 9735. *„ Peiersburger Platz 4, E 4 Alexander 9734, Südosten: Lausitzer Platz 14:15, E 8 Oderbaum 6894, 'Nordosten: Jmmanuelkirchstr. 24, E 4 Alexander 9736. Carmen-Sdlva-Str. 57. Gtllmann. •Moabit: Wilhelmshavener Str, 48. C 5 Hansa 4095. Huttenstr 67, bei Bitterling. •Aedding: Müller str, 34, Eck« Utrechter Str. C5 Hansa 4094. •Rosenchaler und Oranienburger vorftadit Wattstr. 9. v 4 Humboldt �75 •Aesundbrunnen: Bastianstr, 7. D 4 Humboldt 7874. •Schöuhauser Vorstadt: Greiienhagener Str. 22. v 4 Humboldt 7805, Adlershos: Hermann Petzold, Gemeinschaftsstr 10 Alt-Glienicke, AnnaHallmann. Grünauer Str. 10. •Vaumschulcnwcz: Strahl. Kiesholzstr. 179. Ober- lchöncweide 1073 Bernau, Röntaental, Zepernick, Schönbrück, Karow und Buch: H»tnrich Bros«, Bernau. Müblenstr 5. Verglelde: Hermann Thieß, Bergfelde. Veltheimer Straße 15. Vicsdors-Rord: Karl.Kcllcrmann, Königstr 17. Bieddors-Süd' Georg Winkle r. Fortuna-Allee 40. Blrlenwerder: Frau Z o o r. Babnbosstr 6 Bohnsdorf: Karl K u s k e. Eichbuschiir. 9. Borxsdors: Oswald Börner, Siedl. Borgsdors 36. Borsigwalde: Max Gehruiann, Borsigwalde, Reuschstr, 51, vorn 1 Tr, •Buchholz-Blanliubarg: Wagner. Burgwallftratze 63. Pankow 333, »Chnrlotteuburg l: Sesenheimer Sir, 1,<3 1 Steinpl, 4156, »Tharlottcnburg II: Ti-feld, Tauroggcner Sir. II. C 4 Wilhelm 7798. *Charloitenburg III: I o a ch t m t, Kaiserda mm 95, Cin gang Rognttzstratzc, G 3 Westend 3154 Charlottenbnrg lV: P u f e n t a k. Augsburger Str. 47, Poriier, Charlottenbnrg V: Schulz, Droyfenfir. 12. l. Garten Haus 3 Tr Charlottenburg VI; Kanlstr, 123, Laden. Geöffnet 2 bis 6 Uhr Dabendorf: Walter HohlS, Dabendorf, Provwztal- Chaussee. Eichwalde: H a n S D ü l I. Waldstr. 24,-27, Siedl. DBB. Erkner: P o i k e Flakenstr. 9. Fichtenau: Sobierajski. Hauvtftr. 36. Falkenberg: S a l z m a Ii n, Fallenderg, Gartenstadt- straße 10. Frebersdorf-Petershagen: Otto WtltnSkt, FrederS- dorf, Arndtstraße Friedenau: Gebr, P e t e, r m a n», Bännebergklr. 3 Rheingau 9054 u. 8027, Wilmersdorf. Louenvurger Straße 23, Laden, Rbemgau 9054 Friedrichshagen: Mittenzwet. Lindenalle« 14. Frohnau: Adoli Z u r I i e s, Hermsdorf, Schwßftr. 8. Glienicke a. d. Aorddah«: Willi Engler. Hohen- zollcrnallee 208, Grätzwalde: M ü b I b o ch, Fichtenau, Mittesftr. 14. Grünau: Frau P f! tz n e r. Bahnhofstr/ 9» III. Halens«. Grunewald, Eichkamp: Frau R o a ck. Kiosk Henrieitenvlatz, Privatwobnuna: Kaiharwenstr. 4. HeinerSdars: Schulz. Hildestr, 28. Henninsdorf: Frau R u d al. Altendorsstr, 18. YermSdorf: Gustao Schien, Moltkestr. IL Hohenneuendorf: Frau Werner, Hohenneueichorf, Berlincr Str, 28, Hohrnschönhauien: Frau Sahr. Orankestr. 19. Hof Part. Hoppegarlen: Rausch. Hsppegarten-Birlcnsteia. Bar- zelle Nr 119 Johannischal: Lehmann, Katfer-Wilbelm-Str. 6. Larldhorst: P e r f i ck«. Hentigstr. 35, und Kiosk am Bobnbofplatz. Kaulsdorf: Bngt. Bredereckftr, 13. Sönigswusterhaufe»: E, M e v e r Potsdamer Str. 9, Köpenick, virschgarte», Mahl«d»rf-S»d: Schlag, Kö- Penick, Kietzer Sir. 6(Laden). �Lichtenberg l: Lichtenberg, Wartenbcrgstr. 1. E 5 Lichten- berg 1526 »Lichtenderg n, Rummelsburg, Stralan: Doxhagener Straße 62, E 8 Andreas 733. Lichtenberg IN, Jriedrichsselde, FranGroß, Prinzen- Allee 66, v. l. »Lichterselde-Oft. Lankwitz: A, Wenzel, Lankwitz, Zieienstr, lo Tel.: Lichterselde G III 2703 Lichterselde-Weft: Hohn, Behlindorf. Teliower Str. 3. Telephon: Zehlendors 1853. Lichtenrade: Frau Lenz, Bahnhofstr 20. Mahlsdorf: Ulrtch Haefe, Am Roscnhag 28. Mariendors: Frau L e i p, Ehausscestr, 29. Marienfeld«: Alfred Pö s chk, Berliner Str. 85. Marzahn: Stedlung der Kinderreichen. G i m p« r- lein, Landsberger Ehaussce S9c, Block 1, Wohnung 4 Neuenhagen: We n z k c, Aiegelstr, 1, «Neukölln l: Reckarstr. 5. F 5?i-ukölln 5707. «Neukölln II: Siegfriedstr. 28/29, F 2 Neukölln 5706. Neukölln m: W i n k l er. Hobrcchtstr, 40, v. 1 Tr. «fileuköllu-vritz: Mittag. Britz. Chausscestr. 82. F S Neukölln 2550. Neufchulzenborf, Zeothett: Franz Kühl, Neuschulzen dorf, Ernstsir. 54. Nieberlehme: Hermann Schultz«, Gernsdorf, Ziegelei. Niederfchöneweide: Hermann Brndig, Gedern- straße 62. Niederschöuhausen-Lft: Frau Goldbach, Schloß- alle« 45. v, 3 Tr, Nowawes: Eijcnbahniir. 10. Oranienburg: H e i» r. Leonhardt, Stralfunder Straße 6. Oberschöneweide: Robert Paul, Wilhelminenhos- straße 44» F 2 Oberspree 0621, Pankow: R i ß m o n n, Mühlenstr. 70, Pankow 2452. Potsdam: Gebr Schubert, Junkerstr. 26. Rahnsdorf, lTrbaniak. Straß« 7. Haus 4. Relnickendorf-Ost: Wahle, Provmzftratze 56. Ge- öffnet 2—6. Reinickendorf-Weftt B e n d t. Scharnwcberstr. 114, . BolkShaus. Reinickendorf L621. Rofenthal: Fritz Koffert, Kronprinzenstr. 4. Rudow: Otto Kaiser Waltersdorfer Ebaufsee. Sadowa, Keulsdors-Süd: H c n f ch k e, Kaulsdorf-Süd, Waldstraße 66. «Schmargendorf l: N e h a b, Breite Str. 8. kl 1 Pfali- bnrg 3541. Schönblick: Ncuendorf, Schönblick. «Schöneberg: Beiziger Sir 27, G 1 Stephan 7409. Senzig: Friedewald, Ehaufseestr. 54. Siemensstadt: S i e n„ e I. Brminenstr. 6, v. 1 Tr. Sieglitz: F r r st Schadenrute 2. Tiraußberg: Alfred Bannicke, Siraußber.i, Trrschauer Straße. Tegel. T-g-lort. Heiligensee. Tchulzendorf: Spieß. Tegel, Schlieperstr. 52, Tellow: Hösel, Rilicrslr. 29. Trmpelhos: Harsdorf, Werderstr. ZI v. pari. Reutevipelhos: Rindfleisch. Fidicinstr. 35, v. PH- Trebbin: G v r i n g, Peirkstr, 22, «Treptow: Meckc Iburg, Groetzstr. 56, F 1 Mpl, 8048 WaidmanuslusL' Rohde, Oraniendamm 10. Waunsre: Wolter. Glienicker Str, 29. Weißeusee: Anton Wiese, Lcbder-Str. 2. Wildau, Hoherlehme: Rud. Lettow, Hoberlehme, Friedrich-Ebert-Slr 66, Wilmersdorf l: Lauenburgcr Str. 23, Laden. Rhein- gau 3054, Wilmersdorf kl: Friedrich Bauer. Paulsdorner Straße 22. k SM lV Rilhelmshageu, Hessenwiukel: Schulze, Wilhelms- bagcn Wildclmstr. 31, Dilleaan: Z r b e l I. Houptstr. 65, Woltersdors: Frl, Mathias. Werderstr. 50 III. «Zchlendors, Schlachtensec, RilolaSs«-:: Höhn. Zehlen- dorf. Teltower Str. 8 ll 4 Zchlendors 1353, Zernsdorf, Riederlchme, Coblow, Neue MulV«: Otto L i e s« g a n g, Zernsdorf. Breite Str. 105, Zossen: Witt Larutber Str, 12. Sämtliche Literatur lowie olle wissenschaftlichen Werke werden ariieseri. Sonntags find die Geschailsltcllen geschlossen. Tie mit einem« versehenen Ausgabestellen sind nachmittags von 2—6 Uhr nnter der angegebenen Num- mer telcphonisch zu erreichen. 7!r. �74» 45. Jahrgang 0 Mittwoch, 15. April 1931 Erfolge der Arbeiterbank im Krismjahr. Neue Einsagen- und Llmsahfieigerung.— Die bewährte Werbekrafi der Arbeiterbank-Idee. Die Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten A.- doch weiter erhöht hat, und zwar von 163 auf 168 Millionen Mark. Die Werbekrast der Idee, daß die Arbeiter, Angestellten und Be- amten die bei ihnen und ihren Organisationen vorhandenen Spar- • gcldcr und Vermögen selbst und im eigenen Interesse verwalten und oerwerten, hat sich von neuem, und zwar in einem außerordentlich ernsten Und schweren Krisenjahre bewährt. Was an Verlangsamung des Zuwachses und absoluter Senkung der Einlagen unvermeidbar schien, wurde durch die Ausdehnung der Spartätigkeit bei den ein- zelnen und durch die Verliefung des Vertrauens in die Idee der Arbeiterbank bei der Gesamtheit wettgemacht. Der Vorstandsbcricht gibt eine ausgezeichnete Analyse der kritischen wirtschaftlichen und politischea Entwicklung des vergangenen Jahres und insbesondere der verheerenden Wirkungen der Reichstagswahlen »om 14. September auf das Wirtschaftsleben. Die Unsicherheit der politischen Verhältnisse während des Somniers und erst recht das verhängnisvolle Ergebnis der Reichstagswahlen im Herbst erschütterten allgemein das Vertrauen in eine stetige Eni- wicklung Deutschlands derart, daß nicht nur keine neuen fremden Mittel der deutschen Wirtschaft zur Verfügung gestellt, daß vielmehr namhafte Auslandsguthaben abgezogen wurden und daneben eine recht beträchtliche Flucht heimischen Kapitals einsetzte. Die derart bewirkte Verknappung mußte den Krisenablauf unheilvoll bc- einflussen. Während in aller Regel eine Senkung der Zinssätze als Krisenfolge festzustellen sei, die ihrerseits wieder eine Wirtschaft- liche Belebung einleitet, seien in Deutschland trotz schärfster Aus- Wirkungen der Krise die Zinssätze gestiegen. Die Reichs- bank sah sich im Oktober"gezwungen, ihren Diskont von 4 auf 5 Proz. zu erhöhen. An der Politik der deutschen Unternehmer im ver- gangenen Jahr und an den unzulänglichen Versuchen des Staates, die Krisenwirkungen zu bekämpfen, wird scharfe und nur in der Form maßvolle Kritik geübt. Die private Wirtschaft habe alles Heil nur in chrer eigenen Entlastung gesehen.„Ihr genügte nicht der starke, in der Zunahme der Arbeitslosigkeit sich aussprechende Abbau von Arbeitskrästen, sie forderte vielmehr neben der Senkung aller öftentlichen Abgaben, sowohl der steuerlichen wie der Sozialoersiche- rungsbeiträge, einen scharfen Lohnabbau, den sie auch zum großen Teil bereits durchgesetzt hat."" Ein solches Vorgehen habe ein- seitig der Arbeiterschaft alle Folgen überbürdet, die sich aus Ueberrattonalisierung und Ueberinvestion ergeben, obwohl die Arbeiterschaft, da sie von der Wirrschaftssteuerung ausgeschlossen ist, für die Fehler der Unternehmer nicht verantwortlich ist. Ein solches Vorgehen lasse auch völlig den in einer Stärkung der Konsum- kraft liegenden Heilfaktor außer acht. „Der Staat hat denn auch", so heißt es weiter,„obwohl er den Lohnabbaubestrebungen sich nicht entgegenstellte, sie vielmehr för- derte.. diesem Gesichtspunkt dadurch Rechnung zu tragen versucht. daß er sich für eine Verbilligung der Preise einsetzte. Dabei wiederum stieß er vor allem aus die durch seine eigenen zur Sonder- stützuug der Landwirtschaft ergriffenen Maßnahmen aufgerichteten Hindernisse- Aber auch im übrigen ist das Ergebnis seiner Be- strebungan mager: vor allem da, wo die Preisbestimmung dem Einfluß kartellmäßig verbundener Wirtschaftskreise unterliegt, ist ihnen den Erfolg fast ganz versagt geblieben." Es wird mit Nach- druck auf die Forderungen des ADGB. hingewiesen, die sich gegen den einseitigen Lohnabbau und für die generelle Einführung der 40-Stunden-Woche einsetzte, und es wird bedauert, daß der Staat sich bisher nicht entschlossen hat, seine Mochtmittel für die Verwirklichung dieser Vorschläge einzusetzen. Dllavz und Gcwinnrechnung. Neben d«r schon genannten Steigerung der Einlagen von 163,2 auf 167,9 Millionen Mark hat sich der Anteil der eigentlichen Spargelder an den Eesamteinlagen weiter- hin vergrößert. Don diesen 168 Millionen waren Ende 1930 rund 65 Millionen unmittelbar in Bankguthaben und Kasse flüssig gc- halten: gegenüber dem Vorjahr ergibt sich eine nur sehr gering- fügig und weniger als bei den privaten Banken verringerte Liquidität. Die laufend gewährten Kredite sind von 95,5 auf 99,o Millionen Mark erhöht. In Wertpapieren waren 11,6 gegen 9.4 Millionen Mark im Vorjahre angelegt: wobei die Bewertung unter den Kursen von Ende 1930 liegt, so daß in diesem Posten erhebliche stille Reserven liegen. Belräge aus noch nicht weiter verkauften Anleihebeteiligungen(Konsortialb ctelligungen) waren von 3,7 auf 4.4 Millionen erhöht, dauernd- Beteiligungen bei anderen Bankfirmen(besonders Hannoversche Bodenkreditbank, Preußische Zentralgenossenschaftskasse. Heiinbank) waren durch Abschreibungen von 4,2 auf 4,1 Millionen verringert. Di« Bilanz- summe ist von 178,9 auf 184,6 Millionen Mark gestiegen. Die Gewinn- und Derlustrechnung zeigt im ganzen eine noch günstigere Entwicklung als die Bilanz. Die G e s a m t e i n- nahmen find von 4,46 auf 5,37 Millionen Mark erhöht. Die Handlungsunkosten find trotz erheblicher Ausdehnung des Bankapparates noch etwas langsamer, und zwar von 1,97 auf 2,28 Millionen gestiegen. Die Steuern zeigen eine starke Ver- mchrung von 0,37 auf 0,95 Millionen, da im Jahre 1930 zum erstemnal der volle Gewinn auf das auf 12 Millionen erhöhte Aktienkapital versteuert werden mußte. Beim Reingewinn wird eine Erhöhung von 2,11 auf 2,14 Millionen ausgewiesen: es dürfte aber feststehen, daß vorweg aus dem Rvhgewinn noch Rück- stellungen gemacht worden sind. Die Arbeiterbank hat sich ent- schlössen, nicht 10 Proz. wie früher, fondern nur 8 Proz. ihren gewerkschaftlichen Aktionären auszuschütten, weil man nicht weiß, was das lausende Jahr bringen kann und well man die Reserven auch auf diese Weise stärken will. Die zehn- prozentige Dividende wäre möglich gewesen, wie sich aus den gegenüber dem Vorjahr um 268 000 auf 377 000 erhöhten Gewinn- vortrag ergibt. Die offenen Reserven werden weiter erheblich gestärkt. Sie betrugen 2,3 Millionen Mark und werden für das Jahr 1931 3L Millionen oder erheblich mehr als ein Viertel des Aktienkapitals betragen. In den laufend gewahrten Krediten hat sich gegenüber dem Borjahr eine interessante Verschiebung ergeben. Der Anteil der öffentlichen Kreditnehmer ist von 56,6 auf 39,3 Proz. gesunken, während sich der Antell der Betriebe und Organisationen der Arbeiterschaft von 39,3 auf 55,8 Proz. erhöht hat. Das erklärt sich daraus, daß man einmal, insbesondere bei den Kommunalkrediten, eine gewisse Zurückhaltung üben konnte und daß sich weiter bei der Durchführung des Reichs- wohnungsbauprogramms erst gegen Jahresschluß die stärkst« In- ansprnchnahme ergab: das erklärt sich endlich aus dem Bestreben der Arbeiterbank, zur Erhaltung der Arbeitsgelegenheiten und zur Förderung der Arbeitsbeschaffung die eigenen Betriebe der Arbeiterschaft in der Krisenzeit mit Vorzug zu behandeln. Der Bankapparat wurde auch im vergangenen Jahr weiter ausgedehnt. Die Zahlstellen in Hannover, München und Saarbrücken wurden zu Filialen gemacht, in Braunschweig, Essen, Köln, Lieg- Nitz, Magdeburg und Stuttgart wurden weitere selbständige Zahl- stellen errichtet, und im„V o r w ä r t s"- H a u s e in der Linden- strahe wurde an Stelle einer früheren Ov-Bank-Filiale eine Dcpositenkasse der Bank der Arbeiter, Angestellten und Bc- amten A.-G. errichtet, eine nicht nur praktisch bedeutsame Maß- nähme, sondern auch ein Ereignis von einer gewissen s y m« bolischen Kraft. Entsprechend der Uinsatzsteigerung von 2787 aus 3363 Millionen Mark und entsprechend der Ausdehnung des Bankapparates hat sich die Zahl der A n g e st e l l t e n von 160 auf 215 erhöht. Die Arbeiterbank hat ab Mitte März 1931 fiir die Angestelltenschast in ihrem gesamten Betriebe die 4 0- Stunden-Wvche eingeführt. Im vergangenen Jahr hat die Arbeiterbank den Wohnungsbau noch stärker gefördert als bisher; rund 50 Millionen Mark wurden im Laufe des Jahres zur Zwischenfinanzierung von 10 522 Wohnungen verwandt. Es darf damit gerechnet werden, daß das neue Geschäfts- jähr trotz der schwierigen Wirtschoftsverhältnisse zum mindesten nicht mrgünstiger fein wird als das vergangene. Die gestrige Generalversammlung hat die Bilanz und Gewinn- und Berlustrechnung e i n st i m m i g genehmigt und auch die Verteilung des Reingewinnes ent- sprechend dem Dorschlage der Verwaltung gutgeheißen. Die Aus- sichtsratsmitgliedcr Ahrens, Bartels, Bockert, Husemann, Leipart, Marx und Raphtali wurden einstimmig wiedergewählt. Theodor Leipart, der Führer des Allgemeinen Deutschen Gcwerkschafts- bundes, und Siegfried A u f h ä u s e r, der Führer des Allgemeinen freien Angestclltenbundcs, teilen weiter den Vorsitz im Aufsichtsrot der Arbeiterbank. Arbeitslose Wersten. Fast 40 prozentiger Auftragsrückgang im Weltschiffbau. Die im Bau befindliche Welttonnage hat nach Lloyds Schiffahrtsregister Ende März 1931 einen weiteren scharfen Rückgang erfaßte. Sie ist gegen März 1930 um rund 38 Proz. von 3,27 auf 2 Will. Tonnen zurück, während Ende DcMcher 1930 noch 2.33 Mll. Tonnen in Kau waren. Der Anteil Großbritanniens am Wellschisibau, der 1913 über 37 Proz. und im Borjahr noch 43,5 Proz. betrug, ist jetzt b i s auf 34,7 Proz. gesunken. Der englische Schifsbaubcstand ist seit dem März 1930 um 921 000 auf 694 000 Tonnen gesunken. eine Abnahme wie sie in«mem derartigen Umfang in der Geschichte der englischen Werften bisher nur einmal zu verzeichnen war. Fast unverändert ist die Schiffbautätigkeit in den Vereinigten Staaten mit 231 000 Tonnen geblieben. Die deutschen Werf- ten wären nahezu gänzlich ohne Arbeit, wenn sie nicht größere Aufträge für Tankschiffe auszuführen hätten. Von einem Gesamt- auftragsbestand von 136000 Tonnen(Ende Dezember 1930 noch 218 000 Tonnen) entfielen 103000 Tonnen auf Tankschiffe. Finanzierung von Reichsbahnbauten. Eine Auslandsanleihe Württembergs. Durch Vermittlung der Württembergischen Noten» bank hat das Finanzministerium Württembergs mit einer Schweizer Banken gruppe ein« Anleihe in Höhe mm 25 Will. Schweizer Franken abgeschlossen. Die Anleihe hat eine Laufzeit von 25 Jahren und ist mit 61- Proz. zu verzinsen. Der Ausgabekurs stellt sich auf 96,30 Proz. Der Erlös ist vertragsgemäß für den zweigleisigen Ausbau der württembergischen Nordsüdstrecks der Deutschen Reichsbahn bestinnnt, zu welchem Zweck Württemberg der Deutschen Reichsbahn ein Darlehen in Höhe von 25 Millionen Mark gewährt hat. Dieser nxue Sireckcnausbau der Reichsbahn hängt mit dem zusätzlichen Arbeitsprogramm zusammen, an dessen Finanzierung sich auch die vom Reich gegründete Deutsche Gesellschaft für öffentliche Arbeiten maßgeblich beteiligt hat. Siegerländer Erzbergbau. Neue Subventionswünsche an den Staat. Der Jahresbericht des Siegerländer Eisenstein- Vereins für 1930 läßt einen Rückgang der Erzförde- rung um 11,2 Proz. im letzten Jahr erkennen. Gegenüber einer Verringerung der Roheisenerzeugung in den Hochofenbetrieben um 27,2 Proz. im letzten Jahr haben also die Erzbergwerke im Siegerland noch verhältnismäßig gut abgeschnitten. Das hat" aber nicht gehindert, die Belegschaft um nahezu 30 Proz. von 8680 auf 6218 Mann abzubauen. Es zeigt sich also, daß die Förderleistungen je Mann und Schicht in den Siegerländer Erzbergwerken auch im vergangenen Jahr sich weiter erhöht haben. Im übrigen enthält der Jahresbericht neue zusätzliche Suboentiynswünsche der Bergwerke. Die vom Reich und von Preußen gegebenen Beihilfen für jede geförderte Tonne Eisenerz werden für nicht ausreichend erklärt, und es wird gefordert, daß„die übermäßig herausgeschraubten Selbstkosten auf ein tragbares Maß gesenkt werden". Dies« Forderung wird ge» stellt, nachdem schon im Januar trotz der Leistungssteigerungen der Bergarbeiter ein starker Lohnabbau erfolgt ist. Schon der kürzlich veröffentlichte Jahresbericht der Eisenwerke Buderus in Wetzlar, des fülhrenden Siegerländer Unternehmens, ließ er- kennen, was mit diesen neuen Forderungen des Erzbergbaues gemeint ist. Man will darauf htnaus, daß der Staat durch eine Heraufsetzung der Beihilfen für einen Teil der Sozialabgaben der Unternehmen gerode steht. Wenn die SuboeMtoveu für das' Siegerland, das alleinige Erzsorderungsgebiet Deutschlands, auch nicht mit dem allgemeinen Suboentionsmaßstab zu messen sind, so kann heute von einer zusätzlichen Subventionierung dieses Gebietes nicht mehr die Rede sein. An den dortigen Bergwerken sind die großen Montankonzerue an der Nu h r wie der Stahltrust und die Gute-Hvffnungs-Hütte, maßgeblich beteiligt. Reichen die staat- liehen Beihilfen nicht aus, um die Erzbergwerke rentabel zu halten, so wäre es die Pflicht der rheinisch-weftfälischen Montan- konzerne, diese Zuschüsse zur Erhaltung ihrer Rohstoffbasis von sich aus zu leisten. 36 MiNionen Automobile in der Meli. Nach einer Zusammenstellung der führenden amerikanischen Kraftwagenzeitschrift„Automotive Industries" gab es zu Beginn des Jahres 1931 in der Welt 35,8 Ml(I tonen Kraftfahrzeuge, davon 30,0 Millionen Personenwagen, 5,5 Millionen Lastkraftwagen, 2,8 Millionen Motorräder und 269 000 Autobusse. Relativ am stärksten haben im vergangenen Jahr die Kraft- r ä d e r zugenommen, nämlich um rund 300 000, ein Zeichen der infolge der Krise allgemein verminderten Kaufkraft in der Welt. Bon der Gesamtzahl entfallen 26,7 Millionen auf die Der- einigten Staaten gegenüber 26,6 Millionen zu Beginn des Jahres 1930. Der Kraftwagenzuwachs in den Bereinigten Staaten ist also wesentlich geringer gewesen als in der übrigen Welt. Da in den Vereinigten• Staate» rund 3,5 Millionen Kraftwagen und Krafträder im vergangenen Jahr hergestellt worden sind/so wurde, wie man aus diesen Zahlen schließen muß. der größte Teil der neuen Produktion zum Ersatz alter Fahrzeuge verwendet. Der europäische Äraftfahrzeugbestano hat sich von 4,8 auf fast 5,3 Millionen oermehrt, was einen Zuwachs von knapp 10 Proz. bedeutet gegenüber nur 0,5 Proz. in den Vereinigten Staaten. Der Anteil der Krafträder ist im allgemeinen um so stärker, je geringer die Kaufkraft der Bevölkerung ist. Am stärksten ist er in Deutschland, wo 659 000 Kraftwagen 731 000 Motorrädern gegenüberstehen. Hohe Maschinendividenden. Die Gesellschaft für Lindes Eismaschinen A.-G., der führende Konzern in der deutschen Kältemaschinenindustrie, erzielte im Jahre 1930 einen R c i n g c w i n n, der sich mit 3,19 Mil- licnen Mark auf der Höhe des Vorjahres hält. Es wird wieder die hohe Dividende von 15 Prozent oerteilt. Dieser Ab- schluß dürfte nach der schweren Krise im Maschinenbau wohl einzig dastehen, allerdings spricht bei dem Kältemaschinen-Konzern sein Besitz an hochwertigen Patenten und Lizenzen mit, die ihm unabhängig von der Konjunktur laufend große Einnahmen verschaffen. Auch die Armaturen- und Maschinenfabrik A.-G. v o r m. L. H i l p e r t in Nürnberg kann aus einem Reingewinn von 162 700 Tk. wieder die gleich hohe Dioidendevou IProz. auszahlen. rnax Marthel: Ivtt MMeil „Natürlich sind sie das/ sagte meine Frau und zeigte auf eine Kette von Menschen, die sich träge in der Sonne und am See da- hinschleppten,„aber klar sind sie das: sie haben ja das Abzeichen/ Ja. sie waren es. Ich stürmte los und sprach mit einem Mann, der die Jacke mit Eleganz eines spanischen Granden oder Stierkämpsers über der Achsel trug. „Buon gioino, guten Tag/ sagte ich,„sagen Sie mal, sind Sie vielleicht?" Der Mann nickte und anlworiete: „Ja, wir sind es Und da vorn geht unser Führer." Der Führer war ein Bekannter aus Berlin. Wir schüttelten ans die chände und machieu für den nächsten Morgen einen Treff- punkt oben am Bahnhof in Lugano aus. Wir wollten uns Tesserete ansehen Lugano lag satt und träge in der Sonne Aus dem blauen See war viel Betrieb im Bolksgarten gab es phantastisch hohe Tulpenbäume tn letzter Blütenpracht, aus der Promenade spazierten die Fremden mit und ohne Abzeichen, die süßen Feigen reiften und die Palmen bemühten sich, stolz und feierlich auszusehen. Am nächsten Morgen erwarteten wir unsere Genosien aus Deutschland. In der allerletzten Minute keuchte der Führer heran und brachte eines von jenen unglücklichen Wesen mit. die immer zu spät kommen und die beleidigt sind, wenn man vom Tempo der Zeit spricht Der Bahnbeamte oerstand kein Deutsch, der Führer kein Italienisch aber die Verständigung war trotzdem gut. der Extra- wagen war schon bestellt und brachte die Kolonne nach den Bergen. Wir kamen an Kastanienwäldern und Weinhöngen vorbei, im dunklen Grün der Tiese lagen kleine Dörfer. Lugano blieb unten am See kauern, die Lüste wurden freier und kühler, die Berge nackter und herrlicher Ball war Tesierete erreicht Zuerst besuchten wir dos schöne, kultivierte Ferienhelm, das immer mehr auch unter den deutschen Arbeiterreisenden bekannt wird. Von dort aus wurden viele Ansichtskarten in die Welt gefunkt. und nun teilte sich die Kolonne in zwei feindliche chaufen. Der eine wollte das historische Kloster beluckien und der andere die Arbeiter- bewegung des kleinen Dortes studieren. Das Studium lohnte sich. Der Wirt, bei dem man zuerst untersuchen wollte, war nicht zu Hause, aber seinen Wein hatte er daheim gelasien, der Käse schmeckt« gut und die Salami war ausgezeichnet. Das Studium begann, und schließlich wurden einig« Teilnehmer dieser Gruppe immer fröhlicher immer weltmännischer, immer de- schwingter. Sie sahen nur noch mit Hohn aus jene Freunde, die sich für das Kloster entschieden hatten Und ein Teilnehmer erklärte: „Mensch, so doosl Icke unn Kloster! Guck mir mal in die Pupille! Da siehste Klarheit! Hallo, Frau Tandaradei, bringen Sie noch eine Flasche von dem Roten!" Die Genossin, die den Wein brachte, hieß natürlich nicht Tandaradei. Sie lächelte nur, denn sie kannte den roten Wein. Und dann triumphierte die Tugend über dem Laster- der Mann, der nicht mit ins Kloster gehen wollte, bekam das graue Elend und lebte ein« halbe Stunde in dem Wahn, das Opfer politischer Ueber- zeugung zu sein, da er ja die sozialen Verhältnisse des kleinen Berg» nestes hatte studieren wollen. Wir trösteten ihn und führten ihn möglichst im Schatten durch das Dorf, durch eine romantisch» Schlucht, und dort verkühlt« sich endlich sein Schädel. Dann gingen wir nach dem schönen Heim und fuhren mit den Klosterbrüdern und den Klosterschwestern nach Lugano hinunter. Aus der Talfahrt interessierte sich ein« Thüringer Genossin lebhaft für die Botanik der Umgebung. Als alter Tippelbruder konnte ich ihr ers6)öpfende Auskunft geben und sieh auf alten Oel- bäumen süße Feigen, auf grünem Lorbeer ausgezeichnete Datteln und auf den mächtige» Bananenstauden echte Havannazigarren wachsen. Sie glaubte alles und fragte nach„Apfelsinen". Ich ver- sprach ihr in Locorno ganze Orangenhaine und Zitronenabhänge. Sie wurde ganz ruhig und sagt«: „Ach, so is das! Ganze Abhänge voll! Na. ich habbs mr doch glei gedacht, daß es hier welche giebbt, die missen doch hier unten wachsen wie bei uns derheeme die Gardoffln!" Meine Frau und ich waren als Einzelgänger in die Schweiz gekommen, und nun trieben wir in einem Mahlstrom gleichgesinnt««, lustiger Menschen dahin. Es gab kein Entrinnen, und warum sollten wir mit den Kameraden nicht noch einen Tag nach Locarno hinüber- fahren? Was meinst du. Lisa? Sie meinte selbstverständlich auch, und da sind wir am selben Tag mit nach Locarno gefahren. Mit der Eisenbah« In einem knüppeldickenvollen. lustigen Eisenbahn- wagen. Wir waren lustig, der Waggon war voll Addio, addio. Luganer See. der auf der schweizerischen Seite wirklich fröhlich und auf der italienischen Seite wirklich melancholisch ist. Das hatten wir auf einer Rundfahrt mit eigenen Augen gesehen. Und bald hieß es Buon giorno Lag maggiore! Eigentlich hätten wir: Bona sera, guten Abend, sagen sollen, denn es war früher Abend, als wir in Locarno ankamen. Am Bahnhof wurde die Kolonne noch einmal in zwei Haufen geteilt. Die eine Rott» kam in ein Berghotel, die andere Rotte in ein Hotel am Wasser Die Seebanditen glaubten zuerst, das schönste Haus erwischt zu haben, aber die Gerechtigkeit siegte, die gute Sache triumphierte, wir hatten das schönste Hotel bekommen. Unsere Zimmer zum Beispiel waren so feudal, daß wir hochmütig wurden und zu uns selbst eigenhändig„Sie" sagten. Man kann aber nicht immer„Sie" zu sich sagen, das wird bald langweilig An diesem Abend wurde es nicht langweilig Erstens rasselte und prasselte«in Donnerwetter von den Bergen und ver- sackte im See, zweitens bummelten kleine Trupps oder Einzelgänger durch die schöne Stadt und beschnupperten die Spuren großer Historie, und drittes trotzte die junge Garde und die alte Mann- lchaft allen Stürmen und Schauern: die Bergleute stiegen in die Tiefe zu den Wasserleuten, und. alles versammelte sich zu Schnick und Schnack zu Klick und Klack da unten in dem Hotel am See. Der Führer sprach kein Italienisch, aber dafür sprach er ein aus. gezeichnetes Deutsth und unterhielt durch Ders und Prosa seine ge- treu« Rotte. Musik«rheiterte auch hier die Herzen und gegen Mitter- nacht stiegen die Bergleute nach ihrer feudalen Penne, und am nächsten Tag ging es mit dem Schiff nach dem letzten Schweizer Dorf, nach Brissago. Brissago ist durch seine Zigarven berühmt, durch die schwarzen Glimmstengel mit der kirschblütenweißen Asche. Wir kletterten aus die Berge und besuchten unsere Freunde, die Eisenbahner, die hier auf der Sonnenseite ihrer Republik ein wundervolles Erholungsheim für ihr« Mitglieder errichtet haben Dem Heim ist ein großartiger Garten angegliedert. Die kleine Thüringerin, die für Botanik schwärmt«, mochte ganz große Augen und noch größer« Ohren, als uns der Genosse Gärtner erklärend durch sein Zauberreich führte. Dann begann e» zu regnen, der See verschleierte sich, aber die meisten Kameraden nahmen sen« Güsse al» lustiges Abenteuer hin. Sie waren aus den Fabriken und Kontoren gekommen und fanden den Regen am Lag maggiore viel schöner al« die Sonne hinter den Schreibmaschinen oder Fabrikmauern Lachend tappten wir in die Tief« und stellten uns mit Geheul vor einer Villa am See auf. in deren Garten es genug Apfelsinen und Zitronen zu sehen gab. Sie leuchteten gell» und orangen durch das grüne, satte Laub. Das Schiff kam von Italien her. und der ewige Nachzügler der Horde fehlte immer noch Alles tchri« durcheinander, und da« thüringisch« Fräulein starrt« auf die Orangen und sagte enttäuscht: „Ach. so is da» ach. so wachsen diel Ich dachte, die wachsen wie bei uns derbeem« die Gardoffln!" Endsich, endlich, endlich keuchte der ewige Nachzüaler heran, wir bestiegen da, Scbiff und fuhren nach Locarno. Der Genosse FÜH-er glaubte, etwa, für dl» deutsche Literatur tun zu müssen: er ließ mich hochleben. Ich antwortet« kurz und versprach furchtbar« Rache. Ich versprach, einen Bericht von der Begegnung zu schreiben. Hier ist er Und es war noch viel, viel schöner und lustiger, al» ich es ge- schildert habe. Von Locarno fuhren die Freund« nach Interlaken. wir kutschierten nach dem Gotthard und besahen uns dann den Rhonegletscher. ?talal>ja Alexandrorcna Veffi: 3)er fchönUe Xag einer Choriflin Warenka, Choristin an einer Opernbühne, erwachte unaus- geschlafen und dennoch gut gelaunt. Sie war nicht zum Ausschlafen gekommen, weil sie die halb« Nacht hindurch ihren neuen Hut aufprobieren mußte, einen blauen, mit blauem Vogel, einem richtigen blauen Glücksvogel. Die froh« Laune dankte sie dem Dichter Sineus Truworoff« seinem Versprechen, sie heute zu einer Ausfahrt abzuholen. Der Dichter war sehr interessant. Vers« hatte er noch nicht ver- brochen, indessen schon ein Pseudonym gewählt, unter dem er sie herausgeben will. Warenka kleidet« sich rasch an, griff wieder nach dem Hut und begann, ihn von neuem aufzuprobieren. „Bezaubernd! Besonders so im Profil..." ,Jd, ein« Frau mit solchem Hut kann sich vieles herausnehmen. woran man in einfacher Mütze gar nicht zu denken wagt: sie darf schelmisch, launisch, verträumt oder hochmütig sein.— alles steht ihr gut." Um den Gegensatz herauszukehren, langt« Warenka nach der alten ausgedienten schwarzen Mütze und setzte abwechselnd bald sie, bald das neue Wunderwerk auf ihr Haupt. Heftete den Schleier an und prüfte den Unterschied der Wirkung bei gleichem Gesichts- ousdruck. Wie fade und k.läglich fand sie sich in der schwarzen Mütze, wie ausgesprochen schön unter den Schwingen des blauen Glücksvogcls. Ein Läuten, ein« bekannte Stimme bewogen sie. In das Vor- zimmer zu eilen. Dort stand der Dichter ohne Verse, der sie lächelnd und mit begeistertem Aufblick empfing. „Wollen wir gleich fahren, der Kutscher wartet." Warenka wollt« noch einmal in ihr Zimmer zurück, um einen letzten Blick in den Spiegel zu werfen. Truworoff ließ ihr kein« Zeit dazu, half ihr in den Mantel und drängte zum Ausgang. „Sie sehen heute so besonders aus", flüsterte er, ihren Arm an sich pressend.„Ich weih nicht warum, kann Sie gar nicht genug betrachten." „Ich weiß es schon", dachte Warenka,„mein neuer Hut." Sie sprach es nicht aus.„Mag er doch denken, daß ich für mich allein hübsch bin." So lächelle sie nur, ihn mit einem schelmischen SeUenblick streifend. Fester drückte er ihren Arm in den seinen. Wie schön war es auf der Straße. Wohl roch es nach Schimmel und Katzen. Dafür leuchtete au» ihrem Kranz von kleinen Wölk- chen die liebe Sonne, die allen Feldern und Wiesen der Welt, der ganzen dummen runden Erde ihre Strahlen sendet. „Wie sind Sie heute schön?" äußerte der Dichter in freudiger Erregung.„Ganz ausgetauscht!" Sie war es in der Tat. Da» Bewußtsein, prächtig gekleidet zu sein, stimmt« sie mutig und heiter. „Ach, wäre man reich, könnte man sich jeden Tag einen neuen Hut leisten und immer hübsch erscheinen!" „Gefällt Ihnen mein Hut?" Sie konnte sich diese Frage schließ- sich nicht mehr versagen. Er bsickte sie zerstreut an. „Sehr." „Sie lieben diese blau« Farbe?" „Die blau«? Ja, aber er ist doch dunkel, beinahe schwarz." Warenka schmunzelt«. „Wie sich die Männer schlecht auf Farben verstehen! Sogar die Dichterl Ach ja. die Dichter." Auf der Treppe zu ihrer Wohnung verabschiedete sich Warenka. Troworoff mußte eilen. Aber nach einigen Stufen Abstieg kehrte er plötzlich wieder um, ging auf Warenka zu und küßte sie aus den Mund. Dann hing sie am Geländer und schaute ihrem Verehrer nach, verliebt, mit hellen Augen, glückstrahlend, wie man nur schauen kann, wenn man einen Hut mit einem GlLcksoogel aus der Krempe trägt. Ein Liedchen trällernd, trat Warenka in ihr Zimmer. „Ach, wäre man reich und könnt« joden Tag..." Ihr Schritt stockte, sie riß den Mund auf. erstaunt, fast«r. schrocken— auf dem Tische lag ihr Hut, neben dem Karton, der neue blaue Hut mit dem blauen Band und dem Glücksoogel. Sie stürzt« zum Dpiegel. Wahrhaftig! Auf ihrem Haupte sah die alte schwarz« Mütze Als sie bald den alten, bald den neuen Hut aufsetzte, um sie mit- einander zu vergleichen, und nun der Dichter kam, hatte sie in der Aufregung ganz vergessen, daß sie gerade mit der alten Mütze be- kleidet war: in 4hr machte sie den Ausflug mit. „Also, ich selbst habe ihm gefallen, nicht der Hut. Wie seltsam! Warum denn bin ich ihm heut« so hübsch erschienen?" Warenka setzte sich auf ihr Bett und dachte nach. Tränen der Rührung drangen in ihr« Augen. Die Lieb« zu ihrem Dichter wuchs. GUrtorlsterte Uebersetzuna au» dem Rullischen.) 3)ie angebohrte Die als Desinfektionsmittel und zur Herstellung von Borax in der Tonwaren- und Hüttenindustrie sowie in den chemischen Ge, werben vielfach verwendete Borsäure kommt hauptsächlich m Dämpfen vor, die dem Boden entströmen. Diese Dämpfe, Soffioni genannt, finden sich in Kalifornien und in Toscana. sie brechen von selbst aus dem Boden hervor oder man bahnt ihnen künstlich einen Weg durch Bohrungen Wie man aber beim Fragen mehr Antwort bekommen kann als einem lieb ist, so kann auch beim Bohren mehr zutage kommen als man bändigen und verwerten kann In Larderello in der Provinz Livorno hat man m zwei- monatiger Arbeit die Sonde durch hartes Serpentingestein bis zu 360 Meter Tiefe geirreben und hat damit einem Passion- den Weg gebahnt, bei dem einem buchstäblich Hören und Sehen vergeht, vor allem aber das Hören. Hubert Franz Höfer. der Apotheker des Großherzogs von Toscana. entdeckte im Jahre 1777 in den Soffionen die schon 1702 von Homberg aus Borax abgeschiedene Borsäure, die ihr erster Entdecker..Sedativsalz" genannt hatte. Es wurde im Jahre 1815 die erste Fabrik zur Gewinnung von Borsäure angelegt, aber rentabel wurde der Betrieb erst, seit Larderel im Jahre 1828 auf den Ge- danken kam, die Wärme der Sofsivnen zum Abdampfen und Trocknen zu oerwenden. Zehn Jahre später lehrten Gazzeri und Montori, daß man sich nicht mit den von jelbst hervorbrechender Dämpfen begnügen, sondern systematische Bohrungen vornehmen solle. Seit 1913 gewinnt man aus den Sossionen auch elektrische Kraft, zunächst ergab der von dem Senator Ginori Conti gemalte Versuch 250 Kilowatt, heute werden insgesamt 7000 Kilowatt ge> wonnen. Mit dem jetzt angebohrten Höllenschlund hosst man, diese Produktion mit einem Schlage zu verdoppeln. Zwischen Volterri und Massamarittima in Toscana zieht"sich ein etwa 20 Kilometer langer Landstrich hin. in dem an vielen Punkten aus Spalten und Klüften des Bodens heiße Dämpse aussteigen oder heiße Schlammassen emporgeschleudert werden. Diese Sossioni verändern ihren Ort und verwüsten so die Vegetation. Sie bestehen aus Wasserdampf, viel Kohlensäure und Stickstoff, geringen. Mengen Sauerstoff und Schwefelwasserstoff, und geben bei Ber- dichtung ein- Flüssigkeit, die 0,1 Proz. Borsäure, daneben Schweiel- Verbindungen, Ammoniak und Kohlensäure enthält In Larderello ist nun am 2. April eine Sonde aus eine in undurchdringbare Stein- lager eingeschlossene Dampfansammlung gestoßen, die mit wahrhast höllischer Gewalt den ihr gebotenen Weg nach oben gesucht hat. Das Brüllen und Tosen wurde im Umkreis von 50 Kilometer deutlich vernommen. Der außerordentlich schwere, über 20 Meter hohe Bohr- türm hat dem Ausbruch standgehalten, aber über ihn ist die Dampf- säule über 2.50 Meter hochgestiegen. Wöhrend sonst der Paroxismus beim Anbohren eines neuen„Lagers" mir wenige Stunden zu dauern pflegt, brüllt und spuckt es diesmal mit unverminderter Kraft seit zwei Tagen aus dem Bohrloch. Der Dampf hat einen Druck von 3 Atmosphären, eine Temperatur von 165 Grad Celsius und die aus- tretende Menge beträgt 200000 Kilogramm pro Stunde. Noch nie hat eine Erdbohrung im Gebiete der Sossioni«in ähnliches Resultat ergeben. Die Bevölkerung befindet sich in einer schrecklichen Loge. Der Lärm— ein wahrer Höllenlärm— macht jede Bevständigung durch unmöglich. Die Schulen und Aemter mußten geschlossen werden... In den Läden reicht der Verkäufer dem Kunden Papier und Bleistift, auf dem Werte oerständigen sich Arbeiter und In- genieur« nur schriftlich. Obwohl mit dichtoerbundenen Ohren ge- arbeitet wird, müssen die Arbeiter sehr oft abgelöst werden, weil da» Getös« wahnsinnig macht. Ein Journalist sagt, daß der Lärm nur mit dem Trommelfeuer der Artillerie in Gebirgstälern zu oergleichen ist, wo die Felswände den Ton hundertfach zurückwerfen. Man oernimmt die Klänge der Glocken nicht, selbst wenn man unter dem Kirchturm steht. Schließlich interessiert einen nur noch die einzige Frage: wann komme ich heraus aus diesem entsetzlichen donnernden Tosen. Hört dies hervorquellen aus den Eingeweiden der Erde nicht bald auf. so wird man die Ortschaften Larderello und Parnorance räumen müssen, da es den Menschen fast unmöglich ist. zu schlafen. Und wie wird sich unsere alte Erde dazu verhalten, wenn man aus ihrem Innern auf längere Zeit 2H Millionen Kilogramm Dampf am Tage entweichen läßt? Wlarx' Berief an feinen Valer Sin nidiiiger Bund der Illarx-Borfchung Der für die Marx-Forfchung außerordentlich bedeutsam« Brief von Karl Marx an seinen Vater vom 10. November 1837 aus Berlin ist erstmalig von Eleanor Marx-Aoeling im Jahrgang 16, Band I (1897—1898) der„Neuen Zeit" verössentlicht worden. Seitdem galt das Original diese« Briefes, de? für die geistige Entwicklungs- geschichte des jungen Marx von grundlegender Wichtigkeit ist, als unauffindbar. Noch im Jahre-1929 schrieb Rsazanow in Band l, 2 der Mos- kauer Marx-Engels-Gesamtausgabe©. XLHI;„Noch bis heute fehlt das Manuskript des großen Briefes von Marx an seinen Vater. Dieser Verlust ist um so mehr zu bedauern, als der von Eleanor Marx-Aveling besorgte Abdruck in der.Neuen Zeit" nicht einwand- frei ist Offenbare Fehler, besonders in der Schreibung der Namen, konnten wir richtigstellen: es ist aber nicht ausgeschlossen, daß sich dort auch andere, nicht so leicht bemerkbare Fehler eingeschlichen haben." Dieser Brief ist nunmehr unter den Papieren au» dem Nach- laß von Marx bei Eduard Bern st ein aufgefunden worden. Die Entzifferung von Eleanor Marx-Aoeling weicht jedoch nur an ganz unbedeutenden Stellen von dem gut erhaltenen Original ab. J. P. Mayer. Die Löwen passe« sich der ZIvilisaNoa an.„Die Löwen im öst- lichen Transvaal sind heute schon so weit heruntergekommen, daß sie sich aus den Hühnerdiebstahl legen" Diese überraschende Mitieilnng liest man in dem Bericht, den dieser Tage der vberwärter des „Krüger Rationalparks" seiner vorgesetzten Dienststelle erstattet hat. „Weibliche Löwen, besonders die kleinen Löwen", so heißt es darin, „überklettern die Umjriedung der Höfe, dringen in die Hühnerställe ein und schleppen eine Menge Geflügel fort Erst kürzlich erlegte ein Wärter ein LLwenboby, das eine Henne zwischen den Zähnen hatte". Ein weiterer Beweis für die Tatsache, daß sich die Lowe» der Zivilisation anpassen, erbringt die Wahrnehmung, daß die Bestien den Autamoo, listen gegenüber große Gleich aültigkeit an den Tag legen. Viele Wagenlcnker wissen zu erzählen, daß sich die Löwen, die sie auf der Landstraße traien, nur widerwillig dazu beouemten, den Wog frei zu geben. Der Oberwärter, der sich von der ZLahrheit dieser Angaben selbst überzeugen wollte, konnte feststellen, daß sich die Löwen in der Tat nur langsam von der Straße entfernten, und zwar erst in dem Augenblick, wenn sie Gefahr liefen, von den Rädern erfaßt zu werden Steigt aber der Wogenlenker au», c�er tut nur so, als wolle er den Wogen oerlassen, io suchen die Löwen, so rasch sie ihre Füße tragen können, dos Weite. Zu Shakespeare» Zelten begann eine Theatervorstellung um drei llhr nachmittags. Dann wurde ein«� bunte Seidensahne auf dem Theater gehißt und Trompeter verkündeten den Beginn der Vorstellung. In den oberen Galerien wurde Bier getrunken und Karten gespcelt, wahrend die Besucher der Räno« und de« Parterres elegant gekleidet waren und häufig farbige Masken trugen.