Morgenausgabe Nr. 176 A 59 --tS.Iahrgang WöchrnIlich LSPf� monatlich 5.SV TL im voraus zahlbar. Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitung»- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands» obonnement 6,— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen- porto 6,— M. ♦ Der„lBonrärls- erscheint wochentäg- lich zweimal. Sonntags und Montag» einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend� Illustrierte Beilage.Boll und Zeit". Ferner.Frauenstimme-. �Technik"..Blick in die Bücherwelt". , Iugend-D ormärts-u.»Stadtbeiloge- Berliner VoltSblati Donnerstag 16. April 1931 Groß-Äerlin 1V pf. Auswärts 15 Pf. Die elnspalt. Nonpareillezeile 80 Pf. Rellamezeile 5.— RM.„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), jede» weitere Wort 12 Pf. Nabatt lt. Tarif. Stellengesuche das erste Wort lö Pst, jede» weitere Won 10 Pf. Worte übet 15 Buchstaben zählen für zwei Warle. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien« anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lstidenstroße 3. wachen« täglich von 8�/, bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich da» Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vori Aetttrawrsan der GoziatdemoKratifchsn Oartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 �eln kennung des tatsächlichen Verhältnisses zwischen der ge- stürzten spanischen Dynastie und Frankreich beruht. Es ist zwar rickstiq. daß Alfons XIII. für die Aufrechterhaltung der spanischen Neutralität im Weltkriege eingetreten, ist. aber er hat trotzdem nie einen Hehl aus seiner Sympathie für die Sache der lateinischen Mächte gemacht. Wenn franzö- fische reaktionäre und monarchistische Blätter wie der „Intransigent", das„Echo de Paris", die„Libertö" und die „Action Francaise" ihrer Trauer über den spanischen Um- stürz Ausdruck geben und sie mit der Franzosen- f r e u n d l i ch k e i t des Königs Alfons begründen, so kommen sie damit der Wahrheit viel näher als jene deutschen Blätter, die über die angebliche Deutschfreundlich» keil dieses Monarchen Tränen der Rührung vergießen. In Wirklichkeit empfand die spanische Königssamilie aus verwandtschaftlichen und religiösen Gründen eine gewisse Berbundenheit lediglich mit den ö st erreicht schen Habs- burgern und den bayerischen Wittelsbachern, keineswegs aber mit Deutschland schlechthin und am allerwenigsten mit den protestantischen Hohenzollern. Wie wenig Frankreich der spanischen Revolution Vorschub geleistet hat, ersieht man daraus, daß noch vor wenigen Wochen die französische Re- gierung auf Verlangen des königstreuen spanischen Bot- schafters Quinones de Leon den geflüchteten spanischen Re- publikanern und Sozialisten untersagte, sich in der süd- lichen Hälfte Frankreichs, also allzu nahe an der spanischen Grenze, aufzuhalten, eine Maßnahme, deren Dienst- beflissenheit gegenüber der spanischen Dynastie von der Pariser Linkspresse scharf kritisiert wurde. Der Oberst M a c i a, der jetzt zum Präsidenten der Katalanischen Re- publik ausgerufen worden ist, wurde seinerzeit aus Frankreich ausgewiesen, dem Major Franca wurde vor wenigen. Monaten nach seiner geglückten Flucht aus dem Gefängnis der Aufenthalt in Frankreich durch allerlei Schikanen außer- ordentlich erschwert— ist das die Art, wie eine Regierung fremden Revolutionären Vorschub leistet, kann man da noch ernstlich die spanische Revolution als das„Werk Frankreichs" hinstellen? Außerdem ist diese Unterstellung höchst unklug gerade vom nationalen deutschen Standpunkt. Hat Deutschland wirk- lich ein Interesse daran, daß es morgen in der spanischen Presse allgemein heiße, in Deutschland werde die siegreiche spanische Republik als ein Werkzeug Frankreichs hingestellt? Hat denn� Deutschland gegenwärtig in der Welt so viele Freunde, daß es Spanien, das über einen halbständigen Sitz in? Völkerburidsrat verfügt, unbedingt in die Arme Frankreichs treiben inuß? Sollte nicht das deutsche Bolk im Gegenteil allen Anlaß haben, seine Freundschaft zuin spanischen Volk heute mehr denn je zu betonen, wo nicht mehr der Wille des Königs, sondern der eindeutige Wille des Volkes selbst den Ausschlag gibt? Es wäre freilich zuviel von jenen deutschnationalen Monarchisten verlangt, daß sie solche wahrhaft nationalen Erwägungen anstellen. Zumal in einem Augenblick, wo sie durch das Volksbegehren in Preußen einen ver- zweifelten Versuch unternehmen, das Bollwerk der Republik in Deutschland zu untergraben und, wie es am Sonntag in einer Veranstaltung des Ratwnalverbandes Deutscher Ossi- Die Kränzen-Wirtschast. Beschwerde gegen �Bolksfreund"- Verbot.- Anklage gegen Kränzen. ziere offen ztmt Ausdruck gebracht wurde, durch, diesen vor- floß gegen oas„marxlfüscye Preußen" die W i e d e r a u f- richtung der Hohenzollernmonarchie an- bahnen wollen. So erklärt es sich, dah die„Deutsche Zeitung" unter der Ueberschrift„Pöbelherrsch oft in Madrid" den Eindruck erwecken will, als wäre in Madrid und Barcelona die Herrschaft des Lumpenproletariats aus- gerufen worden. Spaßig ist übrigens noch folgende Feftstellung: Während tm allgemeinen die außenpolitischen Artikel der„Deutschen Tageszeitung" von der„Äreuz-Zeitung" übernommen werden, ist in diesem Falle von jener Regel abgewichen worden. Der Außenpolstiter der„D. T." hatte nämUch freimütig die merkwürdige A e h n l i ch! e i t zwischen den letzten Tagen der spanischen Monorchie und des deutschen Kaisertums tni November 1918 festgestellt:„Die Monarchie gibt fich selbst auf. ohne das letzte und äußerste versucht und ohne die in ihrer Hand befindlichen Machimittel gebraucht zu hoben" Die.Lreuz-Zertung", die ja im Hause Doorn ge- lesen wird, hat diese etwas peinlicheil Reminiszenzen nicht übernehmeil wollen, um so mehr aber das Thema„Französische Äntrige" iireitgetretcm Wo unsinniges Zeug zusammengeschrieben wird, darf natürlich die kommunistische Presse nicht fehlen. Was brauchen ihre Leser auch zu wissen, daß es in Spanien noch weniger Kommunisten gibt als etwa in England oder sti Belgion? Die„R o t e Fa h n e" verlangt schau die Aus- rufung der spavifchen Arbeiter- und Bauern- repudlik» ihr ist diese Revolution viel zu friedlich und unblutig verlaufen. Münzenberg läßt dagegen den tzeiieralftreit in Madrid und tu den anderen großen spanischen Städten proklamieren, und er weiß schon von blutigen Straßen kämpfen zu berichten. Wer steht an der Spitze dieser Bewegung? Die„Revolutionären Ge- werkschaftsorganisalioilen". Auch dort marschiert also die RGO. natürlich an der Spitze. Das Abfchiedsmanifest. -d ■vi.Ich oajlchfc jedoch auf fein« meiner Rechte. we-l' sie über meine A>,spriick?e hinaus das von der Geschichte an- gehäufte Gut sind mid weil Ich eines Tages strenge Rechen- l ch a f t über die Verwaltung dieses Schatzes abzulegen haben werde. vlch warte den wahren Ausdruck der öffentlichen Meiming des Volkes ob und seh? freiwillig die Ausübung der königlichen Gewalt folang« aus. Vis die Ration flch geäußert hat. Dch entferne mich aus Spanien hiermit erkenne ich an, daß Spanien allein Herr feines Geschickes Ist. Auch heute glaube ich, die mir durch die Liebe zu memem Vaterland diktierte Pflicht zu er- Zöllen Ich flehe Gott an, daß die übrigen Spanier sich Ihrer Pflicht ebenfalls so tief bewußt sein mögen wie ich. Oas privawermögen sichergestellt. London. 13. April.(Eigenbericht.) Die englischen Zeitungen widmen dem Sturz der spa- ntschsn Monarchie und der Errichtung der Republik ganze Spalten. Das persönliche Schicksal des Exkönigs und seiner Familie wird zwar bedauert, jedoch als unabwendbare Folge der von Alfons eingesetzten Diktatur und ihrer Mißwirtschaft betrachtet. Die Exkönigin, eine Enkelin der Königin Viktoria, und Alfons selbst erfreuren sich in England stets größter Sympathien. Es wird des- halb damit gerechnet, daß die geflohene spanische Äönigsfamille England zu Ihrem Exil wählen wird. Im Londoner Schloß der I-Zjährigen Schwiegermutter des Exkönigs werden bereits Empfangsvorbereitungen getroffen. Außerdem wissen die Abend- blätter vom Dienstag zu melden, daß Alfons, der ein guter Geschäftsmann fei, bereits vor längerer Zell den haupiieil seines sehr großen Vermögens tu London in Sicherheit gebracht habe. Der bisherige spanische Botschafter in London. Merry d e l V a l, hat am Mittwochvormittag demissioniert und wurde nach» inlltags um drei Uhr beim König von England zum Abschiedsbesuch empfangen, ein Beweis, daß die neue spanische Regierung den Rück- tritt des Londoner Botschafters, der seit 19l3 diesen Posten inn« hatte, angenommen hat. Der Prinz von Wales, der sich auf der Rückreise von Argentinien befindet, Halle ursprünglich die Absicht. seine Verwandten in Madrid zu besuchen. Nunmehr verlautet offiziell, daß der englische Thronfolger Madrid nicht b e- rühren wird. O!e Abfahrt aus Carthagena. Madrid, 15. April.(Eigenbericht.) Exkönig Alfons ist am Mittwoch früh, kurz nach»ier Uhr, in vegloitung des Znfanlen Alfons von Orleans, des fierzog, von Miremda. des Admicals Rivera und einiger Offiziere feiner Schloß. wache in Eariagena eingetroffen und hat sich sofort an vord des Kreuzer?„Principe Ä t f o n f o" nach England eingeschifft. Als der Exkönig auf der Landungsbrücke erschien, rief eine unier den wenigen anwesenden Personen:„Es lebe der König!" Die übrigen aniworieten tm Eho«„Es lebe die Republikl" Als der ftinig flch von den ihn begleitende» Offizteren verabschiedete. soll er gerufen haben, E, lebe Spanlea!" Der Mittw.och wmche in Spanien als Natiopalfeitr,' tag bedangen. Künftighin soll jedoch der 14. April National» feierkag sein. Prannschweig. 15. April.(Elgeuderichl.) Gegen da» verbal de»„volksfrenud" hol dessen Rechlsbelstond. der frühere braunschweigische Minister Dr. Jasper, eine Beschwerde an den braunschweigischeo Minister des Jauern ringe reicht nod glelchzcMz beontragl. das verbot ouverzügllch aufzuheben. In der Begründung der Beschwerde wird nachgewiesen, daß der „Dolkssreund" nicht zum Ungehorsam gegen Bestimmungen des braunfchweigffchen Gesetzes über die Gsmeindeschiilen vom b. April IlllZ aufgefordert oder angereizt habe. Insbesondere sind die Ellen» der Kinder nicht ausgefordert worden, die Schulpflichllgeu am 10. und 11. April vom Schulbesuch sernzuhallen. Es bedurft« auch gor keiner besonderen Aufforderung des„Boltssreund" zum Schul- streik, weil die beteiligte wellliche EU-rnschaft bereits im Streik stand. als die Veröffentlichungen des sozialdemokratischen Blattes über die Sache erfolgten. Die betretende Nummer des„Oolksfreund", die zum Verdot herangezogen wird, gelangte erst nachmittags, rund 24 Stunden nach dem Streikbeschluß, in die Hände der Leser. Auch zum Wellerstreiken konnte der„Volksfreund" nicht auf- fordern, well von vornherein der 10. und 11. April als Streittage festgelegt waren.% DZ« Verfügung des braunfchweigischsn Innenministers wider- spricht vollkornrnen dem Sinn der ykowerordnung. die p o l i t i• schen Ausschreitungen vorbeugen will. Die Verfügung datiert vom - 14. April, als der Schulstreik längst beendet war Lnjosern ist die Berufung auf die Nowerordnung völlig unbegründet und unzulässig. Aver mich einer sinngemäßen Auslegung der Nowerordndung widerspricht das verbot. Wenn der Hälft« der braunschweigischen Bevölkerung ihre Presse auf die Dauer von drei Wochen vorenthalleu wird, so wird die Erregung und Erbitterung nur wachsen, so daß politische Ausschreitungen, die die Notverordnung doch gerade verhindern soll, nicht ausgeschlosien sind, sondern herausgesordert werden. Mit dieser Möglichkeit ist um so mehr zu rechuen. als einseitig gegen den„Bolksfreund". das einzige republikanische Organ der Landeshauptstadt, vorgegangen wird, während roaktio- mire Blätter, wie die„Vraunschweizische Laudeszettung". fast täglich die Republik herabsetzen. Fememörder und Gewalltätigieiten preisen dürfen, ohne daß das braunschweigische Staatsministerium einzuschreiten sich neranloßt sieht. Es sei auch darauf hingewiesen, wie emseulg der braunschweigische Minister des Innern in eigener Sache Handelle, Plakate befchlagnahmie, die sich mit seinem Verhallen cm Tage der Rcichstagserössnung(Fall Guth-Lohse, wegen dessen gegen den Minister ein Versahren wegen Begünstigung schwebt) beschäftigten, aus diesem Grunde Dersammlungen unter freiem Himmel verbot, und wie serner sein Verhallen gegenüber der ihm unter- stellten Polizei aus Anlaß einer Tagung der NSDAP, in Broun- schweig Veranlassung war. daß der Reichsminister des Innern Bericht von ihm anforderte, um zu prüfen, ob die Polizei loster.zujchüsie des Reichs etwa zu sperren seien. Jedenfalls geht das Verbot sowohl sachlich als auch zeillich Üfi-r das Maß hinaus, das vom unrichtigen Staudpunkt des Ministers vielleicht als Verbot angesehen werden könnte. Die Beschwerde gegen das Verbot führt schließlich noch an, dah das gleichzeitige Der- bot der im Verlag Reecke u. To. erscheinenden Kopfblätter in keiner Weise gerechtfertigt ist. Weder im Verbreitungsgebiet der„Oder- weser Vollszeitung" noch des„Harzer Echo" hätte zum Schuistrelk und damit zu Gesetzeswidrigkeiten aufgefordert werden können. In- folgedesien wird beantragt, das Verbot unverzüglich auszuhebeu und. falls das braunschweigische Staatsministerium diesem Antrag nickt entspricht, die Beschwerde unverzüglich dem Reichsmtnistcr des Innern vorzulegen. Spaniens provisorische Verfassung Rechtssahigkeii der Gewerkschasten.— Aachprüfung der Marokkokatastrophe. Vor der Nationalversammlung. Madrid. 13. April. Die.Gazeta de Madrid" veröffentlicht das provisorische Statut der republikanischen Regierung. Es lautet: Die provisorische Regierung übernimmt wegen ihres proviso- rischen Charakters ms o b« r st« s Organ die hohe und schwere Aufgabe, als eine mll Boll machten ausgestattet« Regierung zu handeln. Sie hat nicht die Bürgerrechte aufzuzählen, deren grund- .sägliche Festlegung und Regelling der verfassunggebenden Bersamm- lung vorbehalten bleibt. Da jedoch die mw der Vollmacht sich er- gebende Lage kein« willkürliche Handhabung der Rc- gierungegeschäft« zur Folge haben darf, erklärt die Regierung seier- lich, daß sie sich bei ihrer Tätigkeit von Rechtsgrundsätzen leiten lassen wird, die eine Begrenzung der Regierungstätigkeit bedeuten und dem Lande sowie den behördlichen Organen die Leit- gedenken veranschaulichen, nach denen spätere Dekrete erlassen werden sollen. Demzufolge erklärt die Regierung: Artikel 1. Angesichts des demokratischen Ursprungs ihrer Regierungsgewalt Und gemäß dem Grundsatz der Lerantwortlichkell, von dem die staat- liehen Organe sich leiten lassen müssen, weichen die Regierung als Ganzes und die einzelnen Regierungsmitglleder«inen Rechenschaftsbericht Über ihr« Tätigkeit den verfassungsgebenden Tortes erstatten, sobald der Augenblick gekommen ist, die Macht an diese abzugeben. Artikel 2. Am de» berechtigten und nicht befriedigten wünschen Spanien» nachzukommen, beschließt die Regierung, zwack- Klärung der V«. antworllichkeit und im ösfeulliche» Interesse die näheren Umstände bei der Auflösung de» Parlament, im Zahre 1922 einer Nachprüfung zu unterziehen. Da» gleiche gilt für alle seither«rsolgten Handlungen. In den offiziellen zivilen und militärischen Behörden wird man an«ine Nachprüfung sämtlicher Handlungen gehen, die während oes gleichen Zeitraumes begangen wurden. Die Regierung will in dieser Art verfahren, damit die Pflichtverletzung und Willtür, wie sie dem zu End« gegangenen Regime eigen waren, öffentlich fest» gelegt werden. Artikel 3. Die provisorisch« Regierung erklärt öffentlich, die G« w i s s e n s- frelheit. Glaubensfreiheit und Kultfrelheit reipek» tieren zu wollen. Sie verzichtet auf die oem Staat« gegebene Möglichkeit, von den Bürgern«ine Erklärung über ihr« religiöse Heber- zeugung zu fordern. Artikel 4. Die provisorisch« Regierung wird diepersönlicheFreiheit nicht nur respektieren, sondern sie durch Gewährung von Garantien zu erweitern und zu stützen sich bemühen, vi« provisorische Regie- ruug erkennt als Grundsah der modernen Rechtrauffassung die Rechtsfähigkeit der Gewerkschaften an. die sie al, Grundlage de» neuen Soziatrechlz anfleht. Llnser neuer Roman. „Die fliegend« Familie", der kleine Roman de» unga- rischen Epätnaturalisten Jenö Tersanszky.mit dessen Ver- öffenllichung wir heute beginnen, ist die Geschichte eines Artisten. Schlicht, unpathetisch, aber mit großer Innigkeit erzählt der Dichter das Schicksal eines Wanderzirkus, der vom Winter gezwungen wird, seine Fahrt zu unterbrechen. Schicksalsschläge, materielle Not, können den Drang nach Freiheit und»räch Abenteuer in diesen Menschen nicht töten. Der Roman spielt in der eigenartigen bäuerlichen Atmosphäre eines magyarischen Dorfes, einfache Leute sind seine Haupt- Personen. Ein kleiner Knabe erlebt das Ganze und erzählt fein Erlebnis später als«wachsener. ernster Mann, al» ihn ein Zufall Pitt Hern Gespielen seiner Kindhell zusammenführt. Dt« Resignaftan eines verfehlten Lebens liegt wie ein düttner, unwirklicher Nebel über dem Geschehen. Der Roman ist nicht sensationell, aber echt emp- fundene Dichtung. Artikel S. Die provisorische Regierung erkeimt das Privateigentum als durch die Gesetze garantiert an. Infolgedessen wird niemand enteignet werden können, soweit dies nicht im öffentlichen Interesse ge- boten erscheint. Doch wird in diesem Falle vorher der zu Ereignende entschädigt werden. Ueberdies stellt die provisorische Regierung, von der Erwägung ausgehend, daß bisher die gewaltige Mass« der spanischen Landbevölkerung und die Landwirtschaft des Landes vernachlässigt worden ist, als Grundsatz auf, daß das Land- wirtschaftsrecht wegen der sozialen Bedeutung de» Bodens eine besondere Beachtung verdient. Artikel(5.' Die provisorische Regierung erklärt wegen der Gründe, die ihren Machtbefugnissen den Charatter der Bollmacht geben, daß sie sich eines wahren Vergehens schuldig machen würde, wenn sie die in der Entstehung begriffene Republik den Manövern chrer Gegner, d'- die Festigung des Regime, hintertreiben könnten, ausliefern wollle. Infolgedessen behält sie sich das Recht vor. zeitweilig die in Artikel 4 anerkannte persönliche Freiheit einem gerichtlichen Vorgehen der Regierung zu unterwerfen. Di« Regierung wird jedoch zu ge- gebener Zell den verfassunggebenden Corte, über ein entsprechendes Vorgehen Rechenschaft ablegen. Glückwünsche der Gewerffchastsiniernaiionale. Der Internationale Gewerkschaftsbund hat die Landeszentrale der spanischen Gewerkschaften am Mittwoch zu dem Sieg der Demokratie herzlich beglückwünscht. In einem Glückwunschtelegramm des Bunde» an den Vorsitzenden des spanischen Gewerkschastsbundes Caballero wird der Erwartung Ausdruck gegeben, daß es gelingen möge, alles das zu verwirklichen, was zur Emanzipation der spanischen Arbeller zu führen geeignet sei._________ (Sttt Versassungsstreii in Bayern. Steht der Staatsgerichtshof über vi« Boiksvertretuna? München, 13. Aprll.(Eigenbericht.) Der bayerische Staatsgerichtshof hat dem Landtag in der Begründung der kürzlich abgewiesenen NaziNage auf Aui- lösung des bayerischen Parlaments«in förmliches Ulti- matum gestellt. In dem Ultimatum heißt es. der Landtag habe jetzt die ver- fassungsrechlliche Pflicht, aus der Entscheidung des Staatsgerichts- Hofes vom 12. Februar 1930, in der die Verfassungswidrigtekt der Artikel 42 und 38 des alten Landeswahlgesetzes(Landesmandatcl festgestellt worden ist. die notwendigen Folgerungen zu ziehen und die Wahlprüfung endlich vorzunehmen. E» sei mit der verfassungsrechtlichen Stellung des Landtags nicht vereinbar, wenn er länger als unbedingt notwendig al» Mitglieder des Land- tags ausdrücklich oder stillschweigend Personen anerkennt, deren Berufung als Abgeordnete auf ungültigen Bestimmungen des Landeswahlgesetzes beruht. Schließlich droht der Staatsgerichtshof, daß er im Laufe eines neuenBerfassungsstreite» künftige Beschlüsse der Volksvertretung als ungültig erklären werde, wenn der Landtag seine Verpflichtung zur Herstellung des verfassungsmäßigen Zustandes innerhalb eines angemessenen Zellraum» nicht«füllt. Es ist bemerkenswert, daß der Staatsgerichtshof die surtstische Auffassung der bayerischen Regierung in der Frage fast in allen wesentlichen Punkten als unhaltbar zurückweist. Da die Regierung in ihr« Doktrin von der Bayerischen Volkspartei und anderen politischen Kreisen gestützt wird, ist anzunrtzmen. daß sich an die Entscheidung oe» Staatsgerichtehofs» im Parlament und in der Oesfentlichkell besonder» Aa»et»iondersetzung»n knüpfen w«d«n Der Skrest w'rd wohl in der Hauptsach» darum geführt weriien, vb ei staatsrechtlich überhaupt angängig ist, daß der Staats- gerichtshof der Volksvertretung gegenüber An« übergeordnete Stellur g einnimmt. Eine Kampfansage an den Stahlhelm. Or. Heß über di« Stellung des Zentrums. Sobleuz. IS. April.(Eigenbericht.) Auf dem Parteitag de« rheinischen Zentrums, der am Mittwoch in Koblenz begann, äußerte sich der Vorsitzende der preußischen Zentrumspartei, Landtagsvbgeordneter Dr. Heß, in einem Vortrag über die Polltit des Zentrums in Preußen in eindeutiger entschiedener Weise gegen die Politik der Deutschn ationaleri, der Nationalsozialisten und gegen da» Volks- begehren des Stahlhelms. Heß führte u. a. aus Geschichtliche Erfahrungen existieren für die Rechte nicht. Sie sind bereit, da wieder anzufangen, wo sie 1314 aufgehört haben. Zlls ober Deutschland am 23. Juni lsilü das Messer an der Kehle stand, haben die Nationalisten die damalige Regierung in Weimar angefleht, sie möchte den V e r- satller Vertrag annehmen. Für die damalige Opposition gaben die Abgeordneten Schiffer. SclMtz-Bromberg und Heinze der Regierung Ehrenerklärungen ab und jetzt belügt man die W e lt mit sogenanntem Patriotismus. Bei den außen- politischen Fragen geht es der Rechten in Wirklichkeit um etwas ganz anderes. Es kommt ihr nicht daraus an, durch Teilnahme an der Reichsregierung ihre außenpolitischen Anschauungen zur Gel- iung zu bringen, sondern sie will die Macht in Preußen. In bezug aus das Verhältnis des Zentrums zur Sozialdemo- kratie betonte Dr. Heß: Mit Gefühlen könne man keine Politik inachen. Die Sozialdemokratie habe sich in der Zusammenarbeit mit dem Zentrum volle Klarheit darüber oerschafft, daß es Dings gebe, in denen ein Nachgeben für das Zentrum ausgeschlossen sei. Aber was dein Zentrum recht sei, müsse der bei weitem stärkeren Sozialdemokratie als billig zugestanden werden. In einer weit- anschaulich so zerklüfteten Nation wie der deutschen könne man nur auf der Basis der Toleranz miteinander auskommen. Im übrigen trenne das Zentrum auch weltanschaulich von der Rechten kaum weniger als von der Linken. Schließlich beschäftigte sich der Redner noch mit dem Volks- begehren des Stahlhelm» und führte dazu aus:„Der Sinn des Volksentscheides ist ein doppeller: man will die preußische innere Verwaltung und mit ihr die Polizei in die Hand bekommen und dann will man von diesem Vorwerk aus die Regierung Brüning unterminieren. Was Brüning geschaffen hat und noch schaffen will, das möchte man auf dem Umwege über Preußen wieder zerschlagen und unmöglich machen. Beim Volksbegehren geht es gar nicht um Preußen, son- dern um etwas anderes. Es geht um den Sieg der Unver- nunft über den gesunden Menschenverstand, es geht um den Kampf der Reaktion gegen die deutsch« Demokratie, es geht um das Reich und um Brüning. Das Zentrum will aber keinen Rückfall in altpreußisch« Begriffsstutzigkeit, das Zentrum will keine Reaktion, da- Zentrum will, daß Brüning für Bolt und Vaterland ruhig und unbehindert seine Arbeit fortsetzeil kann, ohne daß ihm dies« durch politische Dummheiten von Preußen aus gestört wird/' Die Rede des Zentrumsvorsitzenden und Fraktionssührers im Preußischen Landtag wurde mit starkem Beifall aufge- nommen. Preußen und die Notverordnung. Die Beschwerden des Stahlhelm ino&iofe Lebertreibnngen. Zu den in der Rechtspresse erhobenen Angriffen, daß die preu- ßische Staatsregierung dem Siahlhelmoolksbegehren alle nur er- dsnklichen Hindernisse in den Weg stelle, wird nun zuständiger, preußischer Seite erklärt, daß hiervon keine Rede sein könne Die preußische Regierung habe das Volksbegehren zugelassen und schreite stur gegen den Mißbrauch politischer Rzcht« ein, wie dies in der Notverordnung des Reichspräsidenten vorgesehen sei. Diesem Standpunkt hnt der preußisch« Innenminister Severins lrreits wiederholt im Landtag Au-tdruck gegeben, zuletzt bei der Anfrage der Bolkspartei wegen der Teilnahme von Beamten am Volksbegehren des Stahlhelm. Wenn einige Polizeibehörden mit ihren Maßnahmen über das Ziel hinausgeschossen sind, hat das preußisch« Innenministerium so- fort eingegriffen. Wie geringfügig Ueberschreitungen von örtlichen Polizeibehörden gewesen sind, zeigt sich darin, daß bei einer Zahl von mehr als 30000 preußischen Gemeinden im ganzen nur 12 bis 12 Beschwerden vorliegen. Wenn überhaupt von einigen Polizeibehörden über dl« Richtlinien des Ministeriums hinaus- gegangen wurde, so ist die» nur auf die Spannungen zurückzu- führen, die lsie Ausschreitungen der radikalen Parteien hervor- geruien haben. Was das Stahlhelm-Flugblatt 1 angehe, das einen angeblichen Auiruf des Rates der Dolksbeauftragten vom 3. November 19lS enthält, so werde darauf hingewiesen, daß der Rat erst am 10. No- vember zusammengetreten sei. In keinem amtlichen Schriftstück sei irgend ein Anhaltspunkt für das Vorhandensein eines Aufrufs vom 9. November. Auch der Wortlaut spreche gegen die Echtheit des Aufrufs, weil nämlich in diesem Aufruf« von'der Weltrevoln- tion die Rede sei. Richtig sei dagegen, daß mit dem Datum vom 1Z. November ein derartige» Flugblatt von radikaler Seite ver> einzelt verteilt worden sei. Trotzdem habe der preußische Innen- miniller seine Bedenken zurückgestellt und der Berliner Polizei- Präsident habe das Verbot des Flugblattes zurückgezogen. Zollunion im Europa-Ausschuß. Oeutsche Anträge in Genf. Genf. lZ. April. Beim Generalsekretär des Völkerbünde« ist eine telegraphische, vom 14. April datierte Note des deutschen Außenmimsters ein- getroffen, in der die deutsch« Regierung beantragt, daß die durch das Scheitern der Genfer Handelskonvention entstandene Lage zum Gegenstand einer Aussprache aus der nächsten Tagung der Studierkkominiffion für die europäische Einigung am 12. Mai gemacht wird. Die deutsche Regierung wünscht bei dieser Gelegenheit«ine Er- klärung über die Ziele abzugeben, die sie bei den zollpolitischen Verhandlungen mit Oesterreich geleitet haben. Sie hält es überdies für wünschenswert, daß dl« europäische Studienkommlsston kn eine Erörterung der wirtschaftlichen Lag« in Europa eintritt. Diese Frage solle im Rahmen der Tagesordnung, und.zwar bii dem Punkt„Wirtschaftliche Fragen", zur Behandlung kommen. Weiter hat die deuisch« Regierung gemäß der Ankündigung, die Staatssekretär z D. von SüNson bereits in Paris auf der Tagung des Organisationsausschusses gemacht hat. gebeten, die Frage der Zoll- hefreiung für Brennstoff» u>zd Schmiermittel für Ä-nifc-, Waller, und Luftfahrzeug» auf Tagesochnuna zu fetzen. Der Reichsprajiden! empfiug den Gesandten der Republik Haiti. Edouard Pouget, zur Entgegennahm» seines Beglaubi- gungsschreibens. Klub der„Ehemaligen" „Hurra, ein neuer Kollege kommt!" Die Abwehr wirkt! Kahenjammerstimmung bei der Hakenkreuzpartei. Wie es im Hitler-Lager zur Zeit aussieht, zeigt der Quartalsbericht Ianuar-März 19 31 des Staf V Meßner an die Parteileitung der Nazis in München. In dem Be- richt, der sich auf die Vorgänge in den ersten drei Monaten dieses Jahres, also aus die jüngste Zeit bezieht, heißt es u. o.: „Die Lage für unsere Bewegung hat sich in der Berichtezeit außerordentlich verschlechtert. Wir haben bei weitem nicht mehr den Zulauf wie früher. Etwaige Neuwahlen werden für uns kaum Gutes zeitigen. Die Stimmung ist in der SA. flau. Die Leute sind und werden scharf angespannt, aber sie sehen unter den heutigen Verhältnissen nicht mehr den festea Weg zum Ziel. Die Reichstagswahl brachte uns Riesen- erfolge. Wir haben sie durch unsere unscharf« politische Ein- stelle- ng. durch den abgeschwächten Kampf gegen die Reaktion und durch dag dauernde Winken mit unserer„Legalität" nicht aus- genutzt. Wir find glatt ins Hintertreffen geraten. Der Gegner ist durch unsere Wahlerfolgs wieder zusammen- geschweißt worden und wird uns sogar hier, wo wir die Herren waren, geiährlich. Ueberall bekommt man zu baren: Warum tun unsere Führer nichts? Die SA. gibt im ganzen Reiche Unmensch- lich« Opfer an Blut und Arbeitskraft, und der Erfolg? Eines Tages erwachen unsere Führer endlich und der Stahlhelm sitzt tn den Pfründen?! Hat München denn überhaupt jede Fühlung mit uns SA-Männern verloren? All« Befehle. die von dort kommen, bringen neu« Uniformbestimmun- gen oder neue Abzeichen. Und das zu einer Zelt, wo der SA.-Mann nichls zu fressen hat!... Geschieht in den nach st en Monaten nichts, dann können wir lang- sam einpacken/ Das sind die Worte eines Mannes, der aktiv in der Nazi- bewegung steht, der hört und sieht, was dort vorgeht und die tatsächliche Situation im Hitler-Lager aus Erfahrung kennt. Sie bestätigen, daß die Hitler-Bewegung keinen Zulauf mehr hat, daß sie ins Hintertreffen geraten ist und.stanzsam einpacken" kann, wenn es so weiter geht wie bisher. Dieser Zustand der Nazipartei lehrt uns, daß unser« Abwehr gegen den Faschismus mit Erfolg geführt wurde. Franzeu als Siennes-Grsatz. In der zweiten Nummer des Blattes von Stenn«„Arbeiter, Bauern und Soldaten" wird berichtet, daß Hitler im Oktober 1330 während des Hochverrateprozesses gegen die Ulmer Reichs- wehroffizlere Stenn»» den zu besetzenden Posten eines M i- nisters des Innern in Braunschweig angeboten Hab«. Stenn«» habe sich jedoch nicht kaltstellen lassen wollen. Danach steht fest, daß Herr F r a n z e n nichts anderes ist, als ein— Stennes-Ersatz. Bravo Goebbels? Die Hitlersche Legalitätsparole wirkt Wunder. Herr Goebbels hat vor Gericht eine.stegale" Red« gehalten, und fein Moniteur, der „Angriff", berichtet darüber unter der feiten zweispaltigen Ueber- schrizt„Goebbels verteidigt die Verfassung". Siehst du wohl! Wer weiß, was aus dem Jungen alles noch werden wird! Hai Hiiter kalie Füße? palaz;» Tit. 2 und die Angst vor Stentes. München. 15. April.(Eigenbericht.) Dm Absicht Hitlers, noch ein weiteres Palais neben seinem braunen Palazzo zu taufen, bestätigt sich. Es wird«in Kaufpreis von 400 000 bis 500 000 Mark genannt. Di« Verhandlungen sind bereits bis zu den Hausverbuchungsformaliiäten gediehen. Die..Münchener Tslegrammzeitung" weiß dazu zu melden, daß der offiziell« Kaufabschluß ausgerechnet an dem Tage hätte erfolgen sollen, an dem H t e n n e» in Berlin gegen die hochkapitalistischsn Manieren Hitler» eine Rebellion entfachte. Durch den Stunk in Berlin wurden Hitler und sein« Münchener Bertrauten veranlaßt, die Kaufverhandlungen bisapfweiteresruhenzukassen. Das hat aber zu einem Konflikt mit dap: Besitzer des Palais gs» führt, der seinsrzzit auf Betreiben Hitlers den in dem Palais voh- nenden Parteien zum 1. Mai gekündigt hat, weil die Hakenkreuz- lerische Parteileitung mit dein Umbau des Palais, bereit* in diesen Tagen beginnen wpllte. Jetzt ist die Situation so. daß den Par- teien zwar gekündigt worden»st, Hirlec aber noch nicht endgültig seinen Kaufentschluß bekanntgegeben hat. Auf welche Weise die Differenzen beigelegt werden, ist unbestimmt, da die Nazi» ang»- sichte der Berliner Rebellion möglicherweise vom Kauf überhaupt zurücktreten. Das gefälschte Geburtsdatum. Gtrasverfahren gegen den Nozi- Abgeordneten Kaufmann eingeie-tei Gegen den natümalsozlalistischen Reichstagsabgeordneten Kauf« mann, Gauleiter der Hitlerpartei in Hamburg, ist von der Staats- anwaltschast das Strafverfahren wegen Urkundenfälschung eröffnet worden. Herrn Kaufmann wird zür Last gelegt, anläß- lich der Wahlen vom November-Dezember 1924 in seinem Familien- stammbuch eine Fälschung vorgenommen zu haben, um ein Jahr älter zu erscheinen und um sich dadurch das passive Wähl» recht zu erschleichen.— Bezeichnend ist in diesem Zusammen- hange, daß Kaufmann für das Handbuch des preußischen Landtag» (dem er gleichfalls angehört), ein anderes Geburtsdatum angegeben hat, als für das Handbuch des Reichstags. ?>.. In dem Strafprozeß gegen Kaufmann werden dessen Brud sowie die Mitglieder des.stlntersuchungs- und Schlichtungsau schusses der NSDAP." für den Bezirk Bergisch Land-Niederrhci (wo Kaufmann früher tätig war), als Belastungszeugen ein« maß- gebende Rolle zu spielen haben-, der Untersuchungsausschuß der NSDAP, hat in seinem Urteil vom 22. Juli 1923 ausgesprochen. daß Kaufmann der Urkundenfälschung, des Ordensschwindels, des mehrfachen Ehrenwortbruchs und der Hochstapelei überführt ist. Das alles sedoch hat die Hitlerpartei nichi gehindert, Kaufmann zum Reichstagsabgeordneten und zum Gauleiter in Hamburg zu machen! Ein Hochverratsprozeß. Zahre Festung für den Kommunisten Kolswitz. Leipzig. 15. April.(Eigenbericht.) Das Reichsgericht verurteilte den früheren kommunistischen Landtags- und Reichstagsab geordneten Hans Kollwitz aus Köln wegen Vorbereitung zum Hochverrat, Aufreizung zu Gewalt- tätigkeiien gegenüber politisch Andersdenkenden und wegen Auf- farderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze zu zwei Iahren sechs Monaten Festungshaft, auf die dem Angeklagten sechs Monate erlittener Untersuchungshaft angerechnet werden. Kollwitz hatte feit April 1323 zwei Jahr« lang unter dem Schutze der Immunität in Osterode, Köln unp anderswo als Partei- redn«r, durch Zeitungsartikel und durch zahlreiche Flugblatter zu Verboteübertretungen aufgefordert, hie Zersetzung der Polizei und Reichswehr betrieben und immer wieder in Rede und Schrift zum Ausdruck gebracht, daß das Ziel der KPD. nur durch Anwendung von Gewalt erreicht werden könne. Er gab in der Verhandlung zu, sich der Tragweite seiner Handlungen voll bewußt zu sein. Der Vertreter der Reichsanwaltschaft hatte über da« oben an- gegebene Strafmaß hinaus noch weitere 4 Monats Gefängnis be- antragt. Mildernde Umstände wurden dem Angeklagten versagt; dagegen ist ihm die Ueoerzeugungstäterschast zugebilligt worden. Kritische Lage der Labourregierung. Vielfach Slimmenihallung gegenüber konservativem Antrag c-mdan. 15. April. Der Mißtrauensantrag, den die Konservativen morgen im Unter» haus« gegen die Regierung einbringen werden, wird von einzelne« Parteien, die bisher hinter der Regierung gestanden haben, vielleicht durch eine Stimmenthaltung unterstützt V«>H«n. Di« Unabhängige Arbeiterpartei hat heute abend auf einer Sitzung joden» falls beschlossen, sich gegebenenfalls der Stimm« zu enthaften, wenn die Regierungsvertreter nicht morgen in ihren Reden zum Ausdruck bringen, daß sie wirklich und endgültig sich für«inen Fortschritt ein- setzen wollen. Die Anhänger Mosleys werden, wie verlautet, hei der morgigen Zlbftimmung Stimmenthaltung üben, was für hie Regierung einen Verlust von sechs Stimmen bedeutet. Auch die Liberalen werden beute abend sich über ihre Haftung bei der morgigen AMmnwng entscheiden. Man glaubt, daß ein Teil der Liberalen für,«in anderer sogar gegen die Regierung stimmen und daß»in dritter Teil Stimmenthaftung übest werst» Der drahllole Zernsprrchvei'eyr mit Siam ist heut« mit einem Gespräch zwischen dem Reichsxoftminister und dem siamesischen Ler» kehrsminister dem öffentlichen Verkehr übergeben worden. Ei» A-MinutengeZvräch tostet— 96 M., sed» weitere Minute 33 M. Vor dem Kampf im Holzgewerbe. Unvermeidliche Kolge eines Schiedsspruchs. Im Lohn- und Manteltarif st reit in der Ber- ltner Holzindustrie ist jetzt vom Schlichtungsausschuß ein Schiedsspruch gefällt worden, der alle Entscheidungen, die diese staalliche Schlichtungsinstanz in der letzten Zeit gefällt hat, weit in den Schatten stellt. Der Schiedsspruch birgt die Gefahr in sich, daß er einen ungeheuren Arbeitskampf in der Berliner Holzindustrie auslösen kann, wenn die Unternehmer etwa auf sein« Durchführung bestehen sollten. Schon seit längerer Zeit sind weder die Lohn- noch die Arbeits- bedingungen der Berliner Holzarbeiter tariflich geregelt. Die vielen Berhandlungen, die seit dem Herbst des vorigen Jahres zwischen den Tarifparteien und auch vor dem Schlichtungsausschuß geführt wurden, brachten nie eine Annäherung der Parteien, einmal aus dem Grunde, weil die Unternehmer an ihren hochgeschraubten Abbauforderungen festhielten, zum anderen ober, weil die in zwei feindliche Lager gespaltenen Holzindustriellen sich selbst nicht einig werden konnten. Der Schiedsspruch des Schlickstungsausschusses sieht eine Herabsehung der Tariflohnsähe um mehr als S JJroz. vor, so daß z. B. der Lohn des Focharbeitsrs in der Berliner Holz- industrie von 1,31 Mark je Stunde auf 1,2l> Mark gesenkt werden würde. Dieser Abbau übersteigt den in den übrigen Bezirken in der letzton Zeit durchgeführten Lohnabbau ganz erheblich. Noch viel schlimmer aber als dieser Abbau der Löhne ist jedoch der systematische Abbau all der Tarifpositionen im Mantel- t a r i s v e r t r a g, die sich die Berliner Holzarbeiter in langen Kämpfen errungen haben. So war bisher im Manteltarifvertrag vorgesehen, Sah jeder Bedarf an Arbeitskrästen durch den öffent- lichen Arbeitsnachweis gedeckt werden muß. Der Schieds- spruch steht diese Möglichkeit zwar auch vor, gestattet daneben jedoch, daß auch die namentliche Anforderung von Arbeitern zulässig sei. Die Verwirklichung dieser Bestimmung des Schieds- spruchs würde in der Praxis bedeuten, daß in der Berliner 5)olz- Industrie das sogenannte Umschauen nach Arbeit wieder eingeführt wird. In dem letzten Manteltarifoertrag war weiter ein Mit- b e st i m m u n g s r e ch t der gesetzlichen Betriebsvertretung bei der Festsetzung von Ueberarbeit verankert. Der Schiedsspruch will den Berliner Holzindustriellen das Berfügungsrecht ein- räumen über die Arbeit an Sonntagen und gesetzlichen Feiertagen„im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen", dos Mitwirkungsrecht der Betriebsräte also beseitigen. Mit den Betriebsvertretungen will der Schiedsspruch anscheinend überhaupt gänzlich austäumen. Die Berliner Holzarbeiter hatten sich das Recht erkämpft, daß in den Betrieben ohne gesetzliche Betriebsoer- tretung deren Befugnisse dem Betriebsvertrauensmann übertragen werden konnten. Diese Tarifbestimmung läßt der Schiedsspruch einfach fallen. Der Urlaubsanspruch wird den Holzarbeitern zwar nicht ganz genommen, doch so verklausuliert, daß in der Praxis die meisten Holzarbeiter keinen Urlaub mehr erhalten- würden. Während bisher noch einhalbjährigcr Beschästi- gungszeit ein Urlaub von drei Tagen gewährt wurde und nach viereinhalbjähriger Tätigkeit der Höchsturlaub von sieben Tagen, wird in dem Schiedsspruch für den Erwerb des Mindest- arlaübs von 3 Tagen eine«injährige ununterbrochene Beschäftigung verlangt. Der Höchsturlaub von 7 Togen soll ferner crft nach siebenjähriger Beschäftigung gewährt werden. Hinzu kommen noch verschiedene andere Verschlechterungen des Mantel- tarifvertrags, wie z. B. die Aufhebung aller Ansprüche der Arbeiter auf Grund des§ 616 BGB. usw. Schließlich enthält der Schieds- spruch noch die nicht mißzuoerstehende Bestimmung:„Alle An- sprüche aus dem Arbeitsverhältnis verjähren vier Monate nach dem Eintritt ihrer Fälligkeit." Dieser„reformierte" Manteltarif- vertrag soll bis zum lö. Februar 1933, also Zwei Jahre, gelten und das Lohnabkommen bis zum 31. August d. I. Der Schlichtungsausschuß hat offenbar darauf spekuliert, daß sich die Berliner Holzarbeiter infolge der großen Arbeitslosigkeit in ihrem Berufe diesem Diktat nicht widersetzen werden. Er hat aber bestimmt die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Auf keinen Fall werden die Berliner Holzarbeiter weder dem Lohn- noch dem Manlellarisschiedsspruch ihre Zustimmung geben. Einen Tag vor Ablauf der Erklärungsfrist, am 23. April, werden die Funktionäre der Berliner Holzindustrie zu diesem Machwerk des Schlichtungsausschusses Stellung nehmen. Einzelne Unternehmer spielen sich bereits jetzt in den Betrieben so auf, als ob der Schieds- spruch schon eine perfekte Sache wäre. Besonders in den Betrieben, wo die Arbeiterschaft infolge von Abbauforderungen ihrer Betriebs- leitung im Streik steht, richtet man jetzt an die Holzarbeiter die Aufforderung, zu den im Schiedsspruch festgesetzten Löhnen die Arbeit wieder aufzunehmen! Der Holzarbeiterverband hat seine im Streik stehenden Mit- glieder aufgefordert, überall dieses Ansinnen abzulehnen. Auch in der Wirtschaftskrise reicht die Kampskraft der Berliner Holz- arbeiter infolge ihrer organisatorischen Stärke noch aus, um den Abbaumaßnahmen der Unternehmer und des Schlichtungsausschusfes einen wirksamen Widerstand entgegensetzen zu können. Franz Scheffel. 25 Lahre Verbandsvorsihender. . Der Vorsitzende des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deu1schland.s, Franz Scheffel, wurde heute vor 25 Jahren zum Vorsitzenden des Zcntraloerbandes der Maschinisten und Heizer gewählt. Vorher war er in Sachsen als Gauleiter dieses Verbandes tätig. Am 16. April 1906 trat Scheffel sein Amt als Verbandsvorsitzender an. Nunmehr trat der Klassenkampfcharakter mehr vor den' fachlichen Ausgaben des Verbandes in den Vorder- grund. Bis zum Jahre 1914 war die Mitgliederzahl von 11 WO aus 26 000 gestiegen, die Zahl der Tarifverträge betrug 136. Beim Amtsantritt Scheffels war wohl kaum ein Tarifvertrag vorhanden. Unermüdlich setzte der Jubilar seine Arbeitskraft für den Verband ein, und sein peinlich korrektes Rechtsempfinden erwarb ihm in den Kreisen der Funktionäre hoho Achtung. Im März 1919 schied Franz Scheffel aus dem Zcntraloerband der Maschinisten und Heizer aus. Inzwischen war der Deutsche Cisenbohnervcrband gegründet worden. Scheffel wurde im Frühjahr 1919 als dessen Vorsitzender gewählt. Auch hier Hot der Jubilar es verstanden, trotz aller Schwierigkeiten in wild- bewegten Zeiten aus dieser Organisation einen Machtfaktor zu schaffen, der zu verschiedenen Zeiten seinen Einfluß ausschlaggebend geltend machen konnte. Es sei nur an den K a p p- P u t s ch und an den Ruhreinbruch erinnert. Neben seiner Tätigkeit als Verbandsvorsitzender fand der Iu- bilor noch die Zeit, auch auf kommunalpolitischem Gebiet tätig zu sein. Von 1918/19 war er Stadtverordneter in Berlin- Lichtenberg. Seit 1928 gehört er dem Reichstag an. Franz Scheffel zeichnet ein starkes Pflichtgefühl aus, und er hat stets über- aus fleißig für die Partei und Gewerkschaftsbewegung gearbeitet. Dafür ist er auch des Vertrauens seiner Genossen und Kollegen sicher. Möge der Genosse Scheffel noch recht lange in geistiger Frische und körperlicher Rüstigkeit in der bisher gewohnten Weise im Dienste der Arbeiterbewegung weiterwirken. Die Wahl der Baudelegierten. Allgemeinverbindlichkeit desHS des altenReichstarifverirages Der neue R e i ch sta r i f v e rt ra g für Hoch-, Beton- und T i e f b a u a r b e i t e n ist bisher von den daran beteiligten Arbeiterorganisationen angenommen worden. Auch der Reichs- verband industrieller Bauun t c r nehm-ii n g e n hat dein Vertrag bereits zugestimmt. Die Zustimmung steht noch aus von dem Reichs- verband des deutschen Tiefbaugewerbes und dem Deutschen Arbeit- geberbund für das Baugewerbe. Die Erklärungsfrist läuft ab am 18. April, mittags 12 Uhr. Um nun, da der alte Reichstarifvertrag für das Baugewerbe am 31. März 1931 abgelaufen ist, in die gesetz- liche Betriebsvertrewng der Bauarbeikerschaft keine Lücke kommen zu lassen, haben die am Reichs tarifvertrag für das Baugewerbe beteiligten Parteien rechtzeitig vereinbart, beim Reichsarbeits- Ministerium zu beantragen, die A l l g e m e i n v c r b i n d l i ch k e i t des ij 8 des alten Vertrages als verlängert zu erklären, bis der neue Vertrag für allgeineinoerbindlich erklärt ist. Unterm 9. April hat nunmehr das Reichsarbeitsministerium diesem Antrage gemäß§ 2 der Tarrfoertragsverordnung(Reichsgssetzblatt 1928 I S. 47) ent- sprachen. Die überwiegende Bedeutung der Torifvertragsbestinmmngen über die Baudelegierten sür das Gebiet des Deutschen Reiches steht außer Zweifel. Der Ersatz der Betriebsräte durch Baudelegiert« hat sich im Baugewerbe in jahrelanger Uebung durchgesetzt. Bei der hier in Frag« stehenden Tarifbestimmung handelt es sich im übrigen nur um die Durchführung des§ 62 des Betriebsrätegesetzes, dessen Schaffung durch die besonderen Verhältnisse im Baugewerbe bedingt war. Die Entscheidung des ReichsarbeitsmiNisteriums über die Betriebsvertrewng ist kein Vorentscheid über den etwaigen Antrag über Slllgemcinvevbindlicherklärung des neu abzuschließenden Reichs- manteltarifvertrages. Nach dem Entscheid des ReichsarbeitsmiNisteriums gilt nunmehr im Baugewerbe für die Ernennung oder Bestimmung der Bau- oder Platzdelegierten und ihre Tätigkeit bis zur Allgemein- Verbindlicherklärung des neuen Reichstarifvertrages der ß 8 des alten Vertrages, rückwirkend vmn 1. April 1931. Damit hat dos seit 1929 bestehende Rechtsverhältnis über das Baudelegierten- wesen im Baugewerbe keine Unterbrechung erfahren. Die bau- gewerblichen Arbeiter seien aus diesen Rechtszustand ganz besonders aufmerksam gemacht. An Bauten, wo noch keine Baudelegierten gewählt sein sollten, müssen diese Wahlen sofort nach den Bestim- mungen des§ 8 im alten Rcichstarifv ertrag vorgenommen werden. Interessant ist, daß sich im Lande Thüringen diverse Unter- nchmervereimgungen, öffentlich-rechtliche Körperschaften und sogar die Landesregierung gegen die Fortdauer der Allgemein- Verbindlichkeit der reichstarifvertraglichen Bestimmungen über die Betriebsräte im Baugewerbe erklärt haben. Interessant ist auch, daß sich die Industrie- und Handwerkskammer Thüringens, die sich um andere Dinge kümmern sollte, diesem Protest angeschlossen hat. Es scheint so, als ob man diese Körperschaften in solchen Fragen im Reichsarbeitsm misterium immer noch ernst nimmt, obwohl es zum Teil Unternehmerg«bilde sind, die mit dem Baugewerbe wenig oder nichts zu tun hoben. Jimncr wieder ist es die gleiche stockreaktionärc Korona in Thüringen, die gegen jede Allgemeiiiverbindlicherklärung anstürmt. Diesen Herrschasten paßt eben die ganze Richtung nicht. Die deutschen Bauarbeiter aber mögen nunmchr an allen Orten gemäß der ihnen zustehenden Baudelegiertenrcchte vorgehen und sie restlos misnutzen! Tagung der Schiffsingenieure. Oer Kampf um Tarif und Gehälter. Der Verband Deutscher Schisfsingenieure hielt dieser Tage in H a m b u r g seinen Verbandstogab. Im Mittel- punkt der Tagung standen Wirtschaftskrise, Tarifpolitit, Besetzung s- und Ausbildungsfragen. Die Krise wurde von dem Vorsitzenden des AfA-Bundss, Reichstagsabgeordneten Aufhäuser, beleuchtet. Er charakterisierte sie als„erste große Krise des Monopolkapitalismus", in der die K o n st r u k t i o n s- fehler der Wirtschaftsordnung deutlich zutage getreten seien. An die Stelle der planlosen kapitalistischen Profitwirtschaft müsse die kollektivistische Bedarfswirtschoft gesetzt werden. Darauf hinzuarbeiten sei das Ziel der freien Gewerkschafteil und die Pflicht der organisierten Arbeiter- und Angestelltenschast. Die tarispolitische Lage wurde von dem Berbands- Vorsitzenden F r e e sö erörtert. Auch das Personal der Seeschiffahrt habe sich eine Senkung des Lohnniveaus in Gestalt des Abbaus aller übertariflichen Bezüge gefallen lassen müssen. Für ein« Kürzung der Tarifgehältcr war bisher noch kein Raum, da die Mantel- und Ge- Haltstarife d«r Seeschissahrt bis zum 31. Oktober Gültigkest haben. Di« Tarife sind für allgemeinverbindlich erklärt und binden auch die Reeder und Seeleute, die keiner der vertragschließenden Parteien an- gehören. Eine große Zahl von Reedereien will sich mit dem Abbau der übertariflichen Bezüge nicht begnügen und möchte am liebsten so schnell wie möglich durch Vertragsbruch und wirtschaftlichen Druck das herausholen, was in anderen Wirtschaftszweigen durch die Zwangsschiedssprüche der Schlichtungsbehörden im Lohnabbau er- reicht wurde. Die Erörterung der Ausbildungss ragen wurde ein- geleitet durch einen Dortrag van Ministerialrat Professor H o r st- m a n n vom preußischen.Handelsministerium. Mit Bedauern stellte der Berbandstag fest, daß die durch die tcch- nijche Entwicklung überholten Besetzungsbc st im mungen weiterhin Geltung behalten sollen. Das Problem der Besetzung in der deutschen Handelsflotte sei nicht gelöst und es müsse trotz oller Widerstände für einen organischen Aufbau in der Ausbildung und den Gewcrbebefugnissen gekämpft werden, der der technischen Eni- wicklung besser entspreche. Aus dem Geschäfts- und Kassenbericht ergab sich, daß der Verband dos Krisenjahr 1930 gut überstanden hat. Der Vorstand und die Revisoren wurden entlostet und wiedergewählt. Eine neue Verbandssatzung wurde verabschiedet. Di« Unterstützungs- einrichtungen wurden ausgebaut, vor ollem wurde die Gemäß» regeltenunterstützung wesentlich erhöht. In Zukunft zahlt der Ver- band bei Maßregelung eines Mitgliedes zwei Drittel des Tarif- gehalts. Die Tagung fand ihren Wschluß mit der einstimmigen Annahme eines Ausrufes an die Mitglieder, in dem nach einem Hinweis auf den Anstunn der Unternehmer gegen das Lohn- und Gehalts- Niveau darauf aufmerksam gemacht wurde, daß der eigentliche Kampf um die Erhaltung der Existenz der Schisfsingenieure— der schwerste vielleicht seit 1922— noch bevorstehe. Die Afbeiiszeit im Kohlenbergbau. Oer Entwurf bes Internationalen Arbeitsamts. Das Internationale Arbeitsamt in Genf hat den Regierungen einen Abkommensentwurf über die Regelung in der Arbeitszeit unter Tage inden Kohlenbergwerken übersandt, in dem nunmchr auch die Arbeitszeit der B r a u n- kohlenbergwerke einbezogen worden ist. Die Arbeitszeit soll vom Eintritt in den Schacht oder Stollen bis zum Austritt 734 Stunden betragen� für die Steinkohlenbergwerke sind 60 Uebcr- stunden und sür Braunkohlenbergwerke 1W Ueberstunden im Jahr als Maximum vorgesehen. Für die offenen Gruben soll weiterhin der Achtstundentag gelten._ Erfolgreich behaupiei. Nahrungsmittel- und Getränlearbeiter in der Krise. Unter großer Betelligung aus den Ortsgruppen der Provinz Brandenburg. Pommern und Grenzmark fand im Gewerkfchafts- Haus eine Gaukonfcrenz des Verbandes der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter statt." Genosse Karl Litke sprach über den„Kampf des Kapitalis- mus, des Faschismus und der NGO. gegen die freien Gewerkschaften". Der 1. Verbandsvorsitzende Eduard B a ck e r t sprach über die Auslegung des Statuts. Den G e s ch ä f t s b e r i ch t für 1930 gab der Gauleiter Genosse Junghans. Ueberall tonnte man die Folgen der Wirtschaftskrise an der Zahl der Arbeitslosen und Kurzarbeiter sehen. Trotzdem hat der Verband im Gau lllteinenMitgliederrückgang. Ende 1929 war der Mitgliederstand 25 023 und 1930: 25 278, somit sogar noch 255 Mitglieder mehr. Ein Erfolg in Anbetracht der wirtschaftlichen Not. Lohnbewegungen waren im Jahr« 1930 wenig zu führen. Durch Klagen vor dem Arbeitsgericht wurden in 714 Fällen 53 305,45 Mark herausgeholt. Die Zusammenarbeit van Ortsgruppenleitung und Gauleitung war eine gute. Dies kam auch in der kurzen Aussprache zum Ausdruck. S SPD.- ifraltio« dei» L-nde«idert«>i»t«kajilxab»!» Ktt'wq. g ü IS'-i IHK, Bclilou. Äcoiurrüwenuftt 12. Mar Prinifc«:.Bl-t. F. W schaftavoliti! uuö Ättfc". a SPD. zralti»» Beim«rbeit�mt Süd. gtertas, lO'i Ubr, Lokal N f=3 Bader. Illterdoaer Str. 7. Eottlieb Nerse:.Wirtsemfi�politik". Fl ASS., SncbtBO. ftreilog, 15 Uf|t, SPD.-Traktlonssiluina bei Oefil- H g fchlaaer, Derlichingen-str. ö. Tagesordnung: BeiriebsratsnXlhl. U Freie Gewerkfchafts-IuHend Berlin Heute, Donuerslag. 19' i Uhr. tagen die Krupveu: itSpemck: Jugend- heiin Grünauer Str. 5. Vortrag:„Gewerkschaften— Schlichtungs. wesen— Girelkrechri.— Schönhauser Tor: Jugendheim Tiecksir. 15. Vortrag:..Bub und Madel".— Gesrndbrunaen: Zugendheim Rote Schule, Gotenburger Str. 2. Vortrag: �Lehrlingsschuh luift Lehrlingsrechd".— Südesten: Gruppenlieim Reichen berger Str. 66 sTeuerwehrhaus). Achtung! Kur». weUensender SO.— Tempelhof: Gruppenheim. Lnieum Eermaniasir. 4—8, Eingang Göhslrahe. Bortrag:„Was ist Sozialismus?"— Moabit: Zugend. heim Lehrter Str. 18—19. Gutheit kommt mit der Micki-Maus.— Reu. Lichtenberg! Zugendheim Gurrterstr. 44. Die Polizei regell den Verlehr.— Lichtenberg: Jugendheim Sauffstraste, an der Lessingstrohe. Reichstagslihung. — Landsberger Platz: Jugendheim Diestelmeperstr. 5. Diskusstonsabend: „Warum bin ich in der FGZ.?"— Staaken: Jugendheim 17. Volksschuir Staaten, Gartenstadt. Kirchvlatz. Iack-London-Abend.— Iugeabgruppe de» Verbandes der Rahrungsmittel und Setränkearbeiter. Reu« Schönhauser Strohe 4—6.„Warum Freie Gnoerkschasts-Iugend?" @Luaendaruppe des�entraiverbandes der Anaestellten Heute, Donnerstag, finden folgende Veranstaltungen statt: Pankow. Riederschönhansen: Zugendheim Görfchstr. 14 sgrohes Zimmer).„Die sozialpolitischen Forderungen des ZdA."— Osten: Jugendheim der Schule Litauer Str. 18. Einfllhrungsabend.— Treptow: Zugendheim der Schule Wildenbruchstr. 53(Zugang oon der Graestflrahe in Treptow). Vortrag: „Sinter den Kulissen des Films". Referent: Tiedtke.— Eharlottenburg: Wir veranstalten eine Schulentlossenenfeier in der Aula des Kleist-Liueums, Levehowstr. 3— 4. Beginn 20 Uhr. Einlast 19% Uhr. Eintrittskarten«im Preise von 20 Pf. find an der Abendkasse erhällltch.— Die Berliner llebungs» baut hält ihren Arbeitsabend von 20—22 Uhr im Verbandshause ab. Verantwortlich für Politik: Fra»j> Klubs: Wirtschaft: S. Klingelhiser; Gewerlfchaflsbewegunz: Z. Steiner: Feuilleton: Dr. Job» Schikowski: Lokales und Sonstiges: Fritz Karftäbt: Anzeigen: Tb. Glocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwäris-Verlag G nn b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckeres und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW 68, Lindenstrahe t Hierzu 2 Beilage» UN».Frauenstimme". Brafensoße Nur mit Wasser zuzubereiten, für alle Ge« richte, bei denen die Soße knapp ist! Ein Würfel ergibt 14 Liter wohl« schmeckende SoQel Tlr. 176* 48. Jahrgang ± Beilage des Vorwärts Donnerstag, 16. April 1931 Am Rande der Großstadt UiiordentLich mir. auf dem Felde der Material sthl acht sieht es am Rande der Großstadt aus. Die Stadt rückt mit Retonmasdiiticn, Asphait- kodiern und Kreissägen an. um zum aber tausendsten Male einige hundert Quadratmeter Boden zu erobern und ihrem Riesenorganism u s ein zu verleiben. Gegenüber steht der Gruneroald und schaut resigniert auf das geschäftige Treiben unten auf dem Sande, das ihm Baum für Baum, entreißt. Das unaufhörlidie Wachstum der Großstadl roedi- selt fortlaufend die Szenerie: roo gestern die Kinder auf einer grünen Wiese Fußball spielten, stejeen heute dunkel- graue Oelsdialteranlagen wie überzüdilebe Riesen, aus der geheimnisvollen Welt der Tcdi- nik. Draußen an den Rand der Großstadt gestellt, weil sidi der Mensch vor ihnen fürchtet, obgleich er ihr Herr ist. Alles ist im. Fluß. Fabriken ändern ihr Gesicht wie Frauen ihre Kleider; wo gestern noch. Stiefelwichse gemixt wurde, entstehen heute Latwerge und Medizinen, groß ist das weite Gebiet der Chemie. Dazwischen exerzieren die Marodeure des Bürgerkriegs: unter halsbrecherischen. Fisematentenr beschmieren sie Zäune und Wände, einander den Tod wünsdiend oder die eigene Sekte hoch leben lassend. Aber deutsch schreiben können sie alle mitemander nicht. Dann wechselt das bunte Bild wieder: wo eben noch farbige BSenenkörbe. an einem Bahndamm standen, ist nebenan ein Dresgurplatz für Schäferhunde, unten braust der Schnellzug nach» Köln vorbei, eilig hat es der Zug, um von der Spree an den Rhein zu kommen. Dagegen müssen die Autos a m Tor der Avus stoppen und ihren Obolus entrichten, che sie auf den spiegelblanken Asphalt dürfen. Dann würde etwas fehlen, wenn auf diesem Kriegsschauplatz zwischen Stadt und T�and nicht eine Terraingesellschafi Parzellen feilhalten würde, Hinter der Bauausstellung: eine frühere, jetzt zugeschüttete Reicbsbahnstrecke. Die„Sommerwohnung" der Höhlenbewohner: ein Zelt aus einem alten Plan. und zu dem Reklameschild gesellt sich ein zweites, daß rechter Hand der Eingang zur Tribüne C ist, aber das Amphitheater- rund des Sportplatzes ist leer und verlassen, die Kassen 1—£ haben ihre Schalter geschlossen; heute ruhen die Rekorde und sind selbst im' Schlaf noch voller Argwohn, daß sie nicht gebrochen werden. Zwischendurch da eine Klein gartenkolonie und dort eine Laubensiedlung. Audi der weiterlaunische April hat seine Reize; so schlecht der Tag, so schön der Abend in seltener, färben geääiiigter Klarheit. Die Hühner erscheinen noch eine Nuance weißer, und die Lauben waren nie so gelb, so grün und so blau wie in diesen Apriltageiu Als Strandgut der Großstadt steht auf dem. Schlachtfeld der Arbeit die selbstgeboute H ö h l enw ohnun g, wie sie unser Bild zeigt Eben herausgekommen und schmaucht sein Pfeifchen. Unseren Lesern ist er ja kein Unbekannter. Milderung der Vergnügungssteuer. Beschlüsse des Steuerausschusses. Va Slleueraasschuh der Stadiverorduetenversammlung hat ia seiner Sitzung am Millwoch die Beratungen über eine Abänderung der Vergnügungssleuerordoung beendet und bis ans geringe Abweichungen den Vorschlägen des Unterausschusses seine Zu- stimmnng gegeben. Der Ausschutz empfiehlt der Stadtverordneten- Versammlung die Annahme seiner Abänderungsvorschläge. Die wichtigsten Abänderungen, die nach den Beschlüssen des Ausschusse» an der Vergyügungssteuerordnung der Stadt Berlin vom 12. Oktober 1927 vorgenommen werden sollen, sind folgende: ' Die Strafbestimmungen(§ 15) erhalten folgende Fassung: Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen dieser Steuer- ordnung(Z 356 Reichsabgabenordnung) werden ebenso bestraft wie die Zuwiderhandlungen gegen Reichssteuergesetze. Die Bergnügungs- steuer für die Theater soll dadurch herabgesetzt werden, datz der § 33 wie folgt geändert wird:„Künstlerisch hochstehende Beranstal- staltungen, deren Geschäfts- und Kassenführung den Anforderungen entspricht, die an kaufmännisch geleitete Unternehmen üblicherweise gestellt werden, werden zu einer Steuer von 3 Proz.(bisher 5 Proz.) der Bruttoeinnahmen herangezogen. Im§ 31. der über die Borführung von Bildstreifen handelt, sollen für die Lichtspieltheater folgende Ermäßigungen ein- treten:„Für Eintrittspreise von nicht mehr als 1 Mark tritt eine Ermähigun der Steuersätze ein von 15 aus 12 Proz. bzw. von 12Z� auf Ii) Proz. bzw. von 9 auf 7 Proz. Werden im Beiprogramm Artisten beschäftigt, und nehmen deren Borführungen nicht niehr als ein Fünftel des Gesamtprogramms in Anspruch, dann tritt eine weitere Ermäßigung von V: Proz. ein. Weitere Ermäßigungen beziehen sich auf Konzertveranstoltungen und Vergnügungsparks. Die Allneu-paffage. Wo einst vie Wachsfiguren standen. Ein beschdÄNKS Stück Berliner Lotalgeschichtc hat mit bom Um» hau der Pas sageFriedrich st ratze— Unter den Linden seine Wantlung vollendet. Der seltsain« und in den letzten Jahren arg verfinsterte Durchgang ist in einer neuen Form wieder» erstanden. Braun getönter Marmor faßt die Ladeirsronten«inheit» ltch zusammen und ein Helles, gewölbtes Glasdach verblichet die Fronten in der Höhe des ersten Stockwerkes. Wo einst die Wachsfiguren jahrzehntelang ein beschauliches Dasein führten, sind jetzt Büroräume lmtergebrachr, und das Kabinett der lebenden Sehens» Würdigkeiten ist lang« in all« Winde zerstoben. Am 22. März 1871 wurde die Passage eingeweiht Mich dem öffentlichen Verkehr übergeben. Das Panoptikum der Gebrüder Castan schlug'in der Passage sein Domizil auf und bot in Ber» bindung mit dem Passage-Dheater, dein Passage-Variete, dem Anato- mischen Museum u. a. den Berlinern damals sehr geschätzte Genüsse. Auch das damals im Rundbogen der Passage gelegene altbcrühinte Cafe Keck, in dem sich alle Größen der Kunst und Wissenschaft zum Stelldichein trafen, darf nicht unerwähnt bleiben. Die Umwälzung. die durch den Krieg hervorgerufen wurde, hat auch die Passage betroffen und so entwickelte sich allmählich der ganze Gebäudekennplex zu einem Geschäftshaus. Das Panoptikum wurde geschlossen und die Räume nach elncin gründlichen Umbau von einer Bank in Be Nutzung genommen. Immer mehr patzten sikh die Geschäfte den heutigen Verhältnissen an, und so kam es, daß schließlich die Passage gründlich umgebaut werden mußte. Die Schaukästen mit chreir Herrlichkeiten wurden entfernt und dafür die Schaufenster bis zur Vordcrsläche der Pfeiler vorgeschoben. Die Wände wurden mit Mar» mar verkleidet und der Fußboden mit roten Marmor-platten und einem schwarzen Basaltlavafries belegt. Aber die Läden mit dem unterhaltsamen Krimskrams aller Art sind geblieben, und man findet auch noch den Laden des alten„Hof- malcrs" mit den Riesenbildern verschollener Größen im Goldrahmen und dem ganzen süßen Malkitsch, der standhaft die Jahrzehnte über- dauert. Zusammengebrochene Hehe. „Tiote Fahne" und„Deutsche Tageszeitung" vor Gericht. Wie wir seinerzeit berichteten, hatten sich am 10. Januar d. I. die„Deutsche Tageszeitung" wie die„Rote F a h n c" vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte wegen Beleidigung des Stadl» schulrates Genossen Rydahl zu verantworten. Die„Deutsche Tages- zeirung" hatte in ihrer Morgenausgabe vom 39. April 1939 eine Kleine Anfrage der deutschnotionalen Stodroerordnetenfrattion an- gedruckt, die sich mit den üblen Provisionsgeschäsien des Stadtich-rl» inspektors Borchardt beschäftigte und in durchsichtiger Weise de!) Gc- nossen Rydahl damit in Verbindung gebracht. Und wo damals' alles seine Schmutzkübel ausgoß, konnte natürlich die„Rote Fahna" nicht fehlen. Dieses Blatt brachte am 1. Mai vprigen Jahres einen Artikel unter der Ueberschrift„Stadtschulrat Rydahl und seine Gräfin", worin die Berleumdungen der Rechtspresse nachgebetet und breitgewalzt wurden. Wegen dieser beleidigenden Anwürfe hotre die Staatsanwaltschaft gegen die beiden Zeitungen Anklage er- hoben. Damals, am 19. Januar, hatten nun � die„Deutsche Tages» zeitung" und die„Rote Fahne" versprochen, für ihre Behauptungen den Wahrheitsbeweis anzutreten. Aber der gestrige Berhandlungstag erwies, daß an den Ber» leumdungen und Verdächtigungen kein wahres Wort ist. So bekundete der Pianopfortefabritant Voigt, daß er Rydahl wohl eine Proviston für zehn an Bertiner Schulen zu liefernde Klaviere'an- geboten habe: Boigt fragte, wie er sich für den Auftrag erkennt» lich zeigen könne, aber Rydahl habe strikte ein der» artiges Ansinnen abgelehnt. Außerdem wurde zu der Klavierangelegenheit festgestellt, daß die Instrumente angefordert und ausgesucht wurden nicht von Rydahl, sondern von den-in- zelnen Schulen. Im übrigen bekundete der vereidigte Sachoer- Roman an» dem Ungarischen rem Alexander ron Saeher-Matoch, Erstes Kapitel. das uns zeigt, welch großer Schaden der Ruhm verursacht, der einem zu Kopse steigt, besonders, wenn er dort mit Alkohol zusammentrifft. Alt einem Samstagabend gegen Ende November er- strahlte ait dem Türflügel des Dorfwirtshauses ein regelrechtes, aber handgeschriebenes Plakat. Drei Namen spielten daraus eine Rolle, und zwar: Mister Fred, der berühmte englische Akrobat. Miß Palma, ungarische Solotänze und entzückende Liedervorträge. Mister Tom, Zauberkünstler. Es war neun Uhr. In der Trinkstube des Wirtshauses batte Miß Palma auf einem Bretterpodium ihr gefühlvolles Liedchen vom kleinen Kadetten und ihren Solotanz soeben be- endet. Auf ihrem vollen, blatternarbigen Gesicht drang der herabrinnende Schweiß durch die dicke Puderschicht, aber die entstandenen Risse wurden glücklicherweise gleich wieder vom Staub bedeckt, der von den Brettern durch den Tanz empor- wirbelte. Inzwischen nähte Mister Tom im schnellgezimmerten Bretterverschlag, genannt„Garderobe", mit Ersolg«inen braunen Flicken auf den Ellbogen seines Lilafracks über eine schon blau geflickte Stelle. Er war ein verschrumpstes. altes Männchen mit einer Fratze, die selbst bei einer Aifenschönhcits- konkurrenz keinen Preis davongetragen hätte. Mister Fred, der erst nach Tom an die Reihe kam, saß in der kleineren Trinkstube und pokulierte mit drei älteren Kleinbauern. Er war schon in Künstleraufmachung, in � rosa Trikothosen, die an den Hüsten und Knien mit Purpureinsätzen verziert waren. Das Kleidungsstück, das seinen Oberkörper bedeckte und die muskulösen Arme frei ließ, verriet jedoch aus solcher Nähe taktlos die Geheimnisse seiner Garderobe. Dieses Kleidungsstück.mar nämlich eine mit dem gestreiften Futter auswärts getragene, nach innen geknöpfte Weste. Mister Fred war kohl bis zum Genick mit Ausnahme eines schmalen Haarbandes, das wie eine Brücke die an den Schläfen ergrauten pomodeglänzenden Haarbüschel verband. Sein von Entbehrungen und Hunger eingefallenes Gesicht war grau und farblos. Mister Fred machte bei flüchtiger Betrachtung dennoch einen stattlich-männlichen Eindruck. Hauptsächlich bewirkte dies der rötliche Kaiser-Wilhelm-Bart, der im Gegensatz zu seiner Erscheinung mit aller Sorgfalt gepflegt war. Dies war auch der Grund, daß die Wahl der drei älteren beleibten Gevatter auf ihn fiel und sie ihn seiner Gesellschaft entzogen und schon mit dem vierten Kännchen Äprikosen- schnaps beehrten. Arme Komödianten! Sie kamen zu ungünstiger Zeit, ins Dorf. Zwar war es Samstagabend. Aber das Darf hatte viele Joch Moorland und das hier machsende Vchiff war unentgeltliche Feuerung für arm und reich. Ilm Mißbräuche und Verschleppungen.zu vermeiden, Halle die Behörde nur einen einzigen Tag im Jahre zum Schneiden und Einbringen des Schllfes bestimmt. Dieser Zeitpunkt fiel regelmäßig mit jenem Tage zusammen, an welchem das Moor zum ersten Mole hart zufror. In diesem Jahre war zum Borteile der Gemeinde dieser Fall schon jetzt im November eingetreten. Aber nicht zum Vortell der Komödianten. Alles, was Hände und Beine halle, war mit Karren und Fuhrwerken draußen im Moor. Die Hälfte des spärlichen Publikums waren Zaungäste. Natürlich auch die gesamte Verwandtschaft des Wirtes und alle jene, von denen die Künstler Leintücher, Bretter und allerlei Hilfsdekorationen geliehen hatten. Die drei alten Bauern waren angesehene Persönlichkeiten im Dorf, der eine war der Krösus des Ortes, die zwei anderen Geschworene. Für sie besorgten Dienstleute und erwachsene Kinder das Einbringen des Schilfes. Aber auch sie saßen nicht der Komödie halber im Wirtshaus. Sie statteten ihre Kunslleilnahme an Mister Fred nicht durch Lösen von Ein- trlltskarten, sondern durch Zuwendungen von Aprikosen- schnaps ab. Die fehlerhafte Aussprache des Komödianten. der die ungarische Sprache furchtbar radebrecht«, amüsiert« sie. Sie bestaunten seine Fremdheit und sein Elend. Mister Fred versuchte über ibre nicht eben schonungsvollert Späße zu lächeln, inzwischen irrten aber seine wässerigen blauen Augen mit solcher Stumpfheit und solchem Groin um- her. daß er an die niedergekämpften Märtyrer der heiligen Kunst früherer Tage erinnerte. Einer der Gevatter ließ eben vom Wirt die Schnapsgläser; aufs neue füllen und wies großmütig besonders aus Mister Freds Glas. Dieser tat jedoch keinen Bescheid. Er hatte genug. Der starke Schnaps widerstand seinem verhungerten Magen, und er schluckte und rülpste schon genügend von den genossenen Quantitäten. Ueberdies blickte Mister Tom, der Mann mit der Afsensratze, gerade zur Tür hinein, was das Ende seiner Nummer anzeigte, und das Publikum gab seiner Ungeduld durch Füßescharren und Husten Slusdruck. Auch die Bauern begriffen, daß Mister Fred die Pflicht rief. Sie winkten an Freds Stelle Mister Tom herbei, diesem jetzt ihre Gastfreundschaft zuwendend. Mffter Tom zog sich jedoch zurück. Die Bauern glaubten, er verstünde sie nicht. O nein! Mister Tom verstand diese Einladung nur zu gut— aber er trug das Andenken an eine ähnliche Unterhaltung noch zu frisch aus der Nase, ein Andenken, das durch den Aufprall eines vom gegenüberliegenden Tische geschleuderten Bier- kruges entstanden war. So drückten die Gevatter Mister Fred, der sich schon er- hoben halle, wieder auf seinen Stuhl zurück und gössen ihm noch die eben bestellte Lage in die Kehle. Armer Mister Fred! Er machte nach dem Hinabwürgen des Schnapses ein Gesicht wie ein Verurteilter. Es schien, daß er sich nicht mehr ganz sicher vom Stuhl erhob, als er nach hinten ging, um hier durch den sogenannten Vorhang auf die Bretter zu schlüpfen. Er richtete sich auf und warf mit bittersüßer Miene Kußhände in das verehrte Publikum. Jetzt begann eine der Frauen. die in ihrer Jugend in der Stadt bedienstet war, mit den Händen zu klatschen. Ia, sie wußte genau, wie man den Star einer solchen Gesellschaft zu empfangen hatte. Tat es die längere Wartezeit oder sonst irgend was? Das Publikum begann schon im voraus Freude an Mister Freds bevorstehender Verherrlichung zu empfinden. Allgemeiner Applaus setzte ein. Bravo, bravissiino!— brüllte ein bekannter Trunkenbold, ein alter Roßdieb. Bravo, bravissimo!— tobte es weiter, so daß die neugierige Wirtin erst durch ihr„na, was aibts denn?" de» nicht«ndenwollenden Beifallssturm zur Ruhe bringen tonnt«.(Fortsetzung folgt.) Brandruine am Brandenburgerior Die Aulraumungsarlieilen der Feuerwehr Die Feuerwehr war bis in die späten Abendstunden hinein mit den Ausräumungsarbeiten in dem teilweise zerstörten Blücherpalais in der Frledrich-Ebert- Straß« an. gestrengt beschäftigt. Immer sechs Löschzüge arbeiteten in den schwelenden Gebäudelrümmer«. In gewissen Abständen wurde« die Züge durch neue Kräfte abgelöst. Wer von der Straße her die Brandstelle sieht, bekommt kaum ein völlig klares Bild von der Gewalt, mit der das Riesenfeuer stundenlang gewütet hat. Die starken, nur wenig rauchgeschwärzten starken Umfassungsmauern oerbergen das Bild der schweren Zer» störungen. Wesentlich anders sieht es aus dem Hof aus, der mit meterhohen Schutthaufen bedeckt ist. An einer Stell« ist das Gebäude bis zum ersten Stockwerk ausgebrannt: die Decken sind e i n g e st ü r z t und aus den Trümmern schlugen gestern noch vereinzelt die Flammen empor. Die Ausräumung-- trupps haben keine leichte Arbeit, überall lauern Gefahren und nur unter größten Vorsichtsmaßnahmen können die brüchigen Wände niedergelegt und die verkohlten starken Bohlen mit der Axt zerschlagen worden. Unaufhörlich wird der Schutt aus den Fensterhöhlen in die Tiefe befördert. Ganze Aktenberge, Korrespondenzen und Bücher flattern in die Tiefe und bedecken die Straße in weitem Umfange. Don vier Seiten führen noch starke Schlauchleitungen in das Gebäude hinauf, immer wieder zeigen sich Brandnester, die jedesmal eine neue Gefahrenquelle bilden. Die E n t st e h u n g s u r s a ch e des schweren Schadenfeuers ist noch immer Gegenstand der triminalpolizeilichen Untersuchung. Bis jetzt kann so gut wie noch nichts gesagt werden, denn die Flammen haben mit solcher Macht gewütet, daß sich kaum Spuren finden lassen werden, die irgendwelche Anhaltspunkte liefern dürsten. Im Laufe des heutigen Tages soll eine Reihe von Zeugen vernommen werden; ob die Vernehmungen den gewünschten Erfolg haben wer- den. erscheint allerdings fraglich, denn als das Feuer entdeckt wurde, SoilsmüZMe Arbeller-Jiigeiid Groft-Bcrlln. Am Sonntag» dem 19. April IvSI» II'/. Uhr. 1,Valksbahne",Theaier am BAloarplatsi WERBEFEIER „Tritt ein, kämpf mit!" Jogcndordiuter /■ FUm' SingkreU s and Bewegangsdior der SAJ. Grob-BerUn. Eintritt SO Pfennig. ElnUft ab II Uhr. Kirten sind Im Jneendsekretarlat Berlin SW. 68, Lindenstratc i, 2. Hof, 2 Treppen links, erhältlich. brannte ein Tell des Gebäudes schon lichterloh. Zwei Vermutungen werden gehegt: einmal wird Ku-rzschluß angenommen: das andere Mal besteht der Verdacht, daß aus einem schadhaften Ofen oder Schornstein glimmende Kohleteilchen herausgefallen sind und das Gebälk in Brand gesetzt haben. * Das Palais ist in seiner jetzigen Gestalt keineswegs so all, wie vielfach angenommen wird, es ist in den Jahren 1869 bis 1871 durch Karl Richter erbaut worden. Das Gebäude, das ausgedehnte Fassaden hat, ist im Innern kostbar ausgestattet. In jedem Stockwerk befinden sich 15 bis 20 Räume. Das ursprüngliche Palais, das im gemäßigten Barockstil gehalten war, war schon im 18. Jahrhundert errichtet worden. Für st Blücher erhiell dieses Gebäude im Jahre 1813 als Ehrengabe. Ueber lOf) Jahre lang war es im Besitz der Familie Blücher. Im Jahre 1888 erregte ein Prozeß des dritten, meist in England lebenden Fürsten Blücher, gegen die Stadt Berlin Aufsehen. Fürst Blücher hatte nänllich die Stadt auf Schadenersatz verklagt, weil sie bei den Bcerdigungsfeierlichkellen für Kaiser Wichelm I. vor der Front des Blücher-Palais eine Zuschauertribüne errichtet und ihn damit um die Möglichkeit gebracht hatte, die Fenster des Erdgeschosses seines Hauses an Zuschauer zu vermieten. Im Jahre 1922 verkaufte sein Sohn das Palais an ein ausländisches Bankhaus. Nach mehr- maligem Besitzwechsel gehört das Gebäude heute der amerikanischen Regierung. Das Schönste in deni Vau war der wundervoll« Fest- saal, der zu der Wohnung des Fürsten Henckel-Donnersmarck ge- hörte. Dieser Festsaal ist in seinem Inneren achteckig gestallet, die einzelnen Flächen waren mit Tapisierien und Gobelins bekleidet. Dazwischen waren Gemälde und venezianische Spiegel angebracht. Die gesamte Einrichtung dieses Saales, sämtliche Möbelstücke und die kostbaren Wandteppiche sind vernichtet. Das Feuer wurde dadurch entdeckt, daß zwei Hunde, die in der Dienstwohnung des Fürsten Henckel-Donnersmarck gehalten werden, laut zu bellen begannen. Der Reviernachtwäckiter hat noch um 3.13 Uhr die Kontrolluhr gesteckt, ohne etwas von dem Brand zu bemerken. Als er eine viertel Stunde daraus sich etwa 100 Meter von dem Gebäude entfernt aufhielt, war der Dachstuhl nach seinen Aussagen bereits in Rauch geMlt. Er alarmierte sofort die Feuer- wehr, den Hausmeift� und die Hausbewohner, darunter den eben- falls im Blücher-Palhis wohnenden Baukdirektor Entmann. Das Eindringen der Feuerwehr in die Räume des amerikanischen Han- delsottaches war durch die diplomatischen Siegel erschwert, da nach den Internationalen Bestimmungen das Betreten der Räume aus- ländischer Bertrehingen nur in Anwesenheit von deren Beamten möglich ist. ständige der Pianopfortefabrikanten, daß der Preis für die Kla- viere nicht zu hoch, sondern angemessen war. Damit sielen auch alle in dieser Hinsicht ausgestreuten Verdächtigungen zusammen. Der Fabrikant Voigt war gleichzeitig Besitzer eines Wasier- grundstückes in Schmöckwitz. Er bot es Nydahl zur Errichtung eines Landschulheims an. Nydahl antwortete sofort, er könne dazu ' nichts tun, Voigt möge sich an das Bezirksamt Köpenick wenden. Nydahl hat Voigt auch nicht etwa an das Bezirksamt Köpenick empfohlen. Köpenick trat von sich aus dem Objekt näher, der zen- trale Magistrat jedoch lehnte mit der Stimme Nydahls den An- lauf ab. Selbstverständlich hat Genosie Nydahl auch in diesem Fall weder eine Provision gefordert oder erhalten. Nicht besser ging es den Verleumdern mit dem Fall des L a n d- schulheims Bischofswerder bei Liebenwalde und der so- genannten Karstadt-Stiftung. Zu der letzteren Sache hatte die '.Rote Fahne" behauptet, Genosse Nydahl sei von Karstadt mit 9000 Mark bestochen worden! Gestern waren die Verleuntder aber sehr schweigsam, als einwandfrei festgestellt wurde, daß Nyda.zl gar keine Verhandlungen mit dem Karstadt-Kon- gern gepflogen, geschweige denn eine Provision erhalten hat. Wenn es dann weiter nach den Lügen der„Deutschen Tageszeitung" und der„Roten Fahne" ginge, müßte Genosie Nydahl die merk- würdigsten Duzfreunde haben, es war gestern allerdings kein im Prozeß genannter Mensch aufzutreiben, mit dem sich Nydahl duzte: ebenso wie die behaupteten„intimen Beziehungen" Nydahls zur GräfinTalleyrand ein niederträchtiger Schwindel find. Und wenn schließlich gesagt wurde, bei Nydahl müsie man das Parteibuch der SPD. besitzen, um etwas zu erreichen, dann wurde gestern einmal festgestellt, daß unter den 291 Beamten im Bereich des Genossen Nydahl ganze 29 Sozialdemokraten sind. So sieht die sogenannte Futterkrippenwirtschaft der SPD. aus! Der Fabrikant Voigt soll ja auch Mitglied der SPD. gewesen sein, in Wirklichkeit war er sein Lebtag deutschnational. Der Prozeß nimmt heute seinen Fortgang. „Rauhe Kämpfer". Oer Schießüberfall auf den Tanzpalast„Sven". vor dem Schwurgericht III wurde gestern nach voran. gegangener zweimaliger Vertagung die Verhandlung gegen die vier Nationalsozialisten: den Hausdiener Sonrad S tief, den Mechaniker Rudolf wesemann, den Maurer Max Lieb- � scher und den Kaufmann Albert Bert ich begonnen. Es handelt sich bei diesem Prozeß um den Schießüberfall auf den Tanzpalast„Ehen" in der Kaiser-Friedrich-Slraße in Ehar» |,(Ottenburg. Am 22. November v. I. fanden in dem Tantzpalast mehrere Vergnügungen statt. Im unteren Saale gab es den Ball einer Innung und im oberen Saale das Stiftungsfest eines koinmunsiti- schen Sport- und Wanderoereins. Aus dem Sturmlokal der Nationalsozialisten in der H e b b e l st r a ß e 2 0 hatte sich ein Trupp von ? 0 Nazis gegen 10 Uhr abends zu dem Tantzpaiast„Eden" be- gsden und das Tanzvergnügen der Kommunisten überfallen. Dabei wurden von den Eindringlingen durch ein Fenster des Vorraumes mehrere Schüsse in den Saal abgegeben, durch die drei Kommunisten verletzt wurden. Die Angeklagten haben sich nun wegen Landfriedensbruchs und Stief wogen versuchter vorsätzlicher Tötung zu verantworten. Schon am Mittwoch voriger Woche sollte verhandelt werden. Der Angeklagte Verl ich war aber verhand- lungsunfähig geworden. Er hatte eine große Angahl Veronaltabletten eingenommen, da er ein schweres Magen- und DarNrleiden hat und die Schmerzen stillen wollte. Di« Folge war. daß er gleich nach Beginn der Verhandlung in einen tiefen Schlaf verfiel und in die Eharitö geschafft werden mußte. Gestern war er aber wieder- hergestellt. Die Angeklagten bestritten, di« Gewalltätigkeiten verübt zu haben. Stief stellt« in Abrdde, jemals ein« Waffe in der Haich gehabt zu haben. Auf Vorhalt des Staatsanwaltschaftsvats Stemg mußte er aber fchließkich zugeben, daß er mit dem Revower eines Arbeitskollegen, mit dem er zufammenwohMe, während dieser im Krankenhaus war, im Grunewald Schießübungen gemacht hatte. In dem Revolver hatte sich damals nur eine Patrone befunden. Als der Arbeitskollege aber wieder heimkehrte, waren mehrere Patronen vorhaben. Stief gab zu, daß er nach dem Abschuß der Patrone sich in einer Waffenhandlung neue Patronen be- schafft hatte. Er behauptete aber, daß dieser Vorgang sich schon im Sommer abgespielt Hab« und daß er seitdem keinen Revolver mehr in Händen gehabt hätte. Auf diesen Punkt wird in der Beweis- aufnahm«, die am Freitag beginnt, noch näher eingegangen werden. Beweisaufnahme im Waffenfchiebungsprozeß Nach der Vernehmung der Angeklagten in dem Waiffenfchiebungs- Prozeß, die sich übrigens bis auf den Nationalfotzialisten Hoppe auf die Frage nach ihrer politischen Einstellung als Republikaner bezeichneten, wurde gestern nachmittag die Beweisaufnahme eröffnet. Zuerst wurden die Kriminalbeamte» vernommen, die die illegalen Wasfengefchäfte aufgedeckt und die Zusammenhänge ermittelt hatten. Längere Zell nahm die Vernehmung des Kriminal- kommiffars Mühlsriedel ein, an dessen Abwesenheit die erste Ver- Handlung scheiterte und der von den Angeklagten beschuldigt worden war, daß er sie durch Drohungen zu falschen Geständnissen gezwungen hätte. Eingehend schilderte er die Vernehmung der einzelnen An- geklagten über ihre Rolle bei den Waffenschisbungen und bekundet« dem Gericht, daß die Geständnisse alle freiwillig, ohne irgendein« Zwangsmaßnahme oder Androhung abgegeben worden waren. Di« Verhandlung wird am Donnerstag fortgeführt werden. Geglückter �akeienstari. Osnabrück, 15. April. Der Osnabrücker Ingenieur Tiling hat heute am Ochsenmoor südlich des Dümmersees geglückte Versuche mit Raketen vorgenommen. Nach dem Start einiger Modelle ließ Tiling die eigentliche Flugrakete steigen, die eine Höhe von 2000Meter erreichte, dort zwei Flügel entfallete und nun in langsamem S e g e l f l u g in der Nähe des Startplatzes wieder landete. Das Modell war unbeschädigt und wurde sofort zu einem zweiten Start benutzt. Dann kam noch ein Posten Flugraketen zur Vorführung, die fallschirmartig wieder zu Boden kamen. Tiling glaubt, daß er in Jahresfrist mit«inen» größeren, bemannten Modell sein« Vorführungen wird wiederholen können. Küriens guter Leumund. Weitere Zeugenaussagen. Düsseldorf, 15. April.(Eigenbericht.) Als Kriminalkommissar Momberg die Umstände schilderte, unier denen Kürten verhaftet wurde, empfand man besonders stark die Ohnmacht, die die Kriminalpolizei in diesem außerordenllichen Kriminalfall bewiesen hat. Ob sie dabei irgendein Verschulden trifft, läßt sich zur Zeit noch nicht entscheiden. Fest steht jedoch, daß im Laufe der Untersuchung die Beamten mehr als einmal auf Kürtens Namen gestoßen sind. Aber Kürten hatte einen guten Leumund und Zweifel daran schienen nicht erlaubt. Auch soll«in Mädchen, das von einem Mann überfallen und gewürgt worden war, bei der Polizei keinen Glauben gesunden haben: dann ist Kürtens erster Brief über die Grabstelle der Hahn von der Polizei nicht genügend beachtet worden. Wie dem auch fei: Als der Massenmörder Kürten feine Taten auskramte, war man erstaunt über die polizeilichen Fehlschlüsse. Man hatte eben nicht mit der überragenden Intelligenz dieses Mörder» gerechnet. Di« Allgemeinheit verdankt es nur dem irregegangenen Brief, daß die Taten des Mörders nicht mit einem bombastischen Knalleffekt, mit einem Massenmord, mit Brückensprengungen und dergleichen mehr abgeschlossen wurden, denn bis dahin hatte sich Kürtens Phantasie verstiegen. In der gestrigen Sitzung saßen unter den Zeugen zwei weinende Frauen: die dem Mörder schwerverletzt entkommene Söjährige Apollonia Kühn und die Mutter der von Kürten er- mordeten kleinen Ohliger. Die eine leidet physisch, die andere seelisch. Kürten hörte die Zeugenaussagen mit in die Hand ge- stütztem Kops an. >» In der gestrigen Verhandlung wurde u. a. der S a ch- verständige Prof. Dr. Berg- Düsseldorf vernommen, der die verschiedenen Leichen untersucht hat. Er äußert sich über die lleine Ohliger und Frau Kühn und gibt aus Fragen des Verteidigers an. daß di« Verletzungen der Frau Kühn keine dauernden Nach- Wirkungen haben werden. Die Zeugin Frau Schuhmacher gibt an. mit Kürten kurz nach der Verhaftung von Staußberg ein Gespräch gehabt zu haben, und zwar hätte sich Kürten über die Morde geäußert. Staußberg käme wohl nicht in Frage. E» han» dele sich um politische Morde. Auf eine Aeußerung von ihr, daß die ganze Sache doch aber grauenhaft sei, hätte Kürten wörtlich ge- sagt: Da, wird noch grauenhafter. Sie werden noch staunen. Die ganze Well wird staunen. Beim Fortgehen hätte er sich noch zu ihr umgedreht und geäußert: Sie werden noch an mich denken.— Auf Befragen des Vorsitzenden erklärt Kürten: Ich habe ganz bestimmt noch nicht mit dieser Frau hier gesprochen. Ich bitte, der Zeugin nicht zu glauben. Die Zeugin Schuhmacher besteht auf ihrer Aussage und sagt, sie erkenne Kürten bestimmt wieder und irre sich nicht. Darauf wird die Verhandlung aus Donnerstag vertagt. Ltm den Paragraphen 215. Frau Or. Kienle spricht bei den sozialistischen Aerzten. Der verein Sozialistischer Aerzte hakte zu einer SffenlNchea Diskussion über das Thema„Aerzte- f ch a s t und ß 218" in den Spicherasaal gerufen. Als erster Redner sprach Dr. Ernst Haas«. Er wandte sich gegen den Deutschen Aerztebund und gegen den Hartmann-Bund, die gegen die Beseitigung des§ 218 Stellung genommen und die Erhaltung des leimenden Lebens als die erste Berufspflicht des Arztes bezeichnet haben. Kein verantwortungsbewußter Arzt ist ein Freund der Abtreibung, wir sozialistischen Aerzte sind gegen die Kurpfuscherabtreibung. Die soziale Indikation aber wird heute so aufgefaßt, als ob sie ein Dorrecht der Reichen sei und sich nach der Höhe des Honorars richte. Frau Dr. Kienle sprach besonders über den gegen sie und Dr. Friedrich Wolf angestrengten Prozeß und über ihre Erlebnisse während der Untersuchungshaft.„Sett Jahren hatten wir gegen den ß 218 gewirkt, und es war kein Zufall, daß man gerade uns verhaftete. In keinem einzigen Falle habe ich allein die soziale Indikation bei der Unterbrechung gelten lassen: die soziale Indi- kation hat nur dann eine Rolle gespielt, wenn die reine medizinische Indikatton zweifelhaft war. So ist man von den 320 Fällen, die zur Anklage führten, bereits auf 106 heruntergegangen, und selbst davon werden ernsthaft nur noch etwa 19 Fälle als strafbar an- gesehen. Wir wollen, daß dieser Prozeß durchgeführt wird vor dem breiten Forum des Volkes und vor Richtern, die auch soziales Verständnis haben. Das Volk muß dafür sorgen, daß aus dem Voltsempfinden Volksrecht wird." Als nichtsozialistischer Arzt sprach Dr. Alexander. Wenn man einmal eine geheime Abstimmung unter den Aerzten machen wird, dann würden wohl nicht viele sich für den Z 218 aussprechen. Die Sache hat mit dem politischen Standpunkt nichts zu tun, sondern nur mit dem menschlichen, und vom menschlichen Standpunkt ist das Leben der Frau wichtiger a's das„Leben" des Embryos. Frau Dr. Prager-Heurich wendet sich besonders gegen gewisse Kreise, die sogar die D-rabfolgung von empfängnisverhütenden Mitteln von der ärztlichen Begutachtung ab- hängig machen wollen. Zum Schluß sprach Dr. Klauber. der feststellte, daß sich heute sogar frühere Gegner der sozialen Indi- kation unter dem Eindruck der Not gewandelt haben. Drei«chnpobcamte verlest. Im Norden Berlins, an der Ecke der Schönhauser Allee � und Danziger Straße, bildete sich gestern abend ein etwa 130 Mann starker kommunistischerDemonstrationszug, der durch die Polizei ausgelost werden mußte. Mehrere Beamte wurden abgedrängt und von den Demonstranten mißhandelt Drei Schupvwachtmeister erlitten dabei erhebliche Verletzungen. Nachdem die Polizei Verstärkungen erhallen hatte, konnte die Straße freigemacht werden. Wie T/laraJlu,? Nimm xLAffcfgföifiJarur AaäVuj.'RuA Sonnabend, den 18. und Sonntag, den 19. April, Ober ganz Berlin von den bekannten Lokalen aus Verbreitung des„Berliner Volksblattes" Llnbekannte„Chamisso-�eliquien". • Historisches Empfinden und pietätvolle Liebe für Ehamisto ließen einen alten Berliner Schlostermeister im ehemaligen Chamisso- Haus einige Raritäten in ehrende Verwahrung nehmen, die das Andenken an den Dichter von„Frauenliebe" und„Frauenleben" wachhalten. Es ist nur wenigen bekannt, daß Ehamisto, von seinem Peter Schlemihl abgesehen, der am Rande des Oderbruchs bei den Jtzenplitz in Kunersdorf entstand, hier in der F r i e d r i ch st r. 2 3 S und besonders in dem dahinterliegenden Garten über dem heutigen Chamisso-Keller unter breitästigen Obst- und Kastanienbäumen jene Derse schuf, die ihm den Dichterruhm der Unsterblichkeit sicherten. Hier schrieb er die Lieder und Gesänge„Frauenlieb«" und„Frauen- leben",„Salaß y Gomez",„Hans im Glück",„Bettler und Hund". „Die Kreuzfchau",„Die Sonne bringt«s an den Tag" und auch „Die alte Waschfrau": Du siehst geschäftig bei den Linnen... Dies«, die 77jährige Frau Schulz, wohnte ebenfalls auf dem Hinterhof und wurde gleichsam charakteristische Figur für diesen unentbehrlichen Frauenberuf der durch Ehamisto ein poetisches Denkmal erhielt. Mit saurem Schweiß, wie er ergreifend sang, aß sie ihr Brot in Ehren und Zucht, und alz sie, zwar noch tätig, doch fast entkräftet, ihm nach fünf Iahren sagte, daß es so nicht mehr lange währen könnte, da schrieb er das„Zweite Lied von der alten Waschfrau":„Bor eure Füße lege ich meinen Hut, sie selber ist im Betteln unerfahren." Zu ihrem Besten ließ Chamisso die beiden Lieder einzeln drucken, die Berliner Buchhändler oerkauften sie, und als ihn am Siloestcr- abend in seinem Haus« sein« Freunde begrüßten, rief er ihnen jubelnd zu:„13« Tecker haben meine zwei Gedichte der Alten«in- gebracht: das ist doch«in schönes Honorar für 30 Zellen." Unten im Chamisto-Keller wird ein Baumstumpf des „Ehamisto-Asttempels" aufbewahrt mit einem Rebenblatt als Kerzen- Halter. Der matte Schimmer dieses poetischen Lichtes fällt auf das lockig« Haar des Dichters, der oben im Garten«inst unter jenem Baume oftmals saß, umgeben von dem Maler Weiß, dem Schau» spieler Rebenstein und dem Dramatikerdichter Ernst Raupach, deren Andenken ebenfalls hier lebt. Die Bank, auf der Ehamisto oft und gern von 1829 bis August 1838 gesessen hat, ist altersschwach ge» worden, weshalb ein unachtsamer Geselle des Schlostermeisters sie dem Feuer übergab. haben sich zu einem Ballett-Kollektiv verciniät und sin! auf mehrere Jahre für den W i n t e r g a rt e n verpflichtet worden. Ihr erstes Gastspiel mit neuen Gruppen- und Solotänzen, eigenen Kostümen und Dekorationen, nach Entwürfen namhafter Künstler, beginnt am L September dieses Jahres im Wintergarten. In der Nacht zum 19. April wird wieder eingeführt werden, und zwar __.:« Stund« vorgerückt. In der Nacht zum 4. Oktober erfolgt dann wieder die Rückkehr zur Normalzeit. Ü Sozialistische Arbeiterjugend Sroß-Serliu awtaidimoen fit Mtfc N»i>tU um«. M SsN»«» 48. Qnde» fttab., « Mti tmn(i«leitet, liefert Trmacbenti den Berichtsboarn ad. Woaderleiterlimfete», heute. 19H Uhr. im Vortragssaal de» Vartewo» standes, Sindenftt. 8. Thrma:„ssohrten um ssranfsurt am Maiu". Streillarchester Grah-Veeli?: Wir»rohen bi» auf mettere» jeden ffnitag nm 19'/h Uhr im Seim See. CErfc Turcntr Etrahe M- Bahnhof Eerftraße). Nene weiger Linnen sich noch melden. heute, Donnerstag. IS. April, 1SX Uhr: Smefe: Bochumer Sit Sb. ssunktionärverfammlung.— Aruiwalder Blak l! Daiuigoc Str. 62. Corechchorprode zum 16. Mai.— Fall» Iah 1: Sonnenburg er Straß- 20. Tagespolitik.— Nordosten □: Danzig-r Str. ffi.«. 3.„Was wollen mir?"— So-inhauier iiorftobt: Sonnenburger Str. 30. jlnfet Nampf, unser Siel."— Lallefche» lot: Ttotäflr. 11.„Was muß der Jugendliche von feinen Neckten wissen?�— Nöpenickee«iertel: Wrangelstr. 128. Cidi'bilhctabcab.— Südwest! Lindenflr. 3.„Die.4 Uhr am Jugendheim Bergftr. 20. Falke, ikleidung.— Gruppe Falle. N-stsalllen treffen sich um ISfh Uhr Serzdergplaft zum Besuch der Ausstellung heute Donnerstag. Zunq- fallen morgen, Freitag. 16V4 Uhr. ebenda. Sterbetafel der Groß< Berliner Partei- Organisation 87.«bt. Unser Genosse Sermann Eoeft ist verstorben. Ehre seinem An» denken. Einäscherung Freitag, 18 Uhr, Krematorium Wilmersdorf. Berliner Straft« 101—103. Um rege Beteiligung wich gebeten. 86. Abt. Unser Genosse Gustav Brenner aus der Siedlung Daheim ist am 11. April verstorben. Ehre feinem Andenken. Einäscherung am Donnerstag, dem 16. April, llih Uhr, im Krematorium Wilmersdorf. Rege Beteiligung wich erwartet. Vorträge, Vereine und Versammlungen. » Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Gefchäktsstelle: Berlin E 14. Lebastianstr 87—88 Kok Z. Tr. Donnerstag. 18. April. Treptow(Ortsoerein). 10 Vi Uhr Pflicht» antreten der Schulo. Saalschuft bei der Frauenkundgehuna in' Moerner, Blumengarten, Oberschöneweide. Schöneweide-Zohannislhal. 10 Uhr Moerners Blumengarten Antreten der Kameradschaft.— Freitag, 17.«pell. Wedding sOrtsverein). 2. und 8. Kameradschaft. 18VH Uhr Antreten zum Saal, schuft in den Pharuasälen. 1. Kameradschaft. Turndalle Puthusser Strafte. Schäneberg.Friedenau. Kameradschaft Intel. 20 Vi, Uhr Kameradfchaftsversanrm. lung bei Soll. Eiegfriedstr. 0. Referent: Kamerad Soltau. Wahl de. Käme. dadschaftsfübrers. Lichtenberg fOrtsocrein). 20 Uhr haben Versammlung in ihren Lokalen die Kameradschaften Fricdrichsfeld«, Rummelsburg, Gustav Tempel und Vorhagen.— Sonnabend, 18. April. Licktenbera'Ortsverein). lSift Uhr Generalversammlung hei Tempel. Sudrunstrafte. Ginlaft nur gegen Vorzeigung des Delegierienausweifes und der Mitgliedskarte.— Tiergarten sOrtsverein). Donnerstag, 16. April, 20 Uhr, allgemeine ffunktionärpersamnu lung bei Berger, Leveftow» Ecke Iogowstrafte. Alle Nichtfunktionäre 20 Uhr Saalschuft Arminiussäl«.— Steglift sOrtsverein). Donnerstag. 18. April. lOVf. Uhr, Turnhalle Ringstraft«. wichtige stusatmnenkunft. stivil, Bundepnadel. — Nuderriege. Donnerstag, 16. April. 20 Uhr, Monatsversammlung im Gau. Miro, Sebgstianftr. 87—88.— Neiuickendors. Kameradschaft Frei« Scholle. Freitag, 17. April, 10>,h Uhr, Restaurant Schollcntrua. Beteiligung an der Werbeoeranstaltuna der Kameradschaft Tegel. Deutscher Friedeu»bu»d. Donnerstag. 16. April. 20 Uhr. Im Restaurant Rotdschast. Belle-Ollliance.Psaft 8. Scrr ssrift Taeuder spricht über:„Die anti- imperialistisch« Front der Jugend von Unis nach recht»". Gäste willkommen. Arbciter.Radio-Bund. Ortsgruppe Selundbrunuen. Frei'og, 17. April. IKVi Uhr, bei Milnzderg, Etettiner Str. 52, MUgliederversammlung.„Nutzen und Vorteil« des ARB." Lichtbildervortraa. Gäste willkommen. Einheitsverdand der Sandel, und«ewrrbetrridenbe» und freien Beruse, Vvtsgruppe Berli». Werdeperiammlunge»: Freitag, 17. April, 20 Uhr, Sehmidte Gesellschafishau», Frucktstr. 36». Montag, 20. April, 20 Uhr, im Restaurant Julie Schmidt. NW., Wiclefstr. 17. Allgemeine Wetterlage. Auch am Mittwoch hatte«in Tief, das abends über dem Ballikum lag, Einfluß auf das Wetter im größten Teil Deutsch lands. Die Witterung war bei lebhaften nordwestlichen Winden wieder recht unbeständig, und es kamen zahlreiche Schauer vor, die in der östlichen Hälfte des Reiches teckweif« Schneeform auf wiesen. Oestlich der Elbe und in Süddeutschiand war es sehr kühl: dort bewegten sich die Temperaturen zwischen 2 und 6 Grad, während im äußersten Westen des Reiches mittags 11 bis 1-1 Grad erreicht wurden. Unser Wetter. dürfte am Donnerstag zunächst von einem Hochdruckausläufer bestimmt werden, den nebenstehende Wetter karte, von Süddeutschland nach Südnorwegen reichend, darstellt. Nach kurzer Beruhigung des Wetters dürste daraus ein Tiefdruck- ausläufcr der Jslanddepresston, der die Nordfee bereits erreicht hat. wieder stärkere Bewölkung und Regenfäll« bringen. 4- welleraussichken für Berlin. Ueberwiegend bewölkt mit Regen- fällen und wenig ansteigenden Temperatuien, westliche Wind«.— Für Deutschland. Ueberall Fortdauer des herrschenden Witterunge- charakters mit zahlreichen Niederschlägen. l'l/Wl.ZK/U) MARIENBAD FRANZENSBAD TERLITZ-SCHÖNAU AUSKÜNFTE OURCH AUE REISEBÜROS ODER DURCH DIE KURVERWALTUNGEN DER OBCENANNTEN BADE Weichsel E 7, 4031 Täglich 5, 815, Sonntagt 2, 5, HS Nach/n.50 Pf. bis 1 M. abtft. 1 bis2M Heute Premiere! Senin Glazcroff mit seiner großen russischen Gesangs-u. Tanz-Revue Merian Dogs Hunde- Pantomime Barbara la May\ New Yorker konton. Tanxster weitere Attraktionen I GROSSES SCHAUSPIELHAUS Täglich 8 Uhr; IM lualuen RSSSl. Stg. nachm. 3 Uhr Originalbesetzung billige Preise Regie: Erik Charell. BETRIEB KEMPIMSKItL� ROSE liiinfiHiii Ton Montas bi» Freitaar Sonnabend um nn-IrtSü«« IIa««« «II|��[�UiiJ|2j)liJ ErstauSühinng für Berlin Cj/'ta cJa£kef die sißt oOieL s nenni (This thing adled love) Amerikanische Komödie Edwin Barke Regie: Paul Rote ttEine splendide Aufführung mit vorzüglichem Ensemble"i.S-Uhr-Abtndbl.) „In Amerika vierhun- dertmalgespieW'iTtmpo) „Donnernder Beifall" "VossvcJu Zeitung) Abendpreise v. 0.50—3 M Große Frankfurter Straße jjz U-Bahn Strausberger Platz | Stftgiger Vorverkauf täglich j von n-x Uhr und 4— 9 Uhr I Tel. Bestellg.: Alex. 342»u. 3494 WinNäi. * Garten- 8,50tir. Ztntr. 2819. Rauthsn ertoubt. Davelma-Balletl, Grell. Vernon, 2 Hartwells, Bio State Martmba Band nsv. Tägl. Su.B'l, Uhr. ü S Barh. | Kadunittags 58 PI.-3 M. tbends 1-6 H.| Juan Liossas 1 mit seinem verstärkten Orchester) d Anselm!. Brenn Beadi usw. VolKsbtthne Fhealer am Bölowplat!. 8 Uhr Das UlintermSrclien Staat!. Sdiiller-Tb. 8 Uhr Die fiebehrnno des Ferdys Pistora IMerl Westens Täglich S'/'i Uhr Das Land des Ldcbelns. i Preise 1—9 M. 8 Uhr Der Hauptmann von BSpenldi V Carl Zuckmayer Begia; Heinz Hilpert Die Komödie SVa Uhn Natalie v Iwan Turgenjew Reg»; Iwan Schmith Lessina-Tlieatei Täglich S'/t Uhr Hosarenfleber Gudio Thiclscher, Kastner, Arnstadt, Vesper mann AHoeineine Orfsbronftenkasse fflr den Stadtbezirk ROnenitk Hiermit laden rote öte Mitglieder des Auslchuffes zu der am Freiing, dem 24. April d. Z.. abeabä J1,, Uhr. im „aaijethof. SSpenixk,(Brönftc. 10 (kleiner Saal) stallfindenden ordentlichen Ausschußsitzmig lin' Tagesordnung: I. Beroillignng von Voranschlagsüder- fchreitungen wr 1930, 2. Berichi des Vorstandes für 1980. 3. Abnahme der Iahresrechnnng für 1980. i. Der Zusammenschluß der Allgemeinen Orlskrankenkaffen in Berlin zn rmer Einheiiskasse. 5 Sastungsdnderungen. 6. Geschiistliches. Berlin-Köp enick, den 1K. April 1981. vor vorstand. Otto Nicket. Vorsitzender. DaMtialHrtM Adünndt Adilnnd! Meiaiilormer and Berais- genossen! Die für heute angesetzte Vertrauens männer.stonlerenz findet umständehaldet erst am Donnerstag, dem 28. April 1981, in dem dekannien Lokal statt Perjöntiche Einladung erfolgt noch. Die Ortsverwaltnng. Am 11. April verstarb, uns allen ganz unerwartet, infolge Herzschlags mein lieber Mann unser guter Vater, Bruder, Schwager und Großvater Hermann Herpich im 52. Lebensjahr. Hoppegarten— Birkenstein. Familie Herpich nebst AngehSrigen Die Einäscherung findet am Donnerstag, dem 16 April, nachmittags 6 Uhr, im Kretnatoriutn Baumschulenweg statt. Plötzlich und unerwartet verschied am 14 April infolge Schlaganfalles unser langjähriges Vorstandsmitglied, Herr Fritz Hemann Wir verlieren in dem Verstorbenen ein verdientes und zuverlässiges Vorstandsmitglied, das an allen Aufgaben mit regstem Interesse mitgearbeitet hat. Wir werden sein Andenken stets 10 Ehren halten. Der Vorstand des CiewerksbrankenTerelns. Die Einäscherung findet statt am Sonneibend, dem 18. April, nachmittags SVj Uhr, im Krematorium» Baumschulenweg, Kiefholzstraße 221. KurfOFStendamm- Theater Bismarck 449 | g"a LUi'T'I Alles Schwindel von Schiffer Musik v. Spoliansky Regie: Snitt Gröidgeu Lustspielhaus Täglich 8»/» Uhr oerLOoner u. die nenne von Kart Götz Komische Oper 8-d Uhr Alt-Heidelberg lud« Englisdi. Wntameier. LIKodiL Pokert Neues Tbeater i am Zoo—— tniB9liiili.2iiii.$tpL85S4 Täglich 80. Uhr Ueber 125 Mal: von Max Alsberg u. Otto-Ernst Hesse BarnowskHülmeii Tliealer In der Siressmanosu. Täglich 8'/. Gestern n. Henle Schauspiel von Christa Winsloe Komödienhaus Täglich SV* Uli, Eine königliche Familie GEWOG Nariendorf Gemeinnützige Wohn an gs- Genossenschaft e. G. m. b. H. Generalversammlung am Steitae. dem 24. April 1931, abds. TVj Ahr. in den Mali- Zestfdlea verlin- Mariendarf, tlhaosteestr. 305 Tagesordnung: 1. Sefchäfisdericht des Vorstandes; 2. Revistansberichie: 8, Genehmigung der Bilanz; 4. Befch'uß über Geroinn- Verteilung;'S, i5ntiastung des Borstandes; 6. Eatzungs» andernng und Antrüge; 7, Beschluß gegen Ausichiuß nach § 11 d,; 8. Neuroahl von Ausstchtsralsmitgiieder». Der Vorstand. Echiefner. Rösner. Kuntze. '8llasK-l.oUekie-l.D8el Ziehung 20. und 21. April 1931 '1,'/- V-_ Doppellos S. lO.—»«.— 4«.— 80.— EM. Sdiernikaa, Berlin 0 112. Simplonstr. 29 Postscheck Berlin 73614 Am Dienstag, dem 14. April, ver- starb plötzlich und unerroartet im Aller von b8 Jahren mein innigst- geliebter Mann, unser ireuiorgendsr Baler.Sdiroiegeroalcrnnd Großvater, der Mslallschieifcr Fritz Hemann SeuföUit, Wcisestr. 7 Zn tiefer Trauer: Emma Hemann nebst Kinder Die Einäscherung findet Sonnabend, den 18. April. I7>» Uhr, im Krema- torium Baiimschufenroeg statt. lleMer Metallarbeiter-VeM Verwaliangsslelle Berlin Todesanzeigen Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Maschinist Otto Menzel am 12 April gestorben ist. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 16.. April, 16 Uhr, von der Leichenhalle des Neuen Zafobi-Kirch Hofes Hcrmannftr. aus statt. Am 14. April starb unser Kollege. der Schlosser Hans Haude gcb 8. April 1885 Die Beerdigung findet Freitag, den 17. April. 16 Uhr, von der Leichen- halle des Luisen-Kirchhofes In Eharlottenburg, Neuer Fürsten- brunnez-Weg aus statt. Am 18. April starb unser Kollege, der Schlosser Max Grün geb. 6. November 1881. Die Einälcherung findet am Sonn- abend, dem>8. April, vorm. 11 Uhr. im Krematorium Serichiftraße statt Am 14. April der Echletscr starb unser Kollege Fritz Hemann geh. 19. Januar 1878 Die Einäscherung findet am Eoun- abend, dem 18 April.!?>/? Uhr, im Krematorium Baumschulenroeg statt Rege Beteiligung wird erroartet. NacBiruf Am 7. April starb unser Kollege, der Arbeiter Ehrenfried Ihde geb. 2. April 1871, Die Einäschernng hat bereits statt- gefunden. Ehre ihrem Andenken! Die Ort. ver wallung Am Dienstag, dem 14. April, verstarb nach kurzem, sehr schwerem Leiden plötzlich und unerwartet unser Vorstandsmitglied und Schriftführer Fritz Hemann im 59 Lebensjahre. Der Verstorbene, der bei unserer Kasse beinahe 30 Jahre Kassenmiiglied war, gehörte seit 1908 dem Kassenvorstand an und bekleidete seit Februar 1912 das ehrenvolle Amt des Schriftführers Vorstand, Verwaltung und Angestellte der Kasse verlieren in dem Verstorbenen einen Mann von ausgesprochenem Gerech!g- keitssinn, der mit großer Schaffenskrafi und Liebe tür Alle gewirkt hat. Sein immer freundliches, lebensfrohes Wesen, seine Gradheit und Offenherzigkeit verschafften ihm allgemeine Beliebtheit Ein bereitwilliger Berater und Helfer ist mit ihm dahingegangen. Die Trauerfeier findet am Sonnabend, dem 18. April, 1715 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, Kiefnolzstraße, statt. Vorstand und Angesiellienschaft der Ortskrankenkasse der Mechaniker, Optiker u. verw. Gewerbe zu Berlin. 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Die Amerikaner rechneten an der Jahreswende 1öZ9/30 damit, dag sie im Jahre 1830 eine Jahresprodnktion von 6 Millionen und einen Iahresexport von 600 000 Automobilen erreichen würden. Tatsächlich kam es ganz anders. Die Entwicklung der amerika- Nischen Automobilindustrie sah im letzten Jahre folgendermaßen aus: Produktion insgesamt. Davon Personenkraftwagen Lastkraftwagen.. Export insgesamt.... Davon Personenkraftwagen Lastkraftwagen.. 1929 5 308 000 4 ö87 000 77l 000 536 000 339 000 197 000 1930 3 333 000 2 814 000 341 000 238 000 133 000 83 000 -tück Aus diesen Ziffern ergibt sich also. Laß der Export noch wesentlich stärker zurückgegangen ist als die Produktion. Im Jahre 1929 hatte der Exportanteil, gemessen an der Produktion, noch insgesamt 10 Proz. befragen, 1930 dagegen nur noch etwas über 7 Proz. Der Wert des Exports von Auto- mobile»,'Automobilteilen, Zubehörteilen, Motoren usw. schrumpfte von 1929 bis 1930 von 364 auf 299 Millionen Dollar zusammen, d. h. von 2,37 auf 1,22 Milliarden Mark. Die Einnahmen aus dem Automobilexport haben sich also um mehr als 1,1 Milliarden Mark gegenüber den» Jahre 1829 verinindert. Diese Exportschrumpsung ist insbesondere aus die verrin- gcrte'Aufnahmefähigkeit der überseeischen Län- der zurückzuführen, die ja den Hauptniarkt für amerikanische Erzeugnisse darstellen. Die drei Länder Australien, Argentinien und Brasilien nähmest im Laufe der fünf Jahre 1923 bis 1929 allein 32 Proz. des ganzen amerikanischen Personenwagen- und 34 Proz. des Lastwagenexports auf. Im Jahre 1930 waren es dagegen nur 13 und 17 Proz. Tonfilm- und Telephonriesen. Die Western Electric Company, die größte Telephon- bau- und gleichzeitig Tonfilmfirma der Welt, verzeichnet für das Jahr 1930 eine Verminderung ihres Umsatzes un, 12 Proz. Trotzdem sind die Umsätze aber noch um über 30 Proz. größer als im Jahre 1928. Die Umsätze stiegen von 287.9 Millionen Dollar im Jahre 1928 auf 410,9 Millionen Dollar und 36l,3 Millionen Dollar in den beiden letzten Jahre». Der Reingewinn wird diesmal mit 13,6 Millionen Dollar aus- gewiesen(über 73 Millionen Mark) gegenüber 27 Millionen Dollar im Jahre 1929 und 19,7 Millionen Dollar im Jahre 1928. Das gesamte Vermögen der Gesellschaft belicf sich Ende 1930 aus 379 Millionen Dollar, dos find mehr als 1.6 Milliarden Mark. Das gesamte Äapital der Gesellschaft wird von der A m e r i c a n Telephone and Telegraph Company kontrolliert, die in den Vereinigten Staaten den weitaus größten Teil des gesamten telephonischen und telegraphischen Nachrichtenverkehrs in Händen hat. Bankenkampf um Kox-Mm-Gefellfchast Die Fox-Film-Corporation, die sich seit längerer Zeit in finanziellen Schwierigkeiten befindet, wurde bis vor einiger Zeit in der Hauptsache von dein Bankhaus Halsey, Stuart u. Co. finanziert. William Fox, der ehemalig« Leiter des Konzerns, verlor zwar einen Prozeß, den diese Bank gegen ihn geführt hatte, machte ihr aber alsdann einen Strich durch die Rechnung, indem er fein Aktienpaket an. die Utilities Power and Light Corporation verkaufte, eine eigentlich sonst elektrizitätswirtschaftlich interessierte Finanzierungsgesellschaft, die. unter Kontrolle der größten Bank der Vereinigten Staaten, der Chase National Bank, steht. Seit dieser. Zeit nahm die Chase National Bank immer stärker führenden Einfluß auf den jetzt wieder rentabel arbeit«nden Fox-Konzern, und. die Halsey. Stuart u. Co. hat durch ihren Austritt aus dem Verwaltungsrat den Abbruch ihrer Beziehungen zur Fox-Gesellschaft bestätigt. Eine neue Anleihe in Höhe von 30 Millionen Dollar(126 Mil- lionen Mark) wird, wie' jetzt gemeldet wird, durch die Chase Securities Corporation ausgegeben, ein von der Chase National Bank kontrolliertes Institut. Diese Meldung bestätigt den cnd- gültigen Uebergang der Kontrolle über die auch in Deutschland bekannte Fox-Filin-Corporation an. die genannte Grohbauk. Harris, Korbes Ä Co. in Europa. Die Elektrizitäts-Dachgesellschait des ameritantz'chen Finanzie- rungshauses Harris, Fordes u. Co., die Public Utilities Holding Corporation of Amerika, beteiligte sich soeben an der neuen Gründung einer elsaß-lothringischen Finan- zierungsgcscllschaft für Elektrizitäts unter- nehmunge n. Der Name dieser Gesellschaft, deren Aktienkapital vorläufig nur 13 Millionen Franken beträgt, lautet Sociötö de Paxticipations Electriques et Industrielles(Gesellschaft für Elektn- zitäts- und Jndustriebeteiligungen). Diese Gesellschaft, an der außer- dein sranzösische Industrie- und Bankgruppen, insbesondere die Ober- rheinische Clektrizitäts-Gesellschaft, die hei Kembs am Rhein sin ge- woltigcs Wasserkraftwerk baut, interessiert sind, hat sich ihrerseits an der Großherzoglich-Luxeinburgifchen Elektrizi- täts-Gesellschaft beteiligt. Es fei bemerkt, daß am Kapital dieser luxemburgischen Gesellschaft(Compagnic Grand-Ducale d'Electricitä du Luxemhourg) die oben erwähnte Public Utilities Holding Corporation bereits direkt beteiligt ist. Es ist dies die gleiche amerikanische Gesellschaft, die in Frankreich auf die Union Electrique Rurale Einfluß genommen hat, die am Ztktienkapital der Vereinigten Elektrizitätswerke Westfalen beteiligt ist und die jetzt an der Umorgauisierung der Bewag, führepd. mitzuwirken beabsichtigt. Llnd immer wieder Zollwünsche. Für Schweine, Schmalz, Hülsenfrüchte, Hafer-IUichsregierung muß ablehnen. Seitdem der Reichstag in die Ferien gegangen ist, vergeht kein Tag, an dem die Reichsregierung nicht aufgefordert wird, von der ihr erteilten Ermächtigung, die agrarischen Zölle zu erhöhen, Ge- brauch zu machen. Die Landvollpartei hat jetzt eine Ab- ordnung an die Reichskanzlei gesandt, der von dem Staatssekretär Pünder versichert wurde, daß noch im April sich das Reichskabinett mit der Erhöhung von einigen agrarischen Zöllen beschäftigen würde. Wie wir hören, fordert das Landvolk, das man wohl in diefein Falle mit dem Rcichsernährungsminiftcr Schiele gleichstellen kann, eine Erhöhung des Schweinezolls von 27 auf 30 Mark, ferner die Aufhebung der Zwifchenzölle für Speck und Schmalz und eine Erhöhung der Zölle für Hülsenfrüchte und der Haferzölle. Den städtischen Verbraucher interessiert vor allem, ob die Zollheraussetzungen eine Erhöhung der Kleinhandelspreise zur Folge haben würden. Die Erhöhung der Zölle für Schweine wird keine große Wirkung auf eine Erhöhung der Schweinefleischpreise habe», denn es ist damit zu rechnen, daß im Laufe des Jahres die Schweinepreise noch weiter sinken werden. Die Zollsenkung für Schweine ist überflüssig, weil die Schweinepreise in erster Linie von dem Jnlandsangebot und nicht von der Einfubr abhängig sind. Aehnlich verhält es sich mit der Erhöhung der Zölle aus Speck und Schmalz, wenn auch hier eine gewisse Verteuerung nicht ausgeschlossen ist, da der Anteil der Einfuhr an dem Gesamtverbranch größer ist als der beim Schweinefleisch. Dagegen muß sich eine Erhöhung der Zölle auf Hülsen- früchte unbedingt in einer Preissteigerung auswirken, da die Preisbildung besonders für Bohnen und Linsen sehr van den Preisen für die eingeführte Ware abhängig ist. 5)icr haben die seit Monaten immer wieder erhobenen Zvllfordcrungen bereits eine beträchtliche Preissteigerung hervorgerufen. Zollerhöhungen werden nicht etwa die Einfuhr verhindern, sondern es werden nur die Preise weiter hinausgetrieben werden. Die Landwirtschaft selbst hat gar kein Interesse mehr daran, da sie bereits den allergrößten Teil ihrer Vorräte verkauft haben dürste. Man will anscheinend in Verfolgung de%. Schielcschen Reichs- be stellungsplanes, der einen Ersatz der verminderten Roggenanbauflöche durch vermehrten Anbau von Hülsenfrüchten vor- sieht, den Landwirten einen Anreiz geben, mehr Bohnen und Linsen anzubauen. Der Linsenanbau ist aber ständig zurückgegangen, weil in Deutschland Linsen längst nicht mehr so billig produziert werden können wie in anderen Ländern, so daß eine Verstärkung des An- baus nur möglich ist, wenn die Preise bedeutend erhöht werden. Eine Preiserhöhung bedeutet aber eine gerade jetzt sehr empfind- liche Belastung des Massenhaushalis, denn wo die Zahl der Arbeitslosen am größten ist, werden Linsen und Bohnen stark gekauft. Geradezu unsinnig wäre eine � Erhöhung des 5) a s c r- z o l l s. Unverzollter Hafer kostet zur Zeit in Hamburg 73 b'is 78 Mark je Tonne, dagegen notiert deutscher Hafer franko Ham- bürg 199 Mark. Die Differenz zwischen den Preisen für deutschen und ausländischen Hafer ist also ungefähr ebenso hoch wie dcrZetzt geltende Zoll von 120 Mark. Dieser enorme Zoll, der sich jetzt voll auswirkt, hat die Einfuhr an Hafer fast völlig unterbunden. Während 1929 110 000 Tonnen Hafer.importiert wurden, ist die Einfuhr 1930 auf 19 000 Tonnen gesunken. Diese geringe Einfuhr spielt natürlich gegenüber einer Ernte von 3,6 Millionen Tonnen gar keine Rolle. Die Agrarier fürchten ober, daß die in den letzten Wochen erfolgte Steigerung der Haserpreise nicht weiter anhalten wird, weil sich dann eine Einfuhr lohnen würde. Man will also den Haferpreis, obwohl die Landwirte nur noch gerjnge Vorräte an verkaufssähigem Hafer besitzen, nur noch höher treiben. Daß dadurch die aus dem Hafer hergestellten Nahrungsmittel verteuert werde», kümmert sie natürlich wenig. Das Groteske an dieser Zollforderung ist aber, daß hierdurch der Reichsbestellungsplan des Ernährungsminifters Schiele, der eine Einschränkung der Haserfläche vorsieht, durchkreuzt würde, dem, eine übermäßige Preissteigerung für Hafer hat natürlich die entgegengesetzte Wirkung zur Folge: Die Landwirte dehnen den Haseranbau aus.• Es wäre von der Reichsregierung unverantwortlich, wenn sie diesen Zollsordeningen, deren llnzweckmäßigkeit auch für die Landwirtschast und deren Schädlichkeit für die Gesamtwirtschast auf der Hand liegt, nachgeben würde. Zölle dieser Art wirken wie Rauschgifte: sie bringen bestenfalls Augenblicksvorteile und zerstören auf die Dauer den Wirtschaftskörper, auch den der Landwirtschaft. Eine solche Rauschgiftpolitik wäre der Brüning-Regierung unwürdig. Wann wird der Weizenzotl gesenkt? Der Deutsche Landwirtschaftsrat veröfsentlicht seine Erhebung Uber die E r n t e o o r r ä t e für Mitte März, die mit zwingender Notwendigkeit ergeben, daß das Reichsernährungs- Ministerium endlich an die Zollermäßigung für Weizen geht, damit die Versorgung in Deutschland sichergestellt und eine Katastrophe vermieden wird. Stach der Erhebung betragen die Vorräte an Winterweizen, die besonders für die Versorgung in Frage kommt, für Mitte März nur 8,6 Proz. gegenüber 19,2 Proz. im Vorjahr! Auch die weniger wichtigen Sommerweizenvorräte sind gegenüber dem Vorjahr niedriger ausgewiesen(17,8 Proz. gegenüber 24,8 Proz.). Die Vor- röte an Winterroggen machen 11,3 Proz.(Vorjahr 15.9 Proz.) aus. Die Haferbestände werden mit 9,7 Proz. gegenüber 14,9 Proz. Mitte März ausgewiesen. Wie lange soll mit dem Schutz der Brotnohrung noch gewartet werden?- preußische Hasenpolitik. Etaatshitfe für den Königsberger Hafen. Die Abschnürimg Ostpreußens durch den polnischen Korridor hat es mit sich gebracht, daß der Seeweg heute die einzig« Der- bindung dieser abgetrennte» Provinz mit dem Mutterlande darstellt, bei der fremdes Hoheitsgebiet nicht berührt zu werden braucht. Dem Seeweg nach Ostpreußen kommt daher eine gegenüber der Vor- kriegszeit erheblich gesteigerte Bedeutung zu. Der preußische Staat hat die Bemühungen der Stadt Königsberg, ihren Hafen auf eine gesteigerte Verkehrsleistung einzurichten, schon früher durch Beihilfen im Gesamtbeträge- von etwa 8 Millionen Reichsmark unterstützt. Auch das Reich hat sich durch Vertiefung des Königsberger Seekanals an der Berbesfe- rung der Vcrkehrsverhältnisse beteiligt. Diese Maßnahmen haben, wie der Amtliche Preußische P r e s s e d i e n st iniiteiU, dazu beigetragen, daß der Königsberger Hafen im letzten Jahr den Güterumschlag vom Jahre 1913 erheblich über- schreiten konnte. Da die Unterhaltung des Hafens, insbesondere aber der Kapitaldienst für die ansgenommcnen Anleihen für die Finanzen der Stadt Königsberg eine zu schwere Belastung darstellt, ist jetzt der preußische Staat in die bereits bestehende Königsberger H a f e n b e t r i e b s g e sc l l s ch a s t als gleich- berechtigter Teilhaber eingetreten. Er hat damit zugleich d°e Verpflichtung Übernommen, entstehende Verlust« bis zum Höchst- botrage von jährlich 473 000 Mark anteilniäßig auszugleichen. Diese aktive Unterstützung des preußischen Staates für die Stadt Königsberg erfolgt ausschließlich aus eigenen Mitteln und außerhalb des Rahmens der Osthilfc. Rentabler Waggonbau. 5 proz. Oivivende des linke-Hofmann-Konzerns.— Starke Zsückstellungen. Der Aufsichtsrat des Bresloucr Waggonkonzern», Linke» Hosmaun-Busch A.-G., des größten europäischen Waggon- Unternehmens, hat beschlossen, für das am 30. September abze- laufene Betricbsjahr 1929/30 wieder eine Dividende von 3- Prozent auszuschütten. Wie schon bei anderen Waggonunternehmungeu zeigt auch der Abschluß dieses führenden deutschen Konzerns, daß der Waggonbau trotz verschiedener BetriebSeinjchränkungen im allgemeinen von dcr�. Krise'des letzten Jahres wenig betrosfen wurde. Ver' Roh gewinn des Unternehmens, der schon im Vorjahr von 6,7 auf 8,3 Millionen Mark gestiegen war, hat sich im Berichtsjahr weiter auf 9 Millionen Mark erhöht. Da die Ülbschreibungen auf die Werksanlagen ganz beträchtlich, um mehr als 40 Proz. heraufgesetzt wurden, hat sich der ausgewiesene Rein- gewinn gegenüber dem vorhergehenden Jahre mit 1.37 Millionen Mark nicht erhöht. Dementsprechend bleibt auch die Dividende un- verändert. Der Abschluß der Gesellschaft läßt eine ausgeprägte R i= serocpolitik erkennen. So erscheint in der Bilanz eine neue S o n d e r r ü ck l a g e in Höhe oon 2,25 Millionen Mark. In dieser Reserve sind, ähnlich wie es im vorigen'Jahr die Verwaltung von Orcnstcin u. Koppel in Berlin machte, 1,18 Millionen Mark, die aus einer Rcichsentschädigiing für beschlagnahmte attisländische Betriebe herrühren, untergebracht. Der Rest von rund 1,1 Millionen ist vorweg von, Gewinn abgesetzt worden. Die Heraus- setzung der'Abschreibungen ist zum Teil durch die Stillegung des Lokomotivbetricbcs, der im abgelaufenen Betriebsjahr gegen Kon- Zessionen im Waggonbau an Krypp abgetreten wurde, bedingt. Ferner wurde noch rund eine halbe Million Mark für eventuelle Ausfälle bei der Eintreibung von Forderungen zurückgestellt. Wir komnien nach Verössentlichnng des Geschäftsberichts auf den Abschluß des llnternchmcns noch zurück. Schuldentilgung bei Adler-Kleyer. Die Frankfurter Automobil- und Fahrradwerke Adler- Kley er A.-G. konnte im Geschäftsjahr 1930 einen Gewinn von 2,62 Millionen Mark erzielen. Die Gesellschaft, die erst 1929 eine Sanierung vornehmen und ihr Kapital von 19,2 Millionen aus die 5)älfte zusammenlegen mußte, sieht von der Auszahlung einer Dividende ab und stellt fast den gesamten Reingewinn in die Rescroe. Die Nebenbetriebe, in erster Linie wohl der Schreib- Maschinenbau, haben dem linternehmen das Ueberstehen der Krise entschieden leichter gemacht als einem reinen Antomobilunter- nehmen, wie den Horch-Werken, deren schwere Verlnfte wir kürzlich verötfentlichte». Während bei Horch der Umsatz u m rund ein Drittel gesunken war, ging der Gesamtumsatz bei den Adler- Kleyer-Werkcn nur um 17 Prozent oon 70 a>tf 38 Millionen Mark zurück. Der Rückgang ist im übrigen nur auf den Preis- a b b a u zurückzuführen, denn mengenmäßig hielt fich der Um- satz auf Vorjahrshöhe.— Die innere Festigung der Betriebe hat im Berichtsjahr erhebliche Fortschritte geniocht. So gelang es, die im Vorjahr mit fast 12 Millionen Mark ausgewiesenen Bor- r ä t e und Warenbestände bis auf 7,3 Millionen a b z u- bauen, womit eine kräftige Senkung der Schulden von 15,5 auf 9,2 Millionen Mark Hand in Hand ging. Andererseits konnten sich die Forderungen leicht von 4,7 auf 3 Millionen Mark erhöhen, so daß die starke Anspanmlng der Bilanz beträchtlich ge- mildert werden konnte. Dek� Absatz in den Arsten drei Monaten des laufenden Betriebsjahres hielt sich auf dem Stande des Vorjahrs. HU DICK V RUND O/MSI Eine Zigapelte�die so schnell beliebt geworden ist.bewelst wie sehr sie gefehlt hal. ENVE R BEY. VALUTA< Jtnäreag Xalsko: �VUSBIS Q Utld Fritzis Einreise ins Leben war mit großen Umständen ver- banden gewesen wie«ine Fürstenfahrt. Jeder größeren Station war seine Ankunft telegraphisch vorausgemeldet worden, damit man ihm Wasser und etwas Nahrung in die Kiste reiche. Aber Fritzi war zu jung und unerfahren, um die Rücksichten nach Gebühr zu würdigen, und blieb, als er sein Ziel endlich erreicht hatte, trotz begeisterter Aufnahme, anfangs aufs Tiefste niedergeschlagen. Der weiche Smyrnateppich behagte ihm wohl sofort, das beängstigende Rattern, Rütteln. Zischen und Pfeifen der Bahn machte ihn jedoch mißtrauisch gegen jede Veränderung, und Heimweh nach Mutter und Geschwistern, nach dem Tollen aus dem Spielplatz der berühmten deutschen Hundezuchtanstalt verdüsterte den Glanz alles Gegen- wärtigen.-- Wer es noch nie an sich selbst beobachtet hat, wie leicht körper- liches Wohlbehagen alle wehmütigen Gefühle niederringt, möge die Schnelligkeit, mit welcher Fritzi sich eingewöhnte, schnöden Undank nennen. Im verschwenderischen Haushalt einer reichen Petersburger Baronin als Primadonna gefeiert, von einer vielköpfigen Diener- schaft umworben, mit Knseworten und süßer Nahrung überfüttert— nur sehr wenige Hunde und noch weniger Menschen hätten genügend Charakter, aus Daunenkissen liegend nach dem Strohlager ihrer Kinderstube Heimweh zu haben. Fritzi jedenfalls vergaß rasch, lernte sein« Macht kennen und seine Herrin lieben, was ihm nicht schwer fiel, da das- Erscheinen dieser angenehmen Dame unfehlbar das Knocken eines Stückes Würfelzucker nach sich zog. Im Apportieren, Schöntun und der- gleichen hingegen zeigte er sich durchaus ungelehrig, denn er ver- achtete diese niedrigen Kniffe streberischer Seelen, hatte sie auch gar nicht nötig, sein bloßes Eintreten genügte stets, um alles in helle Verzückung zu versetzen. Die fröhlichen Pendelschläge seiner zottigen kleinen Rute verlieh er nur Personen, die sich irgendwie um ihn verdient gemacht hatten, und Stolz und Dankbarkeit der also Ausgezeichneten bezeugten, daß seine Huld sie überreichlich entlohnte. Dennoch wäre es üngerecht anzunehmen, Fritzi sei hochmütig, blasiert oder tyrannisch geworden. Er benahm sich seinem tadellosen Pedigree entsprechend würdevoll, aber leutselig, nur das Gefühl der Dankbarkeit blieb ihm fremd, weil er ja gar nicht wußte, daß es ihm auch schlechte� hätte ergehen können im Leben. Was er über die Existenz der Proletenhunde auf der Straße wußte, war zu wenig, um Lergleichsmöglichkeiten zu bieten. Er sah sie wohl, wenn er mit der Herrin ausfuhr, ließ sich aber nur ungern von ihnen ansprechen, denn erstens fürchtete er sich vor Ungeziefer, das diese ungepflegten Kreaturen zumeist im Felle trugen, zweitens hatte er bald gelernt, daß derlei Vertraulichkeiten selten gut endeten, ent- weder er kam an einen Flegel, der die Uebermacht seines abge- härteten Physikums zu Roheiten mißbrauchte, oder die Baronin spannte ihn wieder an die Leine, um jede' weitere Berührung mit dem Pöbel zu verhüten. Die Hund« aber, die ab und zu auf Besuch mitgebracht wurden, eigneten sich erst recht nicht, Fritzis Wissen über das Leben im allgemeinen zu erweitern. Sie waren alle adeligen Geblütes, zumeist recht hochmütig, und immer von der Ueberzeugung durchdrungen: ein Hund brauche nur zu repräsen- tieren und gewinnende Manieren zu haben, diese zwei Pflichten, gewissenhaft ausgeübt, würden stets ihren Mann ernähren. Eine einzige Quelle gab es, die Fritzi— dank seinem Geschlecht— in die Tiefe führen, seine Erfahrungen erweitern, seine Urteilskraft hätte schärfen können. Aber gerade diese eine Quelle wurde mit ganz besonderer Sorgfalt eingedämmt, niemals durfte Fritzi im Frühjahr anders als an der Leine die Straße betteten, und die einzige Konzession an seine leidenschaftliche Natur war sährlich ein Besuch bei einer Blutsverwandten, die aus der gleichen Hundezuchtanstalt stammte und Hausfreundin der Gräfin Pruke- skaja war. Die Herrlichkelten des Werbens und Tändelns, der beglückende Stolz auf gelungene Eroberungen, der ganze poetische Zauber des Liebeslebens entfiel bei diesem kaltherzigen, Programm- mähig kurzatmigen Anstandsoistten, so daß Fritzi sich zuweilen so weit vergaß, ganz gewöhnlichen, rasselosen Frauenzimmern nach- zuseufzen, und sie reizvoller zu finden als seine vornehme Cousine. Glücklicherweise hatte Fritzi gerade in dieser Frage ein leuchten- des Muster an seiner Herrin, die als geborene Komtesse ganz bestimmt auch würdigere Objekte für ihre Zärtlichkeit gewußt hätte als den Baron, der eigentlich nur Jndustriebaron war, noch nicht im Adelskalender stand, wie ein Raubtier aß, und bei Nacht wie «ine Lokomotive schnaubt«. Aber beide, sowohl die Baronin als auch Fritzi, waren nun einmal für Smyrnateppiche, Süßigkeiten und aufmerksame Bedienung eingenommen, und betrachteten diesen einzigen Verzicht übereinstimmend als den Preis, der für ihre angenehme Lebensführung zu entrichten war. Die Sehnsucht nach Poesie konnte im komfortablen Boudoir als verklärter Schmerz genossen werden: die Sehnsucht noch ein wenig Komfort hätte auch in den Armen einer großen Leidenschaft viel schlimmer gcsoltert. So waren beide mit allem, auch mit ihrer Unzufriedenheit Im Grunde recht zufrieden, leiteten die gestauten Zärtlichkeiten gegen- seittg aufeinander ab. die Baronin paßte ihren Gesichtskreis unbe- merkt immer noch mehr dem ihres Hundes an, und der Hund war, unter dem Druck des ständigen Beisammenseins, allmählich eine Art in Zwergspitzsell genähtes anderes Ich seiner Herrin geworden. Beide hatten nichts zu tun, als zu sein, als was sie geboren waren— beide wurden auf den Händen getragen(Fritzi wortwörtlich, die Baronin im übertragenen Sinne)—, beide bemerkten Bequemlichkeiten und Aufmerksamkeiten erst, wenn sie ausblieben oder auf sich warten ließen, und es wäre recht schwierig gewesen zu entscheiden, «er von den beiden ahnungsloser und gleichgültiger der Frage gegenüberstand: aus welchen Quellen die Mittel flössen, die ein solch lückenlos angenehmes Leben ermöglichten. Hätte ein unzufriedener Querkopf das Boudoir der Baronin gestürmt, um es ihr vorzu- Wersen, daß dreitausend Arbeiter mit zehntausend Kindern körperlich und seelisch gleich verwahrlost langsam zugrunde gehen mußten, damit der Baron aus den erhöhten Dividenden Elektromobil. Toiletten, Bedienung und Delikatessen für Herrin und Hund de- streiten könne, Fritzi hätte sich über das. Ungewohnte der schweren, kotigen Stiefel auf dem Smyrnateppich und den Geruch des Fremden aufgeregt, und die Baronin hätte den Vacuum hereinbringen und das Zimmer lüften lassen, ohne viel besser als Fritzi zu verstehen, was der zudringliche Kerl eigentlich gewollt hatte. Fern ollen Häßlichkeiten und Härten des Daseins hatte Fritzi die ersten sechs Jahre seines Lebens derart in Frieden aufgezehrt, ohne zu ahnen, daß er auch Feind« haben könnte, ttotzdem er selbst niemandem feind war. Da kam der Donnerschlag. Der Krieg, trotz seiner lang?n Dauer unfähig, in die Lebens- gepflogenheiten dieser zwei bevorzugten Wesen irgendwie störend einzugreisen, war verloren, und der sogenannte„Umsturz" setzte «in. Wäre Fritzi«in Vorstehhund, ein Neufundländer oder Bern- hardkner gewesen, die Baronin hätte ihn vielleicht vor einen kleinen Karren gespannt, um sich als Gemüsehändlerin verkleidet von ihm retten zu lassen.' Ein Zwergspitz aber ließ sich nicht umwandeln, sein Wuchs denunzierte ihn als„Schoßhündchen", und in der verkehrten Welt, die hereingebrochen war, hätte Fritzis größter Vorzug: ein niedliches Tier zu sein, leicht auch der Herrin zum Verderben werden können So ließ sich also die zitternd« Baronin von dem einzigen ge- treuen Wesen im ganzen Hause, dem zweiten Abwaschmädel, das sie früher nie eines Blickes gewürdigt hatte, in abgetragene Arbeits- kleider stecken, nahm von Fritzi- tränenreichen, aber äußerst hastigen Abschied, und lief davon, nur von der Schmuckkassette begleitet. Im Gehirn ihres verlassenen Freundes spiegelte sich der Umsturz sehr unklar, er begriff nicht recht, was die Stimme seiner Herrin im Geruchskomplex des zweiten Abwaschmädels zu suchen hatte? Dunkle Vorahnungen sagten ihm, daß irgend etwas nicht in Ord- nung sein müsse, wobei er unter„Ordnung" den für seine Person bekömmlichen Gang der Dinge verstand. Wie sollte er anders? Bei reichen Leuten erzogen, hatte er gelernt, das eigene Wohlbefinden für den Nullpunkt auf dem ethischen Thermometer anzuschauen, und da das Quecksilber unter den Gefrierpunkt sank, sein Mittagessen zur gewohnten Stunde ausblieb, fing er wütend zu bellen an. Es wäre unbillig, von einem Zwergspitz Verständnis für Um- wälzungen zu fordern, die selbst Menschen nicht leicht zu erklären sind. Daß sich alle Schüsseln in Unrecht und Unordnung wandelten, sobald sie anderen vorgesetzt wurden, war eine schmerzende Weis- heit, die Fritzi erst kurz vor s�nem Tode erfahren sollte: im Hause der Baronin hatte er nie von„anderen" sprechen gehört. Er bellte also weiter, bis der lästigen Erwartung die fürchterlichste Ueber- raschung folgte: seine eifrigsten Hofmacher und Verehrer, der Kammerdiener, der Chauffeur und der Portier, ins Zimmer stürzten, aber nicht, um ihn mit Liebkosungen zu beschwichtigen, sondern mit Fußtritten und lebensgefährlichen Wurfgeschossen auf die Sttaße zu jagen. Hier hätte der Winter, gemeinsam mit den Roheiten der Sttaßenjungen und der Straßenhunde, dem Leidensweg wahrschein- lich bald ein Ende gesetzt, ohne das zweite Abwaschmädel, dessen Treue in der neuen Ordnung Verrat hieß und ganz ähnlich wie Fritzis Bellen bestrast wurde. Das gleiche Schicksal brachte sie ein- ander näher. Fritzi folgte in seiner Ratlosigkeit gerne dem Geruch, den er doch schon kannte, bekam statt einer Baronin«in Bauern- mädel zur Herrin, und geriet aus dem duftigen Boudoir in eine schmutzige russische Isba. Jeder andere Hund hätte sich nun allmäh- lich eingewöhnt, mit der ungepolsterten Bank, den nackten Dielen, den ordinären Umgangsformen abgefunden. Fritzi nicht! Zu tief hatte sich die Weltanschauung der Baronin in seiner Seele verankert, er hatte Heimweh nach Teppichen und Daunenkissen, die überall eine neue Heimat erschaffen, durch ein Heim ohne Komfort hingegen nicht ersetzt werden konnte. Warum dem Boden, der einem keine Vor- zugsrechte bot, Vorzugsrechte in seinem Herzen einräumen?... Der Hotelpalast in St. Moritz glich dem Vaterland, das die Baronin gellebt hatte, viel mehr als das echt russische Bauernhaus, in dem Fritzi nun wohnen mußte. Ueber Gebirg und Tal hegten die Getrennten immer noch dit gleichen Gefühle, nur mit dem herben Unterschied, daß Fritzi nicht in St. Moritz sah, sondern das Land seiner Sehnsucht nur mit der Seele suchte. Bei den Bauern, die ohnehin jede Muttersau und jedes fleißige Huhn höher einschätzten, als den rassereinen, aber unnützen Zwerg- spitz, verscherzte sich Fritzi mtt seiner Melancholie die letzten Sympathien. Ein Hund, der immer nur winselte, für keinen noch so fetten Knochen richtig dankbar war, machte nicht einmal Freude. Man ließ es Fritzi merken, daß er im Wege war, bis er endlich, vom Hunger nach Zärtlichkeiten und Luxus getrieben, eines Nacht entlief. Winziger schwarzer Punkt auf dem breiten, mondscheingrünen Band der Landstraße ttottete er hoffnungsbeseelt bis zum ersten Dorf, wo gleich die rauhe Wirklichkeit über ihn herfiel in Form riesiger, böswilliger Bauernköter, die brüllend heroorstürzten, um den Landstteicher zu vernichten. Dahinrasend auf den zarten Bcinchen, rettete Fritzi nur seine Behendigkeit: da aber die Jagd in jedem Dorfe neu einsetzte, erlahmten bald seine Kräste, das Herz hämmerte gegen die Rippen, als wollte es um jeden Preis aus dem gehetzten Leib springen, und gegen Morgen war er so erschöpft, daß es einigen Dorfbastarden doch gelang, ihn einzuholen. Hebel zugerichtet, das schöne Fell mit Sttaßenstaub und ge« ronnenem Blut verklebt, sah er bekümmert ein, daß es doch nicht möglich sein werde, das Glück in einem Galopp zu erjagen. Er wollte im Schlafe neue Kräfte schöpfen, schleppte sich in ein Gebüsch, erwachte aber sehr bald, von einem ganz neuen, bisher völlig unbe- kannten Gegner attackiert. Als wäre es einem der großen Bauern« Hunde gelungen, in sein Inneres einzudringen, so wütend grub der Hunger die scharfgezackten Hauer in seine Eingeweide. Er kroch wierder hervor, schob sich, den Bauch auf dem Boden, wie ein nahrungsuchender Wurm dem nahen Dorfe zu,, das vielgeküßte Näschen schnuppernd in der Luft. Nicht einmal das Kennerauge der Baronin hätte dem notgezausten, verkommenen Bettelhund sein Pedigree in diesem Zustand angesehen!... Es war der Tag des Herrn, der Duftschwaden eines Sonntags» bratens zog den unglücklichen Fritzi, wie eine Leine, zu einem abse ts liegenden Hof. Hinter der kahlen Hecke lag ein mächtiger Schäser- Hund, eine Schüssel mit Abfällen zwischen den Pranken. Und hier wurde Fritzi seine vornehme Erziehung endgültig zum Verhängnis. Jeder stupide Durchschnittshund hätte genau ermessen, welch gefahrvolles Unternehmen es sei, den eigenen Hunger von der Portion eines anderen stillen zu wollen. Fritzi war aber Debu- tant im Daseinskampf. Er merkte es nicht, wie sehr seine Stellung sich verschoben hatte, daß jetzt er auf der Straße draußen stand, und der Versuch, den er unternahm, ein Angriff auf die„Ordnung" des Schäferhundes war, weil die Ordnung immer dort ist, wo die Fleisch- schllssel liegt. Der glückliche Besitzer der Sonntagsknochen beobachtete mit majestätischer Gleichgültigkeit den Neinen Sttolch, der sich mit zittern- den'Flanken an ihn heranschraubte, die verstaubte Rute in verbind- licher Pendelbewegung. Im Schatten knolligen Bauerngeizes, als berufener Hüter des Eigentums aufgewachsen, dachte er nicht im entferntesten an die Möglichkeit einer derart stechen Verletzung aller Rechtsbegriff«. Als das Unglaubliche dennoch geschah, ein Zwerg sich unterstand, den Starken berauben zu wollen, schnappte er, ohne sich vom Platze zu rühren, nach dem Genick Fritzis, schlug die Zähne bis tief an den Rückenwirbel und schleuderte mit einer kurzen Bewegung seines Kopses das elende kleine Bündel hoch in die Luft und fraß dann weiter, ruhig im Bewußtsein des Gerechten, der eine wohlverdiente Züchtigung erteilt hatte. Fritzi flog, um die eigene Achse rotierend, schlug mit dumpfem Poltern schwer auf die Erde und stimmte«inen mißtönenden Schwanengesang an, der zwei junge Burschen an die Schwelle des Hauses lockte. Was sie erblickten, war gar nicht mehr Fritzi, viel eher ein Knäuel aus schmutzigem, blutgetränktem Werg. Aber das scharfe Auge der unverdorbenen Landkinder erkannte selbst in dieser formlosen, zuckenden Masse noch den Feind, den„Städtifchen", den Stutzer und Tagedieb, und sie eröffneten, um ihm das Zuckerlfressen endgültig abzugewöhnen, ein Um-die-Wette-werfen auf das fetten« Ziel. Die Todesangst gab Fritzi noch einmal Kräfte. Er wankte einige Schritte, fiel getroffen hin, rutschte wieder weiter, sein Leben ver- gießend, als bewegte er sich auf einem blutigen Schienenstrang, bis er endlich, mit mehr Wunden bedeckt, als auf seinem winzigen Körperchen eigentlich Platz hatten, endgültig liegen blieb, in den brechenden Augen ratloses Erstaunen über die unerklärliche, geheim- nisvoll« Schlechtigkeit aller Tiere und Menschen. Die Baronin, die um diese Zeit erst siebenunddreißig Perlen ihres zwei Meter langen Kolliers aufgegessen hatte, erzählte oft bitterlich weinend von„ihrem Fritzi", trotzdem sie ihn längst schon mit einem nicht weniger rassereinen King Charles ersetzt hatte. Sie Nebte es, der rührenden Treue ihres einstigen LiebNngs den Undank der Menschen, das niedrige Betragen ihrer Dienerschaft gegenüber- zustellen, und übersah hierbei völlig, daß sie ihre Bedienten nie im Clekttomobil ausgefahren, nie in den Schoß genommen, eigenhändig mit Delikatessen gefüttert oder auf die Nase geküßt hotte. Die Lieb- lingsthese der Baronin, daß sich nur die Anhänglichkeit der Tiere auch in der Not bewähre, die Menschen hingegen in der Gefahr keine Freundschaft kannton. hatte dennoch ihre Richtigkeit. Wäre der arme Fritzi nicht als zerfetztes Bündel auf dem Misthaufen eines Bauern- Hauses verendet, er hätte dieser Behauptung, auf Grund der Er- fahrungen, die er mit seiner Herrin gemacht hatte, laut kläffend zugestimmt. IHarlin Aderhold: Ausflug smrn Von den acht Planeten unseres Sonnensystems ist der Merkur der kleinste. Wenn wir uns mit der recht ansehnlichen Schnelligkeit von 500 Kilometern in der Stunde dorthin begäben, würden wir etwa ochtzchn Jahre brauchen, um ans Ziel zu kommen, und zwar auch nur, wenn der Merkur sich in größter Erdnähe befindet, was einer Entfernung von 75 Millionen Kilometern entspricht. Die Bahn des Merkur ist die eigenartigste unter allen Planeten des Sonnensystems, da sie ungeheuer schwankende Sonnenabständ« auf- weist, die zwischen 70 und