BERLIN Donnerstag 16. April 1931 10 Pf. KM 27 B 69 46. Jahrgang ErscheknttSglich außerSonntag«. Auzleich Abendausgabe de«„Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 8ö Pf. pro Woche. ZFOM. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW KS, Lindenstr.S Fernsprecher: Dönhoff 292— 2??> Anzaigeavrei«: Die«inspaltigeNonpareillezcile So Pf., Reklamezeile S M. Crmäßigun en nach Tarif. Postscheckkonto: VvrwärtS-Verlag G.m.b.H.. Berlin Nr. 87 S36.— Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vvrl Sensationsprozeß in Weimar Ein Opfer von Hakenkreuzbanditen unter Meineidsanklage Herr Kube rust nach Polizei Weivtar. 16. April, l Eigenbericht.) Vor dem Weimarer Schwurgericht wird augenblicl- lich ein politischer Sensationsprozeh verhandelt, der ein neues Schlaglicht auf die Justizverhältnisse in Thüringen wirft. Dieser Prozeh stellt sich dem Prozeh gegen den früheren LberstaatSanwalt Frieders würdig zur Seite, er gehört in da6 Kapitel der politischen A a ch e j u st i z. die gegen Republikaner und Sozial- demokraten geübt wird. Angeklagt ist der Polizei ober Wachtmeister i. W. Paul Schmidt aus Weimar wegen Betrugs und Meineid. Der Prozeh hat seinen Untergrund in den Schandtaten entfesselter 'Nazihorden Anfang Juli 1926. Am 3. und 4. Juli 1926 hielten die Nationalsozialisten einen Reichsparteitag in Weimar ab, in dessen Verlauf es zu wüsten Ausschreitungen gegen Republikaner kam. Neben anderen Untaten wurde in der Nacht vom'4. zum 3. Juli gegen Z.IS Uhr früh' der Hberwachtmeister Paul Schmidt, der in der Rahe des Vahuhofs Dienst hatte, von ciuem Manne der Kleidung und Parteiabzeichen der Nationalsozialisten trug mit einem Revolver durch die Brust geschossen. Nach her Verletzung wurde Schmidt o,z im Polizeidienst nicht niehr verwendbor, in den Warte st. and oersetzt. Seit dieser Zeit kämpst er mit der Stadtverwaltung um die Beseitigung wirtschaftlicher Nachteile, die durch seine Versetzung in den Wartestand für ihn entstanden sind. Er begründet seine An» spräche damit, daß sein Unfall auf ein Derschulden der Stadtver- ivaltung zurückzuführen ist, indem in der kritischen Nacht der Bahn- Hof Und seine Umgegend vorzeitig von Polizeikräften entblößt wurden. Nach einer vor einiger Zeit von der Justizpressestelle den Zeitungen übermittelten Notiz, legt die Anklage dem Schmidt zur Last, dah er sich den Schuh selbst beigebracht habe, und zwar in der Absicht, von der Unfallversicherung eine Abfinbungs» summe und von der Stadt Weimar ein höheres Wartegeld und eine höhere Pension, als ihm gesetzlich zustand, zu erhalten. Im Zusammenhang mit diesem Unfall soll Schmidt weiter einen Memeid geleistet haben. Gegen den Kasseler Rechtsanwalt Dr. Roland Freister war vor dem Ehrengericht der Anwaltskammer Kassel ein Verfahren anhängig, weil er in der fraglichen Nacht vor dem Weimarer Hauptbahnhof«ine Rede gegen die Polizei gehalten und für eine nationalsozialistische Revolution eingetreten sein sollte. In diesem ehrengerichtlichen Verfahren wurde Schmidt über die Vorgänge am Dahnhof als Zeuge vernommen. Er soll da bewußt der Wahrheit zuwider beschworen haben, daß er von einem Unbekannten angeschossen worden sei. Der Tatbestand ist also der: Schmidt wurde von einem Un- bekannten, wahrscheinlich einem Hakenkreuzler, sehr schwer verletzt Es handelt sich um einen gefährlichen Brustschust, der leicht tödliche Wirkung hatte haben können. Als er Bersorgungsansprllche stellt, überfällt man ihn nach vier Jahren mit einer Anklage, die zu seiner Vernichtung führen kann. Die Grundlage der Anklage ist die Behauptung, er habe sich selbst zu dreiviertel totgeschossen— um eines künftigen höheren Wartegeldes wegen! In Aeußerungen des Schmidt zu den verschiedenen Zeiten ergibt sich keinerlei Widerspruch. Es wurden ober, vor a l l e in von der Stadtverwaltung, die verschiedensten Widersprüche konstruiert auf Grund von Ermittlungen, die als sehr zweifelhaft bezeichnet werden müssen. Kurzum: ein Beamter, der sein Leben im Dienst aufs Spiel setzte, ist zum Dank dafür mit einer lebensgefährlichen 2lnklage bedacht worden! Oie Anklaqe bricht zusammen. Weimar. 16. Aprsi. fEigenberichl.) Die Zeugenvernchmuog im Prozeß Schmidt am Dannerstagvormiklog brachte eine weitere wesentliche Zerstörung der Auklag«. Tis Zeuge beschrieb einen Menschen» der sich Ein Beitrag zum portrat eines Hakenkreuzführers Herr Wilhelm Zbube, preußischer Landtagsabgeordneter der Hitler-Partci, gehört zu den gehässigsten Gegnern der Republik. Es ist sslbstoerständkich, daß er die republikanische preußische Polizei mit tiefstem Hasse verfolgt und daß er alles aufbietet, um sie in den Augen der Oessentlichkeit herabzusetzen. Herr Kube aber kann auch anders, denn er ist ein sehr wandlungsreicher Herr! Während des Krieges war er Generalsekretär der Deutschen Konservativen Vereinigung, im Jahre 1923 trat er zur Deutsch- Reichstag JhSserdneKt/ 1 ITkak ,3ä«rlm Mv 7. 41> L«? ,§,6 tirllo ir,57.Btt3.oir»tr»»«*HTV Jaraspraebax; JAtaow 8o6o/8l# läTS» �»rr5*I,iXi»Btpr*«ld«nt»B.'dtr Stndt sarlib, r e T 1 1 a C. J IsxBid« rp tat Sj-pol i is ijpeläJtta B». h s et» o: ea 3iät»rir9lt9rictriuJ"*'0ril;1ä",j»e' 8»- sttsto�roB Sciwis« der reas&calaa�sfrtibai't. Vea folfiead« B9»cfe»9Td»; �59 dt B9hi9r9a*oeh9B- Ird— (acVeliaicii«af iai�Kaaä'sas der Gsoledteag 'Serida der SatdosaleosdaldEtlsobea Seateclea edterported— iaaer wieder esa ialire'ifetf« [Joneea» alt dea netdoneleoslallstiacdea 1W �ledebca der Tersucb eeaaebt,' dautaobTSdkiscii« JereaaBloa�en tu apreagea.'Ausbfaa Fraltag,� dea lO.Sejtenber, fandea»leb au»' olIea�Teilea Berlla» da der Sffeatlichen Tereaeoluud" derj peuteebre 1kl« eben rrelbedtabeaeduag da Srle» fairere daabsas(XoneertaaalZ.T cbaueaeestr.J« J [etwa swelhuadert Juaäef Lautender Kationall [aotialletlschea Seatactoa Arbeiterpartei ein, JiU»_»oboa bei. dea lrtffnun0asortaa dea�Ver-/ aao-iluasaledter»[JdeB�Jngendeuri'uad Bruanea- Peu»r»�.u.Ip;b'»'7ai;6eriebtitr»»»e fid�wohn- taf t.Tod f dbrec* Ged obl»Tdie' Y.raeaslanfi�e Wr-" völkischen Partei über, nachdem er aus der Bismarckjugend der Deutschnationalen Lolkspartei ausgeschlossen worden war. Sein Weg ging dann zur Deutschnationalen Freiheitspartei, von da zur Nationalsozialistischen Freiheitspartei, zur Deutschvölkischen Freiheits- parte!, zur Deutschsozialen Partei Knüppel-Kunze und schließlich im Äahre 1928 zur Hitler-Partei. Roch im Jahre 1926 verfolgte er die Nationalsozialisten mit bitterem Hasse. Die Nationalsozialisten revanchierten sich, indem sie in seinen Versammlungen die bei ihnen beliebten Sprengmethoden anwandten. Herr Kube war darüber so ergrimmt, daß er beim Oberstaatsanwalt Anzeige erstattete und den sozialdemokra- tischen Berliner Polizeipräsidenten um Hilfe anrief. Aus jener Zeit stammen die beiden folgenden Schreiben Kubes. die über das Wesen dieses Mannes Aufschluß geben: Berlin NW., den 1. September 1926. Herrn Oberstaatsanwalt beim Landgericht I. Berlin NW. Unter Hinweis auf das Gesetz zum Schutze der Versammlung«» freiheit stelle ich hiermit Strafankrag gegen die Berliner Leitung der Itational- foziatistifchen Deutschen Arbeiterpartei, Vorsitzender mir unbekannt. Die Adresse des Herrn Vorsitzenden ist wahrscheinlich durch Herrn Regierungsrat Schlang«, Dienstag Gahms Einführung. Am Mittwoch Arbeitsaufnahme. Die neugewählte« leitenden Männer der Berliner Verwaltung, Oberbürgermeister Dr. Heinrich S u h m. die Bürgermeister Lange und Dr. Elsas, sowie der Stadtkämmerer Bruno Asch, werden bereits am DienS» tag nächster Woche in einer außerordentlichen Stadt- verorduetensitzung durch eine Begrüßungsansprache des Vorstehers Haß feierlich in ihr Amt eingeführt werde». Die neuen Männer werden also am Mittwoch ihre Arbeit im Rathaus aufnehmen können. Berlin-Wilmersdorf, Kaiserallee 172 wohnhaft, zu erfahren, der wenigstens früher Vorsitzender der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei als Regierungsrat war. Meine Anklage gründet sich auf folgende Vorkommnisse: In einer Reihe von Versammlungen, so am Freitag, dem 27. August, in Friedenau, Lauterplatzkasino, am Lauterplatz: am Dienstag, dem 21. August, in Heinrichs Festsälen, Große Frank- furter Straße 39, haben organisierte Sprengtrupps der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter- parte! versucht, unsere Versammlungen systematisch zu sprengen. Insbesondere war es auf Versammlungen abgesehen, in denen der Unterzeichnete, Mitglied des Reichstags, als Redner angesetzt war. In der Großen Frankfurter Straße hat es einen kurzen Zusammen- stoß zwischen der Polizei und den Nationalsozialisten gegeben. Als ich mit einigen Herren das Lokal verließ, wurde ich von den Nationalsozialisten mit Zurufen, wie„Fememörder" und öhn- lichem begrüßt und bis vor das Lokal von Fiehstädt in der Andreas- straße verfolgt. Erst das Eingreifen einiger Polizeibcamtcr befreite mich von den Nationalsozialisten. Dabei fielen Zurufe wie: „Den Kube schlagen wir tot." Wenn- ich auch diese Drohung für nicht allzu ernst nehme, so habe ich doch nicht die Absicht, mir meine versassungsgemäß gewährte Redefreiheit von jungen unreifen Burschen beschränken zu lassen. Das Auftreten der Nationalsazialisten zeigt, daß es auf höhere Anordnung geschieht. Infolgedessen ersuche ich im Interesse der öffentlichen Ordnung und zur Durchführung zum Schutze der bereits bei der hetzerischen Rede des Rechtsanwalts Freister am Bahnhof verdöchllg gemacht hatte und dessen Aussehen genau mit dem Aussehen des von Schmidt beschriebenen Attentäters übereiu- stimmte. Die Verteidigung beschuldigte daraus öffentlich dea im Saale anwesenden Zeugeu Opitz, daß er der Attentäter gewesen sei. Eine Gegenüberstellung mit dem ersten Zeugen führte jedoch zu keinem Ergebnis. Durch weitere Zeugenaussagen wurde einwandfrei festgestellt, daß Schmidt sich bei seiner Einlieferuag ins Krankenhaus im Besitze seiner Diensipistole befand uud daß aus dieser Pistole kein Schuß abgSfeu. E locke, Berlin. Verla-i: Vorwärts Verlan<5. m. 6. S.. Berlin. Bruck: Lorwarts Buch- druckerci und Berlaasanktalt Paul Sinacr Li Co. Berlin 633 68. LindenUrafte it. Kierzu l Bcilaae. CeüMrtlallarlieiteMWm ueruiaiiungsmitgiieden Freitag, den 17. April, abend» 7 Uhr, Gttzuag der MitUcrc» Ortsverwaituog. vir Ol tsTcrwtltxing. Theater, Lichtspiele usw. Donnerst, 16. 4. staats-Qper Unter d. Linden 227. A.-V IS'/s Uhr Siegfried (DngekSntitaffühnjog) Ende geg. 23 Uhr Donnerst, 16 4. Stadt. Oper Bismarckstr Turnus II 20 Uhr ndelfio. Ende n.Z2xii Uhr Staats-Oper ta Pliti dir RnizHik. 14 R.-S 20 Uhr Madame BnUerfiy Oattintl. Kartmirkauf Ende g. Z2xk Uhr Staail. Scbausph. (am Qendarmecmarktj 195 A.-V. 20 Uhr Die Porluoa!e- siscne Sdiladit Ende 23'« Uhr SlaatiTciiiüer-Iliüatßr.Barlfög. 20 Uhr Die Bekebrocg des Petdjis Pistora Ende 221/3 Uhr■ HWP**, ÜROSSES SCHAUaPiELHAlh Täglich S Uhr: Im UielSMIl RBUI. Stg. nachm. 3Uhr Originalbesttzung Billige Preise Regie: Erik Charcll. 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JMartin Rockenbcch im aQrpIidm „... ein modernes:, realistisches Gegenstück zu Eichendorffs romantischem „Leben eines Taugenichts". , Arbtiter-Juggrid?, Berlin, Umfang 224 Seiten* Ganzleinen Irrels"4.SO Maar Ii (Für Mitglieder Sonderpreis) Volks btthne lluitei im BSIowülitz. 8 Uhr Das tliinteriiMen Staat!. Sdiiller-Di. 8 Uhr Die Bekehrung des Ferflvs Pistora WM TDeaier 8 Uhr Der Hauptmanu von Köpenlöl v. Carl Zuckmayei Regit; Heinz Hilpert Die Komödie 8 Vi Uhr Natalie v Iwan Turgenjew Rigii: Iwan Schmith iamowsky-CDhaen TBuitr In Kr Mrasemanitstr. Täglich SV» Gestern n. Henle Schauspiel von Christa Winsioe Komddisnhaus Täglich S'i Uhi Eine königliche Famlila SfrMM StLaJauUtaße de* lofurdsA fäeilaHe Donnerstag, 16. April 1931 Vaullcns Rcformplan 4Hinc geunöfatzliche Darlegans von Dr. Gtto Seelmg-Verlm Die Verlreterversanimwng des' P r e u ß i s ch e» Lehrer- rtcreins befaßte sich auf cimr Tagung in Koblenz mit den Plänen Paulsens. die er in seiivr an dieser Stelle bereits kurz skizzierten Schrift„Der Neuaufbau unseres Schulwesens" iVer- lag 2l. W. Zickicldt, Osterwieck, Harz) misführlich darlegt. Nach einer äußerst lebhaften Debatte kam einstimmig folgende Eni- f ch! i e ß u u g zustande: „Die X. Vertretcroeriammlung des Preußischen Lehrcrvereins verabschiedet die Richtlinien fiir den Ausbau der Volksschule als Zielweisung siir die Entwicklung unseres Bil- dungswesens aus den gegebenen Verhallnisscn heraus und als Grundlage weiterer erziehungswissenichaitlichcr Auseinander- fetzung praktischer Versuche. Sie fordert die Mitglieder des Preußischen Lehrervereins auf. sich sur den Ausbau der Volksschule im Sinne der Richt- linien einzusetzen und erwartet vom Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, daß es der chebung der Volksschule die Wege ebnen und versuchs- weisem Einzclvorgehen in Stadt und Land weite st en Spielraum gewähren wird." Es ist angebracht, auf die Refornworschlage Paulsens noch einmal naher einzugehen, und zwar deshalb, weil die Lehrerschaft seit Jahrzehnten einen zähen ausreibenden Kampf kämpft um die not- wendige inner« Erneuerung der Schutarbeit uird des Schullcbens. Paulsen gibt. zu, daß die Zerrissenheit unseres gesellschaftlichen Lebens in der Schule stark spürbar ist und trotz Arbeitserziehung, Gc- meinschaftserziehung, kiinftlerischcr Erziehung in ihrer Rückwirkung auf das Schul leben nicht überwunden werden konnte. Es besteht darüber kein Zweifel, daß die Größe der Problematik unseres erziehungswistenschaftlichen Tuns heute deutlicher als je vor unserem Auge steht. In unaufhaltsamer stetiger Entwicklung vollzieht sich in Uobereinstimmung mit unseren psychologischen, biologischen und soziologischen Einsichten der geistige Neubau unseres Schul- und Bildungswcsens. In diesem niemals zur Ruhe kommenden Prozeß ist die Konstante der Mensch, individuell charakterisiert, erd- und gesellschastsgeboren. Fort mit der VtlKuvssavarchie: Was tut nun nach allem heute not? Nicht die Bs- gründung eines neuen Bildung-Programms, sondern die Aurzeich- nung eines Organisationsprogrnmms, das die Schule in die Zusammeichänge des täglichen Lebens bringt und den Aus- druck ihrer Bildungsarb eck darstellt. Paulsen ruft aus: �.Was n ü tz e n dem Volksschüler die feinsten Arbeitsmethoden, wenn chm nicht schließlich die Schule im geordneten Bildungsganz an die Stelle unseres wirtschaftlichen und kulturellen Lebens gelangen laßt, wo er sie nutzbringend für sich und die Gesellschaft anzubringen vermag: Die„B> l d u n g s a n a rch i e" nutß aufhöre»! Uich Per- nunft, Plan und Sinn ikl/üstser Schulwesen hineingebracht werden." Paulsen zieht Vergleiche zwischen der Grianttlago unseres heutigen Bildungswesens und atrüeren Ländern, und er bedauert die Tatsache, daß für den ehemaligen Volksschüler sa gut wie kein« Aufttiegsmöglichkeit vorhanden ist. In der Madchenbildung ist die Volksschülerin geradezu rigoros von allen mittleren Berufen ausgeschaltet. Ist doch selbst für Kindergärtnerinnen, Hortnerinnen und chauswirtschastspflezerinnen die Lyzeatreife vorgeschrieben. Pausten beklagt nun den Umstand, daß dem Berufs schul- w o s e n der innere Zusammerchang und die organische Verbindung mit de-n Gesamtbildungswesen fehlt. Diese Verbindung herzustellen muß nach Pauljen die schulpolitisch« und organisato- r i s ch e Leistung der Volksschule sein. Im Auslande habe die Volks- schule diese ihre Ausgabe längst übernommen, ja vielfach so'.echt- zeitig übernommen, daß der Zusammenhang mit dem übrigen Schul- wescn nicht verloren ging. Paulsen streift sodann die Frage, ob die heute im Todeskampf liegend« Volksschule noch Kraft genug hat, sich eine neue Bildungsavsgabe zu stellen und von sich aus Bildungs- ordnung und Bildungsgesetze in die Schulveranstaltungen hineinzutragen. Öos sürchtet hier den Abbau der unteren Stufen der Berufsschule. Di« Berufs- bzw. die Fachschule wird aber stach Paulsens Plänen keines- falls entbehrlich. Paulsen bemängelt den Standpunkt, daß die Schule in irgendeiner Form von einer b e sti m in t e n Gruppe als Eigentum reklamiert wird. Die Schulg gehört nicht der Lehrerschaft, sie gehört in erster Linie der Jugend und sodann der Wirtschaft und der Kultur. Nachdem das von Paulsen so gründlich erörterte Problsm des Neuaufbaues unseres Schulwesens seit Jahr und Tag in unzähligen Vorträgen erörtert und durchdacht worden ist, sollte mit der Theorie nunmehr Schluß geniacht werden. Man mache einen Vcr- such in dcr Praxi? und beauftrage Paulsen als erfahrenen Schulmann mit der Durchfuhrung. Die Pädagogik im ganzen würde dabei ganz gewiß nicht schlecht abschneiden. Die Vilöttngskeifis» Rückblick aus öie IV. Davoser Huchschttlkutse Das Thema„Bildungskrisis der Gegenwart"(von Professor Hans F r« y e r-Leipzig behandelt) beanspruchte im Rohmen der Davoser Hochschulkurse über„Erziehung und Bildung", die zwischen dem 22. März und dem 11 April ftattsanden, das Hauptinteresse, Zwei von Grund auf verschiedene, scharf gegeneinander abgegrenzte Bildungsidealc, hinter denen zwei nöllig getrennte Welten stehen, wurden hier einander gegenübergestellt: das alte humanistische Ideal, nan dem früheren Kultusminister Professor Decker in seinem Festoorstag über„Wissenschast und Bildung" vertreten, und dos neue politische Bildungsideal Professor F r e y e r s, das, eben im Entstehen begriffen, die Bildungskrisis überwinden soll. Wistenschaft und Bildung, meint Becker, einstmals eng zusammengehörig, klaffen heute weit auseinander, können nie wied-r identifiziert werden: denn die sich stets weiter- spezialisierend« Wissenschaft muß sich notwendig immer mehr entperfön- l i ch« n, Bildung dagegen� sei. h ö ch st« r A u s d r u ck d e r Persönlichkeit. Körper, Geist, Seele müssen gleicherweise entwickelt werden, um eine völlig harmonische Persönlichkeit zu bilden: der Geist aber müsse stets die Führung behalten. Becker bekämpft ebenso die allzu einseitige Anhäufung von Wissen, die niemals zu wahrer Menschheitsausbildung führen könne, und ist auf der anderen Seite ein Feind jener allzu einseitig betonten körperlichen Ausbildung, wie sie in der Sportübertrcibung eines als„Avtojugend" glossierten Teiles unserer heutigen Jugend zum Ausdruck kommt. Eine neue Humanität erwachse, die den gc- samten Menschen in den Mittelpunkt stellt, zum Vollmenschen- tum erzieht: humanistische Einstellung, das sei Verantwortlichkeit des harmonischen Menschen gegenüber der Gemeinschaft. F r e y e r nun sieht die Bildungskrisis der Gegenwart gerade in dem nälligen Zusammenbruch dieses h u m a n i it,- scheu Bildungsidcals, das ein bürgerliches, ein deinakrati- sches Ideal sei. Bedeute doch noch heute für einen Teil des Bürger- tums Bildung Selbstzweck. Den proletarischen Menschen aber zwinge die Enge seines Lebensraumes, feine Abhängigkeit von über- individuellen Mechanismen und Machtfaktoren, mit jenem kürzer- lichcn Bildungsideal Schluß zu machen und an seine Stelle ein neues Ideal zu stellen, das der Lage des proletarischen Men- scheu eher entspricht und ihn besser ausrüstet in seinem Kampf um� neue Lebensgestaltung und-formung. Bildung kann für ihn in der gegenwärtigen Zeit immer nur Mittel' zum Zweck sein. Bil- düng in jenem humanistischen Sinne, lediglich mit dem Ziel der Persönlichkeitsentfaltung, fei für ihn nicht aktuell. Di« Bildungs- frag« sei aus dem Zenstum unseres Lebens herausgerückt. Wenn Schlegel schwärmte:„Das höchste Gut und das allein Nütz- liche ist die Bildung", so war das nicht ironisch, sondern ganz ernst und wörtlich gemeint. Welcher gegenwärtige Mensch aber wird, so fragt Freyer, aus die Frage nach dem höchsten Gut antworten: Die Bildung? Humboldt durfte noch seinen Beruf verlassen, um völlig der Bildung zu lehen. Wenn wir aber von einem heutigen Menschen hören würden, er wolle ganz seiner Bildung leben,— würden wir das maralisch finden? Der klassische Humanismus, der stets das gebildete Individuum als Repräsentanten der geistigen Welt, als einen in sich voll- kommenen Mikrokosmus anstrebte, so folgert Freyer, ist zu eng ge- worden, kann doch das Ganze in einer Zeit, die die Signatur der gesellschaftlichen Auseinandersetzung trägt, über- Haupt nicht repräsentiert werden. Eine Rückwendung vom Histori- scheu auf das Aktuelle, das Politische, auf den konkreten Mensche» der Zeit sei erforderlich, und damit wandele sich ohne weiteres Ge- statt und Ziel unserer Bildungspädagogit. Aus der Bildungskrisis könnte uns ein neues Bildungsideal erstehen: der gegen- w a r t s g e r i ch t e t e M e n sch, der die wirkliche Welt und ihre Bewegungsgesetzc kenist, um sie entsprechend zu gestalten und um- zugestalten. Dieses neue Bildungsideal falle maßgeblich sein für unsere m o- dern« Volksbild ungsarbcit. die sich vielfach noch mit einer Art Zwischenlösung begnüge. Zwar wisse man, daß Volks- bildung nur möglich fei im engen Kantakt mit der Lebcnssituation, mit Anknüpfen an Sachkenntnis und Berufserfahrung des arbeitenden Menschen, doch korrigiere man nur den Humboldt- scheu Bildungsbegriff anstatt den Blickpunkt zu ändern. Die Diskussion ließ erkennen, daß die beiden Lager um Freyer und Becker sich unversöhnlich gegenüberstehen. Dr. lily Herrbers., Allerlei Arbeitersport Riesenaufmarsch für Wien Zur Olympiade fahren 20000 deutsche Sportler Die kühnsten Erwartungen für die ivteldungeu zur 2. Ar» beitersportolympiade in Wien sind weit übertroffen worden. Die Leitung des Arbeiter-Turn- und Sportbundes rechnete mit 1l>lXX> Meldungen bis zum Vormeldefchluh am IS. April. 15613 sind es geworden und täglich laufen Hunderte von neuen Meldungen in Leipzig ein. Die Begeisterung für die 2. Arbeiterolympiade ist in den Vereinen des ATSB. groß, und es wird nun mit einem Aufmarsch von 20 066 deutschen Bundes- Mitgliedern in Wien gerechnet. Sehr wchrscheinlich wird auch diese Zahl noch übertroffen. Die hier angegebenen Meldungen beziehen sich nur auf die deutschen Vereine des ATSB., die Vereine der zwsj österreichischen ATSB.-Kreise melden direkt nach Wien. In den vorgenannten Meldungen ist nicht das gesamte deutsche Aufgebot für Wien enthalten. Das find nur die Meldungen eines deutschen Verbandes. Die Ergebnisse der Vormeldungen der Natur- freunde, Athleten, Schützen. Radfahrer, Kegler, Schachspieler. Samariter usw. stehen noch aus und lasten ein noch günstigeres Gesamtergebnis erwarten. Die Masten deutscher Arbeitersportler fahren nicht als Schlachtenbummler nach Wien, sondern als aktive Olympiadeteil- nehmer. Man wird sie bei den Mastenfreiübungen, im Festzug. bei den Sondervorführungen. bei den olympischen Wettkämpfen und in Freundschaftswettstreiten betelligt antreffen. Sie werden im Aus- land ein glänzendes Mastenzeugnis ablegen von der hohen Kultur des valkstünüichen deutschen Arbeitersports. Die Olympiaden der bürgerlichen Verbände in Amsterdam und Los Angeles können der- artige Demonstrationen von Sportkultur nicht im entferntesten auf- weisen. Arbeitersport und bürgerlicher Sport unterscheiden sich eben grundsätzlich. Hier Volkstümlichkeit und Erziehung zur Ge- meinschaftsarbeit— dort Personenkult, Sportkanonentum und Sensationsmacherei. Auf den Olympiaden der beiden Sportlager kommen diese Gegensätze klar zum Ausdruck. Die Haupkkampfbahn des Wiener Olympiadestadions ist so gut wie fertiggestellt. Ein Fußbollfeld wird mngeben von einer 400 Meter langen Lausbahn. Die Tribünen erheben sich in zwei Etagen ringförmig um den Platz; der untere Ring wird von außen durch tunnelartige Durchgänge erreicht, der obere Ring hat direkt Zu- gänge von außen. Insgesamt wird die Hauptkampfbahn des Wiener Stadions 60 000 Zuschauern Raum gewähren können. So wachsen wir! Interessantes vom deutschen Arbeitersport Ein Lreisheim für den norddeutschen Arbeitersport. Auf einer Tagung des Bezirks Lübeck des Arbeiter-Turn- und Sportbundes berichtete der Vorsitzende des Kreises Nordmark, Zabet-Geesthacht, daß der Entwurf zum Bau eines Kreisheimcs in Ham- bürg fertiggestellt ist. Der Bau soll in drei Abschnitten durch- geführt werden. Zunächst soll das eigentliche Heim entstehen mit den dazugehörigen Räumlichkeiten und Wohnungen für die Ver- waltung, geeignete Bootsunterstände für die Wassersportler und Uebcrnachtungsstätten für durchreisende Spielmannschaften. Als zweiter Abschnitt wird der Bau einer geräumigen Turnhalle ersol- gen. Zum Schluß soll dann«ine entsprechende Sportanlage mit Fuß- und Faustballfctdern, vier Tennigsplätzen usw. entstehen. Ein« Arbcilerspoclzenlrale in Magdeburg. Die Aktivität und Einheit der Arbeitersportbewegung des Bezirks Magdeburg zeigt sich erneut in der Schaffung einer Arbeiter sportzen- trale. Im Hause der sozialdemokratischen.Volksstimme', im Zentrum der Stadt, unweit vom Bahnhof, haben die Arbeitersport- ler Räume gemietet. Di« bisher in der Stadt oerteilt gewesenen Verwaltungen der Fuß- und Handballspieler, Leichtathleten, Wasser- sporllcr und Turner werden von nun ab im gemeinsamen Hause ihre Arbeiten abwickeln. Das Magdeburger Sportgeschäft, ein« Filiale des Arbeiterturnoerlags Leipzig, ist in die großen Räume des Erdgeschostes verlegt worden. Di« Zentralisation bedeutet sür die Arbeitersportbewegung des Bezirks Magdeburg einen großen Fortschritt. Arbcllersporkler in den Parlamenten. Von den Vereinen des Kreises Thüringen im Arbeiter-Turn- und Sportbund sind nach den legten Erhebungen 88S Mitglieder als Gemeindever- t r e t e r tätig. In den Kreisausschüssen sitzen 94 Arbeiter- fportfer und 9 Arbeitersportler sind Landtagsabgeordnete. Der Kreis Thüringen des ATSB. umfaßt auch tleme Teile der an- grenzenden Länder. Die Zahl der in den Parlamenten mitarbeiten- den Arbeitersportler ist sehr erfreulich und widerlegt die noch anzu« tretsend« Meinung, daß der Arbeitersport seine Mitglieder der Mit- , arb-it an kommunalen und staatlichen Aufgaben entziehe. Oer Mai-Jugendiag in den Rehbergen Der diesjährige Maijugendtag sieht die gesamte Berliner Arbeiterjugend in geschlossener Front. Die SAI., FGJ.. AsA- und ZdA.- Jugend, sowie die Arbeitcrsportler werden am 3. Mai zu einer gemeinsamen Mai-Kundgebung in den Rehbergen ausmarschieren. Auch die Kinderfreunde sind mit von der Partie. Mit Spiel. Sport, Tanz und Gesang wird die Arbeiterjugend die weiten Grünflächen und das Stadion bevölkern: denn das sind die richtigen Orte, auf denen die Jugend nach der Wochenfron dem Körper Erholung angedechen lasten kann. Licht, Luft und Sonne, und vor allem genügend Freiflächen, benötigen die jungen Körper zum Wachstum und Aufbau. Ferner aber will die Jugend mit den Festen im Freien die Massen zusammenführen, und sür eine neue Festkultur werben. Fern von staubigen und dunstigen Festsälen will die Jugend in freien, unbehinderten Zusammenkünften ihren Festen den zeit- gemäßen Inhalt geben. Als äußeres Zeichen der Zusammengehörigkeit ist für den Mai- jugendtag eine Plakette herausgegeben worden. Allerorts sieht man sie bereits an den Röcken und Blusen der jungen Arbeiter. Jeder junge Arbeiter besorge sich rechtzeitig diese Plakette bei seinen Funktionären. Sie ist ein sehr wirksames Werbemittel. Kein Jugendlicher versäume daher, an dieser einfachen Vorpropaganda beteiligt zu sein. Im Rahmen des Jugendtages finden von 15 bis 18 Uhr im Stadion folgend« W e t t k ä m p f e statt: Männliche Jugend: 1 00-Meter- und 1000-Meter-Laufen: Hochsprung, Weitsprung und Kugelstoßen: 4X100- Meter-, 10X100- Meter- und 10 X 200-Meter- Stafette. Weibliche Jugend: 100-Meter-Lausen: Weitsprung und Ballweitwersen: 4Xl00-Meter-Stasette. Kinderfreunde: 10X60-Met«r- Stafette Als Wettkampfspiele werden Handball-, Fußball-, Völker- ball- und Faustballspiele ausgetragen. Meldungen für alle Wettkämpfe sind bis 18. April auf den herausgegebenen Formularen zu richten an Fritz Leutloff, Berlin SO. 36, Manteuffelftr. 46. kür öic Gcrätcscric Neue Wege im Geräteturnen Für die Geräteturner im Arbeiter-Turn- und Sportbund ist mit der Einführung von Serienwettkämpfen eine neue Einrichtung getroffen worden. Die Serienwettkämpfe sind Mann- schaftskämpfe, sechs Turner oder Turnerinnen bilden eine Mann- schaft. Die Männer zeigen am Reck, Barren und Pferd je eine selbst zusammengestellte Uebung(Kürübung), die Frauen je eine Pflicht- Übung. Neben diesen Hebungen hat jede Mannschaft gemeinsam 10 Minuten Gymnastik vorzuführen, die ebenfalls gswertet wird. Leistungs- und Körperschulung wechseln auf diese Art miteinander ab. Das Gesamtergebnis der Mannschaft ist ausschlaggebend für die Rangordnung. Die Einführung der Serienwettkämpfe ist von den Geräteturnern freudig begrüßt worden. 58 Bezirke haben die Aufforderung ver- wirtlicht und ein großer Teil der übrigen Bezirke will im Laufe dieses Jahres zur Tat schreiten. Ausgeschrieben waren die Kämpfe in einer A-, L- und L-Klasse und in einer Alters-, Jugend- und Turnerinnenklasse. Die A-Klasse entspricht der Oberstufe, die S-Klasse der Mittelstufe und die L-Klasse der Unterstufe. Nach den bei der Bundesleitung eingegangenen Fragebogen haben sich 8 38 Mann- s ch a f t e n an der zum ersten Male getroffenen Einrichtung beteiligt. Davon entfallen aus die A-Klaste 229, S-Klasse 278, Jugend 163, Altersklasse 25 und Turnerinnen 95. Verschiedene Bezirke hatten die Wettkämpfe nicht i» allen Klassen ausgeschrieben. Sie wollten erst Erfahrungen sammeln und später den Kreis der Beteiligten erweitern. Von den Turnerinnen wird gewünscht, an Stelle der Pflichtübungen Kürübungen vorführen zu dürfen, dadurch würde die Beteiligung größer werden. Um diesen Wünschen entgegenzukommen, sind die Vorarbeiten im Gange. Der erste Versuch mit den Serienkämpsen erbrachte durch die rege Antellnahme den Beweis, daß der richtige Weg beschritten worden ist. Weitere Erfolge werden nicht ausbleiben. «° In den Berliner Serien-Gerätewettkämpfen ist noch ein letztes Treffen und zwar der Entscheidungskampf in der Männer-S-Klasse zwischen der Freien Turnerschast Groß-B«rlin Lichtenberg II gegen Sportverein Moabit zu absolvieren. Beide Mannschaften stehen in ihrer Klasse ungeschlagen da, chren Gegnern waren sie immer weit voraus; die Mannschaften haben in chren Rechen junge talentvolle Turner und sind der A-Klasse völlig eben- bürtig. Auf dieses Treffen, das Freitag, 17. April, in Moabit, Turnhalle Waldenferstraße 20, stattfindet, sind alle Turn- freunde der Groß-Berliner Arbeitersportler gespannt; es wird für jeden ein Genuß sein, diese Arbeitersportler gegeneinander kämpfen zu sehen. Anfang 19 U Uhr, Eintritt frei. Sportergehnlsse vom Mittwoch „Ambrosiana' besiegt.�Tennis-Borussia'. Der ungünstige Ter- min und das schlechte Wetter hatten nicht mehr als 5000 Zuschauer am Mittwoch nach dem Berliner Poststadion gelockt, wo„Tennis- Borussia" der bekannten Mailänder Fußballmannschaft von „A m b r o s i a n a' zmn Freundschaftsspiel entgegentrat. Beide Mannschaften zeigten nicht die erwarteten guten Leistungen, die Italiener gefielen kaum besser als vor wenigen Tagen der F. C. Mai- land, trotzdem konnten sie die„Veilchen" mit 2:0(0:0) schlagen. „Eolouia"-Köla schlägt Tennis- Borussia Alarrab! mit 15: 5 Punkken. Zu einem Mannschastskampf mit Tennis-Borussia und Maeeabi weilte am Mittwoch der vielfache deutsche Mannfchosts- meister E o l o u i a- Köln in der Reichshauptstadt. Die Rheinländer hinterließen«inen ausgezeichneten Eindruck, so daß die zahlreichen Zuschauer, die sich im Kriegervereinshaus eingefunden hatten, voll- auf befriedigt wurden. Im Gesamtergebnis siegten die Kölner mit 13:3 Punkten. Berliner Ziu-Zilsu-BIeislerschasten. In der gut besuchten Sport- Halle des Poststadions wurden die Berliner Iiu-Irtfu-Meister er- mittett. Ergebnisse: Federgewicht: Meyerhoff(Totsuka) besiegt Zadeck(R.j. F.) nach 1: 45 durch Würgegriff; Leichtgewicht: Rock- Rein hold(SEE.) besiegt Cartsburg(Totsuka) nach Punkten; leichtes Mittelgewicht: Seifert(Schöneberg) besiegt Storm(Tot- suka) nach Punkten; schweres Mittelgewicht: Schmock(Polizei) siegt kampflos: Halbschwergewicht: H i r s ch e r(SEE.) besiegt Kampfspiclmeister Lindner(Polizei) nach 7: 36 durch Armhebel. Oer 8leg von Brescia Caracciolas große Leistung in dem Autorennen lieber den ganz hoch zu bewertenden Sieg des deutschen Renn- fahrers Earacciola, der auf Mercedes-Benz das Tausendmeilenrennen von Brescia gegen schwerste Konkurrenz gewann, werden folgende Einzelheiten bekannt: Das Rennen wird auf der normalen nicht abgesperrten Land- straße ausgetragen, und zwar führt die Strecke von Brescia über Bologna und Florenz nach Rom und von dort über Ancona am Adriatischen Meer,' Bologna, Verona, Padua nach Brescia zurück. Die gesamte Strecke beträgt 1635 Kilometer, eine auch für Langstreckenrennen besonders weite Distanz. Die Straßen, über die das Rennen führt, sind teilweise in mangelhaftem Zustande. mehrfach müssen Gebirgszüge überwunden werden, so daß dieses Rennen mehr wie irgendein anderes an Wagen unk» Fahrer die härtesten Ansprüche stellt und als eine ungeheure Zerreißprobe für Material mÄ Konstruktion angesehen werden kann. An dem dies- jährigen Rennen nahmen im ganzen 103 Wagen der verschiedensten Stärkeklasten teil. Earacciola vertrat als einziger die deutschen Farben gegen eine starke Konkurrenz der führenden internationalen Marken und gegen die Elite der italienischen Rennfahrer. Der vom Sieger gefahrene LSK-Sportwagen hat einen Sechszylindermotor mit 100 Millimeter Bohrung und einem Hub von 150 Millimeter, also 7.1 Liter Hubvolumen. Er hat 27 Steuerpferdekräfte, leistet 140 an der Bremse und mit Kompressor 200 PS. Trotzdem Earacciola die italienischen Fahrer durch ihre bessere Strecken- kenntnis überlegen waren, gelang es ihm, das Rennen mit einem Vorsprung von 11 Minuten vor dem Zweiten als überlegener Sieger in der neuen Ret ordzeit von 16 Stunden 10 Mi- nuten zu beendigen. Diese Zeit bedeutet ein Stundenmittel von 101,1 Kilo- meter für die ganze Strecke, eine geradezu phantastische Leistung für Fahrer und Wagen, wenn man bedenkt, daß sie auf nicht ab- gesperrter, teils schlechter, teils gebirgiger Landstraße erzielt wurde, daß die Hälfte des Rennens, dessen Start um 1 Uhr mittags be- gönnen hatte, bei Nacht gefahren werden mußte und daß Earacciola entsprechend seiner Startnummer mehr als 80 vor ihm liegende Wagen unterwegs überholen mußte, darunter sehr schnelle Kon- kurrenten, wie den italienischen Meistersahrer Eampari aus Alfa- Romeo, der hinter Earacciola noch den zwetten Platz belegen konnte Das Taufendmeilenrennen fand seiner Bedeutung entsprechend überall in Europa starke Veachtung, insbesondere konzentrserie sich natürlich in Italien das Interesse aller automobilistischen Kreise auf den Ausgang dieses Rennens. Bei dem schweren Kampf, den die deutsch« Automobilindustrie für die Wiedergewinnung des Exporte« führt, sind solche Auslandserfolge von besonderer Wichtigkeit. „Volkssport Aeukölln-Brih' eröffnet heut«, Donnerstag, eine neue dritte Frauenabteilung. Sie übt Donnerstags, 20 Uhr, in der Turnhalle Donaustraße 120. Jede weitere Auskunft über Turnen, Gymnastik. Leichtathletik, Hockey. Hand- und Fußball (19 verschiedene Abteilungen für alle Altersklassen ab 4. Lebens- fahr stehen zur Verfügung!) durch die Geschäftsstelle Neukölln: Paul Schulze. Stuttgarter Straße 18 III, Neukölln 8612. Britz: Otto Schiftan, Rungiusstraße 32. Rwt« Ph«t»-B«uiniguaa Berlin. lotnwtsias. 16. April,"CSnfäjintmtr der Schule Palck- sä- Wiefenttrahe. Bortrae mit Lichtbildern und Demonstroti-nen: „üciniom. und?!u»c>lelchseurwickl«r"._._„... Arbeiter.Pd»to.»ilde. Arbeit-ab-nd in der DnnWtanm« des Zimendbeun- Wassertoriir. li:„�ilmvergröfterunsen". �TEB.-Nordrinn. Alls Tcilnsdmer und Interessenten am Ettabsnlauf Eichwalde— Deutsch-ZSustsrham-n treffen sich h-nt«. Donnerstaa. 20 llbr. bei Ufer:, Elcimsir. ü«. Sonnabend, 18. April. Treffen 12.% Ufcc Rinllbabnbof 6<6öirÖr bei Deblam. Babndof- Ecke Koliislrasie:„Unsere Bogelwelt im Trichlina".— Abt. Binetavlad: L-rbinp. Eck- Kraunsirasi«.— Abt. Eiidoft: Drider Sit. 27.— Pb-'oaem-inschaft Abt. Osten: Trankfurter Allee 807:„Die Gefchichie der Pb-toarapdlc".— Pboioaemeinschaft Abt. Reu- kdlln: Berastr. 29.— Sonn-dcnd, 18. April. Eröffnung der Pbowlehrichau in der Iobannisftr. lö. Di- Ausstellung ist q-öffnet vom 18. April bi« 16. Mai. w-rklijglich 16—22 llbr. Sonnlags 16— l» Ubr. Unkoftenbeltrag 16 Pf.— Man- tag, 26. April. Ph-togemeinfchaft! Iodanniestr. 15:„Demonstrat«» und oral. tvche Versuche mit«odotpavier" lRefemnt Herr Peter- vo»«odak).— Mal- gemeinichoft: Wrangelitr. 12«.— Sfadttrt. Pb-tvgemeinschaft: Motivfabrt Erabowtcc— Bernöwe. Treffpunkt 7H Uhr Borortbahnstei«(Sesundbrunnen. isabrlarte nach Lehnitz.___ � Rrichebaaaer.Rudrrrieae Berlin. Heute, Donnerstag. 26 llbr, Monalsner- sannnlung im Ganbllro. Sebastianstr. Z7— 88. Bortrag stber �Dporiliche Be- tSdigun- im A.-T.» u. Sv.-B." Sonntag, 1». April, 16 llbr, PNichivrranstol- tun«, Bootsbau» B-ndenfchlotz. Gemeinsames Anrudern mit Ruderklub„Bor- wärts". Bezirk«kortcll Lichtenberg. Nach Mitteilung de» Jugendamtes bleib! ber Berteilungsplan für Sport, und Spi-lplötze bi« auf weiteres btsteben. Beginn der Trainingsspiele 15. April nach dem Plan von 1SZ6. Di« Badeabend« de»«SB. SchSoebug, SchwiaunabteUnng. fwd kür da» Lommerhalbjabr wie folgt: Dienstags 19 llbr, Freitags 26 Uhr. Rückschau. Eine neue Vortragsreihe„M enfchen und ihre Arbeit" hat im Berliner Sender begonnen. In regelmäßigen Abständen sollen Menschen vor dem Mikrophon von ihrer Berufsarbett bc- richten. Den Anfang macht ein Briefträger, ein„P o st f ch a f f n e r", wie fein amtlicher Titel lautet. Er erzähll einfach und klug. Sein Tagewerk wird gleichsam durchleuchtet. Unter der glatten, ewig gleichen Oberfläche des Dienstes zeigt sich der Mensch, der in seinem Beruf, mit seinem Berus lebt.„Wer kennt uns denn?" fragt der Vortragende,„Wer kennt auch nur die Aufgaben, den Umfang unseres Dienstes?" Die Treppen, die ein Vriefträger im Durchschnitt täglich bewältigen muß, entsprechen der zehnfachen Höhe de« Funk- turms; jeden Tag zehnmal ven Funkturm herauf, zehnmal herab. Auch wo Fahrstühle vorhanden sind, werden sie dem Briefträger heute noch oft versperrt. Umfangreiche Vorarbeiten müssen vor dem Austragen bewältigt werden. Schon dazu ist es nötig, daß der Briefträger feinen Bezirk sehr genau kennt. Ungenügend adressierte Sendungen wollen bestellt sein, Nachsendungen richtig weitergelettet werden, in der Reisezeit manchmal für jedes Mttglied einer Familie an eine andere Adresse. Und dann kommen die persönlichen Wünsche der Postempfänger. Der möchte bestimmte Briefe nur eigenhändig in Empfang nehmen, jener will morgens nicht gestört sein, andere sind siir eingeschriebene Sendungen nur zur bestimmten Zeit erreichbar. Der Briefträger, der lange denselben Bezirk besorgt, kennt diese Wünsche und berück- sichtigt sie nach Möglichkeit. Dieser Mann, der täglich vor den Türen erscheint und der doch von den wenigsten Menschen, die ihm öffnen, als Persönlichkeit wahrgenommen wird, weiß von vielen, was hinter diesen Türen vorgeht. Im Kriege hat er bei der tag- lichen Postbestellung viel Liebe und Sorge und Verzweiflung mit- erlebt. Heute erfährt er von mancher Not, von manchen Wirrnisten. Nicht an jedem Tage sind in jeder Familie die Rundfunkgebühren vorrätig: der Briefträger, der das weiß, nimmt auch darauf Rücksicht. Wir sind in diesem ersten Vortrag des neuen Zyklus mit einem Beruf wirklich bekanntgeworden. Wenn alle Redner in dieser Reihe einen so umfastenden Weitblick über ihr Arbeitsfeld vermitteln, dann erfüllen die Vorträge ihre schönste Aufgabe: Verständnis zn ver- breiten für den Mitmenschen. Nach Oskar Wildes Novelle..Lord Arthur Savilles Verbrechen" hat O t t o h e i n z Jahn ein Hörspiel geschrieben„M ö r d e r guten Glaubens". Wilde gibt Psychologie, Jahn Hinter- treppenkriminalistik. Die Uraufführung dieses Werks war keine Ruhmestat des Berliner Senders. Zwei Frauengestalten bekamen Leben durch die Kunst ihrer Darstellerinnen, Ida W ü st und Ilka Grünin g. T>,. Donnerstag, 16. April. Berlin. 16.05 Prol. Dr. T. Tirnpe: Abbau des Bercchügunessresens? 16.30 Klavietvorlräge. I. Bach: Zwei Präludien und Fugen, B-Moll und D-Moll. 2. Bebthoven: Sonate C-Dur, op. 109.(Ursula Bogdansltl, Flügel.) 17.05„Oesang vorn Rundfunk" von Panl Amadeus Plsk(Worte von Heinrich Inleid). Dir.: Der Komponist. 17.30 Vom Kampf in der Technik.(Josef Kluitmann.) 17.50 Prof. Dr. Q Leithänser und Oberinc. Dr. W. ReiBer: ZukunftsmSglicb- keiten der Ultra-Kurzwellen.(Mit Versuchen aus dem Helnrich-HerU- Institut.) 18.20 Tcemuslk. 19.10 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 19.15 Dr. Josef Päuscber: Politische Zeltungsschan. 19.30 Ausgewählte Unterhaltungsmusik. Dirigent: Herrn. Scherchen. 20.45 Tages- und Sportnachrichten. 20 55 Stunde der Unbekannten. Leitung: Alfred Braun. 21.30 Orchesterkonzert. Dir.: Generalmusikdirektor Dr. h. c. Hennann Seherchen. 1. Rudi Stephan: Musik für Violine und Orchester(Konzertmeister Mau-� rtts van den Berg). 2. Karol Rathaus; Suite für Orchester(Erstaufführung) (Berliner Fnnkorchester). 22.20 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Ansehließend bis 0.30 Tanzmusik. KSnlgswesterhansen. 16.00 Kurt Herbst und Stephan Konefzky: Fortbildung für ländliche Fonbil- dungsschuilehrer. 17.30 Mersmann: Hausmusik. 18.00 Ludwine von Broecker; Die deutsche Frao* In der Volksttunsbewegung. 18.30 ProL Dr. Franz Sarau: Psyche, Körper und Stimme. 19.00 Englisch für Fortgeschrittene. 20.45 Breslau:„Das Märchen von Charlie Chaplin",