Nr. 123. Erscheint täglich außer Montags. Breis pränumerando: Vierteljährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mr., wöchentlich 28 Pfg. fret tu's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags: Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mt. pro Quartal. Unter Kreuzs band: Deutschland u. DefterreichUngarn 2 M., für das übrige Ausland s Mt. pr. Monat. Eingetr. in der Post Zeitungs- Pretstifte für 1896 unter Nr. 7277. 1 Vorwärts 13. Jahrg. Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Bersammlungs- Anzeigen 20 fg. Inferate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn und Fefttagen bis 9 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt 1, v. 1508 Telegramm- Adresse: ozialdemokrat Berlin". Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Pädagogisches aus Sachsen. Es gab einmal eine Beit, wo die Bezeichnung sächsisch" der Inbegriff alles Schönen und Vorzüglichen war auf dem Gebiete von Gefittung, Intelligenz, Gewerbefleiß u. s. w. war. Die Sachfen felbft fagten es nicht allein, die übrigen deutschen Stämme erfannten ihnen dies Lob auch zu. Freitag, den 29. Mai 1896. Expedition: SW. 19, Benth- Straße 3. Ist es ein Wunder, wenn fortwährend ehrenrührig ge- weigerliche Forderung, wenn es wirklich und ernstlich besser schimpfte und geschlagene Seminaristen das Gefühl für die werden soll. Im Hamburger Echo" schlug vor einiger Zeit Menschenwürde der Kinder verlieren, die ihnen dann später zur ein praktischer Lehrer Deffentlichkeit des Volksschulunterrichts Erziehung überwiesen werden? Mögen ihre Herren Lehrmeister vor, damit den Prügelpädagogen und anderen zu Rohheiten ihnen die schönsten Pestalozzi'schen und Herbart'schen Erziehungs- geneigten Boltsbildnern das Handwerk gelegt werde. Der Mann theorien diktiren und vortragen das Beispiel reißt all diese hat recht, aber die von ihm geforderte Maßregel ist viel weiter Häuser nieder! auszudehnen. Man sage nicht, daß solche Maßnahmen undurch. Diese Zeiten sind unwiederbringlich dahin, trotz des Ein- Rühle hat hier in ein schauberhaftes Wespennest gestochen; führbar seien. Guter Wille ist nur nöthig! spruches der grünweißen Lotal- und Partikularpatrioten. Wenn er scheint jung und muthig zu sein, es auch ernst zu Die offiziellen Inspektionen von Anstalten durch dazu bestellte heutzutage die Rubrit Sächsisches" angeschnitten wird, kommt meinen mit der Sache; möchten feine Veröffentlichungen Staatsfunktionäre, für die Schulen die alle Jahre oder alle halbe unter 90 Fällen von 100 eine Krähwinkelei, eine Polizeibrutalität, zur Folge haben, daß ernstlich an Säuberung eines wahren Jahre stattfindenden Schaustellungen genannt öffentliche ein überscharfsinniges Strafurtheil oder sonst ein lächerlicher Augiasstalles herangetreten werde. genügen bei weitem nicht, um dem oder beschämender Streich der Reaktion zum Vorschein. Wolfe die Gewißheit zu verschaffen, daß hinter den Mauern dieser öffentlichen Anstalten alles in Ordnung sei. Alle anderen Palliativmittel, Strafandrohungen, Disziplinars untersuchungen und wie sie auch sonst heißen mögen, tönnen nicht das Nadikalmittel einer wahren Boltskontrolle ersehen! Auch im Schulwesen, in dem Sachsen sonst sich auszeichnet, ist es nicht beim alten Glanze geblieben. Dafür legen zwei jüngst bei Aug. Schupp in Leipzig erschienene Broschüren von Otto Rühle Zeugniß ab. Ein ehemaliger Zögling des Lehrerfeminars zu Oschatz giebt der Deffentlichkeit Kenntniß von der Art, wie in genannter Anstalt fünftige Menschenbildner vorbe reitet werden auf ihren edlen Beruf. Jm Lande der Bliemchen"-Unterthänigkeit, wo sogar die Infaffen der Armenhäuser und Spittel geprügelt werden können, wird allem Anschein nach auch in den Schulen am meisten von allen Staaten Deutschlands geprügelt. Eine genaue Statistit wäre sehr interessant, unsere Mittheilungen von Prügeljällen, die gerichtliche Nachspiele haben, in der Presse weisen die meisten aus dem prügelgefegneten Sachsen auf. Nach den Mittheilungen Rühle's fann das nicht mehr Wunder nehmen. Die erfte feiner beiden Broschüren handelt von der Behandlung der Seminaristen. Sie soll uns hier allein be schäftigen. Gemeine Gaffenschimpfreden, Kniffe und Büffe, Prügel aller Art müssen nach dem, was Rühle mittheilt, im Seminar Dschatz an der Tagesordnung gewesen sein, während der Verfasser dort feine Lehr oder Paffionsjahre abschraubte. Prüfungen der Schulen Wir versagen uns sowohl das Oschazer Schimpflexikon wiederzugeben als auch die zahlreichen Fälle von inhumaner förperlicher Mißhandlung, genannt Züchtigung, nachzuerzählen. Wir geben dem Autor recht, wenn er( S. 16) fagt: In unseren Tagen hört man viel Klagen über die jüngere Lehrerschaft. Das Ueberschreiten des Büchtigungsrechtes bietet am Die Gewalten des derzeitigen Staates mögen getern über häufigsten Veranlassung dazu. Die Gründe dieser unliebsamen folche Zeichen von Mißtrauen; ste thun nicht allzuviel, sich Ver Erscheinung glaubt man entweder in der überschäumenden trauen zu erwerben. Wir haben, wie tausend unliebsame NachKraft dem Eifer suchen zu müssen, mit dem der richten beweisen, die aus jenen der Oeffentlichkeit abgekehrten junge Lehrer an die Arbeit geht, oder man schiebt die Winkeln des Gesellschaftslebens von Zeit zu Zeit ans Licht Schuld, um nicht länger in der Wunde zu bohren, dem großen kommen, Veranlassung, ein tiefes Mißtrauen zu hegen. Mit Sündenbock Zeit in die Schuhe. Selten schreibt man sie der blindem Vertrauen würden wir uns zu Mitschuldigen alle des Erziehung des Lehrers zu. Und das ist doch in den meisten Unrechtes machen, welches dadurch vornehmlich erst ermöglicht wird. Fällen das einzig richtige." In keinem andern Zeichen ist Heil zu erhoffen als in dem der Deffentlichkeit und der Aufsicht des Volkes über die Wohle fahrt aller seiner Glieder! Schon des öfteren ist auf die Ralamität der Seminare, Stifte, Internate, Alumnate und wie die Lehranstalten mit flöſterlichem oder fafernenmäßigem Abschluß ihrer Böglinge von der Welt der Deffentlichkeit heißen mögen, hingewiesen worden. Wir erinnern uns dabei auch an die Broschüre eines Ungenannten, betitelt: Unsere Kadettenhäuser", durch welche eine ebenfalls böse Schattenfeite unseres reichs deutschen Erziehungswesens aufgedeckt wurde.*) " und Politische Uebersicht. Berlin, 28. Mai. Die Verlängerung des Dreibundes auf weitere 6 Jahre wird nachträglich durch eine offiziöse aus Berlin Es wäre wünschenswerth gewesen, daß Rühle das Internats- stammende Mittheilung des Hamburger Korrespondent" geEs ist fennzeichnend, daß Rühle, schon als er noch Schüler fyftem genauer gefchilbert hätte, wie es, wenn wir uns recht er: meldet. Junige Freude wird darüber kundgethan, daß, Italien dieser Anstalt für Menschenbildner war, auf den Gedanken tam, innern, für die Lehrerseminare des preußischen Staates bereits von dem ihm vertragsmäßig bis zum 6. Mai zugesicherten Stenogramme von den Stunden gewiffer Herren Lehrer aufzu geschehen ist. Es würde sich ergeben haben, daß für alle Recht, den Bündnißvertrag zu fündigen, nehmen, sich ein Schimpfwörter- Lexikon anzulegen und geschlossenen Anstalten des Militärinteressante Prügelfälle so zu sagen zu protokolliren und die Kapitalstaates ein starter Lufthauch der feinen Gebrauch gemacht hat. Die Kündigung Objette töniglich fächsischer Seminarpädagogik diese Niederschriften Oeffentlichkeit und der Volkskontrolle nicht mußte ein Jahr vor dem Ablauf der ersten sechs Jahre, unterzeichnen zu lassen. länger mehr zu entrathen ist ohne Gefahr für für welche der Vertrag im Jahre 1891 verlängert worden Alles, was Rühle vorbringt, trägt durchaus den Stempel bas Gemeinwesen. Was hinter den Mauern von Jrren ist, erfolgen. Nachdem das nicht geschehen ist, bleibt der der unbedingten Wahrheit. Diese Klage aus Schülermund gegen häusern, Spitälern, Arbeitshäusern, Gefängnissen, Polizeiwachen Dreibundvertrag weitere sechs Jahre, d. h. bis zum Jahre 1903 Lehrer berührt ungemein peinlich, indeffen noch hundertmal pein- und dergl. geschieht, ist oft genug recht anstößig und des 19. Jahr in fraft." licher ist es, daß sie überhaupt möglich ist. Offensichtlich bunderts absolut unwürdig; nun müssen wir die Erfahrung machen, ist es Mühle auch nicht darum zu thun, zu thun, einfach nur baß hinter& ch u I mauern ähnliches, ja ganz das gleiche vorgeht; einen Standal สิน provoziren, sondern man merkt Rühle vergleicht das Seminar Dschah mit Mariaberg! dem bebenden Zorn seiner Aufzeichnungen den brennenden Boltskontrolle aller solcher Abschlußanstalten ist eine uns Wunsch an, daß solch unwürdigen Zuständen ein Ende gemacht werde. *) Leipzig bei. Friedrich. 85 Tene. ( Nachdruck verboten.) Nichts charakteristischer für die thatsächliche Bedeutungslosigkeit des ohne die parlamentarische Genehmigung von den Regierungen der Dreibundsmächte abgeschlossenen Vertrages, als daß es einer solchen offiziösen Notiz bedurfte, um die Mitwelt von der bereits vor drei Wochen zur Der Streicher sah den Frager an mit den blöden Als die Vergangenheit der Wirthschafterin erwähnt Augen des Säufers, sagte aber nichts. Er hatte gar nicht wurde, fing die Geschichte an, für die anderen brenzlich zu Beim Säen kam die Hauptarbeit an Lene und die verstanden, was man von ihm wollte. Hätte er lieber ge- werden. Mit der wollten sie nichts zu thun haben, bie Taglöhnerfrau. Als die Kartoffeln gesteckt wurden, machte wußt, woher er die nächsten Zinsen nehmen sollte!.. war zu rachgierig. Eines nach dem anderen griff nach sie mit einem schweren Holzstempel die Löcher. Der Garten, der sich von der Stirnseite des Hauses bis zum Stall des Nacht durch einen Heidenlärm aus dem besten Schlaf ge= Im Juni, nach der Heuernte, wurde Lene in einer seinem Wesen" und ging hinunter. Nach dem Mittagessen fragte Lene die Wirthschafterin, nächsten Hoses hinabzog, wäre nicht einmal aufgeräumt riffen. Sie sah, wie eine Gestalt quer durch's Zimmer was mit den fremden Schlapfen geschehen sollte nnd erzählte worden, hätte Lene sich nicht seiner angenommen. Und sprang und sich durch's Fenster schwang. Eine zweite folgte mit Entrüftung den Vorfall vom Morgen. Vrony lachte, dann tamen die jungen Gänschen, die nach gehackten Brenn- ihr schimpfend und fluchend. Es war gegen Morgen und daß ihr die Seiten schlugen. neffeln schrieen, und die zu früh ausgekrochenen Hühnchen, schon ziemlich hell. Ein Bett war leer, aus den andern Schmeiß's auf den Mist.... Alsdann, der kleine die in den Federtopf mußten. Die Arbeit häufte sich so, starrten lauter mehr oder weniger erschrockene und verlegene Kropf von einem Waberl?!.. Und die Knecht haben den daß die Magd manchmal die Geduld verlor. Aber dann Gesichter. Nur die Kleinmagd that, als ginge ihr die Ge- Kerl net durchbläut? Bu meiner Beit hat einer kriechen brauchte nur eine Kuh, der der Schlächter das Kalb geschichte gar nichts an. müffen, der aus einem fremden Dorf war, zu einem Moidl nommen, jenen langgezogenen Heulton ausstoßen, oder ein stöbern" kommen und derwischt worden ist. Dös Waberl! Ralb, das nicht zum Euter kommen konnte, ängstlich au Sollt man's denn glauben?!..." blöken beginnen, und aller Unmuth war wie weggeblasen. Die andern Dienstboten waren mit der jungen GroßMagd zufrieden. Das Brot war jetzt besser als früher, ordentlich durchgeknetet und durchgegohren und ausgebacken. Nicht wie sonst fielen Einem die Brocken entgegen, kaum daß man das Messer angesezt. Nach einer Weile tam Zacharias, der Kleinknecht, wieder zum Fenster herein. " " · Na, Sacher, was war's?" fragte neugierig ber Damit war die Sache erledigt. Lene aber hatte auch Großknecht. den letzten Respekt vor der Wirthschafterin verloren. Nix, gar nix. Ich hab' ihn net berwischt. A ganz An den Haupttagen der Ernte ging a sauberer Kund", meinte der Angesprochene, der vom Laufen mit dem Marktkorbe zur ging Lene nicht Stadt. Jeder Arm war noch immer athemlos war, verächtlich. Er hat ja net auf den Feldern zu gebrauchen. Junge Tauben gab es umal a Baar Stiefel g'habt. D' Leitern hat er ang'lehnt nicht mehr, und dann mußte auch für die Dienstboten besser Jedesmal, wenn die Lene der alten Bäuerin eine große und brunten seine abg'schnittenen Schlapfen hing'stellt... gefocht werden, die jeden Mustel anspannten, um den Thonflasche voll Kornschnaps aus der Stadt mitbrachte, Da hat sich' s Waberl wieder a mal an schön Tschamſtara Segen rechtzeitig unter Dach und Fach zu bringen. Der tätschelte ihr die alte Frau auf die Wange und sagte: ausg'fucht!" Ma Lene is doch a bravs Moidl. Hast schon recht. Dafür soll's Dir aber a mal a recht gut geh'n. Wer Di a mal zan Wei treigt, kann sich alle zehn Finger ablecken." Auch die Vrony war mit ihrer Magd zufrieden, wenn sie ihr das auch nicht merken ließ, weil sie glaubte, einen Dienstboten dürfe man nicht loben. viel mehr freie Zeit als vordem. Der Girg! pfiff durch die Zähne. ' s Waberl! Sua „ Schaut die an!. Sua! Bauer hatte in seinem Phlegma zu lange gezögert, das Ge treide war schon überreif, die Arbeit wurde zur Heßerei. Beim Kornhauen nahm Lene hinter dem Tagelöhner mit der Sichel die Aehren auf. Der Schnitter war ein guter Arbeiter. In weitem, gleichmäßigem Bogen zischte seine Sense durch das Korn, und die Magd mußte sich tummeln, um ihrem Vormann auf den Fersen zu bleiben. Am Abend dauerte es dann immer eine ganze Weile, bis sie ihren vom fortwährenden Bücken krumm und steif gewordenen Rücken wieder gerade brachte. Und sie mochte ihr tattunenes Ropftuch noch so weit nach vorn ziehen, nach einigen Tagen begann fich doch ihre Gesichtshaut abzublättern und abzulösen und so braunroth zu werden wie ihre von der Sonne verbrannten Hände und Arme. Und stockheiser wurde sie wie die anderen alle. Die Streicher- Leute kehrten immer als die letzten von den Feldern heim. Wenn sie auf der kleinen Höhe hinter dem Dorse standen, tönte ihnen aus den anderen Höfen schon das helle Klingen der Sensen entgegen, die auf den DengelDie dritte Spalte der letzten Romanfortsetzung ist falsch um- hab ich ihn schon in's Kammerl einischlupfen seh'n. stöcken für die Arbeit des kommenden Tages geschärft brochen worden. Wir wiederholen deshalb den betreffenden Ueberhaupt, mir g'fällt mein Franz und dabermit ist's wurden. Theil in richtig gestellter Form. " Na ja.' s Waberl und allweil' 3 Waberl! Lene hatte keine Ahnung gehabt, um was sich die Sache Sie hatte jetzt brehte. Erst als sie das Wort Tschamftara hörte, ging Sie nügte sie ihr ein Licht auf. Vor Zorn sprang fie mit beiden Füßen aus nach ihrer Weise. In den anderen Höfen ging sie zugleich aus dem Bett und hielt der Sünderin die Faust herum, plauderte mit den Bäuerinnen und trant mit ihnen entgegen. Kaffee, wenn der Hauswirth nicht anwesend war. Das Wart', das werd' ich der Vrony sagen!" Herkommen widersprach diesem Verkehr nicht. Brony war Die Klein- Magd fühlte sich durchaus nicht zerschmettert. die Tochter eines abgehauften Bauers, also ebenbürtig. Im Wirthshaus fragte einmal ein alter Bauer den Auch sie schnellte aus dem Bett und lachte, daß ihr die Eck zähne blinkten. Streicher- Franz: Der Brony willst Du's tlatschen?... Der Vrony? " Deine neue Magd soll ja da reine Teuf'l sein! Die hat selber drei lebendige Kinder, die von ihrer FreundArbeitsam und brav und ehrlich. Wie bist denn grad Du schaft aufg'zogen werden. Jedes is von einem andern zu dem Moidl kumma?" Bater.... Und mit n' Bauer hält sie's.... A paar mal Rest..." ( Fortsetzung folgt.) Thatsache gewotdenen Verlängerung des Dreibundes zu unterrichten.— Die Mnrine-Jnteressente» aller sogenannten Kultur� länder arbeiten sich trotz nationaler Feindschaft gegenseitig in die Hände. So lesen wir jetzt in einem hiesigen Patriotenblatte: „Ungeheures Aufsehen erregt in Pari» eine Broschüre des General? Fournier, des Kommandanten der höheren Flotten- Kriegsschule. Er weist darin nach, daß die Wehrkraft Frankreichs zur See nur»in Trug- b i l d sei; die Organisation der französischen Flotte kompromittire die Interessen des Landes, weil sie auf falschen Voraussetzungen beruhe." Natürlich zielt der brave Fournier auf eine Ver stärkung der französischen Marine hin und ebenso natürlich beuten die deutschen Marine-Jnteressenten, die über die deutsche Flotte bereits ganz ähnliche Jammerlaute von sich gegeben haben, das Geschrei der französischen Marine- Chauvinisten zu ihren eigenen Zwecken aus. Es geht damit so, wie mit den nächtlichen Hunde-Konzerten in einem Dorfe. Hat erst ein Köter angefangen den Mond anzw heulen, so blafft und joult es bald auß allen Winkeln des Dorfes heraus.— Für die„gesetzlichen" Zustände im overschlesischen 5?ohlcnrevier legt sich auch die„Post" ins Zeug. In ihrtfni Rechtfertigungsartikel heißt es: „Mau wird aus der Thatsache allein, daß der(mit der BergwerkSpolizei betraute) Beamte auch die Gerechtsame des Regal- Herrn zu vertreten hat, nicht folgern dürfen, daß er die Berg Polizei nicht streng und nach allen Seiten gerecht wahrnimmt. Insbesondere ist cS eine völlig aus der Lust gegriffene Unter stellung, wenn in der sozialdemokratischen und verwandten Preffe aus dieser Verpflichtung gegen den Regalinhaber ge> folgert wird, daß der Beamte nicht zu ausreichender Fürsorge für der, Schutz der Arberter, ihres Lebens und ihrer Gesundheit fähig(!) fei. Thatsnchlich ist denn auch in dem bisherige» Verlauf« der Untersuchung über daS Unglück in der Kl eophas» Grube dem mit der Bergpolizei betrauten v. Tiele-Winckler'schen Beamten so wenig ein ernstliches Versehen nachgewiesen worden, daß er in seiner Stellung verblieben ist. Daß die Untersuchung noch nicht ganz abgeschlossen ist, beweist dagegen nichts; denn ein ernstliches Berfehen bei der Bergaufsicht Hütte nicht bis jetzt verborgen bleiben könnvn." Wieder am Ziel vorbeigeschossen. Daß ein vom Grafen Tielc-Winckier angestellter Beamter nicht fähig sei, auch eventuell gcZen die Interessen seines Brotgebers die Interessen der Arbeiter zu wahren, hat wohl niemand behauptet. Um seine Fähigkeit, die eine ganz individuelle von ferner Ernennung unabhängige Eigenschaft ist, handelt es sich gar nicht. Was diesen Zustand widersinnig macht, ist, daß das eigene Interesse des Beamten, das ja wesentlich von einem guten Verhältniß zu dem Grafen Tiele- Winckler, seinem Brotgeber abhängt, ihn dazu drängen kann, seine vielleicht sehr bedeutenden Fähigkeiten nicht im Interesse der Arbeiter zu gebrauchen. Das Volk, das für so etwas ein sehr scharfes Auge hat, hat seine Verurtheilung eines derartigen Zustandes von Alters her in das Sprichwort ge kleidet:„Weß Brot ich esse, deß Lied ich singe". Es muß eben dafür gesorgt werden, daß die Bergpolizei nicht mehr in Versuchung gerathen kann, das Lied der Grubenbesitzer zu fingen.— Die österreichische Wahlreformvorkage ist nun auch vom Herrenhause und zwar einstimmig angenommen worden In einigen Tagen wird das Badenische Machwerk durch die Sanktion der Krone Gesetz werden. Man erwartet, daß Badeni nach der Tagung der Delegationen, die am 30. d. M. in Budapest zusammentreten, das Abgeordnetenhaus auf- lösen und sofort Neuwahlen auf grnnd des neuen Wahl- gcsetzcs ausschreiben wird. Unsere Genossen haben, allen Parteien zuvorkommend, mit den Vorbereitungen für die Wahl schon begonnen. Eine neue Aera beginnt damit für die österreichische Sozialdemokratie. Seit dem Jahre 1869 hat sie mit geringen Unterbrechungen gekämpft, um das allgemeine Wahlrecht zu erobern. Nun tritt sie zum ersten Male ernstlich in den Kampf um parlamentarische Mandate, und bald wird sie von der Tribüne deS Parlaments für die Ziele der Sozialdemokratie kämpfen. Ausgezeichnet vorbereitet, mit tüchtigen Kräften für die parlamentarische Vertretung und für die Agitation ver- sehen, tritt unsere Partei in den Kampf, bei welchem sie die besten Wünsche aller deutschen Parteigenossen be- gleiten.— Die französische Sozialdemokratie und die Russen« tollheit des offiziellen Frankreich. Das revolutionäre Zentralkomitee, die Organisation der Blanquisten, hat folgende, mit vielen Unterschristen versehene Erklärung ver- offentlicht: Die Mitglieder des revolutionären Zentralkomitees protestiren auf die energischste Art gegen die skandalöse Theilnahme der Regierung der französischen Republik bei den KrönungSseierlich- leiten des russischen Autokraten. Sie sende» brüderliche Grüße dem russischen Proletariat?, den edlen Opfern des zarischen Despotismus, den geächtete» Nihilisten, den sibirischen Sträflingen, sie versichern all' die Tapferen, die für die Sache der Freiheit und für die soziale Ge- rechligkeit kämpfen, ihrer vollen Solidarität. Die Mitglieder der revolutionären Arbeiterpartei, die sozialistischen Studentengruppen im Vereine mit einer Reihe anderer Partei-Organisationen senden ihren revolutionären Gruß den Märtyrern der ganzen Welt, welche für die Volksrechte gefallen sind.... Sie gedachten am Krönungs- tage der in Polen Massakrirten und der Märtyrer in Sibirien. Eine Reihe ähnlicher Erklärungen veröffentlicht die „Petite Rspublique". Die Begeisterung in Paris war lange nicht so groß, wie die französisch-offiziösen Depeschen Glauben machten. Blos in den reaktionären Bezirken der Stadt und bei den Verkäufern von Blumen, Federn, feinen Toiletten und der- gleichen waren Fahnen ausgesteckt. Die Stimmung in Paris entsprach gar nicht den Aufforderungen der russo- Ailen Presse.— Die Illumination und Beflaggung beschränkte sich auf die offiziellen Gebäude und die Bourgeoisviertel. Der Pariser Gemeinde- ralh blieb jeder Theilnahme an der Zarenfeier fern. Wenn daS Stadthaus trotzdem illuminirt war, so geschah daS auf Befehl des Polizeipräfckten. Die sozialistischen Gemeinderathsmitglieder beabsichtigen, nach Eröffnung der Session gegen diesen Willkürakt zu protestiren.— Für die Silberleute hat der Messias den Namen gewechselt. Gestern hieß der Heiland Balsour und wohnte in England; heute heißt er Meline und wohnt in Frank- reich. Gestern Nacht, ehe der Hahn dreimal gekräht hatte, war Balsour zum Petrus geworden und hatte das Silber- Evangelium schnöde verleugnet. Und heute Nacht, ehe der Hahn dreimal gekräht hat, wird Meline Petrus geworden sein, und das Evangelium ebenso schnöde verleugnet haben, wie gestern Balsour. Herr Meline ist bekanntlich das Haupt der sran- zösischen Agrarier; und durch das internationale Bündniß, welches die europäischen Agrarier mit den amerikanischen Silbermincn-Be sitzern abgeschlossen haben, ist er unter die Bimetallisten gerathen. Allein gleich seinem Kollegen Balsour hat er das glückliche Unglück, einem Staate an- zugehören, der ein sehr gutes Goldgeld hat und dessen ganzes Handels- und Jndustriesystem umfallen würde, wenn das gute Goldgeld dem Bedürfniß der Agrarier, ihre Schulden zur Hälfte in den Schornstein zu schreiben, und der Silberminenbesitzer, ihre Minen ans das Doppelte des Werths emporzuschrauben, zum Opfer fiele. Messias-Petrus-Meline hat sich die Arbeit der Vev leugnung leider sehr schwer gemacht. Während Messias- Petrus-Balfour so schlau war, daS Evangelium der Silbervertheuerung zu verleugnen, sobald er Minister g* worden, hat der arme Meline es jetzt als Minister noch einmal gepredigt. Er wird es nicht lange predigen, und jede Minute des Zögerns verkürzt die ohnehin kurze Galgen frist des Ministeriums.— Vom Internationale» Bergarbeiter- Kongreß wird uns geschrieben: Die Arbeiten deS Kongresses schreiten rüstig vor- wärt?, sodaß für Freilag Abend das Ende der Tagung bestimmt zu erwarten ist. Heute kam man bis zur Berathung deS sechsten Punktes der Tagesordnung, bis zur Frage des Kassenwesens. Die Hauptdiskusston nahm gestern und heute die Frage der Versöhnungsämter(Schiedsgerichte) und des Minimallohns in Anspruch, In der Debatte wurde gar viel des Interessanten zu tage gefördert. Besonders die Engländer und die von ihnen gehaltenen Reden verdienen eingehendes Interesse. Die Gegensätze, die sich unter den englische» Gewerkschaften herausgebildet und im Lause der letzten Jahre wesentlich verschärst haben, kamen hier wieder zu eklatanten, Ausdruck. Es zeigte sich abermals, daß eine starke Majorität sich den Anschauungen deS deutschen Proletariats in erfreulichster Weise genähert hat, es zeigte sich freilich auch deutlich, wie rückständige Ansichten selbst bei den fortgeschrittensten Arbeitern theilweise noch vorherrschen. Während die Delegirten Harwey und Cowey gut sozialistische Anschauungen entwickelten, hielten die Delegirten Stracker und Boyle mehr als manchesterliche Reden. Es sind die Northumberländrr, ins- gesammt vier an der Zahl, deren Anschauungen Stracker und Boyle vertraten und drei Delegirte aus Südwales, die auch in gleichem Fahrwasser segeln. Mehr als sieben Mann sind es nicht, die diesen konservativen Flügel bilden.— Chronik der MajestütsveleidigungS« Prozesse. Die geschiedene Frau von Senden hatte sich heute vor der ersten Strafkammer am Landgericht II wegen Beleidigung deS Kaisers und der Kaiserin zu verantworten. Die Angeklagte war mit der Familie ihres geschiedeneu Mannes in �wistigkeiten gerathen. Eine Schwägerin hat schließlich zur enntniß der Staatsanwaltschaft gebracht, die Angeklagte habe ge- legentlich erzählt, daß sie durch ihren Ehrendienst bei Hofe ganz genaue Kenntniß von alle» Jnternas des Hoflebens erhalten habe und daß sie von diesem Leben bei Hofe ganz gräuliche Räuber- geschichten aufgetischt habe, welche die kaiserlichen Majestäten auf das allerschwerste beleidigten. DieBerhandlung fand unter Allsschluß der Oeffentlichkeit statt. Aus dem öffentlich verkündeten Urtheilsspruch ging hervor, daß der Gerichtshof die Angeklagte zwar für sehr verdächtig hielt, aber da die einzige Belastungszeugin, welche die Schwägerin der Angeklagten sei, mit dieser in bitterer Feind- schaft lebe, so sei die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß die Zeugin, unbeschadet ihrer Glaubwürdigkeit, sich geirrt haben könne. Die Schuld der Angeklagten sei daher nicht voll und ganz erwiesen, weshalb auf Freisprechung habe erkannt werden müssen. Die zwei gegen die„Münchener Freie Presse" schwebenden Anklagen wegen Beleidigung des Kaisers(Be- prechung einer Ordensverleihung) und des Prinzregcnten(Feil- bietung der Uniform eines pensionirten Beamten zum Ge- bnrtstag des Prinzregente» durch Annonce) sind eingestellt worden.— »» Deutsches Reich. Der Bundesrath hat in seiner Sitzung vom 13. Mai d. I. beschlossen, daß in den Orten Tilsit, Thorn, Jnowrazlaw, Berlin, Ruhrort, Duisburg. Elbing, Rosenheim, Leipzig, Freibnrg, Elsfleth, Bremen, Vegesack und Hamburg ge- mischte Transitlager von den in Nr. 9 des Zolltarifs genannte» Wnaren nicht mehr zu gestatten und die daselbst vorhandenen derartigen Lager mit dem Ablauf des Monats September d. I. aufzuheben sind.— — Zun, Prozeß Auer und Genossen wird uns mitgetheilt, daß der Staatsanwalt Revision gegen das Urtheil nicht eingelegt hat. Damit sind die Freisprechungen rechtskräftig geworden und die vorläufige Schließung der Wahlvereine des 1. und 3. ReichstagS-WahlkreiseS, sowie der Preß- und Lokal- kommission und der Agitationskommission für die Provinz Branden- bürg aufgehoben. Die im Prozeß verurtheilten Genossen habe» Revision eingelegt, um über die Frage, ob ei» Parteivorstand ein Verein im Sinne des§ 3 des Vereinsgcsetzes ist, eine letzt- instanzliche Entscheidung herbeizuführen.— — Zur Ruppi n- Templiner Wahl wird unS aus dem Wahlkreise geschrieben: Der Erfolg, welchen unsere Partei in der Nachwahl im Ruppin- Templiner Kreise zu verzeichnen hat, gewinnt erst an Bedeutung, wenn man in belracht zieht, unter welchen erschwerenden Umständen der Wahlkampf geführt wurde. Während noch bei der letzten Wahl und bis jetzt die Partei- chattirungen scharf abgegrenzte waren— konservativ, freisinnig md sozialdemokratisch schneite ganz unverhofft die anti- emitische Partei in den Kreis herein. Das Liebäugeln mit )«n> Sozialismus, die vielen Versprechungen, welche ihr Programm aufweist, un> den Mittelstand zu heben und vieles mehr, haben ihr die 2009 Stimmen gebracht; zugleich ein Beweis, daß die Lage der wirthschaftlich Schwachen eine immer traurigere wird und das Volk zur Einsicht kommt, daß der jetzige Zustand«in unhaltbarer geworden ist. Aber überwiegend Bauernstimmen ind das nicht. Gut die Hälft« ihrer Stimmen rühren von Handelsleuten, Kleingewerbetreibenden und Handwerksmeistern jer— aus 11 größeren Orten 911 Stimmen—. WaS will daS aber sagen, in einem ländlichen KreiS von 267 Ortschaften.— DaS muß man ihnen nachsagen, sie haben nichts nnversncht gelassen, um sich hier einzunisten. Sie zogen von Dorf zu Dorf und hielten Versammlungen ab; es war ihnen ein Leichtes, Lokal« zu be- kommen und wurde ihnen gegenüber auch nicht so streng ver- 'ahren, wie daS unS gegenüber üblich ist. Was haben nun die Antisemiten erreicht? So gut wie nichts. Sie haben unS einen guten Dienst erwiesen, wie wir es nicht hätten bewerkstelligen können. Sie haben den Wählern ihre traurige Lage vorgestellt, in der sie untergehen müssen, wenn nicht zeitgemäße Reformen eintreten. Sie haben den Leuten viele Versprechungen gemacht, und wer dem Erlrinken nahe ist, klammert er sich nicht an jeden Strohhalm? UnS haben >e nicht eine Stimme genommen; wiederum ein Beweis dafür, mß die Sozialdemokratie festen Fuß gefaßt hat wie keine ander« Zartei Sie haben mit uns das Volk aufgeklärt und der Erfolg ür uns wird schon bei der nächsten Wahl stark zu tage treten. Schon jetzt ist die konservative Partei im Absterben begriffen und der Freisinn ist schon todt. Die Antisemiten sind nur lieb« Kampfgenossen, sie bezahlen die Zeche und der KreiS gehört über kurz oder lang uns. Mit dem Freisinn brauchen wir uns nicht zu beschäftigen, er ist thatsächlich todt.— Wenn die konservative Partei immer- hin noch die höchste Stimmenzahl auf sich vereinigte, so doch nur, weil diese Partei mit Hochdruck arbeitete. Nament- lich im Templiner Kreise, wo das Adelsgeschlecht der Arnim's dominirt, wurde der letzte Mann zur Urne gebracht. Die Gutsiuspektoren traten geschlossen mit ihren Arbeitern an, überreichten ihnen Stimmzettel des Herrn v. Arnim und so wurde gewählt. Das war eine geheime Wahl. Verstöße gegen das geheime und allgemeine Wahlrecht sollen an einem Orte vorgekommen sein, wo ein Mitglied unseres Wahlkomitees auS dem Wahllokal gewiesen wurde. Bei der letzten Wahl fielen in diesem Orte auf Apelt S4 Stimmen, diesmal nur 19 Stimmen. Darüber große Entrüstung unter unseren Genossen, welche be- haupten, daß mehr Stimmen für Apelt abgegeben worden seien; diese Sache wird noch eingehend untersucht und dann eventuell zur Anzeige gebracht werden. In Schönermark, Käkstedt wurden unsere Genossen au? dem Wahllokal gewiesen. In Herzberg wurden unsere Flugblattvertheiler aus dem Dorfe hinausgejagt und ihnen der Eintritt in das HanS einer Be- kannten verhindert. Eine Anzeige wegen Freiheitsberaubung an die Staatsanwaltschaft ist erfolgt. So schützt die konservative Partei das allgemeine Wahlrecht. Wenn trotzdem unsere Partei einen Fortschritte zu verzeichnen hat, so läßt sich erst der wahre Werth bemessen, wenn»och in betracht gezogen wird, daß statt der bisherigen zwei Parteien uns diesmal drei Parteien gegenüberstanden, die alle ohne Aus- nähme unS in ihren Versammlungen und Flugblättern als Vater- landsverräther und Verleumder u. a. m. bezeichneten. Auch der Wahltermin war ein ungünstiger für uns; zwei Tage vor den Feiertagen, wo ein jeder vollauf zu thun hat und nicht gern eine Einbuße am Lohn erleidet. Hunderte von Arbeitern, die in Berlin arbeiten, konnten nicht wählen gehen, ohne sich einen Schaden von ca.'3 M. zuzufügen, zumal in der Feiertagswoche ihnen abermals ein Tag verloren ging. Auch viele Schiffer bliebe» der Wahl fern, weil sie auf Reisen waren und die Wahl ihnen bedeutende Kosten auferlegt hätte. Viele Landarbeiter erklärten, lieber nicht wählen zu gehen, alS Herrn v. Arnim die Stimme zu geben. Wenn nun noch in betracht kommt, daß unsere Presse und Organisationen leider noch schwach in diesem Kreise sind— was auf die vielen Maß- regelungen zurückzuführen ist— so ist unser Erfolg geradezu ein vorzüglicher zu nennen. Er giebt zu den besten Hoffnungen Anlaß. Diese Nachwahl kann sich den biS jetzt stattgefundenen für unS günstig ausgefallenen Nachwahlen würdig zur Seit« stellen. Der Freisinnige kommt mit dem Konservative» in Stich- wähl. Ein großer Theil unserer Genossen ist nicht gewillt, aber- malS für den Freisinn die Kastanien auS dem Feuer zu holen. wenn trotzdem ein Theil für den Freisinn stimmen wird, so wird die? nur unter den bekannten Bedingungen geschehen.— — Zu dem Preßprozeß wider die Genossen Vahle, KokoSky und Kasch ist nachzutragen, daß außer dem Rechts- anwalt Freudenthal sich der Vertreter des Genossen Vahle, Rechtsanwalt Landsberg, um den Ausgang deS Prozesses sehr verdient gemacht hat. — Die Untersuchung gegen den Pastor Rauh zu Kladow bei Stettin, der unter dem Verdachte deS schweren Diebstahls, der Unterschlagung amtlicher Gelder und Urkunden- fälschung verhaftet wurde, hat noch ei» weiteres überraschendes Resultat zu tage gefördert. Rauh soll sich nämlich auch eine Benachtheiligung zahlreicherKausleut«, Hand» werk er k. haben zu schulden kommen lassen, so daß die gesammte Fehlsumme statt der bisher genannten öS 000 M. jetzt aus 4S— dOvoo M. geschätzt wird.-- Gotha, 28. Mai. Gegen die Wahl deS sozialdemokratischen Abgeordneten Wolff hat die Regierung Bedenken erhoben, welche die Kammer morgen prüfen wird. Nachdem die Regierung des Herrn Strenge schon in gesetz- lich nicht begründbarer Weise den Abg. Wolff an der Ausübung des Mandates gehindert hat, wagt sie jetzt einen Eingriff in daS Vorrecht aller parlamentarischen Körperschaften, die Berechtigung der Mandatsansübung ihrer Mitglieder selbst zu prüfen. Der Eifer des Herrn v. Strenge ist ein Beweis seiner Furcht vor der Sozialdemokratie.— — Die Amnestie in Anhalt ist bedeutend weiter- gehender als die vom 13. Januar. Begnadigt wurden alle wegen Beleidigung de? Herzogs und seiner Angehörigen, wegen fast aller Uebertretungen. wegen Steuerkontravention, wegen Forst- und Felddiebstahls, wegen Hausfriedensbruchs, Widerstands gegen die Staatsgewalt, Beamtenbeleidigung. Körperverletzung und trasbaren Eigennütze? Verurtheilten und Angeklagten. Auch sind die Kosten des Verfahrens in den»»eisten Fällen erlassen worden. — Militärinvaliden-Pensionen in Bayern. Die Ueberschreitung der einschlägigen Reichsquote, welche im Etat 1895/96 auf S80 680 M. herabgegangen ivar, ist auf 705 463 M., also um 424 783 M. gestiegen. Der Stand der Kommandirende General» Divistonskommandeure Brigadekommandeure Regimentskommandeure Bataillonslommandeure Hauptleute zc. 1. Klasse Hauptlente 2. Klasse Premierlieutenanls Sekondelieutenants Sanitätsosfiziere mit einem PensionSbetrag von 3 S71 681 M. respektive 3 664 584 M. Gegenüber diesen bedenklichen Erscheinungen weiß der bayerische Landtag nichts anderes zu thun alS schwächliche Resolutionen zu fassen.- — Sonntagsruhe in Bayern. Durch Verordnung der Regierung von Oberfranken vom 6. Mai d. I. ist die Beschäftigungs- und bezw. Verkaufszeit an den gewöhnlichen Sonn- und Festtagen für Gemüsehandlungen bis inorgenS 8 Uhr und vom Schlüsse des vormittägigen Gottesdienstes au während des ganzen TageS festgesetzt worden. Wahrlich da haben die Stumm und Konsorten keine Veranlassung sich über zu weit gehende Sozialresorm zu beklagen.— Stuttgart, 28. Mai. Bei der heutigen Eröffnung deS VII. evangelisch-sozialen Kongresses wurde der. selbe im Auftrage der Württembergischen Staatsregierung durch den Oberregierungsrath Holland begrüßt. Sodann beantragte der geschästssührende Ausschuß eine von Professor Adolf Wagner- Berlin näher begründete Resolution:„Der evangelisch- soziale Kongreß erkennt die großen und bleibenden Verdienste deS Hern, Hofpretngers Stöcker um die Begründung und Förderung der evangelisch- sozialen Bewegung in Deutschland dankbar an, bedauert in hohem Maße seinen Austritt aus dem Kongresse und hofft trotzdem auf eine weitere Gemeinschaft mit ihm in evangelisch, sozialem Wirken." Die Resolution wurde a n g e n o ni m e n.— Der Kongreß nahm hieraus einstimmig einen Beschluß- antrag an, in dem ausgesprochen wird, daß die Diener und Zu- gehörigen der evangelische» Kirche an der Abstellung der gesell- schaftlichen und sittlichen Schäden mitwirken müssen und daß der Kongreß an die evangelische Kirchenbehörde die Bitte richte, den evangelischen Geistlichen die hieraus sich ergebenden Frei- heiten zu gewähren. Das ist eine allerdings sehr zahme Rundgebung zu gunsten ber fozialpolitischen Bethätigung der evangelischen Geistlichen. Was aber dann, wenn die Kirchenbehörden der Bitte nicht willfahren? Werden die Geistlichen sich dann löblich dem Konfiftorium und dem Landesbischof unterwerfen? Partei- Nachrichten. " Polizeiliches, Gerichtliches ze. Achtung, Tischler! Die Rollegen der Werkstatt von Baschwih, Seydelstraße 25, haben mit Ausnahme von fünf wegen Differenzen bezüglich der Arbeitszeit die Arbeit niedergelegt. Bor Zuzug wird gewarnt. Die Werkstatt Kontrollkommission des Deutschen Holzarbeiter Verbandes, Bahlstelle Berlin. Von der Agitation. Stadthagen sprach am 27. Mai abends in einer sehr start besuchten Volksversammlung im Trianon zu Dresden. Er behandelte in sehr interessanter Weise das Straßburg i. Elf., 27. Mai. Die amtliche Correspondena" lichen Gesetzbuches". Seine Ausführungen fanden lebhaften in Mirborf befinden sich seit vierzehn Tagen im Ausstand. Thema: Streifzüge auf dem Gebiete des Bürger Die Holzarbeiter in der Bautischlerei von Virgens beröffentlicht einen Erlaß des faiserlichen Statthalters, wonach Beifall. eine Rommission von 21 Mitgliedern zur Prüfung der Die Angelegenheit ist insofern von Bebentung, als der Handwerksfrage berufen werden soll. Die Mitglieder Der Boykott über die Stuttgarter Liederhalle dauert Fabrikant der erste ift, der die errungenen Forderungen müssen ein Handwerk selbständig betreiben oder früher selbst. fort, da es auch dem Feftkomitee des 5. deutschen Sängerfestes den Arbeitern streitig macht. Gegenwärtig wird versucht, die ständig betrieben haben. Arbeiter zu berufen, scheint man nicht nicht gelungen ist, die Verwaltung der Liederhalle zur Einnahme Arbeit in den Werkstätten von Schwarze, Krause, Mack und für nöthig zu befinden, obgleich die Lage der Arbeiter im Hand- eines anderen Standpunktes unseren Parteigenoffen gegenüber zu Gierczewsky fertig zu stellen. Leider haben die dort beschäftigten werk vom Befähigungsnachweise, Innungswesen, Regelung des veranlassen. Arbeiter feinen Bersuch gemacht, dies Anfinnen im Interesse Lehrlingswesens, Gesellenausschüssen ac. auch beeinflußt werden Das Protokoll des lehten österreichischen Parteitages ihrer ausständigen Kollegen zurückzuweisen. Außerdem find tann. ift unter dem Titel Berhandlungen des fünften österreichischen bereits 4 Arbeiter an stelle der Ausständigen eingetreten.- Der Defterreich. Parteitages abgehalten zu Prag 2c." foeben in der ersten Wiener Deutsche Holzarbeiterverband, Bahlstelle Rigdorf. -Der Bericht des Herrenhauses über die Wolfsbuchhandlung erschienen. Das schön ausgestattete Buch Achtung, Tapezirer! Der Streit bei der Firma BodenWahlreform, verfaßt vom Sektionschef Innama- Sternepp, von über 200 Seiten foftet 50 Pf. Bei der großen Bedeutung heim u. Meyer, Bellealliancestr. 84, dauert unverändert fort, und erdem Chef der amtlichen Statistit Defterreichs, ist erschienen. Der ber österreichischen Arbeiterbewegung und mit Rücksicht auf die suchen wir den Buzug streng fernzubalten. Am Montag, den 1. Juni Theil, der von der Ausdehnung des Wahlrechtes handelt und bevorstehende Wahlbewegung kann die Anschaffung des Protokolles, findet in dem Lotale Lindenstr. 106 eine öffentliche Versammlung Theil, der von der Ausdehnung des Wahlrechtes handelt und bas auf grund stenographischer Aufnahmen verfaßt ist, auch statt, in welcher der Abg. Zubeil sprechen wird und wo Bericht über auch für Deutschland von hoher Bedeutung ist, lautet: den Stand des Streits bei der Firma Bodenheim u. Meyer er= Sowohl die Vergleichung mit anderen Kulturstaaten, als unferen Genossen empfohlen werden. auch die unleugbaren Fortschritte, welche die bisher vom stattet werden foll. politischen Wahlrechte ausgeschlossenen Kreise Wir ersuchen die Kollegen in ihrem eigenen Interesse, zahl -Wegen Beleidigung eines Förfters aus der Graf ber Bevölkerung in tultureller inficht und schaft Glas hatte sich am Dienstag Genosse Feldmann vor der reich in der Versammlung zu erscheinen. Der Borstand insbesondere in bezug auf ihre wirthschaftliche Berufungsinstans in Schweidnih zu verantworten. In Nr. 1 bes ber Filiale Berlin des Allgemeinen Deutschen Leistung und ihr politisches und soziales Be- Proletarier" war ohne Orts- und Namensangabe ein Artikel erZapeziervereins. wußtsein in den letzten Dezennien gemacht haben, mußten schienen, wonach ein Förster der Grafschaft Glaß einen Waldarbeiter Achtung Schuhmacher! Kameraden, das was wir erdie Ueberzeugung reifen, daß es nicht länger zum Eintritt in einen Kriegerverein gepreßt haben sollte. Schließlich wartet hatten, ist nur allzu schnell eingetroffen. Einer der berechtigt erscheine, diesen breiten Bolts- wurde Anklage erhoben wegen Beleidigung eines Försters des Fabrikanten, Herr Erpel, welcher die schlechtesten Löhne bezahlt, fchichten bie attive Betheiligung an der Kreises Glatz und vom Schöffengericht Reichenbach erfolgte auch will die Errungenschaften, welche wir vor wenigen Wochen schwer Bildung der Boltsvertretung zu versagen. auf grund der Anklage die Verurtheilung des Genossen ertämpft haben, wieder zu schanden machen. Sämmtliche Aber auch die vermehrten aften, welche bie zu Feldmann zu 50 M. Geldstrafe. In der Berufungsinftans be- Maschinenarbeiter wurden gekündigt mit der Bemerkung, daß nehmende Ausdehnung des staatlichen Wirkens noth- antragte Feldmann die Aufhebung des Urtheils erster Instanz eine Lohnregulirung vorgenommen werden solle, und da Herr wendigerweise auf die Bevölkerung legt, die außerordent- und Einstellung des Verfahrens. Der flagende Förster fei Erpel auf Verlangen des gesammten Personals die Kündigung lich gesteigerte Intensität staatlichen Eingreifens in alle nicht mit dem Artikel gemeint und wegen Beleidigung nicht zurücknahm, haben alle Arbeiter die Arbeit niedergelegt. Sphären des gesellschaftlichen und volkswirthschaftlichen Lebens von Unbekannt könne man doch nicht bestraft werden. Der Ge- Ebenso waren die Kollegen der Fabrik von Unger, Blumenund die damit nothwendig gewordene stärkere Inanspruchnahme richtshof war der Ansicht, daß der Artikel auf den bezeichneten ftraße 70 gezwungen, wegen Lohndifferenzen die Arbeit einaller Voltstreise zur Mitwirtung an öffentlichen Aufgaben, lassen Förster gemünzt sei und erkannte auf Verwerfung der Berufung. aufstellen. Wir ersuchen beide Fabriken bis auf weiteres zu es als ein Gebot der Gerechtigkeit erkennen, diesen-Genosse Thiel vom Harburger Boltsblatt" wurde meiden. Die Agitationstommission der SchuhVoltstreisen auch das elementarste politische wegen Beleidigung des Harburger Polizeisergeanten Gängel zu macher Berlins. Recht der aktiven Wahl zu gewähren. Verlangt vier Wochen Gefängniß verurtheilt. Der Amtsanwalt hatte zwei Die Berliner Schuhmachermeister beabsichtigen, infolge schon unsere moderne Sozialgefeggebung auf den ver- Monate Gefängniß beantragt. bes Streits, ihre Maaßarbeit auswärts herstellen zu lassen. So schiedensten Gebieten der Arbeiterversicherung, der genossenschaftGenosse Joo3 vom Boltsblatt" in Gotha wird uns aus München berichtet, daß bei dem dortigen lichen und sonstigen Selbstverwaltung öffentlicher Angelegenheiten sollte durch mehrfache Veröffentlichung einer Boykott- Resolution Hof- Schuhmachermeister Wenninger an die Arbeiter das eine organisirte Mitwirtung der nicht besigenden groben Unfug verübt haben. Das Urtheil lautete auf Frei Berlangen gerichtet wurde, Berliner Maaßarbeit anzufertigen. Klassen, und hat sie andererseits selbst Formen aufgefprechung. Einmüthig wiesen die Arbeiter diese Zumuthung zurück, und stellt, in denen sich diese Klassen für Zwecke der Selbsthilfe-Genosse Arno Reichard, der frühere verantwort mag das Verhalten dieser Arbeiter bei ähnlichen Vorkommiffen, erfolgreich zu organisiren vermögen, wie die Hilfskaffen, Bor liche Rebatteur der Sächs. Arb.- 3tg.", ist nach Berbüßung einer die nicht ausbleiben werden, als Muster dienen. schuß- und Ronsumvereine, Ge wertschaften u. a., fo muß fie 7 monatigen Gefängnißstrafe in die sächsische Freiheit zurückgekehrt. auch selbst in der Gewährung des politischen Wahl Die Strafe hatte er sich einestheils zugezogen, weil er in einer Rabis in Rigdorf, Juliusstr. 58, haben die Arbeit niedergelegt. Die Steinträger auf dem Bau des Unternehmers Heinrich rechtes eine nothwendige Ergänzung erblicken. Versammlungsrede in Radebeul mit der Ehre der sächsischen Die betreffenden verlangten, in anbetracht der niederen Breise, Denn je umfassender und schwieriger die Aufgaben der Verwaltung Militärbehörden nicht vorsichtig genug umgegangen war, andern einen Lohnaufschlag von 35 Pf. pro Tausend. Der bisherige werden, umsomehr ist sie selbst darauf angewiesen, die im Volke theils verhalf, ihm noch die verantwortliche Zeichnung seines Preis betrug 2,15 pro tausend Steine infl. Mörtel bis Parterre, vorhandene Summe von geistiger Kraft, sozialem Bewußt Blattes zu einigen Wochen Freiquartier in Hoheneck. Bum für jede weitere Etage 1 M. Zuschlag. Außerdem wird den Arfein und patriotischer Hingebung möglichst vollständig in den Glück hat die Gefängnißstrafe seiner Gesundheit teinen großen beitern eine Raution von 15 Bf. pro Zausend einbehalten. Leider Dienst des Gemeinwesens au stellen, jedes Intereffe und Schaden zufügen tönnen. sollen sich Maurer gefunden haben, die die Stellen der Ausjebes Streben, das sich mit dem Wohle des Ganzen verträgt, an Bergeblich gebaussucht wurde in der Reständigen besetzten. feiner Stelle zu verwerthen und damit ihre eigene Kraft zu verbaktion der Elberfelder Freien Presse" nach vielfältigen. dem Manuskript einer Korrespondenz aus Remscheid, durch die Zur Lohnbewegung der Steinsetzer. In BrandenJa, es wird immer als ein Ariom wahrer Staats: fich der Oberbürgermeister v. Bohlen beleidigt fühlt. Der gute burg a. H. haben jetzt auch die bei dem zweiten Meister beweisheit gelten können, daß sie die Mehrung der Kraft Oberbürgermeister möchte außer dem verantwortlichen Redakteur schäftigten organisirten Arbeiter die Arbeit niedergelegt, weil bes Staates nicht in der Uniformirung, in der auch den Remscheider Korrespondenten auf der Anklagebant fie die Arbeiten des Steinfegmeisters B. mit ausführen Unterdrückung der geistigen Individualität fehen. Das ist ihm aber nicht gelungen. sollten. Die Meister geben sich alle erdenkliche Mühe, namentlich von Potsdam und Umgegend Arbeitskräfte der verschiedenen Bevölterungstreise, sondern in der möglich sten Ausbildung ihrer spezifischen sum Ersatz heranzuziehen bis jest jedoch vergeblich. NeuerFähigkeiten, Kräfte und Bedürfnisse erblickt, dings wollen sich dieselben nach Magdeburg wenden. Ursache und daß sie jeder Art von idealem Streben, wenn des Streits war, daß die Steinfeger bei kleineren Arbeiten das Für Handlungsgehilfen zuständig ist auch das Gewerbe Rammen ausführen sollten, wodurch die Rammer, welche ebenauch seine nächsten Ziele noch so verschieden sein mögen, gericht, wenn sie in einem Gewerbebetrieb thätig sind, so falls organisirt sind, schwer geschädigt würden. In Quer. wohlwollend gegenübersteht, so lange ste boffen entschied am 15. April d. J. das Amtsgericht zu Leipzig. Tann, daß sie in ihrem letzten Ziele, der Wohlfahrt des furt sind die neuerdings unternommenen Einigungsversuche an Ganzen, zusammentreffen. Sache der praktischen Staatstunft aber die evangelischen Arbeitervereine hielten am Dienstag der Starrköpfigkeit der Jnnungsmeister vollständig gescheitert. ist es, dafür zu sorgen, daß sich diese vielgestaltige und Mittwoch in Stuttgart eine Delegirtenversammlung ab. Der Der Wortführer derfelben erklärte wörtlich, ste verlangten beBoltstraft felbft disziplinire, damit die unvermeid- Borsitzende Lic. Weber( München- GI.) flagte über den Rückbingungslose Unterwerfung. lichen Intereffen Gegensäge und Nivalitäten nicht zu ernsten gang der Begeisterung für die Sozialreform. Die Streifenden sind jetzt jedoch alle in auswärtiger Arbeit Konflikten des öffentlichen Lebens werben, sondern immer einen Im weiteren Verlauf der Verhandlungen wurde namentlich über und ist es, wenn die Sperre weiterhin streng durchgeführt geordneten Ausdruck und eine legitime Vertretung finden. die Zustände im Saarrevier und die Herrschaft des Herrn wird, nicht ausgeschlossen, daß die Meister doch noch nachgeben D. Amts. " Soziale Mebersicht. " 1 Bu einer solchen Selbstdisziplinirung und recht. v. Stumm Beschwerde geführt. Sein System des müssen. Von den drei Oscherslebener Steinsetzmeistern lichen Ordnung unfertiger, gährender Massen- Scharfmachens" stehe in scharfem Widerspruch hat einer bereits die Forderungen schriftlich anerkannt, ein zweiter bewegungen tann das politische Wahlrecht in zu den Geboten der christlichen Liebe. Pfarrer hat selber seine Bereitwilligkeit, zu unterhandeln, erklärt und der hohem Grade beitragen. Es belebt das Staatsbewußt. Naumann bezeichnet das Vorige ben des Frhrn. v. Stumm britte kann sich aller Voraussicht nach auch nicht mehr allzulange fein und erhält den Patriotismus der Maffen, der ein mächtiger, unter lebhaftem Beifall als eines Chriften unwürdig. halten wenn Zuzug auch weiterhin ferngehalten wird. Die idealer Fattor im Staatsleben ist. Es nährt die Ueber Schließlich kam eine Resolution zur Annahme, worin die Prenzlauer Steinfegmeister weigern sich beharrlich, die zehngehäffigen Angriffe" des stündige Arbeitszeit einzuführen, während die Arbeiter ebenso an zeugung, daß bei aller Berschiedenheit ber Delegirtenversammlung bie äußeren Lebenslage, der Rechte und der Pflichten, rhrn. v. Stumm auf die Geistlichen des Saarreviers wegen biefer Forderung festhalten. In Bromberg ist die zehndoch auch der Geringste von Werth für das Ganze und ihrer sozialen Thätigkeit entschieden zurückweist. Diese Thätigkeit stündige Arbeitszeit jetzt vollständig durchgeführt. berufen ist, an der Wahl der Vertrauensmänner der Geistlichen falle in den Rahmen der Aufgaben des geistlichen Die General Versammlung des Vereins deutscher aus dem Wolfe mitzuwirken. Dieser Gedanke ist auch Weiter wurde verhandelt über die Einführung einer Bigarrenfortirer ist während der Pfingsttage in Halberbas Prinzip der Wahlreform, welche die Regierung im Oktober( 3) ander- Unterstützung und über Diskussionsabende, Verbreitung it a bt abgehalten worden. Aus dem Rechenschaftsbericht ist die des vorigen Jahres dem Hause der Abgeordneten zur verfassungs- sozialer Literatur, über soziale Kommissionen bei den städtischen erfreuliche Zunahme des Vereinsvermögens zu verzeichnen; das. ( 3) fozialer verfassungs- Berwaltungen, nationale Wohnungsreformen, polizeiliche Kontrolle felbe ist gegen das Jahr 1894 um 4786,25 M. gestiegen. Der Für die Mirbach, Stumm, Meßsch, Mehnert und ihre Nach der Arbeiterwohnungen, über Arbeiterversicherung, weibliche Bermögensbestand war am 1. Januar 1896 11 084,57 M.; treter im Stampfe für die Entrechtung des Boltes ist dies eine Bilfskräfte bei der Fabritinspektion und über Genesungshäuser. 9531. sind einschließlich 71 M. Eintrittsgelder an Beiherbe Sprache. Sie ist auch ein trauriges Zeichen dafür, wie der trägen eingenommen worden. Die Ausgaben betrugen blinde und blöde Klaffenegoismus das preußische Herrenhaus und für Arbeitslosen Gefchent 1866,25 Mart, Krankenfür die sächsische Ständeversammlung tief unter das Niveau des gefchent 1927,50 Mart, für Reisegeschent 278,95 Mark, für öfterreichischen Herrenhauses gebracht hat. Sterbegeld 85 M. und für örtliche Verwaltungsfoften 581,95 M. Die Ausgaben an Arbeitslosengeschenk sind, veranlaßt durch die günstige Konjunktur, um etwa 2500 m. niedriger als im Vorjahre. Das Krankengeschenk ist erst in diesem Jahre eingeführt, jedoch ist aus dem Stande dieses Fonds zu ersehen, daß derselbe burchaus existenzfähig ist. mäßigen Behandlung vorgelegt hat." Das Gesetz über die 2ohnzahlungen in Bergwerkbetrieben, ein Nothgefeß, das durch den letzten großen Bergarbeiter Aufstand im Oftrauer Revier erzwungen wurde, ist in Gefeßestraft getreten. Spanien. Madrid, 26. Mai.( Frankf. 3tg.) Man berechnet den Fehlbetrag des nächsten Budgets auf Ruba auf 300 Millionen Besetas( 240 Millionen Mart). BO Türkei, Afrika. Gewerkschaftliches. 13 Die Arbeiter Deutschlands werden gewarnt, sich von französischen Unternehmern beziehentlich deren Agenten für die Arbeiten der Weltausstellung in Paris anwerben zu lassen. Trotzdem in Paris viele tausende von Arbeitern beschäftigungslos find, beabsichtigen französische Unternehmer den Import der leider als billiger geltenden deutschen Arbeiter, um die Ausstellungsarbeiten mit noch größerem Profit herstellen und Anläßlich des von v. GIm erstatteten Berichts über die Beschlüsse um den Lohn der französischen Arbeiter so tief wie möglich drücken zu des Berliner Gewerkschaftskongresses sprach die Versammlung können. Sind die deutschen Arbeiter erst in Paris, so hat sie der Unter ihr Bebauern darüber aus, daß die Generalfommission der Ge nehmer vollständig in der Hand, und wie es dann mit dem werkschaften Deutschlands durch Herabfegung der Beiträge in Halten der schönen Versprechungen aussieht, die bei Beginn des ihrer Thätigkeit noch mehr beschränkt worden sei; vom SortirerEngagements in Deutschland gemacht wurden, das tann sich jeder verein soll das alte Verhältniß zur Kommission aufrechterhalten nicht auf den Kopf gefallene deutsche Arbeiter selbst sagen. werden. - Aretensische 3. Wie eine Depesche der in Athen Dem französischen Ausbeuterthum den Sädel füllen au Statutenänderung ist folgendes zu nennen: Der wöchentliche Aus der auf der Generalversammlung erfolgten erscheinenden Zeitung Afty" versichert, seien 3000 bewaffnete helfen, das ist um so weniger Beruf des Christen vor Kanea erschienen, um ihre Brüder zu beschüßen. Arbeiters, als basselbe Ausbeuterthum zugleich für die Krankenunterstützung mit 10, 20, 30, 40 und 50 Pf. das ist um so weniger Beruf des deutschen Vereinsbeitrag beträgt 25 Pf., hierzu kommt noch der Beitrag Bei der Beerdigung der Opfer der stattgehabten Megeleien wagten ber Vertreter ber Revanche Idee ist, die Verwandten nicht, dem Zeichenzuge zu folgen. während je nach der Höhe der Unterstützungen. Alle Unterstützungen sind bie französische Arbeiterschaft sich von dem blödsinnigen freiwillige, ihre Höhe und Dauer wird vom Vorstand bestimmt. und nur einer kleinen Minderheit selbstsüchtiger Menschen zu Nach den jetzt vorliegenden Beschlüssen beträgt die Arbeitslosen-Deutsch Südwestafrika. Nach amtlichen Met. gute kommenden Nationalitätenhaber mehr und mehr Unterstüßung wöchentlich 6 M. und in besonderen Fällen 9 M., dungen aus Kapstadt hat Hauptmann v. E storff die Khanas. emanzipirt. Derjenige deutsche Arbeiter, der es dem un- wozu noch eine besondere Unterstützung von 50 Pf. für jedes Hottentotten in zwei Gefechten am 18. und 19. April bei Siegfeld, ausstellung als Lohnbrücker anwerben zu lassen, handelt auch füßung variirt je nach der Beitragshöhe zwischen 3 M. und geachtet über sich bringt, sich für die Arbeiten der Pariser Welt- Kind des Mitgliedes tommt. Die wöchentliche Krankenunternabe Gobabis, in die Flucht geschlagen. Am 7. Mai erstürmte bem eigenen Interesse vollständig entgegen und es geschieht 15 M. Die Reiseunterstützung beträgt 21/2 Bf. resp. 41 Pf. für Major Leutwein, unterstützt von Leuten Witbois und des OberMajor Leutwein, unterstützt von Leuten Witbois und des Ober- ihm recht, wenn er in Paris sowohl von den Unternehmern jeden Rilometer. Der Vereinsfig bleibt in Hamburg, der Siz des häuptlings der Herero, Samuel Maherero, die Werft( Wer- wie von den durch ihn geschädigten französischen Arbeitern Ausschusses in Dresden. Die Besoldung des Geschäftsführers schanzung) des aufständischen Hererohäuptlings Rahimema. vollständig en canaille behandelt wird. wird einer späteren Vereinbarung zwischen Vorstand und AusLieutenants Schmidt und Eggers, Unteroffiziere Bitt und Alfchäfsti gefallen, Lieutenant Helm leicht verwundet. Achtung, Musikinstrumenten- Arbeiter! schuß überlassen. Zum Geschäftsführer wird gewählt Carl Ausschusses Maffanah, 28. Mai. Eine Rolonne, bestehend aus 200 Mann doch zeigt sich jetzt immer deutlicher, daß wir nahe vor der Ent- Fr. Reimer- Dresden. Der Ausstand der Berliner Kollegen dauert unverändert fort, Arnhold Hamburg, zum Vorsitzenden des Genietruppen, ging nach dem Schlachtfeld von Adua ab, Ein Schuhmachertag des Rhein- und Maingaues fand am um daselbst die Todten zu beerbigen. Die Kolonne wird scheibung stehen. Seit 2 Tagen sind verschiedene Ringfabrikanten vom Oberst Ari mondi, einem Bruder des bei Adua auf den Einfall gekommen, die Bedingungen diefer netten Ver- 24. d. M. in Frankfurt a. M. statt. Die Konferenz beauftragte einigung Bu umgehen und hinterrücks Verhandlungen ein Komitee von 5 Personen, mit dem Sit in Frankfurt, die gefallenen Generals, befehligt und von zwei Rapuzinermönchen mit ihren Arbeitern anzubahnen. Sollte dies fein Beweis Agitation in sweckmäßiger Weise zu betreiben. Als besondere begleitet. bafür sein, daß der Fabrikantenring, welcher eifern sein wollte, Aufgaben wurden bezeichnet: Die Beseitigung fleinerer Mißände, Kapstadt, 27. Mai. Gardner Williams ist in Rimber jegt beginnt elastisch zu werden? Nur so fortgefahren, auch wir die Abschaffung der Fournituren, Verkürzung der Arbeitszeit und I en( im Rapland) zu einer Geldstrafe von 40 Pfund oder sind bereit zu Unterhandlungen, aber nicht bei verschloffenen Lohnerhöhung, Abschaffung der Logiearbeit, Errichtung zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt worden wegen Be- Thüren, sondern in der Oeffentlichkeit, wie es sich geziemt. von Werkstätten und einen einheitlichen Lohntarif mit theiligung an der Fortschaffung von Schießvorräthen nach Rollegen, Berufsgenossen, thut Eure Pflicht wie bisher und haltet entsprechendem Buschlag je nach den örtlichen Verhältnissen. Johannisburg. den Zuzug fern, vergeßt aber auch nicht, daß immer noch Geld Im zweiten Punkt wurden folgende Anträge der Generalver noth thut. Die Lohntommission. fammlung zur Annahme empfohlen:" Die obligatorische Einfüh rung der Arbeitslofen- Unterfügung vorläufig abzulehnen, jedoch daß Frau Brüchner bezüglich ber Rellnerinnen ben Ausbruck, Dirnen", wie petuniärer Sinficht einzutreten; fie erklärt fich ferner mit den Zahlstellen zu empfehlen, diese Unterstüßung lokaler Weise direkt gebraucht und ihr Ehrgefühl dadurch grob verlegt habe, dem Beschluß der Vertrauensmänner- Bersammlung des Holz au regeln wie in Offenbach; ferner stimmt die Ronferenz für wurde die Verhandlung bis zur Erledigung der Berufung arbeiter- Berbandes einverstanden und verpflichtet sich, pro Woche obligatorische Einführung des Fachblattes und schließlich, daß gegen das frühere Urtheil vertagt. Die Klägerinnen wie mindestens 30 Pf. zum Streitfonds zu zahlen. Im Punkt Ver die Reise- Unterstützung nicht auf 1000 Kilometer erhöht, sondern, ihre anderen drei noch nicht abgereisten Kolleginnen befinden sich schiedenes" macht Wiedemann die Mittheilung, daß in der Werkdaß sie auf 700 wie seither belaffen wird mit einer einjährigen zur Zeit auf Kosten einer Frau v. Soden im Mädchenheim". statt von Horn, Krautstr. 38, eine ausgedehnte NachfeierabendKarrenzzeit." Welch' ein„ Segen" die Berufung gegen Gewerbegerichts- Urtheile Arbeit und Sonntagsarbeit üblich sei und fordert die Tischler. ist, beweist der vorliegende Fall aufs tlarfte. Die armen auf, diesen Mißstand zu beseitigen. Gleichzeitig macht er be Mädchen find jetzt einfach auf Almofen angewiesen und müssen fannt, daß die beschlagnahmte Rixdorfer Zellerfammlung vom ungebührlich lange warten, bis ihnen ihr Recht endlich wird. 1. Mai freigegeben worden ist. In Halle streiken die Tischler der Möbelfabrik von Bebr. Kroppenstedt und die 3 immerer auf den Bimmerpläßen des Stadtrathes Doenit. Wohnungsenquete. enquete zu veranstalten. " In Kaffel find 17 Drechsler und Mechaniker von der Firma Eine imposante Versammlung aller in der Hnt- und W. Lühr in den Ausstand getreten. Der Buzug ist fernzuhalten. Gerichts- Beifung. Filzwaaren Industrie beschäftigten Arbeiter und Aus Dortmund wird uns berichtet: Am 26. d. Mts. legten Arbeiterinnen tagte gestern Bormittag im Schweizergarten, ungefähr 400 von 600 hier beschäftigten Maurern die Arbeit unterbreitet Herr Ohage, Mehnerftr. 9, sendet uns zu dem Gerichts um die Forderungen, die den Fabrikanten nieder. Die gestellten Forderungen find: 45 Pf. Stundenlohn, bericht, den wir in Nr. 119 in feiner Revolver- Angelegenheit werden sollen, definitiv festzustellen. Wie aus dem Bericht 10 stündige Arbeitszeit, 8 tägige Lohnzahlung, anständige Bau- brachten, die folgende Zuschrift: Zunächst hat sich der Vorfall der Kommission hervorgeht, hat sich die Situation in feiner buden und Aborte. Die Lage ist ziemlich günstig, ba der Zuzug nicht, wie berichtet wurde, am Tage, sondern nachts gegen 12 Uhr Weise verändert. Die verschiedenartigen Versuche der Fabrikanten, ziemlich gering ist und in Dortmund selbst fein Ueberfluß von abgespielt. Sodann ist bei der Verhandlung gar nicht davon die durch Drohungen und falsche Gerüchte die Streitenden mürbe zu Arbeitskräften vorhanden ist. Bisher betrug der Lohn 34-40 Pf., Rede gewesen, wann ich den Revolver angeschafft habe, auch habe ich machen, vermochten auf den vorzüglichen Geist, der unter den die Arbeitszeit 101/ 2-12 Stunden. Zuzug ist streng fernzu- denselben nicht stets bei mir geführt. Daß ich dem Schankwirth Brezke Ausständigen herrscht, keinen Einfluß auszuüben, zumal die Arbeiter halten. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck die Worte:" Kerl, was wollen Sie denn von mir", zugerufen habe, und Arbeiterinnen von der Berechtigung ihrer Forderungen überzeugt, gebeten. ift unrichtig; vielmehr hat dieser sofort seinen Angriff aus in der weitaus größten Zahl organisirt und auch vorläufig genügend Gießerftreik. In Darmstadt find am 21. b. M. die Gießer geführt. Die Beweisaufnahme hat allerdings ergeben, daß ich Mittel zur Unterstützung vorhanden sind. Die Angabe der Fabrikanten, der Röder'schen Herbfabrit wegen Lohnstreits in den mich nicht in Nothwehr befunden habe; dies konnte jedoch nicht daß auf 6 Wochen Vorrath gearbeitet sei, wurde einestheils als Ausstand eingetreten. Die Ausständigen fordern, der„ Darm. 3tg." anders sein, da ja die vernommenen Zeugen die Angreifer waren. den Thatsachen nicht entsprechend, anderentheils als nicht in das zufolge u. a. Festsetzung eines Mindestlohnes nach Maßgabe Vollständig unrichtig ist aber die Behauptung, daß ich vor Gewicht fallend bezeichnet, da man auf einen längeren Kampf Der Bestimmungen des Deutschen Metallarbeiter Verbandes. furzem auch gegen meinen Vizewirth von der Waffe in gleicher gerüstet ist und alle Konsequenzen bei Eintritt in die Bewegung Der Arbeitgeber will auf diese Forderungen nicht eingehen. Weise Gebrauch gemacht habe". Es handelt sich hier vielmehr in betracht gezogen hat. Verschiedene Fabrikanten sollen sich geEr hat einen Termin für die Rückkehr zur Arbeit festgesetzt, um einen Mann, welcher vor etwa 12 Jahren die Haus äußert haben, daß sämmtliche Fabriken geschlossen werden, nach dessen Verstreichen die Ausständigen als endgiltig entlassen reinigungsstelle in unserem Hause inne hatte, aber schon nach wenn im Laufe dieser Woche die Arbeit nicht überall wieder gelten. Wie die Frtf. 3tg." berichtet, besprach eine Metall- einem halben Jahre wegen gänzlicher Unbrauchbarkeit und Arbeits- aufgenommen wird. Diese Mittheilung hatte bei den Verarbeiter- Bersammlung am Dienstag den Ausstand und die mit scheu entlassen wurde. Um mir Ruhe vor diesem Manne, der mich sammelten jedoch durchaus nicht die Wirkung, die die Fabrikanten der Firma geführten Verhandlungen. Ein Theil der Arbeiter auf der Straße in gröbster Weise beschimpft hatte, zu verschaffen, fab mit dieser Drohung beabsichtigten. Die im„ Lokal- Anzeiger" aufschien auf grund der Röder'schen Zugeständnisse zur Wieder- ich mich vor einiger Zeit veranlaßt, ihm einen Brief mit ernst gestellte Behauptung: die Streifenden wären gewillt, das Einigungsaufnahme der Arbeit geneigt. Als aber bekannt wurde, daß der licher Warnung zukommen zu lassen. amt anzurufen, wurde als unwahr bezeichnet, indem in den bisArbeitgeber weitere Unterhandlungen ablehne und sofortige Indem wir von dieser Berichtigung gebührend Notiz nehmen, herigen Versammlungen gerade das Gegentheil betont und Wiederaufnahme der Arbeit verlange, beschloß man, den Aus- erklären wir, daß uns die Mittheilung über den Gerichtsfall von immer darauf hingewiesen wurde, daß die Durchführung der stand fortzusetzen. einer Seite zugegangen ist, an deren Zuverlässigkeit zu zweifeln Forderungen von dem Solidaritätsgefühl der betheiligten Arbeiter Der Gemeinderath von Aarau bat, wir bislang feine Urfache hatten. und Arbeiterinnen abhängig ist und nur durch dieses nennens Der Gemeindevorsteher zu Schulzendorf, Johann werthe Erfolge erzielt werden können. Einstimmig wurde angeregt von der Arbeiter- Union, beschlossen, eine Wohnungs- Paul, hatte sich gestern vor der 186. Abtheilung des Schöffen- befchloffen, folgende Forderungen aufzustellen und diese mittels in einer Anklagefache wegen Beleidigung zu eingeschriebenen Briefes den Fabrikanten zu unterbreiten: 1. NeunDer Verbandstag der Buchdrucker Oesterrei wurde gerichts verantworten, zu ber er auf eigenthümliche Art ge- stündige Arbeitszeit; 2. Minimallohn für männliche Arbeiter am 24. d3. Mts. im Vereinshaus in Prag eröffnet. Anwesend tommen war. Am 27. Februar dieses Jahres befand 18 M., für Arbeiterinnen 12 M. pro Woche; 3. für Atfordwaren außer Vorstand und Kontrolle 38 Delegirte der 18 Ver: Baul sich in einem Restaurationslokal in der Großbeeren- arbeiten 10 pet. Lohnzuschlag; 4. Anerkennung des Arbeitsbandsvereine mit 6635 Mitgliedern, je ein Vertreter aus Görzstraße, als( auch der ihm bekannte Gendarm- Wachtmeister nachweises; 5. diejenigen Fabriken, in denen unter dem DurchVertreter des reichsdeutschen Verbandes, des Riedel hineinkam und an seinem Tische Plaz nahm. Der letztere schnitt bezahlt wird, haben sich den Lohnverhältnissen anderer ungarischen und kroatischen Vereines der Buchdrucker und drei brachte das Gespräch auf den vor kurzer Zeit nach Schmargendorf Fabriken anzupassen; 6. Lieferung sämmtlicher ArbeitsVertreter verwandter Berufe. Referent Mayer er verseßten Gendarm Warniz und fragte Paul, ob er ihm bestätigen materialien; 7. Entfernung sämmtlicher Streitbrecher aus den örtert die Vorlagen des Verbandsvorstandes über über die fönne, ob die wenig guten Gerüchte, die über Warniß Fabriken; 8. Freigabe des 1. Mai. Die unter Nr. 5 aufgestellte Aufnahmebedingungen, Behandlung der zureisenden Mitglieder der Verbandsvereine, Anrechnung der Karenzzeiten, Be- im Umlauf feien, auf Wahrheit beruhten. Der letztere follte bei Forderung wurde besonders deshalb angeführt, weil in mehreren Tanzvergnügungen, die er zu überwachen hatte, mitgetanzt haben Fabriken Akkordpreise bezahlt werden, bei denen männliche Arbeiter dingungen zum Bezuge der Unterstützungen und Verlust derselben, und wiederholt im angetrunkenen Zustande gesehen worden sein. nicht selten nur 11, 12 und 15 M., Arbeiterinnen 7, 8 und ferner über die Bentralisirung der Krankens, Ablebens und Baul erwiderte, daß er zwar aus eigener Anschauung nichts von 10 M. wöchentlich verdienen fönnen. Arbeits- Paul In bezug auf Waisenunterstützung nach dem System, das sich bei der Arbeits diesen Behauptungen wiffe, Thatsache sei indessen, daß dergleichen die Werkführer wurde beschlossen, dieselben aufzufordern, losen, Reise und Invalidenunterstützung bereits bewährt hat. von dem Gendarm erzählt werde. Paul erhielt zu seiner Ueber- unter teinen Umständen Arbeiten der Streifenden zu ver ( Gewährung gleich hoher Unterstützungen auf grund gemeinsam raschung bald darauf obige Anklage. Wachtmeister Riedel be- richten und dies, wenn sie von den Fabrikanten dazu ververeinbarter Reglements und quartalsweise Auftheilung der Koften fundete im Termin, daß er selbst die Anzeige nicht gegen Paul anlaßt werden, entschieden abzulehnen. Im übrigen gelten für sie, auf die einzelnen Vereine nach Maßgabe ihres letzten Mitglieder- erstattet habe, das Gespräch müsse aber von einem dritten soweit sie der Organisation angehören, die Beschlüsse des Vereins. standes) Es wird fofort in die Spezialdebatte eingegangen, die belauscht worden sein, der dem Ober- Wachtmeister Mittheilung Einige Werkführer, die sich dementsprechend verhalten haben, bis zu den Ausschließungs- Bestimmungen gelangt. davon gemacht hatte. Dieser habe dann veranlaßt, daß sind bereits von den Fabrikanten entlassen worden und werden gegen Paul Strafantrag gestellt wurde. E3 wurde in ihre Rechte geltend machen. Scharf gerügt wurde das der Berhandlung festgestellt, daß Warniz einmal an Berhalten des Werkführers Herzing in der Fabrik von Silber u. einem Tanzvergnügen theil genommen hatte und hierfür Brandt, indem derselbe sich dazu hergiebt, die Arbeiten der alle übrigen Streifenden anzufertigen, trotzdem er immer behauptete, der von seiner Behörde bestraft worden war, Gerüchte über ihn waren unwahr. Während der Staats- Leiter von großen Streits in Desterreich gewesen zu sein. Eine anwalt beantragte, den Angeklagten wegen übler Nachrede mit Anzahl Entlassungsscheine wurden in der Versammlung vors einer Geldstrafe von 10 M. zu belegen, führte der Vertheidiger, gezeigt, auf welchen Vermerte vorhanden und das Wort Rechtsanwalt Moffe, aus, daß Paul zu seinen Aeußerungen ordnungsmäßig vor Entlassung durchstrichen war. Diese Scheine provozirt worden sei, sich auch gewissermaßen in Wahrnehmung sollen der Kommission eingehändigt werden, die geeignete berechtigter Interessen befunden habe, da er geglaubt habe, die Fragen des Wachtmeisters beantworten zu müssen. Der Gerichtsbof konnte dieser Auffassung zwar nicht beitreten, erkannte aber nur auf eine Geldstrafe von drei Mart. Soziale Rechtspflege. Schritte zu unternehmen gedenkt, um eine Aenderung herbeizuführen. Bekannt gegeben wurde noch, daß die Streiftommission aus brei Personen besteht. Alle auf die Bewegung bezüglichen Vortommnisse sind im Streitbureau: Georgenkirchftr. 65, Telephon Amt VII Nr. 1593 im Restaurant von Späth zu melden. Das Bureau ist geöffnet von 10 bis 12 und 2 bis 5 Uhr. Alle Gelder, Listen u. s. w. sind an den Raffirer R. Rempe, Weinftraße 12, zu senden. Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf das Gedeihen der Bewegung wurde hierauf die sehr zahlreich besuchte Bersammlung geschloffen. Bolts- 3t." Versammlungen. Der und Arbeiter- Bildungsschule. Freitag Abend 9 Uhr bis 10% Uhr: Süd oft Schule, Waldemarstr. 14: Nationalötonomie.( Die Marr Engels'schen Lehren. Werth, Mehrwerth, Kapital.) Herr Dr. Alfred Bern stein. Norb Schule, Müllerstr. 179 a: Rebe uebung.( Die wichtigsten Gesetze für die Kunft des öffentlichen Redens. Lehre vom Aufbau eines Bortrages.) Herr Heinrich Schulz. Die Schulräume sind zur Benygung der Bibliothet und des reichhaltigen Zeitschriftenmaterials schon von 8 uhr an geöffnet. Arbeiter- Sängerbund Berlins und Umgegend. Bersigender Ad. Neumann, Basewalterstr. 3. Alle Aenderungen im Bereinskalender sind zu richten an Friedrich Kortum, Manteuffelstr. 49, v. 2 Tr. Arbeiter Raucherbund Berlins und Kmgegend. Nenderungen im Vereinstalender sind zu richten an Otto Schulz, Rottbuserdamm 72. Bund der geselligen Arbeitervereine Berlins und Umgegend alle Buschriften den Bund betreffend find zu richten an: Hermann Jahn, Schönhauser Allee 177 c. Mit der Entschädigungsklage eines Mail- Coach- Führers gegen die Pferdehändlerfirma S. und F. Berg hatte sich gestern Das Gewerbegericht unter Vorsitz des Assessors v. Schulz zum dritten Male zu befassen. Die genannte Firma, welche der Mail Coach- Gesellschaft gegenüber vertraglich zur Gespannleistung verpflichtet ist, hatte sich die benöthigten Viererfahrer aus England tommen lassen, war aber bald mit denselben in Differenzen gerathen, die sie veraulaßte, einen nach dem anderen durch Deutsche zu ersetzen. Auch den Kläger May ereilte das Schicksal der Entlaffung. Er klagte, vertreten durch Weigert, vorläufig auf Bahlung von 80 M., indem er sich später eventuell fällig werdende Ent- Der Bremswärter Otto Bäumlinger aus Schöneberg schädigungsansprüche bis zu etwa 800 M. vorbehielt. Der Vertreter hatte sich am 7. Mai im Marienfelder Vorortszuge an einem der Firma, Herr E. Berg erklärte die Entlassung mit der Begründung zwölfjährigen Mädchen unfittlich vergriffen. Das Landgericht II für ungerechtfertigt, der Kläger habe gelegentlich eines Wortwechsels bestrafte den Beamten, der Familienvater ist, mit 6 Monaten geäußert, wenn er nicht mehr Lohn( wie 160 M. monatlich) oder Gefängniß. mehr Trinkgelder bekomme, dann werfe er mal die vollbesetzte Ein frommer Waisenvater. Der„ Bolls 3t." zufolge Coach um. Thatsächlich seien dann auch, fährt Beklagter fort, zwei verurtheilte die Straftammer in Ostrowo den Hausbesizer Knappe, Pferde des Klägers einige Stunden darauf gefallen, was auf Absicht der als Waisenvater des evangelischen Martinſtifts mit mehreren schließen lasse. Kläger bestritt die Richtigkeit dieser Behauptungen, Mädchen unzüchtige Handlungen vorgenommen hat, gt 5 Jahren während der Diener Pilz der mit dem Kläger den fraglichen Wort- Buchthaus und zehn Jahren Ehrverlust. Die Verurtheilung wechfel hatte, als Zeuge bestimmt aussagte, die erwähnte Aeuße- erregt großes Aufsehen, da Knappe in Oftrrwo in großem Anrung, das Umwerfen der Coach betreffend, habe Way fehen stand und Mitbegründer des evangelischen Jünglingsgethan. Der Oberstallmeister des Kaisers, Graf Wedel, gab vereins ist. das von ihm erforderte Sachverständigen- Gutachten dahin ab, daß es nicht in der Macht des Viererfahrers liege, bestimmte Pferde inmitten des Straßendammes absichtlich zu Falle zugbringen. Da der Kläger auch dem Zeugniß des Pilz gegens Die Holzarbeiter nahmen am Mittwoch in einer öffentüber bei der Verneinung jeder Böswilligkeit verblieb, so beschloß lichen Versammlung bei Keller Stellung zu den in ihrem Berufe das Gericht auf Antrag Weigert's, noch einen Sachverständigen gegenwärtig vorhandenen Streits und Aussperrungen. zu hören. Derfelbe sollte feststellen, ob der Diener Pilz, der in Referent Glocke behandelte die hiesigen Streits der ParquetbodenEngland zwei Jahre lang Kellner war, des Englischen so mächtig leger und der Musikinstrumenten- Arbeiter sei, daß er den Kläger nicht mißverfiehen konnte. Der Sachpräzisirte die Stellung Der Bolgarbeiter im allgemeinen, sowie Depeliften und lehte Nachrichten. verständige Dr. Wolf, Direktor einer Akademie für neuere Sprachen, die des Holzarbeiter- Berbandes im besonderen. Während der Bamberg, 28. Mai.( Privatdepesche des Borw.") Die ließ sowohl Pilz, als May zu sich kommen und stellte die noth- Streit der Bodenleger zu gunsten der Arbeiter nahezu beendet Generalversammlung der Algemeinen Kranken- und Sterbekasse wendigen Beobachtungen an. Er kam zu dem Resultat, daß sei und nur ca. 30 Streifende noch zu placiren find, zeigten die der Metallarbeiter lehnte einstimmig ab den§ 10 Abs. 6 des Pilz wohl die Sprache des gebildeten Engländers voll und ganz Klavierarbeiter noch nicht die Absicht, ihren Streit zu Statuts. Derselbe lautet: verstehe, nicht aber den Dialekt des Mannes aus dem Volke aus- beenden. Da es sich auch bei dieser, wie bei allen Ist jedoch der Krankengeldbezug mindestens zwei Jahre reichend beherrsche. Der Zeuge selbst gab im gestrigen Termin diesjährigen Bewegungen der Holzarbeiter um Verkürzung unterbrochen, so gilt die Krankheit als beendet, wenn nicht durch Bit, daß er nach dem Examen bei Dr. Wolf sein der Arbeitszeit in erster Linie handelte, so sei die Forderung den Vertrauensarzt bezeugt wird, daß es sich thatsächlich um eine vorlegten Termin abgegebenes bestimmtes Beugniß der Instrumentenarbeiter völlig gerechtfertigt, da der Druck auf Fortfehung der früheren Krankheit handelt. nicht mehr aufrechterhalten tönne und daß er möglicher die Löhne auch in diesem Beruf immer bedenklicher wurde. Das Aachen, 28. Mai.( W. T. B.) Internationaler Bergweise den Man doch falsch verstanden habe. Woraufhin die be- Verhalten der Fabrikanten, welche die Ausständigen zur bearbeiter- Kongreß. Die franzöfifch belgische Resolution, nach flagte Firma verurtheilt wurde. Der Nachweis dafür, daß dingungslosen Unterwerfung zwingen wollen, das anerkennens welcher die Arbeitgeber für alle Unfälle haftbar sind, wurde mit ein geseglicher Entlassungsgrund vorliege, sei nicht erbracht werthe muthige Aushalten der Streifenden, trotz geringer Unter- allen gegen die Stimmen der National- Federation angenommen; der worden. Die Verhandlung war mit Schwierigkeiten verknüpft, ftüßung, ohne daß sich eine nennenswerthe Bahl von Streif Antrag der Deutschen, nach welchem der Kongreß alle da May kein Wort deutsch versteht und deshalb ein Dolmetscher brechern fand, fordert naturgemäß jeden Holzarbeiter heraus, zwei Jahre stattfinden soll, wurde abgelehnt und ein jährherangezogen werden mußte. In einem zweiten Klagefalle den Streifenden die vollste Solidarität zu bekunden. Kritit liches Tagen beschlossen. Der nächste Kongreß findet in gegen S. und F. Berg der Kläger war ebenfalls ein Eng zu üben an der Tattit der Klavierarbeiter sei zur Zeit London statt; zu demselben ergehen Einladungen auch an die länder fam ein Vergleich zu stande. nicht am Plage, dazu werde sich nach Beendigung des asiatischen Russen und Amerikaner. In das Komitee für den In Sachen der Münchener Kellnerinnen gegen Herrn Streits Gelegenheit bieten. Darum sei es Pflicht aller Holz- nächstjährigen Kongreß wurde Pickard als Sekretär und Burt Brüchner in Kairo" wurde gestern abermals vor dem Gewerbe- arbeiter, nach beften Kräften den Klavirarbeitern zum Siege zu als Schahmeister gewählt. Hierauf wurde der Kongreß geschlossen. gericht verhandelt. Drei von den sechs Mädchen, deren erste verhelfen. Umsomehr sei dies erforderlich, da bei einem Miß- Koburg, 28. Mai.( W. T. B.) Nach genauer Feststellung Klage durch die Auferlegung eines Eides vorläufig erledigt lingen des Streits viele Klaviermacher wieder als Tischler hat der gestrige Brand im benachbarten Wiesenfeld die Kirche, die Berufung ist zulässig haben die seit jener arbeiten und dadurch den Arbeitsmarkt nicht zum Vortheil der 10 Wohnhäuser und 28 Scheunen vernichtet. Urtheilsfällung neu fällig gewordenen Ansprüche geltend gemacht. Tischler belasten würden. Ganz außer Zweifel stehe aber Ansbach, 28. Mai.( W. T. B.)( Reichstags Ersahwahl Herr Brüchner erhob diesmal den Einwand, daß das Gewerbegericht die Berechtigung des Kampfes der Lauterberger Stuhlmacher im Wahlkreise Ansbach- Schwabach.) Bis jetzt sind gezählt für unzuständig sei, weil sich die Thätigkeit der Klägerinnen auf gegen die Versuche der Fabrikanten, ihren Arbeitern das Courad( Volkspartei) 2214, Tröltsch( natl.) 1198, Hufnagel( t.) Treptower Gebiet vollzog, dort abgerechnet wurde und er wie gefeßlich gewährleistete Koalitionsrecht zu entreißen. Redner 1621, Baumeister( S03.) 1760 Stimmen. die Mädchen daselbst wohnten. In Berlin hätten diese und er schildert eingehend den Verlauf der Aussperrung und und Rom, 28. Mai.( W. T. B.) Jm Bureau der Kammer tagte nur geschlafen. Außerdem wünschte Brüchner Herrn Weigert zeigt der Versammlung die Nothwendigkeit auch die Nothwendigkeit auch hier, heute Vormittag eine Kommission, die noch heute in der Kammer nicht als Vertreter der Klägerinnen zuzulassen, indem er ihm wie es schon von feiten des Verbandes geschehen, ihren Bericht über das Verlangen um Ermächtigung zur Ver gewerbsmäßige Vertretung vor Gericht vorwarf. Letzteres Ver- helfend nach besten Kräften einzugreifen. Nachdem der Referent folgung des Generals Baratieri durch das Militärgericht vorlegen langen wies das Gericht mit der Begründung ab, daß Weigert, wie noch auf die übrigen in Aussicht stehenden Bewegungen hin- wird. Die Kommission hat sich einstimmig für die Verfolgung notorisch sei, höchstens materiellen Nachtheil, aber feinerlei Vor- gewiesen, welche aus verschiedenen Provinzstädten angefündigt Baratieri's erklärt. theil von der Vertretung habe. Der Zuständigkeitseinwand wurde sind, wird in die Diskussion eingetreten. Es betheiligen sich Rom, 28. Mai.( W. T. B.) Deputirtenkammer. Ministerebenfalls zurückgewiesen. Das Berliner Gewerbegericht sei zu daran die Drechsler Tiegelkamp und Kunze, welche auch die Präsident di Rudini erklärt, die Regierung werde einen Gesetzständig, weil mindestens ein Theil der Verpflichtungen des Be Drechsler berücksichtigt zu sehen wünschen. Die übrigen Redner entwurf in betreff der Reform der Wahlen vorlegen. flagten in Berlin erfüllt worden sei, z. B. hätten die Klägerinnen Former, Wiedemann und Karow äußern sich im Sinne New- York, 28. Mai.( W. T. B.) Nach den letzten Nachin dessen Hause in der Fidicinstraße logirt und dafür für jede Nacht des Referenten. Die Versammlung nimmt schließlich folgende richten war die durch den Zyklon in St. Louis hervorgerufene 60 Pf. zu entrichten gehabt. Ferner habe Beklagter aber auch seinen Resolution einstimmig an: Die Versammlung erflärt sich mit Ratastrophe noch viel schlimmer, als es zuerst den Anschein hatte. Einwand nicht gleich beim Beginn der Verhandlung erhoben, was den Ausführungen des Referenten einverstanden und verpflichtet Die Zahl der in St. Louis allein Umgekommenen wird auf 1000, er nach der Zivil- Prozeßordnung hätte thun müssen. Nachdem sich vor allem, für die ausständigen Berliner Klavierarbeiter und der im östlichen St. Louis Getödteten auf 300 geschätzt. Der dann drei Zeuginnen mit großer Bestimmtheit ausgesagt hatten, Bodenleger, sowie für die Lauterberger Tischler in moralischer Schaden soll viele Millionen betragen. im wurde % Verantwortlicher Redakteur: Auguft Jacobey, Berlin. Für den Inseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berliu. Druck und Verlag von Max Vading in Berlin. Hierzu 1 Beilage Beilage zum„Vorwärts" Berliner VoMIatt. Ur. 123. Freitag, den 29 Mai 1896. 13. Jaljvg. VN. Inkernslkionakev VeegArbeikev � Vongretz. Aachen, 27. Mai 1SS6. Zum Tagespräfidenten wurde heute der Franzose Calvignac gewählt. Die Diskussion über die Schiedsgerichte und den Minimal- lohn wird fortgesetzt. S a ch ß e- Zwickau: Wenn wir gegen die Schiedsgerichte sind, fo sind wir das nicht aus prinzipiellen Gründen, sondern weil wir es in Deulschland mit einem zu brutalen Unternehmer- thum zu thun haben und unsere Organisation zu schwach ist. S t a r ck- Oesterreich: Wir haben gar keine Ursache, über Versöhnungskonimissionen nachzudenken, wir halten sie für eine reaktionäre Einrichtung. Unsere österreichischen Arbeitgeber wollen nichts von Versöhnung wissen, ich erinnere an Mährisch-Ostrau, wo das Blut von Bergarbeitern geflossen ist. Wir wollen auch keine Ver- söhiiung, sondern Kampf, nicht gegen einzelne Personen, aber den Klassenkampf. Wir sind gegen die Versöhnungsämter, auch wenn sie«inen Minimallohn festsetzen sollten und ich beantrage diesen ganzen reaktionären Punkt von der Tagesordnung abzu- setzen. L a n> e n d i n- Frankreich: In England scheint man mit de» Schiedsgerichten gute Erfahrungen gemacht zu haben, er ivolle auch deswegen prinzipielle Einwendungen nicht erheben. I» Frankreich habe man allerdings weniger gute Erfahrungen gemacht. Das Streikrecht dürfe nicht beschränkt werden. C a v r o t° Belgien: In Belgien habe man mit den Einignngs- ämtern sehr trübe Erfahrungen gemacht, daß belgische Unter- nehmerthum sei bester organisirt, als die belgischen Arbeiter. Abraham- England, M. P.: Die bisherige Diskussion hat ergeben, daß die Frage noch nicht für internationale Kon- greste spruchreif sei, denn die einzelnen Nationen seien unter sich nicht einmal einig. Die Deutschen erklären sich bereit, die ganze Frage von der Tagesordnung abzusetzen. Die Mehrheit des Kongresses beschließt aber eine Fortsetzung der Diskussion. Die Deutschen haben ihren Antrag wie folgt begründet: .Die Vertretungen oder Organisationen der Bergarbeiter der einzelnen Länder mögen jeweilig einen bestimmten, ihre» be- sonderen Verhältnissen und der Konjunktur entsprechenden Minimal-Durchschnittslohn festsetzen, an welchem bei den Lohn- bestrebungen festzuhalten ist, damit die Agitation für die Lohn- erhöhung eine feste Grundlage erhält." Möller- Wattenscheid begründet die neue Fastung, die alle Mißverständnisse ausschließe. Calvignac- Frankreich macht einige Mittheilungen über die in Frankreich bestehende Einrichtung der fakultativen SchiedS- gerichte, die wegen des Widerstandes der Unternehmer nur selten in Wirksamkeit treten. Er schließt sich dem deutschen Antrag« in feiner neuen Fassung an und bekämpft die Anschauungen von Stracker und Boyle, den.beiden konservativen Trabes Unionisten". W h i t f i e l d- England(unabhängige Arbeiterpartei) po- lemifirt gegen seine englischen Kollegen Stracker und Boyle. Die Diskussion ist damit erschöpft. Die Engländer erklären ihren Antrag zu gunsten de? deutschen Antrages zurückziehen zu wollen. Bei der Abstimmung kommt zunächst daS Amendement Etracker-Boyle, daS sich gegen den Minimalloh» erklärt, an die Reihe, Es wird gegen die Stimmen von vier Delegirten auS Northumberland abgelehnt. Die Delegirten auS Südwales und Durham enthielten sich der Abstimmung. Die MinerS Föderation wie die Delegirten der anderen Länder stimmten einstimmig dagegen. Mit fast dem gleichen Stimmenverhältnisse wird darauf die Resolution der Deutschen angenommen. Hierauf tritt die Mittagspause ein. Nachmittags tritt der Kongreß in die Berathung des «. Punktes der Tagesordnung,„Ueberproduktion", ein. Deutschland beantragt:.Verbot aller Ueberstunden, die direkt oder indirekt die Produktion vermehren." Frankreich und Belgien beantragen, die Produktion der Kohlen zu beschränken und mit dem Bedarf in Verhältniß zu bringen. Mühle nbeck- Essen begründet den deutschen Antrag im Interesse der Verminderung der übergroßen Reserve-Armee. Möller- Weitmar unterst ü tz t den Antrag. C a l v ae r t- Belgien tritt für Regelung der Produktion im Interesse der vielen Arbeitslosen ein. Eine Diskussion wird nicht beliebt, wenigsten? ist die Mehr- heit deS Bnreaus der Ansicht. Calvignac- Frankreich ist aber anderer Ansicht, er will selbst noch reden und meint, die Diskufsion sei noch nicht geschlossen worden. Pickard macht ihn darauf aufmerksam, daß er als Tagespräsideut heute nicht in der Diskussion reden dürfe. Calvignac wird darob sehr erregt und legt nach einigen heftige» Worten da? Präsidium nieder. L a m e n d i n- Frankreich erklärt nun, Calvignac habe gar keine lange Rede halten, sondern nur die Frage stellen wollen, ob nach dem in Berlin gefaßten Beschlüsse das Material über die Ueberproduktion gesammelt worden sei, auch bezüglich de? Systems Lewy. P i ck a r d erklärt sich zur Beantwortung dieser Frage bereit und bittet Calvignac, daS Präsidium wieder zu übernehmen. Calvignac übernimmt unter allseitigem, lebhaftem Beifall wieder den Vorsitz. Er sei der Meinung gewesen, daß in Berlin daS Geschäftskomitee den Austrag erhallen habe, die Frage der Ueberproduktion zu studiren mit � allem, was mit ihr zusammenhängt. Um alle Mißverständnisse zu beseitigen, beantrage er, dem Geschästskomitee von neuem diesen Auftrag zu ertheileu. Die Abstimmung ergiebt die Annahme beider Resolutionen. Mit Ausnahme der' Northumberländer Delegirten, die sich der Abstimmung enthalten, stimmen sämmtliche Delegirte für beide Anträge. Die Delegirten motiviren ihre Stimmenthaltung damit, daß in ihren Bezirken die Ueberarbeit schon ab- geschafft sei. Es folgt der nächste Punkt der Tagesordnung, die„In- validen-, Pensions- und Krankenkasse n". Deutschland beantragt, die Invaliden-, Pensions- und Kranlenkassen sollen von den Bergarbeitern selbst verwaltet werden, der Staat soll jedoch die Oberaufsicht führe» und die Garantie der Gelder übernehmen. Frankreich und Belgien beantragen Invaliden- und Krankenkassen zu gründen, welche vom Staat garantirt werden. H ü n n i n g h a u s- Bochum begründet den Antrag. Die Bergarbeiter wollten die Verwaltung der Kassen selbst in der Hand haben und für dieses Recht lieber ans die Beiträge der Unternehmer verzichten. Die jetzigen Knappschaflskassen seien nicht geeignet, die Arbeiterinteressen zu fördern. Die Oberaufsicht des Staates sei nöthig wegen der Veruntreuungen, die jetzt bei den Knappschaftskassen vorgekommen seien. Möller- Weitmar unterstützt den Vorredner. L a in e n d i n- Frankreich berichtet über die stattlichen Ver- sicherungskassen, die seit IS94 gesetzlich in Frankreich bestehen. Das Gesetz sei nicht das Ideal der französischen Bergleute, immerhin bedeute es«inen großen Fortschritt und er wünsche jedem Lande ein solches Gesetz. Zu wünschen sei in Frankreich noch bessere Versorgung der Invaliden. C a v r o t berichtet über die Lage des Kastenwesens in Belgien. Eine obligatorische Arbeiterversicherung existirt dort nicht und in jedem Revier seien die Verhältnisse ver- schieden. Aber die Arbeitgeber hätten die Verwaltung der bestehenden Kassen in Händen und die organisirten Arbeiter würden bei den Kassenbezügen benachtheiligt. Nur in dem Berg- werk, wo Cavrot selbst arbeitet, hätten die Arbeiter die Majorität in der Knappschaftskasse. Die Karenzzeit sei in den meisten Kassen sehr groß, die Unterstützung sehr klein. Die Unfall- und Jnvaliditätsversicherung werde hoffentlich jetzt im Parlament in Angriff genommen werden. Ein dementsprechender Entwurf sei im Herbst zu erwarten. Die weitere Diskussion wird hieraus auf Donnerstag früh vertagt. »• • Aachen, 28. Mai.(W. T. B.) Internationaler Bergarbeiterkongreß. In der heutigen Sitzung wurde die von den deutschen Vertretern beantragte Resolution be- treffend die Jnvalidenkaffen, Pensionskassen und Krankenkassen, wonach diese Kasten von den Bergarbeitern selbst verwaltet werden, der Staat jedoch die Oberaufsicht über dieselben führen und die Garantie übernehmen soll, mit Sil 000 gegen 26 000 Stinimen angenommen. Ebenso wurde die von den Frau- zosen und Belgiern beantragte Resolution angenommen, wonach vom Staate garantirte Jnvalidenkaffen und Krankenkassen ge- gründet werden sollen. Die Oesterreicher und Südwalcser ent- hielten sich der Abstimmung über die letztere Resolution. Der deutsche Antrag bezüglich der Grubenaufsicht wurde zu gunsten des weitergehenden französischen und belgischen zurückgezogen; der letztere, welcher verlangt, daß für die ständige Beaufsichtigung der Gruben Inspektoren aus dem Ar- beiterstande zu wählen und denselben eine unabhängige Stellung zu sichern sei, wurde angenommen. Mit 737 000 gegen 126 000 Stimmen gelangte der von den französischen und belgischen Ver- tretern eingebrachte Beschlußantrag zur Annahme, der die Ueber- nähme aller Bergwerke durch den Staat sordert. Für den Antrag stimmten die Franzosen, die Belgier und die Miner's Federation; die Vertreter von Northumberland und der National Federation stimmten dagegen, während die deutschen Vertreter sich der Stimm- abgäbe euthielten._ Uokttles. Arbeiter BildnngSschule. Heute, Freitag Abend, beginnt in beiden Schulen der Unterricht. Da das neue Semester erst vor kurzem begonnen, werden in allen Fächern noch Schüler aufgenommen.(Siehe Lehrplan im Jnseratentheil.) Der Vorstand. Auf daS Inserat, betreffend dieBuchdruckerei-HilfS- arbeiter und-Arbeiterinnen verweisen wir an dieser Stelle ganz besonders. Bou Frau Gerndt, Blumenstr. 26, und von Frau Mesch hat der Herr Polizeikoinmissar Schöne im Auer-Prozeß u. a. die Behauptung wiedergegeben, daß diese unsere Parteigenossinnen sich wegen eines angeblich vom Reichstags-Abgeordneten Stadt- Hägen begangenen Verstoßes gegen die gute Sitte an die Partei- genossen gewandt hätten. In dieser Angelegenheit hat unser Genosse Stadthagen sich bekanntlich bereits in Nr. 116 des„Vorwärts" gebührend ausgelassen. Jetzt geht uns von Frau Gerndt die aus- drückliche Erklärung zu, daß sie sich niemals in irgend einem Zusammenhange mit dem Privatleben unseres Genossen Stadt- Hagen befaßt und am allerwenigsten an irgend einer Stelle einmal Beschwerde über sein sittliches Verhalten geführt habe. Der Zu- träger des Herrn Schöne hat also auch in diesem Punkte infam geschwindelt. Für alle weniger bemittelten Bürger, denen an ihrem Kommunal-Wahlrecht gelegen ist, hat ein Konflikt zwischen dem Berliner Magistrat und der Stadtverordneten-Versammlung große Bedeutung, die gestern den 2. Senat des Ober-Verwaltungsgerichts beschäftigte. Es handelt sich um die Entscheidung zweier Fragen. Erstlich um die, ob§ 77 des neuen Einkommensteuer-Gesotzes das Kommunal-Wahlrecht abhängig gemacht wissen wolle von der Leistung eines Jahressteuersatzes von 4 Mark, der einem Einkommen von 660—900 Mark entspräche, oder von dem thatsächlichen. beziehungsweise als wirklich an- g e n o m m e n e n Jahreseinkommen. Im ersten Falle würden alle diejenigen, die sich nicht an der Kommuualwahl betheiligeu dürfen, deren E i n k o in ni e n wohl 660 M. übersteigt, denen aber bei der Einschätzung nach H 18 des genannten Steuergesetzes für jedes Kind unter 14 Jahren SO M. in Anrechnung gebracht werden, so daß als Maßstab für ihre Besteuerung eine geringere Eunime als 660 M. übrig bleibt. Die zweite zur Entscheidung gestellte Frage war, ob es als„Armenunterstützung aus öffentlichen Milreln" anzusehen sei, wenn die Armendireltion in Krankheitsfällen für die Kosten der Krankenhaus- Verpflegung des an und für sich Wahlberechtigten oder seiner wirthschaftlich unselbständigen Faniilienmiiglieder vorläufig eintrete, der so Unterstützte sich aber der Direktion gegenüber zur ratenweisen Erstattung der Auslage verpflichte, und diese Verpflichtung auch erfülle. Wichtig ist die Erledigung der Frage, weil u. a. nicht wahlberechtigt ist, wer innerhatb des letzten Jahres vor der fraglichen Wayl Armen- Unterstützung aus öffentlichen Mitteln genossen hat.(Städte- Ordnung,§ 6.) Nach beinahe vierstündiger Berathung beschloß der Senat, noch Erhebungen thatfächlicher Natur zu machen und demnächst in der Sache weiter zu verhandeln.— Wir werden seinerzeit über den Fall weiter berichten. Mit der Bearbeitung der Angelegenheiten, betreffend den Betrieb:c. des Hafens am Urban und daS gesammte Lade- und Löschwesen ist ein besonderes Kuratorium beauftragt unter der Firnia:„Kuratorillm für das städtische Lösch- und Lade wesen". Die Geschästsstell- befindet sich im Bureau der Tiesbau-Verwaltung, im Berlinischen Rathhause, Zimmer 100. „Wegen seine» Militärdienst entlassen". Im kapita- listischen Militärstaat wird dem widerwilligen Proletarier- söhn zwar oft genug in die Ohren geschrien, daß er freudig den Kommißrock anziehen und sein Blut für das Vaterland der Reichen opfern müsse, aber gleicherzeit übt mancher Unternehmer nicht die niindeste Rücksicht mit dem Arbeiter, wenn der Militarismus ihn aus seiner bürgerlichen Beschäftigung herausreißt. So unverhüllt aber, wie der Knopffabrikant Emil Marold bekundet, daß er seinen Zlrbeiter auS keinem anderen Grunde ent- lassen habe, als weil dieser zu einer 14lSgigen Hebung eingezogen war, giebt doch selten ein Unternehmer zu erkennen, daß ihm das Wohl und Wehe seiner Ausgedeuteten völlig„Wurst" ist. Ein am 21. d. M. von der Firma ausgestelltes Arbeitszeugniß lautet wörtlich: Bescheinige hiermit daß der Schleifer Herr X. X. in der Zeit vom 2ö. 9. 95 bis zum 3. 5. 96 als Schleifer beschäftig war, und w e g e n s e i n e n M i l i t ä r d i e n st entlassen wurde. pxa. Emil Marold G. Meinicke. Bemerkt sei, daß der Knopffabrikant Emil Marold. Melchior- straße 6. derselbe Herr ist. der sich kürzlich gelegentlich einer Gewerbegerichts- Verhandlung dahin äußerte, daß er lieber 1000 Thaler verlieren ivolle. als einen„Agitator" wieder einstellen, den er in gesetzwidriger Weise entlassen hatte. In der Milchkuranstalt Viktoriapark läßt der Besitzer Grube die Forderungen der Kutscher rundweg ablehnen. Er selber läßt sich zu keiner Verhandlung herbei; er begnügt sich. durch seinen Geschäftsführer„seinen" Leuten mitzutheilen, daß von Lohnerhöhung keine Rede fein könne; wenn die Kutscher auf ihre Forderungen jetzt Verzicht leisteten, so würde er später vielleicht die Stallwache abschaffen. Aber 17—13 Stunden Arbeitszeit täglich(für einen Bettellohn). d a S sei nicht zu viel! Für ihn, der jährlich Tausende und Abertausende an? dem sehr gewinnreichen Geschäft mühelos in die Tasche steckt, gewiß nicht, für die Leute aber, die seit Jahren für ihn thätig sind und jahraus jahrein ihre Familie, ihre Kinder nur SonntagS zu Gesicht bekommen, sind 17 bis 18 Stunden Arbeit viel zu viel. Und ein so stommer, so patriotischer, so ordnungsliebender Mann, wie Herr Grube, müßte das doch auch einsehen! Er weiß doch sonst so schön von der Heiligkeit der Familie, vom häuslichen Glück, von der Liebe zu den Kindern u. s. w. zu reden! Warum zwingt er nun seine Arbeiter zu so langer Arbeitszeit, daß ihnen zu solchem Glücke keine Minute des Tage? übrig bleibt? UebrigenS wissen die Kutscher sich der S y m p a t h i e der Kundschaft des Herrn Grube sicher. Zahlreich sind ihnen auS Lehrer» u n d B e a m t e n k r e i s e n bei ihren Rundfahrten Zusprachen ge» worden, nach denen diese Kreise eine solche Ausbeutung und solch' niedrige Löhne gegenüber fo theuren Preisen für unmöglich gehalten hätten und ihrem Mißfallen darüber lebhasten, für daS Unternehme» nicht schmeichelhaften Ausdruck gaben. Selbst der Geschäftsführer v. Lettow mußte gestern den Kutschern gegenüber erklären: Er könne ihnen die Berechtigung ihreS Vor- gehens nicht absprechen; wenn er mehr Lohn erhalten und seine Stellung verbessern könne, würde er es auch thun— aber der„Herr Rath" lehne die Bewilligung der Forderungen der Arbeiter nach jeder Richtung ab; es hätten sich schon Leute genug gemeldet. Der Herr- Grude spekulire auf die Uneinigkeit der Kutscher. Dabei wird er sich freilich verspekuliren. Die dort beschäftigten Leute sind übrigens entschlossen, auch betreffs einer Reihe weiterer Miß» stände, unter denen beispielsweise auch die Arbeiterinnen zuleide» haben, eine Besserung herbeiznführen. Denn die elenden Löhne werden noch wesentlich dadurch gekürzt, daß wie die Frauen beim Füllen, so auch die Kutscher z. B. für jede Flasche verantwortlich sind, die beim Spülen oder beim Transport zu gründe geht oder Risse bekommt; am Ende des Monats werden pro Flasche 20 Pf. abegezogen, gleichviel ob der Kunde sie dem Kutscher bezahlt hat oder nicht und ganz abgesehen davon, daß die Selbstkosten viel- leicht weniger betragen. Herr Grube macht also um so bessere Geschäfte an den armen Frauen und Kutschern, je mehr diesen beim Füllen und Spülen Flaschen kaput gehen. Ein Theil der Geschäftsunkosten ist somit auf diese ärmsten der LohnsklavtN ab- gewälzt— zum Vortheil des reichen Unternehmers! Wie die Direktion der Packetfahrt-Aktiengesevschast ihr Ehrenwort hält. UnS wird von feiten der organisirten An» gestellten der Gesellschaft geschrieben: Die Packetfahrt-An- gestellten hatten in der Lohnbewegung die selbstverständliche Forderung aufgestellt, daß keiner der Betheiligten gemaßregelt werden dürfe. Sowohl gegenüber der Lohnkommissivn als auch vor dem Gewerbegericht gab die Direktion daraufhin«in dieser Forderung entsprechendes Ehrenwort ab. AlS kaum acht Tage nach der erfolgten Einigung vergangen waren, wurde das Verbandsmitglied V. entlassen; wiederum acht Tage später die Verbandsmitglieder Sch. K. R. und St. An die Stelle derselben wurden acht Leute vom frommen Verein der Berliner Hausdiener eingestellt. ES kommt hinzu. daß am Freitag der Vertrauensmann F. gekündigt wurde. Auch der Umgangston der Direktion hat sich sehr bezeichnend verschärft. Als Ende voriger Woche einer der Angestellten der Direktion eine gemeinsame Beschwerde der Vertrauensleute überreichte, sagte Herr von Lindheim, daß die Betreffenden vor die Thür gesetzt würden, wenn solche? noch einmal geschehe. Die Angestellten dürften fortan nur einzeln ihre Be- schwerden vorbringen. Die Direktion der Packetfahrt-Aktiengesellschaft ist im Irr- thum, wenn sie glaubt, mit derartigen Maßnahmen etwa? erreichen zu können; es kann ihr verrathen werden, daß von den rund 800 Angestellten bereits über 650 organisirt sind und daß die Organisation vollauf ihrer Pflichten eingedenk ist. Die Berliner Gemeindeschule» i» Treptow. In dem Bericht über das Gebäude für Echuleinrichtungen auf der Gewerbe-Ausstellung, welchen wir in Nummer 120 brachten, findet sich die Bemerkung, daß die Berliner öffentlichen Schulen in ihren Leistungen und Einrichtungen nicht vertreten seien. ES ist das zwar richtig, soweit es sich auf das erwähnte Gebäude bezieht, aber in der Gewerbe-Ausstellung überhaupt sind sie vertreten. Die Stadt Berlin hat bekanntlich einen eigenen Pavillon in Treptow errichtet, in welchem die ver- schiedensten Gemeinde-Einrichtungen in Modellen und Zeichnungen dargestellt sind, und in welchem auch das öffentliche Schulwesen Berlins eine Stelle gefunden hat. Die Ausstellung der Stadt Berlin gehört zu dem schönsten und besten, was man in Treptow sehen kann. Der Theil, welcher dem öffentlichen Schulwesen gewidmet ist, ist aber verhältnißmäßig gering. Es befinden sich dort eine Anzahl von Zeich- nungen, welche die Anlage von höheren und von Ge- meindeschulen, besonders auch ihre Einrichtungen in gesund- heitlicher Beziehung, also ihre HeizungS- und Lüftungsanlagen veranschaulichen sollen. Die Vertheilung der Gemeindeschulen über die Stadt zeigt ein horizontal liegender Plan von Berlin. auf welchem die einzelnen Schulen durch kleine Hölzchen hervor- treten; durch Drähte sollen dabei die Wege, welche die Kinder in den einzelnen Stadtbezirken bis zur Schule zurückzulegen haben, angedeutet werden. Uebersichtlicher als diese Darstellung ist«ine Zeichnung, in welcher das Anwachsen der Scbulklassen vom Jahre 1869 bis 1895 dargestellt ist. Im Herbst 1869 waren von 557 im ganzen vorhandenen Klassen 131, also 23,5 pCt., in Miethsräumen unter- gebracht; die Zahl der Klassen ist auf 3540, also um mehr al? das Sechsfache gestiegen, während die in gemietheten Räumen untergebrachten nur auf 175 angewachsen ist. Freilich komme» dazu noch 69 sog. fliegende Klassen, welche einen großen Uebelstand für die in solchen unterrichteten Kinder bilden. Wenn man also bedenkt, daß die Zahl der fliegenden Klassen 1890 noch 120 betrug, und die in Miethsräumen untergebrachten 1385 auf 536 gestiegen war, so kann man den städtischen Behörden die Anerkennung nicht versagen, daß sie wenigstens diese Uebelstände zu beseitigen streben. Von sonstigen Mängeln, wie Uebersüllung der Klassen u. a. war in der Ausstellung nichts wahrzunehmen. Auch hat die Schulverwaltung es unterlassen, die Leistungen der Gemeindsschüler vorzuführen. Dagegen haben die städtischen Fach- und Gewerbeschulen eine reiche Zahl von Arbeiten ausgestellt, welche die Leistungen ihrer Schüler und damit der Schulen in einem sehr guten Lichte erscheine» lassen; auf grund dieser Ausstellung muß man zu dem Urtheil lammen, daß die Schulen ihre Ausgabe in ausgezeichneter Weise erfülle». Gegen die Fleischlieferunge«, die in der„Vollst ernähruug" des Herrn Abraham Verwendung finden, werden neue Vorwürfe erhoben. Herr Burg, der Altmeister der Berliner Schlächter-Jnnnng. hat festgestellt, daß die„VolkSernährung" von einein Fleischhcindler H. Hierselbst sogenanntes Kopffleisch, das ist Ausschnittfleisch von Rinderlöpfen bezieht, eine Fleischsorte. die mit etwa 20 Pfennigen pro Pfund bezahlt wird. Es ist ein sehniges Fleisch, welches gekocht eine trübe, leimige Brühe giebt Dieses Fleisch findet nun aber in der„Volksernährung" «och dazu eine Bearbeitung, die geradezu ekelerregend sein soll und von Herrn Burg als eine„bodenlose Schweinerei" bezeichnet wird. Man unterläßt es nämlich, die dicken widerlichen Schleim- häute zu entfernen, die diesen, Kopffleisch anhaften und die bei jeder Bearbeitung, die irgendwie auf Appetitlichkeit Anspruch machen will, beseitigt werden. Herr Burg fand selbst in einer Portion Goulasch verschiedene Stuckchen Kopffleisch, an dem diese Schleimhüure noch saßen. Ferner wird zur Fleischkonfiskation noch gemeldet: Nachher Konfiszirungvon 3>/« Zentnern verdorbenen Fleisches hatte Herr Abraham in öffentlichen Erklärungen be- hauptet, daß es sich nur um eine Probesendung gehandelt habe. Inzwischen ist festgestellt worden, daß die beschlagnahmte Sendung mindestens die dritte von demselben Lieferanten war. Es ist ferner unwahr, schreibt das offenbar gut unterrichtete „T. K.", daß die Fleischpackete vom Wagen herunter beschlag- nahmt wurden. Sie befanden sich schon in dem Keller des Ge- bäudes für„Vollseriiährmig" und auch zum theil schon in der Verarbeitung. Denn ein Schlächter des Herrn Abraham war mit seinen Gesellen dabei, das Fleisch zu zerlegen, als die Beamten die Fleischsendung suchten, und sagte:„Wären Sie etwas später gekommen, dann wäre schon etwas verarbeitet." Herr Abraham will glauben machen, daß er bei dem Eintreffen der beschlag- nahmlen Sendung nicht in dem Geschäftsraum„Volksernährung" anwesend gewesen wäre. Derselbe war aber bestimmt zur Stelle, als das ungenießbare Fleisch zum Zwecke der Untersuchung ver- laden wurde.— Zu der Angelegenheit des Etablissements für „Volksernährung" erfährt die„Allgem. Fleischer-Zeitung" noch, daß wegen des neulich ununtersucht aus Mecklenburg eingeführten kraicken Fleisches der Amlsvorsteher zu Treptow gegen den Lieferanten Jde-Grevesmühlen und gegen den Besitzer und Leiter der„Volksernährung", Abraham, Antrag auf Vernehmung gestellt hat. Wie uns ferner berichtet wird, beabsichtigt der Treptower Aiutsvorsteher, daS Polizeipräsidium zu ersuchen, daß es wöchent- lich in den Restaurationen in der Gewcrbe-AuSstellung Revisionen durch Thierärzte vornehmen läßt. Die Arbeitseinstellung der fervirende» Damen in der Konditorei von Bruno Pache auf der Gewerbe-Ausstellung hat noch ein kleines, nicht ganz uninteressantes Nachspiel gehabt. Ueber den Vorfall berichteten wir am Mittwoch und wurde unsere Mittheilung sofort von den betreffende» Damen mit großem Vergnügen, von Herrn Pache dagegen mit großem Miß- vergnügen gelesen. In seinem Unmuthe war er sofort zu einer geharnischten„Berichtigung" gewillt und suchte hierzu die Zu- stinunung und die Namensunterschrifl der 12 Damen zu er- halten. Diese waren hierzu indessen keineswegs bereit, da ihrer Meinung nach nichts zu berichtigen ist als ein Jrrthnm, den mir gleich aus eigenem Antriebe richtig stellen wollen, um Herrn Pache dieser Mühe zu entheben. Wir hatten nämlich gesagt, die Servirdamen erhielten von Herrn Pache nur die Dienstkleidung geliefert, wären aber sonst ohne Gehalt angestellt. Uns war dabei entgangen, daß die Damen pro Person von Herrn Pache monatlich 10 M. beziehen. Da die Damen aber außerhalb der Anstalt wohnen, so sind die fraglichen 10 M. doch höchstens als eine kleine Vergütung für die täglichen Fahrkosten nach und von der Arbeitsstätte zu betrachten. Als ein„Gehalt" können die 10 M. schlechterdings doch wohl kaum angesehen werden. Erfreulich ist auch bei dieser Gelegenheit wieder der feste Zusammenhalt der weiblichen Angestellten. Mit der elektrischen Velenchtung in der Ausstellung will es noch immer nicht recht klappen und ganz besonders finden noch fortgesetzte Störungen bei der Zentrale des Vergnügungs- parkes statt. Gestern Abend gegen iWz Uhr erloschen dortselbst in den Theatern— während der Vorstellung— urplötzlich alle Flammen. Wie es heißt, ist dieses Vorkonmmiß infolge Durch. brennen der Verpackung hervorgerufen. Es dauerte längere Zeit, «h« Stromlieferung wieder stattfinden konnte. Ei» elektrischer Funke als Unfugtreiber allarmirte am gestrigen Tage in der Gewerhe-Ausstellung die Feuerwehr. Ein Veleuchtungsdrahl war mit der Leitung des Feuermelders im Mariue-PanoramainBerÜhrnnggekommenundsetztedieHauptwache in Bewegmig. Nachdem der Urheber deS groben Unfugs ermittelt, wurde der Schaden sofort beseitigt. I» der Nacht zum Mittwoch gegen 3 Uhr entstand in dem großen Kesselhause der Ausstellung jedenfalls infolg« Ueber« Heizung ein größeres Schadenfeuer, welches zu der Meldung Mittelseuer Veranlassung gab und 11 Löschzüge von Berlin nach Treptow berief. Di« in der Ausstellung stationirte Dampfspritze gab mit drei Rohrleitungen so energisch Wasser, daß der Brand, welcher die untere Holzverschalung des Gebäudes ergriffen, inner- halb einer halben Stunde gelöscht wurde. Die AusräumungS- arbeiten zogen sich bis gegen 7 Uhr früh hin. Im Laufe deZ Vormittags fanden zwei irrthümliche Brandmeldungen statt. Zur Feststellung der höchstmöglichen Fahrgeschwindig- keit werden seit einiger Zeit auf der B e r l i n- G ö r l i tz e r Bahn, und zwar auf der Streck« von Berlin bis Lübbenau, mit kurzen Unterbrechungen Probefahrten unternommen. Für dieselben ist in Berlin eine besondere Schnellzugmaschine ganz neuer Konstruktion, mit vier, statt sonst zwei Zylindern gebaut worden, deren Treibräder«inen Durchmesser von zwei Metern aufweisen, wodurch die ins Auge fallende bedeutende Höhe der Maschine bedingt wird. Bei den Probe- fahrten ist die Zugbelastung der letzteren sehr verschieden ge- wesen und zwar bis zu 100 Achsen. Auf diese Weise find bei einer Belastung mit 30 Achsen als h ö ch st e Leistung 100 Kilo- meter in der Stunde festgestellt worden, also noch 20 Kilometer mehr, als die bisher höchste Fahrgeschwindigkeit des schnellsten unserer Blitzzüge, des v-Znges Berlin-Hamburg beträgt, welcher die 280 Kilometer lange Strecke in 3�/» Stunden durch- saust, während die Geschwindigkeit der gewöhnlichen Schnellzüge nur 70 Kilometer erreicht. Dabei soll auch jene bei den Probe- fahrten erzielte Höchstleistung noch überschritten werden können. Sämmtliche Fahrten, bei denen auf den Zwischen- stationen nicht nur nicht gehalten, sondern sogar die Bahnhöfe mit unverminderter Geschwindigkeit passirt wurden, sind bisher ohne jeden Zwischenfall verlaufen. Verschiedene Aendernnge« der Postordnung für das Deutsche Reich treten am 1. Juni in Kraft: Postnachnahmen bis 400 M. einschließlich werden bei Briefen, Postkarten, Druck- fachen und Waarenproben sowie bei Packeten zugelassen. Dabei ist das Meistgewicht der Briefe, Drucksachen, Waarenproben und Packete gleich demjenigen der gleichartigen Sendungen ohne Nachnahme. Durch diese Zulassung der Nachnahme auf Druck- fachen jeden Gewichts find die Postaufträge zu Bücherpvst- sendungen überflüssig geworden und kommen in Wegfall. — Den Landbrieflrägern können auf ihren Bestellgängen zur Ab- lieferung an die Postanstalt neben gewöhnlichen Packeten auch Einschreibpackete luitgegeben werden.— Wenn künftig Einschreib- sent»»gen, Postailweisungen, telegraphische Postanweisungen und Sendungen mit Wertbangabe vom Absender mit dem Vermerk „Eigenhändig" versehen werden, so müssen dieselben stets von den bestellenden Boten der Bestimm u:>z?pöstanstalt abgetragen werden, auch wenn der Adressat ein« AbholungSnklärung auf der Post hinterlegt hat. Die Bestellung erfolgt solchen Falles nur an den Adressaten selbst. Der schwere NttgliickSfall, der sich am 1. Pstngstfeiertag an der gefährlichen Kreuzungsstelle der Eisenbahngeleise am Els- graben ereignete, sollte, wie der„Anz. f. d. Havelland" schreibt, die Bahnbehörde veranlasse», nunmehr endlich mit aller Energie eine Verbesserung unseres Vorortsverkehrs herbeizuführen. Es ist allerdings richtig, daß niemand ans der Plattform des Wagens zu stehen hat»nd jeder, der dies« benutzt, für die Folgen verantwortlich ist. Daß aber Wagen mit Plalt- formen für den Vorortsverkehr benutzt werden, ist nicht zweckmäßig, da das Publikum bei starkem Andrang und der Kurze deS Bahnhofsaufenthalts nicht die Zeit hat, um von vorn oder hinten in die Wagen zu klettern und sich zu überzeugen, ob der Wagen besetzt ist oder nicht. Hat man ein- mal einen solchen Wagen bestiegen, so muß man in ihm bleiben und so kommt es namentlich bei starkem Verkehr stets vor, daß das Publikum eng zusammengekeilt während der ganzen Fahrt im Wagen stehen muß. Daß dann der eine oder der andere sich schließlich auf die Plattform hinauswagt, ist erklärlich. Das für die Vorortszüge benutzte Wageninaterial ist theilweise derartig altes Gerümpel, daß man es längst hätte ausmerzen solle». Schließlich aber sollte die Bahnverwaltnng wenigstens für die Sicherheit ihrer Fahrgäste sorgen; indeß ist trotz der Unglücks- fälle bei Ruhleben seit dem vorigen Jahre die gefährliche Kreuzung der Geleise noch nicht beseitigt. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich Mittwoch Nachmittag auf der Köpenicker Landstraße. Gegen 4 Uhr gerieth ein mit Bohnen beladener Arbeitswage» in der Nähe der Ge- werbe-Ausstellnng in einen Graben, stürzte um und die Ladung fiel auf den Bürgersteig. In diesem Augenblick passirte der Handelsmann Kaßner mit seiner Frau, seiner 70jährigen Mutter und zwei Kindern im Alter von 3 resp. 10 Jahren die Stelle und alle S Personen wurden verschüttet. Es gelang, die Ver- nnglückten sofort ans ihrer gefährlichen Lage zn befreien, doch hatten sie sämmtlich Verletzungen davongetragen. Am schwersten betroffen wurde die alte Dame, welche eine Brustquetschung er- litt, während die übrigen vier Personen mit Verstauchungen und weniger gefährlichen Quetschungen davonkamen. Sie mußten, nachdem ihnen von dem Arzt der Unfallstation in der Aus- stellnng die erste Hilfe zu theil geworden, mittels Kremser nach ihrer Wohnung in Berlin gebracht werden. In der gestrige» Sitzung der Rixdorfer Gemeinde- Vertretung lagen mehrere wichtige Anträge der sozialdemokra- tischen Geincindeverordneten vor. Zunächst handelte es sich um die Errichtung eines Ge Werbegerichts. Schon früher hatte sich die Gemeindevertretung auf Anregung ans der Mitte der Rixdorser Genossen mit dieser Frage beschäftigt, die bürger- liche Mehrheit der Vertretung war jedoch der An- ficht, daß für Rixdorf das Bedürfniß für ein Gewerbe- gericht nicht vorliege und lehnte daher die Errichtung eines solchen ab. Alle hiergegen erhobenen Proteste waren auch bei den höheren Instanzen fruchtlos. Nachdem inzwischen das Bedürfniß nach einem Gewirbegericht immer dringender geworden, habe» unsere Genoffen aufs neue einen diesbezüglichen Antrag gestellt. Genosse Thomas begründete denselben eingehend. Von gegnerischer Seite wurde die Nothwendigkeit eines Gewerbe- gerichts bestritten. Das gegenwärtige Verfahren vor dem Ge- meindcvorsteher sei schneller und zweckmäßiger und weniger kost- spielig. Genosse R etzerau befürwortete in warmer Weise den sozialdemokratischen Antrag. Letzterer erhielt bei der Abstimmung jedoch nur 0 Stimmen, sodaß der Antrag abgelehnt ist. Ein zweiter Antrag unserer Genossen betraf die Auf- stellnng von Anschlagsäulen. Zur Zeit bestehen solche in Rixdorf nicht.weshalb die Gewerkschaften und Vereine gezwungen sind, ihre Publikationen an die Häuser und Zäune zu kleben, was jedoch durch Polizeiverordnung verboten ist. Namentlich laufen Arbeitervereine, welche Plakate ankleben lassen, stets Gefahr, dieserhalb bestraft zu werden. Nach einer Be- fürwortung des Antrags durch Genossen K u l l beantragt Gemeindevorsteher B o d d i n Ablehnung desselben wegen der hohen Kosten, die im gegenwärtigen Etat nicht gesichert sind. Es empfehle sich, die Angelegenheit bei der nächsten Etats- berathung anfS neue auf die Tagesordnung zu setzen.— Der Antrag auf Errichtung von Anschlagsäulen wird nach längerer Debatte abgelehnt. AuS Rixdorf. In einem Anfall von Geistesstörung stürzte sich gestern die 44 Jahre alte Frau des Arbeiters Feil aus ihrem Küchenfenster im 4. Stock des HanfeS Kopsstr. 44 ans den Hos hinab. Die Bedanernswerthe war sofort todt.— Der Schuh- macherlehrling Müller, bei seinem in der Richardstraße wohn- haften Vater in der Lehre, wollte ein Ronleanx herabziehen, fiel dabei aber vom Schemel und durchschlug mit einem Arm eine Fensterscheibe. Die Scherben der letzleren zerschnitten den türm bis ans die Knochen. Erst nach längerer Zeit war es möglich, einen Heilgehilsen zu erlangen, der den jungen Mann vor dem Verbluten bewahrte. Ein Arzt war erst nach einigen Stunden aufzutreiben. Fritz Friedman» ist jetzt, wie gemeldet wird, auf dem zwangsweisen Transport nach Deutschland unterwegs. Seinem Vertheidiger, Justizrath Kleinholz, find schon von mehreren Seiten Anerbietungen gemacht worden, um durch Einzahlung bestimmter Summen bei der Kasse des Untersuchungsgefängnisses Friedmann während der Dauer der Untersuchungshast eine bessere Kost zu sichern. Im Publikum scheint man vielfach der Ansicht zn fein, daß der Prozeß Friedmann sich demnächst zu einen, großen Monstreprozeß auswachsen dürfte. Dies ist ganz irrig. Da die Auslieferung nur wegen der im Berger'schen Falle angeblich veruntreuten Summe von 6000 M. erfolgt ist, kann Friedmann nur wegen dieses einen Vergehens angeklagt und verurtheilt bezw. freigesprochen werden. Die Hauptverhandlung wird übrigens wiederum vor der 1. Strafkammer(Vorfitzender Landgerichtsdirektor Rieck) stattfinden, vor welcher sich auch Frhr. v. Hammerstein zu verantworten hatte. Verunglückt ist Mittwoch Abend auf der Buhne de? Neuen Opernhauses(Kroll) während der Aufführung der Oper „Margarethe" die kleine zehnjährig« Tänzerin Opermann,©ie versank plötzlich, als sie einige Schritte nach dem Hintergrund der Bühne zurücktrat, in die Tiefe und blieb mit erheblichen Ver- letzungen am Kopf und auf dem Rücken bewußtlos liege». Ein„freudiges Familienereigniß" gab es Donnerstag Morgen in einem Pferdebahnwagen vor dem Hause Nr. 144 der Jnvalidenstraße. Der Schaffner übergab die unbekannte Mutter mit ihrem Kinde einem Schutzmann, der sie mit einer Droschke in die Charitee brachte. Der von einem Steglitzer Gendarme» angeschossene Arbeiter Fischer ist im Britzer Kreis-Krankenhaus seinen Ver- letzungen erlegen. Für Vermiether von möblirten Zimmern, namentlich olche, die auf Ausstellungsbesucher fpekuliren, mag folgender Fall zur Warnung diene». An, Donnerstag voriger Woche miethete in der Friedrichstraße 2 eine anscheinend den besitzenden Ständen ungehörende Dame, welche sich Frau Lange aus Frank- urt a. M. nannte, für einige Zeit ein Zimmer. Bei ihrem Einziehen brachte sie nur eine Hutschachtel mit und erzählt«, daß ihre Sachen in den nächsten Tagen per Bahn nachkämen. Am zweiten Pfingstfeiertag verließ sie gegen 11 Uhr die Wohnung auf Nimmerwiedersehen. Und bald darauf bemerkten die Wirlhs- leute, daß ans ihrer Garderobe eine seidene Blouse, zwei Kapes und ei» seidener Regenschirm im Gesammtwerthe von 75 M. mit der Aftermietherin verschwunden waren. Bisher sind alle Nach- 'orschungen nach der„Dame aus Franksurt" vergeblich gewesen. Erschossen hat sich in seiner Wohnung Bismarckstraßr 10 zu Charlottenburg der 22 Jahre alte sruä. ollona. Fritz F. ans Krotofchin. Gram über eine körperliche VerkrÜppelung soll den jungen Mann in den Tod getrieben haben. Der Verbindungsweg vom Markgrafendamm nach der Hauptstraße(Berlin-Köpenicker Chanssee) wird wegen Vornahme von Pflasterungsarbeiten vom 20. Mai d. I. ab für Fuhrwerke. Reiter, Radfahrer it. bis auf weiteres gesperrt. Die Verbindung von Rummelsburg nach Stralau erfolgt über den Hohen Parallelweg und die am Cafe Aellevue beginnende hohe Rampe. Die von der Berlin- Stralauer Chaussee nach Rummelsburg und umgekehrt verkehrenden Fuhrwerke muffen denselben Weg/ wie die nach Stralau bestimmten nehmen. Herr Hermann Möller, Krausenfir. 10, ersucht uns mit» zutheilen, daß er nicht der Handlungsgehilfe Möller sei, der, wie neulich gemeldet wurde, wegen Unterschlagungen von Seiden- waaren in einem Geschäft in der Leipziger- Straße verhaftet worden ist. Polizeibericht. Am Mittwoch Vormittag wurde der 26 Jahre alte Ingenieur Wilhelm H. in seiner Wohnung, Feld- zeiiguieisterstraße, mit einer Schußwunde im Kopfe aufgefunden, die er sich mit einer Teschingpistole beigebracht halte. Aus An- ordnung des Arztes wurde er in ein Krankenhaus gebracht.— In der Köpnickerstraße ging vormittags das Pferd einer Droschke durch. Bei dem Versuche, das Thier aufzuhalten, stürzte der berittene Schutzmann Guddat mit seinem Pferde und zog sich ein« Verstauchung der Hand und mehrere Quetschungen zu, so daß er sich in ärztliche Behandlung begeben mußte.— Nachmittags wurde auf dem Stetliner Bahnhofe der Weichensteller Carl Gille durch einen Eisenbahnwagen überfahren und an beiden Beinen schwer verletzt. Er wurde in das Lazarus- Krankenhaus gebracht.— Abends beging der 60 jährige Arbeiter Karl H. in seiner Wohnung, Senefelderstraße, einen Selbstmord- versuch, indem er sich die Pulsadern am linken Arme öffnete. Er wurde noch lebend aufgefunden und in das Krankenhaus am Urban gebracht.— In der vergangenen Nacht gerieth der Glaser Albert Czursiedel in der Danzigerstraße mit seinem jüngeren Bruder in Streit und wurde dabei von diesem so heftig zu Boden geworfen, daß er eine schwere Verletzung am Kopfe erlitt und bewußtlos liegen blieb. Er wurde nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht. WitternngSübersscht vom 28. Mai 18(Kt. Wetter-Prognose für Freitag, den 2S. Mai l8»S. Theils heileres, theils wolkiges, sehr warmes Wetter mit meistens nur schwacher Luftbewegung und zunehmender Gewitter« neignng. Berliner Wetterbureau. Munfi und ZVistenprtzsfk. Im AuSstellungsthcater Alt-Berli» hat man nun endlich. was man so lange vergeblich suchte: Einen Erfolg. Militärischen Auszügen, Marschmelodie» und vor allem der preußisch-dynastischen Verherrlichung ist er zu danken. Mit feinerem literarischen Ge« schmack und nicht gar zu sehr aufdringlich hat Haust ein in seinem Schauspiel„Gotzkowsky", mit gröblicher Plattheit Axel v. D e l m a r in seinem patriotischen Gemälde aus 1813„An mein Volk" dies Gebrei znsainmengerührt. Beide Stücke wurden am Mittwoch zum ersten Male gegeben. Gotzkowsky ist der bekannte Berliner Großkaufmann, dem der alte Fritz, der sich auch schon aufs Millionärzüchten verstand, das Sammetwaaren-Monopol verlieh. Gotzkowsky kommt in den ungerechtfertigten Verdacht, bei der Uebergabe Berlins an die Russen ei» verrätherisches Doppelspiel getrieben zu haben. Diesen Undank„seines Millionärs" empfindet der alte Fritz doppelt. Aber Gotzkowsky, der zu unrecht entehrt worden, erlebt dennoch seinen schönsten Tag. Sein König nimmt ihn i» Huld wieder auf, als durch den Rnssengeneral Totleben die Wahrheit und G�tzkowky's Edelsinn zutage kommt. Darauf ein feierliches Hoch dem weisesten, dem größten König Europa's. Es ist hierbei sehr löblich vom alten Fritzen, daß er einsieht, auch ein König kann irren: daß aber als Akt unerhörter Großmulh gepriesen wird, was für jeden Menschen von leidlich anständiger Gesinnung selbstverständlich ist, das macht die tiefe Kuechtseligkeit der Byzantinerspiele in Alt-Berlin aus. Bon dem reinen Hurrahstück ans 1313, einer arg ver- wässerten Wildenbrnchiade, die in ein paar Volks- und Soldaten- szenen die Erhebung der Berliner gegen das Fmnzosenjoch zeigt, verlohnt es sich nicht zu sprechen. Zlntor, Thealer und Publikum sind einander gleich werth. Die deutsche Sucht, Bcleidigungsprozesse anzustrengen. hat in Bayern sich trefflich bewährr. Ein Student, der jedenfalls in dieser Sache als Sachverständiger zu betrachten ist, bezeichnete das Produkt einer Münchener Bierbrauerei als „Saubier" und wurde deshalb von dem betreffenden Besitzer wegen„Beleidigung" verklagt. Wir hätten es weit begreiflicher gefunden, wenn die Säue einen Beleidigungsprozeß gegen den Studenten angestrengt hätten. Eine Dresdener OrdnnngSsänle, der hochkonservative Landgerichtssekrelär Jungs, hat sich am 26. Mai in cinein Bade erhängt. Als Motiv bezeichnet man Geistesgestörtheit. Aus Koburg wird berichtet: Seit Mittwoch Mittag wüthet im benachbarten Wiesenfeld ein großes Schadenfeuer, welches 32 Gebäude und die Kirche eingeäschert hat. Das Pfarrhaus und die Schule scheinen gerettet. Aus Koburg ist Militär zur Hilfeleistung reqnirirt worden. In Brüx(Böhmen) stürzte beim Abbruch eine? durch die vorjährigen Bodensenkungen stark beschädigten Hauses ein Balken- gernst ein, wobei zivei Arbeiter gelödtet, zwei schwer und zwei andere leicht verletzt wurden. Drei unter den Rüsthölzern ge- borgen« Arbeiter konnten bisher noch nicht geborgen werde». In Bukarest explodirte im chemischen Laboratorium der Schule für Brücken und Wege ein Kessel. Zwei Laboranten wurden schwer verletzt. Der Materialschaden ist ziemlich bedeutend. In einem Thurme des Kreml zu Moskau entstand in der Nacht zum Donnerstag vermnthlich infolge Kurzschlusses der elektrischen Leitung ein Brand, welcher durch die wachhabende Feuerwehr alsbald gelöscht wurde. In Tnrck, Kansas, ist infolge Blitzschlages eine große Schießpulverfadrik in die Luft gegangen. Zahlreiche Mensche» sind gelödtet worden. Tie Cholera in Egypten. In d« Zitadelle von Kairo ist ein britischer Soldat an Cholera verstorben; doch sind die Kasernen, da nur ein vereinzelter Fall vorliegt, nicht geräumt worden.— Die„Times" melden ans Kairo, die Cholera breite sich längS des Rosette-Armes deS Nils aus; in den Dörfern herrsche große Sterblichkeit. Für den Zuhalt der Juserate übernimmt die Redaktion dem Bublifum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Freitag, den 29. Mai. Opernhaus. Robert der Teufel. Neues Opern- Theater. Martha. Schauspielhaus. Das Leben ein Traum. Deutsches Theater. der Gesellschaft. Urania. Taubenstr. 48/49. Taubenstr. 48/49. Naturkundliche Ausstellung täglich geöffnet v. 10 Uhr vormitt. ab. Eintritt 50 Pf. Wissenschaftl. Theater abends 8 Uhr. Invalidenstr. 57/62, Lehrt. Stadtbahnh. Sternwarte täglich geöffnet v. 7 Uhr abends ab. Eintritt 50 pr. Die Staten Passage- Panopticum. Leffing Theater. Waldmeister. Berliner Theater. Wilhelm Tell. Henes Theater. Tata- Loto.. Residenz- Theater. Hotel zum Frei hafeit. Friedrich- Wilhelmstädt. Theater. Der Bettelstudent. Alexanderplat- Theater. Die fleinen Lämmer. Borher: Ham Iet's Geift. Theater Unter den Linden. Der Großherzog. Schiller Theater. Biel Lärm um Nichts. Adolph Ernst- Theater. Charley's Zante. Vorher: Die Bajazzi. Belle- Alliance- Theater. Die Kinder des Kapitän Grant. National- Theater. Die Reise durch die Gewerbe- Ausstellung. Apollo Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Kaufmann's Variété. Spezialitäten Vorstellung. Schiller- Theater. ( Wallner- Theater.) Freitag, abends 8 Uhr: Viel Lärm um Nichts.( Beatrice: Frau Clara Meyer a. G.) Sonnabend, abends 8 Uhr: Viel Lärm um Nichts.( Beatrice: Frau Clara Meyer a. G.) Nur noch kurze Beit! Ein afrikanischer Harem mit echten Bauchtänzerinnen. Castan's Panopticum. 165 Friedrichstrasse 165. Das Bärenweib phänomenales Naturspiel aus den Felsenbergen New- Mexico's! Kasperle- Theater Irrgarten. Illusionen Damen- Kapelle Puhlmann's Vaudeville- Theater. Schönhauser Allee 148. Dir. E. Nadolny. Große Alt- Berlin. Elite Theater- Vorstellung. Bei günstiger Witterung nachmittags 3 Uhr: Wendischer Jagd u. Beutezug. Nachmittags 6 Uhr: Aufzug zum Ringelstechen. Drei Musikkorps. Gemischter Chor d. Theaters Alt- Berlin. Boltsbeluftigungen. Seiltänzer. Zauberei zc. Irrgarten. Diorama 2c. 2c. Eintritt: 25 Pfg. Donnerstag 50 f. Passepartouts à 4 Mk. Theater Alt- Berlin. . ( Berliner Gewerbe Ausstellung 1896.) Freitag, den 29. Mai 1896: Anfang 7 Uhr. Gotskowsky Don Adalbert von Hanstein. An mein Volk! von Axel Delmar. Zum Schluß: Märkisches Ringelstechen. Adolph Ernst- Theater. Freitag: Charley's Tante. Schwant in 3 Atten von Brandon Thomas. Repertoirestück des GlobeTheaters in London. In Szene gefeßt von Adolph Ernst. Borher: Mit neuer Ausstattung: Die Bajazzi. Parodistische Posse mit Gesang in 1 Att von Ed. Jacobson und Benno Jacobson. Musik von F. Roth. Anfang 7 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. National- Theater. Große Frankfurterstraße 132. Direktion: Max Samst. Lache dich toot in der tollen Gesangspoffe Die Reife durch die Gewerbeausstellung in 3 Akten( 6 Bildern) von Hugo Buffe. Regie: Max Samst. Auf der Sommerbühne 28 Spezialitäten. Glanznummern des Abends Mr. Hull der Dynamitmensch, der Mann mit dem Steinkopf. Im Garten Entree frei. Morgen: Dieselbe Vorstellung. D Viktoria- Brauerei Lützowstrasse 111/112. Täglich( außer Sonnabend): Soirée ber beliebten Stettiner Sänger ( Meysel, Pietro, Britton, Steidl, Krone, Röhl und Schrader). Raffeneröffnung 6 Uhr. Anf. präz. 8 Uhr. Entree 50 Pf. Im Vorverkauf sind Billets à 40 Pf. und Familienbillets( für drei Personen giltig) à 1 Mart zu haben. Siehe Blafate! Bei schönem Wetter im herrlichen Ronzertgarten, bei schlechtem Wetter im Saal! Kaufmann's Variété- SommerTheater Königstraße, Colonnaden. Im prachtvollen neu renovirten Garten: Spezialitäten- Parade. Letzte Woche! des zugkräft. Mai- Programms 30 Nummern. Luri Luri Troupe. Die Teufelsspiele. Der Rattenkönig Barna. Bei ungünstiger Witterung Vorstellungen im Theatersaal. In Vorbereitung: Das fahrende Volk. W. Noack's Apollo- Theater Sommer- Theater. und Konzert- Garten Friedrichstraße 218. Dir. J. Glück. Täglich um 9 Uhr: Die Spree- Amazone und 14 hervorragende Spezialitäten. Die Spree- Amazone Brunnenstr. 16. Täglich: Konzert, Theater und Spezialitäten- Vorstellung. Jeden Sonntag, Montag, Dienstag und Donnerstag: Im Saal: 3m. Gr. Ball. Das Königreich der Weiber. und 14 hervorragende Spezialitäten. Operette in 3 Bildern von Millöcker. 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Im Olympia- Theater zu London über 500 Mal ohne Unterbrechung gegeben. Beginn des Garten- Konzerts 4 Uhr. Der Vorverkauf ohne Aufgeld findet an der Theaterkasse vormittags von 10-1 Uhr und nachmittags von 3 Uhr an statt. Ausserdem sind Billets im Invalidendank zu haben. Preise der Plätze von 0,50 M. bis 5,10 M. aufwärts. Für die Nachmittags- Vorstellungen zahlen Kinder auf sämmtlichen Plätzen die halben Preise! Der ,, Orient" übertrifft alles bisher Dagewesene. Von Publikum und Presse einstimmig anerkannt. Schweizer Garten Am Königsthor. Täglich: Unseren Parteigenossen die traurige Nachricht, daß unser langjähriger Mitstreiter im Kampfe für Wahrheit, Freiheit und Recht Otto Ringer am 26. b. Mis. nach langem, schwerem Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 29. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes aus statt. 205/15 Der Vertrauensmann von Treptow. Zentral- Kranken- u. Sterbekasse der Tischler u. s. w. Verwaltung Berlin H. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Drechsler Otto Ringer nach langem Leiden am 26. Mai im Alter von 41 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet am 29. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes aus statt. Um rege Betheiligung bittet Die Ortsverwaltung. 185/2 Verband aller in der MetallIndustrie beschäftigten Arbeiter Berlins und Umgegend. Todes- Anzeige. Am 26. Mai verstarb unser Mitglied, der Schraubendreher Otto Ringer. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 29. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes in Rixdorf aus statt. 293/3 Der Vorstand. Mariannenstraße 35. Bon allen Schuhen u. Stiefeln in der Welt, Am Friedrichshain. Erhält man die besten für wenig Geld, Nur bei Schuhmachermeister Adomzent, 660b Berlin, Konzert. Theatervorstellung. So if man's haben, ba geht man hin. Spezialitäten- Revue. 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Der ehrliche Finder wird gebeten, dasselbe bei Kunert, Memelerstr. 34, abzugeben. 216/12 Achtung, Zimmerlente! 288/8 Sonntag, den 31. Mai, vorm. 10 Uhr: Oeffentliche Versammlung int Feen- Palast, Burg- und Wolfgangstrakken- Ecke. Die Lohnkommission. Freie Vereinigung der Bauanschläger Berlins und Umgegend. Sonntag, den 31. Mai 1896, vormittags 10 Uhr, bei Röllig, Neue Friedrichstr. 44: Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Berathung und Beschlußfassung über den Antrag Deutschmann. 2. Verschiedenes. 3. Bericht des Vorstandes. 34/6 Der Vorstand. Fachverein der Musikinstrumenten- Arbeiter. Sonnabend, den 30. d. M., abends 8/2 Uhr, bei Henke, Naunynstraße Nr. 27: Achtung! Achtung! Buchdruckerei- Hilfsarbeiter u.-Arbeiterinnen. 36/5 Sonnabend, den 30. Mai cr., abends 8 Uhr: Große öffentliche Versammlung bei Boltz, Alte Jakobstr. 75( oberer Saal). Tages Ordnung: 1. Bericht der Kommission über die Lage der Bewegung. 2. Diskussion. 3. Weitere Maßnahmen.- Alle Kollegen und Kolleginnen werden dringend ersucht, zahlreich zu erscheinen. Die Herren Buchdrucker sind freundlichst eingeladen. Die Streikkommission. Achtung! Maurer. Achtung! Ausserordentliche Mitglieder- Versammlung der der Filiale II des Mitglieder- Versammlung. Zentralverbandes deutscher Maurer 1. Vortrag über Geisteskrankheiten.( Fortsetzung.) 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches und Vereinsangelegenheiten. Tischler- Derein. 286/10 Sonnabend, den 30. Mai 1896, abends 9% Uhr, 199/8 Melchiorstraße 15: Versammlung. Zagesordnung: Vereinsangelegenheiten. Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Heute Abend bei Schöning, Röpnickerstr. 68: Sitzung der Ortsverwaltung. 284/15 2 186/18 Sonntag, den 31. Mai, vorm. 10 Uhr, im Lokal ,, Königshof", Bülowstraße Nr. 37. Tages- Ordnung: 1. Ist die Verkürzung der Arbeitszeit nothwendig? Referent: Kollege Silberschmidt. 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches. Alle Maurer haben Zutritt. Berichtigung. In der Nr. 119, Beilage 1 bes " Borwärts" bin ich unter denjenigen Bigarrenfabrikanten aufgeführt, welche den tarifmäßigen Lohn ihren Arbeitern zu zahlen abgelehnt haben. Diese Behauptung ist unrichtig, da ich meinen Arbeitern bereits seit fünf Jahren den tarifmäßigen Lohn zahle. Gasanstalts-, Kohlenarbeiter u. Kutscher. Aufgrund des§ 11 des Preßgefeßes Große öffentliche Versammlung am Sonntag, den 31. Mai 1896, nachmittags 1 hr, bei Bolt, Alte Jakobstr. 75. Tages- Ordnung: 1. Vortrag. Wie schützt sich der Arbeiter gegen die kapitalistische Aus. ersuche ich die Redaktion um fosten freie Aufnahme dieser meiner Erflärung in die nächste Nummer Ihrer Zeitung. Achtungsvoll W. Kintzel. Schöneberg. Die Lokalverwaltung. ! Erklärung! 19226 Hiermit erkläre ich unter meinem Ehrenwort, sämmtliche von den Arbeitern gestellten Bedingungen zu erfüllen, und spreche mein Bedauern aus, im Winter mein Lokal den Arbeitern nicht zur Verfügung gestellt zu haben. Schloß Weißensee( Sternecker). Rud. Schenk. Am Sonntag, den 31. Mai, fährt ein Extra- Dampfer 19176 von Berlin über Friedrichshagen, Hessenwinkel nach Woltersdorfer Schleuse. Abfahrt Berlin von der Stralauerbrücke 5 morgens 9 Uhr. Rückfahrt von Woltersdorf 72 Uhr abends. Fahrpreis Berlin- Friedrichshagen hin u. zurück 60 Pf. Berlin- Woltersdorf hin u. zurück 1 M. H. Hertzer, Schlesischestr. 6. Freund's Inselgarten Empfehle allen Vereinen, Gesellschaften 2c. mein idyllisch gelegenes Lokal zu Sommerausflügen. Dampferwird Brückenzurückgang vergütet. Zum Emil!" bentung? Referent: Genoſſe Pörsch. 2. Diskussion. 3. Die Zustände auf Sonnabend, den 30. Mai, ab. 8 Uhr, Pichelswerder. Prstücks- Haltestelle. Bei Kremſern den städtischen Gasanstalten und Kohlen- Engros- Firmen, speziell der Firma Louis Schulze. 4. Verschiedenes. 42/15 Bentral- Krankenkasse der Buchbinder 2C. E. H. 33. Verwaltungsstelle Berlin. Sonnabend, den 30. Mai 1896, abends 81/2 Uhr, in Cohn's Fettsälen, Benthstr. 21| 22: Ausserordentliche Hauptversammlung. Zages Ordnung: 1. Wahl von 5 Delegirten zu der am 28. und 29. Juni d. J. statt. findenden Generalversammlung in Bremen. 2. Stellungnahme zu den An trägen. 3. Berschiedenes. Die Wahl geschieht von 9 bis 11 hr. Quittungsbuch legitimirt. Die Zahlstellen bleiben diefen Abend geschlossen. 26/8 Die Ortsverwaltung. Berein zur Wahrung der Jnteressen der Gast- u. Schaufwirthe Berlins nud Umgegend. Heute, Freitag, nachmittags 5 Uhr, im Lokale des Kollegen Hähling, Langhansstr. 106: 69/15 Mitglieder- Versammlung. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Der Vorstand. J. A.: Č. Behrend. Verband der Sattler und Tapezirer. Sonnabend, den 30. Mat, abends 82 Uhr, bei Meier, Müllerstr. 7: Versammlung. # Tages Ordnung: 287/7 1. Bortrag der Genossin Frau Rohrlack, 2. Diskussion. 8. Verschiedenes. Die Ortsverwaltung. Maler u. Berufsgenossen. Donnerstag, den 4. Inni: Oeffentliche Versammlung im Louisenstädtischen Konzerthause, Alte Jakobftr. 37. Näheres Sonntag an dieser Stelle und Dienstag, den 2. Juni durch Säulenanschlag. Die Lohnkommission. 127/3 Achtung! Brauereiarbeiter. Achtung! Wir machen hiermit nochmals auf die am 31. Mai, vorm. 9 Uhr, stattfindende Vorstellung in der„ Urania" aufmerksam und ersuchen die bisherigen Abnehmer von Billets, bei dem Unterzeichneten bis spätestens Sonnabend abzurechnen; auch sind noch daselbst Billets( 60 Pf.) für jeder 19246 mann zu haben. Fritz Preuss, Neue Friedrichstr. 20. Achtung, Schäftebranche! Mitglieder Versammlung des Bereius deutscher Schuhmacher Sonnabend, den 30. Mai, abends 9 hr, im Restaurant Babiel, Rosenthalerstrasse No. 57. Tages Ordnung: 1. Gründung der Bahlstelle V. 2. Vorstandswahl. 3. Verschiedenes. 168/14 Der Einberufer. bei Obst, Grunewaldstr. 110: Deffentl. Bolksversammlung. Friedrichshagen. erant Haidepark, Seeſtr. 1. Tagesordnung: Dertliches und unfere Zeitungsspedition. Der Einberufer. 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