BERLIN Soimabend 18. April 1931 19 Pf. Kr.lSl B 91 48. Lahrgang Ersck«Inttiglich außerEonntag«.. Zugleich Abendausgabe de».Vorwätts". Bezugspreis beide Ausgaben 8S Pf. pro Woche. 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68, ündenstr. 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—297 Anzeigenprei«: Die einspaltige Nonpareillezeile 8o Pf., Reklamezeile s M. Crmäßigunoeo nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G.m.b.H.. Berlin Nr. S7 536.- Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Arbeitsfragen in Genf Tagung des Verwaltungsrats des Internationalen Arbeitsamts Genf, 18. April.(Eigenbericht.) Heute morgen versammelte sich der Vcrwaltungs- rat des Internationalen Arbeitsamtes zu seiner AS. Tagung. Auf der Tagesordnung stehen neben der Behandlung des Budgets für 1932, das sich im Rahmen der letzten Jahre hält, zahlreiche Berichte von Unter- und Sonderausschüssen über Spezialfragcn einzelner Berufsgruppen. Die größte Aufmerksamkeit dürste wieder der vom Arbeitsamt für die Europakommission aus- zuarbeitend« Bericht über den Stand und die Bc- kämpfung der Arbeitslosigkeit aus sich ziehen, welcher erst heute den Mitgliedern des Verwaltnngsräts übermittelt, der Presse aber noch nicht bekanntgegeben wurde. In dem von der letztjährigen Arbeitskvnferenz gcäuherten Wunsch nach der Herbeiführung eines internationalen w i r t- schaftlichen Kohle nabkommcns erfährt man aus einem Brief des Präsidenten des Wirtschaftsausschusses des Völlerbundes an das Arbeitsamt, daß die Zeit hierfür noch nicht gc- t o m m e n fei, Die Entwicklung bewege sich wohl in dieser Richtung und mache wesentliche Fortschritt«, jedoch wäre es nach den: miß- lungcnen Versuch von 1929 noch verfrüht, eine neue Konferenz dafür cinzuberuien, die gewisse Verhandlungen unter mehreren Pro- duktionsländern sogar stören könnte, Ein(Besuch des chinesischen Industrie- und Arbcitsministers Ebing um die Unterstützung einiger Fachleute des Arbeits- a m t e s bei der Organisation der Arbeitsaussicht, welche im neuen chinesischen Fabrikgesetz vorgesehen ist, fand die eindringliche Unter- stützung des Arbeitsamtes. Zur Ausführung der Mission wurden zunächst der französische Ehef der diplomatischen Abteilung des Arbeitsamtes sowie eine Engländerin vorgeschlagen, welche schon längere Zeit als Mitglied der Kinderfchutzkommission der Internationalen Kommission in Schanghai tätig gewesen ist und vom chinesischen Industrie- und Arbeitsminister besonders gewünscht wird- Ofscnbar wollte das Arbeitsamt der Kosten wegen fdic von ihm zu tragen sindt. die Mission aus zwei Funktionäre beschränken, icdoch beschloß der Verwaltungsrot, nachdem eine Reihe von Regie- rungsvertretern sowie die Arbeiter- und Arbcitgebergruppe auf die Wichtigkeit der Aufgaben hingewiesen und sie warm unterstützt hatten, auf Vorschlag des deutschen Regierungsvertrcters Dr, Weigert, ihr noch einen dritten Funktionär in der Person von Professor Dr. R i tz m a n n, Leiter der Sektion für Arbeits- schütz des Arbeitsamtes, beizugeben. Unter den beim Vorsitzenden des Derwaltungsrats eingegangenen Korrespondenzen befindet sich zum erstenmal eine Kundgebung gegen dasSowjetdumping. Sic stammt von der„Fran.zö- fischen Liga zur Verteidigung der Lebcnsinteressen Frankreichs und seiner Kolonien" und wurde bereits der französischen Regierung und mehreren französischen Parlamentskommissionen übermittelt. Im Verwaltungsrat des Arbeitsamtes müßte die Entschließung von irgendeinem seiner Mitglieder aufgegriffen und unterstützt werden, um behandelt werden zu können, was jedoch kaum zu erwarten ist. Kühler Gsnntag in Eicht. Bewölkung, aber voraussichtlich wenig Negen Das Wetter wird am morgigen Sonnlag zwar eine kleine Besserung ausweisen, dafür ist aber mit kühlen Tempera- t U r e n bei frischen östlichen Winden zu rechnen. 3m großen und ganzen dürfen die Hoffnungen aus einen Ausslugssonntog nicht allzu hoch geschraubt werden. In der vergangenen Nacht waren nur noch in Ostpreußen Nacht- fräste zu verzeichnen Im Reich bis zur Oder sind noch erhebliche Regenfälle niedergegangen. Berlin hatte in der letzten Nacht als Minimum 6 Grad Wärme. Zur Zeit zieht eine Depression. die gestern über der Nordsee lagerte, an der Westgrenze Deutschlands nach Süden und liegt mit chrem Kern über Nordwestdeutschland und Holland. Im deutschen Küstengebiet ist es teilweise sehr stürmisch geworden. So meldet beispielsweise Arkona, an der Nordspitze der Insel Rügen. Windstärke„8". Nach den vorliegenden Anzeichen ist mit einer weiteren Zunahme des Sturms zu rechnen. Explosion in Fürstenwalde Siockwerk eines Wohnhauses zerstört Eine schwere Gasexplosion ereignete sich in der letzten Nacht kurz nach 1 Uhr in einem Seitenflügel des Hauses Tuchmocherstr. 18 in Fürstenwalde. hier wohnt seil ungefähr einem llahr der Sessel- fchwidl Theophil Gwosc mit seiner Frau und der ISjährigen Tochter. Die beiden Frauen befanden sich allein in der Wohnung. Sie hatleu eine Kopfwäsche vorgenommen und sich danu zu Bett begeben. Gwose. der gegen 1 Uhr nachts nach Hause kam, hantierte noch in der Küche und wollte sich eine Zigarette anzünden, als plötzlich eine furchtbare Explosion erfolgte. Die vordere ZNauerfront stürzte in den Hof, Glassplitler und Mauertrümmer flogen umher, taute Hilfeschreie ertönten. Bon einer Versammlung kommende Reichsbannerkiuncraden hörten den gewaltigen Knall und waren die ersten an der Explosions- statte. Durch das vom Luftdruck aufgerissene Tor drangen sie auf den Hof, der völlig mit Maüertrümmern bedeckt war. Der anwesende Führer des Reichsbanners lieh die Zugänge absperren, da durch die Explosion die elektrischen Leitungen zerrissen waren und die Drähte auf dem Erdboden lagen. Mit mehreren beherzten Leuten drang er in das Gebäude ein und bahnte sich durch den mit Trümmern be- deckten Treppenausgang einen Weg zur Explosionsstätte. Trotz der gefährlich herabhängenden Dcckcntrümmer gelang es, die beiden Frauen, die wie durch ein Wunder ohne schwere Vcre l e tz U n g c n davongekommen find zu bergen. Wenig später stürzte ein Teil des Daches und der Decke nach. Gwose selbst hat zienllich schwere Verletzungen am Kopf erlitten. In- zwischen war auch die Feuerwehr erschienen, die nach anderthalb- stündigen Ausräumungsarbcilen wieder abrücken konnte. Das Seitengebäude des Hauses bietet den Anblick eines wüsten Trümmerhaufens. Das Dach ist völlig aufgerissen und tu der Vorderfront des oberen Stockwerks klafft eine breite Lücke und die Mauertrümmer sind über den ganzen 5zas verstreut. Sämtliche Fensterscheiben auf der Hofseite sind zertrümmert, teilweise auch die Fensterkreuze herausgerissen. Die Wohnung des Gwose ist ein wüstes Durcheinander von Dachbalken, Maüertrümmern und Möbel- stücken. Die Gewalt der Explosion war so stark, daß in den darunter- liegenden Zimmer» die geschlossenen Türen von den Angeln abge- rissen und ins Zimmer geschleudert wurden. Die Ursache der Explosion dürste auf ausströmendes Gas zurückzuführen sein. Jedenfalls fanden Angestellte des Gas, werks in der Küche den G a s h a h n offen. Gwose Hot durch eine frühere Schädelverletzung den Geruchsinn verloren und daher bei seiner Heimkehr keinen Gasgeruch wahrgenommen. Die be- dauernswerte Familie hat durch die Explosion ihren ganzen Hausrat verloren, der nicht versichert war. Den Gegner niedergeschoffen. Blutige Auseinandersetzung auf nächtlicher Straße. 3m Norden Verlins wurde in der Nacht zum Sonnabend der 24 Jahre alle Karl 711 e ch l c r. Mitglied des Bingvcreins „(Sefelliakeilsverein 1926". von dem Z4jährigen Kaufmann Maß- darf aus der Turncyßer Straße auf offener Straße nieder- g e s ch o f s c o. Der Töler flüchtete zunächst, stellte sich dann aber der Polizei. Er gibt an. von dem„GeseUigkeitsvercin 1.926" schon seil längerer Zeil verfolgt worden zu sein und in Notwehr gehandelt zu hoben. Wie schon in früheren Fällen, waren auch Moßdors und Mech- ler seit geraumer Zeit verfeindet. In den Lokalen, in denen sie mit ihrem Anhang verkehrten, war es wiederholt zu Z u s a m- menstößcn und Prügeleien auf der Straße gekommen. Gestern hatte Moßdors wieder eine Schankwirtschast in der Kolonnen- straße aufgesucht und traf dort Mechler und einen gewissen Ietznick. Zwischen Moßdors und Mechler kam es zu einem Wortwechsel. Altpreußen vor die Front „Warum wollen wir denn eigentlich Preußen erobern 1" „Damit endlich mal die Volksdegehrlichteit uffhört!" Moßdors verließ dann die Wirtschast, merkte aber, daß Ietznick und Mechler ihm folgten und ihm an der Eck« der Badftraße auflauerten. Dort fielen die beiden über ihn her und bearbeiteten ihn mit den Fäusten und Schlagringen. In der Notwehr will Moßdors nun seine Waffe gebogen und auf seinen Feind Mechler geschossen hoben. Tödlich getroffen brach dieser zusammen. Seine Leiche wurde später beschlagnahmt und dein Schauhaufe zugesührt. Auch Ietznick wurde mit einer stark blutenden Kopsoerletzung gefunden, die wahrscheinlich von einem Hieb mit dem Schlagring herrührt. Er selbst führte auch einen Schlagring bei sich. Ob die Behauptung der Notwehr bei Mohdori zutrifft, wird erst noch untersucht. Wie im Schauhause festgestellt wurde, hat Mechler Xjnen B r n st s ch u ß erholten, der den sofortigen Tod zur Folge hatte. Hinter den Kulissen. Oer Gruppenkamps in der deutschnationolcn presse. Skeltin, 18. April.(Eigenbericht.) Der langjährige Verlags direktor der deutsch» nationalen„Tagespost" in Stettin, Wiese, ist in diesen Tagen seines Amtes enthoben ivorden, nachdem im Januar bereits der damalig« Chefredakteur Dyrfsen sich weigerte. seinen Dienst weiter zu versehen und seine Stellung verließ. Die Amtsenthebung von Wiese und der Abgang Dyrssens bilden den vorläufigen Abschluß eines Machtkampfes innerhalb der Deutschnationalen Partei Pommerns, der sowohl finanzielle wie p o l i t i s ch c Hintergründe hat. Während Dyrfsen zurück- trat, als man ihm zumutete, die politische Leitung an einen nationalsozialistischen Schriftsteller, der noch dazu vor- her niemals redaktionell gearbeitet hatte, zu über- geben, ist die Amtsenthebung des Verlagsdirektors nickst zuletzt in- folge geschäftlicher Rückschläge erfolgt. Die Abonnenten- ziffer der„Tagespost" ist ständig zurückgegangen, besonders feit dem letzten Wahlkampf, in dem die„Tagespost" infolge des Auftretens einer hugcnbergischcn und einer ontihugenbergischen deutschnationalen Liste sich für neutral erklären mußte. Erst kürzlich wurde der Ver- lagsdirektor wegen jolscher Angabe der Abonnentenziffer bei der gnseratenwerbung gerichtlich verurteilt. Elve weitere Klage der- selben Art in bezug auf die Inseratcnwerbung sür die deutsch- nationale„Gastwirte-Zeitung", die im selben Verlag wie die „Tagespost" erscheint, schwebt noch. Bei der Gerichtsverhandlung wurde sestgestcllt, daß die„Tagespost" in Stettin nur noch 5900 zahlende Abonnenten bejaß. Da außerdem die Er- richtung eines neuen Geschäftshauses mit Hilse von teuren Hypothekengeldern sowie reichlich Anschaffungen neuer Druckereimasch'- nen das deutschnationale Unternehmen belasten, sind in diesen Tagen ZZerhandlungen mit dem Hug e» b e rg. Ko nz« r n ein- geleitet worden, um überhaupt die Weiterführung des deutsch- nationalen Unternehmens zu sichern. Wie zuverlässig oerlautet, wurde bei den Verhandlungen von den Vertretern Hugenbergs die Amtsenthebung des Verlags- direktors aus polltischen und geschäftlichen Gründen gefordert. Mit seinem Abgang dürfte in der Deutschnationalen Partei und Presse Pommerns die radikale Richtung unter den Guts- besitzern v. Rohr-Demmin und Graf Bothmer dos Uebergewicht gewinnen. Der Landesvater. Der abgedankte Zar Ferdinand von Bulgarien bezieht noch heute eine Rente dafür, daß er den Eintritt Bul- gariens in den Weltkrieg anbefahl. Damals in der Kriegsekstasc Schien in den Bulgarenzarcn Ferdi mit der langen Nase Leidenschaft für uns zu fahren. Freudig schütte er die cheere Für die Deutschen in das Feuer Als ein Mann mit Sinn für Ehre Und ein Nibelungentreuer. Leider muß uns jetzt da schmerzen, Wenn wir hören: Ferdinanden Lag es außerdem am Herzen, Einen großen Coup zu landen. Landser focht im Feuerbogen Und bezog die Unterstände. Ferdinand hat auch bezogen: Von dem Deutschen Reiche Rente! Den bulgarischen Toten allen Bleibt ein Trost im Erdgelasse: Nicht umsonst sind sie gefallen, Denn ihr Zar saß an der Kasse. Im„Lande der Versklavung" E>iah!helmterror auf dem Lande Hans Bauer. Die Millionen für Ferdinand. Ungeheuerliche Verschwendung. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat in einer Anftage an die Reichsregierung die Aufmerksamkeit aus die skandalösen Zahlungen der Republik an den Ex-Zaren von Bulgarien gelenkt. Jetzt veröffentlicht das„Tagebuch" Einzelheiten aus unzweifelhaft amtlichen Unterlagen, die die Sache noch ungeheuerlicher machen als sie schon ist. Es handelt sich um den Bericht, den Direktor Ritscher von der Reichskreditbank am 13. Januar 1927 der Reichs- regierung erstattet hat. Das Original soll sich im Archiv der Reichs- kanzlei befinden. Danach bekam am 11. Januar 1921 Ferdinand 23 Millionen Mark, das heißt damals 1,3 Millionen Goldmark. Dafür bestätigte er schriftlich, daß nunmehr„alle Zusagen der Reichsregierung vom Jahre 1913 abgegolten" seien. Auf deutscher Seite waren für diese Lösung der damalig« Reichskanzler F e h r e n» dach und Dr. W i c t h verantwortlich. Drei Jahre nach dem Ab- findungsvertrag von 1921 erhiell Ferdinand vom Reichskanzler Marx und seinem Finanzminister Luther 1 Million Goldmark geschenkt. Angeblich mit Rücksicht auf die Inflationsverluste Ferdi- nands. Im folgenden Jahre(Kanzler Luther, Finanzminister Schliebcn) zahlte das Reich wieder 1 Million. Wahrscheinlich mit der gleichen Begründung. Das Erstaunlichste dabei aber war, daß emmal die Reichskanzler, einmal das Finanzministerium, einmal das Büro des Reichspräsidenten als Zahlstelle auftrat, so daß Herr Rttscher in seinem Gutachten erklärte, dieser Wechsel der Zahlstellen habe wohl die Uebersicht erschwert und dem geschickten Zaren zu Sondereinnahmen verholfen. Marx-Köhler gingen im April 1927 sogar auf ein neues System über: Jahresrente. Sie schlugen vor: 60 900 Mark Rente. „100 000" sagte Ferdinand. Und da ihm das gegen Jahresende nicht reichte, wurden noch 20 000 zugelegt— da er aber sehr energisch forderte(oder warum sonst?), versprochen ihm Marx- Kohler 120 000 alljährlich bis zu seinem seligen Ende. Warum nun nach all dem am 23. Februar 1931 vom Finanzministerium ein Reichsbankscheck auf 300 000 Mark ausgestellt und Ferdinand über- geben werden mußte— über diese„Notwendigkeit" wird die Reichs- regierung sich beschleunigt äußern müssen. Der Amtliche Preußische Pressedienst schreibt: Aus dem deutschen Osten kommen in größerer Zahl Nachrichten über eine starke Beeinflussung der ländlichen Bevöl- k e r u n g zugunsten des Stahlhelm-Volksbegehrens durch Wirtschaft- lichen und gesellschaftlichen Druck. Eine Erscheinung, die ja auch beim Einzeichnen in die Listen zum Joung-Plan-Dolksbegehren viel- fach zu beobachten gewesen ist. Es sei hier nur ein kleines, aber kennzeichnendes Beispiel erwähnt: In einem pommerschen Ort, in dem bei den geheimen Wahlen zum Reichs- und zum Landtag regelmäßig ein großer Prozentsatz der Bevölkerung seine Stimm« für die republikanischen Parteien abgibt, haben sich jetzt 100 Proz. der Bevölkerung für das Volksbegehren eingetragen! Es ist wohl völlig klar, daß hier der Einfluß gewisser wirt- schoftlich und lokalpolitisch einflußreicher Kreise rücksichtslos eingesetzt wird, um die republlkonrsch gesinnte Bevölkerung sowie alle an dem Volksbegehren Uninteressierten durch den Hinweis auf sonst unvermeidliche prioatwirtschastlichc Schädigungen zur Eintragung zu veranlassen. Diese sür gewisse Laudcsteile leider charakteristisch gewordenen Zustände sind um so heroorhebenswertcr, als sie unter einem R e- gim« möglich sind, das der Stahlhelm und die ihm nahestehenden politischen Gruppen in jeder Versammlung und in jeder Nummer ihrer Zeitungen als das einer„politischen Versklavung" und der Unduldsamkeit gegen rechtsstchende Elemente zu bezeichnen pflegen. Man darf wohl betonen, daß derartige Zustände, derartige Terrorisierungen und Boykottandrohungcn von der anderen Seite nicht möglich wären, wenn ein Regime existierte, wie es der Stahl- Helm erstrebt. Denn sowohl die Aeußenmgen von Stephanis über die nicht ftahlhelmireundlichcn Beamten wie selbstverständlich die Drohungen der Herren Hitler und Goebbels lassen nicht den leisesten Zweifel darüber, daß in einem Regime der Rechten die staatsbürgsrliche Freiheit gegenüber der angeblichen„Ver- sklavung" der Republik wesentlich anders aussehen würde! Das Doppelspiel, das in der Anprangerung des republi- fanischen Systems als„Versklavung" und in der gleichzestigen Aus- Übung eines Gesinnungsdrucks auf wirtschaftlich ab- hängige Elemente liegt, ist leider das Charakteristikum eines Kampfes, der unter der Kennmarke einer„Besremngsaktion von politschem Druck geführt wird! Im übrigen darf darauf hingewiesen werden, daß selbswerständ- lich der Staatsregierung nach der Einreichung der Eintragungslisten die Pflicht obliegt, nachzuprüfen, wie die einzelnen Unter- schristen zustande gekommen sind. . Beamie und Volksbegehren. Kein Mißbrauch des AmieF? Amtlich wird mitgeteilt: Einzelne Gemeindevorsteher fördern in ihrer amtlichen Stellung das Volksbegehren „L a n d t a g s a u f l ö f u n g". So hat z. B. ein Gemeindevorsteher gleichzeitig mit der Bekanntgabe des Ortes und der Zeit der Auslegung der Eintragungslisten zur Sammlung von Bei- trägen aufgefordert, die dem Volksbegehren dienen sollen. Der preußische Minister des Innern weist deshalb in einem Runderlaß darauf hin, daß gemäß seines Runderlasses vom 4. März d. I. jede behördliche Beeinflussung des Verfahrens zu unterbleiben hat und daß der Minister Beamte, die ihr Amt dazu mißbrauchen, das Volksbegehren zu fördern, zur Ver- antwortung ziehen wird. Schweres Grubenunglück in Llngarn. Vieher vier Tote. Budapest, 18. April. In einem Kohlenbergwerk bei Pilis-Szent-Iran ereignete sich ein schweres Grubenunglück, das bisher vier Todes- vpfer forderte. Aus unbekannter Ursache stürzte ein Schacht ein und begrub sieben Arbeiter unter sich. Bisher konnten vier Leichen geborgen werden. Nähere Einzelheiten schien zur Stunde noch. Lleberfatt auf einen Gastwirt. Von drei betrunkenen Gästen niedergestochen. In der vergangenen Nacht wurde der Gastwirt Georg Rummler aus der Greifswalder Straße 30 von de- trunkenen Messerhelden schwer verletzt. In sein Lokal kamen drei Männer, die stark angetrunken waren, aber noch mehr Bier verlangten. Rummler, der ihren Zustand erkannte, weigerte sich, ihnen noch einzuschenken und forderte sie auf, sein Lokal zu verlassen. Statt der Aufforderung nachzu. kommen, fielen sie über den Wirt her und brachten ihm drei Messerstiche bei, einen in den Rücken, einen weiteren in die Schulter und den dritten in die Schlagader des rechten Armes. Andere Gäste benachrichtigten die Polizei, die die Angetrunkenen festnahm. Rummler mußte die Rettungsstelle aussuchen, tonnte aber. nachdem ihm Verbände angelegt worden waren, zu seiner Wohnung zurückkehren. Die Festgenommenen sind ein 23 Jahre alter Chauffeur Erich Niet aus der Rigaer Straße und ein 31 Jahre alter Chauffeur Ernst D ö p k e, der in der Romintener Straße wohnt. Der drstte Beteiligte, der kein Messer bei sich hatte und den Wirt nur mit den Fäusten angriff, ist bis zur Klärung des Vorfalls ebenfalls dingfest gemacht worden. Reichs- und Slaatemiuister im Ehrenpräsidium der Deutscheu oauausskellung. In das Ehrenpräsidium der Deutschen Bauausstel- lung, dem bekanntlich Staateminister der deutschen Länder— von Preußen die Staatsmtnister Grimme, Hirtsiefer, Höpter-Aschoft und Steiger— angehören, ist auch Reichsarbeitsminister Stegerwald eingetreten. 1 Die letzten Zeugen. Schluß der Vcweisavfnohme im Kürten-Prozeß. Zu Beginn der heutigen Verhandlung beschäftigte sich das Gericht mit dem Fall der von kürten erschlagenen Elisabeth D ö r r t e r. Als erster Zeuge wird der Arbeiter Johann E m s vernommen, der mit seinem Bruder an dem fraglichen Tage von der Arbeits- stelle kam. Etwa 300 Meter von dem Bahnübergang auf einem kleinen Wege sagte ich zu meinem Bruder: Da liegt doch etwas. was vorher noch nicht da war. Wir gingen auf die Stelle zu und fanden auf einem nach Gerresheim abzweigenden Wege d i e Dörrier in einer Blutlache. Ich holte sofort die Polizei, während mein Bruder die Leute von der Dörrier zurückhielt.— Aus Befragen des Verteidigers erklärt der Zeuge, daß die Dörrier noch Lebenszeichen von sich gegeben habe. Kriminalkommissar Tembories führt aus: Als die Mordkommission am Tatort ein- traf, war die Dörrier bereits ins Krankenhaus gebracht worden. Ter Tatort liegt etwa dreißig Meter von der Düssel entfernt. Der Ileberfoll muß auf dem kleinen Fußweg stattgefunden haben, auf dem sich auch eine Blullache befand. Ueber den Weg führt eine Schleifspur, die auf dem Ostpark führte. Hinter einem Ge- strüpp waren drei große Blutspuren zu sehen. Der Tatort wurde abgesucht, aber ohne Erfolg. Später wurden die Kleider der Dörrier abgeholt, um an chnen vielleicht festzustellen, wie die Tat vor sich gegangen sein tonnte. Die Kleider waren stark beschmutzt und teil- weise zerrissen. 2ln den einzelnen Kleidungsstücken befanden sich große Blutpslecken. Nach den Schmutzspuren zu urteilen, muh die Dörrier an den Armen fortgeschleppt worden sein. Daraufhin wird der Zeuge Müller, der bei der Festnahme Kürtens zugegen war. vom Staatsanwalt über die Art der Festnahme bzw. der Aeuße- rangen, die Kürten dabei gemacht hat. beftagt. Der Zeuge ertlärt, daß Kürten keinen Ton gesprochen hat.— Auf weitere Fragen des Staatsanwalts, ob er gesehen habe, daß Kürten seiner Frau etwas zugestecken wollte, erklärt der Zeuge, davon habe er nichts gesehen. Er wisse nichts, daß Frau Kürten ihrem Mann«in P a k e t ch c n überreichte. Darauf erklärt der Angeklagte: Ich könnte vielleicht einige Aufklärungen über dieses Paketchen geben. Das Paketchen, das die Frau mitbrachte, war angeblich für die Beamten ein Zeiche« dafür, daß ich derjenige fei, der gegriffen werden sollte. In dem Paketchen, das ich in der Hand hatte und daß ich meiner Frau tatsächlich übergeben habe, waren Handtuch und Seife. Dr. K r a f t, jetzt Oberarzt in Köln, hat die Dörrier im Krankenhaus untersucht, die Kleidung war stark mit Blut durchtränkt, die Dörrier selbst in schwer bewußtlosem Zustande. Der Zeuge gibt nähere Erläuterungen und erklärt, daß die Dörrier. ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, an zunehmender Herzlähmung gestorben ist. Die Prüfung des Falles Meurer wird dann mit der Ver- nehmung der Frau Hubertine Meurer, die um 23. Oktober am Hellweg von Kürten überfallen wurde, begonnen. Ich befand mich, so erklärt die Zeugin, auf der Bruchstraße in Richtung Hellweg. wo ein Mann an mir vorüberging, der mir dadurch aufsiel, daß er über ein Stein stolperte. Er knüpfte mit mir ein Gespräch an, unterhielt sich mit mir über die dort bestehende Unsicherheit und die schlechte Beleuchtung. Als ich mich umdrehte, bekam ich einen mächtigen Schlag, so daß ich zusammenbrach. Als ich wieder zu mir kam, taumelte ich auf in der Nähe befindliche Leute zu. Kürten kenne ich genau wieder. Er machte auf mich zuerst einen guten Eindruck, so daß ich mir dabei dachte: das ist ein netter Mensch, mit dem kannst du eigentlich gehen. Zum letzten Fall, dem Mord an der kleinen Gertrud A l b e r- mann sagt Kriminalassistent Mertens aus: Ich hatte den Auftrag, das Gelände bei Haniel und Lueg nach der vermißten Albermann abzusuchen. Bei einer kleinen Erhöhung an der Fabrikinauer lag das Kind mit dem Gesicht nach unten. Kriminalkommissar Jrrgang hat die Leiche besichtigt. Sie lag in einem Brennesselbusch lang aus- gestreckt und war vom Wege aus nicht zu sehen, da das Gestrüpp sehr hoch war. Wir haben die Leiche umgedreht und dabei fest- gestellt, daß der Mantel, wie überhaupt die ganzen Kleider, völlig mit Blut durchtränkt wäre,.. Das Blut war teilweis« auch in den Erdboden hineingesickert. Der ganze Körper war mit 36 Stichen durchbohrt. An dem Mantel befand sich ein Hornknopf, der eine Anzahl weiterer Stiche aufgefangen hat. Das geht deutlich aus den Merkmalen an dem Knopfe hervor. Frau Gehricke sah Gertrud Albermann auf der Ackerstraße. Die Kleine weinte und wollte in einen Gemüseladen gehen. Ihr Begleiter, ein Mann, nahm sie an der Hand und ging mit ihr in Richtung Hoffelstraße davon. Soweit sie sich erinnern kann, hat der Mann eine Mütze getragen und einen blauen Anzug angehabt. Bei der Gegenüberstellung erkennt die Zeugin Kürten nicht mit Sicherheit wieder. Es tritt dann eine längere Pause ein, Neue Amissprache in Kaiatonien. Verenguer festgesetzt.— Kavitaisflucht bekämpst. Madrid. 18, April.(Eigenbericht) Finanzminister Pricta erklärte, daß die Aussuhr von Kapitalien künftig aus 3000 Peseten pro Person beschränkt werde. Diese Maß- nähme müsse getrossen werden, da mehrere hundert Mitglieder der spanischen Aristokratie nach Frankreich geflüchtet seien und ihre sämtlichen Gelder und Wertpapiere mitgenommen hätten. Dagegen habe die Regierung nicht die Absicht, in irgendeiner Weise das Recht der Spanier, über die Bankkonten zu verfügen, ein- zu schränken. Die Regierung hat u. a> beschlossen, sür die Auftechterhostunz der militärischen Disziplin zu sorgen, Ilm ein Exempel zu statuieren ist am Freitag ein Offizier, der an der Spitze einer Gruppe von Manifestanten in das Jnnenministerüim eindringen wollte, verhaftet worden. Eine Reihe anderer Kabinettsbeschlüsse ist dazu bestimmt, die Gemissenssreihoit sicherzustellen. So sollen z. B. in den Kasernen weiterhin Messen abgehalten werden, die Teilnahme an chnen soll jedoch nichtmehr obligatorisch sein. Außenminister Ltrroux hat erklärt, daß die im Ausland ver- berestete Nachricht, daß die Regierung den Exkönig wegen Hoch- Verrats unter Anklag» stellen wolle, jeder Begründung entbehre, Wie aus gut unterrichteter Quelle mitgeteilt wird, hat sich General Berenguer am Freitagabend den republikanischen Behörden gestellt, die seine Verhaftung verfügten. Die Ernennung der neuen dipiomatischen Vertreter Spaniens im Ausland wird erfolgen, sobald die neue spanische Regierung von den Mächten offiziell an- erkannt ist. Als Botschafter in Paris soll Dr. Maranon ausersehen sein. Die Minister de los Rios, Domingo und Nicolau d'Olver sind am Freitagnachmittag im Flugzeug in Barcelona eingetroffen, Di« Berhandlungen mit der katalanischen Regierung haben bereits zu einer Einigung geführt. Danach soll die katalanische Regierung als „Regierung des Generalrats Katalonien" anerkannt werden, eine Bezeichnung, die bis zun, Jahre 1417 bestanden hat. Die vorläufige Regierung von Katalonien hat die Universität Barcelona für autonom erklärt. Bei den Behörden und Gerichten wird katalanisch als Amtssprache eingeführt. Weiter wird«ine eigene Bürgergarde gegründet. Außerdem ist'beabsichtigt, eine eigene Fliegertruppe zu schassen. Noch keine Stabilisierung der Peseta. Madrid. 17. April. Finanzminister Prieto teilte in seiner bereits gemeldeten Er- tlörung vor Pressevertretern noch u, a. mit. die Regierung werde vorläufig auf dem Devisenmarkt keine Intervention vornehmen. Auch für eine Stabilisierung der Peseta sei der Augenblick noch nicht gekommen. In einigen Tagen werde, wenn die gegenwärtige Ruhe weiter anHalle, jeder das Gefühl haben, als bestehe das neue Regime schon 20 Jahre, und dann werde auch das Geld feinen Wert wieder erhalten. Llralies Glasgemälde gefunden. Ln Wien gestohlen, in Verlin beschlagnahmt. Beträchtliches Aufsehen erregte vor einiger Zeit die Verhaftung des Kunsthändlers Adolf Bauer in Wien, der beschuldigt wurde, aus Klöstern und Kirchen Künstschätze entwendet zu haben. In der letzten Zeit bestärkte sich der Verdacht, daß das Gemälde, ein sehr wertvolles aus dem zwölften Jahrhundert stammendes Glas- gemälde, über die Grenze nach Berlin geschafft worden sei. Den Kriminalbeamten der Dienststelle B. 6 ist es soeben gelungen, das Kunstwerk in einer Antiquitätenhandlung in der Wilhelmstraße auf- zuspüren und zu beschlagnahmen. Bei der Firma war aus dem Auslande eine Kiste eingegangen, deren Inhalt aber noch nicht näher untersucht worden war. Als man die Kiste jetzt öffnete, zeigte es sich. daß sie, vorsichtig in Watte verpackt, die einzelnen Teile des in Westensfcld gestohlenen Glasgemäldes enthielt. Die Stücke waren aus der Bleifassung herausgelöst. Das Gemälde wurde nach dem Polizeipräsidium gebracht und wird den österreichischen Behörden zur Verfügung gestellt werden. Ob der in Wien verhaftete Äynst- Händler Bauer den Diebstahl verübt hat, wird die in Wien geführte Untersuchung wohl ergeben. Alfred Oöblin:„Die Ehe" Volksbühne Man spielt auf dem Schaugerüst, wie im alten Pafsionstheater. Vom eigentlichen Bühnenpodest steigen, springen die Darsteller auf die obere Galerie. Die steilen Treppen nötigen ihnen eilige Bewe- gungen ab. Alles soll Hast und Aufregung sein. In dem Schacht, den die Galerie aus dem Raum herausschneidet, sitzt das Orchester. Es soll auch die primitioe Jahrmarkts- und Messenmusit des Possionsspiels nachahmen. Uebor die untere Bühne ziehen hauptsächlich die Massen, die Chöre, die sich ganz an die Rampe heranschieben, sobald sie ihren Zuhörern etwas besonders Wichtiges zu sagen haben. Martin, der Regisieur. N e h e r, der Bühnenbaumeister. Rat- Haus, der Komponist, wirken zweckmäßig, belebend, phantosievoll zusammen. Diese drei ersetzen die Phantasie, die dem Textdichter mangelt. Döblin schreibt nämlich einen Text, der reine Vernunft oder auch reines Gefühl sein soll. Döblin ist erbarmungsvoll vor dem tragischen Problem der Proletarierehe, die in der heutigen Gesellschaftsordnung und in der heutigen Wohnungsnot keine Houlung und darum kein Glück findet. Er ist erbarmungslos vor den Bedürfnissen der Theatermasse, die nur dos Abstrakte des ökonomischen und sozialen Problems erfährt und nicht durch künstlerische Sinnlichkeit in ihren Schau- und Hörtrieben befriedigt wird. Diese Döblinschen Probleme sind natürlich ernst, groß, heilig. entsetzlich, niederdrückend. Gibt es etwas Schrecklicheres als die Hilf- losigkeit der Frau des Arbeitslosen, die ein Kind erwartet? Kein Dach überm Kopf, kein Geld in der Tasche. Arzt und Wohlfahrts- behörden stur und tarrb vor diesem elenden Weib, das um Unter- stützung bittet, damit wenigstens s i e arbeiten kann, weil der Mann faulenzen muß und aus Verzweiflung in die Wirtshäuser läuft. Die Behörde versagt. Die weise Frau greift«in. Das Prolstarierweib verblutet, der Sarg wird über die Bühne getragen, Pilgerzug der Trauernden. Aufmarsch der Empörten. Rachedrohung. Die Fäuste werden geballt. Die Kehlen schmettern ihren Zorn. Die Augen rollen. Die Sohlen knarren. Erste Szene. Zweite Szene: Das erste Elend erweitert sich. Gleich ein ganzer Haufe von Familien, die wohnungslos. arbeitslos, schwindsüchtig, hoffnungslos sind. Sie wohnen auf dem Speicher, im Keller, in anderen Löchern. Da stirbt der Vater, da verröchelt das kleinste, das schwächste Kind. Da wird von der Proletariermutter all diese heimatlos« Kinderbrut losgerissen, in Asyle gesteckt, die Mutter ins Siechenhaus. Di« vierzehnjährige Tochter holt aus der Zwangsanstalt, die das Bürgermitleid baute, die Mutter und den jüngsten Bruder. Alle drei irren im Walde um- her. Sie werden aufgelesen, gewaltsam in Verwahrung genommen. Ordnung muß sein, aber auch die Unerbittlichkeit der herrschenden Klasse, die nicht dulden will, daß die schöne Automobilstraß« von todunglücklichem Bettlergesindel bevölkert wird. Dritte Szene: Dies« herrschende Klasse wird entlarvt. Fabrikmagnat, verkalktes Erwerbs- tier, nach innen und außen vergreist, das Herz verschüttet durch Geld. Der reichen Tochter Herz verschüttet durch das Laster von l9Z1. Gigolo» en gros ersetzen den gekauften Ehemann, der sich zur Revanche das jüngste und hübscheste Kontormädel kauft. Das Ganze soll Sinn hoben und moralische Symbolik. Der Sinn lautet: Rebellion bei den Proleten, aber plötzlich wird die Sentenz verwässert oder erhöht oder vertieft. Das wird bei Döblin nicht ganz klar. Soll sich das Individuum allein als Held im Klassen- kämpf aufspielen? Soll die Atasse sich zusammenschließen? Die schwankend«, verschwimmende Hurnanitälstenhenz Döblins wird niemals ganz klar. In« Amphitheater der Volksbühne spürten dos sowohl die eingeweihten literarischen Gäste, wie die schlichten Mit» glieder, von denen die meisten dankbar mitgehen wollten, von denen die meisten aber arge Enttäuschung erlebten. Sie finden nicht das Geheimnis, das Döblin nicht preisgeben will. Dielleicht besitzt der Dichter gar kein Geheimnis. Vielleicht verblüfft er nur. Trotzdem befreiten sich die Zuschauer aus der Unbefriedigkeit und Ungewißheit, indem sie ihren Döblin. die Respektsperson, an die Rampe riefen. Ausgetifteltes, mattes, ungeformtes Nachhallen des nicht mehr lebendigen Expressionismus, das ist bei genauem Zusehen Döblin? Stück. Das Thema ist gut. Ausführung und geistige Bewältigung sedoch mißraten. Uebrigens schwebt dem Dichter Döblin die Stimmung des Strindbergschen„Traumspiels* vor, das all diese Nachkriegsbastarde verschuldete. Döblin ist sonst ein Reformator. Diesmal klebt er an der Vergangenheit. Das ist die Bilanz. Wäre nicht der Regisseur, der Musiker und Bühnenarchitekt, man würde verzweifeln an den guten Gaben des Dichters. Helfer sind auch die Schauspieler, ja sie sind geradezu Nothelser. Busch ist der erklärende Sprecher und Ausbeuter des Textes. Er spricht sehr melodiös, wenn ihm auch das Melodrama schadet. K a r ch o w. der in einem satirischen Prolog die Verlogenheit des süßlichen Poeten gegenüber der Lebenswirtlichkeit zu entlarven hat. bütet sich vor lächerlicher Uebertreibung. Berthe Drews und Grete Beck spielen still, leidend und edel die verlassenen Proletarier- frauen. Ein großes und trotz seiner zitternden Jugend ergreifendes Talent ist Gerda Schäfer, die Darstellerin des proletarischen Back- fische«, der so ausgeweckt und so unschuldig lasterhaft durch das Leben gehn muß- Hermann Speelmanns gibt den braven Arbeits- losen, den muskulösen Helden und Märtyrer der Faust und des ge- fchundensn Gemütes. Prachtvoll, beängstigend, in jedem Blick und in jeder Bewegung dem entsprechend, was dieses Opfer der ver- fluchten Zipt zu sein hat. Alle Typen, auch diejenigen der gehobenen und verabscheuungswürdigcn Klosse, wurden von dem erfahrenen Regisseur klug ausgewählt. Max Hochdorf. Der Komponist Karol R a t h a u s ist in letzter Zeit öfters bedeut- sam hervorgetreten: mit der Oper„Fremde Erde*: im Karamasosf- Film: und erst vor zwei Tagen im Rundfunk mit einer neuen Orchestersuite. Diesmal war es leider ein Versagen. Seine Musik, gewollt als wichtiger Bestandteil des Werks, leistet der Dichtung Döblins fast nur dramaturgischen Beistand: sie enttäuscht durch den Mangel an persönlüher Ursprünglichkeit noch mehr als durch stilistische Unsicherheit und Unselbständigkeit. Es ist zu spüren, wie Rathaus sich bemüht, voltshaft-schlüht, eindringlich, aufrührerisch, hie und da auch satirisch zu sein. Aber bald ahmt er Klang und Formen der „Dreigroschenoper* noch, bald verirrt er sich in kleinbürgerliche Senti- Mentalität, und weder der ironische, noch der leichte Ton klingen überzeugend. Dem revolutionären Marschlied, in dem der erste Teil äußerlich wirksam ausklingt, fehlt es an Intensität des Ausdrucks und elementarer Krast. und der hymnische Schlußgesang ist getarnte Liedertafel«!. Alles in ollem ist die Musik, die als Arbeit selbswer- ständlich den Musiker von Niveau erkennen läßt— sie wird von Theo M a ck e b e n vorbildlich herausgebracht—, nicht viel yiehr als ein gefügiges, geschickt eingesetztes Hilfsmittel in der Hand des Regisseurs. Ein paar knapp gefaßten Liedern leiht Ernst Büschs Vortrag erregende Gewalt. K. P. * Die Buchausgabe ist soeben im Verlag von S. Fischer- Berlin erschienen. „Emilla Galoiti." Itssners Neuinszenierung im Schiller-Theater. Bald nach dem Tode Cmilias wird der Prinz wie sein herzoglicher Kollege im„Rigoletto* von den trügerischen Weiber- herzen singen. Was gilt ihm ein Menschenleben? Der Mächtige geht frei aus, er ist unbeschränkt, nur die anderen leiden und sterben. Das Trauerspiel„Emilia Galolli*, die in die theatralische Praxis umgesetzte Theorie dramaturgischer Erkenntnisse, ist ein sozialkritisches, ein politisches Stück, dos erste auf der deutschen Bühne. L e s s i n g zeigt bis zur letzten logischen Konsequenz die Widersinnigkeit einer von, Himmel stabilisierten Gesellschaftsordnung. er tut es 20 Jahre vor der französischen Revolullon. und er tut es ohne die ätzende Ironie eines Beaumarchais, ohne das sich selbst be< rauschende Pathos der„Kabale und Liebe*. Der Fall wird objektiv entfaltet, er wirkt allein durch die Tatsachen. Der Mächtige, der Fürst, der Herr, der Gebieter behält vor der Welt recht, weil er die Macht besitzt. Diesen Gedankenkomplcx schält I e s s n e r in seiner Neu- inszenierung klar heraus. Aber er geht noch weiter. Di« Macht wird zum Popanz der Macht. Hans Ottos Hettore Gonzaga ist nichts mehr als ein scharmanter, dummer Junge, der kokett und mit graziöser Geste seinen Seidensrack trägt. Der Repräsentant der Macht, die selbst die starre Männlichkell eines Odoardo Galotti nicht zu ersd)üttern oermag, kann mit keiner Eigenschaft aufwarten, die ihn für diesen erhöhten Rang geeignet machte. Und seine Macht wird selbst problematisch, denn Hellore ist Wachs in der Hand Marmellis. Aribert Wäscher spiell nicht den Seiltänzer höfischer Gunst, den Equilibristen sophistischer Logik, den dienenden Intriganten. Er ist der Meister des Prinzen, der Erzieher zur Menschenverachtung. Nichts Tänzerisches hat dieser Marinelli. Ein schwerer, verfetteter Körper, der mephistophelisch zu schleichen versteht. Ein kluger, über- legener Geist, genährt durch den Haß aus die Menschheit. Dieser Prinz wagt nicht, diesen Marinelli am Schluß in die Verbannung zu schicken. Der Mächtige ist selber machtlos. Marinellis Sophismen, seine überspitzte Logik wachse» organisch aus ihm heraus. Sie sind nicht ein dialektisches Spiel Lessings, eins geistreiche Dekoration, sondern notwendiger Teil der Individualität Marinellis. Iesfner versucht, die gedankliche Haltung der Sprache, ihre Begrifflichkell, ihre Ueberklarhell menschlich zu verankern. Es gelingt nicht immer. Manchmal bleibt ein störender Rest. So bei der Emilia Hildegard Bürens, die in ihrer ungelösten Eckigkeit der Figur kein Gesicht aufzuprägen versteht. Dos sprachliche Gerüst ist sonst durchglüht von dem Ausdruckswillen der Darsteller, von chrer gestaltenden Menschlichkeit. Drei große, überragende Leistungen neben Wäschers Marinelli. K a y h l e r gibt dem Odoardo kraft- volle Verfchlosienhell und am Schluß den Ausdruck tlefsten ge- bändigten Schmerzes. Lina Lossens Claudia und Maria Koppenhöfers Gräfin Orsina stehen jenseits der üblichen Deklamation. Es sind Menschen von bezwingender Einfachheit und »von echter Leidenschaft. Der Bandit Angela wird durch Florath seiner Theatralik entkleidet, und Kraußnecks Rata spricht wie ein weiser, verstehender Mensch. Iesfner experimentiert nicht. Er gibt in der»Emilia Galotti* realistisches, pnthosloses Theater von künstlerischer Kultur. Er erstrebt wieder die Wahrheit der Gestaltung, die Regie des Wortes, auf das er die Vorstellung aufbaut. P. Sch. Ein Gruselfilm. Capitol. Der Name des Regisseurs Karl Grüne macht aufhorchen und der Tllel:„Das gelbe Haus des King-Fu" nicht minder. Mit einem symbolischen Austakt fetzt der Film ein: Sprechchöre er- wecken erwartungsvolle Stimmung. Dann beginnt die Handlung: ein sensationeller Frauenmord versetzt eine ganze Hafenstadt in Unruhe. Die Polizei stellt sest, daß ein längst gesuchter Chinese King-Fu der Täter sein muß. Und nun werden wir in die Höhle des Löwen versetzt: spukhaftes Milieu und phantastische Entführung eines Schauspielerpares dahin. Aber alles ist nur Bluff. Der Schauspieler Scalpa hat alles nur arrangiert, um für sich und sein Stück, das den Mord ausschlachtet, Reklame zu machen. Aber nun wird das Stück im Theater aufgeführt. Wie Scalpa ist auch der wirtliche King-Fu in die schöne Schauspielerin Anita verliebt. Er will sie durch seine Helfershelfer entführen lassen, und eines abends spielt er die Rolle des Schauspielers auf der Bühne. Aus dem Spiel wird blutiger Ernst, die Polizei wird alarmiert, es gibt ein fabelhaftes Theater im Theater. Aber der Mörder entkommt mit seiner Beute. Erst durch Verrat wird sein Versteck entdeckt und im letzten Augenblick ein neuer Mord(?) verhütet. Der Filmreißer, nach einem entsprechenden Theaterreißer be- arbeitet, enttäuschte das Publikum. War es zuerst düpiert worden, so fühlte es sich nachher unsicher, und wußte nicht, was Ernst, was Spiel war. bis der Schluß die Aufklärung brachte. Gustav D i e ß l fesselte zwar in der Doppelrolle des Schauspielers und Mörders wie auch Charlotte S u s a durch faszinierende Maske. Aber der sellsame Chinese ist doch schon zu abgegriffen und die Handlung zu primitiv, um höhere Anforderungen zu befriedigen. Karl Grüne hat manche gute Bildwirkungen geschaffen und Gruselstimmungen erzeugt, aber die tieferen Absichten, die ihm vorgeschwebt haben mögen, schlagen nicht durch.— r. „Feind im Blui." Atrium. Die Aufklärungssilme, die früher vom stummen Film serien- weis geboten wurden, erneuern sich jetzt als Tonfilme. Unter der Mitwirkung der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Ge- schlechtskrankheiten kommt ein Tonfilm heraus, der den Kampf mit einem der ärgsten Feinde der Menschheit, den Geschlechtskrank- hellen, in ernster und wirksamer Weise aufnimmt. Es werden die notwendigen medizinischen und statistischen Tatsachen aufgeführt, die jedermann über das Thema unterrichten, vor allem aber wird in spielfilmgemäßen und menschlich interessierenden Einzelschicksalen die ungeheure Wichtigkeit der Selbstverantwortung und rechtzeitigen ärztliche» Behandlung eingeprägt. Waller R u t t m a n n, immer auf der Suche nach neuen Rhythmen und Physiognomien der Groß- stadt, hat dem Film Leben uyd Augenweide gegeben durch eine Fülle von gutgesehenen und photoßr�phierten Stimmungsbildern. Die Verführungen und Gefahren der Großstadt mit ihrem lockenden Bar- und Tanzleben, der Rhythmus der Maschinen in der Fabrik und der Verkehrsmittel, kurzum, das ganze Fluidum der Großstadt umspielt und umbrandet die lehrhasten Teile des Films. Manchmal scheint das Thema vergessen zu sein, aber dann tritt es um so an- fchaulicher und konzentrierter wieder in die Erscheinung. Der Film wird zweifellos seine guten Wirkungen tun, um so mehr, da er in so anregender Form sich darbietet. Voraus ging eine Filmreportage über den neuen Großsender von Mühlfeld. r. „Die Bräutigamswitwe." Eapitol. Dieser Film wurde nach einem Bühnenstück gearbeitet mit einer ganz großen Konzession an den Geschmack des großen Publikums. Dem wird, mit solennen Keilereien gespickt, der Aufstieg des kleinen Tanzmädels zur Mlllionärsgattin erzählt. Autoren, Schauspieler und Regisieur wollen Quatsch auf jeden Fall, und darum mischt man Burleske, Opern- und Operettenregie und nennt das Ganze einen musikalischen Schwank. Richard E i ch b e r g hat immer«ine gewisse Ueberlegenheit in seiner Regie. Doch gleicht er sich zu sehr. Seine Haupterfolge holt er sich stets mit der virtuosen Schilderung des eleganten Lebewelt-Lokals. Er liebt die Fleischbeschau. Nun ist ein schöner Körper ohne Zweifel ein ästhetischer Anblick, aber dieser Anblick wird bei Eichberg zu sehr zur filmindustriellen Ausbeutung herabgewürdigt. Die Photographen brachten durch Ueberblenden manche neue Note in den Film. Georg Alexander ist nett und ulkig wie immer, und Fritz K a m p e r s spiell unter Riesenbeifall den handfesten Liebhaber. Manche überbezahlte Diva aber wird unter der Schminke erbleichen: denn jetzt ist mll Martha E g g e r t h die ganz große Konkurrentin auf der Leinwand erschienen. e. h. « .,3m Westen nichts Neues." Von dem Film, der demuäckst in Deutschland in geschlossenen Vereinen gezeigt werden dürfte, ist in- zwischen ein Auszug in Bildern vom Ernst-Rawohlt-Berlag veran- stallet worden. Die Haupttypcn und charakteristischsten Szenen sind darin in guten Reproduktionen wiedergegeben. Sie zeigen, wie der Film selbst den Krieg, wie er ist, sie wirken aufrüttelnd und bilden eine Dokumentenfammlung von Dauerwert auch für den, der den Film gesehen hat oder sehen würde. Meißener Porzellan im Berliner Schloßmuseum. Im Weißen Saal des Berliner Schfoßmuseums wurde heute ein« Sonderaus- ftellung der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen eröffnet. Der geschichtliche Teil der Ausstellung zeigt in Neuau-zformungen den im Original angeblich verschollenen.IX- Meter hohen„Ehrentempel* von Kacndler sowie etwa 50 große Tierfiguren, Die am Anfang des 13. Jahrhunderts für die Ausstellung des„Japanischen Palais* in Dresden hergestellt wurden. Erwähnenswert ist ferner eine Tafel, gedeckt mit Tischzeug, silbervergoldeten Prunkstücken und Porzellangejchirr aus dem Besitz August des Starken und seines Nachfolgers. An modernen Arbeiten bietet die Ausstellung plastische Werte von der Hand der für die Meißener Marnifaktur in letzter Zeit arbeitenden Künstler. La» Berliner Philhormonische Orchester wird'eine bopulären Sditzctic Dienstag mit einer Auiführung der Neunte» Sinfonie von Secthoven unter Mitwirkung des Kittclfchen Chores beschließen. Oos Orchester arbeitsloser Blustker spielt Sonnlag, 12 Uhr, in der Staat, lichen Hochschule für Muüt unter Leitung von Dr. E. Cheiranper: Beethoven K. Sinfonie), Liizt, Bcrlloz, TscheikowÄY. Die KpO. bei der Maifeier. Sie hält auf Ordnung. Es war die KPD., die es den freien Gewerkschaften in Berlin unmöglich gemacht hatte, den gemeinsamen Maidemonstrationszug oller organisierten Arbeiter, Angestellten und Beamten beizubehalten. Im Namen der„Einheitsfront* hat diese im Sinne der Arbeiter- bewegung gemeinschädliche Partei die Maidemonstration zur Herab- setzung und Beschimpfung der Gewerkschaften mißbraucht und in der provokatoristischsten Weise unter Verhetzung von Kindern und Jugendlichen die Einheitlichkeit der Maifeier gestört. Die Anhänger der KPD. gründeten gewerkschaftliche Sonderorganisationen. von der KPD. zunächst geduldet, dann bekämpft wurden, weil ihr der Zeitpunkt noch nicht gekommen schien, ihre „roten" ,.E'nheits"-Sonderorganisationen aufzuziehen, wie sie es nunmehr getan hat. und nun weiter bekämpft werden, weil sie sich der RGO. nicht unterwerfen wollen. Diesmal ist die KPD. bei chrer eigenen„revolutionäre»" Mai- feier in Verlegenheit geraton. Die„Kaiserlichen", der sogenannte Industrieverband für das Baugewerbe, wollte sich an der Mai- demonftration der KPD. beteiligen. Er wollte dem üblen Beispiel der KPD. nicht folgen, chre Demonstration mit seinen Parolen zu überfallen, suchte sich vielmehr vorher mit der KPD. zu verständigen. Es ist nun geradezu erheiternd, die Vorschriften zu kennen, die die KPD. den„Kaiserlichen* für eine Beteiligung an ihrer polizeilich genehmigten Maidemonstration im Lustgarten macht. Die KPD. erklärt: „Die Teilnahme an unserer Demonstration schließt natürlich(!) ans das ZNitnehmen von Plakaten, Transparenten, Flugblättern mit Losungen gegen die SPD., die RGO. und den Einheitsverband für das Baugewerbe, das halten von Reden gegen die genannlen Organisationen und jede beleidigende oder verdächtigende Aeuße- rung gegen die Sowjetunion...* Damit nicht genug, forderte die KPD. nach diesen schriftlich gestellten Bedingungen in den mündlichen Verhandlungen, daß die Parolen der NGO. und ihrer Partei übernommen werden müßten— von den von der KPD. Ausgeschlossenen. Der Industrie- verband dürfe seine Losung:„Hinein in den Industrieverband* nicht tragen. In der„Roten Fahne" wird nun behauptet, es sei die Leitung des IVfdB. und des Bundes revolutionärer Jndustrieverbände, die ähnlich wie im Jahre 1330 die rote Klasienfront am 1. Mai zer- splittern wolle. In diesen häuslichen Streit, den„Die Fahne des Kommu- nismus* recht anschaulich schildert, wollen wir uns nicht einmischen. Es galt lediglich, zu zeigen, wie ordnungsliebend die KPD. sein kann, wie natürlich ihr all das erscheint, was die freien Gewerkschaften von ihren Mitgliedern forderten, wie sie chre revolu- tionäre Oppositton behandelt in dem Moment, wo sie die Macht zu haben glaubt. Die gcwerkschafllich organisierte Arbeitnehmerschaft Berlins wird sich auch bei ihrer diesjährigen Maifeier daran erinnern, daß die SPD. es war und ist. die in ihrer fanatischen Feindschaft gegen die Gewerkschaften die Geschlossenheit der freigewertschaftlichen Or- ganisation zu zerstören sucht. Damit ist diese der Fuchtel Moskaus unterworfen« Partei samt ihrer RGO. für alle steige werk- schaftsich organisierten Arbeitnehmer gerichtet. 50 Jahre Slekirtfche Die erste„Elektrische" in Berlin unii der Welt, van Werner v. Siemens erbaut(Porträt im Kreis), wurde am 15. April 1981 der Oessentlichkeit in einer Probe- fahrt gezeigt und zwar in dem da- mals noch selbständigen Lichterselde. Llm die Kriegsopfer. Oer Zieichsbund steht unbedingt zur Republik. Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebenen hatte gestern aus Anlaß seiner Werbewoche gegen den Abbau der Versorgung der Kriegsopfer zu einer Presse- bcsprechung in das Hotel Atlas geladen. Der Vorsitzende P f ä n d n e r legte nach einmal die Besorgnisse des Rcichsbundes der Kriegsbeschädigten. Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebenen dar, die von uns in der Morgenausgabe vom Freitag besprochen wurden und beleuchtete vor allen Dingen den Abbau bei der Anwendung der Kann-Vorschriften. Auf eine Anfrage hin erklärte Herr Pfändner im Namen der Gesamt- organifation, daß sie parteipolitisch neutral, d. h. ü b e r p a r t« i- l i ch sei, aber nach ihren Satzungen und in ihrem Handeln u n b e- dingtzur Republik und zur Verfassung stehe. Sie wende sich in ihrem Kampfe für eine gerechte Versorgung der Kriegsopfer vor ollem an die Parteien, die danach streben, der Republik einen sozialen Inhalt zu geben. Dadurch stellt sich der Reichsbund in erfreulichen Gegensatz zum Reichsverband, dessen Vertreter noch im vorigen Jahre erklärte, daß für ihn die Staatsform gleichgültig sei. Von besonderer Bedeutung in der Kriegsopferfrage ist auch dos oft schwere Los der K.riegerhin.t erbliebe ncn, deren Zahl sich auf annähernd anderthalb Millionen belauft. Die Renten sind seit l92Z kaum erhöht, Beihilfen, besonders auch Erziehungsbeihilfen, sind abgebaut oder stark eingeschränkt. Zum Sonntag hat. der Reichsbund zu einer Kundgebung im Sportpalast aufgerufen. Massenversammlung derArbeiierfrauen Au einer MasseaversammluÄg werktätiger Frauen gestaltete sich die kundgelmng des Kreises Wedding der Ver- iincr Sozialdemokratie In den pharussälen. Das Berliner Frauenproletariat war gekommen, um seinen Willen zur Solidarität, zum Kamps gegen die Reaktion zu bekunden. Jung und alt saßen sie dichtgedrängt in dem großen Saal, und die Männer, das Reichsbanner, standen die Wände entlang. Der Männergesanovcrcin„Liederfreunde", die Rezitatorin Genossin Wollman umrahmten die Reden mit künstleri>chen Darbietungen, die mit lebhafter Freude aufgenommen wurden. Starken Beifall fanden die Ausführungen der Genossin Böhm-Schuch, die zu einer Lichtbildserie„Kampf der Frau um den Sozialismus" über die Stellung der Frau in der heutigen Gesellschaftsordnung sprach. Die Vorsitzende, Genossin Dietrich, gedachte in warmen Worten der entschlafenen Genossin Margarete Wenzels, zu deren Ehren sich die Versammlung von den Plätzen erhob. Genossin Frieda Licht vom AfA-Bund zeigte die soziale Gebundenheit der berufstätigen Frau, besonders der Angestellten auf. Bewußt habe das Unter- nehmertum durch die Mindcrbezohlung der Frau bei gleichen Arbeitsleistungen eine Spaltung in die arbeitenden Massen hinein- tragen wollen. Die freien Gewerkschaften hoben seit Beginn ihres Bestehens gegen diese Ungerechtigkeit gekämpft, ober es liegt an den Arbeitenden selbst, den Forderungen der Gewerkschaften größeren Nochdruck zu verleihen, indem sie sich olle den freien Gewerkschaften anschließen. Erst dann, wenn es der Arbeiterschaft gelingt, die unorganisierten Arbeitsgenossen in die Gewerkschaften einzureihen, wird sich das Ziel der arbeitenden Klasse verwirklichen lassen. Ge- meinsom mit der Sozialdemokratie würden die Gewerkschaften gegen Kulturreoktion und Niederdrückung der werktätigen Frau Front machen. Eine Entschließung gegen Paragraph 218 wurde non der Versammlung einstimmig angenommen: der Aufforderung der Red- nerinncn des Abends, der Partei beizutreten, wurde zahlreich Folge geleistet. 25.?lbt. Heute, 18 Uhr, wichtige Flugblottocrbreitung: Kra- iiier, Eothcniusstr. 3; Schmidt, Kurisch« Str. Ecke Kniprodestraßc: Röseler, Goldapcr Str. g;„Werncuchener Schloß", Werncuchencr Ecke Kniprodeftraß«: Sawatzki, Allensteiner Str. 23; Fahrenhold, Esmarchstraße Ecke Allensteiner Straße. Reichsbonncrinann als Geschworener. Wir berichteten kürzlich über eine Verhandlung des Schöffengerichts Wittenberge wegen eines Ueberfalls, den Nationalsozialisten auf eine sozialdemokratische Versammlung verübt hotten. Dabei wurde mitgeteilt, daß ein ord- »ungsmnßig geladener Schöffe von der Verteidigung mit Erfolg als„befangen" abgelehnt wurde, weil er dem Reichsbanner an- gehöre. Die Justizpressestelle Berlin teilt uns dazu mit, daß die Ablehnung nicht wegen der bloßen Zugehörigkeit zum Reichs- banner ersolatc, sondern deshalb, weil der Schöffe in Reichsbanner- uniform'der fraglichen Versammlung beigewohnt und die Zusammen- stöße selbst nzit erlebt hat. Deshalb habe sich der Staatsanwalt der Ablehnung angeschlossen und der Vorsitzende habe sie aus dem gleichen Grund? für berechtigt erklärt. Die Ausstellung der Arbcik der Kindersremide im Gesundbeits- hous Kreuzberg ist wegen des guten Zuspruchs bis einschiieß- lich 26. April verlängert. Geöffnet werktags von 14— 21 Uhr, Sonntags von 16— 21 Uhr. An allen Ausstellungstagen finden nachmittags ab 17.36 Uhr Veranstaltungen für Kinder statt. Der Eintritt ist frei. „vom Gefängnis zum Pflegeheim." Gerda Weyl. die Ver- fasserin des Aussatzes„Vom Gesänams zum Pslegeheim". bittet um Berichtigung irreführender Druckfehler: Unsere Genossen von der BVG. haben gemeinsam mit denen vom Landesjugeröiomt Berlin aus einem Gefängnis ein Heim mit u. a. 7 2 Betten in vier Schlaplen geschafsen(nicht 27 Betten). Rückschau. Berliner Sender. Der zweite Bortrag in dein Zyklus „Die Lage der Jugend in Groß-Berlin" trug den Titel„E am e r b s- lose Jugend". Erich Ollenhauer behandelte das Thema im' Gespräch mit einem 17jährigcn Mädchen und einem 19jährigen Burschen, die beide seit längerer Zeit arbeitslos sind. Das Mädchen: Gelernte Kinderpflegerin, Abschlußprüfung nach zwei- jähriger Lehrzeit. Seitdem arbeitslos, nur gelegentlich Aushilfs- stellen. Erhält keine Unterstützung, da noch nicht 52 Wochen berufs- tätig gewesen. Der Bruder lernt Optiker, verdient 7 M. in der Woche. Der Baker ist tot, die Mutter muß für den Lebensunterhalt der Familie sorgen. Das Mädchen nimmt jetzt an Fartbildungs- kursen in Stenographie und Maschineschreiben teil, hofft, später im Büro unterzukonimen, da in ihreni Berus die Aussichten zu schlecht sind. Der Bursche: Bier Jahre Möbeltischler gelernt, dann eine Woche als Geselle gearbeitet und danach entlassen: Gesellen- arbeit war deni Betrieb zu teuer. Seitdem arbeitslos. Die Aus- sichten, in seincni Beruf unterzukommen, werden immer schlechter, da die kurze Gesellenzeit und die lange Arbeitslosigkeit den Verdacht wecken, daß von seinen Berusskenntnisscn nicht mehr viel vorhanden ist. Er erhält wöchentlich 7,86 M. Arbeitslosenunterstützung, wird Pfingsten ausgesteuert. Der 16jährige Bruder versucht seit zwei Jahren vergeblich eine Lehrstelle als Elektrotechniker oder Gärtner zu bekommen. Seit Ißz Jähren arbeitet er als Stallbursche bei einem Bauern. nur für Kost und Logis. Der Vater erhält monatlich 79 M. Invalidenrente, die Mutter wäscht nachts Autas. Die Fortbildungskurse, die� von Berlin für jugendliche Erwerbslose eingerichtet wurden, sind diesen jungen Menschen verjchlossen. da sie nur Erwerbslose unter 18'Jahren zulassen. Der Bursche und das Mädel betonen es. für sich und die ge- samtc erwerbslose Jugend, die in Berlin rund 4 5 666, in Deutschland rund 666666 Köpfe zähltk' wir wollen arbeiten, wir leiden alle schwer unter der Untätigkeit, zu der wir verdammt worden sind. Beide sind in. der Sozialistischen Arbeiter-Jugend organisiert, finden hier Wirkungskreis und Ge- meinschastsleben. Der Bursche betont, daß für die unorgani- s i« r t c ii Jugendlichen die Arbeitslosigkeit noch viel drückender sei. da ihnen dann jeder Zusammenhang mit dem Gemeinschaftsleben verloren gehe. Erich Ollenhauer stellt am Schluß des Gesprächs aus. drücklich fest, daß es sich bei beiden Jugendlichen um keine besonders unglücklichen Fälle handele, sondern, daß sie Massenschicksoie ver- körpern. Die wichtigste und einzig durchgreifende Hilfe:st auch für die jugendlichen Arbeitslosen nur in einer besseren Organisation des gesamten Arbeitsprozesses, vor ollem in einer sinnvolleren Arbeitszeitregelung zu finden. Aufgabe oller ösfentlichen Stellen aber ist es, dafür zu sorgen, daß ollen erwerbslosen Jugend- lichen bis zum 2l. Lebensjahr Fortbildungsmöglichkeiten zugänglich sind, die ihnen vor allen Dingen die Beziehung zu ihrem Berus er- halten und sie darin vervollkommnen müssen. Das Dreigcspräch bewies, wie aufschlußreich und lebendig solche Diskussionen mit Jugendlichen sein können. Tcz. Sonnabend, 18. April. B e r I i o. 16.05„Buiie(Zezcdiciiten" von Paulus(Sprecher: Dr. Paul Rache). 1630 Unterhaltungsmusik. 17.45 Zehn Minuten Film. 17.55 Aktuelle Abteilung. 18.15 Lieder(Paul Lohmann. BaS; Flügel: Bruno Seidlcr-Winklcr). 18.35 Prof. Sandkuhl, Dr. Werner und Jaro Jarctjki; Kunstkrise und Kunstreferat. 19.05 Walzer. 20.00 Die Erzählung der Woche(Albert Daudistel). 20.30 Oucr durch Berlin. 22.00 Wetter-. Tages- und Sportnachrichten. Anschließend bis 0.30 Tanzmusik. 16.00 16.30 17.30 18.00 18.30 19.00 19.30 20.00 21.00 Königsvustcrhauscn. Direktorin P. Rengicr: Die verheiratete Lehrerin. Hamburg: Konzert. Prof. Dr. Dietrich: Kurorte und Volksgesundheitü Französisch für Fortgeschrittene. Dr. Arnold Hahn: Zauberei. Magie und Heilkunde. Dr. Werner Ziegenfuß: Der IV. Davoscr Hochschulkursus. Hans Teßmer: Anton Wildgans zum 50. Geburtstag. Hainburg: Kavallerie-Konzert. Köln: Lustiger Abend. Sonniag, 19. April. Berlin. 6.30 Fjnksyimtasiik. Frühkonzcrt. 8.00 Für ccn Landwirt. 9.00 Morjer.fcier. 10.03 Wettervorhersage. 11.30 Leipzig: Bach-Kaniateti. 13.00 B Travcn: Die Hinrichtung.(Sprecher: Alfred Beierle.) 13.30 Hochschule für Musik. Chirlotteubarg; Vi. Konzert des Orchesters arbeitsloser Musiker. Berlin. Dir.: Dr. Erich Cheirander. I. Liszt: Proraetheus, sinl. Dichtung Nr. 5. 2. Bcrlior; Ouv. zu„Benvenuto Cellini'. 3. Smctrn.i: Die Moldau, sinl. Dichtung. 4. Tschaikowsky: Suite Nr. 3 f. Prch.. op. 55. 14.00 Märchen.(Grete Maria Markstein.) 14.30 Mandolinenorchesler-Koozert. 15.30 Renaissance-Theater.(Aus dem Senderaum der Funkstunde.)„HeU- seberei", von Georg Kaiser. 16.45 Aktuelle Abteilung. 17.45 Unterhaltungsmusik. 19.50 Sportnachrichten. 20.00 Philharmonie: Wilhelm Furtwängier. I. Schubert: Sinfonie C-Dur. 2. Debussy; Preludc. 3. Rieh. Strauß; Till Eulenspiegcl, op. 25. 4. Wagner; Ouv. zu..Tannhäuser".(Berliner Pküh. Orch.) 22.00 Wetter-. Tages- und Sportnachrichten. Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. Königs Wusterhausen. 7.00 Hamburg: Hafenkonzert.• 11.80 Ministerialrat Dr. Stoltzc: Die Mittelschulen. 18.30 Dr.>1. v. Müller: Sinn inr Zuiatt? 19.00 Dr. Knauß: Zwei-Tage-Ftug. 19.20..Briefe uhlciwe'gs". Lelirsbiel von Albert Falkenherg. Regie Df: Konrad Dürre. Scrontootfi für hie Rrhaktion: Keebrrt«ep,ee, Berlin: Anzeigen: Th.»locke. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag S. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts Bud>> druckerei uoh Berlagsanfiall Paul Singer& Co.. Berlm SSB 68, SinicnftraSc 3. Siezjn 1 Beilage. , e-»- XhaiUe, Lidtlspiele usw Sonnab., 18. 4. Staats-Oper Unter d. Linden 220. 4.-V. lO'.'j Uhr SuIbi nder Ernsi Pnlovzgr ranie VsnieiiRli Knde 22 Uhr Sonnab., 18. 4. Stadt, oper Bismarcksir. Turnus II 20 Uhr Die EatlfODi m liest lerail Ende 22': Uhr Staats-Oper tn Pitt: 4er Republik. V.-B. 10'fe Uhr Perichole Ende geg.22 Uhr Staatl. SchaQspb. (am Giadamwmartti. 197 A.-V. 20 Uhr Die Mihdutldigu. Die Malrane von EphKiR Ende 221: Uhr W.Millel-TItealer.üiarlt&g, 20 Uhr Don Carlos Ende gegen 23 Uhr 1 Tägl. 5 u.S1!, Uhr. 0 5 BarD. 92581 | liadmiitfaji 50 PI.— 3 M„ Hunds 1-6 a.| Juan Liossss | mit seinem verstärkten Orchester| d' Anselm), Drena Beadi usv. GROSSES SCHAUäPIELHAUd Täglich 8 Uhr: Im weissen RBWl. Stg. nachm. 3 Uhr Originalbesetzung Billige Preise Regie: Erik Charell. WinNär Garten- 8150k Zeirtr. Zill huditn eMI Oavelraa-Ballett. Grell. Vemon, 2 Hartwells. Rio State Marimha Band usw. wi»d«i>d und Snnntugiji ZVorstelkingen 4 und 8" Uhr. 4 Uhr kleine Pr. %Vi Uhr GASINO-THEATER Lothringer Strahe 37. iiiiiiiniiiiiiMintp Ubv ----- Der neue Schlaoerl= „Er trdumt uon Jise" Daru das neu© Fest-Programm Gnttdacin 1— 4 PertoncD Fauteuil 1,25 Sessel 1,75 M. Sonstige Pr.: Parkett 75 Pf.. Rang 60 Pf. Reichshallen-Theater JUttsdi 1X1 SooDtag Radin. I�ri Stettiner Singer 3)a« große.tipril-Xach■ Programm! Sadim. badnitiad enaäfl. Preist! 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Täglich 8'/« Uhr Erika Glä&ner in: Oer stille ttoropagnon Ustspiei von Leo Leu. Sonntags 3 Uhr Oer Sprang In die Ehe kleine Pr. 1—4 M. T&eaterd.tf»teDt Täglich«>.« Uhr Das Land des Udieins. Preise 1-9 M Sonntags AbZ Uhr Kleine Preise. EvdienHumöredit Earnowsky-Blto Ttnier In■ «er StresemioKtt. Täglich 8V. Geslern o. Beate Schauspiel von Christa Winsloe Komödienhaus Täglich 8'/. Uhi Eine Königliche Familie Komische oper 8'* Uhr Alt-Heidelberg Idcü Znglisdi Wultnncier. N.J. MHbii, Peuker! ifietropoi-iheater Täglich 8''. Uhr Das Veildien v. Montmartre Operette v. Kaiman «IN- Alpar. Sonnt. 4 Uhr kl Pr Das Veildien von Monlmarire Elite-Sänger•« vottbusser Str. t Tägl. 8 V» Uhr Sonntag Uhr FRITZI Dato Gnhpi«! Lotte Hand I.( Hoof«. Siegvart Ehrlich. Hädin. rmMigt» Pni»! ROSE THEATER [ Tob Montogr bim Freitag Sonnthend 1 7°"r| Errtauffuhrgag für Berlin CJjia C�aßie, Jte siflt a&ieL s nemii (This thing called love) Amerikanische Komödie von Edwin Burk« Regie: Paul Rom , yBine spUndideA uffüh-, rung mit vortiiglichem \ Entern bW'il-Vhr.AUndhl) ,Jn Amerika vierhun- | dertmalgespielt"(,Trmpc) „Donnernder Beifall" i'Vouüche Ztitunfl | Abendpreise v. O.SO-3 M Große Frankfurter Straße ijj U-Bahn Strausberger Platz 1 6 tftglger Vorverkauf täglich! von Ii i Uhr und 4—9 Uhr Tel. Bestellg.: Alex. 34MU. 3494 I »fflüS® . iwwg* Restairant Berlins BETRIEB KEMPIHSKltj J (Beilage Sonnabend, IS. April 1931 öprflfcpnft Shclaulfaße Ja hbioa/A Roge ins Reteh des Todes Die ersten wissenschaftlichen Ballonaufstiege- Giaisher erreicht 9000 Meter Höhe Tragödie in der Luft- Vorstoß in die Stratosphäre/ von Hardy worm Der Gedanke, das Luftfahrzeug in den Dienst der Wissenschast zu stellen, ist so alt wie die Luftfahrt selbst. Ehe es noch gelang, große Strecken zu bewältigen, stieg der Freiballon schon zu Höhen empor, die nicht allzuviel unter der Höchstgrenze liegen, die wir heute erreicht haben. Es sind das 13157 Meter, die der Amerikaner Soucck mit dem Flugzeug, und 12872 Meter, die der Amerikaner Gray im Jahre 1S27 mit dem Freiballon erreichte. Der Ozean wurde bezwungen und weite Strecken Landes, im Erreichen der Höhe aber war uns eine Grenze gesetzt. Man hat Pilotballons aufsteigen lassen, die 30 000 bis 35000 Meter hoch emporstiegen: wir wissen, daß es in der Stratosphäre Edelgase gibt, die leichter sind als Wasserstoffgos, feine Instru- mente brachten uns teilweise Kunde von der chemischen Zusammen- setzung der oberen Luftschichten, aber die menschliche Kontrolle über die Arbeit der Instrumente hat gefehlt Da jedoch die Entwicklung der Lustfahrt unweigerlich über die Eroberung der Stratosphäre gehen wird, gibt es in den nächsten Iahren keine brennenderen 2lufgaben als Expeditionen in die Region des lustverdünnten Raumes. Leider gibt man in den Staaten, die nicht so stark unter der Wirtschaftskrise zu leiden haben wie wir, mehr Geld für die Weiterentwicklung des Flugzeuges zum Zerstörungsmittel aus als für wissenschaftliche Luftfahrtforschung, die für unsere Zivilisation und Kultur von außerordentlicher Bedeutung ist. Die erste Luftreise, die rein wissenschaftlichen Zwecken dienen sollte, unternahmen der belgische Physiker Robertson und sein Landsmann L hoc st. Sie starteten am 18. Juli 1803 in Hamburg und benutzten zu ihrem Fluge einen in Meudon hergestellten Ballon. Die Wissenschaftler blieben über fünf Stunden in der Lust, erreichten eine Höhe von 7400 Metern und landeten in der Nähe Hannovers. „Während der Versuche, die wir anstellten", berichtete Robert- son,„empfanden wir eine Art Beklenunung, ein ollgemeines Ucbcl- befinden. Das Ohrensausen, an dem wir litten, wurde immer schlimmer, als das Barometer unter 13 Zoll sank. Der Schmerz, den wir suhlten, war dem ähnlich, den man empfindet, wenn man den Kopf ins Wasser steckt. Unsere Brust schien erweitert und ohne Spannlrast zu sein, mein Puls schlug sehr rasch, weniger der des Herrn Lhoest: gleich mir hatte derselbe aber an ge s chwvl- lcne Lippen und blutunterlaufene Augen, alle Venen waren angeschwollen und traten auf dem Handrücken hervor. Zuletzt trat bei uns eine Art physischer und moralischer Apathie ein, so daß wir uns kaum noch wach halten konnten. Bon den zwei Vögeln, die wir mitnahmen, starb der eine; der andere, den wir in großer Höhe aus der Gondel geworfen hatten, siel wie ein Stein herab.* Die aus dieser und noch zwei anderen Luftreisen gewonnenen Forschungsergebnisse wurden von der wissenschaftlichen Welt mit Recht stark angezweifelt, und die Pariser Akademie erteilte den jungen Physikern Gay-Lussäc und Biot den Austrag, eben- falls einen Höhenflug vorzunehmen, um die Robcrtsonschen Resul» tote zu überprüfen. Da die beiden Physiker nur«inen Ballon kleinen Durchmessers hatten, erreichten sie nur eine Höhe von 4000 Metern. Gay-Lufsac stieg daher im September desselben Jahres mit einem anderen Ballon allein auf und drang bis zu einer Höhe von 7016 Metern vor. Er stellte einige wissenschaftliche Versuche an und gelangte zu Resultaten, die denen Robertsons durchaus widersprachen. Leider gewährte man Gay-Lussac nicht die Mittel, um seine Unter- suchungen planmäßig fortzu» setzen. Wenn man von einem Höhenflug des englischen Zlstro- nomen Spencer Rush absieht, schloß mit den Gay-Lussacschen Versuchen für eine Reihe von Jahrzehnten die Periode Wissenschaft- licher Ballonaufstiege. Es war dies auch die Zeit, in der das Fluggerät keine Weiterentwicklung erfuhr, und das Interesse für die Aeronautik erlahmte. Erst um die Mitte des vorigen Jahrhunderts folgten wieder einige wissenschaftlich« Höhenflüge, von denen die des Engländers Welsh die für die Aerologie bedeutsamsten waren. Welsh unter- nahm im Jahre 1852 vier Luftreisen, deren wissenschaftliche Resul- täte ziemlich einwandfrei waren. Seine verdienstvolle Arheit wurde von Glaisher und Coxwell fortgesetzt. Gloisher, Direktor des Grccnwicher meteorologischen Institutes, unternahm im ganzen 28 Luftreisen, deren eine den beiden Lustschisferu beinahe verhängnisvoll geworden wäre. Ueber diese Hochfahrt. die am 5. September 1862 stattfand, gibt Glaisher in seinem Buch „Travels ia the eir" folgend« Schilderung: „Um 1 Uhr 39 Minuten erreichten wir 6437 Meter. Dos Thermo- meter zeigte 13 Grad ,mter Rull.(Sicherlich falsche Messung. In dieser Höh« herrscht ein« viel niedrigere Temperatur. D. Verf.) Bis jetzt hatte ich meine Bemerkungen ohne Schwierigkeiten nieder- Qay XufM»c und SSM bei einem witsawftBllUtften Tluff 1809 geschrieben, während Eoxwells Kräfte erlahmten. Es dauerte jedoch nicht lange, so ward es mir selbst unmöglich, die Instrumente zu er- kennen. Ich bat Coxwell, mir behilflich zu sein, allein infolge der wirbelnden Bewegung des Ballons w a rdasSeildesVentils in Unordnung geraten und Coxwell nmßte daher aus dec Gondel auf den Reifen steigen, um dasselbe wieder zu ordnen. Erschöpft wollte ich mich mit dem rechten Arm auf den Tisch stützen. Ich vermochte es nicht. Der linke Arm war ebenfalls ge- lähmt. Hatte ich mich bis dahin über olle Bewegungen des Rückgrates und des Halses vollkommen Meister gefühlt, so war ich min auch der leichtesten Regung unfähig geworden. Coxwells Gc- stalt verschwamm nur zum Schatten, und als ich versuchte, mit ihm zu sprechen, versagte die Zunge ihren Dienst. Gleich darauf umhüllte mich dichte Finsternis, der Sehnerv hotte seine Kraft ocr- loren. Ich wurde bewußtlos. Plötzlich hörte ich die Wort« „Temperatur" und„Beobachtung". Ich merkt«, daß Coxwell mit mir sprach. Ich erkannte nun undeutlich die Instrumente, bald auch die anderen Gegenstände, und jetzt erhob ich mich schwer und lang- sam. Coxwell erzählte mir nun, daß er den Gebrauch seiner Hände verloren habe. Er zeigte sie mir, sie waren fast Tragödie in der Xufi: Expedition Vlffandier-Sleel-Croed schwarz. Während er auf dem Reisen der Gondel saß, war er plötzlich von einer furchtboren Kälte gepackt worden. Zugleich hatte sich dickes Eis auf den Stricken und um die Mündung des Ballons herum gelagert. Außerstande, sich seiner Hände zu bedienen, mußte er sich auf den Ellbogen in die Gondel hinabgleiten lassen. Nun will er schleunigst das Ventil öffnen, mn den Ballon zum Sinken zu bringen, aber die starren Hände widerstreben, und erst, als es ihm gelingt, dos Seil mit den Zähnen zu fassen, vermag er das Ventil zu betätigen." Glaisher war damals der Ansicht, 11 000 Meter 5iähe erreicht zu haben. Es ist ober nicht wahrscheinlich, daß er die Höhe, von 9000 Metern überschritten hat. Immerhin eine außerordentliche Leistung, wenn man bedenkt, daß weder«r noch Coxwell mit Sauerstoffgeräten versehen waren. Eine der tragischsten Hochfahrten in der Geschichte der Aeronou- t!k unternahmen im Jahre 1874 Gaston Tissandier, Theodor Sivel und Croce-Spinelli. Die Höhen- expedition war mit der größten Umsicht vorbereitet worden. Eine ganze Armatur von Meßgeräten befand sich in der Gondel, außer- dem drei kleine Ballons, die Sauerstoff enthielten. „Donnerstag, am 15. April 1875, vorn�ktags 11 Uhr dreißig Minuten hatte ich neben Croee und Sivel in der Gondel des „Zenith" Platz genommen, und im nächsten Augenblick ließen wir die Gaswerke von La Billette unter uns. Langsam erhob sich der Ballon in einem wahren Strom von Licht. Licht ist Mut, Licht ist Freude, ist Leben!" Drei Stunden später sollten Crocä und Sivel leblos in der Gondel liegen. 7000 Meter Höhe! Der Himmel ist klar, von durchsichtiger Bläue. Die Sonne blendet und brennt, ober gleichzeitig macht sich die Kälte bemerkbar. Tissandier will schreiben, die Hände bewegen. Sein« Hände sind erstarrt. Er ist so kraftlos, daß er noch nicht einmal die Handschuhe anziehen kann. Er sieht Sivel und Crocä am Boden sitzen. Er blickt auf das Aneroid-Barometer, er sieht, daß der Zeiger unaufhaltsam vorwärts rückt, er will rufen: 8000 Meter! will er schreien, aber seine Zunge bewegt sich nicht. Er verliert dos Bewußtsein. Als Tissandier wieder zn sich kam, merkte er sofort, daß der Sallon fiel. Er versucht, sich aufzurichten, aber es geht nicht. Da wird er von Croee am Arm geschüttelt.„W erfen Sie-Sand aus! San dl" brüllt er. Tissandier kann sich nicht rühren. Schon wieder am Rande der Bewußllosigkcit sieht er, wie Croee Sand abwirft, wie er Geräte und Kissen über Bord wirft. Der Ballon schießt wieder in die Höhe. Es fft nie festgestellt worden, in welcher Höhe Crocä und Sivel die Sauerstofs-Flaschen aüs den erstarrten Fingern sielen und die beiden Luft- schisfer den E r st i ck u n g s- tod starben. Als Tissandier aber- rnals aus seiner Bewußtlosigkeit erwachte, befand sich die Gondel in heftig schlingernder Bewegung. Cr rafft sich auf und kriecht auf den Knien zu seinen Gefährten.„Hallo, Sivel! Hollo, Crocä!" Aber die beiden rühren sich nicht. Sie kauern taub und stumm in einem Winkel, den Kops in Reisedecken gehüllt. Wieder schreit Tissandier, er stößt sie an. Plötzlich sieht er, daß er Tot« vor sich hat. Sivels Gc- ficht ist schwarz, um seinen geöffneten Mund liegt gc- srorcnes Blut. Zluch Croces Augen sind glanzlos, starr, auch er blutet. Tissandier landete glücklich nach einer gefährlichen Schleiffahrt in der Krone eines Baumes. Er hatte sich durch den Aufenthalt in der Region des Todes ein>G e h ö r le id e n, zugezogen, das., zur v ö l l i g c n.T a u b h e i t führt«. Trotz einer großen Anzahl'tvisscnschastlicher Ballonfahrten, die man noch in Frankreich und England unternahm, verfügte man bis zum Jahre 1890 noch über kein« sicheren Temperaturbcobachtungcn. Fast 90 Prozent oller im vergangenen Jahrhundert aufgenommenen Messungen, haben sich als wertlos herausgestellt, weil man die In- strumente im Korbe anbrachte, wo natürlich eine andere Tempc- rawr herrschte als in der freien Atmosphäre. Erst als der Deutsche Atz mann das Aspirationspsychometcr konstruiert hotte', war man in der Loge, wirklich genaue Messungen der Temperatur und Luftfeuchtigkeit vorzunehmen. Dos Jahr 1890 bildet daim auch den Ausgangspunkt der neuen Forschung, um die sich die Deutschen Groß, Aßmann, Berson, Süring, Elias und viele andere ganz besondere Verdienste erworben liaben. Nach vielen, für die Wissenschaft äußerst ersprietz- lichen Höhenflügen starteten am 31. Juli 1W1 Berson und Süring zu eincnr Fluge, bei dem sie 10 8 0 0 Meter erreichten und einen Wellrekord aufstcMen, der erst 26 Jahre später durch den Amerikaner Gray verbessert wurde. Der Ballon„Preußen", mit dem sie in Berlin ausstiegen. faßte 8400 Kubikmeter und hatte bereits nach vierzig Minuten 5000 Meter Höhe erreicht. Vier Stunden nach dem Aufstieg befanden sich Berson und Süring ander Grenze der Tropsphäre. Sie Hollen trotz regelmäßiger Souerstosfatmung heftig gegen die Müdigkeit anzukämpfen, konnten aber gewissenhaft ihre Beobachtungen machen. Die Temperatur be- trug 30 bis 40 Grad Kälte. Als die Ballonfahrer 10 500 Meter erreicht hatten, wurde Süring bewußtlos, und Berson. zog das Ventil. Durch diesen Krastverbrauch brach auch er erschöpft' zu- sammen. Als der Ballon um 5000 Meter gesunken war, erwachten die beiden Forscher aus ihrer Ohnmacht. Sie litten an Atemnot und Angstgefühlen, Kopfschmerzen und Schlaffheit, auch Erbrechen stellte sich«in. Aber sie erholten sich bald, bekamen den Ballon in ihre Gewalt und landeten glatt. Die äußerste Höhe, die der Mensch im offenen Ballonkorb er- reichen kann, liegt zwischen 13 000 und 14 000 Meter. In dieser Höhe vermindert sich auch der Druck des eingeatmeten Sauerstoffs so stark, daß der Lunge nickst mehr die genügende Menge zugeführt werden kann. Bei allen kommenden Höhenflügen wird man sich also siner luftdicht abgeschlossenen Gondel bedienen müssen, und die wissenschaftliche Well ist aus die Ergebnisse des Fluges, den Professor Piccard unternehmen will, äußerst gespannt. 8tv«k Das Wasser ruft! Starke Entwicklung des Freien Segler-Verbandes Auf den Bootsplätzen der Arbeitersegler herrscht letzt reges Leben und Treiben, untermischt mit Lack- und Farbengeruch. Die Saison steht vor der Tür und da heißt es, die Hände nicht ruhen lassen. Vereinzelt muß der Pinsel noch geschwungen und mit Sand- papicr der Rumpf„a b g e f ü h l t" werden, denn die kalte Witterung der letzten Wochen Hot manchen Lockanstrich wieder stumpf gemacht. Und glänzen muß das Boot! Viel Liebe und Sorgfalt wird ver- wendet, wenn auch manchmal die Arbeit beim Anblick eines schon dahinsegelnden Bootes nicht so recht schmecken will. Das Wasser ruft! Und jeder freut sich schon darauf, seinen Körper nach der Arbeitswoche im Steinmeer der Großstadt wieder Luft und Sonne fühlen zu lassen. Bereits morgen, am Sonntag, steigt die erste offizielle Veranstaltung des Kreises Berlin im Freien Scgler-Ver- band mit dem Ansegeln der Vereine der Gruppe Ost auf dem Langen- und Seddinsee, sowie auf dem Zeuthener, Müggel- und Rummelsburger See. Das erste gemeinsame Stelldichein der Vereine init chren Fahrzeugen, als machtvolle Kundgebung:„Der Freie Segler-Verband marschiert!" Die Vereine der Gruppe West können das Slnsegeln erst am Sonntag, 2b. April, begehen. Hier ist der Treffpunkt der Tegeler See, sowie die Unterhaocl am Stößensee. Aber auch sonst sind die Wintcrmonate nicht nutzlos verstrichen, sondern von den Mitgliedern und Funktionären zu reger Werbe- tätigkeit für den Ausbau des Verbandes benutzt worden. Nach Statt- finden des letzten Seglertages im Januar kann bis jetzt ein Z u g a n g von sechs Vereinen verbucht werden. Für die kurze Zeit von nicht einmal lb Wochen ein versprechendes Ergebnis der Werbetätig- keit. Reue Stützpunkte für den Arbeitersegelsport sind entstanden und bald wird die rotweiße Flagge des Verbandes am Flaggenmast der neuen Vereine davon Zeugnis ablegen. Im Februar wurde die Seglergruppe der Wassersport- Vereinigung 1929, Bootsliegeplatz in Ärampenburg, aufge- nommcn. Im gleichen Monat erklärte ferner die Segler- und Mowrbootobteilung des Waßsersportvereins Rathenow, Mitglied im Arbeiter-Turn- und Sport-Bund, ihren Beitritt zum Verband. Der Monat März brachte den Beitritt des Wasser- Sport-Clubs„Grünau". Bootshafen däs Vereins ist das Wassersportheim in Köpenick, Grünauer'Straße. Auch aus dem Wannsee, der Stätte des feudalen Segelsportes mit seinen zum Teil hakenkreuzbeflaggten Booten, ist eine Bresche geschlagen worden. Am Wannsee. wo der Verband bisher noch nicht mit einem Verein vertreten war, wurde eine Vereinsgriindung der dort beheimateten Einzelmitglieder beschlossen und in die Tot umgesetzt. Der Verein „Freier Segler-Verein am Wannsee" mit seinem Bootshafen im Sporthasen Wonnsee kann bereits nach vier Wochen einen Bestand von 16 Mitgliedern mit Zwölf Booten melden. Nicht weniger erfolgreich war bis jetzt der Monat April durch die abgegebenen Beitrittserklärungen von weiteren zwei Vereinen. Ein ebenfalls neuer Stützpunkt entsteht dem Verband durch den Bei- tritt des Wassersport-Vereins„M ark Brandenburg" mit seinem Bootshafen am Dämmeritzsee. Verbunden mit einer kleinen Feier wird hier am Nachmittag des 1. Mai zum ersten Male die Verbandsnatjpnale am Flaggenmast gehißt werden. Weiteren Zuwachs haben die Vereine am Rummelsburger See durch den Bei- tritt des S e g e l- C l u b s„Hansa" in Baumschulenweg, Boots- liegeplatz Wilhelmsstrand, erhalten. Zahlenmäßig bedeutet der Zu- wachs 92 Mitglieder mit S8 Booten. Auch die E i n z e l m i t- gliederbewegung hat weiter gute Fortschritte gemaeht. Hier wird der rotweiße Stander des Verbandes auf entlegenen Gewässern, wie Teupitz-, Krüpel-, Lehnitzsee usw., eine ständige Erscheinung sein und weiter werbend für die Ziele des Freien Segler-Verbandes wirken. Zeugnis von dem guten Geist in den Reihen der Freien Segler legt auch die Tatsache ab, daß alle Vereine, ob in Berlin oder im Reiche, trotz der schweren Wirtschaftslage und der großen Arbeits- losigkeit, Mitgliederzuwachs zu verzeichnen haben. Um nur einen Fall zu erwähnen: die„Freien Segler Kiels" weisen ein Jahr nach ihrer Gründung einen Bestand von 69 Mitgliedern mlt 31 Booten auf. Im 39. Jahr seine: Bestehens sind nunmehr 4L Vereine in Groß-Berlin und im Reiche unter der Flagge des Freien Segler-Verbandes vereinigt. Möge die' Zeit geben, daß jeder Arbeitersegler und-motorbootfahrer, der heute noch der Bewegung fernsteht, es als seine Pflicht erachtet, in den Reihen der Freien Segler als Mitglied des Freien Segler-Verbandes zu stehsn. W. Ternick. „Wassersport verein Fraternitas" Die Gruppe älterer Mitglieder, vi« Anfang dieses Jahres vom kommunistischen Ruderverein Freiheit abging, gründete am 16. April unter dem Namen„W a s se r s p o r t ve r c i n Fratcrnitas" einen neuen Verein. Die Wiederaufnahm« in den Arbeiter-Turn- und Sportbund ist in die Wege gel«it«t. Gute Untertunftsmöglich- keit fand der Verein im neuerbauten Bootshaus von Rüdiger in Erkner am Bretterschen Groben. Da« Amt des 1. Vorsitzenden übernahm beritwilligst das langjährige Mitglied Fritz Funke, Berlin- SO. 36. Rcichcnberger Str. 122. Für Erkner gibt der 2. Vor- sitzende Heinrich Knauf, Erkner, Buchhorster Str. 29, gern jede ge- wünschte Auskunst. Heute, Sonnabend, im Restaurant„Falk.n- steiner"(an der Oberbaumbrück?) 29 Uhr Gründungsfeier, wozu alte Freunde und Gönner herzlichst eingeladen sind. Kampfbörsen oder nicht? Großer Kuddelmuddel im Berufsradsport Wie wir bereits im gestrigen„A b e n d" mitteilten, wird der kommend« Renntag auf der O! y m p i a b a h n nicht mehr im Zeichen der Kompsbörse— 39 Proz. der Einnahmen für die Veranstalter, S9 Proz. für die Fahrer— stehen. Die Beteiligten sind nun doch dahinter gekommen, daß der am grünen Tisch gefaßt« Beschluß sich in der Praxis recht übel auswirken kann. Die erste und wohl hoffentlich letzte Kampfbörsen veranstastung in Ber- lin hat jedenfalls deutlich genug gezeigt, wie wenig von der famosen Kampfbörse zu erwarten ist. Der am meisten Geschädigte war bei den Rennen auf der Olympiabahn das Publikum. Die Be- fücher zahlten ihren Eintritt und als der Regen zum Abbruch der Veranstaltung zwang, teilten sich zwar die Rennfahrer und Pächter irgendwie die(wenn auch an diesem Tage nicht hohen) Einnahmen, während die Besucher, die bis dahin nur wenig zu sehen bekamen, eben auf Grund des Charakters der Kampfbörs« ohne jede Rückzahlung oder Vergünstigung für einen nächsten Renn- tag erhalten zu können, nach Hause gehen mußten. Dieser Zustand verlangte Abänderung. Wie die Leitung der Olympiabahn mitteilt, werden also die Fahrer nicht auf Kampf- börse, sondern auf Vertrag fahren: damit ist auch die Mög- lichkeit gegeben, stärkere Fahrer wieder an den Start zu bringen. Das Publikum, das mit Recht es ablehnt, Experi- inente VDR.-Gewaltiger zu jinanzieren, verlangt für sein Geld etwas zu sehen. Hoffen wir, daß die Olympiabahn. die, zu ihrer Ehre sei es gesagt, auf der Tagung des Verbandes Deutscher Rad- rennbahnen ihre Stimme gegen den Kampfbörsenbeschluß erhob, für eine glatte Abwicklung der Rennen am Sonntag besorgt ist! * Soeben verschickt der Verband Deutscher Radrenn- b ah n e n folgende Mitteilung:„In der letzten Zeit wurden wider- sprechende Notizen über die„Kampfbörse" in verschiedenen Tages- Zeitungen gebracht. Zur Klarstellung gestatte» wir uns, mitzuteilen, daß der BDR. und VDR. sich niemals bereit erklärt haben, der Olympiabahn zu gestatten, daß sie den Fahrern, die sie verpflichten will, vertraglich eine feste Garantie zusichern könne. Der Vorstand unseres Verbandes hat nach Rücksprache mit den Herren der Olympiabahn diesen mitgeteilt, daß den Stehern die wirklich entstandenen Spesen garantiert werden können. Der Vor- stand des VDR. ist im übrigen nichtinderLage.den General- uersammlungsbeschluß über Kampfbörse außer Kraft zu setzen, weshalb dieser Beschluß nach wie vor besteht. Im übrigen teilen wir mit. daß die Bahnen im Reiche, die bisher Rennen veranstaltet haben, mit dem System der Kampfbörse d,ie besten Erfahrungen gemacht haben.(!) Ein abschließendes Urteil über die Vor- und Nachteile der Kampfbörse dürfte sich erst nach einigen Monaten er- geben, nachdem jede Bahn einige Rennen durchgeführt hat."> Daß die Mitteilung der Olympiabahn vom Fallen der Kampf- börse nun doch verfrüht war, geht aus einer neueren Zuschrift, die die Leitung der Bahn anläßlich der Sonntagrennen-in Form eines Waschzettels verschickt, hervor. Da heißt es u. a.: „Für beide Rennen kann man mit einiger Bestimmtheit Kämpfe bis aufs Messer voraussagen, weil einerseits regulär /um die „Kampfbörse" gefahren wird, andererseits aber die Olympiabahn vom Bundes-Sportausschuß und vom Verband Deutscher Radrenn- bahnen gewisse(!) Erleichterungen hinsichtlich der Spesengaran- ticn an die Fahrer erwirken konnte." Da finde sich noch jemand durch...! -i- Die Starterliste für das morgen stattfindende Rennen auf der Olympiabahn ist nunmehr vollständig. Zu den beiden Wett- beworben—„Franz-Krupkat-Erinnerungsrenoen" über 23 Kilometer und„Robl-Erinnerungspreis" über 1 Stunde— treffen sich Sawall. Debcrichs. Br/au-Jrankreich. Gilgen-Schweiz, Läuppi-Schweiz und Gay-Jtalien. Gay gibt für Berlin sein Debüt als Steher. Berufs- flieger und Amateure bestreiten das Rahmenprogramm. Die Rennen beginnen um UM Uhr. Es wird darauf hingewiesen, daß zur Eni- schädigung der Besucher des Osterrennens bei Vorzeigung der Ein- ! trittskarten vom S. April cr. der Eintritt zum Sonntagrennen bei Stehplätzen um 9,73 M. und bei Sitzplätzen um 1 M. ermäßigt ist. Spart am Sonntag Der Turnierabend der Arbeiter-Wasserballspieler. Bei der schon erwähnten Sonnabendveranstaltung im Lunäbad werden sich fol- gende Mannschaften gegenüberstehen: Möwe— Hellas 2, Union gegen Neukölln, Spandau— Berlin Xll und Charlottenburg— Hellas 1. Die beiden erstgenannten Spiele sind bereits Rückspiele in dieser Serie. Während Möwe seinen Sieg vom September vorigen Jahres über Hellas 2 leicht wiederholen sollte, wird Union- Mühe haben, zum zweiten Male über die inzwischen verbesserten Neuköllner erfolg- reich zu sein. Berlin XII steht vor einer schwere» Aufgabe. Sein Gegner Spandau hat in der letzten Zeit gleichfalls stark an Spiel- stärke zugenommen und kommt für einen Sieg sehr in Frage. Das Spiel Charlottenburg gegen Hellas 1 verspricht das interessanteste Treffen zu werden, wenn auch der Sieg von Charlottenburg außer Frage steht. Die Veranstaltung beginnt um 29 Uhr. Der Eintritts- preis von 69 Pfennig berechtigt gleichzeitig zum Baden nach den Spielen. Das diesjährige Anrudern des Rudcrvereins„Vorwärts" findet am Sonntag statt. In Anbetracht des Eintritts der Reichsbanner- Wasscrsportabteilunq in den Arbeiter-Turn- und Sportbund ver- einigen sich beide Vereine, um die Eröffnung der Rudersaison zu einer Demonstration aus der Oberspree zu gestalten. Gegen Mittag werden die Boote des Rudervereins„Vorwärts" zur Fahrt nach Grünau starten, um dem Reichsbanner einen Freundschaftsbesuch abzustatten. Von dort fahren dann beide Flotillen zum Bootshaus „Vorwärts" zurück. Dortselbst ist anschließend eine Feierlichkeit verbunden mit einer Bootstaufe. Der Rudcrverein„Vorwärts" ver- größert seinen Bootspark um einen Doppelvierer. werbcfest der Hand- und Fußballspieler in Schöneberg! Sonn- tag. 15 Uhr, wollen die Hand- und Fußballspieler des ASV. Schöne- berg mit guten Werbespielen für ihre Sparten werben. Die Quali- tät der ausgesuchten Mannschaften wird Garantie dafür sein, den Zuschauer voll und ganz auf seine Rechnung kommen zu lassen. Die Spiele finden auf dem Dominicussportplatz am Sachsendamm statt. Ein volkstanzsesl in Lichtenberg, veranstaltet von dem Prole- tarischen Volkstanzkreis, findet heute, Sonnabend, im Logen- heim der Guttempler, Möllendorsfstraße 26, statt. Eintritt 59 Pf. Zum achten Male Verlin— Paris im Fußball. Die fußball- sportlichen Beziehungen zwischen den Hauptstädten Frankreichs und Deutschlands fanden erstmalig im Jahre 1913 ihren Niederschlag in einem Städtekampf der beiderseitigen Mannschaften, der in Paris stattfand und von den Einheimischen mit 1:9 gewonnen wurde. Die morgen im Berliner P o st st a d i o n(16 Uhr) vor sich gehende Begegnung der beiden Städtemannschaften hat eine hohe Bedeutung. Vllddeabrock-Reunen zu Mariendors. Der Derbyjahrgang steht im Mittelpunkt des Interesses bei den morgigen Rennen in Marien- darf. Die Rennen beginnen um 15 Uhr. Boxring«Neue Welt" Hein Domgörgen wieder im Ring Der gestrige Boxkampfabend in der„Neuen Welt" gestaltete sich zu einem großen Publikumserfolg. Leider verrnochte das Programm nicht in allen Teilen zu befriedigen. Das Hauptinteresse konzentrierte sich auf das Wicdererfcheinen des Kölners Hein Domgörgen im Ring. Sein Gegner, T r o l l m o n n- Hannover, gab dem Kampf durch seine bekannten boxerischen Mätzchen eine unschöne Note. Domgärgen, von ollen Seiten stürmisch begrüßt, zeigte sich dem Hannoveraner technisch und taktisch in jeder Situation überlegen. Es gelang ihm allerdings nicht, Trollnicuin entscheidend zu treffen. Domgörgen wird den Berlinern hoffentlich bald wieder präsentiert werden, man müßte ihm dann aber zumindest einen gleichwertigen Gegner wünschen (falls der deutsche Boxsport einen hat!). Der hohe Punktsieg Domgörgens fand starken Beifall. Adolf H a u s e r- Bonn trat gegen den tschechischen Meister im Halbschwergewicht, Hampacher. an. Trotz seiner überlegenen Reichweite stand der Tscheche von Be- ginn an aus verlorenen Posten. Ständig befand er sich aus dem Rückzug und muhte eine empfindliche Punktniederlage hinnehmen. Walter Funke- Berlin hatte den Hamburger Karl S a h m als' Gegner. Nach einem wenig aufregenden Kampf wurde Funke der Punktsieg zugesprochen. Das Treffen der Schwergewichte, Arno Kölblin und Karl Walter, wurde noch zeitweilig heftigem Schlagaustausch unentschieden gegeben, obwohl Kölblin, der wabri- Mahir-Schützling, kleine Vorteile hatte. Ebenfalls unentschieden gingen S o b o t t k e- Berlin und H ö l z l- Hamm über die Runden. FrühlinKsfahrt des DRAC. Unter den vielen Autoklubs. die in Deutschland bestehen, ist keiner zu finden, der sich offen und rückhaltlos zur Republik be- kennt. Die Gründung des Deutschen Rcichs-Auto-Clubs, früher DAC., geschah in der bewußten Absicht, eine Organisation zu schaffen, die die Hoheitszeichen der Republik in Stadt und Land zur Geltung bringt. Wie überall, so sind auch hier innere Kämpfe nicht ausgeblieben. Es gab einige, die nur mit halbem Herzen der Sache dienen wollten. Ihnen war der Autosport alles, die ideelle Grundlage nichts. Die klaren Beschlüsse, die von der Leipziger Hauptversammlung bestätigt wurden, schufen erst die Grundlage für die jetzige Tätigkeit, die Früchte zu tragen beginnt. Das ist aber nur möglich, weil der DRAC. auf ideeller Basis aufgebaut ist. Seine Leistungen und sein Vermögen dienen der Mitgliedschaft, sämtliche Vorstandsmitglieder arbeiten ehrenamtlich und sind be- währte Führer republikanischer Verbände. Der Reichsgeschäftsstelle sind 35 Ortsgruppen angeschlossen, und wenn das in Aussicht ge- nommene Generalsekretariat gebildet sein wird, versprechen sich die Mitglieder eine starke propagandistische Belebung auf alle republi- kanischen Kraftwagenbesitzer. Die letzten Winterveranstaltungen brachten dem Klub neue Freunde und die organisierte Arbeiter- fchaft hat es dankbar begrüßt, als der Erlös eines gelungenen Winterfestes den im..Gesamtverband" organisierten arbeftslosen Kraftwagenführcrn zugute kam.„Der Herrensahrer dem arbcits- losen Berufsfahrer" war damals die Parole, die allseitige Sym- pachten fand. Die Ortsgruppe Groß-Berlin veranstaltet Sonn- tag. 19. April, eine Vereinssahrt nach Lindow(Mark). Tresspunkt 19� Uhr Bahnhof H e e r st r a ß e. Es wird Ge- legeicheit geboten, Rundfahrten mit dem Motorboot über die Lin- dower Seen zu machen. Teilnehmerkarten zum Preise von 1 Mark in der Geschäftsstelle, Charlottenburg. Hardenbergstraße 18(Stein- platz 8966)._ Der Arbeiter-Rod- und krastsahrerbuod Solidarität legt Wert auf die Feststellung, daß der morgen auf der Olympiabahn startende Rennfahrer S k r z y p n i ck nicht„Meister" im Bunde war. wie im Rundfunk angesagt wurde. Sk. ist von Solidarität zu den Kommu- nisten hin abgegangen und jetzt bei einem bürgerlichen Verein gelandet. � zrrie Vdoto»»reii>im>»tn fttfftn sich alle Teilnehmet Sonnlaa 13 lllit Pahnlisf Grünau. Tralninz-tcat: Dienstaa. Touncretaa und Connabrrb ab 15 Übt, Sichtenbetget Stab ort. Sil. fficobit. Sockti,! Sitiuna Monwa. 30.»seit. 20 Übt, bei RSstcl. 95u!Ii*ftt. 10. Tennie-Rot Stob»erlin. Sockenabteilsna! Sonnlaa. 19.»Stil. 1. iftautn. und 3.■äTiQUiutmaniifibaft sind fsielftei. Atbtitetlchiiftenbnnb.»usftfeibuuaskämpve. Montaa, 20.»Stil, läms:t SbatloItcTtbuta aenen Schöntbeta l. und 11. Mannschaft in Stbünebeta. Dar- [•atoOofte. 7, bei fliltaens, 30 Übt. Montaa. 30.»Stil, Wtbbina acqen r-autou) I. und II. Mannfckutft in Pankow, Mllblen- Ecke Marimilianfttaftt, bei Stbmann, 20 Übt. Tounctsiaa, 23.»seil, Sckiönebtta(rcatn Stüi I. Mannschaft, Stifc, Mtaerstt. 48—19, bei Ttisttam. 30 Übt. Theater der Woche. Vom IS. bis 22. April. Volksbühne. Sbeater am«iilowslaft: Die