BERLIN Dienstag 21. April 1931 10 Pf. Jlr.185 B 93 48. Jahrgang ErsK eint täglich außer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Wo che, 8,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SWK8,£indenfir. 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—297 SfiJUautyajße Ajkb ,}Jofu>wd6 Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile 60 Pf., Reklamezeiie 5M. Crmäßigun-en nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwckrts-Verlag G.m.b.H.. Berlin Nr. 37 S3S.- Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Explosion bei �eichswehrübung Ein Mann geiötei, zwei verletzt Osterode(Ostpreufte«). 21. April. Heute vormittag, kurz vor 9 Uhr. ereignete sich auf dem Exerzierplatz bei Sprengübungen des hiesigen Reiterregiments, und zwar beim Anbringen einer Druckmitte, eine Explosion. Soweit bisher fest- gestellt werden konnte, ist hierbei der Oberreiter Mindt von der 3. ESkadron tödlich verunglückt. Verletzt wurden der Lbergefreite U l b r i ch von der 2. Eskadron und der Oberreiter Zimmermann von der 3. ESkadron. Beide haben Verletzungen an Hals und 5lopf erlitten. Die Untersuchung ist im Gang«. Großer Tag im Rachaus. Oer Oberbürgermeister an der Spitze des Magistrats im Stadtparlament. Zum ersten TRafc nach beinahe zwei Jahren wird heute vor dem Berliner Stadl Parlament der Magi?ral wieder unter Zührung des Oberbürgermeisters erscheinen. Lanze Zeit war der erste Stuhl aus der„Regiermtgsbonk" der Stadtverordnetenversammlung verwaist, bis ihn später Bürgermeister Scholh als Vertreter des Oberbürgermeister» einnahm. Nun wird der neugewählte Oberbürgermeister Dr. Heinrich Sohm diesen Platz einnehmen, und dieLerlinerBevölkerung erhofft vou einem harmonischen Zusammenarbeite» zwischen Oberbürgermeister. Magifirai und Stadtvertretuug eine neue Aufwärtsentwicklung der Reichshauptstodt. Neben dem Oberbürgermeister werden heute zum erskeu Male vor den Stadtverordneten die ncugewählten beiden Bürgermeister Lange und Dr. Elsas, sowie der neue Stadtkömmercr Berlins, Bruno Asch, erscheinen. Außerdem ge- hören neben den bisherigen Mitgliedern des Magistrats die neu- gewählten fünf unbesoldeten Stadträte Ahrcns. Zursch. siinscher. Linxweiler und O r t m a a u dem neuen Berliner Magistrat an. Die Sitzung, die um 18 Uhr beginnt, wird auch äußerlich alle Merkmale eines großen Tages zeigen. Schon am Vormiilag sehte ein starker Ansturm der Pressephotographen im Rathous ein. Der neue Oberbürgermeister wird, wie wir bereits mitteilten, nach einer Begrüßungsansprache de» SkadtverordueleN' Vorstehers in einer kurzen Bede die Hauptpunkte seines Programms umreißen. Gegen die Arbeitslofigkeii. Vorschläge des Internationalen Arbeitsamts. Der Direktor des Internationalen Arbeitsanrtcs hat der Stu- dienkommission für die europäische Einigung Vorschläge zur Be- kämpfung der Arbeitslosigkeit in Europa unterbreitet. Bemerkens- wert sind vor allem zwei Vorschlüge für die Errichtung eines euro- päischen Arboitsbüros und über die gemeinsame Ausführung größerer öffentlicher Arbeilen in Europa. Albert T h o in a s glaubt, daß die Schaffung eines europäischen Wegenetzes, das insbefon- dero den Bedürfnissen des internationalen Automobil- Verkehrs entspricht, heute notwendig und möglich sei. Er weist auf folgende zu schafsende Straßenverbindungen hin: Paris— Wien — Athen; Paris— Berlin— Warschau— Moskau. Ferner sei die Her- stellung eines größeren Wasserstraße» netz es er- wägenswert, zum Beispiel die Berbindung des Rheins mit der Donau, eine Verbindung zwischen den norddeutschen Wasserwegen und dem Wasserstraßcnsystem der Donau. Schließlich beschäftigen sich die Vorschläge Thomas' noch mit der Einführung der automatischen Kuppelung im europäischen Eisenbahn- wefen, einem Projekt, das mehr als 60» 000 Arbeitern f ü r fünf Jahre Beschäftigung geben würde, und mit der Europäisierung der E le kt r iz i t ä t s w i r ts ch a st. einem Plan, den bereits die belgische Regierung bei der Europa- kommission angeregb-hat. Thomas wird auf der Maitsgung der Europokommission den Antrag stellen, die von ihm gemachten Anregungen durch einen be- sonderen Aueschuß prüfen zu lassen. Der Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamt?, der gegeitwärtig in Genf tagt, wird dazu Stellung nehmen. Stahlhelm ist unzufrieden Das Ende der großen Aktion gegen Preußen Das Volksbegehren des Stahlhelm gegen den Preußischen Land- tag findet heut« sein End«. Im Lager der Urheber der Aktion gegen den Preußischen Landtag ist man hinsichtlich des Ausgangs außerordentlich pessimistisch. Totsächlich ist die Situa- tion die, daß das Volksbegehren— wenn überhaupt— nur mit einer verhältnismäßig geringen Stimmenzahl über die nach der Verfassung erforderliche Ziffer durchgeht. Zum Zustandekommen des Volksbegehrens sind ö 273 643 Ein- Zeichnungen notwendig. Am 14. September 193» haben die das Volksbegehren betreibenden Parteien in Preußen 9135 000 Stimmen aufgebracht. Es steht heute schon fest, daß die Zahl der Ein- tragungen um mehrere Millionen hinter den Wahhiffcru zurück- bleiben wird. Es ist gleichgültig, ob die Zahl der Eintragungen um ein paar hunderttausend über oder unter der erforderlichen Zahl liegt— der Ausgang des Volksbegehrens ist auf olle Fälle c i n politischer und moralischer Mißerfolg der Rechts- Parteien. Kommt es zum Volksentscheid, so müßten der Stahlhelm und die mit ihm verbündeten Parteien 13 184 108 Stimmen in Preußen aufbringen. Das ist eine glatte Unmöglichkeit. Die Giahlhelm-Kälfcher. Reue Fassung des angeblichen Dolksbeaufiragten-Aufrufs. Nachdem die Fälschung des angeblichen Aufrufs der Volks- beauftragten einwandfrei ausgedockt und öffentlich gebrandmarkt worden ist, winden sich ihre Urheber und Verbreiter wie der Fuchs im Eisen. Der Herausgeber des„Fridericus", Holtz, spielt den von unzuverlässigen Gewährsleuten hineingelegten Ehrenmann. Sein „großer Unbekannter" ist ein gewisser Becher, von dem bisher nur bekannt ist, daß er nationalsozialistischer Funktionär in Me« ningen ist. Wir haben inzwischen ein weiteres festgestellt. Bereits bei der Maiwahl von 1928 wurde ein nationalsozialistisches Flugblatt ver- breitet, das den angeblichen Aufruf der Volksbeaustragten enthielt. Auf diesem Flugblatt trug er nicht das Datum von: 13. November, sondern vom 11. November 1918, und die Unterschrift lautete: „Die prov. revolutionäre Regierung des Freistaates Preußen." Es handelt sich um eine plumpe und gemeine Fälschung, die von den Nationalsozialisten fabriziert worden ist und die sie gleich in verschiedenen Varianten benutzt haben!' Mir diesem schmutzigen Material hat der Stahlhelm seine Pro- paganda betrieben! Er hat sich dabei genau so unehrenhaft und niederträchtig benommen wie bei seiner verlogenen Hetze gegen Landrat Hans mann. Eine schlechte Sache ist mit noch schlechteren Mitteln verti-sten worden! Kränzen suchi Hilfe beim Reichsgericht. Er protestiert gegen das Reichsinnenministerium. Braunschweig, 21. April. Infolge Herabsetzung der dreiwöchigen Verbotsfrist sür den „Braunschweigischen Volksfreund" auf eine Woche durch Staatssekretär Dr. Zweigert in Vertrewng des Rcichsinnen- Ministers Dr. Wirch hat das braunschwcigischc Staatsministerium an den vierten Strafsenat des Reichsgerichts in Leipzig folgendes Telegramm gesandt: Soweit Reichsminister des Innern der Beschwerde wegen Verbots des„Volksfreunds" durch Entscheidung vom 18. April 1931 abgeholfen hat, wird Entscheidung des Senats beantragt und Bestätigung des Verbots der Zeitung bis zum 5. Mai 1931. Reichsarchiv widerlegt Schacht Oie Irrtümer des Reparationsdelegierten endlich aufgedeckt Der frühere Reichsbankpräsident Dr. Schacht, deutscher Sachverständiger für Poung-Plan, hatte in scinein Buch„Das Ende der Reparationen" eme häufig völlig irreführende Darstellung des Verlaufes der Verhairdlungen gegeben. Die Reichsregierung hat das Reichsarchiv mit der Darstellung des wirklichen Vorganges be- traut. Aus feiner ersten Veröffentlichung geht z. B. hervor, daß fein Vorwurf nicht zutrifft, er fei von der Reichsregisrung vor und während der Pariser Sachverständigcnkonscrenz nur ganz u n z u- länglich unterrichtet worden. Unter anderem ist dabei festgestellt worden, daß Herr Schacht in zahlreichen Fällen auch als Anreger für maßgebende Beratungen aufgetreten ist; so ist insbesondere die Aufrollung der Reparationsfrogc im Zahre 1928 und das hinsichtlich des Zeilpunktes den französischen Wünschen erwiesene Entgegenkommen auf ausdrückliche Anregung von Dr. Schacht erfolgt. (Telegramm an den Reichskanzler vom 6. September und Brief Dr. Streseinanns vom 20. September.) Die Rcichsregierung billigte auch Herrn Dr. Schacht die Rolle des Anregers und Beraters un- emgefchränkt zu. Der Reichsbankpräsident hat in feinem Buche insbesondere dar- auf hingewiesen, daß er über den Inhalt van Unterredungen, die vor Zusammentritt der Pariser Sachverständigenkonferenz zwischen dem Generalagenten Parker Gilbert und Mitgliedern der Reichs- regierung stattgefunden haben, nicht ausreichend unterrichtet worden fei. Er beruft sich hierzu auf Aeußerungen des General- agenten, wonach dieser bei den amtlichen Stellen in Berlin keinen Zweifel darüber gelassen halle, daß eine Reparationslösung für das Reich nur bei einer Annuität vou 2 bis 2,2 Milliarden Mark zu erreichen sei. Aus dem Inhalt der Akten ergibt sich indessen, daß nur bei eine« der zahlreichen Besprechungen zwischen Parker Gilbert und Mit- gliedern der Reichsregierung, und zwar von feiten de? Generals agenten, solche Zahlen genannt worden sind. Es handelt sich hier un> die Besprechung, die am 13. November 1928 zwischen dein Reichsaußenminister Dr. Stresemann und dem Generalagenten staltgesunden hat. Das ergibt sich aus dem von Dr. Stresemann unter- zeichneten Protokoll. Der Reichsaußenminister hat eine solche Mög- lichkeit mit allem Nachdruck zurückgewiesen und Annuitäten in solcher Höhe als für Deutschland untragbar abgelehnt. Die von.Dr. Stresemann gezeichnete Niederschrift ist dem Reichsbank- Präsidenten durch den Privatsekretär des Rcichsautzenminifters, Herrn Konsul Bernhard, am 23. November 1928 abschriftlich übersandt worden. Der Reichsbankprästdent hat sie zur Kenntnis genommen, ohne eine eigene Stellungnahme, auch ohne eine Rückfrage daran zu knüpfen. Di« Niederschrift Parker Gilberts über die gleiche Besprechung ist erst erheblich später, nach- dem der Inhalt zwischen Schacht und Gilbert bereits münd- lich erörtert worden war, am 1. Mai 1929 der Reichsregierung von Gilbert selbst zur Verfügung gestellt worden. Auch der Inhalt der Gilbertschen Niederschrift, obgleich sie naturgemäß im Wortlaut und in Einzelheiten von der Stresemanns abweicht, enthält nichts, was Schachts Vorwurf einer vorherigen Festlegung durch die Regierung rechtfertigt. Währeich der Verhandlungen in Paris bestand sortdauernde Fühlungnahme und enge Verbindung zwischen den deutschen Sachverständigen und der Reichsregierung, sowohl in amtlicher wie in halbamtlicher Form. An Hand der Akten kann dies von Tag zu Tag. oft von Stunde zu Stunde festgestellt werden. Die Sach- oerständigen haben sich außerdem während vorübergehender Per- » Die Wunschtraume des Mörders Beginn der Gachverständigen-Gutachien im Kürten-Prozeß Düsseldorf. 21. April. Der heulige achte Verhondlungstag galt im wesentlichen den Gutachten der Sachverständigen über die Psyche des Massenmörder, Kurten. Ws erster Sachverständiger kommt Prof. Dr. Franz Scioli. Direktor der Heil- und Pflegeanstall Düsseldorf-Grafenberg, zu Worte. Der Sachverständige verbreitet sich über die Ergebnisse der Unter- suchung und erklärt, daß die Taten Kürtens nicht im Zeichen krankhafter Geistesverfassung begangen worden sind. Eine organische Gehirn- oder Geisteskrankheit war nicht festzustellen, wie sich auch bei den Verhandlungen ergeben hat. Keine paradoxe, unerklärliche Gemütsregungen sind festzustellen gewesen. Kürten war weder gehoben noch gedrückt. Nichts Absonderliches in Bewegung und Sprache, das auf ein Irresein schließen ließ, konnte beobachtet werden. Auch eine anormale Störung des Denkens ist nicht festzustellen gewesen Ob im Inhalt des Denkens Störungen lagen, war besonders zu prüfen, und auch die Frage zu stellen, ob es sich nicht um eine Wahnidee handelte, da Kürten ja damals als Motiv seiner Taten die sogenannte Sühneidee in den Vordergrund stellte. Es zeigte sich ober bald, daß es keine Wahnidee war, sondern daß es der Ausfluß der Phantasietätigkeit und der Wach- träume, denen sich der Angeklagte in breitester Weise seit langen Jahren hinzugeben pflegte, ist. Aber diese Art Phantasie ist nicht krankhaft, da sie auch besonders in Jntellettuellenkreisen wie bei- spielsweise in der Künstlerschaft sehr stark vorzufinden ist. Profesior Scioli zitiert ein paar wörtliche Aeußerungen Kürtens, in denen er sich schuldig bekennt, seine Wunschlrqume und-Vorstellungen auch bei Begehung der Talen uichl unterdrückt zu haben. Neben den Vorstellungen der Rache hat er auch Vorstellungen der Hilfe gehabt, allen aber lagen gemeinsam sexuelle Motwe zugrunde. Typisch ist auch seine Großmannssucht, die aber nicht als krankhaft bezeichnet werden kann. Abschließend muß ich also sagen, daß eine Geisteskrankheit nicht vorliegt. Wir haben auch nichts von vor- übergehenden krankhaften Geistesstörungen gemerkt, nichts von Be- wußtlostgksiten �krankhafter Natur. War aus den Taten zu schließen, daß sie in krankhaftem Zustande der Bewußtlosigkeiten verübt wurden? Ein Symptom der Bewußtlosigkeit ist die Erinnerungs- losigkeit, aber das Gegenteil ist bei Kürten der Fall, der sogar ein ausgezeichnetes Gedächtnis hat. Der Sachverständige be- spricht die Vererbung. Dr. Neumann, mein Mitarbeiter, hat eine Ahnentafel noch den Angaben Kürtens aufgestellt, in der etwa ISO Personen verzeichnet sind. In der Familie fehlen jeg- liche Geisteskrankheiten: kriminelle Personen und Trinker kommen in ziemlicher Menge vor, aber Kürten mußte deshalb nicht in dieser Weise kriminell werden. Hat das Milieu seine Persönlich- keit krankhast verändert? Nehmen wir das Milieu als denkhor schlecht an, so zwingt das nicht dazu, diese Taten zu begehen. Kürten ist ein geistig vollwertiger Mensch, der nicht schrankenlos und verantwortungslos ollen Regungen nachgeben durfte. Der perverse Trieb war nicht stärker als der normale. Er ist daher auch ebenso solchen Hemmungsvorstcllungen unterworfen wie der normale. Damit schließt der Sachverständige seine Aus- sührungsn, und es entspinnt sich ein« längere Diskussion zwischen ihm und dem Verteidiger. V e r t e i d i gej: Die kriminelle Untersuchung ist erst ein Jahr nach der letzten ÜMrdtat erfolgt. Ist dennoch ein absolut sicherer Schluß möglich und hat auch bei Begehung der Taten keine Geistes- krankhest vorgelegen? Der Staatsanwalt schließt sich dieser Frage an und erinnert daran, daß die letzte Tat im Mai löZÜ geschah. Sachverständiger: Der Geisteszustand Kürtens während der Untersuchung war nur die Brücke, um den Geisteszustand mährend der Taten feststellen zu können. Auf Grund der Taten muß ich sagen, daß keine Geisteskrankheit vorlag. Handlungspausen wiederHoll nach Berlin begeben, um dem Reichs- kabinett Bericht zu erstatten. Auch über diese Besprechungen liegen genaue Protokolle vor. Aber auch die andere von Herrn Dr. Schacht aufgestellte Be- hauptung, die Reichsregierung habe die Unabhängigkeit der Sachverständigen oerletzt, hält einer aktenmäßigen Nachprüfung nicht stand. Ein sittlicher Erneuerer. Rotzuchtsanklage gegen Hitlers Gauleiter in Essen. Die Partei Adolf Hitlers behauptet von sich, nicht nur für die politische Befreiung Deutschlands, sondern auch für die sittliche Erneuerung des Volkes zu kämpfen. Den Beruf dazu haben sie, das beweist der Fall des Herrn Terboven. Wer ist Herr Terboven? Er ist der Gauleiter der NSDAP, in Essen und Mitglied des Reichstags. Und dieser Herr Terboven ist des Notzuchtsversuchs an der minder- jährigen Tochter eines nationalsozialistischen„Pg.V beschuldigt: die Durchführung dieses schändlichen Verbrechens scheiterte nur daran, daß in letzter Minute einige andere Personen dazukamen und einschritten. Diese Greueltat eines nationalsozialistischen Reichsiagsabgeord- nete», die schon einige Zeit zurückliegt, wurde im Interesse der Hitlcr-Bewegung verschwiegen und konnte verschwiegen werden, da es sich bei den unmittelbar und mittelbar Beteiligten ausschließlich um Mitglieder der NSDAP, handelte. Die Rebellion des Hauptmann Stemies, die auch im Ruhrgebiet ihre Auswirkung fand, hat jedoch die Zungen gelockert. Gegen Terboven ist Anzeige bei der Staatsanwalt- s ch a f t erstattet; die eidesstattlichen Erklärungen des Daters des armen Mädchens und der Tatzeugen liegen den Gerichten vor. Ein Hakenkreuzgericht. Munchmeyer stößt auf geistesverwandte Richter. Wie der„Angriff"(Nr. 81 vom 18. April 1931) aus L i e g n i tz zu berichten weiß, ist der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Mü n chm e y e r vom Großen Schöffengericht von der An- klage einer Reihe von Bergehen gegen das Republikschutzgesetz freigesprochen worden. In der Urteilsbegründung soll das Gericht festgestellt haben, daß„der Ausdruck Iudenrepublik nicht strafbar ist, wenn er gebraucht wird, um damit den herrschenden Einfluß des Judentums in der Republik zu betonen". Bei der Urteilsbegründung soll der Vorsitzende ferner erklärt haben, „es fei g e r i ch t s b e k a n n t, daß die Hiiler-Pariei nicht die Republik als Staatsform bekämpfe, sondern nur gewisse republi- kanische Parteien". Es ist zu erwarten, daß der preußisch« Iustizminister diese skandalöse Angelegenheit einer sofortigen Nachprüfung unterzieht und— sollte der Bericht des„Angriff" den Tatsachen entsprechen— unverzüglich und ohne Rücksicht auf die beteiligte Personen geeignete Mahnahmen ergreift, um eine Wiederholung solcher Entgleisungen zu verhindern. Die Erziehung zum Anstand. Die Gvttlosenpropaganda unter der Notverordnung. Ein geheimes Rundschreiben der KPD. Die in der neuen Notverordnung �gegebenen Möglichkeiten, gegen die kommunistische Gottlosenpropaganda vorzugehen, haben die Leitung der Kommunistischen Partei veranlaßt, ihren Funttio- nären eine Aenderung in den Agitationsmethoden vorzuschreiben. Die Zentrale der KPD. hat, wie wir erfahren. dieser Tage ein geheimes Rundschreiben erlassen, das in dieser Richtung bestimmte Anordnungen gibt und für den Fall der Uebertretung strenge Disziplinierung ankündigt. In dem Rundschreiben heißt es u. a.: „Wenn wir den Zusammenhang durchschauen, werden wir uns durch die Angriffe des Klassenfeindes nicht zu Agita- tions Methoden verleiten lassen, die nur dem Interesse unserer Feind« dienen. Nicht nur die Freidenkerorganisationen, sondern auch die„Agitprop" und andere Organisationen der Massenagitation und Propaganda müssen selbst kritisch feststellen, daß unsere Methoden aus diesem Gebiete nicht geeignet sind, die Teile der Werktätigen, die noch bis .zu einem gewissen Grade an Religion und Kirche gebunden sind, näher an uns heranzubringen. Selbstverständlich ist es Pflicht der proletarischen Frcidenkerorgonisationen, die Rolle der Kirche im Klassenkampf aufzuzeigen und eine Kirchenaustrittsbewcguna zu entfachen, selbstverständlich müssen wir den Vorstoß der faschisti- schen Reaktion auf kulturellem Gebiete besonders brandmarken, aber das kann geschehen ohne grobe, taktlose Methoden, die auf Teile der Werktätigen, die wir gewinnen müssen, nur a b st o ß e n d w i r k e n. Es ist auch nicht zweckmäßig, be- fmiders nicht in Gegenden mll starkem katholischen Einfluß, unsere sfreidenkerveranstallungen unter dem Titel„Gottlosen- Abende" durchzuführen. Funktionäre und Organisationen, die durch Nichtachtung dieser Anweisungen, durch plumpe und taktlos« Agitationsmethooen abstoßend wirken und Verbote provozieren, haben ihren Beruf oerfehlt und werden rücksichtslos zur Verantwortung gezogen werden." Das Rundschreiben, dessen Echthell nicht bestritten werden kann. läßt erkennen, daß die Lellung der Kommunistischen Partei aus der Notverordnung die Folgerung gezogen, hat, ihre antireligiöse Agitation vorsichtiger zu gestalten. Jedenfalls sollen die groben Be schimpfungen Andersgläubiger unterlassen werden. Wer sich nicht fügt, der wird mit Ausschluß bedroht. Die Erziehung wirkt also! Wachhunde und Führerhunde steuerfrei. Der Steuerausschuß der Stadtverordnetenoersammlung nahm die Hundesteuerordnung in der noch den Maßgaben des Ober- Präsidenten abgeänderten Fassung an. Die wichtigsten Sie n de- r u n g e n gegenüber der früher beschlossenen Form, die bereits die Steuerermäßigung auf ein Viertel für Wachhund« allgemein vor- sah. bestehen darin, daß nunmehr voll« Steuerfreiheit gewährt wird für Hunde, die auf einzeln gelegenen Gehöften oder Hausgrundstücken zur Bewachung gehalten weiften und sich tagsüber dauernd auf dem zu bewachenden Grundstück außerhalb des Wohngebäudes besinden. Als einzeln gelegene Gehöfte oder Häuser gellen diejenigen, die in gerader Richtung von Wand zu Wand ge- messen, mindestens 190 Meter von anderen bewohnten Gebäuden entfernt liegen. Ferner bleiben steuerfrei die Führhund« von Blinden und Diensthund« der Forst-, Polizei.. Zoll- und Reichs- bahnbeamten, Milllärdienfchunde und Wachhunde in Gefangenen- ' onstalien. Das deutfch-polnifche Ltguidattonsabtommev wurd« in Warschau ratifiziatt. Aationalversammwng im Mai. Große Wahlkreise in Spanien. Madrid, 21. April.(Eigenbericht.) Der Justizminister teilte am Montag im Ministerrat mit, daß er einen Entwurf zu einer durchgreifenden Reform des Iusttzwesens ausgearbeitet habe. Die Justiz fei zur Zell zu stark dezentra- lifiert. Eine Neugruppierung der Justizbehörden fei notwendig. Der Kriegsministcr erklärte, daß er an einer Reform des Heeres- statuts arbeite. Das Statut selbst soll von der verfassunggebenden Nationalversammlung beschlossen werden. Die Regierung hat im übrigen die Absicht, das bisher geltende Wahlgesetz zu ändern, und zwar insbesondere in der Form, daß an Stelle der kleinen Wahlkreise Prooinzialwahlkreise treten. Die C o r t e s- W a h l e n. die für Ende M a i in Aussicht genommen sind, sollen bereits nach dem neuen Walilgefetz vor sich gehen. Die Regierung hofft bei diesem Kampf auf eine große Mehr- hell der Republikaner und Sozialisten. Die Monarchisten dürften nach der Ansicht des Innenministers höchstens 10 bis 15 von dey, 500 Sitzen der NationalverfcmnNlung erringen. In bezug auf die Stabilisierung der Peseta beabsichtigt die Re- gierung, vor irgendwelchen Maßnahmen die Nationalversammlung zu befragen. Die Ausrüstung vor der Abrüstung. Frankreichs Ostgrenze.— Flottenverhandluugen wieder im Gang. Paris. 21. April.(Eigenbericht.) In der Montagsitzung des Ministerrats, der unter dem Vorsitz des Präsidenten Doumergue stattfand, gab Kriegsminister Maginot eine Uebersicht über die Fortschritt« der Grenz ver- teidigungsarbeiten an der Ostgrenze und über die Mittel, mit denen der Grcnzausbau finanziert werden soll. Der Ministerrat billigte serner die Instruktionen des Außen- Ministers und des Marineministers an die französischen Dclegierien zu den Londoner Flottenabrüstungsverhandlungen. Die Verhandlungen sind seit dem 14. April wieder aufgenommen worden, haben aber infolge der Abwesenheit des französischen Delegattons- führers bisher nur zur Klärung untergeordneter Fragen geführt. Der französssche Hauptdelegierte reist am Dienstag nach London und dürfte der englischen Regierung einen V e r m i t t- lungsoorschlag der französischen Regierung über die beiden strittigen PunUe des Abkommens(Recht Frankreichs auf Ersatz un- moderner Kriegsschiffe nach 1953, Verringerung des Geschützkalibers für die beiden neuen französischen Panzerkreuzer) über- bringen. Briand hat den englischen Geschäftsträger in Paris noch dem Ministerrat über die neuen Instruktionen Masstglis unter- richtet. Gefängnis für Republikbeschimpsung. KPO»ReichstasiSabgeordneter Leow vor Gericht. Der frühere Rol-Fronl-Führer and jetzige kommunistische Reichstagsabgeorduele Leow mutzte sich heule vor dem Schöffengericht Schönebcrg wegen Beschimpfung der Republik verantworten. Leow hiell am 22. August vorigen Jahres im..Lindenhaus". Schöneberg, eine Wahlversammlung ab. Ein Zuhörer' nahm an seiner Rede Anstoß. Nach der Darstellung des Zeugen vor Gericht schilderte Leow zuerst die Paradieszustände in Sowjetrußland, führte die Zahl der Kommunisten auf— 900 Millionen von 14 000 Millionen der gesamten Bevölkerung der Welt, 400 Millionen Inder, 300 Millionen Chinesen, 150 Millionen Russen— und kam schließlich auf die wirtschaftlichen Berhältnisse in Deutschland zu sprechen. bei welcher Gelegenheit er von der dreckigen Saurepublik gesprochen haben soll. Die von dem Angeklagten Leow genannten Zeugen, drei an der Zahl, wollten ähnliche Ausdrücke nicht gehört haben: einer erklärte, sie feien überhaupt nicht gefallen, vielleicht habe sie einer von den Zuhörern gebraucht: die beiden anderen, sie erinnerten sich solcher Ausbrücke nicht. Der Angeklagte selbst be- hauptete, daß diese Redewendungen aus dem nationalsozialistischen Lexikon stammen, das Schimpfen sei überhaupt nicht seine Art. es stünden ihm genug Worte zur Verfügung, um seinen Gedanken in anderer Weise Ausdruck zu verleihen. Der Staatsanwall beantragte auf Grund des Republikschutz- gesetzes unter Versagung mildernder Umstände wegen Beschimpfung der Republik drei Monat« Gefängnis. Das Gericht verurteilte den Angeklagten unter Zubilligung mildernder Umstände zu fünf Wochen Gejängnis. Die französischen Photographien. FessungStore und Geschütze. Die Lichtbilder, die die französischen Offiziere in Königsberg angeferttgt haben, füid von gewähnlichem kleinem Kodak-Format. nicht etwa von einem jener besonders kleinen Apparate, die zu Spionagezwscken mit Vorliebe oerwendet werden. Die Aufnahmen zeigen in der Hauptsache Festungstore und dergleichen und find insofern ganz unbedenklich, denn die Königsberger Festung.'- anlagen ziehen sich bis in die Stadt hinein, und was da photo- graphiert ist, kann jeder Straßenpassant ohne weiteres schen. Zwei der Aufnahmen zeigen eine übende Mannschaftstruppe. Die Bilder werden jetzt vergrößert und man wird dann erkennen, ob gewisse Vorrichtungen der Artillerie, die technische Neue- r u n g e n darstellen und geheim sind, auf diesen Bildern besonders zu erkennen sind. Die Verfailler Bestimmungen schreiben Deutsch- land zwar die Zahl und die Art der Waffen vor, stchen ober der technischen Eniwicklung gewisser Geräte nicht im Wege. Die französischen Offiziere waren in Königsberg durch einen Reichswchroffizier festgenommen worden, find aber dann auf An? ordnung der Reichswehrdivision freigelassen worden. Sie sind in- zwischen über Palen nach Frankreich zurückgereist. Da diese Offiziere in Zivil reisten, brauchten sie außer dem normalen Einreisevisum keine besondere Bewilligung, auch nicht zum Ausent- hott in Königsberg. Der französische Militärattache« in Berlin hatte die Reise dieser Offiziere zur Besichtigung der Schlachtfelder in Osr- preußen ausdrücklich angemeldet und sie dabei als Offiziers vom Büro II des französischen Generalstabs, d. h. von der Nach- richtenabteilung, bezeichnet. Kreuzberg bewirtet feine Sozialrentner. „Wie der„Katzenwirt" noch seine vierbeinigen Lieblinge dres- sicrte und vorführte, so vor 26 Jahren vielleicht, da ging's uns noch besser, denn damals waren wir jünger", meinte eine aus der Tafel- runde der Kaffesgäste, die auf Einladung der W ä r m e st u b e U r- banstraße beim Berliner„Katzenwirt" in der Hasenheide bei Kaffee und Kuchen saßen. Ein halbes Hundert Männer und Frauen, denen die Zeit und ihre Schwere alles genommen: nun leben sie ihre paar Jahre zu Ende, so gut oder so schlecht es eben geht. Trist und einförmig reiht sich Tag an Tag, Woche an Woche, Monat an Monat, Jahr an Jahr... Dazu immer die bange Sorge: Was wird jetzt noch Schlimmes dazukommen? Da ist so ein fröhlicher Nachmittag, wo man in der warmen Stube beisammen sitzt, eine wahre Erlösung aus all dem Jammer. Da fpiell eine Kapelle, die sich für den guten Zweck zur Verfügung stellte, lustige Weisen, und sogar eine Stimmungskanone schmettert abwechselnd fröhllche und gefühlvolle Lieder: auf einmal wird's stockduster, dann stammen kleine bunte Glühbirnen auf und die Sängerin trällert das Lied vom„Glühwürmchen". Das kennen sie noch alle und alles summt ein wenig mit. Dann wird's wieder hell und ein flotter Walzer erklingt, dann fingt die„Kanone" einen modernen Schlager nach dem anderen: In der großen Kanne dampft der gute, heiße Kaffee, auf dem Teller liegt eine Wenge Kuchen, alles sitzt im Sonntagsstaat und lacht und freut sich und ist wieder einmal Mensch. Nun wird die Dampferpartie eifrigst besprochen, die in der nächsten Woche steigen soll, da hat man schon fleißig gespart, um einmal nach dem langen Winter einen ganzen Tag draußen bleiben zu können. Um 7 Uhr wird abgeblasen, da geht's zur Frauenoersammlung nebenan im„Orpheum": alle gehen sie mit, auf gesunden und auf kranken Beinen. Todessturz beim Fensterstreichen. Im Hause Zeitzer Straße 1/2 in Neukölln ereignete sich heute vormittag ein entsetzlicher Unglücksfall. Gegen 10 Uhr war der. ö2jährige Hausdiener Karl G a i d e damit beschäftigt, das Küchenfenster seiner im vierten Stockwerk gelegenen Wohnung zu streichen. Im Verlaufe der Arbell trat Gaide auf das Blumen- brett, um das Fensterkreuz von außen anzustreichen. Er erlitt plötzlich einen Schwächeanfall und stürzte kopfüber aus den asphaltierten Hof hinab, wo er mll schweren Verletzungen bewußt- los liegen blieb. Durch die Feuerwehr wurde der Verunglückte ins Neuköllner Krankeichaus gebracht, wo er gleich nach seiner Auf- nähme starb._ Der Reichstat genehmigte am Dienstag die erste Durchführungs- Verordnung zum Jndustriebaukgefetz. Diese Verordnung stellt eine Reihe früherer Dur6)sührungsbestimmungen zum Industrie- bankgefetz wieder her. Ferner verlieh der Reichsrat den 7prozentigen deutschen Kommunalgeldschatzanwe i s u n g e n der deutschen Girozentrale pou 1931 die Mündelstcherheit. Gegen Krieg und Naziterwr Frauen werben für Frieden und Sozialismus Die Suudgebunge« zum Interuatioualen Arauenlag in Berlin zeigen von Versammlung zu Ver- sammlung. daß auch die Araueu in erfolgreicher Werbearbeit flehen und in immer steigendem Maße die Arbeiterfrauen für die Sozialdemokratie zu gewinoeu wissen. Die Versammwng. die der Kreis Kreuzberg im Orpheum veranstaltet«, war bis auf den letzten Platz gefüllt, und bis in die 23. Stunde hielten die Besucher aus. Unsere treffliche„Freie Sport- und M u s i k o e r e i n i g u n g" leitete die Kundgebung ein. Die Vorsitzende, Genossin Meyer, betonte, daß die Versuche der Kommunisten, die durch einen Artikel von Frau Zetkin die Ar- beiterfrauen veranlassen wollen, der Sozialdemokratie untreu zu werden, scheitern müssen. Wisse man doch, daß eine Freiheits- kämpferin wie Vera Fitner in Sowjstrußlaitb hinter Kerkermauern säße. Genossin W a l k o t t e trug Tucholskis„Drei Minuten Gehör' vor. Dann sprach, stürmisch begrüßt, Polizeipräsident Albert G r z e- s i n s k i.„Die Sozialdemokratische Partei hat in jahrzehntelangem Kamps das Recht der Frau auf staatsbürgerliche Gleichberechtigung verfochten und schließlich, als sie dazu die erste Möglichkeit bekam, sofort auch durchgesetzt. Sie hat erkannt, daß ohne die volle Gleich- berechtigung der Frau in Staat, Wirtschaft, Politik und Kultur neue Formen des menschlichen Zusammenlebens, künftige Formen der menschlichen Gesellschaft sich niemals verwirklichen lassen. Neu- formung kann nur mit der Frau, keineswegs oh>ne die Frau, auf gar keinen Fall g e g e n die Frau geschaffen werden.' Grzesinski wies darauf hin, daß dies von den Frauen iwch nicht allenthalben begriffen ist. Wie könnten viele Frauen sonst den Nationalsozialisten ihre Stimme geben, die in Wahrheit nichts sind als„heuchlerische, falsche und finstere Reaktionäre?' Er rief die Frauen auf. an die gewaltige Verheißung des Sozialismus zu glauben. Nachdem eine Resolution gegen den Paragraphen 218 RStGB. angenommen war, wurde«ine Pause zur persönlichen Werbung für die Funktionäre eingeschoben. Wieder musizierten unsere Freund« von den Arbeitersportlern. Freiligraths„Requiescat" folgte. Der Film vom„Lohnbuch- halterKremke' schloß sich an. Dann sprach Genossin Hanna, die daraus hinwies, daß auch in den Gewerkschaften die Frauen mst- kämpfen müßten. Kampf gilt den Nationalsozialisten, die die Frau zur Magd. Dienerin und zum Weibchen erniedrigen wollen.„Wir rufen: Frauen an die Front, Deutschland, erwache zum Kampfe für den Sozialismus!' Berangers„Heilige Allianz der Völker': Reicht euch die Bruderhand!, das Genossin Walkotte in stärkster Vollendung vor- trug, bildete den Abschluß. Mit dem gemeinsamen Gesang der Inter- nationale endete die Kundgebung. llm den Paragraphen 218. Zu einer riesigen Zuhörerschaft von Frauen sprach im Kreis Neukölln im Saalbau Bergstraße der Genosse Dr. M e y e r- B r o d- n i tz. Der Redner beschäftigte sich ausschließlich mit Paragraph 218. In unsere Zeit der Not und Wirrnisse platze die Enzyklika des Papstes über die Ehe hinein, die weltfremd die Dinge nicht sieht, wie sie wirklich sind. Es widerspricht den Anschauungen jedes sozial Empfindenden, daß mehr Kinder geboren werden, als ernährt werden können. Trotz der Milderung des Paragraphen 218 ist die Zahl derer nicht klein, die sich gegen ihn vergehen und verurteilt werden. Wenn man die Zahl von 800 000 Abtreibungen im Jahr in Deutschland eher als zu niedrig denn als zu hoch bezeichnen könnte, so müßte man doch mit der phantastischen Zahl von VA Millionen Menschen rechnen, die in Konflikt mit diesem Paragraphen kommen. Gegen diesen Widersinn des Gesetzes wandte sich der Reder vom so- zialen, sittlichen und ärztlichen Standpunkt aus. Er erörterte«ine vernunftgemäße Anwendung der Schwangerschaftsunterbrechung von ärztlicher Hand, wie sie in der bekannten Entschließung der sozial- demokratischen Reichstagsfraktion behandelt wird. Vor allem sollten die städtischen Ehe- und Sexualberatungsstellen mehr in Anspruch genommen werden, in denen der Ratsuchende über die Verhütung von Schwangerschasten aufgeklärt wird. Es handle sich jetzt darum. alle Frauen aufzurütteln, unter ihnen zu werben und Aufklärung zu schaffen. Die Vorsitzende der Frauenabteilung Genossin Bor- mann unterstrich den Appell des Vortragenden, sich der einzigen Partei anzuschließen, die für die wirkliche Befreiung der Frau vom sozialen und geistigen Joch seit jeher gekämpft hat, der S o z ia l- demokratie. Ein« Entschließung gegen Paragraph 218 wurde einstimmig angenommen. Es folgte sodann die Vorführung des Films „Lohnbuchhalter Kremke'. Wie der Faschismus die Frau entwürdigt. lieber die Frage„Die Frau im Faschismus' sprach die Reichs- tagsabgeordnete Genossin Marie Kunert bei der Frauenwerbe- Veranstaltung im Kreis Friedrichshain Sie wies treffend nach, daß die Frau in Italien nur G e b ä r m a s ch i n e ist, der olle anderen Rechte abgesprochen werden. Mussolini gewährt seinen B«- amten nach dem s e ch st e n Kinde Steuererleichterungen und prämiiert besonders kinderreiche Ehepaare. Ortschaften, die pro- zentual die meisten Geburten haben, werden rühmend erwähnt. Es findet also eine Art Wettgebären statt. Und zu welchem Zweck? In einem kleinen Dorf der Lbruzzen, das den Rekord geschlagen hatte, sagte der Abgesandte Mussolinis:„Ihr Mütter sollt euren Kindern keine Wiegenlieder vorsingen, sondern Kriegshymnen.' Also: sinnlos gebären für einen neuen Krieg, das ist das Ziel der Faschisten, nicht nur der italienischen, sondern auch der deutschen, der Nationalsozialisten, die im 3. Reich die Z u ch t h a u s st r a f e für alle Geburtenverweigerer einführen wollen. Dem Gebärzwang der Nazis zum Völkermorden stellt die Sozialdemokratische Partei ihre Forderung der Kinderauslese durch die Mutter ent- gegen, es sollen nur noch Wunschkinder geboren werden. Ein- stimmig wurde von der überfüllten Versammlung eine Entschließung gegen§ 218 angenommen. Anschließend sprach Else Michaelis vom AfA-Bund, die die furchtbaren Folgen der Weltwirtschaftskrise, besonders auch in Deutschland, schilderte. Trotzdem seien die Frauen heute nicht mehr das Schmerzenskind der Männer, weil sich all- gemein die Forderung durchgesetzt hätte: Gleicher Lohn für g l e i ch e L e i st u n g. Bei einer Beschäftigung von 11 Vi Millionen Frauen in der deutschen Wirtschaft sei an ein« Verdrängung der Frau aus dem Wirtschaftsprozeß nicht mehr zu denken. Mit einem Aufruf der Genossin Groetzinger, nur die sozialistische Press«, den „Vorwärts" zu lesen und dem Liede„Brüder zur Sonne, zur Freiheit' schloß die Veranstaltung. Gleiche Arbeit— gleicher Lohn! Die städtische Iugendbühne Lichtenberg war rasch überfüllt. Landtagsabgeordnete Luise Kähler sprach zu den Frauen. In überzeugenden Worten ging sie auf den Widersinn unserer Wirtschaftsordnung ein. Das Volk hungert bei vollen Scheunen, während hier viele Menschen kaum satt zu essen haben, werden in Uebersoelandern Lebensmittel vernichtet, um die Preis« zu hallen. Trotz größter Arbellslosigkeit denken die Unternehmer nicht an den Abbau der Arbeitszeit, sondern an Abbau der Sozial- Versicherung und der Löhne. Aller Verdienst des Arbeiters wird für den notwendigsten Lebensunterhalt gebraucht, und besonders schlecht ist dabei die alleinstehende berufstätige Frau gestellt, deren Lohn noch 20 Prozent unter dem Männerlohn steht. Aber leider sind die Frauen nicht genügend organisiert. Nur eine starke Orgam- sation kann den Grundsatz: GleicheArbeit— gleicher Lohn durchsetzen, indem sie Macht gegen Macht setzt, denn Lohrrftagen sind Machtsragen. Die Nazis wollen den Frauen das Staatsbürgerrecht erst zugestehen, wenn sie verheiratet sind und Kinder haben. Hier fordern sie Leben, aber auf der anderen Seite predigen sie Tod, denn das bedeutet den Reoanchekrieg. Die Mütter sollen an die furchtbare Zeit zurückdenken, als sie den Sohn oder den Gallen ziehen lassen mußten. Diese Erinnerung soll ein Aufruf an alle Frauen zur Mitarbeit am Staate sein, um künftig ein« friedliche Politik zu gewährleisten. Ein« Resolution gegen den Para- graphen 218 wurde einmütig angenommen. Zum Schluß lief der Film„Lohnbuchhalter Kremke', der die Ausführungen der Re- ferentin wirksam illustrierte. Schutz der Mutterschaf?. Im Residenz-Kino, Reinickendorf, sprach Reichstagsabgeordnet« Geiwssin Marie Kunert. FasttaufendPerfonen, darunter auch zahlreiche Männer, waren erschienet. Genossin Kunert ver- langte von dem Staat, dem die Frau unter Einsatz von Leben und Gesundheit den- wichtigsten Mullerdienst leistet. Schutz der Mutterschaft, Fürsorge für das keimende Leben sowie eine Politik des Friedens und der Völkerverständigung. Sie forderte aber auch das Recht für die Frau, die Mullerschaft ablehnen zu dürfen, wenn ihr Verantwortungsbewußtsein sie dazu treibt. Der sozialistischen Bevölkerungspolitik stellte sie wirksam die faschistische gegenüber, die im Kriege das einzig« Millel zur Geburtenregelung erblickt. Der Faschismus fordert daher überall die höchsten Ge- burteuzahlen von den Frauen. Dos Drille Reich wird ein Zucht» hausstaat fein für olle diejenigen, die sich weigern, dem Faschismus Kanonenfutter zu liefern. Unter starkem Beifall schloß die Rednerin mst dem Appell an die Versammelten, sich anzuschließen der Kampf- front des sozialistischen Proletariats der ganzen West, mst dem uns der gemeinsame Kampf gegen den gemeinsamen Feind Kapstalismus rerbündet. Eine Resolution zur Abänderung des Paragraphen 218 wurde einstimmig angenommen. Anschließend lief der Film „Keimendes Leben', der mst gespannter Aufmerksamkeit aufge- nommen wurde und die glänzend verlaufene Veranstaltung würdig abschloß. Verdis„Falstaff." Neuinszenierung in der Republikoper. Künstlerischer Höhepunkt des Opernjahres. Abend beispiellosen Erfolges. Stürmische Huldigungen, Kundgebungen des Dankes für Klemperer, dessen Werk diese„Falstaff'-Aufführung ist, und dies Theater, in dem sie möglich geworden—; die Staatsoper am Platz der Republik macht es denen schwer, nach deren verantwortlichem Willen sie in kurzem aufhören soll zu bestehen. Das Werk des achtzigjährigen Verdi bleibt ein schöpferisches Wunder der Musik. Ein Wunder an jugendlicher Frische und zu- gleich an Abgeklärchest des Allers. Di« Entwicklung des Opern- komponiften Verdi hat gewissermaßen durch Wagner hindurchgeführt: im„Falstasf" ist er Mozart geworden. In der Atmosphäre dieser Musik lösen sich alle Konflikte im Entstehen, hat alles leidenschaftliche Pathos des Operndramatikers sich in reine Hesterkeit gewandelt. Die Leidenschaften des menschlichen Lebens, im Drama gestaltet, hallen von je die Triebkräfte seines Schaffens gebildet; aus zwei Kräften wurde es gespielt: Erotik und Polstik. Der Erotiker Verdi, das ist der hinreißende Melodiker in„Traviata", in„Maskenball". in„Aida", zuletzt in„Ochello". Der politisch kämpfensche Verdi, be- geistert für alle großen Menschhestsideole. die seit der Französischen Revolution in den Kopsen und Herzen der Besten lebendig war, hat sich am persönlichsten in„Simone Boccanegra' geoffenbart: er hat sich in jungen Jahren an der revolutionären Rhetorik und am heroi- schen Palhos des jungen Schiller entzündet, er hat nach den „Räubern", nach„Kabale und Liebe"(„Luise Miller"), später noch „Don Carlos" gegriffen. Im„Falstasf" ist nichts mehr von den aufgewühlten Leiden- schaften des Erotikers und des Polstiters zu spüren. Nur am Rand, wie ein zartes Ornament, ist gleichsam em bißchen Verliebtheit junger Menschen fluchtig angedeutet. Der melodische lleberschwong der großen Liebe erscheint nur, parodiert, in Falstafss Brief, als ihn die Frauen belustigt-entrüstet lesen. Und der Musiker der polillschen Begeisterungen ist Philosoph geworden, nicht westabgewandt, aber milder Kenner der West und der Menschen, nachsichtig lächelnd über ihre Schwächen, gütig, weis«. So ist der alte Berdi, und so seine letzte Oper. Ein unbegreifliches Geniewerk, von reit« Meisterhand scheinbar mst höchster Mühelosigkeit gestaltet— leicht und selbst- verständlich bis zu dem unerhört kühnen Wurf der Schlußfrage, die alle, Orchester, Solisten. Ehor, in ihr kunstvolles Gewebe verstrickt. Ein Wunder sprühender Lebendigkeit: das ist die Falstasf- Partitur. Alles darin lebt, jedes Instrument, jede Stimme: eine Oper des taufendfälllg bewegten Spiels und Ineinandsrfpiels, eine „Enfemble-Oper" im höchsten Sinn. Und so ist. dank Klemperer und feinen Helfern— der Regisseurin Ratafcha Satz, dem Bühnen- bildner Teo Otto—, diese Aufführung geworden. Eine wahrhaft und im höchsten, melfältigsten Sinn lebendige Cnsembleleistung. Fritz Krenns Falstasf: eine prachtvolle Gestalt, strotzend von ge- funder Fülle. Doch alle müssen genannt werden, die Namen aller Mitwirkenden: Heidersbach, Cisinger, Schulz-Dornburg. R u z i c z k a, Domgraf-Faßbaender, Kullmann. Bötel, Peters, Müller. W«: Chor und Orchester nicht zu vergessen, und auch nicht die Unsichtbaren der Bühne. P. Villige Eigenhauseniwürfe. Neueröffnung der Vauhaus-Mufierschav. Die vor 1 lA Jahren im Architektenhaus begründete Bau» welt-Must erschau hat sich als so nützlich für die ganze Bau- Wirtschaft und so unterrichtend auch für weiteste Kreise durch chre ständigen Ausstellungen herausgestellt, daß sie bereits an mehreren Stellen Europas nachgeahmt wird. Das ganze Unternehmen ist nunmehr nach Charlottenstraße 6, gegenüber dem Berliner Theater. übergesiedelt: es wurde mst einer Ausstellung von Eigenhäusern er- öffnet. Ministerialdstektor Kießling(der oberste Baubeamte in Preußen) und Peter Behren» hiellen die Einführungsreden. Ein Gang durch die schönen hellen praktischen Ausstellungesäl«. die für jedermann täglich offen stehen, wird von der ungewöhnlichen Nütz- lichtest und Zestgemäßheit der architektonischen Musterschau über- zeugen, in der eigentlich jeder etwas lernen und erfahren kann. Die derzestige Sonderschau„Das billige zeitgemäße Eigenhaus' enchält 60 Modelle mit beigegeben«» Grundrissen. Erläuterungen und(sehr wichtig!) bindenden Kostenberechnungen von Bauftrmen, so daß man diesmal mit dem Voranschlag mohl aus- kommen dürfte. Es sind drei Gruppen gebildet: bis 8000 Mark, von 8000 bis IS 000 Mark, und bis 23000 Mark, natürlich reine Baukasten Darin testen sich einige Reihenhausentwürfe(z. B. sehr gut« von Gustav L ü d e ck«), freistehende Häuschen mst Flachbau, d. d. eingeschossig, und, in höheren Gruppen, zwei- bis sogar drei» geschossige Häuser, auch die größten fast all« in modern kubischer Art mst flachem Doch. Für gemütvolleren Geschmack ist aber durch ein paar vortrefflich dirrchgebildete Sasteldachtqpen in süddeutscher Art gesorgt, die man durchaus loben kann(von Pfeiffer, Karl Schmid und Rennollet). Wenn man weiß, daß die Jury dieses Resultat aus 1900 Einsendungen herausdestilliert hat und daß die Jury aus den besten Praktikern der Materie bestand, so wird man der Schau mit noch größerem Respekt und Verstauen begegnen. Einige Entwürfe muß man hervorheben, die auch beim zweiten Blick standhalten. Bon den kleinsten, meist eingeschossigen, an Wochen- «cid typen anklingenden, aber mit Wirtschaftsräumen zum Dauer- wohnen versehenen: das von Gascard und Eanthal(von Rechts wegen mit dem 1. Preis ausgezeichnet), von Ernst Pfeiffer, Hans Richter, Pellehn. das sehr praktisch konstruiert« der drei jungen Architekten Segol. Beyerling und Bloch. Hervorzuheben ist überhaupt mit Genugtuung, daß junge und unbekannte Namen an vorderster Stelle stehen. In der Zwesten Gruppe erhielt Walter Schulze wegen Einfachheit und schönem Grundriß den 1. Preis; es sind daneben zu nennen, mit einem Ge- schoß: Scharon v. Deute, mit zwei Geschossen: Grete! Nor- k a u e r und A l f r« d F i s ch e r. In der dritten, teuersten Gruppe erhielt Hans Richter mit einem reizenden gewinkelten Flachbau den I. Preis, daneben wieder Karl Wach, Hennig und das Ehepaar Gascard-Canthal mit originellen Lösungen, Dörr- b e ck e r(der freilich zu sehr zu L« Earbufier neigt), Förster sowie Tausch und D y b w a d mit geistreichen Gruppierungen. Paul p. Schmidt. Der stärkste Kran der Well. Als die mächtigste Anlage ihrer Art wirb der Kran bezeichnet, der jetzt mit einem Kosteilaüftvand von 6 Millionen Mark erbaut worden ist, um die Sperrtore des neuen Welland-Schiftskanals, der den Erie- mst dem Orrtario-See verbindet, zu heben. Der rtessge Kran befindet sich zu Port Weller am Ontario- See und hat die Fähigkeit, ein Gewicht von 500 Tonnen senkrecht emporzuheben: so groß ist nämlich das Gewicht jedes Flügels der Tor«, hie einzeln emporgehoben werden. Der Kran besteht ganz aus Stahl: er wird durch den Druck auf«inen Knopf in Tätigkeit gefetzt, der in dem kleinen Bedienungsraum sich befindet. Die Kraft wirb durch Elektrizität gewonnen, und ein einziger Mann genügt. um diese gewaltige Maschinen« zu bedienen, „Voruntersuchung." Glonapalast. Das vielgespielle Tendenzdrama von Max Waberg und Ernst Hess« hat in dem Manuskript von Robert L i e b m a n n und unter der Regie von Robert Siodmak eine wirksam« Bearbestung ge- funden. Der Kampf gegen Iustizschäden, besonders gegen die Bor- «inzcnammenhest des Untersuchungsrichters und gegen den Indizien-. beweis, wird also auf bresterer Basis fortgesetzt werden. Der Film gestaltete die Handlung weiter aus, gibt ein Vorspiel, in dem das Milieu gezeichnet wird, und führt zum Schluß«inen anderen Schuldigen ein.(Warum?) Die epische Dehnung bedeutet keineswegs immer eine Verbesserung. Auch erweckt der Fiün nicht das gleiche psychologisch« Interesse für dieBraut des mit Mordverdacht belasteten Studenten und ihren Bruder, ja selbst der Verdacht, der auf den letzteren überspringt, wirkt nicht gleich intensiv wie im Drama.. So ergeben sich allerlei Verschiebungen— auch die Ermordete, die den Studenten jahrelang ausgehallen hat, gewinnt nicht im Film— aber der Gesamteindruck bleibt doch der gleiche sowohl in der Tendenz wie in der Spannung des Kriminolfalles. Albert Bassermann setzt sich mit aller Wucht für den Untersuchungsrichter ein. Bei allem Noblen und bei allem Streben nach Gerechtigkeit zeigt er, wie bedingt und von Vorurteilen erfüllt auch«in solcher Rickfter sein kann. Gustav Fröhlich ist der Gegenspieler, draufgängerisch, frisch, aber schließlich doch von der Unterfuchungsmaschine zermürbt. Han» Brausemetter stellt wie im Drama den Sohn des Untersuch ungsrichtors dar, sympathisch und nett. Die Frauenrollen geben nicht viel her. Edith Mein Hardt ist ein kesses Nuttchen, das zur Eharaktsrisierung des Milieu? wacker herhallen muß. Aus- gezeichnet kommen die Nebenfiguren heraus, Oskar S i maust wieder der Portier und Julius Faltenstein der allere Herr, der es ßch nicht nehmen läßt, fein« eigene Meinung zu haben und den Unter» suchungsrichter auf die richtige Fährte zu leiten. Auch Hermann Speelmans und Jakob T i e d k e machen sehr gute Figuren. Die große Szene, da der Untersuchungsrichter fein Verdachts» gebäude zusammensinken sieht und mit Schaudern erlebt, wie nahe er daran war, einen Unschuldigen ans Messer zu liefern, wirkt« er. schüttcrnd. v. Asienfarscher TriuNer. Im Krankenhaus Bremerhaven verstarb am Montag der bekannte Tibetforscher Dr. Emil Trinkler, der vor wenigen Tagen bei einem Autounfall auf der Strecke Bremen— Bremerhaven schwere Verletzungen erlisten hatte. Dr. Trinkler ist durch seine im Jahre 1927/1928 gemeinsam mit der von Dr. de Terra und dem Schweizer Pflanzenforscher Boßhardt durchgeführten Expedition in das unerforschte Zentralasien in die Reihe der führenden Asienforscher vorgerückt. In der 19 Monate lang währenden Expedition durchzogen die drei Forscher das west- tibetanische Hochplateau, die wildzerklüfteten Kara Korum- und Kuen Lun-Gebirge und das Gebiet der chinestsch-turkestanischen Wüste. In dem Buche„Im Land der Stürme— mst Pak- und Kamelkarawanen durch Innerasien" legte Dr. Trinkler die cheorcti- schon Ergebnisse seiner Forschungen nieder, während die mstge- brachten Schaustücke, die beinahe von den Chinesen konfisziert wor- den wären, im Bremer Museum zu bewundern sind. v°» vriifleker Sirelchqumlltt. des Freitaa im Bechstcinsaal zum ersten Mal« in Berlin auftreten sollte, ist durch Erkrankung de? Cellisten ge- zwungen, die Beranstaltung abzusagen. Mary Mguiau zeigt ihr 1.©jeder auftreten für den Mittwoch, abendS L'/, Uhr, im Berliner Theater an. Eine 5chauspteler.7lachlvorstelluog der Revue.AlleS Schwindel« findet Freitag im Kursürslendamm-Thcat» statt. Karten im Bezirk?. verband Keichstratze II. 6-Giunden-Tag in Karburg. ZiGO-Leute für Beibehaltung. 25us den Harburger Oelwerten Brinekman u. Mergell in Har- burg-Wilhelmsburg wird uns mitgeteilt: Vor etwa 5 Wochen wurde berichtet, daß die Arbeiterratswahlen bei B r i n ck m a n u. Mergell eine geringe Mehrheit für die lom- mumstische RGO-Liste ergeben hätten. Da die Kommunisten in Presse und Versammlungen eine lebhafte Agitation gegen die im Einvernehmen mit den freien Gewerkschaften im Oktober v. 3. zum Zwecke der Tleueinstellung von 350 Arbeitslosen durchgeführte Arbeitszeitverkürzung betrieben hatten, muhte man erwarten, daß durch diese Aenderung der Mehrheitsverhältnisse im Arbeiterrat Schwierigkeiten für die Beibehaltung der 36-Stundsn-Woche entstehen würden. Am Sonntag, dem 19. April, Hot nun eine von dem kom- munistischen Vorsitzenden des Arbeiterrats einberufene Belegs äioftsverfammlung stattgefunden, die sich mit der weiteren Beibehaltung der Kurzarbeit befaßte. Die Ver- sammlung ergab ein so klares Bild über die Meinung der Beleg- schast in dieser Frage, daß von der ursprünglich beabsichtigten neuen Urabstimmung Abstand genommen werden konnte. Die Betriebsleitung ist von dem Vorsitzenden des Arbeiter- rats über das Ergebnis dieser Belegschaftsoersammlung dahin unter- richtet worden, daß grundsätzlich an dem augenblicklichen Zustand, das heißt also an der 3S-Stunden-Arbeilswoche ohne Lohnausgleich. nichts geändert werden soll. Der Arbeitecrat ist lediglich beauftragt worden, bei der Betriebsleitung dahin vorstellig zu werden, daß nicht etwa abermals weitere Erwerbslose eingestellt werden möchten, wenn infolge der tariflichen Beurlaubungen während des Sommers eine Knappheit an Arbeitskräften sich bemerkbar machen sollte, sondern daß der Ersatz für die Urlauber, soweit notwendig, dadurch beschafft werden möge, daß während der Urlaubszeit vorübergehend für einzelne niedrig entlohnte Arbeiter die Arbeitszeit je noch Bedarf auf 7 oder S Stunden am Tag herausgesetzt werden möge. Dieser Wunsch, der eine Besserstellung nur sür wenige Arbeiter verlangt, die von dem freiwilligen 2öprozentigen V e r- dienst Verzicht a m stärksten betroffen wurden, ist ver- siändlich. wenn man bedenkt, wie wenige Unternehmungen bislang dem Beispiel von Brinckman u. Mergell gefolgt sind. SchiedsspruchimsächsischenNaugewerbe Llnternehmer müssen sich heute entscheiden. Dresden, 21. April.(Eigcnbcncht.) Der stellvertretenöe Schlichter für Sachsen hatte zur Beilegung des schwebenden Lohnstreits im sächsischen Baugewerbe die Parteien am Sonnabend zu Verhandlungen geladen, die aber ergebnislos verliefen. Die dann zusammengetretene Schlichterkammer fällte noch 12stündigen Verhandlungen einstimmig einen Schiedsspruch. nach dem die Spitzenlöhne der Facharbeiter vom 1. April ab in der Ortsklasse I um 10,7 Proz., in der Klasse II um 10,5 Proz., in der Klasse III um 11,2 Proz. und in der Klasse IV um 13 Proz. gesenkt werden. Die Ortsklasseneinteilung bleibt wie bisher. Der Lohn Hot rückwirkend vonr 1. April ab Gültigkeit. Maßregelungen sind aus- geschlossen. Die Crklärungsjrist sür die Parteien läuft bis zum 22. April mittags. Die Bauarbeiter und die Zimmerer haben in gesonderten Ver» sammlungen den Abmachungen zugestimmt. Die Unternehmer cnt- scheiden sich am 21. April. Mit diesem Schiedsspruch steht der sächsische Bauarbeitcr-Spitzenlohn im Reich an vierter Stelle. Verireier sind nichi vogelsrei. Neichsarbeitsgericht erklärt sie als Angestellte. Die Kläger sind bei der Firma H o o v e r G. m. b. H. in Berlin W., Wittenbergplatz 1, als Repräsentanten beschäftigt. Sie machten gellend, daß sie in Wahrheit als kaufmännische Angestellte anzusehen sind und haben daher Anspruch auf Tarifgehalt gemäß dem allgemeinverbindlichen Torisoertrag für den Elektrogroßhandel, Gruppe 3. Die Beklagte weigert sich, Tarifgelder zu zahlen. Die Kläger seien Agenten, ober keine Handlungsgehilfen, und hätten somit keine Ansprüche auf Tariflohn. Das Arbeitsgericht in Berlin hotte zugunsten der Kläger entschieden. Wie es in einer großen Anzahl von Urteilen ausgeführt und eingehend begründet hat, sind die auf Grund des alten Ver- träges tätig gewordenen„Repräsentanten" der Beklagten als A n g e st e l l t e a n z u s e h e n. Bon dieser nunmehr ständigen Rechtsprechung abzugehen, hat das Gericht keine Veranlassung. Die Kläger hätten Gehalt nach Gruppe 3 des Tarifvertrages zu be- anfpruchen. Die höhere Gruppe rechtfertigt sich angesichts der hohen U n k o st e n, die die Kläger haben. Gegen dieses Urteil hatte die Beklagte Berufung eingelegt. die ober vom Landesarbcitsgericht in Berlin zu» rückgewiesen wurde. Da Hunderte von Klägern in Frage kommen, so kämpft die Beklagte gegen diese Entscheidung mit der Revision an. Der Vertreter der Beklagten verlangte Aufhebung des vorinstanzllchen Urteils und Abweisung der Kläger. Das Reichsarbeitsgericht kam zur Zurückweisung der Revision, da sie völlig unbegründet sei. Auch werden der Beklagten die nicht unerheblichen Kosten des Rechts- streits auferlegt. Die Kläger haben Anspruch auf Tarif- g e h a l.t der Gruppe 3 im Berliner Elektrogroßhandel. Eine Ver- zichtserklärung der Kläger habe nicht vorgelegen, sonach sei die Beklagte nach dem allgemeinverbindlichen Tarifvertrag gezwungen, die Gehälter nach Gruppe 3 für die Kläger zu zahlen. Sie RGO. in Brüssel. Brüssel. 21. April.(Eigenbericht.) In Brüssel ist ein Streik der Schriftsetzer und Buchdrucker ausgebrochen, so daß die meisten Tageszeitungen nur in begrenztem Umfange erscheinen konnten. Auch das sozial!- stische Organ„Le Peuple" wird bestreikt. Das Blatt wird deshalb bis auf weiteres in kleinerem Umfange in Gent, in der Druckerei der flämischen sozialistischen Zeitung„Voorust" hergestellt. Der Streik der Brüsseler Buchdruckergewerkschaft ist unter Miß- achtung eines Beschlusses des Zentralverbandes der Buchdrucker so» wie ihres Kongresses vom Zaune gebrochen worden. Im Grunde ge» nommen handelt es sich um einen Konflikt zwischen dem Zentral- oerband der Buchdrucker und Setzer und seiner Brüsseler Orts- gruppe, die schon seit längerer Zeit unter kommunistischem Einfluß steht. Das Vorgehen dieser Ortsgruppe und der Streikenden wird von der gesamten belgischen Arbeiterbewegung als schwerer Verstoß gegen die Gewerkschaftsdisziplin aufs schärfste verurteilt._____ Wetter sür Verlin und Umgegend: Weiterhin kühl und unfreundlich mit nördlichen Winden, größtenteils bewölkt inst Neigung zu Rogenfällen.— Für Deutschland: Im Osten und Süden weiter- hin regnerisch, auch im übrigen Reichs stark bewöllt, überall für die Iahreszest kühl. Bnantwortl. für die Redaliisn- S"bert Lepc-r-, Berlin: Anzeigen: Tb. Sl-Se. Berlin. Verlag: Varwiirl» Verlag lS. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwört, Duck,- druckerei und Dcrlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin EW 68, Lind-nNraft- Z Hierzu 1 Beilage. iT\ C' < Theater, Lichtspiele usw. Destsdiej Mor 8 Uhr Der Hairotmann von KOpeniih v. Carl Zuckmayer Eegis; Heinz Hilpert Die Komödie s'h uhr- Natal ie v. Iwan T urgenjew Regie; Iwan Schmith Wintei, * Garten- 81sUbi. lenti. 1819. Mir eHmbt ßavelma-Baliett, Greil. Vernon. S Henwells. RioStateMarimDa Baad usw. Volksbühne Tbtater am BOlowplatl. 8 Uhr Die Ehe Staat!. Sdiiller-Tli. 8 Uhr Nora Staatsoper Am Pl.d. Republik 8 Uhr Madame Bntlerfly Neues Theater mm am Zoo wm ImBaboh.loii. StpL ES54 Täglich 8Vi Uhr Uebcr 125 Mal: von Max Alsberg u Otto Ernst Besse Rorfflrstendamin- Theater Bismarck 4-49 | 8'h llhr| Alles Schwindel vaa Uartelliu Stbifftr. Musik vpri Mischa Spoliansky. Regie: CuM Gräidgni I Tägl. 5 u.S'/j Uhr. Ii 5 Bart). 92561 | Unittass 50 PL-3 H- Abends 1-6 M.j Juan Liossas 1 mit seinem verstärkten Orchester| d' Anselml, Drena Beadi usw. sv. uhr CASINÖ-THEATER»'/'"» Lothringer Strebe 97. iiiHiiiiii»iiiiiiiuia«Nii«inani Nor nocb wenige Aaffübrungen! „Er trhumt won Jise" ■und do» bunto ÄDTH-Prooramtri Gutschein 1—4 Personen Fauteuil 1,25 M.t Sessel 1.75 M» Sonstige Pr.; Parkett 75 Pf.. Rang 60 Pt. iupng* Restaurant Berlins» GROSSES SCHAUSPIELHAUS Täglich 8 Uhr: IM weltMO MMI. Stg. nachm. 3 Uhr Originalbesetzung billige Preise Regie: Erik Charell. metropoi-itteater Täglich S'.'e Uhr Das Velldien v. Montmartre Operette v. Kaiman mit emo Alpar. Komiscne Oper 8Vj Uhr Alt-Heidelberg luii Engüsdi. WesteraeiEr. H.J.Moebls, Peiikert Täglich 8V, Uhr Husarentieber Gndlo Thielscher, Kastner, Arnstadt, Vesperraann Theater Im AdmiralsDalasl Täglich 8V» Uhr Der lustige Krieg Oehmann. Ahlers, Trautenhayn a. O. u. a. m. M» Elite-Sänger«•» Kottbusser Str. b Tägl. 8Ve Uhr Sonntag S'fc Uhr FRITZI Dan Gaahpiel Lotte Hanä n. t Ronpce. Siegwart Ehrlich. Med», eniilllgte Pnit»! Relchshallen-Theater Abends|T( Soanfag nadira. I"*7?! stettiner sanger Sias große Jlprtl-Xech- SProgramm! Mm. bedealend«M. Preise! Tel.: Merkur 1247. Oönhof f- Brettl: Varield— Tanz— Konzerl! Hittwocb, den 22. Agri nachmittags 3 Uhr ORGGRANM für die Zeit von? 21. bis 23. April K I N O-TA F B l PROGRAM H für die Zeit vom 2i. bis 23. AprQ mmm Potsdamer Strafe 35 W S, 7, 9 Uhr s. 3. s. 7.9 Uhr stelle« epridst (Das Paradies der Hölle) Rheinstrafse 14 K�.n-Edi!he, W. ab 5.15 Uhr S ab 3 Uhr Der Mann an der Strippe m Betty Bronton, Ricardo Corte* Der Sdiwnr des Harry Adams(Vergessene Gesichter) Odeon, Pot5damerSir.75 W. 5, 7, 9 Uhr S. 3, 5, 7, 9 Uhr Verlängert! Der wahre Jakob mit Anny Ablers, R. A. Roberts, Felix Bressart, Fant Hendcets Turmsh-afjc 12 s'savu Verlängert! Die tasiigen Weiber*on Wten mit Willy Forst. Lee Parry, Irene Elsingcr, Fant Hörblger Alexanderstr. 39-40 (Patsage) Den ganzen Tag geöffnet! Stg.ab3Uhr Verlängert! Ariane mit Etlsabelb Bergner, Rndolf Forster B we.ten■ Primus-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margarctenstr. W. 5.15, 7.15, 9.15 Uhr S. ab 3.15 Uhr Uraufführung! Oer Schrecken der Garnison mit Felix Bressart. Lncle Englisch. Adele Sandrock, Vespermann, FIscber-KAppe. Regie; Carl Boesc, Jugendliche haben Zutritt! �"" H Franziskaner Georgenstraße(Ecke Friedrichstraße) Lustiges a-Stunden-Progratnm 1 11. Z. 5, 8, 11 Uhr Ein besserer Herr mit Willy Font, Evitz Kampeis 12, 3, 5. 9 Uhr hier.--!« Wochen, nnd Knltorscbaa Flip der Frosch 12'0, 3 30 6:30 CJO Uhr Tonfilmoperette KatserllebdiBa mit Liane Haid. W. Janssen Moabit Arfiichnf kilrn- n. W 3. 6J0 Uhr «XlUSnOI Böhne S. ab 5 Uhr Perleberger Str. 29 lOOproz. Tonposse! Drei Tage Mittelarrest m Bressart, Sdhntz— Bciprogr.— BSbnenschaa Wi>U.Kinn Wochent MS, 9.05 W eil-mno Sonntags ab 4 45 Alt-Moabit 99 100 proz. Tonfilm; Generalstabsoberst Redl mit LU Dagoycr— Toabelprogramm Ton woche IP�Charlottenburg""fc Kant-Lichtspiele Kamslr. 54(an derWilmersdorfer Str.) W. 5, 7, 9 Uhr Stg. ab 3 Uhr Tonfilmerfolg: Der wabre Jakob mit Felix Bressart Gates Beiprogramm Schlüter-Theater Schlüterstr. 7 Beginn: 5, 7, 9 Uhr Stg. 3 Uhr: Jugend-Vorstellung Kriminaltonfilm: Das gestohlene Gesicht mit Max Adalbert Im Westen was Neues U Wllmersdort"Tfc Atrium Bcba-Palast Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Wochentgs. 7, 9.15, Sbd., Stg. 5, 7, 9,15 Uraufführung! Tonfilme: Feinde im Blnt, eine Tonfilmsinfonie gegen die Geißeln der Menschheit für gesundes Leben— Der Großsender Moblaeker d Schöneberg"fc Titania Schönebg. Hauptstraße 149 lOOproz. Tonlustspiel| Der wahre Jakob mit Bressart, Roberts, F. Henkels— Tonbeiprogramm— Tonwoche > Friedenau Kronen-Lichtspiele Rhejnstr. 65 W. 7, 9, Sbd. u. Stg 5,7,9 Lnpo Fides letztes Tonfilmmeister- werk: Gassenhauer mit den Comed. Harmo nisters— Micfcy Maus ■«««am»■ Titania-Paiast Steglitz. SchloßStr. 5. Ecke Gutsmuthsstr Tonfilm-Uraufführung! Die Blumen- trau von Lindenau mit Renate MtUler, Haust Niese, Oskar dabo, Harald Fauisen Tönendes Beiprogramm M tUfnOorf-Httt«> y«|; Wochentags 7, 9.10 Uhr "Cla Sonntags 5. 7, 9.10 Uhr Potsdamer Str. 50 Stg. 2�0 Jugendv. Kriminal ton film: Schadimalt mit Gerda Maurus— Gutes Bciprogr. D MarlendorF A4„ f- Maiiendorier Wochentg. 1 ia- 1.1 Lichtspiele ab 7 Uhr Chausseestr. 305 1 00 proz. Tonfilm! Der wahre Jakob m. Felix Bressart, Ralph A. Roberts Groges Beiprogramm Tivoli Berliner Str. 97 Beg. 5, 7, 9 U. Stgs. 3 Uhr: Jug.-Vor5t. lOOproz. Tonfilm; Liebe auf Befehl mit Olga Tschechowa, Job. Riemann Tonheiprogramm Lichtspiele Südwest BIDcherstr. 12 W. 5. So. ab 3 Uhr lOOproz. Tonfilm: Ein Dnrsthenlied aus Heidelberg mit Willy Forst T onbeiprogramm Pvr-s-Icirvs- Wochent. 645, 9 u. ErTLCCISlOr Sonnt. 3, 5,7,9 U. Kaiser-Friedrich-Straße 191 Tonfilm: Der wahre Jakob m. Felix Bressart, Roberts, Paul Henkels Tonbeiprogramm Süden 3 Primus-Palast Am Hermannplatz, Urbansir. 72/76 Wo. 6.45, 9 Sonnt ab 3 U» 1C0 proz. Tonfilmlustspiel: Er and »eine Schwester mit Annr Ondra, Vlasta ßorian, Roda Rod« Bühne: Die 9 Jazzbecrcn, Gesang und Tanz Jugendliche Zutritt Beiprogramm Th. am Moritzplatz Beg.: Wöchig, ab 5 Uhr, Sonnt, ab 4 U. Krhninaltonfilm; Schadimalt mit Gerda Maurus, S. Arno, Rilla Beiprogramm NeukBiln J Mercedes- Palast Hermannstraße 212, Ecke Jägerstraße Werktags(P!t Uhr, Sonntags 3 Uhr lOOproz. Tonfilm: Sonntag des Lebens m. Camilla Horn Beiprogramm BQhnenscheu Wochent. 6.45. 9 U. Sonnt. 3, 5. 7. 9 Uhr Kukuk Kottbusser Damm 92 Tonoperette. Das Liebeslied mit Renate Müller, Gustav Fröhlich Betprogramm Jugendliche Zutritt Stern, Hermamufralje 49 Wochent. 6,45, 9 U, Sonnt 3, 5, 7, 9 Uhr 100 proz. Tonfilm: Moritz macht sein Glück mit S. Arno— Mldcy Maos Jugendliche haben Zutritt! V Sddostm m Luna-Palast sA�uk?" Gr. Frankfurter Str. 121 Tonlustspiel; Der Mann, der seinen Mörder sucht mit Lfen Dryers Bühne: Maria Zelenka u a.- Betpr. .ab 5 -V. Frankenburg, Nfg! Große Frankfurter Straße 74 Tonfilm: Die bindende Stadt mit Brigitte Helm* Jan Kiepura Beiprogramm— BOhncnscfaaa Filmeck Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Beginn Wochentags: 6.30 und 9 Uhr Sonntags; 3, 5. 7, 9 Uhr lOOproz. Tonlustspiel: Er und seine Schwester(Der lustige Briefträgerball) mit Anny Ondra, Vlasta Burla» Beiprogramm- Bahnenschau Jugendliche Zutritt Luisen-Theater Reichenberger Str. 34 An f. W. 6 30 u. 9 U. Stg. 3, 5. 7. 9 U. Grock in seinem Tonfilm mit Liane Haid Jugendliche Zutritt Schwarzer Adler Xiimw Woch. 5, 7, 8 45, Sonnt ab 3 Uhr Großtonfilm: Seiten sprflnge m. Gerda Mannis« Oskar Slma, Sandrock Tonbeiprogramm Concordia-Palast Andreasstr. 64 W. ab 6, Sonnt ab 3 U. Tonlustspiel: Die PrivaisekretArtn mit Bressart— Falschmünzer Große Bfibnensdhan Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Wochtgs. 6.30, 9 ü., Sonntags ab 3 Uhr lOOproz. Tonfilmlustspie»: Die lästigen Weiber von Wien mit Willy Forst» Lee Parry Beiprogramm- Bflhncnacfaaq Sternwarte— Treptow Mittwoch 8 Uhr; Durch Dalmatien nach SQdmazedonien. Filmvortrag. Donnerstag 8 Uhr: Italien. Film. „Elysmm Prenzlauer Allee 56 W. 5.15, 7, 9.15, S. 3.15, 5, 7.15, 9.15 Uhr Foxtonwoche Die Dreigrcschcnopcr mit Rad. Fors'er, Carola Neher Grobe Bfihuenschan Flora-Lichtsp. Wo. 6.30, 9, Sonnabd. 5. Sonnt ab 3 U. Tonfilm; Der Fall des Generolsfabs- oberst Redl Zirkus mit Chaplin ■ o«t«w m Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochen'gS. 6 30 U.. Sbds. 5. Sonnt 3 U. lOOproz. Tonfilm: Ihre Hoheit be- fiehlll mit Käthe von Nagy, Willy Fritsdi, Reinhold SchOnzel Beiprogramm— Gr. Bahnenschau Jugendliche haben Zutritt) Viktoria Lichtbild Th. Frankfurter Allee 48 Wo'ch. 5, 7. ca. 8.45, Sonnt 3, 5. 7, 8.45 U. Farbentonfilm: Der Jazzkfinig mit Paul Whliemann— Tonbeiprogr. Jugendliche haben Zutritt Babylon, am Bülowplatz Wochentags 5 U. Sonnt, ab 3 U, letzte Vorst 9.10 U Tonfilmerfolg: Der wahre Jakob mit Felix Bressart, R. A, Roberts Varietäschan M Heu-H«hthnb«rg Kosmos-Lichtspiele Lücksir. 70 W. 5. 7, 9, Sonnt. 3, 5, 7, 9 U. lOOproz. Tonfilm: Kopfüber ins Glück mit Jenny Jngo, Fritz Schulz Tonbeiprogramm fl FrledrichsFaide Welßense« 3 Schloßpark Film- Bühne Berliner Allee 206—210 Kriminaltonfilm: Täter gesucht mit Gerda Maurus— Wilde Orchideen mit Greta Garbo— Tonbeiprogr. ■ Worden» Alhambra �LÄß'e36' Wochent. 5, 7, 9 U., Sonnt. 3. 5, 7, 9 U. lOOproz Tonfilm: Ariane mit Elisabeth Bergner, Rudolf Förster Tonbeiprogramm Pharus-Lichtspiele Müllerstr.142 W.5,7,9U� Stg.3,5,7,9U. lOOpror Tonlustspiel: Oer wahre Jakob mit Bressart, R. A. Roberts, Paul Henkels— Beiprogramm Prater-Lichtspiel-Palast .Kastanienallee 7-8 W. ab 6V» Stgs. 4 U. Tonfilm: Weg nach Rio mit Maria Soireg— Bciprogr.— Varictäschan Beginn täglich 5 Uhr Kino Busch Alt-Friedrichsfelde 3 Tonfilm-: Skandal um Eva mit Hcnny Porten, Oskar Slma Betprogramm Filmpalast Puhlmann Schönhauser Allee 148 W. 5, S.TTU. Tonfilm: Kosernenzanber mit Lommel, Englisch, Schulz Variett Panks» E Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 7 u. 9, Stg. 5, 7, 9 Tonlustspiel: Der wabre Jakob mit Felix Bressart, Ralph Arth. Roberts Beiprogramm— BOhnenschan Tegel Filmpalast Tegel suSSe f Stgs. 2 U- Jgd.-Vorst W.6. Stg. 41;« U. Tonfilm: Der Weg nach Rio mit Maria Solveg« O. HomolkAp Marion Beiprogramm Kosmos" Filmbühne Hauptstraße 6 Beg. 6 Uhr, s.30 Uhr lOOproz. Tonfilm; Der Mann, der seinen Mörder sucht mit Llen Beyers— Achtung Tank Hennigsdorif Filmpalast Stg. Berliner Straße 59 Stg. 2U. Iug.-Vorst. Mittue Dorm.: Tagebuch eines Verlorenen— Hetzjagd ani Mensch und Tier �Beilage Dienstag, 21. April 1931 SsvMimd StinlnubQaße xts*\£tu>aS& Susi Bork: Pie Pflege€lea9 Haut In unserer so sporUich eingestellten Zeit mit ihren Anforde- rungen an die Erhaltung von Gesundheit, Elastizität und Jugend- lichkeit eines trainierten Körpers kann man immer noch feststellen, daß eine Hautpflege zwar mechanisch erfolgt und doch die zu einer wirklich sachverständigen Hautpflege gehörende Kenntnis ihrer Be- deutung und ihrer Funktionen fehlt. Es wird viel unnützes Geld für rcklamereich angebotene Schön- heitssalben und Tinkturen ausgegeben, die zwar nicht schaden, aber jedenfalls ausschließlich für den Hersteller einen wirklich Nachweis- baren Nutzen bringen. Die Behandlung der Haut erfordert nach ihrer individuellen Beschaffenheit auch eine ganz individuelle Behandlung, je nachdem sie fettreicher oder ärmer ist, je nachdem der Körper zu starkem oder leichtem Schwitzen neigt. Die menschlische Haut ist von hoher Bedeutung für den Gesamt- orgonismus. Ein nur teilweiser Ausfall ihrer Funktion(z. B. bei Verbrennung, Erfrieren) ist bereits von schweren Allgemeinstörungen begleitet. Sie schützt den Körper als Hülle. Nicht nur die feste und durch äußere Einflüsse wenig angreifbare H o r n s ch i ch t befähigt die Haut, ohne Schaden mechanischen Einwirkungen auszuweichen und sie von den unterliegenden beiden Schichten, der Ledcrhaut (Eutis), und dem Bindegewebe(Subeuüs) fernzuhalten. Diese Fähigkeit wird noch dadurch gefördert, daß auch die übrige Haut sehr dehnbar, beweglich und erheblich fest ist. Die Epidermis(Horn- haut) ist selbst chemischen Einwirkungen und besonderen Krantheits- crregern gegenüber wenig zugänglich. Hierin unterstützt sie noch die Fettdurchtränkung, die das Eindringen erschwert, die Ge- schmeidigkeit erhält und dadurch Einreißen(Aufspringen) verhindert. Die Durchfettung wird bewirkt durch den Inhalt von Talg- d r ü s e n. die dicht unter der Oberfläche der Haut liegen. Weiter ist die Hornhaut«in schlechter Wärmeleiter, sie macht stärkere Wärmewirkungcn dadurch unschädlich, daß reichliche Blut- durchströmung für örtliche Abkühlung sorgt. Sie ist auch für wässerige Flüssigkeiten undurchlässig und bewahrt daher die tieferen Schichten vor der Austrocknung. Ja, sie ist sogar als schlechter Elek- trizitätsleiter imstande, das tiefere Eindringen auch stärkerer elek- irischer Ströme zu verhindern. Durch Ausscheiden von Stoffen aus dem Blut hilft sie den Stoffwechsel regulieren. Wir entziehen uns ja durch die Kleidung dem Wechsel der Außentemperatur, aber auch die Haut wirkt hier erheblich schützend mit, in wärmer Umgebung scheint sie rosig und gut mit Blut gefüllt, in der Kälte wird sie blaß und die oberflächlichen Kapillaren entleeren sich. Diese unter dem Kälteeinsluß eintretende Zusammenziehung verursacht die allgemein bekannte Verdichtung der obersten Hautschicht, die man im Volks- mund mit„Gänsehaut" bezeichnet. Infolgedessen kann weniger Blut hindurchströmen und dadurch wird die Wärmeabgabe vermin» dert.(Aus dem gleichen Grunde kauert sich ein frierender Mensch zusammen, verringert dadurch unbewußt seine Oberfläche und damit die Wärmeabgabe.) Tie verschiedenen Fähigkeiten der Haut greifen natürlich in- einander über, jedem ist bekannt, wie nach starker Erhitzung Schweißabsonderung eintritt und danach eine schnellere Abkühlung erfolgt, die zwar sehr angenehm empfunden wird, aber auch leicht zu Erkältungen führt.(Ztoch nicht ganz geklärt ist die so interesiante Tatsache, daß auch unabhängig von der Wärme- regelung nervöse Menschen oft zum Schwitzen neigen, sobald sie sich erschrecken oder sankt in erregtem Zustande sind.) Der Schweiß enthält neben kaum 1 Proz. fester Stoffe meist Wasser. Kochsalz, Spuren von Phosphor und organischen Säuren, auch Fette. Aber die Haut dient dem Körper auch als Sinnes- organ, mit der wichtigen Fähigkeit, durch die Gefühlsnerven ver- schiedenst« Empfindungen zu vermitteln. Wir unterscheiden Druck-, Kälte-, Wärme- und Schmerzpunkte an der Haut: ent- sprechende Reize der Außenwelt werden durch die in ihr endigenden Nerven aufgenommen und zur Zentrale, dem Gehirn, vermittels der Nervenbahnen weiiergeleitet. Ausfall der erwähnten Empfindungen lassen auf Erkrankungen der Nerven des Rückenmarks oder des Gehirns schließen. Aus der normalen Physiologie der Haut ergibt sich dos klare Bild einer zweckmäßigen Hautpflege. Schon ohne jedes äußere Mittel erneuert sich die Haut durch fortwährende Ab- schuppung ihrer obersten Zellschicht. Da ober der größte Teil des Körpers durch Kleidung bedeckt ist, sammeln sich die Hautschuppen unnötig an, ebenfalls wird eine genügend« Ausdünstung verhindert, Staub aus der Luft und Schweiß bleiben an der Hautoberfläche und verursachen lästigen Geruch und machen eine gesunde Haut- atmung unmöglich. Dagegen helfen nur möglichst ausgedehnte Ganzwaschungen, oder, wenn es möglich ist, tägliches Baden, kurz Wasser, und zwar warmes Wasser, damit sich die Fett- teilchen gut lösen, und eine gute Seife. Danach muß, unter Berücksichtigung der individuellen Be- schaffenheit der Haut, mit einem guten Fett eingerieben werden. Be- sonders Gesicht und jhänd«, die dem Wind und Wetter ausgesetzt sind, benötigen das zu ihrer Geschmeidighaltung. Es ist empfehlens- wert, das Gesicht nicht mit Wasser und Seife zu behandeln. denn das ist die Ursache der hier besonders empfindlichen auf- gesprungenen Haut, die rot und rissig wird, durch diese Der- letzungen dann aber Eingangspforte für allerlei Unreinlichkeiten, Pickelbildung usw. wird. Man wasche das Gesicht morgens mit lau- warmem(mehr warm als kalt) Wasser ab, kaltes Wasser verstopft (indem es das abgesonderte Fett talgig werden läßt) die Poren. Nach dieser ersten Reinigung kann dann nach Belieben kaltes Wasser verwendet werden. Tägliches Abreiben oder Bürsten des ganzen Körpers unter der Brause oder aus der Waschschüssel erhöht die Blutzirkulation. Zu dem jetzt so verbreiteten Maniküren und Pediküren ist zu sagen, daß, wer einmal damit angefangen hat, es auch dauernd fortführen muß. Die Derhornung der Haut an Stellen. wo starker Druck ausgeübt wird, ist ja eine Schutzmaßnahme für Lederhout und Bindegewebe. Dauerndes Abschneiden regt aber das Wachstum in starkem Maße an. wie man es besonders an der verstärkten Hornhaut unter den Fußsohlen bemerken kann. Daß man zu enge Schuhe heute nicht mehr für„elegant" hält, ist ein Fortschritt, der zur Verminderung der mit Recht so gefürchtetcn Hühneraugen geführt hat. Ich will noch erwähnen, daß der Unterschied zwischen Salben und Pasten bei einer richtigen Hautpflege beachtet werden muß. Salben lassen sich leicht und gut einreiben und be- wirken eine Fettdurchtränkung der oberen Haut, die auf entzündete Stellen entspannend wirkt. Sic oerhindern aber gleichzeitig auch die Verdunstung und wirken wie ein undurchlässiger Verband. Die Wirkung der Pasten ist eine wesentlich andere: ihre festeren Bestandteile saugen Flüssigkeiten auf und lassen eine Verdunstung an der Außenseite der Paste zu. Sie bewirken also keinen Lust- abschluß und oerhindern, daß zersetzte Absonderungen von der Haut aufgenommen werden können. Lästiger Geruch nach Körperousdünstungen(Kleider müssen regelmäßig gelüftet werden) läßt sich vermeiden, indem man den Körper morgens nach dem Waschen an den stärker absondern- den Stellen mit einem guten Hautpuder täglich pudert. Der saugt die Feuchtigkeit auf und verhindert eine Geruchsentwicklung. Wichtig ist es auch, waschbare Meidung zur Arbeit zu tragen I Außerdem gibt es jetzt Schweißcreme, der speziell für die Achselhöhle zu empfehlen ist. Er wird ohne weiteres eingerieben. hinterläßt auch keine Spuren an der Kleidung und ist billig. Zum Schluß möchte ich noch allen denen, die an„unreiner Haut" (wie man es zusammenfassend nennen kann) leiden, ausdrücklich sagen, daß rein äußerliche Mittel nicht immer zur Gesundung der Haut führen. Darum müssen sie mit innerer Behandlung kombiniert werden. Das„Wie" wird natürlich der Arzt zu entscheiden haben, ein« Regelung der Darmtätigkeit, Aenderungen der Ernährung oder ähnliches kommt in Frage. Es ist eben bei der Erkrankung der Haut wie bei jeder Er- krankung nötig, daß man nicht nur die kranke 5iaut. sondern den kranken Menschen behandelt. Nur dann kann man wirklich zu einem Erfolge kommen. Hautpflege ist kein Luxus! Es ist nötig, die große physiologische Bedeutung der gepflegten Haut auf den Organismus zu erkennen. Soslallsimis 3 in Heliweüeu Eine geschichtliche Erlnnerimg Blättert man in der Geschichte, so zeigt sich, daß durch die Ideen der französischen Revolution die Frage der Organisation der ärztlichen Versorgung ins Rollen kam, zu einer Zeit also, in der die Zergliede« rung des ärztlichen Standes in vollwertig akademisch Gebildet«, in Halb- und noch weniger Gebildete mit ihren Mängeln für buJUanlen einer sozial«, Kritik nicht standhalten konnten.' Den A r men waren im allgemenien nur jene wenig qualifizierten„W u n d ä r z t e II. K l a s s e" zugängig, denen der Staat an Ausbildungszeit schenkte, was er ihnen an Lebensunterhalt nicht gewähren wollte. Aehnliche Mängel bestanden durchweg in vorwiegend ländlichen Bezirken, wo die Gemeindekassen nicht erlaubten, einen beamteten Armenarzt an- zustellen. Als man mit Hilfe der Vereinheitlichungsbestrebungen des Aerztestandes den Zuständen zu Leibe gehen wollte, wurden diese Fragen mit der politischen Ideologie des auskommenden Liberalismus verknüpft, dessen Ideen zu allen Fragen des Erwerbslebens direkte Beziehung hatten, nur nicht zum Beruf des Arztes, es sei denn, man rückte auch hier die Crwerbsfrage in den Vordergrund. Die Verquickung mit der politischen Forderung nach individueller Freiheit kam dadurch zustande, daß die Aerzte sich diese in ihrem Kampf um Standesfragen und Unabhängigkeit vom Staate zunutze machten und zugleich in den vordersten Reihen des allgemeinen politischen Kampfes Vr. E. Femte: ¥ei*ei*l>t sich Alkoliolt�inus? Die öffentliche Meinung sagt den Gewohnheitstrinkern nach, daß sie durch ihren übermäßigen Alkoholgenuß nicht nur ihre eigene Gesundheit zerrütten, sondern auch ihrer Rachkommcnschost schwere Leiden oererben. Dieses Urteil der Oeffcntlichkeit scheint durch die Verhältnisse in der Wirklichkeit bestätigt zu werden. Man vergleicht die Kinder von Trinkern mit den Kindern von Nichttrinkern, üsid man steht, daß die Kinder der Nichttrinker im Leben besser vor- wärtskommen, daß ihre moralische und körperliche Widerstandskraft größer ist. Wissenschaftliche Untersuchungen, die in letzter Zeit vorgenqm- men worden sind, und über die Prof. K l a t te- Detmold berichtet, lehren ober, daß man mit solchen Feststellungen und Behauptungen nicht vorsichtig genug sein kann. Um zu wissen, ob der Al- kohol als solcher die Nachkommenschaft schädigt, muß man-nachweisen können, daß die Erbmasse der den Gewohnheitstrinkern folgenden Generationen in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Aber gerade diese Tatsache fand sich nicht bestätigt. Solche Versuche müssen davon ausgehen, nur die Nachkommen- schaff erbgesundcr Trinker zu untersuchen. Das eben war der Fehler, der den bisherigen Urteilen über den Einfluß des Alkohols auf die Vererbung unterlief, daß man wahllos die Kinder aller Trinker den Kindern der Nichttrinker gegenüberstellte. Man über- legte bei diesem Verfahren nicht, daß viele Trinker schwere geistige Schäden besitzen können, die mff dem Alkoholgcimß selbst nichts zu tun haben. Diese Krankheiten vererben sich natürlich, und man sagt dann ohne weiteres, das Trinken der Eltern fei daran schuld, was gar nicht zutrifft. Auch muß man bedenken, daß viele Gewohnheils- trinker durch eine krankhaft« seelisch« Veranlagung zum übermäßigen Alkoholgenuß getrieben werden. Vererben sie diese anormale Veranlagung, dann ist nichts wahrscheinlicher, als das auch ihre Nachkommen— eben auf Grund dieser seelischen Mißbildung Gewohnheitstrinker werden, ohne daß ober weder die.see- tische Entartung, noch das Trinken der Nachkam- men einer durch den elterlichen Alkoholgenuß he rvorzexnj sue n Belastung zugeschrieben werden könnte. Schließlich geraten Gewohnheitstrinker gewöhnlich in schwierige wirffchaflliche und soziale Verhältnisse, so daß ihre Kinder häufig genug schwerer Not ausgesetzt sind, die sich oft in Leiden mancherlei Art auswirkt. Diese Leiden sind selbstverständlich gar keiner Vererbung zuzuschreiben, weder einer durch den Alkohol be- dingten noch einer sonstigen: die verderblichen Umweltbe- dingungen sind daran schuld. Diese Fälle muß man also von vornherein ausschalten, wenn man erforschen will, welcher erblichen Schädigung die Nachkommenschast von Trinkern ausgesetzt ist. Tut man dos, so gelangt man zu ganz anderen Resultaten, als sie bisher in der öffentlichen Meinung als feststehend galten. P o h- lisch hat zum Beispiel 146 Kinder von erbgesunden Trinkern untersucht, die dem Delirium verfallen sind. Wenn man eine Schä- digung der Erbmasse durch den Alkoholgenuß annimmt, dann müßte diese Schädigung um so stärker sein, je näher der Zeitpunkt der Zeugung dem Eintritt des Deliriums liegt. Aber gerade das konnte er weder für die Säuglingssterblichkeit, noch für die an- geborenen Hirnschädigungen und Geisteskrankheiten feststellen. Boß untersuchte 1346 Kinder von 672 erbgesunden Trinkern, ohne«inen übernormal hohen Prozentsatz von körperlich und geistig Minder- wertigen finden zu können. P a n s e, der die Nachkommenschaft von 206 schweren Gcwohnheitstrinkq-n untersuchte, verglich die Kinder, die vor dem Eintritt des Gewohnheitstrinkens gezeugt waren, mit denen, die während der Periode des Gewohnheitstrinkens gezeugt waren, ohne daß sich aber ein Unterschied hätte feststellen lassen, der für die erbliche Belastung durch Alkoholgenuß entspricht. Alle diese Ergebnisse müssen dazu führen, in der Frage der Einwirkung des Alkokohlgenusses auf die Vererbung bedeutend vor- sichtiger zu verfahren. Sllier selbstverständlich darf man nun nicht schließen, daß übermäßiger Alkoholgenuß überhaupt unschädlich ist. Am Gewohnheitstrinker selbst treten schwer« Schädigungen auf, und für seine Nachkommen besteht zumindest große Gefahr, wenn schon nicht durch Vererbung so doch durch die zerrütteten wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse zu entarten. standen. Daneben fehlte es allerdings nicht an bedeutenden Männern, die in der Frage der Organisation des ärztlichen Dienstes den Man- chester-Standpunkt ablehnten. Sie forderten entweder Verbeamtung oder«ine vom Staat unabhängigere planwirtschaftliche Bindung. Zur Beurteilung dessen muß man sich qus der Geschichte erinnern, daß in deutschen Ländern seit dem �. Jahrhundert be- o m t e t e A e r z t e k e i n e S£l t e nh e i t waren(Amtsphysikus und Amtschirurg zur Behandlung Minderbemittelter). Ja, es gab in den Nachbarländern sogar Medizinalverfassungen, die ausschließlich auf einem beamteten Aerztestand aufgebaut waren. So in Rußland seff 1864 das Bezirksarztsystem im Selbstoerwallungskörper der Kreis« und Provinzen: seit 1854 in der Schweiz die Einrichtung der„ccmdotte medichc" im Kanton Tessin. Eine ähnliche Einrickitung wurde in den südlichen Provinzen Italiens getroffen und in vielen Landgemeinden Dalmatiens. Schließlich gehört hierher das Edikt über die Medizinalpflege im Herzogtum Nassau vom Jahre 1818, über dessen Auswir- kungen Dt. med. Kurt Finkenrath in seiner Arbeit„Soziälis- mus im Heilwesen. Eine geschichtliche Betradstung des Medizinalwesens im Herzogtum Nassau von 1866 bis 1866".(Beröffent- lichungen aus dem Gebiete der Mcdizinaloerwaliung, 33. Bd., 6. Heft, Verlag R. Schoetz) berichtet. Die ausschließliche Versorgung der Bevölkerung wurde vom Staate Nassau einem beamteten Aerzte st and übertragen. Kurpfuscherei war streng verboten. Das Land war den Amtsbezirken enffprechend in Medizinalbczirke eingeteilt, auf die min- bestens je ein Medizinalrat, ein oder mehrere Assistenten und schließlich noch„Akzenisten" kamen, das heißt junge Kandidaten, die zwecks weiterer Ausbildung eine Zeitlang Praxis«usübtcn, meist zur Aushilfe für den Medizinalrot. Außerdem kam auf jeden Bezirk ein Apotheker(die Abgabe der Arzneimittel war durck) eine Taxe geregelt), auf LR) Familien eine Hebamme und ferner besondere Brunnen- und Badqärzte. Je nach den örtlichen Verhältnissen wurde geeigneten Aerzten von der Regierung.das Redzt zu freier Praxis gewährt, wovon aber nur wenig Gebrauch gemacht wurde. Das Gehalt wurde nur zu zwei Dritteln ausgezahlt, ein Drittel sollten durch Gebühren aus freier Praxis eingebracht werden, wofür eine Taxordnung mit zwei Rubriken für bestimmte Steuerklassen festgesetzt war. Diese Taxen waren sehr niedrig gehalten. Die Armen wurden u m s o n st behandelt. In der Ausübung der Hellkunde waren die Beamten völlig frei, dem Medizinalrat als obersten Be- amten stand jedoch ein Kontrollrecht zu. Die Kranken hatten innerhalb des Bezirks freie Arztwahl, ja sogar über den Bezirk hinaus, wenn sie Wegegelder bezahlten. Der Medizinalrat war verpflichtet, halbjährlich Gesundheitsberichte über seinen Bezirk an die Landesregierung zu geben. Alle Aerzte waren verpflichtet, genau Bück) zu führen, außerdem das amtliche Verordnungs- und In- telligcnzblatt zu halten und dem Nachfolger gebunden zu über- geben. Dieses System bestand bis zum Jahre 1866. Durch die Schlacht bei Königgrätz wurde das Herzogtum Nassau eine preußische Provinz, und trotz zahlreicher Bittschriften und Versuche, es beim alten zu lassen, wurde die Medizinalverordnung van 1818 zwecks Angleichung an preußische Verhältnisse auf- gehoben. Bevölkerung und Aerzte waren im allgemeinen sehr zufrieden mit jener Ordnung gewesen. Ueber Nassaus Grenzen hinaus hielten die Zeitgenosseu mit Anerkennung nicht zurück. Die Verbeamtung des Heilwesens hotte auch keine erhebliche Mehrkosten verursacht. Den kritische« auf die Gegenwart bezogenen Ausführimgen, die Finkenrath an seine sorgfältige, aus eingehender Quellenforschung beruhende Studie knüpft, vermögen wir nicht immer zu folgen. Vor ollem scheint er uns die Unterschiede zwischen der damaligen und der jetzigen Situatioll zu überschätzen,. Heinz Adam. Wie Amateure nicht knipse� sollen Die PhotO'Lehrausstellunj* der Naturfreunde Die rührigen Photogruppen der Naturfreunde warten wieder mit einer Photoausstellung aus. die diesmal etwas besonderes zeigt: Leitmotiv der Schau ist der Fehler, das Falsche! Jeder, der photographiert, weiß wie schwer es ist, seine Irrtümer, seine Fehlschlüsse selbst zu erkennen: das Arbeiten und die Ausbildung in der Gemeinschaft läßt viele Fehler erkennen und vermeiden. Und was kann nicht alles beim Phyto- graphieren vorkommen! Von dem Augenblick, wo die lichtempfind- liche Platte aus der Packung genommen wird bis zu dem Aügen» blick, wo der Papierabzug trocken ist, warten überall Tücken des Objektes, die der ernsthaste Amateur kennen und vermeiden muß. Die hauptsächlichsten Fehlerquellen dargestellt zu haben, ist das verdienst dieser Ausstellung. Zumeist wird an Hand der gleichen Aufnahme, des gleichen Motivs die verschiedenen Möglichkeiten der Verarbeitung der Platte ge- kennzeichnet. Was Brennweite bedeutet, wird an drei Aufnahmen vom gleichen Standpunkt aus demonstriert, deutlich erkennt auch der angehende Amateur die optischen Fähigkeiten der Linse. „Aplanat" und„Anastigmat", zwei Worte, unter denen sich der Anfänger nicht viel vorstellen kann, werden durch Schauphotos erklärt, die Wirkungsweise dieser Objektive wird sofort klar. Bei der Belichtung muß der Apparat natürlich vollständig ruhig stehen, um Verwacklungen zu vermeiden Dann die Einstellung: Der Anfänger stellt oft auf den Hintergrund scharf ein. der unscharfe Vordergrund zerstört dann meist das Gesamtbild. Ein Schachbrett ist mehrmals photographiert, um die Wirkungsweise der Blende zu veranschaulichen: dann sind Abzüge fehlerhafter Platten und Filme gemacht worden, ein Zlovum dürfte ein Photo sein, auf dem am Himmel eine Mücke in Lebensgröße abgebildet ist. Sie hatte sich nämlich während der Exponierung auf der Brom- silberschicht der Platte niedergelassen, durch Retusche ist der Mücken- schatten zwar zu beseüigen: trotzdem zeigt dieses Beispiel zusammen mit anderen, wie sorgfältig Linse, Kamera und Plattenschicht vor allen Unsauberkeiten bewahrt werden müssen. Welch« neuen Fehler entstehen beim Entwickeln: Luftblasen, Fingerabdrücke, Spuren von Fixiernatron zu schwache oder zu starte Entwicklung, wiederum alles Dinge, die vermieden werden müssen.» Beim Herstellen des Abzugs kann das gleiche passieren, auch hier wird an Photos das Vermeidbare dargestellt. Eine andere Gruppe von Photos will die photographierte Gestaltung beeinflussen: durch Beispiele wird bewiesen, wie durch geringe Veränderungen ein Bild unendlich an Reiz gewinnen kann. Die Wirtungsweise des GelbfUters und des steil verlaufenden Filters wird am gleichen Motiv dargestellt. Auch das soziale Photo kommt zu seinem Reckst. vor allem wird der irrigen Meinung entgegengetreten, als ob soziale Photos Elendsbilder sein müssen-, es sind vielmehr Quer» schnitte unserer heutigen Gesellschaftsordnung. Jeder, der ernsthafter Amateur ist oder werden will, wird von dieser Ausstellung viel lernen können. Die Ausstellung die in der Geschäftsstelle der Naturfreunde, Johannisstraße 15(nahe Friedrich- straße, Oranienburger Tor) stattfindet, ist täglich von 10 bis 22 Uhr geöffnet, an Sonntagen von 10 bis 20 Uhr. Die Ausstellung bleibt bis zum 10. Mai bestehen. IL 000 neue Mitglieder im Arbeiler-Turn- und Sportbund Auf der Vorstandssitzung des Arbeiter. Turn- undSportbundes.die dieser Tage in Leipzig stattfand, wurde festgestellt, daß der Bund trotz der Wirtschaftskrise um 61 Vereine zugenommen hat. Auffällig dagegen ist der Rückgang der Jugend als Folge der Geburtenverminderung in den Kriegs- und Nachkriegsjahren. 10 000 Jugendliche sind weniger im Bunde am 1. Januar 1931 gegenüber dem 1. Januar 1930. Dadurch sank trotz der Dereinszunahme die Zahl der über 14 Jahre alten Bundes- Mitglieder von 553 329 auf 542 880. Dagegen stieg die Zahl der Kinder von 178 342 aus 203 766, so daß der B e st a n d des Bundes von insgesamt 731 671 auf 7466 46 ge- stiegen i st. Die zahlreichen Prozesse gegen die Räubereien der Kommunisten gehen fast alle zugunsten des Arbeiter-Turn- und Sportbundes aus. Von den Prozessen hat der Bund 31 gewonnen, einige schweben noch. In verschiedenen Fällen muhte trotz günstigem Ausgang der Bund zahlen, well die Gegner höhnische Offenbarungseids leisteten. Dem neu gegründeten republikanischen Sporwerband steht der Bund fern. Der Arbeiter-Turn- und Sportbund ist sozialistisch und damit republikanisch. Alle Vereine und Verbände für Leibesübungen, die sich ebenfalls zum Sozialismus bekennen, sind in den Verbänden der Zentrallommission für Arbellersport und Körperpflege stets herzlich willkommen. Die Meldungen zu den Kursen der Bundesschule sind überraschend hoch trotz der großen Arbeitslosigkeit. Der Geist in den Kursen ist vorbildlich. Die gewaltige Fülle der Eigenheime im Bund« macht es nötig, Verwalter und Beamte dafür in Kursen auszubilden. Dem geschästsführenden Ausschuß wurde die Er- mächtigung für solchen Kursus ertellt, wenn die nötigen Vor- bedingungen erfüllt sind. Als Vertreter des Bundes zum Reichsparteitag der Sozialdemokratischen Partei werden Gustav Jeuthe- Dessau und zwei besoldete Vorstandsmitglieder bestimmt, die der geschäftsführende Ausschuß wählt. Nor dring gewinnt überlegen Der Bezirk Nordring der FTGD. hatte sich die Spiel- Vereinigung„F r e i". S t e t t i n zum Spiel verpflichtet. Bei den Männern hatte Stettin Anwurf, den aber Nordrmg sofort ver- wertete. Stettin zeigte einen angriffsfreudigen Sturm, der es mit Wellschüssen versuchte, die aber nicht Erfolge brachten. Eine lseber- legenheit bestand bei keiner Mannschaft, jedoch gelang es Nordrings Halbrechten, in der 10. Minute den Torreigen zu eröffnen, wobei Verteidigung und Torwächter wenig Abwehrarbeit leisteten. Die Stelliner wurden dadurch etwas düpiert, so daß sie in ihren Leistungen nachließen. Leicht konnten sich die Nordring-Stürmer durcharbeiten und bis zur Pause noch fünf Toie buchen. Auch bei Beginn der zwellen Halbzell änderte sich Stettin nicht, so daß Nordring bald das neunte Tor schießen konnte. Langsam kam setzt Stellin auf, doch bald war es mit der Kraft vorbei und Nordring konnte leicht das Endresultat auf 13 Tore stellen. Erst kurz vor Schluß gelang es dem Stettiner Halbrechten, das Ehrentor zu schießen. Die Stelliner tonnten nur am Anfang gefallen, wo sie noch gute Leistungen zeigten. Der Sturm war wohl angriffsfreudig, litt aber unter dem ungenauen Zuspiel fast oller Spieler. Die Der- teidigung leistete wenig überlegte Deckungsarbeit:«ine Niete war der Torwächter, der glaubt«, die Bälle nur sangen zu brauchen. Nordrings Stürmerreih« hatte guten Aufbau und zeigte ein flüssiges und gut verteiltes, offenes Spiel. Sicher arbeitete die Verteidigung und der Torwächter, der bessere Leistungen zeigte als sein Gegen- über.— Bei den Frauen gewann Stettin mit 0:2(9:0), während bei den I u g e n d Mannschaften Nordring mit 3:2(1:1) Sieger blieb. Ldwerathletik Fürth— Frankreich im Boxen unentschieden Nach längeren Verhandlungen war es dem„Kraftsport- verein Fürth" gelungen, für einen internationalen Boxkampfabend«rstmalig eine französische Boxmann- schaft nach Fürth zu verpflichten. Der französische Arbeitersport- Verband entsandte in den Klassen vom Bantani- bis zum Halb- schwergewicht seine besten Könner; sämlliche an den Start gehende französische Boxer sind die diesjährigen Landesmeister, die bereits gegen kompsstärkste europäische Arbellerboxer im Ring standen. Die Fürther, die zweifellos über ein achtbares Können verfügen, konnten dieses Ländertreffeu mll 6:6 Punkten beenden. Den Gästen wurde ein überaus Herzlicher Empfang zuteil; vor sast 2000 Zuschauern stisg«n die Boxer in den Ring. ♦ L ichlenberg Friedrichsfelde in Schlesien. Eine Boxnrannfchaft der bundestreuen Sportlichen Vereinigung Lichten» berg-Friedrichsfslde wellte am Freitag in Grünberg und trug gegen den dortigen Verein"Siegfried" einen Mann- schaftskawpf aus. Die Berliner, die nicht in stärkster Aufstellung antreten konnten, verloren den Kampf knapp. Im Fliegengewicht siegte Reckner-Berlin über Fischer?Grünberg nach Punkten. Ban- tamgewicht: Hennebcrg-Berlin konnte Mohhoupt-Grünberg nach Punkten abfertigen. Federgewicht: Berndt-Berlin konnte zwei von den drei Runden für sich buchen, das Punktgericht entschied aber unentschieden, und so mußte er sich mit Straube-Grünberg die Punkte teilen. Leichtgewicht: Schröter-Berlin und Steuke- Grünberg kämpfen unentschieden. Zingetmann-Berlin muß an Hartwieg-Grünberg die Punkte abgeben. Weltergewicht: Lossak- Bettin gibt den aussichtslosen Kampf in der zwellen Runde auf: Sieger Martin-Grünberg. Mittelgewicht: Peter-Berlin zeigte dieses Mal nicht seinen Siegeswillen und wurde knapp nach Punk- ten von Rebiger-Grünberg geschlagen. Halbschwergewicht: Reimers- Berlin konnte sich mit der großen Reichweite von Gerke-Grünberg nicht abfinden und verlor nach Punkten. Werdeversnmmlunß bei»Solidarität" Die Abteilung Charlottenburg der Ortsgruppe Groß-Berlin des Arbeiter-Rad- und Kraftfahrer-Bundes„Solidarität" hält an- läßlich des Werbemanats Aprll am Mittwoch, 22. April, eine öffent- liche Werbeversammlung im Lokal von Reimer, Charlotten- bürg, Wilmersdorfer Straße 21. um 20 Uhr, ab. Freunde und In- teressenten des bundestreuen Radsports werden hierzu fteundlichst eingeladen 150 Kilometer Scgelsireckeoflng. Mit einer Heroorragenden Leistung wartete der junge Frankfurter Segelflieger Groenhosf auf, dem es gelang, die 150 Kilometer lange Strecke von Griesheim nach Bühl in Baden in motorlosem Fluge zurückzulegen Cr kommt damit dicht an die Bestleistung des Wieners Kronfeld heran, der am 22. Juli 1929 beim 19. Rhön-Segelflugwettbewerb einen Strecken- flug von 152 Kilometer ausführte. Am Start Die Arbeiier-LelcfatalhleieD führten ihren tradilionell gewordenen Fr&hjabrsstraHenlaui zum 11. Male durch. Auf umerm Bild starten die Sportler zur 1 Z-KDometer-Stafctte Arbeiiersportlerinncn 1 Die Berliner Arbeilersporllerinuen beteiligen sich auf der Znleraationalen Fraoenknndgebong am Donners- lag. 23. April. 19 Ahr. in der„Reuen welk", am Fahueneinmarsch: Spottkleidnng. Der Spielmannszng der Freien Spott- und Rlusikvereinigung lrilk pünktlich um 19 Uhr an. Kartell für Arbeitersport und Körperpflege. ZennU-Stiit Sraß-Berlio.-schalt. Trailring«b«anur Mittwoch. 22. April. 17 Uhr, PluH 1 uni» 2, Rudolk-Mossr�Str-che fSicbc Schönlxiiller Allee). Spieltaite Montag Platc 1, Mittwoch uni isreitaa Platz 1 mtb 3. S«ft Sportverei-iguna T«ci«l 189B. Sonnabeni, 25. April, Uhr. Per- emsoersammlunq bei Tornow, Tegel, Echlieperstr. kt. Freier«örperkulturlreio Rreujiberg. Mittwoch. 22. April, 20U Uhr. Nackt. Baien in der Biirwawstratze. Düste mit Oraanisationsausweio können mit- baden. Donnersta«. W, April, 20 Uhr, Vortrag in der Schul« Dieffeabachstr. 61. Düste 20 Pf. Sonnabend, 25. April, Besichiigunq des Botanischen Gartens, Treffpunkt 17 UI,r U-Bahnhof Dahlem-Dorf. Sonna», 26. April. Blilt-nfahrt nach Dapnih. Treffpunkt IVi Uhr Potsdamer Bahnhof, Rudcroerei- Collegia. Jeden Tag in Gatow für all« Mitglieder Arbeitsdienst. Tonntaa, 26. April, Anrudern. Um 17 Uhr Treffen bei Krause. Kahrtenansetzuna ,um Anrudern ssreita« bei Tbunak. Wielandstr. 1. RV.„Borwärts-". Donnersta». 23. April, 19 Uhr, außerordentliche Bor. flandsfitzuna. Touristen verec-»Die«at-rfreu-de», Zentrale Wien, Dienstag, 21. April, 29 Uhr. Abt. ssriedrichshain: frankfurter Alle« 307.— Abt. Friedenau: Offen. bacher Str. So. Brettipielabeud.— Abt. Lumboldthain: WMdenomftr. 5. chaiidns und Momarts Leben und Werke.— Abt. Norden: Sonnenburaer Str. 20. Bilder oon den Ofterfahrten.— Abt. Wedding: Willdenowstr. 5. Liederabend. — Mittwoch, 22. April, 20 Ilh«. Osten tZugendgruppe): grantfurler Allee 307.— Donnerstag. 23. April, 2« Uhr. Adt. Lichtenberg: Gunterstr. 44. isilmvortrag. — Abt. Neukölln: Bergstr. 29.„Die Kirche strebt nach Macht" fLichtbilder).— Adt. Prenzlauer Berg: Daiuiger Str. 62< Baracke II). Diskusstonsabend: »Sandel und Verkehr".— Streicharche ft-r: 19 bis 21 Uhr bei Weitzcnbcrger. ssrciligrathstr. 9, u. I.— Abt. Südwest: Borckstr. 11.„Gegenseitige Silfe in der Tierwelt."— Abt. Tiergarten: Lehrter Str. 16—19.— Abt. Spandau: Lindenufcr 1.— Abt. Weihense«: Pistoriusstr. A.— Naturkundliche Abteilung: IoHannisstr. 15s„sfrühlingsflora."— Besucht die Pho�oschau in der Johannis- stratze 15, täglich von 10 bis 22 Uhr, Sonntags von 10 bis 19 Uhr. Sportverein Moabit. Mittwoch, 22. April, 20 Uhr. Kleines Gesellschafts. Haus, Stromstr. 26, Bereinsversammluna. Donnerstag, 23. April, 20Zt Übe, ""-......-' ifni—~' bis Dienstag Turnhalle Luitzowstrahe und Freitag Turnhalle Waldenserstrahc. Turnabilch der ssrauen(über 25 Jahr«) nach wie vor Turnhall« Ouitzowsirahe, der Zungmüdchen ebendort aber ssreitag. 20 llhr. Partei- und Gewerkschafts. oenossen und»genosstnnen als Mitglieder und Gäste herzlich willkommen. Aus- kuwft bei Bruno Brost«, Berlin N. 67. Waldftr. 42. Freie Schwimmer Groh-Berlin.«rnppe Renköllnr Sruppeuversammlung Sonnabend. 25. April, 20lh llhr, Dambrinus,«aiser-ssriedrich-Strafte.— Gruppe Lichtenberg: Gruppe wversammlung Sonnabend, 25. April, 20 llhr, bei Bfo:h. ssranksurter Alle« Sck- Magdalenenstraßc.— Gruppe Mitte- sZunttionürver. sammlung Dienstag, 21. April, Geschäftsstelle. Elsässer Straho.— Gruppe Oberspre«: Grupvenversammlung Sonnabend, 28. April. 20 Uhr. bei Pomp, Schöneweide, Sosselwerder- Ecke ssennstraste. 5 rci« Wasserfahrer.Auswärt«". Dienstag. 21. April. 19 Uhr, Borstairds- und Aufsicht siatsntzung bei Reuhner, See- Gcke Malplagne! straße. Tennis-Rot. Mttwoch, 22. April, 20 llhr, grauen Versammlung in der Kreizgeschäftsstellc, Elsässer Str. 86—66. Mitwirkend« bei« Arbeiter-Sä-gerfefi. Bei schlechtem Wetter üben alle Mittwoch, 22. April, Turnhalle Prinienstraß«. Männer 19 Vi Uhr, Trauen 20Vb Uhr. Bei guten Wetter im Neuköllner Stab Ion um 16 llhr. Der Zi-Zitsu-Kursns beim Sportklub Einigkeit 26 beginnt Dienstag, 21. April, b4w. Freitag. 24. April, Am Dienstag müssen alle Teilnehmer in der Turnhalle Markussir. 49 um 19)4 Uhr erscheinen. Kartell sät Arbeitersport und Körperpflege, Bezirk Ritt«. Sitzung MUi, woch, 22. April, 20 Uhr, bei Prasser. Michaelkirchstr. 29». Rückschau. In der halben Stunde„Wovon man spricht" diskutierten Ministerialdirektor Adolf Behne, Zllfred Döblin und Max Os- dorn über die gegenwättige Kttse in der Malerei. Döblin sucht sie in der Kunst selber, die heute noch so produziert wie in jenen Zellen, als sie Schmuckmittel lieferte für eine einzelne Schicht der Bevölkerung. Wir brauchen heute nicht mehr Malerei als Schmuck: die wirtschaftliche Basis zur Pflege solcher Kunst ist ver- schwunden. Archllektur ist für unsere Zeit viel wichtiger. Die großen harmonischen Flächen, die sie schafft, werden durch dekorative Wand- bilder nur verunziert. Die Malerei hat aber noch nicht den Weg zur Masse gefunden: sie ist in ihrer Gesamthell noch kein Aus- drucksinittcl geworden, das sich mit der Gegenwart auseinandersetzt und einen neuen, bereichernden Einblick in sie durch die Perspektive ihrer Kunst gewährt. Der Kunstkritiker Max O s b o r n verteidigte die Malerei. Ihre Zeitverbundenheit ist nicht immer gleich deullich erkennbar; sie wird oft oerkaimt und abgelehnt. Diese aus der Zell herausgewachsene Malerei wird viel weniger in den großen Ausstellungen sichtbar als in den Ateliers der jungen Künstler. Der Einfluß der Malerei reicht weit über die Grenze ihrer Kunst hinaus. Picassos Kubis- mus gewann entscheidende Bedeutung für die Archllektur. Formen und Farben der Gebrauchsgegenstände vervollkommnen sich durch die Anregungen, die von der Malkunst gegeben werden. Ministerialrat Behne wies auf Van Gogh hin: er wollte. für den einfachen Mann malen; er wollte mll seiner Kunst der Masse gehören. Aber er wurde von seiner Zeit nicht verstanden. Trotz der vielen gegensätzlichen Auffassungen brachte das eifrige, sehr unmittelbar wirkende Wortgefecht Klärung über manches zeit- gemäße Kunstproblem: denn alle drei Redner bejahten die Kunst als Lebensnotwendigkeit und jeder versuchte nur oon seinem Stand- punkt aus, diese Aufgaben für die Malerei kritisch zu beleuchten. „Dramaturgie des Provinztheaters" behandelle eine Unter- hallung zwischen Erik Dreger und Hannes Küpper-Essen. Das Zwiegespräch bemühte sich, der Frage des Zellstückes prakttsch ! näher zu kommen. Hannes Küpper, Dramaturg der Essener Stadt- , bühno, verlangte, daß bei der Inszenierung der Grundgedanke des !«tückes nicht von der Einkleidung, mit der er dem Publikum vom I Autor schmackhaft gemacht wird, völlig überdeckt wird. Auf das wesentliche muß die Inszenierung auch stets den Akzent legen, aller- dings für jedes Volksgebiet, für jede Landschaft in der ihr gemäßen und verständlichen Nuance. Auch die Klassiker sind und bleiben in vielen ihrer Werke zeitgemäß: ob das Publikum sie so empfindet. hängt allerdings davon ab, wie sie ihm gezeigt werden."rex. Dienstag, 21. April. Berlin. 16.05 Cugea Präger; Vorn Arbeiter rum Journellsten. 16.30 Lelprig; Konzert. 17.30 Dr. Ueberau erziblt 17.50 BUcberstunde.„Zur Oeisteigejchichte der Vorzeit,"(Arn Mikropaon. Dr. Max Wiese.) 18.20 Cellovorträge. 1. Frescobaldl: Toccata. 2. Dittersdorf; Andante cantabile, 3. Boccherini: Rondo. 4. Moszkowski; Gitarre.(Eugenie Pretnyslav. Am Flügel: Julius Bärger.) 16.45 Ein Mensch mit Schallplatten und Büchern.(Hermann Kasack) 19.45 Dr. Jose! Riuscher; Politische Zeiiungsschau. 20.00 Tanzabend. 22.00 Wetter-. Tages- und Sportnachrichten. Künlgs-wusterhausen. 16.00 Künstlerische Handarheljen. 17.30 Dr. Fritz 05«e Finanzamt und Publikum. 16.00 Hngo Meyerheim; Neuzeitliche Buchführung. 1SJ0 Prof. Dr. Defant' Die Bedeutung der Meeres/orscbung 19.00 Französisch für Anlänger., 19.30 Dr. Ertel; Revisionen nnd Kontrollen für die Kanfmaanschalt. Anschlir.h'nd bis 24X10: Hamburg: Unterhaltungskonzert.