BERLIN Mittwoch 22. April 1931 10 Pf. Kf.ISI B 94 43. Jahrgang Lrschel»t«S glich avßerSosstog«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bezuzsprei« beide Ausgaben 8S Pf. pro Woche. 3,603s. pro Monat. Redaktion und Expedition: BcrlinSW6S,Lmdenßr.S Fernsprecher: Dönhoff 292—297 y)JofU>W� Antetgauprets: Die einspaltigeNonpareillezeile «0 Pf., Reklamqeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto- Vorwärts-Verlag G. m. b.H.. Berlin Nr. S? S3S.- Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Skandal um Arbeiterrenten Berussgenossenschafi benachteiligt Llnfallverlchte Der Novemberaufruf Weimar, 22. April.(Eigenbericht.) Skandalöse Verhältnisse in der Ostthüringischen Land» und forstwirtschaftlichen Beruseigenassenschaft enthüllte eine Verhandlung, die am 21. April vor dem Amtsgericht Weimar stattfand. Angeklagt waren zwei frühere Ange- stellte dieser Genossenschaft, der 24jährige Walter Schröter und der 2Sjährige Johann Halder. Beide hatten Angehörige der Berufs» genossenschaft über ihre Rechte und Ansprüche belchrt, nachdem sie aus ihrer Tätigtest bei der Genossenschaft die Ueberzeugung ge- wonnen hatten, daß diese den Versicherten absichtlich und zu Unrecht gesetzliche Ansprüche vorenthielt. Sie begründeten ihre Mahnohmen mit der Vorschrift des§ 13g der Reichsversicherungsordnung, wo- nach Arbestgebern und Angestellten bei Strafandrohung unter» s a g t ist, durch Uebereinkunst oder Arbeitsordnung zum Nach» teil der Versicherten die Anwendung der Vorschriften dieses Gesetzes ganz oder teilweise auszuschließen. Das zur Entscheidung angerufene Reichsversicherungsamt gab in sämtlichen Fällen den Forderungen der Antragsteller statt. Den Angeklagten wird, vorgeworfen, daß- sie durch die Rat- schiläge, die sie den geschädigten Versicherten gaben, Ge» schäfts- und Betriebsgeheimnisse, die ihnen in amtlicher Eigenschaft anvertraut worden waren, offenbart hätten, um sich oder anderen einen Bermö g en soo rt eil zu verschaffen. Der Ver- mö gensvorteil für andere wird darin erblickt, daß die.B«r» sicherten ihre gesetzlichen Ansprüche erhielten, ferner für sich, daß der Angeklagte Schröter von einem Versicherten nach der Anerkennung seiner Ansprüche in Höhe von 1700 M. 50 W. aus Dankbarkeit erhielt. Ein schon früher in dieser Angelegenheit an» gestrengtes Verfahren war von der Weimarer Staatsanwaltschaft eingestellt worden und wurde jetzt aus Veranlassung des Oberstaats» anwaltes wieder ausgenommen. In dieser Verhandlung kamen besonders vier markant« Fälle zur Sprache, die die Praxis der Berufsgenossenschaft in einem merkwürdigen Lichte erscheinen ließen. Ein in ärmlichen Verhältnissen in Ranis in Thüringen lebender Versicherter erlitt einen schweren Unfall, der«ine lang« Behandlung in der Jenaer Klinik erfordert«. Trotzdem er vom ersten Tage an Anspruch auf die gesttzliche Unterstützung halte, wurde ihm diese zwei Zahre lang vorent. holten, bis er auf eine Weisung des Angeklagten Schröter hin Beschwerde beim Reichsversicheruugsamt erhob. Der Beschwerde wurde stattgegeben, und die Genossenschaft ge- zwungen. Rente und Heilkosten im Betrage von 1700 M. nachzuzahlen. Bei diesem Falle haste der bei der Gcnossenschast angestellte Bürovorsteher Schars, als er auf die ungesetzmäßige Erledigung des Rentenanspruches aufmerksam gemacht wurde, geäußert:„Was wir vornehmen, ist zwar nicht immer gesetzlich, aber wir versuchen, so durchzukommen.' Nach dem Gesetz vom 15. Juli 1926 waren sämtliche früheren Rentenansprüche umzurech- nen. Dem Reichssversicherungsamt wurde auf«ine Anfrage, ob diese Umrechnung erfolge, von der Ostthüringischen land- und sorst- wirtschafllichen Berussgenossenschaft mitgetellt, daß die Um rech» nu ng vollzogen sei! In Wirklichkeit lag aber ein ganzer Aktenstoß noch nicht umgerechneter Rentenansprüche vor, die nicht erledigt wurden, da. wie der Geschäftsführer der Genossenschaft in der heutigen Verhandlung dazu bemerkte,„der Genossenschaft eine Ausgabe von 36 000 M.«ntstanven wäre'. Di« Angeklagten machten hier in zwei Fällen Rentenempfänger auf die Rechtmäßigkeit ihrer Forderungen aufmerksam, die nach Beschwerden beim Reichsversichcrungsamt auch zu ihrem Gelds kamen. In einem weiteren Fall« wurden die Akten einer U n- fallsache vom Reichsversicherungsamt verlangt. Das für den Antragsteller wichtige Schriftstück, das(Sulachken eines Aussichtsbeomten. wurde dabei auf Veranlassung des Genossenschaftsdirektors Sieler aus den Akten entfernt, bevor � sie eingesandt wurden. In einem Falle haste der Direktor eine Renteimmrechnung abgelehnt mit dem Bemerken:„Rente ist nicht umzurechnen, da Bezieher bereits 80 Jahre alt.' Festgestellt wurde, daß der Büro- Vorsteher wiederholt von Angestellten auf den Widerspruch zwischen de« gesetzlichen Bestimmungen und seinen Anordnungen aufmerksam gemacht wurde, was er mit den Worten erledigte:„Man muß nicht immer mit den Gesetzen gehen, vor ollem kommen die Interessen der Berufsgenossenschaft!' Von dem Gericht darauf aufmerksam gemacht, daß er sein Zeugnis nicht abzulegen brauche, wenn er sich selber dabei belaste, verhielt sich der Bürovorsteher bei den gegen ihn erhobenen An- würfen äußerst schweigsam. Trotz da, Ergebnisse der Beweisaufnahme blieb der Amtsanwalt l So sah er wirtlich aus — 180»- Reichs-Gesetzblatt A Jahrgang 1918 —- ISO«- Nr. 153 MmOI** ÄflUs.tSpr ff* M« 9*»!<5 u©»— bte& '•«fr-«4©Ts für die mrückmUut* L«modtlr»�w»g S. ,»«. C!srw«»»l«|eijarfetiU% i»m— B»f«rbM©§ ton gMiarfe*«»« a* ve.stchwnäg«. fci*•©*©•» CnßAcnnflMUft«* p»****»$*• bn StoMTßdNrsiqUwia»* ••i*-«« e»»- V»»Op»»»«a toe?«rMtrtfdta-'»»»— 1)««*rd*0»4 Mm« «m CWtin«"»•»«- SuUgrn«a diuMängT«uuf"jaoohbtn-.* �nwlid». � lai© *r ÖS7JM 3?«fr« btr D»Ddea»Nragve»«■ fWt •�hrr 19t« ftra XZ M* Au das deutsche Volk! Die«uS fco: Sreclufttra bcrvorgoiimgene ülcglcnraj, derc» volilifche Cd rang ttt* soMiltisch ist,. setzt stch die Aufgabe, das sozialistische Prvgraw« jn rerwirrlichc». feie Dfrtiirifrt schon jetzt nut Gesetzes stoft folgeubeS 1 Der velagerimgSzostaud wird anfgebobeo. ? Da« LerrwS. u»d ZZersamniluugSrecht iwterlleg» Crisrr Defchräokuag, auch nicht für SZeanile irnb fetaatSarbeiter J Cure Zensur find« nicht statt Die Theaterzente mrrt> anfgefcoben 4 Ncinungsanhermig in SEort und fechrist ist frei S Die Fraheit der ZieligiouSanSiibwig wird zcwährl eistet tSwimnlb darf zu ruier religiösen Handlung gezwungen werden C stur alle poliufchro fetraftateu wird Aninestie gewährt Die wegen lolcher Straftaten anhängigoe Verfahren werden niedergeschlagen 7 r>az Gesetz über den vaterländische» Hilfsdienst wird aufgehoben, imt AnSnahwe der fich auf die fechlichtnng von fetreltigkeiteu beziehenden Bestimmungen S Die Gefindeordnongen weiden außer Srafi gesetzt, edenlo du An». aahmegesetze gegen die Landarbeiter. 9 Die bei Beginn des Krieges aufgehobenen dlrOriicrfchupbeftintnmngen werden hicomt wieder in Statt gesetzt INI« 143 »oSgrgfbfli r»©rrO» bn!4 Äowiitwr 1918 Baten sozialpolitische Vervrbmmgen werben bvlne» kurzem«eröffrnrts.'». werden. Spätestens am>. Januar Illib wird der achtstündige Moximalard-t. lag w Kraft treten. Die Regierung wird alles tun, um für and reichen i,' ArbeitSgeiegenheit zu sorgen. Euw Verordnung über die Unterstützung oou Er- wcrbsloscu ist fertiggesteist fei« vcrteist.die Castro auf Reich,<*">*1 nk Gemeui de stuf den, Gebiete der Krantrlwerstchevmg wird die DerfichernngSpslicht über die bisherige Grenze von ZdOO Mark ausgedehnt werden. Die BotznungSuot wird durch Lereitileilung von Bohonugeo trSawfl «eedeu'« stuf dir Sicherung einer geregelten PolSernährnng wird hingeurdea wache». Die Regierung wirb die geordurte Prvdukliou«nfrcllsterhalieu, dos fege,. nn, gege» Eingrisse De warer sowie, die Firihat uich Sicherheit der Persim schütze» Alle Bahlen z»»sfentilchen Körperschaften sind form» nach dem giltche», zedeimcu, direkten, allgeuieineu Wahlrecht auf Grund drS pvrpoetronalen Wahl- fysteui« für alle mindestens 20 Jahre alte» minniichcu und weiblichen Vajc«, in»ollziehen stnch für die Sonstl tu nrende Derkamminitg, über dir»Wrrr Sesimmmei »och erfolgen nnrd, gist diese» Wahlrecht Geriw, den tZ. Rovcmber>01» . Eberl Haast fecheibemon» LanbSderg Dittmana Barlh Zahlreichen Wünschen aus Genosseukretsen entsprechend drucken nur vorstehend in photographischer Wiedergabe au» dem Reichsgesetzblatt 153 vom November ISIS den wirklichen Aufruf der Volksbeanftragtcn ab. Alan vergleiche ihn mit dem gefälschten Aufruf, der in unserer Sonnlagsnummer abgedruckt war» und man wird feststellen müssen, daß sich beide wie Feuer und Wasser unterscheiden. Dort nichts als Schlagwort« und Phrasen, hier einsache, klare, nüchterne Sähe schwerwiegen- den Inhalts, die Fesseln beseitigen und volksrechte verkünden. Dieser wirkliche Ausruf der Volksbeauftragleu ist die „�luxnZ. Charta" der deutschen Revolution, der große Freiheilsbrief des deutschen Proletariats. In ihm wurzeln Achlstundeolag, Ar. beilslosenunterstühung und Wahlrecht für alle! hier ist die Quelle der demokratischen und sozialen Fortschritte, die uns die Republik gebracht hat! Spionage im Elsaß. Vier Verhastete— weitere folgen. Paris, 22. April. tEigcnbericht.j Jn Ztrasibnrg und Umgebung sind vis jetzt vier Elsässer»nter der Beschuldigung verhaftet, für Deutsch- tand spioniert zu haben. Der Hauptspion soll Paul Ulrich heißen und früher Holz- Händler in Sufflenheim gewesen sein. Die Aufmerksamkeit der Polizei soll er durch seine großen Ausgaben in Sstaßburger Vergnügungslokalen erweckt haben. Als Hauptkomplice wird der gleichfalls verhastete Architekt U n f r i e d angesehen, der einst bei der deutschen Pionierinspettion in Straßburg beschäftigt war. Beide sollen sich oft im Auto nach Stuttgart begeben und erst kürzlich für ihre Informationen je 30 000 Franken vom deutschen Spionagedienst erhallen haben. Der gleichfalls verhaftete Schalk ist Zeichner bei auf seinem Antrag bestehen, daß die beiden Angeschuldigten dadurch, daß sie einer Anzahl Rentenempfänger die chnen gesetzlich zustehenden Ansprüche durchzusetzen ermöglichten, sich einen Vermögensvorteil oerschafft hatten! Er beantragte gegen jeden der Slngeklogten 1 Monat Gefängnis. Der Verteidiger bemerkte hierzu, daß, wenn den Angeklagten wirklich Rechtswidrigkellen zur Last gelegt werden könnten, daran nur die Umgebung schuld sei, diese Atmosphäre von Gesetzesverletzungen, die bei der Genossenschaft geherrscht habe. Du Urteilsverkündung soll erst in acht Tagen erfolgen. der Pionierinspektion gewesen und soll ebenfalls ein« Rolle gespielt haben, während der frühere Koch Wendling nur unbedeutende Helfersdienfte geleistet haben soll. Nach dem„Petit Parisien' sollen fünf bis sechs weiters Verhaftungen, darunter die von zwei Reichsdeutschen, bevorstehen. Matthias Elderfch. Trauergäste aus Berlin. Zur Leichenfeier für den verstorbenen Genossen Matthias Elderfch entsendet der Parteivorstand den Genossen Bartels, Präsident des Preußischen Landtages, nach Wien: der Deutsche Reichstag wird bei der Trauerfeier für den verstorbenen Präfi- denten des Nationalrats durch den Reichstagspräsidenten L ö b e vertreten sein. Der Tote ist im Arbeiter-Bitdungsheim feines Wiener Wahl- bezirks, der Leopoldstadt, aufgebahrt. Ununterbrochen ziehen die Menschen vorbei, um noch einmal das vertraute Antlitz des Führers und Freundes zu schauen. -!- Elderfch leitete in den ersten zwei Jahren der Republik die innere Verwaltung. Damals war ihm der inzwischen verstorbene Sektionschef Davy unterstellt. Davy war früher Bezirkshaupt- mann in Mähren. Er äußerte sich einmal zu einem Bekannten: „Früher habe ich dem Elderfch alle Versammlungen auf- g e l ö st und heute ist er mein Vorgesetzter. Aber wir kommen heut« glänzend mlleinander aus!'— Elderfch war es aber nicht, d«r sich geändert Hotz Oefraudantvon ISO 000 Mark t�dA-Gewerkichastsdirelior Or Mathiesien vor Ger.cht Vor dem Schöffengericht Bettio-Btitfe begann er Pcozesz gegen den früheren Gewertschastsdirettor des jlrsch-Dunckerschen Gewerkschaflsboudes der Angestellten „dA.f und veranswortlichen Leiter de» Sieben- Stäbe-Verlags wissen Skrupellosigkeit im geschäftlichen Gebaren scheinen ihm zum Verhängnis geworden zu fein. Sohn eines Arbeiters, besuchte er die Oberrealschule, studierte, war von 1916 bis 1929 wissenschaftlicher Mitarbeiter und Prokurist der Firma Teubner in Leipzig, und gründete am 26. Januar 1926 nur mit einem Kapital von 29 999 Mark den Sieben-Stäbe-Verlag G. m. b. h. und den GdA.-Buchvertrieb. Drei Jahre später beschäftigten die Verlage bereits 399 Arbeiter und 89 Angestellte. Neben einigen kleineren Druckereien war auch in dem Besitz des GdA. die große Buchdruckfirma Boll übergegangen. Dr. Mathiessens Verfehlungen nahmen ihren Anfang im Jahre 1927. Er erhob eine Reihe Summen gegen gefälschte ho» norarquittungen, die auf den Namen verschiedener Autoren, darunter auch auf den Namen von Hans Heinz Ewers, ausgestellt waren. Die Gesamthöhe der auf diese Weise erhobenen Summen machte 13 999 Mark aus Auf die gleiche Weise erhob er später zwei weitere Beträge in höhe von 49- bis 59 999 Mark. Dr. Mathiessen erklärte, daß er die Gelder als Schmiergelder für Vermittler benutzt habe, um Autoren von kleineren Druckereien, deren sie sich bis dahin bedient hatten, loszulösen und die Druckausträge für die Druckereien des GdA. zu erhalten. Cr Habs diese Summen nicht durch die Bücher führen können, da das Auszahlen von Schmiergeldern in Gewerkschafts- organisationen verboten sei. Es sei ihm aber nicht anders möglich gewesen, die Druckaufträge zu erhalten. Durch die Kon- Zentrierung sämtlicher Drucksachen des GdA., der bis dahin seine Aufträge unter acht verschiedenen Druckereien verteilte, habe er für die Gewerkschaften große Ersparnisse erzielt. Sein Ehrgeiz sei dahin gegangen, auch die Drucksachen des Sieben-Stäbe-Verlags in einer eigenen Druckerei herstellen zu lassen und diese Druckerei durch Auf- träge von außen immer mehr zu erweitern. Aus diesem Grunde habe er in den Jahren 1927/29 der Druckerei Boll Vor» schösse inhöhevon699999Mark gewährt. Er habe nicht gewußt, daß sie sich in finanziellen Schwierigkeiten befind«. Eines Tages erklärten jedoch die Direktoren der Firma, sie seien ge- zwangen, die Druckerei für 2 699 999 Mark zu verkaufen, da das Unternehmen sonst in Konkurs gehen würde. Der GdA. kaufte daraufdie Druckerei Boll für2 199 999 Mark. Laut eines Sondervertrages, der dem Aufsichtsrat nicht vorgelegen habe. hatte die Firma Boll außerdem noch 599 999 Mark zu erhalten. Auf diese Weise sollten die Vorschußzahlungen, die früher gewährt war- den waren, getilgt werden. Berliner Giahlhelmfreunde. Nor 438 000! Der Schlußtag der Einzeichnungssrist für da» Stahlhelm- begehren zugunsten der preußischen Adelsschicht hat in Berlin noch 65 473 gebracht, so daß in Berlin 438 745 von insgesamt 39494 334 Stimmberechtigten sich für das Begehren aussprachen. Die Eintragungen beim Volksbegehren gegen den N o u n g- Plan bom 16. bis zum 29. Oktober 1929 betrugen in Berlin insgesamt 242 713, die Eintragungen beim Volksbegehren gegen den Panzerkreuzerbau vom 3. bis 16. Oktober 1928 stellten sich auf zusammen 413 949. Die Eintragungen beim Volksbegehren gegen die Fürstenabfindung vom 4. bis zum 17. März 1926 dagegen ergaben in Berlin insgesamt 1 SS4 082 Stimmen. Selbstmord des Oberleuinants Boldi. Im fernen Kolumbien. New Nork. 22. April.(Eigenbericht.) Aus Rio de Janeiro wird gemeldet, daß der frühere deutsche v-Doot-Kommandant Oberleutnant B o l d t in Cali(Kolumbien) Selbstmord verübt hat. Boldt, der seit 1928 in Kolumbien Direktor einer deutsch-kolumbianischen Gesellschaft war, hat während des Kriegs 68 Schiffe oersenkt. Nach dem Kriege wurden er und sein Kamerad Dittmer vom Reichsgericht wegen der Versenkung des britischen Sanitätsschiffs„Llandooery Castle"' zu 4 Jahren Gefängnis verurtellt. Am 17. November 1921 wurden beide durch die Ehrhardt-Organisation„Consul" aus dem Hamburger Gefängnis befreit und entkamen ins Ausland. Riefendorfbrand in Rumänien. 104 Bauernhöfe vernichtet. Bukarest. 22. April. 3n der Gemeinde 0 C n a(Walachei) brach durch lluvorsichligkeit einer Bäuerin iu einem Gehöft ein Jeuer au». Ein heftiger wind trug den Brand über den ganzen Ort. so daß 104 Bauernhöfe vernichtet wurden. Soweit bisher feststeht, kam eine Person in den Jlammen um. Außerdem verbrannte viel Vieh. Der Schaden ist zur Zeil gar nicht zu übersehen. Kriegsschulden und Wellkrise. Kundgebung Oer USA-Gewerlschafien. New Vork. 22. April. William Green, der Präsident de» Gewertschaftsbundes. bezeichnete in einem Vortrag im Studenten-Klub der Harvard- Unwersität die Streichung, mindestens aber eine starke Herab- setzung der Kriegsschulden als eine unerläßlich« Vor- b e d i n g u n g für die Wiederkehr gesunder Verhältnisse in der Weltwirtschaft Um die Arbeitslosigkeit in Amerika wirksam zu b«> kämpfen, empfahl Green die Einberufung einer Wirtschastskonserenz durch Präsiden! Hoooer und forderte Einsetzung eines ständigen Wirtschastsrates, sofortig« Einführung des Fünf stunden- Arbeltstages bei Lohnausgleich sowie Reform des Antitrustgesetzes. Staatsanwalt for Er beantragt Todesstrafe Düsseldorf, 22. April. •ii*. i:;; idwozeß negen Kürten beantragte der Ober- aatoa.iwalt gegen den Angeklagten in neun Fällen des Mordes die Todesstrafe, ferner wegen der übrigen W!ordbersuc!)e, Notzuchtverbrcchen und unzüchtigen Handlungen insgesamt 60 Jahre Zuchthaus, die nach dem Geset; auf eine Gesamtstrafe Uon 15 Jahren Zuchthaus zurückzuführen find. Außerdem beantragte er Zlberkennung der bürgerlichen Elzrenrechte auf Lebensdauer, Stellung unter Polizei- aufsicht und Einziehung der zur Tat benutzten Mord- Werkzeuge. Nach Eröffnung der heutigen Verhandlung nahm Staatsanwalt- schaftsrat Jansen das Wort: Wir stehen am Ende eines Prozesses von einem Ausmaß, wie wir ihn gegen eine einzelne Person wegen so scheußlicher Verbrechen kaum jemals geführt haben. Das Aufsehen, das dieser Prozeß erregt hat, rechtfertigt, daß man eingangs über die Prozeßgeschichte etwas sagt. Es war der Jall Albermann, der gleichzeitig zur Entdeckung des Jalles Hahn führte. Eine ungeheure Erregung hatte sich der Bevölkerung bemächtigt. Von der Polizei wurden nicht weniger als 12999 Spuren verfolgt. 299 Selbstbezichtigungen waren aufzuweisen und 259 bis 359 Hinweise erfolgten pro Tag von Personen, die die Kriminalpolizei aus diese oder jene Leute aufmerksam machen wollten. Drei Hinweise aus Kürten befanden sich darunter und zwar zunächst von einer Frau Hoffmann, die sich eines Lorsalles aus dem Jahre 1913 erinnerte. Dann machte ein ehemaliger Mit- gesangeuer Kürtens darauf aufmerksam, daß der Angeklagte viel mit Hausangestellten verkehrte. Da Kürten aber 45 Jahre alt war, während er damals ein Alter von 25 bis 35 Jahren für den Täter als in Betracht kommend hielt, wurde Kürten nicht verfolgt. Staatsanwaltschaftsrat Jansen hat selbst einen Be- amten ausgcsandt, der Kürten kannte, aber auf der Arbeitsstelle, die in der Nachbarschaft der Wohnung des Kürten lag, so gute Auskünfte erhielt, daß ein Zugreifen ungerechtfertigt gewesen wäre. Die von Kürten Überfallene Schulte kannte die vorgelegten Photos von Kürten nicht. Die Butlies konnte anfänglich die Wohnung nicht wiederfinden; sie erkannte Kürten auch nicht wieder. Als ein anderes Mädchen im gleichen Hause nach einem Heiratsschwindler suchte, war die Spur Kürtens entdeckt. Als Kürten die Butlies an seinem Hause gesehen hatte, wechselte er die Wohnung und holte auch die Unter- stützung auf dem Arbeitsamt nicht mehr ab. Als daraufhin der Schulte nochmals die Photographien vorgelegt wurden, erkannte sie den Kürten wieder. Dann hatte die Ehefrau Kürtens das Ge- ständnis ihres Mannes der Polizei mitgeteilt. Jür den Prozeh ist als Grundlage zu nehmen: was ist mik dem Menschen kürten gewesen? Der Siaatsanwaltschaftsrat gibt in kurzer Form einen Ueberblick über den Lebensgang des Angeklagten und betont dabei besonders die Jugend, die Kürten verlebt hat. wo sich schon seine sadistische Neigung feststellen-ließ. Hier liegt der Ursprung ieiner Verbrecher- lausbahn. Der Angeklagte ist inzwischen sechzehnmal vor- Spanisches ans der Mlhelmstraße „Die.Spanische Republik" wartet, Herr Legationsrat." „Sine— Republik?— Hm, vie kann warten." Im Reiche der Nazipolizei. Franzens Garde arbeitet. Braunschweig, 22. April.(Eigenbericht.) Nach seinem Wiedererscheinen berichtet der sozialdemokratische „Volksfreund" über ungeheuerliche Ausschreitungen von Haken- kreuzlern anläßlich eines„braunen Tages" in Helmstedt am letzten Sonntag. Mißhandlungen und Gewalttätigkeiten selbst gegen Frauen und Kinder waren an der Tages- ordnung. Einem Zuschauer wurde nicht nur ein Messerstich ins Handgelenk versetzt, sondern er wurde obendrein der Armbanduhr beraubt. Am schlimmsten erging es einem Reichs- bannermann, der ohne Anlaß niedergeschlagen und dann, am Boden liegend, mit Stiefelabsätzen, Schlagringen und Schulterriemen un- menschlich zugerichtet wurde. Protestierende Zuschauer wurden ebenfalls verprügelt. Der mißhandelte Neichsbannermann wurde dann gefesselt im Zuge mitgeschleist und be- wußllos in ein Auto geworfen, das ihn unter Zwang zur Polizei- wache bringen mußte. Die Polizei ließ sich nirgends sehen, Frau- zens Horden erklärten mehr als einmal: Wir sind die Poll- z» i I Obwohl dauernd die Polizei telephonisch um Hilfe ange- rufen wurde, blieb sie der Straße fern, wahrscheinlich well die Be- amten befürchteten, wegen Ausübung des Dienstes ge- maßregelt zu werden wie chr Draunschweiger Kollege am Hitler-Tage. 99 und 60 Jahre Zuchthaus bestraft, ober niemals wegen eines Sittlichkeits- Verbrechens. 1993 wurde er aus dem Gefängnis entlassen und oerübte dann während kurzer Zeit eine Menge Straftaten. 3 4 Fäll« schweren Diebstahls und 12 des versuchten Diebstahls, des Hausfriedensbruchs usw. sowie die Fahneusiucht verzeichnen dos Strasrcgister. Sieben Jahre Zuchthaus wäre» die Folge. Kürten aber setzte seine Praxis in der Hast fort und ver- vollkommnete seine sadistische Veranlagung theoretisch. 1913 wurde er aus der Haft entlassen. Es kam dann der Fall Löschecke und der erste Mordfall Klein sowie der Fall Hermes, das Niederschlagen zweier Männer und einige Vrandstiftungen: alles innerhalb zweier Monate Kürten zeigt sich als typischer Sadist. Von 1916 ab führt er sich in den Strafanstalten mustergültig. Er erhält Strafaufschub und kommt schließlich nach Altsnburg, wo ihn die Morde Friede- manns stark beeinflussen. Dann geht er nach Düsseldorf, wo er ein Tätigkeitsfeld für seine Triebe zu finden hosst. Hier hat Kürten eine Unmenge von Straftaten begangen und zwar vom Dcziember 1926 bis Mitte März 1928 17 Brandstiftungen. Nach seiner Entlassung am 27. Oktober 1928 kommen acht Marde, 26 Mordversuche bzw. Ilebersälle und elf Brandsiisiungen aus sein Konto. Bemerkenswert dabei ist, daß während der Brand- stiftungen keine Morde erfolgten. Der erste Mordversuch war der Fall Kühn am 3. Februar 1929. Dt« Ueberfallene hat ihr Leben nur ihren Hilferufen zu verdanken. Der Wtaatsanwait. stellt fest, daß der Angeklagte stets dann flüchtete, wenn die Opfer schrien, später aber wieder kany wenn er festgestellt hatte, daß keine Gefahr drohte. Füns Tage später passierte der Mord an Rosa Ohliger. Der Täter ist nach der Tat in ein Kino gegangen, um ein Alibi zu haben Am 13. Februar folgte der Mord an Rudolf Scheer. Dann tnat für sechs Monate scheinbar Ruhe ein. Während dieser Zeit geschahen jedoch eine Reih« von Ueberfällen, die nicht zur Anklage ftehsn und die der Polizei und der Oesfentlichkeit auch erst nach der Festnahme Kürten bekannt geworden waren. Am 11. August 1929 beginnt die erste Mordserie mit dem Fall Hahn. Dieser Fall ist das Musterbeispiel der Ueberlegung. Schon vor der Tat hat Kürten sich gefragt: Soll ich es tun oder nicht. Während der Tat flehte die Ueberfallene um ihr Leben; aber kalt- blutig setzte Kürten sein Mordwerk fort. Der dritte der Briefe Kürtens, die er zur Ausputschung der Sensation benutzte. an die„Arbeiterzeitung" in Duisburg, wurde erfreulicherweise nicht veröffentlicht. Wer diesen Brief kannte, mußte der Täter sew. Kürten kannte den Inhalt, und die Sachverständigen haben bewiesen. daß er auch der Schreiber war. Der Staatsanwalt geht dann auf die einzelnen Mordfälle ein und erklärt zum Schluß, daß jede einzelne Tal je nach ihrem Gedeihen bis zum Ende ein Mord bzw. ein Mordversuch ist. Im Falle Reuter haben wir vollendete Notzucht, in den Fällen Dörrier und Albermann ist nach den Darstellungen Kürtens ein Zweifel zu lasten, doch ist auch in diesen Fällen die Vornahme un- züchtiger Handlungen als vorliegend zu erachten. Der Angeklagte mißhandelle seine Opfer, nachdem er sie niedergeschlagen und wehrlos gemacht hatte, weiter aus dem Grunde der sexuellen Erregung und aus dem bestimmten Ziel seiner unsittlichen Handlung heraus. Deutschland und Spanien. Endlich Anerkennung der Republik. Um 2 Uhr mittags wird amtlich bekanntgegeben: Auf Grund der Mitteilung, die die hiesige spauischc Botschaft dem Auswärttge« Amt über die Bildung der neuen vorläufigen Regierung i« Spanien gemacht hat, ist ihr heute die Antwort erteilt worden, daß die deutsche Negierung ihre» Botschafter i« Madrid ange- wiesen hat, unter Anerkennung dervorlänfigen Regiernag die anttlichen Beziehungen mit ihr auf- zunehmen. Putschisten unwillkommen. Madrid. 22. April.(Eigenbericht.) Außenminister Lerroux hat auf eine Frage, ob die provi- sorische Regierung die russische Sowjetrepublik anerkennen werde. geantwortet, er werde den Ministerrat bitten, darüber zu beschließen: er wisse nicht, ob ein Grund internationaler Art gegen die Aner- kennung Sowjetrußlands spreche. Selbst wenn kein solcher Grund vorhanden sei, Spanien aber mit der Anerkennung noch warte, so bedeute das nicht, daß die Regierung gleichgültig gegenüber den Nachrichten bleibe, daß bolschewistische Agenten unterwegs nach Spanten seien. Die Regierung werde die spanische Grenze scharf überwachen lasten und die Republik verteidigen. Der frühere Direktor der Kriminalpolizei, General Mola, der seit dem 14. April verschwunden war, hat sich dem Kriegs- minister gestellt, der ihn auf Grund einer Anklage de» General- staatsanwalts verhaften ließ. Der Kriegsminister wird in einem Armeebefehl alle Offiziere auffordern, ihr Ehrenwort zu geben, daß sie ohne Bedenken das neue Regime anerkennen. Der Generalrat der Provinz Navarra hat den Innenminister gebeten, die Vorrechte Navarras wiederherzustellen. Der Mi- nister hat geantwortet, daß die neue Regierung entschlossen sei, diese historischen Vorrechte anzuerkennen. Ministerpräsident Zamora hat dem Sonderberichterstatter des sozialistischen„P o p u l a i r e" u. a. erklärt:„Als gemäßigter Republikaner bin ich ein entschlossener Anhänger der sozialen Ge- rechtigkeit." Das größte Lustschiff der Weli. Natürlich in Amerika New Jork. 22. April. Gegenwärtig wird Heliumgas in großen Mengen he-gestellt für das Riesenlustschifs„Akron", das in Akron(Ohio) erbaut wüd und im Mai oder Juni zum ersten Male seine Halle verlasten soll. Es wird nahezu doppelt soviel Gasinhalt haben wie der„Geaf Zeppelin", 33 Proz. größer sein als der verunglückte R 191 und «in Flugzeug an Bord mitsüh.-eu. ©er Herr„Sachverständige" Die Hauptsache: Rechnung! Sonst übler Leumund Nach einer längeren Pause tagt heute zum erstemnal wieder der Reichstagsuntersuchungsausschuß für die Roggen st ützung. Zieich zu Beginn konnte man feststellen, daß sämtliche Hakenkreuz- ' tgliobcr w eher erschienen find Vielleicht glauben sie, sich am 1 cf?m Wege dem Zugriff der Gerichte leichter entziehen zu rönnen. Die Verhandlungen begannen sogleich mit einer Sensation. Auf besonderen Wunsch des deutschnationalsn Abg. Stubbendorf hotte der Vorsitzende des Roggenausschusses seinerzeit«inen Getreide- Händler Krüger aus Rostock als„Sachverständigen" vorgeladen. In der vorigen Sitzung des Roggenausschusses war nun dieser von den Dentschnatronalen als besonders wichtig bezeichnete Sachver- ständige erschienen. Bor ssiner Vernehmung n rächte die sozialdema- kratische Abg. Frau Sender jedoch einige Feststellungen über die Lualitälen des deutschnaüonalcn Sachverständigen. Sie fragte besonders, ob es zuträfe, daß er wegen seiner Gc- schäfte vorbestraft sei, daß seine Firma aus der schwarzen Liste stände. Frau S«itdzr bestritt dem deutsch- nationalen Kronzeugen in jeder Beziehung die Qualität, vor dem Ausschuß Gutachten als Sachverständiger abzugeben. Herr Krüger bat damals äußerst heftig bastritten, daß irgend etwas Ehrenrühriges gegen ihn vorliege. Herr Stubbendorf markierte un- geheure Entrüstung darüber, daß die Sozialdemokraten versuchten, einen so ehrenwerten Mann wie Herrn Krüger zu disanüeren. Inzwischen ist unaufgefordert beim Ausschuß eine Reihe von Zuschriften amtlicher Stellen, sogar aus dem Ausland, eingelaufen, die weit über die sozialdemokratischen Anschuldigungen hinaus di« Persönlichkeit dieses deutschnationalen Sachverständigen kennzeichnen. Aus einer Zuschrift erfährt man. daß dieser deutsch- nationale Sachverständige daheim den ehrenden Beinamen„Lügen Krüger" trägt. Der holländischen Regierung ist folgende Auskunft über Krüger jugegangen: „Krüger genießt hier feit Jahren den denkbar schlechte- ll e n R u�. Seine Betrügereien sind stadtbekannt! Krüger ist ledoch so gerissen, daß der Staatsanwalt bisher keine Gelegenheit zum Einschresten hatte... Zum Schluß können wir Ihnen noch mitteilen, daß die Firma Krüger n. Co. sowohl wie die Getreidehandelsgesellschaft a» der hiesigen Börse auf der schwarzen Tafel steht... Krüger hat den Offenbarungseid � geleistet. Er hat eine neue Firma ausgemacht, welche Gcrreide-: Handels-G. m. b. H. heißt." Abg. Hilferding(Soz.) wies heute darauf hin, daß der s i n z i g e Skandal, der bis jetzt im Roggcnaus!chuß zutage ge- treten ist, eben der Fall dieses deutschnationalsn Sachverständigen. sei. Als pikante Einzelheit gab der Vorsitzende dann noch be- 1 könnt, daß dieser Krüger für seine Sachverständigenaussage. die insgesamt kaum mehr eis eine Stunde gedauert hat. dem Reichstag eine Liquidation von ZZ00 Mark hat zugehen lassen, die er dann nach einer erstaunten Rückfrage auf tZZ4LS Mark ermäßigte. Er hat für fein« angeblich sehr großen Vorarbesten 6 Mark pro Stunde liquidiert, wobei er behauptet, daß er sich für seine Sach- verständigenaussage fünf Tage habe vorbereiten müssen! Diese Behauptung kennzeichnet die Glaubwürdigkeit des Sach- verständigen deshalb, weil er überhaupt erst zwei Tage vor seiner Vernehmung als Sachverständiger vorgeladen worden ist und vorher gar nichts davon wissen konnte, daß er als Sachoerständigsr vernommen werden würde. Dleser„Sachverständige" ist würdig, daß er von den Deutsch- nationalen vorgeschlagen wurde. Die 1233 Mark, die der Ehren- mann dem Reiche als Kosten beresten will, werden aus das Schuld- konto der Hugenberg-Partei gebucht werden. Sprengkolonnen der KP©. Mit Eifenstangen und Schwangsren. Der 4. Kreis der Berliner Sozialdemokratie veranstaltete gestern in der Schulaula in der Gleimstraße eine Frauenkund- g e b u n g, die von über 600 Personen besucht war und das Re> serat der Genossin Hanna über den Kampf gegen den Nazi- terror mst begeisterter Zustimmung entgegennahm. Vor Beginn der Versammlung versuchte ein kommunisti- scher Stoßtrupp sich gewaltsam Eintritt in den Saal zu oer- schaffen. Als das Reichsbanner, das den Saalschutz ausübte, ein- griff, leisteten die Kommunisten Widerstand und schlugen auf die Reichsbannerleute ein. Die Polizei nahm einige Verhaftungen vor und nahm einem der Ruhestörer eine schwere Eisen st ange ab. Im Stoßtrupp der Kommunisten befand sich auch eine Anzahl Frauen, von denen eine fortwährend rief:„Rührt mich nicht an, ich bin schwanger!" Die gewissenlose Uebung der Kommunisten ist nicht �neu, schwangere oder angeblich schwangere Frauen in ihre Stoß- trupps einzugliedern, um nachher Polizei oder Reichsbannersaalschutz als Barbaren hinstellen zu können, die„sogar schwangere Frauen mißhandeln". Schon bei der großen Frauenkundgebung im Saal- bau Friedrichshain, in der Genosse Staatsanwalt H o e g n e r sprach, wurde seinerzeit ein kommunistisches Flugblatt mit der Behauptung verbreitet,„die Polizei Severings habe eine schwangere Arbeiterfrau derart verprügelt, daß sie eine Fehlgeburt hatte". Man kann den Schwindel kaum weiter treiben, als es hier von Kommunisten geschieht. Es ist eine Verhöhnung der Frauen- ehre, wenn die Prügelkommandos sich neben den Eisenstangen auch noch Schwangere oder Scheinschwangere auf Bestellung mitbringen. In allen Frauenversammlungen sollte diese neueste kommunistische Sudelei ins Licht gerückt werden. Enge Kampfverbundenheit von Partei und Gewerkschaft. Lm Bezirk Mitte waren dem Ausruf der Sozialdemo- kratlschen Partei zur Frauenkundgebung große Frauen- massen gefolgt. Der große Saal des„Hackeschen Hofes" war über- füllt. Die Kundgebung wurde durch die Musik eines Streichquartetts eingeleitet. Unter großem Beifall zogen dann die Scharen der Soziali st ischen Arbeiterjugend mit roten Fahnen in den Saal. Genossin Dr. Käthe Frankenthal sprach über .Kamps um F r a u e n r e ch t": sie zeigte, daß die sozialen Frouenrechte und die politische Gleichberechtigung nicht in sried- l icher Entwicklung, sondern in langen, zähen Kampf geschaffen wurden. Gegen Angriffe kirchlicher, militari st«scher und faschistischer Reaktion muß der Abwehrkampf von allen werktätig«» Frauen zusammen mst den männlichen Arbestern geführt werden. Die fehlende Einigkeit der Arbestertlasse ist ein schweres Hindernis dieses Kampfes. Um so zäher muß der Kampf der sozialdelnotratischen Frauen geführt werden, um die Erfüllung der Wünsche der Reaktion und den von ihr vorberesteten neuen Krieg zu verhindern. Unter dem Eindruck de» Referat», da» von dem Ge- schrei einiger Kommunisten kaum gestört werden konnte, nahm die Versammlung fast einstimmig eine Entschließung gegen den f; 218 und sein Fortbcstehen im neuen Strasgesetzentwurs an. die » den Reichetag geleitel wird Eine der anwesenden Kommu nisiinnen stimmte bezeichnenderweise gegen diese Entschließung. Rezitationen von pazifistischen und antireaktionären Kamps- gedichlen durch Friede! Hall machten sehr großen Eindruck. Nach einem neuen Musikstück sprach Genossin Ellert vom A s A- Bund. Sie betonte die enge Kampfverbundenheit von Partei und Gewerkschaft im Kampf für Rechte und Freihest der Hausfrauen und der berufstätigen Frauen. Auf die letzteren drückt doppelte Arbeitslast, und doppelt stark belasten sie Siege der sozialen Reaktion. Sie müssen erweckt werden zum bewußten Kampf für den Sozialismus und die Verbesserung ihres Loses. Die Rcdnerin wandte sich insbesondere gegen das Geschrei über das sogenannte„Doppelverdicnertum", das den schlecht ver- dienenden Werktätigen, die oft nur so existieren können, noch verboten werden soll. Nur gewerkschaftlich einheitlich geführter Kamps kann die Verschlechterung des Lebensniveaus der Arbeitenden verhindern. An diesem Kampf müssen sich auch die arbeitenden Frauen restlos betestigen, vor allem auch um wirtschaftliche Gleich- bcrechtigung, z. B. in der Entlohnung, zu verlangen. Ein wirksamer selbstgedichtetcr antifaschistischer Sketch, den zwei Genossinnen auf- jührten, Rezstationen und ein Kampflied bildeten den Abschluß der gewaltigen Kundgebung. Raubüberfall im Wettbüro. Berbrecherjaäd in ver Ei«y. Em frecher Raububersall wurde heute vormittag auf den 53jährigen Leiter des Wettbüros in der Kommandanten- ftraße IIS, James Jaffa, verübt. Gegen öUI Uhr erschien in dem Laden ein junger Mann, der 2l) Mark auf ein französisches Rennen wetten wollte. Als Jaffa mit dem Ausschreiben des Wettzettels beschäftigt war, zog der ver- meintliche Kunde plötzlich eine Pistole hervor und forderte die Herausgabe der Kasse Mit vorgehaltener Pistole schwang sich der Räuber über den Ladentisch und zwang Iafso mit erhobenen Händen in eine Ecke zu treten. Dann raubte der Täter etwa 100 Mark und flüchtete. Der Ueberfallene war aber gleich» zestig durch den Hinterausgang auf die Straße geeilt, wo er durch laute Hilferufe Passanten auf den flüchtenden Banditen auftnerksam machte. Es entspann sich eine wilde Jagd durch die Kommandanten- ftraße. Einige Straßen, zügc weiter gelang es dann, dem Täter zu stellen und ihn der Polizei zu übergeben. Auf dem Revier ver« weigerter er jede Auskunft über seine Person. In seinen Taschen wurde außer der Pistole, es handelt sich um eine Scheintod- pistole, noch mehrere Teschingpatronen gefunden. Der Täter wurde nach dem Polizeipräsidium gebracht, wo sich zunächst der Er» kennungsdienst mit ihm befassen wird. Neues Erdbeben auf Neuseeland. Ein neues schweres Erdbeben, das sich heute früh ereignete, rief unter den Bewohnern der Hawkes-Bucht große Aufregung hervor. In Napier sind-die bei dem Erdbeben vom 3. Februar ver- schont gebliebenen Häuser eingestürzt. Krühjahrsausstellung der Akademie. problematisches und Hoffnungsvolles. Es fällt ziemlich schwer, einer jährlich mehrmals wieder- kehrenden Veranstaltung gerecht zu werden, wenn mau die allen, oft gerügten Mängel jedesmal von neuem wiederholt und wo- möglick) noch überboten sieht. Um es vorweg zu nehmen: die Akademie hat sich selten so wenig vorteilhaft und so heftig dem Geist der Zell abgeneigt bewiesen wie in dieser Frühjahrsschau. Die Jugend ist zwar beileibe nicht ausgeschlossen, man liest recht hoffnungserweckende Namen: Fuhr und Otto Nagel, Wollheim, Herbig. Gawell, Hans Glaser, Crodel, W i e t h ü ch t e r(dessen Alter von der revolutionären Frische seiner heftig andrängenden Bilder Lügen gestraft wird) und so weiter: es fehlen auch nicht sympathische Leistungen. Selbstverständlich fehlen erst recht nicht die hier immer bewährten Künstler, von Lieber- mann bis Ringelnatz: Slevogt und I a e ck e l sind sogar mit stalllichen Kollettionen vertreten. Aber: man vermißt den Geist der Jugend ebenso sehr, wie den Geist der Reife. Es ist alles sehr brav, aber es schwebt das schlimme Gespenst der Unlust, eigentlich sollte man sagen, der Langeweile über den Wassern. Der Sinn dieser Akademieschau offenbart sich am beut- lichsten in einigen Kollektionen: der erste Saal ist dem Stuttgarter Atademisten Altherre eingeräumt, und den zweiten ninnnt der Frankfurter Beckmann ein. Von Heinrich Altherr ist man niemals mehr als eine großspurige Pathetik der Flächen gewöhnt gewesen: seine.Kollektion verstärkt diesen Eindruck zu dem eines schwer erträglichen Manieris- mus, der, abgesehen von einigen leidlichen Frauenporträts, Empfindungsleere in den wallenden Mantel von Sentiment und Rhetorik hüllt. Von Max Beckmann hat man vor zwanzig und wieder vor zehn Iahren Großes erwarten dürfen. Daß man jene gewaltigen Ansätze zu einem repräsentativen deutschen Stil heute als endgültige Höhepunkte werten muß, daß der Absturz zu einer leeren Sensation augenfällig ist: das erschüttert wahrhaftig. Das tröstliche Element in der Akademie ist wieder einmal die Skulptur. Die Noblesse der Frauengestalten von Jenny Wieg- mann, der herbe intensive Ernst in den großartigen Skulpturen von Gerhard Marcks, die unerschütterliche Wahrheit in der Granitbüste Christoph Bolls zeigen einen hohen, über alles Schwanken erhabenen Pegelstand des bildhauerischen Könnens an. Und über alle erhebt sich die grandiose Schlichcheit des knienden Arbeiterpaares von Käthe K o l l w i tz, für den deutschen Sol- datenfriedhof in Belgien bestimmt. Diese beiden Figuren lohnen allein schon den Besuch der Ausstellung. Hier ist Form und Empfindung eins: die hingebende Kraft dieser großen Liebenden hat etwas schlechthin Einziges und Bleibendes auch in der Skulptur geschaffen._ p. k. seh. „Die Blumenfrau von Lindenau." Universum und Tikania. So nett wie bei dieser Blumenfrau ist sellen die Versllmimg eines Bühnenstücks gelungen. Bei Bruno Franks Komödie „Sturm im Wasserglas" dreht sich alles um«inen Hund. Der ruppige Köter, um dessen Leben es geht, da seine arme Besitzerin die Hundesteuer nicht bezahlen kann, bringt nicht nur einen ich- süchtigen Streber zu Fall, er führt auch die Pärchen zusammen, die zueinander gehören. Dem Regisseur Georg Iacoby kann man zu seiner frohen Laune, seinen guten Einfällen und seinen hervorragenden Darstellern gratulieren. Wunderbar ist Hansi Niese, ganz gleich, ob sie nun einen Kaktus beriecht, um ihren Hund kämpft, oder flirtet. Einsach. und gerade darum sehr stark in der Wirkung auf das Publikum, sind Renate Müller und Harald P a u l f e n. Nicht minder trugen Paul Otto und Oskar S a b o durch ihre ganz famosen Charakter- swdien zu dem Erfolg bei. Das Vorprogramm im Universum steht auf der gleichen erfreu- lichen Höhe wie der Hauptfilm. Führen doch Lotte Reinigers Scherenschnitte uns in ein Märchenland, in dem wir uns über die allerzierlichste Gewandtheit von Schatten freuen dürfen. Otito, der bekannte chinesische Zauberkünstler, verblüfft nicht nur durch seine Tricks, sondern auch durch die elegante Ausmachung seiner Nummer und die Ruhe bei seiner Arbest. Ebenso bieten I u n e t r o und El sie erstklassige Varietökunst. e. l>. Historische Spielkarien. Aussteilung in der Kunstbibliothek. Wenn wir ein Kartenspiel zur Hand nehmen, denken wir nicht daran, daß diese unscheinbaren,»nassenweise hergestellten Blätter ein ganz bedeutendes Stück Kulturgeschichte darstellen. Und doch verhäü es sich so, wie man in einer Ausstellung der Staatlichen Kunstbibliothek lernen kann. Dieses Laster, gegen das die Pfaffen aller Bekenntnisse eifern, hat. wie die meisten Gegenstände unserer Kultur, seinen Ursprung in der Religion und im Orient. Die ältesten Spielkarten waren aus Elefantenzähnen ausgesägte Scheiben, auf die mit einem Eisengriffel die zehn Derwandlungs- formen, die„Inkarnationen", der höchsten Hindugottheit, de» „Vishnu", eingegraben waren. Das waren Tiere, Pflanzen, Geräte. Waffen. Später nahm man längliche Karten aus Palmblättern oder gelocktem Papier. In dieser Form übernahmen es die Chi- nesen, die Münzzeichen auf den Karten abbildeten. Sie be- schränkten die 10 Farben der Inder auf 4. Dieses Kartenspiel taucht in Europa zuerst in Venedig auf, und zwar schon 1299. Die Italiener haben es zum„Tarok" umge- bildet. Es dauerte aber noch 200 Jahre,«he die endgültige Gestalt gefunden war. und an die Stelle des thronenden Hindugottes und seiner Trabanten der König, die Königin, der Ritter und der Fuß» knecht traten. Das entsprach der millelalterlichen Rangordnung. Als soziales Gegengewicht nahm man dann noch den„dritten Stand" auf, den wir heute„Iocker" nennen: den„Matto" oder „Misero"— zu deutsch„Narr" oder„Bettler". Fast gleichzeitig mit Italien tauchte das erste Kartenspiel in Deutschland auf, in Frankreich erst ein halbes Jahrhundert später, um 1360. Sowohl der indische wie der chinesische Ursprung ist an den alten deutschen Spielkarten, ebenso wie an den französischen, erkennbar. Eine Scheibe verwandelt sich in die„Schelle", eine Streitaxt in die „Schippe" oder das„Pick", das Schwert in ein Kreuz. Die beiden Trabanten Vishnus werden„Ober" und„Ultter", während das chinesische Geldstück als„As"— Bezeichnung einer altrömischen Münze— weiterlebt.„Karo" soll aus einer Pfeilspitze entstanden sein. Noch um 1500 sticht ein anonymer deutscher Kupferstecher runde Spielkarten, ein„Meister P. W.". Deutsche Landsknechte haben die deutsche Karte in Frankreich populär gemacht: man nannte sie nach ihnen„Lansquenet". Auch die Bezeichnung „Piquet"(„Wachtfeuer") deutet darauf hin. Die französische Revo» lution hat versucht, die Monarchen zu verdrängen, sie hatte aber keinen Erfolg damit. Selbst im heutigen Sowjetrußland werden Könige und Königinnen weitergedruckt. Die Spielkarten haben«ine große wirtschaftliche Rolle gespielt: deutsche Kupferstecher und Holzschneider haben sie schon im 15. Jahrhundert in ganz Europa verbreitet: sogar die Republik Venedig mußte sich mit Verboten gegen ihre Einfuhr wehren. Künstlerisch waren sie insofern von Bedeutung, als sie die Technik des Kupferstichs mächtig anregten. Wir kennen im 15. Jahr- hundert«inen„Meister der Spielkarten", auch der„Meister E. S." hat um 1463 ein Kartenspiel gestochen. Albrecht Dürer kopierte einige Blätter eines 1468 in Venedig erschienenen, dem Mantegna zugeschriebenen„Losbuchs" mit Kartenvorlagen, und aus seiner Schule haben wir prächtige Blätter in Holzschnitt von Hans Sebald Beham und Peter Flötner: Virgil Solis hat mit urwüchsigem Humor Karten in Kupfer gestochen. Im Lauf der Jahrhunderte hat dann die französische Karte über die deutsche, die Massenware über den künstlerischen Entwurf die Oberhand gewonnen. Hermann nieder. Degas' eigene Grabrede. Der große französische Maler Degas war ein Feind aller Zere- monien und öffentlichen Reden. Besonders ärgerte er sich stets über die Grabreden, wenn er einmal an der Beerdigung eines Freundes teilnehmen mußte. Nach einer solchen Feierlichkeit, bei der er seine Ungeduld deullich bezeigt, nahm er, so erzählt Ieanne Raunay in der„Revue de France", einen seiner Freunde, einen Maler, bei- seit« und sagte zu ihm:„Ich habe eine Bitte an dich, mein Lieber. Wenn ich sterbe, sollst du an meinem Grabe sprechen, und ich flehe dich an: Mache nicht viel Worte, sei auch nicht allzu traurig, nur gerade soviel, wie es sich beim Tode eines alten Freundes ziemt, und dann blicke in der Runde herum und sage nur:„Er liebte sehr die Zeichnung, wie ich auch..." Das ist alles, und bitte, ja kein Wort mehr. Dann geh nach Haufe, und alle werden damit zufrieden fein: ich selbst wäre es am meisten, wenn ich dir bei dieser Grab- rede zuhören könnte!" Leo Blechs Festabend. In der L> n d e n o p e r dirigierte gestern abend Leo Blech die Festaufführung der„C a r m e n", die anläßlich seines 66. Geburtstages angesetzt war. Mit der Meisterslj>ast und der souveränen Beherrschung, die den Jubilar auszeichnen, widmete er sich dieser seiner Liebling-ope', in der Vera Schwarz, Lotte Schöne, Helge Roswaenge, Ludwig H o f f m o n n mit dem Aufgebot aller künstlerischen Kräfte mitwirkten. Leo Blech wurde vom Publikum sehr gefeiert und durch Blumenspenden(darunter auch vom 4. Rang) ausgezeichnet. Er dankte schließlich mit«in paa' schlichten, von Herzen kommenden Worten. Im Museum iür Naturkunde spricht heute. 6 Ubr, bei steisitt Eintritt, Prol. I a n e n s ch über daZ Tbcma:.Wie wir die Riesensaurier de» MuseumS für Naiurkunde in Ostafrika ausgruben." vi» lehle diesjährige Tauzmatiaee der volksbShue bringt Solo- und Duo-Tänzc van Harald Nieupberg und Ivonne Keorgt Sie finde! Sonn- lag. vorm-itag U»/, Uhr. im Tbeater am Bülowplatz statt. Einlaßkarten für Milglieder 1,30 Mark. Platzkarten(auch sllr NichtMitglieder) 1, 3 und 3 Mark. Moria Zvogfia fingt in der Städtischen Over am 24. April die si! r a u ft l u t h in„Die lustigen Seibev" und am 28. Aprit die Norina In.Don PaSquale". Lühneochrouik. Guido Thielscher hat sein Gastspiel im R p s e» T b-ater aut die Zeit vom 1.— 25. Juni verlegt. Für den Monat Mai ist Irene T r i e s ch al» Gast verpflichtet. Ein deussch-Uollenlsche» Zustttut jür Meereskaude wurde tu Zivwiguo eröffut. Internationaler Frauentag zentrale Kundgebung/ Donnerstag/ den 23. April/ 20 Uhr, in beiden Sälen der„Neuen Welt" Redner für die Partei: Paul Lobe, M. d. R., Klara Bohm-Schuch, M. d. R. Redner für die Gewerkschaften: Gertrud Ellert, Gertrud Hanna, M. d. L Wie man imLahre-lSM regeln will Täglich 2 Stunden 45 Minuten unterirdische Arbeitszeit im Bergbau. Die internationale Arbeitszeit im Kohlenbergbau ist zweifellos notwendig. Darüber ist bereits sehr viel geredet, ge- schrieben und gedruckt worden und nun will die ly. Internationale Arbeitskonferenz in Genf am 28. Mai endgültig darüber beschließen, was freilich schon auf her 14. Konferenz im vorigen Jahre geschehen sollte. Da jedoch einige Regierungen sich über bestimmte Fragen nicht verständigen konnten, Hot das vorgesehene Uebereinkommen bei der Schlußabstimmung die erforderliche Zweidrittelmehrheit, zu der nur wenige Stimmen fehlten, nicht erhalten. Angesichts der Ve- deuwng der Frage und in Erfüllung eines Auftrages der Völler- bundsoersammlung, durch ein« internationale Regelung der Arbeits- zeit im Kohlenbergbau an der Ileberwindung der Weltkohlenkrise mitzuwirken, hat die 14 Internationale Arbeitskonserenz unmittelbar im Anschluß an die Nichtannahme des Uebereinkommens auf An- trag des deutschen Regierungsvertreters beschlossen, die Frage erneut auf die Tagesordnung der IS. Internationalen Arbsits- konferenz zu setzen. Der Vorentwurf für internationale Arbeitszeitregelung im Kohlenbergbau berücksichtigt die Antworten der Regierungen an das Internationale Arbeitsamt. Er enthält vier wichtige Grundsätze, die sich aus den Regierungsantworten als mehr oder weniger einheit- liche Grundlage feststellen ließen. Erstens wird von der Konferenz eine endgültige Eni- s ch e i d u n g der vorgelegten Frage erwartet. Zweitens haben die Regierungen fast ausnahmslos ansr- kannt, daß das Washingtoner Uebereinkommen über den Achtstundentag kein« ausreichende Regelung der sozialen und wirtschaftlichen Probleme im Kohlenbergbau ermöglicht und deshalb eine Sonderregelung verlangt. Drittens hat eine Mehrhest von Regierungen die Meinung vertreten, daß diese Sonderregelung der Arbeitszeit im Kahlenberg- bau sich nicht nur auf die Steinkohlenbergwerke erstrecken solle, sondern auch auf alle Arten von Braunkohlenberg- werken unter Tage, über Tage und gemischter Art Dabei wurde gleichzeitig gefordert, daß Steinkohlenbergwerke und Braunkohlen- bergwerke nicht Gegenstand getrennter und voneinander unab- hängiger Uebereinkommen sein sollen. Viertens hat die große Mehrheit der Regierungen der Meinung Ausdruck gegeben, daß die Vorschriften dieses Arbeitszeit- Übereinkommens im Kohlenbergbau sich nur auf d.je Untertagearbeiter erstrecken sollten, sowie auf die U e b e r- 'tagearbeiter und in gemischten. Betriebes beschästigten Ar» beiter, soweit sie. mittelbar oder unmittelbar mit der F ö r d er u a g der Kohle beschäftigt sind. Der Borentwurf eines Uebereinkommens iiber bie-Arbeitszeit in den Kohlenbergwerken, der insgesamt 19 Artikel umfaßt, bestimmt deshalb kurz zusammengefaßt das Folgende: In den Steinkohlenbergwerken wird als Arbeitszeit die Zeit der Anwesenheit in dem Bergwerk berechnet zwischen dem Augenblick, in dem der Arbeitnehmer den Förderkorb zur Einfahrt betritt bis zum Augenblick, in dem er ihn nach beendeter Fahrt verläßt. In den Bergwerken, die durch Stollen betreten werden, gilt als Anwefenheitszest in dem Bergwerk die Zeitspanne zwischen dem Be- treten des Stollens und dem Augenblick, wo der Arbeiter auf dem Rückweg wieder an die Erdoberfläche kommt. Die im Ueberein- kommen vorgesehene Arbeitszeit beträgt 7 Stunden 45 ZNiuuken täglich. Nach Ablauf von 5 Iahren nach Schluß der 15. Tagung der Internationalen Arbeitskonserenz kann«ine weiter« �Herabsetzung der Arbeitszeit in Aussicht genommen werden. Dos bedeutet also, daß die internationale Verkürzung der Arbeitszeit im Bergbau zunächst auf fünf Jahre vertagt werden soll. Für Arbester, die unter ungünstigen Bedingungen(hohe Tempe- ratur, Feuchtigkeit, gesundheitsschädliche Verrichtungen) arbesten, kann die Arbestszeit durch die Behörde verkürzt werden. Im Art. 19 ist die Möglichkeit der Gewährung von 69 Ueberstunden jährlich durch die zuständige Behörde vorgesehen. Für diese Ueber- stunden muß jedoch ein Zuschlag von mindestens 25 Proz. zum Lohn bezahlt werden. Die gleichen Borschristen gellen auch für die Braun- kohlengruben unter Tage, jedoch brauchen die Gruppenpausen, die eine Betriebsruhe mit sich bringen, nicht in die Arbeltszeit eingerechnet zu werden. Die Zahl der Ueberstunden im Braunkohlen- bergbau unter Tage darf 199 jährlich betragen. Die Mitglieder, die dieses Uebereinkommen ratifizieren, v:r- pflichten sich, in bezug auf die Stein- und Braunkohlengruben über Tage, die Bestimmungen des Washingtoner Uebereinkommens über den Achtstundentag anzuwenden, unter dem Vorbehalt, dast die Zahl der auf Grund dieses Uebereinkommens zulässigen Ueberstunden 159 jährlich nicht überschrestet. Für Braunkohlengruben, die teils im Tagebau, teils im Untertagebau arbeiten, gellen die gleichen Beftim- mungen. Das Uebereinkommen tritt 6 Monate nach Ratifikation von zwei Mitgliedsstaaten in Kraft, und zwar müssen zwei der folgenden Mit- gliedsstaaten die Ratifikation vollzogen haben: Deutschland, Belgien, Frankreich, Großbritannien, Niederlande, Polen, Tschechoslowakei. International gesehen mag das geplante Uebereinkommen einen notwendigen Fortschritt bedeuten, allein die Wünsche der europäischen Bergarbeller, ihr« berechtigten Ansprüche auf den 7.Slunden-Tag unier Tage, berücksichtigt es nicht. Gill schon von den. nationalen Gesetzen, daß � lediglich.dw Mbstewpelung der praktisch vollzogenen Verbesserungen bedeuten, so trifft dies offenbar ..nur.i« weiterem Abstand auf internationale Regelungen zu. 42-E>tunden-Woche in Brandenburg. Arbeitsplätze für WohlfabriSenverbSlofe. Brandenburg, 22. April.(Eigenbericht.) Der Magistrot der Stadt Brandenburg hat am Dienstag ein« stimmig beschlossen, für fämtsiche Betriebe die 42- Stunden- Mach« einzuführen. Die auf diese Meise geschaffenen neuen Arbeitsplätze sollen ausschließlich durch Wohlfahrtserwerbs- lose beseht werden. Im Interesse der Einheitlichkeit der Arbeitszeitverkürzungsaktion würde die 4 9- S t U n d e n- W o ch e begrüßenswerter sein. Zwei Stunden in der Woche mehr oder weniger spielen für den Ar- beitsprozeß keine große Roll« mehr. Immerhin, in Brandenburg ist etwas getan worden. Darauf komisit es an. Stennes-ZUvoltevordemArbeiisgerichi Entlassene Angestellte des»Angriff* klagen. Nachdem die Hitlergarde das Haus in der Hedemannstraße aus den Händen der SA.-Leute zurückerobert l>atte, ging es an ein großes Aufräumen. All« Angestellte, die sich nicht bedingungs- los zu Hitler bekannten,, wurden. fristlos entlassen. Sechs van diesen, voran der am Rothenau-Mord beteiligt gewesene Ernst Werner Techow, traten nunmehr vor die Schranken des Arbeitsgerichts, mn gegen ihre Entlassung zu klagen. Sie waren beim Verlag des„Angriff" angestellt. Dir Prokurist Hinkel begründete die Entlassung damit, daß es sich um einen Tendenzbctricb handele, der„Angriff" sei ein Organ für die Bestrebungen Hitlers, die Kläger hätten sich gegen Hitler betätigt. Der Richter verwies darauf, daß diese Begründung vielleicht für Techow zutreffen könnt«, well dieser eine leitende Stellung halle. Für die übrigen Kläger, die untergeordnete Stellungen be- kleideten, könne die Parteistellung nicht als Entlassungsgrund geltend gemacht werden. Nach dieser Belehrung suchte der Prokurist nach anderen Gründe». Dem Techow sagte er unregelmäßige Buch- führung nach. Ein anderer, der die Zeitungshändler zu kon- trollieren hatte, soll eine Kasie„sichergestellt" haben. Einem Drillen wird vorgeworfen, daß er die Portokasse mitgenmnmen habe. Er sagte dagegen, er habe die Portokasse auch„sicherstellen" wollen, er würde sie längst wieder zurückgebracht haben, aber die Hitlersche Schutzwache habe ihn gehindert, das Haus zu betreten. Eins Stenotypistin, gegen die keine Verstöße im' Arbeitsverhältnis gellend gemacht werden konnten, wurde entlassen, weil sie dem Prokuristen, der sie fragte, auf welcher Seite sie stände, geantwortet hat:„Das Recht ist bei Stennes." Im nächsten Termin soll über die gegen die Kläger vor- gebrachten Behauptungen Beweis erhoben werden. Da die Kläger jammerten, sie wüßten nicht, wovon sie bis zum nächsten Termin leben sollten, erklärte sich- der Prokurist bereit, jedem a conto eines zu erwartenden Urteils oder Vergleichs 199 M. zu zahlen, die. aus der.Hedemannstraß« abgeholt werden können, wozu den Klägern freies Geleit(keine Belästigung durch Hitlers Schutzwachen) zugesichert wurde. „Llttd da keiner von den beiden.. Oie Mittelstandspartei vor dem Arbeitsgericht. Der der Reichspartei des deutschen Mittelstandes angehörende Rcichstogsobgeordnet« Sachs« nberg engagierte im Herbst vari- gen Jahres einen Redakteur als Leiter der Rcichstagswahl- agitation in Oberschlesien. Als der Wah�kamps und damit die Tätig- keit des Agitationsleiters beendet war, hatte dieser noch eine Spesenforderung von 114 M., um deren Bezahlung er sich bis jetzt vergebens bemüht hat. So Hot er denn die Reichs- Partei des deutschen Mittelstandes beim Arbeitsgericht Verlin ver- klagt. Mehrers Termine haben bereits stattgefunden. Der Streit dreht sich nicht darum, ob die Forderung des Klägers berechtigt ist, sondern es Handell sich darum, wer zahlen soll. Der Vertreter der Mittelstandspartei sagt, s i e habe den Kläger nicht engagiert, sie habe ihm keinen Austrag erteilt, sie kenne ihn gar nicht, er möge sich an Herrn Sachsenberg Hollen, der ihn engagiert habe. Der Vertreter des Klägers beruft sich darauf, daß trotz aller Bemühungen von Herrn Sach-senberg bisher nichts zu bekommen war. Der Kläger sei von Herrn Sachsenberg für die Mittelstandspartei engagiert, er habe für die Partei gearbeitet. er habe sein Gehalt von der W a h l k r e i s- G e s ch ä s t s- st e l l e der Mittelstandspartei in Hinoenburg(O.-S.) erhalle», also nehme er die Partei auch für seine Restforderung in Anspruch. Die Partei könne sich ja mit ihrem Abgeordneten Sachsenberg auseinandersetzen. Ilm festzustellen, wer zur Zahlung verpflichtet ist, wurde Herr Sachsenberg zu dem vorigen Termin geladen, er ist aber nicht erschienen und konnte für das Gericht bisher nicht erreicht werden.■ Aus seinem Büro, Schadowstr. 1,�kam die Ladung als unbestellbar zurück. Wenn Herr Sachsenberg zum nächsten Termin nicht erscheint, soll er in eine Ordnungsstrafe ge- nommen werden. Ein- oder Zweikammersystem? Genosse Professor Dr. Her» mann Heller hat heute abend. 7.29 Uhr, auf der„Deutschen Welle" eine Aussprache mll dem deutschnotionalen Reichstagsmll» jlicd v. Lindeiner-Wildau über die Fragen„Berufsständi» ches oder politisches Parlament" und„Ein- oder Zweikammer- ystem". S. kreis. Kreismllgliederoersammlung heute, ISIä Uhr, in den Andreassestsälen, Andreasstraße 21. Referent: Genosie Franz Künstler, MdR.: Unser Kampf im Reichstag. Mitgliedsbuch als Ausweis mitbringen. Wetter für Verlin. Wechselnd bewölkt, nur noch geringe Nieder» schlage, weiterhin kühl.— zur Deutschland. Im öfllichen Küsten- gebiet windig mll Schauern, nach Südwesten sortschreitende Besse- rung des Wetters, überall noch für die Jahreszeit kühl. Rückschau� „Ein Mensch mit Schallplallen und Büchern". Hermann Kasack beginnt die Stunde mll einem kleinen Abschnitt aus Kurt Tucholskis„Pyrenäenbuch", der vom Allemsein handelt. Ein Satz kommt darin vor, der mit einer spöttisch resignierenden Geste die ganze trostlose Leere einer einsamen Stunde umfaßt. Tucholski sagt da ungefähr: Und wenn plötzlich jemand hereintreten und mich fragen würde: was tust du jetzt, ich müßte antworten, ich vertreibe mir so mein Leben. Manchmal läßt sich vielleicht solche Stunde doch festhalten: biswellen auch mit Hllfe von Schallplatten und Büchern, wenn man versteht, aus ihnen eine Gemeinschaft herauszubeschwören. Hermann Kasack halle sich aus ihnen im wörtlichsten Sinn Gesellschaft. Es war sehr unterhclltend und lehrreich, die Sprech- und Gesangaufnahmen primitiver Völker zu hören, die sich mll Abschnitten aus Büchern zu einer Revue der halben Welt er- gänzten. Der Mensch, der sie in Bewegung setzte, blieb dabei aller- dings im Hintergrund, war selber nur unbetelligter Zuschauer. Man kann sich solche Stunde„Mensch mll Schallplallen und Büchern" weniger klug, weniger kühl, von stärkerer Unmtttelbar- kell denken. Nicht als Anweisung, wie sich zweckmäßig«ine ein» säme Stunde, mll nachdenklicher,.müheloser Belehrung füllen läßt, sondern als Bekenntnis von einem ganz. persönlichen Kampf gegen die Hast des Tages, geg'e� die" Fu�t vor dem Alleinsei»: Kasack deutet« im Anfang diese persönlichere Stimmung an, als er Caruso» und Bach-Platten erwähnte. In solcher einsamen Stunde wächst Besinnung zu sich selber vielleicht aus einem Dreigespräch, dos der Mensch mit Büchern und Schällplatten führt, die ihm gute Freund« wurden. Der Gehall solcher Stunden kann wissenschaftlich unwäg- bar sein und doch sehr reich. Vielleicht gelingt es späteren Verän- staltungen in diesem Zyklus, das zu zeigen. Die Vorankündigungen der Funkfwnde des„Interviews der Woche" werden immer unzulänglicher. Den Hörern muß es genügen, zu erfahren, daß„während der Pause" eines Tanz- abends ein Interview— auch nach Königsberg und Breslau— gesendet wird. Um welche Zell? Worüber? Der Hörer hat ge- fälligst abzuwarten und erst einmal Tanzmusik zu hören, falls ex glaubt» daß ein ihn interessierendes Thema behandelt wird. Di« Unterhallung eines Filmfachmannes an diesem Abend wird vielen unwichtig gewesen sein. Wenn die Funkstunde sie aber in ihr Programm aufnahm, so Hot sie den Hörern auch rechtzeitig, also mindestens in Verbindung mll den vorangehenden Veranstal- tungen des Abends, Titel und genaue Zell mitzutellen. Tes. Mittwoch, 22. April. Berlin. 16.05 Aktuelle Abteilunc. 16.30 Mexikanische Musik. Ein Vortras mit Schallplanen.(Erich Knaull.) 17.30 Dr. E. W. Schmidt: Börse. Wirtschaft uud Publikum. 17.55 Pr. Julius Kapp: Aus dem Spielplan der Oper. 18.25 Prof. Dr. Felix Kruecer, Deipris; Familie. 20.00 Mamburg: Kiedcrdeutscber Abend. 21.30 Tages- und Sportnachrichten. 21.d0 Heinz Thießen: 1. Aus der HamleUSuite. op. 30, Nr. 2. 2. Aus der Musik für Streichorchester, cp. 32. Nr. 2. 3. Vorspiel zu einem Rcvolutions« drama, op. 33.(Funk-Orchester. Dir.: Der Komponist) 22.15 Wetter. Nachrichten und Sport Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. Kfinlgswnsterbaatea. 16.00 Oberschulrat Dr. Wilhelm Gacde; Zeitfragen des höheren Schulwesens. 16.30 Hainburg: Konzert 17.30 Modernes Liedschaficn: Hans Chemin-Petit.(Einführung Dr. Marie Louise Hiller. Mltw.: Prof. Hans Joachim Moser, Dr. H. Michaelis. Flügel: Der Komponist) 18,00 Prof. Dr. Amsel: Lehrgang für Einheilskurzschrilt 18.30 Prot. Dr. Georg Wegencr: Eine Wanderung durch Deutschlands Gauen. 19.00 Oberamtsanwalt Sarkamm: Der neue Geist In Strafverfolgung und Strafvollstreckung. 19.20 von Lindeiner-Wildau. M. d. R., und Prof. Dr. Hermann Heller: Berufsständisches oder politisches Parlament Ein- oder Zweikammersystem? 20.00 Orchesterkonzert. 21.15„Andreas Ballonfahrt." Hörspiel von Leo Wulfert Regie: Max Bing. Vcrontwertl. für hie Sicbattion: Seibect geptte, Setiitt; Anzeige»: Th. Siecke, Rcrlin. Bering: Sormätls Verlag®. m. b. S.. Berlin. Druck: Berwärls Buch» hruckerrt und Berlagsanftalt Paul Singer 6t Co.. Berlin SW W. Sitihenfttafte 3. Äietjn t Beilege. filiolen>n oUs" Städte»1®"• umA BjeAytauao gui*! (Beilage Mittwoch, 22. April 1931 Sm'NlmN StwlnuLyaße jU* hbwaSÜ malet putscht Sine tragische Möpenickiade unier Wapoleon I. Die neuere Napoleon-Literatur macht vom Fall Malet wenig Wesens; selbst Werner Heg ein a n n s geistreiches Anti-Napoleon- Buch ermahnt den General gor nicht, der doch für seine Beweis- fichrung hätte dienlich sein können. Anders war es gegen Ende des zweiten Kaiserreichs, als die republikanische Opposition den Neffen bekämpfte, indem sie auf den Onkel losschlug. Damals unternahm es Ernest H a m« l, der Biograpb Robespicrres und Saint- I u st s, die..Geschichte der beiden Verschwörungen Malet?" zu schreiben, die freilich erst 1873. noch dem Sturz Napoleons lll., erschien, und Pascal Grousset. 1871 bekannt als Mitglied der Kommune, gab 1889 in der Sammlung„Lfs jrrands proees politigues*(Die großen politischen Prozesse) eine Schilderung der Angelegenheit heraus: von ihrem Helden hieß es in der Einleitung: „Als unbeugsamer und entschlossener Jakobiner, als letzter Stumpf der letzten Anhänger Robespicrres, den die Reaktion des Thermidor, des Kaiserreichs und des Königtums umsonst verleumdet hat, wollte. Malet die Tyrannei mit ihren eigenen Mitteln stürzen und auf ihren Trümmern dir Republik ausrufen und die Freiheit befestigen, die sein einziger Kult und seine einzige Liebe war." Wurde Grousset die Einsicht in die Akten glatt verweigert, die auch seinen Vorgängern d'Aubignosc, Lassa nt d'Aussonne. Breton de la Martiniere und D o u r i l l e unzugänglich geblieben waren, so erschlossen sich einem Historiker unserer Tage, dem Eomte de Lort de Sörignan, die Archive des Kriegsministeriums, de? Außenminifteriums, der Militärgerichts- barkeit, der Poli.;eipräfektur. des Seinedepartements, der Stadt Paris und andere Urkundensammlungen; außerdem hotte er das Glück, aufschlußreiche Privatpopiere, die sich vom Vater über den Sohn zum Enkel vererbt hatten, benutzen zu können. So entstand als Frucht emsiger Arbeitsjahre, vor dem Weltkrieg begannen, nach dem Weltkrieg beendet, dos Werk„I�e General Malet*(Verlag Payot, Paris) mit dem Untertitel„Ein Militärverschwörer unter dem eisten Kaiserreich". Was Pascal Grousset etwas leichtfertig in der Borrede zu seinem Schriftchen behauptete:„Wir wissen olles über, die Verschwörung Molets, wir wissen alles, alles, alles", gewinnt jetzt erst Geltung: das Buch des Eomte de Lort de .Serignan hellt Vorder- und Hintergrund des Falles auf, der dadurch gewiß nicht an Interesse verliert— ganz im Gegenteil! In der Franche-Eomte, zu Döle am Doubs, kam Claude- Francis de Malet 17S4 zur Welt. Sproß des guten Provinz- adels, Sohn eines Rittmeisters, entschied auch er sich für das Waffen- bandwerk und trat 1771 in eine der beiden berühmten Leibgarde- kömpagnien, die„Musketiere des Königs", ein, ober da die Truppe schon fünf. Jahre später sparsamkeitshaldbr aufgelöst wurde, hotte �Äer�junge Edelmann istl der Heimat Gelegenheit, sich.'wil v in der Luft liegenden revolutionären Gedanken zu beschäftigen. ä sie aufgenommen hatte, bewies im Jahre nach dem Bastillenslucui seine Wahl zum Kommandanten des Nationalgordenbataillons von Döle, doch da es in Europa nach Pulver roch, betrieb und erreichte er seine Aufnahme m die aktive Armee. Erst Hauptmann, stieg er rasch wegen seiner Fähigkeiten, aber auch wegen sein« feurigen RepubNkanismas zu« G«neralstabsoberjt auf und wurde 1799 zum Brigade» general befördert. Daß im November gleichen Jahres, am achtzehnten Brumair«. Von aparte sich durch einen Handstreich zum Selbst- und Allein- Herrscher aufschwgng, warf den Republikaner in gärende Erbitterung, und als wittere der neue Herr den Haß, den ihm der General ent- gegenbrachte, betraute er ihn in der Folge nur mit unbedeutenden Kommandos, die weder Gewinn noch Ehre einbrachten. Aus Rom wurde Malet gar 1807 abberufen, weil er von Handelsschiffen ungerechtfertigte Gebühren erhoben und einbehalten und in der Papststadt die Einrichtung verbotener Spielhäuser geduldet haben sollte; viel mochte an den Beschuldigungen nicht sein, ober der Ent- scheid einer besonderen llntersuchungskommission führte im Mai 1898 zu seiner D i e n st e n t l a s s u n g. Schon vorher, da er mit Weib und Kind vergrämt in Paris saß. hatte er sich mit Leuten eingelösten, die gleich chm politisch oder persönlich verärgert waren. Neben seinem. Landsmann, dem be- rühmten Grammatiker Abbe L e m a r e, der gleich ihm den Mann des achtzehnten Brumaire tödlich haßte, waren es der alte D e- maillot. der als einstiger subalterner Agent Robespicrres von Radikalismus kochte, der Polizeitommiffar a. D. Baude, der mit Gracchus Babeuf auf der Anklagebank gesessen hatte, der ehemalige Konventsabgeordnete Iean-Franeois Ricard, der frühere Sekretär des Iakobinerklubs B l a n ch e t, dann ein paar Generale, die wegen böser Gaunereien entlasten waren, sich aber als Opfer ihrer republikanischen Ueberzeugung aufspielten und etliche andere. Da 1898 von der Pyrenäenhalbinsel, wo Napoleon sich festgebissen hatte, schlechte Kunde kam, beschlossen die Gleichgesinnten, sich durch einen Putsch der Gewalt in Paris zu bemächtigen: L e m a r e kaufte einige Gros Feilen, die als � Dolche zu dienen hatten, und gefälschte Senotsbeschlüsse und Dekrete, die den Bona- p a r t e in die Acht erklärten, Malet zum Befehlshaber der bewajf- neten Macht bestallten und eine provisorische Diktaturregierung ein- setzten, wurden in Druck gelegt. In letzter Stunde erhielten, nicht durch eigene Wachsamkeit, sondern durch Geschwätz und Verrat, die Behörden Wind von der Sache und gingen mit Verhaftungen vor. Der blinden Eifersucht zwischen Polizeiminister und Polizei- präfekt, von denen jener die ganze Geschichte als harmlos abtat, weil dieser sie aufbauschte, hatten es Malet und Genossen zu danken, daß nicht ein Kriegsgericht kurzen Prozeß mit ihnen machte. Während die meisten Festgenommenen bald entlasten wurden, blieben ihrer mehrere durch Jahr und Tag ohne richterlichen Spruch in sogenannter administrativer Hast. Malet erst im Gefängnis Sainte- Pälagie und fett 1819 in der Heiltestalt des Dr. Dubuisson. die bevorzugte politische Häftlinge beherbergte. Da er den Haß gegen Napoleon immer grimmer nährte und ohne Unterlaß von einer zweiten Auflage seines Putschplanes träumte, verstand er sich, bald oiifs Innigste mit einem anderen Insassen des gleichen Hauses, dem Abb« L a f o n, der allerdings kein Republikaner, sondern ein kleri- kaler Roy allst war. Ll« im Herbst 1812 de? russische Feldzug den Kaiser weit von Frankreichs Grenzen entfernt hatte, und die Miß- stimmung im Volk wegen der unaufhörlichen Kriegslasten Blasen warf, entschieden sich die beiden fürs Losschlagen. Malet? Plan war so genial einfach wie der des Schusters V o i g t. als er sich mtt Hilfe einer beim Trödler gekauften Uniform zum Hauptmann ernannte: seine ganzen Requisiten be- standen in einer Gene.rolsuniform und einem gefälschten Senats- beschluß, der. da der Kaiser vor Moskau den Tod gefunden habe, eine provisorische Regierung einsetzte: in Frankreich bedurfte es immerhin noch eines solchen zivilen Beglaubigungsschreibens. Er handette auch nicht, wie es früher hieß, im Auftrag eines mächtigen und wettverzweigten Geheimbundes, sondern hatte ganz wenige Helfershelfer und nicht mehr als fünfzehn Franken in d e r T a s ch e, als er in der Nacht zum 23. Oktober mit dem Abb« Lafon, über die Gartenmauer steigend, die Anstalt Dubuisson heimlich verließ, um die giganlischsle Mlikärwachi der Welt zu stürzen. In einem zu diesem Zweck gemieteten Zimmer legte er die Gala- uniform eines Generals an und machte sich wohlgemut auf den Weg, begleitet von einem jungen Korporal namens R a t e a u, der im Hellblau eines kaiserlichen Ordonnanzoffiziers ihm als Adjutant diente, und dem Studenten und Prwatlehrer B o u tr e u x. der, mit der dreifarbigen Schärpe umgürtet, den Zivilkommistar darzu» stellen hatte. Vom Himmef goß es, tat nichts, Malet glaubte an das Ge- lingen seines Plans, und wirklich schnurrt« alles wie ein ausge- zogenes Uhrwerk ab. Gegen 3 Uhr morgen? näherte sich die Gruppe der Kaserne Popincourt, Quartier der 19. Veteranen-Kohorte. Ah, ein General! Der Posten präsentierte, und als der mtt Fieber zu Bell liegende Kommandeur des Truppenteils, Major S o u l i« r, ejnen hohen Vorgesetzten erblickte und einen Senatsbeschluß vernahm, war er vom Schettel bis zur Sohle: Zu Befehl! Im Kasernenhof formierten sich die sechs Kompagnien der Kohorte, Verlesung des Senats- beschlustes, in Reihen rechts brecht ab! und Malet marschierte mit fünf Kompagnien zum Tor hinaus. Um Werkzeuge und Hilfskräfte zu bekommen, drang er zunächst in das Gefängnis der Rue du Roi- de-Sicile ein, befreite hier die Generale G u i d a l und La H o r i e, Staatsgefangene, auf die der im gleichen Kerker festgehaltene Demaillot aufmerksam gemacht hatte, und erteille beiden seine Weisungen. Alles klappte auch weiter. Mit der?.,. 3., 4. und 5. Kompagnie der Kohorte bemächtigte. sich La Horie, ohne ouf Widerstand zu stoßen, der Polizeipräfektur und des Polizeiministe- riums; im Handumdrehen saßen der Präfekt Baron Pasquier und der Minister S a v a r y, als sei es das Selbstverständlichste von der West, in Einzelzellen des Gefängnisses La Force.~ Bei den Kasernen Paülinörkloster und La Courtille, wo da? erste und zweite Bataillon des Pariser Regiments lagen, stürzte sich Malet gar nicht in die Unkosten persönlichen Erscheinens. Je eine Ordonnanz mit einer Abschrift des Senatsbeschlustes und seinen Befehlen genügte, um die Kompagnien antreten und zu den ihnen be- stimmten Punkten abrücken zu lassen. Nirgends dämmerte es einem Vorgesetzten, daß hier Revolution gespielt werde, da doch beim Tod des Kaisers die Thronfolge gesetzlich geregell war und kein Senat auf eigene Faust provisorische Regierungen einsetzen konnte, sondern alles erstarrte im Kadavergehorsam. Auch als beim Morgengrauen Major So ulier mit der 6. Kom- pagme der 19. Kohorte befehlsgemäß das Rathaus besetzte, machte der Seinepräfekt Baron F r o ch o t, obwohl leicht zweifelnd, keine Einwände, sondern ließ auf Wunsch Räume für den Sitzungssaal der neuen Machthaber Herrichten. Inzwischen erschien Malet mit der 1. Kompagnie auf dem Vendömeplatz und klopfte, um ihn vom Tode des Kaisers und den eingetretenen Veränderungen zu unterrichten, beim Gouverneur von Paris, General H u l i n, an. Als der einstige Bastillenstürmer und jetzige Baron des Kaiserreichs nach einer Beglaubigung fragte, zer- schmetterte der Eindringling ihm mtt einem Pistolenschuß die Kinn» lade, dann eilends in dos Generolswbsgebäud« gegenüber, ober hier war ein Fehler in der Rechnung: seine Papiere hotte er vorauf» geschickt, so daß die zwei leitenden Offiziere, Oberst D o u c e t und Major Laborde. Zeit zum Prüfen und Nachdenken bekamen, und da sie überdies Malet als. allen Verschwörer kannten, durch» schauten sie den Schwindel, warfen sich auf den Eintretenden, Wachs herbei!, entwaffnet und abgeführt. Aus! Sogleich alarmierte D o u c e t Paris, das sorgfältig aufgetürmte Gebäude des Putsche? purzelte wie ein Kortenhaus zusammen, noch am gleichen Tage wurde wild drauflos verhaftet, Schuldig« und Un» schuldige, Milttär? und Zivilisten. Der Erzkonzler E a m b a c e r e s. der Kriegsminister C l a r k e, der Marschall Särurier, der Polizeiminister Savary und wie die hohen Würdenträger alle hießen, schnaubten nicht nur Wut über den fast geglückten Streich� sondern zitterten auch vor dem Zorn des Kaisers, der sich über sie entladen würde, weil olle. Offiziere, statt an die Dynastie und Napoleon zu denken, auf den Abenteurer hereingefallen waren. Am besten, wenn der Herr und Gebieter in Rußland die Tat zugleich mit der Sühne erfuhr! Also eigens eine Militärkommission gebildet und mit gebundener Marschroute versehen! Vierundzwanzig Ange- klagte. Malet, alle Verantwortung auf sich nehmend, sah seinen Richtern kühn ins Gesicht:„Wenn sich jemand zum Verteidiger der Freiheit sein« Landes aufgeworfen hat. braucht er sich nicht zu entschuldigender triumphiert oder stirbt." De? Spruch, am 28. Oktober gefällt, lautete nicht nur für Malet, Rate au, La Horie und Guido l auf Todes- strafe, sondern ebenso für einen Obersten, einen Major, drei Haupt- leut« und vier Leutnants, deren ganze Schuld in blindem milttä- rischem Gehorsam bestand. Am 29. Oktober nochmtttogs 3 Uhr wurde Malet mit«lf Schicksalsgefährten hinter der Barriere Grenelle von einer Abteilung Alter Garde erschossen.. Jedem der Hingestreckten gab ein Unter» offizier den vorgeschriebenen Gnadenschuß ins Ohr. Anderthalb Jähre später Mg auch das'Kaiserreich zerschmettert am Baden.■...... Hermann Wendel. Wan ist arbeitslos. Sin(Bild aus dem heutigen Amerika •• An der Ecke d« allen Seattle- Hotels steht ein zwanzig- jähriges Mädchen, blond und bleich, mit hellen Augen. Ihre Füße stecken in hohen Holzfällergummischuhen, der Rock ist billig, all und vertragen und darüber trägt sie einen dicken, blauen Männersweater. So hält sie. jedem der Vorübergehenden eine Zeitung hin, ohne ein Wort zu sagen. Ich stehe schon zwanzig Minuten und beobachte sie, doch noch keine Zeitung ist verkauft. Dann gehe ich zu der nächsten Eck«, um mich zu einer Männergruppe vor dem S t e l l e n v e r- mittlungsbüro zu gesellen. Keiner der vielen Außenstehenden achtet auf die beiden Zettel an der schwarzen Tafel, die eine freie Arbeit verraten: ein Mädel wird verlangt als Hausmädchen und ein Mann als Fleischer und Auslaufer in einem Provinzloden. Das ist olles._ Keiner der frierenden Männer spricht ein Wort, sie bewegen sich nur hin und her, um sich etwas Wärme zu verschaffen. Nach einiger Zell fällt mein Blick auf ein großes, grünes, hölzernes Straßen- schlld, auf dem in grauen Buchstoben eine Einladung an alle Männer zwischen achtzehn und fünfunddreißig Iahren steht, der Armee beizutreten. Eine Liste der Lager und warmen Kasernen folgt der Versicherung, daß die Soldaten eine reguläre Bezahlung be- kommen, neben freien Mahlzeiten, Kleidern, Wohnung und ärzllicher Behandlung... Seattle, die große, nördliche Hasenstadt am pazifischen Ozean ist besonders stolz auf ihre privaten Speifungen an die arbeitslosen Massen dieses Hungerwinters. Die größte und beste „sctip line* unterhält die Zeitung„Der Star", welche jedem hungrigen Mann eine Mahlzeit am Tage verspricht. Hier, in der langen Reihe der Wartenden, herrscht nicht das eisige Schweigen der Leute vor dem Stellenbüro. Die Aussicht auf ein baldiges, warmes Essen macht gesprächig. Die Reden der paar Dutzend Männer um mich herum gehen meist um Essen und eine Schlafstätte. Nur ein paar unterhalten sich über die sozialen Ver- Hältnisse, darunter ein mächtiger Neger von ungefähr vierzig Iahren. Zu ihm im Gegensatz stehen augenscheinlich zwei„Wbite collar man", Leute mit einem weißen Kragen, von denen einer sogar einen Ueberzieher anhat. Als ich hinkomme, ist die Diskussion schon im Gange. Ein jüngerer Arbeiter im blauen Overall sagt:„Ich will euch sagen, was in diesem Lande verkehrt ist. Wir haben zu viele Millionäre. Es müßt« ein Gesetz geben, daß niemand über eine halbe Million für sich behalten darf." Der Mann mit dem Ueberzieher erwidert:„Das würde viel- leicht helfen, aber das ist Sozialismus. Wir wollen nicht, daß alle» verteill wird. Was ein Mann bekommt, soll er beHallen. Der Soziasismus wird nie durchkommen er sst gegen die menschliche Natur." Da fällt der Neger mit mächttger Stimme ein: ,La. ihr Kerle wißt eine Menge. Aber was habt ihr schon zu verteilen? In der„köup line* zu stehen und auf ein Gnadenbrot zu warten. So- lange die' Arbeiter so reden, werden sie nie mehr haben. Marschieren ist das einzig Richtige." Nun kommt der Gegner der Millionäre wieder zu Wort:„O, Peah? Ihr I. W W.'s(Industrial Worters of the World) macht mich trank. Was kann euer Märschieren zum Rathaus schon nützen, ihr kommt ja doch nicht hinein. Die Eops(Polizei) nehmen euch schon richtig in die Finger." Jetzt bricht der Neger los:„So, du sagst, wir. haben keinen Erfolg. Aber woran liegt das? West ihr gegen uns seid, nicht mitmacht, weil ihr euren Kampf durch uns mtt ausfechten laßt. Wenn ihr alle in den dreißig letzten Iahren mitgegangen wäret, euch hättet ins Gefängnis sperren lassen, wie ich, ihr ständet jetzt nicht in der scrnp line." Mit diesem Wortwechsel sind wir bis zu den großen Behältern vorgerückt, in die das Essen aus Milchkannen geschüttet wird. Jeder erhält einen kleinen Kübel, in den er einen Schöpflöffel von der dunklen Brühe gestürzt bekommt. Außerdem gibt es drei Stück Brot, eine Tasse Wasser und ein Stück uralten Kuchen, der offensichtlich in den Bäckereien geblieben ist. In meinem Teller finden sich sieben braune Bohnen, ein Stück Rübe, ein Zwiebelrest, verkochte Kartoffeln und ein Fingerhut großes Stück Fleisch. Mit hungrigem Eifer stürzen sich die Arbeitslosen auf dies« Gnadenmahlzeit und ich habe nicht gesehen, daß jemand was übrig gelassen Hot, wenn er das leere Geschirr ablieferte. Mir blieben zwei Stück Brot übrig, und hastig fragte ein Alter mir gegenüber: „Willst du das Brot nicht? Gib mir es, ich werde heute abend besser einschlafen können, wenn ich etwas zu kauen habe." Ich gehe hinaus und stelle mich zu den Gruppen, die noch herumstehen und sich eine Zigarette drehen, bevor sie auf die Jagd nach einem Schlafplatz gehen. Ich frage, welche Unterstützung die religiösen Gesell- s ch a f t e n leisten, die doch große Staatsmittel empfangen. „Well, die Heilsarmee und die„Volunteers of America" haben auch ihre souo lines. Aber dort müßt ihr erst beten und Psalm« singen, bevor ihr zu essen bekommt", erwidert einer. „Und außerdem haben sie das Recht bekommen, städtische Arbeiten zu vergeben", mischt sich ein anderer hinein.„Sie geben für eine Woche Beschäftigung, zahlen ober nur ein Dollar den Tag, während das Gesetz viereinhalb Dollar vorschreibt. Den Rest steckt die Organisation in ihre Tasche." Damtt ging die Bande auseinander, um sich zum Abend in di« verschiedensten, dunklen Löcher zu verkriechen. * Das ist das Leben in dem Lande, in dem es kein« Krise, keinen Niedergang geben sollte. Geschen von einem Amerikaner im Winter 1939/31 Diejenigen ober, die das Bürgerrecht noch nicht habe», versucht man auf billige Art los zu werden, indem man ihnen dia Rückfahrt in die Heimat bezahlt. Und in den Gassen der Bowery von New Park werden Razzien veranstaltet, um olle diejenigen ouf» zufangen, die unrechtmäßiger Weise im Lande weilen und sie sofort zu deportieren. Karl Moeller. „Rot Sport" in Agonie Grotes WehKlaten auf den Landeskonferenzen:„Wir haken nSdtfs hinfer uns! Es ist eine unangenehme Gesellschaft, das Völkchen aus dem kommunistischen Sportlager. Sie haben weder Geist noch Herz, dafür aber ein Mundwerk von seltener Unsauberkeit. Ihr politisches Begriffsvermögen ist von einer geradezu«ntwafsnenden Naivität, deshalb zählen sie zu den gläubigsten Anbetern der kam- munistischen Heilslehren. Besonders angenehm und verlockend klingen ihnen die Märchen vom Sowjetosterhasen, der jedem frommen Kind ein ganzes Schock Eier legt. So hatten sie sich denn auch zu Ostern versammelt, um das Blaue vom Himmel herunterzuschwätzen und sich gegenseitig Mut einzupauken. Resolutionen von einer Länge wie der Tag vor Jo- hanni gelangten zur einstimmigen Annahme(versteht sich unter der Diktatur), und knatternde Bannflüche wurden gegen die„Sozial- faschisten" und Renegaten geschleudert. Daneben Begeisterung für jeden kommunistischen Parteiunfug. Lodernde Empörung gegen die Setzer der„Roten Fahne", die sich erkühnt hatten, ihre gewerk- schaftlichen Grundsätze auch gegenüber der eigenen Bonzokratie zu vertreten und dafür aufs Pflaster flogen. Rückhaltlose Anerkennung der NGO., jener Vereinigung von verbohrten Gewerkschafts- Zerstörern, die heute rot und morgen gelb sind. Bisher hatten diese putzigen Sportsleute den kindlichen Mut, zu bestreiten, daß ihr Verband ein kommunistischer sei. Das hat sie nicht gehindert, die nachstehende Entschließung anzunehmen: ..... Die 2. Landeskonferenz der KG. spricht der KPD. und dem unter ihrer Führung kämpfenden KIV. als der Partei, die als einzigste einen entschiedenen und entschlossenen Kamps gegen Lohnraub und Faschismus führt das vollste Ver- trauen aus und richtet an alle sporttreibenden Arbeiter den Ruf: Werdet Mitglieder der Partei und des Iugendverbandes! We Kraft in den Dienst der W e r b e- kampagne der RGO.I Jeder rote Arbeitersportler wird Mitglied der NGO.!" Das Geständnis muß man sich merken, wenn die Leute sich später wieder„neutral" stellen sollten. In Halle hatte man den mehr als 1000 Personen fassenden großen Saal des Volksparkes als Tagungslokal ausersehen. Er- schienen waren jedoch höchstens 140 Personen aus dem ganzen, fast unbegrenzten Landesgebiet, darunter befanden sich noch die Bonzen und Ehrenbonzen, die von den Leibesübungen sicherlich nichts verstehen In der Begrüßungsrede kam schon die Ent- täuschung über den schwachen Besuch zum Ausdruck:.Leider sind in diesem Jahre weniger Delegierte als iin Vorjahre gekommen." lieber den Verlauf der Tagung schreibt das sozialdemokratische ..Hallesche Voltsblatt": „Die Tagung selbst wurde ausgefüllt von wüsten Lärm- s z e n e n rebellierender Mitglieder. Den Leitern wurde ganz offen Unfähigkeit vorgeworfen: Die KPD. hätte die Der- sprechen gegen die Erwerbslosen nicht gehalten. Das Präsidium, in das man auch einen Mann wählte,, der gar nicht anwesend war, machte seine Sache so sehr„parlamentarisch", daß die Mitglieder wegen„Vergewaltigung ihrer Rechte" wild wurden und zum Schluß einer erklärte: Alle Beschlüsse sind eigentlich hinfällig, da sie nicht ordnungsgemäß zustande gekommen sind. Wie groß die Pleite war, ergibt sich auch aus.dem Schlußwort des Ver- fammlungsleitsrs, in dem dieser zusammenfassend erklärte: .Vir müssen zugeben, daß die Landeskonferenz nicht das brachte, was wir crhofftent(Keinerlei Widerspruch.) Die Schuld liegt in der schlechten Vorbereitung.(Wider- spruch einiger Bonzen, die sich getroffen fühlten!) Ich frage: Wo blieben die Minderheiten aus den reformistischen Vereinen? Sie sind nicht erschienen! Wir müssen in Zukunft dort bessere Zersetzungsarbeit leisten, lieber die Anträge, besonders die Frage der Agitationsbezirke, will ich gar nicht sprechen. Vir sehen überall Stagnation und Rückschlag« Das einzig Positive ist, daß wir alle Schäden und Mängel er- kannt und überprüft haben! In der Jugendarbeit sieht es auch t r o st l o s aus. Rur drei Sparten haben Iugendgruppen. Um da aufzubauen, brauchen wir einen neuen Apparat." Wohlgemerkt, alle diese Geständnisse stammen von einem Linien- kommunisten, der, soweit er die Pleite eingestand, keinen Wider- spruch in der Versammlung fand. Beweis für die Unfähigkeit von „Rot Sport" ist auch, daß Herr Franken als mitteldeutscher .Landesleiter" abgesägt und durch Fleischer- Sangerhausen er- setzt wurde. Trotzdem bringt es die Zeitung„R o t s p o r t' vom 20. April fertig, im Leitartikel„Unser Kurs" folgende einleitenden Sätze zu schreiben:„Eine Position nach der anderen gewinnt die revolulio- näre Opposition im Arbeitersport. Die sozialfaschistische Sport- bürokratie ist in die Sackgosse getrieben, steht in der Defensive!" Wir wollen weiter sehen, wie die eroberten Positionen aussehen. In Süddeutschland sieht das„gewaltige Aufwärts von Rot Front" nicht anders aus. Ueber die Landeskonferenz berichtet der„Rote Sportler", ein kommunistisches Landesorgan, im ganzen Landesgebiet hat Rot Sport nur 26 Fußball-, 17 Schützen-, 8 Schwer- athleten-, 4 Radfahrer- und 6 Turnabteilungen. Das ist alles! In Frankfurt a. M. konnte an dem kommunistischen Reichsjugendtag, der am vergangenen Sonntag stattfand, das Sportprogramm nicht durchgeführt werden, well keine Sportler da waren. Wie einig, geschloffen und zielbewußt Rot Sport in Süddeutschland arbeitet, und welche Maßnahmen zur besseren Arbeit getroffen werden, darüber äußert sich der kommunistische Bericht wie folgt: „Schärfste Kritik wurde geübt an der mangelnden Mit- arbeit und dem zaghaften Auftreten unserer Genossen in den Bundesvereinen gegenüber den Reformisten. Hier ist unbedingt eine taktische Umstellung zur aktiveren Arbeit not- wendig. Nicht besser war die Beurteilung jener, bei denen die Meinung verbreitet war, daß man einfach den Kreis der Bundes- vereine verlassen soll, um dort den Reformisten freie Hand zu lassen. Dieses feige Desertieren vor der Auseinander- setzung mit dem Gegner wurde allseits oerurteilt." Es soll also ein verstärkter Druck auf die in den Zentralsport- verbänden sich befindenden Kommunisten ausgeübt werden. Wer nicht pariert und den Schwindel der KPD.-Leitung nicht mitmacht, hat die Konsequenzen zu tragen. Welche Druckmittel angewendet werden, sagt der Bericht wie folgt: „In dem zweiten Antrag wurde hauptsächlich die Tätigkeit der„Kommunisten" in den Bundesvereinen unter die Lupe ge- nommen und beschäftigte man sich mit dem Mitglied des Bundes- ausschusses der Soli(gemeint ist mit Soli der Arbeiter-Rad-, und Kraftfahrerbund Solidarität. D. Red.) F r o h n e r t- Offenbach. Die Haltung dieser„Kommunisten mit Gummisohlen" fordert zum entschiedenen Kampf gegen diesen auf. Die Konferenz beschloß einstimmig, bei der KPD. den Antrag zu stellen. Frahnert als Schädling der revolukionären Bewegung aus der Partei auszuschließen." »»> Frahnert ist hauptamtlicher Redakteur der Bundeszeitung des Arbeiter-Rad- und Kraftfahrerbundes„Solidarität" und als über- zeugtcr Kommunist bekannt. Nie ist ihm seine Gesinnung zum Vor- wurf gemacht worden, im Gegenteil, Frahnert hatte im reichsten Maße Gelegenheit, seine Ansichten zu allen Fragen seines Bundes in der von ihm redigierten Zeitung zum Ausdruck zu bringen. Da er sich für die Wahnsinnstaktik der KPD.-Sportler nicht gebrauchen ließ und die wirkliche Einheit des Arbeitersports höher stellte als Parteibefehle, ist er für den Ausschluß aus der KPD. reif Für Frahnert wird die Trennung von diesen„Freunden" nur ein Gewinn sein. Wie groß die Pleite für Rot Sport auch in Süddeutschland ist, zeigt die auf dieser Konferenz angenommene Resolution, in der die kommunistischen Sportler für den Miß- erfolg Rot Sports verantwortlich gemacht werden: sie ist ein Vuischrci gegcu die reformistischen Sporlsührer, denen selbst die Kcmmunisten aus den Leim kriechen! Deshalb ver- schärfter Kamps gegen die reformistische Bonzokratie und gegen die Kommunisten, die feige den Reformisten ausweichen. Die Opposition kämpft unentwegt mit dem Ziel Vernichtung des reformistischen Ein- flusses usw. Wir stellen fest, die kommunistische„Kampfgemeinschaft für Rote Sporteinheit" belügt sich und die Welt, wenn sie in bombastischen Tönen die innere Geschlossenheit und den stürmischen Aufmarsch der kommunistischen Sportbewegung anpreist. Einen Vorteil haben die kommunistischen Zwangsmaßnahmen: je schärfer sie angewandt werden, um so bestimmter öffnen sie den noch vernünftigen Kom- munisten die Augen und führen sie ins Lager der Bundestreuen zurück. Der kommunistische Sport ist innerlich faul und kann nie gesunden, er wird durch die Parteidiktatur am Leben erhalten, stets nur ein klägliches Schattenleben führen zu können. Markant, wuchtig und selbständig steht über ihm der ge- sunde bundestreue Arbeitersvort, der in der Z e n t r a l k o m- Mission für Arbeitersport und Körperpflege zu- sammengefaßt ist. In der eigenen Schlinge Eine jeizt zetigemafje Erinnereng Den kommunistischen Sportlern, die durch ihre Stadtverordnetenfraktion im Berliner Rathaus laufend Anträge auf verbilligte Fr«igab« von Turnhallen und Sport- Plätzen für die kommunistischen Sportvereine stellen lassen, sei ein Vorgang in Erinnerung gebracht, der sich zu der Zeit abspielte, als die Kommunisten noch Mitglieder im Arbeiter- Turn- und Sport- bund waren. Damals beschloß die KPD.-Sportlerfraktion, der Ge- schäftsführer sollte im(städtischen) Hauptausschuß für Leibesübungen einen Antrag durchbringen, der verlangte: Allen Dereinen, die keiner Zentralinstanz(wie ZS.. DT.. DSD. usw.) angehören, sind städtische Rebungsstätten nicht zu überlassen. Der damalige Vorsitzende von ASV. Fichte, Franz Kirsch, kam nach Annahme dieses Beschlusses mit folgenden Worten hoch- erfreut in die Geschäftsstelle zurück:„Also das haben wir erreicht!" Jetzt, wo die Kommunisten nach diesem von ihnen ver- anlaßten Antrag behandelt werden, schreien sie über„Turn- hallenraub" durch die Stadt und die Sozialdemokraten. Dabei oerwehrt ihnen niemand die Uebungsstätten, sie müssen nur den vollen Satz bezahlen, well— sie keiner„Zentalinstanz" angehören. .Arheiterrsdler werben! Wer jetzt kommt, zahlt keinen Eintritt. Die Berliner Mitglieder des Arbeiter-Rad- und Kraftfahrer- Bundes„Solidarität" führen gegenwärtig eine großzügige Werbeaktion durch. Ein besonderes Flugblatt wendet sich an die Radsportler, die noch immer abseits stehen oder noch in bürger- lichen Vereinigungen ihre Mitgliedschaft aufrechterhalten.„Hinein in der Welt größte Sportorganisation" lautet die Parole für alle Arbeiterradler, und freudig haben die Aktiven dieser Massenorgani- sation diese Parole aufgegriffen. Sei es in der Werkstatt, sei es im Büro, überall bringen die Arbeiterradfahrer ihre Werbung an. Was bietet„Solidarität"? Zunächst Rechtsschutz in allen Straf- und Zioilrechtsfällen, soweit sie sich bei der Ausübung des Rad- fports, ergeben. Dann verschafft der Bund seinen Mitgliedern große Annehmlichkeiten beim Grenzübertritt, u. a. die zollfreie Grenz- Überschreitung mit dem Fahrzeug. Eine Unfallunterstützungskasse, die einen täglichen Satz bis zu 2,50 Mark gewährt und im Todes- falle eine Hinterbliebenenbeihilfe vorsieht, verdient neben der Ein- richtung der Haftpflichtunterstützung besondere Beachtung. Bei Rad- diebstahl erhält das Mitglied aus der bundeseigenen Fabrik ein Fahrrad kostenlos geliefert. Die monatlich erscheinende Bundes- Anpaddelri im Regen Beim Anpaddeln der Freien Fallbootfahrer regnete es fast ununterbrochen. Die Fahrer sahen fast wie die Schiffer auf hoher See bei schwerem Weller aus. zeitung— Auflage über 350 000— informiert auf das beste über das Organisationsleben und vermittelt darüber hinaus aus fach- kundiger Feder manchen lehrreichen Aufsatz. Alle Radspartarten werden gepflegt, auch Rennsport auf Bahn und Straße. Und das alles für den geringen Viertcljahresbeitrag von 1,10 Mark. Die Motorsportler kommen in besonderen Abteilungen zu ihrem Recht. Hier sei aus die Hastpflichtunterstützung, die Schadensfälle bis zu 30000 Mark für eine jährliche Beitragsprämir von 24 Mark für die Solomaschine und für eine jährliche Aeitragsprämie von 30 Mark für die Beiwagenmaschine deckt, aufmerksam gemacht. Im übrigen nehmen die Motorradfahrer die eingangs erwähnten Vergünstigungen für Radfahrer in Anspruch. Der Vierteljahres- beitrag lautet für diese Sparte 2 Mark. Alles in allem Leistungen, die nicht überboten werden können. Wer im Monat Aprll seinen Beitritt zum Arbeiter-Rad- und Kraftfahrer-Bund„Solidarität" vollzieht, ist von der Eintrittsgebühr(1,50 Mark) befreit. Aufnahmen bei den Funktionären in allen Stadlleilen und in der Geschäftsstelle R. Rothbart, Berlin SW. 11. Schöneberger Straße 17s.____ Die Geräteserie Der Entscheidungskampf in den Arbeiter-Geräte- ferienkämpfen, Männer L-Klasse, zwischen SV. Moabit und FTGB.-Lichtenberg kam in der vollbesetzten Turnhalle Waldenser Straße zum Austrag. Das Resullat am Barren war Lichten- berg 160, Moabit 159 Punkte. Beim Pferd konnte Moabit fünf Punkte herausholen, Resullat Lichtenberg 150, Moabit 155 Punkte. Mit 4 Punkten Vorfprung für Moabit begann das Reck- turnen, hier wurde manch schön« Uebung gezeigt, ganz hervorragend war Cising-Lichtenberg und Leuthold-Moabit. Die ersten drei Turner von Moabit versagten jedoch und Moabit verlor 8 Punkte. Mit 4 Punkten war nun Lichtenberg im Dorteil: die Gymnastik brachte beiden 35 Punkt« und so blieb Lichtenberg Sieger und damit Meister der L-Klasse. Das Gefamtresullat war: Lichtenberg 509 und Moabit 505 Punkte. Lichtenbergs Mannschaft ist besser im Gesamtdurchschnitt, wogegen bei Moabit nur Leuchold und E. Pause hervorzuheben sind. Der ganze Abend war jedoch für das Geräteturnen ein« wirtliche Propaganda und hat bewiesen. daß das Turnen bei allen Sportarten immer noch mit an erster Stelle steht. Leipzig— Paris 7:4(3:4). Die Pariser Fußballelf. die am Sonntag in Berlin mit 6: 2 eine schwere Niederlage hin- nehmen mußte, wurde auch in Leipzig geschlagen. Vor 10 000 Zu- schauern unterlagen die Franzosen in Leipzig mit 7: 4(3: 4>. Leide Mannschaften hatten einen ausgezeichneten Start und innerhalb der ersten 25 Minuten fielen bereits fünf Tore. Die Jugendgruppe Osten de» Touristeuvcreins„Die 71a wr- freuude" veranstaltet Donnerstag, 23. April, in der Schulaula, Hohenlohestraße 10/11, einen heiteren Abend unter dem Motto: „Eine heitere Sendung auf Welle.Berg frei'". Beginn 20 Uhr. Einlaßkarten 25 Pfennig an der Abendkasse. Gäste herzlich will- kommen. Boxring Zirkus Busch. Der durch seinen lc.-o.-Sieg über Horst Hinzmann in der Neuen Welt populär gewordene junge Düsseldorfer Schwergewichtler Willi Müller ist für einen Berliner Kampf am Donnerstag, 3 0. April, im Zirkus Busch gegen Karl Walter verpflichtet worden. Dieses Treffen wird einen wirkungsvollen Rahmentampf im Programm bilden, das als Haupt- kämpfe B e s s e l m a n n gegen Geeraerts und Walter N e u s e k gegen Egon S t i e f bringt. «cht i Die Pflngsttahrtcn Für die Pfingsttage laden die Naturfreunde die Berliner Arbeiterschaft zur Teilnahme an Gesellschaftsfahrten ein. Sie führen vom 24. bis 26. Mai ins östliche Erzgebirge. Berührt werden dabei folgende Punkte: Bahnfahrt bis Gottleuba. Fußwanderungen durch das Gottleubatal, Sattelberg, Kipsdorf. Rote Weiseriztal, Tal- sperre, Rabenauer Grund, Abfahrt Sonnabendabend, Ankunft in Berlin Dienstagabend.— Eine zweitägig« Pfingstwanderung führt durch das Eilangtal. Bahnfahrt bis Reppen, dann Wanderung durch dos Eilangtal, Clauswalder Mühle, Biebertcich, und weiter durch das Cilangtal nach Sternberg.— Für alle diejenigen, die im Anschluß an Pfingsten ihren Urlaub haben, findet eine achttägige Wanderung„Durch hessisches Bergland, an Weser und Werra" statt, und zwar vom 24. Mai bi» 31. Mai. Die Fahrt führt zunächst mit der Bahn nach Holzminden, dann weiter nach Soling, Uslar, Wesertal, Münden, Kassel, Kaufunger-Wald, Werratal, Hoher- Meißner, Tresfurth, Eisenach mit Besichtigung der Wartburg. Alles nähere ist aus dem illustrierten Hauptprospekt ersichtlich, der gegen Einsendung von 35 Pf. zugesandt wird. Auskunft erteill das Reise- büro des Touristenvereins„Die Naturfreunde", N24, Johannis- ftraße 15. � JZS®®., Äannitjitl. CrBcnnunflifpert ab fftertefl, 24.«»til, RaWcifc- Spislvlafc, 18 Udr.— Rttiliipttlullnt. Mit' wach» Nacktbaden in der Gericht- stratle. Mitglieder von Bruderorganisationen haben»egen Answei» Zutritt. Solid-rttLt, Kraftfahrer. Beranitaltungen ain Conntoa, dem 2ß. April. Bundcsfilm.Matinee der Ortsgruppe um 11 Uhr in den Gomeniuskelifälen, Mcmcler Str.«7. D4 Uhr Köpenick, Kaifer-WilbeUiPStr. 3.— Abt. Tr«Ptoa>Baums chulenwcg: Tangermünde, etwa 220 Kilomeier. 8 Uhr Bahnhof Baumschulewweg. — Abt. Mvabit: iziel am S'art. 9 Udr Wieloflir. 17. rt«i« jsaUbootfahrer Berlin. Kusammenlünft« Donnerstag, l». April, A Uhr. Gruppe Norden im Restaurant Polster, Schmedcnftr. 14. Gruppe Nordosten im Neftautant Schädel. Prenzlauer Allee 32. Gruppe Südosten im„Sport. Haus" Dircki'cnstr. 1. In allen Gruppe» Geschäftliches und ssahrtenansetuinq. Gäste milUommen. Connja», 23. April, Beteitiauna am Anpaddeln der chavel» vereine. Eintreffen aller Gruppen spätestens 12 Uhr Ablag« Pavenberge. Reichibanaer.Äaffersoort.Abteiluugea. Kur 2. Werberegatta des ATuSpB. am Sonntag, dem 10. Mai. auf dem Beefise« in Brandenburg, stnd für Teil» nehmer und Iuschauer billig- Autofahrten eingerichtet, ssahrpreis 2d0 M. lErioerbslos« billiger), für Sin- uird Rückfahrt. Abfahrt 7 Uhr Bahnhof Job. Meldungen bis spätestens 1. Mai bei den Spvitwartrn der einxelncn Iüge, unter Beifügung des srahrgeldes. Arbeiter-Säingenbund, Abt. Wcddiug. Donnerstag, 20. April, Uebungsaber.d in der Turnhalle Müller- Ecke Triftstrast«.— Ansschoidungslämps«. Donners- tag. 2ö. April, lämpft Echönberg gegen Brist in Brist, Bürgerstr. 4L— 49, bei Tristram,£0 Uhr. spreiiag. 24. April, Parfoiv gegen Gharlottenburg in Halensee, Westfälisch« Str. 42, bei Sandmann, 29 Uhr. Frei» Schwimwee Ehartottenlmrg.«o-uabteU-ng. Donnerstag. 17 Uhr, Training im Bootshaus. Sonntag, 8 Uhr, Gemeinschaftsfahrt nach Bürger. ablag- m Sport und Spiel. ssie!« Sportoereinigung Lappegarte». Sonnabend. 25. April, 20 llhr, Mv- natsversammleiug im Birfensteiner Krug. «tele Sport- und Schllstenvereinigung Grost.Berlin, Abt. Prenzl-ncr Berg. Donnerstag und s?reitag Schiestadende bei Resch«, Mester Str. 23. Sonnabend, 2ö. April, Gästofchicsten ebendort um 20 Uhr. Arbotter-Phatv-Vilde Berlin. Donnerstag, 23. April, 2» Uhr, Dunkel- iammer Wassertorstr. 9, Arbeitsabend, fftoitag. 24. April. 20 Uhr. Iugond. heim Lindens::. 4 Lichtbildervortrag:„Pan. und orthochromatisch« Emulsionen". ffttlt Phow-Bereinigung. Donnerstag. 28. April. 20 Uhr. Phpfibgimmerr Schule Pank» Eck« B tosen lloaste. Dr. Nonmoirn:„Sildoufdgu".