Morgenausgabe Oonnersiag m im MV WT�H' U I Hm �. Auswärts 15 pf. kinichlietzlichsoPf. Posh-W-Ngs. und«W>~StB U H BB k~ BW IBa ZW WD W HU // Hi r 72 Ps.Postbest-llgkdüh»� Ausland». iTHB H■B UM DM«M MI» MD l£. H WH T-- // Sie cinfpalt monranlOtjeite 80$(. obonnemeiTt 6,— ÜR. pro rmonat; für»BHHC V�HH Dll HE DM MD WD DM WM MM Hi WM MM // Rellomezeile s.- RM...«leine An. Lander mit ermäßigtem Druckjochen. W*MM MD WW HH SM W> MM WM Sm WM � Uf HBB 1 ilL. zeigen" dos lettoebrujte Wort 25 PI. ""T"-■■■ ML MMM Müll M■ MM/ «iTbÄXSlgarÄX 7/ �/ M> /_ M! �Sr«" s 60 �"°�n- und im Handel mit dem Titel„Der 2? m«nÄio.nenmobnm äuääs VOAMtOv VPWKpDMß vSKLWs Jsntvawvgan der Sozialdemokratische« Oavtei Deutschtands Viedaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: DönhofI 292—201 Tclegramm»Adr.: Sozioldemokrat Berlin, Die Eniwicklung des Arbcitsmarktes in den ersten beiden April- Wochen bringl eine schwere Enttäuschung, während in der zweiten Märzhälflc die erste Entlastung des Arbeilsw.arktcs einen Rückgang von 224000 Erwerbslosen brachte, hat sich nach dein Bericht der Reichsanstalt die Zahl der Erwerbslosen in der Zeit vom 1. bis 45. April nur um 120000 Arbeitslose verringert. Damit waren am 15. April noch 4(>28 000 Arbeit- suchende vorhanden, insgesamt sind also in diesem Frühjahr erst 544 000 Erwerbslose wieder eingestellt worden, während im vec- gangcaen Zahr schon bis Ende wärz 500 000 Arbeitslose wieder Beschästigung gesunden hatten. Die saisonmäjzige Erleichte- rung hat also bisher in diesem Zahr einen viel geringeren!lmsa»g als im Frühjahr 1350. Wenn demgegenüber die Reichsanstolt in ihrem Berich,! sesi- slellt. das) die Zahl der hauplunterslülzungscmpsönger um 212 000 und die Zahl der Krisenunlerstllhlcn um rund 54 000 Personen ge- sunken ist und daran die Feststellung knüpft, dast die Entlastung einen gröheren llmsong als in der gleichen Zeit des Vorjahres an- genommen habe, so halten wir diese Erklärungen sür eine 2 r r c- j ü h r u n g der Ocssentlichkeit. Jeder Richteingcweihte wird hieraus entnehmen, dast der Arbeilsmarkl eine ersreulickze Entlastung erfahren habe, während der starke Rückgang der von der Versicherung unter st ützten Arbeitslosen doch talsächlich nur damit zusammenhängt, dasz die Krisenunlerslühung Ende März vom Im Namen des Vorstandes der sozialdemokratischen Reichstags- froktion hat Abg. Dr. B r c i t s ch e i d solgendes Schreiben an den Reichskanzler Dr. Brüning gerichtet: „In einer Reihe von Städten, insbesondere in Köln, Duisburg, Hamborn, Dortmund, Hamburg. Hannover, Stettin ist in den letzten Wochen der Brotpreis erhöht worden, am Montag, dem 20. April auch in Berlin. Diese Brolpreiserhöhung ist nicht nur geeignet, eine sehr ernst- haste Beunruhigung in der Bevölkerung hervorzurufen, sondern > sie steht auch im Widerspruch zu der Bestimmung des Zollgesehes vom März 1331, wonach die Regierung verpslichtct ist.„mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln einer Erhöhung des Brotpreises über den vom Statistischen Rcichsamt ermittelten durchschnittlichen Drotpreis der letzten sechs Monate vor Inkrafttreten dieses Gesetzes vorzubeugen". Die Rcichsregicrung l)at in den Wachen vor der Verabschiedung des neuen Zollgesetzcs durch den Mund des Reichskanzlers und des Herrn Reichsernährungsminiftcrs wiederholt erklärt, daß in den heutigen Notzeiten eine Erhöhung der preise der wichtigsten Lebensbedürsnifse, insbesondere des Brotes, unbedingt vermieden werden müsse. Durch das neue Zollgesetz vom März 1351 sind der Regierung über die bisherigen Ermächtigungen hinaus neue Vollmachten verliehen worden, die Zollsätze für sämtliche landwirtschaftlichen Erzeugnisse ohne unmittelbare Mitwirkung des Reichstages der Wirtschaftslage entsprechend festzusetzen. Diese Vollmachten lege» der Reichsregie- rung ober die Verpflichtung auf, den im neuen Zollgesetz ousdrück- lich enthaltenen Vcrbrauchcrschutz mit der allergrößten Sorgfalt durchzuführen. Wir gestatten uns daher, die Rcichsregierung darauf aufmerk- fam zu machen, daß nicht nur auf dem Gebiete des Roggenbrot- preis«? die unmittelbare Gefahr einer Verletzung der gesetzlichen Verbraucherschutzbestimmungen besteht, sondern daß auch durch die Entwicklung des weizenmarkles eine Heber- schreitung des im Gesetz festgelegten Richtpreises zu befürchten ist. Darüber hinaus wirkr sich die Preisentwicklung an den Futter- getreideniärkten zu einer immer drückenderen Belastung der auf Futtermittelzukauf angewiesenen bäuerlichen Bevölkerung aus, einer Belastung, die um so ungerechtfertigter ist. als die Ueberfüllung auf dem Roggen- und Kartoffelmarkte, die den Anlaß zur Drosselung der Futlergetreideeinfuhr gab, heut« überwunden ist. Wir halten daher folgende Maßnahmen auf dem Ge- biet- der Setrcidepolitik für dringend erforderlich: 1. Sine Senkung des Roggqnpreiscs in dem Aus- maß, wie es erforderlich ist, nm die Brotpreiierhöhungen. die seit der Newdjchiedlulg des Zollgchches vorgenommen wurden, wieder Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Reichsarbeilsminister Stegerwald nicht mehr verlängert wurde. so daß Aussteuerungen in großer Zahl erfolgten. Dies zeigt ganz klar die Differenz von 126 000 Personen zwischen der vcr- Minderung der Arbeitslosen überhaupt und den» Rückgang der v e r- sicherten Erwerbslosen. Die Einzclberichte aus wichtigen Berussgruppen zeigen, daß der Abruf von ArbeUskräslcn in die L a n dw i r t sch a s l vorläufig nur zögernd Fortschrillc macht, hier spielt sicherlich die ungünstige Witterung eine Rolle. 2m Baugewerbe hat sich die Arbeits- oelegenheit für Tiefbauarbeiten besser entwickelt als die Hochbau- täligkeit, bei der sich jetzt schon Finanzierungsschwierigkeiten fühlbar machen. Die B a u st o s f i n d u st r i e n haben mit Ausnahme der Ziegeleien in ziemlich erheblichem Umfange neue Kräfte cingestelll. 2m Steinkohlenbergbau Hot sich die Lage sogar noch verschlechtert, und im Ruhrbezirk wurde ein weiterer Abbau von Belegschasten vorgenommen. Auch in der Eisen- und Stahlindustrie macht sich noch keine Erleichterung des Krisendrnckcs fühlbar. 2n der RIctallvcrarbeitnng ist die rückläufige Bewegung zwar zum Stillstand gekommen, jedoch kann im ganzen von einer Belebung noch nicht die Rede sein. Achnliches gilt für das holz- und Schnitz- ftossgewerbc. Der Arbeiksmarkt in der Spinnftofsindustrie und dem Betleidungsgcwerbc hol im allgemeinen eine Weilerentlastung cr- sohren: jedoch stieg der Beschäftigungsgrad langsamer als in der zweiten wärzhölste. rückgängig zu machen. Sollten die Bestrebungen der Regierung. eine Senkung des Brotpreises durch eine Verringerung der preis- spanne zwischen Roggen und Riehl bzw. Riehl und Brot herbei- zuführen, nicht Innerhalb eines ganz kurzen Zeitraumes erfolgreich Heute abend: Frauen-Kundgebung In der „Neuen Welt"- Beginn 20 Uhr. sein, so wäre schon jetzt für diesen Fall eine Senkung des Roggen- Zolles vorzusehen. 2. Sofortige Verbilligung der wcizcneinsuhr in dem Ausmaß wie es erforderlich ist, um die Ausrechterhaltung des im Gesetz festgelegten Richtpreises von 260 Mark je Tonne sicherzustellen. Z. V e r z i ch l aus die beabsichtigte Erhöhung des Hafer- Zolles. 4. Verbilligung der Futlerger st ee infuhr in der weise, daß beim Bezüge von einem Doppelzentner Kartofselslocken der Anspruch'aus den Bezug von zwei Doppelzentnern zollbegün- siigler Gerste gegeben wird, und zwar zu einem Zollsatz, der wesenl- lich unter dem heutigen Sah von 6 Akark pro Doppelzentner liegt." Oer Haß gegen den 1. Mai. Oeutschnat>onaler Protestbrief.. Der Deutschnationale von Winterfell verlangt vom Reichsministcr des Innern, daß er die Genehmigung der Maidemon- ftration in Berlin oerbiete. Er hat einen Protcstbrief an Wirth und S e o e r i n g gerichtet. 15 Pros. Lohnabbau? Zur die Angestellten von Nordwest. Düsseldorf, 22. April. Unter dem Vorsitz des Schlichters Prof. Brahn wurde heute für die Angestellten von Nordwest ein Schiedsspruch gesälit. nach dem die T a r i s g e h ä l t e r der Hauptgruppen ins- gesamt um 15 Proz. und die der beiden unteren Gruppen u m 10 Proz. gekürzt werden. Der Schiedsspruch wurde von Arbeitgeberseite Nordwest angeuommcn. Die Stellungnahme der Angeslelltengewcrkschasten steht noch aus. Die Erklürunzssrist läuft bis zum 24. April 193L Postscheckkonio: Berlin 37 536.— Bankkonlo: Bank derArbciler, Angcslelllen und Beamten, Lindenstr. 3, Dt. B. u. Disc.-Ges., Depositen!., Zerns alemer Str. 65-68. Spaniens Wehrmachtgefahren Die Unterordnung der Militär- unter die Zivilgewalt. Die spanische Republik scheint sich trotz anfänglicher Säiwierigkeiten rasch durchgesetzt zu haben, rascher vielleicht, als man vermuten konnte, und hat die im Augenblick größte Gefahr, die Gefahr des katalanischen Separatismus, wohl glücklich überwunden. Die politisch ungezogen und menschlich peinlichen Behauptungen der Hugenberg-Presse, daß Spanien wenige Stunden nach der Abreise des 5�önigs sich in voller Auflösung befinde, haben sich nicht bewahrheitet. Katalonien steht, wie die Telegramme seiner Minister an die„Vorwärts"- Redaktion beweisen, hinter der spanischen Republik, und man wird dem politischen Geschick und der moralischen Besonnen- heit der Politiker in Madrid und Barcelona seine Anerken- nung nicht versagen können. Fürs erste jedenfalls ist der Weg zu gestaltender Arbeit frei, und die Freunde der jungen Republik in Deutschland sind ihrer ersten Sorgen um das frei- hcitliche Geschick der spanischen Ration enthoben. Dennoch ist es notwendig, auf eine besondere Gefahren- quelle aufmerksam zu machen, die bei der Freude über den ersten kühnen und glücklichen Anlauf des spanischen Republikanertums leicht übersehen werden kann. Es ist nicht zu verkennen, daß die Kräfte, die den Umsturz in Spanien herbeigeführt haben, sozial und politisch sehr ungleich- artig sind und sich aus den verschiedenartigsten Lagern re- krutiercn. Da sind einmal gewisse konservative Gruppen, die sich unter Führung und unter dem Einfluß des Grafen Romanones befinden. Da sind die liberalen Kreise aus Handel und Industrie, die für den aufstrebenden Kapitalismus des Landes in der feudalen Ordnung der Monarchie einen zähen Gegner fanden. Da ist die glanzvolle und zahlreiche akademische Jsttclligenz und find schließlich die ge- werkschaftlichen und politischen Organisationen der Ar- b e i t e r k l a s s e, die allerdings zahlenmäßig infolge der zurückgebliebenen Entwicklung des Landes nicht allzu stark sind. Zu diesen Gegnern der Monarchie kommt ein ganz bt- sonderer und vorsichtig zu bewertender Faktor, das Offizier- korps, insbesondere das Offizierkorps der Artillerie, der Fliegertruppen und der technischen Regimenter. Die Ursachen für die antimonarchistische Einstellung in diesen Kreisen sind mannigfach und nicht ganz klar zu über- sehen. Zu einem Teil mögen es die auch in Deutschland be- kannten Spannungen zwischen dem bürgerlichen und dem adligen Offizier gewesen sein, die die antimonarchische Ein- stellung der genannten Kreise bestimmt haben. Zum anderen und kleineren Teil waren es wohl Beziehungen zur revolutio- nären akademischen Intelligenz, deren antimonarchische Hal- tung gerade auf die Offiziere der technischen Waffengattungen einen gewissen Eindruck gemacht haben mögen. Zum größeren Teil aber wird wohl der unglückliche Ausgang des marokkanischen Feldzugs eine beim Berufssoldaten natürliche Erbitterung hervorgerufen haben, wobei unter- strichen werden muß, daß für weitere Kreise auch außerhalb des Offizierkorps der Name des Königs mit dem blutigen und kostspieligen Mißerfolg in Marokko verbunden geblieben ist. Diese reichlich bunt zusammengesetzte Anhängerschaft wird die junge spanische Republik zweifellos vor ernste Aufgaben stellen. Sie wird darauf zu achten haben, daß sie einen Kar- dinalfehler aller republikanischer Revolutionen im letzten Jahrhundert nicht wiederholt, nämlich Außerachtlassung derArmee. Es wird keinesfalls genügen, die unklare anti- monarchische Stimmung der oben genannten Offizierkreise als politisch umrissenes Bekenntnis anzusehen. Es wird auch nicht genügen, die zunächst zweifellos ehrlich gemeinten Loyalitätsbekenntnisse der Führer aller Grade als Grundlage für die künftige Wehrpolitik der Republik anzusehen. Die spanischen Republikaner werden begreifen müssen, daß die Armeefrage bei einer republikanischen Staatsgründung eine Frage ganz besonderer Art ist, die mit größter Sorgsamkeit und Entschiedanheit behandelt werden muß. Wir brauchen in diesem Zusammenhang nur an das tragische Geschick der deutschen Revolution von 1848 zu er- innern. Das Parlament in der Paulskirche war eine Ber- fammlung der erlesensten und besten Geister der Nation, eine wahrhaft erlauchte Versammlung, die an idealistischem Schwung, an Reichtum der Ideen und der Sprache ihres- gleichen sobald nicht wieder findet. Die Verfasiung von 1849, die die bemerkenswerteste Leistung dieses Parlaments gewesen ist, ist trotz vieler Mängel ein Musterbeispiel guter Verfassungs- arbeit, und trotzdem hat diese noch so gute Verfasiung das Schicksal der Revolution nicht aufhalten können, und erst ein Lassalle mußte den deutschen Arbeitern klarmachen, daß Zk'c- sassungssragen nicht so sehr Frozen der staatsrechllicheu Lon- Roch 4628000 Arbeitslose. Zn der ersten Aprilhalste nur ilZOVOO Arbeiislose weniger. Gegen die Brotteuerung. Korderungen der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Lunkerterror in Ostelbien. Eine Lehre des Giahlhelm-Volksbegehrens. Eine endgüllige Uebersicht über das Ergebnis des Stahlhelm- Volksbegehrens liegt zur Zeit noch nicht vor. Die Bundesleitung des Stahlhelms nennt K Millionen als ungefähre Ziffer der Einzeichnung, und die Rechtspresse bemüht sich, aus diesem Ergebnis einen Erfolg zu machen. In Wahrheit bedeutet es einen Miß- erfolg, denn die Zahl der Einzcichnungen bleibt danach um rund ein Drittel hinter der Stimmenzahl zurück, die die das Volksbegehren betreibenden Parteien bei den Septemberwahlcn in Preußen erzielt haben. Die Presse der Rechten sucht deshalb bereits nach Eni- schuldigungcn, und so liest man, daß bei wirklich freier Meinungsäußerung die Zahl der Einzeichnungen beträchtlich höher gewesen sei. Nun ist sicherlich bei einem sehr erheblichen Teil der Bevölkerung die F r e i h e i t der En t s ch l i e ß u n g gegenüber dem Volks- begehren sehr erheblich beeinträchtigt gewesen— jedoch z u g u n st e N des Volksbegehrens. Im allgemeinen ist in den großen Stödten und in den industriellen Bezirken die freie Meinungzäußc- rung gewährleistet, in den ausgesprochen agrarischen Gc- bieten jedoch wird sie durckz den reaktionären Terror der Guts- besitzcr aus das schwerste beeinträchtigt. Hier ist ein sehr ernstes Nachwort zu der Zlktioki des Stahlhelms notwendig! Die Eintragungsziffern in den oeidcn ostelbischen Bezirken Pommern und Ostpreußen unterscheiden sich sehr wesentlich von den Eintragungsziffern im übrigen Preußen, namentlich in den Dörfern. In Pommern sind in einzelnen Kreisen Eintragungs- Ziffern von über 60 Proz. der Stimmberechtigten festgestellt worden, so in Greifenberg(Kreis) 61 Proz.� Regenwalde(Kreis) 63 Proz., Cammin(Kreis) 63 Proz., Dramburg(Kreis) 76 Proz., Kreis Schi- velbein 76 Proz., Bublih(Kreis) 73 Proz. Das find die Kreise. die schon beim Doung-Volksbegehren ähnlich phantastisch hohe Ein- tragungszissern erzielten, was sich aus dem grenzenlosen Terror der Großgrundbesitzer erklärt. 3m ganzen sind in den beiden Provinzen Pommern und Ostpreußen fast eine Million Eintragungen gezählt worden. Die Zahl der Stimmberechtigten in beiden Provinzen beträgt etwa lg Proz. der Stimmberechtigten in ganz Preußen, die Zahl der Eintragungen jedoch 17 Proz. der Gesamteialra- g u n g e a i Diese Zisfern zeigen deutlich genug, wo die freie Meinungsäußerung bei diesem Voltsbegehren eingeschränkt ge- wesen ist! In den Eintragungsziffern in Pommern und Ostpreußen komm! der wahre Sinn der Stahlhelmaktion gegen die Preußenregie- rung zum Ausdruck. Die nach der Revolution entsachte oft. e l b i j ch e Iunkerkast« betreibt dies« Aktion, um die Staats- gewalt in Preußen wieder in die chand zu bekommen und sie für ihre Sonde riirtcresse» gegen das Volk ausnutzen zu können. Diese Kaste hat bei der öffentlichen Einzeichnung rücksichtslos mit terroristischen Mitteln gearbeitet, um die wirtschaftlich abhängige Bevölkerung ihren Interessen dienstbar zu machen. In öffentlichen Ausrufen ist in diesen Provinzen erklärt worden, daß nicht willfährige Arbeiter entlassen und G e• Ich ä st Ol eilte, bp y rgtti e rt, werden Mrden... Die Drohung mit der Vernichtung der Existenz hat sehr viele zur Einzeichnung geführt, die sich nur zähneknirschend dem Druck des Terrors ge- beugt haben. Man wird nackz dem Volksentscheid die Möglichkelt haben, zu kontrollieren, ob die Zahl der für das Volksbegehren- gesetz beim Volksentscheid abgegebenen Stimmen die Zahl der Ein- Zeichnungen wieder erreichen wird. Bor allein aber werden die kommenden Laizdiagswahlen sehr deutlich zeigen, daß die Ein- tragungsergebnisse im Herrschaftsgebiet der ostelbischen Iunkerkast« nicht dem politischen Willen der Bevölkerung entsprechen! An dieser schamlosen Terrorisierung der wirtschaftlich abhängigen Bevölkerung haben sich preußische Gemeindevorsteher und A m t? v o r st« h c r in der unoerfrorensten Weis« beteiligt. Die Erfahrungen, die man sowohl beim Volksbegehren für die Fürsten- enteignung wie beim Poung-Lolksbegehren mit der öffentlichen Ein- Zeichnung in diesen agrarischen Gebieten gemacht hat, sind diesmal bestätigt und Übertrossen worden. Dieser Terror geht zurück auf zentrale Anweisungen der agrari- schen Organisationen. Auch ans anderen agrarischen Gebieten wird über diesen Terror Klag« geführt. So ist in Gerbstedt im Mansselder Seekreis eine große Anzeige folgenden Inhalts oeröffentlicht worden: ..Ich mache Kanslenle und Handwerker darauf aufmerksam, daß ein Richteinzeichneu zum Volksbegehren wirtschaftliche Schädi- gungen für Sie im Gefolge hat. Amt Gerbstedt. den 20. April 1SZ1. 3ob Werner von der Schulenbnrg." Der Kreislandbund B i t t e r f e l d hat folgendes Schreiben on seine Mitglieder ergehen lassen:„Uns übergeordnete Stellen haben auf Grund unserer Einzeichnungsmeldongen festgestellt, daß im Kreise Bitterfeld am schlechtesten eingezeichnet worden ist. Deshalb die Aufforderung, unverzüglich die restlose Einzeichnung durchzuführen. Wir werden uns die Geschäftsleute merken, die es nicht zu einer Besserung unserer Lage kommen lassen wollen, da sie aus reiner Angst der Einzeichnung fernbleiben. Wir werden uns auch die Arbeitnehmer merken, die es ablehnen, mit uns zusammen- zuarbeiten, obwohl sie von uns Lohn und Brot erhalten. Für die nicht erwähnten Berufs stände trifft Vorstehendes auch zu.* Das charakterisiert die kreise, die lügenhaft über angebliche ve- einträchtigung der freien ZNeinungsäußerung gegenüber dem Volksbegehren schreien! Man kommt ferner nicht um die Feststellung herum, daß die staatlichen Organe in den agrarischen Bezirken gegenüber den gröbsten Ausschreitungen an vielen Orten versagt haben. Es wird uns aus dem Kreise Tvrgau berichtet, daß der Ortsausschuß für das Volksbegehren in der„S ch i l d a u e r Zeitung" Nr. 43 einen Aufruf erlassen hat, in dem es heißt: „Wer sich nicht in die Listen zum Volksbegehren eiiiträgt, der ist ein gemeiner und seiger Lump, ein erbärmlicher Verräter an seinem preußischen Vaterland. Wer will in der Stadt Gneiscnaus solch Lump und Verräter sein? Niemand außer den wenigen roten Gesellen, die unsere Heimat zerreißen und ver- giften wollen. Das stürzende System wird auch diese» Gesiudel begraben. 3eder, der wieder Ordnung und Sauberkelt für Preußen ersehnt, jeder, der fein Lump und Verräter ist, zeichnet sich ein." Gegenüber diesem unglaublich verhetzenden und beschimpfenden Ausruf, der mehrere strafbare Handlungen in sich vereinigt, ist bisher keine preußische Behörde eingeschritten! Aus den Erfahrungen mit diesem Volksbegehren muß der Schluß gezogen werden, daß die Macht des demokratischen Staates in diesen Hochburgen der Jurilerkaste noch nicht so erstarkt ist, daß sie der wirtschaftlich abhängigen Beoölkerung unbedingten Schutz und Sicherheit gegenüber dem schamlosen Terror gewährleistet. Die Beoölkerung in den agrarischen Hochburgen hat ein Recht darauf, daß sie der demokratische Staat gegenüber den Terroristen schützt. Wir sind sicher, sie wird bei den nächsten allgemeinen und geheimen Wahlen vor allem in diesen Gebieten den Terroristen dia gebührende Antwort geben! iftuktionz- als vor vllsn Dlstgon Mazen Zuwiderhandlung gegen die Verordnung de» Reichspräsidenten zur Bekämpfung polstischer Ausschreitungen bis 11. Mai 1SZ1 einschließlich verboten. Anklage gegen Gtahlhelmführer. Wegen Vergehens gegen das Repoblikschntzgeseh. Die Staatsanwallschaft l Berlin hat gegen die Stahlhelmsühree S e l d t e und Düsterberg Anklage wegen Vergehens gegen das Republik schutzgesetz erhoben. Das Vergehen wird in der Veröffentlichung eines von Sctdts und Düsterberg unter- zeichneten Aufrufes mit der lleberschrift„Kampf dem Zwischmre-ch" im„StalMelm" vom 18. Januar erblickt. Die nazireine thüringische Aegierung. Durch sozialdemokratische Stimmenthaltung gewählt. Weimar, 22. April.(Eigenbericht.) Der Thüringische Landtag ergänzte die thüringische Regierung am Mittwoch durch die Wahl der Landbuud» abgeordneten Mackeltey und Döbrich zu Staats- röten. Für den als Staatsrat freiwillig zurückgetretenen Staats- rat Port(Landbund) wurde Generaldirektor Baumgärtel (Vp.) gewählt. Die Regierungsumbildung erfolgte mit den Stimmen vbn 19 Abgeordneten der Wirtschaftspartei, der Deutschen Volkspartei, des Landbuirdss und der Staatspartei. Mit Nein stimmten 13 Üb- geordnete der Ncktionassozialisten und Kommunisten. 14 Abgeorb- nete der Sozialdemokraten enthielten sich der Stimme, 7 fehlten. Vor der Dahl fand eine lebhafte Aussprache statt, an der sich die Nationalsozialisten, Kommunisten und Sozialdemokraten beteiligten. Wiederholt wurden die Redner stürmisch unterbrochen. Abbau im Zwergland. Durchgreifende Ersparnisse in der anhaltifchen Staats» Verwaltung. Dessau. 22. April. Der Haushallsausschuß des Anhaltischen Landtages, der sich bei seinen Beratungen mit der allgemeinen Staatsverwaltung beschäftigte, nahm nahezu einstimmig grundlegende Aenderungon in der anh allischen Staatsverwaltung an, die zugleich Vereinfachung und Ersparnisse bedeuten. Die bisherigen Mlltelbshörden werden bei- behalten und zahlreiche Zuständigkeiten der Ministeriälinstanzen gehen auf die Mittel- und Unterinstanzen über. Die Staatsschulden- Verwaltung wird aufgehoben und mit der Fmanzverwaltung ver- einigt. Einzelne Staatsaufgaben werden den Organen der Selbst- Verwaltung übertragen. Es ist sicher, daß das Plenum de» Lank». tages diese Beschlüsse bestätigen wird. » Heber die Gründe, die für di« Brotorei-- erhdhung maßgebend waren, meint das Mini- sterium, dah eine große Rolle wohl die Tatsache gespielt habe, daß der Konsum an Kuchen in der letzten Zeit außerordentlich zurück- gegangen sei. ch-Ubr-Mxndblatt 2t.«. 2t) „Erst sür'n Oaler Kuchen! Dann laß ich das Brot zwei pfennje bitlijer!" Die �stoggenstühung. Herr StubSendorf blamiert sich, so gut er tonn. Der Untersuchungsausschuß für die Roggenstützung, der nach längerer Pause heute zum erstenmal wieder zusammentrat, wurde durch die Gegenwart der Nazis beehrt, die wohl allmählich wieder den Reichstag an ihre Anwesenheit gewöhnen wollen. Sie verhielten sich aber vollkommen st i l l und unterstützten die üblichen demagogischen Ausfälle des Landbündlers Etubbendon und des Bäckermeisters Fmzbe nicht. Nach der Entlarvung des auf Veranlassung des Abgeordneten Stubbendorf geladenen Zeugen Krüger-Roftock als..Lügen-Krüger", über die schon im gestrigen . Abend" berichtet wurde, wurde die Zeugenvernehmung fortgesetzt. Durch diese sollte klargestellt werden, ob im Lahre l928/2st durch die Tätigkeit der halbstaatlichen Getreide-Industrie- und Eommissions-A.-G. als Roggenoerkäufer die Landwirtschaft einen Schaden erlitten hat und ob durch die Handelsmarke„deutsch- p o�i N i s ch e r R a g g e n" der Preis für den angeblich besseren deutschen Roggen bei den Exportverkäufen gedrückt worden ist. Aus den Zeugenvernehmungen wurde klar, daß die Behaup- tung, die Handelsmarke„deutsch-palnischer Roggen" hätte zu einer Verdrängung des deutschen Roggens vom Exportgeschäft geführt. obwohl er in manchen Jahren, so auch ISN gegenüber dem pol- nischen Roggen von besserer Qualität wäre, nicht zutrifft. Bon dem Direktor der GLE. wurde ausgeführt, daß die Handelsmarke„deutsch- polnischer Roggen", die schon l92S gebraucht worden ist, für die deutsche Landwirtschaft vorteilhaft ist, da der polnische Roggen billiger angeboten Warden ist und bei getrennter Bezeichnung der deutsche Roggen dann nicht ans dem Auslandsmarkt abgefetzt werden könnte. Als am Schluß der Sitzung Herr Stubbendorf wieder von der sachlichen Zeugenvernehmung zu einer Polemik gegen die monopolistischen Tendenzen im Getreidehandel überging und von keiner Sachkenntnis getrübte Fragen stellte, wurde ihm vom Abge- ordneten Horlacher(Baqr. Volkspartei) erwidert: „Wenn wir so weiter fragen, wird der Ausschuh jeden Kredit verlieren. Diese Fragen sind schon in früheren Sitzungen erledigt worden. Die Fragen und Ausführungen des Abgeordneten Stubbendorf finde ich direkt naiv. Uns kommt es vor allein darauf an. zu erfahren, welche organisatorischen Aenderungen angesichts der kommenden Ernte getroffen werden sollen: alle übrigen Fragen sind überflüssig... Sie tun so, als ob man bloß das System zu ändern und den freien Handel wieder zuzulassen brauche, um Raggen exportieren zu können. Wie wollen Sie denn bei einem deutschen Röggenpreis von 199 M. aus dem Weltmarkt mit seinem Roggenpreis von 69 M. heute noch konkurrieren? Für einen gescheiten Menschen sind doch diese historischen Betrachtungen einfach für die Katz!" Der letzten Bemerkung schließen wir uns voll an: bis jetzt sind die Ergebnisse des Ausschusses wirklich für die Katz! Hiiler und der Geparaiismus. Dunkle Dinge aus der putschziit. Arankevthal. 22. April.(Eigenbericht.) Gestern und haute iand hier die Verhandlung gegen den Bürger- iiwster von Dirmstein, Römer, statt, der wegen Meineids angeklagt ist. Römer soll bei der Verhandlung einer Privatklag« geäußert hoben, die freie Bauernschaft sei davon unterrichtet gewesen, daß der S e p a r a t i st e n- P u t s ch in der Pfalz von Rechts- kreisen ausgegangen fei. Der bekonnte Separatist Heinz(O r b i s), sei..yrt.Hitler zusammen gewesen und habe Beziehungen zu ihm unterhalten. Ln diesem Zusammoichong wurde Adolf Hitler als Zeuge vernommen. Er wurde zunächst darüber befragt, ob zwischen seiner Bewegung und den Separatisten Bezlshungen bestartben hätten. Hitlex sagt« aus, der schärfste Gegner dieser separattstischen Bewegung sei von jeher die nationalsozialistische Bewegung gewesen. E» sei nie zu Beziehungen zwischen ihm und den Separatisten gekommen. Der Verteidiger, Graf Pestalozzi!, macht Adolf Hitler daraus ausmerkfam, daß er kürzlich erfahren habe, daß der als Separatist und Landesverräter bekannte Schmitz-Eppert be- hauptet habe, er sei mit Heinz bei Hitler gewesen, jedoch habe Schmitz- Eppsrt dabei einen falschen Namen genannt. Hitler erwidert, wenn sich in die Gefchästsstelle München ein Mann unter falschen' Namen eingeschlichen habe, könne er doch nicht sagen, daß dieser bei ihm gewesen sei. Der Verteidiger hält ihm nun vor. daß der Zeuge Wiggers, ein früherer Vauentführer, bei Hitler gewesen sei und mit ihm gesprochen habe. Der Zeuge Wigger» wird Adolf Hitler gegenüibergestelll. Hitler kann sich jedoch nichierinnern, den Zeugen schon einmal gesehen zu haben. Wiggers erklärt, er sei am S. Februar 1923 bei Hitler gewssen. Die S ch w e st e r van Heinz Orbis berichtet anfangs sehr le stimmt über verschiedene Reisen ihres Bruders nach München, die den Zweck hatten, mit den Volkischen gemeinsame Sache zu machen. Aus den weiteren Mitteilungen ihres Bruders ging hervor, daß Hitler den Marsch noch Berlin unternehmen und Heinz Orbis in der Pfalz o per leren sollte. Die Zeugin besitzt Tagebuchnatizen, in denen unter anderem vermerkt ist, daß chr Bruder Derhandlungen mit H. gehabt habe. Der Diplomlandwirt Mosziger aus Zweibrücken, ein ehemaliger Geschäftsführer der Freien Bauernschaft, hat den Brief des Heinz an Hitler gelesen, in dem Heinz seinen Be- such in München ankündigt, und hat ihn zur Post getragen. Er machte interessante Aussagen über die Anfänge der Separatisten- tätigkeil des Heinz, der schon im Duft 1923 illegale Plyne gehabt habe, die aber mit Separatismus damals nichts zju dm gehabt haben. Üb- gesondert hätte sich Heinz erst später. Heinz bade übrigen» den Hitler-Putsch schon im Oktober 1928 vorausgesagt, er scheint also in die intimen Pläne Hitler» eingeweiht gewesen zu sein. Das Schwurgericht sprach nach einer kurzen Be- ratung den Angeklagten frei. Dnder Urteilsbegründung wurde unterstellt, daß Bürgermeister Römer die Redereien des Heinz geglaubt habe, als er sie weitererzählte. Dg» neue polizeiverwaltungsgcsesu Im Verfassungsaueschuß des Preußischen Landtage» wurden am Mittwoch hei der Vorberatung des neuen Polizeioerwaltungsgesetzes die Bestimmungen über die Aufgaben der Polizeibehörden im wssentlick>en noch der Fassung des Entwurfes angenommen. Der Ausschuß beabsichtigt, am Donnerstag die erste Lesung der Vorlage zu beenden, um später noch eine zweite Auaschußderotung vorzunehmen, bevor der Entwurf an das Plenum kommt. Der evangelische siirchenvrrlrag. Die Generalsynode der evan- gelischen Kirche der altpreußischen Union hat am Mittwoch abend den Entwurf eines Vertrages der evangelischen Landeskirchen mit dem Freistaat Preußen in namentlicher Abstimmung mit 1S6 gegen 47 Stimmen angenommen. Arheilslasenuizruhen in Klockhalm. Am Mittwoch mqchten meh- rer« hundert Arbertslose den Persuch- in ha»©to Landtagsausschuß. oper allein halte er nicht für möglich. Jedenfalls habe di« Volksbühne ihre Verpflichtungen gegenüber dem Staat erfüllt. Im übrige» fei heute kein» Oper ahne Zuschuß zu halten. Aus eine Frag« des Abg. Buchhorn(DVp)' die auch Abg. Meiert Kerl in(Soz.) aufgreift, ob der in der Volksbühne füh- ivnd tätige Ministerialrat Professor K e st e n b e r g entscheidend on den Verhandlungen mit der Volksbühne mitgewirkt habe, erklart der Zeuge, daß Ministerialrat Kestenberg in verschiedenen Disferenzfällen wohl vermittelnd eingegriffen habe, daß er aber, keines- M« g L« n t-t ch« ftd ff»kr gewesen fei. da ef kein Jurist, fondern Kilnstler ist." Hieraus wird Ministerialdirektor Dr. S ch n i tz l e r, setzt im Finanzministerium und früher im Kultusministerium, vernommen, der bekundet, daß ihm die Baugeschichte von Kroll unbekannt sei. Cr Hab« seinerzeit im Kultusministerium als Justitiar auf jene Klausel de» K 12 hingewirkt, daß man bei Einstellung des Kroll- beiriebee von dem Vertrag loskommen müsse. In der endgültigen Formulierung habe dann aber dieser Passus nicht den Ausdruck gefunden, für den er innerhalb feiner Abteilung eingetreten sei. Jedenfalls sei in der jetzt vorliegenden Fassung die Rechtslage zweifelhaft. Immerhin fei es zu der jetzt vorliegenden erträglichen Vereinbarung gekommen. Denn hie Fortführung der Krolloper hätte dem Staat ein jährliches Defizit von 2 Millionen gebrocht, während jetzt für einen begrenzten Zeitraum jährlich 100 009 Mk. an eine bedeutsame Kulturorganifalion gezahlt werden sollen, die immerhin einen beträchtlichen Prestigcverlust erleide. Die Forderungen der Volksbühne feien ursprünglich höher gewesen, aber dann herabgedrückt worden. t Hierauf wird im Beisein des Ministerialdirektors Dr. Schnitzler noch einmal Ministerialrat Dr. Seelig über den umstrittenen Z 12 des Vertrages von 1923 gehört. Bei dieser Gegenüberstellung bleibt Dr. Schnitzler entschieden bei seiner Bekundung, daß für ihn der Passus„Einstellung des Staatstheaterbetnebes" nur auf die Still- legung der Krolloper bezug haben konnte. Dagegen hält Dr. Seclig ebenso entschieden an seiner Zkliffassung fest, die auch von Ministerial- direktor a. D. Nentwig und Oderregieningsrat Dr. Marcks geteilt wird, daß nur die Einstellung der gesamten Staatstheaterbetriebe in Berlin gemeint jein konnte, weil andernfalls die übrigen Vertragsbestimmungen undenkbar waren. Heute vormittag Ist Uhr werden die Vertreter der Volksbüh«? Dr. N e st r i e p k e und Kurt Vaake vernommen. geld weitergezahlt. Vom zweiten Monat ngch dem Ausscheiden ab wird ein flebergongsgeld in Höhe von 80 Prozent her Amtsbezüge gewährt, dessen Dauer sich nach der Amts- zeit des Ministers richtet. Dr. Frick hat Anspruch aus ein Uebergangsgeld bis einschließlich Januar 19.3 2," Herr Frick hat darauf nicht verzichtet. Hakenkreuz-pteicitaa, 24. April, H'J Uhr, in hen MpsNerMe», Nalsc» »Uhrlm-Str. Zl. AHtfllirtwisg bei P-rtci unj> be» Prrbailtks leflitimierrn. ffl?r-»Ucn.W»»lchuh bte 19.»reis«» nnb B-triebsfr-iti-i, beim W»c,lrl»amt Paukow. Morqe», STrritag, 20 Uhr,■Jäcrbcticronftalhinq W N im.Tilrtischrn Zelt", Panihun, Breite Str. 14.. Liänbilbee. oottrafl:„Die Nazis".— Staaken: Jugendheim 17. Bdiisschule. Stelate». Gartenstadt. Schul strafte.„Warum Wandern?"— Werbeveraostaltuua de. Gesamt» erbande» um 19;b Uhr im Saalbau Neukölln. Bergstr. 147.- Bchtuna! Die Abrechnung der Plaketten für den am Sonntag. 8. Mai, stattsindende» Juaenbiaa im Bolkzpark Rehberge, mnft spätesten, am Donner-tag, ZO. Apeil, vorae Nammen werden. Bis dahin nicht ilurllckgeaebene Plaketten gelten als »erkaust. �ugendaruppe des Zentralverbandes der Angestellten Heute. Donnerstag,- suchen folgend- Veranstaltung-» statt: Pankow- Niederschönhause»: Jugendheim Görschstr. 14 lgroftr, ZimmeO. April! Aprill Lortrggende Hall,— O'le».- Jugendheim der Schule Litauer Str. 18. Vortrag:„1. Mar— Weltfeierlag". Ncferent Dr. Schilt!«.— Treptow: Jugendheim der Schule Wildenbruchftr. 53 lZugaua oon der Graeftstrafte in Treptow). Badeabend.— Potsdam-Nowawe,: Wir veranstalten eine Schul- entlasfungsfeler in der Aula der 4. Bolkzfchule In Nowawes. Scharnhorststrafte. Beginn 20 Uhr, Ginlaft IS� Uhr. Eintrittskarten gum Preise von 20 Pf. find an der Abendkasse erhältlich.— Die Berliner Uebungsbank hält ihren Arbeitsabend von so bis 22 Uhr im Berband-Hause ab. Brrlcm: Borwärts-Perlag S. w. d. S.. Berlin. Druck: Borwärls-Buchdruckeret und Berlossznftalt Paul Singer u. Eo. Berlin SV.«8, Lmdeu strafte 3- a 2 Beiloge». Nr.*188 ♦ 48. Iahrgang 1. Beilage des Vorwärts Osnnersiag, 23. April 4931 Todesurteil für Kürten. Der Massenmörder neunmal zum Tode verurteilt. Keine Revision. Düsseldorf. 22. April. Im Prozeß gegen den Düsseldorfer Massen- mörder Peter Kürte» wurde am Mittwochnach- mittag, 1k.lv Uhr. vom Schwurgericht Düsseldorf nach eineinhalbstündiger Beratung das Urteil gefällt. Unter lautloser Spannung des vollbesetzten Verhandluugs- raumes verkündete Landgerichts direktor Zt o s e folgenden Urteilsspruch: Der Angeklagte ist des Mordes in neun Fällen und in zwei Fällen der Notzucht und der gewaltsamen Vornahme unzüchtiger Handlungen schuldig. t<-r wird für jeden Fall des Mordes mit dem Tode be- straft, ferner wegen Mordversuchs in sieben Fällen zu einer Gesamtstrafe von fünfzehn Jahren Zuchthaus ver- urteilt. Tie bürgerlichen Ehrenrechte werden ihm auf Lebensdauer aberkannt. Außerdem wird er unter Polizeiaufsicht gestellt. Die zu den Taten benutzten Instrumente werden vom Gericht eingezogen. Die Koste» des Verfahrens fallen dem Angeklagten zur Last. * Zur Begründung des Urteils führte der Vorsitzende u. a. mis, es sei von größter Bedeutung, daß neben den Geständnissen in sast allen Fällen auch objektive Talsachen vorliegen, die genau den Tt a ch w e i s dafür erbringen, daß der Angeklagte der Täler ist. Außerdem seien unzählige Einzelheiten nachgeprüft und für richtig befunden worden. Nachdem der Vorsitzende auf die einzelnen Ver- brechen eingegangen war. erklärte er. das Gericht fei zu der Ueber- zeugung gekommen, daß kürten in allen Fällen mit Ueber- l c g u n g gehandelt habe. Es liege nicht der geringste Anhaltspunkt dafür vor. daß kürten feine Talen mit einem geistigen Defekt verübt hätte. Zm Anschluß an die Urteilsbegründung gab Sürlens Ver- leidiger, Dr. wehner, die Erklärnag ab. daß der Angeklagte dos Urteil anerkennen wolle, kürten erklärte sich aus Befragen damit einverstanden. Auch Oberstaatsanwalt Dr. Eich erklärte, daß auch die Staatsanwaltschaft das Urteil anerkenne. Sürten, der in der Schlußsitzung unter verschärfte Bewachung gestellt war. ließ sich ruhig und ohne sichtliche Erregung abführen. Damit hat der Prozeß gegen den Düsseldorfer Mörder sein Ende gefunden. Das Schlußwort des Mörders. Im Verlauf der gestrigen Verhandlung sprach dann der Ossizial- Verteidiger Kürtens, Dr. W e h n« r. Er erklärte, daß das Zuchthaus Kürten nicht zu dein gemacht habe, was er geworden fei. Dazu habe eine abnorme Veranlagung gehört. Vielleicht werde der Fall Kürten später einmal anders beurteilt werden, als es jetzt seitens der Sexuolpsychologen geschehe. Taten, wie die Kürten-. ließen sich nicht in Paragraphen pressen. Solche Mcnschcn müßte» interniert werden. Der Staatsanwalt wandte sich dann gegen die Ansicht des Verteidigers, daß Kürten die Ileberlcgung bei der Tat gefehlt habe. Diese Anschauung stehe im Widerspruch zu der Ansicht der drei Sachverständigen. Hierauf erhob sich Kürten zum Schlußwort Er sagte, die von ihm begangenen Taten seien nach seiner jetzigen Erkenntnis derart scheußlich, daß er nicht den Versuch UMgc, sie in irgendeiner Form zu entschuldigen. Er erklärte weiter, daß er sich der Tragweitie des feiner Frau abgelegten Geständnisses wohl bewußt gewesen sei. Er habe durch dieses Verhalten seiner Frau einen Dienst erweisen wollen. Hätte er seiner Frau das Geständnis nicht gemacht, wäre der Prozeß aar nicht verhandelt worden. Er hoffe, sein« Taten zu sühnen. Wenn er auch nur einmal die Todes- strafe erdulden könne, so lzab« er sie doch schon dutzendc Male g e i st i g und seelisch erlitten. Großfeuer in Wien. Gefährlicher Brand tn der Technischen Hochschule. Wien, 22. April. In der hiesigen Terhuifchen Hochschule wütete heute ein riesiges Feuer. Der Brand, der wahrscheinlich aus Ueberheizuno zurückzuführen ist. war im alten Trakt ausgebrachen und wurde erst nach lv Uhr vormittags entdeckt, nachdem er vermutlich schon längere Zeit gewütet luute. Der Dachstuhl geriet in einem Ausmaß von 200 Quadratmeter in Brand. Das Uebcrgreffen des Feuers ans den neuen Trakt tonnte von der Feuerwehr verhütet werden. Verbrannt sind Akten- material, alte Möbel und Hefte, die auf dem Dachboden eingelagert waren. Nach halbstündigen Bemühungen der Feuerwehr war die Gefahr beseitigt. Eine Weinüberfchwemmung. Eine unangenehme Ueberraschung erlebte gestern der Besitzer einer Graßdestillotion in der Greulichpromenadc in Weißensce, als er feine Geschäftsräume betrat. Eine Einbrecherkolonne hatte in dem Spirituosen- und Essenzenlager tüchtig aufgeräumt und für etwa lZOOO 231. Waren erbeutet. Die Bande war durch einen Schacht der Heizungsanlage in den Keller gelangt. Hier mußten die Verbrecher in mühevoller Arbeit eine dicke Mauer burchstemmon.-Bevor die Diebe mit ihrer Beut« oerschwanlden, zertrünnnerten sie noch mehrere große Fässer, die einig« Tausend Liter Wein enthielten, so daß der Keller von der ja„kostbaren" Flüssigkeit völlig überschwemmt wurde. Vierjähriger in der Spree ertrunken. An der Dampferanlegestelle am Gröbenufer, unweit der OberbculNtbrücke, ereignete sich gestern nachmittag ein furchtbarer Unfall. Mehrere.Kinder spielten auf dem hölzernen Bohlengang. Plötzlich verlor der vierjährige Paul X ö r k e aus der Oppelner Straße ll den Halt und stürzte kopfüber in die Spree. Obgleich schon nach kurzer Zeit Hilfe zur Stelle war, konnte der Kleine nur nach als Leiche geborgen werden. Einstein spricht über die hochschulreoktioiu Im Rahmen eines Sonderabends, den die„Deutsche Liga für Menschenrechte" am Man- tag, dem 27. April I93l, im Großen Saal des Langenbeck-Virchaw- Hauses, Luisenstraße 58, um 20 Uhr veranstaltet, werden zu dem Thema„Die Hochschulreaktion" die Professoren Albert Einstein, E. I. G u m b e l, Arthur Rosenberg, Martin H o b o h m, Ge- hiemrat Holde und der Student Kurt B e r l o w i tz dos Wort nehmen. Eintrittskarten find bei der Liga für Menschenrechte, N24, Monbijouplatz 10, Eing. l, und an der Abendkasse erhältlich.. Frauen mit Teller-Lippen. Besuch der Eara-Kaba-Tleger im Zoo. Einen ganz besonderen Anziehungspunkt für alle Besucher des Berliner Zoo wird ob heule die Sara-Saba- Negergruppe fein, deren Frauen in ihrer Ober- und Unterlippe große tellcrartlge Holzscheiben trogen. Die Frauen mit den größten Lippen gelten als die schönsten und haben in ihrer Heimat am ehesten Aussicht einen reichen Mann zu bekommen. Die Regierung hat diese Ansitte, die vor einiger Zeil bei den Sara-Kabn- Negern große Mode war, verboten, so daß wir Berliner die letzte» dieser durch eine Modetorheit verunstalteten Frauen zu sehen bekommen. Der Negerstamm lebt in Mittel-Ehori in Zentral- a s r i k a. Gestern wurden diese merkwürdigen Ncgertypen Vertretern der Behörden, der Wissenschast und der presse vorgestellt. Es handelt sich um zwölf Frauen und acht Männer. Das kalke Welter ist den Gästen aus Afrika wenig angenehm und es scheint ihnen daher noch nicht so recht bei uns in Berlin zu gefallen. Die Sara-Kaba-Neger gehören jyu jenen Negervölkern, die nach ihre alte primitive Negerkultur beibehalten hoben. Alle diese Völker sind Hackbauern, d. h. sie kennen den Pflug noch nicht und bearbeiten ihren Acker mit der Fcldhacke. Sie bauen hauptsächlich Erdnüsse und Zuckerhirse an, aus der sie auch ein alkoholisches Getränk, die Merissa, zu bereiten verstehen. Als weiteres Genußmittel dient ihnen sclbstgebauter Tabak. Ein« besondere Eigentümlichkeit ist die Sitte der Frauen, in ihrer Ober- und Unterlippe große tellerartige Holzscheiben an- zubringen. In früheren Zeiten scheint diese Mode weit verbreitet gewesen zu sein, heute ist. sie fast ganz ausgestorben, zumal auch die Regierung ein Verbot dagegen erlassen hat. Nur in drei Dörfern der Sara-Kaba leben noch Frauen, die der alten Mode treu ge blieben sind. Es dürsten heute nicht mehr als 200 sei». Schon in früher Jugend fangen die kleinen Mädchen an, die Lippen zu massieren, die man dann mit einem Dorn durchbohrt. In das Loch wird zunächst ein dünner Strohhalm gesteckt.?tach einiger Zeit zwängt man einen etwas dickeren Pflock durch die ver- heilte Oeffnung und weitet diese nun noch und nach aus, indem man immer dickere Holzscheiben einsetzt. Es dauert etwa l O I a h r e. bis man die Lippen so ausgedehnt hat, daß schließlich Holzteller von nicht weniger als 2 1 Z c n t i in e t e r D u r ch m c s s c r getragen werden können. Natürlich sind die Frauen durch den enormen Holzteller bei der Nohrungsmittclaufnahmc stark behindert. Dü breiigen Speisen werden deshalb zu einem Kloß geformt, den man zwischen beiden Tellern hindurch in den?3iund schiebt. Bei!" Trinken wird die Flüssigkeü häufig auf den unteren Teller geschüttet, von dem man sie dann in den Mund laufen läßt. Es ist das erstemal, daß Vertreterinnen dieses sonderbaren Volksstammes auf einer Völkerschau in Europa gezeigt werden. Das Anwerben dieser unberührten scheuen Neger, der Transport auf dein langen Wege zur Küste und die lange Seereise boten viele, Schwierig- leiten. Es muß daher mit besonderer Freude begrüßt werden, daß es gelungen ist, uns diese Völkcrtruppc vor Augen zu führen. Ab-1. Mai wieder Lunapark. Neue Attraktionen am Halcnsee. Am 1. Mai wird voraussichtlich der Berliner Lunap ark seine Pforten wieder eröffnen. Der endgültige Eröfsnungstermin ist naturgemäß vom Wetter abhängig. Die große Berg- und Talbahn ist wiederum renoviert worden und stellt jetzt eine Alpenlandschast dar. Unter den zahlreichen neuen Attraktionen zur Belustigung der Ac- sucher sind besonders hervorzuheben ein„Mickymaushaus", ein hu- moristisches Hotel und ein«Illusionspalast. Van den alten Atirak- tionen werden wieder die Opelbahn, das Hypodrom und das Ztadioauto zu sehen sein. Für den Sommer hat der Lunapark eine ägyptische V ö l k e r s ch a u und eine Raubrittcrschau vor- gesehen. rtäS? Roman am dem UogariseJieD von Alexander Ton Sachcr-Masoch. Es schüttelte mich, wenn ich mir daran dachte. Der kleinste und feigste meiner Genossen war schon lange ständiger Gast auf den drei Böden des Speichers. Und sie erzählten Wunderdinge, daß sich Haufen von Nüssen droben befänden und überdies ein großartiges Karussell. Keine Lockung war groß genug, meinen Mut aufzu- stacheln. Eines Morgens aber, während der Schulferien, ging ich schon sehr frühzeitig meiner Wege. Immer noch nicht früh genug, denn das Heer meiner Spielgefährten war schon auf dem Platz versammelt. Sie beratschlagten eben, ob sie schon auf den Sveicher klettern oder noch auf den Haupträdelsführer Hires Bandy warten sollten. Länger zu zögern war gefährlich, weil die Zigeuner jeden Augenblick aus ihrer Bude treten konnten. Ich drückte mich gewöhnlich vor diesen Beratungen, um den Spötteleien meiner Freunde über meine Zaghaftigkeit zu cnt- gehen. Eben, als ich mich von der Schar entfernen wollte, kam Hires Bandy die Straße herauf. „Komm nur!" stieß er mich an,„was gibt's? Fürchtest du dich etwa? Komm! Ich werd' dich schon h'lnausstoßen!" verfügte er über mich. Ich kann heute nicht mehr beurteilen, ob sein Wille, dem ich nicht zu widersprechen wagte, gleichlautend mit meinen Wünschen war, auch einmal auf jenen Dachboden zu gelangen. Sicher! Denn nur so kann ich verstehen, daß ich mit zitternden Knien seinem Befehle nachkam. Bestimnit aber weiß ich, daß ich erst dann aus meinem Schrecken zu mir kam, als ich noch dem entsetzlichen Baumeln auf der Türe des Magazins auf allen Bieren den Boden des Speichers entlangkroch. Bor Angst war ich noch immer einer Ohnmacht nahe. Dabei brauste und jubelle es in meinem Innern vor Entzücken, eine so kühne Tat ausgeführt zu haben. Gottlob kümmerten sich meine Kaineraden schon aus aller Gewohnheit nicht um mich. Na hatten wirtllch nicht gelogen! Ungefähr die Halste des ersten Stockwerkes bedeckten große Nußhausen. Ein Fehler war. daß die Nüsse ranzig und gallebitter waren. Bon drei Hut voll konnte man nur eine essen. Glückselig fiel ich mit den andern über die Nußhaufen her, nur die Sorge des Hinabklettcrns trübte mein Glück. Die Vorstellung der Zigeuner begann erst am späten Nachmittag. Plötzlich entschlossen sich meine Freunde zum Karussellfahren. Mich rief einer an, mitzumachen, er lief jedoch dann den anderen nach und eilte die Treppen hinaus, die zuin zweiten Stockwerk führten. Um nicht allein zu bleiben, schlich ich hinterher. Das„Karussell" war jene drehbare Säule in der Mitte des Kornbodens, welche dazu bestimmt ist, das Getreide auf den Fußboden in gleiche Lagen zu streuen. Sie war mit einer großen Drehscheibe in Form eines Holztellers ver» bunden, dieser wurde gedreht, um zu verhindern, daß sich das Getreide beim Hineinschaufeln an einer Stelle anhäufe. Ich zog mich ungesehen in einen Winkel zurück und beobachtete von dort, wie die Hälfte der Knaben in den Teller kletterte, niedergeduckt kauernd, damit die Dachbalken nicht ihre Köpfe henintersäbelten. Die übrigen packten die Säule, und auf den Ruf::„Los! Vorwärts! Drehen!" trieben sie die Scheibe mit solcher Geschwindigkeit an, daß sie bald selbst ganz be- nommen rechts und links zur Seite taumelten. Wie mußte erst jenen zumute sein, die im Teller saßen! Sicher ist, daß ein heldenhaftes Herz und ein Kinder- magcn dazu nötig waren, dieses Vergnügen mitzumachen. Ich dachte schon glücklich entkommen zu sein, als Hires Bandy mich entdeckte. Was nun folgte, kann ich nicht er- klären. Es gab Kinder, die sich seit Wochen zwanzigmal am Tage ans dem Holzteller herumwirbeln ließen. Ich setzte mich nur einmal— für eine Reise— hinein, aber ich glaube nicht, daß einstens mein Todeskampf schrecklicher sein wird, wie es diese Minuten waren Die letzten Drehungen konnte ich nur so elend ausharren, daß ich meine Hände in diesem verdammten Teller starr ankrampfte. Und als die Säule endlich stillstand, konnte ich nicht mehr heronsklettern. Die Knaben erfreuten sich schon längst aus den Fenstern des Speichers an den Bärsntänzen, während ich noch meinen Morgenkaffee in etwas säuerlichem Zustand im Teller hergab. Ich hatte keine Freude mehr am Bärentanz. Mein ein- ziger Wunsch war, aus dieser Hexenburg herauszukommen. Aber das war nicht so schnell zu verwirklichen. Für meine Kameraden war der Bären- und Afsentanz schon lange nicht mehr die Hauptsache. Ihr Vergnügen be* stand jetzt im Verulken der Zigeuner. Sie wurden so frech, daß sie die Zigeuner vom Fenster aus zu bewerfen begannen, wenn diese keine Notiz von ihnen nahmen. Gerade an diesem Tage mußte es geschehen, daß einer der Zigeuner seine Wut nicht mehr verbeißen konnte und den Jungen zum Zeichen seiner Verachtung in nicht mistzn- verstehender Weise seinen Hinterteil zukehrte. Daraufhin holte einer der Knaben— ein bekannt guter Schütze, der mit der Schleuder drei nebeneinander gesteckte Streichhölzer zum Aufflammen bringen konnte,— seine Schleuder hervor und traf mit einer Nuß in die Mitte jener Zielscheibe, die ihm der Zigeuner zuwandte. Der Zigeuner brüllte auf und die Jugend brach in Triumphgeschrei und Gelächter aus. Aber der Zigeuner schwor Rache. Am selben Abend setzte er sich in Begleitung eines Kameraden mit einer Flasche Schnaps und zwei frisch geschnittenen Stöcken vor die Stufen der Eisentüre. Hier waren sie vor unseren Geschossen geschützt. Weiter ist nicht mehr viel zu erzählen. Aber es wurde Mitter- nacht, eh der Weg frei war und ich mich halb tot vor Auf- rcgung und Hunger nach Hause schleppen konnte. Dort erhielt ich von Vater und Mutter vereint und überdies noch von jedem separat solche Prügel, wie sie nur sorgende elterliche Liebe auszuteilen versteht. Sechstes Kapitel, das uns endlich die ersehnten Aufschlüsse über den Gaukler brinai. Wir waren schon tief im Herbst. Ich ging seit zwei Wochen nicht zur Schule. Einmal auf dem Nachhauseweg fiel ich auf den frisch geschotterten Gehsteig hin und schlug mir meine Hose hindurch das Knie blutig. Ich hatte nicht den Mut, es meiner Mutter zu zeigen, die Hofe heilte mein Schwesterchen, die Schürfung behandelte ich mit dem Taschentuch. Durch den hinzugekommenen Schmutz wurde die Wunde verunreinigt und begann zu eitern. Ich mußte ins Bett und mein Knie wurde mit Diacholumpflaster verklebt. Ich konnte schon wieder durchs Zimmer humpeln, als ich auf der Straße großes Getümmel hörte. Es schien aus der Gegend unserer Nachbarn zu kommen. Als ich jedoch hinaus- laufen wollte, trieb mich mein Vater zurück. Mein Schwesterchen erzählte mir dann begeistert, daß Komödianten angekommen stielt und in der Nachbarschaft .wohne» xvürde».(Jortsetziutg folgt.) ßin Bewag-Gutachten. Ose bisherigen Vorschläge werden dem Werte der Anlagen nicht gerecht. Die Stadt Berlin hat im Zusammenhang mit dem ge- planten Preagprojekt von dem Geheimen Baürat Block ein Gutachten über den Wert der Städtischen Elet- lrizitätswerke eingeholt, das als Grundlage für die weiteren Verhandlungen mit dem uyler Führung der preußischen Staatsbank und der Reichs-firedit-A.-G. stehenden Konsortium dienen soll. Geheimrot Block gelangt bei seinen Untersuchungen zu dem Ergebnis, daß die bisherigen Borschläge des Konsortiums dem wirklichen werte der Anlagen nicht gerecht werden. Einmal sind bei diesen Vorschlägen verschiedene Unistände, die den inneren Wert und «den Ertrag der Werk« bedeutend erhöhen, wie vor allem die sehr reichlichen Abschreibungen in den letzten Iahren, nicht gc- nügend berücksichtigt worden. Sodann ist die Le istun gsfä hi g- feit der neuen Anlagen, insbesondere des Großkrastwerkes Klingenberg und des W est k r af t we r k s. für die Zukunft (d. h. die Möglichkeit, ohne Ncuirwestitionen einen erheblich steigenden Stromkonsum zu befriedigen) nicht in Rechnung gestellt worden. Der Sachverständige hat daher Vorschläge in der Richtung ge- macht, diesen vom Konsortium bisher nicht berücksichtigten Mehrwert durch eine Erhöhung der an die Stadt zu zahlenden Kon- z«ssionsabgab« oder durch«ine stärkere Beteiligung der Stadt am Grundkapital der neu zu gründenden Eigentumsgesellschaft ab- zugelten. Diese Vorschläge sind in einem Magistratsausschuß beroten worden. Im Anschluß hieran Hot Oberbürgermeister Dr. S a h m Verhandlungen mit den Vertretern des Konsortiums wegen einer Abänderung des den Stadtverordneten seinerzeit mitgeteilten Planes geführt. Ein abschließendes Ergebnis liegt noch nicht vor. Die Vertreter des Konsortiums haben sich indessen zunächst mündlich bereit erklärt, die Frist sür die Vorlegung des endgültigen Planes an die Stadt bis zum 2. Mai d. I. zu verlängern, wodurch auch die vorgesehene sechstägige Crklärungsfrist der Stadt entsprechend herausgerückt wird. Der Fälligkeitstermin für den Zwischcnkrcdti soll vom 20. auf den 27. Mai verlegt werden. Der von der S t a d t- verordnctenversammlung eingesetzte Ausschuß wird sich schon in den nächsten Tagen mit der Angelegenheit beschäftigen. Das Quartier im Möbelwagen. Aber es wäre» keine angenehmen Gäste. Eine Notwohnung", der es au Bequemlichkeil durchaus nicht mangelte, hatten sich vier Leute in Britz eingerichtet. An der Straße Tempelhofer Weg liegt ein umzäunter Platz, auf dem eine ganze Reihe großer Möbelwagen stehen, die bis zum nächsten Transport nach außerhalb dort untergebracht find. Die Türen waren zwar mit eisernen Krampen und Borlegeschlössern gut gesichert, die„Mieter" fanden aber einen Eingang, der sie vor Ent- deckung schützte. Betannllich ist unten an den Wagen ein langer Kasten für die Bilder und Spiegel vorgesehen. Durch diese Kasten- öffnung krochen die Leute hinein, hoben am Fußboden des Wagens eine Planke aus und waren drinnen. Die gepolsterten Wände ließen "."Kälte Nicht.eindringen.. Wr licht, eiste-Kochr und Wascheimschtnng t war bald gesorgt, es fehlte nicht einmal an einem klMen�Spfezel. "Das'Aus- und Eingehen auf dem Plätze hätte abersschließlich doch Verdacht erregt, und Beamte der Streife Süd kontrollierten den Platz mit ihren Hunden. Diese witterten die Wagenbewohner bald, und beim Nachsuchen wurden die vier Männer herausgeholt. Sie geben zu, daß sie seit einigen Monaten dort behaglich gehaust hätten. Zwei von ihnen wurden von der Kriminalpolizei, unter anderem von der Dienststelle C. 6 wegen Mietschwindels und Diebstahls bereits gesucht. Ursprünglich waren es vier, die sich zusammengetan hatten. Einer mietete in der Herrfurchstraße in Neukölln ein Zimmer und lud seine„Freunde" zu Besuch ckin. Kaum hatte die Wirtin die Wohnung verlassen, so packte das Kleeblatt alles Verwertbare zu- fämmen und machte sich aus dem Staube. Von dieser Kolonne sind früher schon zwei Personen gefaßt worden, die in H a f t sind. Die beiden anderen wurden gestern aus dem Möbelwagen geholt. Oer alie Nepp. Ein Falschspielerkonsortium auf der Bahnhofstour. Ein Falschspielerkonsortium machte vor einiger Zeit die Bahnhöfe Wittenberge, Ludwigslust und Osterburg unsicher und neppte zahlreiche Reisende um erhebliche Beiträge. Auf dem Wittenberger Bahnhof wurde schließlich der Kellner Baltrus aus Hamburg beim Glücksspiel verhaftet und wegen fortgesetzten Betruges zu einem Jahr Gefängnis und drei Jahren Ehr- vsrlust oerurteilt. Seine Komplizen, der Bäcker L ö n n i e s und der Handlungsgehilfe S a b o t t k a, beide ebenfalls aus 5)amburg, die damals entkommen waren, wurden später ermittelt und hatten sich jetzt wegen Betrugs und gewerbsmäßigen Glückspiels vor dem Schöffengericht in Wittenberge zu verantworten. Die Gauner verfuhren nach altbekanntem Rezept. Einer von ihnen spielte den fremden Herrn, begann ein Spielchen und gewann. Andere Reisende ließen sich durch sein Glück verleiten, mitzuspielen. Ein Knecht, der in Wittenberge Einkäufe machen sollte und den Spie- lern in die Hände fiel, verlor im Handumdrehen 50 Mark. Das Gericht erkannte gegen Lonnies auf«in Jahr Gefäng- n i s, gegen Sobottka auf«in Jahr drei Monate Ge- fängnis und drei Jahre Ehrverlust. Ein Arbeiterschutz-Museum in Frankfurt a. M. Nach Berlin, München und Hamburg erhält jetzt auch Frank- f«rt a. M. ein Arb«i t e r schütz--M us« um, das von der Deutschen Gesellschaft für Gewerbehygiene im Hause Offenbach ein- gerichtet und im Laufe des Sommers eröffnet werden soll. Während das Hamburger Mussum vorwiegend die Schutzmaßnahmen in der Schiffahrt und im Hafenbetriebe darstellt, wird das Frankfurter Museum In erster Linie die AvbeitsvcrlMtnisse in den verschieden- crtigen Industrien Westdeutschlands berücksichtigen. Das Museum wird mit den Berussschulen zur Belehrung des Nachwuchses in enger Fühlung stehen. Wer ist Gemeindevorstand? Wichtige Ausführungsbestimmungen für das Berlin-Gesetz. 3m Mnisierium des Zunern ist die Aosführungs- a n w e i f u n g für das neue Gesetz sür die hauplstadt Berlin sertig- geslelll worden. Diese Anweisung gibt sehr eingehend Er- läulerungen zu den einzelnen Paragraphen des Gesetzes, insbesondere über die Verlellung der Iusländigkellen zwischen den verfassungsmäßig bestellleu Organen. Es wird daraus hinge- wiesen, in welchen Fällen der Magistrat und in welchen Fällen der Oberbürgermeister Gemeiudevorsland ist. hervor- gehoben wird insbesondere die Bedeutung der Borschrift der Novelle. wonach der Oberbürgermeister zur Erhallung der Einheitlich- keit der Verwaltung regelmäßig gemeinsame Besprechungen des Magistrats mit den Bezirksbürgermeistern abzuhalten hat. Es soll, wie betont wird, damit dem Zwecke gedient werde». Zenlralverwaltnng und Bezirksverwaltung organisatorisch enger mit einander zu verknüpfen. Zu den Bestimmungen des Gesetzes über die Stadtoer- ordnctenverjammlung wird bemerkt, daß§ 11 einen er- schöpfenden Katalog der Angelegenheiten enthält, sür die Stadt- verordnctenversammlung zuständig ist. Nur insoweit ist daher die Stadtverordnetenversammlung die bisher alleinige Bertretungs- körperschaft der Stadtgemeinde Berlin geblieben, während Ber- tretungskörperschast für alle anderen Angelegenheiten der Stadt- geiiieindeausschuß geworden ist. Zur Stellung des Oberbürgermeisters im einzelnen be- merkt die Ausführungsanweisung, daß. der Oberbürgermeister als dos die Berwallung führende Organ nicht nur die Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung und des Siadtgemsindeausschusses, denen der Magistrat zugestimmt hat, sondern auch die Beschlüsse des Mogistrats auszuführen hat. Die Novelle baut, wie die Ausführungs- anweisung zu der Unterstellung der Baupolizeibeamten in den Bezirken unter dem Oberbürgermeister als unmittelbaren Dienst- vorgesetzten unter Ausschaltung der Bczirksbürgermeister bemerkt, damit die Einheitlichkeit der Verwaltung weiter aus. Als Führer der Verwaltung ist der Oberbürgermeister für die Leitung und Beaufsichtigung sämtlicher Geschäftszweige verantwortlich, insbesondere also auch dafür, daß erforderlichenfalls Weisungen und Anweisungen ergehen. Für den Inhalt genereller Weisungen oder spezieller Anweisungen, die er den Bürgermeistern und Stadträten erteilt, ist er ver- antwortlich. Die Bürgermeister und Stadträte tragen die Verantwortung fiir die Zweckmäßigkeit und Gesetzmäßigkeit ihrer Maßnahmen, die sie getroffen haben, ohne mit Weisungen oder Aw Weisungen verschen worden zu sein: bei Maßnahmen bezüglich deren sie von dem Oberbürgermeister mit Weisungen oder Anweisungen versehen sind, tragen sie die Verantwortung für die ordnungsmäßige Durchführung. Zu den Bestimmungen des Gesetzes über das Verhältnis der Stadtgemeindcoerwaltung und ihrer Organe zu den Verwaltungsbezirken und deren Organen wird hervor- gehoben, daß das Gesetz es bewußt vermeidet, abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen, die Zuständigkeit der Zentralvcrwaltung und der Bezirksverwaltungen durch Einzeworfchriften gegeneinander ab- zugrenzen. Der Gesetzgeber wünsche, daß diese Abgrenzung im Rahmen der Vorschriften des§ 22 der Novelle in erster Linie der Selbstverwaltung und ihren Organen vorbehalten bleiben solle. Zu der Versegungsbefugnis der Beamten, die dem Oberbürgermeister zusteht, wird betont, daß diese Bcsugnis auch die Versetzung von Beamten der Stadtgemeindcoerwaltung in eine Be- zirksoerwaltung umfasse, wobei Ehrenbeamtc, Bezirksbürgermeistcr und Stadträte der Berwaltungsbezirke ausgenommen find. Zu den Bestimmungen über die Staatsaufsicht bemerkt die Ausführuugsanwcisung, daß die Vorschrift des§ 26, in der die Vestätigung der sogenannten Wahlbeamten der Stadt- gcmeindcverwaltung und der Bezirksocrwaltungeu geregelt ist, den bisherigen Rcchtszufiand nur insoweit abändert, als nicht mehr wie bisher der eine Stellvertreter des Oberbürgermeisters mit der Amts- bczcichnung„Bürgermeister", sondern die beiden neu geschaffenen Bürgermeister der Bestätigung durch das Stoatsministerium be- dürfen. Während demzufolge das Staatsministerium über die Be- stätigung der Wahl des Oberbürgermeisters und des Bürgermeisters entscheidet, hat der O b e r p r ä s i d e n t über die Bestätigung der Wahl der Stadträte in der Stadtgemcindevcrwaltung sowie der Bezirksbürgermeistcr und der sonstigen Mitglieder der Bezirksämter zu befinden.— Hervorgehoben wird ferner, daß dem Stadt- gcmeindeausfchuß gegenüber alle diejenigen Mittel der Staeüsaufsicht anwendbar sind, die nach dem im Bereich der Städte- ordnung für die sechs östlichen Provinzen geltenden Rechte der Kommunalauffichtsbehörde gegenüber der Stadwerordnetcnver- sammkung zustehe. OeflenO. Franenlflindgelnuig zum Inicrnationalen Frauentag Donnerstag» den 23. April, 20 Uhr» in der„Neuen Welt", Hasenheide. Eröfii>pn»smandi, Freie, Sport- und Musik-Vereinigung— F*hnescni- m.ndi der Sporllcrinnrn und der SA].— Gemrinjemcr OeMng „BrOder zur Sonne, zur Freiheit"— PolUUdic Rcrae der Kleln-Kantt- Bflhne: a) Am laufenden Band der Zeit, h) Spngs, der WdlkUiti gen. Ansprache 0 �-- Polltiiche Rcvae der KIcin-Kunif-BOhne:.Wadit tuf a) Die SlraSe, h) Der Gerichtssaal.— Aiupracfae— Rezltatlosen der KIctB-Kmut- BQhne: a)§.218 von Tucholski, d) Nie wieder Krieg.— Abstimmung über die Resolution?um§ 218.— Gemeinsamer Gesang der„Internationale". Schlubmarvcb nad Abm arach der Faluca. Eintritt fPCil D« Fraaensekrelariaf. Eintritt tmi I Neukölln ist heiratslustig. Oer Optimismus der Berliner. » Der Optimismus der Berliner ist unbegrenzt— wenigstens der Zahl der Eheschließungen nach zu urteilen, die mit 45 426 oder 10,5 auf 1000 Einwohner der Reichshauptstadl trotz der starken Verschlechterung der wirtschaftlichen Verhältnisse nur wenig hinter dem Ergebnis des 3ahres 132? zurückbleibt, als 10,9 Eheschließungen auf je 1000 Einwohner der Reichshauptstadl(insgesamt 47 104) statt- fanden. Abgesehen von dem eigentlichen Alt-Berlin, dem Bereich der sechs Innenbezirke, erreichte zwar C h a r lo t t e n b u r g mit 3691 oder 8,6 Proz. der Gesamtzahl der neugeschlossenen Ehen den ab- solutcn 5)öchststand— aber unter Beachtung des allein ausschlag- gebenden Berhältnisses der neuen Ehen zur Bevölkerung des Ber- walwngsbezirks beging Neukölln, wo 11,1 Eheschließungen auf das Tausend der Einwohnerzahl stattfanden, im vergangenen Jahre die meisten Hochzeiten. Auch W e i ß e n s e e, dessen mittlere Bevölkerungszahl sich im Jahre 1936 auf. 76 806 Einwohner belief, zeigte bei nur 769 tat- sächlich vollzogenen Ehebundsakten— oder 16,9 pro 1666 Ein- wohner— im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl eine größere Heiratslust als die drei wesentlich stärker bevölkerten Bezirke Charlottenburg(mittlere Bevölkerung 3S6 166), Lichtenberg(228 666) und Treptow(114 666), die je 16,4 Eheschließungen auf 1666 Ein- wohner zählten. In keinem der übrigen Berliner Verwaltungs- bezirke wurde eine höhere Ziffer als 16 neue Ehen pro 1666 Per- sonen erreicht: S ch ö n e b e r g mit 9,8 und Pankow mit 9,7 nähern sich diesem Stande noch am stärksten, während die Z« h l e n- d o r s e r mit 8,3 und die Wilmersdorfer mit nur 8,2 Eheschließungen auf 1666 Bewohner sich angesichts der schlechten Zeitläufe eine größere Reserve auflegten. Für die Reichshauptstodt in ihrer Totalität ergibt sich eine durschchnittliche Eheschließungsziffer von 16, S neuen Ehen auf 1666 Berliner gegenüber 16,9 im Jahre 1929— angesichts der wirtschaftlichen Not ein überraschendes Ergebnis. ver Arbeiler-Abstiueutea-Lunb veranstaltet am DounerStag, dem 23. Avril. abends 8 Uhr, in der alkoholfreien Kaststakte, Berlin SO 36, Skaliker«tr, 6, für die gehörlosen Kl as sc n g c n o ss e n einen Lichtbildervortrag mit AuSslellung über.Alkohol und Gesund, heil". Dir Eintritt ist jreil Benzinexplosion in der Wrangelstraße. Eine Frau schwer verletzt. Durch unvorsichtiges Hantieren mit Benzin ist gestern mittag iu der wrangelfir. 115 ein schweres Brand- unglück verursacht worden. Im Erdgeschoß befindet sich dort in«wem Laden die Klemp. nerei von Burchard. Die 28jährige Tochter des Geschäfts- inhaberF befand sich gegen 11% Uhr allein im Geschäft und benutzt£ zum Feueranmachen Benzin. Die Fsasche«xplo- vierte und die heroorschiehende Stichflamme setzt« oie Kleider der Frau in Brand. Lichterloh brennend eilte die Unglückliche aus die Straße, wo ihr Passanten zu Hilse kamen. Durch die Feuerwehr wurde die Schwerverletzte ins Urbantrankenhaus gebracht. Der Laden, der gleichfalls vom Feuer ergriffen wurde, brannte völlig aus. Die Feuerwehr war lange Zeft mit den Lösch- arbeiten beschäftigt. Lokaltermin im„Eden"- Lokal. Siief und Genossen an der Stätte ihrer Schießtätigkeit. Im Prozeß Stief und Genossen, die im November vorigen Jahres bei dem„Nazisturm" auf den Edenpalast durch Revolver- schüsse drei Arbeiter, die sich dem harmlosen Tanzvergnügen hin- gaben, schwer verletzten, fand gestern abend ein Lokaltermin statt. Die Angeklagten wurden trotz der großen Menge, die sich in der Kaiser-Friedrich-Straße versammelt hatte, unauffällig in den „Edenpalast" hineingebracht. Die Polizei hatte umfassende Ab- sperrungsmaßnahmen vorgenommen. Zuerst wurden die Vorgänge im Borraum rekonstruiert. Der Portier zeigte, wie«r den Angeklagten Stief zurückgedrängt und wie er, als er das Ueberfallkommando anrufen wollte, von dem Angeklagten B e r l i ch einen Schlag mit einer Peitsche oder mit einem Koppel erhalten hat. Nachdem Stief gerufen hatte:„In den zweiten Stock", stürmten die Nazis die Treppe hinauf. Im Saal selbst wurde des langen und breiten darüber gestritten, ob Stief und Wesemann von den Zeugen erkannt werden tonnten oder nicht. Die Zeugen bewaffneten sich wie an jenem Abend mit Stühlen, Wesemann zog sein schwarzes Hemd mit dem Totenkopf an. Dann stellten sich er und Stief mit den„Kanonen" in der Hand— diesmal waren die Pistolen nicht geladen— angriffs- bereit hinter die Tür. Es ergab sich, daß die Stellung des Zeugen B u d c z i n s k i, der an jenem Abend durch einen Schuß schwer verletzt wurde, tatsächlich so war, daß ihn eine Kugel treffen mußte. Zwischen der Verteidigung und deni Nebenkläger entstanden Diffe- renzen darüber, ob die Zeugen, die sich mit Stühlen bewaffnet hatten, gleichsalls in der Lage gewesen seien, die Vorgänge richtig zu beobachten. Im allgemeinen ergab der Lokaltermin, daß die Zeugenaussagen in wesentlichen Punkten stimmen mußten. 20 000 M. Kirchengelder unterschlagen. Köln, 22. April.(Eigenbericht.) Das erweiterte Schöffengericht in Gladbach-Rheydt verurteilte den früheren Kirchenrenda nten Iahann Florentz wegen Unterschlagung von 2k! 666 Mark Kirchengeldern zu zwei Iahren Gefängnis. Der Verurteilte war schon in der Vor- kriegszeit wegen Unterschlagung von Gemeindegeldern zu 18 Mo- nalen Zuchthaus verurteilt worden. Für fleischlose Mahlzeiten, z. 6. mit Kuorr- Makkaroni, Spagetti oder Eiernudeln, für KlöRe und für Kartoffel-Gerichte! K» Würfel Myifai Dr. Mathießens Verfehlungen. Wegen Llrkunpenfälfchung zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt. Das Schösse, genchl Verlin-ZNitle verurteilte gestern den früheren Gewerkschastsdirektor und Geschäftsleiters des Siebenstäbe- Verlags G. m. b. h. des GdA.-Lüchervertriebs, Dr. M a r t i u s ?N a l h i e ß e n, unter Freisprechung von den übrigen Zlnklage- punkten, wegen fortgesetzter Urkundenfälschung zu sechs Wochen Gefängnis unter Zubilligung einer dreijährigen Bewährungsfrist. Das außerordentlich milde Urteil des Schöffengerichts Berlin-Mitte unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. Neu- mann war nur möglich, weil das Gericht dem Angeklagten darin Glauben schenkte, daß er nicht in betrügerischer Absicht die Urkundenfälschung vorgenommen, auch keine Bercicherungsabsichten gehabt, sondern lediglich im Interesse der Betriebe, deren Leiter er war, gehandelt hat. Das Problem Dr. Mathießen war für Zu- Hörer und Richter wahrlich nicht leicht zu lösen. Selten wohl hat ein Mann an so hervorragender Stelle im Wirtschaftsleben mit so glänzenden Aussichten für die Zukunft in einer derart, man könnte sagen, skrupellosen Weise Fälschungen begangen. Ohne sich viel Gedanken zu machen, setzte Dr. Mathießen unter die Quittungen für die von ihm erhobenen Gelder die Namen von Heinrich Mann und 5?ansheinz Ewers, deren Werke im Siebcnstäbe-Berlag er- schienen. Mit der gleichen Leichtigkeit fälschte er das Giro des GdA. Das war kurz vor seiner Flucht. Der Siebenstäbe-Vcrlag hatte zur Erweiterung seiner Dcrlagstätigkeit Wechsel in Höhe von 600 000 M. diskontiert: sie trugen das Giro des GdA Vierteljährlich waren 50 000 M. fällig. Nachdem im März 1020 Wechsel in Höhe von 50 000 M. ausgelöst waren, erhielt Dr. Mathießen in einer Bank auf die restlichen Wechsel in Höhe von 450 000 M., die Summe von 1 50 000 M., mit der er alte Wechsels chulden begleichen sollte. Statt diese Wechsel einzulösen, stellte er vom Siebenftäbe- Verlag neue Wechsel aus und versah sie mit dem Giro des GdA. Was machte er nun mit den 150 000 M.? In der Verhandlung be- stritt er, dieses Geld mit auf seine Reise genommen zu haben: er habe nicht mehr als 8000 M. mitgenommen, die 150 000 M. habe er zur Deckung eines von ihm in der Schweiz aufgenommenen privaten Darlehens benutzt. Dieses Darlehen habe er feiner- zeit aufgenommen, um die berüchtigten Schmiergelder zahlen zu können. Dr. Mathießen weigerte sich mit aller Entschiedenheit. die Nomen der Leute zu nennen, denen er die Schmiergelder gezahlt hätte: er wolle sie nicht irgendwelchen Gefahren, zivil- oder straf- rechtlicher Natur, aussetzen. Die Schmiergelder sollten es auch gc- wcscn sein, die Dr. Mathießen schließlich zu seiner Flucht veranlaßt haben. Er haltte angeblich an zwei Beamte für zwei riesige Druck- auftrüge 350 000 DI. Schmiergelder gezahlt. Als es dann hieß, es müßten Jahre oergehen, ehe der Sicbenftäbe-Verlag die Aufträge erhalten würde, brach das ganze Lustgebäude zusammen. Dr. Leppmann trug manches zum Verständnis der Persönlichkeit des AngeNagten bei. Dr. Mathießen habe in ssiner Sucht, den Siebenstäbe-Vcrlag zum größten Verlag zu machen, keine Grenzen mehr gekannt. Mütterlicherseits schwer belastet, mag er vielleicht in der letzten Zeit gewissermaßen in manischem Zustande seiner Totig- keit nachgegangen sein, ohne sich Ruhe zu gönnen, bis er schließlich mit semer Neroenkrast am Ende war. Die Zeugen bestätigten die außerordentliche Hingebung, mit der Matliießen sich den Interessen des Verlags gewidmet hat, und wußten auch sonst manches Gute über ihn zu sagen. Das alles, wie auch, der Umstalld�Mß:r. med. Heusler-Edenhuizen:„W i r Gegnerin- nen des§ 218 haben Ehrfurcht vor der Mutter- kchaft. Unseren Gegnern aber scheint diese Ehrsucht zu fehlen." Anklage über Anklage, und als Ergebnis dieser Anklagen die einmütige Forderung: Aushebung des ß Z1S, neue gesetzliche Bestim- mungen, die mit der Würde, dem Menschenrecht und der Stellung der Frau im Staate vereinbar sind, ein Gesetz, das den nur als untrennbares Ganzes zu behandelnden Fragenkomplex Sexualleben, Empfängnis, Schwangerschaft. Muttersd)aft in seiner Gesamtheit und in allen seinen Zusammenhängen umfaßt, und bei der Gestaltung dieses Gesetzes weitest gehende Mitarbeit der Frau. Zum Tode Rudolph penzigs. Heute nachmittag um 17� Uhr wird auf dem Südwestfriedhof in Stahnsdorf Berlins Stadtältester Dr. Rudolph Penzig'zu Grabe getragen, der, wie wir bereits meldeten, am 20. April ver- starben ist. Nach einem kurzen opferreichen mißglückten Versuch, in der französischen Schweiz sich eine Existenz als Lehrer zu gründen, siedelte Penzig, der am Z0. Januar 1855 geboren wurde, 1893 noch Berlin über. 5)ier entfaltete er im Laufe der Zeit eine überreiche Tätigkeit. Neben der Veröffentlichung zahlreicher ethifch-pädago- gischer Schriften betätigte er sich als Führer der„Echischcn Kultur". als Sprecher der Humanistischen Gemeinde, als Volksschullehrer und auch als Stadtverordneter m Charlottenburg. Mit Unterstützung der Sozialdemokraten wurde Penzig 1905 zum unbesoldeten Stadtrot gewählt. Aber in jenen herrlichen Zeiten mußte die Bestätigung auch eines so bedeutenden Mannes, der aber Dissident war, erst gegen die reaktionäre Regierung erkämpft werden. 1924 beauftragte Conrad H a e n i s ch ihn mit der'Abfassung einer Denkschrift über die brennenden Fragen des Schulwesens. Schon gleich 1914 nach Ausbruch des Krieges erklärte Penzig seinen festen Entschluß, sich nach Beendigung des Krieges der Sozialdemo- kratischen Partei anzuschließen. Und diesen Entschluß hat er auch ausgeführt, ohne freilid) bei seinem hohen Alter nod) praktisch politisch tätig sein zu können. Die alte Zeit hatte die Kräfte dieses Mannes nid)t zu würdigen gewußt. Kür die 40-Stunöen-Woche. Der größte Saal im P i c a d i l l y war zur Kundgebung der Schöneberger Sozialdemokratinnen überfüllt, dicht gedrängt saßen und standen die Frauen und Männer. Genossin Frieda G l a d o s ch vom ADGB. bezeichnete es als die zur Zeit wichtigste Ausgabe von Gewcrksdzaiten und Partei, den Kamps um die 4 0- S tu n d e n- W o ch e siegreich durchzuführen. Nicht Lohnabbau zur Hebung der Wirtschaft, sondern die Kaufkraft der Massen erhöhen gilt es heute. Die Unternehmer haben zwar amerikanische Produktionsmethoden, aber mdst. die' amerikanischen Löhne übernommen. Auch die sozialen Errungenschaften sollen be- seitigt werden, es gilt daher heute für alle Arbeiterinnen und Arbeiter, im Zusammenschluß den Ansturm der Reaktion abzuwehren. Genossin Kurgaß knüpfe an die Bilderfolge„Im Westen nichts Neues" an und mahnte die Frauen, das Schreckliche dieser Zeit nicht zu vergessen. Im Kampf gegen den Krieg haben die Frauen eine besondere Ausgabe: wir wissen, daß Kriege endgültig erst durch den Sozialismus überwunden werden können, Aufgabe der Frauen ist es, die Kinder heute schon in einem neuen Geiste der Verständigung und der Gemeinschaft zu erziehen. Allgemeine Weilerlage. Owoltanlo&O heibar, d halb bedeckt awolkig.Gbedeckt�Regen�Graupel« Schnee£Hebel,'RGe*4ttec©WW*le In der Nacht zum Mittwoch hat sid) über Ungarn eine kräftige Depression entwickelt und ist rasch durch Polen nach der östlichen Ostsee gewandert. Der Ostsceküste brachte sie ergiebige Regenfälle und Stürme. Sie zieht unter Vorflachnng nad) dem mittleren Skandinavien weiter. Deutschland wird am Donnerstag im Bereich der Luftmassen liegen, die aus der Westseite dieses Tiefs nach Süden strömten. Druckfall über England deutet darauf hin. daß nunmehr vom Atlantischen Ozean wieder Störungen nach Europa vordringen. Sie dürften ober vorläufig nur die Windrichtung in unserem Gebiet etwas beeinflussen. * weileraussichten für Berlin: Bei mäßigen bis frischen westlichen Windeg teils heiter, teils wolkig, am Tage milder, stellenweise Schauer.— Für Deutschland: Im Westen und Süden, in Mittel- dcutschland und Schlesien wolkig bis heiter und wärmer, nur ver- cinzelt Schauer, an der Ostseeküste und im Nordosten von Deutsd)- land noch kühl, wechselnd bewölkt und vielfach Schauer. Zport. Rennen zu Moriendorf am ZNillwoch, dem 22. April. t. Rennen. 1. Etrusler lKnöpnadel jr.l. S.Morgan. 3. Heureka. Tolo: S8: tv. Platz: 27, 58, 52:10. Ferner liefen: Eppi, CresceuS, Türni- falke, Herzblatt, Coilez. Heldin, Jolalte, Dewey. Pillat, Alma matcr. 2. R e n n e n. 1. Vielliebchen7. Abt. Die Bezirksstlbrer bolen sofort Material oom Abteilungsleiter«b. 2». Abt. 20 Uhr Ausspracheabend bei Stcnzel. Äolomesir. 13.„Stieg und Arbeiterklasse". 120. Abt. Zsriebrichssrlbe. Gic Borstandssitzung beute abend fällt aus. Freitag. 24. April. 5. flxei». 20 Übt Teleqicrtcn, und Kreisvorstandssitzung in Schmidts Ge- sellfchaftsbaus. Truchtftr. 30-. 10. steei». Wichtige Kreisvoeftondssitzung in Konen ick, Schlotzstr. 27. 31. Abt. 20 Ubr Arbeilskrcis junacr und neu zur Partei gclommencr Ge- nosTen bei Goldschmidt, Stolnische Str. 3k.„Seidelberger Programm." Ol. Abt. Funktionärsitzung bei Palm, Mainzer Str. 1K. Frauenveranslattungen. Wie bitte» die Kieiilcitr rinnen für Agitation beut«. Donnerstag, 23. April, zur Internationalen itzioncnlunbgrbnng bereit, l Stunde trüber, als»»m 1» Utzr, anwesend zu sein. Da, Frauensclretariot. 12. ftni«. Treffpunkt zur(sraueickundgebung lS>/4 Ubr oor der„Neuen Welt". 117. Abt. Treffpunkt wir Trauenkundgcbun« um 18 Uhr Iabn-Rcalgmnnasiuni, Marktftraße. an der Strasienbabn. 120. Abt. Iriebrich, selbe. Wir beteiligen uns all« am Internationalen Frauen- tag in der„Neuen Weit". Treffpunkt 18'A Ubr am U-Bahnhof Friedrichsfelde. Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen Deutschlands. Bezirtsgnippe Berlin. In der beutigen Vollversammlung wird der(Zilnt„Kinderrepublik See- kamv" vorgeführt. Beginn 10 Uhr, Gesundheitshaus Krcuzbcrg, Urbansiratzc. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde Groß-Berlin. Kreis Iiiebrilbsdai». Tie Berichtsbogen vom 1. Quartal und Meldungen für Lager 1031 sofort an die Kreisleituna schicken. Seute. Tonnerstag: 8ur Beisetzung der Genossin Wengeis treffen wir uns 1311 Ubr Strausbergkr Plötz. fiabnen und Wimpel mit Ilor. Freitag, 18 Ubr. Jugendheim Litauer Str. 18. Kreisversammlung der Noten irolken. Sonnabend: Kum Besuch des Kasvcrle in den Anbreas-SLIen treffen sich die Evuvpen löH Uhr an ihren Treifptätzen und sind 15% Uhr Andreosstrasie 21. 10 Pf. mitbringen. Sonntag: Besuch des Meereskunbemuseums. Kalken aus allen Gruppen können teilnehmeu. Treffen 10 Ubr Ialkenecke(Diestelmever- Ecke stzriebenstratzrl. Dienstag. 28. April. kommen olle Noten und Iungfalkeu mit ihren Wimpeln 18 Uhr ins Äcini Tilsiter Etr 4.— Gruppe Petersburger Plutz: Unter diesem Nomen tagt ab Dienstag. 28. April, eine neue Kiudergruppt. Alle Genossen im Bereich der 3K. Abteilung werben ausgefordert, ihre Kinder dieser Gruppe zuzuführem Tagungszeit: Dienstag und Ireitag. 18— lO'/e Uhr, Jugendheim Tilsitcr Str. 4. Prenzlauer Berg. Heute, 20 Uhr, Baracke Dauziger Str. 62. Kreisbolfer, sitzung.— Viktor?Idler: Iungfallcn treffen sich Kreitag, 17 Zz Uhr. Falkenecke -um Besuch der Au-stellung. Eltern sollen mitkommen. Grnppe Kvtt busirr Tor: Freitag, 24. April, um 20 Uhr, Elternversammlung, Waldemarstr. 77. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation| 3, Abt. Am 18. April verstarb im 71. Lebeussahre unser Genosse, der Hut- machermcistcr Karl Zcidlcr, Rcanderstr. 15. Ehr« seinem Andenke»! Einäscherung Sonnabend, 25. April, 14 Uhr. Krematorium Baumschulenweg. .Zahlreiche Beteiligung erwartet die Abteilungsleitung. Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin ainfenbinigen für diese Jtctrlt nur an bei Zugenbtelr-tnrc» Berlin SW 68. Twdenttmte 5 Akt«it»ng»l«itrr, reicht umaehend den DerWjäsbogen dorn I Duarlaladsck>a-t. Liebe, Ehe".— Prenz. lauer Vorstadt: Gleimsrr. Lä:„Kitsch und Kunst".— Hallesche, Tor: Die sZerien. sahrer treffen sich zu giuee Besprechung 10 Uhr Porckslr. 11.— Kafenheibe: Wasiertorsir. 0: Seuerglprobe zur Iugenbfeier.— Schöneber, III: Sauptsir. 11: Bunter Abend mit festem Programm.— Westend: Sportplatz:„Berufskrank» beittn".— Zletnickcadors-Sest: Seidelstr. 1: stampf der SAI. für die prole. tarische Jugend".— Tegel: Bahnhosstr. 15:„EAI. und Arbeitersport". Werbebezirk Riste: Sprechchorprobe für die Maifeier bei Dobrohlaw. Swinemünder Str. 11.' Werbebezirk Prenzlauer Berg, Tambourkorps: Auftcrardentliche Mitglieder, versammlunq. Altersheim. Instrumente Nlitbriugen. Werbebezirk Westen: 20 Uhr Nosinenstr. 4. Vorstandssitzung. Werbebezirk Tempelhof: Germaniastrafte. 20 Uhr: Die Spieltruppc„R. St." beteiligt sich geschlossen au der Probe zum Maiscstlgiensniel. Werbebezirk Neukölln! Erwerbslosen, usammeutunft 13 Uhr Bergstr. 20. „Entwicklung der Parteibcwcgung." Vorträge, Vereine undVerfammlungen. SM W Reichsbanner„Schwarz-Rol-Gold". Geschäsisstellr: Berlin S. 14. Sebastianstr. 31—38. Sok 2. Tr. Gauoorstand. Ächtung! Zur Frauenkundgebung der SPD. am Donnerotag, 23. April, in der„Renen Welt", übernehmen die Orts- vereine Rcutölln,«ueuzberg und Feiebrichshain den Saalschutz. Leitung: Kamerad Pagei«. Antrete» 10 Uhr in Bunde«kleitu«a daselbst.— Wedbtng tOrt.-vereint: Donnerstag. 23. Oipril, 1. Kameradschaft, 20 Uhr, Kottbusier Strafte.— Ritte: D-r Kamerad Irauz Ziitsäckc, Brunneustr. 103, ist perstorben. Ehre seinem Andenke»! Einäscherung am Freitaa. 24. April, 18'/, Uhr, im Krematorium Gerichtstraftc. Rege Beteiligung erwünscht.— Wilmer»dors (Iungbanuerl:(kreitgg. 24. April. 20 Uhr, Wilhelmsgue 123, Jugendheim.— Treptow, Kameradschaft Schoueweide-Iohannisthal: Sonnabend, 25. April, 20 Uhr, Mitgliederversammlung in der Brstckenllause, Spree. Ecke Brücke». strafte. Vortrag.— Renkölln-Britz: Sportabteilung ab 21. April jeden Dienstag. 20 Uhr._ KKS. Nenkilln-Vritz. Uebungstag ab 24. April jeden Freitag ab 1« Uhr aus dem alten Stand«. Neuanmeldung dort beim Kameraben Köhler gegen Legitimatlo». Deutscher Friebcnsbuud. Donnerstag. 28. April, 20 Uhr, im Restaurant Rostschall, Beste-Alliance. Platz 8. Herr Franz Leschnitzer spricht über.„Zensur. teiror in Prag". Gäste willkommen. Reich, kurzschiistverein Berlin-Moabit. Donnerstag. 30—22 Uhr, 172.(ft«< mei>:d-schulc, Bremer Str. 13—17, Anfänger., Fortgrschristenc., Redeschrift. Lehrgänge. Der Dergrügungspalost Hau« Baterlanb. Betrieb Kcwpinsli. gibt ,u den Mstlcilltngeu über die Schlieftung der meisten Berliner Kabarett« für die Sommermonate bekannt, daft er sowohl im Palnirnsaal als auch in der Rhein. terrgsse den nanvn Sommer hindurch große internationale Bari«!»» und Kabarett eZZrogramme, unter der künstlerischem Gasamtleituug von Harwann Festier biete u wird. yHÜWwMtwtoe Ist die so schnell beliebt gewordene tß-f 1 1 ENVER BEy VA1UIA wllß Dick und«ind Q/M-Psckiina �■■FPFG, ) Theater, Lichtspiele usw. GROSSES SCHAUSPIELHAUS Täglich 8 Uhr; Im»«MM RBHI. Stg. nachm. ä Uhr Originalbesetzung hillige Preise Regie; Erik Charell. Barbarossa 0256 Tägl S u. SV-Uhr Hm. 50 Pl.-Z N., Ab. 1'k k. �u»n uossas (Bit!. nnliiil. Onhisttr d'Ansolmi Drena Beach und weitere Attraktionen PItAZa Wiithui E. 7. 4031 Täglich 5 und S>° Sonn'ags2,io.8,i' Hni.30Pf.-I IL.U.1-ZE Senin Glazeroll Gesang- u. Tanzrevue Barbara la May usw. WintQr Garten■ i>ö Diu. Zuitr. 29)9. Hjodim trinM Dayelraa-Ballett. Gretl. Vernoa, 2Hartvells. 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Zum S ch u tz d e r 'Verbraucher mußten zwei Klauseln in das Gesetz aufgenommen werden, die nicht nur eine allgemeine Preissteigerung verhindern sollen, sondern auch die Regierung verpflichten, einer Steigerung der Brotpreise über den vom Statistischen Reichsamt ermittelten Durchschnittsbrotpreis der letzten 6 Monate vorzubeugen. Da jetzt in Berlin, der größten deutschen Stadt, der Brotpreis empfindlich erhöht worden ist, mußte die Regierung also nachprüfen, ob der durchschnittliche Brotpreis nicht vielleicht schon erreicht oder sogar schon überschritten ist und dann energische Maßnahmen ergreifen, «im diese Erhöhung des Preises wieder rückgängig zu machen. Was stellt sich aber jetzt heraus? Es wird vorgegeben, daß es gar keinen durchschnittlichen Brotpreis gibt, weil es lein einheit- liches Brot gibt. Das Brot ist in jeder Stadt von einer anderen Qualität, je nach der Geschmacksrichtung der Berbrauchcr. In einer Stadt wird fast ausschließlich reines Roggenbrot gegessen, während in anderen Städten mehr aus Weizen- und Roggenmehl gemischte Brote konsumiert werden, so daß ein Durch schnittsbrot, auf dem ein Durchschnittspreis fußen könnte, gar nicht existiert. Die Reichsrcgierung kann sich nun aber selbstverständlich nicht hinter diese Ausreden verschanzen und nun schultcrzuckend bc- haupten, daß es keinen Durchschnittspreis gibt, daß also die eine Steigerung des Brotpreises verhindernde Verbraucherschutzklausel gar nicht angewandt werden kann. Diese Auffassung wäre eine wissentliche Falschauslegung des Gesetzes und eine Brüskierung der Volksvertretung, die dieses Gesetz beschlossen hat. Da es keinen Durchschnittspreis gibt, muß also die Preisentwick- lung in verschiedenen Städten geprüft werden, um entscheiden zu können, ab der jetzige Preis bereits den Durchschnittspreis erreicht oder sogar überschritten hat. Diese Prüfung ergibt folgendes: von Z2 Städten liegen in 17 Städten die jetzigen Brolpreise über dem Durchschnitt der Brotpreise des letzten halben Zahres, nur in vier Städten ist bisher der Brotpreis gleichgeblieben und nur in einer Stadt ist der Brotpreis noch etwas geringer als der Durchschnitt. Hoch stärker als die Steigerung des jetzigen Brolpreises über den Dorchschnittsbrotpreis ist die Steigerung der jetzigen preise gegenüber dm preisen im Februar. Zu manchm Städtm ist das Brot um 4 p f. teurer geworden. In Berlin lag bisher der Brotpreis mit 26 Pf. um% Pf. unter dem Durchschnittspreis. Wird die von den Bäckern bc- schlosicne Erhöhung voll von den Bäckermeistern ausgenutzt, dann wird dos Brot Pf. teurer fein als im Durchschnitt der Monate Oktober bis März. Brotpreise je Kilogramm in Pfennig. Abmeichiingd. Durchichmtts- jetztgen Preises preis vom Durch» Oktober März fchnittzpreis Breslau.......... Dresden.......... Leipzig........... Halle............. Stettin........... Lübeck............ Altona..'........ Hamburg......... Braunjchweig..... Erfurt............ Hannover........ Göttingen......... Kassel............ Hagen............ Dorlmimd........ Duisburg......... Krefeld........... Düsseldorf........ Elberfeld-Barmen.. Köln............ Frankfurt a. Main. München......... I-tzte- Broipreis 32 34 36 37,3 37 44.5 40 38 36 34 34,6 34 33 40 38 48 32 30 31,3 49,7 42 46 Februar- prels 32 34 34 34,7 35 43,5 38 37,5 34 33,5 33,3 33 31 36 37 44 30 48 30,3 48,4 42 46 32 34 34 35,3 35,5 43,5 38 37 35,5 33,2 34 33 31,5 CO 37 38" 46 30 49,5 30,3 48,3 43,1 46 0 0 + 2 — 2 -- 1,5 --1 --2 + 2' --0,5 + 0,8 + 0,6 --1 -- 1,5 --3 0 + 2 + 2. ■+ 0,5 -r 1.2 + 1.7 — 1,1 0 Es gibt also nichts zu drehen und zu deuteln. Wer ehrlich das Gesetz auslegen will, muß zugeben, daß die Brotpreise sich gegenüber dem Durchschnitt des letzten halben Jahres erhöht hoben. Würden von der Regierimg Ausflüchte gemacht, so wäre das ein Zeichen schlechten Willens. Es ginge daraus hervor, daß die Reichsrcgierung dem Gesetz zuwider handeln will. Wir nehmen aber mit aller Bestimmcheit an, daß in der heutigen Kabinettsitzung die Reichsregierung energische Maßnahmen beschließen wird, um eine Senkung des Brotpreises zu erreichen, und zwar ohne jedes Kompromiß-Kommißbrot, das selbst die Bäcker ablehnen. Handel/ Staat/ Verbraucher. Vorträge und Diskussionen. Die Gesellschaft von Freunden der„F o r s ch u n g s st c l l e für den Handel" veranstaltete am Mittwoch eine Aussprache über die Fragen der Handelsspanne. Di« Diskussion wurde eingeleitet durch ein Referat von Professor Hirsch über die Be- stimmungsgründe der Handelsspanne sowie ein Referat von Pro- sessor Brandt über die Handelsspanne bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Prosessor Hirsch stdlle in den Vordergrund, daß in den einzelnen Handelszweigen ein nahezu einheitlicher Leistungsaufwand gegeben sei, der die relativ hohen, nach seiner Auffassung weitgehend über- einstimmenden Unkostensätze und Handelsaufschläge der einzelnen Branchen bedingt. Der volkswirtschaftlich dringend notwendige „Durchbruch zu niedrigeren Vertellungskosten" sei nur durch die Beseitigung der vorhandenen großen Reibung-- Verluste im Vertrieb zu erreichen. Wege hierzu sind nach Aus- fassung von Professor Hirsch gegeben durch Eindämmung der großen Schwankungen im Beschäftigungsgrad des Handels, insbesondere mittels Verlegung der Zahlungstermine, intensivere betriebs- wirtschaftliche Durcharbeitung der Handelsgeschäfte, vor allein aber durch Bcrtleinerung der Lagerhaltung und durch Beseitigung der „toten Kosten der Konkurrenz", worunter von ihm eine stärkere Spezialisierung der Geschäfte und Arbeitsteilung hinsichtlich des Warenkreises. des Absatztadius, der Auftragsgröße und der Verzicht auf die nichtgewinnbringenden Konkurrenzgeschäfte verstanden wird. Professor Brandt zeigte die großen Ersparnismöglich- leiten, die auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen Erzeugung durch Standardisierung, bessere Verpackung, kationellere Be- förderung usw. sowie durch die stistemaiische Beobachtung des Marktes und Anpassung an den Bedarf noch in weitem Umfange gegeben sind. Er vertritt allerdings die Auffassung, daß demgegenüber durch die gesteigerten Ansprüche des Publikums hinsiöstlich der Oaalität, Verpackung usw. der Waren mit einer Tendenz steigender Unkosten und steigender Handelsspanne bei den Nahrungsmitteln zu rechnen wäre. In den beiden einleitenden Referaten wurde mit großer Vorsicht die aktuelle Frage der Herabdrückung der Handels- spanne umgangen. Es scheint uns eine Ucbertreibung� wenn von einer absoluten Zwangsläufigkeit und Gleichheit der Vertriebs- kosten in einzelnen Handelszweigen gesprochen wird. Die Dinge liegen doch so, daß einzelne durchorganisierte Unternehmungen mit beträchtlich niedrigeren Unkostensägen arbeiten, daß aber andererseits infolge der unleugbar vorhandenen inneren Bindungen in der Preis- gestaltung dieser Vorsprung der KonsumeMenschast nur wenig oder gar nicht zugute kommt. Wir haben daneben e'me ganze Reihe von Gebieten, insbesondere auch im Lebensmittelhandcl, wo ossensichtlich stark übersetzte Handelsspannen vorhanden sind. Von den Diskussionsrednern aus den Kreisen der In- dustvie und des Handels, die im allgemeinen die üblichen Hymnen auf den Handel anstimmten, wurde mit Entschiedenheit gegen staatliche Einmischung in die Verteilungsorganisation Protest erhoben. Wenn wir auch der Auffassung sind, daß etwa die Festsetzung von Höchstpreisen ein wenig geeignetes und wirtsemus Mittel darstellt, so ist doch auf der anderen Seite ossensichtlich, daß nur unter dem Druck der Oeffentlichkeit, insbesondere der Verbraucherschaft, sowie mit Hilfe staatlicher Einwirkung Auswüchse überhoher Handelsausschläge eingedämmt werden konnten. So wertvoll die betriebswirtschaftliche Forschungsarbeit der Handels- organisation und die Auswertung der Ergebrnffe dieser Forschung w d« Praxi» ist, so hat doch der Staat die Pflicht, besonders in einer Zeit stärkster Einschnürung der Massenkaufkraft, sich mit den Handelsspannen zu befassen. In der Diskussion wies Genosse Schweitzer mit Recht darauf hin, daß heute enorme Opfer von der Arbeiterschaft gefordert werden, daß Lohn- und Gehaltskürzungen im stärksten Ausmaß vorgenommen werden, die eine Verringerung der Produktionskosten um wenige Prozent bewirken sollen, während demgegenüber im Verteilungsapparat noch ungleich größere Ein- sparungsmöglichkeiten bestehen. Wir behallen uns vor, auf das wertvolle Material, das die Forjchungsstelle für den Handel anläßlich der Diskussion über die Handelsspanne veröffentlicht hat, noch einzugehen. Enttäuschung in Nußland. Die unbefriedigenden produktionsergeboisse des russischen E,sen-> und Stahlkonzerns„Otalj". Der Vorsitzende des Obersten Volkswirtschaftsrats der Sowjet- nnion, O r d s h o n i k i.d s«, hat soeben eine Verordnung etlajsen, in der die überaus unbefriedigende Durchführung des Produktions- Programms durch die Bundesbereinigung der Elsen- und Stahl- industrie des Westtsils der Sowjetunion„Stalj" im..besonderen Quartal" 1930 und im ersten Quartal 1931, ferner auf das Steigen der Selbstkosten, Verschlechterung der Qualität der Erzeugnisse hin- gewiesen wird und gleichzeitig umfangreiche Maßnahmen zur Hebung der Produktion der Werke des Stahltoiizerns angeordnet werden. Der Erlaß stellt fest, daß die Nichtdurchsührung des Plans nicht allein auf die unzureichende Versorgung der Eisen- und Stahl- werte und die Transportschwierigkeiten zurückzuführen ist, sondern vor allem auch auf die schlechte technische Leitung. Di« Wirtschafis- orgone und das technische Personal der Eisen- und Stahlwerke hätten sich hilflos gezeigt und seien unfähig gewesen, die vorhandenen Rohstoff- und Brennstoffvorräte richtig zu verteilen. In den einzelnen Schichten der Arbeiter sei ferner ein Sinken der Arbeits- d i s z i p l i n zu verzeichnen. Kohlenförderung bleibt schlecht. Auch im Mörz hat sich die Lage im Steinkohlenbergbau noch nicht gebessert. So stellte sich die im Berichtsmonot geförderte Kohlenmcnge auf 7,7t gegen 7,13 Millionen Tonnen im Februar Da der März jedoch 26 gegen nur 24 Arbeitstage des Februar aus- weist, hat sich die arbeitstägliche Förderung im März gegenüber dem Vormonat von 297 474 auf 296 553 Tonnen sogar noch verringert. Roch stärker ging die Koksproduktion mit arbcitstäglich 57 050 gegen 60 334 Tonnen im Februar zurück. Infolge des anhaltenden Druckes aus dem Absatzmarkt sind die Haldenbestände von 9,99 aus 10.17 Millionen Tonnen a n g e- schwollen. Dementsprechend hat sich auch der Beschäftigungsgrad weiter verschlechlerl. und die Gesamtbelegschaft im Ruhrbergbau vcr- ringertc sich im März um weitere 16 100 ans 268 500 Mann. Seil dem März 1930 sind damit über 98 000 Bergleute abgebaut worden. Einzig und allein im Braunkohlenbergbau hat die nachwinterliche Kältewelle«ine kurze Belebung des Geschäftes in Hausbrandbritetts gebracht. Da der Kohlenhandel jedoch in erster Linie auf Räumung semer Läger. bedacht war. kam diese Be- lebung der Produktion selbst kaum zugute, wenn auch die Stapel- bestände im März etwas abgebaut werden tonnte». Gummi fast umsonst! preise für Rohgummi um 95 Prozent gestürzt. Kein einziger Rohstoff hat eine derartige Preisrevolution durch- zumachen gehabt wie der Rohgummi. Schon im Herbst vorigen Jahres hatten die Weltmarktpreise sich gegenüber 1925, wo ein englisches Pfund(450 Gramm) an der Londoner Börse mit 4,35 Mark notiert wurde, um rund 80 Proz. gesenkt. Inzwischen hat sich der Prciseinbruch auf den Weltgummimärkten festgesetzt, obwohl es eine Zeitlang schien, als ob eine gewisse Sta- bllisierung gelingen könnte. Diese Preisstützungsversuche fanden jedoch am untauglichen Objekt stand, denn die Welt ist noch mit Gummworräten von mehr als einer halben Million Tonnen be- lastet, die bei dem heutigen Stand der Weltwirtschaft den Ver- brauch eines ganzen Jahres decken. Allein in den Ver- einigten Staaten von Amerika, den größten Gummiverbrauchcrn der Welt, haben sich die Vorräte an Rohgumm! gegenüber dem März vorigen Jahres um 80 000 auf fast 220 000 Tonnen erhöht. Auch die Stillegung vieler kleiner Gummiplantagen und Versuche, die Produktion einzuschränken, haden nicht vermocht, die Flut des gewonnenen Gummis, die aus den mit modernsten Be» triebseinrichtungen ausgestatteten Großplantagcn auf den Weltmarkt strömte, abzudämmen. So sind die Preise für Rohgummi an der Londoner Börse m den letzten Wochen fast ununterbrochen weiter gefallen und stehen um fast 3 0 Proz. unter dem Preisstand vom Sep- tember 1930. An der gestrigen Börse wurde mit 2 3 P f. je englisches Pfund(450 Gramm) ein neuer Rekordtief st and erreicht, der um 95 Proz. unter den Preisen von 1925 liegt. Der Gummiweltmarkt befindet sich in einem derart ruinösen Zustand, daß die ver- arbeitenden Industrien diesen wichtigen Rohstoff nahezu um« sonst haben können. Es erhebt sich die Frage, inwieweit die verarbeitende Gummi» industrie in Deutschland bei ihren Preisen dieser Lage Rech» nung tragen will. Wir haben wohl in Deutschland bei der Auto. reifen industrie eine zweimalige Preissenkung in Höhe von insgesamt 20 Proz. gehabt, was sicherlich nicht— trotz höherer Verarbeitungskosten— dem Umfang des verbilligten Ein- kaufs entspricht. In weitaus geringerem Umfang aber hoben die Gummifabriten die Preise für andere Fabrikate, wie zum Beispiel die vielfachen medizinischen und hygienischen Gummi» f a b r i t a t e herabgesetzt. Besonders die Fabrikate, die Marken» artikcl sind, wurden, und auch dies erst auf Grund der Verordnung der Regierung, nur um 10 Proz. abgebaut. Hier ist also ohne weiteres die Möglichkeit für einen weiteren und fühlbaren Preisabbau gegeben. „Llnangreifbarer" Kalikonzern. Gewinne und Selbstfinanzierung bei Solzdetsurtb. Wie wir schon vor ewiger Zeit mitteilten, hält der Salzdetfurth» Konzern im Gegensatz zu den beiden anderen großen Kalikonzernen (Burbach und Wintershall) an seiner hohen Lorsahrsdividende von 15 bzw. 10 Proz. fest, trotz der schlechten Absatzverhältnisse. Aus. den Ausführungen des Aufsichtsratsoorsitzenden Dr. Solmssen(DD-BanN auf der Generalversammlung ging hervor, daß die Lag« des Konzerns glänzend ist, da das Kapital im Berhältnis zu An- lagen und Gewinnen sehr niedrig ist: daß man dieses Verhältnis so günstig gestalten konnte, ist eine Folge der außerordentlichen Gewinne der letzten Jahre. Einen Teil der Gewinne hat der Konzern dazu verwandt, sich „unangreifbar" zu machen, nämlich gegenüber einer Heber- frenrdung durch Burbach oder Wintershall. Man hat soviel Aktien aufgekauft, daß die Kaliwerke Salzdetfurth A.-G mehr als die Hälfte des Kapitals der Kaliwerke Aschersleben und der Eonsvlidirten Alkaliwerke Westeregeln besitzt, und diese beiden zusammen besitzen wieder mehr als die Hälfte des Kapitals der Salzdetfurth A.-G. Das hat dazu geführt, daß nur noch für die Hälfte des Nominal» kapitals von 72 Millionen Mark Gewinne ausgezahlt werden müssen. Dieser Umstand erklärt auch zum Teil das Versprechen auf Fort- Zahlung der hohen Dividende, obwohl der Kaliabjatz des Syndikats in den ersten drei Monaten 1931 auf 4,5 gegenüber 5,76 Millionen Doppelzentner im Vorjahre, also um 22 Proz. zurückgegangen ist. Die Aussichten für die Erdölförderung in Deutschland werden skeptisch beurtellt, so daß der Salzdetfurth-Konzeru sich von diesem Gebiet wieder zurückziehen will. Zur Frage der Misch» d ü n g e r fabrlkation wurden gegen Herrn Rosterg starke Worte ge- äußert: wenn die Verhandlungen in der Kaliindustri» über ein gc- meinschafUiches Vorgehen nicht bald zu Ende geführt würden, würde der Salzdetfurth-Konzern selbständig vorgehen. Schließlich wurde im Gegensatz zu in der Presse erschienenen Bergleichen erklärt, daß aus ein Tausendstel Syndikatsbeteiligung bei Salzdetfurth 150 000 M., bei Burbach 380000 M. und bei Wintershall 500 000 M. Kapital entfiele. Auch diese Zahlen zeigen das günstige Verhältnis bei Salzdetfurth, wenn auch sie allein zur Beurteilung nicht ausreichen. Neue Masseneinfuhr russischer Zündhölzer. Die Einfuhr russischer Zündhöllzer nach Deutschand, die nn ver» gangenen Jahre in Zluswirkung der am 1. Juni 1930 erfolgten Ein- führung des Zündworen Monopols beträchtlich zusammen- geschrumpft war, hat neuerdings wieder eine überraschende Sieige- rung auszuweisen. Nach der Rekordeinfuhr des ersten Quartals 1930. die sich auf 7,4 Millionen Stück belief, gegenüber einem Quartals- durchschnitt von 4,7 Milliarden im Jahre 1929, war der Zündholz- import aus Rußland im zweiten Vierteljahr 1930 auf unter 12 Mil- '.ionen Stück gesunken. Im dritten Quartal 1930 ist die Einsuhr russischer Streichhölzer jedoch wieder auf über 1 Milliarde Stück g e st i e g e n und hat, noch einem im letzten Quartal 1930 beobachte- ten voriiderzehendcn Ruckgang auf rund 390 Millionen Stück, in diesem Jahr« einen neuen Relordumfang erreicht. Im Januar 1931 hat Deutschland aus Rußland 223 Millionen Zündhölzer und im Februar bereits 6,4 Milliarden Stück importiert. Die Gesamteinfuhr der beiden ersten Monate dieses Jahres erreicht somit mit 6,64 Milliarden Stück mehr als das Fünffach« der Rekordeinstihr der esteichen Periode des Vorjahres. Einnabmeruckgana der französischen Eisenbahnen. Ra� einer Ueberstcht über das Einnahmeergebnis aller sran?ösischen Bahnen während des ersten Quartals 1931 beliefen sich die Gesamteinnahmen aus 8.36 Milliarden Franken gegenüber 3.70 M'lliarden Franken während der Dorgleichsveriode des Vorjahr«, Das bedeutet«ine Verminderung von rund 10 Proz $Der*Zoie am Wiefenrande Wie die iUordkommitfion arbeUel Um auch iem Laien eineti B«griff davon zu geben, wie die Auf- klerun««ine, Morde» vor sich geht, wi« die frimlttoXiftifche Arbeit. von de: ersten televbonischen Mittoiluna bis zur Slärung de» Savital- Verbrechens aussieht, verdffentlichen wir hier einen Bericht, der aus dem Berliner Polizeipräsidium stammt und über die Sätioicit der Wordkommission in allen ihren Einzelheiten Aufklärung gibt. Mordalarm! Telephongespräch vom Revier an den Kriminalkommissar vom Dienst:„In unserem Revier ist um 7 Uhr früh eine männliche Leiche gefunden. Augenscheinlich liegt Verbrechen vor.* Der Kriminalkommissar vom Dienst, sogenannter Dauerdienst der Kriminalpolizei, gibt die Melllung an den Leiter der Kriminal- inspektion A(Mordkommission) weiter. Dieser holt die Entschci- dung dez Chefs der Kriminalpolizei ein: Aktive Kommission. Die Benachrichtigung der Mitglieder dieser Kommission, des dienst- habenden Kriminalarztes und des Mordautos, erfolgt durch den Kriminalkommissar vom Dienst. Am Tatort, auf einer Wiese, unmittelbar an der Landstraße hingestreckt, die Leiche eines jungen Mannes. Schon von weitem erkennbar ein tiefer Halsschnitt. Die Art der Verletzung an sich ist noch kein Beweis der Tötung von fremder Hand. Auch Selbstmör- der sterben so. Aber: die Hände sind blutfrei— ein Messer ist nicht vorhanden— die Schuhe und Strümpfe liegen im Straßenschlamm — die ganze Lage der Leiche— alles deutet aus Mord. Wie hat sich die Tötung abgespielt? Ging ein Streit voraus? Welches Motiv liegt der Tat zugrunde? Alles Gesichtspunkte, die für die spätere kriminalrechtiiche Beurteilung von ausschlaggebender Bedeu- tung sind. Die Lage der Leiche, die Art der Verletzung, Beschaffenheit der Kleidung, Fundort der Schuhe— alles das sind Momente von größter Tragweite. Wichtig auch ein welkes Blatt seitwärts vom Kopfe der Leiche— in Verbindung mit den anderen Indizien ein Beweis dafür, daß der junge Mann da, wo er gefunden, auch getötet worden ist. Die Art der Verteilung des Blutes auf die Kleidung außerordentlich wesentlich, weil besonders hieraus zu entscheiden, ob der Schnitt geführt wurde, als das Opser schon am Boden lag oder als es stand. Photographen und Skizzenzeichner haben inzwischen ihre Apparatur aus dem Wagen genommen. Aufnahmen der Leiche im Rahmen der engeren und weiteren Umgebung. Anfertigung von Skizzen, die insbesondere alle Maße enthalten. Die Spurensiche- rung muß sich in diesem Falle auf das Ausgießen von Fußspuren beschränken. Roch am Tatort wird der Gesamtbefund in eingehendem Be, richte zusammengefaßt. Schreibmaschine, Tisch, alles Rötige ist im Mordauto vorhanden. Kriminalistische Diagnose: Tötung von frem- der Hand— Motiv unbekannt. Persönlichkeit des Toten noch nicht festgestellt. Schon an Ort und Stelle erhält die vorher benachrichtigte Presse Informationen. Ihre Mitwirkung und durch sie die Mltwir- tung de» Publikums ist in diesem Falle um so mehr erwünscht, alp der Befund an sich keine weiteren Anhaltspunkte giht. Die Arbeit am Tatort ist beendet— die Leiche wird d«m Schauhaus zugeführt. Die weitere kriminalistische Tätigkeit erfolgt aus zwei verschiedenen Gesichtspunkte»?: Feststellung der Persönlich« keit de» Getöteten— Ermittlung de» Täter«. Möglich, daß durch da» eine auch da» andere geklärt wird— möglich aber auch, daß � jede der beiden Fragen für sich abhängig von der anderen gelöst i werden muß. Nunmehr zunächst eingehende Durchsicht der Kartei für oer- mißte Personen. Auch im großen Publikum ist es ja bereits bekannt, daß bei der Kriminalpolizei eine Vermißtenstelle jür Vermißte und unbekannte Tote bestehr. Für Preußen und mehrere angeschlossene Länder zuständig, werden bei dieser Stelle monatlich etwa 1000 Personen als vermiß» gemeldet. Hiervon knapp die Hälfte aus Groß-Berlin. Die Durchsicht der in der Kartei ständig vorhandenen 1000 Karte,, für Vermißte geht in sehr kurzer Zeit vor sich, da die Karten nach dem Alter des Vermißten und nach sonstigen Ge- sichtspunkten übersichtlich geordnet sind. Als vermißt ist der junge Mann noch nicht gemeldet. In sämtlichen Polizeirevieren Groß-Berlins(163) bringt der Ferndrucker in Klarschrift folgende Depesche: „Mordkommission Zl. an alle. Heute morgen 7 Uhr auf W.-Landstraß«, S00 Meter von L entfernt, junger Mann mit durch- schmttenem Halse aufgefunden. 1,80 Meter groß, um 20 Jahre herum, blond, bartlos, blau« Augen— am Ring- und Mittelfinger rechter Hand fehlt je das erste Glied. Kleidung: Helles, einfarbiges Sporthemd— im Hemdkragen eingedruckt Firmenbezeichnung C. 6. Erlangen. Nachricht, insbesondere auch über Persönlichkeit des Toten..." Die Depesche wird ausgeschnitten und der Revierkriminalpolizei übergeben. In 130 polizeilichen Empfangsstatwnen— über ganz Deutschland verteilt— wird gleichzeitig ein Funkspruch ähnliche» Inhalts aufgenommen.„Polfunk— Kripo Berlin— Mordkom- Mission X. an alle." In noch viel größerem Umfange verbreitet das deutsche Kn° minalblatt die auf das Derbrechen bezügliche Bekanntmachung mit dem Bilde des Getöteten. Plakate mit Lichtbildern des Toten ge- langen in Groß-Berlin zum Anschlag. Nicht nur an den Säule», auch auf Bahnhöfen, in Herbergen, Schanilokalen, Arbeitsnach- weisen, Krankenkassen usw. werden sie verbreitet. In Tausenden von Exemplaren werden sie auch an alle auswärtigen Polizei- behörden versandt. Auch der Unterhaltungsrundfunk und die Kinos werden um Mitwirkung ersucht. Eine Art Werbepropaganda für einen bestimmten kriminalistischen Zweck— eingestellt auf Behörde» und Beamte einerseits, auf das Publikum andererseits. Die außerordentlichen Maßnahmen, die getroffen werden, bleiben nicht vergeblich. Noch einiger Zeit erkennt man bei einer ostpreußischen Polizeibehörde nach der Abbildung einen jungen Mann aus der dortige» Gegend. Die Annahme, daß mit der Feststellung der Persönlichkeit des Toten zugleich auch die Ermittlung de? Täters möglich wäre, bestätigt sich leider nicht so bald. Muß zur Feststellung des Toten erst der Weg von Königsberg noch Berlin eingeschlagen werden, so ist der Weg vom Tatort zum Täter noch viel weiter. Viel später erst kann man feststellen, daß der Ermordet« von Johannisburg über Königsberg, Elbmg und weitere Zwischenstationen nach Berlin gekommen ist. Cr hatte sich auf der Reise einen falschen Namen zugelegt, für den er die entsprechenden Papiere bei sich führt«. Auf Grund umfangreicher Ausschreibungen wird weiterhin in Altona ein Mann ermittelt, d«r im Besitze der Papiere de» Ermordeten ist. Nicht der richtigen sondern auch der falschen Ausweispapiere. Lei seiner Vernehmung gibt er an, die Papiere»inen Tag nach der Mordtat von einem Unbekannten in Berlin gekauft zu haben Dieser Man» wird dann von Altona nach Berlin gebrocht— und die endgültige Klärung kann nunmehr erfolgen. (Achluß.) John fflenry Wachay:§MitU& Er brauchte nicht auf die Antwort zu warten. Sie kam sofort. MU einem fast mitleidigen Lächeln über Sie Einsast der Frage.' „Woher ich weiß, daß Sie hier sind? Eigentlich könnten Hie sich das selbst sagen, mein junger Herr. Ihr» Braut, Fräulein Margarete Schirmer..." Wieder ein unterdrückter Ausruf, wie ein Fluch. Diesmal klang er wie„Weibex!"... Aber die gleichmütige Stimme sprach weiter: „Weiber?— Nun ja. Aber konnten Sie sich nicht denken, daß dos erste, was wir nach Ihrem Verschwinden taten, das war: uns hinter die einzige Perjon zu stecken, von der wir annehmen durften, daß Sie ihr schreiben würden?— Wir wußten doch, in welchem Verhältnis sie zu Ihnen stand. Wenn mit irgend jemand, würden Sie sich»nit ihr in eine Verbindung setzen. Wir irrten uns nicht. Sie hielt erst zu Ihnen. Aber als sie dann erfuhr,«i« gsmein. wie grenzenlos gemein— bleiben Sie sitzen!—®t« an Ihrem Onkel, der Vaterstelle an Ihnen vertreten, von dem Sie Zell Ihres Lebens nichts als Gut« und Lieb« erfahren haben, ge- handelt, wurde sie schwankend, und als sie weiter hörte, daß ein« Anzeige einstweilen nicht erstattet werden sollt«, wenn Sie... aber davon gleich. Sie persprach, uns Mitteilung zugehen zu lasten, wenen Sie ihr schreiben und Ihren Aufenthaltsort bekanntgeben sollten. Als Sie das dann nach vier Wochen taten, nicht etivo, um Ihre Braut über Ihr Schicksal zu beruhigen, sondern weil Sie zur Erlangung eines Auslandspasses Papiere brauchten, die Sie in der Eile Ihrer Flucht zurückgelassen und die nur sie Ihnen nach- schicken konnte, schwanden ihre letzten Bedenken. So konmit es, daß ich hier bin— statt der Papiere." Das junge Gesicht war abwechselnd rot und blaß geworden. Aus den Augen, die unruhig hin uno her schiveiftan, als suchten sie noch einem Ausweg, aus dem«ine Flucht noch möglich war. sprach noch immer die Angst. «Wir waren all« drei überzeugt, daß Sie eines Tag«« an Fräulein Schirmer schreiben würden. Wenn ich nun hier bin, so ist es mst Wissen und Einwilligung Ihres Onkels, den Sie um sein Letztes betrogen und bestohlen haben, indem Sie mit der aus dem Verkauf seine, Hause» gelösten Summe durchgingen, dieser Summe, durch die er sich bei der Gesellsihaft«inkaufen wollte, um den Rest seine» Lebens sorgenfrei leben zu können. Cr vertraute sie Ihnen an, um sie hinzubringen, da er selbst, krank und best. lägerig, wie er war, es nicht konnte. Er hätte sie Ihnen nicht an- vertrauen sollen, meine» Sie?— Sie haben recht. Aber wie tonnt« er es für inöglich hallen, daß Sie— Sie!--- ihn so schmählich hintergehen würdenl" Der Flüchtling, aus den dies« Worte wie Schläge niedergingen, starrte weiter vor sich hin. Hatte er wirklich eben recht gehört? War noch keine Anzeige gegen ihn erstattet? Oder trieb dieser Mann sein Spiel mst ihm?—' Er wagte noch nicht zu hoffen Wa» tonnte dieser Dr. Studeweit. von dem sein Onkel so oft und so begeistert gesprochen und der ihm nun gegenübersaß, von ihm wollen?— So ernst und bestimmt er sprach, bösartig und hinterh ästig schien er nicht zu sein. Er sollte bald au» seinen Zweifeln gerissen werden. ..Zunächst einmal," hört««r ihn fragen,«werden Sie mir sagen, wieviel noch da ist... aber ehrlich." M» nicht gleich geantwortet wurde, ein s-horfes: „Nun?!" Sjn« Zahl»ourde zögernd genannt. Dr. Studeweit psiff leise zwischen den Zähnen. „All« Wetter!" sagte er.»für die viar Wochen ganz anständig. Wohl mit Weibern?— Und in München, bevor Ihnen der Boden dort zu heiß wurd«, was?" Cr erhielt keine Antwort und fuhr fort: „Nun, um so schlimmer für Sie. Denn— hören Sie mir jetzt genau zu. Wir könnten Sie den Gerichten übergeben. Aber was hhtten wir davon?— Sie bekämen Ihre zwei, drei Jahre, kaum weniger, eher noch mehr und wären für Ihr Leben ein verlorener Mensch: Ihr Onkel wäre um diese Summe, die Sie eben genannt haben, ärmer, was für ihn. in feinem Alter, eine Reihe nur schwer noch«rtragborer Entbehrungen bedeuten wsird«: und die menschliche Gesellschaft.— ober lasten wir die menschliche Gesellschaft lieber." Der Sprechend« legte seine Hand ganz leicht auf den Arm des vor ihm Sitzenden und sah ihm fest, aber nicht unfreundlich in die Augen, während er sagte: „Nein. Julius Riedel, wir werden etwas anderes tun. Näm- lich dies: Sie werden Ihrem Onkel die veruntreute Summe ersetzen. Bi» auf den letzten Pfennig ersetzen. Wie?— Durch Ihre Arbeit. — Sie werden arbeiten, wie Sie bisher in Ihrem Leben noch nie gearbestet haben. Sie werden auf alles verzichten und sich in allem auf da» Aeuherste einschränken. Sie werden in den nächsten Jahren keinen anderen Gedanken haben, als diesen einen: Sie werden sich jedes Vergnügen versagen. Sie werden hungern, wenn es sein muß... Aber— Sie werden nach diesen Jahren wieder dastehen, als«in ehrlicher Mensch, der seinen Mitmenschen frei und offen ins Gesicht sehen kann. So werden Sie sühnen, was Sie begangen haben, ohne die Buße auf sich nehmen zu müsten, die Ihnen ander«, die Ihr« Tat im Grunde nichts angeht, Ihnen auferlegen würden, wüßten sie von chr. Haben Sie mich verstanden?— Dann sehen Sie mich an, geben Sie mir Ihre Hand und sagen Sie: Ja!—" Dr. Studeweit«rhiell erst keine Antwort und seine Hand wurde nicht genommen. Wer«r sah, wie der Kopf ihm gegenüber langsam niedersank, sich in die Arme vergrub, und wie der junge Körper von einem plötzlichen, heftigen Schluchzen hin- und hergeschüttest wurde. Er ließ ihn. Er sah von ihm fort, über das Geländer der Veranda hinaus in das abendliche Land, das im Frieden dalag, und an besten Horizont die Wolken hingen wie graue Schleier. Erst eins heftige Bewegung des jungen Menschen, der sich ebenso plötzlich wieder aufgerichtet und nun in die Brusttosche gnfs, rief ihn zurück. „Nehmen Sie!" hörte er. ihn ausrufen.„Nehmen Sie alles, was noch da ist!" Er wies ihn mst leichtem Lächeln zureicht.• »Rein", sagt« et. Wiste» Sie denn überhaupt, ob ich wirtlich der bin, für den ich mich ausgebe?— Seien Sie doch nicht wieder so leichtsinnig. So wollen wir es nicht machen. Sondern so: Sie gehen jetzt auf Ihr Zimmer, packen Ihr« Sachen, bezahlen Ihre Rechnung, und wir gehen dann gemeinsam auf die Post. Dort tun wir das Geld in ein schon von mir für diesen Zweck vorberesteles Kuvert und senden es gut oersichert an die Stelle, für die es bestimmt war, nämlich an die Gesellschaft, bei der Ihr Onkel sich einkaufen wollte. Dann setzen wir uns in unseren Zug und fahren— Sie dritter und ich zwester, wenn Sie erlauben— zurück und sind morgen wieder daheim. Beeilen Sie sich. Der Zug geht in einer knappen Stunde. Ich warte hier auf Sie." S. Meier VI war fertig mit Lesen. Er drehte das letzte Blatt hin und her, als suche er nach wetteren, und rollt« sie dann alle, wie seine Zeitungen, zusammen, während er mich anfunkeste: „Weshalb haben Sie die Geschichte eigenllich geschneben?" Ich erwiderte freundlich: „Einmal, well es mir Spaß machte. Dann, um das gute Bei- spiel unseres Doktors wirken zu lasten, der uns gezeigt hat, wie man derartige Fälle auch auf eine vernünftige Art und Weiss(und dabei zu voller Befriedigung aller Beteiligten), erledigen kann, ohne gleich zum Kodl zu lausen, wenn man nur den guten Willen dazu hat." „Nu» daß sich keiner um da» gute Beispiel kümmern wird", bemerkte der Doktor lakonisch. Der kleine Anwalt wandte sich an ihn: „Aber die Geschichte ist ja gar nicht zu Ende?" „Ganz recht", bestätigte Dr. Stierling.„Es fehlt der Schluß, und Sie sollen ihn haben. Also: mein Experiment ist gelungen. Vor einigen Wochen ist nach zweiundeinhalb Iahren die letzte Rate der unterschlagenen Summe zurückgezahll, und der Uebeltäter hat sich mit seinem Onkel ausgesöhnt. Seine Schuld ist gesühnt. Er grüßt mich, wie Sie gesehen haben, und ich grüße ihn wieder." „Und seine Braut?" mußte ich doch noch fragen. „Ja. mit der ist es aus. Nicht deswegen, sondern als sie erfuhr. wie er es in München getrieben. Uebrigens ein famoses Mädel." Meier VI schien durchaus nicht befriedigt: „Sie sind der irdischen Gerechtigkeit in die Arme gefallen". grollte er.„Wenn alle so handeln wollten, könnten wir einpacken und verhungern." Aber der Doktor sagte ungerührt: „Wie schön wäre das!" ?. m. chetiu*: SUnÄei�piekSSUS eine huUurMUorifche SSetrachlunq Das erste Spielzeug war sicher etwas in der Natur Gefundenes, was bunt war und glitzerte, bunte Steine, Schneckenhäuser, Muschel» oder Federn. Und es ist auch sicher nicht zu viel gesagt, wenn man behauptet, daß die Murmel, der Ball und der Kreisel Spielzeuge sind, die so alt sind, wie die Menschhett selber. Es nimmt auch nicht wunder, wenn man bei der Ausgrabung von vorgeschichtlichen Pfahlbauten in der Westschweiz Puppen gefunden hat, die au» einem Aste und einem drum gewickelten Stückchen Fell bestanden. Und wie für die kleinen Mädchen aller Zeiten Puppen, Kochtöpfe und Schalen«inen besonderen Reiz hatten, so für die Jungen Jagd- gerate und Waffen. Auch bronzene Rasteln wurden bei solchen Aus- grybungen gefunden, und selbst ein Kindersteinbaukasten komtte in der jüngeren Steinzest von Prof. Forrer bei Ausgrabungen am Odilienberg im Elsaß nachgewiesen werden. Der best« Beweis, daß das Spielzeug in seinen Grundformen sich im Lauf« der Jahr- tausende wenig geändert hat und nur in. der Art der Aufmachung sich dem jeweiligen Zeitbilde anpaßt. Und zwei Symbole sind ZU allen Zeiten in wechselnden Formsn vertreten: der Kamps(für die Jungen) und die Mütterlichkest(für die Mädchen), Es steht für un» ohne Frage fest, daß es schon bei den alten Aegypten» eine ausgesprochene Spielzeugindustri» gegeben hat: das beweisen die zahlreichen Grabfund». Auch die Technik und die Ausarbeitung dieser Spielsachen stand auf sehr hoher Stufe, denn im Grabe der Sängerin Tadsu fand man eine Elfenbeinpupp«(neben anderen Puppen mit beweglichen Gliedern), die wundervoll in der Durcharbeitung ist. Auch die Griechen und Römer kannten die meisten unserer heute noch gebräuchlichen Spielsachen in ihren Grundformen, sowohl das Schaukelpferd wie den Baukasten, den Puppenwagen wie da» Springseil. Den Puppen gebührt aber auch aus einem anderen Grund««in« ganz besonder« Beachtung. Da es ein« Kindermode bis vor wenigen Jahrzehnten noch nicht gegeben hat. wurden die Puppen wie die Kinder nach dem Vorbilde der Erwachsenen gekleidet, so daß aus diesen Puppen der früheren Zeit«in Stück Trachtenkund« uns erhalten ist. Es ist also«in Stück Kullurgeschichte. das sie kür uns (vor allem aus der Zeit des Mittelalter») darstellen, selbst wenn ihre Ausführung längst nicht an die Lebensechthett unserer heutigen Puppen heranreicht. In der Kleidung ahex sind sie zumeist der Wirklichkeit getreulich nachgebildet, und wenn man die Puppen der Fugger-Kinder sieht, so sind sie bis ins kleinste getreue Nachbildungen der Mode der damaligen Zeit. Die Spielsachen der Fugaer-Kinder (seinerzeit sicher die reichsten Erbe» auf dem ganzen Kontinent) zeichneten sich durchweg durch Kostbarkeit aus, wie schon ihre silbernen Fregatten zeigen, die«in« einzigartige Filigranarbeit waren. Ein« ähnliche Rarität bilden die Puppen der Victoria von England(der späteren Queen), mit der diese bis zu ihrem 14. Jahre spielte. Nicht weniger al» 80 sind erhalten und die sind um so interessanter, als die damalig« Prinzessin sie all« eigenhändig ge- kleidet hat. natürlich alle nach der Mode der Erwachsenen der damaligen Zeit. Auch von Goethe existiert heute noch eine Puppe in Berlin, sogar ein selten schön gearbeitete» Exemplar. Ein wetterer Schritt führt zu der Puppenstube, von der auch in den verschiedenen Museen interessant« Exemplare zu sehen sind. Die kostbarste allerding» hat sich die jetzig« Königin von England vor Jahren herstellen lassen, an der nicht weniger al» 1600 Menschen gearbeitet haben, und die mit allen Schikanen der Neuzett(Garage, Warmwasser usw.) ausgestattet ist. Es ist allerdings auch weit mehr als ein« Puppenstube geworden, näinlich ein ganzes Puppenschloß. Etwas in den Hintergrund getreten sind in letzter Zett die Bleisoldaten, die mehr al» ein Jahrhundert lang eine dominierende Stellung unter dem Spielzeug der Jungen«innnahmen. Dagegen erfreuen sich die Kindertheater immer noch großer Beliebtheit. »vährend die alle l-eten,, megic» dem modernen Kinoapparat hat das Feld räumen müssen. Kinderspielzeug muß die Fähigkeit haben, die Phantasie der damit Spielenden anzuregen. Je stärker die Jllusionskrast des Kindes arbeitet, desto primitiver kann da» Spielzeug sein. Daraus sollte man aber die Schlußfolgerung ziehen, daß nicht das Spielzeug das beste ist das am vollkommensten die Wirklichkeit imitiert, sondern das in den Formen am einfachsten gehalten ist und in der Farben- Zusammenstellung schon erzieherisch wirken kann. Dann erfüllt es am besten seinen doppelten Zweck, das Kind zu beglücken und es zugleich zu belehren. Noch kostbarer als Radium ist ein neuer Stoff, der„Lutetium" genannt wird: Amerikas ganzer Borrat daran besteht tn einem drei- Hundertstel Gramm.