BERLIN NonneMag 23. April 1931 10 Pf. TIr.lSQ B 95 45. Iahrgang Ant«tsenvret«:Die einspaltige NonparelUejeile SoPf., Reklamezeile SM. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr. 3? 5SS.- Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzelgen vor! erscheinttiglich außer Sonnt«««. Zugleich Abenbaujzabe de«.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben 86 Pf. pro Woche. n.eoM. pro Monat. Kedaktion und Expedition: BerlinSWK8.kindtnstr.3 'Fernsprecher: Dönhoff 293—297 Oer Vormarsch der Partei Seit-1929 über 100000 Mitglieder gewonnen Soeben Verla srt das„Jahrbuch der deutschen Sozialdemotratie für 193 0" die Truckmaschinen. Wie in de» Vorjahren zeigt auch jcht das umfangreiche Berichtwerk eine Fülle von Einzelheiten aus der ge- waltige« sozialistischen Kulturbewegung. Für heute sei uvr einiges daraus hervorgehoben, um daS Wachstum und die innere Festigung der Organisation aufzuzeigen. Zunäckstt die Mitgliederzahl! Sie hat seit dem lehteu Parteitag(1929) einen Zuwachs von über 100 000 zu verzeichnen und hat seit dem vorigen Jahre die Atiesenzahl von einer Million bereits weit überschritten. Am 1. Januar 1931 wurden in sämtlichen Bezirksorganisationen des Reiches genau 1 037 381 Mitglieder gezählt, davon waren 228 278 Frauen. Die Zahl der Ortsgruppen ist seit Ende 1928 von 8102 auf 9811 gestiegen! Ebenso deutlich wie in der gesteigerten Mitglieder- zahl zeigt sich die innere Festigung auch in der Uebersicht über die Beitragsleistunge n. Allein die vegel- mähigen Wochenbeiträge— also ohne Sammellisten und ohne die sahungsmähig vorgesehenen Sonderbeiträge für Höherbesoldete— beliefen sich auf rund 7 119 SSL M., die in Form von rund 39 Millionen Wochenbeitrags- marken geleistet wurden. Zum erstenmal hat der Parteivorstand eine Statistik über die T a u e r der Parteizugehörigkeit, über das Alter der Parteigenossen und über die B e r u f S v e r- teilung veranstaltet. Diese Aufstettungen geben einen besonders interessanten Einblick in die Gliederung der Organisation der Sozialdemokratie. Nach der Dauer der Mitgliedschaft konnten gezählt werden in J«chresgruppen: bis 5 Jahre... 182 902— 46,55 Prozent 5—10 Jahre. 168779 16,26 10—15„, 171476= 16,52 über 15„. 214 227= 20,65„ DaS Lebensalter der Parteimitglieder gliedert sich folgendermaßen: bis 20 Jahre alt waren... 12134 29-25 Jahre...... 6919« 25-30........ 107 265 30— 35........ 132 681 35-10„...... 141 919 40— 45........ 118346 über 45„...... 425 849 Tiefe dankenswerte Aufstellung zeigt, wie töricht das Gerede von der„Ueberalterung" der sozialdemokratischen Mitgliedschaft ist. Tatsächlich steht die Mit- gliedschaft frisch und kampsbereit da, jeden Augenblick in der Lage, neue politische Kämpfe auf sich zu nehmen. Auch die statistische Durchprüfung der Berufs- a u g e h ö r i g k e-i t, auf die im einzelnen noch zurückzu- kommen fein wird, ist von hohem Interesse. Sie ergibt, daß die Sozialdemokratische Partei ihrem Wesen nach eine Partei der Arbeiter und Angestellten ist. Rund 59,18 Prozent ihrer Mitglieder sind Ar- beiter im engeren Sinne, 10,02 Prozent Ange- st e 1 1 t e. Dazu kommen noch 3,95 Prozent Lehrer und B e a mt e. Insgesamt zeigt schon ein flüchtiger Blick in den um- fangreichen Jahresbericht der Partei, wie stark die sozialistische Bewegung im deutschen Volke verwurzelt ist. Die erfreulichen Ergebnisse unserer Arbeit werden uns jedoch keinen Anlaß geben, auf dem Errungenen auszuruhen, sondern vielmehr dazu anspornen, in neuer Werbearbeit das Wert auszubauen. Gerode jert gilt für jeden mit besondeeee Eindringlichkeit die mahnende Frage: „Wo bleibt der zweite Mann?" Die Krau in Gowjetrußland Kommunistischer Aebel und nackte Wirklichkeit Em von unseren Genossen in Hunderllausenden von Exemplaren oerbreiieles Wcrbeflugblall, das den Titel..Berliner TJolksblair führt, brachte einen höchst lehrreichen Aufsah über die tage der Alanen in Sowselrnhland. Pslichlmähig bezeichnet die ..Hole Jahne" die Schilderungen nun als„erbärmlichen Schwindel". Aber damil ist die Sache nicht abgetan. Der Aussah stammt nomlich von einer Augenzeugin, die im herbst 1?Z0 durch ganz Ruhland gereist ist mit dem sehnlichen Wunsche, ein Land der sozialen Gerechligkeil und de» wirlschasllichen Ausstiegs der breiten Massen dort zu finden. Die Äersasserin jener Darlegungen schreibt uns in Erwiderung aus die kommunisti-schen Abieugnungsversuche: Der russischen Sprache mächtig, überließ ich mich nicht n U r d e n F ii h r u n g e n, die für Ausländer in der zuvorkommendsten Weise veranstaltet werden, ich ging auch ungcleitetc Heimlich, still und leise... Zum Wltdcreinzug der Razis in den Reichstag- Das Schicksal der Krauen in Sowjetruhtand ist schwerer, als es fiä) die Mehrzahl der Arbeilerinnen oder Arbeilersrauen bei uns überhaupt oorstellen kann. Auch die Frau in Smsjetruhland kämpft noäf immer gegen Unter- d r u ck u n g. gegen wirtschaftliche Not und die V c r- st ä n d n i s 1 o s i g k e i t der gesellschaftlichen Organisation für seelische und lörperliche Bedürfnisse der Frauen. Die Formen der Unterdrückimg sind in Ruhland ganz andere als bei uns, die Inhalte sind die gleichen. Der soziale Kamps geht auch in Rußland nock? weiter, dem Rußland, das in seiner Propaganda tög- tich laut vertundet, es habe alle sozialen Fragen geläst, und das dabei von unterirdischen, sich vorbereitenden sozialen Auseinander- schungen brodelt. Wer würde den sozialen Fortschritt, wenn ein solcher zu finden wäre, nicht mit Freuden begrüßen! Wir tun der gesamten Arbeiter- bcwogung weh, wenn wir von Schwierigkeiten, kämpfen und Not im„Baterland aller Werktätigen" sprechen müssen. Tic russischen Arbeiter und Arbeiterfrauen werden aber systematisch in die Irre geführt. Nur so ist zu erklären, daß mir ein Russe die baldige deutsche Reoolulion ankündigte,„da in Berlin die verhungerten schon in Hausen aus der Strohe lägen und die Schupo noch da- zwischenschiehl! Aus die erstaunte Frage, wer ihm das gesagt hätte, gab er die klassische Antwokt:„Die dcutfchci'. Kommun:sten!" Aufstieg in Holland. Große Wahlerfolge in Siadt und Land. stärkste Partei. Vielfach „Llnser Auszug war unheimlich laut; uufer Wieder- einzug ist da'iir um so heimlicher" Wege durch Straßen, in Wohnhäuser, aus d»n Bahnen und konnte mit Arbeitern und Arbeiterinnen sprechen, nicht mir mit Fnnktio- nären und Fremdenführern. Ich habe einige Wochen lang roahrcnd n, eines Aufenthalts und unter immer neuen Eindrücken Rechtfcrti- gungen und Erklärungen für dos Elend und den trostlosen Tiefstand der Massen gesucht, die ich täglich beobachten konnte und nur mit Mühe rang sich die Erkenntnis von der russischen Wirklichkeit durch, die vom Sozialis in us mindeskens ebenso weit entfernt ist, wie die europäischen Länder. Was nützt es uns, wenn wir uns durch eine geschickte Propaganda in den Glauben an eine bessere soziale Wirklich- keit einwiegen lassen und die Spannungen dabei übersehen, die in der Entwicklung Sowjetrußlands ain Werke sind. Es ist gefährlich. wenn wir die Bedeutung der russischen Verhältnisse für unsere Kämpfe nicht richtig bewerten lernen Es ist unsere Pflicht, die Lage, die Kämpie und die Bemühungen der Frane» und der ge- samten Arbeiterschaft so zu sehen, wie sie sind, und nicht, wie sie eine Propaganda in tröstenden Märchen erzählt. Amsterdam, ZZ. April.(Eigenbericht.) Die am Mittwoch slallgesnndenen£andlogswahlei, in sieben holländischen Provinze» haben mit erfreulichen Gewinnen sux die sozialdemokroiische Liste abgeschlossen. 3n R o r d- Holland stieg die sozialdemokratische Slimmenzahl von löl COO bei den Landlagswahlen 1N7 aus 210 000. Die Partei eroberte hier 2 Mondule und wird als st ä r k st e.3 r a k t i o n künftig 26 von 77 Sitzen des nordholländischen Prooinziollandlages innehaben. Besonders erfreulich ist die Stimmenzunahme in Amsterdam oon 96 000 aus soft 129 000. Ferner gewann die Partei je 1 INandal in der Provinz S e e l a n d. wo ihr künftig 6 von 42 Sitzen zufallen, und in der reaktionären Agrarprovinz D r e m p c. wo Sie Sozial- demokralie jetzt mit 10 von 45 Londü-gssißen die stärkste Fraktion ist. Auch in der Znduslrieprovinz O b e r i j s e i mit ihrer starken kalho- tischen Bevölkerung stieg die sozialdemokralische Slimmenzisser be- Irächllich, so daß die Partei hier 2 neue Landlogssihe errang und fortan 12 von 47 Sihen inne hei. Aus der Provinz Südholland lassen die bisherigen Ergebnisse ans Rotterdam, wo die Zahl der sozioldemokralischen Slimmen von 74 000 ans SZOOO stieg, und aus dem Haag, wo 54 000 gegen 49 000 sozialdemokralische Slimmen im öahre 1927 abgegeben wurden, aus weitere Erfolge schließen. Selbstmorde in der Reichswehr. Eine Erklärung des Zieichswehrministeriums. Wie erst seht bekannt wird, hat vor einiger Zeil der Ober- grenodier Wagner von der Giehener Reichswehr- k a p e l l e im dortigen Sladlwaid Selbstmord durch Erschiehen verübt. Einige Tage daraus versuchte ein derselben Formalion angehörender Obergrenadier Bauer aus dem Leben zu scheiden. Er konnte von Kameraden jedoch daran gehindert werden. Wie es heißt, sollen die Soldaten durch ständige Schikanen des Odermusik- mcisters zu der verzweiflungslal gelrieben worden sein. Das Reichswehr niini st eriun, erklärt dazu: Die Unter- suchung hat durch die Vernehmung sämtlichcr Bertretcr des Gießener Reichswehrbataillons festgestellt, daß die behaupteten Quälereien. wie z. B. daß dieler Reichswehnnusifer zur Strafe bei strenger Wimerkälte lange Zeit in der Waschküche des Obermusikmeisters üben mußte oder daß die gesamte Kapelle bei Kniebeuge hätte spielen müssen, nicht vorgekommen sind. Die Fahnenflucht Oer Krebs im Nazilager Korruption, wohin man auch blickt! kiel, 23. April.(Eigenbericht.) Die Korruptionsfälle bei der Nazipartei in Schleswig-Holstein haben sich um einen vermehrt. In Flensburg ging es feit einiger Zeit mit den National- sozialisten rasend bergab. Ihre Versammlungen waren schlecht be- sucht, ihre Mitgliederzahlen auf den Nullpunkt gesunken. Jetzt er- fährt man den(Brund. Von der hiesigen nationalsozialistischen Führung, in deren Kreisen man sich in letzter Zeit oft über die niedrigen Gehälter der Provinzführer unterhielt, kamen der Pro- pagandaleiter und S A.- F ü h r e r auf den Gedanken, ihre Einnahmen durch Unterschlagungen zu erhöhen. Der Propa- gandaleiter machte sich über die einlaufenden Zeitungsgelder, der SA.-Führer über die Kleidergelder her. Als die Unterschlagungen bekannt wurden, entstand eine Opposition gegen die Leitung, die in der Hauptsache von Arbeitern entfacht worden war. Der Orts- gruppenoorstand warf daraufhin 30 der Opponenten kurzerhand aus der Partei hinaus. Eine Beschwerde gegen den Ortsgruppenvorstand führte zu dessen Maßregelung durch die Gauleitung. Aber damit war die Situation durchaus nicht geklärt. Auch der neue Orts- gruppenoorstand schloß mehr als 20 Mitglieder aus. Die Folge war, daß wiederum 20 Mitglieder freiwillig die Partei verließen, so daß die ganze Ortsgruppe jetzt nur noch aus dem Ortsgruppen- vorstand besteht. Wahrscheinlich die einzige Möglichkeit, weiteren Unterschlagungen vorzubeugen. Interessant sind auch Vorgänge in Kiel, wo die Reichs- leitung der Nationalsozialistischen Studentengruppe die beiden Führer der hiesigen Naziorganisation, den Ortsgruppenleiter S u n k e l und den Führer der Hitler-Iugend Dr. H e m p e l aus der Nationalsozialistischen Studentenvereinigung ausgeschlossen hat. Beide hatten die Aufgabe, nach den Unterschlagungen in Kiel neuen Geist und neue Ordnung in die Ortsgruppe zu bringen. Jetzt wur- den sie von der Reichsleitung gemahregelt, weil beide den Versuch unternommen hatten, den Reichsleiter der Nationalsozialistischen Studentengruppe Baldur v. Schirach wegen dessen angeb- licher Unfähigkeit zu beseitigen. Orei Monate Gefängnis für Naziredner. Schwere Verächtlichmachung des MinisterprasidentrnBraun Stralsund, 22. April.(Eigenbericht.) Vor dem Stralsunder Schöffengericht hatte sich der Naziredner Major a. D. Hossenfelder aus Kolberg wegen Vergehens gegen das Republikschutzgefetz zu verantworten. Nach den Aussagen eines Oberlandjägers soll der Angeklagte in einer Versammlung in Redebas gesagt haben:„Der heutige Staat sei von Zu- hältern und Deserteuren geschaffen. Die Regierung plündere im Auftrage der Hochfinanz das Volk aus. Reichskanzler Brüning wolle erfüllen, obwohl das Ausland es gar nicht verlange, und der preußische Ministerpräsident Braun winsele wie ein ge- prügelter Hund.* Der Angeklagte bestritt natürlich, diese Aeuhe- rungen gemacht zu haben. Der als nationalsozialistischer Versamm- lungslelter an etwa 20'Versammlungen des Angeklagten beteiligt gewesene Kaufmann Boehmfeldt aus Stralsund ver- suchte, seinen Parteigenossen zu entlasten. Schließ- lich sagte er selbst:„Der Redner habe gesagt, die Revolution ist von Zuhältern und Meuterern gemacht und somit auch die Republik von Meuterern und Zuhältern geschaffen worden." Die beiden Richter erklärten, diese Worte nicht gehört zu haben. Der O b e r st a a t s- anmalt und auch der Gerichtsschreiber bestätigten, daß diese Aeuherungen gefallen waren. Auch zwei Pressevertreter hatten sie gehört. Trotzdem antwortete der Zeuge auf die Frage des Vorsitzenden:„Haben Sie das eben gesagt?" mit N e i n. Irgend- ein Antrag wegen Eidesverletzung erfolgte von dem Anklagevertreter nicht. Der Angeklagte sagte im Schlußwort:„Ausgabe der Staatsanwaltschaft sei es heute, möglich st viele Nazis der Justiz ans Messer zu liefern", ohne dafür gerügt zu werden. Das Gericht erkannte gegen den schon wegen Verstoßes gegen das Republikschutzgesetz vorbestraften Angeklagten nur auf drei Monate Gefängnis unter Versagung von mildernden Um- ständen. Es sah lediglich die Aeußerung über Braun als erwiesen an. Aazi-Hochschulgruppen aufgelöst! Oer Krach geht weiter. Im„Angriff" liest man diesen Befehl, der aber ganz klein und unauffällig gedruckt ist: „iNat.Soz.-Sludentenbund kreis 10. Die Hochschulgruppe Universität, Berlin, habe ich mit o-m heutigen Tage aufgetöst. Aufgelöst wurde serner die Hochschulgruppe Lehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau in Dahlem. gez. Kurt Krysmanski. Kommissarischer Kreisleiter 10." Herr— wie heißt der deutsche Mann?— Herr Krysmanski verrät nicht, warum die Hochschulgruppen aufgelöst wurden. Aber um es zu erraten, braucht man weder zu den sagenhaften Weisen von Zion zu gehören noch auch eine urgermanische Druide zu sein. Es hat eben Stunk gegeben. Hie Welf, hie Waiblingen! H i c Stennes, hie Hitler! Krysmanski ist hillerrsch, er darf also auflösen und absägen. Auch an der Technischen Hochschul« siedet und gischt es. Nach dem gleichen Krysmanski-Befehl ist der Hochschulgruppenführcr „zuiückgetreten", und der kommisiarische Kreisleiter hat«inen kom- missarischen Hochschulgruppenführer ernannt. Bald wird es bei Hitler überhaupt nur noch„kommissarische" Funktionär« geben! * Wie uns aus sozialistischen Studentenkreisen mitgeteilt wird, überraschte das Brett des Nationalsozialistischen Studentenbundes in der Universität heute durch merkwürdige Leere. Als man näher hinsah, fand man nur eine Notiz, die besagte, daß der kommissa- rische Kreisleiter einen neuen Sektionsführer ernannt habe. Seine Sprechstunde hält er im Tierärztlichen Institut, einer staatlichen An- statt, ab. des Musikers Bauer wird auf seine schwer« Verschuldung und sein sehr unregelmäßiges außerdienstliches Leben zurückgeführt, nicht aber auf Quälereien. Bauer ist wegen Fahnenflucht zu acht Monaten Gefängnis oerurteitt worden. Der Obermusikmeister dient bereits im 43. Jahr und scheidet demnächst aus. Da sich aber doch herausgestellt hat, daß er die Musiker in vielen Fällen nicht richtig behandelt hat, so wird die Heeresanwalt- schaft das Nötige veranlassen. Gahm bei Hindenburg. Oer Berliner Oberbürgermeister stellt sich vor. Heute vormittag um 11 Uhr begab sich Berlins neuer Oberbürgermeister Dr. S a h m zu seinem Antrittsbesuch in das Reichspräsidentenpalais in der Wilhelmstraste, wo er von Hindenburg empfangen wurde. Anschliestend begab sich Dr.«ahm in das Preustische Innenministerium, um sich Minister Severins vorzustellen. Oberbürgermeister Dr. Sahm folgte gestern abend einer Ein- ladung des Vereins Berliner Presse, sich seinen Mit- gliedern in der neuen Eigenschaft als Oberbürgermeister von Berlin vorzustellen. Dr. Sahm wurde von dem Vorsitzenden Dr. Fritz Klein herzlich begrüßt. Oberbürgermeister Dr. Sahm erklärte, daß er das Bedürfnis habe, das gute Verhältnis zur Presse, das er stets unterhalten habe, auch in Berlin fortzusetzen. Dr. Sahm kam dann kurz auf seine Berliner Aufgabe zu sprechen und wieder- holte noch einmal, daß er die Verwaltung einfach, klar und rein führen wolle. Auf eine Reihe von Anfragen antwortete der Ober- bürgermeister dann u. a., daß wir nicht nur in Berlin, sondern in ganz Deutschland vor großen Problemen ständen, die sich schon allein aus der Zunahme der Bevölkerung ergäben. Zu den vielen Wünschen, die wegen der Behandlung des Berliner Stadt- bildes an ihn herangebracht worden sind, meinte er, es lasse sich durchaus vereinigen, daß man sich bemüht, das alte Stadtbild mög- lichst zu erhalten und gleichzeitig Augen für die moderne Kunst hat. Was die Organisation der Verwaltung Berlins anlangt, so glaubt Dr. Sahm, daß ein besserer Ausgleich zwischen Zentrale und Bezirken möglich ist. Das neue Gesetz, das durchaus besser sei als sein Ruf, biete dazu die Handhabe. Er werde sich bemühen, ein engeres Vertrauensverhältnis zu schaffen. Im übrigen könne er schon jetzt feststellen, daß in der Berliner Verwaltung hervorragende Kräfte tätig sind. Ermittlungsverfahren gegen Gontard. Waffenverkäufe nach polen? Iei der Oberreichsanwaltschaft schwebt ein E r m i t t l u n g s- verfahren gegen den Generaldirektor v. Gontard und gegen die Berlin-Karlsruher Jndustriewcrke auf Grund einer Slnzeige. Wir erfahren hierzu: In den Jahren 1S27 und 1028 sollen die Berlin-Karlsruher Industriewerke, deren Generaldirektor Herr v. Gontard damals noch war, große Waffenver- täufe nach Polen vorgenommen haben. Die Geschäfte ver- mittelte ein gewisser N., der auch mit verschiedenen Herren des Kriegsministeriums bei Herrn o. Gontard war. Die Waffen bzw. Wafsenteile wurden über eine Danziger Firma nach Polen ausgeführt. Warum der Oberreichsanwalt die Anzeige zu? Bearbeitung erhalten hat, Ist noch nicht bekannt, da zunächst ange- nommen werden konnte, daß nur die Bestimmungen des Kriegs- gerä'egesetzes vom 27. Juli 1927 verletzt wurden seien. Der Ober- reichsanwalt wird festzustellen haben, ob noch schwerere Bestim- mungen des Strafgesetzbuches verletz» worden sind. Angesichts der Rolle, die Herr v. Gontard im Bullerjahn-Berfahren spielt, hat naturgemäß dieses Ermittlungsverfahren eine besondere Bedeutung. Oer Sejm stiegt auf. Anträge der Opposition abgewürgt. Warschau, 23. April.(Eigenbericht.) Die heulige Sejmsihung, die die Beratung über die französische Eisenbahnanleihe aufnehmen sollte, wurde bereits nach kaum halb- stündiger Dauer unter großer Unruhe wieder geschlossen. Die gesamte Opposition oerlangte nämlich, daß ans die Tagesord- uung dieser Session auch noch oppositionelle Anträge zu anderen, nicht minder wichtigen Fragen geseht würden. Der regle- rungstreue Sejmmarschall Switalski weigerte sich jedoch, diesen Wünschen stattzugeben, indem er sich hinter die Verordnung des Staatspräsidenten oerschanzte, die für diese Session nur die Erledi- gung der Anleihevorlage vorsieht. Als Switalski nach mehreren Oppositionsrednern das Wort entzogen hatte, entstand in den Bänken der Opposition großer Protest stürm, und alle Oppositionsabge- ordneten verliehen unter Absingen von Kampsliedern und lauten Brotestrusen den Sitzungssaal. In wenigen Minuten wurde darauf von der gehorsamen Regierungsmehrheit die Anleihevorlage in aller Eile, ohne ein Wort der Debatte, der zuständigen Kommission überwiesen. Zweifellos wird der Vertrag auch in den nächsten Tagen von derselben Mehrheit endgültig angenommen werden, ob- wohl von seilen der Opposition-schwerwiegende Bedenken dagegen erhoben werden. Carol lernt nicht von Alfons. Militärdiktatur kommt in Rumänien. Dondon, 23. April.(Eigenbericht.) Der stets sehr gut informierte„Daily�Telegroph" meldet über die Krise in Rumänien aus„sicherster Quelle" folgendes: ' Das neue Kabinett Jorgs sei nur der Vorhang, hinter dem sich die Vorbereitungen zu einer Militärdiktatur voll- ziehen. Als Diktator sei General Prezan ausersehen, der in engster Verbindung mit dem König stehe. Carol wolle durch die Befestigung des Parlaments und mit Hilfe der Diktatur zwei Fliegen mst einer Klappe schlagen. Einmal solle mst starker Faust die wirtschaftliche und finanzielle Krise Rumäniens gelöst und zweitens die offizielle K r ö n u n g Carols zum König«rmöglicht werden. Bisher sei die Krönung an der Prinzessin Helene gescheitert, der geschiedenen Gattin des Königs, die eine Wiederversöhnung ablehne. Darüber wolle vorol jetzt hinwegkommen. Der„Daily Telegraph" meldet ferner, daß Carols Geliebte. Frau Lupescu, wieder in Bukarest weile. Ihre Anwesenheit sei einer der Gründe, weshalb sich Titulescu am vergangenen Sonnabend geweigert hat, ein neues Kabinett zu bilden. Angesichts der ■" drohenden Generaldiktatur würden sich die rumänischen Parteien gezwungen sehen, Vorbereitungen zum Schutze des Parlaments und der Verfassung zu treffen. Straßenraub in Stettin. Autobanditen überfallen weibliche Kassenboten. Stettin. 23. April. In der Nähe des Stadttheaters ivurde heute vormittag gegen ll Uhr auf offener Straße ein überaus dreister Raubüberfall ruf drei weibliche Angestellte einer Zigarettenfirma oerübt. Die drei Angestellten befanden sich mst einer größeren Geld- summe auf dem Wege zur Bank. Als sie die Straße überquerten, kam in langsamer Fahrt ein Auto an, aus dem ein Mann sprang und einer Angestellten die Aktentasche entriß, worauf er sofort mit dem Wagen, in dem noch zwei Männer saßen, flüchtete. Passanten nahmen die Verfolgung auf und fanden den Wagen einige Straßenzüge weiter leer auf. In der geraubten Aktentasche befanden sich 3000 M. in bar und 16 Schecks im Werte von SS0V M. Die Feststellungen der Polizei ergaben bisher, daß das Auto in der Nacht zuvor aus einer Garage gestohlen worden war. Eisenbahnunglück in polen. Zwei Züge fahren ineinander.- Sin Beamter getötet. Warschau, 23. April. Bei Ragow im mittlere« Kongreßpolen entgleiste heule nacht ein Güterzug, weil der Eisenbahndamm unterspült war. Eiu zweiter Güterzug fuhr dann iu den entgleisten Zug hinein. Znsgesamt wurden 43 Wagen zertrümmert, ein Eisenbahnbediensteter wurde getötet, zivei wurden schwer und acht leicht verletzt. Spione im Dienst der Gegenspionage. Oie Stuttgart-Straßburger Affäre. Paris. 23. April.(Eigenbericht.) Aus Straßburg wird gemeldet, daß dort am Mittwoch in der Spionageasfäre die fünfte Verhaftung erfolgt ist. Fest- genommen wurde der Elsässer Karl Krieger, der zur Zeit zu einer Reserveübung in Metz eingezogen ist. Krieger ist in das Straßburger Gefängnis eingeliefert worden. Der„Matin" dementiert heute die Behauptung, daß die Ver- öffeutlichung der Angelegenhest die Polizei in ihrer Aktion behindert und ihr vor allem die Verhaftung von zwei Deutschen unmöglich gemacht habe. Die erste Verhaftung sei bereits vor acht Tagen erfolgt und die deutschen Spionagezentren in Stuttgart und Frei- bürg seien durch ihre«lsässtschen Msttelspersonen natürlich sofort davon benachrichttgt worden, so daß sich die deutschen Beteiligten rechtzeitig in Sicherheit hätten bringen können. Ein neuer Beweis für die Unwahrscheinlichkest dieses Polizei- romans ist die Tatsache, daß der angebliche Hauptspion Ulrich(oder wie es in«inigen Zestungen heißt, Uhrich) ursprünglich fran» zösischer Spion gewesen ist. Er hat sich der Sicherhestspolizei angeboten unter dem Dorwand, daß ihn seine Geschäfte oft nach Deutschland führten, und daß er in der Lag« sei, sich wichtige In- sormationen und Dokumente über die Reichswehr zu beschaffen. Ulrich wurde engagiert, aber„ein sicherer Agent des französischen Spionagedienstes" habe der Polizei bald initgeteilt, daß Ulrich für Rechnung der Reichswehr im Elsaß arbeite. Danist wird zugegeben, daß Frankreich in Deutschland eine umfangreiche Spionageorganisation besitzt. Im übrigen wind am Donnerstag mitgeteilt, daß unter den 8600 Arbeitern, die mst dem Grenzausbau beschäftigt sind, sich 143 Deutsche aus dem Saargebiet und aus der Pfalz befinden. Der sozialistssche„Populaire" veröffentlicht einen weiteren Ar- titel, in dem von neuem die Stupidität der ganzen Affäre bewiesen wird. Der sozialistische„Soir" hat sich dieser Kampagne an- geschlossen. Meineid ein Jahr Zuchihaus. Beitrag zur Reformbetürftigkeit des Meineivsparagraphen Vor dem Schwurgericht I hatte sich die Hausangestellte T. wegen Meineides zu verantworten. In eiyem Ehescheidung s- prozeß hatte sie beschworen, gesehen zu haben, daß eine beklagie Ehefrau mit ihrem Schwager ehewidrige Handlungen vorgenommen hatte. Die Angeklagte, die einen ziemlich beschränkten Eindruck macht, war geständig, einen falschen Eid geleistet zu haben. Sie hatte diesen Vorgang gar nicht selbst gesehen, sondern die Schwester des Ehemannes hatte ihr nur gesagt, daß sie selbst den Vorgang beobachtet hätte und daß sie so aussagen würde. Die Angeklagte gab als Grund für ihre Aussage an, daß sie auf die beklagte Ehefrau eine Wut gehabt habe, weil diese über sie Uebles geredet hätte und daß sie andererseits auch von der Schwägerin, bei der sie in Stellung war und die dauernd auf sie einredete, abhängig gewesen sei. Die Schwägerin, gegen die ein Verfahren wegen Anstiftung eingestellt worden ist, blieb vor Ge- richt dabei, daß sie selbst die Vorgänge gesehen habe. Auf Grund des Geständnisses wurde die Angeklagte zu der Mindeststrafe von einem Jahr Zuchthaus und zwei Jahren Ehrverlust verurteilt. In der Urteilsbegründung führte Landge- richtsdirektor Dr. Sternheim aus, daß die öffentliche Meinung die Strafe für Meineid für zu hoch halte, da mildernde Umstände aus- geschlossen seien. Der neue Strafgesetzentwurf sehe auch eine Aende- rung vor. Unter dem geltenden Gesetz könne das Gericht aber nichts machen. Richter und Geschworene seien aber einmütig zu der Ueberzeugung gekommen, der Angeklagten zu empfehlen, aus dem Gnadenwege eine Milderung der Strafe �u erstreben. Oiesel-Flugzeug über Berlin. Ilist r großer Beteiligung der interessierten Fachwell und der Presse sowie vor geladenen Gästen hiett Professor Junkers, Dessau, aus dem Zentral-Flughasen Berlin-Tempelhof einen Vorttag über einen neuesten Dieselflugmotor„Juno 4". Seine Aus- sührungen betonten die äußerst schwierigen jahrzehntelangen Vor- arbeiten, die unerläßlich waren, um zu einem brauchbaren Schwer- ölmotor für Flugzeuge zu kommen. Er hob die Vorzüge eines Schweröl- gegenüber den heutigen Benzinmotoren hervor und be- Handell« neben der betriebstechnischen die wirtschaftliche Seste des Problems. Die Deutsche Welle ehrte Professor Junkers, indem sie seinen wertvollen Vortrag übernahm und durch Rundfunk ver- breitete. Anschließend an die Ausführungen des Professors hatten die Erschienenen dann Gelegenheit, den Motor in einer Junkers F 24 im Fluge beobachten zu können. Demnächst wird eine weitere deutsche Flugmotorenkonstruklion nach dem Dieselprinzip, die in aller Stille entwickelt worden ist, der Oeffentlichkeit vorgeführt werden. Oer Grubenhund beißt Hitler Eine„�eimperle" mit Hakenkreuz-Gefchichte Man weiß auch in Deutschland, was ein„Grubenhund"' ist. Nicht allein das Gefährt, auf dem die„chundejungen" noch in manchen Bergwerken die Kahlen bis zur Ausfahrt befördern muffen, sondern auch— und dos ist heute das wichtigere: Die V e r- ulkung gewisser jo u r n a l i st i s ch e r Unarten durch den Leser, der„seine" Redaktion in ihrem eigenen Blatt und in ihrem eigenen Stile bloßstellt. Also: Diese Art„Grubenhund" wurde in Wien zur Welt gebracht. Dort erscheint als Typus schwatzschweisiger Allerweltsrederei ein Blatt, das sich„Neue Freie Presse" nennt. Es hatte feit jeher das Bestreben, sich als sachver- ständig auf allen Gebieten des Lebens auszugeben. War da eine Feuersbrunst irgendwo ausgebrochen, prompt erschienen lange fach- männische Zuschriften über Rauchplage. Brandstiftungen, Versichc- rungsbetrug und was derartige schöne Dinge mehr sind. Gar bei einem Erdbeben oder eiwer Grubenkatastrophe— nicht auszudenken! Eines der vielen„Sachverständigen"-Gutachten, das„von sehr geschätzter Seite" in die Spalten des Allerweltsblattes flatterte, bezog sich auf ein Erdbeben, wenn wir nicht irren, im Ostrauer Kohlenrevier. Da war nach vielem drum und dran dann auch das folgende zu lesen: „Völlig unerklärlich ist sedoch die Erscheinung, daß mein im Laboratorium schlafender Grubenhund schon eine halbe Stunde vor Beginn des Bebens auffallende Zeichen größter Un- ruh« gab..." Da war der„Grubenhund" plötzlich in die Zeitung geraten. Der Redakteur hatte sich so„sachverständig" anulken lasten, daß ganz Wien darüber lachte. Seit der Zeit ist der bellende„Gruben- Hund" eine Erkennungsmarke für gewiste journalistische Unarten ge- worden, und das nicht nur in Wien...1 Jetzt hat der Grubenhund Herrn Hitler gebissen und gleich hakenkreuzweise. In seinem„Völkischen Beobachter" vom 17. April findet sich im ersten Beiblatt die folgende Probe deutscher Literaturkenntnis: Tloch unbekannte antisemitische Gedichte. In den ungedruckten Briefen Franz Grillparzers an seine mit der ganzen Inbrunst seiner Dichterseele verehrte Jugend- freundin, Agathe, Freiin von Wolff-Gersthof, findet sich ein Gedicht, das in seiner ätzend scharfen, im Tonklang köstlichen Nach- ahmung jüdischer Sprechart geradezu als Sinnbild dichte- rifchen Erfassens, gepaart mit der unsäglichen Ver- achtung jüdischen Wesens, als Markstein einer Epoche gelten kann. Damals ranz Grillparzer um die Al»fsührung seines schönen Lust- spiels„We h dem, der lügtl", weil damals schon die gesamte Theaterkunst restlos dem jüdischen Einfluß unterworfen und die berüchtigte„Iudenzensur" olles hintertrieb, was nicht koscher war. Wie ein gellender Empörungsschrei aus edler deutscher Dichterbrust soll diese bisher unbekannte R e i m p e r l e unseren SA.-Männern ins Herz dröhnen, zur Zeit, wo ' es um Kultur und Raste geht im letzten Kampf gegen die Herrschaft des Untermenschentums. Sie haben Epochen Im Sturme zerbrochen, Nicht jedem, nicht allen Sind sie zu Gefallen. Sie malen Gedichte, Sie bauen an Bildern, Die sind nicht zu schildern. Die Juden, sie wildern In deutscher Kunst— Doch nimmer umsunst. Wir Blinden, wir Tauben, Wir müssen dran glauben. Sie wissen, dem Juden kann nichts gescheh'n, Man wird doch, man wird doch da seh n. Ferner findet sich ein prachtvolles Bekenntnis zum Sieg- fried- Kampf gegen den jüdischen Drachen in dem Anno 1831 als Manuskript gedruckten„Rosengarten deutscher Poesie" von Wilhelm Karl Grimm, des Bruders Jakob Grimms. Begründers der wissenschaftlichen Behandlung der germanischen Sprachen. Dieser machtvolle, von tiefster Vaterlandsliebe und heiligem Haß flammende Gesang kllngt so, als wäre er eben erst heute deutscher Brust entquollen und nicht vor gerade hundert Jahren: Mein Deukschland. wach auf Deutschland ist noch ein kleines Kind, Doch die Sonne ist seine Amme. Sie säugt es nicht mit stiller Milch, Sie säugt's mit teutonischer Flamme. Es ist ein cheruskisches Riesenkind, Reißt aus dem Boden die Eiche, Und schlägt den Juden den Rücken wund Und die Köpfe windelweiche. Dem Siegfried gleicht es, dem jungen Fant, Bon dem wir singen und sagen, Der hat mit seinem deutschen Schwert Den Amboß entzweigeschlagen. Wach auf, du wirst einst wie Siegfried sein, Zerlpellen den jüdischen Drachen, Und strahlend vom deutschen Himmel herab Grüßt Germania dein Erwachen., H.K. Nicht wahr, das sind herrliche„antisemitische" Dersei Nur schade, daß beide Gedicht« weder von Grillparzer noch von Grimm stammen, sondern von-- man behakenkreuzige sich!— von zwei jüdischen Dichtern. Das erstere von dem Wiener Literaten Karl Kraus, der noch lebt, und das zweite ist s a st wörtlich von Heinrich Heines Gedicht„Deutschland" ab- geschrieben. Der hakenkreuzgläubige Thebaner im Hitler-Blatt hat sich vor teutscher Begeisterung nicht fassen können, als er diesen Grubenhund bellen hörte. Wir gratulieren! Eine halbe Stunde Heinz Thieffen. Im Rundfunk. Man hält sich nun nicht mehr an das lange mißverstandene Vorbilo des Konzertsaales mit seinem„abendfüllenden" Programm. Die Regel gilt nicht mehr, daß auch dem Rundsunkhörer Orchester- musik nicht anders verabreicht werden könne als in zweistündigen Portionen. Eine halbe Stunde Musik, Werke eines Komponisten, so ausgewählt und zusammengestellt, daß sich ein summa: isches Bild seiner Persönlichkeit ergibt. Das ist ein« gute, begrüßens- werte Form. Führend in der Bewegung der„Neuen Musik", solange Be- wegung darin war, zugleich tonangebend auf dem Gebiet der Ar- beitermusik, als Musiker aktiv in allen künstlerischen Fragen des Arbeiterchors: so ist Heinz Thiesten einer von den seltenen Künstlern unserer Zeit, für die und in deren Werk Fortschritt der Kunst nicht ohne sozialen Fortschritt zu denken wäre. Diese Harmonie der ästhetischen und der politischen Links-Orientierung wird auf glücklichste Art fruchtbar in dem auch äußerlich wirkungsvollen„Vor- spiel zu einem Reoolutionsdrama", das den Abschluß der gestrigen Veranstaltung bildet«. Vorher hörte man die schöne, in ihrer Grundsttmmung eindringlich konzentrierte Elegie„Ophe- lias Tod" aus der Hamlet-Musik, geschrieben für Reinhardts Hamlet-Jnszenierung im Großen Schauspielhaus, als dieses noch Stätte einer künstlerischen Zukunft war, und ein Andante für Streichquintett, ein gehaltvolles Stück Kammermusik, übertragen in die weiteren Klangverhältnisse des Streichorchesters. Als Dirigent war der Komponist am Pult seinen Werken ein werbender Interpret. K. P. Hebräisches proleiarieriheaier. Im Herbst wird das„Hebräische dramatische Theater Ohel" in Berlin gastieren. Sein Leiter und Regisseur Mosche Halevi, der sich augenblicklich zur Vorbereitung der europäi- schen Tournee in Berlin aufhält, machte bei einem Empfang der Presse mit den künstterischen Zielen und dem organisatorischen Auf- bau seiner Bühne bekannt. Der„Ohel"(Zelt), unterstellt der jüdischen Arbeiterorganisation Palästinas, ist ein im wahren Sinne des Wortes kollektivistisches und idielles Unternehmen. Halevi, der seine tünstterische Aus- bildung bei Stanislawski in Moskau und bei der„Habima" genoß, kam vor sechs Jahren nach Palästina und stellte sein Ensemble aus werktätigen jüdischen Proletariern, die er auf ihre schauspielerischen Fähigkeiten hin prüfte, zusammen. Zwei Jahre dienten der Schulung. Die Mitglieder des Theaters verrichten auch heute noch neben chrer Betätigung auf der Bühne manuelle Arbeit, die ihnen den Lebensunterhalt schafft, denn Gagen sind in dieser Theatergemein- schaft unbekannt, nur die Mahlzeiten erhalten die Künstter während ihrer Reisen durch die palästinensische Provinz aus einer Gemein- schastsküche. Die Ueberschüsse werden in das Theater investiert. Der„Ohel" wird außerdem von der gesamten Jugend Palästinas unterstützt. Jeder Jugendliche zahlt einen Schilling Mcyiatsbeittag, um die Existenz der Bühne zu sichern. Das Theater will sowohl die Ideale der Arbeiterbewegung als auch des Zionismus zum Ausdruck bringen. Die Stoffe werden aus dem Alten Testament gewählt, andererseits stehen auch Werke euro- päischer und amerikanischer Autoren auf dem Repertoire. In stlli- ftischer Beziehung scheint es sich beim„Ohel" um ein Theater stark bildhaft wirkender Ausdruckstunst zu handeln.— t. Babylon im Q'chi der Ausgrabung Di? Deutsche Orient-Gesellschaft versendet soeben an ihre Mitglieder mit dem 33. Jahresbericht das 69. Heft ihrer „Mitteilungen". Bekanntlich hat die„DOG." außer vielen anderen archäologischen Unternehmungen auch die Ausgrabungen in Babylon betrieben: ihnen verdankt das Berliner Museum die Möglich- keit, von den Prachtbauten des Königs Nebukadnezar so eindrucks- volle Proben in den neueröffneten Räumen aus den Originalzlegeln aufzubauen. Zwischen diesen die Prozesstonsstraße des Gottes Marduk begleitenden löwengeschmückten Festungsmauern ist zu Nebukadnezars Zeiten der Prophet Daniel gewandelt, hat später der Perserkönig Kyros und an der Spitze seines Griechenheeres Alexander der Große seinen siegreichen Einzug durch das Jfchtar- Tor gehalten. Und in unmittelbarer Nachbarschaft ragten die stolzen Königspaläste, von denen Nebukadnezar rühmt, er habe„ihr Fundament an der Brust der Unterwelt fest gegründet und sie aus Asphalt und Backsteinen hoch aufgeführt bergegleich". Hier war der Schauplatz von„Belsazars Königsmahl". Hier erschien die Flammen- schrift an der Wand. Aber es bedarf wahrhaftig nicht solcher ge- schichtlichen und sagenhaften Erinnerungen, um auch dem heutigen Menschen Bewunderung abzunötigen vor der Wucht und einfachen Größe dieser Kunst. Die„Südburg" allein bedeckte mit ihren um fünf große Höfe angeordneten Wohnungen, Sälen, Kanzleien und Schatzhäusern einen von Mauern und Türmen umwehrten Raum von 48 000 Ouqdratmetern. In dem kürzlich(bei I. C. Hinrichs in Leipzig) erschienenen Band S3 der„Wissenschaftlichen Veröffent- lichungen der DOG." hat der Altmeister Koldewey selbst die Süd- bürg geschildert und die vielgestaltige Zweckbestimmung ihrer ein- zelnen Teile durch Wort und Bild verlebendigt. Im Zeitsckriftenlesesaal liegen 4100 Zeitschriften aus. Der neue Zuwachs betrug 77 230 Bände. Besondere Förderung wurde dem auslandsdeutschen Schrifttum zuteil. Der diesem Zweck dienende Austausch von Bibliothekaren wurde fortgesetzt und zwar diesmal mit Ungarn. Die Zahl der Besucher betrug 341 661 gegenüber 195 025 im Vorjahr, die Zahl der Bücherbestellüngen 203057 gegen- über 181 334. Die erste preußische Glasfachschule wurde in B u n z l a u er« öffnet. Während die Tschechoslowakei drei derartige Fachschulen be- sitzt, verfügt Deutschland erst über eine einzige. Die Schüler sollen in der Glastechnik zu Qualitätsarbeitern herangebildet werden, da- mit Deutschland auf diesem Gebiet wieder konkurrenzfähig wird. p«I»d8 Monaten und 2 Wochen Gefängnis verurteilt worden. Die Angeklagten bestritten auch jetzt, daß sie die Absicht gehabt hätten, die nationalsozialistische Versammlung zu sprengen. Infolge der wüsten Beschimpfungen der sozialdemokratischen Mini st er Severing, Hihferding und Broun durch den nationalsozialistische!, Redner seien Zwischen- rufe gefallen, die schließlich zur Auflösung der Versammlung geführt hätten. Der Zeuge Gendarmeriewachtmeister Hoppe bestätigte die Aussagen der Angeklagten und hob hervor, daß er den SA.-Führer gebeten habe, nicht mit der SA.-Abteilung in den Saal zu rucken. Als die Versammlung geschlossen worden wäre, sei es vor dem Ich abonniere den„Vorwärts"(und die Abend» � ausgäbe für Berlin„Der Abend") mit der illustrierten Bei- t läge„Volk und Zeit", sowie den Beilagen„Frauenstimme",> „Technik"„Blick in die Bücherwelt",„Iugend-Vorwärts" und „Stadtbeilage" in Groß-Berlin täglich frei ins Haus. (Monatlich 3,60 Mt., wöchentlich 83 Pf.) Name: Wohnung: -Straße Nr. vorn bei 5)of— Quergeb.— Seitenfl.— Tr. links— rechts Ausfüllen und einfendeu an den Verlag des„Vorwärts" Derlin SW bS. Lindensiraße 3. Versammlungslokal zu Ansanmilungen gekonmien. Inzwischen sei aus der Nachbarschaft S A.- B e rst ä r k u n g geholt worden. Die Narionalsozialisten seien dann geschlossen vorgegangen, um die ver- 'ammelten Menschen zurückzudrängen. Im gleichen Augenblick sei es zu der Schlägerei gekommen. Oberlandjäger L e i tz k e sagte im wesentlichen das gleiche aus wie tags zuvor sein Kollege Hoppe. Als die Sturmabteilung der NSDAP, in den Saal rücken wollte, habe sie sich zunächst ihrer Röcke entledigt. Der Landjäger Hoppe hätte mit ihnen verhandeln wollen, daß sie den Saal nicht betreten, weil er Unruhen befürchtete. Darauf habe er von dem Sturmführer die Antwort erhalten:„Ich habe meinen Befehl von oben und danach handle i ch." Als dann die Versammlung ausgelöst worden sei, habe sich draußen eine«ftoße Menschenmenge versammelt Sie sei später von den aus dem Nachbarstädtchen Falkenburg, und zwar aus ver- schiedenen Richtungen kommenden Sturmabteilungen der NSDAP. angegriffen worden. Dann habe sich die Schlägerei entwickelt. Der zweite Zeuge, Polizeiwachtmeister Schultze, behauptete fast durchweg das Gegenteil von dem was feine beiden Kollegen aus- gesagt hatten. Er will gesehen haben, daß der Angeklagte Golz im Saale mit einem Stuhl bewosfnet zum Angrifs überging, daß der Angeklagte Streitz zum Widerstand ausgefordert und der Angeklagte Fischer geschossen habe. Als die Verteidiger verfängliche Fragen stellten, wurde er unsicher und antwortete nicht. Als es dann zu Zusammenstößen zwischen Verteidigung und dein Vorsitzenden kam, stellte der Vorsitzende dem Zeugen die Frage, ob er bestimmt gesehen habe, daß Fischer geschossen habe. Diese Frage wurde nicht mehr mit Ja beantwortet. Die anderen Zeugen brachten nichts Wesentliches vor. Rechtsanwalt Raulenberg forderte die Ladung» rrst zwe i weiteren Zeugen, die aussagen sollen, daß"die National- sozialisten sich damit gebvülstet haben, tüchtig drein geschlagen und r eingeschossen zu haben. Auch der Staatsanwalt forderte noch die Ladung zweier weiterer Belastungszeugen. Die Verhandlung wird noch mehrere Tage dauern, da insgesamt 70 Zeugen geladen sind. Oer Schatz im Schuh. 15 HO Mark an einen Bettler verschenkt. Gestern nachmikkag schenkte eine Frau in Tempelhos einem Bettler ein Paar alte Schuhe, ohne zu ahnen, daß ihr Manu darin seine gesamten Ersparnisse in höhe von 1500 M. verborge» halle. Bon dem Bettler, der so unerwartet in deu Besitz dieser hohen Summe gelangt ist, fehlt bisher jede Spur. Gegen 16 Uhr klingelte es an der Wohnungstür der Geschädigten und ein Bettler bat um eine klein« Unterstützung. Der Mann, der verhältnismäßig gut gekleidet war, hatte völlig zerrissene Stiesel an. so daß di« Frau ein Paar alte Stiesel ihres Mannes, der sich auf seiner Arbeitsstelle befand, herbeiholte und sie dem Bettler schenkte. Als der Ehemann um 18 Uhr heimkehrte und von der Wohltat seiner Frau hörte, war der Schrecken natürlich groß. Nach dem Bettler, einem Mann von etwa 4l» Iahren, der als kräftig und untersetzt geschildert wird, wird von der Kriminalpolizei gesucht vte Zahl der Arbeitslosen in Zkall» ist im März nrn 56000 aus 709 466 gesunken, worunter 161 000 Frauen. 230 000 Erwerbslose. also nur etwa ein Drittel, erhalten Unterstützung. 90. Abteilung. Arbeitskreis junger Parteimitglieder. Heute, 19)4 Uhr. bei Losfler, Weichsel- Ecke Ossastr. Genosse Willi Wolf. Thema: Die Jugend in der Partei. Wetter sür Berlin: Weitere Erwärmung, trocken und zeitweise heiter, südliche Winde.— Für Deutschland: lieber all trockenes und wärmeres Wetter. Rückschau. Der Deutschlandsender führte ein Hörspiel von Leo Wu Isert aus:„Andre es Ballonfahrt". Die Tragödie Andrees und seiner Begleiter Knut Frankel und Nils Strindberg in der Arktis, die mit ihrem Tod auf dem Eise endete, hat sich uns erst vor wenig Monaten enthüllt Tagebuchaufzeichnungei, und Photographien haben ein Dritteljahrhundert im Eis überdauert und konnten uns Kunde bringen von dem Kampf, den drei kühne Ballonfahrer gegen den kalten Tod führten. Ein Dichter hätte viel- leicht dieses unheimliche Ineinandergleiten von gestern und heute zum Stoff eines Hördromas genommen, hätte gezeigt, wie in der Einsamkeit der Polregion nur die große Weltzeituhr herrscht, der ein halbes Menschenleben wie der winzige Bruchteil einer Sekunde ist. Wulfert versuchte sich nur an der realen Schilderung des Gestern, das er i» naturalistischen Gesprächen zu erfassen bemüht war. Die erschütternde Wirklichkeit, die uns allen noch so nahe ist, stand der Wirkung seines Werkes entgegen. Cr gab ein sauber gezimmertes Hörspiel das sich aus geschickt zusammengefügten Dialogen ausbaute. Monologe wurden vorsichtig als eine Art erläuternder Text eingeschaltet. Alles zusammen war einfache handwerkliche Technik, die aber in ihren Grenzen sehr Brauchbares geschaffen hatte. Max Bing bewährte sich wieder ausgezeichnet als Regisseur. Stimmen und Klänge waren wirkungsvoll gegen- einander abgestimmt. Naturgeräusche, so das Bersten der Eis- schollen, das Aurschleisen des Ballons waren nicht plump nachzuahmen versucht worden, sondern Woller Göhr hatte sie in Töne umgestaltet, alier so, daß sie sich nie als Musik vordrängten, sondern dem Hörer stets als di« diesem Ereignis gemäße Klangform erschienen. „M cxikanische Musik" siührte im Programm der Funkstunde Erich Knauf auf Schallplarten vor. Es handelte sich um Originolaufnahmen, die der Schriftsteller B. Trauen seinem deutschen Verlag, der Büchergilde Gutenberg, aus Mexiko gesandt hatte. Mancher europäisch-nordamerkanische Einfluß zeigte sich schon in diesen Lieder«: ober auch Mexiko selber ist von diesen Einflüssen nicht frei geblieben, und diese Musik wallte von dem Lande erzählen, wie es heute ist Von seiner Vergangenheit lebt noch etwas in den Tanz- und Rancholiedern, und in der Art, wie das Volk sie vorträgt oder an ihrem Vortrag teilnimmt Das schönst« Lied von der„weißen Rose", der geliebten heimatlichen Hazienda. Der Vortragende versicherte, daß es sich hier um ein echtes, alles Rancholied handle, dessen Text und Melodie von irgendeinem Landarbeiter erdacht wurde. Der Einfluß des europäischen Musik- .geschmackcs läßt. Melodien von solcher Innigkeit und Ausdruckskrast heute wohl kaum noch im mexikanischen Volke wachsen.. Tos. Donnerstag, 23. April. Berlin. 16.05 Hani tflürmann; Landflncht als Gefahr fOr die GroSstaJt. 16.50 Uaterhallungsmusik. 17.50 Jugend In Groß-Berlln.(Knrt Behlmer.) 15.10 Hansiflrgen Wille liest eigene Dichtungen. 18.40 Alte Lieder.(Margarethe Roll. Mezzosopran. Nägel! Wies! de Haan.) 19.05 Hetllron; Rechtsfragen des Tages, 19..50 Konzert 20.50 Aktuelle Abteilung. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Konzert. Dir.: Dr. Ludwig Landsholf. I. W. fr. Bach: Slnlont« D-Moll. 2. Carl Ph. Em. Bach: Klopstocks Morgengesang. 3. C. Pb. Cm. Bach: Cembalo-Konzert D-Dnr. 4. J. Chr. Bach: Duette fflr zwei Soprane. 5. Joh Chr. Bach: Szenen aus„Amor Vincitore'*,(Pbilippioe Landsholl. Adelheid Armhold, Sopran: Prof. Erwin Bodky. Cembalo; Berliner Eank- Orchester.) 22.20 Wetter, N'achrlcbten nnd Sport. Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. Königswnsterhansen. 16.00 Dr. Leo Weisroantel: Gesagtes und Gestaltetes in der Sprache. 17.30 Mersmann: Hausmusik. 18.00 Min.-Rat Joachim: Piaxis des Arbeitsrechts. 18.30 Englisch für Fortgeschrittene. I9..50 Generaldirektor Pickel: Die Milchvcrsorgung der Großstädte. 21.00 München: Sinfonickonzert. itctanhnortl. für hie Rrdaktinn: Herbert Lepeee, Berlin: Amelsen: Tb.«lacke. Berlin. Verlos: Lomnoris Berin«®. m. b. S.. Berlin. Druck: BarwSrls Budn brudetei und Berlagsonstalt Paul Cinser& Co.. Berlin SS 68, Sinbenftrafte 3 Hierzu 1 Beilade. | lUeai Ihealer LtcUlsptele usw Donnerst., 23 4. Staats-Oper Unter d. Linden 234. A.-V 20 Uhr Cavallerla rnsiicana Bajazzi inde n.22l/a(Jhr Staats-Oper \in Platz der Repoblik. I9Vj Uhr Die Hodizeit ößs Fioaro Ende 228/4 Uhr Donnerst. 23 4 Stadt, oper BismarcKstr Turnus III 20 Uhr mgnon Enden 23Vj Uhi Staatl. Schausph. ■.•in Oenöarmenmari1 201 A.-V 20 Uhr Die Porlopale- sische Sdiladit enden, 23>„ch, :!aai.Uliilier'Ilieater.[liari)Dy 2) Uhr Die Bekehrung des Ferdys Pistora Lnde 2i1/a Uhr GROSSE* SCHAUaPiELHAlL Täglich 8 Uhr: IIT.«ialssen ROSSL Stg. nachm. 3 Uhr Original hesetzunp billige Preise Reg e: Erik CharelL Volks bimne Ibtattr am BOlowalatz. 8 Uhr Die Ehe )taatüdiillei-Ib. S Uhr Die Bckßhnino des Ferövs Pistora WM itieam 8 Uhr Baute zum 50. Haie: Der Hauptmann von Röpenim v Carl Zuckmaye. Regie: Heinz Hilpert nie Komödie 8»* Uhr Natalie v.wan Turgenjew Reg iL: Iwan Schmith Homiscne oper 8'* Uhi Alt- Heidelberg lüde Engiisdi. Wedenneiei H.J. Moeiiis. Peukert Neues Theater mt am ZOO mmmm ImBahnlLZeo. Stpl.G55< Täglich S'.'a Uhr Ueber 125 Mal von Max Alsberg u Otto Ernst Hesse Knilörsten Hamm- Theater ßismatck 449 | 60- Uhr"! Alles Schwindel von Haltete Sdiiffar. Musik von Mise ha Spollansky. Rill«: Gintit CrOodgin Barnowsky-ülliinen ftiuier In dei.siiescmanosii. Täglich Gestern n. Heule Schauspiel von Christa Winsloe Komödionhau» Täglich 8Vi Uhi Eine Honsgiicne Familie Barbarossa 9256 Tägl 5 u.«V; Uhr Nia. SOPf.-B II..Aa.'-fi M. Juan uossas ait>. imtlrkt. Ontmlir d'Anselmi Drena Beach und weitere Attraktionen plAza »eitel E. 7.«31 Täglich Sund Sonn:ags2,5«.8's Hb. 50 Pf.-l■.. Ah. 1-2 H. Senln Glazerof! Gesang- u. Tanzrevue Baitira In Mar usw. »t. ubx CASINO-THEATER Lothringer Strahe 37 luiitiHiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiMiMiuiniiiiiniiiiiMiiiiiiiiiiiiuniuniiii Mar noch wenige Auifübrungen. „Er träumt won JI88" und das bunte April Programm Gnlscfacin 1-4 Personen Fauteuit 1,25 M.. Sessel 1,75 M sonstige Pr.: Parkett 75 Pt. Rang 60 P. Wir�r Gärten- i diu. tenli. 2819-audien emuli: Oavelma-Dallett. 6refl. Vemon, ii Hartwells, RloStato Marlmlia Baniosw. Berliner fiflit-TriO N•■ H S I i■. v Lahnau. 74/7ÖJ ROSE THEATER Vom Montau: htm Freltaa: m im „In Amerika vierhan- Jertmal gespiel f flmpoi Die Sache. die sich liehe nennt CThl» fhlne«ralled lov®» Große Pranklurter Straße ISA U-Bahn S trau* berger Platz Scßuiucr Vorverkauf tftulleh von ix-z Uhr und 4— f Uhr ieiepii oesieiig.£ 7. Weich>ei 3422 BETRIEB �% KEMPIHSKlO Reichshallen-Theater Ibsiidj)T| Sonntag nidnii. nPTI ..XaUeHxrtiule 3 Hörer waren bei den größeren Vorträgen im Saal, ein Zeichen, daß wenigstens die Hamburger von der Wichtigkeit der Sache überzeugt waren. 5)atten sie recht? Nu», bis zu einem ge- wissen Grade sicher. Durch das Umwelt-Denken ist die Kenntnis von Kindheit und Jugend ohne Zweifel sehr gefördert und die Pädagogik bereichert morden. Auch die Bedeutung sozialer Disfe- renzen ist auf diesem Umweg dem akademischen Forscher einiger- maßen verständlich geworden. Und auch die allgemeine Men- schenke nntnis wird durch die modernen Einzeluntersuchungen sicher sehr gefördert— bis in die Fragen des täglichen Lebens hinein, wenn man bedenkt, daß ein großes Referat sich in anregendster Weise mit den Fragen von Hunger und Appetit beschäftigt hat. Und soweit die Folgen der gegenwärtigen Psychologie bedenklicher Art sind— also vor allem in ihrer industriellen Anwendung—, hat sich gerade in Hamburg gezeigt, daß die wachsende Macht der Gewerkschaften klärend auf die Problemstellung der Theoretiker und Praktiker wirkt. Die viel diskutierte„Krise in der Psycho- t e ch n i k" ist nichts anderes als der beginnende Respekt vor der Per- sönlichkeit des Arbeiters, und ein bekannter Psychotechniker wurde für eine kapitalistische Entgleisung hart hergenommen. Gewiß, vor allem aus Diplomatie der Vorsichtigeren, aber so setzt sich eben geistiger Fortschritt auf ökonomischer Grundlage durch. Kurz, der Propagandaabend, den der Kongreß abgehalten hat, um die Behörden und die Oeffentlichkeit mehr für die Arbeit der psychologischen Institute zu interessieren, sollte nicht vergeblich ge- wesen sein. Sagen wir so: der Hamburger Kongreß hat die Ver» ständigung der verschiedenen psychologischen Schulen angebahnt: er hat darüber hinaus die Möglichkeit sehen lassen, die Psnchologie ein- mal auch der Verständigung der Menschen dienstbar zu machen. l». l- itcrdze aus czllez»'Wall ftlavseillaise aus fttadvid.! In der Ncicht vom 14. zum IS. April saß der Hörer am Radio und suchte Madrid. Schon den Abend vorher hatten die Llätier das Schwanken und Krachen des Thrones von Spanien gemeldet. Abends aber fehlte jede Nachricht. Saß Alfons noch im Schloß? Schickte er feine Kavallerie gegen das Volk? Oder... wehten schon die Farben der Republik uber� Spanien?! Mit diesen Fragen saß man am Radio und oersuchte fieberhast zu fangen. Solange Witzleben sandte, was Madrid nicht zu bekommen. Vielleicht Barcelona?! Die Hände greifen an die Rück- kopplung... Barcelona, ja da war es... Aber ganz ruhig spielte dort eine Tanzkapelle. Nein, das waren nicht die Klänge der Revolution... Der Sprecher sagte Tango auf Tango an und seine Stimme war ruhig, als wäre im Lande nichts los. Unruhig faß man am Radio. Sollte es gelungen fein, das Volk euseinanderzuschießen? Halb ein Uhr nachts. Berlin schloß die Sendung. Und schon flogen die Hebel am Apparat aus Fernempfang. Die Augen suchten Madrid auf dem Kondensator... Welle 424... Da... die Stinime des Sprechers von Madrid klang hell, laut, erregt im Lautsprecher: „E a hata Radio Madrid!"... Eilig sprach der Sprecher noch einige spanische Worte. Man war entsetzt, nichts zu verstehen. Aber auf einmal rief es wieder aus Madrid. Diese Worte ver- stand man:„Viva... Espana... Repudlica!"... Es lebe die spanische Republik! Die Worte des, Sprechers überstürzten sich. Der Hörer am Radio verstand, was geschehen war! Einige Minuten Pause— dann die Marseillaise auf der Madrider Welle. Die neue Republik sagte sich im Aether an. Dreimal spielt« man die Melodie. Jedesmal schrie das Orchester im Senderaum ron Madrid selbst Hurra! Dann las der Sprecher die Erklärung der ersten republikanischen Regierung vor. Auch auf der Welle von Barcelona waren die Schlager verstummt und mächtig klang die Melodie der Repubik... Der Hörer schaltete erst um ein Uhr das Radio ab: Im Aether hatte man die Geburt einer neuen Freiheit gehört XatKan Gurdus. SVeue Iforspielforiziezi Sehr beachtenswert sind Hörspiele in neuer Form, die man gerade in der letzten Zeit von verschiedenen Auslandssendern hört. Der skandinavische Rundfunk machte z. B. schon vor einiger Zeit Versuche mit Hörspielen, in denen die Sprecher am Mikrophon ihr eigenes Leben spielten So hörte man ein Hörspiel aus dem Seemannsleben, in dem alle Rollen von richtigen Matrosen gespielt wurden. Die Regie führte auch ein Seemann. Natürlich war es erforderlich, die Laien erst zum Mikrophonsprcchen anzulernen, dann aber spielten die Matrosen fabelhaft echt ihr eigenes Schiffsleben. Vor kurzem hörte man ein Hörspiel aus dem| Arbeiterleben. Wieder waren die„Hörspieler" richtige Arbeiter., Die Sendung erfolgte aus eurer großen Maschinenfabrik.! Das Stampfen und Rattern der Motore und Maschinen war die echteste und beste akustische Kulisse. In den Arbeitssälen standen die Arbeiter an den Mikrophonen und sprachen ihre Hörspielrollen.! Es war eine große und eindrucksvolle Schilderung des Arbeiter- � lebens. Das Hörspiel wurde so zu einer Hörspielreportagc ohne Reporter. Nur die Regie wurde von Fachleuten geführt. In England wurden ähnliche Hörspielreportagen gesandt. So standen einmal die Londoner Mikrophone an den interessantesten Stellen eines großen Zeitungsgebäudes. Reporter waren wieder nicht zu hören. Man hörte nur die Menschen, die wirk- lich in dem Hause tätig sind. Auch hier kam ein fabelhaftes akusti- sches Bild zustande. In Polen sollen jetzt auch derartige Versuche unternomnien werden. Der Hörer lernt die Arbeit aller Berufe durch diese Hörspiel- -reportagen besser kennen als durch einfache Beschreibungen oder Schilderungen am Mikrophon. Die echte Spielhandlung ist eine fesselndere Rundfunkunterl)altung als die erdachte. dl. G. SVcfzarascblMß" oder Scrf f erfeempf cfngrcr? Seit der praktischen Einführung van Netzansd)luß«mpfängern tobt ein heißer Kamps in der Industrie: Netzanschluß gegen Batterie. Der Hörer muß die Vorzüge und Nochteile beider Empsangsarten kennen. Der Netzanschlußapparat ist natürlich die Bequem- lichkeit selber. Kein Akkuaufladen, keine abgebrannten Anoden. Der Netzanschlußempfänger ist immer betriebsbereit und der Hörer hat beim Empfang ferner Stationen immer die Sicherheit mit voller Krnst zu hören. Man weiß, daß mit einem halbvollen Akku nicht viel aus dem Aether zu holen ist. Und wann sind die Akkus voll» Wenn auch der Preis eines Netzanschlußcmpjängers meistens höher als der eines Batterieapparates ist, so ist doch der Fernempfang später viel billiger als am Batterieapparat Die Ausgaben für Akkuaufladen und Anoden fallen weg und der Stromverbrauch beim Netzanschluß ist sehr minimal. Es muß aber betont werden, daß der Empfang am Batterie- gerät viel sauberer ist! Beim Netzanschluß kommen zu den atmosphärischen und anderen durch die Antenne dringenden Störun- gen noch die Nebengeräusche und der Summton aus der elektrischen Leitung. Im Neganscbluß hört man doppelt so gut das Störgerät der ganzen Nachbarschaft. Deshalb sind viele Hörer wieder zum reineren Batterieempfang abgewandert. Die Industrie bringt zwar Störun g�dämpser für den Netzanschluß auf den Markt, aber man konnte feststellen, daß auch durch dieses Zusatzgerät die Störungen keinesfalls verschwinden Es bleibt also zu wünschen, daß der Netzempfang in der nächsten Zeit noch stark verbessert wird. Jedenfalls fei noch einmal darauf aufmerksam gemacht, daß der Hörer am besten vor der Anschaffung eines neuen Empfängers aus- probiert, welche Empfangsart in seinem Wohnort die günstigste ist. — US. Wiv bcrlctt... Im Londoner Rundfunksender sang ein deutscher Chor deutsche Lieder. Die Veranstaltung hatte einen großen Erfolg und wurde auch nach Deutschland(Südsunk) übertragen. Der Künstleraustausch zwischen den europäischen Rundfunksendern nimmt in letzter Zeit überhaupt immer größere Formen an. Wir hörten deutsche Dirigen- ten und Orchester aus allen Teilen Europas. In Belgien spielle ein Arbeiterorchester in der sogialistrschen Sendung. In Polen hörten wir eine sehr gelungene Reportage aus einem Flugzeug. Der Sprecher beschrieb das Land aus der Vogelperspektive. Arn Schluß der Seniwng rief der Lortragende aus der Lust durch den Aether den Warschauer Rundfunksender an. der wieder tele- phonisch die Welle des Flugzeuges mit einem Fernsprechteilnehmer verband. So sprach der Chef des Flugplatzes durch ein gcwöh.nliches Telephon mit einem fliegenden Kollegen. Die holländischen Sender sagten schärfften Kampf den Störungen an. Elektrische Bahnen sollen von jetzt ab nur mit Störungsschutz- anlagen Konzessionen erhalten! Hamburg brachte ein Hörspiel, in dem das Leben Lassalles dramatisiert war. Die Zeit der Sportreportagen beginnt. Von allen Ländern hört man, wie die Menschen sich wieder auf dem grünen Rasen tummeln. In diese Sendungen platzten neulich solgende Worte m den Lautsprecher:„Linkes Auge aufgeschlagen... Nierenhaken.«, Magenstoß..." Ein Sprecher am Mikrophon beschrieb einen Boxkampf. Wir schalteten aus... Der französische Kolonialsender Algier übertrug die Musik von einer arabischen Hochzeit. Könnte nicht einmal ein deutscher Sender eine solche Sendung aus Algier übertragen? Dazu braucht man mir bei günstigem Empfang auf die Welle von Algier zu schalten. Es gelang uns vor kurzem, den türkischen Sender Jstambui in den Lautsprecher zu bekommen. Die Freude, einmal türkische Musik zu hören, war groß. Jstambul aber spielte...„Ick) bin von Kopf bis Fuß..." In USA. leidet die Radioinduftrie sehr unter der Krise. Der Umsatz 1930 war 550 Millionen Dollar gegen 1929 83S Millionen. Ueber die SPD. und ihre Organisationen hielt eist Genosse im holländischen Rundfunk einen sehr iisteressanten Vortrag. 'ßBucA Siücher für Wülfer Dt Hildegard Hetzer:„Seelische Hygiene.— Lebens- tüchtige Kinder!" Dr. med. Ernst Wenhler:„Richtige Ernährung.— Gesunde Kinder!" Der Verlag„Kleine Kinder". Dresden, gibt mit diesen kleinen Broschüren(je 1,S0 M.) jungen Müttern praktische Ratschläge. Die Verfasser sind nicht nur exakte Wissenschaftler vom Fach, sondern erfahrene Praktiker. Hildegard Hetzer weist zunächst auf die Schwierigkeiten der Erziehung im heutigen Großstadtmilieu hin und auf die Tatsache, daß man Erziehen wie jede andere Arbeit gelernt haben muh. Die bekannte Dozen'in der Wiener Universität Eh. Bühler bezeugt in ihrem Geleitwort die ausgedehnte Erfahrung der Verfasserin auf diesem Gebiete. Ihre Auffassungen sind einfach und durchtränkt von den reichen Ergebnissen jahrzehntelanger wissenschaftlicher Forschung Das Büchlein setzt keine besonderen Kenntnisse voraus, sondern gibt in schlichter Darstellung jeder Mutter praktische Ratschläge.'- � Ernst Wentzler hat im selben Verlag ein kleines Kochbuch her- ausgegeben mit einem Gelei wort von Prof. Erwin Schiff, Universitätsklinik Berlin. Er gibt zahlreiche Kochrezepte, die auch mit den einfachsten Mitteln anzuwenden sind. Im theoretischen Teil geht er ein aus die Schwierigkeiten der Stillperiode und auf die künstliche Ernährung bei Stillschwierigkeiten. Beide Bücher sind durch ihre Zuverlässigkeit, Schlichtheit und Billigkeit gute Helfer für junge Mütter.' Heinz Adam. Sine SloFlirfla Wappe Die schöne Kollwitz-Mappe des Callweyschen Verlages liegt in sechster Auflage vor.(Käthe-Kollwitz-Mappe. 6. verbesserte Auflage, bearbeitet von Prof. Jos. � o p p, München, Georg Callwey. 1931. 7.50 M.) Joses Popp hat eine sehr gut orientierende Einlei- tung dazu geschrieben, die Leben und künstlerisches Wesen von Kollwitz umfaßt und die einzelne Werke(12 Tafeln und 7 Text- bilder) vortrefflich beschreibt. Ihre Kunst spricht freilich auch ohne Interpreten für sich selber. Die knappe Auswahl ist glücklich ge- troffen, sie betont— wie könnte es anders fein— das mütterlich fühlende Clement, die Liebe zur unterdrückten Kreatur. die„das un> erschöpfliche, immer wiederkehrende Thema ihres Zeichenstifts aus- macht. Beim raschen Durchblättern dieser Mappe, die durchweg Meisterwerke enthält, kann man nicht umhin, die einfachen ruhe- vollen Kohlezeichnungen und Lithos der letzten Zeit, in denen sie wohl ihre schöpferische Höhe erreicht hat, den Radierungen ihres ersten Jahrzehnts vorzuziehen; wir streben, nicht thematisch, aber im künstlerischen Empfinden, von den dramatischen Aufruhrszenen um 1900 fort zu der heroischen Größe der Anschauung, die in Kollwitz' Spätwerken liegt Der nicht geringe Preis scheint einer Volks- tümlichkeit dieser Ausgabe entgegenzuwirken Man sollte eine ganz billige Volksausgabe mit einigen Dutzend, nein, mit hundert Repro- duktionen nach ihren schönsten Blättern veranstalten. Raul F. Schmidt. Archiieki Xudewig Willi L u d e w i g ist selbst in Fachkreisen ein wenig bekannter Architekt. Vielleicht ist seine Jugend daran schuld oder die Lage seiner Bauten, die dem Blick fast entzogen abseits in der Proojnz entstanden sind. Was hat dieser kaum Dreißigjährige in fünf Jahren selbständiger Arbeit alles geschaffen! Hauptsächlich in- sozialen Wohn- und Sied- lungsbau: Ganze Stadtteile in Kottbus. Luckenwalde. Forst, Flatow, Salzwedel, Fürftenwalde und anderen weniger bekannten Orten; � Siedlungsbauten auch im weiteren Umkreis von Berlin wie in Nauen, Velten. Nowawes, Erkner u. a. Die Zahl der Wohnungen geht in die Tausende, daneben hat er auch öffentliche Bauten, wie das Verwaltungsgebäude der Orlskrankenkasse in Brandenburg an der Havel, ausgeführt. Eine in schlichter Form gehaltene Monographie von Paul F. Schmidt:„Architekt L u d e w> g"(Deutsche Architektur- Bücherei G m b. H.) bringt einen Ueberblick über die reiche und vielseitige Tätigkeit Ludewigs. P. F. Schmidt gibt in seiner Ein- leitung in kurzen Umrissen eine Würdigung der Persönlichkeit des Architekten und seines Werkes. In klaren Lichtbildern sind die aus- geführten Bauten wiedergegeben, außerdem sieht man unausgeführte Projekte, die aber charakteristisch sind für die Entwicklung des Bau- künsllers. Ueber die Art, die Bilder ohne Rand bis an die Blatt- | kante zu bringen, kann man verschiedener Meinung sein; aber auf diese Weise konnten die Abbildungen sämtlich in Zeilenrichtung ge- bracht werden, das lästige Drehen des Buches wird so vermieden. Wohnungs- und Siedlunzsfragen stehen heute mehr denn je im ! Mittelpunkt des allgemeinen Interesses. Deshalb wird auch der Laie gern zu diesem Buch preisen, das ihm mancherlei Anregung geben . und vor allem einen Einblick in das Wesen neuzeitlichen Baufchassens I gewähren kann. H. G. Müller. Rätsel-Ecke des„Abend" Kreuzworträtsel n Waagerecht: 1. Oxidationserscheinuna: 4. Verfall: 6. Vor- silbe; g. Wirtschaftsgebilde; 9. Seeräuber; 11. Äerneinung; 12. Neben- fluß des Rheins; 13. Nordischer Männername; 15. Leblos. 18. Lein- gewächs; 20. kleinste Teile der Materie; 21. Verwandte; 23 Fluß in Sibirien; 24. westafrikanisches Kap; 25. unbekannte Kraft; 26. pol- nische Festung; 29. Staat in den Vereinigten Staaten; 32. Fluhtal in Steiermark; 35. Gedichtsart; 36. süddeutsche Stadt; 37. Tierleiche; 38. Schwur; 40. Sohn Abrahams; 42. kleines Raubtier; 44. Hausflur; 46. Verbrechen; 47. preußischer Kriegsminister.— Senkrecht: 1. Felkweg; 2. Heiligtum der Fußballer; 3. Wehlaut; 4. Segelstange; 5. Zahl; 6. europäische Hauptstadt; 7. Hunderasse; 8. Hautsarbe: 10. Hock'land in Zentralasien: 13. Stadt an der Donau; 14. deutscher Dichter: 16. Seitental des Inns in Tirol; 17. weiblicher Vorname; 19. Brillenschlange; 20. Handelsstadt am Bottnischen Meerbusen; 22. Göttin der Morgenröte: 27. weiblicher Vorname; 28. männlicher Vorname; 30. Bergrücken bei Braun- schweig; 31. weiblicher Vorname; 33. Blume; 34. Stadt in Italien; 37. Mundhauch; 39. stechender Pflan.zenteil; 41. Vorgang des Siedens; 43. Geisteskrank; 45. japanisches Wegemaß. ehr. Zoologisches. Aus den Silben af an bull chen dog«ich er fe ge hörn il lo nat no ot ohr pan pe rat renn rhi ros schim se te ter ter ter tit tier tis ur ze sollen 13 Tiernamen zusammengesetzt werden und so untereinander gestellt, daß die Anfangsbuchstaben, von oben nach unten gelesen, den Namen eines vorgeschichtlichen Riesentteres ergeben. ad. Silbenrätsel. Aus folgenden 49 Silben sind 21 Wörter zu bilden, deren Anfangsbuchstaben, von oben nach unten gelesen, einen Wahlspruch ergeben: am der der berg berg bert brit ca co da dors e e el er sc ger per i in ka ten le ter Ii(in mül in nie nit no o po re re rei ri ri sei sel ser te ten tl trum we win wit zen.— Die Wörter bedeuten: 1. Deutscher Fluß; 2. Südamerikanischer Strom; 3. Deutsche Hauptstadt; 4. Innerer Körperteil; 5. Deutscher Staatsmann; 6. Berg in Thüringen; 7. Inselbewohner; 8. Weibl. Vorname; 9. Wort für Wiederholung; 10. Männl. Vorname; II. Vorort von Berlin: 12. Deutscke Partei- bezeichnung; 13. Stadt in der Provinz Sachsen; 14. Heidepslanze; 15. Westeuropäer; 16. Raubtier. 17. Märchenwesen: 13. verstorb. deutscher Staatsmann; 19. Singvogel; 20. Fluß in Ajrika; 21. Körperorgan. tü. Zahlenrätfel. 3 9 10 11 12 13 14 15 9 13 14 Neue Erscheinung des Flugproblems Gebäck Deutscher Dichter Mädchenname Deutsches Gebirge Südfrucht Dichterin des Altertums Widerspruch 12 15 Atter Junggeselle Feuerspeiender Berg Blumen Fluß in Vorderasien Zahl Symbol Waffe Mädchenname Italienische Stadt Gewebe Lasttier Stadl in Schweden Aliloschuppen ad. Auflösungen in der nächsten Rätselecke. Auflösungen der letzten Rätselecke Kreuzworträtsel: Waagerecht: 1. Brandes; 5. Ham- bürg; 8. Ratibor; 10. Amerika; 16. Leipart; 17 Stambul— Senkrecht: 2. Alm; 3. Dörr; 4. Samt; 5. Hiob; 6. Meer; 7. Uri; 9. Irr; 10. Anna; 11. Etat; 12. Iris; 13. Aula; 14. Lei; 15. Lob. Spiralenrätsel. Waagerecht: 2. Reh; 3. Meta; 5. Elias; 6. Tomate: 8. Indiana; 9. Isabella; 11 Wandsbeck: 12. Neuseeland; 14. Neuromantik; 15. Afghanistan.— Senkrecht: 1. Hu; 2. Rom; 4. Soda; 5. Ernst; 7. Agathe; 8. Imkerei; 10. Kalkutta; 11. Waha- biten; 13. Kaiserwald; 14. Nordamerika Füllkreuzrätsel: 1. Stoß; 2. Trott; 3. Store; 4. Sloer. Verschieden oeranlagt: Hochschule. Kochsd)ule. Gegensatz:„Zeche." Wien erwartet seine Gäste zur 2. Arbeiter Olympiade Die 2. Arbeiterolympiade, die vom IS. bis 27. Juli dieses Sommers in Wien abgehalten wird, verspricht eine Ver- anstaltung von Weltbedeutung zu werden. Sie wird sich vor den Augen von Gästen der ganzen Welt abspielen, denn zugleich mit ihr tagt der Internationale Soziali st en-Kongreß. Durch dieses gewiß nicht zufällige Zusammentreffen erhält die Olympiade erst ihre große Bedeutung. Es handelt sich in Zukunft nicht mehr um bloße Sportveranstaltungen, sondern es bahnt sich ein W e l t f e st des Sozialismus an, das den alten klassi- schen Gedanken der griechischen Olympiaden wieder ausnimmt und ihm einen ganz neuen Inhalt gibt. Die Olympiaden des bürgerlichen Sports haben vergeblich ver- sucht, das griechische Ideal neu zu beleben und international aus- zuweiten. Das Bürgertum wird es nie vermögen, einen Gedanken zu adeln, der die Erde umspannt. Immer steht der engstirnige Nationalismus, der aus der bürgerlichen Vorstellungswelt nicht sort- gedacht werden kann, diesem idealen Streben entgegen. Nationaler Egoismus ist unvereinbar mit internationaler Geistes- und Körper- kultur, steht jedenfalls ihrer festlichen Verkörperung hindernd im Wege. Olympische Siege sind dem bürgerlichen Menschen Siege der Nation, nicht Siege der Menschheit! Es ist in der Idee ein Krieg mit sportlichen Mitteln, der da aus- gekämpft wird und die nationalen Gefühle oft bis zur Siedehitze aufschäumen läßt. Dennoch mögen diese Olympiaden ihren großen Wert haben, denn auch sie bringen die Völker in mancher Hinsicht einander näher. Mag dieses Sichnäherkommen auch weniger aus dem Herzen als aus dem überlegenden Verstände kommen, so wird es doch die Wiederkehr des Krieges erschweren und in den links- gerichteten Schichten des Bürgertums den Chauvinismus beseitigen helfen. Das ist schon sehr viel. Der Arbeitersport erstrebt mehr. Sein Ziel ist die Ueberwindung des Nationalismus. Dabei jagt er nicht Utopien nach, denn er weiß sehr wohl, daß der Nationalismus erst überwunden werden kann, wenn jedes Volt zunächst seine na- tionalen Interessen befriedigt hat. Der Weg zur Internationale kann nur über die nationale Befriedung gehen, anders bleiben immer Reibungsflächen, die der Entzündung ausgesetzt sind. Wir sind der Meinung, daß nur die Arbeiterklasse berusen sein wird, die national« Befriedung so weit durchzuführen, daß allen irredenti- schen Bestrebungen der Nährboden entzogen wird. Die Arbeiter- tlasse wird eine ganz andere Produktionsweise einführen, ihr« Wirt- schaft wird nicht mehr auf internationaler Ausbeutung, sondern auf wirtschaftlichem Ausgleich unter den Völkern beruhen. Da die Pro- duttionsverhältnisse das Gesellfchaftsleben der Menschen entscheidend beeinflussen, wird erst nach Ueberwindung der kapitalistischen Aus- beutung ein wirtfchaflliches Hand-in-Hand-Arbeiten unter den Völkern möglich sein. Erst dann kann der Humanitätsgedanke der Olympiaden sich international durchsetzen und festlichen Ausdruck finden. Wenn die Arbeiterolympiaden auch heute noch von der herrschenden Klasse des Bürgertums als eine Unbedeutendheit be- handelt werden, für die sie ein paar Bellelpfennige übrig haben, während sie für die bürgerlichen Veranstaltungen Millionen auf» wenden, so wird sich das Bild ja einmal ändern. Der den Arbeiterolympioden zugrunde liegende Gedanke der Dölterverföhnnng wird sich durchringen. Das aber ist nur dann möglich, wenn die gesamte sozialistische Ar- beiterschast der Welt den Gedanken übernimmt, ihn geistig aus- weitet und zu einer Verkörperung des sozialistischen Zielgedankens macht. Hierzu macht Wien den Anfang, indem der Sozialisten- Weltkongreß mit der Weltdemonstration des sozialistischen Sports verbunden wird. Erst durch diese Tatsache bekommt die 2. Arbeiter- olympiade ihre wahre Bedeutung. Aber es ist erst ein Ansang. Das Ziel wird fein müssen, die Slrbeiterolympiaden nicht nur zu einer Manifestation der Körper- kultur, sondern auch der gesamten G e i st e s k u l t u r der Ar- beiterklasse zu machen. Musik, besonders als Chorgesang, Sprech- und Bewegungschor, bildende Kunst, künsllerischer Tanz, proletarische Bühnenkunst müssen mit der Körperkultur zu einer großen Sin- fonie verbunden werden, damit die Olympiaden z« einem weltumspannenden internationalen Aest der Arbeit und de» Sozialismus werden. Fürwahr, ein großes Ziel, aber wert' der Mitarbeit der besten Köpfe des internationalen Sozialismus. Wien ist ein großer An- fang auf diesem Wege. Die ZK. teilt mit, was für die Olympiade zu beachten ist Voranmeldung zum Olympia. In einigen Verbänden ist man mit den Voranmeldungen zum Olympia noch im Rück- stände: es können deshalb den Ortsgruppen die Fragebogen nicht zugestellt werden. Wir bitten, das Versäumte schnellstens nachzu- holen. Die Fragebogen und Merkblätter befinden sich bereits in den Händen der Verbände und sind, soweit Voranmeldungen vorliegen, schon an die Vereine und Ortsgruppen weitergegeben. Man beeile sich also! Pässe voraussichtlich nicht nötig. Es ist Aussicht vorhanden, daß die beteiligten Regierungen sich über einen vereinfachten Aus- weis sür den Besuch des Olymplas einig werden. Wer von den Wien-Fahrern einen Auslandspaß noch nicht hat, tut gut, mit der Erwerbung zu warten, bis die Frage endgültig geregelt ist. Sonderzugfahrkarlen haben keine längere Gültigkeitsdauer? Es wird noch einmal darauf hingewiesen, daß Sondcrzugsfahrkarten zur Rückfahrt nur für die Sonderzllge gelten, die am 27. Juli abends oder am 28. Juli morgens Wien wieder verlassen. Wer später zurückfährt oder einen anderen Rückweg wählt, kann nur eine einfache Karte lösen und muß die Rückfahrt voll bezahlen, außer in Oesterreich, das auch Einzelfahrern 23 Prozent Ermäßigung auf Vorzeigen der Festkarte gewährt. Durch Deutschland kann man auch Gesellschaftsfahrten benutzen, wenn mindestens IS Personen zusammen sind. Die neuen Bestimmungen über Gesell- schaftsfahrten lauten wie folgt: Fahrpreisermäßigung bei einer Teil- nehmerzahf von 15 bis SV: 25 Prozent, 50 bis 300: 33 H Prozent, 300 bis 600: 40 Prozent, über 600 Teilnehmer: 50 Prozent. Gäste können die offizielle Fest karte und das Abzeichen erwerben? Di« am Olympia teilnehmenden Gäste können nicht nur mit den Sonderzügen fahren, sondern auch durch Zahlung des Festbeitrages von 4,20 Mark sich freies Massenquartier und freien Cintrill zu ollen sportlichen Veranstaltungen im Stadion sichern. Anmeldungen sind an die örllichen Arbellersportoereine zu richten. Auslands- Arbeitersport Finnische und Schweizer Meisterschaften Der langanhaltende Winter hat die finnischen Arbeiter- w i n t e r s p o r t l e r für ihr Warten auf sportgerechtes Winter- weiter gut entschädigt. Als letzte Bundesveranstaltung führten sie die Meisterschaften im Skispringen und im kam- dinierten Laus durch Die Olympiasieger Talsi und Galverson halten kein Glück. Talsi mußte wegen Skribruch das Springen auf- geben und belegte aus demselben Grunde im kombinierten Lauf (15 Kilometer) nur den vierten Platz. Im Springen wurde Berg sTalikkala) mit 175,23 Punkten Meister. Den kombinierten Laus gewann E. Lamminpää(Kotka) mit 38,11 Punkten. In Helsingfors wirkt sich das n e u e H a l l e n s ch w i m m- b a d auf die Entwicklung des Arbeiterschwimmsportes sehr günstig aus. Beim ersten diesjährigen Wassersportfest des Hclsingforser Arbeiterschwimmvereins gelang es, im 2 00- M e t e r- B ru st- und- Rückenschwimmen neue internationale Höchst- l e i st u n g e n auszustellen. Die 200- Meter- Strecke im Brust- schwimmen bewältigte A. Paananen(Helsingfors) in 2 Minuten 53.5 Sekunden. Die bisherige internationale Höchstleistung hielten Grün von den Freien Schwimmern Berlin-Charlottenburg und Schmitz von den Freien Schwimmern Düsseldorf mit 3 Minuten 06 Sekunden. Die Höchstleistung im 200-Meter-Rllckenschwimmen schaffte A. Kaioola(Helsingfors) in 3 Minuten 09.4 Sekunden. Diese und noch andere gute Schwimmerergebnisse versprechen eine starke Konkurrenz durch die finnischen Arbeiterschwimmer aus dem 2. Arbeiterolympia in Wien. Schweizer Arbeiler-Voxmeister. Bei den in Zürich aus- getragenen Boxmeisterschaften des Schweizer Arbeitcr-Turn- und Sportoerbandes fiel der Titel im Fliegengewicht an: Stuter, Albert(Sportring Zürich): Bantamgewicht: Schneider, Fritz(Box- ring Bern): Federgewicht: Dietiker, Walter(ATV. Möriken-Wildegg): Leichtgewicht: Bieri, Werner(Boxring Bern): Weltergewicht: Wiederkehr, Fritz(Sportring Zürich): Mittelgewicht: Braunschweiger, Karl(Sportring Zürich): Halbschwergewicht: Fischer, Emil(Athletik- Box-Club, Zürich): Schwergewicht: Marinello, Bernhard(Athletik- Box-Club, Zürich). Die Meisterschaften waren zugleich Ausschei- dungskämpfe für das Olympia in Wien. Die Uezirlczineisterschaften im DAKB. Das 2. Stechen zu den Bezirksmeisterschaften des Gaues 4 Berlin-Brandcnburg des DAKB hat im Keglerheim Beylers Gesell- schaftshaus. Am Treptower Park 20, stattgefunden. Die Kämpfe zeigten durchweg guten Sport und lassen erkennen, daß der Ar- beiterkegelsport auf bestem Wege ist, auch in sportlicher Hinsicht allen Ansprüchen zu genügen. Der Endkampf über 200 Kugeln findet Sonntag, 25. April, im Keglerheim„Südende". Steglitzer Straße 13—14, statt. Die genauen Startzeiten werden den einzelnen Klubs noch bekanntgegeben. Klubs sowie Einzelpersonen, die am Kegelsport Interesse hoben, werden gebeten, sich an den Gau- Vorsitzenden Siegfried Zöllner, Berlin-Pankow, Schonenschestr. 23, oder an den Gausportwart Willi Schick, Berlin-Spandau, Ham- burger Straße IIS, zu wenden. Einheitlicher Verkehr Beschlüsse der Iniernaiionalen Verkehrskonferenz Die letzte Europäische Verkehrskonferenz, die In Genf unter deutschem Vorsitz tagte, hat endlich das Abkommen über die Steuerbefreiung der im Ausland weilenden Privatkraftwagen angenommen. Nach diesem Abkommen sind im Ausland weilende Touristenkraftwagen bis zur Dauer von neunzig Tagen im Jahr von Steuern und Gebühren befreit. Der Tag des Eintreffens und der Tag der Abfahrt sind in der Frist nicht mit eingerechnet. Von der Steuerbefreiung ausgenommen sind: Kraftdroschken, Autobusse und Mietwagen und die gegen Entgelt den Personen- und Warentransport besorgenden Kraftwagen. Das Abkommen macht zur Pflicht die Schaffung einer besonderen diesem Zwecke dienenden Steuerkarte(Carnet fiscal); die Befreiung wird bei Vorzeigen dieser Steuertarte beim Verlassen des Landes gewährt, sie wird von den heimatlichen Behörden bzw. von den dazu berechtigten privaten Organisationen ausgestellt und muß bei Antritt und Verlassen des Landes von den Zollbehörden visiert werden. Die Unterzeichnung des Abkommens wird erfolgen, wenn die deutsche Abordnung von der Reichsregierung die Ermächtigung dazu in Händen hat. was baldigst zu erwarten ist. Im Ausschuß bestand weiterhin Uebereinstimmung, daß eine internationale Regelung der Straßenverkehrs- zeichen zur Verminderung von Verkehrsunfällen und zur Orien- tierung nötig sei. Die Verkehrskonferenz einigt« sich auf folgende Bestimmungen: Die Zahl der internnationalen Verkehrszeichen wird auf ein Mindestmaß herabgesetzt. Die Verkehrszeichen dürfen in Zukunft keine störenden oder erschwerenden Nebenbezeichnungen erhalten. Ihre Erkennbarkeit darf nicht— wie das heute oft der Fall ist— durch nebenstehende Plakate gehindert werden. Die Vereinbarung wird für die Dauer von acht Iahren abgeschlossen, da fünf Jahre nötig sind, um die noch bestehenden Verkehrszeichen in ollen Ländern zu entfernen. Nach diesem Abkommen werden die Verkehrszeichen in drei Gruppen geteilt: 1. Zeichen, die die Gefahr angeben: 2. Zeichen, die die behördlichen Vorschriften wiedergeben: 3. Zeichen für die Unterrichtung der Fahrer.- Für die erste Gruppe gilt ein dreieckiges Zeichen, für die zweite Gruppe ein rundes, und für die dritte Gruppe ein viereckiges Zeichen. Die Farben kann jedes Land selbst bestimmen. Zu der ersten Gruppe ist ein weiteres dreieckiges Zeichen mit einem Balken in der Mitte angenommen worden, das ein Signal für„außer- ordentliche Gefahr" bedeutet. Eine Einigung über Verkehrszeichen, die Entfernungen angeben, wurde nicht erzielt, ebenso konnte die Konferenz sich über die Vorschläge wegen Aufstellung von Licht- s i g n a l e n nicht einigen. Allgemein war der Wunsch, im Schul- Unterricht aller Länder Aufklärung über die Lertehrsgefahren und die Bedeutung der Verkehrszeichen zu geben. Amerika machte nicht mit bei der Schmeling-Tournec Wie jetzt bekannt wird, ist die E ch m e l i n g- T o u r n e e in den Vereinigten Staaten nicht deshalb abgebrochen worden, weil Schmeling trainieren mußte, sondern weil sie ein schweres Fiasko war. Die Unternehmer machten einfach nicht mehr mit, wollten keine weiteren Opfer bringen. Schmeling selbst hat in den wenigsten Fällen seine Garantie von 1000 Dollar be- kommen: meist war es bedeutend weniger, einmal sogar nur 250 Dollar. Auch andere interessante Dinge erfährt man bei dieser Gelegen- heit. In New Jork sind nur noch 8000 bis 10 000 Zuschauer der Durchschnitt, und bei den dadurch verringerten Einnahmen kann der Madison Square Garden schlecht bestehen. Der Carnera-Maloney- Reoanchekampf brachte den Geldgeber fast zum Konkurs, und jetzt stellt sich auch heraus, daß die ganzen Schwergewichtskämpfe mit Scott. Campolo, selbst mit Sharkey und Stribling ein finanzielles Minus brachten. Man gibt offen zu, daß es um den amerikanischen Boxsport (lies: Boxgeschäft) besser stände, wenn er einen Mann von der Popularität eines Dempsey hätte, und daß die jetzigen Spitzenreiter nichts B-sonderes darstellen. Die Unternehmer sehen der Weltmeisterschaft Schmeling-Stribling mit gemischten Gefühlen entgegen. Es ist auch nicht mehr zu leugnen, daß die F r e i st i l- R i n g- kämpfe iMn Boxen Abbruch tun; bei diesen Veranstaltungen ist der Garden stets ausverkauft. Die Veranstalter sind stark aus der Suche nach neuen Gesichtern, sie werden sich bei der Olympiade im nächsten Jahr besonders für die Schwergewichts-Ringer der Amateure interessieren, und wer weiß, ob nicht doch dieser oder jener den Dollarangeboten Folge leistet. �Vas gibt« am Sonntag? Letzte Hallenfesle der Arbeitersportlcr Zum Abschied von der Wintersaison ladet am kommenden Sonntag der ASV.-Neukölln die Freunde des Arbeitersportes nach der Turnhalle am Hertzbergplatz in Neukölln ein. In 13 Programmnummern wird die Bielseitigkeit des Arbeiter- fportes demonstriert werden; Turnen, Gymnastik, Leichtathletik, Tänze, Spiele usw. sind im Programm vertreten. Unter anderem werden die Olympiadefreiübungen sowie ein Kopfballspiel gezeigt. Die Aktivität des Arbeitersportvereins Neukölln auf allen Sport- gebieten gibt Veranlassung, den Besuch'dieses letzten Hallensestes zu empfehlen. Die Uebungsabende des Vereins sind Montag, Mitt- woch, Donnerstag, Freitag, 20 Uhr, Turnhalle Walter-Rathenau- Schule, Boddinstraße, Kinderabteilung vorher; Dienstag und Donnerstag Leichtathletikabteilung, 18 Uhr, Stadion Neukölln bzw. Platz II. Der Bezirk Tempelhof der Freien Turnerschaft Groß- Berlin veranstaltete am Sonntag in der Turnhalle der 5. Volksschule, Tempelhof. Alarichplatz, sein 2. Oeffentliches Turnen. Zu dieser Veranstaltung sind alle Parteigenossinnen und-genossen und andere Freunde des Arbeitersports eingeladen. Es soll gezeigt werden, wie jeder seinen körperlichen Kräften und Fähigkeiten ent- sprechend, sich in Gemeinschaft Gleichgesinnter betätigen und zur Er- Haltung seiner Gesundheit beitrogen kann. Es wird Gymnastik und Turnen gezeigt, am Schluß der Veranstaltung finden heitere Spiele statt. Di« Darbietungen werden umrahmt durch Musikvorträge der im Bezirk bestehenden Musikgruppe. Beginn des Turnens 15 Uhr. Eintritt frei. Nach dem Turnen Treffen mit den Gästen im Lokal Pinger, Tempelhof. Dorfftraße, zu einem geselligen Zlbend. Eintritt dort einschließlich Garderobe und Tanz 25 Pf. ZLas der Bezirk Süden der Freien Turnerschaft Groß-Berlick an diesem Sonntag mit neun Handballmannschaften in Spielen gegen Frankfurt a. d. O. und Forst i. d. L. zu bieten ver- spricht, dürfte auch die Anspruchsvollsten befriedigen.„Süden" ist unbestritten einer der erfolgreichsten Handballoereine Berlins und trotzdem waren die früheren Werbespiele gegen die genannten Gegner stets offen, voller Technik und Kampf, mit knappen Er- gebnissen, jedenfalls in jeder Hinsicht ein Genuß.„Süden" wird nicht nur Handballspiele zeigen; es werden auch Faust- und Trommelball- spiele und als Clou ein Kopfballspiel zweier Alte-Herren- Mannschaften gebracht, so daß einem jeden zum Besuch des Urban- Sportplatzes nur geraten werden kann. Am Abend findet eine Nachfeier in Raabes Festsälen statt, mit allerlei Einlagen und Humor. Deshalb: Am Sonntag: Alle zu„Süden"! Die von der Zugend Osten des Touristenvereins„Die Natur- freunde" für heute angekündigte Veranstaltung„Eine heitere Sen- dung auf Welle Berg frei" findet nicht statt, da die Aula nicht benutzt werden kann. Die Veranstaltung wird in der nächsten Woche nachgeholt. Karten behalten Gültigkeit. Bin neuer Weltrekord Bei den Meisterschaften der österreichischen Arbeiter- athleten im Stemmen stellte der Gaswerker Stöckl(Bantam- gewicht) im beidarmig Stoßen mit 112,50 Kilogramm«in« neue internationale Höchstleistung auf. Meister in ven ein- zejnen Gewichtsklassen wurden: Fliegengewicht: Brunner(Goliath) 202,50 Kilogramm: Bantam: Stöckl(Gaswerk) 252,50; Federgewicht: Stadler(Komet) 262,50: Leichtgewicht: Hangl(Straßenbahner) 282,50: Mittel./r-Gewicht: Hala(Wien-West) 315; Mittel-L-Gewicht: Schuster(Wien-West) 317,50; Schwergewicht: Leppelt(Wien-West) 325 Kilogramm. AvAe.-FrnhjahrsreZstts Die ADAC.-Frühjahrsregatta findet in diesem Jahre am 3 1. M a i wiederum auf dem Templiner See bei Potsdam statt. Die Ausschreibung, die in dieser Woche erscheint, sieht Ziennen für Tourenboote, Außenbord-Rennboote und Außenbord-Tourcnboote vor. Bei der Frühjahrsregatta wird wiederum der Garbaty-Wander- preis, der zum achten Male ausgefahren wird, ausgeschrieben. Alle Unterlogen sür die Regatta sind bei der Motorboot-Abteilung des ADAC., Berlin W. 62, Landgrofenstrahe 18(Barbarossa 1028) an- zufordern. Siw. g«b»»nd«l«a«ti»» ,um Fra»-nt-<, in btt.Stum Welt", ßeutf D»u. netsto« stellen t>ie Lüdbesirk« des Vereins nenüacnd Teilnehmerinnen zur Fraiienkundnebuna. Turnzeuq mit BruNab, eichen nicht»crftcsscn. Sul-et-bteil-na«»rdnnfl. ssreitag, 24. A»ril. 6tfcunfl. s-ckenspieler 20Zs Uhr bei Ufert,©leinrftc. 56. Aufstellunn der Lommermannschaki'> und Be» surechunn de- Traininnsbetriebs. Vorher IS'ch Uhr Velorechunci de: l. Miinner- Mannschaft. Düfte willkommen. Touristen-«rein„Sie R-tnrfrennde", Zentrale Wien. Freltan, 24. Svril, 2« Uhr. Abt. Charlottcnbura: Spreeft:. 30. Bunter Abend.— ssaltbootobtciluna: Iodanninftr. 18. Laienspiel.— Abt. Brih: Chausseestr. 4b. Wetterkunde.— Kumbaidthain iIuaendaruppe): Bant. Ecke Wieienstrafte.„Di- Barieien in der «arikawr" iEpIV— Abk. Treptow: Elfenstr. Z. Literarischer sLaul.—»Abt. Lichtenrade: 19 Uhr bei Dehlam. Bahnhof. Ecke Eoliistrahe. Seschiiftliches— Abt. Vinelaplad: Lorhlna. Ecke Eraunstrahe.— Abt. Südost: Vriher Sir 27. — Motoaemeinsckmft, Abt. Osten:-frankfurter Allee 307. Bi-dkritik. Sonn. abend, 25., und Soiiniao, 36. April, nach tbuben.— Vhotoqemeinschaft. Abt. Neukölln: Verastr. 79.— Montan, 27. April, 30 Uhr. Vho'aaemeinsckmk� tzohannisstr. 15. Llchtbtldervortrao. Dr. Schütt:„Die Kunst im sozialistischen Sinnes Sonntaa, 26. April, Bernau. Treffpunkt Hf, IIb: Dahnhof Gesund. brunnan sDorortdahnsteia).— Malaemeinschaft: Wranqelstr. 128. Lohnkonflikt bei der BVG. Verwaltung will Lohnabbau, Gewerkschaften fordern A rbeitszeitverkürzung. Gestern wurde zwischen der Direktion der BVG. und den Tarif- Gewerkschaften unter Führung des Gesamtverbandes über die Neu- regelung der Löhne des gesamten Personals der BVG. sowie über Arbcitszeitfragen verhandelt. Das Lohnabkommen für das Berliner Berkehrspersonal ist am 3l. März abgelaufen. Zwischen den Ver- tragsparteien wurde eine Zwischenvereinbarung getroffen, wonach die Arbeitszeit für das technische Personal von 48 auf 44 Stunden verkürzt und da» Lohnabkommen für die gesamte Belegschaft der BBG. bis zum la. Mai unverändert verlängert wurde. Zugleich hatten sich die Parteien verpflichtet, über die endgültige Regelung der Lohn- und Arbeitszcitfragen noch vor dem k. Mai in neue Verhandlungen zu treten. Die Direktion der BVG. hatte dein Gesamtoerband am 15. April mitgeteilt, daß sie einen Abbau der Löhne um 1 Ü P r o z. für unumgänglich halte. Sie begründete diese Forderung mit der schlechten finanziellen Lage des Unternehmens und verwies ferner auf den Rückgang des Berliner Lebenshaltungsindex. In den gestrigen Verhandlungen haben die ver- trelcr der Gewerkschaften eine Herabsehung der Löhne grundsählich abgelehnt. Sie unterbreiteten der Direktion einen Gegenvor- schlag, wonach für das gesamte Personal, also für das technische und Verkehrspersonal, die Arbeitszeit auf 44 Stunden wöchentlich herabgesetzt werden soll. Sie verlangten damit eine Gleichstellung des Personals der BVG. mit allen übrigen städtischen Arbeitern, für die bekanntlich seit Januar bzw. Februar dieses Jahres durch Vereinbarung mit den Gewerkschaften die 44-Stunden-Woche ein- geführt worden ist. Eine bindende Erklärung auf diese Forderung gab die Direktion der BVG. nicht ab. Sie erklärte vielmehr, daß zu diesem Vorschlag der Vorstand der BVG. Stellung nehmen müsse, daß aber eine Aussicht auf eine solche Regelung kaum bestehe, da dem Unternehmen durch die notwendige Neueinstellung von Per- sonal, die Anschaffung neuer Dienstkleidung, die Ausbildung usw., untragbare Kosten erwachsen. Die Verhandlungen werden nach der Stellungnahme des Vorstandes der BVG. zu den Vorschlägen der Gewerkschaften fortgesetzt werden. Wie der Gesamtverband zu dem Lohnkonflikt bei der BVG. mittellt, wird er alles daran setzen, den Lohnabbau abzu- wehren und die von ihm geforderte Arbeitszeit- Verkürzung durchsetzen, die die Einstellung von etwa tausend Arbeitslosen zwangsläufig zur Folge hätte. Nach seiner Auffassung hat auch der Aufsichtsrat der BVG. in diesem Konflikt noch ein gewichtiges Wort mitzureden. Die Forderung der Nordwestlichen. „Herunter mit den Arbeitsbedingungen!" Bochum, 23. April.(Eigenberichl.) Der Arbcilgeberverband Nordwest hat den Gewerkschaften am Donnerstag früh seine Borschläge für die Aenderung des von ihnen gekündigten Rahmenlariss übermittelt. Der Arbeitgeber- verband fordert die Abschosfung der sozialen Zulagen. 0. h. des Hausstands- und Kindergeldes. Beschränkung des Urlaubs aus höchstens sechs Tage. Abänderung des Akkord- r i ch t s a h e s, und zwar seine Senkung von 15 aus 10 Vroz. Ferner die Senkung der Zuschläge für lleberarbeit in dem gleichen Maße, in dem sie der Zechenverband für den Bergbau ge- fordert hat. Die Zuschläge für lleberarbeit an hohen Feiertagen werden von 100 auf 50 Prozent, die für Sonntagsardeit von 50 auf 25 P r o z. gesenkt. von den Nordwestlichen wird darauf hingewiesen, daß diese „Vorschläge" eine Lohnsenkuugsentlastung von 4 bis 5 P r o z. ausmachen und kaum einen Ausgleich dafür bieten, daß der Lohn- larif für die Gruppe Nordwest noch bis zum 1. Oktober läuft, wäh- rend in allen übrigen Industrien Deutschlands ein durchschnittlicher Tarlflohnobbau von b Proz. schon erfolgt sei. Um ihre sozialreaktionären Absichten zu bemänteln, von denen , diese Forderunzen zur Verschlechterung de« Nohmenteif» dttliert j sind, suchen die Nordwestlichen nach einer Ausrede zur Rechtferti- � gung ihres ungerechtfertigten Vorgehens. Ob die Lohnkürzung durch verbindlichen Schiedsspruch oder aus dem sogenannten„kalten Wege" erfolgt, ist im Effekt für die einzelnen Arbeiter ganz gleich. Etwas anderes ist es, ob sie obendrein noch von der sozialen Seite her betrieben wird. Die Löhne lassen sich bei günstiger Konjunktur wieder erhöhen. Allein die einmal beseitigten sozialen Errungen- jchoften sind nur sehr schwer wieder zurückzugewinnen. Der Vor- floß der Nordwestlichen ist also keineswegs so ungefährlich wie diese schwerindustriellc Ilnternehmergruppe ihn darzustellen sucht. Den Herrschaften geht es hier weniger um die Lohnkürzung, die sie auf dem Umweg über den Rahmentarif vornehmen wollen, sondern um die lohntarifliche Bindung zu umgehen: sie suchen auf jede Weif: der Arbeiterschaft ihre sozialpolitischen Errungenschaften zu entreißen. Z�eichskonferenz der Bergarbeiter. Kommunistische„Gturmpläne". Die Reichbkonferenz des Bergbauindustrie- arbeiter-Verbandes tritt am kommenden Montag in Bochum zusammen. Den Auftakt der Konferenz bilden Masten- Versammlungen der Bergarbeiter ain nächsten Sonntag, in denen über die Wirtschaftslage und über die Knappschaftsfrage gesprochen wird. * Die Kommunisten brüten wieder einmal Sturmplän« aus. Sie möchten ein bißchen streiken— in einer Zeit, wo die Feier- schichten zunehmen. Allem Anschein nach sind sie mit ihrem Betriebsrätewahlergebnis im Ruhrbergbau doch nicht so zufrieden, wie ihre Presse den Anschein erweckte. Die Herrschaften hatten sich Großes versprochen: denn sie hatten, wie die Unternehmerpresse feststellt, die gesamte Kommunistische Partei niobilisiert, und auch die kommunistisch beeinflußten sogenannten„überparteilichen" Organi- sationen wie Kultur- und Sportoerbände restlos in die kommu- nistische Werbearbeit eingespannt. �GtfdutftS'Jtotjager � föezivfc f Udert-Weften Aclitunsf Achtung I Dr. med. Sdifiblcn giftfreie Heilweise in Groß- Berlin, vertreten durch den Blo- chcmUchen Verein Grob* Berlin e. 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