BERLIN Freitag 24. April 1931 10 Pf. Nr. 1 91 B 96 48. Jahrgang Erscheint t t g l t ch auter Eenntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vonvin«". Bkzugsrreis beide Ausgaben Sä Pf. pro Woche.-».«oM. pro Monat. Kedaktion und expedition: Berlin@2B68, LindeuKr. 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—297 Aozelgenpret«: Die einipaltigeNonpareillejelle So Pf., Reklamezeile ü M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto! Dorwärrs-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr. S? 536.- Der Verlag dehält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Ameigen vorZ Im Lunkerparadies Gireiflichter aus dem dunklen Osten 2a- einer einzigen Nummer der„königsberger volkszeituug" lNr. SZ) finden wir die folgenden Berichte, die aufs deutlichste zeigen. lvie es in Ostpreußen aussieht: Leiden sozialdemokratischer Kommunalbeamten. Kein Schutz beim Gericht. Das Gut Klein-Norgau sollt« zu Siedlungszwecken ausgeteilt werden. Zu diesem Zwecke war von der Ostpreußischen Hein'.stälte ein Termin im Gutshaus sestgelegt worden. Zu diesem Termin war der sozialdemokratische Gcmeindevor- st c h e r G o l l o w s k i als Bevollmächtigter geladen und erschienen. ?m Lnuic der Verhandlungen mochte sich ein Telephongespräch dieses Gemeindevorstehers mit dem abwesenden Amtsvorsteher notwendig. Als der frühere Gutsverwalter Fromm mit unserem Genossen van dem Telcphonzimmer kam und Um durch die Zimmer der früheren Gutsbesitzerin führte, kam der letzig« Verwalter, der Faschist Spohd, hinzu und schrie den sozialdemokratischen Gemeindevorsteher an: „was suchen Sie hier, ich schmeiße Sie kopfüber fjlnaus!" Schon einmal hotte derselbe Gutsverwoller unseren Genossen mit ErschieAen bedroht, weil unser Genosse seiner Pilicht, die Steuern auch von den zahlsoulen Gutsbesitzern einzutreiben, nach- gekommenn war. Damals hotte er gesagt: ..Ich mache mir gar nichts daraus, wenn ich Sie über den häufen schieße." Es entwickelte sich nun«in Strafprozeß gegen Spohd wegen Beleidigung und ein Königsberger Schöffengericht verurteilte ihn wegen Beleidigung zu der mehr als lächerlichen Straf« von 10 Mark. Das Gericht ging sogar so weit, dem Angeklagten den Schutz des§ 193 zuzubilligen, da„zwischen beiden ein gespanntes Verhältnis bestand und Spohd ein Recht gehabt habe, den Gemeindevorsteher aus den Zimmern zu weisen. Allerdings habe er die Grenze des Erlaubten überschritten und sei deshalb wegen Beleidigung zu verurteilen gewesen. Cr hätte sich vorsichtiger ausdrücken müssen, sagte der Vorsitzende, zumal er einen Gemeinde- Vorsteher, also eine beamtete Person vor sich gehabt habe. Wie sie Hetzen und verleumden. Wir erhalten aus M e h l s a ck folgende Nachricht: „Am Freitag, dem 17. April, hatte die hiesige Orts- gruppe der Nationalsozialisten bei Kahlhaar eine öifentliche Versammlung einberufen. Als Redner war ein Herr Echoepe aus Königsberg erschienen. Der Mann sagte zu ungefähr 190 Menschen wörtlich: „Der sozialdemokratische Abgeordnete Landsberg hat einen Antrag eingebracht, es soll gesetzlich gestattet werden, daß der Mensch mit Tieren geschlechtlich verkehren kann und das Zentrum stand dabei und klatschte Beifall Wir Nationalsozialisten haben nichts dagegen, wenn ein Jude Landsberg eine 3-Zentner-Sau mit rosa Schleifen ins Bett nimmt, aber wir sind dagegen, daß solche Juden, Lumpen und Schweine noch länger in Deutschland bleiben können." Selbstverständlich wird gegen diese viehische Verleumdung das Erforderliche veranlaßt werden. Herr Schoepe ist erst kürzlich mit Gefängnis bestraft worden. Oer Gtahlhelmierror. Die Gutsverwaltungen Kl.- Schmückwalde, Rheins- gut, Hornsberg und W a p l i tz haben ihren Arbeitern zur Einzeichnung einen halben Tag freigegeben und jeden mit der Kündigung bedroht, der nicht unterschreiben geht. In Waplitz und Hornsberg sind die Arbeiter mit Leiterwagen zum Gemeindevorsteher hingebracht morden. In Seuberedorf (Kreis Mohrungen) hat der G e m e i n d e v o r st e h e r persönlich den Arbeiter Georg Meyer, der wöchentlich 5 Mark Wohl- fahrtsunter st ützung erhält, aufgesucht, um ihn zum Unter- schreiben zu bewegen. Als er und auch seine Frau sich weigerten, wurde ihm mit dem Entzug der Unter st Ützung ge- droht und tatsächlich ist auch die Unter st ützung nicht mehr weiter ausgezahlt worden. In Dieberwalde fand am 16. April eine Stahlhelm- Versammlung statt die vom Amtsvorsteher genehmigt wurde, angeblich well zwei Tage vorher eine mündliche Anmeldung erfolgte. Bei der Anmeldung ist weder ein Redner benannt, noch das Thema bekanntgegeben worden. Trotzdem ist diese Versammlung genehmigt. In G r.- P ö tz d o r f hat als Gegenstück dazu der zuständige Amtsvorsteher, Gntspächter Volprecht, eine Mitglieder- Versammlung des Deutschen Landorbeiterver- bandes als anmeldepflichtig erklärt, so daß sich der Gast- «irt weigerte, fem Lokal herzugeben. Oer Kampf um den Roggen Landwlrtschaftsrat gegen deuifchnationale Agrardemagogen In Vor gestrigen Sitzung des Roggenousschusses wurde die Frage erörtert, ab es im Jahre 1930 zweckmäßiger gewesen sei, den lieber- schuß an Roggen mit Hilfe des Einfichrfchkins zu exportieren unÄ damit den innerdeutschen Diorkt zu entlasten, oder ob die Dersütterung des Roggsiiüberschufses in dem nordwestdeufschen Schweinemarktgebiet und die Einigung mit Polen, um eine gegen- seitig« Unterbietung ouif dein Weltmarkt zu verhindern, die Preis- entwicklung für Roggen günstiger beeinflußt hätte. Der Deutsch- nationale Stubbon darf war der Ansicht, daß die Land- Wirtschaft einen besseren Preis für ihren Roggen erzielt hätte, wenn der ganze Usberschuß mittels Einfuhrscheins am dem Weltmarkt verschleudert worden wäre. Die Sachverständigen des G e t r e i d e h a n d e l s stimmt sn diesen Ausführungen natürlich begeistert zu, well der Getreide- Handel daran ein Interesse Hot, ein doppeltes Geschäft Go wird's gemacht! «Sie geben also an, daß Sie im November 1918 als wilder Soldatenrat mit Heeresgut geschoben haben? Gut, dann tonnen Sie mal einen Aufruf der Volks- beauftragten vom 9. November 1918 verfassen!" zu machen, nämlich erst zu exportieren und dann die gleiche Menge wieder einzuführen. Sie muhten sich aber von den Vertretern des Deutschen Landwirtschaftsrats. der doch gewiß einseitig genug die Interessen des ostelbischen Großgrundbesitzes vertritt, sagen lassen, daß die Aufnahnrefähigkeit des Weltroggenmarktes 1 bis 1,3 Millionen Tonnen jährlich beträgt und daß dieser Bedarf allein schon von Rußland ge- deckt werden kann. Im ganz«, stände in den wichtigsten Roggenüberschußländern dreimal so viel an Roggen zur Ausfuhr zur Verfügung wie der gesamte Einfuhrbedarf oller Länder zusammen betrögt, da die Russen jederzeit unterbieten können, weil sie die Lohns rage diktatorisch gelöst haben, und weil sie zu jedem Preis exportieren können. Da sie Devise,, brauchen, um ihr« industriell" Einfuhr zu bezahlen, hätten die Russen in einem Konkurrenzkampf aus dein Roggenwelmiarkt olle Welt besiegt. Der Unsinn der Beibehaltung des Einfiihvfchcinfystem» liegt darin, daß Deutschland einen Usberschuß pon 700 000 Tonnen hätte exportieren müssen, wodurch die Preise aus dem Weltmarkt so gesenkt worden wären, daß höchstens ein Roggenpreis van 160 M. Höfte erreicht werden können. Außerdem hätten wir dann im Inland einen Gerstenpreis von 240 M. erhalten, so daß fei« schw ei neinästenden Bauern gegenüber dein Ausland nicht mehr konkurrenzfähig gewesen wären, die Folge wäre eine entsprechende Erhöhung der Schweine- zolle, also eine neue Betastung der Konsumenten. Außerdem wären die Kosten des Einsuhrscheinsystems für das Reich untragbar ge- rossen, es hätte sin glattes Defizit von 100 bis 120 Millionen gehabt. Schweres Bergunglück in der Schweiz. Drei Münchener Studenten stürzen 200 Meter hoch ab. lougfraujoch, 24. April. Am 21. April verunglückten an der Nordslanke des Finsteraarhorus drei ZRuncheoer Studenten. Sie müssen sich in Unkenntnis der Raule verstiegen habe» und stürzten über eine 200 Meter hohe Eis- wand ab. Glücklicherweise fielen sie in etwa 1% Meter tiefen Neuschnee, was sie vor dem sicheren Tode bewahrte. Ein vierter Student, der in Ermangelung der nötigen Bergausrüstung zurückgeblieben war, eille seinen Kameraden zu Hilfe und brachte einen nach dem an- deren in mühseliger und langer Arbeit in die Finsteraarhoriihütte. Dann machte er sich sofort nach dem Jungfraujoch aus. wo er nachmittags drei Uhr, nach einem Marsch von Übermenschlicher An- strengung durch den tiefen Neuschnee, eintraf. Um 6 Uhr abends ging eine aus IS Bergführern gebildete Rettungskolonne ob, die um 9 Uhr an der Finsteraarhornhütte eingetroffen sein dürfte. So- viel bis jetzt in Erfahrung gebracht werden konnte, erlitten die Verunglückten Beinvcrlctzungen. Des herrschenden Föhns wegen ist es noch ungewiß, ob die Borletzten noch dem Iungfroiijach ge- bracht werden können oder ob der viel mühseligere Abstieg nach dem Wallis gewählt werden muß. Gemeindeschwester niißbraucht ihr Amt. H e i l i g c n w a l d e(Landkreis Königsberg). Bei dem Guts- bcfitzer Rockel in R o g a h n e n ist eine ausgesperrte Familie namens Rademacher. Eines Tages kommt nun die Gemeinde- s ch w e st e r zu dem Arbeiter und beginnt eine Unterhaltung. Der Arbeiter, der arbeitslos war und im stillen schon auf eine kleine Unterstützung zu hassen wagte, sah sich aber bitter enttäuscht. Die Gemeindeschwester war nur gekommen, um die Familie zur Eintragung zum Volksbegehren zu veranlassen. Als der Arbeiter sich eine solche Zumutung verbat, schimpfte sie ihn noch einen Bolschewisten und Spartakisten! Polizei schläft. In Tapiou erlaubte sich am Sonnabend, dem 18. April, ein Nazijüngling aus Wchlau, seine Raziuniform den Topiauer Einwohnern provozierend zu zeigen, indem er etliche Male über den Marktplatz stolzierte. Nach fast zwei Stunden erschienen endlich auf einmal zwei Be- amte, die darauf hingewiesen wurden, daß sich Nazis in Uniform in der Stadt aufhalten. Die beiden Polizeibeamten, L. und K.. bc- gaben sich dann ganz langsam zu dem uniformierten?lazi, der an der Ecke Kirchenstraße mit etlichen Nazileuten stand. Polizcihaupt- Wachtmeister L. machte ihn dann daraus aufmerksam, daß das Uniformtragen verboten sei. Der Nozimonn entschuldigte sich damit, daß er aus Wehlau komme und nicht gewußt habe, daß m Tapiaut das Verbot ergangen sei!! L. stellte dann die Personalien fest, aber ahne eine Legitimation zu verlangen Als L. sein Notizbuch in die Tasche steckte, sagte der Nazimonnn ironisch:„Herr Wachtmeister, wollen Sie nicht meinen Ausweis sehen?" L. lehnte dos ab! Die Polizeibeamten L. und K. gingen dann weiter und trafen auch noch den Polizeibeamten P.: ließen aber den Naziheld mit seinen An- hängern ruhig seinen Spaziergang sortsetzen. Am Sonntag hafte der Naziheld wieder die Frechheit, in seiner Uniform sogar den Schaubudenplatz zu besuchen. Hier hat angeblich auch kein Polizeibeamter etwas gesehen. Schönes Wochenende. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird das Wetter am Sonnabend und Sonntag weiter srühiingsmäd'gen Charakter tragen. Das Hochdruckgebiet, das unser Gebiet in den Bereich de» schönen und warmen Wetters gebracht hat, erstreckt sich von der südlichen Ostsee bis hinunter nach Jugoslawien. Entgegen der ersten Annahme hat das weitverbreitete Hoch eine starke Kräftigung erfahren, so daß zum Wochenende mit ziemlicher Sicherheit auf warmes und trockenes Wetter zu rechnen sein dürste. Die Schön- Wetterzone dehnt sich über das ganze Reich aus, überall sind die Temperaturen erheblich gestiegen. Jenseits des Rheins da- gegen, über ganz Frankreich bis hinauf nach den Britischen Inseln, herrscht unter dem Einfluß eines Tiefs sehr schlechtes und regnerisches Wetter. Dieses über Westeuropa lagernde Tiefdruck- gebiet wird zunächst ohne Folgen für das mittlere Europa bleiben. In Berlin herrschten heute mittag annähernd 18 Grad Wärme, gegen 16 Grad am Vortage. Aehnlich« Temperaturen werden aus den meisten Gegenden des Reiches gemeldet. Nie Not der Landgemeinden. Ernste Sorgen um den Haushalt für 1951. In einer Pressebefprcchung gab der Preußische Land- gemeindetag West einen Ueberblick über die bedrohliche Finanzkrise bei den we st deutschen Land- gemeinden. Präsident Dr. Goeb wies darauf hin, daß die beiden Faktoren, die für sämtliche deutschen Gemeinden die Quelle oller Schwierig- leiten sei, Einnahmerückgang auf der einen Seite und steigende Wohlfahrtslasten andererseits, bei den westdeutschen Gemeinden sich besonders scharf ausprägten. Infolge dieser auseinanderstrebenden Entwicklung der Einnahmen und Ausgaben ist die finanzielle Lage bei zahlreichen westdeutschen Landgemeinden so bedrohlich geworden, daß trotz rigoroser Abstriche in vielen Fällen nicht die Möglichkeit besteht, einen ordnungsgemäßen Haushaltsplan für 1931 aufzustellen. Die Selbsthilfe der Gemeinden sei erschöpft und der bestehende Ausgleichsfonds nicht ausreichend. Unter diesen Umständen müsse der Landgemeindetag West dringend fordern, daß sich Reich und Staat an den hohen Erwerbslosenlasten beteiligen. Unumgänglich notwendig erweise sich die schon seit einem Jahre geforderte Zu- sammenfassnng der Wohlfohrtserwerbslosen- fürsorge und der Krisenfürsorge unter gleichzeitiger Ein- schaltung der B e d ü r f t i g k e i t s p r ü s u n g bei Mitwirkung der Gemeinden. Außerdem müsse auf den Gebieten des Schulwesens und des Wegebaues eine baldige Entlastung eintreten, wenn man die Finanzwirtschaft der Landgemeinden sanieren wolle. Nie Lasten der WohlfahrtSunterstühung. Ini Zi'.iammenhang mit dieser Kundgebung des preußischen Landgenie' ages West veröffentlicht der Verband der preu- {zischen Landgemeinden Material über die bedrohliche Eni- Wicklung der Wohlfahrtserwerbslosigkeit für die Landgemeinden. Der Verband weist nach, daß keineswegs das Problem der Wohl- fahrtserwerbslosen nur die großen Städte belaste, sondern sich bei den kleinen Städten und den Landgemeinden noch schärfer auswirke. Nach den letzten amtlichen Feststellungen ist die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen von Ende August 1939 bis Ende Februar 1931 in den kreissteien Städten, also den größeren Städten, um 48 Prozent ge st legen, dagegen in den Landgemeinden und kleineren Städten um 102 Prozent angewachsen. Das bedeutet also, daß in den Landgemeinden und kleineren Städten, besonders den Kommunen zwischen 2900 und SOVO Einwohnern die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen doppelt so stark gestiegen ist wie in den großen Städten. Ferner hat der Verband der preußischen Landgemeinden in seiner letzten Sitzung eine Entschließung angenommen, die eine Verstärkung des für leistungsschwache Schulverbände bestimmten Ergänzungszuschußfonds fordert. Nach dem Beschluß des Preußischen Landtages soll diese Maßnahme mit Wirkung vom 1. April in Kraft treten, was bisher jedoch noch nicht geschehen ist. Der Verband richtet daher an das Staatsministerium die dringend« Bitte, unverzüglich den bezeichneten Landtagsbeschluß durchzuführen. Gerüchte über neuen Gehaltsabbau. Eine Anfrage der Beamtenverbände. Die Gerüchte und Erörterung«» über die Möglichkeit eines nochmaligen Abbaues der Beamtengehälter haben sowohl den Allgemeinen Deutschen Beamtenbund wie den Deutschen Beamtenbund veranlaßt, sich an die Reichsregierung zu wenden, um Protest gegen diese angeblichen Pläne einzulegen und die Regierung zu einer klaren Stellung- nähme zu veranlassen. Wir wissen nicht, ob derartige Pläne in Regierungskreisen ernsthast erörtert werden. Gegenüber dem Hinweis auf S t e g e r- wald, der immer«in Gegner der angeblich hohen Besoldung der Beamten gewesen ist, muß erinnert werden, daß sich der Reichs- arbeitsminister wiederhalt und sehr energisch gegen eine zweite Lohnabbauwelle ausgesprochen hat. Das Ergeb- nis der ersten Lohnabbauwell« für die Gesamtwirtschaft ist derart, daß jeder Versuch einer Wiederholung von vornherein sich von selbst verbietet. Und daß ein nochmaliger Abbau der Beamtengehätter ein« zweite Lohnabbauwelle zur unausweichlichen Folge haben würde, liegt gleichfalls auf der Hand. Jedenfalls wäre ei angebracht, wenn die Reichsregierung durch eine öffenlliche Erkläning von vornherein den erwähnten Gerüchten und Erörterungen— und damit auch gewissen Stimmungsmachern— den Boden entzieht. Gekürzte Nensionen. Wichtige politische Entscheivungen. Braunschwelg, 24. April. Eine für die Ruhegehaltsempfänger sehr wichtige E nlscheidung hat heute die Erste Zivilkammer des Ober- landeegerichts Celle gefällt. Geheimer Finanzrat i. R. von Rauschen- piat hatte als Ruhegehaltsempfänger die secbsprozentige Gehalts- kürzung angefochten, weil den Beamten in der R-ichsverfassung die„wohlerworbenen Rechte" garantiert seien und weil die Ruhe- gehaltscmpfänger auch bei Gehaltserhöhungen ausgeschlossen ge- blieben seien. Deshalb müsse man sie auch bei Kehaltsminderungen ausnehmen. Die Zivilkammer wies die Klage ab, da die Gehaltskürzungen nach der Notverordnung vom 1. Dezember 1930 auch für die Ruhegehaltsempfänger gelten sollen. Betriebsratswahlen bei Siemens Mißerfolg der Nazis und der Kommunisten Gestern fanden die Betriebsrätewahlen in einigen der bedeu- tendsten Werke des Siemens-Konzerns statt. Das Ergebnis im weitaus größten und bedeutendsten Werk steht noch nicht end- gülttg fest. Es ist jedoch jetzt schon klar zu erkennen, daß die freien Gewerkschaften trotz der Ungunst der Verhältnisie einen großen Erfolg errungen haben, der die wesentlich minder guten Ergebnisse im Elmowerk und im Schaltwerk mehr als wett- macht. Das vorläufige Resultat zum Arbeiterrat des Wernerwerks— es stehen noch drei Stimmbezirke aus, wäh- rend die A n g e st e l l t e n heute wählen—, brachten den freien Gewerkschaften folgenden schönen Erfolg: Liste 1 Freie Gewerkschaft 7098(6i2i) Stimme«. 15(12) Betriebsratsmilglieder. S(5) Ergänzungsmilglieder. Liste 2 Gelbe 456(865) Stimmen, kein(1) Betriebsratsmit- glied, 1(1) Ergänzungsmitglied. Liste 3 Christliche 250 Stimmen, keine Betriebsratsmilglieder. im vorigen llahre keine Liste. Liste 4 Nazis 640(1142) Stimmen, 1(2) Betriebsratsmitglied, kein Ergänzungsmitglied. Liste 5 RGO. 2812(3937) Stimmen. 6(7) Betriebsratsmit- glieder, 2(2) Ergänzungsmilglieder. Di« Wahl im Siemens-Schuckert A.-G. Verwaltungsgebäude hatte folgendes Ergebnis: Arbeiter: Belegschaftszahl: 8tS(1428) Stimmberechtigte: 709(1340) Abgegebene Stimmen: Mandate Freie Gewerkschaften.. 254 4-j-4(öchö) Nat.-Soz........ 58 0-)-2(0+0) Im vorigen Jahr fand bei den Arbeitern keine Wahl statt, da nur eine sreigewerkschastliche Liste eingereicht wurde. A n g e st e l l t e: Belegschaftszahl: 2895(3619) Stimmberechtigte: 2761 Abgegebene Stimmen: Mandate Afa...... 775(715) 5+1(6+1) Gelbe..... 266(328) 2+0(3+0) Gedag..... 144(192) 1+0(1+0) Rat-Soz..... 496(539) 3+1(4+1) Akademiker... 193(0+ 0) 1+0(—) ungültig.... 19(10) Die Wahl im Siemens-Schuckert A.-G Elmowerk, zeigt folgendes Ergebnis(die Zahlen in Klammern sind die des Vorjahres): Arbeiter: stimmberechtigt 2200(3050) Abgegebene Stimmen: Mandate freigew. Liste.. 871(1244) 6+1(7+2) RGO...... 584(479) 4+1(3+0) Gelbe..... 100(269) 0+0(1+1) Gelbe....—(205)—(1+0) Nat..Soz.... 255(—) 2+0(—) ungültig.... 144 Angestellt«: stimmberechtigt 594(809) Abgegebene Stimmen: Mandate Afabund.... 196(267) 1+2(2+2) DHV...... 232(287) 2+2(2+2) GDA..... 77(102) 0+1(0+1) ungültig.... 34 Bei der Wahl im Siemens-Schuckert A-G. Schaltwerk er- gab sich folgendes Ergebnis: Arbeiter: Belegschaftszahl 2321(3891) stimmberechtigt 2289(3407) Abgegebene Stimmen: Mandate freigew. Liste.. 694(1102) 5+1(6+1) RGO...... 738(1027) 6+ 0(6+1) Gelbe..... 117(259) 0+1(1+1) Rat-Soz.... 81{—) 0+0(—) ungültig.... 169 Angestellte: Belegschaftszahl 1187(1437) stimmberechtigt 1183(1434) Abgegebene Stimmen: Mandate freigew Liste.. 503(650) 4+2(4+3) DHV..... 59(70) 0+0(0+0) GDA..... 110(III) 0+1(0-1) Kat.-Soz.... 237(210) 1+2(1+1) Gelbe...:. 72(106) 0+1(0+1) Die letzten beiden Wahlergebnisse, hauptsächlich bei der Arbeiter- schaft, mögen im ersten Augenblick nicht befriedigen. Betrachtet man jedoch den Kraftaufwand, den die Gegner der freien Gewerkschaften bis zum Tage der Wahl aufwendeten, um die Wählermassen zu beeinflussen, so kann man nicht anders als er- klären: Die freien Gewerkschaften haben sich mit Erfolg behauptet. Weiterhin sei noch daraus hinzuwessen, daß z. B. im Elmowerk die Kurzarbeit bei den Arbeitern sich auf die Belegschaft wie folgt oerteilt: 3 Tage arbeiten 33 Proz., 4 Tage arbeiten 40 Proz., 5 Tage arbeiten 25 Proz. und voll beschäftigt sind nur 2 Proz. Diese Kurzarbeit dauert nun aber schon monatelang, so daß sich die gesamte Belegschaft in einer Notlage befindet, die bei den 3-Tage-Arbeitern der eines völlig Arbeitslosen gleichzusetzen ist. Aehnlich liegen die Verhältnisse bei der Arbeiterschaft des Schalt- Werkes, wo 15 Proz. 5 Tage, 28 Proz. 4 Tage, 47 Proz. 3 Tage arbeiten. In der Belegschaft herrscht eine Stimmung, wie kurz vor dem Zusammenbrechen der deutschen Währung im Jahre 1923. Betrachtet man weiter den Rückgang der Belegschaft und stellt dabei fest, daß z. B. wie im Schaltwerk von 14 E n t- lassenen neun Freigewerkschaftler sind, so ist es er- klärlich, daß die Gegner der freien Gewerkschaften für sich hier einen bescheidenen Erfolg buchen konnten. Der Wahlkampf, wie er sich bei der diesjährigen Wahl aus- tobte, war besonders heftig. Vor dem Werner-Werk wurden in den letzten zwei Tagen 35 verschiedene Flugblätter der einzelnen Richtungen in einer durchschnittlichen Auslage von 8000 Stück verteilt. Schlimmer kann es bei den Wahlen zum Parlament nicht sein. Die Nazis sind bei diesen Wahlen nach den bisherigen Er- gebnissen nicht auf ihre Rechnung gekommen. Sie wollten, wie sie vorher in ihren Versammlungen erklärten, im Siemens- Konzern das Dritte Reich errichten. Dabei zeigt sich aber, daß sie z. B. im Wernerwerk und im Verwaltungsgebäude ein« erhebliche Schlappe erlitten. // Immer wieder„Immericrinnen. die keine Gelegenheit finden konnten ihre anmaßenden Zwischenrufe anzubringen. Auch die Ansprache der Genossin Ellert fand den Beifall der gesamten Teilnehmer dieser Kundgebung, an die alle eine Erinne- rung, wie an einen Markstein der Partei, mitnehmen konnten. Nampferkatastrophe in der Güdsee. Ehinesischer Dampfer mit 37 Personen gesunken. Samarinda(Borneo), 24. April. Der von Sangkulirang nach Samarinda unterwegs befindliche chinesische Dampfer„Getaisan" ist mit 31 Passa- gieren und der aus sechs Mann bestehenden Besatzung gesunken. Oer Naubüberfall auf den Juwelier. Zu dem Raubüberfall, der, wie berichtet, am Donnerstag abend auf den Juwelier Winter in der Kantstraße 30 in Charlottenburg verübt wurde, erfahren wir, daß der festgenommene Räuber in- zwischen dem Raubdezernat eingeliefert ist. Er weigert sich aber auch dort, Angaben über seine Herkunft zu machen. Nach den Feststellungen des Erkennungsdienstes dürfte es sich aber um einen 24 Jahre alten T o r g e aus K o t t b u s handeln, der wegen verschiedener Diebstähle schon gesucht wird. Torge scheint sich schon länger in Berlin aufzuhalten und hat wohl außer dem Ueberfall auch noch andere Streiche verübt. Die Untersuchung gegen ihn wird weitergeführt. Verbrecher- Sterilisation in Oklahoma. Im USA.-Staat Olli- homa ist ein Gesetz in K-ast getreten, wonach jeder dreimal rück- fällige Verbrecher sterilisiert werden soll, lim eine Vermehrung seiner Nachkommenschast zu verhindern. Der Mann und— Goebbels. Aus den Geheimnissen einer Plaudertasche. Am 19. Februar 1931 schrieb der„Angriff" des Herrn Goebbels(Nr. 33) unter der Ueberfchrift:„Der Mann und die Aufgabe" über den Hauptmann S t e n n e s folgendes: „Die Zeiten, denen wir entgegengehen, werden g a n � c Männer(im Original gesperrt!) fordern. Wer im Trommelfeuer die stärksten Nerven behält und den Gegner an seiner verwund- barsten Stelle im rechten Augenblick zu packen versteht, der wird ob- siegen. In der ersten Linie der Soldaten, die heute einer Welt- anschauung dienen, steht Hauptmann Slennes, einer der bedeutendsten Führer der nationalsozialistischen Sturmabteilungen.— Der Mann und seine Aufgabe sind in diesem deutschen Soldaten zu einer Einheit verschmolzen. Die Aufgabe steht, fest umrissen, aber ungenannt, im Herzen jedes SA.-Mannes. Der Mann steht im Schatten: Hauptmann Stennes handelt. Er schätzt es nicht, wenn man von ihm redet!" Es folgt dann eine ganze Reihe von Werturteilen über Stennes von den maßgebenden Leuten der Hitler-Hugen» berg-Front: Stennes ist„einer der kriegsbrauchbarsten und tüchtigsten Offiziere überhaupt.... glänzende Eigenschaften..., ein Führer in des Wortes wahrster Bedeutung..., ein selten zuver- lässiger Untergebener..., ein leuchtendes Beispiel für seine Unter- gebenen..., genießt die Achtung seiner radikalsten Gegner..., sein makellos reiner Charakter tritt überall hervor..„ eine bemerkenswerte Persönlichkeit". Und Goebbels schließt(wie gesagt: der Goebbels vom 19. Februar 1931!): „Das ist der Mann. Mir zweifeln nicht daran, daß Hauptmann Stennes seine SA. zum Siege führen wird!" Doch sechs Wochen später, in den ersten April- tagen, war der„Führer in des Wortes wahrster Bedeutung" plötzlich zum„meuternden Verräter", zum„ehrlosen Narr". zum„Wahnsinnigen" degradiert, zu einem Nichtsnutz, der es „in seinem ganzen Leben über die Bildung von ein paar er- bärmlichen Nollkommandos nicht hinausgebracht hat"(Hitler im„Angriff" Nr. 70 yom 4. April). „Herr Stennes ist im Innern nie Nationalsozialist ge- wesen: er weiß nur zu gut, daß er eine Idee über- Haupt nicht besitzt: Herr Stennes kennt nur sein Ich und seine ebenso verlogenen wie undurchsichtigen Ziele", schreibt Hitler am gleichen Tage. Und von dem„makellos reinen Charakter mit den glänzendsten Eigenschaften"(„An- griff" Nr. 33) schreibt Herr Hitler(„Angriff" Nr. 70) knapp einen Monat später, daß er„von Anfang seiner Tätigkeit an in der NSDAP, keinen Handgriff ohne Rechnung und Quittung getan habe." Bei solchen Hakenkreuz- sprängen soll sich nun ein SA.-Mann zurechtfinden! Partei und Fraktion. Stellungnahme des Bezirks Mitteischlesien. Breslau, 24. April.(Eigenbe.icht.) Auf dem Bezirkspartettag der Sozialdemokratie für Mittelschlesien wurde nach einem Referat des Genossen Lüde und nach ausgedehnter Aussprache folgende Entschließung zur polt- tischen Lage gegen 32 Stimmen angenommen: „Der Bezirksparteitag der Sozialdemokratischen Partei Deutsch- lands, Bezirk Mittelschlesien, hält den Kampf für die Erhaltung der Demokratie, die Abwehr der faschistischen Ge- fahr und der kapitalijtisch-faschistischen Anschläge gegen die Lebens- Haltung der Arbeiterklasse für die dringendste Gegenwartsaufgabe. Nur wenn diese Aufgabe erfolgreich gelost wird, ist nach Ueberwin- dung der Wirtschaftskrise der neue soziale und politische Aufstieg der Arbeiterschaft möglich, nur dann wird der Kampf um die Umgestal» tung der kapitalistischen in die sozialistische Republik mit Erfolg neu aufgenommen werden können. Der Bezirksparteitag ist der Auffassung, daß die Politik der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion und der Land- tagsfraktion diesen Gesichtspunkten Rechnung ge- trage» hat. In ihnen liegen die Gründe für die Politik der Tole- ricrung der Regierung Brüning, in ihnen liegen auch ihre Grenzen. Der Parteitag ist der Ucberzeugung, daß durch die Politik unserer Fraktion schwer st e Gefahren abgewendet worden sind, die nach der Wahlniederlage der Sozialdemokratie vom 14. Sep- tember die Arbeiterschaft bedrohten. Er billigt in der gegen- wärtigen Lage die Politik, die sich auf das Hauptziel konzentriert, die Machtergreifung des Faschismus zu verhindern. Der Bezirksparteirag hält das geschlossene Auftreten oller sozialdemokratischen Fraktionen vor allein in der jetzigen ge- fahrvollen Zeit für eine unentbehrliche Boraussetzung der siegreichen Durchführung jeder sozialdemokratischen Aktion. Die Meinungsfrei- heit und die Freiheit der Auseinandersetzung im Rahmen der So- zialdemokratischen Partei ist ein ebenso hohes Gut wie die feit jeher verlangte Einmütigkeit der Zlbstimmung und sedcn an- deren Handelns Der Vezlrksparteitag mißbilligt, daß neun Mitglieder der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion gegen diesen Grundsatz verstoßen und abweichend von der Reichstags- fraktion gestimmt hoben. Er erwartet, daß der Reichspartei- tag Sicherungen schafft, durch die ein geschlossenes S t l m m e n der sozialdemokratischen Fraktionen in Zukunft gewähr- leistet wird. Der Bezirksparteitag gelobt im Namen der mittel- schlefischen Sozialdemokratie, den Kampf für die Demokratie, gegen den Faschismus, für die Rechte und die Lebenshaltung der Arbeiter- schaft mit voller Energie und Einmütigkeit fortzuführen." Ferner nahm der Bezirksparteitag eine Entschließung an. In der er sich gegen die Abhaltung des die Beziehungen Deutschlands und insbesondere Schlesiens zu Polen gefährdenden Stahlhelm- t o g e s in Breslau wendet. Die Meinonq der Hamburoer. Hamburg, 24. April.(Eigenbericht.) Die Hamburger Sozialdemokratie nahm am Donnerstag in einer Delegiertenversommlung Stellung zum Parteitag. Nach einem Referat de» Genossen Ernst Heilmann und einer lebhaften Aussprache wurden einige Anträge zum Parteitag ange- nommen. In einer Entschließung, die dem Parteitag vorgelegt wird. fordert die Hamburger Sozialdemokratie, dem Bezirksvorstand Chemnitz-Zwickau wegen der Abitimmungsanweisung und den neun Disziplinbrechern die allerschärfste Mißbilligung auszusprechen Die Reichstagsfraktion soll verpflichtet werden, bei bedeutungsvollen politischen Entscheidungen Fraktionszwang zu beschließen. Die Ab- geordneten des Reiches, der Länder und Gemeinden sind der Disziplin dieser Fraktion zu unterstellen. Zuwiderhandlungen gegen den Beschluß der Fraktion sollen als parteischädigendes Verhalten gelten. Dieser Mißbilligungsantrag wurde van den Delegierten der Hamburger Sozialdemokratie mit erdrückender Mehrheit ange- nommen. Paris und die Revolution Zur Ausstellung im Museum Carnavalei Das Museum Carnavalet ist die Pariser Schatzkammer der Andenken der großen Französtschen Revolution von 1789. Es Ist daher besonders für die Ausstellung geeignet, die jetzt in einem großen Teil der Räume stattfindet und den Namen: Paris und die Revolution trägt. Der Rahmen der Ausstellung ist absichtlich etwas eng gezogen. Er soll vor allem dem Besucher«in deutliches Bild von der Rolle geben, die Paris während der großen Revolution gespielt hat. Es handelt sich nicht nur um einige trockene Geschichts- dokumente, sondern um eine vollständige Sammlung, die nicht nur das politische, sondern auch das g e i st i g e und kulturelle Leben während der Revolution darstellt. Dom Staub der Akten befreit, sprüht diese Ausstellung Leben. Historisch reicht die Ausstellung im Museum Carnaoalet nicht so weit zurück, wie es bei den meisten Revolutionsausstellungen der Fall ist, die den Zeitraum von den Uranfängen der Revolution— als es im bourbonischen Königreich zu knistern begann— bis zum Staatsstreich Bonapartes in St. Cloud(18. Brmnairc), ja bis zum Frieden von Campo-Formw oder dem ägyptischen Feldzug um» sasscn. Der Besucher der Ausstellung im Museum Carnaoalet sieht schon im Treppenhaue die beiden Dokumente, die zu den schönsten der französischen Freiheitsbewegung gehören. Zwei lange Tafeln. Die eine enthält die Verfassung von 1790, die andere die „Erklärung der Menschenrechte", die die Einleitung zu der Konstitution bildete. Als Wahrzeichen der Freiheit hingen beide Tafeln im Konvent, hinter dem Sessel des jeweils amtierenden Präsidenten. Noch einmal versucht der alte Staat zu retten, was zu retten ist. Ein gedrucktes, von Ludwig XVI. unterzeichnetes Schreiben, das an die vierzig Gouverneure der Provinzen gerichtet ist, macht diesen Beamten Miteilung von der Einberufung der Generalstände zum S. Mai 1789 nach Bersailles. Ein Plan des S t tz u n g e» saales in Bersailles zeigt noch einmal, zum letztenmal den Geist des bourbonischen Frankreichs, die starre Abgrenzung der Stände In Adel, Geistlichkeit und Bürgertum,«r zeigt die kleine Tür, durch die die Abgeordneten des dritten Standes den Sitzungssaal betraten, während der Adel und die Geistlichkeit durch die große Mittelpforte eintrat. Und darm Bild und Büste des Mannes, mit dem die Ansänge der Französischen Revolution so eng verknüpft sind: des Grafen M i r a b e a u. Nicht weit entfernt«in Bild des anderen Giganten der Französischen Revolution: Danton. Bei beiden Männern geniale Häßlichkeit, gewaltige Schädelblldung, die Kühnheit der Persönlichkeit. die schon in ihrem Aeußeren liegt. Eine Zeichnung zeigt Robespierre aus der Tribüne des Konvents. Dazu eine Erläuterung des Zeichners: Grünliche Augen, blasse Gesichtsfarbe, der Anzug aus grün gestreiftem Nankingstoff, die Weste blau und weiß gestreift, während die sehr sorgfältige Krawatte rote und weiße Streifen aufzuweisen hat. In die Stirn geschoben die Brille, die damals zuerst das Lorgnon ersetzte. Und wie der Mann, klein zierlich die Schrift. Ein Dokument, eine Verordnung des Wohlfahrteaucschusie» trägt die sechs Unterschristen: Barrere, Carnot, Couthon, Villaud-Varenne», Collot d'Herboi» und Robespierre. Die Handschrift des Manne», der fast oder wirklich Diktator Frankreichs, wenn auch nur für ganz kurz« Zeit, ist klein, fast feminin. Zahlreich sind die Bilder und Zeichnungen au» den verschiedensten Epochen der Französischen Revolution. David, dessen Arbeiten noch nicht den steifen Prunk der späteren , Napoleoni'chen Kollossalgemälde kennen, Greuze, P r i e u r, ' Robe'rt, Isabey und andere sind vertreten. An Porträts sind zu nennen: Bildnis Barrere s auf der Tribüne im Prozeß Ludwig XVI., ein ausgezeichnetes Bild St. Iusts von David mit hoher Halsbinde, schwarzem, phantastischem Hut, schön, etwas feminin, aber kalt, so, wie er uns bei Romain Rolland oder Georg Büchner gegenübertritt. Dann Bilder von dem eleganten Fabre d'Eglantine, Boissy d'Anglas, Bailly und der schönen Frauen der Revolution: Räcamier und Madame Tallien. Einen besonderen Raum nehmen natürlich die Erstürmung der Bastille und der Prozeß gegen die königliche Familie in Anspruch. Wir sehen— noch aus der damaligen Epoche— verschiedene Modelle de» finsteren Staatsgesängnisse», das am 14. Juli 1789 erstürmt wurde. Unförmige Schlüssel zu den Zellen, eine Liste der Staatsgefangenen, die ohne Urteil, nur auf den Befehl des Königs, gefangen gehalten wurden, die dicken Rundtürme und Schießscharten. Dann das Templegefängnis, der letzte Ausenthatt des Königs vor seiner Hinrichtung, und ver- schiedene Möbelstücke aus der Conciergerie, wo Marie-Antoinette der Bollstreckung ihres Todesurteils entgegensah. Zwei Bilder: die Königin bei ihrer Heirat, strahlend, jung, und dann eine Zeichnung kurz vor der Hinrichtung: eine alte Frau, mit weißem Haar, die Witwe Capet, die erst 34 Jahre zählte. Ein armseliges Bett, kärglich« Wäsche, ein Schach- und Lottospiel, die Bibliothek im Temple— fast ausschließlich historische Werke— geben die letzten Wochen im Gefängnis wieder. Reich dokumentiert ist der 10. August 1792, der endgültige Sturz des Königtums. Der berühmte Zettel, in dem Ludwig von der Stenographenloge der Gesetzgebenden Versammlung aus den treu gebliebenen Schweizern die Einstellung des Feuerns befahl, bildet wohl eines der seltensten Stücke dieser Sammlung Aus dem Prozeß Ludwigs zu erwähnen ist seine Verteidigungsschrift und die Anklage, die nach dem ersten Verhör die Fragen Barrhres und die Antworten des Bürgers Capet wiedergibt Damit endet die heroische Zeit der Revolution, der Schrecken beginnt. An unseren Augen vorbei ziehen die Vernichtung der Girondisten, die Verhaftung Dantons—„D a n l o n auf der Tribüne" eine ausgezeichnete Zeichnung Davids aus den letzten Iahren des Tribunen—, die Diktatur Robespierree und der 9. Thermidor. Fouguier-Tinville. der gefürchtete öffentliche Ankläger ist wie ein Originalbrief zeigt, seines Amtes müde. Dieser trocken� verstaubte Jurist will sich in das Privat- leben zurückziehen. Robespierre mußt« dasselbe Gefängnis be- ziehen, in dem die„Ocsterreicherin" ihre letzten Tag« verbracht hatte. Die Zellen liegen nebeneinander und werden noch heute gezeigt. Porzellan. Möbel— damals kam der„bürgerliche" Stil auf und die weißgoldenen Möbel des Roktvko machten Maha- goni und Nußbaum Platz—. Plakate, darunter mit der stolzen Inschrift„Ici on s'honore du titre de citoyen"(hier rechnet man es sich zur Ehre an, den Titel„Bürger" zu führen), die ersten Ausgaben der„Marseillaise" und des ,,Ca ira", eine mächtige, rot« phrygische Mütze, das Kostüm eine, Abgeordneten des„Tiers Etat" geben ein anschauliches Bild von dem wirklichen Leben der damaligen Zeit. Me diese Erinnerungen— Bilder, Zeichnungen. Miniaturen. Skulpturen, Möbel, Dokumente, Stiche usw. sind übersichtlich und sachverständig geordnet, so daß nicht nur der Historiker ein plastisdzes Bild von der Geschichte der Französischen Revolution gewinnt, pon der. wie Goethe sagt,„eine neue Epoche der Wett- geschichte beginnt". vr. E, Landau. W. Herzog:„Panama." Deutsches Schauspielhaus in Hamburg. Wilhelm Herzog nimmt sich nach der Dramatisierung der „Affäre Dreyfus" einen anderen Stoff aus der an politischem An- schauungsunterricht reichen Geschichte der jungen französischen Re- publik vor: den Panama-Skandal, den Beutezug des Börsen- kapitale auf die Kassen der kleinen Sparer. Mehr noch al» die Affäre Dreyfus geben diese Ereignisse Anlaß zu politischen Pa- rallelen für die Gegenwart, weshalb dem Autor diese aktuelle po- litische Ausmünzung auch wichtiger ist als die juristisch treue Dar- stellung der verzwickten Vorgänge zwischen 1881 und 1888. Für ihn ist das Wichtigste an der Geschichte— in Abwandlung des Goethe-Wortes— der Abscheu, den sie erregt, und das besorgt er gründlich. In acht Bildern führt uns Herzog ein in das Milieu jener Zeit, zeigt den Kreis um den bankerotten Romantiker Lesseps, .der nicht die moralische Kraft hat, den Zusammenbruch des Unter- nehmen? aus mangelnder technischer Vorbereitung einzugestehen. Der gerissene D'Arton steht im Vordergrunde. Er organisiert ihm den grandiosen Vertusdzungsfeldzug gegen die Oefsentlichkeit, wozu ihm gegen hohe Bezahlung die Börse, da» Parlament und die Presse bereitwilligst ihre Macht leihen. Zum Schluß verflattert das Stück leider. Obwohl gerade diese letzten Bilder um den gestürzten D'Arton, der jetzt bei der umsturzlüsternen monarchistischen Renk- tion sein Geld zu verdienen sucht, psychologisch sicher und ironisch pointiert sind, mangest ihnen die konstruktive Kraft. Dem Stück wurde in Hamburg in der Inszenierung von Hanns Lötz ein ungewöhnlicher Erfolg beschieden. Ileinrich Braune. Attgriechenland in Italien. Die Tempel von P ä st r u m sind die großartigsten Ueber- I reste der griechischen Baukunst, die sich auf dem italienischen Fest- land befinden. Das altgriechische Poseidonia, da» römisch« Pästum, dieser berühmte Vorposten hellenischer Kultur, zieht jetzt von neuem die Aufmerksamkeit auf sich. Neue Grabungen haben wichtige Funde ans Licht gebracht. Das Ziel der neuen Arbelten besteht darin, alles das freizulegen, was innerhalb des Umkreise» der alt- griechischen Kolonie begraben liegt. Der erste Schritt war die Aus- grabung der Grenzmauern: diese sind nun in Ihrem ganzen Um- fange von etwa ö Kilometer sichtbar. Die Hauptgrabungen werden nördlich der alten Straße vorgenommen, die von dem Osllor nach dem Westtor durch die Stadt führt. In diesem Gebiete liegen die Ruinen des sogenannten Friedenstempels, der 1830 entdeckt wurde, aber erst jetzt näher untersucht wird. Er wurde in der vorrömi- schen Zeit erbaut. Der Halbkreis von Steinsitzen, der als„Theater" bekannt und jetzt ausgegraben worden ist, stammt aus noch früherer Zeit. Die römische Straß«, die sich hinter dem wundervollen Tempel des Neptun und der Ruine der Basilika hinzieht, ist fast in ihrer ganzen Länge freigelegt worden. In dem ruinenhasten Bauwerk, das nördlich vom Neptun-Tempel sich erhebt, hat man eine Säule vollständig wiederhrrgestellt, so daß man sich nun eine genaue An- schauung von diesem Bauwerk mit seiner doppelten Reihe dorischer Säulen bilden kann. Das Amphitheater, da» aus der Römerzeit stammt, wird ebenfalls ganz ans Licht gehoben werden. Russische Gotttosen-Karten. Ein neues Propagandamittel gegen dl« Religion wird jetzt in Rußland angewendet. Es sind Spielkarten, die in den Staateläden ver- tauft werden. Die Kartenbilder sind dazu benutzt, um alle Glaubens- bekenntnisfe zu verhöhnen und herabzusetzen. So zeigen die Herz- karten Karikaturen aus die römisd)-katholischen Geistlichen: die Karokarten sind der Verhöhnung des Judentums gewidmet: die Pikkarten zeigen skandalöse Bilder aus dem Reich der griechisch- orthodoxen Kirche und die Treffkarten verspotten den Buddhismus und andere orientalische Religionen. Aus den Assen Ist der Gegen- satz zwischen der finsteren Vergangenheit und der hellen Zukunft der Gottlosigkeit dargestellt: auf der einen Hälfte sieht man Wilde, die Trommeln schlagen, Scheiteryausen, auf denen Ketzer verbrannt werden, Folter und Galgen, auf der anderen Maschine» und Globen, die Sinnbilder der Wissenschaft, Schulen und Sportgeräte, und wäh- rend auf der einen Seite steht:„So war es", triumphiert die an- der« mit den Worten:„So wird es sein". Die„Buben" zeigen Darstellungen der Gottheit, die in altmodijche Kleider gesteckt ist und die Abzeichen des Kapitalismus trägt. Auf der Rückseite der Karten ist ein grimmiger Teufel abgebildet, der die Seelen der Verdammten fortschleppt. Volksbühnentag 1931. Der Verband der deutschen Dolksbühnenvereine veranstaltet nach einer Pause von nunmehr zwei Jahren in diesem Sommer wieder einen Volksbllhnentag als Vertretertag der im Verband der deutschen Volksbühnenvereine zusammengeschlossenen Lolksbühnengemeinden. Der Bolkssiühnentag 1931 wird voraussichtlich in den letzten Juni- tagen in der schönen Mainstadt Würzburg abgehalten werden. Die Tagung wird sich neben der Erledigung rein geschäftlicher Dinge ausschließlich mit dem wichtigen und aktuellen Thema„Deutscher Kulturaufbau" beschäftigen. Namhafte bekannte Persönlich- leiten, die innerhalb der deutschen Kulturbewegung führend tätig sind, sind als Sprecher in Aussickst genommen. Die Flucht zum Tonfilm. Nach Dr. Martin Zickel will auch ein anderer Berliner Theaterdirektor, Viktor Barnowfty, sich künftig der Tonfilmproduktion zuwenden. In Theaterkreisen spricht man davon, daß die Barnowsky-Bllbnen in der nächsten Spielzeit nur Stücke herausbringen werden, die sich zugleich auch für die Ton- Verfilmung eignen. Barnowsky will mit dem gleichen Ensemble des Sprechtheaters zugleich auch die Tonfilmbesetzung stellen. Bei der Abkehr der Tonsilmproduzenten vom hundertprozentigen Sprech- film werden sich diesem Plan indesien erhebliche Widerstände ent- gegenstellen. Ein Ulatonsitm verboten Der Usatoniilm»D-Zug 13 hat Veribäiung« ist non der Krniur verboirn worden. Die U>a hat bei der Lbciprüiitelle Bclchwerde eingelegt. Bonne ffeorol icheidet mit Ablaui dieser Tpielzeit anZ ibrer Stellung olä Valleilmelsteiin an der Oper in tdannover. Sie wird mit Harald K r e U tz I e r aus sisaslspiclrciscn gehen. Zu ihrer Nachfolgerin ist R u t h Marcus ernannt. INuseumsttlhrungea. Sonnabend 2'/, Uhr spricht Direktor Slndrae im Poiderasiat sche» Mulenm«der.Aebutadnezarund da» heilige Babylon-(mit Lichtbädern). Vereinbarung in Preußen. Kür die Verwaltungsarbeiter. Die mn Tarifvertrog für die preußischen Vermal- tungsarbeiter beteiligten Organisationen haben am Donners- tag folgende Vereinbarung geschloffen: Der Frauenzuschlag fällt weg� Die Grundlöhne der über 24 Jahre alten männlichen Lohnempfänger ermäßigen sich in allen Ortsklasien des Lohngebiets 1 in allen drei Lohngruppen um je einen Pfennig, im Lohngcbiet 2 in der Lohngruppe I und II um je 2 Pf„ in der Lohngruppe III um 1 Psi und im Lohngebiet.1 für die Lohngruppe I um 3 Pf., Lohngruppe ll um 2 Pf., Lohngruppe III um 1 Pf. Die Grundlöhne der über 24 Jahre alten weiblichen Lohnempfänger sinken in allen Ortsklassen und Lohn- gebieten bei den Lohngruppen I und II um je 2Pf. und bei der Lohngruppe III um je 1 Pf. Die Grundlöhne der unter 24 Jahre alten Lohnempfänger fallen entsprechend. Die Vereinbarung tritt am 2ti. April in Kraft. Sie gilt beider- seits unkündbar bis zum 31. Oktober 1931. Ole Iugenö mit öen freien Gewerkschaften. Den Abschluß einer Reihe Betriebsnersammlungen unter den Jugendlichen für das Organisationsgebict des Gesamt» »«rband«Z bildete eme überfüllt« Derbeveranstal- t u n g am Donnerstag im.Saalbau Neukölln�. Die Begrüßungsworte sprach Genosie Rochowski. Dann sprach Genosse Dr. Mönchen einleitende Worte zu dem folgenden Film.Der Kamps um die Erde", chicrauf sprach der Spr.chchor der FGJ. in packender Weise das Sprechchorwerk.Streik". Die musikalische Unterhaltung wurde ausgeführt durch die Kapelle Schaebethal. Den Ausklang bildete der Gesang der„Jnternatio- nale". Es war eine in allen Teilen gelungene Veranstaltung, die den Beweis erbrachte, daß die Jugend mit den freien Gewerk- schaftcn ist. Streit um Lteberstundenbezahlung. Zugendlicher unorganisierter Arbeiter abgewiesen. Vor dem Arbeitsgericht klagt ein jugendlicher unorganisierter Arbeiter gegen die Firma Weiland, Romintencr Str. 36, auf Bezahlung von Ueberstunden im Werte von 331.68 M., welche vom Gericht nrit 28g M. bemessen wurden. Der junge Arbeiter hat die Ueberstunden in der ZeU vom 18. Oktober 1929 bis 14. März 1931 geleistet. Er Hot in diesen 417 Tagen durchschnittlich täglich IX Ueberstunden geleisttet: in der Saison kam er auf 19 Stunden wöchentlich und eine Woche will er sogar 30 Ueberstunden gemocht haben. Der Arbeitgeber erklärte vor Gericht:.Ich habe zu dem Jungen gesagt, wenn du Ueberstunden hast, so komme am Ende de? Woche zu mir und du bekommst anstonoMos die Stunden bezahlt. Er ist aber in der ganzen Zeit, wo er bei mir beschäftigt war, nur zweimal gekommen und dos war ungefähr ein halbes Jahr vor seinem Ausscheiden aus der Finna.* Der Zeuge Feß, der jeßt noch in Arbeit bei Weiland steht, macht sehr vorsichtige Aussogen, be- hauptet aber fest, daß nur einmal in der ganzen Zeit ihm etwas von 7 bis 8 Ueberstunden wöchentlich bekannt sei, wogegen der Kläger bei durchschnittlich 19 Ueberstunden wöchentlich bleibt. Der Prozeßvert.eter des Klägers,«in Verwandter von ihm, verlangt Vereidigung des Zeugen Feß. Sie- wurde als überflüssig erachtet und die Klage kostenpflichtig abgewiesen. Zweiter billiger April-Sonnabend im Zoo. Am Sonnabend. 25. d. M., tostet der Eintritt in den Zoologischen Garten, der durch das große Seelöwenbecken eine neue Sehenswürdigkeit erholten hat, van 2 Uhr nachmittags ab für Erwachsene nur 89 Pfennig, für Kinder 25 Pfennig, ebenso im Aquarium. Alt. Berlin. Die näckifte lsiibruna Imtth die netaefftncn Winkel bcs BIttftrn Verlin nctcmtaltet tos Bezirksamt Echoncierg unter der Leituna Keneq Bant. berners am Sonntan. 2€. April. Treffpunkt 10% Uhr auf dem Spittelmarit, Ausgan« Untergrunlibabn. Teilnakune S0 Pf. Vcranlwortl. fil? die Redaküon: Lcrbcet Lepere, Berlin: Anzeigen: Ad. SInckc, Berlin. Verlag: Vormärts Verlag ffl. m. t>. 6., Berlin. Druck: Vorwärts Buch» druckerei und Veriagsanstalt Paul Lingcr ä: Co.. Berlin EB 68. Lindenstrabe T. Bier,- I Beilage. preltnz, 2i. 4. 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Fmupr.: Mlmtaf 237, 233. 2M Gemeinschaftsgruppe Deutscher Hypothekenbanken I Deutsche Centralbodenkredii-Aktieogesellscbaft in Berlin, II Deutsche Hypothekenbank in Meiningen, III Frankiurter Hypothekenbank in Frankluri a. M-, IV Mecklenburgische Hypotheken- und Wecbselbank in Schwerin, V Sächsische Bodencrediianstalt in Dresden, VI Westdeutsche Bodenkreditanstalt in Köln. In den Generalversammlungen wurde beschlossen, Ifir das Geschäftsjahr 1930 eine Dividende von lZ0/oru verteilen, deren Auszahlung gegen Rückgabe der Dividendenscheine, unter Ahzug der 10%igen Kapitalertragssteuer, an den Kassen der Gemeinschaftsbanken sofort stattfindet. Die Dividendenscheine lauten, soweit sie zu ehemaligen Papiermark-Aktien gehören, im Text auf das Geschäftsjahr 1930; soweit sie zu neuen Rcichsmark-Akti<-n gehören, tragen sie bei I die Nr. 68, bei II die Nr. 24. bei III die Nr. 69, bei FV die Nr. 9, bei V die Nr. 35, bei VI die Nr. 37. Aktionäre der trüberen 1.) Preußischen Boden-Credil-Actien- Bank und Scblesischen Boden-Credit-Actien-Bank, 2.) Norddeutschen Grund-Crcdit-Bank, 3.) Frankfurter Plandbrief-Bank Akliengcscllscbait, 4.) Leipziger Hypothekenbank, welche ihre Aktien noch nicht in solche der zn 1) Deutschen Centralboden- kredit- Aktiengesellschaft, zu 2) Deutschen Hypothekenbank, zn 3) Frankfurter Hypothekenbank, zn 4) Sächsischen Boden- creditanstalt umgetauscht haben, können die Dividende erst nach erfolgtem Umtausch erbeben. Die Banken sind bereit, jedem Aktionär, der die entsprechende Anzahl von Aktien über RM 20.—, RM 100.—, RM 200.—. RM 500.— oder RM 600.— bei einer Gemeinschaftsbank einreicht, ihm diese Aktien gegen größere Stücke bis zu RM 1000.— im gleichen Gcsamtnennbetrage umzutauschen; Spitzenausgleiqh bereitwilligst. Die Aktien über RM 60.— und RM 120.— und die Aktien- anteilscheine über RM 3.—, RM 5.— und RM 10.— sind für kraftlos erklärt. Gegen Einretchung dieser Urkunden wird der Verkauf seriös aus den auf diese entfallenden neuen Aktien ausgezahlt. Berlin, Weimar, Frankfurt a. M.. Schwerin, Dresden, Köln, den 23. April 1931. PROGRAMH für die Zeit vom 24. bis 27. April KINO-TAFEL PROGRAN M für die Zeit vom 24. bis 27. April ©OQ Potsdamer Strafte 35 W. 5. 7, 9 Uhr S. 3, 5, 7, 9 Uhr Greta Garbo spricht deutsch in Anna Christie Rheinstrafte 14 ab 5.15 Uhr S ab 3 15 Lhr Liebe Im Rintf mit Max Schmelinft The Pilftrim und Feine Leute, mit Charlie Chaplin Odcon* Potsdam er Str. 75 W. 5. 7,9 Uhr S. 3. S, 7, 9 Uhr Ihre Hoheit befiehlt mit W. Frllsdi, KÄthc Ton Natfy Jugendliche haben Zutritt! Turmstrafte 12 s'�V�u Arlane mit Elisabeth Bergner, Rudolf Förster Alexanderstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnet! Stg. ab3Uhr Ihre Hoheit befiehlt mit W. Frltsdi, KAthe von Nagy Jugendliche haben Zutritt! ■ wa.t.n a Primus-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretenstr. W. 5.15. 7.15, 9.15 Uhr S. ah 3.15. 5.15, 7.15, 9.15 Uhr Urauffuhrungl Der Schrecken der Garnison mit Felix Bressart Regle; Carl Bocsc ft FrledrUtistadt> Franziskaner �1"™. Qeorgenstraße(Ecke Friedrichstraße) NurtTagel Die3stDndl, Darbietung! It. 2. 5, 8. II Uhr Bobbv. der Benzinjnnge 12 3, 6. 9 Uhr Nenesle Wod-en- und KoltnrsdiaD Big UIU, der Stierkämpfer 12'0. 3 30 5.30 9J0 Uhr Titer gesadit I Ein Kriminalfilm mit Pmmlnentenbesetzung ■ ho«b.«» Artushof Lab56�hr Perleberger Str. 29 100 proz. Tonfilm Die Königin einer Nacht Bühne; Große Zaobersdtaa Tomheiprogramm WHt.Kinn WochenE 6.45, 9.05 W Cll-lVinO sonntags ab 4 4.5 \lt-Moabit 99 100 proz. Tonfilm: Ich geh an» und da blelbii da mit Camilla Horn, H. Bransewetter Fox-Ton vodie— Beiprogramm ""thartottenburg Kant-Lichtspiele Kanislr. 54(an derWilmersdorfer Str.) W. 5. 7. 9 Uhr Stg. ab 3 Uhr Tonfilmerfolg: Der wahre Jakob mit Felix Breuart Gute» Beiprogramm Schlüter-Theater Schlüterstr. 7 Beginn: 5. 7, 9 Uhr Stg. 3 Uhr: Jugend-Vorstellung Tonfilm; Da» Llebeilled mit Renate Möller— Beipr.— JugendL Zutritt Atrium Bcba-Palasi Kaiserallec, Ecke Berliner Straße Wochen tgs. 7, 9.15, Sbd., Stg. 5, 7, 9,15 Zweite Woche; Tonfilme: Feinde im Blut, eine Tonfilmsinfonie gegen die Geißeln der Menschheit für gesunde« Leben— Der Gro6»ender Mfihlacker Schawbarg Titania Schönebg. AzW Hauptstraße 149 100 proz. Tonlustspiel! Der falsche Ehemann mit Maria Pandlcr, Job. Rfemann Tonwocfae Friecienau W Kronen-Liditspiele Rhcinstr. 65 W.7,9, Sbd u. Stg 5.7. 9 Tonfilm: Einbrcdicr mit L. Harvcy, Fr lisch— ßeiprogr.— Foxwodae ■ Stealit«■ Titania-Palast s'g.i�u. Steglitz. Schloßstr. 5. Ecke üutsmuthsstr Tonfilm-Uraufführung! Die BInmen- Iran von Llndeoan mit Renate Möller, Haust Niese, Oskar Sabo, Harald Paolsen Tönende» Beiprogramm W Zehlenctort-Mitf Wochentags 7. 9.10 Uht Sonntags 5. 7, 9.10 Lhr Potsdamer Str. 50 Stg. 230 lugendv. Tonfilm; Arlane mit Ell«. Bergner Tönende» Beiprogramm Zeli Narltoitferr Mm T* Maricndorler Wochentg. 1 ia-Art udtoplele ab 7 Uhr Chausseestr. 305 100 proz. Tonfilm! Der wahre Jakob m. Felix Bressart, Ralph A. Robert» Grohe» Belprogr; TlVOh Berliner Sfr. 97 Beg. 5, 7, 9 U. Stgs. 3 Uhr: Jug.-Vorst 100 proz. Tonfilm: Ihre Hoheit befiehlt mit KUhe v, Nagr— Bclpr. Jugendliche Zutritt sadwestan Lichtspiele Südwest Blücherstr. 12 W. S. So. ab 3 Uhr 100 proz. Tonfilm: Der Lleboarzl m. Harry Liedtke. Dina Gratia, Fr, Sdtolz— Tonbeiprogramm FQm-Paiast Kammersäle Teltower Str. I W. SJ0, Stg. 3.30 U 100 proz Tonfilm: Ihre Hoheit befiehlt mit W. Frllsch, KUbey.Nagy Tön. Beiprogramm ����«aaen ft Primus-Palast Am Hermannplatz, Urban sfr. 72176 Wo. 6.45. 9 u. Sonnt au 3 U. Greta Garbo spricht deutsch in ihrem Tonfilm: Anna Chrlitfe— Dazu das gute Beiprogramm— Bühne: Die beliebte Vortragskünstlerin Maria Ney vom Kabarett der Komiker Th. am Moritzplatz Beg.: Wöchig, ab 5 Uhr, Sonnt, ab 4 U. Tonfilm: Ariane mit Ell«. Bergner, R. Forster— Unicrscchootrcmc B WeuKölln j Mercedes- Palast Hermannstraße 212 Ecke Jägerstraße Werktags bh Uhr, Sonntags 3 Uhr Gadiplel des Wiener Bürger-Thea- teis in der Ausstattungs-Revue: Da» macht ans keiner nach lugendliche haben Zutritt Kukuk Wochent. M5, 9 U. Sonnt. 3, 5, 7, 9 Uhr Kottbusser Damm 92 Tonlastspiel: Moritx macht sein Gl Ock mit Siegtricd Arno— Micky Man» Jugendliche haben Zutritt ?? v f. �1»2 rvy- Wochent. 6.45. 9 U. ÜA-CCISI or Sonnt 3, S. 7, 9 U. Kaiser-Friedrich-Straße 191 Tonfilm: Ariane mit EBsaheth Bergner, Rndolf Forster Tonheiprogramm Stem, Hermanmtrafje 49 Wochent 6,45, 9 U, Sonnt 2 5, 7, 9 Uhr Tonfilm: Oer falache Ehemann mit Job. Riemann, Maria Pandler Beiprogramm Filmcck Skalitzer Straße, am Görlitzcr Bahnhof Beginn Wochentags: 6-30 und 9 Uhr Sonntags: 3, 5. 7. 9 Uhr Tonopcrcttc: Der BetieMndcni Bühne: Raschkahn« Balanceakt Sling, da« gr. Rüsel Luisen-Theater Reichenberger Str. 34 Anf. W. 6 30 u. 9 U. Stg. 3, 3, 7, 9 U. Tonfilme: Afrika sprldi' Paradies der Hölle Mit Byrd»am Südpol_ Concordia-Palast Andreasstr. 64 W. ab 6, Sonnt ab 3 U Kriminalfonfilm: Täter gesadit mit Gerda Mamos— Der Halunke mit Ad. Mcnlon— Bühncnsdhaa Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Wochtgs. 6.30. 9 ü., Sonntags ab 3 Uhr Greta Garbo spricht Deaisch In ihrem Tonfilm: Anna ChrUfie Bühne: Gardl und Macs od. die grofe Loopin gseo sation— Beipr. Sternwarte— Treptow Sonnabend 8, Sonntag 4, 6. 8 Uhr. Ifalien. Vom ewigen Rom zu Siziliens Lavaströmen(Film) „Elysium Prenzlauer Allee 56 W.5.15, 7, 9.15, S. 3.15, 5, 7.15, 9.15 Uhr Foxtonwoche Die Dreigrosdieiioper mit Rad. Fors'er, Carola Neher Grobe Bühaenichan Fiora-Lichtsp. ��5?' Wo. 6�0, 9. Sonnabd. 5. Sonnt, ab 3 U. Tonfilm: Moriiz macht«ein GlQck mit Siegfried Arno Beiprogramm • 0»t»iw■ Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochentgs. 6 30 U-, Sbds 5. Sonnt. 3 U. 100 proz. Tonlilm; Ihre Hoheit he. fiehlfl mit Kithe von Nagy, Willy Frllsdi, Reinhold Sdtfinxel Beiprogramm— Gr. Bühncntciiau Jugendliche haben Zutritt! Luna-Palast Gr. Frankfurter Str. 121 Tonposse: Der wahre Jakob mit Breuart, R. A. Robert»— Bühne: FUchcr-Köppe, Martha Hftbner Frankenburg, MM/ Große Frankfurter Straße 74 Tonfilm; Seileiuprfiage mit Gerda Maare», O. Slma— Belprogran B&hnesuchaa Schwarzer Adler Xiil«1� Woch. 5, 7, ca. 9. Sonnt ab 3 Uhr Tonschwank: Der wahre Jakob mit Anny Ahlers, Bressart, Roberts Tonbeiprogramm Viktoria Lichtbild Th. Frankfurter Allee 48 Woch. 5, 7, ca 9. Sonnt. 3, 5, 7, ca. 9 U. Tonfilm: Uebc aal Befehl mit Olga Tadtecfaowa, Job. Rieman Tonbeiprogramm Babylon» am BQlowplatz Wochentags 5 U. Sonnt, ab 3 U, letzte Vorst 9.10 U Tonfilmerfolg: Der wahre Jakob mit Felix Breuart, R. A. Robert» VartetOuba» W Neu-Uchtenbera Kosmos-Lichtspiele LOckstr. 70 W. 5. 7, 9, Sonnt. 3, 5, 7, 9 U. 100 proz. Tonfilm: Der Mann, der»elnea Mörder»acht mit Llea Oeyer»— Singlngbahie» ■ Friedrlchxteicte Kino Busch aj�fTuhr Alt-Friedrichsfelde 3 Tonfilm: Zapfeadreich am Rhein mit S. Arno, Ernst Vcrebe* Tonbeiprogramm Waiacnsc« Schloftpark Film- Böhne Berliner Allee 206—210 2 Schlager Tonfilm: Gaaaenhaner m. Maclite— PostUlon von MontcenU Tonbeiprogra Norden AlllAmKrit Mflllerstraße 136, mnamnra Ecke Seestraße Wochent 5, 7, 9 U., Sonnt 3,5,7,9 U. 100 proz. Tonfilm: Der Herr aot Be- •iellang mit Willy Font waa.aaaaaa(-IIIS— v»xay T oo beiprogram m Pharus-Lichtspiele Müllerstr. 142 W.5.7,9U� Stg. 3, 5, 7, 9 U. 2. Woche. Der Riesenerfolg I 100 proz Tonlustspicl: Oer wahre Jakob mit Bressart. R. A. Roberts, — Beiprogramm Paal Henkels Prater- Lichtspiel-Palast Kastanienalice 7-8 W. ab 6�/» Stgs. 4 U. 100 proz Tonfilmopcrctte: Der Bettel- stuaent- Jugendl. Zutritt— Das gute Tonfilmbciprogr.— Bühne: 3 welt- Variefft-Ailraktionen Sonnt 2 30 U. Gr Jugendvorst: Der BettcUtudcnt Filmpalast Puhlmann Schönhauser Allee 148 W. 5, S. 4 U. 100 proz Tonfilm: Der Llebesaritm. Harry Uedike, Dlna Gratia- Der Kampf mit dem Drad-en m. Bressart— BOhne Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 7 u. 9, Stg. 5, 7. 9 Tonlustspiel: Der wahre Jakob mit Felix Bressart, Ralph Arth. Roberts Beiprogramm— bfihnenschau • Tegcl Filmpalast Tegel s�"1" Stgs. 2 u Jgd.- Vorst. W. 6. Stg. 4'/. U- Tonfilm: Zweimal Hochzeit m. Liane Haid. R. Roberts— Beiprogramm „Kosmos" Filmbühne Hauptstraße 6 Beg. 6 Uhr, 8.30 Uhr 100 proz. Tonfilm: Der Liebt sarxt m. Harry Liedtke—< Der gcbclmxüsTollc Kavalier M Henntgseorr � Filmpalast St8. Berliner Straße 59 Stg. 2 u. lug.-Vorst. Die MgdchenhZndler von Rio mit K. Gerron- Auges. Bciprogri Beilage Frcifag, 24. April 1931 IferilMi Stia/aul&xße An tbu>t£*'A Heinrich Hemmer: Ansprache an meinen besten Freund Du weißt es, mein Freund: das Abenteuerliche, das Außer- ordentliche, das Unerhörte, das, was nicht wenig« von denen, für die wir schreiben, in himmelweiter Fern«, am„Flusse des aus- schlagenden Pferdes" in Alaska oder im hintersten Zipfel von Hinterindien suchen— es geschieht hier, hier, hier: vor ihren Augen, ohne das sie es sehen. Das Leben zu Haus« ist nur deswegen nicht so interessant, weil man sich nicht so sehr dafür interessiert. „Asien, Afrika, Amerika, Austraaalien: brav!" sagte(du er- inncrst dich, lieber Freund) der Herr Redakteur und fragte, was ich dort, Kreuzsakrament, alles erlebt hätte in 2b Globctrotterjahren. M i r erschienen meine Reiseabenteuerchen nichtig gegenüber der welthistorischen Tragik der aus allen Himmeln gefallenen Stadt Wien, in die ich gerade— es war die Zeit der Inflation und Nachkriegsnöte— zurüekgekehrt war. Das wollte ich sagen. Aber da lachte der Herr im Drehstuhl, der Redakteur, aus vollem Halse, lief blaurot an vor Vergnügen und prustete:„Das schreiben Sie sich man. wenn Sie sich in die Tinte sehen wollen. Elend� Wiener Elend? Nööh! Davon haben die Menschen hier die Nase voll!" Und so, m«in lieber Freund, so schrieben wir denn in Gottes Namen die Geschichte von der Tigerin: Eine schmucke Tigerin mit einem entzückenden Jungen war mir an einem Urwaldkreuzpfad begegnet: ich riß entsetzt die Augen auf und ließ den Spazierftock fallen... Und— die Tigerin blickte weg. Sie blickte geniert beiseite! So sind nun einmal die Bestien(unter den Tieren): sowie sie genug im Magen haben, schauen sie unsercinen nicht an. Die Krokodile an der Oueensländer Konservenfabrik kann man mit der Hand streicheln: weil sie satt sind. Das schrieb ich und— auch der Redakteur riß entsetzt die Augen auf. Riß entsetzt die Augen auf und schlug mit den Fäusten auf den Tisch, daß Lcimtopf und Schere in die Höhe hüpften: „Was— das wagen Sie den Lesern zu bieten? Das können sie imZoo alle Tage haben!" Du weißt es, m«in Freund, die Welt, die ich harmlos und unangefochten durchreiste, mußte ich zum Schauplatz schauriger Ge- schehniss« machen:„Die Leser wünschen es so!" donnerte der Gott im Drehstuhl. Als ob sie nicht genug hätten von den Leichenhallen zu Hause, in denen die Menschen ausgestreckt liegen, die das Leben nicht länger ertrugen, und den Krankenhäusern voll fürchterlicher Leiden. Aber das Leidvolle«rhält genau wie das Freudvolle einen romantischen Schimmer, eine Art erhebender Musikbegleitung, wenn Palmen es umrauschen oder die Eisberge der Arktis dazu schweigen. Eine Mexikanerin liebäugelt unterm Spitzentuch oder eine Chinesin klagt ihr Ljebesleid: wenn ein Hausmädchen von der Kant- stroße dasselbe tut.„ Du-weißt Bescheid, mein kleiner Freund: interessant ist dos, was uns nichts angeht, interessant ist das, was unerreichbar ist. Du weißt es, einzige Stütze meines Lebens. Auf Hunger, Hitze und Durst wurden wir losgelassen. Aber nicht den Hunger eines Erwerbslosen zu Hause galt es hinouszufchreien in die kalte Welt unserer Tage, über dem hätten wir selber verhungern können. „Davon hört man alle Tage", höhnte der Gott in der Wolke. Damit ich essen konnte, mußte ein Flüchtling im tasmanisch«» Urwald verhungern, und der Hitzschlag trifft einen Bar- häuptigen, sowie er aus der Veranda des Grand Hotels in C h a r- t o u m heraustritt, auf dem P r a t e r st e r n ist er nicht am Platz. Auch die Unglücks- und Gewalttaten bedürfen alle einer gewissen Regie. In einem halbwegs„guten"„Ton"-Fllm weiß ich genau, ob ein Revolver losknallen wird Im Kino geschieht nichts Reglement- widriges... wohl aber im Leben. Ich habe— es sei mir ver- ziehen— schon unter dem Aequator gefroren. Ich war im Hamburger Hasen seekrank und habe bei einem Taifun Karten gespielt. Ich habe statt in China die Ruhr in Wien bekommen... Als das der Gott im Drehstuhl hört«, hüllte er sich beleidigt in eine Wolke:„Herrdumeinegütc, ist das«in uninteressanter Mensch!" Nun mußt du wissen, lieber Kleiner(und das ist eine ganz kuriose Geschichte): als ich, bevor wir uns kannten, so in der Welt herumgefegt war, die ich nachmals als das große Wunder beschreiben mußte, war ich. der ich doch ebenfalls aus der Ferne kam, für die Leute draußen selber das große Wunder. „Gerrnany?" wisperte mir der erste Kannibalenhäuptling zu und ließ vor Staunen, daß er da tatsächlich ein Exemplar von der legendären E i s deine essenden Sorte vor sich hatte, den Mund offenstehen. Und als ich mich anschickte, in einem selbstfabrizierten Fahrzeug den längsten Fluß der Erde, den Darling, hinunter- zufahren, der sich endlos durch australische Hammelebenen schlängelt, verdarb mir ein Urwaldtramp den Spaß, indem er mir etwas von der— Donaufahrt vorschwärmte: das fei der Gipfelpunkt seiner Wünsche, das Exotischste, was sich ein Mensch leisten könne. Auch in Indien wurde ich dadurch gehindert, die Leute anzustaunen, daß sie mich anstaunten. Jedermann ist bei sich zu Hause. Aber wir sehen diese verschiedenen Zuhause in vielen Reisebeschreibungen deswegen nicht, weil der Verfasser sich (oft als einziger) in dem bereisten Lande eben nicht zu Hause fühlt, sonst wäre es um da» Verständnis der Völker untereinander besser bestellt. Also, nicht wahr, mein lieber Kratzestiel, wir sind uns darüber einig, daß es ein Unfug ist, das interessante, begehrenswerte Leben in die Ferne hiirauszuprojizieren, denn wenn man in irgendeinem der sogenannten exotischen Länder verweilt, und, statt Zeitungs- attikel nach Haufe zu schicken, dort sein Brot zu verdienen sucht, so fällt der exotische Hauch ab wie der Reif von einer Frucht und das Außerordentliche wird alltäglich. Du erinnerst dich wohl, als mir der Gott in der Wolke eines Morgens befahl:„Lagabundenreisen— Arbeitsuchen(wenn der letzte Groschen rollt)... Los!" Wie erlöst wir uns fühlten und wie wir loslegten. Hah, jetzt standen wir echt und ehrlich in der Schlange New-Porker Arbeitssucher, verkauften blaue Brillen in Long Beach, schliefen in nassen Squares, fuhren im Trampzug, den Prärieweizen zu schneiden, wurden Stotionsnachtwächter in Moofe-jau, pflückten kalifornische Orangen, mischten Sodosontänen- getränke in Florida, löteten Salmbüchsen in Alaska, vergifteten australische Karnickel— zwischendurch blindfahrend, aus, zwischen und unter den Wagen, und aus Dampfern die Rinder fütternd... strahlend erschien ich in der Redaktion... Gesenkten Hauptes verließ ich sie wieder. Das war wohl«cht, aber eben deswegen, weil es e ch t war, war es z u flau. Wir mutzten etwas daraus machen: aus diesem Erleben. Etwas Lyrisches, etwas Psychologisches, Päd- agogisches? Rein: etwas Spannendes. Das Element der G e- fahr mußte mit hinein, der Leser nmßte zittern um mein Leben irnd ich um das Leben anderer. Hochspannung! 20000 Volt! Und lveil das so ist, mein lieber Kleiner, mein Freund, des- wegen zittern wir so oft beim Schreiben: wird das, was wir schreiben, denen gefallen, denen wir gefallen müssen, wollen wir uns... ja, lieber Freund, da trennen sich unsere Wege; also: will i ch mich nicht in die Tinte setzen und willst d u auch weiter genug Tinte haben, um dich hineinsetzcn zu können, mein kleiner Kratze« stiel, du Federhaller. Theodor Dan: Trotzki Nr. 2 Das neue Buch Leo Trotzkis:„Geschichte der russischen Revolution— Februarrevolution"(1931, [ F. Fischer-Verlag, Berlin, 4öö Sellen, mit 23 Abbildungen) hat olle die Vorteile und alle die Nachteile, die für Trotzkis literarische Er- Zeugnisse überhaupt charakteristisch sind. Glanz der Sprache, sprudelnde Aphorismen, Lebendigkeit der Schilderungen, quasi- wissenschaftliche Gründlichkeit.— unter diesem schönen, dem Leser imponierenden und ihn blendenden Gewand verbirgt sich nur allzuoft tvostlose Leere"und Flachheit der Urteile und bis aufs äußerste zugespitzter Subjektivismus, der, trotz der feierlich ver- fprochenen, nur auf„ehrlicher Erforschung der Tatsachen" be- Eduard Bernstein: Kautsky über den Bolschewismus „Der Bolschewismus in der Sackgasse"(Dietz- Verlag) ist der Tllel einer neuerdings erschienenen Broschüre Karl Kautsky s. Leute, die gewohnt sind, die Dinge aus Grund von bloßen Aeußerlichkeiten einzuschätzan, werden geneigt sein, anzu- nehmen, daß der Titel eine Ironisierung der derzeitigen politischen Lage Sowjetrußlonds anzeige. Davon kann aber in Wirklichkeit keine Rede sein. Kautskys Broschüre sst eine sehr ernste Arbeit, der eine gewissenhafte Untersuchimg der polllischen Lag« Sowjet- nißlands zugrunde liegt. Sie ist nichts weniger als ein tendenziöses Erzeugnis einer polllischen Voreingenommenheit in dezug auf dieses Land und seine Regierung. Wie sich aus dem ihr vorausgeschickten Inhaltsverzeichnis er- gibt, besteht die Broschüre aus fünf, in achtzehn Unterabschnitte zerfallenden, insgesamt 131 Druckseiten im Achtel-(Ortcw-)Format umfassenden Kapiteln. Davon behandelt das erste die im Jahre 1918 in Rußland erfolgte Agrarrevolution, dos zweite die politisch-soziale Umwälzung, die in der Industrie Rußlands m den Iahren von 1919 bis 1928 vor sich ging, das dritte die Frage der Möglichkeit eines Sieges der demokratischen Elemente im heutigen Rußland, das vierte die möglichen Formen eines politischen Umsturzes in Rußland, und das fünfte die politisch-sozialen Probleme des gegenwärtigen Rußland. Es sind das darnach recht verwickelte Fragen, vor die sich Rußland in den verschiedenen Phasen seiner geschichtlichen Entwick- lung sell 1918 gestellt sah. Diese Entwicklung sst unter verschiedenen Gesichtspunkten zu betrachten. Zunächst unter den: Gesichtspunkt der parteipolllischcn Regierung Sowjetrußlands. Sie trat in eine neue Phase«in, als im Jahre 1917 der Bolschewismus unter der Führerschaft N. Ulianow-Lenins, als die stärkste Partei im Lande, an die politische Herrschaft kam. lieber die damals von den Bolsche- misten betriebene Sozialpolitik schrieb ich in meinem 1898 er- schienen Buch„Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Auf- gaben der Sozialdemokratie" aus Seite 265, sie sei„praktisch ein Versuch, über eine bedeutende Phase notwendiger sozialer Entwicklung vermittels einer Reih? von Willkürakten hinwegzusetzen", die ich unmittelbar darauf dahin näher abzeichnet«:„Dos noch überwiegend agrarische und, soweit industriell, nur erst über ein« im ganzen wenig geschulte Arbeiterschaft»er- fügende Rußland sollte in ein sozialistisches Gemeinwesen um- gewandelt werden."...„Es lieferte ihnen die bequemste und die Geister am leichtesten gefangennehmende Ausrede dafür, daß unter ihrer Herrschaft die wirsschaftliche Zerrüttung Rußlands. Hunger und Elend, gewaltig zugenommen haben." Nicht viel anders die Folgen des von Lenins Nachfolger in der Regierung, Stalin, betriebenen Kurses erzwungener Beschleuni- xnng der Produktion. Bald zeigte sich mit ersöbreckender Deutlichkeit, daß unter seiner Wirkung Rußlands Industrie am Borabend eines mwermeidliche» Bantrotts angelangt war. Um ihm vor- zubeuqen, betrieb Stalin den sensationellen Fünfjahresplan. von dem Karl Kautsky in seiner oben zitierten Abhandlung mit Recht schreibt, daß er das Kunfsstück fertig bringen sollte, Sowjet- rußlands Industrie„schleunigst aus dem schlinmssten Tiesstand über die Höh« der reichsten und fortgeschrittensten Industrie der Welt, der amerikanischen, zu erheben". Was natürlich in einen beifpiel- losen F e h l s ch l a g auslief. Im ersten Kapitel seiner Schrift über die wirtschastspolitsschen Experimente der Boischewisten in Rußland, beschäftigt sich Karl Kautsky näher mit den sozialen Ilmwälzungsversuchen des zur Machsstellung eines Diktators gelangten N. Illjanow-Lenin. Er deckt dabei sehr ttesfend die verhängnisvollen Schwächen im Denken der Bolschewisten und deren Folgen auf. Im Unterabschnitt des besagten Kapitels,„Die Bedingungen für den Großbetrieb:n der Landwirtschaft Rußlands", begegnen wir gleich am Ansang, auf Seite 15, dem Satz Kautskys,„Wie bisher immer, argumentieren auch hier die Bolschewiki mit Marxschen Resultaten, aber ohne jegliche Ahnung der M a r x' s ch e n M e t h o d e". Kautsky fährt fort: „Für Marx gal�es nichts Absolutes, nicht eine absolute Ueberleqenheit des Sozialismus über den Kapitalismus, des Großbetriebs über den Kleinbetrieb. Diese Ueberlegenheit machte er stets abhängig von bestimmten Bedingungen. Bon diesen sehen die Bolschewiki ganz ab, müssen sie absehen, denn eine Untersuchung der Frage, ob die Bedingungen für die Verwirk- lichung ihrer jeweiligen Projekte gegeben find, würde sie von vornherein lahmlegen."(A. a. O- S. 15.) Ich kann das nicht unterschreiben. Wobl aber hat Kautsky recht, wenn er am Schluß jenes Satzstücks schreibt:„Eine derartige Untersuchung muß aber jeder unserer Aktionen vorausgehen, soll sie solide fundiert sein, nicht der Gefahr der Phantasterei anheim- fallen." Und zwei Seiten weiter lesen wir bei Kautsky: „Von allen den Bedingungen, die erfüllt sein müssen, soll der landwirsschastliche Großbettieb dem Kleinbetrieb überlegen sein, besteht keine einzige in Rußland. Landwirtschaftliche Maschinen? Ja, es gibt ihrer, aber in gairz ungenügender Zahl. Rußland ist zu arm, um genug davon zu kaufen, industriell z n rückständig, um viel« selbst zu erzeugen. Dabei sst der bürokratische Apparat, der sie zu verteilen hätte, liederlich, unsähig, wellfreind, durch Konttollmoßnohmen der verschiedensten'Arten und durch verwickelte Instanzenzüge in seinem Wirken geheimnt, über- dies durch eine Fülle von Plänen, die einander folgen, sich über- stürzen und widersprechen, in Verwirrung gebracht. So geschieht die Bertellung der Maschinen, ja der einfachsten Gerät«, verspätet, unzulänglich, systemlos." Zahllos feien die„Belege für diese Tat- fache". Für die Illustration beruft sich Kautsky auf einige im Mitteilungsblatt der russischen Sozialdemokratie vom 17. April dieses Jahres oeröjjenttichtp Mitteilungen. gründeten und äußerlich bewahrten„Objektivität", seine Geschichtsschreibung doch in von ihm angeblich verworfene Apologie seiner eigenen politischen Position und stille, aber um so wirksamere, klein- lieh« Verherrlichung seiner eigenen Person verwandelt. Denn letzten Endes läuft ja die ganze, angeblich m a r x i st i s ch e Geschichts- Philosophie Trotzkis daraus hinaus, daß die Schicksal« der Re, volutionen eigentlich ban den„Führer n" abhängen, die es ver- stehen,„die Massen zu belauschen", um ihre Bewegungen und Stimmungen- im Sinne ihrer eigenen genialen Pläne„auszunutzen" und so die Massen ohne ihr Wissen hinterrücks zu beglücken- Von den Führern Hängt es ab, daß der Sieg in einem Augenblicke nicht verpaßt sei,„wo man nur den Arm auszustrecken braucht, um ihn zu ergreifen". Glücklicherweise wurden der russischen Revolution richtige Führer in den Gestalten von Lenin und noch mehr Trotzki beschieden, denn auch Lenin selbst vermochte nur insofern die Feuerprobe der Revolution zu bestehen, als er sich schleunigst im trotzkistischen Sinne„umbewassnet" hat(s. S. 303 ss.). Und da die „Führer nicht zufällig erstehen", da„ihre Auslese und Erziehung Jahrzehnte erfordert" und„sie nicht willkürlich zu ersetzen sind", so muß es doch klar sein,„daß ihre mechanische Ausschaltung aus dem Kampfe der Partei eine offene Wunde zufügen und unter Umständen die Partei für lange Zeit paralysieren kann". Nun sind Stalin und M o l o t o rv ernstlich gewarnt! Bei dieser subjektivistischen Einstellung des Verfassers ist schon das Tatsachenmaterial, dos dem Leser geboten wird, äußerst ein- fettig zusammengebracht. Die Sammlung und Veröffentlichung des Materials zur Revoluttonsgeschichte— schriftlicher Auszeichnungen. wie mündlicher Aussagen der Teilnehmer der Ereignisse— ist auch zum Monopol der bolschewistischen Mnchthaber geworden, die, wie Trotzki selbst mehrmals feststellie, nls es»m ihn selbst ging, auch vor direkten Fälschungen nicht zurückschraken. Aus diesem an sich schon einseitigen Material greift Trotzki ganz willkürlich die Tatsachen heraus, die ihm gerade passen, um die nicht passenden zu verschweigen. Das Bild, das dabei entsteht, ist selbstverständlich ganz schief. So, um zu beweisen, daß keine der sozialistischen Organi- sationen, weder die bolschewistische, noch die menschewistische auf die Revolution gefaßt waren(die bolschewistische bringt er umso lieber zum Opser, als vor der Ankunft der richttgen„Führer" aus dem Auslande an ihrer Spitze Molotow und später Stalin stand!), ver- schweigt er die geschichtlich außerordentlich wichtige Tatsache, daß«s die Mitglieder der m« n s ch e w i st i s ch e n Arbei'tergruppe des sogenannten„Kriegsindustriekomitees" waren, die noch am fi. Februar, also drei Wochen vor dem Ausbruch der Revolution, die Arbeiterschaft aufgefordert haben, sür die„radikale B e- seitigung der Selb st Herrschost" und für die „Schaffung einer provisorischen Regierung" zir demonstrieren, wofür sie auch sofort verhaftet und nur durch die tatsächlich ousgebrochene Revolution befrett wurden. Es waren die- selben Genossen, die sofort noch ihrer Befreiung den„Sowjet"— den Rat der Arbeiter- und Soldatendeputierten— gegründet und damit der ganzen revolutionären Bewegung ein Organisationszentrum und eine einheitliche Leitung gegeben haben. Diese Tatsache kann Trotzki natürlich nicht gut verschweigen, ober er erklärt sie nur durch die Sehnsucht der Sozialdemokraten noch...„Rollen und Posten"! Als eigentliche Leiter des Aufstandes erscheinen bei ihm nur bolschewistische Arbeiter. Dieser aus der Luft gegriffenen Be- hauptung widerspricht die Tatsache, daß in den ersten Tagen der Revolution wie noch monatelang nachher die überwiegende Mehrheit der Arbeiter in Petersburg wie beinahe in allen anderen Industrie- Zentren zu ihren Vertretern gerade die M e n s ch e w i sk e n wählte und daß sogar viele bolschewistische Organisationen in dieser Zeit geneigt waren, die menschewistische Politik im allgemeinen zu unter- stützen. Aber um diese ihm unangenehme Tatsache zu erklären, hat Trotzki wiederum nichts zur Versügung, als den Hinweis auf die „Unreise" der Arbeiterschaft, auf das Vorherrschen 9er„ver- söhnlerischen" Stimmungen in den bolschewistischen Reihen und ähnliche nichtssagende Ausreden. Hier kommen wir aber wieder zu der oberjlächlicheu Geschichts- Philosophie Trotzkis. Nicht zu den schlechten Kaptteln seines Buches S orhart 2f e f mze Seschichle dev Woche Der Sehn als iknwalt Wegen Postraubes wurde vor zehn Jahren in Prag ein Postbeamter zu Gefängnis verurteilt. Jetzt setzte sein Sohn, der inzwischen Anwalt geworden ist, die Wiederauf- nähme des Verfahrens durch. Im grauen Morgen das Fünfmtnutenfrühstück mit der Frau und. dem Jungen— wie jeden Tag: der Funsminutenweg dann zum Postamt, ein Stück weit hat der Junge denselben Weg, dann geht man allein weiter durch die würzige Lust der Frühe— wie jeden Tag: die staubige Gedämpftheit der Posträume nun, die Waage, der Leim, der Rotstift und die Patete, aus Händen ge- nommen, in Wagen geworfen, zentnerweise Pakete, Stunden hin- durch Pakete— wie jeden Tag seit dreißig Jahren... Oder doch nicht? Es ist so ein scheues Blicken der Kollegen auf ihn, so ein merk- würdiges Kreisen Znd Nichtherankommen der anderen, so ein Wispern, das wie Klatsch ist und doch bedrohlicher aussieht: so eine betonte Höflichkeit bei jedem Anliegen, Etwas ist unangenehm stir das Denken, und nach Hause zu flüchten mit seinen Gedanken, oder zu dem Jungen, der ja nun gottlob die gutbezahlte Stellung im Büro hat— das will auch nicht gehen. Und wie der Tag fast ganz vorbeigekrochen ist, kommt das dumpf Geahnte: die Aufforderung, zum Vorgesetzten zu kommen. „Es handelt sich um das Wertpaket A 759", sagt der Vorgesetzte und sieht ihn scharf an.„Der Barinhalt von 1600 Kronen ist verschwunden. Bevor das Paket durch Ihre Hände ging, befand er sich noch darin: als es dem Zusteller übergeben wurde, muß er schon weggenommen gewesen sein. Was haben Sie dazu zu sagen?" Der Beamte hat nichts als ein Stottern: das Ungeheuerliche benimmt ihm den Atem: es wirkt nicht sehr glaubwürdig, was er sagt. Und plötzlich kommt aus einer Nebenlür ein Kriminal- beamter, der hat wohl zugehört... „Sie haben gestern in einem Möbelgeschäft eine Einrichtung gegen bar gekauft Für wen denn?" Das fragt der Kriminaler mit spitzer Stimme: auch dies« spitze Stimme verwirrt so... „Für meinen Jungen. Für später." „Soso. Merkwürdig. Möbel für einen achtzehnjährigen Sohn. Und woher hatten Sie das Geld?" „Gespart... seit vielen Jahren... nein, nicht auf der Sparkasse... zu Hause. Nein, meine Frau wußte es nicht, mein Junge auch nicht. Es sollte eine Ueberraschung sein..." Der Vorgesetzte und der Kriminaler nicken sich zu. Und dann sagt die spitze Stimme: „Wir wollen vorläufig davon absehen, Sie zu oerhaften..." » Sechs Monate Gefängnis!" sagt der Strafrichter. „Dienstentlassung. Verlust der Pensionsberechtigung!" sagt der Disziplinargerichtshof. „Glaubt wenigstens ihr mir!" bettelt der Beamte seine Frau, seinen Jungen an. „Wir wisien es ja, daß du das nicht tun konntest", weint die Frau.„Aber was soll werden? Wenn jetzt der Junge nicht die Stellung hätte..." „Du mußt einen anderen Rechtsanwalt suchen", sagt der Junge. „Es muß Wiederaufnahme beantragt werden." So suchen sie. Aber es findet sich keiner. Die Sache ist aus- sichtslos, der Indizienbeweis ohne Lücke. Der Achtzehnjährige sieht blaß und übernächtig aus in diesen Tagen. Auf seiner Stirn pflügen sast sichtbar die Gedanken, die Entschlüsse. Und am Ende des Monats gibt er seine Stellung auf, bringt vom letzten Gehalt Bücher heim, erklärt, studieren zu wollen. Das Abitur wird er nachholen, durch Selbstunterricht. Die Mutter gehören diejenigen, in denen er die allgemeine wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rückständigtest des Landes beschreibt, mit Rachdruck aus die klassenmäßige Rückständigteit der mit dem halbbarbarischen Dorfe tief verwachsenen, organisatorisch und politisch ungeschulten Arbeitermasscn hinweist und die hervorragende, ja oft überwiegende Rolle betont, die, dank dem Kriege, gerade die Soldaten, die bewaffneten Bauernsöhne im Gange der städtischen Revolution ge- spielt haben. Diese mit voller Objektivität geschilderte allseitige Rück- sländigkeit der Verhältnisse und der revolutionär wirkenden svzialen Kräfte scheint aber keine grundlegende Bedeutung für den Fortgang md für die realen geschichtli+fn Ergebnisse der Revolution zu haben. Dank der Genialität der Führung wird diese säkuläre Rückständigkeit in acht Monaten überwunden, und zum Oktober wird die Arbeiter- schast Rußlands schon in so hohem Grade„reis", daß sie mstande ist, ihre Klassendiktatur zu errichten. Daß nicht nur technische und kulturelle Errungenschaften, die ein rückständiges Land fertig von außen übernimmt,„durch tue Anpassung an seine primitiv« Kultur hinabgedrückt" werden: daß auch der Inhalt der„fertig importierten" sozialpolitischen Formen letzten Endes„von der wirtschaftlichen und kulturellen Ausnahmefähigkeit des Landes" bestimmt wird: und daß dieses Schicksal auch die angeblich proletarische Diktatur des Bolsche- wismus teilt"!— davon scheint der marxistische Geschichtsschreiber Trotzki nichts wissen zu wollen. Aeußerst bissig ist die Kritik, der Trotzki die revolutionäre Politik der Sozialdemokratie unterwirst. Die Polemik, die ja über- Haupt sein Element ist, fällt ihm in diesem Falle umso leichter, als entgegen dem, was z. B. in Deutschland oder Oesterreich vor sich ging, die russische Sozialdemokratie, die sich dieselben Ziele wie ihre Bruderparteien stellte, im Wettkamps mit dem Bolschewismus besiegt wurde. Es ist hier natürlich kein Ort, die revolutionäre Politik der russischen Sozialdemokratie zu schildern und sie dem Zerrbilde, das Trotzki entworsen hat, entgegenzustellen oder den Wurzeln der wirklichen oder vermeintlichen Fehler, die sie in der in einem rück- ständigen Lande und dazu während des Krieges ausgebrochenen Revolution gemacht hat. nachzugehen. Die keineswegs objektiv- historische, sondern journalistisch. polemische Kritik Trotzkis kann nur denjenigen überzeugen, der die ganze Oberflächlichkeit dieser Kritik, wie der Geschichtsschreibung Trotzkis überhaupt, nicht merkt. Läuft sie doch letzten Endes daraus hinaus, daß an der Spitze der russischen, wie übrigens auch der deutschen sS. 171) und der internationalen Sozialdemokratie überhaupt.der„neue Mittelstand" steht! Dos ist gerade die„kritische" Methode, die es Stalin er- laubt. die Politik von Trotzt! selbst dadurch zu„erklären" daß er zum„Lakaien der Bourgeoisie" geworden ist. Bei dem großen Jnteresie lür die Geschichte der russischen Re- oolution und bei der Knappheit der diesbezüglichen Literatur wird das Buch Trotzkis bestimmt viele Leser finden Desto dringender muß den proletarischen Lesern geraten werden, iede Seite dieses äußerlich so glänzenden Buches unter die wirklich kritische, marristi- sche Lupe zu nehmen. weint, der Vater ist traurig, die Not wartet, tritt schon herein. Der Junge bleibt fest.„Wir brauchen unser Recht!" sagt er. „Zu essen brauchen wir..." „Laßt mich tun, was ich will— dann werden wir beides haben!" * Sie lassen ihn tun. was er will, obwohl das etwas fo bitter Schweres ist, obwohl sie es nicht glauben, daß der Erfolg den Ein- satz lohnt. Der Vater muß ins Gefängnis: zwar schenken sie ihm zwei Monate, aber es ist doch vieles ruiniert am Leib und am Herzen, als er wieder herauskommt: die zittrige Hand sehnt sich vergebens nach dem rauhen oder glatten, braunen oder blauen Papier der Pakete... Der Junge indes darbt sich durch, lernt und lehrt zugleich, gibt das kaum Begriffene in schlecht bezahlten Nachhilfestunden weiter, um doch etwas zu verdienen, und macht schon nach einem Jahr das Abitur. Das Elend des Werkstudenten- tums beginnt... Die Augen werden unnatürlich groß, die Brust bleibt un- natürlich schmal. Der Kopf ist immer gesenkt, hängt schwer in den zarten Gelenken der vornüber geneigten Schlüsselbeine In der Lunge röchelt es; der Arzt würde wohl sehr Böses feststellen: aber der Junge konsuttiert keinen Arzt, kann gar keinen konsul- tieren, hat auch keinen Freund unter den Medizinstudenten: für Freundschaften bleibt ihm keine Zeit. Flüchtig nur drückt er denen die Hände, die dran sind wie er, die an der Armut und dem Ehr- geiz leiden: tief aber begreift er, wie viele so leiden, und daß es Unschuldige sind, und daß es schön sein müßte, denen zu helfen, die unschuldig gestraft sind. Langsam, halb unterbewußt wird sein Vater ihm zum Symbol: sein Handeln aber bleibt fest auf sein nächstes und ursprünglich einziges Ziel gerichtet... Die Staatsexamina kommen. Er besteht sie. Das Doktorat kann er sich nicht leisten: es kostet zu viel. Nicht nötig vorerst. nicht nötig. Anderes ist nötiger: zum Beispiel die Suche nach Entlastungszeugen oder nach Formfehlern. Und dies Nötigste ge- schieht— nebenbei. * Dann aber, nach über acht Jahren, wird es doch zur Haupt- fache. Denn nun ist es geschehen: nun ist er Rechtsanwalt. Ge- wih: er hat keinen Pfennig Geld, um eine Praxis zu gründen: er hat ja nicht einmal Geld, um zu essen. Aber das kümmert ihn nicht. Er braucht keine Praxis und keine Klienten: denn er weiß, welchen Prozeß er führen, welchen Klienten er rechtfertigen will. Und als dieser Prozeß jetzt, im Frühling 1931, nach sast zehn Jahren, stattsindet— da finden sich an fünf Beweisstücke auf dem Richtertisch, an zwanzig Zeugen davor. Der Richter ruft den ersten der zwanzig auf, Hill! ihm das erste der fünf Beweisstücke vor:„Ist dies das Wertpaket, Herr Zeuge, das Sie damals abschickten?" Der Zeuge betrachtet es genau.„Nein. Ich hatte es anders verpackt. Ich pflege nie dies Papier, nie dies Siegel zu verwenden." Der zweite von den zwanzig wird vernommen: der Empfänger. „Ist dies der Umschlag des Wertpaketes, das Sie damals in, wie Sie meinten, beraubtem Zustande erhielten?" „Ja." „Also müßte der Angeklagte ein anderes Paket weitergegeben haben als das, welches er entgegennahm. Konnte er diesen Um- tausch vornehmen?" Zwei Sachverständige treten vor:„Nein. Dieser Umtausch konnte nur in der Bahn vorgenommen werden." Und dann findet sich ein Chemiker, welcher beweist, daß die Vermerke aus dem falschen Paket nicht mit den dem Angeklagten zur Verfügung stehenden Stempeln und Stiften gemacht worden sein können. Und dann ein Bekannter des Angeklagten, der ihn vor Jahren einmal beim Ueberzählen des heimlich zurückgelegten Geldes beobachtet hatte. Und dann sogar ein Staatsanwalt, der Freisprechung beantragt... Das Plädoyer des jungen Anwalts ist ganz kurz, ganz fach- sich. Der Tatsache, daß es sich um seinen Vater handelt, geschieht kaum Erwähnung. Nur einmal sagt er, um etwaigen Angrifsen von vornherein zu begegnen:„Ich stehe hier nicht als Anwalt meines Vaters: ich stehe hier nur als Anwalt des Rechts." Das Urteil wird gefällt: Freispruch aus Kosten der Staats- lasse: Wiederzubilligung der Pension: und ein Schadenersatz von 120 000 Kronen. Der Angeklagte und sein Anwalt: der Vater und sein Sohn: der Verlorene und sein Erretter verlassen das Gerichtsgebäude. Wie sie durch all die langen, hohen, hallenden und drohenden Gänge gehen, an all den Türen vorbei, vor denen erregte Kläger und bedrückte Klagende warten, hinter denen die blinde Majestät der Gerechtigkeit die schwarzen Fahnen entfaltet, an die viel Verzweif- lung und wenig Hoffnung pocht—: da hat sich der Angeklagte auf den Anwalt, der Vater auf den Sohn, der Verlorene aus seinen Retter gestürzt: und da weiß dieser Anwalt, dieser Sohn, dieser Retter zum ersten Male ganz klar, daß in diesem seinem zitternden alten Vater sich gleichnishaft die ganze armselige Menschheit ver- körpert, die bebend und benommen steht vor den schwarzen Ge- wändern des Schicksals, das fein hartes„Schuldig!" spricht; und daß dies vermeintliche Ziel nur ein Anfang war, und dieses An- waltsein für den Vater nur ein erster Schritt aus dem Weg, eine Stütze und ein Anwalt zu werden für alle. »« FÜR DEN KLEINGÄRTNER ■wiyiiuiiiiiiiiimiiiuiiiiiiuuiiMijiininiiiiiiiiininiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuuiiiiuiiiitiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiii>iiiiiiniiiiiiiiiiiiiii(iiiiiiiiiiHiiiuiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiuiiuiiii Ein Kleingarten Der Pachtvertrag ist geschloffen und der Zins in Erwartung der kommenden Ernten freudig lezahlt. Nun steht der ncugeb.'ckene Klesiigärtner siegreich mit seinem eben gekauften Spaten aus seiner eigenen Scholle voller Tötend, ang und Unternehmungelust. Die lieben Nachbarn überschütten ihn hilfreich und gutgemeim mit Rat- schfägen aller Art, und zuletzt sieht er vor seinem geistigen Auge ab- wechselnd einen Park a la Sanssouci und«ine kalifornische Obst- plantage entstehen., Jedenfalls merkt er tiefbekümmert, daß der Au s b a feines Kleingartens gar nicht so einfach ist, wie es ihm anfänglich erschien. Denn unzählige Wünsche und Fragen stürmen aus ihn ein, jeder Fußbreit Bodens muß sinnreich ausgenützt werden, alles will gründlich überlegt sein. Der nebenstehend abgebildete KU in- garten soll dem noch unerfahrenen Kolonisten einen Anhalt g.ben, wie er sein Gelände am zweckmäßigsten austeilen kann. Es kommt dabei weniger darauf an, die vorgeschlagenen Bepslanzungen zu befolgen oder gar den Plan zu kopieren, zumal ja Lag« und G:öbe der Gärten oerschieden sind, als das Prinzip der Gestaltung eines Gaitens zu erfassen. Dieses ist in wenigen Worten erklärt. Die Laube oder das Gartenhaus soll stet- dort erbaut werden, wo es die Besonnung am wenigsten stört, die Eingangstür darf wegen der regenreichen Wind« nicht nach Westen gelegen sein. Die Fläche selbst zerteil« man nicht durch einen Mittelweg— mtt Weg n soll überhaupt gespart werden—. denn sie zerkleinern optisch den Garten. aum. In unserer Skizze ist der H a u p t z u g a n gs w« g. der auf das Gartenhaus- bezogen ist sinks von einer Stauden. rebatte begleitet, in der in regelmäßigen Abständen Beerenobst- hochstämmchen stehen(ebensogut könnten es natürlich hoch- stämmig« und niedrige Rosen sein), während'sich rechts ein Beet mit Beerenobst st r ä u ch e r n, aus dem in den ersten Jahren noch Untertulturen betuebeu werden können, hinzieht. Der Nordsüdzaun l ist als Obstfpasier ausgenützt, die übrigen Grenzen sind mit v-r- schiedenen Nugsträuchern bepflanzt. Selbstverständlich könnte man den Zaun, im Einoernehmen mit dem Nachbar, auch mit Schsii g- pflanzen aller Art lekleiden. wie es in der vorigen Woche an dieser Stelle beschrieben worden ist. Wesentlich ist nur, giundsätz'ich an eine Abpflanzung zu denken, denn eben diese gibt dem Gait n eine intime Note und macht ihn erst wirklich zu einem Wohnraum ; in der Natur. Die kleine Rasenfläche am Kartenhaus lö nte wiederum zu einem Planschbecken für die Kinder ausgebaut oder zur Errichtung eines K l e i n t i e r st a lt e s mit abgegrenztem Auslauf benutzt weiden. Die übrige Fläche ist in einzelne Beete gegliedert, die ganz nach den Wünschen des Besitzers bestellt werden können. Wichtig wird dabei sein, ob der Garten vornehmlich zum Erwerb bzw. Ver- Minderung der Kosten des Lebensunterhalts für die Famllie oker zur Erholung und zum Ausruhen dienen soll. Wah scheinlich wird auch hier, wie in allen Dinges des Lebens, der golden« Mittelweg — hier sei er gepriesen!— der richtige sein. Dem Anfänger aber wünschen wir, daß er sich von etwaigen Enttäuschungen und Miß- erfo'gen im ersten Jahre nicht unterkriegen läßt: Rom ist auch nicht an einem Tage erbaut worden. H. Fr. Pohlenz. Der Obstbaumzweig vom Nachbargarten «Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben"—, wenn ausgerechnet ein mit saftigen Früchten behangener Ob st baumzweig vom Nachbargarten in den eigenen Garten herüberhängt. Die Früchte gehören dem Nachbar, solange sie am Baum hängen, während die heruntergefallenen als eigene zu betrachten sind. Würde man aber etwas nachhelfen, so macht man sich strafbar. Wenn es nun wirklich ein böser Nachbar ist, so braucht man ihm das Betreten des Grundstücks nicht zu gestatten, wenn er nämlich seine über- hängenden Zweige abernten wollte, er soll es nur von seinem Garten aus versuchen. Vielmehr kann man ihn auffordern, innerhalb einer bestimmten Frist die Zweige zu beseitigen. Hilft das nicht, dann sägt man sie selbst ab, darf sie aber nicht behalten und begibt sich außerdem durch die Selbsthilfe des Klagrechtes. Jedoch ist man dazu nur berechtigt, wenn durch die überhängenden Zweige den eigenen, in der Nähe stehenden Pflanzen Licht und Lust oder Regen entzogen wird, anderenfalls ist man schadenersatzpflichtig. Aehnlich verhält es sich mit den Wurzeln eines Strauches oder Baumes, die vom Nachbargarten eingedrungen sind: Man kann sie, ohne zu fragen, abschneiden, sofern die fremden Wurzeln den eigenen Kulturen Feuchtigkeit und Nahrung entziehen. Anders ver- hält es sich mit einem Baum, der wohl im Nachbargarten steht, aber schief in das eigene Gelände hineinwächst: in diesem Falle darf man nicht zur Selbsthilfe schreiten, sondern muß den Eigentümer des Baumes auf Beseitigung verklagen. Wenn ein Baum genau aus der Grenze steht bzw. von derselben durchschnitten wird, kann jeder der Nachbarn die Beseitigung des Baumes ver- langen: die Kosten müssen zu gleichen Teilen getragen werden, wie ihnen auch der gefällte Baum je zur Hälfte gehört. Verzichtet der«ine Nachbar auf die Ansprüche an dem Baum, so hat der andere die Beseitigung verlangende Nachbar die Kosten allein zu tragen: dafür hat er mit der Entfernung des Baumes das Allein- eigentumsrecht an demselben erworben. Wenn der Baum aber fried- lich weiterwachsen darf, dann müssen die Früchte ebenso friedlich ge- teilt werden. Soviel vom Nachbarrecht, und der Zweifler lese im BGB. die 88 903, 905, 910, 911, 923 und 1004 nach, allwo sie dem einen, zur Pein, dem anderen zur Freude in unserem geliebten Amtsdeutsch ver- zeichnet sind.' H. Fr. Pohlens. Arbeiter-Rasenspielc am Sonntag Fußball/ Handball/ Hockey In der Fußball-Kreisklasse sind folgende Treffen an- gesetzt: Lichtenberg I gegen Butab auf dem Sportplatz Kynast- straße am Bahnhos Stralau-Rummelsburg> Eintracht gegen Lucken- walde V in Reinickendorf, Scharnweberftrahe. Eiche gegen Trebbin in Köpenick, Grünauer Straße(am Kanal). Luckenwalde II gegen Minerva in Luckenwalde, Hetzheide.— 1. Bezirk: ASB. Neukölln gegen Hoppegarten. Herzfelde gegen Oberspree. Storkow gegen Wacker 30. Osten gegen Wildau. Dolgenbrodt gegen Deutsch- Wusterhausen.— 2 Bezirk: Wansdorf gegen Freie Scholle. Vorwärts gegen Weißenfee 2. Eintracht 2 gegen Schwarz-Weiß. Oderberg gegen ZIllranst. Dannenberg gegen Schwedt. Alt-Glietzen gegen Neuenhagen.— 3. Bezirk: Nauen gegen Eladow. Potsdam gegen Eintracht-Spandau. Rathenow gegen Brandenburg. Rathenow-Süd gegen Brieselang. Werder gegen Staaken. Char- lottenburg gegen Sokol. Spandau 2 gegen Drewitz. Alt-Bensdorf gegen Jeserig. Neetzen gegen Grebs. Fohrde gegen Lehnin. Wittstock 2 gegen Warnsdorf.— 4. Bezirk: Wilmersdorf gegen Schöneberg. Teltow gegen Friedenau. Volkssport Neukölln gegen Brück. Kloster Zinna gegen Ruhlsdorf. Niemegk gegen Jüterbog. Dahme gegen Luckenwalde I. Zweite Mannschaften: ASB. Neukölln gegen Hoppe- garten. Herzselde gegen Oberspree. Eiche 3 gegen Eiche 2. Lichten- berg I gegen Kogel 1. Strausberg 1 gegen Minerva. Storkow gegen Selchow 1. Storkow 3 gegen Wildau. Osten gegen Nor- mannia. Saxonia gegen Pankow. Lychen 1 gegen Freie Scholle. Oderberg gegen Altranft. Cöchen 1 gegen Schwedt. Schiffmühle l gegen Neuenhgaen. Knoblauch 1 gegen Nowawes. Nauen gegen Eladow. Rathenow gegen Brandenburg. Rathenow-Süd gegen Brieselang. Teltow gegen Friedenau. Jugendmannschaften: Brandenburg gegen Nowawes. Drewitz gegen Staaken. Lichtenberg I gegen Saxonia. Vorwärts- Wedding gegen Minerva. Beginn der Spiele: Erste Männermannschaften 16 Uhr Zweite Männermannschaften 14. IS Uhr. Juoendmannschaften 10.30 Uhr. \MundUoaJUb Wcrbcspiele auf„Urban" und„Excr" Di« Freie Turnerschaft G: oß-Berlin, Bezirk Süd«n, ver- anstaltet am Sonntag auf dem Urban-Sportplatz wie all- jährlich einen Spiet-Werbetag. Süden als spielstarker Der- ein der 1. Klasse hat weit über den Kreis hinaus einen guten Ruf. So läßt es sich auch erklären, daß oie Freie Turnerschaft Frank- s u r t- Oder und Forst g3-Lausitz gern der Einladung noch Berlin folgten. Aus Frankfurt kommen sechs und aus Forst zwei Mann- schaften. Auf jeden Fall bekommen die Besucher technisch hoch- stehenoe Spiele zu sehen. Das Spielprogramm: Süden 4: Männer— Frankfurt 3 um 9.00 Uhr .2:.-. 2. 13. lO. . 1:.—. 1. 16.20.(Hauptspiel) .1:.— Forst 93 1. 17.30. , 2: Frauen—. 93 l. 10 10. . 1:.— Frankfurt 1. 14 20, , 2: Jugend—, 2, 13 10, .. 1-.-. 1. 15 10. Auf dem Nebenplatz finden außerdem noch Faust., Kopf- und Trommelt alljpiele zwischen Süden und ASB. Schöneberg statt. Aus d«m Platz an der Schönhauser Allee(Exer) spielen von der 1. Klasse Nmdring gegen Velten um 13)4 Uhr, Wecding 2 gegen Schöneberg um 14.40 Uhr und Wedding 1 gegen Ost«n um 15.50 Uhr. Velten sowie Wedding 1 sind als sichere Sieger anzu- sprechen, während es bei Wedding 2 gegen Schöneberg.noch un- gewiß ist. Weiter spielen dort aus der 2. Klasse: Moabit gegen Reinickendorf-West um 13)4 Uhr. Norden 1 gegen Tegel um 13/� Uhr, Nordring-Sportler 1 gegen Nordring-Turner 2 um 15.50 Uhr. Aus Oer 3. Klasse: Moabit 2 gegen Schwant« 1 um 15.50 Uhr, Nordost 2 gegen Marwitz um IVA Uhr, Sportklub 1930 gegen Falk« um 14.40 Uhr. Von den Frauen: Nordring gegen Tegel um IVA Uhr, Volkssport-Wedding 1 gegen Schöneberg um 14 Uhr. Die Jugend: Reinickcndo:s-West gegen Nordring um 15.50 Uhr, Volkssport-Wedding 1 gegen Velten um 17 Uhr. Weitere Spiele 0er 1. Klasse sind: Hennigsdorf gegen Volks- sport-Neukölln um 10 Uhr in Hennigsdorf. 2. Klasse: Erkner gegen Köpenick, Fichtenau gegen Wildau, FTGB.-vberspree gegen ATE., Bornstedt gegen Volkssport-Wedding 3, Wilmersdorf gegen Lucken- walde-Sportler. 3. Klasse: Lichtenberg gegen Südost, Halbe 1 gegen Erkner 2. Nauen gegen Nowawes 3, Lankwitz 1 gegen Friedenau 3, Sperenberg gegen Wannsee. Frauen: Osten gegen Kaulsdorf und Volkssport-Neukölln 1 gegen Luckenwalde 1. Abt. und 2. Abt. Hockey In der Gruppe A ist voller Betrieb, bis auf Tempelhof- Mariendorf befinden sich alle Mannschaften im Kampf. Auf Platz Ost in der Laskerstrahe stehen sich Tennis-Rot und der Athletik- Sport-Club gegenüber: Schiedsrichter Nordring, Spielbezinn 9.30 Uhr. Obwohl die Chancen für Tennis-Rot etwas günstiger stehen, gehen die ASCer mit den besten Hoffnungen in den Kamps. In Pankow, Kissingenstraße, treffen sich die dortige Freie Turnerschaft Groß-Berlin und der Sportverein Moabit: Schiedsrichter ASE., Beginn 15.30 Uhr. Beide Mannschaften haben eine wechselvolle Spielsaison hinter sich, so daß der Kamps offen erscheint und jede Mannschaft die Hoffnung aus Sieg hat. In der Schönhauser Allee kommt das Haupttressen der Serie und damit wohl die Entscheidung zum Austrag: Freie Turnerschaft Groß-Berlin-Nordring und Verein für Leibesübungen Ostring haben mit einem Punkt Unterschied die Gruppenspitze inne. Die Mannschaften sind sich bei voller Besetzung gleichwertig. Ob das geringe technische Plus Nordrings am Sonntag zu einem Sieg ausreichen wird, muß erst der Kamps zeigen. Der Sieger muß als Kreismeister anzusprechen sein, da er in dem noch ausstehenden Spiel kaum noch zu schlagen sein wird. Spielbeginn 17 Uhr, Schiedsrichter Tennis-Rot. Weitere Spiele' Tennis-Rot 3 gegen V. f. L. Ostring 3 (Schiedsrichter Mariendorf 2) um 8 Uhr Platz Ost. Bei den Frauen sind die Bezirke Nordring und Pankow der Freien Turnerschaft Groß-Berlin die Gegner(Sch.: Tennis-Rot 1 Frauen), Beginn 16 Uhr Platz Schönhauser Allee. Die Frauen von Tennis- Rot tragen einen Dereinskamps auf dem Platz Ost aus. Beginn 11 Uhr. G e s e ll s ch a ft�s I p i e l e: ASV. Wedding gegen Neukölln-Britz um 9.30 Uhr Wassersportplatz Plötzensee(Schiedsrichter Mariendorf). FTGB.-Nordring 2 und FTGB.-Friedenau 1 um 14.30 Uhr in der Schönhauser Allee und um 13 Uhr auf gleichem Platz FTGB.-Nordring 3 und FTGB.-Osten 1(Sch.: Friedenau). Der Freie Hockey-Club Spandau 1 empfängt in der Wllhelmstraße die zweite Mannschaft des V. f. L. Ostring und wird wohl die gestellte Aufgabe nicht lösen können. Das Spiel wird eine weitere Prüfung für die kampsfrohen Spandauer sein. Spielbeginn 17 Uhr(Sch.: ASE. 2). Die zweiten Mannschaften des Freien Hockeiz-Clubs Spandau und des Athletik-Sportklubs spielen vorher um 15.30 Uhr (Sch.: Ostring). FTGB.-Pankow 2 gegen SV. Moabit 2(Sch.: Moabit 1) 14 Uhr. �enn die„Kamptborse" bleibt will Sawall nicht mehr fahren! In einer kürzlich stattgesundenen Besprechung zwischen Rad- rennbahnbesitzern und Mitgliedern der Deutschen Rennfahreroereini- gung wurde zum Thema„K a m p s b ö r s e" erneut Stellung ge- nommen. Die darüber vorliegenden Berichte und persönlichen In- formationen— die Presse war, soweit uns bekannt ist, zu dieser Unterhaltung nicht eingeladen— lassen darauf schließen, daß ein Fallen Oer so hart umstrittenen„Kampsbörse" wenigstens vorerst nicht zu erwarten ist. Di« Vertreter der größeren Bahnen, wie Berlin(Olympiabahn, Rütt-Arena, Stadiönbahn), Dresden, Chemnitz. Leipzig. Elbelseld, Halle, Köln und Bonn redeten hin und her. und umsonst b. mühten sich die Herren der Olympialahn, für Berlin«ine anOer« Regelung als die sich aus der Kampsbä.se ergebende durchzusetzen. Es wurde vielmehr zum Ausdruck gebracht, vom Kampfbörsensystem nicht abgehen zu können und im übrigen jede Bahn, Oie sich etwa erlauben sollte, die geschossenen Bestimmungen irgendwie zu umgehen, zu disqualifizieren! So der Herr-im-Hause-Standpunkt der Kampfbörsenanhänger, den der in 0er Sitzung anwesend« Walter Sawall mit der Er- klärung beantwortete, daß er dann am Sonntag zum letz- ten Male zu diesen Bestimmungen st arten werde! Uns scheint's, daß der Verband Deutscher Radrennbahnen die Auswirkungen seiner Beschlüsse gewaUsam verkennen möchte. Man möge den Mut zur Reoidierung finden, ehe e» zu spät ist. Schließ- lich ist der deutsche Be:uss-Radr«nnsport am allerwenigsten wioer» standssähig genug, als daß er jede Belastungsprobe glatt hin- nehmen könnt'_ Naturfreundetreffen in Guben Die Fahrten von 200 Berliner Naturfreunden nach Guben sind gesichert. Ein geringer Teil fährt mit Sonntags-Rücks.ihrka.ten morgen Sonnabend ab Bahnhos Friedrichstraße 17.28 Uhr oder Schlesischer Bahnhof 17.54 Uhr. In Guten ist Treffpunkt da» Schützenhaus. Di« Autofahrten erfolgen 16 Uhr ab Baltenplotz (nur mit Sonderka ten, von den Gruppen Frieorichshain und Osten ausgegeben) und 17 Uhr ab Geschäftsstelle. Johannisstr. 14/15, resp. 17.15 Uhr Elsenstraße, Eck« Treptower Chaussee. Die Abfahrt findet pünktlich statt, gewartet wird nicht. Die Mädel erhalten in Guben Privatquartier, Burschen Schlafsack und Decke für Massenquartier mitbringen. kür den l. Na! »er Aufruf der SASI. In der snrchlbaren Zeit der Wirtschaftskrise, die auch das kulturelle Leben der Arbeiterschaft schwer belastet, ruft die Sozia» listische Arbeilersport-Jnternatlonale die sozialistischen Arbeitersportler auf, am 1. Mai unter roten Fahnen kür die gemeinsamen Forderungen der Arbeiterklasse und für die Forderung der soziaNstischen Körperkulturbewegung auszumarschieren. Die Arbeitersportler fordern die Errichtung zweckmäßiger Spiel- und Sportplähc, Ladeanlagen und Turnhallen: Unterstützung ihre? Bildungswesens: Steuerbefreiung: weitgehende Fahrpreisermäßigungen für Sporlzwecke und Schaffung billiger und ange- nehmer Unterkunftsstätten für die wandernde Zugend. Der 1. Mai 1S31 steht im Zeichen des Kampfes der Arbeiterklasse gegen den Faschismus und die versuche zur Ausrichtung faschistischer Diktatur. Er steht im Zeichen des Kampfes für die soziale Demokratie, für den Weltfrieden, für allgemeine Abrüstung, für die Verbrüderung der Völker. Der 1. Wal soll aber auch stehen im Zeichen des Kampfes für ein vollkommenes Gelingen des 2. Arbeiterolympias im Zuli in Wien. Zu Zehntausenden rüsten die Arbeitersportler der Sozialistischen Arbeitersport-Internationale, und da, Arbeiterolympia in Wien wird eine tief eindrucksvolle Kundgebung von über Hunderltausend werden, hunderte von Delegierten der Sozialistischen Ar- beiter-Znternalionale werden die Gelegenheit haben, sich in Wien persönlich von der wuchtigen Kundgebung für den sozialistischen Arbeitersport zu überzeugen. Arbeitersportlert Der 1. Mai muh euch unter den roten Sturmsahnen demonstrieren sehen für die sozialen und kulturellen Forderungen der Arbeiterklasse, für die Erziehung der Zugend im sozialistischen Geiste und für das Gelingen des 2. Arbeiterolympias. Es lebe der 1. Mni lVZI! Es lebe die internationale sozialistische Arbeiter- schaff! Es lebe das 2. Arbeitcrolympia im sozialistischen Wien nnd die Sozialistische Arbeitersport-Jnter- nationale! Sportler in Zeltlagern Es wird immer mehr auch in den Kreisen der Arbeitersportler Uebung, sich an den Sonntagen zur Erholung an den Seen und in den Wäldern der Mark in Zelten niederzulassen. Manche haben sich sogar in„Dörfer n" zusammengetan und Hausen den ganzen Sommer draußen oder lassen wenigstens die Familie solche „Sommerwohnung" beziehen. Mit den Forstbehörden ergaben sich keine Beschwerden, denn in selbstgewählter Disziplin sorgte man für Ordnung und Reinlichkeit im Walde. Nur die Bestimmung, daß das Zelt nach drei Tagen eigentlich wieder eingerissen werden müsse, weckte Befürchtungen. Die städtische Forstverwaltung sorgte durch Kennzeichnung von Dauer-Zeltlagerplätzen bereits für Beruhigung. In den angrenzenden st a a t l i ch e n Forsten ging es auch so ganz gut weiter. Unter Mithilfe der preußischen sozial- demokratischen Landtagssraktion ist nunmehr aber auch zwischen Vertretern der Zeltlagerbewohner, Karlellverband für Arbeitersport und Körperpflege und der Oberförsterei Potsdain oerein- bart worden, daß künftig zur Sicherung der Verhältnisse auch für deren Wirkungsbereich Dauer-Zeltlagerplätze ausge- wiesen werden sollen. Besonders berücksichtigt wurde dabei, daß den Einzelwanderern und Sportlern, die nur für Sonnabend und Sonntag zelten, auch an anderen Stellen weiterhin wie bisher keine Schwierigkeiten entstehen. Besonders anerkannt wurde von den Vir- tretern der Obersörsterei, daß die organisierten Sportler gute Disziplin zeigen und sehr für Reinlichkeit und Sicher- heit im Walde sorgen. Wandern und Weltanschauung Die im Touristenverein„DieNatursreunde" organisierten Arbeiter stellen in ihren großen zentralen Veranstaltungen immer eine erfreuliche Linie zwischen Wandern, kultureller und gesellschast- licher Arbeit her. Nahm sich früher Engelbert Graf die Themen „Soziologie" und„Berliner Siedlungsgeographie" vor, so jetzt Dr. Max D e r i„Die drei möglichen Weltanschauungen". Drei Eni- wicklungsstufen wurden festgestellt, und zwar vorerst im individuellen Dasein. Im frühen Kindesalter ist es der magische Kreis, der an die eigene Allmacht glauben läßt. Dann folgt die„höhere" Gewalt des Vaters(der Mutter, des Lehrers!). Mit Eintreten ins Pubertätsalter erfolgt langsam die Loslösung von der väterlichen Gewalt, die Gestaltung des selbsttätigen, selbständig denkenden und handelnden wissenschaftlichen Menschen. Diese persönlichen Ent- Wicklungsstadien kehren im gesellschaftlichen Leben wieder: Im magischen Zauberkreis: im Gottvater, in der Kirche, im 5)errscher, im Kapitalisten als„Vaterfigur", und in der selbständigen Stellung- nähme der Arbeiterklassen und ihrer Loslösung von alten Autoritäten. Die Reichsbanner-Wassersporl-Abteilung ist dem Arbeiter-Turn- und Sportbund angeschlossen und unterhält in Berlin vier Boots- Häuser: in Tieftperoer, in TegÄ, und zwei in Köpenick-Wenden- schloß. Durch die in diesem Jahre vorgenommene C: Weiterung der Bootshäuser und die Beschaffung von neuem Bootsmaterial ist die Wassersport-Atteilung des Reichsbanners In der Lage, neue Mitglieder aufzunehmen. Es stehen sowohl Plätze in Mannschaits- ruderbooten als auch in PaOdelbooten zur Verfügung: gute Lehr- kräfte haben die Ausbildung für den Wandersport als auch für rennsportliche Betätigung übernommen. Die Bootshäuser, die mtt Brauseaniagen, Schlaf- und Gesellschaftsräumen versehen sind, er- möglichen jedem einen angenehmen Aufenthalt. Sportärztliche Ueberwachung sorgt für die GesunOheit der Mitglieder. Das Reichs- banner ist ge.üstet, sich dieses Jahr mehr als je zu zeigen, um das Wasser nicht den radaulustigen Elementen zu überlassen. Anfragen an die Geschäftsstelle, Verlin-Köpenick. Landjägerstr. 11, Fritz Willens, Telephon Köpenick 1538. 4000 Arbeiter-Vorturner geprüftt Die von den Bezirken des Arbeiter-Turn- und Sportbundes am 19. April als Bundesaufgabe durchgeführten Vorturnerprüfungen waren ein großartiger Erfolg. In über 150 Bezirken fanden die Prüfungen von Vorturnern für das Männer-, Frauen- und Kinderturnen statt. 4000 Vorturner bestanden die Prüfungen. Das bedeutet für den Ausbau de» tech- Nischen Turnbetriebes des Arbeiter-Turn- und Sportbundes einen außerordentlichen Fortschritt. gTSB., Bezirk Rorde» 711, Eoimabend, 26. April, 20 Uhr, Viertel! ahrcs- versammluna bei Zioewcr, Swinemünder Ecke Ramlerstrahc.— Nanubezirk. Conn'oa, 20. April, wtrd in Z'ohnsdorf der Schluß ncMiut. PfNchtvcran- ltaltinn.— Arbeiter»SSi>oerfestI Alle Zuirltionärc unden, können »och aufaenomme» werden. Uebunaen jeden greitaa um 20 Uhr in der Turn- Halle Marientorfer We« 7Z. Eiche-Bohnedors. Sonnabend, 26. April, 10 1, Uhr, Vcrsammluna bei Madrn, Bahnhosstr. 12. 1. Xreis, 1. Bczir!, Wassersportsparte. Schwimmwarte, und Kampfrichter- prüsunaen Sonntaa, 26 April, 9 Uhr, Stadtbad Lichtenbers, Hubcrtnostrafte. Radsahrer„Solidarität". Touren Sonntaa, 26. April. Am Sonntaa, dem 20, April, findet in den Eomenius-Lich spielen eine gilm-Matinee statt: aczcigt wird der Bundessilm„Die aröft'e Nadsrortschau der Gelt" und»wei kleine ssilme, darunter die Vorschau zur OInmpiade in Wien. Ein Sänaerquartett wirkt mit. 3ur Matinee starten die Abterlunaen wie folat: 1. Abt.: 1t Uhr vor den Lichst'pielen.- 2. Abt.: Start 10 Uhr bei Rhode, Dieffenbachstr. 86. — 8. Abt.: II Uhr vor den Lichtspielen.— 6. Abt.: Start 10 Uhr am Vereins» lokal.— Abt. gricdrichshain: Start II Uhr vor den Lichtspielen.—»rast- sahrer sZricdrichshain: Ebenda,— Abt. Lichtenbcra: 11 Uhr vor den Licht- spielen,— Abt., Neulälln: 11 Uhr vor den Lichtspielen.— Abt. Reinickendorf: 1l Uhr vor den Lichtspielen.— Abt. Charlottcnbura: 11 Uhr vor den Licht- spielen,— Abt. Schöneber«: II Uhr vor den Lichtspielen.— Abt. Spandau: Start 9 Uhr Vereinslokal.— Abt. Weiftewsee: II Uhr vor dm Lichtspielen. Es sei nochmal» daraus hinarwiesen, daft ssahr. und Motorräder mitaebracht werden können, da Unterstellmöalichkeit.— Sonstiac Touren: 2, Abt.: Keaeln bei Lock al» Eraänzunäosport, Start 18 Uhr.— 9. Abt. Gorinsee. Start 7 Uhr Triftstr. 68.— Abi. Treptow-Bomnschulcnw-o: Ziel am Start. Start lä Uhr Bahnhok Baumschulen-wea. Freie Wassersahrer.Auswärts". Sonntag, 26. April, Anpaddeln. Start 9 Uhr Bootshaus Tcael. Kartell bezirl Weddiug. Für die Nachmlttagsveranjtaltung am 1. Mai auf dem Wasserfporwiatz Plötzcnsee findet morgen. Sonnabend, lOZft Uhr, auf dem Wassersportplatz Plötzenfe« die Probe statt. Frei, Ruder». Vereinigung 1913. Sitzung Frertag. 2ä. Aprils 20 Uhr, im Strandfchloft vberfchönewride. Vortrag:„Wasserpolizetporfchristen und Weae. recht". Sonntag, 28. April, 11 Uhr, Anwidern, Beisammensein tn„Sleu-Ahldeck". OTAL Wegen Autgabe wm-IM.t\'IJM.Scliiilinels(er 25-60 Proz. Rabatt HERREN- UND KNABEN• BEKLEIDUNGSHAUS Eckhaus Kottbusser Tör Kostproben-Tournee. Leibliche Not erhöht entschieden die geistige Regsamkeit und das Gehirn des Hungrigen geht oft seltsame Psade. Es galt, einen neuen Ausweg des Sattwerdens zu finden— dies naturgemäß aus kostenlosem Wege— und plötzlich stand oosengleich das Wörtchen „Äostprobe* in der Begriffswelt der Eßfreudigen. Was so an kleinen, nicht zu kostspieligen Neuerungen auf gastronomischem Gebiet seiner Popularität durch hausfrauliche Vermittlung harrt, das wird dem Passanten oft als kleines Kosthäppchen gereicht. Da gibt es Pudding von ganz besonderem, neuartigem Wohl- geschmack, dort eine gute Kraftjuppe, am dritten Ort einen haus- backenen Kuchen und an vierter Stelle sogar ein ausgewachsenes Mittagessen, das im Nu im Wunderkachtopf zubereitet wird. Das letztere war i>as Gegebene! Dahin wurden die Schritt� gelenkt, wenn auch der Weg von der Behausung bis zu den Reklame-Flcischtöpien der Firma T. ein recht ausgiebiger war! irgendeinen Tribut muhte man halt schließlich doch bezahlen. Wie gewöhnlich zur Mittagszeit war der betreffende Laden dicht belagert von Neugierigen oder auch Eßlustigen, und man mußte richtig Schlange stehen: endlich kam der ersehnte Augenblick der näheren Bekanntschaft mit den eifrig schmurgelndcn Töpfen und ihrem leckeren Inhalt. Die erläuternden Erklärungen der Reklamcköchin, die der Abschmeckerei vorangingen, prallten an der Mehrheit der Anwesenden ziemlich interesselos ab, denn: grau ist alle Theorie, aber färben- und geschmackprächtig lockte hier die Praxis. Während die Nase die faszinierenden Düfte einsog, iormten sich die Hände schon ungeduldig zum Empfang des Tellers. Man wußte schließlich das ein«� ziemlich satt war man geworden, welch schönes, herrliches Gefühl! Und aus einem Herzen voll über- strömender Dankbarkeit klang es:„das hat wirklich ausgezeichnet geschmeckt, schönsten Dank!" Höchst befremdeter, verständnisloser Blick der kochenden Werbedam«, dem sich die übrige Teilnehmerschaft voll und ganz anschloß. Aber was verschlug dies alles: Man war sott geworden, das Schwächegefühl in der Magengrube war für ein paar Stunden bezwungen, nun konnte der Kampf mit dem Schicksal und all seiner grausamen Härte von neuem losgehen! Rückschau. „Aus der Praxis des Arbeitsrechts" berichtete Minisie- rialrat Joachim im Rahmen der Veranstaltung der Deutschen Welle. Besonders wichtig waren seine Ratschläge, auf welchem Wege man sich über orbeitsrechtliche Spezialfragen seines Berufes unterrichten und wie man eine Klage bei dem Arbeitsgericht ein- leiten kann. Die rascheste und eingehendste Auskunft vermögen in solchen Fällen stets die Organisationen zu erteilen, die über alle ihren Berufszweig betreffenden gesetzlichen und tariflichen Bestim- mungen natürlich genau informiert sind. Besonders warnte der Vortragende vor der leider noch häufig geübten Unsitte, sich in Rechtsfragen bei guten Freunden Rat zu holen, die keine oder nur sehr geringe Kenntnisse der gesetzlichen Grundlagen hoben. Wich- tige Zeit wird so versäumt und mancher Fehler begangen, der sich nicht wieder gut machen läßt, oder der doch mindestens schweren Schaden bringt. Der organisierte Arbeiter holt sich in Fragen des Arbeitsrechts jck>e Auskunft bei seiner Gewerkschaft, die ihn am gründlichsten aufklären und beraten kann. Außerdem wies Ministerialrat Joachim auf die den Arbeitsgerichten angeschlossenen Stellen hin, die dem Recht Suchenden offen stehen. Es ist außer- ordentlich zu begrüßen, wenn durch solche Vorträge dem einzelnen gezeigt wird, wie er sich sein Recht in Arbeiissragen suchen kann; denn oft wagen gerade jene, die es am nötigsten haben, keine Klage beim Arbeitsgericht, weil sie das für ein außerordentlich schwieriges und kostspieliges Unternehmen halten. Im Programm der Aktuellen Abteilung der Funkstunde hörte man einen Vortrag„Die Psycholdgie des Berufsverbrechers" von Professor v. A l l e s ch- Greifswald. Daß die asoziale geistige Einstellung des Berufsoerbrechers, feine Unfähigkeit, die mensch- liche Gemeinschaft als die natürliche Fortsetzung des eigenen Ichs zu empfinden, ihn auf die Bahn des Verbrechens treiben und beim' Verbrechen verharren läßt, bedurfte für den Laien kaum noch der wisienschastlichen Begründung. Wichtiger war der Hinweis, welch« Kosten der Volksgemeinschaft durch solche minderwertigen Mitglieder erwachsen. In England hat man die Nachkommen einer solchen Frau seit 1140 statistisch erfaßt, von denen eine verhältnismäßig hohe Anzahl wieder regelmäßig straffällig wurde. Seit 1740 sind dem Staat durch diese Familie Kosten in Höhe von Z Millionen Mark entstanden. Diese interessante Feststellung konnte dem nach- denklichen Hörer zweierlei beweisen: die Notwendigkeit, das Ver- brechertum systematisch zu bekämpfen— und die Erfolglosigkeit der Jahrhunderte hindurch geübten„Bestrafung" des Verbrechens als Abschreckungsmittel. Tes. Freitag, 24. April. 16.05 16.. Iii 16.50 17.50 17.50 18.00 18.35 19,00 70.30 20.40 21.10 22.15 16.00 16.30 17.30 18.00 18.30 19.00 19.25 Berlin. Balladen.(Hans Wrana, Bariton. Flügel: Julias Bürger.) Telegramm nach Ueberscc.(Hans Priwin.) Unterbaltuagsmusik. Fr. Müller und W. Thiele: Los Angeles mit oder ohne Deutschland? Das neue Buch. Schmückle: Engel Hilteosperger.(Am Mikrophon: Dr� Hermann Borchardt.) Ludwig Koch: 2000 Jahre Musik.(Mit Schallplalten.) Jochem Klepper liest eigene Erzählungen. Unterhaltungsmusik. Tages- und Sportnachrichten- Uraufführung. Karol Rathaus: Präludium and Toccata für Orgel, op. 32. (Prof. Fritz Heitmann, Wciglc-Orgcl.) „Altona 19097 und die Liebe." Satirische Rundfunkdichtung von Joachim und Waldemar Maas. Regie; Max Bing. Wetter Nachrichten und Sportnachrichten. Abcndunterhaltong. Königswustcrhansen. Oberschullchrer F. Pirner; Zeichenunterricht in der Volksschule Leipzig; Konzert. Rechtsanwalt Stegmann: Wie steht es um die Saarfrage? Dr. Siegert: Wirtschaftslage in Südosteuropa. Dr. Arnold Hahn: Zauberei, Magie und Heilkunde. Wissenschaftlicher Vortrag für Tierärzte. Dr. Else Hildebrandt; Die Arbeiterfrau als Hausfrau und Mutter. und welter für Verlin. Weiterhin mild, trocken und ziemlich heiter. Winde aus östlicher Richtung.— Für Deutschland. Im Westen des Reiches wolkig, im übrigen Reiche meist heiter, überall mild und trocken. �(BefdiäftS'Jtnjdger t fSSezivfc ytorden- Cften Kartoffel-Konter G.ni.b.HN NW 40. Heldestr. 90.— Hansa 4040. liefert Speisekarteffeln für GroB-Verbrauchcr, Kantinen u. Behörden «C „Nordsee Deutsche Hochseefischerei ■ven Ak.O. Brannenstr. 02 und Belnlrkendorfer Str. 47 Moabit, Huttenstr. 3. Charlottenbnra:. Reichsstr. 99 Scbmargendorf, Berkaer Str. 4 Wilmersdorf. Berliner Str. 39 Tägl- frische Fische- billigste Tagespreise KHacherwaren und Fischkonsorven Wer braucht $fenu.Kodiherde: Nur gute und bülige Qualitätsarbeit, auch auOerhtlb GroB-Berlins Fiiesenami* BainerainiK Berliner Töpferhütte GmbH M<> Berlin SO 36 /• Schlesische Straße 42 Fernapracher: Amt F 8 Oberbaum 0319 Fr. Fischer& Co. gegründet 1899 Büro- und Kartothek-Möbelfabrik Kompletter Innen-Ausbau Johannisthal, Waldstr. 14-15 Telephon: Oberspree F. 3 0732/33 maierhQtte Berlin G.m.b.H. 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