Morgenausgabe Nr. 198 o., Xiöö" 3 �t9 8 WSche»tNch SV Pf, monatNch Z.kv tm voraus zahlbar, Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitun gs- und 72 Pf. Postbestellgedühren. Auslands» abonnement 6.— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksache»»» vorto 6.— M. * Der.vorwärts' erscheint wochentög» lich zweimal. Sonntags und Montag» einmal, die Abendausgabe für Berlin und im kiandel mit dem Titel.Der Abend" Illustrierte Beilage.Volt und Zeit" Ferner.Frauenstimme". �Technik".Blick in die Bucherwelt", .Iugend-Vorwärts"u..Stadtbeilage� �G> Berliner SoltSvlatt Mittwoch 29. April 1931 Groß-Äerlm Iv pf. Auswärts 15 Z7s. Die einspalt. Nonparetllezeile 8V Pf. Reklamezeile 5.— RÜZt.„Kleine An- zeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), jede» weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Tmif. Stellengesuche das erste Wort 1Ü Pf, jede» weitere Won Ii) Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile LV Pf Familien» anzeigen Zeile 40 Pf Anzeigenannahme tm Hauptgeschäft Lindenstraße 3. wochen- täglich von 8�/, bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablebnung nicht genehmer Anzeigen vorl Jentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands ReOlktion und Verlag: Berlin SW 68, Sinbenftr. 3 Fernsprecher: Dönbofs 292—297 Telepramm-Adr: Eozialdemokral Berlin. Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 S3K.— Bankkonto: BankderArbeiter.Angestellten und Beamten, Lindenstr.3,Dt.B.u.Diec.»Ges.,Depostt«nk.,JernsaIemer Str. SSM. Roch keine Entscheidung! Das Kabinett hat sich vertagt. Gestern abend wurde gemeldet: Das Reichskabinett nahm in seiner heutigen Sitzung unter dem Vorsitze des Reichskanzlers und in Anwesenheit des Reichsbank- Präsidenten den Bericht über die Ergebnisse der gestrigen VerHand- langen zwischen den beteiligten Ministerien entgegen, die im Reichs- Ministerium für Ernährung und Landwirtschast stattgefunden haben. Darauf wurde die gesamte agrarpolitische Lage eingehend durch- gesprochen. Die Entscheidung des R e i ch s ka b i n e t t s steht unmittelbar bevor. Als diese Meldung herauskam, hatte sich jedoch das Kabinett, ohne Beschluß gefaßt zu haben, wieder vertagt. Die Entscheidung ist erst heute, vielleicht auch erst morgen zu erwarten. Nach einer Meldung der Telegraphen-Union soll zu er- warten sein, daß das Kabinett sich m i t M e h r h e i t der A"stassung des Reichsernährungsministers hinsichtlich der meisten Zollpositionen anschließt. Jedoch wird angenommen, daß die vom Ernährungsministerium geforderte Butter- erhöhung noch nicht beschlossen werden wird. Weiter ist damit zu rechnen, daß das Kabinett in den nächsten Tagen für ein bestimmtes Kontingent eine Senkung der Brotgetreidezölle vornimmt. Offen ist zur Zeit noch die Höhe des Kontingents, da der Be- darf bis zur neuen Ernte verschieden hoch geschätzt wird. Brüning beim Zenirum. Seine Partei ist vöttiq mit ihm einverstanden Der Vorstand der Reichstagsfraktion des Zentrums hielt am Dienstag eine Sitzung im Reichstag ob, an der u. a. der Reichs- kanzler Dr. Brüning sowie die drei Kabinettsmitglicder des Zentrums teilnahmen. Der Reichskanzler gab dem Vorstand, ähnlich wie er es in den letzten Tagen verschiedentlich getan, einen Ueberblick über die gegen- wärtige Lage. In der nachfolgenden Aussprache berichteten die Vor- standsmitglieder über ihre Beobachtungen und Erfahrungen im Lande. Die westdeutschen und sch les isch en Abgeordneten gaben u. a. Kenntnis von dringlichen Wünschen de r Be- v ö l k e r u n g in den West- und Ostgebieten(Bleibergwerk und Zink- industrie im Aachener Revier, schlesische Gewerbezweige). Lebhaft bedauert wurde, daß die Ausfllhrungsbestimmungen zum O st Hilfegesetz noch nicht erlassen seien. Die schwebenden agrarpolitischen Fragen waren Gegenstand sachlicher Er- örterung. Der im Brennpunkt der öffentlichen Diskussion stehende Vorvertrag mit Oe st erreich wurde als im Interesse einer gesunden europäischen Entwicklung liegend gebilligt. In allen be- rührten Fragen herrschte nach der parteiamtlichen Mitteilung völlige Uebereinstimmung der Vorstandsmitglieder mit der„klar" erkannten und zielbewußten Haltung des Reichskanzlers". Anleihe für die Neichspost. 150 Mill. Schahonweisungen.— Davon 50 MM. für Ausbauten. Ein unter Leitung der Reichsbank stehendes Konsortium wird demnächst 15» Millionen Mark Kprozentige Schatzanweisungen der Deutschen Reichspost, fällig 1. Oktober 1333, zum Kurse von 96 Proz. zur Zeichnung auflegen. Die Postschatzanweisungen sind r e i ch s- mündelsicher und lombardsähig. Der zur Ausgabe gelangende Betrag dient in Höhe von 100 Millionen zur Einlösung der am 15. Juni und 15. Juli des Jahres fällig werdenden unverzinslichen Reichspostschatzanwcisungen. Darüber hinaus sind die der Post zu- fließenden Mittel zum Ausbau ihrer Anlagen bestimmt. Die Anleihe ist für den Verlaus ans Publikum bestimmt. Die Ablösung der 100 Millionen unverzinslichen Schatzanweisungen wird der Finanzlage des Reiches insofern zugute kommen, als die Banken durch die Ablösung für Reichszwecke Mittel freibekommen. Die Esfektivverzinsung der 2�. Jahre laufenden Post- schatzanweisungen ist mit rund 8 Proz. sehr hoch und macht das die Anleihe zu einer guten Kapitalanlage. Briand oder Doumer? Frankreichs Aaiionalisien gegen Briands Kandidatur zur �rasidentfchast. pari», 28. April.(Eigenbericht.) Der nalionalistische„Figaro" macht sich am Dienstag in seiner Kampagne gegen die eventuelle Wahl Briands zum präsidealen der Republik zum Sprachrohr des Abg. F r a n t t i n- B o u U t o n, der in den Wandelgängen der Kammer erklärt haben soll, daß Senatspräsident Doumer ossi- zieller Kandidat für die Präsidentenwahl sei und Briand Doumer versichert habe, er würde in diesem Fall nicht gegen ihn kandi- Vieren. Diese Behauptungen de» reaktionären Abgeordneten sind nicht» als Ko m b l o a t i o n e n, die den Zweck haben, die Wahl Briands zu hintertreiben. Sie können ober gerade das Gegenteil zur Folge haben, wahrscheinlich wird sich Br i a n d e r st in der nächsten Woche darüber äußern,»b er seine Kandidatur auf- stellen läßt oder nicht. Seine Entscheidung dürste vor allem von dem Ausgang der Znterpellalionsdebalte über das deutsch- österreichische Zollabkommen abhängen, die die Recht»- Parteien setzt verhindern möchten, da Briand ein Vertrauensvotum erhalten könnte, wenn das der Fall ist und Briand sich dann als Kandidat ausstellen läßt, ist seine Wahl zum Präsidenten so gut wie sicher. Reue Spionagemärchen in der Naiionalisten-Presse. Paris, 28. April.(Eigenbericht.) Wie aus Straß bürg gemeldet wird, ist der unter dem Verdacht der Spionage oerhastete Zeichner Krieger am Dienstagmittag in Freiheit gesetzt worden, d» ein'mll:- tärischer Sachverständiger dem Untersuchungsrichter erklärt hat, daß die in der Wohnung Kriegers gefundenen Pläne wertlos seien. Die nationalistische„ßibertä" meldet zugleich, daß in Straßburg eine neue Spionageaffäre ausgedeckt worden sei. Ein früherer deutscher Polizeibeamter namens Wlading, der nach dem Kriege sür Frankreich optierte und als Kommissar bei der französischen Sicherheitspolizei im Elsaß und Lothringen angestellt wurde, soll vor zwei Monaten aus geheimnisvolle Weife verschwunden sein und zahlreich« Dokumente über den Grenzausbau sowie die Photographien von sieben Agenten des franzosischen Spionagedienstes mitgenommen haben. In Aus- Übung seiner verschiedenen Aemtcr habe sich Wlading genau über die Grenzverteidigungsarbeiten unterrichten können, er habe auch mehrmals mit Agenten des französischen Spionagedienstes zu- sammcngearbeitet. Als er aus Straßburg flüchtete, sollen sich diese sieben Agenten in Deutschland befunden haben, wo sie mit der Ueberwachung einer Anzahl deutscher Spione beauftragt ge- wesen wären, die im Verdacht gestanden hätten, die französische Grenz« überschreiten zu wollen. Da seit zwei Monaten von diesen sieben Agenten jede Nachricht fehle, nehme man an, daß Wlading sich gleichfalls in Deutschland aushalle. Unter den von Wlading gestohlenen Dokumenten soll sich auch der G e h e i m s chl ü s s c l für den Brief- und Telegrammverkehr zwischen den franz»sisch-n Milltärstellen und der Sicherheitspolizei befinden. Die Straßburger staatlichen Behörden und die Pariser Zen- träte der Sicherheitspolizei erklären, daß man von der von der „Liberte" gemeldeten Spionageaffäre bisher nichts wisse und sich unter den Beamten der Sicherheitspolizei niemand namens Wlading befinde. Auch Belgien nach Genf eingeladen. Oesterreich, Belgien und die Tschechoslowakei sind vom General- sekretär des Völkerbundes, da die Frage der österreichisch-deutschen Zollunion auf der Tagung des Rats im Mai steht, zu diesen Be- ratungen eingeladen worden. Für Oesterreich und die Tschechoslowakei ergibt sich das Interesse von selbst. Belgien wird hinzugezogen, weil es sich nachträglich den Garanten für das Völkerbundsprotokoll vom Jahre 1322 an- geschlossen hat, das Oesterreich seine unantastbare Souve- r ä n i t ä t garantiert und es verpflichtet, politisch und wirtschaftlich selbständig zu bleiben. BaNon-Notlandung in Polen. Nkver Stoff für nationale Entrüstung. Warschau, 23. April. Auf dem Gebiete des Landgutes Swierzyn im Kreise Riescawa ist heute ein deutscher Luftballon mll drei Jnsosien not- gelandet. Die Passagiere kamen unverletzt davon. Vertreter der Polizei- und Militärbehörden sind am Unfallorte eingetroffen. Zollkampf im Kabinett. Vor schwerwiegenden Entscheidungen. Von Rudolf Breitscheid. Die volksparteiliche„Kölnische Zeitung" schließt einen Artikel, der sich über die nächsten Pläne der Reichs- regierung verbreitet, mit der Feststellung, „daß die Regierung Brüning an einem Wendepunkt angelangt ist, wo sie sich zu einer eindeutigen Wirtschaftspolitik bekennen und die bisherige Zwiespältigkeit einer gleichzeitigen Zoll- erhöhungspolitik einerseits und Lohn- und Preispolitik anderer- seits aufgeben muh" Es braucht kaum besonders betont zu werden, daß wir in dieser Frage mit dem volksparteilichen Organ durchaus einer Meinung sind. Nicht erst seit heute und gestern haben wir auf die Unvereinbarkeit des Lohn- und Gehalts- abbaus mit einer die Lebensmittel verteuernden Zollpolitik hingewiesen, und jedermann ist sich nachgerade darüber im klaren, daß die mit soviel Nachdruck angekündigte Preis- senkungsaktion, gerade was die wichtigsten Gegenstände des täglichen Bedarfs angeht, an einem System scheitern mußte, das den schutzzöllnerischen Forderungen der Grünen Front Rechnung trug. Und nun werden von dem Minister Schiele Ansprüche angemeldet, deren Erfüllung die Lage der breiten Konsumentenmassen noch weiter verschlechtern würde. Die„Kölnische Zeitung" macht ihre Bemerkungen im An- schluß an eine Polemik gegen den Plan einer neuen ErhöhungdesButterzolls. Gewisse Anzeichen lassen darauf schließen, daß in dieser Beziehung das Kabinett wenigstens für die nächste Zeit gegenüber den agrarischen Wünschen f e st b l e i b e n wird und der Widerstand, den einige seiner Mitglieder von Anfang an geleistet haben, wird zweifellos noch durch die Proteste verstärkt worden sein, den, wie wir wissen die an der Buttereinfuhr nach Deutschland interessierten Staaten, wie Dänemark, Schweden» Lettland und die Niederlande, in den letzten Tagen im Auswärts- gen Amt eingelegt haben. Aber schließlich geht es nicht nur um die Butter und ganz allgemein auch nicht um die Abwehr neuer agrarischer Vorstöße. Die„eindeutige Wirtschafts- Politik" verlangt darüber hinaus gebieterisch Maßnahmen zur Beseitigung von Preissteigerungen, die schon vor der Er- örterung der neuen Schieleschen Zollplöne in Erscheinung ge» treten sind. Wir denken da natürlich ln erster Linie an das Brot. Schon vor einer Woche hat der Vorstand der sozialdemo- kratischen Reichstagsfraktion den Reichskanzler auf die U n- erträglichkeit der Brotpreiserhöhung, wie sie in einer ganzen Reihe von deutschen Städten vorgenom- men worden ist, aufmerksam gemacht. Bis jetzt ist nichts an- deres erfolgt, als das Angebot einer Art von Kriegs- oder Kommißbrot, das als Ersatz für das normale Brot doch nur im Sinne des Kriegsersatzes gelten kann. Die Regierung wird sich hoffentlich nicht der Illusion hingeben, daß sie auf diese Weise der auf Drängen der Sozialdemokratie in das Ge- setz vom 28. März 1931 eingefügten Verpflichtung einer Vor- beugung jeder Brotpreiserhöhung Rechnung tragen könne, denn es war wahrhaftig nicht der Sinn jener Klausel, daß eine Verteuerung der RaHrungsmittel durch ihre Verschlechterung hintangehalten werden soll. Die Forderung nach einem Eingreifen, das der gesetzlichen Bestimmung ent- spricht und sie nicht zu umgehen sucht, wird daher mit aller Entschiedenheit wiederholt. Die Ablehnung, über- nommene Pflichten zu erfüllen, würde für das Kabinett Brüning eine ebenso schwere Belastung bedeuten wie die Zustimmung zu dem neuen von Herrn Schiele vertretenen Programm. Aber auch dessen soll man sich bewußt bleiben, daß, selbst wenn jetzt den Interessen der Verbraucher not- wendigste Zugeständnisse gemacht werden, damit den sonstigen Projekten, die in diesen Tagen von der Regierung erörtert werden, noch nicht die Bahn frei- gemacht ist. Wenn das volksparteiliche Organ in Köln sich mit so anerkennenswertem Eifer gegen eine Uebersteige- rung der agrarischen Wirtschaftspolitik einsetzt, so wird es wahrscheinlich glauben, damit die Voraussetzung zu seiner und seiner Freunde Zustimmung zur Rückwärtsrevi- dierung der Sozialpolitik und möglicherweise zu einem weiteren Abbau der Löhne geschaffen zu haben. Hier aber trennen sich unsere Wege, denn die aus den Kreisen der Deutschen Volkspartei und des von ihr vertretenen Unternehmertums stammenden Vorschläge zur Beseitigung des finanziellen Defizits sind für die Sozialdemokratie selbst- verständlich unannehmbar. Sie laufen darauf hinaus, daß ausschließlich das arbeitende Volk j)ic aus der Wirtschaftsnot erwachsenden Lasten tragen sollew Es gibt kaum noch e t n Gebiet der sozialen Versicherung, gegen das nicht Sturm gelaufen und das nicht als besonders geeignet für Ersparnisse bezeichnet wird. Natürlich unternimmt man diese Vor- stoße im Namen der Wirtschaft und ihrer Gesundung. Senkung der industriellen Preislage zur Ermöglichung der Konkurrenz mit anderen Ländern ist immer wieder die Parole, obwohl sich herausgestellt hat, daß die durch- geführte Lohnsenkung in keiner Weise die angekündigte Konjunkturverbesserung nach sich gezogen hat. Jetzt will man uns glauben machen, daß ein rücksichtsloses Weiterschreiten auf dem betretenen Wege schließlich doch zu dem ersehnten Ziele führen werde, und demselben Zweck soll es dienen, wenn außerdem der Gedanke einer Verkürzung der Arbeitszeit aufs heftigste bekämpft wird. Dabei taucht auch die andere These wieder auf, daß die Basis für die Einleitung von Verhandlungen über die Revision des Poung-Planes nur durch die Bereinigung der inneren Verhältnisse geschaffen werden könne und daß diese Bereinigung nur unter voller und ausschließlicher Wahrung der Interessen des privatkapitalistischen Unternehmertums erfolgen dürfe. Ob Reparationsverhandlungen zur Zeit überhaupt mit Aussicht auf Erfolg begonnen werden können, und ob das Kabinett selbst alles getan hat. um die notwendigen außenpolitischen Vorbedingungen für sie zu schaffen, mag heute dahingestellt bleiben. Soviel aber ist sicher, daß auch die Aufzeigung solcher an sich zweifellos ver- lackenden Möglichkeiten die Sozialdemokratie nicht veranlassen kann, sich mit der Art einverstanden zu er- klären, mit der die Volkspartei und ihre Hintermänner die Revision vorbereiten oder vorbereiten zu wollen behaupten. Würde die Regierung Brüning diese für die Arbeiterklasse verhängnisvollen Methoden zu den ihrigen machen, so liefe sie Gefahr, in noch ganz anderem Sinne an einen Wende- p u n k t zu gelangen, als es der ist, der durch die Notwendig- keit einer Entscheidung über die Schieleschen Forderungen erreicht ist. Lettland droht Boykott an. Wenn der deutsche Butterzoll erhöht wird. Aus Riga wird gemeldet, daß die Butterzollforderun- gen Schieles dort die größte Beachtung finden. Man hofft, daß die Reichsregierung die handelspolitischen Folgen reiflich über- legen werde. Lettland werde sich für seinen Industrie- bedarf, wenn die lettische Buller von Deutschland ausgesperrt werde, an Länder halten müssen, die auä) die lettischen Produtte beziehen wollen. Wieder ein Gchacht-Znterview. Neue Ludendorfferei des ehemaligen Reichsbanspräsidenten. . Di«„Frankfurter Zeitung� berichtet über ein Jtttermew. das. Dr. Schacht dem Redakteur Leurquin der Antwerpener Wirtschaft» zeitung„Neptune" gegeben hat. Sie nennt Schachts Aeußerungen „mehr als eigenartig" und gibt diese nur unter Vorbehalt wieder. Danach sieht Schacht Deutschlands Heil in kombinierter in- landischer und ausländischer Aktion. Im Inland müßten die So- zialgesetze aufgehoben werden, die in skandalöser Weis« den Arbeiter auf Kosten des beraubten Bürgertums begünstigen.(!) Sodann müßten auf einer neuen internationalen Konferenz die ReMarationszahlungcn beseitigt werden, und man müsse zu einer wirtschaftlichen Verständigung Europas kommen. Frankreich könne noch warten, Deutschland nicht mehr. Im deutsch- österreichischen Abkommen sei der Weg gewiesen. Eine deutsch-stan- zäsische Verständigung seinurmitdenRechtsparteienund P o i n c a r 6, nicht mit den Linksparteien und Briand möglich. Er, Schacht, habe im Haag die einzige noch besteheside Reibungsfläche inll Belgien, Eupen-Malmedy, beseitigen wollen, aber Francqui habe sich ihm in den Weg gestellt. In Deutschland müsse die gegen- wärtige Situation ein Ende nehmen. H i t l er werde bald in die Regierung eintreten, und der Kanzler Brüning müsse mit den Sozial- demokraten brechen, um die Konzentration der Rechten wieder auf- zunehmen. Mit Rußland Geschäfte zu treiben, sei ein Wahnsinn, aber eine Folge der moralischen und politischen Quarantäne, in der Deutschland durch seine östlichen Nachbarn gehalten werdet Wenn Dr. Schacht diese Aeußerungen gemacht hat, wundern wir uns nicht. Schacht macht längst Ludendorff in der Politik Kon- kurrenz. Freilich war Ludendorfs kein deutscher Reichsbankpräsident, der im Inland und Ausland ein gewisses Ansehen zu verlieren hatte. Man muß es Schacht lassen� daß er es damit sehr eilig hat. Ernst nehmen kann man Schachts Proklamationen nicht mehr. Immerhin notieren wir, daß Schacht die Beseitigung der Reparationszahlungen, die Aufhebung der Sozialgesetze und den gewünschten Eintritt der Nationalsozialisten in die Regierung in einem Atem- zuge genannt hat. Schacht ist immerhin Hitlers Favorit. Lobe spricht in Prag. Deutsche Radau-Etudenten fliegen hinaus! Prag, 28. April.(Eigenbericht.) Die deutsche sozialdemokratische Bezirtsorganisation Prag veranstaltete am heutigen Abend eine Versammlung im großen Saal der Produktenbörse. T a u s e n d e deutsche und tschechische Arbeller, Angestellte und auch Bürgerliche füllten den Saal bis auf den letzten Platz, zumal Reichstagspräsident Genosse Paul Lobe als Referent über„Faschismus, Demokratie und Sozialismus in Europa" ange- kiindigt war. Gleich nach Eröffnung der Versammlung oersuchten Hakenkrcuzler, zumeist Studenten, zu stören. Sie feuerten einige Schüsse gegen die Decke ab. warfen Snall- crbsen und Siinkbomben in den Saal, wurden aber rasch durch die Ordner an die Lust gesetzt, wobei sie sich mit Schlagringen und knüppeln zur wehr fehlen. Lobe konnte dann ungestört, nur wiederHoll durch stürmischen Beifall unterbrochen, sein Referat halten, das vom Senatspräsi- deuten Genossen Dr. Franz S o u k u p ins Tschechische übersetzt wurde. Gegen Schluß der Versammlung entstand im Treppenhaus der Produktenbörse neuer Krawall, gegen den die Polizei ein- schritt: sie nahm 13 Verhaftungen deutscher Nazis vor, darunter einem Nazi, der einen unserer Genossen mit dem Schlagring im Ge- ficht verletzt hatte. Oer Mann im Schlafwagen. Goebbels wird vorgeführt.— Acht Beleidigungen zur Verhandlung. Aus dem Polizeipräsidium durch zwei Kriminalbeamte Zwangs- weise vorgeführt, erschien gestern Dr. Joses Goebbels endlich vor dem Erweiterten Schöffengericht Charlottcnburg, um sich wegen acht seiner üblichen Beleidigungen zu verantworten. Die Anklagen lauten auf Beleidigungen von Beamten des Bezirksamts Schönebsrg, des früheren Ministers Grzefinski, des Kom- mandeurs Heimannsberg, des Polizcioizeprästdenten Dr. Weiß, des Polizeiwachtmeisters Busse und des Kriminalkommissars Busdorf, des früheren Polizeipräsidenten Zörgiebel(8Z 185 ff.), sowie auf Be- schimpfung der jüdischen Religionsgesellschaft(§ 166). Nach Verlesung der Eröfsnungsbeschlüsse erklärte Dr. Goebbels, daß er, nachdem er auf Anordnung des Gerichts zwangsweise vor- geführt sei,„diesem" Gericht keinerlei Aussagen zu machen gedenke. Er sei von mit Revolvern bewaffneten Beamten fest- genommen, wie ein Schwerverbrecher nach Berlin begleitet und wie ein Defraudant oder Sittlichkeitsoerbrecher in eine Einzelzelle ge- sperrt worden. Das sei ein Verfassungs- und Gesctzesbruch, da auch die neuen Bestimmungen über die Aufhebung der Abgeordneten- immunität klar sagten, daß die politische Betätigung des verfolgten Abgeordneten nicht beeinträchtigt werden dürfe. Er aber habe bei seiner Festnahme in München gerade einer Führcrtagung seiner Partei beigewohnt. Einem Gericht, das mit ihm auf diese Weise ver- fahren sei, gebe er keine Erklärungen. Landgerichtsdirektor R a m b k e fordert Dr. Goebbels in äußerst höflicher Form auf, seine Ausführungen über die Vorführung von sich aus durch eine historische Schilderung des Sachverhalts zu er- ganzen. Goebbels weicht dieser Aufforderung aus und wiederholt mit fast hysterisch kreischender Stimme, es sei unerhört, daß ein Mitglied des Fraktionsvorstandes der Nationalsozialisten derart behandelt sei; das sei nur geschehen, weil er einer Oppositionspartei angehöre. Staatsanwaltschastsrat S t e n i g stellt darauf den Antrag, a n Hand der Akten festzustellen, in welcher Weise Goebbels sich die ganze Zeit über dem Gericht entzogen hat. Je weiter diese Feststellungen fortschreiten, um so kleiner wird der große Goebbels. Dör erste Termin war auf den 29. September 1930 festgesetzt. Goebbels erschien nicht und berief sich in einem ärztlichen Attest, das erst am Termintage beim Gericht eingegangen war, auf eine angeb- liche Magenkrankheit. Das Gericht fand die Abwesenheit des An- geklagten für nicht entschuldbar und beschloß seine Vorführung. Die Beschwerde des Verteidigers gegen diesen Beschluß wurde von der Strafkammer verworfen. Am zweiten Verhandlungstermin, am 13. Oktober, ging ein Schreiben des Verteidigers ein, in dem er erklärte, Goebbels würde schon aus dem Grunde nicht erscheinen, weil er den Vorführungsbefehl als Ungerechtigkeit empfinde und sich nicht anders behandeln lassen wolle, als dies bei kommunistischen Redakteuren der Fall sei. Das Gericht hiell sich diesmal die Beschlußfassung über die zu treffenden Maßnahmen vor: der d r i t t e Verhandlungstermin wurde auf den 18. Dezember festgesetzt. Go«bbels bliebt jetzt einfach ohne Entschuldigung fort. Die Beschwerde der Verteidigung gegen den neuen Vorführungsbesehl wurde sowohl von der Strafkammer als auch vom Kammergericht verworfen. Im Februar hob der Reichstag Goebbels' Immunität auf und erklärte seine Vorführung vor Gericht für zulässig. Der neu« Termin war für den 27. Aprll angesetzt. Am 21. April erhielt dos Gericht ein Schleiden des' Verteidigers, in dem er bat, die Verhandlung zu vertagen, da Goebbels an einer Führertagung in München teil- nehmen müsse. Das Gericht ließ dem Verteidiger den Bescheid zu- kommen, daß die Geschäftslage es nicht erlaube, Goebbels' Wunsch zu entsprechen. Erst während des Telephongesprächs am Berhand- lungstage selbst teilte Goebbels' Privatsekrstär, Graf Schimmelmann. dem Gericht mit, daß auch eine Fraktionssitzung der NSDAP, stattfinde. Goebbels' Aufenthaltsort sei ihm unbekannt. „Es sind doch im Sprachausdruck zwei verschiedene Dinge. Fraktions- sitzung und Führertagung", sagte der Vorsitzende ironisch zum An- geklagten.„Wollen Sie sich vielleicht zu den Gesamtfeststellungen äußern?" Goebbels erklärte hierzu mit Emphase, daß er bei der ersten Ladung durch seine Ueberan strengung bei den Reichs- tagswahlen gesundiieitlich heruntergekommen war. Das müsse doch das Gericht einsehen. Wenn er am 13. Oktober, dem Tage der Reichstagseröffnung, nicht erschienen sei, so gebe er zu, sich mit voller Absicht der Vorführung enhogen zu habe«. weil anders er seine Abgeordnetenpflichten gröblichst verletzt hätte. Er sei d o ch k e i n K i n d, das sich mit Rasfinesse in Schulbubenart einer Verhandlung entzöge. Gestern sei er auf einer Führertagung, die zugleich erste Fraktionssitzung der Nationalsozialisten nach dem Auszug aus dem Reichstag war, unbedingt zum Erscheinen ver- pflichtet gewesen, da hochwichtige politische Entscheidungen zur De- batte standen. Und da habe man ihn in einer Weis« behandeln lassen, die ihn verhindere, zur Sache auszusagen. Nun entspann ssch folgendes Zwiegespräch: Vorsitzender: „Aber w i e sind Sie denn behandelt worden? Die Beamten waren doch sicher sehr höflich, wie es sich für anständige Menschen gehört."( Goebbels:„Sie haben mich beim Essen se st genommen und sich im Schlafwagen neben mich gesetzt." Vors.: „Aber dann haben doch die Beamten nur ihre Pflicht getan." Da wußte Goebbels nicht weiter. Vielleicht dachte er daran, wie wohl im„Dritten Reich" zwangsweise Vorzuführende behandelt werden würden. Da Goebbels bei seiner Weigerung verharrte, irgendwelche Erklärungen zur Sache selbst abzugeben, trat das Gericht in die Ver- Handlung ein. Es kam die Nummer des„Angriff" zur Verlesung, die die Beleidigung des Kriminalkommissars Bus- darf enthält. Im Zusammenhang mit dem Magdeburger Fall Schröder-Haß wird darin von Busdorf behauptet, er habe nach der Revolution plötzlich sein sozialdemokratisches Herz entdeckt, es sei ihm gegenüber deshalb äußerste Vorsicht geboten. Rechtsanwalt Kameke beantragt die Ladung von Zeugen und bittet, wenn möglich, die Verhandlung erst Mittwoch früh fort- zusetzen. Er ersucht auch, Goebbels von der Pflicht zur Anwesenheit im Gerichtssaal zu entbinden, da er ja wettere Erklärungen nicht abgeben würde. Staatsanwalt Stsnig hält gleichfalls Goebbels' Anwesenheit sür überflüssig. Das Gericht beschließt, auf Goebbels' Anwesenheit im Gerichts- saal zu verzichten. Die Beamten, die ihn aus dem Polizeipräsidium herbeigeschasft haben, werden von ihrer Verpflichtung, auf Goebbels acht zu geben, befreit. Die Fortsetzung der Sitzung findet heute morgen. 9 Uhr, statt. Hakenkreuz vor dem MinistersesselO Sine enttäuschte Hoffnung. Bei der gestrigen Verhandlung gegen Goebbels kam es zu einer interessanten Episode. Als der Vorsitzende den Schriftwechsel zwischen dem Gericht und dem Verteidiger des Dr. Goebbels, Rechts- anwall Graf von der Goltz, verlas, hörte man den Wortlaut einesSchreibens.das Goltz kurz vor der Reichstagserösfuung, am 11. Oktober 1930, an das Gericht gesandt hatte. Darin wird behauptet, Goebbels könne unmöglich am 13. Ottober vor Gericht erscheinen, da seine Fraktion wichtige Verhandlungen angesetzt hätte. Wahrscheinlich würden die Nationalsozialisten mit der Regierungsbildung beaustragt werden, und wenn Dr. Goebbels als einer ihrer Führer bei der Sitzung fehle, könne die Lösung der Regierungsneubildung hinaus- geschoben oder verhindert werden! Damals sahen sich die Nazis also schon auf der Regierungsbank, sie fühlten sich schon als Reichsminister. Die Hoffnung auf die „Futterkrippe" ist ihnen ja nun zerstört worden. Und man kann ihren abgrundtiefen Haß gegen die Sozialdemokratie verstehen, die ihnen den Sprung in die Ministersessel gründlich versalzen hat. Hakenkreuzflegelei im Landiag. Oer Nazi-Abgeordnete aus Kiew. Dresden, 28. April.(Eigenbericht.) Als in der Dienstogsitzung des Sächsischen Landtags Antröge auf Aushebung von Demonstrationsverboten für Leipzig und Zwickau beraten werden sollten, kom es zu heftigen Lärm- und Prügelszenen. Der nationalsozialistisch« Wgeordnet« Studentkowski. geboren in Kiew in Rußland, hielt«in« äußerst freche Rede, in der er die materialistisch« Gesichtsausfossung als primitive Unterleibsouffassung bezeichnet«, von Untermenschen sprach und schließlich sagte:„Wir wissen, daß zwar nicht jeder Marxist ein Verbrecher sst, aber daß jeder Verbrecher ein Marxist sst." Sofort drängten die kommunistischen Abgeordneten zur Rednertribüne vor, wo e? zwischen den Abgeordneten der KPD. und den nationalsozialistischen Abgeordnelen zu einer- Balgerei- kam, so' idaß der amtierend« Vizepräsident Bredtschneider sich gezwungen sah, die Sitzung aufzuheben. Der Abgeordnete Gtudentkowski erhielt einen Schlag ins Gesicht. Ein Abgeordneter griff nach dem Rednerpult und erhob es, um damit zuzuschlagen. Dos Pult fiel aber in den Raum, in dem die Stenographen arbeiteten. In der neuen Sitzung gab Vizepräsident Bredtschneid«r folgende Erklärung ob:„Auf Grund der Einsichtnahme in das amtliche Stenogramm muß festgestellt werden, daß der Abgeordnete Studentkowski sich schwerwiegende Beleidigun- gen eines Teiles der Mitglieder des Hauses zuschulden kommen ließ. Er wird deshalb von der Sitzung ausgeschlossen. Ferner wird der Abgeordnete Sindermann(KPD.) ausgeschlossen, weil er als erster auf den Redner eingedrungen ist: der Ab- geordnete Schlegel(Nationalsozialist) wird a u s g e s ch l o s s e>', weil er derjenige war, der als erster zugeschlagen hat. Desgleichen muß erklärt werden, daß die politischen Auseinandersetzungen im Sächsischen Landtag derartige Formen angenommen haben, daß alle ordnungsliebenden Elemente diesen Zustand aufs tiefste bc- dauern müssen." Die Sitzung wurde daraufhin abgebrochen. Kn'cks Hinterlassenschast. Leßte Amishandiung: Eine Amisverschiebung! Weimar, 28. April.(Eigenbericht.) Das Thüringische Staatsministerium, das am Dienstag zum erstenmal nach seiner Ergänzung zusammentrat, beschloß, den Ver- trag mti dem von F r i ck ge maßregelten Generalmusik- direttor Dr. Praetorius vom Nationaltheater in Weimar um zwei Jahre zu verlängern. Generalmusikdirektor Praetorius war von Frick gemäß» regelt worden, weil sein« Frau Jüdin ist. Frick hat noch in den letzten Tagen seiner Mini st erHerrlichkeit versucht, einem seiner Parteifreunde das Amt eines General- Musikdirektors beim Nationaltheater in Weimar zuzuschieben. Das ist glücklich vorbeigelungen. Ttazis prügeln Zentrumsmann. Die Bildung des„Dritten Reiches".' Köln. 28. April. Der nationalsozialistische Reichstogsabgeordnete Dr. L e y. der gestern abend hier nach einer oerbüßten Gefängnisstraf« in einer Nationalsozialistenversammlung über Kampfziele der Partei sprach, erging sich im Laufe semer Rede in scharfen Angriffen gegen die bürgerliche insbesondere die Zentrumspresse, wobei er eine Reihe von Ausfällen gegen«inen in der Versammlung an- wesenden Berichterstatter eines Zentrumsblattes richtete, ohne jedoch dessen Namen zu nennen. Am Schluß der Versammlung umringten einige Nationalsozialisten den Journo- listen, verhinderten ihn, den Saal zu nerlossen. schlugen auf ihn«in, traten ihn und warfen ihn schließlich von der Rednertribüne hinunter. Nur durch das Eingreifen der Polizei wurden weitere Ausschreitungen verhindert. Kasper und das„Gchandregiment". Oer Kommunist bettelt bei Eevering. Im Preußischen Landtag hielt der Kommunist Kasper «ine wilde Anklagerede gegen die letzte Notoerordnung, sprach vom „Schandregintint der neupreußischen Polizeipraxis" und zog zum Vergleich das Sozialistengesetz heran. Die Kommunisten taten riesig begeistert und riefen triumphierend, unter einem Stahlhelmminister würde es nicht schlimmer sein. Die Jungen» haben eine schöne Ahnung: fünf Minuten nach Schluß seiner Rede st and Kasper bei Severing und Abegg und unterbreitete ihnen die einzelnen Beschwerdefälle, der Tatsach« völliq gewiß, daß jede kleinliche Schikane sofort abgestellt wird- Genau so war das wahrscheinlich unter dem Sozialistengesetz, und genau so würde es unter einem Stahlhelm-Polizeiminister sein! Wenigstens in der Phantast« des Kafper-Theaterst Oanzig soll heim ins Reich— wenn Polen es doch nicht braucht! London. 28. April.(Eigenbericht.) Der„Manchcster Gunrdian" befaßt sich mit der— wie er sagt— unhaltbaren Lage Danzigs, hervorgerufen durch den von Polen geschaffenen Hafen von Edingen. Das Blatt sieht in der Errichtung des Hafens Edingen ei« Zeichen dafür, daß Pole« entschlossen ist. Tanzig so wenig als möglich zu benutzen. Wen« aber Polen zeige. daß eS Danzig nicht notwendig habe, so entfalle damit jede weitere Rechtfertigung für die künstliche, im Interesse deS polnischen Handels vorge» nommene Trennung TanzigS vom Deutschen Reiche. Wir haben am Montag das Gutachten der vom Völker- bund berufenen Juristen veröffentlicht, das die V e r p f l i ch- t u n g Polens feststellt, den Danziger Hafen zu benutzen. Offenbar schreibt das große englische Blatt in Besprechung dieses Juristengutachtens das, was oben zitiert ist. Die Folge- richtigkeit der Beweisführung des„Manchester Guardian" ist einleuchtend._ Doch nicht de! Vajo? Professor Castro für Berlin ausersehen, del Vajo für Buenos Aires. Madrid, 28. April.(Eigenbericht.) Der spanische Außenminister Lerroux erklärte gegenüber Journalisten, daß der sozialistische Schriststeller del V a y o aller Voraussicht nach nicht als Botschaster nach Berlin, sondern nach Buenos Aires entsandt werde. Als Botschafter in Berlin soll der spanische Dozent an der Berliner Universität Professor C a st r o miserseheii sein, der dieserhalb von der Regierung nach Madrid gebeten wurde. Der Ministerrat hat auf Vorschlag des Finanzministers über die Lage des Schatzamtes beschlossen, an verschiedenen Budgetaus- gaben, die von den Diktaturregierungen auf eine übertriebene Höhe hinaufgeschraubt worden waren, starke A b st r i ch e vorzunehmen. Weiter hat die Regierung verfügt, daß an den Gerichten, die über Liebcsocrbrechen abzuurteilen haben, das Geschworenen- kollegium zum Teil aus Frauen bestehen soll. Außerdem soll ein besonderes Gerichtsverfahren für Entscheidungen von Arbeitskonflikten geschaffen werden. Maßnahmen gegen die Mitglieder der letzten Regierung. Paris. 28. April. Wie Havos aus Madrid berichtet, veröffentlicht der „Staatsanzeiger" ein Dekret mix dem Datum des 14. April, durch das der Präsident der provisorischen Regierung den früheren MlnisterprSsidenten Admiral Aznar und die Mitglieder seines Kabinetts der Aemter enthebt, die sie vor dem Unisturz in Spanien mnehatten. In dem Dekret werden die betreffenden Per- sönlichkeiten nicht mehr mit ihrem Adelstitel benannt, sondern mit ihren bürgerlichen Namen. Gras Roma- nones i- B. wird alz Alvaro de Figueroa y Torres aufgeführt. Madeirafunk zerstört. Angriff der Regierungstruppen. Lissabon, 28. April. Einer amtlichen Meldung zufolge ist ein« Abteilung RegierungZ» kuppen an der Küste von Madeira, ungefähr 16 Kilometer von Funchal gelandet,»m die von den Aufständischen benutzte Funk- st a t i o n unbrauchbar zu machen. Die Aufständischen feuerten aus vier Geschützen auf die Regierungsschisfe, die die Landungsabteilung unterstützten, wurden ober durch das Feuer der Schiffsgefchütze und durch Bombenangriff« von Flugzeugen bald zum Schweigen ge- bracht. Ungefähr 76 Aufständische ergriffen die Flucht. Ein Ser- geant und 16 Mann wurden gefangen genommen. Nachdem die Funkstation unbrauchbar gemacht worden war, ging die Landung?- abteilung wieder an Bord zurück. Die Schlacht von Bozen. Innsbrucker Oenkmalsweihe. Genau vor zehn Jahren ist das friedliche Südtiroler Volksfest des großen Bozen« Trachtenumzugs von landfremden Faschisten überfallen, mit Bomben, Schüssen und Knüppeln aus- einandergesprengt worden. Mehr als fünfzig Festteilnehmer wur- den verwundet und der Lehrer I n n c r h o f e r, als er einen kleinen Jungen in Sicherheit bringen wollte, von einem Faschisten v«folgt und meuchlings erschossen worden. Im Leichenzug schritt damals auch der italienische Provinzial- chef E r e d a r o, der vorher militärischen Sönitz für den Umzug ver- sprachen und auch das Militär aufgeboten hatte, ohne daß der Fafchistencinbruch verhindert wurde. Am gestrigen Sonntag ist in Innsbruck unt« großer Anteil- nähme der Bevölkerung ein Denkmal für Jnnerhofcr enthüllt worden. Am Denkmal standen traucrumflorte Fahnen der ausgelösten Turn- vereine Südtirols, die heimlich üb« die Grenze gebracht worden find. Bürgermeister Fischer übernahm dann das Denkmal in die Obhut der Stadt, wobei er betonte, daß das Denkmal keinen heraus- fordernden Sinn habe, sondern nur die Treue der Nordtiroler zu Südtirol bekräftigen solle. Oer't. Mai. Herausforderung in C Harbin. Peking. 28. April. Im Zusammenhang mit der Proklamierung des Ausnahme- zuftandes in Eharbin hat der chinesische Generalgouoerneur alle Kundgebungen am 1. Mai in Eharbin und an der gesamten chinesischen Ostbahn verboten. Die Sowjetrussen an der Ostbahn, die mehrere Tausend zählen, wollen trotzdem den 1. Mai feiern. Die chinesischen Behörden haben erklärt, daß sie unter keinen Umständen eine Ausnahme machen werden und daß das Verbot durchgeführt werden muß. Auf Veranlassung der Mukdener Regierung wurden zwei Panzerzüge nach der chinesischen Ostbahn entsandt. wegen Spionage für Deuischlaud verurteilte das polnische Ge- richt in Komtz einen gewissen Spins ti zu fünf Jahren Zuchthans. Di« Verhandlung war geheim. Der Schweinehund. Severin ... und auf den Schützen prallt zurück der Pfeil!«5�«) Der Landtag an der Arbeit. polizeifragen und Korstetai. Der Preußische Landtag trat nach der Osterpause am Dienstag wieder zusammen. Auf der Tagesordnung stand ein kleiner Rest der zweiten Lesung des Etats des Ministeriums des Innern. Abg. Steinhoss(D»at.): Zu dem Erfolg des Stahlhelm-Volksbegehrens(lautes Lachen links) wollen wir die Feststellung treffen, daß die brutale parteiegoistische Ausnutzung ihrer Machtstellung in Preußen durch die Sozialdemokratie schon beim Freiheltsvolksbegchren viele Beamte von der Eintragung ab- geschreckt hat, daß aber diese Zahl durch die Notverordnung noch erheblich vermehrt worden ist. Wenn uns erklärt wird, die"Ver- Milderung der politischen Sitten habe die Notverord- nung unerläßlich gemacht, so bestreiten wir das in bezug auf die Reden von Grzesmski, Hörstng und Otto Braun nicht. Wir sind auch für restlos« Unterdrückung der Gottlosen-Propaganda: aber wir sehen nicht die geringsten Anzeichen dafür, daß die gegenwartig« preußische Regierung dazu bereit wäre. Darum setzen wir unseren Kamps für die Erneuerung des Staates und die Befreiung Preußens vom Sozialismus fort. Abg. haust(Staatspartei): Es gehört die ganze Selbstge» r e ch t i g k e i t der Deutschnationalen dazu, nachdem sie beim Volks- begehren alle wirtschaftlich Abhängigen auf dery Lande unter brutalsten 7;. Druck gesetzt• haben, hier über Terror. zu klagen. Neben dem Terror ist Haupt- sächlich mit der Lüge gegen„das System" gearbeitet worden. Dabei dürste kein ernsthafter Politiker, der weiß, daß von rund 456 Landräten in Preußen nur 45 Sozialdemokraten sind, vom roten Preußen sprechen.(Sehr wahr! bei den Soz.) Wir lehnen die agitatorisch« Zersetzung des Staates und der Schutzpolizei ab und vertrauen auf die Rücklehr des Bürgertums zur Verminst. (Bravo! bei der Staatspartei.) Minister Scvering: Während der Osterpaus« hat der Briefwechsel zwischen dem Vorsitzenden der deutschnationalen Landtagsfraktion und mir über die Entstehung der Notoerordnung des Reichspräsidenten statt- gefunden. Mit Rücksicht auf die beschränkte Redezeit der Abgeord- ncten gehe ich heute nicht daraus ein, sondern hebe mir die Aus- «inandersetzung über die tatsächlich eingetretene Verwilderung der politischen Sitten für die dritte Lesung des Etats oder den Gesetz- entwurf über die Auflösung des Landtags auf. Heut« will ich nur einige noch rückständige Anfragen beantworten. Die erste fragt nach den Gründen der Einstellung des thüringischen Polizeihauptmanns Schüler in die preußisch« Schutzpolizei. Haupt- mann Schul« hat in den letzten zehn Jahren sich durch Tapferkeit und Opfermut für die Republik hervorragende Verdienste erworben. Wird ein für den Polizei- dienst sachlich hervorragend qualifizierter Offizier lediglich wegen seiner republikanischen Gesinnung gemaßregelt, dann fühle ich mich nicht in erster Linie als Preuße, sondern als republikanischer Deutscher und übernehme ihn gern in den preußischen Polizeidienst. (Lebhaster Beisall bei den Soz.) Eine weitere Anfrage des Herrn von Wint«feldt bezog sich aus die Auflösung nationalsozialistischer Versammlungen in Kassel am 18. Juni 1636. Ick) habe sie bisher nicht beantwortet, well ich erst die Gerichtsverhandlung abwarten wollte, in der der Vorwurf gegen die Polizei, den Landfriedensbruch provoziert zu haben, glatt wider- legt worden ist.(Hört, hört!) Im einzelnen hätten einige wenige Maßnahmen des Polizeipräsidenten und des Kommandeurs der Schutzpolizei zweckmäßiger angelegt sein können. Endlich die Ueber nähme des Reichswasserschutzes. Wir konnten von den 71 zur Verfügung stehenden Offizieren höchstens 43 über- nehmen und auch diese nicht nur in den Hafen- und Schissahrts- Polizeidienst, sondern auch in den allgemeinen Vollzugsdienst. Wir waren deshalb verpflichtet, in sorgfältigster'Auslese die tüchtigsten h«auszusuchcn.(Sehr wahr! links.) Da ich von amtlichen Stellen daraus ausmerksam gemacht worden war, daß bei einigen dieser Offiziere Zweifel auch an der Verfassungstreue bestünden, habe ich pflichtmäßig auch diesen Gesichtspunkt nachprüfen lassen. Inzwischen sind die Verhandlungen positiv abgeschlossen und die 43 Offiziere übernommen, die nach dienstlichcr Leistung und verfassilngstreiler Zuverlässigkeit die geeignetsten für den preußischen Polizeidienst waren.(Lebh. Beisall bei den Regierungsparteien.) Abg. Kasper(Komm.): In unserer letzten Sitzung am 26. Marz hat sich der deutschnationale Abgeordnete Borck über prügelnde Schutzpolizsioffiziere beschwert. Ab« gerade die deutschnalionalen Polizeioffizier«, die engsten politischen und persönlichen Freunde des Herr» Borck, find die schlimmsten Prügelhelden. Di« letzte Not- Verordnung des Reichspräsidenten hat zu einem wahren vchand- regiment der neupreußischen Polizeipraxis gegen die revolutionäre Arbeiterbewegung geffihrt. Ab« wie"Bismarck mit seinem So- zialistengesetz, so wird Herr Severing mit seiner Notverordnung am revolutionären Proletariat scheitern.(Bravo! bei den Komm.) Damit schließt die Generaldebatte. Bei der Titelberatung ver- langt Abg. Borck(Dnat.) die Streichung zweier Regieningsdirektor- stel/en, besonders der des Dr. E a s s o u beim Statistischen Landes- amt. Abxp Fächert(Satz.): Bereits in den Jahren 1L25 und 1626 hatxn unsere Redner in dissem Hause darauf hingewiesen, daß die Personalpolitik des Statistischen Landesamts etat verhängnisvolle Unruhe unter den Angestellten erzeugt. Daraufhin Ist teilweise Abhilfe eingetreten. Erst der von den Rechtsparteien ver- langte Abbau hat dann neue Unruhe ins Amt getragen. Jetzt sind die Herren der Rechten aufgeregt, weil d« Abbau rücksichtslos über Menschen geht und auch ihre Anlstmger nicht verschont. Wir Sozialdemokraten sind für vernünftige Sparsamkeit stets«ingetreten, aber nützt für rücksichtslose Zertrümmerung von Existenzen und wissenschaftlichen Arbeite».(Sehr wahr! bei den Soz.) Die C i n z e l b e r a t u n g des Haushalts des Ministeriums des Innern wird erledigt: es folgt die zweite Lesung des Etats der Korstverwaltung. Berichterstatter Simon-Ucusalz(Soz.) anerkennt da? Bemühen der staatlichen Forstverwcltung, für die allgemeinen Sto�tshediirs- nisse Ueberfchüsse zu erzielen, und bedauert, daß der Sturz der Holz- preise den Erfolg ihrer Bemühungen beemkächtigt. Abg. Brandenburg(Soz.): Meine Partei hat in den letzten beiden Jahren mit großer Ge- nugtuung anerkennen können, daß die Arbeitsverhältnisse in den preußischen Forsten sich erheblich zum Besseren gewandelt haben. Die ausgesprochen arbeiterfeindliche Haltung eines großen Teils der staatlichen Forstbeamten schien allmählich zu schwinden. Im letzten Krisensahr hat die berechtigte Unzufriedenheit der Forstarbeiter wieder außerordentlich zugenommen. Akkord- drück««! schlimmster Art. Schikanen gegenüber den Funktionären der Organisation, Uebergrisfe ckegen die Betriebsräte und Drohungen mit Entlastung und Nichtmiedereinstellunz aller Forstarbeiter, die sich d« Interessen ihrer Kollegen annehmen, sind wieder an der Tagesordnung. Die Wirtschaftskrise hat vielen Forstbeamten Anlaß gegeben, ihren Haß gegen Tarife und Gewerkschafken wieder die Zügel schießen zu lassen Nur teilweise hat das Mi» nisterium auf unsere Beschwerden hin die Dinge in Ordnung gebracht. In» Jahre 1928 hat der Herr Minister die Forstbeomten nachdrück- lich und energisch angewiesen, die Akkorde nicht zu d i k- tieren, sondern zu vereinbaren. Zlber der Himmel ist hoch, und der Zar ist weit: seit Eintritt der Krise kommandiere:» zahlreiche Forstbeamte Wied« wie im alten Preußen! Im Haupt- ansschuß hat sich der Forstmeister Gieseler gerühmt, aus Rache für den sechsprozentigen Gchaltsabbau der Beamten die A k k o r d p r e i s e der Forstarbeiter auf 38 Pfennig die Stunde gedrückt zu haben. Dos ist allerdings der extremste Fall in d« Forstverwaltung: um die Arbeiter so zu drangsalieren, muß man wohl deutschnationalcr Abgeordneter ul»d führender Stahlhclmmann sein.(Lebhaftes Hört, hört! links.) Trotz alledem sind jetzt wieder lebhafte Lohnabbau» bestrevungen im Gange. Die Gewerkschaften haben ihre Mitwirkung bei jeder vernünftigen Rationalisierung im Forstbetrieb zugesagt, sie wollen gern zur Verbesserung des Werkzeugs und zur planmäßigen Durchführung der angesetzten Arbeiten beikagen. Unmöglich ab« können sie mitwirken an einem brutalen Sekunden- atkord und an einem schematischen Lohndruck. Arbeitslosigkeit ul»d Kurzarbeit hat die Forstarbeiter ohnedies schwer genug geschädigt. In die Krisenfürsorge sind sie nicht ausgenommen: sie sind angc- wiesen aus die Wohlfahrtserwerbsloserainterstiitzung anner Wohnst tzgemeinden. Wenn jetzt der Referent des Ministeriums in sein« Denkschrift neue Lohnabbauforderungen damit de- gründet, daß« die jetzigen Löhne mit denen von 1913 vergleicht, hat« wohl vergessen, daß im alten Preußen der Lohn der Forst- arbeiter ein ausgesprochen politischer Lohn roar: die damals regierenden Zunk« haben mit all« Gewalt er- zwungea. daß die Löhne der Forstarbeiter auf dem erbärmlichen Landarbeiterniveau gehalten wurden. Solche Argumente würden wir jedem Unternehm«syndit»is nach- sehen, aber einer Denkschrift der«taatssorswerwaltung sind sie unwürdig. Kein Wort enthält diese Denkschrift von den» g e- steigerten Antreibersystem, von den regelmäßig und rasch steigenden U n f a l l z i f s e r n. Kein Wort davon, daß andere deutsche Staatsforstvermalffingen vielfach höhere Löhne zahlen. Wir wüßten schon, w o die Staatsforstoerwaltung sparen könnte: an» Wildschaden und an den w ch ä l s ch ä d e n, die jetzt bei den Fichten bis zu 96 Prozent steigen: und durch eine anderweitige Jagdverpachtung könnten«hebliche Summen gewonnen werden. Dann könnte man sogar die längst fällige Altersversorgung für die Staotsfolstarbeiter, und nicht nur für die 3666 ständigen, einführen. Preußen hat infolge vieler Bemühungen einen guten stabilen Forstarbeiterstand mit anständigen Leistungen. Wir wünschen dringend, daß dies« zuvertässigei» Forstarbelt«schaft kein solches Unrecht geschieht, wie es der fegt beabsichtigte Lohnabbau darstellt. (Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Graf Garnier(Dnat.): Unsere autonomen Holzzölle sind viel zu niedrig. Der Import ist zwar gefallen, ob« im Verhältnis snun Gesamtverbrauch an Holz gestlegen, bosond«s der russische Dumpingimport. Leid« haben wir, n»nn nicht ein« gefesselte Justiz, so doch eine durch die Sozialdemokratie gefesselte Holzwirt- schaft.(Lachen links.) Abg. Schmelzer(Z.) kitt für die Förderung der bäuerlichen Waldbcsitz« ein. Abg.' Freihxrr von Wangenheim(Welse) fordert ein« ständige Propagandastelle für Holzverwertung und Holzhau. Die Weiterberatung wirb auf Mittwoch, den 29. April mittags 12 Uhr, vertagt. Lohn und Brot! Die Neichsregierung vor folgenschweren Entscheidungen. Lohnabbau und Brotvert«uerung. Der Bogen est überspannt. Eine Regierung, die beides zuläßt, treibt einer Katastrophe entgegen. Die Regierung steht zwischen zwei Bedrängern: Agrarier und Industrielle. Die Agrarier haben dafür gesorgt, daß das deutsthe Volk ein Brot essen darf, das im Verhältnis zu den Weltmarkt- preisen geradezu ungeheuerlich teuer ist. Wenn es nach ihnen geht, wird das Brot noch teurer. Auf der anderen Seite fordern die Industriellen Fortführung des Lohnabbaues. Nicht genug damit: Sie fordern jetzt auch noch daneben einen allgemeinen Rentenabbau! Den Industriellen ist die Erhöhung dos Brotpreises naturgemäß recht unbequein. Der Reichsverband der deutschen Industrie und die Vereinigung der Arbeitgeberoerbände haben daher an die Reichsregierung eine Eingabe gerichtet, worin sie ihre Bedenken gegen die Brotpreiserhöhung zum Ausdruck bringen. Nicht die Brotpreiserhöhung selbst macht ihnen Sorge. Daß die Arbeiter in einer Zeit ungeheuren Lohnabbaues und riesiger Kurzarbeit mit jedem Pfennig rechnen müssen, kümmert sie wenig. Für sie ist die Brotprcisfrage in erster Linie eine psychologische Angelegen- heit. Sie fürchten, daß die Brotpreiserhöhung ihnen ihren Kampf um Fortführung des Lohnabbaues und um eimn ollgemeinen Sozialabbau erschwert: denn auch sie sind sich darüber klar, daß beides,— Abbau der Löhne und Brotverteuerung— ein unmög- liches Beginnen ist. Die Regierung will diese Woche zunächst an die A g r a r- fragen gehen: danach soll die Sozialpolitik an die Reihe kommen. Beide Fragenkomplexe können nicht losgelöst von der allgemeinen Lage geklärt werden. Die allgemeine Lage ist jedoch nach wie vor charakterisiert durch das eine, das schreckliche Wort: Arbeitslosigkeit. Der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit müssen alle anderen Fragen untergeordnet werden! Löst man das Arbeitslosenproblem durch Brotverteuerung? Das ist eine Frag«, üie sich wirklich von selbst beantwortet. Bekämpft man die Arbeitslosigkeit durch Lohnabbau? Auch diese Frage dürfte heute geklärt sein. Sie kann nur mit einem festen und bestimmten Nein beantwortet werden. Der Lohnabbau hat die Arbeitslosigkeit vermehrt. Nur Leute, die mit Scheuklappen herumlaufen, sehen das nicht Und nicht nur die Vermehrung der Arbeitslosigkeit, sondern auch die Bedrohung der Sozialversicherung verdanken wir zu einem guten Teil dem Lohnabbau. Je weniger und je geringere Löhne, desto geringer die Beitragseinnahmen in den einzelnen Zweigen der Sozialoersicherung. Die Regierung will ihre Finanzen in Ordnung bringen. Sie muß das: denn auch das gehört mit zur Bekämpfung der A:beits- lostgkeit. Sie muß gewiß sparen. Sie darf aber nicht gerade gegenüber der Sozialversicherung ihre Taschen zuknöpfen. Lohn und Brot— beides muß jetzt endlich gesichert wer- den. Mit dem bicherigen System, dem Arbeiter gleich an allen Ecken und Enden schröpfen und plündern zu lassen: am Lohn, in der Sozialoersicherung, und auch noch im Brotladen, muß Schluß gemacht werden. Alles hat einen Anfang und«in End e. Au ch die Geduld des deutschen Arbeiters. Kommunistische Gtreikführung. Die Erwerbslosen werden„mobilisiert". Vor uns liegt ein geheimes kommunistisches Rundschreiben, das eines Kommentars fast nicht bedarf und das wir hiermit im Wortlaut unverändert veröffentlichen: Erwerslosenausschuß Berlin, den 27. April 1931. U.-B. Zentrum An alle Erwerbslosenausschüsse im U.-V. Zentrum! Mobilisierung der Erwerbslosen zum Rohrlegerstreik. Werte Kollegen! Die Rohrleger, Helfer und Klempner be- finden sich in einem geschlossenen Streik gegen einen Lohnraub von 13 Pf. in der Stunde. Alle Erwerbslosen, gleich welchen Berufes, gleich welcher Organisationszugehörigkeit, müssen sofort mobilisiert werden, um den bald einsetzenden Streikbruch der reformistischen Gewerkschaften zuschanden zu machen. Jede Stempelstelle entsendet umgehend einen Vertreter zum Streiklokal des U.-B. Zentrums: Lokal Lohann, Brüder- ftraße 18, Telephon: Kupfergraben 4634. Dortselbst werden weitere Informationen über die Einsetzung der Erwerbslosen im Streik ausgegeben. Mit koll. Gruß Erwerbslosenausschuß U.-B. Zentrum. So„führt" die KPD. einen Streik. Wozu„mobilisiert" sie Arbeitslose aller Berufe? Zum Streikpostenstehen? Dazu reichen die Streikenden aus, die auch sonst sich besser dazu eignen. Die KPD. braucht und mißbraucht die Arbeitslosen, um Arbeiter, die ihr nicht hörig sind, mit Gewalttätigkeiten zu terrorisieren. Das Hot mit der Führung eines Streiks nichts zu tun, sondern ist ordinäres Rowdytum. 4<)-E>tunden-Woche bei der Behala? Schüning seht sich für sie ein. Die Gewerkschaften haben Wiederholt auch für die Hafenbetriebe die Einführung der 40-Stunden-Woche gefordert, und zwar nicht allein aus arbeitsmarktpolitischen, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen. Mit dieser Forderung haben sie bisher wenig Gegenliebe gefunden. Von der Berliner Hafen- und Lagerhaus- Aktiengesellschaft(Behala) ist jetzt das Eis gebrochen worden. In der letzten Generalversammlung der Behala machte der Generaldirektor S ch ü n i n g, nachdem er auf die Ursachen des Verkehrsrückganges auf den Wasserstraßen sowie die Unwirtschaft- lichkeit der Binnenschiffahrt und vieler Binnenhäfen hingewiesen hatte, folgende interesiante Ausführungen: „Eine Gesundung der Hafenwirtschaft kann durch Bildung von Hafengemeinschaften, wie sie zum Beispiel in Hamburg und Bremen geschaffen sind, zweifellos gefördert werden. Bei den Binnenhäfen liegen die Dinge verhältnismäßig einfach. Man darf sich nur nicht an die kommunalen Grenzen halten. Durch solche Hasengemeinschaften würde die ungesunde Konkurrenz beseitigt werden und die Hafenanlagen würden besser als bisher ausgenutzt. Was als überflüssig festgestellt würde, sollte man abstoßen. Aber auch der Hafenbetrieb an sich muß spezialisierter werden. Die In- duftrie schafft immer neue Förder- und Hebeonlagen. Dies« tech- nischcn Einrichtungen werden bei der unregelmäßigen Beschäftigung jedoch nicht so ausgenutzt, daß sie rentabel sind. Hier muß eine Verständigung mit der Schiffahrt gesucht werden, um die Lösch- und Ladezeit beweglicher zu gestalten. Ich bin nicht für eine verlängerte Arbeitszeit, sondern halte die 40-Stundcn°Woche im Hasenbctrieb für durchaus tragbar. Sie sichert einer größeren Anzahl von Hafenarbeitern Beschäftigung, den Betrieben aber eine leistungsfähige Arbeiterschaft. Ferner kann durch Doppelschichten die Leistungsfähigkeit der Betriebe erhöht werden. Festgestellt ist— und das sogar amtlich—, daß die Binnenhäfen nur zu einem Bruchteil ihrer Leistungsfähigkeit beschäftigt werden. Es müssen jetzt neue Wege beschritten werden, um diesen Zustand allmählich zu beseitigen." Es ist nur zu wünschen, daß diese Erkenntnis auch bald bei den Leitungen der übrigen Hafengesellschaften platzgreift und sich dann schnellstens in die Praxis umsetzt. Mii gestohlenen Fahnen. Kommunistentheoter am 1. Mai. Der Streit der RGO. bei H. Leiser im Januar dieses Jahres ist der Berliner Arbeiterschaft bekannt. Weniger bekannt sein dürfte die Tatsache, daß der damalige RGO.-Betriebsratsvorsitzende Kloxin an einem der letzten Streiktage, als er einsehen muhte, daß seine arbeiterschädliche Rolle bei Leiser sein Ende erreicht hat, ln den Betrieb ging und sämtliches Belegschaftseigentum, wie de- triebliche Lohnabkommen, Gesetzestexte, zwei Betriebsfahnen usw., gestohlen hat. Trotz der Aufforderung des einmütig gewählten neuen freigewerkschaftlichen Betriebsrats(die RGO. hatte nicht einmal eine Gegenliste aufzustellen sich gewagt), hat Kloxin bis heute die gestohlenen Sachen nicht zurückgegeben. Mit den beiden gestohlenen Fahnen beabsichtigt die RGO. am 1. Mai zu demonstrieren und will der Berliner Arbeiterschaft vor- täuschen, es handle sich um die L e i s e r- B e l e g s ch a f t. Der Berliner Arbeiterschaft wollen wir hiermit zur Kenntnis bringen, daß die Belegschaft von H. Leiser, Schuhfabrik und Repa- raturwerkstatt, am 1. Mai mit den freien Gewerkschaften unter der Fahne des Zentralverbandes der Schuh- macher demonstrieren wird. Die Arbeiter von Leiser werden am I. Mai gemeinsam mit den Arbeitern der übrigen Berliner Schuh- fabriken nur den Parolen der freien Gewerkschaften folgen. In der Schuhfabrik sind heute bereits 66 Proz., in der Reparaturwerkstatt 95 Proz. freigewerkschaftlich organi- siert. Der Maiaufmrrsch der Leiser-Belegschaft unter den frei- gewerkschaftlichen Losungen wird die restlose Vereinigung fordern. Der Betriebsrat der Fa. H. Leiser, Schuhfabrik und Werkstatt. bei den Schuhmachern unten durch. Einheitliche Maidemonstration. Die Schuhmacher tagten am Montag im Gewerkschaftshaus. H ö r tz gab im Geschäftsbericht für das 1. Vierteljahr 1931 nach einem kurzen Ueberblick über die allgemeine Lage der Arbeiterklasse einen Bericht über die Verhältnisse in der Berliner Schuhindustrie und des Schumacherhandwerks. Zur Zeit sind immer noch 66 Proz. der Berufs- angehörigen arbeitslos. Dos Unternehmertum hat bei Ablauf der Tarife unerhörte Forderungen gestellt. Wäre es nach dem Wunsche der Unternehmer gegangen, so wären die Löhne bis zu 51 Proz. reduziert worden. Die Kraft der Gewerkschaft reichte trotz Wirtschaftskrise und Quertreibereien der RGO. aus. diese Unter- nehmerabsichten zum erheblichsten Teil abzuwehren. Hörtz zeigte am Beispiel des Leiser-Streiks im Januar und unter Hinweis auf die vielen ähnlichen Streiks der RGO., daß diese unfähig ist, wirtschaftliche Kämpfe zu führen. Die Streiks werden aber gemacht, um nachträglich die freie Gewerkschaft für die Niederlage verantwort- lich zu machen und kräftig schimpfen zu können als Auftakt für die Aufziehung eines eigenen Ladens. Jeder freie Gewerkschafter muß für die Einheit der Arbeiterbewegung eintreten. Dies gilt besonders für den einheitlichen Aufmarsch der freien Gewerkschaften«ri I. Mai. Bei den B e t r i e b s r ä t e w a h l e n in der Schuhindustrie und den größeren Betrieben des Handwerks wurden gewählt 81 Proz. Freigewerkschafter. 10 Proz. RGO.-Anhänger. 4 Proz. Mitglieder des Hirsch-Dunckerschen und christlichen Verbandes, 5 Proz. Unorganisierte. Ein glänzendes Ergebnis für den Zentral- verband der Schuhmacher. Aus dem Kassenbericht von Böhler ist zu entnehmen, daß Unter der Auswirkung der katastrophalen Krise die gewaltigen Auf- gaben der Zahlstelle nur bewältigt werden konnten unter Zuhilfe- nähme eines Zuschusses aus der Hauptkaffe. Mitglieder gab es am 31. März 1264 männliche und 502 weibliche Die bezahlten Vollbeiträge sind in den ersten drei Monaten 1931 um 616 gestiegen gegenüber den letzten drei Monaten 1930. In der Diskussion stießen die politischen Meinungsverschieden- heiten scharf aufeinander. Mit Ausnahme eines Befürworters der RGO.-Putfchtaktik waren jedoch alle Ausführungen getragen von dem ernsten Bestreben, zur Stärkung der gewerkschaftlichen Organi- sation beizutragen. Bei der erforderlichen Neuwahl eines unbesoldeten 1. Vor- sitzenden der Zahlstelle entfiel die absolute Mehrheit auf den bis- herigen Vorsitzenden Hörtz.__ 4000 Texiilarbeiier streiken. Llm den Lohnabbau abzuwehren. In den Vereinigten Iutespinnereien Harburg — eines der größten deutschen Jutewerke— ist die Belegschaft in den Streik getreten. Die Direktion hatte einen Abbau der Akkordsätze von 15 bis 50 Proz. oerlangt. Der Arbeiter- rat lehnte einstimmig diese Unverschämtheit ab. Trotzdem machte die Direktion bei der letzten Lohnauszahlung darauf aufmerksam, daß die Abzüge von der kommenden Woche ab in Kraft treten wür- den. Die Belegschaft trat deshalb geschloffen in den Streik. Die Zahl der Streikenden beläuft sich auf rund 4000 Arbeiter und Ar- beiterinnen._ Verkehr im Verkehrsmmisterium. Das Reichsverkehrsministerilnn will von der in den Lohnver- Handlungen für die Wasferbauarbeiter vom Schlichter vor- geschlagenen und von den Organisationen angenommenen Verein- barung nichts wissen. Die Unterhändler des Ministeriums hatten zugesagt, sich für die Annahme der Vereinbarung im Ministerium einzusetzen. Wie jetzt bekannt wird, haben sie dem Minister noch gar nicht persönlich Vortrag gehalten. Verband der Spediteure versucht Nechtsbruch Der Verband Berliner Spediteure gibt in einem Rundschreiben unter dem 27. April 1931 eine Anweisung, nach der bei der Gehaltszahlung am 30. April von den Gehältern ein Abzug von 15 Proz. einzubehalten ist. Damit versucht der Verband seine Mitglieder zu einer rechts- widrigen Handlung zu verleiten. Solange ein neuer Tarif- vertrag nicht abgeschlossen ist— der Schlichtungsausschuh ist damit befaßt—, sind die Unternehmer oerpflichtet, die bisherigen Tarifgehälter unverändert weiterzuzahlen. Der Zentral- verband der Angestellten wird den Betriebsfunktionären unverzüglich weitere Nachrichten zugehen lassen. Die große Aussperrung in Dänemark, die seit Wochen die Ar- beiterschaft bedrohte, ist vermieden worden. Die Unternehmer haben abgeblasen. Der Großkonflikt konnte so eingeschränkt werden, daß nunmehr nur die Schuhwarenindustrie vom Kampf erfaßt ist. Baugewerksbund, vaugewerkschafl Berlin. Die Mitglieder der Fachgruppe der P u ß e r können gegen Vorlegung ihres Mitglieds- buches die neuen Preise im Abdruck für den Tarifvertrag im Verbandshause durch die Baudelegierten in Empfang nehmen. stfc» l?reie G ewerkschafts-Jugend Berlin BBflf Seute. Mittwoch. 19% Uhr, tagen tri« Sruvpen: Baumschulcnwea: Au» «enhiieim Trnttstr. 16. Die Bedeutwnq des 1.®oi als Weltfeiertaa des Proletariats.— Sleukslln: Iuarndheim Beraitr. 29 iHofl. Der 1. Mai und seine Bedeutung.— Südwesten: Auaendheim Dorckstr. 11 ttzabritgebäude). Wie stehen wir»ur Mädchenarbeit in der ssSA.— gl ua Hafen: Jugendheim Neukölln, ssluahafenstr. 6«. Bei uns tut sich was.— Weihcnsee: Augendheini Parkstr. ZS. Lieder zur Laute.— Norhring: Jugendheim Eonnenburger Str. 20. Di« Wietschaftsverhäitnisse in Rusiland.— Schöneberq: Jugendheim Saugt. strasie IS. Seimbesprechun«. Antritt nur mit Leimauswcis und Verbandsbuch. — Humboldt: Augendheim(braun- Eeke Lorhingftrasie. Warum ffGJ.?— Tegel: Augendheim LchSneberger Str.*. Am Aluge durch die Welt.— Spandau: Jugendheim Lind.'nufer 1. Berlin, wie es weint und lacht. @Iuoendaruppe de6?en meinen Finaneieningi CeoeUodwft. PERSONEN V ACUt• LASTWACCS*»ABKRRDBg Jede fahrt- ein Beweis Nr 198• 48. Jahrgang ± Beilage des Vorwärts MitVoch- 79 April 1931 Die Katastrophe von Magdeburg Wie das Unglück geschah Die Leichen entsetzlich verstümmelt Magdeburg. 28. April.(Eigenbericht.) Das Explosionsungliick, das sich gegen 1 1 Uhr in der«acharinfabrik Magdeburg-Südost er» eignete, ist besonders schwer. In einem gesonderten Gc- bände, in dem Nebelpatrone» zur Bekämpfung von Ratten hergestellt werden, explodierte die Misch- t r o m m e l anscheinend durch Telbstentzündung unter fürchterlicher Detonation. Das Gebäude stand sofort in Flammen. Ein Arbeiter und sieben Arbeite- rinnen wurden sofort durch den Luftdruck und die Stich- flammen getötet. Bei ihrem Auffinden waren sie bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Sie hatten zum Teil zur Abwehr die Arme vor das Gesicht ver- schränkt. Zwei Arbeiterinnen sind so schwer verbrannt, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt werden muß. Ein Meister und drei Arbeiterinnen haben leichlere ver- l e h n n g e n erlitten. Durch einen Zufall sind drei Arbeiterinnen dem Unheil entronnen, die zufällig nicht an ihrem Arbeitsplah im Augenblick der Katastrophe waren. Die Feuerwehr traf sogleich mit zwei Löschzügen und fünf Krankenwagen am Unglücksort ein: sie brachte die Toten in ein Nebengebäude und transportierte die Verlehlen zum Sudenburger Krankenhau». Die Namen der Verunglückten konnten noch nicht festgestellt werden, da die Leichen so verkohlt waren, daß sie nicht zu erkennen sind. Die Polizei erschien an der Unglücksstelle unter Leitung ihres Präsidenten Dr. B ä r e n s p r u n g. Die Inneneinrichtungen des Fabritgebäudes sind vollkommen zerstört und ver- b r a n n t. Der Bevöltcrung des Arbeitervorortes Südost be- mächtigte sich großer Schrecken. Zu Tausenden strömten die Menschen zu der Unglückstätte. Im ersten Augenblick der Katastrophe befürchtete man noch eine größere Ausdehnung. Schreckcnsszeneu spielten sich an der llnglückrstclle ab. Die Gefahr eines eventuellen weiterumsichgreisens des Feuers ist indessen beseitig». Die Feuerwehr ist mit Aufräumungsarbciten be- schäftigt. Die Ursache der Explosion ist noch ungeklärt. Nach den bisherigen Ermittlungen fürchtet man, daß sich die Ursache über- Haupt nicht mehr feststellen läßt. Bei den Räucherpatronen für die Rattenbekämpfung wird Salpeter verwendet, auf den die furchtbare Wirkung der Explosion in erster Linie zurück- zuführen ist. Die eigentliche Ursache des Unglücks ist im Augenblick noch ungeklärt. Die Belegschaft dieser Abteilung besteht aus 15 Personen. Bald nach dem Unglück erschienen die Vertreter der Krimi- nalpolizei. Der Staatsanwalt begann mit der Unter- suchung der Explosion. Arbeitsunglück auch in Breslau. Breslau, ZS. April. Beim Ableuchten der im Keller der Markthalle am Ritterplah liegenden Gasleitung zur Ermittlung einer schadhaften Stelle erfolgte eine Explosion. Ein Arbeiter wurde schwer und zwei andere wurden leicht verleht. Gtol'eneinsturz in England. Auf der Kohlengrube Arley in der Grafschaft Marwick (England) brach Dienstag vormittag während des Schichtwechsels ein Stollen«in. Bier Grubena.beiter wurden getötet und drei Mann leichter verletzt. Die Leichen der Getöteten konnten am Nachmittag geborgen werden. 600 Häuser unter Waffer. Hochwasser am Ooerlauf der Düna. Riga, 28. April. Vom Oberlaus der Düna wi-d katastrophales Hochwasser gemeldet, da» noch immer im Steigen begriffen Ist. Bel V o l o z k (Rußland) ist der Wasserstand 14 Meter übcr normal, an der russisch-lettischen Grenze HM Meter, bei der zum Teil überschwemm- leu Stadt Sreslawka 10 Meter und bei Düoaburg 8% Meter. Bei dem schwer gefährdetcu Düoaburg a' bellen Truppen fieberhaft an der Sicherung der Dämme. Zu Griwa. gegenüber vünaburg. sind bereit» 600 Häuser durch da» Hochwasser überschwemmt. Der Schaden beträgt viele Millionen Mark. Bisher sind etwa 160 B.ücken zerstört oder davongetragen worden. Die Eisen» bahnlinteRig a— M oskau ist stellenweise unterspült, so daß der Berkehr unterbrochen und umgeleitet werden mußte. Mehrer« Personen haben in den Fluten den Tod gefunden. Entgegen früheren Meldungen ist auch Riga durch da» Hoch- wasier bedroht. Die Ursache des gewaMgen Ansteigens der Düna ist in der warmen Witterung und der ungewöhnlich starken Schneeschmelze zu suchen. Die Maifeier der Jüdischen Sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Voal« Zion findet am Donncrctag, dem 30. April, 20 Uhr, im Gemeindehaus, Rosenstr. 2/4, statt. Ansprachen von: Georg Lubinski und H. Berger: Chor des Brith Haolim. Der alte Trick. 32 000 ZK erbeutet.— Entführung im Flugzeug. von der Polizei wird wieder einmal ein Heirat». schwindler gesucht, der zusammen mit seiner Frau, die er ol, sein« Schwester ausgab, in der Provinz mit großem Erfolg tätig war und 32 000 Mark erbeutete. Das Gastspiet de» verbrechertscheu Paares endet« mit der E u l. sühruug einer Miuderjährlgen im Flugzeug. Es ist nicht auegeschlost«n. daß der Schwindler, ein gewisser Paul kowalewski, versuchen wird, nzit seiner Frau in Berlin unterzutauchen. K. gab sich in einer süddeutschen Stadt als Dtrek- tor-«in« holländischen /Kasfosgesellschsst aus. Als angeblich ver- mögender Mann war es ihm leicht, Zutritt zu mehreren begüterten Kaufmannsfamilien zu erlangen. In seiner Begleitung befand sich meisten»«in« Frau, oie er stets als seine S ch w e st e r vorstellte. die aber in Wirlsichkeit. wi« später herauskam, seine Ehefrau war. K. verlobte sich mit einem 19jährigen Mädchen.offiziell", und bald sollte die Hochzeit sein. Geschickt verstand es der Schwind- ler, seinen zukünftigen„Berwandten" eine augenblicklich« Geld» Verlegenheit vorzutäuschen, und in ganz kurzer Zeit flössen ihm rund 32 000 Mark zu. Als dem Schwindlerpaar der Boden zu heiß unter den Füßen wurd«, veranlaßte Kowalewski seine Verlobt«, mit ihm einen Aus» flug nach Genf im Flugzeug zu machen. In Genf geht die Spur der Flüchtigen und ihres ahnungslosen Opfers verloren. Jugendlicher Defraudant? Bote mit 20000 Mark verschwunden. Seit gestern vormittag ist der ISjährige Bürobote Erich Hoff» mann, der bei der Firma Tiefdruck-Syndikat G. m. b. h. in der Alexandriuenstraße beschäftigt war, unter Tsiilnahme von 20 000 INark verschwunden. Die Polizei hat die Nach so r- schungen aufgenommen. Hoffmann ist erst s e i t e t w a einem Jahr bei dem Tief- druck-Syndikat beschäftigt. Er war ein fleißiger junger Mann und galt als sehr zuverlässig. So kam es, daß er wiederholt mit größeren Summen zur Bank geschickt wurde. Gestern vormittag erhielt er den Auftrag, 20 000 Mark zur Filiale der Commerz- und Pri- v a t b a n t in der Wallstraße 27 zu bringen. Mit einem Fahrrade, das der Firma gehört, machte er sich gegen 10 Uhr auf den Weg. Als Hoffmann nach zwei Stunden noch nicht wieder zurück- gekehrt war, wurde man im Geschäft stutzig. Durch eine Nachfrage bei der Bank erfuhr man, daß der Bote überhaupt nicht dort gewesen war. Es wurde zunächst oermutet, daß dem jungen Mann vielleicht ein Unfall zugestoßen sei, da niemand an eine Unterschlagung glauben wollte. Angestellte Rückfragen bei den zu- ständigen Stellen ergaben, daß die Wahrscheinlichkeit für die Richtig- teil dieser Vermutung gering ist. Es ergaben sich auch keinerlei Anzeichen, daß der jung« Mann einem Verbrechen zum Opfer ge° fallen sein könnte. Nun wurde die Kriminalpolizei von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt. Weiter wurde festgestellt, daß Hoffmann auch die Wohnung seiner Eltern nicht mehr aufgesucht hat. Es muß als ein unglaublicher Leichtsinn der Firma in der heutigen Zeit der Not bezeichnet werden, einem Jugendlichen eine so hohe Summe anzuvertrauen Die Polizei neigt zu der An- sich, daß der Bote mit dem Gelde geflüchtet ist. Der Verschwun- dene ist etwa 1,70 Meter groß, von schlanker Gestalt, hat blasses Gesicht und dunkelblondes Haar. Bekleidet war er mit braunem Pullover und grauen Kniehosen. Das Fahrrad trug die Fabrik- marke„Witler". Massensterben von Enten. Dergifiungen auf einer Gefiügelfarm. von einem Massensterben von Zuchlgeslügel wurde seht zum zweitenmal eine Eotenfarm bei Kremmen betroffen. In der Nähe der Ortschaft Beetz-Sommerfeld liegt eine große Entenfarm. Im Juni v. I. verendeten plötzlich 350 Enten, an denen vorher keine Krankheit zu erkennen gewesen war. Die Untersuchung der Kadaver ergab, daß dem Futter heimlich Gift beigemengt worden war, teils war es Arsen, teils auch Schwein- furter Grün. Auch der Perwalter der Farm erkrankte unter Vergiftungserscheimingen, wurde aber gerettet. Seine Erkrankung stand ohne Zweifel in einem Zusammenhang mit dem Verenden der Tiere und stellte einen Mordversuch dar. Die Mord- lnspektion des Polizeipräsidiums entsandte einen Beamten zur Unter- suchung, die geheim durchgeführt wurde. Der Verdacht lenkte sich zwar aus mchrrn Personen, das Beweismaterial reichte aber nicht aus, um eine Festnahme zu Rechtfertigen. Im Frühjahr 1931 wurde nun die ganze Winterzuchi an Enten, insgesamt 150 Stück, beim ersten Austrieb im Februar, erneut das Opfer eines Anschlages. Inner- halb zweier Tage starben die Tier« dahin. Die Vermutung geht nun dahin, daß abgewiesene Anwärter auf den neu zu besetzenden Verwalterpostsn die beiden Anschläge ausgeführt haben. Ehrenplakette für Bruno Asch. F r a n k s n r t a. M.. 28. April. Der ZNaglstrai beschloß, dem aus dem Magistrat aus- scheideuden Mitglied Siadtrak Asch die Ehrenplakette der Stadl Frankfurt zu verleihen. 12| �,■UseinU Roman aus dem Cagarisdben von Alexander von Sacher Masoch. Sie sahen uns kaum an und keiner fragte, was wir hier suchten, und wir wagten nicht, nach Mister Jack zu fragen, da sie uns ja doch nicht verstanden hätten. Schließlich, als wir schon fortgehen wollten, streckte Mister Jack seinen Kopf hinter der Leinwand hervor. „Aha, Hiersein? Ich suche— gut ist! Sofort— bisse! warten!" sagte er mit lustigem Augenzwinkern und zog sich wieder zurück. Einige Minuten darauf steckte das Dromedar feine Nase heraus, auf seinen Rücken waren in einem Bündel die Kleider der Komödianten gebunden. Dann folgte Mister Jack mit dem Herrn Direktor. Sein Affe saß, in einen kleinen Pelz gehüllt, auf seiner Schulter, denn die Herbstnacht war schon ziemlich kühl. Den Affen hielt er mit der einen Hand, die andere reichte er meiner kleinen Schwester, neben der ich herging. So marschierten wir hinter dem Dromedar. Als wir auf den menschenleeren Platz hinauskamen, blieb das Tier zurück und trottete, ohne geführt zu werden, ruhig hinter uns drein. Mister Jack war mit seinem Schwager in ein ernstes Gespräch vertieft, nur mitunter streichelte er ab- wechselnd den Kopf meiner Schwester und den meinen. Der Herr Direktor nahm kaum von unserer Anwesenheit Notiz. Bei unserem Hause angelangt, führte Mister Jack das Dromedar nach dem Hinterhof, als wir uns aber bedanken wollten, sagte er: „Warten, warten bissel. Bleiben Herr Direktor hier. Sehr schläfrig? Nein? Nein? Dann warten, Ich gleich kommen heraus." Wir warteten also. Worauf wir wohl warten sollten? Mister Adam zwirbelte wortlos seinen Schnurrbart. Er warf uns zwar mitunter einen freundlichen Blick zu, aber man sah, daß er eine Anrede nicht riskieren wollte, da wir ihn so nicht verstanden hätten Wohin uns Mister Jack führte? Ins Künstlerheim! In der großen Stube der Schneidersleute stand ein langer, aus Brettern genagelter Tisch, der mit zwei Tisch- decken bedeckt war. Darauf mächtige Schüsseln mit Braten, mit Torten und mit Obst und eine ganze Batterie Flaschen. Es schien, als hätten Direktors zu Ehren des ausver- kauften Hauses die ganze Gesellschaft zu einem Festmahl ge- laden. Alle waren da. Die Signores, die Signorinas und die zwei Töchterchcn. Der Atem stockte uns bei diesem Anblick. Mister Jack zog uns an der Hand ins Zimmer, ließ uns an der Türe stehen und flüsterte der Frau Direktor etwas zu. Sie strei- chelte und küßte uns und sprach mit uns. Wir verstanden natürlich kein Wort davon. Erst Mister Jack verdolmetschte uns, daß wir zum Abendessen eingeladen waren. Die Frau Direktor schob uns eigenhändig zwei Holz- blöcke zum Sitzen zurecht, welche bei der Borstellung als Stütze der Sitzplätze dienten. Uns wurde ganz unheimlich zumute. Wir konnten weder für die Einladung danken, noch getrauten wir uns, sie abzuleynen Meine Schwester und ich turnten auf die Holzblöcke hinauf und saßen dort so mäuschen- still, wie bei einer Schulstrafe, wenn„Ruhe" kommandiert wurde. Mister Jack schien dies zu bemerken, denn er befaßte sich auch weiter mit uns Cr scherzte, plauderte und sprach uns gut zu. Er wollte uns buchstäblich mästen. Er schob uns förmlich die Bissen in den Mund, und meine Schwester hatte sogar Stirne und Ohren mit Marmelade und Schokoladen- fülle beschmiert. Obschon sie dasselbe auch von mir feststellen konnte, wenn sie auf mich achtet«. Die übrigen Künstler schenkten uns nicht viel Beachtung. Bon einem oder dem anderen erhielten wir einen freundlichen Blick, die meisten waren jedoch zurückhaltend oder gleich- gültig. Freddy faß an der gegenüberliegenden Seite des Tisches mit den zwei kleinen Signoras, auch er beachtete uns nicht. Sie futterten, lachten und unterhielten sich mit den Großen. Ich entsagte bereits der Hoffnung, ihn jemals für meine bescheidene Freundschaft zu gewinnen. Dann holte einer der Signores aus einem Winkel des Zimmers eine Gitarre herbei und drückte sie Mister Jack in die Hand. Jetzt bemerkte Mister Jack, daß wir schläfrig waren und er uns nach Haufe bringen mußte. Die Frau Direktor stopfte uns noch zum Abschied die Taschen voll Konfekt. Bor unserer Haustüre küßie Mister Jack meine Schwester und gab mir einen männlichen Hände» druck. Noch im Bett konnten wir nicht genug übcr unsere Erlebnie sprechen. Wir ahnten, daß diese Gastfreundschaft der Gaukler eine etwas übertriebene Erwiderung auf das Entgegenkommen meines Baters war. Die Komödianten, die er nie anders als Hungerleider betitelt hatte! Nun, unser Familientisch war selbst zur Weihnachtszeit nie so üppig bestellt, wie heute der Tisch der Hungerleider! Zehntes Kapitel, zeigt, daß die Alten blöde waren mit ihren Beobachtungen der unbeständigen Wetterhexe. Ich sagte, daß wir schon spät im Herbst waren, als diese Zirkusleute eintrafen. Aber gerade die beiden Tage, an denen die zwei Vorstellungen abgehalten wurden, waren so Herr» lich, daß du glauben konntest, es sei Mai. Am folgenden Morgen nun, als ich noch sehr verschlafen erwachte, groß es in Strömen. Es war eine Redensart meines Vaters: „Unsere Vorfahren glaubten fest daran, daß es kein noch so heftiges, von früh bis abends mährendes Gewitter gibt, das nicht um die Mittagszeit ein Stündchen Pause machte. In dieser Zeit zapft die Wetterhere das Wasser der Meere in die Wolken. Dies glaubten die Alten. Haltet daran fest!" Nun, anscheinend irrten sich die Alten gemeinsam mit meinem Vater. Denn so heftig, wie das Gewitter an jenem Morgen losging, goß es drei Wochen lang Tag und Nacht ununterbrochen. Die Wstterhexe zapfte anscheinend nur für die Alten tropfenweise Wasser, uns bedachte sie reichlicher. Die ganze Welt wurde von diesem Quatsch so klebrig wie ein Mutopf. Die Häuser waren bis an die Fensterrahmen mit Kot bespritzt, der Rasen verfaulte, alles versank im grauen Morast. Und es regnete unaufhörlich weiter. Am meisten litte das arme Hippodrom darunter. Die Familie des Direktors lebte zusammengedrängt im Zimmer der Schneidersleute. Von meinem Beobachtungs- Posten, aus der Dachluke, sah ich. wie sie von Zeit zu Zeit vor die Türe traten. Der Herr Direktor sah düster zum Himmel hinauf. Frau Griselde in offener Verzweiflung. Dort berieten sie und zogen sich dann bedrückt in ihr'Zimmer zurück. Ich sah, daß nur Mister Jack allein mit seinem Humor die Stirn- mung der Familie einigermaßen aufrecht hielt. Freddy sah man nur an, daß er sich langweilte.(Fortsetzung folgt.) Ein verständiges Llrieil. Krawall im KrantenhavS. vor einem Jahre etwa fand am Osiersonnabend im Arauenkrautenhaus zu Reinickendorf-Ivesl ein wüster Krawall statt, als die ISjährige Grele... wieder in das Zursorgehaus zurückgebracht werden sollte. Als die Transporteure in den Saal kamen, um das Mädchen abzuholen, hielt Grete sich am Fensterkreuz fest und forderte die jungen Mädchen, die mit ihr im Saal waren, auf, sie zu schützen. Die 2Z Patientinnen dieses Saales stellten sich vor sie hin, so daß die Beamten, die noch einen Polizeibcamtcn zur Hilfe heraufgeholt hatten, machtlos waren. Als die Frauen auch noch anfingen, sie mit Gläsern und Büchern zu bombardieren, muhten sie schleunigst aus dem Krankenhaussaol fliehen. Nun wurde das Ueberfallkommando alarmiert, und unter Gretes Führung verbarrikadierten sich die Frauen in ihrem Saal. Tische, Schränke und Betten wurden vor die Türen gerückt, so daß die Beamten keinen Einlaß fanden und Feuerleitern an die Fenster an- legten. Aber jeder Beamte, der sich an der Leiter zeigte, wurde von den Insassen mit allen möglichen Gegenständen, u. a. auch mit Blumentöpfen und Wasserflaschen geworfen. Schließlich holte die ratlose Polizei eine Wasserspritze und erreichte es nun, daß die Frauen vor den nassen Strahlen in einen Nebensaal flüchteten und ihren Widerstand aufgaben. Außer Grete wurden noch fünf Patientinnen festgestellt, alles junge Mädchen von etwa 20 Iahren, die sich am Kampf gegen die Polizei betelligt hatten. So standen nun gestern vier Frauen vor der Anklagebank, die anderen sind noch nicht aufgefunden. Grete und ihre Freundinnen erzählten dem Schöffengericht Bcrlin-Wedding unter viel Gelächter von der Revolle, die sie im Krankenhaus inszeniert hatten und von ihrer Beteiligung daran. In dem allgemeinen Tumult hätten sie sich damals auch untereinander derart bekämpft und mit harten Gegenständen beworfen, daß einige von ihnen große Beulen davontrugen. Das Gericht verurteilte Grete wegen Widerstandes zu zwei Wochen Gefängnis und die übrigen Angeklagten zu je einem Monat Gefängnis. Zlllen wurde Bewährungsfrist zugebilligt und die verbüßte Untersuchungshaft angerechnet. Mit Necht berücksichtigte das Gericht, daß Menschen, die im Krankenhaus liegen, zu nervösen Exzessen neigen und Milde gegen unbestrafte Jugendliche am Platze ist. Ein harigesottener Sünder. Ein hartnäckiger»Fall" ist der 26jährige Artist Alfred Torgc, der vor einigen Tagen den Raubüberfall auf einen Juwelier in der Kantstroße verübte, jedoch bei dem Fluchtversuch festgenommen werden konnte. Er bestreitet auf dem Polizeipräsidium beharrlich, Torgc zu sein, obgleich sogar sein« Eltern, die in H a n n o o e r wohnen, ihn als ihren Sohn identifiziert haben. Er er- klärte glattweg, feine angeblichen Eltern müßten sich irren. Torge ist wiederholt in Filmen als S e n f a t i o n s o a r st e l l e r mit Er- folg tatig gewesen. An Stelle der Stars vollführte er wiederholt halsbrecherische Bravourstückchen. Zuletzt muß sein Geschäft recht schlecht gegangen sein, denn xr war ohne jede Mittel und kam so auf den Gedanken, den Juwelier zu berauben. Da Torge seine Identität sehr sorgsam zu verschleiern sucht, wird angenommen, daß er noch mehr auf dem Kerbholz Hot. Lohmanns Befinden. - Der schwer erkrankte Pressechef der Stadt Berlin, Genosse Dr. Richard L o h m a n n, hat die Krisis noch nicht überwunden. Es besteht jedoch berechtigte Hoffnung, vorausgesetzt, daß neue Kam- plikationen nicht auftreten, den Patienten bald wieder gesunden zu sehen. Die Temperatur betrug gestern abend 38.4. Obwohl neue Eiterergüsse verzeichnet werden mußten und der Kranke meist einen apathischen Eindruck mochte, betrachten die Aerzte den Krankheit?- verlauf als günstig. Wieder ein Bombenflugzeug abgestürzt! Dienstag morgen geriet ein französisches Bombenflugzeug, das ini� zwei Mann Besahung bei Chalons-sur. Marne gestartet war. in wenigen hundert Metern höhe in einen Wirbelsturm und ivurldc zuvodengedrückt. Die Maschine sing durch den Aus. prall Feuer und stand sofort in hellen Flammen. Beide Znsasie» verbrannten. Wer sah den schuldigen Chauffeur? Vor Ciem Neuköllner Amtsgericht wurde gestern, wie im..Abend" bereits mitgeteilt wurde, der 40jährige Radfahrer Otto K u b e von einem Traktor überfahren und getötet. Wie sich jetzt herausgestellt hat, ist der Traktor von einem Lieferauto, dos in schneller Fahrt überholte, angefahren worden. Dadurch wurde dem Führer des Schleppers das Steuer aus der Hand ge- rissen, der Traktor fuhr gegen den Bürgersteig und erfäßte den Radfahrer. Die Schuld an dem Unfall trifft den Führer des Lieferautos, der sich seiner Feststellung durch die Flucht cvtZbg. Zeugen, die vielleicht die Nummer oder die Firmenbezeich- nüng dieses Wagend gesehen haben, werden gebeten, der Kriminal- in».'ktion Mitteilung zu'machen. Preußens Sorge für die Kriegergräber. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst einem Rundcrlaß des Preußischen Innen mini st ers entnimmt, stellt der Minister mis den vom Reiche für die Erhaltung der Kriegergräber aus dem Weltkriege für das Rechnungsjahr 1931 überwiesenen Mitteln den Gra b p s leg c bezirken einen durch den Rcichshaushall 1031 festgesetzten Cinheitspflegesatz von 2,23 M. für jeden Bestatteten, dessen Grab aus Reichsmitteln zu pflegen ist, zur Verfügung. Der Minister er- sucht, sär schleunige Unter Verteilung zu sorgen und weiter dahin zu wirken, daß die Kriegergräber sorgfältig in- stand gehalten und in der üblichen Weise mit einfachen, aber dauer- hasten, die Toten ehrenden Gedenkzeichcn versehen werden. Dr. Max Deri begann im Volksbildungsamt Prenzlauer Berg ain 28. April 1931 um 20 Uhr in der Königstädtischen Oberrealschule, Pasteur-Str. 44/46, eine achtgliedrige Vortragsreihe über das Thema „Die wissenschaftliche Weltanschauung"— Einführung in die Psycho- analyse. Teilnehmergebühr 3 M. für Mitglieder, 4 M. für Gäste, Emzelkarten 0,60 M. Der kommunale Wohnungsbau in Wien Es geht weiter trotz bürgerlicher Quertreibereien . Wien, Ende April 1931. Seitdem die sozialistische Gemeindeverwaltung in Wien im Jahre 1923 ihr Wohnbauprogramm begonnen hat, führt die Minderheit der bürgerlichen Gemeinderäte einen unausgesetzten Kamps, um dieses Programm zu diskreditieren. In den ersten Jahren hat man oersucht, durch sensationelle Meldungen, einige Häuser seien so schlecht gebaut, daß sie zusammen- brechen, die öffentliche Meinung gegen die rote Rathausmehrheit auf- zuputfchen. Heute gehören gerade diese Bauten, die angeblich schon vor Jahren zusammengebrochen sind, mit zu den M u st e r b e i- spielen einer vorbildlichen Wohnkultur. Die Wähler haben sich weiter für die rote Mehrheit entschieden. Als vor einigen Monaten die Parteien mit einer vorzeitigen Auflösung des Wiener Gemeinderats rechneten, stellte der Stadtrat Kunfchak, der Führer der christlich-fozialen Minderheit im Rathaus, die Be- hauptung auf, die Sozialdemokraten hätten das bei der letzten Wahl gegebene Versprechen, in fünf Iahren 30000 Gc- m eindewoh nungen bauen zu lassen, nicht erfüllt. Die dem Geineinderat vorgelegten Berichte seien falsch, denn sie gäben Wohnungen als gebaut an, die noch im Bau feien. Der amts- führende Stadtrat für das Wohnungswesen. Genosse Weber. rechnete dem Gemeinderat daraufhin vor, daß bei einer gleichmäßigen Verteilung des Wohnbauprogramms auf die fünf Jahre, für die es gilt, die Gemeinde nur um ein paar hundert Wohnungen im Ver- zug fei, die in den zwei Jahren, die das Programm noch läuft, natürlich nachgeholt werden können. Dennoch ist von der bllrger- lichen Presse dieser Angriff auf die rote Mehrheit mit Freuden aufgegriffen worden und hat sogar Eingang in die deutsche reaktionäre Presse gefunden. Hier machte man aus der ganzen Angelegenheit eine„rote Korruptionsaffäre", indem man behauptete, daß die Gemeindeverwaltung falsche Rechnungen gelegt habe. Derartige Verdrehungen und Verleumdungen sind wir Sozialdemokraten überall da, wo wir am Ruder sind, gewöhnt. Jetzt hat sich die ch r i st l i ch- s o z i al e Opposition ein« neue Taktik zugelegt. In der letzten Gemeinderatssitzung be- mühte sich Stadtrat Kunfchak, der Gemeinde alles Verdienst an der Wohnbaupolitit abzusprechen. Bekanntlich hat die bürgerliche österreichische Regierung in einem neuen Finanzausgleich Zwei Raubüberfälle. Aus der Chronit der Zeit. Vor dem Schnellschöffengericht stand gestern ein 27jährigcr Schlesier, Chefdekorateur in einer sächsischen Groß- stadt. Erst vor vierzehn Tagen hatte er Stellung und Frau ver- lassen. Die Geschichte seines Sündenfalls war ebenso kurz wie tragisch. In dem großen Warenhaus, in dem er tätig war, wurde viel gewettet. Auch ihn ergriff die Wettleidenfchaft. In sechs Iahren brachte er zum Buchmacher etwa 8000 bis 10 000 Mark. Sein Gehalt, 4S0 Mark monallich, reichte nicht Er machte Schulden, ste stiegen ihm schließlich über den Kopf,«r-fand kelnen Auswey und verließ fluchtartig die sächsische Stadt unter Mitnahme von 3S0 M. Vorher kaufte er eine P i st o l e. Eigentlich sollte es eine richtig- gehende Waffe fein, mit der man sich unter Umständen das Leben nehmen kann. Das Waffengefchäft verkaufte ihm aber statt dessen eine S ch e i n t o d p i st o l e. Er fuhr nach Berlin, dann auf drei Tage ins Riefengebirge, damtt feine Nerven sich beruhigten, kehrte nach Berlin zurück, das Geld wurde alle, drei Tage und drei Nächte irrte er obdachlos, ohne Nahrung, in der Stadt herum, ohne den Mut zum Selbstmord aufzubringen, und sah sich vorgestern ganz unerwartet vor dem B u ch m a ch e r l a d e n in der Kommandanten- straße. Was in diesem Augenblick in diesem Menschen vorgegangen sein mag, kann man sich so ungefähr denken. Beim Buchmacher hatte er sein ganzes Geld, feine Stellung, feine Frau, feine Existenz gelassen. Sollte er sich nicht beim Buchmacher etwas zum Leben holen können? Und so ging er hinein und beging einen Ueberfall auf den Buchmacher— mit der Scheintodpistole, um gleich darauf verhaftet- zu werden. Das Gericht verurteilte den Mann nickst wegen schweren Raubes, sondern wegen räuberischer Erpressung zu einem Jahr Gefängnis. Es verfügte Untersuchungshaft und lehnte eine Bewährungsfrist ab. Der Verurteilte blieb nach der Urteilsverkündigung noch einige Augenblicke fassungslos stehen, als könnte er nicht begreifen, was mit ihm geschehen. Es war alles zu schnell über ihn hinweagestürmt. Vielleicht wird ihm dach noch irgendwie geholfen. » Viel schlimmer lag der Raubüberfall auf die Frau des Molkerei- befitzers Eggert in Marienfelde im März d. I., wegen dessen sich zwei Männer namens Löst und Zimmermann und der Schweizer Ullrich vor dem Schöffengericht Tempelhof zu verantworten hatten. Der Schweizer Ullrich, der von dein Ehepaar Eggert entlassen worden war, brütete Rache. Er setzte stch mit L a st und Zimmermann in Verbindung und machte ihnen den Vorschlag, seinen früheren Arbettgeber zu berauben. Last, der erst vor einiger Zeit beim Ueberfall auf die Ortskrankenkasse in Eichkamp 1300 Mark erbeutet hatte, erklärt« stch bereit mitzutun. Das Geld war schon alle und er konnte gut neues gebrauchen. Last und Zimmermann stiegen durch das Küchenfenster in die Wohnung des Molkereibesitzers ein und zwangen Frau Eggert unter Vorhaltung eines Revolvers, ihnen das Geldoer st eck zu zeigen. Die Beute war sehr gering: außer einem goldenen Zwanzigmarkstück bestand sie aus lauter In- flationsfcheinen. Bevor die Räuber das Haus verließen, fesselten sie die Frau. Das Gericht verurteilte die Angeklagten zu je vier Jahren Gefängnis und fünf Iahren Ehrverlust.' — in Oesterreich nennt man es Abgabenteilung— der Gemeinde Wien 28 Millionen Schilling von ihren Einnahmen geraubt und zugunsten des Bundesbudgets und der Budgets der christlich- sozial verwalteten übrigen Länder Oesterreichs verteilt. Es gelang den Unterhändlern der Gemeinde, die Regierung dazu zu bewegen, daß sie sich bereit erklärte, der Gemeinde Wien aus der staatlichen Wohnbauförderung saktion Kredite für die Gemeinde- Wohnungen zu gewähren. Dies« Aktion erhält ihre Mittel aus einer staatlichen M i e t ft e u e r, deren Erträgnis, da in Wien die meisten und wertvollsten Mietobjekte bestehen, vor allem in Wien aufgebracht wird. Nichtsdestoweniger hatte bisher die Regierung stch geweigert, der roten Gemeinde Wien Mittel aus dieser Aktion zu gewähren. Jetzt suchen die Christlich-fozialen den Eindruck zu erwecken, als wenn die mit Hilfe der Bundeswohnbauförderungs- aktion errichteten Gemeindewohnungen gar keine Gemeindewohnun- gen feien, obwohl'es sich dabei nur um einen Kredttzuschuß handelt, ganz abgesehen von der Tatsache, daß diese mit Kredit- Zuschuß des Bundes, gebauten Wohnungen nur einen Teil des Ge- meindewohnbauprogramms ausmachen. Interessant ist die Mit- teilung, die Genosse Stadtrat Weber im Gemeinderot machte, daß die Regierung ihr Versprechen, 10 000 Wohnungen mit Kredit- Zuschüssen zu unterstützen, nicht gehalten, sondern nur Kredit für 2300 Wohnungen gegeben habe. Jedenfalls denkt die Wiener rote Gemeindeverwaltung nicht daran, ihr Wohnbauprogramm aufzu- geben, sondern wird es mit der gleichen Zähigkeit wie bisher durch- führen. Rur hat sie jetzt die sehr schwierige Aufgabe, die gekürzten Einnahmen durch chißerftc Sparsamkeit mit den notwendigen Aus- gaben in Einklang �u bringen. Zu erwarten ist allerdings, daß die reichsdeutfche reaktionäre Presse die Angriffe der Wiener Gemeinde- ratsminderheit in den nächsten Tagen aufgreift und daß wir dann schadenfrohe Auslassungen über den„Zusammenbruch der austro- bolschewikischen Gcmeindepolitik" zu lesen bekommen werden. Wie man sieht, suchen auch in Oesterreich— gerade so wie in Deutsch» land— die Bürgerllchcn alles zu verhindern, was Sozialdemokraten aufbauen, und nur der Tatsache, daß die Wiener Sozial- d e m o k r a t i e sich auf eine einheitliche, festgefügte Majorität der Arbeiterbewegung stützen kann, hat es ihr ermöglicht, zu' beweisen, daß Sozialdemokraten, die allein regieren, besser zu pcrroalten verstehen, als Bürgerliche. Ein ungetreuer Obcrpoftsekretär. Aus Chemnitz wird gemeldet: Der 38jährige Obcrpost- fekretär Hempel, der beim Postamt 1 in Chemnitz tätig war, hat vom Jahre 1926 ab etwa 60000 Mark durch Falsch- buchuugen in den Lohnlisten und Zurückhaltung der Gelder, die er zur Beschaffung von Versicherungsmarken ver» wenden sollte, erlangt. Dies« Gelder hat er leichtsinnig Haupt- sächlich in Gefellschckft von Frauen verausgabt. Die Oberpostdirek- tion hat für sachdienliche Mitteilungen, die zur Ergreifung Hempels, der seit dem 16. A?nl slüchtig ist, ein« Belohnung ausgesetzt Dreizehn Lqhre kommunistische Oikiaiur In einer öffentlichen Parteioeronstallung unter besonderer Beteiligung dser Frauen sprach am Frettag abend in der vollbesetzten Stadthalle Weißensee Genosse Dr. Otto Fried- l ä n d e r über die ollgemeinen Grundsätze der sozialdemokratischen Parteipolitik, Mit dem Umsturz von 1918, so sagte er. fand leider nicht eine Rcvolutianierung �der Herzen statt. Sonst wäre es heute unmöglich/ daß.«uff nur ein Mensch den falschen Versprechungen der Nazis nachlief: sie haben in der Ocffenttichkcit-eme große Pro- paganda gegen den Dawcs-Plan und gegen Versailles getrieben und stimmten doch gegen den Antrag der Kommunisten auf Einstellung der Toung-Zahlungen. So verlogen ist ihr ganzes Programni. das mit unsinnigen Rdssetheorien und unmöglichen Wirtschaftsthesen ausgefüllt ist Aher auch gegen die Hellslösung aus Moskau wehren wir unz, weil sie allen sozialistischen Tatfachen widerspricht. Karl Marx hat die Diktatur des Pro- letariats nur* als vorübergehende Maßnahme, ober niemals als Dauerzustand gewünscht. Und was sehen wir nach 13 Iahren kommunistischer Diktatur über das Proletariat in Ruhland? Hunger und Unfreihett im ganzen Lande. Demgegen- über müssen wir feststellen, daß die deutsche Sozialgesetzgebung unter maßgebender Führung der Sozialdemokratischen Part« die beste der ganzen Welt ist Wir haben mehr zu verlieren als unsere Ketten, und die Faschisten sollen uns nicht rauben, was wir in den letzten zehn Jahren ausgebaut haben. Die Entscheidung-- schlacht der europäischen Demokratie fällt in Deutschland. Wir sind jetzt in der Verteidigung, werden ober ebenso schnell wieder zum Angriff übergehen. Wir sehen den Plötz- lichen Umschlag in Spanien.(Großer Beifall.) Im Anschluß des mit großem Beifall aufgenommenen Vortrages sprach die Ge- nossin Köche Kern zu den anwesenden Frauen. Sie zeigte auf, welche Schmach der Frauen nach den Plänen der Nazis im Dritten Reich wartet. Ihre Kinder sollen Kanonenfutter für einen neuen Giftgoskrieg sein. Die Frauen müssen unter dem Banner der Sozialdemokratie gegen die geplante Entrechtung kämpfen. Theater für Schwerhörige. Es kann den einzelnen Verbänden jener Menschengruppen, die gemeinsames Leiden zusammenführt, nicht hoch genug angerechnet werden, daß sie immer mehr bemüht sind, ihren Mitgliedern den Abstand zur großen Allgemeinhell und ihren Interessen mehr und mehr vergessen zu machen. In den M u s t k e r- F e st s ä l e n, Kaiser-Wilhelm-Straßc, veranstallete der Schutzverband der Schwerhörigen, Ortsgruppe Berlin, einen Theaterabend. Mit- gliedcr der Schauspielervercinigung„Medea", die sich kostenlos in den Dienst der guten Sache stellten, gaben Otto Ernsls lustige Komödie„Flachsmann als Erzieher", und sie lösten ihre Ausgabe wirklich gut. Es wurde viel und herzlich gelacht, dazwischen gab es allerdings einzelne Mißsallsbezeugungen, die aber nicht den Vorgängen auf der Bühne, sondern ihrer akustischen Wiedergabe galten. Dieser Theaterabend war der erste Versuch, das gesprochene Wort vieler Personen den Hörern zu vermitteln und es stellte sich heraus, daß das gar nicht so einfach ist, als man es sich dachte. Es waren wohl eine ganze Anzahl Mikrophone und Laut- Verstärker aufgestellt und aus jedem Tisch log die Lielhörer- anlöge, an die die Zuhörer chren Apparat anschlössen, aber es klappte doch noch nicht so richtig. So mußten zwischen jedem All technische Versuche unternommen werden und die Sprecher mußten sich in allernächster Nähe des Mikrophons aushallen. Schließlich klappte aber die Sache doch noch ganz gut, man verlachte die �ilode und mißgünstige Kollegensippschaft und freute sich des wackeren pädagogischen Fortschrittlers Flemming und seiner Gisa Holm. -150 Straftaten... Ein junger Mann, der vor die Hunde lam. Recklinghausea, 28. April. Seit langer Zeit beschäftigen sich verschiedene Landeskriminol- stellen mit den Straftaten eines neunzehnjährigen Ver- brechcrs namens Walter Leese aus Bochum. Leese, ein Sohn achtbarer Eltern, ist durch schlechte Lektüre zu einem Schwer- Verbrecher geworden. Er hat nicht nur das Münsterland, son- dern auch die Städte Hamburg, Bremen, Kiel, Aachen sowie weite Strecken in Holland unsicher gemacht. In Köln war er in eine B e- trugsangelegenheit verwickelt, bei der es sich um V* Million handelte. In Holland fiel Leese und seinem Komplicen der Amster- damer Kaufmann T ü r b e in die Hände, dessen Leiche später in der Maas gefunden wurde. Dem Ermordeten hatten die Verbrecher 17 000 Gulden geraubt. Auch der Ermordung eines Düsiel- dorfer Tankwärters ist Leese verdächtig. Sein Helfershelfer Glo- winka erschoß sich nach der Vernehmung. Insgesamt hat Leese etwa löO Straftaten ausgeführt. Die Landespolizeistelle Reck- linghausen hat, nachdem Leese nach Recklinghausen übergeführt war, in ihrem Bezirk rund SO Einbrüche aufgeklärt, für die Leese in Frage kommt. Neuerdings versucht Leese seine Geständnisse zu widerrufen. Vor allein war er ein ganz gefährlicher Straßenräuber, der seine Opfer unter Todesdrohungen zwang, die Barschaft herauszugeben. Kirchen und Pastorate wurden ebenfalls von ihm erbrochen und beraubt, so die Pfarrkirche in Haltern, in Lüdinghausen, in Burgsteinsurt usw. Seine Festnahme konnte nach einem schweren Raubüberfall in der Aachener Gegend erfolgen, der eine wüste Schießerei voraufging, bei der Leese allein 80 Schuß abfeuerte, ohne aber jemand zu treffen. Das Große Schöffengericht in Münster verurteilte Leese vor einigen Tagen wegen Einbruchsversuchs in die Synagoge in Borkhorst zu neun Monaten Gefängnis. Die übrigen unzähligen Straftaten gelangen nach Abschluß der Voruntersuchung zur Ab- urteilung. Allgemeine Welierlage. ZZ./fo'i!. �93�abds. 0wo!l teiligung an der Demonstration am 1. Mai der Gewerkschaften und Partei. Erscheinen ist Pflicht. Treffpunkt für alle Sektionen 9 Uhr Franz-Ioses-Platz, Unter den Linden. Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer uno Lehrerinnen Deutschlands, Ortsgruppe Berlin. Di« Mitglieder der ASL. demonstrieren ain 1. Mai mit den: ADA. Treffpunkt Bethanieraiser. Sinbndungen für bUic Rubrik sind Berlin SW M, Lindenstratze 3, parteinachrichien#||| für Groß-Berlin stets an das Bezirksse?retariat 2. Hof, 2 Treppen rechts, zurichten Achtung, Kassierer? Nach dein Beschluß des Bezirkstages kostet die Internationale Marke fernerhin 25 Pfennig.— Da die Internationale Marke iür das zweite Quartal vielfach schon geklebt ist, weisen wir schon jetzt darans hin, daß der gesamte bei Schluß des zweiten O:uartals vorhandene Bestand an Jnter- nationalen Marken mit 25 Pfennig pro Stück verrechnet worden muß. I. A.: A l e r P a g e l s. ••* Beginn aller Veranstaltungen 19% Uhr, sofern keine besondere Zeitangabc! v- heule. Mittwoch».23. April: 33. tni.'-6Htim«'aSet in Me Wigfaftbi». Urtb" gaßenbbftiiie' tStiptTr ihjrtot. .ihffaHeötr. bti Werlülla-, Hohc»Ivi>elix. 3. Dr. isrlS«chiolp.Die Arheizxx- .«Phlfaftri*,,''' 48. Slf>'. Mskusfionszbknd bct fmiflcn Dar!ciaein>sscn mit her«AI. im RI» c>endl>rim'äBofl'frterftt;?. 81. Abt. 30 Uiit Rötete riet, Arn Laiiterploh, RlttoTifbenJtrfammlann. Dor. teag:„Die kommunale Situation fei Groft-Birlin". Referent: Sans Wanwod... 117. Abt. Sämtlich« sintrittotarten um Maifeier ntüffen bis. ssreitchnnitta? beim Genossen Selchow. Karlsborfter Str. S, Laden, abgerechnet fein. 11». Abt. 30 Übe. Eruvve Scheffelfitofte. Zablabend bei Klucke. Scheflelftr. 13. Referent: Otto BoS;„Rationclifietjunfl und Acbeilä.'ofifiJcit". Morgen. Donnerstag. 30. April: 08. Abt. Arbcitsaemcinfchaft iunäet Genossen. Lefclxille Roqat- Ecke Igeftrake. Referent: Aib-tt Renae:.Die Bedeutung des 1. Mai". 132. Abt. 17 Übt bei Siiuo Generalprobe aller Mitwirken d'n bei der Maifeier einschließlich der Cinielstimmen und der Genossen, die sich zum Arbeits- dienst meldeten. Bezirtsausschuh für Arbeiterwohlfahrt. 13b. Abt. Doirnerstag, 30. April. 19V? Übt. Helferinne irssbun« der Arbeiter- woblfabrt. 31 Ubr Kommunale Woblfabrt, Baracke Lindauer Strasse. Arbeiter-Dildungsschule. Sprechchor für Proletarilche Feierstunden. Die Ilebunasstnnde findet Don- nerstaq. 7. Mai, in der Sopbienschule, Weinmeisterstr. 10—17, um KM Ubr. statt. Ronsumenten der Bewaö. Gas- und WasserwerKel In den Büros wird am 1. Mal nur ain Notbelrieb aufrecht erbaUen, da die Angestellten steh an der gewe rkschaftlichen Demonstration beteiligen. Die Konsnm nten werden daher gebeten, am 1. Mal die Büros der St&dtlsdsen Werke nicht aufzasnehen. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß-Berlin. Kreis Lteukclln. Sinflekrris. Hcnte Probe 3ur Maifrier in der Schuir Do.muftr. 126 um 17 Ubr. Anschliessend um 19 Uhr findet die Laup'pr«!!« der Partei-Maifeier in der..Reuen Weit" statt. Es nehmen auch die sfalken danon teil, die nicht im Eingekreis stind. Maifeier der Roten galken. Am ssreitao, dcm 1. Mai, baden«vir unsere Maifeier im Saalbau Bergstr. 147. Beaiiin um 8 Ubr. Eintritt frei. Wir bringen Muflk, ssilme, Eesan«. Spreib» ebor. Alle Arbeiterkinder kommen zu uns. Bezirk Kriodrichsbain. Unferr liebe Gmofstn und lanajäbriae Helferin Martba Gefchc von der Gruppe Landobcraer Ptoss ist verstorben. Einäscberui.z Donners'aa. 19 Ubr. Krematorium Saumfchulcnwn. Helfer und Sailen in dianer Kutte treffen stä> 17!« Ubr Schlesisä>cr Babnbof. Gingana lfruchtstrasse. 39 Pf. gabrarld mttdrinaen. sfabncn und Wimpel mit fftor. Wir erwarten sobircidje Bateilimina der Eltern. Die Kreioeltern Versammlung findet sta:t und. beginitt pünitlicki Miss Ubr. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation} 82. Abt. Am 36. April»erstarb im 88. Lebensiabre unsere Genossin Martssa Ensche, Fruäststr. SS. Ebre ibnun Andenken. Einäscheruna Donners- taa, S0. April, 19 Ubr, Ärematoriuzn Baumschulenweg. Um rege Beteiligung wirb gebeten.- � 77. Abt. Unser aftn heimle(Jart* ist verstorben. Eb« seinem Andenken.-EluÄAenina-Sstmersw»,- 30. April. 10!H Ubr.. Krematorium Wilmcrotorf. 112. Abt. Unser Genosse Kreil ist verstorben. Eboe seinem Andenidu,. Berrdigun» beule, Mittwoch. 39. April. 16 V llssr, Friedhof Rahnsdorf. Um rege. Beteiligung wird gebeten. 187. Abt. Beifessiinq der.Urne unserer verstorbenen Gcnosssn Oeblke am Donnerstag, dem 80. April, 14!o Uhr, auf dem Friedhof Rein ickendorf-Woft. Hmnboldtstrassr. Wir' bitten um rege Beteiligung. Vortrage, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold-. � ffiefdififlsßelle: Berlin C 14 Sebaftianstr 37—38 Hot 2. Dt Fehleedorf lOrtsvereinl. Mittwoch, 39. April, 20 Ubr, Berse.ni»» lung bei Schneider, Potsdamer Str. 2ö.— Wasscrsportabtrilung. Die Mo tori oo: fahre r, welche on den Porträgen teilgenommen haben, mtisseu am Donr.erstag. dem 80. April, 20'j Uhr, im Klubheim des DRAG.. Chor. lottendurg, Hardenbergstr. 1830/100 em y � Mb 2.95, eo. 130/130 cm...... M. Im 9 Taschentücher OO f. Herren, ca. 43 cm, rein Mako, Pf � V TRIKOTAGEN Damenschlüpfer Charmeuse, doopelmasdi. Quai,| 72 reine carte Farben. Gr. 42/48 Ml# Herrenhemden Flamengo r«in« Wollt in n«utn Mustsm. Meter........................M. Woll-CrepedeChine reineWolle, unerreich. Farbensort., doppeltbr.,Jubiläumspr., Meter M. Seiden-Veioutine gedieg. Kleld.rqualität,.nenn. Farbenausw., ca.lUOem Dr., Wall. m. Seide, Jvbilöumspr.js, Meter M Waschmousseiine moderne Muster, riesige Auswohl, Jubiläumspreis, Meter M. 1 CrSp doppelt on-Fantasie m/Im vr..M. V-»• 1 45 weiß, Trikot mit modernon Einsätzen, Größe 4—6............ 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Der internationale Kapitalausgleich, unentbehrlich für das rich- tige Funktionieren der kapitalistischen Weltwirtschaft, ist mit dem Wachsen der politischen Reibungen in der Welt ins Stocken geraten, und das Gesichl ist allgemein vorherrschend, daß die Schwere und Hartnäckigkeit der Weltwirtschaftskrise eng mit den Störungen im internationalen Kreditverkehr zusammenhängt. Darum finden alle Bemühungen, diese kreditmirtschoftlichen Stö- rungen zu überwinden, das stärkste Interesse der Weltöffentlichkeit. Darum ist vor allem die Reise Montague Normans, des Präsidenten der englischen Notenbank, nach Amerika, die ebenfalls diesen Bemühungen galt, mit großer Spannung verfolgt worden. Man muß versuchen, aus dem Wust von Meldungen und Gerüchten, die über diese Reise verbreitet wurden, den richtigen Kern heraus- zuschälen. Montague Norman hat bereits auf der vorletzten Sitzung des Lerwaltungsrats der Bant für Internationale Iah- l u n g e n im Februar den Plan zur Gründung eines großen inkernakionalen Kreditinstituts vorgetragen. Er ist aber damals bei Frankreich auf wenig Gegenliebe gestoßen und hat offenbar deshalb das Bedürfnis emp- funden, sich zunächst mit Amerika zu verständigen, um iias Projekt weiterzutreiben. So reiste er denn Ende März nach Amerika. Die Verhandlungen dort zogen sich aber so in die Länge, daß er zur nächsten Verwaltungsratsfitzung der Bank für Internationale Zahlungen am 20. April nicht mehr zurecht kam. Es konnte daher in dieser Sitzung die Debatte über das Projekt nicht weitergeführt werden. Ob es ein Zufall war, daß Norman nicht rechtzeitig in Europa eintraf, oder ob die Widerstände gegen sein Projekt so groß sind, daß es chm geraten schien, die Verwallungsratssitzung in Bafel unausgenutzt vorübergehen zu lasten, kann dahingestellt bleiben. Soweit sind wir über den Stand der Dinge offiziell unter- richtet. Inoffiziell ist auch einiges über die Konstruktion des geplanten Kreditinstitutes durchgesickert. Danach soll die Bank mit einem Kapital von zunächst 100 und später 400 Millionen Mark ausgestattet werden. Das Kapital soll nicht bloß von den internationalen Großbanken, sondern auch von den größten Industrieunternehmungen aufgebracht werden. Der Zweck des Unternehmens soll die Beschaffung von Kapital für kreditbedürftige Länder auf dem Wege der Ausgabe langfristiger Obligationen(an- geblich bis zum Betrage von 2 Milliarden Mark) fein.") Dabei schwebt Normann offenbar der Gedanke vor, daß die eigentliche Funktion des geplanten Instituts darin bestehen soll, dem Kapital der kapitalreichen Länder, das heute vor der Anlage in kapitalarmen Ländern aus Sicherheits- gründen zurückscheut, durch die verantwortliche Zwischenschaltung der mächtigsten Bank- und Industrieunternehmungen der Welt das Gefühl der Sicherheit der Anlage zu geben und es auf diesem Wege den kapitalarmen Ländern zuzuleiten. Die Gedankengänge Normans find klar und grundsätzlich richtig. Aber leider gilt auch für sie das Wort:„Leicht beiein- ander wohnen die Gedanken, doch hart im Räume stoßen sich die Sachen." Warum, muß man sich fragen, geht die Initiative zu diesem Plan gerade von England aus? Es genügt nicht, darauf hinzuweisen, daß die Wirtschaftskrise in England besonders schwer ist und England als Exportland unter der Kapitalarmut der meisten- Länder besonders leidet. Mit gleichen und noch größeren Erschwerungen muß auch Deutschland rechnen, und doch könnte es als kapitalnehmendes Land nicht von sich aus ein solches Projekt in Angriff nehmen. England ist nun zwar kein kapitalnehmendes Land, kommt aber heute auch nur in geringem Maße als kapitalgebendes Land in Frage. Aber es war vor dem Kriege das Finanzzentrum der Welt und könnte seine Kennt» nisse und Erfahrungen auf finanziellem Gebiet in den Dienst eines solchen Weltunternehmens stellen. Das ist aber gerade der Punkk. wo die Spannungen einsehen. Das einzige Land, in dem heute in großem Stil Kapital für solche Zwecke freigemacht werden kann, ist F r a n k r e i ch. Aber in Frank- reich sagt man sich, daß, wenn man schon Geld in größtem Umfange hergeben will, man sich dazu nicht eines unter englischer Führung stehenden Instituts zu bedienen braucht, sondern selbst die Kontrolle über das Geld behalten will. Und man darf nie über- sehen, daß jede Kontrolle über hergegebenes Geld außer der wirt- schaftlichen und finanziellen auch eine politische Seite hat. Der Geld- geber will neben wirtschaftlichen auch politische Vorteile. und das alles kann er um so leichter erreichen, je mehr er die *) Zum Vergleich mögen folgende Ziffern dienen: Die größte deutsche Kreditbank, die Deutsche Bank und Disconto-Gcsellschaft, arbeitet gegenwärtig mit einem Aktienkapital von N0 Millionen Mark und offenen Reserven von 1S0 Millionen Mark. Ihr Kre- ditorenftand war am 2?. Februar 4,03 Milliarden Mark. Die größte deutsche Hypothekenbankgruppe, die Gemeinschaftsgruppe Deutscher Hypothekenbanken, die als Realkreditkonzern noch am ehesten mit dem geplanten Kreditinstitut zu vergleichen ist, arbeitet jetzt mit einem Aktienkapital von 90L und offenen Reserven von 51,9 Millionen Mark; ihr Umlauf an Pfandbriefen und Kommunal- obligationen beträgt 3,17 Milliarden Mark. Kontrolle über das von ihm hergegebene Geld in seiner eigenen Hand behält. Daher erklärt sich der französische Widerstand gegen das englische Projekt, und demgegenüber nützt es auch nicht viel, daß Norman sich der amerikanischen Sympathie für seine Pläne zu versichern suchte. Denn die wichtigsten Quellen, aus denen das Kapital in die von ihm projektierte Bant fließen soll, liegen heute nicht in Amerika, sondern in Frankreich. Und es zeigt sich ja inmrer deutlicher, daß das französische Kapital bei der Verwertung seines Kapitalüberflusses in den kreditbedürftigen Ländern seine eigenen Wege gchen will. In den letzten Monaten wurden zwei internationale Bodenkvedit- institute ins Leben gerufen, eines in Basel unter englisch-deutsch- schweizerischer Führung und eines in Amsterdam unter franzö- sischer Führung. Beide haben bereits zu arbeiten begonnen. Das Basier Institut legte eine Anleihe von 25 Millionen Schweizer Franken auf, die hauptsächlich in der Schweiz, England und Schwe- den gezeichnet wurde, das Amsterdamer Institut eine Anleihe von 140 Millionen französischen Franken(ungefähr 23 Millionen Mark), die hauptfächlich in Frankreich gezeichnet wunde, daneben auch in Holland, der Schweiz und Schweden.(Die Bank für Internationale Zahlungen hat sich übrigens an beiden Anleihen beteiligt.) Es ist auch kein Zufall, daß das Basier Geld haupffächlich nach Deutschland fließt, das Amsterdamer Geld hingegen hauptsächlich in die südost- europäischen Länder. Weiter wurde vor kurzem unter französischer Führung in Luxemburg ein Investment Trust gegründet, der mit einem Kapital von 5,1 Millionen Dollar arbeiten wird und hauptsächlich den Zweck verfolgen dürfte, ftonzösisches Kapital in ausländische Wertpapiere hineinzuleiten. Und schließlich ist Frankreich fichrend bei einem großen i n t e r- nationalen Kreditprojekt beteiligt, das jetzt ollmähllch greffbare Gestalt annimmt: bei dem von der Agrarkommission des Völkerbundes ausgearbeitete Plan, ein internationales Agrarkreditinstilul zu gründen. das haupffächlich dem Zweck dienen soll, in die Landwirtschaft der östlichen und südöstlichen Länder Europas, die von den heimischen Kapitalmärkten nicht versorgt werden kann, Kapital hineinzuleiten. Die Ausmaße dieses Instituts sollen sich ungefähr mit denen des Norman-Projekts decken. Es ist anzunehmen, daß die Verhandlungen über die Konstruktion, die Kapitalbeteiligungen und den Sitz des Instituts im Sommer abgeschlossen werden und daß die Bank i m Herbst ihre Tätigkeit ausnimmt. Abschließend kann von den zahlreichen und leider etwas zersplitterten Bemühungen um eine Belebung des internationalen Kapitalstroms folgendes gesagt werden: Nor dem Krieg war die Frage des internationalen Kreditausgleichs im wesentlichen eine Angelegenheit der privatwirffchaftlichen Initiative, wenngleich sich auch schon damals jeder Staat natürlich dafür interessierte, wohin das Kapital seines Landes floß. Mit der fortschreitenden Organisierung der Wirtschaft ist auch dieser entscheidende Zweig des Wirtschaftslebens aus der rein privatwirffchaftlichen Sphäre herausgehoben worden. Staaten und staatliche Notenbankeu schalten sich in immer stärkerem Maße in die Lenkung des internationalen Kapitalstroms ein. Der Einfluß auf die Bewegung des internationalen Kapital- stroms wird zu einer wichtigen Aufgabe der staatlichen Wirt- schaftspolitik, insbesondere der Konjunkturpolitik. Damit ist aber natürlich die politische Seite des iiüerirationalen Kapitalverkehrs immer wichtiger geworden. Man muß es offen aussprechen, daß heute, angesichts der ebkn geschilderten Situation auf dem inter- nationalen Kapitalmarkt, die enffcheidende Frage für den Kapital- zustrom nach Deutschland der Stand der deutsch-französischen Bc- Ziehungen geworden ist. Nur in einer Atmosphäre des gegenseitigen Vertrauens innerhalb Europas und speziell zwischen Deutschland und Frankreich werden sich die bescheidenen Ansätze zu einer Ueberwindung der internationalen Kredifftörungcn cnffalten und Pläne in der Art des Norman-Projektes zur Verwirklichung heranreifen können. Erfolge der Volksfürsorge. -1930 find 2,2 Mitl. Policen mit SSI Mill. Verficherungssumme erreicht. Der Abschloß der Dolkssürsorge für das Hahr 1930 zeogl von einer äußerst günstigen Entwicklung des Uniernehmens. das im Rahmen der modernen Arbeiterbewegung von Jahr zu Jahr größere Bedeutung erlangt hat. Aus dem vorläufigen Auszug geben wir folgende Angaben wieder: Der Policenbesiand beträgt 2,2 Millionen gegenüber IL2 Millionen im Vorjahr. Die Versicherungssumme hat sich von 7SZ.1 Millionen aus 880,8 Millionen gesteigert. Die Einnahmen aus Prämien und Kapitalerträgen werden mit 59 Millionen angegeben gegenüber 45,9 Millionen im Jahre 1929. Der Vermögensbestand hat die hundertmillionengrenze überschritten und Ende des Geschäftsjahres 132 Millionen erreicht. Im Vorjahr wurde er mit 87,9 Millionen augegeben. Davon sind 80 Millionen Hypotheken(im Vorjahr 49,3 Millionen). 40 Millionen Sommunaldarlehen, die zum größten Teil dem Wohnungsbau zugute kommen(Vorjahr 29,7 Millionen) und 12 Millionen Grund- besitz und Bankguthaben(im Vorjahr 8.9 Millionen). Die versicherungsleistungea machen seit Ende 1924 rund 12 Mit- llonen aus. Die Prämienreferve hat sich ans 90 Millionen erhöht. Die den versicherten gutgeschriebenen Gewinnanteile betragen 30 Millionen Mark. SS Ovo neue Versicherungsanträge im 1 Quartal t9M. Die Hand in Hand mit den Gewerkschaften arbeitende„Volks» fürsorge" hat auch im ersten Vierteljahr 1931 gut ab- geschnitten. Aus dem Bericht entnehmen wir, daß sich der Zugang an Neuanträgen für das erste Quartal 1931 auf 85 036 mit einer Versicherungssumme von 37,31 Millionen Mark beziffert. Im Monatsdurchschnitt ergeben sich also 28 000 Anträge. Seit einiger Zeit hat die Volkssürsorge auch ein« besondere Werbung cnffaltet, um ihre Versicherten, die aus irgendwelchen Gründen die Prämien- Zahlung eingestellt haben, zur Wiederinkraftsetzung der Versicherung zu bewegen. Günstige Bedingungen erleichtern diese Werbung. Das Ergebnis kann ebenfalls als gut bezeichnet werden. Es wurden im 1. Quartal rund 8092 Wiederinkraftsetzungeii vorgenommen. Oer Versicherungssparbrief. Uns wird geschrieben: In Nr. 151 des„Vorwärts" wurde der kürzlich von der Allianz und Stuttgarter Lcbensoersicherungsbank A.-G- eingeführte„Ver» sichcrungs-Sparbrief" besprochen und die Ansicht geäußert, daß der Versicherungs-Sparbrief eine neue Form der Lebensversicherung darstelle. Diese Auffassung ist irrig-, denn es handelt sich bei der von der Allianz geschaffenen Vcrficherungscinrichtung um nichts anderes, als uin die feit Jahrzehnten bekannte Spar- Versicherung, die von der„Volksfürsorge" schon bei ihrer Gründung eingeführt worden war. Die Sparversicherung der Volksfürsorge unterschied sich von den Versicherungs-Sparbriefen der Allianz nur dadurch, daß die Versicherungsdauer mehr als zehn Jahre betrug und wesentlich geringere Einzahlungen als 100 RM. angenommen wurden(als niedrigste zulässige Einzahlung war der Betrag von 5 RM. fest- gesetzt). Die Gründer der„Volksfürsorge", die sich die Reform der privaten Volksversicherung zum Ziele gesetzt hatten, glaubten Ein- richtungen schaffen zu müssen, um ihren schlimmsten Fehler, den ungeheuren Verfall von Versicherungen, zu beseitigen. Als eigent- liche Ursache dieses so oft gerügten Krebsschadens wurden von zahl- reichen Fachleuten die schwankenden wirtschaftlichen Verhältnisie der Arbeiterschaft angesehen, die— wie man mit einem gewissen Rechte sagt— dem Zwange zur fortgesetzten Zahlung einer sesten Prämie nicht gewachsen wäre. Deshalb hat schon in den neunziger Iahren der Sozialpolitiker Professor Hitze in Münster vorgeschlagen, von dem System der laufenden festen Prämienzahlung abzusehen und die Volks- oerstcherungstechnit auf das anpassungsfähigere System der ein- maligen Prämie zu stellen. Seiner Anregung folgte zuerst ein süd- deutscher Versicherungsverein durch Einführung der sogenannten „Arbeiter-Spar- und Lebensversicherung", mit der sie aber nur sehr bescheidene Erfolge erzielte. Erst die„Volksfürsorge" hat die Spar- Versicherung in größerem Umfange betrieben. Die Vorzüge dieser Versicherungsart sind, theoretisch be- trachtet, nicht von der Hand zu weisen: der Versicherungsnehmer ist nicht an eine pünktliche Prämienzahlung gebunden: er kann Ein- lagen nach seinem Belieben machen,-ohne bei zeitweiliger oder dauernder Nichtzahlung den Verfall seiner Versicherung befürchten zu müssen. Jede Einlage gilt als eine einmalige Prämie, für die ihm eine entsprechende Versicherungssumme garantiert wird. Die Summe der so erworbenen Ansprüche bleibt ihm auf alle Fälle erhallen und wird beim Tode oder beim Ablauf der Versicherung ausgezahlt. Praktisch liegen die Dinge jedoch wesentlich anders. Der Versicherungsschutz, auf den es doch bei der Lebensversicherung an- kommt, ist bei der Sparversicherung unzulänglich, so daß die gewöhn» liche Form der Lebensversicherung der Sparversicherung weit über» legen ist. Das freiwillige Sparen führt leider in den seltensten Fällen zu den gewünschten Erfolgen: denn in wirtschaftlichen Dingen folgt den Vorsätzen der Menschen— insbesondere in den minderbemittelten Kreisen— nur selten die Verwirklichung. Diese Erfahrung hat die Volksfürsorge in den langen Iahren, in denen sie die Sparoersicherung führte, immer wieder machen müssen. Der größte Vorzug der Lebensversicherung gegenüber der Sparkasse ist eben die vertragliche Verpflichtung zur Prämienzahlung, der so not- wendige und segensreiche Zwang zum Sparen. Wenn man sagt, daß die Menschen erst zp ihrem Glücke gezwungen werden Ens grosse Leistung für wenig öeld ist SALAMAN mnflen, so gm das nirgends fo seyr wie«n der vebensoersicherung. Aber selbst dann, wenn jemand regelmäßig Einzahlungen leistet, ist der von der Sparversichcrung gebotene Versicherungsschutz in den ersten Iahren ihres Bestehens unzureichend. Durch ihre langjährigen und reichen Erfahrungen mußte die Leitung dar„Volksfürsorge" zu der lieber, Zeugung kommen, daß es im Interesse des verflcherungswilligen Publikums besser wäre, eine derartige mangelhaste Versicherung überhaupt nicht anzu- bieten. Deshalb wurde im I a h r e 1322, als die Inflation radikale Betriebsvereinfachungen erheischte, die Sparoersicherung als erstes eingestellt. Die Leitung der„Volksfürsorge" denkt auch gor nicht daran, sie jemals wieder ins Leben zu rufen: sie ist überzeugt, daß die Allianz mit ihren Versicherungs-Sparbriefen ähnliche Erfahrungen machen wird. Günstige Gchokoladenabfchlüsse. Sehr zugeknöpft ist diesmal in ihrem Geschäftsbericht d i e Riguet-Schokoladenfabrik A.-G. in Leipzig. Der trotz Steigerung der Mengenumsätze von 2,3 auf 2.1 Mil- lionen zurückgegangene Rohgewinn wird lediglich damit begründet, r daß die Verschärfung der«rkse das Unternehmen gezwungen had«. zu billigeren Artikeln überzugehen. Aber lvenn auch bei diesen billigeren Artikeln die Gewinnspanne geringer sein dürfte als bei den bekannten Marken dieser Fabrik, so hat das Unternehmen doch sicherlich auch von dem starken Fallen der Rohverkaufspreise profitieren können. Eine Begründung für den um mehr als 2S Proz. auf 290 000 M. gesunkenen Reingewinn gibt also diese Erklärung des Geschäftsberichtes nicht. Die Dividende bleibt mit 8 Proz. gegen 11 Proz. im Vorjahr verhältnismäßig hoch. Die Hartwig u. Vogel Schokoladenfabrik A.- G. in Dresden betont gleichfalls in ihrem Jahresbericht, daß die zurück- gegangene Kaufkraft sich vor allem durch vergrößerte Nachfrage nach billigeren Konsumartikeln bemerkbar machte. Hier wird von der Verwaltung aber ausdrücklich betont, daß die Schwierigkeiten im letzten Jahr durch die Preissenkungen für Rohtakao eine gewiss« Erleichterung erfuhren. Dieses Unternehmen konnte seinen Rohgewinn sogar noch von 3,16 auf 3,23 Millionen Mark bei gleichzeitigem Unkostenrückgang erhöhen. Obwohl die Abschrei- bungcn mit rund 866 000 M. um reichlich 11 Proz. heraufgesetzt wurden, liegt der Reingewinn mit Über 309 000 M. um rund S6 Pro z. Über den Ertrag des Vorjahres. Die Dividende bleibt mit 4 Proz. unverändert. Enorme Baugewinne. Daß es trotz der zahlreichen Baupleitcn auch Firmen gibt, die auch jetzt noch mehr als anständig verdienen, zeigt der glänzende Abschluß der Joseph Fraenkel A.-G., Berlin, Dieses Unternehmen zahlt wieder 12 Proz. Dividende auf das Stammkapital von 0,18 Millionen Mark und 7 Proz. auf die Vor- zugsaktien(10 000 Mark). Die Dividendenzahlung erfordert also 22 300 M.; dem Reservefonds II werden 40 000 M. zugewiesen, vor- getragen werden 26 000 M.— man hätte also ganzgut40Proz. Dividende zahlen können. Sloehr-Souzern bleibt bei 5 Prozent Dividende. Der mit 22 Millionen Mark Kapital arbeitende Stoehr-Konzern in Leipzig kann für 1930 seine Vorjahrsdividend« von ö Prozent aufrechterhalten. Wie viele andere Wollunternehmcn ist auch diese größte Kammgarnspinnerei in Deutschland von der Textilkrise ver- hällnismäßig wenig betroffen worden. In der Erklärung des Aufsichtsrates heißt es, daß die Dividende in der Hoffnung auf eine Besserung der Wollkonjunktur nicht gesenkt wurde. Diese Ein- stellung der Stoehr-Verwaltung findet ihre Stütze in der spürbaren Befestigung der Wollmärkte, die aus«ine allgemeine Besserung in der Wollwirtschaft hindeuten. Als Preise bedeutend herabgesetzt! Zum Beispiel: Oamenmantel chemisch reinigen von 3.50 an Damenkleid chemisch reinigen von 4.— an Herrenanzug nur bügeln....... 1.— Herrenanzug ehem. reinigen u. bügeln 6.50 Frühjahrs- u. Pfingstaufträge rechtzeitig erbeten Commerz- und Privat- Bank AJctlenges&ilsohaft Hamburg— Berlin Bilanz, abgezchtossen am 31. Dezember 1930 GawinD- und Verlust-Rechnung GENOSSENSCHAFT BERLIN U.UMGEGEND E.G.M.B.H. 46 GEG-Sennereien im Allgäu verarbeiten täglich etwa 50000 Liter Ailgäuer Vollmilch. um unsere Mitglieder mit Weich- und Hartkäse zu versorgen Aus der reichhaltigen Auswohl der hergesteilten Käsesorten empfehlen wir ganz besonders: Limburger Käse n Briekäse in Steinen....... Pfd. nach italienischer Art.. Romadour-Käse Ä Schweizerkäse pfd. 1/52 (vollfett) Pfd. 1,08....Pfd. 0/76 echter bayerischer, vollfett.Pfd. 1,60 Camembert �«Q ......... Schachtel W/iKÖ Bierkäse, vollfett........ Pfd. I/äV Kleine Alpenrose Delikateßkäse in Stanniol Stüde 18 Pf. Emmentaler KBse, ohne Rinde....... Pfd. Emmentaler Käse� ork Stern...... Schachtel O/VO Harte Kräuterkäse zum Reiben und Schoben Stück 12 Pf. Ausnahme-Angebot: Pfund 48 Pf. Das Personal der KGB begeht den I.Mai durch Arbeitsruhe; aus diesem Grunde bleiben die Ausgabestellen der KGB am 1. Mai geschlossen! Die Abgabe der Waren erfolgt in der nur an Hitglieder Die Mit jlledichaf t kann von jedermann erworben werden Aufnahmegebühr 50 Pfennig Mitg lieder• Aa tnahmen werden in sämtlichen Abgabestellen der Konsum-Genossenschalt Berlin vollzogen Sie 3 Marl 3fl liefete Mi Wie V5 Psd Landmannstabak M. Vz. Wolkenformer, Vs» Roch und Roch. Vs. Post und Bahn V.s„ Pastorentabak 1 Sortiment(SZigarrcn). 1 reichilluftr Hauptkatalog 1 hübsch. Wellrus-Kalender 9.29 0.39 9.49 9.60 9,68 9,55 Alles zus. porio u. verpackungsfrei nur Mk Z.— Wenn Sie diele Annonce ausschneiden und heut» absenden. haben Sie in 3 Taaen das Pak« und tonnen sich selbst über- zeugen, wie groh die Eeidersparnis und der TorieU ist. sich seinen Rauchtabal direslans der Raarbtabalrfabrilc„Weltrof- E. KG II er, Bruchsal Xo. t£lfl zu bestellen. Berlin W8. Leipziger Str 122-123 Wir beteiligen uns an der Werbewoche I Der Nothelfer aus Amerika. Aufheben 1|# Fortsetzung folgt 1 . HUter Youngspleeu aus Ncwyork, ehemals Llkörfabnkanl, ob« jT u �rodlenlegung aus seinem berufe gerissen. Ist 1915/18 durd) Herstellung von Granaten zu verschiedenen DollarmlUlar- den und später zu der Erkenntnis gekommen, daft man den uufw««n Youngplane seufzenden Deutschen helfen müsse. Er denkt steh das so: 51« zahlen ao uns dl« Kriegstribute und künnen infolgedessen nicht so arbeilen, wie sie es gewohnt sind. Also leihe ich Ihnen dos Geld, dos*1« an uns gezahlt haben. *u 10*/# und gute Sicherheiten, damit sie arbeilen und verdienen and uns die Tribute wellerrohlen können. Dl« Freude daran haben sie, die 10% habe tdi als kleine Belohnung für mein« edle Tai Besonders will ich Ihnen helfen durch gute Rat- •mlÄge, denn st« sind sehr rüdcsUtadig, Indeed.- Mister Yonngsplecn trifft auf dem Potidamer Bahnhof in Berlin ein und das erste, was er bemerkenswert findet. Ist ein Schild: Dem Herzen tut die Liebe wohl. den schwachen Eutzen Kukirol! Oh. sagt er zum Gepäckträger, wohnen in diese City den famous Dr. Unblutig? No. sagt der Gepäckträger, denn er spricht et- *as englisch, aber Kuldrol. das hundertmillionenfach bewährte. beste Hühneraugen-Pflaster der Welt, können Sic gleich hier gegenüber in dei Apotheke und Überhaupt in jeder Apotheke. Fach- Drogerie und besseren Partümeric bekommen. 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Hier und dort gesellen sich Buchen oder zauberzarte Birken zu ihnen, besonders um den Marinowosee, der, wenn gegen Abend im Frühling nicht mehr eines Windes leisester Atem ihn bewegt, in seinen Tiefen noch einmal das von ersten Sternen durchsilberte Gewölbe des dämmern- den Himmels und die vom kristallklaren Laub durchflochtenen dunklen Tannenpfeiler des Waldesdomes so seelenerschütternd spiegelt, daß jedes diese übermächtige Schönheit noch abwägende Wort unter dem jähen Aufbrausen des Blutes verstummt. Am höchsten türmen sich die Tannen an der südlichen Bucht des Sees, wo ein Heer von Schilfrohren wie flehende Schiffbrüchige aus dem Wasser nach der stillen Wiese verlangt, die sich dort vor dem Halbrund des Waldes- randes breitet. Wer aber den schmalen Försterweg, der. kaum angedeutet im braunen Teppich der welken Nadeln und im sanften Moose, hier durch das Dunkel der Tannen verschlungen weiterführt, entlang- wandert, ein winziges Menschlein unter den Riesen der Waldeinsam- keit— die niedersten Geäste breiten sich oft wie gewaltige Schirme über dem Schreitenden—, der gelangt zu einer weiten, alle Stille, zu der unser lärmendes Jahrhundert fähig ist, ausatmenden Wiese. Schon wieder im Walde, an jener Stelle, wo im Juni das Lila tausender Lupinen leuchten, steht ekne Iagdkanzel wie der Predigt- stuhl Gottes, wenn er zu den Rehen sprechen will, die hier vor Nacht an dem Bächlein, das sich mitten durch die saftige Wiese schlängelt, noch einmal ihre Zunge letzen. Hierher schleppte der Mörder sein Opfer. Das Mädchen war orglos wie alle Menschen dieses Waldes die Straße nach Jagdbude eiligen Schrittes dahingegangen, um noch vor Einbruch des Dunkels zu Hause zu sein, im Forsthaus. Die Försterstochter hatte unerwartet Urlaub erhalten: ihr Chef in Jnfterburg, bei dem sie die Schreib- Maschine bediente und die Bücher führte, mußte plötzlich nach Berlin fahren und hatte sie, da ihre Wangen ein wenig blaß geworden waren, für ein paar Tage beurlaubt. Sie wollte die Eltern über-, raschen und lief die vielen Kilometer, um sich diese kindliche Freude zu bereiten, ihr kleines Köfferchen und ein Päckchen mit Süßigkeiten für die kleineren Geschwister in der Hand, zu Fuß durch den vcr- trauten Heimatwald. Da begegnete sie dem Arbeitslosen, der seit drei Tagen hungrig, seit Jahr und Tag ohne Beschäftigung, ob- dachlos, ohne die umhegende Güte eines einzigen Menschen, in der Romintener Heide umherlungerte. Den Verzweifelten packte jähe Wut. daß neben ihm, dem Häßlichen, Verlumpten ein so holdes Menschengeschöpf emporwuchs, mit, wie es ihm schien, sehr feiner sauberer Kleidung, und der Kosser in ihrer Hand dünkte ihm in diesem Augenblick wie der Besitz eines Krongutes. Ehe er den Ge- danken zu Ende dachte, war die Tot getan. Ein Faustschlag gegen die Schläfe streckt« das Mädchen nieder, er zog es ins Gesträuch, und schon stach er mit seinem Messer in den weißen schmalen Hals, das Blut lockte, er drückte die Klinge in ihr Herz, und wischte dann das Messer an dem blonden Haar des Mädchens ab. Es war längst tot. Und lächelte. Als der Mörder das Lächeln sah, wollte er mit dem Messer den rührenden Mund in eine gräßliche Fratze ocrwan- dein, doch dann regte sich in ihm ein sinnliches Gefühl, er küßte diesen Mund. Ein Auto raste vorüber. Der Mörder sprang auf. lud sein,, Opfer auf die Schultern, rannte, als er schon hundert Schritte ins Dickicht hineingekrochen war. zurück, denn er hatte den Koffer ver- gessen, den er nun erst durchsuchte. Er fand die Geldtasche— 79 Mark waren darin. Das Mädchen wollte sie der Mutter bringen, damit hierfür, denn sie war heimlich verlobt, einige Wäsche für ihre Aussteuer gekaust würde. Soviel Geld hatte der Verwahrloste lange nicht besessen, und er flüsterte:„Ich dachte schon, es hätte sich nicht gelohnt!—* Er zog dem Mädchen noch den Ring vom Finger und die Uhr vom Arm und der Besitz der Wertsachen ließ den Blutrausch jäh versliegen— vergraben und fort von hier, das war jetzt der einzige Gedanke des Mörders. Und er gelangte auf die heiligstille Wiese hinter dem See. Mit seinem Messer und einer Latte begann er den Boden aufzuwühlen, dort, wo die Lupinen standen, die er mit der Wurzel schon heraus- gehoben hatte, um sie dann über dem furchtbaren Grabe wieder einzupflanzen. Die Grube war fast fertig, da nahte sich vom jenseitigen Waldesrand eine Schar Rehe mit schlanken Schritten und mit arg- losen dunklen Blicken. Der letzte Tag lag mit silbernem Licht über der Wiese, ein verirrter Strahl der sinkenden Sonne wanderte ver- hauchend über die Wipfel, die sich nicht regten. Der Vagabund blickte auf— die Rehe standen am Bach und tranken. Dann sprangen sie hinüber und drei oder vier liefen auf die Lupinen zu. Er duckte sich hinter den Blüten, jetzt waren sie ganz nah und ihn traf der große reine Blick der Tiere. Eines der Rehe sah aus das tote Mädchen. Doch ohne Arg blieb der Blick des Tieres, er ahnte nichts von der Bosheit, zu der ein Mensch fähig sein kann. Und weil der Mörder und sein Opfer reglos vor sich hinstarrten, flohen sie nicht, sondern ließen ihr großes Äuge einfältig weiter leuchten. In diesem Auge blinkte der dunkle Grund, als gäbe es nur das Gute auf der Welt. Niemals würde es auch nur«in Hauch von Falschheit Überschleiern, keine Gier wird sich je in ihm spiegeln, und jede Gewalttat blieb ihm ewig fremd. Der Blick des Mörders glitt an dem heiligen Schauen der Tiere vorbei wie ein düsterer Rauch an der unbeirrt weiter flammenden Sonne. Die Rehe sahen ohne böse Ahnung in die Lupinen, aus denen der er- starrte Kopf des Arbeitslosen ragte. Eine unsichtbare Wolke von Reinheit schwebte um sie und über der ganzen Wiese, von den sich in edlen mächtigen Linien hochsteilenden Tannen umschlossen, breitete sich eine Andacht aus, die um ihrer selbst willen einsam ins Ewige verstrahlte. Bis der seine Verworfenheit plötzlich erkennende Mensch in die Waldcsstille hinein aufschrie— da flüchteten die Rehe erschreckt— und immer die Worte vor sich yinstammelte:„Ich bin gerichtet! Ich bin gerichtet!" Er ließ die Leiche liegen und irrte die ganze Nacht halb von Sinnen im Walde umher. Als der Morgen graute und er den klagenden und immer mehr sich verwirrenden Stimmen in seiner Brust nicht mehr Ruhe zu gebieten vermochte, erhängte er sich an einer der stillen Tannen. John Menry'Madkay: SElWei iDl6lll6l* Und wie er sich nicht gescheut hätte, vor den Ohren des Kindes aus den stummen Saiten eines Instruments unverstandene Klänge zu locken, so scheute er sich nicht, vor ihnen die Klänge der Worte zu entfalten in ihrer unerhörten Pracht, deren innerste Seele Musik war, und mit keinem Verstände begriffen werden konnten. Er sprach weiter und weiter, wie er sprach auf seinen einsamen Gängen am Ufer und im Walde, und in der Einsamkeit seines Zimmers, wenn er fühlte, wie die Schauer der Schönheit ihn über- rieselten wie warme Wogen. Er sprach weiter und weiter, und vergaß, zu wem er sprach und weshalb... Dann, als sein Blick die Augen des Knaben traf, stockte er. Sie waren auf seine Lippen gerichtet mit einem unaussprechlichen Ausdruck von Erwartung und Angst, erschrocken fast und doch bc- gierig. Da wußte er, daß er eine Seele zu ewiger Sehnsucht nach der Schönheit geweckt hatte, und er hielt inne. Der Becher sollte nicht auf einmal gefüllt werden in roher Hast. Nun sein Boden bedeckt war mit dem reinen Stoff unversieglicher Kraft, konnte das Leben hineinschütten, was es wollte: er würde absorbieren und kristallisieren, was an Unreinem hinzugeschllttet werden mochte. Und was immer aus diesem Kinde werden mochte— es war ein Dichter. Sein würden alle Leiden und alle Hcrklichkeiten des Lebens sein, und alles mußte er tragen, so gut er es vermochte... Sie standen auf und gingen zurück, wie sie gekommen waren, Hand in Hand, und ohne zu sprechen. Je näher sie den Häusern des Badeortes kamen, um so deutlicher wurden die abgegriffenen Klänge der Musikweisen, die dort gespielt wurden und die lauten und schrillen Worte der Menschen— Lärm, mit dem diese Menschen das Schweigen ihrer Seele betäubten, um es picht zu vernehmen. 3)as Grundtraffer Man unterscheidet zwei Arten von Bodenwasser. Das eine stammt aus dem Erdinnern, wohl aus dem Magina, und dürfte als Dampf nach oben steigen, bis es sich zu Wasser verdichtet. Das andere stammt von der Erdoberfläche. Zweifellos gibt es Quellen, die nur Oberflächenwasser führen: ob es aber solche gibt, die nur aus dem Erdinnern stammendes Tiefenwasser führen, ist mehr als zweifelhaft. Vermutlich ist stets ein starker Gehalt an Bodenwasscr beigemengt. Die Hauptquelle des Grundwassers ist zweifellos der atmosphärische Niederschlag, das in den Boden eindringende Ober- flächenwasser, doch ist es sicher, daß die atmosphärischen Nieder- schlüge allein die Erscheinung des Grundwassers nicht zu erklären vermögen, da vielfach ein Ansteigen desselben stattfindet, wenn schon lange Zeit und in weitem Umkreis keine Niederschläge erfolgten. Der Grundwasserreichtum eines bestimmten Gebietes hängt vor allem von der Ausgiebigkeit der Niederschläge ab, dann von der Wasserausnahmesähigkeit der Gesteine und deren Wasser- durchlässigkcit. Die Aufnahniefähigkeit für Wasser ist am größten bei Ton, am kleinsten bei Saud(bzw. Kies und Schotter), die Westcrleitungsfähigkeit oder Durchlässigkcit ist dagegen bei Ton fast Null» bei Sand, Kies und Schotter groß. Er ging in dw Dünen, wie jeden Nachmittag, um dort seinen Träumen nachzuhängen. Da hörte er neben sich wieder die kurzen Schritte, die ihn so oft in diesen Wochen auf seinen Wegen begleiteten, und er ließ ihn neben sich hertapsen, den kleinen Kerl, der die sehnsüchtigen Augen eines Dichters hatte, und der ihn nie störte mst seinen stillen und seltenen Fragen. Die Ellern saßen bei der Kurmusik und schwatzten. Wo die niedrigen, verkrüppelten Holzungen, die sich wie ein Streifen zwischen den hellen Strand und den hohen, schwarzen Wall des Buchenwaldes schoben, ihre seltsamen Schallen auf den riedbewochsenen Sand warfen, ließen sie sich nieder— der Kleine zu den Füßen des Großen, wie ein treuer Hund. Hier hörten sie die Mißktänge der Musik und das Stimmen- gewirr der Menschen nicht mehr, sondern nur noch das leise Rauschen des Meeres, das Wehen der Brise in den Halmen, und jenes ge- heimnisvollc Raunen, mit dem hinter ihren Erscheinungen die Natur unaufhörlich neues Leben zeugt und gebiert. Unter der festen Decke von Tannennadeln und zerbröckellem Holze, die wie ein dichter Pelz über dem weißen Sande lag, gärte und zitterte das verborgene Drangen ungezählter und unsichtbarer Lebewesen. Und überall taten Ameisen ihre emsige Arbeit. Der Knabe spielte mit einem vertrockneten Tannenzapfen, der seine Kiefer nach allen Seiten auseinanderfperrte und tief in sein entkerntes Innere sehen ließ: der Mann aber sah still auf die hügeligen Buchtungen der Dünen mit ihrem schwarzen Ginster und den silbergrauen, schlanken Gräsern, und auf die bizarren Formen der Nadelhölzer, die sich im stetigen Kampf im Wind und Wetter so tapser gewehrt, und von ihnen doch zu Krüppeln gemacht waren, hier an der Grenze zwischen Land und Meer, auf dem äußersten Vorposten, während hinter ihnen, dem Schutze der treuen Vasallen, hochmütig und stolz die Herren ihre Kronen hinauf zum Himmel hoben. Es war eine Weiche und Süße in der Luft, die die Augen betäubte: und zugleich eine. Frische, die sie immer wieder öffnete... Da erzählte der Dichter seinem kleinen Freunde die Märchen der Sehnsucht, nach denen seine Augen verlangten: das von der Seejungfrau, die mit ihren Schwestern tief auf dem Grunde des Meeres lebte, aber heraufstieg, um die Liebe eines Menschenkindes zu gewinnen, und an ihr zu leiden und unterzugehen: und das von dem häßlichen, jungen Entlein, das, getreten und verstoßen auf dem Hühnerhofe, hinausschwamm, fein graues Gewand von sich warf und ein stolzer, königlicher Schwan ward: und sein eigenes von dem kleinen Seepferdchen, das auch nicht mehr leben mochte in der stillen, kühlen Und leuchtenden Tiefe, das die Wärme fühlen wollte und starb, als der erste Sonnenstrahl es traf... Ein verlorener, verträumter Ausdruck lag in den Augen des Kindes, als er endete: Furcht vor dem Leben und Sehnsucht nach ihm zugleich. Da packte den Dichter das unbezwingliche Verlangen, in diese reine unberührte Seele die keiner oerstand, wie ein klares, kostbares Glos, aus dem noch niemand getrunken, als der Erste die ersten Tropfen unvergänglicher Schönheit, dos Elixir seines eigenen Lebens, zu gießen und zu sehen, wie es sich nr ihr spiegelte. U ebermächtig wurde sein Verlangen, und es dünkte ihm köstlich zu sein, dieser Erp« zu Pin nach freier Wahl. Und von seinen Lippen klangen plotzllch die Verse, die er liebte, die Vers« seiner angebeteten Großen, die ihm vertraut waren, ihrem Sinn und ihrem Klange nach bis in ihr letztes Geheimnis, lind sie waren, wie sie tönten und schwollen, wie das Grollen des Meeres bald, und bald wie das Klagen des Windes in den Dünen.... Er sprach und sprach, rastlos, wie sie ihm kamen, ohne Zu- sammenhang, aber alle waren sie gebadet wie in Glanz, und wie beschienen von einem zillernden Lichte. Er wußte es wohl: der kleine Knabe konnte sie nicht verstehen. Sie mußten ihm dunkel und geheimnisvoll sein, wie das Meer und die Nacht und dos Leben es ihm waren. Aber er sollte sie auch nicht oerstehen: er sollte sie nur hören. Der Reisekoffcr im Milelaller. Die Phönizier wie auch die allen Griechen und Römer benutzten zur Unterbringung ihres Ge- päcks auf Reisen Holzkistcn. Der Gebrauch des Reisekoffers wird in Mitteleuropa erst im sechsten Jahrhundert durch einen fränkischen Geschichtsschreiber erwähnt, doch scheint sich die Sitte, für Reisezweckc besondere hölzerne Behälter anzufertigen, die man dann auch mit Leder oder Fellen bezog, erst im frühen Mittelalter mehr und mehr eingebürgert zu haben. Diese ersten Reisekoffer dürsten in ihrer Gestall und Größe wohl schon an unsere Koffer erinnert haben. Sehr groß wurden sie sicher nicht angefertigt, weil man sie im Wagen oder zu Pferd mitführte. Ihre Bezeichnung lautete schon im vier- zehnten Jahrhundert„Cuffer" oder„Eoffer", ein Wort, das man allerdings auch für die eisenbeschlagenen Geldkistcn zu gebrauchen pflegte, die man auf den Reisen mitnahm. Superlative! Als Napoleon die Insel Elba verließ, um noch einmal seine Herrschaft in Frankreich aufzurichten, schrieb Lud- wig XVIII. im..Monsteur": Der„Menschenfresser" ist entwischt!— Bald darauf hieß es: Der„korsische Werwolf" in Frankreich gelandet! — Dann: Der„Tiger" kommt!— Das„Ungeheuer" hat in Grenoble übernachtet!— Der„Tprann" ist in Lyon eingetroffen.— Der „Usurpator" zeigt sich in der Umgebung von Paris.—„Bonaparte" rückt vor, wird aber nie in Paris einziehen.—„Napoleon" wird morgen unter den Brustwehren stehen.— Der„Kaiser" ist in Fon- taineblau eingetroffen.— Und schließlich:„Seine Kaiserliche Ma- jestät" zog am 21. März in der Mitte seiner getreuen Untertanen in den Tuillerien ein. JCans Friedrich SSlunck: S)HS Es gibt manch unterschiedliche Arten von Booten, die sich im Hamburger Hafen herumtreiben. Es gibt Fahrzeuge, die sich tag-- über gründlich abrackern und zur Vesperzeil ordnungsmäßig vor Anker gehen und der Ruhe pflegen. Es gibt aber auch Boote, die tagsüber an der Kette liegen, als ginge sie das Leben und Treiben ringsum durchaus nichts an, die erst nacht- erwachen, sich in der Richtung aus die Schuten bewegen und vorsichtig« Umwege machen, wenn die blinkenden Lichter der Polizeibarkasse auftauchen. Es gibt schließlich auch Mitteldinge, die weder Kohjen fischen gehen noch sich wirklich abrackern tagsüber, in denen ein wandernder Hand- ler sitzt und von Schiff zu Schiff fährt, um sein« Ware loszuwerden. Das sind die Bumboote.' Klaus Brooks Bumboot' war etwas reichlich klein, �und man wußte nie recht, wo er all das Mehl, die Rosinen und den Rum oerstaute, den er den Schiffern verkaufte oder gelegentlich durch den Zoll brachte. Am wenigsten aber wußte man, wie das Boot seinen Besitzer faßte, denn Klaus Brook ist«in baumlanger Bursche, der auf jedem Schiff noch«ine gute Heuer bekäme, wüßt« man nicht, daß er so erbärmlich trinkt. Aber ein gutmütiger Kerl ist er dabei, der gern alle Spähe der Schifier über sich ergchen läßt, wohl«ine halbe Stunde lang, bis er plötzlich mit einem Angebot in Rum oder Rosinen kommt und so freundlich und versöhnt da.zu nickt, daß den Ewerführern ihr rauhes Herz ob soviel Duldsamkeit schlägt und sie ihm halb freundschaftlich irgendetwas abnehmen. Dann kriegt Klaus Brook mst tiefernstem Gesicht seine Gewichte her, schlenkert die kleine Waage hin und her und zerrt und legt zu, bis der arg- wöhnische Schiffer sein Schale schwer herabsinken sieht und zufrieden das Geld aufzählt. Und trotzdem— niemand wußte warum— sagte man, daß Klaus Brook nicht ganz ehrlich zu Werk ginge, und tonnte es ihm auch keiner nachweisen, so tnunkclte man doch allerlei und war mißtrauisch, wenn das kleine schwerbeladene Boot kam und vom Wrickrudcr Maus Brooks lange, etwas gebückte Gestall herauf- klellerte. Bis sein allversöhnliches Lachen und das breite Grinsen über die gemütlosen Worte, die man ihm entgegenrief. Klaus Brook wieder als biederen, wackeren allen Bumbootsmann erkennen ließen. Pete? Kölln behauptete zwar n>t Bestimmtheit, er Hab* an Land einmal nachwiegen lassen und habe bestimmt statt 3 Pfund Farbe nur 2'A Pfund bekommen. Seitdem mied Klaus Brook Peter Köllns Ewer, wurde ärgerlich, wenn er ihm vor den Steven kam und konnte fast jähzornig werden, wenn jemand von den 3 Pund Farbe ansing. Ja, als Karl Jwersen vom Schlepper„Elbe 9" einmal behaupten wollte, ihm sei es genau so gegangen, sprang Klaus Brook so wütend aus, um dem anderen zu Leibe zu geben, daß er zum erstenmal Uebergewicht bekam und der Länge nach in die spritzende Elbe fiel. Im übrigen war das Bumboot eine der beliebtesten Erschei- nungen im Hafen. Wenn irgendwo etwas gestohlen war— Maus Brook wußte Bescheid. Wenn Kindtause war, Klaus Brook kam mit der Harmonika— gegen gute Gastfreundschaft natürlich! Wenn jemand verkaufen wollte, wenn jemand heiraten mußte, ivenn je- mand sterben sollte, Klaus Brook wußte Rat. Er wußte die schwie- rigsten Stllcklein mit dem Zoll zu erfinden— wüßt« die Schankerlaubnis zu regeln, ohne daß die Polizei etwas merkte. Und wen» Sturm im Hafen war oder das Treibeis kam und kein Mensch vom Ewer herunterkommen konnte— Klau- Brook kam hinüber und brachte Rum und Zucker für die trostlosen Stunden. Das ging mich lange gut, recht lange sogar, fast zu gut: denn selbst die gleichgülligsten Schiffer sahen etwas ängstlich drein, wenn Klaus Brook, ohne gerade nüchtern zu fein, mitten in der Eistrift aufrecht in seinem schwankenden Kahn stand, mit tiefsinniger Miene die Gewichte auf die Waagschale legte, ausschwenkte, mit einem Wrickschlag an die Reeling kam und die Ware hinüberrcichte. Bis ihn eines Tages das Schicksal ereilte. Als er Kayl Ilverfcn, mit dem er sich wieder vertragen hatte, ein gut Teil Bandwerk, Nägel. Gummi und Zigarren wagemutig hinüberreichen wollte,* hob eine Welle den Schlepper hoch, drückte das Heck auf das Bum- baot und duckte es im nächsten Augenblick unter Wasser. Maus Brook hatte sofort die Reeling ergriffen und kletterte schellend und pudelnaß an Bord. Jwersen griff nach o:m Bootshaken und stocherte im Wasser, ober vom Bumboot und seiner Last war nichts mehr zu sehen und zu fischen— rein nichts mehr. Nn? die Gewichte schwammen noch oben..,, ■jnn Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verllo I(ij IM ÖWmtmn,,«« fh Mtfc Äntrll»r« M ÄfTfln SW 66.£l»bo*r«fc 5 Funktionlirkonferenz wtqdi,®oiin«»Ufl, 19>4 Uhr, i« bcr Schulaula Rochfir, 13. Tbcma: ,©<• oCttHNHtäonf«ttitn d«r vroletarisch«, Zuarni,'. Ref«r«ut: Dr. Kail Schrocixr. vhur Mitftli-d-buch»rr TAI.»drr Partei Nl» Zutritt. * VP.'Tihuu« heute,?S Uhr, im Dortrag�aal hea PS., ginietrffc. J. LSG.-Vorsiheud«! Rechnet dir ausstehenden Nummern des„RS." ab. Der �Ndt» Schiller" Nr. 4/5 ist erschienen. heuke, Mittwoch. 29. April. 19� Ahr: Westen: Gcnthiner Str. 37, Zimmer 6. Aeltrre...Oraanisationen der Unter- nehmer."—«cfuuddrunnea,: Prommnstr. 1.«»enralprobe 3ur Maifeier.— Baltenplast! Tilsiter Str. 4—5.„Der 1. Mai, Well frier toi,"— xindenhaf: Heim der Siedluna.„Ein Gau« durch die Reichsverfassunl,."— Siemensstadt: Schule. Zlrbeiisqemeinschaft. � Tempelhaf: GSststrahe.„7. Mar— Weltfeier. tag."— Reulolin IX; Wir gehen werben. Treffpunkt 18Va Uhr beim Genossen Kloke, Gmscr Sir. ZU II.— Friedricheseldet Gunterstr. 4k.„Das Iugendschust- gcsest."— Lichtenberg. Nord(R.-ss.): Gunterstr. 44.„1. Mai— Weltfeiertag." — Lichtende ea.Rorvwest: Dossestr. 22. Mitglicderpersammlung.— ltottbusser Tor: Brister Str 27— Z<>. Elternabend!„Eltern erziehen Kinder".— TSG. Rculöllu lAeltere): 20 Uhr. Bergftr. 2g.„Arbeiterdichtuna."— Schönhauser Sarstadt: 19 Uhr. Sozialistenecke. Wir qehcn zur Generalprobe für den 1. Mai. Werbebezirk Prenzlauer Perg! 2a lllir Saalbau Friedrichshorn. Gartensaal, Generalprobe für die Maifeier. Ausgab« der Freikarten. Die Vorststendenkonfe- rcnz muh wegen der Generalprobe ausfallen und findet am Sonnabend, dem 2. Mai, statt. Werbebezirk Kreuzberg! 19 Uhr„Neue Welt" Eorcchchorprvb«. Alle Gruppe« müssen erscheinen. Fahnen mitbringen. Werbebezirk Neukölln: Sprechstunde von 17% bis 19% Uhr Ganghoferstrosse. Sprech chorprvbe um 19 Uhr im kleinen Saal der„Neuen Weit". Alle Mädel. die am Säirgerfest niitwirkra, treffen sich zur Probe um 19 Uhr am Her» man np Iah. Werbebezirk Tiergatte«: Sprechchvrprobe in der Schulaula Waldcnferstraße. Die Förderung de, Kuudeudienstc» bei Opel. Die Opelunnke legen von jeher besonders grossen Wert auf die möglichst vollkommene Organisation des Kundendienstes in ganz Deutschland. Am 27. April wurde eine in den lestten ckllonatcn organisierte Kundendienstschnle eröffnet. Diese hat zur Aufgab«, den Sefuchcrn eine gründliche Kenntnis der Opelwagen zw W ermitteln und He mit der Konstruktion, den technischen Einzelheiten sowie«rit allen Frage« des Kundendienstes genauestens vertraut zu machen. Abgesehen von dem pardild- lich organisierten Ersastteildienst, der Unterstitstuna und dem Weiterausbau von Reparaturwerkstätten, von der massigen Preisgestaltung für die Ersa«teile und der Normung von Reparaturardeiten. regelmässigen Besuche» durch fach» kundig« Vertreter des Werkes und s» manchen anderen, die Klmdcndienftidce fördernden Einrichtungen, wird als» nunmehr auel>«in« Opel-Kundendienst» Schule das Hllndlerperfonal fachmännisch ausbilden helfen, um nach bavährtca Methoden Reparaturardeiten an Opelwagen z« lehren. Man«>eiss es«icht immer gleich, wo man f«iiie tägliche»„kleinen" Ein- käufe machen soll... aber man erinnert sich: Kaffee. Tee, Kakao, Schoko» laden, Keks. Bonbons und alle Kolonialwaren, sowie besonder« Spezialitäten eigenen Fabrikats führt in bester Qualität zu niedrigsten Preisen die nächste Filiale von Kaisers Kasfeegeschäft. Dort erhalten Sie auch neben S Prozent Rabatt besondere Gratisgaben. Beachten Sie das heutige Inserat! Ei» Dertraue««vot»m für Abdulla. Zigarette«. Di« Raucherwclt bat ab- gestimmt. Fernab von der hohe» Politik bat hier ein Volksentscheid statt- gefunden. Gewaltige Umsahsteigerungen berveisen die grosse Beliebtheit und den wachsenden Zuspruch, deren sich die Abdulla-Standard-Zigarette in weitesten Raucherlreisen erfreut. Der Standard-Grfolg ist auf die garantierte Ver» wendunq edler mazedonischer Tabakforten erster Cortierunq zurückzuführen. Die Standard ist ein« wunderbar abgestimmt«, mild« Zigarette und—„fie verändert sich nie". Barbarossa 9256 Tägl 5 u, 6' d Uhr lDi.50Pf.-3 U.. Ab. I-6M. Juan Liossas Bit i. nniltkl Onimitl d'Ansolmi Drena Beach und weitere Attraktionen. plAza Vtidnil L 7. 4031 Täglich»und•" SonniagsK,»«.»" lim. SSPf.-! H.. Ab. 1-2 1. Senin Glazeroff Gesang* u. Tanzrevue BSTbara la Ha? usw. »v.üh, CASWO-THEATER Loihringcr Sirafie 57. Miiiw»inpniMniinniii>iiiinnniiup�iiiiiiiiiiiiiiiui»WfmtwwtmM Nur noch bis Freitag „Er träumt won Jlse" und das bunte Programm Sonnabenii. den 2. Mol nrai min Mili: Graf Koks Billig! Sommerpreise: Billig I 0.75 Mk», Mk. bis 1.50 Mk. Reichshailen-Theater tdwll! IT| Sonntag natfim. sTTl „3BnlleH*rinile Mlappermalm" stettiner Sänger Tageikasw IM llKodkasstib E. Nachmittags ermäßigte Preise. Dönhoff- Brettl: Variete— Konzert— Tanzl W'nt«r - Carlen- s0br. Zintr. 281S. Gnduii trlanbt Davelma-öaileif, u;ell. Vemon, 2 Hartwells, Rio State MarimDa Banflosw. GROSSES SCHAUSPIELHAUS Täglich s t'hr: im weissen RSssi. In der Premierenbesetzung Regie: Erik Charell. ROSE THEATER Mentmc Ms Freitair tenn caw rat Elis�iiai:! „In Amerika rlcrhunderi- m«I gespielt". („T e m p o") Die Sadie, die sich liebe nennt (Thls thlng ca 11 cd lor«) Giuit Fraogfartcr Scrafi« zga U-Bahn Strausberger Platx dtftgigcr VonrarfaBof tAgUak v»» ,»»« Uhr and 4—? Uhr Yikpl.Bestellg.: E 7. Weichsel 3422 BETRIEB KEMPIHSKICj* S Eine Sammlung von Humoresken un d Gro- £= tesken f Ausgewählt von Arthur Goldstein 256 Seiten• Ganzleinen In dieser Zeit ein lustiges Buch? Ja— denn jvirklither Humor kann durchaus ein getreues Abbild des Lebens bieten. Auf den allein kommt es an, und mit der Waffe des Humors kann man tödliche Schläge versetzen.— Und hier— in diesem Buch— wird der Feind— die heutige Gesellschaft und ihre verlogenen Ideale— an seiner Achillesferse getroffen, Sr Und darum: laut ihm lachen-ohneOnade und Barmherzfgheltl | Preis 4.80 Mark ~(Für Mitglieder Sonderpreis) EiR B;Ü;C H;E R K RiE VolKsbllhne Theater ein BQIovplalz. 8 Uhr Die Ehe ltaatl.Sdiillir-Tli. 8 Uhr Bürger Schippel Staatsoper Am PI. d. Republik 8 Uhr falsfaft Mrl Weiteos Heute 8b« Uhr Cnstpitl lielson-Rmt Lichter Berlins Sonnabend Premiere-Oaslsplel Hlsllnguette- Revue Neues Theater • am Zoo— IniBahDluZoo. StpLESSt Heute 81/« Uhr Zum 150. Male: Uoruntersuchung von Max Alsberg u Otto Ernst Hesse Oeotidies Iheaier 8 Uhr Der Hauptmann von Köpcniik v. Carl Zuckmayer Regie; Heinz Hilpert Die Komödie 8V« Uhr Heute letile lofiQbnug! Natalie v Iwan Turgenjew Rillt; Iwan Schmith Knrfürsienflamm- Theater Bismarck 449 J�TThTJ Alles Schwindel ns Mvteilus Sdiiffer. Musik von Mischa Spoliansky. tigii: Cntal GrSitfiss Baraowsky-äOtineD Theaier In dir Stresemonnstr. Täglich Wi Geslem n. Heule Schauspiel von Christa Winsloe Komddfenhaus Täglich 8V« Uhr Eine königliche Familie Kleines Theat. Täglich 8V« Uhr Erika GläBner in: Der stille Kompagnon Listspiel toi Leo lenz ifletropol-liieater Täglich 8". Uhr Nur noch 7 Tage! Das Velldien v. Montmartre Operette v. Kaiman Komische oper 8'h Uhr Alt-Heidelberg licie Englisdt Westenneier. H.J.Hoebis. Peukert Lustspiemaus Täglich 8�/2 Uhr aer Lügner u. die nenne von Kurt Götz i wo speist man> gat am) billig 7 Nur Gross- Benin Alpxandprplatx Theater im Admiralsnalasi Täglich 81/« Uhr Der lustige Krieg Ochmann. Ahlers, Trautenhayn a G. lesting-Tlieatet Täglich 8'/« Uhr Husarenlieber Guido Thielscher, Kastner, Arnstadt, Vesper mann f- Elite-Sänger— Kottbusser Str. 6 Tägl. 8V« Uhr Sonntag S'i» Uhr FRITZ1 Dazu Gastspiel Lotte»ans n. d. XompsD. iieRwart Ehrlich. Nachm. emäBigte Preise! Am 26 April verstarb nach längerem schweren Leiden unser lieber Sohn und Bruder, der Sleinbildhauer Carl Tiepelt im Aller von 64 Jahre». In tiefer Trauer: Famiii« TIepeU Die Einäscherung findet Donner«. tag. den 80 April, I6V- Uhr, im Krematorium Wilmersdorf statt. Kröger & Lathan PanKnlibrik HmsFriedridistr. 106,1 07 Z lig. v. Sil JiDoraitibrüite Dentsdier Metallarbeitor-ssrliiDd Verwalhingssielle Berlin Todesanzeige Den Mitgliedern zur Nachricht, dass unser Kollege, der Werlzcugmachcr Otto Schtnolke am 25. April gestorben ist Ehre seinem Andenke«! Die Einäicherung findet am Sonn- abend, dem 2 Mai. nachmtttags 2 Uhr, im Krematorium Derichlstrasse stall. Rege Beteiligung wird erwartet. Die OrtsvcrwoUnng. M.ii* Kapitän- Kautabak schmeckt mir doch am besten! Verein der Beniner BaAdrndter und Sdulttgiefter Nach schwerem Leiden verschied am 28, April an den Folgen einer Operation unser langjähriges Mitglied, der Verwaltungsdirektor der Ortskrankenkasse für das Berliner Buchdruckgewerbe Otto Wenitzki im Alter von 57 Jahren Der Verband der Deutschen Buchdrucker verliert mit dem Ver- sto, denen ein treues und eifriges Mitglied, dessen segensreiche Tätigkeit im Verbandsvorstand, im Berliner Gauvorstand, im Berliner Schiedsamt und im Tarifamt der Deutschen Buchdrucker, seine Funktionärtätigkeit als Vertrauensmann in den Berliner Betrieben sowie auch als Delegierter zu den Verbands- Generalversammlungen, vor allem aber sein rastloses und opferwilliges Wirken im Dienste der Ortskrankenkasse für das Berliner Bnch- druckgewerbe in der Geschichte der Berliner Buchdruckerbewegung unvergeßlich bleiben wird. Mit Otto Wonitzki verlieren wir einen guten Freund und stets hilfsbereiten Kollegen, der sich bei a len graphischen Arbeitern und Arbeiterinnen ei ie Achtung errungen hat, wie sie selten einem Funktionär zuteil wird. Wir werden seiner stets nur ehrend gedenken Der Gaavorstand. Die Bestattung(Erdbestattung) findet am Sonnabend, dem Z. Mai, vormittags II>7 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. In die Berliner Wir eröflnen am Sonnabend, den 2. Mal, nachmittags 4 Uhr ein Volksfest wie es Berlin noch nicht ßeseben. Die gewaltice Uimalaya-Bahn, die größte der Welt, und die riesigen amerikanischen Neuheiten, welche zum ersten Male nach Europa kommen werden neben dem oberbayerischen Alpendorf Berlin in Erstaunen setzen. Auf dem Feslgelände täglich artistische Freiattraklionen ohne Sonderei ntritL Alles in allem ein „Traumland" in Schloß- Schönholz Das Fest der Berliner Verbindungen: Straßenbahnen 24, 45, 47, 48, 49, 51, 87, 88. 11» und 199. Omnibusse 2, 9 und S(Antoparkptatz), Vorortbahn(Station: Schönholz- Reinickendorf) führen zum Festplatz Schloß- Schönholz Zur Eröffnung: Erwachsene 20 Pfg./ Volkspreise: Kinder 10 Pfg. Siebold& Ruprecht. LICHT DM ideale DnterhaitungsDOhM Ulr Jedermann Berlin-Geaandbrnnnen Direktion; Luis Cutman Dlensnu. 2«.»prll m» Montag. 4. Mal| Uditiiaro-Grditstsr. leltuno: Paul Bensel BÜHNE: GASTSPIEL: Erstes Berliner Bandonion- Streidi-Ordiester oo Hiioiiener) 2 Atbrecfati, gymnastisch. Kraftakt Hilde OtIowikt i.ihr.Tanzschöpfg. FILMTEIL Die lustigen Weiber von Wien mitWillr Fort! und Lee Parry».«. Ferner: AMuelier Bilderdlenil der Lidilborg Beginn der Vorsiellaagen: Wochent 5>i» u. 8"« Uhr, Sonntags 3. S"», 8'/. Uhr. Preise der Piälze 0,80 bis 1,50 M. im Parkett und Rang, 2,00 M, 2,50 M Balkon und Logen. Sonntags 3 Uhr Einheitspreis; Parkett und Rang 0,80 M., Balkon und Loge 1,20 M. Vorverkauf ab>2 Uhr ununterbrochen für 7 Tage Im voraus T»I ep h o n: Humboldt K)36— 37. Grunewald Heute 29* April 33o U- FRÜHLINGSRENNEN Allgemeine Ortskrankenkasse tör den Verw«IfaBg»b«ilrkXI der Stadt Berlin 5 chöneberg- Frieden an. Am Mittwoch, dem 3. Mai 1931, abend» 7 Uhr. findet im Bezirksverordneten- Sissungtsaal de» Reuen Schönederger Rathauses. R-d-li.WIlde.Plafi, eine Ausschuhsihung Natt, zn der die Ausschußmitglieder hier» mit eingeladen werden Tagesordnung: I. Geschättsbericht ttir 1930. 2 Nachdew-.lltgungen zum Haushalts- anschiag 1930. 3. Bericht der Kassenprüfer und Abnahme der Iahresrechnung 1989. 4. Eassungsänderungen. 5. Freiwilliger Zusammenschluß der All- gemeinen Ottskranken assen Berlins zu einer Einheilskasfe mit Bildung non Sektionen. S. Kaffenangelegcnheiten. Lerlin-Echöneberg, den 28 April l9ZL Der Borstaad. A. Schul dt. Borflßender. Bekanntmachimg Gemäß Beschluß des Verwaltungsrats der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft vom 28 April 1931 wird für das Geschäftsjahr 1930 auf die Vorzugsaktien Serie I, IV und V eine Vorrugsdividende von 7°»verteilt Die Restdividende 3»/,•/(,) wird ab 1 Mai 1931 ausgezahlt. Hierbei gilt 1 GM. gleich 1 RM An die Inhaber von Kerttflkaten Gruppe I, II und V der Reichsbank über Vorzugsaktien Serie IV, V und 1 der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft wird die Residividende, die auf die durch die Zertifikate vertretenen Vorzugsaktien entfällt, unverkürzt auf Dividenden-Bezugsschein Nr. 10 bezw, Nr. 6 bezw. Nr 2 vom i. Mai 1931 ab bei den für die Einlösung vorgesehenen Zahlstellen ausgezahlt. Berlin, den 28. April 1931. Dcntsche ReiehRbalm-Gesellschaft Hauptverwaltung Jahn Belehsliank-DIrcktorlnm Luther Dreyse KLEINE ANZEIGEN uiniMiiiiiiiiiiniiiiniiiiniiiiiiiiniiitiitiuiiiiiiiiinniiiiimiiiiiiiiiiitimiiiniiiiiitiiuitiutiiiiiiiiiiiiniiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Preise: UberschrlPtfwort 2s Pfennig« Textwort 12 Pfennig Wiederhoiungsrabatt: 10 mal 5 Proz., 20 mal oder 1000 Worte Abschluß 10 Proz., 200U Worte 15 Proz., 4000 Worte 20 Proz. ✓ Stellengesuche: Oberschriftswort 15 Pf., Textwort 10 Pf. s Anzeigen, welche für die nächste Nummer bestimmt sind, müssen bis 4,/s Uhr nachm. im Verlag, Lindcnstr. 3, oder auch in sämtl. Vorwärts-Filialen und-Ausgabestellen abgegeben sein I»eritöüte| Teppichban» Emil gcf.otc. Veriin. feil 49 Iah ren nur Oranien- strasse 158. Zab- lungserietchteruna ohne Aufschlag. Spe zialkaialo« kosten frei. � musiH- Instruments insu» Paten tniatrake» .Primissima", Me iallbcttcn Auflege matrohen. Ehoise longucs Walter. Siargarderstrasse achtzehn. KeinLaden Herrenzimmer 290.—. 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