Morgenausgabe Kreiiag ss>«-. Mk#***## � 4. y«-.»« ■■ MM U N Ii» M �- Auswärts Pf. einschließlich 60 Pf. Poftzeitunys. und Itöl ßn» WW M« IM W» M» f/ M» 72 Ps.Posibesiellgeduhren. Auslands« ��Bja I[■ MSÄ BD|n Mg KjM F£S MI BB M»{XH f // Die einfpal� Nonpnreillezelle so Pf, ndonn-ment 6,— M. pro Manul; su» ��MB fp��B �B �B«M BB �M �B WK AB wj MW HR A ReNnmezeile S,— RM.„«leine An» Linder mil«rmößizlem Druckjachen- ��DM 1 BB �B m AB B| RH WM RH HB(B| BB MW 1 /jS. zeigen" das fettge druckte SBor! 26 Pf. ootto 6,— 3JL TrHB I■ �B �B HB RM�l �H\ M» MB �B hulällig zwei leligedruckie Worte>. feiles ± MW I W �B JH��BEV WBi W weitere»or,>2 Pf Rabatt lt. T-'ik. �.Parwarrs. erschetm wachent-g. W MI V/ M/ M�S MI«0?.°tz �rt'/i?!: ltch zweimal. Sanntag- und«antag, WM» // HB 15 Buchslaben zählen für zwei«arte. ?n�?m«an�f mn"'d?w Z?�, � l�WL Brbeit-marki Zeile 60 Pf Familien. ZI�-W-'.SüL«VtHMilMHM 4lt�<ÄÄ<*i-JA««iKSSsr™ :b:suss-jäs �)J0I.IIEICv S�PKsSPl�ltf ssAail'».».» Jentralovgan der Sozialdemosrattschen Variei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3(ü ttl ft Poftscheckkomoi Berlin 37 bLK—Banktomo: BankderArbeiter.Angestellienimd �ernlprelbert Dönhoff 292—297 Telegramm-Adr i Sozialdemokrai Berlin.--VvlU7UIlv--Vr»»UU KJ» Ul. V« 4�» Beamten. Lindenstr. 3. Dt. B.uDiSc.GeI.Dep°M«nk..Jeru di« ökonomische Not, die ihm folgten, haben allenthalben groß« Massen von Kleinbürgern proletarssiert, große Massen Indisferenter paliti- siert. Man durfte erwarten, daß unsere Bewegung dadurch außer- ordentlich begünstigt werde. Doch war das nur teilweise der Fall. Di« Zahl derjenigen, di« sich Marxisten nennen, ist zwar enorm ge- wachsen, doch keineswegs in gleichem Maße die Zahl derjenigen, die im Geiste des Marxismus denken und handeln. Die Kommunisten von heute handeln ganz im Sinne der Willich und Schapper, die 1850 Marx im Kommunsstcnbund entgegentraten, weil sie Putsch machen wollten, und die Marx des Verrates an der Revoluiton anklagten, weil er sich solchen Bersuchcn widersetzte. Sie handeln ganz im Sinn« B a k u n i n s, gegen den Marx zwei Jahrzehnte später einen schweren Kampf in der Intcr- nationale führte, die die Bakunssten auch auf die Bahnen des Pusschismus drängen wollten. Der Kampf Willichs wie der Bakunins gegen Marx hat der proletarischen Sache schwere Wunden geschlagen. Nach I80O ging daran der Kommunistenbund, nach 1870 die Erste Internationale zugrunde: sie spalteten sich zuerst und verfielen dann. Ein ähnliches Schicksal schien nach dem Weltkrieg der proletori- schen Bewegung zu drohen, als die Neubakunisten, geführt zuerst von Lenin— unter der Fahne eines angeblichen Marxismus!— sich daran machten, die Sozialistische Internationale und di« sozialdemo- kratifchen Parteien der einzelnen Länder zu spalten. Der von Marx und Engels begründeten sozialdemokratischen Taktik der Beschränkung der praktischen Arbeit auf das jeweils mögliche setzten sie den Appell an die revolutionär« Ungeduld ungeschuller und unorgani- sierter Massen entgegen, die von den wirklichen ökonomischen Be- bingungen und den Kraftoerhäktnissen der Parteien in den einzelnen Ländern kcine Ahnung haben und glauben, energisches bloßes Wollen genüge, unwiderstehlich zu werden. Die Sozialdemokratie und der neuen Internationale ist es indes besser gegangen, wie ehedem Marx und den von ihm geführten Organisationen. Das Proletariat, namentlich West- europas, hat seitdem doch enorm viel gelernt. Aber wurden Sazialdeinokrati« und die Sozialistische Arbeiter- Internationale durch die kommunsstischen Spaltungsbestrebungen auch nicht geradezu umgebracht, wie es ehedem das Schicksal des Kommunsstenbundez und der Ersten International« war, so wurden dach Sozialdemokratie und Internationale und mit ihnen das Proletariat aufs schwerste geschädigt, sein« Kraft gerade in sehr entscheidenden Momenten bedenklich geschwächt. Das schlimmste Unhell aber haben die Kommunisten dem pro- letarischen Klassenkampf durch die moralische und intellet- tuelle Verlotterung gebracht, die sie m weiten Kreisen der Arbeiterschaft herbeiführten. Sie predigen heute wieder den alten Grundsatz: Entweder müssen wir gleich zur Herrschaft kommen oder wir können uns schlafen legen. Natürlich kommen sie, trotz aller ± Mai. Verschwunden wie im Dschungel. Die Geheimnisse der faschistischen„Ovra". phantastischen Versprechungen und verzweifelten Abenteuer doch nicht gleich, ja überhaupt nicht zur Herrschast Aber sie erreichen es, daß diejenigen, die an ihnen irre werden, nur in geringem Maße wieder zur Sozialdemokratie zurückjinden. Die meisten legen sich schlafen oder, da der Lärm der Zeit das schwer macht, sie schließen sich anderen Abenteurern an, die mit derselben Sicherheit verkünden, daß sie„gleich zur Herrschast kommen werden", und die noch nicht so o bgsmißt sind wie die Kommunisten. Das sind zur Zeit die H t t l c r- L e u t e. Ihnen bereiten die Kommunisten den Weg. Es ist eine schwierige, keineswegs erfreuliche Zeit, in die der vierzigste Geburtstag der„Rheinischen Zeitung" fällt. Aber der große Begründer ihrer Vorgängerin stand zeitweise noch größeren Schwierigkeiten gegenüber. Er sah die Reaktion schrankenlos triumphieren und seine eigenen Genossen sich gegen ihn wenden: trotzdem verzagte er nie auch nur einen Augenblick. Diesmal hat sich die Sozialdemokratie als stark genug erwiesen, die Reaktion nicht allmächtig werden zu lassen und die Massen des Proletariats, namentlich sein« geschulten und organisierten Massen, sind ihr treu geblieben. Und der Begründer der„Neuen Rheinischen Zeitung" hat selbst die Taktik entwickelt, die dem Proletariat in seinen Klasienkämpfen die größte Kraft verleiht, es am ehesten zum Siege führt. Auf Grund dieser Taktik hat die„Rheinische Zeitung' und die ganze Sozialdemokratie ihre Erfolge erzielt. Diese Taktik wird sie auch weiterhin von Triumph zu Triumph führen. Was die„Neue Rheinische Zeitung" begonnen, die„Rheinische Zeitung" wird es vollenden. Tödlich blamiert! Sie Wilhelmfiraße und der spanische Äotschasterposten in Berlin. Die spanische Regierung hat ihre ursprüngliche Absicht. das Agrement für den sozialistischen Schriftsteller A l v a r e z d e l L a y o in Berlin zu beantragen, offenbar a u f g e- gegeben. Wir meldeten bereits, daß der Außenminister Lerroux nunmehr den Professor Ämerico Castro als den künftigen Botschafter in Berlin bezeichnet hat. Die deutsche Reaktion hat wieder einmal gegenüber der Wilhelmstraße ihren Willen durchgesetzt. Das war ihr um so leichter, als die maßgeblichen Stellen, soweit sie nicht selbst reaktionär sind, schon oft Beweise ihres totalen Mangels an Mut geliefert haben. Del Vayo ist als Botschaftskandidat regelrecht„gekillt" worden. Man hat sich in dem Organ der Möchtegern-Faschistin, in der„Deutschen Allgemeinen Zeitung". eine verleumderische Notiz gegen del Vayo bestellt, die ihn wahrheitswidrig beschuldigte, früher deutsch- feindliche Artikel geschrieben zu haben, und hat sodann unter Berufung auf diese angeblichen Bedenken in der angeblichen deutschen öffentlichen Meinung unterderhand in Madrid nahegelegt, eine andere Persönllichkeit für den Posten vor- zusckilagen. Eine typische Wilhelm st raßen-Jn-� i r i g e, wie sie nicht kleinlicher und hinterhältiger unter Bülow und Holstein hätte gesponnen werden können. Das Resultat ist eine unverhohlene Miß st im- m u n g gegen Deutschland bei der spanischen Regie- rung, wie die Madrider Berichterstatter verschiedener bürger- ! icher Blätter übereinstimmend melden. Zn den zwei ersten Wochen der Existenz der spanischen Republik hatte die Reichs- regierung zwei Gelegenheiten, die Sympathien der neuen Machthaber, die die erdrückende Mehrheit des Volkes vertreten, zu gewinnen: einmal durch eine schnelle Aner- kennung der Republik unmittelbar nach Frankreich, zweitens durch die freudige Zustimmung zu der Entsendung emes der hervorragendsten Vorkämpfer des neuen Regimes als Bot- schasier nach Berlin. In beiden Fällen hat man es glänzend verstanden, die neuen Männer vor den Kopf zu st o ß e n. Die spanische Regierung hätte es nicht schwer gehobt, del Bavo durchzusetzen: hätte sie nämlich das Agrement für ihn doch nachgesucht, so hätte das Auswärtige Amt bestimmt nicht gewagt, es zu verweigern, zumal der Vorstoß der ..DAZ." bereits als Verleumdung hinlänglich entlarvt worden war. Aber sie hat aus verständlichen Gründen eq vorgezogen, ihre Beziehungen zu Deutschland nicht gleich mit einer Kraft- probe einzuleiten. Sie entsendet del Vayo als Botschafter nach Buenos Aires, also auf einen Posten, der für Spanien noch bedeutungsvoller ist als Berlin. Run kommt aber der schwere Schlag ins Kontor der deutschen Diplomatie. Von dem in Aussicht genommenen Professor A m e r i c o Castro, den man für ein politisch völlig unbeschriebenes Blatt hielt, stellt sich jetzt heraus, daß er. wie das„Berliner Tageblatt" in einem Telegramm aus Madrid enthüllt, früher der Begründer der spani- 'chen Liga gegen Deutschland gewesen ist. Man hat also den wirklichen Freuqd Deutschlands, del Vayo, kaltgemacht und dafür ausgerechnet den Mann eingetauscht, der während des Krieges an der Spitze jener Kreise stand, die für den Eintritt Spaniens in den Krieg gegen die Mittel- mächte gewirkt hat! Das ist höchst peinlich und bleibt es auch dann, wenn, wie versichert wird. Professor Castro, der zuletzt Gastvorlesungen an der Berliner Universität hielt, seine damaligen Ansichten über Deutschland revidiert haben sollte. Wie wir hören, ist man im Auswärtigen Amt über diese Enthüllung des„Berliner Tageblates nicht wenig be- stürzt und erwägt sogar, so unangenehm es auch sein wird. eine neue inoffizielle Demarche in Madrid Die Blamage haben sich jedenfalls diese Herrschaften redlich verdient. Gefängnis für Gchimpfbold. Tlaüonalsozialistischer AeichsstaaSabgeorVneter verurteilt. Görlitz. 30. April.(Eigenbericht.) Pur dem erweiterten Schöffengericht wurde heute gegen den schlesischen Gauführer der notionolsozialisti» schen Partei. Reichstagsabgeordneten Helmut Brückner aus Zobten, wegen Vergehens gegen da» Republikschutzgesetz verhandelt. Er hat am L September o. I. in einer Dersammlung in Glogau davon gesprochen, daß in Deutschland unter der heutigen Verfassung Landesverräter Minister und Zuchthäusler Reichspräsidenten werden können. Der Angeklagte, der die ihm zur Last gelegten Aeußsrungen bestritt, wurde zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Die AnklagebehSrd« hake drei Monate zwei Wochen Gefängnis beantragt. Goebbels sollte am Sonntag die Wiener Nazis erfreuen. Di« Grenzstellen hoben aber Auweijung, rhu nicht in» Land zu lasten. Seit Jahren sagt man der faschistischen Regierung nach, daß sie gelegentlich Menschen ganz aus der Zirkulation oerschwinden läßt. Meist handelt es sich um Arbeiter, die im Gefängnis ver- g e s s« n werden, vielfach gewiß auch um solche, wie die wegen des Malländer Attentats im April 1928 Derhaftelen, die man nicht herauszulassen wagt, weil sie gefoltert worden sind, und die deshalb nie wieder die Zreiheil erlangen. Die Familien der Opfer sind meist zu arm und zu verängstigt, um etwas Wirksames zu tun oder auch nur den Tatbestand bekannt- zugeben. Deshalb zirkulieren diese Fälle im Ausland nur als Gerücht«. Diesmal hat aber die politische Polizei in Italien es riskiert, einen Arzt, Dr. Giuseppe Germani aus Trieft, ohne Sang und Klang, ohne Nachricht an die Angehörigen, einfach b« i- feite zu schaffen, und hat dabei nicht beachtet, daß der Ver- schwundene seine Gattin im Ausland hat und auch wegen seiner an den Universitäten von Wien, Berlin und Paris gemachten Fach- studien einen weiten ausländischen Bekanntenkreis besitzt. Ger» mani hat den Krieg als Freiwilliger mitgemacht, ist verwundet und mehrfach dekoriert worden: da er aber Antifaschist war, gelang es ihm nicht, das„politische Leumundszeugnis" zu erlangen, ohne das man an einem öffentlichen Krankenhaus nicht arbeiten kann. Er versuchte, sich im Ausland eine Existenz zu schaffen, was ihm aber nicht gelang. Aus rein wirtschaftlichen Gründen kehrte er also Anfang März nach Italien zurück, schrieb noch eine Karte an seine Angehörigen und ist seit dem 5. März verschollen. Man weiß nicht, ob er lebt oder tot ist Man weiß nur, daß er sich nicht in Freiheit befindet, denn sonst würde er den Seinen Nachricht geben. Von Rechts wegen könnte er dies natürlich auch aus dem Gefängnis tun. aber man verhindert ihn wohl daran, um die Frau zu oerleiten, sich über die Grenz« zu wagen. Was ist aus Dr. Germani geworden? Hier hat man«inen Fall, in dem das Verschwinden eines unbescholtenen, keines Verbrechens an- geklagten Bürgers b e w« i s b a r ist. Hier handelt es sich um k e i n bloßes Gerücht. Heraus mit der Wahrheit! Wenn die Re- gierung den Fall Germani nicht baldigst aufklärt, wird man berechtigt sein, jeden Menschen vor einer Reise nach Italien zu warnen. Im faschistischen Italien kann man verschwinden w i e im Dschungel. OaS rumänische Parlament aufgelöst. Bukarest, 30. April. In der Kammer verlas Ministerpräsident Jorga die Regie- rungserklärung. in der es zum Schluß heißt, daß die Regierung eine Zusammenarbeit mit dem gegenwärtigen Parlament ange- sichts ihre» Programms als unmöglich betrachte. Im An- schluß hieran verlas Jorga sin Dekret, wonach das Parlament aufgelöst und der Termin der Neuwahl für die Kammer auf den 1. Juni und für den Senat auf den 4. Juni festgesetzt wird. « ★ Diese» Parlament war in— zum erstenmal— freier Wahl von den Völkern Rumäniens so zusammengesetzt wor- den, daß die Bauernpartei das stärkste Gewicht hatte. Die Sozialisten hatten immerhin eine Fraktion, die in Betracht kam. Die brutalen und korrupten Parteien der Liberalen und Averescus waren in der Minderheit. Damit soll jetzt aufgeräumt werden. Wo pilsudski herrscht. Lemberg, 30. April. Der vor einigen Togen hier zu sechs Monaten Gefängnis ver- urteilte ukrainische Abg. Liszczynski, dessen Erlebnisse im Kerker zu Brest-Litowsk vor Gericht nicht erörtert werden durften, wurde dom Gericht in Rowno zu zwei Iahren Gefängnis verurteilt, weil er angeblich in Wahlversammlungen gegen den polnischen Staat gehetzt haben soll.— In Sosnowice(polnisches Kohlenrevier) wurde eine geheime koinmunistifche Druckerei aus- gehoben. Drei Personen wurden verhaftet, einigen anderen gelang es, unter Mrtnohrne verschiedener Flugzettel durch einen Sprung aus dem Fenster des ersten Stockwerks zu entfliehen. Die Reaktion organisiert sich- natürlich»national�. Madrid. 30. April.(Eigenbericht.) In Madrid ist eine neue Partei oder wenigstens eine parte!» ähnliche Organisation der Rechten gegründet worden, deren Hauptzweck Vorder ei tu ng der Wahl zur Nationaloersamm- lung ist. Die Gründer der Organisation, die sich„Nationale Aktion" nennt, nehmen für sich den Titel„Elemente der Ordnung" in An- spruch. Wie in Deutschland die Rechte Anspruch darauf erhebt, allein als„national" zu gelten und alle innerpolitischcn Gegner zu Feinden der Nation stempeln möchte, so nimmt die spanische Rechte den Titel für sich in Anspruch, alleinige Hüterin der Ordnung zu sein. Alles, was links von ihr steht, wird al» Förderer der Unordnung im weitesten Sinne bezeichnet. Die Eroberung von Madeira. Regierungstruppen ohne Widerstand gelandet. Lissabon. 30. April. Der M a r i n e m i n i st e r, der die Operationen der Regie- rungstruppen gegen Madeira leitet, teilt mit, daß die Regierung»- truppen, ohne auf Wide» st and zu stoßen und ohne die Hilfe der Kriegsschiffe in Anspruch nehmen zu müssen, auf Ma- deira gelandet sind und die im Operationsplan vorgesehenen Stellungen bezogen haben. Der Reichscal hielt am Donnerstag abend eine Vollsitzung ab. an der der Berliner Bürgermeister Dr. Scholtz zum letztenmal teil- nahm, da der Berliner Magistrat am Mittwoch den neuen Ober- bürgermeister Dr. Sahm zum Vertreter der Stadt Berlin im Reiche- rat gewählt hat. Der Reichsrat erledigte kleinere Borlagen. Ei« neues Enleignungs-Geseh. Dem Reichsrat sind einig« neue Barlagen der Reichsregierung zugegangen. Die wichtigste banxnter ist ein'Gesetz über die Entschädigungspslicht und den Rechtsweg bei Enteignungen auf dem Gebiet« des Städtebaues. Der preußische Forstetat. Beratung im Landtag beendet. Im Landtag wies gestern Landwirtschaftsmini st er Dr. Steiger im weiteren Vertauf der Aussprache über den Forstetat die Angriffe des Abg. Gieseler zurück. Auf die Aeuße- rung eines Vertreters der Landoolkpartei erklärt der Minister, das? di« Staatsforstoerwaltung keineswegs beabsichtige, die Interessen der Gcmeindeforsten zu schädigen. Der Oberlandforstmeister beantwortet schließlich noch ein« deutschnationale Anfrage wegen der Dienstentlassung des Oberförsters Bütow. Das Staatsministerium Hobe nach der Verfassung keinen Einfluß auf oas Disziplinargericht. das wegen der nationalsozialistischen Betätigung des Oberförsters oi�f Dienstentlassung erkannt hat. Damit ist die allgemeine Aussprache über den Forstetat beendet. Die Abstimmungen finden am 5. Mai statt. Es folgt die zweite und dritte Lesung des Gesetz» «ntwurfes auf Herabsetzung der Diäten der Land» tagsabgeordneten. Abg. L e i n e r t(Soz.) weist darauf hin, daß di« Diäten» kiirzung schon seit dem l. November 1930 durchgeführt wird. Sie erhalte aber erst jetzt durch diy Annahme des Entwurfes gesetzliche Form. Ebensalls in zweiter und dritter Lesung wird ohne Aussprache das Diätenkürzungsgesetz für den Staatsrat an- genommen. Es folgt die zweite und dritte Lesung des Gesetzentwurfes auf Aenderung des preußischen Wohnungsgesetz- s. Die namentliche Schlußabstimmung darüber soll am 3. Mai statt- finden. Hierauf tritt das Haus in die Beratung der Anträge des Ge- schäftsordnungsausfchusses ein, die Genehmigung zur Straf- Verfolgung der Abgg. G r a s s e(Komm.� Duddins (Komm.), L oh se- Altona(Nsoz.) und H i n k l e r(Nsoz.) zu er- teilen. Abg. Kasper(Komm.) protestiert gegen die Praxis des Ge- fchäfteordnungsausschusses, Abgeordnete der Oppositionsparteien bei den geringfügigsten Vergehen den Gerichten auszilliefern. Die Abstimmung über die Anträge findet ebenfalls am 5. Mai statt. Hierauf vertagt sich das Haus auf Montag, 12 Uhr. Tages- ordnung: Zweite Lesung des Haushalts des Stoatsministeriums. Für deutsch-französische Verständigung. 3wei Berireter des katholischen Klerus sprechen. Auf einem Abend der Deutsch-Französischen Gesell- s ch a f t im Hotel Esplanad« sprachen der französische Abgeordnete Abbö Desgranges und der Bischof von Berlin Dr. Schreiber. Besondere Beachtung verdient das st a r k e B e» kenntnis zur Politik des Friedens, das von beiden Rednern abgelegt wurde. Unter Hinweis auf die gemeinsame Arbeit Briands und Stresemanns sagte Desgranges:„Es ist schwerer, ein Gebäude des Friedens zu errichten, als Haß zwischen den Völkern zu säen Ick) bin glücklich, mein kleines Stück Mit- arbeit am Werke des Friedens beitragen zu dürfen." Er schloß mit den Worten:„Der Frieden zwischen Frankreich und Deutsch- land gereicht nicht nur den beiden Völkern zum Segen, sondern ist notwendig zur Erhaltung der europäischen Zivilisation. Es iväre unfaßbar und jeder sittlichen Auffassung widersprechend, wenn Europa sich noch einmal in neues und größeres Unglück stürzte. Arbeiten wir für den Frieden!" Bischof Dr. Schreiber betonte seine Zustimmung zum Appell des französischen Redners und sagt«, daß es den von den Päpsten dargelegten Aufgaben der katholischen Kirche entspräche, für den Weltfrieden � auf der Grundlage der Gleichberechtigung der Völker zu wirken. Friede Aafmarsdiplan für die Demonsfraf ion on» Freffag, 1. niai Sammelplätze und Abmarschzeiten. 1. Deutscher Baugewerksbund. Gartenstr., Spitze Vernauer Straße und Gartenplatz. Abmarsch: 8.43 Uhr.— Bahnhofstr., Bahnhof Großgörschenstr. Abmarsch: 8 Uhr.— Kleiner Tier- garten, Spitze Wilsnacker Str. und 2. und 7. Kreis der SPD. Abmarsch: 8.13 Uhr.— Reuterplatz, Neukölln und 14. Kreis der SPD. Abmarsch: 8 Uhr.— Engelufer, Gewerkschaftshaus, Spitze Zldalbertstr. Abmarsch 8.43 Uhr.— Nordosten I und II. Lichtenberg, Weißensee am Landsberger Platz. Abmarsch 8.30 Uhr. 2. Deutscher Bekleidungsarbeiterverband, Deutscher Hutarbeiterverband, Arbeitnehmerverband des Friseur- und Haargewerbes. Sebastianstr., Spitze Alte Jakobstr. Abmarsch: 9 Uhr. 3. Graphische Industrie. Verband der Deutschen Buchdrucker, Verband der Buchbinder. Verband der Litho- graphen und Steindrucker, Verband der graphischen Hilfsarbeiter und 3. und t3. Kreis der SPD. Alte Jakobstr., Ecke Gitschiner Str., Spitze Neuenburger Str. Ab- marsch: 8.43 Uhr. 4. Einheitsverband der Eisenbahner und 5. und 17. Kreis der SPD. Küstriner Platz. Abmarsch: 8.30 Uhr. 5. Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands. Andreas- platz. Abmarsch: 8.30 Uhr. K. Gesamtverband der Arbeitnehmer der öffentlichen Betriebe und des Personen» und Warenverkehrs. Michaelkirchplatz. Abmarsch: 8B0 Uhr. 7. Deutscher Holzarbeiterverband und alle freigewerk- schaftlich organisierte« Taubstummen und 13. und 16. Kreis der SPD. Am Köllnischen Part. Abmarsch: 9 Uhr. 8. Verband der Nahrungsmittel- und Getrankearbeiter. Zentralvcrband der Hotel-, Restaurant- und Eafe» angestellten. Deutscher Tabakarbeiterverband, Deut- scher Musikerverband. Deutscher Landarbeiterverband, Deutscher Melkerverband und 1., 4. und 18. Kreis der SPD. Lothringer Str., Spitze Rofenthaler Platz. Abmarsch: 9 Uhr. S. Deutscher Lederarbeiterverband. Bülowplatz. Abmarsch: 9 Uhr. 16. Verband der Maler. Melchiorstr., Spitze Adalbertstr. Ab- marsch: 8.45 Uhr. 11. Zentralverband der Maschinisten und Heizer. Lausitzer Platz. Abmarsch: 8.30 Uhr. 12. Deutscher Metallarbeiterverband, Verband der Kup- ferschmiede und 3., 16. und 26. Kreis der SPD. Gartenstr., Spitze Bernauer Str. und Gartenplatz. Abmorsch: 8.45 Uhr. 13. Zentralverband der Zimmerer, Zentralverband der Dachdecker, Zentralverband der Schornsteinfeger» gesellen. Mariannenplatz. Abmarsch: 8.30 Uhr. 14. Verband der Sattler und Tapezierer, Zentralverband der Schuhmacher, Deutscher Textilarbeiter-Verband. Engelufcr von Adalbertstr. bis Köpeniifer Str., Spitze Köpe- nicker Str. Abmarsch: 8.43 Uhr. 13. Zentralverband der Steiuarbetter. Bethanienufer (vis-a-viz Gewerckschaftshaus). Ab morsch: 8.45 Uhr. 16. 9., 16., 11., und 12. Kreis der SPD. Gedarmenmarkt. Abmarsch: 9 Uhr. 17. Allgemeiner freier Angestellteubund. Oranienplatz (Naunynstr.), Spitze Oranienplatz. Abmarsch 8.30 Uhr. 18. Allgemeiner Deutscher Beamtenbund. Mariannenplatz, Spitze Bcthanienufer. Abmarsch: 8.30 Uhr. AllSaneUlar Deufsdier Gewerhsdiaffsbund, Orliaassdiob Berlin. Allgemeiner freier Andesiellfenbund. Orfskarfell Berlin. Allgemeiner Deufsdier Beamfenbund. BezirksanssdmO Groft-Berlfn. Bezirksverband Berlin der Sozialdemokraflsdien Parfel Denfsdilands. zwischen den Völkern, Arbeit für die allgemeine Abrüstung und Ausbau des Völkerbundes, so faßte Bischof Schreiber seine Ausführungen zusammen, sind für Frankreich und Deutschland gleich wichtige Ausgaben._ Labour verliert einen Gih. Gaziger Erfolg der Mosley- Spaltung. London, 30. April. Bei den Ersatzwahlen von Ashton under Lyne erhielt der konservative Kandidat Broadbent 12 420 Stiminen, der Kan- didat der Arbeiterpartei Gordon 11005 Stimmen und der Kan- didat der Mosler-Gmppe, P o u n g, 4472 Stimmen, gewählt fft da- mit der konservative Kandidat. * Bei den allgemeinen Wahlen von 1929 hatte der Arbeiterparteiler Bellamy mit 13170 Stimmen das Mandat erobert, während der konservative Kandidat 9763 und der liberale 6693 Stimmen erhielt. Diesmal kandiderten die Liberalen überhaupt nicht, ihre Stimmen sind offenbar zum Teil den Konservativen zugutegekommen. Die neue Mosley-Partei, die zum erstenmal an einem Wahl- kämpf selbständig teilnahm, Hot nur das eine bewirkt, daß sie doch genügend Stimmen dem Arbeiterkandidaten wegnahm, um den Sieg des Konservativen zu ermöglichen. Theater: Die Komödie. „Dienst am Kunden.' Die Schauspieler Kurt B o i s und Max Hansen schreiben dem Schauspieler Kurt B o i s einen Schwank auf den Leib. Sie haben dabei viele lustige Einfälle, aber nicht den einen Einfall, der ein Stück von drei Stunden trägt. Das Publikum amüsiert sich bloß zwischendurch und ist am Schluß ein wenig enttäuscht. vgr. Gewerkschaftliches siehe 3. Beilage. ScrantosrtliiS) für Politik! Äranj»IL».! Wirtschaft:».«i-arldlf«»: Gewerkschoftsbewcauna: I. Stetner: lscuillcton: Dr. Zoll» Schlkiawki! Lokales und Sonstiges: grig ttarftädt: An, eigen: Tb. Dlock«! sämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts-Berlag G m b. H.. Berlin. Druck: Borwärls-Buchdruckerrt und Bcrlagsanstalt Paul Singer u. To.. Berlin SW 68, Linden g rak« i Kierzu< Beilage» sab.zeaucnstimmr». WERTHEIM"i"' Sctvoit(Vorrat t Zusendung von 5 M an. Obsf, GetnCte u. leicM verderblich« Artikel werden nkhf nigesendi Hehensmittel Blumenkohl Kopf von an 30 pf. Grone Gurken 36 Stade von an Pf. Rhabarber 42... Bund ca. 2 Pfd. Frisch. Fleisch Konserven Rinderkamm �"pi�u 0.78 Querrippe....Pfund 0.68 Gehackles---- Pfund 0.70 Guiasdi 0.90 Liesen 0.54 Rüdcenfeft"""""ftund 0. 54 Schmorfleisch""M 1.14 Roastbeef mit xna-b.. Pfd. 1.00 Kalbskamm... Pfund 0.66 Kalbsbrust"-""'X* 0.76 Kalbskeule 0.86 Kalbsschnitzel. Pfund 1.80 Kaffler mUdg.uliM.Pfund 0.86 Fr. Bratwurst 0.98 Hammel-Vorderfl. 0.86 Schweinebauch Pfund 0.60 SdiweinerUdcen.buh 0.66 SchweineschinkenPfd.0.74 Frisch. Eisbein"Kfö'&O.SS Nierentalg 1.75 Wurstwaren Hausmach.-SUIze pfd.0.48 Speck- u. Sülzwurst 0.65 Dampfwurst 0.85 MettWUrSt(B'«unichw.Art) 1.00 Wien. Würstchen Pfd. 1.04 Leberwurst iHjl�KSn»1.10 mllUI- Q Q2 Dose Jg. Schnittbohnen 0.35 Jg. Brechbohnen o.'" 0.39 Junger Spinat..... 0.38 Jge. Erbsen 0.50 f.in 1.05 Gem. Gemüse---- 0.60 Gem. Gemüse„k, Schmorgurken.... 0.83 Bruchspargei donn. 1.10 Sellerie oo«. 0.36 0.60 Apfelmus........ 0.65 Aprikosen h.ib« ftum 0.95 KalH. Pfirsiche 118 Käse u« Fett Ramadou haibu«, stock 0.1 5 Camembert 0.10 Harzerkäse�ÄIO.SO Emmenthai. Art �£3? 0.60 Briekäse«»».«..ptun«- 0.66 Steinbuscher voiif.tt.pfd. 0.74 Holländer u;o"Änd 0.74 Limburger 0.42 ull' 0.78 Margarine"•"ÄS 0.75 Molkereibutter p. 0.30 Seelachs u. Rogen vB°n 0.35 Makrelen?w�'v°n1° 0.38 Kolonialwaren Olympia-Mehl 4.ft S-Pfund-Beutel 1.65, 1»5S■ Rauhreif-Mehl 1.65 Auszugmehl 0.28 Kartoffelmehl. Pfund 0.1 6 Sultaninen pw. ojs,«.m 0.40 Korinthen.• Pfund*jt 0.48 Zitronat...... Pfund 1.00 Mandeln Pfund i.u, i.w 1.74 Tafelreis Pfund»»«.u 0.18 Hartgriek•• p,und tM 0.28 Schnitt-Nudeln°�« 0.44 Spaghetti»»>- ah, Pfuna 0.65 Spaghetti.d\t itai., Pfund 0.76 Pflaumen 0.28 0.40 0.52 Backobst Pfund 0.75, o.n 0.38 Kalif. Xpfel Pfund«.04 0.64 Aprikosen"(und 0.70 0.98 Wein Pr.ls. för V, Flasdia, ohn. Gl.» 1930 Bergzaberner Leiten 0.78 1928 bürkheimer roi. Titchw. 0.80 1928 Senheimer Kirdiberg 1.00 1928 Liebtraumilch bi. Kaps. 1.25 1921 Madoc-Bordeaux.. 1.50 1927 Oppenheim.Goidbg. 1 JO Feiner Kindt- u. Himbeersalt '/■ Flasche 0.83 1.20 Fruchtschaumwein m. St. u.fi. UO Spezial-Cuvse Tafais.ki mit Steuer u. Flasche 3*75 Mottenschutz hpllini�SÄ 0.20 llonentifela.. 5 stoa 0.20 MoneataMittti 3 Päd- 0.10 Olobtl..... 5 Baut. 0.90 IlDttuschvtltmi� 085 Kanpftr..... pwnd 450 Farben, Lacke to«rt»SSin'?.BÄ'.?o 1.45 Laekfarbi 1.60 Esallla-Lackfarbi 2.25 Lalail-Flrals'.'ikV. R«.ch. 0.65 Tarpaatlnil la"Ä 1.20 Pflanzen in allen 4 Häusern PilaniiB.... 3 stode 0.20 StiefaifittercheB 3 stock 0.25 BtJOIlitfl mit Topfballan 0.30 Pelargonien Topf von an 0.68 PelsBlen rop?"""� 0.58 Wllier Well.. Stauda 0.65 DlfeilCI viel. Färb., Stck. 0.35 BBtckrosen bu�3swL 0.80 Rankrosea. stock 0.35 0.65 Bosen Std<. 0.75 Nr. 202» 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Srctfeg, 4. Ma! 1931 Beschlagnahmte und wieder freigegebene Maizeitung vom Jahre 1895, Zum zmeiundoierzigdm Male marschieren am heutigen Freitag die Berliner Arbeiter zur Maifeier auf. In rüstiger Frisdie werden unter den Demonstranten am heutigen Vormittag auch die sturmerprobten Kämpen aus den neunziger Jahren mit dabei sein, die schon zu den ersten Berliner Maifeiern unter dem Banner der Sozialdemokratie marschierten. Trotzdem damals schon geraume Zeit das Sozialistengesetz gefallen mar, fand dodi jede Maifeier, man muß schon sagen, das gespannteste Interesse von Justiz und Polizei. Wo keine andere Sdtikane möglich, suchte man an der alljährlich vom„Vorwärts"-Verlag herausgegebenen Maizeitung sein Mütchen zu kühlen. Deshalb seien heute hier die denkwürdigen Schicksale zweier Maizeitungen aus jenen Tagen wiedergegeben. Die anstößige„Borrifafte'. In der B e u t h ft r a ß e 2, das Haus existiert längst nicht mchr. ratterten in den letzten Apriltage» des Jahres 189S die Schnellpressen. Ein Stoß Maizeitungen noch dem anderen kommt aus der Maschine und tritt seinen Weg ins Reich an. Aber der Staatsanwalt, der sich ein Exemplar kommen läßt, runzett die Stirn und sogt, daß ist doch Aufreizung zum Klassen» haß! Und einen Tag später ist die Polizei im Verlagsbüro des ».Vorwärts" und legt folgendes Schreiben auf den Tisch: Infolge Gerichtsbeschlusses vom gestrigen Tage(Amts- gericht I) wurden am heutigen Nachmittag jun 3H M,r durch den Unterzeichneten als Hilfsbeamten der Staatsanwaltschaft in dem Verlag des„Vorwärts" beschlagnahmt S1 000 Exemplare der Druikschrist„Maifeier 1893". Außerdem wurden die' Platten und Formen beschlagnahmt. Berlin, den 26. April 1893. Schöne, kgl. Kriminalkommissar. Wie man aus dem llkas ersteht, hatte der übereifrige Staats» imwaü und die willfährige Köller-Polizci ganz und gar vergessen. den Grund der Pefchlognahme anzugeben: der sollt« erst am 2ö. Juni, in einem großen Prozeß vor der ersten Strafkammer des Landgerichts I wegen dieser Maizeitung zur Sprache kommen. Inzwischen lief das Aeschwerideoerfahrcn gegen die niöderträchtige Beschlagnahme; Richard Fischer liest zur Staatsanwaltschaft/ aber der Herr Staatsanwalt ließ sich nicht sprechen; Theodor Glocke setzte den Telegraphen w Bewegung, aber so eilig man es mit der Beschlagnahme hatte, so säumig war man mit der Freigabe, die erst am 3. Mai erfolgte. Das dicke Ende kam aber erst im Juni. Theodor Glocke hatte für die SZer Maizeitung verantwortlich gezeichnet und wurde dafür mit einer Anklage wegen 8 139,„verschiedene Klassen der Bevölkerung geeneinander zu Gewalttätigkeiten ausgereizt zu haben", bedacht. Zu der Beweisausnahme vor Gericht wurde der xesamie Inhalt(!) der IRaizeituiuj verlesen und die in der Aus- gäbe enthaltenen Bilder weidlich bestaunt. Jetzt ergab sich folgender einziger Dialog zwischen dem Staatsanwalt und Glocke: Staatsanwalt: Das in der Mitte stehende Bild stellt vnzweiselhaft eine Barrikade dar, deren Steine von Arbeitern gegen Vertreter der herrschenden Klasse geschleudert werden. Glocke: Der Herr Vertreter der Anklage irrt. Das Bild stellt keine Barrikade dar, sondern einen Schutzwall, mit dem sich gerade die herrschende Klasse umgeben hat. Die Namen der Steine lauten: Belagerungszustand, Umsturzgesetz, Fabrikordnung, Klassen- gcsetze, Schwarze Listen Außerdem werfen die Arbeiter nicht mit den Steinen, sondern sie sind dabei, sie aus dem Wege zu räumen. Staatsanwalt: Aber die Arbeiter find doch brwofinett Glocke: Das snid wieder keine Waffen, sondern die Arbeiter haben nur ihr Handwerkszeug in der Hand, eine Axt, eine Senfe und einen Hammer. Das ganze Bild soll nur symbolisch den Komps der Sozialdemokratie gegen die Reaktion aufzeigen. Der Staatsanwalt ließ sich jedoch von diesen Entgegnungen nicht überzeugen, in seinem Brandreden-Plädoyer stellte er sest, die Mai- zeitung habe den Umsturz der bestehenden Ordnung bezweckt, es sei eine Demagogie, immer auf der einen Seite die Besitzlosen darzu- stellen, die arbeiten und trotzdem darben und auf der anderen Seite die Besitzenden, die nicht arbeiten aber schwelgen. Das könne ihm niemand einreden, das Blatt reize zum gewaltsamen Kampf auf, und zwar einem Kamps in naher Zukunft und Glocke muß für 4 Monate ins Gesänznis. Nach längerer Beratung wurde jedoch der Angeklagte auf Kosten der Staatskasse freigesprochen; das Bild sei keine Barrikade, sondern ein Schutzwall und der Kampf sei kein physischer, sondern ein geistiger. Die Staatsanwaltschaft war abgeblitzt. Erneuter«.Sturmangriffs. Anstatt mm aus dieser Niederloge zu lernen, form das Polizei- regime auf kleinliche Rache für die nächsten Maifeiern. Wieder rattern einige Jahre später in der Bcuthstroße 2, auf dem„Hühner- h o s", wie er hieß, die Schnellpressen und druckten die Maizcitung. Der Hof hatte seinen?!ainen von dem jammervollen Kopspflastcr, und wer ins zweite Stockwerk in die Vorwärts-Rodaktion wollte, der mußte eine Wendeltreppe emporkletrern. die so dunkel war. daß ständig Licht brannte. Es war wieder Mitte April, als mit einem Male von einer ganzen Schar Kriminalbeamter alle Stockwerke be- setzt wurden. Di« Drucker und Setzer aus der dritten und vierten Etage guckten zur Tür hinaus, was denn schon wieder für geheim- nisvolle Ding« da draußen vorgingen, aber das Geheimnis lüftete sich für jeden nur allzubald, man brauchte nur auf den Kalender zu sehen:„Aha, Mitte April, sie kommen die Mai- zeitung holen!" Es war um die Mittagsstunde und ein reichlich warmer Tag. Die Polizisten sollten dos Schwitzen lernen. Achzigtausend Exemplare fielen der Polizei noch in die Hände, und die mußten nun von drei Treppen runter in den Hausflur geschleppt werden, wo die Zeitungen aufgestapelt wurden. Alles, was nur mit der Maizeitung etwas zu tun hatte, wurde ausgeräumt, auch das erst einseitig bedruckte Papier, die ungesalztcn Exemplare aus der Buchbinderei, ja die Platten wurden aus den Maschinen gehoben und unten aus den Hof geschleppt. Geschlagene zwei Stunden lang ging diese Schlepperei; als die Polizisten bald die Nase voll hatten, forderten sie das Personal auf, mitzuschleppen, aber da waren sie gerade an die Richtigen gekommen. Dann lirien die Beamten auf die Straße und holten sich eine Karawane Droschken, in die olles beschlagnhmle Popler eingeladen und nach dem Polizeipräsidium gefahren wurde. Vorher waren die Beamten ober noch Hof rechts parterre in die Buchhandlung Vorwärts gestürmt, um hier olle Ge- schästsbücher zu beschlagnahmen. Man wollt« doch zu gern wisse», wohin die Reichsauslage gegangen war. Aber der betreffende Ge- nasse, der ftir die Expedition zu sorgen hatte, war aus der Hut, durch die früheren Erfahrungen gewitzigt, hatte er die Lieserschein« in einen« sicheren Versteck verkutet. Der Beschlagnahme folgte die Beschwerde. Am Abend des 1. Mai erfolgte endlich die Freigabe. Das war ein Jubel in der Bock- brauerei in der Fidicinstraße, als abends um 5 Uhr Richard Fischer bekannt gab: die Maizeiwng ist wieder frei! Mir lag sie noch aus dem Präsidium. Und der Borwäris-Verlag setzte durch, daß die Polizei, die die Zeitungen geholte hatte, sie auch wiederbringen mußte. Der Effekt dieser ganzen Aktion war eine riesige Nachsrage nach dem beschlagnahmten Blatt, Bürger und Arbeiter wollten sehen, was den Zorn der Polizei erregt hatte und tagelang noch liefen die Maschinen, um alle Nachbestellungen auszudrucken. Es hatte sich wieder«innial bewahrheitet: Blinder Eijer schadet nur! nr,?. Raketenauio explodiert. Ein mt�glüdder Versuch auf dem Tempelhof er Feld. Bald, nachdem die Afrlkasliegerm Elli Beinhorn auf dem Flugplatz Tempelhof landete, begannen die Vorbereitungen zur vor- führung des gröhlen Flüssigsauer st off-Rück st oßmolors. der bisher gebaut wurde. Der INolor ist zu Versuchszwecken in ein Zlulo-Ehafsis umgebaut worden. Ein neues Rakelenaulo also, das der Berliner Presse vorgeführt werden sollte. Nicht um Sensation zu machen, verficherlea die Erfinder, denn der Rückstoß- molor gehört verkehrslechnisch nicht ans ein Anlo-Ehassis, sondern die versuche sollen letzten Endes zur Erfindung eines Weltraum- s ch i s f c s führen. Wichtige Beobachtungen an der Funktion der Schaltung für den Anschluß und die Druckverhältnisse der Treibstofsbehälter sind bei diesen Bersuchsfahrten des Autos möglich. Die Versuche können bedenkenlos in einem bemannten Fahrzeug gemacht werden, weil die Erfindung explosionssicher ist, wurde von den Erfindern oer- sichert. Denn die verbrennenden Elemente, flüssiger Sauerstoff und flüssiger Kohlenwasserstoff sind bis zum Eintritt in den Verbrcn- nungsofcn getrennt. Es handelt sich also um keinen Explosions- motor. wie man in Erinnerung an die mit Pulverraketen angc- triebenen Bersuchsfahrzcuge denken könnte. Hier gibt es keine An- «inanderreihung von Explosionen, sondern eine kontinuierliche, gleichmäßig anhaltende Berbrennung. Die in dem Lsen durch die Verbrennung erzeugten Gase strömen durch eine sehr präzise durchkonstruierte Düse aus und erzeugen durch ihren Rück- stoß eine Kraft, die dem 2090 Kilogramm wiegenden Wagen eine Geschwindigkeit von ISO Stundenkilometern geben kann. Doch die Veranstaltung stand unter keinem guten Stern. Das Auto mit dem von dem Oberingenieur Pietsch erfundenen Rückstoßmotor erhielt, umringt von Pressevertretern und Photographen, seinen Brennstoff. wurde dann etwa 1 5rilometer weit abgeschleppt, und die Zuschauer Katayrophebeim Torpedoladen 200 Tote im Mannelaboratorium zu?iio de Zaneiro. New 3) o r k, 30. April. Wie„Associated Press" aus Rio de Janeiro meldet, sind bei einer Explosion im Marinelabora- t o r i n m von Nictherotz 2 0 0 Angestellte getötet oder verletzt worden. Tas Laboratorium sowie ein be- narssbartes lSebäude sind gänzlicl, zerstört. Tic Explosion fand vermutlich im Torpedo-Laderaum statt. Bon den 400 Angestellte« dürfte etwa die Hälfte der Kata- strophe zum Opfer gefallen sein. Tie RettungSarbeitcn find im Slang«. Nictheroy liegt an der Rio-Bay direkt gegenüber von Rio-Ttadt. Das Hospital war schnell überfüllt, so dass eine grosse Anzahl von Verletzten in Barkassen nach Ltio-«tadt gebracht werden mußten. harrten gespannt auf die Borbcifahrt. Doch auch die Anwesenheit des Reichsverkchrsministers nutzte nichts. Nachdem etwa 3 Minuten long eine meterlange Stich- flamme. der Düse des stillstehenden Autos entströmt waren, gab- eine explosionsartige Flamme mit Funkenregen und aus wars. Ein festgeklemmtes Ventil war die Ursache de- Unfalls, der sich Gott sei Dank als harmlos herausstellte. Durch vorhandene Ersatzteile wird der Schaden beseitigt werden, so daß in kurzer Zeit die Vorführung wiederholt werden kann, hoffentlich mit besserem Erfolg, der den Erfindern wohl zu gönnen ist; denn bis zur praktischen Vcrwertbarkeit ist noch ein weiter Weg. Feuerwehrauto verunglückt. Vier Personen schwer verletzt. Ein schwerer Zusammenstoß zwischen einem Feuerwehr- oulo und einem Privatwagen, bei dem vier Personen erheb- liche Verletzungen erlitten, ereignete sich gestern nachmltlog auf der Kreuzung Ehristiania- und Kolonie st raßc, im Norden Verlins. Die beiden Fahrzeuge stießen in hoher Geschwindigkeit zu- sammen. Dabei explodierte der Benzintank des Privatautos und in wenigen Augenblicken brannte der ganze Wagen lichterloh. Im letzten Augenblick gelang es dem Führer des Autos, den 2Sjährigen Alois Pudens aus der Korsörer Straße und dem Besitzer, einen 37jährigen Bäckermeister Adolf Acker- mann aus der Ommestraße, sich trotz ihrer schweren Verletzungen aus dem brennenden Auto in Sicherheit zu bringen. Der Führer des Feuerwehrautos, der 42jährige Feuerwehrmann Bernhard P ä tz h o l t aus Neukölln und sein Mitfahrer-, der 37jährige Feuer- wehrmann Walter Pagel aus Tempelhof, kamen bei dem Zusammen- stoß ebenfalls schwer zu Schaden. Die vier Verunglückten fanden im Jüdischen Krankenhaus in der Exerzicrstraßc?lufnahme. Das Privatauto ist durch das Feuer völlig zerstört worden. Ein zweiter schwerer Verkehrsunfall trug sich an der Ecke Schloß- und Ahorn st raßc in Steglitz zu. Dort suhr ein Straßenbahnwagen der Linie 74 in den Anhänger eines Last- zuges hinein. Die Plattform der Straßenbahn wurde eingedrückt und der Autoanhänger vollkommen zertrümmert. Der Verkehr war in beiden Richtungen über 30 Minuten lang gestört. Mehrere Per- sonen, darunter der Mitfahrer des Lastzuges, erlitten Verletzungen durch Glassplittcr. Der neugewähllc Oberbürgermeister von Magdeburg. Genosse Reuter, spricht icker„Die koimniUialpolttischen Aufgaben der deut- schen Großstädte" am Heuttgen Freitag, abends 7.30 Uhr, im Programm der Aktuellen Abteilung der Berliner Funkswnde. Die nächste Ausgabe des„vormärks" erscheint de» Mai- feierlagcs wegen Sonnabend nachmittag. ��clol S�mandcÄi,� L Eine unglückliche Liebe. Der rückfällige Dieb und die kleine Krankenpflegerin. Vor dem Schnellschöffengericht verantworten sich ein rück» fälliger Dieb unti«ine Krankenpflegerin. Sic sind des schweren Einbruchs angeklagt. Die Krankenpflegerin steht da, in den feinen schmalen Gesichtszügen Schmerz und Wehmut, die schwarzen Augen unter den hochgcwölbten dunklen Augenbrauen eine einzige Frage: wie komme ich hierher? Ihre Antworten sind ein gezwungenes„3a" und„Nein". Geht es denn hier um sie? Allein um den Mann neben ihr. Gegen ihn kann sie nicht auf- kommen, ihm mutz geholfen werden! Der Mann poltert laut und aufgeregt.„3che andere Signore klettert Bierfaß, dos alles der Publikum kennt. Der Publikum nur kommt, um zu sehen fliegende Menschen. Mich und diese kleine Junge Freddy der Publikum liebt sehr. Verstehen, mein Herr? Aber Signor Robelly und die anders Signore genau so viel Gage und Auftritt. Ja. Dummheit!— ich sage. Jetzt dazu Regen. Daher romost Malheur, natürlich, wer nicht schaßt guten Posten und braucht Direktortstel. Bitte! Mein Gattin auch kies davon. Nicht gut genug Mister Jack. Jetzt sie schreibt Brief: Mein lieber Jack, ich gewesen verrückt. Aha! Jetzt sie sieht. Na. sie ruhig bleibt verrückt!— icki geantwortet. Hob andere Gattin, der Asse. Den angekettet ich halte,«r nicht durchgeht mit Kunstreiter, well Schurrbart schöner wie Mister Jacks. So die Wahrheit, mein Herr!" Dieser Redefluß, begleitet von Mister Jacks ulkigen Gri- mosten, entlockte selbst einem so gemütsarmen Menschen wie mein Vater ein Lächeln. Wir, mein Schwesterchen und ich. platzten fast. Sogar die leidenden Züge meiner Mutter er- hellten sich von Zeit zu Zeit. Nur Freddy blieb ganz un- empfindlich. Aber es kam noch anders. „Jawohl!" fuhr 3Nister Jack fort,„diesen Jungen sein Vater er auch so daran ist jetzt wie mein Gattin. Jetzt er mich fragt:„Na, Schwager Jack, nicht, du schreibst ein Brief nach Kitcher et Compagnie, daß fliegende Familie wieder- kommt? Meine Antwort: Nana, gib acht! Wenn nur du nicht jetzt so erlebst mit Kitcher et Compagnie, daß er antwortet. wie mein Gattin. Das nicht gebraucht fliegende Familie, weil andere Affe tanzen am Strick." Freddy sagte jetzt leise etwas zu seinem Onkel, wahrschcin- lich, daß es Zeit sei, aufzubrechen. „Aber laß!" winkte Mister Jack ab, und dann fuhr er Freddy, im gleichen Kauderwelsch verbleibend, an:„Was willst du zu Hause? Warum du nicht plauderst etwas mit kleinen Freund und kleinem Fräulein? Nicht gut, wenn du Landessprache erlernst? Also sprich: Guten Tag, Servus kleiner Freund! Du bist wie dein Vater! Wie sein Vater dieser Junge auch. Meine Schwager", erklärte Mister Jack meinem Voter.„kein schlechter Mensch. Kein stolzer Mensch. Aber schämt sich zu viel. Darum alles doppelt Geld. Der Herr Direktor nicht wollen gehen, sprechen, nur immer: Geh du. Jack!" Mein Vater schenkte jetzt wieder ein, aber er halle sich verrechnet. Mister Jacks Glas wurde voll, Freddy s ebenfalls, aber für meinen Vater blieb nur mehr ein Finger hoch übrig. Da ergriff Mister Jack plötzlich die Flasche. „Sehr gute Wein", sagte«r erst,„sehr gute Wein. Aber jetzt ein wenig warten, wein Herr! Nicht böse sein, wenn ich zeige ein Cäläschen. das mein Freund schicken, von Löslau. Sehr sein, die ich habe. Du, Freddy". wandte er sich an seinen Neffen, leierte seine Llnwestungcn herunter, worauf Freddy bereitwillig verschwand. Nach kurzer Zeit erschien er mit drei großen, versiegelten Flaschen unterm Arm und lud sie aus dem Tisch ab. Mein Bater widersprach, es ginge nicht an, daß in seinem Hause der Wein des Gastes getrunken werde. Aber ich glaube, es fiel ihm nicht so ungeheuer schioor. als er tat. auf Mister Jacks Lllten und Zureden seinen Stolz zu besänftigen zu- gunsten der Pullen, die er mit unverhullt gierigen Blicken betrachtete.(Fortsetzung folgt.) Der Kampf der 66 000 organisierte Kleingärtner bewirtschaften 29 Millionen gm Land! Ausweg suchen, daß er Heid) nicht„persönlich* habe beleidigen wollen. Der Vertreter Urichs, Genosse Rechtsanwalt Siegsried Weinberg, durchschaute den plumpen Trick: Man wollte Urich eine Ehrenerklärung geben, um hinterher gegen die Berliner Leitung de? Metollarbeiter-Berbandes ruhig weiter Hetzen und n e r- l c umden zu können. Der Einzelrichter gab bekannt, daß er das Urteil a m 6. Mai verkünden werde. Schaffende Frauenhände. Am gestrigen Tage wurde im Zoo die Ausstellung„Die Frau in Heim. Mode und 3pon", veranstaltet von der Arbeitsstelle E. A. und dem Verein„Die moderne Frau*, ervifpet. Cin einer reich bcschicktan, alle Arbeitsgebiete uiniassenden Schau wird gezeigt, wie vielseitig d-as Tätigkeitss.'ld der Frau vor. heute ist. Da gibt es also nicht nur seine und feinste Arbeiten in Kleidern, Wasche und Handarbeiten zu sehen, da zeigt die Frau auch ihre Leistungen in praktischer kunstgeweri'licher Arbeit, in der Dekorotions- kunst, in der Glasmalerei und der Gold- und Silberarbeit. Daneben gibt es nock! all das zu sehgn, was nie Bcfuchcnn immer wieder interessiert: Neuerungen und Verbeiserungzn aus dem Gebiet« der Hauswirtschaft, sei es die praktische Waschmaschine, der Kar- tosfelschaler, erprobte Putzmittel. Dann auf gastronomischem Gebiet die moderne DiütSiche. der Rohkosttisch, Bock- und Bratkünste auf modernen Apparaturen. Zur appetitanregender. Umrahmung der Ernährungsfragen haben die Herren Konditoren wahre Meister- werke ihrer Kunst beigesteuert. So einen gespickte» Rehbraten mit gemischtem Gemüse, direkt zum' Anbeißen, bloß etwas zu süß— er ist nämlich aus Marzipan. Sehr hübsch und lustig ist die Schau der gedeckten Tische, und auch die moderne Schönheitspflege er- hielt ihren Tempel. Was auf handarbeitlichem Gebiete gezeigt wird, insbesondere die Ausstellung„Heimarbeit im Schloß* und Blinden- arbeiten werben für tieferes Jnteresie beim Publikum: denn hinter all dieser Kunstfertigkeit sitzt neben der Freude an der Arbeit bitterste Rotz Die Ausstellung ist vom 1. bis 10. Mai geöffnet. Vermißt wird seit dem 20. April der 42iühriqc Schlosser Albert Harth au s, Stolpische Straße 21. H., der am 20. April früh seine Wohnung verließ, traf auf der Arbeitsstelle nicht mehr ein. Der Vermißte trug einen dunkelgrauen Anzug, Lodenmantel, Halbschuhe, grüngrauen Hut und ist etwa 1.70 Meter groß. Besondere Kenn- zeidien: Tätowierung am linken und rechten Unterarm. Rachrichten über den Vermißten erbittet Frau Harthaus, Stolpische Straße 24. S<>S<>*>C>0<>0<>0<>0<>0<>0<>V<>0<>-Ö I£auhenkoloniften! 1 � r* ift unser OSrfircben, die Jlauhcnholonicn ffroft � H SSerilwt, fotteil sie irgend durch Siolcn erreldu a » werden hfinnen, mii dem„TorwärW xti beliefern.» 6 tVIrbtUen daher aUe£efertmferes3UaUes,n>eUiie 0 ? die Zufletlung der Seilung in die Xaubenholonie? 2 rtOnfcbatt, ihre genaue Jldreffe unter£ 0 Angabe, wo die 3tolonie liegt, der 0 ■& Spedition oder der SKauptexpedilion milButeilen.& � TonrSrls Terlug, SIT 68, JCIndeuHrafte 3 2 0 0 Der Provinzialverband Groß-Bcrlin e. A. im Reichsverbond der Sleingarlenvereine Deutschlands legt soeben den Tätigkeitsbericht für dos verflossene Geschäftsjahr lSZV vor. Diese über 70 Seiten starke Druckschrift gewährt einen ausgezeichneten Uebcrblick über die akiuellen Probleme der Groß-Rerliner klein- garlenbewegung und legt Zeugnis od von der beträchtlichen Fülle der zu erledigenden Aufgaben. Am Iahresende lNZV waren in 16 Bczirksverbänden 858 kleingarlcnvereine mit 66 297 Mitgliedern organisiert. Trotz der ungünstigen Zeitnmslöndc hat sich der Mit- gliederbestond außerordentlich gut gehalten: gegenüber 1929 beträgt die Abnahm? lediglich 273 Mitglieder. Dieser Rückgang ist verur- sacht durch die 1Z58 wegen Räumung oder Tod(639> Ausgeschiedenen, es zeugt aber für die Werbckrast des Provinziolver- bondes, daß im obgelausenen Hohr 1085 Reuausnahmen gemacht werden konnten. Auch in der Perichtszeit ist mehrfach versucht worden, gegnerische Organisationen aufzuziehen, die aber dem Pro- vinzialverbaad keinen Abbruch tun konnten. Sehr interessant für die Beurteilung der sozialen Lage der Groß-Berliner Loubenkolonisten ist eine Erhebung, die eine Tochter- gesellschaft des Pravinzialverbandes, die Heim und Garten A.-G., in 12 Bezirken durchgeführt hat. Danach beträgt das Durchschnitts- lebensolter der Mitglieder 49,6 Jahre, die Mitgliedschaftsdaucr 9,8 Jahre, das Durchschnittseinkommen monatlich 230 Mark. Rund 38 Prozent stehen in täglicher, 16 Prozent in vierzehntäglicher, je 7 Prozent in monatlicher bzw. vierteljährlicher Kündigung und 32 Prozent unkündbar angestellt. Genau 81 Prozent wohnen in Kleinwohnungen und 6 Prozent haben überhaupt keine Wohnung oder höchstens eine Wohnlaube. Diese Ziffern liefern den klaren Beweis, daß die sozial Bedrängten das Hauptkontingcnt der Mitgliedschaft stellen, weshalb es unverständlich ist, daß die Behörden so wenig für die Sehnsucht dieser Menschen nach einem wahrhaftig doch nur bescheidenen Stück Scholle haben. Nach einer vom Provinzialverband oufgenommenen Statistik bearbeiten die rund 66 000 Mitglieder von den in Berlin kleingärt- nerisä) genutzten 5700 Hektar etwa die reichliche Hälfte, nämlich 2982 Hektar. Somit entfallen auf den Kopf jedes einzelnen Mit- gliedes 449 Quadratmeter. Wie dies« Ziffern ausweisen, sind seitens des Pravinzialverbandes und seiner Bezirksverbände also wieder erhebliche Fortschritte auf dem Gebiete der Pachtung gemacht war- den: insgesamt sind 1 718 524 Quadratmeter Land neu gepackstet worden. Von den 29,8 Millionen Quadratmeter erpachseten Geländes mußten allerdings im Laufe des Berichtsjahres rund 631 000 Quadratmeter durch Entscheidungen der Kicingartenschiedsgerichte oder durch Vergleiche geräumt werden. Zieht man diese von den 1 718 524 Quadratmeter Neuland ab, dann bleibt immer noch ein beachtlicher absoluter Ueberschuß von 1 086 000 Quadratmeier übrig, der anders als nörgelnde Reden die Tätigkeit der Organisation be- leuchtet. Am schärfsten betroffen oon den Räumungen wurden die Bezirksverbände Reukölln-Treptow(92 000 Quadratmeter), Tempelhof(85 000 Quadratmeter), Treptow-Südost(83 000 Quadratmeter), Steglitz(68 000 Quadratmeter) und Pankow(60 000 Quadratmeter). In allen diesen Fällen mußte die Organisation eingreifen, um gc> nügcnd lange Räumungsfristen und eine angemessene EntschM- gung zu erhalten. Diese Entschädigungen betrugen im Bcriditsjohr 329 733,21 Mark: eine Summe, die die einzelnen Kleingärtner nie erreicht hätten, weil die Eigentümer immer nur unter dem Druck der Organisation zahlen. Unter diesen Umständen»erdient die Redztsschutzabteilung des Verbandes ganz besonderes Interesse. Ins- gesamt mußten 810 Termine wahrgenommen werden, die bei lieber- sd>rcitung des Etatansatzes knapp 5000 Mark Kosten verursachten, dazu kommt noch ein gleich hoher Betrag an Prozcßkosten der Be- zirksoerbände. Es ist vielleicht der Oeffentlichkeit unbekannt, daß eine ganze Reihe Prozesse von grundsatzlicher Bedeutung bis zum Reichsgericht durchgefochten wurden, wobei sich der Provinzialver- band die Mithilfe hervorragender Juristen sichern muhte. Im Brennpunkt der Ereignisse des Verbandslebenz stand natürlich der Kampf für Dauerkolanien und Heimstätten- gartengebiete. Im Mittelpunkt hierbei steht die Finanzierungsfrage, die besonders 1929 lebhaft erörtert wurde. Damals hatte der Reichs- tag dreimal die Forderung des Reichsverbandes nack) Bewilligung von 200 000 Mark abgelehnt: Preußen gab nur 60 000 Mark theute nur nock) 47 000 Mark) und Berlin hatte damals gerade van den vorgesehenen 25 000 Mark wieder 24 000 Mark gestrichen! So griff der Verband zur S e l b st h! l f e und beschloß die Erhebung einer einmaligen Umlage von einer Mark je Mitglied. Die angesetzten 66 000 Mark sollten einen Bürgschaftsstock des Provinziolverbondes bilden, der ausschließlich für die Finanzierung van Dauerkolonien Verwendung finden sollte. Leider sind in diesen Bürgsdiaftsstack bisher nur 44 000 Mark eingezahlt morden: 22 000 querulierende Mitglieder haben angeblich keine Mark übrig, wollen ober Dauer- kolonien haben. Infolge der angespannten Finanzlage der Stadt Berlin waren trotz energischer Vorstellungen des Provinzialver- bandes städtische Gelder in bitter notwendigem Umfange nicht zu erhalten, haben doch die beiden Staatskommissare«ine schwer er- kämpfte Beihilfe von 100000 Mark einige Tage vor ihrer Ver- teilung an sieben Bezirke kurzerhand wieder aus dem Etat ge- strichen. Aber abgesehen von diesen Finanzierungsschwicrigteiten kommen nockz solckie gesetzgeberischer Natur dazu, so daß Stadtoer- ordneter Genosse W. Reinhold in seinem Bericht schreibt:.,... man kann alle diese Dinge angesichts der verheißungsvollen Boden- reformartikel der Reichsverfassung mir als nießerschmettcmd bezeichnen und es ergibt sich täglich mehr, welch enorm großes Interesse olle Kleingärtner an dem Zustandekommen eines guten Bodenreformgesetzes hoben...* Jeder kann hieraus ersehen, welche gewaltige Arbeit noch zu leisten ist, um das Ziel zu erreichen: die Auflockerung und Durchgrün ung der Weltstadt Berlin mit Dauerkleingartenkolonien. Reichsbannertresseu in Halle a. d. S. Quartier meldun« gen sind an die Adresse: Reichsbanner Halle o. d. S> Harz 42/4 4, zu richten, Ri�r bei Anmeldung ist eine Berücksichtigung für Einzelquorticr möglich. Die Quartieroerteilung erfolgt im Gcwerkschostshaus. Der Reichskanzler kämpft gegen die Arbeitslosigkeit — leider bisher erfolglos. Der neue Ober- Bürgermeister betrachtet die trostlos« Finanzlage Berlins und die% Million Berliner Arbeitsloser. Das Brot ist teurer geworden, um aber billige Kleidung zu schassen, arbeiten wir un- «ntwegt weiter. Jeder Beamte, Angestellte und Arbeiter muß mit seinem geringen Ver- dienst auskommen. Der Etat für BeNeidunz wird immer kleiner, und es reicht kaum zum Notwendigsten. Es ist noch nicht lange her, wo jedermann glaubte, ohne Maßanzug nicht ouszukoimnon. Der Siegeszug der Konfektion gebot Einhalt. Besonders vorteilhaft sind die Erzeugnisse der Herrenkleidcrfabrik Wagner, Alexandersir. 22(kein Laden). Durch restlose Aussdm/tung beb Zwischen- Handels— also durch direkte Lieferung vom Hersteller zum Verbraucher— ist es dieser Firma nüiglich, ihre Erzeugnisse zu enorm billigem� Preise zu verkmisen. Dabei verzichtet die Fabrik auf jede„äußere Auf- machung*, sie unterhält„kein Laden- g e s ch a s t", denn der Verkauf findet nur in den gabrikationsräumen statt. Alle Erspar- nissc durch Ausschaltung des Zwischenhandel» und Verzicht auf luxuriöse Läden und Deka- rotionen kommen nur dem kaufenden Publikum zugute. Fachfundtzt« Werkmeister und Zuschneider beaufsichtigen die Herstellung. Alle Anzüge und Mäntel werden aus langjährig erprobten nur reinwollenen Stoffen her- gestellt» und besonderes Augenmerk wird auf die gute Jnnenverarbeitung gerichtet. Hierin liegt der unbestrittene Erfolg her Herrenkleider- sabrik Wagner. In den Preislagen von Mk. 40.—, 65.— ist stets eine große Auswahl moderner Anzüge und Mäntel vorrätig. Bei Extra-Anfertigung mit Anprobe erhöht sich der Preis nur um Mk. 10.—. Aenderungen werden nicht berechnet und sauber ausgeführt. Ein reinwollener Sportanzug mit 2 Hosen kostet mir Mk. 45.—. Ein bläuer Anzug aus reinwollenem Aachener Kammgarn, cbemalls mit 2 Hosen, kostet nur Mk. 49.—. Ein imprägnierter Mantel aus reinwollenem Ga- bardine, ganz auf Kunstseide gefüttert, auch nur Mk. 40.—. Ein unverbindlicher Besuch wird Sie überzeugen, daß gute Kleidung nicht teurer zu sein braucht. Die Wagnersche Fabrik hat keine Filialen und kein Ladengeschäft. Der Verkauf ist nur Alexairderslraße 22, am Bahnhof Iannowitzbrücke/ Geöffnet von 9—7 durchgehend. v./gou) Mfeere Amkanii erteilen Sie Bedinamlssteiien: Bcrlin-Mariendori, Rdthausstriß« 93, pt.; Berlin-Köpenick, Bahn Wollcsfiirsor�e Oe�erlodmftlldi-Gtroonenacfaaflllcfae Ver- aicbenmga- AJdleageeeUadi&tt, Hamborg S Graste voiKsuersicherungs- geseiischan Deutschlands Gsgenwärtig rund 2,2 Millionen Versioharts mit 900 Millionen RM. Versicherungssumme, 180 Millionen RMark Vermögen, davon Elgontum der Versicherten; Prlmlenraurve; Ober 80 Millionen RMark Sewlnnaataile: Ober 20 Millionen RMark zusammen Ober 110 Millionen RMark. Versicherungsleistungen: über II1-Mlll. RMark seit November 1923(Ende der Inflation) _ Berlin S 43. RitterstraBe 126; Bahnhofstraße 34; Berlin-Lichtenberg, Frankfurter Allee 122; Berlin-Reinickendorf-Ost, Schönholrer Weg 39; Berlin-Pankow, QaJnarö straße 26; Berlin-Spandau, Götelstraße S, pt, oder der Vorstand der VoIksfOrsorgc in Hamborg S. An der Alster 57—61. Das wiedergefundene Rezept! Als Feldmarschall Blücher eines TageS mit Gneisenau durch die Straßen Berlins ging und nach einem herumschlagen mit den Franzosen Zeit und Datum vergessen hatte, meinte Gneisenau:„Äeute ist jedenfalls Sonnabend, es riecht in der ganzen Stadt nach srischgebranntem Kaffee."— Kaffee wurde eben damals gebrannt oder auch ab und zu verbrannt. Das köstliche Aroma füllte die Straßen— und der Trank in der Tasse wurde schal und bitter. So kam eS, daß sich Äinz Sc Küster im Jahre 1886 dazu ent» schloffen, eine Kaffeerösterei einzurichten, um derBerliner Kausfrau die Sonnabendarbeit abzunehmen und ihr zu ermöglichen, dem gestrengen Eheherrn wirklichen Röstkaffee an Stelle deS„gebrannten" vorzusehen. Es war ein Siegeszug des Röstkaffees. Dem mit der guten Nase bedachten Äer- mann Küster ließ der Gedanke keine Ruhe, das vom Großhandel allgemein angewandte Röstverfahren zu verbessern. Er wollte die Berührung der Kaffeebohne mit den Feuer» gasen, welche das Aroma stark beeinträch- tieften, verhindern. Es gelang ihm auch schließlich, dieses Problem zu lösen. Er ließ sich Röstapparate nach eigener Angabe bauen, für die ihm daS Deutsche Reichs- patent etteilt wurde. Diese Erfindung gab wohl den Äauptanstoß zu dem Ruhm der Firma. Nach kurzer Zeit hieß es,„der Küster kommt— er riecht und siegt." Der Ruf der wunderbare» Qualität des Sinz Sc Küfterschen Kaffees ging wie ein Lauffeuer durch die Stadt; der Anisatz war geradezu enorm. Wer Sinz& Küster-Kaffee kaufte, merkte bald, daß et gleiche Röstung und Qualität anderweitig eben nicht be» kommen konnte. Kinz Sc Küsters Ruhm drang weit über die Tor« Berlin? hinaus. Di« führekiden Kaffeeiöstsirmen de? Rhein- landes, Sachsens, Schlesiens, Oesterreichs und selbst der Seestädte Rotterdam, Am- sterdam, Bremen und Äamburg beugten sich dem Genie Äennann Küsters und suchten von ihm zu lernen.— Niemals aber gab Küster sein wohlbehüteteS Geheimnis preis; — nur wenige Vertraute durften seine Rö- sterei besuchen, und auch diese sahen nicht die letzte Kombination der Dinge. Dann kam der Krieg I— Äermann Küster besaß einen Sohn, der sein �siachfolger im Geschäft werden sollte. Er fiel vor dem Feinde in den Kämpfen 1915. Ein schwerer Schlag für den Vater, der mit seinem Sohn auch seine Lebenshoffnung scheitern sah. Äermann Küster verstarb am 14. Dezember 1916. Der Gram besiegte ihn, den Nie- besiegten. Sein Röstgeheimnis aber schien er mit ins Grab genommen zu haben. Das Rezept des alten Küster, das selbst Paul Schopp— sein langjähriger Mitarbeiter— nicht kannte, schien unwiderbringlich ver- loren. Die Küfterschen Erben wollten das Ge- schäst nicht weiterführen, und so kam es, daß ein bekannter Kaffee-Fachmann aus Äam- bürg die Firma Äinz Sc Küster erwerben konnte. Kurze Zeit nach dessen Eintritt fand sich, rein wie durch Zufall, das Röst- und Mischrezept des seligen Äermann Küster, und eS machte sich sofort nach seiner An» Wendung ein geradezu enormer Aufschwung des Geschäfts bemerkbar. Als das Rezept aufgefunden wurde, besaßen Äinz Sc Küster neun Filialen, während sie heute, etlva drei Zahre nach Auffindung des Rezeptes, IVO ihr eigen nennen. Ein Stadtteil nach dem anderen verlangt eine Verkaufsstelle, um.Sinz& Küster-Kaffee täglich frisch zu bekommen— und das Ende ist nicht abzusehen. SOJAHRP U-BAHNHOF HERMANNPUTZ• DER KARSTADT- BAHNHOF d "VERKAUF � 50 JAHRE 0 JUBILÄUMS-VERKAUF 50 JAHRE KARSTAD'i hhiumsPpeise für Lebensmittel Völlig aus dem Rahmen der sonst üblichen Freitag- Sonnabend-Angebote fallende Leistungen. 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Es ist kein Zweifel darüber möglich, daß ein großer Teil der Berliner Unterweltsromantik ein Erzeugnis der Journalistik und nicht der Kriminalistik ist. Was in Wirklich- keit von den sogenannten Unterweltsvereinen zu halten ist, hat Polizeipräsident Grzesinski in seinen Rundsunkdarlegungen am vergangenen Montag eingehend dargelegt. Derjenige Teil der Oesfentlichkeit, der sich über den wirkliche» Sachverhalt orientieren wollte, war durchaus in der Lage, sich bei dieser Gelegenheit die nötigen Informationen zu besorgen. Leider aber gibt es eine ge- wisse Presse in Berlin, der wenig an der Bekämpfung des Der- brechens irgend etwas gelegen zu sein scheint. Diese Presse, der die snobbistischen Bedürfnisse des 5lurfürstendammpublikums wichtiger sind, als jede ernsthafte journalistische Aufgabe, hat nun mit ihrer Empfehlungskampägne für die Unterweltsvereine nicht nur der Oeffentlichkeit überhaupt, sondern auch dem Rufe Berlins einen miserablen Dienst erwiesen. Zwar wissen wir ja schön aus den sogenannten Skandalasfären der letzten Zeit, daß dieser Presse kein Mittel zu schlecht ist und keine Behauptung zu unwahr, wenn es sich darum handelt, ein nervöses und gedankenloses Publikum be- sonderer Art und Sorte zu unterhaUen. Dennoch ist es notig, von Zeit zu Zeit nicht die Berliner, aber das übrige Deutschland dar- auf aufmerksani zu machen, daß diese Skandalpresse das wirkliche Berlin weder kennt noch repräsentiert. Bedauerlich bleibt es jedoch, daß außerhalb Berlins in der gutgläubigen und vielfach ahnungs- losen Provinz eine Vorstellung von Berlin erzeugt wird, die für den Kenner zwar komisch, für den Außenstehenden ober gefährlich ist. Wer außerhalb Berlins die maßlose Ver- geudung von Druckerschwärze anläßlich der angeblich furchtbaren Schandtaten der Ringvereine gesehen hat, muß zu dem Eindruck kommen, als ob in Berlin das organisierte Verbrechen gesellschafts- fähig geworden sei. Es ist allerdings schon so, daß mit den Snobs, die die Reklame für die sogenannte Unterwelt besorgen, sich leider auch ein Teil der sogenannten guten Gesellschaft mit Dirnm und Zuhältern identifiziert, woraus hervorgeht, daß bei der Razzia im Friedrichshain einige recht bekannte Berliner Rechtsanwälte mit angetroffen worden sind. Man wird schärfsten Einspruch dagegen erheben müssen, wenn auf diese Weise durch bedenkenlose Schreiberei eine Weltstadt in unsinnigster Weise in den Ruf eines Ver» brecherasyls gebracht wird. Berlin darf ruhigen Gewissens in Anspruch nehmen, daß es unter allen Großstädten der Welt i m Punkte der öffentlichen Sicherheit mit an er st er Stelle marschiert und braucht sich durch eine skandalhungrige Journalistik nicht um seinen guten Ruf bringen zu lassen. Auf jeden Fall ist es Aufgabe aller ernsthaften Zeitungen, gegen der- artige Methoden der journalisrischen Ausschreitung Front zu machen. Oer Kaufkraftschwund. Die Konsumvereine im März. Nach dem Bericht des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine ergibt die fünf Wochen umfassende Ilmsatz- statistik des Monats März ein« Steigerung des durchschnittlichen Wochenumsatzes je Mitglied von 7,16 M. auf 7,46 M. Diese Steige- rung erklärt sich in erster Linie dadurch, daß die letzte rechnungz- mäßige Märzwoche die Deckung des O st e r b e d a r f e s enthielt, was natürlich das Märzergebnis günstig beeinflußte. Dennoch ist der Durchschnittsumsatz j« Woche und Mitglied gegenüber dem März v. I. wertmäßig um 15,5 Proz. zurückgeblieben, wobei die Preis- fenkung zu berücksichtigen ist. Gerade wegen der starken Osterverkäufe ivird man also, obwohl im Februar der Rückgang gegenüber dein Vorjahr 19 Proz. betrug, noch nicht von einer Abschwächung des Umfatzrückganges sprechen dürfen. 3n der Ilmsatzentwicklung der deutschen Konsumgenossenschosten ist vorläufig noch nicht das gering sie Anzeichen eines wirtschaftlichen Wiederaus st iege» zu er- kennen. Auch das ist eine Warnung an die Reichsregierung. die es für nötig hält, trotz der verzweifelten Lage der Ge- famlwirtschafl den Agrariern noch Liebesdienste zu erweisen. Die Afrikafliegerin in Verlin. Die Afrikafliegerin Elli Be i n h o r n ist gestern kurz vor 17 Uhr in Berlin-Tempelhof gelandet. Tausende von Zu- schauern hatten sich auf dem Flughafen eingefunden, um die Rück- kehr der Afrikasliegerin von ihrer 12 666 Kilometer langen Reise zu erwarten. Trotz des schlechten Wetters harrte die Menge auf dem Flugfelde aus. Einige Minuten vor 17 Uhr erschien das Flug- zeuggefchwader, das die Afrikasliegerin vor Berlin erwartet hatte, mit ihrem Flugzeug in der Mitte am Horizont. Wenige Minuten später erfolgte die Landung. Als erster kam der Reichsverkehrs- nünifter zu Wort, der die Fliegerin zu ihrer erfolgreichen Expedition beglückwünschte. Kurz hintereinander folgten die übrigen Be- grüßungsansprachen der Spitzen der Luftfahrtverbände und der be- teiligten Firmen. Es schloß sich dann im Gebäude des Flughafens Hn Empfang durch die Berliner Flughafengesellfchafi und durch den Aeroklub von Deutschland an. Bandenüberfall auf mexikanische Stadt. Die Stadt I u ch i t a n im Staate O a r a e a wurde von einer Räuberbande überfallen und geplündert. Dabei wurden zehn Personen, darunter sechs Räuber, getötet und 26 verletzt. kiuc phsrngropdilche ZLbruna durch de« Echlo�sar? R.-dijou, daü ..ftlcbttid cm Sprccufcr" uiucc ßeiuinu des ZNiotoschriftst-llers L>. Stark? am Sarmtaa, 4cm 3. Mai. Treffpunkt Bahlchof Dörsr, A usaana Lackcschcr Markl, JO Ulir._•__ Wo bleibt der Zweite? Die Parole der Partei:„Wo bleibt der zweite Mann?" hat überall im Lande eingeschlagen. Ueberall im Reiche wer- den Scharen neuer Mitkämpfer in die Parteiorganisation ein- gereiht. Was für die Partei so erfreulich begonnen hat, muß auch für die P a r t c i p r e s s e durchgeführt werden. Jeder Leser, der für den„Vorwärts" neu gewonnen wird, stärkt die Kampffront gegen faschistische Unkultur und kommunistisches Rowdytum. Darum laßt den Monatswechsel nicht ungenutzt vorübergehen. Benutzt den unten angefügten Bestellzettel beim Werben für den „Vorwärts" Ich abonniere den.Vorwärts"(und die Abend- � ausgab« für Berlin.Der Abend") mit der illustrierten Bei- läge.Volk und Zeit", sowie den Beilagen.Frauenstimme", .Technik",.Blick in die Bücherwell",.Iugend-Vorwärts" und .Stadtbeilage" in Groß-Berlin täglich stei ins Haus. (Monatlich 3,66 Mk„ wöchentlich 85 Pf.s Name Wohnung: Straße Nr. Hof— Quergeb.— Eeitenfl.— Tr. links— rechts vorn Ausfüllen und elnfeuden an den Verlag des.Vorwärts" verlin Sw KS. Lindenftraße 3. nergsstsllt in clon visr Oroitoadesrelen der Konsum- Genossenschaft Berlin und Umgegend unter Verwendung bester Rohstoffe und unter Benutzung technisch vollkommenster Einrichtungen 7!r. 202« 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Kreiiag, 4. Mai 4 934 Agrarbeschlüffe desVeichskabinetts Versprechungen für die Brotpreissenkung.— Demonstrative Zollerhöhungen und Liebesgaben für die Agrarier. Die agrarpolitischen Beratungen des Reichskabinetts wurden gestern zu Ende geführt. Sie hatten im wesentlichen folgendes Ergebnis: Der Zoll für lebende Schweine wird mit Wirkung zu- nächst bis zum 1. November 1931 von 27 auf 40 M. je Doppel- zentner erhöht. Der Zoll für Schweinefleisch wird cnt- sprechend auf etwa 68 M. gegen bisher 4S M. je Doppelzentner heraufgesetzt. Bei Hafer erfolgt eine Zallerhöhung von 12 auf 16 M. Der Zoll für S p eise erb se n wird von 15w auf 20, der für Futtererbsen und Bohnen von 4 auf 8< der für nicht gereinigte Linsen von 4 auf 6, der für gereinigte auf 8 M. erhöht und der Zoll für Futterbohncn, Lupinen und Wicken von 2,50 auf 5 M. verdoppelt. Für die Zeit vom 16. Oktober bis 31. März wird eine Erhöhung des Zolles auf eingeführte Gänse von 0,70 auf 2,10 Mk. das Stück oder von 24 auf 36 M. den Doppelzentner eingeführt. Die Zwischen- zolle für Speck und Schmalz werden aufgehoben, wobei der Zeitpunkt des Inkrafttretens noch festgelegt werden wird. Die Aufhebung der Zwischenzölle bedeutet bei Schmalz eine Erhöhung . von 7 auf 12 und bei Speck eine Erhöhung von 14 auf 20 M. je Doppelzentner. Das ist die Liste jener Zollmaßnahmen, die die Reichsregierung nach ihrer eigenen Erklärung zum Schutze der Veredlung s- Wirtschaft in Deutschland für notwendig hält. Die Frage des Butterzolles ist offen gelassen. Zur Frage der Getreidezölle und des Brotpreises heißt es in der Mitteilung der Regierung: „Gleichzeitig wird der Reichsminister für Ernährung und Land- Wirtschaft von allen zur Verfügung stehenden Mitteln Gebrauch inachen, um einer den Verbraucherschutz nach dem Gesetz vom 28. März 1931 widersprechenden Preisentwicklung vorzubeugen. Es wird Sorge tragen, daß die Länder- regierungen darüber wachen, daß die Handelsspanne auch in den Gemeinden gesenkt wird, in denen im Gegensatz zu an- deren Gemeinden eine Senkung der Handelsspanne noch nicht in ausreichendem Maße erfolgt ist. Bei Fleisch wird dies um so leichter sein, als die Erhöhung der Zölle für Speck und Schmolz hierfür günstigere Voraussetzungen schafft. Weiter wird alles ge- schchen, um eine ungerechtfertigte Heraufsegung des Brotpreises zu verhindern oder rückgängig zu machen. Es ist eine Reihe von Maßnahmen eingeleitet, die es ermöglichen werden, auf den Mehlpreis so einzuwirken, daß er eine sichere Grundlage für die entsprechende Berechnung des Brotpreises bieten wird." Der Telegraphen-Union wird von gutunterrichteter Seite, also wohl vom Reichsernährungsministerium selbst, erklärt, daß nach wie vor die Absicht bestehe, den Weizenzoll für ein bestimmtes 51ontingent herabzusetzen. Zeitpunkt und Ausmaß dieser Maßnahme seien jedoch von den Auswirkungen der im Interesse des Verbraucherschutzes zu unternehmenden Schritte abhängig, über die mit den in Frage kommenden Wirtschaftsorganisationen noch besondere Verhandlungen vorgesehen feien. * Daß das Reichskabinett gewisse Zollerhöhungen be- schließen wird, war zu erwarten. Daß sie die Beschlüsse über diese Zollerhöhungen an die Spitze ihrer Verlautbarung stellt, ist charakteristisch für die Neigung, trotz der gegenwärtigen furchtbaren Not der Massen in erster Linie den Interessen der Agrarier zu dienen. Zum Teil sind die Zollerhöhungen reine Demonstrationen, von denen eine günstige Wirkung für die Landwirtschaft nicht erwartet werden kann, und von denen auch kaum preisverteuernde Wirkungen aus- gehen werden. Das gilt besonders für die Schweinezoll- erhöhung, denn die Schweine- und Speckpreise sind auf ab- sehbare Zeit, da Deutschland eher exportiert als einführt, voll- ständig durch die inländische Ueberproduktion bestimmt. Das- selbe gilt auch für die Anpassung des Zolles für Schweine- fleisch an dem Zoll für lebende Schweine. Die Zollerhöhung für Hafer ist grotesk, denn sie wird die Schwierigkeiten beim Roggen, weil man mehr Hafer verfüttern wird, nur erhöhen, und der Reichsernährungsminister kann mit seinem Reichs- bestellungsplan einpacken. Als ein vollständig überflüssiges Zuge- ständnis an die Schutzzollpsychose der Agrarier sind die Zollerhöhungen für H ü l s e n f rü ch t e anzusehen. Diese wer- den sich aber in der Tat verteuernd auswirken, und es ist ein schlechtes Zeugnis für den Weitblick der Reichsregierung, in einer Zeit, wo Hülsenfrüchte für große Massen notleidender Arbeitsloser eines der wichtigsten Nahrungsmittel sind, der- artige im höchsten Maße unsoziale Zugeständnisse an die Hoch- schutzzollagrarier machen zu wollen. Was die Regelung des Brotpreises anbelangt, so ist zunächst festzustellen, daß die Reichsregierung ihre V c r- p f l i ch t u n g, das Gesetz vom 28. März dem Wort und dem Inhalt nach zu erfüllen, anerkannt hat. Um so bedauer- l i ch e r ist es, daß der ganz zweifelsfreien Notwendigkeit, Maßnahmen zur Senkung der überhöhten Brotpreise sofort zu treffen, mit Versprechungen und Worten zunächst ausgewichen wird. Die Sozialdemokratie hat der Reichs- regierung immer wieder die einfachen und klaren Wege, die zur Brotpreissenkung jetzt begangen werden müssen, vor Augen geführt. Senkung des Weizen- zolls» Verkauf amtlicher Roggenbestände, Senkung des Roggenzolls waren die gegebenen Mittel. Die Regierung hat offenbar keine dieser einfachen Maßnahmen wirklich beschlossen. Wir nehmen die Ver- sprechungen der Regierung ernst, denn es gibt keine Möglich- keit, angesichts des klaren Tatbestandes einer ungesetzlichen Brvtpreislage, an der Erfüllung gesetzlicher Bestimmungen vorüberzugehen. Wir werden infolgedessen mit verschärf- terWachsamkeit darauf achten, was die Reichsregierung tut, um die in Deutschland längst überhöhten Brotpreise wirk- lich zu senken. Die Regierung hat es sich selbst zuzuschreiben, daß diese unsere Wachsamkeit zunächst auch noch mit Mißtrauen ge- paart sein muß. Zu diesem Mißtrauen zwingt die Art der Veröffentlichung der Beschlüsse, die die Reichsregierung ge- wählt hat. In der offiziellen Verlautbarung ist kein Wort von der Absicht enthalten, den Weizenzoll herabzusetzen, und keine Angabe darüber, was denn nun zur Senkung der Mehl- preise praktisch geschehen soll. Es ist ein bedauerliches Zeichen von Unsicherheit, daß erst im Nachhinein eine nichtoffizielle Information von unterrichteter Seite, die aber als offiziös anzusehen ist, der Oesfentlichkeit von der Absicht der Senkung des Weizenzolles Kenntnis gibt. Vechiskunde beim Neichsgerichi. Manchmal schlaf! auch Bater Homer. Abgeordneter Kuttner hat im Preußischen Landtag folgende Kleine Anfrage eingebracht: Eine höchst seltsame Druckschrift wird zur Zeit im Gebiet des Freistaates Preußen bei Behörden, Gerichten, Parlamentariern usw. verbreitet. Das 21 Druckseiten umfassende Heft trägt den Titel: „Denkschrift des Borstandes des Richtervereins beim Reichsgericht zu der geplanten Umgestaltung des Staatsgerichts- Hofs für das Deutsche Reich. Leipzig, im März 1930." Hiernach müßte man annehmen, daß es sich um eine vom Vor- stand des Richteroereins beim Reichsgericht herausgegebene Schrift handele. Dies kann jedoch nicht der Fall sein; denn die genannte Druckschrift enthält weder Namen noch Wohnort des Druckers: es fehlt ferner in ihr die Angabe des Ver- leger- Mithin stellt diese Druckschrift einen eklatanten Verstoß gegen Z 6 des Reich sprcßgefctzes dar. Selbstverständlich kann nicht angenommen werden, daß Mit- glieder des höchsten deutschen Gerichts etwa aus Mangel an Rechtskenntnissen eine strafbare Handlung begangen haben, die gegenüber jedem rechtsunkundigcn Laien empfindlich geahndet wird. Noch weniger zulässig erscheint die Annahme, daß Mit- glieder des höchsten Gerichts gar aus Vorsatz gegen das Prehgefetz gefehlt hätten. Mithin bleibt nur die Möglichkeit, daß hier von unbekannten, gänzlich rechtsunkundigen Persönlichkeiten Name und Amtsbezeichnung von Mitgliedern des Reichsgerichts mißbraucht worden sind, um unter der Autorität des höchsten deutschen Gerichts- Hofs eine Denkschrift sehr anfechtbaren Inhalts zu veröffentlichen Ich frage das Staatsministerium: Ist es bereit, diesen Miß- brauch der Amtsbezeichnung von Mitgliedern des Reichsgerichts aufzuklären und gegen die Urheber dieses Mißbrauchs, namentlich auch wegen Verstoßes gegen das Reich, preßgesetz in geeigneter Weise einzuschreiten?_ Ltm den Leipziger Hauptbahnhof. Entscheidung des lieichsbahngerichts zugunsten von Sachsen Der Streit zwischen dem Sächsischen Staat und der Reichsbahn- Gesellschaft um die Abgrenzung der Eisenbahndirektionsbezirke wurde heute vor dem Reichsbahngericht ausgetragen. Sachsen hat Widerspruch gegen die Unterstellung des Leipziger Hauptbahnhofs unter die Eisenbahndirektion Halle erhoben. Das Gericht verkündete folgende Entscheidung. Die Reichsbahn-Gesellschaft ist nicht be- rechtigt, eine wesentliche Aenderung des jetzigen Gebiets der Reichs- bahndirektion Dresden, wie sie die Zuweisung von bisher dieser Direktion unterstellten Leipziger Bahnhöfen mit anschließenden Linien darstellen würde, ohne Zustimmung der sächsischen Regierung vorzunehmen. Der Gegenantrag der Deutschen Reichsbahn-Gesell- schast wird abgewiesen. Krifenhehe. Tartarennachnchten über die Landwirtschast. Der nationalsozialistische Wanderredner Dr. von L e e r s er- klärte in einer Berfammlung, die vor einigen Tagen in Berlin stattfand, unter anderem, daß in den pommerschen Kreisen Rummelsburg und S ch l a w e die Landwirtschaft völlig still- liege und in der Uckermark nur noch 65 Prozent der Fläche bestellt würde. Eine sofortige Nachfrage ergab, daß die Behauptungen von A bis Z erdichtet sind. Die Lage der Landwirtschaft ist in den erwähnten Gebieten nicht ungünstiger als anderswo. Der Zweck, der mit den Behauptungen erreicht werden soll, ist leicht zu erkennen. Die Bevölkerung soll den Eindruck gewinnen, als wenn Deutschland dem Untergang geweiht sei. Bedauerlich ist die Einstellung der Landwirte diesem Treiben gegenüber. Sie ver- halten sich, von einigen Ausnahmen abgesehen, stillschweigend. Glauben sie. ihren Interessen damit einen Dienst zu erweisen? Wir glauben es nicht. Das Treiben der Nationalsozialisten ist geeignet, das Vertrauen zur Landwirtschaft und insbesondere zu ihrer Kreditfähigkeit auf das stärkste zu erschüttern. Die Landwirte können dieseck Vertrauen nicht weniger entbehren, als jeder andere Ge- fchäftsmann, der auf solide Führung seines Geschäfts Wert legt. Oie Zukunft der Krolloper. Aus dem Kultusministerium wird uns folgendes gemeldet: Bei den heute miter Beteiligung der Genossenschaft Deutscher Bühnenangchöriger im Kultusministernrm weitergeführten VerHand- lungen über die Gründung einer G. m. b. H. zum Betrieb der Kroll- oper auf gemeinnütziger Grundlage wurde der von Herrn Dr. Curjel vorgelegte Haushaltsentwurf eingehend beraten. In den nächsten Tagen werden die Verhandlungen mit den interessierten Publikums- vrganifationen stattfinden, von denen es im wesentlichen abhängen wird, ob die Basis für einen zukünftigen nichtstaatlichen Betrieb des Instituts geschaffen werden kann. Alle übrigen, auch in der Oesfent- lichkeit bekanntgewordenen Pläne wurden als unausführbar von der weiteren Beratung ausgeschlossen, Mllionenprozeß gegen das Gfoich. Wegen der Einstellung der Gefrierfleischeinfuhr. Nor der 36. Zivilkammer beim Landgericht I wurde am Don- nerstag unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Günther ein Prozeß verhandelt, den der Verband deutscher Kühlhäuser, der Reichsverband für Gefrierfleischeinfuhr und der Zentralverband Deutscher Konsumgenossenschaften gegen das Reich angestrengt haben. Die Kläger verlangen vom Reich wegen der Einste!» lung der Gefriorfleischeinfuhr einen vorläufigen Schadenersatz von je 10 000 Mark, die späteren tatsäch- lichen Forderungen dürften aber in die Millionen gehen. In der Verhandlung erklärten die klagenden Verbände, daß sie im Vertrauen auf die Verordnung vom 3. November 1923, in der eine S ch u tz f r i st o a n z e h n I a h r e n für die Gefrierfleischeinfuhr vorgesehen war, große Kapitalien in Kühlhäusern und Kühlschiffen investiert hätten. Sie seien durch die Ein- stcllung der Gefriersteifcheinfuhr schwer geschädigt worden. Iustizrat Heinitz erklärt« im Namen'des Reichsfiskus, daß es sich in Wirklichkeit um keinen Schaden handele, sondern lediglich um «ine Beschneidung der enormen Gewinn« der Gefrierfleisch-Jmpor- teure. Im übrigen könne der Gesetzgeber jedes Gesetz ändern, außer Kraft setzen oder durch ein anderes ersetzen, ohne daß daraus gegen ihn Schadenerfatzverpflichwngen gelten,!) gemacht werden köniitm Hier handele es sich um Belang« der deutschen Landwirtschaft, über deren Berechtigung ein Zivilgericht nicht zuständig sei. Die Klage sei abzuweisen. Das Urteil wird am nächsten Donnerstag verkündet werden. Oer billige Tarif. Oer Landesgefchästsführer der Oeuischnaiionalen wegen Beschimpfung der Reichsforben verurteilt. Der Landesgeschäftsführer der Deutschnationalen Partei, Oberst-- leutnant a. D. M ü l l e r- L ö b n i tz, verantwortete sich gestern vor dem Schöffengericht Schöneberg wegen Vergehens gegen den§ 3 Ziffer 1 und 2 des Republikschutzgesetzes in Tateinheit— also wegen Beschimpfung der Staatsform und Verächtlichmachung der Reichs- färben. In dem einmal wöchentlich erscheinenden Mitteilungsblatt der Deutschnationalen Volkspartei„Deutscher Volksbote" erschien am 12. Dezember 1930 mit der Unterschrift„Spatz" ein Artikel:„An meine lieben Nichtwähler". Der„Spatz" schwatzte darin über die frühere Koalitionsregierung, insbesondere über die sozialdemokra- tischen Kabinettsmitglieder, und gefiel sich u. a. in der geschmack- vollen Redewendung von der„schwarzrotgoldenen Sauwirtschaft"� In der Verhandlung b e st r i t t der für das Blättchen verant-, wortliche Landesgeschäftsführer der Deutschnationalen Partei Müller- Löbnitz seine Verantwortlichkeit für den Artikel. Er habe dessen Erscheinen bedauert und bereits einmal den Verfasser ab- gewiesen, da ihm verschiedene Redewendungen so scharf gewesen seien. Im Drange der Wahlgeschäfte habe er, als ihm der Artikel zum zweitenmal abgeliefert worden sei, denselben nur ganz flüchtig gelesen und den jetzt inkriminierten Ausspruch übersehen. Der Staatsanwalt beharrte jedoch auf der Verantwortung des Angeklagten. Gerade weil ihm die scharfe Ausdrucksweise des Ver- fossers bekannt gewesen sei, sei er verpflichtet gewesen, besondere Sorgfalt walten zu lassen. Man könne auch nicht von einer Fahrlässigkeit reden: durch die Annahme des Artikels habe sich der Angeklagte gewissermaßen mit dessen Inhalt einverstanden erklärt. Der Staatsanwalt beantragte 100 Mk. Geldstrafe. Das Gericht ge- langte zu einem anderen Ergebnis. Es verurteilte Herrn Müller- Löbnitz nur zu 50 Mark Geldstrafe, und zwar bloß wegen Verächtlichmachung der Reichsfarben, unter Anwendung des§ 21 des Pressegesetzes, der eine Fahrlässigkeit voraussetzt. Mit dem Aus- diuck„schwarzrotgoldene Sauwirtschaft", hieß es u. a. in der Urteilsbegründung, fei nicht die Staatsverfassung, sondern bloß die Koalitionsregierung gemeint gewesen und in der Hauptsache deren sozialdemokratische Kabinettsmitglieder, gegen die sich in erster Linie der Artikel richtete. Herr Müller-Löbnitz ist äußerst billig weg- gekommen! Cin Hakenkreuzbeamier entlassen. Durch Beschluß des preußischen Oisziplinargerichtshofs. Der Preußische Disziplinargerichtshof hat den Reichstagsab- geordneten und Regierungsinspektor Hasse von der Regierung m Stade wegen seiner Betätigung für die National- sozialistische Partei mit Dienstentlassung ohne Pension be st rast. In der Urteilsbegründung heißt ep unter anderem: Wenn ein Beamter sich für eine Partei betätigt, die den Umsturz der bestehen- den Staatsordnung im Wege der Gewalt beabsichtigt, so verstößt er hierdurch gegen seine durch die Anstellung begründete Treue- Pflicht dem Staat gegenüber und begeht somit ein Dienst- vergehen. Das Gericht hat eingehend die Frage untersucht, ob die NSDAP. den gewaltsamen Umsturz erstrebt und dabei den Eid Hitlers beim Ulmer Reichswehrprozeß in Leipzig untersucht. Es heißt, daß der Eid Hitlers vor dem Reichsgericht kein Beweis für die Legalitäts- bestrebungcn der NSDAP, sei, ebensowenig wie seinerzeit das Ehrenwort des Parteiführers einen Schutz gegen den Münchener Putsch vom Oktober 1923 gebildet habe. Wenn auch manche andere Führcräußerung aus agitatorischen Gründen besonders scharf ge- halten sei, so müsse auch unter Berücksichtigung dieses Umstandes festgestellt werden, daß die NSDAP, zu gegebener Zeit die Er- richtung einer völkischen Diktatur durch gewaltsamen Umsturz zu erreichen suche. Um den Boden für ihre Bestrebungen vorzubereiten, rufe die NSDAP, in der Bevölkerung den Geist der Auflehnung oder der Neigung zu Gewalttätigkeiten hervor, führe die Partei den Kampf gegen die verfassungsmäßig bestehende Staats- ordnimg in den erbittertsten Formen der Beschimpfung und Ver- leumdung. Besonderen Wert legt der Disziplinarhof dem Organisations- system der Nationalsozialisten bei. Dieses kenne kein« passiven Mitglieder, sondern verlange satzungsgemäß von jedem Angehörigen „alle Parteiarbeit zu erledigen, die notwendig sei". An einer solchen Organisation könne aber ein Regierungs- beamter nicht teilnehmen. Es liege jedenfalls ein Verstoß gegen dos Preußische Disziplinar- gesctz vor. Der Verstoß sei so schwerwiegend, daß der Beamte mit Dienstentlassung zu bestrafen sei, und es könne ihm auch nicht, wie dies in erster Instanz geschehen war, ein Teil seiner Pension belassen werden. Ltnser Kampf um den Sozialismus. Karl Marx»tid die Arbeitszeit.— Tagespolitik und Endziel. Der 1. Mai war immer, seitdem er zum internationalen Demon- strationstag proklamiert wurde, mit dem Kampf der Arbeiterschaft um die Verkürzung der Arbeitszeit verbunden.(Jahr- zehntelang galt er dem Kampf um den Achtstundentag, heute demon- strieren wir für die Vierzigstundenwoche. Abgesehen von seiner gewaltigen sozialpolitischen Bedeutung kommt dem Kampf um die Verkürzung der Arbeitszeit eine besondere grundsätzliche Bedeutung zu» die wir heute und immer zu berücksichtigen haben. Ost wird die Aeuherung von Karl Marx ange- führt, daß das erste Iehnstundengeseh nicht nur ein großer praktischer Erfolg, sondern auch der Sieg eines Prinzips war. Es ist aber vielleicht nicht allgemein bekannt, welcher Gedanken- gang Marx zu dieser seiner Feststellung geführt hat. Dieser Gedankengang ist ja heute sogar aktueller als je Zuvor. In der Jnauguraladresse der Internationalen Arbeiterassociation von IlZM(also im Gründungsaufruf der 1. Internationale) führte Karl Marx folgendes aus: „Nach einem dreißigjährigen, mit bewunderungswürdiger Aus- tmuer geführten Kampf war es der englischen Arbeiterklasse unter Ausnutzung eines augenblicklichen Zwiespalts zwischen Landtords und Gcldlords gelungen, das Zehnstundengesetz durchzusetzen. Die großen physischen, moralischen und geistigen Borteile, die den Fabrikarbeitern aus dieser Maßregel erwuchsen und die man in den Berichten der Fabrikinspektoren halbjährlich verzeichnet findet, werden jetzt von alle» Seiten anerkannte... Aber abgesehen von ihrer praktischen Wichtigkeit hatte der erstaunliche Erfolg dieser Arbeitermaßregel noch eine andere höhere Bedeutung..j Dieser Kampf um die gesetzliche Arbeitszeit wütete um so heftiger, je mehr er, ab- gesehen von der aufgeschreckten Habgier, tatsächlich um den großen Gegensatz dreht zwischen der bliNdeN Herrschaft der Gesetze von Nachfrage und Angebot, die die politische Oekonomie der Bourgeoisie bilden, und zwischen der durch soziate Voraussicht und Einsicht beherrschten sozialen Produktion, die die politische Oekonomie der Arbeiterklasse bildet- Und darum ward das Zehnstundengesetz nicht nub ein großer praktischer Erfolg; es war der Sieg eines Prinzips. Zum erstenmal unterlag im hellen Licht des Tages die politische Oekonomie der Bourgeoisie der poli- tischen Oekonomie der Arbeiterklasse." In einem bestimmten und sehr wesentlichen Sinne muß diese UeberleguNg von Marx ein Vorbild für unsere Einstellung zu den Aufgaben unseres Kampfes fein, insbesondere zu den Aufgaben unserer Wirtschaftspolitik. Marx hat iN den angeführten Sätzen nichts anderes getan, als daß er den Kayipf um die gesetzliche Arbeitszeit in Au.samm.e.nchang mit dem ENVz.ie l der Arbeiterbewegung, mit dem-Sozialismus ge-- bracht hat.„Politische Oekonomie der Arbeiterklasse" ist sozialistische Oekonomie,„die durch soziale Voraussicht und Einsicht belzerrschtc� soziale Produktion" ist sozialistische Wirtschaft. Die gesetzliche Regelung der Arbeitszeit hat großen Wert wegen ihrer unmittelbaren Vorteile für die Arbeiterschaft, sie hat aber darüber hinaus eine höhere Bedeutung als der Sieg eines Prinzips, nämlich als ein Sieg des sozialistischen Prin- zip». Gewiß streben auch die nationalsozialistischen Arbeiter die Verkürzung der Arbeitszeit an: man braucht Nicht Sozialist zu sein, um die verkürzte Arbeitszeit als Vorteil zu empfinden. In ihrer objektiven Bedeutung erscheint sie aber als ein Sieg des sozialistischen Prinzips, da sie einen Durchbrach und eine Abänderung der Gesetz- Mäßigkeit der kapitalistischen Wirtschaft bedeutet. Dadurch unterschied sich die gesetzliche Regelung der Arbeitszeit von vielen anderen Erfolgen der Arbeiterbewegung, die zwar der Arbeiterschaft große Vorteile brachten, aber keine solche grundsätzliche sozialistische Bedeutung hatten. Durch die gesetzliche Regelung der Arbeitszeit wird die kapitalistische B e- wegungsfreiheit in einer bestimmten Hinsicht gehemmt, die wirtschaftliche Herrschaft des Kapitalismus auf einem bestimmten Gebiet eingeschränkt. Nlcht jede Einschränkung der kapita- listischen Bewegungsfreiheit hat einen sozialistischen Charakter. So will z. B. der Faschismus seinem Staatssystem alles unter- ordnen und damit auch die Bewegungsfreiheit der Kapitalisten ein- schränken, dies aber Mit dem Ziel, den Aufstieg der Arbeiterklasse zu verhindern und den Kapitalismus als solchen vor dem Untergang zu retten. Sozialistisch ist nur eine Politik, durch welche die Entwicklung„der durch soziale Voraussicht und Einsicht beherrschten sozialen Produktion" gefördert wird. Karl Marx hat schon in den sechziger Iahren des vorigen Jahrhunderts klar gesehen, daß noch innerhalb der kapita- listischen Gesellschaft der wirtschaftliche Raum, auf dem die Gesetze der kapitalistischen Wirtschaft ungehemmt walten, eingeschränkt werden kann. Erst recht muh diese Einsicht jetzt sür unsere Wirt- schaftspolitik Maßgebend sein. Wir müssen alle diejenigen unserer Forderungen in den Vordergrund stellen und Mit größtem Nach- druck vertreten, die geeignet sind, den Raum der kapitalistischen Herrschaft in der Wirtschaft einzuengen und die Grundsätze der„durch soziale Voraussicht und Einsicht be- herrschten sozialen Produktion" zu verwirklichen. Das bedeutet frei- lich noch nicht, daß jede Form der staatlichen Beein- f l u s s u N g der Wirtschaft schon an sich ein Stück sozialistischer Politik darstellt. Wir wissen Zu genau, daß die staatliche Beeinflussung ihrer Zielsetzung und ihrer Auswirkung nach auch rein kapitalistisch sein kann und in den Meisten Fallen immer noch zu sein pflegt. Es ist unsere Aufgabe, die staatliche Wirtschaftspolitik, die immer größere Bedeutung gewinnt, in die von Marx so treffend gekennzeichnete Richtung zu lenken. Wir wissen auf der anderen Seite, daß derheutigeKapita- lismus selbst durch seine Organisation oersucht, die Wirkung „der blinden Herrschast der Gesetze von Nachfrag« und Angebot" ein- zuschränken(Beherrschung des Marktes). Das geschicht aber im Interesse der mächtigeren kapitalistischen Gruppen und mit dem Zweck, das Ausmaß der kapitalistischen Ausbeutung zu ft e i g e r n. Demgegenüber gewinnt unsere Forderung der Mono- polkontrolle eine ganz große grundsätzliche Bedeutung, da wir damit nichts anderes wollen, als die Machtstellung der kapitalistischen Organisationen durch die Einschaltung der„sozialen Voraussicht und Einsicht" einzuschränken. Wenn wir dabei das Volkswirtschaft- licheJnteresse oder das Interesse der Allgemeinheit betonen, so ist das genau dasselbe wie„soziale Voraussicht und Ein- stcht", und die„soziale Produktion", von der Marx spricht, ist nichts anderes als eine im Interesse der Allgemeinheit planmäßig geleitete, also sozialistische Wirtschaft. Wir haben von unseren Gegenwartsforderungen nur die-» jenigen nach der Kontrolle der kapitalistischen Organisationen hervor- gehoben,- weil ihre prinzipielle Bedeutung uns besonders klar werden muß. Es handelt sich dabei um mehr als ein« organi- sierte Preispolitik, die ja auch rein kapitalistisch sein kann; es handelt sich um den Kampf der beiden Prinzipien, die von den Kapitalisten auf der einen und von der sozialistischen Arbeiterschaft auf der anderen Seite vertreten werden. Wir wollen, daß in dem für die Kontrolle der kapitalistischen Organisationen zu schafsenden Organ die Vertreter der„politischen Oekonomie der Arbeiterklasse" denen der„politischen Oekonomie der Bourgeoisie" entgegentreten und damit die Interessen der Allgemeinheit gegen die ka- pitalisiischen Interessen vertreten können. Wik müssen aber unter dem gleichen, grundsählich sozialistischen Gesichkspunkk jedes wirtfchafis- politische Problem prüfen und, wie gesagt, vor allem diejenigen Forderungen mit besonderem Nachdruck vertreten, deren Verwirklichung einen Einbruch in die Herrschast des kapitalistischen Systems bewirken würde. Daß die Möglichkeiten dafür vorhanden sind, scheinen die Kapitalisten selbst schon eingesehen zu haben. Was ist denn der seit Iahren geführte Kampf um die öffentliche W i r t s ch a s t, um die Erhaltung im öffentlichen Besitz oder die Privatisierung der kommunalen Betriebe anderes als der Kampf um die Ein- engung oder Erweiterung des rein kapitalistischen Räume» innerhalb der Gesamtwirtschaft? Nun darf sür uns der Kamps um die össent- Am das Schicksal der Bewag. Sonnabend erfolgt die Borlage des endgültigen Angebots. Die Verhandlungen zwischen dem deutsch- englisch- amerikanischen Bankenkonsortium und der Stadt Bertin über die Umwandlung der Bewag aus einer Betriebsgesellschaft in eine gemischtwirtschaftliche Kapitalgesellschaft sind seit dem Amtsantritt des Bürgermeisters Dr. Eifas und des Stadtkämmerers Asch stark gefördert worden. Es dürften nicht unerhebliche Verbesserun- g e n an dem ursprünglichen Plan erreicht worden sein, besonders hinsichtlich der dauernden Konzessionsabgabe. Das Bankenkonsortium| wird sein endgültiges Angebot minmehr am Sonnabend überreichen. An beM gleichen Tage findet«ine außerordentliche Magtstratssitzung statt, in der das Angebot zur Diskussion gestellt werden wird. Äie Fristen laufen bekanntlich" so/ daß am iL MaO das Angebot endgültig einzureichen war, daß bis zum g. Mai das Angebot angenommen oder abgelehnt werden muh, wobei Im Falle der Ablehnung am 27. Mai der vorläufig gewährte Kredit von 75 Millionen Mark fällig würde. Die Lage für Berlin ist alle» weniger al« einfach. Wir haben immer wieder auf die finanziellen Schwierigkeiten hin- gewiesen, die der Anlaß zu dieser Transaktion sind. Es steht aber fest, daß man einer Konsolidierung der kurzfristigen schwebenden Schulden der Stadt Berlin einfach nicht Mehr aus dem Wege gehen kann. Es ist kein Zweifel, daß die große kurzfristige Schuld Berlins den Berliner Kredit viel mehr schädigt als es der Wirtschafts- und Schuldenlage der Stadt Berlin, deren Verpflich- tungen heute immer noch kleiner sind als in der Vorkriegszeit, an- genieffen ist. Auf den ausländischen Kapitalmärkten, besonders in New Vork hat sich in den letzten Wochen die Situation eher verschlechtert als verbessert. Das Ausland will sich sür Europa und auch für Deutschland gegenwärtig nicht weiter engagieren als es bisher geschehen ist, weil die politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten noch zu groß sind. Auf der anderen Seite wird der deutsche Kapitalmarkt gegenwärtig sehr stark in Anspruch genommen zugunsten der Reichs- post, der Reichsbahn und bald aUch des Reichshaushaltss selbst. Eine Anleihebeschaffung im Inland« ist dadurch erschwert. In der Ver- gangenheit war es ein Skandal, wie durch höchste verantwortliche Beamte in Deutschland der Kredit der Kommunen heruntergeredet morden ist, in der Gegenwart muß der Kapitalbedarf der Stadt Berlin vor dem des Reiches und der großen Reichsunternehmungen zurücktreten. Mit diesen Tatsachen zu rechnen ist eine sehr bittere, aber dennoch unausweichliche Notwendigkeit. Die Entscheidung, die die Berliner Verwaltung und die Berliner Körperschaften bis zum S. Mai treffen müssen, ist außer- ordentlich e r n st. Die Verschlechterung der Wirtschaftslage wird die Lage des Haushalts in Berlin noch mehr erschweren als bisher. Man würde aber dieser Schwierigkeiten erst recht nicht Herr werden, wenn man nicht durch eine möglichst weitreichende Kon- solidierung der kurzfristigen Schulden sich den Rücken freimacht. Wir haben die Zuversicht, daß die städtische Verwaltung und die städtischen Körperschaften mit der allergrößten Sorgfalt und Zähigkeit die beste Lösung sür die Stadt Bertin zu suchen sich bemühen werden. Verbilligte GchweinefÜtierung. Zwei Zentner zollverbilligte Gerste statt ein Zentner. Di« dauernden Preissteigerungen am Roggentnarkt zwangen die Regierung vor vierzehn Tagen» die Verkäufe an Eosinroggen als Schweinefutter einzustellen. Die noch in den Händen der Stützung»- stelle vorhandenen Roggenbestände sollen als Brotroggektreserve dienen und nöch und nach an die Mühlen verkauft wenden, um den Bedarf an Mahlroggen decken zu können. Der EostnroggeN-Absatz war in den letzten Monaten sehr beträchtlich gewesen, da jeder Land- wirt, der einen Doppelzentner Eosinroggen der Stlltzungsstelle ab- kaufte, mit diesem Kauf dos Recht erwarb, einen Doppelzentner Futter- gerste zum Zollsatz von 6 Mark anstatt von 18 Mark einzuführen. liche Wirtschaft nicht nur der Kampf gegen ihre Privatisierung, son» dern muß zugleich der Kampf um die Gestaltung der össent- lichen Wirtschaft sein, der Kampf um die Durchsetzung der„sozialen Boraussicht und Einficht" als leitender Grundsatz für jede öffentliche Wirtschaftsführung. Wir dürfen und werden uns nicht selbst belügen. Daß unser Kampf um den Sozialismus durch diese Einstellung unserer Wirtschaftspolitik nicht erschöpft wird, versteht sich von selbst. Entscheidende Machtfragen werden wir aus anderen Wegen lösen müssen. Das verstand Karl Marx zweifelsohne besser als jeder andere, und trotzdem hat er das Zehnstundengesetz nicht nur als einen großen praktischen Erfolg, sondern auch als einen Sieg der po- litifchen Oekonomie der Arbeiterklasse, also als einen sozio- l i st i s ch e n Erfolg gepriesen. Wir sehen darin ein Beispiel und ein Vorbild für das, was uns in unserer manchmal so ermüdenden und sogar unter Umständen entmutigenden täglichen Arbeit bitter not tut— nämlich die Verbindung der praktischen Tagespolitik mit dem grandiosen Endziel unserer Bewegung. Falsch wäre es, alles, was wir tun und was zu tun wir manch- mal mit innerem Widerstreben gezwungen sind, künstlichzuver- schönen, uns selbst durch schön klingende Phrasen zu täuschen und zu beruhigen. Richtig und notwendig ist es, zwischen den rein praktischen Notwendigkeiten und den Aufgaben grundsätzlicher Bedeutung zu unterscheiden, das Grundsätzliche zu betonen und mit aller Kraft zu vertreten. Notwendig ist es weiter, bei der Erledigung jeder praktischen Aufgabe nach der Möglichkeit zu suchen, unserer Zielsetzung den grundsätzlichen Inhalt zu geben und, in- wieweit das gelingt, auch unseren Kampf zu führen und unsere Arbeit zu leisten als Propaganda für den Sozialismus— nicht nur durch das flammende Wort, sondern auch durch die schaffende Tat. Georg Decker. Di« nvrdwesildeutschen Schweinemäster, di« fast orusschlkhlich als Käufer des Eosinroggens in Frage kamen, tonnten nun nach Ein- stellung der Abgabe von Eosinroggen von der staatlichen Stützungs- stelle, der Deutschen Getveidehandelsgesellschaft, Kartostetflocken taufen, wenn sie in den Besitz der zollverbilligten Gerste kommen wollien. Da aber nicht genügend Kartofselflocken vorhanden sind, um den Bedarf an Futtermitteln in Nordwestdeutschlond zu befriedigen, hat sich die Regierung entschlossen, bei dem Bezug von 1 Doppel- zentner Flocken anstatt 1 Doppelzentner Gerst« jetzt 2 Doppel-, zentner Gerste zum Zoll von 6 Mark hereinzulassen. Dieser erste Ansatz zur Berbilligung der Futtermittel, den die Sozialdemokratie schon seit einigen Wochen ge» fordert hat, bedeutet«ine Ermäßigung der Produktionskosten für die Schweineniäster, Diese Ermäßigung des Futtergetreides ist für die bäuerlich«.'Laudwirtschast notwendig, da infolge der Ausdehnung der Schwcineproduttion die Schweinepreise stetig gesunken sind und' in der" nächsten Zeit noch welter sinken werden. �eichsvahnabschluß feriiggestelli. Im neuen Jahre 170 Millionen Mindereinnahmen. Auf der Tagung des Verwaltungsrats der D e u tf ch e n Reichsbahn-Gesellschaft am 27. und 28. April wurden Geschäftsbericht und Bilanz für 1330 vorgelegt und ge- nehmigt. Es wurde beschlossen, auf die ausgegebenen Vorzugsaktien Serie I bis V ein« siebenprozentige Dividende zu zahlen. Auch der Monat März hat infolge des Daniederliegens der Wirtschaft einen weiteren Rückgang der Einnahmen gebracht. Bis zum 1. April 1931 sind die Einnahmen im laufenden Jahr um rund 179 Millionen Mark hinter der gleichen Zeit des Borjahres und um rund 399 Millionen Mark gegenüber der gleichen Zeit von 1929 zurückgeblieben.— Man wird angesichts der schlechten finanziellen Entwicklung bei der Reichsbahn damit rechnen müssen. daß auch dieses größte öffentliche Unternehmen zur Deckung seines Bedarfes noch im Laufe dieses Jahres an den Kapitalmarkt heran- treten wird. Der notwendige Kapitalbedarf bei der Reichsbahn dürste sich auf etwa 259 Millionen Mark belaufen. Es kämen für die Deckung dieses Kapitalsbedarfee nach der bisherigen Stellungnahme der Reichsbahn aber nur langfristige Anleihen in Frage. Der bisherige Finanzdirektor der Reichsbahn Jahn tritt nach Erreichung der Altersgrenze in den Ruhestand. An seiner Stelle wurde Reichsbahndirektor Dr. Homberger zum Leiter der Flnanzabteilung der Hauptverwaltung ernannt. Dr. Hom- berger steht im 49. Lebensjahr. Er begann seine Lausbahn im Jahre 1999 bei den Cisenbahndirektionen Würzburg und München. Von 1929 bis 1922 war er im Reichsverkehrsministsrium tätig und wirkte feit sechs Jahren als Haushalts- und Wirtschastsreserent in der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahn. Der neue Leiter der Finanzabteilung hat sich in dieser Zeit besonders um die finanzielle Neugestaltung der Reichsbahn verdient gemacht. Sowjelöl für die französische Kriegsslolle. Die Naphthaexport- vereinigung der Sowjetunion hat den Auftrag auf Erdöllkserung für die französisch« Kriegsflotte(!) erhalten, der Mitte April in Paris im Submissionswege ausgeschrieben worden war. Zollpolitik und Vörse. Entgegen unserem gestern veröffentlichten Tendenzoericht der Berliner Produktenbörse hat der weitere Verlauf eine Steigerung der Weizenpretse gebracht, wobei die Notlc- rangen am Markt für Zeitgeschäfte um 3 bis 4 Mark in die Höhe gingen. Die Möglichkeit, daß die Reichsregierung in der Getreide- zollfrage doch ausweiche� werde, scheint sich hier ausgewirkt zu haben. Bei Hafer blieben schließlich die Preissteigerungen relativ gering. Stahlwerk Oeking soll stillgelegt werden. Das zum Stumm- Konzern gehörende Stahlwerk Oeling, das bereits 1929 mit einem erheblichen Verlust von rund 859 099 Mark gearbeitet hat, erlitt im vergangenen Jahr weitere erhebliche Verluste. Die Verwaltung beabsichtigt, für Ende Juni einen Stillegungsantrag zu stellen � Jheaiev, Lidtispiele usw. � Freitag, 1. 5. Staats-Oper Unter cl. Linden 242. A.-V. 20 Uhr Manoo Lestaat Ende n. 22 Uhr staats-oper tra Piltz der Rejtblil. V«-B. 1?� Uhr Louise Oiflnfl. Sartemerlaef Ende 22% Uhr Freitag, 1. 5. staut. Oper Bismarckstr. Tnrnus IV 19% Uhr Der FrelsdtOtz Ende g. 22% Uhr Staat). Schaosph. (am Gendarannirkti. 208 A.-V. 20 Uhr Die Hitsdraldigen. Dil Mitroae von kjidiW Enden 22% Uhr Mi-Wer-IüMMIU 20 Uhr Naflian der Welse Ende 23 Uhr VolKsbtUine Thialir an BDIovplati. 8 Uhr Die Ehe Staatt.SdilIl8i-Tb. 8 Uhr Nathan der weise Staatsoper Am Pl.d.Republik 7% Uhr; Louise WM meaiet 8 Uhr Der Hauptmann von KOpenidt v. Carl Zuckmayer Regit: Heinz Hilpert Täol. 5 u. 81/2 Uhr. B. 5, Btrt. 9258 1 Nachm. SO Pf.— 8 M. Ahemk 1—8 M Heute Premier«» Unten Orlelml Alfred JACKSON-GIRLS mit neuen Tänzen Togfo Mr nehnandt Wunduibnt Ret e r R I et 8tr dtllvdtt«»mhumtr ktMlktr Rellin I ecnmtsohsr dontll«» t.erd AIn «Imm-Ph>n»m«i»n». HuNDtZtemtamm- IDeater Bismarck 449 jTrjühTn Alles Schwindel von Marcellm Sdiiffer. Musik von Mlscha Spoliansky. bfh: Cntif(riodgnu Weichsel K neflch 8 an. tonnteot 2. S, BU Nachm. SO Pf. Ml 1 M, eMt.1 Ut2M. Heute Premier» I 3 Wiere Bros. tn ihren enerhOrJcn Sie». HLneen end Parodien" v Ballett Görard TanSjOresi�TempOjAasaUttung Mc. Soverelgn Meister rotierender Kreisel Frakson derMann m.d.1 OOZi garetten«sw. 8% uhr CASINO-THEATER Lothringer Strafe 37. üHminumiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiieMiieiuMiiiiiiimiiuitMawBaRMNi Nur noch bis Freitag „Er träumt won jisb" und das bunte Programm SodkM. dea 2. Rai zum eisten Rik Graf Koks Billig I SommerpreUe: Billig) 0.75 Mt, 1.— Mk. bi* ILO Mk. EZ Reichshallen-Theater Mills IJI SMleg oadin. ED wundervolle |t MAI-PROGRAMM. Populäre Preise: 60 PI. bis 2 M. audi Sonntags! Nachmittags ermäBigie Preise! Die Komödie 8% Uhr Dienst am Kunden von Coit Bois und Hu Husen Regle: HansDeppe Saniovsky-Bllioen Tkaaitr in der stmeiMRnntr. 8»/« Uhr ücsfern n. Henle Komödienhaue 8% Uhr Konto X mit-•<- Felix Bressart. ■ � Täglich 8V. Uhr Hosarenfieber Öuidn Thiclscher, Kastner, Arristädt, Vespermann MerlVesteDs Heute 8% Uhr Im» letzten Rain: Lichter Berlins Sonnabend 71i Premiere Mtstingnette- Revue Kurzes Gastspiel Theater im Admlralsoaiasi Täglich 8% Uhr Der lustige Krieg Oehmann, Ahlers, Trautenhayn a. Q. u a. m. Neues Theater » am Zoo— AmBalinUoe. StpL(S5t Heute 8% Uhr Ueber 150 Mal; Uoruntersuchong von Max Alsberg u Otto Ernst Hesse Heute Premiere-' Das Dayelma- Ballett rcigt neue Tänze und Kostüme und den Original- „ Pariser Cancan Femer weitere neue internal. ' Spitzen-Darbietungen Sonnabend tu Sonntag jo 2 Vorstellungen 4 Uhr n. 8 Uhr 15.— 4 Uhr kleine Preise' „Traumland" in Schloß Schönholz Das Fest der Berliner II e ude nachmittags 4 Uhr ErSf f nunsl Mspnlss; Erwachs. 20 Pf.. Kinder 10 Pf. StraSenbahn 47. 67, 88, IIS VorOrt-Statlon Schänholz-Relnlckendort. GROSSES SCHAUSPIELHAUS Täglich 8 Uhr; IM«reisten RDSSl. In der Premierenbesetzung Regie; Erik Charell. ROSE ▼m Mmntmv Ma Freitaar THEATER m W 5W •ffUgtsgjog �In Amerika Ticrhnndcrl- mal gcsplell". („Tempos) Die Sache. Komiscne oper 8% Uhr Alt-Heidelberg lacie Englisch, Weitmiier. HJ. Mölbis, Ptukirt (TUs thlnfi caDed Ion) GroAe FntnkfurMr Straße i ja U-Bahn Stnnaberger Plata StSolsar Vorverkauf tagUeh von ii-i tAr und 4— 9 Uhr Itlepk.Bultllg.: E 7, Weichsel 5422 Elite-Sänger— Kottbusser Str. 6 Tägl. 8% Uhr Sonntag ,% Uhr TRITZI Dan Cashpiel Lotte Hand o. d. Rompon. Siegwart Ehrlich. Rtdim.«mlligt« Prai«■ B In der Gcäemtauflftge de».Vorwärts*»lad besonders wtrksa» und trotzdem schrbilliäl Dietropoi-Theaier Täglich 8% Uhr Nor noch S Tage! Das Yelidten v. Montmartre Operette v. Kaiman Lnsispiemaus Täglich 8% Uhr Der LBgner u. die nenne von Kurt Götz ' c• Eine neue Leisten- Schöpfung Dieser Schuh Ist das Neueste in der Schuhmode; breit im Ballen und doch die betont schlanke Linie! Die Paßform ist vorzüglich r- das Lederz echt Bexcalf. M.in Kapitän- Kautabak schmeckt mir doch am besten! 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Aber kaum ein deutscher Kurort kann sich rühmen, alles in der bal- neologischen Einrichtung und in der Parkgestaltung Veraltete so gründlich abgestreift zu haben und in der Vorwärtsentwicklung ver- hältnismäßig so kräftig ausgeschritten zu sein, wie Bad Dürren- b e r g. Waren es früher bescheidene Lehmhäuser, was dem An- kömmling als ersten Eindruck vermittelt wurde, so sind es heute die mit behördlicher Förderung aufgeführten gewaltigen Sjäuserblöcke mit den über Ml) neuzeitlichen Wohnungen. W-'r Bad Dürrenberg von früher her kennt und es seit einigen Jahren nicht gesehen hat, dessen wartet noch die größte Ueberraschung beim Eintritt in die Kuranlagen. Seit die Badeverwaltung die„tunterschanzenfelder" erwarb, kann sich Dürrenberg eigentlich erst in die Reihe moderner Bäder stellen. Durch einen ersten Gartenkünstler wurde die Neu- erwerbung in weite Rasenflächen aufgeteilt, die nach künstlerischen Gesichtspunkten mit Springbrunnen, Baumgruppen und Blumen- bceten durchsetzt und schattigen Alleen durchschnitten wurde. Ein besonderer Schmuck für die Anlage ist das Rosarium. Umrahmt wird dieser neue Parkteil an drei Seiten durch die fast zwei Kilo- meter langen Gradierwerke. Aufgesucht wurde Bad Dürrenberg namentlich bei Katarrhen der Atmungsorgane, insbesondere Ka- tarrhen der Luftröhre und Atmungsschleimhäute, chronischen Gelenk- und Muskelrheumatismus, Gicht, Blutarmut, chronischen Frauenkrankheiten, Erschöpfungszuständen nach zehren- den Krankheiten und anämischen Zuständen nach operattven Ein- griffen. Besonders erfolgreich ist es bei Skrofulöse und Rachitis. Entsprechend diesen Indikationen besteht ein nicht unerheblicher An- teil der Kurgäste aus Kindern, für die dann auch besonders gut gesorgt ist. Auch die Zerstäuberhalle ist auf einen neuzeitlichen Hochstand gebracht. Die von Borlach vor 133 Iahren erbohrte und seitdem unverändert täglich 3,6 Millionen Liter schüttende S o l- quelle ist ungewöhnlich reich an heilkräftigen Salzen. Seewasser hat durchschnittlich noch nicht den 45. Teil an Chlornatrium, noch nicht den 10. Teil von Chlorkalium und noch nicht die Hälfte von Chlormagnesium. Die Badeverwaltung gewährt sowohl in der Vor- und Nach- als auch in der Hauptsaison einen Nachlaß auf die Kurgebühren. Ferner werden in diesem Jahre erstmalig im Abonnement ver- billigte Solbäder abgegeben. Schließlich sind auch noch die Unterkunfts- und Verpflegungspreise in dem der Badeverwaltung gehörenden Kinderheim„Glückaus" herabgesetzt. Bad TNcinberg(Teutoburger Wald). In Kürze eröffnet Bad Meinberg wieder seine Pforten, um vielen Kranken Heilung und Linderung von ihren Leiden z» bringen. Schon seit der Mitte des 18. Jahrhunderts sind die Meinberger Quellen und Moorlagcr bekannt wegen ihrer Heilerfolge bei Herz-, Nerven-, Gicht-, Rheuma-, Ischias-, Leber-, Nieren- und Frauenleiden. Eine wesentliche Herab- setzung der Kurtaxe ist beschlossen worden. Ferner hat die Bade- Verwaltung des Staatl. Bad Meinberg gemeinsam mit den Mein- berger Badeärzten und den Pensionen verbilligte Pauschal- k u r c n für den bedürftigen Mittelstand eingeführt. In dem Preise für eine Pauschaltur find einbegriffen: Kurtaxe, Trinkkur, Kurmittel, ärztliche Behandlung, Wohnung und Verpflegung einschließlich Be- dienungsgeld, Beleuchtung und Heizung. Durch die Einführung von Pauschalkuren soll es weitesten Kreisen der Bevölkerung ermöglicht werden, das durch seine Heilerfolge bekannte Bad Meinberg aus- zusuchen. Senkung der Surlaxe in St. Blasien. Trotz der Inangriffnahme wesentlicher Neuerungen, wie des Baues eines Schwimm- und Luft- bades, der Erstellung einer Musikübertragungsanlage u.a. und ob- wohl keine Verminderung der Darbietungen der Kurverwaltung beabsichtigt ist, ist es möglich gewesen, die Kurtaxe für die Sommer- saison vom 1. Juni bis 31. August wesentlich zu senken. Gegenüber den Vorjahren haben Kurkommission und Gemeinderat an Stelle von bisher 6l> Pfennig eine Somnierkurtaxe für 1331 in Höhe von 30 Pfennig pro Person und Tag beschlossen. Die Ermäßigung beträgt somit fast 20 Prozent. Ostseebad Ahlbeck, zwischen Swinemünde und Hcringsdorf, rüstet zum Empfang der Sommergäste. Die Kurtaxe fällt für die Zeit bis 1. Juni und ab 31. August gänzlich weg, sie ist für die übrige Zeit um 10 bis 30 Prozent ermäßigt worden. Die Preise für Verpflegung und Unterkunft, die in Ahlbcck schon immer niedrig waren, sind weiter herabgesetzt. Genosse», kommt an den Rhein! i Sommeraafcnlhali| 0 B ach aracfa a.Rh.| G Pension Gen. 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Neue Bedrohung der Arbeitslosenynierstühung. Die Unternehmer versuchen die Regierung auf eine Linie zu drängen, die schnurstracks zu Ardeitslofenrevolten führen muß. Ohne Bedenken verlangen sie für den Fall, daß die Reichsanstalt aus den Beiträgen nicht mehr genügend Geld hereinbekommt, den Arbeitslosenschutz einfach ver» sacken zu lasten. Sie machen den Borfchlag, die Leistungen der Arbeitslosenversicherung von der Finanzlage der Reich san st alt abhängig zu machen, d. h. die Unterstüßungs. säge einfach zu kürzen, wenn die Einnahmen der Reichsanstalt zu- rückgehen. Das Schlimme ist, daß diese ungeheuerlichen Pläne bei den maßgebenden Stellen infolg« der Finanzschwierigkeiten des Reiches keineswegs von vornherein auf entschieden« Ablehnung stoßen. Im Gegenteil: es scheint, als ob die Unternehmer in der Reichsanstalt selbst bei ihrem Vorstoß bedenklich an Terrain ge- wonnen hätten. Zweifellos rechnet man bei der Regierung damit, daß infolge des Lohnabbau«, der Kurzarbeit und der schwachen Aussichten aus ei« Besserung der Arbeitsmarktlage die Einnahmen der Rcichsanstalt hinter den Voranschlägen und bisherigen Erwartungen zurückbleiben. Würde man nicht damit rechnen, dann braucht- man sich ja nicht mit solch gemeingefährlichen Experimenten zu befreunden. Nach außen hat dieser Plan«räch der Meinung der Unter- nehmer den Vorzug, als eine Art„Fortschritt� zu«rschemsn, als Erweiterung der„Selbstverwaltung" der Reichsanstalt. Rur naive Gemüter können auf solchen Leim kriechen. In Wirklichkeit handelt-« sich um etwa» ganz anderes. Di« Regierung will au» der Feuerlinie heraus. Sie hat fa zu diesem Zweck bereits die Arbeitslosenversicherung von dem Reichsrat ab- gehängt. Für Eventualitäten wird ein Sündenbock gesucht. Und die Rolle de» Sündenbocks soll die Reichsanstalt spielen: Hat sie kein Geld, dann hat sie eben leine» und soll die Unter- stützung senken. Die Sicherung der Existenz der Arbeitslosen, d. h. die Regelung der Unterstützungssätze, ist nicht Sache der Reichsanslall, sondern Sache der Gesetzgebung. Die Reichsanstall hat nur Verwallungsausgaben im Rahmen der Gesetzgebung zu erledigen, sonst nichts. Nicht die Reichsanstall hat über das Schicksal der Arbeitslosen zu befinden, sondern die Volks- Vertretung, d. h. Reichstag und Reichsregierung. Sie find I verantwortlich! Sie haben dafür gerade zu stehe«, was an» dem Arbeitslosen. schuh wird; nicht der Vorstand der Reichsanstalt. Wenn infolge einer verfehlten Lohn- und Wirtschaftspolitik jetzt nicht mehr genügend Beiträge ein- gehen, so kann man dafür unmöglich die Arbeitslosen büßen lassen. Den Lohnabbau haben doch nicht die Arbeitslosen zu oer- antworten. Die Stellen, die für eine verfehll« Lohn- und Wirt- schaftspolttik die Berantwortung zu tragen haben, müssen jetzt nun auch sehen, wo sie das Geld hernehmen, um die Ausfälle bei den Einnahmen der Arbeitslosenversicherung auszugleichen. Ein- fach hergehen und erklären:„Du. Arbeitslosenversicherung, sieh zu. wie du zurecht kommst, und hast du kein Geld, dann kürz- eben die Unterstützungssätze; ich wasche meine Hände in Unschuld, mich geht dein Desiztt nichts mehr an"— so etwas wäre mehr als Frivolilöt. Eine Regierung, die sich etwas Derartige» leisten wollt«, wäre wirklich von allen guten Geistern verlasien. Da haben nun vor nicht allzu langer Zeit selbst verschiedene Mitglieder der Regierung mit großen Worten auf die Grosnat hingewiesen, die das Durchhalten des Arbestslosenschutzes während des letzten Wim«» bedeutete. Run auf einmal soll Vadanque gespielt werden. Dl« Arbeiter und Angestellten müsien gegenüber diesem neuen Anschlag aus den Arbeitslosenschutz wie ein Mann zusammenstehen und eine geschlossene Front de» Wider» stände» aufrichten. Albeiter und Angestellte, seid einig! Der Arbeitslosenschutz ist bedroht. Rur durch Geschlossenheit. Disziplin und Zusammenhalt unter Führung der Gewerkschaften kann der Anschlag abgewehrt werden. Streik im Dorf. Eine ganze Gemeinde kämpft gegen den Lohnabbau. In Niederlehme bei Königswusterhausen stehen seit dem 1, April 220 Arbeller der Berliner Kaltsandsteinwerle Rober tGuthmann in einem schweren Kamps um ihre Existenz, Es geht hier um das Wohl und Wehe der gesamten Gemeinde. Von den 700 bi» 800 jugendlichen und erwachsenen Arbettern des Ortes ist die Mehrzahl auf die Beschäftigung in den Sandgruben, dem Mörtelwerk und der Kalksandsteinfabrik am Orte angewiesen. Die industrielle Mörtelzubereitung, die Fabrikation von Kalksandsteinen und das Graben sowie Herbeischaffen de» Sande» aus den nahegelegenen Sandgruben zwingt den Erwerb fast all« Einwohner in ganz bestimmte Bahnen. Die fast chronische Krise auf dem Baumarkt HM auch hier die Arbeitsmöglichteiten stark eingeschränkt. Auch tn d« nahegelegenen Fabrik von Schwartzkopfs in Wildau oder in den etwa, entfernten Industriebetrieben in Schöncweide bietet sich für diese„überflüssigen" Arbeiter kein Unterschlupf, well auch hier infolg« d« Rationalisierung die Belegschaften stark reduziert worden sind. Wer auch in den Sandgruben selbst HM die Rationalisierung eine bettächtliche Zahl von Arbeitern freigesetzt. Wo früher 20 Mann den Sand in die Lore schaufellen, stehen seht Maschluenbagg«, die mit drei und vier Mann Bedienung eine mehrfach groß«« Arbeitsleistung vollbringen M» ehemals die 20 Arbeiter. Bis zum 31. März erhiellen die Arbeller in den Sandgruben, im Mörtelwerk und in der Kalksandsteinfabrik einen Stundenlohn von 91 Pf.; im Akkord- und Prümiensystem«ziellen si««inen Stundenverdienst von 1,05 M. bis 1,50 M. Diese Verdienste waren mit den freien Gewerkschaften tariflich vereinbart. Die drei Betriebe hatten den Tarif zum 31. März gekündigt und die Verhandlungen über den Mschluß eine» neuen Tarife verschleppt. Gearbellet, und zwar verkürzt, wurde nach der wiMerlichen Stillegung der drei Be- triebe am Orte seit Anfang März nur in d« Kalksandsteinfabrik von S.ithmann und chren Sandgruben. In den letzten Märztagen ver- fügte die Betriebsleitung diktatorisch durch einen Anschlag im Betrieb, daß sie ab 1. April den Stundenlohn für die ungelernten Arbeller über 20 Jahre von 31 pf. auf 67 Pf., also um ZS Prozent, herabgesetzt und über die Bezahlung d« Aktordarbell mll jedem Arbeiter Einzelvereinbarungen treffen will. Den Handwerkern und jüngeren Arbeltern sollte ein Abbau ihrer Löhn« im gleichen Prozentoerhältni» diktiert werden. Als die Arbeiter dieses Ansinnen entrüstet zurückwiesen, warf die Betriebsleitung die gesamte Beleg- schaft aus die Straße. Die anderen beiden Betriebe, die Firmen Gustav Weidner und die Vereinigten Berliner Mörtelwerke hatten ihre Produktion noch nicht wieder auf- genommen: ihre Stammbelegschaften In Stärk» von knapp 100 Mann sowie noch etwa 150 Arbeiter, die im Betrieb von Guthmann nur tn Zellen äußerst guter Beschäftigung Arbeit finden, sind an diesem Kampf sozusagen passiv beteiligt. Ihre Bezahlung richtet sich immer nach der der Guthmannschen Arbeiter. In unverständlicher Weise ist das A r b e i t s a m t i n F ü r st e n- walde der Firma Gebr. Tabbert am Seddinse« und damit indirekt auch den Scharfmachern in Niederlehme beigesprungen. Die Firma Tabbert hatte ihre teilweise auch im Mnter km Betrieb gehaltenen Sandgruben anfangs Marz zum Schein stillgelegt. Nach 14 Tagen wollte sie ihr« alte Belegschaft Wied« einstellen, aber zu einem Stundenlohn von 63 Pf.! Als die Arbeiter sich weigerten, für diesen miserablen Lohn zu arbeiten, forderte die Firma beim Arbellsamt Fürstenwalde Arbeitskräfte an. mit dem Hinwei». daß bei ihr kein Streik bestehe, well d« Betrieb nach der 14tSgigen„Stillegung" erst eröffnet werden solle. Dem Arbellsamt tn Fürstenwcllde genügte dieses„Argument" der Firma vollkommen. Ohne die andere Gelle zu hören, vermittelte es für 63 Pf. Stundenlohn Arbeller nach dem Seddinse«, die aber von den Streikenden von der Arbeitsaufnahme abgehalten werden konnten. Darauf drohte das Arbeitsamt den Arbeitslose» mit dem Unter st ützungsentzug, worauf die Arbellslosen unter starkem Polizeischutz zur Arbest antraten. Der Tpruchausschuß hat zwar dieses Borgehen des Arbeitsamtsvorsitzenden scharf ver» urteilt und ihm die weitere Vermittlung von Arbestern unter- sagt, aber was nutzt jetzt noch den Streikenden diese Entscheidung, da der Betrieb mit Hilfe des Arbellsamt» Fürstenwald« wted« tn Gang gebracht worden ist. Der Kampf wird mit ein« Geschlossenheit und Kameradschaft- lichkeit geführt, die man in ein« so kleinen und ländlich anmutenden Gemeinde gar nicht für möglich hall. 98 Prozent der Strelkeodea und 95 Prozent der gesamte» Arbeiterschaft der drei Betriebe sind sreigewerkschaftllch organisiert, vorwiegend im Fabrikarbeiterverband Die meisten d« Streitenden sind langjährig organisiert und bekommen durchschnittlich 25 Mark Streitunterstützung pro Woche. Sie haben das felsenfeste Vertrauen zu ihren Gewerkschaften, daß e, ihnen gelingen wird, die Unt«- nehmer von ihrem Lohnabbaukoll« abzubringen. Und dieses Ver- trauen zu den Gewerkschaften ist auf einem guten Grund gewachsen. Vor nunmehr rund 20 Iahren wurde die Nied«lehmer Lrbeit«lchast durch einen harten Existenzkampf zur festen Gewertschaftofront zu- sammengeschweißt. Um Z�wei Pfennig« Lohnerhöhung traten sie damals in den Streik, der trotz ihr« Heldenhastigkeit nach 13wöchiger Dauer verloren ging. Die Unternehmer warben die auch im Berliner Kohlenarbeiterstreik„berühmt" geworden« hinhegarde al» Streikbrecher. die mll einem Kahn von Berlin nach Niederlehme verfrachtet wurde. 16 berittene Gendarmen sorgten für den Schutz dies» Subjekte, wo- gegen die Unternehmer reichlich für das leiblich« und sonstig« Wohl der Pickelhauben sorgten. Fast oll« Tage ereigneten sich in dem Ort infolge des provokatorischen Auftretens dies« Streitbrechergarde mehr oder minder blutige Zusammenstöße. Die Streikenden kapitulierten zwar nach 13 Wochen, organist«ten sich ab« fast restlos und rangen dann mit Hllfe ihrer organisatorischen Stärke den Unternehmern die ihnen gebührende Achtung— und Bezahlung ab. Die Organisation ist den Niederlehmer Arbeitern die Hauptsache; für das„revolutionäre" Phrasengebimwel der KPD. stad si« taub. Es ist nur zu wünschen, daß dies« unbemerkt vor den Toren B«lins geführt« Srbellskamps auch den Erfolg hat, den sich die klein« Kämpferschar selbst wünscht und den sie auch verdient. Stegerwald für lange Arbeitszeii. Die neueste VerbtnittichkeitSerklärung. Der Reichsarbeitsminister hat trotz einmütigen Protestes der Vertreter d« Metallarbettero«bände einen S ch i e d s- s p r u ch für die Metallindustrie des Sauerlandes(Westfalen) für verbindlich erklärt, der die„regelmäßige wöchentlich« Arbeits- zell auf 4L Stunden" festsetzt, den einzelnen Arbeitgebern jedoch das Recht zuerkennt, eine Mehrarbeit ,chis zu 104 Stunden im Jahr" anzuordnen. Man muß beachten, daß es sich in der Hauptsache um kleine und mittl«« Betriebe der Metallindustrie handett. Es bestehen z. B. in Lüdenscheid allein 416 und in Js«lohn 562 jolther Betriebe Eine Kontrolle darüber, ob die im Schiedsspruch vorgesehene An- ordnung des Arbeitgebers sich als notwendig erweift, ist also einfach unmöglich. Zu bedenken ist ferner, daß, wenn auch nach dem Schiedsspruch die Mehrarbeit nicht mehr al» 2 Stunden täglich betragen' darf, trotzdem eine wöchentliche 60stündigc Arbeitszeit für ungefähr 9 Wochen möglich ist. Der Spruch hat die bisherige Arbettszeitregelung für w e ch s e l s ch i ch t i g e Betriebe nicht geändert, so daß für die Arbeiter solcher Betriebe eine 56 stündige wöchentlich« Arbeitszeit möglich wird. Wenn der Reichsarbestsminister dem Unternehmerantrag statt- gegeben hat, dann bestärkt das aufs neue die in den Gewerkschaften vorherrschende Ausfasiung, daß d« Vrrschlag der Brauns-Kommission zur Arbeitszelloerkürzung nichts anderes als eine schöne Deklamation darstellt. Die Unternehmer w«den sich jetzt mll Recht auf diese Verbindlichkeitserklärung berufen. Tilgners und Zanehkes Ausreden. Vergebliches Ableugnen. Zu uns«« Notiz„Zweite Lohnabbamvelle?" erhallen wir mm- mehr auch von dem Obermeister der Berlin« Fuhrherrninnunq, Herrn Tilgner,«ine„Berichtigung" der ihm„in den Mund ze- legten Erklärung", Herr Tilgrur schreibt un«, daß er„niemals den Namen Kalckbrenn« noch andere Namen genannt habe". Mit dies«„Berichtigung" will Herr Tilgner anscheinend de» Eindruck erwecken, als habe er üb«haupt nicht gesagt, daß die Fuhr- herrnimmng durch die Verhandlungen im Reichsarbellsministerium in ihr« Tarifseindschaft bestärkt worden sei. Wir stellen daher noch- mals ausdrücklich folgendes fest: Bei den Partei Verhandlungen am 30. März erklärt« Herr Tilgn«, daß die Fuhrherrninnung in ihrer Zlbsicht, mit dem Gr- samtverband überhaupt keine Tarifverträge mehr abzuschließen, b e- stärkt worden sei durch die am gleichen Tage im Reichs» arbeitsministerium gepflogene Aussprache über ihren An- trag auf Wgemeinv«bindlichteitserklärung des Lohnschiedsspruch» vom 21. Januar. Für diese Leußerung sind söb-ttlichs Mllgkieder d« Lohntommission de» Gesamtv«bände» Zeugen. In den Verhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß am 23. April behauptet« sowohl d« Geschäftsführer der Fuhrherrn- innung Ja netz ke sowie d« Obermeiser Tilgner, daß der B«- treter des Reichsarbeitsmimsteriums gesagt habe, eine AEgemer.u verbindlichkeitserklörung des Schiedsspruches vom 21. Januar komme. für das Reichsarbettsministerium schon deshalb nicht in Frage. weil die Löhne im Berliner Transportgewerbe noch zu hoch seien. Die Frage de» Gewerb«ats Körner, wer im Reichsarbells- Ministerium diese Aeußerung getan habe, beantwortete Janetzta mitderNennungdesNamensdesOberregierunti»- rat» Dr. Kalckbrenner. Dieser Erklärung stimmte Tilgner durch Kopfnicken zuu Auch dafür sind die Mllgleder d« Lohn- kommsifion des Gesomwerbandes, die Arbetterbeisitzer Olters- dorf und Böhmer und schließlich auch Gewerberat Körner Zeugen. Dem Studtveroridneten und Obermeister der D«liner Fuhr- herrn'mnung ist jetzt seine Erklärung und die des Geschästsführers der Innung unangenehm, nachdem durch die kategorische Erklärung des Reichsarbeitsministeriums feststeht, daß Tilgn« und Janctzke vor dem Schlichtungsausschuß und in den Partewerhandlungcn dos Gegenteil der Wahrheit gesagt Hecken. Betriebsrätewahlen in München. Das Vertrauen zum Gesamtverband Bei den Betriebsratswahlen in der Ortsoerwallung München des Gesamtvttbandes sind in 163 Betrieben 480 Betriebsver- tretungsmitglieder gewählt worden. Don den Gewahllen entfallen auf den Sefamlverband 445. auf die Christen 37, auf die RGO. 8 und aus die Nationalsozialisten 1 Vertreter. Das Ergebnis dies« Wahl ist insofern eine Vertrauenskundgebung der Betriebsbelsgschasten zum Gesamtverband als die RGO. und auch die Nationalsozialisten alle Mittel anwandten. um sich einen Einfluß in den einzelnen Betriebswrtretungen zu sichern. Wie scharf von den Funktionären des Gesamtverbandes hie Spaltung d« freien Sewerkschasten verurtellt wird, zeigte sich in der Volloersammlung d» neugewähllen Betriebsvertretungsmitglieder am 27. April, di« trotz der Anwesenheit von etwa zehn Kommunisten die Ausschlußmaßnohmen der Ortsverwaltung gegen die Mitglied«, die auf den RGO.-Listen kandidierten, durch einen einstimmigen Beschluß billigte. Lohndruck bei Maschinisten und Heizern. Oer Einfluß der Krise. In der Generalversammlung d« Maschinisten und Heiz« gab Genosie Ruckstuhl den Kasienb«icht für das erste Quartal. In- folge der Zunahme der Arbeitslosen haben sich die Einnahmen verringert und— wenn auch nur unbedeutend— der Mnrkenumsatz. Die Annahmen für die Haupkkass« mußten zum größten Teil wieder als Unterstützung an die Mitglieder zurückgezahll werden. An die Hauptkasie konnten noch nicht 40 Proz. der sonst geleisteten Barzahlungen abgeführt werden. Genosie Reinefeld führt« in seinem Geschäftsb«icht aus, daß m der Mehrzahl der Industrien für die Maschinisten und Heizer die Neuregelung der Lohnverträge vorgenommen sei. Die Kürzung der Tariflöhne beträgt im Durchschnitt 5,5 Proz. In drn meisten Fällen sind aber auch die Leistungszulagen fortgefallen, fo daß die gesamte Lohnverschlechterung rund 9 Proz. beträgt. Hinzu kommt noch, daß ein großer Teil der Mitglieder verkürzt arbeitet. In einzelnen. Industrien, so der Bau- und Balistoffindustrie, Kalksandsteinwerke, konnte nur durch Streik den großen Abbauforderungen der Unternehmer wirksam entgegengetreten werden. Die Arbeitslosigkeit im Gesamtverband beträgt IK.fi Proz., für den Wirtschaftsbezirk Brandenburg 23,56 Prozent, die Kurzarbeit 16,8 Proz. Maschinisten und Heizer sind fsßt schon mit 52 und 54 Iahren auf R u h e l o h n gesetzt, lieber 45 Jahre alte Berufsgenossen bekommen nur mehr schwer Arbeit. In der Diskussion wurde allgemein zum Ausdruck gebrocht, daß alle Funktionäre sich dafür einsetzen müssen, der Organisation über die schwierige Situation hinwegzuhelfen. Zersplitterungsversuchen der NGO. sei mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten. Die Organisation dürfe auch davgx nicht zurückschrecken, Mitglieder, die sich der RGO. anschließen, sofort aus der Organisation zu entfernen. Der Bezirksvorstand wurde in seiner alten Zusammensetzung wiedergewählt, mit Ausnahme von drei Mitgliedern, die an Stelle ihrer kranken oder verstorbenen Lorgänger traten. Als Delegierte zun, Lcrbandstag wurden Reincfcld, Knöfler, 5)llbner und Röhl gewählt. Die Anträge zum Lcrbandstag würden nebst einer Entschließung des Wirtschaftsbezirks einstimmig gutgeheißen. Psitei-Vei'snstsihmg in am Freitag, dem 1. Mai 1931 OerKampf um die Besoldunqsordnung. Sie mittleren und unteren Gruppen sollen bluten. Die Beanstandung der Berliner Besoldungsordnung ist gestern dem Magistrat durch den Oberpräsidenten zugeleitet worden. Die am Montag erfolgten Besuche des Oberbürgermeisters S a h in und des Bürgermeisters Lange im Jnnenminifteriuin sowie der Besuch des Bürgermeisters Lange beim Oberpräsidenten am Dienstag haben keine Bcrbesserungen zu erzielen vermocht. Die Kürzungen werden so vorgenommen, daß ab 1. Juli 3 Proz., ab i. Oktober 5 Proz., ab 1. Januar 1932 7 Proz. und ab 1. April 1932 der volle Betrag der in der Beanstandung vorgesehenen Kürzung in Abzug gebracht wird. Wie schon in den letzten Tagen zu erkennen war, sind die durch die energischen Proteste der Beamtenvertretungen erzielten Verbesserungen fast nur den höheren Beamten- g r u p p e n zugute gekommen, während die Hauptlast wiederum auf die Schultern der unteren und mittleren Gruppen gelegt worden ist. Lohnvergleich der rheinischen Ziegler. Köln, 39. April.(Eigenbericht.) Für die Ziegeleien der Rheinprovinz wurde vor dem Schlich- tungsausschuß in Köln ein Vergleich geschlossen, der die bisherigen Löhne um rund 12 Proz. auf 77 bzw. 75 Pf. verkürzt. Der Rahnicnlarif wurde bis zum 31. Dezember 1931 verlängert. Freie Gewerkschafts�Zuqend Berlin Die gugeirdzentral» ist bellte aeschtossen. Rai.Iilfte»dtaa am Soafttaa, dem S. Mai. im Vollsvark Reil kerne. Treffen>nn 14 Ubr auf dem Evortplati neben dem Stadia». Äufstcllilna binter dem IWäI. Trans- »arcrit., Die Ordner bitten wir um 12 Uhr im Stadion anwesend jni fein. �-------- W Mitte. Iii den Gesamträumen des„Elou", Mauerstr. 82. Redner: Gottlieb Reese. Tiergarten. Einlaß 14% Uhr, Beginn 15 Uhr im Moabiter Schützenhaus, Plötzensee. Redner: Paul Hennig. Wedding. 15 Uhr, Wassersportplatz, Freibad Plötzensee. Redner: Bürgermeister Carl Leid.— Bei Regenwetter nur großer Saal der Hochschulbraucrei, Seestrahe Ecke Amrumer Straße. Kasseneröffnung 18% Uhr, Beginn 19% Uhr Prenzlauer Berg und Friedrichshain. 16 Uhr, Gesamträume des Saalbau Friedrichshain, Am Friedrichshain 16/23. Krcuzberg. Einlaß 15% Uhr, Beginn 17 Uhr in den Gesamt- räumen der„Neuen Welt", Hosenheide. Redner: Hermann Harnisch, M. d. L. Charlottenburg. Brauerei Spandauer Bock. Redner: Franz Künstler, M. d. R. Spandau. 15 Uhr, Sportstadion Hakenfelde. Redner: Franz Künstler, M. d. R.— Vormittags 19 Uhr Kundgebung auf dem Rathausvorplatz. Redner: Karl Litke, M d. R. Siemcnsstadt. 19 Uhr, Lokal„Zum Heidekrug". Nonnendamm- allee 89. Redner: Alex Seling. Staaken. 18 Uhr. Sportpalost Reschke. Redner: Alex Seling. Wilmersdorf. 17 Uhr, Biktoriagorten, Wilhelmsau« 114/115. Redner: Dr. Kurt Löwenstein, M. d. R. Zehlendorf. 19 Uhr, Lokal„Lindenpark", Berliner Straße Ecke Gartenstraße. Schöncberg. Schloßbrauerei, Hauptstraße 122/123. Redner: Franz Künstler, M. d. R. Steglitz. 17 Uhr, Lichterfelder Festsäle, Lichterfelde. Zehlendorfer Straße 5. T�mpelhof. 14 Uhr, Parkrestaurant Slldend«.— An Stelle des verhinderten Genossen Grinime spricht Dr. Heinrich Decker(vom KUltusministeriiim).* Wa unser. Vormittags' 19 Uhr, Lokal Reichsadler, Äönigstraßs. Redner: Karl Dressel. Neukölln. Eröffnung 15% Uhr, Beginn 17 Uhr, in den Gesaint- räumen der„Neuen Welt, Hasenherd«. R«dn«r: Hermann Harnisch, M. d. L. Treptow. Paradiesgarten. Redner: Erich Kuttner, M. d. L. Baumschulenweg. 16 Uhr, Altes Eierh Suschen(Bieler). Redner: Max Fechn«r, M. d. L. Adlcrshof, Johannisthal, Niederschöneweide. Lokal Wöll- stein, Adlershof, Bismarckstraße 73/75. Saaleröffnung 18 Uhr, Beginn 19 Uhr. Lbcrschöneweide. Saalöffnung 17 Uhr. Beginn 18 Uhr im Lokal Blumengarten, Ostendstraße. Redner: Bürgermeister Julius Grunom. Altglienicke, Falkenberg und Grünau. 17% Uhr, Gemein- schaftshaus der Gartenstadt Fakkenberg. Redner: Stadtrat Karl Wernmth. Neinickendorf-Qst. 17 Uhr, Schützeichaus, Residenzstraße 1. Redner: Albert Brodbeck. Reinickcndorf-Wcst. Filmpalast„Ala", Scharnweberstraß« Eck» Antonienstraße. Redner: Stadtverordneter Hermann Lenipert. Freie Scholle. 18 Uhr, Lokal Schollenkruz, Hermsdorfer Straß-, Redner: Max Heydemann. Tegel. 29 Uhr, Strandschloß(Einlaß 19 Uhr),»ei schönem Wetter nachmittags Kaffockochen im Garten. Tegelort. Lokal„Zum Schwan", Scharfenbergstraße. Redner: Kurt Kietzniann. Wittenau. 19% Uhr. bei Heese, Berliner Str 73(am Kremmener Bahnhos). Redner Stadtverordnetenvorsteher Johannes Haß. Rosenthal. Lokal Paulinenhof, Hauptstraße 1. Redner: Max Heydcmann. Hermsdorf, Waidmannslust, Glienicke. 16 Uhr, Lokal Bath, Glienicke, Wilhelmstraße 5/7. Redner: Otto Tost. Sozialistische Studentenschaft, Ortsgruppe Berlin. Beteiligung an der Demonstration am 1. Mai der Gewerkschaften und Partei. Erscheinen ist Pflicht. Treffpunkt für alle Sektionen 9 Uhr Franz-Joses-Platz, Unter den Linden. Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen Deutschlands» �Ortsgruppe Berlin. Die Mitglieder der ASL. demonstrieren am 1. Mai mit dem ADB. Treffpunkt Bcthani«nufer. Köpenick. 108 und 108a. Abt. Eröffnung 18% Uhr, Beginn 19% Uhr. In beiden Sälen des Stadttheaters. Friedrichstrahe 6. Redner: Robert Breuer. Bohnsdorf. Lokal Heimar.n, Wattersdorf«? Straße 100. Redner: Karl Hildcnbrandt, M. d. R. Friedrichshagen. Lokal Belleoue. Redner: Erich Ollenhauer. Lichtenberg. 17. Kreis. Eröffnung 15% Uhr. Beginn bereits 16 Uhr, Lokal Schonert, Stralau, Kynaststraße. Rednerin: Paula Kurgaß. Karlshorst. 16 Uhr, Waldschänke Sadowa, am Bahnhof Wühl» Heide. Bei Regenwetter im schönen geheizten Saal. Friedrichsfelde. Lokal Tempel, Prinzenallee 45. Redner: Karl Dressel. Kaulsdorf. 19% Uhr, Turnhalle Kaulsdorf, Adoksstraße 25. Redner: Paul Heßberg. Kaulsdorf-Süd. 18 Uhr. Lokal Iägerheim, Iägerstraße 54/58. Redner: Gustav Fuhs. Bicsdorf-Süd. 20 Uhr, Lokal Vurckhardt, Köpenicker Str. 165/167. Redner: Eduard Zachert, M. d. L. Mahlsdorf. 19 Uhr, Lokal Anders, Bahnhofftrah« 37. Rednerin: Marie Kunert, M. d. R. Mahlsdorf-Süd. Lokal Hubertus, Köpenickcr Allee 199. Redner: Stadtverordneter Ernst Arndt. Weißensee. 19 Uhr, Stadthalle. Pistoriusstraße. Redner: Lcmd- tagspräsident Friedrich Bartels. Pankow. 16 Uhr. Bürgerpart, Brette Straße. Redner: Otto Meier, M. d. L. Blankenburg. Lokal Krug, Dorfstraße 2. Karow. 19 Uhr. Lokal„Zum Pankgrafen'. Redner: Johannes Hiege., SS— s» DER BUND DER TECHNISCHEN ANGESTELLTEN und BEAMTEN vereinigt in sieh alle Techniker, Ingenieure, Cheniiker,Architekten, die im Ireigewerkschaitliohen Zusammenschloß die erste Voraussetzung für eine Wahrnehmung und Förderung ihrer Berofsinteressen sehen. 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Reihe dich ein in die Großorganisation der 700000 ap m für das gesamte Personal der Reichs-, Staats-, Provinzial-, Kreis- und Gemeindebetriebe und-Verwaltungen, Gas-, Elektrizitäts-, Wasserwerke und sonstigen der öffentlichen Versorgung dienenden Betriebe sowie des Gesundheitswesens und der Berufsfeuerwehr, für das in den privaten Handels- und Transportbetrieben und in den Handels- (Versand-) und Transportabteilungen industrieller Unternehmungen beschäftigte Personal, für das Personal in den Kraft- und Luftverkehrsbetrieben, bei den Straßen-� Klein-, Hafen-, Werksbahnen usw., für das Personal der Post und Telegraphie, für das Personal in den Schiffahrts-, Fischerei- und Hafenbetrieben, des Lotsenwesens und beim Wasserbau, für das Personal der Hauswirtschaft einschl. der Wach- u. Schließgesellschaften, für das gesamte Personal der Gärtnereibetriebe. Der Gesamfverband gewahrt: Streik- und Gemaßregeltenunterstutzung, Rechtsschutz, Unterstützung im Krankheitsfalle, in besonderer Notlage, bei Arbeitslosigkeit, bei Invalidität, bei Todesfällen. Kämpfe mit uns für Sicherung und Ausbau der Tarifverträge- Arbeitsschutz— Sozialgesetzgebung- Koalitions- und Streikrecht- Schutz des Berufsbeamtentums- Erweiterung des Mitbestimmungsrechts aller Arbeitnehmer— Förderung der öffentlichen Wirtschaft— Wirtschaftsdemokratie und Sozialisierung. Bezirks' and Ortsverwaltung Berlin, S24, Johannisstr, 14'tS Sammelruf: Norden Dl 636 J 3lr. 202* 45. Jahrgang 4. Beilage des Vorwärts Freitag, 1. Mai 1934 Meiniu! Heute. Uai; Fahnen herans! Frau Hedwig, die pfandleiherin Wie sie Gläubiger und VerPfänder schädigte. vor dem Schöffengericht Berlin- Mille war kürzlich eine Verhandlung angesetzt, die wieder einmal die Zustände beleuchten sollte, die in gewissen Pfand- leihen zum Schaden der bedauernswerten Verpsänder herrschen. Die Hauptangeklagte Frau Hauser hatte eine große Anzahl von kleinen Leuten, die in ihrer Not mitunter ihr Letztes ins Psand- Haus brachten, sowie eine Reihe Geld- und Warengläubiger in der raffiniertesten Weise betrogen und geschädigt. Die Anklage gegen sie lautet auf Konkursvergehen in Tateinheit mit über- mäßigem Auswand, auf fortgesetzte Pfandunterschla- gung. Betrug und Urkundenfälschung. Neben ihr haben sich zu verantworten der Kaufmann Adolf Jacobs, der Vertreter N e u m a n n und der Pfandhausinhober U n g e r. Im Mai 1927 starb der Inhaber der Pfandleihe in der Luckauer Straß« Hauser. Seine Frau Hedwig führte dos Geschäft weiter. April 1928 wurde von ihr der Konkurs aus den Nachlaß angemeldet. In weniger als einem Jahre hatte sie die Pfandleihe in ungkaub- licher Weise heruntergewirtschaftet. Den Passiven in Höhe von 136000 Mark standen nur ganz geringe Aktiva gegenüber. Die Bücher zeigten falsche Buchungenz seit Juli 1927 wurden überhaupt keine Bücher mehr geführt. Für die falschen Buchungen hotte Frau Hauser schnell eine Erklärung bei der Hand: Noch bei Lebzeiten ihres Mannes, so erklärte sie, seien ihr während eines Ohnmachtsanfalles auf der Straße 3000 Mark gestohlen worden. Um die fehlende Sunzme zu decken, hätte ihr wer- storbener Mann Pfandscheine auf erdichtete Namen und erdichtete Pfänder gebucht. Dieses famose Verfahren habe sie dann nach dem Tode ihres Mannes fortgesetzt, so daß die falschen Buchungen schließlich 1000 Mark Zinsen monatlich ergeben haben. Ein nettes Sümmchen. Noch zu einer Zeit, als der Konkurs bereits vollkommen unausbleiblich war, verstand sie es, sich neue Geld- und Warenkredite zu verschaffen, indem sie den Gläubigern diese fingierten Pfandbuchungen vorlegte und sie in den Glauben versetzte, die Zinsen seien so hoch, daß sie sowohl für die Verpflichtungen der Pfandleihe als auch für den Haushalt der Frau Hauser ausreichten. Die 34jährige Witwe war im wahren Sinne des Wortes eine lustige Witwe— trotz der Geldschwierigkeiten. Sie unternahm Wochenendfahrten per Flugzeug nach Amsterdain, ließ sich stundenlang im Auto herwnsahren, ließ ihre Wohnung sür 2000 Mark renovieren usw. Das Geld dazu oerschasste sie sich durch rasftnierte Betrügereien. Sie nahm Schmucksachen und Pelze in Kommission und versetzte sie in anderen Pfandleihen: sie verpfändete die bei ihr versetzten Pfänder bündelweise unter Vermittlung ihrer jetzigen Mitangeklagten Neumann und Jacobs bei der Pfandleihe des Herrn Unger und verkaufte ihm hinterher die Pfandscheine Wahrhaftig eine tüchtige Pfandleiheinhaberin. Die Verhandlung mußte schließlich vertagt werden. Herr Neu- mann erwies sich als verhandlungsunfähig und einer der Haupt- zeugen war nicht erschienen. Do» ist bereits die dritte Ver- tagung: In der vorigen Verhandlung war Frau Hauser nicht verhandlungssähig. Ein Gerichtsverfahren mit Hindernissen. Französische Frauen an deutsche Frauen. Im Ausklang der Frauenwerbeoeranstoltungen hatte die 101. Abteilung Treptow noch eine Frauenversammlung im .FZiktoriagarten" einberusen, die stark besucht war. Unter Mitwirkung der musik- und sangesfreudigen SAJ. ge- staltete sich der Abend zu einer Parteifeier, die sich den voraus-. gegangenen Werbeabenden würdig zur Seite stellen kann. Genossin Adele Schreiber- Krieger berichtete über ihr« Eindrücke i n F r a n k r e i ch. wo sie überall bei den Arbeitern und dem Klein- bürgertum, aber ebenso.in gebildeten Schichten den Abscheu vor einem neuen Kriege feststellte. Tausende von Frauen und Frauenkomitees haben ihr die GrüßeandiedeutschenMit- s ch w e st e r n aufgetragen in dem Bestreben, durch gemeinsames Wirken aller Mütter in allen Ländern einem neuen Kriege«ntgegen- zuwirken. Der Krieg habe dieselbe Wurzel wie das kapitalistische Wirtschaftssiglem, und aus derselben Wurzel erwachse mich die Ver- hetzung der Völker gegeneinander.� Solange die furchtbare Kriegs- gefchr weiter bestehe, habe kein Staat das Recht, den werdenden Müttern das Recht am keimenden Leben zu bestreiten. Es sei besser, daß die Mutter den Keim schon töte, che ein verruchtes System erwachsene Söhn« hinschlachte. Die Heiligkeit des Lebens der Mutter und des Ungeborenen gilt höher als die„Heiligkeit' des Krieges. Der Internationale Frauentag st che im Zeichen derVölkerverständigung. Ein geeintes Europa nur werde imstande sein, die Frage der Wirtschaft und damit auch die Arbeits- losenfrage zu lösen. Die Sozialdemokratie hat sich Diesseitsziele und nicht Jenseitsziele gesteckt. Der marschierende Sozialismus ver- spreche den Menschen, daß sie ein Vaterland finden werden, in dein Frieds und Freiheit wohnen werden. Die Frau gehöre in die vordersten Reihen der Käinpsenden: sie ist es, die überall die Parole voraustragen muß: Krieg dem Kriege!— Genossin Emma R i t s ch e vom Textilarbeiter-Vcrband behandelte das gleiche Thema von der Aktivität der Frau vom wirtschaftlichen Standpunkt aus. In der Partei und in den Gewerkschaften müssen sich alle erwerbstätigen Frauen sammeln, damit sich die Stoßkraft der Partei verstärke. Auch die an das Haus gebundenen Frauen können einen großen Teil mitwirken, indem sie ihre Kinder und Familienmitglieder an- hatten, sich in der Partei und in den Gewerkschaften zu organisieren. Eine Entschließung gegen Paragraph 218 wurde von der Versamm- lung einstimmig angenommen. Der Filin„Lohnbuchfyalter Kremke' erschütterte in seiner realistischen Darstellung des Arbeitslosen- schicksals. Die Versammlung schloß mit einem Hoch mif die Inter- nationale. Zur 40-Iahrfeier des Arbeiier-Eängerbundes. Als Auftakt zu den Feier st unden des Arbeiter- sängerbundes finden in Berlin und den angeschlossenen Orten eine Reihe Werbekonzerte statt, die teilweise im Freien oder gegen geringen Unkostenbeitrag in größeren Sälen stattfinden, der Wer- lung für das Arbeiterlied bestimmt sind und durch die Bezirke ausgeführt werden. Am Sonntag, dem 3. Mai, singen die Vereine des 1. und 2. Bezirks einzeln und im Massenchor im„Saal- bau Friedrichshain', vormittags 11 Uhr. Rezitationen: Martha John. Der 9. Bezirk ebenfalls vormittags 11 Uhr im„O r p h e u m', H a s e n h e i d e. Für den 7. Bezirk ist eine Veranstaltung um IVA Uhr im„T i t a n i a- P a l a st' in Steg- l- tz, Schlohstraße, vorgesehen. Hier singen die Vereine des Be- zirkes in geschlossenen Chorgruppen im Männer- und gemischten Ehor. Der 6. Bezirk singt mit seinen Chören nachmittags 2 Uhr im„Tanzring' im„Volkspark Rehberge'. Der 8. Be- zirk singt im Massen- und Einzelchor seiner Vereine nachmittags 3 Uhr im„V o l k s p a r k Neukölln' in der Hasenhcide. Zwei Freiluftsingen veranstaltet der 12. Bezirk nachmittags 3 Uhr im Sportplatz Plänterwald in Baumschulenweg, um 5 Uhr auf der Freiluftbühne im Volkspark Wuhlheide. Der 3 Bezirk wird am Dienstag, dem 3. Mai, abends 8 Uhr, im Kon- zerthaus Lindoer in Pankow. Breite Straße, ein Werbe- konzert veranstalten. Ansprachen von Mitgliedern des Bundesoor- ftandes und der Gauleitung find in allen Veranstaltungen vor- gesehen. Die Arbeitersänger bitten die Partei- und Gewerkschafts- genossinnen und-genossen um regen Besuch der Veranstaltungen. Die nationalistischen Fensterstiirmer. Durch ständige Beobachtungen und Ermittlungen scheiitt es, daß die Politische Polizei des Polizeipräsidiums in nächster Zeit die Rädelsführer der nationalistischen Krawalls in der Leipziger Straße vom Oktober vorigen Jahres, bei der eine große Zahl von Fensterscheiben durch Steinuüirfe zertrümmert wurden, dingfest machen wird. Ein Funktionär der NSDAP., der 36jährige Georg K i e t z e w s k i aus der Gleditschstraße, steht im Verdacht, die ganze Aktion geleitet zu haben. K. ist bereits mehr- fach vernommen worden, doch konnte er b-sher nicht überführt werden. Es hat bereits eine Gegenüberstellung mit mehreren Zeugen stattgefunden, die für den Beschuldigten ziemlich ungiinstig verlaufen ist. K. ist vorläufig auf freiem Fuß belassen worden. Wetterausjichlen für Verlin: Wolkig, zeitweise aufheiternd, wärmer keine wesent.ichen Niederschläge.— Für Deutschland: In West-, Mittel- und Norddeutschland zunächst Erwärmung und zeit- weise abnehmende Bewölkung, im Osten noch stärker bewölkt mit einzelnen Niederschlägen._ Aus der Partei. Genosse Wilhelm Dock-Gotha ersucht uns um Veröffentlichung folgender Zeilen: Für die außerordentlich zahlreichen Beweise freund- lichen Gedenkens und Glückwünsche zu meinem 83. Geburtstage sage ich allen Gratulanten meinen innigsten Dank. Diese Liebe und Sympathie werden mir für den Rest meines Lebens in steter Erinnerung bleiben. W. Bock. klnlendungen für diese Rubrik find >« r I i» SW«. Liudeuitraße 8. parieinachrichten /fMk für Groß-Aerlin stets an da» Bezirksselreiaria« e.Hof. e Trevven recht», zu richte». Beginn aller Veranstaltungen 1 9% Uhr. sofern keine besondere Zeitangabel Heute, Freitag, 1. ZNai: J. fircis.(Jintrhlslarlcit sut Maifeier iirilsscn beute, 1. Mai, im Lokal rnd, aitltia abgerechnet werden. 8.«rci». Der«evlante Umaufl findet nicht statt. Bei Regenwetter Antreten 17 Uhr im groben Saal der Äochschulbraucrei. t. Krei«. Ausstellung der Kinderfreund« vom 2. bis ü. Mai im Bezirksamt Dan,igcr Str. M. SeLffnet täglich 16 bis 20 Uhr. Eintritt frei. Reg« Beteiligung erwünscht. r. Krei», Die Abteilungslasficrer rechnen beute im Saalbwu die Billetts mit bem Kreiskassierer ab. «. Krei». Die Be�irksfiibrer werden gebeten, die von den Bildungsobleuien .entnommenen Karten 8ur Maifeier heute restlos abzurechnen. 14. Krei». 6. Krei». 14 Uhr„Neue Welt" Probe aller Svrech rollen. 108. vnd 106a. Abt. Die Milglieder des Bildungsausschusses treffen sich dereit» um l6ib Ubr im Stadthcater zwecks Borbcveitung zur Maifeier. Ill.Abt. gur Maidemonstration fahren die Parteigenossen mit dem stug« 6.20 Uhr ab Grünau. Treffpunkt Kollnisäier Park, Holzarbeiter-Ver- bondsbaus. >20. Abt. Antreten mit Banner Sil Uhr Küstriner Platz. H Ubr Deran. stoltung bei Tempel, Prinzenallce 45. Eintritt 50 Pf. Die Unterkassierer werden gebeten, die Listen der arbeitslosen Genossen mizubringen. Morgen, Sonnabend, 2. Mai: 54. Abt. R Uhr fliinkttonävsstznna bei Kasper, Guerickestr. 1. 181. Abt. 20 Uhr grab« Aunltionärzusommcnkunft bei Klindt, Am fsriedensplotz. Sonntag, 3. Mai: 05. Abt. 10?» Ahr Besichligung des Bsutfchen Arbeitsfchutzmufeums. Ehar» lottenburg, fsrauenhoferftr, 11—12 Gahrt bis Knie). - 96. Abt. Bvsichiigung der Loltstüche Tcupitzer Straße. Treffpunkt OZh Ubr am Eingang. Frauenveranstaltungen. 128a. Abt. Die Gcno-fssnnen treffen sich bkr gutem Wetter im„Iägerheim' um 15 Uhr beim Kaffeejachen. 124. Abt. Treffpunkt zur Dcmonsiration um T& Uhr Bahnhof Mahls darf, Arbeitsgemeinschaft der Hinderfreunde Grosz-Lertin. Prenzlauer Berg. Sonnabend, 2. Mai. 16 Uhr, Eröffnung der Kinder- freiinde-Ausst-llung im Bczirisamt Prenzlauer Berg, Danziger Ell. 64, Kei»«reuzberg. Der«reis trifft sich zum Maijugendtag um 18 Uhr vor dem U-Bahnhof Secstraßc. Keei» Lichtenberg, ssreitog, 1. Mai, Treffpunkt zur ffeier in Kaulsdorf. Süd, 0 Uhr Rot« Ecke lSchwarzrr Adler). Abends beteiligen wir uns a» der Maifeier der Parle! bei Echoncrt, Stralau.— Sonn'og, 3. Mai, Treffpunkt zum Maifugendtog: Gruppe Nord und Mitte 12ie Uhr Rote Ecke(Schwarzer Adler). Gruppe Neu-Lichteuberg 12?-> Uhr Rote Insel lVahnhof Ren-Lichte»» berg). Truppe Mohlsdorf 12 Uhr Hönower Eck-- Scllersdorfer Straße. Tiergarten. Gruppe August Vebel. Wir treffen uns alle am Freitag, dem 1. Mgi. um 1» Uhr, Bahnhof Bcussclllraßc. Am Canutag, dem s. Mai. ZKeN» punkt' um 13 kldc Oliält' 14 Uhr) am Pntlitzbahnhof zum Maikindertäg in«»- Rehbitgin. Elicri» und Parteigenossen sind herzlichst eingeladen. Krei» Rcutölln. Alle Ialken finden sich im 17 Uhr zur Maifeier in.-der „Reuen Welt" ein. ffalienkloidung, Kähnen und Wimpel mitbringen. Helfer- kreis. Unsere Selferfitzun« findet morgen, Sonnabend. 19 Uhr. im Heim Steinmctzfrr. 114, statt. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation"� 8. krei». Die Urnenbeisetzung«nseree verstorbenen Genossin Margarete Wengcl» findet am Sounabend, dem 2. Mai, 15 Uhr, auf dem Städtischen Friedhof Friedrichsfclde statt. Die Delegation mit den Abteilunasfahnen trifft sich am Eingang de» Keicdhofc, um I4>/. Uhr. Um recht rege BeteUignna wird gebeten. Gleichzeitig Setzung de» Gedenksteine» für Robert und Margarete Bengel». 00. Abt. Unser Genosse Robert Müller. Berliner Sir. 46-40. ist plötzlich verstorben. Ehre seinem Andenken. Einäscherung Eonnabend. 2. Mai, l.T'/z Uhr, Krematorium Wilmersdorf. Um rege Beteiligung wird gebeten. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin Einsendungen für dies- Ztudrts aar-» da« Zuaendlesreia-tat Berfl»«W 68. lladen grabe 3 heule, Treffpunkte der Gruppen zur ZNai-Demonstralion: Arkonaplatzi 8'.4 Uhr vor dem Seim.— Neukölln I: 7% Uhr Rentervlatz. 15',:. Uhri ebendort.— Reuliill» VI; 7% Uhr Reuterplotz.— Neukölln VII: 7% Uhr Rcuterplatz< Waage).— Reinickendorf Ost: 7Ztz Uhr„Seebad". 17 Uhr Heim. Werbebezirt Tiergarten: 8 Uhr Kleiner Tiergarten, 14 Uhr Moabiler Echiitzcnhaus, Rorimfer. Werbebezirt Prenzlauer Berg: Die östlichen Gruppen: 8ih Uhr Greifs» walder Ecke Danziger Straße. Werbebezirt Kren, berg: 8?1 Uhr Alte Jakob- Ecke Reucnburger Straße. Nachmittags„Neue Welt". Werbet«, irt Rrntölln: 7% Uhr Reutcrplatz. Morgen, Sonnabend, 2. Mai: Ebarlotteubnrg.Rort: Rostnenstr. 4. Funttlonävsttzung.— Reulölla IX« Schierkestr. 44. iZunktionärfitzung. Werbebezirk Prenzlauer Berg: 20 Uhr Danziger Str. 62. B. 7. Borsttzcnden» konferenz. Arbeitsgemeinschaft sogiaftftischer Iugendpcrbände. Probe: Wiv klagen an'. Bo»Szene. 10 Uhr Kaffee Burgfrieden. Kein Schritt ohne Salamander Ei* kommt aus der qprtfssten deutschen Schuhfabrik, ist beste Qualitätsarbeit und von hervorraqeiKler Preiswuidigheit. Strümpfe In allen mod. FarDen.öarantierf I.Wahl. SALAMAN Vorträge, Vereine und Versammlungen. # Reichsbanner..Schwarz-Rot-Gold''. S«lck>Skt»ÜiII»!»erlin s U. Scboßianßr 37— SS, Soi 2. kr Mitte l?unqbann«ri. Freitoq, 1. Mai, lg Uhr. Antreten im»Tloii* in Uniform(srünos Hemd).— Prenzlauer Berg. Kamerad Willi Neustedt ist verstorbcrr. Beerdicmna Sonnabend. 2. P!ai. l-HH Uhr. Georgen- friedhof, am Königator. Beteiliguna Pflicht. Sharlottendura lOrtsoereinl. Sannabend. 2. Mai, HVn Uhr, Pflichtonireten aller dienstfreien Kameraden nr Einäfchcruna des amcraden Miiller.Wilmersdorf im Krenrawrium Wilmers- larf in Barinerlleidunq. Ortsvereinsfohne zur Stelle.— Mitte. Eonntaa. -!. AZai. S'h Uhr. l. Kamcradfckaft. Bahnhof Börse, irahrt zum Evortplai; ikarlsharst. 3. Kameradschaft li> Uhr KleintaUherilbung der Schufo auf dem Schiehplaiz ssriedrichsfeld«. TreÄomallee, Unftallweq.— Renlilln-Brih lLrts- nerelnl. 10 Uhr Pffichtantretcn der Stafo Loumschulenmeg, Sväthstrahe, vor Späths Baumschule. Urbciter.Ziadi-.Vund Deutschlaud» e.«. Sharlsitenhur«: ffreAna, 3. Mai. technifch« Aussprackie im Lackol Lehmann. KSnipsmea 8, 2N Uhr.— Friedrichs- felde: Montag.«. Mai. �rageabend im Lokal Tempel, Sudrunftr. 7, 2N Uhr.— ffriedrichshain: Tannerstag. 7. Mai. Anfängervortrag?„Der Transformator�. Referent: Genosse Zug. Voigt. Lokal Werlo IIa, Hohenlohe ftr. 3. M Uhr.— Gesundbrunnen: Anschrift: E. Borrmann. 3t. 35. Prinz-Gugen�Str. 23,— Kreuzberg-Tempelhof: fsreitag. 8. Mai. Bastelabend im Lokal Thiel«, Mr» bringerstr. g, 20 Uhr.— Lichtenberg: Sreilag, 8. Mai. Bauabend im Lokal Sämmerlein, Rigaer Str. 50—31, 20 Uhr.— Reukölln-Treptow: Freitag, 8. Mai, Bortrag:»R«if«empfänger�. Referent: Genosse Kirsch. Lokal Schikorra, Glbcstr. 11. 2g ilhr.— Prenzlauer Berg: Dienstag, 5. Mai, Bau- und ff rage. abend. Leitung: Genosse Ringel. Lokal Klug. Danziger Str. 71. 20 Uhr.— Achtung! Mittwoch. 8. Mai. ffunktionärsshuna:„Groß-Berlin' in der Zentrale: Reiche nberger Str. 30, Hof II rechts, 13 Uhr. Zungpazififtea Berlin, ffreitag, 1. Mai. Jugendheim Genthiner Str. 17. Limmer 3. Alfred ssa», Leiter der republikanischen Beschwerdestelle, spricht über das Thema:.Anti-Militarismus". Neichnneveinigung ehemaliger jtriegsgefeegen«, Berlin-Morde»?. Alchen l. Sonnabend im Monat um 2V Uhr Sitzung bei Hemperich. Bornholmer Eike Malmocr Strosse. Nächste Eissung Sonnabend. 2. Mai. 2V Uhr. Am Sonnabend, dem S. Mai. fährt die Ortsgruppe geschlossen per Airtoamnibus zum Gauwg nach Crossen a. d. O. Abfahrt vom Bereinsloiol um IS Uhr. Der Bund Entschiedener Schnlrrsormer ladet zu einer Schulungswoche <27. bis 30. Mai 13311 unter Leitung von Professor Paul Oestreich in di« Jugendherberge Predclow ein. An Refeiate über Praduktionsschul« und vrak- tische Arbeit, Geschichtsunterricht, Parteiarbeit und Bundeoarbeit. Sollsgiolität und Autorität. Strafe und Erziehung, Arbeit und Persönlichkeit schliessen ssch jeweils kurz« Aussprachen an. Anfragen beantwortet Studienrat Dr. Bern- Harb Krakauer, Berlin NW. S7. Klovitockstr. 2l. Eine Aihrnag durch Alt-Berli», Ephraimhaus, Stobtvogtei. Srögel. Jiiden- Hof, Alte Beinstube, Molken strossc. macht Dr. Kranz L«derer«m Sonntag, dem 3. Mai. 10 Uhr, U-Bahnhof Znselbrück«. Enslisb Conversationil Club(ounded 1878. Meetings every Fridny 8 p. m. Cafd König, Leipziger Str. 117/118. Lectur: Short Speeches. Cuests. Ladies& Gentlemen. are welcome. Petban bei ZUtan V. L., den 24 Mai 1930 Hauptstraße 12. Seit 15 Jahren litt ich an Gelenkrheumatismus. Haue viele Aerzte aufgesucht, aber alles war umsonst. Schon nach den ersten drei Schachteln Fregalin verspürte Ich Besserung und jetzt nach 12 Schachteln bin Ich wohl und munter und habe Fregalin meinen Freunden empfohlen. Gustav Adler. Breslau 9, den 12. Oktober 1930 HedwigstraBe 20. Meinen herzlichen Dank für Ihr Fre alin. Ich bin sehr zufrieden damit Schon nach der ersten Sendung hatte ich keine Gelenkschmerzen mehr. Ich kann jetzt noch so schwer arbeiten und spüre trotzdem keine Schmerzen. Frl. Martha Malcbarczlk. Da man Anderen immer mehr glaubt, halten wir e» für richtig, uns jeder Anpreisung ,u enthalten und lieber unsere Abnehmer sprechen z« lassen. Biete Tausenhe. die unser seit Jahre« bekanntes Blut- und Nerven- Regenerationsmittel„Fregalin" bereits genominen habe«, sind nicht enttäuscht worden. Ausierardeatlich bewährt hat sich»Fregalin- bei Nervasttät» allgemeiner Tchwäche. Mattigkeit. Schwindelanfällen und rheumatische» Le«de». Frage» Sie Ihren Arzr. Lesen Sie bitte recht genau, waS die hier Abgebildete«»«anfgefordert über die Wirkung deS»Fregalin" schreiben, und Sie werden fich danach et» Urteil bilden.» In unserem Archiv sind«och viele tausend derartige Dankschreiben auS de« In- und Auslände, die unaufgesordert eingegangen sind und die Sie jederzeit t« unserem Büra einsehen können. Alle Dantsagungen smh notariell beglanbigt.—.Fregalin" ist in allen klpotheken zu Haben. Versand durch die Minerva-ApotHeke, Beriin-Charloltenburg.— Wij'senschallliche Ueberwachung der Herstellung. Aus Wunsch senden wir Ihnen umsonst und ohne jede Verbindlichkeit 1 Probepacknng„Fregalin" dazu das»Goldeue Such de» Lebe«»". Schreiben Sie bald an: vr. med. H- SOmize fi.m. D.H. Berim-cnarlottenDurd 2/2887. Name: Stand: Ort: Strasse: 8887 Adresse bitte mit Bleistift schreibe»! Göhleii. Guben Land N.-U, den 28. September 1930. Fregalin wirkt wunderbar. Ich kann Ihnen mit dankbarerer Freude mitteilen, daß mir Ihr Fregalin auterordentlich gut geholfen bat Ich hatte seit längerer Zeit heftige Magenschmerzen. Nach Gebrauch der Fregalin-TabI sind die Schmerzen ganz verschwunden und ich habe wieder Appetit Minna Rose. Berlin-Reinickendorf- West, den 24 November 1930, StraBe 20, Haus 80. Bin in diesem Jahre 63 Jahre alt geworden und litt seit ca. 30 Jahren an Verdauungsbeschwerden, welche sich allnächtlich nach wenigen Stunden Schlaf schmerzhaft bemerkbar machten. Schon Ihre Probesendung brachte mir Erleichterung, so dat ich mich zu einer Bestellung entschloß. Ich mufi bekennen, daß ich eine Besserung meines Leidens merke und nun ohne Schmerzen schlafen kann Ich kann Ihr Präparat bestens empfehlen. A. Fürst. sBGGGtzH«»«»Sta»£3t Unserem Freund und Genossen Karl Rohr G W � zu seinem m(dum im sN»«* nossen M 25|öhcigen Zubl- V Dienste bet parte! unsere herzlichsten Glückwünsche. V97. Abteilung. M GZSZAS» N Danksagung Für die Beweise herzlicher Teil- nähme beim Heimgange unseres lenren Entichiafenen iprechen wir hierdurch unseren tiefempfundenen Danlau»._„,.. Frau»alaue Severin und Sohn. Berlin, im April 1931. Paul-Slnger-Slr. 87. Homöopathie '", Mtneii-. nanu-, r löscrfe Nler.-, Blas.-, Gail.-, iiinorc o. Nsrvunl., hehiffldi. nur 3 M, Ben- ir.». 9-2.4-7.Stj. 5-1 2 Dßütsdior Metallartieiter-ferlianii Vcrwaitnngssiellc Berlin Todcsansaigan Den Mitgliedern zur Nachricht daß unser Kollege, der Mechaniker tlexsoSer HentziM geb. 9 September 1867, am 27. April gestorben ist Die Beerdigung findet am Freitag, dem l Mai, 15 Uhr, von der Leichen- halle de» Johannes- Kirchhofes in Piözensee statt. Am 28. April starb unser Kollege, der Dreher MI!! Bollmacher geb. 2. September 1892. Die Einäscherung findet am Ron- tag. dem 4. Mal. 17 Uhr. tm Krematorium Serichtstrasse statt Ehre ihre« Andenken! Rege Beteiligung wird erwartet ��WWOMIMIWINWWDaWWWWUW�äW Arn 23. April 1931 ist das Torstandsmitgliod, Herr Geschäftsführer Otto Wonitzki nach schwerem Leiden im Altar von S7 Jahrein verstorben. Seit mehr als 30 Jahren stand der Verstorbene in den ersten Reihen der Kämpfer für Sozialpolitik und Sozialversicherung. Als Hitelied des Arbaitervertretervereins, im Vorstand der Zentralkommission und des nachfolgenden Verbandes der Krankenkassen, hat Herr Wonitzki unermüdlich wertvolle Arbeit geleistet. Sein lauterer Charakter und seine hohe persönliche Ehrenhaftigkeit sichern ihm weit über das Grab hinaus bei allqn. die ihn kennen gelernt haben, ein immerwährendes Gedenken. Die Trauerfeier findet am Sonnabend, dem 2. Mai 1931, mittags U'/j Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Um recht zahlreiche Beteiligung bittet Vorstand und Gescfaafisleihrag des Verbandes der Krankenkassen im Bezirk des Oberversicherungsamis Berlin. H N 2 1 i. U. STTOI K N BEI S K M MACH AMtRIKA 15««-V?" PQI-Ak. ÜMP MORDKAPfAHBTEM AUtHUHII OHO MOtMItt SUiCH OHtllt VtITICTBMOtM In Bartin< Norddautschgr Lloyd, Agantwr Berlin G.m.b.H., Untor den Llndon I(Hotol Adlon). Sornspr.« SommoU nummor Flora MOI; Flllolo KurfOrstoodomm 17, Forn. iprochart X I, Bismarck 2384. Norddoutschor Lloyd, Kurt Montanu« G.m.b.H., InvoNdon» ttraBo 93, Fornspr. s O. 3, Woldondamm 3341 u. 7966. WoHrolsobOro Union G.m.b.H., Untor don Llndon 33. In Potsdam: L RBBIor, Brandenburger StraBo 33. SMMr M uera. M Mitgliedschaft Berlin Büro des Verbandes: Gewerkschaftshaus, Berlin SO 16, Engelufer 34-25, 3 Treppen(Zimmer 53 bi« 58),— Fernsprecher: Amt Jannowitz, F. 7, 0475 und 6281. BQrostiinden: Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag von 10 bis 13 Uhr, Sennabend von 10 bis 14 Uhr. Außerdem Montag und Mittwoch von 16 bis 18 Uhr. Die Auszahlung der Arbeitslosen-, Kranken- und Invalidenunterstützung erfolgt täglich von 10 bis 13 Uhr.— Die Ausgesteuertenunterstützung erfolgt in den letzten Tagen des Monats. w Erd- und Feuer- |lg Bestattungen in Jeder Preislage Potsdamer Str. 07 und Filialen Fernspredier> Stephan 600 GRIENEISEN Nur für Herren! 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Honniszrtor» Filmpalast stÄ 4?teg�. b'u Berliner Straße 59 Stg. 2 U. Jug�VorsL Danion Beiprogramm 4 Jlr. 202* 45. Iahrgang A. Beilage des Vorwärts Freitag, i. Mai 1931 Wir rufen alle zum Mal-Jugendtag! Am Sonntag, dem 3. Mai, im Volkspark, Rehberge nahe der Möller« und Seestraße(Wedding).— Eröffnungsfeier im Stadion um 14 Uhr: Spiel, Sport, Volks- tanz, Massenaufföhrungen, Schlußkundgebung um 1 8 Uhr, Redner MaxWestphal. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Freie Gewerkschaftsjugend. Freie Angestellten-Jugend. Jugendgruppen der Arbeitersportler. Sozialistische Arbeiter-Jugend. ylwWUHUSCH daß auic ScKukß ojucK�Äjf seinkänmn. Elegante farbige Spangen- schune mit geschweiften und 4.90 -----------— 8.90° Xrotteur-Absätzen. FeinfarbigeChevreau-Spangen- schuhe und Pumps in den Q80 neuesten Modellen... 10.90/ Gefällige braune Herrenschuhe,*790 modern in Schnitt u. 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Der Eingeweihte weiß» welche unendliche Sorgfalt der Boxer auf die Reinhaltung seines Körpers legt, der auch nach härtester Arbeit, wenn die Augen von Tausenden von Zuschauern auf ihn gerichtet sind, in glänzender Frische und Reinheit erstrahlt. Der Boxer, der das tägliche Bad schätzt, weiß nur zu genau, daß alles auf eina wirklich hoch qualifizierte Seife ankommt, die— mild und zart duftend— einen ausgiebigen Schaum gibt, von vorzüglicher Reinigungskraft ist und der Haut wohltut. So eine Seife ist die Triumph-Apoüo-Seife. Aua feinstem Palmen-, Oliven- und Kokosöl hergestellt, ist sie ein Meisterwerk der deutschen Seifenindustrie, bei dem eine zz jährige fachmännische Erfahrung und eine umwälzende Vervoll- kctnmnung der technischen Methoden mitwirken. Für jeden einzelnen Vorzug dieser«inerreichten Qualitätsseife liegen beweiskräftige Zeugnisse vor. Sie werden es jetzt verstehen, wenn wir an erste Stelle den Europameister Pistulla setzen. Ermt Pistulla Mbrelbt wörtlich: Jja Training, im täglichen Bad benutze ich nur noch Triumph-Apollo-Seife, weil sie äußerst angenehm im Gebrauch i«. Allen Sport s- ieuten kann ich nur die Triumph- Apollo- Seife empfehlen. Nach meinem schwersten Kampf um die Baropameisterschaft im heißen Spanien war für nüch nach meinem Sieg ein Bad mit Ihrer Triumph- Apollo-Seife eine Wohltat. Ida Perry, die reizende Kflnsderin, bescheinigt:«Die Triumph- Apollo- Seife ist vorzüglich, und werde ich dieselbe allen Bekannten auf das beste empfehleruÄ Max Adalbert, der beliebte Schauspieler, bestätigt:«Ich bestätige Ihnen»ehr gern, daß die Triumph-ApoQo-Seifc sehr weich und angenehm im Gebrauch ist." Frau Hertha Kermbach, die Gattin des beliebten Rundfhnkdirigeaten, erklärt: «Ich bin mit der Schönheitsseife Triumph- Apollo sehr zufrieden. Deutsche Hausfrau, spare Drin Geld, kaufe die Triumph- Apollo- Seife, weil Du für RM. o.jo zwei Stücke erhältst.« Seil detSaxec SCausfeau seUt? In einer Beziehung kann aber der Boxer bei der Hausfrau in die Lehre gehen, nämlich Sparsamkeit lernen. Dem Boxer, der Tausende an einem Abend verdient, kommt es nicht darauf an, wieviel et für ein Stück Seife bezahlt. Die Hausfrau aber legt größten Wert darauf und ist daher aufs freudigste überrascht, daß sie beim Kauf eines Doppelstückes fest volle 50 0/# spart, denn das Doppelstück der TRIÜMPH-AP0LL0-SEIFE (2 STÜCK ä 95 GR. 3= 190 GR.) kostet nur ERHÄLTLICH IN APOTHEKEN, DROGERIEN U. EINSCHLÄGIGEN FACHGESCHÄFTEN Pfennige etfd� hiermit Qoctaaals sls Seifetiberstielkr«ad KkUosw; Ea tut fette« in» oder aualändiacba Flrtn«50x250 mit Stickereieinsats... Kopfkissen dazu passend 7.25/ Tisch- und Tafel- tücker rollweiSe, gute—| � � MW Qulittten 130X 220 2�5,*1 Q H 130xt«) Damast-Tateltach__ mit Hohlsaum u. Durchbrach 128 X 295 WO�W Kunstseiden-Tischdecken i» weiS und5. 25, 2«, Kaffeeservice BhnBtrteknfa» 9- teilig•« � ""..... Salatschalen««. 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Siebzehn Jahre sind eine lang: Zeit, da haste schon tnel erlebt— und schon viel erlitten. Wer weiß, ob wir noch einmal siebzehn Jahre leben? Wenn nicht, ist auch nicht schlimm, das Leben ist nicht nur süß, das Leben ist auch sehr bitter—; stehe du mal Tag für Tag und Woche für Woche vor den Feuern des Stahlwerks, atme du blaue und gelbe Gase ein, höre du die Anschnauzer der Meister und Treiber über dich ergehen— und nachher wirst du mir recht geben, daß das Leben �ine bittere Nuß ist. Aber manchmal ist die Lebensnuß auch süß—, allemal dann, wenn im meinem Kollegen Edi ins schelmisch« Auge schaue, immer ist er voller Späße und immer ist er guter Laune, er wischt dem Ingenieur heimlich eins aus(dem Naziheld), und wenn der Direktor mal durchs Stahlwerk geht, dann tritt der Edi zu ihm: Herr Chef, bitte geben Sie mir doch mal von Ihrer Zigarette Feuer! Hinterher schnaubt dann der Meister: I, so'ne Frechheit, so'n Schnösel, bei der Arbeit darf doch nicht geraucht werden! Sooo,' sagt der Edi, aber der Chef hat doch auch bei der Arbeit geraucht, wenn er hier durchs Stahlwerk spazieren geht, das ist doch dem Chef seine Arbeit. Der Meister bekommt'nen Hustenanfall, hinten am Graphithaüsen spuckt er Galle, ganz grien. Und wir lachen uns'nen Ast, wir Iungens vom Äahlwerk, Hilfsarbeiter bei Feuer, Kran, Platte und Tiegel. Gelernt ham mer nix, der Edi und ich: zum Lernen hatten unsere Väter kein Geld, fast immer arbeitslos, �ie Väter, was soll'n sie da die Iungens groß lernen lassen! Dos Stahlwerk entläßt die „teure* Kraft, die Alten— und es stellt„billige" Kraft ein, uns, die Iungens. Wer wenn die Herren von der Direktion und von der Großmeisterei und von der Treiberei glaubten, in uns Iungens gefügige Esel zu kriegen, dann haben sie sich geirrt, denn auch wir Iungens sind organisiert, im freien Verband, wir sind bei der Gc- wcrkschastsjugend, wir lassen uns nicht auf den Kopf spucken, von nie- na- und nomond. Edi, nimm mal den Stahlknüppel da— er zielt, der Edi, er wirst, er trifft: ping, ssing, wie eine helle Alarm- pjlocke klingt der getroffene Stahl durchs Werk, der Knüppel traf die Stahlplatte— ssinK ping, morgen ist Feiertag, kling, schwing: Der l. Mai! Wem der große Wurf gelungen— Edi hat den Stahl gc- troffen, der Stahl singt Freude: Morgen wird gefeiert! Nachts träumen wir von einer großen blauen See, Schiffe mit roten Segeln sausen um die Wette mit den Möwen, immer vorm Wind dahin, vorneweg blühen die Inseln, rote Korallenklippen, grüne Palmen mit bunten Papageien, braune Mädchen tanzen zum Muschelhorn, der Wind spielt Geige, der Traum, die Vorfreude, der 1. Mai, die helle Sonneninsel.... Wir wachen auf, wir sind da, im Sonnenland. Mutter, guten Morgen, war der Edi schon hier? Nä, noch nich, trink erst Kaffee, Jung, Vater is schon weg, laß doch die Katze auf'm Stuhl sitzen— da: iß Kuchen, Jung, Maienkuchcn, gebacken mit Freiheitsmargarine, lang mal tüchtig zu.— Danke, Mutter! Hier kommt er ja, hooo, die Freude: Edi, Tag, Tag, Tag. Schaaa— ich bin fertig mit Kaffee, laß uns man gleich loslaufen, wir kommen zum Zug wall noch zurecht. Mutter, adjes.— Jung, nimm das Käsbrot mit, daaa, daß de mir kein' Hunger kriegst.— Knall. Mutter hat'nen Kuß weg. von mir— ich schäme mich gar nicht, das zu sagen—, zur Freude gehört meine Mutter! Edi, Mutter und die Freiheit, das sind die größten Dinge von der Welt. Oder is die Freiheit kein Ding? Ich kann sie zwar nicht packen, aber reiten kann ich auf ihr. Edi, komm, auf weißen Schimmeln reiten wir in den Mai, wir geben dem Freiheitsgaul die goldenen Sporen, am Himmel klingen die blauen Glocken, und was um die Silber- fontäne der Sonn« herum blüht, das sind die zarten Maiblunien, leichte Wölkchen, die ganze Welt duftet Schönheit. Mai, frei! Freude! Wir marschieren, rote Soldaten sind wir geworden, junge und alt« Soldaten, Mädchen, Frauen und Kinder—, alles marschiert mit, wir demonstrieren, die Armee der Hunderttausend, die Fabrik- schlote haben heute rot geflaggt(morgen wehen wieder die Trauer- flaggen), die Erde bebt vom Schritt der Arbeitsarmee, von oben und unten bebt die Erde; hört ihr nicht, wie von Australien herauf der Gcgenschritt klingt? In Sydney, Melbourne und Brisbane marschieren die gleichen Genossen, rote Soldaten der sozialistischen Internationale, alle hin zum schönen freien Birkenbaum— dem Symbol der neuen Welt. Sozialismus! So donnert der Maien- schritt der Arbeiterschaft in Chikago, in Frisko, London. Paris, Berlin, Westfalen, Birmingham, Manchester Madrid, Kalkutta, Kan- ton, Tokio, Rio und Buenos Aires. Freude, zu wissen, wir sind ein großes Ganzes, das Volk Proletarier aus aller Welt— und doch eines im Herzen: Heiliges WIR. Die Welt von morgen sind wir. Wir marschieren, rote Friedensarmeen der Erde; wir Jungen sind > die Husiren, Edi und ich, wir reiten mit vorneweg, auf dem Schimm! Freiheit, vor Freude blüht unser Herz, sie duftet, die rote Neke! Nactmittags. Wir sind draußen. Auf den Bergen. Die Metall- jugend fiert ihren l. Mai aus Burg Drachenstcin. Zwei Türme stehen mch von der einstigen Zwingburg, aus dem einen Turm schlängelt und windet sich das verrostete Skelett des ritterlichen Drachens Aber die Weinkeller der Burg sind verstaubt und halb voller Sautt, da unten gibt es keinen Wein mehr— und in den Burgkemeraten gibt es keine leibeigenen Ritterdirnen mehr—, unser großes Veinfaß ist der blaue Himmel, der Zappen dran ist aus Messing,)ie späte Nachmittagssonne— und statt der leibeigenen Trink- urd Schankmädchen der herrischen Ritterzeit tanzen unsere freien Gcrossinnen, unsere Schwestern und Freundinnen auf den Ruinen dr Burg Drachenstein ihren Volkstanz, den freien Reigen des 1. Mir! Im Winde flattert unser rotsilbernes Jugendsymbol, der sreie Pimpel von der Gewerkschaft. Die Freude ist König auf den Trümnern von Zwingvolk, die Zwangsburg stürzte, das Volk stieg auf, äe Rittergrüfte sind verstaubt, frei fliegt der Jugend das Haar beim Sprunge. Heimvärts! Die Sterne werden blanke Goldstücke. Der Mond wird'ne iroße Perlmuttermuschel. Wir singen beim Marsch, Edi und ich, Inn und Arm. Heber der Stadt brennt Feuerwerk: Die Freud des 1. Mai! Jieinrich Memmer: 9ch verfchenke Stoff Bekanntermaßen erlebt man seine Geschichten nicht immer druck- reif. Die Ereignisse, von denen man Augen- oder Ohrenzeuge gewesen, können sich mitunter nicht bis zu chrem logischen Ende ent- wickeln, die Pointe fehlt, man muß sich die störenden Elemente hin- wegdenken und die Intentionen der Natur erraten. Manchmal fehlt es einem auch an Laune oder Fähigkeit, die fragmentarischen Ereignisse zu einer abgerundeten Erzählung zusammenzufügen... und warum sollte man dann nicht das Rohmaterial an Besser- geeignete weitergeben, es literarischen Feinköchen vermachen, damit sie eine wohlschmeckende Speise daraus bereiten! Also! Ein Fall für Psychologen. Stellen Sie sich vor. Herr Seelenforscher, das höchststehende Wesen gerät in die Gewalt des tiefststehenden..., muß Stufe für Stufe den Entwicklungsgang von Jahrtausenden zurückvcrfolgen, zum Urzustand zurückkehren— was geht in der Seele dieses Menschen vor? Stellen Sie sich vor: Eine junge bilschönc Engländerin, eine in jeder Beziehung hochstehende Frau, die nicht nur dem Namen nach Lady ist, wird— ich hörte von der Geschichte an Ort und Stelle— von Australnegern gefangengenommen. Die Lady hatte (auf der Hochzeitsreise) eine Kängeruhjagd mitgemacht und sich von der Gesellschaft allzuweit entfernt— plötzlich..? Was mag geschehen sein, man hat sie vielleicht umzingelt, ein nackter Wilder vor, einer hinter ihr, so mag sie auf ihrem Pferde in den Laub- Hüttenkamp geritten sein... und dann? Ihren Gemahl, den Lord, sah sie jedenfalls erst wieder nach— zwanzig Iahren. Wie stark muß die Seele dieser Frau gewesen sein, daß sie die ganze un- geheure Rückentwicklung bis zu einer glücklichen Wilden hat durch- machen können. Die Lady unterschied sich, nackt und braun wie sie war, als man sie auffand, sichtbar in nichts von den übrigen Austral- Negerinnen der Sippe. Sie hatte, wie bei allen Sippen üblich, einen Gatten erhalten(einen jungen Mann, jetzt wo sie alterte, und als sie jung war, einen alten, einen der Stammesältesten). Der Lord forschte. Hatte man etwas von einer weißen Frau gehört, die unter Australnegern lebt? Er ist bewaffnet, der Lord, was nützt es: den Revolver entreißt ihm eine Wilde, nein, eine Weiße, die als Wilde 20 Jahre glücklich gelebt hatte, und jetzt erst, mit einem- Murune: Stimme aus ememW Ich bin eine von den Hunderten eines großen Warenhauses. Ich habe Ihnen gewiß schon Socken und Handschuhe verkauft. Viel- leicht habe ich Ihnen zu der Krawatte geraten, die Sie noch tragen. Im Autobus starren Sie mich immer so an. Sie übersehen die billige Eleganz meines Mantels, und Ihr Wohlwollen gehört meinen Beinen. Mit diesen Beinen— sagt Ihr Blick— müssen Sie in ein Magazin. Wenn Sie noch frühstücken, bin ich mit dem kleinen, schwarz- lackierten Stadtköfserchen schon unterwegs ins Geschäft. Wie viele ellen mit mir, ich bin ja nur eine von den Hunderten nicht ganz aus- gefchlafenen, noch träumenden, vorsichtig geschminkten kleinen Mädchen, die in die großen Warenhäuser müssen. Wir sehen nur flüchtig den erwachenden Himmel über den Plätzen, und für Augen- blicke denken wir mit einer kleinen Sehnsucht an schilfumstandene Seen in schweigenden Wäldern, dann verschluckt uns schon das Warenhaus. Hier bin ich wie Lissi und Olga, wie alle anderen, von neun Uhr früh bis sieben Uhr abends ein kleines Rädchen im großen �Getriebe, eine Nummer, eine Kontrollmarke. Ich habe jetzt einen schwarzen Kittel an, und mein Arbeitstag beginnt mit der höflichen Frage:„Bitte, was steht zu Diensten?* Es gibt noch Minuten, wo man Zeit hat, an den gestrigen Abend zu denken, an den Film, an den Küß im Hausflur. Dann beginnt der Strom der Kunden dichter zu fliehen, er bricht aus den Türen der Fahrstühle, über die Rolllreppen hinauf in alle Stock- werke. Mein Tisch ist umlagert von einer ftagenden. bittenden. fordernden, schreienden Schar ftemder Menschen. Mein schwarzer Kittel fliegt hier hin und dort hin. mein Bleistift rast über den Block. mein Kopf tut mir weh. aber immer wieder frage ich:„Womit kann ich dienen?* Wer bin ich? Eine Maschine? Ein Robot? Ein Mensch? Ich habe kein Herz, nur ein Gesicht, das gleichförmig lächelt, nur gc- schäftige Hände habe ich. Ich weiß nicht mehr, daß ich morgens ein Stück Himmel gesehen habe über einem Platz und nach etwas Sehn- sucht hatte, das m diesem Warenhause nicht geführt wird. Ich habe Preise und Sorten im Kopf und erkläre, preise an. bedaure, lächle, gebe recht, gebe nach, gehorsam einem ehernen Gebot, mit dumpfer Auflehnung manchmal, nervös gemacht durch törichte, wiederhotte, nutzlose Fragen, aber immer unter dem Zwange meines Blickes. der Losung. Auch Sie komme» zu mir. Sie find kurz und von öden herab, wenn Sie in Begleitung einer Dame, und aufdringlich, wenn Sie allein sind. Sie denken, ich bin nur ein« von den Hunderten, ich bin. wie diese und jene, von der Sie erzählen könnten, bei der Sie „Glück" gehabt haben. Aber bei mir werden Sie kein Glück haben. mein Herr, stellen Sie sich das nicht so leicht vor. Abends abholen? Ins Kino gehen? Tanzen? Warum? Wozu? Liegt Ihnen so daran? Was Sie nicht sagen! Ich! Aus- gerechnet ich! Ach wie vielen haben Sie das schon gesagt, die es geglaubt habe». Es tut mir leid. Haben Sie sonst noch Wünsche? Eine Krawatte für den neuen Anzug? Ein schönes Oberhemd für die Sommerhose? Nein, nicht? Bitte schön. Auf Wiedersehen! Alter Esel!(Halblaut hinterher.) Du bist schön dumm! sagen die anderen in der Garderobe oder flüstern es mir hinter dem Ladentisch zu. Vielleicht bin ich schön dumm, daß ich noch warte und warte... Auf wen warte ich? Tag für Tag stehe ich hinter dem Verkaufstisch und warte am Ersten, daß>ch den blauen Brief bekomme. Ich lächle„Gnädige Frau" zu sehr ungnädigen Damen, weil ich sie nicht schnell genug bedient habe. Aber wenn nichts zu tun ist, geht der Chef grollend durch die Abteilungen, und es heißt, daß am Ersten wieder einige Kolleginnen entlassen werden sollen. Noch weiß niemand, wer. Es heißt nur so, die und jene. Bielleicht ist man auch darunter. „Machen Sie ein fteundlicheres Gesicht!" sagt der vorbei- kommende Chef wütend. Da vergesse ich rasch, daß ich am Ersten unter den Entlassenen sein könnte, und mache ein„freundlicheres" Gesicht. Ja, ich lache auf einmal, ich bin auf einmal ganz geschäftig. obwohl wenig zu tun ist, ich bekomme heiße Wangen, ich rede auf einen Käufer ein, als solle er mir einen Heiratsanttag machen. Müde bringe ich am Abend den Block zur Abrechnung. -- Und der Erste kommt und ich bin— Gott sei Dank! Gott sei Dank!— ich bin nicht unter den Entlassenen. Ich leiste mir ein besseres Mittagessen, trinke zwei-Glas Bier, bin leichtsinnig— denke ich schon und rechne, ob ich mir das Sommerkleid kaufen könnte, das bei uns im Schaufenster steht Ich vergesse, daß meine Bezahlung miserabel ist und ungerecht. Glücklich und etwas müde zähle ich die Neine» Scheme, die mir bleib«, wen» ich das möblierte Zimmer bezahle.� mal, das>olle Maß ihrer Erniedrigung erfaßt, jetzt, wo sie ihrem Gatten gqenübertritt, der sie erretten will, jetzt— erschießt sie sich, die Lady. Herr Psychologe, Hie werden die Vorgänge in der Seele dieser Frei ergreisend analysieren... Wir werden Ihr Buch ver- schlingen: nachen Sic sich an die Arbeit. Eine Pointe sucht einen Autor. Sie serciben für Magazine, mein Herr.... ich habe etwas für Sic: das tnde zu einer Geschichte, die nach einem passenden Anfang schreit. Dß ich nur so einfach um die(Südsee-) Insel Sawaii her- umtrottete wo ich ihn traf, den Verschollenen, dos ist zu banal. Außerdem führte er einen Shop, einen Tropenladen, und mußte mindesten- Häuplling gewesen sein, der Onkel, den ich, dessen Kopf ich eines lbends über einem Zaun erblickte, über den ein braunes Mädchen, nackt bis auf ein Baftröckchcn, eine Kokosnuß warf, worauf eiie Streichholzschachtel zurückgeflogen kam.(Ein Tropen- Handel.) Aber der Kopf des Onkels erschien in zehnfacher Ver- größerung eine wahre Kirchenkupel. Als ich eintrat, sah ich, daß der ganze Mann clefantenhafte Dimensionen angenommen hatte. Seine Ben? waren dick wie Tcmpelsäulen, seine Arme hingen wie riesenhafte tzneumatiks um den Brustkorb herum... und die in der Kopfmasse'ersteckten Aeuglein sahen mich verständnislos an. Der an Elefantisis Leidende erkanntt! mich nicht wieder..., ich mußte erklären wr ich sei: ein weltreisender Neffe. Jetzt flogen die Pneu- maticarme um mich herum, und während meine Hand unter dem Druck der.'Kackwurstsinger meines lang vermißten Onkels knacksten, hörte ich in die sonderbaren Worte sagen:„Du bist es, Hennery, hast„du" dir aber verändert".— Ist dieses Ende nicht eines besseren Assangs würdig? Die goldene Schlange. Diesi ist beinahe so sagenhaft wie die Seeschlange, Herr Kol- lega, ab«- authentisch: ich habe sie gesehen, jedenfalls glaube ich bestinmt, sie gesehen zu haben, und an ihrer Existenz zweifelt kein Nattrforscher. Der Bauch ist rotgold, grüngold die Flanke und blaugold>er Rücken: ein Juwel von einer Schlange. Sie kam von einer Bcrmkrone herab, von Zweig zu Zweig„hüpfend", kann man wol sagen. Unter dem Baum standen fasziniert wie Kar- Nickels: h und eine goldenhaarige Miß. Wir hatten uns die Tempelrrnen auf der Schlangeninsel vor Bombay angesehen, das heißt, wi hatten die Ruinen vor Schlangen kaum sehen können und in alen unseren Gedanken spukten Schlangen herum... Die pldene Schlange kam, wie es ihre perfide Art ist, in einer Spirale leräb. Plötzlich springt sie einem dann aufs Genick und es ist aus tnd geschehen. Sonderbarerweise fühlten wir sie beide im Genick itzen als wir, einander in die Arme gefallen, nach dem Tempelwäter plärrten— und dann? Das Ende müssen Sie machen, Her Kollega, so wie es war, war es schlecht. Abends saßen wir wieder an der Table d'hote im kleinen Parsenhotel, wie immer. Ich in;item abgetragenen Schmoking und sie in einem miesen Abendkliid— und in die Armee gefallen sind wir uns auch nicht noch einnck. Bären, Vulkane und Llrwalb Dies*-Geschichte fehlt nur etwas Spannung, Herr Kollega, ich kriege ksve rechte Distanz dazu..., vielleicht nur deswegen, weil mich jedszial eine blinde Wut erfaßt, wenn ich dran denke. Und das ist lezreiflich. Es ist schon ziemlich schwierig, das große Los zu ziehe.,.., aber wenn man's dann aus Versehen wegwirst..., soll manda nicht zerspringen? Also ich stand eines Morgens am Kai der großen Stadt Seattle (an der amerikanischen Pazifikküste) und blickte mit sehnsüchtigen Augen vers. Meer. Drüben lag Japan, Sachalin, Formosa... allerhan. Aber wie hinüberkommen, wie— ohne Geld?, Ein schmucke, Schiff, eine Jacht, lächelt mich an. Ein Reeder rüstete (hörte ii) für seinen Sohn eine Jagdexpedition nach Kamtschatka aus. Kmtschatka, das muß man jetzt ordentlich bringen, Herr Kollega, wie sie in meinem Geist auftaucht, diese Sinfonie von Bären, lulkanen, Fischern und Urwald. Wie ich kurz entschlossen auf die iacht klettere, vor ihn hintrete, den Millionär, und meine leeren Zischen herauskehrend, mit einer Stimme, die ein Nilpferd hätte rüren können, sage: Herr, lassen Sie mich mitfahren... Der Millionc warf(mehr Zeit haben Millionäre nicht) einen Blick auf mick und sagte e i n Wort. Ein sonderbares, gezogenes, ironisch klingends Wort„je— au".„Oje", dachte ich Neuling im Westen. hat er gsagt, es war nicht anders zu erwarten, und ich verzog mich, bittersüf lächelnd. Nun müssen S t e loslegen, Herr Kollega: Der Mensch»at wohl vielleicht etwas Optimismus� aber keine wirkliche Züoersitt im Leibe. So ist's. Felsenfest muß man an seinen Stern gauben. dann kann einem so etwas nicht passieren. Ein» Monat später, als das Schiff schon im Ozean schwamm, begegne! ich dem Millionär, der mich ftagt, warum ich nicht mit- gefahrei sei. Ich sah ihn an:„Sagten Sie nicht je— au"„Je— au, ich sagt, je— au." Da durchfuhr es mich heiß und kalt. Das wie höhnisch Abweisung klingende je— au ist ein hingeschmissenes hoch- wohlgebr««lsgejpiehenes Jes... Oh. ihr Bär« von Kam- ffrfrqtfo Oerhart Sterrmann Utloftar: Der ffiuf aus der Stelle Zm llnairrkschen KJ)«rf« in Budapelt traf kur» vor Besinn einer LnstsnielairfMrim« d!« Absage der Kauptdarstellrin, der berühmten Maria Lazar. ein. Der Direkwr wolt« schon da» Publikum bitten, nach Sause im gehen, als sich pBHIich die Eoufflense, Fron Tallian, bereit erklärte, die Role durch- »uMhren. „Sie...?" sagte gedehnt der Direktor, fast betroffen vm dieser Möglichkeit, und suchte seinen aufgeregten Blick auf die Frau zu sammeln, die da in einem farblos grauen Kleide vor ihm fand und sich mit ruhiger Hand über das schon ein wenig ältliche Hiar strich. „Ausgeschlossen!" schrie wütend der Regisseur.„Mein; Jnszene ist auf die Lazar abgestimmt. Ich lasse mir meine Jnsene nicht verpatzen! Wie kommen Sie überhaupt dazu, sich das zuzitrauen?" „Ich kann jedes Wort der Rolle. Ich habe das Stück m fünfzig- mal souffliert." „Souffliert! Als ob das Soufflieren—" Der Direktor hatte, scheinbar abwesend, auf den Soufleurkasten gesehen, in dem das Licht brannte; vor dem das Sousfleulbuch lag; aus dem diese Frau da eben herausgestiegen war zwischen>ie Schau- spieler, die schon ganz oder halb eingekleidet und angeschninkt auf der Bühne herumstanden. Jetzt unterbrach er den aufgeegten Re- gisseur: „Schnauzen Sie doch Frau Tallian nicht an, die uns>ier helfen will! Wollen Sie vielleicht den finanziellen Ausfall trasen, wenn wir die Leute nach Hause schicken?" „Die Lazar soll spielen, und wenn sie hinkt mit hrem ver- stauchten Knöchel!" „Sie wissen ganz genau, daß da» nicht geht." Es wurde ruhig auf der Bühne. Man hörte das Sunmen der Menge aus dem Zuschauerraum wie aus einer Muschel „Sind Sie denn früher Schauspielerin gewesen, FrauTallian?" „Nur Choristin, und das ist lange her." Der Direktor seufzte, lauschte noch einmal dem Sunmen, das fordernd aufzubranden begann; überzählte das Geld, da zu ver- lieren und zu retten war— und sagte: „Lassen Sie sich anziehen und anschminken, Tallian— schnell, schnell!" * „Meine Damen und Herren!" sagte der Direktor vordem Bor- Hand.„Leider muß ich Ihnen mitteilen, daß Frau Maria Lazar auf dem Wege zum Theater gestürzt ist und sich einen Kiöchelbruch zugezogen hat. Sie kann deshalb heute nicht auftreten. An ihrer Stelle hat Frau Tallian die Hauptroll« übernommen." Der Direktor wollte sich zurückziehen, froh über feie geniale Idee, von Frau Tallians bisheriger Position nichts zu sqen— da rief einer Irgendwoher, mein Gott, wer war das, woher oußte der das—:„Frau Tallian ist doch die Souffleuse!" „Jawohl", sagte jetzt der Direktor mit notgedrungenc Tapfer- keit in das beginnende Gelächter hinein,„jawohl, Frau liallian ist unsere Souffleuse. Ich bitte, Frau Tallian ihre Hillsiereitschaft doppelt hoch anzurechnen!" Cr verschwand hinter dem Vorhang. Bor dem V-chang setzte sich die behagliche Bestie Masse in den Sesseln zurecht bereit, sich mit den prasselnden Waffen des Gelächters auf ihr Opfe zu stürzen. -i° Als Frau Tallian auftrat, au» der linken Seitetulisse, aus der noch gestern die Lazar, und vorgestern und seit fünfig Abenden die Lazar, und seit nun fünfzehn Iahren chrer Tätigkei als Souf- fleuse immer irgendeine andere aufgetreten war, währnd sie, die Souffleuse, immer geblieben war— als sie nun auftrai und einen anderen in ihrem Soufleurkasten sitzen sah, geduckt übei das Buch, verächtlich dem Publikum den Rücken zugedreht, sicher nie in einer Burg, in einer Höhle, indes ihr die Bretter der Büln« sich zu wölben schienen wie die runde Kuppe eines viel zu hohen Zerges— da packte sie einen kleinen Augenblick lang der Schwindel,>ie Angst vor dem Gewagten. Aber dann wußte sie wieder, daß sie>ies ohne Ehrgeiz tat, und ihre ersten Worte kamen klar und sich« fast im Tonfall der Lazar. Ohne Ehrgeiz— wahrhaftig ohne Ehrgeiz! Der Wang als Chormädchen, mein Gott, vor sechzehn Iahren, und nch einem halben Jahre aufgegeben, weil man keine rechte Singstiwne hatte, und weil man verdienen wollte für einen, den man liebte, md keine Charge frei war, wohl aber der Souffleurkasten: und nun eit soviel Iahren dieser Dienst, so, wie ein Handwerker Dienst tat oder ein Beamter oder ein Arbeiter, mit einem guten Lächeln marcimal über die Hysterie der Aufgeregten da auf der Bühne,— ach, ihr hundert Ehrgeize, die ihr euch müde liefet vor diesem Kastn mit der wissenden Frau darin, ach, ihr tausend Illusionen, iie ihr zu- sammenstürztet unter dem heiser helfenden Geflüster iiesec Frau, — teins von euch vermag diese Frau selbst mehr zu locken, nun nicht mehr... .Lauter!" ruft einer aus dem Zuschauerraum; hat sie zu leise gesprochen?„Spielen, nicht soufflieren!" ergänzt eine, und ein brüllendes Gelächter knattert hinterher. Sie erzittert. Ach— Ist das so? Ist das feindlick dl unten, ihr feindlich gesinnt, dies hundertköpfige Tier mit der glausamen Lachstimme— wird das Kampf, ungleicher Kampf? Das Zttern ist «in paar Sätze lang in ihren Worten, die sie bisher mt unterbewußter Sorgfalt ganz in der Art der Lazar gesprochen htte; als sie es besiegt hat, das Zittern, kann sie diese Art nicht wiedrfinden, und gerade beginnt eine der wenigen innerlicheren Szaen des seichten Lustspiels, eine Szene der Liebe, des Sichfindens; nd was, und wie soll sie tun? Ein Gefühl des Hinabsinkens isi in ihr, wie vor einem gewissen Tode oder doch einer Ohnmacht, ir Part- n«r sieht sie ängstlich an, der Souffleur schreit aus ihrem Ästen, sie sinkt weiter, sinkt hinab in die Tiefe und in die Vergangenheit ihres Lebens; einmal hat auch sie dies Bühnenwort gesagt:„Geliebter!", hat auch sie die Arme um einen Nacken geschlungen... „Geliebter!" sagt die Tallian, sagt es jo, wie sie. sie es gesagt hat, sagen würde, nicht wie die Lazar das sagt; etwas heiser ist ihre Stimme dabei, man hört die Scham vor dem Wort heraus; um Gottes willen, werden sie nicht lachen da unten? Nein, sie lachen nicht, sie sind ganz still. Vielleicht gehen sie sogar mit? Aber nun ist ihr das beinahe gleichgültig. Nun spielt sie weiter, lebt sie weiter, nun ist die Lazar vollkommen vergessen, nun kommt die Wendung ins Heitere, ein Lachen, es soll schwer sein, auf der Bühne richtig zu lachen— aber die Tallian schafft es. Unten lachen sie mit, aber nicht laut, nicht überlegen, nicht häßlich— nein, gut, einverstanden lachen sie, lachen nicht über sie, nicht gegen sie, lachen m i t ihr... Wie mit einer zärtlich rauschenden Umarmung fällt der Vor- hang um sie, rasch muß sie zurücktreten, wieder hinaustreten— sie klatschen! „Na also!" sagt der Direktor.„Na also, Tallian, weiter so!" Weiter so. Die Akte gleiten mit ihr über die Bühne wie gute, sichere Barken, darauf sie lebt. Immer ist, vor jeder neuen Szene, irgendein Erlebnis aus ihrem menschlichen Sein da, das sich einpassen läßt in die Sätze der Rolle; meist freilich sind es keine tatsächlichen Ge- schehnisse, ihr Leben ist ja nicht so reich, meist sind es die Träume ihrer Nächte, die Sehnsüchte, die Wünsche; meist ist es das, was hätte sein können, vielleicht hätte sein müssen, wenn der Mensch tapferer und das Leben barmherziger wäre. Sie blickt oft in das lockende Licht des Souffleurkastens, wie in eine Heimat hinein, die behaglich ist und eng, so eng; das ist ihr Leben, dieser Kasten, ihr Leben ist so, daß sie alles nur leise erlebt, nur leise spricht, nur flüstert, ohne Klang; heute einmal erlebt sie es laut, leuchtend, erlebt sie es nicht für sich, erlebt sie es für diese da unten. Die da unten haben die Frau auf der Bühne schon lange ver- standen. Mein Gott, was sind das denn für welche, die da unten? Das sind fast alles solche, wie Frau Tallian eine ist. Die arbeiten des Tags und leben so hin und haben keine Zeit und keine Stimmung fstr Sehnflicht« und Erfüllungen. Dt« Hegen de» Nacht» t» thren Betten, meist schlafen sie gleich ein, aber zuwellen sind sie lange wach. Dann denken sie an alles, was sie für diese liebe Welt tun müßten. Aber sie können nicht laut sein, nicht Nor sein, nicht leuchten; wenn der Tag kommt, finden sie kaum ein armes Echo von all der klingen- den Vielfalt. Sie können nur flüstern, was sie zu sagen haben. was sie wissen und was sie möchten, und sie lieben die, welche das laut wiederholen, welche ihre Stimme sind. Sie hocken alle in ihrem Souffleurkasten, sie wissen ganz genau, was gespielt wird, aber sie können nicht mitspielen. Die Großen der Welt agieren für sie, sie lassen es geschehen, es ist einmal so, jeder soll stehen, wo er hingehört— aber manchmal mag es ja wohl geschehen, daß einer der Ihren daran kommt, daß einer der Ihren in das Helle gerufen wird. Dann ist er ein bißchen geblendet und findet nicht gleich hinein, aber er tut seine Pflicht, wie er es unten im Kasten gelernt hat; und es ist viel Rührendes über seinem Tun. Diese Frau Tallian, diese Souffleuse da: die» ist so eine der Ihren. Wenn sie auftritt, wird das laute Gelächter, das die anderen Schauspieler wecken, zu einem leisen, empfindsamen Lachen; jawohl, wie du bist, so sind wir, wie du sein möchtest, so möchten wir sein; aber du weißt ja, es geht nicht so, im Grunde sind wir eben doch bloß Souffleusen, und das ist ja auch was Schönes, nicht wahr, liebe Eintagsdiva...? « Nun ist es zu Ende, nun geht das beglückte Lachen der Frau Tallian unter in einem anbrandenden und immer wieder auf- rauschenden und nicht ausflutenden Beifall; der Vorhangzieher ahnt. daß es Blasen geben wird an den Händen, der Regisseur strahlt und will Frau Tallians Verzeihung erringen, der Direktor sagt immer- zu:„Morgen wieder, und welter so, Frau Tallian, ja, wieso wußte denn das keiner?" Wieso? Nun, sie hat es doch selbst nicht gewußt, daß sie das einmal können würde; es ist beglückend, es einmal gekonnt zu haben. Aber daß sie es morgen nicht können wird, und übermorgen nicht, und nie wieder: das weiß sie gewiß. Sie ist nun mal keine Schau- spielerin. Sie ist Souffleuse. Zu lange schon, und wohl aus Schicksal. Langsam senken sich die müdegeklatschten Hände der vielen, die sie gefeiert haben; senken sich, hängen wieder herab, werden wieder Beamtenhände, Arbeiterhände. Und Frau Tallinn fragt noch rasch, ehe sie sich abschminkt, im selben Ton, in dem sie das seit fünfzehn Jahren zuweilen gefragt hat: „Wo ist mein Soufflierbuch? Hat jemand mein Soufflierbuch gesehen...? N. 3t. Ueuherl: QÖdellllütlUS „Gehen Sie ruhig fort!" sagte abends Herr Gödelmann zum Mädchen, das ihm feit dem Tode seiner Frau die Wirtschaft führte. Herr Gödelmann kränkelte. Sein Herz war nicht in Ordnung. Als Paula gegangen war— ein Mann erwartete sie—, stellte Herr Gödelmann das Radio ein. Es gab einen Querschnitt durch Wagner-Opern. Eben schmetterte der Lautsprecher den Pilgerchor. Das Zimmer, in dem Herr Gödelmann weilte, war noch nicht der ausgeklügelten Linienführung sachlicher Architetten zum Opfer gefallen, es gab hier noch einen wunderbar altmodischen, roten Plüschsessel. In diesem Plüschsessel saß Herr Gödelmann. Er kämpfte schon seit Minuten einen schweren Kampf. Dort im Schrank stand eine erst hatbgeleert« Flasche Portwein und da- neben eine Kiste Zigarren. Aber kürzlich erst war ihm dieser Genuß nicht gut bekommen, und der Arzt hatte äußerste Vorsicht empfohlen. Herr Gödelmann nahm jetzt eine Zigarre aus der Kiste, beroch sie, und sie roch gut. Eine solche 25-Pf«nnig-Zigarre mutzte be- sonders gut zu einer Wagner-Oper schmecken. Bald legte sich ein schöner, blauer Dunst um Herrn Gödelmann. Er versank genießerisch in seinem Plüschsessel uno ließ den Braut- chor aus„Lohengrin" über sich hinjauchzen. „Wo bleibt das Lied an den Abendstern?" fragte Herr Gödel- mann, der an seiner guten Zigarre sog, den anderen Herrn Gödel- mann, der mit Wagner einigermaßen Bescheid wußte. Es erklangen � unbekanntere Motive, aber man hatte sie schon gehört, irgendwo, vielleicht in„Rienzi". Der schöne, blaue Dunst um Herrn Gödelmann wurde immer dichter. Man konnte nicht mehr zur Uhr sehen. Aber sie schlug jetzt in ein Wagner-Motiv, neunmal, mtt der Wucht serner Gralsglocken. Jetzt verklärte sich Gödelmanns Gesicht. Die Zigarre hatte er im Aschbecher zerdrückt, nur der Rauch lagerte noch wie Nebel, der schon von den Dingen wich und sie klarer zurückließ, jetzt erklang das Lied an den Abendstern. Gewiß, was geschah, wäre auch bei dem Solo des Trompeters von Säckingen geschehen, aber In Nuancen wäre es anders geschehen, Herr Gödelmann hätte sich wohl nicht so verklärten Lächelns im roten Plüschsofa ausgestreckt, wer weiß, ob er überhaupt gelächelt hätte, denn mtt diesem Wagner-Motiv erwachten in ihm kleinbürgerlich« Ressentiments— er hatte seine Frau nämlich gelegentlich einer»Tannhäuser'.Aufführung im Stadttheater kennen- gelernt—, damals... Er lächelte, streckte sich aus und griff..... Es ist nicht leicht, begreiflich zu machen, daß der Mann im roten Plüschsessel mtt einer jähen Handbewegung nach dem Herzen eben Abschied vom Leben nahm. Der Arzt konstatierte später„Herzschlag", aber wir glauben, daß Herr Gödelmann, als er sich im Sessel aus- streckte, weil sein Lieblingslied begann, einfach den vielleicht un- bewußten Wunsch hatte, seinen Einspänner aus dieser Well zu lenken. Vielleicht fand er, daß es die beste Gelegenheit wäre: nie- mand war im Hause. Das Bild seiner toten Frau lächelte von der Wand. Aus dem Lautsprecher klang das Lied an den Abendstern. Wir können die Geschichte noch nicht beschließen, obwohl es keine heitere Geschichte ist. Denn da Paula weggegangen war— mit Herrn Gödelmanns Erlaubnis—, war niemand da, der das Radio abgestellt hätte. Die letzten Wagner-Klänge waren zwar eben ver» hallt, aber der Ansager kündigte jetzt Tages- und Sportnachrichten an. Früher hatte Herr Gödelmann an diesem Punkt des Funk- Programms ärgerlich ausgejchallet. Allenfalls hatte er sich noch die Tagesnachrichten angehört, aber die Details aus dem Fußball- und Boxlager interessierten ihn nicht. Jetzt war niemand da, auszu- schalten. Der Tot« konnte sich nicht mehr erheben, er saß etwas zu- sammengesunken im roten Plüschsessel, und es sah eigentlich aus, als hörte er sehr intensiv dem Ansager zu: In Süddeutschland trafen sich Wacker-München und die Spieloereinigung Fürth in einem Freundschaftsspiel, das die Fürther... Herr Gödelmann mußte alles über sich ergehen lassen. Er tonnt« keinen Einspruch dagegen erheben. Aber lächelle er nicht etwas verächtlich? Zog da nicht um die Mundwinkel ein Schatten überlegener Ironie? Ja, machte«r sich nicht leise lustig über den Ansager, über Freundschaftsspiele in Bayern, über Hundert-Meter- Läufe und K.o.-Siege amerikanischer Boxer? Der Ansager gab jetzt di« genaue Zeit der Sternwarte an. Früher hatte Herr Gödelmann seine Uhr danach gestellt. Jetzt störte es ihn nicht, daß der Regulator wieder um fünf Minuten nachging. Wer jetzt müßte Herr Gödelmann doch endlich aufwachen. Jetzt müßte er aus dem roten Plüschsessel springen, gleich die Uhr richtig- stellen und sich ein Glas Portwein einschenken. Denn jetzt begann die Uebertragung der Tanzmusik aus dem„Eden-Palast. Der An- sager hatte«s eben gesagt. Regt««r nicht schon seine Füße? Konnte man bei diesen Tango- klängen so steif und starr im Sessel hocken? Herr Gödelmann. lieber Herr Gödelmann, ein Tango, hören Sie! Wachen Sie doch auf! Machen Sie doch«in End« mit dem traurigen Spahl Sie sind doch noch jung. Sie wollen doch nicht etwa gestorben sein? Aber Herr Gödelmann erwachte auch bei dem schönsten Tango nicht mehr. Er würde erst wieder bei den Posaunen des Jüngsten Gerichts er- wachen. Er dachte auch gar nicht daran, die Antenne zn erden. Adler und Mäuse ..-----, Gefahren für Alugzeugei Ungewöhnliche Zufälle haben in letzter� Zeit zu zwei Flugunfällen geführt. Der Unfall bei Gaya, der kürzlich um e-in Haar dem Prinzen Bibesco und seinen Fahrtgenossen das Leben gekostet hätte, wurde durch einen Zufammenstoß mit einem Adler verursacht, der den Absturz des Flugzeugs zur Folge hatte. Der andere Unfall ereignete sich bei Raloigh im Staate Rond-Carolina, wo der Pilot Oscar Dawson im Verlauf einer Flugreise die Wahrnehmung machte, daß sich ein großes Stück der Flügeidecke von der Tragfläche gelöst hatte. Es aelang ihm, rechtzeitig zu landen, und die Mechaniker besserten den Schaden aus. Sie fanden bei der Reparatur eine Maus in einem Nest von Fäden, die das Tier aus der Flügeldecke abgenagt hatte. bsisngCTi wTr eine neue ZIgareWe ENVER BEV VALUTA EinhettsPachiwH) dicb und rund 0/>a <ße ladz LWgkLll Jeden anspriirhsunTTtm Danrhon hofrlodigon winrt