BERLIN Sonnabend 2. Mai 1931 10 Pf. Jlr. 203 B 102 48. Jahrgang ErscheinttSslich anSerSonttta««. Zugleich Abendausgabe des.VvnvärrsV Bejugspreie beide Ausgaben«s Pf. proWoche. u.eoM. pro Monat. Kedaktion und Expedition: Berlin SWKs.Liudenstr.Z Fernsprecher: Dönhoff 292— 29? „ibwasfa Anzetgenpret«: Die etnspalttgeNonpareilleieile 8« Pf.. Reklameieile SM. Crmäßigun en nach Tarif. Poffscheckkonto: Vorwärcs-Verlag G. m. d. H.. Berlin Nr. S? S36.- Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Amelgen vor! Maikundgebung in Berlin Ungeheure Beteiligung am Aufmarsch zum Lustgarten hunderttausende marschierten, hunderttausende demon. I strierten gestern in Berlin unter den Fahnen der Sozialdemo- kratischen Partei, der freien Gewerkschaften, der Arbeiter- sziorller. Tiefer Ernst lag über dieser Kundgebung. Die ganze Schwere der Wirtschaftskrise lastete auf ihr. Die klare Er- kenntnis, daß nur Einheit, Geschlossenheit und Entschlossenheit uns herausführen können aus dem Elend, bewahren können vor einer Katastrophe, den weg bereiten können zu neuem Aufstieg, zur lleberwindung nicht nur dieser Krise, auch schließlich des ganzen kapitalistischen Systems, diese klare, nüchterne Erkenntnis war allen Gesichtern aufgeprägt. Die Istassen, die gestern vormittag, oft nach weitem Istarsch, im Lustgarten und in allen Zugangsstrahen Kopf an Kopf gedrängt standen und nach allen Entbehrungen dieser Krise auch das Opfer eines Lohntages auf sich genommen hatten— soweit sie noch Arbeil haben—. um einzustehen für ihre Ziele, sie waren nicht aus einer Aufwallung, aus einem dumpfen Gefühl der Verbitterung gekommen. Organisierte Gewerkschafter und Sozialdemokraten, erwarten sie nicht. daß das heutige Wirtschaftssystem ihnen ein Leben der Freude gewähren wird. Sie sind sich ihrer harten Aufgabe und der Notwendigkeit eines in Geschlosiepheit geführten Kampfes bewußt. Diese unverbrüchliche Kampfgemeinschaft, die nicht die einer Stunde, eines Tages, der Istifere einer wirtschafts- krise, sondern eines Lebens und einer Weltanschauung ist, hat diese Massen zusammengeführt in ihre Organisationen. Und nun standen sie Kopf an Kopf, Schuller an Schulter, und e i n Wille, e i n Geist durchflutete sie olle. Und als sie zum Schluß Einstimmten in das dreifache hoch auf die Sozialdemokratie und die internationale Arbeiterbewegung, als alle Hände in einer Bewegung hochflogen, da was es wie ein Rütlischwur: „wir wollen eins sein, zusammenstehen und zusammen kämpfen gegen unsere Feinde, komme was kommen magi" Oer Verlauf der Kundgebung. Es ist"�10 Uhr. Der weite Platz zwischen Museum, Dom und Schloh ist noch fast leer. Nur lose Gruppen umstehen die auf einem Lastkraftwagen improvisierte, rot drapierte Rednertribüne, die das Banner des Bezirksoerbondes Berlin der Sozialdemokratischen Partei flankiert. Bredow, Künstler, holz, Sprung sind schon aus ihrem Posten. Photogrophen und Filmoperateure rücken an. Marschmusik ertönt. Es ist die Spitze des Zuges des Gesamtverbandes, voran ein Riesentransparent. Um �10 Uhr marschierte die Spitze des Zuges ein, um Ig Uhr kamen sie immer noch, die Sektionen des Gesamtverbandes. Um 10 Uhr war der Platz gefüllt. Und immer neue Züge marschierten heran. Die �Museumstreppe, die Treppen des Doms waren belagert, auf der Schlotzsreiheit stauten sich die Massen. Und immer noch marschierten Züge heran, keilten sich in die enggedrängte Menge. Mit Mühe nur konnten sich die Fahnenträger einen Weg bahnen bis zur Tribüne: die schlanken Arbcitersportler mußten sich fast durchkämpfen. Bei weitem nicht alle Fahnenträger kamen ober bis zur Rednertribüne, die umrahmt war von einem Wald wehender roter Fahnen. Um?Lll, als die Kundgebung sich schon ihrem Ende zuneigte, marschierten noch neue Züge an, stauten sich in den Zugangsstraßen, denn im Lustgarten und vor dem Schloß konnte der bekannte Apfel nicht mehr auf den Boden sollen. So riesenhast die Massen, so eng eingekeilt die Meng« auch war, kein Mißton störte die in eins geschweißte Willenskundgebung. Es war ein großer, ein Ehrentag der organisierren, der sozial- demokratischen Berliner Arbeiterschaft. ltnübersehbare Massen. Es ist unmöglich, eine auch nur annähernd genaue Zahl der Masien anzugeben, die gestern im und um den Lustgarten herum dicht gedrängt demonstrierten. Waren es 1S0 000 oder 200 000? Der Pressereferent des Berliner Polizeipräsidiums schätzt die Zahl der Teilnehmer auf weit über hunderttausend, und der Berliner Polizeipräsident, der doch wahrhaftig beruflich viele Aus- Märsche im Lustgarten gesehen Hätz findet nur das eine Wort:„3 m- ponierend!" Was wir seit über einem halben Jahre immer wieder erleben, tritt auch hier in Erscheinung: dl« Berliner Arbeiterschaft hat die Stunde erkannt und zeigt I Einigtest«"»b Geschlossenheit in der Sozialdemokratie, den SHick auf die Vlafienkundgebung freien Gewerkschaften und allen anderen Sampsverbänden der> Republik und der Partetz daß die Berliner Arbeiter den Fels darstellen, an dem der Faschismus zerschellen muß. Ein Meer von roten Fahnen wogt. Besondere Beachtung findet ein Banner von Sportlern, die sich vom Irr- wahn kommunistischer Parolen überzeugten und zur wahren deutschen Arbeiterpartei, der Sozialdemokratie, zurückgekehrt sind. In Hunderten von Plakaten und Transparenten wird Arbeiterrecht und Arbeiterschutz verlangt, die Arbeiterschaft zur Einigkeit ermahnt und die Regierung Brüning aufgefordert, in der sozialen Gesetzgebung jede reaktionäre Maßnahme zu Unterlasten und der Forderung gerecht zu werden: Ausbau nicht Abbau tut n o t I 3000 Arbeitersänger unter der Leitung des bewährten Dirigenten Schumann singen: „Der Freiheit mein Lied" erklingt zur Eröffnung und, ein Symbol dieser Zeit gleichsam, folgt, trefflich vorgetragen und von der Mäste mit Anteilnahme aufgenommen, das Lied„Frühlingsstürme". Der Vorsitzende der Berliner Sozialdemokratie, Genoste Kranz Künstler, nimmt dann zu einer kurzen Eröffnungsrede das Wort: „Das Berliner Proletariat ist ausmarschiert zu einer Kund- gebung für den Dölkerfrieden. für die Abrüstung, gegen Lohnraub und Verschlechterung der Sozialversicherung und der Arbeits- bedingungen. Am 1. Mai, dem Weltfeiertag der Arbeit, bekunden Hand- und Kopfarbeiter, daß sie als Glieder der großen freigewcrk- Rückgang der Arbeitslosigkeit. Genaue Zahl sieht noch nicht fest. Die Zahl der Haupkunkerstühungsberechtiglen in der Arbeitslosenversicherung ist vom 31. März bis 15 April um etwa 213 000 auf 2 103 970 zurückgegangen. Die Zahl der in der Krisenfürsorge befindlichen Arbeilslosen ist um etwa 33 600 auf 889 900 gesunken. Die wichtige Gesamtzahl der Ar- beilsuchenden ist noch nicht sestgestelltz Man rechnet damit. daß 40 000 bis 50 000 ausgesteuerte Arbeitslose im Laufe des Monats April in die gemeindliche Mohlfahrlspsiege ausgenommen wurden, was gleichbedeutend ist mit einer entsprechenden Minderung de» ob« angegebenen Rückgangs der Arbeitslosigkeitz schaftlichen und sozialdemokratischen Arbeiterbewegung kämpfen für die notleidende unterdrückte Menschheitz Dieser wuchtige und macht- volle Aufmarsch zeigt allen fernstehenden und irregeleiteten Klassen- genosten die Geschlostenheit und Kampfgemeinschaft der freien Gewerk- schasten, Angestellten- und Beamtenbünde mit der Sozial- demokralie. Di« politischen Gegner der aufwärtsstrebenden Arbeiterklasse sollen vernehmen, daß die bewährte Kampfgemeinschaft von Sozialdemo- kratie und Gewerkschaften gerade nach dem14. September besondere Festigkeit hat. Partei und Gewerkschaften stehen, im Kamps um die Demokratie, im Kampf gegen den Faschismus auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden. Wir grüßen unfern 1. Mai, den Weltfeiertag der Arbeit. Wir grüßen die Proletarier diesseits und jenseits der Grenzen und reichen im Geiste allen denen die Bruderhand, die mit uns gemeinsam ihre Lebensaufgabe darin sehen, dem Proletariat den Weg zum Aufstieg freizumachen." Robert Aredow, der Vorsitzende des Ortsausschusses Berlin des ADGB., hält die Hauptrede des Tages: „Zum erstenmal feiern wir in Berlin offiziell mit Partei und Sportlern zusammen den 1. Mai. Hierdurch soll der Oeffentlichkeit unsere Verbundenheit klar und eindeutig gezeigt werden. Wir kämpfen gemeinsam für die Rechte der Arbeitnehmer. Der 1. Mai ist kein Feiertag wie andere. Wäre er es, so könnten wir auf ihn verzichten. Er ist ein K a m p f t a g. An diesem Tage geloben wir, nicht eher zu ruhen und zu rasten, bis wir den kapitalistischen Staat zum sozialistischen Staat gewandelt haben. Gerade die jetzige Zeit beweist, daß die Kapitalisten nicht in der Lage sind, die Dinge zu meistern. Fast alle Länder der Welt stehen unter dem Druck einer großen Wirtschaftskrise. die zu einer gewaltigen Arbeitslosigkeit geführt hat. In Deutsch- land haben wir noch weit über vier Millionen Erwerbslose. Den Gewerkschaften und der Sozialdemokratie war es möglich, trotz einer bürgerlichen Regierung das Gesetz über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung zu schaffen. Die Kommunisten freilich haben dagegen gestimmt. Die Grundlagen zu diesem Gesetz sind das Werk der Gewerkschaften. Wir zahlen seit Jahrzehnten Arbeitslosen- Unterstützung, wir schufen Arbeitsnachweise, und die Arbeitgeber sind immer gegen diese Gesetzgebung gewesen. Um ihretwillen ist das Kabinett Hermann Müller aufgeflogen, weil man über die Beittäge zur Arbeitslosenversicherung keine Einigung erzielen konnte. Damals waren 4 Proz. zuviel, heute reichen 6 Proz. nicht aus. Wenn uns auch dieses Gesetz nicht voll befriedigt, so war sein« Schaffung doch eine große Tat. Die Arbeitgeber vorsuchen jetzt mit allen Mitteln die sozialen Einrichtungen zu verschlechtern. Das zeigt sich in ihrem Verhalten zu den Fragen der Krankenkassen und der Unfall- und Invalidenversicherung. Auch die Arbeitslosenversicherung soll abge- baut werden. Wir, Partei und Gewerkschasten, kämpfen gegen Abbau und für Ausbau der Sozialgesetzgebung. Die Bürgerlichen sagen, daß die Arbeitslosenversicherung sich selbst erhalten solle und keine Zuschüsse des Staates zu bewilligen seien. Wir verlangen, daß unter keinen Umständen eine Verschlechterung eintritt. Di« Arbeitgeber behaupten, daß die Wirtschaftskrise durch die gxoßen sozialen Lasten eingetreten sei. Nach ihrer Ansicht kann die Krise nur durch Lohnabbau behoben werden. Wir haben immer erklärt: Nicht Lohnabbau, sondern Hebung der Kaufkraft tut not! Eine Verkürzung der Arbeitszeit schafft die Möglichkeit, Arbeitslose wieder in den Produktionsprozeß einzureihen. Man hat auf unsere Ratschläge nicht gehört. Der Lohnabbau wurde mit allen Mitteln durchgeführt, die Krise verschlimmerte sich, das Heer der Arbeitslosen wuchs weiter. Unsere Pflicht ist es, unter allen Umständen möglichst viel Arbeitslose wieder in die Betriebe zu bringen. Dies ist jedoch töobert ißredotv am Vlikrophon nur möglich durch eine Verkürzung der Arbeitszeit. Selbst die söge- nannte Brauns-Kommission schlägt eine Verkürzung der Arbeitszeit vor. Wir gehen mit unseren Forderungen weiter al» diese Kommission. Die Arbeitszeit muß für alle, auch für die bei Reich, Staat und Kommunen tätigen Arbeitnehmer auf 40 Stunden bzw. S Tag« in der Woche reduziert werden. Die Unternehmer würden sich nicht erlauben, gegen uns so kühn und frech aufzutreten, wenn wir eine einige und geschlossene Arbeiterschaft hätten. Aber auf Befehl der KPD. wird versucht, die Gewerkschaften zu spalten und neue Organisationen zu gründen. Auch die N a t t o n a l- s o z j o l i st e n versuchen ähnliches. Wenn man das Treiben dieser Leute steht, ganz gleich, ob sie rechts oder links stehen, muß man zu dem Schluß kommen, es sind Helfershelfer der kaptta- l i st i s ch e n Reaktion. Darum erklären wir diesen Leuten: Wer die Gewerkschasten zerschlagen will, begeht ein Verbrechen. Mit Verbrechern hat die Arbeiterschaft nichts gemein. Allgemein polttisch gesehen ist die Lage nicht rosig. Die Wahlen sind sür die Arbeiterschaft ungünstig ausgefallen. Darum haben unsere Vertreter im Reichstag auch manchem zustimmen müssen, das ihnen gegen den Strich ging. Aber alles hat seine Grenze. Wir fordern und verlangen eine Außenpolitik, die Völkerfrieden und Abrüstung erstrebt. Gerade die Abrüstung würde Ersparnisse herbei- führen, die der arbeitenden Klasse zugute kommen. Wir fordern internationale Vereinbarungen zur Bekämpfung der Weltwirtschast»- krise und der Arbeitslosigkeit. Der Regierung rufen wir zu: Ge- liug des Lohnabbaues, schafft Arbeit für unsere Erwerbslosen, regelt durch Gesetz die Arbeitszeit! Den Arbeitnehmern sagen wir: Mit Erfolg können wir nur kämpfen, wenn wir einig und geschlossen sind, Deshalb stärkt und festigt die Reihen, tretet ein in die Verbände, in die Gewerkschaften, in die Partei. Wenn jeder seine Pflicht tut, werden wir die bevorstehenden Kämpfe siegreich bestehen. Unsere Parole ist heut« wie immer: Auf zum Kampf und Sieg! .Dann singen wieder die vereinigten Chöre des Arbeitersänger- bundes:„Hebt unser« Fahnen in den Wind!" und„Arbeiterlied". Machtvoll brausen die Töne über den Rtesenplatz, Starker Beifall dankt den ausgezeichneten Sängern. Genosse Franz Künstler nimmt das Schlußwort:„Macht- voll und laut haben die organisierten Arbeiter ihre Stimmen für die gerechten Forderungen der freien Gewerkschaften erhoben. Aber unser Kampfruf am 1. Mai gilt nicht nur der Sozialreaktion. wir sagen Kampf an den Faschisten, die auf und daran sind, die Grundlagen der Republik zu unter- minieren. Wir wollen alles unternehmen, damit die Träume der Hakenkreuzler und der schwgrzweißroten Konterrevolution zuschanden werden. Wir wenden uns am 1. Mai über die Grenzen hinweg an unsere Arbeitsbrüder und fordern sie auf, mit uns gemeinsam für den Frieden zu kämpfen. In dieser Stunde ist es sozialistische Pflicht, auch der proletarischen Brüder zu gedenken, die in den Ländern der Diktatur schmachten und leiden. Wir grüßen da» heldenmütige italienische Proletariat. Wir bekunden unsere Sympathie mit den proletarischen Märtyrern in Pilsudski-Polen. Wir beglückwünschen das spanische Proletariat zu seinem Siege über Reaktion und Man- archic. Wir aber Gewerkschaftskollegen, Brüder und Schwestern von den Angestellten- und Beamtenverbänden, wollen mit der Sozial- demokratie Schulter an Schulter kämpfen für die Befreiung des Proletariats aus ökonomischer und politischer Knechtschaft." Mit einem brausend aufgenommenen Hoch auf Partei und Ge- werkschaften schloß Künstler die Kundgebung. sWcitere Berichte In der Beilage.) Das rumänische Parlament ist aufgelöst worden. Die Neu- wählen sür die Kammer wurden auf den l.Äuni, die für den Senat auf den 4. Juni festgesetzt. Das neue Parlament dürste am 1ü. Juni zusammentreten. Geldbriefträger ermordet VSOV Mark erbeute«- 3000 Mark Belohnung ausgesetzt Das Opfer eines wohlüberlegten Raubmordes ist am 1. Mal der 52 Zahre alte Geldpostbote Gustav Schwan aus der Babelsberger Straße 12 geworden. Durch eine slugierle Postanweisung wurde er in eine Wohnung in der G o s s o w st r a ß e In Schöneberg gelockt und dort von dem Täter mik einem Gasrohr niedergeschlagen und erwürgt. Die Diensttasche des Beamten enthiclt 6500 M. bares Geld, mit denen der Täler zunächst entkommen ist. wir erfahren zu dem Raubmord folgende Einzelheiten: In dem Haufe Gossochstraße 10 wohnt im Erdgeschoß die 76 Jahre alte Witwe Ottilie Möbius. Di« Frau hat von den vier Zimmern ihrer Wohnung zwei an Untermieter abgegeben. Die Zimmer liegen nach der Straße zu, das dritte ist ein sogenanntes Berliner Zimmer, hier geschah der Mord. Die Zimmer sind mit alten Möbeln ausgestattet, an den Wänden hängen alte Stiche und Photographien von Familienangehörigen. Frau Möbius macht selbst alle» sauber und sorgt für gut« Ordnung. Trotz ihres hohen Alters ist sie noch sehr beweglich und geistig recht regsam, so daß sie der Mordkommission eine genaue Schilderung der Vorsänge geben tonnte. Danach ist am Dienstag, dem 28. April, oder auch am Mittwoch, dem 29. Apnl, zwischen 4 und 3 Uhr nachmittags ein junger Mann erschienen, der sich nach einem freien Zimmer erkundigte. Er verabschiedete sich zunächst mit dem Bemerken, daß er«e sich überlegen wolle. Tatsächlich kam er gegen 6)4 Uhr zum zweitenmal und schloß nun den Bertrag ab. Auf den Mietpreis von 40 M. zahlte er 10 M. an. Er ei kündigte sich, wann der andere Mieter fortzugehen pflege und erzählt«, daß er aus Wien stamme, ortsfremd fei und vorläufig in einem Hotel wohne. Er fei in einem Geschäft in der Nähe angestellt. Besonders interessiert« er sich, wann morgens zum erstenmal der Btiesträger komme. Das begründete er damit, daß auch dte Postsachen für die Firma an sein« Privatadresse gingen und daß er sie ins Geschäft mitnehmen müsse. Zugleich mit den 10 M. übergab er der Wirtin eine Visitenkarte, die den Namen„Erich Wichel, Mölding bei Wien, In- stitutsgass« 16." trägt. Er entfeinte sich schließlich mit dem Be- merken,«r könne den genauen Termin des Zuzugs nicht angeben, da. er gerade zu Ultimo mit Arbeit überhäuft fei. Donnerstag, 30. April, kam der Geldbrtesträger Schwan zu Frau Möbius und fragte noch dem neuen Mieter Wichel, für den er S M. habe. Di« alte Frau bedeutete ihm, daß er morgen noch einmal wieder- kommen müsie. Anschrift und Absender auf der Postanweisung sind in lateinischen Buchstaben geschrieben, als Absender war P. Grunow in der Adalbertstr. 89 angegeben. Es ist aber schon fest- gestellt, daß dies«In Schanklotal Ist und daß dort niemand einen Wichel kennt. Die Anweisung Ist auf dem Postamt W. 10 in der Genthiner Straße am Mittwoch, dem 29. April 1931, zwischen 19 und 20 Uhr eingezahlt worden. Das Verbrechen am Morgen des 1 Mai. Am Freitag, dem 1. Mai. klingelt««s kurz vor 7)4 Uhr früh an der Tür der Frau Möbius. Als sie öffnete, stand der neu« Mieter da und sagte:„Na. nun bin ich da!" Dte Frau führte ihn in sein Zimmer und der Mann erklärte, daß im Laufe Des Bor- mittags der Hoteldiener mit feinem Gepäck kommen werde. Frau M. kleidete sich fertig an nd fragte dann den Mieter nach seinen Wünschen. Er hatte sogar zwei Anliegen. Erstens bat er die Frau, sie möge feine Brille, die entzwei war, zum Optiker bringen und zugleich einen Rohrpostbrief aufgeben. Beide Aufträge dienten wie man jetzt weiß, nur dazu, di« Frau aus dem Haufe zu ent- fernen. Um de mangcbllch Ortsfremden unnötig« Wege zu er- sparen ging die alt« Frau bereitwillig aus und erledigte, was ihr aufgetrogen war. Als sie zurückkam, hatte den neuen Mieter an- scheinend ein Mißgeschick getroffen. Sie sah ihn in seinem Zimmer am Waschtisch stehen sind sichBIutvon derWangewischen. Er erzählte ihr, daß er sich allf der dunklen Diele, zu der vom Haus- flur einige Stufen hinausführen, gestoßen habe. Wichel bat die Frau schnell Berbandwatt« und Heftpflaster zu holen. Die Bereit- Willigkeit, mit der sie diesen Gang unternahm, rette ihr ohne Zweifel das Leben, denn zu der Zeit lag der Geldbriesträger bereits als Leiche im Berliner Zimmer. Als die alte Frau von der Drogerie zurückkam, fand sie im Berliner Zimmer£>i« Leiche eines Mannes und nahm im ersten Schrecken an, daß ihrem Unter- mieter noch ein Unfall zugestoßen fein müßte. Die gegenüber woh- nende Pförtnerfrau und andere Hausbewohner rief sie zu Hilfe und jetzt erst erkannt« man, was für ein scheußliches Verbrechen sich zu- getragen hatte. Der Tote war nicht der Untermieter, sondern der allen bekannte Geldbriefträger Schwan- Die Kriminalpolizei wurde benachrichtigt und die Kommissare Drägcr und Miclenz erschienen mit ihren Beamten am Tatort, um den Befund aufzunehmen. In Anbetracht der Wichtigkeit des Falles erschienen ferner Ministerial- direktor Dr. Klausener vom M. d. I., die Chefs der Kriminalpolizei Scholz und Dr. Kopp und von der Oberpostdirektion Oberpostrat Boedk», außerdem der Gerichtsorzt Prof. Fraenkcl. Es wurde eine Belohnung von 2000 M. ausgesetzt. Geschickt hatte der Mörder durch sein Auftreten es verstanden, das Vertrauen der alten Frau zu gewinnen, so daß sie gleich bereit war, für ihn Gänge zu besorgen. Seit 15 Iahren pflegte Schwan, der beim Postamt W30 angestellt war, In diesen Straßen die Geldsendungen auszutragen. Stets fing er in der Goffowstraße an, erledigte dann die Häuser Motzstraße 15 bis 22 und bestellte zum Schluß die Geisbergstrahe. Für den Mörder war es wichtig, den Beamten gleich bei der ersten Bestellung abzufangen, weil er dann noch alles Geld bei ihm finden würde. Mit den beiden ersten Auf- trägen ihres Mieters hatte Frau M. die Wohnung um 8% Uhr verlassen und kehrte nach etwa 20 Minuten zurück- In der Zwischenzeit war Schwan gekommen. Der Beamte konnte nicht ahnen, daß er mit dem„Neuen" ganz allein in der Wohnung sei und hatte wahr- scheinlich deshalb auch keinen Argwohn, die Zimmer zu betreten. Er holte aus seiner Tasche die 5 Mark und daneben den Abschnitt der Postanweisung. In diesem Augenblick muh ihn der Mörder über- fallen haben. Mit einem etwa% Meter langen mit Sand gefüllten Bleirohr. das in ein Stück Sack eingenäht war. Hot der Mörder den Beamten sofort niedergeschlagen. Die Wucht des ersten Schlages war so groß, daß sie das Nasenbein zertrümmerte. Schwan war aber noch nicht kampfunfähig. Plag- wunden an den Händen beweisen, daß er versucht hat, Wider- stand zu leisten und daß der Mörder auch auf die Hände rücksichtslos zugeschlagen hat. Zwischen den Männern muß ein erbitterter Kampf ln dem halbdunklen Berliner Zimmer stattgefunden haben. Bon einem Ruhebett, das gegen den Ofen gerückt ist, find die Füße abgebrochen und auf den Dielen zeigen sich lange Schrammen, die beim Hin- und Hergleiten des Sofas ent- standen sind. Endlich muß es dem Mörder geglückt sein, den Beamten zu Boden zu bringen. Hier packte er ihn am Halse und er-j würgte ihn mit den Händen. Schwan war zwar auch mit einem kurzen Totschläger bewaffnet, der noch gefunden wurde, er scheint aber keine Gelegenheit oder keine Kraft mehr gehabt zu haben, sich damit zu verteidigen. Während Wichel sich die Verletzung, die er im Kampfe davongetragen hatte, in seinem Zimmer auswusch. wurde er von der heimkehrenden Frau M. überrascht, Geistesgegen- wärtig schickte er sie zur Drogerie. Um 6 Uhr 50 Minuten hat er, wie Zeugen gesehen haben, das Haus verlassen. Als wenige Minuten später Frau Möbius mit der Verband» matte zurückkam, war der Mörder bereits verschwunden. Ueber seinen Fluchtweg gehen die Zeugenaussagen auseinander. Einige Leute behaupten, er habe eine Droschke bestiegen, andere wieder sagen, er sei zu Fuß weggegangen. Aus keinen Fall aber hat er Zeit gehabt, die Blutspuren des Kampfes zu entfernen. In seinem Zimmer fand man zwischen dem Ofen und dem Waschtisch einen blutbesudelten weichen Kragen mit Krawatte. Der Kragen ist hinten eingerissen, wahrscheinlich hat der Postbeamte den Mörder dort ge- packt gehabt. Die Beute des Täters. beträgt 6500 Mark bares Geld, da, wie gesagt, der Beamte seinen Bestellgang erst angetreten hatte. Das Silbergeld befand sich in einer Ledertasche mit Bügel, die großen Scheine waren in einem sogenannten Handleder. Das P r i v a t g e l d des Beamten, etwa 20 Mark, und die 5 Mark der Postanweisung hat der Täter in der Eile nicht mitgenommen. Die Beschreibung des Täters. Nach der Beschreibung, die die Wirtin und die Pförtnerfrau, die den Mörder auch gesehen hat, von ihm geben, war der angebliche Wichel etwa 25 bis 30 Jahre alt, 1,75 bis 1,78 Meter groß, also über Mittelmaß. Cr hat blondes Haar, glattrasiertes Gesicht und trug einen dunklen, in der Mitte geknifften Hut und einen langen, dunkelblaugrauen Mantel. Da auf der Visitenkarte als Wohnort Mödling bei Wien angegeben war, hat sich das Polizeipräsidium unverzüglich mit den Wiener Behörden in Ver- bindung gesetzt. Die Recherchen haben dort folgendes ergeben: In der I n st i t u t s g a s s e wohnt ein Regierungsrat Wichel. Er hat einen 30 Jahre alten Sohn Erich, der sich ober auch Eugen genannt hat. Dieser junge Mann kommt für den Mord nicht in Betracht. Er ist, wie feststeht, zur Zeit der Tat in Wien gewesen.' Bis zum Dezember v.J. war er in Berlin als Eintänzer tätig und wohnte als Untermieter in der Fasanenstraße 72. Er tanzte in der Barberina, in der Königin, im Hotel Adlon und anderen Gaststätten. Er verllebte sich in eine Frau und reiste mit ihr nach Monte Carlo, wo er die Saison mitmachte. Zu Beginn des Frühjahrs kehrte er nach Wien zurück. Wichel hat angegeben, daß er sich in Berlin habe Visitenkarten drucken lassen. Er habe sie an verschiedene Personen gegeben, mit denen er hier zusammenkam. Artisten, Musiker und Damen, die ihn beim Tanz kennengelernt haben. Wie die eine Karte in die Hände des Mörders gelangt ist, kann man noch nicht sagen. Der Mörder muh aber ln dem Per- sonenkreis zu suchen fein, mit dem Wichel in Verbindung gekommen ist. Der Ermordete hinterläßt eine Frau und eine erwachsene Tochter. Kollegen, die Schwan genauer kennen, sagen, daß er auf seinen Bestellgängen ziemlich vorsichtig gewesen ist. Nur der Umstand, �aß er in der Wohnung auch die ihm be- kannte Frau Möbius zu finden dachte, kann ihn veranlaßt haben, ohne weiteres einzutreten. Die Bewohner der darüberliegenden Wohnung haben zur Zeit der Tat Schreie gehört, ihnen aber keine besondere Bedeutung beigemessen.— Die Sektion der Leiche wurde mit größter Beschleunigung durchgeführt. Der Befund bestätigte, daß der Tod durch Erwürgen eingetreten ist. Der Hiev mit dem Bleirohr war nur betäubend, aber nicht tödlich. Muttermord auf dem Wedding. 81 jährige von ihrer geistesschwachen Tochter getötet. Eine entsetzliche Bluttat wurde heute vor- mittag im Hause Reinickendorfer Ttr. 69 entdeckt. Dort ist die 81jährige Witwe Luise Lieb ig von ihrer 99 Aahre alten geistesschwachen Tochter ans furchtbare Weise getötet worden. Tie Geisteskranke fiel über die schlafende Mutter her und schnitt ihr mit einem Küchen- messer die Kehle durch. Dte alte Frau bewohnte Im 1. Stockwerk des Quergebäudes ein« kleine, aus Stube und Küche bestehende Wohnung. Mit ihrer 39jährigen Tochter Charlotte, die geistesschwach ist und wiederholt in einer Anstalt interniert war, lebte die alte Frau sehr zurück- gezogen. Die Kranke schien nicht gefährlich, so daß gegen das Zu- famnienleben von Mutter und Tochter keinerlei Bedenken gehegt wurden. Als heute vormittag ein« verheiratete Tochter der Frau Liebt,. die außerhalb wohnt, ihre Angehörigen besuchen wollte, wurde die furchtbare Tat der Geisteskranken entdeckt. Als dle Frau des Schlaf- zimmer betrat, sah sie zu ihrem größten Entsetzen die Mutter mit durchschnittener Kehle tot im Bette liegen. Bon der Polizei wurde die Geisteskranke, die auf der Straße planlos umherirrte und keinerlei Teilnahme zeigte, sofort festge- nommen und unverzüglich in ein« Anstalt untergebracht. Vermutlich ist die Tat schon in der Nacht zum Freitag geschehen. Die Greisin ist von ihrer Tochter, die in der Nacht einen Wahnsinnsanfall erlitten hatte, buchstäblich hingeschlachtet worden. Das Gesicht wies unzählige Messerstiche auf. Großer Dachstuhlbrand ln Wismersdorf. Der Dachstuhl des Hauses Koblenzer Str. 16 in Wilmersdorf wurde am Freitagvormittag durch ein Großfeuer nahezu völlig zerstört. Die Feuerwehr war stundenlang mit den Lösch- und Auf- räumungsarbeiten angestrengt beschäftigt. Ueber zwei mechanische Leitern und die Treppenhäuser wurde der Brand aus fünf Schlauch- leitungen unter Einsatz von zahlreichen Sauerstoffapparaten bekämpft. Der Feuer- und Wasserschaden ist erheblich, die Entstehungsursach« konnte noch nicht geklärt werden. Gelbstmord eines Berliner?!oiar6. Der Rechtsanwalt und Notar Dr. Wilhelm K r a y n wurde heute früh in seinem Büro in der Friedrichstraße durch Gas vergiftet tot aufgefunden. Aus einigen Abschiedsbriefen an seine Angehörigen geht hervor, daß ein Nervenleiden den Anwalt in den Tod getrieben hat. Straßenschlacht in Moabit Kampf zwischen Hakenkreuzlern und Kommunisten— Ein Ltnbetsiligter gelötet In der vergangenen Nacht kam es in Moabit an der(Me Hutten- und Ufnaustrafte zu einer wilden Schießerei zwischen Zilommunisten und Hakenkreuzlern. l?in völlig Unbeteiligter wurde bei der Zlraßenschlacht getötet. G�gen 1.30 Uhr nachts stießen an der genannten Straßen- kmizung zwei größere Trupps der Links- und Rechtsradikalen auf- einander. Es entwickelte sich sehr schnell eine schwere Schlägerei, bei der von beiden Seiten eine große Zahl von Schüssen ab- gegeben wurden. In wenigen Minuten war die ganze Unigebung des Kampsplatzes aus dem Schlaf geschreckt. Der 20jährige Zini- mermann Z i e m k a, aus der Usnauslraße 17, stand nur notdürftig bekleidet aus dem Balkon. Plötzlich sank er t o t um, eine abirrende Kugel Halle ihn in den hals getroffen. Das Geschoß zerriß die Halsschlagader, so daß Ziemka starb, noch bevor ärztliche Hilfe zur Stelle war. Der Straßenschlacht wurde durch das telephonisch herbeigerufene U e b e r f a l l t o m m a n d o ein Ende bereitet. Neun Personen konnten festgenommen werden, den übrigen Rowdys gelang es, zu entkommen Am Tatott wurden zahlreiche Patronenhülsen und ein Fahrrad gefunden, das von einem der Beteiligten auf der Flucht im Stich gelassen wurde. Schüsse auf poiizeibeamte. Die zweite Schießerei spielte sich in der Nacht zum Freitag in Reinickendorf, in der Baseler Str. ab. Zwei Polizeibeamte, die auf Fahrrädern patrouillierten, beobachteten eine Gnippe von 15 jungen Leuten, die Plakate klebten. Als die Beamten einschreiten wollten, flüchteten di« Burschen und seusrtcn fünf bis sechs Schüsse auf ihre Verfolger ab. Der Oberwachtmeister Becker wurde von einer Kugel oberhalb des Herzens in die Brust getroffen. Der schwerverletzte Beamte fand im Staatskrankenhaus Aufnahme. Wer an der Schießerei Beteiligte wurden festgenommen und der Politischen Polizei eingeliesert. SO Festnahmen. Der gestrige 1. Mai ist im großen und ganzen, bis auf die blutigen Zwischenfäll« in Reinickendors und Moabit, ziemlich ruhig verlaufen. Im Lause des Tages sind rund 90 Personen, darunter 83 Kommunisten, wegen verschiedener Delikte zwangsgestellt worden. Die Mehrzahl ist bereits wieder entlassen worden. Raubmord an einer Frau. Bei der Abrechnung überfallen von einem bisher unbekannten Täter wurde gestern abend etwa gegen 7 Uhr 45 2I1in. Frau B u r m e i st e r. die mit ihrem Ehe- mann die Filiale der Firma Thams u. Garfs in der Zinnaer Straße in Zülerbog leitet, beim Abrechnen der Tageskasse ermordet. Die Angestellten hatten dos Geschäft bereits verlassen. Der Täler. der mit der Oerllichkeit genau vertraut gewesen sein muß. hatte sich durch eine Hintertür eingeschlichen und die Frau noch dem bisherigen Befund mit einem Eisengewicht niedergeschlagen; dann hat er mit � einem Messer der Frau die Halsschlagader derart durchschnitten, daß das Messer im halse stecken blieb. Geraubt sind etwa 500 Mark. Die Berliner Mordkommission ist mit der Aufklärung des Falles betraut. Auf der Landstraße umgebracht. Ein weiteres schwere» Verbrechen ist in der Gegend von Trebbin am späten Abend des 1. Mai entdeckt worden. Eine Gruppe von Wandervögeln fand zwischen den Ortschaften Kerzendorf und Ludwigsfelde einen großen Personenkraftwagen, der mit den Vorderrädern im Chausseegraben stand. Am Steuer saß ein j ü n g e r e r Mann, dessen Schädel gespalten war. Die Polizei wurde benachrichtigt. Bei näherer Besichtigung erkannte man, daß es sich wahrscheinlich um ein Verbrechen handelt. Der Tote ist der 24 Jahre alte Sohn Walter des Fuhrunternehmers R e u m a n n aus Kerzendorf. Der alte Neumann hatte den 8-Zylinder-Horchwagen erst vor acht Tagen fabrikneu gekauft und die Führung seinem Sohn übertragen. Nach dem vorläufigen Gut- achten der Aerzte scheint die schreckliche Wunde am Kopfe des jungen Mannes von einem Schuß herzurühren. Di« Kugel muß dann von hinten in den Kopf eingedrungen sein und ist vorn an der Stirn wieder herausgetreten. Im Wagen wurde noch eine Pistole gefunden. Bewag-plan angenommen. Magistrat stimmt dem Angebot des Konsortiums zu. Ter Magistrat hat in seiner heutigen aüherordent- kicksen Sitzung dem Bewag- Angebot, wie es ihm bindend vom Konsortium vorgelegt worden ist, grund- sätzlich zugestimmt, jedoch einige Borbehalte an die Annahme geknüpft. Crs ist zu erwarten, daß das 5lon- sortium den vom Magistrat gestellten tveiteren Forde- rungen, da sie an den Grundsätzen des Angebots nichts ändern, nicht ablehnend gegenüberstehen und dadurch den Abschluß des gesamten Abkommens gefährden wird. An die Magistratssitzung schließt sich eine Presse- besprcchung an, die zur Zeit noch andauert. „Das Ende der Meli." Theater am Rollenvorsplatz. Die Ankündigung eines Weltendes wird heute viele nicht mehr schrecken: eine Welt, in der Millionen Arbeitswillige, die von allen Philosophen und Nationalökonomen als sittlich notwendig gepriesene Arbeit nicht mehr finden, scheint ihnen zum Untergang reif. Aber an einen Untergang durch Kometen, der in früheren Jahrhunderten die Menschheit oft genug geschreckt hat, werden heute die wenigsten mehr glauben. Abel G a n c e, der dieses merkwürdige Thema auf- gegriffen hat, und es in Berbindung dringt mit pazifistischen Ideen, vermag in seinem mit großen Mitteln arbeitenden Film, der in Deutschland mit untergelegtem deutschen Text geboten wird, uns leider nicht di« Jllusiion aufzuzwingen. Wie in seiiiem Napoleon- film arbeitet er auch in diesem Film mit den theatralischen Mittel» eines bereit» vergangenen Stiles, mit einer gewissen oberflächlichen Ideologie und mit einer Vorausjetzungslosigkeit, die allzu naiv ist. Dieser Menschheitsapostel, der ein wiedergeborener Christus zu sein scheint, dieser Astronom, der im Bunde mit einem Geidmann die Welt mit allen Mitteln, auch denen der Gewalt, zum Pazifismus bekehren will, und sein Gegenspieler, der große Spekulant,— sie alle sind nicht von diese« Welt. Modernste Technik— der Eiffelturm als Funksender— steht im Dienste einer altmodischen Theaterwelt. Die Welt geht also unter. Die Friedcnsidee hat ober vorher noch gesiegt, aber welche Gewißheit haben wir, daß dos neue Leben, da» sich aus den Ruinen wieder entwickeln wird, dieser Idee treu bleibt. Vermag uns der gedankliche Inhalt de» Films nicht zu be- friedigen, so ist auch die rein filmische Durchführung trotz des großen 'Apparats weder überwältigend noch überzeugend. Der Weltunter- gang setzt mit einem ungebeuren Getöse ein, das viertelstundenlong nicht wieder aufhört. Der Komet sengt die Erde aus, letzte Orgien. wilde Flucht, dann Brand der Städte und Vernichtung der Zivilisation. Man atmet auf, wenn dieses Tohuwabohu vorbei ist und ein friedlicher Ackersmann wieder di« ersten Furchen zieht, r. Komödie:„Dienst am Kunden." Movernes Bolksstück? Der Schauspieler Curt B o i s, Autor und Hauptdarsteller des Schwank»„Dienst am Kunden" erfreut mehr als der Autor Curt Bois. Als Komiker ist er sogar eine überaus erfreuliche Erscheinung. Er sieht aus, wie eben erst 20 Jahre alt geworden, flitzt mit uner- müdlicher Geschäftigkeit über die Bühne, lacht selten und mit schüchtern verlegener Miene, als ob er um Berzeihung bitten mächte, daß er den Zuschauer zum Lochen gebracht hat, und trägt nie seine Komik auf, sondern serviert sozusagen einen flüsternden Humor, wobei ihm sein gesunder Mutterwitz zu Hilfe kommt. Alle diese Eigenschaften kann er in dem Schwank zeigen, den er, zusammen mit dem ihm wesensverwandten Schauspielsr M a x Hansen, verfaßt hat. Die beiden wollen nichts weiter als ein« lustige Abendunterhaltung bieten Es schwebt ihnen die'Absicht vor, ein modckrnes Dolksstück zu schreiben. Das Genre Bolksstück ist im Lause der Jahrzehnte in«inen anrüchigen Ruf geraten, weil wir den sentimentalen Kitsch nicht mehr lieben, der srüher dos Hauptmotiv der Volksstücke gewesen ist. Sie schasse» daher ein neues zeitgemäßes Milieu: Curt Bois ist der Chef eines Agenturgeschäft«, das mit amerikanischen Methoden und mit amerikanischem Tempo arbeitet. Er kauft alles, er finanziert alles, er läßt sich in die groteskesten Unternehmen ein. Eine solche Transaktion bildet die Handlung des Schwanks: er streckt einem verarmten russischen Fürsten 10 000 Mark vor, mit denen er eine Dollarprinzessin zur Frau bekommen will. Natürlich macht er das nicht aus purer Menschenliebe, sondern um den Dollarkönig kennenzulernen, von dem er sich geschäftliche Bor- teile verspricht. Dieser Plan geht schief, der Fürst verliebt sich in eine andere, und Curt Bois bekommt selbst die Dollarprinzessin. Ein besseres Ende kann man sich nicht denken. Selbstverständlich ist das nicht di« richtige Methode, da» Dolts- stück zu beleben. Die Versasser modernisieren das Milieu, aber nicht den Handlungskern. Solange der fabelhafte Reichtum die tragende Rolle spielt, ist der Grundriß für ein wirkliches Volksstllck nicht ge- geben. Auch bleiben sie(Im 2. Akt) der Rührseligkeit nicht fern. Aber di� Verfasser wissen aus Erfahrung, was von der Bühne her wirkt. Sie haben eine Unmenge witziger zündender Einfälle, so daß es jeden Augenblick etw«s zum Lachen gibt. Besonders lustig ist der I. Akt. Da spielt Max Ehrlich mit rührender Komik einen ver- bohrten Erfinder, der den Aerger mit dem ewig verlorenen Kragen- knöpf endgültig beseitigen will. Auch der letzte Akt enthält, wesentlich unterstützt durch Shirt Gerron, viele ulkigen Situationen. der. „Bölterfreiheii." Maifeier FranNmt a. M. Frankfurt a. M. hat sein Kulturkartell der modernen Arbeiter- bcwegung nicht nur dem Namen nach. Immer d a. wenn es da zu sein hat, gestaltet es die hohen Festtage des Proletariats. 1. Mai und 9. November, zu gewaltigen, imposanten Kundgebungen der Masse. Dieser Mai gehörte L e n d v a i, der„Bölkerfreiheit" im Sluftragc der schweizerischen Arbeitersänger geschaffen hat. Das großangelegte Wert, das neben Kinder-, Gemischten- und Männer- chören auch Bcwegungschöre verlangt, wurde voriges Jahr in Bern in sechs Aufführungen vor 49 000 Zuhörern herausgebracht. In Frankfurt bewährten sich die Männer- und Gemischten Chöre der Rottsieperschen Chorgemeinschaft, Kinderchör«, der Sprechchor de» Kulturkartell», der Bewegungschor der Arbeitersportler, das Frank- furter Oernhaus-Orchester unter Leitung Otto Rottsicpers um die Gestaltung de» Feste,. IS 000 Zuhörern wurde es Maierlebnis 1200 Mitwirkende, gewaltiges Aufgebot aller verfügbaren Kräfte. Große Begeisterung der Aefolgsscharen. Bühne und Zuhörerschaft — Gebend« und Nehmende— ganz dem Maigedanken ergeben. Genosse Pietro N e n n i, letzter Chefredakteur des„Avant!", Verfasser des„Todeskampfes der Freiheit", hielt die Festansprache: „Kampf dem Faschismus! Alles was uns trennt, tritt zurück hinter dieser»inen Forderung!" W. H. "/ „Voruntersuchung", Alsberg-» und Hess«» gegen den Indizien- beweis und die Mängel der Untersuchung gerichtttez Tendenz'. ram", erlebte im.Neuen Theater am Zoo" beieit» di« ISO. Auf- führung._ Schließ»«» be» Operelleohause» Hamborg. Dr. Sckeit. der Leiler de» SkipOger und Hamburg r OpereNenbaule». bat den Pnchiaeiliag für das Hamburger Tbcatcr gelöst, ta die Packst unlragbar id. Gegen die Bei» päcksterin ist Klag« mcgcn Rückzahlung g-ldsteler Kaution erhoben. Ca Arcen tina gibt Sonntag,»ormitiag« 11'/, Uhr, im Ufa-Palast am Zoo ihr lehlc« Gastip ei. In der vorberast'tischen Abteilung der Staatlichen Museen ist am Ilchlartor eine im Laule de« DInI ick au» uticeiilbllt» Ztegeldrockcn zu- lammrngesctzte lang« Lnlchritt deck König Aebukadnezar von Babylon an- gebracht w.iden. Sie lügt stch tn den dunletbiauen Grund einer Wand- fläche neben dem Unten Tun» ein und handelt u. a. von»er Erbauui g deck Ischiartorc« und der ülnbringung der Slicr- und Drachenrcliesck. Ausstellung vruno tiranstops. Tie Deulsche Diichgemellischast stellt Kötbcner Sioaxe UZ neuere Tempcragcmäldc und Agunrelle von Bruno Krauslops aus. Geöffnet täglich von 9—7 Uhr. Eintritt frei. Thea er in der Kloslrrstroße. Die lnr beute angeiehie Urausiahrung von.Deine Hoheit der Hochstapler" muh aus Mittwoch verschoben werden. Die Zollunion vor der Lni-rnaiionale Burositzung ver Am 3. Mai wird in Zürich eine erweiterte B ü r o s i tz u n g der Sozialistischen Arbeiterinlernationale zur Erörterung der durch d-n Plan einer deutsch-österreichischen Zollunion ausgeworfenen Fragen stattfinden. Außer den ordentlichen Mitgliedern des Büros werden an dieser Sitzung Vertreter der Sozialdemokratischen Parteien der Tschechoslowakei teilnehmen. Ucberdies können die im Büro vertretenen an den Problemen besonders interessierten Parteien weitere Delegierte entsenden. So werden aus Deutschland Breit- scheid, Hilferding, Stampfer und Wels, aus Frank- reich A u r i o l und Blum, aus Oesterreich Bauer. Dann«» berg, Renner und S e i tz der Sitzung beiwohnen. Weizeneinfuhr mit Zollvergütung. „Wahrung der Interesien der Landwirtfckiasi." Amtlich wird mitgeteilt, daß„zur Sichcrstellung der Versor» gung mit Weizen eine stärkere Heranziehung von Au»» landswetzen für den Rest des Gstreide-Wirtschaftsjahres er- forderlich ist. Um jedoch eine Voreindeckung und damit eine Er- jchütterung der notwendigen Stabilität in der inländische« Getreide- Preisentwicklung zu vermeiden, ist von einer generellen Mberl Battenberg der bekannte Fuhrer der freigemerksebaft liehen Be< amtetioerbände, oollendel am Sonntag sein 60. Lebensjahr. In Ilannoocr geboreiu widmete Falkenberg sich der sogenannten mittleren Postlaufbahn, wurde lOOS Schriftleiter der„Deutschen Posizeitung", 1910 Chefredakteur der BerlinerT ages- zeitung„Deutsche Nach- richten", 1918 Pressechef des Deutschen Beamtenbundes, 1919 bis 1921 Geheimer Regierungsrat und Vortragender Rat im Reidisminislc- rium des Innern, 1921 wieder Pressechef im Deutschen Beamtenbund und 1922 Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes, zu dessen Gründern er gehörte. Genosse Falkenberg ist einer der erfolgreichsten Propagandisten für den republikanischen und sozialistischen Gedanken innerhalb der Beamtenschaft, aber nicht nur in diesem engeren Kreise. Vorübergehend gehörte er auch als Sozialdemo- kralischer Abgeordneter dem Reichstag an. Als oielieitiger Schriftsteller hat er oft auch zu den Lesern des„Vorwärts" gesprochen. TVir wünschen ihm noch lange Jahre Arbeitsfreude und Arbeitskraft für die groffe Sache des Sozialismus! Zo lls e n t u n g Abstand genommen worden. Auch wird eine Zentralisierung der notwendigen Einsuhren aus Gründen der Aufrechterhaltung des freien Marktoerkehrs vermieden. Die Reichs- regierung hat deshalb beschlossen, den ernährungspvlittschen Er- fvrdernissen„unter voller Wahrung der Interessen der Landwirtschaft" im Wege einer indirekten Einfuhr- Kontingentierung über die Mühlen mit Zollvergütung Rech- rnmg zu tragen.' Berechtigt sind hierbei nur solche Mühlen, die schon bisher in der in Frage kommenden Zeit auf Auslandsweizen angewiesen waren, namentlich diejenigen, die bisher der Mühlen- kontrolle unterworfen gewesen sind. Außerhalb des Rahmens dieser Regelung verbleibt es bei den bisherigen Zöllen für Weizen und Weizenmehl, so daß auf der einen Seite eine Verbilligung sür da» aus dem Auslande eingeführte Mahlgut eintritt, auf der anderen Seite aber eine für die Landwirtschaft nachteilige Wirkung auf den deutschen Markt ausgeschlossen und eine gesunde Ueberleitung in das neue Erntejahr sichergestellt ist." Reichsbahn und Schenker-Verirag. Die Genehmigung nachgesucht. Die Deutsche Reichsbahngesellschaft hat beim Reichsverkehrs» minister die Genehmigung zum Schenker-Abkommen nachgesucht. Die Verhandlungen zwischen der Reichsbahn und der Wirtschaft werden nunmehr unter Beteiligung von Vortretern des Reichsverkehrsministerium wieder aufgenommen werden. Tehner hingerichiei. Regensburg, 2. Mai.(Eigenbericht.) Oer Versicherungsmörder Tehner wurde heute morgen kurz nach sieben Uhr in dem Hose des hiesigen Landgerichi» durch Fallbeil hingerichtet. Tehner wurde förmlich zur Guillotine g e s ch l e i s t. Fünfhundert Hühner verbrannt. Clegnih, 2. April.(Eigenbericht.) Am Svnnobendmorgen gegen MiS Uhr brach in der Hühner« form des Besitzer» G e r t h in Primkenau ein Großfeuer au». Dos etwa 20 Meter lpnge Stallgebäud» war bereits gegen 6 Uhr dem Erdboden gleich. Sämtliche im Stall befindlichen 5 0 0 H ü h- n« r sowie eine Anzahl Küken sind mitocrbrannt. Die Brondursach« ist noch ungeklärt. Der Schaden ist beträchtlich. 13. kreis. De» antifaschistisch« Kursus, der heute und morgen mit Dr. Frankel stattfinden jollttj muß verlegt werden Später nähere Nachricht. Metler für Berlin: Mild und noch überwiegend heiter, schwache Luftbewegung.— Für Deutschland: Im größten Teil de» Reiche» beständiges Wetter, nur im äußersten Nordosten und Südwesten b»> wölkt und vereinzelt etwas Regen, überall mild. Die deutsche Delegation für Genf. Die deutsche Dllegvtton. di« sich Mitte des Monats zum Europa-Ausschuß und Völkerbundsr-V nach Genf begibt, wird von Rcichsaußenmlnister Dr. Curtius geführt werden. Der Delegation gehören serner an Staatssekretär v. Vül'.ur die Ministerialdirektoren Dr. Gaus(Rechtsabtcilung), Dr. Ritte (Wirtschaftsfragen) und Dr. Zechlin(Presseabteilung), Gesandt- Meyer von der Ostabteilung und eine Anzahl weiterer vad verständiger. Rohrlegerstreik beendet. Vereinbarung verbessert den Schiedsspruch. Der Streik der Berliner Rohrleger und Bauklempner ist seht, noch neuntägiger Dauer, durch eine verein- b a r u u g beendet worden, die am Donnerstag zwischen den Parteien vor dem Schlichter getroffen wurde. Die Unternehmer hatten alles aufgeboten, um die Verbind- lichkeitserklärung des Schiedsspruches durchzusetzen, der be- kanntlich einen Abbau der Löhne in allen Gruppen um 15 Pf. pro Stunde vorsah. Sie wollten sich vor dem Schlichter zunächst auf keine neuen Verhandlungen mit den Gewerkschaften einlassen. Den Bemühungen des Schlichters und der Lohnkommission gelang es schließlich, nochmals Verhandlungen über die Neuregelung der Löhne anzubahnen, in deren Verlauf die Unternehmer jedoch mehr- mals von ihren Zugeständnissen wieder abrücken und unbedingt die Vcrbindlichkeitserklärung durchsetzen wollten. Um die Verbindlichkeitserklärung und den erfolglosen Ausgang des Streiks abzuwenden, stimmte die Lohnkommission der Rohr- leger und Bauklempner einer bindend en Vereinbarung zu, die den im Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses vorgesehenen Lohnabbau in den einzelnen Gruppen um Ibis 4 Pf. pro Stunde mildert. So wird z. B. der Lohn der Rohrleger, Bauklempner und Schweißer nicht von 1,70 Mk. auf 1,55 Mk., son- dern auf 1,58 Mk. reduziert, und der jzelferlohn nicht von 1,45 Mk. auf 1,28 Mk., sondern auf 1.32 Mk Die A k k o r d p r e i s e werden ebenfalls nicht um 10 Pro z., sondern um 8 Proz. gekürzt. Das neue Lohnabkommen gilt bis zum 31. März 1932. Durch eine Zusatzvereinbarung wurde weiter festgelegt, daß Maßregelungen anläßlich des Kampfes nicht stattfinden dürfen und der Kampf nicht als Unterbrechung des Arbeitsverhält- nisses anzusehen ist. Die Arbeitsauwahme erfolgt am Montag, dem 4. Mai. Eine überfüllte Branchenversammüing der Streitenden, die heut« vormittag im Saalbau Friedrichsyain zu dem Verhandlung?- ergebnis Stellung nahm, würdigte durchaus die schwierige Lage, in der sich die Lohnkommission vor dem Schlichter befand und sprach der Verhandlungskommission gegen etwa 8 Stimmen das Ver- trauen aus. Weltarbeitslosigkeit vor der Arbeitskonferenz. Genf. 2. Mai. Das Internationale Arbeitsamt teilt mit, daß auf der dies- jährigen Internationalen Arbeitskonferenz, die am 28. Mai beginnt, außer den bereits bekannten Fragen die Weltarbeitslosigkeit einen Hauptgegenstand der Beratungen bilden werde. Der Jahresbericht des Direktors Albert Thomas, der in nächster Zeit erscheinen dürft«, wird sich gleichfalls sehr ausführlich mit dieser Frage beschäftigen. schastsspakkr wirkten aus dl« wenigen anwesenden RGO.-SchwSrnwr wie Peitschenhiebe. Nach einem schüchternen Versuch, für die kommu- nistische„Bewegung"' gegen die Gewerkschaften eine Lanze zu brechen, wählte schließlich die„Opposition" den besseren Teil der Tapferkeit und schwieg beharrlich. So führte diese Versammlung zu einer gründlichen Stäupung der kommunistischen Gcwerkschaftsfeindc und einer scharfen Kampfansage gegen sie. Sozialpolitik in Oesterreich. Die österreichische Regierung hat sich entschlossen, die viel kritisierten Sozialreformvorlagen vorläufig nicht im Parlament einzubringen. Sie will in der Sommertagung nur einen Entwurf zur Reform der Arbeitslosenversicherung vorlegen. In Oesterreich ist also einstweilen das Scheusal der Sozialabbauvorlage in die Wolssschlucht gewandert. Auch in Deutschland dürfen sich die Sozialabbaufanatiker auf sehr energischen Widerstand gesaßt machen. Nie„Opposition" in der Klemme. Gründliche Absuhr der RGO. bei den Chauffeuren. Der Gcsamtoerband hatte zu Dienstagabend nach dem Klubhaus in der Ohmstraße eine außerordentliche Branchenoersammlung der Geschäftslastkraftfahrer, Tankwarle und des Garagenpersonals ein- berufen, um sich einmal gründlich mit den Anhängern der NGO. über die Frage auseinanderzusetzen, ob die„Rote Gewerkschoftsopposition" als Arbeiterorganisation anzusehen ist. Anlaß dazu hatte die Be- triebsratswahl bei der Firma G o l d a ck e r gegeben, wo von den dort beschäftigten und im Gesamtverband organisierten Anhängern der RGO. ein Flugblatt herausgegeben war, das neben der üblichen Verunglimpfung der freien Gewerkschaften die Behauptung enthielt, die Funktionäre der Branche seien Feiglinge. Um für diese Behauptung die RGO.-Leute bei Goldacker selbst den Beweis erbringen zu lassen, wurden sie aufgefordert, für die Branchenversammlung einen Korreferenten zu benennen, der den Sinn und Zweck der Gründung kommunistischer Sonder- gewerkschaften nachweisen sollte. Doch an Stelle eines Korreferenten der RGO. aus dem Kreise der freigewerkschaftlich organisierten Be- legschaft von Goldacker meldete sich ein der Dranchenleitung un- betauter Versammlungsteilnehmer als Korreferent. Da dieser aber „aus bestimmten Gründen" eine Nachprüfung ablehnte, ob sein Verbandsbuch mit seiner Person und dem von ihm angegebenen Namen übereinstimme, lehnte die Versammlungsleitung in Ueber- einstimung mit der Mehrheit der Versammelten ab, sich mit dem RGO.-Mann inkognito auseinanderzusetzen. Die Versammlung ver- lies deswegen aber nicht weniger interessant. Nachdem der Branchenleiter, Genosse Buchert. an vielen Beispielen aus der Praxis die Unfähigkeit der RGO. zur Vertretung von Arbeiterinteressen aufgezeigt hatte, ergriffen u. a. zwei ehemals begeisterte RGO.-Anhänger das Wort, die bei dem von der RGO. „geführten" Leiser-Streik auf der Strecke geblieben waren. Ihre Anklagen gegen die gewissenlosen und demagogischen Gewerk- Das Krankengeld der Behördenangestellten. Wie uns vom Zentralverband der Angestellten mitgetellt wird, haben die Angcstelltenverbände den§ 33 des Reichsange st elltentarifes und des preußischen An- gestelltentarifes zum 30. Juni 1931 gekündigt. Die Kündi- gung erwies sich deshalb als notwendig, weil das Reichsarbeits- gericht den bisherigen Wortlaut dieses Paragraphen benutzt halte, um auszusprechen, daß erkrankte Behördenange stellte ; weder Anspruch auf volles Gehalt, noch auf Krankengeld haben. Die Gewerkschaften haben beschlossen, von den Regierungen volle Gehaltszahlung im Krankheitsfalle zu fordern, und zwar für eine Zeit, die, je nach den Dienstjahren, von 6 bis 13 Wochen ge- staffelt ist. Es ist anzunehmen, daß die Verhandlungen über die Neufassung des§ 33 bald stattfinden werden. Achtung. SPD.-Buchdrucker? 2. Bezirk, Sonntag, 3. Mai, pünktlich 10 Uhr. bei Julius Sachse, Lindower Straße(gegenüber Bahnhof Wedding) wichtige Fraktionssitzung. Der Zraklionsvorstand. Theater der Woche. Vom 3, bis 11. Mai. Volksbühne. Theater am Bülowvlak: DI« Ehe. Staatsthealer. Staat«»«r Ante» ben Lirden: 3. Ein« Rocht in Benediq. 4. Der ferne RThnr. 5. RiflOlclto. 6. Der flicnenic kollandcr. 7. Cavalleria rufticana. Bajazza. 8. Sosco. 9. iPaKctt: Le train bleu. Die Planten. 10. Alba. 11. Die Cittfüfiruiia aus dem Serail. v?er am Platz der Republili 8. Mabame Putterfly, 4. Perichole. S. Der Freischütz. 6. Die Zauberflö'e. 7. und 10. Falltafi. 8. Der Barbier van Sevilla. 9. Carincn. 11. Fibeliv. Städtische Over: 3. und 7. Caoatlcm rufticana. Ivsefsleaende. 4. und 11. Gefchlvssen« VorficHuna. 5. und 8. Anaelina. 6. Lobengrin. 9. Mabame Butterfln. 10. Die Meiste rsinaer van Rürnbera. Staatliche» Schausvielbau»! 3. Prin., Heinrich von Lanibur«. 4. und 10. Die Mitschuldiqen. Die Matrone van Evbesus. Z., 6. unb 9. flänta Hachnrei. 7. Aaamemnan. 8. Die vartuaalesifche Schlacht. 11. Der blaue Boll. Schiller. Theater: 3., 5., 6.. 8., 9. Einilia Galatti. 4. Nathan der Weise. 7. und 10. Dan Carlas. 11. Bürger Sülivpel. Theater mit festem Spielplan: ltursürsiendamm. Theater: Alles Schevinbel!— Deutsche» Theater: Der Hauvtmann van RBaenick.— Die Namödie: Dienst am Runben.- Theater in der Stresemanuslratze:(Hestern unb Heute.—(Sratzes Schauspielhau»: Im weihen Räsfl.— Romische Oper: Alt-Heibelbera.— Deutsche» Kitustler-Theater: Minna van Barnhelm.— Renaissance-Theater: Intimitäten.— Theater in der Behrenstratzr: Schofför Antvinette.— Reue, Theater am goo: Varunter. sinhun«.- Die Zridüue: Das Märchen van her Fledermaus.— Kasino. Theater:®aaf Kaks.— Theater im Admiralspalast: Der lustige Krieg.— Wintergarten, PlaM. Deala: Iniernatianases Variet«.— Reichshallen- Theater: Stettiner Sänger.— Theater am Asttbnlser Tor: Elite-Sänger. Thealer mit wechselndem Spielplan: Komödien hau«: Bis 7. Konto T. Ah 8. Schwengel.— Role-Theatee: Bis 10. Die Sache, die sich Liebe nennt. Ab 11. Die fünf Frankfurter.— Theater in der«losterstrahe: 3. Auf der Schnell für Glück. 4.. z. Kleine Sklavin. Ab 6. Die Kusine aus Warschau. 8., 27% Uhr. S. M., der Hochstapler. Vachmittagsveranstaltungen: Pallatehue. Theater am Bülomplatz: 3. Die Komödie der Ieruugen.— Svotze, Schansplelhano: 3.. 10. Im weihen Röss'I.— Rose.Theater: 3., 10.. 14% und lltzt Uhr: Die Sache, die sich Liebe nennt.— Theater in der Kloster- strotze: 3.- 15% Uhr: Erdgeist: 17% Uhr: Büchse der Pandava.— Wintergarten: 3.. 9.. 10. Internationales Variete.— PlaM, Scala: Internationales Variet«. — Zieichahalle». Theater: 3., lO. Stettiner Sänger.— Theater am»ottbuslee Tor: Z.. 10. Elite-Öänget. Erstaufführvngen der Woche: ZRania» Theater in der Behrenstratze: Schofför Ankineite.— Dienstag. Schaufvrelhaus: König Hahnrei.— Donnerstag. M e» trovol- Theater: Die Toni aus Wien.— Theater in der Klofterstratze: Die Kustne aus Warschau.— Freitag. Komödien- d a u s: Schwengel.— Sonnabend. Lindrnoper: Le train bleu. Die Planeten. Rückschau. Hörspielauftrag der Schlesischen Funkstunde:.Wir haben keine Zeit", Posse von Otto Z o f f, Musik von Harry R a l t o n. Ein paar textlich und musikalisch brauchbare Chansons waren das einzig Erfreuliche an dem Werk, das im übrigen«ine fleißig, aber unzulänglich gelöste Schulaufgabe darstellte. Ein Grammophonladcn mit seinem Durcheinander von tönenven Schallplatten ist der etwas chaotische Untergrund des Spiels. Der Gedanke, Unrast und Ober- flächlichkeit in dieser Massengier nach Klängen und Geräuschen zu symbolisieren, war nicht einmal schlecht. Er wurde aber in der Ausführung viel zu unklar, viel zu wenig prägnant formuliert. Ebenso farblos war die Handlung. Man gewann den Eindruck, daß eine ganz glückliche, aber ziemlich vage Grundidee diesen Auftrag der Schlesischen Funkstunde veranlaßte, und der Berfasser nun not- gedrungen mehr schlecht als recht ein Hörspiel zusammenschrieb, das leider aufgeführt und auf den Berliner Sender übertragen wurde. „Stätten des Alltags" nannte mit einem nicht sehr ein- drucksoollen Titel Dr. Konrad Döring seinen Streifzug durch wenig bekannte Gebiete Berlins. Der Vortrag, obwohl er etwas zu sehr an der Oberfläch« haften blieb, war recht aufschlußreich. Allerdings hätte der Hörer gern ausführlicher von dem Wirken des Jugendamtes in dem schönen Ephraimschen Palais erfahren und etwas mehr von den wenig bekannten Berliner Lokalmuseen und ihren Besuchszeiten, von den Forst- und Parkverwaltungen der Stadt. Eine stärkere Begrenzung des Stoffgebtetes wäre zweck- mäßiger gewesen. Tcs. Sonnabend, 2. Mai. B e r 1 1 1. IC.05 Zehn Minuten Film. 16.15 Leipzig: Konzert. 17.30 Die Erzählung der Woche(Heinz Stroh). 17.55 1. Mozart. Sonate für Violine und Klavier, A-Dnr, K.-V. 526. Gluck- Kreisler; Melodie. Bartök: Rumänische Volkstänze(Francis Aranyi; Flügel: Herrn. Hoppe). 18.35 Artur Holitscher: Ahcnteucr in vier Welttellea. 19.00 Blasorchester-Konzert 20.00 Aktuelle Abteilung. 20.30 Berlin in der Posse. Ein Querschnitt von Hans Brennert. 22.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. Königswustcrhansen. 16.00 Dr. Walter Günther: Der Schmalfilm in der SchulartcIL 16.30 Hamburg: Konzert. 17.30 Dr. Zehden» Josef Delmont: Was können wir von den Tieren für unsere Gesundheit lernen? 18.00 Französisch für Fortgeschrittene. 18.30 F. Stach: Joh. Lews. 19.00 Paul Westheim: Courbct und Cözannc. 19.30 Stille Stunde.„Asphalt" 20.00 Hamburg: In Kino veritas! 21.00 Hamburg: Bunter Abend. Sonntag, 3. Mai. Berlin.* 06.30 Frühkonzert. 08.00 Für den Landwirt 08-55 Morgenfeier. 10.05 Wettervorhersage. 10.35 Wien: Einweihung der HeldcnorgcL 11.30 Bach-Kantaten. 12.00 Hans Natonek liest eigene Geschichten. 12.30 Königsberg; Konzert 14.30 Studio. Das Lied von Wild-West Eine Kowboy-Kantate für Sprecher. Tenor, Männcrchor und Blasorchester, Songs von Karl Schuck. Musik von HcTbert Trantow. 15.00 Dr. Ellis Lnbrany. Palästina. 15.30 Mandolincnorchcstcr-Konzert 16.45 Deutsches Stadion; Entscheidungsspiel um die Berliner FuBball-Meistcr- schaft 17.40 Tee-Musik. 18.30 Ernst Rowohlt erzählt aus seinem Leben. 18.55 1. Haydn: Streichquartett C-dur, op. 54, Nr. 2. 2. Mozart: Streichquartett: A-dur, 1C-V. 464; Klingler-Quartctt 19.50 Sportnachrichten. 20.00 Rückblick auf Platten. 20.30 Ballettsuiten- Anschließend:„Der faule Hans". Eine Banettpantominc in fünf Bildern von Oskar Nedbal. 22.00 Anschließend bis 0.30; Tanz-Mnsik. Königs wnsterhtnf©«. 07.00 Hamburg: Hafenkonzert. 14.00 Dr. Georg Zehden: Der Arzt als Erzieher der Elten. 15.00 Gerhard Mesebcrg: Rundfunk und Landbewohner. 18.00 Frankfurt: Fraucnkundgebung zum Friedensgedanken. 18.50 Prof. Dr. Mildbracd: Botanische Plauderei. 19.20 Elizabeth Barct-Browning:„Sonette aus dem Portugiesischen*4(Einführung und Rezitation: Gerda von Bremen). Verantrvortl. für die Redaktion: Herbert Lepöre, Berlin: Anzeigen: Tb. Glocke. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Budi« druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68, Lindenstrake 3. Hierzu l Beilage. r «»SS-S-SSSA � Unserem alten lieben Genossen-Ä. " Karl Jacob! »u zum 60. Geburtstag herzlich Wünsche. Seine Freunde and Freundinnen. | The. Thealer. Lichtspiele usw. j 1�,' U--■*-**-1.1 J* Sonnabd., 2. 5. Staats-Oper Unter d. Linden 243. A.-V. 19% Uhr Othello Ende n.221/s Uhr Sonnabd., 2. 5. staut, oper Bismarckstr. Turnus IV 18% Uhr Die Meistersinger von Klrnberg Ende 231/a Uhr Staats-Oper Am Platz der Rtpobük. 20 Uhr FalsfaH Oeffietl. Rartnmtail Ende g. 23 Uhr Staatl. Schaosph. (am Gendannenmarfct). 209 A.-V. 20 Uhr Die Milsdiuldigcn. Die Matrone von Ephesus Enden 22Va Uhr Staali.MilirtateUliarltDg 20 Uhr Don Carlos Ende gegen 23 Uhr VolüsbUtuie Dieiter im BDIowplalz. 8 Uhr Die Ehe Staatl.Sdiiller-Tli- 8 Uhr Don Carlos WM Malet 8 Uhr Der Hauptmann van Röpenidt v. Carl Zuckmayer Repie; Heinz Hilpert CASINO-THEATBR Lothringer Strohe 97. MiieiiiiiiiietienMiiitmieitiiitiimeiiew Die Komödie 8>- Uhr Dienst am Kunden ton Coit Bon rnid Mar Hansen Regie; Hans Deppe KnrfUrstßnöamm- Theater Bismarck 449 8% Uhr| Alles Schwindel »n Mertellns Sdiiffer. Musik von Mischa Spoliansky. h|i( Einzig in Berlin Für wenig Geld das Beste vom Besten Ein großer bnnlcr Teil dazu das entzückende Theaterstück Graf Koks Billig I Sommerpreise: Billig I 0,60, 0.75, I,— Mk. bis 1.50 Mk. Reichshallen-Theater Hunds|T| Soootig udn.[Tel wundervolle fmai-programm. Populäre Preise; 60 Pf. kis 2 M., auch Sonntags! Nachmittags ermäßigte Preise! ResfdiJtönt Berlins idUli ROSE Irl E A T E R Hont«» bis I 0 1 5| »»»>«»»|0 Wri ■—--rafiggi riänadwi „In Amerika Tierhondert- mal gespielt". („T e m p o-.) Die Sache, die sich Liebe nennt (Thla thlag caDed lovo) GroAe Pnnkfurter Straße»z» U-Bahn Strausberger Plat« dtftgiger Vorverkauf täglich van zw Uhr und ♦— f Uhr Uliph. 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Man spiirl es auch bei diesen Zestveronstaltungen. dast die Parole„Wo bleibt der zweite Mann? gezündet Hot. Gewisz herrschen Zrohsinn und Ausgelassenheit, aber über die Zeslessreude hinweg ragt der große Gedante der Gemeinschasl und die Erkenntnis von der geistigen Bedeutung des Tages. Der 1. Kreis Berlin-Mille Hot seine Mitglieder und Freunde in den Clou geladen. Friedrich Mendels Maisestspiel„Der Marsch der roten Fahnen", das von Mitgliedern der Partei, der Kinderfreunde, der Arbeiterjugend, des Jungbanners und der Arbeiter- sportlcr in schönem Zusammenspiel und künstlerischer Vollendung zum Vortrag gebracht wird, bildet den Mittelpunkt der Veranstal- tung. Genosse Gottlieb Reese hält die Festrede, um noch einmal in packenden Worten den inneren Gehalt des Maitages zu um- reißen. Die künstlerische Leitung liegt in den bewährten Händen des Genossen Theo Maret. Zum Tanz musiziert die Kapelle Mein- Hordt. Kasperle-Theater und artistische Darbietungen ergänzen vor- trefflich das Programm. Der kreis wedding nutzte das schöne Wetter aus, um die Maifeier nach alter Tradition unter freiem Himmel zu begehen. Schon am frühen Nachmittag wimmelten Strand und Spielwisse des Freibades P l ö tz e n f e e von Menschen, die in froher Kampf- gemeinschaft den Wcltfeiertag des Arbeiters feierten. Unter roten Fahnen wurden Spiele der Kinderfreunde und Vorführungen der Arbeitersportler gezeigt. Später sammelten sich die Genossen um die Freitreppe am Strand, wo die S o z i a l i st i s ch e Arbeiter- j u g e n d, von Fansarenstößen des Reichsbanners begrüßt, zur Aufführung eines Sprechchorwerkes Aufstellung nahm. Weit über den See hallten die Rhythmen des„Gelöbnisses der Jugend" zum Kampf für die Arbeitcrsache. Immer neue Scharen tauchten im Torbogen über der Freitreppe auf und vereinigten sich mit ihren Fahnen zu einem roten Meer. Die Ansprache hielt Bürgermeister Genosse Leid. Cr zeigte den Wahnsinn der kapitalistischen Gesell- schastsordnung mit ihrem Widerspruch zwischen Ueberfluß und Massenelend aus und leitete daraus die sozialistischen Kampfziele für die Umgestaltung der menschlichen Gesellschaft ab. Brüderliche Solidarität muß olle Schaffenden verbinden, um den Kampf um den Sozialismus zum Sieg zu führen. Der 1. Mai ist das sichtbore Symbol dieser Solidarität. Die Kreise Ileukölln und Kreuzberg versammelten sich am Abend in den Gesomträumcn der„Neuen Welt" zu einer imposanten Feier. Säle und Galerie waren, überfüllt. Sechshundert Mitwirkende, die Arbeiterjugend Neukölln, der Volkssport Neukölln, die Kindcrsreunde und der Neuköllner Sängerchor hatten sich in den Dienst der guten Sache gestellt und gaben ihr Bestes. Cs ist leider unmöglich, die Leistungen dieser Riesenschar eingehend zu würdigen. Der Glanzpunkt des Abends wurde das vom Gs- Nossen Stadtrat Karl Schneider geschriebene Massenwerk: „Wann kommst du, Tag...", ein Bilderbuch mit acht Bildern. Die künstlerische Leitung lag in den Händen des Genossen Martin Gleisner. In den ersten Bildern erleben mir den ganzen Jammer unserer politischen Verhältnisse.„Arbeitervertreter" versprechen dem Volk alles. Sehr wahrheitsgetreu ist die Zersplitterung der Arbeiterschaft dargestellt. Der lachende Dritte in diesem Vernich- tlingskampf der Arbeiterschaft ist die Reaktion, die sich diebisch darüber ireut. Aber langsam kommt die Erkenntnis der Einigkeit in die Herzen und Hirne der Unterdrückten, und als die Reaktion glaubt losschlagen zu können, da erlebt sie die verdiente Nieder- läge. Erhebend war der Moment, wo im achten Bild:„Proletarier aller Länder, vereinig, euch", die Jugend mit fliegenden Fahnen einmarschiert. Die Laienspieler waren Feuer und Flamme. Ein- zelne Szenen, so die Betriebsräteversammlung, die öffentliche Ver- sommlung, werden zweckmäßiger noch etwas umgearbeitet werden müssen, um das Ganze wirkungsvoller zu machen. In der Ansprach« symbolisierte der Landtagsobgeordneic Genosse Hermann Har- n i s ch noch einmal das Stück und forderte zur tatkräftigen Mit- arbeit auf. Der gemeinsame Gesang der Internationale beschloß den osfiziellen Teil der Kundgebung. Im Neuen Saal, der ebenfalls i.bersüllt war, wurde das Sprechchorwcrk Friedrich Mendels:„Der Marsch der roten ,rahncn" von den Mitgliedern der Sozialistischen Arbeiterjugend des Werbebczirks Kreuzbcrg zur Aufführung ge- bracht Die Maifeier des Kreises Friedrichshain der Partei im Soal- bau Friedrichshoin wurde durch ein ausgewähltes Musikprogramm des Berliner Tonkünstlcrorchesters eingeleitet. Den Hauptteil der Feier bildete das Sprechchorwcrk„Unser Weg". Den Höhepunkt die Worte einer Rezitation„6 ll Jahre Kamps", die Genosse Legden als Einzelsprecher vortrug. Genossin Charlotte Scheie r brachte in der Klage einer Mutter um ihren kriegs- gefallenen Sohn die Anklage gegen die Schrecken des Gaskriegs zum Ausdruck. Die Worte von Karl Marx„Denkt an die Kam- mune" mahnten zur Solidarität aller Ausgebeuteten gegen die Leiden und die Unterdrückung des Kapitalismus. Die Feier in Pankow, im Restaurant des Bürgerparkes, gestaltete sich zu einem wahren Volkssest. lieber zweitausend Men- schen waren zusammengekommen: die Kindersreunde hotten auf der Wiese Zelte ausgeschlagen und spielten Kasperletheater, begeistert aufgenommen von den Kleinen und Großen: der Arbeitcrschützen- bund hatte einen Schießstand errichtet, an dem stets rege Betcili- gung herrschte: Falken und Arbeiterjugend belebten das bunte Bild. Landtagsabgeordneter Genosse Otto Meier sprach im Garten zu den Massen.„40 Stunden Hommerschlog" war der Lest- gedankt seiner Ansprache. Der Singekreis„Zukunft* umrahmte die Feier mit alten und neuen Arbeiterliedern. Am Abend fand im Großen Saal, der die Fülle der Menschen kaum fassen konnte, die Aufführung des Werkes von Friedrich Wendel„Der Marsch der roten Fahnen" statt. Freie Turnerschaft. TAI. Pankow und Niederschönhausen. Kindersreunde. Singetreis und Reichsbanner gaben in schöner Zusammenarbeit ihr Bestes, Begeisterung und nicht endenwollender Beifall lohnte ihre Arbeit. Noch dem Fest- spiel zogen die Kindersreunde mit Laternen, flankiert von über fünfzig Fahnen der Sozialistischen Arbeiterjugend, durch den Saal M den Gatten; hier wurde als Abschluß des Programow ein Fackelzug veranstaltet. Noch lange war die Menge zum gesellige» Beisammensein in beiden Sälen vereint. Die Genossen des Kreises Tempelhof hatten sich im Park- restaurant Südendc versammelt. In dem schön gelegenen Garten am See spielte sich bald ein reges Treiben der Arbeiter- jugcnd und Kindersreunde ab. Die Alten zagen es jedoch vor, im Saale zu feiern: der Bolkschor Tempelhof-Mariendors und der Arbeitergesangverein Marienfeldc sangen die Lieder der Arbeiterschaft: Genosse Dr. Heinrich Becker vom preußischen Kultusministerium hielt die Festrede, m der er betonte, daß jetzt eigentlich keine rechte Zeit zum Feiern sei, deswegen begehen wir den Tag als einen Kampftag, und nicht nur der deutschen Arbeiter- schast, sondern des internationalen Proletariats. Das Festspiel„Der Marsch der roten Fahne", von der Sozialistischen Arbeiterjugend und den jungen Parteigenossen unter Unterstützung des Reichsbanners mit großer Liebe zur Sache vorgetragen, erweckte große Begeisterung. In beiden Sälen war man noch einige Stunden gesellig beisammen. In Wilmersdorf kennzeichneten rote Fahnen schon von außen das Lokal„Viktoriagarten" der Maiveranstaltung der Partei. Um- rahmt wurde das vielseitige Programm der Maiseier von Gesang- darbietungcn des gemischten Chors„Liedertafel Charlottsnburg". Den eigentlichen Auftakt zu den künstlerischen Darbietungen bildete der Einmarsch der Kindersreunde. Und Jugend war es, die die anderen Darbietungen bestritt. Sehr eindrucksvoll eine Szene aus „Hoppla, wir leben", von jungen Menschen dargestellt. Der Sprech- chor der Arbeiterjugend brachte uns dann„Wir schreiten" von W. Jüngst in ausgezeichneter Form zu Gehör. In diesem Rahmen fand die Maiansprache des Genossen Kurt Löwen st ein, MdR., einen begeisterten Widerhall. Er skizzierte, wie die gesamte wirt- schaftliche, politische und kulturelle Reaktion eines sterbenden Kapitalismus noch einmal am Werk ist, um die Arbeiterschaft so zu schwächen, daß sie an der Machtergreifung verhindert wird. Aber unsere Hoffnung ist stärker als all unsere Not! In uns wächst und wächst das Wollen zu einer sozialistischen Gesellschaft. Der Kreis- Vorsitzende Genosse Steinhöfel, der mit der Maifeier eine Ehrung der l5 Genossen verband, die über 25 Jahre der Partei treu gedient haben, fand warme Worte der Anerkennung für die alten Kämpfer. Mit Stolz steckten sich die Jubilare die ihnen überreichten Ehren- nadeln an. Alt und Jung blieben dann bei Tanz und Musik noch lange in angeregter Stimmung beieinander. Man wird sich in Wilmersdorf gern des Maifeiertages lgZI erinnern. Schon am frühen Nachmittag strömten die Massen ins Moabiter Schützen haus, um an der Malier des Kreises Tiergarten teilzunehmen. Allgemeines Interesse erregte dos Zelt der Kinderfreunde, in dem voriges Jahr lb Falken in der Kinder- republik in der Schweiz gehaust hatten, und das dieses Jahr zum erstenmal wieder errichtet worden war. Die Maifeier selber, die bei unerwartet gutem Wetter in dem mit roten Fahnen gefchmückten Garten stattfand, wurde eingeleitet von ausgezeichneten turnerischen Vorführungen des„Sportvereins Moabit". Seine Maiansprache hielt dann der Kreisleiter Genosie Paul Hennig. Er charakteri- sierte die schwere Lage des Proletariats in der Wirtschaftskrise. Wir brauchen in diesen kritischen Jahren erst recht den Maifeicrtag, um denen, denen die zwangsläufige Entwicklung zu einer planmäßigen sozialistischen Gesellschaftsordnung nicht schnell genug geht, zuzu- rufen: Es liegt an euch, es zu beschleunigen. Seid aktiv, fo kommen wir eher zum Ziel. Organisiert euch restlos in der Sozialdemokratie, f»- kann eine kommende Generation das vollenden, was wir er- strebten! Der Meinekfche Mönncrchor leitete dann über zu einem Sprcchchor der Sozialistischen Arbeiterjugend. Die Anwesenden ließen die Szenenfolge von Friedrich Mendels„Maiensestspiel", an das sich der Text des Sprechchors anlehnte, und das durch den Vor- trag unserer Jugend so sehr lebendig gestaltet wurde, so auf sich ein- wirken, daß sie zum Schluß begeistert in den gemeinsamen Gesang der„Arbeiter-Marseillaisc" einstimmten. Auch in den Bororten und Außen bezirken fanden außerordentlich stark besuchte SaalveranstaUungen statt, die ein beredte» Zeugnis für die Einigkeit und Geschlossenheit von Partei und Gewerkschaften waren. Leider gestattet es uns der Raum nicht, über alle Kundgebungen zu berichten. Die kommunistische Demonstration. Auctf die Kommunisten versammelten in den Nachmittagsstunden im Lu st garten eine große Gefolgschaft. Als Sjauptredner trat der kommunistische Reichstagsabgeordnete Thälmann in Erschei- nung, wobei in der übelsten Weise gegen die Sozialdemokratie ge- hetzt wurde. Der Abmarsch der Demonstranten vollzog sich, bis auf kleinere Zwischenfälle, reibungslos. Nazistudenten provozieren. Nach Auflösung der riesigen Kundgebung am Lustgarten kam es gegen%i2 Uhr am Freitag vor der Universität und der Staatsbibliothek zu Zusammen st äßen zwischen den friedlich abziehenden Massen und provozierenden Hakenkreuz- studenten. Besonders Jugendliche und sozialistische Studenten, die rote Nelken trugen, wurden vom Universitätsgarten aus in der unverschämtesten Weise angerempelt. Die Herren mit bunten Mützen konnten sich nicht genug tun in Beschimpfungen der roten Fahnen und der„internationalen Schweine". Als das Kartentor der Universität geschloffen wurde, sprangen rechtsradikale Studenten aus den zu ebener Erde gelegenen Fenstern der Uni- versitöt in der Univer�tätsstraße und stürzten sich auf abziehende Demonstranten, um sie zu verprügeln. Die Helden erhielte� eine kräftige Tracht Prügel und konnten sich dann nicht darin genug tun, nach„Rache" zu schreien. Die Universitätsstraße wurde durch de- ritten« Polizei geräumt. Aehnlichc Szenen spielten sich vor der Staatsbibliothek ob, wo das Gittertor durch die Polizei geschlossen werden mußte. Hinter dem Gitter lugten nur vorsichtig die gezähmten Wilden hervor. Aus sicherer Entfernung schimpften sie noch dann und wann ein bißchen, was nur Gelächter, hervorrief. Di« Polizei wurde bei der Räumung der Straße Unter den Linden reichlich nervös, als der Abzug der Masten nicht schnell genug sich abwickelte. Statt der rechtsradikalen Schreier wurden einige Mitglieder der Sozialistischen Arbeiterjugend verhastet. Oer Nundfunk am 1. Mai Die Feier des Sozialistischen Kulturbundes Auch einige Darbietungen der Berliner Rundfunksender standen im Zeichen des Festtages der Arbeit. Die Deutsche Welle übernahm die Feierstunde des Sozialistischen Kultur- b» n d e s, die in der Singakademie, unter dem Titel „Vorwärts— hinan" veranstaltet wurde. Das schöne, auch in der Ausführung künstlerisch vollendete Programm wurde ein Dokument nicht nur des Kulturwillcns, sondern auch der Kultur- leistungcn der Arbeiterschaft. Ebenso gaben die Chorvorträge der Sängervcreinigung„Norden" von diesen Leistungen einen wirkungs- vollen Eindruck. Das musikalische Verständnis und Können, mit dem die zum Teil recht schwierigen Kompositionen vorgetragen wurden, hat nichts gemein mit der bierheiseren Kehlfreudigkeit alter„Gesang- vereine", deren wichtigstes Ziel die Pflege einer trinkfesten, im- politischen Geselligkeit war. Erst eine klassenbewußte Arbeiterschaft konnte in ihren Reihen Verständnis für echte Kunst und darüber hinaus auch die Befähigung, sie auszuüben, wecken. Aber der Weg zur Gemeinsamkeit, zur Freiheit war weit. Bis dicht vor das Ziel ist die Arbeiterschaft gekommen, weiter noch nicht. Oskar W ö h r l e sprach in seinem Vortrag von den„Helden der Arbeit", von den Tausenden und Hunderttausenden Namenlosen, die im Kampf für diese Freiheit' gestorben sind, nicht gefallen, von der Gloriole des Ruhyis uinleuchtct, sondern langsam im stillen Ringen zugrunde ge- gangem Sie sind die wirklichen„Helden", die nichts für sich, alles für die anderen, für die Kommenden erhoffen. Noch manchen Helden wird der Kampf ordern, che das Ziel ganz erreicht ist. Auch Toni Sender betonte in ihren Ausführungen über „Die Frau im neuen Staat", wie wichtig es für alle Werktätigen, für alle Frauen ist, nie zu vergessen, daß wir noch nicht an diesem Ziel, sondern erst davor stehen. Die Frau hat das Recht»nd damit auch die Pflicht errungen, teilzuhaben an dem Aufbau des neuen Staatsgedankens. Seit zwölf Jahren arbeitet sie daran mit: nicht nur Fragen, die unmittelbar Frauen und Jugendliche betreffen, sind durch sie ausschlaggebend entschieden worden. Die Fxau hat längst erkennen gelernt, daß olle Angelegenheiten der Innen- und Außenpolitik sich auf dos ganze Volk auswirken und also die Mitarbeit des ganzen Volkes, auch der Frauen, erfordern. Allerdings sind im Parlament unter 577 Abgeordneten erst 39 Frauen, und diese sind sich selbst in Fragen, die in der Hauptsache Frauen angehen, oft nicht einig. Weibliche Abgeordnete einiger Parteien stimmen mit ihrer Fraktion häufig genug gegen die Wünsche und Rechte ihrer weiblichen Wähler. Die Frack, die Wählerin ebenso wie die Abgeordnet«, hat dem Volke zwar schon mannigfach durch ihre Hille und ihre Erkenntnis genützt: sie kann es aber in weit stärkerem Maße tun, wenn sie Wissen und Willen vereint, mn der Welt soziale Gesundung und Frieden zu bringen. Ein« besser« Zukunft braucht als sicherst« Stütz««in« ge- sunde Jugend. Nicht nur für sie wird diese Zukunft geschaffen, sondern durch sie soll sie fortentwickelt und an spätere Generationen weitergegeben werden.„Die Forderungen der Jugend an die Gegenwart" sind daher, wie Max Mestphal ausführte, lebens- wichtige Fragen für den Staat. Was heule an der Jugend ver- nachlässigt wird, muß sich einst am Balk rächen. Und an der Jugend, vor allein an der werktätigen Jugend, wird noch viel vernachlässigt. Vier Fünftel oller jugendlichen Deutschen zwischen l4 und 20 Jahren stehen im Berufsleben. Ihre Altcrgenossen auf den höheren Schulen hoben jährlich etwa 7l) Tage F«ricn: aber von den erwerbstätigen Jugendlichen hat jeder vierte überhaupt keinen Urlaub,»nd erst jeder sünjundzwanzigste mehr als 14 Tage. Max Weslphal betonte die Notwendigkeit einer gesetzlichen ausreichend gesicherten Urlaubs- regelung für die Jugend, Verkürzung der Arbeitszeit— jeder vierte Jugendliche arbeitet heute noch über 4— S Stunden in der Woche— Verschärfung der Strafen für alle Arbeitgeber, die die Bestimmungen über den Jugendschug übertreten. Westphal schloß seine Ausführungen mit dem bitteren Hinweis, daß es um die Jugend, um die Zukunft des Staates besser bestellt wäre, wenn wir ebensoviel Aufwand wie für die Entwicklung, den „Aufbau" der Technik, für die Bolkswohlsahrt treiben und statt für die körperlich und seelisch Kranken bereits für die Gesunden aus- reichend sorgen wiirden. Tumulte in der Llniversität. Sie„akademische Würde" der Nazis Im Flurgebäudc der Universität kam es heute vormittag wieder zu unliebsamen Austritten und Zusammenstößen zwischen national- sozialistischen und kpinmunistischep Studenten. Bereits um ll Uhr be- gönnen die Streitigkeiten. Eine immer größere Zahl von Studenten versammelte sich in den 9- und 10-Uhr-Pausen. Eine Menge national- sozialistischer Studenten hatte«ine kleine Gruppe kommunistischer und sozialdemokratischer Studenten eingeschlossen. Dem besonnenen Ver- holten des Vorsitzenden der Sozialistischen Studenten gelang es schließlich, eine Uebcreinkunit mit dem Führer der Nationaljozialisten herbeizuführen. Er forderte di, versammelten Studenten auf, den Flaurraum zu verlassen. Nach anfänglichen Widerständen und erregten Zurufen der kommunistischen Studenten verließen die Studenten schließlich nach beiden Seiten den Raum. Zum Schluß erschien der Rektor der Universität, Prof. D e i ß m a n n. Er bat, die akademische Würde ausrecht zu erholten. Er wollte es nicht so weit kommen lassen, die Polizei zum Schutze herbeizurufen, ober dazu bedürfe«r der Mitarbeit aller. Kurz nach 12 Uhr war dann alles ruhig. Dar der Unwersität hat es keine Zwischenfälle gegeben. Wie die nationalsozialistischen Studenten die akademische Würde und die geistige Auseinandersetzung auffassen, zeigt die Tatsache, daß bei einigen von ihnen Gummiknüppel und andere Schlag- wafsen gesehen wurden. Im Garten der Universität, wo sich die Der Aufmarsch. Massenzüge der Schon am frühen Morgen begannen die Massen zu ihren Sammelplätzen zu strömen. Mancher Zug mußte schon um 8 Uhr sich in Bewegung setzen, um rechtzeitig zu der um 10 Uhr festgesetzten Kundgebung einzutreffen. Flankiert von Ordnern und den immer hilfsbereiten Arbeitersamaritern, die schon von weitem er- kenntlich waren an ihren weißen Mützen und Armbinden, voran dos Bereinsbanner, mit Musik und unter roten Fahnen, ging es zum Lustgarten. Auch hier hatten die Arbeitersamariter alle Vorbereitungen getroffen, um zur Stelle zu sein, wenn ärztliche Hilfe not tun sollte. Auch die Schutzpolizei war in Bereitschaft und waltete mit Takt und Umsicht ihres Amtes. Donk der über jedes Lob erhabenen Disziplin der Massen wickelte sich die Riesen- kundgebung reibungslos ab. Frellich, wenn der Abmarsch auch im allgemeinen sich sehr pünktlich vollzog, bei der Ankunft gab es vielfach JSufmarUii des JlfJl-ißutules erhebliche Berspütungen. Die Züge kreuzten einander oder wurden zur Aufrechterhaltung des Verkehrs immer wieder unterbrochen. Es wird bei künftigen Maikundgebungen zu erwägen sein, ob nicht einzelne Straßenzüge auf eine Stund« für den Anmarsch reserviert und der Verkehr während dieser Zeit umgeleitet werden kann. Der Gesamlverband. Unzählbar waren die Tausende von Mitgliedern des Gesamt- Verbandes, die um 9 Uhr vom Michaelkirchplatz aus ihren Marsch nach dem Lustgarten antraten. An der Spitz« die Jugend des Gesamtoerbandes, der sich anschließen die K ä m m e r e i- a r b e i t e r, die Arbeiter der st ä d t i s ch e n Betriebe, das Feuerwehrpersonal, die Reichs- und Staats- a r b e i t e r, die Handelsarbeiter unter Führung der uniformierten Belegschaft von G e r s o n, die Handels- und Transportarbeiter des „Vorwärts" und derKonsumgenossenschast, die Lu stund Kraftfahrer, die Arbeiter des Fuhrgewerbes, Hunderte von Ver- kchrsarbeitern in Dienstkleidung, die Angestellten der Ambulatorien der Krankenkassen und alle die vielen, vielen Gruppen, die organi- satorisch im Gesamtverband erfaßt sind. An dem Verkehrsdreieck Dresdener, Annen- und Neue Iakobstraße mußten sich die Züge der anderen Organisationen, die sich dem Gesamtverband anschließen sollten, nach fast einstündigem Warten neben den bereits nach Zehntausenden zählenden Zug dieser Riesenorganisation setzen, der nur zu einem geringen Teil noch Einlaß in den Lustgarten fand. Der AsA-Vund. Es ist Uhr. Roch liegt der Oranienplatz still im Gewirr der Straßenzüge. Vom Konsumwarenhaus, dos heute seine Pforten geschlossen hält, grüßt die rote Fahne. Auch auf dem Neubau der Genossenschaft ist alles öde und leer. Von Minute zu Minute wird«s lebhafter: jetzt wälzt sich schon«in Strom von Menschen über den Platz in die Naunynstraß« bis hinter die Mariannenstraß« hinein. Zahlreich« rote und schwarzrotgoldenen Fahnen grüßen aus den Fenstern dieser Proletarierstraße. Transparente, Fahnen tauchen auf und nehmen Aufstellung, um den Kommenden das Aufsuchen ihrer Organisation zu erleichtern. Um Uhr ist es beängstigend voll, aber immer neue Massen strömen herbei. Punkt Uhr setzt sich die imposante Riesenschlange, an der Spitze die AfA-Jugend, mit fliegenden Fahnen unter Dorantritt zahlreicher Musikkapellen!n Bewegung. Erst zwanzig Minuten nach 9 Uhr können die letzten Teilnehmer den Platz verlassen. Erst kurz vor Vtll Uhr traf die Spitze des Zuges im Lustgarten ein. Die Holzarbeiter sammelten sich vor chrem Verbandshaus am Köllnischen Park. Auch hier, vor dem Banner der Organisation, die Nacheiferer der alten Gewerkschaftskämpser. die H o lz a r b e i t e r j u g e n d. An der Spitze der Klavierarbeiter ein Transparent, einen Klavierarbeiter in seiner blauen Schürze bei der Arbeit darstellend. Verhältnismäßig groß ist auch die Zahl der taubstummen Gewerkschaft»- Mitglieder, die den Schluß des Zuges bilden, der bei seinem Abmarsch etwa 3000 Teilnehmer zählt, zu denen sich ober unterwegs noch Hunderte von organisierten Holzarbeitern gesellen. Unmittelbar hinter den Holzarbeitern die Parteigenossen des 15. und 16. Kreises und die Wassersportler. Die Metallarbeiter In der Kartenstraße und am Gartenplatz sammelten sich die Mitglieder des Metallorbeiterverbandes, denen sich der Kupserschmiedeverband angeschloffen hotte. Die riesigen Fabrikanlagen der AEG. gegen«ine» starkwirkenden, gegensätzlichen Hintergrund ab zu dem Massenaufgebot feiernder Metallarbeiter. Pünktlich um%9 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung: das Tom- bcurkarps der Freien Sport- und Musikervereinigung und die Kapelle der Freien Turnerschost Groß-Berlin eröffnete ihn. Eine meisten Swdenten versammelt hatten, versuchten die National- soziallsten wiederholt, die sozialistischen Studenten anzupöbeln. Unsere Studenten ließen sich daraus jedoch nicht ein. so daß es zu keinen Zwischenfällen weiter gekommen ist. Einem kommunistischen Studenten wurde vom Oberpedell der Universität die Studentcnkarte entzogen. zur Kundgebung Organisationen gewaltige Heersäule zog durch die Garten- und die anderen Ver- bindungsstraßen zum Lustgarten. Als die Spitze längst die Museumsinsel passiert hatte, waren die letzten vom Gartenplatz noch nicht abmarschiert. Ost schallte ein Hoch auf den Sozialismus und den 1. Mai durch die Straßen. Die Jugend demonstriert« mit Transparenten für ihr« Forderungen an Staat und Gesellschaft, die„Alten" scharrten sich um die Banner der Gewerkschaften und der Partei, die mit den Kreisen W e d d i n g, Pankow und Reinickendorf sich angeschlossen hatte. Die nördlichen Bezirke des Baugewerksbundes hatten sich eben- falls in der Gartenstraße mit sehr großer Beteiligung versammell, um vereint mit den vom Gartenplatz Kommenden zum Lustgarten zu ziehen. Der Einheitsverband der Eisenbahner trat um ViQ Uhr aus dem K ü st r i n e r Platz zum Abmarsch an. Voran marschierte die Kapelle der Reichsbannerkamerad- schaft Friedrichshain. Es folgten die Gruppen der Eisen- bahnerjugend und andere sreigewerkschaftliche Iugendgruppen. Transparente und Schilder verkündeten die sozialen Forderungen der organisierten Arbeiterschaft. Die Soziali st ische Arbei- terjugend der Kreise F r i e d r i ch s h a i n und Lichten- b e r g marschierte in den blauen Kitteln mit vielen roten Fahnen. Hinterher kamen die Scharen der Jüngsten, die Sinderfreunde und Roten Falken, tapfer mitmarschierend. Freudig wurden sie überall begrüßt. Hinter einer Jugendkapelle trat das Sportkartel! mit seinen vielen Vereinen an, und den Abschluß bildeten die Abtei- lungen der Kreise Friedrlchshain und Lichtenberg der Sozialdemokratischen Partei mit ihren roten Bannekn. Langsam setzte sich der Zug in Bewegung und wälzte sich durch die grauen Straßen des Berliner Ostens dem Zentrum zu. Je näher man dem Lustgarten kam, um so unübersehbarer wurde das Meer der roten Fahnen und marschierenden Massen Nach mancherlei Stockungen erreichte der Zug erst gegen Hill Uhr den Lustgarten, wo sich schon Kopf an Kops die Menge drängte. Der Fabrikarbeiterverband marschierte um die gleiche Zeit vom Andreasplatz ab. V,iele Frauen, die Gesichter von der schweren Arbeit an den Maschinen gefurcht. Die Kleidermacher, Hutmacher und Haarmacher nahmen in der Sebastianstraße Aufstellung, voran wie stets die stattlich« Schar der weiblichen und männlichen Jugend der Bekleidungsindustrie. Denkt man auch nur an die Arbeitslosen in diesen Berufen, dann konnte die Beteiligung noch viel größer sein. Beim Umschwenken in die Neue Roßstraße stieß der Zug auf Gruppen des Gesamt- Verbandes, dessen Feuerwehrabteilung mit ihrer Musikkapelle den kurzen Marsch durch die Brüderstraße zum Lustgarten kurzweiliger und lebendig gestaltete. Reukölln marschiert aus. Der 1., 2. und 3. Bezirk Neukölln des Baugewerts- b u n d e s und der 14. Kreis der SPD. trafen sich um 8 Uhr zum Abmarsch in den Lustgarten. Die Spitze machte der Baugewerks- bund mit seinem Banner, dann folgten eine erfreulich große Menge Kinderfreunde und Arbeiterjugend, die straff diszi- plinierten Scharen der Turner mit riesigen roten Fahnen und schließlich die stetig wachsende Gruppe der Parteigenossinnen und Genossen. Das leuchtende Blau der Jugendkittel, das glühende Rot der Fahnen und das erste zarte Grün der Bäume vereinte sich zu einem wunderschönen symbolischen Bilde des sonnenstrahlenden 1. Mai. Der Aufmarsch der Beamten. Wenige Minuten nach dem festgesetzten Treffpunkt marschierten die dem Allgemeinen Deutschen Beamtenbund an- geschlossenen Beamtengruppen vom Mariannenplatz ab. Der erfreu- lich starke Zug bewegte sich in langer Reihe unter Vorantritt zweier Musikkapellen durch die Melchiorstraße in Richtung Lustgarten. An der Spitze des Zuges marschierten die Postbeamten, die teilweise in ihren Uniformen gekommen waren, was diesem Zug ein charakte- ristisches Gepräge gab. Den größten Teil bildeten die freigewerk- schaftlichen Kommunalbeamten, unter denen besonders die Partei- genössische Detriebsfraktion des Berliner Magistrats auffiel. Den Beschluß des Zuges bildeten die Lehrer, deren Transparente gegen die Kulturreaktion und gegen die Benachteiligung der dissidentischen Lehrer Protest einlegten. Weitere starke Beamtengruppen mar- schierten mit den Zügen des Einheitsverbandes der Eisenbahner und des Gesamtverbandes zum Lustgarten. Der Bmigewerksbund hatte seine Mitglieder nach Bezirken versammelt. Die Abteilungen Schöneberg, Wilmersdorf und Steglitz hatten ihren Treffpunkt am Bahnhof Großgörschen st raße. Kurz nach 8 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung. Ein Blasorchester marschierte an der Spitze. Seine Klänge wiesen zahlreichen Nachzüglern den Weg. Aus allen Seitenstraßen eilten noch Frauen, Männer und Jugendliche herbei. Ein Invalide, ebenfalls mit der roten Nelke geschmückt, begleitete die Marschierenden in seinem Fahrstuhl In großen Zügen rückten die Genosien des Baugewerksbundes Moabit und Charlottenburg zu ihrem Treffpunkt Wils- »acker Straße an. Der 2. und 7. Kreis Tiergarten und C h a r- l Ottenburg der Parteimitgliedschaften vereinigten sich hier mit ihnen. Zahlreich war die Beteiligung der Sportverbände und ebenso der Jugend: jede Gruppe trug mit Stolz ihr Banner und ließ es zu dem Marschschritt der Arbeiterschaft fröhlich wehen. Die Rahrungsmittel- und Getränkearbeiter sammelten sich in der Lothringer Straße. Der Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Caföange st eilten hatte sich ihnen angegliedert, ebenso der Deutsche Tabakarbeiter- verband, der Deutsche Musikerverband, der Land- arbeiterverband, der Verband der Böttcher und der Deutsche Melkerverband. Es war ein fröhliches Treffen der ungeheuren Scharen, die sich um die alten bewährten Banner sammelten. Der 1., 4. und 18. Kreis Berlin-Mitte, Prenz- lauer Berg und Weißensee der Partei sandte seine Mit- glieder ebenfalls zu diesem Treffpunkt. Ein unübersehbarer Zug. der sich aus der Promenade der Lothringer Straße von der Rosen- thaler Straße bis weit hinter die Gormannstraße erstreckte. Auch die vielen arbeitslosen Genosien und Genossinnen wurden mit herzlicher Freude begrüßt, als sie in bewährter Treue sich zu ihren Verbandsplätzen stellten. An der„Vorwärts"-Druckerei und am Verbandshaus der Me- tallarbeiter in der Alten Iakobstraße versammelte sich Die Arbeiterschaft des graphischen Gewerbes sowie der 6. und 13. Kreis der Sozialdemokratischen Partei. Außerordentlich zahlreich waren die Buchdrucker, Buch- binder, Lithographen und Steindrucker, die graphischen Hilfsarbeiter und die Mitglieder der Partei dem Ruf der Organisationen gefolgt. Wie in den Vorjahren beteiligten sich auch diesmal die Belegschaften der Zeitungsbetriebe sehr stark an der Maiseier, so daß die meisten Berliner Morgenzeitungen am 1. Mai nicht erscheinen konnten. Die Spitze des Zuges bildete die I u g e n d in ihren kleidsamen Trachten unter Mitführung zahlreicher roter Fahnen. Es folgten Sportler, die Arbeiterwohlfahrtsschule, die Groß- betriebe Ullstein, Scherl, Masse. Reichsdruckerei, Parteiorganisationen, die Belegschaft des„Vorwärts" und Arbeiter aus vielen anderen Mittel- und Kleinbetrieben. Voran das Banner des graphischen Kartells mit der mahnenden Inschrift: Einigkeit macht stark! Die ZNaschmisten und Heizer sammelten sich in der Nähe ihres Verbandshauses in der Skalitzer Straße um 8� Uhr. Pünktlich— für Bummelanten ist der Mai- tag nicht geschaffen— ging der Zug ab. An der Spitz« eine lustige Turnerkapelle und die Standirte der Maschinisten:„Gestiftet von den Damen des Vereins im Jahre 1885." Der 3.. 10.. 11„ 12. und lö. kreis der Partei versammelten sich am Gendarmenmarkt. Schon frühzeitig flackerten auf dem Platz vor dem Schauspielhaus rote Fahnen. Rasch wuchs die Zahl der Menschen und die Zahl der Fahnen, die sich in fest- lichem Rot aus den schwarzen schützenden Wachtuchhüllen schällcn. Bald herrschte ein buntes Gewimmel um das Schillerdenkmal, dessen weißer Marmor von der endlich durchbrechenden Sonne vergoldet wurde. Die etwas konventionelle Statue öes Freiheitsdichters ver- lor in dem Fahnemecr ihre kühle Fremdheit, wurde zugehörig der Menge, die das erkämpft hat, was feine Dichtungen sangen. Die Züge au sdem Westen der Stadt kamen auf oen Gendarmenmarkt zu. Die dort versammelten Gruppen übernahmen die Führung. Von den Linden zog sich durch die Charlottenstraße bis über die Leipziger Straße eine ununterbrochene Menschenkette. Rote Fahnen, rote Flumen, festlich ernste Gesichter: die Befreiung der Arbeit, die Befreiung der Menschheit marschierte. Rund um das Gewerkschafkshaus, dos weithin durch Flaggenschmuck erkenntlich war, mit dem benach- borten, nun bald fertigen mächtigen Bau des Gesamtoerbandes, hatten sich viele Be.ufsgruppen Stelldichein gegeben. Die Satt- ler, Tapezierer und Portefeuille r, die am Engelufer Aufstellung genommen hatten, waren sehr stark vertreten. Ihnen schlössen sich die Schuhmacher an, die man vielleicht sich etwas zahlreicher gewünscht hätte, denen man jedoch, im Vergleich zu den Vorjahren, die kommunistische Spaltung nicht anmerkte. In der Mclchiorstraße waren die Maler versammelt, die Bezirke Süden und Südwesten Oes Baugewerksbundes am Engelufer. Die Bruder- ortzanisationen des Baugewerksbundes, wie der Zentralverband der Zimmerer, die Steinarbeiter, die Schornsteinfeger- gesellen und die zum letzten Mal« als selbständige Organisa- tion ausmarschierenden Dachdecker schloffen sich am Mariannen- psatz bzw. am Vethanienuser den anderen Zügen an. Die Sozialistische Sludenlen'chaft Berlins versammelte sich in allen ihren Sektionen auf dem Franz-Iosefs- Platz. Einige hundert�unge Menschen waren versammelt, um ge- meinsam mit der Arbeiterschaft zu demonstrieren. Unter Absingen sozialistischer Kampflieder ging es bann, voran die roten Fahnen, zum Lustgarten. Nach Schluß der Kundgebung im Lustgarten marschierten die Studenten wieder gemeinsam ab ins Universität;»- viertel. Aus dem Hegelplatz, hinter der Universität, fand die ein- drucksvolle Kundgebung mit dem Gesang der Internationale>hr Ende. Inzwischen hatten sich n a t i o n a l s o z i a l i st i s ch« S l u- denten, die bereits auf dem Fran-Josefs-Platz provoziert hatten, im Garten der Universität versammelt. Hinter dem verschlossencn Eisengitter machten die Hitlerhelden ihren wuterfüllten Herzen in Schmuhrufen über die sozialistische Studentenschaft und die Soz»al- demokratie Luft. Eine Menge Studenten, angelockt durch das Ge- brüll der Nazis, versammelten sich in der Dorotheenst.aße, so daß die Straße schließ/ich von der Polizei geräumt werden mußte. Maifeiern im Reich. Maifeier im Bebel-HaiiS. Köln. 2. Mai.(Eigenbericht.) Tin Anschluß an die Maifeier der Kölner Sozialdemokratie in der Messehalle zog ein Zug von Tausenden zu dem neuen heim der„Rheinischen Zeitung", dem Augu st- Bebel- Haus. Reichstagsabgeordueter S o l l m a n n hielt eine kurze weiherede, in der er ausführte: „Das Haus ist ein Denkmal, das die rheinische Arbeitertlasie dem ersten großen Führer des deutschen Arbcitsvolkes gesetzt hat. August Bebel war ein Soldat der R e v o l u t« o u. er hat aber nie geputscht und nie phantastische Pläne gesponnen. Er war kein Revolutionär der Zaust, sondern einer des Geistes. Im Geiste August Bebels nehmen wir von diesem Hause Besitz, wir sind grohdeutsch und international, wie es August Bebel war. Unser Marsch geht unter der Zahne der politischen Demokratie zur sozialistischen Semeinschaf«, von der Republik zum Sozialismus." Die Weiherede wurde mit tosendem Beifall aufgenommen. Die Kölner Geschäftswelt ha» der„Rheinischen Zeitung" anläßlich der Einweihung ihres neuen Heimes vrachtoolle Blumenarrangemenls gespendet. Oberbürgermeister Dr. Adenauer hat in einem herzlich gehaltenen Schreiben die besten Glückwünsche der Stadt Köln übermittelt. Hannover. 2. Mal.(Eigenbericht.) Tn der hiesigen Industrie herrschte am 1. Mai vollkommene Arbeilsruhe, die durchweg mit weit über 90 Proz. bcfchlosien war. In dem eindrucksvollen Zcflzug der Sozialdemokratie, der sich am Rachmittag durch die Straßen Hannovers bewegte, und in dem nicht weniger als 36 Musikkapellen gezühl! wurden, marschierten über 20 000 Mai-Demonstranten. Die Kommunisten brachten trotz Intensivster Propaganda nicht mehr als 1300 Menschen aus die Beine. A»ch die Razis vcranflallelcn im kleinen Rahmen eine sogenannte deutsche Maifeier. Auf der Suche nach dem Frühling Eine misslungene Reportage Von Heinrich Hemmer Seit Wochen wartet Berlin darauf, sich der erwachenden Natur in die Arme zu werfen. Winterforgenbleiche Ladeninhaber schnuppern an offenen Türen, in srischgeeggten Vorgärten, wo einige Pflänzchen noch ziemlich unvermittelt im chumus stecken und die Bäume ohne rechte Ueberzeugung ausschlagen, werden über den Zaun weg naturwissenschaftliche Gespräche geführt und die frischlackierten Gastgarten- und Balkonmöbel glänzen mehr rheu- matisch-feucht, als wirklich einladend, aber wer hat nicht das brüst- dehnende Gefühl, daß draußen vor den„Einsalls"- respektive Aus- fallswren von Verlin der Frühling schon richtig webt und bebt...! Ursprünglich wollte ich durch den parzellierten K i n d l w a l d nach dem architektonisch einzigartig dastehenden Glienicke. Flüchtige, im Auto erhaschte Bilder gaukelten mir märchenhafte Dinge von diesem Orte vor: Kühn kombinierte Landhäuschen, halb Rokoko eines, halb Ziegenstall, ein anderes im Maktaronistil mit sukzessive angebauten Quetschen für die großgewordenen Kinder und ein Steinhaus, wie es sachlicher nicht möglich, vier Fenster oben, viere unten, ist durch einen Zementbogen veredelt, auf dem der stolze Name „Drachenburg" prangt..., während ich mich erinnere, in H e r m s- darf selber eine auf strategischer Anhöhe gelegene regelrechte Festung mit runden Zackentürmen erblickt zu haben. Kurz, hier harrt eine interessante Gegend, in der eine lebhaste Phantasie mit viel prak- tischem Sinn gepaart ist, der Entdeckung. Menschwerdung am Orankesee. Indessen verplauderte ich mich, wie das so geht, in der eine behagliche Sitzwärme ausstrahlenden Stadtbahn bis zur Station Landsberger Allee. Einmal in diese Regionen verschlagen, schritt ich der Behausung eines Freundes in Hohenschönhausen zu, entlang der endlosen Berliner Straße, auf der rechts prater- hafte, noch in tiefem Winterschlaf ruhende Karussells und Schaukeln auftauchten und links streberische Schrebergärten: überbereit aus das Erwachen der Natur, auf der Lauer vor dem Frühling liegend, um alle feine Wonnen zu erhaschen... und die übrigens(die Berliner Straße) doch ein Ende nimnit, bei einer alten Mühle, wo man ein Rad auf einem Schornstein liegen und den Klapper- st o r ch sein Nest bauen sehen kann(SjohenschönhalisVinnen: Achtung!) Im großen Bogen kam ich auf den neuausgelegten, mit einer Badeanstalt und einem Musik- und Tanzlokal ausgestatteten Orankesee zu, hinter dem man den Donner von einem halben Dutzend nebeneinander gelegener Kegelbahnen grollen hört. Aus dem See aber erwartete, in blauem Badetrikot, auf einem Segel- brett postiert, eine wohlgeformte Badenymphe in Gänsehäuien er- schauernd den Frühling, der sich ungalanterweise nicht blicken ließ. Mein Freund, der„wilde che r m a n n", wie wir ihn im Gefangenenlager nannten, ein Teufelskerl von einem Schiffsjungen einst, für den kein Mast zu hoch, kein Land zu wild, kein Streich zu toll war, chermann, der einstmals mit einer hinterm Wagen herabhängenden Wurstkette durch die Hafenstädte zu fahren pflegte, dahinter olle Köter her waren, der„wilde Hermann" empfing mich zahm in einem spieherlich geblümten Morgenrock. Und: es duftete so nach Kaffee und Kuchen, in der guten Stube, wo einen jeder Stuhl zum Hinsetzen, jeder Teller zum Zulangen und jedes Möbel zur Behaglichkeit einlud... mir wurde ganz' schwummerig zu- mute. Und als erst Frauchens Stimme vom Bette hinter der Tür nach Musike rief und das Radio, das neuinstallierte, neben der Kuschel-coucll und der hohen Stehlampe angeknipst wurde, und un- verzüglich, wie es tut, mit dem Wiener Strauß loslegte...„Ja. ja", sagte Hermann, als mir vor Staunen die Augen im Kopf herumrollten,„hier wird man eben zum Philister, das kommt von alleene und dagegen läßt sich nischt machen." Hermann ist jetzt„Herr Ingenieur" und tut nichts Tolleres als ein Vorsitzender des örtlichen Vergnügungsaus- s ch u s s e s zu tun pflegt. D. h. er arrangiert Krippenspiele, Zauber- Vorstellungen, Koffeekränzchen-Bälle, solid bürgerliche Amüsements (in seiner freien Zeit). Und er bestellte bei mir, seinem armen, noch immer vom Leben hin- und hergeworsenen Bohemefreund, der noch nicht die Wege des Gerechten wandelt und verlegen die unterm Tisch eingezogene Beine ineinander verflocht—«in Drama. Einst gab ich ihm al» Respektsperson Unterricht, diesem jungen Vagabunden, und jetzt bestellt er, Bürger geworden, bei mir alten Vagabunden ein„Frühlingslied", ein„dezente s" Frühlings- erwachen"— falls ich solches für den Ausschuh zu liefern imstande sein sollte In tiefen Gedanken über die Wandlung der Dinge zog ich von bannen und, als ich beim Klapperstorch vorbei kam, drohte ich ihm mit dem Finger: es war vielleicht doch schon Frühling hier unten, man merkt es nur nicht gleich. Ich verstoße gegen den guten Berliner Ton. Bier Stunden später entstieg ich in Gesellschaft einer jungen Berlinerin, die meine Führung übernommen hatte, der Stadtbahn- station„Krumme L a n k c". Ob man jetzt links zur L a n k e hinabgeht oder rechts zum Schlachtensee: vom Frühling war nirgends eine Spur zu entdecken, er drückte sich nicht anders als in den hinausgeräumten Lackstühlen der beiderseitigen Gartenlokale und den mobilgemachten Kellnern aus. Aber eine merkwürdige düstere Schönheit strahlen die beiden Seeufer aus, so daß mir ganz königludwiglich zumute wurde und ich mich ruhig hätte von Schwänen über den See ziehen lassen können. Das Fräulein, das mit mir den romantischen Uferpfad entlang wallte, trug elegisch auf die Schutter fallendes Haar und ein Koffer- chen voll herrlichster Stullen. Sie sprach sanft, wenn sie sprach, und wenn sie schwieg, so sprach ihre Anmut für sie. Ich hätte in eine poetische Stimmung verfallen und das Gasthaus übersehen müssen, das mittewegs am See, teilweise wie über dem See steht. Keinesfalls sollte ich die Stufen zu der großen Ritterhall« so rasch emporgestiegen sein, allwo man auf drei Seiten den See erglänzen sieht, und hinten, auf der vierten, die B i e r g l ä s e r. Aber was ich dann tat, war einfach unverzeihlich. Es ist die eine schandvolle. niedrig« Handlung, mit der ich in dieser Stadt, die mich zwei Jahr« beherbergt, mein Gewisien belastet habe. Ohne dl« Stullen berührt zu haben, in schweigendem Ver- lunkensein schritten wir bald darauf dem See-Ende zu, wo nichts den Frühlingsschmuck angelegt� hat, außer den Trauerweiden. Der Frühlingsausslug hatte ein jähes, unerwartetes Ende genommen. Warum'? Oh. daß ich mich soweit vergessen konnte! Beim Kellner im Rittersaal, wo eine Pauke steht, als er nach unseren Wünschen fragte, bestellte ich(Barbar)— was denken Sie?— eine Molle und eine Tasse Kaffee. Ich hätte einen Fünf-Liter-Topp Kaffee bestellen müssen. Sonst nichts. Leider habe ich keinen Sinn für die Frühlingsträumereien romantischer Berlinerinnen. Eine Tasse Kaffee, da» zieht ledes Atom von Poesie aus der Landschaft, und eine Molle entheiligt sie vollends, Eine mächtige Kaffeekanne im„I r ü n e n", das macht den Frühling zum Frühling, den Mea- schen zum Menschen. Warum ist mir die Kaffeekanne nicht eingefallen! Dos Fräulein sagte kein Wort der Klage, sie meinte nur, persönlich mache ich nicht denselben Eindruck als durch meine Schriften. Oh Frühling! Oh Kaffeekanne! Eines blüht doch: das Geschäft. Zu Hause lag ein R o h r p o st b r i e f. Noch vor Torschluß war ich bei dem großen spanischen Tenor— es handelte sich um wichtige Geschäfte. Bald werde ich auf Zeitungshonorare nicht mehr angewiesen sein. Der Mann bietet mir an. sein Jmvresario zu werden. Wir reisen von Kurort zu Kurort, von Grand Hotel zu Grand Hotel. Ich werde die Frühlingstourneen festlegen, Geld ein- streichen, Geld auszahlen, alles liegt in meiner Hand. Ich werde vornehm gekleidet gehen, und auf Gänsebraten wie auf falschen Hasen herabblicken. Der große Tenor ist glücklich, einen Mann wie mich ge- funden zu haben. Monsieur", sagte ich bescheiden,„aber ich bitte sehr, mein Herr, ich schätze mich gar nicht so hoch ein." Und nun— nun soll ich vorläusig erst ein paar Briefe über- setzen. Englische, französische, deutsche: auf Engagement abzielende Agentenbriefe, die dahin und dorthin gehen, eh wir selbst da» tun. „20 Briefe: was verlangen Sie dafür, cber arni?" „Ach Gott, irgend etwas" sagte ich,„30 Mark, wenn Sie wollen." Der Tenor lächelte wohltönend:„Dreißig?" „Na also zwanzig" sagte ich.„da wir doch auf große Geschäfte aus sind" Ich ging in Anbetracht meiner großen Zukunft bis auf fünf- zehn Mark herab, dann drückte mich der Tenor bis auf acht her- unter und gab mir drei. Er sieht nur wie ein Tenor aus, dieser Adonis, dazu machen muß ich ihn erst: dann blüht der Geschäfts- frühling. Der Frühlingsbote. „Tach Hein", sagte er und reichte mir die Hand,„sehe ick dir ooch mal wieder?" Cr ist sechs Jahre alt. Er war aus der Peripherie der Stadt bis zum Kohlenkeller unten im Hause hergetippelt. Seinen„Freund", den Kohlenhändler, zu besuchen, der öfter in seines Vaters Cxpe- ditionsgeschäft zu tun hat. Er war, ohne ein Wort zu sagen, zwei Stunden auf seinen kleinen Beinchen zu uns hergetippelt. Jetzt sitzt er mit dem Kohlenhändler am Biertisch wie ein Großer, spricht wie ein Großer und unterhält durch seine drastischen Redewendungen das ganze Lokal. Er ist fabelhaft, unerreicht in seiner jugendlichen Selbständigkeit. Er ist das Berlinerischste von Berliner Frühlings- pflänzchen. „Tach Maxe", sagte ich,„du, ja du hast den Frühling im Leibe, kleener Sttopp." Und ich fühlte mich mehr frllhlingsberührt als den ganzen Tag über. Zumal ordentlich geheizt war im Lokal. 8. Tja, jetzt, da ich diese verfehlte Reportage über einen Frühling abliefere, der nicht da ist, strahlt er auch mit höhnischer Wärme und ich suche mit einem Bleistift wieder aufs Land nach einer, hoffen wir, glücklicheren Reportage. Und trotzdem vorwärts? Henry Ford persönlich unter Mitwirkung von Samuel Crowther Der Prophet von Detroit-Dearborn, gleichzeitig reichster Mann von USA., hat ein nenues Buch") geschrieben, fünf Jahre nach der Veröffentlichung von„M ein LebeN und Werk", welches er 1925 dem staunenden Europa vorlegte. Damals begannen wir mit unserer Rationalisierung und„Fordisierung", für viele war das Ford-Buch die Bibel, aus der sich klipp und klar ergab, daß damit auch für uns bessere Zeiten kommen würden. Wenn heute— im Tiefpunkt der Weltwirtschaftskrise— Ford sich veranlaßt fühlt, unter dem Motto„Und trotzdem vorwärts" wieder das Wort zu ergreifen, so sind wir mit Recht gespannt zu erfahren, welch« Lösungen Henry Ford vorschlägt. Zumal aus der Umschlag- feite zu lesen ist:„Es verkündet klar und ehern die Gesetze einer kommenden Wirtschaftsordnung, die sich nicht aufhalten lassen wird." Vergegenwärtigen wir uns zunächst die tatsächliche Lage der Ford-Werk« in der Gegenwart und ihre Stellung inner- halb der amerikanischen Wictschastskrif«. Der Verfasser hatte Ge- legenheit, letzten Herbst die Fordschen Betriebe in Detroit zu be- suchen. Ansang Oktober 1930 mußte mit der dreitägigen Kurzarbeit begonnen werden, nachdem schon die ganze Zeit vorher Absatz- mangel zur„4- T a g e- W o ch e" gezwungen hatte. Ohne irgendwelchen Lohnausgleich wohlgemerkt. Diese Arbeitsstreckung hatte jedoch noch nicht einmal die Aufrechterhaltung d�r Beleg- schaftsziffer ermöglicht. Von IIS 000 vor dem Krach vom Herbst 1929 sank die Zahl der Beschäftigten innerhalb eines Jahres auf etwa 70 00 0. Und alles das nicht lange nach der großen fünf- monatigen Reorganisation und Umstellung auf das bedeutend ver- besserte Modell A. Im Jahre 1930 ging der Absatz an Ford- Wagen um 20 Proz.(rund 2S4 000 Wagen) gegenüber dem Vorjahr zurück. Daraus ergibt sich zunächst einmal mit unwiderleglicher Klar- heit, daß das Ford-System mitten in den Strudel der Krise hinein- gerissen wurde, Zehntausende von Arbeitern mußten entlassen wer- den, bei Ford ebensogut wie bei den anderen Autornobilkonzernen. Viel schlimmer ist aber folgendes: Dem New-Porker Börsen- krach vom Oktober 1929, der in USA. die große Krise für den außenstehenden Betrachter so dramatisch einleitete, war seit Juli bereits ein auffallendes Sinken der Automobilproduktion— und im Verein damit der Stahlerzeugung— vorausgegangen. Mit anderen Worten, die U e b e r p r o d u k t i o n bei Ford und General Motors war schlimmer als auf allen anderen Gebieten, sie gab das eigentliche Sturmsignal, die Automobilindustrie marschierte an der Spitze— andere mit sich reißend— in die Krise. Und zwar weil der große General-Motor-Trust mit seinem Chevrolet-Wagen auch zuttt„F o r d- S y st e m", d. h. zu seinen Methoden von Pro- duktion und Absatz, übergegangen war. Ohne diese Tatsachen zu kennen, hat es überhaupt keinen Sinn, an die Kritik des Fordschen Buches heranzugehen. Sie sprechen eine lebendigere und schärfere Sprache der Kritik, als Worte dies tun könnten. Je weiter man in dem Buch vordringt, eine Rechtfertigung der früheren Ideen Fords gegenüber der vernichtenden Wirklichkeit erwartend, um so bedrückter wird einem zu Mute. Das Ganze stellt sich als weiter nichts als eine variierte Wiederholung des Buches von 192S heraus, kein einziger neuer wegweisen- der Gedanke ist darin zu finden, nur— erst blumenreich umschrieben und schließlich wörtlich wiederholt— sein altes Glaubensbekenntnis: „1. Keine Furcht vor der Zukunft.... 2. Mißachtung der Kon- kurrenz... 3. Dienftteistung dem Nutzen voranstellen. j usw." Er- gebni» daraus: weiterer Konkurrenzkampf bis aufs Messer., Hören wir Fords persönliche Aeußerungen zu einigen Gegen- fragen. Zur Arbeitslosigkeit bemerkt er:„Für jeden ist Arbeit in Fülle vorhanden.... Arbett ist stets vorhanden, aber worauf die Menschen warten, das ist Anstellung." Demzufolge wendet er sich auch gegen die Notstandsarbeiten von Staat und Ge- meinde:„Die Beschäftigung von Menschen mtt nutzlosen Aufgaben schafft nur«inen schlimmeren Zustand als jenen, den wir zu ver- meiden, suchen. Zweifellos ist es billiger, einer Notlage du.ch Al- mosen in irgendeiner Form abzuhelfen, als Almosen unter der Maske der Arbeit auszustellen. Beide» jedoch ist unnötig." Ein anderes Mal bekennt er offen:„Unsere Generation hat wenig *)„Und trotzdem vorwärts." Von Henry Ford: unter Mitwirkung von Samuel Crowther(Paul List Verlag, Leipzig. Entschuldigungsgründe für die sogenannten schweren Zeiten. Für äußer st e Armut gibt es überhaupt kein« Ent- schuldigung." Darum also sind Almosen— öffentlich« Er- werbslosenunterstützung gibt es in USA. sowieso nicht— nach Henry Fords Ansicht also ebenso„unnötig" wie Notstandsarbeiten. Wir wollen nicht unerwähnt lassen, daß die Ausführungen Fords über die technische Vervollkommnung der Massenproduktion, über die Fortschritt« in der Anwendung der Präzisionsmechanik und die damit verbundene qualitative Hebung der Massenproduktion so- wie über die Automatisiening oder Halbautomatisierung mancher Arbeitsgriffe recht interessant zu lesen sind. Alle Achtung vor dem Techniker Ford— wenn nur seine volkswirkschaftlichen Grundsätze ebenso präzis konstruiert wären wie seine Auto- mobile! Wir wallen bei alledem nicht vergessen, daß Ford der fort- schrittlichste Vertreter de» amerikanischen Kapitalismus ist. Er sieht, daß das Grundübel in der zu niedrigen Kaufkraft der Massen und einer zu willkürlichen Verteilung der Produktion besteht. Er sagt an einer Stelle z. B.:„Falls jedoch keine hohe» Löhne gezahlt werden und kein zunehmender Druck nach immer höheren Löhnen besteht, dann kann der Warenbestand nicht auf- genommen werden und der Antrieb zur Produktion fällt weg." Freilich zahlt er seine— für ungelernte Arbeiter— relativ hohen Löhne hauptsächlich nicht aus dieseni theoretischen, sondern aus einem anderen, praktischen Grunde. Die feingegliederte, hochorganisierte Fließband- und Kettenproduktion würde unmöglich und unwirtschaftlich werden, wenn der Arbeiterwechsel so hoch ist, wie er es Int Anfang der Fordproduktion war. Das führte Ford in„Mein Leben und Werk" selbst aus. Weiterhin ist in Amerika das Wegbleiben von der Arbeit für einen Tag eine sehr häufige Erscheinung. Die Fordfabrikation kann aber nur bei äußerster Arbeitsdisziplin existieren. Der hohe Lohn ist gewissermaßen eine Prämie, ein Anreiz dafür. Wer dagegen ohne sehr tristigen Grund verstößt, wird— wie in Amerika üblich— fristlos entlassen. Ebenso wer versucht, eine gewerkschaftlich« Organisation in den Fordbetrieben aufzubauen. Ford ist so naiv, zu behaupten, daß„seine Leute" selber gar kein Interesse daran hätte». Daß der Mehrwert aus dem Fordschen Wirtschaftssystem nicht verschwunden ist, bestätigt Ford mit folgenden Worten:„Wir sind stets die Gewinner, sobald die Leute die höchsten Raten, die wir bezahlen können, sich zu verdienen vermögen. Es ist ein Unglück(für H- Ford— der Ref.), daß nicht alle Arbeiter das wollen oder können." Dieser Sag sollte als Motto am Anfang des Buches stehen. Wo der Mehrwert nicht verschwunden ist, bleibt das kapitali- stisch« Wirtschaftssysteni und die dazu gnhörigen Wirtschaftskrisen. Warum ist trotz der relativ hohen Löhne und Kaufkraft breiter Arbeiterschichten die Krise in USA. so heftig und anhaltend in ihrer Wirkung'? Di« Antwort mag paradox klingen: Die hohen Löhne zur Zeit der„prosperitz-", der Wirtschaftsblüte, veranlassen die immer stärkere Verbreitung der Krisenauswirkungen, sobald die Krise einmal eingesetzt hat. Wir erinnern uns, daß allein bei Ford 40 000 Arbeiter mit hohen Durchschnittslöhnen arbeitslos wurden. Der Ausfall ihrer Kaufkraft wiegt weit schwerer als der Ausfall der Kaufkraft schlecht entlohnter Arbeiter. Die letzteren besitzen sowieso sehr wenig und konnten sich auch nie ein Auto, auch nicht aus Ab Zahlung, leisten. Die Arbeitslosen Henry Fords jedoch mußten ihre auf Abzahlung gekaufen Autos, Häuser und Radioapparate zurückgeben, als sie den Verdienst verloren. Ford sieht in seinem Buch an diesen absichtlich vorbei. An die Stelle von Beweisen setzt er leere Behauptungen, die in jedem Kapitel wiederholt werden, wie z. B.:„In unserem Lande kämpft tatsächlich niemand niehr bloß um da» nackt« Leben." Schließlich sucht er die Verantwortung für die Wirt- schastskrise von den Wirtschaftssllhrern überhaupt abzuwälzen, indem er einfach erklärt, die Leute hätten leider in guten Zeiten übertrieben viel eingekauft, nun hätten sie eben gar keine Mittel mehr. So gelangt er zu der Weisheit letztem Schluß:„Letzten Endes hängt die richtige Leitung des Landes von jedem einzelnen Haushalt ab." Dieses von gelstreich klingenden Oberflächlichketten angefüllte Buch mag der Psyche des amerikanischen Durchschnittsbürgers, des Bewohners von S. Lewis„Hauptstraße", angepaßt sein, dem kritisch 'denkenden Europäer jedoch ist es eine Enttäuschung, und er muß über die neue Heilslehre verwundert den Kopf schütteln. Dr. Klein. Sport am Sonntag jum Maijvgendtag. All« Teilnehmer werden ersucht, möglichst bis 13 Uhr«inzutresten. Treffpunkt der Ordner aller Verbände um 12 Uhr vor dem Sladiongebäude. Kampfrichter der Leicht- athleten um 13 Uhr ebenda. Leipziger Spieler beim Uolksfporl Neukölln-Brih. Die Spiel- Mannschaften des Vereins Volkssport Neukölln-Vrig veranstalten morgen, Sonntag, im Stadion Neukölln, Platz 6, ihr diesjähriges Werbefest in Handball-, Hockey-, Fußball- und Faustballspielen. Auf den Ausgang der Spiele mit den auswärtigen Gästen aus dem Reiche, so aus Leipzig, Paunsdorf, Friedersdorf, darf man gespannt sein. Geht doch besonders den Leipzigern der Ruf einer spielstarken Mannschaft voraus. Beginn der Spiele 9 Uhr, Hauptspiele 13,39 Uhr, Eintritt frei. Als Auftakt zun, Werbespieltag findet am Sonnabend in den Bürgersälen, Neukölln, Bergstraße, ab 19 Uhr ein Empfangs- abend der auswärtigen Arbcitersportler statt, Eintritt 29 und 40 Pf. Spielerw erbetag in Friedenau. Morgen, Sonntag, beginnen um 9 Uhr die Handball-, Hockey- und Fußballspiele auf dem Schul- sportptatz Ossenbacher Straße. Verpflichtet sind folgende Mann- schafien: Berlin 12, Reichsbanner Nowawes, FTGB.-Osten, Fußballklub Saxonia und Süden. Arbeiter-Wasserballserie. Im Protestwiederholungsspiel werden sich Möwe und Berlin 12 heute. Sonnabend, um die Punkte auseinandersetzen. Beide Mannschaften zeigten in den letzten Spielen eine gewisse Unbeständigkeit. Diese Forinschwankungen werden ver- stündlich, wenn man bedenkt, day die Trainingsmöglichkeiten der Wasserballspieler im Winter nur beschränkt sind. Berlin 12 wird auf Grund seiner besseren Balltechnik einen knappen Sieg herausholen können. Das Spiel beginnt um 21.39 Uhr im Lunabad, Halensee. Straßenrennen bei SoNdarilök. Morgen, Sonntag, hat die . Rennfahrerabteilung Berlin des Arbeiter-Rad- und Kraftfahrer- | vundes Solidarität das zweite Straßenrennen auf der Strecke ' Faltensce— Brieselang— Pausin zurück nach Falkensee angesetzt. Sammelstart ist in eBrlin. früh 5 Uhr, am Knie. * Rennen aus der Olympiabahn. Nachdem sich mehrere Dauer- fohrer der Extraklasse bereiterklärt haben, die Berliner Olympia- bahn und die Bahnen ihres früheren Kollegen Witlig in Dresden und Chemnitz nicht zu bestreiken, d. h., hier aus Loyalttätsgründen auf„Kampfbörse� zu fahren, bringt die Olympiabahn am Sonntag ein großes Steherfeld an den Start. Fünf Steher der Extraklasse — drei Deutsche und zwei Ausländer— nehmen den 19<>-Kilometer° Kampf um„Das Blaue Band" auf: Sawall, Krewcr, Dederichs, Thollcmbeek, und Leddy. Beginn 131- Uhr. Um die Brandenburger Fußballmeisterschask. Im Grunewaldstadion wird morgen, Sonntag, die Brandenburger Fußballmeisterschaft ausgetragen. Es stehen sich die alten Rivalen Hertha BSC. und Tennis-Borussia gegenüber. Das Spiel beginnt um 17 Uhr. „Quer durch Berlin." Zum eisten Male bringen die Athletik- verbände das internationale 23-Kilometer-Laufen und-Gehen quer durch Berlin zum Austrag. Start und Ziel ist der Sportplatz in der Seydlitzstraße.' vom Bahnhof Friedrichslräße geht morgen zum dritten Mals auf der 8,3 Kilometer langen Strecke bis zur Schloßbrücke in Charlottenburg das Wcttrudcrn„Ouer durch Berlin" vor sich, zu dem 32 Boote gemeldet sind. Windhundrennen. Der Windhundverband E. V. wird nach regem Wintertraining seine diesjährige Rennsaison morgen, Sonntag, 15 Uhr, aus seiner Rennbahn in Niederschönhausen, Bismarckstr.-14 (Thieles Gesellschaftshaus), eröffnen. Der Verband wird unter Be- weis stellen, daß die von ihm trainierten Windhunde keinerlei Köder und Lockmittel als Anreiz zum Rennen benötigen. hoppegarlen bringt an seinem morgigen zweiten Renntag u. a. den Preis von Dahlswitz mit Preisen im Gesamtwerte von 6-599 M. zum Austrog. Zur Eröffnung von Ruhleben. Nach Beendigung der Marien- dorscr Frllhjahrssaison wird der Schauplatz sür den Berliner Trab- rennsport am Montag, 4. Mai, nach R u h l e b e n oerlegt, wo die vier Tage umsassende Derbyveranstaltung ihren Anfang nimmt, die am Himmelfahrtstage in der Entscheidung des Deutschen Traberderbys gipfelt. Die Rennen beginnen um 13 Uhr. •ARBEITER. 7USSEALL Heute in Hamburg, morgen in Leipzig Der Kreismeister des 1. Kreises. Luckenwalde I, hat heute einen schweren Gang vor. Es gilt in Hamburg gegen Lorbeer die letzte Vorentscheidung in der Bundesfußballmeister- s ch a f t zu überstehen. Trotzdem die Luckenwalder den Nachteil der Fahrt haben, besteht die Möglichkeit eines Sieges.— Morgen findet in Leipzig zum ersten Male nach der Spaltmig die Wiederholung des früher traditionellen S t ä d t e s p i e l zwischen Berlin und Leipzig statt. Die Berliner Mannschaft muß sehr geschwächt in den Kampf ziehen. Muß doch auf die Mitwirkung des Kreismeisters ver- zichtet werden. Die Mannschaft fährt in folgender Aufstellung. fSRintroo) lEickXÜ ftinM 3al)irirff ("«witewu M(Sertftn) (Snihrtt (Seifcenf«) a»&K Ohl tob) Izrakl lEintrachn«kich«) Aschcnirciincr WcnWtmb Ziosi liRiiwrtwi)(Su'ob) Kreisklasse gegen Bezirksklasse 2: 1 Im Rahmen der Maifeier veranstaltete der 3. Bezirk im Stadion Hakenfelde ein Propagandaspiel, das seinem Zweck voll- kommen entsprach. Ruhig, fair, dem Schiedsrichter nicht einmal Ge- legenheit zum Einschreiten gebend, das war das Merkmal des Kampfes. Was die Spieler der K r e i s k l a s s e an Technik über- legen waren, machten die Bezirksleute durch großen Eifer wett. «o kam es, daß die erste Halbzeit torlos verlief. Ein schneller Durch- bruch des Bezirkssturms führte dann zur allgemeinen Ueberraschung zum Führungstreffer. Lange sollte diese Freude allerdings nicht dauern. Ein Zögern der Bezirksverteidigung wußte der Kreissturm geschickt auszunützen. Dann machte sich die größere Spielerfahrung mehr und mehr bemerkbar. Wenn es trotzdem nur noch zu einem Torerfolg kam, so nur durch die sehr gute Abwehrarbeit des Bezirks- torwarts. Mit 2: 1 blieb die Kreisklasse glücklicher Sieger. E i n t r a ch t-Reinickendorf führte am Donnerstag gegen Freie Scholle ein Werbespiel durch, das die Reinickendorfer sicher mit 5: 1 für sich entscheiden konnten. Htackex am Sonntag In der Gruppe A der Arbeit er Hockeyspieler treffen sich im Serienspiel der VsL.-Ostring und FTGB.-Mariendorf auf dem Platz Ost, Laskerstraße. Das Spiel erfordert insofern großes Interesse, als die Mariendorfer noch ein Hindernis auf dem Wege zur Meisterschaft für den VsL.-Ostring sein können: rangieren sie doch hinter Nordring an dritter Stelle. Beginn 19.39 Uhr. Schiedsrichter Nordring. Im Neuköllner Stadion. Platz 6, weilt eine Mannschaft aus Leipzig-Paunsdorf als Gast des Vereins Volkssport bteukölln-Britz. Die Neuköllner Mannschaft hat in letzter Zeit gute Fortschritte gemacht: ob die Paunsdorfer noch das gute spielerische Können der Vorjahre aufweisen, werden wir am kommen- den Sonntag erfahren. Beginn 14.39 Uhr. In Spandau steigern sich dl« Ereignisse von Sonntag zu Sonntag. Diesmal weilt eine der Spitzenmannschaften, und zwar FTGB.-Nordring 1, als Gast des Freien 5?ockey-Clubs dort. Beginn 16.39 Uhr, Schiedsrichter Marien- darf. Vorher um 13 Uhr spielen FHE.-Spandau 2 gegen Sportverein Moabit 2, Schiedsrichter Nordring. In Friedenau spielt der dortige Bezirk der Freien Turnerschaft Groß-Berlin gegen Bezirk Osten 1, Schiedsrichter Neukölln-Britz.* Mai-ttancUballsiHele in Nowawes Zu ihrem traditionellen Spiel im Rahmen der Maifeier in lltowawes trafen sich Freie Sportvereinigung Nowawes und FTGB.-Süden mit beiden Männermannschaften. Mit zweistel- Ilgen Erfolgen ging Süden aus beiden Spielen als Sieger hervor. Bei den 2. Männermannschaften lautet das Resultat 12: 2(3:1). Süden war durch bessere Spielweise vollständig überlegen, Nowawes arbeitet« zuviel mit dem Jnnensturm, während im ganzen wenig Schuhsreudi gleit herrscht«. Auch bei den 1. Männermannschaften gewann Süden mit 13:2(6:1). Hier entschied das sichere Paß- spiel der Südenleute, während die Stürmerreihe von Nowawes eigensinnig war. Die Nowaweser Stürmerreihe trug ihre Angriis? in geschlossener Reihe vor und ließ die Slasselung vermissen, wo- durch es-der Südenverteidigung leicht war, vieles zu zerstören. Lesselmann schlug Qeeraerts ko Volles Haus im Zirkus Busch Der Zirkus Busch hatte anläßlich des Boxabends am Donnerstag ein überreich gefülltes Haus. Bis auf den Kampf B e f s e l m a n n Geeraerts, der nach kaum einer Minute mit dem Niederschlag des Belgiers unter großem Tumult des Publikums endete, wurde recht beachtlicher Sport geboten. Die Kämpfe waren so recht nach dem Geschmack der Boxgemeindc, es wurde auf Biegen oder Brechen gekämpft. Eine außerordentlich beachtliche Leistung bot der Bochumer Schwergewichtler Walter N e u s e l in seinem Kampf gegen Egon S t i e f- Berlin. Der stark verbesserte Westfale beherrschte seinen Gegner in jeder Runde und siegte haushoch nach Punkten. Josef B e s s e l m a n n- Köln hatte mit dem Belgier Georg Geeraerts nicht viel Arbeit. Der abgekämpfte Belgier ging schon kurz nach Be- ginn der ersten Runde auf einen leichten Linken, dem eine lang- gezogene Rechte folgte, zu Boden und ließ sich auszählen. Erich S e e l I n g- Berlin punktete den Koblenzer Hein Heeser, an dessen Rechtsauslage er sich nur schwer gewöhnen konnte, klar aus. Emil K o s k a- Gleiwitz erhielt nach einer wenig schönen Prügelei die Punktentscheidung über Franz B o j a- Dortmund. Der Kampf zwischen Karl Walter- Berlin und Willy Müller- Düsieldorf wurde unentschieden gegeben, obwohl Müller zum Schluß leichte Vor- teile hatte, das Publikum hatte Walter als Sieger erwartet, darum allseitiger stürmischer Widerspruch.» .Auto und Verbrechen In den Gesellschaftsräumen des Deutschen Reichsoutoklubs, Hardenbergstr. 18, sprach Kriminalkommissar Werneburg, der Leiter des Dezernats zur Bekämpfung der Autodiebftähle, über das Thema.Das Aut.o im Dienst des Verbrechens". Der Redner ging davon au<� daß bei der zunehmenden Motorisierung auch der Verbrecher sich bei der Ausübung seiner Straftaten gern des Autos bedient. Er oerfolgt dabei zwei Zwecke: erstens, seine Beute in Sicherheit bringen zu können und zweitens, sich durch schnelle Flucht der Verfolgung zu entziehen. In den meisten Fällen ist der Autoführer bei der Tat mit den Verbrechern im Bunde. Nur selten kommt es vor, daß ein Chausfeur erst am anderen Tage aus der Zeitung erfährt, wer die Herren waren, die ihm gestern nach einer Fahrt«in fürstliches Trinkgeld gegeben haben. Werneburg erzählte dann recht interessante Fälle aus seiner dienstlichen Tätig- keit und kam auch auf die Schwarzfahrer zu sprechen, die ein Kapitel Bin lustiges Trio im Rhönrad für sich Mbnt Es ist vorgekommen, daß Chanffeare»ach Send*» gung einer solchen Bummelfohrt Raubübersälle oder andeve Vev» brechen vortäuschten, um sich dadurch ihre Stellung zu sichern. Zu» Schluß führte der Redner noch aus, daß die Polizei jetzt Autosander- streifen eingerichtet habe, die zahlreiche Autodiebe unschädlich gc- macht haben. Die Ausführungen des verdienstvollen Kriminalisten fanden bei dem zahlreichen Publikum lebhasten Beifall. Zur Olympiade Zu den großartigsten Vorführungen bei der 2. Arbeiter» sport-Olympiade in Wien werden auch die Massen- freiübungen zählen, die auf dem großen Trabrem, platz neben der Hauptkampfdahn des Olympiastadions stattfinden. 19 999 Richt- platten werben gelegt. Nicht nur die Turner sondern die Angehörigen aller Sportarten und die Sportler aller Länder beteiligen sich an den Massenfreiübungcn. Der Bundestag des finnischen Arbeitersportbundes(TUL.) hat sich sehr eingehend mit der Entsendung der Sportdeleqotion nach Wien beschäftigt nick» eine Reiseimtersttitping für 193 Sportler und Sportlerinnen beschlossen. Der technische Bundesausschuß hat sofort die Delegation zusammengestellt, die 98 Aktwe umfassen wird. Es sollen fahren: 24 Leichtathleten, 13 Turnerinnen, 13 Turner, 14 Fuß- ballspieler, 13 Ringer, 19 Boxer, 7 Schwimmer und 2 Radfahrer. Zur Finanzierung dieser Mannschaft hoben die Bundesmitglleder und die sozialistische Arbeiterschaft außerordentliches geleistet. 399 999 Olympialofe wurden ver kaust, lieber 499 Bundesvereins führen einen freiwilligen Beitrag in Höhe von je 299 Mark an den Olympiafonds des TUL ab. Aus Warschau wird gemeldet, daß die polnischen Arbeiter- fußballspieler vier Auswahlmannschaften aufgestellt haben, die unter sich Spiele austragen. Die spielstärkste Mamrschast wird Polen aus dein Olympia in Wien vertreten. In der letzten Aprilwoche fanden allabendlich in Warschau Ausscheidungswettkämpfe der Leichtatheten für Wien statt. Der Deutsche Arbeiter- Keglerbund entsendet nach Wien eine Mannschaft von 19 Mann, die während der Olympiatoge mit den Wiener Arbeiterkcglern Freundsckzaftswcttbewerbe austrägt. Der Zentralausschuß des Toursstenoereins„Die Natur» freunde" Hot aus Anlaß des 2. Arbeiterolympias für Sonnabend, den 23. Juli, eine internationale Natrirfreunde-Weiheftunde angesetzt. In allen Ländern und Orten, in denen sich Nawrfr«unde-Ortsgrripp-n befinden, soll an diesem Tag eine im Geiste des Olynrpios und der Natuckeundebewegung gehaltene Veranstaltung stattfinden. In Wien wird diese Veranstaltung wegen des Olympiafestfpieles schon am Freitag stattfinden. Höhenfeuer um Wien sollen den Eindruck der Feier vertiefen. Erwerbslose bauen Flugzeuge Der Deutsche Lustfahrtverband hat mit Beginn dieses Jahres dem Reichsorbcitsministerium(Rcichsanstolt sür Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung) die Anregung gegeben, im Rahmen der Maßnahmen zur Betreuung jugendlicher Er.werbs- loser Kurse von sechs- bis achtwöchigcr Dauer im Bau von Sport- stugzeugteilen einzurichten mit dem Ziel, Erwerbslosen vornehmlich des Metall- und Holzgewerbes nicht nur ihr« manuellen Fertigkeiten zu erhalten, sondern sie darüber hinaus mich beruflich wciterzu- bilden, beispielsweise in der Schweißung und Hartlötung dünner Stahlrohre, Anfertigung von Beschlägen aus Speziolstählen, Ein- führung in das Kaltleimversahren usw. Der preußische Minister für Handel und Gewerbe machte sich gleichfalls diese Anregung de? Deutschen Luftfahrtvcrbandes zu eigen und wies in einem Mini- sterialerlaß vom 3. März 1931 an die Regierungspräsidenten und das Prooinzialschultollegium die Schulträger an, im Einvernehmen mit den örtlichen Arbeitsämtern zusammen mit den Berufsschulen solche Kurse einzurichten. Segelflüge in Trebbin In der vergangenen Woche fanden auf dem Räderberq bei Trebbin die ersten Segelflugversuch« statt. Mit einem neuen Schulflugzeug wurden«ine Anzahl Startversuche ge- macht, die als gelungen zu bezeichnen sind, da schon bei den ersten Versuchen eine Flugdauer von je 29 Sekunden und eine Stunden- geschwindigkeit von 35 Kilometern erreicht wurde. Der Beranstal- tung wohnten auch Vertreter des Innenministeriums, des Handels- Ministeriums und des Oberpräsidenten bei. Am Mittwoch sollten die Flüge sortgesetzt werden. Dieser Plan mußte jedoch wegen des un- günstigen Wetters ausgegeben werden. Falls sich das Gelände für alle Zwecke des Segelflugwesens eignet, soll dort eine Flugzeughalle errichtet werden. Etwa zwanzig Flugzeuge verschiedener Berliner Segelflugvereinigungen, darunter auch des„Sturmvogels", würden darin Unterkunft finden Das E i l a n g t a l, das von der Eilang, einem Nebenflüßchen der Oder, durchflössen wird, gehört mit zu den schönsten Wander- gebieten der Neumark. Reich an Misch- und Nadelwald, der beinahe bis in die Dörser hineinführt,� bietet diese, von zahlreichen Tal- mulden durchzogene Landschaft besonder« Reize. Durch stille, fried- liche Dörser vorbei an idyllisch gelegenen Wassermühlen führt der Weg, der vom Reisebüro des Touristenvereins„Die Naturfreunde" veranstalteten Pfing st fahrt. Jeder wanderfreudige, Heimat- liebende Wanderer, jeder Werktätige, der zur Pfingstzeit Zwiesprache mit der Natur halten will, ist herzlich willkommen. Für die un- beschwerliche Fahrt, die sich auch für ältere Wanderer eignet, nimmt die Geschäftsstelle des Touristenoereins„Die Naturfreunde", Berlin, Iohannisstr. 15, Anmeldungen entgegen.» Graf Arnim INuskau gestorben. Der Präsident des Union- .Klubs und des Berliner Rennoereins, Graf Arnim Muskau, ist am Donnerstag in Baden-Baden im 37. Lebensjahre plötzlich gestorben. SoJIevijwtfc»e« L Äitif«*. SiZuin» her So-ffB�dSebstiärttt�rtintaict« «rfiaoefcbatsfttllf. Prsvvechun« btr neufn Nr«e!. 8f8. osstiiift. Treffpunkt jum ftilmobenb mt Metallarbeiter-Lino, Linien. .„??• ,*L itzsz am Cinoon«. T-ilm-bmer und Zunktip-Sre i«im Iuaenö. ar«M 2�"m»teinemarboubc. R-Hberpe. »3,®».«,,» Suthoft:£vrat(. eottnabenh. 20 Übt, Mitali-b«rpcrf-b«rit-in, Dan»i««r Str.*ä. Momag, 4. Mai. 30 Mir, flattcHfiftun« bei Reters, »cifteniee, Eiditenbcrfltt Str. 12. Jedtnifct uni> Äinhetleäet hec Rerein« ntuiltn«rfffiomen. Leute. Sonrutbeivb, 20 Übt,«emTMtnerfammlijn«, Sitn�ebtrt müssen befttmmt erscheinen. «tbeiter-Sonnctfeft.(Setamtprobe aller tri In ebmrr Mrttmoch. fi. Mai, w'' J1' Mai.>«>: Ulir. Kranen 20 Übt. Trcffpnnlt bei jebrnt _ e�Uib'Oi-, SeutSOn, Einqana Steoftichihnfte. über Vlatt 1. SexliB*. 6i*nw Wo»«.< W«. SO Übe,