BERLIN Mttwoch 6. Mai 1931 1©Pf. Nr. 209 B 105 48. Jahrgang ErscheinttSgltch außer Konntag«. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts'. BezuzSprei« beide Ausgaben 8Ü Pf. pro Woche. Z.soM. pro Monat. Aledaktion und Expedition: Berlin SWKK.Lindenstr. 3 Fernsprecher: Dönhoff 292— 297 „Ibwasfa Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezelle 8o Pf., Reklamezeile s M. Crmäßigunaen nach Tarif. PoKscheckkonto: VvrwärtS-Verlag G.m.b.H� Berlin Nr. 97 636.— Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Die Pflicht der Regierung Brotpreis muß gesenkt werden/ Reichstag vorläufig nicht einbemfen Jagd hinter demBriesträgermörder Der Helte st«nrut des Reichstags beschäftigte sich heute vormittag unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten von Kor- d o r f f mit einem kommunistischen Antrag auf Ein- berufung des Reichstages. Die Vertreter der Deutsch- nationalen und der nationalsozialistischen Fraktion waren nicht anwesend. Die Einberufung des Reichstags wurde von allen an- wefenden Parteien, mit Ausnahme der Kommunisten, abgelehnt. Staatssekretär P ü n d e r erklärte, daß auch die Reichsregierung «ine Einberufung des Reichstages nicht für zweckmäßig hatte. Be- schlüsse des Kabinetts über die Art der Finanzierung lägen bisher nicht vor. Don den Vertretern der sozialdemokratischen Fraktion wurde darauf hingewiesen, daß die Einberufung des Reichstages im gegenwärtigen Augenblick unzweckmäßig sei, da bisher keinerlei Vorlage der Reichsregierung vorliege, der Reichstag also gar nicht zu konkreten Plänen Stellung nehmen, sondern nur nutzlose Reden hatten könnt«. Die Sozialdemokratie biete ihren ganzen Einfluß auf, um in direkten Verhandlungen mit der Reichs- regterung die Interessen der werktätigen Schichten zu wahren. Daß die Erhöhung der Brotpreis« überhaupt ein- getreten sei, müsse man als einen schweren Fehler der Politik der Reichsregierung bezeichnen. Die Reichsregierung habe die gesetzliche Verpflichtung, einer Steigerung der Brotpreise vorzubeugen, sie müsse auch durch Zollsenkung eine Ermäßigung der Weizenpreise herbeiführen. Die Sozialdemokratie verlange, daß die Reichsregierung diese beiden gesetzlichen Verpflichtungen ausführe, und wenn die jetzt«in- geleiteten Maßnahmen nicht zur allgemeinen Senkung der B r o t p r e i s e auf den früheren Stand führen, im vollen Umfange zur Durchführung der Verpflichtungen schreiten. Geschehe das in kurzer Frist nicht, so behalte sich di« Sozialdemokratie eine erneute Stellungnahme zur Einberufung des Reichstages vor. Auch die übrigen Parteien hielten eine Einberufung des Reichstags nicht für zweckmäßig, erklärten jedoch übereinstimmend, daß die Politik der Reichsregierung einen Stoß erhalt«, wenn es ihr nicht gelinge, die Senkung der Brot- preise zu erzwingen. Protest gegen Brotwucher. Beschluß der Frankfurter Stadtverordneten. Frankfurt a. 211., 6. Mai.(Eigenbericht.) Die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung nahm mit den Stimmen der Sozialdemokraten, der Kommunisten und Demokraten einen sozialdemokratischen Antrag an. in dem gegen die Zollpolitik der Reichsregierung und die neue Brotpreiserhöhung eindringlich Protest erhoben wird. Der Magistrat wird aufgefordert, bei der Reichsregierung unverzüglich Einspruch zu erheben und eine Protestaktion des Deut- schen Städtetages zu veranlassen. Gleichzeitig sollen Maß- nahmen ergriffen werden, um eine Erhöhung des Frankfurter Brot- Preises zu verhindern, der bisher unter dem Druck des Konsum- Vereins stabil geblieben ist. Der nationalsoziali st ische Stadtverordnete Lange enthielt sich bei der Abstimmung der Stimme. Die Kommunisten störten die Beratung dieses Antrages durch wüstes Geschrei. Schuh dem Gräberfrieden! Wirth für schärferes Einschreiten gegen Friedhofsschänder. Der Reichsminister des Innern hat in der Frage der Vechütung der Schändung von Friedhöfen folgendes Schreiben an di« Landesregierungen gerichtet: „Roch zuverlässiger Mitteilung sind im Deutschen Reich in den letzten Iahren nicht weniger als 100 Fälle von Schön- düngen jüdischer Friedhöfe vorgekommen. Unter Hinweis hierauf darf ich den Landesregierungen erneut nahelegen, die Landes- behörden anzuweisen, um die Aufklärung und Verfolgung von Störungen des Gräberfriedens nachdrücklichst bemüht zu sein. Ich hatte schärfstes Einschreiten gegen solche verabscheuungs- würdigen Straftaten für nötig und bin nach den Erfahrungen der ätzten Jahre der Auffassung, daß es nicht möglich ist, ihnen ohne »mxfindlich« Strafe» mit Erfolg zu begegnen. Geschwister Rems im Ausland- Iniernationale Kahndung Die Suche nach dem Mörder des Geldbriefträgers Schwan, dem Maurer Ernst Reins, und seinen beiden mit ihm geflüchteten Schwestern ist bisher erfolglos ge- blieben. Es besteht jetzt kein Zweifel mehr, daß die Flüchtigen bereits ins Ausland entkommen sind. Reins hatte zwei volle Tage Vorsprung, und diese Zeit genügte vollauf, um die Grenze ungehindert passieren zu können. Den Grenzstationen war zwar eine oberflächliche Beschreibung des Täters, dessen Personalien erst seit Sonntagabend genau bekannt sind, übermittett worden, das Signalement war jedoch anfänglich zu ungenau, als daß daraufhin beim Grenzübertritt mit der Verhaftung des Mörders gerechnet werden konnte. Die Mutter des Täters ist mit ihren Aussagen sehr zurückhaltend und es Hot sich nicht fest- stellen lassen, ob Reins mit seinen Schwestern gemeinsam die Woh- nung verlassen hat. Anscheinend hat es aber in der Familie, als sich der Verdacht auf den Sohn und Bruder lenkte, heftige Szenen gegeben. Es liegen sogar begründete Anzeichen dafür vor, daß es zu' Tätlichkeiten gekommen ist. Sowohl Reins wie feine Schwestern verfügten über Auslandspässe. Der Täter hat sich seinen Paß bereits im Januar besorgt, er enchätt aber kein Visum. Die»Oamen� wollten nach dem Süden. Inzwischen hat sich bei der Mordkommission noch ein Zeuge gemeldet, der Rems am Sonnabendabend, zwischen 20 und 21 Uhr, in Begleitung seiner Schwestern am Bahnhof Zoo gesehen haben will Die drei führten offenbar wenig Gepäck bei sich. Wenn sich diese Wahrnehmung bestätigen sollte, wird angenommen, daß sich das Trio nach Italien oder an die Riviera begeben hat. Es war schon immer der Wunsch der Schwestern des Mörders, einmal nach dem Süden zu fahren, und es scheint, daß sie den Bruder für ihren Reiseplan gewonnen haben. Bekanntlich ist die Fahndung auch auf das Ausland aus- gedehnt worden. In den Polizeistationen sämtlicher Nachbarstaaten sind inzwischen die Suchtclegramm« der Berliner Mordkommission eingetroffen. Zur Zeit liegt noch keine-Meldung vor, daß Reins oder seine Schwestern irgendwo aufgetaucht sind. Die Flüchtigen dürsten sich allerdings nicht mehr allzu lange ihrer Freiheit erfreuen. Inzwischen haben die Schristsachverständigen den Rohrpostbrief, die Postanweisung und andere Briefe des Täters miteinander oer» glichen. Dadurch ist einwandfrei erwiesen, daß Reins der Verfasser polen und Oberschlefien OBERÜCHLESiBN Wie man es im»Angriff- sah Bon uns ergänzt ist. Für das Verbrechen an der Konfitürenhändlerin Matschte aus der Franfeckystraße stehen die Gutachten noch aus. Feierliche Beisetzung des Ermordeten. Der ermordete Geldbriefträger Schwan wird morgen nach- mittag um 5'A Uhr auf dem Wilmersdorfer Gemeindefriedhos in der Barstraße beigesetzt werden. Die Uebersührung der Leiche findet vom Schau Haus in der Hannoverschen Straße statt. Mehrere tausend Beamte werden vor dem Schauhaus Ausstellung nehmen und dem Trauerzug das Geleit geben. Die Trauermusik wird von der eigenen Kapelle der Postbeamten gestellt. Der Leichenzug wird an dem Postamt W. 30, wo der Ermordete nahezu 20 Jahre seinen Dienst versah, vorübersühren. Bor dem Postamt wird der Wagen mit dem Sarg kurze Zeit halten und der Post- direktor einige Abschiedsworte an den Toten richten. Mit der An- kunft des-Trauerzuges in Wilmersdorf wird um 17 Uhr gerechnet. Die Lehre des Briefirägerrnordes. Eine Zuschrift Eduard Bernsteins. Zu dem Briefträgermord schreibt uns Genosse Bernstein: Die Art, wie am Morgen des 1. Mai d. I. der 52 Jahre alte Geldpostbriefträger Gustav Schwan das Opfer eines hinterrücks geführten, ebenso feigen wie brutalen Raubmordes geworden ist, umschließt eine Lehre, von der ernstlich zu hoffen ist, daß sie in den Kreisen der Berufskollegen des Ermordeten nicht unbeherzigt bleiben wird. Gustav Schwan war am erwähnten Tage von dem Mörder unter Benutzung einer fingierten Postanweisung in die in Berlin- Schöncberg in der Gossowstraße gelegene Wohnung der 76 Jahre alten Witwe Ottilie Möbius bestellt worden und ist, als er sich dort eingefunden hatte, von dem Mörder in einem noch unbewohnten Zimmer durch einen hinterrücks mit einer massiven Waffe ausze- führten heftigen Schlag auf den Kopf, der diesen schwer verletzte, brutal niedergeschlagen und dann, da er, weil selbst waffenlos, sich nicht wirksam verteidigen konnte, tückisch erwürgt und ausge- raubt worden. Unmittelbar darauf suchte der elende Mörder, der sich bei der Frau Möbius durch eine ihm nicht gehörende Visiten- karte scheinbar legitimiert hatte, das Weite und wird jetzt von der Polizei gesucht. Und die Lehre? Run, ich denke, sie ist einfach genug. Der natürliche Selbsterhallungstrieb wird sowieso dazu führen, daß der Beamte, in diesem Falle also der Geldbrieftröger, vor dem Betteten einer ihm nicht genau bekannten Wohnung jede durch die Umstände gebotene Vorsicht walten läßt. Dem entspricht es denn auch, wenn er das Verlangen als eine unbillige Zumutung empfindet, in Ausübung seines Berufes sich— ein schon bejahrter Mann— ohne eigene Waffen, sei es auf der Straße, auf Treppen oder in Woh- nungen, über deren Jnsasien er nicht genau unterrichtet ist, den Anfällen gewissenloser Burschen auszusetzen, die kein Gefühl für Ethik und menschliche Solidarität haben. Kirchenverirag fertig. Unterzeichnung am Montag. Die Unterzeichnung des evangelischen Kirchenver- träges durch die Vertreter des preußischen Staates und der acht evangelischen Landeskirchen Preußens findet am Montag, dem 11. Mai, vormittags 11 Uhr, im Sitzungssaal des Staatsministe- riums, statt._ Reichswehrparade vor Eitel Frih? Don Fritzlar nach Kassel zum„Waffenring-. Kassel. 6. Mai.(Eigenbericht.) Am Sonnabend und Sonntag, dem 9. und 10. Mai, findet in Kastel ein„W a f s e n r i n g t a g- der ehemaligen deutschen Feldart ill c ri e statt. Auf diesem Wafsenringtog wird der Stahl- hehner Eitel-Friedrich-Prinz die Parade abnehmen. Neben ihm werden General a. D. von Gallwitz und General W a t t e r der Parade beiwohnen. Wie wtt erfahre», soll an der Spitze des Paradezuges auch eine R e i ch-s w« h r a b o r d n u n g, und zwar eine reitende Batterie aus Fritzlar teilnehmen. Die Batterie wird geführt von dein Batteriechef Hauptmann Forst, so daß die Tatsache eintreten würde, daß die Reichswehr vor dem Eitel-Friedrich Prinz von Preußen Parade marschieren würo«. Formell soll die Reichswehr allerdings vor ihrem Komma n- deu r, General von Kaiser, paradieren, praktisch wird ihr Vorbei- marsch eine Huldigung für den Hohenzollern sein, der zu oiesem Zweck von den Veranstaltern des Vereinsrummels entsprechend placiert werden dürste. Frage an das Wehrministerium:'„Ist diesseits das Programm des Wafsenringtages bekannt, das in den Kasseler Blättern ver- ösfentlicht wird? Wenn ja: Billigt man im Ministerium die Teil- nähme von Reichswehr an monarchistischen Kundgebungen? Verleumdung im Kalender. Aber aus Angst unkenntlich gemacht. Das deutschnationale„Ostpreußische Tageblatt" in Insterburg hat»inen„Ostpreußischen Haus- und Familienkalender für das Jahr IlWI" herausgegeben. In diesem Kalender ist folgende B e- s ch i m p s u n g zu lesen: „Zum 27. inszenierte die Sozialdemokratische Partei ein Grenzlandtreffen, auf welchem neben ausländischen Marxisten der Landesverräter Crispien sich in hetzerischer Weise betätigte." Durch seinen Rechtsvertreter, den Genossen Landsberg, be- antragte Genosse Crispien bei dem zuständigen Gericht in Jnster- bürg im Wege der ein st weiligen Verfügung die weitere Verbreitung des Kalenders z-u oerbieten. Das Ge- richt ordnete an, daß über den Antrag nach vorheriger mündlicher Verhandlung entschieden werden sollte. Run mochten die Herausgeber de» Kalenders, sicherlich vom bösen Gewissen getrieben, die Worte„der Landesverräter" in den noch vorhandenen Exemplaren unkenntlich. Damit hatten sie dem Antrag des Genossen Crispien, fraglos aus Angst vor dem gerichtlichen Urteil, entsprochen. Dem Gericht blieb nunmehr nur noch übrig, die Herausgeber des Kalenders zur T r a g u n g der Kosten des Rechtsstreites zu verurteilen. Lim Gnade winselnd vor dem Landtag! So sehen die Ifojihelden aus. Zu Beginn der Woche hat der verantwortliche Schriftleiter für den„Bewegungsteil" des nationalsozialistischen„Angriff", der Pg. Dürr, eine zweimonatige Gefängnisstrafe wegen Beleidigung des Polizeivizepräsidenten Weiß antreten müssen. In der Nummer vom 2. Mai verabschiedet sich Dürr mit einem tränen- feuchten Artikel von seinen Lesern. Aus seinem wehleidigen Ge- stamme! heben wir folgenden Satz heraus: Der Justiz-minister bestätigte das Urteil, und so eilig Katte man es mit der Vollstreckung, daß man nicht einmal die Entscheidung de» Rechlsmisschusses des Preußischen Landtages abwarten will, dem die Sache vorgelegt wurde. Mit anderen Worten: der mutige Naziheld Dürr hat ein Gnadengesuch an den Preußischen Landtag gerichtet! Im Rechtsausschuß des Landtages, der über die Gnadengesuche«nt- scheidet, haben, wie in allen Ausschüssen des Preußischen Landtages, die Koalitionsparteien(Sozialdemokraten, Zentrum, Demo- traten) die absolute Mehrheit. Herr Dürr rechnete somit darauf, von den dreimal verfluchten republikani- schen Parteien begnadigt zu werden! Ein wunderbares Porträt der nationalsozialistischen Helden: in der Oeffentlichkeit speien sie in Heldenpose Gift und Verleumdungen gegen die Republik und ihre Vertreter. Werden sie dann vom Strafrichter gefaßt, kommen sie zur Hintertür herein und winseln den „absterbenden Parlamentarismus" und die„verrottete Demokratie" flehentlich um Mild« und Gnade an. Wir wollen dabei übrigens folgendes erwähnen: der Rechts- »usschuß des Landtages erledigt alljährlich etwa 1500 Gnadengesuche, die fast sämtlich von unbekannten Leuten aus dem Publikum stammen. Daß sich politische Redakteure, die wegen politischer Pressevergehen oerurteilt waren, dieser Gnadeninftanz dedient haben, gehört zu den größten Seltenheiten und ist unseres Wissens in den letzten Iahren nur zweimal vor- gekommen: das eine Mal waren es der Redakteur und der Mit- arbeiter eines rechtsradikalen Revolverblattes, das zweite Mal Herr Dürr vom nationalsozialistischen „A n g r i f s". Also ausschließlich Anhänger der faschistischen Rechten, die beim Parlament Gnade erflehen! Vier Kommunisten unier Anklage. Das Schöffengericht erNärt sich für unzuständig. Vor dem Schöffengericht SchSneberg veranl- worleten sich kürzlich vier Arbeiter. Zeglin, Schwor k. P a i r i e s und L a m p e r t. Die Anklage lautete aus Land- sriedensbruch, Rädelssührerschasl, Zusammenrottung mit Drohung vnd Widersland gegen die Staat»- aewalt, gegen Zeglin and Pairies auch auf gemein- schastlichen Ausruhr. Am 9. März gegen Mitternacht erschienen in der Gastwirtschaft Siegfried st raße 6 zu Schöneberg zwei junge Leute. Sie spielten etwas auf einer Mundharmonika auf und verließen bald darauf das Lokal. Etwas später betraten das Lokal drei junge Leute, unter denen die Wirtin das Mitglied der Kommunistischen Partei H i l d e b r a n d erkannte, das jetzt flüchtig ist. Ein vierter junger Mann gesellte sich zu den dreien. Alle vier bestellten sich Bier. Da die Gastwirtschaft seit etwa acht Tagen«in Verkehrslokal der National- fazialisten war, befürchtete die Wirtin Schlimmes und ließ die Roll- laden herunter. Die jungen Leute tranken ihr Bier aus und ent- lernten sich. Im nächsten Augenblick ertönten Schüsse. Die Fenster- scheide ging in Trümmer. Etwa 19 bis 12 junge Leute versuchten, in die Gastwirtschaft einzudringen. Die Gäste, 40 an der Zahl, stellten sich ihnen entgegen: auch das Ueberfallkommando wurde angerufen, gleichzeitig wurden die Fensterscheiben einer in der Nähe gelegenen Gastwirtschast eingeschlagen. Gegen 12 Uhr erschien das Ueberfallkommando, Passanten teilten mit, daß die Angreiser sich in der Richtung zur Siegfriedbrücke entfernt hätten. Die Beamten nahmen die Verfolgung auf und sahen auf der Brücke vier Personen stehen Es ertönte der Ruf„Straße frei!", zwei von de» Vieren legten in der Richtung auf die Beamte» Revolver an. Als auch die Beamten Ernst machten, flüchteten die jungen Leute: einer von den Vieren wurde sofort v e r h a s t e t, die übrigen drei bald danach. Das Gericht verkündete nach Beratung den Beschluß, die Sache dem Landgericht zu überweisen, da gegen die Angeklagten der Verdacht des oersuchten Mordes vorliege. preußische Beamtenpolitik Beratung im Landtag Zu Beginn der Mittwochsigung des Preußischen Landtags be- antragte Abg. Sullner(Soz.), auf die Tagesordnung ein Gnaden- gesuch des Redakteurs des„Angriff", Dagobert Dürr, zu setzen. Dürr ist zu zwei Monaten Gefängnis oerurteilt worden und hat die Strafe angetreten, beschwert sich aber im„Angriff" bitter darüber, daß der Landtag über sein Gnadengesuch noch nicht entschieden hat. Wenn ein so fanatischer Parlamentsgegner einen solchen Gnadenschrei an das Parlament ausstößt, muß ja mindestens Lebensgefahr vorliegen. lHeiterkeit.) Berichterstatter über dies Gnadengesuch ist Kuttner, und er beantragt um so mehr, die Sache sofort zu erledigen, als er gleichzeitig im„Angriff" den dümmsten und schmutzigsten per- sönlichcn Angriffen ausgesetzt wird, und um keinen Preis den Gedanken aufkommen lassen will, als ob er etwa an Herrn Dürrs Gnadengesuch Rache nehmen wolle. Nach kurzer Erörterung, in der Präsident Bartels eine solche gesonderte Behandlung eines Gnadengesuches für ungewöhnlich erklärt, wird der Antrag abgelehnt. In der fortgesetzten Beratung des Finanzetats spricht Abg. Simon-?! eusalz(Soz.): Die in den letzten Monaten vorgenommenen Gehalts- kürzungen haben den Beamten mehr als die Hälfte der letzten Gehaltsaufbesserung wieder genommen. Besonders empfindlich ist die Kürzung der Fonds für Votstandsbeihilfen und llnkerstühungen um insgesamt nicht weniger als 3,3 Millionen. Einzelne Sparsamkeitsverordnungen erscheinen uns als törichte Pfennigfuchferei, bei denen die U e b e r w a ch u n g der Sparsamkeit mehr kostet, als die ganze Sparsamkeit einbringt! Das Reich ist jedenfalls dauernd bemüht, immer neue Ausgaben auf Länder und Gemeinden abzuschieben. Bei dieser Lage der preu- ßischen Finanzen haben Agitationsanträge weder zugunsten der Beamten, noch zugunsten irgendeines anderen Standes einen Zweck. Im Rahmen des Regierungsprogrammes zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit scheint es uns notwendig, daß Beamte, die eine bestimmte Mindesthöhe von Pension oder Wartegeld erhalten, nicht als Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt austreten dürfen. Wir sehen in diesem Doppelverdienertum eine Gefähr- dung des Berufsbeamtentums in der Volksmeinung. Im übrige» steht die Sozialdemokratie durchaus auf dem Boden des Berussbeamtentums. Ein Zentrumsantrag fordert besondere Berücksichtigung k a t h o- l i s ch e r Veamtenanwärter. Wenn die Katholiken im alten Preußen benachteiligt waren, so waren wir Sozialdemokraten brutal und vollständig ausgeschlossen. Als ich das erstemal zum Preußischen Landtag wählte, ernannte der Rittergutsbesitzer von Karow a l l e i n die Wahlmänner erster Klasse, sechs Großbauern die Wahlmänner zweiter Klasse, aber in der dritten Klasse wählten 400 Wähler, und zu ihnen gehörten natür- lich Gendarm und Schulmeister, Postbote und Eisenbahner. So hoch war das Beamtentum im alten Preußenlum gestellt; alle leitenden Stellen waren engsten Zunkercliquen vorbehalten. Die Amtsräte und Hilfsarbeiter in sämtlichen preußischen Ministerien. also die Beamten der Klasse II b und IV c, bilden das eigentliche Kernstück der Verwaltung: etwa so wie früher der Feldwebel in der Kompagnie. In keinem preußischen Ministerium sind unter diesen hohen mittleren Beamten mehr als 1 bis 2 Proz. Sozialdemokraten, und da wagen es noch Leute, von Krippenpolitik zu sprechen! In Wahrheit sind wir noch weit davon entfernt, auch nur einigermaßen angemessen vertreten und berücksichtigt zu sein. Eine wachsende Zahl von Beamten erkennt trotz aller Verhetzung, daß Deutschlands Zukunft nicht darin liegt, mit einem Papphelm und einem Hohfäbel in einen neuen Krieg zu ziehen, sondern durch Ver- st ä n d i g u n g mit dem Ausland unsere Lasten zu ermäßigen, unsere Ausfuhr zu steigern, unsere Wirtschast wieder zu verbessern. Dann werden wachsende Steuereinnahmen auch die Beseitigung der Ungerechtigkeiten erleichtern, unter denen heute die einzelner Beamlenkategorien leiden. Beamte aber, die sich diesem republikanischen Staat nicht absolut ver- pflichtet und ergeben fühlen, sollten ihm ihren Dienst nicht länger aufdrängen.(Lebhaste Zustimmung bei den Soz.) Die Debatte geht weiter. Kleine Entente und Zottunion Die Bukarester Konferenz Die Außenminister Rumäniens, Südjlawiens und der Tschechoslowakei betonen in der Veröffentlichung über ihre dreitägige Bukarester Konserenz, daß sie»n bezug auf den Zollunions-Plan Berlin-Wien vollkommen einig seien, desgleichen über die„ver- schiedenen, besonderen Seiten". Wenn damit der Anschluß ge- meint sein sollt«, so würde diese Bukarestcr Erklärung bedeuten, daß es Dr. Venesch gelungen wäre, auch Südslawien in die Front der Anschlußgegner einzubeziehen. Außerdem sprachen sich die Mi- nister für landwirtschaftlich« Vorzugszölle ans. Jedenfalls scheint Dr. Benesch sich die Gefolgschaft der beiden Südoststaaten in der Zollunionsstage gesichert zu haben. In Wien, wo soeben das Pressebüro der Kleinen Entente neu organisiert wurde, heißt es, daß die Bukarester Konserenz in der Frage der Zollunion doch noch ein Kompromiß bzw. eine Milderung der tschechoslowakischen Vorschläge erzielt habe. Dr. Benesch hätte ursprünglich eine gemeinsame Er- k l ä r u n g der Staaten der Kleinen Entente gegen die Zollunion in Genf gefordert. Man habe jedoch beschlossen, die Erklärung nur in dem Fall abzugeben, wenn der Völkerbundsrat in dem Zollangleichungsplan auch politische Tendenzen feststelle. Dr. Ben«sch hätte schließlich diese Formel in der Ueberzeugung an- genommen, daß diese Feststellung des Völkerbundsrates gar nicht zu vermelden sei. In der Besprechung des Briandschen Planes sei hervorgehoben worden, daß Deutschland und Oesterreich als selbständige Staaten in gleicher Weis« wie alle anderen Staaten einbezogen werden sollen. Deutsche Erklärung in Prag. Prag. 6. Mai. Das deutschdemokratische„Prager Tagblatt" hatte in seinem heutigen Leitartikel, der den Methoden des Kampfes für und gegen den Zollplan gewidmet war, unter anderem geschrieben:„In Deutschland gibt es zahlreiche gut unterrichtete Handelspolitiker, die den Zollvereinsplan in privaten Unterhaltungen aus inneren Gründen sehr scharf kritisieren und seinen Hauptvorteil darin sehen, Giß er den beiden Staaten wie seinerzeit der Anschluß- plan von 1921 Kompensationen der Entente bringen soll." Zu dieser Bemerkung ist dem„Prager Tagblatt" von der deutschen Gesandtschaft folgende Erklärung zugegangen:„Nach wieder- Holter Auskunft von zuständiger Berliner Stelle denkt dort nie- mand daran, daß die österreichifch-deutsche Zollunionsfrag« zum Gegenstand von Kompensationen irgendwelcher Art gemacht werden könnte. Die Berliner Regierung verfolgt mit ihrem Plan keine anderen Zwecke, als das Zustandekommen der Zoll- union selbst. Werden von dritter Seite noch westere Projekt« in diesem Znsammenhang zur Erörterung gestellt, so wird die Reichs- regierung an ihrer Prüfung gern teifnehmen: an dem Vorsatz, die Zollunion mit Oesterreich zustande zu bringen, vermögen sie nichts zu ändern." Gchober spricht zu Frankreich. Pari», 6. Mai.(Eigenbericht.) Der österreichisch« Außenminister Schober hat dem Sonder- korrespondenten des„Matin" die Entstehung der Zollvereinbarung auseinandergesetzt: Bei Schobers Pariser Besuch im vorigen Jahre hat er Priand über di« unhaltbar« wirtschaftliche Lage Oesterreichs unterrichtet und ihn um Frankreichs Hilfe bei dem Abschluß von günstigen HandelzvertrSzen- mit den Staate» der Kleinen Entente und bei Gewährung elnor Anleih« gebeten. Briaad hat diese Erklärungen mit Aufmerksamkeil und ver- ständnis angehörl und jede mögliche Hilfe versprochen, leider sind die Bemühungen vriands aber fruchtlos geblieben. Als Briand dann im Sepkeinbsr vor deni Bö lkerbu ichsrat seinen Europaplan entwickelte, hat Schober diesem Plan sofort zugestimmt, aber zugleich erklären müssen, daß Oesterreich setzt nicht mehr länger warten könne und daß man mit dem Abschluß regio- naler Verträge beginnen müsse. Auch während der letzten Rats- taguckg im Januar hat Schober feststellen müssen, daß noch nichts Greifbares getan worden war, so daß er sehr enttäuscht nach Wien zurückkehren mußte. Im März war schließlich Dr. C u r t i u s in Wien und hat Schober einen Plan für ein Zollbündnis zwischen Deutschland und Oeslerreich unterbreitet. Obwohl Schober sich ge- wisser Schwierigkeiten der Durchführung dieses Planes be- wüßt gewesen sei, hat er seine Bedeutung erkannt und sich mit ihm einverstanden erklärt. Beide Minister wollten Ende April, vor der Tagung des Europa-Ausschusses in Genf, mik Briand darüber sprechen. Da aber das Organisalionskomilee des Europa-Ausschusses bereits zum 24. März nach Paris einberufen wurde, hielten Curlius und Schober es für notwendig, schon vor diesem Dalum ihren Plan bekanntzugeben. Auf diese Weise ist das Protokoll vom 19. März zustande gekommen. Schober fügte hinzu, daß noch nichts Endgültiges be- schlössen ist und daß er nach dem Antrag Englands, die Ange- legenheit im Bälkerbundsrat zu beraten, die Weisung erteilt habe, alle Borbereitungen e i n z u st e l l e n. Auf die Frage, warum sie sich nicht für das System von Vor- zugszöllen entschieden hätten, erwiderte Schober, daß die Meistbegünstigungsklausel einem derartigen System ent- gegensteh«. Am Schluß der Unterredung sprach Schober di« Hoff- nung aus, daß die Politik Briands durch die österreichisch-deutsche Initiative keinen Schaden erleiden, sondern im Gegenteil nütz- liche Konsequenzen aus ihr ziehen werde. Bestraste Versa mmlungsstörer. Kommunisten vor dem Schnellrichter. München, 0. Mal. � In einer Verhandlung vor dem Schnellrichter gegen zehn Kommunisten, die am 1. Mai die Kundgebungen der Sozialdemokraten zu stören versuchten, wurden ein Angeklagter zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis, weitere Angeklagte zu 1 Jahr 1 Monat bis herab zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Die restlichen Angeklagten erhielten Geldstrafen. Den sämtlichen Angeklagten waren mildernde Umstände zugebilligt worden, da schwerere Folgen bei den Ausschreitungen dank der Besonnenheit und Kaltblütigkest der Polizei, wie das Gericht hervorhob, vekmieden worden waren. Düsseldorfer Frauenmord aufgeklärt. Düsseldorf. 6. Mai. Wie das Polizeipräsidium nutteilt, ist di« Mordtat an dem 21jährigen Mädchen P i ck e l m a n n, das am Dienstag im Grenz- graben in Düsseldorf-Rath tot aufgesunden wurde, noch in der Nacht zum Mittwoch aufgeklärt worden. Man hatte einen Metzgergesellen Palm verhaftet, den man noch am späten Abend des Montag mit der Ermordeten zusammengesehen hatte. Noch stundenlangem Ver- hör gestoird Palm, nachdem er durch Zeugen stark belastet worden war, den Mord ein. Er hatte versucht, das Madchen zu ver- gewaltigen, und,. als es sich widersetzte, gewürgt und dann in den mit Wasser und Schlamm angefüllten Graben geworfen. Die Angst vor der Ischeka. Auf der lettischen Grenzstation Indra beging der höhere Beamte der Sowjethandelsvertrctuna in Ham- bürg, Michail Mogilewski, Selbstmord, indem er sich vor einen rangierenden Zug warf. Mogilewski war nach Moskau zurückgerufen worden. Der Naz als Spion. Der Neustettmer Nazi-Sturmführer Braatz wurde als Polen-Spion oerhastet. Als Führer eines Sturms bewegte Sich Braatz in seiner chitlerschar. Bis er jetzt einen Sturm erregte Und einen der Entrüstung zwar. Die Sache, die ist so gewesen: Braatz hatte sich darangemacht Und sein Parteiprogramm gelesen. Da hat er dies bei sich gedacht: Die sozialistischen Parolen Verrät mein Chef ans Kapital. Ei, da verrate an die Polen Die Nationalen ich einmal. So hat betreffs Finanzenheilung Herr Braatz gen Osten sich gewandt. Es wird doch solche Arbeitsteilung Reise um die Welt in einem Tage Die pariser Kolonialausstellung Von Hitler sicher anerkannt. Hans Lauer. Betriebsrätewahlen bei Bergmann. Kommunistische Propaganda. Für die Wahlen bei Bergmann-Rosenthal hatte die „Rote Fahne" einen„Kasten" mit einer Betriebsreportag« zurück- gestellt, den sie jetzt, einen Tag vor oer Wahl, herausstellt. Daß„durch schlecht geschützte Türen eisige Zugluft" dringt, ist bei dieser Jahreszeit gerade nicht von aktueller Bedeutung. Gegen die freigewerkschafttiche Liste wird Stimmung gemacht durch die verleumoerische Behauptung:„das reformistische Denunziantentum wütet hemmungslos". Die Reichsgewerbeordnungs-(RGO.) Leute sind offenbar der unmaßgeblichen Meinung, die„Reformisten" seten verpflichtet, sich alle revolutionären Liebenswürdigkeiten wider» spruchslos bieten zu lassen und all« kommunistischen Quertreibereien gegen die Gewerkschaften gutzuheißen. „Di« Verräter bei Bergmann-Seestraße" kommen in der„Roten Fahne" bei den„schweren Enthüllungen über oi« Reformisten" als„Henkersknechte d«r Unternehmer" weit schlechter davon, als die„Reformisten" in Rosenthal. Was haben sie ver- brachen?„Eine vom roten Arbeitcrrat«inberufene Betriebs- Versammlung, die von den Reformisten sabotiert wurde, wählte«ine Kommission, die 20 Pf. Lohnerhöhung fordern sollte." Auch oer einfältigste„Revolutionär" weiß soviel, daß eine solche Forderung gegenwärtig vollständig aussichtslos ist. Doch eben deshalb läßt die KPD. derartige Forderungen stellen, um die„Reformisten" zu„entlarven". Di« RGO. wollt« auf Grund dieser Forderung einen Streik vom Zaune brechen uno die „Reformisten" machten dieses„revolutionäre" Manöver nicht mit. Deshalb„Verräter". Und weil bei dieser Aktion«in RGO.-Mann einen Betriebsunfall durch Entlassung erlitt, deshalb„Henkers- knechte der Unternehmer". Jeder Arbeiter, der das Treiben der RGO.»Leute durchschaut, wird ihnen sein« Stimm« nicht geben. Dieselben„Revolu- tionäre", die unbedenklich und verantwortungslos trotz der riesi» gen Arbeitslosigkeit mit der Existenz der beschäftigten Arbeiter spielen, heulen wi« toll, wenn«iner von ihnen durch sein unsinniges Treiben seine Arbeit verliert, und schimpfen über die„Verräter", die es verhindern, daß nicht alle Arbeiter auf oie Straße fliegen. „Verjagt die R e f o r m i st e n"—, das ist das Ziel der wackeren Revolutionär«. Die Rejormisten werden sich erlauben, sich gegen diese Verjagung mit aller Kraft zu wehren. Und jeoer ver- nünftige Arbeiter wird deshalb nicht den„revolutionären" heul- meicrischen Vabanque-Spielern s«ine Stimm« geben, sondern für die sreigewerkschaftliche Liste stimmen. Textilkampf in Rordfrankreich. Verhandlungen endaültig abgebrochen. Die Verhandlungen zwischen Unternehmern und Arbeitnehmern der nordfranzösischen Textilindustrie sind endgültig abgebrochen worden, so daß man am kommenden Montag mit dem Ausbruch des Generalstreiks rechnet. In R o u b a i x sind bereit, zahlreiche Arbeiter in den Streik getreten. Die Unternehmer wollen ab lt. Mai die Löhne kürzen. Giurm auf die Notterdamer Börse. Eine gescheiterte Altion. Aus Rotterdam wird berichtet: „Gruppen von Arbeitslosen, die von toinmumstischen Agitatoren ausgehetzt waren, versuchten haute in die Rotter- damer Börse einzudringen. Dabei kam es zwischen den Eindringlingen und der Polizei zu scharfen Zusammenstößen. Die Arbeitslosen benutzten Schaufeln und andere Gegen- stände als Waffe, während die Polizei blank zog. Mehrere Arbeitslose irni) ein Polizist erlitten mehr oder wemger schwere Ver- letzungen. Als sich später kommunistische Elemente aus dem Rath aus platz ansarnnieln wollten, griff die Polizei wiederum ein und es gelang ihr, unter Zuhilfenahme des Gurnnriknüppels und des blanken Säbels, die Menge schnell auseinanderzutreiben." „Oer Liebesexpreß." Tttania-Palast. Cht kleines Fräulein aus einem Reisebüro gewinnt bei der Konkurrenz im Maschinenschreiben den Preis von 3000 Mark. Aus Freude darüber reist sie auf eine Woche nach Venedig, und weil sie gehört hat, daß ein Sekretär immer dekorativ wirkt, engagiert sie einen jungen Herrn, der selbstverständlich sehr reich ist und sich nur einen Jux machen will. Dann kommt alles, wie es kommen muß. Nach ein paar Trübungen des Glücks winkt das Ehebett. Die Liebe hat wieder einmal die soziale Frage gelöst. Zweierlei könnte aus diesem Operettensujet gemacht werden: entweder eine alles durcheinander wirbelnd« Posse, die keine Rück- ficht aus die Realität nimmt oder ein Film, der zeigt, wie Wirk- lichkeit und Wunschsehnsucht oerschieden sind, wie das kleine Fröulein eine Illusion nach der anderen verliert. Man macht aber nur einen üblichen Spielfilm, und um Musik zu ermöglichen, tritt«in welt- berühmter Sänger auf, der sich aber merkwürdigerweise in Kabaretts unl nicht in der Oper betätigt. Leider kommt die Stimm« des Rundfunktenors Josef Schmidt hier im Tonsilm zu keiner starken Wirkung. e Robert W i e n e führt eine Regie, die sich von jeder Originalität fern hält, doch Bewegung in die Handlung bringt und hübsche Interieurs stellt. Aufnahmen von Venedig sollen Stimmung niachen. Dina Gralla ist natürlich, liebenswürdig und in ihrer Rolle glaubhaft, ebenso Alexander, der selten so nuancenreich spielt«. «Das wird sogar den Amerikanern imponieren", sagte scherz- hast der Führer, al? er auf das Gebäude hinwies, das als einziges den Zeitraum der Ausstellung überdauern soll. Seine Bodensläche mißt 62000 Quadratmeter und die Hauptfasiade schmückt ein riesiger Fries— oer größte der Walt, sagt der Führer—, auf dem die vertretenen Kolonialgebiet« symbolisch dargestellt sind. Man kann ruhig voraussagen, daß auch der Rest den Amerikanern Staunen abringen wird. Es wurde da in der Tat«in gigantisches Werk unternommen: großzügig und phantasievoll im Plan, überraschenü in der Durchführung, ausgezeichnet in der Organisation. Zwölf Kolonialmächte, Amerika«ingeschlossen, nahmen an dieser Ausstellung teil. Einiges Befremden erregte es in Frank- reich, daß England seine Mitwirkung versagte. Motiviert wurde diese Weigerung mit den hohen Kosten, oie«ine würdig« Vertretung des britannischen Wettreiches verursachen würde. Aus 60 Millionen Franken lautete der englische Kostenvoranschlag im Falle der Bc- teiligung. In Frankreich fand man, daß diese Summe ein Pappen- stiel sei und machte aus der Angelegcnhett einen kleinen diplomc- tischen Zwischenfall. Man einigte sich aus ein Kompromiß: England wird sich lediglich an der Waren- und Produktenausstellung beteiligen. Der Zweck des Ganzen ist, ein möglichst lebendiges Abbild der kolonisierten Erdteil« zu bieten. Der Besucher soll nicht durch Statistik gelangweilt werden. Man hat ein Regerdors aufgebaut, eine Hütte von der Insel Bali oder den Tempel von Angkor. Man hat Tier« und Pflanzen aus ihrer Heimat hergebracht, um die Atmosphäre der Echtheit zu gewährleisten. Die Nachbildungen der originalen Bauwerk« ist mit gelehrtenhafter Genauigkeit erfolgt. 100 000 Photos beispielsweise wurden bei der Rekonstruktion des Tempels von Angkor benutzt und ebensoviel Gipsabgüsse. Der Besucher soll sich amüsieren: Er wird Gelegenhett haben, in das Privatleben der farbigen Völker Einsicht zu nehmen. Die Biwaks aus Pappe werden auf die Dauer der Ausstellung bewohnt s«in. Einem tüchtigen Manager ist es sogar geglückt, ein« Trupp« der zuverlässig letzten Menschenfresser zu engagieren. Das Problem der Verköstigung, das bei der Bertragsabschließung anfänglich Schwierigkeiten machte, wurde durch einen, beide Teile zufrieden- stellenden Vergleich bereinigt. Phrasen, wie„Dienst an der Kultur" oder ähnliche?, werden einem gottlob nicht vorgesetzt. Di« Kolomalausst«llung soll ein richtiger Rummel sein mit ernster Hinterabsicht. Di« Tempel bs- Herbergen im Innern nicht sakrale Abbildungen, sondern Verkaufs- stände. Ein riesiges Auskunftsgebäud«, in dem während der Aus- stellungszeit ISO internationale Kongresse stattfinden sollen, be- herbergt Registraturen nach allen Gesichtspunkten, aus denen man entnehmen kann, in welchem Tempel gerade beispielsweise eine be- stimmte Kautschuksorte ausgestellt ist, wie hoch sie an der Börse notie.t und was sonst wissenswert ist. Das Programm der Ausstellung werden große Freilichttheater- auffllhrungen, sportliche Veranstaltungen, musikalische Darbietungen, Wasserfeste und Feuerwerke vervollständigen. Eine besondere Rolle werden die Vorführungen exotischer Tänze und Spiele bilden. Vo: läufig macht die Besichtigung des Ausstellungsgeländes wenig Freude. Ueberall Schutt, aufgeweichte Erde, Berge von Batten, Steinen und Gipssäcken. Man ist mit den Arbeiten im Rückstand und es wird eine gewaltige Kraftanstrengung kosten, die verloren« Zeit hereinzubringen, um am lö. Mai zur Eröffnung bereit zu sein. Ueinneb Jordan. Das Deutsche Bildarchiv. Prof. Curt Glaser lmt in der von ihm geleiteten Staallichcn K u n st b i b l i o t h e k in der Prinz- Älbrecht-Straße Ende 1929 das Deutsche Bildarchiv gegründet. Dank kräftiger Unterstützung von Gönnern und Freunden hat dies Bild- archio inzwischen den ersten Abschnitt seines Ausbauprogramnis durchführen können. Die Bestände an Aufnahmen deutscher Kunst- denkmäler, die das Bildarchiv vorfand, wurden systematisch er- wettert. Bor allein die Rheinlande und Oesterreich wurden berück- sichtigt, wo di« empfindlichsten Lücken auszugleichen waren. Stil- geschichtlich wurde der Nachdruck auf das Mittelalter gelegt, um hier zu möglichster Vollständigkeit zu kommen, dann aus die Barockzeit, weil hier mir geringe Bestände vorhanden waren und Neuaus- nahmen der jüngsten Zeit einen tieferen Einblick in die deutsche Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts gestatten. Ferner wurde be- { gönnen. Material zur Geschichte des mittelalterlichen Kunstgewerbes systematisch zu sammeln. 1930 wurden etwa 14 000 Photos er- warben. In einer größeren Sonderausstellung wird das Deutsche Bildarchiv Rechenschaft über seine Arbeit ablegen, und hoffentlich wird es mit Hilfe alter und neuer Freunde bald immer mehr im- stände fein, die lange fühlbare Lücke zu füllen: an einer Stell« in guten Photographien den ganzen Reichtum deutscher Kunst vorführen zu können. Tristan-parodie im Gtaaistheater. Georg Kaiser:„König Hahnrei". Vor dem Kriege, als die Dramatiker noch keinen Zeitgeist, son- dern nur Geist brauchten, entstand dies« Tristanparodie. Aber ist das Stück geistreiche Parodie in seiner anspruchsvollen Psychologie? Der betrogene König Marke scheut ssch, sein« Hörner- kronung aller Wett zu verraten und sich selbst und seinen Hof- schranzen als den Betrogenen zu erkennen zu geben. Deshalb heuchett und wimmert er so lange, bis er fein« oerzweiflungsgrüne Galle aus dem Munde und dem Herzen spritzt. Und es erschießt der arme Marke den Tristan und die Isolde. Ja, er schießt mit Pulver und Blei. Denn Kostüm und Masse und Worte sollen ganz modern sein, damit die tragische Parodie sinnfällig wird. Der Regisseur Jürgen Fehling und der Dichter: heckten das aus. Wird außerdem die dunkekst« Wissenschaft Steg- mund Freuds erörtert und durchberaten, fo weiß man nie, wo die Lästerung beginnt, wo dem Dichter der Verstand ausgeht und wo der Wahnsinn seiner Geschöpfe endet. Der Dramatiker wackelt. Es wackelt innerlich und auch im äußeren Geschehen das ganz« Stück. Es wackeln mit Ausnahm« des Bühnenbaumessters Rochus G l i e s e, der einfache und romantische Wagner-Landschasten und Raubritterhäuser hinstellt, alle Teilnehmer an diesem traurigen und sinnlosen und erfolglosen Staatscheater- abend, den auch Frau K ö r b e r und die Herren George und Müthel nicht retten. m. h. Znierim im Tingel-Tangel. Friedrich Holländer ist in di« Ferien gegangen und hat Blondine Ebinger sein Tingel-Tangel vermacht. Sie spielt dort jetzt die Direktrice zum Teil mit den von Holländer über- nommenen Kräften und stellt sich vor allem selbst in den Mittel- punkt. Man kann sie dort jetzt in ihren besten neuen und alten Sachen sehen und muß sagen, es lohnt sich. Das Schelmische, Parodistische, Zarte, Hysterische und was sie sonst alles in sich hat. kommt in den mannigfachsten Mischungen zutage in ihren Songs und Sketchs. Die entzückende Mondscheinsonate, der Niggersong, ihre bekannte Nummer„Starker Tobak", die Parodie auf das Rotkäppchen— alles dies wird in buntem Wirbel geboten. Das Repertoire besteht auch sonst zumeist aus bewährten alten Nummern. Baldruschak, der elxemalige Hofsänger, singt seine ernsten Chansons wi« immer mit stärkster Wirkung, darunter auch das„Lied vom Baby", das durch den Film populär geworden ist. Schwach ist die Verulkung der Filmprüsstelle; das müßt« viel drastischer und lebendiger gemacht werden. Keine großen Tänze- rinnen, aber entzückende Wesen sind die Schwestern van Elben, Eva Böhm hat mit dem Lied« aus der Ukraine starken Erfolg. Sonst noch zu nennen Klein-Lörk in seinem Matrosensang. Die soziale Tendenz ist au» dem Programm jetzt leider fast ganz verschwunden. ä. „Meluka, die �ose von Marakesch." Marmorhaus.» Wenn der Europäer an die islamische Frau denkt, dann sieht er immer ein armes Geschöpf hinter HaremsMern, als Opfer mann- licher Sinnenlust. Doch kennt man in der arabischey Literatur sehr wohl Lobgesänge aus die opferbereite, selbstlos« Liebe zwischen Mann und Frau. Die Ueberlieserungen der Erzähler reichen Jahrhunderte zurück, und so mag sich auch schon mancher an Meluka erfreut haben, der Rose von Marakesch. Sie verbarg einen flüchtenden Verwundeten und pflegte ihn gesund. Als er. der Rebellenführer, ging, kamen die Häscher, töteten Melukas Bater und warfen sie selbst unter die Aussätzigen. Sie ersticht ihren Widersacher, her sie begehrt, sie flüchtet, und al» sie endlich mit dem Rebellensührer zusammentrifft. erreielit den die Nachricht, daß er der im Kindeealter gestohlene Sohn des herrschenden Paschas ist. Mit diesem ersten original-marokkanischen Ton- und Sprechfilm sieht man Eingeborene als Schauspieler interessant, groß und wahr im Erleben. Man gewahrt von der europäischen Zivilisation unbe- rührte Menschen m gewalliger, unbezwungener Landschaft. Erfreulicherweise ist kein deutsches Wort in diesen Film hinein- geschmuggelt worden. Man hört arabisch, und das ist von Hans B u l l e r i a n sinfonisch untermalt. Wunderbar klingen die Stim- men der Gebetsrufer. Wir erleben" die Sensation einer Frauen- stimme: denn wenn der Europäer sie sonst singend auf Schallplatten genießt, dann kann er sie wohl kaum von einer Männerstimme unterscheiden. Für die künstlerische Gesamtleitung ist Werner S ch w a r tz, für die arabisch« Leitung sind Mohammed Ben Rahal und Dr. Achmed Waly verantwortlich. Letzterer,«in Mediziner, ist am Berliner Orientalischen Seminar als maßgebende Persönlichkeit für Aegyptisch-Arab sich ein vorzüglicher Mittler zwischen Morgen- und Abendland. Auch bei der textlichen Uebert ragung im Film merkt man den korrekten, aber lebendigen Wissenschaftler, der mit dazu beitrug, daß der Film ganz groß wurde wegen seiner so bewußt bewahrten Eigenart. c. b. Handels„Velfazar" in der„Neuen Welt". Die Reihe der Festkonzerte, di« der Gau Berlin des Deutschen Arbeitersängerbundes zur Feier seines 40jährigen Bestehens in der ersten Maiwoche veranstaltet, findet am Sonnabend, dem 9. Mai, mit einer Aufführung von H ä n d e l s„B e l s a z a r" in der„Reuen Welt" ihren Abschluß. Das gewaltige Werk, das in einer Neufassung des Dirigenten Dr. Ernst Zander seine Berliner Erstauftührung erlebt, wird durch einen entsprechend mächtigen Klangkörper zur Aufführung gelangen, in der neben dein verstärkten Berliner Sinfonie-Orchester ein gemischter Sonderchor des Gaues in einer Stärke von etwa 600 Mitwirkenden tätig ist. Es ist wohl das erste- mal, daß in Berlin In einem Oratorium ein Chor von solcher Größe singt, doch ist gerade für Händels machtvolle l Chorwerke ein so ge- waltiger Chor wohl am Platze. Handels Oratorien, die keine„kirch- lichen" oder„frommen" Chorwerke sind, obgleich der Stoff vieljach der Bibel entnommen ist, könnte man eher historische Dramen nennen, und vielleicht kein anderes unter ihnen verlangt durch seinen dranwtischen Gehalt so sehr nach Bühne und Darstellung wie der „Belsazar". Durch Heines packende Ballade ist ja der Stoff weiten Volkstreisen bekannt geworden: besonders der Höhepunkt des Dramas, das Erscheinen der geisterhaften Flannnenschrift, kommt in Händels lDttisik in genialer Weise zum Ausdruck. In erster Linie ist dem Chor Gelegenheit geboten, sein Können zu zeigen, doch auch die Solopartien sind in den Arien, Duetten usw. reich bedacht. Auch hierfür sind allererste Kräfte zur Mitwirkung herangezogen: Paul Kotier, der Tenor der Hamburger Oper, wird die Titelrolle singen und in Frau Mia Neusitzer-Thönnissen, Hermann S ch e y und Werner Engel erstklassige Partner haben.— Da die Karten zu diesem Konzert nahezu vergriffen sind, hat sich die Leitung entschlossen, die Hauptprobe, die am Freitag, dein 8. Mai, in der„Neuen Welt" um 20 Uhr stattfindet und eigentlich nur für erwerbslose Mitglieder bestimmt war, in beschränktem Maße der Oeffentlichkeit zugänglich zu machen und Einlaßkarten zu 50 Pf. an der Abendkasse abzugeben, sofern im Vorverkauf noch Karten übrig bleiben. Die Berliner Philharmoniker in Paris. Das Berliner Philharmonische Orchester hat am Dienstag abend in der Großen Oper dos erste seiner beiden diesjährigen Konzerte unter Leitung von Wilhelm Furtwängler gegeben. Das Orchester erzielt« mtt einem Programm, das das Brandenburgische Konzert von Bach. die Eroica von Beethoven und den Feueroogel von Strawinski) umfaßte, einen gewaltigen Erfolg. Immer wieder mußte Furt- wängler sich dem vor Begeisterung rasenden Publikum zeigen. Der erste Roosevelt-prosessor in Verlin seit 1Z14. Der Präsident der Columbia-Universstät. Butter, hat die Wiederernennung eines Roosevell-Professors in Berlin, die seit 1914 unterblieben war. voll- zogen, und zwar wurde der Professor der Philosophie, grcderick Woodridge, zum Rooseoett-Professor für 1931— 1932 ernannt: piscator befehligt die russische Flotte. Das samsetrussisch« Krieg». kommissariat beabsichtigt, wie verlautet. Erwin Piscator Teil« d«r russischen Kriegsflotte für einen demnächst zu drehenden Film üb«r den Kieler Matrosenaufstand zur Verfügung zu stellen. Splelplanänberiiiiz. Die Premiere im Metropoltheater<„Dte Toni au« Sien") ist ans Freitag verlegt worden. vühoenchronit. Sonniag, i Ubr, findet im Dcuüchcn litünitlcrlbeater eine einmalige Naltmittagsvorklellunq von„Minna von Painhelni' in der Prewierenbesetzung zu lleiuen Preisen statt. Der Boroerlaus beginnt Mittwoch. » Von der Sprengpairone zerrissen. Zwei Arbeiter getötet.- Fünfzehn Schwerverletzte. Athen. 6. Mai. Seim Eisenbahnbau der Strecke Salampaka-Verria kam eiue Sprengpakrone vorzeitig zur Explosion, wodurch zwei Arbeiter getötet und 15 weitere Arbeiter zum Teil schwer verwundet wurden. Die Getöteten sind bis zur Unkenntlichkeit zerrissen worden. Gedemütigter Knecht erschlägt seinen Bauer. Nordhausen. 6. Mai. In Heringen an der Helme wurde der 64jährige Landwirt Werth er von seinem 17jährigen Knecht aus dem Felde mit einer Mistgabel erschlagen. Werther war mit dem Knecht auf das Feld gefahren, um Dünger zu streuen. Dabei gerieten beide in einen Streit, in dessen Verlauf der Knecht eine Ohrfeige erhielt. In der Wut griff er zur Mistgabel und erschlug den Bauer. Wetter für Serliu. Vorwiegend heiteres und warmes Wetter bei östlichen Winden.— Für Deutschland. Im Westen Gewitter- neigung, sonst trockenes und vorwiegend heiteres Wetter; überall ziemlich warm. Rückschau. Aus Frankfurt a. M. brachte der Berliner Sender ein Hörspiel von Auditor:„M ieter Schulze gegen alle." Ein Wert ohne künstlerischen Ehrgeiz: es wollte Rechtsbelehrung und Menschenerziehung an Hand von Hörbildern geben, die zwei Stunden lang, von 9 bis 11 Uhr am Abend, gesendet wurden. Trotz der reichlich späten Stunde, und obwohl das Wert etwas umfang- reich war, hörte man es mit Vergnügen. Unter dem Pseudonym „Auditor' soll sich«ine Gruppe von Frankfurter Rechtsanwälten oerbergen. Sie blieben auch in diesem Hörspiel ihrem Milieu treu. Ein Mieterstreit in einer Wohnsiedlung wurde aufgerollt. Aus kleinen Anfängen, aus einem bißchen Neid und einem bißchen Klatsch und sehr viel Dummheit, entwickelt sich eine Hydra von Klagen und Gegenklagen. Aktenbände türmen sich auf, die Schlingen des Meineids lauern, Prozesse von endloser Dauer drohen. End- lich gelingt es einem weisen Richter, einen Vergleich zwischen den Parteien zustande zu bringen. Sein Vorwurf gegen die Menschen, die eigenen Mittel und die Mittel des Staates, also des Volkes, sinnlos in solchen Prozessen zu vergeuden, wird eine Mahnung an alle prozeßwütigen Hörer. Die Personen dieser Handlung sind nur in ihren eigenen Reden porträtiert. Das ist nicht einmal unkünst- lerisch; denn es ist lebenswahr. In der Atmosphäre solcher Prozesse sieht jeder den anderen nur so, wie er ihn sich vorstellt, nicht wie er wirtlich ist; jeder will einen Urteilsspruch des Richters, der scharf die schwarzen Schafe von den weißen trennt— auch der Zuhörer, weil er, von der Dramatik der Gerichtsverhandlung mitgerissen, un- willkürlich Partei wird. Das Hörspiel aber stellte die Betrachter abwechselnd vor die Kulissen der Handlung und hinter sie; es zeigte, daß es bei solchen kleinlichen Streitigkeiten kein Recht und kein Unrecht gibt, sondern nur menschliche Unvollkommenheit. Die In- szenierung des Spiels war von geschmackvoller Zurückhaltung. „Der wirklich feine Mann in allen Lebens- lagen" nannte sich eine unterhaltende Veranstaltung der Funk- stunde: aus Büchern über Anstand und gutes Benehmen hatte man eine Handvoll grotesker Beispiele zusammengetragen. Die Mühe war nicht groß: aber sie war so ziemlich die einzige, die sich die Verfasser gemacht hatten. So kam gelegenllich zwar eine amüsante Szene zustande, woran allerdings die Ausführenden den Haupt- anteil hatten; die ganze Veranstaltung aber wirkte verunglückt. Denn diese„feinen" Männer und Menschen verkörpern die Sehn- sucht nach Höherem aus bestimmten Epochen; sie brauchen das entsprechende Kostüm, die zugehörige Staffage, wenn ihre Reden Wirklichkeitsklang bekommen sollen. Ein Hintergrund etwa aus Modeberichten, Beschreibungen von Wohnungsausstattungen, Lyrik für bessere Familien fehlte aber leider völlig. In der Jugendstunde des Berliner Senders sprach Dr. Io- Hannes Holtfreters mit einem jungen Wanderkameraden über„T i e r l e b e n im Frühling". Es ging bei dieser Unter- Haltung weniger darum, möglichst viele und gründliche Betrach- fangen ja geben, die ja von den meisten sagendlichen Zuhörern doch rasch wieder vergessen werden; das Gespräch wollte Zlnregungen bringen, den Wunsch nach Tierbeobachtung und das Verständnis dafür wecken. Dieses Ziel wurde mit der naturfrohen, unge- zwungenen Unterhaltung sicher erreicht. Te». Mittwoch, 6. Mai. Berlin. 16.05 Rathaus Schöneberg: Eine Zeichenstunde. LehrgcsprSch zwischen Stud.-Rat Könitzer und seinen Schülern. 16.30 Tanz-Tee-Musik. 17.30 Dr. Ueberall erzählt 17.50 Kurt Wcill(Funkporträt). 18.30 Prof. Dr. H. Schuir: Sigmund Freud und sein Lebenswerk. 18.55„Masse und Minderheit in der Literatur." Gespräch zwischen Dr. Anton Gantncr und Armin Resser. 19.20 Unterhaltungsmusik. 20.40„Vom Rundfunk"(Hans Ncuert). 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Orchesterkonzert. 22.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend bis 00.30: Tanz-Musik. Königswusterhansen. 16.00 Min.-Rat Rottenburg: Probleme der technischen Hochschulen. 16.30 Hamburg: Konzert. 17.30 Lothar Windsperger: Dichtung und Komposition(Mitnr.: ffetty Windsperger, Dr. Heinrich Michaelis). 18.00 Uhlenbrock: Die Berufsgenossenschaften. 18.30 Prof. Dr. Otto Hoetzsch: Die großen Mächte der Gegenwart 19.00 Dr. A. Richhardt: Beamtenrechtsprechung 1930. 19.20 von Kamecke: Qertrude Bell, die ungekrönte Königin ten Arabien. 19.40 Min.-Rat Goslar: Die deutsche Länderkarte und der gesetzliche Weg zu ihrer Aenderung. 22.20 Dr. Josef Räuscher: Politische Zcltungsschan. Verantwortl. für die Redaktion: Serbert Lep�re, Berlin: Anzeigen: Tb. Slocke, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. drvckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68, Lindenstrake 3. Sierzu i Beilage. [Paul Borsch Berlin- deverksehaftshans k TabaKwarea erst Firmen\m Joseph Schulz BerUn, Gtixniner Str. 80 am Hochbahnhof PrinzcnstraBe | Sdtfellerel lOr Netser,(eueren etc. SPEZIALITAET: Maschinen- Pappscherenmesser ■ene Neuer leaer in(iw � ßefchätite-Jlnsmer* föezirfc füden-Weften Erd~ und Fcucr- Bestatiungen in fe.er Preiainge Potsdamer Str. 97 and Filialen Feraspredier t Stephan 990 GRIENEISEN Franz Schönherz RIn-Nflllrnlln«•«»«•-Frledrlch-Str. 141 um. INCUKUXin Nähe Hermannplatz Bandagen— Gummistrümpfe Spezialist für SenkfuBeinlagen Lieferant für Krankenkassen und Behörden[222 Charlottenburger Tapeten-Farbenhaus C Schulz Potsdamer Straße 6, Aosffihrang sämtlicher Linoleamarbctien Fernsprecher: Wilhelm 960 Walfisch Kttpenicker Str. Ecke BrückenstraBe Robert Pommerening] Kartoffelhandlung Heidestraße 30 Tel.: C. 6. 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Leider hat in Amerika die Wissenschast dazu beigetragen, oiesc Vorurteil« der weißen Bevölkerung noch zu verstärken. Viel hat man sich in der Psychologie überhaupt nicht um die Neger ge- kümmert, und da die meisten der vorhanoenen Arbeiten von Amerika stammen, so besteht die Gefahr, daß das amerikanische Vorurteil gegen die schwarze Rasse auch nach Europa dringt. Aus der körperlichen Seite gibt es zunächst zwei Tatbestände, die andeuten, daß die schwarz« Rasse noch in der Kindheit ihrer Entwicklung steht. So finden wir allgemein beim Reger die breite, formlose Nase, ähnlich der des Kindes und aller unentwickel- ten europäischen und asiatischen Völker. Ferner ist beim Neger ein um l Gramm geringeres Gehirngewicht festgestellt worden chs beim Europäer, obgleich auf der anderen Seite das Körpergc- wicht der Neger höher ist. Wie weit dieses Ergebnis vertrauenswürdig ist, was ja sehr von der Auswahl und Anzahl der verwandten Gehirne abhängt, konnte ich bisher nicht feststellen. Sehr unzuverlässig sind dagegen die Ergebnisse von I n> telligenztesten(Intelligenzprüfungen), die in A m e ri k a ver- gleichsweise mit Kindern Weißer und Schwarzer angestellt wurden. Diese Teste, die eigens für Europäer ausgestellt wurden, setzen natür- lich sowohl europäische Mentalität, wie europäische Erziehung im breitesten Sinne des Wortes voraus, was aller Wahrscheinlichkeit sesbst beim amerikanischen Neger trotz seiner langjährigen Beruh- rung mit Weißen nicht im gleichen Maße vorausgesetzt werden kann. Kein Wunder daher, wenn man dann z. B. wie B r i g h a m, R. S. Ellis und andere findet, daß das Durchschnittsintelligenz- alter des Negers 10,37 Jahre, das des europäischen Amerikaners 13,08 Jahre beträgt. meine eigenen Steobachiungen In Afrika, wo man dieselben Teste mit größerer Sorgsall und geringerer Voreingenommenheit mll einer großen Anzahl Sulukinder durchgeführt hat, kam man ebenfalls zu dem Ergebnis, daß das geistige Niveau des Negers praktisch dem des.erziehbaren geistes- schwachen Europäers" gleichkommt. F i ck, der die Teste durchge- führt hat, ist aber weit davon entfernt, seine Resullate in diesem Sinne auszulegen. Auf der Grundlage seiner Teste werden im Augen- blick in meinem Institut zum ersten Male Teste ausge» stellt, dienichtdereuropäischen Geistesbeschaffen' heit, sondern derderBantu Rechnung tragen. Da- bei hat das Folgende berücksichtigt zu werden(was von den Ameri- kanern augenscheinlich nicht getan worden ist): 1. Teste dürfen keine Gegenstände enthalten, die das Negerkind nicht kennt(Glühlampe, Löffel, Grammophon usw.). 2. Sie müssen den Lebensumständen und der Denkweise des Negerkindes angepaßt sein. 3. Die Anweisung muß in der Muttersprache gegeben werden. 4. Grad und Art des Schutunterrichts müssen berücksichtigt werden u. o. m. Besonders der letzte Punkt ist von großer Bedeutung. Das Lehrermaterial für die Negerschulen kann auch nicht im entferntesten mit dem der europäischen Schulen verglichen zeer- den. Außerdem darf nicht vergessen werden, daß selbst in Afrika der größte Teil des Unterrichts in englisch und afrikaans stattfindet. D. h. in einer Sprache, die für den Sieger eine Fremdsprache ist. Im übrigen hat man sich auch bisher nur wenig bemüht, sich in den Negerschulen(selbst Universitäten) der G e i st« s a r t des Ein- geborenen anzupassen. Es ist also auch nicht zu erwarten, daß ein Negerkind selbst bei gleich gutem Unterricht dasselbe profitiert. was das europäische Kind profitieren würde. Ob es überhaupt mög- lich sein wird, eine verläßliche Testserie zu finden, die einen Vergleich zwischen„schwarzer und weißer Intelligenz" zuläßt, ist noch recht zweifelhaft. Eine— obgleich nicht wissenschaftliche— Vergleichsmöglichkeit hat man auch als Examinator weißer und schwarzer Studenten. Hierbei scheint es so, als ob die Neger in allen kulturellen Fächern schlecht sind, in den Naturwissenschaften dagegen gut. was mit dem übereinstimmt, was wir über die Lebensanschauung der Schwarzen zu sagen haben. Sinige SSeifpiele Der Neger befindet sich gegenüber dem Europäer in dem großen Nachteil, daß er«ine kulturelle Entwicklung von nahezu 2000 Jahren in ganz kurzer Zell überspringen muß. Dieser Tatbestand wird immer als ein sehr störender Faktor in allen Berechnungen seiner Intelligenz auftreten. In der Praxis gibt er Anlaß zu den un- möglichsten Situationen. Zum Beispiel: Betty, die erst wenig« Tage als Hausgirl arbeitet und die in ihrem Kraal kaum die nötige Küchenausbildung genossen hatte, er- scheint mll dem Fleischteller in der einen Hand und mit der Ge- müseschüssel in der anderen zum Servieren. „Nein, Betty," sagt die Hausfrau,„tu alles auf ein Tablett und bring es auf dem Tablett herein." , Nach 5 Minuten bringt Betty das triefende Tablett herein, auf dem Gemüse, Fleisch, Kartoffeln und Tunke lustig durcheinander- schwimmen. „Aber, M i s s i s," klagt sie,„da läuft ja die ganze Sauce fort." Jonas,«in 70jähriger Hottentott, sieht in seinem Leben das erste Automobil. „Pa, Jonas," fragt sein Baas,„was sagst du zu dem Ding?" Jona« lächelt breit und verschmitzt. Schließlich platzt er heraus: „Nee. Baas, da» glaub ich nicht." Wie schon vorher angedeutet, hat die Weltanschauung einen großen Einfluß auf die Intelligenz und die Handlungen eines Menschen. Und hier besteht zweifellos«in ungeheurer Unterschied zwischen schwarzer und weißer Rasse. Der Neger ist insofern ein (pstet Christ, als er fest davon überzeugt ist, daß„tu, jeder Tag seine eigenen Sorgen hat" und daß es darum unpraktisch ist, an den nächsten Tag zu denken. Für diese Grundeinstellung des Negers ließen sich Hunderte von Beispielen anführen: Mary kaust sich in letzter Zeit auffallend viel seidene Kleider. Sie lebt auf Freiersfühen und ihr Schatz ist ein vornehmer schwarzer Gentteman, der Zigaretten raucht und Gamaschen über den Schuhen trägt. „Willst du denn heiraten, Mary?" fragt die Missis. „Pes, Missis, im kommenden Monat." „Aber hast du denn schon für die A u s st e u e r gesorgt, daß du dir so viele seidene Kleider kaufen kannst?" „No, Missis, die Aussteuer kauft mein Freier." „So?— Was hat er denn schon gekauft?" „Sechs Tassen und sechs Untertassen." Ob diese Lebensanschauung besser oder schlechter ist als die unsere, ist ein« Frage, die sich nicht beantworten läßt. Es ist auch schwer zu sagen, ob die eine durch die ander« ersetzt werden kann. Sitten, Klima und Temperament arbeiten dem sicher entgegen. So z. B. die noch viel gebräuchliche Vielweiberei: Charlie ist ein Sulu von nahezu über zwei Meter Größe. Sein« Arme scheinen gebaut, um Löwen damit zu erorosseln. Er versieht aber nur das simple Amt eines Offizeboys. Dabei behandelt er meine Apparate nicht sonderlich zärllich und so halte ich eine sanfte Ermahnung für nicht unangebracht. „Charlie, sei vorsichtig. Dieser Apparat kostet mehr als 1400 Mark." Charlie ist ehrlich erstaunt. Er kann auch nicht verstehen, wie man soviel Geld für einen so kleinen Apparat ausgeben kann. „Baas," sagt er,„wenn ich 1400 Mark hätte, würde ich mir 3 Frauen kaufen und keinen Handschlag mehr tun." Aber es ist ganz zweifellos, daß sich in den letzten Iahren auch in dieser grundlegenden Weltanschauung des Negers(von seinen vielen sonstigen Eigenarten kann hier auch nicht andeutungsweise gesprochen werden)«ine starke Wandlung vollzieht. So berichtete z. B. der Postminister bei den letzten Haushaltsberatuiigen, daß sich die Spareinlagen der Neger in dem letzten Jahre w e s e n t- lich vermehrt haben. Die Neigung zur Einehe ist besonders stark bei den Frauen gewachsen. Und viele ander« Veränderungen in den Gebräuchen der Neger zeigen diese langsame aber ständige Veränderung an. August Willich Soldat der 4a er Revolution von B.sihoiaieu>shy IL Auch an dem dritten badenschen Ausstand, der dem Kampf für die„Reichsverfossung" galt, nahm Willich aktiven Anteil. Willich erschien sofort bei Ausbruch des Kampfes und stellt« sich an die Spitze der Revolutionäre, die in der Gegend der Rheinischen Pfalz kärnpften. Sein« Trupps standen den Regierungstruppen unmittelbar gegenüber. Er hatte sehr schwere strategisch« Aufgaben zu bewältigen, so sollte er z. B. die Nachhut der revoluttonären Armee, bei ihrem Rückzug durch die Schweizer Grenze, decken. Er führte diese Aufgab« glänzend durch, und Fr. Engels, der damals ein« Zeitlang Willichs Adjutant war. hat nicht unrecht, als er unter dem unmittelbaren Eindruck des Kompfes, Willich als„den einzigen Offizier" in den Reihen der Revolutionäre, bezeichnet,„der etwas taugte"...Willich ist in Gefahr brav, kaltblütig, geschickt und von raschem, richtigem Ueb erblick", schrieb Engels an Marx. Der Aufstand am Rhein, der von Preußen nicht unterstützt wurde, mußt« unvermeidlich eine Niederlage erleiden, und von Juli 1849 beginnt für Willich eine Zeit des unsteten Manderns und der Emigration. Nach einigen Monaten Aufenthaltes in der Schweiz siedelte er Ende 1849 nach London über. Sm Xondoner£xit Hier kommt Willich mit Marx allem Anschein nach zum ersten- mal zusammen. Soweit es uns bekannt ist, haben sich bis dahin ihre Lebenswege nicht gekreuzt. Ungefähr ein Jahr arbeiten sie zusammen im Hilfskomitee der deutschen Emigranten, sowie in dem Vorstande des wiederhergestellten„Kommunistenbundes". Willichs Unterschrift findet man unter den wichtigsten Dokumenten des „Bundes" von jener Zeit: unter dem Abkommen mit den fron- zöftschen Blanquisten, unter dem Rundschreiben des„Bundes", in dem der Bund für die„permanente Revolution" eintritt usw. Aber schon im Herbst 18S0 trat eine Spaltung in der Leitung des Londoner„Bundes" ein, wobei Willich, zusammen mit Schapper, an der Spitze der Fraktion der Marxschen Gegner stand. Auch die überwiegende Mehrheit der Mitglieder der kommunistischen„Ge- meinden" Londons schloß sich ihm an. Dies« Spaltung ist eins der interessantesten und politisch lehr- reichsten Momente in der Geschichte des„Kommunistenbundes". Di« wichtigsten Motive— wie es aus den neuen Forschungsarbeiten über diese Periode ersichtlich ist— waren folgende: in den ersten Monaten der Emigratton hofften Marx und Engels, daß die an- haltende wirtschaftliche Krise den Weg für einen neuen r e v o l u- tionären Ausbruch ebnen wird. Dieser Ausbruch sollte, ihrer Meinung nach, den Rahmen der demokratischen Umgestaltung Europas sprengen und sich in eine sozialistische Revolution ver- wandeln. In dieser Frage sind sie von ihrer früheren Auffassung, für die sie während der Revolutionsjahre 1848/49 entschieden ein- traten, abgewichen(bis April 1849 standen Marx und Engels in den Reihen der deutschen allgemeinen demokratischen Partei). Ihr früherer Standpunkt rief heftige Angriffe seitens des damaligen maximaliftischen Flügels der Arbeiterpartei gegen sie hervor. Gerade dies« neue Einstellung zur allgemeinen politischen Lage ver- anlaßt« Marx und Engels zu jener Zeit Verbündete unter den Elementen des.Kommunistenbundes" zu suchen, gegen die sie früher einen entschiedenen Kampf führten. Aber die Hoffnungen auf eine baldige Revolution hielten bei Marx und Engels nicht lange an. Im Sommer 1850 wurde es ihnen bereits klar, daß sich Europa nicht in der Periode einer dauernden Krise� befindet, iondern vor einem be- deutenden industriellen Ausschwung steht. Und sie haben daraus auch die Schlußfolgerungen gezogen, die ihren theoretischen Vor- aussetzungen entsprachen, d. h., sie sahen ein, daß man sich nicht auf einen neuen revolutionären Ausbruch in absehbarer Zeit orientieren kann und daß diejenigen Organisationen, die ihre Arbeit in den Reihen des Proletariats führen, ihre ganze Ausmerk- samkeit aus die propagandistische Tätigkeit lenken müssen. Die Führer der anderen Fraktton— insbesondere Willich— waren ober mit dieser Auffassung durchaus nicht einverstanden. Dies ist auch auf die besonderen Eigenschaften Willichs selbst zurück- zuführen: ein tapferer Soldat und kühner Revolutionär, war er mehr GafühlsjoKiaüst. Er besaß kein« ernste theoretische Bildung und noch vor der Spaltung äußerte sich Engels über ihn. daß er „außer dem Gefecht plus ou moins ein langweiliger Ideologe und wahrer Sozialift" sei(die Bezeichnung„wahrer Sozialist" wird hier im Sinne des Kommunistischen Manifestes gebraucht). Di« Um- stellung des Kommumstettbundes auf das Gleis der neuen organi- satorisch-propagandiftischen Tätigkeit bedeutete für Willich den Rücktritt von der politischen Arena: er eignete sich nicht für ein« in den besonderen Verhältnissen der Emigration liegend« Tätigkett, und er nahm um so leidenschaftlicher den Kampf gegen die neu« Ein- stellung Marx' und Engels' auf. Da aber zu jener Zett in Europa keine revolutionäre Stimmung herrschte, so mußte Willichs politisch« Tätigkeit unvermeidlich— und so geschah es auch— in Verschwörungen und Putschismus ausarten, in eine Taktik, in der sich die Element« des extremen Radikalismus mit den Trägern prinzipienloser Bestrebungen zu Kompromissen verbanden. Und darin bestand auch kein Widerspruch: ioweit die gesamte Tätigkett auf die Vorbereitung eines Aufstandes gerichtet war, erschienen alle— selbst die wichtigsten Meinungsverschiedenheiten prinzipieller Art— von geringer Bedeutung. Für Marx dagegen, der in den Mittelpunkt der Arbeit des„Bundes" die politische Propaganda stellte, waren gerade dies« prinzipiellen Fragen von ganz besonderer Wichtigkeit. Nur darauf ist auch die aus den ersten Blick unver- ständliche und unerklärlich vorkommende Erscheinung zurückzuführen. Marx, der während des Aufschwunges der Revolution 1848/49, bei aller Schärfe seiner Polemik, es doch verstanden hat, seinen polittschen Kurs auf die Konzentration der Kräfte der gesamten Demokratie zu lenken und die Idee der proletarischen Dittattcr bekämpfte, begann jetzt resolut ein« Scheidewand zwischen sich und all den Elementen zu errichten, die sich nicht dem konsequent proletarischen Klassenstandpunkt anschlössen. Willich jedoch, dessen nächste politischen Freunde(sein persönlicher Standpunkt in dieser Frag« ist unbekannt) früher Marx wegen seines Hangs zu Kam- promissen mit den nichtproletarrfchen Demokraten angriffen und die gar nicht abgeneigt waren, sich die Parole der revolutionären Dittatur zu eigen zu machen, stellten sich jetzt in der Emigration an die Spitze der Kommunisten, der Anhänger der Einheitsfront aller demokratischen Gruppen. Die Spaltung in den Reihen des„Kommunistenbundes" schwächte diesen so. daß es der Polizei möglich wurde, ihn gänzlich zu zertrümmern. Aber die Auflösung dieses Bundes war auch ohne diese Spaltung unvermeidlich: der Bund war seinein Wesen nach ein Ueberbleibsel aus der Zett der illegalen Verschwörer- organisationen, die in den bedeutendsten europäischen Ländern mit der Revolution 1848/49 ihr Ende fanden. Die Arbeiter- bewegung Deutschlands stand vor der Aufgabe, neue Wege für ihre Entwicklung zu finden, Wege, die mtt den Organi- sationsformen des.Komnmnistenbundes" unvereinbar waren. Nur deshalb konnte dieser Bund, nach den Verhaftungen der Führer im Jahre 1851, nicht mehr ausgerichtet werden. ä)er Sprung über den großen �eich Für Willich bedeutete die Spaltung des Bundes den Anfang seines politischen Endes. Di« Mehrheit der Mitglieder der Londoner Arbeiterorganisattonen war ihm persönlich sehr ergeben(er lebte auch in London zusammen mit den Emigranten aus den Proletarier- kreisen und teilte mit ihnen Not und Entbehrungen). Sie schlössen sich ihm während der Spaltung an, aber für die Dauer konnte Willich, seinem Wesen nach, keineswegs ihr Führer bleiben, er tonnte auch kein« führende Rolle als politischer Publizist spielen... Als auch er— zwei bis drei Jahre später als Marx— einsah, daß mit einer Revolutton in absehbarer Zett nicht zu rechnen sei, wurde es chm klar, daß er in Europa nichts mehr zu erwarten habe. Im Jahr« 1853 siedett er nach Amerika über. Anfangs stellte er sich politische Aufgaben, und er war bestrebt, politische Organisationen unter den deutschen Emigranten Amerikas zu gründen. Im Zusammenhang damit er- innert« er sich auch an seinen Zimmermannsberuf, den er im Jahr« 1848 erlernte, und wollte wieder Handwerker werden, da er, wie er sich äußerte, diese ehrlich« Arbeit dem Beruf eines Literaten vorzog. Aber«ine schöne Geste im Moment des revolutionären Aufschwunges ist grundverschieden vom Kampf ums Dasein unter den schweren Bedingungen der,„amerikanischen Konkurrenz". Das »Spiel mit der Axt" wurde bald aufgegeben. Willich sucht Arbeit, itcffllo aus JWfiffcicrn im Wellrundtunli Am 1. Mai konnte man mit Freude am Radio feststellen, daß! die meisten europäischen Rundfunksender in schönen Programmen � des Feiertags der Arbeit gedachten. In allen Sprachen Europas s hörte man im Aether Worte an die feiernden Werktätigen der ganzen Welt. Die deutschen Sender übertrugen entweder die Feier des Deutschlandsenders aus der Singakademie oder sandten eigene Maifeiern. Der Sender Kopenhagen widmete sei» ganzes Abendprogramm dem Maitag. Nachdem die Rathausuhr ihr Glockenspiel beendet hatte, sang ein Chor der sozialistischen Jugend Dänemarks. Dann ergriff der Staatsminister Genosse S t a u n i n g das Wort. Er sprach zu den Arbeitern und allen Werktätigen Dänemarks, besonders aber appellierte Stauning an die Jugend. Die Rechte, die die Arbeiterschaft sich erkämpft habe, müsse die Jugend verteidigen und erweitern. Stauning sprach zum Schluß über die Entwaffnung Dänemarks. Hoffentlich werden die anderen Länder dem Beispiel Dänemarks bald folgen. Ein Sprech- chor der sozialdemokratischen Sportoerbönde sprach eine Friedens- Hymne und dann wurde ein Gruß den Genossen des Auslandes zugerufen. Eine Maifeier, die eine Friedensfeier war! Reben der Kopenhagener Welle liegt die Welle von Moskau und da tönten zur selben Zeit Militärmärsche und kriege- rische Rede» wurden geschwungen. Die Sowjetgeneräle machten den proletarischen Feiertag zu einem Tage des Säbelrasselns! In England wurde eine Ansprache zum t. Mai gehalten. Der holländische Sender Hilversum stellte seine Antennen den ganzen Tag in den Dienst der Arbeiter-Radiovereine. Diese ver- standen es, �>as Programm des 1. Mai zu einem der schönsten Rund- funkprogramme zu machen. Radio Wien sandte Lieder der Arbeit. In der Tschechoslowakei wurden Maiansprachen in tschechischer und deutscher Sprache gehalten. Der Tag gehörte auch hier dem Arbeiterfunt. Die soziale und kulturelle Bedeutung des t. Mai wurde in allen Reden unterstrichen. Das neue freie Spanien machte bekanntlich den 1. Mai zum gesetzlichen Feiertag. Man hörte von den Wellen Barcelonas und Madrids Ansprachen, Feiern der Regierung wurden übertragen und Festkonzerte ertönten. Durch den Aether klang der Jubel eines befreiten Volkes. Auch in den anderen europäischen Ländern wurde das Ar- beiterfest gefeiert. Man saß am Radio, wanderte mit dem Ohr durch die Welt und feierte mit den Werktätigen von nah und fern. Nur die Länder, in welchen die Faust eines faschistischen D i k- t a t o r s auf dem Volke lastet, schwiegen im Aether. Für die Wellen Polens, Italiens gab es keinen Feiertag der Arbeit... d?.3 nordamerikanischer Staat— Senkrecht: 1. Tier- laut: 2 Verhandlungstag: 4. Zeitabschnitt: 3 Faschingszeit: 7.Riesenschlange-,8.Nennwert: 9. Begleiterscheinung eines Na- turgeschehens: tl Frucht, 12. amerikanisches Gebiet: 14. Abschied. ak. Kapselrätsel. Aus den Wörtern Vernichtung, Lichtdefekt, Gasverbrauch, Viel- liebchen. Gewicht, Wasser, Untugend, Ortsschutz, Gondel, Federn, Wissenschaft, Senegal, etwas, Wasgenwald, Gutsbesitzer sind je drei aufeinondersolgende Buchstaben zu entnehmen, die, aneinandergefügt, einen alten Wahrsprnch ergeben. ab. Auflösungen in der nächsten Rätselecke. Auflösungen der lehnen Rätselecke Kreuzworträtsel. Waogerecht: 1. Hermann: 2. Eta: 3. Uri: 8. Sender: 9. Dialog: 10. Ringen: 11. Phrase: 12. Ale: 13. Nil; 14. Mueller,- 13. AI«: 18. mir: 21. Aehren: 2Ä Sahara: 23. Singer: 24. Eisneri 23. Reichskanzler.— Senkrecht: 2 Esra: 3. Teil: 4. Anne: 3. Ulan: 6 Rosi: 7. Igel. 15. Aas: 16 Le'.. 17. Ahn: 18. Man: 19. Ire; 20. Rar.— Hermann Mueller, Reichskanzler. Zahlenrätsel: 1. Fememord; 2. Rotterdam; 3. Edukation; 4. Igel: 3. Eichendorff: 6. Behörde: 7 Attentat; 8. Heine: 9. Reger- steuer; 10. Diehards: 11. Emstein.—„Freie Bahn dem Tüchtigen." Silbenrätsel: 1. Sichel: 2. Eberhard: 3. Darve: 4. Beton: 3 Senuerin: 6. Taufend: 7. varius: 8. Erschlaffung; 9. Rache; 10. Bananen: 11. England: 12. Saison: 13. Eelsius; 14. Havel: 18- Endivie; 16. Irene; 17. Derby; 18. Eisenach: 19. Ransen: 20. Soutane: 21. Taler; 22. Eberesche: 23. Rlusflon: 24. Einreibung: 23. Ragetier; 26. Samuel: 27. Ehioese: 28. Hundekehle,: 29. helvetien: 30. AegSon; 31. cehosessel: 32. Tapioka; 33, Mecha- nismus; 34. Eremit.—„Selbst der bescheidenste Mensch hält mehr von sich, als sein bester Freund von ihm." Königszug: Ein Mann, der recht zu wirken denkt, Muß auf dos beste Werkzeug halten. von Goethe. Mittwoch 6 Mai 1931 Nr. 209 43. Jahrgang Was viele am Automoliil nldii sehen Rahmenchassis oder Zentralrohrfahrgestell? S h a ssi o und Karosserie, oder Fahrgestell und Kutschkasteu. sind die beiden konstruktiven Elemente des Automobil». Da» Fahrgestell ist bei den meisten wagen eine Stahllrägerkonstruktion, die vorn die Achse mit den Rädern und den Motor trägt, hinten die Hinterachse ausnimmt und aus der oben die Karosserie throul. Es trägt also soft die Last des ganzen Wagens und nimmt auch die Beanspruchungen während der AaHr! auf. Allgemein hat sich am Fahrgestellrahmen der- Automobils grundsätzlich nur wenig geändert. Di« übliche Bauart mit zwei l.t.förmig«n Längsträgern aus Stahlblech und einer oder mehrerer ebensolcher Querversteisungen beherrscht das Feld. Das übliche Standardfahrgestell kann>edoch noch nicht als Endglied in der Entwicklung angesehen werden, wird doch der künftige Kraftwagen vielleicht eimnal, konstruktiv gemeint, anders WWW tDer Übliche U-tlfenrahmen aussehen. Sobald einmal andere als die allgemein üblichen Kon- struktionen Gemeingut im Automobilbau geworden sind, wird auch die Ausfühmrng des Fahrgestells eine Wandlung erfahren. Typisch für die gegenwartig« Richtung ist die Tatsache, daß fast olle Kon- strukteure bemüht waren, den Rahmen tiefer zu legen, das Schwer- gewicht also der Straße näher zu bringen. Es gibt aber heute schon einige Konstruktionen, die von der normaltn Bauart abweichen und andere Weg« gehen. So werden beispielsweise an Stelle der beiden Rahmenlängsträger lediglich «in kräftiges in der Mitte liegendes Stahlrohr,� in dem gleichzeitig die Kraftübertragungswell« untergebracht ist, ver- wandt. Die typischsten Vertreter dieser Bauart sind Tatra und SDT.-Wagen des Franzosen Sensaud de Lavaud auf. Das Fahr- gestell besteht hier aus einer starken Leichtmetallplatte, die mulden- artig ausgebildet, gleichzeitig den Boden der Karosserie bildet. Sogenannte Schmalrohmenträger weisen der Hansa„Matador" und der kleine DKW-Frontantriebswagen auf. hier liegen die beiden Rahmenlängsträger dicht beieinander in der Wagenmitte. Beim Lancia„Lambdo" wie auch beim Röhr-Wagen bilden die Rahmen- längsträger bereits einen Bestandteil der Karosierie-Sestenwände. Der Rahmen des Automobils verdient künftig noch eine gründliche Wandlung. Durch den heute üblichen Rahmen ist vor allen Dingen auch die Ausbildung der Karosserie stark beeinträchtigt. Der Karosseriebauer wird erst dann einmal Karosserien von weit größerer Zweckmäßigkeit herausbringen können, wenn seiner Eni- ialtungsmöglichkeit durch die bestehenden Rahmenkonstruktionen nicht so enge Grenzen gezogen sind, wie das heute noch der Fall lft. �arum„Schwingachsen"? Zu den wichtigsten Problemen im Automobilbau gehört die Lerringerung der ungefederten Massen. Dieser Begriff umfaßt die Massen all der Teile, die sich zwischen den abgefederten Teilen des Fohrzeugrahmens und der die Stöße hervorrufenden Straßen- Unebenheiten befinden. Die Wege zur Verminderung der un- gefederten Massen sind schon lange nicht mehr unbekannt, gewisse technische Schwierigkeiten sind bei der Lösung jedoch zu überbrücken. Bei der standardmäßigen Bauart sind vorn und hinten starre Achsen üblich. Bei dieser Aufhängung der Räder übertrogen sich all« Stöße, die ein Rad erfährt, immer auch auf das gegenüber« liegende Rad(siehe Abb. 1). Diesem Zustand kann dadurch be- gegnet werden, daß man die Räder völlig unabhängig voneinander aufhängt. Je größer das Verhältnis des Gewichts der abgefederte» ist, um so besser und wirkungsvoller ist die Federung eines Kraft- wagens. Um die so wichtige Frage der Federung zu verooll- kommnen, ist man zur Konstruktion sogenannter Schwing- 4 mm miwtmiinmmwwi Abb, 1: Starre Achfe immwiuiiniiiuD'iu»'' Jlbb. 2: Schrrhipachfe rin Slenlralrohrfafirgefllll Zlustro-Daimler. Während beim ersteren das Ze�ralrohr am Getriebegehäuse angreift, ist beim Austro-Daimler diesem Rohr vorn eine Trägergabel aufgesetzt, die zur Aufnahme des Motors dient. Durch die Verwendung von Schwingachsen werden die Stöße der Straßenunebenheiten nicht mehr einfach auf den Rahmen über- geleitet. Die Beanspruchung des Rahmens ist also geringer. Tatra verwendet diese Konstruktion auch mit Erfolg bei großen Lastwagen und Omnibussen. Verschiedentlich ist auch der Versuch gemacht worden, den Fahrgestellrahmen aus Stahlrohren herzustellen, die natürlich leichter sind als das U-StaHl. Eine recht bemerkenswerte und von allen sonstigen Ausführungen abweichende Konstruktion weist der a ch s e n geschritten, die wohl anfänglich große Schwierigkeiten bereiteten, heute jedoch zum. Teil schon«ine völlig befriedigende konstruktive Durchbildung erfahren haben. Gerade in letzter Zeit ist wieder in Fachkreisen die Forderung erhoben worden, sich mehr als bisher der Entwicklung der Schwingachse zuzuwenden. Es ist daher angezeigt, hier kurz auf sie einzugehen. Bei der Schwing- achfe liegt der Achsdrehpunkt in der Mitte des Wagens, wodurch bei auftretenden Stößen immer nur die eine Achshälfte angehoben wird, wie das in Abb. 2 deutlich veranschaulicht wird. Auf diese Weise abgefederte Räder hasten besser am Boden und erhöhen so die Fahreigenschaften. Von den verschiedenen existierenden Schwingachskonstruttionen ist hervorzuheben, daß beim Tatra- Wagen jede Halbachse ein Antriebsrad besitzt: ganz ähnlich auch bei Austro-Daimler. Interessant ist die Vorderradaushängung beim Röhr-Wagen. An Stelle der sonst üblichen starren Vorder- a ch s e werden hier zwei übereinander liegende Oucrfedern benutzt. Durch einen besonderen, gleichzeitig als Stoßdämpfer aus- gebildeten kleinen Schwinghebel ist jedes Vorderrad mit dem Chassisrahmen verbunden. Die Wichtigkeit der Schwingachse ist besonders in letzter Zeit wieder in besonderem Maße erkannt worden, und so kommt es, daß sich heute eine ganz« Reihe von Konstrukteuren mit ihr beschäftigt. LVite Wittekind. Der„Blick in die Vergangenheit Das Retrospektiv, der Apparat, der das Geschehene zurückruft Es gibt keine technische Unmöglichkeit. Was noch vor kaum zwanzig Jahren für undenkbar und unglaublich gehalten wurde, ist heute schon banale Alltäglichkeit, Selbstverständlichkeit geworden. Nur ein einziger Utopist, der kurz vor dem Kriege starb, der No- vellist und Physiker K u r d L a ß w i tz, ist bis heute in einigen seiner Schriften noch der unerreichte Prophet, obwohl gerade seinen Phantasien die beste Beweisführung innewohnte. Wie lange er allerdings noch von der Technik uneingeholt bleiben wird, steht dahin — jedenfalls hat er als einziger der Phantasten seiner Art und seiner Zeil zu seinen Projekten wichtige technische Anhaltspunkte gegeben, deren Ausbaunwglichkeiten noch nicht abzusehen sind. So hat er in einem seiner Romane, der eine Rekordauflagc erreicht hat,„Auf zwei Planeten", eine Apparatur, eine Maschine in ihrer Konstruktion fast bis in Einzelteile genau geschildert, mit deren Hilfe es möglich sein soll, das vergangene Geschehen so ,u sehen, wie es sich tatsächlich � abgespielt hat. Das erscheint im ersten Augenblick so unwohrschemlich, so unmög- lich, daß man zunächst an dem gesunden Menschenverstand des Schöpfers dieser Ideen verzweifeln könnte, wenn nicht die Einzel- beschreibungen. die Laßwitz gab, doch an reale Hintergründe des Projekts glauben ließen. So kommt man schnell vom Kopfschütteln ms Staunen: Es besteht nämlich die Annahme und der rein wissenschaftliche Beweis, daß da» Licht, genau wie der Scholl, aus Wellen besteht. von denen man annimmt, daß sie, ähnlich denen des Rundfunks, den Erdball umkreisen, um ihn an der Grenze de» körperlichen Erdschattens in Richtung der Tangente, der leeren Unendlichkeit also. zu verlassen. Diese Lichtwellen, für die als normal eine Geschwindig- keit von 300 000 Sekundenkilometern angenommen wird, müßten von einem noch nicht entdeckten Element eingeholt werden können, zurückgeworfen und mit Hilfe einer enormen Verstärkung, eines optischen Relais und eines Projektionsspiexels zurück in Licht ver- wandelt werden können. So könnte man also Vorgänge, die sich vor Jahrzehnten oder Jahrhunderten abgespielt hoben, in die Gegenwart zurückrufen. Laßwitz geht bei seinen Vermutungen von der Grundannahme aus, daß es natürlich nur möglich ist, solche Vorgänge und Ereignisse wieder sichtbar zu machen, die sich bei genügender Beleuchtung und unter freiem Himmel abgespielt haben. Es ist fast erschreckend, sich die Folgen einer solchen Erfindung vorzustellen. Von der Unmöglichkeit salscher Historienmalerei und Schönfärberei tatsächlicher Geschehnisse bis zur Feststellung sämtlicher Prozeß- und Tatbestandstreitigkeiten könnte eigentlich alles durch das„R e t r o s p e k t i o", wie Lahwitz seine Konstruktion genannt hat, geklärt werden. Selbstverständlich ist eine tönende Form dieser rekonstruierten Wirklichkeit nur noch eine Frage weiterer technischer Entwicklung. Die Wichtigkeit der ganzen Fragenkomplexe ergibt sich daraus, daß gerade in diesen Tagen auf den Laboratorien des Mount Conerie und des Mount Bershal in Kanada an einer solchen Apparatur gearbeitet wird. Es besteht demnach durchaus die Möglichkett, daß in absehbarer Zeit die Gelehrten Nord- und Südamerika» die zurückgebliebenen Euro- paer mit der Nachricht von ihrer umwälzenden Erfindung beglücken. Hier aber sei des MattNes, der bereits nachweislich vor 30 Iahren an der Idee arbeitete, das Verdienst des Physikers und Novellisten Kurd Laßwitz, eines Deutschen, einwandfrei festgestellt. Roch ist über den Termin der ersten Nachrichten von der Fertigstellung dieses Apparates nichts Genaues bekannt. Wahr- scheinlich aber wird sein Erscheinen einen neuen Abschnitt der Welt- geschichte einleiten. Hans Tsussix. 25 Jahre Simploniunnei Gleichzeitig von Norden und Süden her begannen am 13. August 1898 die Arbeiten zum Bau des Simplontunnels. Am 24. Februar 1905 fiel die letzte Scheidewand, der Durchbruch des Hauptstollens war vollendet. Am 3. Mai 1906 durchfuhr die erste elektrische Lokomotive den 20 Kilometer langen Tunnel. Am 1. Juni 1906 wurde das vollendete Werk dem Verkehr übergeben, das nun 25 Jahre seiner Länder verbindenden Bestimmung dient, also, Ver- kehr, Handel und Wandel fördert. Schon vor Jahrhunderten wurde die Straße über den Simplon benutzt. Etwa 100 Jahre vor dem Tunnelbau ließ Napoleon I. die noch heute benutzte Straße mit 10 Millionen Franken Kosten herstellen. Der Plan zu einem Durchstich des Simplon und zur Schaffung einer Eisenbahnverbindung von Deutschland nach Italien wurde schon seit 1860 als technisches und wirtschaftliche Problem er- wogen und Verhandlungen darüber geführt. In Deutschland trat der Ingenieur Adolf Brandt als Mitglied der Simplonbau-Gesellschaft tatkräftig für das Werk ein: er erlebte noch den Beginn, doch nicht das Ende des Baues, da er 1899 starb. Im Jahre 1898 genehmigten Italien und die Schweiz den von der Baugesellschast für den Tunnel eingereichten Plan, nachdem das Unternehmen mit einer Subvention von 20 Millionen Franken gesichert war. Am Slldteil wurde die Ausführung des Tunnelbaus von dem deutschen Eisenbahnbauminister Karl Brandau geleitet, die Leitung des Nordteils hatte Eduard Sulzer, Chef der Maschinenfabrik Gebr. Sulzer, inne. Es war eine gewaltige Arbeitsleistung, die hier voll- bracht wurde. Bei einer Hitze bis zu 53 Grad muhten die Arbeiter ausharren. Starte Quellen brachen ein: mühevoll mußte das Wasser durch unterirdische, mit komprimierter Luft betriebene Pumpstationen ausgepumpt werden. Neben dieser steten Gefährdung des Werkes brachten insbesondere heiße Quellen eine unausgesetzte Lebensgesahr für die Arbeiter und Ingenieure mit sich. Der normale Fortschritt ohne Störungen betrug täglich 4 bis 9 Meter. So war es kein Wunder, daß die Ausführung des 19 803 Meter langen Tunnels von 1898 bis 1906 dauerte. Neben allen neuzeitlichen Schöpfungen im Tunnelbau zeugt dieses ältere Werk vom Sieg des menschlichen Geistes und Willens über Schwierigkeiten aller Art, und immer noch ist der Simplon- tunnel ein« meisterliche Schöpfung unserer Technik. F. P. Technische Neuigkeiten In den letzten zwei Iahren hat man Eisengußstücke mehr und mehr durch geschweißte Konstruktionen ersetzt, weil sü bei geringerem Gewicht größere Festigkeit besitzen. Die Zunahme d»r Festigkeit beträgt durchschnittlich das Zweieinhalbfache. Die größten Vorteile des elektrischen Schweißens liegen aber auf der wirtschaftlichen Seite. Die Materialersparnis ist nicht so ausschlag- gebend, denn sie wird mehr oder weniger durch die höheren Kosten für Flußeisen, z. L. gewalzte Bleche, ausgeglichen. Eine nicht un- erhebliche Ersparnis ergibt sich jedoch oft daraus, daß es nicht mehr notwendig ist, Gießereimodelle anzufertigen, die, wenn nur wenige Abgüsse nötig sind, in der Kostenberechnung eine große Rolle spielen. Weiterhin wird die Lagerung zahlreicher Modelle und Formen er- übrigt, so daß«in Betrieb, der unter Raummangel leidet, durch Einführung des Schweihverfahrens den bisher für die Modell- schreinere! und die Aufbewahrung der Modelle notwendigen Raum anderweitig verwerten kann. Zudem werden die Bearbeitungskosten verringert, denn man kann vor allem seit Einführung der Elektro- schweißung mit größerer Genauigkeit schweißen als Gußstücke her- stellen. In einem Bartrog im englischen Institut der Schweiß- ingenieure wurden Beispiele der Gewichtsverringerung angegeben. Gußeisen im Gewicht von 795 Kilogramm wurde durch eine ge- schweißte Konstruktion von 386 Kilogramm ersetzt(Ersparnis 52 Proz.j, weitere Verringerungen waren von 1580 Kilogramm auf 545 Kilogramm(65 Proz.), von 2620 Kilogramm auf 870 Kilogramm(66 Proz.), von 7250 Kilogramm auf 4220 Kilogramm (40 Proz.). Hieraus ergibt sich, daß der Ersatz von Gußeisen durch geschweißte Konstruktionen durchaus als wirtschaftlich angesehen werden muß Die chirurgische Klinik der Universität Mailand hat sich vor einiger Zeit durch einie deutsche Elektrogroßfrima eine Laut- sprecheranlag« einbauen lassen, die infolge ihres Verwendungs- Zweckes bemerkenswert ist. Sie wird nämlich bei Operationen be- nutzt und dient dazu, die Erklärungen des die Operation aussühren- den oder leitenden Professors den beiwohnenden Studenten hörbar zu machen. Sie verfolgen von der Galerie aus die Vorgänge. Die Anlage gewährt vor allem den bedeutenden Vorteil, daß sich der Vortragende ohne Anstrengung an die Zuhörer wenden und darum sich ganz auf die Operation konzentrieren kann. Auch die durch die Lautsprecheranlage ermöglichte Art des gesamten Aufbaus, daß näm- lich di» Zuhörer sich außerhalb des eigentlichen Operationsraumes befinden, gewährt in hygienischer Hinsicht und wegen der verant- wortungsvollen Arbeit zahlreiche Vorteile. Auf einer Zusammenkunft der Mitglieder des Zlllgemsinen Deutschen Fernsehvereins im Berliner„Haus des Rundfunks", der durch die Anwesenheit von Ministerialdirektor Dr. Kruckow, Staats- fekretär Dr. Bredow und Direktor Dr. Magnus offizielles Gepräg- gegeben wurde, wies Postrat Dr. Banneitz darauf hin, daß sich ein Fernsehrundfunk mit so hoher Bildpunktzahl, wie er das Publikum befriedigen kann, nur mit Hilfe der Braunschen Rohre erzielen läßt. Er machte darauf aufmerksam, daß die Schwierig- leiten durch die Arbeiten Manfred von Ardenne? zum großen Teil beseitigt worden sind. Slrdenne gab nun vor wenigen Tagen Ge- legenheit, in seinem Laboratorium den augenblicklichen Stand des Fernsehens mit Braunschen Röhren kennenzulernen. Man sah bei diesen Borführungen, daß man auch Kinofilme so gut übertragen kann, daß ein« ähnliche Deutlichkeit, wie sie z. B. das Kleinfilmkino liefert, erzielt werden kann. Das Bild wird in etwa 10 000 Punkt- zerlegt: trotz dieser sehr seinen Rasterung, die es bereits gestattet, zahlreiche Einzelheiten zu erkennen(so ist es z. B. möglich, in dem Porträt einer Dams sogar die einzelnen Haarwellen in ihrer Tönung auseinander zu halten), besitzen die Bilder eine außerordentliche Helligkeit. Es steht heute fest, daß wir in der Braunschen Röhre den Fernsehempfänger der Zukunft besitzen. Die wissenschaftliche Gesellschaft für Lustsahrt veranstaltet vom 18. bis 21. Mai 1931 ihre 20. ordentliche Mitgliederversammlung in der Universität Kiel, unter dem Vorsitz von Professor Dr. Jng. Schütte. Zu der Tagung sind Angehörige der Luft- und Schiff- fahrtstreise und deren Gäste willkommen. Automobil' Än Prager deutschen und tschechischen Kreisen sieht man der von der Ortsgruppe Breslau des republikanischen Deutschen Reichs-Auto-Clubs ausgeschriebenen Psing st fahrt nach Prag mit großer Freude entgegen. Wie wir hören, ist ein offizieller Empfangsabend geplant. Die Abfahrt von Breslau und den sich sonst anschließenden Ortsgruppen erfolgt am Pfingst- sonnabend früh. Die Ankunft in Prag ist für den zeitigen Nach- mittag vorgesehen. Neben der Besichtigung der Sehenswürdigkeiten Prags und des Films„Im Westen nichts Neues"' bietet der Klub feinen Mitgliedern in Prag ein reichhaltiges Feiertagsprogramm und übernimmt die Verantwortung für Quartiere und Verpflegung bei einem sehr bescheidenen Gesamtpreise. Näheres durch die Ge- schäftsstelle Breslau, Schweidnitzer Straße 16/18(Tel. S6S2S) oder durch die Reichsgeschäftsstelle, Berlin-Charlottenburg 2, Hardenberg- ftraße 18(Tel. C 1 Steinplatz 8066), zu erfragen. Dort werden auch Meldungen entgegengenommen. Der Autopreis von Deutschland Den Höhepunkt der deutschen Automobilrennsaison dürfte auch in diesem Jahre wieder der Große Preis von Deutsch- l o n d für Sportwagen bilden, der am 19. Juli auf dem Nürburg- ring zum Austrag gelangt. Das Interesse der in- und ausländischen Industrie ist überaus rege, einige der berühmtesten und erfolg- reichsten Rennfahrer Europas sind in die Nennungsliste, die beim ersten Meldeschluß 24 Namen aufwies, eingeschrieben worden. Der „Große Preis" dürfte im Zeichen eines Dreikampfes der Firmen Mercedes-Benz, Bugatti, Maserati stehen, in den möglicherweise als vierte noch Alfa Romeo eingreift, denn die Italiener brennen auf Revanche für ihre Niederlage in den 1000 Meilen von Brescia. In der Gruppe der Wagen bis 1100 Kubikzentimeter liegen drei Mel- düngen von DKW. sowie eine von Amilcar(Steinweg-Müdchen) und Austin(Jwankowski) vor. Die vom Allgemeinen Deutschen Automobil- El ub veranstaltete O st p r e u ß e n f a h r t für Krafträder und Wagen mit Start und Ziel in Königsberg hatte sich auch diesmal wieder einer überaus starken Anteilnahme zu erfreuen, denn von 131 gemeldeten gingen 121 Konkurrenten auf die Reise, die in zwei Etappen über 720 und 680 Kilometer zu erledigen war. Infolge schlechter Wegeverhältnisse hatte sich der Veranstalter entschlossen, die Strecke in einigen Punkten zu ändern. Das hatte zur Folge, daß sich verschiedene Bewerber verfuhren. Nachdem auf der ersten Strecke schon 13 Konkurrenten ausgeschieden waren, starteten noch 108 Be- werber zum zweiten Teil der Fahrt und von diesen oermochten nur 39 alle ausschreibungsgemäß gestellten Bedingungen zu erfüllen, so daß ihnen der erste Preis, die goldene Medaille, zugesprochen werden konnte. Von bekannten Motorradfahrern konnten u. o. Luthardt-Nürnberg(Triumph), Stumfoll-Passau(Puch), Hieronymus- Nürnberg(Triumph), Fleifchmann-Nllrnberg(Triumph), Polster- Berlin(D.-Rad), Jschinger-Berlin(D.-Rad), Nonn-Köln(BSA.) mit der höchsten Auszeichnung bedacht werden. In den Wagen- g r u p p e n feierte BMW. einen großen Triumph, blieben doch in der Klaffe bis 1100 Kubikzentimeter nicht weniger als acht BMW.- Wagen strafpunktsrei. In der größeren Klasse(über 2000 Kubik- Zentimeter) figurieren unter den ersten Preisträgern so bekannte Fahrer wie P. v. Guilleaume-Berlin(Ford), Frau Lotte Bahr- Berlin(Steyr), Nitfche-Berlin(Stoewer) und Doerschlag-Berlin (Mercedes-Benz). Die MSicfaerheitsgasse" Der ADAC, richtet Autoprüfstellen ein Die„Sicherheitsgasse" ist eine amerikanische Erfindung, die eine Prüfung der Fahrzeuge auf ihre Verkehrssicherheit gestattet und sich drüben schon bestens bewährt hat. Herrensahrer und Berussfahrer benützen gern die Gelegenheit, die einzelnen für die Verkehrssicherheit besonders wichtigen Einrichtungen des Kraftfahrzeuges des öfteren kontrollieren zu lassen und aus der jedem Fahrzeug ausgestellten Prüfkarte Schlüsse für notwendige Reparaturen und Verbesserungen zu ziehen. Mit besonders erdachten Apparaten werden Luftdruck, Lenkung, Spurhallung der Räder, Scheinwerfereinstellung, Licht- Maschine und Batterie, Federn und als wichtigstes der Zustand der Bremsen eingehend geprüft. Die ganze Angelegenhett dauert nur wenige Minuten und gibt«inen Ueberblick, ob alle wichtigen Teile in Ordnung sind. Der Allgemeine Deutsche Automobil-Elub be- absichtigt, in ganz Deutschland solche Prüsstellen einzurichten und hat bereits die erste in München aufgestellt. Die Prüfung erfolgt für ADAE.-Mitglieder kostenlos, für NichtMitglieder gegen eine geringe Gebühr. Die Deutschlanctfahrt Zwei Etappen erledigt ' Die zweite Radrundfahrt durch Deutschland be- gann am Montag mit der von Rüsselsheim nach Freiburg über 284,7 Kilometer führenden ersten Etappe nicht sehr vielver- sprechend. Von irgendwelchen Kämpfen auf der Strecke war kaum etwas zu bemerken. Dies wird eindeutig durch die Tatsache illu- striert, daß das Tempo zeitweilig kaum 18 Stundenkilometer betrug. Da«s sich um eine ausgesprochene Flachstrecke handelte, brauchten sich die Akteure ohnedies nicht sicherlich anzustrengen, und so kam es, daß 34 Fahrer geschlossen am Ziel in Freiburg eintrafen, wo der Belgier Joseph Wauters im Endspurt«inen sicheren Sieg gegen den Schweizer Antenen und den Deutschen Metze herausfuhr. Die zweit« von Freiburg nach Ulm über 269 Kilometer führende Etappe stellte erheblich schwerere Anforderungen an die Teilnehmer. Es galt, Höhenunterschiede bis an die 1000 Meter zu überwinden, und der Verlauf der Fahrt gestaltete sich infolge. dessen wesentlich interessanter als am Lortage. Das„weiße Trikot", mit welchem der jeweilig« Etappensieger ausgezeichnet wird, wechselte schnell seinen Besitzer, denn der Belgier Josef Wauters hatte diesmal nicht viel zu bestellen, er mußte das Trikot an den Luxemburger Nicolas F r a n tz abtteten, der aus einer sicbzehnköpfigen Spitzengruppe heraus am Ziel in Ulm sich den Etappensieg gegen die beiden Deutschen Stöpel und Metze erspurtete. Llt Deutsche in der«l'our de France" Das größte und schwerste Straßenrennen der Welt, die„Tour de France", gelangt in diesem Jahre in der Zeit vom 30. Juni bis 26. Juli zum 25. Male zum Austrag. An dem Jubiläums- renn«n werden diesmal elf deutsche Berufsfahrer teil» nehmen. Acht bilden— wie schon im vorigen Jahre— die deutsche Nationalmannschaft: es sind die gegenwärtig bei der Deutschlandfahrt beschäftigten Hermann B u s e, Eurt Stöpel (Berlin). Alfred Siegel(Breslau), Oskar Thierbach(Dresden), Erich Metze(Dortmund) und Ludwig Geyer(Schweinsurt), jowie der Berliner Herbert Sierollsti. Der achte Fahrer der Sportliches Nationalmannschaft steht noch nicht fest; in Frage kommen wohl Altenburger(Kassel) und Essing(Dortmund). Daneben sind noch drei deutsche Fahrer, und zwar Erich U s s u t(Berlin), Karl O l» b ö t e r(Stettin) und Kurt N i tz s ch k e(Magdeburg) als Bewerber in der Touristenklasse zugelassen worden. Die Fahrer dieser Klaffe sind gegenüber den Mitgliedern in der Nationalmannschaft insofern benachteiligt, als sie selbst für alles sorgen müssen. Arbeiter- Photoausstellung Die erst seit kurzem bestehende, dem Arbeiter-Lichtbild-Bund angeschlossene„Freie Photo-Vereinigung Berlin", ver- anstaltet im Haus am Stadion, inmitten des schönen Volksporks Rehberge, ihre erste P h o t o s ch a u, die bereits von einem starten Können zeugt. Erfreulich ist, daß auch das soziale Photo einen breiten Raum in der Ausstellung einnimmt, aber auch das Landschaftsphoto ist gut vertreten. Für den angehenden Amateurphotographen ist eine beachtenswerte Einrichtung geschaffen: Von jedem ausgestellten Photo ist in einem Katalog ein unbe- arbeiteter, unvergrößerter Abzug vom Negativ eingeordnet, so daß man genau erkennt, welche mühevolle Arbeit in dem ausgestellten Photo steckt. Gleichzeitig sind sämtliche technischen Daten verzeichnet, die gerade dem Anfänger, aber auch für den Fortgeschrittenen sehr viele Hinweise und Richtlinien geben. Die Photoschau ist bis zum 17. Mai geöffnet, werktäglich von 14 bis 20 Uhr, Sonntags und Himmelfahrt von 10 bis 20 Uhr. Der Besuch ist unentgeltlich und kann jedem Interessenten nur empfohlen werden. 40 Jahre„Neptun"- W eifjensee! In diesem Jahre begeht der Arbeiter-Schwiinmtlub „N e p t u n"-Weißensee als ältester Schwimmoerein des Arbeiter- Turn- und Sportbundes sein vierzigjähriges Bestehen. Aus diesem Anlaß wird der Verein mit mehreren großen Ver- anstaltungen an die Oeffentlichkeit treten. So findet am Donners- tag, 7. Mai, in der Aula des Lyzeums Weißenfee, Pistoriusstraße, Ecke Porkstraße, ein Filmabend statt. Neben einem Sportfilm werden Volkstänze der Kinder gezeigt, ein Orchester wird mit Musik aufwarten, die Jugend bringt eins der beliebten Hans- Sachs-Spiele zur Aufführung, und ein Sprechchor wird Kinder und Jugend vereinen. Alle Darbietungen werden von der Kinder- und Iugendabteilung des Vereins gebracht. Stadtjugendpfleger Bohtur HM einen Vortrag über moderne Kindererziehung. Da der Verein Wert darauf legt, mit den Veranftattungen werbend aufzutreten, ist der Eintritt frei, so daß jedem Anhänger des Arbeitersportes die Möglichkeit gegeben ist, mit seinem Kinde daran teilzunehmen. Weiter fallen für diesen Abend di« Einschreibe- gebühren bei Eintrittserklärungen fort. Beginn der Veranstaltung 19,30 Uhr._ Lernt Boxen, heben und Ringen! In der Turnhalle Danziger Straße 23 hat die neu gegründete Abteilung des bundestreuen Sportklubs„Alt-Wedding 1883, NO." ihren Trainingsbetrieb im Boxen, Heben und Ringen aufgenommen. Besonderen Wert legt der Verein auf eine sorgfältige Ausbildung von Schülern und Jugendlichen Die Uebungsabende sind Montags und Donnerstags 20 Uhr. Schriftliche Anfragen sind an Karl Baniecke, Berlin N. 6S, Amsterdamer Straße 11, zu richten. KT SB., Lichtenberg. Donnerstag 7, Mai, Kunktionärlijiuna im Bereins- lokal,— ttanubegirt. 8. Mai Trainingsabrnd auf dem Kagbachspielvlatl um 18 Uhr.— Be»irt Panlow. Donnarstag, 7. Mai, Hockensiiiung MiUilen. Hdt Marimilianstrastr, 30 Uhr.— Arbeiter. Zängersrst. Zu den U-bungsabenden im Neuköllner Stadion heute. Mittmvch, und Sonnabend, 9. Mai, miillen die Männer um bÖVi Uhr und die Frauen spätestens um 1914 Uhr anwesend sein. — Bezirk Nordring. Heute, Mittwoch, 30 Uhr, Vierteljahresoersammlung bei Ufert, Sleimstr. öS. Freie Faltbootsahrcr Berlin. Tonnerstag, 7. Mai, 20 Uhr, Monatsver. sommlnng in der Wcinmcistcrstr. 16—17. Portrag mit Lichtbildern:»Das schöne Oesterreich". Sonntag, 12. Mai, Pflichtfahrt zur Frilhjahrsregatta in Branden. bürg, Abfahrtszeiten in der Monatsversammlung, Freier körpertulturkrei» Arcuzbcrg. Donnerstag, 7. Mai. 1g?i Uhr, Mitgliederversammlung in der Schule Dieffcndachstr. 61. Sonntag, 10. Mai, Blittenfahrt Potsdam-Caputh. Treffpunkt 7V4 Uhr Potsdamer Bahnhof. Tennis-Rot Srofe.BeNin, Abt. Reuköln. Tonnerstag. 7. Mai lnicht A. S,), 20 Uhr, Witgliederverfammlung im CofS Neinhardt, Hasenheid« J>7. Referat. Bezirkskartell Friedrichshain. Neue Anschrift ab S, Mai: Hermann Kirch- mann, Berlin NO. 18. Dieftclmen-rstr. 2. Solidarität, Kraftsahrer. Sonntag, 10. Mai, Bezirkswanderfahrt. Treffen aller Motorfahrerabteilungen 10 Uhr in Bergfelde, Lokal„Hofjäger". Weiter. fahrt 11 Uhr nach Eberswalde. Dazu starten die Adteiluuqen: Poutow: 10 Uhr Pankow, Berliner Str. 86.— Okxrschönewcrde: 9 Uhr Wilhelurinenhos- strahe 61.— Friedrichshain: 9 Uhr Landsberger Plag.— Rreuzberg: 10 Uhr Baltenploh.— Neickölln: SVi Uhr Hohenzollernplast.— Treptow-Baumf chule n» weg: 9 Uhr Bahnhof Baumschulenweg.— Lichtenberg: 8 Uhr Oder. Eck« Finowstraü-.— Moabit: 8 Uhr Wiclefstr. 17.— Tempelhof-Mariendvri: 6rt, Uhr Kurfürsten. Ecke Schüben strastc.— Eharlottenburg: 9 Uhr Wilmers- dorfcr Str. 21.— Versammlungen finden statt: Abt. Kreuzberg: 8. Mai. 20 Uhr, Reichcnberger Str. 91.— Abt. Friedrichshain: 7. Mai. 20 Uhr, Etrausberger Str. 3.— Abt. Temvelhof-Mariendorf: 7. Mai, 20 Uhr. Kur. fürsten- Ecke Schllhenstrahe. Da- bekannte Bekleidungshau, in Steglih, Schlo feste. 102—108, dessen Inhaber Herr Frist Hamburg ist, und unter der werktätigen Bevölkerung des Westens einen guten Klang hat, ladet die kauflustig« Einwohnerschaft ein. ihren Bedars dort zu decken. Bitte beachten Sie den»©efchäftronzeiger" unseres Blattes. Es geht Großes bei uns vor! Am Sonnabend beginnen unsere„10 Tage Sen- sations- Preise"— ein neuartiger Großverkauf auf Extra-Tischen im Erdgeschoß. Zeitgemäße Ware bringen wir zu sensationell billigen Preisen. Waren in ungeheuren Mengen, in vorzüglicher Qualität! Kommen Sie gleich am Sonnabendmorgen zu uns! K PhlflV 5 [MmK miN-SCH0HfBm»HAUPTm.1B3