Morgenausgabe 3lr.2i2 A 107 4S.Iahrg voraus zahlbar, Poftbazu, 4£2 M. owlchllrßlich SV VI. V oftzrituu zs» und 72 Ps.Postb-süllg-dühren. Auslands- ebonncmtnt 6,— M. pro Monat; füt Linder mit ermäßigtem Drucksachen- porto S,— M. -h Der.Lormärts�«rschetat wochentig- iich zweimal. Sanntag» und Montag» einmal, die Abendausgode für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend" Jlluschierte Beilag» und Zeit" Ferner.Frauenstimme". Technik",.Blick in die Büchenvelt", ,Fugend-Borwärt»"u.»Etodtbeilag«" Kreilag S. Ma> 1931 Groß-Äerlin 10 pf. Auswärts-15 pf. Sie etnfpoIL Nonparetllezcile 80 Pf. ReNamezeile 5,— RM.„Kleine Ün- ÄCloen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. Zulässig uoei fettgedruckte Worte), jede, weitere Wort 12 Pf Rabatt lt. Tarrf. Stellengesuche das erste Wort IS Pf� jede» weitere Won 10 Pf. WoNe über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf Familien» anzeigen Zeile 40 Pf Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindensn oße 3. wachen» täglich VOA SVa bis 17 Uhr. 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N o go r o erklärte,'daß das zwischen Deutschland und Oesterreich beabsichtigte Zollbündnis unbestreitbar dos Bors stiel zu einen» ernsten politischen Ereignis sei, dos mit seinen Folgen dem Frieden nicht günstig sein könne. Das Abkommen sei nicht, wie Deutschland und Oesterreich behaupteten, zu dem Zweck abgeschsassen worden, die wirtschastliche Notlage Oesterreichs zu lindern. Oesterreich Hobe bin reichende llnterstützung(?) erhallen, es habe die gröhten Schwierigkeiten überwunden und habe jetzt weniger.zu klagen als die übrigen Ztachsolgestvaten der österreichisch-ungarischen Monarchie(??). Im übrigen müsse Oesterreich seine.Absatzmärkte nicht nach der Seite Deutschloibds erweitern, sondern nach den östlichen Staaten, mit denen es eine aktivere.Handelsbilanz habe. Es sei auch seihr Zweifel- hast, ob die österreichische Landwirtschaft Vorteile aus dem?ldkonim«n ziehe» werde. Vom Standpunkt der österreichischen Londwirtschalt aus sei die Zollunion mit Deutschland nicht zn verteidigen. Das Abtmnmeu solle zwar allen anderen Staaten zum Beitritt assen stehen, ober Deutschland werde sich sicherlich nicht damit einverstanden erklären, daß sich die Agrarstaaten Osteuropos anschließen. Es sei auch unmöglich, daß Frankreich dem Abkommen beitrete, wen» es-uichi den Nu in mehrerer seiner Industrien öul sich nehmeu wolle. Las' Zollbündnis zwischen Deutschland und Oester- reich könne also nicht als Eiilleirung zu einer c u r ö p öisch e n Union angesehen werden. E» lauf« vielmehr auf.die. Vildung eines prolektianistischen Slaalenblock» �' hinaus, der anderen protektionistischen Staatenblocks entgegengesetzt werden solle. Das europäische Problem könne nur durch«ine gemein- same Atiion möglichst aller Staaten gelöst wenden/ Der nächste Interpellant, der Linksrepulblikaner Fougäre führte aus, daß das deutsch-österreichifche Abkommen zugleich eine Verletzung des Friedensvertrages und des Völker- bundspaklcs darstelle. Hoffentlich werde Briand mit einem energischen Nein die Rückgängigmachung des Abkommens verlangen. Di« allmählich« Annahenmg der Völker dürfe nicht durch derartige gssähriich« Initiativen, wie sie die Zollunion darstelle, ver- hindert werden. Andererseits dünste die Organisation Europas auch nicht zur Folge haben, daß sich die übrige Welt gegen Europa auf- lehne. Die Regierung müsse der Kammer genau auseinandersetzen, welche Maßnahmen sie gegen die Durchführung des deutsch- ystereichischen Planes zu ergreifen gedenke. Nach einer kurzen Pause erhielt der radikale M'gcordnete Margain« das Wart, der die Regierung über ihre Außenpoltck und über die Vorteile, die D e u t s ch l a n d z u n» Nachteil Frankreichs aus ihr Hab« ziehe» können, interpellierte. Im weiteren Verlaus der Kammcrdebotte nahm als letzter Redner des Donnerstags der nationalistische Abg. Pbarnegaraq das Wort. Pbarnegaray charakterisierte das deutsch-österreichifche Abkommen als das kühnste Unternehmen gegen die srisdliche Orga- nisation Europas und als die erste Herausforderung Deutschlands an die siegreichen Mächte. Der Außenminister Briand sei trotz seiner ständigen Zusammenarbeit mit deutschen Staatsmännern non der deillsch-österreichifchen Vereinbarung voll- kommen überrascht worden. Merkwürdig sei. daß die fron- zösischen P o t s ch a s t« r in Berlin und Wien dennoch noch nicht abberufen worden seien. Das Zollbündnis sei nur die Maske für einen früher oder später durchzuführenden p o l i- tischen Zusammenschluß der beiden Länder. Deutschland träume wie vor dem Kriege wieder von einem M i.t t« l e u r o p a, dos die Unterwerfung ganz Europas unter die germanische Macht bedeuten würde. In Frankreich sei das ZIbkomrbe» allgemein gemißbilligi worden, a» ß e r v o n den Sozialisten, d'« zwciscllos ihre Gründe fjjr diese Haltung noch darlegen würden. Wenn« r, der Redner, einen Preis für den s ch ä r hst e n'P r o t e st auszütellen hBt«, dann würde er ihn Herr iöt aussprechen. Frankreich wünsche, daß der Friede respektiert werde.(Vrlond lebhast:„Er wird respektiert. Sogen Sie mir, wann das nicht der Fall gewesen ist.") Der Redner schloß mit den Worten:„Frankreich" ist ein erstes Mal durch die Unterstützung von Mächten gerettet worden, die nicht ein zweites Mal dazu bereit sind. Darin liegt das Drama, über das ich sie reislich nachzudenken bitte." Die Debatte wird am Freitognachmittog fortgesetzt. Noch keine Broipreissenkung Handelt es sich um Kleinigkeiten? Die Lage vergehen, aber die Brotpreise gehen nicht herunter. Es wird verhandelt und verhandelt. Von Wir, k u n g e n merkt man nichts. Die Bäcker bleiben hartnäckig. Herr Schiele scheint sich uni den Ernst der Log« sehr wenig zu kümmern. Er mißachtet weiter das Gesetz und tanzt Herrn Brüning auf der Nase herum. Bei den agrarischen Roggensroiztkqmpsern sucht man die Brot- Preisfrage um so mehr zu bagatellisieren, je politisch gesöhr- l icher wird. Herr Schiele und die„Deutsche Tageszeitung" tun so, als ob es sich uni einen Stunn im Wastsrglos und um Kleinigkeiten handele. Was sind 2 Pfennig, was sind 4 Psenmg. meint die „Deutsche Tageszeitung" mit der Miene des Biedermannes. Wir -oben schon vor einigen Tagen festgestellt, daß es um eine 3 u m m e von 60 bis 100 Millionen Mark geht. Wip ügen heute hinzu, daß die 4 Pfennig bei einer vierköpfigen Ar- beiterfamilie jährlich eine Verteuerung um 16 Mark bedeuten, wahrlich genug bei der heutigen Ratzest! während der Lohnabbau Triumphe feiert und Millionen Erwerbslose von Pfennigen leben müssen. Das sind keine Kleinigkeiten. Ist es auch eine Kleinigkeit, wenn das Gesetz mißachtet wird? Noch nichts ist bis letzt erreicht. Auf der Börse ist zwar der Roggcnpreis gestern eine Kleinigtest zurückgegangen unjd der Preis für Roggemnchl ist im Durchschnitt gestern wieder um 25 Pfennig auf 27,65 M. zurückgegangen, nachdem er vorgestern um 30 Pfennig gesunken war. Gestern wurde gemechet, das Reichs- ernährungsministerium hoffe in zwei Tagen die Derhand- lu ngen abschließen zu können und wolle noch in dieser Woche den Erfolg herbeiführen. Kann irgend jemand glauben, daß bei solch lächerlichen Auswirkungen auf der Börse in.so kurzer Zeit ein Erfolg möglich ist? Wenn nicht Roggen in Massen aus den Markt geiqorfen wird, was wir immer wieder gefordert haben lind was möglich ist, wird ein ausreichender Erfolg sicher nicht bald zu qrzielen fein. Tatsache ist. daß vom März bis April der Brotpreis in Berlin um 5,6, in Breslau um 6,3, in Magdeburg um 7,4, in Potsdam um 8,3, in Duisburg-Hamborn um 9,1, in Kassel um 12,9 und in Liegnitz gar um 21.4 Proz. gestiegen ist! -Wir haben festgestellt, daß die Regierung am 21. April, alz in Berlin die erste Brotpreiserhöhung von 46 aus 48 Ps. vor- genommen wurde, sofort die Brotprcisfrage hätte mtt Erfolg losen können, wenn sie augenblicklich ausreichende Roggenmengen aus ihrem Bestand auf den Markt geworfen hätte: denn vom 15. April bis Zum 21. April, wo die Brotpreisechöhung erfolgte, war eine Mehlpreissteigerung von nur 15 Proz. je Doppelzentner eingetreten. Das wäre die Pflicht der Regierung gewesen, aber wir wissen ebenso, daß man damals im Reichsernährungsministerium die Brotpreis st ei gerung als Frage ganz untergeordneter Art behandelt hat und daß man ganz leichtfertig das Uicheil heranwachsen ließ. Bon dieser Art, die Brotpreisfroge und die Mißachtung eines Gesetzes auf die leichte Schulter zu nehmen, ist man auch heute im Reichsernährungsmmisterium noch nicht frei. Auch heute besteht die Nejgung, daß man Gesetz Gesetz sein läßt und die agrarische Roggenfront für wichtiger hast als die nationale Hungxrfront und beschlossene Gesetze. Die Reichsregierung hat sich für die volle Wiederherstellung des asten Brotpreises, für Berlin von 46 Pf., verpflichtet. Die Frage wird immer dringender, was Herr Brüning gegen Herrn Schiel« zu tun gedenkt. Reichsdefiztt: �,2S Milliarden. Da» Reichssinonzmlaisterium teilt mit. daß sich für da» Steuer- jähr ISZO/Zl im ordentlichen Haushalt ein Fehlbetrag von 9SS.S Millionen Mark ergibt. Zm auherodmllichen Etat wird der Fehlbetrag aus 201 Millionen angegeben, so daß sich da» Gesamt- desizil aus über 1250 Millionen beläusl. Die schwebende Schuld war bis Ende des Steuerjahres(31. März 1931) auf 1709,5 Millionen angewachsen. präfidenienwahl in Frankreich. Oer Kampf vm Briands Kandidatur. Von 8. Onunbaoh. Paris. Ansang Mai. Am Dienstag ist die Kammer nach einmonatigem Öfter- Urlaub wieder zusammengetreten. Damit ist das Zeichen ge- geben worden für den Beginn des auf den 13. Mai festgesetzten Endkampfes um den allerhöchsten Stuhl im Elysc-e, u m die Pr ä s i d e n t s ch a f t der Republik. Seit dem Krieg war es stets der Rechten gelungen, ihrem K a n d i- d a t c n zum Siege zu verhelfen. Im Jahre 1924, nach dem Wahlsieg der Linksparteien und der Vertreibung des Ver- trauensmannes der Nationalisten, des Herrn Alexander Millerand, aus deni Präsidialpalast, schien es einen Augen- blick, als ob die Linke imstande sein würde, einem eigenen Mann in den hochwürdigsten aller weitlichen Sessel zu ver- helfen. Hätte sich die Linke im entscheidenden Augenblick schneidig genug gezeigt, so wäre der damalige Präsident des Senats, Gaston Doumergue, Ex-Ehrenpräsident der radikalsozialistischcn Partei, sicherlich gern in ihrem Namen und Austrag Staatschef geworden. Aber die Linke hatte sich auf P o i n l e v c festgelegt und Hielt an seiner Kandidatur fest, auch als nicht mehr die geringste Aussicht bestand, ihn durchzubringen. So wurde Doumergue der Erwählte oller Rechtsparteien, mit denen er sein ganzes Leben lang nichts zu tun gehabt hatte... Die Folgen davon machten sich rasch bemerkbar, als dos Linkskartell und das Kabinett Hcrriot dem Ansturm der vereinigten Geldfitrsten und kirchlichen Würdenträger zum Opfer fielen und der neue Präsident, Herr Doumergue, sich der Rechten gegenüber nur allzuerkenntlich zeigte, dadurch, daß er. mit allen Mitteln die Rückkehr Poincaräs an die Spitze der Regierung betrieb. Jedes Jahr wurde die Freundschaft zwischen Doumergue und den Rechtskreisen enger, so daß es als ein logisch erscheinender Abschluß seiner Präsidentschaft erschien, als er vor wenigen Wochen, in T o u l o n, die letzte Gelegenheit einer öffeut- lichen Kundgebung vor seinem Ausscheiden benutzte, um eine Rede zu halten, deren Ton und Grundorientierung unzwei- deutig gegen die von dem Linkskartell eingeleitete und von Briand weitergeführte Außenpolitik gerichtet waren. Die gesamte nationalistische Presse, von der royalistischen „Actiyn Fran�aise", die im allgemeinen sämtliche republika- nische Staatsmänner in der wildesten Weise zu beschimpfen pflegt, diesmal aber Worte hoher Anerkennung fand, bis zu faschistisch-chauvinistischen Blättern des Parfumfabrikanten Coty und des klerikalen Generals de Castelnau, die seit Jahren Briand als„Landesverräter" brandmarken, hat Doumergue „für seine mutige Tat" zugejubelt. Das hat insofern eine günstige Folge gehabt, als die Linksparteien dadurch zur Erkenntnis gezwungen wurden, daß der Kampf um die Neubesetzung des Präsidenten Postens'vor allem ein Kampf um die auswärtige Politik Frankreichs sein wird. Der Mann vomQuaid'Orsay, der seit Monaten von seinen Freunden umsonst bedrängt wurde, endlich zu sagen, ob er das Präsidialrennen mitzumachen gedenke, spitzte die um ihrer hohen Empfänglichkeit willen weltberühmten Ohren und ließ Vertraute eine neue Sprache ver- nehmen: „Eigentlich fühle ich mich nicht recht geschaffen dafür. Ich habe die Empfindung, noch so vieles hier im Auswärtigen Ministerium und in Genf zu tun zu haben... So mitten drin die Arbeit liegen lassen, das will mir nicht passen! Aber wenn es den Herren von der Rechten unter aller- höchster Anführung etwa darum zu tun sein sollte, die aus- wärtige Politik, so wie ich sie seit Jahren verfolge, in den Mittelpunkt des Kampfes zu rücken, und wenn sie gedenken, mich bei der Präsidentenwahl so nebenbei„mit- erledigen" zu können, da werde ich mir es doch über- legen und, wenn ich es für nötig erachte, mich selber zur Wahl stellen. Dann werden wir ja sehen...!" So ungefähr sprach in stillen Gemächern A r i st i d e Briand, während draußen, auf alle Mauern der sechsund- dreißigtausend Gemeinden Frankreichs, der Propaganda- apparat des Herrn de KSrillis Plakate klebte, die zum soundsovielten Male— diesmal unter Berufung auf die deutsch-österreichifche Zollunion— Briand als Agenten antifranzösischer Interessen schildern. Kaum war auf zahllosen Umwegen es den einen oder anderen zu Ohren gekommen, daß Briand seinen Widerstand aufzugeben und berest und entschlossen wäre zu kaudidieren, Ausschuß der Verdächtigungen. Aus dem Roggenstühungs-Llntersuchungsausfchuß. Jp der heutigen Sitzung' des Roggen st ützungs- aitsschusse's sollte die Frage geklärt werden, ob die staatliche StützlNgsftelle bei dem Verkauf von Eosin-Roggen einzelne j)ändler- gruppe.v bevorzugt hätte. Besonders vom Prooinzhandel wurde Klage geführt,.daß fast ausschließlich Berliner Firmen mit dem Vertriebt des EosinMoggens beauftragt waren, nicht aber die den Absatz d�s Futtergetreides schon lange Jahre betreibenden 5)ändler in Bremen und Hamburg. Von dem deutschnationalen Herrn St Ubbendorfs wurde dies natürlich benutzt, um der öffentlichen Wirtschaft wieder eins auszuwischen und den privaten Handel als weit überlegen hinzustellen. Von dem Sachverständigen der Hamburger Handelskammer mußte aber zugegeben werden, daß der Prorrinzhandel keine sehr großen Mengen auf einmal kaufen konnte. Da aber die Etützungsstelle große Mengen absetzen mußte, um nicht in Schwierigkeiten zu kommen, wurde an Berliner Firmen, die sich bereit erklärten, das ganze Quantum abzunehmen, der Roggen verkauft. Dies ist aber erst erfolgt, nachdem man versucht hatte, den. Provinzhandel heranzuziehen. Ihm ist dasselbe Quantum zu den gleichen Bedingungen angeboten worden. Die Provinz- Händler konnten sich aber nicht entschließen und verlangten außerdem noch einen Preisabschlag von 5 Mark. Der Sachoer st ändige der landwirtschaftlichen Genossenschaften beteiligte sich an dieser Hetze gegen die öffentliche Wirtschaft nicht und erklärte, daß auch die Genossenschaften tatsächlich nicht so große Mengen Roggen aufnehmen konnten. Die Zentralgenossenschaft Oldenburg, die größte der in Betracht kommen- dem Genossenschaften, hat ebenso wenig wie andere beteiligte Ge- nassenschaften über ungenügende oder nicht rechtzeitige Beteiligung zw klagen gehabt. Weiterhin wurden von Herrn Stubbendorff die Ge- schoste der Deutschen Getreidehondelsgesellschast mit«inigen Berliner Firmen in ganz übler Weise angegriffen und behauptet, daß leicht- fertig große Mengen Roggen an sie verkauft worden wären, ohne daß die betreffenden Firmen kapitalkräftig genug gewesen wären. Do» dem Zentrumsabgeordncten Crone-Münzt».brock wurde er, aber zurechtgewiesen. Dieser führte aus, daß map endlich auf- hören müßt«, irgendwelche Firmen auf ein bloßes Gerücht hin zu verdächtigen und damit schwer zu schädigen. Sonst kämen wir dahin, daß eine anständige Firma überhaupt nicht mehr bereit ist, mit öffentlichen Gesellschaften, die mit der Regierung in engeren Beziehungen stehen, in irgend- welche geschäftlichen Verbindungen zu treten. Durch diese Ausführungen wurde die Situation,«die in diesem Ausschuß herrscht, schlaglichtartig erhellt. Die Deukschnatio- na l e n, die Nazis und die W i rt s ch a f t s p a r t e i l« r ver- suchen bei jeder Gelegenheit, die öffentliche Wirtschast bloßzustellen. Es geht in diesem Ausschuß nicht um die LUärung von Tatsachen, sondern um die Aufdeckung von angeblichen und meistens ganz un- erheblichen Skandalgeschichken, durch die das Fiasko der öffenllichen Wirtschaft erwiesen werden soll. Diese Kampfstellung gegen die öffentliche Wirtschaft wurde auch schon in der vorletzten Sitzung offenbar, als ein Direktor der Preuhenkosse forderte, daß u n- bewiesene Behauptungen, von denen, die sie leichtfertig geäußert haben, wieder zurückgenommen werden sollen. Ganz empört über diese Zumutung fanden die Deutschnationalen, Wirt- schastzparteiler und Kommunisten in trautem Verein nicht scharfe Worte genug, um dieses doch gewiß nicht unbillig« Verlangen zurück zl�veiscn. Unerhört benahm sich auch heute der Nazi-Abgeordnete Koch, der einen Angestellten der Deutschen Getreidehandelsgesell- schaft unter Eid ausfragte, ob er die Geschäfte seines Direktors für falsch halte und kritisiert hätte. Dieser Vertreter der National- sozialistischen Arbeiterpartei wollte also einen Angestellten in Gegenwart seines Direktors zwingen, unter Eid ihn selbstverständ- lich in seinem Fortkommen behindernde Aussagen zu machen. Ein wahrhast idealer Arbeitervcrtretcr. Bon den anderen Ausschuß- Mitgliedern wurde dies auch gebührend gewürdigt. da brach in der Rechtspresse ein Sturm derWut aus, der ebenso wild wie tomisch war; devn man hörte deutlich hinter dem vaterländischen Brausen die Ueberzeugung, daß. wenn Briand Kandidat wäre, er auch gewählt würde. Heute darf man wohl versichern, daß Briand Kandidat sein wird, obschon er noch keine offizielle, endgültige Erklärung abgegeben hat. Und doch sehen nicht nur einige seiner engeuen Ber- trauten, sondern er selbst seinem plötzlichen Ber.- schwinden von der Genfer Völkerbundsbühne, von der Spitze der europäischen Studienkommission, von de? Völker- bundsratssitzungen, das heißt dem Ende seiner direk- ten Einwirkung auf die außenpolitischen internationalen Geschehnisse nicht ohne Sorgen entgegen. Ist Briand erst einmal ins Elys6e eingezogen, so wird zwar die große Autorität, die er hat, ihm erlauben, auf jeden Außenminister, wie dieser auch heißen möge,, einzuwirken. Am„Tatort" selber, z. B. auf der Weltabrüstwngs- konferenz, wird er jedoch nicht mehr erscheinen können. Es hat eine ganze Anzahl von Politikern gegeben, die, aus diesen Gründen, nach reiflicher Abwägung des Für und Wider, ur- sprünglich sich für den Verbleib Briands im Ministerium des Auswärtigen ausgesprochen. hatten. Das war wohl auch anfänglich Briands Standpunkt. Nun haben jedoch sowohl die europäischen wie die französi-- scheu Dinge einen Lauf genommen, der eine Verschiebung mancher Faktoren herbeigeführt hat. Und die Zahl der- jenigen, die aus Zögernden zu Befürwortern der Kandidatur Briands für die Staatspräsidentschaft werden, wächst im Linkslager von Tag zu Tag. Für die Linksparteien spielen dabei außerdem gewisse Erwägungen im Zusammenhang mit den im Früh- jähr 1932 stattfindenden Kammerneu- wählen eine große Rotte. Sie haben die Hindernisse nicht vergessen, die ihnen nach dem Wahlsieg vom 11. Mai 192-1 durch den von der Rechten erkorenen Präsidenten Doumergue in den Weg gelegt wurden und die, zum Teil, stark genug waren, um den Lints-Wahlspruch des französischen Volks lahmzulegen. Sie haben auch nicht vergessen, daß es im Laufe der gegenwärtigen Legislaturperiode, bei den aus- gebrochenen Ministerkrisen,' dem geschickten Manövrieren des Präsidenten der Republik Doumergue zu„verdanken" war, wenn es der Rechten immer wieder gelang, sich am Ruder zu erhalten. Run haben alle Nachwahlen, die in den letzten anderthalb Jahren im ganzen Land stattfanden, darauf hingewiesen, daß die Wahlen 1932 den Linksparteien, in erster Linie den Sozialisten, günstig sein werden. So erscheint es klug und natürlich, daß die Linksparteien den Wunsch haben, einen Mann ins ElysHe zu bringen, der ihnen, wenn die neue Kammer sie zur Macht bringen sollte, auch innenpolitisch keine Schwierigkeiten machen würde. Da Briand seit Iahren erklärt hat, daß er eine konse- quente Durch- und Weiterführung der auswärtigen Politik, für die fein Name hierzulande ein Symbol geworden ist, auf- die Dauer.nicht für möglich hält, wenn nicht eine aus- gesprochene Lintsmehrheit und eine Links- regiorung dahinter stände, so bietet er, beinahe automatisch» sowohl auf dem Gebiet der auswärtigen als der inneren Politik jene Garantien, die von den Linksparteien für not- wendig erachtet werden. Gerade deshalb verspricht der Kampf um den Präsi- dentenposten um so heißer zu werden. Ob er noch am 13. Mai selber ernsthaft toben wird, das hängt von den andern Kandidaten ab, die bereit bleiben, in die Arena zu steigen. Sobald Briands Kandidatur offiziell fein wird, muß man damit rechnen, daß manche Namen, die in der letzten Zeit genannt wurden, verschwinden. Paul P a i n l e v 6 hat nie verborgen, daß er nicht gegen Briand Kandidat sein werde und gerne bereit sei, diesem seine Stimme zu geben. Aehnliches hatte der Scnatspräsident Paul Doumer, der im allgemeinen(wenn Briand nicht kandidiert hätte) als aus- sichtsreichcr Kandidat galt, erklärt: ob jedoch Herr Doumer sich tatsächlich zurückziehen würde, steht noch keineswegs fest und allerlei Gerüchte schwirren umher. Ob es der hochgebildete Reaktionär und Justizminister L�on B � r a r d wagen wird, das Rennen mit Aristide dem Vielerfahrenen aufzunehmen, scheinen heute Leute zu bezweifeln, die vor zwei Wochen geschworen haben, daß Bärard unter allen Umständen Kandidat sein würde. Frankreich wartet! Noch ist die Wettstimmung nicht in die Fieberregionen gestiegen. Sobald das Parlament wieder zufammenscin, die Austric-Enquetekommission ihre Untersuchungsarbeit wieder aufgenommen, die Kammerfrak- tion ihre Sitzungen wieder begonnen haben und die Tages- Zeitungen jedem politischen Hüsteln, jedem parlamentarischen Geflüster ihr überlautes Boulevardechv verleihen werden, muß man mit einem raschen Steigen der Temperatur rechnen. Einstweilen sitzt im Quai d'Orsoy ein Mann, der es noch immer„nicht eilig zu haben" scheint... Diskontsenkung auch inAew Aork Die deutsche Zieichsbank kann folgen. Die Vundesrcserveliant von Tlew Dorf hat ihre» Diskoni von 2 aus(1� Prozent gesenkt unö ist damit Boston und Philadelphia gefolgt,«n Diskont von iy2 Prozent ist in der Geschichte de» Kapitalismus noch nicht dagewesen, wenn auch die Furchtbarkeit der Weltwirtschastskrise»ich« deutlicher gekennzeichnet werden kann al» durch diese unerhörte Billigkeit de» Geldes, so ist doch auch für die deutsch« Beuhfdank der weg zur Diskont- frukung jetzt noch freier al» bisher. Aber: 20 Millionen Mensche» sind ohne Arbeil und auch da» Geld in den reichsten Löndern ist arbeitslos. Die Widersprüche de» kopttakifitschen System» können auch nicht deutlicher gemacht«erden. Gefrierfleischklage abgeiviesen. Die 36. Zivilkammer des Land- gcrichts I in Berlin hat im G e f r i« r f l e i s ch p r o z e ß die Eni- schödigungsfordcrung der Kläger abgewiesen. Di« Kosten des Rechts- streits haben die Kläger zu tragen. Es ist anzunehmen, daß die Kläger gegen dieses Urteil die Entschädigung der übergeordneten Instanz anrufen. Auf nach Leipzig! Massendemonstration zur Eröffnung des Parteitags. Der Bezirksvorstand der Sozialdemokralischen Partei Leipzigs teilt mit: „Gegen Faschismus und Diktatur, für die Demokrake, für die Republik, wider den Kapitalismus, für den Sozialismus demoustrierl die Sozialdemokratie anläßlich des Parteitages am Sonntag. demZl. Mai. nachm. ZUhr auf dem Augustuspläh lu Leipzig. Alle auf dem Boden der Sozialdemokratie stehenden Organisationen. Partei, Gewerkschaften, Arbeilersportler, Arbeiterfänger, Arbeiterjugend, Kindersrcunde. Reichsbanner und Genossenschaftler nehmen an der Kundgebung teil! Drei Mitglieder der Sozialistischen Arbeiter- Zaleraationole werden am Mikrophon sprechen. E» muß ein» Riesenkundgebung werden, die die Macht-und Stärke der Sqgialdemokralie dem Gegner deutlich vor Augen fük>rt. Die Kundgebung soll ein warnungszeiche« für die RsakKonäre oller Schattierungen— hugenbergianer, Nationalsozialisten. Faschisten. wehrverbände. Stahlhelm—. eine wuchtige vemonslratian für den Sozialismus sein. Darum laden mir die sozialistische Acbeiterschosl Sachsens und die der um Leipzig liegenden Länder ein. sich in Masten au dieser Kundgebung zu beleilige«. Alles Nähere teilen euch die Parteiorganisationen des Bezirks mit. Auf nach Leipzig! Gnischeidungen veriagi. Nächste Kabinettssitzung Sonnabend.— Nur außen- politische Fragen. Die nächste Sitzung des Rcichskabinctts wird voraussichtlich am Sonnabend stattfinden. Sie wird lediglich den a u ß e n p o l i- tischen Fragen gewidmet sein, die durch die, bevorstehend« Tagung des europäischen Studienkonütccs und des Aölkerbundsvates in Genf aufgeworfen werden. Der Gbnnabend gilt in unterrichteten Kreisen als letzter Termin für die Behandlung der Außenpolitik, da in den ersten Tagen der kommenden Wach« einige Mitglieder des Reichskcckinetts nicht in Berlin anwesend sein werden und mn Mitt- woch der kommenden Woche die deutsche Abordnung nach Genf ab- reisen muß. Mit der Erledigung der sozialpolitischen und f i n a n z- politischen Reformen rechnet man auf jeden Fall nicht mehr vor den Genfer Tagungen. Bon gut unterrichteter Seite ver- lautet, daß die Rcichsregicrung damit sogar bis zur Rückkehr des Reichskanzlers und Außenministers aus Ehequers warten wolle. Zweiie Kürzung der Neamiengehälier? Stellungnahme des gefchästsführenden Vorstandes des Deutschen DeamtenbundeS. Der geschäftsführende Borstand des Deutschen Beamteitbundes beschäftigt« sich in seiner Sitzung vom 7. Mai eingehend mit der beamtenpolitischen Lage und nahm einstimmig folgende Eni- schließung an: „Der geschäftsführcnde Vorstand des Deutschen Bcamtenbundes lehnt jede weitere Heravsetzung der Bezüge der Beamten mit aller Entschiedenheit ob. Insbesondere macht er mit allem Ernst auf die schweren Gefahren aufmerksam, die durch ein« nochmalige Kürzung der Beamtenbezüge hvrausbeschworen werden." Die richiige Mischung. Allgemeine Keilerei von Stenneslevten, Hitlerleuten und Kommunisten. Wuppertal. 7. Mai. Di« Wuppertalek Nationalsozialisten, Richtung Stenn« s, »eranstoltcten gestern in Elberfeld und Barmen öffentliche Bersamm- lungen, zu denen zohtreiche Kommunisten und Hitler» Leute erschienen waren. In der Elberfelder Versammlung kam e» zu einer allgemeinen Schlägerei, die sich auch fort- setzte, als die Polizei eintritt. Zahlreiche Personen wurden sistiert, nach Feststellung ihrer Personalien aber wieder freigelassen. Auf der Straße setzte sich der Tumult fort, so daß die Polizei ver- schiedentlich erneut einschreiten mußte. Besonders stürmisch ging es in der Funkenstraße und am Hofkamp zu. Dort hatten sich über 209 Personen angesammelt, die die Polizei mit dem Gummiknüppel auseinandertreiben mußte, dabei sollen auch Schüsse gefallen sein. Ob es sich aber um scharfe oder Schreckschüsse handelte, ließ sich nicht einwandfrei feststellen. Hiiler für Locarno. Er verzichtet auf die Zievision des Dersailler Vertrags. Ein Sonderberichterstatter des„Daily Expreß" hat in München eine Unterredung mit Hitler gehabt. Nach dem Bericht des„Dolly Expreß" hat Hitler dabei ausgeführt: „Er v ell: lä ü z e nicht die W jede che rfl e I l u n g de r deutschen Äorkrie g S g r c nzen, auch nicht d i e Rü ck- gäbe der verlorenen Kolonien. Wer er fordere, daß Deutschland gleichberechtigt behandelt werde. Die überschüssigen Millionen Deutschlands müßten die Möglichkeit hoben, sich in den weiten Räumen an den östlichen Grenzen auszudehnen. Mau müßte ihnen gestatten, die Hilfsquellen auszunützen, die jetzt in- solge der bolschewistischen Mißhcrrschast brach lägen." Das ist die Anerkennung des Locarno-Pcrtrags. der Verzicht auf Elsaß-Lothringen in aller Form? Warum führt die Parte! des Herrn Hitler immer noch Radoupropoganda gegen die Locarno- Politik, wenn ihr Chef selbst sich aus den Boden des Locarno-Der- trag» stellt?, Die Aeußerungen des Herrn Hitler bedeuten eine bemerlens» wert« Schwenkung. Er steht nicht mehr mit dem Rücken gegen Osten, das Gesicht nach Westen, sondern gerade umgekehrt. Man könnte beinahe sagen, Lzerr Hitler habe sich zu Herrn Rechberg bekehrt! Der Vollständigkeit halber fügen wir hinzu, daß die Leröffent- lichung des„Daily Expreß", die bereits mehrere Tage zurückliegt. von Hiller in keiner Weise bestritten worden ist. Sic wird also still- schweigend al? authentisch anerkannt.> Ein Schimpfheld. Lärm im Württembergischen Landtag. Stuttgart. 7. Mai. lEigeubericht.) Am Donnerstag wurde der kommunistische Abgeord- nete Vollmer wegen gemeiner Flegeleien von den VerHand- lungen des Württembergischen Landtages mit Hilfe der Polizei aus- geschlossen. Es war das erstemal, daß im Württembergischen Land- tag Polizei zur Aufrechterhaltung der Ordnung einschreiten mußte. B o l l m e r benahm sich am Donnerstag während der Plenor- sitzung immer und immer wieder gegen mehrere sozialdemokratisch« Abgeordnete ausfallend. So rief er dem Abgeordneten Geiger fort- gesetzt zu:„Schuft, Lausbub, dreckiger Hund, ich hau' dir in die Fresse" usw. Als er mit seinen Flegeleien auch nach dreimaliger Verwarnung durch den Präsidenten Pflügcr nicht aufhärte, wurde er aus dem Saal gewiesen. Vollmer leistete der Aufforderung, den Saal zu verlassen, unter dein Einfluß seines Fraktionsvorsitzendcn Schneck jedoch keine Folge, so daß der Präsident die Sitzung auf 5 Minuten Unterbrach Als Vollmer noch Ablauf der Pause immer noch aus seinen» Platze saß und auch der Ausforderung der Land- tagsbeamte», den Saal zu verlassen, nicht entsprach, wurde die Sitzung abermals unterbrochen. Dann griff die Polizeiwache ein. Plötzlich gab der radaulustige Vollmer klein bei. Er ließ sich ohne Widerstand aus dem Saal führen. Dann konnten die VerHand- lungen ungestört zu Ende geführt werden. Arbeiierlieder in der Philharmonie. Zweites Fefifonzert des DAS. Auch das zweite Festkonzert zur 10-Iahr>Feier des DAS. nahm einen schönen, erhebenden Verlauf. Motto des Programms war ..Das Arbeiterlied in der R e u z e-, t". Tiessens„Ruhe und Ordnung", Eislexs bekannte„Bauernreoolution" und die Ehor- leistung des Beriiner Lendooi-Chors waren die stärksten Eindrück« de» künstlerisch reichen und erfolgreichen Wends.£. E, Massenerschießung am 1. Mai. Französisch«! KolonialmilitSr gegen Eingeborenenfeiern. 1p atis, 7. Mai. sEigeaberichk.) Der sozialisiische„Populoire" und die kommunistische„huma- nile" veröffentlichen ein von einem Rechtsanwalt in Saigon fZndo- chinaf eingegangenes Telegramm, in dem mUgeleilt wird, daß am l. Mai DemonsiralionsMe mm Eingeborene« an verichiedenen Orlen Annams mit Gewehrschüssen empfangen worden sind, durch die mehrere Hunderl Eingeborene getötet worden seien. Die Truppen hotten dagegen nicht die geringsten Verluste zu beklagen gehabt. Das Telegramm protestiert gegen das Vorgehen der Behörden und verlangt die sosortige Entsendung einer parlamentarischen Unlcrjuchungstommission. Diese ZRachiicht stellt Leon Blum im..Papula irc" den bei der Eröffnung der Kolonialausstetlung gehaltenen Raden gegenüber, in denen betont wurde, daß Frankreich durch sein« koloniale Tätigkeit die Wohltaten der AioUisation um sich verbreitet habe. Der Sozis- listenfiihrer erklärt, daß zwar an diese Behauptung etwas Wahre, sei. daß aber der Begriff Kolonisierung auf dem von den Sozialisten verurterlten Prinzip der der Ungleichheit der Rossen beruhe. Leon Blum verlangt daher weniger Feste und Reden, ober mensch- liche G-rechligkelt gegenüber den kolonialen Bevölkerungen. Mrche und Republik in Spanien. Der frondierende Erzbisch of von Toledo. Madrid, 7. Mai. Der Primas von Spanien, der Kardinal-Erzbischos von Toledo, fordert die spanischen Katholiken in einein chirten- lchrciben noch einem Hinweis auf die großen Verdienste des Könige um die Kirche und den Staat auf, energisch für Ord- i:ung und die Rechte der Kirche einzutreten, die über allen Re- gicrungsforrnen stehe und sed« Regierung der Ordnung anerkenne. Der Kardinal weist auf die großen Schwierigkeiten hin. die Spanien bevorstehen und dos Eintreten aller für das gemeinsame Ideal nötig machen. Ms Vorbild mchchnt er Bayern(!) im Lahre 1919. Ein Sieg Snowdens. Neveinfchätzung von£7 gegen 55 Stimmen sich gegen die von der Regierung beabsichtigte Erteilung der sog. Lille- borgkonzessson ausgesprochen hotte, � Er hake geschafft! Krylenkc $$/ Krylenko wurde russischer Lustizminister. Die neue Krebsbekämpfung. Oie Arbeit Dr. Bendiens. Wir werben darauf aufmerksam gemacht, daß der Name deö holländischen Arztes, der gleichzeitig mit einem englischen welehrten an der neuen Krebsbekämp- fung arbeitet, nicht geheimgehalten wird.«i■UcehrBChtM Staffen WMtk tM&uen Maß für 11.39.- _«twcUleßlich aasarer da t Uefa« Zulatam— Tadelloser Bits.— BoBhaarrararbaltunc! Aus unssraa Stofffun... von V9 Mark an mnkielder-Aniertigung Gegr. 1819 Zentrum: tClosferef roße 85 AAoobit: Solinger Sfrofie 9 Osten: Frankfurter Allee 354 Westen: Augsburaer Straße 43 Eingang Papiergeschäft Norden: Chausseestr. 4/ Fladen] Oberschane weide: Siemensstraße 14 Neukölln: Pflügerstraße 76 Schöneb«Lra-Fnedenau: Hauptstr. 99 Tegel: Bruno wsfraße 49 Tempelhof: Kaiserin-Augusta-Str. 71 Siedlung Holländer Hoppedarfen Parzesien von Rm 900-™ Wasser und Licht vorhanden Verlangen Sie Prospekt vom Verkaufsbüro.— Führung idglfch, auch Sonntags, vom Verkaufsbüro in der Siedlung, Verl Niederheidenstrahe. Tel. Neuenhagen 2604— Sonntags Wagenlreilahri vom Bhi Hoppegarfen .1 Bonbonnieren .. 7)„M Schönborn- Pralinen ----- lutw W Schokoladen Eigene Fabrikation— Filialen in Groß-Berlin und den Vororten Nr. 212» 48 Jahrgang Freitag, S. Mai �931 Ssn«s««n in Alt-Berlin Freilegung des„Hohen Hauses" von 1356. Bei den Abritzarkeiten in der K l o st e r st r a ß s. die für«inen Eroeilerungskou des WercheimwareNhauses vorgenommen werden, ii: ein« CiUdeckung gemacht worden, die für den Erforscher der Ge- schichte Berlins von größtem Interesse«st. Das alte Haus, Kloster. straße 76, in dem sich einst die Landrä-Weißbierstuden befanden, ist bereits bis zum ersten Stockwerk abgerissen. Beim Abschlagen von Putz entdeckt« man in der Mauer einen gotischen Tor» bogen. Es stellte sich heraus, daß in dem alten Hau» Mauer» reste jener alten martgräfltchen Residenz enthalten sind, die im Jahre 1ZS6 gebaut wurde. Kaiser Karl lV.. der bekannt- lich seine Residenz in Tangermünde errichtete, ließ dieses Gebäude aufführen, Das Haus ist unter dem Namen.Lohe» Haus" in der Geschichte Berlins bekannt Es ist kein Hochhau« in unserem heutigen Sinne, aber mit seinen drei Stockwerken und dem hohen gotischen Giebel, der zur Klosterstraße hin lag, überragt« es bei weitem die niedrigen, meist einstöckigen Häuser der Umgebung. Der Eindruck der Höhe wurde noch dadurch unterstützt, daß das Hau» nur 4,5Q Meter breit war. Mau hofft, bei weiterem Abbruch durch Freilegen der Grundmauern einen genaueren Einblick m die Anlag« des Hauses zu bekommen. Bus jetzt sind schon einige wichtige Funde gemacht worden. Drei bi« vier Fenster-, bzw. Türöffnungen sind freigelegt. Wunderschöne Formsteine, alte märkische Ziegel- steine großen Formate mit einer Zierleiste, sind eine ganze Reihe gefunden worden. Leider ist die Entdeckung erst gemacht waren, nachdem die spitz zulausenden Giebelmauern bereits ob- getragen worden sind. Da aber die Klosterstraße im Laufe der Jahrhunderte durch Aufschüttungen ein ganzes Stockwerk höher ge- legt wurde, befindet sich also noch ein ganzesStockwerkdes alten Hauses unter der Erde. Dielleicht erlebt man noch einige tleberraschungsn, wenn man auf die Grundmauern stößt, die vielleicht aus einer noch früheren geschichtlichen Epoche herrühren können. Wie also feststeht, hat Friedrich I., 1686 etwa, die alt« markgräflich« Residenz umgebaut. Die massiven Mauern de« alter. Baue» sind dabei also stehengeblieben. Di« Leitung de« märkischen Museums ist bereits kurz nach Bekanntwerden der Entdeckung an der Abbruchstells mit Untersuchungen beschäftigt. Es wäre zu wünschen, daß die Reste d«s Baues, ehe die Abbrucharbeiten be» endet werden, von dem anhaftenden Putz befreit werden, damit die Struktur der darunterliegenden Mauer den Augen des Forschers freigelegt wird. Berlin ist so arm an Denkmälern, die von seiner Geschichte erzählen, daß es sich wirklich verlohnt, die geringen Mittel, die zu dieser Arbeit notwendig sind, aufzubringen. Der freigelegte Torbogen in der Kloeierstraße mit den Resten der MarRgraienresidenz ans dem Jahre I3S6 Luwelenraub aufgekläri. Gefährliche Sande hinter Schloß und Niegel. Der Zaweleuraub ln der Kaaoalerstraße 11, bei dem die Täler am vergangenen Montag werte im Betrage von 15 000 M. erbeuteten, ist durch die Festnahme der fünf- käpflgen Lande» ans deren Konto eine ganze Reihe von Raubüberfällen der letzten Zeit kommen, restlos auf- geklärt worden. Durch die schnellen Dsrnehmungen kamen die Kri-minalkom» misfare Nebe und Kollath in den Besitz wertvollen Spuren Materials. Nacheinander gelang Schlag auf Schlag die Festnahm« der Der- brechsr. Die Verhafteten sind der 24jährige Ehausteur Johanne« R a d k e. der 35jährige Händler Leo Jakubowski. der 47jährige Franz Spernau und der 23 Jahre alte Ehauffeuk Oskar Ret- ner. Nach dem fünften Banditen, einem 24jährigen Topegierer Oskar Paulich, wird noch gefahndet. Fast die gesamte Beut« aus dem Iuwelenraub wurde in der Wohnung des Händlers I ak u- b o w f k i in der D r a g o N« r st r. 16 gefunden. In der Polsterung eines Sessels waren die Edelsteine versteckt. Als Haupttäter ist Spernau anzusäen, der seinerzeit bei dem gelungenen Raubüber- Koman aas dem Uftf ariKhes Tön Alexacder röft Sacher-Maioek. Armes Tierchen! Er sah so aus wie ein kranker, kleiner Säugling. Vergebens hüllte ihn Mister Jack in sein Winter- röckchen, umsonst nähte Frau Griselde Pelz und Watte darauf, seine kleine Fratze fror dennoch auf diesem Weg. Und während der Vorstellung mußte auch er sein dünnes, rotes Kleidchen anziehen. Er war erkältet, räudig, nieste. hustete und oersteckte sein Köpfchen traurig vor dem kalten Wind in Mister Jacks Achselhöhle. Wir erreichten den Hypodrom. Ich hatte auch früher schon die Köpfe meiner Kameraden in den Fenstern der Tenne erblickt. Aber jetzt bemerkt« ich, daß ihr Beispiel befolgt wurde und auch von der hier ver» sammelten Handwerkerjugend immer mehr und mehr auf die Tenne kletterten. Es war nicht verräterische Absicht! Ich selbst erwartete vielleicht am aufgeregtesten das herbeiströmende Publikum und die Verkürzung der Komödianten durch Gratiszuschauer empörte mich. Genug, ich lenkte Freddys Aufmerksamkeit aus die Tenne. „Die Schurken!" Freddy sah ärgerlich hinauf. Aber dabei wäre es vermutlich geblieben. Zufällig stand jedoch Gignore Robelly neben uns und als auch er die neugierige Jugend erblickte, nahm er die Sache ganz anders auf. Dieser Signore Robelly war auch sonst«ine heftige, ewig spöttelnde und geizige Figur. Cr sagte gleich zu Freddy. daß man so etwas nicht ohne weiteres hinnehmen dürfe und ergriff sofort seine Reitpeitsche, rief Freddy zu sich und nun traten sie aus dem Hypodrom vor die Tenne hinaus. Ich beobachtete die Sachs vom Eingang her: Was wird geschehen? Es kam mir der Verdacht, daß meine Spiel» kameraden chren Verrat als meine Rache auffassen würden, was ja zum Teil auch stimmte., „Herunter! Herunter!" horte uh Robellys erregtes fall auf das Mietbüro der Cäcillengärten in Schönebsrg eins erheblich« Rolle spielte. Spernau war der einzige, der sich den: Zugriff der Polizei bisher hatte entziehen können. Als er in einem Lokal in der Lottumftraße verhaftet wurde, trug er zwei scharf geladene Pistolen in seinen Taschen. Di« Band« ist weiterer Ueberfälle bereits überführt. So ist festgestellt worden, daß auf ihr Konto auch der Bandenüber- fall. auf den U-Bahnhof Onkel Tom» Hütte und der Ueberfgll aus die Kassenb oten des Arbeitsamtes in KcnckSdorf. wo 8O00 Mk. erbeutet wArdon, kommt. LleberfaN im Fleischerladen. Täter mit IlK) Marl entkommen. Ein verwegener Raubüberfall wurde gestern ans die ?> 7jährige Inhaberin der Schlächterei Moses in der Üüdea straße 11 in Spandau verübt. In den Nachmittagsstunden erschien unter der Maske eines Kunden ein etwa 36jähriger Mann, der für 46 Pfennig Wurst verlangte. Als Frau Moses auf ein Fünfzigpfennigstück herausgeben wollte, griff der„Kunde" blitzschnell in die Laden» Geschrei zu den Tennenfenstern hinauf. Das war freilich erfolglos. Gerade, daß ich diesmal kein Gelächter oder Spötteln droben erlebte. Sie zogen sich einfach aus den Fenstern zurück. Da sehe ich plötzlich, daß Signore Robelly zur Cisentür der Tenne tritt. Was bedeutete es für ihn. sich hinaufzu- turnen! Kaum legte er seine Hand an den oberen Riegel, sprang er auch schon durch das Fenster hinein. Man vernahm nur einen kurzen Wortwechsel und etwas Lärm, im nächsten Augenblick drängten sich bereits oben im Tennenfenster meine Kameraden in großer Hast gemeinsam mit der Hondwerkerjugend. Die Allerkühnsten ließen sich bei den Händen vom Ten- nenfenster herabbaumeln und sprangen hinunter. Solange. bis einer von ihnen auf der vereisten Treppe ausglitt, und zwar gründlich. Er griff sich mit beiden Händen an den Kopf und begann fürchterlich zu jammern. Dieser Anblick ließ die anderen oben zurückschrecken. Sie begannen zu beraten, wie sie gefahrloser hinunterkönnten. aber schnell. Aber in diesem Augenblick erschien Signore Robelly in ihrer Milte. Fluchend stieß er sie beiseite und blickte hin- unter, um den verunglückten Knaben zu sehen. Nun, der gab bereits in der Mitte des Platzes Fersengeld, unaus- sprechliche Segenswünsche zurückbrüllend. Freddy stand inzwischen ruhig neben der Treppe der Tenne. Jetzt ergriff Signore Robelly, offenbar vom nahen Vor- stellungsbeginn gedrängt, einen der Kerle am Kragen und ließ ihn im nächsten Moment vom Fenster niederboumeln, während er Freddy etwas zurief. Freddy stellte sich darauf oben auf die Treppe. Signore Robelüz ließ den Knaben hinuntersausen» Freddy fing ihn auf, stellte ihn auf die Füße und gab ihm noch einen Stoß mit auf den Weg. So reichte Robelly einen nach dem anderen herab, dar- unter Kerle, die um einen Kopf größer waren als Freddy. mit schrecklichem Gebrüll alle jene hervorrufend, die sich in der Tiefe des Bodenraumes verkrochen hatten, vielleicht da- mit rechnend, unbemerkt zu bleiben. Signore Robelly sprang schließlich nach dem letzten Passagier einfach vom stockhohen Tennensenster auf die Erde. All dies ging fast lautlos und in großer Eile van statten, zum Gaudium des vor dem Hypodrom versammelten Publikums. lasse und packte ein Bündel Banknoten, das zu einer Zahlung bereit lag. Geistesgegenwärtig schob die Schlächtersfrau die Schublade wieder zu, so daß di« rechte Hand des Räubers eingeklemmt wurde. Dann ergriff Frau M. ein langes Schlächtermesser, um die Fausthiebe des Verbrechers abzuwehren. Der Räuber halle jetzt eine Handvoll Pfeffer hervor und warf ihn der Frau ins Gesicht. Die Ueberfallene muhte, von Schmerzen gepeinigt, loslassen und der Täter konnte mit seiner Beute von rund 766 Mark flüchten. Der Bursche, der etwa 1,86 Meter groß ist. hat im Gefüllt einige Stichverletzungen davongetragen. Außerdem muß er an der Hand schwere Quetschwunden erlitten haben. Tragödie»er Kanalschwimmerin Meineid aus Liebe und seine Folgen. Breslau. 7. Mai. Eine eigenartige herzeuslragödie, in deren ZNilkelpunkl ein« bekannte Sportlerin steht, wurde in einer Verhandlung vor dem Breslau«? Schwurgericht aufgerollt. Die ehemalige Kanal. schwimm eriu und Rekordinhaberin Anni M.. ein 26jShriges Mädchen, hatte sich wegen wissentlichen Meineides zu verantworten. Fräulein W. war seinerzeit zu einem Breslauer Sportarzt, der ihr Training überwachte, in nahe Beziehungen getreten. Der Arzt war zwar verheiratet, doch lief um diese Zell schon ein Scheidungs- verfahren. Das Mädchen hatte zu ihm eine tiefe Zuneigung gefaßt und der Arzt versprach, sie zu heiraten. Als es dann zum Ehe- fcheidungsprozeß kam und auch die Beziehungen zwischen dem Gatten und der Schwimmerin zur Sprache gelangten, wurde Fräulein W. als Zeugin vernommen. Unter dem Einfluß des Arztes schwor sie, daß sie mit ihm nur ein harmloses Freundfchafts- verhällnis unterhallen habe. Auf Grund dieses Falscheides wurde der Ehefcheidungsprozeß zugunsten des Gatten entschieden, und die Frau, die ebenfalls Aerzttn ist, für den schuldigen Teil erklärt. Der Arzt verhejmlichte jedoch dann vor der Schwimmerin den Ausgang des Scheidungsprozesses und oerheiratete sich hinter ihrem Rücken mit einer technischen Lehrerin. Als Anni W. dann eines Tages von der Sache erfuhr, brach sie völlig zusammen und verriet alles der Gattin, die durch ihre falsche Aussage so schwer geschädigt worden war. Daraufhin wurde gegen sie die Anzeige erstattet und ihre Verhaftung angeordnet. Jetzt stand Anni W. vor den: Schwurgericht. Der Staatsanwalt beantragte-gegen sie eine Mindestftrafe von 6 Monaten Gefängnis mit Straifausfetzung. Das Urteil des Gerichts lautete auf 4�- Monate Gefängnis mit 2 Jahren Be- währungsfrist. Das milde Urteil begründete der Vorsitzende damit, daß nicht unehrlich« Gesinnung, sondern>mr Unerfahrenheit und der unheilvolle Einfluß des Arztes das Mädchen in den Kim> flikt wll dem Strafgesetz gebracht habe. Lteberschwemmung in Württemberg. Neckar über die llfer getreten. Skuttgart, 7. Mm Mottenbrüche habe» besonders im Bezirk Eßlingen großen Schaden angerichtet, ver Neckar ist dort auf weite Strecken über die User getreten. Bei dem Orte Ober- Eßlingen ström« da» au» den Wäldern kommende Wasser in wilden Fluten durch die Straßen. Ein beträchiltcher Teil des Ortes steht unter Waffe r. Einige Häuser mußten zeitweilig geräumt werdea, und die Feuer- wehr mußte zu Hilfe kommen. Die von Eßlingen neckaraufwärts | liegenden Gemeinden sind besonders schwer betroffen worden. Dort I muhte eine ganze Zahl von Häusern geräumt werden. Die Staats- straße von Sängen nach Psauhaaseu wurde gesperrt. Z« einem Teil der Gemarkung steht das Wasser bis zu 1.76 Meter hoch. Die Bäume ragen nur noch mit den Kronen aus dem Wasser. Dos Wasser steigt«och immer. Aber die Bengels sammelten sich unter Anführung jenes berüchtigten Bandi Hires auf dem Marktplatz um einen Steinhaufen und als Freddy mit dem Signore ins Hypodrom zurückkehrte, warfen sie unter wüstem Gebrüll mit Steinen nach ihnen. Aber weder Robelly noch Freddy beachteten sie weiter. Mich jedoch erspähte Bandi Hires im Eingang des Hypodroms und drohte mir mit der Faust. Dies geschah vor Beginn der Vorstellung. Abends schickte mich mein Vater, wie fast täglich, in die Kneipe an der nächsten Ecke um Wein, natürlich auf Pump. Bandi Hires wohnte im dritten Haus neben uns und hier mußte Ich vorbei. Ich war gerade am Rückweg, als aus dem Gartentor plötzlich Bandi Hires vor mich hin sprang: „Da bist du ja, Kujon?" begann er,„jetzt habe ich dich. Du konntest das Maul nicht halten, weil wir in der Tenne waren?" Vor Entsetzen konnte ich kaum meckern: „Schwöre, daß ich's nicht war! Frage gleich, wenn du es nicht glaubst!" wimmerte ich. Doch Bandi Hires hatte mich beim letzten Wort bereite am Kragen und zog mir zwei Knallends.hinter die Ohren, so daß mein Hut von meinem Kopfe sprang und mir die Flasche entfiel. Das Korbgeflecht schützt« st« zwar vor dem Zerbrechen, aber sie war ein willkommener Grund zu meinem mörderi-' fchen Gebrüll, um Bandi Hires vor weiteren Tätlichkeiten zurückzuschrecken. Damit wäre meine schmähliche Niederlage besiegelt ge- wesen. Aber jetzt tauchte ganz unerwartet Freddy in unserer austür auf. Anscheinend hatte er heute an Stelle seines ntels das Kamel gefüttert und wurde von meinem Gebrüll herbeigelockt. Er lief schnurgerade und drohend auf Bandi Hires zu. Der war um einen Kopf größer und stämmiger und wäre schon aus Schamgefühl nicht geflohen, er, die Geißel der ,,Was tust du hier?" schrie Freddy ihn an. Und ehe Bandi Hires eine Silbe aussprechen konnte, ergriff Freddy irgendwie seine Hand und mein berühmter Raufbold brüllte schon mit gebeugtem Rücken, sich schmerzlich windend: „Laß mich los! Aul Ich schlag dir den Schädel ein!" Freddy sah ihn gar nicht an, sondern sagte zu mir: „Ohrfeige ihm geben? Wieviel? Soviel ihm geben sofort. Na!"(Fortsetzung folgt) morder Rems Uber seine Tal Die beiden Schwestern weifen nichts gewußt haben. Der Geldbrieflrögermörder Rein» hat, wie bereits kur, berichtet, in Genua bald noch seiner Verhaftung ein Gestäudais seiner furchtbaren Tat abgelegt. Gestern nachmittag teilten die nach Genua entsaudten Berliner Kriminalkommissare telephonisch Einzel- Helten daraus mit. Reins gibt zu, zwei Tage vor dem Morde das Zimmer in der Gossowstr. 10 gemietet und am 1. Mai die betagte Wirtin m i t fingierten Austrägen fortgeschickt zu haben. Als der Geldbriefträger Schwan erschien, habe er chn hinterrücks angefallen und gewürgt. Schwan, ein kräftiger Mann, Habe sich zur Wehr gesetzt und in dem sich entspinnenden Kampfe habe Rems das Bleirohr ergriffen und den Beamten niedergeschla- gen. Die Schwestern des Reins sollen, wie cr behauptet, von dem Morde nichts gewußt haben. Bon der Beute will er jeder nur 400 Mark abgegeben haben. In dem Gepäck der älteren Schwester Sophie wurden aber 1800 Mark gesunden. Ob dieses Geld ein Teil der Beute ist, oder aus anderen Quellen stammt, stecht noch nicht fest. Reins sellist hatte noch etwa 1700 Mark bei sich. Die Verhöre werden fortgesetzt. Die frühere Braut des Reins, die er am Mittwoch von Genua aus durch den Fernsprecher anrief, hatte dos Verhältnis zu dem Mörder vor einem halben Jahre gelöst, weil sie ihn für einen arbeitsscheuen Menschen hielt. Am Mordtag«, dem 1 Mai, war sie abends auf dem Wege nach Hause und stand wartend an der Ecke der Schlüter- und Wilmersdorfer Straße, um die Straßen- bahn zu besteigen. Plötzlich trat Reins, mit dem sie nach Möglich- keit ein Zusammentreffen vermieden hatte, auf sie zu und sprach sie an. Sie sah, daß er ein zerkratztes Gesicht hatte, bekam aber eine ausweichende Antwort, als sie fragte, ob cr wieder in ein« Schlägerei geraten fei. Das Mädchen setzte die Unterhaltung nicht weiter fort, sondern bestieg die herankommende Bahn. Am Mittwoch wurde sie während der Arbeitszeit im Geschäft angerufen. Reins forderte sie auf, seiner Mutter Mitteilung zu machen, und ihm über den Stand der Dinge in Berlin zu berichten. Das Mäd- che» kürzte das Gespräch ab und hatte nicht im Sinne, an den frühe- ren Verlobten Briefe zu schreiben. Von dem Anruf aber mochte sie der Kriminalpolizei Mitteilung. Genua, 7. Mai. Die vorläufige Vernehmung der beiden Schwestern des geftän- digen Berliner Raubmörders Reins ist abgeschlossen worden. Beide Schwestern best reiten, von dem Mord gewußt zu haben. Auch Reins erklärt, seine Schwestern von der Bluttat nicht in Kenntnis geseht zu haben. Gegen diese Darstellung spricht u. a. der Umstand, daß die ältere Schwester einen größeren Zeil des Geldes bei sich trug. Die jüngere Schwester hat angegeben, den Ein- tön, er Erich wicht, unter dessen Nomen und mit desten visiteu- karte sich Reins in Berlin eingemietet hatte, feil längerer Zeit zu keuneil. Es sei nicht ausgeschlossen, daß ihr Bruder die Visitenkarte entwendet habe. Wie verlautet, bleiben alle drei Personen auf Antrag der Berliner Mordkommission in Haft. Die Auslieferung ist bereits auf diplomatischem Wege beantragt worden. Die Genuescr Polizei- direktion, wie auch der dorttge Frcmdenkommissar haben durch ihr schnelles Eingreifen in sehr anerkennenswerter Weise die Verhaftung des Raubmörders ermöglicht. Beisetzung des Moröopfers. Dos bedauernswerte Opfer des Mörders Reins, der Geldbrief- träger Gustav Schwan aus der Babelsberger Straße 12 in Wilmersdorf, ist gestern nachmittag unter riesiger Anteilnahme der Berliner Bevölkerung zu Grabe getrogen worden. Um IS Uhr setzte sich der Trauerzug, an dem sich annähernd 2000 uniformiert« Postbeamte beteiligten, vom Schau Haus in der Hannoverschen Straße, wo die Leiche»schwans auf- gebahrt war, in Bewegung. Die Straßen waren schwarz von Menschen, unzählige Tausende umsäumten die Bürgersteige zu beiden Sellen. Die Kopfbedeckungen sanken, als der Leichenwagen mll dem eichenen Sarg vorüberfuhr. Die Spitze des langen Trauerzuges bildete eine Musikkapelle der Postbeamten, daran schlössen sich die starken Kranzdelegationen der verschiedenen Postämter. Dann folgten die Kollegen des Ermordeten, erst ziemlich am Ende des Zuges kam der von vier schwarz verhängten Pferden gezogene Wagen mit der Leiche und in drei nachfolgenden Trauerkutschen die näheren Angehörigen. Nur langsam kam der Trauerzug in den Hauptverkehrsstraßen vorwärt-. Er passierte Alt-Moabit, das Knie in Charlottenburg, die Uhland- und Geisbergstrahe. Vor dem Postamt W. 30, der Wirkungsstätte des Toten, von wo er IS Jahre lang tagaus, tagein seinen Bestellgang erledigte, bis er durch Mörderhand fiel, machte der Zug auf kurze Zeit halt. Dann nahm der Trauer- zug seinen Weg weiter über den Bayrischen Platz, durch die Grüne- wald- und Berliner Straße bis zum Wilmersdorfer Ge- m e i n d c f r i e d h o f in der Barstraße. Obgleich der Leichenzug im Westen mit fast eineinhalbstündiger Verspätung eintraf— um 17.30 Uhr war bereits die Beerdigung auf dem Friedhof vorgesehen —, harrten auch hier viele Tausende geduldig aus, die dem Toten die letzte Ehre erweisen wollten. Am Grabe richteten nach der Predigt des Pfarrers im Namen der Behörden Präsident Gerbith und für das Personal und die Verbände der Vorsitzende K l e i n c r t letzte Abschiedswortc an den Toten. Nachwort zur Pepimcre. Die abenieuerlidie Geschichte eines City-Grundstücks. Der vor einigen Wochen im„Vorwärts" veröffentlichte Artikel „Visitenkarte der Weltstadt* hat ein mannigfaches Echo gefunden. So hat sich u. a. eine gutinformierte Persönlichkell gemeldet, die über das Schicksal des Grundstücks Friedrich- st ratze 130—141 nach dem Abritz der Pepiniöre authentische Aus- kunft geben kann. Danach erwarb im Juni 1912 ein Privatmann das Grundstück vom preußischen Kriegsministerium für den Bettag von OM Million Mark. Geplant war die Errichtung eines großen Hotels am Bahnhof Friedrichstraße, das„eine Attraktion erster Ordnung für die in Berlin ankommenden Fremden werden sollte*. Gleichzellig wurden Verträge abgeschlossen über den Zuerwerb des ehemaligen Gutmannschen Grundstück(Friedrichstratze 138) und mit der Eisenbähndirektion Berlin wegen der Erweiterung der Straße am Bahnhof. Kurz nach Verttagsabschluß traten jedoch die Balkanwirren ein, die niemand vorausgeahnt hatte und die alle gettoffenen Dis- Positionen über den Hausen warfen. Auf dem deutschen Bau- und Geldmarkt traten Verhältnisse ein, die den heutigen sehr ähnlich sahen. Die Banken erklärten sich außerstande, das in Aussicht ge- stellte Geld aufbringen zu können. Deshalb wurde damals mit der Regierung vereinbart, das Projekt zurückzustellen, bis sich die Ver- hältniss« am Bau- und Geldmarkt gebesiert haben würden. Die wirt- schaftlich« Lage spitzte sich aber nur noch weiter zu, und da der Fiskus dringend Geld brauchte, trat der Privatmann das Grundstück mit stiller Genehmigung des Kriegsministeriums an ein französisches Konsortium ob. Die französischen Archllekten entworfen einen voll- ständigen Bauplan, der u. a. auch den Umbau des Bahnhofs Friedrichstraße, die Nordsüdbahn sowie eine Verbindungsbahn zum Potsdamer Bahnhof vorsah. Die Verhandlungen der französischen Gruppe mit dem Magistrat, der Eisenbahndireltion und dem Zweckverbond verliefen zufrieden- stellend, bis die reaktionäre Presse eines Tages bei der ganzen Sache das berüchtigte Haar in der Suppe fand und eine lebhafte Agitation gegen den Bau einsetzte. Die Franzosen waren über diese Presse» sehde verärgert, die Verhandlungen mit den Behörden stockten, bis der Baubeginn unmöglich wurde, als am 1. August 1014 die folgen- schweren ersten Schüsse krachten. Das Kriegsministerium erklärte sich einverstanden, daß die ganze Sache bis Kriegsschluh ruhen sollte. Im Jahre 1916 wurde plötzlich der Privatmann, der das Grund- stück vom Kriegsministcrium erworben hotte und der auf selten der deutschen polllischen Linken stand, im Anschluß an eine Reise nach Rumänien in Schutzhast genommen. Durch dunkle Mackunationen Wochen 9 Millionen Mark zu zahlen(eine Viertelmillion Mark war wurde versucht, ihm das wertvolle Grundstück zu entwinden. So wurde er, als er in Schutzhaft saß, ausgefordert, innerhalb weniger bei Verttagsabschluß angezahlt worden) oder der Kauf sollte rück- gängig gemacht werden. Dem Einwand, daß das Grundstück Friedrichstraße 139— 141 inzwischen im rechtlichen Sinne Eigentum der Franzosen geworden war und daß sich dos preußische Kriegs- Ministeriums bereit erklärt hatte, die ganze Sache bis zum Friedens- schluß ruhen zu lassen, wurde nicht stattgegeben. Dos Grundstück ging in andere Hände über. Schließlich ging das Grundstück in die Hände der Berliner Verkehrs-A.-G. über. Trotzdem besteht französischerseits immer noch erhebliches Interesse an dem Grundstück. Allerdings soll jetzt kein Hotel mehr errichtet werden, fondern ein„Palais Francais*, das in Berlin als Werbe- und Ausstellungsinftitut für die französische Wirtschaft dienen soll. Die BVG. steht diesen, der deutsch- französischen Verständigung förderlichen Plänen sympachisch gegen- über. pofikäfienmarder vor Gericht. Sie fälschten die Postschecks und lösten sie ein. Vor dem Schöffengericht C h a r l o t t e n b u r g verant- warteten sich gestern zwei 30jährige, schwer vorbestrafte Angeklagte: Grobella und S w i n t a. Der erste l>ot bereits trotz seiner Jugend zehn Jahre Gefängnis hinter sich, der andere ebenso viel« Jahre Zuchthaus. Beide haben gemeinsam in der raffiniertesten Weise Monate hindurch in Wilmersdorf und Charlotten- bürg die Postkästen geöffnet, den Inhalt an Briefen an sich genommen und die Postscheck?, die ihnen in die Hände sielen, auf höhere Summen umgesälscht und beim Postscheck- amt eingelöst. Immer wieder liefen bei der Postbehörde Beschwerden über nicht zugestellte Briefe ein. Die Kriminalpolizei hatte bereits seit längerer Zeit den Verdacht geschöpft, daß beim Postscheckamt gefälschte Schecks eingelöst werden. Eines schönen Tages wurde im Postscheckamt eine Person verhaftet, die gerade wieder einmal einen gefälschten Postscheck einlösen wollte. So kam man hinter die Schliche und Ränke des Freundespaares Grobella und Swinka. Beim letzteren wurde auch das Werkzeug gefunden. das er zum Oeffnen der Postkästen verwendete. Er war g e- ständig und belastete Grobella. Dieser leugnete. Durch Zeugen- aussagen wurde aber festgestellt, daß er große Mengen von Briefen in seinem Ofen mehrfach verbrannt hatte. Auch wurden Kassiber im Ilnlersuchungsgcsängnis abgefangen, die für Swinka bestimmt waren. G r a b e l l a, aus Schlesien gebürtig, stammt aus äußerst ge- ordneten häuslichen Verhältnissen. Vater und Geschwister befinden sich sämtlich in guten Stellungen. Grobella selbst geriet im Jahre 1910 an einen homosexuellen Freund, der gemeinsam mit einem Postaushelser Briefen Rechnungen entnahm, sie quittierte und ein- kassierte. Grobella machte mit und wurde in verschiedenen Städten wie Breslau, Hirschberg, Berlin usw. im Alter von 20 Jahren zu einer Gesamtstrafe von zehn Iahren Gefängnis verurteilt. Etwa dreimal mußte er für je ein Jahr in der Irrenabteilung unter- gebracht werden. Hier lernte er Swinka kennen, mit dem er eine intime Freundschaft schloß. Swinka hatte im U n t e r s u ch u n g s7 gefängnis, in dem er sich wegen einer Diebstahlbeschuldigung befand, einen Mordversuch begangen und wurde zu zwölf Iahren Zuchthaus verurteilt. Auch er bekam während der Strafe einen„Knax" und mußte in der Irrenabteilung unter- gebracht werden, lieber den Geisteszustand beider Angeklagten werden Medizinalrat Dr. Wedicke, der frühere Breslauer Gefängnis- tirzt, und Sanitätsrat Dr. Leppmann gehört werden. Die Räuberhöhle in der Garienstraße. Oer blinde Frühling und seine Untermieter. Herr Frühling Ist ein bedauernswerter Mensch. Cr trägt um den Arm das gelbe Blindenband mit den schwarzen Punkten, hat im Krieg schwer gelitten, ist herz- und lungenkrank. Herr Frühling ist Besitzer eines Ladens in der Gartenstraße: er treibt Handel — aber nebenbei treibt er auch verschiedene andere Dinge. In seiner Wohnung über dem Luden und in seinem Keller unter dem Laden geht es wie in einem Taubenschlog zu: Junge Leute gehen und kommen. Sie sind bei Frühling in Kost und Logis,' zahlen für die Pension 3,50 M. pro Tag. Zuweilen sah man sie in Be- gleitung älterer Männer: einige. Zeit darauf torkelten die Männer aus dem Keller, dem einen fehlte die llhr,' dem andern das Ziga- Tfttenetui oder die Brieftaschen. Dann wieder kehrten die Burschen � zu nächtlicher Zeit heim, mit Paketen beladen: es waren Zigaretten oder Lebensmittel, die Herr Frühling für feinen Handel braucht. Vielleicht ginge da? geruhige Leben in den drei Stockwerken de« Herrn Frühling noch heute seinen vorgeschriebenen Gong, wenn die Kriminalpolizei nicht eines Tages aufmerksam geworden wäre. Was sich da offenbarte, war nicht ganz alltäglich. Der Keller des bemitleidenswerten Herrn Frühling war die reine Räuberhöhle. Seine Kostgänger holte er sich aus dem benachbarten Lokal, in dem Fürsnrgezöglinge und ander« abgeglittene Großstadtjungen durch ver- boten« Dinge ihren Unterhalt verdienten. Der Keller diente als Absteige und die betrunken gemachten Männer wurden.ge- fleddert*. Sie wußten nicht wie und waren wieder ckus der Straße und teils überhaupt nicht imstande, das Haus wiederzufinden, in dem ihre Taschen ausgeleert worden waren. Herr Frühling kannte für feine Logrsjungen auch andere Tips. Er schickte sie auf Ein- bruch au-, denn er braucht« Ware für feinen Laden, Lebens- mittel und Zigaretten. Die Beziehungen in den drei Stockwerken waren äußerst komplizierter Natur. Herr Frühling, obgleich Vater einer erwachsenen Tochter, und fast blind, hatte auch selbst ein Auge auf seine Untermieter geworfen. Und einer der Jünglinge war von leidenschaftlicher Liebe zur Tochter des Herrn Frühling erfüllt. Vor dem Schöffengericht Berlin Mitte veräntwor- tcten sich gestern außer Herrn Frühling neun Angeklagt«: darunter seine Tochter und die Braut eines der jungen Leute. Herr Frühling wollte von nichts wissen: er fei ein ehrenwerter Händler und Opfer falscher Bezichtigungen der bösen Buben. Diese legten aber los, nahmen kein Blatt vor den Mund und das Gericht glaubte ihnen. Herr Frühling, der bereits längere Vorstrafen hinter sich hat, erhielt 1 Jahr 5 Monat« Gefängnis, die übrigen Strafen bewegten sich zwischen 1 Jahr und 7 Monaten und 3 Mo- naten Gefängnis. Großer Dachftuhlbraud in Lichtenberg. Ein großer Dachstuhlbrand beschäftigte gestern naehnnttag drei Löschzügc der Feuerwehr in der Friedrichstraße 2 in Lichtenberg mehrere Stunden lang. Das Feuer vernichtete .den gesamten Dachstuhl sowie sämtliche Bodenkammern. Ueber zwei mechanische Leitern und das völlig verqualmt« Treppenhaus gingen die Löfchttupps mit vier Schlauchleitungen gegen den Brand- Herd vor. Di« Aufräumungsarbeiten dauerten bis in die spät«« Abendstunden hinein. Durch herabdringende Wasser- menge» sind in sämtlichen Wohnungen des dritten Stock- Werkes schwere Berwüstungen angerichtet worden. Die E n t st« h u n g s u r's a ch e ist noch Gegenstand der polizeilichen Ermittelungen. Easino-Thealer:„Graf Koks". Dem Papiersabrikanten August Schulze behagt sein bürgerliches Milieu nicht mehr und er strebt noch „Höherem*. Dabei gerat er an den Angelhaken der Komtesse von Rabenau, die samt ihrem Lzerrn Papa auf Fischsang nach einem reichen Freiersmann geht. Mit dem holden töchtcrlichen Blaublut muß der oute August Schulze auch noch den Herrn Grafen, sowie seiner gräflichen Gnaden hypothekarisch überlasteten Stammsitz ein- handeln. Damit aber nicht genug, hat der junge Ehemann laut gräf- lichem Hausgesetz erst noch eine„Probezeit* zu absolvieren: so lautet der Keuschheitsparagraph derer von Rabenau. Nachdem nun diese ganze recht kostspielige Angelegenheit so gar keinen Spaß zu machen verspricht, wird auch der Blinde schließlich sehend und wie er so im Kreise umhersieht, da findet er was Besseres und Amüsanteres. Cr verklopst die ganze gräfliche Chofe und in de? Käufers holder Nichte erblüht August Schutzes neues Eheglück: damit die Bäume nicht in den Himmel wachsen, sticht auch Onkel Bollcnbach der Hafer und wer wird seine Eheliebste? Niemand anderes als die verflossene Frau Schulze, geborene von Rabenau. Ewald Fiftcr als näselnder Herr Graf, Frieda Waller als fein Töchterlein Olympia, Bilda Litzek alias August Schulze und Edith Litzek als Nichte Paula sorgten im Verein mit allen übrigen Darstellern für einen vergnügten Abend. Im vor- angehenden Varietöteil sah man gute musikalische, tänzerische und akrobatische Darbietungen.___ Vier Opfer einer Kamilieniragödie. Eltern und zwei Kinder durch Gas vergiftet. Wiesbaden. 7. Mai. Der bei einer Versicherungsgesellschaft als Geschäftsführer angestellte öZjahrige Saufmann Ahlburg hat am Donnerstag sich, seine Frau und seine beiden fünf- und achtjährigen Kinder durch Gas vergiftet. Als die Tot, die wahrscheinlich auf einen Nervenzusammenbruch zurückzuführen ist. entdeckt wurde. waren die vier Personen bereits tot. Ahlburg hat offenbar im Einverständnis mit seiner Frau gehandelt. Mai in der Teala. Mit dem Maiprogramm der Scala haben wieder die Jackson-Girls ihren Einzug gehalten. Dann ist noch ein alter Bekannter da, der elegante und liebenswürdige„Lord Ain". Seine in ihrer Wandlungsfähigkeit unübertreffliche Stimme beherrscht samt- lich Partien einer Oper, vom tiefsten Bah bis zum höchsten Savran. Zellini ist ein lustiger Jongleurparodist mit wirtlich komischen Einfällen, und die gut aufeinander abgestimmte Carl-Dremo-Familie zeigt tkarische Spiele mit neuen Pointen. Snow-Ball steppt mit dem ganzen Temperament und der ganzen Hingabe, die nur ein Neger für das Tanzen aufzubringen vermag. Er verfügt dazu über eine schöne warme Stimme. Plastische Gruppen stellt Ferry Eoldar lieber den künstlerischen Wert läßt sich streiten, bemerkens- wert find dabei vor allem die Hunde, die wirklich wie aus Stein gemeißelt stehen. Togo ist ein rechnender Wunderhund, der feinem Dresseur Ehre macht. Peter Piet, ein Hamburger Komiker, erzählt lustige Späße und die Daunton-Shaw-Truppe sind Radfahrer von Qualität und Eigenart. Lokomotivführer totgefahren. Auf dem Hamburg-Lehrter Güterbahnhof am Spreeufer ereignete sich in der-vergangenen Nacht ein entsetz- lichcr Unglücksfall. Der Lokomotivführer G o e r k e aus Rosen- burgsgarten bei Hamburg(Dircktionsbezirk Altona) wollte die Gleise überschreiten. Dabei würbe Goerke von einem Rangier- zug erfaßt und aus der Stelle getötet. SftumtaasiMclxnmuc» In die Marl.-Am\0. Mai neranstottet das Bezirk«. amt Schllneberz wi.cdei' eine SBanienm«: Willielmahorst— Zerch—— Skrfrec. Abfahrt 7.53 Uhr Bahnhof(ilxJttaUcnbutfl. Austunft: Gncn. 2780. Schutz, vor Ansteckung besonders bei C rkSitu n g sgefohrM Gripp* U.5J*. Heute Bewag �Entscheidung. Die gestrige Stadtverordnetensitzung/ Um den Verkauf des Elektrizitätswerks. Die gestrige Stadlverordnetenfihvng brachte nicht die erwartete Entscheidung über die ZNagistratsvorlage. nach der die Berliner Elektrizitätswerke in ein neues gemischtwirl- schostliches Unternehmen unter dem Ramen Berlioer Licht- und Kraft- ZL-G. umgewandelt werden sollen. Die zweite Lesung über die Vortage wurde vertagt und wird heule nachmittag in einer außerordentlichen Stadtverordnetenversammlung vorgenommen werden, heute muß es aus jeden Zoll zu eiaem Beschluß de» Stadtparlameutes kommen. Wie die Stadlverordneten über die wichtige, für die weitere Jinanzgebaruug und die Selbstverwallung der Reichshauptstadt entscheidende Transoktion beschliehen werden, war gestern noch ungewiß. Kommt eine Mehrheit für die Vorlage in der Stadtverordnetenversammlung nicht zustande, so muß nach dem neuen Berliu-Gesetz anschließend eine gc- meinsame Sitzung des M a g i st r a t s und des S l a d t g e m e i n d e- a u s s ch n f f es stattfinden. Wird in dieser Sitzung auch keine Ver- slandigung zwischen den Orgauen der Stadtoertretung und dem Magistrat erreicht, so liegt die endgültige Entscheidung bei dem auf- sichtsführenden Oberpräsidenten. Die heutige Stadtverordnetensitzung beginnt um le?t Uhr, die gemeinsame Sitzung von Magistrat und Stadlgemeindeausschuß, die unter Vorsitz des Oberbürgermeisters tagt, ist für 19,30 Uhr angesetzt. * Für die große Zlu-sproche über den Abschluß eines Vertrage? zur Einbringung der städtischen Elektrizitätswerke in«ine neu zu gründende Gesellschaft, die den Namen Berliner Kraft- und Licht- Aktiengesellschaft führen soll, war vom Aeltesten- ausschuß der Stadtverordnetenversammlung eine Redezeit von einer halben Stunde vorge'chlogen worden. Im Plenum protestierten die Kommunisten dagegen, sie verlangten unbeschränkte Redezeit, was aber von der Mehrheit der Versammlung abgelehnt wurde. Daun beantragten die Nationalsozialisten die Vertagung der Aus- ivrache. weil das Projekt nicht genügend durchgesprochen sei. Die Nazis fanden aber für ihren Antrag nur die Unterstützung der Deutschnationalen und der Kommunisten und so wurde er abgelehnt. Ueber die Beratungen des für das Bewag-Projekt eingesetzten Ausschusses berichtete Stadtv. 3ochem(Staat-p.). Danach übernimmt das Konsortium die 67 Millionen Mark, die die Stadt als Anleihe ausgenommen und den Elektrizitätswerken zur Verfügung gestellt hatte. Fm Ausschuß ist erreicht worden, daß die Konzessions- abgab« von jährlich 16 auf 22, i Millionen Mark erhöht wird. Außerdem erhält die Stadt auf das von ihr eingebrachte Aktien- kapital eine Dividende von 10 Praz. und wenn— was wahrscheinlich ist— e>n höheres finanzielles Ergebnis erzielt wird, ein« „Superdioidende" von 40 Proz. des Mehrertrages. Als erster Redner lehnte Stadtv. Schwenk(Komm.) das Projekt ob, ihm folgte Stadl». Steiniger(Dnatl.), der dasselbe tast wobei er wieder seine bckaunten retliorischcn Mätzchen anbrachte,»schwenk klagte darüber, daß der Ausschuß über das Projekt nur beraten, nicht aber abstimmen durfte. Dazu ist sestzustellen, daß dieser Ausschuh mit den Stimmen der Sozialdemokraten und der Mittel- Parteien überbaupt erst mal eingesetzt wurde, daß aber damals die Kommunisten gegen den Bewag-Ausschuß waren. Wäre es also nach der Fraktion des 5>«rrn Schwenk gegangen, so märe nur der Magistrat zur Führung der Verhandlungen mit dem Vankenkonsortium befugt und die Stadtverordnetenversammlung völlig ausgeschaltet gewesen. So aber fungierte der Ausschuß als Kontrollinftanz und."wie das Endresultat erkennen läßt, mit gutem Erfolg. Herrn Steiniger darf man gegenüber seinen gestern gemachten Ausführungen vielleicht ins Gedächtnis zurückrufen, daß die angebliche„Mißwirtschaft bei der BVG." von seiner Fraktion gutgeheißen wurde. Die neuen Untergrundbahnlinien haben zum alletzgrößtcn Teil die Zustimmung der bürgerlichen Parteien gefunden und zwar zu einer Zeit, als die Berliner Verkehrsbetriebe noch Einzelgesellschaften— unter Mitbeteiligung privaten Kapi- tals 7— waren und die BVG. noch qar nicht bestand. Die Nord- Eüdbahn-Gesellschaft mußte die Ausführung übernehmen und später die BVG den Betrieb und auch die Lasten. Das ist die„Migwirt- schaft" der BVG. und der Stadt, nach dem Sinn des 5)errn Steiniger. Allerdings, das eins ist richtig: Für die Ubahnstrecke nach Friedrichsfelde, also in rein proletarische Bezirke, haben die Deutschnationalen nicht gestimmt! So war auch die ganze Rede Steinigers gegen das Bewag-Projekt zu bewerten. Nach den beiden Rednern der Oppositionsparteien war die Rednerliste schon erschöpft. Gegen die geplante zweite Beratung des Projektes wurde von den Oppositionsparteien Einspruch erhoben, so daß für gestern die Beratung beendet� war. Es findet also am beutige» Freitag eine zweite Sitzung mit der gleichen Tagesordnung statt, in der dann das Bewag-Projekt verabschiedet werden wird. Die Versammlung wandte sich dann der Beratung des 2. Nachtrages zur Biersteuer zu. Dabei konnte ein Antrag der Bolkspartei, die Vorlage bis zur Einbringung des Etats zurückzustellen, nicht zur Abstimmung ge- bracht werden, da das Haus beschlußunfähig geworden war. Die heutige Sitzung beginnt um 16?� Uhr. Das Strandbad am Wannsee. Das schönste Volksbad Europas— ein Denkmal sozialdemokratischer Arbeit. To viele herrliche Freibäder. Sportplätze und Purk» anlagen das neue Berlin unter sozialdemokratischem «nnslust seiner arbeitenden Bevölkerung auch geschaffen hat. das Strandbad Wannsee überragt sie alle, es ist das Schmuck st Lck der Reichshauptstadt, ein Denk» mal fozialdemokratischee Gemeindearbeit. Keine Stadt der Welt hat ein ebenso schönes, riesiges und in so reizvoller landschaftlicher Umgebung gelegenes Volksbad aufzuweisen. Jetzt präsentiert sich das Bad. das als einziges städtisches Freibad das ganze Fahr über geöffnet ist. wieder in neuem Gewände.' Wenn das Strandbad Wannsee seine heutige Gestalt hat, nicht nur von den Berlinern, sondern auch von Tausenden von Fremden jedes Jahr immer wieder bewundert, so verdankt es das nicht zuletzt dem unermüdlichen Eifer des sozialdemokratischen Direktors E l a j u s. Als neueste Errungenschast beherbergt das Bad ein kleines Museum, in dem die historische Entwicklung von dem früheren wilden Bad, in dem die Polizisten Jagd auf badehungrige Proletarier machten, zu dem heutigen riesigen Lolksbad dargestellt ist. Es ist sehr lustig, auf einem der Bilder den jetzigen Direktor des Strandbades zu sehen, wie ihn 1906 gerade ein gestrenger, mit Schnauzbart und' Pickelhaube versehester„Blauer".aufschreibt. Das Gebiet des Strandbades umfaßt heute mit dem Waldgelände, dem Strand und der Wasserfläche rund 5 70 000 Quadratmeter. 1930 besuchten über 1300 000 Menschen das Bad, die höchst« Be> sucherzahl war an einem Tag« 70 000, dazu kommen 437 Schul- klassen und 300 Ferienkiuder, die mehrere Wochen in der Ferien- tageskolome am schönen Wannseestrand zichringen konnten. Noch nicht ollen Besuchern und Freunden des Strandbades Wannsee dürste es bekannt sein, daß das Bad auch ein eigenes Postamt besitzt. Die großen schönen Promenaden, die sich oben auf dem Berge hinziehen und von denen man einen herrlichen Ausblick auf den Wannsee und rüber nach Eladow hat, sind mit über 200 Bänken»ersehen. Die neuartige architektonische Gestaltung des Bodes, die sich im vorigen Jahre den Berlinern zum erstenmal zeigte, haben wir im„Vorwärts" bereits gebührend gewürdigt. Bon besonderem Interesse ist noch die große eigen« Waschanlage des Bades, in der nach bestem hygienischem Bersohren sämtliches Badezug in kürzester Zeit gereinigt werden kann. Das R e t t u n g s> w e f e n ist vorbildlich ausgebaut, das Bad verfügt jetzt über vier Rettungsmotorboote mit vier Beibooten und zahlreichen Tauch- apparaten. Im vergangenen Jahre wurde von der Rettungsmann- schaft, an der auch maßgeblich der Arbeitersamaritcrbund betefligt ist, in 116 Fällen erfolgreich Hilse geleistet; 14 Menschen wurden von der Rettungsstation außerhalb des Bades sogar wäh- rend der Nacht aus schwerster Not gerettet. Zur Bequemlichkeit des Publikums warten viele segens- reiche Einrichtungen auf: die großen Garderobcnhallen mit Dauer- und Wechselkabinen haben auch gar nichts mehr gemein mit den allen Strohhütten, in denen man sich früher umkleiden mußte. Das große Strandrestaurant und die überdachte Galerie- st r a h e mit ihren Verkaufsgeschäften ist eine besondere Sehens- Würdigkeit am Wannsee. Was es noch zu bessern gibt. Der„B o r w ä r t s" Hot sich bereits früher des öfteren bemüht, bei der Reichsbahn ein größeres Verständnis für«ine Besserung des Verkehrs zum Strandbad zu erreichen. Wir hatten daraus hin- gewiesen, daß auch die Bezeichnung. des Bahnhofs, der. dem. Bad. am nächst.xn gelegen ist, näirüich des Bahichois Nikolassee, ostmols zu Irreführungen Anlaß gab, weil das Publikum oft fälschlich eme Station zu weit bis zum Bahnhof Wannsee fuhr. Wir können heute mit Freud« feststellen, daß die Reichsbahn den Bestrebungen der Bodcverwallimg sehr viel entgegenkommender als früher gegenüber- steht. Der Bahnhof Nikolassee Hot jetzt große Schilder erhalten, aus denen zum Aussteigen zum Strandbad aufgefordert wird. In sehr übler Beschaffenheit ist dagegen noch immer der Fuß- g ä n g« r w e g, der vom Bahnhof Nikolassee zum Eingang des Bades führt. Mit Recht klagen im Sommer die zahllosen Besucher, daß sie nach der Erholung am Wasser einen völlig stau- bigen, schmutzigen Weg zum Bahnhof benutzen müssen. Keine In» stanz scheint sich für die Beschaffenheit dieses Weges verantwortlich zu fühlen. Auf der anderen Seite wird aber der Badeoerwoltunq, die die Straße gern aus eigenen Mitteln neugestallen möchte, die Packang SOpig. Gross- Packung 1,30 RH. f&te i>er rmssen läßt. Erholungsaufenthalt für Schulkinder. Durch dos Bezirtsjugendowt Berlin»?,«mpelhaf, Berliner Straß« 40, 1 Trepp«, Aimnier 9, können auch in diesem Jahre Plätze in Heimsn an der Osts««, Nordsee und im Gebirge vermittelt werden. Dies« Vermittlung ist für Seldstzohler gedacht, die ihre Kinder auf«igen« Kosten und unter Zuhitsenohme der Versicherungsträger(Krankenkasse, Angestelltenoersichcrung) zum Gr holung s- ousenthalt unterbringen wollen. Auf Grund langjähriger.Er- sahrungen hat das Bezirksjugendamt Beziehungen zu den billigsten und destgelegenen Heimen in allen Teilen Deutschlands und ist gern bereit, für Kinder selbstzahlender Eltern Plätze zu vermitteln. eniem Soloszsne ..Ach „Mein /Bustav Rieß bringt ein« originelle Verwandlunasszene Eigenheim". Ein Terzett von Walter Seiler„Anzischen Liebe und Pflicht", vorgetragen von W. Seiler, Max N a u m a n n und Hans Rene, fand großen Applaus. Schorsch-Russelli gab diesmal seine Witze al« Wurstmax» zum besten.„Im Rosengarten der Liebe" betitelt sich«in lustiger Schwank mit Gesang und Tanz von R. I a« a« r. Im ersten Teil wurde ein„Modeatelier" gezeigt, »n welchem«chorsch-Russelli den verliebten Rentier Hannemann spielte. Im Aweiten Teil al» Amdr„Auf einem Maskenball", das Publikiun wälzt« sich vor Lachen, die Elite-Sänger konnten sich b«i langanhaltendem Beifall mehrere Male vor dem Vorhang zeigen. Di« Kleingarienkolonie„fteu-W erder", hinter dem Flughafen Xernpel hofer Ostfeld, macht auf die jetzt beginnende B a u m blute in ihren Gärten aufmerksam. Di« xclonie ist für jedermann zugänglich. Est, Eintrittsgeld wird nicht erhoben. Wie Kinder Zeitung lesen. Es ist Pflicht Jedes Juiigen HensiEieni am Lehen seine? Zeit teilzunehmen. V* Ein« großzügige und objektiv« Rundfrage de» �Deutschen Institut« für Zeituugskunde" in verlin will ganz ollgemein festzustellen versuchen, wie es um die Zeitungsleklüre des werdenden Rlenfchea steht, dessen Geist sich erst bildet, dessen Kops erst weg und Ziel sucht. Hunderttausend Fragebogen wurden an Volks. schulen und Gymnaste«. Lyzeen und Gewerbeschulen, Zugendoerbäatr- und Organisalionen gesandt. Ein großer Teil dieser Fragebogen ist bereits zurückgekommen und bearbeitet worden. „Personennamen nicht nennen", stand aus jedem Fragebogen: die Zlnonymität des Antwortenden sollt« gewahrt, jeder Gesinnung?- schnüffele« vorgebeugt werden. Die Jugendlichen von 12 bis 20 Jahren, denen die Blätter zur Ausfüllung vorgelegt wurden. hatten an Personalien nur Wohnort, Lebensalter. Geschlecht, Schul« und Berufsinteresien zu nennen. Dann folgten die Fragen:„Liest du ein« Tageszeitung? Regelmäßig? Gelegentlich? Liest du mehrer« Tageszeitungen regelmäßig oder gelegentlich? Welche Asstungen sind dies? Welche Tageszeitung wird in deiner Familie gehalten? Welch« Teile der Zeitung interessieren dich am meisten und warum? Wird die Tageszeitung in deinem Schulunterricht Herangezogen? In welchen Fächern? Welch« Stellung nimmt dein Lehrer der Zeitung gegenüber ein? Was hälft du persönlich von der Zeitung? Der Zweck dieser Fragen ist leicht ersichtlich. Einmal sollte der offiziellen Einjührung der ZeituNgslektüre in den Unter- r i ch t vorgearbeitet werden, wie von der sozialdemokratischen Pädagogin Frau Dr. Wegscheider-Ziegler mit guten Gründen propagiert wird; dann aber sollte sich ein Bild von dem Verhältnis der Jugend unserer Zest zur Presse«geben. Darüber Hinaue wurde natürlich ein Querschnitt durch die gesamt« geistig« Sstuation der jungen Generation sichtbar. Das bisherig« Ergebnis der Umsrag« zeigt die Tatsache. daß es unter den Jungen und Mädchen von heute fast überhaupt lein«„N ichtzeitungsleser" gibt. Von ISS4 höheren Schülern zwischen 12 und 18 Jahren teilen nur 27 mit, daß sie keine Zeitung lesen: 1556 sind regelmäßige, 471 unregelmäßige Leser, 437 lesen mehrere Blätter. Und mehr als 206 lesen nicht die in ihrer Familie gehalten« Zestung, sondern ein andere« Blatt, ein« bemerkenswerte geistige Selbständigkeit. Besonders interessant sind die Zahlen bei den Volks» s ch ü l« r n. Bon 455 Jungen einer Berliner Gemeindeschule lesen nur drei keine Zeitung. 274 lesen regelmäßig und 158 gelegentlich. 62 lesen nicht dos Blatt ihrer Eltern, 56 iisteressieren sich ständig auch für andere Blätter. Von 476 Volksschüterinnen lesen nur neun keine Zestung, 214 lesen regelmäßig. Von 564 Berufsschülern zwischen 15 und 18 Iahren lesen 8 keine Zeitung, 876 lesen rege!- mäßig, 86 lesen eine ander« als die im Elternhaus. Starke geistige Regsamkeit! Warum Zeitung gelesen wird, ist oft recht hübsch begründet. „Ich. lese Zestung, weil e? Pflicht jeden jungen Menschen ist, am Leben seiner Zest teilzunehmen!" wurde häufig geantwortet. D'« politischen Argument« finden sich am meisten; sie ergeben das Bild «>n«r polstisch geradezu ungeheuer akttvierten Jugend, die in allen össentlichen Dingen, an allen Vorgängen in und um den Staat teilzunehmen wünscht:«in« Generation, von werdenden Staats» bürgern: Staotsbejohung ist unvergleichlich viel mehr onzu- treffen al» Ablehnung de» bestehenden Staates. Eist« lang? Reih« der Antwortenden beschwert sich bitter über den ausfallenden Ton b-r Radau presse. Oft erfreut auch die Sachlichkeit vieler Antworten, aus denen,«in geistiges Bemühen um Verständnis für unser« in den Zeitungen gespiegelt» Zeit der Gesellschastsspannungen und Wirtschastskamps« ersichtlich ist. Nicht altklug, sondern einfach «« klug sind die Antworten vieler Arbeiterkinder, die wissen. daß es für sie noch ein zu erkämpfendes Ziel in, Leben gibt, wenn dieses Leben einen Sinn haben soll. Wie Zestung gelesen wird, ist recht eingehend beantwortet. Favorst aller Interessengebiet« ist natürlich der politische Teil des Blattes: dann kommt gleich der Sport- Unterhallung. Reportage und Unfallchronik stehen an nächster Stelle— letztere hauptsächlich dank den Mädchen. Sie lesen merkwürdig gern die Berichte über die Katastrophen, Straßenunfälle. Selbstmorde, Mord« und ähnliches. Auf die Frage, warum dieses Thema sie besonders interessiere, antworten si« u. a.:„Weil es so schön schaurig ist", „West ich mich selbst vor Unfällen hüten will" oder„Weil ich Mit- leid mit den Menschen habe". Die Herren vom Institut für Zeitungstunde hatten übrigens erwartet, daß die Mädchen alz be- sondere Jnterejfengebiete Heiratsanzeigen angeben würden. Roch ist die endgültige Bearbeitung der gesamten Rundfrage nicht möglich, da von den 166660 Bogen erst 60000 zurückgekommen sind. Die umfassende Hilf«, die in den Kreisen fortschrittlicher und vernünftiger Pädagogen der Durchführung der Rundfrage gewährt wird, erleichtert das schwierige Werk. Der moderne Lehrer weiß, daß die Zeitung«in unentbehrliches Hilfsmittel für jede Er- ziehungsarbeit darstellt— allerdings nur dann, wenn eigenes Wissen, Taktgefühl und möglichste Objektivität ihm selbst zu eigen sind._ Schuß dem Arbeiterkind. Eröffnung der 5 Kseinkinderfürsorgestette im Friedrichshain In den verflossenen Jahren ist es die katastrophale Raumnot im Bezirk Friedrichshain gewesen, die hemmend aus die Ausge- staltung und die Schaffung neuer sozialer Einrichtungen gewirkt hat. Der starke Geburtenrückgang und die besonders im letzten Jahrs angewachsene R o t in den erwerbslosen Familien machen es doppelt notwendig, jedes neugeborene Menschenleben«ingehend zu betreuen und zu pflegen und nach Mäglichtest den Eltern die Sorge um die Ernährung und Bekleidung ihrer Kleinen zu mindern. Die bisherigen im Bezirk geschaffenen zwei Fürforgestellen waren nicht nur seit Iahren überlastet, fondern, da sie in den Randgebieten des Bezirk» lagen, vielfach erst nach Zurücklegen eines langen Weges erreichbar. Um dies« Nachteile zu besettigen, war der zuständige Dezernent im Bezirksamt, Stadtrat Genosse Günther, eifrig bestrebt, an den anderen beiden Randgebieten des Bezirks zwei neue Beratungsstellen zu schaffen. Nach vielen Mühen und Kämpfen ist es ihm nun endlich gelungen, für den Stralauer-Tor-Bezirk am Mackgrafendamm 34 die dritte Fürsorgestell« zu eröffnen. Di« noch gellenden Spar- maßnahmen, die sich leider im Personaletat stark auswirken, ver- hindern zwar noch die volle Inbetriebnahme. So wird die Schwan- aerenbsrokung vorerst noch in den Räumen der Säuglingefürsorge- stelle in de, TMrbachstrahe abgehalten. Die ärztlich« Beratung der Säuglinge und Kleinkinder erfolgt jedoch jeden Dienstag und Frestag von 14 bis 15 Uhr durch die Stadtschulärzte Dr. Neuendorfs und Dr. C a h n Wir wollen hoffen, daß«« der ernsten sozialdemo» tratischen Arbeit, die im Bezirksamt Friedrichshain geleistet wird. bald gelingen möge, auch die so dringend notwendige viert« Für« sorgestell« in der Gegend de» Landsberger Platze» zu verwirklichen. V«rai,!e>ortli Loge zurückzuführen" sei.• Die Ermäßigung der Wertzuwachssteuer möchte er aber vor allem deswegen vornehmen, damit der in aus- ländischer Hand befindliche Grundbesitz in Jnlandsbesitz übergeführt wird. Von den 120 000 Berliner Häusern befinden sich noch 7300, also 6.25 Proz., in Ausländerbesitz. Dieser Prozentsatz ist hoch: er erscheint uns aber nicht so hoch, um außerordentliche Maßnahmen gerade in Notzeiten wie den heutigen zu rechtfertigen. Der Ausländcrgrundbesitz h a t schon in den vergangenen Jahren langsam obgenonunen und wird ahne Zweifel auch ahne Steuer- erleichterungen weiter abnehmen. Wenn es gelänge— was wir stark bezweifeln—, die Ausländer durch die Steuerermäßigung zu starken Verkäufen zu bewegen, so würde dieser Eisolg ein« Ab- Wanderung langfristigen Kapitals in einer Höhe von einer halben bis dreiviertel Milliarde Mark ins Ausland bedeuten, was auf dem Berliner Kapitalmarkt die Tendenz zu. Kapital- Verknappung und Zinssteigerung nur ver.stärken kann.. Und wenn auch bei dem Grundbesitzwechsel em. Deis des Kaufpreises in Gestalt von Hypotheken und Grundjchulden einfach „umgeschrieben" wird, sto bleibt doch eine Belastung der Zahlungs- bilanz in Höhe von mehreren Hundert Millionen Mark. Daß die Wertzuwachssteuer an sich die gerechteste aller denkbaren Steuern ist. mir» von keinem ernstzunehinenden Gegner der heutigen Form der Besteuerung bestritten. Besteuert wird nur der„unverdiente" Wertzuwachs, der dem Besitzer ohne fein Zutun meistens infolge von Maßnahmen und Aufwendungen de» Allgemeinheit(Stadtver- waltung)„zugewachsen" ist. In oer D o r l a g e an die Stadtverordnetenversammlung schlägt der Berliner Magistrat vor, die Wertzuwachssteuer auf die Dauer eines Jahres auf 10,Proz. zu ermäßigen in allen Fällen, in denen sie nach der jetzigen Ordnung höher als 10 Praz. wäre. Vcr- käujer, die weniger als 10 Proz. des Wertzuwachses zu zahlen hätten, erhalten überhaupt keine Ermäßigung: aber Derkäufer von Grundstücken, die jetzt 30 Proz. zu zahlen hätten— das find vor allem diejenigen, die in der Inflation gekauft haben—, bekommen nicht weniger als 66K Proz. ihrer Steuern erlassen. Und die Spekulation, die Grundstücke nach kurzer Zeit wieder mit Gewinn losschlägt und bisher schärfer als der„solide" Giundbesitzer be- steuert wurde, wird durch die Beseitigung der Staffelung genau so begünstigt— eine ganz unerträgliche Folgel Mogistrat und Steucrausschuß schlagen einige weitere Acnderungen der Steuerordnung vor, die man gutheißen kann: Besteuerung des Inflatlonsbefitzes nach den Staffelsätzen. schäl fere Steuerhaswng des Käufers bei Zwangsversteigerungen, Steuerfreiheit bei Umschreibungen von Grundstücksgcsellschasten auf Dachgesellschaften zur Beseitigung der Grundstücksgesellfchosten. Nicht geändert werden die Bestimmungen über die Ueber- nähme der Steuer durch den Käufer. In diesem Falle beträgt die Steuer aber nicht, wie die Interessenten(und merkwürdigerweise auch die Magiftratsbegriindung) behaupten, 39 Proz., sondern nur 2? statt 30 Proz.(bei Inflationsbesitz)— ein glatter Verstoß gegen die steuerlich« Gerechtigkeit! Die wahrscheinlichen Folgen für die Sladifinauzea. Das Auskommen an Wertzuwachssteuer ist von 19,3 Millionen im Kalenderjahr 19Ü9 auf 12,3 Millionen im Jahre 1930 zurück- gegangen. Würde die vorgeschlagene Ermäßigung auf 10 Pro;, angenommen, so würde das nach dem Stande von 1930«inen Rück- gang auf etwa 4,3 Millionen oder einen Ausfall von etwa 7,5 Mil- lionen Mark bedeuten. Da bei der Derfasiung des Kapitalmarktes mit einer wesentlichen Vermehrung der Umsätze nicht zu rechnen ist, so wird sich dieses Defizit auch durch erhöhtes Aufkommen der Grunderwerbs- st c u« r kaum verändern. Nach den Ausführungen des Stadtkämmerers im Steuerausschuß sind die in Frankfurt a. M. gemochten Erfahrungen keineswegs ermutigend. Die schlechte Finanzlage der Stadt Berlin zwingt zu Erhöhungen der anderen Steuern— eine Ermäßigung der Wcrtzuwachssteuer gerade in dieser Zeit wäre nicht zu verantworten. It. Z. Schacht wird Aufsichtsrat. Bei der Gesfürel.— Dem Verdienste feine„Kronen". An dem gleichen Tage, an dem die Berliner Stadtverordneten- Versammlung ihre Zustimmung zur Teilprinotisierung der Bewag erteilen sollte, ist Herr Dr. H j a l m a r Schacht in den Aufsichts- rat der Gesellschaft für elektrische Unternehmungen— Ludwig Loewc u. Co. A.-G.(Gesfürel)— gewählt worden, die am Berliner Geschäft beteiligt ist und immer der Vorkämpfer der. Privatisierung maf. Wir finden es durchaus in der Ordnung, daß dem Manne, der als Reichsbankprösident die rechtzeitige Aufnahme langfristiger Ausländsanleihen verhinderte und so die Kommunen dem„Wohl- wollen" und dem Privatisierungseifcr der Privatbanken und Elektro- finanzier? auslieferte, die verdiente Auszeichnung für feine Erfolge zuteil wird. Für das Jahr 1930 hat jedes Aufsichtsratsmitglied allein aus dem Gewinn 17 000 M.(!) Tantieme(ohne ßie feste Vergütung, ohne den Ersatz der Spesen) erhalten. In den Genuß dieser Tantieme von 17 000 M. jährlich für die„anstrengende Arbeit" eines Aussichtsrats wird also jetzt auch Herr Schacht kommen. Herr Schacht wird für die 17 000 M. im Klubsessel an einigen Sitzungen teilnehmen, derselbe Herr Schacht, der im Februar vorigen Jahr«? dem deutschen Arbeitsoolk das Ideal des Sozialrentners unterschob, dem schon mit der Geburt sämtliche Dersorgungsscheine in die Wiege gelegt werden. Im übrigen hofft die Gesfürel, daß das Bewag-Gefchäft„zur Verbesserung der laufenden Erträge(also wohl auch noch zur Ver- besserung non Herrn Schachts Bezügen) beitragen werde. Mit der Beteiligung non 10 Millionen Mark in.�-Aktien habe man sich in der Verwaltung der neuen Bewag einen erheblichen Ein- f l u ß gesichert. Wenn Herr Generaldirektor Oliven mit dieser Be- merkung nicht renommiert hat, wird wohl«ine Klärung zweck- mäßig sein. Oer Konsum im April. 1300 neue Mitglieder.— Millionen Mark Llmsah. Im April verzeichnete die'Konsumgenossenschaft Berlin einen Gesamtumsatz von 6052 922 Mark: die zurückliegenden zehn Monate des 32. Geschäftsjahres erbrachten«Inen Umsatz von 65 171 730 Mark. Die Zahl der in der Konsumgenossen- schaft Berlin zusammengeschlossenen Verbrauchersomilien erhielt einen weiteren Zuwachs vittch 1303 M i t g l i e d e r a u s n o h in e n. Im Geschäftsjahr 1930/31 haben bisher 23 702 Familien ihren Beitritt in die Genossenschaft erklärt: das zweite Hunderttausend der Ge- nossenschaftsmitglieder ist erheblich überschritten. In der konsumgenossenschaftlichen Sparkasse erhöhten sich die Einlagen»m 198 437 Mark: der Spareinlagenbestond hat mit 49 704 783 Mark die 5 0- Millionen-Grenze erreicht. Die genossenschaftliche Warcnvermittlung erfuhr eine Er- Weiterung durch Errichtung einer Fleischobgobestelle in Köpenick, Kietzcr Straße 15. Insgesamt verfügt nunmehr die Ge- nossenschaft über 381 Ab g a b e st e l l c n der verschiedensten Art (Lebensmittel-, Fleischabgabestellen, Warenhäuser, Manufaktur- warenabgabestellen, Möbelhaus): hinzu treten noch zwei Wander- abgabestellen. Irrsinnige Eisenwirtschast. Deutschland muß um 30 Prozent teurer stauen. Bezeichnend für die tollen Rückwirkungen der Kartellwirt- schaft ist ein Vorfall, der von dem Neubau der Allgemeinen Orts- krankenkasse Berlin berichtet wird. Bei der Ausschreibung des Stahl- gerüstes machten die verschiedenen deutschen Firmen ein Angebot, das durchschnittlich einen Preis von 1 Million Mark forderte. Die ganz geringen Schwankungen zeigten deutlich, daß das Angebot durch die Abhängigkeit der Handelsfirmen von den Eiseiiverbonden entsprechend bestimmt war Eine französische Firma hat demgegenüber durch ihre belgische Niederloge in Antwerpen das Angebot gemacht, die Aus- schreibung für 700 000 M. zu erfüllen. Dabei verpflichtet sich ober die französische Firma, nur Material aus deutschen Werken zu benutzen, das in Deutschland lagert, und für die Aus- führung der Arbeiten deutsche Arbeiter zu deutschen Tariflöhnen zu verwenden. Es ist klar, daß die französische Firma ihr Angebot nur. deswegen machen kann, weil die deutsche Industrie ihr Eisen auf dem Weltmarkt, also an die anbietende Konkurrenzfirma, so außerordentlich viel billiger liefert als im deutschen Inland! Auf Anfrage der Allgemeinen Ortskrankenkasse hat nun aber das Obee-oersicherungsomt verlangt, daß der Auftrag an deutsche Firmen vergeben werden müsse, was allerdings der auch von den Ministerialbehörden geübten und ver- langten Praxis entsprechen dürfte. Dieser Fall beweist die fast an Irrsinn grenzenden Kern- sequenzen, die sich aus der Politik der deutschen Eisenverbände er- gibt. Aber dieser Fall ist ja nur einer von unzählig vielen anderen. Dieses Verfahren gilt bei dem fast restlosen Gebietsschutz überall und wird nur durch Rabatte bei Großauströgen etwas gemildert. Aber wie wird über die Berschwendungssucht der Krankenkassen, über die die Gesamtwirtschast gefährdende Bauwirtschastskrisc geschrien non denselben Kreisen, die diesen Irrsinn zu verantworten haben! Das Reichswirtschaftsministerium ist erfahrungsgemäß taub gegenüber diesen Mißständen. Um so tiefer müssen sie für die Oefscntlichkcit gehängt werden. Gegen den LtGA.-Zotliarif. Amerikanische Zollsenkunqsbestrebungen im Gang. „New Pork Times" meldet die Gründung des„Rotes, für Zollhcrabsctzung", eii.cr Organisation, die sich im wesent- lichcn aus den 1028 U n t e r z e i ch» c r n der seinerzeit an Präsident Hoover gerichteten Kundgebung zusammensetzt, in der a»f die Gc- fahren von Zollerhöhungen hingewiesen wird. Unter den Leitern der neuen Organisation befinden sich bekannte Nationalökonomen, wie Edwin S e l i g m a n, F. W. T a u s s i g und Irving Fisher, serner der bekannte New-Porker Rechtsonwatt G. G. Battle sowie verschiedene andere im öffentlichen Leben stehend« Person- lichkeiten.■* In einein Schreiben an den Präsidenten der Internationalen Hondelskommer, T h e u n i s, wird von der neuen Bereinigung er- klärt, daß Amerika bisher mit Zollerhöhungen führend gewesen sei und nunmehr mit dem Beispiel von Zollherabsetzungen vorangehen müsse. Der Rat werde in diesem Sinne auf den amerikanischen Kongreß einwirken. Verschärste englische Textilkrise. Schwere Folgen der indischen Boykottbewegunq. Nicht erst im Laufe der jetzigen Wcltwirtschastskrtse, sondern schon seit Jahren stellt die englische Baum Wollindustrie in Lancashire, die über 300 000 Arbeiter beschäftigt, das Krisen- Zentrum in Großbritannien dar. Neben den Auswirkungen der internationalen Wirtschafts- depression hat sich in den letzten Monaten der Boykott hritischer Daumwollwaren in Indien für die Fabriken in Lancashire in vcr- hängnisvoller Weise fühlbor gemacht. Diese Entwicklung hat die Unternehmer veranlaßt, eine Delegation zur englischen Regierung zu entsenden, die unter Darlegung der allgemeinen Schwierigkeiten erklärte, daß bei Anhalten des indischen Boykotts in wenigen Wochen mehr als die Hälfte der Gesamt.bel.egschast arbeit?» l o s sein würde. Da die indische Boykottbewegung unter Gandhis Führung nicht nur als eine rein politische Spitze gegen England an- zusehen ist, sondern zugleich ein Mittel zur Schaffung neuer Arbeit für die hungernden Massen in- Indien sein soll, wird England gegen Indien in> dieser Frage kaum etwas unter- nehmen können. Im Zusammenhang mit diesem Vorstoß englischer Baumwoll- Unternehmer ist der jetzt veröffentlichte Bericht der„Internationalen Vereinigung der Baumwollspinner und Fabrikantenverbände" van besonderem Interesse. Aus diesem Bericht geht hervor, daß in der zweiten Hälfte 1930 der Weltverbrauch an Baumwoll« weiterhin von 13,2 auf 11,1 Millionen Ballen zurückgegangen ist, wobei Englands Konsum zum ersten Male seit Kriegsende unter die Grenze von 1 Million Ballen gesunken ist. Zugleich ist auch die gesamte Spindelzahl in der Welt von 164,1 aus 163,3 Mil- lionen gesunken. Während mit Ausnahme Frankreichs, das eine leichte Erhöhung seiner Spindelzahl aufweist, sämtliche Baumwolle verarbeitenden cUmmist Gold ii. Didinind o-M. PACKUNG A-O PFENNIG Ländern an dem Rückgang der Spindelzahl beteiligt find, machen die oft asiatischen Länder von dieser Entwicklung ein« Aus- nähme, die«ine fast sensationelle Kräfteverschiebung in der Welt- baumwollindustrie erkennen läßt. So hat sich die Spindelzahl China», die schon seit Iahren im Wachsen ist, auch in der Berichtszeit von 3,82 auf über 3,9V Millionen, diejenige Japans van rund 7 auf 7,19 Millionen und die Spindelzahl Indiens gleichfalls sehr erheblich von 8,9 auf 9.12 erhöht. Besonders bemerkenswert sind in dem Bericht die speziellen Ausführungen über die Entwicklung in Indien. Danach Hot der Boykott gegen ausländische Fabrikate sowie die Erhöhung des Zoll- tarifs eine derartige Belebung zur Folge gehabt, daß sämtliche indischen Baumwollfabriken voll arbeiten, verschiedene Werke sogar Ende 1930 Doppelschichten einlegen mußten. GegenLohn« und Gehaltsabbau. Warenhausverband berichtet für Bei der Uebergabe des Jahresberichts für 1930 des Verbandes Deutscher waren- und Kaufhäuser sagte Prof. Beruhard. die heutige Krise sei eine Folge des gedrosselten Konsums, die nur durch„Zlusforslung der Kaufkraft" zu übernünden fei. Eine nochmalige hcrabsehung der Beamtengehäller müßte ols wirtschaftliche Katastrophe bezeichne« werden. Die Rationalisierung Hobe deshalb ihren eigentlichen Sinn nicht erfüllt, weil sie durch das verhalten der Kartelle keine Berbilligung der Produkte und daher keine Stärkung der Kaufkraft gebracht habe. Die Angriffe gegen die Warenhäuser seien unberechtigt— die Warenhäuser hätten die eine Aufgabe, den„rationell orga- nifierten Massenabsatz" durchzuführen. Mit der Landwirtschost würden Verhandlungen geführt, wie man eine Belieferung der Warenhäuser mit standardisierten landwirtschaftlichen Produkten für den Massenabsatz erreichen könne. Aus dem reichen Material des Jahresberichts inter- efsiert die Feststellung, daß die Gesamttosten von 1929 aus 193V von 23,6 aus 24,9 Proz. des Gesamtumsatzes g e st i e g e n find. Am stärksten stiegen die Kosten für Miete, nämllch von 2,3 auf 4 Proz. des Gesamtumsatzes: auch der Anteil der Löhne ist von 11,7 auf 12,2 Proz. erhöht. Das ist aber nicht eine Folge von Lohnerhöhungen, sondern eine des Umsatzrückgangee. Eine Aufgliederung nach Betriebsgrößen ergibt, daß die Mittelbetriebe(mit 6 bis 15 Millionen Mark Umsatz) am günstigsten arbeiten: bot ihnen machten im Jahre 193V die Kosten nur 22,9 Proz. des Umsatzes aus, während sie bei den Betrieben bis zu 6 Mil- lionen Mark Umsatz 25,9 Proz., bei den Betrieben mit mehr als 15 Millionen Mark Umsatz 24,1 Proz. des Umsatzes erreichten. Auch die anderen Betriebsziffern sind am g ü n st i g st e n bei den Mittelbetrieben: bei ihnen wurde das Lager im Jahre 4,Zmal umgeschlagen, bei den Kleinbetrieben 4,2mal. bei den Großbetrieben 3,8mal. Der Umsatz je beschäftigte Person machte in den Kleinbetrieben nur 14 2VV Mark aus, in den beiden anderen Gruppen I7,8vv Mark. Das Lager möglichst klein zu hallen, war das Haupt- bestreben im abgelaufenen Jahr. Gegenüber 1929 wurden die Be- stände im Durchschnitt um 17 Proz. verkleinert. Aw Ende des Jahres 193V wurde je beschäftigte Person in Kleinbetrieben«in Lager in Höhe von 270V Mark, in Mittelbetrieben von 22VV Mark, in Großbetrieben von 3700 Mark unterhalten. den ine ..Für 100 Millionen Mark letzten Tagen sind einige grö. leferüngen nach Sowjetrußland Jm Rahmen des zu für Rußlaad. In über Werkzeugirta- HM______..... Arche» uftragsproarämms perfekt geworden. Wie man hört, wird der An-' teil der russischen Werkzeugmaschinendestellungen größer sein, als man bei den Verhandlungen ursprünglich in' Aussicht genommen hatte. Dies« Bestellungen werden voraussichtlich«inen Betrag von nahezu 100 Millionen'Mark erreichen. Bei den zur Vergebung ge- langenden Bestellungen handelt es sich in der Hauptsach« um Spezial- Maschinen für die Einrichtung neuer Sowjetfabriken. Obstruktionslust der Volkspartei. Sie will das polizeiverwaliungsgeseh sabotieren. Im Landtag beantragte am Donnerstag vor Eintritt in die Tagesordnung Abg. Benscheid(Komm.) einen kommunistischen Antrag auf die Tagesordnung zu fetzen, der die sofortige Aufhebung des vom Polizeipräsidenten von Berlin auf 14 Tage ausgesprochenen Verbot« der„Roten Fahne" verlangt. Das Verbot sei unter Miß- brauch der Staatsmacht im Intsresie der Sozialdemokratischen Partei ausgesprochen und wolle den Kampf der„Roten Fahne" gegen die Browerteuentng verhindern. Abg. Zürgensen(Soz.) widerspricht der sofortigen Bestand- lung, da die Kommunisten Gelegenheit haben, ihn zum Etat der Finanzverwaltung einzubringen. Im übrigen habe die soziaßdemo- kratisch« Fraktion im Landtag als«nzige dm Kampf gegen die Brotverteuerung aufgenommen, wie ihr vor einigm Tagen ein- gebrachter Antrag beweist. Eine Vorlage des Hauptausschusses betreffend die Durchführung von Landgewimmngs- und Uferschutzarbeiim an der Nordsee in dm Bezirken Aurich und Schleswig muß von der Tagesordnung ab- gefetzt werden, weit die Kommunisten sich dazu zum Wart melden. Di« Vorlage sollte nach dem Vorschlag des Aelteftenrate» ohne Besprechung angenommen werden. Es folgt die zweite Lesung des polizeivenvaltungsgesehes. In der fortgesetzten Aussprache äußert Abg. Dr. von Krieg(Dnat.) Bedenken gegen die Rmordnung des Polizeirechts. Die Vorlage sei keine Zusammenfassung aller ein- Pestmi lerhütsdov�(Z.„„. Erleichterung. Die Zahl derjenigen, die Palizeiverordnungm fabri m und enthalte Lücken. ..) begrüßt die Borlage als eine wefmtliche zieren dürfen, müsse reduziert werden. Abg. Hauff(Staatsp.) stimmt für seine Fraktion dem Entwurf zu. Die Beratung wird unterbrochen, um die für 2 Uhr angesetztm Abstimmungen vorzunehmen. Zunächst wird über den EtatdesStaatsministeriums und des Ministerpräsidenten abgestimmt. Dabei werden die angefochtenen Titel vom Hause genehmigt. Ein Antrag des Hauptausschusses, der schärferes Vorgehen gegen öffentliche Be- fchimpfungen der Religionsgemeinschaften und gegen Umzüge, die das religiöse Gesühl Andersdenkender verletzen, und, falls die gesetz- lichen Veftimmungm dazu nicht ausreichen, die Vorlage eines ent- fpreehenden Gesetzentwurfes fordert, wird in namentlicher Abstimmung gegen Sozialdemokraten und Kam- munisten angenommen. Der sozialdemokratische Antrag, der sich gegen die Brotverteve- rung wendet und dementsprechend Einflußnahme aus Reichsrat und Reichsregierung fordert, wird dem Ausschuß überwiesen. Angenommen wird gegen Sozialdemokraten und Kommunisten «in volkspartellicher Antrag, eine alsbaldige gesetzliche Regelung über den Volkstrauertag herbeizuführen. Hierauf folgen die Abstimmungen über die angefochtenen Titel des Haushalts des Finanzministeriums und über die zu diesem Etat gestellten Anträge. In der fortgesetzten Ausfpraehe über das Polizeiverwaltungsgesetz nennt Abg. Schwenk(Komm.) den Gesetzentwurf einen gewalligen Schritt zur Faschisterung des Staatsapparates. Der Polizeiwillkür werde Dir und Tor geöffnet. Abg. von Eynern(Vp.) kritisiert sehr eingehend die Vorlage. Er warnt davor, die alten, bewährten Bestimmungen sä acta zu lesien und etwas absolut Neues zu schaffen. Das alte Poli,;eirecht se, einfacher und klarer gewesen. Seine Fraktion wolle kein« Obstruktion treiben� aber der Y.ppofi4ra.n bleibe in der Bekäm g nicht genehmer Gesetze manchmal kein anderes Mittel übrig. Es hänge ganz davon ab. ob die Mehrheitspartsien die von der'Volkspartei gestell- ten sachlichen Anträge annehme oder ablehne. Abg. Haas-Köw(Soz.) stellt zunächst, erftatter der Darlage, des Vorredner« über den Bericht- g. Hamburger(Soz.),. richtig. Herr von Eynern habe die Regierungsparteien befihu»Wen, das nicht zu machen, weil noch alles zu sehr im Flusse sei. Die sozial- demokratische Fraktion wolle aber im Gegenteil gevede deshaflb das Gesetz, weil das alte, allgemeine Landrecht längst ülzerholl ist. Sie ist dabei der Auffassung, daß die in 15 verschiedenen Gesetzen ver- streuten Bestimmungen endlich zusammengefaßt werden müssen. Der Wert dieser Zusammenfassung werde allerdings von der Opposition bestritten. Der kcminmniftische Redner hai>e behauptet, daß der Polizei- Willkür mit dem Gesetz Tür und Tor geöffnet werde. Dabei habe er aber wohlweislich verschwiegen, daß nach dem Entwurf die Polizei ausdrücklich nur nach pslichtmäßigem Enneffen und im Rahmen der bestehenden Gesetze handeln könne. Wenn der kam- munfftische Redner in der Borlage eine Schwäche des heutigen Systems sieht, so hätte er sich eigenttich darüber freuen müssen. Dann wäre aber auch sein einstündiger Wortschwall dagegen über- flüssig gewesen.(Sehr wahr b. d. Soz.) In der weiter kritisierten Bestimmung, daß der Innenmimster von sich aus Polizei Verordnungen erlassen kann, sehe die sozial- demokratische Fraktion«inen Fortschritt und eine Vereins achuW. Dabei wäre allerdings noch darüber zu reden, ob der Landtag das Recht haben soll, gegen solche Verordnungen Einspruch zu erheben. Die Vorlage sei zuerst im Ausschuß von allen Fraktionen, mit Ausnahm« der"Kommunisten, lebhaft begrüßt worden. Diese Ansicht der Rechtsparteien habe sich allerdings sehr schnell, besonders bei Herrn von Eynern, geändert. Die beretts angekündigte Obstruk- t i o n gegen die Verabschiedung des Entwurfs werde aber das Gesetz nicht zu Fall bringen können. Jedenfalls werde die sozial- demokratische Fraktion alles daransetzen, das Gesetz zustande zu bringen, weil sie in ihm einen Fortschritt sieht.(Beifall b. d. Soz.) Abg. hestermonn(Wp.) hält trotz einzeln« Mängel das Gesetz für einen wesentlichen Fortschritt. Damit ist die allgemeine Aussprache über den Gefetzentwurf beendet. Ein Antrag der Deutschnationalen, die Einzel- beratung der Varagravhen zu vertagen, wird vom Hause a b- gelehnt, nachdem Präsident Bartels daraus hingewiesen hat, daß der Arbeitsplan der nächsten Tage eine solche Vertagung nicht zulasse. Das Hau« beginnt hierauf mit der Einzelberatang. Die Besprechung der 87 Paragraphen zicht sich bis in die späten Abend- stunden hm. Damit ist die zweite Lesimg des Polizeiverwaltungsgesetzes er- ledigt. Die Abstimmungen finden am Freitag statt. Nächste Sitzung Freitag 12 Uhr. Tagesordnung: Zweit« Lesung des Haushalts der allgemeinen Finangvcrwaltung. Abstimmungen über das Polizeiverwaltungsgesetz. Die Wahlen in Lippe. Bückeburg. 7. Mai.(Eigenberichf) Das Ergebnis der Gemeindewahlen in Schaum- burg-Lippe liegt erst jetzt endgültig vor. Danach hat die Sozial- demokratie im Landkreis Bückeburg in 13 Gemeinden die absolute Mehrheit. In 3 Gemeinden besitzen Sozialdemokraten und Kam- munisten die Mehrheit. In den übrigen 11 Gemeinden sind bürger. liche Mehrhetten vorhanden. Im Landkreis Stadthagen errang die Sozialdemokratie in 7 Gemeinden die Mehrheit. In weiteren sieben Gemeinden konnten die bürgerlichen Parteien ihre Mehrheit knapp behaupten. Die Sozialdemokratie kann mit dem Ausgang'der Gemeinde- wählen schon deshalb zufrieden sein, ql» sie in einer ganzen Reihe von Gemeinden zum erstenmal die Mehrheit erlangte. Der Reichsral erledigte am Donnerstag kleine Barlagen. Die AllSfühningsbesttmnmngen zum Reichsuülchgesetz und die Neubil- dung des Bewertungsbeirats wurden von der Tagesordnung abgesetzt. Pnlsi nr Frtftw i. Sonn- ■find! Btrisr so«. Vorrat! RionoonuaM rartefianen i Brot vorgeschrieh. Gewicht, Vi Wurstwaren SOIZB........ m0.48 SfiBCkUllirSt.... jtt. 0.65 Fetler Speck...... 0.05 schinkenecken.. m 0.75 iBDBPWUPBlH.I'�cl.eArt. 0.80 HausmachorLBPerwurst. 0.85 Fielsckwursl...... 0.88 Jagdwurst....... 0.95 meitwurst ßraumschw. Art, PL 0.95 fflagcrSpeck...... 0.88 mettU/ÜPSl Ben. Ar». pw. 0.98 fBlne LBberiuurst... i.os Schinkenpolnische... i.os Cerueiat oder Salami mi.i 8 FBlldapmiuupst..... i.oo Sctilnkanspeck..... 1.38 Pom Cerueiat od.Salaml 1.35 Scfilnkenwupst... mi-ss PuBschinken...... 1.48 wiener od. Bockwurst pm.i.04 Käse Briekäse��A 70 2 Pfund Inhalt.......|ja 1 1| fiomadoor...«<*.0.14 DessertkBse* 0.25 BriekSse.-»m««.*?<*«»,. 0.25 Cememkert Haiti«ktols»<* 0.21 Harzer,.. iPM.-p.tet 0.28 FrötistuckskBseivtPM-Rone 0.35 Stangenkäse w«. piun« 0.36 TilSlter o Rinde, 1 Pfd-Pak«t 0.58 Steinhusclier. pm. 0.70 oan. Schweizer«o'/h.. 0.75 Tiielter vom««.... p». 0.82 Schweizer KBsa. �1.12 Fische und Räucherwaren llabeijBUoK.KtftechePiO.12 Fr.Schell(ischm.K.pfd.o.i6 Seelachs o.k.____ 0.12 Fetibockiinge..,0.28 Rotbars 0 k..... 0.14 sprottee...... 0.38 Rabsilae-Filet... 0.20 Flundern...... 0.30 Apfvlsinan..ipid.0.68 Blutaplalslnan j 0.89 Amarik. Aepfei pid 0.45 Zitronen....Dtz.0.32 Hon. Rhabarbar Bd. 0,35 Radlaschen. a Bd. 0.35 Kopfsalat. sKdpieO.SS Spinat.... t pm. 0.25 Rhabarbar. 3»6.0.25 Brune Ourkan ,t<*. ad 0.38 Bem.Riermilade io(epid0.42 niaumen-KontlfUra.. 0.53 Aprikosen.... 0.58 Kirsch...... 0.68 ■rdbeer...... 0.78 Ananas...... 0.88 rwaumanmns..'ah™ o.»o Ptiauman-KonliterB. 0.95 Jotuulibttr ogd Ipniiun. 7.70 Hirsen 7.20 ErdDear 7.30 Kolonialwaren Bruchreis �«-.0.15 hiouimain Reis... m 0.26 Carollnen-Rels... ptd. 0.35 Java-Reis...... pw.o.42 Riaizkatiee p». 0.2s Kailee frif rli �ehrannl, Pfd. ab 1.80 WelzengneB..... p�o.25 Flemmrie-BrieB... pm. 0.28 Vanille-Pudding-Pulver a aa Mendel.„ pm.|| Un Ananas � u.w Ptd. SehoR.-PuddlDgpulv.pfd. Rote Brütze. Pfund 0.60 Fleisch Kalbskamn».1�.0.66 Bug u. Brust.4 0.76 Keule........ 0.86 Hammelvordrffl. 0.86 Suppenfleisch �>0.64 Schmorfleisch. 1.14 Kaßler.......„0.68 Eisbein mit spu»... 0.46 RQckenfett 0.54 Schweinebauch 0.64 Schweineblatt. 0.66 Schinken«. e-m. 0.76 Kamm u. Schuft. 0.88 Kotelett..... ab 0.96 Pökelrippchen 0.78 Schweinekopf„.b 0.24 Schweinhleber 0.78 Schweinenieren 0.78 Schweinelungen 0.34 HammelH.grir....„0.54 10 ISSI SPITZENLEISTUNGEN Freltatf u. Sonnabend SCHLUSSTAGEf ER BILLIGKEIT! J Internationale 40-Stundenwoche. Tagung des ZGB. in Madrid. Der Vorstand und der Ausschuß des Internationalen Gewerk- schaftsbundes hielten dieser Tage in M a d r i 5 unter dem Vorsitz von Citrine(England)«ine Sitzung ab. Von der deutschen Landcszentrale waren ßeipart, Graßmann, A u f h ä u s e r. von verschiedenen Bcrusssekretariaten Tornow, Simon, Bern- Hardt, Urban, M ü n t n e r entsandt wordeiu Die sozialistische Internationale war durch Vandervelde vertreten. Dem in den Ruhestand getretenen bisherigen Sekretär Sassenbach wurde für seine crsolgrciche Tätigkeit Dank und hohe Anerkennung ausgesprochen. Aus dem Tätigkeitsbericht des neuen Generalsekretärs Sche- v« n e l s ging hervor, daß die S i tz o e r l e g u n g de- JGA. nach Berlin am 1. Juli d. I. ersolgt. Das Organisatwnsgebict wurde durch Neuanschlüsse von Landeszentralcn erheblich erweitert. Der IGB. wird künftig mehr als bisher sein Interesse auch dem fernen Osten zuwenden. Im Mittelpunkt de- Tätigkeitsberichts stand der Kampf gegen die Reaktion. Das Aktionsprogramm für 1331 und 1932, das die aktuellen Wirt- schaftsfragen, Sozialpolitik, Arbeiterbildung und den Kampf gegen den Krieg enthält, wurde«ingehend erörtert und angenommen. Das Hauptreferat über Wirtschaftskrise und Arbeit-losig- k e i t erstattete L e i p a r t, der nach Prüfung der Ursachen die im Januar d. I. von der gemeinsamen Kömmission des IGB. und der SAI. zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit aufgestellten Forderun- gen eingehend begründete. Internationaler Zollsrieden, Revision der Reparationen und 40stündige Arbeitswoche wurden vom Referenten mit besonderem Nachdruck vertreten. In der Aussprache wurde der internationale Charakter der gegenwärti- gen Krise von den Vertretern der einzelnen Länder mit reichem Material bestätigt. Der Ausschuß genehmigte da- Züricher Pro- gramm. Damit ist die 4(3-Slunden-Arbeitswoche nunmehr zur Forderung des Znterualionalen Gewerkschastsbundes erhoben und seine Vertreter werden bereits die. nächste Arbeitskonf«renz in Genf be- nutzen, dort in gleicher Weise in Aktion zu treten. Ueber dieAbrüstungssrage berichtete I o u h a u x- Frank- reich, um die Unzufriedenheit des IGB. mit den Cr» gcbnissen der bisherigen Regierungskonferenzen deutlich auszu- sprechen. An die Stelle der natwnalen müsse die internationale Souveränität treten. Erst die Abrüstung könne den Staaten die Sicherheit bringen. Neben der nationalen Beeinflussung der Regierungen und dem Zu- sammenwirken mit der Sozialistischen Arbcitcrinternationale soll die Antikriegskom Mission, die eine Kontrolle der Rüstungs- industrie zur besonderen Ausgabe hat, erneut«ingcgesctzt werden. Ueber die internationalen Konventionen des Genfer Arbeitsamts berichtete Mertens- Belgien. An die Ausschuß- sitzung schloß sich eine Tagung der Internationalen Be- r u f S s e k r e t a r i a t e an, die sich im wesentlichen mit den gleichen Fragen befaßte. Die Madrider Verhandlungen des IGB., zu denen Vertreter aus siebzehn Ländern erschienen und die von außerordentlichem Ernst getragen waren, haben immer wieder geradezu zwingend erwiesen, daß die herrschende Wirtschaftskrise nur durch internationale Abkommen und Verständigung zur Entspannung gebracht werden kann, Gelbe„Einheiisfronl". Gegen die Reichsbahnarbeiter? Hilgenberg hat noch ein Herz für die Gelben. Seine TU. muß die belanglosesten Tagungen, Beschlüsse und Verlautbarung«» der Gelben melden. Wie sie sich setzt von dem gelben„Berufsverband deutscher Reichseisenbohner" berichten läßt, hat dieser zu den Retriebsräle- wahleu bei der Reichsbahn am 9. und 10. Mai mit dem Stahl» Helm und den Nationalsozialisten einen Pakt geschlossen. Stahlhelmer und Nationalsozialisten werden danach aus- gefordert, für den Hauptbetriebsrat die Kandidaten des genannten „Berufsverbandes" zu wähl«n. „Seit 1918 ist es damit das erstemal, daß sich eine nicht ge- werks chafikiche Liste an der Wahl des Hauptbetriebsrates beteiligt. Während die einzelnen Gruppen örtlich und in den verschiedenen Bezirken eigene Listen aufgestellt haben und eigene Kandidaten wählen, stinvm-cn diese zum Hauptbetrieb srat für die Liste des Beruf sverbandes. Der Verband macht darauf aufmerksam, baß jeder Stimmzettel, der zur Verteilung gelangt, benutzt werden kann, der Wähler muß nur das gewünschte Kennwort voll einsetzen." Also neben der roten noch eine gelbe„Einheitsfront" zu der „Einiheitsfront" der blauen Vereine im Reichsbahnbetrieb. Die Reichsbahnarbeiter haben diesen Zersplitterungs- und Veruneini- gungsgruppen gegenüber all« Ursache, eine wirkliche Ein- heitssront aller vernünftigen und rechtlich denkenden Berufs- genossen herzustellen, indem sie ihre Stimmen abgeben für die frei- gewerkschaftliche Liste des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschtands! Streikbeschluß im Kuhrgewerfte. Streikbeginn am Sonnabend von den Fuhrherren abhängig Mit dem rigorosen Vorgehen der Berliner Fuhrherren- innung gegen die Arbeiter des Schwer- und Leickstfuhrgewerbes, über das wir am Donnerstag bereits berichteten, beschäftigten sich am Donnerstagabend in einer Vollversammlung in den Residenz- festsälen die im Gesamtverband organisierten Arbeiter dieser Branche. Obwohl die Schlichtungsoerhandlungcn über den Lohn- und Mantel- .tarifstreit noch nicht beendet sind, hat die Innung ihre Mitglieder angewiesen, ob 1. Mai die Löhne um elwa 12 Pro;, abzubauen. Das diktatorische Vorgehen der Fuhrunternehmer ist um so skandalöser, als bereits im Januar die Löhne im Berliner Schwer- und Leichtfuhrgcwerbe um durchschnittlich 8L: Pro;, gekürzt worden sind. In den Verhandlungen vor dem Schlirhtungsausschuß am Mittwoch war den Fuhrhcrren von den Vertrxtern des Gcsamtver- bände» schon mit aller Deutlichkeit gesagt wanden, daß die Durch- führung dieses Diktats unweigerlich den Streik im Fuhrgcwerbe auslösen würde. Diese Ankündigung der Gewerkschaftsvertreter war keine leere Drohung. Die Versammlung faßte einmütig folgenden Beschluß: Unbeachtet des weiteren Berhaktens der Unternehmer wird am Sonnabcndfrüh in sämtlichen Betrieben des Berliner. Schwer- und Leichtfuhrgewerbes die Arbeit eingestellt. Die Schlichtungsverhandlungen sollen am Montag fortgesetzt werden. Raziklage noch nicht entschieden. Anwaltsprotest gegen die prozeh führung Nach Eröffnung der Sitzung des Lanf.esarbeitsgerichts am Donnerstag gab Rechtsanwalt Dr. Ileuwaan als Vertreter von Flieger und Loll eine längere Erklärung über die Art der Prozeß- führung ab, die im wesentlichen besagt:„Die Beweisaufnahme hat ergeben, daß uns die Zeugen Heiden reich und W i l l b o ck Aenderungen an den Entlassungslisten vorgenommen haben, und daß sie sich dabei nur von sachlichen Gründen leiten ließen. Welcher Be- weis soll denn jetzt noch geführt werden? Was soll denn der ganze Indizienbeweis? Ob das Gericht den Zeugen Lzeidenreich und Willbock glaubt oder nicht, in beiden Fällen ist durch ihre Aussagen der Prozeß, soweit er sich gegen die BVG. rfchtel. erledigt. Hinsichtlich der Beklagten Flieger und Loll, die nach der Behandlung der Kläger bei der Behandlung der Einsprüche pflichtwidrig gehandelt haben sollen, ist nur zu prüfen, ob der Arbeiterrat die Einsprüche ordnungsgemäß erledigt hat. Alle an- deren Tatsachen sind unerheblich. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, als ob hier der ganze Tatbestand verschoben wird, als ob die Zeugen Heidenreich und Willbock hier als An- geklagte behandelt werden, die die Aufgabe hätten, sich wegen der Entlassung zu rechtfertigen. Ich kann mich des Eindrucks Jeder vom Kafffee wissen mußl Kaffee ist Volkssetränk. Aber nicht jeder verträgt ihn. Wie kommt das?— Kaffee enthält einen Giftstoff, das Coffein. Nur das Coffein ist der Bestandteil, der herz, Nerven, Nieren reizen und Schlafstörungen hervorrufen kann. Soll Bohnenkaffee völlig unschädlich sein, so muß ihm das Coffein entzogen werden. Nur coffeinfreier Kaffee ist völlig unschädlich. Soll Kaffee ein Genuß sein, so muß er Qualität haben. Hag vereinigt beides: KAFFEE HAG ist 1. echter Bohnenkaffee feinster Qualität. 2. coffeinfrei und vollkommen unschädlich. Selbst Kindern darf man Kaffee Hag geben. / 7 Mehr als 25000 Xrztc haben sich Ober Kaffee Has In anerkennender Weise schriftlich jeSuBerl. Kaffee Hag Ist in 39 Ländern der Erde verbreifet. Kaffee Hag ist das Ergebnis 25 jähriger Erfahrung. Kaffee Hag ist überall stets frisch n haben. Kaffee Hag bleibt Kaffee Hag! Freitag, den 8. Mai Sonnabend, 9. Mai Die Reste für die HäifteS Leipziger Straße 43-44?: Kurfürstendamm 237 Königstraße 41-42:: Steglitz, Schloßstraße 34 KLEINE ANZEIGEN iiiiiiiiiiiiiuiiiiaiiiiiiininiiimiuiiiiimuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiimimiiiiinimitiiiiiiiiiiiii Preise: Uberschrlfftswert 25 Pffennig« Textwort 12 Pffennlg Wiederholungsrabotf; 10 mql 5 Proz., 20 mal oder 1000 Worte Abschluß 10 Proz., 2000 Worte 15 Proz., 4000 Worte 20 Proz. ✓ Stellengesuche: Überschriftswort 15 Pf., Textwort 10 Pf. ✓ Anzeigen, welche für die nächste Nummer bestimmt sind, müssen bis dVa Uhr nachm. im Verlag, Ündenstr. 3, oder auch in samtl. 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SW.30, Leivgigerstrafte 57 tSpltteiioionngdent. nicht erwehren, daß das Gericht sein« Aufgabe überschreitet, daß es nicht nur die den Beklagten Flieger und Lall gemachten Vorwürfe aufklären, sondern diese veranlassen will, sich den Klägern gegenüber zu rechtfertigen. Das haben die Beklagten nicht nötig. Es liegt ihnen nichts daran, daß ihnen die Kläger ein Attest über gute Führung ausstellen". Der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Rüben, verwahrte sich gegen den Vorwurf unsachlicher Prozehführung und sagte, die von den Klägern angeführten Tatsachen, welche den Verdacht begründen, daß sie aus politischen Gründen entlassen seien, mußten nach- geprüft worden, denn wenn sie erwiesen wären, würde der Schadenersatzanspruch der Kläger begründet sein. Wenn durch die Personalakten und die Protokolle des Arbeiterrots bewiesen werden konnte, daß die Behauptungen der Kläger nicht wahr seien, dann wäre der Indizienbeweis nicht erforderlich gewesen. Da Per- sonalakten und Protokolle nicht vorgelegt wurden und das Gericht in Unkenntnis darüber blieb, ob und wann sie vorgelegt werden würden, so Hobe der Beweis durch Zeugenvernehmung stattfinden müssen. Anders habe das Gericht doch nicht verfahre» können. Wären die Protokolle und Personalakten gleich vorgelegt worden, dann wäre die Beweiserhebung wohl schon beendet. Noch diesen Auseinandersetzungen begann die Verhandlung mit der Verlesung der Protokolle des Arbeiterrats. Aus ihnen geht hervor, daß mehr als 500 Einsprüche eingelegt und ordnungsgemäß erledigt sind. Zurückgewiesen wurden die Ein- sprüchc der Ledigen, der kinderlosen Verheirateten und der Verhei- rateten mit einem»Kinde. Berücksichtigt wurden die Einsprüche der Verheirateten mit inehr als einem Kinde, die zum Teil nach Ver- Handlungen des Arbviterrats mit der Direktion eine Abfindung er- hielten. Flieger bemery, daß bei Einlegung der Einsprüche niemand gesagt habe, er glaube aus politischen Gründen entlassen zu sein. Diese Behauptung sei erst nachträglich ausgetaucht. Eine Anzahl der Kläger behaupten, daß ihre Einsprüche, die sie mündlich eingelqgt hätten, vom Arbeiterrat nicht e n t- g e g c n g e n o m m e n Wiarden seien. Die Beklagten Flieder und L o l l leisteten den Eid, daß keiner von diesen Klägern bei ihnen und so weit ihnen be- kannt sei, bei anderen Mitgliedern des Arbeiterrats Einspruch ein- gelegt haben. Die Beweisaufnahme ist damit beendet. Am Freitag erfolgen die Plädoyers. Berliner Güterbestellung stockt. Llnerhörte Provokation der Transportarbeiter. Das Unternehmen der Bahnhofspediteure, Transport- fontor Anhalter'Bahnhof, beschäftigt 68 Arbeiter, die durchweg viele Jahre, bis AI 30 Jahren, in seinem Dienst stehen. Die gegenseitigen Bcziehungey waren insbesondere für die Unternehmer gut, da die Arbeiter täglich eine Stunde länger ohne Bezahlung or- beiteten. Mitte Januar wurden die Löhne abgebaut, im März noch einmal, insgesamt um 3,50 Mark wöchentlich, ohne daß etwa dos Rollgeld herabgesetzt worden wäre. Trotzdem erklärten die Herren, sie könnten die Löhne nicht.mehr tragen, der Betrieb sei nicht rentabel, die gleiche Arbeit müsse mit weniger Personal geleistet werden, durch weitere Aerlängerung der Arbeitszeit ohne Bezahlung. Dabei ist es heute schon unmöglich, die Arbeit in acht Stunden zu bewältigen, so daß Güter am gleichen Tage nicht mehr bestellt werden können und mit zurückgebracht werden müssen. Die Fuhrleute sollen beim Abladen gehörig schuften, dabei aber auf die Ladung aufpassen. Wird etwas davon gestohlen, sind sie dem Unternehmer dafür haftbar.. Nachdem vor sechs Wochen bereits vier Mann entlassen wurden, bekamen gestern früh wieder vier Mann ihre Entlassung, ohne daß mit dem Betriebsrat auch nur ein Wort darüber gc- sprachen wurde. Während der Frühstückspause trat deshalb die Be- legschoft zusammen und beschloß, nicht eher vom Hof zu fahren bis diese Kündigungsangelegenheit geregelt sei. Daraufhin erfolgte die fristlose Entlassung sämtlicher 68 Arbeiter. Die Firma erklärte. Wiedereinstellung könne— trotz Tarifvertrag mit dem Gesamt- verband— nur zu neuen Arbeitsbedingungen erfolgen, wie das Transportkontor sie diktiert. Bei dem Vorgehen der in diesem Transportkontor vereinigten Bahnhofspediteure spielt der Schenker-Vertrag eine gewisse Rolle, durch den die Spedi- teure ihre Ausschaltung aus der Bahnhofspedition befürchten. Sie wollen offenbar zeigen, daß sie dos, was die an diesem Projekt be- teiligten Spediteure bieten, ebenfalls können, die Arbeitsbedingungen bis aufs äußerste herabzudrücken, um dann das Rollgeld herabzu- setzen. Der Konkurrenzkampf solle, noch ehe er begonnen, auf dem Rücken der Transportarbeiter ausgefochten werden. Die R e i ch s b a h n d i r e k t i o n teilt mit, daß ein wilder Streik in dem Betriebe des bahnamtlichen Rollfuhrunternehmens ausgebrochen sei. Formell ist das richtig. Trotzdem die Firma sich nicht an den Tarifvertrag hielt, indem sie die Arbeiter täglich eine Stunde länger ohne Bezahlung beschäftigte und gegen das Betriebsrätegesetz verstieß, mußten die Arbeiter den Gesamtverband mit der Erledigung des Konflikts betrauen. Allein die fortwährende Antreiberei und Beunruhigung in ihrer Existenz in Verbindung mit dieser Provokation trieb sie zu chrem Entschluß. Die Behauptung aber, daß die jetzige Kündigung wegen Verkehrs rück- ganges erfolgt sei, ist falsch.____ Gegen Kürzung der Beamienbezüge. Der geschäftsführende Vorstand des Deutschen Beamtenbundes befaßte sich in seiner Sitzung vom 7. Mai«ingehend mit der beamtenpolitdschen Lage und nahm einstimmig folgende Ent- s chl i e ßu n g an: ..Der geschäslsführende vorstand des Deutsche» veamlenbundes lehnt jede weitere herabsehung der Bezüge der Beamten mit aller Entschiedenheit ab. Insbesondere macht er mit allem Ernst auf die schweren Gefahren ausmerksam. die durch eine nochmalige Kürzung der Beamtenbezüge heraufbeschworen werden." Ein großer Arbeiiszeiitamps. Im englischen ZSergbau. London, 6. Mai. Das von der Regierung B a I d w i n erlassene Gesetz über den Achtstundentag im Bergbau verliert mit dem 1. Juli sein« Gültigkeit, so daß die vor dem englischen Generalstreik im Bergbau gültige Siebenstündige Arbeitszeit automatisch in Kraft tritt. Die Grubenbesitzer beliauptcn nun wie überall, daß der Siebenstundentag angesichts der schlechten Lage auf dem Kohienmarkt u n- tragbor sei und drohen mit Aussperrung, wenn nicht von der Regierung die achtstündige Arbeitszeit um „mindestens" ein Jahr verlängert wird. Die Regierung hofft mit den Bergarbeitergewertschofte« zu einem Kompromiß zu gelangen und hat bereits die Frag« der Arbeitszeit bei den Beratungen im Ausschuß für die Festsetzung von Mindestlöhncn angeschnitten. Die Lage ist also wieder einmal recht kritisch, weil eine Hinauszägerung des Siebenstundentages bei den Bergarbeitern auf heftigen Widerstand stoßen würde. Panzerwagen, Artillerie und Beiterei. Gegen streikende Bergarbeiter aufgeboten. London. 7. Mai. Die Verwaltung der bestreikten Grube im Bergbaubezirk Hör» l a n(Kentucky) warb Neger als Streikbrecher an. Die streikenden Bergarbeiter wehrten sich gegen diesen Schachzug der Unternehmer. Die Polizei wurde für die schwarzen Helfer der Unternehmer mobil gemacht. Die Bergarbeiter warfen Schützen- grüben auf, die Polizei ging mit Maschinengewehren und Tränengasbomben vor. Dabei wurden 14 Personen getötet, darunter 4 Polizisten, und viele schwer verletzt. Die Streikenden werden durch ein starkes Aufgebot verfolgt. Inzwischen hat der Kampf sich derart zugespitzt, daß die Be- Hörden auf Veranlassung der Stadt Evarts die Mliz aus 15 Städten aufgeboten haben. Zur Zeit befinden sich die Truppen mit Panzerwagen, Artillerie und Reiterei auf dem Marsch nach Evarts. Die Streikenden haben sich auf den Dächern der Stadt Verteidigungspositionen eingerichtet. Sämtliche Frauen und Kinder sind aus der Stadt entfernt._ Die Grube Holzappel stillgelegt. Drei Arbeiter bleiben übrig. Aus Nassau wird berichtet: Die Grube Holzappel ist stillgelegt worden. Es wird nur noch die Wasserhaltung weitergeführt. Von der mehrer« hundert Mann umfassenden Belegschaft sind nur drei Arbeiter zurück- geblieben. Die Stillegung des Betriebes wird für zahlreiche Gc- meinden des unteren Lahnkreises wegen der Untcrftützmig der Er- werbsloscn erhebliche Schwierigkeiten bringen. �reieGewerkschafts-Iugend Verlin fll Sfirte, iTtfiloa. Ifti- Uiit. tosen in« C&ruppen: Satboa«: Zusendlvim Schule EonnenSurser Str. 20.„lsreiheitsbewesuus in IiMen."— S«'- ntonnplaft: Ius-'ndlieim SonberftT. 11. Sivehn©offectotftr. 9, nart, Heimdesvrcchuns. Setlincr Humor.— Ehorlottenburs,' JugruHlietm Spteeftr, 30. Heintbefprediunfl und BretNpielodend.— zeppelinpUU: Iusendhetm Turiner Eck« Seestroße. Hntnbelprechuns.■älm'chlicftenb: Spuf in der Adrudsrundc.— Adler.dos: izirupvrnlicim Bistnorckftr. 1. Nreismitsliedeupersonunluns.— Seintienbort. Oft- ltugrnddeim Sindauer Strafte< Barocken I. Herrn bei preckni ns und Lieder. sbend.— Äruswolder Plaft: Zusendbem Paiteurftr. 44—(6. Heimbeiprechuns. — Rordlrei»: löt- Uhr SreisfunttioniirliNuns im Iusendbeim knaelufer 24— 2S. Auis B, Port.— Nrei» Oberipre«: IftVj Übt Nreismitsliederverssnmrlunq im Iimrnbheim Adler Zbok. Bismorckitr. 1.— Zaaeadgrappr de« Verbände» bei Maler: Ubr im Saal 2 des Gemertschaftshauses. Enselufer 24— 2Z.„Die Geschichte der deirischen ireirn Gerne rdschoitrn."— Zuaendsruppe de» Gesamt- »rrbaade», ftaAacnppc flomimmitl. and Ho ob«!»bei riebe: 20 Ubr Iuoendheim Enselilser 24— 2Z. Bunter Abend. @Iuoendaruppe ves Zentralverbandes der Angestellten Heute, Treitoa, finden fnlffleirbe Veranslattunsen statt: Starben: Wir beteilisen uns an der Bersstnniluns unseres Werbedejircks.— Südwest: ?usendbeim Borcksir. 11(2. Hos. QuersebSude 1 Treppe, Zimmer 5). Vortraa: .Karl Mari— sein Leben und sein Weil'-. Aesereitt Dr. Schütte.— Die Berliner Uebunssfitmo halt ihren Arbeitsabend non 30—22 Uhr im Zuaendheim Ebertnftr. 12 ab.— Die Phaiagemeinschoft hält ihren Arbeitsabend ab 20 Iftr in unserem Derbandshentse ab. ■massm........———■ Frisches Fleisch Kalbskamm ohneBeilige..PH. 0,66 Kalbsrücken u.-brüst m 0,76 Kalbskeulen g!,! o'ig'eteutjpii 0,86 Kalbsroulade serout, pfi von 1,30 Kalbsschnitzel.......riuvon 1,80 Kalbskotelett........ 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Pfd. 0,88 Feine Leberwurst....... pm. 1,08 Zervelat oder Salami m. von 1,13 Speck fett Pfd. 0,68-.»ger Pfd. 0,88 Schinkenspeck......... pm. 1,38 Nußschinken.............. pm. 1,68 Gekochter Schinken y.pfd. 0,35 Fette und Käse Tischbutter ällerf. deutsche, Pfd. 1 ,44 MarkenbutteraHerf.dtsch.ptd. 1,48 Margarine, Kokosfett 2Pfd. 0,75 Holländer, Edamerto'/c.Pfd. 0,70 Tilsiter Blockkäse 20°/,. pm. 0,68 Münster voufett............ Pfd. 0,93 Stangenkäse 20V........ pm. 0,36 Dän. Schweizer so»;,....Pfd. 0,75 Camembert 20»/..... 3 Stack 0,25 Harzen-PfA Pak. 0,28, a w- Kiii« 0,75 Schweizer.............. pm. von 1,12 Inlandbutter 1,24 Pfd. 10 Stack Eier 0,65 Rückenfett bratfertig, ohne Schwarte 0,54 pfd.1 Eisbein mlt Sp-,-'�ln' Pfd. 0,46 gepökelt, Frischer Spinat 0,25 S PM.' Kabeljau?bne Kopf pfd. 0,12 im ganzen Zander frisch 0,28 Pfd. 1 Himbeer- oder Kirschsaft 1 Chainp.-FL 1,25 10 Fl. 12,00 Orangeade od. Zitronensaft 's, FI. 1.25 10 FI. 13,00 Weine und F ruchtsäf te Preiae ohne Flasche y, FU 10 Fl. Spez.-Apfelwein Kur 0,55 5,00 1929irEdenkobenerO,751 7,00 1929» Windesheim. 0,85 8,00 1929wObermoselerO,95j 9,00 1929eiSiefersh.Horn 1,25 12,00 1929-r Brauneberg. 1,4514,00 W. K.-Gold und Carte, rm d'Or...Fruchtschaumwein" 1 ,0U I VLU Apfelsaft alkoholfreier 0,75 7.00 Maitrank aus Apfelwein 0,75 7 ,00 1928«r Ingelheimer 0,85 8,00 Sonnengartner...... 1,45 14,00 Ufr. 5 Utr. Johannisbeerw.roi.»taO,75 3,50 ?heinpfälzerwei6weinO,85: 4,00 De utsc h.�'W ein brand utr 4.60 BrOt vorgesebr. Gewicht 0,40 /z BrOt vorgesebr. Gewicht 0,20 Konserven Dose Kaiserschoten............. 1,20 Jg. Erbsen fein 0,85 mittelfein 0,78 Gemüseerbsen......;....... 0,48 jun'g' Wachsbrechbohnen 0,75 Junge Schnittbohnen.... 0,42 Apfelmus...................... 0,68 Pflaumen mit stein............. 0.68 Pfirsiche'/.Frucht.............. 1,25 Reineclauden................ 0,95 Sauerkirschen ohne stam... 1,20 Stachelbeeren............... 0,68 ■ i• a® Scheiben �_ Hawai-AnanascaToo-c-Dose.. i ,25 Kolonialwaren Auszugmehl i°«e...... pm. von 0,28 ß.Pld..BtL 1,35, 1,45 2-PM.-Btl 0,60 Sultaninen........... pml von 0,40 Korinthen.................. Pfd.0,48 Kokosraspel.............. pm. 0,48 Maispuder................. pm. 0,32 Süsse Mandeln......... pm. 1,60 Vanillezucker....... e Paket« 0,24 Kartoffelmehl............ pm. 0,18 Hartgriess................. pm. 0,28 Bruchreis.................. Pfck.0,15 Italienischer Reis...... Pfd. 0,20 Moulmain-Reis........... pm.0,26 Birnen....................... pm 0,55 Pflaumen............... Pfd. von 0,28 Kakao lose, stark enMIt...... Pfd.0,48 Kaffee.................. pm. von 1,80 Obst und Gemüse Tafeläpfel amenk..... PM- von 0,45 Apfelsinen...... 3 pm. 0,68, 0,78 Bananen.................- pm. 0,85 Zitronen............... dum. von 0,32 Blumenkohl......... Kopf von 0,32 Frischer Kopfsalat 2 Kopfe0.25 Grüne Gurken....stuck von 0,36 Junge Schoten....... 2 pm. 0,45 Möhren..................... pm. 0,10 Spargel frisch........ pm. von 0,95 Radieschen........... 3 Band 0.25 Wirsingkohl............... pm. 0,10 Neue Kartoffeln..... 4 pm. 0,85 Rhabarber............. 3 pid. 0,23 Delikatessen Russ.Gurken:K>iti<>,.i»h.issl>8i. 1,35 Gurkensalat..........>/, 00»° 0,53 Port.OeIsardinen5Poit-Dos.O,95 Gelsardinen Marke Hertie o.ss 0,45 Fettheringe ül Tomaten.. Dose 0.58 Salm....................... 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So entstand der Gedanke eines Festspiels, in dem neben Gesangs- und Sprechchören auch bewegte Gruppen, Kinder und Erwachsene, Stimme und Körper des einzelnen und der Masie im Dienst einer gemeinsamen Idee wirken sollen. Für Musik, Gesang und Sprecher mußte die Möglichkeit entsprechender Lauwerstärkung, für die be- wegten Gruppen ausreichende und wirkungsvolle Beleuchwngs- Möglichkeit geschaffen werden. Das Festspiel„Rotes Lied", das den Ausklang der Feierstunde bringt, soll ein Spiegelbild der Arbeiterbewegung in 4k) Iahren geben und wird sich bei beginnender Dunkelheit im Stadion Neukölln abspielen.„Die Arbeitersänger als Feldmusik der kämpfenden Arbeiterschaft" soll Sinn und InHall des Spieles sein. 2ln der Ausführung sind etwa 1200 Kinder der weltlichen Schulen beteiligt, die Kinderchöre und Frauenchöre des ganzen Gaues, annähernd 81)0 Turn- und Sportgenossen, die Sprechgemeinschaft Niederschönhausen und fast alle Einzel- und Gruppenchöre des Gaues. Texte und Spielfolge finden die Besucher im Programm. Die Musik wird von einem 60 Mann starken Orchester des Deutschen Musiker- Verbandes ausgeführt. Die Scheinwerferanlagen sind von der Firma EFA., die Lautfprecheraniage von Siemens u. chalske ge- liefert. Der Eintrittspreis betragt 60 Pf., wofür auch Festplakette und Festschrist mll Programm verabfolgt werden. Die Arbeitersänger marschieren gegen 3 Uhr zu einem kurzen Festzug vom Reuter- und Kaifer-Friedrich-Platz durch die Hermann- straße zum Stadion mll Musik auf. Um 16)4 Uhr beginnt die Nachmiltagsoeranstallung mll Massenchören, Kampfliedern alter und neuer Zell, Orchestervorträgen, Rezitationen usw. Landiagspräsident Genosse Bartels wird eine Festansprache halten. Für verstärkten Berkehr auf den U-Bahnen und elektrischen Bahnen uvrd Sorge getragen werden. ♦ Bei der Festaufführung des Händelschen„B« l s a z o r", die am 3. Mai. 20 Uhr. in der Neuen Welt. Hasenheide, stattfindet, wird on Stelle des erkrankten Hermann Schsy, Professor Walter Fischer(Daß) den Eyrus singen. Die Eembalistin Anna Linde spielt ein Reupert-Cembalo. Es wird von Interesse sein, zu hören, ob das neuerdings bedeutsam in"den Vordergrund getretene Instrument sich auch in so großen Sälen bewähren wird. Allgemeine Wetterlage. 0arv>.:-am- Iiina, Bettehrslolal. Portva««am. Sitter:..ReKtssÄutzkaeett". Borttaro 19 Iffic. Sacinittrnbotf.Oft,«ameradschast: 20 lltzr äHitfllieierncrfammluna Ott fiieftn«, R«stt>cn,str. 9. Freie Schall«,«ammoischaft: 90 Ilhr Mttaliederver. "fammiuita im öttzolltnltuo.— Sauttoo. 10. Mai. Wedding, Schuso: 7% Wr vom U-Sf)f- O�imbbtuimcn nach Friedrichskrldc. Sämtliche Blocks. Deutscher Arbeiter-Sängerbund. Gau Verlia u. Umg. «kinsevdmiaen für diese RudrS sind an dt«(SefchäfteftcXU Schneider, Berlin SRO. 86. Sniftlaitbftt. 31, tu richten. Baal Rur Lanptvrobe für den.Belsazer" am ffreito«, 8. Mai, 20 Uhr, önd noch«arten m 80 Pf. an der Sasse Ml baden, ebenso für Sonnabend. 9. Mai. »ur ffeftauffüfiruna-— Die Geneuiliiroben Kr d» Massenchbre besinnen am Sonntaa mn Ais Uhr._ RSnnerchoe?ei«drich«bain. Der Thor trifft sich heut«. Freitaa. 19 Uhr, /mm Werbesinqen am Landsberger Platz. PitnLIiches Ersck>einen oller San»«». briider ill Pilickss. � � Dwaorarbische» Orchester. Dirigent Erich Dutorrt. liebuna-sstuttben jeden chveitaa. 20ii— 29lh Uhr, im IdeaSajino. N<«lwn, WÄichselstr. 8. Bläser und Streicher milllommen..______. ,,_, Retchevereinignng«hemaltger«eiegagef-ngener. Oriegtnppt Eharlottenbnrg. Kreit«,.«. Mai. 20 Uhr, MonatÄitzuN«, Suare,-«lause. Suaretstr. U. Arbeiter. Abstinenten. Bnnd. Ortegruppe Berlin, Be». PrenUaner Berg. Kmitag. 8. Wai,« Uhr. T-f« Burgfrieden. Dzr„ger Str. 9«. Vortrag des Senosse» Ortel: Nachteile und(befahren de, OTrtoIflemuttt*', mit Sttuft». """»rcchl-emib. Berufefchul«.«eorgensir. 30—31, 20 Uhr. Thema:„ffltfimb bucch sich selbst". Bvrtra, und Aussvrack».«äste nnlllommen. Eintritt frei. «entralverbaud her Arbeiteinneliben nnd Witwen DentschAnd,.«auSreh. Berlin.«eschSsteftele: Berlin W. 87, BUlowitr. 49, rechter Eerterrwigel. Baumschülenweg: ssreit-g. 8, �Ma'. � M-. Lobal Bau�ckmlenstrahe. Referent Gauleiter«olleae Boiat.— Zieuialln: Sonnabend, 9. Mar, 13 Uhr. Lolal«arlegarten, Kriihlinqsseft. Referent Eauletter«ollege Boigt. ««inw�ti-nimsch.s-ti-liwfch-. Wählt» mite«(Pvot,«ion- Sawtl fioatair). Mittwoch. 13. Mai. 20 Uhr. im Sacke schen Sof, Posenibalee«ii. Bor dem 17. Rioniftentonarch." Refment In«.«.«aolansb,. London. Mit. glied dar«ion. Eietuiiva. Wiglied der Erelutive der SSI. e»«>I«l> Looverselloorl ölud sounäeä 1873. Meeting! every Fridiy 8 p. m. Cr« König, Leipziger Str»ße 117/118. Leeturer: Miß Coole on:»The Ditference of Education in England aqd Germany". Gaests. Ladies& Gent. lernen, sre welcome. Sot allsta Esprranto Asocio, Orupo Berlin. GetchäfliStelle A. SproecV, V 58 Choriner Straße 45. Freitag den 8. Mai, im Metallarbeiter- Verbanashaus, Unienstraße 83—35. Portal lll. l treppe. Vorlesung aus.Maieo Faleone" Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SW 68. SinbenitraHe 3, partsinachnchten fürGroß-Berttn stet» au da» Bezirksfekretariat 2. Hof, 2 Treppen rechts, zu richte». Beginn aller Veranstaltungen 19� Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! Heute. Areitag, S. ZNai. 20. Abt. SO Uhr Aussprachrabend Sei Pohse,«cloirieftr. 15. Thema:.Dm BäUerbund" 32. Abt. Lokal Baientin,«rauisir. 38. Kunbtionärsttzung. 78. Abi. Der Lortrag des Genoffen Dr. Neiima-,'-i> fällt beute aus. Dafür nur Bvrfianbsfftzung be! Ratho, 20 Uhr. 81. Abt. 20 Uhr bei«labe, Handfernftr. 80—61. ffunktionärsskung. 08. Abt. Kunvionärfftzung bei Roack, Zuliusftr. 25. M. Abt. Kuiilffonärfftzung im Sitzungsraum, Hannemaiuistr. 40. 108. Abt. 20 Uhr im Logenhaus, ssciedrichltr. 61, Elteriiversammlung. Rebtor Tretiu» spricht über Aufbaullassrn. Alle parteigenSsssschen Eltern müssen erscheinen. 120. AHL 20 Uhr stzurcktionärsstzung bei EHivarz, Capririallee 104. Befondera Einladung erfolgt nichL Morgen» Sonuabcnd. 9. Mai. 4. ÄreU. 20 Uhr satirischer Abend der SAI., Echulaula Danaiger Str. 23. Uvautführung:.Der tapfere Joseph". Eintritt frei. 25. Abt. Genossinnen und Genossen beteiligt euch zahlreich an dem satirischen Abend der SAZ. Arnswalber Platz am Sonnabend, g. Dia:, 20 Uhr, Aula Danziger Str. 28. Eintritt frei.' 75. Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlung, Lokal Lindenhos. Am Wilhelmplatz. 05. AHL 17 Uhr Besprechung des Dorstandes mit Piertelfiihrern bei«eil. Drinz-Handjerp-Etr. 38. Materialausgabe. Arauenveranslaltullg. 13.«reis. Heute, ssreitag, 8. Mai, Treffpunkt 15Vj Uhr vor dem Waisenhaus in her Alten Iakobstr. 33— SS. ztvecks Besichtigung. Arbeiksgemeinschast der stindersreundc Groß-Berlin. Mufil-»ud Singechor: Heute, ssreidag, 20 Uhr, in Neukölln bei Fritz Hofft- mann, nahe Hsrmannplatz. Bezirk ssriedetchohain: Freitag. 18 Uhr, Waldsestprobe Heim Liiausr Str. 13. kbSlppe Landsberger Platz: Gruppenabend Fällt aus. Treffen 17Vz Uhr Falken. eck«. Terte mitbringen. Gruppe Petersburger Platz: Heute 18 Uhr Gruppen. abend, Jugendheim Tilsiter Str. 4. «reis Reutöllu: Die Derichtsbogen für das l. Biertelzahr 1031 müssen sofort abgegeben»erden.— 9. unb 10. Mai«reis Iren ehr: Wir treffen uns am Sonnabend folgendermaßen: Nesifaiken um löle Uhr Blss. Neukölln. Führung Fritz Rühl. Jung- und Rote Kalken um 17 Ilhr ebenda. Unkosten 140 M. Die letzten Strohsäcke Werden am Montag um 19 Uhr im Seim Trep. toUMt Straft« abgegeben. Ortsgruppe«öpeuick: Sonntag. 10. Mai. Waldfest in der Wuhlheide, Restau» rant.Sanssouci", 14 Uhr. Parteigenossen mit«lodern sind herzlich eingeladen. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisaiioa� 10. Abu Unser langjähriger Genosse Artnr ftnaak. Sussitensto. 45, isl nach langer«eankheit versborben. Wir werden sein Andenken stet» in Ehren halten! Beerdigung Freilag, 8. Mai, 15 Uhr, Elisabeth-Friedhof, Pankow, Wollanksir 66. 137. Abt. Am Dienstag persiarb unsere Genossin«lara Rogge. Ehre ihrem Andenken! Einäscherung Sonnabend, 9. Mai, 10 Uhr,«rematorium Geridjtsivofte. Dir bitten um rege Beteiligung. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlio Sinseodvnaeo ttir diese?wbri? nvr ob taä luaenbWretariai Ftriin SW 6*. findenffrofc' Stechch-rchev-r Groft-Beellar H-wt« 1B4 Wr Pflichtprob-, s-im E«. Ecke Tuviner Strafte. Erscheinen unbedingt wichtig. Die Mai-Zugendtag-Plaketteu müssen umgehend abgerechnet, die Ordne». binde» müssen sofort abgel«fert werden. Sozialistisch« Schsilergemeioschasten. Montag. 14. Mai, 29 Uhr, Mitglieder. versammluns, B-rtoagssaal d-s P.-B.. SW.. Lirtdensir. 3. 9. Hof. 2 Tr. Gr. nassin, Dr. H. We-Meldce spricht Uber.Sozialdemokratische oder national. sozialisiifch««ulturoolitik?" Mitgliedsbuch osent als Ausweis.> � Auf dein Mat.IUgeubtag im Qolkspark Rehberg« perloren« und gefundene Gegenstände sind abauholen bzw. gbzugebe.n bei der FGZ., Engelufer 24—88- Ardeitskreis Abraham: 9. 10. Mai Arbeitsfahrt noch der SugendherS«r»e oassem. Genosse Igckabi:.Reiseeindrücke in Sowietruftland'. San-tabend. ltz Uhr und 1001 Mi Potrbar--- 7 Uhr oidcktlie■ n, Vi. Ltzi e'.n,--'.,.■ e, AV'-üu« nlfcctsb« Attsi ij»', et— 30.—« Sans«: S..--oabit»: Lehrt«?...„gc: Cit.:..... t£.iixAet Platz:«oilantenallee 83.— Andreocolao: Brommpstr. 1.— Daltenplutz: Tllsiteo Strafte 4—5.— P«ter»burgar SBittU,. Ebertvito. 12.— atralouer EictUl: Goftlerstr. 61.— Warschauer PlttUX; Litauer©!t. 12.— Warschauer Viertel. 9. F.! Litauer Str. Ii,— Eharlottc.iburg: Rosinenstr,. 4.- Ehaelottenburg. Süd: Goethefttaft«.— Laatu. Schulfttafte.— Mar, endo es 1; Torfstr. 6.— Marieubors II: Marienfelde.— NiauMschuleuweg: Ernststr. 16.— Zohanuisthal: Rathau».— Schön cweide: Berliner Str. 31.— Treptow: Elsen Ilr. 3.—«s«. nick XI: Dahlwitzer®tt. 15.— Lichtenberg. Roid: Guntersir. 4L— Buchholz: Berliner Str. IV.— Hohenschönhausen: Freienwalder Str. 6. SSden: 18 Uhr Spielen auf dem Tempelhoier sseld.- Ar-»wald«r Platz 1: Rasienburger Str. 16: Generalorobe.— Gewerkschastshaus:«öpenicker Str..02: 10.Minutei>�ieferate.—«öllnifcher Park: Waisenste. 18:„Lenin".— O-oaitn. bnrger Tor: Tieckftr. 18:.Warum freie Scwcrksdxist?"— Ztoienthaler Voestudl: Elifadethkirchstr. 19: LosUmann.Abend,- Moabit III: Lehrter Sir. 18-19: „Ruftland". 1. Teil.— Best«»: G-nthiner Str. 17:„Der 1. Mai als Weltfeier- tag".— Balkan: Mandclftr. 2:„«weck und Ziel der Rngendtage".— ffoll- platz 11: Sonneuburger Str. 20: Liwend und Gewerkschaften".— Kelmholtz- vl-tz: Daneigeo Str. 62. Baracke 2:„Richte und Pflichten des BerufsschA-rs. — Humaiinplatz: Gleimstr. 83— ZS:„Die Freidenkerbewegung�.— Nordosten I: Dansig« Str. 62. Baracke 3 r.: �«iele und Weg« der SAI."— Luisenstadt: Wassertorstr. 9: lo.Mrnuten�ieferatc.— Schöneberg I: feguotstr. 15;„Gesetz Groft-Derlin".— Schoaeberg IV: Kauptstr. 18:„Die russisch« Rcvolutwu.— Frankfurter viertel: ssronlfunter Allee 307:..Di« Pfadfinder-.- Bilmer-bo�i Wilhelmsaue 128:„Die Sowtetunion".— Neukölln l: 19 Uhr Reuteaplatz. �— 1 Callenberg: Gutshof: Löns-Abend.—«öpeuick I: Grünauer Str. 8:„Radio- und Schallplatienabend.— Friedrichsfilde: Guntersir. 44:„Der Reichspartei. tag".— Lichienberg-Mitte: Scharnweberstr. 9:«urzreferate.— Ren-Sichteuberg: Hauffftraft«:„Seruells sscagen". 2. Teill— Licht-uberq.Rordmest: Dossessr 22: „Wie dioiutiere ich mit politischen Gegnern?"— Reiaichndors-Ost: Lindaueo Straft«: Auhrtenabend mit Lichtbildern.— Wittenau: Haupfftr. 15: SA2. und «irche". � � � Werdebezirk NeukäUa: ffilmabend:„Run, der(Slefowt" im Saalkau. Der» straft« 147. Eintritt SO Pf. Saalöfsnurig 19 Vt Uhr, Beginn 29 Uhr «erbebezirk Schonebcrg: Morgen Trei�hrt nach Rosien. Trefsounkt IL Uhn (auch für Radfahrer, und 29 Uhr Bhs. Sch-neberg: Sonntag 6V> Uhr ebondo«. WiptsSaftsuot. Millionen sind arbeitslos, die prominentesten Winschafts- fuhrer erbrechen sich die«öpfe, wie der«rüe steuern wäre Haben Sm schon darüber nachgehacktt. daft Deutschland viele Waren iN d-r gleichen Qualität oder besser als dos Ausland fabriziert» dennoch werden soKli« Vrvdukte trotz Sicher Rolle importiert. Der deutsch« Wilke-Hut ist ebensogut. Bedenken Siel Wer Dil!- kaust, schafft der Heimat Arbeit. IDie goldene auf der 5. JniernationaLert Uabak- OusßeUung in Saloniki 1930( Vlasaedamen) beweist die anerkannte QuaLHätder tfabrihcLte* Qerdland: Marie hielt nach die Türklinke von Jimmy Tuncsios Kellerbar in der Hano, da wußte sie schon: Lcster war noch nicht hier gewesen. Sie sah es an dein stumpfen, erloschenen Blick der Gräfin War- worra, an den fahrigen, zitternden Bewegungen der Barsrau. Aber obgleich sie nicht daran dachte, hier auf Lestcr zu warten, um, wenn er heute und morgen und übermorgen nicht käme, Nacht für Nacht wiederzukommen wie«in geprügelter Hund, obgleich sie nicht daran dachte, hier etwa zu tanzen mit den hohlwangigen Gigolos, taumelte sie zur Theke, denn sie sah den Bost, Jimmy Tunesio, aus seinem Privatgemach kommen. Maries atropingcweitete Augen starrten durch diese Tunnelbar, in der es nach modernder Kellerfeuchtigkeit, Alkoholdünsten, kost- baren Parfüms und erkalleten, verglimmenden Zigarettenrcften roch, und erst die Worte der gedunsenen Frau mit dem zerschmink- ten Gesicht hinter der Bar riefen diese starrenden, blicklosen Augen gleichsam zur Ordnung. So bestellt« Mari« einen bitteren, ästenden Trunk, so kletterte sie auf einen Hocker und ließ den Mantel van den Schultern gleiten, denn es herrschte eine ungesunde, feuchte Hitze in dem erschreckend niederen, langgestreckten Raum. Der Refrainsänger, auf Halbidiot frisiert, weil er Gesänge der Schüchternheit vortrug, warf Marie einen langen Blick zu. Sie konnte das alles so genau, dies kakadurot illuminierte Tonzparkctt, auf dem zwei Gigolos mit zwei Gigoletten einen Tango zelebrierten, diese zerschlissene, verstaubte Samtverbrämung, sie kannte die langen, verzehrenden Blick« des Schüchternheitssängers mit dem Clownhütchen vor dem kugelrunden Glästchen und sie wußte, daß dos ja alles eine trostlose Jnszene bedeutete für etwaig« Spritzgäste, die sich hierher verirrten, für d!« Polente und für Neulinge. Plötzlich war Tunesio neben ihr. So dicht, daß sie die Borsten feines schwarzen Schnurrbartes auf ihrem nackten Oberarm spürte, daß sie seinen Atem und die stechenden, tückischen, schwarzen Raub- tieraugen führte. Marie ahnte: Tunesio weiß, wo Oester ist! Ihm konnte es ja nur recht sein, wenn der Rauschgifthändler einige Nächte ausblieb und seine Kunden aus die geliebt« und ersehnte Betäubung und Aufpeitschung warten ließ.' Dadurch erhielt er sich seine Stamm- gäste, die in solchen Nächten einen ungeheuren Konsum an Alkohol, Nikotin und Coffein hatten, seine Stammgäste, die, sobald die Tür geöffnet wurde und der rcscdagrüne Vorhang sich teilte, am ganzen Körper zusammenzuckten und, wenn die Hoffnung sie betrogen hatte und irgendeine Nnchtmottc in das schmutzig-schwüle Licht der Bar geflattert war, zusammensackten. Auch jetzt, da Tunesio neben ihr stand, ohne ein Wort zu sprechen, ging di« Tür auf und die Gräfin Warwarra, diese Ruine einer Heroine, umkranipfte erregt mit zitternden Fingern den Stiel des Kelches, so daß die Eisstückchen gegen das hauchdünne Glas klirrten, was wie ein Röcheln klang. Aber es war nicht Lester, sondern«in junger Mann, der sich offenbar auf„Lebemann" frisiert hatte und wohl auf Entdeckungstourcn ausging. Der Dondyfakko, in den der mächtige Brustkasten geschniegelt war, das pomadisierte Blondhaar und die geschmacklose, moderne Krawatte standen in einem seltsamen Kontrast zu den großen, wun- oerigen Augen und der srischen Gesichtsfarbe.„Laß man de» Bauernbengei nicht sobald wieder los!" zischte der Bast zur Bar- frau, dann ging er mit seinem schleichenden Dienern, mit seiner kastenhaften Freundlichkeit auf den Jungen zu. Der kam und setzte sich tolpatschig auf einen Hocker am anderen Ende der Bar. Marie sah durch ihn hindurch, der sie anstarrte wie eine Er- schcinung und die Animiermädchen abschüttelte. Seitdem Mari« um des Giftes willen gestohlen hatte, oie ent- festlichsten Oualen im Frouengefängnis erduldet hatte, seitdem sie für ein« Spritze Morphium bereit war, ihren jugendschönen Körper zu Dit'aufen und in den�varuwngen feister Kavaliers vov B'-er durch- rüttelt', voflnSueht gepeitscht tuurtn, Vjnntt sie jene Romantik nicht mehr, die Dirnenromantik, die jede Klassekokottc wie letzte Morast- frau einmal mit ungeahnter Vehemenz überfällt. Tunesio ging-n ihr vorbei. Da heulte etwas in ihr auf. Sie rutschte vom Hocker und U«f dem Bost nach. Sie hörte sein bö?» artiges Zifche» nicht, sie ging mit ihm in fein Privatgemach. Sic bat ihn, die Adresse Lesters zu sagen, sie wollte ja nur ein« «spritz«, damit die Qualen und Schmerzen sie nicht zum Selbstmord trieben...'s wär' nicht schade um dich!" lachte Tunesio. Da sah sie seine tückischen, gierigen Blicke auf ihre kleinen steilen Brüste gehestet.... Da legte sich«in gewohnheitsmäßiges, eisiges, gefrorenes Lächeln um ihren Mund, sie trat dicht an ihn heran und fragte:„Sagst du es mir.... dann?! Und zog sich aus. Als sie das„Kontor" verläßt, als sie nun hindurchwankt durch di« Kellerbar, dem Ausgang zu, mit wirren.Haarsträhnen unter dem Hut. mit verwischter Korallenschmink« um d«n Mund, sitzt der Junge noch da auf seinem Hocker und stürzt einen Kognak nach dem anderen hinunter. Als sie nun an ihm vorbeig«ht und einen flehenden, alles wissenden Blick der Barfrau ausfängt, folgt er ihr, im Gehen bezahlt er die Zech«, schlüpft in den Mantel. Und dann sind beide draußen. Auf der Straße. Es ist kurz vor drei Uhr: Pchizeistunde. Mari« muß sich beeilen. Es ist«ine weite Fahrt bis zu der kleinen Kneipe, in der Lester ist. Sie kennt dos Morsezeichen nicht, das die Hintertür öffnet. Die Hoffnung, bald das Gift im Fleisch zu spür«n, beschleunigt ihre Schritte. Aber der Junge ist imnier neben ihr. Und da überfällt sie plötzlich«ine irre Angst. Was will der von ihr? Was will der von einer Erledigten, Ausgestoßen««, Be» sesfenen, Elenden, die sich für eine Adresie verhökert, was will der von ihr, was hat der denn, hat der ein Messer lose in der Tasche, um im gegebenen Moment zuzustoßen? Aber nein, so sieht der eigentlich nicht aus. Im Schein eines Kandelabers bleibt Mari« stehen und sieht ihn an. „Was wollen Sie von mir? Merken Sie nicht, daß ich es eilig habe? Warum rennen Sie n«ben mir her?" fragt sie atemlos. Der Junge steht da vor ihr und rührt sich nicht und sagt nichts. „Ich werde Sie feststellen lassen, Sie belästigen mich! Sind Sie denn verruckt geworden? Wofür halten Sie mi— i-i— k-l...* Fragest �"e'ncn ohnmächtigen, schmerzbewußten„Ach" bricht die Und nun steht Marie vor ihm, hier auf der winddurchwühlten, laternendurchzuckten Nachtstraße, steht da mit hängenden Schultern, mit stotternden Händ«n und zitternden Lippen, nun steht Marie vor ihm und ein stummes Schluchzen, dem die erlösenden Tränen fehlen, schüttelt ihren Körper. Auf einmal, an der klobigen Ruhe des Burschen da. versagt ihr« fiebernde Hast, versagen die gepeitsch- ten Nerven, verläßt sie die Sucht nach der Betäubung und Belebung. Auf einmal sucht sie eine schützend« Hand, die sie führ«» kann, ein gutes Wort, lange entbehrt, das ihr den Glauben an sich selbst wiedergeben kann. Da steht sie vor einem Fremden, an dessen Stummheit ihre Fragen zerjchellt sind, und erwartet von ihm. daß er sie in seinen Arm nimmt und sie wegführt. Nun aber, da er statt der steggewohnten Frau, die er hinter ihr«? Larve vermutete, nur«i» hilfsbedürftiges Nuttchen sieht, wendet«i sich stumm, wie fucM Xefter... er neben ihr gegangen, ob, geht mit langen, tapsigen Schritten w«iter, weiter.... Sie ist allein. Die Schwäch«, die si« überwältigte, verfliegt vor dem Gedanken an Lestcr. Sie muß ihn finden. Sie kann so nicht weiterleben. Sie braucht das Gift, das sie beseelt und anfeuert, das einen neuen Menschen aus ihr macht. Und dann betritt Marie die Kneipe an der Ecke zweier dunkler Straßen, die ihr Jimmy Tunesio genannt hat. Man ist hier aus seinen Besuch eingestellt. Fast jede Nacht komme» junge Damen wie Mari« oder alte wie die Gräfin War- warra und fragen noch oen Rauschgisthändlcrn Lester und Synte. Und jede Nacht er«ignen sich hier Tragödien. Am Bierhahn steht «in hemdärmelig«? Zapfcr.„Herrn Lester...? Kenn ick nich!" lautet seine stereotyp« Antwort aus die Frage, die auch Marie jetzt stellt.„Wat soll's denn sinn, Jnädichste?,'n scheener Kognak vielleicht?" Dann geht er breitbeinig nach hinten in ein« Bereinsstube und ruft:„Orje, kennst du eenen Herrn Lester?" Und ein verdäch- tiges Individuum taucht aus. Bon Orje erfährt Mari«, daß Lestcr sich in einer sogenannten „Prioatgesellschast" befinde, in der„auch" gespielt wild. Wenn sich die Jnädichste ihm anvertrauen wolle, so werde er si- hinführen. Sie gehen. Vorbei an morschen Häusern, an deren Türen rauchende, bunt- bemalt« Mädchen lehnen, vorbei an Männern mit verhauenen, brutalen Visagen, die zu diesen Mädchen halten.„Bald bist du auch so weit!" faucht die Dunkelheit, spritzt zerschämt« Lache hoch, keifen die Hot«lfchilder und schlürft der Schritt des Zutrcibers neben ihr. Die Privatgesellschaft ist natürlich ein geheimer Spielklub, m dem hauptsächlich die weiblichen Besucher die Separaträume be» Völkern, in di« sie müde hincinwank««, mit trüben Augen und blut, leeren Lippen, und oie sie jung und fröhlich, heiterer Laun« und lebendig v«rlass«n.£)ie Privatgesellschaft ist also«in fliegender Klub, eine fliegende Raulchgistzentrale, die mal hier, mal dort hospitiert. und deren Adresse dem Kncipenorje bekannt ist. Hier trifft Mari« L«stcr. Er erhebt sich vom Ecartetisch. an dem gerade ein Provinzler gerupft und ausgenommen wird, und küßt Marie die 5)and. Es ist ganz seltsam: in dem Momeick. da sie den Verbrecher sieht, der seine Ops-r wie Marionetten nach seinen, Befehl tanzen läßt, wird es ihr so leicht zumute, hört sie schon das Singen im Ohr, als hätte sie schon gespritzt. Lester ist ein Mann in den besten Iahren, hat-in kugelrundes Bäuchlein, ein dickes, gepflegtes Gesicht mit pfiffigen Aeuglein. Wahrhaftig, man sieht ihm seinen Handel iricht an, sieht ihm nicht an, wie viele Maries durch die Nacht der steinernen Stadt irren und ihn suchen, suchen. Denn kein Rauschgifthöndler, kein Lester frönt dem Laster. Marie taum«lt in dos Separatzimmer, das süßlich ourchduslet ist und angefüllt mit Kissen und Decken. Mari« füllt ihre Spritze aus der Ampulle, die sie eben van Lester gekauft Hot. Dann sticht sie tief in dos feste Fleisch des Schenkels. Minuten später wird sie all dos vergessen haben, was hinter ihr liegt, oi« peinzerrütteten Wochen und Jahre, die Irrfahrten dieser Nacht. Tun«sios widerliche Küsse und die höhnische Schüller des Jungen. Minuten später wird sie zu einem kurzen, schnell ver- flackerdeu Strohseuerleben erwachen..... Wie die Klaiur verlchwendei Nur die ungeheure Verschwendung, die die Natur bei ihrer unendlichen Fruchtbarkeit übt, bewahrt die Weit und den Menschen vor dem Schicksal, durch das Ileberwuchern einzelner Tiere und Pflanzen erstickt zu werden. Erstaunliche Beispiele für diese Ver- gcudungssucht der Natur werden in einem Aufsatz des in Ziew Park erscheinenden„American Weekly" auigeführt. Um das Fort- bestehen vieler Arten der Tier- und Pflanzenwelt sicherzustellen, heißt es da, bringt die Natur alljährlich unzählig« Milliarden von lungen Organismen hervor, die fast alle zum Tode verurteilt sind. Da' sind die Völker der Ratten und Mäuse, von denen jedes Paar in einem einzigen Jahr viele 5)underte von Nachkommen in die Welt setzen kann. Während einer einzigen menschlichen Lebenszeit würden diese Tiere die Erde überfluten, wenn nicht der größte Teil der Jungen sofort zugrunde ging. Ein weiblicher Kabeljau bringt in einer Saison 8 Millionen Eier hervor, und der Aal ist noch viel fruchtbarer. Ein einziges Paar dieser beiden Fifcharten würde, wenn es seit dem Deginn der christlichen Zeitrechnung sich ini Ozean ungestört hätte jortpflonzen können, sämtliche Weltm««« mit lebenden Aalen oder Kabeljau vollständig ausgefüllt haben. Noch ungeheuerlicher ist die Fruchtbarkeit der Auster. Nach den Schätzungen von Dr. Galtsofl vom amerikanischen Fischereiomt ver- mag eine einzige Mutterauster im Lause einer einzigen Legezeit mindestens eine halbe Million Eier zii erzeugen. Eine Bienen- kömgin kann in ihrer durchschnittlichen Lebenszeit von drei Jahren 5 Millionen Eier hervorbringen 'Im Pflanzenreich ist diese lleberproduktion fast noch ausgesprochener als im Tierreich. Eine einzige Pflanze Ampfer hat in einem Jahr Z.rlXlü Samenkörner und den Rekord hält wohl der gelbe Hornmohn, der 70 000 Samenkörner hervorbringt. Diese un- geheure Fruchtbarkeit der Pflanzen würde in wenigen Jahren die ganze Well überwuchern, wenn auch nur die Mehrzahl der Körner ausginge und sich wieder zu Pflanzen entwickelte. Tatsächlich aber kommt nur ein nichtiger Bruchteil von einem Prozent des Samens zum Wachstum. Doch alle sichtbaren Lebewesen werden in der Produktivität weit in den Schotten gestellt durch die Bakterien und anderen winzigen Lebewesen, deren Welt sich nur im Mikroskop offenbart. Manche Bakterienarien vollenden ihren Lebenslauf bereits in weniger als 20 Minuten. Eine eiizzige Mikrobe ist also sähig. 20 Minuten noch ihrer Entstehung sich in zwei Teile zu teilen und damit eine neue Generation von Bakterien zu schaffen: 20 Minuten später können diese beiden Tochtennikroben sich schon wieder teilen usw. Wenn die Bakterien in einem einzigen Glas voll saurer Milch genügend« Nahrung erhielten und sich unter günstigen Bedingungen entwickeln könnten, so würde die lebende Masse der hier erzeugten Mikroben in weniger als 5 Jahren größer sein als die ganze Erde, linier den herrschende» Lebensverhältnissen ist glücklicherweise eine solche Entwicklung ausgeschlossen. Nur eine Mikrob« unter 1000 Milliarden ist in der Lage, am Leben zu bleiben und die Nachkommenschaft dieser einen Bakterie ist wieder demselben Gesetz des Unterganges unterworfen. Je höher di« Lebewesen entwickelt sind, desto geringer ist ihre Nachkommenschaft, und um diese zu erhalten, bedarf es besonderer Pflege durch die Eltern. In den primitiven Verhältnissen der Menschheit wird eine große Anzahl Kinder geboren, ober die meisten von ihnen sterben, weil es an der nötigen Sorgfalt und Hygiene fehlt. Kulturgemcinschastcn dagegen haben eine viel geringere Gc- burtsziffer, ab«? die Kinder werden mit großer Hingebung vor G-- fahren geschützt und bleiben daher zum-größten Teil am Leben. Kokosmihpalmcn wachsen gewöhnlich nahe an der Meeresküste. Wenn die Frucht hcrabsällt, so stürzt sie mit großer Wahrscheinlich- keit in den Ozean und wird von der Slrömung fortgeiricbcn, manchmal Tausende von Kstomelenr. Auf diese Werse wird der Samen weithin verbreitet und man.nimmt an, daß die Kokosnuß so überall an den tropischen Scetüsten der Welt verteilt worden ist. Man Hot kürzlich Versuche mit dem Wollkraut gemocht, um seine Fortpjlan.zung festzustellen. Diese Pflanze bringt etwa 700 000 SamSiilörncr im Jahr hervor: nach sechs Monaten konnte aber festgestellt werden, daß sich in der Nachbarschaft einer Pflanze, von deren Entwicklung jede Störung ferngehalten war, nur J08 Schößlinge befanden: alle übrigen waren untergegangen. Die Feinde, die diese ungeheure Sterblichkeit der Pflanzen heroorrusen, sind in erster Linie Insekten, dann Pilze, die die jungen Schößlinge angreifen und vernichten, und ebenso gibt es in der Tierwelt immer wieder Tiere, die sich von anderen Tieren nähren und ein« Heber- Produktion verhindern. Es gibt aber auch Fälle in der Erdgeschichte, in denen selbst diese B-rschwendung der Natur, die zur Erhaltung der Arten dient. nichts fruchtete. So lebten die großen Dinosaurier einst in un- zählige» Millionen, aber sie starben dann vollständig aus. Vielleicht steht dasselbe Schicksal auch einmal anderen Arten bevor, die wenige Junge haben und ihre Aufzucht nur durch besondere Pflege er- möglichen, so dem Elefanten. Aber auch der Mensch gehört in diese Kategorie. Siegmund 3hle: dDlß Bei den ältesten Kulturvölkern stand di« Heilkund« ganz all- gemein in Verbindung mit dem Religionswcsen, und deshalb war sie und ebenso die Heilbehandlung ganz den Priestern überlasten, wie auch heute noch bei den Naturvölkern die„Medizinmänner", die Heilkünstler der„wilden" Völkerschasten, priesterliche Eigen- schaften haben. Am meisten war im alten Aegypten die Heilkunde mit der Religion verbunden, doch war sie im Berhältnis zum da- maligen Wissen auf den verschiedensten Gebieten schon ziemlich weit vorgeschritten. Es gab aber damals noch keine Apotheken. Die Arzneien in ihren verschiedenen Formen und Zusammensetzungen wurden von den Heilkünstlern, von den Priestern, selbst hergestellt. Die erste wirkliche Apotheke soll von einem Kalifen in Bagdad ein- gerichtet worden sein. In Europa scheinen die ersten Apotheken in Venedig und Genua eingerichtet worden zu sein, auch hatte sich dort sofort die Stadtverwaltung eine gewisse Kontrolle bei der Herstellung von Arzneien vorbehalten. Eine Kontrolle der Apotl�ekcn schien schon aus dem Grunde notwendig, weil in den italienischen Städten die Morde durch Vergiftung jahrhundertelang ziemlich häufig waren. In Neapel muß dann auch schon frühzeitig mindestens eine Apotheke bestanden haben, denn im 12. Jahrhundert kam eine Verordnung heraus, wonach die Hersteller von Medikamenten aller Art vor dem Rat einen Befähigungsnachweis zu erbringen hatten. Außerdem wurde dabei festgesetzt, daß die Apotheker unter der Oberaufsicht des Arztes stehen sollen, und daß ein Arzt keine Apotheke betreiben dürfe. Als Apotheker wurde denn auch nur zugelassen, wer von der medizinischen Fakultät ein Zeugnis über feine Befähigung vor- legen konnte. Verstöße gegen die angelobte Pflicht sollte nebenbei auch noch mit Wegnahme des gesamten Vermögens bestraft werden. Nun kamen in den stalienischen Städten auch Verordnungen heraus, wonach die Apotheker Gift« und sogenannte Liebestränke nicht mehr verkaufen durften. Nach den vorliegenden Nachrichten muß angenommen werden, daß in Deutschland zunächst die Ausübung des Apochekerberufes oftmals noch mit dem Berufe des Arztes verbunden war. Doch entwickelte sich dann der Beruf des Apothekers auch aus dem des Drogenhändlers. Besonders solch« Kaufleute, die Kräuter. Soll»«» aus den italienischen Städten bezogen, dürsten nach und nach zum eigentlichen Apochekerbcruf übergegangen sein. Der Name„Apv- iheea" wird in den deutschen Städten schon im 12. und 13. Jahr- hundert erwähnt. Ob es sich dabei um richtige Apotheken gehandelt hat, ist allerdings recht zweifelhaft. Aber auch soweit schon wirklich? Apotheken bestanden, waren die Apotheken nicht einmal in Häusern untergebracht, sondern in offenen Buden an Straßen und auf Markt- Plätzen. Diese Tatsache wird noch aus dem 11. Jahrhundert erwähnt. Erst im 16. Jahrhundert sind in den deutschen Städten die Apotheken durchweg in Häusern untergebracht, und seit dieser Zeit waren sie auch besser eingerichtet. Die Apotheken gehörten dann später gewöhnlich mit zu den schönsten Gebäuden in den deutschen Städten. Das Rezeptwesen war freilich auch in der nachmittelalterlichen Zeit noch wenig ausgebildet. Papier blieb noch lange eine Selten- heit und sehr teuer. Daher gingen die Aerzte selbst in die Apotheken, um dem Apotheker mitzuteilen, wie die Medikamente für den einzelnen Patienten zusammengestellt werden sollen. Außerdem hatten die Aerzte auch die Pflicht, die Herstellung jeder von ihnen verschriebenen Arznei zu überwachen. Wie im Mittelalter alle Gewerbetreibenden zu Zünften zusammengeschlossen waren, so mußten auch die Apotheker einer Zunft angehören. Da sie allein zu wenig zahlreich waren, als daß sie auch in einer größeren Stadt eine Zunft hätten bilden können, wurden die Apotheker einer anderen Zunft angegliedert, und zwar meistens der Zunft der Krämer und Kaufleute. Soweit bisher festgestellt werden konnte, dürste in Deutschland die erste Apotheke in Köln am Rhein ein- gerichtet worden sein. Deren Begründung weist auf das 12. Jahr- hundert hin. Im 13. Jahrhundert finden wir dann schon Apocheken in Trier. Konstanz. Hamburg. Rostock, Schweidnitz, Lübeck. Münster. Straßburg. Wismar, Augsburg, Goslar und noch in anderen Städten. Am Ausgang des Mittelalters dürfte wohl jede größere Stadt schon eine Apotheke gehabt haben. Zu jeder Apotheke ge- horte im Mittelaller ein Kräutergarten, in dem die moisten Kräuter herangezogen wurden, die bei der Herstellung von Medikamenten gebraucht worden find. Die erste Apothekertax« scheint in Frank« fürt a. M. emgessihrt worden zu sei». Das geschah im Jahre IM.