Morgenausgabe Nr. 214 AlOS .-tS.Zahrgavg Wöchentlich LSPs� monatlich 3JBO M. im voraus zahlbar, Postbezug 4,22 M. einschließlich 60 Pf. Postzestungs» und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslandsabonnement 6,— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen- vorto 6.— M. Der.,DorwSrts� erscheint wochentäg- lich zweimal, Sonntag» und Montag» einmal, die Abendausgabe für Verlin und im 5)andel mit dem Titel„Der Abend" Illustrierte Beiloge„Volk und Zeit" Ferner„Frauenstimme". „Technik".„Blick in die Bücherwest". .Jugend-Dorwärts"u.»Stadtbeilage� Berliner Voltsblatt Sonnabend s. Mal 1931 Groß-Äerlin Ig pf. Auswärts 1Z Z)f. Di« elnfpalt. Nonpareillezelle 80 Pf. Nevamezeile 5.— RM.„Kleine An- zeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. (zulassig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Taiif. Stellengesuche das erste Wort lb Pf., jede» weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien- anzeigen Zeile 40 Pf. 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Franklin-Bouillon forderte, daß die politischen Methoden des Auhenminiftcrs sofort geändert werden, da Briond sich seit fünf Iahren ständig in seinen Boraiissichten und in seiner Tätigkeit geirrt und damit den Frieden schwer kompromittiert habe. Es sei be- dauerlich, daß die Debatte kurz vor der Präsidentenwahl stattfinde. Briand habe sich bei der Senatsdebattc über die deutsch- österreichische Zolloereinbarung damit zu entschuldigen vcr- sucht, daß er wie olle übrigen Staatsmänner durch die Unterzeich- nung des Protokolls vollkommen überrascht worden sei. Diese Be- gründung. sei nicht ernst zu nehmen, denn alle Welt wisse, daß Dcutschlapd und Oesterreich seit je auf den Anschluß hin- arbeiten. Der Außenminister habe sich bei seiner Gegenaktion an England und Italien um Unterstützung gewairdt, obwohl er wissen müßte, daß beide Länder nicht gegen den Anschluß seien. Demgegenüber hätten die Staaten der Kleinen Entente die Gefahr sojort erkannt und sich zu einer energischen Gegenaktion zusammengeschlossen. Die Kleine Entente werde der Kern d e s W i d e r- st a n d c s gegen den deutsch-psterreichischen Zollplan sein. Biiond hätte sosnrs erkläre» müssen, daß die Zollunion zwischen.Deutsch- land und, Oesterreich nach den Bestimmungen der Friedensverträge u n g e s c tz l i ch fei,.. und er hätte sofort die Einberufung. des Vöikcrbundsrals veranlassen müssen. Dos habe er aber nicht getan, weil er seit drei Iahren von Pancuropa träume. Statt dieser Utopie hätte der Minister versuchen sollen, die im � Kriege gegen die mitteleuropäischen Mächte vereinten Staaten zu einem sqlidcn Block zusammenzuschließen, dem gegenüber Deutschland und Oesterreich niemals gewagt hätten, ihren Plan durchzuführen. Der Anschluß sei die Folge der zusammenhanglosen schüchternen und blinden Politik der alliierten Mächte. Franklin-Bouillon erklärte schließlich noch, daß nach seiner Meinung die Locorno-Bcrträge bedroht seien. Er begründete diese Auffassung vor allem mit der im De- zember 19ZN in Magdeburg von dem preußischen Ministerpräsidenten Braun abgegebenen Erklärung, daß Deutschland sich nicht mehr mit der Ostgrenze einverstanden erklären könne. Außerdem habe B r e i t s ch e i d bei einer Reichstagsgebattc Über eine Entschließung, die die Rückgabe Eupen und Mal- m c d y s verlangte, inz Namen d»r sozialdemokratischen Fraktion diesem Antrage zugcsti mm t und erklärt, eine Volks- a b st i m m u n g in den beiden Kreisen würde eine große Mehr- heit für Deutschland ergeben. Daraus sei die Ent- schließung einstimmig angenommen worden. Man ersehe daraus, daß alle deutschen Parteien nicht nur eine Aenderung der Ost-, sondern auch der We st grenze verlangen. Briand Hobe die deutsch'sron.zösischc Wiederannäherung durch ein demokratisches Deutschland erhofft. Seil zwei Monaten gebe es aber kein demokratisches Deutschtand mehr, sondern nur noch ein Deutschland der Beichswehr, das mit Rußland verbündet ist. Die Politik Brionds habe also vollkommen versagt. Der Redner schloß mit der Erklärung, daß seine Freunde und er niemals den Anschluß zulassen werden. Briond antwortete nach einer kurzen Sitzungspouse, von großem Beifall der Linken begrüßt, in einer glänzenden Rede den verschiedenen Interpellanten. Er verteidigte seine Friedenspolitik, die von Poincar? und Tardieu gebilligt worden sei, obwohl er mit beiden nicht immer einer Meinung gewesen sei. Auch sein Freund L a v a l schenke ihm volles Vertrauen. Diese Politik, für die sich das Parlament und das Land stets mit großen Mehrheiten ausgesprochen hätten, habe Frankreich große Dienste geleistet. Mit ihrer Hilfe seien ernste Konflikte auf friedlichem Wege geregelt worden. Heute sei es viel schwieriger als früher, einen Krieg zu beginnen und das sei ein enormer Fortschritt. Unter An- spielung auf die Ruhrbesetzung erklärte Briand, es habe eine Stunde großer Ungerechtigkeit gegeben, in der Frankreich Zwangs- maßnahmen anwenden mußte(?) und deswegen als ein Land mit imperialistischen Absichten angesehen wurde. Diese irrige Wellüberzeugung habe berichtigt werden müssen, und das sei gelungen. Frankreich werde jetzt als der Soldat des Friedens angesehen. Dann ging Briand auf das deutsch-österreichisch« Zollabkommen ein. Er führte aus, daß verschiedene seiner Erklärungen durch die Tatsachen widerlegt zu sein schienen, er habe vor einigen Monaten erklärt, daß die Anschlußfrage nicht mehr akut sei. Das sei in gewissem Sinne auch war. Der deutsch-österreichischc Annäherungsversuch habe vor allem einen wirtschaftlichen Charakter, ober trotzdem stelle er ein ernstes und bedauerliches Ereignis dar. Er, der Redner, habe geglaubt, den deutschen Staatsmännern gegenüber immer so gehandelt zu haben, daß sie ihm Gesten dieser Art hätten ersparen können. Deutschland habe mit der Zollvereinborung«inen schweren psychologischen Fehler begangen, allerdings handle es sich erst um eine P e r e i n b a r u n g für den Abschluß eines Abkommens und nicht schon um ein Ab- kommen selbst, wie es in einem Teil der Presse dargestellt worden sei.?m übrigen sei der Anschluß Oesterreichs an Deutsch- land durch die Friedensverlröge nicht verbalen, sondern es fei nur verlangt, daß er nicht ohne Genehmigung des Völkerbundes durch- geführt werden dürfe. Wie habe er, der Außenminister, �ruf dieses Ereignis reagiert? Man werfe ihm vor. daß er nichts davon gewußt habe, ober es habe gar keine langen Verhandlungen zwischen Deutschland und Oesterreich gegeben. Die Operation sei schnell durchgeführt worden. Auch für Benesch sei sie ein harter Schlag gewesen, aber trotzdem sei der tschechische Außenminister von keinem seiner Gegner deswegen kritisiert worden, sondern alle seine Landsleute hatten sich ü�mihn.ge schalt. Sofort noch Bekanntgabe des Plans habe er, Briond. ollen alliierten Mächten mitgeteilt, daß es sich um einen Allentatsversuch gegen die Friedensverträge handle. Henderfon habe darauf vorgeschlagen, die Angelegenheit durch den Bölkcrbnndsrat behandeln zu lassen. Damit hätten sich olle Parte ie neinverständen erklärt, e i n s ch l i e h- lich Deutschland und Oesterreich, wenn auch nach einem gewissen Zögern. Zeder werde nun in Genf für seine Sache plädieren. Wenn keine Verständigung erreicht werden könne, werde der Znlernalionale Gerichtshof um eine Entscheidung ersucht werden. Deutschland und Oesterreich behaupten, sie hätten das Recht, einen solchen plan vor- zubereikeo. Er antwortet daraus:„Rein! Wenn ihr diese Absicht gehobt habt, hättet ihr mit den anderen Wächten darüber diskutieren müssen, vor allem mit den Wächten, die euch Anleihen gc- währt haben." Briand sprach weiter die Hoffnung aus, daß sich derjenige, der an die Stelle Strejcmanns getreten sei, in Genf von denselben europäischen Gedanken leiten ließe, daß Gewaltakte heute nicht mehr am Platze seien. Man werfe ihm, Briand, vor, daß er durch eine Politik der Schwäche den Krieg, vorbereite. Es gebe hier Männer, die das behaupten. Aber es gebe ein Volk, das daran nicht mehr glaube.(Großer Beifall links.) Zum Vergleich zog Briand den Rapollo-Vertrag heran, der abgeschlossen worden sei, als P o> n c a r ö an die Macht war und als man noch die Zwangsmethoden gegenüber Deutschland an- wandte. Trotz der Proteste Poincarcs feien die Verhandlungen zwischen Deutschland und Rußland fortgesetzt worden. Aber niemand habe die Ungerechtigkeit begangen, daraus Poincare einen Vorwurf zu machen. Don ihm, dem Redner, verlange man aber jetzt, daß er die Beziehungen zu Deutschland abbreche. „Zch bin nicht der Warn einer solchen Politik". so schloß Briand.„Frankreich ist eine Nation des Friedens. Es ist bereit, sich mit ollen Ländern solidarisch zu erklären und mit ihnen zusammen zu arbeiten Wenn es an dieser Politik festhält, wird sein Ansehen nicht verringert werden." Unter langanhaltendem Beifall der Linken und der Mitte verließ Briand die Tribüne. Die meisten Minister, an erster Stelle Laval, und viele Abgeordneten beglückwünschten ihn zu leiner Rede. Die Fortsetzung der Debatte wurde dann auf eine N o ch t s i tz u n g vertagt. Bewag- Umgestaltung. Stad'varlament für Annahme des Projektes Zu der gestrigen Berliner Sladtverordnelen- Versammlung wurde die Vorlage über das Bewag-Projekt mit einer knappen Wehrhelt van l04: 100 Stimmen angenommen. Der M a g l st r a t trat sofort nach Schluß der Stadt- verordnelenocrsammluag zu einer kurzen Sitzung zusammen und stimmkc dem Beschluß des Stadlparlaments zu. (Siehe erste Beilage.) Vom Gutachten zur Tat. Arbeitsbeschaffung und Auslandskredite. Von I'ritL Naphtali. Der erste Teil des Gutachtens des Brauns-Ausschusses zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, der grundsätzlich die Verkürzung der Arbeitszeit empfohlen hat, ist zu Ostern erschienen. Um die Arbeitszeitverkürzung, die ja als Forderung der Gewerkschaften und der Sozialdemokratischen Partei in viel umfassenderer Weise längst bekannt war, auch nur in dem Umfang durchzuführen, der wenigstens einige hunderttausend Arbeitslose wieder in die Arbeit bringen könnte, bedarf es nur eines Entschlusses der Regierung zur Tat. Aeußere Hemmungen bestehen auf diesem Gebiete nicht, es gibt nur den Widerstand der Arbeitgeberverbände. Da aber das Reichskabinett bisher vordringlich mit Zollcrhöhun- gen beschäftigt war. dürfte der Weg vom Gutachten bis zur Tat auf diesem Gebiete leider länger dauern als von Ostern. bis Pfingsten. Man verkennt offenbar noch immer die große Bedeutung, die die Arbeitszeitoerkürzung für die Auflockerung der langfristigen Arbeitslosigkeit und damit auch für die Finanzen der Arbeitslosenversicherung und der kommunalen Fürsorge gewinnen könnte. Der zweite Teil des Gutachtens des Brauns-Ausschusses enthält im wesentlichen ein großes A r b c i t s b e- schaffungsprogramm. Wir stimmen der Auffassung des Gutachtens, daß die Erstarrung der deutschen Wirtschast in der gegenwärtigen Depression dazu zwingt, die nicht sunktio- liierende Initiative der Privatwirtschaft durch die Beschaffung von Arbeitsgelegenheit auf Grund öffentlichen Kredits zu be- leben, durchaus zu. Wir glauben mit den Verfassern des Gut- achtens, daß ein solcher Anstoß durch weitgrcifcnde Pläne und den Einsatz großer Mittel über die unmittelbare Beschaffung von Arbeitsstellen hinaus günstig ausstrahlest würde aus Be- schäftigung und Absatz der deutschen Gesamtwirtschast. Wir begrüßen es, daß, wenn auch in sehr zaghafter Form, in dem Gutachten zum Ausdruck kommt, daß jjie negative Konjunkturpolitik, die durch die heftige Einschränkuilg des Wohnungsbaues in diesem Jahre getrieben worden ist, dringend einer Milderung bedarf. Gegenüber dieser grundsätzlichen Be- jahung, alles Erdenkliche für eine beschleunigte Arbeits- beschaffung in großem Maßstab zu tun, ist die Frage nach den fördcrungswürdigen Arbeitsgebieten von untergeordneter Bedeutung. Daß auf dem Gebiete des Straßenbaues und der Energiewirtschaft große produktive Arbeitsmöglichkeiten vor- 'Händen sind, wie es das Gutachten hervorhebt, ist unumstritten. Biel ernster ist die Tatsache, daß im Gegensatz zur Frage der Arbeitszeitverkürzung die Durchführung eines groß- zügigen Arbeitsbeschaffungsprogramms eine Frage ist, die nicht nur von dem Willen zur Tat bei der Regierung ab- hängt. Das Entscheidende bleibt der Weg der F i n a n z i e- r u n g. Die Durchführung des Planes erfordert es, wie es in dem Gutachten heißt,„daß Kapital nutzbar gemacht wird, welches ohne diese Maßnahmen nicht zur Verfügung stehen würde". Um dies zu erreichen, empfiehlt der Ausschuß das einzige, was man seit langem auf diesem Gebiete immer wieder empfohlen Hot und immer wieder anstreben muß, nämlich die Aufnahme langfristiger Auslands- ! k r c d i t e. Da die Zeit noch nicht weit hinter uns liegt, in i der man sehr zum Schaden der Entwicklung unserer öfsent- lichen Finanzen und sehr zum Schaden der Möglichkeiten, die Krisenerscheinungen zu mildern, von deutscher Seite selbst die Aufnahme langfristiger Auslandsanleihen in Augenblicken, in denen sie möglich war, gehemmt hat, so kann man in dieser offiziellen Empfehlung des Ausschusses, das Auslandskapital heranzuziehen, schon eine gewisse Bedeutung sehen. Wir be- grüßen es, wenn einer der Mitverfasser des Gutachtens, Pro- sessor Röpke, in einem erläuternden Artikel in der„Frank- furter Zeitung" zu dem Schluß kommt: „Vor allem aber maß der öffentlichen Meinung eingehämmert werden, daß der Weg zur Ileberwindung der Krise über den Kapitalmarkt führt, und daß jeder Pfennig langfristigen Auslands- kapitals, den wir gewinnen können, die Lage erleichtert." Wir haben an dieser Aufklärung seit Iahren gearbeitet, wir haben die Irrlehren des Herrn Dr. Schacht mit allem Nachdruck bekämpft, und wir begrüßen jede Ausdehnung der Front der Vernünftigen auf diesem Gebiet. Aber leider können wir uns im gegenwärtigen Zeitpunkt der nüchtenren Erkennt- nis nicht verschließen, daß die Frage, ob es gelingt, die er- forderlichen Auslandsanleihen für die Durchführung eines Arbeitsbeschaffungsprogramms zu erhalten, nicht nur von der Einstellung auf unserer Seite, sondern von der Bereitschaft zur Kreditgewährung an den Märsstcn der Gläubigerländcr entscheidend abhängt. Die rein ökonomischen Möglichkeiten sür die Uebertragung ausländischen Kapitals, im besonderen vom französischen, aber auch von anderen Märkten, an denen heute in der weltwirtschaftlichen Krise Kapital brach liegt, sind ohne Zweifel gegeben. Die schweren Hemmungen für das Funktionieren des internationalen Kapitalausgleiches liegen auf politischem Gebiet, liegen auf dem Gebiet des Mißtrauens weiter Kreise der Kapitalisten und Sparer in der Welt. Nach den schweren Erschütterungen des Ber- trauens in die deutsche Wirtschaft und die deutsche Politik/ die der unglückliche Ausgang der Scptemberwahlen mit sich ge- bracht hat, ist in den letzten Monaten ohne Zweifel eine ge- wisse Beruhigung und Besserung der Aussichten eingetreten. Aber wir müssen uns darüber im klaren sein, daß es sich bei den Möglichkeiten, den internationalen Kapitalmarkt für die Erleichterung der deutschen Krisenlage zu mobilisieren, um eine zarte Pflanze handelt, die sorgfältig gepflegt und vor Stürmen bewahrt werden muß. Weil wir die Bekämpfung der Arbeitslosennot bei der herrschenden Massennot als das zentrale Problem der Politik ansehen, gerade weil von den Erfolgen auf diesem Gebiet in höchstem Maße auch die Ueberwindungsmöglichkcit der finan- ziellen Nöte von Reich, Ländern und Gemeinden abhängen, muß in diesem Zusammenhang ein Wort über die Ber- knüpfung dieser Fragen mit der Führung der R e p a r a- t i o n s p o l i t i k in der nächsten Zeit gesagt werden. Es ist bekannt, daß in weiten und auch in maßgebenden .Kreisen unter dem Druck unserer finanziellen Nöte die Nei- Aung besteht, sehr bald die Revision der deutschen Reparationslei st ungen in irgendeiner Form auf die Tagesordnung der internationalen Erörterungen zu setzen. Man wird sich jedes Vorgehen auf diesem Gebiet sehr sorg- fältig überlegen müssen, man wird die Chancen der Erleichte- rungen, die auf diesem Gebiet bei einer nüchternen Betrach- tung erwartet werden dürfen, sehr sorgfältig abwägen müssen gegenüber den Gefahren, We in diesem Augenblick eine neu entfesselte Reparationsdebatte für das Hereinholen von Aus- landskrediten, mögen sie zur Konsolidierung schwebender Schulden oder zur Arbeitsbeschaffung bestimmt sein, haben kann. Wir halten es gegenüber den Illusionen, die in manchen deutschen Kreisen auf diesem Gebiet herrschen, für nötig, auf die engen Grenzen der Aussicht einer Revision der Reparationen in diesem Augenblick hinzuweisen. Von den Vereinigten Staaten von Amerika, die in dieser Krisen- zeit auch mit einem schweren Defizit des Staatshaushalts zu kämpfen haben und in denen im Herbst 1932 eine Präsidenten- wähl bevorsteht, ist nach den eindeutigen Erklärungen von H o o v e r und Mellon und nach den übereinstimmenden Schilderungen aller Kenner der amerikanischen Verhältnisse in der nächsten Zeit mit einem Nachlaß an den interalliierten Schulden, der auch den deutschen Reparationen zugute käme, leider durchaus nicht zu rechnen. Es verbleiben die Repara- tionssummen, die nicht nach Amerika weiterfließen, sondern bei den europäischen Ländern bleiben. Jeder Nachlaß auf diese Forderungen würde heute überall bei den herrschenden Defi- ziten der Regierungen der beteiligten Länder zur Erschließung neuer Steuerquellen in diesen Landern zwingen. Eine Tat- fache, deren mckn sich bewußt sein muß, wenn man den Grad der Hemmungen für eine uns so dringlich und berechtigt er- scheinende Revision der Reparationen richtig einschätzen will. Wenn man sehr optimistisch rechnet und annehmen würde, daß die europäischen Reparationsgläubiger auf rund die Hälfte der ihnen endgültig zufließenden Beträge verzichten würden, so käme man Pst eine Herabsetzung der deutschen Jahresleistungen um kaum mehr als 259 Millionen. Die Zahl, die hier nur um die Größenordnung im Verhältnis zu unseren Defiziten zu charakterisieren, angegeben worden ist, dürfte eine recht optimistische Schätzung sein. Wenn man das berücksichtigt und dem gegenüber hält, daß eine langwierige Roparationsdiskusfion, wenn sie nicht im Geiste der politischen Solidarität von Gläubigern und Schuldnern geführt wird, zum mindesten den ersehnten Zustrom von Auslandsanleihen unterbinden, unter Umständen aber darüber hinaus sogar die Gefahr des weiteren Abzuges von Auslandsgeldern hervor- rufen könnte, so kann man nur dringend wünschen, daß alle Schritte, die von deutscher Seite möglicherweise auf dem Ge- biete der Reparationsentlastungen erwogen oder getan werden sollten, mit größter Vorsicht und frei von dem inneren Druck nationalistischer Schreiereien behandelt werden. Selbstver- ständlich halten auch wir die Herabsetzung der deutschen Re- parationsoerpflichtungen nicht nur für erwünscht und berech- tigt, sondern auch für notwendig. Aber gerade, um dieses Ziel in wesentlichem Ausmaß zu erreichen, müssen diese Fragen in der internationalen Politik im richtigen Zeit- punkt und mit den richtigen Mitteln aufgerollt werden. Für den zweiten Teil des Bräuns-Gutachtens, die Ar- beitsbeschaffung, ist der Weg vom Gutachten zur Tat sehr viel schwerer, als er es für den ersten Teil, die Arbeitszeit- Verkürzung, wäre. Trytzdem oder gerade deshalb müssen auch für den zweiten Weg der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit alle erdenklichen Kräfte eingesetzt werden und es müssen alle Störungen für den Kapitalzustrom vermieden werden. Die Chancen, hier zur Tat zu gelangen, sind nicht in letzter Linie abhängig von einer zielbewußten und klugen Außenpolitik! Göring beim Papst. Hakenkreuzfrieden mit dem Katholizismus? Rom, 8. Mai.(Eigenbericht.) Der nationalsozialistische Reichstogsabgeordncte Hauptmann Döring wurde dieser Tage von Mussolini und vom Papst empfangen. Göring versuchte, wie zuverlässig verlautet, beim Papst wegen der Haltung der deutschen Bischöfe gegenüber den National- sazialistcn zu intervenieren. U. a. hat er versprochen, daß feine Partei künftig gegenüber der katholischen Religion g.rößte Zurückhaltung üben wolle. Obstruktion im Landtag. 67 namentliche Abstimmungen über das polizeiverwaltungsgeseh. Der Preußische Landtag begann am Freitag die Beratung der Allgemeinen Finanzverwaltung. Aus den Reden des Finanzministers Dr. Höpker-Afchoff wie aus der unübertrefflich klaren Sachdarstellung unseres Fraktionsredners, des Ge- nassen S z i l l a t, ergab sich die Tatsache, daß naturgemäß die Krise auch den preußischen Etat nicht verschont hat. Trotz aller Sparsamkeit und Vorsicht wird der Haushalt für 193» mit einem Fehlbetrag von rund 150 Millionen schließen, und ebenso hoch wird dann die schwebende Schuld ange- wachsen sein, da seit dem Septcmbcrsieg der Nationalsozialisten mittel- oder langfristige Kredite sür die öffentliche Hand nicht mehr zu erlangen sind. Alle Aussichten deuten für 1931 aus einen wachsenden Fehlbetrag hin. So ist auch Preußens Finanz- läge sehr ernst geworden, und Finanzminister wie Fraktions- redner stimmten darin überein, daß in kürzester Zeit versucht werden müsse, die Zahlungen aus dem Poung-Plan zu ermäßigen. Dabei ist die Finanzlage von Reich und Preußen noch nicht einmal so be- drohlich wie die zahlreicher Gemeinden, und über die eigene Finanznot hinaus müssen Reich und Staat ungesäumt Maßregeln ergreisen, Städten und Kreisen die Aufrechtcrhaltung der Unter- stiitzung der Wohlscihrtscrwerbslosen zu ermöglichen. Die Debatte wurde dann abgebrochen,»um zunächst die am Bor- tage zurückgestellten Abstimmungen ü.b e r das Polizei- Verwaltungsgesetz nachzuholen. Wie bereits mitgeteilt, hatten Deutschnationole, Deutsche Volkspartei und Kommunisten die Absicht, die Berobschiedung der Borlage durch Obstruktion un- möglich zu machen. Da Wirtschaftspartei und Deutsche Fraktion aper nicht mitmachten, gelang es der Fraktion Schwarz-weiß-rot-Front nicht, die Beschlußunföhigkeit herbeizuführen. Der deutschnotional« Fraktionssekretär, Polizeimajor a. D. Bruck, verhandelte.zwar dauernd und eifrig mit den Kommunisten Schwenk und Kasper, aber die vereinbarte Aktion drang nicht durch. So begnügten sich die Kommunisten damit, über jeden einzelnen der 87 Paragraphen des pollzeivermaltungsgefehes namentliche Abstimmung zu beantrage». Das bedeutete reichlich zehn Stunden umoiterbrochenc Ab- stimmungcn. Punkt 121- Uhr nachts beginnt die Abstimmung über den letzten Paragraphen, der ebenfalls angenommen wird. Die Der- abschiednng des Gesehentwurfs in zweiter Lesung ist ge- l u n g e n. Oer Eid auf die Gesetzlichkeit. Hitler schwört die„Revolution" ab.- Er will toalitionssähig werden. HerveAdolf Hitler hat gestern als Zeuge im Edenpalast- Prozeß beschworen, daß er„g r a n i t f e st auf dem Boden der Legalität st eh e". Er hat es nicht nur einmal, nicht nur dreimal, er hat es mehrmals gesagt. So oft, daß dem Berichterstatter der Hugenbergschen Tele- graphen-Union die Gedanken von selbst weiterliefen, so daß seine Agentur der Welt mitteilte, Hitler habe beschworen, er stehe„granitfest auf dem Boden der Ber- f a s s u n g". Dem verdanken wir die folgende Richtigstellung der Telegraphen-Union, die den Bekenntniseifer Hitlers besser als alles andere kennzeichnet: „Bei seiner heutigen Vernehmung hat Adolf Hitler, wie eine ge- nauere Nachprüfung des aufgenommenen Wortlauts ergab, nicht ge- sagt, daß er granitfest auf dem Boden der Verfassung stehe, sondern: er stehe granitfest auf dem Boden der Legalität." Es ist ein kleiner Unterschied, gewiß, aber Hitler war so bekenntnisfreudig, daß selbst einem Hugenbergmanne das Gefühl für den Unterschied verlorenging. Wir glauben, noch viel mehr wird es den Mitgliedern der Hitlerpartei verloren- gehen! Denn der Eid des Herrn Hitler steht in vollstem Gegen- satz zu dem, was er noch vor einem Jahre wollte und sagte. Wir meinen nicht, daß dieser Eid falsch sei, insofern er die Absichten Hitlers bezeichnet. Hitler will den legalen Weg, den politifch-parlamentarischenWeg gehen — wenn auch seine Fraktion aus dem Parlament heraijs- gelaufen ist und mit der Ankündigung eines Gegcnparlaments in der Luft herumgefuchtelt hat. Er will aus den putschistischen Kinderschuhen heraus, deshalb hat er den Putsch abgeschworen. Es liegt ihm daran, auf dem legalen Wege rasch voranzu- kommen, deshalb der Eifer seiner Beteuerungen, die seine Koalitionsfähigkeit beweisen sollen, deshalb die Ber- Handlungen seines„Stabschefs" Röhm mit den Generälen Schleicher und Hammer st ein, in denen er ein gutes Stück der Regierungsgewalt erblickt, über die Denaturierung der SA. So steht der Mann vom Bürgerbräukeller, der Held des Operettenputfches von 1923 vor einer Berliner Strafkammer und schwört granitfest auf seine Legalität. Bon Köpferollen ist keine Rede r- die Erziehung zur Legalität macht Fort- schritte. Es ist in der Tat eine Erziehung: die Macht der verfassungsmäßigen Zustände wirkt auf ihn. Ihre Stärke läßt ihn den Putsch als ein aussichtsloses Mittel erkennen. Die Er- ziehung ist so stark, daß er sich nun zur Revolution der Köpfe bekennt— was bekanntlich das Wesen der Demokratie aus- macht. Der Eid ist richtig, er ist nicht mit einem Augenzwinkern zu den eigenen Anhängern hin geschworen. Der Führer einer großen Partei kann nicht vor Gericht die Gesetzlichkeit be- schwören und hinter dem Rücken seiner Partei zuwinken: wir pfeifen auf die Gesetzlichkeit! Um so schärfer tritt der Gegensatz hervor, zwischen dem, was dieser Parteiführer will und was in seiner Partei in Wirklichkeit ist. Der Gegensatz ist so scharf, daß er den Zeugen Hitler in die tödlichste Verlegenheit ge- bracht hat. Sein Reichspropagandaleiter Goebbels nämlich hält es noch mit der heftigen Sprache der vorlegalen Partei- epoche, und feine Propagandaschrift— die Werbebroschüre der Hitlerpartei— ist typisch für das Pfeifen auf die Gesetz- lichteit und für die Putschhctze. Da muß nun der Zeuge Hitler, wenn er auf die Gesetzlichkeit schwört, notwendig d i e Werbe- schrift seiner Partei und seinen Reichspropagandaleiter ab- schwören: Er tut es, wahrhaftig: Herr Goebbels muß Ordre parieren, und die Parteiwerbeschrift ist nicht offiziell: denn sie trägt nicht das„Hoheitszeichen" der Partei, so sagt er. Nicht offiziell, und nicht mit dem„Hoheitszeichen" der Partei abgestempelt find natürlich auch die Waffen, die die SA.-Leutc gewohnheitsmäßig führen: denn der Zeuge Hitler hat jede Bewaffnung strikte abgeschworen. Die Waffen sind freilich so gut vorhanden wie die Werbebroschüre des Herrn Goebbels. So lesen wir in der Zeitung Otto Strafsers über die Sprengung einer Versammlung in Hannover: „Die SA. und SS. entledigte sich nunmehr ihrer„geistigen Waffen", da jeder Versammlungsteilnehmer an den Ausgängen durch- sucht wurde. 1 scharfgeladener Browning, 1 Stilett. 2 große Messer, 2 Tränengasbomben, 3 Stinkbomben, 1 schwerer K n o t e n st o ck, 1 Gummiknüppel, 1 großer spitzer S ta h l d o r n als Dolch umgearbeitet, sowie eine Anzahl der unmöglichsten Stich- und Hiebwaffen bedeckten den Erdboden und wurden von der politischen Polizei beschlagnahmt. Zwei SA.- Leute wurden wegen verbotenen Waffen tragen? verhaftet." Und weiter über eine Aktion der„Hitler-Horden" in Elberfeld: „Nachdem unser« Kg. das Lokal verlassen hatten, stürzten sich draußen fünfzehn mit Pistolen und Totschlägern be- wafsnete Banditen auf unsere vier Kampfgenossen. Dem Ko. Schoos gelang es, dem ersten den Revolver aus der Hand zu schlagen. Ein anderes Mitglied der NSDAP, ging auf unsere Kg. mit einem Dolche los." Natürlich hat Herr Hitler von den Brownings, den Totschlägern, den Dolchen, den Stink- und Tränengasbomben nichts gewußt: denn sonst hätte er sie selbst der Polizei übergeben, wie er gestern beschworen hat, in einer schönen Aufwallung seiner ganz neu erwachten staats- bürgerlichen Begeisterung für die Gesetzlichkeit! Die Begeisterung ist freilich nicht gleich groß bei denen. die bisher der Partei das.revolutionäre" Gesicht gegeben haben. So ist der„Angriff" des Herrn Goebbels in seinen Betrachtungen über die Hitler-Aussage sehr mürrisch— das schöne Wort„Legalität" sucht man darin vergebens. Was der Führer Hitler dem Gefolgsmann Goebbels be- fohlen hat über den künftigen Kurs, dürfen die Getreuen des Herrn Goebbels nicht erfahren. Wenigstens nicht gleich. nicht auf einmal: denn sie könnten den Sprung von der durch die Goebbels-Propaganda erzeugten„revolutionären" Jllu- fion zur legalen Wirklichkeit Hitlers nicht ohne parteipoli- tischen Unfall überstehen. .. Httler vor Gericht. Nach der Mittagspause stellte Rechtsanwalt Dr. Litten den Antrag. den Staatssekretär des Reichsinnenministermms, Dr. Zmeigert, zum Beweise dafür zu laden, daß in weiten Kreisen der Mitglied- und der Führerschast der NSDAP, die Ansicht bestehe, daß der Kampf auch mit illegalen Mitteln geführt werden solle. Das Gericht behält sich den Beschluß über den Beweisantrag vor. Gtennes sagt aus. Als nächster Zeuge wird Hauptmann a. D. Walte« S t e n n e s aufgerufen. Vorsitzender: Es ist die Behauptung aufgestellt worden, daß der Sturm33«in Rollkommando darstelle, daß er den Sturm auf den Eden-Palast nach einem vorhergegangenen Plane vorgenommen habe, daß Ihnen dieser Plan mitgeteilt worden sei und Sie ihn gut- geheißen hätten. Ich mache Sie darauf aufmerksam, daß Sie die Antwort verweigern diirsen, sofern Sie sich durch dieselbe einer strafrechtlichen Verfolgung aussetzen würden. St e n n e s: Mir ist von einem angeblichen Plan eines lieber- falls nichts bekannt gewesen, noch weiß ich, daß überhaupt Uebcr- fall« von den Formationen planmäßig ausgeführt worden seien. Ich bedauere die Zusammenstöße von Volksgenossen. Ich kann ober den SA.- Leuten das Recht auf Notwehr nicht absprechen. Borsitzender: Es wird behauptet. Sie seien von solchen Plänen stets unterrichtet worden: es seien systematisch Patrouillen ausgeschickt worden, man habe den Gegner ausgekundschaftet und dann den Uebersall planmäßig durchgeführt: Sie seien von Ihrem Unterführer W e tz e l von der beabsichtigten Durchführung unter- richtet worden und hätten den Plan stets genehmigt. S t e n n e s: Das stimmt nicht. Die Organisation der SA. war noch vor kurzem nicht genügend diszipliniert. Durch das Uniform- verbot ist die Beaufsichtigung noch erschwert worden. Vorsitzender: Sie sollen Rollkommanidos geduldet haben? Sie nn e s: Nein, ich habe in der Partei keine Rollkommandos geduldet. Vorsitzender: Was verstehen Sie unter Roll- kommando? S t e n n c s: Illegale Formationen. Vorsitzender: Es wird hier gesagt, daß die Rollkommandos zur Aufgabe gehabt hätten. Gewalttätigkeiten zu verüben, auch politische Gegner zu töten? S t e n n e s: Solche Formationen sind von mir nicht auf- gestellt worden. Vorsitzender: Ist es nun doch nicht anzu- nehmen, daß der Sturm 33 planmäßig vorgegangen ist, da sich die Ucberfälle durch ihn gehäuft hoben. S t e n n e s: Nein. Ich hob« festgestellt, daß es sich stets um Angriffe auf meine Leute gehandelt hat. Im übrigen möchte ich sagen, daß die SA. nicht so fabelhaft diszipliniert gewesen ist, wie öies nötig gewesen wäre. Ich habe die Xcichsleilutig wiederholt darauf hingwiesen, daß die Propaganda im Widerspruch stehk zu der Diszipliuicrtheil der Massen. Ich habe bei Bcsichtigunoen auch stets angeordnet, daß die Notwehr nicht überschritten würde. Rechtsanwall Dr. Litten: Der Zeuge Hitler hat hier unter Bezugnahme auf Ihren Artikel erklärt, daß, wenn er den von Ihnen entwickelten Grundsätzen folgen würde,«r sich vom Weg der Legalität abdrängen lassen müßte.(Hitler springt von seinem Platz auf, als wollte er etwas sagen.) Der Vorsitzende ver- sucht die Frage zu beanstanden. Stenn«? ober anwortet: Ich habe nur gemeint, daß eine stark organisierte SL.-Mannschast er- forderlich sei. Verteidiger Rechteanwalt Dr. Becker� Ist es richtig, dag Sie S p i g e ldi« n st e geleistet halten? Sien ne st Nein. Die Schuld der Führer. Endlich ist der dritte Zeuge an der Reihe, der Berliner SA.- Führer Wetze l. Er beginnt mit einer p r o g r a m- matischen Erklärung: Wir NSDAP.-Führer sind verantwortlich für das Tun und das Treiben unserer Mitglieder. Die SA.-Lcute, wie auch die Rol-Froat-Leule können nicht ver- ontwortlich gemacht werden für das gegenseitige Blutvergießen, sondern diejenigen, die sie durch Wort und Schrift aufeinander- Hetzen. Die politischen Führer peitschen in den Versammlungen die Leidenschaften ihrer Anhängerschaft aas... Vorsitzender: Diese allgemeinen Aeußerungen interessieren uns hier nicht. Sagen Sie uns, ob Ihnen bekannt ist, dag der Sturm Z3 als Rollkommando gedient hat? Ob er planmäßig Ueder- fälle durchgeführt hat? W e tz e l: Nein. Von derartigen Plänen ist mir nie etwas be- könnt geworden. Ich habe auch niemals derartige Pläne im Auftrag« von Stennes wettergegeben. Vor einem Jahr war Hitlers Stellung noch vollkommen klar: im Gegensatz zu seinem früheren Glaubensbekenntnis hat er sich aber jetzt auf die Legalität festgelegt. Wir sind der Ansicht, daß es Hitler mit der Legalität ernst ist. Wenn auch Goebbels in einer SA.- Führeroersammlung die vereidigte Legalität Hitlers ins Lächerliche zu ziehen versucht hat. Hier wird der Zeuge wieder vom Vorsitzenden unter- brachen. Die Legalität bei Sturm 33. Ist Ihnen bekannt, daß der Sturm 33 in kurzer Zeit vier Handlungen begangen hat, die zu Anklagen geführt haben? W e tz e l: Ja, das ist mir bekannt. Vorsitzender: Hatten Sie nicht die Empfindung, daß in diesem Sturm etwas nicht in Ordnung fein müsse? Wetzel: Nein, die Empfindung hatte ich nicht. Im Sturm 33 war alles in Ordnung. Vorsitzender: War es denn aber bekannt, daß wenigstens zwanzig stets im Lokal in Alarmbereitschaft sein mußten, daß der Führer im Besitz der Hausschlüssel seiner Leute war, um sie nötigenfalls holen zu können, daß Lastautos zur Verfügung standen usw.? Wetzel: Der Sturmführcr Hot aus eigener Machtbefugnis zu entscheiden, was erforderlich ist. Es stimmt wohl, daß die Führer die Hausschlüssel der SL.-Leutr zur Verfügung hatten, aber bloß, um sie zu etwaigen Ausmärschen vo n Sonnabend auf Sonntag holen zu können. Dr. Litten: Welche Stellung nehmen Sie zum L e g a l i- t ä t s st a n d p u n f t des Herrn Hitler ein? Das Gericht lehnt sowohl diese Frage ab, wie auch die Ladung des Staatssekretärs des Reichsinnemninifteriums Zwcigert. Die»nicht legalen� Anwälte. Die Vernehmung des Zeugen Wetzel ist beendet. Stennes wird noch einmal zum Zsugentisch vorgerufen. Dr. Litten hält ihm einen Artikel aus seiner Zeitung„Arbeiter, Bauern und Sol- daten" vor, in dem er in äußerst scharfer Weise über die Urteile gegen den Nationalsozialisten Kuntz« zu Gericht fitzt, der den kam- munistischen Lehrling Nathan erschossen hat und über das Urteil gegen den jungen Hidlersichrer Pantel, der am 20. Februar vor dem Rathouse auf die Reichsbannerlaute geschossen Hot. Ii, jenen, Ar- tikel wird nämlich behauptet, daß muh Pantel in Notwehr ge- handelt Hobe. Dr. Litten: Wie tanwi Sie denn dazu, zu be- haupten, daß Pantel in Notwehr gahandelt hat? Rechts- anmalt Kam ecke macht daraus aufmerksam, daß es doch eigen- tümlich sei, wenn Dr. Litten sich hier als Beschützer des Reichsbanners aufspiel«. Rechtsanwalt Litten(in höchster Entrüstung): Als Vertreter der revolutionären Llrbeiterfchaft denk« ich nicht daran, das Reichsbanner in Schutz zu nehmen. Es handelte sich hier nur um eine Feststellung hinsichtlich des Zeugen. Schiießtich kommt auch Hitler noch einmal an die Reihe. Rechtsanwalt Dr. Litten: Sie haben heute morgen gesagt, daß die Broschüre Ihres Reichspropagandachefs Dr. Goebbels„Nazi und Sozi" nicht als parteioffiziös.zu betrachten fei. Ich stelle fest, daß der Parteiverlag die Broschüre übernommen hat und sie bereits eine Austage von 120000 Exemplaren er- reicht hat. Ihr Einfluß auf die Massen muh affo außerordentlich groß fein. Hitler(in größter Erregung)(der Vorfitzende bittet ihn, be! seinen Aussagen ruhig zu bleiben): Was hat denn das zu lagen, daß es in unserem Parteiverlag erscheint. In unserem Par- tcioerlage erscheinen die verschiedensten Bücher. Oer Sid von Schweidnitz. Dr. Litten zu Hitler: Herr Zeuge, was bedeutet S. A.? Der Vorfitzend« beanstandet die Frage. Rechtsanwalt Litten begründet ihre Erheblichkeit, indem er anführt, daß Hitler im Prozeß in Schweidnitz bestritten hätte, daß S.A. Sturmabteilung bedeute. Hitler(sehr laut): Das ist eine glatt« Verdrehung. Vor- sitzender: Bitte, solch« Ausdnick« zu unterlassen. Hitler: Ich habe schon in meinem Werk«, das vor sieben Jahren erschienen ist, erklärt, wie die Bezeichnung S. A. eiüstanden ist. Anfangs waren es Saalschutzadteilungen, dann Sportabteilungen und schließlich wurden sie als Sturmabteilungen bezeichnet. Heut« ist'das Wort S. A. bereits ein geschlossener Begriff für sich. Es ist über Sturmabieilungen, Saalschutz, und Sportabtcilungcn längst hinausgewachsen. Dr. Litten: Ihnen ist v o n einem Anwalt im Zusammenhang mit Ihrer Aussoge in Schweidnitz der Vorwurf des Meineides gemacht. Sic haben daraus nicht reagiert. Hitler(in den höchsten Tönen): Ich weide seit Jahren täglich von Zeitungen in der unflätigsten Weise beschimpft, als Landes- Verräter, als Verbrecher, als bezahlter Agent von Frankreich, Italien, ich habe frichcr Beleidigungsprozesfe geführt. Die Folge davon war, daß Hunderte von Zeitungen nur die Beschimpfungen wiederholt haben. Ich bin jetzt klüger geworden. Ich habe auch kein Geld, mn diese Prozesse zu führen. Dr. Litten: Der Vorwurf des Meineides wäre-aber doch schon eines Prozesses wert ge- wefen. Schluß der Beweisaufnahme. Das Gericht beschließt, iämtttche drei Zeugen zu vereidigen. Bevor die Verhandlung geschlossen wirb, verbietet der Vorsitzende den Amposenden, insbesondere den Angeklagten, in energischem Tone jede Demonstration. Der Saal leert fich nur langsam. Hitler wird durch einen Seitenausgang auf die Straße befördert, Stennes und Wetzel benutzen den Hauptausgang. Die Turrnftraße ist bis zur Rathenower und bis zur Wstsnacker Straße polizeilich ab- gejperrt, Im„Angriff" nichts Neues! „Wie kommt dieses Kuckucksei in unser heldisches Feuilleion!" Der Mörder auf Urlaub. Vorstellungen des Reichsbanners beim Zustizminister. Der Gauvorstand des Reichsbanners Berlin- Brandenburg hat in seiner gestrigen Sitzung zu der ganz unverständlichen Haftentlassung des wegen Beteiligung an der in der Ncujahrsnacht erfolgten Ermordung der Reichsbanner- kameraden Schneider und Gras bei einem Fluchtversuch noch dem Ausland verhafteten Nationalsozialisten K o l l a tz Stellung ge- nommen. Der Gauvorstand hat sofort beim preußischen Justiz- minister telegraphisch Borstellung erhoben mit der Be- gründung, daß im Hinblick auf die nachweislich von den National- soziolisten geschaffene Fluchtorgonisotion für Mörder und Ver- brecher, mit deren Lzilfe. seinerzeit Kollotz schon nach Oesterreich entkommen ist, und die beiden anderen Täter Italien erreicht haben, die Kollatz auferlegte Verpflichtung der täglichen Meldung bei der Polizei keine genügende Sicherheit gegen Fluchtverdacht bietet. Der Gauvorstand hat auch daher den Minister um Einleitung ent- sprechender Schritte ersucht, da die Maßnahme des Gerichts weitesten 51reisen der Bevölkerung gerade im Hinblick aus die von den Be- Hörden erstrebte scharfe Bekämpfung der politischen Verbrechen un- verständlich ist und als ein gerichtliches Entgegenkommen an national- sozialistische Rowdys betrachtet wird. Der Gauoorstand verlangt weiter, daß das gerichtliche Verfahren gegen.Kollatz dt- s ch l« u n i g t und der Mörder seiner Strafe zugeführt wird. Sehe. Agrarier, Kommunisten und Nazis verleumden Baad«. I» Roggen-Üntersuchungsausfchuß des Reichs- tags stellte der Reicheernährungsminister am Freitag in einer längeren Erklärung fest, daß dem Reichskommiffor Dr. Baad« nicht der Vorwurf der Irreführung oder Täuschung des Ausschusses ge- macht werden könne. Trotzdem knüpste sich an die Ausführungen des Reichsernährungsministers ein« Debatte, in der National- sozialisten, Kommuni st en und Wirtschafts- p a r t e i l e r den Reichskommissar Baad« wiederum zu ver- leumden suchten. Der Wirtschastsparteller F r e y b e verstieg sich sogar zu der Behauptung, die Einnahmen Baade» als„mühlose Gewinne" zu bezeichnen. Gegen diese Auffassung wandte sich der ehemalige Reichsernährungs- und jetzige Reichssinonzminister- Dietrich mit folgenden Ausführungen: „Ich kann Herrn Dr. Baade nur das Zeugnis ausstellen, daß er ein hervorragender Arbeiter ist, dem man Auf- gaben zumuten kann, für die man schwer eine lindere geeignete Arbeitskraft findet. Denken Sie nur an das Gutachten über die Landwirtschast, da« wir seinerzeit in aller Eile für die Revaraticnsocrhandlungcn fertigstellen mußten. Sie werden schwer jemand finde», der in solcher logischen Schlüssigkeit und in so einwandfreier Form wie Dr. Baad« dieses Gutachten hätte machen können. Ich bin mit Dr. Baade häufig verschiedener Meinung gewesen, ober in einem Punkte hotten wir niemals Schwierigkeiten miteinander: E r hat jede Arbeit, wenn sie auch noch so schwierig war, übernommen." Zum Schluß der Sitzung wurden alle Anträge, die eine Diffa- mierung des Reichskommissars Baabe bezweckten, abgelehnt. So verging ein ganzer Morgen nutzlos damit, daß sich der Unter- suchungsausschuß über Dinge unterhielt, die mit der Schuld an dem Zusammenbruch der Roggenstützung nicht das geringst« zu tun hoben. Im Zusammenhang mit dieser persönlichen Hetze werden von rechtsradikaler Seite Zweckmeldungen über angeblich« Rücktritts- absichtcn Baabes verbreitet. Es handelt sich dabei um sehr durch- sichtige Stimmungsmache der Leute, die?lblenkung von ihren fort- gesetzten Blamagen bei der Roggenstützungsuntersuchung brouchei� Hilferding und der Veemtsma, Konzern. Ein Verleumder verurteilt.— Schwindel cn(rot. In Kottbus wurde am Mittwoch ein Zigarrengroßhändler namens Wolsdorfs zu 300 Mark Geld st rase, Tragung der Gcrichtskostcn und Publikation des Urteils wegen einer schweren Verleumdung des Reichs- tagsabgeordneten H i l f c r d i n g verurteilt. Wolsdorfs halte Nach- richten kolportiert, die in letzter Zeit von der gesamten national- Erstaufführnng im Komödienhaus. Frih Peter Buch:„Schwengels". Ein armer Teufel als Gewinner eines Preisausschreibens. Gratisaufenchalt in einem Luxushotel. Klägliches Fiasko, weil er sich da nicht benehmen kann. Das Publikum fühlt sich bei ollem Gelächter nicht recht wohl, denn der Humor des Schmants schmeckt «in bißchen nach Herzlosigkeit. Diel Applaus für Rosa Daletti und Felix Bressart. vxr. sozialistischen Presse und der Zigaretten hau dele- interessentenpresse verbreitet worden sind. Danach soll Hilserding als Aufsichtsrot des R e e m t s m a- K o n z e r n s (Zigarettenindußrie) ein Geholt von 120000 Mark im Jahre erholten. Das sei der Dank dafür, daß Hilserding dem Reemtema- Konzern während seiner Ministerzett eine Millionensteuerschuld er- lassen habe.» Diese Behauptungen sind unwahr. Allen Zeitungen, die sie gebracht hoben, hat Hilserding eine Berichtigung geschickt. Die Blätter sind außerdem von Hilserding verklagt worden. Selbst Hugenberg zu dumm! Ein Büffel für die Bundeslettung des Stahlhelm. Der klägliche Zusammenbruch, den das Bundesamt des Saht- Helm mit seinem letzten Versuch erfahren hat, den Beweis für die Echtheit des angeblichen„Aufrufs der Volksbeaustrogten" anzutreten, hat selbst bei Hugenberg verschnupft. Man sieht dort voll Schrecken, wie sich der Stahlhelm eine moralisch« Niederloge nach der anderen holt, und rüffelt ihn deshalb ganz öffentlich im „Lokal-Anzeiger": „Das Bundesamt de» Stahlhelms hätte aber sehr viel besser getan, wenn es die Echtheit des angeblichen Originals nach- geprüft hätte, ehe es eine Behauptung verbreitete, die sich nachträglich als nicht st i ch h a l t i g herausgestellt hat." Der Borwurf der Leichtfertigkeit, der hier erholten wird, darf nicht untergehen! Wer jedoch glauben sollte, daß nun Schluß sei mit dem g«» fälschten Ausruf, der irrt sich. Gestern abend hat der Gosbbelssche „Angriff" ihn seinen Lesern abermals als echt vorgesetzt. Was selbst für den„L o k a l- A n z e i g c"und seine Leser zu dumm ist, ist für den„A n g r i f s" und seine Leser gerade noch gut genug. Bayerische Wahlen im Ottober. Bayerische Volkspartei einverstanden. München. S. Mai.(Eigenbericht.) Die Neuwahl de» Bayerischen Landtags dürfte in der z n, e t t e n Oktoberhälfte erfolgen. Die Bayerische Bolkspartei Hot sich jetzt ebenfalls mit den hrrbstwahlen grundsätzlich einverstanden erklärt. Ende der nächsten Woche wird der versossungsausschuß de« tandtag« eine Entscheidung über den Zeitpunkt der Landtogsaus- läjung fällen. Nach Abschluß der hausholtsberotungen, der im Zuni zu erwarten ist. sollen weitere parlamentarische Arbeiten nicht mehr in Angriff genommen werden. Völkerbundsbrief geht verloren. Eine Einladung an Moskau. Moskau, 5. Mai.(Eigenbericht.) Das Antwortschrellten des Völkerbundes an dos Volkskom- missariat für auswärtige'Angelegenheiten in der Angelegenheit des Zusammentritts der Europakomntission ist hier nicht eingetroffen, sondern affcnbor verlorengegangen. Im Außen-kommissoriat ist das Schreibe» nur aus den Derassentlichungen der Presse bekannt. Noch 4389000 Arbeitslose. Kein konjunkturelles Befferungszeichen. 2er Bericht der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung über die Entwicklung der Arbeitsmarktloge i» der zweiten Aprilhälfte gibt folgenden Tatbestand: Die Zahl der Arbeitslosen ist uin fast 240 000, die der Hauptunter- stützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung um rund 216 000 zurückgegangen: in der Krisenfürsorge ist noch ein leichtes An- steigen um rund 12 000 zu verzeichnen. Ende April 1930 betrug die Zahl der Arbeitslosen 2 787 000. Ende April 1931 betrug sie 4 389 000. Die Ueberlagerung gegenüber dem Vorjahr ist mit 1 607 000 fast gleich groß geblieben gegenüber der Ueberlagerung(1 614 000) zur Zeit des Höchststandes der Arbeitslosigkeit. Ist also der faisonmäßige Rückgang der Arbeits- losigkeit absolut gleichgroß, so ist der prozentuale Rückgang in diesem Jahre wesentlich niedriger, da die Arbcitslosenzahl um rund 1 600 000 höher ist. Hier liegt einwandfrei und klar zutage, daß die offiziell« Politik des Lohnabbaus, die im Mai des Vorjahres be- gann, zu einer verhängnisvollen Steigerung der Arbeits- losigkeit geführt hat. Diese Steigerung ist ollein viel größer als die Gesamtzahl der Arbeitslosen in normalen Zeiten. Von je 100 Arbeitslosen wnrden Ende März— die Zahlen für Ende April stehen noch nicht fest— 88,1 unterstützt. Von der Ge- somtzohl der Unterstützten entfielen auf die Arbeitslosenoersichcrung SS, 4 Proz.. auf die Krisenfürsorge 22,1 Proz., auf die öffentliche Fürsorge 22, S Proz. An der Besierung der Arbeitsmarktlago haben olle Bezirke, wenn auch in verschiedenem Maße teilgenommen. Besonders günstig war die Entwicklung in den ausgesprochen landwirtschaft- l i ch e n Bezirken der Landesarbeitsämter Ostpreußen und Pommern, ferner in Schlesien, Bayern und Südwestdeutschland: hinter dem Reichsdurchschnitt zurück blieben die Bezirke Nordmark, Rheinland, Sachsen und Westsolen. Die Saisonaußengewerbe haben etwa zwei Drittel der während der Berichtszeit wieder in Beschäftigung gelangten Arbeitskräfte aufgenommen. Für die Landwirtschast wurden größere Vermittlungen erzielt: darunter befinden sich auch einheimische Wanderarbeiter sowie Jugendliche aus dem westlichen Industriegebiet und aus den Großstädten. Die Arbeiten für die Frühjahrsbestellung gehen jedoch zum Teil zu Ende. In den Bau- ftoffindustrien hat der Beschäftigungsgrad sich weiter gebessert, vor allem in den Steinbrüchen, schwächer bei den Zementwerken und Ziegeleien. Auch im Baugewerbe hat sich die Belebung des Arbeits- Markts in nicht unerheblichem Umfang fortgesetzt. Im ollgemeinen ist jedoch nicht damit zu rechnen, daß die Bautätigkeit den Umfang des Vorjahres wieder erreichen wird. Wir hoben es mit einer reinen Saisonentlastung zu tun. Don irgendeiner Belebung der Konjunkturgruppe ist keine Rede. Preisabbau und Arbeiterhaushalt. Was die Hauptgemeinfchast des Deutschen Einzelhandels sagt. Von der Hauptgemeinschaft des Deutschen Ein- zelhandes wird uns zu unserem Artikel in Nr. 194„Ein Arbeiterhaushalt" geschrieben, daß die Ursachen des geringen Rück- gangs der Gesamtausgaben eines Arbeiterhaushalts nicht in einem Versagen der Preissenkungsaktion, sondern in der Tatsache zu suchen sei,.choß sich diese„Aktion" nur auf den Handel beschränkt hat, während andere wichtige Ausgabcngruppcn von ihr nicht berührt wurden". Das ist durckwus unsere Ausfassung. Wenn nun die Haupt- gemeinschast des Deutschen Einzelhandels dann die totsächlichen Aus- gaben, die der Einsender des Artikels gemacht hat, in solche trennt, die nicht gesunken und in solche, die gesunken sind, und zu dem Schluß kommt, daß die Preissenkung bei letzteren 9,6 Proz. aus- macht, so ist dem Konsumenten damit gar nicht geholfen. Ebenso- gut könnte man z. B. anführen, daß die Preise für Autoreifen noch mehr gesunken sind. Da aber Autoreifen im Arbeiterhaushalt nicht konsumiert werden, so hilft dem Arbeiter diese Preissenkung gor nichts. Auch der Hinweis der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzel- Handels, daß> gewisse Lebensmittel, wie Kartoffeln, saisonmäßig im Preise ansteigen, ändert nichts an der Tatsache, daß der Konsument diese Kartoffeln teurer bezahlen muß. Worauf es uns bei der Veröffentlichung der Ausgaben eines Arbeiterhaushalts ankam, ist die Tatsache, daß' innerhalb des letzten halben Jahres die unvermeidlichen, lebensnotwendigen Ausgaben eines Arbeiterhaushalts nur ganz unwesentlich gesunken sind, während die Löhne und Gehälter viel stärker abgebaut wurden. Es ist richtig, wenn in der Zuschrift der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels die Tatsache hervorgehoben wird, daß eine Reihe von unvermeidlichen Ausgaben, wie z. B. die Miete, gleich geblieben sind. Man hat also wohl die Löhne und Gehälter abgebaut, das Einkonimcn der H a u s b« s i tz e.r. die Zinsgewinne der Banken sind jedoch intakt geblieben. Wir würden uns sehr freuen, wenn die Houptgemcinschoft des Deutschen Einzelhandels aus dieser Erkenntnis die notwendigen Konsequenzen zöge. Auch vom Standpunkt der Gesamtwirtschaft gesehen, ist eine Fortführung des Lohnabbaues verhängnisvoll. Der Lohnabbau ist verhängnisvoll für die öffentlichen Finanzen, weil mit der Einschrumpfung der Kouskrast der großen Massen unweigerlich eine Einschrumpfung des Steueraufkommens und ein An- schwellen der Ausgaben infolge der steigenden Arbeitslosigkeit vcr- Kunden ist. Er. ist verhängnisvoll, weil unsere Produktionsanlagcn m immer stärkerem Maße brach liegen, was gleichbedeutend(st mit einem starken Kapitalverlust. i Die Bindung von Preis- und Lohnabbau hat sich als ein katastrophaler Irrtum erwiesen. Der erste Schritt aus der Krise muß also eine Umstellung der staat- liehen Lohnpolitik sein. Naziklage abgewiesen! Vergebliche BerschleppunaSversuche der Kläger. Wenn es noch dem Willen der Anwälte der Kläger gegangen wäre, dann würde der Prozeß vor dem Landcsarbcitsgericht noch wochenlang.dauern. Nach Eröffnung der Sitzung vom Freitag beantragten d'e klägerischen Anwälte, die Verhandlung zu v e r- tagen, weil einer von ihnen zur Zeit im Hitlerprozeß beschäftigt und deshalb nicht anwesend war und weil die beiden anderen sich auf ihr Plädoyer noch nicht genügend vorbereitet hätten. Diese Anträge wurden abgelehnt. Dann kamen die beiden Anwälte im Lause ihres Plädoyers mit neuen Bcwcisan trägen. Sie verlangten, daß samt- liche Betriebsinspcktoren und sämtliche Bahnhofsvorsteher der BVG als Zeugen geladen werden und daß die zu einem großen Stapel an Gerichtsstelle aufgehäuften Personalakten von rund 24000 Angestellten daraufhin durchgesehen werden, ob nicht anstatt der Kläger andere hätten entlassen werden müssen! Nachdem die Rechtsanwälte Dr. W e r g i n und Dr. N e u- mann als Vertreter der Beklagten in längeren Ausführungen die völlige Haltlosigkeit der Klage nachgewiesen hatten, verkündete der Vorsitzende, Landgerichtsdirejtor R u b c n/ noch cinstündiger Beratung des Gerichts das Urteil, dos besagt, daß von einer weiteren Beweisaufnahme Abstand genommen und die B e- rufung sämtlicher Kläger zurückgewiesen wird. Zur Begründung des Urteils führte der Vorsitzende unter an- derem aus: Durch den in erster Instanz geleisteten Eid des Direk- tors Brokat ist erwiesen, daß er weder mit dem Arbeiterrat, noch mit anderen Personen vereinbart hat, daß bei den Ent- lassungen politische oder gewerkschaftliche Gesichtspunkte maßgebend sein sollten. Er hat auch keine Anweisungen nach dieser Richtung ertellt. Durch die Aussagen der Zeugen W i l l b o ck und Heidenreich sowie durch die Protokolle des A r b e i t e r r a t s ist er- wiesen, daß weder die Beklagten Flieger und L o l l, noch irgendein Vorstandsmitglied oder eine zentrale Stelle der BVG. die Entlassungen nach politischen Gesichtspunkten veranlaßt haben. Das folgt schon daraus, daß ja diese Stellen mit Personen vcr- schiedener politischer Richtungen besetzt sind. Das durch Artikel 159 der Reichsverfassung gewährleistete Koalitionsrccht ist den Klägern gegenüber nicht oerletzt, denn die Betriebszelle der NSDAP. ist keine wirtschaftliche Koalition. Eine Verletzung ihrer Amtspflichten nach§ 74 BRG. und bei Entgegennahme der Einsprüche kann den Beklagten nicht zum Vorwurf gemacht werden. Wenn auch nicht alle Formalitäten bis ins kleinste erfüllt sein mögen, lo war das durch die Massenentlassung und durch den Massenandrang zum Arbeiterrat, wobei Demonstrationen statt- fanden, an denen auch betriebsfremde Personen teilnahmen, nicht durchführbar.,_ Gegen eine zweite Lohnabbauwetle. Sie würde eine wirtschaftliche Katastrophe bedeuten. Angesichts der Gerüchte über eine drohend« erneute kür- zung der Beamtengehälter haben sich die srcigcwcrk. s ch a s t l i ch e n Organisationen der Beamten, der Arbeiter »nd Angestellten in den össentlichen Betrieben und Ber- waltungen an den Reichskanzler gewandt, um Auf- klärung über die Absichlea der Regierung zu erhalten und die einmütige Abwehrstellung der öffentlichen Bediensteten gegen einen neuen Lohn, und Gehaltsabbou zum Ausdruck zu bringen. An dieser Aktion sind beteiligt: für die Arbeiter der Gesamt- verband, der Einheitsvcrbond der Eisenbahner Deutschlands, der Zentralverbond der Maschinisten und Heizer, für die össentlichen Angestellten der Bund der technischen Angestellten und Beamten, der Zentralverband der Angestellten und der Deutsche Werkmeist?r- oerband, für die Beamtenverbände der Allgemeine Deutsche Be- amtenbund. Das gemeinsame Vorgehen der Beamten und der übrigen Jrbeitnehmer im öffentlichen Dienst gründet sich auf die Tatsache, >ß eine etwa beabsichtigte Kürzung der Beamtengchälier ohne eitere? auch eine Kürzung der Gehälter der öffentliche» Angestellten nach sich zieht und weiter auch eine neue Senkung der Löhne der im öffentlichen Dienst stehenden Arbeiter zur Folge haben würde. Eine Senkung der Gehälter der öffentlichen Bediensteten birgt auch die Gefahr der Ankurbelung einer neuen allgemeinen Lohn- abbauwell« in sich. Die freigewerkschaftlichen Verbände der Beamten, Arbeiter und Angestellten in den öffentlichen Betrieben und Verwaltungen, deren Gehälter und Löhne bereits stärker gekürzt worden sind, als es die bisher eingetretene Preissenkung rechtfertigen könnte, sind der Ueberzeugung, daß eine weitere Senkung ihres Einkommens völlig unerträglich ist. Sie würde dazu eine erneute erhebliche Schwächung der Massenkaufkraft und dabei eine weitere Versteifung der Wirtschaftskrise Zur Folge hoben Daß immer weitere Wirt- schaftskreise diese Gefahr erkannt haben, zeigt auch die Erklärung des Verbandes Deutscher Waren- und Kaufhäuser, die eine nochmalige Herabsetzung der Beamtengehälter als eine wirtschaftliche Katastrophe bezeichnet. Betriebsratswahlen. Ein Schwindelerfolg der NOG.— ober zwei Niederlagen. Am 7. und 8. Mai ist in der AEG.- T u r b i n e n f a b r i k die Arbeiterratswahl wiederholt worden, die für ungültig erklärt worden war, weil die Kommunisten behaupteten, das frühere Mit- glied der KPD., König, habe sich W a h l u n r e g- l m ä h i g- leiten zuschulden kommen lassen. Den Beweis für diese Be- hauptung waren die Kommunisten allerdings schuldig geblieben. Einen Tag vor dieser neuen Wahl setzte die KPD. einen u n- geheuerlichen Wahlschwindel in die Welt. In der „Roten Fahne" vom 6. Mai wurde die Behauptung ausgestellt, der bisherige Arbeiterratsvorsitzende der AEG.-Turbinenfobrik und Be- zirksleiter des 14. DMV.-Bezirkes, Genosse Schmalz, habe einige Tausend Mark Derbandsgeldcr unterschlagen. Die„Rote Fahne" berief sich dabei auf einen anonymen Brief, den der kam- munistische Metallarbeiterverband veröffentlicht hat. An dieser Behauptung ist, wie uns die Ortsoerwaltung Berlin des Deutschen Metallarbeiterverbandes mitteilt, kein wahres Wo r t. Genosse Schmolz hat bereits Strafantrog gegen den verantwortlichen Redakteur der„Roten Fahne" gestellt. Die Wahl- stinkbonibe hat aber leider ihre Wirkung nicht verfehlt. Von den 1515 gültigen Stimmen erhielt die freigewerkschoftliche Lifte 764 Stimmen(im Vorjahr 1226) und die RGO-Liste 751(628) Stimmen. Während im vorigen Jahr der Arbeiterrat der AEG- Turbinenfobrik aus 7 Freigewerkschaftlern und 3 RGO.-Leuten bestand, setzt er sich jetzt aus je 5 Freigewerkschaftlern und RGO.- Leuten zusammen. Im Gegensatz zur AEG.-Turbinensabrik hat die RGO. bei Bergmann eine schwere Niederlage erlitten. In dem Berliner Werk dieser Firma hatte die RGO. bisher die e r- drückende Mehrheit. Das Blatt hat sich hier jäh gewendet. Nach dem vorläufigen Wahlergebnis entfielen in diesem Jahr bei der Wahl zmn Arbeiterrat rund zwei Drittel aller ab- gegebenen Stimmen auf die f r e i g e w e r k s ch a f t l i ch« Liste und nur ein Drittel auf die kommunistisch« Gegenliste. Im vorigen Jahr war das Stimmenverhältnis genau umgekehrt. Bei B« r g m a n n- R o s e n t h a l Hot die RGO. im Arbeiter- rot zwar noch ihr« Mehrheit behauptet. Aber auch hier ist ihr Einfluß zurückgegangen. Für die freigewerkschaft- liche Liste stimmten 816 Arbeiter gegen 725 im vorigen Jahr, für die RGO.-Liste wurden 1297 Stimmen abgegeben. Im vorigen Jahr entfielen auf die Liste des mehr oder weniger kommunistischen Industrievcrbandes 218 Stimmen und auf die kommu- nistische Liste 1435 Stimmen, so daß die Opposition zusammen 1653 Stimmen erhielt. An die Stelle des Industrieverbondes sind jedoch in diesem Jahr die Nazis getreten, die 226 Stimmen auf- brachten. Die Sitze im Arbciterrot verteilen sich wie folgt: Freie Gewerkschaften 5<ö>, RGO. 9(im vorigen Jahr Industrievcrband 1, Kommunistische Opposition 10, zusammen also 11 Sitze) und Nazis l(—). Im Betriebsrot verfügen die freien Gewerkschaften über 8 Sitze, die RGO. über 7 Sitze und die Nazis über 1 Sitz. Der Angestclltenrat setzt sich zusammen aus 6 Frcigcwerkschastern, 1 Nationalsozialisten und 1 Gelben. Reichsbohti-Wahlen. Neuer NGO-Schwindel. Wiederholt wurde berichtet, daß die van der RGO. einberufenen öffentlichen Versammlungen wegen Mangel an„revolutionären" Eisenbahnern nicht stattfinden können. Um diese Blamage zu ver- decken, werden seit einigen Togen diese„öffentlichen" RGO-Versammlungen nur noch von Mund zu Mund bekanntgcmocht, mit dem besonderen Hinweis jedoch, es seien auch die Angestellten des Ein- heitsvcrbandes der Eisenbahner Deutschlands, Ortsgruppe Berlin, schriftlich eingeladen. Wir stellen fest, daß der Berliner Ortsverwaltung bis zur Stunde von derartigen Versammlungseinladungen nichts bekannt ist. Es handelt sich also um einen glatten Schwindel, um die Einheitsverbändler in die leeren Lokale der RGO. zu locken und den jetzt überall abgehalfterten I c n d r o s ch als Märtyrer zu bewundern. Morgen beginnt die Wahl. Es gilt allen Quertreibern die rechte Antwort zu geben mit der Liste des Einheilsverbandcs der Eisenbahner. Veriagie Lohnkürzung. Im nordfranzösischen Texiilgebiet. Baris, den 8. Mai. Die ursprünglich ob Montag geplante Lohnkürzung im nord- französischen Textilgebiet, die mit dem Generalstreik beantwortet werden sollte, ist auf Wunsch des Arbeitsminssters bis zum 18. Mai hinausgeschoben worden. Inzwischen soll noch einmal eine Eini- gung auf gütlichem Wege versucht werden. Internaiionale Ltnfallbekämpfung. Sachverständlgknausschuß tagt in London London. 7. Mai. Ein Ausschuß internationaler Sachverständiger für industrielle Unglückssälle, der von dem Internationalen Arbeitsamt des Völker- bundes einberufen worden ist, hält gegenwärtig seine 5. Sitzung im Home-Osfice auf Einladung der britischen Regierung ab. Sochver- ständige von Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Belgien, Italien und Holland nehmen an den Beratungen teil. Unter anderem soll die Frage der Sicherheit bei der Herstellung und Verwendung von Zelluloid behandelt werden. VcranNoortliii» fllr Politik: Ar«»»»LH»: Wirlsckiaft: S.»iaaclhös»: ScwerklÄoftsdewcounq: 3. Steinet: Feuilleton: Dt. gohn Schikowsli: Lokoles unt> Sonstiges: Ktih»atstädt: Än, eigen: Tl». Glocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Berlag S. m h. H.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckeret und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW 68, Lindenttrahe 3 Sier,» 2 Beilagen. . Schalnie ster HERREN- UNO KNABEN- BEKLEiOUNCSHAUS Eckhaus Kottbusser Tor ». 214.<8. z«»'«««*1. �ormarl� a-.«»«»».»«.i i»,! Ah heute Bauausstellung 22 Staaten beteiligt.- Die größte deutsehe Lehrschau Ein Teil des Freigeländes mit den Musterhäusern. Heute vormittag um 10 Uhr wird auf dem stSdtischea MessegelSvde am Saiserdamm die Deutsche Bauau»- flelluug 1SZ1 mit einem feierlichen Aefkakt eröffnet. Diese Au«- fiellung. w sechs kurzen Wochen buchstäblich an» dem Loden ge- stampft, stellt eine Gipfelleistung auf dem Gebiet de» internationalen Auxskellungswesen» dar. Trotz de« schweren strisensieber». von dem die deutsche Lauwirtschaft, und sie in erster Linie, durchschüttelt wird, gelang der Aufbau. E« unterliegt auch keinem Zweifel mehr. daß der von der Stadt Berlin bevorzugte Au»stellungstyp. der den bewährten Lehrschaucharakter voranstellt, den Vorzug gegenüber den nur marktmätzig aneinandergereihten Wessen verdient. Die Deutsch« Bauausskellung 1931 ist ein Ereignis internationalen Ranges in der Geschichte deS Bau- und Wohnungswesen«. Gin« bescheidene Korstellung von dem Umfang dieser größten se in Deutschland aufgebauten Ausstellung vermittelt die riesige tÄnge der durch die Ausstellung führenden Straßen und Wege, die nicht weniger als12Äilometer lang sind. Die Zahl der Aus- stellungsgebäude beträgt 7 0, und den Verkehr auf dem Freigelände vermittelt«in« eigens errichtete L i l i p u t b a h n, die auf einem Gleis von 1,6 Kilometer Länge fährt Der Raum von etwa 5000 Quadratmeter, der ursprünglich dem Ausland reserviert war. erwies sich als zu klein, um die Darstellungen aus 22 außer- deutschen Kulturstaaten unterzubringen. Hat sich doch selbst die chinesische Republik noch in letzter Stunde an der Aus- stellung beteiligt. Als Kunosum für die Schwierigkeiten, die beim Ausbau der Ausstellung zu überwinden waren, sei erwähnt, daß der Waggon mit dem Ausstellungsgut der Stadt Paris spurlos verschwunden war und erst nach zwölftägiger Such« an der fran- zösisch-belgischen Grenze wiedergesunden werden konnte. Ein erster Rundgang zeigt, daß überall das Gestern und Heute im Bau- und Wohnung»- wesen zurückgestellt ist. dafür aber um so stärker di« kommende Entwicklung herausgestrichen ist, wie überhaupt die Lauausstellung, anknüpfend an die großen Erfolge des bisherigen Berliner städti- schen Messewesens, unter Wahrung der erzieherischen und beleh- rcnden Not« versucht, wegweisend und richtunggebend zu sein. Den großen Ehrenraum der Halle l schmückt der Reichsadler der deutschen Republik, um den Ehrenraum selbst gliedert sich die „Internationale Ausstellung für Städtebau und Wohnungswesen". 2 2 Staaten ermöglichen hier einen Vergleich, was sie auf dem Gebiet« des Städtebaus und des Wohnungswesens geleistet haben. Von dem Modell des künftigen Alexanderplatzes über ein« geradezu raffiniert rationalisierte Küche in der amerikanischen Abteilung bis zu einer schneeweißen Plastik der neugestalleten City Rom« und zurück zu unseren Treptower Kleingartendauerkolonien ist in dieser Abteilung das charakteristischste internationale Material zu- sammengetragen worden. Der nächste Hallenteil führt in di«„Deutsche Ausstellung für Städtebau", die zwei Entwicklungsabschnitte deutscher Baugeschichte gegenüberstellt, nämlich die Bauweise von 1871 bis 1900 und die von 1900 bis 1930. Darüber hinaus werden Folgerungen für die Zukunft entwickelt, die etwa dem Stande von 1950 entsprechen könnten. In der Abteilung„Da» Bauwert unserer Zeit" ist am anschaulichsten die hübsch« Ausstellung des Bundes Dsutscher Architekten, wo 150 Baukünstler Modell« preisgekrönten Schaffens ausgebaut haben. Zwischen diesen zier- lichen Miniaturen kann jeder Au»stellungsbesuiher sich in den Traum eines sonnenüberfluteten Eigenheims wiegen. Die Halle II be- herbergt die Abteilung Die Wohnung unserer Zeit wo von einem Boardivghaus. das im Obergsschoß fünf Ledigenwohnungen und im Erdgeschoß di« notwendigen Gemein- schaftsräume enthüll, bis zu der Gemeinschaftszelle einer Strafanstalt für vier Gefangene jeder Typ neuzestlichen Wohnens gezeigt wird. Trotzdem wir uns in einer geschlossenen Halle befinden, sind alle ausgestelllen Häuschen durch Höfe, Wege und Gartenanlagen untereinander verbunden. Die übrigen Hallen III bis VIII wenden sich mehr an den Fachmann, was natürlich nicht ausschließt, daß auch der interessierte Laie einen außerordentlichen Eindruck von dem hier Gezeigten erhält. Da zeigt, um nur einiges zu erwähnen, der Forstfiskus in einer riesigen Tischlerwsrkställe die B ea rb eitu n g sm ö g lich t e ite n des Holzes, oder Kupfer, Zink und Eisen wetteifern mit den Ziegeln. dem Schiefer und Ajbest-Zement um di« best« Form des Dach- deckungsmaterials. Interessant ist, wie ein in natura vorgeführter Wasserrohrbruch heut« im Nu abgestoppt wird. In der Halle V, der monumentale Klinker- und Glasfassaden ein beson- deres Gesicht geben, arbeitet eine Großziegeleianlage, und Glas- malereiwerkstätten geben interessante Aufschlüsse über die Geheim- niss« dieser Betriebe. In der Halle VI zeigen die Berliner Städti- schen Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke vorbildliche Installa- tionen. Ihre hervorragend- Bedeutung für die Arbeiterschaft erhält die Halle VI allerdings durch die Ausstellungsgruppe der Arbeiterbank, der Dewog, des Verbandes sozia- ler Baubetriebe und der freien Gewerkschaften. Von der Finanzierung eines Bauvorhabens bis zum Unfallschutz auf der Baustelle zeigen diese achtunggebietenden Organisationen der Ar- beiterschaft ihre Betätigungsfelder. Vor allem die unermüdliche Arbeit zur Erhaltung des Lebens- und Kulturniveaus der prole- tarischen Klasse. Und vielleicht gehen von dieser Ausstellungsgruppe die stärksten Impulse aus für die Ueberbrückung der Kluft, die zwischen unseren Häuserfassaden und unseren Wohnräumen auf der einen Seite und unseren Lebensansprüchen auf der anderen Seite von Tag zu Tag mehr klafft.„Der Baustil hat mit unserem Lebens- ftil, mit der rasenden technischen und weltanschaulichen Umwälzung der letzten dreißig Jahre nickst Schritt gehalten. Es ist nickst die unwichtigste Ausgabe der Baukunst, diesen Vorsprung einzuholen", sagt die Dewog. Das Freigelände, das diesmal eine besonders große Rolle spielt, eröffnet die AbteUung„Das d e u t f ch e D o r f", wo ver- sucht wird, die alten, bodenständigen Bauweisen neuzeitlich weiter, zueistwickeln. Dann folgt die Abteilung.Ländlicher Sied- lungsbau". Für den Erfolg des Siedlungsgedankens ist das billige und zweckmäßige Bauen Vorbedingung. Diesem Ziel dient die Sonderschau. Wir gehen darauf über modernste Beton- und Teerstraßen an einem Musters nedhof vorbei zu einer vorbildlichen Gartenanlage. Ilnd wir sehen weiter alle nur erdenklichen An- wendungsmöglichkciten der verschiedenen Baustoffe bis zum Stahl- und KupferHaus. Der Clou des Freigeländes aber ist die Liliput- bahn, drei Käse hoch aber prustend, fauchend und pfeifend wie ein Expreßzug. Mit ihr können wir nun das ganze Freigelände herum- fahren und auf den rot-gelben Bänken glücklich sein wie die Kinder. ch Dl« Ausstellung ist täglich von 9 Uhr früh bis 8 Uhr abends geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt für Erwachsevc 1,50 M., für Iugenistich« 0,75 M. Die Ausstellung bleibt bis zum 2. August geöffnet. 5(1;. o a. Schwerwiegender, aber verantwortungsbewußter Beschluß des Stadtparlaments. Die Berliner Stadtverordneten standen gestern vor einer schwerwiegenden Entscheidung, in der c» um die gesamte zu- künftige Flnaazgeflaltnng der Reichshauptstadt und darüber hinaus um die Zukunft der Berliner Selbstverwaltung ging. Die Stadt- verordnetenversammlung hatte über die große Vewag-Transaktion zu beschließen, die die Umgestaltung der bisher rein städtischen Berliner Elektrizitätswerke in ein neues gemischt- wirtschaftliche« Unternehmen, an dem Reich, Preußen und die Stadt Berlin 59 Prozent de« Stimm- rechtes besitzen sollen, vorsieht. Der Magistrat, der dem Zwang der Verhältnisse folgend, der Umwandlung zugestimmt hat. bat die Stadtvertretung um ihre Zustimmung. Das Stadiparlament hat gestern das Angebot des Bankenkonsartiums mit einer knappen Mehrheit angenommen. 3n einer prägnanten Erklärung legte der Vorsitzende der sozialdemokratischen Stadtverordueteafraktion. Genosse Erich Fla tau. die Gründe des Beschlusses dar. Er wies darauf hin, daß Berlin nicht durch eigene Schuld in eine Lage ge- kommen ist, die keinen anderen Ausweg mehr läßt, als die Substanz anzugreifen, um noch Schlimmeres zu verhüten. Berlinlstda» Opfer jener Politik des Herrn Schacht geworden, die konsequent darauf gerichtet war. die deutschen Gemeinden vom Aus- landskapitalmarkt abzuschnüren. So war die Stadt gezwungen. kurzfristige verbindlichkeilen einzugehen, die zu der jetzigen kata- strophalen Lage der Reichshauptstadt führen mußten. Dazu kam neben der besonderen Benachteiligung Berlin» beim Finanzausgleich die steigenden Erwerbslosenlasten, sowie die sonstigen hohen Sozial- leistungen bei dauernd rückgängigen Steuereinnahmen. Die Jlazi- wähl vom 14. September 1930 tat ihr übrige», die finanzielle Lage von Reich, Ländern und Gemeinden zu verschlechtern. Die kurzfristige Verschuldung Berlin» ist heute bis über 599 Millionen Mark angestiegen, hknzu kommt, daß durch die hohen Erwerbs- losealasten und den Rückgang der Steuern der haushall ein Defizit von 129 Millionen Mark aufweist. Durch die Bewag-Transattiou. die der Stadt eine sofortige Einnahme von 219 Millionen Mark verschafft, kommt Berlin in die Lage, einen Teil seiner kurzfristigen Verschuldung sofort abzudecken und darüber hinaus der Reichs- Hauptstadt wieder jene finanzielle Bewegungsfreiheit zu verschossen. ohne die auf die Dauer eine Rlesmgemeinde von über 4 Millionen Einwohnern nicht regiert werden kann. Wäre die Beweg-Um- geflaltung nicht zustande gekommen, so erscheint kein Weg mehr ossev. Berlin vor der Bankrotterklärung zu bewahren. Zu dieser Situation hat die sozialdemokratische FroMon, getragen von hoher Verantwortung für die Stadtgemeinde Berlin, um die Ausrecht- crhallung der Zahlungsfähigkeit der größten deutschen Gemeinde zu gewährleisten, sich schweren herzen» entschlossen, dem Projekt trotz größter grundsätzlicher und finanzieller Bedenken zuzustimmen. * Vor Eintritt in die zweite Beratung der Boriay« wegen des Bewag-Projektes produzierte sich der Kommunist Wisnewski als Kommentator und Hüter des neuen Gesetzes Groß-Berlin und der Städteordnung. Cr wandte sich dagegen, daß, obwohl die Bewag- Vorlage noch gar nicht verabschiedet sei, der Oberbürgermeister schon die Namhaftmachung der Aussichtsratsmitglieder durch die Fraktionen gefordert habe. Das sei unzulässig; gegen diese Diktatur(schallende Heiterkeit) müsse seine Fraktion protestieren. Dann sei es aber auch unzulässig, zwei Stadtverordnetensitzungsn auf einmal einzuberufen, wie es der Vorsteher, Genosse Haß, getan habe. Haß konnte, meinte Wisnewski, nicht vorher wissen, daß die erste Sitzung beschlußunfähig werden würde, und so verstoße die Einberufung der zweiten(Freitag) Sitzung gegen die Geschäfts- Ordnung, gegen das Gesetz und sonst noch mehr. Vorsteher Haß belehrte den kommunistischen Gesetzesschützer, daß der Oberbürgermeister sehr wohl das Recht hätte, vorsorgliche Maß- nahmen zu treffen: das sei bei der Aufsichtsratsangelegenheit der Fall.(Lärm bei den Kommunisten und den Nazis.) Im übrigen sei es seit über zehn Iahren üblich geworden, bei wichtigen, eiligen Vorlagen«in« zweite Sitzung in vorsorglicher Absicht einzuberufen. Herr Granaß von den Deutschnationalen folgte selbstverständlich dem Protest der Kommunisten und kündigt« gleichzeitig Schrftte bei den Aussichtsbehörden gegen das„ungesetzliche" Vorgehen des Vorstehers an. Der Dorsteher erwidert« ihm kühl, er, Granaß. kenne ja die gesetzlichen Loraussetzungen für«ine Beschwerde! So rutschten also die Oppositionsfeaktionen mit ihrer Verschleppungstaktik ab und sie konnten auch einen nationalsozialistischen Vertagungs- antrag nicht durchbringen, obwohl, so wie am Donnerstag, Nazis, Deutschnationale und Kommunisten sich wieder zusammenfanden. Dann begann endlich um 546 Uhr die zweite Beratung. Den Kommunisten standen von ihrer halben Stunde Redezeit noch drei Minuten zu, mehr hatte der erste Redner nicht übrig gelassen. Diese kurze Zeit genügt« aber Herrn wisnewski, den Magistrat so zu beschimpfen, daß er sich«inen komplizierten Ordnungsruf zuzog. Stadtverordneter Llppert(Nsoz.) forderte vom « Obcrbürgcrmeistcr die Bonkeroiterklärung der Stadt Berlin und Neu- wählen für die Versammlung. Nach dem Wirtschoftsparteilcr Köhler erklärte Genosse Alatmi, daß sich die Vertreter der Fraktion bereits bei der allerersten Behandlung des Projekts ausführlich geäußert hätten, so daß sich jetzt sogar eine Polemik gegen die Opposition�- Durch eine planmäßige, von der Sostaldemokratijchen Partei in allen ihren Gliederungen seit Zohren bekämpfte Abschniirung der Gemeinden vom Auslandskapital markt ist die Bereitstellung der zum Wiederaufbau der kommunalen Wirt- schost nach Krieg und Inflation erforderlich gewordenen Büttel in der unerhörtesten weise verhindert worden, so daß es nicht möglich war. die notwendig gewesenen langfristigen Anleihen abzuschließen, und deshalb kurzfristige Verbindlichkeiten eingc- gangen werden mußten. Die besondere Benachteiligung Berlins beim Finanzausgleich hat in der Zeil schwerster wirlschaftlicher Krisen und steigender Sozialleistungen, deren Erfüllung die sozialdemokratische Stadt- vrrordnetensraktion stets als vordringlichste und vornehmste Ausgabe angesehen hat, zu einem erheblichen Haushaltsdefizit und zu weiteren Verschlechterungen der Kasscnlage geführt. Die allgemeine politische Lage, die durch die Wirkung der Reichs- tagswahl vom 14. September 1930 besonders kritisch geworden ist, die hierdurch mit verschlechterte finanzielle Situation von Reich, Ländern und Gemeinden verhindern eine gesicherte Verlängerung der aufgenommenen Kredite und die rechtzeitige Bereitstellung der für das Rechnungsjahr 1931 er- forderlichen Haushaltsmittel. Eine im bisherigen Ausmaß fortschreitende Steigerung der Kassenschwierigkeilen der Stadt verlin würde eine weitere schwere Schädigung des äffen t- lichen und privaten Kredits bedeuten und eine Katastrophe herbeiführen, die die Auszahlung der Unter- stühungen an die Erwerbslosen, wohlsahrls- r e n t n c r, der Arbeikerlöhne sowie der G e h ö l t e r der Angestellten und Beamten unmöglich machen könnte. Die Verantwortung für solche Wirkungen will und kann die sozialdemokratische Berliner Stadtverordnetensraktion der Oeffenllich- kcit und der werktätigen Bevölkerung Berlins gegenüber nicht übernehmen. Sie stimmt daher trotz schwerster grundsätzlicher und finanzieller Bedenken der Vorlage, u. Die Kommunisten und die mit ihnen stets vereinten National- fozialisten begleiteten die Vorlesung der Erklärung mit w ii st e m Lärm, wobei der Vorsteher mehrfach Ordnungsrufe austeilen mußte. Stadtverordneter Klinghardl(Volksp.) warf den Oppositions- Parteien mangelndes Interesse an dem Wohlergehen der Stadt vor, dabei gab's erneuten Lärm! den Deutfchnationalcn hielt Klinghardt ihren fainofen Stadtrat Wege vor und dem Kommunisten Lange, der den Redner fortgesetzt mit beleidigenden Zwischen- rufen störte, kündigte Klinghardt eine Auseinandersetzung vor dem Strafrichter an..Herr Lange war dann sehr still! Für die Staats- parteilcr stimmte Stadtverordneter Schubert dem Projekt zu: die Annahme sei allerdings nur durch die mißliche Finanzloge der Stadt begründet. Fiir das Zentrum erklärte Stadtverordneter Birk die Zustimmung! Durch einen treffenden Zwischenruf wurde der Dcutschnationale Steiniger, der sich zum zweiten Malern der Debatte produzierte, noch blasser als er sonst schon ist.. Als er die Sozialdemokratie angriff, rief man dem deutschnätianalen Oberbürgermristerkandidaten- zwr. Wenn S le'„Ober" geworden wären, hätten Sie der Vorlage zugestimmt!(Stürmische Heiterkeit.) Schließlich nahm noch Oberbürgermeister Dr. Eahm das Wort, um den Standpunkt des Magistrats zusammenfassend darzulegen. Er sagte, daß eine äußerst wichtige Vorlage in einem historischen Augenblick zur Verabschiedung stehe. Für die 5l>l) Mil- lianen M. schwebender, kurzfristiger Schulden gäbe es keine Pro- longation! die Verwaltung leide darunter außerordentlich, die Kassenlage sei ständig schwierig. 100 Millionen M. Defizit zeige der Etat, und selbst radikale Sparmaßnahmen tännten es nicht beiseitigen. Parteien erübrige. An den Magistrat richtete Flatau di« Aufforde- rung, dahin zu wirken, daß bei der neuen Gesellschaft für die Belegschasten die bisherigen Arbeitsbedingungen besonders hinsichtlich der Alters- und Hinterbliebenenversorgung erhalten bleiben. Der Grund für die schlechte Finanzlage der Stadt sei in dem Rückgang der Steuereingänge und in dem gleichzeitigen rapiden Anschwellen der Wohlsohrtslasten zu suchen. Dafür zu sorgen, daß die Kassenverwoltung dem Ansturm einiger- maßen gewachsen ist, sei Zweck der Vorlage. Der Magistrat über- nimmt die volle Verantwortung für das Projekt, erklärte der Ober- bürgermeister weiter, er bitte aber die Stadtverordneten, diese Ver- antwortung tragen zu helfen. Die Haltung des Ausschusses hätte Zonntsg, 16V- Uhr, „Stadion Neukölln" Massenfest der Arbeitersänger die Position des Magistrats bei den Verhandlungen so sehr gestärkt, daß die bekannten Verbesserungen erzielt werden konnten. Aus der Finanzmisere der Stadt gebe es keinen anderen Ausweg als den der Vorlage, deshalb bitte er um ihre Annahme. Sollten die Stadtverordneten sich dieser Verpflichtung entziehen, dann müsse allerdings die Aufsichtsbehörde eingreifen. Die Stadtverordneten sollten ober zu stolz sein, die Konsequenzen der Selbstverwaltungs- körper von der Aufsichtsbehörde wahrnehmen zu lassen. Der Ober- bürgermeister bot um einen Beschluß, der den Kredit der Stadt wieder zu heben geeignet sei und darüber hin- aus eine Reorganisation der gesamten Verwaltung ermögliche. (Lebhafter Beifall.) Dann fanden die Abstimmungen statt. Kommunistische Anträge gegen die Vorlage wurden in namentlicher Abstimmung abgelehnt, dagegen wuvde ein sozial- demokratischer Antrag, der vom Magistrat oerlangt, für die Jeibehallung der Arbeits- und Versorgungsbedingungen der Vewagbelegschaften zu sorgen, mit großer Mehrheit angenommen. Annahme fand ebenfalls ein deutschnationaler Antrag, der den notariellen Abschluß des Projektes vor einer öffentlichen G e r i ch t s st e l l e fordert, dadurch war eigentlich ein— allerdings auch angenommener— Zusatzantrag erledigt, der verboten wissen wollte, daß ein Mitglied der Stadtverordnetenversammlung den notariellen Akt vornimmt! Zu der Gesamtvorlage stellten dann die Mittelparteien und die Sozialdemokraten einen Antrag dahingehend, daß die B e t e i l i- g u n g der Stadt an der neuen Gesellschaft eine Zuweisung von mindestens einem Viertel der Generalversammlung sm it g l i e d e r an die Stadt ermöglichen muß. Der Antrag wurde angenommen. In der h a u p t a b st i m m u n g stimmten dann 104 Stadtverordnete der Sozialdemolraten, der Staats- parteiler, der Volkspartei, des Zentrums, des Christlichen Volks- dienstes für die Annahme des Bewog-Projektes, während die Kommunisten, die Deutschnationalen, die Nationalsozialisten, die Wirtschaftler mit 100 Stimmen in der Minderheit blieben. i£iiie von üeiv Kommunisten begststggte dritte L e s um g würde a b g e l eTTnTv''Die neue iarrrst mrroT-Bir u n g wurde bis zur Einbringung des Etats zurückgestellt, die V e r g n ü g u n g s- steuervorlage ging in den Steuerausschuh. Der Bl a g i st r a k hak in einer Sitzung unmittelbar nach der Stadtverordnetenversammlung dem Beschluß der Stadtverordneten und damit dem Bewag-Projekt z u g e st i m m t. In den A u s s i ch t s r a t der neugebildeten Berliner Licht- und Kraftgesellschast treten von den Stadtverordneten ein: U r i ch und Robinson(Soz.), Klinkhardt(Volkspartei), Steiniger (deutschnational) und Schwenk(Komm.), außerdem drei Magistrotsmitglieder, die aber noch nicht bestimmt sind. Wie man Professor wird. Eine Universität in der Dachkammer. Ordens- und Titelschwindel ist alt: Unter Wilhelm wurde einem adligen General deshalb der Prozeß gemacht, und wie man kam- merzienrot und gar nobilitiert wurde, ist bekannt: Man mußte vor allem den Geldbeutel öffnen. Mit akademischen Titeln handelte ein Konsortium aus einem Versicher ungsange st eilten, einem Privat schul» � (eiter und einem früheren Kaufmann, dos sich jetzt in Düsseldorf wegen Betruges zu verantworten hatte. Sie hotten die Generalvertretung der Universität„Voltaire la France", die in Marseille ihren Sitz haben sollte. Alle drei waren im Besitz präch» tiger Doktor- und Professor-Diplome der verschiedenen akademischen Grade, und durch Annoncen und mündliche Werbung fanden sie Dumme genug, die gleichfalls— natürlich gegen gutes Geld— wie der biblische Joseph mehr sein wollten als ihre Brüder. Schrieb wer einen Schulaussatz über das Aufkommen der Maikäfer zur Frühlingszeit und blechte er dementsprechend, ward er durch ein vom Bürgermeister von Marseille gesiegeltes Dokument Doktor der Naturwissenschaft. Verfertigte ein anderer gar eine Arbeit mit pseudowissenschaftlichem Titel, sogen wir über den hereditären Ata- vismus bei den Aschantinegern oder über den biologischen Unter- schied zwischen einem Känguruh und einem Bismarckhering, so be- kam er, vorausgesetzt, daß er etwas reichlicher bezahlte, den urkund- lich beglaubigten Rang eines Professors. In Wahrheit bestand freilich die Universität„Voltaire la France", der die Ehefrau des englischen Marschalls Hoigh, Herr Aristide Briand und der belgische Außenminister Hymans als Ehren- Mitglieder angehören sollten, aus einer Dach st übe, in der ein Herr Pierra die Diplome in Schönschrift anfertigte und die wissenschaftlichen„Arbeiten" in den Papierkorb versenkte. Immerhin war das Geschäft einträglich genug, daß die deutschen Vertreter für jeden neuen„Professor" oder„Doktor" rund 150 Reichsmark bezogen. Als dann der Schwindel herauskam, spielten die drei natürlich den ahnungslosen Engel. Man verurteilte sie zu G e f ä n g n i s st r a f e n bis zu einem Jahr. Oer Mörder und feine Schwestern. Reins Auslieferung wird sich verzögern. Die Auslieferung der in Genua verhafteten Geschwister R e i n s scheint sich zu verzögern. Die Schwestern hoben sich auch noch italienischem Gesetz strafbar gemacht und es muß erst ein Auslieferungsbegehren von deutscher Seite gestellt werden. Mit ihrer Auslieferung an die deutschen Behörden ist nicht vor Ablauf mehrerer Wochen zu rechnen. Bei den Geschwistern Reins in Genua sind außer einem Geldbetrag von 3540 Mark zwei große und fünf kleinere kosscr beschlagnahmt worden. lieber das Ergebnis der Durchsuchung des Gepäcks liegt noch keine abschließende Milteilung vor. Die Berliner Kriminalpolizei hält an der Auffassung fest, daß zum mindesten die ältere Schweste? Sophie von der Blordabsicht ihres Bruders gewußt hat, da sie sich ihren Auslandspaß einige Tage vor dem verbrechen besorgt hat. Daß von 0cm geraubten Gelde einiges vcrbrauchl ist, erklärt- sich daraus, daß die Geschwister unterwegs Aufwendungen gemocht und Einkäufe besargt haben. Sie hatten Berlin ohne nennen.-- wertes Gepäck verlassen. Weitere Verhöre sinden in Genua nicht mehr statt, sie werden erst in Berlin vorgenommen werden. Eine Landesverweisung der beiden Schwestern als lästige Auslände- Geldmittel war und außerdem beide Mädchen Pässe hotten. JDo X" nach Südamerika gestariei. , L o n d o n, s. Mai. ?as deutsche Flugsehiff„To X" ist am FveitaA morgen von den B i s s a g o s- Z n s e l n sPortugiefisch- Guinea) zum Fluge nach der Fnscl Fernando No- ronha aufgestiegen. Die Entfernung beträgt Ilillt) Kilometer. Erklärung der sozialdemokratischen Fraktion. Roman aus dem Uogarisdicn rem Alexander von Sachcr-Masoch. Natürlich hätte ich um nichts in der Welt gewagt, selbst in so hilflosem Zustand der Geißel der Straße eine zu kleben. Eher hätte ich Freddy gebeten, ihn laufen zu lassen. Aber Freddy zerrte, als er sah, daß ich mich nicht rührte, Bandi Hires drohend nach sich her, ohne daß die Geißel sich rühren tonnte und befahl mir noch einmal: „Also Ohrfeige! Los! Hier krepierst der Gauner!" Bei der dritten Aufforderung war ich gezwungen, Bandi zwei Schonungsvolle zu versetzen, denn ich hatte das schreck- liche Empfinden, daß Freddy ihm sonst den Arm gebrochen hätte, so sehr zwischte und krächzte er. „Das Ohrfeige? Du sein ein Feigling!" sagte Freddy zu mir und ließ meinen Angreifer los:„Also gib acht, Schurke! Noch einmal du schlägst diesen. Du krepierst in meiner Hand!" drohte er ihm. Nachdem Band! Hires sich frei fühlte und das väterliche Haustor im Rücken hatte, sandte er uns freilich schon furcht- bare Drohungen nach. Aber Freddy kümmerte sich nicht mehr um ihn und ermutigte mich, so gut er konnte. Wenn jemand mich behelligte, solle ich es nur ihm sagen, er würde dem Burschen schon heimleuchten. Ein größerer Held konnte Freddy in meinen Augen nicht mehr werden. Der Erzengel mit dem Schwert schien mir geringer zu sein. Aber sein Zureden konnte mich nicht so recht trösten. Ich sah Gespenster und ahnte eine furchtbare Rache der Geißel und wäre lieber mit den zwei Ohrfeigen ruhig ge- blieben. Freddys Dazwischentreten wäre meiner Meinung nach besser unterblieben. Aber ich irrte mich. Die Züchtigung mar Bandi Hires sehr nützlich. Schon am nächsten Tage begegnete ich ihm. allein mit erbleichenden Lippen und schlotternden Knien, aber ich erhielt nur furchtbare Drohungen, er würde mir die Haut vom Leibe schinden, ich solle nur Geduld haben. Aber-sonst. geschah nichts. Auch bei den anderen Kindern genoß ich von da an merklichen Respekt. Obwohl ich nicht einmal wagte, mein Erlebnis zu erzählen. Eher versuchte ich, irgendwie Frieden zu schließen, da ich fühlte, daß ssic mich im geheimen haßten. Vermutlieh hatte meine Schwester die Geschichte überoll erzählt. Fünfzehntes Kapitel, birgt ebenfalls Streit, aber im Freundeskreise des Helden und berichtet von der dritten und letzten Kolossalidee. Von Mister Jack wußten wir schon lange, daß die Direktorsleutc mit Kitcher et Compagnic wieder in Brief- Wechsel standen, sich aber nicht über die Bedingungen einigen konnten. Bis dahin halten Mister Jacks zwei unübertreff- liche Ideen den vollständigen Ruin des Hippodroms auf- gehalten. Gegenüber den Einfällen der Natur war jedoch auch Mister Jack auf die Dauer machtlos. Am Tage, der auf die Sonntagvorstellung folgte, war das Wetter so mild und bewölkt, daß die Heizung des Hippo- droms fast überflüssig schien. Aber schon in der Mitte der Vorstellung herrschte fast nächtliches Dunkel. Eben, als die fliegende Familie an den Strickleitern zu den Trapezen hinaufkletterte, begann es in großen Flocken zu schneien. Auch dieser Anblick ist nicht leicht zu vergessen. Das wenige Publikum sah mit Staunen, wie der Luft- zug, den die tollkühnen Flieger verursachten, die schwebenden Schneeflocken mitriß. Und als die Musik schwieg, bei Freddys atembeklemmendem Salto durch die Luft, sorgte das Zischen der Schneeflocken, die in Mister Jacks Oefen fielen, für weitere Begleitung. Aber sie führten die Vorstellung zu Ende. Die letzte. Nachdem es erst begonnen hatte, schneite es bis zum Morgen ununterbrochen. Am Morgen bedeckte der Schnee die Bänke des Hippodroms spannenhoch, als hätte sich der Tod als Publikum eingefunden. Daraufhin hatte selbst Mister Jack keine kolossale, noch andere Idee. Der Reservefonds des Herrn Direktors mochte selbst für seine eigene Familie zu Ende sein, um so weniger konnte er die Signores befriedigen. Auf weitere Vorstellungen war keine Aussicht. Ich wußte, daß schon von früher her Mißgunst zwischen den Signores und Misters herrschte, und zwar weil die Sig- nores die Zugkraft der fflegenden Familie gegenüber ihrer Rümmer iricht anerkennen wollten._ Jetzt, im Zustand vollkammener Hoffnungslosigkeit, kam es zwischen den zwei Gesellschaften zu offener Fehde. Die Signores forderten eine gewisse Abfertigung oder eine Kün- digungssumme. Die Direktors antworteten darauf, sie hätten nichl gekündigt. Nach ziemlich lautem und heftigem Streit kam es zum offenen Bruch zwischen den beiden. Eines schönen Tages führte Signore Robelly feine drei Pferde aus unserem Stall, führte sie irgendwohin, ohne an uns ein Wort zu verlieren. Mister Jack schilderte uns dann auf die Bitte meines Vaters die Lage. Mister Jack mar es, der eine Zeitlang als Friedens- vermittler zwischen den Direktorsleuten und den Signores auftrat. Er hatte bereits eine dritte, kolossale Idee gegen den Schneefall geboren. Er wollte nämlich den großen Saal des alten Gasthofes der Stadt mieten, um dort seine Vor- stellungen abzuhalten. Deshalb wäre es ihm angenehm ge- wesen, wenn er von den Signores wenigstens die Akrobaten und den Jongleur hätte zurückhalten können. Denn so war — seine Person ausgenommen, die als Clown überall jede Gesellschaft zu amüsieren vermochte— das Auftreten der fliegenden Familie als solcher in Frage gestellt. Aber einige von den Signores hatten fremde Verträge erhalten und da Robellys Pferde die letzte Rettung bedeuteten, verkaufte sie Robelly und die Signores fuhren ab. Die fliegende Familie blieb daher allein. Aber noch immer nicht ohne jede Hilfe. Roch immer wechselten sie mit Kitcher et Comvagnie Briefe wegen der Bedingungen. Roch immer gab es Zucker- kuchen zum Kaffee und Domino. Noch immer gingen wir mit meiner Schwester zu den Komödianten, wie in ein schöneres und besseres Heim. Auch geschah es noch ziemlich oft, daß sie meinen Bater einluden zu Wein und Punschen. Eben nur, daß des Direktors Stirne immer düsterer wurde und Frau Griseldcs Gestalt immer unförmiger, von der gesegneten Last. Das Hippodrom wurde abgerissen, aber sie mußten wenig- stens für das geliehene Holz der Stadt kein Standgeld zahlen. Ja, Mister Jacks Oefen, die Zeltleinwand, die eigenen Sessel, Stellagen und Stoffe brachten noch Geld. Mister Jack war auch jetzt die Seele des Ganzen. Er mietete den Tanzsaal des Gasthofes, ließ ein Podium errichten und Trapeze für die Luftnummer. (Fortsetzung folgt.) Allgemeine Wetterlage. 8.Mai 4934,ab(is. 3 O wolkenlos.® heterJOhafttedadct «woIkig.�bedeckt'RegwuGreopeln .■FGewatet�WndsHiJ« Mit Ausnahm« von Ostpreußen lag am Freitag das ganze Reich im Bereiche ozeanischer Luft, die in östlicher Richtung fließt, nachdem das Tiefdruckgebiet, das am Donnerstagabend über Mittel- deutschlond lag. noch der südlichen Ostsee gezogen ist. Der Himmel war meist bewölkt, und in Norddeutschland kamen leichte Regen- solle vor, während es in Süddeutschland bei wechselnder Bewölkung meist trocken blieb. An der Elbmündung brachte ein vereinzeltes Gewitter 20 Millimeter Niederschlag. Allein in Ostpreußen, das wie erwähnt, noch nicht im Bereiche der Ozeanluft lag, stiegen die Temperaturen aus 23 Grad, während sie im übrigen Deutschland meist unter IS Grad blieben. Da anzunehmen ist, daß die westliche Luftströmung zunächst noch bestehen bleibt, dürfte am Sonnabend wechselnd bewölktes und kühles Wetter herrschen. -i- wetteroussichten für Verlin. Veränderliche Bewölkung, zeit- weise etwas Regen, wenig veränderte Temperaturen, westliche Winde.— Zur Deutschland: llcbcrall kühles und wechselnd bewölktes Wetter, strichweise leichte Niederschläge. Sport. Rennen zu Ruhleben am Freilag, dem 8. Rla>. 1. 91 c im f n. 1.©eftin(db. Mills). 2. Herold. 3 Flieder. Tolo:}7: 10. "Plalj: 22, 29. 57: 10. Ferner liefen: Dattel, Sonftantin FriSeo, Hlibcrla, Voraus, Beronika, Cytlnmc. 2. Rennen. 1. Antwort(Ch. Mills). 2. Hexenmeister. 3. Bergamolte. Toto: 21:10. Platz: 10,17.02:10. Ferner liefen; CreSceuS, Dewey Pillat, Herzblatt. Heureka, Zldio, Etrusker. S. Rennen. 1. �Zonnn(F. Mills), 2. Victoria, 3. Duncan. Toto: 18:10. Platz: 11, 11, 11:10. Ferner liejeu; Bianca, Atout, Britta, Lelatio, 4. Rennen. 1. Britto»(Ch. Mills). 2. Florian. 3. Eckstein. Toto: 50: 10.-Platz: 20, 25, 16: 10. Ferner liefen: Möglich, Kurfürst, Königsadler, Planet, Freund Edelstein. 2ilidowgold(3. o. 23.). 5. R c n n e n. 1. Baron Gabler(Czerson), 2. Morgengrub 1, 3. Baroneß E. Toto: 59:10. Platz: 30. 81,. 72:10. Ferner liefen: Pindar, Nushaga Boy. Kordula I, Niederländer, Eulenspiegel, Hella Timoko. Crassus. 6. R e n n e n. 1. Eitelkeit lBresin), 2. Nordpol. 3. Adresse. Toto: 37: 10. Platz: 19,21,28:10. Ferner liefen: Fahrenheit, Palmetle, Charmant. Guy de Val, Harfnerin, Siegesadler, Ouebcck, Faschingsmädel, Prachtmädels Tochter. 7. Renne». 1. Beta Lee lKruilhos fr.), 2. Peter Nurmi, 3. Fustanella. Toto: 119:10. Platz: 74,20,40:10. Ferner liefen: Kimlko, Ali Dlmic, Feodora Eudoxia, Steinkauz, Querulant, Königsborn. 8. Rennen. 1. Cckrol(Jautz jr.), 2. Nero, 3. standSInecht. Toto: 25:10. Platz: 16, 17, 23:10. Ferner Uesen: Eordula. Teddykus.Hasdrubal, Cieei o. 9. Rennen. 1. Oberamtmann. Wie die Beispiele zeigen, ist das Reisen im Flugzeug ganz erheblich verbilligt worden. Durch diese Tarifscnkung sollen dem Flugzeug neue Benutzerkreise gewonnen werden. Im ersten Vierteljahr 1931 konnte die Deutsche Lust-Hansa, die bereits im November 1930 die Berbilligung des Personenverkehrs einleitete, eine Steigerung der Passagierzahl um rund 20 Prozent verzeichnen. In Werder blühn die Bäume... Werder, im Frühling wohl der beliebteste Berliner 2lusslugsort, ist«mpfangsbercit. Es hat in diesem Jahr zwar sehr lange ge- dauert, bis sich der ganze Blütensegen entfaltet hat, aber nun ist es so weit, und oll die Psatlich- und Kirschbäume haben sich mit verschwenderischer Pracht geschmückt. Man glaubt zu bemerken, wie fast stündlich neu« Blütenaugen dem verdüsterten Frühlingshimmel entgegenblicken. Und in wenigen Tagen werden di« Höhen um Werder ein einziges, rosig und weiß wogendes Blütenmeer sein. Die Blütensahrten sind im Gange, und jeder Tag- bringt tausende an diese Urquelle des Berliner Frühlings. -i- Auch in anderen Teilen der Berliner Umgebung wird der Baumblütenfrühling sichtbar. In Biesdorf bietet sich den Be- suchern ein überwältigender Anblick dar. Soweit das Auge reicht, wogt ein weißes blühendes Meer. Kirschen, Pstaumen, Birnen, Aepsel, alle Blüten sind in überreicher Anzahl vorhanden. Am Sonntag, dem 10. dieses Monats, finden wieder Baumblütenseste statt. Aus dem Schillerplotz werden Volksbelustigungen aller Art geboten. Vielen Berlinern ist Biesdorf noch unbekannt, und doch ist es bequem zu erreichen, und zwar mit der Stadtbahn, Richtung Kaulsdorf, vom Schlesischen Bahnhos für 20 Pf. in 14 Minuten. Biesdorf ist die größte Obstkammer Berlins. Jährlich werden etwa 3000 Zentner Schattenmorcllen, unzählige Zentner Birnen, Pslau- men, Aepsel sowie Erdbeeren, Stachelbeeren, Johannisbeeren nach der Zentralmarkthalle Berlin geliesert. Dann werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß man auch in Schon cberg die Baumblüte bewundern kann. Man findet dort im sogenannten Südgelände etwa 4 00 0 Klein- gärten� die, für jedermann kostenlos zugänglich, im schönsten Blütenschmuck prangen. Ein schöner Erfolg rastloser Arbeit unserer Genossen. Möchten recht viele Licht- und Sonnenhungrige dieses billige Schauspiel genießen. Fahrt bis Bahnhos Pricsterweg oder mit den Straßenbahnlinien 65 und 60. Das Gauerland. Während sich der Begriff„Sauerland" allgemein für die ganze Südecke Westfalens eingebürgert hat, wohl hauptsächlich daher, weil das sauerländische Gebirge erst gegen den Westerwald zu aufhört und das ganze Gebiet seit 40 Iahren vom Sauer- ländischcn Gebirgs-Vercin betreut wird, bilden die beiden südlichsten Kreise Siegen und Wittgenstein doch infolge ihrer ganz anders gearteten Bevölkerung und Geschichte wie ihrem erst nach VorbilcUick xekulirle Hotels, Sanatorien, Heilbäder. Ermäßigte Rundreise-Fahrkarten, Familien-Billette, Generalabonnements. Auskünfte, Prospekte, Hotclfuhrer und Fahrkarten durch die Reiseagenturen und das AmtLReisehureau der Schweiz. Bundesbahnen, Berlin NW 7, U.d.Linden 57-58 Walll* Größtes Alpengebiet für Sport und Touristik. Idealer Sommerau/enthalt. Ausgezeichnetes Klima mit den wenigsten Regentagen der Schweiz.— Bade- und Luftkurorte in jeder Höhenlage ron 400 bis 2200 Mtr. /~*TJ A AAPTJPV 1 Ö55 m. Alpiner Sommerkurort. S�rinjyur C*I\ 1 10 Tennis. Angelsport. Zahlr. Hotels u. ChAlets. Schwimmbad. Verkebrsoüro.Tel.41. awnt�lanc�gebTet S*lvmn, MarAcottM, Flnhaut(900 bis 1300 m). Beliebte Sommerfrischen an der kühn legten, aussichts- reieben Trlent■ Schlucht• Bahn, die das Bbooctal (Simplonl mit Chamonix verbindet. FIWHAUT-0IETR0Z.1737m.Badio-sct.Wsss.Verk.-Bllro. I AfTTeAMPFY'470 m. Ideal. Alpenkurnrt. Bäd., LAC LllAlUi CA Rurt.-i Angcisporf. Sais-Mai-Okt. "äIdTST T A 7000 m. Eisenbahnstation Sion. /VlVL'LcL.ri Grand-Hetal u. Kurhaut. Eamilie Spahr. -7 TXT AT 1680 m. Kurnrcbeat. Tennis. 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Außer dem berühmten Siegerländer Kunstwiesenbau sind noch die letzten Hauberge bemerkenswert: einst dienten sie zur Eewinnung non Eichenkvhe, die in der Siegerländer Lederindustrie Verwendung fand In Siegen, der zwei Schlösser bergenden 5)aupchtadt des Siegerlandes. stand 1577 die Wiege des großen Malers Rubens, unweit davon im Dörflein Grund die des Jugeradsjreundes Goethes, des später als Augenarzt berühmt geworfenen Jung- Stilling. Knapp hinter der jetzigen Provinzgrenze erhebt sich die heutige Jugendburg Freusburg. Air den Kindelsberg angelehnt finden wir zahlreiche Sommerfrischen und die seit dem 13- Jahrhundert betriebene Grube Stahlberg in Müsen. Das �Aelände hinter Hilchenbach aussteigend, um den Giller herum, dient auch dem Wintersport. Das nahe Wittgenstein mit der Hauptstadt Berleburg, die neben dem herrlich gelegenen Laasphe und anderen kleineren Sommerfrischen besten Ruf genießt, erfreut sich ungeheurer Forsten, in denen noch der geweihte 5iirsch und W* Schwarzwild in Rudeln hausen undvder Auerhahn balzt. DlV meisten Waldungen gehären den beiden in ebengenanntcn Städtew ansässigen Linien der Wittgensteiner Fürsten. Nahe der Grenze zwischen beiden Kreisen nehmen, unweit voneinander, die Sieg, die Lahn und die Ed« ihren Ursprung. Die Eder ist der einzige größer« Fluß des Sauerlandes, der der Weser zueilt. Dos eigent- iiche Souerland. umfassend die Kreise Arnsberg, Meschede, Brilon. Olpe(die einst hauptsächlich das kurkölnische Sauerland— das Herzogtum Westfalen— bildeten und am stärksten ihre Eigenart bewahrt haben), Altena, Iserlohn und den neuen Ennepe-Ruhr- Kreis(die mit anderen Gebieten früh« die Grosschast Mark bildeten), dazu die kreisfreien Städte Hagen, Iserlohn und Lüden- scheid, lehnt sich im Westen an das Bergische Land und das In- dustriegebiet an, läßt seine Hohen im Norden sanft in die Soest« Börde auslausen und setzt sie östlich fort im Waldecker Bergland. Westdeutschlands höchst« Kuppe, der Langenberg, liegt auf der Grenze zwischen Westfalen und Waldeck. Bekannter ist jedoch der K a h l e A st e n(841 Meter) nahe dem bedeutendsten westdeutschen Wintersportplatz Winterberg. Des Astenberge» Run« dung ziert ein Aussichtsturm, von dessen Plattform man bei klar« Sicht fast das ganze Sauerland mit seinen Tausenden von Gipfeln und Tälern, endlich das Waldecker llpland überschauen, darüber hinaus aber noch den Herkules bei Kassel und die Kirchtürme des flachen Münsterlandes gewahren kann. Vom„Vater Asten" aus breitet sich das Gebirge fast sternförmig noch allen Seiten aus. Glaruerkand und Walensee. In leuchtenden Kranze der unvergeßlichen landschaftlichen Reize d«, S'chweiz ist eme Perle, die nicht mirzder wertvoll ist als die andern. E» ist das Glornerland, dieses Juwel der Ost- schweiz. Werl, von der Metropole Zürich aus, dem rechten Ufer des Zürichsees sutlanK fährt, der genießt schon eingn Vorgeschmack. Ein wackeres, g�tsreuudlichps Volk wohnt in diesen Tälern, von stolzen Bergen bereut. Harnponisch widerhallen die Glocken von den strotziapn Felswänden. Glärnifch. Fronalpstock, die Freiberge und wie die Gtpüel alle heißem, schauen mit ihren schneebedeckten Kuppen herab ins tonzerwwchte Land. Rings um den Kerenzenberg liegen behäbige Divf«(Obstald�n. Filzbach und das industrierciche Mollis), in denen mstn rasch heimisch wird. Dann gelangen wir in sanfter Steigung zu den oft und gern besuchten Kurorten in mittlerer Lage und wieder hinunter nach dem idyllischen, Pfarrdorf Mühlehorn. Wie ein Pangroma begleitet uns auf dieser Strecke die grüne Linthebene von Näfels bis zum Zürichsee, uyd in weiter Ferne winkt die blaue WaslVfliiche das W a l e n s e e s, mit ihrer großartigen Bergwelt. Der Walensce mit seinen blüheydeu Kurorten zählt mit Recht zu trn besuchtesten Gegenden der wchweiz. Amden, Weesen, Obstalden und Mhhlchorn an der ostfchmeizerischen Riviera— Bergsport, Strandbad, Rudern, Tennis usw.— harren hier der Gäste. Sudowa� dos Heilbad für Herz, Basedow, Frauenleiden. Ansang Mai beginnt hier d« volle Kurbetrieb, sowie die regelmäh-aen Konzerte, die in diesem Jahre vom städtischen Orchester aus Kottous ausgeführt werden. Dos Kurhotel Fürstenhos. eine der schönsten Gaststätten Schlesiens, hat seine gastlichen Pforten geöisnet: die Leitung des Hauses wurde dem Direktor W. Franke übertrogen, dar in weihen Kreisen bekannt ist durch seine langjährige Tätigkeit ine Monopoihotel, Oeslau, und in den Kempinski-Betricben in Breslau und Berlin. Die Rachsroge nach den praktischen Ein- h« i k u r e n ist ungewöhnlich groß, um so mehr, als es der Bade- verwckstung möglich czar, die Preise für diese Kuren zu ermäßigen, und zwar für die nnttkeren Kuren aus 3,75 M.. 325 M. und 275 M. für 28 Tage bei Einschluß der Kurmittel und der Kosten für ärztliche Dersarguyg.._ Oslseckad Arendsee in Mecklenburg hat auch in diesem Jahre wieder weitestgehend dstfür gesorgt, daß feine Gäste sich juohl und heimisch suhlen. Es ist ein Familtenbad im wahrsten Sinne des Wortes geworden. Seina herrliche Lage am weiten Meere und zwischen großen Wäldern mit vielen, bei jedem Wetter geschügten Fußwegen, die hübschen Fremdenheime inmitten von Gartenanlagen lassen bei einem Ferienaufenthalte Körper und Geist gesunden, wozu bei mätzigen Preisen die bekannt gute mecklenburgische Küche in ollen Pensionen kommt. Kostenlos wird d« neue Bildführer an olle Intttesfenten van d« Badeverwaltung versandt. L raun läge(Oberharz). Mit Beginn d« diesjährigen Saison ab Ib. Mai ist als Kvrkapellmeist« Herbert Brandt- Hannooer oer- pflichtet. Äurgarten und Schwimmbad sind unter Leitung des Gartenbauarchltekten Hafgartendirektor Dirks- BoH Pyrmont weiter ausgebaut. Unter Aufsicht des Arzwereins Boounlage sind viele Terraln-Fußwege für Herzschwache und-krank« angelegt. Am 16, und 17. Mai wird Braunlage von einem Kursu- d« deutschen Gesell- schoft für ärztlich« Studienreisen, an dem etwa 30 Aerzte aus allen Teilen Deutschlands teilnehmen, besichtigt. Lad Laadeck ia Schlesien. Der Kranke, der sein Leiden wirksam lindern oder hellen will, sucht nach wie vor ein Heilbad mit seinen natürlichen anerkannten Heilquellen auf. Zu den stärksten Radium- bädern Deutschlands gehört Londeck, wo die Georgenquell«_ in einem Wannenbade 82 400 Mache-Einheiten an Radioakttvitär liefert. Die wirksame Bekämpsung von Rheuma, Gicht. Ischias, Frauen- und Nervenleiden, Alterserscheinungen ist seit Jahr- Hunderten hier«probt und von der Wissenschast anerkannt. Pauschalkuren sind seit vorigem Jahre eingeführt. Die meisten Häuser geben Diät ab. Pauschalkuren in Bad-Lausick. Die Kurverwaltung Bad-Lausick (Hermannsbod) versendet ihren neuesten Prospekt, der auch über die neueingcnchteten Pauschalkuren unterrichtet. Die Pauschalkur in Bad-Lausick schließt ein: Kurtaxe, Bäder, Massagen, Trinkkuren, medico-mechanische Behandlung(Zander), ärztliche Behandlung. Wohnung und Berpslegung nebst Heizung, Licht, Bedienung. Alle Kurmittel können also unbeschränkt nach ärztlich« Vorschrift genommen werden. Die Pauschalkur ist an keinen Einkommensnach- weis gebunden und kann während des ganzen Jahres durchgeführt werden. Preis: von 181 Mark an. Ilordfeebod Borkum, die weit ins offene Meer vorgeschobene grüne Insel mit ihrem reinen Hochseeklima gewährt jährlich Taufen- den von Menschen angenehmen Aufenthalt und Erholung. Vorkam hat vorbildliche Bodeanlagen: Seebäder. Warmbad mit einem neu- zeitlichen Inhalatorium, Licht- und Luftbad. Es ist in diesem Jahre Gelegenheit gegeben, unabhängig von Ebbe und Flut zu jeder Tageszeit zu baden. Die Kurtaxe ist erheblich heruntergesetzt, Kinder bis zum 12. Lebensjahre sind von der Kursteuer ganz befreit. Statt der festen Kursteuer ist eine Tagesturtaxe eingeführt. die längstens bis zum 15. Tage des Aufenthaltes zu zahlen ist. Die Preise für Unterkunst und Verpflegung sind niedrig gehalten: neu eingeführt sind preiswerte Pauschalkuren. Auskünfte und reich illustrierte Prospekt« durch die Dadeverwaltung Borkum. Bad Orb im Spessart. Das Orbtal erstrahlt im schönsten Sonnenschein und in seltener Blütenpracht. Die klimatischen Bor- züge Bad Orbs ergänzen wirksam die übrigen natürlichen Heil- mittel, so daß die Ersolge, speziell bei Herz- und Rheumaleiden, bis in weiteste Kreis« bekannt wurden. Auch als Ausflugsort für Pfingsten ist Bad Orb bestens zu empfehlen. Utalint, Großooter, Bater«ab Sind In bei vierten Generation Irnat der Berliner jeftt bereits bi« elegant« und gediegene Leinelseber-iZertig- Ilcibung. Was sich fett Iabrtebntcn so bswSdrt, was so van Sunberttausend-N devor,ugt wirb, da» musi tiberlegen gilt fein. 20 000 lainvlett« Stüde unter einem Dach«! 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Rsgenerat.-Kuren SIN. Pauscbalkur. Prosp. Kam. Nr. 214• 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend. 9 Mai 1982 Die fiesdiffltc des Sladflnspehtors. Verhandlungen in Abwesenheit des Haupt angeklagten. vor dem Schösfengeeichl verlin-vlitle war gestern die Verhandlung gegen den SZjährigen Skadlcberinspeklor A l b e r l Lorchs rdt angeseht. Die Anklage lauiei aus passive Lesiechung und Betrug. Wegen aktiver Bestechung verontworlen sich der Buchhändler Karl Kugel, der Verlagsbuchhändler kierbert k? e r z o g und die Frau Frieda Gros von lalleyrand-Pcrigord. Der ksauptangeNagte, B o r ch a r d t, fehlle auch heule wieder. Cr hat seinerzeit einen Selb st Mordversuch gemocht. Der Verteidiger R.-A. Walter Bahn berief sich aus die Gutachten der Aerzte des Staatskrankenhouses. dah Voräiardl in absehbarer Zeil n i ch t v e r- handlungssähig sei. Dos Gericht befchloh. das Verfahren gegen Borchardt, der wegen passiver Bestechung, unlauteren Wettbewerbs und Betrugs gegenüber der Stadl Berlin angeklagt ist. ob» zutrennen und gegen die übrigen Angeklagten allein zu verhandeln. Borchardt war seit über zwei Jahrzehnten Leiter der Lehrmittelverwaltung der Bezirksschuldepu» t a t i o n I bis VI. Zu seinen Dienstobliegenheiten gehörte die Beschaffung und Verteilung der Lernmittel. Das Prooinzialschul- kollegium genehmigte die vom sogenannten Lesebücherausschusi der Schuldeputation gewöhllen Lehrmittel. Bei Borchardt slossen die Bestell-Listen der städtischen Schulen auf die erforderlichen Bücher zusammen und er verteilte die Austräge an die Lieseranten— vom Jahre 1919 bis 1929 für 2 700 820 Mark. Bis zum Jahre 1922 wurde dos gesamte Bedürfnis an Lehrmitteln mit Ausnahme der Religionsbllcher und der Bibeln bei den Firmen Kurt Thiem und Vormann gedeckt. Bis zum Jahre 1927 gaben diese Firmen 10 Proz. Rabatt, indem sie Freiexemplare zur Verfügung stellten. Dom Jahre 1922 an war die Firma Dhiem alleinige Lieserantin. Im Jahre 1927 trat wieder die Firma V o r m a n n u. Nachfolger als Lieferantin ein. Die Versuche anderer Firmen, in das Verzeichnis der Lieferanten aufgenommen zu werden, blieben erfolglos. Selbst ein Rabott von 25 Proz. lockte nicht. Die Antwort an die Firmen war stets die gleiche: Es bestehe zur Zeit kein Bedürfnis, neue Firmen in das Verzeichnis der Liejcranten aufzunehmen. Die Erklärung für diese eigenartigen Zustände wurde erst ge- sunden, als sich herausstellte, daß die Firma Thiem von Borchardt gezwungen worden war, ihm 10 Proz. der für die ge- lieferten Aufträge empfangenen Summen abzu- liefern. Von 1921 bis 1929 machte dos etwa 70 000 bis 80 000 Mark aus. 1926 trat Frau Graf Talle yrand in die Firma Vormann ein. Es wurde ein Gesellschaftsvertrag geschlossen, an dem außer Frau Graf Talleyrand noch der Angeklagt« Herzog und als stille Teilhaber mtt je LOOO Mark die Kinder, Tochter und Sohn, des Angeklagten Borchardt beteiligt waren. Sehr ausgedehnt gestaltete sich die Zeugenvernehmung des Stadtschulrats R y 0 a h l. Der Zeug« erklärte, daß b«i der Anc- wohl der Lieferanten sür ihn die Grundsätze maßgebend gewesen seien, die er von seinem Vorgänger übernommen hotte und die schon traditionell früher befolgt worden waren, nämlich nur Buch- Handlungen zu berücksichtigen, die einen großen Kreis von Volke- schulen zu Kunden hatten. Rur dadurch konnte eine sachgemäße und prompte Belieferung gesichert werden. Er sei nach dieser Rich- tung hin auf die Angaben von Borchardt angewiesen gewesen. Rydahl sagt: Wir war von den Geschäften Borchardls nichts bekannt. Wenn ich davon erfahren hätte, würde ich sosorl die Lösung der Geschäslsverbindung verlangt haben und gegen Borchardt ein- gefchrillen fein. Für mich wäre das, solange Borchardt Beamter war, eine untragbare Verbindung gewesen. Die Stadt Berlin ist von Borchardt nicht geschädigt worden. Die Verhandlung wurde darauf auf. Dienstag vertagt. Tod am Bahnübergang. Motorradfahrer vom Personenzug totqeschleist. An einem schrankenlosen Bahnübergang in der Bähe der Slalion Treucnbrihen i. d. Warf ereignete sich gestern ein Wotocrad- unglück. Der Bauunternehmer Otto L i n l h e überhörte durch das Geräusch seines Motorrades das Läutewerk des herannahenden Personenzuges 610. Das Bad wurde von der Lokomotive erfaßt und fast hundert Meter milgcschleift, ehe es dem Lokomotivführer gelang, den Zug zum hallen zu bringen. Linthe wurde mit furchtbaren Verletzungen tot aus den Trümmern gezogen. Beim Ueberfchreitcn des Fahrdamms in der Chaussecstroße wurde gestern nachmittag der 25jährige Schneider Albert Will aus der Wilhelmstraße 122 von einem Lastauto überfahren und auf dxr Stelle getötet. Schule auf Ne'sen. In einer ungemein interessanten Schau zeigt die Karl- Marx- Schule Neukölln die Ergebnisse ihrer letzten Studien- fahrt: nicht die größte pädagogisch« Gabe oermag naturgemäß dem Schüler solch lebendigen nachhaltigsten Eindruck der Dinge zu ver- Mitteln, wie das eigene Sehen, Und so bedeuten diese Fahrten, die sich die Teilnehmer durch fleißiges Sparen das Jahr über«rmvg- licht haben» einen starken Gewinn praktischen Wissens. Jede Stadt und jedes Land, das bereift wird, bietet ja auf wirtschaftlichem, industriellem, landschaftlichem Gebiete der Möglichkeiten viele, Studien zu-betreiben. So erforschte die Quarta, deren Weg nach Thüringen führte, neben den landschaftliche» Schönheiten, die für das Gebiet charakteristisch sind, Industriezweige der Spielwarencrzoug-ung und der Glasindustrie, während die Obertertia in Hamburg Hafen- aglagen, Verkehrs- und Sicdlungswcsen. Volkswirtschaft, Gewerkschaft und Jugendbewegung erforschte. Den Teilnehmern der England- fahrt, Schüler der höheren Klassen, bat sich reichhaltigstes Material auf dem Gebiete der Sport- und Jugendbewegung, der Reklame, des Städtebauproble-ms, der unterschiedlichen allgemeinen Lebens- bedingungen usw. Auch Frankreich, Oesterreich, die Tschechoslowakei, das Rheinland und der H a r z wurden bereist und überall fanden die Wißbegierigen reichen Stoff, den sie auf die mannigfaltigsten Themen verteilt, in interessanter und auf- schlußreicher Weise verarbeiteten. Es wäre zu wünschen, daß viel, viel mehr Lernenden Gelegenheit zu solch praktischen Studien gegeben würde. Auch die begleitenden Lehrpersonen haben ihre Reisceindrücke, in ansprechenden Zeichnungen niedergelegt. Die goldene Hochzeil begeht heute der Portier Wilhelm Glaubitz. Voßstraße 14. Dieventsche Lipo sür unabhängigen Film veranstaltet Sonntag, 11,80 Uhr, in der»Rolen Mühle", Halenlee. cwe Matinee mit dem Thema:.Der Film alS künstlerische Sprache». Hans Richter erläutert an Hand von klassischen Beispielen die Entwicklung des FilmS als Kunstsorm. Cinscndungcu für diese Rubrik sind Berlin SW»8, Lindenstrah« 3, parieinachrichien�M fürGroß-Berlin stet« na da» B«zlrk»s«kr»tarlnt 2, Hof, 2 Treppen rechts, zu richten Die Einlaßkavten zur Kundgebung am 14. Ülpril sind trotz mehrfacher Mahnungen noch immer nicht abgerechnet: Im t. Slreid von der 5. Abteilung, im 2. Kreis von der 8. Ab- tcilung und im 3. Kreis von der 23. Abteilung. Es dürste in diesen Abteilungen viel mehr an den Bezirks- führern als an den Kassierern liegen.— Di« Revisoren werben deshalb um energische Unterstützung der Abtelwngskossierer dringend ersucht. I. A.: Zllex P a g c l s. Beginn aller Beranstaltnngen 1 9% Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! heule. Sonnabend. S. TRai. 7. urb 8. Keei». Iuristrsch«! Eprechswnde fintket om Eonnobtn-d, 9. Mai, von 17—18 Ubr. im IM'ndheim Rosincnstr. 4, sta!t.— Gelegendeit zum Kirchcnaustritt! S. Abt. �unltionärsitnniq bei T'vbw'MaV. Swmcmünbct Str. U. 17.«bt. Dir Monatsschrift„Unser Wey" sowie weiteres Material beim Genossen Hödne abzuholen. 24. Abt. Die Gruppe„Arnswalder Plah" der SAI. veranstaltet heute, 20 Uhr. in der Schulaula Danziper Str. 23 einen..Satirischen' Abend". Eintritt frei. Alle interessierten Genossinnen und Genossen der 1. bis 3. Gruppe werden aebcten, sich recht.zahlreich daran zu beteiligen. Morgen, Sonntag. 10. ZNal. 23. Abt. 7«slchti!Ni»a i»r Bundcsschulk dt« ADGB. in Bernau. Treffpunkt S IIl,r Bndnbof©cfunbtjnjnnon. Nach der Besichtigung Wanderung nach dem Licpniblce. W. Abt. Besichtigung des Nraftwerkes West. Treffpunkt Sil Uhr Ringbahn. Huf Neukölln. 105. Abi.(titern und Kinder, welche die Arbeit der Kinderfreunde kenne». lernen wollen,«reifen sich am Sonntaa am Marktploh ,ur Teilnahme am Woldfcft des Kreises Triedrichshain. Abfahrt 12'i Uhr, Schlosiplob um. steigen in Autobus 27. Aus dem Programm! Zeltlager, Kasperle. Volks. IfttiAC. Zirkus usw. Eintritt frei. Tahrgeld untbringen. Arbeitsgemeinschaft der Kindersreunde Groß-Verlin. Krei« fttcuAberg. Selferwochenendkursu»: Wir treffen UN» um 18 Uhr vor dem Schlestiäien Bahnhof, Saupteingang.. Slcct« Mitte. Kreispnobegeltlager heut«. 9., und 10- Ma>, an der.Zernsdorfer Lanke. Treffpunkt aller Gruppen um 1S>% Uhr mc dem Gewerkschaft shous, Engelufer 24—23. Untoslrnbertrag ILll M. Bezirk Zriedrichshain: Keilte. Sonnabend. Treffen oller Mi.wirkenden beim Waldicst iriinftiich 15 Uhr Weberwiese. Decke, Waschzeug. Trinkdccher, Schlas. sock. Löffel, Esinaps und 30 Pf. Nr Tahrgeld und Getränke mitbringen. Pro» vignt bis Sonn'ogabend.— Sonntag. 10. Mai: Moienwoldfest in Budlhcide. Die Gruppe» treffen sich Uhr an ihren Tresfplühe»: der Kreis 8 Uhr Schiesischcr Bahnhoi. Gingana Truchlftrasie. Kosten Nr Rote und Inngfalken 23 Pf., Nr Restfolken 15 Pf. gähnen und Wimpel mitbringen. Ende 20 Uhr. EÜ Zum Maiwaldiest der Kinde rsreund« Kreis Kricdrichshai» auf der W W Wiefe bei Lokal„Sanssouci". 20 Minuten vom Bahnhof Wuhlheide, sind Rl M olle Gruppen, Äinderfreundc. Jugend nnd Partei, herzlichst eingeladen. kZ W Aus dem Programm: Zeltläger, Maiewfpicl, Volkstänze, Kasperle, @ Zirkus. Singekreis usw. Beginn pünktlich 13Z4 Uhr. Eltern und Gr. »asten werden von 12—13 Uhr Bhf. Buhlheide abgeholt. Ende l8Zz Uhr. Prenzlauer Berg. Gruppe Viktor Adler: Treswunkt der Paten Tagen zur Fährt am Sonntag um 7 Uhr pünktlich Bhf. Weisiensee<60 Pf.) Kreis Rcukclln. Treffpunkte zur heutigen Kreistref fahrt! Nefffagen um lSZs Uhr Bhi. Neukölln. Führung: Frih Ruhe. Jung, und Rote Falten nur 17 Uhr ebenda. Führung: Gruppe Quelle. Fahrtbcitrag 1,10 M. Turnzeug, Bälle, Wimpel mitbringen. Schlafsack« nicht vergessen. Gruppe Lichterfelbe. Evnn'ag, 10. Mai, 9 Uhr. treffen sich Rot« und Funa» falle» vor Schilling zur Fahrt nach Machnow. 10 Pf. Fahrgeld mitbringen. Kreis Ehorlotienburg. Alle Iungiallen treffen sich zum Bezirkstreffcn des Jugendamtes um 7 Uhr am Sonntag, 10. Mai, am Bhf. Inngfernheide. Mit» zubringen sind 70 Pf., Trinkbecher und Esten Nr den ganzen Tag. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 45.-Abt. Am 7. Mai verschied nnfer langjähriger Gcnoste Albert Linke, Wimer Str. 01. Ehre keinem Andenken! Die Einäfchernng findet am Montag. 11. Mai. 13' i Uhr, Bgumschulenweg, statt, � Um rege Beteiligung wird gebeten. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serlio Einsendungen kür diese Zlobri? nur an das?aoenMe??e«artat �erNn Jossen. Heute 18 Uhr(auch Rod- fahr«) und 20 Uhr Bhf. Schöneberg, morgen 6V3 Uhr ebendort. 4- Köpeuicker Viertel: Morgen ssahrt. 7 Uhr„Roter Treff". Wir üben Sprc»chchor.— Charlattcnburg'Rord: Jugendtreffen in Brieselang. Abfahrt 6 Ubr Bhfz Jungs? rnheide. Werbebezirk Teltowkaual: �sahrt naö; dem Lienowihsee. Treffpunkt Lichte?» feIde.-West, Bhs. Botanischer Garten, 7 Uhr. Voriräge,Vereme und Versammlungen. # Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". G r f ch ä k t« si r l t e: Berlin' S. 14. Sebasiianstr L�ZS. Hok 8. Zt. Sonnabend, 9. Mai. Sck ö nederg Frieden au: Kameradsch. Triede.na.n 19' z Uhr Werbe.veranstaltung mit anschl. geselligen Beisammensein. Gesellschaftsbaus, Ratbaus Friedenau, Lauterstrafte. Köpenick, Ortsvetein, Iir.tg» Hann«: Besichtigung des Porwarts-Gebäudes. Treffpunkt IS Uhr vor dem Po rwärts- Gebäude. Lindenftr.?, in ftmil.— Sonntag. 10. Mai. Achtung, Areuzberg und Reukölln! Die für Sonntag bestimmten Ordner treten eine halbe Stunde früher an. Pünktlich fein? Mitte, 6. ÄameraMchaft: 0 Uhr Mitglieder. Versammlung, Lokal Hundert, Glsässer Str. 86— 88. AnmsDungen zur Neu- rupv'.n-Tahrt bis spätestens Sonntag. #Zlrbeiter-Samariker.Vund e. v.. Solonne Berlin. Geichäitsstclle: R. 24. Gr. Kamburger«tr. 20. Tel.: v 1 Norden 334«. Wedding: Montag, 11. Mvi. Lokal Linne, Schulstr. 199.— Tempel Hof: Montag, 11. Mai, Lokal Lindisch, Mamendorf, 5iönig.strafto it.— kl'äpenick: Montag.- 11. Mai, Lokal Hinze, vchöncr- linder Strafte 5.— Bohnsdorf: Montag, 11. Mai, Lokal Heimann. Walter.sdvrfer Strafte 199.— Weiftensee: Montag, 11. Mai, Lokal Stärke. Charlotlenbuvger Strafte.— Mitte: Dienstag. 12. Mai, Schule Gips- strafte 23».— Triedrichshain: Dienstag, 12. Mai, Lokal Busch, Tilstter Strafte.— Wilmersdorf: Dienstag. 12. Mai, Lokal Kroift, Holsteinische Str. 60.— Schöneberg: Dienstag, 12. Mai, Lokal Gchrke, Ebersstr. 66.— Adlershof: Dienstag. 12. Mai. Eanitätsbaracke Adlershof.— Hevmsdorf: Dienstag. 12. Mai, Schule ssre i h e rr-ivom.Stein.-St rafte.— Tiergarten: Freitag, 13. Rdaj, Lokal Ma- lonneck, Lübecker Str. 3.— Prenzlauer Berg: Dienstag. 19. Mai, Schule Kastanienallee A— 83.— Jugend: Montag, 18. Mai, ASB.-Ge schä ftostelle.— Tiergarten: Donnerstag. 28. Mai. Lokal Malonneck. Lübecker Str. 3.— Pankow: Donnerstag, 28. Mai, Jugendheim Kessin genstrafte. Ateuogropbcubezirk Stolze-Schrey Groft-Berli«. Täglich an 49 Uebungs- statten in allen Stadtgeoenden. Laufende Uebungen in allen Geschwindigkeiten. Anfänge runterricht in Schul- und Redeschrist. Auskunst: F. Löchner, Char. lottenburg 4. Krumme Str. 63 U tv l Hternplaft 2997). freireligiöse Gemeinde. Sonntag, 11 Uhr, Pappelallee IS, Vortrag des Herrn Dr. H. Haste:„Das Leben auf Probe*. Derein Ariedeberg-Reumark und Umgegend in Berlin. Siftung am Dien«. tag, 12. Mai, LOls Uhr, in den Unions-ssestsälen, Grevsswalder Str. 221--223. JEAUtynsilicp ein se|tsamer Name für ein Geschäft. Wir haben ihn gewählt, weil wir glauben, daß unsere Leistung, die Warenfülle und unsere Billigkeit einmalig sind. Bereit sein ist nun Alles. Auf Wiedersehn— Morgen! UBCRHAHN- Uit� 9tam tKafka: Srfolff Wtacltl XiebC Tivoli, Kopenhagen. Musik und Maschinenlarm, Hundert« von bunten Rummelplatzbuden, Hochbetrieb, abends. Da kam ein Mann daher, dem man trotz seiner einfachen Kleidung eine gewisse Besonderheit nicht absprechen konnte. Man dachte, wenn man ihn sah. an„Adlerblick", an eine„kühne Stinte"—, aber das sind ja wohl Phrasen. Exakt und einwandfrei war festzustellen, daß er eine sichere Hand besaß. Es gab da Auto- maten, in die man Geld einwerfen mußte, worauf ein« Kugel rollte und vermittels eines Drehrades ein Hanswurst mit umgekehrt in der Hand gehaltenen Mütze so bewegt werden mußte, daß die Kugel in die Mütze fiel. Der Mann warf«in. bewegte den Hanswurst. gewann das dreifache Geld und setzte das Spiel seelenruhig so lange sort, bis der Automat leer war. Dann ging er zu dem nächsten ähnlichen Apparat: hier mußte man aus einer seststehenden Pistole auf einen vorübereilenden Hasen schießen: traf der Schuß eine Scheibe auf des Hasen Rücken, so gab der Automat Geld heraus. Auch dies glückte dem kühnen Mann zahllose Mal«: so lange übrigens, bis kein Geld mehr darin war. Dann dreht« er beim „mechanischen Pferdchenspiel" das Rad. das sein Pserdchen bewegte, weder zu langsam noch auch zu schnell— in diesem Fall hätte sich nämlich das kleine Blechtier wie erschrocken umgedreht und die ganze Tour zerstört—. Uebcr sämtliche Mitbewerber ging der Mann alle Male als Sieger hervor. Dann warf er Gänsen, die in einem Teich seelenruhig hin- und hergondelten, je drei Ringe mit blitzschnellem Griff über den Hals: dreimal trieb er es fo— wofür ihm nach den Satzungen des„Gänseteichs" die drei betreffenden Gänse als Geschenk und Eigentum gebührten. Und er wurde weiter nicht müde. Er„arbeitete" fort. Er bedeckte in einer weiteren Bude, eine ziem- lich weit entfernt auf eine horizontal« Fläche hingemalte Figur über und über mit leicht hingeworfenen flachen Scheiben. Wieder strich er Gewinste ein. Und endlich landete er bei den„Weckend- Freuden". Er war wirklich ein Raubvogel, dieser Mann mit dem Adlerblick, ein reißendes Tier jür den ganzen großen Rummelplatz des Tivoli. Die Budenbesitzer mußten vor ihm zittern, weil er ihnen einfach alles, was sie durch die Ungeschicklichkeit der meisten Besucher erworben hatten, auf ganz legale Weise wieder abgewann. Versuchte man ihm den Gewinn vorzuenthalten, was oft genug geschah, so nahm das Publikum sofort für ihn Partei. Also zahlten, vor Herz- weh stöhnend, die Budenbefltzer. Der Mann mit der kühnen Stirne nahm nämlich weder lebende Gänse, noch Weckeruhren oder bunte Vasen als Gewinn in Empfang. Er ließ sich vielmehr den Gegen- wert in barem Geld erlegen. Zusamuen mit den Gewinsten aus den Automaten häufte es sich zu einer Summe, die als Tagesverdienst so manchem gar nicht zu niedrig erschienen wäre. Er landete dann, wie gesagt, vor den„Weekend-Freuden", und verweilte ein wenig vor dieser mit den buntesten Fähnchen be- hängten Bude. Auf dem gemalten Hintergrund war ein sehr bewegtes Meer zu sehen. An der Grenz« zwischen Malerei und Wirklichkeit schaukelten vier Kähne, jeder bi» zum Rande angefüllt mit kleinen Nichtigkeiten, Stoffpuppen,„Bonzo" genannt, mit bonzo- ähnlichen Tigern und Löwen, sowie mit noch so einem„petit rien" einer lebenden Puppe, einem hübschen Mädchen. Jedes dieser vier Mädchen trug eine rot« Matrosenmütze, eine rote Krawatte, ein« weiße(genau genommen: nicht übermäßig weiße) Bluse und einen blauen Rock. Ueber alledem stand:„Weekend-Freuden". Vor der Bude hatte sich ein Ausrufer ausgepflanzt, der an die umstehenden Menschen mit maßlosen Ausdrücken die Aufforderung richtete, sich des Lebens und speziell des Weekends zu freuen. Dies bestand— seiner Ansicht nach— darin, um den linken Arm eine Anzahl von Reifen zu nehmen und dann einen nach dem anderen mit der rechten Hand in die Bude hineinzuwerfen. Ziel war. das zu diesem Zw«enen unsere eigenen heimatlichen Kalkberge hervorgegangen sind. Den. niHzIiche IKarienkäfer. Ein beliebtes kleine» Insekt ist der Marienkäfer. Meist ist er zweifarbig, wobei die ein« Farbe als Grundfärbung, die andere in Punkten, Flocken oder Zeichnungen erscheint. Der nach den sieben dunklen Punkten, die sein« rote» Flügeldecken schmücken. Siebenpunkt genannte Käfer gehört zur Gruppe der Blottlausköfer, die sich durch Vertilgen der schädlichen Blattläuse nützlich erweisen. Weil sich die Käfer sowohl wie ihre Larven ausschließlich von solchen nähren, fällt der Nutzen, den sie stiften, um so mehr ins Gewicht. In Erkenntnis davon legte ihnen der Dolksmund nicht nur mancherlei daraus be- zügliche Nomen bei, sondern weihte sie sogar der Gottheit, wie es die Benennungen Herrgottskühchcn, Sonncntälbchen beweisen. Ebenso eifrig wie der Käser selbst zeigt sich auch seine Larve, die man am häufigsten auf Kartoffelkraut findet und die oft Mit der Larve des Kartoffelkäsers verwechselt wurde. Den großartigen Nutzen der Tierchen im Freien erkennend, versucht man, sie zahlreich in die Wärmhäuser der Gärtnereien, in deren feuchtwanner Lust (ich die Blattläuse ungeheuerlich mehren, einzusühren. Auch zur Be- seitigung der Läuse auf den Blättern der Rosen und Blattpflanzen in Zimmern sind sie das beste und zugleich für die Gewächse unschäd- lichst« Mittel. Zu diesem Zweck fängt man sich auf einem Spazier» gang einige dieser Käfer ein, trögt sie in einer durchlöcherten, Lust zulassenden Schachtel heim und setzt sie auf die zu reinigenden Ge- wächst giis. Für die geleistete Arbeit vergesse man nicht als geringen Donk, ihnen die Freiheit wiederzugeben, wofür dos Oeffnen eines Fensters genügt: sie spüren den frischen Luftstrom und lassen sich bald von ihm entführen. Nachtbackverbot und Brotpreis Alles spricht gegen Aufhebung des Verbotes. Die Erhöhung des Brotpreises hat erneut die Frage des Nacht» bactverbots aufgerollt. Die Interessenten behaupten, daß das Nacht- backocrbot das Brot wesentlich verteure. Besondere oie Brotsabri- kanten erklären, daß, wenn sie in drei Schichten arbeiten könnten, also auch des Nachts, sich das Brot wesentlich billiger stellen würde. Wie der Verband der Nahrungsmittel- und Pctränkearbeiter nachweist, treffen alle diese Behauptungen nicht zu. Das Brot wird noch zu etwa S2 Proz. in Kleinbäckereien hergestellt. Die Gesamt- Produktion an Backwar« betrug im Jahre 1928 rund 2869 Millionen Mark. Die Brotfabriken und Konsuni- vereinsbäckereien sind am Gesomtwarenumsatz mit etwa 312 Mil- lionen Mark gleich 11,6 Proz. beteiligt. Die Großbrotproduktion beträgt in diesen Betrieben nur 63 Proz. der Backwarenproduktion. Die Betriebe, die für eine Dreischichtenarbeit in Frage kommen, sind mit rund 199 Millionen Mark an der Gesamtbackwarenproduktion beteiligt, an der Großbrotproduktion so gar nur mit 4,3 Pro z. In Deutschland sind etwa 6 99 Konsumbrotbäckereien und Brotfabriken vorhanden. Von diesen Betrieben kommen für einen Dreischichtenbetrieb jedoch nur 81 Betriebe in Frage. Alle anderen Betrieb« beschästigen weniger als 29 Personen beim Back- warenprozeß, die nach dem heutigen Stand der technischen Einrich- tungen notwendig sind, um rationell arbeiten zu können. Bei weniger Personen würde ein größerer Leerlaus eintreten als heute durch die achtstündige Nachtruhe. Von einer Verteuerung des Brotes durch das Nachtbackverbot kann keine Rede sein. Der Lohnanteil bei einem Brot beträgt 6 bis 7 Proz.; einschließlich Brennstoffverbrauch, Kraft, Reparaturen, Miete, Zinsen und Amortisation betragen im Durchschnitt die G e- samtherstellungskosten 15,91 Proz. de? Brotpreijes. Bei einem Durchschnittsbrotpreis von 38,8 Pf. pro Kilo Brot, wie er vor der Erhöhung bestand, entfallen 5,84 Pf. auf Herstellungskosten Damit ist die Behauptung völlig entkräftet, daß durch die Auf- Hebung des Nachtbackverbot- der Brotpreis um 4 bis 7 Pf. ge» senkt werden kann. Nach den Angaben der Brotfabriken soll durch das Nachtbackverbot eine Verteuerung von durchschnittlich 5 Proz. eintreten. Würden durch Zulassung der Nachtarbeit bestimmte Unkostensätze um 5, ja selbst 19 Proz. herabgedrückt werden können, dann würde dies, gemessen am Gewicht des Berliner Brotes, auf acht bzw. vier Brole eine Ersparnis von 1 Pf. ausmachen. Diese Ersparnis würde eine Mehrausgabe für Licht und höhere Löhne aber wieder aufheben. Es trifft auch nicht zu, daß die Großbetriebe in ihrer Cntwick- lung gehindert sind. Di« Tatsache besteht, daß die heutigen Be- tricbsanlagen nicht annähernd ausgenützt werden. Für eine dritte Schicht wäre eine Absatzmöglichkeit überhaupt nicht vor- Händen. Daher erklären auch die technischen Leiter der Bäckerei- großbetriebe fast einmütig: die Freigabe würde«ine Verlegung der Arbeitszeit in die Nachtschicht bedeuten, dafür würden die Be- triebe am Tage stilliegen. In den Betrieben, die für einen Dreischichtenbetrieb in Frage kommen könnten, find nur 4238 Personen beschäftigt. Würde den Großbetrieben die Nachtarbeit zugestanden, könnte ste den Kleinbetrieben nicht vorenthalten werden, weil eine tech- nische Möglichkeit zur Kontrolle dieser Betriebe gar nicht gegeben wäre. Es gäbe keine Regierung, die in der Lage wäre, zu ver- hindern, daß die Kleinbetriebe sich dasselbe Recht nehmen würden, das den Großbetrieben.zuZeftandeiz psixd.. Selbst unter. Aufwendung großer Mittel würde..sich eine Kontrolle der hunderttausend. Klein- betriebe nicht, durchführen lassen. Jede. Lockerung des Hachtbackverbots, jedes besondere Zugeständnis an eine kleine Zahl von Betrieben muß das Nachtbackverbot überhaupt in Gefahr bringen. Fortsall des Verbots der Nachtarbeit in den Bäckereien würde also 259 999 Menschen dazu verurteilen, Nacht für Nacht arbeiten zu müssen. Dies« 259 999 müßten auf jede Külturerrungcnschaft verzichten und würden dazu verurteilt sein, im Gegensatz zu allen anderen Be- völkerungsschichten ihr Leben als ständige Nachtarbeiter fristen zu müssen. All die hygienischen und sozialen Mißstände, die in der Vorkriegszeit bestanden.haben, würden wieder als Folge der Nachtarbeit in Erscheinung treten und es ist der Bevölkerung nicht zuzumuten, daß ste diese Mißstände bei der Herstellung ihrer wichtigsten Nahrungsmittel wieder in Kauf nehmen soll. Veutfch-sranzösische Zusammenarbeit. Die Pläne der„Oeutsch-Französische Handelsbank A.-G.* Der schwierigen Aufgabe, französisches Kapital der deutschen Wirtschaft zuzuführen, soll die Arbeit der„D e u t s ch- F r a n- zösische Handelsbank A.- G." dienen. Unter dieser Firma wird die bisherige„Bank für Innen- und Außen- Handel A.-G., Berlin" fortgeführt werden. Die Aktien- Mehrheit ist in französische Hände übergegangen: der bei der Abwicklung der früheren Geschäfte entstandene Verlust soll durch Herabsetzung des Kapstals von 1,5 auf 1 Milliän Mark getilgt werden. Auf der kommenden Generalversammlung werden der frühere„Generaldirektor der Zölle", Präsident Chocarne, und Bankdirektor Goy, beide in Paris, in den Aufsichtsrat gewählt. werden. Die deutschen Mitglieder werden später hinzugewählt. Bei dem verhältnismäßig geringen Kapital der Bank soll die Arbeit so erfolgen, daß die Bank die Vermittlerrolle zwischen Kreditgebern und-nchmern übernimmt(Konsortial- und Treuhandgeschäft). Ein Beirat mit deutschen und französischen Mstgliedern wird die persönlichen Beziehungen zwischen deutschen und französischen Wirtschaftlern fördern. In Paris wird eine Filiale errichtet. In geringem Umfange ist der Betrieb berests aufgenommen. Ungerechtigkeiten gegen dieNaucher Die Arithmetik der Tabakfabrikanten. Bon besonderer Seite wird uns geschrieben: Unter dem Druck der Finanznöte ist in der letzten Notverord- nung des Reichspräsidenten vom Dezember 1939 die Belast ung des Tabaks weiter erhöht worden. Dabei hat man jeden sozialen Gesichtspunkt außer acht gelassen. Wohl ist es den Genossenschaften gelungen, die anfänglich geplante Be- lastung(Erhöhung des Einfuhrzolls auf Rohtabak von 89 auf 499 Mark pro Doppelzentner) zu mildern. Verhindern konnten sie jedoch nicht die Verschärfung der steuerlichen Ungerechtig- leiten zwischen dem Verbraucher billiger Tabakerzeugnisse, also den Werktätigen, und dem Verbraucher der teuersten Zigarren oder Zigaretten. Mit der am 1. Januar in Kraft getretenen Notverord- nung haben sich die Zoll- und Steuersätze für Tabak- und Tabak- erzeugnisse wie folgt verändert: Der Einfuhrzoll auf Tabak ist um 125 Proz. gestiegen, die Belastung durch die Banderolensteuer bei Zigarren um 15 Proz., bei Zigaretten um 15,1 Proz. und bei Pfeifentabak um 6 Proz. Die Velaslung im einzelnen sieht nun so aus: Eine 19-Pfennig-Zigarre von der bis- herigen Größe bzw. im bisherigen Gewicht kann überhaupt nicht mehr hergestellt werden. Die 12-Ps«nnig-Zigarre mit einem Gewicht von 7 Kilogramm für 1999 Stück ist mit einem Zoll pro 1999 Stück von 12,69 Mark und mit einer Banderolensteuer(23 Proz.) von 27,69 Mark belastet. Die Gesamtbelastung von 49,29 Mark ergibt eine Belastung pro Stück vo« 4,92 Pfennig. Das sind 33,5 Proz. vom Kleinverkaufspreis. Die 39-Pfennig-Zigarre ist dagegen mit einem Zoll pro 1999. Stück von 12,69 Mark und mit einer Banderolensteuer(23 Proz.) von 69 Mark, zusammen für 1999 Stück also mit 81,69 Mark belastet, oder pro Stück mit 8,1 Pfennig. Das find 2 7,2 Proz. vom Kleinverkaufspreis. Die 4-Pfennig-Zigarette mit 1299 Gramm Tabak für 1999 Stück hat einen Zoll pro 1999 Stück von 2,16 Mark, eine Materialstvier von 5,16 Mark und eine Banderolensteuer(38 Proz.) von 16,87 Mark, also insgesamt für 1999 Stück 24,19 Mark zu tragen. Für eine Zigarette macht das 2,42 Pfennig aus— 69,4 Proz. vom Kleinverkaufspreis. Di« 1 9- Pfennig-Zigarette dagegen mit gleichem Gewicht ist, pro 1999 Stück, mit einem Zoll von 2,16 Mark, mit einer Material- steuer von 5,16 M. und mit einer Banderolenstcuer(38 Proz.) von 42,18 Mark belastet. Das ergibt für 1999 Stück 49,59 Mark, für eine Zigarette 4,95 Pfennig. Das sind nur 49,59 Proz. vom Kleinverkaufspreis. Rauchtabak im Verkaufspreis von 6 Mark pro Kilogramm trägt einen Zoll von 1,89 Mark und eine Banderolensteuer(35 Proz.) von 2,19 Mark. Bom Kleinverkaufspreis ergibt sich eine B c- last ung von 65 Proz. Kostet das Kilogramm Rauchtabak aber 12 Mark, dann ergibt sich eine Belastung pro Kilogramm durch den Zoll von 1,89 Mark und durch die Bandcrolensteucr (35 Proz.) von 4,29 Mark, insgesamt also 6 Mark pro Kilogramm. Das sind nur 59 Proz. vom Kleinverkaufspreis. Man ersieht aus dieser Gegenüberstellung, daß durch die Er- Hebung des Gewichtzollez und der Materialsteuer für Zigaretten- tabak ohne Rücksicht auf den Wert des Tabaks der„kleine Mann" als Raucher der billigeren Solle bei Zigarren 6.Z proz„ bei Zigaretten 10.g Proz. und bei Rauchtabak(Krüllschnitt, rejn Uebersee) j5 Proz. mehr Steuern zu zahlen hat als der Begütert«, he» sich einen besseren Tabaks. leisten kann. Aber nicht genug damit. Bon einem Teil der Rauchtabak- fabrikanten ist beim Reichsfinanzministerium der Antrag gestellt worden, statt wie bisher Paket« mit 59 und 199 Gramm Gewicht zu verkaufen, die Paketchen nur mit 49 und 89 Gramm zu füllen und doch den Preis zu belassen, als ob das Paket 59 oder 199 Gramm Tabak enthält. Als Borbiid hierfür dient die Zigarette, die nach der Notverordnung nur noch in Packungen von 9 bzw. 27 bzw. 45 Stück statt mit 19 bzw. 39 bzw. 59 Stück gepackt werden darf. Das ist eine sonderbare Arithmetik. Abgesehen von der Irreführung der Verbraucher ist damit eine weitere E r- höhung der Banderolen st euer verbunden. Nach Ein- führung dieses Systems würde bei einem Kleinverkaufspreis etwa von 1,A> Mark für ein 59°Gramm-Paket Tabak die Banderolen» steuer 5L5 Mark pro Kilogramm betragen, während bisher bei einem Verkaufspreis von 1,29 Mark für 199 Gramm nur. 4,29 Mark Steuer für das Kilogramm erhoben werden. Aber nicht nur die Steuer wird durch diese Maßnahme erhöht, auch die Herstellungskosten werden unverhältnismäßig gesteigert. Bei 199 Kilogramm Tabak mußten statt bisher 1999 Pakete zu 199 Gramm in Zukunft 1259 Pakete zu 89 Gramm her- gestellt und abgepackt werden, wodurch sich die Produktionskosten um etwa 25 Proz. erhöhen, die natürlich von den Verbrauchern getragen werden müssen. Der Konsument wird bei einer solchen Regelung stärker belastet und erhält obendrein für sein gutes Geld noch weniger. Tabak. Alil welcher Vedenkenlosigkeit die Tabotherfteller die durch die 89-Gramm-Pakete herbeigeführte Preiserhöhung den Händlern zur Kenntnis bringen, geht aus einem Rundschreiben einer bekannten Rauchtabakfabrik hervor, die wie folgt an ihre Abnehmer schreibt:„Warum 49- und 8 9- Gramm-Packungen? Aus den allerein fach st en Ueberlegungen! Der Raucher bleibt bei seiner Sorte, denn der Paketpreis ist nicht erhöht, dci; Handel läuft daher nicht Gefahr, durch Abwanderung auf billigere Preislagen weniger zu verdienen. Er verdient mehr an den kleineren Packungen, was folgende einfache Rechnung bepicist: An einem Paket(einerlei ob 49 oder 59 Gramm) zum Verkaufspreis von 49 Pfennig 6 Pfennig Handels- verdienst(ohne Rabatt). Ein Kilogramm sind 29 Pakete zu 59 Gramm, aber 25 Pakete zu 49 Gramm. An den alten Packun- gen verdient der Handel 29 mal 6 Pfennig— 1,20 Mark pro Kilogramm. An den neuen Packungen verdient der Handel 25 mal 6 Pjennig— 1,59 Mark pro Kilogramm. Das sind Zahlen, die beweisen, und darauf kommt es an." Wirklich ein wenig rücksichts- volles Verfahren. Es gehen aber noch Bestrebungen der Rauchtabakher- steller zur Verteuerung des Rauchtabaks in der Richtung, wieder wie vor dem Erlaß der Notverordnung eine sogenannte Mindest- banderole für Rauchtabak einzuführen. Vor Erlaß der Notverordnung war als niedrigste Steuerklasse für feingeschnittenen Tabak ein Kleinverkaufspreis von 8 Mark für 1 Kilogramm vor- geschrieben. Diese Bestimmung kam durch die Notoerordnung in 'Wegfall, so daß es möglich wurde, in steuerbegünstigtem Feinschnitt, der 59. Ptyzi deU ts chcn Tobak enthalten muß, auch wieder preiswerte� Marken herauszubringen. � GEG. krisenfest. Oer Gesamiumsatz nur um-1,2 Prozent gesunken. Die Großeinkaussgcscllschaft deutscher Konsumvereine in Hamburg verösfenllicht jehl ihren Geschäftsbericht sür das Tahr 1930. Angesichts der außerordentlichen Schwere der Wirtschaftskrise im ver- gangenea Jahr kann die Entwicklung bei der GEG. noch als sehr erfreulich bezeichnet werden. So verringerte sich der Gesamtumsatz von 501,3 aus 495,2 Millionen Mark, also nur um 1,22 Proz. Der Gesamtumsatz von 1930 liegt damit immer noch um fast 12 Proz. über den Umsähen des Jahres I92S. Der kleine Rückgang im letzten Jahr fällt wenigör ins Gewicht, wenn die leider nicht unerheblichen Umsahrückgänge bei einem Teil der Konsumvereine zum Vergleich herangezogen werden. Der Umsah der Produktionsbetriebe hat sich im letzten Jahr weiter gesteigert und stellte sich auf 27,79 gegen 24,7 Proz. Dem- entsprechend hat sich der Handelsumsatz auf 72.2 Proz. des Gesamt- Umsatzes verringert. Der Anteil der Eigenproduktion stieg auf 137,6 Millionen, was gegenüber dem Vorjahr eine Zunahme um mehr als 11 Proz. bedeutet. Die Eigenproduktion verteilt sich auf Lebens- und Genußmittel mit 193,3 Millionen(+ 13,98 Millionen Mark) auf Bedarfsartikel mit 29,1 Millionen(4- 1,97 Millionen Mark) und aus Textilwaren mit 5,19 Millionen(— 9,42 Millionen Mark). Erfreulich ist bei dieser Entwicklung, daß aus den K o p f des Mitglieds der an die GEG. angeschlossenen Konsumvereine der Verbrauch an GEG.- Erzeugnissen von 39,99 a u f 42,79 Mark g e- st i e g e n ist. Im gewissen Umfange waren natürlich auch die Pro- duktionsbetriebe der GEG. von der schlechten Konjunktur abhängig. Es gelang jedoch, den Belegschafts st and einigermaßen auf der Höhe des Vorjahres zu halten, so daß die am Jahresschluß beschäftigte Belegschaft mit 5419 Personen nur einen Rückgang gegenüber 1929 um 259 Personen aufweist. Tatsächlich liegt nicht nur keine Verminderung, sondern sogar eine Vermehrung des Personals vor. Das falsche Bild ist dadurch entstanden, daß die Tabakfabriken am Jahresschluß vorübergehend statt 1765 Personen, die noch am 24. Dezember arbeiteten, am Jahresende nur 422 Per- sonen beschäftigten. Die Gründe, die zu der vorübergehenden Schlie- ßung der Tabakfabriten führten, liegen bei der neuen Tabaksteuer- erhöhung ab 1. Januar d. I. Inzwischen hat die GEG wesentlich früher als die Privatindustrie in gewissem Umfang« die Produktion wieder ausnehmen und zur Wiedereinstellung eines Teils der Arbeitskräfte schreiten können. Bei den Spareinlogen ist naturgemäß, wie dies auch bei den Spartassen allgemein festzustellen ist, der Zuwachs geringer ge- worden. So betrug der Spareinlagenbestand Ende 1939 bei den angeschlossenen Vereinen des Zentraloerbandes 496 gegen 374 Mil- lionen Mark. Der Zuwachs beträgt also 32 Millionen gegenüber 77 Millionen im vorhergehenden Jahr. An Gehältern und Löhnen wurden im Berichtsjahr 19,83 gegen 18,29 Millionen Mark im vorhergehenden Jahr ausgezahlt. Konkurrenzloses Kabelgeschäst. Friedensschluß zwischen Reichspost und Oeutsch-Allanten. Als die Reichspost vor einigen Monaten verkündete, daß sie vom 1. Januar 1932 ab den Betrieb der Transradio A.-G. für drahtlosen Ueberseeoerkehr in eigene Regie nehmen werde, gab es einen großen Krach. Die Privatwirtschaft. an der Spitze die interessierten Banken, fürchtete für ihre gesicherten Gewinne aus dem überseeischen Telegraphenverkehr. Jetzt teilte auf der Generalversammlung der Deutsch-Atlantischen Vom EteS'ten das Beste Daüei doch nur A- Preise: 12 15 18 21 I SALAMAH Telcgraphengcsellschaft, die ursprunglich eine Fusion mit Transradio angestrebt hatte, der Aufstchtsratsoorsitzende mit, daß man sich mit der Reichspost völlig geeinigt habe. Danach wird im überseeischen Telegraphenverkchr in Zukunft keine Konkurrenz mehr bestehen. Deutsch-Atlanten und die Reichspost werden sich das Geschäft in der Weise teilen, daß jeweils der beste und schnellste Weg gewählt werde. Um diesen Spezioldienst zu erfüllen, wird die Reichspost für den Uebersee- verkehr ein s e l b st ö n d i g e s Betriebsamt mit eigenen Betriebs- stellen schaffen. Ueber das abgelaufene Betriebsjahr wurde mitgeteilt, daß die Zahl der Telegramme zugenommen habe: aber der Ertrag fei nicht kn dem gleichen Maße gestiegen, weil die billigen Kabel- brieftelegramme bevorzugt wurden. Da der Kabeloerkehr zwischen Deutschland und Nordamerika ständig zunehme, könne man„mit Zuversicht in die Zukunft" sehen. Für dieses Jahr werden wieder 8 Proz. Dividende auf das Kapital von 7,1 Millionen Mark ver- tellt. Die Beteiligung an der Compania Telegrafico-Tele- fonia del Plata in Buenos Aires ist verkauft worden, und zwar mit G c w i n n, der zu Abschreibungen verwandt wurde. Bei der Verwaltung scheint eitel Freude über die gute Entwicklung des Geschäfts, über die Beseitigung der Konkurrenz, über die gesicherte Rente aus diesem geteilten Monopolgeschäft zu herrschen! Sprechmaschinen und Schalsplatien. Es wird nicht gekaust— Das Geld fehlt. Wie das Institut für Konjunkturforschung in seinem Wochenbericht schreibt, war die Nachfrage für Sprech- Maschinen und Schallplatten am Inlandsmarkt im ersten Vierteljahr 1931 infolge der starken Einkommensminderung be- trächtlich geringer als im gleichen Vorjahrszettraum. Pro- duktion und Absatz gingen daher im allgemeinen stärker zurück, als es der Saison entsprochen hätte. Lediglich der Absatz in Koffer- apparaten war in den letzten Wochen, wie stets in dieser Jahreszeit, etwas lebhafter Der Auslandsabsatz hat gegenüber dem Vorjahr gleich- falls stark nachgelassen. Der Wert der A u s f u h r betrug im ersten Vierteljahr 4,2 �Millionen(gegen 8,1 im ersten Vierteljahr 1930). Geb« Gleichberechtigung für die DIplomlandwirtel Mit dieser Forderung wandte sich der„R eichsbund akademisch ge- bildeter Landwirte E. V." in einer Pressebesprechung an die Oeffentlichkeit. In mehreren Referaten und in der Diskussion wurde betont, welche wichtigen Aufgaben der Diplomlandwirt für die Land- Wirtschaft und damit für die ganze Volkswirtschaft zu leisten habe. Seine praktische und theoretische Vorbildung befähige ihn. nicht nur selbst als Leiter landwirtschaftlicher Betriebe tätig zu sein, sondern Aufklärungsarbeit über Saatzucht, landwirtschaftliches Maschinenwesen, Standardisieruna ufw. für alle Kreise der Land- Wirtschaft zu leisten. Zu fordern sei eine ausreichende Vertretung in allen Verwaltungszweigen, die Fragen der Landwirtschaft zu bearbeiten hätten. Um Zinkpreis und Zinkzoll. In der Generalversammlung der Schlesischen Bergwerks- und Hütten A.-.G.. Benthe n, die für das Geschäftsjahr 1930 eine Dividende von 8(im Vorjahr 10) Proz. auf das Kapital von 18.67 Millionen Mark vertellt, wurde über die schlechte Lage des Zinkmarktes geklagt. In den letzten Wochen sei der n i c d r i g st e Z i n k p r e i s seit Be- ginn der Preisnotierungen erreicht worden. Der Absatz von Zink in Deutschland sei im Jahre 1930 um ein Drittel gegenüber 1929 zurückgegangen. Keine Erzgrube und keine Zinkhütte in Deutsch- land könne unter diesen Verhältnissen ohne Verlust arbeiten. Ein Zusammenschluß der Zinkproduzentcn der Welt zu gemein- samer Produktionseinschränkung sei nicht gelungen, obwohl in oller Welt die Lage ähnlich wie in Deutschland sei. Komme dieser Zu- sammenschluß nicht bald zustande, müsse ein Z i n k z o l l zun» Schutze der deutschen Industrie eingeführt werden.— Zollen Zollwünsche stets der Weisheit letzter Schluß in der kapitalistischen Wirt- schaft bleiben? wwreafflm r Extrazüge ab Berlin(Potsdamer Bahnhof) ExtrasDampfer Theater, Sonnabend, 9. 5. staats-Oper Unter d. Linden 250. A.-V 20-22 Uhr Tigtgnhi. Vnnn« St- »rgi- Harald Kreiiltterg Erstajfführun'j: le irain O'.eu UnuflülirdD]: Die Planeten Dahdieint angillig. Sonnabend, 9 5. Stadt. Oper Bismarckstr Turnus l 20 Uhr Gastspiel Dusolina Gtaamlnl Madame Bafierfiy Enden 22'. 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