BERLIN Montag 11. Mai 1931 10 Pf. Rr. 217 B 109 48. Jahrgang Erscheint t S g l t ch außer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 8S Pf. pro Woche. 3.«oM. pro Monat. Nedaktivn und Expedition: BerlinSWK8,Lindenstr.3 Fernsprecher: Dönhoff 292— 29? yfV)fUh!Ld6 Anzeigenpreis: Die einspaitigeNonparellleteile 80 Pf., Reklamezeile ü M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. b. H- Berlin Nr. 37 636.— Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vort Madrid gegen Monarchisten Monarchistische Provokateure rufen Llnruhen hervor Madrid, II. Mai. sEigrabericht.) Am Sonntagmittag kam es in der Nähe der Hauptpost g« schweren Zusammenstößen zwischen monarchistischen Provokateuren und Republikanern. Bis in die späten Abendstunden gab es dann immer wieder neue Protest- kundgebungen der Republikaner. Im ganzen wurden mehrere Personen verletzt und mehrere Zeitungskioske rechtsstehender Blätter verbrannt. Als eine Gruppe Monarchisten nach einer Wahlversammlung unter Hochrufen auf die Monarchie durch die Straßen zagen, rief ihnen ein Chauffeur entgegen:„Es lebe die Republik!" Sofort fielen mehrere Monarchisten über ihn her und schössen ihn schließ- lich nieder. Konzertbefucher, die aus dem Stadtpark kamen, eilten dem Chauffeur zu Hilfe und drängten die Provokateure in ihr Dcreinslakal zurück. Zugleich rnurdcn vier Wagen monarchistischer Führer verbrannt, darunter auch der wagen des Direktors der rechtsradikalen Zeitung„ABC." Da Grund zu der Befürchtung war, daß das Gebäude dieser Zeitung in Brand gestellt werden sollte, wurde die republikanische Zivilgardc aufgeboten, die beruhigend aüf die Demonstranten einwirkte. Immer- hin wurden zwei. Zeitungskioske, davon einer der klerikalen Zeitung „Debatc"f die in letzter Zeit w-iederholl die Republik und die Minister heftig angegriffen hotte, verbrannt.. Ein Exminister des Kabinetts Berenguer, der zufällig in eine Demonstration hineingeraten und erkannt worden war. wurde'verprügelt. Abends gegen acht Uhr zog die immer größer werdende Menge zum Innenministerium, wo der Innenminister vom Balkon zur Beruhigung und zur Beendigung der Kundgebungen mahnte: man müsse am Montag die Arbeit geschlossen wieder aufnehmen. Unter- dessen war der> Slraßenbahnverkehr eingestellt und auch der größte Test der Zlutodroschken aus dem Verkehr zurückgezogen worden. Taufende und aber Taufende zogen, zum Teil mit roten Fahnen und Transparenten, in denen die Entwaffnung der Z i v i l g a r d e gefordert wurde, bis in den späten Abendstunden durch die Straßen. Eckisthafterc Zwischenfälle waren jedoch nicht mehr zu verzeichnen. -i- Eine um 2 Uhr nachts erlassene Regierungserklärung sagt, daß durch die unmotivierten Schüsse aus dem Gebäude des„ABC" zwei Personen verwundet worden sind. Um ein Uhr nachts wurden bei einer Durchsuchung des Gebäudes der Zeitung eine Anzahl Waffen gesunden. Das Gebäude wurde gerichtlich beschlagnahmt, so daß die Zeitung zunächst nicht erscheinen kann. Gegen den Direktor Marquis Luca del Tena ist H a s t b c f e h l erlassen. Er ist bisher nicht auffindbar. Die Regierung hat Anweisung gegeben, den Prozeß wegen der . Vorgänge noch während der Rächt zu beginnen und mit äußerster Beschleunigung durchzuführen. Insgesamt wurden bis seht 12 Personen verhastet, darunter zwei bekannte ZNonarchisten, die hinter den Bäumen der Straße hervor aus die Menge geschossen haben. Sie wurden mit der Waffe in der Hand festgenommen. Die Regierung mahnt die Bevölkerung dringend, keine neuen Demonstrationen zu beginnen. Sowohl gegen monarchistische als auch äußerstlinke Versuche, die Ruhe zu stören, will sie sehr energisch einschreiten. * Kommunisten sollen einige Waffenläden ausgeraubt und aus den Waffen auf Gendarmen geschossen haben. Als der Minister vom Balkon an die riesige Volksmenge auf der Puerto del Sol eine Ansprache hielt, verwundete ein Mann einen neben ihm Stehenden durch einen Revolverschuß schwer. Je- doch wurde der Täter von der Menge gelyncht, bevor Polizei eingreifen tonnte. Wahlvorbereitung. Madrid, 11. Mai.(Eigenbericht.) Am Sonnabend und Sonntag wurde in Spanien die Bericht!- gung der Wählerlisten durchgeführt. In Madrid erfolgten allein am Sonnabend 23000 Korrekturen. Der Generalstaatsanwalt hat sämtliche ehemaligen Minister des Kabinetts Primo de Rivers wegen Pflichtvergessenheit unter Anklage gestellt. Die spanische Regierung hat das Ersuchen T r o tz k i s um Ein- «ijeerlaubms in Spanien abschlägig beschieden. JRoles Jßied" maflenchor des 3)euifchen JlrbcHer Säugerhundes S>ie Seierftunden der Arbeilerfänger, Iwrausgefchlagen aus dem Alltag der Arbeil und der Arbeits tofigbeil endeten und gipfeilen in einem grandiofen Tolksfeft, SonnlagnadtmiHag und-abend im Stadion Neukölln. Vlaffenchöre, Orcheflervorlräge, Tolksgefang,'Volkstanz, Anfprachen: zum Schluß das neue �eflfpiel„Jtotes-Cied". taufende von Hinwirkenden, rundherum unüberfehbar die Itlenge begeiflerler SEufchauer und Zuhörer, es mögen, knapp gerechnet,'10-50000 gewefen fein. Ein über- wälligender Eindruck. Es wird noch mehr darüber zu sagen fein. Hoch nie tfl in SSerlin folch ein?esl gefeiert worden! sc. g>. Neuer Brotpreisskandal? Broifabrikanten halten die preise hoch/ Regierung hat mit ihnen nicht verhandelt Die Reichsregierung hat verkündet, daß spätestens am 18. Mai der Berliner Brotpreis 47 Pfennig betragen und bald darauf auf 46 Pfennig gesenkt werden soll. Die Berliner Brotsabri- kanten sollen aber nicht daran denken, mit ihren Brotpreisen ebenfalls entsprechend herabzugehen. Wenn der alte Preis, auf den die Regierung sich verpflichtet hat. wieder hergestellt wird, so sürste bei den Fabriken höchstens ein Preis von 48 Pf. gelten, heute aber soll noch einPreisvonS2Pf. beldenBrotfabrikanten die Rede fein und wenn nichts geschieht, wird er bei mindestens 50 Proz. des in Berlin verbrauchten Brotes bei der vrotteuerung bleiben, obwohl die Regierung einen Preis von 47 bzw. 46 pf. ver- sprachen hat. Dieses traurigen Räffcls Lösung liegt darin, daß nach unserer Kenntnis mit den Brotfabrikanten überhaupt nicht verhandelt worden ist. Es ist Zwar anzunehmen, daß auch den Fabriken aus den staatlichen Roggenbeständen ebenso wie den Bäckern das verbilligte Mehl geliefert werden kann, aber über die Preise ist von der Regierung überhaupt nichts festgelegt worden. Die Regierung, d. h. Herr Schiele, hätte verhandeln können und müssen, zumal es sich um höchstens ein Dutzend Fabriken handelt, die man jreilich sämtlich zu den Verhandlungen hätte heran- ziehen müssen, da ja der preußische Handclsminister im November vorigen Jahres, als die Brotfabritanten den Preis von 46 Pf. zu akzeptieren sich weigerten, die Kartellverordnung gegen die Fabrikanten angewendet hat, wodurch jede Preisvereinbarung aus- geschlossen wurde. Ganz zweifellos hätten die Fabrikanten selbst die Möglichkeit, ebenso billig zu sein wie die Bäcker. Das beweisen die niedrigeren Preise beispielsweise der Firmen Goldacker, Aschinger, Hanke und anderer. Die Fabrikanten kaufen im Großen ein und sind von den MehlhSndlern unabhängig. Die Regierung hätte also die Pflicht gehabt, diese Möglichkeiten bei den Fabrikanten zur Sicherung des alten Preises auch beim Fabrikbrot auszunützen. Wir stehen ober vor einer neuen Fahr- lässigteit des Reichsernährungsminister» Schiele und vor einem neuen Beweis der völligen Unzweckmähigkeit des von ihm angewandten Systems, um der schönen Augen der Agrarier willen die einfachsten, von der Sozialdemokratie gewiesenen Weg« zur Brotpreisscnkung zu umgehen. Wir fragen auch heute wieder: wie lange will der Reichskanzler Brüning dem System Schiele, desien Erfolg so zweifelhaft ist, mit gekreuzten Armen zusehen? Llm Küttens Kopf. Oie Urteilsbegründung im Kürten-Prozeß dem Gnaden« beauftragten zugeleitet. Düsseldorf. 11. Mai.(Eigenbericht.) Wie wir erfahren, ist di« schriftliche Urteilsbegründung im Mordprozeß Peter Kürten dem Gnadenbeauftragten zur Stellungnahme zugegangen. Die Stellungnahme des Gnadenbeauf- tragten wind dem preußischen Justizministerium zuge- leitet werden, das dann dem preußischen Staatsmini st«. rium seine Ansicht über die Frage darlegen wird, ob dos Todes- urteil gegen Peter Kürten vollstreckt werden soll oder ob er be- gnadigt werden soll. Demnach dürfte das Staatsministerium in der Lage sein, diese Frage in ctwavierzehnTagenzu erledigen. Schüsse auf Professor Günther. Das blödsinnigste aller Attentate. Der„Rassesorscher" Hans F. K. Günther, den Frick zum Professor gemacht hatte, dessen Abbau aber bevorsteht, ist in der Nacht zum Sonntag in Jena durch Schüsse, die ein junger Mann auf ihn abgab, leicht verletzt worden. Der Schütze entkam in der Dunkelheit unter Hinterlassung eines weggeworfenen Revolvers. Hoffentlich gelingt es, den Täter zu ermitteln und damit das Rätsel zu lösen, wie es zu diesem blödsinnigsten aller Attentate ge- komme» ist. Oer Kirchenvertrag Heute vormittag feierlich unterzeichnet heule vormittag ll Uhr ist der Vertrag zwischen dem Freistaat Preußen und den Evangelischen Kirchen feierlich unterschrieben worden. Den Abschluß dieses Vertrages begründet die Staatsregierung mit dem Austrag des Landtages vom 11. Juli 1929, nach der Rege- lung des Verhältnisses zwischen Staat und Katholischer Kirche paritätisch auch mit den acht Evangelischen Kirchen zu ver- fahren. Die Verhandlungen waren sehr schwierig und zeigten häufig ein Auf und Ab. Der Vertrag schließt sich eng an den mit der Katholischen Kirche an, natürlich unter voller Berücksichtigung der Verschiedenheit. Am 19. Mai wird der Staatsrat den Vertrag beraten, die maßgebende Entscheidung hat der Landtag: an der Annahme hat die Staatsregierung keinen Zweifel, wenn auch die Fraktionen noch nicht gesprochen haben und noch nicht zu sehen ist, wie die Mehrheit sich zusammensetzen wird. Die Regierung erwartet von diesem Vertrag ein« Befriedung des Verhältnisses Staat und Kirche und glaubt, daß er auch für die anderen Staaten vorbildlich sein wird. Der Vertrag bestimmt u. a.: Artikel 1: Der Freiheit, den evangelischen Glauben zu bekennen und auszuüben, wird der preußische Staat den gesetzlichen Schutz gewähren. Artikel 2:(1) Kirchliche Gesetze und Notverordnungen über die vermögensrechtliche Vertretung der Kirchen, ihrer öfsentlich-recht- lichen Verbände, Anstalten und Stiftungen sowie über die Ordnung ihrer Vermögensverwaltung werden dem Minister für Wissenschast, Kunst und Botksbildung vorgelegt werden. (2) Der Minister kann gegen solche Gesetze(Notverordnungen) Einspruch erheben, sofern sie eine geordnete Geschäftsführung nicht gewährleisten. Der Einspruch ist bis zum Ablauf eines Monats seit der Vorlegung zulässig, lieber- den Einspruch entscheidet auf Klage der Kirche das im Verwaltumjsstreitversahren in oberster Instanz zuständige Gericht. Artikel S:(1) Die Dotation der Kirchen ftk kirchen- regimentliche Zwecke wird künftig jährlich vier Millionen neiinhundertfünszigtausend Reichsmark betragen. Sie wird auf die Kirchen gemäß besonderer Vereinbarung verteilt werden. (2) Die den kirchenregimentlichen Zwecken dienenden Gebäude und Dienstwohnungen sowie deren Einrichtungsgegenstände bleiben den Kirchen überlassen. Artiksl 6:(1) Den Kirchen, ihren öffentlich-rechtlichen Ver- bänden, Anstalten und Stiftungen werden das Eigentum und andere Rechte an ihrem Vermögen nach Maßgabe der Verfassung des Deutschen Reiches gewährleistet. (2) Soweit staatliche Gebäude oder Grundstücke Zwecken der evangelischen Kirche gewidmet sind, bleiben sie diesen, unbeschadet etwa bestehender Verträge, noch wie vor überlassen. Artikel 7: Zum Vorsitzenden einer Behörde der Kirchen- leitung oder einer höheren kirchlichen Verwaltungsbehörde sowie zum Inhaber eines kirchlichen Amtes, mit dem der Vorsitz oder die Zlnwartschast auf den Vorsitz einer solchen Behörde verbunden ist, wird niemand ernannt werden, von dem nicht die zu- ständige kirchlich« Stelle durch Anfrage bei der preußi- scheu Staatsregierung festgestellt hat, daß Bedenken politischer Art gegen ihn nicht bestehen. Vom Sparen. LW'rnehmerparole: Mögen die Arbeitslosen anfangen! Der R e i ch s t a n z l e r hat in einer Sonntagsrede angekündigt, daß in vierzehn Tagen das Reichskabinett dem deutschen Volk« ver» künden werde, wie gespart werden müsse. Im gleichen Atem- zuge hat er ausgesprochen, daß alles getan werden müffe, um d i e Kaufkraft im deutschen Volke nicht zu untergraben. Die Methode, wie dem Volke bisher das Sparen beigebracht worden ist, bestand im Lohnabbau. Was den Preisabbau an- belangt— siehe B r o t p r e i s. Der Effekt ist der Rückgang der Kaufkraft um Milliarden. Wir sehen deshalb mit Spannung dem neuesten Experiment der Regierung entgegen, nach ihrer Methode zu sparen, ohne die Kaufkraft«in�rischränkenl Herr D i n g e l d e y, der Führer der Volkspartei, hat am Sonntag ebenfalls geredet. Auch er will sparen lassen— vor allem bei der Arbeitslosenversicherung und der gesamten Sozialversicherung. Die Unternehmerpartei verfährt nach der Parole: Sparen, jawohl, aber mögen die Arbeits- losen anfangen! Bei dieser Denkungsart wird die Umsetzung des Gutachtens der Brauns-Kommission in die Tat im Kabinett auf starke Hemmungen stoßen. Herr Dingeldey jedenfalls erklärt: „Der Weg, den die B r a u n s- K o m m i s s i o n gewiesen hat, führt zum Verhängnis. Es werden darin nicht positive Borschläge gemacht, sondern es ist«ine Aufforderung zur weiteren ausländischen Verschuldung und zur Auslieferung der Wirtschaft an die öffentliche Hand. Dieser Weg bedeutet weitere Ausbreitung des Staotssozialismus." Dafür oerlangt Herr Dingeldey, daß sich die Gemeinden von den Wirtschaftsbetrieben zurückziehen— das heißt, das Bei- spi«l der Bewag soll Schule machen. Die Herren Unternehmer denken nicht an die Not der Arbeitslosen, sie denken nicht daran, wie die Wirtschaft, die sie durch Fehlleitungen des Kapitals, durch ihre eigene Unfähigkeit schwer geschädigt haben, wieder in die Höhe gebracht werden könnte— ihr ganzes Sinnen und Trachten geht danach, mit Hilf« der Krise die einzigen gesunden und sich rentieren- den Betriebe, nämlich die gemeindlichen Versorgungsbetriebe, in ihre Hand zu bringen. Weil die eigenen Betriebe, die sie ruiniert haben, sich nicht mehr rentieren, wollen sie nun die Gemeindebetriebe ausbeuten! Herr Dingeldey nennt dies:„innere Befreiung" und ruft in diesem Zeiche» nach Preußenwahlen. Wir werden ihm aus- spielen! Die peitsche über die Volkspartei. Wie sich die Hugenberger eine künftige Preußenregierung vorstellen. Während Herr Dingeldey sich in Düsseldorf an die Deutsch- nationalen herangeworsen und ihre demagogisch-verlogenen Phrasen gegen die Preußenregierung nachgebetet hat, haben die Junker Oldenburg-Janu schau und R o h r- D e m m i n in Olden- bürg die Peilsche über die Dolkspartei geschwungen. Der Ianuschauer sagte: „Der Volksentscheid in Preußen müßte den Rausschmiß d«r preußischen Regierung bringen. Von der Staatspartei dürfe man hoffen, daß sie zerflattere. Die V o l k s p a r t e i sei diejenige, von der man sagen könne:„Hier stehe ich, ich kann auch anders." Die Parole müsse heißen:„Der Feind steht links!" Die Mitte würde schließlich nichts mehr mitzureden haben." „Man dürfe, führte er u. a. aus, sich nur dann überhaupt aus eine Beteiligung an der Regierung einlassen, wenn die Verbindung mit der Macht der draußen marschierenden Kolonnen bestehen bleibe und ivenn man dann wie Frick in Thüringe» die Peitsche über dem Kabinett schwin- gen könne." Der Landbundführer von Rohr-Demmin wurde noch deutlicher. Er sllhrte aus: So stellen sich die Junker, bei denen die Dolkspartei sich an- biedert, eine Rechtsr«gierung in Preußen vor: sie diktieren, und ihre volksparteilichen Trabanten haben zu kuschen. Wen nicht— so erhalten sie die Peitsche! Hehe im Roman. Aus dem Organ der Hakenkreuzmordboben. Der„Angriff" veröffentlichte in der letzten Zeit einen„Proleten- glück" betitelten„Zeitroman", der von der ersten bis zur letzten Zeile übelste Hetze gegen alles Nichtnationalsozialistische darstellt. In dem Schluhkapitel des Machwerkes wird ein angeblicher Uebertall auf zwei Nazis erwähnt, bei dem natürlich die Polizei den einen der Ueberfallenen verhaftete, weil er den„Bluthunden" die Nase eingeschlagen hatte. Dann aber heißt es weiter, wir zitieren wörtlich: „O Gott im Himmel, sind das noch Menschen, die einer Mutter über Nacht den Jungen erschlagen— sind das noch Menschen, die dazu hetzen? Die das in sträflicher Saumseligkeit zulassen? Welch eine elende 5)euchelei ist das doch von einem Blatte, das von der ersten bis zur letzten Seite auf blutrünstige Hetze eingestellt ist! Wir fragen: Waren das noch Menschen, die in der Siloester- nacht in Berlin den Reichsbannerkameraden Schneider in seiner Wohnung unter den Augen seiner Mutter niederknallten, die den jungen Sozialdemokraten Graf in derselben Nacht meuchelten? Wir geben die Antwort selbst: Es waren vertierte Nationalsozialisten, die die blutrünstigen Reden ihrer Führer in die Tat umsetzten und die dann durch den Parteiappärat der strafenden Gerechtigkeit entzogen wurden! Aber es kommt noch besser. An einer anderen Stelle heißt es: „Deutschlands beste Jugend in Krankenhäusern und Gefängnissen. Der sogenannte Reichstag, auf dem das Volk sprechen sost, vom Volk verlassen, zurückgeblieben etwas, das selbst in einem Roman zu kritisieren Herr von Hindenburg verboten hat." ' Die SA.-Strolche und das große Aufgebot krimineller Elemente in der NSDAP, als„Deutschlands beste Jugend" zu bezeichnen, ist eine ungeheuerliche Beleidigung der deutschen Jugend. Es wäre schlimm um Deutschlands Zukunft bestellt, wenn die Nazi- und SA.- Horden feine Elite darstellen würden. Die Behauptung aber, der Reichstag sei vom Volke oerlassen— der Verfasser setzt die auf Reichekostcn faulenzenden Naziabgeordneten gleich Volt— zeugt non einem solchen Maß von Größenwahn, daß man mit den Leuten, die so etwas schreiben, aber auch mit denen, die so etwas lesen und glauben, nur Mitleid haben kann. Tie Arbeitslosigkeit in Oesterreich weist Ende April einen Rück- aarg um rund 3k> 200 Personen auf. Die Zahl der unterstützten Er- werbslofcn beträgt noch 246 795. Vorbereitung für Genf. Außenpolitische Kabinettsberatung. Die Reichsregierung hat heute vormittag mit der Beratung der Richtlinien für di« Abordnung in Genf begonnen. Es handelt sich in erster Linie um den Zoll plan mit Deutschösterreich, dann um die Minberheitsbeschwerden gegen die polnische Regierung, um die litauische» Angrisse auf die Autonomie des Memellandes und die fortwährenden Ausweisungen reichsdeutscher Beamten. Lehrer und Journalisten durch die litauischen Behörd«n u. a. m. Die Tagesordnung des ZZates. , Genf. 11. Mai.(Eigenbericht.) Durch die neueste Ergänzungsliste ist die Zahl der Tagesord- nungspunkte für die Völkerbundsratstagung ab 18. Mai auf 37 gestiegen. Die wichtigste Ergänzung ist der Sonderbericht des Hohen Kommissars G r a v i n a über die Danzig-polnischen Beziehungen. Es handelt sich dabei um Terrorakte der Nazis, gegen deren unge- nügende Bekämpfung durch die deutschnationale Regierung der polnisch« Bevollmächtigte Straßburger durch seinen von Warschau abgelehnten Rücktritt protestiert hat. Zwei Monate Gefängnis für Goebbels. Gnadengesuch gefällig? Während Herr Dürr, verantwortlicher Redakteur des „Angriff", wegen Beleidigung des Polizeivize- Präsidenten Dr. Weiß bereits feine 2 Monate Gefängnis verbüßt, und alles mögliche unternimmt, um beim Justizministerium und beim Rechtsausschuß des Preußischen Landtags seine B e- gnadigung zu erreichen, spaziert Pg. Goebbels, wegen derselben Sache zu 3 Wochen Gefängnis verurteilt, in Freiheit umher. Seine Berufung und Revision wurden seinerzeit verworfen, der Revision der Staatsanwaltschaft dagegen statt- gegeben. Das' Gericht hatte Dr. Goebbels nämlich nur. wegen drei beleidigender Artikel zu 3 Wochen Gefängnis verurteilt. Das Versahren wegen drei weiterer beleidigender Artikel war vom Gericht eingestellt worden, da sie, vor dem 1. Januar 1928 geschrieben, �unter die Amnestie gefallen sein sollten. Das Reichsgericht erklärte aber, daß dies nicht der Fall sei, da das Gericht alle sechs Beleidigungen als fortgesetzte Handlung bettachtet habe, also auch die ersten drei Beleidigungen als einen Teil der beleidigenden Handlungen anzusehen seien. Heute fand die neue Verhandlung gegen ihn statt. Der Staats- Legalität Diese Medizin gibst du von jetzt ab unfern SA-Leuten, aber nur tropfenweise! anwalt beantragte gegen ihn die gleiche Strafe wie gegen Dürr— 2 Monate Gefängnis. Das Gericht verurteilte Dr. Goebbels dem Antrage gemäß zu 2 Monaten Gefängnis. Ob Herr Goebbels nun nach derir Vorbild seines Redakteurs Dürr ebenfalls den Preußischen Landtag um Gnade anwinselt? Kanzlerrede in Oldenburg. Hochschuhzoll, keine Kleinigkeit.— Reparationen und Weltwirtschast. Cloppenburg, 11. Mai. Am Sonntag abend sprach Reichskanzler Dr. Brüning an- läßlich der bevorstehende» oldenburgischen Landtagswahl vor etwa zehntausend Personen. Sehr bedauerlich sei es, sagte er u. a., daß eine große Organisation wie die des Reichslandbundes in unsach- licher Kritik die Arbeit der Regierung erschwere, zumal die Re- gierung es fertig gebracht habe, die Weizcnpreise über den zwei- bis zweieinhalbfachen Preis des Weltmarktes zu bringen, was besonders angesichts der großen Arbeitslosigkeit keine Kleinigkeit gewesen sei. Der Reichskanzler gab bekannt, daß die Reichsregierung in vierzehn Tagen mit neuen Sparmaßnahmen, die jetzt noch nicht zur Veröffentlichung reif seien, an die Oeffent- lichkeit treten werde. Zu außenpolitischen Fragen erklärte der Reichskanzler: Wenn man glaubt, Erfolg in der Reparationspolitik zu haben, bevor man das eigene Haus in Ordnung gebracht hat, dann täuscht man sich gewaltig. Diejenige Regierung würde verantwortungslos handeln, die den an sich von jedem als notwendig angesehenen Schritt zur Senkung unserer Reparationslasten unternähme, ohne nicht gleichzeitig die Grundlage zur Durchführung der schwierigen Revisionsverhandlungen zu schassen. Dies sollte das deutsche Volk aus den Ereignissen von 1928/29 gelernt haben. Wir wissen olle, daß das Trompetenblasen und Trommelschlagen der extremen Par- teien bei weitem nicht so tragisch ist, wie es das Ausland sieht. Da- her bedauere ich es ganz außerordentlich, daß bei einer rein wirt- schaftlichen Frage wie der deutsch-österreichischen Zollunion, hinter der keine politischen Hintergedanken irgendwelcher Art stecken, vielleicht dieses Trommelschlägen der vergangenen Monate eine Ner- oosität im Auslande hervorgerufen hat, die unsere ganz« Politik in dieser Richtung in einem vollkommen falschen Licht erscheinen lassen kann. Und w/nn ich eine gewisse Entschuldigung für die Nervosität im Auslände erblicke, so muß ich es auf der anderen Seite ganz auherordenilich bedauern, wenn von einem verantwortlichen Staats- mann mit Rücksicht auf eine solche Politik, wie die Politik der jetzigen Reichsregierung, überhaupt das Wort„Krieg" nur in den Mund genommen werden kann. Das Wort„Krieg" sollte überhaupt von keinem Staatsmann und Politiker in den Mund genommen werden, und diejenigen Politiker, die es aus ihrem Sprachschatz völlig aus- streichen, sind diejenigen, die dem Frieden am meisten dienen. Wir sind nicht nur Soldaten des Friedens, wie es ein bekannter Staats- mann vor wenigen Tagen für sein Volk in Anspruch genommen hat, sondern wir sind Opfer des Friedens unddietäglichOpfern- den für den Frieden. Schließlich forderte Dr. Brüning inter-. nationale Zusammenarbeit zum Kampfe gegen die Weltwirtschafts- krise. Revoluiionsmärchen. „Stadtkommandant" Reins. Mit dem gefälschten Aufruf der Bolksbeaustragtcn ist der Stahl- Helm so schwer hereingefallen, daß selbst die Hugenberg-Presse sich einen Tag lang hat schämen müssen. Zu ihrem Glück hat dieser Schwächeansall nicht lange vorgehalten. Der„Montag" tischt seinen Lesern als Ersatz ein neues Revolutionsmärchen auf. Bei Bs- sprechung des Mordfalles Reins gedenkt der„Montags auch jenes Detters oder Onkels der Famllie, der im Jahre 1929 bei Schierke seinen eigenen Sohn ermordet und dann zwei Berliner Damen über- fallen hat. Dabei fließt ganz harmlos folgendes Sätzchen ein: „Bei der Polizei berief er(Reins) sich darauf, daß er in den Revolutionstagen 1918 zweiter Stadtkomman- dant von Berlin gewesen sei." Was Reins der Polizei vorgeschwindelt hat, können wir natür- lich nicht kontrollieren. Dagegen wundert uns nicht, daß die Hugen- berg-Presse die Märchenerzählungen eines Schwerverbrecher, als authentische Geschichtsquelle verwertet. Um es für die Zu- kunft drr edlen Zunft zu erleichtern, wollen wir den Hugenberg- Journalisten folgenden„geschichtlichen" Tip an die Hand geben: Am 9. November waren Bolksbcauftragtc: Haarmann, Denke, Kürten. Rcins� Angcrstcin und Klopprath. Sie haben gemeinschaftlich den vom Stahlhelm aufgefundenen Ausruf versaßt, dessen Echtheit damit erwiesen ist. Die Zubitaumsfesie der Arbeiierfänger Festakt in der Philharmonie. Die Feier des 4<)jährigen Gaujubilöums am Sonntagvormittag bestand im wesentlichen aus der Festrede des Kultusministers Dr. Grimme, einigen Ansprachen, einem Festspruch und zwei musikalischen Einrahmungen. Alles das wickelte sich in knapp fünf Viertelstunden ab. Gauvorsitzender Paul Schneider begrüßte die Bundesleitung, die Presse und die Vertretungen von Hamburg, Leipzig, dem Rheinlande usw. Viele Vundesbrüder konnten der schlechten Lage gemäß nur brieflich oder telegraphisch ihre Glück- wünsche übermitteln. Die Rede endete in einem warmen Appell an die Kunstfreunde unter den Genossen, da heute 40 bis 50 Proz. der Sänger arbeitslos sind, und es infolgedessen heroischer Anstrengungen bedarf, um über die dürre Zeit hinwegzukommen. Vorher hatte die bekannte Rczitatorin Marta John einen von Bruno Schön- l a n k gedichteten Festspruch„Unser Lied" mit intensivstem Feuer gesprochen. Die eigentliche Festrede hielt Minister Dr. Grimm e. Er be- zeichnet sich selbst als Richtsänger. Aber er ist in den Kern der Arbeitersängerbewegung tief eingedrungen und schält das Wesentliche meisterlich heraus. Da die Sänger nicht aus dem Drang nach Spiele- rischem, nach Befriedigung der Eitelkeit sich zusammengetan haben, sondern so recht als Kämpfer für die soziale Idee, so gehören sie mit zu den Urvätern der ganzen Bewegung. Sie sind auch schöpferisch geworden durch Anregung bedeutender Komponisten zu ihren Werken. Die Verbundenheit des Menschen mit dem Menschen wird am voll- kommensten durch die Musik bewirkt, diese hat mehr Kraft als das rationale Wort. Kostbarste Werte werden durch sie erzeugt, sie sollen sich mehren für Partei und Volk! Wärme und Einfachheit strahlen aus den Worten des Kullus- Ministers, mit stärkstem Beifall dankt die Festversammlung. Bezirks- amtmann H o r l i tz als Vertreter für Bürgermeister Lange preist die Sänger vor allem als Pioniere, die trotz der Mechanisierung der Großstadt, der Dummheit vieler Vergnügungsstätten für eine ver- nünftige Zerstreuung sorgen. Dem müßte auch die öffentliche Hilfe entsprechen. Doch die Zeiten sind schlecht. Aber alle fühlen sich eins mit der„Feldmusik der kämpfenden Arbeiterschaft". Bundesvorsitzender F e h f e l überbringt die Grüße des „Familienrats", auch an die noch lebenden, anwesenden Mitbegründer des Arbeitersängerbundes. Er überreicht ein Rosenbukett, das Rot Sinnbild der Liebe, das Grün der Hoffnungen.„Werde, was du noch nicht bist und bleibe, was du bist." Das ist fein Freundschafts- grüß. Die Feier wird sehr würdig eingeleitet durch ein Orgelvorspiel (dem am Ende der Feier eine Improvisation des Organisten Richard Gütte über Arbeiterlieder folgtl und Chor aus „Herakles" von Händel, von der Chorgruppe Berlin-Rathcnow unter dem trefflichen Chormeister Beelitzer ausgeführt. Am Schluß des Festakts leitet Dr. Strelitzer die Aufführung des..Kampf- lied der Arbeit" von Erwin Lendvai mit der Chorgruppe Friedrich-Hegar-Chor, dem Männerchor Moabit und einem Blas- orchester. Die hymnenartige Schöpfung ist keine der stärksten Lcndvais, aber bei lebendigerer, bewußterer Gestaltung hätte sie noch stärkere Wirkung hervorgebracht. bl. �l. I Meiflerleistung des DAS. .Belsazar" mit Massenchören. „Die Arbeiterschaft", sagt Genosse Kestenberg in der Festschrift des DAS.,„die naturgemäß zunächst vom volkstümlichen Gesang, vom Tenbenzlied, an die Musik herankommen mußte, ist jetzt im Begriff, auch die Kunstmusik für sich zu entdecken und zu gewinnen." Ein bedeutender Schritt auf diesem Weg ist getan: durch die am Sonnabend in der„Reuen Welt" erfolgte Aufführung von Georg Friedrich Handels Oratorium„Belfagar" in der vom Bundesverlag herausgegebessen neuen Bearbeitung Dr. Ernst Zanders. Beksazar, persisch-babylonische Historie— der Stoff, allgemein bekannt durch Heines Ballode, liegt unseren Interessen wohl ein wenig sern. Durch H ä n d e l s Musik wird er, zwei Jahrhunderte nach ihrer Entstehung, in die Sphäre der großen Kunst gerückt, die uns nahe angeht und immer näher angehen soll. Wir sind an den Quellen der Musik und zugleich auf ihren Gipselhöhen: im Werk dieses Großen der Musik, bei dem es nicht Unverständliches, Un- gelöstes. Problematisches gibt. Hier ist jene selten« Bollendung der Kunst, in der das Schwierigst« einfach, auch das Komplizierte natur- hast notwendig scheint. Hier prüfen wir etwas, wie das Walten elementarer Schöpferkraft, in dieser Musik, die wahrhaft volks- tümlich ist mit den reichen Kunstmitteln der strengsten und höchsten Meisterschaft. Das gilt, auch in„Belsa.zar", gang besonders von den Chorpartien: es läßt sich für einen Volkschor keine schönere, be- deutender«, dankbarere Aufgabe denken. Und in der Anlage, in dem lebhaften Wechsel von dramatischem Rezitativ, Arien, Duetten, Jnstrumentalstücken, Chorsätzen vermittelt das Wert auch dem Hörer ein Kunsterlebnis, das wohl seine inner« Mitarbeit fordert, doch mit der Erhebung, die es ihm gewährt, verbindet sich auch ein Moment des anregenden, ja in bestem Sinn Unterhaltsamen. Die große Aufgab« fand in der Aufführung durch ldie Kräfte des DAS. eine große, ja großartige Lösung. Um den Kern des Berliner Volkschors gruppierten sich unter Ernst Zanders überlegener Leitung der Volkschor Moabit, der Charlotten- burger Volkschor„Harmonie", der Männer-undFrauen- chor Friedenau-Steglitz, der Volkschor Tempel- hof-Mariendorf, der Männerchor und Gemischte Chor Adlershof. Die Gejomtleistung dieses Riesenchores, der in mühevoller Probenarbeit zu einem einheitlichen Klangkörper zu- sammengewachsen mar, kann nicht laut genug gerühmt werden. Wann hat man in Berlin eine Thorfuge von Händel wie die am Schluß des zweiten Teils zugleich in solcher Klarheit und Kiangpracht ge- hört? Dazu eine Reihe erlesener Solostimmen: der herrliche Sopran Mia Ncusitzer-Thönissens, der heldisch strahlende Tenor Paul Kötters, Albert Fischers, des oft bewährten Oratorien- sängers, voluminöser Boß und der zuverlässig« Baß-Bariton Werner Engels: das nie versagend« Berliner Sinfonie- orchester: und Anna Linde, Meisterin ihres Instruments am Cembalo, am Harmonium Karl Lütge, der unfehlbare sicher«. Es war ein denkwürdiger, unvergeßlicher Abrnd. Klaus Pringsheirn. Jüdisches Proletarierdrama. Matinee im Kleinen Theater. Das jüdische Proletariat zum Selbstbewußtsein zu erwecken, darin sah der Iargonschriftsteller David P i n s k i seine Ausgabe. Die Stoffe seiner Dramen und Prosaschriften entnimmt er dem proletarischen Milieu, dem Leben der Judenstädte Rußlands. Er skizzert das Gesicht dieser entrechteten Menschen, die nicht nur vom Zarismus geknechtet, sondern auch von ihren kapitalistischen Glaubens- genossen schamlos ausgebeutet wurden. ,.C i j i t S ch« f t e l", anfangs der neunziger Jahre entstanden, ist die Tragödie des bastelnden Erfinders, der nicht die Möglichkeit hat, seine Ideen zu verwirklichen, und in drückender wirtschaftlicher Enge leben muß. Aus der eigenen seelischen Not heraus begreift er die Not seirnr arbeitenden Genossen. Es gelingt ihm, ihnen die Idee der Solidarität einzupflanzen. Pinski kann nicht die plötzliche Wandlung in den Arbeitern genügend motivieren, und mich die agitatorische Kraft Schestels erwächst gewissermaßen aus dem Nichts. Sonst wird überall größte Realität angestrebt. Ganz ausgezeichnet die Typen, die Atmosphäre um diese Menschen. Jeder zeigt ein individuelles Profil und ist doch nur ein winziger Teil der Masse. Das Jüdische Volkstheater brachte das Drama in einer Sonntags- matinee im Kleinen Theater zur Ausführung. Manches Dilettantische in den Bewegungen der Darstellung und in der Gliederung der Szene. Aber die Typen bewahren ihre Echtheit, und die Darsteller zeigen leidenschaftlichen Spielwillen. Die Regie ist im Realistischen verankert._ F- Seh. Batlettabend der Lindenoper. „Die Planeten",„pavane",„Le frain bleu" Die Vorgänge in Harald Kreutzbergs choreographischer Phantasie„Die Planeten" lehnen sich an eine Sinfonie an und das Werk gliedert sich den Sätzen der Sinfonie entsprechend, in eine Reihe von Bildern, die die Namen einzelner Planeten tragen. Das Ganze aber ist der kühne Versuch, unter Verzicht auf äußerliche, realistische oder symbolische Handlung eine Fjille komplizierter Stimmungen, Gefühle und Empfindungen fast ausschließlich durch die direkte Sprache rhythmisch bewegter Linien, Flächen und Farben zu gestalten. Di« Gesamtanlage des Tanzdramas ist auf streng abstrakte Raumwirkung gestellt. Die Farbformen der Dekorationen schwingen im Rhythmus der Tänze und und geben diesen die wirk- samste Begleitung und Unterstützung. Berührungen mit Schlemmers Triadischcm Ballett finden statt, aber der Stil ist nicht rein durch- geführt. Innerhalb des raumschasfenden Tanzes abstrakter Linien, Farben und Flächen bewegen sich mchr oder weniger klar stilisierte Menschengestalten. Dieser Stilzwiespalt ist an sich kein Fehler. Ueber den angemessenen Grad der Stilisierung kann man streiten. Die Aufnahme der kosmischen(nicht„komischen", wie es in der Vornotiz unserer Sorntagsnummer hieß) Tanzdichtung wurde nicht unwesentlich erschwert durch die gedärnpst« Beleuchtung der Bühne. die die tänzerischen Details nicht immer klar erkennen ließ. Doch hatte ich den Eindruck, daß die Gruppen- und Reihenbewegungen teilweise nicht exakt genug funktionierten. Glänzend waren die Einzcltänze von Jens Keith. Kölling, Jnnk, Kreutzberg und der Damen Georgi, Moser, Spies und Albu. Die„P a v a n c", die Kreutzberg und die Georg, tanzten. wirkte auj der Riefenbühne des Oxernhaujcs nicht jo stark und konzentriert wie neulich in der Bolksbühnen-Matinee. Sie bildeten den Uebergang zu dem lustigen Tanzspiel„Lc train bleu", dessen Choreographie und Einstudierung ein Meister- werk der Avonne Georgi ist.„Train bleu" nennt man den Luxuszug, der die französische Hauptstadt mit einem Badeort des Seestrandes rerbindet und der zrim Begriff des mützigen Treibens der reichen Pariser geworden ist. Die„getanzte Operette" spielt zwischen Badetabinen, und das Milieu gibt Gelegenheit zu einer Fülle ulkiger Szenen, die sich im Gewimmel des Strandlebens abspielen. Unerschöpflich zeigt sich die Georgi in der Erfindung und Ausgestaltung immer neuer tänzerischer Motive. Sie selber als Tennesspielerin, Keith als Golffpieler, und das Paar Kreutzberg und Daisy Spies bringen, im Derein mit der Menge der Badegäste, prachtvolle Soli, Duos, Gruppen- und Reihentänze und lassen den Zuschauer nicht zur Besinnung kommen. Dieser interessante und unterhaltende Abend bedeutet— am 9. Mai!— für die Lindenoper den Beginn der Ballettsaison. Die Leitung lag nicht in den Händen unseres Ballettmeisters Laban, sondern war auswärtigen Künstlern anvertraut. Und die aus- gezeichneten Solisten, die hier mit Recht bewundert und bejubelt wurden, werden wir an dieser Stelle bald nicht mehr sehen.-Aber die beamteten Musiker, die den Tanzbetrieb an der Berliner Staats- oper souverän dirigieren dürfen und denen wir die skandalösen Zustände verdanken, bleiben uns auch fürderhin erhalten. j. S. Ein Museum für Giraßentinder. In dem hauptsächlich vom ärmsten Teile der Bevölkerung bewohnten Osten von New Park, in der 2. Avenue, wurde aus einem der Universität gehörigen Gelände ein zu wohl einzig da- stehenden Zwecken bestimmtes Museum eröffnet. Als es fertig gebaut und mit Bildern und Plastiken ausgestattet war, rief man die Kinder herein, die sich bisher schüchtern am Eingang des neuen Gebäudes aufgehalten hatten. Bevor sie es betreten dursten, mußten sie ihre Hände vorzeigen, wurden gewaschen und im Bedarfssalle mit Taschentüchern ausgestattet, ldann wurden sie durch das Museum geführt. Der Besuch nahm von Tag zu Tag zu, wobei sich zugleich eine erhebliche Besserung des Reinlichkeitszustandes der kleinen Besucher beobachten ließ. Die Leiterin ist jetzt dazu über- gegangen, solchen Kindern, die Interesse dafür zeigen, Bleistifte und Zeichenbücher zu geben, damit sie nach den ausgestellten Plastiken Zeichenübungen anstellen können. Auf einer unlängst veranstalteten Sonderausstellung konnte eine Anzahl von recht annehmbaren Zeich- nungen ausgestellt werden, die von den kindlichen Besuchern an- gefertigt worden waren._ Nobelpreisiräger Albert Michelfon gestorben. Der bekannte Physiker Professor Albert Michelson ist im Alter von 78 Jahren in Pafadena in Zbalifornien gestorben. Am Himmel der Wissenschaft erlosch ein Stern erster Ordnung Professor Albert Michelson. der vier Jahrzehnt« an der Universität von Chicago gewirkt hat, war lein Amerikaner, sondern stammte aus der Provinz Posen. Arn 18. Dezember 1852 wurde er in dem damals noch deutschen Städtchen Stelno geboren, und seine wisien- schastliche Ausbildung erhielt er an den Universitäten von Berlin und Heidelberg. Vor mehr als zwanzig Jahren wurde er mit deck Nobel- preis ausgezeichnet. Die wissenschaftliche Großtat, der Michelson Weltnihm verdankte, war seine geniale Mechode, die Geschwindigkeit des Lichtes zu messen. Ohne es zu ahnen, legte er mit diejcr Methode das Fundament, auj dem Albert E i n st c i n dann die Relativitätstheorie ausgebaut hat. Michelsons grundlegender Versuch wurde im Jahr« 1881 angestellt und vor etwa sechs Jahren wiederholt, um nun durch die Praxis zu ermitteln, ob Einsteins theoretische Berechnungen mit der Wirklichkeit übereinstimmen. In großen Zügen handelt es sich bei dem Experiment des deutsch- amerikanischen Gelehrten etwa um folgendes: Ein« Glasplatte wird unter einem Winkel von 45 Grad auf eine genau wagerechte Ebene gestellt, und nun läßt man auf diese Glasplatte einen Lichtstrohl treffen, der parallel zur Erdbewegung läuft. Dieser Lichtstrahl geht teils durch die Glasplatte hindurch und wird zum anderen Teil von der Glasplatte senkrecht zur Erdbewegung gespiegelt. Beide Zweige des Lichtstrahls werden nun von Spiegeln wieder zurückgeworfen: sie vereinigen sich an der Glasplatte zu einem Lichtstrahl, der genau auf den ursprünglichen Weg zum Beobachter zurückläuft. Das kann aber nur der Fall fein, falls die Erde stillsteht, wenigstens nach der allen wissenschaftlichen Schule, die als Tröger des Lichts den starr im Raum verharrenden. Aether bezeichnete. Tatsächlich steht jedoch die Erde nicht still, und da der Weg der Lichtstrahlen dennoch der gleiche ist, muß die Aethertheorie falsch sein. Es ist Michelsons Ver- dienst, dieses Experiment so sorgfältig durchgeführt zu haben, daß ein Irrtum selbst bei den außerordentlich winzigen Abweichungen, mit denen zu rechnen war. unmöglich ist. Ein Museum des Münchener Bürgeriums. Das Münchener hi st arische Stadtmuseum wurde nach mehrjährigen baulichen Renovierungen, eines der ältesten go- tischen Häuser, des alten Zeughauses, das in seinen Ansängen bis ms Jahr 1410 zurückreicht, nunmehr in einer Neuordnung wieder- eröffnet. Nach der 1893 erfolgten Gründung legte man mit der stadtgeschichtlichen Sammlung des Kunsthändlers Josef Maillinger einen für München und die bayerische Geschichte ansehnlichen Grund- stock, den man neuerdings durch Neuerwerbungen, Leihgaben und Stiftungen beträchtlich ausbaute. Das alte Zeug- und Kornhaus wurde nach Möglichkeit lichtvoller umgestaltet und den Museums- zwecken angepaßt. Es repräsentiert mit seiner Sammlung das bürgerliche München im Gegensatz zu dem höfischen Charakter der großen Museen. Bürgermilitär, Stadtverwaltung, Feuerwehr, Gesundheitswesen, Sitten und Gebräuche wie Schäfflertanz, Metzgersprung, Karneval, Oktobersest werden hier in charakteristischen Beispielen veranschau- licht. Reiches Material in Graphik und Oel instruiert den Besucher. Als Hauptattraktion darf man die berühmten M o r i st e n- t ä n z e r des Erasmus G r a s s e r aus dem Jahre 1480 bezeichnen, die teils im Original, teils in Kopien vorhanden sind und nunmehr, dem alten Rathaus entnommen, aus der Nähe beschaut und studiert werden können. Interessant auch die Kopie des Sandnerschen Stadt- modells aus dem Jahr 1572, das München noch völlig gotisch zeigt. Das Städtische Museum hat keineswegs die Absicht, mit dem großartigeren Nationalmuseum in Konkurrenz zu treten. Immerhin bildet die Intimität bürgerlicher Wohnräume aus der Zeit von 1500 bis 1860 eine erfreuliche Weiterführung dessen, was im National- nmseum nicht mehr vertreten ist. Für die Gesamtanordnung hat sich Direktor Hanfstängl durchaus verdient gemacht. Kllred Mayer. ,.Minna-von-Varnhelm"-Zub>läum. Fünfundzwanzigmal Minna von Barnhclm ist ja noch keine überwältigende Ziffer. Aber wenn der Sommer keinen Strich durch die Rechnung macht, wird diese vollendete Ausführung des„Deutschen K ü n st l e r t h e a t e r s" es auch auf 100 und mehr bringen. Die Klassiker sind also noch nicht tot, ganz bestimmt nicht dieser Lessing, dessen Lustspiel unsere Dar- väter das beste deutsche nannten. Welche beschwingte Heiterkeit geht von dieser Darstellung aus, vorzüglich von Käthe Dorsch, deren Minna das Spiel nicht nur bis Tellheim gewinnt, und Maria P a u d l e r und T i e d t k e und Forster-Larrinaga und KampersI Die Regie gibt den zeitechten Rohmen her. Alles paßt zueinander. Nur die Erneuerer der Klassiker, die sie uns durch modernste Anpassungen näherzubringen gedenken, werden enttäuscht sein— daß es so gut ohne sie geht. ä. Unbekannte Rrlefschähc von Diderot. Was bisher von Briefen Diderots an die Oefsentlichkeit gelangt war, entstammte dem von der Kaiserin Katharina erworbenen Nachlaß, der ihr jedoch Didirots Tochter nur in entstellten Abschristen übergeben Halle. Die im Besitz der Familie gebliebenen Originale sind erst vor kurzem von Andre Babelon im Archiv des Schlosses Orqueveaur entdeckt worden. Der drei Bände umfassenden endgültigen Ausgabe der Briefe des Philo- sophen an seine Freundin Sophie Volland wird Babelon, wie die „Lit. Welt" berichtet, jetzt zwei Bände ckisher gänzlich unverösfent- lichter Briefe Diderots an seine Zeitgenossen, darunter an Grimm und Frau von Epinay, folgen lassen, durch welche die Persönlichkeit Dedcrots erst in ihrem ganzen Umfang erschlossen wird. Das Schicksal Pros. Wegeners. Der deutlsche Forscher Prof. Wegener, auf seiner Grönlandtour z. Z. verschollen, dürfte nach Unterredungen, die die Vertreter Kopenhagcner Blätter mit dem Kontorchef in der Grönlandsverwaltung hatten, als verloren gelten. Ein deutsches Schmelterlingsmuseum. Bad Reichenhall hat ein Museum der deutschen Schmetterlingsarten eingerichtet, das aus den Dannehlschen Sammlungen stammt. Professor Dannehl besitzt gegen- wärtig die größte Schmetterlingssammlung der Welt. Der Schutz des weißen Nashorns. Der westlich vom Albert-Nil gelegene Teil des englischen Uganda-Protektorats ist das einzige Gebiet in Uganda, in dem noch das weihe Nashorn in sehr be- schränkter Zahl vorkommt. Um nun dieses seltene Tier zu erhalten, sind jetzt neue Vorschriften von der Regierung erlassen worden. Jedem Jäger, der ein weißes Nashorn tötet oder verwundet, auch wenn er sich dabei in Selbstverteidigung befindet, wird der Jagd- schein entzogen, denn das Tier ist nicht angriffslustig, i und sc» hat jeder geschickte und sorgfältige Jäger durchaus die Möglicbleit, An- griffe zu vermeiden. Solchen Personen, die die Erlaubnis zum Photographieren haben, wird eingeschärft, daß jede Maßnahme einem geschützten Tier gegenüber, die geeignet erscheint, es zu stören, zu erschrecken oder es in Wut zu versetzen, mit Geldstrafen oder Gefängnis geahndet wird. Wer bei einem Versuch, ein weißes Nashorn zu photographieren, es verwundet oder tötet, wird schwer bestraft. Jerdlmmd Lruikiicr wird Sbalclpcaicj„Tlmon von Alben* für die Auf« sühiuno in der Tollebubnc bearbeiten, die in der Jnlzenierung von Karl Heinz Martin mit Fritz Kortner in der Tilclrolle im Ollober slaltsindet. .Die Ouadratuc de» Kreist»", Komödie von S. M. Treijakow, gelangt ab Dienttag im Wallnertbcater zur Darstellung, und zwar in der urivriingüchrn f-osiung. Mitglieder von Aibeilerorganifalbnen haben gegen AuZweiZ Ei mätzigung. Atorgil Angerer beginnt ihre biZberlgc Tätigkeit am t?. in der Siaat»- oper al«.Eva' in den»Meistersingern". Sie singt außerdem Freilag die .Elisabeth' in.Tannhäustr', Sonntag den.Oetavian' im.Rosenkavalier'. Theo ZNacleben hat für die Auffühiung von Nestroh» Posse„Lumpaci- vagnbundnS", die ai» nächste Premiere der VollSbühnc in Szene gehl, die Musik geschrieben und die musilalijche tteitung übernommen. Tragödie nach) Die Geliebte erwürgt/ Eine blutige Liebeskragödie hak sich gestern in dem Dorfe Golm bei poisdam abgespielt. Der Knecht Willi Kühl tötete seine 2 3 Zahre alte Geliebte Charlotte Dietrich aus Berlin und erhängte sich daraus selbst. Heute früh wunderte sich der Landwirt Paul Winter in Golm bei Potsdam, daß sein LSjähriger Knecht Willi Kühl nicht zur Arbeit erschien. Man fand den Knecht auf dem Heuboden e r h ä n g t a u f. Als man seine Stube durchsuchte, wurde unter dem Bett versteckt sein« 2Ajährig« Freundin Charlotte Dietrich aus der Rostockcr Straße in Moabit tot aufgefunden. An dem Bett stand noch eine Flasche Obstwein. Das Paar war gestern in Werder gewesen und hatte sich Obstwein in die Stube mit- genommen. Als die Dietrich dem Kühl die Mitteilung machte, daß sie das Verhältnis mit ihm lösen würde, hat der Knecht sie mit seinen beiden Händen erwürgt. Die Leiche bot einen furchtbaren Anblick: sie war über und über mit Blut besudelt. In der Stube muß ein Kampf zwischen den beiden stattgefunden haben. In einem Abschiedsbrief schreibt der Knecht: „Habt Ihr sie nicht schreien hören, wie ich sie gewürgt habe? Sie hat doch so laut geschrien. Nun ist sie tot. Auch ich oer- schwinde, wie die Wurst im Spinde. Willi Kühl." Zur Zeit ist die Potsdamer Staatsamoaltschast mit der Cr- mittlung der Tat beschäftigt. Falsches Mordgerücht. Selbstmord einer schwermütigen Iran. Das Gerücht von einem Morde war gestern in Neukölln ver- breitet. Passanten hatten am 5 Uhr in der Frühe beobachtet, wie eine Frau in der Nähe des W e i g a n d- U f e r s ins Wasser ge- sprungen war. Einige wollten zusammen mit der Frau zwei Männer gesehen haben, die sie ins Wasser gestoßen hätten. Bon der Neu- »er Werderfahrt Selbstmord des Täters köllner Kriminalpolizei wurde sofort eine Untersuchung eingeleitet. Es ist festgestellt, daß nicht ein Verbrechen, sondern ein Selbst- m o r d vorliegt. Die Ertrunkene, deren Leiche bereits geborgen werden konnte, ist eine 52 Jahre alte Frau D ö l s ch e, die mit einem Schmiedemeister, der in der Gegend sein Geschäft betreibt, verheiratet war. Die Frau war schwermütig. Im Weltkrieg ist ihr lljähriger Sohn an der Westfront gefallen und diesen Schicksals- schlag hat die Mutter nie verwinden können. Sie hatte schon öfters geäußert, daß sie ihrem Leben ein Ende machen wolle. Am Sonn- abend hatte sie mit ihrem Ehemann Einkäufe gemacht, wobei sie sich von ihrem Mann trennte. Die Frau ist nicht wieder nach Haufe zurückgekehrt, sondern wahrscheinlich planlos umhergeirrt, bis sie ins Wasser sprang. „Lteberfall" im Vororizug. Ein bisher noch ungeklärter Vorfall. Als heute früh ein in Richtung Potsdam fahrender Vorort- zug fahrplanmäßig um 9.2S Uhr auf dem Bahnhof Zehlendors» Mitte einlief, wurden die Bahnsteigbeamten durch laute Hilfe- rufe, die aus einem Abteil dritter Klasse kamen, alarmiert. Die Beamten drangen in das Abteil ein und wurden von der K4jährigen Frau E. aus Steglitz um Schutz gegen drei Mitreisende, einem Mann und zwei Frauen, gebeten, die angeblich einen Ueberfall auf sie verübt hätten. Die Personalien der drei wurden festgestellt und dabei wurde ermittelt, daß es sich um ein Ehepaar G. aus Schöne- berg und der Schwester des Mannes handelte. Frau G. war während der Fahrt plötzlich aufgesprungen und über die ihr gegenübersitzende Reisende hergefallen. Die Frau setzte sich aber heftig zur Wehr. Der Mann und seine Schwester sollen sich sonderbarer Weise passiv verhalten haben. Bei seiner späteren Ver- nehmung gab G. an, daß seine Frau g e i st e s k r a n k fei und schon am frühen Morgen einen Anfall erlitten hätte. Die seltsamen An- gaben werden von der Kriminalpolizei nachgeprüft. Kubes„fiebenjähriger Krieg". Ein höchst seltsames Jubiläum. Im„Angriff" finden wir unter der Ueberschrift„Siebenjähriger Krieg— Jubiläum nationalsozialistischer Führer" einen Glückwunsch. den wir unseren Lesern nicht verschweigen wollen. Es heißt dort: „Unbemerkt von der großen Oeffentlichkeit, selbst von der Parteibewegung, konnten die bekannten Kämpfer für die Idee Adolf Hitlers, die Abgeordneten Dr. Wilhelm Fnck, Franz Stöhr, Gottfried Feder, Wilhelm Kube, Graf E. zu Revemlow am 1. Mai auf eine siebenjährig« Parlaments- tat i gleit im Kampfe um die Weltanschauung des Nationalsozialismus zurückblicken. Nur wenige Treue wußten von diesem„siebenjährigen Krieg", den die Parteigenossen gegen alle parlamentarischen Parteien im Reichs- und Landtage führen mußten. Was alle diese Streiter für den Nationalsozialismus in dieser Zeit an Gemeinheit, Lüge und Verleumdung haben über sich ergehen lassen müssen, dafür wird das kommende Drille Reich Genugtuung fordern." Manche Leute sehen in der Sieben weniger eine Jubiläums- als eine Unglückszahl. Dieser Volksglaube scheint eine gewisse Be- rechtigung zu haben, denn über den„siebenjährigen Krieg" des Nationalsozialisten Kube existieren eine Anzahl Dokumente, die diesen Krieg in seltsamstem Licht erscheinen lassen. Nämlich noch vor fünf Jahren(und erst recht vor sieben Jahren) war Herr Kube Abgeordneter nicht für die Nationalsozialistische, sondern für die Deutschvölkische Parteil Der Kampf, den er im Jahre 1926„um die Weltanschauung des Nationalsozialismus" führte, b e- st and in einer Reihe von Strafanzeigen und polizeilichen Beschwerden gegen die damalige Gauleitung der Nationalsoziali st en! So beschwerte sich unter dem 13. September 1926 der Reichs- tagsabgeordnete Kube in einem Briefe an den Polizeipräsidenten von Berlin, den Genossen Grzesinski, mit folgenden Worten: „Seit mehreren Wochen wird— wahrscheinlich auf Anweisung aus der Gauleitung Berlin der National- sozial! st ischen Deutschen Arbeiterpartei— immer wieder von halbreisen Jungens nnt dem national- sozialistischen Abzeichen der Versuch gemacht, deutsch- völkische Versammlungen zu sprengen. Auch am Freitag, dem 12. September, fanden sich etwa 200 junge Leute der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei ein, die schon beim Eröfsnungsbericht des Versammlungsleiters mit ihrem Gejohle die Versammlung störten. Immer wieder setzte verabredetes Gebrüll ein. Ich ersuche um ein kriminalpolizeiliches Er- mitllungsverfahren gegenüber der Gauleitung Berlin der Rational- sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei." Dann erstattete unter dem 1. September 1926 der gleiche Wilhelm Kube auf Grund des Gesetzes zum Schutz der Ver- sammlungsfreiheit(!!) Strafantrag gegen dieBerlinerLeitung der Nationalfoziali st ischen Deutschen Arbeiter- parte! beim Oberstaatsanwalt am Landgericht I mit folgenden Sätzen: „In einer Reihe von Versammlungen, so am Freiiag, dem 27. August, in Friedenau, Lauterplatz-Kasino am Lauterplag: am Dienstag, dem 21. August, in Heinrichs Festsälen, Große Frank- furter Straße 30, haben organisierte Sprengtrupps der Nationalsoziali st ischen Deutschen Arbeiter- parte! versucht, unsere Versammlungenn systematisch zu sprengen. Insbesondere war es auf Versammlungen abgesehen, in denen der unterzeichnete Reichstags- abgeordnete als Redner angesetzt war... In der Großen Frankfurter Straße, hat es einen kurzen- Zusammenstoß zwischen der Polizei und den Nationalsozialisten gegeben.'Als ich mst/inigen Herren das Lokal verließ, wurde ich von den N a t i o n a l s o z i a l i st c n mit Zurufen wie„Feme- Mörder" und ähnlichem begrüßt und bis vor das Lokal von Fiehstädt in der Andreasstraße oerfolgt. Erst das Ein- greifen einiger Polizeibeamtcn befreite mich von den Nationalsozialisten. Nabci sielen Zurufe wie„Den Kube schlagen wir to t"." Laut„Angriff" werden nun alle Leiden, die Herr Kube in den letzten sieben Jahren über sich hat ergehen lassen müssen, im kommenden Dritten Reich gebührende Ahndung finden. Wir fragen: An wem? An den nationalsozialistischen„halbreifen Burschen", die den völkischen Abgeordneten Kube im Jahre 1926 so infam zudeckten? Wirtschast! Die Zustände beim Berliner Hitler-Organ. In der neuesten Ausgabe des Stcnnes-Organs„Arbeiter, Bauern, Soldaten" wird mitgeteilt, daß gegen das Berliner Nazi- vrgan„Der Angriff" eine Reihe großer Schadensersatz- klagen schwebt, die von Inserenten angestrebt wurden, weil der Perlag des„Angriff" den Inserenten gegenüber die Zahl seiner Auflage mündlich und schriftlich vielfach um 30 000 bis 40 000 Stück zu hoch angegeben habe. Das Blatt teilt ferner mit, daß einige der geschädigten Inserenten die Absicht hätten, die Angelegenheit zur restlosen Klärung der Staatsanwaltschaft zu übergeben. Die Gehälter der Angestellten im„Angriff" sind unter Tarif gesetzt und die Restgehälter für April wurden erst am S. Mai ausgezahlt. Außerdem hätten die im Zusammenhang mit der Stennes- Revolte grundlos entlassenen Angestellten des„Angriff", obwohl sie ausgeklagte Forderungen über ihre Ansprüche in Händen gehabt hätten, nicht zu ihrem Gelde kommen können, und durch den Gerichts- Vollzieher Pfändungen in den Büroräumen des„Angriff" vor- nehmen lassen müssen. Politische Bluttat bei Chemnitz. Kommunisten beschießen ein Notes-Kreuz-Auto Chemnitz, 11. Mai. In der vergangenen Nacht wurde die Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in Taura, die mit Angehörigen in einem Lastkraftwagen auf dem Heimwege von Wüstenbrand be- griffen waren, aus einem Graben beschossen. Ein jün- geres Mitglied der Kolonne namens Martin Fleischer wurde durch einen Herzschuß getötet, ein anderes Mitglied durch einen zweiten Schuß schwer verletzt. In dem Wagen befanden sich auch die Eltern des Getöteten. Die Chemnitzer Landespolizei nahm mehrere Verhaftungen vor. Bei einer Durchsuchung des kommunistischen Turnerheims wurden sieben ge- laden« Revolver beschlagnahmt. Der Täter konnte noch nicht ermittelt werden. Wie die Polizei vermutet, hat der Täter ge U.ubt, daß es sich bei den Insassen des Kraftwagens um Teil- nehmer an dem Sportfest der Nationalsozialisten, das gestern in Limbach begonnen hat, handelte. Die neue norwegische Regierung steht unter dem Vorsitz des Odelstingpräsidenten K o l st a d, der auch das Finanzministerium leitc. Außenminister ist Jakob Vik. Justiz Asbjoern Lindboe, Aus- wärtige Angelegenheiten Major B r a a d l a n d. Die politischen Minister sind der A g r a r s r a tt i o n des Storting entnommen. Auiobuskatastrophe. Zehn Tote, zwanzig(Schwerverletzte. Paris, 11. Mai. Ein furrtztbarcs Autobusnnglück ereignete sich in der Nähe von Tt. Etienne. Ein Autobus, der die Verbindung zwischen dieser Ttadt und dem Lrte Maclas versah, nahm eine Kurve zu schnell und stürzte in den Ttraßengraben. Ter Autobus, der vollbesetzt war, fing Feuer. Es entstand eine unbeschreibliche Panik. Tchließlich zog man vier vollständig verkohlte Leichen aus den Trümmern. 2 0 Schwerverletzte mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Infolge Eintretens der Tunkelheit mußten die Rettungsarbeiten unterbrochen werde». Man schätzt die Zahl der Toten auf zehn. --nin Nepublikanertag in Wiesbaden. (Severins spricht zu den Versammellen. Wiesbaden, 11. Mai.(Eigenbericht.) Die im herrlichsten Frühlingsschmuck prangende Bäderstadt sah am Sonntag eine gewaltige republikanische Kund- g e b u n g. Aus Groß-Wiesbaden, aus dem nahen Mainz und dem Rheingau waren die Republikaner und Rcich-banncrleute in Wies- baden, dieser Hochburg der Nazis, zusammengeströmt. Nachmittags formten sich an den verschiedensten Stellen der Stadt Einzelzüge, die sich am Elsasser Platz zu einem etwa 6060 Personen umfassenden Demonstrotionszug vereinigten. Unter Trommelwirbeln und Musik- klängen marschierte der riesige Zug durch die Stadt zu dem Festplatz „Unter den Eichen", wo der preußische Innenminister dem Einzug der Massen beiwohnte. Ein festliches Bild entrollte sich. Die etwa 1000 Mann starke Reichsbannerabteilung marschierte besonders ein. Unter dem Jubel der Massen, die sich auf dem Festplatz auf 8000 verstärkt hatten, wurde eine schwarzrotgoldene Fahne ausgezogen. Dann sprach Innenminister S e v e r i n g zu den Versammelten. Reichsbannertag in Halle. Halle, 10. Mai.(Eigenbericht.) Aus Anlaß der Siebenjahrfeier des Reichsbanners Schwarz-Rot- Gchd Gau Halle fand am Sonnabend und Sonntag ein Aufmarsch des mitteldeutschen Reichsbanners in Hall« statt. Bei der großen Kutidgebung auf dem Roßplatz am Sonntagnachmittag sprach der zweite Bund«svorsitzende Höltermann. Der Aufmarsch zeige, so sagte er, daß die Deutsche Republik sich ganz besonders eng ver- Kunden fühle mit jenen Kameroden, die auf Porposten draußen in schwerem Kampfe stehen. Mit Bezug aus die Nationalsozialisten führte er aus: Wenn heute der Führer der Nationalsozialisten Stein und Bein schwört, daß er getreu den Gesetzen sich verhalten wolle, so ist das nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß ihr Käme- raden im grünen Hemd den Nationalsozialisten gezeigt habt, daß Deutschland auch trotz des 14. September eine Republik ist und eine Republik bleiben wild. Der Deutschen Republik sind Hunderte und aber Hunderte von Eiden geschworen und gebrochen worden. Wir pfeifen auf solche Eide. Wir verlassen uns nur auf die eigene Kraft. Alsdann sprachen der preußische Handelsminister Dr. Schrei- ber und der preußische Minister a. D W a c n t i g. An dem sich daran anschließenden Umzug beteiligten sich etwa 8000 Personen. Der Zug bewegte sich durch einige Straßen der Stadt nach dem Waisenhausring, wo der Vorbeimarsch am Pundcs- banner erfolgte. HakenkreuzkrawaN in Innsbruck. Rüpeleien reichssteutscher Hilles buben Innsbruck, 11 Mai(Eigenbericht). In Jnsbruck kam es am Sonntag im Verlauf eines weftöster- reichischen Parteitages der Nationalsozialisten wiederholt zu Zu- sammenstößen mit der Polizei. An der Peranstaltung nahmen. auch etwa 300 reichsdeutsche Nationalsozialisten teil, die sich besonders rüpelhaft hervortaten. Einer, ein Andreas von Flotow aus Stuer in Mecklenburg, schstlg im Verlauf einer Ausein- andersetzung einen höheren Polizeibeamlen zu Boden. Er wurde mit anderen Nationalsozialisten verhaftet. Oer Geldbriefträgermord. Neue überraschende Feststellungen. Wie bereits milgelcill, wurde die Rlullcr des Gcldbrieflräger- Mörders, die 58 Zahre alte Frau Zda Reins. am Sonnabend erneut verhört und aus Grund des Belastungsmaterials in hast genommen. Bei den ersten Vernehmungen, denen die Zrau unterzogen wurde, zeigte sie ein sehr niedergeschlagenes Wesen und beteuerte, sie traue ihrem Sohne weder einen Word zu. noch habe sie von dem Verbrechen das geringste gewußt. Es hatte damals den Anschein, als ob sie wirklich die wahrheil spreche. Inzwischen hat sich das Bild aber wesentlich verändert. Wie in der Sonntags- ausgabe berichtet, wurden bei einer erneuten Durchsuchung der Wohnung 1950 Mark gefunden. Das Versteck war gut gewählt. Hinter einem Ofey standen zwei alte ausgehobcne Balkontüren. Zwischen ihnen war mit einer Reißzwecke ein Briefumschlag angeheftet, der die Geldscheine barg. Als der Frau der Gcldsund vorgehalten würde, gab sie an, den Betrag nach dem Morde von ihrem Sohne erhalten zu haben. Ihre beiden jetzt in Genua verhafteten Töchter unterhielten am Kurfürstendamm eine Wohnung, die ihnen gekündigt wurde. Die Wirtin behielt für eine Restschuld einen Köster zurück. Auf mehreren gemeinschaftlichen Gängen haben die Schwestern vor dem Morde versucht, den Koffer heraus zu bekommen. Sie gaben an, daß sie ihn für eine Rivierarcise benötigten. Der Plan, Berlin zu verlassen, sobald der Bruder Geld in den Händen hatte, muß also festgestanden haben, auch über das Ziel der Reise muß man sich einig gewesen sein. Von verschiedenen Seiten ist das Gerücht in Umlauf gebracht worden, daß der Vater Reins zu Unrecht in eine Heilanstalt gebracht worden sei. Es fei geschehen auf Be- kreiden der Töchter, deren liederlichen Lebenswandel er nicht ge- billigt habe. Ob diese Gerüchte auf Wahrheit beruhen, wird Gegenstand einer Untersuchung sein, die die Mordkommission einge- leitet hat. Es ist aber auf jeden Fall damit zu rechnen, daß bei weiteren Nachforschungen im Leben der vier Personen, der Mutter, der Töchter und des Sohnes, noch manches Neue und Erstaunliche ans Licht kommen wird. Von der Familie wird erzählt, sie habe einmal Ueberfluß an Geld gehabt und sich dann wieder mit knappen Mitteln einrichten müssen. Das mag so zu erklären sein, daß je nach der finanziellen Lage der Freunde, die die Mädchen fanden, größere oder geringere Zuwendungen in ihre Hände kamen. Einer Nochprüfung bedarf es allerdings auch hier noch. Der Bruder Ernst, der Mörder des Gcldbricsträgcrs, hat unter dem Einfluß der Frauen gestanden. Interessant ist noch eine andere Feststellung. Am 5. Juni 1930 ermordete im Brockengebiet ein Maurer Friedrich Reins seinen Sohn und verübte bald darauf zwei Sittlichkeitsverbrechen an Frauen. Er wurde festgenommen und kürzlich zum Tode ver- urteilt. Die Strafe wurde jedoch in lebenslängliches Zuchthaus umgewandelt. Dieser Maurer Friedrich Reins ist ein Vetter der Familie Reins aus der Mommsenstraße. Gasiod eines greisen Ehepaares. Unvorsichtigkeit beim(Schließen der Hähne. Unvorsichligkeil beim Schließen des Gashahncs ist in der Rachl zum Sonnlag einem greisen Ehepaar in der Gürtel- st r a h e 17 in Lichtenberg zum Verhängnis geworden. Seit vielen Jahren bewohnte im Hause Gürtelstraßc 17 der 7l jährige Arbeiter Wilhelm Rudolf und seine um vier Jahre fllngere Frau im Hinterhaus Stube und Küche. Am Sonntag- nachmittag machte sich auf der Treppe starker Gasgeruch bemerkbar. Mieter wurden aufmerksam und vermuteten sogleich, daß dem greisen Ehepaar etwas zugestoßen sei. Polizeibeamte drangen in die Wohnung ein und fanden die alten Leute in dem mit Gas angefüllten Schlafzimmer leblos- auf. Rudolf lag auf dem Fuß- boden dicht am Fenster: offenbar ist er in der Nacht erwacht und hatte vexsucht, die Fenstern zu öffnen. Die Goseinwirkung ließ ihn wohl bewußtlos zusammenbrechen. Die Bemühungen der Feuer- wehrsamariter waren bei beiden Verunglückten leider ohne Erfolg Bülow in England verboien. London, 11. Mai. Die Veröffentlichung der Memoiren des Fürsten Buelow in England ist durch einstweilige Verfügung vorläufig verboten worden. (Beilage Montag, 11. Mai 1931 SprAbniÖ StuUaul&zße ji& to+uhisik ß? Schrotschüsse in Belgien Zar Frage: Franktireurkrieg oder Franktireurpsychose? Während die Bemühungen, zwischen Franzosen und Deutschen eine Brücke der Verständigung zu schlagen, längst von Ersolg ge- krönt sind, besteht zwischen Belgien und Deutschland nach wie vor, von seltenen Ausnahmen abgesehen, kein anderes Verhältnis als dos eisiger Korrektheit. Auch der Stresemann des Locarno- Vertrags wäre in den Straßen Brüssels nicht umjubelt worden, wie es ihm in Paris widerfuhr, und Führer des deutschen Geistes vor belgischen chörern sprechend, hervorragcnüe Belgier zu Vor- trägen in deutsche Städte eingeladen— wann käme das je vor? Einer der Gründe für diese mehr als bedauerliche Entfremdung zwischen den Völkern ist der Zwiespalt der Meinungen wegen der Ereignisse, die im August 1914 zur Viedermehelung Tausender von belgischen Zivilisten durch die deutschen Truppen führten. Belgien glaubt ohne, Unterschied der Parteien, von ganz rechts bis zu den Sozialisten, daß es einen nennens- werten Widerstand der belgischen Zivilbevölkerung gegen den deutschen Einmarsch nie und nimmer gegeben habe, während bei uns namentlich jene Kreise, die auch die deutschen Machthaber von jeder Verantwortung für den Ausbruch des Krieges freisprechen, stramm daran festhalten, daß die Massenerschießung belgischer Bürger durch einen ebenso wohl- organisierten wie völkerrechtswidrigen Franktireurkrieg der Belgier heraufbeschworen seien.„Kein einziger deutscher Soldat", plusterte sich vor gar nicht langer Zeit die„K r e u z- Z e i t u n g" aus,„hat im Weltkrieg im fremden Lande Greuel verübt, was längst nach- gewiesen ist. Ist einmal eine Füsilierung eines Landeseinwohners vorgekommen, so war sie notwendig nach Kriegsrecht." Vorurteilsfreie und unbefangen« kritische Würdigung des nicht gerade spärlichen Materiols über dies« F�age alleroings gelangt notgedrungen zu dem Schluß, daß die Wahrscheinlichkeit gegen die Annahme eines organisierten belgischen Franktireurkriegcs spricht. Ganz sicher haben, was auch kein Belgier leugnet, hier und öa Zivilisten widerrechtlich die Waffen gegen deutsche chceresange- hörige gebraucht, ober darüber hinaus entdeckte, angesichts der be- sondern heckenkriegartigen Natur des belgischen militärischen Widerstandes in den ersten Wochen, durch wilde Gerücht« genährte Nervenüberreizung auch Überall dort Franktireurs, wo kein« waren; je mehr von Franktireurs geredet, je mehr an Franktireurs geglaubt wurde, desto mehr Franktireurs sah man! Ein Bericht des französi- schen Nachrichtendienstes vom 11. Januar 1915 sagt durchaus zu- treffend:„Für den deutschen Soldaten gilt als Franktireur jeder, der aus dem Fenster schießt oder in einem Haus steckt, ganz gleich, ob es sich um Soldaten oder Zivilisten handelt. Jeder ehrenhaste deutsche Soldat glaubte mit einem Eid bekräftigen zu können, daß Franktireurs da waren, so- wie er aus einem Hause Feuer erhielt." So geschah es in Belgien aus Schritt und Tritt. Eine Truppe wird von unsichtbaren Schützen, vielleicht aus einem Hause, beschossen; sofort der Alarmruf: Franktireurs!, gläubig aufgenommen und weitergegeben und in Form von Meldungen bis zu den höheren Stäben zurücklausend, die sreilich kühleren Kopf hätten bewahren sollen. Die Folge für die belgische Bevölkerung war katastrophal, ober der einzelne deutsche Offizier und Soldat, der solcher Franktireurpsychose unter- lag und demgemäß handelte, stand deshalb nicht moralisch minder» wertiger, nicht„barbarischer" da als der eines anderen Heeres, und es ist nichts weiter als oie beliebte verleumderisch« Hetze notiona- listischer Blätter, der deutschen Sozialdemokratie, weil sie sich dieser einleuchtenden Erklärung der schauerlichen Begebenheiten vom August 1914 zuneigt, nachzuschimpfen, daß sie„den deutschen Sol- baten in Belgien als Mordbuben und Schweinehund" hinstelle. Schweinehunde? Die finden sich ganz wo anders als unter den deutschen Soldaten, die in ihrer Art genau so Opfer eines Schicksals wurden wie die belgischen Zivilisten. Me leichtfertig die Mär von den belgischen Franktireurs, auch noch lange nach Kriegsende, überliefert wird, offenbart kein Ge- ringerer als F ü r st B ü l o w, da er in seinen„Denkwürdig- leiten" erzählt, sein Bruder, General und Führer einer Kavallerie- dioision, sei vor Lüttich gesallen, „getroffen von der Kugel eines Franktireurs". Dieser Ossizier hatte von seinem Quartier ein nahes Wäldchen auf- gesucht, ein Schuß siel, Hinzueilende fanden die Leiche. Di« An- nähme: Franktireur! lag damals nahe. In Wahrheit aber kennt man den Schützen. Es war der belgische Jäger zu Pserd Jacques Rousieau vom 4. Regiment Chasseurs a cheval, der, von seiner Truppe abgekommen, auf der Flucht vor den Deutschen in jenem Gehölz steckte und die Gelegenheit benutzte, als er einen preußischen General ohne Begleitung in seine Hände gegeben sah. Er kam auch glücklich durch, wurde für sein« Tat belobt, erhielt sogar den Leopoldsorden und fiel im September 1914 bei Middelkerke. Ohne diese Feststellung würde der Fall des Generals v. B ü l o w weiter- hin als Beleg für die Tätigkeit belgischer Franktireurs dienen— wenn es doch sogar ein Reichskanzler a. D. berichtet! Gehörte aber- das deutsche Weißbuch von 1915. das durch alles andere als klassische Zeugenaussagen deutscher Offiziere und Soldaten den Franktireurkrieg in Belgien beweisen wollte, lediglich zur Kriegspropagandaliteratur, ist also heute Mokizlawr, so steht es anders mit einer kleinen Schrift, die Oberleutnant a. D. A. F o n ck unter dem Titel »Schrotschüsse in Belgier». Di« Ergebnisse einer Untersuchung über die Franttireursrage" im Verlag Georg Stille(Berlin) soeben herausgibt. Wenn der bei- siegende Waschzettel des Verlegers auch den Mund gewaltig voll- nimmt, ist der Text der Arbeit selber sachlich und nüchtern gehalten, und der Hauptteil, die Liste von 128 deutschen Soldaten, die noch den Lazarettpapieren durch Schrotschüsse in Belgien verwundet wor- den waren, oersehlt auf den ersten Blick ihren Eindruck nicht. Aber, wie Dr. Eugen Fischer in der„Dossischen Zeitung" sagt,«ine„endgültige Feststellung", die„keiner Diskussion mehr unterworfen" ist? Nein! Selbst anscheinend öffentliche Tatsachen aus dieser Sphäre halten ruhiger Nachprüfung nicht immer stand. Wer erinnert sich noch der D u m- D u m- G c s ch o s s e, die Ende August 1914 in den Kasematten der sranzösischen Festung Longwy kijtemveis« gejundeu wurden? Auch das erschien als«tndgültige Feststellung",„keiner Diskussion mehr unterworfen", denn die Pa- tronen mit dem an der Spitze ausgehöhlten Geschoß wurden nicht nur auf Photos, sondern in vielen Städten auch in natura der Oeffentlichkeit vorgeführt, die Leitartikel schäumten vor Entrüstung über die französische Hundsgemeinheit, und Wilhelm II. appel- lierte mit einem pathetisch empörten Telegramm an den Präsidenten de? damals noch neutralen Vereinigten Staaten. Einzig die Schieß- unterossiziere lachten, wenn sie diese„Dum-Dum-Geschosse" zu Gc- ficht bekamen; sie kannten auch vom deutschen Schießstand die so- genannten„optierten Patronen", Zielmunition, deren Geschoß aus ballistischen Gründen durch Aushöhlung der Spitze eine be- grenzte Flugbahn erhalten hatte. Es wurde denn auch sehr bald sehr still von den sranzösischen„Dum-Dum�eschossen". So wirft auch die Herausgabe der Fonckfchen Liste die Frage auf: warum so spät? warum erst 19Zl stall 1914? Wäre es nicht in den ersten Wochen des Krieges Aufgabe der Trup- pen- und Lazarettärzte gewesen, ihre vorgesetzten Dienststellen dar- auf hinzuweisen, daß sie Verletzungen durch Schrotschüsse in Fülle zu behandeln hätten und daß die Sammlung, Bearbeitung und Ver- ösfentlichung dieser Fälle von großer Bedeutung sei? Aber wenn die Militärärzte schwiegen, wahrscheinlich, weil ihnen die Ver» letzungen durch Schrotschüsse wegen ihrer Seltenheit nicht auffielen. so entstand doch schon 1915„eine umfangreiche, nach Zeiten und Oertlichkeiten gegliederte Aufstellung über Tötungen und Verwundungen deutscher Soldaten durch Schrotschüsse auf Grund mühseliger Nachforschungen der Militäruntersuchungsstelle für Verletzungen des Kriegsrechts im preußischen Kriegsministerium". Woher wir das wissen? Von niemand anderem als Herrn A. F o n ck selber, der es in Nr. 458 der„Berliner Börsenzeitung" vom 1. Oktober 1929 nütteilt. Leider aber verrät er nicht, was zu wissen nicht unwichtig wäre, ob die List« in seiner Schrift das Ergebnis der„mühseligen Nachsorschun- gen" jener Untersuchungsstelle oder das Resultat eigener Nach- forschungen ist. Doch so oder so, die Ernte ist etwas mager: auf der beigegebenen Karte Belgiens sind 45 Orte kenntlich gemacht, in und bei denen deutsche Soldaten durch Schrotflinten und ander«„zivilisierte Waffen getötet oder verletzt wurden, und dann nur 128 aktenmäßig nomhaft zu machende Fälle? Immerhin entfallen von diesen Verletzungen 18 auf Löwen und 51 auf Dinant, so daß der Schluß erlaubt scheint, es sei hier wie dort zu erheblichem Widerstand der Zivilbevölkerung gekommen. Aber leider läßt die Liste nicht erkennen, wie oft die Angaben dem Hauptkrankenbuch eines Lazaretts, wie oft sie dem Krankenblatt einer Lazarettstation entstammen. Das ist nämlich für die Beweiswürdigung zweierlei. Während in das Krankenblatt der behandelnde Arzt den Befund der Verletzung ein- tragen und fortlaufend ergänzen läßt, stellt das Hauptkrankenbuch lediglich zu Verlvalwirgszwecken«in Verzeichnis aller Lazarett- insassen dar, zwar auch mit Angabe der Verwundung, aber nicht nach Diktat eines Arztes, sondern sehr oft auf Grund subjektiver Aussagen des Eingelieferten. Die Eintragungen des Haupt- krankenbuchs, das keine ärztliche Urkunde ist, ent- behren daher für die Art einer Verletzung durchaus der Beweis- kraft. Daher klipp und klar die Frage: Wieviele von den Angaben Foncks sind auf Krankenblätter, also auf ärztliche Zeugnisse, zurückzuführen? Untrüglich freilich sind auch Krankenblätter nicht. Stellt die Röntgenaufnahme wirkliche Schrotkörner in einer Wunde fest, gut. Aber von solcher Röntgendurchleuchtung ist nur bei 5 der 128 Fälle die Rede. Sonst bleibt bei dem Befund Schrotschuß alle- mal die Möglichkeit, daß ein Insanteriegeschoß oder Sprengstück eines Artilleriegefchosses, auf harten Stein oder Metall aufschlagend, zersplittert und zerspritzt und dann eine Verletzung hinterläßt, die einer Verwundung durch Schrot täuschend ähnelt: zu diesen zahlreichen Fällen zählt z. B. sogar trotz Röntgenaufnohmz der Grenadier Beeger, in der Liste Nr. 6, von dem es heißt: „Spätere Durchleuchtung ergibt zahlreiche Bleisplitter von großem Schrot," denn Bleisplitter sind eines und Schrot kugeln sind ein anderes. Wieviele der angeführten 128 Fälle bleiben also wirtlich zweifelsfrei und beweiskräftig übrig? Die Ausführungen Foncks erlauben es nicht zu sagen. Aber selbst wenn alle 128 Fälle über jeden Zweifel erhaben wären, widerlegte gerode das die Annahme eines planmäßigen Franktireurkrieges, denn aus welch unheilbaren Idioten müßte die belgische Regierung zusammengesetzt gewesen sein, um ihre Freischärler gegen ein modern bewaffnetes Riesenheer mit Schrotflinten, mit Vogelflinten auszurüsten! Und selbst wenn alle 51 Fälle von Dinant stimmten, gehörte es dann auch zu dem„einfachen Gebot der Selbsterhaltung", von dem Herr F o n ck spricht, daß sich unter den in jener Stadt er- schossenen 574 Zivilisten 25 Greise und 12 Greisinnen von über 70 Iahren, 64 Frauen sonst und 38 Kinder unter 15 Iahren be- fanden? Und wenn es mit den 18 Fällen von Löwen seine Richtig- keit hätte, war es dann auch in der Ordnung, daß unter den 209 er- schossenen und sonst getöteten Einwohnern dieses Ortes 8 Greise von mehr als 70 Jahren, 21 Frauen und 11 Kinder waren? Und wie steht es mit T a m i n e s, von dem F o n ck nicht einen einzigen durch Schrotschuß verletzten deutschen Soldaten anführt und wo 257 Zivilisten, darunter Greise von 84, darunter Knaben von drei- zehn Jahren, ohn« Untersuchung, ohne Urteil, zusammengeschossen wurden? Der Durchstoß der deutschen Heere durch Belgien hat an die 5000 belgische Zivilisten das Leben gekostet. Franktireurs oder nicht— wie viele oder wie wenige da- von sind auf Grund eines noch so summarischen kriegsgerichtlichen Verfahrens füsiliert worden? Für Herrn F o n ck, der ja anscheinend die Akten zur Verfügung hat, wäre diese Zusammenstellung«ine dankenswerte Aufgabe. Bis dahin mag man feine Schrift„Schrotschüsse in Belgien" gewiß nicht leichtherzig beiseite schieben, da sie zum Nachdenken an- regt, aber sie beweist noch long« nicht, was sie beweisen will. Si« kann nur neben anderem Material als Erörterungsstoff dienen, wenn sich doch einmal Belgier und Deutsche, die beide guten Willen» sind, unter Leitung eines Neutralen gemeinsam an einen Tisch setzen, um durch leidenschaftslose Aussprache unter Zuziehung namentlich psychologischer Sachverständiger das leidige Thema des angeblichen Franktireurkriegs wo nicht zu erledigen, so doch zu entgiften. Hermann Wendel. Bilder aus USA. Der Rückstrom Vor einigen Jahren haben die Vereinigten Staaten von Amerika ihre Einwanderungsziffer stark herab- gesetzt, wobei Deutschland nur noch eine Quote von etwa 25 000 im Jahre erhielt. Seit dem ungeheuren Anioachsen der Erwerbs- losigkeit auch im Lande des Dollars ist es jedoch fast unmöglich, überhaupt noch hinüber zu gelangen. Die Quote wird heute schon lange nicht mehr erreicht, es besteht kaum noch eine Wartesrist, aber jeder sich Meldende muß den Nachweis erbringen können, daß er in Amerika auf keinen Fall der öffentlichen Hand zur Last fallen wird. Praktisch wandern heute nur noch besonders angeforderte S p e z i a l- a r b e i t e r aus. Ist so die Einwanderung nach Amerika fast gänzlich gedrosiell, so besteht in diesen Sorgenzeiten des amerikanischen Arbeits- Ministeriums aus der anderen Seite das Verlangen, möglichst viele der Arbeit und Brot heischenden Menschen wieder loszu- werden. Die leichteste Handhabe bietet sich dabei gegen alle illegal im Lande Weilenden. Die Zahl der ungcsetzmäßig nach Amerika Gekommenen wird h�ute aus etwa 400000 ge- schätzt, von denen 300 000 durch besonderes Gesetz geschützt sind, weil ihr„Verbrechen" bereits vor 1924 liegt. Die übrigen 100 000 aber schweben in der dauernden Gesohr, deportiert zu werden, trotzdem die meisten von ihnen verheiratet sind. Kinder haben und oft sogar in guten Stellungen sitzen. Aber gerade das kann ihnen zum Verhängnis werden. Da es keine Meldepflicht in Amerika gibt, ist ja an sich eine Kontrolle sehr schwer möglich. Dafür schwellen die Denunzierungen um so mehr an: Kollegen, die den Arbeitsplatz des anderen haben möchten, mißgünstige Nachbarn oder verärgerte Verwandte, für alle ist die leichteste Art der Rache, den Unglücklichen der Einwanderungsbehörde zu melden. Daneben aber werden förmliche Razzien in den Gebieten abgehalten, in denen man glaubt, solche Delinquenten fassen zu können. Die Seemannshäuser in der Bowcry von New Äork und die deutschen Heime in Hoboken, Festlichkeiten der verschiedenen Völker— und die besonderen Einwandcrerviertel New Jorks werden von Spezialdetektiven des Arbeitsamtes durchsucht und jeder, der sich nicht ausweisen kann, nach dem überfüllten Ellis Island gebracht. Außerdem können nach einer neuen Ver- ordnung Arbeitslose, die keinerlei Einkommen haben, die k o st e n- freie Rückfahrt in ihre Heimat bekommen, wenn sie es be- antragen. Bekanntlich beträgt die Höchstzeit, die ein Nichtamerikaner im Ausland verbringen darf, ein Jahr, anderenfalls er ein neues Einwanderungsgesuch stellen muß. Wer ober auf Kosten des Staates einmal zurückgeschickt worden ist, der wird nie wieder zuge- lassen werden. Man sieht also, der amerikanische Staat läßt sich die Sache etwas kosten, und wenn heute schon die Zahl der monatlich Deportierten 1500 beträgt und in Zukunft noch sehr viel größer sein wird, dann ist zum ersten Male die Tatsache zu ver- zeichne«, daß die Auswanderung größer ist als die Zuwanderung. Amerika, das Land, das vor wenigen Jahren noch als Paradies der ewigen Prosperität gefeiert wurde, lehnt nun die Verantwortung für die Menschen ab, die halsen, den ungeheuren Reichtum zu schassen und versucht, möglichst viele der überflüssigen Hönde los- zuwerden. Wer nun immer noch behauptet, der Kapitalismus vermöge den höchsten Glllckszustand der Menschen hervorzubringen, der schaue sich das Elend und die Not der in den Sammelstellen wartenden Deportierten an, die Qual der zerrissenen Familien und die moralisch verderbliche Möglichkeit, einen sonst einwandfreien, irgendwie mihbeliebigen Menschen durch Denunziation ins Unglück stürzen zu können. Karl Moeller. Händeringend spricht der Mann... Die wirtschaftliche Depression im Lande der kapitalistischen Hoch- bürgen verschärft sich. Da Helsen keine optimistischen Gesänge aus dem Weißen Haus. Am meisten betroffen von der Krise sind natürlich Arbeiterschaft und M i t t e l st a n d. Sie haben ihre Ersparnisse(Aktien) verloren. In den Kreisen des Klein- bllrgertums kracht es auch an allen Ecken. So sollte es scheinen, daß das ganze amerikanische Volk unter der Krise ächzt. Und doch... Es gibt einzelne Menschen, für die die Not der Millionen ein sehr gutes Geschäft ist! Die T r u st s und Großbanken kaufen einen Kleinbetrieb nach dem anderen aus. Die Beherrscher der Wallstreet, die Riesenbanken und Riesen- trusto, haben an der Krise nur gewonnen. Die Depression hat ihre Stellung über die Volkswirtschaft nur gefestigt! Die Banken und großen Maklerfirmen machen Geschäfte wie noch nie! Dabei sind gerade die Großkapitalisten diejenigen, die am meisten jammern. In unzähligen Interviews schreien die Dollar» könige ihre„Not" in alle Welt. Ein amerikanisches Blatt sd)rieb: „Zwei satte Wallstrcctmillionäre jammern lauter als 1000 hungrige Arbeitslose!" Die goldschweren Herren sind van einer Panik er- griffen. Oder tun sie nur so, um ihre glänzende Lage zu ver- decken? Ein schwerer Dollarmillionör kommt nach Berlin. Stöhnend, seufzend und jammernd beschreibt er seine Lage... Jedes dritte Wort: Ruin... Ruin... Händeringend spricht der Mann: „Ich bin erledigt... ruincrt... Meine Villa in Miami mußte ich verkaufen... Ach, die Hotels in Berlin ermorden mich mit ihren Preisen..." Eine halbe Stunde später hört man, daß der Aermst«(an dessen Händen die Brillanten blitzen) von seinen 15 Millionen ganze 2 Millionen verloren hat und jetzt wieder gute Geschäfte macht' Rüin... Ruin... mit 13 Millionen Dollar in der Tasche! Natha« Gnrdus BerZirj sendfei; 'Hörbilder von Stadien Die Welt ist klein geworden. Im Flugzeug, Auto und Schnelldampfer dauert eine Reise um die Erde mir noch Tag«. Es gehört dazu nichts weiter als ein recht großer �Geldbeutel, und vielleicht nur deshalb ist dieses Weltumjagen noch nicht große Mode geworden. UTA. Bei den Weltreisen, die das Ohr vermittest, kann Technik zu einem herrlichen Wunder werden. Menschen erreichen mit ihrer Hilfe ferne Orte; vom Lande, aus dem Wasser, aus der Lust trägt die Elektrizität ihre Stimmen in alle Himmelsrichtungen. Wir haben oft solche Stimmen zu uns dringen hören, aber ohne das geringste staunende Erschauern, nur mit einem Gefühl von Unwillen und Langweile, weil bei diesen Wellreisen die Technik nicht Mittel, sondern Selbstzweck wurde. Berlin schickte einen Reporter nach Amerika. Er stand, selbst mit dem schnellsten Beförderungs- mittel noch durch Tage von uns getrennt, jenseits des Ozeans. Er ging durch fremde Städte, überblickte sie von erhöhten Punkten, sprach mit Vertretern des Landes und die Wort« sprangen über Tage hinweg an unser Ohr. In rasendem Tempo eilte die Welt an uns vorüber: aber die Welt war zur gemalten Kulisse geworden. Ein buntgedrucktes Anschauungsbild hätte dieselbe Reportage er- möglicht, dieselben ungeistigen, unlebendigen Berichte. Ein Mensch, der auch in dem fremden Land nur sich selber fühlle und begriff, konnte von diesem Lande und seinen Menschen nichts aussogen, konnte ihnen auch keine charakteristischen Stimmen entlocken. Einmal besuchten deutsche Sänger Amerika, und aus Washington klangen ihre Lieder nach Deutschland herüber. Ein amerikanischer Sprecher brachte die sachliche und doch von der phantastischen Stimmung des Augenblicks erfüllte Ansage. Die Uebertragung dieser wenigen Worte und der Lieder wurde ein Crelbnis für den deutschen Hörer; Ferne rückte fühlbar nahe, und die Welt wurde für Minuten eine helle, übersichtliche Wohnung. Wien. Das Auge, das Ohr berichtet, was scheinbar ist. Der Geist nur kann erfassen, was wirklich lebt. Rur diese lebendig« Wirklichkeit ist wichtig. Eine Reportage, die äußere Eindrücke nicht geistig ver> daut hat, bleibt leer, kraftlos. Leider sind aber gerade solche Reportagen eine Spezialität des Berliner Senders. Der Bericht, den er von seiner Residenzstadt nach Wien sandte, war ein Musterbeisp>el dafür. Die Bilder, die er auswählle, hätte sicherlich auch ein Spießer aus der finstersten Provinz als Ansichtskarten nach Hause geschickt: das Brandenburger Tor: Schrammelmusik im historischen Keller von Lutter und Wcgner: der Fußballer aus Königsberg, der jetzt auch in Bertin lebt; der Platz an der Gedächt- niskirche aus der Vogelperspektive. Alfred Braun versuchte, auf dem Brandenburger Tor etwas von der wirklichen Berliner Atmosphäre einzufangen: später macht« ihn die sinnlose Reportagehetze völlig aufnahmeunfähig. Er hat früher aus kleinen Kneipen, aus charakteristischen Winkeln und Stadtvierteln so herrlich echte Berliner Bilder zu geben verstanden, die in allen Hörerkrcisen helle Begeisterung weckten. Berliner Menschen von heute und von gestern lebten, atmeten in diesen Szenen. Wollte oder durfte er sich nicht auf diese Reportagen besinnen? Außerdem aber versagte bei diesem Berliner Bericht die Technik, deren Fortschritte die Berliner Funkstundc den Hörern sonst so gern und selbstbewußt als Selbst- zweck vorführt: ohne beweglichen Kurzwellensender ist bei den räiivstichen Entfermingen solche Weltstadtreportage go< nicht möglich. Königsberg. Einige Zeit darauf bekamen die Berliner Hörer durch ihren Sender Königsberg vorgeführt. Wir haben schon früher bei solchen Stadtbildern darauf hingewiesen, daß es unmöglich ist, aus Erinnerungsbildern eine Stadt so lebendig zu machen, wie das für solche,« Querschnitt nötig wäre. Erinnerungsbilder sind es aber nur, von denen ein Reporter spricht, der auf eine nachtdunkle Stadt herabblickt. Er muß bei Tage, wenn er sie wirtlich Übersicht, von ihr reden. Damit solche Bericht« möglichst vielen Hörern zugänglich sind, müßten sie am Sonnabend- oder Sonntagnachmitag gegeben werden, je nachdem, an welchem Tage der Charakter der Stadt sich am besten erfassen läßt. Die wichtigsten Punkte aber jeder Repor- tage müssen sein: die Menschen der Stadt, die städtische Wirtschasts- läge und Wirtschaftsführung, Landschaft und Bauwerke. Die Bedeutung der Einzelheiten wird für jede Stadt, entsprechend ihrer Eigenart, verschieden groß sein; immer aber wird an der Spitze ollxr Fragen die nach den Bewohnern stehen. Die Königsberger Reportage jedoch wurde aus einer Stadt ohne Meeschen gegeben: zwar war einmal von Arbeitslosen die Rede, aber sie wurden nicht als lebendiger Teil der Stadt zitiert, sondern nur als Belastung für den Stadtsäckel. Sonst erfuhr man, daß Königsberg ein altes Stadtschoß hat und eine Kirche mit einer Orgel und den Gräbern frommer Menschen, die vor Jahr- Hunderten gelebt haben und deren Namen und Lebensgefchichte ein Geistlicher trotzdem noch alle zu berichten wußte. Es waren viele fromme Menschen und der Bericht dauerte darum ziemlich lange Zeit. Vorher hatten olle möglichen führenden Persönlichkeiten die Programme ihres Ressorts aufgesagt, was nicht so spannend war wie die Lektüre vom Baedeker und von offiziellen Werbeschriften. Niemand, auch der aufmerksamste Zuhörer nicht, hat durch diese Veranstaltung wirklich etwas von Königsberg erfahren. Nur als völlig unzugehöriges Nebenher konnte er eine Sekunde lang den Eindruck auffangen. Während des Jahrhunderte überfliegenden Berichtes vom Stadtschloh meldete sich plötzlich die totgesagte Geyen- wart: aus duinpfem Stmmiengeräusch löste sich deutlich vernehmbar das Wort„N i e d e r", was den Reporter aus der Vergangenheit zu der beiseiteschiebenden Berichtigung veranlahte, daß zufällig apf dem Platz vor dem Stadtschloß eine politische Versa mm- l u n g stattfinde. Kein Berliner Hörer hätte das sonst der Stadt dieser Reportage zugetraut. Wie hätte eine Reportage von Königsberg wirklich aussehen müssen? Am besten wäre es natürlich gewesen, ein geistig beweg- sicher Reporter wäre in stadtkundiger Begleitung mit einem Kurz- wcllensender durch die Straßen bis in die entlegensten Winkel gefahren: sonst hätte er diese Wanderung vor seinem Mikrophon- bericht unternehmen müssen und dann von einem erhöhten Punkt, der ihm das Stadtbild nach allen Seiten vor Augen führt, davon erzählen können, von dem, was er sah, von dem, was er erfuhr, erlebte. Und hätte er unterwegs Menschen gefunden, deren Mit- teilungen ihm besonders charakteristisch erschienen, und sie mitgebracht und vor das Mikrophon gestellt— Königsberg wäre den fernen Hörern sicherlich auf Augenblicke mindestens Wirklichkeit, miterlebte Wirklichkeit geworden. Mikrophonberichte aus wirtschaftlichen und geistigen Verwaltungsstätten der Stadt hätten die Reportage natür- sich ergänzen können, fruchtbar aber nur dann, wenn in ihnen dos Gestern und das Heute in ihrer Verbindung und in ihrer Getrennt- heit richtig erfaßt und bewertet worden wären. Die Bilder, die der Rundfunk von Städten und Landschaft geben kann, können einen der lebendigsten,, zeitoerbuvdcnstsn Teil des Funkprogramins ausmachen. Hoffentlich ringt sich auch die Berliner Funkftunde bald zu dieser Erkenntnis durch. Tos. fl&chls fragen des Tages Haftung fite xagesieberte Eigenschaften Ein Pferdehändler kaufte m Schleswig-Holstein eine größere Anzahl Pferde, die er nach Berlin transportierte. Unter anderem hatte er von einem Besitzer ein Pferd gekauft, der ihm die Zugfestigkeit des Tieres ganz ausdrücklich zusicherte. Als der Trans- port hier ankam, stellte es sich heraus, daß das betreffende Pferd nicht zugefest war. Der Pferdehändler teilte es dem Besitzer sofort mit und erklärte, daß er das Pferd ohne die zugesicherte Eigen- fchaft nicht gebrauchen könne, er verlange Rücknahme des Pferdes, Rückzahlung des Kaufpreises und Ersatz der Futterkosten. Der Be- sitzer verweigerte die Rücknahme mit der Behauptung, daß bei ihm das Pferd zugfest gewesen sei. Hierauf konnte es aber nicht an- kommen, da nach Z 459 Absatz 2 BGB. der Verkäufer auch dafür hastet, daß das Pferd zur Zeit des Uebergangs an den Käufer die zugesicherte Eigenschaft hatte. Der Pferdehändler erhob Klage und beantragte gleichzeitig eine gerichtliche Beweisaufnahme zur Sicherung des Beweises. Es wurden zwei Sachverständige ver- nonnnen, die übereinstimmend feststellten, daß das Pferd nicht zug» fest war. Um mm westere Futterkosten zu ersparen, wurde im ERi- Verständnis beider Parteien das Pferd öffentlich versteigert und der Erlös bei Gericht hinterlegt. Nachdem nun durch die Beweisauf- nähme festgestellt war, daß das Pferd zur Zeit des Ueber- ganges der Gefahr die zugesicherte Eigenschaft nicht gehabt hatte, kam der Beklagte plötzlich mst dem Einwand, daß das von den Sachverständigen untersuchte Pferd gar nicht das von ihm dem Kläger verkaufte gewesen sei. Dieser Einwand konnte aber durch den Sohn des Klägers einwandfrei widerlegt werden, denn der Be- klagte gab zu, daß fein Pferd einen kurzen Schwan.; gehabt hatte. Der Sohn betrindete, daß bei dem Transport, den fein Dater aus Schleswig-Holstein gebracht hott«, sich nur ein einziges Pferd mit einem kurzen Schwanz befunden hatte: alle anderen Pferde hatten lange Schwänze. Damit war die Identität des vom Beklagten ge- kauften Pferdes bewiesen und der Beklagte wurde zur Rückzahlung verurteilt. dl.rrgaretsie Falkenlcld. ©ic Stellung Minder j übrig ee Es ist an dieser Stelle die rechtliche Stellung Mindersähriger behandelt worden und es fei mir gestattet, die irrtümliche Pezeich- nung in der U e b e r s ch r i f t hiermit richtig zu stellen: es handelte sich bei den Ausführungen nicht um die Rechts fähigk.eit, sondern um die G e s ch ä f t s s ä h i g k e i t Minderjähriger. In dem Artikel ist auch darauf hingewiesen, daß ein Minder- jähriger im Rahmen und im Umfange eines Dienst- oder Arbeits- Verhältnisses, zu dessen Abschluß ihn sein gesetzlicher Vertreter er- mächtigt hat, Verträge rechtswirksam abschließen kann. Daß diese Bestimmung nicht allgemein bekannt ist, beweist ein Prpzeh, der kürzlich vor dem Amtsgericht verhandelt wurde: Ein Reichswehrsoldat hatte sich bei einem Geschäftsvertreter Wäsche im Werte von ungefähr 200 Mark bestellt. Auf Mahnung verweigerte er die Bezahlung mit dem Hinweis, daß er erst 20 Jahr« alt sei, also minderjährig und nicht geschäftsfähig. Der Fabrikant erhob Klage gegen den Soldaten, vertteten durch seinen Bater. da er als Minderjähriger nicht selbständig verklagt werden kann. Im Prozeß wendete der Vater ein, daß er seine Genehmigung zu der Wäschebestellung nicht gegeben habe. Hierauf konnte es aber nicht ankommen: die allgemeine Genehmigung des Daters. sich als Reichs- wehrfoldat zu verpflichten, berechtigte den Minderjährigen, über seine Löhnung selbständig zu verfügen. Die Löhnung erhielt er zur Be- streitung seiner Bedürfnisse und' hierzu gehörte auch die Wäsche. Er wurde zur Zahlung des Betrages verurteilt. dlarsaretbe Fallcenkelck. eBud\ Georg lleerlh In die Anfangszeiten demokratischer und sozialisüscher Entwick- lung in Deutschland führt ein Lebensbild zurück, das vor kurzem bei C. L. Hirfchfeld-Leipzig erschien. Es ist dem sozialistischen Dichter Georg Weerth gewidmet, dem Freunde von Marx und Engels, einem der ersten und sicher der besten Sänger des Prole- tariats. Ein Großneffe des Dichters, Karl Weerth, hat mit großer Sorgfalt und vieler Liebe den Familienfaistmlungen an Briefen und sonstigen Erinnerungswerten nachgespürt, in den Partei- und öffentlichen Archiven geforscht und das Gefundene mit der Treue eines guten Biographen verarbeitet. So entstand ein knappes, aber anschauliches Bild von dem Entwicklungsgange des bedeutenden Mannes, der die Reoolutionsepoche von 1848 mit heißem Herzen mit durchlebte, den aber ein allzu früher Tod schon im 34. Lebensjahre aus seinem Schaffen nahm. Georg Weerth, der Sohn eines Geistlichen aus Detmold, lebt i» der Geschichte der sozialistischen Bewegung als Freund und Mit- kämpfer der beiden Altmeister des wissenschaftlichen Sozialismus, denen er auch in der Redaktionsführung der„Neuen Rheinischen Zeitung"' als Feuillewnredakteur ein allzeit schlagfertiger Gefährte war. Die berühmte Abschiedsnummer dieser von- der preußischen Reaktion unterdrückten ersten sozialistischen Tageszeitung enthält auch eine fcharf-fatirifche Ansprache Weerths an die Frauen— ein Meisterwerk politischer Kleinkunst. Seine plastischen und formschönen Dichtungen sind hauptsächlich dem Leben und den Sorgen des Prole- tariats gewidmet, das er als einer der ersten unter den Poeten seiner Zeit mit den Augen eines sozialen Kritikers erfaßte. Was er auf englischem Boden— gemeinsam mit Friedrich Engels- an sozialem Elend in der Arbeiterklasse kennen lernte, gab chm kräftige Impulse zu flammender poetischer Anklage gegen das Gefellschafts- system, das solche Not mit bigottem Augenausschlag als unabwend» bar hinnahm. Seine„Lieder aus Lancafhire". die in vielen Lied- fammlungen der Arbeiterschaft wiederkehren, sind sprechende Zeugen von der inneren Empörung, mit denen der Sozialist Weerth diesem grausamen Gesellschaftssystem gegenüberstand. Das Lebensbild, dos Karl Weerth von seinem Großoheim zeichnete, bringt den Menschen und Kämpfer auch der neuen Gene- ration nahe, die Ursache hat, seiner nicht zu vergessen. K. 3)ie Snldeckung Jtfrikas „Das Geheimnis des Schwarzen Erdteils' von Willem I a s p e r t mit Vorwort von Hans Schomburgk(Verlag Rei- mar Hobbiny, Berlin SW. 61). Rund um sine Sammlung von 64 schönen Bildern, teilweise auch kulturgeschichtlich interessant, alle übrigens packend, steht ein Text von 90 Seiten. Da wird etwas über die Geschichte der Entdeckung Afrikas von Herodot, Lioingstone, Rohlfs, Em in Pascha usw. bis zu Schomburg berichtet. Wieso zcrode Schomburg, wird nicht ganz klar. Aber die Bericht« sind teilweise recht interessant gebracht, der Uebergang vom wirklichen ksivstüchea Forschungsreisenden zum modernen Filmmenschen ist geschickt ge- macht und am Schluß begreift man, warum gerade Schomburg: er hat ja die ersten Asrikafilme gedreht, hat den Kontinent mit Auto und Kamera(natürlich auch mit der Büchse) durchquert. Wie der Film selbst, so gibt auch das Büchlein einen scharfen kurzen Ueber- blick, der schlaglichtartig von Nechos Suez-Kanal bis zu Mittclholzers Uebe�liegung des Kilimandscharo geht. vr. Oömnicl. WAS DER TAG BRINGT «i!>liii»iii!i>ii>ii!li»iI»iiiIi»i>i>ii>iI«iIlMi>i!iiiIliiII»Ii!»Ni!»»«Ii>iIil>«i»»i>iiM»iI»Mi»»iNIiIiI»i>l»iiIIIiiII»IiII»»»»I!iIiMIUIMIiI»IIIiMIMMIi»M>MMI»IIMI»I«» ERZÄHLT VON YORICK Bauernballade Manchmal geschieht etwas, heute oder morgen und mitten unter uns, das hat den düsteren Glanz alter Balladen: und wenn die Zeit leiser wäre und hinzuhorchen verstünde aus so dunkle Klänge, dann würden diese Geschehnisse vielleicht nicht in einer Zeitungsnotiz ihre einzige, flüchtige, schnell vergessene Gestalt finden... Da war in einem Dorfe Ostpreußens ein alter Streit zwischen Bauern. Solch ein Streit schwelt Jahre hindurch und findet sich nicht hindurch zur Tat: und einmal, an irgendeinem gleichgültigen Tage, aus irgendeinem nebensächlichen Grunde, brennt er lodernd auf. Dieser hier zeugte bisher nur Prozesse, seit 1925: vor einigen Tagen jedoch fuhr der eine der Gegner zur Wohnung seines Feindes, schrie ihm Worte sinnloser Wut ins Gesicht und knallte ihn nieder: ihn und seine Frau. Dann schritt der Mörder aus der Wohnung und aufs Feld, wo er den Bruder des Verhaßten bei der Arbeit mit den Pferden traf: auch den erschoß er. Dann setzte er sich auf sein Rod und fuhr heim— wollte heimfahren. Wer konnte ihn hindern? Sein Feind, seines Feindes Weib, feines Feindes Bruder waren tot„ Rur seines Feindes Pferde— die lebten. Die lebten: und die waren scheu geworden durch die dreimal hallenden Schüsse: und als ihr Lenker zusammenbrach, gingen sie durch. Sie nahmen ihren Weg hinter dem Radler her. Vielleicht bemerkte der die Gefahr nicht: vielleicht vermochte er nicht auszu- weichen, aus irgendeinem seltsamen Zwang heraus—: jedenfalls überholten ihn die hinjagenden Tiere, rissen ihn mit seinem Rade zu Boden, verwirrten ihn in ihren Strängen, schleiften ihn mit sich— und blutend aus Wunden, die die Pferde des Ermordeten ihm geschlagen hatten, fand man den Mörder auf. Manchmal geschieht etwas, heute oder morgen und mitten unter uns, das hat den düsteren Glanz alter Balladen. Schauermär vom Goldgebiß Dies geschah im Ländchen Mecklenburg, im Städten Wismar: Es bekam eine brave Wismarerin Zahnschmerzen, und es eilte die Schmerzensreiche zum Dentisten. Und es stellte der Dentist von Wismar fest, daß fast alle Zähne der Braven bereits hinüber waren. und daß ein Gebiß aus Gold schlechterdings nicht zu umgehen sei. Und es gab sich die Dame seufzend darein, und es wurde das Gebiß oerfertigt und eingepaßt, und somit wäre denn alle» in Ordnung gewesen, wenn nicht etwas dazwischengekommen wäre, was viel berühmteren Leuten als der Pattentin und dem Dentisten von Wismar andauernd dazwischenkommt: nämlich die Wirtschaftskrise. Also sie kam auch hier, die Gebißbesitzerin konnte nicht zahlen, nicht in bar und nicht auf Stottern. Der Dentist ruinierte seine eigenen, angeborenen Zähne, so knirschte er mit ihnen, indes die Kundin mit seinen Goldzähnen aß und lächelte. Als weder Geknirsch, noch Zahlungsbefehle halfen, faßte der Dentist einen furchtbaren Entschlug, gigantisch und rönkeooll, würdig eines rabenschwarzen Theaterintriganten: Er schrieb der Patientin einen honigsüßen Brief, worin er ihr mitteilte, daß er an ihrem Gebiß noch etwas nachsehen müsse, und daß man sich über die Verrechnung des Gebisses schon einig werden würde. Die Patientin kam— setzte sich-- Und der Dentist griff ihr mit beiden Händen in den Mund, um ihr, um sein Gebiß an sich zu reißen, ihr auszureißen... Oh, er hatte gute Arbeit gemacht! So fest saß sein Gebiß, daß er es nicht ohne weiteres herausbekam. Und während er sich mühte, auf der Patientin kniete, sie würgte, rief sie um Hilfe, gellte mit seinem Gold, biß ihn mit seinem Gold— Und es kamen Nachbarn, und es wurde der Dame das Gebiß erhalten. Und es tagte das Gericht zu Wismar, und es erhielt der Dentist wegen Körperverletzung drei Monate Gefängnis. Aber sein Gebiß erhielt er nicht. Die Klägerin lächelte damit, während das Urteil gefällt wurde. Dies geschah im Ländchen Mecklenburg, im Städtchen Wismar. Prohibition und Haarwasser Nichts geht über die Gerissenheit einer amerikanischen Prohi- bitionsbehörde; es sei denn die Gerissenheit der Leute, die aus der Prohibition ihr Geschäft machen. Die Weisheit der Prohibitionsbehörde führte zum Beispiel gegenüber den Parfümfabriken zu folgendem System: Da zur Her- stellung des Parfüms, Haarwässern usw. Alkohol benötigt wird, wird ein bestimmtes Kontingent davon den einschlägigen Fabriken zur Verfügung gestellt. Dies Kontingent richtet sich nach der Menge der vorliegenden Bestellungen. Sehr einleuchtend, nicht wahr? Es fanden sich insgesamt drei Bootlegger-Firmen, die aus dieser Bestimmung eine Existenzmöglichkeit schaffen wollten. Die erste ver- wandte den Alkohol zu Schnäpsen und füllte den Schnaps in Parfüm- flaschen. Sie wurde schon nach einer Woche von alkoholseindlichen Friseuren verraten. Ihre Inhaber sitzen seit langem. Die zweite fälschte die Bestellformulare. Sie wurde nach einem Monat ausgehoben. Di« dritte aber stellte wirklich Haarwasser her und bot es den Friseuren zu einem erstaunlich billigen Preise an. Und wenn die Friseure trotzdem nicht bestellen wollten, dann oerschenkten sie sogar ihr Haarwasser. Je mehr, je besser. Dies Produkt ging glänzend. Die Firma wurde binnen kurzem führend in der kosmetischen Industrie. Sie wäre es noch heute— wenn nicht endlich, nach Jahren. die Prohibitionsbehörde auf den Einfall gekommen wäre, da» Haar- wasser der Firma mal auf seinen Alkoholgehall hin zu untersuchen. Das Ergebnis war gleich null. Nämlich es«nthiell überhaupt keinen Alkohol. Und mst ihrem riesenhaften Kontingent an reinem Sprit hotte die tüchtige Firma nicht die Haare, sondern die Kehlen ihrer Kunden geschmiert... Nun brummt auch diese Firma. Aber am Ausgang des Aefäng- nisjes warten ansehnliche Banknoten. Segel-' und Ruderregatten Schlufjiag der Freien Segler, Gruppe Ost- Ruder- und Kanu Wettfahrten in Brandenburg Der zweite und S ch l u ß t a g der Frühjahrsregatta der Gruppe Berlin»OstimFreienSegler-Verband.mitder Wettfahrt- bahn auf dem Langen- und Seddinsee, war weniger vom Wetter begünstigt. Kalt war es,„nieseln" tat es und flau war der Wind! Die Nordwestbriese in der Stärke von 2 bis 3 Sekundenmetern stand wenigstens noch einigermaßen durch, und das war das Wetter für die Leichtwetterboote, zugleich auch für die Raumschotsläufer, da nur die Strecke vom Start bis zur Rohrwallinselboje aufzukreuzen war, während die andere Strecke vor dem Wind, Raumschots und mit halbem Wind abgesegelt werden konnte. Da der Lange und Seddin- see, infolge des Wetters von anderen Booten nur wenig besucht war, boten die vielen Boote, die oftmals nur auf einen Schlag dahin- segelten, ein imposantes Bild. Von den 156 gemeldeten Booten starteten 131, und 125 Bvote gingen durch die Ziellinie. In der ersten Klasse mußt« der auf Hochtakelung umgetakelte Kreuzer„Slawi" allein über die Bahn gehen, da„Woglinde" nicht startete. Der das Feld führende ,Lris" in der 3ö-Quadratmeter° Nationalen-Kreuzerklafse mußte, durch einen Irrtum an der Boje, den Sieg an„Sommerliebe" abgeben. Der leichte Wind sprach für den Sieg von„Traum" in der 30-Lluadratmeter-Rennjachten-Klasse, während„Windhund" wieder den zweiten Platz halten konnte. Gleich nach dem Start führte„HoHiHo" das Feld der 20-Quadratmeter- Kielbootklasse bis zum Ziel in der Zeit von 2:35:26 Stunden. „Flamingo" tat das gleiche ohne Konkurrenz in der L-Klasse. Die am vorigen Sonntag gekenterte„Jenny" in der Nationalen-Binnen- jollen-Klasse war beim für sie richtigen Wetter in der Zeit von 2:13:06. Stunden das schnellste Boot der großen Bahn„Gazelle" m der 20-Quadratmeter-Rennjollen-Klasse führte diesmal das Feld in der Zeit von 2:21:59 Stunden.„Rakete" wurde mit einer Differenz von 2,9 Minuten zweiter dicht gefolgt von„Avanti". In der L-Klaffe holte sich„Filou" den Sieg. Jede Art von Wind scheint dem„Teufel", einem Neubau in der 26-Quadratmeter-Wanderjollen- Klasse, gut zu bekommen. Mit 21:16 Minuten Borsprung vor der „Friede!" holte er sich den ersten Preis. Bei den 15-Lluadratmeter- Rennjollen holte sich mit einem Vorsprung von 7:26 Minuten der an Leichtwettertechnik gewöhnte„Irrwisch" den Sieg, zweiter wurde „Blitz" und dritter„Schnulli".„Gazelle" und„Trotzkopf" teilten sich ohne Konkurrenz die Preise in der L-Klasse. Bereits auf dem Wege zum Seddinsee schälte sich das vierzehn Boote starke Feld der 15-Quadratmeter-Wanderjollen-Klasse heraus mit„Juwel II", „Lola",„Greif" und„Aare" in der Spitzengruppe. Die Reihenfolge in der Ziellinie war„Juwel II",„Aare",„Greif",„Wellenspiegel" und„Lola". Nur mit 2 Sekunden Unterschied gelang es„Juwel II" „Aare" in der Ziellinie zu schlagen.„Sturmgesell" machte es dies- mal in der ö-Klasse, während„Fiasko", das Feld der �-Klasse am vorigen Sonntag aussegelnd, diesmal eine Zeit von 2:44:55 Stunden benötigte, gegenüber„Juwel II" in der /�-Klasse mit 2:29:27 Stun- den. Den Weg zeigte auch„I 65" in der 16. Klasse seinen Konkurren- ten. In der 16-Ouadratmeter-Rennjollen-Klasse führte wieder „Silberbob" mit einer Zeit von 1:56:45 Stunden, gleichfalls wieder fchnellsies Boot der kleinen Bahn, vor„Windsbraut".„Ischi-Capa" versackte diesmal als Leichtwetterboot. Fast dieselben Preisträger weist auch die 16-Lluadratmster-Wanderjollen-Klasse auf. Dicht zu- sammen kamen die Boote„Annetin".„Seebär" und„Mucki" über die Ziellinie, während es bei dem Neubau„Wotan" mit 6 Minuten Abstand zum vierten Platz reichte. Bessere Zeiten hatte man aller- dings von den vier weiteren Neubauten erwartet, von denen„EM- mana" so hoffnungsvoll ins Rennen ging. Für den Sieg sprach die Zeit von„Pik Aß" in der L-Klasse. In der Ausgleichs-Kreuzer- Klasse machte„Minerva" vor„Kiek an" das Rennen. Die 15. Klasse der Ausgleichsjollen sah in der„Möwe" den Sieger, dahinter in Abständen von 8 und 6 Minuten„Tonida" und „Frigga" als zweiter und dritter Preisträger.„Nixe" in der 16. Klasse holte sich, die Distanzierung vom vorigen Sonntag als Warnung nehmend, den ersten Preis.„Ursus" kam mit 16 Sekunden Abstand auf den zweiten Platz. Den ersten Sieg kann auch die Wassersportoereinigung 1923 verbuchen durch„13" in der 17. Klasse. Eine gute Zeit segelte auch„Kismet" in der 18. Klaffe. Auf den zweiten und dritten Platz kam„Unser Stolz" und„Wildgans". In der 19. Klasse konnte sich„Möwe" vor Windsbraut" und„Ahoi" behaupten- Als Einzelgänger machte„Sirius" den Sieg in der 26. Klasse. Die 21. Klasse sah in„Fiduz" und die 22. Klasse in „Neptun" den Sieger. Zum Abschluß versammelte sich alt und jung in den schönen Räumen der Freien Vereinigung der Tourensegler Grünau. Bei den Klängen der Tanzkapelle stieg der obligate Seglerball, von der tanzbeflissenen Jugend dazu benutzt, diverse derbe Seemannssohlen auf das Parkett zu legen, während die im Sturm ergrauten See- bären ausgiebig die Zeit zum Klönen benutzten. W.T. Ausaleichstrnucr!„Slawi" 2:38,15.— 35 Quadratmeter National««remcr: Somnurlitbe" 2:36.11.— 30.Quaötalm«tci.9>nTt1a.:„islam.:n«o" 2:58,32.— Nat'-nal« Jolle»:„Ienna" 2:1»,«:._ 20.Ouadra!mct«r.R«nnjollkN, A.:„ffla- aelle" 2-21„50. B.:„ffitoir" 2:25,43.— 20�Ouadra�netcr»Want«r!oll«n-alasse: ItuW" 2:40,27.— IS-Quadranncl-r.Nknnjollcn, A.:„Irrwisch" 2:22,40. ß..(Sailen«" 2:34,10.— 13.Qua5ratmctct.®ar,i«rion«n, A,;„Juwel II" 2:29,27. b!: önirniocldl" 2:36,18.— 15-Lual>ralmrt« r»Kalbre uniollen:„Win84oiel" 2:32,15.— 10.Ouadra:m«t«r.Rennjo4len, A.:„SUbtrbob" 1:50,45. B.:„Ahoi 2'11 �7— lO-Ouadratmcter-Wanderiollen, A,:„Annelin" 2:00:08. B.:„Vit. As 2-22,31!— Ausaleichskreuner:„Minerva" 2:37,10.— Ausaleichsjollenkreuier: "öetAbuie* 2:5039.—«»soleichsjollnitreuder, 15.«lasse:„Möwe" 2:32:42. 16.«wss«:„Nirc" 2:42,40. IT.!< lasse:„13" 1:56,35, 18.«lasse:„Kiomet" 1:56,46 19.«lasse:„Mdwc" 2:02,42. 20.«lasse:„Sirius" 2:35,20. 21.«lasse: „ssidun" 2:06X13. 22. Klasse:„Nepiun" 2:21,33.— Sei den Ausaleichsboolen ist die berechnet« Zeit anaeoeben. .Auf dem Beetzsee fand die Regatia der Arbeiierruderer»iati Am gestrigen Sonntag fand in Brandenburg a. d. Sj. die 2. Ruder- und Kanuregatta, veranstaltet vom 1. Kreis der Freien Ruderer und Kanufahrer im Arbeiter-Turn- und Spori- bund, unter starker Beteiligung der Berliner Arbeiterwassersportler statt. In zehn großen Lastautos wurde um 7 Uhr früh am Bahn- Hof Zoo gestartet, und nach zweistündiger Fahrt durch Potsdam und dem in schönster Blüte stehenden Werder landeten die Berliner'n Brandenburg. Die 13 auegeschriebenen Rennen wurden bestritten von den Berliner Bereinen: Vorwärts, Eollegia, Butab, 1913er, FTGB.-Ruder. und Kanube�rk, Freie Kanuunion, Freie Faltboot- sahrsr. Schweifsterne. Frei« Wasssrfahrer Köpenick, Freie Schwiin- mer Charlottenburg Konuabteilung, Wasserjportabteilung Reichs» ban'.ler Schmarz.Rot'Gold sowie die Bereine au, Rathenow und Brandenburg. Der Arbeiterradiobund übermittelte durch Lautsprecher an die Zuschauer den Stand der Rennen. Da» Bcetzseeuser. da, Ziel der Regatta, mar von Zuschauern dicht besetzt. Solche Beteiligung weisen selbst die Bürgerlichen in Brandenburg nicht auf. wurde von unparteiischer Seite erklärt Im ersten Rennen starteten über 1060 Meter die Doppel. kajaks Kasse 4 mit fünf Booten Brandenburg, Rathenow, Freie Schwimmer Charlottenburg und Freie Kanuunion. Die Branden- burger gehen gleich in Front und sind nicht mehr einzuholen. Um den zweiten Platz kämpfen Union und Rathenow, letztere mit Er- folg. Im Einerkajak Klasse 9(Faltboote) fanden sich 6 Boote, der FTGB.-Kanu, Freie Faltbootfahrer, Schweiffteine Berlin und Rathenow, auf der 666-Meter-Strecke. Es war ein schönes flottes Rennen. In sicherer Position sührte Boot 1 der FTGB. Durch Verkcnnung der Strecke ging es jedoch seines sicheren Siege, verlustig und so wurde sein Vereinsgenosse Klingenberg der Ge- winner dieses Rennens. Der Doppelkajak Klasse 5 wurde in zwei Läusen ausgetragen. Der erst« Lauf vereinigte Avandenburg. Rathenow, Köpenick und Union, der zweite Brandenburg, Union. Schweissterne, FTGB.-Kanu und Reichsbanner. Im Schlußrennen konnte wieder Brandenburg den Sieg nach Hause fahren. Im Doppelkajak Aasse 5 für Frauen starteten vier Mann- schaften über 666 Meter; von den Berlinern Union, Schweifsterne, FTGB.-Kanu und Brandenburg. Ein harter Kampf entspann sich zwischen Union und Schweiffterne, letztere kamen jedoch ol, erste durchs Ziel. Im Faltboot-Do«ppeltajak trafen sich Rath.'- now, Brandenburg, die Berliner Freien Faltbootfahrer und Frei« Schwimmer Eharlottenburg. Mit 6 Booten ging Meses Rennen vom Start. Rathenow und Brandenburg gingen in Front und Brandenburg blieb Sieger. Der Einer-Rennkajak findet zwei Boote von Branden- bürg sowie Boote des Reichsbanners, FS. Charlottenburg und FTGB.-Kanu am Start. Reichsbanner ging vom Start an in Füh- rung und ließ sie sich auch nicht nehmen. Mit großem Borspruch ging Kruschel durchs Ziel. Das Eliterennen der KanU- fohrer war der Kanuvierer mit Steuermann. Brandenburg, Rathenow, Union-Derlin und FTGB.--Kanu setzten hier ihre besten Kräfte ein. Di« Brandenburger gingen gleich in Führung, Rathenow und Union drängten aber Hort nach, FTGB. fiel leicht ob- Zwischen Union, Brandenburg und Rath«- now entspann sich ein harter Bord-an-Bord-Kampf, der sich erst im Endspurt löste und mit dem Sieg der Rathenower endete. Di« Ruderrennen gingen über 1266 Meter. Im Doppel- zweier mit Steuermann starteten nur zwei Mannschasten von Vorwärts und Brandenburg. Ein Zweier von Vorwärts, der zur Regatta erwartet wurde, war auf dem Trebelsee vollgeschlagen. Das Rennen war von vornherein schon sür Brandenburg entschie- den. Ein sehr schöne? Rennen war der R i e m e n v i e r e r. Im ersten Lauf gingen Vorwärts, Eollegia und zwei Boote von den 1313ern an den Start. Die 13er lagen scharf in Führung, hatten aber zu schnellen Schlag und hielten nicht durch. Dorwäitz Boot 5 nahm ihnen den Sieg. Im zweiten Lauf fanden sich Vorwärts 6, Butab, Rathenow und Brandenburg. Vorwärts 6 machte hier den Ersten, der Vorein gewann auch gut im Endlaus. Die nächsten beiden Rennen waren S t i l r u d e r n der Frauen und Jugendlichen. Die alt« technisch gute Collegiamannschaft ließ sich auch gestern nicht den Sieg absprechen. Auch im Iugendstiliudern zeitigle Eollegia die meisten Punkte. Ein sehr scharfes Renn«)! fand im Doppelvierer zwischen Butab, 1914 und Brandenburg statt. Aeußcr'jt zähe kämpften alle drei Boote Bord an Bord. Keiner gab nach. Rur mit zweifünftel Sekunden konnte Butab im Endspurt gewinnen, gefolgt von Brandenburg. Das Haupt- und Schluhrennen war der Achter. Eollegia, Voiwärts und Brandenburg gingen in den Kampf. Brandenburg legte gleich am Start lo? und war nicht mehr zu holen. Vorwärts mußte den jahrelang gehaltenen Achter- sieg an Brandenburg abgeben. «flpurcnncn: Toppelkaiak«lasse 4; 1, Vranllenbura, 4:27 Min.: 2. Rathe» NOW 4:3«.— Eineriajal«lasse 9 IssaNiooN: I. ITTVB. 3:13,4 Min.: 2. ffrei« SaftbooWafiwt Berlin 3:26,4.— Tsppellaiai Klasse 5; 1. Lauf: 1. Brandenburg, 4:192 Min. 2. Sauf; 1. ssTGB. 4:21,4 Min. Endlauf: 1. 4:19 Min.: 2. Brandenbura 4:26,4.— Bopptllaiak«lasse 5, ssrauen: 1. Schweiffterne, 3:30,4 Min.: 2. ssreie flomi-Umon 3:32.— TaupeUajof«lasse 10(ssaltbooi); 1. Btanb;nbutn, 4:32,3 Min.: 2. Raihei an» 4:35,4.— Cinet-Olcnnloial«lasse 1: i. Reichsbanner, 2:57,4 Min.: 2. Brandenburg 3:36.2.—«anuvierer«lasse 7: 1. Ratbeuvw 3:67 Min.: 2. Stele Kanu-Union 3:58.7.— Ruderrenne»! Doppel- Sroeltt mit Steuermann: 1. Brandenburg, 4 SO Min.: 2. Vorwärts 4:45,2.— Rinnenvirrer: 1. Lauf: Vorwärts. 3:64,1 Min. 2. Lauf: Brandenburg, 3:58,2. Endlauf: 1. Vorwärts, 3:56 Min.: 2. Vorwärts 4:03,2.- Dovorlvierer: I. Birtab, 3:57.2 Min.: 2. Brandenburg 3:57,4.— Achter: 1. Drnndendurg, 3:37 Min.: 2. Vorwärts 3:39,4. Arbeiter~Rasenspiele tuuruLbajül/ Der Bezirk Nordost der FTGB. veranstaltete gestern«inen Werbespieltag, wozu er sich die beiden Männermannschaften aus Brandenburg a. d. H.<1. Abt.) verpflichtete Die 2. Männer- Mannschaft mußte eine Niederlage hinnehmen. Hier gewann Brandenburg 2 mit 7:3(3: 1) durch bessere Ballbehandlung. Bei den 1. Männermannschaften hatte Nordost Anwurf und konnte schon nach 5 Minuten das erste Tor schießen, dem aber Brandenburg nach 5 Minuten den Ausgleich entgegensetzte. Einige Minuten später waren es die Brandenburger, �ie wieder in Führung gehen tonnten, ober bald hatte Nordost ausgeglichen. Die Nordoster waren es dann, die das dritte Tor buchen konnten, mußten sich aber doch gefallen lassen, daß Brandenburg kurz vor der Pause ein Unentschieden her- stellte. War die erste Halbzeit ausgeglichen, so wurde in der zweiten Halbzeit Nordost allmählich überlegen. Nachdem Nordost das Resultat auf fünf Tore erhöht hatte, konnte Brandenburg sofort nach dem Anwurs den einzigen Erfolg der zweiten Halbzeit buchen. Bis zum Schluß war Nordost dennoch dreimal erfolgreich, so daß das Endresultat 8: 4 für Nordost lautet«. Bei Nordost war die Uneinig- keit im Sturm ein großer Nachteil. Brandenburgs bester Spieler war Halbrechts, der allen Situationen gewachsen war. In der Ber- teidigung war Brandenburg etwas hart und überschritt manchmal die Grenzen des Erlaubten. Internationaler Handboll. Die Auswahlmannschaft der Provinz L ü t t i ch weilte in Westdeutschland und zeigte dort sehr ansprechende Spiele. Die Ergebnisse sind: Freie Turnerschast Elberfeld gegen Lüttich 4: 2; Wuppertaler Sportklub gegen Lüttich 1: 6; Freie Turnerschaft Mettmann b. Elberfeld gegen Lüttich 4: 5. 'ARBEITER. TUSSBALL Das hatte wohl niemand von den tausend Zuschauern erwartet, daß es den Lichtenbcrgern gelingen würde, gegen Minerva zu gewinnen. Der Sieg Lichtenbergs war verdient, ohne jedoch von den Minervaleuten behaupten zu wollen, daß sie ihrem Gegner den Sieg kampflos überlassen hätten. Das Gegenteil ist der Fall. Die Neuköllner hatten bestimmt genau soviel Torgelegenheiten wie die Lichtenberger. Lichtenbergs kleiner Torwart hielt aber alles was auf den„Laden" kam. Dazu hatten die Schwarzweißen noch etwas Pech mit ihren Schüssen. Lichtenberg war glücklicher. In der 12. Minute beging Minervas Torwart den Fehler, dem Ball ent- gegenzulaufen. Lichterbergs Halblinker war aber schneller und sc» kam es zum ersten Treffer. Minerva war dann eifrig bemüht, den Vorsprung aufzuholen, fand aber bei Lichtenbergs Hintcrmannschast wenig Gegenliebe. Auch die Lichtenberger versuchten den Abstand zu vergrößern: es blieb jedoch bei den Versuchen. Erst in der zweiten Halbzeit gelang es Lichtenbergs Linksaußen nach einem schnellen Laus den Ball unhaltbar ins Netz zu jagen. Noch einmal hatten die Lichtenberger Gelegenheit, den Minervatorwart zu überwinden. Wieder war es der Linksaußen, der einen seiner scharfen Torschüsse los ließ, doch im letzten- Moment gelang es dem Torwart, noch den Ball zu erreichen. So blieb es bei dem 2:6-Resultatbis zum Schluß. Zu bemerken wäre noch die äußerst faire Spielweise beider Mannschaften, die wohltuend von den sonstigen Spielen, die die Vereine ausgetragen hatten, abstach. Mit Eiche- Köpenick scheint eine große Veränderung oorzu- gehen. Bei Beginn der Serie schritten die Köpenicker von Sieg zu Sieg: jetzt folgt eine Niederlage der anderen. Auch gestern mußten sie den W e i ß e n s e e r n mit 6:2 Sieg und Punkte überlassen.— Spandau 25 verlor erwartungsgemäß gegen Luckenwalde III mit 2:4, während Eintracht-Reinickendorf gegen Pankow mit 3:1 ge- wann.— ASV.-Neukölln schlug den Bezirk Osten der FTGB. hoch mit 8:1.— Britz 88 gegen Normannia 2:6.— Freie Scholle gegen Schwarz-Weih 4:1.— Union gegen Teltow 4:3.— Staaken gegen Werder 1:6.— Wilmersdorf gegen Eintracht-Spandau 8: 6. ttochey S V.- M o a b i t gegen F T G B.- T e ni p e l h o f 4:1(1:1). Das Spiel fand im Rahmen eines Spiel- und Wcrbetages in Bernau statt. Dem guten Boden entsprechend, kam ein flottes Spiel zustande. Die Tempelhofsr waren besonders vor der Pause, dank einer besseren Hintermannschaft und Läuferreihe, leicht überlegen. Trotzdem konnten sie das Führungstor von Moabit nicht verhindern. Der Ausgleich fiel alsbald daraus. Pausenstand 1:1. In der Nach- pausenzcit kamen die Moabiter mehr aus, sie hatten besonders nach dem zweiten Tor daß Uebergewicht— FHC.-Spandau gegen FTG B-Pankow 6:1(3:1). Sehr sicher und in gleichen Ab- ständen konnten sich die Spandauer erneut einen weiteren Sieg er- kämpfen. Die zweiten Mannschaften trennten sich 2:1.— ASV.- Wedding 1 gegen SV-Moabit 2 spielten 2: 2. Athleten im Weltkampf Ringen, Heben, Boxen in Moabit Es gehört schon zur Tradition der bundestreuen Arbeilerkrast- sportler Berlins, alle großen sportlichen Veranstaltungen im Moabiter Schützenhaus zu starten. Am Sonntag führte der Sport- llub„A l t- W e d d i n g 1883" einen Wettstreit im Heben, Boxen und Ringen, offen für alle Vereine des 4. Kreises, durch. Die Bc- teillgung war auch diesmal wieder außerordentlich groß: neben den Vereinen„Alt-Wedding",„Tegel".„Sparta",„Brandenburg". „Luckenwalde",„Lichtenberg-Friedrichsfeldc" war auch der neuge- gründete bundestreue Verein im 4. Kreis,„Teltow", am Start ver- treten. In sportlicher Hinsicht brachte das Sportfest beachtliches. Die ersten Treffen der Ringer wurden bereits am Vormittag ausgetragen. Besonderes Interesse beanspruchten die Kämpfe im Mittelgewicht, hier versuchten die beiden besten Höhne-Tegel und Wittkamm-LF. 64 dem Olympiaderinger Eckert-AW. den Sieg streitig zv machen. Eckert zwang den Tegler Höhne erst in der dritten Be- gegnung aus die Schultern. H. schied mit vier Verlustpunkten aus der Konkurrenz. Auch in den anderen Gewichtsklassen gab es in den Endkämpfen recht erbitterte und interessant« Gänge. Während die Jünger der beiden schwersten Klassen noch kämpsen, stellten sich die Gewichtheber an der Scheibenstange zum Wettstreit aus. Den prächtig trainierten Krastsportlern wäre zweifellos achtbares ge- lungen, aber da» kalte und unfreundliche Wetter ließ außergcwöhn- liches nicht zu. Starke» Interesse der Zuschauer galt am Nochmittag den Boxern, in flotten Kämpfen wußten die Akteur« zu kämpfen und zu siegen. Velnltate im Sinnen: Bantomnrwichl: 1. Rnb«(•3Jtanb'nbut#1, 5 Siene; 2£orc;r lAU-Wrdblnnl. 4 Siene. ffebetncmicbt; 1. Scöliibf»bern(Ali. Wcbdinn). 3 SiCflc; 2. SU. Süubcr lL.-ss. 04), 2 Sie,-.«. Leichinewi-lA: 1. Burk, harbt(L-.ss. Ol), 4 öiea«; 2. Pussle(AII.Webdina), 2 Sieot. Snlbschweeneinickli: 1. Sildebrnndt(Tegel): 2,«rrcklow(L�ls. 04) mit ie 1 Sieg.— Ergebnisse im Gewichtheben: Bautamgeiuicht: 1.«link(S.-d. 04) mit 320 Pfund, ffedergeuiichi: 1. Züerena, 180 Pfund. Leichtgeevicht: 1. Bräunig(A.-W.). 360 Pfunä. MiNeloemicht: 1. Potvlla. 260 Pfund Jönlbfchmerflettiichl: 1. Wall»» fcherk(£..ss. 04), 420 Pfund.— Sieger im Bare»: Bautamnewildt:). Bereut t (L.-ss. 04). ssedergewichl: 1. Gruvpe(L.-fF. 04). Leichlaewicht: 1.(SellrW) (li.-ssr. 04). Weurrnewicht: 1 Peeller(L.-ss. 04). Mittelgewicht: 1. Schriller (Tegel). Sall'fchwcegewich:: Peter iL.>17. Ol). Schwergewich!: 1. Reimer»(A.-W.). Berliner tiochschulstassel. Auf der 4,2 Kilometer langen Strecke vom Gebäude der Technischen Hochschule in Eharlottenburg bis zur Berliner Universität tum am Sonntag die Berliner Hochschulstafsel zum sechsten Male zur Entscheidung. Die Mannschaften lieferten sich einen erbitterten Kampf, der auf dem ersten Teil der Strecke ziemlich ausgeglichen war. Am Großen Stern erlangte die Deutsche Hochschule für Leibesübungen zum ersten Male die Führung, fiel später wieder bis auf 26 Meter zurück, aber das hervorragende Lausen von Engelhardt und Eberle sicherte ihr die endgültige Spitze und damit den Sieg mit 75 Meter Vorsprung vor der Uniocrsttüt und der Technischen Hochschule. Wassersport,« rein.ssraternit«»".(Auegefälieben« Eruppe he» Ruderklubs sseeihsit.) Booteha»»: Eeknee. Seesseasse, bei Rllbiger. Sitzung 21. Mai, „ssalikeuseein". Obeebaunidellite. k-lmmelfabet.» Uhr. ss-logaeuweilie im Tnctc- da us. Anrdilicftcui ssabei nach dem Peetzlee. Reue Mitglieder willkommen. ASS. Neptun, Verlin-Weihensee. Tienslag, 12. Mai. Abbaden, Bdeederger Strasse. Anbaben Seebad Weissenfee ssfieitag. 15 Mai. 18 Ilde. Anschliessend Beisammensein bei GrUndler. Uebungeftundeu ab 15. Ma! Dienklägs und sseeitaa» 18 Ubr flle alle Abteilungen im Seebab. Va d ea b»n n einen l s sind bei Walter«linaner sofort»u enwedmrn. Mr Manner 5,40 M. Jugend 4,05 M., Kindel 2,70 M Bonneeolag». 18 Ubr, Uebungoftunden ,m Sladion am Jaule» See. Gnmnastik, Spiele. ffreie Schwimmer eharlottenburg. Tienslaq, 12. Mai. 20 Uhr. Mannt»- uerfammfunn bei German, Kgiser-Ieiedrich, Ecke iftellnfteosse. Rndeeoerein Borwort», ssabrlennnsetzung für Sonnlag. 17. Mai, und Pfingsten ist Mittwoch, to. Mai. 20 Uhr, im Voolslmu». Keule, Montag. II. Mai, Schwimmwaetesttznog im Lokal von � Iaeuick:, «aiserin-Augusta-Allec 73. Bogt»» 20 Uhr. Lm Berliner Kohlenhandel. Oer Schiedsspruch angenommen. Den gleichzeitigen Wlauf des Lohn- und Manteltarifoertrags im Berliner Kohlengroß- und-kleinhandel wollten die Kohlenhänd- Zer dazu ausnutzen, um einen erheblichen Abbau der Löhne vorzu- nehmen und auch die übrigen Arbeitsbedingungen zu verschlechtern, insbesondere die sozialen Bestimmungen des Manteltarifs. In nraterieller Hinsicht hätte die Verwirklichung der Abbauforderungen der Kohlenhändler einen ungefähr Mprozentigen Abbau für die Kohlenarbeiter bedeutet. Der Schlichtungsausschuß fällte einen Schiedsspruch, der hinsichtlich der Neufestsetzung der Löhne zwar auf der„offiziellen" Linie liegt, die Arbeitsbedingungen jedoch im wesentlichen unverändert läßt. Die Löhne sollen ab 15. Mc-i bis Zl. August in allen Gruppen um S Proz. gesenkt werden. Die Forderung der Unternehmer, alle Arbeiter in Zukunft im Stundenlohn zu beschästigen, hat der Schlichlungsausschuß abgelehnt. Der Manteltarif soll in seiner alten Fassung bis zum 31. März 1932 in Geltung bleiben, mit Ausnahme der Bestimmungen für die Bc- zohlung bei Krankheit, die zuungunsten der Arbeiter abgeändert worden find. Neu ist die Bestimmung, daß der Lohn- und Mantel- tarif auch für den Kohlenfleinhandel gilt; ausgenommen von dem Lohnabkommen find lediglich die Kleinhandelsgeschäfte, die nicht mehr als zwei Arbeiter beschäftigen. Die Funktionäre der Kvhlenarbeiterbranche im GesamtverbanS hatten am Sonnabend in einer fünfstündigen Konferenz gegen wenige Stimmen beschlossen, der Branchenvollversammlung oie An- nähme des Schiedsspruches zu empfehlen. Für diesen Beschluß der' Funktionäre war in erster Linie die augenblicklich schlechte Kon- junktur im Kohlenhandel bestimmend. Die Unternehmer haben den Schiedsspruch abgelehnt und versucht, ihre Forderungen durch Anschläge in den Betrieben zu diktieren. 3n der Branchenversammlung am Sonntag im Gewerkschasts- Haus traten nur wenige„Oppositionelle" auf, die entsprechend ihren Instruktionen aus dem Karl-Liebknecht-Haus sich vor den tatsäch- lichen Machtverhältnissen die Augen verbanden und den Streik propagierten. Di« erdrückende Mehrheit der Versammlung beschloß jedoch, dem Schiedsspruch zuzustimmen, so daß der Gesamt- verband nunmehr dessen Verbindlichkeitserklärung beantragen wird. Bergarbeiter für JUihrschiedsspruch. Sie Revierkonferenzen am Sonntag. (Essen, 11. Mai. Gestern wurden im Ruhrbezirk Revierkonferenzen der am Tarif- vertrag beteiligten vier Bergarbeiterverbände abgehalten, die zu dem Schiedsspruch für den Rahmentarif des Ruhrbergbaues Stellung nahinen. DieRevierkovferenz des Bergbauindustriearbeiter-Verbandes Deutschlands beschloß mit großer Mehrheit, den von den Unternehmern abgelehnten Manteltarifschiedsspruch für den Ruhrbergbau anzunehmen. Bei dieser Entscheidung ließen sich die Berg- arbeiteroertreter u. a. von der Erwägung leiten, daß das Bor- gehen des Zechenverbandes bewiesen habe, wie sehr es ihn, darauf ankäme, die gegenwärtige Wirtschaftsnot zu einem rücksichtslosen Kampf um die Tarifrechte der Bergarbeiter auszunutzen. Im Hinblick darauf, baß der Manteltarif durch den vorliegenden Schiedsspruch in seinen wesentlichen Bestandteilen unverändert bleibe, erachteten die Delegierten es als ihre Pflicht, den Schieds- spruch anzunehmen. In gleichem Sinne entschieden sich die Konferenzen der drei an- deren Bergarbeiterverbände, des C h r i st l i ch e n Bergarbeiterver- bandes, des Hirsch-Dunckerschen Verbandes und des pol- nischen Verbandes. In allen Konferenzen kam die Unzufriedenheit der Bergarbeiter- schast über den Schiedsspruch selbst zum Ausdruck. Die ArbeiiszeitimBraunkohlenbergbau Verkürzung ab ilS. Mai. Leipzig, 11. Mai. Die zwischen den am Tarifvertrag im mitteldeutschen Braun- kohleubergbau beteiligten Gewerkschaften und dem Arbeitgeberoer- band getroffene zwischentarisliche Vereinbarung über die Arbeitszeit- Verkürzung wurde in einer hier abgehaltenen Revierkonferenz der Verbände mit 420 gegen 3 Stimmen angenommen. Damit ist der Arbeitszeitkonflikt im mittedeutschen Braunkohlenbergbau beendet. I Die Verkürzung der Arbeitszeit, die in den Tiefbaugruben durch- schnittlich eine halbe Stunde und in den Tagebaubetriebeu durch- schnittlich dreiviertel Stunden für die Schicht beträgt, wird am 18. Mai eintreten. Von dieser Regelung werden rund 60 000 Arbeiter erfaßt. Die Arbeitszeit im Tagebau beträgt fortab 814 Stunden— nach der Verkürzung(!)— und die Arbeitszeit unter Tage in den Kernrevieren 7% Stunden und in den Randrevieren 814 Stunden täglich. Es werden nicht mehr Schichtlöhne, sondern Stundenlöhne gezahlt. Wie der zweiter Vorsitzende des Bergbauindustriearbeiter- Verbandes, August Schmidt, ausführte, entfallen von der durch die Arbeitszeitverkürzung eintretenden Lohnkürzung auf die Gruben- Verwaltungen für den Tagebau ein Viertel, für die Arbeiter drei viertel. Die Lohnkürzungen je Schicht betragen für den Hauer, den bestbezahlten Arbeiter im Tagebau, je Schicht 45, im Tiefbau je Schicht 20 Pfennig. Anspruch auf Arbeitslosenunierstühung Zwei wichtige Senatsentscheidungen. Ein Arbeitsloser hatte verabsäumt, bei Stellung seines Unter- stützungsantrages einen Zuschlag für seinen Sohn zu for- dern, angeblich deswegen, weil der Aufnehmer des Antrages ihm die falsche Auskunft erteilt habe, daß für schulentlassene Kmder kein Zuschlag gewährt wird. Erst nßch einem halben Jahre habe er e» fahren, daß er doch einen Anspruch darauf habe. Auf Grund des nachträglichen Antrages auf Zahlung des Zuschlages bewilligte das Arbeitsamt zwar die laufende Zahlung, lehnte aber eine Räch' Zahlung vom Beginn des Unlerstühungsbezuges ab. Der Spruchsenat fällte die Entscheidung, daß der Zu- schlag nachzuzahlen ist. Durch unvollständige Angaben des Arbeits- losen werde der Umfang der Unterstützung nicht abweichend von den gesetzlichen Vorschriften begrenzt. Mit dem Antrag auf Arbeits- losenunterstützung sind grundsätzlich auch die dem Arbeitslosen zustehenden Familienzuschlöge mit beantragt. Die dreimonatige Ver- jährungsfrist komme hier nicht in Frage, da die Festsetzung des nicht beantragten Fannlienguschlages unterblieben ist. Auch liege in der Nichterwähnung eines zuschlagsberechtigten Angehörigen kein Verzicht. Ein Verzicht auf einen gesetzlichen Anspruch liege nur dann vor, wenn ein ausdrücklicher Verzichtwille gegeben ist. Nach dieser Entscheidung kann also ein Arbeitsloser die Nach- Zahlung eines Familienzuschlages auch für den schon abgelaufenen Teil der Unterstützungsperiode verlangen, wenn die rechtzeitige Be- antragung des Zuschlages aus irgendeinem Verschen unter- blieben ist. Der zweite Entscheidungsfall dreht sich darum, ob der Arbeits- lose bis zu seinem Todeslage Anspruch auf Unkerslühung hat, und ob dieser Rechtsanspruch zu vererben ist. In einem Falle hatte ein Arbeitsamt den Angehörigen die Auszahlung der Arbeitslosenunterstützung bis zum Todestage des Arbeitslosen verweigert. Der Senat verlangt die Auszahlung, da«ine Bestimmung über die Ver- Weigerung einer Unterstützung an die Erben im Todesfälle im Ge- fetz nicht enthalten fei. Aus dem Schweigen des Gesetzes könne aber nicht geschloffen werden, daß die Rechtsnachfolge in Unterftützungs- ansprüchen ausgeschlossen wäre. Sie sei grundsätzlich zu be- jähen.* Einen„Bunten Abend" am Sonnabend konferiert« Paul N o k o l a u s, und auch Maria Ney gab ein kleines Gastspiel. Mit Willi P r a g e r und der Lewis-Ruth-Iazzband zusammen sorgten sie für% Stunden Unterhaltung, deren Würze mindestens nicht ausschließlich in der Kürze lag. Der Sonntagabend brachte Puccinis„M ädchen aus dem goldenen W e st e n". Die knallige, auch musikalisch nicht besonders erfreuliche Oper mit ihrer Sensationsdramatik ist von den Bühnen rasch verschwunden. Auch im damals noch„Deutschen Opernhaus" in Charlottenburg hielt sie sich nur kurze Zeit auf dem Spielplan. Weshalb man sie für die GendeMhn« einstudierte, ist unverständlich. Glaubte man, sie mit Hilfe einer sentimental- kitschigen Einführung in die Handlung den Hörern schmackhaft machen zu können? Wenn man für ein problematisches Werk den Aufwand einer Einstudierung für die Sendebühne nicht scheut, so ist das ver- ständlich; auf Minderwertiges aber, zumal wenn von demselben Komponisten neben seinen populären» Opern auch weniger be- kannte wertvolle Werke zur Verfügung stehen, kann man wohl verzichten. Als„M ensch mit Büchern und Schallplatten" stellte sich diesmal Fred Hildenbrandt vor. Was er zu Gehör brachte, war nicht die Ausbeute einer müßigen Stunde, der Bücher und Platten in halb zufälliger Auswahl Inhalt gegeben hatten; es war eine Konzession. Nicht eine Stunde, die irgendwann einmal am Rande des täglichen Lebens lag, lief vor den Hörern ab, sondern ein Stück dieses Lebens selber. Hildenbrandt ließ einiges von dem erklingen, was ihm Liebe und Sehnsucht und was ihm Grauen bedeutet. Und weil dieses Grauen, die Erinnerung an das allzu nahe, von Massenmord erfüllte Gestern des großen Kriege? stärker ist als alle Liebe und alle Sehnsucht, deshalb mußte dieser Ton stärker werden als alle anderen. Eindrucksvoller, als es Hildenbrandt tat, konnte man nicht die Fratze eines frisch-fröhlichen Militärmarsches zeigen, dessen eigentlichen Sinn, Menschen in grausige Vernichtung zu Hetzen, noch immer viel zu viele vergessen. Von der Feier des 40jährigen Gaujubiläums des Deutschen Arbeiter-Sängerbundes wurde ein Ausschnitt über- tragen, der Chorgesänge und Rezitationen brachte. Tes. > Montag, 11. Mai. Berlin. 16.05 Prof. Dr. R. Olücksmann: Die wirtschaftliclie Bedentimr des Fremdenverkehrs. 16.30 Max Reier; I. Sonatine F-Dur, op. 89, Nr. 3(Elsa von Grave, Flügel;. 2. Lieder(Maria Seret van Eyken, AU). 3. a) Introduktion und Passacaglia, F-Moil; b) Toccata D-Moll, aus op. 59(Hans Priegnitz, Orgel), d. Lieder (Maria Seret van Eyken). 5. a) Improvisation, op. 18, Nr. 4; b) Walzer. op. II. Nr. 3; c) Humoreske, op. 20, Nr. 2(Elsa von Grave; Flügel: Bürger). 17.30 Die Sonne als Freund und Feind(Dr. med. Hans Hoske). 17.50 Aktuelle Abteilung. Ministerialdirektor Dr. Trendelenburg: Der neue preuDische Kirchenvertrag. 18.15 Kann und soll man in der heutigen Zeit reisen?(Charlotte Mühsam- Werther, Dr. med. Max Hirsch und Gerhard Buchholz.) 18.45 Mitteilungen des Arbeitsamts. 18.50 Sprechstunde vor dem Mikrophon. 19.10 Orchesterkonzert. Dir.: Dr. Helmuth Thierlelder. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Reportage ans einer Fabrik. Die Hebamme(Cläre Daniel, Halle a. d. S). Reportage aus einer Werkstatt. Reportage von der Heimarbeit. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. Könlgswusterhanse«. 16.00 Prof. Erich Hylla: Praktische Versuche zu einer Umgestaltung der oberen Jahrgänge der Volksschulen. 17 30 Hedwig Kepich-Overbeck. am Flügel Ernst Schauß: Aus Fritzchens Liederbuch. 18.15 Paul Spatz: Sahara. 18.35 Dr. Fritz Klein: Wechselbeziehung zwischen Innen- ond Außenpolitik. 19.00 Englisch für Anfänger. 19.25 Ritlergutsbesitzer Dr. Schurig: Die Pflcgearbeit der Saaten. Anschließend Ob.-Ing. Nairz: Viertelstunde Funktechnik. 20.00 Weichmann: Das heutige Rußland. 20.30 Belgrad: Achtes Europäisches Konzerf. Dir.: Stevan Hristic. I. Grinsky: Eindrücke aus dem Orient(Uraufführung). 2. Hristic: a) Vorspiel zum Oratorium„Auferstehung"; b) Zwei Tänze. 3. Lovro Matacic: Pre- ludium solomme(Uraufführung): Einlcitungsmusik zum szenischen Mysterium„Vigiliae", 4. Josip Slavenski: Bilkanofoniia. Wetter für Berlin: Wärmer, trocken und zeitweise heiter, mäßige Südwestwinde.— Für Deutschland: Im größeren Teil des Reiches beständiges Wetter mit Erwärmung, nur im Nordwesten leicht veränderlich. 20. Abteilung. Heute 20 Uhr Funktionärsitzung bei Pose. Koloniestraße 15. 37. Abteilung. Die heutige Funktionärversammlung fällt aus. Krankentransporte führen zu behördl. festgesetzten Preisen und für alle Krankenkassen K o p p' s ch e Kronkenwagen aus— Beftellungenannahme in den Apotheken oder Sammel-Nr. Ol— Norden 3422— kostenloser Bettennachweis— Tag und Nacht. VeranwortI filr hie RedoIf!on:.Serb»t SepMe, B-rlin: An,«Igen: Tb.«locke. Berlin. Setiaa: Vorwiirts Verlaa®. nt. b. S.. Berlin. Druck: BdtMtU Buch. druckerei und Verlagsanfiaft Baul Singer& Co.. Berlin SW«8. Lintenftrake 8. Kierzn 1 Beiloge. Wini-er ★ Garren* Programm h e rvorragend! * Dayelma-Ballett Original Pariser Cancan Kuban-Kosakcn'Chor Z Alvarez. Levanda. Bil u. Bil. Z Dakotas. Z Boods. Carl Braun CÄSINO-THEATEH Lothringer Strafte 37. iiiiMiiiiiHiimiiiiniiiiiiiiiiNiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiinii noch kurze Zeit! Graf Koks und der große bunte Teil. Ilgl Sommerpreise: Billig I 0.60. 0.75. 1.— Mk. bis 1.50 Mk. elntfrdlldn xnatfcel. Budtannadaer Haupfslelle: Berlin-NeuKölln, flermannsfr. 10 Am SOdauegang das U-Bahnhofes Hermannetraße Fernsprecher: NeakSIIo(PZ) 7771 und 7772 Telegrammadresse: Ansaferox-Berlin Nebenstellen: MeOpalast: Ritlerstr. 69. Leiter: Willy Zschleschc.— Belle-AIHance: Yoick- siraßc 69 Leiter: Erwin Vanehr.— Ctiausseesti.: Chausseestr 116, Lei'er- Otto Radke.— Wilhelmplatzi Charlottenburg, Berliner Str 79. Leiter: Max cor. nellus.— Kalserdarara: Charlottenburg, Kaiserdamm 21. Leiter; Q. Linde mano Wcttsobelne-werden In«nen AnnahmestcUen eingelöst 1 VolKsbühne Theater am BDIowplatz, 8 Uhr Die Ehe Staatl.Sdiiller-Tli. 8 Uhr Bürger Schippel Staatsoper Am PI. d. Republik 8 Uhr: Fidelio Lustspieltiaus Tägl. 8W Uhr Das Spiel mit dem Feuer. KurfOrstenaamm- Theater Bismarck 449 \ g'/s Uhr| Alles Schwindel tod Marcellus Schiffer. Musik von Mischa Spoliansky. bgit; CdsIiI Gründgnu Barnowsky-fiDtinei) Ttnicrla der sireuemaimsir. Täglich 8V. Gesfern u. Benfe Komödienhaus Täglich SVs Uhr Schwengels mit FeUxBressart und Rosa Valetti Imillg-IluM metropoi-itieater Täglich 8Vi Uhr Die Toni aus Wien MadF Christians, Michael Bohnen Merd.m Täglich 8V« Uhr Kurzes Gastspiel mistinguett mit ihrem eigenen Revueensemble Neues Theater » am Zoo■— AmBaMiIoo. Stpl. 6554 Täglich 8V. Uhr Ueber ISO Mal: uoruntersucitung von Max Alsberg u. Otto Ernst Hesse Reichshallen-Theater Allabendlich 8 Uhr Stettiner Sänger Das wunderbare MAI-PROGRAMM. Populäre Preise. Täglich 8V» Uhr Husarenfieber Guido Thielscher, Kastner, Rex, Colani Theater Im AdmiralsDalast Täglich S'h Uhr Der lustige Krieg Oehmann, Ahlers, Trautenhayn a. G. Deutsflies Ttteatei 8 Uhr Der Haopimann von RöDenidi v. Carl Zuckmayei Regie: Reim Hilgert Die Komödie SVi Uhr Dienst am Kunden ron Cuit Bois nad Mai Rainen Regie; HansDeppe — Elite-Sänger—• Kottbusser Str. 6 Täglich •>/« Uhr Jm der Liebs Vorher: Bio tnlkl. Solofell. KEMPIHSKI' GROSSES SCHAUSPIELHAUS Täglich 8 Uhr: Im WOIMOII RSWl. ia der Praiiireotatliaag aar aodi 3 Wodica Regie: Erik CharelL IKIODBl aßdtcntaiottaften „Brtmiffima", SDle. taHbettcn, Aufleor. mattaken, Sbaiie- lonnucs Wolter. Storuorberftroü« achtzehn. Rtingabcn «effel 23, 28, 35. 45, 49 M. Sirschowik, An- breoaftrohe 30. FahrrHer | uppuaiue 1 1 niiismu.06i8nfl| ahitifnnftriine aRuftfaufträac oller Art, auch En. fcmblrs und Orchester mit und ohne Kapellmeister per- mittelt oebllhrenfrei Mustkernochmeis, Bestelstroste 22. 0 Z Weidendomm 0017. iHsuliiesuclikI 150 aebrauchte Sobttäict, 15,-. 20,- 25,— 30,—. Mochnatp Weimneifterstr. 14. Ballonrenner, Ballontouren». Bol- lonhomen. Mofchi. neu 58.—, 65,—. 75,—. Orioinaf. Brennodor. Ballon. riider 85,-. Mach. now, Weinmeister- stro&e 14. ltahnaebiste, Matinabfiille. Queckstiber. Rinn- metalle, Silber. fchrnelite. Gofbfchmel. serei. Ehristionat. KSpenickerftraste 89 Kalteftell« Adalbert. krage. Ich hin S0 Zshrs sl» und fühle mich nach Gebrauch von 2 Flaschen Ihres Knoblauchsaftes sehr frisch und wohl. Der frühere starke Blutdruck ist bedeutend herabgemindert worden und auch der Druck im Kopf ist vollständig beseitigt. Ich schwöre auf Ihre Mittel und werde sie allen meinen Bekannten empfehlen. 25606 A. Schröder, Waldegk/Mecklbg. Ich bin 70 Jahre alt und litt an hohem Blutdruck, Auch konnte ich des Nachts nicht schlafen. Nach Verbrauch der ersten Flasche von Heller's echtem bulgarischen Knoblauchsaft verspürte ich Besserung. Es wird immer besser und ich habe wieder Mut zum Leben. Der Druck im Kopf hat schon nachgelassen und ich hoffe, daß sich bei weiterem Gebrauch mein Leiden ganz bessert 38703 H. Weiland, Berlin. 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