Morgeaausgave. Mittwoch OOGOG ■ LI WH W�rl■ I■ Mi WWW? �- Auswärts 15 pf. »inlchlikblich so Ps. Poshkilun z,. und �WI K-H WM W � W W W MW W //■ �■�9/ 7? Pf. Postdiftellgedühnn. Auiland-» I i p*— Sit rlnfpalt Rnr'rcNntl.� SO 7t «bonntmrnt 6,- m pro ÜRsnot; fäi V�H WI H H H Wl H W) H» I // Ktflamtjtilt J— 5iill.„Älftnt Än- tänber mit trmäSigtcm»tuifjodjtn. I DM DW jelpcn" dp» frttgedruckl« ÜCorl 25 PI. W. TrMH j�B■■ �B �B �B �B ��BjB�T/ tzuläslig zwei ltttgidrucklt«-«->> ,>-«>?, BM I|H W|B �B W t weit«» W°rt 12 VI. S>ad»It It. Tan,. EstäEk M M-W� � �M-G- M Fl ZSt-NBL T«M.�VaÄÄ�n�iaÄm: ää-«» VOMMOv VPWSMM» säSäm Jentraloegan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW ö8. Lindenstr. 3 kZernspiechcr: Tönhoss L92— 29? Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. V. Seit. Paris. 12. Mai.(Eigenbericht.) Noch ist von einem eigentlichen Wahlsieber am Borobenb der Präsidentenwahl nicht viel zu verspüren. Selbst in den Wandel- gängen der Kammer ging es nicht übermäßig lebhaft zu. Manöver der letzten Stunde gegen die Kandidatur Brionds sind bisher nicht zu verzeichnen gewesen. Nach wie vor ist der Optimismus der Anhänger Briands sehr stark, besonders bei den Sozialisten, die zwar nicht offiziell, ober falkisch die ursprünglichen und eigentlichen Vorkämpfer dieser Kandidatur sind. Dennoch wird heute abend mehr als gestern auch bei den Links- Parteien zugegeben, daß der Kampf bis zuletzt hart sein wird. Man hofft noch immer, ist aber dessen nicht ganz sicher, daß Priand schon im ersten Wahlgang mit der erforderlichen absoluten Mehrheit gewählt wird. Dos hängt davon ab, wieviel Stimmen der ebenso «itle wie steinreich« Kognakmagnat und Jeitungsbesttzcr ch e n- r e s s y aufbringen wird. �Manche meinen 10 bis 12, andere halten es für möglich, daß er 20 bis 23 Mann durch allerhand Gefälligkeiten für sich gewonnen hat. chenncssy handelt dabei teils aus Eitelkeit und Größenwahn, teils auch aus Bosheit gegen Briand. der sich vor Jahresfrist geweigert hat, ihn zum Botschafter in Berlin zu ernennen, weil er ihn. für diesen wichtigen Posten für unzuläng- lich hielt. Erzielt chennessy mit seiner Kandidatur im Verein mit den Kommunisten eine Stichwahl, dann ist vielleicht doch noch ein Betriebsunfall nicht ausgeschlossen. An diese choss- nung klammern sich D o u m e r und sein buntscheckiger Anhang, der aus einet Anzahl von persönlichen Freunden in der radikalen Äruppe des Senats, im übrigen aus der gesamten nationalistischen Reaktion besteht, einschließlich der wildesten Faschisten und Ronalisten. Die sogenannte Zngehörigkeil Donners zur Radikalen Partei ist in Wirklichkeit erst vierzehn Tage oll. vor etwa zwei Woche« soll er rückwirkend 8 Jahresbeiträge von se 12 Frauken, also Zollunion plus Zialien-Ltngorn? Wien schließt Verträge mit Itam und Budapest. Unmittelbar vor Beginn der Genfer Beratungen wird aus Rom gemeldet, daß in Verhandlungen, die der öfter- reichische Sektionschef Dr. Schüller dort geführt hat, eine„grundsätzliche Vereinbarung" über ein regionales Dreiecks-Abkommen zwischen Italien, Oesterreich und Ungarn zustande gekommen sei. Als Zweck der Verein- barung wird„die Steigerung des Güterverkehrs durch Krediterleichterungen im Warenverkehr und Transportwesen" angegeben. Man will durch bevorzugte Krediterleichterungen dasselbe Ziel erreichen, das man sonst durch Borzugs z ö l l e zu erreichen sucht. Da die Meist- begünstigungsklausel solchen Vorzugszöllen im Wege steht, hat man zu diesem Auskunstsmittel gegriffep. Zugleich hat man versucht, die Erweiterung der Zoll- union, die in der Richtung auf Rumänien vergeblich er- strebt wurde, in der Richtung aufJtalienundUngarn vorzunehmen. Infolgedessen sieht es im Augenblick so aus, als ob in Genf zwei Blöcke gegeneinander aufmarschieren wollten: der französisch-tschechisch-jugoslawisch-rumänisch-pol- nische Block und der deutsch-italicnifch-österreichisch-ungarische. Für grundsätzliche Anhänger der d e u t s ch- f r a n- zösischcn Zusammenarbeit sind das wenig er- freuliche Aussichten. Ein Anschluß Deutschland-Oesterreichs an das Italien Mussolinis and das Ungarn ch o r t h q s wäre ein außenpolitisches Experiment, dem die Sozialdemo- kratie nur mit schärfster Opposition begegnen könnte. Einstweilen darf man hoffen, daß die politischen Grup- pierungen Europas nach Genf doch etwas anders aussehen werden als Unmittelbar zuvor. Verkehrsverirag mii Oesterreich. In Innsbruck vereinbart. WTB. meldet: Am 9. Mai haben die bevollmächtigten Bertreter des Deutschen Reiches und der Republik Oester reich, Ministerialdirektor im beut« schen Reichsverkehrsministerium Bogel und Sektionschef im Lun- bcsministerium für chandel und Verkehr Dr. P o e s ch m a n n in Innsbruck einen den beiderseitigen V e r k e h r? b ed ü r s. nissen» allkam n, en Rechnung tragenden Vertrag über die Anschluß- und Uebergangsverhältnisic im Eisenbahnverkehr vereinbart. Die Urkunden werden tu nächster Zeit iu Berlin unter- Vorwärts-Verlag G.m.b.H. zusammen 96 Franken, rund ISRiark, an die radikale Parke!. kasse bezahlt haben. Das hak t?erriot zunächst genügt, der auf vriand eifersüchtig ist. um die Kandidatur Doumers als eine „radikale" hinzustellen. Indessen soll sogar cherriot inzwischen umgeschwenkt sein, als er merkte, wie die meisten seiner eigenen Freunde über dieses Ma- növer dachten und daß sie seine wirklichen Beweggründe durch- schauten. Die Kandidatur Brionds wird zwar fast ausschließlich von der Linken unterstützt, doch scheint sie etwas an Boden unter den eher nach rechts neigenden Gruppen gewonnen zu haben. Sie wird von einigen Anhängern Tordieus unterstützt— Tardieu selbst hat eine klare Stellungnahme für Briand oder Doumer bisher sorgfältig vermieden— und vor allem scheint die kleine Gruppe der christlichen Demokralen, die am ehesten dem deutschen Zentrum entspricht, und die die meisten elsösfi- schen Abgeordneten umfaßt, geschlossen für vriand stimmen zu wollen. Auf diese Erwartungen stürzt sich die Linke bei ihrer Hoffnung, Briand bereits im e r st e n Wahlgang durch- zubekommen. Bei einer absoluten Mehrheit von rund 445 Stimmen rechnet man mit 450 bis 455 Stimmen für Briand im ersten Wahl- gang, für Doumer nur mit rund 400 bis 410. Doch glaubt man, daß bei einem zweiten oder einem sogar nötig werdenden dritten Wahlgang genügend Hennessy-Stimmen den Ausschlag zugunsten Briands geben würden. Bis weit in die Reihen der Mitte hinein ist man sich bewußt, daß, so wie zur Zeit die Dinge liegen, eine Niederlage Brionds für das oußenpoliiische Ansehen Frankreichs in der welk geradezu kalafirophal wäre. Und gerade diese Korge, daß eine Wahl Doumers als eine Abkehr Frankreichs von der Berständigungs- p o l i t i k aufgefaßt werden könnte, wird höchstwahrscheinlich die Entscheidung zugunsten des Mannes von Locarno bringen. zeichnet werden, und es ist zu hpffen, daß der Vertrag nach Er- teilung der notwendigen Genehmigung durch die beiden Staaten ehestens in Kraft treten wird. Görings Mission. Wie weit war das Auswärtige Amt bei seinem Papst« besuch beteiligt? Der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnet« Göring weilt« dieser Tage im Austrage Hillers in Rom. wo er bei dem Papst um einen Empfang nachsuchte, der auch gewährt wurde, Göring soll nach den uns zugegangenen Inforinationen dem Papst gelobt haben, daß die Nationalsozialistisch« Partei künftig die katholisch« Kirche nicht mehr angreifen und auch versuchen werde, sich mit dem Zentrum auf guten Fuß zu stellen, Ist das Auswärtige Amt, das beim Vatikan eine Ver- tretung, unterhält, über dos Gelöbnis Görings und seinen Zweck unterrichtet? Ist es serncr richtig, daß die Einführung Görings durch Vermittlung der deutschen Vertretung beim Vatikan nach Rückfrage beim Auswärtigen Amt in Berlin erfolgte? Politik! Skandal im Münchener Stadiparlament. München, 12, Mai.(Eigenbericht.) Die Skandalchronik des Münchener Stadtparla- m e n t s, die inzwischen durch die Radauszenen der Nazis zu einem erheblichen Umfang angewachsen ist, wurde am Dienstag um einen neuen Fall bereichert. Im Anschluß an die Haushaltsberatungen hatten die Hakenkreuzler den Antrag auf Neuwahl de? Stadtrats gestellt. Bei der Begründung dieses Antrages beschimpfte der berüchtigt« Ratio» n a l s o z i a l i st Esser die übrigen Parteien, wobei ihn sein Kol- lege Amann, der Geschäftsführer des nationalsoziglistischen Par- teloerlage», eifrig unterstützte. Als der Lärm immer größer wurde und schließlich überhaupt kein Wort mehr zu verstehen war, for- derten die Nazis die Tribünenbefucher auf, bei dem Skandal mitzu» machen. Dadurch wurde jede ordentliche Fortführung der Sitzung unmöglich. Der Borsitzende ordnet« daraufhin die Räumung der Tribüne an und berief den Aeltestenrat zusammen, während die Stadtverordneten das Rathau» verließen. t Es war in München das erstemal, daß eine Stadtratssttzung sich ohne formellen Beschluß auflöste. Postscheckkonto: Berlin 3? S3S.— Bankkonto: BankderArbeiter, Angestellten und Beamten, Lind«nstr.S,Dt.B.u.Disc.-G«s.,Deposit«nk.,Jerusalem«r Str. 85/88. Die Flucht in die Reaktion. Konsumentenmord»das Allheilmittel". Von Anton Erkelenz. Lujo Brentano hat vor einigen Tagen im„Berliner Tageblatt" jenen Abschnitt aus seinen Lebenserinnerungen vorveröffentlicht, in dem er die Begründung gibt für seinen Austritt aus dem Verein für Sozialpolitik. In das allge- meine Durcheinander der Tagesnöte und Tagcskämpfe er- klingt damit wieder einmal der Ton der g r u n d f ä tz l i ch e n Auseinandersetzungen, der grundsätzlichen Verschie- bungen, die im Geisteszustand-des deutschen Volkes und be- sonders feiner intellektuellen Mittelschicht vor sich gegangen sind und vor sich gehen. Und diese Vorgänge machen es auch klar, warum die Lage der Sozialdemokratie, der deutschen Partei der Arbeit, so ungeheuer schwierig ist. Dem sozialpolitischen Aufschivung der Jahre nach 1899 ist ja sehr schnell der Reif in der Frühlingsnacht gefolgt. Bon oll dem Aufschwung blieb nur übrig die Bewegung des evangelisch-sozialen Kongresses und die politische Bewegung Friedrich Naumanns. Sie fanden beide einen gemissen Widerhall so lange, wie die Arbeitnehmerschaft vom Staotsein- fluß ausgeschlossen war. In dem Augenblick, als die Revo- lution die Bertreter der Arbcitnehmerschaft mit an die Staats- führung brachte, entdeckten sehr viele Leute die Grenzen ihres sozialpolitischen Herzens. Schon in der Inflationszeit hoben wir es erlebt, wie die namhaftesten Vertreter der deutschen Sozialpolitik die Orientierung völlig verloren und mit«in- stimmten in die ollgemeinen Phrasen, die Inflation sei die Folge zu hoher Löhne und des achtstündigen Arbeitstages. So haben sich auch weiter die Vertreter des sozialpolitischen Gedankens aus bürgerlichen Kreisen immer mehr verflüchtigt. Einige von ihnen waren durch den Krieg zu hemmungslosen Nationalisten geworden, aus deren Ideenbild der sozialpoli- tische Gedanke überhaupt keinen Einfluß mehr hatte. Andere waren in Amt und Würden gelangt und fanden die Bürde der Verantwortung so schwer, daß sie jede neue Forderung als eine persönliche Beleidigung empfanden. Die Behauptung, daß die Löhne unerträglich hoch seien, daß die Arbeiter mit hundert und hundertsünfzig Mark Monatseinkommen in Saus und Braus lebten, dieser große Schwindel der Gegenwart fanl� gerade in diesen Kreisen sehr viel Zustimmung. Die Darlegung, daß der Lohn noch nie den Vorkriegsreallohn überstiegen hat, daß kein Arbeitnehmer in Deutschland wegen Lohnerhöhung heute in besserer Loge ist als in der Vorkriegszeit, daß die deutsche Wirtschaft auf Grund der Rationalisierung für die Produktion pro Stück oder pro Einheitsmenge weniger Lohn bezahl« als vor dem Kriege— das alles und vieles andere ist den Kreisen, die vornehmlich die öffentliche Meinung machen und bilden, noch nicht eingegangen. Daß die Krise ein Folge zu hoher Löhne, zu hoher Sozialabgaben, überhaupt zu hoher Forderungen und Rechte der Arbeitnehmer seien, ist doch heute der allge- meine Glaube. Allein auf der Grundlage dieser Unwahrheit ist die jetzige politische und wirtschaftliche Gesamtloge möglich. Je mehr der Lohn sinkt, um so mehr muß die A r b c i t s l o s i g ke i t st e i g e n. Je mehr die Arbeitslosig- keit steigt, um so stärker wird die Lähmung der Wirtschaft. Man hat uns den Neuaufstieg der Wirtschaft verkündigt, wenn die Löhne gesenkt würden. Nun, die Löhne sind ge» senkt um 19 bis 15 Proz. Von einem Neuaufschwung der Wirtschast ist keine Rede. Der Lohnabbau sollte den Weit- bewerb gegenüber dem Ausland stärken. Das Ausland be- ginnt ebenfalls mit Lohnabbau.' Infolgedessen bleibt das Wettbewerbsverhältnis bestenfalls das alte, und der ganze Raubzug wird bloß gemacht, um unter wohlklingenden Phrasen den Arbeitern, Angestellten und Beamten ihre Be- züge zu schmälern. Die Prozentzahl der Arbeits- losen ist am größten in dem Lande, das die niedrig st en Löhne zahlt, nämlich in Polen. Wenn alle diese verhängnisvollen Maßnahmen im deut- schen Bolke so wenig Widerstand finden, dann beruht das nicht zuletzt darauf, daß die intellektuelle Mittelschicht, die als Träger des liberalen Fortschrittsgedankens auch die Antriebs- kraft des sozialen und wirtschaftlichen Fortschritts war, sich vor ihren eigenen Ideen, vor den Auswirkungen dieser Ideen flüchtet und sich hemmungslos in die Arme der Reaktion ge- warfen hat. Auf einmal wird der Welt im dritten Jahrzehnt des zwanzigsten Jahrhunderts wieder die Theorie des Emporhungerns gepredigt, die Theorie der Sparagnes. Wissenschaftlich nennt sich diese Flucht aus der Wirklichkeit die Theorie der Kontraktion, der zum Prinzip erhobenen Ein- schrumpfung des Wirtschaftslebens. Es mag bis zu einem Krankreichs Präsidentenwahl. Die besten Aussichten für Nn'and. Oer Klostersturm in Spanien. Brände in der Provinz.— Ruhe in der Hauptstadt. gewissen Grade eine solche Einschrumpfung unvermeidlich sein. Sie aber zum leitenden Grundsatz zu erheben, ist ebenso klug, als wenn man einen an Säuferwahnsinn Erkrankten mit. Alkohol heilen wollte. Gewiß müssen in der Krise alle un- gesunden Produktionsunkosten gefeirkt werden, und es ist viel Möglichkeit dazu in der Wirtschaft vorhanden. Am Lohn zu sparen, an dem schon unternormalen Lohn, den der deutsche Arbeiter hat, gleicht ungefähr dem Versuch das Chinesen, sich am eigenen Zopf aus dem Sumpf zu ziehen. Die ganze kapitalistische Wirtschaftsweise lebt von der Expansion, von der Ausweitung des Marktes, von der Aus- weitung des Verbrauchs, von der Erweckung und der Er- füllung neuer Vedürfnisie. Jetzt auf einmal soll das alles nicht mehr wahr fein. Jetzt soll das Heil nur noch im Kon- fumentenmord liegen. Darin prägt sich die Angst der geistig führenden Schicht vor ihren eigenen Ideen aus. Das witzigste ist, daß die großen Unternehmer, die in erster Linie von der wachsenden Befriedigung wirtschaftlicher Massenbcdürsnisse leben müssen, die Einschränkung, die Verarmung predigen. Die deutsche Arbeiterbewegung unterliegt dabei der befände- rcn Tragik, daß einer ihrer früher verdienstvollsten Männer, Herr Stegerwald, ebenfalls diese Flucht vor seinen früheren fortschrittlichen Ueberzeugungen mitgemacht und sich in weitem Maße dem Willen der Reaktion unterworfen hat. Damit ist, den fortschrittlichen Kräften in der Arbeiterbewe- gung zum großen Teil das Rückgrat gebrochen. Es wird als Regierungsmaxime verkündet, daß der deutsche Ge- t r e i d e b a u für seine Produkte das Dreifache des Welt- Marktpreises haben müsse, während gleichzeitig der Lohn des deutschen Arbeitnehmers herabgesetzt werden soll auf den tschechischen, den polnischen Lohn. Das nlles muß die Katastrophe beschleunigen. Aber diese Katastrophe ist dann eine Folge der verantwortungslosen Flucht der geistigen Führerschicht vor ihren eigenen Ideen. Es gibt kaum eins nichtsozialdemokratische Zeitung in Deuts ch la>, d, die den Kampf der Arbeitnehmer gegen die unsinnigen Lohn- Herabsetzungen vorbehaltlos unterstützt hat. All die zahlreichen Federn, die so tapfer schmälen können, wenn irgendwo die„Freiheit" beeinträchtigt wird, haben kaum ein Wort gefunden, um die soziale und geistige Freiheit der Arbeitnehmer zu verteidigen. Das ist die Atmosphäre, in der Brentano seinen Austritt aus dem Verein für Sozialpolitik vollzogen hat. Das ist aber auch die Lage, in der die Arbeitnehmerschaft ganz allein auf sich gestellt ist, geschwächt noch durch einige Gruppen, die glauben, aus„staatsmännischen" Gründen sich zum Werkzeug der Reaktion hergeben zu müsicn. Damit liegt besonders der Sozialdemokratischen Partei die Aufgabe ob, den Gedanken wachzuhalten, daß die Menschheit und daß auch das deutsche Volk stark und leistungsfähig genug find, um genügend Brot zu schaffen für alle deutschen Menschenkinder. Die Hirne sind aufgeweckt genug, um alle gesunden Bedürfnisse der Nation und des einzelnen befriedigen zu können. Wir sind geistig und technisch leistungsfähig genug, um die Sorge:„Wie er- nähren wir uns morgen?" mißachten zu können.� Nie"ist die Menschheit so nahe der Erfüllung ihrer größten Ziels gewesen, nämlich Not und Sorge aus der Welt zu schaffen. Und des- halb, mir wiederholen es: Die Technik ist leistungsfähig genug, um Not und Sorge beseitigen zu können. Wenn wir noch nicht weiter gediehen sind in der tatsächlichen Ueberwindung von Not und Sorge, dann zeigt uns das Fehler und Krank- Helten im gesellschaftlichen Organismus, deren wir Herr wer- den müssen und Herr werden wollen. Wenn irgend je, dann darf man heute das Lassalleschc Wort von der„verdammten Bedürfnislosigkeit" wieder aufnehmen. Die gegenwärtige Wirtschaftspolitik ist darauf eingestellt, wenigstens für die Ar- beitnehmer die Bedürfnislosigkeit zur Tugend zu machen. In Wirklichkeit wäre Bedürfnislosigkeit«in Verbrechen. So liegt die gewaltige Mission der Sozialdemokratie heute mehr als je darin, die Köpfe heiß zu machen zum Kampf gegen die Bedürfnislosigkeit und gegen die Angstideologie derjenigen, die aus ihrem sozialliberalen Optimismus der Bor- kriegszeit geflüchtet sind in den reaktionär-feudaliftifchen Pessimismus der Gegenwart. Stalin gegen„angenehmen Sport". Erlaß der Sowjetregierung gegen das Schlangefiehen. Ein lakaienhafter deutscher K o m m u n i st bat am M o n t a g am Moskauer Rundfunksender erzählt, die Lebensmittelkarten in Rußland seien reine Formsache, und das Schlange st ehe» vor den LebensmittÄläden ein ange- nehmer Sport. Man stelle sich" vor, während des Krieges habe jemand in Deutschland öffenllich zu sagen gewagt, das stundenlange Anstehen vor Lebensmittelgeschäften sei„an- genehmer Sport"! Am Dienstag hat Stalin eine Verordnung über den„angenehmen Sport" erlassen. Ein von Stalin und Molotow für die Kommunistische Partei und die Regierung unterzeichneter Erlaß regelt die Reorganisation der russischen Konsumgenossenschaften. Darin wird ausgeführt, daß die Genossenschaften nach der Vertrei- bung der Privathändler durch übertriebenen Büro- kratismus und durch die irrtümliche Ansicht, daß man schon zum direkten Warenaustausch gelangt sei, d i e V e r- sorgung der Bevölkerung in Unordnung ge- bracht hätten. Dieses System habe weiter zur Ignorierung der Bedürfnisse der Käufer und zu ähnlichen Mißständen ge- führt. Die neuen Richtlinien wollen ein geordnetes Netz für Groß- und Kleinhandel schaffen und fordern für die Eiroß- städte zur Bekämpfung des Schlange st ehens die .Eröffnung zahlreicher neuer Verkaufsstellen. So sollen in Moskau noch im laufenden Jahr 200 neue Lebensmittel- geschäfte errichtet werden. Nun fragen wir uns: Wozu ein solcher Erlaß, wenn alles in schönster Ordnung, wenn die Lebensmittelrationierung nur eine Formsache und das Schlangestehen ein angenehmer Sport ist? Die verlogene Propaganda des Sowjetsenders hat hier vcxr der Sowjetregierung selbst eine schallende Ohrfeige er- halten. Sevilla, 12. Mai. In Sevilla bildeten sich heute früh zahlreiche Gruppen von Hunderten Personen, die die Klöster zu stürmen versuchten. Als erstes wurde das I e s u i t e n k o l l c g«in Raub der Flammen, dann wurden zwei Klöster in dem Arbeiterviertel Triana in Brand gesteckt, sodann überfiel die Menge die St.-Josephs-Kapelle im Zen- trum der Stadt, eines der hervorragendsten Baudenkmäler des 18, Jahrhunderts, das seinerzeit als Nationalmonument erklrät worden war. Die St,-Josephs-Kapclle ging vollkommen in Flammen auf. Ebenso wurde das Kloster Buen Euceso ein Raub der Flammen. Die Menge warf Heiligenbilder und Gegensiäade religiöser Verehrung in die Flammen. Um 10 Uhr vormittags wurde der Belagerungszustand erklärt. Die Mönche und Nonnen haben die Klöster verlassen und Zuflucht in der Stadt gesucht. Die Tumulte haben die Bevölkerung außerordentlich erregt. Madrid. 12 Mai. Die Stadt hat heute ihr normales Aussehen. Die Arbeit ist überall wieder aufgenommen worden. An den strategischen Punkten steht noch Militär in Bereitschaft, es ist aber bisher alles ruhig geblieben. Wie„El Sol" meldet, find in Ali- c a n t e das Jesuitenhaus, mehrere' Kloster und die Redaktionen der katholischen Blätter in Brand gesteckt worden. In Sara- g o s s a versuchte die Menge, am erzbischöslichcn Palast Feuer an- zulegen, der Schaden ist ziemlich groß. In Malaga wurden der bischöfliche Palast, da» Jesuiten Haus, ein Nonnenkloster und das Augustinuskollegium durch Brandstiftung zerstört. In C a d iz hat die Menge versucht, das Karmelitcrtlofter in Brand zu sstecken, und andere Ausschreitungen begangen. Dort wurde das S t a n d r e ch t verhängt. Die Manifestanten haben sich, nachdem die Klöster in Brand gesteckt waren, wieder zerstreut, und überall ist das normale Leben wieder eiagekehrt. Gin Bärendienst für Schiele. Eine„unterrichtete Seite" erklärt ihn für hilflos und machtlos. Unsere Feststellungen über das Versagen des Reichs- ernährungsministeriums in der Brotpreisfrage haben in interessierten Kreisen Nervosität hervorgerufen. Diese Nervo- sität äußert sich in der folgenden Berlautbarung der Tele- graphen-Union:.' „Von unterrichteter Seite wird zu den Angriffen des „Vorwärts" gegen die Brotpreispolitit des Reichsernährungs- Ministeriums erklärt: Von einer Fahrlässigkeit bei der Be- Handlung der Brotprcisfragen könne keine Rede sein, weil der Reichsernährungsmini st er auf Grund der Gesetzgebung keinerlei Zwangsmittel in der Hand habe. Er habe aber durch die Berhcmdlungen mit den Mühlen und den Bäckern die Brotpreissenkung um 3 Pf. erreicht, an die die meisten kaum geglaubt haben. Nach dieser Brotpreis- senkung seien die Angriffe des„Vorworts" lediglich nbch Partei- politisch zu verstehen. Zu dem Hinweis auf die Preisgestaltung bei den Brotfabriken wird darauf hingewiesen, daß es in der Entscheidung der Konsumenten läge, das Brot nicht weiter von Fabriken zu beziehen, sondern von den zu einem billigeren Preise liefernden Bäckern. Für eine Einflußnahme auf die Brotpreis- ge staltung außerhalb Berlins habe da» Reich keine ausführende Organe. Es könnten und würden wohl gewisse zentrale Maßnahmen ergriffen werden, insbesondere würde dafür gesorgt werden, daß keine Verknappung der Versor- gungslage eintritt, die praktische Einflußnahme auf die Brotpreis- gestallung im Lande sei aber Sache der Länder und Ge- m e i n d» n. Di« Angriffe des„Vorwärts" entsprängen offensichtlich dem Bedürfnis, aus parteipolitischen Gründen im Hinblick auf den bevorstehenden Parteitag der Sozialdemokratie in Leipzig für die Agrar- und E r n ä h r u n g s p o l i t i k des Reiches ein k�udinifches Joch zu errichten." Die„unterrichtete Seite", die ihr Visier nicht öffnet, hat Herrn Schiele mit. dieser Berlp.uth«n:ung einen Bärendienst Die Regierung beherrscht die Lage und hat den Prvvinzbehörden Weisung erteill, Unruhen zu unterbinden. Der Streik ist behoben, die Straßenbahnen verkehrten gestern abend wieder. Monarchistenführer verhastet. pari». 12. Mai. Nach einer Havas-Meldung aus Madrid, wurden heute die Vor st ands Mitglieder der monarchistischen Vereinigung Cabian und C a m p o verhaftet, ebenso der Führer der Ncttionalistenpartci, Dr. A l b i n a n a. Di« Minister der Diktatur Galopontc und C o r n s j o sind nach einem Verhör ins Gefängnis abgeführt worden. Der Generalftaatsamoall erklärte, daß zwischen einem monarchistischen Plan zur Wieder- Herstellung des alten Regimes und der Tätigkeit verschiedener in Paris lebender Aristokraten engere Beziehungen beständen. Schon aus diesem Grunde werde er gegen Alfonso de Bourbon ein Strafverfahren einleiten. Protest des Vatikans. Rom, 12. Mai.(Eigenbericht.) Der apostolische Nuntius in Madrid ist vom Battkau beauftragt worden, bei der Regierung wegen ungenügenden Schutzes der Kirchen und Klöster Einspruch zu erheben und die Be- st r a s u n g der Schuldigen zu verlangen: beides unter Berufung auf das zwischen Spanien und dem Vatikan bestehende Konkordat. Weiter soll die Regierung ihr Bedauern aussprechen und Abhilfe in Aussicht stellen. Glückwunsch aus Moskau! Nach einer TU.-Meldung aus Moskau über Kowno hat die spanische Sektion der Kommunistischen Internationale den Kom- munisten in Spanien einen Glückwunsch zu ihrer„bewaffneten Aktion" entboten und die Gewinnung der Armee als Haupt- bedingung des Endsieges bezeichnet. Vom Moskauer Sender wird ein Spanier entsprechend reden: Worte, die die spanischen Arbeiter nicht erreichen. erwiesen. Denn am 25. März 1931 hat Herr Schiele im Reichstag erklärt: ,.... daß die Reichsregierung bereit ist, die gegebenen M ö g- li ch k e i t e n, und zwar rechtzeitig, anzuwenden, um einer Brotpreiserhöhung entgegenzutreten." Dabei war vom Brotpreis schlechthin, nicht nur vom Bcr- liner Brotpreis die Rede. Herr Schiele war bei Abgabe dieser Erklärung fest überzeugt, daß er Möglichkeiten habe, auf den Brotpreis in ganz Deutschland einzuwirken. Diese Möglich- leiten bestehen in der Schaffung von Marktverhält- nissen, die einen erträglichen Brotpreis ermöglichen. Daß es keinerlei Zwangsmaßnahmen gibt, die künstliche Preise un- abhängig von den Marktverhältnissen schaffen können, ist eine volkswirtschaftliche Plattheit. Der Reichsernährungsminsster hat es in der Hand, durch Zollsenkungen die marktmäßigen Boraussetzungen für einen � erträglichen Brotpreis zu schaffen: es ist kein Zweifel, daß feine Erklärung vom 25. März sich auf z o l l p o l i t i f ch e Möglichkeiten bezog. Der Versuch, Herrn Schiele nunmehr als völlig machtlos hinzustellen, ist ein Tafchenfpielerkunftstück. bestimmt, die Ver- antwortung für die Wirtungen seiner Hochschutzzollpolitik von ihm ab und aus di« völlig unschuldigen Länder und Gemein- den hinzulenken. Ueber die parteipolitischen Hirngespinste dar„unterrichteten Seite" ist im übrigen kein Wort zu verlieren. Graf Zeppelin gestartet. Pente früh über Berlin. Friedrich, Hafen. 12. Aprik. Da« Luftschiff„Graf Zeppelin" � ist Dienstag abend um 23.13 Uhr unter Führung von Kapitän Lehmann zu feiner Fahrt nach Berlin aufgestiegen. Das Luftschiff wird Mittwoch früh gegen 7 Uhr über Berlin eintreffen. Sakenkreuzverleumdiing gebrandmarkt. Das Märchen vom sozialdemokratischen Landesverrat geplatzt. Königsberg, 12. Mai.(Eigenbericht.) Das Schöffengericht Königsberg verurteilte den Hakenkreuz- abgeordneten Erich koch, den Führer der ostpreußischeu Nationalsozialisten. wegen Beleidigung des sozialdemokratischen Reichslagsabgeordneten Dr. Hertz und anderer Sozialdemokraten zu 5 0 0 Mark Geldstrafe. Der Gewährsmann koch». ein gewissenloses Subjekt, das als politisch-deutscher und deutsch-pol- nsscher SpiöN und Spitzel einen tkaorstzen Ruf geükeßt. Pch' M a- Zewfti und wahrscheinlich auch ander» nannte, kn Virktichkeit aber Stolzewski heißt und wegen einer Reihe krimineller Delitte schwer vorbestraft ist. erhielt 5MouateGefäug»i». Bei Soch wurde lediglich aus dem Grunde noch einmal auf Geldstrafe erkannt. weil er im Zahre 1923. als er die beleidigenden Aeußeruagen tat, noch nicht vorbestraft war. Koch hatte in öffentlichen Versammlungen und in der Presse behauptet, Reichstagsabgeordneier Dr. Hertz habe durch einen Ar- titel in der sozialdemokratischen„Königsberger Volkszeitung" und durch Konspirationen mit Polen gegen Deutschland Landesverrat geübt. Der. verstorbene Reichstagsobgeordnet« Hermann Schulz und der Chefredakteur der„Königsberger Volks- zeitung", Wyrgatsch, sollten eine Rede, di« das polnische General- konsulat in Danzig ausgearbeitet hatte und die sich gegen den deutsch- polnischen Zollkrieg richtete, auf dem sozialdemokratischen Bezirks- Parteitag in Elbing gehallen haben und auch weiter mit polnischen Politikern Konspirationen gegen Deutschland getrieben haben. Ebenso wurde Landesverrat dem Redakteur der„Königsberger Volts- zellung", Endrulot, und dem Reichsbannersührer, stüheren Gewerk- schaftssekretär und jetzigen Stadtrat Meißner, vorgeworfen. Dem früheren Polizeipräsidenten von Königsberg und jetzigen Landrat von Peine, Brandt, wurde vorgeworfen.' einen deutsch-polnischen Spitzel der polnischen Regierung ausgeliefert zu haben. Die Angeklagten hatten zahlreiche Zeugen sür ihre wider- sinnigen' Behauptungen aufgeboten. Der Wahrheitsbeweis miß- glückte'aber hundertprozentig, weil olle Zeugen, darunter der Leiter des Heimatdienstes Ostpreußen. Worgitzki. Admiral a. P. Küsel, der ehemalige Letter der Spionageabwehr Ostpreußens. Major Dettmering, zahlreiche andere Kriminalkommissare ynd Polizeibeamte, sowie der ehemalige preußische Abgeordnete Jan Baczewsti. immer wieder erklärten, daß sie weder von dem Landesverrat ostpreußischer Sozialdemokraten noch von Konspi- rationen sozialdemokratischer Parteiführer in Ostpreußen irgend etwas wüßten, vielmehr die Best rebung der Sozial- demokrati« zur Erhaltung der deutschen Heimat restlos anerkannten. Ein von den Angeklagten aus Berlin geholter Zeuge, ein ehemaliger„Leutnant", der ebenfalls wegen krimineller Delikte schwer vorbestraft ist, weigerte sich, den Eid zu leisten und nahm schließlich seine Aussagen fast rest- los zurück, als der Vorsitzende ihn trotzdem vereidigte. In der Urteilsbegründung rügte der Vorsitzende auf« fchärsste die Gemeingefährlichkeit der nationalsoziali st i- schen Lerleumderzentrale. Warum der Krieg verloren ging Auch der Ehef des Geheimen Zivilkabinetts enthüllt. Der Zusammenbrach de? deutschen Kaiserreichs im Weltkrieg ist herbeigeführt worden durch dos kaiserliche System selbst. Diese geschickstliche Wahrheit, die die allerklarste Widerlegung der Dolchstoßlüge in sich einschließt, ist in der bändereichcn Erinnerung-- litiratur der Kriegszeit zutage* gekommen, und sie wird am lautesten gepredigt von den ehemaligen Paladinen des Kaiserreichs� den Generäle», Admirälen, Kanzlern, Staatssekretären usw., die bis zum cherbst 1918 die entscheidenden Stellungen innehatten. Wir wissen aus diesen Memoiren, daß während des großen Lölterringens ir. der Umgebung Wilhelms II. ein erbitterter Krieg im Kriege geführt wurde, ein Kleinkrieg der Streberei, der Eitelkeit, der persön- lichcn Gehässigkeit, der in der ganzen Weltgeschichte seinesgleichen an Erbärmlichkeit nicht findet. Nun sind— fast möchte man sagen, überflüssigerweise, denn das bisher gelicsertc Material ist schon mehr als ausreichend— im Verlage von Gerhard S t a l l i n g auch die Memoireu jenes Herrn von V o l« n t i n i erschienen, der von 1998 bis 1918 Chef des Ge- Heimen Zivilkabinctts des Kaisers war. Das Bild jenes Kleinkriegs oller gegen olle, das man aus anderen Büchern schon kennt, wird durch sie um manchen wirtsamen Zug ergänzt. So schildert Bolen- tini jenen Kampf um den Oberbefehl, der mit der Ersetzung Falken- Hayns durch Hindenburg endete. Nach langem Hin und Her gelang es zunächst, Hindenburg wenigstens die Leitung der ganzen Ostfront zu übertragen, wobei sich, nach Dalentini» Worten,„Falkenhayn scheinbar gestreckt' hatte. Und nun schreibt Balcntini wörtlich weiter: <£f stellte sich bald heraus, daß die Befürchtungen wegen Falkenhayns Hinterhältigkeit nur zu berechtigt gewesen waren. Kaum hatte Hindenburg die ganze Ostfront übernommen(2. Au- gust), so erkannte er, daß er ohne namhafte Hilfe gegen die immer weiter vordringenden Russenheere nichts machen könne. Aber diese verweigerte ihm Falkenhayn crüincnt (rücksichtslos). Dringende, wiederholte Hilferufe ergingen an den „Obersten Kriegsherrn' und setzten uns alle in die größte Er- regung. Alles war umsonst! Falkcnhayns Einfluß auf den Kaiser war wieder völlig hergestellt, und selbst Lyncker stand ganz unter seinem Druck. Die Zustände im Hauptquartier, namentlich in Pleß, wohin wir nach einer Reise nach Berlin— Homburg und an die Westfront(vom 4. bis 18. August) zurückgekehrt waten, gestalteten sich h ö ch st unerquicklich. Der Kanzler, der vom 21. bis 24. August dort war, verließ uns schließlich höchst deprimiert über die Aussichtslosigkeit jeder Einwirkung im Sinne der Beseitigung Falken- Hayns. Hier wird also vom ehemaligen Chef des Geheimen Ziviliabinetts behauptet, Faltenhayn habe Hindenburg im Kampfe gegen die Rüsten im Stich gelassen— nicht etwa infolg« einer anderen Aus- fassung der strategischen Lage, sondern aus nackter mensch- licher Gemeinheit, aus„Hinterhältigkeit" gegen den erfolg- reichen Rivalen! So hat es noch der Schilderung des Chefs des Zwilkabinetts in der obersten militärischen Leitung ausgesehen, während man die„nationale Einigkeit" predigte und das Volk auf den Schlachtfeldern blutete. Mehr noch als nötig hat— immer nach der Darstellung Dalentinis— das Volk im Osten bluten müssen, weil Ialkenhayn auf Hindenburg? Ruhm neidisch war! Die Rolle, die Wilhelm II. bei diesem ganzen niederträchtigen Handel spielte, ist nach der Schilderung seines Kabinettschess mehr als kläglich. Immer, noch widersetzt sich der Kaiser der Abberufung Faltenhayn», bi««in Stoß von außen ihn plötzlich umwirst:, Da endlich am 27. August kam die Peripetie. Morgens um 1ZL9 Uhr kam die Nachricht von der Kriegserklärung Italiens an Deutschland. Der Emdnick war nicht-weiter niederschmetternd. (Weil Italien schon längst gegen Oesterreich.Krieg führt«. Red. h.„D".) Als aber abends um 19. 89 Uhr, als«ir mit dem Kaiser am Skattisch saßen. die Nachricht vom Großen Generolstab eintraf, daß Rumänien an Ocsterreich-Ungarn den Krieg erklärt habe, brach der Kaiser völlig zusammen. Der Krieg sei nerloren.und esbleibenichtsübrig.alsFrieden nachzusuchen! Mein„Nun erst recht nicht!" verhallte. Als ich am anderen Morgen den gewöhnlichen Spaziergang mit Lyncker und Platen macht«, bildet« natürlich die politische Lage den Gesprächsgegenstond. Ich führte in dringenden Worten aus, daß jetzt der Moment fei, wo gehandelt werden müffe. Die schwere Gefahr beseitig« all« Rücksichten, der Kaiser müsse sich entschließen, Falkenhayn sofort durch Hindenburg zu ersetzen, er spiele um Szepter und Krone. Lyncker härte aufmerksam zu. schwieg aber. Im Schloß setzte ich mich sofort mit Bethmann telephonisch in Verbindung und bat ihn. sogleich herüberzukommen. Ein« wirklich dramatische Entwicklung vom Skatspiel zum Spiel um Szepter und Krone! Aber der im Mittelpunkt steht, ist kein Held. Aus Angst willigt der zerschmettert« Zerschmetterer ein. Falkenhayn verschwindet in dt« Versenkung und Hindenburg steigt aus. Mit ihm der Gcneralquartiermeister Ludendorff— ein neues Kapitel der Kriegs- und Kleinkriegsgeschichte beginnt! Nazigeist. Hervorgerufen und losgegangen. Nun weiß man, wer auf den.Rasseforscher" und von Frick nach Jena berufenen Unioersitätsprojessor Günther geschossen bat. Oh Razischmerz, laß nach: Es ist tein Hebräer, kein Ostjude. ein Mondgesicht Ludendorfstcher Prägung.— Karl Dann- b a u e r heißt er urgermanisch, zu Böcklabrück in Oberösterreich, dem Lande des Hitlerjünglings Starheinberg, wuchs«r heran und er- lernte die schwarz« Kunst Meister Gutenbergs, aber nach dreieinhalb- jähriger Lehrzeit entließ ihn die Firma, und es scheint, daß.Un- stimmigkeiten" In der Geschästskasse schuld daran waren. Karl Dannbauer, ein Jüngling von 17 Jahren, ging hin, sich am.Käpi- talismus" zu rächen. Er halte irgend was von Günther mal gc- lesen, darin vielleicht etwas von Herrenmenschen und Auslese der Tüchtigsten gesehen, und da erschien ihm der Derfaster Günther als «in.geistiger Führer de, herrschenden System»". So fuhr Karl nach München, taufte sich eine Pistole, fuhr weher nach Jena, erfrug bei der Nazi-Geschästsstelle die Wohnung des Rosse- Professors, ging hin und schoß. Sich selbst zum Richter über ander« aufwerfen, da» selbst ge- fällt« Femeurteil auch selbst vollziehen, überhaupt in Einzelmenschen die Schuldigen für allgemeine» und persönkiches Ungemach erblicken, ist da» nicht reinster, unverfälschter, noch nicht in Legalität um- geschworener Nazigeist?_ Der Reichscal hat am Dienstag die Verordnung über das Inkrafttreten de» Milchgefetzes und eine Echte Der- ordnung zur Ausführung d» genehmigt, „Ausschachtung." Schacht:„Meine Ausschachtungsarbeiten, mit denen ich den städtischen Werken das Wasser abgegraben habe, sind von Erfolg gewesen." Otto Braun gegen die Agrardemagogen. polizeiverwaltungsgeseh in dritter Lesung angenommen. Der Landtag hat gester« mit 23« gegen 135 Stimmen das Polizeiverwaltungsgesetz in dritter Lesung ange- nommen. Darauf folgte die dritte Lesung des Gesamt- ctats. Ministerpräsident Otto Braun wies dabei demagogische Behauptungen über angebliche Hemmung der Osthilfe durch die Preußenregierung zurück. \ In der gestern im Landtag noch der Rede de» Abg. Dr. Ham- burgcr(Soz.) sortgesetzten dritten Lesung de» Polizei- verwaltunz»gesetzes wandte sich Abg. Schwenk(Komm.) gegen da» Gesetz, das eine Verschärfung der Polizeigcwalt bringe. Die Kommunisten würden deshalb auch in der dritten Lesung gegen die Vorlage stimmen. Abg. Biester(Welse) erklärt, daß seine Freunde mit dem Polizeistaat Preußen die schlechtesten Erfahrungen gemacht haben und deshalb die Vorlage ablehnen. Abg. Hestermann(Wirtschp.) polemisiert gegen die ablehnenden Ausführungen des Abg. von Eynern. Er sieht in dem Gesetz einen Fortschritt..und.stmvnt M.jeine. Fraktion zu. MimstmaldirMo.r Meißner wicherhcht ü. o. die CrKbrung. ödß die Worte..pfli�mäßige»' Ermessen" jede Willkür ousschkießen und die Vestimmunoen de?'Gesetzes dagegen genügend Schutz bieten. Abg. Berhulsdonk(Z.) setzt sich kurz mü den Ausführungen der Abgg. Moretzki(Dnat.) und von Eynern D. Vp.) auseinander. Abg. Keller(Landvoffi) erklärt, daß sein« Freunde trotz schwerer Bedenkon der Vorlag« zustimmen werden. Sie hoffen dabei, daß bald-eine andere Regierung das Gesetz handhaben werde. Damit ist die allgemeine Aussprache geschlossen. Es folgt die Eiryrlberatung. Da? Gesetz wird in der namentlichem Eadabstimmuvg mit ZZS gegen 135 Stimmen angenommen. Dafür stimmten außer den Ke- gieruogsparteien die wirtschastspartei und Landvolkpartei. Hierauf wird die dritte Lesung des GesamthanshaNs für 1931 fortgesetzt. Ministerpräsident Otto Braun: Der Abg. Baecker(Landvokk) Hot den Vorwurf erhoben, die O st h i l f e sei zu spät gekommen und das Vorgehen der Preußen- kafse bei den UmfchuDungsatticmen habe auch gesunde Betriebe ruiniert. Die preußische Regierung hat rechtzeitig erhebtiche Mitt-l bereitgestellt. Die Behauptung, die hier im hausr und im Lande ausgestellt wird, die Preußen regierung habe die Osthilfe gehemmt, ist eine beweislose Behauptung, die ich ans da, schärfste zurückweifen muß. Die Behauptung kann auch nicht substantiiert werdcn. Die Dur ch- führung der Osthihe liegt in der Reichskanzlei. Wer das Programm in seiner Totalität kennenlernen will, möge sich vor Augen halten, daß es verstärkte Siedlungen im Osten. Äisten- senkungcn, Förderung der Wirtschast durch Kredite, Bahnbau und llmschutburrg der kurzfristigen Kredite in langfristige umfaßt. Di« Gesamtsummen der Bürgschaften, die nach dam alten Ostpreußenhikssgefetz und dem neuen Ofthilsegesetz von Preußen und dem Reich übernommen sind, betrogen nach der alten Ostpreußen- Hilfe: 18 Millionen Umschuldungsgelder, von Reich und Preußen bar. an Auslandsanleihen etwa 39 Millionen, an Reichsvorschüffen etwa 42 Millionen, durch Osthilse- g e s« tz, bei dem Reich und Preußen der Indirstriebank für 25 Praz. von 859 Millionen bürgen und.zwecks Befchastung von 259 Mil- Konen zu je 59 Proz. bürgen sollen, also zusammen 231.25 Millionen Mark.(Hört, hört! link».) Das sind gewaltige Werte, die die finanzielle Kraft des Staates in Anspruch nclzmen. Dabei muß Wert daraus gefegt werden, die Umschulduugcn sachlich durchzuführen. Wenn dabei die Sachoer- ständigen der Preußenlasse den heutigen Wert der Gruichstück« zu- gründe legen, so handeln sie verantwortungsvoll und pstichtbewußt. Denn aus den Bürgschaften des verflossenen Jahres ist die Staatskasse bereits mit 2,4 Mil- lionen herangezogen worden.(Hört, hört bei den Soz.) Die Langsamkeit der Durchstchrung des Ofthilfeprogramm, ist bedingt durch das Aufziehen des neuen Apparates und durch die Schwierigkeit der Geldbeschaffung. Di« Kreditgeber müssen erst gefunden werden. Seit dem!4. September 1939 ist«ine beispiellose Versteifung des Geldmarktes eingetreten, «ine Erscheinung, die erst kürzlich Reichsbankpräsident Dr. Luther feststellte.(Hört, hört! bei den Sog.) Merkwürdig ist auch, daß das Volksbegehren im Ausland weit überschätzt wird. Jedenfalls hat e» sich auf dem Kapitalmarkt des Auslandes sehr nachteilig für di« deutsche Wirtschaft ausgewirkt.(Hört, hört! bei den Soz.) Dieselben Wirkungen müssen aber auch die Brtiouptungen des Abg. Neumann(D. Vp9 haben, der von dem unwahren Etat sprach Kritik ist leicht geübt, ober jeder weih, daß die Etat- summen von der wirtschaiilichen Entwicklung abhängig sind. Jeden- «all, wird sich die Regierung auch durch unsachliche Kritik nicht ab- halten lassen, auf dem Gebiete der Osthilse alles nur Erdenkliche für die Landwirtschaft zu wn.(Sehr gut! bei den Soz.) Nun zu meinen Versammlungsreden! Ich red« sehr wenig öffentlich. Ich meine, in der Zeit der Rationalisierung sollten auch die Minister mit ihrer Energie sparsam umgehen. (Heiterkeit.) Aber die Rechte, die an meiner Tätigkeit sachlich nicht- aussetzen kann, käme in tödliche Verlegcrcheit, würde ich nicht jähr- lich eine oder zwei öffentliche Versammlungen cüchalten.(Große Heiter- keit.) So stürzen sie sich wie die Geier aus meine Reden!(Sehr wahr! bei den Soz.) Statt sachlicher Kritik wühlt man in Kleinigkeiten und unter- sucht, ob ich das Recht habe, in sozialbemotratifchen Versammlungen zu reden. Ich habe dasselbe Recht wie Brüning oder Treviranus, die es sich nicht nehmen lassen, in Veranstaltungen ihrer Portejen zu reden. Selbstverständlich werde ich nie vergessen, daß ich Ministerpräsident bin. Aber ich habe im Sportpalast initer roten Fahnen gesprochen! Schrecklich! Ich kann aber nicht von der «ozialdemokratischen Partei verlangen, daß sie chrc Fahnen zurück- zieht.(Sehr wahr! bei den Soz.) Das einzig Erfreuliche an dieser Kritik ist die Tatsache, daß sich jetzt volkSpartri und- Däntschaationate so energisch für die " BeichSstirven SchwarzrotgoV» einsetze». (Sehr gui bei den Soz.) Der Hinweis auf die Verordnung, daß sich Bshordenvertreter bei öffentlichen Veranstaltungen nur unter der Reich ss ahn« zeigen dürfen, geht deshalb fehl, weit ich nicht als Bshörderwertreter, Jon- dern als Privatmann gesprochen Hobe.(Sehr gut! bei den Soz.) Da ich meine Sportpalaftrede vorsorglich habe stenographieren lassen, kann ich mich auch heute wieder aus meine Ausführungen über die Freidenker beziehen.(Zuruf rechts: Im„Vorwärts" stand es anders!)' Lesen Sie eifriger den..vorwärt»", dann werd«» Sie ver- nünstiger! (Lebhafter Beifall bei den Soz. Groß« Heiterkeit.) Der Abg. Lutassowitz(Dnat.) hat bemängelt, ich hätte mich nur auf Verteidigung in meiner Rede eingestellt. Das liegt sicher an d«n Angristen. Würden diefc geistig höher stehen, wäre meine Per- teidigungsrede anders gewesen.(Sehr gut! bei den Soz.) Er hat sich auf das Buch„Herrschaft der Minderwertigen" belogen. Ich kann begreisen, daß die Deutschnationafen es eifrig studieren, denn sie wollen an die Macht. Ich kenne das Buch nicht und werde auch ohne dasselbe in Zukunft auskommen.(Große Heiterkeit, lebhcstter Beifall links und in der Mitte.) Abg. Hecke»(Dt. Frakt.) kritisiert das Verhalten der Regierung in finanzpolitischer Hinficht. Auf dem Gebiet« der kommunalen Finanzpolitik habe ich die Regierung jede Initiativ« vermissen lasten. Seine Fraktion lehn« den gesamten Etat ab. Abg. Kasper(Komm.) erklärt, daß die Kommunisten als unver» söhnliche Feinde des Klassenstaates den Etat ablehnen.?tur der Sturz des kapitalistischen Systems könne der Arbeiterfchcht die Frecheit geben. Abg.' Brückver-Hagen(Wirtschp.) macht der Regierung den Lvr- wurf, daß sie nicht sporsam gewirtfchoftet habe. Di« Weiterberatung des Gesamtetats und die Abstimmungen dazu werden auf Mittwoch 11 Uhr vertagt. Außerdem stehen auf der Tagesordnung kleinere Vorlagen, Abstimmung über den Kroll- vertrag.'_____ Die neue Notverordnung des Reichspräsidenten mit Maßnahmen zum Ausgleich des Etat-Defizits wird erst noch der Rückkehr des Reichskanzlers und Außenministers von Chequers Mitte Juni fertiggestellt sein und oerösfentlicht werden. ver Srolloper- Untersuchungsausschuß hielt am Dienstag abend «ine nichtöffentliche Sitzung ab, um sich über seine weiteren Ar- beiten schlüssig zu machen. Der Ausschuß beschloß, ungeachtet der am Mittwoch im Landtag stattfindenden Abstimmung, sein« Beweis- aufnehme am 19. Juni mit der Zeugenvernehmung des Ministertal- diretwrs a. D. Schultz sortzusetzen. Außerdem soll Generalinten- dant T i« t j e n noch einmal gehört werden. Kommunistische Volksbegehren pleite. Das von den Kommu- nisten eingebrachte Volksbegehren auf Auflösung des Thüringischen Landtags hat. soweit sich bis jetzt übersehen läßt, keinm Erfchg. Ja den vier thüringischen Wahlkreisen sind amtlich noch nicht einmal 59 999 Stimmen gezählt worden, während zur Zulassung des Volks- begehren? rund 199 999 Stimmen notwendig sind. „Batloualsozialistischer Parlament sdieust" verboten. Der Pali- zeipräsident hat auf Grund der KS 5(Ziffer 1) und 13 des Gesetzes zum Schutze der Republik vom 23. MärK 1939 die in Berlin er- scheinende periodisch« Druckschrift„Nationalsozialistischer Parla- mentsdienst— NSPD." einschließlich der Kopfblätter mit sofortiger Wirkung bis zum!9. Juni 1931 einschließlich verboten. Das Bedauern der polnischen Regierung ist wegen der Flieger- Notlandung in Ostpreußen dem Auswärtigen Amt ausgesprochen ward«». Schiedsspruch für die BVG. Sechs Prozent Lohnkürzung für das nicht verkürzt arbeitende Personal. Im LohitstMtit bei der Berliner Verkehret» A.-G. würbe gestern vom Ichlichtnngsaus schuh unter Vorsitz des ttzewerberats Börner nach mehr- stnndiger Kammerbcratung folgender Schiedsspruch ge- fällt: Die bisherigen Tariflöhne ausschließlich der Sonderzulagen und der Verheirateten- und ttinderzu- lagen werden mit Wirkung vom lsi. Mai um V Prozent gekürzt. Vei den Arbeitnehnrergruppen. die 44 Stunden oder tveniger die Woche beschäftigt werden sdas ist das technische Personal von etwa 7000 Köpfenj. verbleibt es. solange diese Zlrbeits�itkürznng besteht. bei den bisherigen Sätzen. Dieses Ab- kommen gilt bis zum?!0. September d. I. Cfs verlängert sich um jeweils sechs Monate, wenn es nicht einen Monat vor Ablauf gekündigt wird,«srklärungsfrist bis zum 21. Mai. Den Beratungen der S6)lichtungskammer ging eine mehrstiin- dige Aussprache zwischen den Parteien voraus. Direktor Brolat erklärte eingangs seiner Ausführungen, daß dies eine der schwerst en Aufgaben sei. die ihm jemals im Leben gestellt worden sind. Er stehe jedoch unter dem Druck der Stadt- Verwaltung, die von ihm und dem gesamten Vorstand der BVG. verlange, das Berliner Verkehtsunternehmen zu sanieren. Die DBG. leide unter der ollgemeinen Wirtschaftskrise ungeheuer. Die Erwerbslosigkeit von rund 400 000 Berliner Arbeitern und An- gestellten habe einen Ausfall von rund 000 000 Fahrten pro Tag auf'den Vsrkehrsmitetln der BVG. zur Folge. Der BVG. fehle ein Betrag von ungefähr 26 bis 30 Millionen Mark. um bilanzieren zu können. Er lege vor ollem Wert darauf, vor aller Oeffentlichkeit zu betonen, daß für ihn bei der Behandlung der Lohnfrage der Verkehrsarbeiter die Gutachten Professor Gieses und Kemmanns nicht in Betracht kommen. Die Lohnabbauforderung sei vom Vorstand der BVG. nicht zuletzt aus dem Grunde gestellt worden, um dieses größte kommunale verkehrsunternchmen vor dem Schicksal der Bewag zu bewahren. Die Forderung der Gewerkschaften auf Verkürzung der Ar- b« i t s z e i t für das Verkehrspersonal könne die BVG. nicht akzep- tieren, obwohl er für diese Forderung der Gewerkschaften volles Verständnis Hobe. Die Einführung der 44-Stunden-Woche für das Verkehrspersonal würde für die BVG. durch die A u s b i l d u n g s- kosten, die Anschaffung neuer Dienstkleidung, Sozial- beitrüge usw. eine finanzielle Mehrbelastung von einer Million Mark bringen. Die BVG. weiß, daß sie ihrem Per- sonal für die aufopferungsvolle Tätigkeit im Dienste des Unter- nehmen? zu Dank verpflichtet ist: sie könne ober von chrer Lohnabbauforderung nicht abgehen, da diese Forderung im Inter- esse der Erhaltung des Berliner Derkehrsuntcrnehmens und auch im Interesse der Stadt Berlin gestellt sei. Die Gewerkschaftsvertreter wandten sich mit aller Entschieden- heit gegen die Lohnabbauforderung und setzten sich mit aller Wärme für die Verkürzung der Arbeitszeit ein. Es wurde von ihnen be- sonders darauf hingewiesen, daß die Verkürzung der Arbeitszeit bei dem Verkehrspersonal die Einstellung von etwa 1300 Arbeitslosen nach sich ziehen müßte, was wiederum«ine fühlbare finanzielle Ent- lastung für die Stadt Berlin bedeuten würde, da sie für diese Ar- beitsloscn die Wohlsahrtsunterstützung spare. Ganz unmöglich sei es. noch einen zehnprozentigen Lohnabbau bei den technischen Arbeitern durchzuführen, die durch die Arbeitszeitverkürzung auf 44 Stunden schon eine Lohneinbuße von 8 Prozent erlitten haben. Zu bedenken sei serner, daß eine ganze Anzahl von technischen Ar- beitern zur Vermeidung ihrer Entlassung im Verkehrsbetriebe ander- wsitig verwendet werde und jetzt Löhne der Angelernten er- halte, so daß bei diesen Arbeitern schon ein Lohnabbau bis 24 Prozent eingetreten sei. Die Verwirklichung der Lohnabbauforderung der BVG. würde für diese Arbeiter einen Lohnabbau um34Pro- zent bedeuten. Die schwierige finanzielle und wirtschaftliche Lage der BVG. werde von den Gewerkschaftsvertretern ebenso an er- kannt, wie das soziale Verständnis, das die Personal- leitung der BVG. den Verkehrsarbeitern in den letzten Jahren immer entgegengebracht Hobe. Die Gewerkschaften können sich aber nicht damit abfinden, daß man die Verkehrsarbeiter jetzt dazu heranziehen wolle, die Schuldverpflichtungen der BVG. abdecken zu helfen, die eigentlich die Stadt Berlin zu tragen hätte. Ebenso müsse b c- stritten werden, daß die Arbeitszeitverkürzung beim Verkehrs- personal so erhebliche Mehrbelastungen für das Unternehmen mit sich bringen würde, wie vom Vorstand der BVG. behauptet wird. Nicht zuletzt erinnern die Gewerkschaften den Vorsitzenden des Schlichtungsausschusses an seine Begründung des Schiedsspruches vom vorigen Jahre, worin er sagte, daß die Arbeiter der BVG. nicht schlechter gestellt werden dürfen, als die übrigen städtischen Arbeiter. Hinsichtlich der Neufestsetzung der Löhne des technischen Personals, das schon seit längerer Zeit 44 Stunden pro Woche or- beitet und demzufolge schon einen Lohnausfall van etwa 8 Prozent hat, stellte Direktor Brolat dem Schlichtungsausschuß anheim, eine Entscheidung zu treffen, die er für recht und billig halte. Nach Abschluß der Verhandlungen trat die Schlichtungskammer zur Beratung zusammen, die dann nach mehrstündiger Sitzung den oben im Wortlaut wiedergegebenen Schiedsspruch verkündete. Die Funktionäre der Berliner Verkehrsarbeiter werden in den nächsten Tagen zu dem Schiedsspruch Stellung nehmen. Kommunisten als Ltnternehmer. Schiebungen, um den Lohn zu drücken. Der Kosmosverlag ließ die von ihm herausgegebenen kommunistischen Zeitungen„W e l t a m A b e n d� und„Berlin am Morgen" durch Zeitungsfpedfteure— natürlich waschechte Kommunisten— vertreiben. Sie schlössen sich zusammen in einer „Interessengemeinschaft der Spediteure" und schlössen mit dem Eesamtocrband einen Tarifvertrag für die von ihnen beschäftigten rund 6 00 Austrägerinnen ab. Der Tarif läuft bis zum 1. Juli 1032 und bestimmt, daß die Lohn- und Arbeitsverhältnisse nicht geändert werden dürfen, wenp nicht in den bürgerlichen Zeitungsbetrieben die gleiche Aenderung eintritt. Aber schon am 1. Oktober 1030 brachten es die kommunistischen Geschäftemacher fertig, den tariflichen Austrägerlohn von 94 Pf. aus 62 Pf. je Exemplar und Monat herabzusehen. Das ist zwar ein offenbarer T a r i f b r u ch. aber der Kosmosverlog glaubte durch eine eigenartige Schiebung sich den Schein einer recht- mäßigen Handlung geben zu können. Das wurde so gemacht: Der Kosmosoerlag kündigte den Spediteuren die geschäftlichen Beziehungen zum 1. Oktober 1030 auf. Diese kündigten ihren Aus- trägerinnen und die„Interessengemeinschaft der Spediteure" löste sich auf. Dann trat eine„Allgemeine Zeitnngsvertriebs-G. m. b. H." ins Leben, die den Vertrieb der „Welt am Abend",„Berlin am Morgen" und der bis dahin in eigener Regie verbreiteten„Roten Fahne" übernahm. Die „Allgemeine Zeitungsvertriebs-G. m. b. H." nahm dieselben Spediteure in Arbeit, die seinerzeft als„Interessengemeinschaft" den Tarifvertrag mit dem Gesanstverband abgeschlossen hatten und diese Spediteure beschäftigten dieselben Austrägerinnen, die bis zum 1. Oktober 1030 bei ihnen gearbeitet hatten, zu dem herabgesetzten Stücklohn von 62 Pf. Die F r a u,e n wurden in Versammlungen, die von kommunistischer Seite einberufen waren, so bearbeitet, daß sie sich bis auf einzelne Ausnahmen, mit der Lohnkürzung einverstanden erklärten. Eine dem Gesamwerband angehörende Austrägerin, die einig« Monate zu den herabgesetzten Löhnen gearbeftet hotte, klagte jetzt beim Arbeitsgericht gegen den Spediteur Storch um Nachzahlung der Differenz zum Tariflohn im Betrage von 62 Mark. Der Be- Nagt« glaubte sich darauf berufen zu können, daß mit der Auf- löfung der„Interessengemeinschaft der Spediteure" auch der Tarif- vertrag aufgehoben sei und daß ja die Austrägerinnen mit der Lohn- türzung einverstanden seien, weil sie trotzdem einen erhöhten Monats- verdienst erreicht hätten, denn sie hätten ja jetzt statt zwei Zeitungen deren drei und noch einige Zeitschristen zu bestellen. Wie festgestellt wurde, ist wohl der Monatsverdienst um höchstens 30 Proz. gestiegen, aber die Arbeitszeit ist dadurch um 75 Proz. verlängert. Das Arbeitsgericht hat das kommunistische Geschästsmanöver als »zulässig bezeichvel. weil es der Tarifvertragsverordnung wider- spricht. Durch die Auflösung der„Interessengemeinschaft der Epe- diteure" sei der Tarifvertrag nicht aufgehoben, er bestehe bis zum 1. Juli 1032. Der Taris sei unabdingbar. Nur unter dem Druck, entlassen zE werden, habe die Klägerin zu den neuen Bedingungen weitergearbeitet. Der Beklagte wurde zur Zahlung des geforderlen Betrages verurteilt, aber wegen der grundsätzlichen Bedeutung er- klärte dos Gericht das Urteil für berufungsfähig. Im Laufe der Verhandlung betonte der Beklagte und eine von ihm gestellte Zeugin, daß der neue Tarif von einer„Arbeiter- organisaliou" abgeschlossen sei. Die Frage: Von welcher Orga- nisation, wurde nicht beantwortet. Aber wer anders kann es Aenn fein als die uicht tariffähige RGO. Mit ihrer' Hilfe hat also ein kommunistisches Unternehmen die Löhn« gedrückt. Streif in der„Kölnischen Zeiiung" beigelegt. Köln, 12. Mai.(Eigenbericht.) Der Konflikt in der Druckerei der„Kölnischen Zeitung" und im„Stadtanzciger" ist beigelegt.' Beide Zeitungen sind am Dienstagabend wieder erschienen. Der Abbau des übertariflichen Leistungslohnes bei den zunächst vorgesehenen sieben Arbeitern soll erst am 27. Mai in verminderter Höhe beginnen. In ollen weiteren Fällen, in denen die Firma einen Abbau der Leistungszulagen beabsichtigt, soll künftig erst mit dem Betriebsrat verhandelt werden. Maßregelungen finden nicht statt. Erfolgreiche Eisenbahnerwahlen. Nazis und Kommunisten erfolglos. Die endgültigen Ergebnisse der Betriebsratswahlen bei der Reichsbahn in Bayern liegen zwar noch nicht vor, doch zeigt eine allgemeine Ueberficht die erfreuliche Tatsache, daß die freien Gewerkschaften allen Anstürmen von links und rechts siegreich standgehalten haben. Trotz ihrer unglaublichen Hetzarbeit sind die Kommunisten und die Hakenkreuzler überall bedeutungslose Gruppe geblieben. Die RGO. hat nirgends Fortschritte gemacht, die Nazis sind völlig ausgefallen. Bei der Reichsbahndirektion München erhielt der Einheitsver- band 4940 Stimmen und 8 Mandate, die Christen 2730 Stimmen und 4 Mandate und die Kommunisten 1310 Stimmen und 1 Mandat. Das bedeutet für den Einheitsoerband den Verlust eines Man- dates, was auf den Abbau von rund 2000 Wahlberechtigten im ver- gangenen Jahr« zurückzuführen jft. Die Nazis erhielten noch keine hundert Stimmen und infolgedessen auch kein Mandat. Bei der Direktion Augsburg, die ebenfalls rund 1000 Wahl- berechtigte weniger zählt, blieb es für den Einheitsverband bei 4 und für die Christlichen bei 3 Betriebsräten. Die Kommunisten brachten nur 143 Stimmen und die Hakenkreuzler nur einige Dutzend aus: beide erhiellen kein Mandat. Bei der Direktion Nürnberg behauptet der Einheitsverbond seine dominierend« Stellung mft dev gleichen Mandotszahl wie im Borjahr. Kommunisten und Nazis gingen leer aus._ Bolschewistische Geheimnisse. Selbstverspottung der Spalter. Das Berliner kommunistische Abendblatt, dessen Spezialität sadistische Romane und Alkovcngeheimnisse von„Tänzerinnen und ähnlich hochbezahlten Kokotten sind, hat ihren Lesern gpftern die „Geheimnisse des DMB.-Polaftes" aufgebunden. Dieses„Geheim- nis" ist aus Grund des in öfsentlicher Sitzung gefaßten Be- fchlusses des Berbandstages des Deutschen Metallarbeiberoerbandes in Bremen im Jahre 1928 zustande gekommen. Das Bolschewistenblatt behauptet u. a„ daß die Gcsamtkosten des Baues, llmzuges usw. sich auf 15 Millionen beliefen, und daß dos Architekteithorwrar ollein 3 K Millionen ausmache. In Wirk- lichkeit belausen sich die Gesamtkosten noch nicht einmal so hoch wie das angebliche Architektenhonoror. Sie haben in keiner Weise die Summen überschritten, die von den Vertretern der deutschen Metallarbeiter und-arbeiterinnen in Bremen bewilligt worden sind. Zu der phantasievollen Beschreibung über den„Luxus", der im Hause des Deutschen Metallarbeiterverbandes herrschte, sei nur er- innert an die übereinstimmenden Kritiken aller Berliner Zeitungen bei der Einweihung des Hauses, die dahin gingen, daß alles ab- gestimmt sei auf praktische Nützlichkeit, Einfachheit der Linien unter Vermeidung von jedem Prunk, und daß trotzdem ein harmonischer künstlerischer Gesamteindruck entstanden sei. Aus der reichlich blödsinnigen Reportage— nicht einmal den Namen des Vorsitzenden des DMV. kennt das Blatt— spricht einfach der blasse Neid der kommunistischen Spalter, deren Organi- satiönchen als Prunkgcgenstand höchstens über einen Gummi- stempel verfügen. Dies ist das wirkliche Geheimnis, das das kommunistische Blatt— wenn auch ungewollt— enthüllt. jadt�reie Gewerkschafts-Zuaenö Berlin Scuic, Mittwoch. IS1-- Uhr, taqen die Eruvven: Bamsichuleviveq: Iu- aendheim Erttftstt. 16. Der ftarrn»? der Gewerkschaften qeqen die Ar. b-itslosiftkeit.— NcvISlln: Iuqendheim Bcrastr. 29, Hof. 10 Minuten ous meinem Beruf.— Südwesten: Iuaendheim Dorckstr. 11, sZabritgebände. kcha6>Lchr lHofgebüude. Sachfeiutwrmerl. Porttag:»Dar,:« freie Geweilichaften?" Referent: ilraufc.— Schüuhanser Vorstadt: Juacndheim der Schule Äastanienallee 61. Zlachttahrt nach Rauen.— Obersp««: Niederschöneweide. Berliner Stt. 31 tächule», Gingang SasselwerdersttoKc. Lied» rodend.— Nordost: Jugendheim Daniiger Str. 62 fBarack- 3). Bortrag mit Schallplallen:»Pom Walter rinn Ja,«'. Referentin: Hertha Polemann.— Stralau: Jugendheim der Schule iSoftlerta. 61. Portrag: �taunnannische Lehre". Referent: Birr.— Neukölln: Jugendheim Böhmische Stt. 1—4, Ecke Kannrr Straße.„Aus unserer Arbeit." — Südost: Jugendheim Wrangelstt. 126. Brettfpielobend.— Spandau: Jugend- heim Lindenufer 1. Heimabend.— Potsdam, Rowawe»: Jugendherberge R«, wawcs, Priesterlttaßc. Liederabend.— Sönenick: Jugendheu» Dahlwiher Str. lä. Gasanstalt am Bahnhof Rdpenick. Stegreiflpiel«. B-ranttoortlich für Politik: Fron»«lud»: Wirtschaft: 9.»lingelhöser: Gewerkschaftsbewegung: I. Steiner: Feuilleton: D». John Schikowsli: Lokales und Sonstiges: Friß flarstädt; Anzeigen: Tb. Glock«: sgmllich in Berlin. B erlag: Vorwärts-Verlag S m. h. H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckcret und Berlagsanstalt Paul Singer u. Ca.. Berlin ES. 66. Lindenstraße 3 Hier,» 2 Beilage». , Du, ich Köre Deinen HenscKUg— ____ 89- 90- 91-92 wie»cKnell und unregelmäßig!" „Du irrst! Als Medizinerin Kann id> Dir sagen, daß Du nicht meinen Herzschlag, sondern Deinen eigenen Puls gehört hast, der Dir im Ohr Klingt, sobald Du es verdeckst. Bitte, fühle meinen Puls; er ist ganz ruhig und normal.- Siehst Du, 72 in der Minute." „Woher nur bei mir diese Pulssteigerung?" „Nun, Du und Dein unbelehrbarer Freund mußten natürlich heute nach Tisch wiederstarken coffeinhaltigen Kaffee trinken." „Ich hätte nicht gedacht, daß die Coffein-Wirkung so auffällig sein könnte.- überdies schmeckt der coffein- freie Kaffee Hag ja auch ganz vorzüglich." „Es ist schon so, Alfred, wie ich Dir immer sage: Kaffee Hag bleibt Kaffee Hag. MAC5<5IS SUPPEN 1 Würfel nur noch Iw PFg. Er. 220* 48. Jahrgang ± Beilage des Vorwärts Mittwoch, 43. Mai 4931 Stadtkämmerer Asch Berlins Kampf. die Bewag-Umgestaltuns.- Heraus aus der Unfreiheit. In einer großen sszicildemokratischen Vorskändekonferenz sprach gestern Berlins neuer Skadlkämmerer Genosse Bruno Asch über die unler dem Zwang der Verhältnisse vorgenommen« Umgestaltung der B e w a g und ober die Gründe. die zu der schwerwiegenden Entscheidung führten. Nachdem im Namen des Bezirksvorstandes Genosse S o b b a t h die Versammlung crössnet hatte, gab der Stadtkännnerer einen Ueberblick über die politische, wirtschastliche und kapitalmarktmäßig« Situation, die Berlin zwangen, den teilweisen Verkaus der Bewag vorzunehmen. Infolge der starken kurzfristigen Verschuldung der Stadt, die wiederum eine Folge der systematischen Abschnürung der deutschen Großstädte vom Auslandskopitalmarkt war, der in- zwischen eingetretcnen ungewöhnlich ungünstigen Lage des deutschen und internationalen Kapitalmarktes ist Berlin in diese Lage gekommen. Die kurzfristige Verschuldung der Stadt beträgt 620 Mil- lionen Mark, wovon die Stadt lOO Millionen sich selbst durch vor- zeitigen Verbrauch von Reservefonds schuldet. Im Mai sind 140 Mil- lionen Mark zu bezahlen gewesen, im Juni sind weitere 120 Mil- lionen Mark und im Juli rund 176 Millionen Mark fällig. Di« Banken erklärten, mcht in der Lage zu sein, eine Verlängerung dieser Kredite herbeizuführen. Biele dieser Verpflichtungen mußten von der Stadt unter drückenden und unerfreulichen Bedingungen übernommen werden. Das Bestreben der Finanzkrcise war syste- mattsch daraus gerichtet, maßgebenden Einfluß bei den Gas- und Elektrizitätswerken zu gewinnen. Der internationale Kapitalmarkt wurde durch die bei weitem nicht genügend gewürdigten Verhältnisse in Amerika, das sich feit nunmehr 1)4 Jahren in einer schweren wirtschaftlichen Krise befindet, weiter erheblich verschlechtert. Jede Verschlechterung des Kapitalmarktes hat für Deutschland, das in nächster Jukunft weiter auf«ine starte Kapitaleinfuhr an- gewiesen ist, katastrophale Folgen. Durch unsere wirtschaftliche Krise ist dos Budget aller öftentlichen Körperschaften aus dem Gleichgewicht geworfen worden. Steuerrückgäng« laufen parallel mft einer starken Steigerung desAnsgabenbedarfes. Das Reich' Hot das Jahr 10?0 mit einem Fehlbetrag von über einer Milliarde obgeschlosien und trotz aller Einschränkungsinaßnahmen wird auch das Jahr Z0Z1 einen erheblichen Fehlbetrag aufweisen. Mit mn ungünstigsten ist die Lage der Gemeinden, denen Losten ausgebürdet wurden, die chre finanzielle Leistungsfähigkeit weit übersteigen. Bei ihnen beträgt dos Defizit auch annähernd eine Milliarde Mark. Die für Berlin katastrophal gewordene Lag« wurde erschwert durch die Tatsache, daß der Stadt allein mit der Prolongation gewährter Kredit« nicht gedient ist. Schon in nächster Zeit muß neu auftretender Finanzbcdarf befriedigt werden. Im Interesse der Stadt Berlin und sämtlicher öffentlichen Körperschasten durste mit dem Sedanken Berlin als zahlungsunfähig zu erklären,-. wie es-der deutfchnotiötrole Stadtverordnete Steiniger verlangt hat,.nicht., ge- spielt werden. Wer sich die Gefamllog« nüchtern überlsgk uud sich die Sons«. queuzea vor Augen führt, die mit einer auch nur vorübergehenden Zahlungsunfähigkeit Berlins verbunden find, wird erkennen, daß kein Opfer gescheut werden darf,«inen solchen chaotischen Zustand zu»erhindern. Berlin« Bankrotterklärung hätte bedeutet, daß die Stadt keine Löhne und Gehälter hätte zahlen können und sämtliche sozialen Ausgaben hätten gesperrt werden müssen. Darüber Ifinous wäre die Kreditwürdigkeit oller deutschen Gemeinden schwer geschädigt worden. Es blieb daher kein anderer Ausweg als durch die teil- weise Veräußerung des wichtigsten und internattonol begehrten Ber- l liner Besitzes au» der finanziellen Unfreiheit und Abhängigkeit vom Bank- kapital herauszukommen. Der Stadtkämmerer erklärte, daß ihm dieser Beschluß als einem Mann, dem die Ausgestatlung der öffentlichen Wirtschaft Glau- bensbekenntnis sei, ganz besonders schwer sollen mußte. Auch die sozialdemokratische Stadtverordnctenfrattion hat die schwerwiegende Entscheidung nur noch eingehendem Abwägen des Für und Wider trotz großer Bedenken getroffen, weil sie die kons«- quenz einer anderen Entscheidung im Juteresse der arbeitenden Vc- völkerung Verlig» nicht aus sich nehmen wollte und nicht auf sich nehmen konnte. Für die Stadt galt es, sich mich weiterhin den Haupt- einfluß in der neuen Gesellschaft zu sichern. Das ist durch die Ueber- nähme des alten zwischen der Stadt Berlin und der Bewag gc- schlossenen P a ch t o« r t r a g e s auf die neue Gesellschaft gelungen. Es ist darüber hinaus durch Abmachungen mit der preußischen Elektrizitätsgesellschaft, der Preag und den Reichsclekirowcrken ge- lungen, Berlins Einfluß in der Generalversammlung so zu stärken, daß keine gegen die Interessen der Stadt gerichteten Beschlüsse gefaßt werden können. Vom finanziellen Standpunkt bedeutet dir lim- Wandlung das sofortig« Hereinströmen von 210 Millionen Mark in die leeve Stadtkasse. Das Wichtigere aber tsi, daß die Stadt jetzt in die Lage kommt, in den nächsten Monaten einen Teil der finanziellen Bewegungsfreiheit wieder zu erlangen, die es gestattet, bei den weiteren Verhandlungen über die Sanierung der Berliner Finanzen eine günstigere Stellung als bisher einzunehmen, wo sich die Unter- Händler der Stadt oftmals wie die deuksthen Veauslragien bei der Diklalsübergabe in Versailles vorkommen mußten. Auch bei den zu erwartenden größeren Erträgnissen der neuen Elektrizitätsgesellschaft wird von den Gewinnen ein erheblicher Teil, nämlich 40 Proz., der Stadt Berlin vorweg, vor der Befriedigung der übrigen Aktionäre zufließen. Es ist weiter gelungen, eine ctivki betriebene Kapitalvcrwässerung unmöglich zu machen. Trotz aller dieser im Interesse der Berliner Bevölkerung getroffenen Sichcrun- gen bleibt die unter dem Zwang der Verhältnisse vorgenommene Transaktion in kommunalpolitischer Hinsicht ein schwerer Verlust. Die Transaktion wird jedoch dazu führen. Verlin aus jener unwürdigen Situation herauszuführen, in der es dem Bankkopilol mit gebundenen Händen ausgeliefert war. Der Reichshaiiptstadt die finanzielle Bewegungsfrciheit wiederzugeben, erscheint als die wich- tigstc Ausgabe. Rur dadurch erlangt Verlin die Möglichkeit der selbstoeranl- wörtlichen Willensbildung wieder. Unter Würdigung dieser Umstände werden auch die Massen der Partei die Entscheidung der Berliner Stadtverordnetenfraktion billigen und gutheißen müssen. In der anschließenden Diskussion stellten die Genossen M i l- kowski, Günther und die Genossin Marquardt an den StadtgeniefiHleaiittdiitö arbeild. Die erste Sitzung.— Was die Volkspartei möchte. Anker dem Vorsitz des Oberbürgermeisters trat gestern der aus 45 Stadtverordneten bestehende Sladlgemeindeausschuß zu seiner ersten Sitzung zusammen. Die Presse und Zuschauer- lribünen waren geschlossen, weil nach dem neuen Gesetz die Ver« Handlungen des Ausschusses oichl öffentlich find. An der ersten Be- ratung nahmen zahlreiche auch nicht dem Ausschuß angehörende Stadtverordnete aller Fraktionen als Zuhörer teil. Noch einführenden Worten des Oberbürgermeisters wählte der Stadtgemeindeausschutz zu Beisitzern die Stadtverordneten Amberg(Soz.), Dröll(KPD.), Kleine(KPD.), Schulze (Dnat�, Somm-er(Staatspartei) und S t r ied l e r(Soz.). Man trat dquin sosortftn dft Arbeit ein, mehrere kleine Vorlagen wurden erledigt. Annahme fand eine Vorlage, nach der das Landschulheim Birtenwerder und das sonstige Vermögen der Karstadt- Stiftung in städtisches Eigentum übergehen fall. Auch der Vorlage über den Abschluß eines Vertrages zwischen der Stadt Berlin und dem Deutschen Reich, vertreten durch die Teltow- Kanal- Aktiengesellschost über den Neubau der Engen-Klein-Brücke in Beriin-Lichterfelde und deren Uebergang in das Eigenwm der Stadt wurde zugestimmt. Der Stodtverordnetenausfchuß erklärte sich ferner mit dem Verzicht auf die Rechte der Stadt Berlin am Deutschen Dom auf dem Gendarmenmarkt einverstanden. Die Sitzung fand eine Unterbrechung durch eine gemein- same Beratung zwischen dem Magistrat und dem Stadtgemeinde- ausschuß, die zur Herbeiführung einer Verständigung über die Hunde sie Verordnung dienen sollte. Nach Abschluß der De- sprechung stellte der Oberbürgermeister als Vorsitzender fest, daß ein« Verständigung über die Hundesteucrordnung nicht zu er- zielen war. Die Volkspartei hotte einen Dringlichkeit»« a n t r a g eingebracht, der den Mogistrot verpflichten wollte, Ver- Handlungen mit dem Bestreben aufzunehinen, alle kommunalbetricbe in gemeinwirtfchastlichc Anlernchmen umzuwandeln, bei denen die Stadt 61 Prozent des Aktienkapitals besitzen soll. Der Oberbürgermeister wie» die Zulassung des Antrages mit der Be- gründung zurück, daß die Zuständigkeit des Stadtgemclndeausfchusses so weit nicht reich« und der Antrag der Swdwerordnetenversanim- lung vorgelegt werden müsse. Der Antrag der Herren von der Volk». Partei zeigt, daß das P rr v a t k a p i t a l feine Stunde gelonmien sieht und die Konjunktur voll und ganz ausnutzen möchte. Die Herren dürften sich jedoch verrechnet haben. * Dem Aeltestenrat des Stadtgemeindeausschusfcs gehört als Vertreter der sozialdemokratischen Fraktton der Fraktionsvorsitzende Genosse Erich Fla tau an. In dein wichtigen Ausschuß für Er- werbslosenfragen werden die' Sozialdemokraten II r i ch, B u b 1 i tz, Ambcrg, Robinson und Riese mitarbeiten. RocmAn au« dem UngarisAcn tod Alexander ron Sacber-MaseeV. Dies buchstabierte meine Mutter laut vor sich hin. Darauf umarmte sie meinen Vater plötzlich und küßte ihn liebevoll, glücklich und schluchzend. Auch mein Vater war nahe daran, zu heulen. Meine Schwester sprang vom Stuhl herunter und riß auch mich mit. der immer noch blöde in die Luft starrte, und drehte mich laut jubelnd im Kreise durch das Zimmer. Die Freude war so groß, daß es schien, als hätten auch die Gegenstände daran teil. An Stelle der Flammen im Osen schienen kleine Zwerge zu tanzen und Purzelbäume zu schlagen, in roten Hüten und gelben Röckchen. Die Summe mar tatsächlich ziemlich hoch und wäre auch in unseren besseren Tagen ins Gewicht gefallen, die zwanzig Prozent, die dem Advokaten gehörten, einbezogen. Meine Eltern begannen dann, gleich dort in unserer Gegenwart, umständlich zu rechnen und zu verhandeln. Wie sie die Sparkasse auszahlen wollten. Eine Kuh und Schweine kaufen. Wieder eine Dienstmagd nehmen. Mich und meine Schwester neu einkleiden. Mein Vater stellte eine Liste auf und hakte mit dem Blei- stist die einzelnen Punkte des Kostenvoranschlages an. Inzwischen wurde es langsam Abend. Meine Mutter bereitete das Abendbrot, diesmal ein fest- kiches. Mein Vater genehmigte ein paar Schlückchen, aber mit Maß. neben uns beim Tisch. Wir flüsterten gerade mit meiner Schwester, wie wir bis tzum Abendbrat in die Nachbarschaft entkommen könnten. Die großartige Neuigkeit drückte uns sehr, wir wollten sie bei Freddy möglichst bald los werden und auch das Domino lockte uns mächtig. Aber in diesem Moment trat Mister Jack bei uns ein, pon der Kamelfüttcrung kämmend. Natürlich begann er damit, auch meinem Vater über- chu'jie VemiMittg«ü L dem Schneiderpaar zu danken. Meinen Vater stimmte die Freude immer ungewohnt und übertrieben weichherzig. Er ließ gleich vor Mister Jack ein Glas hinstellen und wir er- lebten gleichsam, wie er es genoß, jetzt gleich die große Neuigkeit mitzuteilen und nur die passende Gelegenheit dazu abwartete. Mister Jack begann von dem Kamel zu erzählen und bat meinen Bater, ihm zu erlauben, das alte Stroh auf dem Boden zu sammeln, um damit die Fenster und Ritzen des Stalles zu verstopfen, durch die der Wind hereinbließ. „Natürlich! Mit Vergnügen!" rief mein Vater bereit- willigst und ergriff die Gelegenheit, Mister Jack mitzuteilen, das Kamel werde vielleicht schon in dieser Woche Gesellschaft erhalten: „Es steht etwas Geld ins Haus", sagte er,„und wir kaufen ein Kühchen, weil die fremde Milch nie so gut ist wie die selbst gemolkene. Lieber nehme ich eine Magd. Auch meine Frau kann etwas Hilfe vertragen." Es schien, als bemerkte mein Vater keine genügend« Wirkung seiner Eröffnungen bei Mister Jack. Auch Mister Jack begann damit, daß sie ebenfalls fast mit Sicherheit Geld und einen Vertrag erinarteten, durch Vermittlung eines seiner Freund«. Dann wollte er sich, wie bei so späten Besuchen, empfehlen, uns zublinzelnd, daß' Freddy bereits mit dem Domino warte. Aber mein Vater drückte ihn jetzt, als er ausstand, wieder in seinen Sessel zurück: „Meine Frau bereitet gerade ein paar gute Bissen, bleiben Sie doch zum Abendbrot, Mister." So geschah es. Mister Jack wurde Augenzeuge unseres Freudenmahles, das zu Ehren des gewonnenen Prozesses be- reitet war. Währenddessen lernte er aus der Erzählung meiner Eltern die volle Bedeutung des Ereignisses kennen: „Aha, aba! Oder Krach, wie bei Hippodrom, oder schönes Leben, viel Geld. Aha, aha! Gratuliere von Herzen. Ich so viel Freude, wie meine eigenen Sachen." Mister Jacks Sprache wurde in dem Verhältnis unser- ständlicher, je mehr Gläser geleert wurden. Aber daß die Freude über unser Glück so aus seinem Gesicht strahlte, als hätte man im Zimmer helle Lichter angezündet und daß diese verdrehten Worte so aus seinem Munde kamen wie ein Gebet, war eine andere Sadjt). ijuife jche ißcL 4* tr frfOTfliHfl. W-uN SMMs und ich schlummerten schon lange. Während meine Mutter ausnahmsweise diesmal mit den Männern bis zu Ende aus-, hielt. Achtzehntes Kapitel, besaßt sich ausschließlich mit den inneren Angelegenheiten der Hungerleider und der Familie des Helden. Ich schlief mit meiner Schwester auf einer breiten Liege- stelle, die auf Rädern stand und unter das Bett geschoben werden konnte. Wir lagen mit den Füßen zueinander. Das Deckenwegziehen war unsere gewohnte Abendunterhaltung, wenn es nicht zur Prügelei ausartete, bei der ich gewöhnlich den kürzeren zog. Meine Mutter schlief über uns im Bett. Mein Vater im„ anderen Zimmer. Außerdem hatten mir noch ein Zimmer, das sogenannte Herrenzimmer. Es war hübscher eingerichtet und hier wurden früher die Familienfeste� abgehalten, die Taufen und die Hoch- zeit meiner Schwester. Mit den veränderten Zeiten wechselten die besseren Möbel von da an in unser Wohnzimmer herüber und wurden abgenutzt, jetzt diente das Zimmer mehr als eine Art Lebens- mittelspeicher, wenn überhaupt etwas da war, um gespeichert zu werden. Es wurde auch im Winter nicht geheizt, die Wände waren feucht geworden, der Fußboden verschimmelt. Am Tage nach dem Ereignis schlief mein Vater bis spät in den Tag hinein und ging nicht ins Amt. Er frühstückte gerade, als meine Schwester und ich aus der Schule heim- kamen. Wir hörten, daß meine Mutter eben zu ihm sagte: „Du, Josef, hast du dir die Sache gut überlegt? Auch ich bedaurc sie von Herzen, aber bedenke, wenn wir auch diese paar Gulden kriegen, darum sind wir doch arme Leute und haben hier die zwei Göhren, ich sage es nur, weil du anderen so sehr helfen willst." „Ueberlasse dos nur mir!" entgegnete mein Vater. „Aber bedenke", debattierte meine Mutter,„wenn sie un« nun den Winter über am Halse bleiben?" Jetzt wußten meine Schwester und ich bereits, daß von den Komödianten die Rede war. Aber wie? Wir spitzten die Ohren. Mein Vater überdachte jetzt selbst die Einwände meiner Mutter, aber dann siegte in ihm, wenn auch nichts sonst, seine Hartnäckigkeit, meiner Mutter Unrecht zu geben. /lVortjetzunz � Straßenterror der Nazis. Schaufenstersturm in der Leipziger Straße restlos aufgeklärt« Die unermüdlichen Nachforschungen der Polizei hinsichilich der Ausschreitungen bei der Reichstagseröfsnong am lZ. Oktober lgZ0 haben einen glänzenden Erfolg gehabt. Es ist seht vollkommen einwandsrei festgestellt worden, dah die Zusammenrottnag in der Leipziger Strohe und der Friedrich- Ebert-Strahe. das Einschlagen der Fensterscheiben und die Belästigung jüdisch aussehender Passanten von den Nationalsozialisten planvoll vorbereitet worden ist. Der Polizeipräsident keilt jetzt folgendes mit: Die Ermittlungen nach den an den Ausschreitungen in der Friedrich-Ebert-Ttraße und Leipziger Straße an- läßlich der Reichstngseröfsnung am 13. Oktober lgZV beteiligten Personen haben außer den bereits früher iestgestellten und verurteilten Tätern zum Abschluß der polizeilichen Ermittlungen und damit zur Anklageerhebung gegen süns weitere Beteiligte geführt. Drei der Beteiligten gehörten zur Zeit der Tat dem Stvrm 4. der eine Beschuldigte dem Sturm 38 der NSDAP, an. » Bei sämtlichen Beschuldigten ist festgestellt, daß st« sich an den Aus- schrcitungen in der Friedrich-Ebert-Straße und Leipziger Straße und, mit Ausnahm« des einen, insbesondere an dem Zertrümmern der Fensterscheiben des Cafes Dobrin und der Geschäfte in der Leipziger Straße aktiv beteiligt haben. Der eine Beschuldigte hat nach dem EinschlagäK der Fensterscheiben aus dem Cafe Dobrin ein silbernes Sahnenkännchen und einen silbernen Teller entwendet und später beide Gegenstände einer ihm bekannten weiblichen Person zugesteckt. Ein anderer dieser Beschuldigten Hot außer seiner Beteiligung an dem Einwerfen von Schaufensterscheiben in der Leipziger Straße einen jüdisch aussehenden cherrn schwer mißhandelt. Die polizeilichen Untersuchungen haben als besonders bemerkenswert ergeben, daß die Tumulte von einzelnen Gruppen der NSDAP, vorbereitet und planmäßig durchgeführt worden sind. So ist nunmehr positiv festgestellt worden, daß sich an den Aus- schreitungen in erheblicher Zahl Angehörige der SA. der NSDAP. beteiligt haben. Zum Teil rückten die Stürm« geschlossen an. Die Angehörigen und insbesondere die arbeitslosen Mitglieder des Sturms 4 der NSDAP, sammelten sich, wie festgestellt worden ist. auf vorhergehende Anordnung des Sturmführcrs am 13. Oktober 1930 um 13 Uhr in einem Nerkehrslokal der NSDAP, in Wilmcrs- darf und fuhren von dort aus geschlossen zur inneren Stadt. Das Fahrgeld wurde der Parteikasse entnommen. Zur Verstärkung der Berliner SA. war auch ein größerer Trupp Angehöriger des Sturms 38 aus Brandenburg an der Havel, zu dem auch der«ine Beschuldigte gehörte, eigens zu diesem Tage nach Berlin gekommen und hat sich an den Ausschreitungen beteiligt. Das Vorgehen der einzelnen Stürme bei den Tumulten erfolgte zum Teil geschlossen und unter einheitlicher Leitung. So haben sich bei den schweren Ausschreihingen am Cafe Dobrin besonders die Stürme 4, 9 und 13 geschlossen beteiligt. Es ist damit zu rechnen, daß die fortgeführten Ermittlungen noch weitere interessante Ausschlüsse über die Hintergründe der Vorgänge am 13. Oktober 1930 bringen werden. Naziführer kriminett. Sin ungetreuer Steoerobersekretär fristlos entlassen. Weimar. 12. Mai. Das Sonnebcrger Finanzamt teilt amtlich mit, daß der Ende der zwanziger Jahre stehende, aus Magdeburg stammende vcr- heiratete Steuerobersekretär Fritz Jahnecke wegen Unregcl- Mäßigkeiten fristlos und ohne Pensionsanspruch ent- lassen worden ist, nachdem er den veruntreuten Betrag zurück- ge, zahlt hat. Jahnecke, der inzwischen aus Soimeberg verschwunden ist, hat forllaufend Tagezgelder zu Unrecht liquidiert. Der Borfall erregt in Sonneberg und in ganz Süt�Thüringen großes Aussehen, zumal Jahnecke ein« führend« Persönlichkeit in der Nationalsozialistischen Partei war. Er war Bor- sitzender der Sonneberger Ortsgruppe und Nedakten? des„Be- obachters für die Kresse Soimeberg und Hir&burgHauseu�, Neserrnten einige Fragen über die Einzelheiten des Abkommens, die der Genosse Asch in seinem Schlußwort austlärend beantwortete. In einer kurzen Erklärung wies Genosse Karl Litke darauf hin, daß es eine Lüge ist, wenn behauptet wird, die Sozialdemo- traten hätten durch eine leichtsinnige Politik zu der Berschuldung bei- getragen. Seinerzeit habe sowohl die sozialdemokratische Stadt- verordnctensraktion wie auch die sozialdemokratischen Mitglieder des Magistrats die Ansicht vertreten, daß auch die kommende Generation mit den Untergrundbahnbauten belastet werden müßte. Diese Politik ist durchkreuzt worden von einem Mann, der in dem Augenblick, in dem das Bewag-Abkoinmcn beschloffen werden mußte, in den Aus- sichtsrat der G e s f ü r e l eingetreten ist. Es war der ehemalige Reichsbantpräsident Dr. Schacht, dessen gemeindeseindliche Politik diesen Erfolg des Privattopitals ermöglicht hat. Berlins Leistung. Zum Schluß rechtfertigte Stadtverordnetenvorsteher Genosse Haß die in Berlin in den letzten Jahren betriebene Politik, die in vollem Einklang mit der vom Staat und Reich getriebenen Politik gestanden habe. In anderen Gemeinden liegen die Dinge oft noch weit schlimmer als in Berlin. Wenn zum Beispiel Köln 200 Mil- lioncn kurzfristiger Schulden hak, so ist das prozentual eine viel höhere Belastung, als sie gegenwärtig in Berlin besteht. Berlin hat Untergrundbahnbautcn durchgeführt, nicht bloß um die in der Vor- kriegszeit vernachlässigten Arbeiterbezirke dem modernen Verkehr zu erschließen, sondern auch um Arbeitslose zu beschäftigen. Wenn heute das Reichsarbeitsministerium an den Berliner Magistrat mit dem Ersuchen herantritt, die Untergrundbahnbauten fortzusetzen, um den Erwerbslosen Arbeit zu geben, so ist das der best« Beweis, daß die Berliner Politik durchaus nicht falsch war. Genosse Haß er- klärt« zum Schluß, wenn die sozialdemokratische Fraktion auch weiter nichts getan hätte, als U-Bahnen auch für die arbeitende Bevölke- rung zu schaffen, so würde das in einer ruhigen Zeit schon allein al« ein ungeheurer Erfolg gcwertet werden. Was Berlin in der Nachkriegszeit unter schwierigsten Verhältnissen geleistet hat, wird später einmal die B e w u n d er u n g der ganzen Welt sinden. Heute Zeppelin-Besuch. Ankunft in Tempelhof gegen-IS Uhr. Heute nachmittag gegen 18 Uhr wird das Luftschiff„Gras Zeppelin" nach einer dreistündigen Rundfahrt über Berlin im Zcntrolflughafen Tempelhof zum ersten Male eine Zwischenlandung mit Passagierwechsel vornehmen. Die Berliner Flughasmgesellschast Hot Borsorge getroffen, daß der Berliner Bevölkerung auf dem Ge» jändc vor dem Rollfeld die Möglichkeit gegeben wird, die außer» ordentlich interessanten Lande- und Startnianöoer zu beobachten und aus nächster Nähe den silbernen Riesenleib zu schauen. Für die Besucher de- Ncstaurationsplatzes<1 M.) erfolgt etwa gegen 18.30 Uhr die Verteitong von Freisahrten(einstündig) mit dem Luftschiff.Graf Zeppelin" von Tempelhof noch Staaken. Berlin in seinem Lichterglanz wird einen bezaubernden Eindruck bei den Mitreisenden hervorrufen. Auf Einladung Dr. Eckeners wird Ober- bürgermeister Dr. S a h m an der Rundfahrt über Berlin, die in Staaken nachmittags 14.30 Uhr beginnt, teilnehnien und das Luft- schiff bei der Zwischenlandung im Tempelhof wieder verlassen. Die Berliner Verkehrsgcfellschast wird am Mittwoch- nochmirtag die Linie 24 nach der Friesenstraße mit Anhänger laufen lassen, ebenso wird die Linie 73 bis Flughafen verstärkt wer- den.und es ist Vorsorge getroffen, im Bedarissalle vom Halleschen Tor zum Flughaf«n Einsatzwagen laufen zu lassetj. EWe weitere Straßenbahnvcrdichtung ist für die Richtung Tempelhos, Berliner Straße, vorgesehen und ebenso aus der U-Bahnstrecke Flughafen. Die Eintrittspreise für den Flughafen Tempelhos betragen 50 Pf.. 1 und 2 M. Freie Gewerkschasten auf der Bauausstellung. Wir werden gebeten, darauf aufmerksam zu machen, daß der Stand 634 der freien Gewerkschasten und ihrer Wirtschastsbetriebe in Halle V l der Bauaus st ellung bis zum Eröffnungstage und auch bis heute noch nicht fertig geworden ist. Er teilt dies«.'. ochickjal übrigens mit vielen anderen Ständen der Ausstellung. Erst gegen Ende der Woche dürfte mit einer endgültigen Fertigstellung der Kollektivschau zu rechnen sein. Der'Entwurs der frei- gewerkschaftlichen Schau stammt von Professor G r o p i u s, dem die bekannten Graphiter M o h o l y> N a g y und Herbert Bayer zur Seite standen. Siebzehnjähriger auf der Straße niedergestochen. In den gestrigen späten Abendstunden kam es vor dem Hause Danziger Straße 46 zu einer schweren Schlägerei zwischen mehreren jungen Burschen. Im Verlauf des Handgemenges wurde der 17jährige Gerhard Schneider aus der Elbinger Straße durch einen lebensgefährlichen Lungen st ich niedergestreckt. Sch. fand im Krankenhaus am Friedrichslzain Aufnahme. Di« Kriminalpolizei hat die Ermittlungen nach dem Täter aufgenommen. Kinderjubel im Konsumwarenhaus. Die L e r l i n e r K o n s u m g e n o s s e ,i s ch a f t hat de» Kindern ihrer Mitglieder eine große unerwartete Freude bereitet: der Erfrischungsraum des Warenhauses in der Oranien- straßc ist in eine feine Spielwiese umgewandelt worden. Und was das Allerfeinste ist: es gibt für die kleinen Jungen und die kleinen Mädel, nachdem sie mit ihren Müttern den speziell für Kinder- bekleidung und Kinderbedars hergerichtetcn Verkaussabteilungen einen Besuch abgestattet haben, m der Ersrischungsabteilung kostenlos Kakao und Kuchen. Auch heute, Mittwoch, findet noch dieser herrliche Kindertag statt und da eine Riefest- Wanderung zu erwarten ist, so seien alle Mütter, die mit ihren Kindern hinziehen wollen, ermahnt, unbedingt ihre Mitglieds- ausweise mitzunehmen.' Fürstenwalder Bürgermeistersfrau verschwunden. Seit Freitag wird die Frau des Bürgermeisters Stall. Fürstenwald« vermißt. Die Frau ist etwa 40 Jahre alt. 1,74 Meter groß, schlank und Hot graues, fast weißes Haar. Frau Stall litt sest längerer Zeit an Schwermut. Es wird vermutet, daß sie sich in einem Anfall entfernt hat und planlos umherirrt. Da» Fest der goldenen Hochzeil begeht heute unser alker Parte?. genösse S ch u n a ck. Berlin NO., Landsberger Allee 48, mit seiner Ehefrau. Eisenbahnunglück! Zwei Expreßzüge zusammengestoßen.- Zwölf Tote! New York. IÄ. Mni. Nach einer Meldung aus Rio de Zaneiro stießen in der Rühe der Ttadt auf der Station Merity zwei Expreß;«ge zusammen. Soweit bisher feststeht, wur» den 12 Personen getötet und 35 verletzt. Verkehr am Himmelfahrtstage. Auf der Stadtbahn olle zwei Minuten ein Zug. y...■■■•,.. r■ X-■- Für denZtarkcn Verkehr am..H immsl i a h r t stag auf der St.o d t Ring» und Vorortbahn hat die Reichsbohndirektion Berlin umfassende Borbereitungen getroffen. Außer den fahrplanmäßigen Zügen werden der Berliner Bevölkerung 500— 600 Sonderzüge für Ausflüge ins Freie zur Verfügung stehen. Auf der Stadtbahn wich alle zwei Minuten ein Zug fahren und auf den elek- krischen Borortstrecken, besonders zwischen Berlin und Wannst«, Friedrichshagcn und Grünau, wird der Fünfminuten- verkehr eingerichtet werden. Ferner sind für den Verkehr von Berlin nach den Ausflugszielen genügend Einsatzzüg« vorgesehen worden, insbesondere zur Baumblüte aus der Strecke Berlin-Potsdomer Fernbahnhos nach Werder 100 Züge. Ter Rück- verkehr auf diestn Strecken wird nach Bedarf im Zehnminuten- verkehr bedient werden. Nach Scharmützelse« und zurück sollen drei direkte Züge als Verstärkung gefahren werden. Wer sein Hrmnielfahrtsziel weiter gesteckt hat» benutze Sormtags-Rückfahr» karten: sie gelten von Mittwoch 12 vhr bis Freitagmorgen S Uhr. -1000 Kilometer in drei Stunden. Glanzleistung eines amerikanischen Fliegers. Der amerttanische Rekordslieger Frank M. Hawks, der am Dienstag um 12 Uhr in London startete, landete um 14 Uhr 55 Minu- ten, also nach noch nicht drei Stunden, auf dem Tempeihofer Flug Hasen. Hawks hat damit eine beispiellose Leistung voll- bracht, indem er die rund 1000 Kilometer lange Luststrecke mit 330 Kilometer Stundengeschwindigkeit zurücklegte. Dem Flieger wurde«in begeisterter Empfang von zahlreichen An- gehörigen der hiesigen amerikamschen Kolonie bereitet., Jannowitzbriicke wird montiert. Den Berlinern wird mit der demnächst erfolgenden Atontage der neuen 72 Meter langen Jannowigbrücke ein interessante-, technisches Schauspiel geboten werden. An Stelle von Gerüsten im Strombett, die die Schiffahrt behindern würden, werden am Rolandufer zwei große Montageträger ausgestellt, die a» zwei aufeinanderfolgenden Sonntagen mit Hilfe von zwei Kähnen.ein- geschwommen" werden. Auf diesen Trägern ruht ein großer, 6 0 Meter hoher Portalkran, mit dessen Hilfe dann die Brücke nwntiert wird. Die Eistnkonstruktion soll noch in diesem Jahre fertiggestellt werden. Die neue Jannowitzbrücke ist eine auf zwei Hauptträgern ruhend« Bogenbrück«. Flugzeug in Lichtleitung verbrannt. Graudeu;, 12. Mai. Ein polnisches Militärflugzeug verunglückt« auf schreckliche Art. Es flog in die Storkstromleitung eine» in der Näh« der Stadt ge» legenen Elektrizitätswerkes und stürzte brennend in die Weichsel. Der Flieger, ein polnischer Major, büßt« dabei sein Leben ein. Infolge der Zerstörung der Drohte war die Stadt Graudenz drei Stunden ohne Licht. Flußbad Lichtenberg. Neueröffnung am L4. Mai.— Klingenbergs warme Oveklea. Die herannahende Sommerzeit mkt ihrem in Berlin erfreulich starken Freibadebetrieb läßt es angezeigt erscheinen, schon jetzt auf die Gefahren hinzuweisen, die mit dem Baden an uobeaufsich- tigten und an verbotenen Stellen verknüpft sind. Der Mangel an Hilfseinrichtungen, plötzliche Tiefe im Flußbett, Verfumpsung und Berkrautung des Bodens oder plötzliche Steilheit der Ufer geben häufig Anlaß zu Unglücksfällen, die in den letzten Jahren einen erheblichen Umfang angenommen haben. Aufgestellte Warnungs- und Verbotstafeln, die auf die Gefährlichkeit des Bodens an solchen Stellen hinweisen, müssen daher unbedingt beachtet, werden. Die Berliner sind nicht auf die Benutzung gefährlicher Bade- stellen angewiesen. Dank sozialdemokratischer A.rdeit gibt es die zahlreichen städtischen Freibäder, die bei ihrer mäßigen Gebühr von jedermann besucht werden sollten. Im Bezirk Lichtenberg befindet sich das vorbildliche städtifch« Flußbad an der Köpenicker Chaussee, neben dem Großkraftwerk Klingenberg. Das Bad ist mit der Straßenbahnlinie 13 oder mit einem Motor- boot(Erwachsene 15 Pf, Kinder 10 Pf.) vom Motorboothafen Hauptstraße 1 direkt zu erreichen. Die Anlage bietet nicht nur Wasserfreunden reichlich Gelegenheit zum Baden und Schwimmen, sondern auch den Besuchern, die aus der 26 000 Quadratmeter großen Strandfläche Sonnenbäder nehmen wollen. Eine Warmwasscr- Brauseanlagc sowie Fußwaschbecken vor den Garderobenhallen sorgen weiter für die Bedürfnisse der Besucher. Für Kinder ist ein großes Planschbecken geschaffen, s Oer Tod auf den Schienen. Fürslemvalde, 12. Mai(Eigenbericht). Am Montagabend hat der 21jShrige Friseur Theodor Bergmann auf furchtbare Weise Selbstmord verübt. Er entfernte sich gegen Mtitag von seiner Arbeitsstelle, gab in einem benachbanen Restaurant einen Brief mit dem Bemerken ab, ihn erst nach einer halben Stunde zu öffnen. In dem sofort nach dem Weggang des B. geöffneten Brief äußerte dieser Selbstmordabsichten. Sosort an» gestellte Ermittlungen über seinen Verbleib waren leider erfolglos. In den Abendstunden warj sich B. in der Nähe der Waldschenke vor den Zug der Kleinbahn und wurde getötet. Die Ursache dürfte in der geistigen Verwirrung als Folge eines früher erlittenen schweren Motorradunsalls zu suchen sein. Zu den Verhaftungen wegen der Unterschlagungen bei der Landesaufnahme wird von zuständiger Stelle mitgeteilt, daß die Angelegenheit nunmehr der Staatsanwaltschaft übergeben worden sei, die die Angelegenheit beschleunigt behandeln werdet Sport. Rennen zu Sarlshorst am Dienstag, dem 12. Mai. 1. Nennen. 1. Mihgriff(Wolfs), 2. Irrwisch, g. Annchen. To!o: 16:10. Ploß; 12, 17, 28; 10. Ferner liefen: Ina, Musketier,»rane, Juditb. 2. N e n n e n. 1. Ncuplalw(C. Rupprcchlj, 2. Eva, 3. Tamuta. Toto: 35:10. Platz: 13, 11, 12: 10. Ferner liejen: Meute, Blanco, Rhenus, Dineta, StriuS. Z.Renne». 1. Spitzweg(Andrle). 2. Hetman, Z. Tambur Toto: 65:10. Platz: IS, 29, 19:10. Ferner liefen: Feuelon, ServuS, Eulbiand, Utamaro, San Domenico, Gradiva(ges.), Jfabell. 4. Rennen. 1. Pizor(Dr. Liebrech!). 2. Lohland. 3. Regan. Toto: 22: 10. Platz: 15, 22: 10. Ferner liefen: Lodi, Achmed. 5. R e n» e n. 1. Blanker Hand(Sajdik). 2. Patriarch, 2. Gebelaune. Toto: 20:10. Platz: 15, 16: 10. Ferner Uesen: Wien, Ostsranke, S»w— aranv. 6. Rennen. 1. Rardnrz(Wolff), 2..Kriegsspiel. 3. Petersilie. Toto: 69:10. Platz: 29,21.43:10. Ferner Uesen: Märchenland, Molo. Letzter Versuch, Minneklang, Rebelhere, Flugbolde. Liebhaberei, Futurist. 7. Rennen. 1. Motor(M. Dreitzig), 2. Leonatu», 3. Scharade. Toto: 2l: 10. Drei liefen. Aal jedes H-cuVi, selbst fia clcti» heUste k mit Säu'iefiuIW� IiUPoon parieinachnchien f&K für Groß-Berlin Jlnteabnugcn für WH« fflnbrH p»d mar/S st«t» ,»»«HrkHelritari«, wirli» SS U, Lt-dr»s!raße 3, Z. H»s. 2 rre»p«»««cht». i» richt»» Beginn aller Veranstaltungen 1 S? 2 Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! Mitgliederversammlungen und Zahlabende heute, Mittwoch, 1Z. Mai. in nachstehenden Lokalen: *. Abt. 3a()kt1>mbt in bcn bdanntcn Lotalkn. 33. Nbt. Sabrabtnbt bei Müller. Eimvloustr. ZI. Lichtbildabenb. Becker. Simsn- Dach�Str.». Wertolla, Hobenlobesir. 3. Hofwiann, Stralau« Allee 17. Drc Reichsparteitag. Zll. Abt. Lokal Kirsch, Petersburger Str. 31. Käthe Kern:»Wer ist Doppel- perWenet?" 37. Abt. 3rt den bekannten Lokalen. Wichtige Tages» rimun«. ,33. Abt. �labende in sämtlichen IS Be,irle» an bekannt« Steve. 43. Abt. tioblabenh in dem bekannten Lokal. 32. Abt. 20 Uhr bei Marsaich. Restaurant �eibekrng�. 1. ftreiienkettum rnib Rpbocrorbnung." Referent: Hans Altnrann. 2. Bericht vom Begirtspartei- tag..3. Parteiangeleqenheiten. 67. Abt. 20 Uhr Zahlabeich und Abteiluirgsoersammlung im Restaurant Bahn. bof(bttmctoolb, fflutibodjet. Bericht vom Beiirtspartritog und aktuelle Fragen. 74. Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlung im Walkchauo, Spandau« Serahe. Referenten: Redakteur Heinrich Komps und Pastor Francke: Clinch« und Sosialisnrus". 74». Abt.'20 Uhr Mitglied erverümmrUma Bei Schneidet, Potsdam« Str. 25. Referent: Dirritvr Bachem von der Ardeitcrbank:.Finang- und Mrt, ütaftsfrogen�. 81. Abt. 20 Uhr. 1. bis 3. Bezirk bei Klabe, Handierpstr.«« 5l. Thema: .Landwirtschafistriie und die Politik der Sozialdemokratie". Referent: Genosse Schulde, Korreferent: Genosse Dr. Cohn. 4. und 3. Bezirk bei Baginski, Stubenrauchfir. 22. Thema:»Älter und neuer Strafvollzug". Referent: Genosse Heinrich Hellwig. 6. Bezirk bei Kah, Born- Ecke BUnngiirahe. Thema:»Volksbegehren, Preuhen und Reich". Referent: Ge- nasse Otio Meier. 3». Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. »l. Abt. Abteilungsversammlung im Restaurant BergschlohhShe. Karlsgarken. strafte 6— II. Referent: Genosse Johann Haft. 87. Abt. Mitaliederversannnluiig in Reiseis Fesskallen. Fonaossr. 22. Vor» lrag und Berichterstattung vom Bezirkspatieitag. Genosse Lahn. 120. Abt. Die Mtgliedeeveösaormlung findet nicht, wie ieetsuaNch aa- gegeben, bei Tempel, sondern in Wiehe» Gesellschaft�«»,, Wilhelms«. 33. statt. Referent Bürgermeister Dr. Ostrowski spricht über die Barwaltung im Reich. Staat und der Komorune. SBilban. 20 Uhr beim Genossen Scholz, Beoalaffee. Rofment: Sanosse Ruibe». Morgen, Donnerstag. 14. Mai: 85. Abt. Tewpelhos. 8. bis II. Bezirk: Lokal Wvllenberg, SetTiner Str. 1. Bortrag:»Agrarpolrtii— Osthilfe". Referent: Genosse Fürqenfen. ♦ 14. Keei«. Freit««. 15. Rai, Bilbniasiownrilft»»>« Parteihür». Fnlba- strafte 55-5«. 128. und 12». Abt. Die Baeteiqenoffe»»erbe» enfgeforbert. an folgenben Ree. »nftaltunae« der Ferien Inrneefchaft Pankow teilzvnebmen. So»nahend. 1». Mni, im»Pan kg rasen", Schl oftstrafte. Begrüftn-gnabenb bei a»,. märt igen Rannschastnn»üb M-ineranügen. Sonnt«. 77. Rai.«Iß»»»«. sportplast»ornnttag» Spiel« der eigenen«annschaftr».»achrntttags Spiele gegen b,« Gastmannschafte». Parte igen, ssenl Hebt«»libarit«: Jrauenveraustallungev. O. Saeia. Freitag. 16. Mai.»bj Uhr,« Gemrrnschaftdhau, Fallenbeva» OTi AbS» nicke Futcktio närinne nstchung. RiotrXtaSal-Zepernick. Freitag, 15. Mai. 20 Uhr. im Lokal Retiel. RSntchmtal, BahmhoHlr. 75. Dortrag:.Arbeiterschaft und Kirche". Vezirksausschuh für Arbeiterwohlfahrt. 18. Stcia Tcmpelhos, Marie nborf. Raeienselbe, Lichtenrabe. Frenag. Hb. Mai. 20 Uhr. bei Pommerruing, Leriiner Str. 100, Nichtiger Aussprache. abend mit Referat des Genossen Dr. Schlaft. Erscheinen aller auf dem Gebiete der Woblfahrtmtfleg« tätigen Genossensznrien)»st Pflicht. j Sterbetafel der Groß«Berliner Partei«Organisatioa 30.»ab ZI. Abk. Am Montag, dem 15. Mai, starb an den Folgen ein« Operatiorr»trsere liebt, treue Genoistn Marie Maderholz im Alter von 4« Fahren. Ihre Anhänglichkeit an die Partei und ihr goldener Humor machten ihr olle zum Freunde. Der Verlust der guten Kameradin erfüllt uns mit auf- richtiger Trauer. Die Einäscherungoseier findet am Freitag, dem 15. Mai, 1« Uhr. im Krematorium verichtftraftc statt. Recht rege Beteiligung erwarten die Abteilunäsleitungen. KTiil sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serlio HwlfccklB abofenbOTMtn s«r diese Rufe« mrr we da« ZoaevbiekeeZMtat W«�MZW Sern» SÄ«. kwdenstmbe S Srggeloei«: Heerte 20 Uhr, Uehen im Heim Willdenomstr. 5. Die Anträge süe die Fahrproi«r««ftign»a für die Psingftsghet müssen bi« spätestens Dienstag. 19. Mai. 13 Uhr, eingereicht werden. Bei Fahrten»00 d« Stadtbahn stnd die Anträge einzureichen: für Fahrten noch dem Osten am Schlrstsche» Bahnhof, für Fahrten nach dem Westen am Bahnhaf Ehar. bttcnbiMa. heule, Mittwoch, 13 Mai. 19* Uhr: Gesundbrunnen TT: Christianiastr. 38...Unsere Organisation."—«ftesund- brunuer lR.-F.): Goieichurqer Str. 2.»August Bebel."— Paliaa: 20 Ubr Bahnhof Weiftensee. Fahrt noch Uthdorf.— Felkplaft I: Rote Ecke. Wichtige Besprechung. Morgen. SVi Uhr, Bahnhof Schönhauser Allee, Schniftelfahrt.— Humonnploft: 19 Uhr Bahnhof Prenzlau« All«. Fahrt ZINN Lehniftee.— Franksurtee Viertel: Fraukfurler Allee 307.„Wie mache ich eine Fodrt?"— Pietersburger Biertel: Ebertpstr. 12.»Enisrehung der SAI."— Lichtenrade: Roonftrafte. Mitgliederversammlung. Ansehlieftend Fahrt.— Frieberch» bogen: Feiedrichslr. 87. Lustiger Abend.— Lichtenberg. Ritte: Schomweberftr. 28. .5 258.",— Karow: Restaurant„Zum Pankgrafen". Tagespolitik.— Pankow ; Uhr Bahnhof Reickölln. Weebebezirk Re»t»S»: Briefelo»«. Treffpunkte l8>F und 20 Vi Uhr Bahnhof Neitkblln. Mvegen, slh Uhr, ebendort. Werdcheziek Tewpelhos: Treffpunkt zur Fahrt IVA Uhr Bahnhof Tempelhof. Fahrpreis 1,20 M. Teller und Löffel mitbringen. * Falkplok 15: Fahrt nach Bernau. Treffpunkt 7 Uhr Bahnhof Gesund- brnnnen.— Arnswalder Pias, II: Morgen Treffpunkt zur Fuhrt 7 Uhr Schön- hauser Allee Ecke Da.iziger Strafte. Voriräge, Vereine und Versammlungen. # Reichsbanner..Schwarz-Rot-Gold'. Geschäftsstelle: Berlin E. 5«. Sebastianstr. 87-38. So» 1 Tr. Donner«tag. 14. Rai. Schöneberg-Feiedena»(Ortsvereinl. 5'� Uhr Antreten Mühlenstrafte zur Autofahrt nach Reuruppm. Erwachiene 100, Iungbannercameraden 1 M.. Erwerbslose{tri. Teepbew sOrtsoereml. Fahrt nach Beeskow. Abfahrt Treptow 6%, Baumschulenweg 7, SehBne. melde 73-i, Adlershof und Falken herg lad Adlershoil 7>i Uhr.»»pe»ick(Käme. radschafl). Siz Uhr Abtohtt nach Reuruppin. Tr-ffpuntt Körner-Schule. Fahr. preis 2 M. Kreis Westen. 7 Uhr Sanimelpunki der Lastlrastrvagrn sämtlicher Ortsvereine in Hrnnigsdorf. lieegaeten lOrtaverein). Laltwagenfahrt nach Reurupvin. Näheres durch die Blockführer,«ebbing lOrtsverelnI. Zur Fahrt nach Küstrin Antreten 5>4 Uhr hei Reirftner. 5. bis 4. Black Binetaplah bei Sorrosch 6 Uhr. Brotbeut«! mit Tagespvovlant und Eftläffel. Iungba ohne Tornister. Spanbau iOrt.-vereinl. 551 Uhr Antreten zur Autofahrt nach Neu- rirppin. lharlottenhueg nOrtsoerernl. 8 Uhr Abfahrt mit Lastkrastlvagen nach Reuruppin. Stuttgarter Plo» lBahnbof Eharlattenburgl. Staglift lOrtsxerrin). l>i, Uhr Düppelolaft. Autofahrt noch Neuruppin. Tempelhof(Ottsvereinl. bis Udr Pilich'onir.sten zum Kreistrekfen in Beeskow Ullsteinhoit». Mit- groftew Marschaepöck, Fahnen und Muiit. Pankow sKanierahschafti.»Oi Ubr Antreten Morktplaft Pankow der Kameraden, die sich zur Fährt eingetragen hoben- Freitoa. 15. Mai. Tiergarte»< Jung bann er). Heimabend fällt«»». Friedrichsbai». Das Bläst rkorps übt jeden Freitaa um 20 Uhr bei Neumann, Gubener Str.«. Vstonistrn und erste Trompeter werden noch einaestell». IBilmerfbotf sFui:gbanner>. 20 Udr Fuaenhbeim Mstwlmsaue. Deutscher Sthäserhuub.Pmb«»» e. B., Sift Beelin. ihmelte likfentkiche Gistuna 15. Mai. 20 Ubr. im Parfreswurant Sitbenhe. Bartragende: Kriminal. Zpm— ijtär Kan'hack und Dressurwgrt Meder. Thema: Sicherheit dt, Bilrg-r, gegen Sewostverhrechrn. Lth-nk- und h-wrgliche Bildrr ron Menschen und Hwndrn. Eintritt für i'den Interessenten frei. LongleMow Enftlisd Oebulng Club; Mlttn'OCh. 20 Uhr. Zahoirrtehzu� Blllowstraße 104. Outtmannsazl: Mr. William W. Mann;„WIlyMr.H G. Well» i, a favouritc author of mine." Sociallsta Esperanto Afoclo, Grupe Berlin. Oeschlftsstelle A SproacV, K. 58. Choriner Strallo 45. Vendreijon. la 15. 5. vespere IV, vi pova, audl la parnladon de Kdo Hintee pri la„Kumnetitaj formoj. aKtivaj k passivaj." cn Me-allarbeiier-Veibar.dshaus, Linicnsiraße 85—85. Portal III, I Treppe. Deutsche L-nbsm-nnschast bei Prolin, Posen,«raft Berli», e.«. Monats, siftung am MIt'nwch. der, 15. Mai. 20! j Uhr, in der Ktndl-Brauerei, Neu. lälln, Herurannstr, 2.1—515. Allgemeine Wellerlage. land lag, ist unter Verflachung nach Nordosten gezogen. Feuchte ozeanische Luftmossen, die auf ihrer Südseite nach Osten vordrangen, haben am Dienstag die westlichen und mittleren Teile von Deutsch- lond sowie Pommern überflutet und vielfach leichten Regen gc- bracht. Auf dem östlichen Atlantik liegt eine neue kräftige Depression. Sie dürste einen zweiten Schwall ozeanischer Lust nach Osten schaffen. Es wird unser Gebiet aber erst am Donnerstag erreichen. 3- wetleraussichtcn für Berlin. Ziemlich heiter und am Tage warm, schwache südwestliche Winde, Gewitterneigung.— Zur Deutschland. Heiter bis wolkig und meist warm, im Westen und Norden Gewitterneigung. Himmelfahrt im Lunopark. Am Himmelfahrtstag wird der Luuapark mit ganz besonderen Uebcrraschungen aufwarten. Van 15 Uhr an ist der Park in vollem Umfang geöffnet und die mehr als Ivo Attraktionen sind in Betrieb. Die schönen Gartenanlagen prangen in saftigem Frühlingsgrün, zu dem die farbenfreudigen Blumenbeete und die bunten Häuser und Kioske einen prachtvollen Kontrast bilden. Auf dem Mittelpodium erwartet ein reichhaltiges Sonderprogramm die Schaulustigen. Bei Anbruch der Dunkelheit treten die neuen elektrischen Lichtanlagen mit ihren neuen Bcleuch- ttingseffekten, die viele Millionen Kerzen Lichtstärke entfalten, in Tätigkeit und auf dem Halensee wird ein großes Feuerwerk ab- gebrannt. Die Gartenbühne de» Rofe.Theater« wir» wie allfährlick am Pfinastfpnntaa mit bem trabitionellrn Frühkonzert eröffnet. Beginn de» Konzerte» an beiden Pirnasttriertaaen momens 6 Uhr. Anschlieftenb daran ein ausaewöhlie- Barietaproaromm. Der Borverkauf kür die Pfinsstfeiertaae beginnt am 18. Mai, vormiilasts 11 Uhr. Denke» Sie iannec b»ra»! Wo es gilt. Fett, Schmuti, Ankrustungen und sonstiaen Schmier zu vertreiben, können Sie aar nichts Besseres tu», als nach dem bewahrit» iMi ZU areifen. Das es auch abzuwaschen und zu säubern aibt, das vielseitiae iMi wird in jedem Falle fernen Mann stehe». Der Schmitt, verflieat, alle» Fett tveicht wie Butter an der Sonne. Und im Ubriaen: „Sauberkeit ist's Howe Ltben." Trinkt Fachinger. Da» erfrischende und anfterordentlich bekömmliche Fachinger Sesmibheitsrnosser hat sich durch seine erstaunlichen Heilerfolge Welirus er. worden, und wird von Tausende» von Aerzlen des In» und Auslandes zum elarnrn Gebraueh bc»aen und für deren Batie Ilten empfohlen. Fachiuger ist ferner ein spezifisches Mittel aeaen Gicht. Diabetes sZuckerkranlheit). Harn. gneft, Metensteine, akute und chronische Btokenkaiarrhe, sowie Magen, und Darmkrankheiten. Ei» sehe aktuelle» The»»: Drüse» und Hormane! Die wichtigste Rolle bei den Funktionen des menschliihen Oraonismus spielen die Drüsen mit inner« Sekretion und ihre Sekrete, die Hormone. Fft deren Produktiv» manne lbost, so leidet die aeiltiae. seelische, körperliche und die sexuelle Potenz. Dos weit, bekannte Setualhorinon-Präparat Oko-'a nach Geheimrat Dr. nvd. Lahusen bewährt sich bereit» seit flahren als ideales Mittel gegen voezeitiges Altern. nervöse Depressionen, Impotenz. Okasa ist in allen Apotheken»II haben. Auf Anfarberuna sendet Rabiauers Kronen. Apotbeke, Berlin D. 31. Friebridi- strafte 100, eine Prvbepacknna nebst Literatur und Gutachten gegen 40 Pf. für Porio. � W Weebebezirk Tieegaeten: Oeffentttche Beriammlunä. Wirtschaft». Z H mt— Iugendnot." Freitag, 16. Mai, 19 W Uhr, im Nationalhof, f3i BUlowstr. 37. Neferrnt: Genosse Dr. Kurt Lvewenftein, R. d. R. � Tyas.sagt öer Mciy? . Ulti'f UWi K».«ab 5!'V. i«' asäJtv, J" "•"V.,» vj.i ' tetä . f. mm ■ÜMKa J> ÄM ■.st. /. A'st.- ■iW a-'L issb. kVi-,, W � ,™ flLü imm ■'Ml r? tzm. '. der Vertrag doch so günstig ausgewirkt, daß seine Erneuerung gesichert sei. Man denke sogar daran, den Liefervertrag zwischen Reichsbahn und Waggonbau, der bisher nur auf fünf Jahre lief, auf eine längere Zeit abzuschließen. Von Differenzen zwischen Reichsbahn und Industrie, die sich auf Grund des jetzt ab- lausenden Vertrages ergeben hatten, könne nicht die Rede sein. In Ergänzung des Jahresberichts führte der Vorsitzende noch aus, daß sich die Betricbslage gegenwärtig weder verbessert noch verschlechtert habe. Bei der Versassung des deutschen Geld- und Kapitalmarktes bereite aber die Finanzierung der vor- liegenden Aufträge ganz erhebliche Schwierigkeiten. Schwere Südamerika-Fahrt. 'Zum Abschluß der Hamburg— Südamerika-Linie. Wir haben bereits gestern an die Meldung von dem Vertrags- abfchluß zwischen der Hamburg-Südamerika-Linie und der Hapag-Lloyd-Union die Feststellung geknüpit, daß die bisher einem Schiffahrtszusammenschluß so sehr abgeneigte Hamburg-Süd- Sl.-G. offenbar aus Grund der schweren Schiffahrtskrise dem Ver- trag zugestimmt habe. In dem jetzt bekanntgegebenen Abschluß- und Geschäftsbericht dieser Gesellschaft findet diese Annahme ihre volle Bcstäti- g u n g. Die Hamburg-Süd, die ausschließlich im Südomerika-Dienst tätig ist, konnte den außerordentlich starken Frachtenausfall, der sich infolge der Agrarkrise und der politischen Unruhen besonders im Verkehr mit den südamerikanischen Staaten fühlbar machte, nicht auf anderen Linien ausgleichen, wie dies der Hapog oder dem Norddeutschen Lloyd möglich war. Da im einzelnen die Ausfuhr Argentiniens an Lebensmitteln von 14 auf 8 Millionen Tonnen zurückging und von den brasilianischen Häfen ein Teil in- folge der revolutionären Unruhen für den Schiffsverkehr über- Haupt geschloffen war, und schließlich auch noch der Ein- wanderervcrkehr nach Südamerika durch strenge Prohibitiöns- maßnahmen fast gänzlich unterbunden wurde, sah sich die Reederei genötigt, im Berichtsjahr einen Teil ihrer nicht benutzbaren Dampfer aufzulegen. Dieser Verkehrskrise entsprechend ging der Betriebs- gewinn der Gesellschaft auf 6,6 Millionen, also um rund 5 0 Proz. gegen 1929, zurück. Der kleine Reingewinn von 19 935 Mark ist nur mit Hilfe stark zurückgesetzter Abschreibungen aus die Flotte errechnet worden. Siark beanspruchte Kreditversicherung. Die Krise mit ihren massenhaften Zusammenbrüchen und Zahlungseinstellungen hat die Kreditversicherungs-Unternehmen naturgemäß stark beansprucht. So muß auch die Hermes Kreditversicherungsbank Sl.-G., Berlin, erstmalig seit 1924 auf eine Dividende verzichten, nachdem sie in den letzten Iahren regelmäßig 10 und 12 Proz. an ihre Aktionäre auszahlen tonnte. Der ausgewiesene Reingewinn für 1930 ist mit rund 83 500 M. auf ein Fünftel des durchschnittlichen Reingewinns in den beiden Vorjahren zusammengeschrumpft. Betrug an der Sozialversicherung. Noch immer kein Schuh für die Versicherten. Immer mehr häufen sich die Fälle, in denen Arbeiter und An- gestellte durch die Nichtabführung eingegangener Sozialversicherungsbeiträge von betrügerischen Unter- nehmen geschädigt»werden. Mit einer Gewissenlosigkeit ohnegleichen werden diese Beiträge unterschlagen. Der Betrug an der Sozialversicherung wird allmählich zur Epidemie. Bei den Gewerkschaften laufen Tag für Tag neue Klagen ein, neuer- dings besonders aus der Textilindustrie. Aber nicht nur in der Industrie— auch in der Landwirtschaft grassiert der Sozialversicherungsbetrug, wie folgende neue Fälle zeigen: In Klein-Bodel(Pommern) wurde festgestellt, daß ein Rittergutsbesitzer an Beiträgen für die Invalidenversicherung vom 3. Juli 1927 bis zum 1. September 1929 im ganzen 1961,40 M. schuldet. Es kam zur Zwangsversteigerung des Gutes, wobei der genannte Betrag ausfiel. Die Landesversicherungsanstalt be- mühte sich auf Drängen des Deutschen Landarbeiterverbandes, von dem Gutsbesitzer etwas zu erhalten. Alle Bemühungen waren um- sonst, und jetzt.teilt die Landesversicherungsanstalt mit, daß die Anwartschaft der in Frage kommenden versicherten Land- orbeiter gefährdet sei. Der Besitzer der Güter Petcrswalde und M a r i e n t a l (Kreis Ueckermünde) in Pommern hat für die bei chm beschäftigten Frauen überhaupt keine Jnvalidenmarken geklebt. Jetzt heißt es von dem Gute Mariental, es werde zwangsversteigert. Pom Kreis B e l g a r d verlautet, daß dort 10 Betriebe mit rund S000 M. Jnoalidenbeiträgen in Rück- stand sind; darunter auch das Gut B-, das sich in Zwangsvcr- waltung befindet. Es ist am Rückstand allein mit 3900 M. be- telligt. Das sind skandalöse Zustände! Die Arbeiter haben das Nach- sehen, da die eingehaltenen Beiträge im Zwangsversteigerungs- verfahren nicht ohne weiteres als vorberechtigte Forde- rungen gelten. Wollen die Arbeiter nicht nachzahlen, dann gehen sie ihrer in der Invalidenversicherung erworbenen Rechte v e r- l u st i g. Den Landarbeitern fällt schon die einmalige Zahlung der Jnoalidenbeiträge schwer. Wie sollen sie zweimal den Beitrag auf- bringen? Eine Ergänzung des Gesetzes über Zwangsversteige- rung und Zwangsverwoltung in der Form, daß S o z i a l b e i- träge gleichfalls als v o r b e r e ch t i g t zu gelten haben, ist un- bedingt notwendig. Die Konkursordnung bietet die Möglich- keit, nicht abgeführte Soziolbeiträge bei Konkursen hereinzuholen. Was hier möglich ist, müßte auch bei dem Gesetz über Zwangs- Versteigerung und Zwangsverwoltung möglich sein. „Vblksfürsorge" fördert Wohnungsbau Oer Vermögensbestand und die Kapitalanlagen Ende 1930. Nach vorläufig bekanntgewordenen Zahlen hat die g e w e r k» schaftlich-genossenschaftlich« B o l k s f ü r s o r g e in Hamburg im Borjahre an Prämien und Kapitalerträgen rund tzg Millionen M- vereinnahmt, obwohl Sie allgemeine Wirtschaftslage auch auf die Dolksfürsorge nicht ohne Einfluß geblieben ist. Der Vermögensbestand betrug am 31. Dezember 1930 rund 131,9 Millionen M. Er verteilt sich wie folgt: Grundbesitz......... Hypotheken......... Sommunaldarlehen und Wertpapiere Bankguthaben 4,3 Millionen Mark 79,7 42,3 5,6»» Der größte Teil der Hypotheken und Kommunaldarlehen wurde in Kleinwohnungsbauten gemeinnütziger Genossenschaften und zur Förderung der gemeinnützigen und soziclen Bestrebungen der Arbeiterbewegung auf dem Gebiete der Selbsthilfe angelegt. Beide Positionen umfassen mit 122 Millionen M. f a st 9 0 Proz. der gesamten Kapitalanlage. Aus diesen Zahlen gehl die große Bedemtung der Volksfürsorge für die Kapitalbeschaffung deutlich hervor. Leistungen im i. Ouarial 1931. Die Leistungen der„Volksfürsorge', Gewerkschaftlich-Genossenschaftliche Versicherunzs-A.-G-, sind dauernd im Steigen. Im ersten Quartal 1931 gelangten für 2640 Sterbesälle 915825 M- zur Auszahlung. Die Dersicherungsleistungen des Unternehmens werden sich in der nächsten Zeit zweifellos noch weiter erhöhen, weil der Versicherungsbestand in den letzten Iahren stark angewachsen ist und damit auch die Berficherungsfälle zahlreicher werden. Mittwoch, 13. ö. Slaats-Opsr Unter d. Linden 254. A.-V. 20 Uhr TantgnhD. Yvonne Ge- orji■ Horaid Kra.tzborg Letrain bleu Ole Planeten Ende g. 22 Uhr Staals-Oper Ix Platt dar RepoWik. iWi Uhr Die Hodizeit des Figaro Onffanll, Rartenvarkaiil Ende 2Ma Uhr Mittwoch, 13. 5. Stadt, oper ßismarckstr. Turnus II lOi,"» Uhr Hoffmanns Grzablungen Ende 22>!i Uhr Staatl. Sctiauspti. (am Gondarmenraartli. 218 A.-V. 20 Uhr Der blaue Doli Ende n. 23 Uhr MUcM-IIlM.lWU 20 Uhr Nathan der Welse Ende gegen 23 Uhr Barbarossa 9256 Tägl 5 u. Uhr Hj. MW.-!«, tt-HII. liKere Gnj Alfred Jachsdn Girls Todo, Peler,Plclf Zelliai.Lord Ala PI/AZa Waidisdlt 7.«Hl Täglich Sund«" Sonntags Hin. SOW-t 1,11.1-211. 3 W ere Bros. Ballett Gärard il«eitere Sensationee. Programm hervorragend!! * Dayelma~Ballett| Original Pariser Cancan Kuban'Kosakcn-Chorj Z Alvarez. LcvandaJ Bil u. Bil. Z Dakotas.! Z Boods. Carl Brannl GROSSES SCHAUSPIELHAUS Täglich 8 Uhr: Im»«««> MM. in der Prtmeiiliesefniiig mir nod) 3 Vodieo Regie: Erik Charell. SV* Uhr CASINO-THEATEß®v- vw Lothringer Strafe 37. •""•"IPIMMMIHIIHIIIMIHIIMIimiilllUllfllllUlHUMimmWMIMm« Montag letzte Vorstellung vor den Sommerferien Graf Koks und das bunte Programm. BUstgi SommerpreUei BUUgl 0,60, 0.75. 1,— Mk. bis 1.50 Mk. Ab 19. mal geschlossen. ROSE TH E fl 7 E P Nur Karra Zelt I Je Iii Fraflklsrter Lustspiel von Carl Rößler Dienstag bis Freitag 815 Sonnabend 700 1015 Sonntag 230 545 O00 Eröffnung de« Rose-Ganens am i. Pfingstf eiertag An beiden Feiertagen OOOdas traditionelle Frühkonzert 1 mit Variete 800 nachm. Konzert, Variete u. d, Operettenschwaak: „Das Liebesverbot"| Große Frankfurter Straße izz I U-Bahn Strausberger Platz 6tägiger Vorverkauf tiglich von ik— z Uhr und 4—* Uhr| Telefoniiche Bestellungen: E 7 Weichsel 3432 Reichshallen-Theater AlUbendlicli S Ühr Stettiner Sänger Das wunderbare MAI- PROGRAMM. Populäre Preise. Komische Oper SVi Uhr Alt-Heidelberg Ilde EnglbA, Wntenmier. B.i.Koebis. Peutut nietropoi-Tiieater Täglich S1'. Uhr Die Toni aus Wien Mady C&iistlans, Michael Bohnen Tüsaterimi Täglich SV, Uhr Nor bU 16, Mai Kurzes Gastspiel mistinBuett mit ihrem eigenen Revueensemble SaniovskHiliiiieii Theater 1b dir stnsenaimttr. Täglich fiestern n. Heule KomOdionhaua Täglich 8% Uhr Schwengels mit Feilt Brestart und Rota Valettl Neues Theater — am Zoo— tai Balwi Zoo. StpL 6554 Täglich SV, Uhr zum vorletzten Mal Uoruntersuciiung von Max Alsberg u. Otto Ernst Hesse MNY5 Kestaurant Berlind Toutsbimne Tbutor» niovpbt:. 8 Uhr Die Ehe itaatl.Sdiillir-Ili. 8 Uhr NafHan der Welse Staatsoper Am Pl.d.Republik m Uhr Die Dodizell des Figaro Demi meater 8 Uhr Der fiaeptmaiu von KOpenidt v. Carl Zuckmayer legis; Heim naport Die KomOdie z-., Uhr Dienst am Kunden rag tut Bob gut MilBaiiuo Regie: Hans Oeppe Knrtarsienflanun- Theater Bismarck+44 I SVt Uhr I Alles Schwindel rag Mirtollgs Stttft«. Musik von Miseha Spoliansky. 0�1«: 6pM iiMtm Tägt 8«A Uhr Das Spiel mit dem Feuer. EKlDB-flieatBI J Täglich SV* Uhr Huserenlleber Guido Thielscher, Kastner. Herrn- Böttcher, Colani n Elite-Singer Kottbusser Str. 0 Tä glich SV« Uhr Jm Rosengarten der Liebe Vorher: Ein«rsikl. soloieli. ye/ünd und frißh Verlangen Sie koltenlole Zulendung eines SCtfiSäliiOdlJlOlliet Vom RelchsleefilchausIchuB. Berlin SW SS. WilhelmKr. 100. Allen Genossinnen. Genossen, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine lieb« Frau, meine beste Kameradin in Freud und Leid Marie Muderbolz Montag früh S Uhr im 45. Lebensjahre nach schwere: j Leiden verstorben ist. Der tiefgebeugte Gatte Georg üaderbolz Schönhauser Allee Ö9-10krtii Blumenspenden Jeder Art liefert pr«J«wert Paul Golletz nnaale Robert Meyer Marlannanatr, 3 F st Oberbaum 1 303 g« und billig T Nur eross- Berlin Alexanderplatx filoine Aixzaigotx wirkungsvoll und btlUg. UPV.Tnoaror* 13 P*.-/� WlaaarliaiwI>esellschgtt»an,iIg« werden verliebin. Salpern, Rosen. thalerftrafi« 4, eine Treppe.» fflObsi Kerren, Imme, 290,—,«ludtische 1850. Riesenau«. Wahl. Ttilsahlun«. Kamerlina.«asja. niengllee 58. ISateatmatrahe» .Primisstma". Me. tällbetten. Aufleae. malrahcn, Chaise» longueo. Walter. <-:ar7.crderkrafie achtzehn. ÄeiaLaden «nuiik- leslfillinsele Llatplanos. Mietpianos über. aus preiswert. ianofabril Link, tunnentttaS« 85.• Radio Anoden, Neunziger 4, Sunderter 450, Evarröhren 2,—. Schönleinftrafie 2. c Fahrrader Balloarenaer, Ballontouren». Bai. londamen. Maschi. nen SS.—, KS,—. 75,—. Original» Brennador. Ballon. räder 85,—. Mach. now. Weinmelker. strafi« 14__ Gebrauchte Fahrräder 15,—, 20,- 25,-. 80,—, 35,—. Machnow, Weinmeisterstr. 14. '| KramahrzauäT] 150 gebraucht» Fahrräder. 15,—, 20,- 25,- 30,—. Machnow Weinmeisterstr. 14. Fahrraddecken 2,-, Schläuche 0,80, Bedalen ILO, Bor derräder 350. Sie. parattiren billigst. Schönlei nftrake 2.' Balloasahrräder. Brennador.. Dia. manträder, Görick«. rader. Multiples. riider, Cipreliräder. Wittlerräder.pracht. volle Rennmalchi. nen, hochmoderne Damenräder, schnell. laufende Touren. sahrräder. Monat. lich 10,—. Schlawe» Weimneisterstrak, Pier.• Littaner. Nähmaschinen für Haushalt und alle. Gewerbe. Preis. addau. Rundschiff. chen 180�-: Der, sentbare 180,— und 210,—; Schrant, hochelegant, 280,—. Bei T»i1»ahlung gilnstigsi« Bedur. gungen. Auch ge. brauchte Maschinen außerordentlich preiswert. Höchste. strahe 89: Lands. dergerstraße 28: Mohstrah» 17. Wei. ter» Bertaussstellen in allen Stadtteile». RiesenauewahL alle Sorten««. brauchteMoiorräder, auch Steuerfreie. nur Gelegenhelts. käusei sämtliche flu» dehör. und Grsas». teil«. Motorradbaus New«, Inh. Rein. hold Weift. Schön. doufcr Alle« 40». chdahn Danstger. strafie. Rahngebifie. Platlnablälle. Quecksilber. Rinn- metall», Silber. schmelze,«oldschmel. »erei. Chrlstionat. Köpenicker st rahe 39 Haüestrlle Adalbert. Krabe. Glkhste»»psa|che kauft Blümel. El. läller''' Musibaustrige aller Art, auch En. sembles und Qrche- ster mit und ohne «apellmelster per. miitelt gebührenfrei Mustfer Nachweis, BesselstraKe 22. v Z Weidendamm 0017. «laeharaiae ftoptaidet DampfwSscherei , Charlotte* Erst. nauerstraße 83», Telephon F 4. 0687, wäscht ohne An. Wendung schar'.— Mittel, trocknet im Fzeien. Villigst» ir-isderechnung. holung täglich üep- mieiungen Hur-, Erdoiungs- auiemhait Neubau nwhnuagen. IH-, kleine 2. uns gröker« 2- Limmer. Wohnungen mit 3«ntralbei,una. Warmwaster und mechanischer Ken. tralwaschküch«. Miete 80,— biw,' 72�- ausschliehlich Heizung und Warm- waffer mm l. Au- gust oder spater zu peitnieten. Berm:e. tungsdürv: Tempel» bof. Tanfredstr. 11. Mittwoch. Sonn. abend und Sonntag »an 10 bis 5. Telephon Südring 2021. Berliner Spar, und Bauver. «in, Charlotten. hurg 9.«nobels. borffstraße 96.* Gastwirtschaft Bentieldt, Dadel in Mecklen. dura, herrlich an Wald und Wasser gelegen. nimmt Sommergäste auf. Äoller Pen ffonspreis erKraKe 25». o.u i pro Tag 4 Mark.' Iflrneiisniarml Intelligenter Zunge. 14 Jahre. zum Anlernen für Müjtenschneiderei sucht Willn Richter, BerNn RO, 18, Palisadenstr. II. Pflngstaufträere sofort erbetene Abholen und Zustellen kostenlos» Anrufs WeddinK 4241, PfinKataufträ�e sofort erbeten«