BERLIN Mtwoch 13. Mi 1931 10 Pf. Nr. 221 Bill 48. Lah�geng erscheiattSgltch außer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. BeiUgSxreis beide Ausgaben 8ü Pf. pro Woche,-i.soM. vrv Monat. Redaktion und Txveditioo: BerlinSW68,Lindenstr.s Fernsprecher: Dönhoff 292—297 i)bwtLf4& An.»etsev»ret«: Die einspaltige Nonpareillejeile So Pf.. ReklSlmqeile s M. Crmäßigun'en nach Tarif. PoKscheekkont«! DvnvärtS-Derlag G. m. b.H� Berlin Nr. 37 SS«.- Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genebm» Ameigen vor! Oer spanische Kirchenkrieg Die Kathedrale von Sevilla brennt Madrid. 13. Mai. s Eigenbericht.) I» Sevilla kam es an» Dienstag znm Sturm auf die Institute der katholischen Kirche. Tie gotische Kathedrale. nach dem Petersdom das größte katholische Kultgebäude der Erde, und zwei Klöster wurden in Brand gesteckt. dann auch die St. Josephs-Kapelle im Zentrum der Stadt, eines der hervorragendsten Baudenkmäler des 18. Jahr- Hunderts. Das Gebäude brannte vollständig nieder. Es wurde der Belagerungszustand erklärt. Ju Alicante. wo bereits am Tage zuvor mehrere Kirchen in Brand gesteckt wurde«, ist zum Protest gegen die Umtriebe der Monarchisten der Generalstreik erklärt worden. Der Jmtennrimster und die Pollzeidirektwn von Medrid haben bekanntgegeben, daß eine genaue Untersuchung der Brandstiftungen eingeleitet sei und die Schuldigen bestraft würden. In Madrid allein beträgt der bei der Verbrennung von Klöstern angerichtete Schaden schägungsweise 1b Millionen Mark. Was an Wertgegen- ständen verbrannte, läßt sich nicht annähernd schätzen Die vollständig vernichtete Iesuitenbibliothek umfaßte rund 100000 Bände. Die Brandruwcn sind von Schaulustigen uinlqgert. Auch in B u r g o s hat die Volksinenge mehrere Zeitungskioske und das Franziskanerkloster in Brand gesteckt. Außerdem brennen das Isabellen-Kloster, das Bischofspalais und mehrere andere kirchlich« Gebäude. I» Malaga haben die Behörden Truppen aus Sevilla angefordert. Zehn große Kirchen und Gebäude im Besitz von Monarchisten sind angezündet worden; es gab Stroßenkämpse zwischen Polizei und Demonstranten. Zahlreghe Verletzte mutzten in die Krankenhäuser eingelleserl rverden. Di« ungefähr 70000 Mönche und Nonnen in Spanien haben i» diesen Tagen nicht wenig Angst und Kummer ausgestanden. d)ie WaUiedrale von Sevilla Mittags wird uns noch aus Madrid gemeldet: Im allgemeinen herrscht Ruhe in Spaniern Nur Andalusien sieht noch die letzten Zuckungen des BolkSaufstandes gegen die Kirche. Am schlimmsten ist es in Malaga zugegangen; dort haben die Kirchen- und Klösterbrände an mehreren Stellen auf b e n a ch- b a r t c Gebäude übergegriffen, ein Warenhaus ist zerstört worden, der Schaden beträgt 1>4 Millionen. Der aus Madrid zu- rückgekehrte Zivilgouverneur konnte die Ruhe bald einigermaßen wiederherstellen Zur Iruppenvcrstärkung in Malaga sind von außerhalb noch einige Kompagnie» herangeholt worden. Im allge- meinen hat auch Andalusien keine neuen Slosterbräade mehr gesehen. Nur In San Lucar del Barraincda. einem Badeort bei Sevilla, ist noch ein Konvent angezündet worden. I» Äordova kam «s am späten Abend zu einem Zusammenstoß zwischen der Zivil- Großer Tag in Versailles Frankreichs Präsident wird gewählt 3)ie iPräfidenlfchafiskandididen Senalspräfidenl fDoumer Jlußenminitler Siriand Im ehemaligen Königsschloß zu Bersailles treten heute nach- mittag Kammer und Senat, mit zusammen 912 Mitgliedern, zur Nationalversammlung unter dem Vorsitz des Senatspräsidenten zu- sammen, um den Präsidenten der französischen Republik für die nächsten sieben Jahre zu wählen. Die Wahl erfolgt in geheimer Sitzung durch Stimmzettel, die auf Namensaufruf abzugeben sind, wobei der Aufgerufene die Tribüne betritt und seinen Zettel in die Urne wirst. Gewählt ist, wer die absolute Mehrheit erhält; nötigenfalls erfolgt der zweite Wahlgang, und es kann auch ein dritter Mahlgang erforderlich werden, der dann zwischen den zwei Bewerbern mit den meisten Stimmen entscheidet. .Senatspräsident D o u m c r wird wohl den Vorsitz der National- Versammlung seinem Stellvertreter überlassen da er selbst der Gegenkandidat Br.iands ist. Die meisten Fraktionen hohen beschlossen, ihren Mitgliedern völlig« A b st i m m u ng s s r e i h c i t zu lassen. Die Fraktionen treten in Versailles kurz vor der Wahl noch einmal zusammen. Selbst wenn in diesen Sitzungen bindende Beschlüsse gesaßt werden, so haben diese doch nur relative Bedeutung, da die Abstimmung geheim ist und im allgemeinen kein Fraktion»- zwang ausgeübt wird. Die einzige Fraktion, bei der ein Beschlutz strikt befolgt wird, ist die sozialistische. Sie verfügt in der Nationalversammlung über 126 Stimmen. Die Zeitungen boten heute früh noch einmal alles auf, um für ihren Kandidaten Stimmung zu inachen. Ein starkes Militäraujgebot ist in Versailles tradilionsgcinätz zum Schutz der Präsidentenwahl wider jeden Stönmgsvcrstich postiert. �oyalisienradau. Pari», 13. Mai. Gestern abend demonstrierte auf dem Boulevard St. Michel royalistische Jugend gegen Briand. Fünf dieser Iungens im Alter von 17 bis 20 Jahren wurden festgenommen. Für heute werden Kundgebungen der Rechtsradikalen in Versailles an« gekündigt. M-Kandidaien. Pari». 13. Mai. Damit die heitere Rote nicht fehlt, hoben etwa 20 Nicht» Parlamentarier ihre Kandidatur aufgestellt und das dem Ministerpräsidenten Laval geschrieben. Darunter ist einer, der sich „republikanisch-dem akratischer Arbei t s l o j e r" nennt. Ein Mechaniker aus St. Denis glaubt sich berufen, über die Partamentarier den Schiedsrichter spielen zu können. Est» anderer Briesschreiber hat zwar keine großen Hoffnungen, aber „man kann nie wissen". Ein Mechaniker, ein Büroange- stelltcr und ein Bauarbeiter, sowie ein Familienvater mit zehn Kindern glauben sich gleichfalls berufen, das höchste Amt im Staate übernehmen zu können. gardo und der Menge, die auf das falsche Gerücht von dem Brand der Irrenanstalt zusammengelaufen war. Die näheren Um- stünde sind noch nicht geklärt. Ossenbar handelt es sich um ein versehen der Guardia: Zwei Tote, zwei Schwerverletzte und eine größere Anzahl Leichtver- letzte sind ihm zum Opfer gefallen. ., f in lllonarchiiienaulo wird rrrhrannl In Alicante herrschte gestern noch große Erregung, weil der am Vortage durch einen Schuß aus einem Klo st er verwundete Junge gestorben war In sehr vielen Orten sind die Klöster, besonders die Zesuitenresidenzen. geschlossen worden. Ihr« Insassen haben in Bürgerwohnungen Zuflucht gcfun- den. In Granada gelang es dem Zivilgouverneur, die Menge, ohne daß Schade» entstanden wäre, wieder aus einer Kirche herauszu- bringen. In Madrid und Barcelona herrscht vollständige Ruhe. Schönes Himmelfahrtswetter. So sagen wenigstens die Wetterkundigen. Für den morgigen himmelfohrlslag, dem Tage der herrc». parken. lauten die Ivcltcraussichten ziemlich günstig.(Es ist aller Vorausficht noch mit warmem und heiterem Wetter zu rechnen. Die am Dienstagabend einsetzende Eintrübung, die etwas Regen und in der Mark stellenweise heftige Gewitter zur Folge hatte, war auf den plötzlich erfolgten Einbruch feuchter ozeanischer L u f t m a s s c n zurückzuführen, die an der Südseite eines Tiefs entlangslossen, das heute über dem Nordmeer liegt. Ganz Mittel- europo liegt unter dem Einfluß eines Hochdruckgebietes und bis auf den östlichen Teil des Reiches herrscht heiteres Wetter. Am Himmelfahrtstage wird unser Gebiet weiter unter dem Ein- fluß des Hochs bleiben, obwohl sich über dem nord- westlichen Teil Schottlands ein st-vkes T i e s d r u ck g e b i e t gebildet hat. Diese neue Schlechtwetterzone zieht jedoch sehr langsam in südöstlicher Richtung. Ueber die nördliche Hälfte der britischen Inseln sind demzufolge bereits erhebliche Regenfölle niedergegangen. Die Temperaturen, die heute früh in Berlin 1Z Grad betrugen, stiegen mittags auf annähernd 20 Grad. „Zeppelin" in Staaken. Tempelhofkr Auahasen zur Zwischenlandung bereit. Das lluftschifs„Graf Zeppelin", da« gestern abend 23 Uhr l« Friedrichshasen ausgestiegen war. erschien heule früh um 6 Uhr im Lichte des schönen Zrühlingsmorgen» über Berlin und führte eine Schleifenfahrt übt:» der �eich»havptstadt aus. (Es nahm dann Kurs na?h dem Luftschiffhafen Staaken bei Spandau, wo es nach einer Monöverzeit von zehn Minuten um 7 Zjhr am Aakermasi festmachte. Zln Nord befandev flch nevn Passagiere. Das Lusschisf wird um 2 Uhr nachmittags wieder aussteigen und nach einiger Rundflügcu über Verlin im Tempelhofer Flughafen eine Zwischenlandung um IS Uhr vornehmen. Trotz der frühen Morgenstunde hatten sich in Staaken einige hundert Zuschauer eingefunden, um den Londungsmanövern bei- zuwohnen. Dr. Elkener, der zur Zeit in Berlin weilt, war bei der Landung des Lustschifses ebenfalls zugegen und besprach später mit Kapitän Lehmann, dem Führer des„Graf Zeppelin", die weiteren Dispositionen. Zum ersten Male ist heute früh der aus Schienen laufende Gondclwagen benutzt worden. Die Anlage hat sich gut bewährt. Die Schiencnbahn zieht sich kreisförmig um den Ankermast, sie ist genau einen Kilometer lang und hat einen Durch- messer von 334 Meter. Kurz nach 14 Uhr wurden von der Schisfsleitung die Vorbc- reitungen zu der vorgesehenen dreistündigen Rundfahrt getroffen. Oberbürgermeister Dr. Sa hm traf um 14,15 Uhr in Staaken mit einigen Herren der Stadtverwaltung ein und nahm an dem Fluge teil. Um 18 Uhr in Tempelhof. Da heute nachmittag in Tempelhof zweifellos mit einem Massenandrang zu rechnen ist, sind von der Direktion des Zentral- flughafens besondere Maßnahmen getroffen worden um für eine reibungslose Abwicklung des Verkehrs sorgen zu können. Pro- grammäßig wird das Lastschiff«ine Stunde in Tempelhof ocr- weilen und nach erfolgtem Pasiagierwechsel die Haltetaue zur Weiterfahrt an die Ostseeküft: lichten. Das Heer der demokratischen Republik. Leiigedanken des lieichswehrministmums für Offiziere. Das Reichswehr Ministerium„Heeresleitung" hat Leitgedanken über Staat und Wehrmacht für den Unterricht der Offiziersanwärter auf den Waffenschulen und für das Selbststudium der Offiziere im Reichsheer herausgegeben. Darin heißt es u. a.: „In dem heutigen deutschen Reichsheer berühren sich eine rühm- volle Vergangenheit und eine an Problemen und Aufgaben reiche Gegenwart. Unsere Zeit hat mit mancher Ueberlieferung gebrochen. Einrichtungen sind gestürzt oder erschüttert, die viele Jahrhunderte hindurch das Leben der Nation bestimmt haben. Auch die Wehr- macht muß sich auf ihre Grundlage besinnen. Es ist nicht möglich, Ueberkommenes ungeprüft zu. übernehmen. Um seine Stellung und seine Aufgaben im heutigen Deutschland ausfüllen zu können, muß der Soldat sich über die Grundlagen und den Sinn seines Berufs völlig klar fein. Der Soldat tut den unmittelbarsten Dienst am Vaterland: er soll ihm im Krieg das Opfer des Lebens darbringen, er soll sich und seine Truppe im Frieden unablässig auf diese Opfer vorbereiten. Darin liegt seine hohe sittliche Aufgabe. Sie fordert ein ganz besonderes Verhältnis zum Staat: nicht etwa ein verflandesmäßiges Anerkennen, sondern ein Erfassen mit allen Kräften des Geistes, des Gemütes und der Liebe. Bestrebungen, welch« Kriegen vorzubeugen suchen, sind berechtigt. Ein Pazifismus aber, der die Landesverteidigung in Frage stellt, ist eine tödliche Gefahr.- Die Ausgaben des Londesfchutzes wird die Reichswehr nur erfüllen können, wenn sie stets vom Vertrauen des ganzen Volkes getragen wird. Schon aus diesem Gedanken heraus muß sie ein Element der Einigung in unserem Volk sein. Die neue Reichsverfassung, die am 11. August ISIll verkündet wurde, soll die Grundlage unseres Staates sein, der jeder Soldat und jeder Staatsbcqmtc den Treueid leistet. Ihr oberster Grundsatz: „Die Staatsgewalt geht vom Volke aus", kennzeichnet das Deutsche Reich als eine demokratische Republik. Demokratie im Sinne der Reichsverfassung bedeutet, daß jeder das Recht und die Pflicht trat, am Staate mitzuarbeiten: indem sie durch die Mehrheit des Volkes die Regierung bestimmen läßt, fordert sie zugleich den freiwilligen Gehorsam aller für die Beschlüsse dieser Mehrheit. Di« Verfassung gibt Raum für die freie Betätigung oller politischen Kräfte, sofern sie«auf friedlichem Wege wirken und nicht der Mchi�cit des Volkes ihren Willen gewaltsam aufzwingen wollen. Die Wehrmacht steht über den Parteien. Wer den Staat und seine Verfassung angreift, ist ihr Feind, ohneAnsehenderPerson. In den Parteien- streit, der sich innerhalb der verfassungsmäßigen Grenzen abspielt, darf die Wehrmacht nicht eingreifen: täte sie das, so sprengte sie die Einheit des Staates, so machte sie sich zum Parteiheer und gäbe auch dem Gegner das Recht, sich zu bewosfncn. Der Bürgerkrieg ist das End« der Notion. Die erste Pflicht der Wehrmacht im Dienste des Staates ist vollkommene Ueberpartei- lichkeit. Wer die Wehrmacht dazu bestimmen will, sich für noch so schön klingende politische Ziele selbständig einzusetzen, verletzt ihr inneres Wesen. Sie kann stets nur Werkzeug, nicht Träger der Politik sein. Prätorianertum bedeutet das Ende der Staatsmacht. Die„Deutsche Zeitung" ist über das starke Bekenntnis zur Verfassung, das in diesen Leitgedanken niedergelegt ist, entrüstet. Sie nennt diesen Erlaß:„Selbstausgabe der Reichswehr. Verkennung des wahren Wesens des deutschen Staates." Verschmelzung Hiiler-Hugenberg. Die„pommersche Tagespost" wird Hitler ausgeliefert. Stettin, 13. Mai(Eigenbericht.) Der Druckereibetrleb des größten dculschnationalen Vlatte» in pammern, der„p ommcrschcn Tagcspo st", wird stillgelegt. Die Zeitung wird künslig in der Hausdruckcrei der Ikaliovalsozia« listen in Stettin hergestellt. Damit wird die seit längerer Zeit be- triebene Fusion de» dculschnationalen Blatte» mit dem nallonalsoz lall st ischen Blatt eingeleitet. Der bisherige Chefredakteur der Tagespost, Dr. D Y r s s e n. tfi entlassen und durch einen Bedakteur erseht worden, der setner gei- sl'zcn Einstellung nach Tknlionastozialist ist. Die konservative Der- 5aun°nheit des Blatte, wird zugunsten der Verschmelzung zwischen Hilgenberg und Hilter liquidiert. Die Genehmigung zur Stillegung des„Togesposr-Druckerei. betricbcs ist bereits nachgesucht worden. Lnsirukiion für Genf. Einstimmigkeit im Kabinett. Das Reichskobinett schloß heute vormittag seine Vorberotungen der Genfer Tagung ab. Die eingehenden Darlegungen des Reichs- außr�ninister» Dr. Curtius fanden die einmütige Zu» st i u> m u n g des Kabinetts. Die deutsche Abordnung für Genf reist heute 16,20 Uhr nach Genf ab. Deutschlands Schande Roizuchtsverbrechen bewaffneter Hakentreuzler Weimar. 13. Wal.(Eigenbericht.) Die sazialdemokralifche Fraktion hat am Dienstag im Ihürlngi- sehen tandlag folgend« Kleine Anfrage cm die Regierung gerichtet: „Am Miltwoch. dem S. wai. fand in Chrlmla in Thü- ringen eine öffentliche Versammlung der Nationalsozialistischen Partei statt. Der Referent erklärte in dieser Versammlung, daß die Nationalsozialisten die Reinigung Deutschland, vollziehen würden. An der Versammlung nahmen etwa 20 bewaffnete Na- tionalsozialisken von außerhalb teil. Nach der versamm- lung führten die nationalsozialistischen Erneuerer den Einwohnern die Reinigung Deutschlands gleich praktisch vor. indem sie einen verbrecherischen llebersall auf junge Mädchen unter- nahmen. Fünf junge Ehrimlaer Mädchen im Alter von 15 bi» 17 Iahren, die sich, von der Singstunde des christlichen Ge- jangvereins kommend, aus dem Nachhauseweg befanden, wur- den aus der Straße von de» helmziehenden auswärtigen National- sozialisten übersatten und zu vergewaltigen versucht. Einern dieser Mädchen wurden dabei von den Wüstlingen die Kleider hochgerissen, ein anderes wieder gewaltsam zu Boden geworfen. Die Ausdrücke, die sielen, können nicht wiedergegeben werden. Durch Hilferufe der Mädchen kamen Einwohner herbes, wodurch die per- breche? an ihrer Absicht gehindert wurden und die Wüstlinge die Flucht ergrissen." Die Regierung wird von d«r sozialdemokratischen Fraktion gc- fragt, ob ihr dieser verbrecherische llebersall bekannt ist; wenn ja. was sie zu tun gedenke, um die Einwohner Thüringens künftig vor solchem Gesindel zu schützen. Raziverbrecher gegen Parteiredakteur. Ein Attentat im Frankfurter Hauptbahnhof. Frankfurt o. M� 13. Mai.(Eigenbericht.) Auf dem Frankfurter hauptbahnhos wurde der Redakteur der sozialdemokratischen„Volksstimme" Quint von zwei National- sozialisten übersatten und zu Boden geschlagen. Einer der Täler. der jetzt festgenommen wurde und geständig ist. gehörte früher der KPD. an, ist als Zuhälter bekannt, wiederholt vor- bestraft und treibt sich feil mehreren Zahren in Frankfurt mit verschiedenen Tlamen und als Inhaber verschiedener Wohnungen herum. Beamte als Hausbesitzer Die Llnterschleife beim Landesaufnahmeamt- Mietshaus beschlagnahmt Die großen Unterschlagungen im Reich samt für Landesaufnahmen, über die wir bereits berichteten, haben. wie zu erwarten stand, einen derartigen Umfang angenommen, oaß man sich veranlaßt gesehen hat, bei der Staatsomvaltschast ein Sonderdezernat zur Untersuchung einzurichten. Der Untersuchungführende ist der Slaalsanwaltschostsrot Buchardi. dem ein Stab von Beamten zur Seite steht. Die Klarstellung der Angelegenheit wird besonders dadurch er- schwert, daß alle fünf Beschuldigten jegliche Verfehlung energisch bestreiten. Sie sagen, daß in den Büchern Fehler vorgekommen sein müßten. Fest steht aber, daß in drei wichtigen Büchern, die beim Reichsamt geführt wurden, Eintragungen fehlen, u. a. in der Haushaltsübcrwachungslistc und in der Fondstontrolle. Obwohl die vorgeschriebenen Formulare ausgefüllt und die Rechnungsbeträge zur Zahlung angewiesen sind, können die Beschuldigten für das Fehlen der Eintragungen in den Büchern keine Erklärung gehen. Wie wir erfahren, ist die Prüfung der zurückliegenden Jahrgänge in den Büchern noch nicht abgeschlossen. Sie dürfte bei.der komplizierten Materie auch einige Zeit in Anspruch nehmen. Die beschuldigten Beamten haben, wie man gleich ver- mutete, an verschiedenen Dienststellen gearbeitet. Al» Vertreter des Leiters fungierte der Amtmann Wlodislaus Wolfs aus der Moltkestraße 3, der somit auch zcichtumgsberechtigt war. Richard B o e r saß in der Kolkijlatur, � der Oberinspektor Blum in der Kasse. Die Besetzung der drei wichtigen Posten garantierte ihnen ein„ungestörtes" Zusammenarbeiten. Julius Schäfer und Alfred Mendt, die mit in der Affäre verwickelt sind, scheinen eine mehr untergeordnete Rolle gespielt zu hoben. Bekanntlich belief sich der Gehaltssatz der beschuldigten Beamten durchschnittlich auf monatlich 600 bis 700 Mark. Trotz dieses Einkommens war Wolfs in der Lage, sich im März 1924 ein Mietshaus in der Großgörschen st raße zu kaufen. Von dem früheren deutschen Besitzer hatte es zunächst«in Holländer erworben, behielt es aber nur drei Monate. Dann kaufte es Wolff. Er zahlte bar 20 000 Mark und drei Tage später den Restbetrag von 15 000 Mark. In der Folgezeit wurde das reparatupbcdürftige Haus von oben bis unten abgeputzt und die Rechnungen der ausführenden Firma beliefcn sich aus etwa 10 000 bis 15 000 Wark, die ebenfalls bc- glichen wurden. Wolsf kann kein- Erklärung darüber abgeben, woher cr diese beträchtlichen Summen hatte. Das Mietshaus in der Grotzgörfchenstraße ist von der Be- Hörde beschlagnahmt worden. Es soll der einzige Ber- mögenswcrt sein, deV bisher sestgcstcllt wurde. Von den Be- schuldigten hat, soweit man bisher weiß, eigentlich nur Mendt «in Luxusleben geführt. Er war ein gern gesehener Gast in den Lokalen in der Röhe des Potsdamer Platzes. Wenn auch bei Mendt der Verbleib des Gelbes einigermaßen festgestellt ist./.sg bleibt es unerklärlich, wo die anderen ihre Anteile' gelassen haben. Lügenhetze gegen den Landtag. Gewissenlose Behauptungen rechtsstehender Blätter. Zu Beginn der heutigen Landtagssitzung protestierte in einer Geschäjtsordnungsbcmerkung Abg. L e i n e r t(Soz.) gegen einen Artikel des„Düsseldorfer Mittag", der sich unter der Spitzmorke „Preußischer Landtag— Fidelitas" mit der letzten Rochtsitzung de» Landtages beschäftigt. In diesem Artikel wird von„bläulich schim- mernden Abgeordneten" gesprochen: weiter wird behauptet, daß in den Wandelgängen Schnapspullen herumgclegen hätten. In rosigster Stimmung habe der Landtag in vorgerückter Stunde über einen Etat von 4,5 Milliarden entschieden. Abg. Leinert erklärte es für unerhört, daß«in Mitglied de» Hauses in dieser unwahren und nicht rechtzusertigenden Weis« da» eigene Parlament beschmutze. Er sei darüber informiert, daß der Berichterstatter der„Düsscldorser Zeitung" ein Mitglied der Fraktion der Wirtschaftspartei ist. Präsident Bartels schlicht sich diesem Protest an. Abg. Borck(Dnat.) weist auf einen ähnlich liegenden Fall der Berichterstattung der„Täglichen Rundschau" über dies« Nachtsitzung hin. Dort sei u. a. behauptet worden, daß der Etat- redner der Deutschnationalen betrunken gewesen sei. Auch diese Berichterstattung sei völlig aus den Fingern gesogen. Abg. hestermann(Wirtsch.) erklärt, daß ein Abgeordneter der Wirtschaftspartei als Mitarbeiter des„Düsseldorfer Mittag" nicht in Betracht käme.- Als Abg. Leinert(Soz.) demgegenüber bei seiner Behauptung bleibt, erklärt Abg. Hestermann(Wirtsch.). daß er mit dem Fraktions- kollegen S ch m i d t- H ö p k e noch nicht über den Fall hob« sprechen können, da dieser nicht im Hause sei. Sola/ige dieser sich nicht dazu erklart habe, könne er aber nicht glauben, daß er der Dersasser des Berichts ist. Nach Erledigung kleinerer Vorlagen wird die dritte Lesung des Haushaltsplans für 1931 fortgesetzt. Günther, Hacket und Oarwin. Weil der Mensch vom Affen abstammt. Iena. 13. Mai.(Eigenbericht.) Der verhastete Donnebauer, der den Revolveranschlag auf den nationalsozialistischen Professor Günther verübte,«gibt an, er habe die zu der Tat benutzte Waffe in Zell am See gekauft. Er äußerte bei seiner Vernehmung ferner, daß cr aus eigenem Antrieb ge- handelt habe, und zwar weil Günther behaupte, daß der Mensch von? Zlffen abstamme. Das könne er sich unter keinen Umständen gefallen lassen. Es besteht der Eindruck, daß der 18jährige Dannebaucr geistig unzurechnungsfähig ist. Selbstmord eines Bankbeamten. In einem L a k a l in der F r i c d r i ch st a d t schoß sich gestern abend der 30jährige Bankbeamte Kurt W e y m o n e r au» Wittenberg eine Kugel in die Schläfe. W. war auf der Stelle tot. Die Kriminalpolizei ist bemüht, die Gründe zu dem Derzweis- lungsschritt aufzuklären. Wie die bisherigen Ermittelungen ergeben haben, wohnte Weymoyer seit etwa 8 Tagen in einem Hotel am Bahnhof Fricdrichstratze, wo cr die ganze Zeche schuldig geblieben ist. LS Jahre Zuchthaus. * Urteil über die Mörder von Groß-Kreutz. Brandenburg a. d. Havel. 13. Mai. Das Potsdamer Schwurgericht in Brandenbnrg sprach am Dienstag im Fall der Brüder Kocharski. die am Himmelfahrtstage 1930 bei Groß-Kpritz den Schiffer August Goerz erschossen und de« Oberlandjäger Roch tödlich verletzt hatten, das Urteil. Beide Angeklagte wurden zu je 1ä Zahren Zuchthaus und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Tauer von zehn Jahren verurteilt. Die Staatsanwalt hatte wegen unbefugten Waffenbefitzes neun Monate Gefängnis, wegen der Ein- bräche mit Waffen ein Jahr sechs Monate Zuchthans und wegen Totschlags lebenslängliches Zuchthaus und dauernden Ehrverlust beantragt.» Protest gegen HochfchuhzoN. Sachsen fordert Herabsetzung des BroipreiseS. Dresden, 13. Mai.(Eigenbericht.) Der Sächsische Landtag nahm am Dienstag mit großer Mehrheit einen sozialdemokratischen Antrag an. noch dem die sächsische Regierung bei der Reich»regterung eine baldige herabsehuug de» inzwischen erhöhten Brot- presse, fordern soll. Ferner soll die sächsisch« Regierung bei der Reichsregierung und dem Reicheral gegen die Politik der Nah- rung»mitlesveeteuerung Protest erheben, da diese Politik für die sächsische wirtschask und die sächsische Arbeiterschaft die größten Gc- fahren heraufbeschwöre. Kinobrand in Tokio. 16 Personen in den Flammen umgekommen. Tokio. 13. Mai. In dem Dorfe Schinanahi aus hokkaido geriet ein L i ch t s p i e l- lheater in Brand. 1b Personen kamen in den Flammen um. 13 wurden verleht. Das Feuer breitete sich mit Riejenschnelle aus und zerstörte weitere 1b Häuser. Konzert der Berliner Schuhpolizei. Am Freitag, dem 15. Mai. nachmittags 16 ilhr, wird anläßlich des Besuche? der dänischen Schutzpolizei die Kapelle der Berliner Schutzpolizeibeamtcn im Zen- trosflughasen Berlin-Tcmpelhof konzertieren. Der Eintrittspreis be, trägt 50 Pfennig, Kinder unter 10 Jahren sind frei. R««6 Slair:„Die MM»«.- Glona»palasi. Ein Maler Hot auf sein Los eine Million gewonnen, aber die Zacke, in deren Seitentafche das Glückspapier steckte, ist an einen Pariser Apachen verschenkt worden. Es beginnt nun die Jagd durch die Stadt. Am Ende wird das Los gesunden, und der Maler er- hält die Million. Ein Schwonkmotiv wie viel« andere, und zwei be> triebsame französische Autoren schrieben vor ungefähr zwanzig Jahren über dieses Thema ein Bühnenspiel, das eine besondere At> trattion bildete, denn zwischen den einzelnen Akten arbeitete der Film, der die Jagd nach der Million illustriert«. Jetzt liegt der Stoff neu geformt als Tonfilm vor. Rene C l a i r, der Schöpscr des Werkes„Unter den Dächern von Paris" hat ihn bearbeitet und �siihrt die Regie. Der Film wiid in französischer Sprache gespielt und nur ein paar erläuternde Szenen sind deutsch gehalten. Eine chilse, die über- flüssig ist, da sich der Film auf der sichtbaren Situation aufbaut. Rene Clair empfindet absolut filmisch. Cr geht von dem bewegten Bild aus, und das Wort, selbst das Geräusch und die Musik, dient ihm nur zur letzten Ausdeutung und Zuspitzung eine Szene. Nie- mal? erhält die Handlung vom Wort aus ihren Anstoß sondern von der Bewegung. Jede Erinnerung an Bühnenvorgänge ist hier oer- blaßt. Clair macht einen Film ohne Raffinements. Kunstvolle Ueber- schneidungen und Ueberblendungen, technisch« Spielereien liegen ihm nicht. Die Handlung, die Darstellung geben den Impuls. Die Glic- derung, der Rhythmus der szenischen Borgänge, ihre Steigerung und Retardierung durch Haltung und Geste des Schauspielers bleiben allein ausschlaggebend. Die Wirklichkeit wird nicht wie bei den Amerikanern ins Groteske gesteigert, sie verliert nur ihre Schwere, sie wirbelt schneller, sie wird ins Spielerische, Tänzerische gehoben, ins graziös Beschwingte und Musikalische. Der Film ist ein Kapriccia, geformt aus Witzen, sprühender Laune und der Freude am Leben, und er ist ein Krescendo des Humors. Den Höhepunkt bildet eine Opernaufführung, die vielleicht als eine Periode auf die Sängerstorfilme angesehen werden kann und die doch eine Wirklichkeit gibt, die Wirklichkeit der Opern- kühnen, die keine ist. Das Spiel vor und hinter der Rampe, vor und hinter den Kulisien, das Ueberkreuzen der einzelnen Handlungs- elemente erzielte Wirkungen, die selbst amerikanische Grotestfilme selten erreichen. Wundervoll die Musik, die Chansons, die, sparsam verwendet, den Rhythmus unterstreichen und steigern. Clair und mit ihm seine Darsteller Lefebvre, Ollivier, Stroesco- Anabella haben einen Film geschaffen, der einen selten erreichten künstlerischen Höhepunkt bedeutet, ein Werk von höchster Kultur. Farbe, Spielsreudigteit und menschlichem Humor. Leb. Kürten und die Todesstrafe Eine Kundgebung der Liga für Menschenrechte Das Tonkünstlersest in Bremen. Von unserm nach Bremen entsandten Musikreferenten. Seit gestern tagt in Bremen die Jahresversammlung des Allgemeinen Deutschen Musikervereins, verbunden mit einer langen Reihe moderner Konzert, und Opernveranstallungen, die unter dem Namen„Tonkünstlersest" seit Jahrzehnten ein zentrales Ereignis des deutschen Musikleben» bildet. Ein kurzer Fest- okt im Rathaus gab dem Senator Dr. Spitts Gelegenheit, die zahlreichen Gäste, die von auswärts gekonimen sind, im Namen der Stadt Bremen herzlich zu begrüßen und von einer Spende für die Wyhlsahrtszwecke des Vereins Mitteilung zu machen. Für den Verein dankte der f. Barsitzende, der Münchener Akadcmiepräsidcnt Siegmund von Hausegger. Abends fand dos erste groß« Orchesterkonzert statt. Vom Brauch abweichend, daß in diesem Nahmen vor allem die Jugend zu Wort kommen soll, war das Programm fast ganz den Fünizig- und Sechzigjährigen gewidmet. Kurt von Wolf urt, der in Berlin lebende Deutsch-Balte, schließt sich in seinem Eoneerto grosso für kleines Orchester an die heute vorherrschende Richtung derer um Toch und Hindemith an. Julius W e i s m a n n musiziert in seinem Kon.zert für Soloblyser, Pauke und Streichorchester mit jugendlich unverbrauchten Kräften, wenn auch nicht in, Stil von heute. August R e u ß' Klavierkonzert, von G i e s e k i n g meisterhaft gespielt, hört sich an wie gute Musik von l!XX>. Cr hat den größten Erfolg. Bernhard S e k l e s, der Leiter das Hochschen Konservatoriums in Frantiurt, interessiert in seiner 1. Sinfonie wie immer durch technische Ueberlegcnheit und gekonnte Arbeit. Di« junge Generation vertritt ollein der Mjährige Leo K a u f f m a n n, dessen Lieder- Zyklus mit Orchester„An den Tod" freilich nicht durch jugendlichen Elan mitreißt, aber durch die Intensität des dunklen Kolorits und hie und da durch einen Ton innerer Derhaltenheit sesielt. Die Leistung des städtischen Orchesters unter Generalmusitdirektor Wendel» Leitung wird allgemein bewundert. Die ältesten Ton- künstlersestbesucher erinnern sich nicht, daß di« neuen Werke in so musterhafter Ausführung geboten wurden. So trägt die Wisder- gab'e entscheidend zum Gelingen und Erfolg des Abends bei. _ k- P. Oer belgische Garasate.. Zum Tode Sugöne MayeS. Mit Eugene Psaye, dem berühmten Geiger, de? soeben im 7Z. Lebensjahre seinem schweren Herzleiden erlegen ist,.nachdem ihm bereits vor zwei Jahren ein Bein amputiert worden war, ist der glänzendste Vertreter der durch Vieuztemp» und Leonhard begrün- beten belgischen Geigerschuie dahingegangen, der di« Tradition dieser Schule in bester Weise vertrat. Psaye ist in der Rcichshauptstodt in unvergessener Erinnerung. Kehrte er doch jahrzehntelang als will- kammener Gast dort ein, und in Berlin war ja auch der Stern des Violinvirtuosen aufgegangen. Jahrelang wirkte er dort als Solist und zweiter Konzertmeister im ehemaligen Bilseorchcster. neben seinem Landsmann und Studiengenosien Thomson, dem ersten Kon- zertmeister de» Orchesters, der, wie der zweite, später zum höchsten Gipfel der Berühmtheit aufftieg. Im Jahre Itztzl schied Vfaye aus dem Bilscorchester aus und gab gleichzeitig die Orchestertätigkeit überhaupt auf. Damit begannen sein« Konzertreisen, auf denen im Anfang Anton Rubinstein den Geiger am Klavier begleitete. Später siedelte Ksaye dann nach Parts über, wo durch den st-eundfchaftlichen Berkehr mit Ecfar Franck und Dinccnt d'Jndy auch fein Komposi- tionstolcnt starke Anregung erfuhr. Im Mittelpunkt feiner Totig- kett ober standen die Wanderfahrten des Birtuofen, die Dsaye durch die Alte und Neue Welt führten und ihn überall Triumphe feiern liehen, wie sie vor ihm nur ein Sarasate errungen hatte. An Sarasate erinnerte auch Psayes Spiel in der unfehlbaren, eleganten technischen Birtuosität und der bestrickenden Süßigkeit des Tones, der den Hörer widerstandslos in feinen Bann zwang. Daneben wirkte bei Yfaye der hinreihende Schwung und di» intensive Ausdruckskraft des Vor- träges, die sich besonders bei der Wiedergabe der französischen Diolin» literatur in bestechendster Weise offenbarte. 1*36 kehrte Pfaye als erster Biolinlehrer ans Konservatorium in Brüsicl zurück. Dort begründete er auch fein Streichquartett, das schnell zu hohem An- sehen gelangte. Der Fall Peter Kürten hat Anhänger und Gegner der Todes- strafe wieder auf den Plan gerufen. In einem überfüllten D i s» kuffronsabend der Liga für Menschenrechte im Reichswirt- schajtsrat kamen gestern die einen wie die anderen ausgiebig zu Worte. Rechtsanwalt Rudolf O l d« n hielt das einleitende Referat. Er nannte die bekannten Argumente gegen Sie Todesstrafe und unter- strich insbesondere, daß Blutvergießen stets zu neuem Blutvergießen führe. Bis zum Fall Kürten bestand kein Zweifel darüber, daß die Todesstrafe so gut wie beseitigt sei. Jeder Kriminalist fühlte aber, daß nun das Problem der Todesstrafe noch einmal aufgerollt werden würde, so groß war der Zorn gegen den Dernichter unschuldiger Leben. Es war klar, daß man auf di« Rc- gierung einen ungeheuerlichen Druck ausüben würde, mit dem Ziele der Vollstreckung der Todesstrafe. Für den Gegner der Todes- strafe gibt es aber keine Ausnahme! auch der Fall Kürten kann«ine solche nicht erzwingen. Hinzu kommt, daß die Zurech- nungsfähigkeit des Massenmörders trotz des Gutachtens der Psychia- ter durchaus nicht feststeht. Sowohl der Katholik Mucker- mann als auch der Sozialist Professor G r o t j a h n haben sich mit aller Entschiedenheit dahin geäußert, daß Kürten ein kranker Mensch sei und nicht hingerichtet werden dürfe. Tat- sächlich ist auch aus diesem Grunde der Fall Kürten durchaus un- geeignet, um von dem Grundsatz der NichtVollstreckung der Todes- straj« abzugehen. Gegen die Bollstreckung der Todesstrafe im Falle Kürten erhob nicht wemger energisch seine Summe der Ministerialrat beim preußischen Staatsministerium Dr. C o r s i n g. Es handle sich im Augenblick um eine grandios« Offensive für die Todesstrafe; dafür zeuge auch der soeben im Ufopalast am Zoo laufend« Film„dl". Aber gerade der Fall Kürten sei trotz gegenteiliger Ausfassung der Anhänger der Todesstrafe durchaus ungeeignet, zur Todesstrafe zurückzuführen. Als Anhänger der Todesstrafe stellten sich der Ber- samwlung die Rechtsanwälte Bloch und Sack vor. Es sei eigentümlich, erklärte der erster«, wie man doch stets die Lanze für den Mörder breche, an die Angehörigen der Opfer jedoch gar nicht denke. Man sollte diese doch fragen, was sie mit dem Mörser tun würden, wenn sie über ihn zu bestimmen hätten(im gleichen Atem nannte der Redner die Mutter des ermordeten Rathenau, die in ihrem rührenden Brief an die Mutter eines der Mörder, Frau Techow, jenem die Tat verzieh): die Vernichtung von Mördern sei das Recht des Staates, der seine Bürger schützen muß: die lebens- längllch« Zuchthausstrafe sei grausamer als die Todesstrase. In ähnlicher Weise äußerte sich Rechtsanwalt Dr. Sack. Er proklo- mierte das Recht der Volksgemeinschaft gegenüber dem Recht des Individuums und nannte die Gegnerschaft gegen die Tgesstrase eine Ueberspannung. Der Strofvollzugspräsident a. D. Dr. F i n k e l n» bürg zeigte an einer Fülle von Beispielen, daß di« zum Tode Ber- urteilten selbst ander» über ihre Begnadigung zu lebenslänglichem Zuchtbaus dächten: sie zögen es vor, den Kopf zu beholten. Ganz besonders zu erwähnen sind di« schriftlichen Acuße- r uu. gen, die eingelaufen waren. So hotte Prof. Sr. Ttadbruch J sich wie folgt geäußert: Warum ist die Abschassung ders Todesstrafe zum Symbcl der ganzen Strafrechtsreform geworden? Durch di« Strafe, die an der Spitze des Strafsystems steht, wird der Eindruck des gesamten Strasrechts bestimmt. Gipselt das Straiensysttm in der Todesstrafe, so teilt sie allen Strafen etwas van ihrem Blut- geruch niit, von ihrem Vergeltung?- und Rachegeist. Der Geist eines neuen sozialen Strafrechts kann sich nur durchsetzen, wenn das Gespenst der Todesstrase gebannt ist. W i r kämpfen nicht für Kürten, sondern gegen die Todesstrafe. Wir verlangen, daß die Todesstrafe an Kürten nicht vollstreckt wird, weil mit Kürten» Kopf in Zukunft viel« Kopie fallen würden, auch weniger gefährliche und schuldige, und angesichts der nie auszusäfaltendcn Gefahr de» Justizirrtums auch un- schuldige. Wir wenden uns aber auch deshalb gegen Kürtens 5)inrichtung, weil auch in seinen Taten die Mitschuld der Gesell- sckfost mcht übersehen werden kann. Gerade am Falle Kürten lägt sich die Sinnlosigkeit der Todesstrafe deuttich zeigen. Hai die Hin- richtung des Massenmörders Haormann auf den Massenmörder Kür- ten irgenwelchen Einfluß auszuüben vermocht? Im Blutrausch ist di« abschreckende Stimm« de? Strafgesetzes nicht mehr vernehmlich: die Gesellschaft vor gemeingefähr- lichcn Rechtsbrechern zu sichern, gibt es aber nach andere Mittel als das Beil des Henkers.... So bleibt al» einziger Grund, aus dem man die Todesstrafe heischt, der Schrei des Blutes nach Blut, die Begierde der Vergeltung übrig, der Racheinstinkr. Ihn aus dem Strafrecht und Strafvollzug auszuscheiden, ist Ziel un» auf breitem Gebiet schon Erfolg der kriminalpolitischen Reformarbeit.... Preußen wird nicht gewillt sein— das erwarten wir zuversichtlich—, jetzt das entscheidende Signal zum strafrechtlichen Rückschritt zu geben. Radbruch bezweifelt unter anderem auch Kürtens Zurechnungs- fähigk-it und ist der Ansicht, daß Massenmörder auch, ähnlich wie Geisteskranke, in säuernder Verwahrung unschädlich gc- macht werde? können. Auch Professor Woisgong M i t t e r m a i e r- Gießen wirft die Frage auf: Ist die Todesstrase wirklich sinnvoll? und sagt: Daß Kürten ein Scheusal ist, wissen wir. Welchen Sinn hat aber feine staatlich angeordnete Tötung? Gar keinen allgemein menschlichen. Rur den, daß ein Scheusal weniger aus der Erde herumläuft. Leider bleiben tausend übrig, di« nie durch diese eine Tötung irgendwie berührt werden. Dorum beruhigt dies« eine Tötung auch nicht, und wenn wir jedesmal die c: wischten Scheusale a la Kürten oder Haar- mann töten, so nützt da» gar nichts. Professor Eberhard S ch m i dt- Hamburg telegraphiert: An meiner össentlich bekannten Gegnerschaft gegen die Todesstrafe halt« ich sest, die trotz Vorkommen von Fällen wie Tetzner und Kürten einen tiefen Abscheu erregen muß. Nicht Rücksicht aus den ganz gleichgültigen einzelnen Verbrecher, sondern Rücksicht aus die staatliche Kultur bestimmt meine Haltung. Aus Mannheim ist der Liga die Entschließung einer Bersamm- lung von hundert Acrzten und Juristen au» Süddeutschland zuge- gangen, die in der Durchbrechung des Entschlllsies des Reichsjustiz» Ministeriums, keine Todesstrafe mehr zu vollstrecken, ein gefährliches Hindernis für die endgültige Beseitigung dieser Kultursch.md« er- blickt. Schließlich hat auch Prof. Or. Kahl 'eine Stellung zur Hinrichtung Kürtens schriftlich kundgegeben. Er erinnert daran, daß er sich seinerzeit bereit erklärt habe, aus die Todesstrafe unter der Bedingung zu verzichten, daß der zu lebens- länglicher Zuchthausftrajc oerurteilte und alsdann begnadigte Mar- ber in die Sicherheitsverwahrung genommen werde. Dieser Antrag sei aber abgelehnt woroen: oeshalv Hobe er für die Beibehaltung der Todesstrafe gestimmt. Da nun die Todesstrase nach bestehe, sei es verständlich, daß zwei Länber in besonder» schweren Fällen die Todesstrafe auch vollzogen haben. Würde sie nun nach diesen Vorgängen im Falle Kürten nicht vollzogen werden, so„würde dies noch Prof Kahls sefter Ueberzeugung eine derartig st a r k e und leidenschaftliche Bewegung für d'ie schlecht- h i n n i g e Beibehaltung der Tosesst rase entfesseln, daß jede Aussicht ihrer gesetzlichen Beseitigung sür absehbare Zeit völlig ausgeschlossen er- scheint. Daß im vorliegenden Falle die weit überwiegende ofientl che Meinung den Vollzug forden, kann nicht zu bestreiten sein. Ebensowenig ober, daß auch dieser Teil der öfsenilichen Mei- nnng, zumal in einem demokratischen Staat, Anspruch auf Gehör bat. Auf diese Uebcrcinstimmimg der Lösung de» Problems der Todesstrafe mit der öffentlichen Meinung habe ich in meinem Rcfc- rat vor dem Deutschen Juristentag in Wien schon 1S1Z entscheidendes Gewicht gelegt. Folgerichtig kann ich auch hsu:s keinen Schritt empfehlen, der sich in osfenbarstem Widcrspruck) zu ihrem Empfin- den stellen würde." Nach weiteren leidenichast.icheii Reden einer großen Anzahl post Gegnern der Todesstrafe und nach einem Schlußwort von Rudolf Olden wurde die stürmisch ocrlaufene Berjammlung gc- schlössen. „Die Quadratur des Kreises." Wallnertheater. Ich weih nicht, ob und in welcher Form diese russische Zeit- konuidie von Dalentin Katagew in Sowjetrußland gespielt wird. Die Film- und Vortrogsbijhne Wallner-Theoter rühmt sich jedenfalls. daß sie die dreiaktige Originalfassung gibt(eine andere Fassung ist im„Theater am Schiffbauerdamm" mit Erfolg gelaufen). Und diese zeugt davon, daß die Russen anfangen, mit Humor und leiser Ironie ihre neue Welt zu betrachten, wenigstens soweit es sich um das Liebesproblem handelt. Diese sehr einfache und psychologisch wenig vertiefte 5)andlung dreht sich um den Austausch der beider- seitigen Frauen, die zwei Kommunisten standesamtlich geheiratet haben. Das Milieu— sie olle vier leben in einer Stube— wird vorgeführt. Im übrigen ist es die alte solide bürgerlich« Situations- komik, mit der gearbeitet wird. Die Liebe siegt über die Verstandes- und parteimäßigen Bindungen und die rechten Paare finden sich. (Fragt sich aus wie lange.) Die Darstellung ist frisch, frei, fröhlich, sicher ganz im russischen Sinn, der keine routinierte Schauspieler, sondern Selbstdarstellung vorsteht, doch die Regie bemüht sich, da» Primittve zu betonen, ck. Im Alusevm sl!r Nalurluade, Jnvalidenstr. 43. weicht beute. 6 Uhr, Dr. Rünthe: über den Dichter Adalbert von Chamisso alS Naturforscher und Wellreisender. Die Deolscke Sunfigemeinschast eröffnet Donneijtag im Berliner Schloß eine Ausstellung, aus der Lirltc. Pros. Eikener-Ltuttgart.«oetich. Ctmmq ©ofcmatm,(Srauenberz. Heinisch-�raaksmü a.!W., Kohlboff. Lenk, Pros. Muche. Prof. Partikel.Königsberg. Tanck-Hamburg, Thum, llphoff-Worpswede nnd andere vertrete» sind. Die Ausstellung ist tägkich von Il> bis 6 Uhr, Sonntags von ll bis 2 Uhr, bei freiem Eintritt geöffnet. Die Egger-cienz-vuistellona lm verein Berliner vünstker wird am 16. Mai vor geladenem Publikum eröffnet und vom Sonntag ab dem allgeincinen Besuch sreigegeben. 3ra 6. und letzten Sinsoate-Solnert in der Staatsoper gelangt unter Leitung von Erich Kleiber Hecior Bcrlioz'.Faust« Verdammung' zur Aus- sührunq. Das Mittagtkonzert findet Freitag, ll'/, Uhr, das Abendlonzert Sonnabend, 8 Uhr, statt.» Die allgemein« unabhöngige Ao,fieUuvg in powdam. Lastschiff Hajen, wird heute eröffnet. Tie Ausstellung ist gänzlich jurysrei und zeigt Malereien, Bilddauereien und Eraphiken von PoiSdamer, Berliner und anSwirtigen Klwstler». „Artisten." Atrium. Es ist kurios, den Artisten als Stand geht es zur Zeit q>irt- schostlich so schlecht wie noch nie, und dabei ist ausgerechnet gegen- wärtig der Artist und sein Milieu die ganz große Mode in der bil» dcndcn Auiist.- der Literatur und im Film. Die Amerikaner verfilmen diesmal ein berühmtes Theaterstück von Wassers und Hopkins, dessen Handlung auch in einem andern Milieu sehr gut möglich wäre. Er und sie sangen beide bittcrarm an. Sie bekommen ein leidlich«? Engagement, heiraten sich, und als durch den vorwärts- treibenden Ehrgeiz der Frau der Mann die ganz große Nummer ist, geht er einer Kokotte ins Gar». Im Grunde genommen ist er ein guter Kerl, doch reicht's bei ihm nicht zum Charakter. Er verkommt/- sie aber schlägt ihre Chance aus und verschmäht den steinreichen, st« liebenden Mann. Die kleine Frau bleibt bei dem Alkoholiker und wird we.iter mit ihm tanzen— auf der Bühne der Borstadt- schmiere. Den Regisseuren John C r o m w e l l und A. Edward S u- t h e r l a n d stand die Beliebtheit des Theaterstücks im Wege. Sie wollten ihm und der modernen Revue gerecht werden, und so sah man oft nur Theater oder übersteigerte(kolorierte) Pracht. Trotz vieler Schwächen ober wirkte der Film außerordentlich stark, dank der hervorragenden Kunst von Hol S k e l l y und Nancy C a r o l l. Sie sind größer als die beiden Regisseure zusammen, sie machen die Fehler des Manuskripts vergessen, sie sind immer ganze Menschen, die uns etwa» angehe». Bei beiden empfinden wir ursprüngliches Können, bei beiden sehen wir nie Mache. c. i* Die Versteigerung der Sammlung des Grafen Slrogonoss(1733 bis 1811), die im Austrage der Sowjetrepubiit durch das Kunst- auktionshaus Rudolf Lepte erfolgt, ist dos größte diesjährige Sr- eignis auf dem Kunstmarkt. Das Hauptergebnis wurden am Dienstag die beiden Bildnisse van Dyks, die sür 660 OO) Mark nach London gingen. Das Gesamtergebnis des ersten Tages war 2 660 006 Mark. Der Deutsche Geogrophenlag wird vom 26. bis 28. Mai in Danzig abgehalten werden. Es ist da» Jubiläum de» öOjährigen Bestehens. Der Geographcntag steht im Zeichen„Die Ostsee und ihre deutschen Küstenländer". Maßregelungsgelüste der Kuhrherren. Trotz beiderseitiger Annahme des Schiedsspruches. Der Schiedsspruch im Berliner Schwer- und Leickztfuhr- gewerbe, den wir im„Vorwärts" am Dienstag veröffentlichten, ist von beiden Parteien angenommen worden. Der Schiedsspruch sieht neben der unveränderten Verlängerung des bis- herigen Lohnabkommens bis zum 31. August die verpslichlung vor. die Arbeil sofort wieder auszunehmen. Trotz dieser Bestimmung im Schiedsspruch glauben einzelne Fuhrunternehmer, an den Streiken- den noch nachträglich ihr Mütchen kühlen zu können. Einige Firmen haben heute, Mittwoch, früh die sich wieder zur Arbeit Meldenden zurückgewiesen. Einige Firmen sind sogar dazu übergegangen,, vom Arbeitsnachweis Arbeitslose anzufordern. Die Firma Georg Schultz in Weißensee hat ein Mit- glied des Arbeiterrats nicht wieder einstellen wollen, worauf sich die streikende Belegschaft weigerte, die Arbeit wieder aufzunehmen. In diesem Falle führten die Verhandlungen mit dem Gesamtoerband dazu, daß die Maßregelung des Arbeiter- ratsmitgliedes rückgängig gemacht wurde und die Arbeit nun- mehr am Freitag früh aufgenommen wird. Wegen der Beilegung der Differenzen in den übrigen Betrieben steht der Gesamwerband noch in Verhandlungen mit den einzelnen Firmen- leitungen. Gelb-blau-schwarz. Der„nationalwirtschafllich-werksgemeinschaslliche Reichsverband vaterländischer Arbeiter- und Werkvereine" ist gelb. Weil jedoch das„Geftnnungs"-Gelb nicht offen herausgestellt werden kann, ohne der allgemeinen Verachtung in Arbeitnehmerlreisen zu verfallen, suchen die Vaterländischen ihre Grundfarbe zu retuschieren, indem sie blaue chemden und schwarze Fahnen— mit Hammer und Schwert— zeigen. Die blauen Hemden sollen allerdings zu- nächst von den Jugendlichen getragen werden. In einem besonderen Artikel der Iugendbeilage„Hammer und Schwert" zu„Arbeit und Recht" wird erklärt, das blaue Hemd ist für uns eine Frage der Zweckmäßigkeit. Die schwarzweißroten„Arbeiterfahnen" ziehen nicht recht. Deshalb die schwarze Fahne und als Jugenduniform das blaue R. o. A.-Hemd, dazu dos Koppel mit Schulterriemen und die blaue Mütze, so blau wollen die Gelben aus dem Kreise nicht nur der Zivilisten, sondern auch der Uniformierten hcrausspringen. „Heute fallen wir Blauhemden mit unseren schwarzen Kampf- und Freiheitsfahnen auf". Das blaue Hemd ist heut das Kleid, die Tracht der Träger und Kämpfer für die Idee der Werksgemeinschaft und Nationalwirtschaft." Di« Werksgemeinschaftler wollen keine„Muselmänner" mehr sein und nicht die„Murmeltiere der Betriebe". nein, sie sollen sein was sie sind, Gelbe, trotz Blauhemden und Schwarzfahnen. Rheinsthiffahrts-Schiedsspruch. Am Montag wurde für die Rheinschisfahrt ein Lohn, schiedsjpruch gefällt: Das Gehalt der Kapitäne, Schiffsführer und ersten Maschinisten wird ob 1. April 193t um 5 Proz. gekürzt, das Geholt der Maschinisten auf Booten mit einem Mafchinisten und der Maschinisten auf Güter- und Hafenbooten wie aus Kran- und Leichterschiffen um 7 Proz., das Geholt der Schiffsführer, der Kran- und Flettfchiffsführcr um S Proz. Die Familienzulage bleibt bc- stehen, auch die sogenannte Iahresgratisikation und die 3-Mark- Zulage auf der Strecke bei den Maschinisten aus Schleppbooten mit einem Maschinisten, sowie bei den Kapitänen auf Strcckenbooten mit nur einem Mann Deckpcrsonal und Streckenfahrt. Im übrigen gilt der Schiedsspruch vom 28. März 1931. Für Matrosen der übrigen Fahrzeuge mit mehr als vier Berufs- fahren beträgt der Wochenlohn 38,49 Mark. Für die übrigen Gruppen verringert sich der Wochcnlohn ab 1. April im gleichen Prozentsatz wie bei den Matrosen. Diese Regelung ist erstmalig zum 31. März 1932 kündbar. Er- klärungsfrist bis 19. Mai, 6 Uhr. V-rantwortl für die Redatlürn: Lerbert Lepsre. Berlin! Anacijien! Tb. stocke. Berlin. Verlan: Vorwärts Verlag D. m. b. S.. Berlin. Druck: VorwüHls Buch. druckerei und Berlagsanstalt Vau! Singer& Co Berlin£23 68. Lindenttrabe 3 Sieiftu 1 Beilage Tliejxlet Lichtspiele usw Miuwocb. 13 8. staats-Oper Unter d. Linden 25«. A.-V eo Uhr Tuijeshe>,»»«« Ce- ergi-Kirald Rrr.trherj Letrainbieu Die Planeten Ende g. 22 Uhr Staats-Opar «n Pill: dir Rltoklii. Wh Uhr Ole Boifizelt des Figaro Oifintl. Rinitnirkanl Ende Mi Uhr Staat. Oper ßismarcksn Turnus II 19Vj Uhr tioflmanns Erzödlunoeo Ende Mi Uhr Staatl. Schaysph. (an Geodamannarkti 218 A.-V. 20 Uhr Der blaue Boll Ende n. 23 Uhr IM.WM-MUMW 20 Uhr Nathan der Welse Ende gegen 2i Uhr Barbarossa 9256 Tägl» u.»'bUhr lim. 50«.-JH., Ab. 1-611. Ilisen Orij. A'tred Jachson Girls Togo, Peter, Pict, Zellixü.Lord Ain usw Weidisd L 7. 4031 Täglich 5 und S15 Sonn'agsl�n.Ä'6 Hm. 50Pf.-l M.. Ab. 1-2111. Jlelxlr r?! 3 W ere Bros. Ballett Gärard 1 weitero Knsotioncn. GROSSES SCHAUSPIELHAUS Täglich 6 Uhr. im weissen ROSSl. in der Premierenliesetiting diu. oodi 3 Wodieo Regie: Erik Charcll. Reichshallen-Theater Allabcndlicli 8 Uhr Stefttiner Sänger Das wunderbare MAI-PROGRAMM. Populäre Preise. Nur Kur« Zelt I Je fön! FraoMuner' Lustspiel von Carl Rßßler Dienstag bis Freitag 814 Sonnabend 700 1015 Sonntag 2« 5« 900 Eröffnung des Rose- Gartens am x. Pfingstfeicrtag An beiden Feiertagen 600 das traditionelie Frühkonzert j mit VarictÄ 500 nachm. Konzert, Variete 1 u. d. Operettenschwank; „Das Liebesverbot"| Große Frankfurter Straße IA2 j U-Bahn Strausberger Platz 6 tagiger Vorverkauf tflgllch von ix— i Uhr und 4— 9 Uhr| Telefonische Bestellungen; E 7 Weichsel 3422 Programm jb e rvorragend I » { Dayelma-Ballett Original Pariser Cancan I Kuban-Kosaken-Chor 1 1 Alvarez. Levanda. Sil u. Bil. 2 Dakotas. 1 Boods. Carl Braun USW. margareie uialKotta Bln.-Stegliiz, Fichtestr. 10. Tel. Stegl.3684 Lieder zur Laute- Rezitationen VolKsbtiltne Theater an BülowDlalz. '8 Uhr ätaatüdiiller-Tli. 8 Uhr Nafltan der Weese Staatsoper Am Pl.d Republik 7',a Uhr Die eaduell des Figaro Komiscne oper 8>ä Uhr Alt-Heidelberg Lotie Englisdi. Wjsteraieier, ti.J. Moabis, Peukeil Kaiiürsienöamm- Theater Bismarck 449 «■TThTj Alles Schwindel von Marcellus Sdiitler. Musik von Mischa Spoliansky. Bigli: Ggstai Crtilsns metropoi-iheaier Täglich 81/* Uhr Die Toni aus Wien Mady Christians, Michael Lohnen Die Komödie 8"j Uhr Dienst am Kunden vau Dut Bois nub Hai Bauses Regie; Hans Deppe Merl Westens Täglich 8V4 Uhr Nnr bis 16. Mai Kurzes Gastspiel mistinguett mit ihrem eigenen Revueensemble sv. uhr CÄSINO-THEATEH Loibringer Strafe 37. IIIHIIMIIII'III 11 lUIIIKIIII im II III IIIIII llllliaillMItHIIIKMDMIl""III Montag letzte Vorstellung vor den Sommerferien Graf Koks und das bunte Programm. Billigt SommerpreUet Billigt 0.60, 0.75, 1.— Mk. bis ILO Mk. Ab 19. mal geschlossen. Donnerstag, den 14. 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Ich wußte, daß er mir einst zwischen die Beine lausen würde. Ich ahnte nur nicht, daß er das gleich mit solcher Heftigkeit tun würde. Es kam ganz unerwartet. Ich war zur Abwechslung einmal ein harmloser Spaziergänger. Ich lief so, daß die Leute mir gleich anmerken mußten, daß ich bloß spazieren ging.. Ich trug ein sorg- loses Gesicht und einen neuen Anzug und freute mich, wenn ein Schaufenster kam, in dem ich mich bespiegeln konnte. Ich hatte so- zusagen Sgnne im Herzen, wenn mir auch Geld in der Tasche lieber gewesen wäre. Und ich ließ mich vom Strom des Lebens treiben und war stolz, daß ich den richtigen Ausdruck für meinen dämme- rigen Rundgang gefunden hatte. Die Anlagen waren grün und dem Schutze des Publikums empfohlen. Hunde waren an der Leine zu führen und für die öffentliche Ruhe und Ordnung war bestens gesorgt. Ich betrachtete gerade die Sterne und freute mich über chr Flimmern. Da kam mir plötzlich das Gleichgewicht abhanden als hätte mir jemand einen Knüppel zwischen die Beine geworfen. Ich machte einen erschrockenen Luftsprung und nieste aus-�ngst. lieber- fall, Schlaganfoll, Beitstanz? Was war denn eigentlich los? Als ich wieder gerade auf meinen Beinen stand und die Well wieder ins Gleichgewicht kam, sah ich den Hund zurückkommen und verächt- lich an mir vorübergehen. Ich bedauerte, keinen Spazierstock bei mir zu haben und hätte am liebsten das Ueberfallkommanda alarmiert. Da segelte plötzlich etwas Großes. Schwarzes auf mich zu. Das war noch schlimmer als der Hund, das war sein Frauchen. Jetzt ging es los. Gemeinheit, Unverschämtheit, Roheit, den armen kleinen Hund so zu oerletzen, daß er hinke, ober das sei eben die heutig? Jugend, keine Ideale mehr, keinen Schliff. Es gab einen Menschenauflauf und ich fürchtete, man werde mich lynchen. Erbittert schlug ich mich seitwärts in die Büsche und dachte über die Ungerechtigkeit im Leben nach. Auf dem Heimweg achtete ich seit langem wieder einmal auf die verschiedenen Hundetypen, die mir begegneten. Da gab es stolze und selbstbewußte, denen man aus dem Wege gchen mußte und die einen anschauten, als ob man sie grüßen müßte. Und andere, die von der eigenen Unzulänglich- kcit so überzeugt waren, daß sie den Schwanz dauernd eingeklemmt hielten und aussahen als bäten sie das Schicksal wegen ihres� Daseins um Verzeihung. Manchen sah man es schon von weitem an, daß Herrchen ein Amtsrichter oder ein Magistrats- b e a m t c r mar, und ander« sahen wieder aus als ob Adolf Hitler bei ihnen Pate gewesen �rväre. Die heißen Edelgard von der Linden oder so ähnlich und hatten einen Stamnrbaum, den man zurück bis zur Arche Rsah verfolgen konnte. Aber das wurde vermieden, weil ein rassereiner Hund einfach nicht jüdischer Ab- stommung sein kann. Am zahlreichsten waren die Sprößlinge der freien Liebe. Sie hießen Waldmann, Rolf und Bonzo.' Manche trugen eine rosa Schleife(und im Winter Bauchbinden), und wenn sie sich an der Ecke trafen, taten sie erst das, was alle Hunde tun, und dann sprachen sie über Goethe und die Kunst. Unter ihnen gab es würdige ältere Damen und Herren. Sie waren unglaublich fett und hatten meistens Asthma, und sie keuchten und stöhnten bei jedem Schritt. Dielen sah man es an, daß sie aus dem Hinterhause waren. Es gab alte, eingefleischte Junggesellen unter ihnen mit unausrottbaren Angc- wohnheitsn und auch alte Jungfern, die mürrisch und launisch waren und an den jüngeren Hunden alles unanständig fanden. Dos kann man an einem Abend alles auf der Straße erleben, wenn die 5)unde ausgeführt werden. Und es ist auch in der Hundegesellschoft nicht anders wie bei u n s. Oder viel- mehr: unsere Massen- und Standesglicderung hat sich auf die Hunde übertragen, denn letzten Endes bellt doch jeder Hund die Melodie seines Herrn. Und das Besondere an den Berliner Hunden ist, daß sie so zahlreich sind. Sie berlinern alle auf ihre eigene Art. Und sie gehören zu der geliebten Stadt, und ich würde sie alle sehr ver- missen, obgleich ich nur sehr wenig Berliner Hunde persönlich kenne. Man muß nur einmal bedenken, wie vielen Menschen sie Freude bereiten, wie vielen alten Leuten sie die einzigen Gefährten und Kameraden sind! Sie haben ihre Schwächen und Lächerlichkeiten wie alles im Leben und manche kommen sogar auf den Hunde- friedhof und kriegen ein Denkmal. Aber das ist eben bloß eine Sache des Geldes. Und da Hunde überhaupt Luxus sind und Steuern losten(alles, was Freude macht, ist Luxus und kostet Steuern!), so braucht sich ja niemand einen zu holten, wer keinen mag. Ich würde gern einen um mich haben, aber ich kann die Steuern nicht bezahlen. Doch das wird kaum jemanden interessieren. örnan HeiCßuii aBwei B&eC au§ einer(fyank So früh war es noch am Morgen, daß in den Anlagen nur das I Pfeisen der Vögel zu hören war— sonst nichts. Ich saß allein auf der Bank und hatte Muße, mich mit den Spatzen vor meinen Füßen bckannhzumachen. Da kam ein Spaziergänger des Weges, beleibt und würdig und auf seinen dauerhasten Handstock gestützt. Er setzte sich direkt an meine Seite. Aus seinem Rock holte er die Zeitung vom vorigen Abend hervor, und kaum hatte er zu lesen begonnen, als er schon in ein fettes Gelächter ausbrach. „Ha/ schrie er,„haha.* Und dabei schüttelte er den Kopf vor Vergnügen. Run ist es eine ärgerliche Sache, neben sich jemanden lachen zu hören, wenn man selber den Grund zu diesem Gelächter nicht kennt. Es gibt eine Gelegenheit, lustig zu sein, aber aus mangelnder Kenntnis kann man sie leider nicht wahrnehmen. Ich blickte also über seine Schulter und fand sogleich als den Grund seiner Heiter- keit eine Anekdote, die in der Tot merkwürdig war. Ein ällerer Herr hotte sich über das Pfeifen eines sorglosen Pasianten, der auf der Straße vor ihm ging, unmäßig erbost und einen Polizisten um Verhaftung des Ruhestörers gebeten. Ich wiegte den Kopf.— Natürlich ist diese Anekdote erfunden — sagte ich zu mir selbst—, in der Wirklichkeit geschieht so etwas natürlich nicht. Immerhin, die Geschichte ist lustig... Und weil ich bei der Lekttire vergnügt und munter geworden war, pfiff ich eine frische Melodie. Mein Nachbar sah mich an. Es war ein Ruck durch ihn gegangen. „R u h e!" schrie er. Ich war ganz still. Aber dann ärgerte ich mich doch und sagte:„Die Vögel pfeifen doch auch..." und begann wieder zu pfeisen. Mein Nachbar stand auf und hob seinen Stock. Auch ich erhob mich Wir sahen uns an. „Noch einen Pfiff!" sagt« er. „Das sollen Sie wagen...* sagte ich. „Grüner Esel!" schrie er mich an. „Dasselbe in grau!" gab ich zur Antwort. Aber wie er da fassungslos vor mir stand und mit dem Stock nur noch zittern kannte, da tat er mir leid, herzlich leid. Ich kehrte mich um und ging fort. Fern hinter mir grollte es weiter. Er hatte selber über den anderen gelacht, hatte ihn ausgelacht, weil er sich über einen fröhlichen, pfeifenden Menschen erbost hatte. Und nun... Er selber... BKir er denn anders? Hatte er sich nicht genau so benommen wie jener?— .Können Sic die Menschen begreisen? Ich nicht. Hetßeti(ßtein&oCd i J}ie Wännar c&m(pendei&eftaier Das ist der gierige Rochen einer Zellulosefabrik: die Holz- p u tz e r« i. Da wird das zur Zelluloseherftellunq benötigte Holz für den langwierigen Verarbeitungsprozeß vorbereitet. Da wird«s rindenrein geschält, gereinigt, in kleinst« Teilchen zerhackt und von lästigen Aststücken saubergesiebt, ehe es von Elevatoren in große Silos gebrach wird, um von da in riesige Kocher zu fallen, wo es zu Brei gekocht wird. Die Holzputz«rei ist eine lärmende Vorhalle zum stillen Raum der gigantischen Koche r. Da krachen die Transmissionen. Riemen schlagen hart. Mächtige Schwungräder kreischen. Rollentransport« knarreir. Loren sausen quietschend über Drehscheiben. Fallbeile zischen in ästige Knüppel. Scharfe Messer gesräßiger Hackmaschinen speien Funken. Holzstücke poltern dumpf auf Schüttbahnen. Becher der Elevatoren rasseln. Kettenglieder ächzen. Siebtrommeln Henrnng Jfrtideuiadit Wenn die �Coten etteaeften „D i e Weite Welt", illustrierte Sonntagsbeilage des ftugen- bergschen„Lokal-Anzeigers". Man blättert.„Der Klub der Kakteen- freunde tagt."„Eine Ziege als Amme."„Die Wollhandkrabbe in hen märkischen Gewässern." Und plötzlich stutzt man. Bild von einer Art Schloßhof, S0 Menschen darauf, alle mit einer Num- m e r versehen, ein Namenverzeichnis darunter, Uniformen der Ver- gangenheit, an die man sich kaum noch erinnert, Titel, stohe hoch- fürstliche Titel, die man kaum noch kennt, und als Unterschrist: „Hochzeit des Erbprinzen von Hohenlohc-Langen- bürg mit Prinzessin Margarita von Griechen- l a n d". Richtig, ja. vor dem Kriege, da füllten solche Bilder ganze Seiten in der„Woche", da gab es in Zeitschriften, die auf„gutes Publikum" Wert legten, eine besondere Rubrik ,Aus der Hofgesellschaft", da blickte durch diese Ausnahmen der Bürger zu denen empor, die auf den Höhen der Menschheit thronten, und zu- meist war so eine Hochzeit ein Stück dessen, was man damals hohe Politik nannte.— Heute? D i e B l o u t?„Prinzessin von Griechenland!" Wie war doch das? Richtig! l.862 Dynastie Wittelsbach verjagt, 1S24 Dynastie Elücksburg verjagt, seitdem Republik(Helleniki Dimokratia)! Der Bräutigam? Ein Hohenlohe war einmal Wilhelms Reichskanzler, und ein anderer war einmal Regent, um l9(X) her- um, im Herzogtum Sachsen-Koburg-Gotha, als ein unmündiger eng- lischer Prinz durch Erbanfall deutscher Bundesfürst wurde. Aber noch vor 130 Iahren waren die Hohenlohes tatsächlich Souveräne: Erst 1803, nach dem Frieden von Luneville. der Frankreich das linke Rheinufer überlieh, löschte der erste Konsul der französischen Repu- blik, Bonaparte, mit Unterstützung der ihm verbündeten Hohenzollern und Wittelsbacher etliche Kleinsürstentümer aus, und 1806, als Kaiser Napoleon, liquidierte er durch die Rheinbundakte die Hohenloheschen Fürstentümer in Franken, um seine deutschen Freunde, die von ihm frisch gebackenen Könige von Bayern und Württemberg, beschenken zu können. Die Hochzeitsgäste? Nummer 0:„Großfürstin Kyrill von Rußland". Haus Romanow, Zar Nikolai ll.. 1917 gestürzt! Und, lächerliche Komödie, die Großfürstin und ihr Mann nennen sich heute, mit der Residenz in Koburg, Zarin und Zar. Aber selbst Hugenberg-Scherl wagt diesen Titel nicht anzuführen. Nummer 43:„Prinz Friedrich von Schleswig-Holstein".„Seltsam, seltsam, diese Mythen", heißt es in Hauptmanns„Weißem Heiland", seltsam auch dieses mythisch anmutend« Stück europäischer Fürstengeschichte! Als Friedrich VII., König von Dänemark, als Herzog von Holstein deutscher Bundesfürst ebenso wie der König von Holland und— bis 1837— der König von England, 1863 starb, proklamierte sich ein Prinz Friedrich von Schleswig-Holstein, Großonkel vielleicht des Hochzeitsgastes, als Herzog von Holstein aus Grund der erblichen Legitimität. Bismarck pfiff darauf, machte die„Revolution von oben" und schlug über Gastein und Königgrätz Schleswig-Holstein zu Preußen. Blut und Eisen herrschten, Macht ging über„angestamm- tes Fürstenrecht" Hochzeitsgast Nummer 25:„Erbgroßherzog von Hessen", Hochzeitsgast Nummer 18:„Markgraf Berthold von Boden", Hochzeitsgast Nummer 39:„Erbprinz Reuß"! Der Novembersturm 1918 hat diese Dynastien hinweggefegt. Hochzeitsgast Nummer 38: „Prinzessin Rene von Bourbon". Bourbon? Wp regierte das einst? In Frankreich. 1830 und 1848 verjagt, in Parma, 18S9 verjagt, im Königreiche Beider Sizilien, 1860 verjagt, in Spanien, 1931 verjagt! «- So vergeht der Ruhm der Welt. Einst historische Personen von Weltgewicht, heute nur noch Nummern ohne Bedeutung sür Hugen- bergs Spießbllrger-Beiblatt' Mehr als vierzig Menschen mit sürst- lichen und hochfürstlichen Namen und unter ihnen ganze drei. die in diesen Tagen noch regierenden Geschlechtern zugehören! Die eine, Hochzeitsgast Nummer 8, die Königinmutter von Ru- manicn, die nicht nur wegen ihrer früheren Schönheit Maria die Liebreizende genannt ward, und die andere. Hochzeitsgast Nummer 3, die Kronprinzessin von Schweden, die in dos ursprünglich jakobi- nische. aus der großen Revolution hervorgegangene Haus Berna- dotte einheiratete, das sich nur deshalb hält, weil es. wie alle Dy- nastien des Nordens, streng demokratisch regieren muß. In Stock- Holm Kopenhagen und Oslo sind Ansätze zum Wilhelminismus— man hat sie erlebt!— undurchführbar. Und wer ist der dritte noch heute Regierende? Der einzige Mensch, der m dieser illustren Ge- sellschaft einen sogenannten bürgerlichen Namen trögt: Hochzeitsgast Nummer 46:„Herr August Thyssen".... stöhnen. Holz, Holz und immer wieder Holz, i» Meterknüppe'n, wird auf Tran-portrollen geworfen. Staub erfüllt die Lust. Der Boden dröhnt. Mittendrin in diesem Hexenkessel stehen breit und wuchtig die Schälmaschinen, alte und neuestq: Maschinen, die den sichte- nen Rollen unbarmherzig alle Rinde nehmen: grau, schmutzig und .rissig kommen aus Rollbahnen die Knüppel, bis sie, von ineinander- greisenden Kranzrädern gerollt, unter rotierende Messer geraten, deren Druck durch einen Pendel von außen her geregelt wird. Weiß, sauber und glatt poltern die Hölzer auf Schüttbahnen weiter zur Hackmaschine. Und jedesmal, wenn sich ein auf den Kranz- rädern drehender Knüppel den Messern unterschiebt, bebt das Funda- ment. Stündlich und täglich, wachen- und monatelang. Nur zum Messerauswechseln bleibt das Ungetüm Maschine sür Minuten stehen. An diesen Schälern stehen Männer, leicht gekleidet, voller Holz- staub. Vom Schichtbeginn bis zum Schichtschluß sind sie Gefangen« der Maschinen. Sie sind verantwortlich, daß die zu zerhackenden Knüppel rein und sauber die Schäler verlassen: denn Rinde und Schmutz gefährden den Kochprozeß und vernichten ein« Unmenge geleisteter Arbeit. Darüber hinaus tragen sie die Verantwortung für den Prozentsatz des Schälverlustes. Nur Rinde ist zu schälen. Weiter nichts. Kein Span Hol,;. Diese Männer sind für die Maschinen da und die Maschinen sind für sie da. Ihre Kraft schmilzt mit der moschinellen zusammen. Nur vereint können sie schaffen. Eines allein ist nichts. So schaffen die Männer am Pendelschäler: Blick über di« Maschinenanlage. Augen zur Transmission. Hebeldruck an der Förderrolle. Schrei nach Holz. Griff nach dem Anlasser. Knüppel auf die Kravzräder. Drehen am Handrad zur Peiidelregulieiung sür den Messerdruck. Regeln. Verstärken. Nachlassen. Handrad drehen zur Messerlockxrung. Holz abgeben. Wieder Blick auf dia Maschinenanlage. Neues Beginnen. Zwischendrein Griff noch stör-- rifchem Knüppel. Loren abladen. Holz ausmessen. Eintragen ins Arbeitsbuch. Worts mit dem Meister. Schältontroll« abwarten. Aerger. Zank. Gefahr. Kitzel im Kehlkopf. Augen voll Dreck. Stöhne». Schimpsc». Müdigkeit. Qual. Aber: Auspasien! Schassen! Raummeter um Raummeter! Die Kocher verlangen Holz! Geschältes Holz! Ohne Holz keine Zellulose! Und das vier Stunden lang..... Peirdelschäler sind moderne Maschinen. Die Arbeit ist nicht mehr so anstrengend wie ehemals. Trotzdem: aufatmen. Pause, kurze Pause. Wieder vier Stunden. Endlich Schichtschluß, wenn der Ablöser da ist. Baden. Heimweg. Gott sei Dank! So sind die Männer von den Pendelschälern: starkknochig, zäh. mit breiten Fäusten. Die Züge sind hart. Die Haut ist rissig und runzelig vom vielen Staub. Sie blinzeln nervös. Der Gang ist schwer, schleppend. Weit kommen sie her zuck Fabrik. Vom Lande. Harte Arbeit sind sie gewohnt, Landarbeit war schwer. Noch würden sie mit der Erde, mit dem Acker kämpfen, aber die Maschine hat sie zu den Maschinen in den Fabriken getrieben. Die Zellstossindustrie, wasser- und walogebunden, wurde ihnen Schaffens- platz. Ihr gesellschaftliches und darum auch ihr politisches Denken und Handeln ist das der Landbewohner geblieben, und nur langsam formt sie die Fabrik um. 2*crrici/ iEczf/ OEeilschvitl ßinc E>eilscbvittenschau von«rraschung hervorrufen. Aber es ist für uns wichtig, zu wissen, w i e man über uns urteilt. Abwehr! Die deutsche Sozialdemokratie steht in einem heftigen Wwehr- kämpf, der durchaus noch, nicht zu Ende gekämpft ist. Im Maihest unseres wissenschaftlichen Zentrolorgans„Die Gesellschaft" veröffenllicht A. S ch i s r i» unter dem Titel„W andlungen des Abwehrkampfes"«inen ausgezeichneten Aufsatz, aus dem jeder, der unsere gesamtpolitische Haltung wirklich oerstehcu will, reiches Material schöpfen kann. Schisrin untersucht mit seinen Ausführungen in erster Linie unseren Kampf gegen die national- sozialistische Bewegung.„Der Nationalsozialismus kämpfte noch dem 14. September nach drei Richtungen: um die Straße— mit seinen SA.; um die Wählerschaft— mit seinem Organisationsund Agitationsapparat: um die Machtstellung und Mehrheit im Parlament— mit seiner Reichstagsfraktion. Der Kampf um die Straße ist erfolglos geblieben... Den Kampf um das Parlament hat die NSDAP, selbst aufgegeben... Ihr stehen heute mir noch die Mittel der politischen Technik zur Verfügung: Organisation und Agitation. Mit diesen Mitteln muß sie auch geschlagen werden." Hieraus ergibt sich für uns olle die Notwendigkeit, unseren Orgonisations- und Agitationsapparat, gleichoiel an welcher Stelle, zu stärken, besonders auch dann, wenn man den parlamen» tarischen Kampf der Nazis als nicht ganz so„aufgegeben" ansieht wie Schisrin. In dieser Hinsicht ist der abgewogen« Aufsatz von G. Decker im gleichen Heft, der die„Um stellung des Faschismus" behandelt,«ine gute Ergänzung zu Schisrins Darstellung. Zlych der deutsch« Faschismus ist an den hoch- bzw. spätkapitalistischen Raum gebunden.„Kein? faschistische Diktatur wird die Angewiesen- helt der deutschen Industrie auf die ausländischen Kapitalien und ihr« Verflechtung mit dem Weltmarkt ausheben können... Der deutsche Faschismus ist ebensowenig imstande, die Gegensätze zwischen den kapitalistischen Interessengruppen auszuheben wie den großen Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit." Die Spoltungsbewcgungcn in der NSDAP, haben die kam- rnunistischen Hosfnungen gestärkt. Schisrin bemerkt zutreffend, daß Hitlers Partei nicht als eine„riesige Umleitungszcntrale" zur KPD. aufgefaßt werden dürfe. Dennoch muß man die kom- munistische Bewegung aufmerksam verfolgen, nicht allein, weil sie Im Resultat die gegenrevolutionären Kräfte stärkt, sondern weil st«, begünstigt durch die schwere Wirtschaftskrise, die Arbeiter- front schwächt. In diesem Zusammenhang muß noch der Satz an- geführt werden, mit dem Fritz Naphtoli seine kritisch« Abhandlung„Der organisierte Kapitalismus in der Wirtschafts- krise" schließt:„Der historische Stand der modernen Arbeiter- bewcgung gestattet es nicht mehr, sich allein mit der immer neuen und immer notwendigen Flamme unseres Ideals zu begnügen, wir haben auch die oft schwere Pflicht, den nächsten Schritt zu prüfen und zu weisen." Es ist unsere ollerdringendste Aufgabe, diese nächsten Schritte nicht nur zu weisen, sondern auch zu gehen. . In einen ganz anderen geselljchaftlich-geschichtlichen Raum s weist ein Aufsatz, den Emil Lederer im Machest der im Berlage S. Fischer erscheinenden Zeitschrift„Die neue R u n d» schau" über„England von gestern und heute" vcr- ösfentlicht. Dort wird nicht die Lobour-Party für dl« bestehende Wirtschaftskrise verantwortlich gemacht.„Die Massenarbeitslosigkeit gilt als nationales Unglück wie Erdbeben und Ueberschwemmung... In steigendem Maße erkennt man jetzt..„ daß es gilt, die Klasse der Arbeitenden in die Gesellschaft einzugliedern, sie in die politische Sphäre auszunehmen, das Bild der Nation also zu erweitern, wie man ehedem durch die Aufnahme der industriellen fmU von Jlfler: 3)ie 3>fychoanalyfe Die Psychoanalyse gehört ohne Zweifel zu den einflußreichsten Entdeckungen unserer Zeit. War die Lehre Freuds ursprünglich nur eine Theorie über bestimmte Nervenkrankheiten, so ist sie in den letzten Jahrzehnten zu einer allgemeinen Theorie des mensch- lichen Lebens geworden, die für viele wissenschaftliche Gebiete und für die Praxis des täglichen Lebens von großer Bedeutung ist. Das starke und berechtigte Interesse, das weite Kreis« an der neuen Lehre nehmen, wird durch die Mehrzahl der populären Schriften über dieses Gebiet nur schlecht befriedigt. Mit der Kenntnis einiger Schlagworte(„unbewußt",„Verdrängung",„Komplex",„Ab- reagieren" usw.) ist es natürlich nicht getan. Es kommt darauf an, den Zusammenhang und die tiefere Bedeutung der Theorie zu oerstehen. Eine wirklich gediegene und doch klare Darstellung gibt der Gießener Philosoph Professor Ernst von Aster in seinem neuen Buche:„Die Psychoanalyse"(Bolksverband der Bücherfreunde, Wegweiser-Berlag, Berlin, 296 Seiten, 2,82 Marl). Aster entwickelt die Psychoanalyse aus ihren Grundlagen und zeigt die Bedeutung der wichtigsten Grundbegrifte. Besonders wertvoll ist der Nach- weis, daß die Lehre Freuds keineswegs ein losgelöstes, unabhängig bestehendes System ist. Aster deckt die Beziehungen aus, die die Psychoanalyse mit anderen Wissensgebieten verbinden. Durch das Hervorheben der großen Zusammenhänge und durch die scharf« Scheidung zwischen wissenschaftlichen Ergebnissen und bloßen hypothetischen Vermutungen gelingt es, viele Mißverständnisse zu beseitigen. So erscheint die Sexualtheorie Freuds, die oft als eine paradoxe Ilebertreibung und unheilvolle Einseitigkeit dargestellt wird, in der vorzüglichen Darstellung Asters in ganz neuem Licht; auch der Fachmann wird daraus viel Neues lernen. Von mancher Seite wird der Psychoanalyse vorgeworfen, sie sei ..kulturzersetzend", weil sie auch die kulturellen Höchstleistungen aus Triebverdränpgungen erkläre. Diesen Vorwurf weist Aster mit schlagenden Beweisen zurück. Die richtig verstandene Psychoanalyse ist keine Weltanschauung und kein Weltanschauungsersatz, sie ist eine wissenschaftliche Theorie, die sich— wie jede andere— durch Prüfung an den Tatsachen als richtig oder unrichtig erweisen muß. Die Frage nach dem Wert einer Kulturleistung bleibt unberührt van der Art, wie das Zustandekommen dieser Leistung erklärt wird. Die Psychoanalyse ist akso ebensowenig kulturfeindlich wie etwa die Lehre des Kopernikus, die man«bensall? bei ihrem ersten Am- treten aus ähnlichen Gründen zu bekämpfen suchte. Die Trieb- Psychologie Freuds sogt also nichts über den Wert oder den Unwert der Kultur aber sie mahnt zur Toleranz gegen andere Auffassungen und bietet ein Gegengewicht„gegen«ine Erfolg-, eine Unternehmer die Alleinherrschaft der grundbeHenden Aristokratie aufgab, um nichi selbst von den Mächten der neuen Zeit ver- schlungcn zu werden." Ledcrer gibt auf die Frage, ob es den alten gesellschaftlichen Mächten gelingen wird, die neuen gesell- schoftlichen Mächte, ohne sich selbst aufzugeben, zu schöpferischer Wirksamkeit zusarnrnenzusassen, mit Absicht keine Antwort. Aber er warnt den Kontinent vor den„lackenden Trugbildern eines romantischen Dilettantismus", die, kämen sie.zur Verwirklichung, unzweifelhaft den Niedergang europäischer Kultur zur Folge hätten. Macht- und Kraftanbetung, die sich nur allzugut mit einer moroiisch- philiströsen Selbstzufriedenheit verträgt". Mit Recht stellt Aster fest:„In keiner modernen Lehre liegt eine stärkere Warnung vor menschlicher Ueberhebung als in der Psychoanalyse. Es sind die- selben Ursachen, die zu großen kulturellen Leistungen und auf der anderen Seite zu sinnlosen neurotischen(krankhosten) Symptomen führen. Es kann eine schwer zu fassende und unbeherrschbare Ur- fache, ein Zufall sein, der das Geschehen noch der ein«? oder anderen Seite lenkt, den Menschen zur Krankheit verurteilt oder in die Höhe bewunderter Leistung hebt. Wenn irgendwo, so liegt hier die Mah- nung zur Selbstprüfung und Bescheidenheit verborgen." Das Buch Asters, das sich auch durch gute Ausstattung pnb billigen Preis auszeichnet, ist geeignet, weiten Kreisen ein wirkliches Verständnis der Psychoanalyse zu vermitteln. Dr. S. Weinberg. Sepp JUlgcier: 3)ie Jagd nach dem S8ild*> Das geschmackvoll ausgestattete Buch veranschaulicht in Wort und Bild die Gesamtleistung des ollbekannten Sepp Allgeier. Achtzehn Jahre war dieser Kurbelheld in der Zlrktis und im Hochgebirge tätig, die Zone seiner Seele liegt im ewigen Schnee. Das Pendel seiner Abenteuer schwingt hin und her zwischen dem mühsamen Auflauern auf die Natur und dem Flirt mit dem Tode, eine beträchtliche Spannweite. Sepp Allgeier ist ein Begeisterter, das ist das erste, was man dem Text entnmunt. Erst beim Lesen dieser ungemein schlicht geschriebenen Kuvbelchronik begreift man, wieviel Natur- und Sportbegeisterung dazu gehört, Filme dieser Sorte zustande zu bringen— der Kinobesucher ahnt es nicht. Der Kinobesucher erwartet, daß ihm für sein Eintrittsgeld alle Natur- wunder gebührend gezeigt werden, die Eingeweide der Erde sowohl als auch die Piks, die die Wolken durchstechen. Für ihn verbinden sich die Begriffe Sepp und Arktis als eine Selbstverständlichkeit. Was es aber heißt, Kinooperatcur mit dieser Spezialeinstellung zu sein in den eisigen Gebieten, die der Kinobesucher nie persönlich zu sehen bekommt, das erzählt Sepp seinem Zuschauer auf der Leincwand, wie gesagt, eindringlich, aber bescheiden im guten Sinne, fast zu bescheiden. Es ist eine Eigentümlichkeit des Abenteurers, daß er sich niemals der Situation, in der er sich befindet,»ollaus bewußt wer!»«» kann. Seine unerhörten Erlebnisse: man kann sagen, daß Sepp Zlllgeier sie nicht restlos ausgemitzt hat. Er hätte mehr daraus machen können. Wäre er ein mit Pointen gespickter „spritziger" Journalist, was hätte Sepp nicht noch alles„heraus- holen' können. Es berührt nicht unsympathisch, daß er es nicht ist. Er sagt nicht dos äußerste Wort, wohl aber gibt er das äußerste Bild, dieser erstaunliche Sepp. Die Bilder funkeln wie Märchen- zoubcr. Es sind Photos aus einer reineren Welt, die in unseren Alltag hineinleuchten. Verschwenderisch viele Bilder. Man atmet reinere Luft. Vielleicht ist es ganz gut, daß das allzu Menschliche in diesem Buche nicht berührt wird. de de. *) I. Engclhorns Nachf., Stuttgart. Rät sei= Ecke des„Abend" Mauunimuuuiiimimimmimuwmimumwimumimmminiummiuuiiuiimuuuiiimumwmmurouiimuwinmiuniiummuiuinmuimimimuiimiiiiuuimuui Kreuzworträtsel. Waagerecht: 2. Vorsilbe: 4. franz. Schriftsteller: 6. fach. Gebet: 11. längliche Vertiefung: 12. Versuchsfahrt; 18. Segelstongc: 19. Fluß in Westafrika: 29. Pelzart: 22. Antilopenart: 24. Xicr- kadaner; 25. griech. Göttin: 26. russ. Komponist.— Senkrecht: 1. Fluß in Italien; 2. ital. Komponist: 3. bidl. Frauenaestalt; 2. Strand: 7. Bliftbahn: 9. Berg bei Jerusalem; 19. nordische Göttin! 12. Vogel: 13. Ort in Argentinien; 14. hcbr.= Sohn; 15. Note: 16. Schweizer Insel; 17. Buch der Bibel; 23. Zldkürzung einer Staotenvcreinigulig: 24. Teil eines Bühnenwerkes,(c—_f).— 8+ 21 ergeben einen Wunsch an unsere Leser. lft S. Siiben-Llmstetträtsel Durchs 1— 2— 3 betrachtet man die kleinsten Lebewesen. Ins 4—�—6 man sprechen kann nach Altana und Zeesen; lprichst du in» 1— 2— 6 jedoch. so hört man dich am Norbpnl noch. lind wenn du blickst durchs 4— 2—3, bann rückt der fernste Stern Herbert N. s. Zoologisches Kapselrätsel Jedem der nachstehenden Wörter ist je ein Tiername zu ent- nehmen. Di« Anfangsbuchstaben dieser neuen Wärter ergeben einen weiteren Tiernomen.— Klammer, Dotter, Geselle, Gewalt, Rentei. st. Wabenrätsel. 1. Prunkseide: Z.Karten- spiel; 3. Stadt in Frankreich: 4. optisches Gerät: In jedes weiße Feld ist ein Buchstabe de» zu ra> tenden Wortesso zusetzen, daß der Anfangsbuchstabe in das durch einen Pseil bezeichnete Feld kommt. Das Wort muß um das numerierte Feld in Uhr- zeigerrichtung herum- laufen. sli. Auflösungen in der nächsten Rätselecke. Auflösungen der letzten Rätselecke Knotenrötsel: 1. Gerichtsdicner: 2. Fesielballon: Z. Ar» beiterrat; 4. Unterkiefer: 5. Kragen knops: 6. Taschenlampe.— Ver. deckte Buchstaben: 1. Stern; 2. Elle; 3. Rate; 4. Kern; 5. Nero; 6. Samen. Silben-Versteckrätsel: 1. Bismarck; 2. Goldschmiedc- kunst; 3. Innung� 4. Egmont; 5. Macdonald: 6. Rechtsanwalt; 7. Fragment; 8, Freiheit.—„Bildung mackst frei." Verwandln ngsrätsel: Sand, kohlen, Leben, Ader, Vase, Else, Rolle, Egel. Zmm«, Idol, Satte. Turm. Edam. Inhalt, Rädel, Enkel. Liga, Elster, Ranne, Dattel, Esfekt. Saft, Hase. Angel. Röbel. Dolch, Vurst, Eber, Rose, Kammer.—„Sklaverei ist ein elendes Handwerk." S i lb e n k r e u z w o rt rätfel. Waagerecht: 3. Aue: 5. Karmin: 6. Posaune: 19. Amerikaner: 13. Neveda.— Senkrecht: 1. Miau: 2. Termini 4. Epoche: 5. Karneoal; 7. Boa; 8. Pari: 9. Donner: 11. Melone: 12. Kanada; 14 Balct. K a p s« l r a t s e l wissen etwas Gufts. Nicht da» viele Wissen tut's, sondern HiHwocb 13. Mal 1931 Nr. 221 48. Jahrgang Ueberall Aluminium! Das Leichimetall in vielseitigster Verwendung Die vieksettige Verwendimg von Muminimnlegicrungen für rein technische Awecke und im chaushalt ist bekannt. Daß die Der. Wendungsmöglichkesten der Leichtmetallegierungen bei weitem noch nicht erschöpft sind, sollen folgende Mitteilungen zeigen. Aluminisieren von Eisen heißt die Erfindung eines schwedischen Ingenieurs. Das Verfahren, das bei WO Grad Celsius durchgeführt wird, bewirkt nicht nur die Bildung einer Aluminium- oberschicht auf dem Eisen, sondern auch eine Durchdringung des inneren Gefüges mst Aluminium und schafft so eine Legierung von großer Widerstandskraft gegenüber zerstörenden Einflüssen ägcnder Flüssigkeiten und Gase. Das Eisen ist dadurch vor Rostbildung geschützt. Für Lerkleidungen, die der Witterung ausgesetzt sind, können sogenannte Alclad-Bleche verwendet werden. Dies find ge- wöhnliche Aluminiumbleche mit einer dünnen chaut allerrcinften Aluminiums, die ausgewalzt wird. Dos so gewonnene, voll- kommen wetterfeste Material wird sogar zur Bedeckung von Dächern genommen. Sogenannte Alfol-Jsolierung gegen Wämreverluste ist besonders bei großen Temperaturgefällen wirksam. Jndustrieösen und Dampfleitungen werden in geringem Abstand mit einem Blechmantel umgeben. In den so entstandenen Zwischenraum wird lose zerknüllte, allerfeinste Aluminmmfolie gefüllt. Die hierbei beobachteten Verluste durch Wärmeleitung und-strahlung sind auf- sollend klein. In Amerika, wie auch in Deutschland bei den Vereinigten Leicht- metallwerken in Bonn hat man sogar Kräne aus Alumi- niumlegierungen gebaut. Die gestellten Anforderungen machten jedoch ein entsprechendes Vergüten des Werkstoffes er- forderlich, d. h. eine Warmbehandlung mit dem Zweck, aus dem vorher grobkörnigen ein widerstandsfähiges, feinkörniges Metall- gejüge mst erhöhten Festigkeitseigenschaften herzustellen. Durch die Anfertigung der Haupt- und Hilfsträger, des Führerstandes u. a. m. aus Leichtmetall wurde das Gewicht des Kranes bei einer Trag- fähigkeit von 1t> Tonnen auf 3l),ö Tonnen herabgesetzt gegenüber dem Gewicht eines Stahlkranes von gleicher Tragkraft mit 41,5 Tonnen. Man hofft, eine Ersparnis von wetteren 9 Tonnen erzielen zu können. Auch Tanks zur Brenn st offbeförderung werden aus Leichtmetall gebaut. Tankwagen dieser Art, bei denen selbst die Rohrleitungen und Ventile aus Aluminiumlegierungen bestehen, laufen in Amerika, während man in Deutschland vielfach nur für die Behälter Leichtmetall, für die Armaturen dagegen Messing ver- wendet. Eine Gewichtsersparnis von etwa SO Proz. ermöglicht die Erhöhung der Nutzlast bis zu 20 Proz.: serner ist die Verdunstung von Brennstoff bei hohen Außentemperaturen im Sommer geringer als in Stohllanks. Zur Aufnahme von Oel, Essenzen und dergleichen dienen nahtlos gezogene Aluminiumflaschcn mit einem Fassungs- vermögen von 30 Kubikzentimeter auswärts bis zu 30 Liter, die an Stelle der Glasflaschen Verwendung finden. Englische Aluminium- fabrikanten bemühen sich, feine Gewebe aus Leicht- metall, die zur Anferttgung von Kleidern geeignet sind, herzustellen. Zum Schluß fei über den Neubau des Zentralforschungs- gebäudes der Aluminiumgescllschaft in New Kensington(USA.) be- richtet, bei dem begreiflicherweise aus Gründen der Werbung und Repräsentatton Leichtmetalle in der Außen- architektur sowie zur Gestaltung der Jnnenräume in großem Umfange herangezogen wurden. Für Verzierungen, Beschläge Lampengehänge und Gitter wurden künstlerische Formen bester und billiger als aus anderen Metallen geschaffen. Stufen und Geländer im Treppenhaus sind gewalzte und gegossene Aluminiumteile, die Fensterpfosten gegossene Aluminiumsäulen, die Fensterrahmen ge- preßte und gestanzte Aluminiumblechteile. In der Inneneinrichtung findet man Tische, Stühle, Schränke, Kästen, Büchergestelle, Arbeits- geftclle und Behälter in den Laboratorien aus Aluminium. Sämtliche im Hause befindlichen Rohrleitungen sind aus Aluminium. Die Verwendung von Leichtmetall für Heizkörpergitter, Rahmen und Zierwerkfüllung des Hauptportals, Fahrstuhlschließtüren und einen recht wirkungsvollen Dachrand aus Gittcrwcrk vervollständigt das Bild vielseitigster Verwendung von Aluminium. E. H. T antalus /T antal/ Kunstseide Eigenartiges von einem eigenartigen Metall Diaß wektumwälzende Entdeckungen nicht immer Kur das Er- gcbnis tiefgründiger, wissenfchafllicher Arbeit gewesen sind, daß viel- mehr sehr oft der Zufall aufgetreten ist, ist eine bekonnte Tatsach«. Anderersetts haben aber auch erfolgreiche Erfinder die Mühen eines ganzen Gelehrtenlebens vor den krönenden Abschluß ihrer Forschungsarbetten setzen müsten. Gerode die Entdeckung von neuen Metalle« war häufig nur unter solchen ungeheuren Schwierigkeiten möglich. Wenn nun das Lebenswerk noch zum glücklichen Ende ge- führt werden tonnte, dann hat seine Durchführung immerhin noch eine hohe innere Befriedigung ausgelöst. Wieviel schwerer mag dos Schicksal der vielen Namenlosen gewesen sein, die, ohne den Erfolg ihrer Arbeit zu sehen, von der Bühne des Lebens abtreten mußten, denen andere, glücklichere, die Früchte jahrzehntelanger Tätigkeit durch ein« einzige kühne Schlußfolgerung abnahmen. Doch nicht von allen diesen soll hier die Rede sein, sondern von einem, dem die Entdeckung wohl gelang, der aber trotz unzähliger Versuche nicht zum endgültigen Abschluß seiner Arbeit kam: Eckcbcrg. Er entdeckte im Jahre 1802 in einigen finnischen und schwcdi- schen Mineralien ein neues Metall, das auf Grund der von ihm gefundenen chemischen und physikalischen Eigenschaften von großer Wichttgkeit sein mußte. Und nun begann die Tragik dieses Erfinder- fchicksals: Jahrelange Bemühungen um die Reingewinnung dieses eigenartigen Metalls verliefen ergebnislos. Deshalb kann man wohl verstehen, daß der Entdecker das von ihm gesunden« neue Metall in der Erinnerung an Tantalus„Tantal" nannte. Fast hundert Jahre vergingen nach der Entdeckung des Tantals, bis es im Jahre 1903 Dr. W. v. B o l t e n im Glühlampenwerk der Firma Siemens u. Halste erstmals gelang, reines Tantal herzustellen. Es ist beinahe selbstverständlich, daß dieses widerspenstigst- aller Metalle sich nicht ohne weiteres den üblichen Bearbeitungs- mcchoden unterwerfen ließ. Deshalb mußten auch nach der end- gültigen Reingewinnung noch viele kostspielige Experimente an- gestellt werden, bis das Tantal endlich so weit gefügig geworden mar, daß man es weiterbearbeiten konnte. Besonders konstruierte Maschinen waren nötig, um aus dem spröden Metall Bleche, Bänder, Drähte, Rohre oder Schalen herstellen zu können. Verbesserte Ge- winnungsmcthoden machten es billiger, und nun begann der Wett- lauf mit Gold und Platin auf Verwendungsgebicten, die diese beiden Edelmetalle bisher für sich allein in Anspruch genommen hatten. Es würde im Rahmen dieser allgemeinen Betrachtung zu weit führen, auf die dem Tantal eigentümlichen chemischen und physikali- schen Eigenschaften näher einzugehen. Es mag nur gesagt sein, daß es ein sehr hohes Atomgewicht und eine« Schmelzpunkt von etwa 2770 Grad Celsius besitzt. Seine wichtigste Eigenschaft, die es für die besonderen Verwendungs- zwecke unentbehrlich macht, ist die, daß es bei Temperaturen bis zu 100 Grad gegen fast alle organischen und anorganischen Säuren un- empfindlich ist, mögen sie oerdünnt oder konzentriert sein. Eine sehr hohe Widerstandsfähigkeit besitzt das Tantal im luftleeren Raum. Den dünnsten Tantaldraht kann man im guten Hochvakuum mit Hilfe des elektrischen Stromes bis zur Weißglut erhitzen, ohne daß er zerstört wird. Diese Eigenschaft hat dem Tantal schon seit längerer Zeit ein wertvolles Anwendungsgebiet gesichert: Draht und Blech werden in größerem Umfange für hochanallfizierle verstärterröhreu und für Senderöhren angewendel. Auf anderen Gebieten find es wieder die chemischen Eigenschasten, tm deo» ein weites Arbeitsfeld sichern. Da. wo die Korrosionsfestigkeit der anderen Metalle t$//P:mehr ausreicht— in der chemischen Industrie in ständiger Berührung mit starken und stärksten Säuren—, als Sieb oder als Düse bei der Schwefelsäure- fabrikotion, im Kampf mit den Gosen in der Bleikammer, wo es wiederum im scharfen Wettbewerb mit dem Platin steht, als Werk- stoff für chirurgische und insbesondere zahnärztliche Instrument«— überall hat es sich seinen Platz erobert. Und wenn heute eine Frau den hauchdünnen Kunstseidenstrumps über die Füße streift, dann wird sie kaum daran denken, daß auch das einst so widerspenstige Tantal ihr dabei hilft. Als Spinndüse verarbeilel, gab es dem durchgepreßten Viskose- faden die unendliche Zeinheit, die ihn spinnfähig macht und damit zur Kunstseide. Feiner als Naturseide sind diese Wunderfäden, 9000 Meter wiegen nicht mehr als ein einziges Gramm. Nicht ein Tausendstel Milli- meter darf der winzige Durchmesser schwanken, monatelang Tag und Nacht reiht sich Meter an Meter, jahraus, jahrein muß der Faden gleichförmig bleiben. Das verdankt man der Düse aus Tantal, dem immer beständigen Metall. Tantalus— Tantal— Kunstseide! So spinnen sich die Fäden in den unwahrscheinlichsten Verbindungen durch das Weltgeschehen. Und Erfindergeist und Forschermut werden diese geheimnisvollen Fäden wciterfpinnen zu heute noch ungeahnten Möglichkeiten. A. Tbauss. Der praktische Haushalt Eine neue kartofsclschälmaschine. Besonders für den Klein- Haushalt eignet sich eine neue Kartasfelschälmaschine, die sehr solide konstruiert ist. Die Maschine besteht aus einem Rahmen, in dem eine durch Kurbel drehbare Spindel befestigt ist. Die Spitz« dieser Spindel bildet ein Spieß, auf den die Kartoffel gesteckt wird; dreht man die Kurbel, so drückt sich ein gesichertes Schälmestcr seitlich an die Kartoffel und befreit sie von der Schale, die in Form einer' dünnen Spirale abfällt. Das Messer folgt jeder Unebenheit der Fruchtoberflächc und schält außerordentlich dünn: mit dem Fort- gang des Schälprozesses wird die Kartoffel automatisch weiter- geschoben, und es bleibt nur übrig, die Augen auszustechen. Bei ihrer Verwendung schont die Hausfrau ihre Hände, vermeidet Schnittverletzungen und erspart vor allen Dingen vi«l Zeit. Außer Kartoffeln können auch Aepfcl, Birnen, Rüben. Rettiche und ähn- liche Früchte und Gemüse mit der Maschine geschält wevden: die Handhabung ist so einfach und gefahrlos, daß sie einem Kinde überlassen werden kann. Schieß dea Nagel— klopf ihn nicht. Wi« zur Zeit Karls des Großen schlagen wir auch jetzt noch mit gewaltiger Energievergeu- dung auf Nägel ein, schlagen sie krumm und schief, schlagen Löcher in die Wand, schlagen unsere Finger kaputt— kurz, es ist ein unglaublicher Zustand, unwürdig unseres erhabenen Zeitalters. Das soll jetzt anders werden. Auf der Basis der schon oft, ober stets unzulänglich angewandten Idee, Nägel nicht einzuhämmern, son- dern„einzuschießen", ist eine„Nagelpistole" konstruiert worden, die ihre Geschosse durch Federkraft ins Holz schleudert. Die Feder wird durch Zusammendrücken der Faust gespannt und, sobald sie volle Spannung erreicht hat, ausgelöst: die verwendete Munition besteht nicht aus den sonst üblichen Nägeln, sondern vus kleinen, scharfkantigen Blcchdrcicckcn, die in zusammenhängenden Streifen in die Pistole geladen werden. Ins Holz geschossen, bleiben die Dreiecke fest und unverrückbar stecken. Die Pistole hat den großen Bortett, eine Hand des Arbeiters vollkommen frei zu lassen: ihre Verwendung ist natürlich beschränkt, schon weil sie nur Geschosse von besttmmter Größe verfeuern kann. Sie eignet sich in erster Linie für Glaserarbeiten, da die Blcchdrciecke durch ihre breite Auflagefläche die Scheiben besser halten und ein Springen der Scheiben durch das sonst nötige Einklopfen der Stifte nicht� zu be- fürchten ist; auch für Tapezicrerarbeiten ist sie verwendbar, und auch die.Hausfrau wird.zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten für diese durchaus friedliche Waffe finden. Ein neuer Tauchsieder. Vor einigen Jahren kamen als Neuheit Tauchsieder verschiedenster Konstruktion auf, die in der Theorie recht praktisch waren, beim Gebrauch aber allerhand Nachteile be- saßen und sich daher nicht richtig durchsetzen konnten. Manch einer, der die Neuerung begeistert kaufte, hat sie nach kurzer Zeit ent- täuscht fortgelegt. Neuerdings find Tauchsieder herausgebracht worden, bei denen die verschiedenen Mißstände behoben sind. Sie vertragen ohne weiteres längeres Trockengehen, die Heizkörper sind so eingebettet, daß sie nicht verschworen können; und die Formen passen sich dem Gebrauch bestens an, so daß nur sehr wenig Wasser verdrängt wird. Troß dieser Verbesserungen ist der Preis des neuen Tauchsieders niedriger als der irgendwelcher anderer Geräte für die Heißwasscrbereiturg. „Scher' dich— zu Hause!" Keine sprachliche Unschönheit oder Unfreundlichkeit, sondern lediglich der Hinweis für die Männer- well, die sich des Haarschmuckcs entledigen möchte. Haarschnciden soll nach der Auffassung einiger Scherenfabrikantcn eine Freude für jedermann sein. Man hat also, nachdem sich die amerikanischen Modelle mit ihren biegsamen Wellen, Hängebahnen, Aufhänge- Vorrichtungen oder Stativen nicht gerade als sehr praktisch erwiesen haben, eine neue Handschere konstruiert, in deren isoliertem Gehäuse sich ein kleiner Universalmotor befindet, dessen Durchmesser nur 3,7 Zentimeter beträgt und trotzdem eine hohe Durchzugskraft besitzt. Die hohlgeschliffenen Messer machen etwa 1000 Schwin- gungen in der Minute; die ganze Schere wiegt nur 500 Gramm, kann an jede Steckdose angeschlossen werden, gleichgültig, ob Gleich- ström oder Wechselstrom von 110 oder 220 Polt zur Verfügung steht. 75 Jahre»Verein deutscher Ingenieure" Am 12. Mai konnte der Verein Deutscher Ingenieure(DVJ.) sein 7öjähriges Bestehen seiern. Am gleichen Tage fuhr im Jahre 1856 eine Schar jugendlicher Mitglieder des akademischen Vereins„Hütte", der damals in Hakberstadt gerade dos 10. Stifttings- fest begehen konnte, von dort auf Leiterwagen nach Alexisbad im Harz, um hier die Grundlage zu schaffen für ein„inniges Zufam- menwirken der geistigen Kräfte der deutschen Technik zur gegen- seittgen Anregung und Fortbildung der gesamten vaterländischen Industrie". Diese Zweckbestimmung stand über den Satzungen des Vereins deutscher Ingenieure, dessen Gründungsprotokoll 2? Namen aufweist. 1895' umfaßte der BDI. bereits 10 000 Mitglieder in 36 Bezirksoereinen, gegenwärtig steht er mit 53 Bezirksvereinen, 29 angeschlossenen Ortsgruppen und 3 AuslaNdsvcrbäNden in Argentinien, China und Japan an der Spitze aller technifch-wissen- schafllichen Körperschaften der Welt. Am 12. Mai wurde im Gründungsort im Rahmen einer schlichten Feier ein vom Bildhauer E n ck« geschaffenes Denkmal enthüllt, das die Dercinsmit- glieder den 23 jugendlichen Gründern des BDI. errichtet haben. Eine ausführliche Würdigung der Bedeutung des Jubiläums für die deutsche Technik soll der nächsten Hauptversammlung vorbehalten bleiben, die am 28. Juni in Köln stattfindet und einen eindrucksvollen Querschnitt durch das gegenwärtige Schaffen des Vereins deutscher Ingenieure geben wird. Heber das technische Ausbildungswesen in der Industrie sprach Dr. H e i l a n d t von der AEG. auf einem Vortragsabend des Reichs- bundes deutscher Technik. Der Vortragende teilte die Arbeiterschaft in ungelernte, angelernte, Handwerker; die leitenden Berufsschichten in Meister und Ingenieure, die wieder in Spezialgruppen sich unterteilen. In der deutschen Indifftrie gibt es mehr als 100 Lehrwerk- stätten und Werkschulen, in denen der Nochwuchs der Handwerker- schaft ausgebildet wird. Dr. Heilandt machte besonders mit den Lehreinrichtungen der AEG. bekannt, in denen die Schulcntlassencn im Anschluß an eine Eignungs- und ärztliche Prüfung für den den einzelnen geeigneten Beruf ausgebildet werden. Sie verbringen etwa die Hälfte der Lehrzeit in den Lehrwerkstätten, wo sie balo produktiv arbeiten müssen, um dann in die Werkstätten verteilt zu werden. Es werden ihnen also gewissermaßen in den Lehrwerfftätten die Grundbegriffe des nominellen Könnens vermittelt, die sie dann im Betriebe bei praktischer Arbeit erweitern und festigen. Am sechsten Tage jeder Woche erhalten sie Berufsschulunterricht im Werk, der als Ersatz für die städtische Berufsschule anerkannt ist. Für die Jngenieurausbildung ist die sogenannte Praktikantenausbildung, die sich an den Besuch einer Technischen Hoch- oder Mittelschule anschließt, unerläßlich. Auch hierfür stellen die Fabriken Lehreinrichwngen zur Verfügung. Für strebsame Ungelernte habe die AEG. Fortbildungskurse eingerichtet, wobei Anlcrvung im Bohren. Fräsen, Hobesn, Schweißen usw. gegeben wird. Der Vor- trag wurde durch viele Lichtbilder lebendiger gestaltet. Rekordleistungen im Kaltwalzen. Es ist bekannt, daß Schweden Eisenerze von hervorragender Qualität besitzt. Unter ausschließlicher Verwendung von Holzkohle als Brennstoff in den Hochöfen wird hochwertiger Stahl erzeugt, aus dem sich ganz besondere Fabrikaie herstellen lassen. So liefern z. B. die Sandvik-Stahlwerke in Sandoiken kalt gewalzte Bänder in der Breite von 600 Millimeter bei.1 Millimeter Stärke, 100 Meter lang in einem Stück, die als Transportbänder Verwendung finden. Dasselbe Werk stellt als anderes Extrem kalt gewalzte Bänder her, die nur 0,005 Millimeter stark sind, bei 50 Millimeter Breite. Erst 200 Stück dieser Bänder geben auseinandergelegt die Dicke von 1 Millimeter. Sie werden bei der Herstellung von Rundfunkgerät gebraucht. Dazwischen liegen olle anderen Stärken für die verschiedensten Verwendungszwecke. darunter als Riemen für Kraftübertragung. Geheimer kommerzienrak vr. Ing. b. c. Wilhelm von Opel feiert am 15. Mai 1931 seinen 60. Geburtstag. Er wird diesen Tag im engsten Familienkreis auf einer Auslandsreise verbringen. Als Sohn des Gründers der Opclwcrke in Rüsselsheim geboren, über- nahm er 1895 nach dem Tode seines Vaters Adam Opel mit seiner Mutter Sophie und seinem Bruder Karl die Leitung der 1862 gr gründeten Opel-Fahrrad- und Automobil-Werke. xWBEim TUSSBALL Viktoria-Stehin bei Lichtenberg I „Man muß die Feste feiern, wie sie fallen." So sagt sich auch L'ch!enf>crg I. Zum morgigen chimmelfahrtstag haben sich die Lichtenberger zur Feier des Tages an Stelle einer Herrenportie wieder einen auswärtigen Gegner verpflichtet. Kein Geringerer als Viktoria-Stettin wird gegen die Lichtenberger zum Gesell- schastsspicl antreten. Die Biktorianer haben in ihren Spielen gegen den Meister ihres Bezirks, dem Stettincr Ballspielklub, mit viel Pech verloren. Dann setzte eine unglaubliche Hetze der„Einheitsfrontlcr" ein. Der eigens dazu»ach Stettin beorderte Einheitshöuptling Fried- mann zog alle Register zur Spaltung des Vereins auf. Er mutzte sich allerdings mit drei Spielern der unteren Mannschaften begnügen, während er sich bei der ersten Mannschaft eine Äbsage Holle. Die Stettiner werden also in ftärkstcr Ausstellung erscheinen. Das Spiel findet auf dein städtischen Sportplatz in der Kyna st st ratze, am Bahnhof Strolau-Ruminclsburg, statt und beginnt u in IS U h r. WcitereSpiele: Storkow gegen Hoppegarten i Storkow 2 gegen 5)oppcgarten 2; Britz 88 gegen Wacker 30; Britz 2 gegen Deutsch-Wusterhauscn 1; Ruhlsdorf gegen Luckenwalde I(Bezirks- Mannschaft; Luckenwalde II(Jugend) gegen Luckenwalde III. üJXwAJooJJU Spiele am Himmelfahrtstag Morgen spielen in der 1. Klasse(Abteilung B) FTGB.-Süden gegen Volkssport-Wedding 2 um 16 Uhr auf dem Urbanplatz. Süden ist als der sichere Sieger anzusprechen. Im l. Bezirk stehen sich in der Gruppe der 2. Klosse Müncheberg und FTGB.-Lichtenberg um 16 Uhr in Müncheberg gegenüber. Bei den Frauen spielt Freie Sportvereinigung Kaulsdors gegen Eiche-Köpenick(Abt. Vohnsdorji um IS Uhr in Bohnsdorf, Schulzendorser Straße. Im 2. Bezirk hat >.ur Freie Sportnereinigung Reinickcndorf-West FTGB.-Nordost in Gesellschaftsspielen als Gegner. Es spielen die t. Männermann- schafteii um 16 Uhr, die 2. Männermannschaften um 17.40 Uhr und die Frauen um 18.20 Uhr. Die Jugend spielt um IS Uhr gegen- FTGB.-Norden 3. Die Spiele finden auf dem Sportplatz Schorn- weberstratze statt. Im 3. Bezirk fährt FTGB.-Lankwitz noch Kirch- möscr bei Brandenburg, während im 4. Bezirk FTGB.-Osten mit beiden Männermannschaften in Ruhlsdorf spielt. Zdvmmmer für Wien Berliner Ausscheidungen em Sonnabend Die Schwimmersparte des 1. Kreises lBerlin-Brandenbu>'g> im Arbeiter-Turn- und Sportbund führt die Ausscheidungen für die Teilnahme an der O l y n, p i o d e in Wien Sonnabend, 16. Mai, 20 Uhr, im Stadtbad Schönebcrg, Hauptstraße 38, durch. Die besten Schwimmerinnen und Schwimmer Verlins gehen an den Start und werden auch den verwöhntesten Zuschauer zufrieden stellen. Die Berliner Schwimmer, die übrigens in Nürnberg auf dem letzten Bundesfest dse Arbeiter-Turn- und Sportbundes, fast olle ersten Plätze belegt haben, werden ihre Kräste im Brust- schwimmen über 100, 200, 400 Meter, im Rückenschwimmen über 100 und 200 Meter, sowie im Kraulschwinunen über 100, 200, 400 und 1500 Meter messen. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß auch die besten Springer des 1. Kreises ihre Kunst vorführen werden. Den Abschluß der Wettkämpfe bildet ein Wasserballserienspiel. Die ein- wandfreie Schwimmbahn läßt eine schnelle Abwicklung der Aus- fcheidungen zu, deshalb hat die Leitung noch Schluß des sportlichen Teils ein Kürbaden für alle Besucher der Veranstaltung eingelegt. Sport-, Partei- und Kemerkschaftsgenossen sind herzlichst eingeladen. Der Reinertrag wird für die Arbeitslosen, die an den Bundesaus- fcheidungen in Erfurth teilnehmen, verwendet. Eintrittskarten an oer Abendkasse zum Preise von SO Ps. Die Deutschlandfahrt Erst nach sieben vergeblichen Versuchen war es auf der Rad- rundsahrt durch Deutschland einen unserer Vertreter mög- lich, einen Etappensieg herauszufahren. Der Berliner Hermann B u s c gewann den Endspurt der über 228,1 Kilometer führenden 8. Etappe Breslau-Liegnitz gegen den Dortmunder Netze. Die Freude über den deutschen Sieg wurde ober durch das unsportliche Verhalten eines Ausländers getrübt. Bei der am Ziel unvermeid-� lichen Drängelei— 21 Fahrer befanden sich im Endkampf— fühlte sich der Franzose Barthelemy benachteiligt und ließ sich zu Tätlich- keitcn gegen Buse hinreißen, die in eine solenne Prügelei auszu- arten drohte. Erst durch das Eingreifen der Fahrtleitung wurde dem unliebsamen Zwischenfall ein Ende bereitet. Die Gesamtwertung hat sich nur unwesentlich geändert. Der Dortmunder Metze liegt nach wie vor in Front, allerdings nicht mehr nur nach Punkten, sondern auch mit Zcitoorsprung, da der Dresdener Thierbach auf der heutigen Etappe mehr als eine Minute einbüßte. Nach einem Ruhetag am heutigen Mittwoch folgt nun am Dannerstag mit der Strecke Liegnitz— Berlin(Wannsee-Stadion) die längste Tagesetavpe von 312,2 Kilometer. Der Start hierzu wird bereits um 6 Uhr gegeben. Um 16.28 Uhr sollen— wenn die Marschtabelle recht behält— die ersten in Wannsee eintreffen. Das Boxprogramm am Freitag. Das Programm für die am Freitag, IS. Mai, im Zirkus Busch stattfindende Boxveranstaltung steht nunmehr in allen Teilen fest. Um die Hauptnummer, die nach dem freiwilligen Verzicht des zu schwer gewordenen Breslauers Erich Tobeck offene Mittelgewichtsmeisterschaft, zwischen Hein Dom- görgen-Köln und Hans S e i fr i e d- Bochum gruppieren sich einige gute Paarungen, von denen die beiden Weltergewichtstreffen am meisten interessieren. Meister Gustav E d e r> Dortmund trifft auf den starken Wiener Peter H a n a, und der wieder in Form befindliche Münchener Konrad Stein hat sich mit dem trickreichen Erwin Volkmar- Berlin auseinanderzusetzen. Vervollständigt wird das Programm durch die Federgewichte Dan S ch i n k- Köln und Willi S e i ß l e r- Berlin sowie durch die Schwergewichte Arno K ö l b l i n- Berlin und Horst H i n z m a n n- Königsberg. RuSdy� und Jiu-Jitsu im ATSB Der technische Zentralausschuß des Arbeiter-Turn- und Sport- Bundes beschloß anläßlich seiner Tagung am 9. und 10. Mai die Anerkennung von Jiu-Jitsu und R u g b y s p i e l als im Bunde zulässige Sportarten. Das Rugbyspiel wurde der Fußballsparte und Jiu-Jitsu der Turnsparte zur Bearbeitung überwiesen, lieber die Ausnahme von Fechten soll später verhandelt werden. Viel Neigung besteht nicht, das Fechten zu pflegen. Eishockey wurde end- gültig dem Wintersport«ingereiht. Weiter wurde zugestimmt, daß der Obmann des Bundesmusikausschusses dem technischen Zentral- ausschuß angehört. Die künftige Schulungsarbeit für Techniker fand ausgiebige Behandlung mft praktischen Lehrproben. Cmucle? Gnade 1 «Fichte 10"■winselt Bezirksamt Fricdridishain an Im Bezirk Friedrichshain hatte die Jugend- g r u p p e des kommunistischen Sportvereins„Fichte 10" eine öffentliche Veranstaltung nach dem Jugendheim in der Frankfurter Allee einberufen und auch gegnerische Organisationen eingeladen. Selbstverständlich konnte das Jugendamt nicht zugeben, daß in den ihm unterstellten Räumen politische Auseinandersetzungen statt- finden, bei denen sogar Tätlichkeiten nicht ausgeschlossen waren. Es wurde Fichte 10 die Abhaltung der Veranstaltung in den Räumen des Jugendheims untersagt und die Heimbenutzung durch die kommunistische Jugendgruppe gesperrt. Daraufhin wandte sich Fichte 10 mit folgendem Schreiben an das Jugendamt: ASV. Fichte Berlin X. Gr. Erwin Schwarz, O 112, Dolzigerstr. 34 Berlin, den 17. März 1931. Bezirksamt Friedrichshain. Bezirks- Wohlsahrts- und Jugendamt, Abteilung Jug. Pfl. 8. Auf Ihr Schreiben vom 13. d. M., in welchem die Sperrung des Jugendheimes Frankfurter Allee 307. für" die X. Jugend- und Kindergruppe: auf Grund der Einladungen zu einem öffentlichen Gruppenabend, welcher weder angemeldet noch erlaubt war, teilen wir mit, daß dieser Verstoß gegen bestehende Verfügungen und Bestimmungen aus Unkenntnis geschah. Durch Wechsel in der Jugendleitung sind diese Verfügungen nicht zur allgemeinen Kenntnis gelangt. Wennder Gruppen- vorstand'von dem Vorhaben der Jugend�unter- richtet gewesen wäre, hätten wir dieses zu oer- hindern gewußt. Im übrigen sprechen wir das leb- hafte st e Bedauern über diesen Vorfall aus und werden in Zukunft dafür Sorge tragen, ähnliche Vorfälle zu vermeiden. Die Sperrung an dem fraglichen Abend und die Drohung einer Dauersperrung bitten wir als eine genügend scharfe Maßnahme zu betrachten, um die Jugend vor ähnlichen Vorfällen zu bewahren. In diesem Zusammenhang weisen wir vorauf hin, daß der Heimleitung keinerlei Grund zu irgendwelcher Klagesührung gegeben wurde. Vor allen Dingen bitten mir, der Kindergruppe nicht entgelten zu lassen, wenn der Iugendgruppe irgendwelcher Fehler unterlief. Einem boldigen wohlwollenden Bescheid über die Zurück- nähme der Sperrung entgegensehend. Hochachtungsvoll I. A.: Der Vorstand. gez. Erwin Schwarz, Berlin O112, Dolziger Str. 34." Das ist ja eine schöne revolutionäre Gesellschaft, die vor der Anordnung eines städtischen Jugendamtes in das Mauseloch kriecht! Es ist noch gar nicht allzulange her, da wollten die Fichteleutc die Turnhallen stürmen, well sie ihnen angeblich vorenthalten wurden, und jetzt schreiben sie kriecherische Bettelbriefe. Gnade! Gnade! winselte der Naziredakteur Dürr vor dem verhaßten Preußischen Landtag— Gnade! Gnade! winselt Herr Oberrevo- lptionär Scbwarz von Fichte 10 vor dem„sozialsaschistischen" Be- zirksamt Friedrichshain. Im Berliner Osten beginnt die Welt- revolution bestimmt nicht!_ Schmeling boxte 110 Runden Max Schmeling wird Mitte dieses Monats mit dem Kompftroining für das'Treffen mit Stribling beginnen, nachdem er sich vorher noch eimMrf das größte amerikanische Rennen, das Kentucky-Derby, ang�Mn hat. Schmeling Hot sein Quartier in der Nähe des Kampfplatzes aufgeschlagen, sein Gewicht ist zurzeit 86 Kilo. Sein Manager Jacobs bestritt, daß die Amerikatour eine Pleite gewesen sei. Der Gewinn sei allerdings klein gewesen, doch sollte dw Rundreise auch gar nicht dazu dienen, Reichtümer zu sammeln(?). Es sei das beste Mittel gewesen. Schmeling in Form zu halten: er hätte auf der Tour 110 Runden geboxt und sei körperlich in bester Verfassung. Es gibt aber Fachleute, die den kleinsten Kampf höher schätzen als das beste Training. ZTS.B., Pa-k»w. Alle keekevspleler und.svielerinncn rrl-beinen grc'. Ina. 1.. Mai. Turnhalle.— Tie gusiballadtciluuft der KTcdB.-Ssten ninuni ,ur Pernollstllnd'.auna ihrer Manirschafien nach Miialieder auf. sitviua �rciioa. S-U, Uhr. dci Rolland. Mirdachfir. 4.— Zluderbezirl! Sinuncliahrt Pfllchtf-Hr! nach der Lehurre. Freier KSrperkulfnrkreis Krev�berg. Äeu-fe. MitNnoch, M'a Uhr, lehtcr Racklbadeadend. Eäsic mit Auameis können mitdadcn. Tonnersiaa. 14. Mai, Fahrt nach Potsdam cäakrower See.«V. Uhr Potsdamer Bahnhof. Sonntaa, ,7. Mai. Ardeitstaa auf dem Gelände. G-sellschaktsfahrsch-in. 7'-.. Uhr Gör. ltder Bahnhof. Tonncrs'ao, 21. Mai, IS Uhr, Beginn des Spcelbetrirbes, Wiese S Trevloin._ TV.„Sic SRotnrfMunbe". Freitag, 15. Mai, 19Vs Uhr. Photo-Ardeits. aemeinfckaft Reuköllnc Bergstr. 20.— Photo-ArbettSgemaiirslhaft Osten: Frank. nirter Aller 357,— Falthoo adteilung: Iohonnisstr. In.— Aöt. Vinetaplah: 19 Uhr Iuaendhelm itorhing. Elke Graunsirage.— Knmboldthain. Jugend- grvppe: 23 Uhr Fugendheim Bank. Eeke Wiefenstrahe.— Abt. Slidost! Ke m Briher Elr. 27.- Abt. Gharlottenburg: ISZä Uhr Heim Spreestr. 30.— Abt. Liö'tenrade: Sehlam, Banhof. Ecke Galhstrake- Abt. Brih: Fugrndheiin Chausserktr. 43.— Abt. Treotoro: Se'm Elfenstr. 5.— Sonntag, 17. Mai. Abt. Mitte: Malchow- Ponnenflteh. Abfahrt 3 50 Uhr Stettincr Fernfahnhof.— Abt. Tiergarten: 7 Uhr Gesundbrunnen, Lehnih-Grabowsce.— AI» Wedding: Mliggelberge. Treffpunkt S'i Uhr Rahnsdorf. Endstation lZ7.— Abt. Hu.n. haldthain: Rachtsabrt �um Blum-enthalkorst. Treffpunkt 5 Uhr am 15. Mai.— Abt. Friebrillcohatn: fsöniaowusterbansen— Frauenkee. Treffpnnkt 5 Uhr Stles. Bahnhof.- Fugendgruppe Osten: 15./t7. Ria! im IN Hcidesee, 18 Uhr.— Südost: Arbettodiensl am Heidesee.— Abt. Slldwesi: Bredoroer Forst. Briesc» lang. Trefspnntt 7>-4 Uhr in Finkenkrng. I Frei« Schwimmer«lhorlottenburg Itauuabteiluag. Sihung Freitag, 15. Mai, 2ll Uhr. bei Zilnicke, Kaiserin.Augusta.Allee 73, „Soli-,»rastsahrer! Teure» am Himmelsahrtgtag. Abi. Srengbera: 8 Uhr Reichcnbergee Str. 91. Fiel am Sta't. Gemeinsame Fahrt»ach Thorow. 10 Uhr Reichenberger Sir.»1.— Abt. Friedrich-Hain: Heidckrug bei Tiefen- lee. 7 Uhr Landsberger Blast.— Abt. Neukölln: Belging. 8 Uhr Hochrngollern. plait.— Abt. Norden: Herrenpartie nach Hammer. 8 Ubr Serstr. 52.— Abt. Cbarlottendurg: Burg sEprerwaids. 5 Uhr Wilmeredorfer S'r. 21.— Adt. Lichtenberg: Ärrenpartie. Fiel am Start 7 Uhr Oder. Ecke Finowstrahe.— Abt. Pankow: Fiel am Start 8 Uhr Pankow. Berliner Str. 82.— Abt. Wilmersdorf: Herren- und Samenpartie. Start nach Verelndarnna,— Abt. Tempeldof-Mariendorf: Teupist— Tels. K'a Ubr fliiriilrftcn- Ecke Schilhenstraße, Abt. Treptow-Baumschulenweg: Fiel am Start» Ubr Bahnhof Baumfänilen- meg.— Abt. Obcrschöncwoidc: Scharmiittelsee Start 8 Uhr Wi>he:min?n.hos- strafte 54.— Abt. Moabit: Machnowcr Schleuse. Start 8 Uhr Wiclefftr. 17.— Versammlungen. Abt. Pankow: 13. Mg!. 20 Uhr. Berliner S'r. 82.— Abt. Wilmersdorf: 15. Mai, 20 Uhr. Lildegardstr. 14.— Abt. Neukölln: 19. Mai, 25 Ubr, ktoiser. Friedrich. Str. 171.— Touren für Sonntag, 17. Mai. Adt. Kreugberg: Heidckrug lBIumenthal) 9 Uhr Warschauer Ecke Revaler Strgbe.— Adt. Friedrichshain: Böftfee. 7 Uhr Landsberger Plaft.— Abt. Neukölln: Bllltenfahrt nach Guben. Start am 16. Mai um 17 Uhr und am>7. Mai um 5 Uhr Hohengollernplaft.— Abt. Nordrn: Werneuchen— Tiefensee. 7 Uhr See- strafte#3.— Abt. Eharlottenburg: Fiirftenberg— Lnchen--Tcmv!in. 6 Uhr Wilmersdorfer Sir. 21.— Abt. Llchtenberg: Templin. 7 Uhr Oder. Ecke Finowftrofte.— Abt. Pankow: Rundfahrt durch hie Märkische Schwein. 8 Uhr Pankow, Berliner Str. 82.— Abt. Wiimersdorf: Wörltftpark 7 Uhr Hildegard- Itrafte 14.— Abt. Tempelho�Mariendorf: Guben. gV. Uhr Kurfürsten. Ecke Schtlftenstrafte.— Abt. Trevtow-Bamnschulenevea: Nheinsberg. S Uhr Bahnhof Baumschulenweg.— Abt. Obertchöneweibe: Oranienblir,. 8 Uhr Wilhelminen- hofstrafte.— Abt. Motbit: Nheinsberg. 8 Uhr Wiclesst'. 17. Frei« Lrhrer Svoerereiniguu». Sonnabend. 16. Mai. Havelwanberung. hofstrafte.— Abt. Moabit: Bbki.isberg. 8 Uhr Wik'esstr. 17. BSV. Wedding. Leichtathletikabteiluua: Tratningstaae: Männer. Fr.-ne», Fugend: Dienstag. Sonnerstog und Sonnabend Sportp'aft Rehberge.— Koäeo- abteilung: Dienstog Pollsrart Rehberge, Sonnersrag Plaftlraining. Aul- nähme nener Mitglieder. „Solidarität", Wie»fahrrr! Meldungen für Wien sind mnaehend an die BcsirtsqefäMtsstelli R. Bothbarth, SW. 11. Schöneberger Str. 17.1, m senden. Festbeitraa 4 20 Mark und fllr Bahmahrt 54,80 Mark sind mit eingu senden.— Abteilungsleiter! Montag, IL. Mai. 20 Ubr, bei Lohann, Drllderstr. 16—18. P-rwaltrmasstt-aina. FTGB., Bevrk eharlottenburg. Himmelfahrt Partie all-r Abteilunaen. Tretfpirnlt 661 Uhr Bahnhof Iunafernheid-. Gäste willkommen. FT»«.,«»»abezirt. Himmelfahrt fällt di« Mitsliedcrversamuiwng aus. Freetag, 15. Mai, Kaftdacktspielplaft, 18 Uhr. Oer �Rahmeniarlf im RuhrbergHau. Die Nacliverliandlungen ergebnislos. Die Nachverhandlungen über den Rahmen larisschtcdsspruch im Ruhrdergbau cmi Dienstag im Neichsarbettsministerium sind er- gebnislos verlausen. Es sieht noch nicht sest, wann der Rcichs- arbeitsminister seine Entscheidung tressen wird. Zu dieser Meldung sei bemerkt, daß e- weniger darauf ankommt, wann der Reichsarbeitsminister entscheidet, als darauf, w i e er ent- scheidet, ob«r vor dem Stirnrunzeln der Zechenherrcn zurückschreckt und die Verbindlichkeitserklärung unterläßt oder sie ausspricht.-_ Die Zahl der englischen Arbeitslosen hat sich in der letzten Woche um 9722 erhöht. Ihre Gesamtziffer betrögt zur Zeit 2 529 833. fBe/V0 Rückschau. Am Montag wurde ein neuer Zyklus„Die R e i f e st u n d e" begonnen.„Kann und soll man in der heutigen Zeit reisen?" be- titelte sich das Dreigespräch zwischen Charlotte Mühsam-Wertycr, Dr. weck. Max Hirsch und Gerhard Buchholz. Die Frage, besonders wenn man die Betonung auf das„kann" legt, ist sicher sehr aktuell. Leider wurde sie mit sehr geringer kritischer Einstellung beantwortet. Dr. Hirsch begründete allerdings ziemlich ausführlich die Not- wendigkeit der Erholungsreise für Erwachsene, besonders auch für die Hausfrauen, und für Kinder. Gerhard Buchholz wies auf Vergünstigungen hin, die von der Reichsbahn für bestimmte Reisen gewährt werden, und auf die Möglichkeit zu verhältnismäßig billigen Pauschalreisen. Frau Mühsam- Werthcr einigte sich mit diesem Redner dann dahin, daß also noch Möglichkeit olles getan werde, die jährliche Erholungsreise möglichst vielen zugänglich zu machen, eine Behauptung, die den Tatsachen gründlich widerspricht. Französische Lehrer haben eine große Schar mittelloser deutscher Kinder für diesen Sommer In ein Erholi�igsheim ein- geladen. Die französische Eisenbahn hat diesen Kindern freie Reise bewilligt: die deutsche bestand aus Bezahlung der Reise- kosten für die deutsche Strecke. Die Reisepreise in der Holzklassc sind fllr Feriensahrten viel zu hoch: da für Schulkinder vom zehnten Le- bensjahre an der Fahrpreis wie für Erwachsene entrichtet werden muß, sind mehrköpigen Familien Erholungsreisen in sehr vielen Fällen völlig unmöglich. Geradezu naiv wirkte die Feststellung, daß infolge der gesenkten Pensionspreise der Hausfrau häusig nicht mehr die Last auferlegt sei, während der Sommerreise selber Küche führen zu müssen. Auch bei Pensionspreisen von nur 3.50 bis 4 Mark bedeutet das für eine Familie mit zwei Kindern mindestens 15 Mark Tagesausgaben— und wie viele können sich das heute leisten? Hier hätte hingewiesen werden müssen auf die Versuche. Erholung>» Heime für Hausfrauen mit städtischer oder staatlicher llntcrstützurg zu schoften und auf die Notwendigkeit, diese Einrichtungen ebenso wie die Erholungseinrichtungen sür Kinder und Berufstätige weiter auszubauen. Der Vortrag„Neues vom Reisen" om Dienstag von Reichsdahndirektor Alfred D a u m g a r t e n betrachlete da: Reiseproblem nur von der technischen Seite. Berkehrsbeschleunigunr und Verbesserung des Berkehrsmaterial? sind gewiß erfreulic! Dinge; viel wichtiger aber ist dem großen Publikum die Frage, wie weil ihm, das heißt den Benutzern der Holzklassc, diese Einrichtungen wirklich dienen. Die Reichsbahn hat bekanntlich von einem Wagcn Polsterklasse eine geringere Einnahme als von der Holzklassc: trotzdem sind auch sür die Benutzer der Holzklassc die Fahrpreise regelmäß g gesteigert worden, so daß es kein Wunder ist, wenn, wie der Vcr- trogende mitteilte, heute der Reiseverkehr sehr zu wünschen übrig läßt. Einen klugen und unterhaltenden Vortrag brachte Hans Winge, der„Schallplattcnauhenjciter" erklingen ließ. Sehr viel Lehrreiches wurde neben manchem Amüsanten in unterhaltender Form dem Hörer geboten. Breslau bsochte als Sendespiel G.-rhcrt Hauptmanns„Fuhrmann H e n s ch e l". Die ergreifende Auf- sührung war eine glänzende Widerlegung der Funkstundentlieorie, daß Theaterstücke nicht zu Sendespielen geeignet seien.'1 es. Mittwoch, 13. Mai. Berlin. 16.05 Aktuelle Abteilung:. 16.30 Unterhallungsmusik. 17.00 Friedrich Torberg: liest aus eigenen Werken. 17.30 Kinder improvisieren. Ltg.: Frieda Löbensfein Mitsnrkcnde: Kinder der Uebungsschule an der Hochschule für Musik. 18.00 Okkulte Hilfsmaßnahmen bei kriminalistischen Untersuchungen(Obcr- verwaltungsccrichtsrat Dr. Max Hagemano und Landgerichtsdirektor Dr. Schmitz). 1�.40 Dr. Marianne Pünder: Die Frau und das Arbeitslosenproblem. 19.00 Gesänge(Cida Lau, Sopran. Flügel: Bruno Seidler-Winkler). 10.25 Dr. Josef Käuschcr: Politische Zeitungsschau. 19.40 Wovon man spricht. 20.00 Bunter Tanzabend. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend Abendunterhaltung. Königswustcrhanscn. 16.00 Heinz Monzel und Karl Friede!: Funkpädagogischc Arbeitsgemeinschaft, 16.30 Hamburg;:„Maurer und Schlosser". Funkooer. 17.30 Selten gespielte Trios(Paul GraenerJ(Meinhardt-Pctschnikoff-Trio). 18.00 Walther Bodag: Zweck und Ziele des Bundes deutscher Relchsbahn-Turn- und Sportvereine. 18,30 Hoetzsch: Die großen Mächte der Oegenwart. 19.00 Hugo Heimann, M. d. R.• Der Reichshaushalt und seine Bedeutung für die Beamten. 19.20 Alfred Flatau: Dringliche Worte an den werktätigen Hörer. 19.40 Min.-Rat Goslar; Volksbegehren und Volksentscheid. Donnersta», 14. Mai. Berlin. 6.30 Funkgymnastik. Anschließend FrühkonzcrL 8.55 Morgenfeier. 10.05 Wettervorhersage. 11.00 Valerie Merck liest eigene Geschichten. 14.00 Käthe Gräber; Märchen. 14.30 1. Chopin; Ballade Q-Moll(Grete Sultan. Flügel). 2. Breithaupt und Graencf Lieder.(Susanne Hollacnder. Sopran. Klavier: Rudolf Maria Breithaupt.) 3. Chopin: a) Etüde Ges-dur; b) Etüde F-Dur aus op. 10 (Grete Sultan). 15,00 H. S. von Heister: Land der Mitternachtssonne. 15.30 MandoIInenorchester-Konzert. 17.00 Blasorchester-Konzert 19.00„Per Mustergatte", Schwank von Avery Hopwood. Regie: Q, Fricke. 20.00 Sportnachrichten. 21.10 O-chesterkonzert. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend bis 0,30; Tanzmusik. Königswuttcrbaoseu. 11.30 Leipzig; Bach-Kantaten. 12.30 Leipzig: Konzert. 18.00 Walter Stölting: Blick Ins WeltalL 18.30 Dr. Arnold Schultzc: Amerikanische Tropen. 19.00 Dr. Meißner: Berühmte Zeigen und ihre Schicksale. 19.30 Dr. Lcffson und Dr. Michaelis: Goethes Marienbader Elegie. 20.00 Breslau: Der Mai ist gekommen 22.15 Breslau: Das Mikrophon belauscht die Nachtigall.