Morgenausgabe Nr. 224 A113 4S. Jahrgang Wöchentlich LV Pf� monatlich 3.60 M im voraus zahlbor. Postbezug 4�2 M, einschließlich 60 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands« abonnement 6,— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Druckfachen» vorto 5.— M. » Der„Dorwarts� erscheint Wochentag« lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend" Illustrierte Beilage.Volt und Zeit". Ferner.Frauenstimme", �Technik",.Blick in die Bücherwelt", .Iugend-Dorwärts"u..Stadtbeilage" Nerttner SolkSblatt Sonnabend 16. Mai 1931 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die eins polt Nonpareillezeile 80 Pf. Reklamezeile 6,— RM.„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Taiif. Stellengesuche das erste Wort IS Pf� jedes weitere Wort 10 Pf. Worte Ober 15 Buchstaben zählen fvt zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien» anzeigen Zeile 40 Pf. 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Die Vier, von Hendcrson unterstützt, meinten, daß sowohl aus juristischen Gründen— vor allem wegen der bereits vorliegenden Anträge Englands— wie auch im Interesse des Prestiges des Völkerbunds- ratcs dieses Problem zunächst vor den Rat gebracht werden müßte. Dr. Curtius widersprach zwar nicht, kündigte aber an, daß er in der für morgen angesetzten allgemeinen Aussprache der Europalnm Mission über die wirtschastliche Lage natürlich auch den dcutsch-österrcichischen Plan erwähnen würde. Man erkannte an, daß dies unvermeidlich sei, doch wird Curtius eine Forin wählen, die eine sofortige Diskussion dieses Probleins im Rahmen der Europokommission nicht erforderlich machen wird. Unter diesen Voraussetzungen kam man dahin über- ein, die erste wirkliche Diskussion über die Zollunion dem Rat vor- zubel>alten, der schon in seiner ersten Sitzung am Montag über sie beraten wird. Bis dahin hofft man, die Einigung im Rat über die Einholung eines Rechtsgutachtcns des Internationalen Gerichtshofes im Haag durch persönliche Aussprache zwischen den Miniltern vorwegnehmen zu können. Denn nach Aussassung der Bölkerbundsjuristen kann ein Rechtsgutochten des Haag« Gerichtshofes über die Auslegung von Verträgen nur auf Grund eines oi n st i m m i g e n Ratsbeschlusses«ingeholt werden. Noch ist diese Einigung nicht vorhanden. Es heißt, daß Deutschland befürchtet, seine Zustimmung zu einer solchen Lösung würde«ine Pertagung aller Zollunionspläne bis zum St. Nimmerleinstag bedeuten. Auch in manchen französischen Kreisen inächte man noch Möglichkeit eine solche Lösung vermeiden, die allzusehr den Eharäkter einer großen Probe zwischen der französischen und der deutschen These bekäme. Man würde es bei weitem vorziehen. wenn man sich überhaupt auf einer ganz andere n Grundlage einigen könnte, nämlich auf der Grundlage des viel besprochenen, aber noch sehr vagen französischen Gegenprodukte». Bis gestern lag dieser Gegenentwurf nur in ganz allgemeinen Zügen vor. Inzwischen soll«r»ine etwas fester« Gestalt an» genomen haben und vier Hauptpunkte vorsehen: 1. Allgemeine internationale Kredithilf« für finan- ziell und wirtschaftlich bedrängte Staaten, darunter auch für die deutsche Industrie. 2. Internationale industrielle Kartcllvereinbarungcn. 3. Internationale Agrarhilfe, insbesondere für die Südost- staattn. 4. Vorzugszölle für Oesterreich. Es ist zu erwarten, daß in der Generalaussprache der Europa- kommission Briand diesen Plan, an dem insbesondere der französische Finonzministcr Flaichin und der frühere Handels- minister Loucheur stark mitgewirkt haben, in konkreter Form«nt- wickeln wird. Don seiner Aufnahme wird es dann abhängen, ob überhaupt der Rat einen formellen Beschluß hinsichtlich der lieber- Weisung der Zollunion an den Haagcr Gerichtshof wird fassen müssen. Der Kontrollausschuß für die österreichische Völker- bundeanleihe, der heute in oertraulicher Sitzung zusammengetreten ist, hat unterdessen erklärt, daß er im gegenwärtigen Stadium und in Ermangelung positiver Informationen über den Inhalt der ge- planten Zounllion keinen Beschluß fassen könne. Er hat aller- dings, und zwar mit Zustimmung des österreichischen Mitgliedes, sich grundsätzlich für befugt erklärt, die finanziellen Rückwirkungen einer etwaigen Zollunion zu untersuchen. Das ist aber eine Selbstvcr- ständlichkeit. Im übrigen kursierte heute abend auf Grund einer Wiener Meldung einer amerikanischen Agentur ein interessantes Gerücht. Es heißt: daß die Sanierungsaktion, die die österreichische Bundes- regierung zugunsten der zusammengebrochenen Oesterreichischen Kreditanstalt unternommen habe, nur mqglich sein werde, wenn aus- ländische Banken einspringen. Nicht zuletzt habe man sich aa die Pariser Rothschild-Ranken gewandt, die dem österreichischen Staat bei einer Sanierungsaktion helfen wollen, ober chrerseits zur Bedingung machen, daß der Zoll- unionsplan aufgegeben werde. Inwieweit diese Darstellung zutrifft, bleibe dahingestellt. Sicher ist aber, daß der für die österreichische Wirtschast überaus gefährliche Krach der Kreditanstalt die inter- nationale Bewegungsfreiheit Oesterreichs gegenwärtig noch mehr einengt als zuvor. Die deutschen Rechtskreise, denen an sich an der Zollunion nichts liegt, die ober in dieser Affäre eine glän- zende Gelegenheit erblicken, der Reichsregierung abermals nationale Schlappheit und Verrat vorzuwerfen, fordern seit Tagen Curtius gebieterisch auf,„durchzuhalten". Zum Durchhalten gehören allerdings in diesem Falle zwei. Inwieweit die Neigung zum Durchhalten bei der österreichischen Bundesregierung besteht, ist nach verschiedenen Wiener Aeußerungen der letzten Zeit einigermaßen zweifelhast geworden. Ob sie in einer Uuterredung, die zwischen Eurtius und Schober heute abend stattgefunden hat, bestärkt wurden, sei offen gelassen. Sie dürften aber nach dem Malheur mit der Kre- ditanstalt jedenfalls nicht stärker geworden sein als vor drei Wochen. Vrotteuerung überall. Brotpreiserhöhungen in Oberschiesien. hindenburg, 15. Mai. In Hindenburg fanden am Mittwoch Verhandlungen über den Brotpreis für den oberschlefischen Inbustriebezirk statt, an denen Vertreter der Böckerinnungen Beuchen, Gleiwitz und Hindenburg, Vertreter der Mühlen und ein Vertreter der Regierung teilnahmen. Es wurde beschlossen, im Laufe der nächsten Woche ein Brot her- zustellen, das aus 70prozentigem Mehl gebacken ist. Für dieses Brot tritt keine Verteuerung ein. Für das Brot von kllprozentigem Mehl, wie es bisher in den Handel gebracht wurde und das zunächst mit Tafelbrot bezeichnet wird, erhöhtsich derPrcis o b Freitag um 2 Pf. je Pfund. Schiele und die Brotfabriken. Amtlich wird mitgeteilt:„Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschast Dr. Schiele hat am Mittwoch mit Vertretern der Brotfabriken Groß-Berlins die von der Reichsregierung zur Senkung des Berliner Brotpreises eingeleiteten Maß- nahmen ausführlich besprochen. Der Minister hat hierbei den Ber- lincr Brotfabriken bekanntgegeben, daß fit zu den gleichen Be- dingiingen wie die übrigen Berliner Bäckereibetriebc Roggenmehl beziehen könnten, das aus dem von der Deutschen Getrcide-Handels- Gesellschaft abgegebenen Roggen l)crgestellt wird. Die Vertreter der Brotfabriken haben erNärt, daß sie sich zu dem Angebot des Reichs- ernährungsministers verbindlich nicht äußern könnten. In- wieweit die Brotfabriken im einzelnen von diefem Angebot Ge- brauch machen werden, muß abgewartet werden." Liebesgabenwirtfchast in Mecklenburg. Schwerin, 15: Mai.(Eigenbericht.) Die mecklenburgische Rechtsregierung hat nunmehr die Be- triebsmittelkredite an die mecklenburgischen Landwirt« in Höhe von 400 000 M. zur Verteilung gebracht. Aber wie? Bon den 400 000 M. sind allein dem Großgrundbesitz nicht weniger als 33 7 0 00 M. zur Berfügung gestellt worden. Der mecklenburgifche Bauernverein wird gegen diese Begünstigung des Großgrundbesitzes bei der mecklenburgischen Regierung entschiedene Vorstellungen echeben. Gchwerverlehie in Stockholm. Massendemonstration gegen den Arbeitermord. S l o ck h o l m. 15. Mai.(Eigenbericht.) Räch den unerhörten Vorfällen in Rordschweden, wobei süns arbeitslose demonstrierende Arbeiter vom TNilitär erschossen worden sind, veranstalteten die Sozialdemokratische Partei und die Gewerkschaften in Stockholm eine große Protestdemon- st r o t i o n gegen die Gewaltmclhodcn der Sägcwerksbejiher und der Behörden. Die Stimmung in den betreffenden Gebieten ist immer noch sehr unruhig, und die Kommunisten treiben ihr Wesen unter den arbeitslosen empörten Sägewerksarbeitern. Die heulige Demonstration i« Stockholm verlies in großen Zügen in Ruhe. Die sozial- demokratische Partei hat zu einer der machtvollsten Kundgebungen. die Stockholm jemals gesehen hat. ausgerufen. Die Arbeiter zogen zu Ehren der Erschossenen durch die Straßen mit bloßen Häuptern unter dem Gesang der Internationale. Abends kam es in verschiedenen Stadtteilen zu Z u s a m m e n st ö ß e n m i I d c r P o l i z e i, die mit gezogenem Säbel gegen die Demonstranten vorging, hierbei wurden verschiedene Personen schwerverletzt. Die Empörung gegen die in der Geschichte der schwedischen Arbeiterklasse einzigartigen Vorgänge ist unter den Arbeitern des ganzen Landes ungeheuer. Die Stimmung in Stockholm ist spät abends noch sehr erregt. 105 Sirchen und Klöster zerstört. Nach Meidungen des Madrider Korrespondenten des„Intronfigeont" sind bei den jüngsten Unruhen in Spanien im ganzen 105 Kirchen und Klöster zerstört worden, davon 27 in Sevilla, 25 i» Malaga, 18 in Eordobo, 12 in Murcia, 14 in Valencia und 0 in Granada. Betrachtungen vor dem Braunen Haus. Von Uorrnann Tempel, M. d.R. Vor den Portalen des Braunen Hauses in München halten Tag und Nacht junge Hitler-Gardisten dieWache. Gravi- tätisch wie friderizianische Grenadiere schreiten sie auf und ab. Wenn«in Besucher kommt oder geht, federt ihr brauner Arm, mit der Hakenkreuzbinde geschmückt, steil zum römischen Gruh empor. Das Braune Haus ist ein feudaler Palazzo in der vor- nehmsten Straße im nobelsten Viertel der Residenz München. Man sieht es ihm an, daß er in diesem Winter der Not seine Million und mehr an Erwerb und Instandsetzung gekostet hat. Ringsum an der prunkenden Brienner Straße sind ihm Museen, Palais, Kunsthandlungen und Banken benachbart. Kein proletarischer Bau hat sich hier, gerade in der Mitte zwischen dem Obelisken am Karolincnplatz und den Riesen- säulen der Propyläen, einzuschleichen gewagt. Mitten im Herzen des Palastviertels residiert Adolf Hitler, wie es dem Heros einer Nationalsozialistischen Arbeiterpartei zu- kommt. Ueber dem Dach wallt in schwerem Tuch ein mächtiges Hakcnkreuzbanner. Aus dem Portal des Parkweges fährt, vom Doppelposten salutiert,«in Kraftwagen in Rot und Gold. Alles ist auf Repräsentation eingestellt: der große Balkon über dem Eingangstor, die römischen Feldzeichen, hakenkreuzverziert, deren Adler das Tor bewachen, der Bor- räum nach der Straße zu. Die Welt soll sehen, hier waltet ein Großer seines Amtes. Scheu warten ein paar abgerissene junge Menschen, sichtlich noch unbewandert im neuen Gruß- zeremoniell, neben den prallen Figuren der Münchcner Römer, die vor ihrem Herrn und Meister heute hier Wache halten dürfen. Das alles steht da wie ein Monument der Macht und der Treue. Aber während sich so das Auge bestechen läßt, rückt das Gehirn zwei kurze Namen nur in das Blickfeld des Bewußtseins: F r i ck und S t e n n e s! Sensation von gestern und doch mehr als Sensation. Symbole des Verfalls und der Untreue. Fricks Sturz in Weimar,— das war das erste Abrücken der alten Parteien von dem politischen Parvenü aus Braunau in Böhmen, der vergeblich sich einen Palazzo erwirbt, um sich der Aristokratie der Geburt und des Geldes anzugleichen. Macht? Macht ist es noch lange nicht, wenn man mit dem Gold der Industrie die Unzufriedene«, die Verzweifelten, die Ratlosen und die Veutejäger zusammentreibt und ihre bösen Instinkte zur Raserei aufpeitscht. Ist nicht Fricks Schicksal schon ein Stück Götzendämmerung des Dritten Reiches? Treue? Als Stennes aufbegehrte, öffneten sich plötzlich alle Kloaken in der Verbotenen Stadt der Hakenkreuzmanda- rinen. Die gestern noch Herren mit unbegrenzten Vollmachten und Blutsbrüder auf Tod und Leben schienen, waren über Nacht Verräter, Schlemmer, Lackstiefelgigerl und Karriere- wacher geworden. Und die Berliner Rebellen rächten sich für diese Freundlichkeiten, indem sie den Mllnchener Hof Adolf I. als ein schlimmeres Byzanz von Psychopathen, Anormalen, politischen Scharlatanen und satten Spießern brandmarkten, die längst vergessen hätten, wie es dem braven SA-Mann mit den zerrissenen Stiefelsohlen zumute sei. In welcher anderen Partei wäre ein solcher Abgrund von Treulosigkeit denkbar! Der Doppelposten des Braunen Hauses trottet auf und nieder. Es sieht sehr neu hier aus, sehr unfertig alles und frisch getüncht. Drüben hinter dem Park, ein paar hundert Schritte nur rückwärts, träumen in einem kleinen Kabinett der Pinakothek, Münchens reichster Gemäldegalerie, Albrecht Dürers vier Apostel in die ewige Zeit hinein. Vor ihnen, stolz und vornehm, empfängt des großen Malers Selbstbildnis seine Besucher. Seit Jahrhunderten schon und Jahrhunderte auch in Zukunft noch. Wenn einst von Hitlers Drittem Reich nur noch ver- gilbte Blätter, Dokumente der Schande unserer Zeit, wissen werden, dann wird immer noch Dürers Kunst so lebendig zu den Menschen sprechen wie alles Große. Was ist schon das bißchen Hitlerei vor der Ewigkeit jenes Geistes, der Dürers Kopf sich schuf! Ausbruch einer kranken Zeit. Eintagsgrille der Geschichte. Während man so, ein wenig träumend vor dem Palast des neuen Cäsar in München verharrend, durch die Tünche der Soldatenspiclerci hindurch die Risse im Gemäuer seiner Residenz sieht, während man die Hände des Goebbels und Stennes an seinem Purpurmantel zerren fühlt, steigt langsam wie eine Vision in der Erinnerung empor das große Er- Hakenkreuzstinkbombe geplatzt. Französisches Geld und deutsche Revolution. In einer nationnljozialistischen Versammlung in 5)ildburohausen am 13. Juni 1930 ertlärre der Referent,«in S t u dl e n r a t Hille, es sei klipp und klar bewiesen, daß die Reichstagsobgeordneten C r i s p i e n und D i t t m a n n während des Krieges von dem französischen Ofsiziersspion Crozier-Desgronges Geld zur Förderung der Revolution in Deutschland erhalten hätten. Diese Behauptung wurde in dem Hildburghauser Kreisblatt und in der Dorfzeitung in Hildburg- hausen weiter verbreitet. Die Genossen Crispien und Dittmonn ließen von ihrem Rechtsberftand, Genossen Landscherg, gegen die beiden genannten Zeitungen und gegen Studienrot Hill« Anklage wegen Verleumdung erheben. Der verantwortliche Redakteur des Hildburghauser Kreisblattes, Paul Otto George, ließ um Zurücknahme der gegen ihn erhobenen Privatklag« bitten. In einer Ehrenerklärung nahm er die„Nipp und klar bewiesene" Verleumdung ohne jede Einschränkung zurück. Außerdem über- nahm er die kosten des Verfahrens. Der verantwortliche Redakteur der Dorfzeitung wollte auf Veranlassung seines Verlegers den W a h r h« i ts b e w e i s für die erwähnten Behauptungen fuhren. Sein Rechtsvertreter verwies auf das Buch von Trozicr-Drcsgranges„3n geheimcrMifsion beim Feinde". Es sollten als Zeuge der französische Spion 'Crozier-Desgranges und der Kommunist Pieck geladen werden. Der versuch des Angeklagten, den Wahrheitsbeweis zu führen. brach kläglich zusammen. Der französische Spion Crozier-Desgranges war nicht bereit, vor einem deutschen Gericht zu erscheinen. Der Kommunist Pieck war dauernd in Rußland. Nirgends war auch nur die Spur eines Be- weismaterials aufzutreiben. Und so blieb auch dem zweiten Redok- teur, H o n n d o r f, nichts übrig, als ebenfalls die„klipp und klar bewiesene" Anschuldigungen gegen Crispien und Dittmann vor- behaltlos zurückzunehmen. Honndorf gab folgende Erklärung ab: „Ich bedauere, durch die Wiedergabe der Red« des national- sozialistischen Studienrats Hills in Nr. 136 der„Dorfzeitung" Hildburghausen vom 13. Juni 1930 eine üble Nachrede über die Reichstagsabgeordneten Crispien und Dittmann verbreitet zu haben. Irl, habe mich überzeugt, daß in den Aufsätzen des„Matin", auf die Studien rat Hille sich in seiner Red« berufen hat, nirgends behauptet wird, daß die Abgeordneten Crispien und Dittnwnn mit dem französischen Spionageoffi.zier Crozier-Desgranges während des Krieges in irgendwelchen Beziehungen gestanden hätten. Ich habe mich ferner überzeugt, daß in diesen Aussätzen und dem zugrunde liegenden Buche des Crozier-Desgranges„En Mission chez I'ennemi"(In geheimer Mission beim Feinde) die Namen der Abgeordneten Cispien und Dittmann überhaupt nicht genannt sind uixo daß dieses Buch wegen osieirbarer Unrichtigkeiten keiner- lei Beweiskraft besitzt. Auch Studienrat Hille hat mir auf wiederholte An- frage keinerlei Beweis dafür erbringen können, daß er die Beschuldigungen gegen die beiden Reichstagsabgeordncten zu Recht erhoben hat. Räch alledem nehme ich die in meinem Der ich! enthaltenen üblen Rachreden gegen die Abgeordneten Erispicn und Dittmann mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück. Ich verpflichte mich, die Kosten des Bersahrens.zu tragen und dies« Erklärung auf meine Kosten in der„Dorszeitung" Hildburg- hausen, in dem„Hildburghauser Kreisblatt" sowie dem„Dölkks.hen Beobachter", München, und in der„Deutschen Zeitung" in V-klin zu oeroffeirtlickien. Der Beschuldigte verpflichtet sich ferner, 1 M. Buße qt die Stadt Berlin für Wohlfahrtzzwecke zu zahlen." Bleibt noch die Abrechnung mit dem Studienrot Hille. Gegen ihn ist von der Staatsanwaltschaft in Meiningen im ö f f e n t l i che n Interesse eine Anklag« wegen Beleidigung erhoben worden. Vor dem Schöffengericht Meiningen sollte bereits am 2. Dezember 1930 gegen Hille verhandelt werden. Der Termin wurde zunächst aufgehoben, weil die Verteidiger Hilles, der nationalsozia- listisch« Reichstagsabgeordnete Frank II, darum er- sucht hatte. Cr hätte die Sache noch nicht durcharbeiten können und außerdem müßte er sich am 3. Dezember 1930 an der Eröffnung des Reichstages beteiligen. Dann wurde das ganze Verfahren zu- rückgestellt bis zurErledigung der Prozesse gegen die beiden Redatteure. Hoffen wir, daß nun eMich auch dieser Prozeß gegen Hille durchgeführt werden kann, damit offenbar wird, wie leichtsinnig «in nationalsozialistischer Studienrat mit der Ehr« politischer Gegner umspringt. lebnis dieses Katastrophenwinters, der hinter uns liegt: d i c Treue unserer Genossen! Ein Bild wird lebendig: ein Abend irgendwo im wilden Moor. Eine Versammlung weit ab von allen Kampfgefährten. Draußen peitscht ein Unwetter die Dunkelheit. Die Wege sind Moräste. Plötzlich wird die Tür aufgerissen. Triefend drängen sich Kameraden vom Reichsbanner in den engen Raum. An die Hundert zwängen sich herein. Auf zwei Lastautos sind sie durch Nacht und Wetter viele Kilometer weit herangerast. Ein Rätsel, wie sie die grundlosen Wege passieren tonnten. Man hat sie alarmiert, während sie beim Abendbrot saßen. Der Referent, ihr Genosse, konnte in Gefahr sein. Also los! Für alle Fälle! Man kennt sich genau in den kleinen Orten. Man weiß von jedem, wer er ist, wo er wohnt, wie er lebt. Die Hundert, die da losgefahren sind: lauter bekannte Gesichter. Aus den ärmsten Straßen sind sie gekommen. Aus den baufälligsten Baracken. Der dort: vor Monaten schon ausgesteuert. Jene jungen Burschen da: seit fast undenkbarer Zeit ohne Arbeit, kaum je einen Groschen in der Tasche. Familienväter mit schwerem Haushalt. Angestellte mit der Entlassung vor Augen, weil sie politisch unbequem sind. Dem dort fällt da- heim das Dach fast über dem Kopf zusammen. Der da hat eine kranke Frau zu Hause. Gesicht um Gesicht könnte man so weiterdenken, während das Referat mechanisch sich zu Worten formt. Nachdem Schluß gemacht ist, essen ein paar Jungen das Abendbrot weiter, bei dem man sie weggeholt hat: einen Humpen trockenes Brot. Jeder von uns hat das wieder und wieder erlebt. Jeder hat in den letzten Monaten erschüttert— dies Wort mag ruhig hier stehen— erschüttert erfahren,„daß Deutschlands ärmster Sohn auch sein getreuester war". Alles Darben und alle Bitterkeit, alle Enttäuschung und alle Ausweglosigkeit, alle Hetze und alle Drohung haben nicht vermocht, das organi- sierte Proletariat mürbe zu machen. Hunderttausend neue Mitglieder zählt die Gesamtpartei für das abgelaufene Jahr. Steckt dahinter nicht eine Un- beirrbarkeit des Urteils, eine Kraft des Glaubens, die er- schüttern muß? Das Braune Haus prunkt umsonst mit seiner übertünchten Fassade. Der kleine Cäsar in München, ein matter Caligula, äfft vergeblich Schlachtendonner und Wachtparaden nach. Die Wahngebilde seiner Versprechen werden an den ehernen Ge- setzen der Wirtschaft zerschellen. Seine Brutalität aber ist schon zerbrochen an der Moral der Arbeiterschaft. Treue ist stärker als Not und Lüge. Hitlers Sozialpolitik. Schlagt die Sozialversicherung toi! Die Nationalsozialisten nennen sich auch„Arbeiterpartei". Wohl weil sie die verbissensten Feinde des Sozialismus sind und von den Arbeiterfragen keine Ahnung haben. Im„Angriff" wird in großer Aufmachung von einem neuen„Bankrotte rgebni» der.SPD.-Wirtschaft" und von einem„Riejendesizit der Sozialversicherung" geschwafelt. Da hott« der Gene- raldirektor Dr. Schmitt vom Allianz. Konzern in einer Pressekonferenz herausgerechnet, daß unsere gesamt« Sozialoersiche» rung, wenn sie umgestellt würde vom Umlageverfahren auf das Kapitalisierungsverfahren, ein Defizit von 20 Milliarden hätte. Ob die Rechnung stimmt, ist schon deshalb gleichgültig, weil in- folg« des Kapitalschwundes durch die Inflation heute«in«' Umstellung auf das Kapftalisierungsoerfahren nicht möglich ist, und weil aus der anderen Seite der Staat e» nicht so machen kann wie die Privat. Versicherungen, die die Rentner einfach mit 15 Proz. ihrer Ansprüche „abfinden". Infolge der Rationalisierung sind die B e i t r a g s z a h l e r in der Sozialoersicherung erheblich zurückgegangen, nicht aber die Zahl der Rentenbezieher, die infolge des Krieges doch erheblich gestiegen ist. Am stärksten ist dies bekanntlich in der Knappschaft». Versicherung emgetreten. Dies« Prozesse wären auch nicht ausgeholten worden, wenn die Versicherten den maßgebenden Einfluß auf die Verwaltung hätten, den st« leider in der Invaliden«, in der Knappschafts- und in der Angestelltenversicherung nicht haben, von der Unfalloersicherung schon gar nicht zu reden. Einzig die Krankenkassen, in denen die Bevstcherten den bestimmenden Einfluß haben, stehen heute finanziell Verhältnis- mäßig günstig da. Dies ist aber zum guten Teil eine Folge der Abdrosselung der Leistungen und der Heranziehung der Versicherten zu den Arzneitosten infolge der Notverordnung. Diese Dinge, die jedem bekannt sein müssen, wirft nun der „Angriff" durcheinander, um zu behaupten. daßinderSozial. Versicherung ein Defizit von 20 Milliarden vor- h a n d e n sei. was aus die„marxistische Mißwirtschaft" .zurückgeführt werden müsse. Dieses Auch-Arbefterblatt verlangt im Stil« der reaktionärsten Scharfmacher von der Reichsregierung, daß si« nun endlich einmal durch Notoerordnungen mit der Sozialversicherung gründlich aufräume.„Dann erst ist, im Rahmen einer grundsätzlich geänderten Gesamtpvlitik, die Basis zum wirtschaftlichen Neuaufbau der Versicherungen möglich." Das ist also das sozialpolitische Programm der Nationalsozialisten: Beseitigung oder tnindestens radikaler Abbau der Sozialoersicherung mit dem etwas vagen Versprechen eines späteren Neuaufbaus der Versicherungen auf„wirtschaftlicher", d. h. privatkapitalistischer Grundlage, aber auch erst, wenn die ..grundsätzlich geändert« Gesamtpolitik", d. h. wenn dos sogenannte Dritte Reich existieren wird. Also ungefähr Vertagung der Sozial- Versicherung auf den Scmkt-Nmnnerleinstag! Aach Holland senkt de« Wechsel, in«. In, Anschluß an die Londoner Kreditverbilligung hat die Niederländische Bank ihren Diskonffaß um% Proz.. von 2H Proz. auf 2 Proz., mit Wirkung ab 16. Mai 1931 herabgesetzt. Böhmische Bersilllichung. Laut„Ceske Slooo"(Tschechisches Wort). Organ der Partei des Außenministers Dr. Benesch, hat die böhmisch« Landesverwaltung in der vorigen Sonntagsnacht die Weekendhäuser im Sazawatal südlich von Prag heimsuchen lassen. Je zwei Gendarmen drangen bis in die Schlaftäum« und„stellten die Personalien fest". Rechtsgrundlage: Sittlichkeitsaktion der Landesverwaltung� Rloslev gründet eine SA. Der Gründer der„Neuen Partei". Sir Oswald Mosley, hat eine„Armee" junger Anhänger zu bilden angefangen, die, wie er erklärte,„mtt der guten, alten englischen Faust" kämpfen wird, um in den Versammlunge» die Ruhestörer unschädlich zu machen. Kränzen unter Anklage. Oer Reichstag hat die Genehmigung zur Strafverfolgung erteilt. Die Justizpressestclle teilt mit: Die Staatsanwaltschaft l Berlin hat den braunschweigischcn Minister des Innern und für Volts- bildung, Dr. Anton Franzen, Mitglied des Reichstags, a n- geklagt, zu Berlin-Mitte am 13. Oktober 1930 fortgesetzt handelnd, den Landwirt Guth nach der Begehung eines Vergehens begünstigt zu haben, um ihn der Bestrafung zu entziehen. Guth war von der Polizei wegen Bannkreisvergehens vor. läufig festgenommen worden und hatte zu seiner Legitimierung den Fahrausweis de» Mitgliedes des Preußischen Landtags Heinrich Lohse vorgezeigt. Minister Franzen wird beschuldigt, daß er, al« er von Guth zur Legittmierung herbeigerufen wurde, den Guth für den rechtmäßigen Inhaber des Ausweises der Polizei gegenüber bezeichnet Hobe. Guth ist oon der Strafkammer des Landgerichts I wegen des Vergehens des Auflaufs nach§ 116 Strafgesetzbuch verurteilt worden. Der Reichstag hat die Genehmigung zur Strafverfolgung gegen den Minister Franzen erteilt. Hitlerkrawall gegen Ludendorffagitation. Braunschweig, 15. Mai.(Eigenbericht.) Heute abend wurde in Braunschweig abermal» eine öffentliche Versammlung durch die Hitlerleute gesprengt. Für den Tannen- berg-Bund sollte Dr. Cngel-München über den„Verrat Hitlers am deutschen Volke" sprechen. Jedoch die Nazi- partei hatte ihren Janhagel aufgeboten, der durch wüsten Lärm die Versammlung von vornherein unmöglich machte und schließlich sprengte. Anführer war der Landtagsabgeordnete Schmalz, der al« Ortssekretär der Nazis seine Leute— darunter Schüler und Halbwüchsige— dirigierte. Die Polizei war wie immer von größtem Langmut gegenüber den Krawallmachern. Entproletarisierte Proletarier. Papst gegen den selbstsüchtigen Kapitalismus.— 35e- rühruna, aber keine Einigung mit Sozialismus. Rom. 16. Mai.(Eigenbericht.) Am Freilag hat der Pap st sein neuestes Rundschreiben über„Gesellschaftsordnung und Arbeiterfrage" den Pilgern bekanntgegeben, die sich im Damaser-Hof des Vatikans um ihn versammelt hatten. Der Papst ging in seiner Rundfunk- ansprach«, die er in Italienisch. Französisch und Deutsch hielt, auf die wesentlichen Punkte kurz«in. Das neue Rundschreiben zerfällt in drei Hauptteile. Der erste Teil bestätigt die Grundsätze Leos Xlll. und betont das der Arbeiter- fchaft zustehende Recht der Koalition zum Zwecke der organi- sterten Sekbsthilfe. Im zweiten Teil werden die veränderten Zeit» verhciltnisse in Bettacht gezogen. Die Lehre vom Recht auf pri-. vates Eigentum wird bestätigt, die verderblichen Derirrungen desselb st süchtigen Kapitalismus werden gegeißelt, ein« Neuordnung des ganzen Wirtschaftssystems sei unerläßlich. Da» dauernde Proletariertum dürfe nicht zur Regel für die Mehrheit der Menschheit werden. Allmählich müsse die besitzlose Lohnarbcittrfchast zu einer entsprechenden wohl- habeoheit l gelangen. Das Ziel sei in der bestehenden Ordnung der Ding«, die ausdrücklich anerkannt wird und deren Auswüchse gegeißelt werden, nur erreichbar auf dem Wege gerechter, angemessener und auch für alle Familienlasten ausreichender Löhne. Im dritten Teil gibt der Papst einen Gesamtüberblick über das herrschende Wirtschaftssystem. Die K a p i t a l a n h ä u f u n g in wenigen Händen führe zu einer rücksichtslosen Willkürherrschast. Abhilf« könne nur die christliche Lehre der ausgleichenden Zusammen- arbeit der Stände schaffen. Ein besonderer Abschnitt ist dem So- zialismus gewidmet. Er habe in den letzten 40 Iahren Uefgehend« ! Wandlungen durchgemacht, sei in zwei Richtungen, in Kommunist mus und den heutigen Sozialismus zerfallen. Mit dem K o m m u- n i s m u s würden sich die Lehren der Kirche als völlig unvers e i n b a r erweisen. Der Sozialismus oon heute habe oielfast starke Absttiche an seinen Programmen vorgenommen. Er sei in einer Reih« von Problemen mehr oder weniger den katholischen Sozialprinzipien nahegekommen.„Aber", so fährt der Papst fort,„auch nach dieser weitgehenden Abschwächung und ttotzdcm viele seiner Program mpuntte durchaus der Ge» rechtigteit entsprechen und auch von der Kirche vertreten werden, ist der Sozialismus mit seiner Gesellschaft», auffassung der katholischen Lehr« so entgegengesetzt, daß jede grundsätzliche Einigung mtt ihm und unter allen Umständen aus» geschlossen ist." Deshalb ruft der Papst die Katholiken, die in. Lag« des Sozialismus übergegangen feien, zur kirchlichen Lehr« zurück. Die Schlußworte des päpstlichen Rundschreidens sind die des Segen» für alle. Deutsche Zentrumsabgeordnet« wie Ivos und Schwarze« nahmen al» Führer der katholischen Arbeiterdelegationen an der großen Feier teil. Das neue Panzerschiff. Geschweißt statt genietet— Oelmotore. De? am Dienstag vom Stapellauf laufend« Ersatzbau de« Linienschiffes„Preußen", auf der Werst der Deutschen Werke in Kiol gebaut, verdrängt, ohne Vrennstoff. 10000 Tonnen. Es ist 181,7 Meter lang, 20.7 Meter breit, hat aber nur 5,8 Meter Tiefgang: seine Beweglichkeit und seine Manövrierfähigkeit in der vielfach flachen Osffe« ist auf diese Art erhöht worden. Um das vom Berfailler Verttag gestattete Gewicht möglichst auszunutzen, wurde das Schiff größtenteils nicht mehr genietet, sondern statt dessen geschweißt. Hochwertiges, aber leichtes Metall wurde in höher«» Umfange als je verwandt. Der Panzer ist in den Schiffskörper so eingefügt, daß er ihn mitträgt. Die Maschinen sind Oelmotore, deren Gewicht nur noch 8 Kilogramm Pferdestärke bettägt: ein Sechstel des noch vor zwölf Jahren benötigten Gewichtes. Der Aktionsradius des Schiffes ist bei mittlerer Geschwindigkeit so lang wie der Seeweg nach vstasien und zurück. Die Höchst- geschwindigkett soll 26 Knoten(1 Knoten gleich 1852 Meter in der Stund«) betragen. Die Maschinen entwickeln 50 000 Pferdestärken. Die Bestückung ist im Verhältnis zur Größe des Schiffes außer- ordentlich: sechs Z8-Zentimct«r. Geschütze, in zwei Drillingstürmen, acht 15-Zentimeter-G«>chütze, doneben sechs 50-Zentimeter-Uebcrwassertorpcdorohre und mehrere Flugabwehr, geschütze. Obfchon das Schiff bei weitem nicht an die mehr als drei- mal so großen Schlachtschiffe der Schlachtkreuzer der anderen Marinen mit ihrer viel größeren Bestückung heranreicht, ist es ein aufschlußreiches Beispiel dafür, wie bis zur Abschaffung einer Waffe ihre technische Entwicklung auch irnierholb von Vcrtragsgrcnzen weiter forffchrettet. Toiengerichi über Bülow. Umfangreiche Korrekturarbeit an Aülows Erinnerungen. Unter dem Titel„Front wider Bülow" wird in Kürze im Verlag F. Bruckmann A.-G., München, ein Work erscheinen, in welchem die Staatsmänner der Bülowschen Zeit oder, soweit diese nicht mehr leben, an ihrer Stelle und zu ihrer Verteidigung nam- haste Historiker Stellung zu den Bülowschen Denkwürdigkeiten nehmen. Der Herausgeber des Werkes ist Dr. Friedrich Thimme, bekannt u. a. durch die Herausgabe der großen amt- liehen AUenpublikation 1871—1914. Von den Mitarbeitern werden genannt die Stootsminister oon Sydow und oonIagow, die Staatssekretäre Zimmermann und Wahnschaffe, die Bot- schafter Freiherr von Schön, von Flotow und Graf Wedel, die Gesandten Raschdau, Graf Pücklcr und Freiherr vom Roinberg, Kriegsminister Generaloberst von Einem, 2ldmiral von Müller, General Graf Max Moni- g e l a s, Oberst Schwcrtsegcr. Universitätsprosessor Dr, Johannes Haller, Professor Dr. Iaeckh u. a, Der Ausbau der Volksschuloberstufe. Eine Ansprache des preußischen Kultusministers. Gestern wurde in der Philharmonie eine Tagung des Z« n« t r a l i n st i i u t s über den Ausbau der V o l k s s ch u I o b e r st u f« durch eine Ansprache des preußischen Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung eröffnet. Minister Grimme wies einleitend darauf hin, daß vor fünf Jahren eine gleich bedeutungsvolle Tagung über den Ausbau der Grundschule stattgefunden habe. Die Grundschule habe sich in diesen Jahren, dos könne man heut« sagen, in allen Schichten d u r ch�g e s e ß t. Nun gelte es, ein wesentliches zweites Stück der ilmgestaltungsarbeit zu leisten. Es gäbe zur Zeit keine drängendere nationale Aufgabe für dos Schulwesen, als der Arbeit der Volksschulober st ufe wieder einen Sinn zu geben. Die Entwicklung unseres Bildungswesens habe zu einer Sinn- entlcerung der Volksschule zugunsten eines sinnentleerten Bildungsgedankens geführt. Die Ueberwindung dieses Widersinns bedeute gleichzeitig eine Bekämpfung der Uebersüllungs- gefahren der höheren Schule. Für die Oberstuse der Volksschule müsse nach ihrem eigenen Gesetz ein Sinn wieder er- obcrt werden. Volksschule und höhere Schule seien innerlich ver- flochten i es sei jalsch, zwischen höherer und niederer Bildung zu scheiden; es könne sich nur um verschicdenortigg, aber gleichwertige Billdungswege in gleicher Ebene handeln. Die Arbeit des Lehrers werde bestimmt durch die Aufgabe, vom Kinde auszugehen und es hinzuführen zur Welt der objektiven Mächte. Für das bloße Wachsen. lassen des Kindes sei keine Pädagogik nötig. Der Lebeneraum, der die Umwelt des Kindes und des späteren Erwachsenen darstellt, müsse zunächst vom Lehrer erkannt werden. Di« Umwelt des Kindes müsse zum täglichen Brot de» Schulunter» richts werden: nach ihr müsse sich Stossauswahl und BeHand- lung richten, damit das schulentlassene Kind in Leben uick» Beruf feststehen kann. Die Volksschuloberstufe könne nicht Vorbereitung für einzelne Berufe geben, schon deshalb nicht, weil die meisten nicht damit rechnen können, in einem bestimmten Berus Dauerarbcit zu sinden. Deshalb könne Ziel der Bolksschularbeit nur sein, den Menschen darauf vorzubereiten, daß er festoerwurzelt in seiner Ar- bcitswelt und seiner Lebensschicht, daß auch Kraft und Lust in ihm geweckt werden, die Möglichkeiten der Erwachsenenbildung, die es auszubauen gelte, zu nutzen. Gewiß werde alles Vorwärieschrciicn durch den Bleiklotz der Finanznot gehemmt. Das Merkmal unseres Geschlechts sei, trotzdem unsere Kultur vor dein Niedergang zu schützen, im Vertrauen auf den Geist. Der neue spanische Unterrichtsminister habe kürzlich die deutsche Grundschule als Musterform bezeichnet. Es sei zu hoffen, daß die Arbeit sür die Volksschuloberstufe, die heute begonnen werde, eiiim.al die gleiche Wertung erfahre. Die Waffenscheine der(3A. Oanziger Senat stellt Strafantrag gegen„Volksstimme-. Kauzig, 16. Mai.(Eigenbericht.) Der Senat der freien Hansestadt Danzig hat gegen die sozialdemokratische ,.D a n z i g e r D o l k s st i m m e" anläßlich eines Kommentars zu den Ausführungen Hitlers im Berliner Eden» Prozeß Strafantrag gestellt. Im Verlauf seiner Vernehmung im Berliner Eden-Prozeß hat Hitler Ausführungen über die Danziger SA- gemacht, die das Danziger Polizeipräsidium aufs schwerst« belasten und die bestätigen, was in Dgnzig die Spatzen schon langst von den Dächern pfeifen. Hitler hat. als er die Legalität seiner Partei begründet«, folgendes gefagti Er arbeite mit aller Kraft daran, die Legalität der Partei aus der Theorie in die Praxi» umzusetzen. Wenn die Danziger SA. bewaffnet gewesen sei, so habe sich später herausgestellt, daß dort die Leute mit Waffenscheinen versehen waren. Ein näheres Eingehen auf diese Dinge wäre jedoch nur in einer nicht» öffentlichen Sitzung möglich. Die sozialdemokratische„Danziger Voltsstimme" hat die in öffentlicher Gerichtsverhandlung gemachten Aussagen Hitlers wiedergegeben und die Regierung ersucht, diesem Skandal ein Ende zu machen. Das Blatt stellte weiter fest, daß bei der Nazischießerei in dem Danziger Vorort Ohra junge Burs6)«n, die Waffenscheine bei sich führten, auf die Menge geschossen haben. Acht Personen wurden damals durch Schüsse mehr oder minder schwerverletzt. In einer MitteUung der Rcgierungspressestelle an die bürgerlichen Zeitungen wird bedauert, daß wegen der Aus» führungen der„Voltsstimmc* nur Strafantrag gestellt und nicht so» fort in schärferer Weise gegen das Blatt vorgegangen werden könne. In Danzig wird sich also in nächster Zeit ein äußerst bedeutsamer politischer Prozeß abrollen._ Toscam'ni überfallen. Von Faschisten geohrfeigt. Mailand. 16. Mai. Wie die Abendblätter melden, hat sich in Bologna am Himmel» sahrtstag« ein Zwischenfall ereignet, der in der italienischen Musik» weit lebhaftes Aufsehen erregt. Das renoviert« Gemeinde» t h e a t e r von Bologna sollte durch«in von Toscanini geleitetes Konzert eröffnet werden, das dem Gedächtnis des italienischen Komponisten Giovanni Martucci gewidmet war. Toscanini hatte sich g e w« i g e r t. vor dem Konzert den„Köntgsmarsch" und die Faschistenhymn« zu spielen. Der Theaterbeginn war des» halb verschoben worden. Als Toscanini dann ins Theater gehen wollte, wurde er von einem Trupp Faschisten, die von seiner Weigerung Kenntnis erhalten hatten, gestellt, wobei einer von ihnen den Kapellmeister ohrfeigte. Earabinieri griff sofort ein und machte dem Zwischenfall ein Ende. Toscanini verließ in der gleichen Nacht im Kraftwagen Bologna und begab sich nach Mailand. In Bologna veranstalteten die Faschisten eine große Kundgebung unter Absingen der Nationalhymne und Schmährufen gegen Toscanini. Siebzig Tote in Kairo. Regierung fälscht Wahlbeteiligung. Kairo. 16. Mai.(Eigenbericht.) Die blutigen Zusammenstöße, die anläßlich de» Ve- ginn» der parlamenlowahl In Kairo zu verzeichnen waren, haben noch MilleUungen eine» hiesigen Kraakenhanse» bisher 7 0 lote und 300 verwundete gefordert. Die Regierung erklärt amtlich, daß am ersten Wahltage«nt- gegen der Wahlenthaltungsparole des Wafd bis zu 66 Prozent der Wähler abgestimmt hätten und ihr Sieg infolgedessen sichbr sei. Demgegenüber erklärt der Führer der Opposition, Nahos Pascha. daß die Wahlbeteiligung ein« Niederlage der Regierung bedeute. Tatsächlich hat die Regierung das bisherige Abstimmungsergebnis mit allen Mittel» beeinflußt. Insbesondere in Sairn sind große Mchellt vo-d«. � Erleichtertes Aufatmen B&MD Die Kriegshetzer zu beiden Seiten des Rheins:„Gottlob, die Friedensgefahr wäre wieder einmal beseitigt!" Rochschilds pleite. Oie erschütterte Kreditanstalt. Wie ein Donnerschlag hat die österreichische Oeffentlichkelt die Nachricht getroffen, daß die Kreditanstalt ins Wanten geraten ist, daß sie, wenn ihr nicht sofort Hilf« gebracht wird, gezwungen sein würde, ihre Schalter zu sperren und ihren Zusammenbruch offen zu deklarieren.% Die Kreditanstalt ist nicht nur die älteste der österreichischen Großbanken, sie war schon in der Monarchie die größte Bank, eine Bank, von deren Festigkeit man einfach unverbrüchlich überzeugt war. Und sie ist heute d i e Bank in Oesterreich, von der der größte Teil der österreichischen Industrie unmittelbar abhängt. Sie hat vor Jahr und Tag die Bodenkreditanstalt saniert und übernommen, und nun wijnkt die Kreditanstalt selbst! Sie, deren Präsident Roth» schild'ist, die also von einem Hause fundiert ist. das der Inbegriff von Reichtum, Kapitalskraft und internationalem Ansehen ist! Wenn die Kreditanstalt fiele, so würden zahllos« Industrien, die auf ihren Kredit angewiesen sind, in die größte Gefahr kommen, und Oesterreichs Wirtschast würde tn eine Katastrophe versetzt werden, die alles verschlänge, was in diesem armen und ausgebluteten Staate halbwegs noch Bestand zu haben scheint. Die Regierung mußte also eingreifen, aber ohne schwere Folgen wird es trotz der Stützungsaktion nicht abgehen. Die Krise, in die Oesterreich» größte, älteste und berühmteste Bank geraten ist, entschleiert«« wie mit Blitzlicht, wie es um diesen Staat, dessen„Selbständigkeit- ein Fetisch ist, den so viele Mächte gläubig verehren, in Wirklichkeit steht. Die Kreditanstalt hat den großen Bissen, der ihr mit d«r Ueber» nähme der falliten Bodenkreditonstalt auferlegt ward, nicht zu ver« bauen vermocht. Diese Sieg Hartische Bank, versippt mit den Ehrist» lichsozialen, mit den Seipel und Kienböck, hotte aus politischen Gründen eine ganz« Reihe von Groß« und Mittelbanken übernehmen müssen: sie war ausersehen und willig, die faulen Gründungen de? Inflationszeit, die mehr oder minder all« auf christlichsoziales Konto gehen, zu übernehmen. Aber auch alles, was uollddend wurde, nahm sie auf: so di« Anglo-Bank. die einmal unter britischer Protektioa stand, so die Union-Bank, die Herr Loset, so dir Verkehr», und die Depositen- dank, die Herr Castiglioni zugrunde richtete. Das alles ging natürlich weit über ihr« Kräfte, und als die Heim» wehrbewegung mit ihren inneren Putschabsichten im höchsten Flor stand, in den ersten Tagen der Regierung Schober(Herbst 1329), war der Krug so lange zum Brunnen gegangen, daß er brach. Es war ein kritischer und dramatischer Moment: der Bundeskanzler Schober mußte an einem Sonntag Herrn Rothschild auf der Jagd aussindig machen und nach Wien zurückberufen, wo er ihn» erklärte, wenn er. d. h. di« Kreditanstatt die„Boden- nicht sofort übernehme, seine Demission«inreichen und Oesterreich seinem Schicksal überlassen werde. Einem solchen Drucke tonnte sich selbst ein Rothschild nicht entziehen-, di« Kreditanstalt übernahm di« Sieghartsch« Bant, aber an diesem Bissen ist sie erstickt. Nicht weniger als sechzig Millionen Schilling soll sie dieser„Liebesdienst- gekostet haben. Den Rest gaben ihr die notleidenden Industrien, von denen sie«inen ganzen Schock zu betreuen hat, und so kam es heraus, daß die Bank, deren Aktienkapital 126 Millionen beträgt, mit 140 Millionen Schilling passiv ist, sie also noch mehr als ihr gesamtes Aktienkapital verpulvert hat. Sie ist demnach fertig, kann sich aus eigener Kraft nicht mehr aufraffen, und der offen« Zusammenbruch kann nur ver» hindert werden, wenn der Staat helfend eingreift. Unter dem Zwang« der Not hat er sich dazu entschlossen. Die Rettungsaktion ist so konstruiert, daß erstens von dem Aktienkapital 25 proz. preisgegeben werde«: der Akttowert wird also um ei« Viertel gekürzt. Obwohl er eigentlich ganz verschwunden ist, konnte man sich zu einer größeren„Abschreibung- nicht verstehen, weil ein nam» hast« Teil des Kapitals vom Auslande herrührt, eine größere Kürzung den internationalen Kredit Oesterreich», wie man be» hauptet, auf» stärkste beeinträchtigen würde. Um ober den Ersatz de» aufgezehrten Eigenkapitals herbeizuführen, gibt der Bund, dieser arme, mit Defiziten ringende Bund, 130 Millionen Schilling, die er sich durch Schatzscheine beschaffen wird und zu deren Aus» gab« es der Zustimmung de» Genfer Kontrollkomitee» bedarf, her, und je 30 Millionen steuern die Nationaldant und da» Hau» Rothschild bei. Der Bank fließt so an neuem Kapital mehr zu. als ihr Berlust an Aktienkapital betrögt. Demnach ist zu hoffen, daß die Einleger die Besonnenheit nicht verlieren und angeflchts dieser Stützungsaktion auf Abhebungen verzichten— wenn auch nicht zu erwarten ist, daß sie, die ja durch die kritische Finanzlage Oesterreichs aufs stärkste verängstigt sind, da» traurig« Ereignis in voller Ruhe aufnehmen werden. Natürlich würde sich die Un» ruhe, die von der Rothschild» Dank«aisgeht, mich auf die anderen Banken verbreiten. Die Folgen und Wirkungen auf die Wirtschaft stich gar nicht abzuschätzen. Der Staat steckt In den schwersten finan» ziellen Nöten(und mit ihm die Länder und Gemeinden), er ist im Begriffe, die Gehälter der Beamten zu kürzen und will ihnen überdies«in« eigene Steuer auferlegen. Di« Arbeitslosenunter- stützung will er empfindlich einschränken: wer aber kann und wird zu Opfern bereit sein, da er vernimmt, daß der Staat trotz seiner verzweifelten Finanzlage für Rothschild und Rothschild-Bank IM Millionen Schilling bereit hat? Die Kreditanstalt ist heule ln Oeslerreich die eigentliche Znduslriebank. Der überwiegende Teil der öslereichischen Industrie wird von ihr genährt, wenn auch, wie überall, hier Bankkredit eine kostspielige Nahrung ist. Uich nun erweist sich dieser Tragpfeiler des Prioatkapitalisnrus als morsch, bricht zusammen und an seine Stelle muß der Staat treten: das ist in Wahrheit die Ablösung dos Privat- kapitalismus durch den Staatstapitalismu». Diejenigen, die noch immer meinen, diese Weltkrise sei nur ein „Zwischenfall", und der Privatwirtschaft, der kapitalistischen Ord- nung, werde es gegeben sein, sie zu überwinden und sich, wie in d»r Wirklichkeit, so in den Darstellungen der Menschen zu behauptet. sie haben aus diesem Bankzusammenbruch, der ein Zusammenbruch des Bankenkapilols ist, zu entnehmen, daß di« Krankheit, die die Wirtschaft der gesamten Welt befallen hat, eine Erkrankung des. Organismus geworden ist— aus der er nicht mehr heil heraus- kommen wird. Dem Kapitalismus als den, herrschenden und be- herrschenden System de» Wirtschastens der Welt läuten bereits di« Totenglocken. ITriockricd Äusterlite(Wien) Arbeiier-Kohlengruben? Die Absahschwierigkeiten des französischen Sergbaues. Pari», 16. Mai.(Eigendericht.) In der Freitog-Sitzung des Senats, in der Doumer bereits nicht mehr den Vorsitz fährte, beantragte der sozialistisch« Senator Souliä die baldige Festsetzung des Datums für di« Besprechung seiner Interpellation über die Maßnahmen, die gegen die Arbeitslosigkeit und di« Lohnkürzungen in der Gruibeniichui'tne des Loire-Beckens ergriffen werden sollen. Der Redner pro- testierte heftig gegen den Schiedsspruch der Regierung, durch den die Löhne vorläufig um fünf Progent herabgesetzt worden sind, und fchtug schließlich vor, angesichts der Unfähigkeit der Grubei�esell- schaften, die Konzessionen für den Kohlenabbau Arbeitergefell. schaften zu übertragen, die die Gruben mit Gewinn ausbeuten würden. Der sozialistische Senator Cadot schloß sich dem Protest des Vorredners an und erklärte unter denz Bestall des Hauses, er s« selbst 35 Jahre lang Grubenarbeiter gewesen, und er könne ot» solcher bestätigen, daß die Löhne niemals ausreichend ge» wesen seien. Ministerpräsident Laval erklärte in seiner Antwort auf die Au»- führungen der beiden sozialistischen Senatoren, daß das Kohlen- Problem sehr kompliziert sei. Die französischen Gruben produzierten nur zwei Drittel des französischen Verbrauchs, trotzdem ober herrsche eine Absatz krtse. Die Grubengesellschaften verlangten daher die Erhöhung der Einfuhrzölle. Wenn die Regierung aber diese These annehmen würde, so würde in der Schwerindustrie eine ernste Krise hervorgerusen, die dazu führen würde, daß die Zollerhöhungen wieder rückgängig gemacht werden müßten. Den Eisen bahn gesell schaften könne man den Ankauf aus- ländstcher Kohle nicht verbieten, denn sonst würde ihr Defizit noch größer werden. Die Regierung habe aber di« Eisenbahngesellschasten gebeten, soweit als möglich französstchc Kohle zu benutzen. Im Unterstaatssekretariat für die nationale Wirtschast sei eine Kohlen- kommission gebildet worden, in der alle Interessenton vertreten seien. Schutzmaßnahmen für die französische Kohl« seien> rotwendig, denn die ausländische Konkurrenz, die durch billigere Verkehr»» tarise und Prämien begünstigt werde, sei nicht immer loyal. Die Regierung müsse auch die Interessen der Arbeiter verteidigen. Laval bat die Interpellanten schließlich, ihm Vertrauen zu schenken und mit der Besprechung seiner Interpellation noch etwa» Geduld zu haben, bis sich die Regierung über die zu ergreifenden Maßnahmen einig sei. Zu dem Borschlag Souliö, die Konzessionen für Kohlenabbau Arbeitergesellschaften zu übertragen, erklärte der Ministerpräsident, es sei wenig wahrscheinlich, daß da, wo di« Grubengcsellschasten keine Gewinne erzielen, die Arbeiter welche herausholen würden. Senator Souliö antwortete darauf, dieser Fall sei jedoch bereits inMonthieuxzu verzeichnen gewesen. Schließ- lich erklärte sich Souliä damit einverstanden, daß die Besprechung semer Interpellation vorläufig vertagt wird, Die Enilarvong der Entlarver. Das Spiel der KPO. an der I�uhr. Im Ruhrgebiet hatten die Kommunisten noch ihrer miß- glückten Bewegung rm Januar für den 1. üßai eine„neue Aktion" angekündigt. Die kmmnunfftischen Zeitungen waren Ende April voll von Streikbeschlüssen, Ausrufen, Kampfaueschußgründungcn und„Sturmplänen". In geheimen Rundschreiben war der Ope- rationsplan bereits festgelegt. Der 1. Mai kam. Der Sturm blieb ober aus. Die Aktion war zunächst auf den 15. Mai vertagt worden. Der 15. Mai kam, und wieder rührte sich nichts. Die große Schlacht mußte wieder oer schoben werden. Sie ist jetzt auf den 1. Juni angesetzt. Ein« Erklärung für diese Komodie gab dieser Tage der B e- zirksleiter der RGO. des Ruhrgebiets, Saefkow: Die Streikrüstung der RGO. werde bei der Parte! nicht mit genügendem Ernst gewürdigt. Die Ursache für diese schlappe Haltung sei der Zweifel der führenden Genossen an der Streikstimmung der Arbeiter. Sie seien nicht von der politischen Tragweite eines Iuni-Kampfes überzeugt. Selbst die Spitzenfunktionäre seien unschlüssig. Vorbereitende Kompfausschüsse würden nicht so gewählt, wie es nötig sei. Mit IM Mann Belegschastsversaminlung laste sich kein Betriob streikreif machen. Statt daß man in die öfsent- lichen Belegfchaftsversammlungeir gehe und sich dort durchsetz«, berufe man eine RGO.-Konferenz ein und wähle dort einen Kompfousschuß. Das müsse anders werden! Mehr Selbstkritik müsse einsetzen. Zur Kampfoorbereitung reiche die Presse nicht aus. Man müsse ein besonderes Mitteilungsblatt in einer Auflage von 1.5000 bis 20 000 Stück herausgeben. Allerdings sei das eine Fin o nzs r a g e, und diese sei gar nicht rosig. Zur Besprechung von RGO.-Fragen sei eine Llnternehmerprogramm. Verschärfter Lohnabbau.— Gesteigerte preise. Der katastrophale Irrtum der Politik des Lohnabbaues� liegt offen zutage. Selbst die„Deutsche Allgemeine Zeitung" muß feststellen:„Die erste„Lohnabbauwelle" ist abgeebbt, ohne daß die Depression überwunden worden ist." Die„DAZ." wäre der Wahrheit noch näher gekommen, wenn sie gesagt hätte, daß als Folge der Lohnabbauwelle eine katastro- phal« Steigerung der Arbeitslosigkeit, ein« Versteifung aus dem Kapitalmarkt und eine allgemeine Vertrauenskrise eingetreten sind. Welche Lehre zieht nun dos Unternchmerblott aus diesen Folgen des Lohnabbaues?— Der Lohnabbau sei eben noch nicht scharf genug gewesen, die Löhne und Gehälter müßten noch viel mehr abgebaut werden, wenn die Kauskrast gesteigert wer» den und damit eine Besserung der Konjunktur eintreten soll. Das ist zwar vollständig verrückt, entspricht aber durchaus der- selben Logik, die zur ersten Lohnabbauwelle geführt hat. Die„DAZ." geht sogar noch einen Schritt weiter und verlangt, daß dieser zweite, viel schärfere Lohnabbau„nicht wieder mit einer behördlichen Preis- „fenknngsaktion verknüpft" sein dürfe. Also«ine weitere Senkung der Löhne und ein« ungehemmte Steigerung der Preise. Hier tonn man wohl sogen, was einst von den Bourbonen gesagt worden ist: Sie haben nichts gelernt und nichts vergessen Arbeitskonflikt in �heinland-Westfalen. In der(Schwerindustrie und im Alrgbau. Die Rahmentarifverhandlungen für die Gruppe Nordwest der deutschen Eisen- und Stahlindustrie, die am Frei- tag in Essen begannen, wurden auf Montag, den 18. Mai, vertagt. Der Z e ch e n o e r b a n d hat am Freitag die Lohn- ordnung für den Ruhrbergbau zum 50. Juni 1931 g e- kündigt. Als Grund wird die schlechte wirtschaftliche Lag« der Zechen angegeben. Es müsse eine durchgreifende Entlastung der Selbstkosten— d. h. ein scharfer Lohnabbau— durchgesetzt werden. Etwas anderes hat man von den Kohlenbaronen auch nicht erwartet. Tarifwidriger Lohndruck. Der Fachausschuß für Hausarbeit greift durch. Der Staatliche Fachausschuß für die chaus- arbeit in Berlin und der Provinz Brandenburg, der die Aufgabe hat, die Durchführung der Tariflöhne öder.festgesetzte Minde st entgelte für die Heimarbeiter zu sichern, hat in der Sitzung der Abteilung lö für Herrenkonfektion am 91. März auf Prund von Anzeigen der Heimarbciterlohnkontrolle beim Polizeipräsidium gegen 21 Zwischenmeister verhandelt, die ihren Heimarbeiterinnen nicht die Löhne des allgemeinverbindlichen Tarifvertrages für das Lohngewerbe in der Herren- und Knaben- konfektion Berlins vom 1. Dezember 1950 gezahlt hatten. Es wurden bei 20 Zwischenmeistern Nachzahlungen im Einzelfalle bis zu 1400 M. unter Bußandrohung gefordert. Der Fachausschuß, der in der Herrenkonfektion bisher nur gegen die unmittelbaren Arbeitgeber der Heimarbeiter vorgehen kann, hat gegenüber den auftraggebenden Firmen, die meist selbst die Tariflöhne nicht an die Zwischenmeister gezahlt hotten, die Erwartung ausgesprochen, daß sie den Zwischenmeistern die. Nachzahlung möglich machen und künftig die Tarislöhne an die Zwischenmeister zahlen werden. Wenn auch einzelne Firmen daraufhin voll gezahlt und andere den Zwischenmeistern Bechilfen gegeben haben, so sind doch die Nachzahlungen an die Heim- arbeite r nur von einem Teil der Zwischenmeister geleistet worden. Daraufhin hat der Fachausschuß in der Sitzung vom 30. April insgesamt gegen 10 Zwischenmeister erhebliche Geld» häufige und schnelle Einberufung von Sitzungen notwendig. Dazu brauche man Geld. Man könne jedoch nicht' einmal einen Pfennig Fahrgeld zahlen. Kein Ortstomitee mit Ausnahme von Esten habe bisher eine Akontozahlung geleistet. Referenten können nicht zur Verfügung gestellt werden, weil kein Geld da sei. Die Berliner Leitung habe zu einein Wettbewerb in der Durchführung des Stur ni pla ns aufgefordert, allein es fehle der Leitung selbst an revolutionärem Empfinde«. Auch unten'fei mehr Elan notwendig. Die Nochbarindustriegroppen des Bergbaus dürsten sich am 1. Juni nicht damit begnügen, nur Solidaritätsbeschlüsse zu fassen: aktive Solidarität müsse schon am zweiten und dritten Streiktag in Erscheinung treten. Ebenso müsse die gange Erwerb slosenbewegung in den Kampf ein- gespannt werden. Auch MieterftreiNofungen müßten m Kürze in konkreter Form herausgegeben«erden. Das Ganze hört sich an wie eine Leichenrede. Saefkow ist als Orgamfalor von Niederlagen bekannt. Ein kleiner Schwätzer, der in der Arbeiterbewegung nie ciin: Rolle gespielt hätte, wenn die KPD. ihn nicht in Ermangelung eines Besseren— zur Spaltung der Arbeiterschaft gebraucht hätte. Saefkow nimmt sich sehr ernst und wichtig. Er glaubt an die revoluttonäre Krast wilder Streikbewegungen. Seine Auftraggeber glauben aber nicht daran. Für sie ist die Hauptsache der Kla- ma u k, das Geschrei über den Verrat der Gewerkschaftsbonzen und der SPD. Um chr Geschrei glaubhaft zu machen, müssen sie a u s der Feuerlinie herausbleiben, müssen sie vermeiden. den Beweis ihrer Ohnmacht und Unfähigkeit durch die Tat.zu er- weifen. Dagegen lehnt sich Saefkow auf, der nunmehr wohl seine Rolle ausgespielt haben dürft«. büßen festgesetzt, die sich im Einzelfalle auf 1000 M., 1700 M. und 2700 M. belaufen. Die Lohnnachprüfungen der Heimarbeiterlohnkontrolle sind fortgesetzt worden, und der Fachausschuß hat erneut gegen neun Zwischenmeister verhandelt, von denen bisher wieder fünf zu erheb- lichen Nachzahlungen unter Bußandrohung aufgefordert wurden. Der Abschluß des Zwifchentarifverttages ist in erster Linie auf das Betreiben des Deutschen Bekleidungsarbeiter-Berbandes zurück- zuführen. Nur wo die Arbeiter auch gut organisiert sind, ist auch die Durchführung des Tarifvertrages gesichert. Das mögen die Heimarbeiter und Heimarbeiterinnen beherzigen. Gegen die Opfer der Arbeit. Agrarier fordern„Reform" der llnfallversicherung. Als Folge der steigenden Mechanisierung der Landarbeit und einer rücksichtslosen Ausnutzung der Arbeitskraft sind die Unfälle in der Landwirtschaft von Jahr zu Jahr in unheimlichem Maße gewachsen. Es wurden in der Landwirtschaft gezählt 1924: 92 852,(925: 122 452, 1926; 178 801, 1927: 214 169, 1928; 245 920, 1929; 262 623, 1930: 267 521 Unfälle. Dabei ist gleichzeitig die Zahl der Beschäftigten zurückgegangen. Üiie'Ziffer des Jahres 1950 der des Jahres 1924 gegenübergestellt ergibt eine Steige- rung von rund 200 Proz. Eine derartige Steigerung der' Unfallziffern muß natürlich zu einer erheblichen Mehrbelastung der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften führen. Was tun dagegen die landwirtschaftlichen Unternehmer? Statt die Unfallgefahren zu bekämpfen» scharfe Maßnahmen zu fordern gegen die Unternehmer, die es an dem nötigen Unfall- schütz fehlen lassen, wird gegen die Opfer mobil gemacht. In den letzten Tagen hat der Sozialpolitische Ausschuß der Bereinigung der Deutschen Bauernoereine getagt und eine vom Vorstand der Vereinigung einstimmig gebilligte E n t- s ch l i e ß u n g angenommen, in der es unter anderem heißt: „Die Aufwendungen der landwirtschaftlichen Unfallversicherung und damit die Beitragslasten der Landwirtschaft zur Unfallversiche- rung sind in den letzten Iahren rasch gestiegen: die Steigerung seit 1925 darf auf mehr als 10V Proz. geschätzt werden.(Die Unfälle sind aber um 200 Proz. gestiegen!)... Da ein weiteres Ansteigen der Enffchädigungsaiisprüch« in der Unfallversicherung erwartet wer- den muß, mit einer boldigen nachhaltigen Besserung der Loge der Landwirtschaft aber leider nicht gerechnet werden kann, ist eine sofortige Reform der Unfallversicherung mit dem Ziele, die In- anspruchnah me der Unsallversicherung cinzu- dämmen, wie dies in den Notverordnungen vom 26. Juli und 1. Dezember 1930 für die Krankenversicherung mit Erfolg in Angriff genommen ist, dringend erforderlich." Diese Entschließung ist typisch für dos„wirtschaftliche Denken" der Unternehmer, das bewußt Logik und Menschlichkeit ausschaltet und do»� Interesse der eigenen gefüllten Geldbörse zum Zcntralsoktor macht. Mögen die verstümmelten Landarbeiter betteln gehen, aus der Landstraße und in den Gefängnissen verkommen! Die Hauptsache ist für die Unternehmer nicht die Eindämmung der Unfälle— sie er- warten sogar deren Vermehrung—, sondern die Eindämmung der Entschädigungen trotz steigender Unfälle. Ist eine derartig« Politik nicht Aufreizung zum Klossenhoß? Herr Leweck berichtigi. Zu dem Artikel in Nr. 153 des„Vorwärts" vom 20. März: „Der Reversunfug"— Selbst Kleinmeister verüben ihn," ließ uns Herr Leweck eine Berichtigung zugehen, wonach der von uns geschilderte Tatbestand sich ganz anders zugetragen habe. Es han- delte sich nicht um Differenzen mit Krankenkassen, sondern um einen Probekauf durch den Verband der Krankenkassen, der zu einer Be- anstandung führte, well dem Käufer, der eine Brille mit einfacher Nickelfassung forderte, eine andere mit schwarzem Rand angeboten wurde, die 20 Pf. mehr kostete. Infolge der daraufhin erfolgten l Verwarnung des Herrn Lcweck durch den Beiv band der Krankenkassen, habe Herr Leweck sein Personal ermahnt, lediglich die gewünschte Brille zu verabfolgen und keine andere zu empfehlen. Um diese Einschärfung besonders eindringlich zu machen und um dem Verband der Krankenkassen gegenüber gedeckt zu sein, wünschte er von seinen Angestellten einen Revers dahingehend zu bekommen, daß diese auf die Anordnung von Herrn Leweck besonders hingewiesen worden seien. Der Revers lautete folgendermaßen: „Hiermtt erklären wir, daß uns Herr Leweck ausdrücklich ver- boten hat, der Kassenkundschast, wenn dieselbe sich für Modell l oder ein anderes Kasscnmodcll, als wie sie wollten, gegen ihren Willen aufzudrängen." z „Dieser Revers wurde von zwei der Angestellten unterschriebe». Nur der im„Vorwärts" erwähnte Gehilfe weigerte sich, ihn zu unterschreiben." Es handelte sich um zwei Revers«, von denen der ent- lassene Gehilfe den die Werkstatt betreffenden unterschrieb, die Unterschrift unter den zweiten Reners jedoch ablehnte, einmal weil er im Ladengeschäft nur selten tätig war, hauptsächlich aber deshalb, weil der zweite Revers s o abgefaßt war, daß er sich auch auf die Vergangenheit bezog. Bon den zwei Ange st eilten, die diesen zweiten Revers unterschrieben, ist einer dos Ladenmädchen der zweite— der Nachfolger des entlassenen Gehilfen. Bezüglich der Entlassung besagt die„Berichtigung", daß" genau so wie im„Vorwärts" berichtet, Herr Leweck in dem vom Arbeitsamt Süd herausgegebenen Entlassungsformulor als Ent- lassungsgrund„außer verschiedenes wegen Verweigerung eine? notwendigen llnlerschrifk entlassen" angegeben hat. „Die Angabe Berschiedenes bezog sich darauf, daß Herr Leweck mit den persönlichen Eigenschaften des Angestellten seit Jahr und Tag unzufrieden war." Dazu sei nur bemerkt, daß der Gehilfe 2!-- Jahre lang bei Herrn Leweck beschäftigt war. Wenn zum Schluß in der Berichtigung gesagt wird:„Es ist un- richtig, daß Herr Leweck von dem Gehilfen bei dem Arbeitsgericht verklagt worden ist," so stimmt das. Wir hatten aber nur gesagt, der Gehilfe müsse das Arbeitsgericht in Anspruch nehmen, nicht, daß er es getan hat. Dies erübrigte sich, nachdem die gesperrte Arbeits- Unterstützung nach Prüfung der Angelegenheit durch dos Arbeitsamt dem entlassenen Gehilfen gezahlt wurde. Was ein russischer Vertrag wert ist. Aus Stellung und Wohnung gebracht. Im Auftrage der Russischen Handelsvertretung vereinborte ein Russe P« t r o f f mit einem deutschen Ingenieur einen An- stellungsvertrog für ein Stahlwerk in Rußland. Der Bertrag sollte vom 1. Januar 1931 bis 1. Januar 1933 lausen, nber erst Gültigkeit erhalten, wenn ihn der Oberst« Bolkswirffchoftsrat genehmigt hätte. Petross bezeichnete dies« Wortklausel als ein« reine Form- fache, die nichts zu bsdeuten habe. Er veranloßte den Ingenieur, seine Stellung zu kündigen und möglichst schon vor dem 1. Januar die neue Stellung in Rußland anzutreten. Ende Dezember erhielt der Ingenieur aus Rußland die Anweisung, die Reise anzutreten. Aber einige Tag« später wurde die Aufforderung widerrufen mit der Begründung, es handle sich um eine Person«nverwechf- l u n g. Der Ingenieur war nun ohne Stellung und ohne Wohnung, denn beide hatte er ja im Vertrauen auf die Zu- sicherung des Beauftragten der Handelsvertretung, Petroff, ge- kündigt. Der Ingenieur klagte beim Arbeitsgericht in Berlin gegen die Russische Handelsvertretung auf Schadenersatz. Der D-rtreter der Russischen Handelsgesellschaft machte den Einwand, es sei gar kein Vertrag mit dem Kläger geschlossen, denn er habe ja nicht die Zu- sttmmung des Oberst«» Volkswirtschaftsrats erholten! Wenn aber der Bertrag als gültig angesehen werden sollte, dann könnte sich die Klage nicht gegen die Handelsvertretung richten, sondern das Stahlwerk, bei dem er beschäftigt werden sollte, müßte ver- klagt werden... Der Kläger berief sich aus das Zeugnis Petroffs dafür, daß dieser chm die Gültigkeit des Vertrages versichert habe. Das Gericht hält auch die Vernehmung dieses Zeugen für notwendig, es kann ihn aber nicht erreichen, weil er in Rußland weilt»nd voraus- sichllich nicht nach Deutschland zurückkehrt. Wenn es dem Kläger möglich fft, die Adresse Petroffs ausfindig zu machen, dann soll dieser von einem russischen Richter vernommen werden.— Das sind schlechte Aussichten für den Kläger. Differenzen im„Hamburger Echo". Hamburg, 15. Mai.(Eigenbericht.) Die Freitagnummer des„Hamburger E ch o" konnte wegen einer plötzlichen Arbeitseinstellung des technischen Personals nicht erscheinen. Die Arbeitseinstellung erfolgte wegen Differenzen zwischen Personal und Geschästsleitung über angekündigte Personal- entlassungen, über die die letzte Entscheidung noch nicht getroffen war, und ohne daß die Gauleitung des Verbandes der deutschen Buchdrucker, die die Arbeitseinstellung als Berletzung des Tarifvertrages mißbilligt, zur Beilegung der Differenzen vermittelnd eingreifen konnte. Die Arbeit ist nach einer Bereinbarung mit dem Personal in der Spätschicht de» Freitag« bereits wieder ausgenommen worden. Ueber die Beilegung der Differenzen soll am Sonnabend verhandelt werden. t�reie Gewerkfchafts'Jugend Berlin Kein», isreitaa. tSVi utn. t: rtuaendheira Turiner Ecke cTflroftr. Ter rote Sendrr iendet.— VUnefeaf: Gruppen keim Adlershof. Bismarck- strafte 1. Tie 5rau im Staat.— Rei.ickendarf.Ost: Iuaendkeim Lindauer Strafte lTarackeni. Alfred Gutbeit Ternnrt.— Arnewalder Pia«: Pasleur- ftrafte-M— 46(Oberrealfchule).„Aufbau der 5KI." Verantipartlich Kr Dalilik: fftaiij SIfib«: Wirtschaft:®. Aliaarlbiifrr! Drwrrkfchaftsdripeauna: S. Steiner; jZruMeton:®t. Zahn Schikoweti: totales und Sonftiflts: Rtlh Sarftfitt; Anjeintn; Td. Glackc: sämtlich in Berlin. Verla«: Borwäits-Berlap(5. rn. h. H.. Berlin. Druck: Vorwärls-Buchdruckercl und Berlazsanstali Baul Sinaer u. So.. Berlin SW 68. Linbcnllrafte l Sterin 2 B«Ungrn nah.Stndtdeilnge». Haushaltsgebot! Sanella aufs Brot! DIE FEINE PREISWERT WIE KEINE' MARCAR"J| Nr. 224» 4S. Jahrgang<��01*10(11*�0 Sonnabend, 16. Mai �93� vss Ulunoer tm„Hohen Hauses ii Die Entdeckung des Ärchitetten Winterhelt, der bei dem Abbruch in der Klosterstraße Reste eines gotischen Hauses, des sogenannten Hohen Hauses, sand, von der wir schon vor einigen Tagen berichteten, hat sich jetzt als einer der bedeutend- st e n Funde für die Geschichts- forjchung des alten Berlins heraus- gestellt,„An dieser Stelle liegt ge- radezu die Geschichte des allen Berlins begraben." Diese Aeußerung eines an der Erforschung des Baues Beteiligten lenkt das Interesse der Oesfentlichkeit auf das Schicksal der Baureste. Was soll damit ge- schehen? Es besteht der Plan. das von dem alten Bau an wichtigen Teilen Erhaltene im Märkischen Museum aufzubauen. Andererseits ist die Bedeutung des Fundes so groß, daß eine Erhaltung an Ort und Stelle geboten erscheint. Es handelt sich nach den bisherigen Funden um zwei hohe Häuser goti- scher Bauart, die mit der Stirnseite zur Klosterstrahe lagen. Sie stam- men beide aus der askanischen Zeit und sind 1290 gebaut worden. Das massive Mauerwerk aus guten, alten märkischen Ziegelsteinen ist an vielen Stellen 1 Meter stark, war so dauerhast, daß es bei Um- bauten nach Jahrhunderten stehen blieb. Die gotischen Fenster- öffnungen wurden zwar zugemauert, neue, rechteckige Oeffnungen geschaffen, aber sonst blieb alles bestehen, nur, daß bei der Auf- schüttung der Klosterstraße das ehemalige Erdgeschoß zum Keller wurde. Die Grundrisse beider Häuser sind also unberührt. Sie sind je 18 Meter lang und 514 bzw. 514 Meter breit. Der Südflügel, der nach der Gruner st raße freilag. steht noch 12 Meter über dem alten Boden, durch je ein Gurtgesims, über dem ein bemaller Fries liegt, im ersten Stock nnt fünf großen, rundbogigen Blenden, im Zwesten Stock mst einer dreibogigen Stichbogenblende reich ge- gliedert. In diesen Blenden saßen Rund- bzw. Spitzbogensenster. Ende des 14. Jahrhunderts wurden diese beiden Bauten durch zwei Frontmauern zusammengebunden und in dem so hinzugenomme- nen Mitteltell vier große Säle errichtet. Der Bauherr dieses nach der Klosterstraße mst einer reichen dresteillgen Spitzbogenarchitektur Die freigelegten Reste des Portals am„Hohen Maus" in der Klosterstraße. geschmückten Teiles, denen im ersten Stock ein ebenso reicher Aus- bau entsprach, ist höchstwahrscheinlich Karl IV., von dem im Jahre 1374 eine Urkunde als Bauherrn spricht. Das zum größten Teil erhallene Mittelportal dieses Luxemburgischen Baues ist eine der schönsten Bauteile Alt-Berlins, den Portalen der gotischen Marien- und Klosterkirche völlig ebenbürtig. Ein Ab- bruch des einzigartigen Baudenkmals wäre geschichtlich und kulturell unverzeihlich, um so mehr, als die Erhallung durch Ein- fügen innerhalb der sehr ruhigen Architektur des geplanten Waren- Hausneubaues gut möglich wäre. Die geplante Uebertragung in ein Museum würde gegenüber der stimmungsmäßigen Einhest bei der Erhaltung an Ort und Stelle doch nur ein schlechter Notbehelf. Eine Entscheidung über das Schicksal der Baureste muß in nächster Zell gefällt werden. Eile tut not. In etwa 8 Tagen kann berests mst dem Abbruch des Portals begonnen werden, und die Gelegen- hell,«in wichtiges geschichtliches Stück Alt-Berlins, den ältesten und schönsten Bau unserer Stadt, zu erhallen, wäre versäumt. Tragödie der Not. Junges Ehepaar in Pankow durch Gas vergiftet. In ihrer Wohnung in der Trlenler Straße 5 in Pankow wurden gestern der 27jährige Schneider Erich Engel und seine gleichaltrige Frau Else durch Sa» vergiftet tot aufgefunden. Wie aus Abschiedsbriefen hervorgeht, ist das Ehepaar, das durch längere Arbeitslosigkeit des Mannes in schwer« Be- drängnis geraten war, in beiderseitigem Einverständnis aus dem Leben geschieden. Vermutlich schon in der Nacht vom 12. zum 13. Mai haben die Verzweifellen ihr Vorhaben ausgeführt. Die Tat wurde durch Hausbewohner entdeckt, die sich darüber wun- derten, daß sich von den Eheleuten niemand sehen lieh und schließ» lich, nichts Gutes ahnend, die Wohnung durch die Polizei öffnen ließen._ Der Sommerfahrplan der II-Bahn tritt am Sonnabend, dem 16. d. M.. in Kraft. Er bringt gegenüber dem Winterfahrplan nur geringe Aenderungen. Ein Knabe erschoffen. Ursache: Leichtfertigkeit beim �einigen einer Pistole. Gelleuklrchcu(Stachen). 15. Mai. Än schweres Unglück ereignete sich in Scherpeusee. Dort spielte ein fünfjähriger Junge auf der Straße. Gerade in dem Moment, als lhu seine Pflegemutter nach Hause wollte, euttud sich die Dieustpistole eine» Zollbeamten, der am Fenster seines gegenüberliegenden Hauses mit der Reinigung seiner Waffe de- schäfkigt war. Die Kugel verletzte die Mutter am linken Oberarm und linken Unlerschenkel und traf den kleinen Zungen in den hinter. köpf, so daß er s o s o r t tot war. Der Beamte wurde f e st g e- nommen und ins Untersuchungsgefängnis geführt. „kalabaka" im Planetarium. Im Planetarium läuft vom 14. Mai 1931 mst Vortrag des Herrn Fred von Bohlen„Zkalabaka" um 19 Uhr und um 21 Uhr. Außerdem wird mst dem Zeiß- Instrument der Sternenhimmel über dem Lande des Halbmondes gezeigt. Willkommen in Berlin! Dänische Polizisten bei uns zu Besuch/ Gute Kameradschaft über die Grenzpfähle hinweg. Es war eigentlich kein offizieller Empfang, sondern ein freudiges wiedersehen, dem man beiwohnte, als gester» 12% Uhr 55 dänische Polizeibeamte, teils in schmucker brauner Uniform, auf dem Lehrter Bahnhof ein- trafen, um ihre Berliner Kollegen zu besuchen. Kannte man sich doch zum Teil schon aus dem Vorjahr her, als unsere Berliner Beamten ihre Musikkapelle zu einer Konzert- reise nach Dänemark gesandt hatten! Mit der größten Herzlich- keit hatte man in ganz Dänemark die Vertteter der deutschen Schutzpolizei aufgenommen, und mit der gleichen Herzlichkeit begrüßte man jetzt bei ihrem Gegenbesuch die Dänen. Neben dem stellver- tretenden Kommandeur der Schutzpolizei, Oberst G e n tz, zahlreichen Polizeioffizieren und vielen Mitgliedern der dänischen Kolonie war Polizeivizepräsident Dr. Weiß erschienen. Als der Zug einrollte. spielte die Polizeikapelle einen Marsch. Die deutschen und dänischen Berusskollegen sammelten sich, und Dr. Weiß begrüßte im Namen des Berliner Polizeipräsidenten unsere lieben Gäste. Noch einmal wies er auf den begeisterten Empfang hin, der vor einem Jahre den deutschen Polizisten nicht nur von der dänischen Polizei, sondern auch vom dänischen Volke bereitet wurde.„Wir freuen uns und sind Ihnen dankbar, unseren Besuch erwidert zu sehen. Wir hoffen zuversichtlich, daß Sie Ihren Besuch dazu be- nutzen werden, die Freundschaft nicht nur zwischen den Polizei- körpern, sondern auch zwischen dem dänischen und deutschen Volke zu vertiefen." Der Polizeioizepräfldent schloß mst einem Hoch auf Dänemark und die dänische Polizei. Der Chef der Ordnungspolizei in Aarhus, Kommissar Berleme Nix, er- widerte in deutscher Sprache:„Es ist uns eine große Freud«, die Hauptstadt des Deutschen Reiches besuchen zu können und die be- rühmte Berliner Polizei kennenzulernen. Auch wir hoffen, daß dieser Besuch unsere Freundschaft vertiefen wird und zur frled- lichen Zusammenarbeit der Polizeien sowie Deutschlands und Dänemark» beiträgt." Nach der Rede des Polizeioizepräjidenten hatte die Musik« Vereinigung I unserer Schutzpolizei die dänische Hymne„Dar er et yndigt Land" gespielt. Nach der Rede des dänischen Gastes erklang die Nationalhymne der Deutschen Republik. Auf Kraftwagen der Polizei, die mit dem Danebrog und der schwarzrotgoldenen Fahne geschmückt waren, fuhren unsere Gäste nach der Polizeiunterkunft West, Soorsttahe 85. Vorher mußten sie sich selbstverständlich den Photographen stellen, aber mehr als über die Lichtbildaufnahmen werden sie sich über die Blumensträuße gefreut haben, die ihnen als willkommenen Gästen von den Töchtern unserer Polizei- beamten überreicht wurden. Polizei im Dienste der Völkerverständigung, das mag mst Recht dem Besuch der dänischen Beamten als Motto dienen! Der Besuch unserer dänischen Freunde währt bis zum Dienstag abend. Todessiurz auf der Avus. Auf der„Avus" Im Grunewald ereignete sich am Arettag adevd ein schwerer Unfall. Der ZSsährige Oberingenieur Johanne» p aeß- l e r ans der Sleinmehstrahe 2 stürzte mil seinem Motorrad so un- glücklich, daß er ans der Stelle getötet wurde. Ladeubrand in der Lindeustraße. Kurz nach Gsschäftsschluß brach in dem Schuhgeschäft von Sperling in der Lindenstraße 110, gegenüber dem„Borwärts"- Gebäude, aus unbekannter Ursache Feuer aus. Da die Gesahr recht- zestig von Passanten bemerkt worden war. tonnte der Brand von der Feuerwehr im Keime erstickt werden. Der Schaden ist nur gering. Seinen 70. Geburtstag beging heute der Lester der„Vorwärts"- Ausgabestelle für Blankenburg-Buchholz, Genosse Gustav Wagner, Blankenburg, Burgwallstr. 71. Wir gratulieren dem alten Genossen. Kowall»ll»>i«l> ilvrarixtl«»?o»«,» 8,«I>»e-lt»»»as Neue Bild" gewidmet. Allgemeine Wetterlage. Während dos Wetter am Freitag im mittlere« und östlichen Deutschland heiter bis wolkig, trocken und ziemlich warm war, traten im Weser- und Rhcingebiet' Niederschläge, meist in Verbindung mit Gewittern aus. Sie waren durch eine Randdeprefsion hervorgerufen worden, deren Kern am Freitagabend über der Irischen See lag. Das Schlechtwettergebiet wird sich ostwärts ausbretteu. Wetleraussichten für Berlin. Im Laufe des Tages Bewöllkungs- zunähme. Winddrehung auf West und Gewitterregen.— Für Deulsch- lan. Im Westen im allgemeinen etwas kühler mit Strichregen, im mittleren Deutschland noch ziemlich warm mit Gewitterregen, im Südosten keine Aenderung, m Ostpreußen heiter bis bewölkt und wärmer. Sport. Rennen zn Hoppegarlen am Zreitag. dem 15. ZNai. 1. R e n n e n. 1. Lärche(Nötiger), 2. Immerzu. 3. Islam. Toto: 25:10. Platz: 14, 14:10. Ferner liel: Puppe. L. Rennen. L Willkomm(Hiller), 2. Makrele, Z. Lhsias. Toio: 47:10. Platz: 16, 24. 3l: 10. Ferner Heien: Prolongobarde, Honestus, Sonnenglaube, Novalis, Kamerad, Margberila d'Arczzo. 3. R e n n e n. 1. Garde(Hahnes), 2. Pracht, 3. Freilos. Toto: 168: 10, Platz: 37, 16. 30:10. Ferner liefen: Jnaweide, Moior, Frontheil. Wra- tiSlave, Kavalkade, Bienchen, Caliqueen, Scharade, Idee. 4. R e n n e n. 1. Hegemeister(Rastenberger), 2. Thüringen, 3. Ger- manieuS. Toto: IS: 10. Platz: 11, 18:10. Ferner liefen: Gasron, Wasierquelle. S. Rennen. If. Lansranch!(Göbl), Ich. Impressionist, 3. Aquilon III. Toto: t?: 10(Lansranchi), 6(Impressionist). S. R e n n e n. 1. Priska(Böhlke), 2. Tarquinius Superbus, 3. Anskar. Toio: 28:10. Platz: 13, 13, 18: 10. Ferner liesen: Laertes, Ghazi(blieb stehen), Osmunda, Göttersage, Marie Louise. 7. Rennen. 1. RamseS(Grabsch). 2. Windrose, 3. Bravo, 4. Hau» stein. Toto: 67:10. Platz: 22, 29, 17, 43:10. Ferner Uesen: Mausi, NomoS. Baro, Erich. Boro Budur, Bill, Landjunker, Hochwald, Fra Dia- volo, Petronia, Tarnkappe, Wassernymphe, Ava, Rosenau. M « Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation parieinachrichien für Greß-Verlm Einsendungen für dies« Rubr» sind stet»«n da» ZZezirkasekretariat Berlin SW KZ. Lindenstraße Z, 2. Hof, Z Treppen rechts, zu richten Achtung, Genossen! Von den Gutscheinen für die Benntzung des Tonderzuges zur Eröfsnunqskundgedunq des Parteitages! in Leipzig sind noch einige Hundert zum Preise von 6,60 Mark gegen Ausweis im Büro zu haben, Die Kassierer werden nochmals daraus hingewiesen, daß dies« Gutscheine spätestens bis Sonnabend, den 23. Mai d. I,, mittags 1 Uhr, abgerechnet sein müssen.— Alle bis dahin nicht abgerechneten Karten müssen bezahlt werden. I. A.: Alex Pag els. -i- Beginn aller Veranstaltungen t Slb Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! 13. Are,». Dienstag, 2« Uhr, gul-unuientuust aller Wien lahrer und iuteressiertee Eeuallen in Tempelhol, zr,cl>rich.s-rl. Ecke Werderstrah». ,gur Linde". 14. Ztrei». Die für nächste Woche vorgesehene Ar«i»suuktionärocrsammlung fallt au». heute, Sonnabend, 1k. Mai: 4. Arei». Achtung, Ableilungskassterer! Die Billett» vom szest her freien Schul. aenieinde sind restlos dem Fvauen-fee. llnkostcnbeitvaa für 3>€rretaiior Deella«TS ea. Twdenssrate J Streichorchester Gretz. Berlin: Heute, 19 Ubr, Treffpunkt vor dem Märchen. brunnen. Notenständer mitbringen. Borsstzendenkonferrn, Montag. 18. Mai, 19>? Uhr, Sitzungssaal de» Be. zirksamts Krcuzbera, Poräftr. 11. Ohne Ausweis und Mitgliedsbuch kein Kutritt. Ausgabe der Fahrkarten für die Fahrt nach Leipzig zum Parteitag. Das Geld für die entsprechend« Zahl Karten ist vorbei einzuziehen. Die Anträge für Fahrpreisennvtziguug müssen bis fpäteftens Dienstag, 19. Mai. 18 Uhr, eingereicht werden. Bei Fahrten von der Stadtbahn find die Anträge einzureichen: für Fahrten nach dem Osten am Schlestfchen Bahn- Hof, für Fahrten nach dem Westen am Bahnhof Eharlottenburg. Bilder vom Mai-Zugeudtag liegen zur Anstcht und Bestellung im Sekr«. tariat aus. heule, Sonnabend. 16. Mai: Falkplatz l: Treffpunkt zur Kundaebunq 181? Uhr Rote Ecke.— Hallesche» To«: 18 Uhr Probe im Heim Horckslr. 11. Morgen Fabrt. Treffpunkt 8 Uhr Rvte Ecke. Werbebezirk Wehding: Aulofabrt. Treffpunkt Drunpenplatz. Abfahrt der Manen pünktlich 15 und 17 Uhn Treffpunkt der Tamhourkapelle 18 Uhr ebendort. Stodtbad. Gerichfftratzc. 19 Uhr baden. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Treffpunkt der Mitwirkenden pünktlich 1781 Ubr vor den Peachffälrn. Daselbst letzte Probe. Fahnen und Tramsvarrnie unbedingt mitbringen. Di« Gruppenleiter rechnen bis 19 Ubr dafelbst ob. Tamhourkapelle geschlossen antreten. Werbebezirk Westen: Werbebezi rkdelegi ertenve rsammluna 30 Ubr Rossnen. stratze 4. Zieuwabl des Werbe bezirksporstandrs. Werdehezirl Pankow:(börschstr. 14. 19?? Uhr Mihgliedenversammlung. Thema:„Difziplin und Meinungsfreiheit". m_ W? Werbebezirk Prenzlauer Berg: Kundgebuna 19>4 Uhr in den ssf Pvgchtfälen am Morchenbrunnen..Wir llagen an!" Aufführung eines D ■' i Sprechchorwerkes von Lob» Frank. st e l l u n g des Kauistauses N. Israel in der Königstraße, die immer wieder das Neueste vom Neuen an praktisch eingerichteten Zimmern, an bequemen und gesölligen Möbeln?u billigen Preisen zeigt. Die gegenwärtige Ausstellung bebandeit eine vollständig komplett einacrichtete 2�-Zilnmcr-Wohnung, die nach dem Muster der„Heimat-Wohnungen in Berlin-Steglitz ausgebaut wurde. Das Interessante an der Ausstellung ist, daß diesmal bei der Aus- stottung der Wohnung aus Eigenentwime verzichtet wurde, die sehr geschmackvolle» und wirkungsvollen Möbel sind sämtlich in bunter Reihe aus den großen Einrichtungsabteilungen des Kaufhauses eni- nommen worden. Wir sehen ein Wohn- und Speisezimmer, dos einen kombinierten Raum darstellt, wo aber jedes Möbel ganz den intimen Reiz der Behaglichkeit ausströmt, den man von einem Wohnzimmer verlangt. Ein sehr schönes Schlafzimmer in hellfarbig polierten Möbeln zeigt u. a. auch duftige fteiistcrdekorationen. Das „wachsende Kinderzimmer"(halbes Zimmer) ist in seiner Einrichtung so gedacht, daß die Möbel für das heranwachsende Kind bis zu seinem 15. Lebensjahr dieselben bleiben. Eine hübsche Küche ist so angeordnet, daß der Arbeitsgang der Hausfrau in seinen vielen Be- wegungen rationalisiert wird; dazu dient als Neuheit ein fahrbarer Küchentisch und ein neuer Protos-Küchenherd, der elektrisch betrieben wird. Balkon und Diele vervollständigen die 2�-Zimmer-Wohnung mit schlichten und doch gediegenen Dingen. Jedem Menschen möchte man einen solchen Wohnraum zu seiner Freude wünschen. Rotwenbig wie guter Sport ist gut« Sportkleidnug! Leineweber, das.Hau», dos sehen anzieht" fam Köllnischen Fischmartt 4—8, und Brunnenstr. 171) zeigt Ihnen»legant« und aehiegene Eportklcidunq aus schwerer, starkfädiger Wolle mit neuen Farben und Mistern von perlendem Glanz. Es find kräftige, raube Ebevioigewebe, die etwas aushalten. Leineweber-Sporlonzüge find auch eine begueme mü> praktische Kleidung für Stratze und Geschäft, für Reife und Wanderung. Infolge des gesunkenen Weltmorttpreisez der Wolle stnd auä» diese vrääitigen Anzüge heut- um ein Drittel billiger als im porigen Frühjahr. Di« Frau al» Rechenmeister! TagtLaliä) zeigt sse ssch in dieser fehwierigen Kunst: al» Berufstätige, als Hausfrau und als Mutter! Billig kaufen allein tut es ja nicht... besonders in der Küche spielen Güte und Ergiebigkeit der Zutaten grötzle Rolle. Eine Margarine wie die feine und nahrhafte Saneva hilft den Speisezettel abwechslungsreicher gestalten, denn sie ist gleich gut für die Küche und als Brvtoufftrich. Morgen, Sonnlag. 17. Mal: Werbebezirk Tiergarten: Beteiligung an der GeISnd«veIhr de« FTGB. Treffpunkt 6 Uhr Bahnhof Bellevue. Werbebezirk Westen: Fahrt des Arbeitrfreff»» nach Jossen usw. Treffpunkt 7 Uhr Bahnhof Porckstratz«. Werbebezirk Lichtenberg: 20 Ubr Gunterstr. 44. Sitzung der KeMoger- kommission und des engeren Werbebezirksvorstande». Restlos« Abrechnung de, Teilncbmcrbeitrages dorlselbst. Erscheinen aller erwerbslosen Genossen not- wendig. Vorträge, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner„Schivarz.Rol-Gold* Geschäftsstelle: Berlin s 14. Sebastianstr. 37—38 Hof 2. Tr. Eharlottenburg. Sonnabend. 18. Mai, 20 Uhr, im Türkische».gelt, Eharlottenbura, Berliner Str. 58, Bunter Abend de» Iunabanner». Kameraden anderer Ortsvereine willkommen. Eintritt infl. Tanz 50 Pf.— Mitte. 4. Kameradschaft. Sonntag, 17. Mai, 14 Uhr, Sportplatz Friedrichsfelde, mit Angehöriaen. Rcichslartcll Republik. Köpenick lOrisoerein). Sonntag, 17. Mai, ab 9 Ahr Uebungsschietzen im WilhrlmShof, Hirschgartenstr. 1, Arbeiler-Samaciler-Vund e. U., Kolonne Berlin. SclchästsNclle: R. 24, Gr. Hamburger Str. 29. Tel.! v 1 Soeben 334«. Abteilung Reinickendorf. Jeden Montag Uebungsabend auf dem Sportplatz Reinickcndovf.West, 19?? Uhr. Mitglied« rverfommlumz am Tvwnerstag, dem 21. Mai, Eichborifftr. 91, Lokal Matter. int* IIa« Zu haben____; in allen leistungsfähigen Hut-Spezialgeschäften | Theater, Lichtspiele usw.| Sonnabend. 16 5. Sonn abend, 16.5 Slssts-Oüer Stadl. Oper Unter d. Linden Bismarckgtr 257. A.-V, 20 Uhr L�SKSN Loseauft Ende n. 22 Uhr Staatg-Oper Am Piltz lisr füpuhlik. Wfs Uhr Die Bodizeit des Flgoro Oeffentl. Kartenvirtiaf Ende 223/j Uhr Turnus II 20 Uh? Cevaiäeria rasficaaa iosspEsiegoede Enden 22I.4Uhr! Staaii. SdiaBsph. (an CenilaniitaBcrlti. 221 A.-V. 20 Uhr König Halmrei Ende 223,« Uhr Staaii. Stöiliüiviiioalsr.Cliarlltig. 20 Uhr Galotil Ende gegen 22»/> Uhr Max kime ateltl Je IraoMf Lustspiel von Carl Rößler Dienstag dl« Freitag VIS Sonnabend 7® 1014 Sonntag 2« V4S 900 Eröffnung des Rose-Gartens am z. Pfingscfeierug Aq beiden Feiertagen 000 das traditionelle Frühkoozm 1 mit Varicti 500 nachm. Konzen, Varietd u. d. 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Musik von Mischa Spoliansky. üggii: Cmlil Orfalawi SarnawskY-SDhoea ThGnter in ünt siresemanosir. Täglich SVi Gestern n. Bealc Komödienhcua Täglich Uhr Schwengels mit Felix dressartj und Rosa Valettl[ Neues Theater a— i am Zoo ot Im BatuiZno. StpLESSI Täglich 8V« Uhr ... unü lusn uerurtsiien sie? Komödie von Alfted Herzog Ibeaterl Weilern Heute L>/« Uhr Zum letzten Maie Mistinguett mit ihrem eigenen Revueensemble Lustspieitiausj Tägl. S'/a Uhr Das Spiel| mit dem Feuer. 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Dem Geschäftsabschluß dieses Konzerns sah man mit um so größerer Spannung entgegen. a>s dieses Unternehmen nicht wie die anderen Montankonzerne, die chocjch, Krupp, Gute-choffnungs- Hütte und der Stahltrust sein Geschäftsjahr am 30. September oder sogar schon am 30. Juni abschließt, sondern erst zum Jahresende. In dem Abschluß von Mannesmann sind daher die drei schwersten Kriscnmonate der Schwerindustrie em letzten Jahr vom Oktober bis Dezember mit cnchalte». Um so überraschender nmß der günstige Abschluß von Mannes- mann wirken. Der Rohgcwinn wird mit nind 38 gegen 40,3 Millionen im Borsahr ausgewiesen, wobei allerdings zu berück- sichtigen ist. daß Mannesmann in, vorhergehenden Jahr 4,4 Mil- lionen vorweg vom Rohgewinn abgezogen und zu Sonderabschrsi- bungen auf seine neu errichteten Stohlwerksanlagen in Huckingen zurückgestellt hat. Auch die Rücklage für Bergschäden ist diesmal von 1,0 auf 0,7.5 Millionen Mark gekürzt worden. So ergibt sich also bei dem Rohertrag gegenüber dem Vorjahr eine Dissercnz von rund 7 Millionen Mark. Dagegen ist der Reingewinn noch Absetzung der Unkosten, Steuern und Abschreibungen mit 14,2 Millionen Mark gegen 16 Millionen Mark im Vorjahr nur um rund 10 Proz. ge- funken und liegt noch über den Gewinn des guten Stahljahres 1028. Daher wird die Divide:, de auch nur um 1 Proz. auf ö Proz. hcrabgeseht. Da infolge der letzten Kapitalcrhöhuug diesmal für die Zahlung der scchsprozentigen Dividende 9,9 Millionen Mark an die Aktionäre auszuzahlen find, liegt die Dividendensumme zwar unter dem Satz von 1929. übertrifft aber immer noch die Gewinnmisschüttungen vom Jahre 1328. Auch die B e t r! e b s l a g e bei Mannesmann sieht sich wesent- lich günstiger an als bei den anderen Stohlkonzernen. So ist bei den Kernwerken des Unternehmens, den Röhrenwahwerken, der Um- fatz nur auf 82 Proz. des Umsatzwertes von 1923 zurück- gegangen. Bei diesem Rückgang ist aber folgendes zu berücksichtigen: In den drei Jahren 1327 bis 1923 st i e g e n die Umsätze der Röhren- werke um rund 38 Proz., so daß sich also trotz des Absinkens der Umsätze im letzten Jahr der Röhrenabsah immer noch auf tlZ.1 gegen 100 Proz. in der Stahlkoujunktur des Jahres 1927 Hütt. Allerdings hat sich zum Jahresende der Rückschlag im Aus- tragscingang zusehends verschärft, so daß der vorhandene Bs- stand an Aufträgen nur noch 53 Proz. gegenüber Ende 1929 ausmacht. In den übrigen Wialzwerksbetrieben war die Entwicklung durchaus ungleich. Während in den Grobblechwerkcn der mengenmäßige Umsatz sich nur um 5 Proz. verringerte, sackte er in den ss e i n b l e ch werken um 25 Proz. und in den Abteilungen Mittelbleche sogar bis zu 40 P r o�z. ab. Bei den Zechen- betrieben ist der Rückgang der Kohlenförderung mit 13,1 Proz. und der Koksproduktion mit 10,5 Proz. gleichfalls geringer als im Durch- schnitt der übrigen Kohlenbergwerke, Die furchtbare Arbeitsnot bei den Bergleuten wird dadurch gekennzeichnet, daß trotz eines A d- baues von 1517 Bergarbeitern(—14,2 Proz. der Zechen- belcgschaft) über 298 000 Ieicrschichlcu gegen nur 3b 446 im Vorjahr eingelegt werden mußten. In diesen erschütternden Zahlen zeigt sich, in welch erschreckendem Umfang die Löhne der noch im Betrieb ver- bliebenen Bergleute durch die Feierschichten gedrosselt wurden. Wenn die Gesamtzahl der Mannesmonn-Belegschaft, die im Berichts- jähr von 20 331 auf 13 251 Mann zurückging, nicht in dem gleichen Umfang wie in der übrigen Schwerindustrie abgebaut wurde, so ist dies hauptsächlich daraus zurückzuführen, daß seit 1327 infolge der scharfen Rationalisierung in den Walzbetriöben die Be- legschast ständig gesunken ist und heute trotz der gewaltigen Reu- anlagen und der Erweiterung der Produktionsbasis um 17 Proz. unter dem Stande von 1327 liegt. Zu der in letzter Zeit mehrfach diskutierten Frage der Errichtung eines neuen Röhrenwalzwerkes in Oesterreich erklärte die Perwal- hing, daß Mannesman» nicht daran denke, einen Markt kämpf- los preiszugeben, auf den sie nach den bestehenden inter- nationalen Jndustrieabkonimcn Anspruch hoben. Sollten die Röhren- Projekte in Oesterreich verwirklicht werden, so denkt Mannesmann daran, eines feiner böhmischen Werke nach Oesterreich zu verlegen und unter dem Schutz der österreichschen Zölle die Konkurrenz auf- zunehmen. Die weiteren Aussichten des weltröhrenkartells. dessen Vertrag Ende März 1332 abläuft, werden von der Mannes- mann. Verwaltung günstig beurteilt. Ungeachtet aller durch die Krise verschärft zutage getretenen Schwierigkeiten habe sich das Kartell gut bewährt. Die Verhandlungen mit den Bereinigten Staaten, England und Kanada über eine Verlängerung der mit diesen Staaten abgeschlossenen Tarifverträge sei bereits im Gange. Zu der t e chn i s ch e n Entwicklung im letzten Jahr wurde bemerkt, daß neue Verfahren zur Herstellung kleinkalibriger naht- loser Röhren mit dünneren Wandstärken ausgebaut wurden. Auch die neuen R o stfch utz v e rf a h r e n, die sich gut bewährt haben, sollen jetzt fabrikatorisch ausgewertet werden. Kehlende Bestellungen dör Neichspost— Berschärster Belegschastsabbau. Wie die Konjunktur bei der Waggonindustrie und dein Lokomotivbau in weitgehendstem Maße von den Aufträgen der Reichsbahn abhängig ist. wird die Höhe des Beschöstigungs- grades in der Schwachstromindustrie im wesentlichen von dem Umfang der Reichspostausträge bestimmt. Die an hall ende Depression, die auf die großen, mittleren und kleinen Unternehmen der Berliner Schwachstrom� i n d u st r i c drückt, hat sich in den letzten Monaten infolge des ständigen Absinkens der össentlichen Aufträge zusehends oerschärst. Von gewerkschaftlicher Seite sind uns Mitteillingen zugegangen, die die katastrophale BeTschlechterung des Beschäftigungsgrades erkennen lasten. Nach diesen Informationen ist 1331 bei Siemens (Wernerwerk) die Belegschaftsstärke von 16 563 auf 15 367 um 1136 Personen gesunken. Da die Fabrikation im Wernerwert sich nicht nur auf die Reichspost bezieht, sondern durch andere Artikel ein gewisser?lusgleich geschossen wird, so liegen da die Verhältnisse noch nicht ganz so arg wie bei einer Reihe anderer Firmen. Jedoch arbeiten auch im Wernerwcrk eine Reihe von Arbeitnehmern kurz, und Mitte Mai soll der Versuch gemacht werden, die Fünftagewoche einzuführen. Bei der Firma Z wietusch, die zu Siemens gehört, sind Poftauftröge nicht genügend vorhanden. Die Belegschaft wurde vermindert von 2200 auf 1750: auch hier wird in einer Reih« von Abteilungen kurz gearbeitet. In den zum„Standard-Elektrizitäts-Konzern" gehörigen Finnen liegen die Verhältnisse folgendermaßen: Bei Mix ii G e n e st ist ein außerordentlich großer Ausfall an P o st a u f t r ä g e n festzustellen. Gesamtaussall für Apparate und Aemter 40 Proz., im Apparategeschäft 85 Proz., im Vergleich zum ersten Quartal 1331. Da aber die Fabrikation nicht einseilig auf Reichspost eingestellt ist, speziell werden Seilpost- und Förderanlagen, Grubenstationen, Feuermelder usw. gebaut, so war immerhin ein gewisser Ausgleich möglich. Trotzdem ist die Belegjchaft von 1800 auf rund 1500 Personen gesunken. Bei der E. L o r e n z A.- G. sind die Postaufträge voll« ständig ungenügend. Die Belegschaft, die Ansang des Jahres noch 1300 Personen betrug, wird um mehrere 100 Per- sonen im Lause der nächsten Wochen abgebaut. Die Firma hat allerdings einen größeren Auftrag im Wert von ungefähr 5 Mil- lionen Mark für ihren Senderbau erhalten. Dieser Auftrag reicht aber nicht aus, um den Ausfall an Postaufträgen zu decken, so daß zur Zeit bei Lorenz ganze Abteilungen auf- g e l ö st werden. Bei der T e l« p h o n f a b r i k Berliner sind Postaufträge so gut wie nickst vorhanden. Die Firma hat allerdings einen größeren Austrag für Holland zu erledigen und die Betriebsleitung glaubt, daß Mitte Juli durch das Einsehen des Radiogefchästes die Verhältnisse sich etwas bessern werden. Die Belegschaft hat sich von 1400 auf 300. Personen vermindert und weitere Eni- lassungen von 150 Personen stehen noch bevor. Ganz trostlos liegen die Verhältnisse bei der Ferdinand Schuchhardt A.-G. Dort ist eine Lelegschastsverminderung im Laufe der letzten Jahr« von 1300 auf 300 Personen eingetreten. Aufträge sind so gut wie gar nicht vorhanden, so daß Eni- lassungen an der Tagesordnung sind. Arbeitnehmer, die 25 und mehr Jahre bei der Firma beschäftigt waren, werden zur Enllasiung gebracht. Auch bei den Deutschen Telephonwcrken liegen die Dinge sehr im argen. Di« Belegschaftsstärke ist von 1250 bis auf 780 Personen zurückgegangen. Zum Teil noch ungünstiger haben sich die Verhältnisse bei den kleineren Unternehmen gestallet, deren Velegschasten fast durchweg um die Hälfte und mehr abgebaut wurden. Bei der Firma Bosse u. Co. ist die Belegschaft von April 1930 zu April 1331 von 432 auf rund 200 Personen gesunken. Postausträge sind kaum noch vorhanden. Bei der Firma Borck u. Goldschmidt hat sich die Belegschaft von 300 auf 145(davon 45 Lehrlinge) ver- mindert. Die Firma Hai einen erneuten Zlbbau von 50 Proz. der Gesamtbelegschaft angekündigt. Bei der Firma Konski u. Kr ü g e r ist die Belegschaftszifser von 240 auf 116 gesunken. Da Postausträge ungenügend bleiben, sind weitere Einschränkungen anzunehmen. Auch bei der K r ä ck e r A.- G. ist die Belegschaft von 105 auf 42 Personen zurückgegangen: diese arbeiten verkürzt, vier Tage pro Woche. Diese Situationen in sämtlichen Betrieben der Berliner Schwachstromindustrie zeigt, wie katastrophal die Drosselung der Reichspostausträge sich auf den Beschäftigungsgrad der Schwachstromindustric aus- gewirkt hat. Wir verkennen nicht die Schwierigkeiten, die auch die Reichspost im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise zu über- winden hat. Der letzte Quartalsbericht der Reichspost ließ er- kennen, daß sie zwar nicht in dem Umfang wie die Reichsbahn, aber doch auf allen Verkehrsgebisten einen Rückschlag erlitten hat. Man muß der Reichspost das Zugeständnis machen, daß sie mit der zusätzlichen Vergebung öffentlicher Austräge der Wirtschaft in den letzten Jahren, besonders im vergangenen Herbst, entgegengekommen ist. Ilm so eher ist zu erwarten, daß die Reichspost auch jetzt in der unverändert gespannten Wirt- schaftslage an ihrer Konfunkturstvitzungspolitik festhält und ihre so verhängnisvollen Drosselungsmaßnahmen revidiert. Anhallende Depression? Das Konjunkiurinstilut zur Wirtschastsiage. Das Institut für Konjunkturforschung veröffentlicht i» einer Untersuchung über den gegenwärtigen Stand der Wirt- schaftstätigkeit Ergebnisse, die es angeraten erscheinen lassen, nicht allzu große Hoffnungen an die Wirtschaftsentwicklung zu knüpfen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, sich stärker auf die 5trise einzustellen, was besonders für die Verkürzung der Arbeitszeit gellen dürfte. Trotz Rückgangs der Arbeitslosigkeit— bis Ende April 1931 um 602 000 gegenüber 579 000 Ende April 1330— und der Zunahme des Verkehrs(die Wagengestellung der Reichsbahn steigerte sich gegenüber dem Tiesstand im Februar um 10 Proz.) seien in der Produktion, so stellt das Institut fest, konjunkturelle Austriebsmomcnte bisher nicht zu beobachten. Die Kohlen- förderung, die Koksgewinnung, die Produktion von Metallwalz» Werkserzeugnissen, Baustoffen und Kali seien konjunkturell weiter gesunken. Die Produktionssteigerung der Automobilindustrie dürste s a i s o n m ö ß i g bedingt sein. Dagegen habe die Produktion van Rohstahl und Walzwerkserzeugnissen sowie die Beschäftigung im Maschinenbau seit mehreren Monaten keine Abschwächung meh? erlebt. In der Textilindustrie ist die Produktion sogar mehr als saisonmäßig gestiegen, was allerdings auf eine einmalige Vor- ratsdisposllian, auf das Bestreben zurückzuführen sei, die stärker gelichteten Läger aufzufüllen. Der Index des industriellen Auftragseingangs sei abwärts gerichtet, wogegen die EmissionZzissern, die immerhin Kapitalsdispositionen der Unternehmer auf Grund beabsichtigter Pro- duktionsmaßnahmen anzeigen, zugenommen hätten. Doch ist die Zu- n a h m e z ü g e r i n g, um als konjunkturell bedeutsam angesprochen zu werden. Daraus wird gefolgert, daß Produktion und Beschäftigung in unmittelbarer Zukunft, d. h. also während der nächsten drei bis vier Monate, sich konjunkturell aus tiefem Stand halten werden. Auch die Verfassung der Kreditmärkte dürfte nach Aus- fassung des Konjunkturforschungsinstitutes eine wesentliche Ausdehnung des Produktions- und Umsatzvolumens vorerst unwahrscheinlich itiachen. Die Aussichten dafür, daß Kapitalimporte diese Einengung lackern, seinen zunächst gering. Andererseits müsse berücksichtigt werden, daß unter Einfluß der sinkenden Preise die Nachfrage viel stärker geschrumpft sei als der Bedarf. Das habe zu einer starken Bedarfsstauung geführt. Das allein könne natürlich keinen Konjunkturausschwung entfachen. Es ergäben sich ober dadurch Gegengewichte gegen depressive Kräfte. Keine Besserung in der Schwerindustrie. Nach den Mitteilungen der Zeitschrift„Stahl und Eisen" stellte sich die Roheisenerzeugung der deutschen Hochöfen im April auf 523 161 gegen 561 310 Tonnen im Monat März. Da der April nur 30 Arbeitstage gegen 31 im Vonnonat aufweist, ist die durchschnittliche arbeitstägliche Produktionsleistung in etwas geringerem Umfang von 18 107 auf 17 639 Tonnen ge- funken. Immerhin bleibt dieser neue Rückschlag mitten in dem saisonmäßigen Aufschwung ein hoch st unerfreuliches Zeichen für die.Hartnäckigkeit, mit der die Wirtschoftsdepresfion anhält.— Auch die Ziffern über die S t a h l p r o d u k t i o ii' im April lauten nicht günstiger. Sie stellten sich an 24 Arbeitslagen im April auf 743 341 gegen 813171 Tonnen im Mönal Mittpitm 26 Arbeitstagen. Je Arbeitstag sank die Stohlprödukhen um I Prozent auf 30 973 Tonnen. Oeuischer Flugzeug-Expori. Nach Angaben der Junkers-Flugzeugwerke sind im Jahre 1330 aus Deutschland 148 Flugzeuge im Wert von 5,31 Millionen Mark ausgeführt worden. Darunter waren 31 Junkere-Ganzmetallflug- zeuge im Gesamtwert von 3,13 Millionen Mark. Es ergibt sich also ein Durchschnittswert für Junkers-Jlugzeuge von 100 000 Mark, während der Durchschnittswert der übrigen Flugzeuge nur 24 0000 M. ausmocht. Der Inlandsabsatz soll bei Junkers nur ein Drittel des Exports erreichen. Gut beschäftigte Maschinenfabrik. Die P i t t l e r Werkzeug- Maschinenfabrik A.-G., Ldipzig, bringt für das Geschäfts- jähr 1330 eine Dividende von 8 Proz.(Vorjahr 10 Proz.) auf das Aktienkapital von 2,1 Millionen Mark zur Verteilung. Die Er- Mäßigung der Dividende sei infolge des Umsatzrückganges not- wendig geworden. Die Beschäftigung ist zur Zeit im Ver- höltnis zu anderen Industrieunternehmen sehr gut. Neue Aus- träge aus dem In- und Ausland(also wohl von den Russen) haben die Einstellung mehrerer hundert Arbeiter ermöq- licht. Die volle Beschäftigung bis Ende des Jahres ist gesichert. Das Unternehmen betreibt in Leipzig zwei Werke mit etwa 1150 Arbeiter und Angestellcen. Es ist an der Magdeburger Werk- zeugmaschinenfabrik ausschlaggebend beteiligt. Die Sreditverhandlungen der Bereinigten Elektrizitätswerke Vcstsalen. Die Bemühungen der Vereinigten Elektrizitätswerke Westfalen A.-G., Dortmund, um einen Kredit von 20 Mil- lionen Mark, der zur Abdeckung der kurzfristigen Schulden des Unternehmens dienen soll, führten bisher noch nicht zu einem Ergebnis.— Wie wir hören, werden die Kredit- Verhandlungen zwischen den Vertretern des Unternehmens und den in Frage kommenden Banken am Sonnabend in Berlin fort- geführt werden. Ob es hierbei schon zu einem Ergebnis kommen wird, ist fraglich. Die Verzögerung in der Vorlage des Jahres- abjchlusses für das Geschäftsjahr 1330 ist daraus zurückzuführen, daß die amerikanischen Buchprüfer ihre Bilanzprüfungsarbeiten noch nicht abgeschlossen haben. Verluste bei Eisenhüttenwerk Thale. Das Eisenhütten- wert Thale A.-G. schließt das Jahr 1930 mit einem Verlust von rund eine Million Mark ab. Mit dem Verlust aus dem Jahre 1329 erhöht sich der Gesamtverlust auf 1,4 Millionen Mark, der auf neue Rechnung vorgetragen wird. Als Gründe für den Verlust wurden Umsatzrückgang, gleichzeitiges Sinken der Preise und Unmöglichkeft der Substanzkostensenkung angegeben. Gründung der Viederschlesi scheu Elektriziläts.A..G. In Hirschberg in Schlesien ist nunmehr die Gründung der Nieder- s ch l e s i s ch e n E l c k t r i z i t ä t s- A.- G. durch die Reichs-Elektro- werke und die Provinz Niederschlesien erfolgt. Das Aktienkapital der neuen Gesellschaft beträgt 14 Millionen Mark. Die Reichs- Elektrowcrke und die Provinz find mit je 50 Proz. an dem Aktien-. kapital beteiligt. 8rick W. Schmidt: Der Dorf lump und die Pasquoles Einkünfte bestehen nus einigen Saldi für Boten- gonge, Fremde mir schenken ihm zumcilen eine ganze Lira. Mit- leidige Fischersrauen geben ihm die Reste ihrer Pasta, die sonst die Katzen bekommen, und junge Burschen ihre abgelegten Sachen, mit denen kein Staat mehr zu machen ist.(Sic alten Fischer tragen ihre Kleidung, bis sie ihnen vom Leibe sollt.) Pasquale ist keineswegs unglücklich, obwohl er auf einem Lager von schmutzigen Lumpen schlasen muß: er lächelt immer unter seinem fettigen Mützenrand, denn er vermag über sein Schicksal nicht nach- zudenken: sein Gehirn ist wirr und ungeordnet. Die Tag« laufen ihm fort, die schönen blauen Tag« des Südens, er merkt es kaum. Schon sind ihm auf diese Weise fünfundzwanzig Jahre verronnen. Er entstammt einer„Fluchtehe"— einer sehr gangbaren Me- thod« aus Sizilien, um, durch die drohend« Schande, die Zustimmung und den verweigerten Segen hartnäckiger Eltern zu erzwingen. Aber der Bursche, sein Vater, ließ das sechzehnjährige Mädchen sitzen, weil die Spekulation aus eine Aussteuer sich als falsch erwies: er fand eine andere, und Pasquales Mutter wurde mit den Jahren ein verhärmtes, frühgealtertes Weidlein, das bei armen Familien für das Essen und abgenutzte Kleider arbeitet. Der Sohn muß sehen, wie er mit Gottes und barmherziger Leute Hilfe sich durchs Leben schlägt. Pasquale. der Dorflump von Mondello, das zu? einen Hälfte aus flachen ärmlichen Fischerhäusern, zur anderen aus prächtigen Villen in allen Stilarten besteht, teilt sein Leben zwischen den beiden Siedlungen und ihrer näheren Umgebung auf: sie haben chn so lange ernährt, sie werden ihn auch weiterhin nicht verhungern lassen. Er genießt eine gewisse Popularität im Ort. Die sizilianischen Kinder rufen seinen Nomen hinter chm her: die jungen Fischer, die seinen Hang zur Eleganz kennen, stecken ihm manchmal einen knall- bunten Fetzen in die Tasche seines Jacketts. Der Barbier des Dorfes stutzt ihm, wenn er gerade Laune und keine Kunden hat, die filtzigen Haare und schabt sein« Stoppeln ab. Einmal, als viel übermütiges Jungvolk im Salon versammelt war, wurde Pasquale einseitig rasiert fortgeschickt. Er stapfte trotzdem glücklich davon, seine gut- mutigen braunen Tieraugen strahlten, er ging mit verschämtem Lächeln durch die Straßen und über die Plätze und freute sich, daß all« ihn mit guter Laune begrüßten. Cr fühlte keinen Spott. Seine Füße, in den Gelenken dick geschwollen, sehen aus, als wären sie noch nie vom Wasser berührt. Sie vertragen kleine De- kleidung, jedes geschenkte Schuhwerk hat ihn bisher so heftig ge- drückt, daß er nun im Sommer wie im Winter barfuß einherschleicht. Die dicke schwarze Schutzkruste ersetzt ihm die Schuhe, wer ihn flüchtig betrachtet, der kann glauben, daß seine Füße in dunklem Leder stecken. Er tut niemand etwas zu Leid«, doch er wird von einem heftigen kleptomakrischen Drange verfolgt: seine Landsleute suchen chn mit dem drohenden Hinweis auf den Morschall der Karobinieri«inzu- dämmen, der ihn schon einmal mitnahm. Er fürchtet ihm infolge- dessen mehr als den Teufel. Man läßt Pasquale nie allein in einem Raum, aber die Gswandcheit und Schläue, mit der er jede Gelegen- heit zu Diebereien beim Schöpfe faßt, läßt auf gewisse Teilfunktionen seines defekten Gehirns schließen, die wohl zu beachten ssnd. Ebenso spürt er sofort gutmütige Charaktere heraus, die er mit Hartnäckig- kest verfolgt, bis sie ihm weder«in« Gabe noch«in freundliches Wort mehr gönnen. Dann läßt er von chnen ab, als hätte er sie nie gekannt.''*'_■ Eine Zeitlang ging er mit einem blinden Geiger, durch die Mchbordärfer, wo man ihn nicht kannte: in Maser Epoche kam er in den Besitz von Wein und Zigaretten, die er budenschaftkich liebt. Man fand ihn betrunken am Wege, und der arm« Geiger saß hungrig an serner Seile— er hotte nirr für Pasquale gespielt. An einem warmen Frühlingstage, als die sizilianisch« Regenzeit beendet schien, geschah es. daß ein Ausländer ihm einen abgelegten Regenmantel schenkte. Das sollte Pasquales Verhängnis werden, denn mit diesem Mantel erwachte die Liebe in ihm. Die fremden blonden Frauen aus dem Norden waren zu jener Zeit an die blauen Gestade des Südens gekommen. Pasquale ver- gaß alle sein« kleinen Pflichten, Botengänge für die Kausleute und dergleichen: er stolzierte in seinem Gummimantel schwitzend auf der Strandpromenade einher, er verspürte weder Hunger noch Durst und warf sich in den Sand, dort, wo die fremden Frauen ins Wasser stiegen und feuchttriesend, prall umspannt, dem weißen Strande jauchzend wieder entgegenliefen. Sie begannen, sich vor Pasquale zu fürchten, Ehegatten und Kavaliere suchten ihn durch Gesten, unbeholfene italienische Worte, durch hingeworfen« Geldstücke zu vertreiben. Er steckte die Münzen danklos ein und blieb. Als energische Naturen ihn drohend fort- zuschicken suchten, trollte er«in paar Schritte zur Seite, und freche stzilianische Wort« stolperten dabei, abgehackt und fast unkenntlich, über seine Lippen. Erst als das Karabimeripaar, schlendernd, die Hände auf dem Rücken, hoch oben am Strande sichtbar war, trottete er davon. In der Dämmerung pflückte er sich am Rande der Villengärten einen bunten Blumenstrauß: er steckte ihn in das Knopfloch des Mantels und glaubte nun unwiderstehlich zu sein. Danach stellt« er sich an den Stamm einer Palme und sah verlangend in das offene Küchenfenster einer Fremdenpension, wo die Köchin mit hochge- streiften Aermeln, singend und geschäftig ihrer Arbeit nachging. Er hotte oft Botengänge für sie gemacht, wofür sie ihm die Reste der Speisen aus dem Hintereingang reichte. Pasquale sieht den Kellner die dampfenden Platten in den Eß- saal tragen, und nachdem er zum letztenmal in der Küchenkür ficht- bar wurde, um den Nachtisch zu holen, schleickzt er auf seinen laut- losen Raubtiersohlen zum hinteren Eingang und klingelt. Die Köchin wäscht sich gerade die Hände und geht trällernd an die Tür, wo sie Pasquale, wie fönst nur des Mittags, bittend Stirn und Augen heben sieht. Sie will ihm gerade oerweisend sagen, daß er mir einmal am Tag« kommen dürfe, als sie seinen Blumenstrauß im Knopfloch und den Regenmantel bemerkt. Sie lacht hell auf und neckt ihn, weil«r wie ein eleganter Kavalier an ihrer Hintertür erscheint. Pasquale ober faßt ihre übermütig« Laune falsch auf: außer- dem war er diesmal nicht des Essens wegen gekommen, sondern aus einem ihm selbst geheimnisvollen Triebe. Er greift plötzlich mit seinen schmutzigen Fingern nach dem Gesicht der Köchin, es ist kein Zweifel: er versucht sie zu küssen. Sie schreit, erschreckt und von der unerwarteten Tatsach« über- rumpelt, laut auf, so daß der Kellner und der Inhaber der Pension herbeieilen, und hinter ihnen die große dänische Dogge, die mit einem Satz aus Pasquale springt, ihren Fang in dessen Kaoaliermantel schlägt und ein großes Stück heraussetzt, während die entsetzte Köchin atemlos von dem U ebersoll zu berichten sucht. Pasquale wird von dem Hunde befreit, er steht bleich an der Wand und blickt mit verschwimmenden Augen die Köchin an. Der Hausdiener kommt und setzt ihn eneryisch vor die Tür. Der Inhaber der Pension kehrt erleichtert in den Speifesaal zurück und sagt:„Unser Dorfnarr hat Frühling sgefühle bekommen!" Er erzählt seinen Gästen lachend von Pasquales Blumenstrauß im Knopfloch seines Regenmantels und dem übertriebenen Schreck der Köchin. „Das macht der milde Abend", sagen schmunzelnd die Gäste, denn sie fühlen den sizilianischen Frühling gleichfalls im Blut. Pasquale aber trottet mit leerem Magen und zerrissenem Mantel dem Dorfs zu, er reißt M« Blumen aus dem Knopfloch und zertritt sie am Boden: der unerklärlich« Trieb, der ihm den ganzen Tag über verfolgte, hat ihn gründlich verlassen in jenem Augenblick, als er die Folgen ssiner stürmischen Werbung sah. Er empfindet nichts als Hunger und betrachtet fassungslos fein zerfetztes Kleidungsstück. Er muß auch später erkennen, daß man als Narr nicht unze- straft der Liebe hickdigen darf, denn so oft er sich noch in der Nähe des Pensionshaufes zeigt— er bekommt nie wieder die schmackhaften Abfälle zu essen. Und die möchtige Dogge betrachtet ihn seit dem verhängnisvollen Abend als ihren persmckichen Feind, dem sie fletschend ihr drohendes Gebiß entgegenhält. Jleinrich 58. Kran*: DUVUlViel 111 XOIldOII England ist nur ein kleiner Schritt von Deutschland. Nämlich — wenn man gerade in Amerika war, dann mit einem beschwingten Sprung das Deck des herrlichen Niesen„Bremen" berührt hat— und wieder deutschen Boden unter sich—, dann ist es nur ein kleiner Schritt nach England hinüber. Wieder über eine Laufbrücke. Diesmal vorerst in Souchampton auf einem armselig kleinen «nd unreinen Tender, der eine Swnde braucht, um uns von der hohen See in den Hafen zu bringen. Und das ist schon England, obwohl man es kaum glaubt. Nur der Polizist mit dem blauen, komisch hohen Helm und der Uniform, die einst bessere Tage ge- sehen hat, ist ein echter Sohn Albions. Er steht gleichmütig neben den Silberbarren, die auch ans Land befördert werden, und gönnt ihnen kaum einen Blick. Es wird wohl niemand so unerfahren sein, sich einen schweren Silberziegel in die Tasche zu stecken. Ein amerikanisches Kind versucht es heimlich.(Ein amerikani- sches!) Der Engländer lächelt nur. Mit diesem Gleichmut regieren die Inselbewohner die halb« Welt. Wo ist der Nebel? Endlich sitzt man in einem der kleinen Taxis, die am Waterloo- Bahnhof warten. Wer hat vergessen, diese altertümlichen, unbe- quemen, kleinen verbeulten Autos zu verbrennen? Ganz England. Man ist konservativ. Solange die Räder es aushalten, fühlt sich der Londoner in dieser vorsintflutlichen Karosse ganz heimisch. Man kann nicht leugnen, daß man vorwärtskommt. Langsam, aber ohne beängstigendes Gefühl, rollt man in die Stadt. Wo ist der berühmte Londoner Nebel? Di« Sonne strahlt. Die Luft ist zwar feucht, rußgeschwängert, man riecht die See, oder man bildet es sich wenigstens«in. Aber die Sonne strahlt. Waterloo Bridge— über die Themse gespannt. Ach, wie grau- sam schmutzig das Wasser unten dahinfließt, zähe, träge-englisch möchte man sagen. Auf der Brücke aber wimmeln rote Autobusse, drängen und stoßen sich, verbergen die schmale Aussicht auf die User. Auch sie sind erschreckend altmodisch, ganz hoch gebaut. Der arme Chauffeur vorne sitzt ungedeckt, man bewundert seinen Gleich- mut und denkt: ein Engländer. An düsterschwarzen, alten Riesenpalästen vorbei. Diese Stadt bat Vergangenheit, jede Steinquader spricht davon. Kunstvolle Partale, die in schlafende Gärten führen. Vor einem eine Woche, die berühmten„Bärenmützen". Zwei Riesen, die unbeweglich da- stehen, bedrückt von der ungeheuren.Kopfbedeckung, und nicht mit der Wimper zucken. Menschen— kein« Panoptikumfiguren.„Enzland erwartet, daß jedermann seine Pflicht tut." So stehen dies« Männer bis in den jüngsten Tag... wenn man vergessen sollte, sie abzulösen. Picadilly-Circus. Hier münden eine Unmenge kleiner schmaler Gassen. Der Verkehr tobt. Nichts ist geregelt wie drüben in Amerika. Die blauen Polizisten mit den weißen Aermeln tun zwar ihr bestes. Aber immer wieder schlüpfen eckende junge Mädchen zwischen den Autos, die nur träge dahinrollen. durch und auf die ander« Straßenseite. Sie ist doch nur einige Meter entfernt. Di« schmalen Gehsteig« wimmeln von Menschen. Di« Männer schlank, mit der unvermeidlichen schwarzen Melone— die Frauen fest, nicht unschön, nicht immer geschminkt, sehr einfach gekleidet. London ist vielleicht reich, diese Menschen sind es nicht. Eiskalt! Bald bin ich um eine Erfahrung reicher: Nie wieder im Winter nach London! Wer frieren will, bleibe schön zu Hause, dort ist es einfacher.(Ich spreche hier nicht zu Millionären, die in Luxushotels absteigen.) Mein Hotel, ein Riesenhaus, mit einer Hall«, in der es wie auf einem Rennplatz zugeht oder bei einer Volksversammlung, ist mir gerühmt worden. Eine lärmende Kapelle empfängt mich. Die bebrillten Damen hinter den vielen Schaltern erledigen den Gast wie«ine Nummer. Wünsche dürfen nicht geäußert werden. Jedes Zimmer ohne Bad hat denselben Preis. Borauszahlung? Bitte. Man fährt in einem der schmalen Lifts zum neunten Stock. Ein Mädchen zeigt phlegmatisch das Zinnncr. Eiskalt. Blick über ruhige Dächer. Eiskalt. Haben Sie kein größeres Zimmer? Bedauere, mein Herr, olles besetzt. Eiskalt! Wo sind die Koffer? Kommen in einer halben Stund«. Eiskalt. Gibt es denn keinen Ofen hier? Wozu der Riesenkamin?— Nein, es gibt keinen Ofen. Wozu braucht der Herr einen Ofen? Aber für einen Schilling kann der Herr«inen kleinen elektrischen Ofen haben.— Her damit! Das ist ein Ofen? Das ist das winzigste Oefchen, das ein menschliches Hirn je ersonnen hat. Eiskalt. Entsetzlich kalt. Englisch. Hier ist noch Dickens lebendig Ein Spaziergang in einer Welt, die ein Jahrhundert tot ist. Schmale engbrüstige Gassen, mit alten schmutzigen Häusern, mit Geschäftslohen, deren Schaufenster altmodisch dunkel und überhäuft sind, mit engen Sackgäßchen, in denen Pferdewagen stehen, mit schmutzigen Gassenjungen und kehrenden alten Frauen. Trafalgar Square: groß und kalt, lärmersüllt, als wären die Dickens-Menjchen verrückt geworden, well es brennt oder well der ZNnig gerade vorbeifährt. Regent Street—»ach Baedeck« 8*1 „prächtigste und vornehmste Straße Londons"— und Strand, angeblich breit und geräumig, würden kaum den Verkehr einer beut- schen Provinzstadt bewältigen. Das ist alles, wie«s einst vor vielen hundert Jahren war. es drückt auf die Brust, man möchte in einer hellen, freundlichen Straße aus dem Alptraum erwachen. Aber man steht schon vor dem Tower. Einst Festung, später Residenz von Königen und Gefängnis, ist er heut« großartig als Museum, furchtbar durch die bluwollen Erinnerungen, die er her- ausbeschwört. Und im Graben, wo einst trübes Themsewasser den Feind aufhielt, exerzieren heute Tommys, von einem kräftigen Unteroffizier geführt. Wahrscheinlich gehen die armen Teufel bald in Indien vor die Hunde. Die englssche Krone nimmt es mit einigen Strömen Blutes nicht so genau. Große Revue Fünfzig Theater spielen. Mehr als die Hälfte„Itfusic«! comedies, Fantasics, Musical shows oder Revues". Warum? Weil dos Gebotene in seiner Art hier allerdings unerreichbar ist. Nehmen wir nur diese eine Revue„Fol!? to bc wise".(Etwa „Unsinn ist Trumpf".) 24 Nummern, ganz lose zusammengefügt. aber von einem sprühenden Geist, einem scharfen Witz, einer Füll« von Satire und Humor, daß man drei Stunden wie eine Minute vorbeifließen sieht. Das ist die Unterhaltung, die man am müden Abend herbeisehnt. Jedes Lied, prächtig gesungen und lebendig getanzt, hat Beziehung zu den Menschen da unten, zu den vier- tausend Augen, die auf die Bühne starren. Keine Nacktheiten, aber viel Politik. Keine falsche Sentimentalität, aber viel Herzlichkeit. Kein sich blähender Tenor, aber«in durchaus sympathischer Sänger mit einer angenehmen Stimme, der auch virtuos tanzen kann. Und viel Spott auf alles. Auf die geliebte Armee und auf den amerikanischen Film. Auf die bürgerlichen Snobs und die zu redseligen Friseure. Auf das französisch« Schauerdrama und den englischen Allerweltskaufmann. Dazwischen Tanznummern. Das Lieblichste von Mädchenbeinen schlenkert vorbei, die Tiller-Girls parodierend. Es wird hinreißend gefiept— und der Step wird verhöhnt. Wenn der Postminister einmal herzlich lachen will— dann komme er hierher und sehe sich die Szene„Telephongespräch" an. Um endlich mit seiner Frau zu sprechen, die um die Ecke wohnt, die er aber vom Büro telephonisch absolut nicht erreichen kann, ruft ein Mann entschlossen— den Dampfer ,Lsle de France" an. Aufenthalt, fragt das Telephonfräulein. Aufenthall: Irgendwo auf hoher See. Und da klappt nun die Verbindung. So ersucht der Mann den Steward vom Schiff aus seine Frau zu benachrichtigen. daß er heute nicht zum Tee kommen kann. Brillanteste Satire auf den Londoner Telephonverkehr. Schließlich die Musik: Sprühend, lebendig, geistteich, niemals lärmend, immer illustrierend. Die Lichtefsekte phantastisch im Ein- fall, originell— so besonders in einem Schattentanz, der den Atem raubt— niemals kitschig, blendend fürs Auge, Rahmen einer für die große Menge berechneten und doch stets künstlerisch gehaltenen Unterhaltung. Und die Nachkon, men Shakespeares fitzen begeistert da. Theaterspiel liegt ihnen im Blut und sie lassen sich sonst nicht leicht bluffen.____ SUehard Sßetlmann: Wie verhält man fich bei Oetritter? Allem Anschein nach haben wir einen gewitterreichen Frühling und Sommer zu erwarten. Immer, wenn es in den ersten Früh- lingswochen etwas wärmer wurde, zog«in Gewitter herauf, mtt Blitz, Danner und Regen. Meist währte es nicht lang«, aber fast jedesmal hat es irgendwo größeren Schaden angerichtet. Zahlreiche Menschen sind schon vom Blitz erschlagen worden. Wir hoben den Eindruck, al» wäre das früher sellener vorgekommen, während heut« die Nachrichten von Unfällen solcher Art sich wehren, aber das liegt wohl nur daran, daß wir früher falche Geschehnisse nicht erfuhren. während sie heute durch die Zeitungen allgemein verbrettet werden. E» kann aber auch sein, daß die Menschen fich bei Gewitter leicht» sinniger aufführen. Schon die Kinder in der Schule lernen ja: Ge- witter sind nicht sonderlich gefährlich: wie sellen trifft einmal«in Blitz! Aus dieser Ansicht leitet sich eine große Gleichgültigkett her. Und doch ist es töricht, sich unnütz in Gefahr zu begeben. Stets sollte man, wenn Gewitter«inen überrascht,«in schützende» Obdach suchen, denn gerade aus freiem Felde ist der Mensch der Ge- fahr besonders ausgesetzt. Wieviele Londleute ereill der Schlag bei der Feldarbeit, wie oft zuckt der Strahl nieder, daß die Pferde vor dem Pflug tot zu Boden sinken! Besser ist es, in den Wald zu flüchten, wenn auch vielfach davon abgeraten wird. Immer aber ist dos Laubdach über einem sicherer als der freie Himmel. Der Voltsmund sagt: Vor den Eichen sollst du weichen, doch die Buchen sollst du suchen.?Uzch diesem Grundsatz soll man sich bei Gewitter nicht unter eine Eiche stellen, während eine Buche zuverlässigen Schutz gewährt. Immer aber, wenn man sich unter«inen Baum stM. soll man vermeiden, fich nahe an den Stamm zu begeben. Denn in, allgemeinen schützt ein Baum«ine Bodenfläche, die etwa dreimal so groß ist wie seine Höh«, vor dem Einschlag. Wenn ein Baum vom Blitz getroffen wird, leitet der Stamm den Blitz in die Erde nieder; die Anwesenheit eines Menschen unter dem Baum wird ober den Blitz nicht veranlassen, abzuspringen und mm durch den menschlichen Körper abwärts zu fahren. Unbedingt gckt ober der Grimdsatz, daß man sich nicht auf eine» Hügel oder einen, Hang aufhalten soll, wenn der Gewittersturin ge- rade darauf steht. Man soll dann eine Bodensenkung aufsuchen und sich hier zusammenkauern, bi» das Gewitter vorüber ist. Sehr un- vorsichtig ist es, sich unter ein Metalldach zu stellen, das nicht durch Metall mit dem Boden verbunden ist. Ebenso darf man sich nie an eiserne Gitter stellen, wie man es auch vermeiden soll, metallene Gegenständ« in der Hand zu halten. Wasser zieht immer den Blitz an. Man soll deshalb nassen und moorigen Boden, sowie Flußuser meiden und immer möglichst trockenem Gelände zustreben. Dielfach findet man die Ansicht, daß der Blitz niemals in die gleiche Stelle einschlage: doch ist diese Annahme durchaus unbegrün- det: es ist oft vorgekommen, daß das gleich« Haus, ja sogar der gleiche Baum zweimal vom Blitz getroffen wurden, ja biswellen so- gar im gleichen Sommer. Es kommt wohl nur darauf an. ob die Lage des betreffenden Hauses oder der Standort des Baumes be- sonders exponiert ssnd. Bei Häusern gckt es al» sehr gefährlich, wenn sie auf eisenhalttgem Boden gebaut sind oder über unterirdischem Wasser. Ein einziger Blitzableiter auf dem Hause ist kein ausreichender Schutz, da die Blitze sehr häufig von Ncbenblitzen begleitet sind. Ein moderner Architekt sargt deshalb dafür, daß alle Metcckllecke eines Gebäudes miteinander in innerer Verbindung stehen, so daß. wenn das Haus an irgendeinem Punkte getroffen wird, der Blitz sicher bis in die Erde gekettet wird. Wenn man sich während des Gewitters im Haufe aufhält, soll man die Fenster schließen, da Zugluft Blitz anzieht. Außerdem soll man dem Telepbon fernbleiben. E» ist sinnlos, sich leichtsinnig in Gefahr zu begeben. Räume mit schlechter, verbrauchter Lust sind bei Gewitter gefährdet, deshalb soll man sich nicht in Menschenan- sammlungen begeben, wenn ein Gewitter droht. 1 Bei Adler gehören die Attribute der Luxuswagen nicht ertt seil heute zur Normal-Ausrüstung: im Bau wirksamer � Durch Qualität m r/m««*.. hydraulischer Bremsen und s�verlässiger Zentral-Chassis.Schmierung, in der Losung des Stoßdämpfer-Problems Weigerung• Durch Vmaat*. und in vielen ähnlichen Fragen besitzt Adler einen Erfahrungsvorsprung von Jahren. Die Adlerwagen zählen heute® tieigerung*ur Preütenkung! nicht nur zu den erprobtesten, fertigsten Gebrauchsfahrzeugen, sie sind auch eine der besten»»«»»»W»MWWWW»«WWW�niMUUWWWW>MnWWWWWW»WW»W>WW Kapitalsanlagen auf dem Internationalen Markt.„Durch Qualität zur Umsatzsteigerung, durch NEUE PREISE AB WERK Umsatzsteigerung zur Preissenkung" ist das seit langem konsequent durchgeführte Prinzip der ADLER Favorit, SpezUl-Umou�ne rm 44?v. ., r». I». J,..... � ,,...? 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BELLE- ALLIANCE-STRASSE 6, UNTER DEN LINDEN 12-13 UND ADLER-SALON AM ZOO, HARDENBERGSTRASSE 2ya-e Watlere eigene WcrksflHalen: BRESLAU/ DÜSSELDORF/ HAMBURG/ HANNOVER/ KARLSRUHE I. B./ KÖNIGSBERG i. Pr./ LEIPZIG/ MÜNCHEN/ NÜRNBERG/ STUTTGART 3m Schwabenland. »Da« Schwabcnlond ist ein Gebilde eigener Art. gleichsam eine Musterkarte aller Länder. Es sieht aus, als hätte der Schöpfer,. bevor er die Erde entwarf,«in Modell davon im kleinen hergestellt. worauf«r jede Form andeutete, die er hernach im großen ausführen wollt«: Berg«, Flußläufe, Ebenen, Wasserflächen: alles ist vorhanden, aber in kleinerem Maßstab und in stetem Wechsel. Immer steht man wteder vor einem anderen Bild." Diese Worte der Dichterin Isolde Kurz bezeichnen glücklich den Lanoschastscharakter de; Schwabenlondes, der sich durch«ine überraschende Mannigfaltigkeit kundgibt Wohl kaum irgendwo anders sinoet man aus 20 000 vuadratkilometer so viele grundverschiedene Landschastsgebiete zu- fammengedrängt wie hier. Nicht nur die viclgestalteten Berge und Täler, der zu einem Drittel das Land bedeckende üppige Wald, das günstige, in Ben einzelnen Höhenlagen verschiedene Klima, die Eisen- bahn-, Auto- und Flugverbindungen, die guten Straßen und die «mzig dastehend« Fülle lohnender Wanderwege sind«Z, die Ausent- halt. Reisen und Wandern im Schwabenland so außerordentlich be- liebt gemacht haben, sondern auch die alt« Kultur von ausgeprägter Eigenart die Füll« prächtiger Städtebilder. Bauten. Schlösser, Bur- gen und Ruin«». Bäder,.Kurorte und Sommerfrischen, und die herzllch« Art des schwöbischen Volksleben?. Wer im Frühling im Land« weilt, kann die klimatischen Verschiedenheiten gut beobachten. da der Frühling in manchen milden Teilen(am Neckar) vier Wochen früher einzieht ol» in den höchstgelegenen. Der württembergrsche Schwarzwald«streckt sich ungefähr von Pforzheim im Norden bis zum Neckarursprung bei Schwenningen oder zur Sck/wäbischen Alb bei Tuttlingen im Süden. Da» württembergische Schwarzwaldgebiet ist nicht viel kleiner als der ganz« Harz. Der württembergische Schwarzwald steigt im Hornisgrindegebiet bis zu 1160 Meter und steht hinsichtlich der durchschnittlichen Höhenlage kaum hinter den übrigen Teilen zurück. Sinkt die Waldziff« im südlichen bodijchen Schwarzwald aus 2S Pro- zent herab, so steigt sie im württembergischen Schwarzwald aus über 65 Prozent. Di« Markungen von Wildbad und Freudcnstadt haben 92 und 80 Prozent Wald. Da Klima ist das denkbar günstigste. Die Niederschlagsmenge beträgt im Gebiet Kniebis— Horni-grindc 1700—1900 Millimeter und sinkt im östlichen Schwarzwald auf 700 bis 800 Millimeter jährlich. Di« vorgelagerten Höhen gewähren Schutz gegen nasse und naßkalte West- und Nordwestwinde. Hierzu kommen die ausgleichenden Wirkungen der Wälder. Das württem- bergische Buntsandsteingebiet hat die Annehmlichkeit trockener Wege und Spaziergänge. Den Vorzügen verdanken viele wiirttcmbergische Schwarzwoldorte ihr rasches Aufblühen. Mit Recht nannten die Römer die Gegend des heutigen Psorzheim die Porta berciniae, die Schworzwaldpforte. Zu Gchiff nach dem hohen Norden. Der allgemeinen Beliebtheit, ß«? sich in den heißen Sommer- monaten die Länder des hohen Nordens als Reiseziel erfreuen, wird dos umfangreiche Programm gerecht, das der Norddeutsche Lloyd. Bremen, seinen diesjährigen, mit den Dampfern„Sierra Eordoba"(11500 Br.-Reg.-T) und„ßütjom"(9000 Br.-Reg.-T.) ouszuführenven Polar- und Nyrdkapfahrten ziigrundcgelegt hqtjlluf der Pvlorfahtt des Dampfers„Sierra Cordoba.'deren nördlichste» Ziel die Grenz« des'ewiges Eise? ist. werden Edinburgh. Thorshavn, JsÄnd. die gletscherreichen Buchten Spitzbergen?, da? Nordkap und die schönsten Plätze der Westküste Norwegens berührt. Drei Nord- kapfahrten, von denen zwei mit Dampfer„Lützow" und die dritte mit Dampfer„Sierra Eordoba" unternommen werden, machen die Teilnehmer mit den landschaftlich reizvollen Eigenarten des mit Recht so vielgerühmten Landes der Mitternachtssonne bekannt. Diese Reisen führen bis zur nördlichsten Spitze Europas, dem Norbkap, hinauf und stehen in Verbindung mit ausgedehnten Ausflügen in das Innere des südlichen und nördlichen Norwegens. Auch zu Reisen nach Finnland, ferner nach südlichen Ländern, wie Portugal, Madeira und den Kanarischen Inseln, Marokko usw., wirs im Laufe dieses Sommers durch die Benutzung von Dampfern des Norddeutschen Hordseeftul Borkum Das schöne, grüne Eiland Ozonreiches iochsee- Klima Tagcskursteuar, Kinder bis 13lahre frei Pauschalkuran Prospekte durch die Badeverwaltung Moorbad Pretzsch-Elbe das bestbewUhrte Hellbad Knrpanubal« für 28 Tage 85.— RM. Altenbrak i. Harz Möblierte Zimmer mit n. ohne Küchen- benutrong zu rermieten. Staubfr. Lage. Kerl Warneke, AUeubrak Im Harz, Nr.«. Deutschlands leislungsffälilgsle, zuverlässigste und wirlschafllichsle CebraachsFahizeude srieis Lloyd zu vorteilhasten Bedingungen Gelegenheit geboten. Unver- binoliche und kostenlose Auskünste beim hiesigen Lloydvertreter. (Siehe Anzeige.) Zm Oberharz. Wenn man hinter der alten Kaiserstadt Goslar die alte Straße emporsteigt, die van romantischen Bergwaldszenerien gesäumt ist, hineingeht in die wehende Waldherrlichkeit, immer dem brausenden, rauschenden Bergbach, der Innerste eiitlaiig, die über Geröll und Gestein zu Tale stürmt, so grüßt uns der unter roten Ziegeldächern weithin funkelnde Höhenluftkurort Lautenthal. Nachdem die Kurverwaltung in Loutenthal erst vor einigen Jahren eine herrlich', vollständig von Wald umgeben«, zirka iünf Morgen groß« Liege, wies« erworben hat, auf welcher für die Kurgäste eine vorzüglich «ingerichtete Lesehalle errichtet ist, und«ine neuzeitliche Freibad«. anlöge dem Betriebe übergab rüstete man sich zur Herstellung großer gärtnerischer Anlagen beim Freibad. Durch Herrichtung einer über 2000 Quadratmeter großen weiten Liegewiese, durch Schaffung eines Sand-Sonnen.Vades und eines großen Kinderspielplatzes ist Lauten- thal in seiner Entwicklung als Kurort ein gutes Stück vorwärtsgekommen. Die Freibadeänlag« mit gärtnerijchen Anlagen, die ein.' Gesamtgröße von über fünf Morgen hat, stellt in ihrem Zusammen- hang einen Kurpark dar. Billige dreitägige Ausslugsfahrten nach Kopenhagen. Im Ostsee- jähr 1931 veranstaltet die Reichsbahndirektion Schwerin zu> fammen mit den Dänischen'Staatsbahnen drei billige drei» tägige Ausslugsfahrten von Warnemünde nach K o p e n- Hag e'n. Die Hirvsahrten finden jeweils am Dienstag. 23. Juni, 21. Juli bzw. 11. August um 10 Uhr ab Warnemünde mit dem 3600 Tonnen großen Hochseefährschiff„Schwerin" statt. Die Weiterfahrt von Gjedser erfolgt in den neuesten däinschen Staats- bahnwagen dritter Klasse mit Lederpolsterung. Am Donnerstag. 25. Juni bzw. 23. Juli und 13. August, erfolgt die Rückfahrt ab Kopenhagen 23.33 Uhr, so daß die Teilnehmer um 6.10 Uhr am Freitag wieder in Warnemünde eintreffen. Da eine E r m ä ß i- g u n g von 50 Proz. gewährt wird, beträgt der Fahrpreis nur 17,30 M. für Hin- und Rückfahrt. Alles weitere über Unterbringung, Besichtigungen, Ausflüge von Kopenhagen nach Schloß Frederiks- borg, nach Schloß Krönborg bei Helsingör, nach Roskiede ist aus dem Programm zu ersehen, das unentgeltlich im Reisebüro„Norden", dem amtlichen Reisebüro der Dänischen Staatsbahnen, Berlin, Unter den Linden, abgegeben wird. „Kur und Erholung im harz und Kysshäuser" heißt die soeben erschienene Schrift, die über das Wissenswerte unterrichtet. In einem Aufsatz über„Das Harzklima und die Heilquellen des Harzes in ihrer Beziehung zur menschlichen Gesundheit" zeigt der bekannte Professor Dr. med. Rhese, welche Kurmittel und Heilerfolge da? Eberback am Heckar Zwischen dem Silberband des Neckars and den bewaldeten Bergen liegt das alte Reichs- Städtchen ans dem 13. Jahrhundert in reizvollster Landschaft, heute ein beliebter Luftkurort und eine angenehme Sommerfrische. * ."Blick ins Weckar- lal vom Auerberg fnft nur als Wandsrgebiet ßefannfc Mitiekzebirge dsm Crholungs- Uedürstigcn und dem Kranken knetet. Der sich daran anschließende kurze Be-trag weist auf die Vielseitigkeit des charzes als Touristen- gebiet hin. Im zweiten Teil des Heftes sind alle bekannteren Luftkurorte, Heilbader und Touristenplatze beschrieben und Preise für Uebernachtung und Pension genannt. Mehr als 100 Abbildungen und ein dreifarbiger Umschlag mit einer Uebersichtskarte ergänzen den Text. Das ZZ Seiten starke Heft ist kostenlos zu beziehen durch die Reisebüros und durch den Harzer Verkehrsvcrband e. V. Wernigerode, Postschliehfach 84. Dod Einser Musikseslwoche. Vom?6. bis.11. Mai d. I. findet die..Bad Emser Musikfestwochc" statt, die sich allmählich zur traditionellen Mai-Veranstaltung des Heilbades heranbildet. Im Programm sind vorgesehen ein„Nordischer Abend" mit Werken von Gade, Krieg, Atterberg und Sibelius. Ferner gibt es einen „Haydn-Mozart-Abend", einen„Tschalkowsty-Dnorz.k-M>end und einen„Beethoven-Brahms-Abend". Solisten sind: Alice Habig- Berlin, Klavier, die Konzertmeister des staatlichen Kurorchestsrs Nocke und Suchanek. Alle Konzerte dirigiert Kurt Barth, der in Flensburg als städtischer Musikdirektor tätig ist und durch Gast- spiele in Warschau, Krefeld u. a. die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hat. Verbesserung im Verkehr mit der Insel Amrum über See. Die Dampferoerbindung über Helgoland— Hörnum nach Amrum (Seeweg) wird am 1. Juni 1031 aufgenommen. Es besteht aber auch schon vor diesem Termin die Möglichkeit, die Insel Amrum aus dem Seewege über Helgoland— Hörnum zu erreichen. In der Zeit vom 11. bis 31. Mai verkehrt nämlich zwischen Hörnum(Sylt) und Norddorf(Amrum) ein Motorsegelboot, das im Anschluß an den in Hörnum eintreffenden Dampfer„C o b r a" die Verbindung zwischen Syst und Sfnmrrn herfielst. Für den Mckoerkehr«lrh die Anschürst» Verbindung durch den Motorsegler nur im Bedarfsfalle hergestellt, Auskunft erteilt in diesem Falle die Amrumer Jnselbahn A.-G. Dm Kosten für die Uebersahrt in Höhe von 4 M. sind an Bord des Seglers zu entrichten. Rardseebad Tönning ist die billige Sommerfrische, in der auch Geringbemittelte gesunden können. Dort fehlt die Kurtaxe, für wenig Geld wird reichliche, gesunde Kost geboten. Tönnings Ruhe tut so wohl. Sein windgeschützter, grüner Südstrand, sein schnell von der Sonne erwärmtes Planschbecken, die großen Sandspiel- platze bieten gerade Kindern einen gesunden und völlig ungefähr- lichen Aufenthalt. Sogar Wochenendler kommen hier aus ihr? Rechnung. Auch in diesem Jahre finden von hier aus Salon- dampserfahrten nach Helgoland statt, die der Hapag-Secbaderdienst G. m. b. H. Hamburg veranstaltet. KoMsusSiirsi'olcko Kochsalzthermen/ Senkung der Kurtaxe(Hauptkurkarte) um 10% Unerreicht bei Horzkrankhelten, bos /v f'■ : HAMBURG 'WILHELMSHAVEnQ� j V %X\\ l HAMBURG tz BREMEN� •c-"-' K. JEE VLBBINDUNC MIT DEN DAMPFERN DER HAPAC SEEBÄDERDIENST C M B-H- HAMBURf NORDDEUTSCHER LLOYD BREMEN rKUjrCML DURCH Df Garmisch Für Sommeru'laub sind i. kl. Landbaus noch Beten frei, zu 1.50 Ev. ganze Verpflegung. Ge mütliches Wohnen. schöner Garten direkt am Wasser Anf a en: Frau P Wendel. Burgstr.50 Nach Ostseebad Misdroy, VilBa Wald usid See. Pensionshaus n. Privat-Speisohaus Schönsta I.age. Vorzügl. Verpflegung. Billigste Proiso. Mai, Juni, August, Septbr. bedeut Ermäßig. Rechtzeitige Aumoldung Genosse Blum. BAD ORB SPESSART Das aufblühende Heilbad lür Herz.Ge!äS8. 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Aber wo viel eicht ist. ist viel Schatten und so stehen die gediegenen Häuser nur allzuost zwischen übriggebliebenen Hausruinen vergangener Zahrhuuderle: Bauten, die nur zu geeignet sind, das beschauliche Bild Alt-Berlins kräftig zu verdunkeln. Wir sind dieser Tage mit dem Parteikassierer der?. Abteilung. deren Bereich sich mit dem Gebiet des uralten Stadtteils„Göll n" deckt, treppauf und treppab durch die alten Gasisn gewandert. Wir sind bestimmt nicht durch die Mietkascrnen im'Norden, Osten und Süden der Stadt verwöhnt, aber was wir an„Wohnstätten" in der Fischer- und Petristraße, an der Fischerbrücke und an der Friedrichs- gracht zu sehen bekamen, übertraf die düstersten Erwartungen. Es hält überhaupt schon schwer, Vergleiche zwischen diesen ältesten Berliner Häusern und den Mietkasernen der fünfziger oder sieb- ziger Jahre zu ziehen: so sind zum Beispiel der heutigen Zeit für bestimmte bauliche Dinge von damals die Ausdrücke verloren gegangen. Wie heißt nur dieser merkwürdige Gang, der sich in der Höhe des ersten Stockwerks fast um jeden Hof herumzieht. Für einen Laubengang ist er zu profan, eine Veranda ist das auch nicht und eine Balustrade nur sehr, sehr bedingt. Wir sagen das deshalb, weil der stockfinstere, halsbrecherisch steile und windschief getretene Aufgang in diesen Häusern kaum noch die Bezeichnung Treppe ver- dient. Wer diese Stufen glücklich hinaufgepilgert ist, steht dann in einem sonderbaren Vorraum, der noch halb der Treppenabsatz ist. ball» aber schon der Korridor der angrenzenden Wohnung. Im Hintergrund ist ein kleines Fenster zu sehen, das von innen(!) durch den Schein einer Lampe erleuchtet wird. Dieser Raum ist die Küche, in der äußersten Ecke steht die Kochmaschine und nie hat eine Frau gesehen, was sie in ihrem Topfe kocht, es sei denn, sie steckt sich eine Lampe an. Wir mußten erst in die Fischerstraße gehen, um von der Existenz solcher Küchen ohne Licht zu. erfahren. Die Promenade der Ratten. Die Stuben sind nun nicht etwa mit der Küche unmittelbar ver- Kunden, so einfach ist das in Alt-Berlin nicht, sondern man muß erst wieder über die merkwürdige Treppe, um in die Stuben zu gelangen. Hier werden wir vergeblich nach einer Tapete suchen, der Deckenputz rieselt vielmehr herunter, und daß die Klosetts auf dem Hof sind, ist beinahe eine Selbstverständlichkeit. Der Hof ist unterminiert. Die früheren Senkgruben sind nur dürftig verdeckt: wer auf den Boden pocht, hört es hohl und dumpf wider- klingen. Diese Senkgruben sind der willkommene Unterschlupf aller Ratten. Hinzu kommt die seltsame Bauart der 5?äuser, wo jeweils zwischen zwei Häusern ein doppelhandbreiter Raum gelassen ist, der heute den unzähligen überhandnehmenden Rallen als P r o m e- n a d e dient. Man muß sich auch die K e l l e r w Alt-Berlin nicht ohne weiteres als verschließbare Räume vorstellen, ein Schloß wag vor den Türen schon sein, aber die Spotten sind so groß, unten und .an den Seiten, daß jede noch so fette Ratte hindurchschlüpfen kann; von Mäusen gar nicht zu reden. Gewiß steht nun überall in All- Berlin angeschrieben:„Vorsicht, Rattengift!" und Katzen sind in dieser Gegend wehr als genug da, aber die ekelhasten Ratten nehmen kein Ende, in diesen baufälligen Häusern haben sie soviel Unter- schlüpfe, wo weder Mensch noch Katze hinkommt. So kommt es, daß die Ratten unbekümmert auf den Teppich stanzen spazieren- laufen. Die andere Plage sind die„Schwaben". Wir wollen getrost„Schwaben" sagen, denn Schabe sagt ja doch kein Mensch. Diese widerlichen Viecher krauchen m den düsteren Küchen in ganzen Regimentern herum und die unglücklichen Bewohner sind noch froh, wenn sie von den dicken, schwarzen, glänzenden Insekten heimgesucht werden, statt von den kleinen braunen, die in solchen Scharen auf- treten, daß es keine Rettung gibt. Oer Turm zu Pisa kann neidisch werden. Man muß sich überhaupt wundern, daß viele dieser alten bau- fälligen Häuser noch stehen. Daß sie nicht eines schönen Tages sang- und klanglos zusammengefallen sind. Da ist längst kein Putz mehr an den Wänden, der Kalk zwischen den Steinen ist ausgewaschen und unter die Türen hat man Steine gepackt, sonst würden sie ein- fach aus dSn Angeln fallen. Biswellen fehlt ein Haus, z. B. das Haus Fischerbrücke Nr. 13, und damit die Häuser Nr. 12 und 14 nicht umfallen, stützen sie sich gegenseitig durch dicke Balken. Auf solche Art wird noch mancher schiefe Giebel gestützt, gegen den der Turm zu Pisa ein kerzengerades Bauwerk ist. Wie viele Winkel und Ecken gibt es nur in Alt-Berlin, in die noch niemals ein Sonnenstrahl gedrungen ist, die die sonntäglichen Besucher wohl für sehr romantisch halten und gern photographieren. Daß hier ein Leben long zu wohnen eine schwere Strafe ist, wird meist nicht bedacht. „Aber wo sollen wir hin?" frage» die All-Berliner Bewohner, wenn man mtt ihnen über diese unwürdigen Zustände spricht. Da ist nun in der Fischersttaße der Seitenflügel eines Hauses durch die Baupolizei zum Abriß bestimmt worden. Aber kaum hatte die Bau- pollzei den Rücken gewandt, schon hatten sich Wohnungslose«in- quartiert, die froh sind, ein Dach über dem Kopfe zu haben. Ohne Wohnungsamt oder andere Stellen. Wie überhaupt die zuziehenden Bewohner dieser Gasten niemand in zjute oder böse zu trennen oermag: im Schatten dieser Alt-Berlmer Wohnungamisere gedeiht so manches Kuppelquartier und so manche„wilde Penne", die in einem Fall in der Fischersttaße em ehemallger Pferdestall war, den ein Schneider sich hergerichtet hatte, um die Bettler der Altstadt auszubeuten. Und im Vorderhaus wohnte eine 7(1jShrige Kuppel- mutter, die unlängst an der Zuckerkrankheit gestorben ist. Man bedauert die armen Kinder, die in diesen freudlosen Gassen spielen müssen. Und es mangelt uns durchaus an Verständnis für die Tiraden wehleidiger Gemüter, die allen wirtschafttichen Er- wägungen zum Trotz diese alten Baracken erhalten und die Kehrseite Mt-Berlins nicht sehen wollen. Preußens Gesundheitswesen. Wie die Republik die Leibesübungen fördert. Einen Inleresianlen Einblick in die Arbeit der preußi- scheu Staalsregierung und der Sommunalbehörden für die Hebung der Dolksgefundheit liefern die ver- öffentlichungen ans dem Gebiete der Mediziualverwaltung, 34. Band. 3. Heft, im Abschnitt 15: Körperpflege. Badewesen und e i b e s ü b u n-g e a" in der Unterteilung a) Gärtnerische Anlagen und Erholungsplätze. b) Kleingarlenanwgeu. c) warmbadeonstalten. 6) Zreiluft- schwimmbäder.«) Hallenbäder, k) Sporlarztwesen. In 66 preußischen Städten mit über SO 000 Einwohnern wurde ein« Gesamtfläche von rund 15000 Hektar festgestellt, die für Grünflächen, Schmuck-, Sport- und.Kinderspielplätze mll Planschbecken benutzt wurden. 4 Prozent dieser Fläche entfallen auf Sport- und Kinderspielplätze. 62 preußische Städte mit über SO 000 Einwohnern berichten über Kleingarten- anlagen mit rund 48 000 Hektar Gesamtfläche. Die Angaben über die Warmbadeanstalten sind in diesem Zusammenhange unentbehr- lich. Bei den Freilustschwimmbädern ist eine erhebliche Zunahme zu verzeichnen. Von den gemeldeten 1800 offenen Schwimm- b ä d« r n. die größtenteils an See- und Stauanlagen oder Flüssen liegen, befinden sich etwa% im Besitz der Gemeinden. Die meisten Anstalten sind mit Sprunganlagen und Duschen sowie mtt Turn- und Sportgeräten und Unterrichts- und Rettungsgeräten aus- gestattet. Die Zahl der Hallenbäder ist nur wenig(um fünf) ge- stiegen. So wurden in 27 der 35 preußischen Regierungsbezirke 127 Hallenbäder festgestellt, die sich zum weitaus größten Teil im Besitz der Gemeinden befinden. Nur wenige Hallenbäder verfügen über Zwei Schwimmbecken. Die Größe der einzelnen Schwimmbecken schwankt zwischen 100 und 800 Qua- dratmeter. Die Anstallen sind mtt Umkleideräumen, Duschen und Wiegeoorrichtungen zweckmäßig oersehen. Die Zahl der sportärztlichen Beratungsstellen ist von 104 im Jahre 1028 auf 110 im Berichtsjahre gefttegen. 8ö dieser Beratungsstellen sind von den Gemeinden eingerichtet worden, 8 von Gemeinden und Sportvereinen gemeinsam, die übrigen werden von Landkreisen(3), Universitäten(2) und Privatärzten(3) unterhalten. 232 Sportärzte, einschl. 26 Sportärztinnen, waren in diesen Beratungsstellen tätig und zwar OS beamtete Aerzte und 137 Privatärzte. Außerdem waren 08 Hilfskräfte (Assistenten, Fürsorgerinnen, Sporttehrer, Santtäter) tätig. Der Regierungsbezirk Düsseldorf ist am besten mit Sportärzten(6S) versorgt, an zweiter Stelle steht der Regierungsbezirk Arnsberg (20), es folgt Berlin mtt 21, Merseburg mtt 10, Magdeburg mit 18, Liegnitz mit 13 Sportärzten. Die Zahl der wöchentlichen Untersuchungsstunden ist im Regierungsbezirk Düsseldorf am höchsten(33), es folgen Berlin mit 32, Königsberg mit 27, Liegnitz mit 17 Unter- suchungsstunden. In S8 Beratungsstellen wurden die üblichen spart- ärztlichen Fragebogen benutzt. Arbeiter, aufgemerkt? Kommunisten für Lohnabbau und unbezahlte Lleberfinnden. Zu der lehten Sitzung der Vau- und Wohnungsdepulallon der Vezirksversammlung Friedrichshain ist den Kommunisten ein Geständnis entschlüpft, das wert ist, der Oeffentlich- keit bekanntzuwerden. Bei der Aussprache über die Sparmaßnahmen der Stadt ließen die tommumstischen Bezirksvcrordneten M a u r i s ch o t und Kurz- mann wie gewöhnlich ihren Phrasenschwall los. Unter anderem behaupteten sie, die ganze Berliner Kommunalpolitik fei bankerott. Sie verlangten Beschlüsse, die vom Magisttat neues Geld fordern sollten. Von dem sozialdemokratischen Stadtverordneten Klingler wurde ihnen erwidert, daß es ja gar keinen Sinn habe, hier Anttäg« zu stellen, die Mittel oerlangen, während dann in der Stadtver- ordnetenversamnllung die Kommunisten die Herbeischafsung der not- wendigen Einnahmen ablehnten. Uebrigens gäbe es für die Stadt Berlin einen Weg, sehr leicht über die jetzigen finanziellen Schwierig- ketten hinwegzukommen, wenn sie nämlich das tun würde, was die Leitung der Kommunistischen Parter und der„Roten Fahne" getan hat: denn diese haben doch den armen Zeiiungsfrauen ihre Bezüge nm 33 bis 45 Proz. gekürzt, haben also weit mehr Loh« ab- gebaut als es je ein reaktionärer Unternehmer von seineu Arbeitern und Angestellten verlangt hat. Dann werden in der„Roten Fahne" Streikbrecher beschäftigt, die unter Tarif arbetten und wöchent- lich bis zu acht U e b e r st u n d e n machen, ohne dgß die Ueber- stunden bezahlt werden. Wenn die Stadt Berlin so brutal und reaktionär gegen ihre Arbeiter und Angestellten vorginge, dann könnte sie auch einen großen Teil ihrer finanziellen Schwierigkeiten schnell überwinden. Darauf erklärten die linientreuen Kommunisten Maurischat und Kurzmann, die Kommunistische Partei habe nicht wie die Sozialdemokratie Mitglieder, die in guten Staatsstellungen sind und ihre Partei extra unterstützen. Infolgedessen müsse die kommunistische Partei aus dem Persoual der Jftoten Fahne" und den armen Zeitungsfrauen durch Lohn- abzzcg und unbezohlle Ueberstunden das Rötige herauspressen. um sich dadurch finanziell über Wasser zu hallen. Alle Anwesenden nahmen dieses Eingeständnis mtt großem Interesse entgegen und vom Genossen Kkingler wurde nur noch festgestellt, daß die Partei, die sich als die alleinige Partei der Werktätigen aus- zugeben erdreistet, nun zugegeben hat, daß sie ihre Zeitungsbetriebs nur halten kann, weil sie einen 40prozentigen Lohnabzug durchgeführt hat und außerdem von den Arbottern in ihren Betrieben un- bezahlte Ueberstunden verlangt. Das sind jene Leute, die in der Oeffentlichkeit gegen den Lohnabbau große Tone reden und angeben. für die Arbeitslosen einzutreten, die aber in ihren eigenen Betrieben die größten Lohnabzüge machen und durch wohlwollende Duldung unbezahlter Ueberstunden noch mehr Arbeitslose schaffen. Reichsbanner-Gtadion in Berlin. Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold hat das 100 000 Quadrat- meter große Stadion und die Tennisplatzanlage am Fuße des Funkturms(Aous-Eingang) übernommen. Das Reichsbanner wird die gesamte Anlage nach den modernsten Errungenschaften der Neuzett Herrichten und im August den bisher über ganz Berlin ver- streuten Schutzsport-Betrieb hier zentralisiert eröffnen. Moderne Bade- und Duschräume werden auch den hygienischen Forderungen Rechnung tragen. Die vor dem Stadion gelegenen acht Tennisplätze sind bereits dem Betrieb übergeben. Neu angelegt« Rabatten und neue Sträucher umrahmen die Anlage. Landesverband der Volkshochschulen. Di« Volkshochschulen in Berlin und der Provinz Bran- denburg haben die Absicht, sich im Rahmen des Reichsverbandes der Deutschen Hochschul« zu einem Landesverband zusammen- zuschließen. Bezweckt wird die gemeinsame Vertretung der Jnter- essen gegenüber der Oeffentlichkeit und den Behörden. Arn Sonntag, dem 17. Mai, findet die Gründungsversannnlung statt, in der auch die Wahl des Vorstandes erfolgen soll. Die Volkshochschule Groß- Berlin, die Humboldt-Hochschule, die Abend-Volkshochschule der Sozialen Arbeitsgemeinschaft Berlin-Ost, das Volkshochschulheim Ulmenhof, das Volkshochschulheim Tempelhof, sowie der Magisttat Nowowes im Kreise Teltow, der Magistrat Brandenburg a. d. Havel, der Magisttat Eberswall)« und die Bollshochschule der Stadt Rothe- now haben bereits chre Beteiligung an dem neu zu gründenden Landesverband zugesagt. Sexualwissenschasllicher Frageabend, nur für Frauen.— 3m Zasiitul für Serualwissenschasl findet der nächste sexual- wissenschaftliche Frageabend am Montag, dem 18. Mai, 20 Uhr, im Ernst-Haeckel-Saal(In den Zellen Oa— Eingang Gartcn- portal) statt. Am Dienstag, dem 10. Mai, findet an demselben Orte und zur selben Zeit erstmalig ein sexualwissenschaftlicher Erageabend nur für Frauen statt, den der bekannte erllner Frauenarzt Dr. Levy-Lenz abhalten wird. Unkostenbeittag 20 Pf., Erwerbslose die Hälfte. Ein Blick cenlig+i Qualität helsst Immer Polizei des Volkes. Venn der Volts staat. wie er m den hohen Zdeeu der Weimarer Verfassung sestgelegk ist, in herz und Geist unseres Volkes verankert werden soll, mnst er eine starke Stühe im V e- a m t e n t n m finden. Eine besondere Stellung nimmt hier die Polizeibeamtenschast ein, die ja die besondere Aufgabe hat. unseren Staat und die friedliche Arbeit seiner Bürger zu schühen, die nicht mehr gefürchteter Büttel sein soll wie früher, sondern die Bürger in der Wahrnehmung ihrer Rechte unterstühen. ihnen verständnisvoll— und vor ollem immer geistesgegenwärtig — Helsen soll. Ilm diesen Anferderungen gerecht zu werden, ist das seit zehn Iahren mit weitem Blick ständig ausgebaute Polizeischul- wesen auf eine neue Basis gestellt worden— das hörte man in einer bemerkenswerten Konferenz im Polizeipräsidium, in der Polizeipräsident G r z e s i n s k i im Beisein des Vizepräsidenten 2r. Weiß, des Polizeischuldezernonten B o s e, verschiedener Polizeischulräte und höherer Polizeioffiziere die neuen Berliner Polizeiberufsschullehrer in ihr Amt einführte. Bisher erteilten Volksschullehrer, Lehrer mittlerer und höherer Berliner.Schulen nebenaintlich Unterrichtsstunden in der Polizeiberufsschule: jetzt, ab Ostern 1931, werden nur noch vollbeschäftigte Lehrkräfte verwendet. die also ihre gesamte Tätigkeit der Polizei widmen und natürlich viel fruchtbarer den Unterricht gestalten können, als es beim besten Willen bei einem nur nebenher erteilten Unterricht der Fall sein kann. Auch diese Lehrkräfte müssen sich erst in die besonderen Aus- gaben der Polizei einarbeiten, um an den Bildungsstosfen aus dem allgemeinen Kulturgut die Fähigkeiten zu entwickeln, die berufs- notwendig sind. Die Lehrer selbst, zu einem Teil akademisch gc- bildet, zum anderen Teil frühere Volksschullehrer, die durch Weiter- orbeit ihre Fähigkeiten zur Einarbeit in besondere Fachgebiete be- miesen haben, nach diesen Gesichtspunkten sorgfältig ausgesucht, hieten Gewähr für diese schwierige Ausgabe. Der starke Widerhall, den die Darlegungen des Polizeipräsidenten und des Polizeischul- dezernenten fanden, zeugten von Verständnis und Vertrauen! Polizeischulrat Pose legte in ausgezeichneter Weis« klar, daß die Polizeiberufsschullehrer nicht den unmittelbaren Polizei-Fach- Unterricht zu erteilen haben— dieser wird von Polizeioffizieren ge- geben—, aber daß der Unterricht in engster Beziehung zum Beruf stehen, am ollgemeinen Kulturgut immer die besonderen Bedürfnisse der Polizei betonen muß. Hauptzweck des Unterrichts ist nicht Ver- mittlung von Wissen, sondern von Können: nicht Lernschule, Lcbensschule muß es sein, um die jedesmal anders gelagerten, unvorhergesehenen Fälle des Lebens sofort geistesgegenwärtig be- handeln zu können. Das Lernen muß sich also zum bewußten Arbeitsvorgang gestalten, zum eigenen Nachdenken und selbständigen Beobachten erziehen— ein Lchrprinzip, das schon als solches zur Idee der Selb st Verantwortung und Selbftent- scheidung im Aolksstaat hinführt! Für die Stoffauswahl sind maßgebend die Gesichtspunkte der besonderen polizeilichen Aufgaben zur Erhaltung und Sicherheit des republikanischen Staates, zur Wahrung eines geordneten Wirtschaftslebens und Rechtslebens. Im Mittelpunkt des gesamten Unterrichts steht somit die Staats- und Wirtschaftskunde, ein aus verschiedenen Elementen neu Msormtcs Unterrichtsgcbict. Es ist besonders zu begrüßen, daß jetzt nach den ersten 19 Jahren von Versuchen und Erfahrungen hierfür das wissenschaftliche Fundament geschaffen ist durch ein soeben(im Ver- lag Diesterweg, Frankfurt a. M.) erschienenes Lehrbuch, bearbeitet von dem Dezernenten Bose und noch anderen hervorragenden Fach- leuten(Prof. Feuerstack, Dr. Pokrandt, Dr. Hoßbach, Dr. Wagner). VeriieMmWe und VerKehmdiniz. Auch das Publikum muh helfen. - Zweckmäßige Ernährung. Der hauplousfchuß für Deutsche Fleischerzeugung und Verwertung veranstaltete im Reichswirtschaftsral eine Sund- gebung, die sich mit der Propaganda des Fleisch- k o n s u m s beschäftigte. Prof. Dr. I u ck e n a ck hielt einen Vortrag über„zweckmäßige Ernährung", der sich gemäß den Grundsätzen des Hauptausschusses hauptsächlich mit der Fleischnahrung beschäftigte. Der Vortragend« . polemisierte gegen neuzeitliche„Ernährungsapostel". In Wahrheit sei der Mensch seiner Entwicklung noch und seiner körperlichen Be- schaffenhcit wegen auch ein F l e i s ch e s s e r. Am besten bekäme ihm gemischte Kost und es wäre ihm olles zuträglich, was ihm schmecke. Von dieser wissenschaftlich autoritativen Seite wurde dann weiter den Hörern die Zuträglichkeit des Schweineschmalzes und der inneren, bisher als geringwertig bezeichneten Organe der Schlacht- tiere gepriesen. Die inneren Organe enthielten in reichlicherem Maße als Muskelfleisch die so wichtigen Vitamine, Lezithins und Hormone; daher sei auch das Wurstessen sehr zuträglich. Das Fest der Goldenen Hochzeit feiert heute unser� schon unter dem Sozialistengesetz tätig gewesene Genosse Gustav Schrepper und seine Ehefrau. Genosse Schrepper war fast 25 Jahre im ,.V o r w ä r t s"-Betriebe tätig und mußte wegen eines Unfalles seine Stellung aufgeben.— Wir gratulieren dem Jubilar und seiner Gattin zu dem seltenen Fest und wünschen beiden noch lange frohe Jahre, insonderheit wünschen wir dem Genossen Schrepper beste Gesundheit und hoffen, daß er bald von seiner Krankheit gc- nesen möge. Immer wieder ereignen sich Verkehrsunfälle, die darauf zurück- zuführen sind, daß Kraftfahrzeugführer— sowohl Berufs- wie Selbstfahrer— sich in ongstrunvencm Zustand befunden haben. Diese Vorfälle haben Anfang d. I. das Preußische Ministe- rium für Handel und Gewerbe und das Preußische Innenmini st erium veranlaßt, in einem besonderen Rund- erlaß auf die Gefahrenquelle, die der Alkoholgenuß bildet, nach- drücklich hinzuweisen. Es heißt in diesem Rundcrlaß u. a.: Er- fahrungsgemäß genügt schon eine recht geringe Menge geistiger Getränk«, um diescmge Sicherheit, Schnelligkeit und Schärfe der Beobachtung und des Entschlusses aufzuheben, deren der Kraftfahrzeugführer zur Ausführung seiner veranl- wortungsvollen Tätigkeit bedarf. Ein Kraftfahrzeugführer ist des- halb vor und während der Fahrt unbedingt verpflichtet, geistige Ge- tränke entweder überhaupt nicht oder doch nur in ganz geringem, unzweifelhaft nicht schädlichem Maße zu sich zu nehmen und, falls er dieses Maß überschritten hat, unter allen Umständen auf die Führung des Kraftfahrzeugs zu verzichten.. Ein Kraftfahrzeugführer, der gemäß§ 17 Abf. 1 der Verordnung über Kraftfohrzeugverkehr vom 15. 7. 1930(RGBl. 1, S. 276)„zur gehörigen Vorsicht in Leitung und Bedienung seines Fahrzeuges verpfichtet ist", oerstößt gegen diese ihm obliegende Pflicht, wenn er die Führung eines Kraftfahrzeugs übernimmt, obwohl er unter der Wirkung des Alkohols steht. Ein Kraftfahrzeugführer, der sich dar- über hinwegsetzt, beweist damit einen derartigen Grad von Leicht- sinn und Verantwortungslosigkeit gegenüber seinen Mitmenschen, daß er zur Führung von Kraftfahrzeugen ungeeignet erscheint. Jedem Kraftfahrzeugführer, der sich nach einem seine Fahrsichcrheit beeinträchtigenden Genuß geistiger Getränke ans Steuer des Kraft- rvagens oder auf ein Kraftrad fetzt und dadurch einen Unfall herbei- führt, ist daher unnachsichllich der Führerschein zu entziehen, wobei nach der ständigen Rechtsprechung des Oberverwal» tungsgerichts auf die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage des Krastfahrzeugführers durch die Entziehung der Fahr- erlaubnis keine Rücksicht genommen werden darf. Di« Fahr- schulunternehmer und die Fahrlehrer sind erneut zu er- suchen, die Fahrschüler bei der Ausbildung eindringlich über die Folgen des Alkoholgenusses beim Führen von Kraftfahrzeugen im Sinne der obigen Ausführungen zu be- lehren und sie auf die ihnen durch die Entziehung der Fahrerlaub- nis drohenden schweren Nachteile hinzuweisen. Die staatlichen Polizeivcrwaltungen werden in dem Runderloß aufgefordert, auf Grund der dort geführten Statistiken zu berichten, wieviel Unfälle im Jahre 1939 in ihren Bezirken durch Trunken- heit van Kraftfahrzeugführern verursacht worden sind, und was daraufhin gegen diese Führer veranlaßt worden ist. Es ist im Interesse der Allgemeinheit dringend zu wünschen, daß die Maßnahmen der preußischen Minister Erfolg haben. Aller- dings muß dos Publikum durch sein eigenes Ver- halten die Durchführung der Bestimmungen erleichtern. Es kommt noch oft genug vor, daß Kraftfahrer mit alkoholischen Ge- tränken freigehalten werden, und wenn ein alkoholisierter Chauffeur sich ans Steuer setzt, fehlt es häufig an Freunden, die ihn zurück- halten. Jeder im Volke müßte wissen, daß eine Maschine nur von einem völlig nüchternen Menschen bedient werden darf. Wer als Tourist des Sonntags über unsere Landstraßen geht, der kann sehr oft schon von weitem feststellen, daß eine Autofähre ankommt, deren sämtliche Insassen einschließlich des Führers sehr„scharf geladen" haben. Und wenn der Unglückswagen im wilden Zickzack vorbei- schleudert, dann stellt man fast immer fest, daß der Führer ein Herrenfahrer ist, der sich und seine Insassen' sehr oft ins Unglück und in den Tod chaufficrt. Unterernährung und Wachstumsschäden Verhängnisvolle Folgen der Hungerjahre 1917—1919 Dr. Georg W o lf f, jetzt Abteilungsdircktor der medizinal- I statistischen Abteilung am Hauptgesundheitsamt der Stadt Berlin,' hat vor kurzem über das Ergebnis der Einschulung?- Untersuchungen berichtet, die er— damals als Schularzt— im Verlause von fünf aufeinanderfolgenden Jahren(1924 bis 1928) nach einheitlicher Methodik vorgenommen hat. Die Untersuchungen fanden im gleichen Schularztdistrikt im Bezirk Berlin Prenz- lauer Berg statt. Die Messungen und Wägungen der Schul- linder erfolgten stets unter annähernd gleichen Bedingungen und an gleichen Meßgeräten: besonders geübte und ständig kontrollierte Kräfte führten sie aus. Die Kinder, nur mit dem Hemd bekleidet, erhielten nach der Feststellung von Größe und Gewicht sofort die Kennzeichnung ihrer Größen- und Gewichtsklassen und wurden da- nach zur weiteren ärztlichen Untersuchung vorgeführt. Die Untersuchungen fanden jeweils im Frühjahr des betreffenden Kalenderjahres 4 bis 6 Wochen vor dem Einschulungstermin (1. April) statt. Es handelt sich im ganzen um die stattliche Anzahl von rund 3899 Lernanfängern, und zwar 1966 Knaben und 1873 Mädchen, die in den fünf Jahren der schulärztlichen Untersuchung zugeführt wurden. Den wichtigen auf Grund der Wägungen und Messungen vor- genommenen anthropometrischen Berechnungen ist zu entnehmen, daß bei Knaben und Mädchen übereinstimmend von Jahr zu Jahr ein im Mittelwert deullich nachweisbarer Zuwachs der Größe und des Gewichts stattgefunden hat. Die Differenz des Durchschnitts zwischen 1924 und 1928 beträgt in der Größe 5 Zentimeter, im Gewicht 1,6 Kilogramm durchschnittlich. Größe und Gewicht der Schulanfänger haben also in den 5 Jahren der Untersuchungen in erheblichem Maße zugenommen, im Größendurchschnitt 5 Zentimeter, im Gewichtsdurchschnitt 1,6 Kilogramm. Diese Wachstums- zunähme ist nach den strengen Regeln der„Fehlercheoricn" als außerhalb der Zufallsschwankungen liegend, d. h. als eine„wirk- liche" anzusehen. Den Ergebnissen der anthropometrisch-statistischen Verarbeitung ist zu entnehmen, daß das Größenwachstum noch bis zur Einschulung des Kindes in sichtbarer Weise von Ein- flüssen der sozialen Umwelt abhängig gewesen ist. Es ist hier wohl in erster Linie an die Ernährung der Mütter während der embryonalen Entwicklung der Kinder zu denken, denn wir hoben uns zu erinnern, daß die Geburt der nach dem Ausweis der anthro- pamctrischen Messungen besonders zurückgebliebenen Einschulungs- jahrgänge 1924 und 1925, teilweise auch noch 1926, in die Zeit der größten Hungerpcriode des deutschen Volkes (1917— 1919) fällt. Die damals geborenen Kinder, deren Mütter kaum weniger hungerten als die übrige Bevölkerung, zeigten noch nach sechs Jahren anläßlich der Einschulungsuntersuchungen ein deutliches Wachstumdefizit gegenüber späteren Jahrgängen. Erst die Einschulungsjahrgänge 1927 und 1928 besitzen innerhalb der Fehlergrenzen konstant bleibende Werte. Der Einfluß der Umwelt, ganz besonders der Ernährung, auk Größe und Gewichtszunahme des Menschen ist nach den Unter- suchungen, die Dr. Wolfs an den Schulkindern vorgenommen hat, als erwiesen anzusehen. Seine Untersuchungen an Einschulungs- kindern zeigen mit aller Deullichkeit, daß die durch das unfreiwillige Experiment der Kriegsernährung erzwungenen Beschränkungen der Nahrungszufuhr bei Mutter und Kind nicht ohne nachhaltigen Ein- fluß auf Größe und Gewicht der in der Hungerperiode geborenen Generation gewesen sind. Auch die vielerorts beobachteten Unter- schiede im Kröhenwachstum der Schulkinder verschiedener sozialer Schichten(Volksschülcr, höherer Schüler) sind im wesentlichen durch Umweltseinflüsse bedingt. Unter den Umweltseinflüssen sind auch hier die der Ernährung der Mütter zur Zeit der Schwan- gerschast an erster Stelle zu nennen. Die Größen- und Gewichtsdurchschnitte der Schulkinder erweisen sich also auch als ein recht genaues Maß der jeweiligen Ernährung?- lag« der ansässigen Bevölkerung. Das Ergebnis der onchropome- trifchen Statistik ist in dieser Beziehung weniger für den Einzelfall von Bedeutung, der stets nach oben oder unten abweicht, von größter Bedeutung aber für die Beurteilung der Gesamtbevölkerung und die sozialpolitischen Schlußfolgerungen, die sich daraus ergeben. Be- sonders wichtig sind die sehr sorgfältig erhobenen Unlcrsuchungs- «roebnisse Dr. Wolffs aber insofern, als durch sie der schädliche Ein- fluß der Hungcrperiode auf das Körpcrwachstum der deutschen Jugend klipp und klar nachgewiesen ist. Es waren glorreiche Zeiten...! Möge die jüngere Generation in richtiger Weise ihrer gedenken. Besonders ober der C h a u v i- n i st e n von gestern, die sie herbeiführten, und der E h a u v i- n> st c n von heute, die ihre Wiederholung wünschen. Wieder ein Steuerschwindler am Werk. In den letzten Tagen Hot ein Schwindler unter der An- gab«, Steuerbeamter- zu sein, oersucht, bei Hundebesitzern die Hundesteuer einzuziehen. Er pflegt bei dem Portier des Hauses sich zu erkundigen, wer im Hause Hunde hält. Der Schwindler ist ein kleiner, schäbig angezogener Mann. Die Hundesteuer ist lcdig- lich auf den Steuerkassen zu bezahlen. V�eiterc Preissenkung unserer Sckokoladen! 3 Tafeln zu ie 100 g Vollmifchscfiokolade (Serienpackung)................ 50 Pf. EdeUVollmildi X EdeUVoIlmilcFuNuß Tafeln zu 100 g statt 35 Pf. nur noch.... 30 Pf. Mokka�Sahne X EdeUSahne S EdeUHerh Tafeln zu 100 g statt 40 Pf. nur noch.... 35 Pf. Kakao=PuIver lose, S! Pfd. statt 40 Pf. nur noch 30 Pf. Vollmilch�Nußhruch, Nuß an Nuß, feinste Qualitätsware, S Pfd. statt 30 Pf. nur noch 25 Pf. Creme»Hütchen, Pfd.............. 30 Pf. Pfefferminz=Morsellen, l- Pfd.......... 30 Pf. Gelcc�Früchte,& Pfd............... 35 Pf. lo eigener Fabrik hergestellt