BERLIN Sonnabend 16. Mi 1931 10 Pf. Nr. 225 B 113 48. Jahrgang Erscheint tiglich außerSonntag«. Zugleich Abendauagabe de<.Dorwärt«'. Bezugspreis beide Ausgaben 8S Pf. pro Woche. 3,6oM. pro Monat. Siedaktion und Expedition: BerlinSWes.Lindenstr.S Fernsprecher: Dönhoff 292—297 Anzeigenpreis: Die einspaltigeNonpareillezeile 8o Pf.. ReNamezeil« 6 M. Crmäßigunsen nach Tarif. Postscheckkonto: VorwartS-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr. 37 536.— Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen«ort Zollunion mit allen Ein Angebot von Eurtius in Genf/ Briands Einspruch Genf, 16. Mai.(Eigenbericht.) Die Sitzung der Europakommission heute morgen begann mit einer Einleitungsrede Briands, in der er die Nichtmitgliedsr des Völkerbundes, die zum ersten Male an den Beratungen teil- nahmen, in der choffnung guter gemeinsamer Zusammenarbeit be- grüßte. Es erfolgte ohne Debatte der Eintritt in die General- dcbatte über die europäische Wirtschaftskrise, die von Reichsaußenminister Dr. Curtius eröffnet wurde. Er be- grüßte die Möglichkeit zu einer allgemeinen Aussprache. Die Rot erfordere neben eigenen Maßnahmen die Mitwirkung am ge- meinsamen chilsswerk. Kein Land sei so an der Sanierung des gesamteuropäischen Körpers interessiert wie Deutschland, das in der Mitte Europas allen Erschütterungen und Störungen am stärksten ausgesetzt sei. Curtius verwies auf die Verhandlungen der Jntcr- nationalen Handelskammer in Washington und die Feststellungen des Internationalen Arbeitsamtes, die ihm ersparten, die Ursachen der Weltkrise zu erläutern. Speziell europäisch sei als Krisenursache das Zerfallen Europas in eine Unzahl kleiner Wirtschasts- gebiete. Es komme nicht darauf an, über den deutsch- österreichischen Plan im besonderen zu sprechen. Er wolle nur Ge- danken allgemeiner Art anregen, in welchem Maße der Gedanke von Zollunionen zwischen einzelnen Ländern oder Gruppen von einzelnen Ländern geeignet sei, den unhaltbaren wirtschaftlichen Verhältnissen Europas abzu- helfen. Aus dieser unhaltbaren Lage Europas führt nur ein Weg heraus: Die ständige Vergrößerung des Wirtschasts- gebietes. Zwei Methoden müßten dabei nebeneinander lausen: einmal die multilateralen Verhandlungen als gesamt- europäische Lösung, dann ober müsse es den einzelnen Staaten über- lassen bleiben, den Aufbau von unten her, also Ver- einbarungen zu zweien zu schaffen, welche die Tendenz zur Der- ollgemeinerung haben, ohne sich darum abzuschließen. Diese regio- nolen Verständigungen würden zunächst an die Stelle vieler kleinerer Wirtschaften weniger größere setzen. Diese Entwicklung führe zwangsläufig zur Zollunion. Eurtius erläuterte dann die Geschichte von europäischen Zollunionen. Mit erhobener Stimme erklärte er, daß der Gedanke einer Zollunion zwischen Frank- reich und Deutschland ernsthaft verfolgt worden sei. Gerade er habe sich schon als Wirtschaftsminister besonders mit dieser Frage besaßt. So erklärte er sich sür Deutschland hier feierlich bereit, Zollunionen mit jedem Lande abzusckzließea. ohne Unterschied der Größe und der Richtung. Er bitte, diese Auf- sorderung sehr ernst zu nehmen. Daneben sei Deutschland bereit, gemeinsam mit allen Staaten in diesem Ausschuß alle ernsthaften Wege gemeinsam zu gehen, die eine Lösung oder Erleichterung der Krise mit sich bringen könnten. Briands voreilige Festlegung. V. Sab. Gens, 16. Mai.(Eigenbericht.) Briands Erwiderung war kurz, aber auffallend scharf. Einmal schien er die Frage der Zollunionen zu b a g a t e l l i s i e r e n: sie bilde ja nur einen Teil der großen Wirtschaftsprobleme, die zur Debatte stünden und außerdem seien die Schutzzölle weit eher eine Folge als eine Ursache der Wirtschaftskrise— eine überaus anfechtbare These. Bor allem aber erklärt« Briand, daß man nicht das tun dürfe, was„durch die Verträge nicht erlaubt, sei. Zwar hatte Briand ausdrücklich betont, daß er nur in seiner Eigennschaft als Vertreter der französischen Regierung das Wort ergriffen habe und nicht als Vorsitzender. Aver sowohl der scharfe Ton seiner Erklärung wie auch vor allem ihr Inhalt haben in deutschen Delegationskreisen erhebliche Mißstimmung hervorgerufen. Man empfand sofort, daß Briand nicht das Recht hatte, schon jetzt Sie These der französischen Kammer, wonach die deutsch-österreichische Zollunion im Widerspruch zu den Friedensverträgen stehe, auf dieser Tagung der Europatommission offiziell zu oerkünden, be- sonders dann nicht, wo jeder weiß, daß die Mächte sich darüber «inigen wollen, ein Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofes im Haag darüber einzufordern. Durch feine Behaup- tung, daß die deutsch-österreichische Zollunion„durch die Verträge nicht erlaubt" sei, mußte Briand den Eindruck erwecken, als lege er sich schon jetzt aus diese Auffasiung f e st, e h e noch der Internationale Gerichtshof das Urteil gesprochen. Curtius hat dann kurz, höflich, aber bestimmt erwidert, daß man die Rechtsfrage in diesem Stadium der Dinge noch nicht erörtern ftillt«, sondern das vereinbart worden fei, sie erst im Bölkerbundsrat j.______ Toscanini statt Goethe. Ein Symbol des faschistischen Italiens. Am 1. Dezember 1936 wurde hier ein Zeitbild zurechtphanta- siert:„Goethe kriegt Maulschellen." Der etwas fernliegende Fall war angenommen, daß der alte Geheimrat in unseren Tagen noch einmal Lust bekäme, im besseren Berlin spazieren zu gehen. Er gerät dabei in einen Trupp junger Faschisten und wird, da er deren Treiben verständnislos gegenübersteht, schmachvoll maul- schelliert, wobei Publikum und Presse natürlich für die Raufbolde vom Hakenkreuz Partei ergreifen. Heinrich Mann ist es, der irgendwo bemerkt, daß die Wirt- lichtest immer höchst unwahrscheinlich sei. Iedensalls ist es noch keiner dichterischen Phantasie gelungen, Fälle wie den Hauptmann von Köpenick oder Harry Domela durch erdichtete Situationen zu übertreffen. Im vorliegenden Fall hat die Wirklichkeit sich beeilt, den Satiriker als Stümper zu entlarven. Sie hat bewiesen, daß seine auf das Extrem zugespitzte Phantasie nichts anderes ist— als die WirNichkeit in sechs Monaten. Statt Goethe— Toscanini. Statt des Dichterfürsten der geniale Musiker. Sonst kein Unterschied Ein Mensch von höchster Geistigkeit muß von den Anbetern der rohen Gewalt die schwach- wollste Erniedrigung der Menschenwürde einstecken, weil er sich weigert, im Chor der Wölfe mitzuheulen, weil er seine Kunst durch den Ritus plumper Acußerlichkeiten nicht hinabziehen lassen will. Und niemand, der ihn schützt... Jedes System schafft sich die Symbole, die ihm angemessen sind. Wir gaben einem angenommenen faschistischen Deutschland das Symbol des geohrfeigten Goethe. Das wirklich faschistische Italien hat sich den geohrfeigten Toscanini zum Ausdruck seines geistigen Habitus erkoren. Wenn wir den einheimischen Stand unserer Rekord- und Muskelprotzerei betrachten, so sehen wir uns den italienischen Idealen bereits bedenklich nahe. Daß ein geistiger Vortrag eines Dichters niedergebrüllt wird, wundert schon keinen Menschen mehr. Und wenn irgendein aufgeregter Neurastheniker einen sozialdenrokratischen Gewerkschaftsführer im Gerichtssaal ins Gesicht schlägt, so bejubelt nicht nur die offizielle Moskaupresse, sondern mit ebenso großem Behagen die kulturell angesch!ninkte Münzenberg-Presse diese Heldentat. Die Stuttgarter Sekundaner, die in ihren Schulaussätzen sich den Wiederaufstieg Deutschlands nur als neues Blutbad, als Nieder- metzelung des äußeren und inneren Feindes vorstellen konnten— sie haben gewiß kein Verständnis mehr für die Dichterfreundschoft zwischen Schiller und Goethe. Ihrer Mentalität würde es viel mehr entsprechen, wenn Schiller und Goethe die Frage, wer von ihnen der größere Dichter sei, durch einen Boxkampf über zehn Runden und mit 6-Unzen-Handschuhen ausgetragen hätten. Ein französischer Marquis hat Frankreich einmal die größte Schmach angetan, als er Voltaire von Lakaien überfallen und verprügeln ließ. Die Französische Revolution von 1789, die dos Geschlecht dieses Marquis aus dem Land« trieb und sein Schloß ein- äscherte, hat mit mancher anderen auch diese Schmach gelöscht. Die Röte auf den Wangen des brutalisierten Genies brennt weiter als Schamröte, als Flammenröte. Der Geist geht wundersame, oft erst sehr viel später erkennbare Wege, um sich gegen die miß- handelnde Faust Genugtuung zu verschaffen. Aber er schafft sich Genugtuung...)onatbsn. Oer Schrecken des Oderbruchs Manschnower Mord aufgeklärt- Täter geständig In der Rächt zum Sonnabend vor Ostern, dem 4. April d. X. wurde, wie wiederholt berichtet, in Manschnow bei Küstrin der Amtsvorsteher Schiewe von Einbreckzern erschossen. Der INörder ist jetzt in der Person des 27 Zahre allen WillyRewers festgestellt, der in der vergangenen Rächt ein umfassendes Geständnis abgelegt hat. Rewers, ein früherer Fürsorgezöglmg, ist wegen Einbruches. Körperverletzung usw. dreizehnmal vorbestrast, das letzte» mal zu 214 Jahren Gefängnis. Als am Ostersonnabend das Der- brechen an dem Amtsvorsteher Schiewe geschah, tauchte zunächst die Vermutung aus. daß die Tat von Berliner Einbrechern ausgeführt sein müßte. Das stellte sich bald als falsch heraus. Systematisch wurden nun alle Wanderburschen gesucht, die zur Zeit der Bluttat in Manschnow gesehen worden waren. Verdacht richtete sich auch gegen eine Anzahl Personen, die in den Nachbarorten wohnen, weil man ihnen Einbrüche zutraute. Unter diesen Leuten befand sich auch der vorbestrafte Willy Rewers. Seine Eltern wohnten in Das Eonniagswetter! Sehr warm, Gewitter und Regen wahrscheinlich. Die Welleraussichlen für den morgigen Sonntag lauten nicht sehr verheißungsvoll. Bei hohen Temperaturen und Wolkenbildung ist bei südlichen Winden aller Voraussicht nach mit lokalen Gewittern und Regen zu rechnen. Die Wetterkundigen bezeichnen den zu erwartenden Witterungs- charakter mit„T r e i b h a u s w e t t e r". Das heißt, das sehr warme aber ziemlich feuchte Lust ein tropenähnliches Klima schaffen wird. Ein nordwestliches Tiefdrucksystem breitet sich zur Zeit immer mehr nach Mitteleuropa aus und das Reich gelangt ollmäh- lich in sein Wirkungsbereich. Da sich unser Gebiet innerhalb eines feuchten und warmen Luftkörpers befindet, wird starke Neigung zu Gewittern bestehen. Im großen und ganzen sieht es so aus, als ob zu Beginn der kommenden Woche ein Uebergang zu kühlem und unbeständigem Wetter zu verzeichnen sein wird. In Berlin herrschten heute früh um 8 Uhr 26 Grad und mittags annähernd 26 Grad Wärme. Kienitz. Der junge Rewers hielt sich bald zu Hause auf, bald streifte er in der Gegend umher, ball» wieder machte er einen Abstecher nach Berlin. Einer regelmäßigen Arbeit ging er nicht nach. Am Tatort, im Dienstzimmer in Manschnow, waren ein Rucksack und andere Sachen gefunden worden. Als Besitzer der Gegenstände konnte schließlich vor einigen Tagen Rewers ermittelt werden. Jetzt wurde nach ihm besonders eifrig gefahndet. Am Donnerstagabend konnte er, der sich in der letzten Zeit zu Hause nicht mehr sehen ließ, in einem Kino am Gesundbrunnen festgenommen werden. Beim Verhör auf dem Polizeipräsidium leugnete er hartnäckig. Ms ihm aber nachgewiesen wurde, daß er verschiedene Einbrüche in der Umgebung ausgeführt und in Manschnow auch gearbeitet hatte, legte er ein G e st ä n d n i s ab. In der Aprilnacht bohrt« er das Schloß an der Haustür des Amtsvorstehers an, griff durch die Oeffnung und schloß auf. Ebenso beseitigte er eine schwere Eisenstange und die Riegel. Im Amtszimmer schloß er die Tür hinter sich zu, um nicht gestört zu werden. Planmäßig machte er sich an das Suchen nach einer Kassette. Der Amtsvorsteher muß Geräusch gehört haben, denn er rüttelte an der verschlossenen Tür. Da er richtig Einbrecher vermutete, so rief er„Aufmachen oder ich schieße!" Rewers. der sich in der Falle sah, holte feine Waffe heraus und machte sie schuhfertig. Leise schlich er zur Tür. riß sie plötzlich aus und feuerte auf den draußen stehenden Amtsvorsteher. Der erwiderte zwar die Schüsse, traf aber nicht. Ihn selbst dagegen hatten die Kugeln des Rewers so schwer getroffen, daß er wenig« Minuten darauf starb. Durch das Dazwischentreten ,t>es Amtsvorstehers will Rewers, wie er behauptet, nichts erbeutet haben. Eine halbe Milliarde! Die Fehlbeträge der Gemeinden. Aus einer kommuvalpolittschen Tagung in Münster in West- salen schätzte der Leiter der kommuuolabteiluug im preußischen Zaneuministcrium Dr. von Leyden die gesamten Fehlbeträge der Kommunen für das Jahr 1931 auf rund eine halbe Milliarde Mark, hinzu kämen noch die kurzfristigen Kredite der Kommunen. Verleumdung gegen Dr. Weriheimer. Sine Klage gegen Halenkreoz Verleumder. Das deutsche Mitglied des Informationsbüros des Völkerbundes, der frühere Londoner Berichterstatter des„Vorwärts" und des Sozialistischen Pressedienst, Dr. Egon Wertheimer, hat die Rechtsanwälte Olden und Dr. Wild beauftragt, eine Klage auf Wider- ruf und einstweilige Verfügung auf Unterlassung falscher Behaup» tungcn gegen den neuen Berliner Osaf von Petersdorf, gegen den„A n g r i f s" und gegen den„I u n g d e u t s ch e n"«inzureichen. Die Treibereien gegen Dr. Egon Wertheimer begannen mit dem Augenblick seiner Genfer Ernennung. Seit dem Berliner Besuche des Generalsekretärs des Völkerbundes, Sir Eric Drummond, der sich in Begleitung des deutschen Untergeneratsekretärs Dufour. Feronce und von Dr. Egon Wertheimer befand, hat die Kampagne gegen Wertheimer sich wieder verstärkt. Es wurde öffentlich be- kanntgegeben, daß die Personalfrage noch nicht erledigt sei: Dr. Wert- heimer ist zunächst nur provisorisch auf ein Jahr bestellt worden, ähn- lich wie olle Völkerbundsbeomten, und seine endgültig« Ernennung wird erst anläßlich der Ratstagung, Ende Mai, bestimmt werden. Der Augenblick schien dem„Angriff" und dem„Jung- deutschen" äußerst gelegen, um über Dr. Wertheimer falsche Meldungen in die Oeffentlichkeit zu bringen. So sprach der„An- griff" von einer„dunklen Vergangenheit", die Dr. Wert- heinier dem Auswärtigen Amt oerschwiegen hätte; er habe während der Räterepublik als„Adjutant Eisners" fungiert und in München für den Bolschewismus gearbeitet: auf seinem Gutsbesitz Ranshofen in Braunau am Inn sei der„Massenmörder Bela Kuhn" beherbergt worden. Der„I u n g d e u t s ch e" glaubte außer dem noch zu wissen, daß Wertheimer den Kurier der Bolschewisten zwischen München, Wien und Budapest gespielt habe. Die Quelle dieser Behauptungen ist nicht unbekannt. Den Ge> währsmann machte der kürzlich von chitlcr, an Stelle des Feme- inörders Heines neu ernannte Berliner Osaf, Hauptmann a. D. Hör st von Petersdorf. Dieser Herr hatte seinerzeit unter der Maske der Zugehörigkeit zur bayerischen Landespolizei in der Gegend von Braunau am Inn herumspioniert und hat es auch versucht, auf dem Gute des Dr. Wertheimer als„Kommunist Landsberg aus Berlin" Informationen zu holen. Das Ergebnis seiner Kundschaftertätigkeit waren verschiedene falsche Behauptungen, die er bereits im vorigen Herbst in einer Wähleroersammlung im Salzburgischen über Dr. Wertheimer auf- gestellt hatte. Unter anderem gefiel er sich in heftigen Angriffen gegen den Landeshauptmann von Salzburg, Herrn Dr. Rehrl, und den Braunauer Bezirkshauptmann. den Oberregierungsrat Baron Hammerstein, hie es nicht oerhindert hätten, daß der„Bolschewist" Wertheimer in den Völkerbund berufen worden sei. Dr. Wertheimer, der im Weltkrieg als Fliegerleutnant mehrfach ausgezeichnet und verwundet worden ist, gehört der Sozialdemo- kratischen Partei an. Er war als Student drei Monate lang Privat- setretär des Münchener Professors der Nationalökonomie Joffe. der von Kurt Eisner als Finanzminister in das erste republikanisch« Kabinett berufen wurde. Dr. Wertheimer hat in Heidelberg promo- viert, war Redakteur am sozialdemokratischen„Hamburger Echo" und später Londoner Berichterstatter des„Vorwärts" und des „Sozialdemokratischen Pressedienst". Daß er zum deutschen Mitglied des Informationsbüros des Völkerbundes ernannt werden sollte, kommt den völkischen Kreisen selbstverständlich sehr ungelegen. Daher ihre Verleumdungen. Das Chequers-London-programm. Vom S. bis 9. Juni. Condon, 16. Mai. Das Programm für den Besuch des deutschen Reichskanzlers und des Reichsaußenministers in Chequers ist jetzt fertiggestellt. Die beiden deutschen Staatsmänner werden am S. Juni in London ein- treffen. Noch am Abend desselben Tages findet zu ihren Ehren ein Bankett im Foreign Office statt, und am folgenden Tage, das ist Sonnabend, den 6. Juni, begeben sie sich in Kraftwagen nach Chequers, wo sie zum Frühstück eintreffen werden. Der Reichskanzler und der Reichsaußenminister verlassen Chequers wieder am Sonntagnachmittag. Am Montag gibt die Englisch-Deutsche Bereinigung den deutschen Staatsmännern ein Frühstück. Am Nachmittag findet ein Tee und Empfang im In- ftitut für auswärtige Angelegenheiten statt, und am Abend gibt der deutsche Botschafter ein offizielles Bankett auf der deutschen Botschaft, zu dem die Mitglieder der britischen Rs- gierung, die Führer der Oppositionsparteien und die höchsten Be- amten des Foreign Office geladen sind. An das Bankett schließt sich «in großer Empfang an. Dienstag, den 9. Juni, fahren Reichs- kanzler und Reichsaußenminister yber Southampton nach Deutschland zurück. Tragödie der Verwechselung. Drei Tote in Granada.— Reaktion gegen Kirchenzerstörung Madrid, 16. Mai.(Eigenbericht.) In einem kleineren Orte bei Granada wurde gestern abend wieder der Versuch gemacht, ein Nonnenkloster in Brand zu stecken. Die Bevölkerung hat ober das Feuer verhältnismäßig schnell zu löschen vermocht. Da die Brandstifter im Auto entflohen waren, wurden die Orte d«r Nachbarschaft benachrichtigt. In einer Gemeinde ging die gesamte Bevölkerung auf die Straße, um die Flüchtlinge abzufangen. Ein Auto raste heran und wurde zum Halten aus- gefordert. Der Chauffeur fuhr mit erhöhter Geschwindigkeit weiter, tötete zwei Personen und verwundete vier. Dann schlug das Auto kurz daraus in einer Kurv« gegen eine Mauer. Nun stellte sich heraus, daß es sich um ein tragisches Versehen gehandelt hatte. Die Insassen waren gar nicht die gesuchten Brandstifter, son» dern ein Fobrikdirektor mit seiner Familie, der geglaubt hatte, er habe eine in Aufrthr befindliche Bevölkerung vor sich, die ihm etwas anhaben wolle. Der Autobefitzer ist auch tot, und zwei weitere Insassen des Wagens sind verwundet. Der Fabcikdirektor hatte noch, als er sah, daß sich die Meng« auf ihn stürzen wollte, eine Pistole gezogen und unt«r die Bauern und Arbeiter geschossen. Im allgemeinen hat eine starke Reaktion gegen die Er- eignisse des Wochenanfangs eingesetzt. Nicht«ine Reaktion gegen die Republik und für die Kirche, sondern lediglich gegen die U n- r u h e st i f t« r. lleberall werden Bürgergarden aus Soziallsten und Republikanern gebildet. An manchen Orten sind sie schon in Tätig. keit getreten. So in einer kleinen Stadt der Provinz Milrgr, als ein Auto mit linksradikalen Elementen aus Malaga eintraf, die die Pfarrkirche in Brand stecken wollten. Die Republik noch eben erlebt. In Madrid starb gestern abend die Witwe d«s Präsidenten der ersten spanischen Republik Salmeron. Sie hatte neben dem kurzen Triumph ihres Gatten viele lange Jahr« der Verbannung mit ihm zusammen erlebt. Salmeron war ihr schon 1968 im Tod« voraus- gegangen. fß Quadragesimo anno Oer Papstbrief über Kirche und(Sozialismus U Das Verhältnis der sozialistisch denkenden Arbeiter zu ihren kirchlich gesinnten Klassengenossen ist für die Arbeiterbewegung von großer Bedeutung. Darum ist das neue Rundschreiben des Papstes über die bestehende Gesellschaftsordnung und die Arbeiterfrage auch für uns eine wichtige Angelegenheit. Das neue Papstschreiben„Luaärsgeximo anno"(im vierzigsten Jahre) knüpft a?i die Enzyklika„Kerum novarum" an, die Leo XIII. vor 40 Jahren erlassen hatte, lieber die Bedeutung di«ser Enzyklika vom Jahre 1891 schreibt jetzt rückschauend die „Germania": Die Kirche vollzog hier in ihren An- schauungen einen fundamentalen Umschwung: denn sie beschäftigte sich nun mit der Frage, zu der sie bis dahin eine Stellungnahme nickst gefunden hatte. Selbst bei den Kirchen- vätern finden wir die verschiedensten Auffassungen über die Frage, ob der Kirche eine solche Stellungnahme zukomme oder ob sie sich allein auf die Vorbereitung zur Erreichung des jenseitigen Zieles beschränken soll. Jetzt aber versucht« die Kirch«, eine neue Gcmeinschaftsordnung herbeiz u- führen. Kein Wunder also, daß sich die katholische Kirche auf diesem ihr neuen Boden nur vorsichtig und etwas unsicher bewegt. In ihrem inneren Umschwung, der mit der alten Enzyklika begann und der mit der neuen fortgesetzt wird, spiegelt sich der Umschwung der äußeren Verhältnisse, aus d«m die Kirch« gelernt hat und wahrscheinlich auch noch weiter lernen wird. Sah sich die Kirche schon vor 40 Jahren genötigt, sich mit der sozialen Frage ernsthaft auseinanderzusetzen, so kann sie jetzt auch nicht mehr umhin, die sozialistische Gesellschaststrstik im entscheiden- den Punkt zu bestätigen:„Sehen wir doch auf der«inen Seite ungeheure Vermögen in der Hand ganz weniger Ueber- reicher zusammengeballt, aber auf der anderen Seite eine unabseh- bore Mass« von Nurlohnarbeitern, die nichts besitzen als ihr« Arbeitskraft. Eine Neuordnung der ganzen Wirtschaft ist daher unerläßlich." Kein marxistischer Sozialist hätte das schärfer ausdrücken können! Wir werden von heute ab das Zentrum immer wieder daran erinnern, daß auch nach der Meinung des Papstes„eine Neuordnung der ganzen Wirtschaft unerläß- lich ist". Diese unerläßliche Neuordnung der ganzen Wirtschaft kann in Deutschland nicht vom katholischen Volksteil allein vollzogen werden, da er nur eine Minderheit des Voltes bildet. Sie kann sicher auch nicht vorgenommen werden in Gemeinschaft mit jenen bürgerlichen Parteien, die die Zusammenballung ungeheurer Vermögen in der Hand weniger Ueberreicher fördern. Also bleibt dem Zentrum nur der Weg, sich mit der Sozialdemokratie über die Art und Weise, in der die ganze Wirtschast neugeordnet werden soll, zu ver- ständigen. Daß sich bei diesen Verständigungsversuchen Schwierigkeiten ideologischer Natur ergeben m«rden, zeigt schon der Wortlaut des neuen Papstschreibens selbst. Denn gleich nach dem Satz über die Neuordnung der Wirtschaft heißt e» weiter: Sie(die Wirtschaft. Red. d.„V.") muß der Richtschnur der Gemeinwohlgerechtigkeit wieder angepaßt werden in der Form, daß der gemeinsame Ertrag von Kapital und Arbeit mehr der Billigkeit entsprechend geteilt wird. Was hier verlangt wird, ist als Teilziel auch der Sozialdemo- kratie willkommen— ganz besonders in einer Zeit, in der das Unternehmertum die Löhne noch weiter zu senken be- strebt ist. Man muß von den Herren Brüning und S t e g e r» wald erwarten, daß sie von jetzt ab diesen Bestrebungen den schärfsten Widerstand entgegensetzen werden. Auch kann es nicht so weitergehen, daß jeder neue Beitrag der besitzenden Klassen zur Linderung der ungeheuren Volksnot abgelehnt wird mit der Be- gründung, die Steuerlasten feien jetzt schon zu hoch, um die i«t- wendige Kapitalbildung zu ermöglichen. Allerdings sind wir Sozialdemokraten der Meinung, im End- effekt müsse die gesamte Kapitalmacht aus den Händen der einzelnen genommen und in die der Gesomiheit gelegt werden. Und dann wird es keine Teilung zwischen Kapital und Arbeit mehr geben, sondern der Kapitalertrog wird auf dem Wege über die Allgemein- heit zu dem Arbeitenden wieder zurückfließen. Wir können nicht annehmen, daß eine solch« Neuordnung der Wirtschaft den Auf- fassllngen der kathoiischen Kirche zuwider wäre—— genau wird das in der Enzyklika wohl auch nicht gesagt. Der Papst betritt ein sehr schwieriges Gelände, indem er das Verhältnis zwischen Katholizismus und Sozialismus scharf abzustecken versucht. Die Schwierigkeit besteht darin, daß zwar der Katholizismus ein autoritär festzulegender Begriff ist. den zu definieren der Papst zuständig ist, für den S o z i a l i s- mus aber dies keineswegs zutrifft. Eine allgemein gültige und anerkannte Bedeutung des Wortes„Sozialismus" gibt es nicht. Der Papst oersucht daher zu unterscheiden zwischen dem Kommunismus, dessen Idee für die Kirche„außerhalb jeder Erörterung" stehe, und „der anderen Richtung, die den Namen Sozialismus führt". Von dieser zweiten Rickstung sagt der Papst,„sie hat vielfach starke Ab- striche an ihren Programmen vorgenommen und ist in einer Reihe von Punkten mehr oder weniger den katholischen Sozial- Prinzipien so nahe gekommen, daß viele sich fragen, ob denn außer der Namensverschiedenheit zwischen beiden noch etwas streitig fei". Dennoch fährt der Papst fort: Auch nach diestr weitgehenden Abschwächung und trotzdem viel« seiner Forderungen durchaus der©«» r e ch t i g k e i t entsprechen und auch von der Kirche vertreten werden, legt der Sozialismus(solange er wirk- l i ch e r Sozialismus bleibt) eine Gefellschastsausfaffung zugrunde, die so völlig der wahren Ausfassung von der menschlichen Gesellschaft, wie wir sie aus der Frohbotschaft kennen, ent- gegengesetzt ist. daß jede grundsätzliche Einigung mit ihm immer und unter allen Umständen ausgeschlossen ist; man kann nicht gleichzeitig guter Katholik und wirklicher Sozialist sein. Leider erfährt inan nichts Genaueres darüber, was ein„wirke sicher" Sozialist fein soll. Was uns betrifft, so wollen wir keinen Augenblick verhehlen, daß wir noch unserer Uebcrzeugung„wirkliche Sozialisten" sind. Wir denken nicht daran, diesen wirklichen Sozialismus einer poii- tischen Opportunität zuliebe zu verleugnen. Uns scheint aber, daß der Papst unter„wirklichen Sozialisten"- etwas ganz anderes ver- steht als wir. „Wirklicher" Sozialist ist für uns nur derjenige, der mit uns an der Ucberwindung des Kapitalismus zusammenarbeitet. Und wer mit uns der Ueberzeugung ist, daß diese Arbeit nur auf dem Boden der Demokratie geleistet werden kann, den betrachten wir als Parteigenossen, als Sozialdemokraten. Wir vermögen daher nicht zu erkennen, inwiefern die vom Papst dargelegten Auffassungen der Kirche mit der Zugehörigkeit zur Sozialdemokratischen Partei unvereinbar sein sollen. Daß diese Unverein- barkeit immer noch behoupt«t wird, das wird für die religiösen Sozialisten katholischer Konsefsion eine herbe Enttäuschung sein. Denn sie werden vor die Wahl gestellt, sich entweder zwischen Katholizismus und Sozialismus zu entscheiden oder aber, auf dem Begriff des„wirklichen" Sozialisinus balancierend, herüber- und hinüberzupendeln. Indes wird„Quzdngtsimo anno" ebensowenig das letzte Wort der Kirche sein, wie„Herum novarum" es gewesen ist. Alles ist im Fluß. Die Kirch« bestätigt die Wandlungen des Sozialismus. Die„Germania" bestätigt die Wandlungen der katholischen Kirche. Tatsachen stich es, die die Ideologien beherrschen.„Iderum novarum" war ein Umschwung.„(Zuackraxesimo anno" ist ein Fortschritt. Es wird nicht noch abermals 40 Jahre dauern, bis sich die katholische Kirche zum Sozialismus bekennen wird. Wohnhaus in Feuersnot. Oachstohl und Korblager in Flammen. Durch ein außerordentlich gefährliche« Feuer wurden In der vergangenen Nacht die Bewohner des Hinterhauses Andreasplah Z au, dem Schlaf geschreckt. Kurz nach'A3 Uhr loderten aus dem Dachgeschoß des Fabrik- gebäudes m e t« r h o h e F la m in e n empor. Das in den Dachräumen befindliche Holzlager einer Tischlerei brannte beim Erscheinen der alarmierten Feuerwehr in seinem ganzen Umfange bereits lichterloh. Durch starken Funkenflug wurde ein auf dem Hof besindliches Korb- und Packmaterialienlager in Brand gesetzt. Die Löschmann- schaften mußten wegen des neuen Gefahrenmoments augenblicklich zurückgezogen und mehrere Züge nachalarmiert werden, da für das gesamte Fabrikgebäude und das angrenzende Wohnhaus im Seiten- flügel Schlimmstes befürchtet werden muhte. Die Flammen schlugen vom Hof bis zur 2. Etage hinauf. Fensterkreuze und Gardinen ge- rieten in Brand und die Bewohner mußten die gefährdeten Räume schleunigst verlosten. Dank der umsichtigen Maßnahmen der Feuer- wehren unter Leitung des' Branddirektors Tamm konnte jedoch schlimmeres Unheil verhütet werden. Durch starkes Wasiergeben ge- lang es, die Wohnungen zu schützen und das Feuer im Dachgeschoß und 4. Stockwerk des Ouergebäudes einzudämmen. Lediglich ei» Möbelbetrieb im 1. Stockwerk ist in Mitleidenschaft gezogen worden und zum Teil ausgebrannt. Die Entstehungsursache des aufregenden Brandes ist noch Gegen- stand der kriminalpolizeilichen Ermittelungen. Rekordarbeit im Magistrat. Oauersihungen.— Schwierige Etatsgestaltung. llrn Rathaus beginnen jetzt die ersten Beratungen über die Eiaksgestalluag für das laufende Haushallsjahr. In noch stärkerer weise als fein Vorgänger ist dieser Haushallsplan ein Stak der Not und der Sparsamkeil. Durch den katastrophalen Rückgang der Steuereingängc bei dauernd stelzenden Sozlalansgobcn hal sich die Lage seit dem lehlen Winter statt gebessert erheblich verschlechtert. Trotz bi» an die Grenze de. Möglichen gehender Sparmaßnahmen muß mit einem Fehlbetrag von über 100 Millionen Mark ge- rechnet werden: Hierfür die Deckung zu finden wird auf unge- heure Schwierigkeiten stoßen. Der Magistrat hat sich gestern in einer neunstündigen Dauersitzung nach den Neuwahlen zum ersten Mal« mit der Haus- haltsgestallung beschäftigt. Nach einem«inleitenden Vortrag des Stadtkämmerers wurden die einzelnen Kapitel eingehend behandelt. Entscheidende Beschlüsse wurden jedoch noch nicht gefaßt. Man hofft, mit den Etatsarbeiten im Magistrat in der kam- mendcn Sitzung am nächsten Mittwoch fertig zu werdet� Der Stadtverordnetenversammlung soll der Etat am 3. Juni zugehen. Die nächste Stadtverordnetensitzung findet am kommenden Donnerstag statt. Wann der Stadtgemeinde- a u s s ch u ß wieder zusammentritt, steht noch nicht fest. Absturz einer Lokomotive. Heizer unv Lokomotivführer tödlich verunglückt. Essen. 16. Mai. Ein schweres Eisenbahnunglück ereignete sich heule vormittag an einer llebeesühruvg in der Nähe des Bahnhofs Essen- Nord. Eine Rangierlokomotive wurde von einem ausfahrenden Güterzuge in einer Weiche am Brückenkopf so stark bestreist, daß die Lokomollve die Ranglcrmoschlnc aus den Schienen hob und über das Geländer aus deiz Bürgersteig stürzte. Der Heizer und der Lokomotivführer wurden dabei so schwer verletzt, daß sie bald nach dem Unglücksfall starben. Ein Kind, das aus dem Bürger- steig spielte, trug schwere Lrandverlehungea davon. . Dolkstog in Tempelhof. Infolge des Gewitterregens am Himmelfahrtstage konnte das vorgesehene Programm des Kindertages nur teilweise durch- geführt werden. Die Direktion der Berliner Flughafengcsellschast hat sich deshalb veranlaßt gesehen, am kommenden Sonntag von IS Uhr an den zweiten Teil des Kindertagprogramms durchzu- führen. Fräulein Dröbeljahr wird das Ballonhüpfen zeigen, Puppen- und Tedcybären-Fallschirmobsprünge— ein Geschenk für die Kinder— und die Landung des Kleinluftschiffes auf dem Zen» tralflughafen Tempelhof werden viel Kurzwell bieten. Außerdem wird der bekannte Kunstfliegcr Graf Schaumburg auch am Sonntag seine am Himmelfahrtslag« mit großem Beifall aufgenommenen Flugvorsührungen wiederholen. Die Eintrittskarten des Himmelfahrtstoges behalten auch für die Sonntagveranswltung ihre volle Gültigkeit. D«r Eintrittspreis beträgt sür Erwachsene 23 Pf. und für Kinder 10 Pf. Die gedrosselte Einwanderung. In den ersten drei Monaten dieses Jahres ist die Einwanderung auf 1081S Personen zurückgegangen, während der Abgang durch Auswanderung und Aus- Weisung in der gleichen Zeit auf 2Z 468 stieg, so daß monatlich ZSSO mehr Personen die Vereinigten Staaten verließen als hereinkamen. Tierkunst-Ausstelwng im Zoo. »Sund und Katzem Genau wie ihre sieben Vorgängerinnen eröffnete Prof. Heck diese Ausstellung. Sie wendet sich wieder an alle die Menschen, die mehr oder weniger tierkundig und tierlieb sind, also von der Tierticbe zur Tierkunst und Tierkunstliebe kommen. Darum sieht man fast durchweg Werke, wie sie der natürlichen, unbefangenen Anschauungs- weise eines zugleich Natur und Kunst liebenden Publikums entsprechen. Diesmal wendet sich die Ausstellung in besonderem Maße an Herz und Gemüt: denn die KOO Werke(Gemälde, Plastiken, Radierungen und Figuren der Porzellanmanufakturen) beschästigen sich ausschließlich mit Hund und Katze, diesen beiden Tieren, die allen Menschen am leichtverständlichsten und den meisten Menschen sehr vertraut sind. Für den schaulustigen, fern aller Kritik ge- nießenden Menschen, sagt die Ausstellung, die natürlich Werke stark unterschiedlichen Könnens und Gelingens enthält, sehr viel. Da sieht man den Hund für Zeitvertreib und Hausgebrauch, man gewahrt ihn als Charakter und verspieltes Zuchtexpcrimsnt. Und dann die Eleganz der Katzen, begonnen mit der fast unglaublichen Ge- schmeidigkeit und endend mit der sehr bewußten Koketterie.!In ollen Künstlern ober ist ein Ringen um das Wesen des Tieres: mögen sie den Tierkörper nun ganz als Form erfassen oder ihn in Linien auflösen, mögen sie sich und andere an den Lichtreflexen in den Augen oder dem Farbspiel auf dem Fell ergötzen. Jedem Ge- schmack ist Rechnung getragen und auch jedem Geldbeutel. Es gibt bereits Kunstblätter von 2 Mark an. Wenn man jedoch dieser Aus- stcllung vorwerfen sollte, sie sei in erster Linie Verkaufsausstellung, so kann sie diesen Vorwurf ertragen: denn es ist nicht angebracht, nur unverkäufliche Werke für Kunstwerke anzusehen. Ist doch gerade in dieser Ausstellung manche Arbeit, die volkstümlich in des Wortes allerbester Bedeutung ist. e. b. Zur„Quadraiur des Kreises". Zur Aufführung des russischen Lustspiels, das jetzt im Wallnsr- Theater läuft, wird uns von einer Genossin, die das Stück in Moskau sah, geschrieben: „In der Woche zwischen dem 27. März und 2. April 1930 wurde„Die Quadratur" in einem der kleineren Staatstheater in Moskau gespielt, und zwar ganz vorzüglich. Die Inszenierung war höchst realistisch, die Ausstattung so einfach wie nur denkbar. Köstlich war, wie die Komsomolzy(Jungkommunisten) sich bei allem, was sie hm oder tun wollen, fragen, ob es auch mit der Ethik vereinbar sei, die man sie gelehrt hat, und mehrfach bekämpfen sie das eigene Verlangen nach einer Sache mit der Begründung, daß die Befriedigunng des Verlangens oder Bedürfnisses auf Kosten der anderen geschehen würde, und die sozialistische Ethik verbiete solches. Deshalb quälen sich die beiden jungen Ehemänner und die Kam- somolka Tonja erst lange, ehe sie sich zum ersehnten Gattentausch entschließen, weil jedes von ihnen fürchtet, dem bisherigen Ehe- genossen damit wehe zu tun. Schließlich kommt der Austausch unter der Verständnis- und liebevollen Mithilfe des Partorganisators, Jugendführer, würden wir sagen, zustande. Die heitere, gemütliche Ironie des Stückens kann selbst den empfindlichsten Stellen nicht wehe hin, und doch spürt man auch bei diesem leichten„Scherz"stückchen den tiefen Ernst in der Kritik, dos Bewußtsein der großen Schwierigkeiten, derer man von heute auf morgen nicht Herr werden kann, weil zu vieles getan werden mutz, was viel Zeit und viele Kräfte erfordert. In derselben Woche wurden übrigens in größeren ftaallichen Theatern zwei Stücke„Die Ehefrau" von Trenjoff und„Der Sonderling" von Afinogenoff gegeben, in denen sehr ernste Kritik an den Zeitzuständen und den Wirkensmethoden geübt wird— unter dem von allen betonten Leitwort:„Selbstkritik bis zur Selbst- geißelung führt allein zur Abstellung von Ucbeln." „Nachtasyl" in Carows Lachbühne. Man muß lange warten, bis man Erich Carow da oben am Weinbergsweg auf der Bühne zu Gesicht bekommt. Es wird wirklich fast eine Nachtvorstellung, dieses Nachtasyl, das mit Gorki natürlich nichts zu tun hat. Zuvor erfreuen die anderen Kräfte die Getreuen des Hauses: das unverwüstliäze Berlinertum des Douerjubilars Fredy Sieg, Tenorsüßigkeiten, Hausquartette, exotische Tänze eines fabelhaft gewachsenen Negers und einer Kreolin. Der Verwandlung?- komiker M e st r u m kriegt die Leute mit seiner scheinbar altmodischen Nummer zum Lachen. Den sentimentalen Bedürfnissen, der Schau- und Gesangslust"dient die nur allzu lang geratene Wildwest- Szene, worin Lucie Carow inmitten des ganzen Personals die Hauptrolle spielt. Dann kommt endlich Carow selbst. In einem unglaublichen Auf» zuge torkelt er in eine vornehme Wohnung und richtet sich dort häus- lich ein. Das Schicksal hat ihm wieder mal einen Schabernack gespielt. Betrunken, veralbert, rausgeschmissen, hofft er hier Ruhe zu finden. Aber er wird wieder ein Opfer: die Eheleute spielen ihn gegenein- ander aus und er gerät in die seltsamsten Situationen. Der Getretene feiert Triumphe— ihm winken Brot. Stellung, er avanciert zum Pseudografen und glaubt der Liebhaber der gnädigen Frau zu sein. Vom Bettler zum König durchlebt er die ganze Skala: die Augen treten ihm vor Begierde sast aus den Höhlen, und in aller Trunken- heit bewahrt er sein Köpfchen. Die ganzen Szenen sind Theater im ältesten Sinne: aber welch ein Kerl belebt sie, ein Hanswurst und Komiker von höchsten Graden, bei dem alles, Figur. Stimme, Aus- druck eine Einheit bildet. Der ewige Vagabund, der Außenseiter. der sich in allen Lagen behauptet und immer die Lacher auf seiner Seite hat.__ 10 spanische Königspaläste als Museen. Nach der Bekanntgabe des spanischen Jinanzministers Prieto ist über das Schicksal der Königsschlösser in der Hauptsache bereits entschieden. Die Teile des Madrider Schlosses, die bisher dem Publikum nicht gezeigt wurden, werden jetzt als Staatsmuseen er- öffnet. Eine andere königliche Besitzung, die Casa de Campo, wird sofort dem Publikum erschlossen. El Pardo, der Känigspalost und Park, etwa 13 Kilometer von Madrid entfernt, der eine Stadt für sich und von einer Mauer von 100 Kilometer Länge umgeben ist, wird für gemeinnützige Stiftungen, Kleinwohnungen usw. ver- wendet werden. Die Gebäude und Ställe in Madrid, die die Nüst- kammern und Wagen enthalten, werden zu Museen. Der Escorickl- Palast, der größte der Welt, der ein Gebiet von 1700 ql-m bedeckt', wird nun tatsächlich und endgültig zum Museum, obwohl er es der Sache nach längst war. Ebenso sollen die Paläste der Al- hambra zu Granada und Balladolid. die ebenfalls bereits Museums- charakter hatten, nun dieser Bestimmung definitiv übergeben werden. Die Paläste von Aranjuez und San Jldcfonso in der Nähe von Segovia, der Alcazar von Sevilla und die königlichen Gärten in Valencia werden den Lokaibchördc-i übergeben, jrnd aber abftMwWgwteg.._.".'ü Machtkampf mit Geisteskranken Zwei Gchupobeamie schwer verleht Zu einem aufregenden Kamps kam es heule früh gegen 4 Uhr in einem Hause in Charlottenburg. In der Zlsenburger Straße 37 versuchten fünf Schupobeamtc den geisteskranken Gemüse- Händler Friedrich Roß, der einen Anfall erlitten hatte, zu überwäl- tigcn. Erst als er eine Schuhverletzung in die Hüsle davongetragen hatte, konnle man ihn abkransportieren. Auch zwei Beamte, die Oberrvachlmeifler Decker und welke vom Revier 130 in Char- lottenburg, mußten mit schweren Slichverletzungen in den Ober- armen nach dem Polizeikronkcnhaus gebracht werden. Roh befindet sich zur Zeit im Krankenhaus Westend, wird aber nach Wittenau gebracht werden müssen. In dem 5)ause Jlsenburger Straße 37, an der. Ecke der Nord- hauser Straße, betreibt der 46 Jahre alte Händler Roß ein offenes Gemüse- und Dorkostgeschäft. Er ist oerheiratet und Vater von fünf Kindern. Bei den Nachbarn erfreut er sich keine- guten Rufes. Alan weiß, daß er trinkt und in seinem Rausch die ganze Familie drangsaliert. Schon oft hat die Frau mit den Kindern vor dem Wüterich bei Nachbarn Zuflucht suchen müssen. In der Trunkenheit verfällt Roß in einen Zustand, der für seine Umgebung lebensgefährlich ist. Er verliert jede Gewalt über sich und mußte deshalb schon einmal nach Wittenau gebracht werden. In der vergangenen Nacht gegen 4 Uhr kam es in der Wohnung wieder zu einer wüsten Szene. Roß war wieder stark betrunken und ging auf Frmi und Kinder los. Di« verängstigte Frau war mit drei Kindern geflüchtet, mit den beiden anderen hatte sich Roß in eine Stube«ingeschlossen. Die Frau, die für ihre Kinder fürchtete, rief Polizeibeamte zum Schutze herbei. Zwei Schupos, die zunächst mit ihr kamen, konnten nichts ausrichten, Roß öffnete nicht. Da man Blutoergießen ver- meiden wollt«, wurden noch drei weitere Beamte herzugerufen. Der Wahnsinnig« im Zimmer stieß mit dem Messer durch das Holz der Türfüllung und droht« jeden anzufallen, der her- einkäm«. Die Beamten traten aber doch die Tür ein. Roß halle in einer Hand ein scharfes Schlächlermesier. in der anderen ein verrostetes Seitengewehr. Damit hieb und stach er um sich. Da mehrere Beamte schon ver» letzt waren, gab schließlich einer einen Schuß ab und traf Roß in die linke Hüfte. Jetzt konnte er gepackt werden. In einem Rettungs- wagen wurde er dann nach dem Krankenhaus gebracht. Er hat anscheinend einen Steckschuß davongetragen. Di« Polizeibeamten Becker und Welke sind sehr schwer verletzt. Durch die Schnitte und Stiche sind die Muskeln und Sehnen an den Ober- armen zum Teil zerstört. Roß ist im Kriege Infanterist gewesen und kam geisteskrank zurück. Da er verschiedene Kuren durchmacht«, bessert« sich sein Zustand und er wäre völlig gesund geworden, wenn er sich nicht dem Alkohol ergeben hätte. Durch das Trinken trat sein Leiden wieder zutage und schon 1029 nmßte er nach Wittenau gebracht werden. Nach einer längeren Entziehungskur wurde er entlassen. Vor einem Jahr ungefähr fiel er in das alte Laster des Trinkens zurück. Seine Frau genießt in der Nachbarschaft einen sehr guten Ruf. Auf ihren Schultern nihte sast das ganze Geschäft und die Sorge für die Familie. Nach einer Zechtour kam Roß am Freitag gegen 8 Uhr nach Hause. Da Desuch zugegen war, traute er sich nicht wie sonst zu toben, sondern ging wieder aus. Gegen Mitternacht kam er abermals, da aber die Frau erkannte, daß er schwer betrunken war, ließ si» ihn nicht in die Wohnung. Das drittemal kam der Mann gegen 4 Uhr. Er schlug im Hos eine Fensterscheibe ein und gelangte so in die Woh- nung. Mit Flaschen und Gläsern warf er nachseiner Frau und demolierte die Stühle, um mit den Stuhlbeinen auf die Frau einzuschlagen. Nach der Feststellung der Aerzte im Krankenhaus ist Roß in Delirium verfallen und wird dauernd in- terniert werden müssen. Berlin wird kleiner! Giarke Abwanderung aus fast atten Großstädien Wie wir einer Veröffentlichung des Preußischen Statistischen Lan�eeamtes entnehmen, ist seit einigen Jahren in der Entwicklung der Großstädte ein Umschwung eingetreten, der freilich zunächst durch Eingemeindungen oerdeckt war. Das früher fast selbstver- ständliche, sich von Jahr zu Jahr verstärkende Wachstum der Großstädte hat aufgehört, und an seine Stelle ist zunächst eine verlangsamte Zunahme, schließlich im Jahre 1930 sogar eine Abnahme getreten. Dieser Umschwung in der Entwicklung ist in erster Linie auf eine Richtungsänderung in der Binnenwanderung zurückzuführen. Während 1927 der Gesamtwanderuvgsüberjchuß der Großstädte des Freistaates Preußen(ohne Eaargebiet) noch rund 103 600 betrug, verringerte er sich in den folgenden Iahren immer mehr: 1928 be- lief er sich auf 95 000 und 1929 auf 54 000. 1930 trat sogar«in erheblicher Wanderungsverlust ein; die Zahl der Fort- gezogenen übertraf die der Zugezogenen um 50 600. Auch in dem vorausgehenden Jahr war bei einer Reihe von Großstädten die Abwanderung größer als die Zuwanderung gewesen. Im Jahr« 1929 betrug der Wanderungsverlust, den 17 Großstädte aufzuweisen hatten, insgesamt 23 800 Personen, 1928 bei 11 Großstädten 15 900 Personen, 1927 bei 10 Großstädten 8200 Personen und 1926 bei 18 Großstädten 18 700 Personen. Diesem Wandcrungsverlust stand aber in früheren Jahren stets ein bedeutend höherer Wanderungsgewinn der übrigen Großstädte gegenüber, so daß sich für die Großstädte zusammen immer ein starker Zuwanderungsüberschuß ergab. Von ausschlaggebender Bedeutung war hierbei regelmäßig die Stadt Berlin, die— wenn man von dem Hauptinflationsjahr 1923 absieht— seit Kriegsende stets einen starken Wanderung?» gewinn gehabt hat. 1926 betrug er 48 500 Personen. 1927: 81 300, 1928: 86 400 und 1929: 59 700. Als nun das Berichtsjahr für Berlin statt eines wandcrungs- gewinnes einen wanderungsverlust von S500 Personen brachte, ergab sich für die Gesamtheit der preu- ßischen Großstädte der bereits erwähnte wanderungsverlust von 50 soa. Unter den Großstädten mit Wanderungsver» lüften stand Gelsenkirchen an erster Stelle. Es folgten Ober» Haufen, Frankfurt a. M., Dortmund, Duisburg-Hamborn, Bochum und Düsseldorf. Sieht man von Frankfurt a. M. ab, so sind es im wesentlichen die großen Industriestädte des Ruhr- gebiet es, die bei gleichzeitig starker natürlicher Vermehrung der Bevölkerung einen bedeutenden Wanderungsverlust hoben. Diese Städte hatten übrigens auch in den vorhergehenden Iahren fast immer einen Wanderungsverlust gehabt. Der Geburtenüberschuß des Berichtsjahres, der sich auf 43 000 Personen belief, reichte nicht aus, den Wanderungs- verlust wettzumachen, so daß die preußischen Großstädte zusammen im Jahre 1930 mit einem Bevölkerungsverlust von 7300 Personen abschlössen, zumal da im Gegensatz zu dem vorher- gehenden Jahr im Berichtsjahre auch Eingemeindungen nicht statt- fanden. Dabei hatten bis auf Berlin sämtliche preußischen Groß- städte einen Geburtenüberschuß. Deutsche Kunstgemeinschast. Kohlhoff, Thöny, Muche. In der gegenwärtigen Ausstellung der Deutschen Kunstgemein- schaft ragen hoch über das allgemeine Niveau die Arbeiten von Wilhelm Kohlhoff heraus: ein Saal ist mit Aquarellen, einer mit Gemälden gefüllt. Der Aufenthalt in Paris hat seine von Natur schon phantasievolle und leichte Malweise noch mehr aufgelockert und beschwingt. Dies« Straßenbildcr aus Paris und Marseille, diese Akte, Pferde, Stilleben und kleinen Landschaftsausschnitte entzücken durch die vielgestaltige Grazie ihres Farbenbuketts, durch die Heiter- keit eines echten Künstlertemperaments. Es ist französischer„Esprit" darin, aber nur soviel, daß man die Treue zur Natur und die ewige Märchensehnsucht des Deutschen als durchaus vorherrschend empfindet. Kohlhoff ist unter den Lebenden wohl einer der Besten, die das kostbare Erbe Corinths verwalten und weiterbilden: dieses Erbe, das uns je länger umso entschiedener, als bestes Teil unseres Kunstwollens in der reinen Malerei erscheint. In einem Raum teilen sich der ausgezeichnete Simplizissimus-Zeichner E. T h ö n y mit star- ken Chorakterdarstellungen aus nabeln und aus tiefsten Gesellschafts- schichten, und Georg Mu6)e, dessen Bleistiftzeichnungen eine seltsam schemenhaste Mystik in zart angedeuteten Figuren verkörpern: von seinen Gemälden ist das schönste die ganz frühe„Komposttion zgzg"— eine abstrakte Raumfarben-Biston, die sich an Mächtigkeit der Phantasie neben Kondinsky stellt. p. k. seh. Wohnungspflege in der Schule. Das preußische Ministerium für Volkswohlfahrt weist in einem jüngst ergangenen Erlasse aus die in Fachkreisen immer deutlicher erkannte Wichtigkeit der Wohnungspslege für das allgemeine Wohl hin. Die Wohnungspflege trägt wirtschaftlich zur Erhaltung des Wohnbestandes bei und dient weiter der Förderung der Volks- gefundheit und des Familienlebens sowie der Hebung der Wohn- kultur. Die zuständigen Staats- und Gemeindebehörden sind be- müht, durch Ausübung einer geregelten Wohnungsaussicht, durch Rot und Belehrung auf die Fernhaltung und Beseitigung von Miß- ständen im Wohnwesen hinzuwirken. Wichtiger ober als alle be- hördlichen Maßnahmen der Wohnungsaufsicht ist die Erziehung der � bchmders dey weMcheu. z» joMemäßer und sorgfältiger Behandlung der Wohnungen. Es kommt darauf an, frühzeitig in den künftigen Hausfrauen und Müttern den Sinn für Sauberkeit und Ordnung im Haushalt zu wecken und sie auf die Bedeutung der Wohnungspflege hinzuweisen. Geeignetes Unter- richtsmaterial über die Wohnungspslege könnten die den Regierungs- Präsidien beigegebenen staatlichen Wohnungsaufsichtsbeamten und die Kreisärzte zur Verfügung stellen: sie können gelegentlich Vorträge über den Gegenstand halten und Anleitung für seine Behandlung geben. Das preußische Kultusministerium hat daraufhin angeordnet, daß alle Mädchenschulen dem Gegenstand sorgfältige Beachtung schenken. Ei« neue» Heim für den verein Berliner Künstler. Der Verein Berliner Künstler, der in diesem Jahre aus ein 90jähriges Bestehen zurückblicken kann, hat vor zwei Jahren sein 5?eim in der Bellevue« straße unter sehr günstigen Bedingungen verkaust und in diesem Jahre in der Tiergartcnstraße ein altes Patrizicrhaus gekauft, das heute nach den notwendigen Umbauten für die Allgemeinheit er- öffnet wurde. Prof. Langhammer hob bei der Eröffnung hervor. daß der Verein seinen Satzungen treu geblieben sei und zunächst die sozialen'Einrichtungen des Vereins wieder belebt hat, so daß all- jährlich etwa 60 000 M. für soziale Zwecke zur Auszahlung kommen, eine Summe, die nicht einmal das Reich für die Künstler ousge- morsen hat. Außerdem wurden 600 000 M. von dem Erlös des Verkaufs unantastbar für die sozialen Einrichtungen sichergestellt. Um ein stärkeres künstlerisches Klubleben hochzuzüchten, hat man in der ersten Etage des neuen.Hauses die dazugehörigen Klubräume eingerichtet und auch die Bibliothek untergebracht. Alle Freunde der Kunst und Künstler und auch jeder außenstehende Künstler soll immer eine Heimstätte in diesem Haus« finden. Deutsches cichlspiellheoler in New Jork. Zwischen dem amerikanischen Zeitungsmognaten W. R. Hearst und der Ufa ist ein Vertrag unterzeichnet worden, wonach die Ufa das Hearst gehörige Cosmopolitan-Theater in New Jork übernimmt. In diesem Licht- spieltheater, das über 1200 Sitzplätze ausweist, und im Zentrum der Stadt liegt, sollen hauptsächlich Filme in deutscher Sprache auf- geführt werden. Neue österreichisch« Geldstücke. Vom 18. Mai ob werden Doppel- schillinge mit dem Bildnis Mozarts ausgegeben. Die Vorderseite zeigt das Kopfbildnis Mozarts in Seitenansicht, am Rand kreisförmig die Unterschrftt„Wolfgang Amadeus Mozart" und unten die Jahreszahlen 1756—1931. Vi«Lapu-Plck-� Uhr: Die Cousine aus Warschau.— Wintergarten: 17., 23.. 31., 35. Internationales Baiietö.— Ploia, Scala: Internationales Tarietö. Erstaufführungen der Dache: Treitag. Städtische Oper: Dä« Epihentuch der Königin. Detter für verlin: Weiterhin warm, jedoch wechselnd wolkig mit Gewitterregen, südliche Winde.— Für Deutschland: Ueberoll Fortdauer des warmen, aber zu Gewitterregen neigenden Wetters. 4 1. Abt. Berichtigung! Der Unkostenbeitrag zur Besichtigung des Arbcitsschukmuseums beträgt nicht 50 Pf. sondern 5 Pf. Sprechstunde in der Schwerhörigenschule. Der Rektor der Echwerhörigenschule in Chariottenvurg hält mit Ausnahme der Ferien an fedem Mittwoäi und Sonnabend von 12 bis 13 Uhr in der Städtischen Schwerhärigenschule, Charlottenburg, Pestalozzi- straße 49, eine pädagogische Sprechstunde ab, in der den An- gehörigen von schwerhörigen, ertaubten und taubstummen Kindern unentgeltlich Rat und Auskunft erteilt wird. ZPA.-Ausstellung anläßlich des Parteitages in Leipzig. Dos Internationale Politische Antiquariat, ein Zweigunternehmen des Hamburger Parteigeschäftes, veranstaltet anläßlich des Parteitages ab Sonnabend, 39. Mai, im Volkshaus in Leipzig eine kultur- geschichtliche Ausstellung von Büchern. Broschüren, Bildern, Doku- nienten und Flugblättern aus der Arbeiterbewegung und zur Ge- schichte des Sozialismus. Die 20. weltliche Schule führt die Kinderkomödie„Hans Urion geht nach Brot" auf. Das Stück ist seinerzeit vom Schulrat Bauer verboten worden mit der Begründung, daß es minderwertig, aufreizend und volksoerhetzend ist. Das Provinzial-' schulkollegium hat aber das Verbot aufgehoben. Die Leranstoltung findet zugunsten der Kinder statt, und zwar am Sonnabend, dem 19. Mai und Montag, dem 18. Mai 1931, 191� Uhr, im Berliner Klubhaus, Ohmstr. 2. Eintritt 39 Pf., Kinder 15 Pf. Eine billige vfingsi-Sprecwaldfahrt veranstaltet die Liuba» Werbe stelle für Spreewaldiahrten. Bei dieser Fahrt werden die schönsten Gebiete de? Spreewoldes besucht, so das Hochwoldgebiet im Unterspreewold, Schlepzig-Groß- Wasserburg und der Oberspreewald, Altzauche, Kannow- mühlc. Eiche, Wotschofska sowie das Darf Lchde. Der Preis beträgt für Eisenbahnfahrt von und bis Berlin, Kahnfahrten an 2 Tagen, Uebcrnachtung mit Morqenkaffee tZimmer mit 2 Betten), Führung und Bortrag— 13,59 M. Teilnehmerkarten sind zu haben im Zigarrengeschäft Hanke, N. 58, Kremmener Straße 15(Nähe IJ-Bohnhof Bernauer Strotze). Erwerbslose Musiker eröffnen die Sonzerlsaiscm des Zoo. Der Zoologische Garten eröffnet seine diesjährige Sommer- s a i s o n am heutigen Sonnabend, 19. Mai, 19 Uhr, durch ein Gastspiel des Orchesters der erwerbslosen Musiker in Stärke von 129 Mann unter Leitung des Kapellmeistsrs Arthur Guttmann Zugleich ist dieser Sonnabend im Zoo billiger Sonnabend. * Zranz v'.echowski, der den deutschen Gesandten in Lisiabon, Baligand, ermordete, ist geistesgestört und für seine Tat unveraiit- wortlich. Es sind Verhandlungen im Gange, Piechowski nach Danzig auszuliefern. Die preußische Gcsandlschaft in München wird zu Pfingsten dieses Jahres ihre Tätigkeit einstellen. Der preußische Gesandte in München, Minister Dr. Denk, hat sein Abberufungsschreiben bereits erhalten. Verantwortl. kür die Redaktion: Herbert Lepere, Berlin: Antigen: Tb. Glocke, Berlin. Verla«: Vorwärt» Verla« G. m. b. s.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Verlagsanstalt Paul Ein«er& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. Xlte&lec. LidilspUle usw. — T1',---■Ufi. J I r /fiiarl Sonnabend, 16.5. Staats-Oper Unter d. Linden 257. A.-V. 20 Uhr Manon Lescaut Ende n. 22 Uhr staats-Oper w Mi im Ripoöllk. i?>/- Uhr Ole Hodizeil des Figaro ItHtati. Karternrkaot Ende 22�« Uhr Sonnabend,l6.5.■ staut oper Bismarckstr. Turnus II 20 Uhr Cavallerla rnsticana losgpiisieaendi Enden 221/»Uhr Staat!. Scbaosph. Im Ceatfarmenrairtt). 221 A.-V. 20 Uhr Ktfnis Hahnrei Ende 22*e Uhr Mi.WIet-IIitM.llmlA 20 Uhr Emilia Galetti Ende gegen 22�e Uhr Nor Kurs« AdtZ Jie Siloj FranMr Lustspiel von Carl Röölcr Dienstag bis Freitag 815 Sonnabend 700 1015 Sonntag 250 546 OOO Eröffnung des Rose-Gartens am I. Püngstfciertag An beiden Feiertagen 6C0 das traditionelle Frübkonzert I mit Varieti | 800 nachm. Konzert» Varietd I u. d. Operettenschwaak: f „Das LiebesYerbot"| Große Franldurtcr Straße 132 I U-Bahn Strausberger Platz I { f tägiger Vorverkauf tlgüeh von xx— 1 Uhr und 4—5 Uhr J Telefonische Bestellungen: E 7 Weichsel 34x2 HAfflgUHD WMMyl Restaifäiit Berlins BETRIEB KEMPIHSKltO Reichshallen-Theater Allabendlich| 8*| Uhr Stettiner Sänger mit Ihrem labet haften Programm! Populäre Preise GROSSES SCHAUSPIELHAUS Täglich 8 Uhr: Im«vlgSSll NM). in dir Premiennbnetoiiz nur nodi Z Vfodun Regie: Erik CharelL Winrer * Cjorren* Programm hervorragend! » Dayelma-Ballett Original Pariser Cancan Kuban-Kosakcn-Chor 1 Alvarez. Lcvanda. Sil u. Bit. 1 Dakotas. 1 Boods. Carl Braun SosnabiDil und Sonntags je 2 lanlollungea und 8" Uhr. 4 Uhr kleine LUNA PARK Es gibt nichts Schöneresl Heute S'-< Feuerwerk VoiKsbUtsne Ttoter am Sdlovptali. 8 Uhr Die Ehe StiatlSdiillet-Ih. 8 Uhr Emilia Galotti Momiscne oper 8'i Uhr Alt-Heidelberg Loci« Englisdi. Wnlarmtiar. HJ. Mulm, Ptatert Kunorstendamm- Theatcr Bismarck 449 | 8'l» Uhr[ Alles Schwindel tod Maruliua Sdifier. Musik von Mische Spoliansky. Rt]'»; Cntif CrBedjni 0831501« Miel 8 Uhr Oer Raagtmana von RSpcaidk v. Carl Zuckmayer Etjit; üttiB fiOput Die Komödie 8Vi Uhr Dienst am Kunden tdd tot Bah and Mai Hansan Regie: Hans Oeppe BarDowskHflta Ttienier In dtr Sircsemannsir. Täglich 8V« Gestern n. Heule Komödienhaus Täglich 8»/> Uhr Schwengels mit Felix Bressart und Rosa Talent Theater Im AflmlralsDaiast Täglich 8l.» Uhr Der lustige Krieg Oehmann. Ahlers, SchoHwer, Lilien Neues Theater — am ZOO mmmm dinBahaUtm. StpLESSt Täglich 8*u>ar& Nährvater Schrebergarten Gespräch Vorm MisthaufcTl** Von Heinrich Hemmer „Also Sic leben von diesem Siückchen Erde?" sagte ich un- gläubig und blickte durch ein blitzblanksauberez Häuschen in ein dito Gemüsegärtchen, darin Birnbäume blühten. Der Philosoph wandte lebhaft den Kopf, der dem Rabin- dranat Tagores ähnelt, wenn er sich den Bart nach Art der französischen Präsidenten zustutzen ließe. „Ich bin ein Kleinsiedler. Ein Laubenbewohner". sagte er milde,„den sein Schrebergärtchen ernährt. Ich kaufe für ein paar hundert Mark Konsumartikel im Jahr, aber da ist Seife, Stiefelwichse und alles mögliche für 6 Personen mit dabei. Im Grunde liefert uns dieser halbe Morgen Gartenland das ganze Jahr über jeden Bissen, den wir in den Mund stecken. Hätte ich statt eines halben einen ganzen Morgen Land, so wäre aller Konsum gedeckt." Der Philosoph steht über jeden Zweifel erhaben, er atmet Wahr- haftigkeit aus. Er scheint mir ein einwandfreies Beispiel dafür zu sein, daß vor den Toren von Berlin ein Mann mit Familie sich der Hauptsache nach von seinem Schrebergarten ernähren kann. Aber wie— wie nur kann man sich soviel Sicherheit schaffen in diesen unsicheren Tagen? Eine Lektion „Kommen Sic", sagte der Philosoph und führte mich durch ein kleines Klapptürchen zum Haus hinaus(ein Haus, das mit der Fa- milie in die Breite und in die Höhe gegangen war) in den Garten. Dort öffnet er— was soll das bedeuten— die Türe zu einem Miniaturen Häuschen, von der Art. wie man es sonst den Gästen nur auf speziellen Wunsch vorführt.... Herr Rabindranat, ich bitte...! „Im Anfang war der Mist", sagte der Philosoph ge- lassen. Der erstaunliche Mann erläuterte mir. ob ich's wollte oder nicht, den Betrieb dieses Häuschens, sowie des in seinem Schatten liegenden Kompo st Haufens. Das bildet nun einmal die Basis dieser Gartenwirtschaft, das ist sozusagen seine goldene Grundlage. Ich zog ein Taschentuch. Der Philosoph winkte ab:„Ncm ölet", sagte er wie jener römische Imperator, der sich von dem„anrüchigen" Golde gewisser Anstalten bereichert hatte. Der Philosoph schnüffelte mit der Nase: ein Zeichen, daß das Riechorgan in diesem heiklen Rayon nicht der leisesten Beleidigung ausgesetzt sei. Fabelhaft! So weit haben es nicht einmal die Engländer gebracht, dachte ich.„D a s ist kein W E". sagte er.„Das heißt: es gibt kein W(asser) in diesem C. Es ist ein Torf stuhl. Der eingeworfene Torsmull aber bindet ja eben das Ammoniak und läßt den Stickstoff nicht un- genutzt in die viel mißbrauchte Luft entweichen. Kon olet." Ich stehe vor dem Komposthausen, dessen sanfte Erhebungen sich 3 Meter weit im Norden des Schuppens erstrecken und erhielt hier eine richtige landwirtschaftliche Chemielettion. Aus einem Mixtum compositum produziert hier der Wurm(dessen un- heimliche Rolle es immer ist, die Domänen des Todes und Lebens miteinander zu verbinden), in wenigen(S o m m e r-)Wochen Erde: Humus.(Im Winter schläft er, so wie sich's für einen Wurm gehört.) Das Mixtum ist wirklich sehr compositum und enthält aus den durch Torfmull gebundenen und dadurch ganz präsentablen Substanzen: Vieles und doch wieder nur Bestimmtes: 1. Die in einer gemauerten Grube schlummernden flüssigen Küchenabfälle(fettes Spülwasser usw.), die der Philosoph mittels Armschwung und eines gestielten Kübels zwei-, dreimal die Woche, wuppdich, auf den Kom- pofchaufen hinüberschüttet(„ein bißchen Freiluftgymnastik"), 2. trockene Küchenabfälle(Kartoffelfchalen, Rhabarberblätter), 3. Ma- mtstripte, die der Verleger nicht gewollt hat(der Wurm schreckt vor nichts zurück), 4. Holzasche, 5. abgefallene Blätter(die, wenn sie liegen bleiben, wie im Walde, der Wurm in die Erde zieht), und schließlich müssen dem sandigen märkischen Boden gewisse Substanzen von außerhalb zugeführt werden wie: ungelöschter Kalk(5 Zentner a 4 Mark), Lehm, etwas Grün-Dung und etwas Kunstdünger: der „Paprika" dieses reformierten Bodens. In einem halben Jahr kann man den Komposthaufen in die Tasche stecken. Das Mixtum ist kompostiert: zu Gartenerde ..verwittert". Der Wurm hat seine Schuldigkeit getan: der Wurm kann(schlafen) gehen. Die große Sache Nun: jetzt kommt die große Sache. Der Philosoph und mit ihm die Reformer behaupten: diese und zwar nur diese heilige Kom- posterde ist gesunde Nahrung für Pflanzen, die ihrerseits den Menschen gesund erhalten soll, nicht die Rieselungen der Groß- ftadt, nicht der ungebundene Dich- und Menschendung des Bauern. Der unverrottete Dung treibt wohl die Pflanzen auf, sie werden größer, stärker.... aber: geschmackvoller werden sie nicht, wert- voller, gesünder werden sie nicht. Ehrlich gesprochen, lieber Leser, wir sind des öfteren an bro- delnden Kohltöpfen vorübergegangen, von denen man nicht sagen kann: Kon olet. Der Kohl riecht genau wie jene Substanz, die ihm zu seinem übermäßigen Wachstum verholfen hat. Kosten Sie den aromatischen Kohl dieser Reformer, kosten Sie ihre Kartoffeln, kosten Sie anderes. Ich weiß es erst seit gestern— wie das schmeckt, wie das duftet. Ach, was lebte ich für ein gottloses Leben, ich nährte mich von aufgeblähten Pflanzen und Tierleichen..., wenn ich reformierbar wäre, reformierten sie mich am Ende noch da draußen. „Aber ich habe doch prächtige Kinder gesehen!" wagte ich ein- zuwerfen,„großgezogen an Rieselfelderkohl, Milch, Eiern, reichlich eiweißhaltigen Substanzen." „Das find Posaunenengel", sagte der Philosoph. Ein etwa sechsjähriger, sehniger, ulkiger Struwelkopf kam auf uns zugesprungen. Der Philosoph öffnete ihm den Mund wie einem Pferd:„Zeigen Sie mir solch« Zähne unter den„Posaunenengeln", sagte er,„und wo gibt es unter den Fleischessern einen so gesunden Hals. Mandelentzündung. Diphtheritis, dergleichen ist hier unbe- kaunt. Sehen Sie, der Rieselfelder-Kohlkopf, dos ist auch fo ein vegetabiler Posaunenengel— scheinbar das gesündeste vom gesündesten und doch..." „Ist das Ihr Sohn?" fragte ich. „Ja." „Wie.... wie..." „Sie wollen wissen, wie alt ich bin? Siebzig", sagte der Mojoxh._;....._______ Wir gingen durch dos bis zum letzten Quadratzentimetcr aus- genutzte Gärtchen, in dem es grünte und sproßte und blühte... und mit dieser Fruchtbarkeit auf unfruchtbarem Grund hat auch die Bodenhaltung zu tun. Man darf den Boden nicht quälen, darf nicht die Arbeit der(höre ich recht)— Bodenbakterien stören. Die Bodenbakterien sitzen tief in der Erde, haben dort irgendeine dringende Arbeit vor, wie ich am Schreibtisch und wollen (zum Donnerwetter!) nicht gestört werden. Das weiß man erst seit zehn Iahren. daß man die Bakterien nicht stören darf. In bezug auf die Schreibtischsitzer weiß man das heute noch nicht. Was baut ein Reformköstler in seinem„Schreber"garten an? Kartoffeln, Gemüse, Salate, Beeren, Obst. Sie essen das, was die Jahreszeit gibt. Heute gab es zum erstenmal Rhabarber in diesem Hause. Kartoffelmus mit Brechspargel. Darauf Rhabarberkompott mit Plätzchen. Abends gibt es dasselbe. Findest du das power, lieber Leser? Auch ich habe ein Schwcinskotelett im Magen. Aber mir haben, weder ich noch du haben wir IS verschiedene Sorten Aepfel im Garten wachsen und die Herzogin von An- goulcme und andere hochwohlgeborene Birnen und Erdbeeren, die mit der Schlagsahne flirten(so viel wir wollen) und leckere kirschen- große schwarze Johannisbeeren und Edelgemüse, und solche Salat- und Tomatenherrlichkeiten..., und es könnte sein, daß sich der PH!» losoph über unseren(was uns dünkt) appetitlichen Teller beugte, und— nicht deswegen, weil wir Fleischesser und jene nicht—, sondern einfach vom Q u a l i t ä t s standpunkt aus ausrufen würde: „Pfui Teufel". Der Philosoph zog wich in den Keller. Da lagen sie hundert- weise: Frucht saftflaschen, ungegoren, und sahen mich mit sonderbarem Borwurf an:„Reformiere dich!" Mir wurde ganz schwummerlich-dummerlich zumute. Da lagen auch Büchsen, hunderteweis, Gurken, Kürbisse, grüne Bohnen, Mohrrüben; was im Sommer roh oder halbroh genosien wird, ist luftdicht verschlossen, vorsichtig auf einen leichten, Bitaminen nicht schadenden Wärmegrad erhitzt, hier lebendig ein» I balsamiert. Ich trinke und esse aromatische Säfte, anscheinend frisches Gemüse, wie sie es den ganzen Winter über essen. Jene. Poweren. Und unverfälschte Marmeladen liegen herum, ohne Färb- sross und Zucker..., wie Ambrosia schmeckend. Oh, ihr Schlemmer! Und noch zwei... Träume ich? Ein zweiter noch rasfaelisch-struweligerer Junge kommt auf uns zugesprungen, als wir wieder in den Garten treten, wo uns die Herzogin von Angouleme zulächelt. Der Junge konnte doch nicht mehr als drei Jahre zählen..? „Hören Sie, ist das auch Ihr...", stammelte ich. „Das ist der zweit e", sagte der Philosoph sehr philosophisch vornehm..., rannte aber, als ein Gewitterwindchen uns Blüten und Regentropfen ins Gesicht blies, auf einen Korb zu, den er im Studierftübchen, wo der Faust im Regal steckt, auf den Tisch stellte. Wie tüchtig, dachte ich: ein Philosoph, der im Regen die Wäsche rettet... Da— da— fing der Korb zu schreien an. Der Philosoph hob die Decke. Ein Baby lag im Korb. Bier Monate alt:„Das ist Adolf", sagte Rabindranat,„mein Jüngster." Ich war sprachlos. Aber der Philosoph erklärte mir— ohne mit der Wimper zu zucken— sachgemäß, warum Adolf so frisch und munter sei. Adolf trinkt von der Brust. Und sie. Mutterchen, ißt nicht etwa Fleisch und Eier und Butter„für zweie"..., sie trinkt nicht einmal Milch, diese Begetariermama—„trinkt denn die Kuh Milch?" Die Kuh nährt sich von milch p r o d u z i e r e n d e n Substanzen. Genau fo macht es diese Mutter.„Darum gingen auch die Geburten olle so leicht vonftatten. Man rief im letzten Moment nach Assistenz, in einer Stunde war alles in Ordnung..." Unfähig, so viel Ordnung, so viel Gartenbau-, Haushalts- und Nährreformen, so viel System, so viel Gelassenheit, soviel bis ins Detail geübte Sparsamkeit und Einfachheit der Lebensführung auf- zunehmen, taumelte ich aus diesem Gartenparadies hinaus.(Denn die Obstbaumblüte hatte mich noch mal nach dem Garten Eden ge- trieben.) Taumelle ins sündige, unfertige, unreformierte und doch irgendwie von hellen Funken durchzogene Leben zurück, das mir irgendwie zuwinkte und fragte mich, ob man besser als kom- pakte Masse, wie diese Kolonie, nach edleren Lebensformen strebt, oder einzeln. Und was denn eigentlich edel sei. Ein Spruch Paul Heyses kam mir auf der Rückfahrt in den Sinn:„Edel ist der- jenige Mensch, der nicht aus Erfahrung klug wird". Und dann sah ich, daß auch in Berlin die Bäume blühen.... Südamerika heute und morgen Auseinandersetzung mit einem Buch Kasimir Eds chmidts neues Reisetagcbuch in Roman- form, dos unter dem Titel„Glanz und Elend Süd- a m e r i k a s" soeben im Frankfurter Sozietätsverlag erschienen ist, trifft in eine'Zeit starker Anteilnahm« an dem bewegten Geschick des merkwürdig unorganisch erscheinenden südamerikanischen Kontinents. Revolutionen in einer selbst für diese Gegenden ungewohnten Häusig. keit erschüttern ihn: der ihnen innewohnende Sinn, von Edschmidt klar herouzgestelll, ist ein unsicheres Hin und Her zwischen der Wirklichkeit drückend empfundener Diktaturen und dem mehr oder weniger idealistischen Streben nach einer Demokratie, die rein und achtunggebietend darzustellen, jener jungen, werdenden Kullurwelt einstweilen noch versagt zu sein scheint. Der Weltkrieg hat allenthalben in Südamerika die Geltung Europas als eines bewunderten kullurellen Vorbildes gemindert und das kontinentale und nationale Selbstbewußtsein der Südamerikancr unendlich hochgetrieben. Nordamerika durchdringt jene Länder politisch, wirtschafttich und„kulturell"(in Gänsefüßchen), begegnet aber einem rassisch bestimmten Widerstande, dem der größte Dichter Lateinamerikas, Rüben Dario, schon vor 25 Iahren in der „Ode an Rooscvelt" klassischen Ausdruck gab, und den Argentiniens Expräfidcnt Irigoyen bis zu seinem Sturz(September 1930) rücksichtslos vor aller Welt dargelegt hat. In einen Zustand unerhörter Gärung innerhalb der bürger- Richen Gesellschaft leuchtet also Edschmidts Werk hinein, das in der Tat die berühmte„Lücke" im Buchhandel ausfüllt, da sich vieles geändert hat, seit Colin Roß vor elf. zwölf Jahren, sozusagen als erster Repräsentant des republikanischen Deutschlands, dort seine Erfahrungen sammelte und aufschrieb. Gleichgeblieben ober ist die überwältigende, buntwech'elnde Natur Südamerikas: vor deren Erhabenheit hat Edschmidt als ruhiger, reifer Beobachter gestanden. Ein Hauch von ihr scheint in sein Buch eingegangen zu sein: die beinahe gewalttätige Eigenwillig- keit der Formgebung früherer Werke Edschmidts ist bis aus Reste gewichen, so daß das Lesen des Buches zunächst ein ästhetisches Bcr- gnügen bereitet. Meer und Gebirge, Hochebene und Flußniederung, Himmel und Wald, Blumen und Tiere sind mit Maleraugen gesehen und mit Dichterkraft geschildert. Die„Schwimmenden Wiesen" im Guayra ström(Ekuador), ein Abend in Buenaventura (Kolumbien), ein Blick aus Rio und manches ander«, sind kleine Meisterstücke künstlerischer Zusammenschau. Die gleiche scharfe Beobachtungsgabe beweist Edschmidt gegen- über der gegenwärtig in Südamerika herrschenden Klasse: die treffend«, bisweilen amüsante Schilderung von Personen, Krci- sen, Schichten bleibt im Gedächtnis. Hohes Lob erteilt Edschmidt der gegenwärtigen deutschen diplomatischen Vertretung: alsdann dürfte ein Wandel gegen die Borkriegszeit eingetreten sein. Deutsche Leser wird die vorsichtig-taktvolle Anrührung der Gesühlsbeftimmt- heit alter Kolonialdeutscher und die Aufhellung der bolivianischen Mission des Generals Kundt lebhaft anziehen. Edschmidt hat unendlich viel gesehen, Wichtiges gesrchickt ausgewählt und zusammengestellt und seinen Lesern in so spannender Dar- stellung vorgelegt, daß die Anteilnahme nicht einen Augenblick aus- setzt. Wer über bedeutsame Erscheinungen des südamerikanischen Lebens unterrichtet sein will, muß das Buch unbedingt lesen. Man wird von einem Reisebericht, selbst wenn der Derfasser ein Jahr und mehr im Auslande beobachtet haben sollte, billiger- weis« nicht erwarten, daß alles Wesentliche darin ausgezeichnet sei. Das gilt auch für Edschmidts Buch. Die Schau wird davon be- stimmt, von welchen Punkten aus sie genommen wird: Glanzpunkte des gesellschastlickten Lebens: Stootspräsidentenpalais, Luxusbotels, Motorjachtcn, reiche Estancien brauchen kein falsches Bild ge- sellschaftlicher Zustande zu geben: wer sich aber vorzugsweise auf solchen„Hohen" hält, übersieht natürlich leicht allerhand Un-Schem- bareres. Das ist hier die gegenwärtige Lage und die Zukunft des süd« amerikanischen arbeitenden Volkes, aus deren Be- trachtung dem Kapitel„Elend" reicher, zum Teil erschütternder Stosf zugeflossen wäre, die aber auch Ausblicke auf di« künftige Gestaltung der Ding« eröffnet hätte. Die' Tatsache jahrhundertelanger Aus» beutung und Unterdrückung des eingeborenen, indianischen Prole- tariots wird zwar von Edschmidt betont, aber von der Aufbau- arbeit der allindianischen Bewegung, den Siedlungen der„Neuen Indios" am T i t i k a k a s e e, der entschiedenen Abkehr der Indios von den bisher durch die weißen Herren geschickt gepflegten, abstumpfenden Lastern des Alkoholismus und des Kokagebrauchs, von dem Geländeoerlust der katholischen Kirche bei den Indianern und allen anderen hochbedeutenden Erscheinungen eines als R a s s e n k a m p s auftretenden Klassenkampfes in Bolivien und Peru hat er anscheinend nichts erfahren. Auch die Zustände der Arbeiterschaft östlich der Anden bleiben unbehandelt. Es ist schade und dürftig, in dem so kenntnisreichen Buche von dem Sozialismus in Argentinien nichts weiter zu hören, als daß da irgendwo eins ihrer Plakate gehangen habe. Ob es richtig ist, daß sich die Landarbciterschaft in ihren Verhält» nissen wohlfühle, ist z. B. nach dem Riesenstreik, der um die Mitte der zwanziger Jahre in der Provinz San Juan ausbrach und blutig niedergeworfen wurde, sehr zu bezweifeln. Weiteres Material wäre in den Zuckerdistrikten Tukumäns, den Kebratschowäldern des Tschako, ja, schon in fürchterlichen Konoentiljos(Mietkasernen) in Buenos Aires selbst, leicht aufzufinden gewesen. Zugegeben, daß es eine gewaltige Arbeit für sich gewesen wäre. auf die ungemein verwickelten und schwer zu übersehenden Fragen der Arbeit und der Arbeiter in Südamerika einzugehen: insofern aber, als Edschmidt in gewissem Sinne auch Zukunftsprognosen zu stellen versucht, hätte er doch wohl zu Sozialismus und Kommunis- mus Stellung nehmen sollen. Die soeben in Argentinien vorgenom- menen Wahlen zeigen beträchtliche Stimmenzahlen zugunsten der Sozialdemokratie, die schwierige Arbeit an der geistigen und poltti- sehen Bildung eines völkisch buntgemischten Proletariats hätte er- wohnt werden können: der starke Anteil der studierenden Jugend an der Geftalwng sozialisttscher Zukunft ist nicht zu übersehen(vgl. E. Goldschmidt,„Argentinien", E. Reiß, Berlin), und den Kommu- nismus als unerheblich abzutun, erscheint gewagt. Sozialistische Einstellung nämlich ist, wie z. B. an der uralten Hilfsorgamsation des Kaamay in Peru hätte festgestellt werden können, Erbgut der indianischen Bevölkerung noch von den Jnkazeiten her. Bewußtem Sozialismus begegnet man allenthalben, und stimmungsgemäß ist er noch viel verbreiteter. „Mit Ausnahme der traditionsgebundenen, konservativen Kreise gibt es in Peru heute niemand, der sich nicht mit mehr oder weniger Aufrichtigkeit einen gewissen sozialistischen Einschlag zuschriebe." Dies Wort des peruanischen Vorkämpfers für den Sozialismus, des im vorigen Jahre verstorbenen Jose Carlos Mariategui, trifft auch anderwärts zu. Es ist selbstverständlich, daß sich diese Tatsache in Zukunft gestaltend auswirken muß. Wenn heute in Süd- und Mittelamerika, ausgesprochen ab- wehrend gegen Europa und Nordamerika, an einem kommenden .Indolateinischen Kulturkreise" gearbeitet wird, wo- von weder Edschmidt noch Colin Roß etwas erwähnen, so ist die leckende sozialistische Komponente unoerkennbar. Der Kontinent ist Kampfgelönde: wie stark die Gegensätze sind, zeigt der fabelhafte Widerstand in Nikaragua gegen di«. Nordamerika- nifche Durchdringung, bewies erst vor Wochen die Schließung der nordamerikanischen Petroleumgritken in Kolumbien. Diele treibende Kräfte hat Edschmidt richtig gesehen: eine wichtige, vielleicht die wichtigste überhaupt, scheint ihm entgangen zu ssin. Vielleicht hat er sie absichtlich Ettcrsehetvl CL H. Keucndorü, Sport am Sonntag Arbeiiersportliches und anderes Die Abteilungen der Freien Schwimmer Groß-Verlin veran- stallen morgen ihr Anbaden. Für die Gruppe Neukölln findet C3 im eigenen Sommerbad an der Grenzalleebrücke um 15 Uhr statt. Die Verbundenheit der freien Schwimmer Groß°Verlin mit der Partei kommt dadurch zum Ausdruck, daß der Berliner Parteivor- sitzende Franz Künstler beim Anbaden die Festansprache hält. Arbeiterwasserballserie im Lunabad. Infolge der Kreisaus- schcidungen für das Olympia finden heute keine Wafserballspicle statt. Lediglich am Sonntag um 20 Uhr werden sich gegenüberstehen Charlottenburg und Neukölln. Neukölln geht in einen aussichts- losen Kampf und wird bei allem Fleiße einen zweistelligen Sieg der Charlottenburger nicht verhindern können. .Solidarität" aus der Straße. Die Rennfahrerabtellung Mitte von„Solidarität" hält morgen früh 7 Uhr ihr nächstes Straßenrennen ab. Die Strecke führt von Blumberg über Wer- neuchcn— Tiefensee— Leuenbcrg— Steinbeck— Brunow— Leuenberg und zurück. In Abständen von 2 Minuten starten die Fahrer. Da Fahrer von Rang, wie Herzog, Unger, Schwarz, Sachtlcben, Praus«, Hoffmann gemeldet haben, wird es heiße Kämpfe geben. Start in Berlin früh 5 Uhr am Königstor. Sammelstart in Blumberg, Restaurant Schwarzer Adler. Große Sportschau am lvedding. Der größte bundestreue Ar- beiter-Turn- und Sportverein am Wedding,„Volkssport Wedding", veranstaltet sein Anturnen und Ansporteln morgen im Stadion Rehberge. Das reichhaltige Programm beginnt um 14 Uhr mit einem Stillauf oller Teilnehmer und den Olympiodefreiübungen der Männer, Frauen und Kinder. Es folgen leichtathletische Weit- kämpfe, Tanzvorführungen der Frauen und Kinder und Turnen an Geräten. Interessante Staffelläufe, Faust- und Handballspiele vervollständigen die Vorführungen und für Abwechslung sorgen die humoristischen Darbietungen der 300 Kinder des Vereins. Ein- tritt frei. Frühjahrssportfefl bei„Moabit". Der SV. Moabit veranstaltet ein internes Sportfest als Auftakt für die kommende Leichtathletik- faison. Außer den traditionellen Mehrkämpfen werden auf allen Gebieten der Leichtathletik Wettkämpfe ausgetragen. Die Senfa» tion des Tages dürfte das Pushballfpicl zweier Männermannschaf- ten werden. Beginn 13 Uhr auf dem Sportplatz Tiergarten. 25jähriges Stiftungsfest der Freien Turnerschast Wilmersdorf. Morgen findet das 2Sjährige Stiftungsfest des Vereins, verbunden mit dem Anturnen der gesamten Nordgruppe, auf dem Hubertus- fportplatz in der Reinerzftraßs statt. An sportlichen Wcttkämpfen ist ein reichhaltiges Programm vorhanden. Der Bezirk Lichtenberg der freien Turnerschast Groß-verlin hat für morgen da» Anturnen aller Abteilungen auf dem Sport- platz am Upstallweg in Friedrichsfeld« angesetzt. Beginn 14 Uhr. weihe des FTGv.-Freitörperkulturgeländes. Die Sehnsucht der Großstädter nach Licht und Lust oeranlaßte die Freie Turner- schaft Groß-Beriin, für das am Motzener See zu räumende Gelände «in anderes am hinteren Pätzsee bei Groß-Besten zu erwerben. Ein Unterkunftshaus mit 40 Betten bietet auch Gästen Uebernachtungs- Möglichkeit. Darüber hinaus find noch 17 Familienhäuser errichtet, die von Mitgliedern des Freikörperkulturbezirks benutzt werden. Die Weihe der Anlage findet am Sonntag um 11 Uhr statt. Fahr- gelegenheit: Fernzug ab Körlitzer Bahnhof 7.10 Uhr und- 8.32 Uhr mit Sonntogskarte für 1,80 M. Oder Vorortzug bis Königswuster- Hausen und dort umsteigen in Fernzug bis Groß-Besten. Von Groß-Besten auf der östlichen Bohnfeite Fußweg% Stunde bis Kilometerstein 38. Arbeit«rschach. Heute, Sonnabend, lg. Mai. 20 Uhr. findet bei Ewald, Skalitzer Str. 126, eine große Wcrbeveranstaltung der Freien Arbeiterschachvcreinigung Groß-Berlin statt. Nach dem Großkampf Berlin 1 gegen Berlin 2 findet ein Wettkampf der Ab- teilungen Krcuzberg. Treptow, Neukölln. Grünau gegen Westend, Weißensee, Prenzlauer Berg, Mitte an 40 Brettern statt. Berlins Iugendmannfchaft, die in Magdeburg beim Bundestag all« Gegner haushoch besiegte, spielt an 20 Brettern gegen die Abteilungen Moa- bit, Friedrichsfelde und Pankow. Zum Schluß vereinigt alle Spieler «in Blitzturnier, an dem auch alle Gäste teilnehmen können. Ein- tritt frei. >i- „lOO-Sitomcler-Revanche" auf der Olympiabahn. Sawoll und Krcwer, die beiden Rivalen der letzten Olympiabahnveranftaltung, treffen sich morgen zum Reoanchekampf. Weiter sind Thollembeek. Dedcrichs, Schindler und die für Berlin debütierenden Stehsrneu- linge Schön und Rudolf Wolke verpflichtet worden. Im Rahmen- Programm bestreiten Berufsflieger— Lehmann-Wiffel-O. Nickel, Dorn-Mandelkow-Bruno Wolke und Funda-Engelmann-W. Nickel— ein Dreiermannfchafts-Verfolgungsrennen und ein Prämienfahren. Auch die Berliner Bundesamateure kommen zu Worte. Beginn 16 Uhr. � Autbordrcgatta in Grünau. Vor den Regattatribünen in Grünau finden morgen von 11 bis 17 Uhr Rennen des Deutschen Autbordtlubs statt. Trabrennen in Ruhleben. Nach Beendigung der Derbyveran- staltung beginnt Montag, 18. Mai, in Ruhleben die drei Tage umfassende Pfingstocranstaltung. Der im Mittelpunkt des Cröff- nungstages stehende Havelpreis interessiert durch seine vorzügliche Besetzung. Die Rennen beginnen wieder um 15 Uhr. !5e»n Meister im Mittelgewicht Hein Domgdrgcn um den Sieg gebracht Der zweite Boxkampsabend im Zirkus Busch wurde vor kaum halbgefülltem Haufe abgewickelt. Selbst die Begegnung Dom- g ü r g e n- Se i f r ie d um den Tiael des deutschen Mittel» gewichtsmeisters vermochte auf die Berliner Boxsport- anhänger keine Zugkraft auszuüben. Di« Veranstaltung, die mit reichlicher Verspätung begann, setzte gleich mit einem Pfeiskonzert ein, als ein Sprecher des Waren- Hauses Karstadt an die Boxgemeinde einige Worte richten wollte. Das Programm, das fünf Kämpfe brachte, die sämtlich über die Runden gingen, war erst nach Mitternacht zu Ende. Durch ein krasses Fehlurteil wurde Hein Domgörgen-Köln(71,3 Kilol um den Sieg gebracht. Sein Gegner Hans Seifried-Bochum(68,3 Kilo) ver- mochte ihn niemals ernstlich zu gefährden. Gleich in der ersten Runde mußte Seifried bis„4" zu Boden. Nach wechselvollen und harten Runden mit zeitweilig heftigem Schlagaustausch gab es zum Schluß noch einen großartigen Entspurt, in dem Domgörgen dominierte. Leider wurde er von den Punktrichtern als Sieger nicht anerkannt und der Kampf unentschieden gegeben. Im Leichtgewichtstreffen trennten sich S e i ß l e r- Berlin und Dan S ch i n k- Köln nach acht Runden unentschieden. Der Königs- berger Schwergewichtler Horst H i n z m a n n war dem Berliner Arno K ölblin trotz eines Gewichtsnachteils von 27 Pfund jeder- zeit überlegen und gewann dementsprechend hoch nach Punkten. Einen unentschiedenen Ausganng nahm der Weltergewichtskampf Die Bundesfuf$ballineisters€haft Morgen wird die Arbeiterfußballbcwegung ihren großen Tag haben, gilt es doch, den Bundessußballmeifter festzustellen, wie wir bereits am Dienstag mitteilten, trifft zu diesem Zweck der n-ord- westdeutsche Meister„Lorbeer 06" aus den mitteldeutschen Meister „Leipzig-Pegau". Ein harter Kamps ist in Hamburg zu erwarten. Die zweite Halbzeit wird durch den Rundfunk übertragen. Um 16.50 Uhr schalten sich deshalb alle Anhänger der Arbeitevsußball- bewegung entweder aus die Berliner Funkslunde oder den Deutsch- landsender ein. zwischen dem Münchener Konrad Stein und dem Berliner Erwin V o l k m« r. Ein hochinteressantes Gefecht lieferten sich Gustav E d e r- Dortmunnd und der Oesterreicher Peter H a n a. Der deutsche Weltergewichtsmeister ergriff von Beginn an die Offensive, hart und genau schlagend, beherrschte er seinen Gegner durchweg. Schließlich suchte Hana seine Zuflucht im Halten, was ihm eine zweimalige Verwarnung eintrug. Der Punktsieg Eders nach Ablauf der acht Runden war überlegen. .A.rbeiter-Ita5enspieie Fußball/ Handball/ Hockey Am Sonntag finden folgende Fußballspiele statt: FTGB.- Pankow gegen Butab in Pankow, Sportplätze in der Kissingenstraße: Normannia gegen Storkow in Lichtenberg, Normannenstraße: Britz 88 gegen Osten: Wacker 30 gegen Minerva: Wansdorf gegen Zehdenick: Dannenberg gegen Freienwalde: Neuenhagen gegen Oderberg: Alt-Gliegen gegen Alt-Ranft: Cöthen gegen Freienwalde 2: Drewitz gegen Charlottenburg: Spandau 2 gegen Knoblauch: Trechwitz gegen Jeserig: Grebs gegen Lenin: Fohrde gegen Netzen: Dahme gegen Jüterbog: Trauenbrietzen gegen Woltersdorf. Zweite Mannschaften: Normannia gegen Storkow: Pankow gegen Zehdenick: Templin 1 gegen Freie Scholle; Neuen- Hagen gegen Oderbcrg: Alt-Ranft gegen Schiffmühle 1: Grebs gegen Trechwitz: Wittenberge gegen Perleberg: Wittstock gegen Witten- berge 3: Pritzwalk gegen Warnsdorf 1.— Jugendmannschaften: Dahme gegen Jüterbog: ASV.-Neukölln gegen Minerva: Minerva 2 gegen Brandenburg: Nowawcs gegen Lichtenberg 1: Drewitz gegen Lichtenberg 1: 2. Normannia gegen Werder: Wilmers- dors gegen Normannia 2: Staaken gegen Vorwärts-Wedding Beginn der Spiele: Erste Männermannschaften 16 Uhr: zweite Männermannschaften 14.15 Uhr; Jugendmannschasten 10 Uhr. Heute, Sonnabend, spielen Handball Reinickendorf-West 1. Männermannschaft gegen Volkssport Neukölln 3 und Reinicken- darf 2 gegen FTGB.-Norden um 18 und 19 Uhr in Reinickendorf- West, Scharnweberstraße. FTGB.-Pankow absolviert am Sonntag liVs Uhr anläßlich seines Werbespieltages auf dem Sportplatz Kissingenstraße sein Serienspiel gegen Altruppin. Eintracht Mahls- darf hat auf dem Sportplatz an der Hönower Chaussee Branden- bürg a. d. Havel 2. Abtlg. als Gegner. Es spielen die Jugendmann- schaften um 13�4 Uhr, die 2. Männermannschaften um 14.40 Uhr, die Frauen um 15,50 Uhr und die 1. Männermannschaften um 16,40 Uhr.— Die übrgen Spiele sind in der 2. Klasse: Baum- schulenweg gegen Kaulsdorf: Stralau gegen Osten 2. 3. Klasse: Marwitz gegen Nordring-Sportler 2: Fußballklub Oberspree gegen Südost. Frauen: Südost gegen Adlershof: Wilmersdorf gegen Schöneberg. Ein interessantes Hockey spiel findet heute, Sonnabend, zwischen der FTGB.-Nordring und FHC.-Spandau statt. Beide Mann- schaften standen sich erst vor kurzem gegenüber, wobei Nordring das Nachsehen mit 4: 2 hatte. Haben die Nordleut« die volle Mann- schaft beisammen, dürfte ihnen der Sieg nicht zu nehmen sein. Das Spiel findet um 17.30 Uhr auf dem Platz in der Schönhauser Allee statt(Schiedsrichter Moabit). Ebenfalls am Sonnabend findet ein Spiel der FTGB.-Pankow 2 und der FTGB.-Osten 1 statt. Beginn 18 Uhr, Kissingensportplotz in Pankow. Am Sonntag, 17. Mai, findet ein Werbespieltag in Pankow. Kissingenstraße, statt. Die Freie Turnerschast Groß-Berlin, Bezirk Pankow, hat sich hierzu eine auswärtige Mannschaft verschrieben, Leipzig-Südost ist der Gegner. Eine starke Mannschaft, bei der Pankow schon alles ausbieten muß, um siegreich zu sein. Spielbeginn 14.30 Uhr. Vorher um 10 Uhr tragen die Frauen der FTGB.-Pankow und der Volkssport-Neukölln- Britz noch ein Spiel aus. Alle Schiedsrichter in Pankow stellt FHC.-Spandau. In Wilmersdorf, Platz Roseneck, Reinerzstraße, stehen sich FTGB.-Friedenau 1 und FTGB.-Tempelhof 1 gegen- über(Schiedsrichter Moabit). fficic Schwimmer Sroli-Brrli». Anlmden aller Grirvp-n Sonn'.nn, 17. Ma-. Nruiolln: 14 Uhr Sammrrbali mit Nochfeier: Lichtenberg: 14 UKr ftluftboi) ftlinornber« mit Nachfeier: �riedrichsbain: 14 Uhr StranbNod Mtte,nel,'ec mit Nachfeier: Oderwree: Tie i beb Äblcrshof: SicmeusftaM: Uhr Iun-ncriilie.de: Mitte: 14 Ubr Treibad Pliihenfee: Köpenick: 1.1 UIN Tlußbad Sartcnstrake mit Nachfeier. Eintritt 50 Pf. Er werde lole Mitglieder frei. v-llrfprrt- Nackölln-BM. Sairtckae,. IT. Mal. StlkirtftK« zum Abfahrt Bahnhof Neirkölln U. Ubr. Alle übrigen«ttglieber mit Anoebörraen: Sonnenolott. Lnckenmaldcr Gaste und Briher Kinder: 1414 Uhr Abmarsch Auf« eifenhollc, IS>4 Udr Einmarsch crnmcrtplon._ Trrie ZSaffersahrer Köpenick l»Z4. Laaerfahrten: 17. Mai Gosener Graben, unweit gorsthaus: 2Z. Mai Pfinqstfahrt: StieniRsee: ZO. Mai Alt« LScknch. Porstandslltiung: 21. Mai: MonalsstRiena: 5. Juni: beide bei Heene. KSpeinck. Eartenstr.«Z.._,,.. Freie Photo-Vereiniguna Berlin. Sonntoa, 17. Mai, Tahrt nach Oranien» dura(Eden). Treffpunlt K'4 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen. T-eie Sport- und Schütienuereinignaa Sroh-Berli»,«dt. Prenzlauer Berg. Giisteschießen fällt aus. Beteiliquna an der Veranstaltung her Arbertsqemein» schaft soz. Jugendvcrbänd«. Montag, 1«. Mai, der-Resche, MrRcr Str. 26. Mit- glicdcrpersammlung. Rückschau. Die Funkstunde nimmt mit dem Beginn des schönen Wetters wieder die Werbung für den Wochenendgedanken auf. Der Staatsministcr und preußische Minister für Volkswohlfahrt Dr. H i r t s i e f e r eröffnete einen neuen Zyklus„Das Wochen- ende" mit dem Bekenntnis:„Wochenende?— Nun gerade!" Er betonte, daß gerade in dieser wirtschaftlich schweren Zeit nicht Abbau, sondern Ausbau des Wochencndgedankens not- wendig sei. Der Mensch hat heute oft nicht die Mittel, seinen Körper und Geist richtig zu pflegen und gesund zu erhallen. Arbeit und Leben untergraben seine Kräfte frühzeitig. Eine regelmäßige Wochenendausspannung kann ihm hier Hilfe bringen. Die Möglich- keit dazu kann bei gutem Willen vielen Menschen geboten werden, und Staat und Kommune müssen alles daran setzen, daß aus diesen. vielen immer mehr werden. Die Sicherung der Volks- g e s u n d h e i t ist immer noch leichter und billiger als die Heilung der Krankheiten. Sehr wichtig ist für die Ent- Wicklung des Wochencndgedankens, daß man dem Großstädter die Möglichkeit gibt, sich in Stadtnähe einen Kleingarten anzu- legen, der möglichst ohne oder doch mit sehr geringen Fahrkosten zu erreichen ist. Hiermit wird ihm nicht nur die Gelegenheit zu körperlicher Erholung geboten: er findet auch das, was ihm die Mietskaserne nie werden kann: ein Stück Heimat. Diese Heimat aber muß ihm auch gesichert bleiben; deshalb geht man jetzt dazu über, in die städtebauliche Planung Land für solche Dauergärtcn einzubeziehen. Ratschläge für Wochenendfahrten in die nähere und fernere Um- gebung Berlins brachten die„Fünf Minuten Wegweiser ins Wochenende". Diesmal wurden besonders Vorschläge zu Fahrten in weniger bekannte Baumblütegebiete gebrachr. Die sachlichen Angaben berücksichtigten eingehend Fahrkosten, Fahrzell und Wegdauer. Aber vielleicht ist es in Zukunft möglich, die Land- schaftsschllderungen so zu geben, daß das gleichgültige Ablesen vom Manuskript dem Hörer nicht jede Freude daran raubt. Als Abendveranstaltung gab Berlin ein Sendespiel„T y l l Ulen spie gel" nach Motiven des de Costaschen Epos, verfaßt von Walter Nissen und Robert Seitz. Es wäre eine Einführung nötig gewesen, die den Hörer auf Zeit und Landschast der Handlung hingewiesen hätte. Dann wären die kurzen, bildhaften Szenen sicher vielen Hörern schon als Milieuschilderung interessant gewesen. Die Gestalt des weisen Narren Tyll wurde in ihrer Ent- wicklung nicht sehr deutlich. Alfred Braun gab diesmal als Regisseur eine recht ausgeglichene Leistung. Allerdings hätte er im Tempo und in der Dynamik der Sprache noch manches Mikrophon- geeigneter schleifen müssen. Vor ollem hastete E r n st Busch als Tyll die Worte oft so, daß sie für den Hörer fast verschwammen. T«. Sonnabend, 16. Mai, Berlin. 16.01 Heinrich Pfeiffer: Erlebnisse eines Tropen- loomalisfeii. j 16 30 Orchesterkonzert.' 18.00 Dr..-red. Alfred Beyer: Großstadt ond Nervosität. s 18.36 Franz Liszt 1. Petrarca-Sonett. E-Dur. 2. Gnomenreizen. 3. Rhapsodie Nr. 12(Simon Barer. Flügel). 18.50 Maler als Dichter. Ein Gespräch rwischen Ludwig Kunz und Dr. Will! Wolfradi. 19.15 Unterhaltuntsmusik. 20.00 Quer durch die Zeitsatirc. Verbindende Worte: Alfred Kerr. 20.30 Funk-Potpourri Amerika— Europa. Von Walter Gronostay. Könizswusterhausen. 16.00 Dr. Erich Wende: Grundlagen des Elternrechts. 16.30 Mamburg: Konzert. 17.30 Dr. Langheinrich-Anthos: Billige Romane.£ y 18.00 Französisch für Fortgeschrittene. 18.30 Hoctzsch; Die großen Mächte der Gegetiwart. 19.00 Prof. Dr. P. Honigshclm; Musik und Gesellschaft. 19.30 Stille Stunde..Leuchtende Tage". 20.00 Frankfurt:..Jakuba"(Das Alpenfest), Operette. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportuachrichten. Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. Sonntag;, 17. Mai. Berlin. 6.30 Funkgymnastik. 8.00 Für den Landwirt. 8.55 Morgenfeier. 10.05 Wetter /ornersage. 12.00 Dr. Karl hagemann: Kurzgeschichten. 12.30 Konzert. 14.00 Sylvia Lorenzo: Jugendstunde. 14.20 Reg.-Präsident Dr. Haußmann, Stralsund: Der Rügerdamra. 14.45 Grünau: Ausschnitt von der Deutschen Autbord-Regatta. 15.00 Gesangsvorträge: 1. Alban Berg. 2. Slawische Volkslieder(bearh. von Felix Petyrek). 3. Emil Kahn: Kindcrlieder(Ellen Beck, Sopran; Flügel: Emil Kahn). Stadion Neukölln: Festrede Severings auf der Werbeveranstaltung für die Jugendherbergen. Hans Friedrich Blunck liest„Neue Balladen'*. Von Königsberg; Konzert. Mozart erzählt sein Leben. Sprecher: Dr. Erich Fortner. Mitw.: Frida Weber Flcßburg, Sopran; Erna Klein, Flügel. Kerr: Tagcsglossen. Städtische Oper Charlottenburg;„Angelina", Komische Oper. 15.20 15.30 16.00 18.15 19.15 19.55 7.00 11.00 11.30 14.20 15.30 16.00 16 50 17.45 19.15 19.40 20.00 22.00 Königswusterhausen. Hamburg: Hafenkonzert. Lehrer Hans Braun: Die Schulklassc geht spazieren. Bachkantaten. Heinz Stcguweit liest aus eigenen Werken. Nils G. Svanfeldt: Das schwedische Freilichtmuseum Skanscn. Königsberg: Konzert Hamburg: Endspiel um die Deutsche Arbeiter-Fußballmeisterschaft. Dr. Leo Schwering, M. d. L.: Der deutsche Parlamentarier in Phantasie und Wirklichkeit. Arnold Schultze: Amerikanische Tropen. Ania Simon: Aus dem Leben des Cervantes. Hamburg: Sonntagskonzert. Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. ----------------- Die einzige Ersatzkasse für sämtliche Berufszweige ist die------------------ Kranken- amdSteriiekasse für«las Keiiis«i»e Reick 189*4 iSegrttssaae* HLSdackerfeBdeir SracacksBecasse) uti unwtjmaa Bim Jaslar«:«884 tfeeSrUnd«* die Versicherungspflichtigen und Nichtversicherungspflichtigen ausreichenden Krankenversicherungsschutz bietet HouiMtverwaWunR: Oerlin M24, Or«Utftenl»UI,tf er Stfr. und SOO Verwaltungsstellen im Reich