BERLIN Dienstag 19. Rai 1931 10 Pf. Nr. 229 B 115 48. Zshrgang erscheisttSgltchallßerS-nlltas«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. BezugSorei« beide Ausgaben SS Pf. pro Woche. n.soM. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin GW K8. Lindenstr. S Fernsprecher: Dönhoff 292— 29? ff\£iWar& Sntetgenpret«: Die etnspaltigeNonparetllezeile So Pf.. Reklame, eile»M. Ermäßigungen nach Tarif. PoKscheckkont»: Vorwärrs-Verlag G.m. b.H� Berlin Vr. s? SS«.- Der Verlag dehält sich da« Recht der Ablehomig nicht genehmer Anzeigen vorl Zweite Lohnabbauwelte? Die sächsischen Metallindustnellen sordem 20 proz. Lohnabbau Gestörte Schiffstaufe in Kiel Dresden. 19. Mal. sEigenbericht.) Di« sächsischen Metallindustrie�«« treiben Rata» strophenpolitik. Sie haben, obwohl am 2. Januar 1931 im Inge der allgemeinen Lohnabbauwelle auch eine Her» absehung der Löhne in der sachsischen Metallindustrie um 4 Prozent für Lohnarbeiter und um 5 Prozent für �: MW ä>fc franslffifchen tWtHärflugseuge auf dem Slugplals. ton Schtveinfurl Atta«darbe iter erfolgt ist. einen neue» Angriff eingeleitet, und zwar ist das Lohuablomme« und das Zusahabkommen für die Hüttenbetriebe und das Ätehereiabkommen für den 31. Mai 1931'gekündigt worden. Die Forderungen der Unternehmer bedeute« einen Abbau von rund 20 Prozent. Gleich unverschämte Forderungen werde» für die Gr» Neuerung des Zustandekommens über die Arbeitszeit in den Hüttenbetrieben aufgestellt. In Würdigung der allgemeinen Erbitterung, von der die Arbeiter. Angestellten und Beamten auf Grund der langfristige« Arbeitslosigkeit und solch unerhörter Angriffe auf ihre Lebenshaltung erfaßt sind, muß er» wartet werden, daß der Reichsarbeitsminister sein wieder- holt gegebeues Versprechen einlöst und alles aufbietet. um wenigstens die jetzige Kaufkraft der Massen zu er- halten. * Die für Montag, den 18. Mai. vorgesehene Ver- Handlung über Erneuerung des Lohnabkommens in der sächsischen Metallindustrie ist bereits im Vorstadium gescheitert, weil die Unternehmer unbedingt auf weiteren Abbau bestanden und es ablehnten, für die Ver- Handlung eine ernst zu nehmende Grundlage zu schaffen. Der Lsebersall auf den Auiobus. Die Haupttäter enttommm. Oer Mldwest-llebersall aus den Aueflugs-Autobup hinter Bernau tonnte bisher noch nicht restlos geklärt werden, da die 5)auplläter. die den ilhausfeur niederschlugen, beim herannahen der Gendarmerie und de» lleberfallautoz in die Wälder flüchteten und entkamen. Die 16 festgenommenen Personen, die zu dem Sportverein „Olütfsstern" und dem Musitverein„In Treu« fest' ge- hören, sind inzwischen wieder entlassen worden. Obgleich ihre Mit- täterschaft erwiesen ist. bestreiten sie sämtlich, mit dem iieber- fall etwa» zu tun zu haben. Da zu der Schurkerei der Kolonne kein Anlaß zu ersehen ist, blecht nur die Erklärung, daß der liehe r- fall unter Einwirkung de» Alkohols erfolgt ist. Die Burschen führ- ten auf ihrem Lastauto mehrere Fäsier Bier und zahlreich« Flaschen Alkohol mit. Bevor es zu dem Uederfall auf 0«n Autobus kam. lag der größte Teil der Land« im Chausseegraben und trank. Ach die Polizei die Täter einige Zeit später am Ufer dp» Liepnißsee» ermittelt«, kam«? zu turbulenten Szenen und hie Be- amten mußten sehr«nergisch vorgehen, um die Kolonne in Schach zu halten. Die Berkner Kriminalpolizei wird die weiteren Nach» forschungen mit aller Energie betrechen, Panzerkreuzer„Deutschland" vorzeitig zu Waffer gegangen. Kiel, 19. Mai. sEigenbericht.) Die Taufe des Panzerkreuzers„Deutschland" erfuhr insofern eine peinliche Unterbrechung, als noch während der Worte des Reichskanzlers, vermutlich durch das Lösen einiger Taue, das Schiff sich vorzeitig löste und zu Wasser ging. Infolgedessen konnte der eigentliche Taufakt durch den Reichspräsidenten nicht vorgenommen werden. Eine Nebe bes Reichskanzlers. Siel. 19. Mai.(Eigenbericht.) Heut» Mittag Ii Uhr fand auf den Deutschen Wert«« der Tauf» all de» Parzarlleuzers..Deutschland' statt, den der Reichskanzler mit einer Red««inleitete, in der er u. a- ausführte, daß es gelte zu bekennen, was der Bau de» Panzerkreuzers bedeuteund au« welcher Gesinnung er geschaffen wurde. Cr glaube nicht, daß es irgendeinen wahren Friedensfreund in der Well stören könne, wsnn dieser Stapellauf feierlich begangen wird, während in Genf der deutsch« Außenminister als Vorsitzender des Völkerbundsrats dem hohen Ziel de» Wellfrieden» und der europäischen Verständigung dient. Deutschland könne mit größtem Recht mit tiefstem Ernst von sich sogen, daß e» in gewissenhafter Erfüllung seiner Abrüstungs- Verpflichtungen nichts von dem versäumt hat, was ihm die Verträge auferlegen. Wir warten darauf, daß, wenn aus diesen Verträgen überhaupt«ine Hoffnung für die Menschheit entstehen soll, unsere Abrüstung Nachahmung findet. Daß wir bemüht sind, unserem Volke das gering« Maß von Sicherhell zu verbürgen, das uns die Verträge zugebilligt haben, ist selbstverständlich. Auch da» liegt im Interesse Europas und der Well. Nicht dadurch dient man dem Frieden, daß man den Völkern zweierlei Recht und zweierlei Sicherheit schafft. Nur eine Gemeinschaft freier, gleich- berachttgter Völker, ihre Zufriedenheit, ihr eigenes Verantwortung?- gefühl und ihre freiwillig« Unterordnung unter den Gedanken fried- nchen Ausgleich können sichere Bürgschaft für den Weltfrieden sein 5n diäseb Stund« strecken wir in tiefster Wahrhaftigkeit denen die Hand entgegen, die uns die gleichen Recht« zugestehen wollen «i« sich selbst. Diel Leid kann vergessen werden, wenn UN» die anderen die gleich» Vaterlandsliebe und den gleichen Ratwnalstvlz zubilligen, die sie für sich und ihr eigenes Land in Anspruch nehmen Für solch» Gesinnung möge dos stolze Schiff, das jetzt von der Hand des Reichspräsidenten die Tauf« empfangen wird, Sinnbild und Bürgschaft werden. Oer Konflikt schärfer als je Die Zollunion soll auch nach dem Haag verhindert werden Genf. 19. TllaL(Eigenbericht.) wie am Alonlag Brlaad. so suchleu heule Benesch und ZNariakowicz die Entscheidung de» Haager Gerichtshofes nur als juristisch bedeutsam zu erklären, wogegen der Rat später die politischen und wirtschaftlichen Folgen der Zollunion zu prüseu hätte. Eurtius antwortete wiederum ablehnend, während Brlaod aus den Ausweg zwischenzeitlicher Verhandlungen zur Aufgabe der Zalluniausidee hinwies. In der heutigen Sitzung des Völkerbundsrates sprach als erster zur deutsch- österreichischer Zollunion der tschechische Außenminister B e n« s ch. der sich Hendersons Auffassung anschloß, hier nur die juristische Frage zu prüfen. Wirtschaftliche und politische De- merkungen müsse er jedoch machen, um keine Unklarhell aufkommen zu lassen. Juristisch sei nach seiner Ansicht der Vertrag den b«, stehenden Verpflichtungen Oesterreichs entgegengesetzt. Deutschland sei viel mächtiger als Oesterreich. Beide gehörten der gleichen Rasse an, wodurch die Verbindung die rein juristisch« Bedeutung über« schreit«. Selbst wenn der Buchstabe de» Genfer Protokolls erfüllt werde, sei der Zollverein eine verlctzllug der Berpslichtuogen. Di« Unabhüngigkell Oesterreichs werde verletzt, da es entschieden Deutschland einseitige Vorteile einräume. Es sei«in großer Schoden für die Tschechoslowakei, da ein S)her Teil ihrer Ausfuhr nach Deutschland durch österreichische aren ersetzt werde und umgekehrt. Auch der Durchgangsverkehr tschechoslowakischer Waren durch beide Länder sei erschwert. Das müsse man alles bedenken, wenn man den juristischen Standpunkt der Tschechoslowakei verstehen wolle. Der Rat werde nach dem juristischen Spruch de. Haager Gerichts vom politischen Standpunkt eine Entscheidung treffen, die dar Tschechostomaket keinen Schaden und dem Freden kein« Erschütterung bringen lasse. Sehr deutlich trat auch Marinkowicz- Jugoslawien der Ansicht npn Eurtius entgegen, da» der Rat sich nicht mll der pali- tischen Sell« de» Abkommen» zu befassen habe. Jede Wirtschaft- liche Handlung sei auch polllisch. Der Rat und jedes seiner Mit- glieder hätten dos Recht, sich mll jeder Frage zu befassen, die ge- eignet sei, dl« guten Beziehungen zwischen dan Nationen zu stören. Die Entscheidung im Haag gebe die juristische Grundlage, aber da- nach müsse die Frag» vom Rat auf ihre polltischen Folgen unter- sucht werden., Eurtiu« antwortet« ebenso bestimmt, durch Hendersons Antrag sei der Kern des Problems herausgeschäll worden, nämlich die völkerrechtlich« Verpflichtung Oesterreichs. Er sei kqin Formenjurist und wisse, daß hinter den Formen da» Leben stehe. Man könne es ober den Richtern im Haag überlassen, wie well sie das polllische und wirtschaftliche Leben hinter der juristischen Form für ihren Spruch berücksichtigen wollen. Es könne sich aber immer nur um die völkerrechtliche Verpflichtung Oesterreichs und nicht um w i r t- s ch a s t l i ch e Rücksichten handeln. Wenn der Haag erklärt, daß die völkerrechllichen Verpflichtungen erfüllt sind, so geht es nicht an, den beiden Völkern ein« Verletzung des Friedens vorzuwerfen. Eurtius wies den Vorwurf der Prestige- oder Machtpvlllik zurück. Alle regionalen Zusammenschlüsse könnten und müßten sich einfügen in die europäische Zusammenarbeit. Dagegen lehne er e» ab. die beiden Staaten vor ein Forum ziehen zu lassen al» SlSrer de» Friedens. Briand hielt es für wichtig, zu vermeiden, daß man mll einem Mißverständnis auseinandergehe. Durch Hendersons Vorschlag sei die vordringliche juristisch« Frage geregelt. Durch die wichtigen Er- tlärungen Eurtius' und Schobers sei ein« wichtige Entscheidung ge- geben. Marikowicz habe«ine grundsätzliche Frage aufgeworfen. Tatsächlich ständen all« Handlungen von Staaten unter der Garantie de» Paktes, wonach jedes MUglied jede Gefahr einer Störung der guten Beziehungen vor den Rat bringen könne. Diese» Recht sei unbestritten. Es gebe dabei kein Prestige. Alles werde gleichberechtigt behandelt. Hier stehe die Solidarität in Frag«. Werde«in wichtiger Vertrag geschlossen, so sei es ein Problem, das alle angehe. Dank der Aussprache sei der Fall schon nicht mehr die alleinige Sache der beiden Staaten. Da Eurtius erklärt Hab«, er wünsche nichts mehr, als mit allen gemeinsam zu ardeiten. so erscheinen sofort größer« Möglichkeiten für.«inen Plan gemeinsamer Zusammenarbeit. Man verzichte auf Pläne, die Un- ruh« hervorrufen könnten und oersuche, es zu gsmeinsamen Lösungen zu bringen. Er Hölle Vertrauen zum 5iaag. In der Zwischenzeit könnten Woge gesucht werden zur gemeinsamen Soli- darllät. Nach dew Spruch müsse sich der Wille zeigen, die guten Beziehungen nicht zu trüben. Noch einer kurzen Erklärung Marinkpwicz», er habe nichts als die grundsätzliche Frag« klären wollen, antwortet Eurtius noch- mal» auf Lrmnds geschichtliche Zitat« mll rein geschichtlichen Gegenzitaten. Hendorson warf unter größter Heiterkell ein, daß der Haager Gerichtshof über die geschichtliche Diskusston be- finden könne. Hz mau» stellte unter erneuter Hellerkell fest, man habe Kür die 40-Gtunden-Woche Kundgebung der Berliner Gewerkschaften Eine vom Ortsausschuß Berlin des ADGD. einberufene Be» triebsrätekonferenz besänftigte sich am Montagabend im Gewerk- schaftshnus mit der 40-Stunden-Woche. Der Vorsitzende des Orts- ousschusses, Genosse Bredow, der über dieses aktuelle Thema referierte, legte zunächst eingehend die Zusammenhänge zwischen Rationalisierimz und Wirtschaftskrise dar. Nach wie vor verlangen die Gewerkschaften, daß auch die Arbeiter an dem Fortschritt der Technik profitieren müssen. Die Unternehmer preisen, um die Wirtschaft anzukurbeln, als Allheilmittel die Lohnreduzisrung und haben zu diesem Zwecke alle Tarifverträge gekündigt. Bedauerlicherweise hat sich die Reichs- regierung, ohne die Forderungen der Gewerkschaften nach einer aus- reichenden Arbeitszeitverkürzung zu berücksichtigen, die Meinung der Unternehmer zu eigen gemacht. Seit Jahresfrist erleben wir, daß kein Schiedsspruch gefällt wird, der nicht einen Lohnobbau vorsteht. Trotz des Lohnabbaues ist aber die Zahl der Arbeilsloscu vom August 1330 bis zum April 1931 nicht gefallen. sondern in Berlin von 346 000 auf 446 000 gestiegen. Die letzte Woche brachte in einer Jahreszeit, wo sonst der Arbeitsmarkt im Baugewerbe von Arbeitskrästen stark entbläßt ist, noch einen Zugang von etwa 1000 Nsuemtragungen auf dem Facharbeitsnachweis für das Baugewerbe. Diese Tatsachen beweisen, daß uns der Lohnabbau aus der Krise nicht herausführen kann. Ausführlich beschäftigte sich Genosse Bredow mit den Vorschlägen der Brauns-Kon, Mission, die höchst unzureichend sind. Ausgabe der Gewerkschaften ist es, mit allen Kräften«ine Verkürzung der Arbeitszeit anzustreben. Die Arbeiterschaft kann eine zweite Lohnabbauwelle' nicht mehr er- tragen. Wenn schon das Einkommen der Arbeiterschaft geschmälert werden soll, dann nur dazu, um Arbeitslose wieder in Arbeit zu bringen. Die Gewerkschaften fordern die gesetzliche Ein- führung der 40-Stunden-Woch« bzw. Fünf-Toge- Woche mit dem Zwange, dafür Arbeitslose einzustellen. Aus der sehr regen Diskussion ist besonders der Ernst her- vorzuheben, mit dem alle Redner betonten, daß es die erste Aufgabe sei, die Arbeitslosen wieder in Arbeit zu bringen, auch wenn die noch in Arbeit Stehenden dabei finanzielle Opfer bringen müßten. Der Lohnausgleich wird bei auflebender Beschäftigung durch die gewerkschaftliche Macht erzwungen werden. Verlangt wurde allgemein, daß bei einer Verkürzung der Arbeitszeit auch Garantien geschaffen werden, daß auch wirklich für die freiwerdenden Plätze Arbeitslose eingestellt werden und nicht eine noch stärkere Ausbeutung der noch Arbeitenden herbeigeführt wird. Einstimmig wurde folgende Resolution angenommen: „Die Betriebsrätekonferenz fordert die allgemeine Durchführung der 40-Stunden- bzw. Fünf-Tage-Woche mit Lohnausgleich mit der Maßgabe, daß für die sreiwerdenden Arbeitsplätze Arbeitslose eingestellt werden.'. * Am Montagabend nahmen auch die Betriebsräte der Berliner AfA-Organisationen in einer überfüllten Versammlung in den MusikersÄen zu der Frage Stellung, wie die arbeitslosen An- gestellten wieder in die Produktion eingegliedert werden können. Der Vorsitzende des Afa-Ortskartells, Genosse Petcrsdorff, wies einleitend auf die Notwendigkeit hin, die Forderung der 40-Stunden-Woche für die Angestellten gesondert zu behandeln. Zu dem Thema„40-Stunden-Woche— ein Hilfsmittel gegen Arbeitslosigkeit, ein Kampf um unser soziales Recht", sprach der Gauleiter des ZdA., der Genosse G o t t f u r ch t. Dem beifällig aufgenommenen Referat folgte eine ausgiebige Diskussion, in der mehrere Betriebsräte aus der Industrie, dem Handel und von Behörden das Wort nahmen. Sie wiesen aus chren praktischen Erfahrungen darauf hin, daß die 40-Stunden- oder S-Tage-Woche für die Angestellten wenigstens recht problema- tisch bleibt und keine Einstellungen Erwerbsloser mit sich bringt, wenn nicht durch gesetzlichen Zwang diese Einstellungen ermöglicht werden. Gern wollen auch die Angestellten Opfer bringen, aber nur, wenn diese Opfer die Einstellung erwerbsloser Kollegen er- mög licht. Don der Versammlung wurde eine Entschließung an- genommen, in der es u. a. heißt: Die 40-Stunden.Woche kann nur wirksame Hilfe bringen, wenn sie in Form der S-Tage-Woche eingeführt wird. Die erstrebten Ziele können nur erreicht werden, wenn mit der Einführung verkürzter Arbeitszeiten alle Ueberstunden vermieden werden... Der bei der Einführung der Kurzarbeit etwa zunächst eintretende teilweise Lohn- und Gehaltsverlust wird nach Unterbringung der. Erwerbslosen wieder auszugleichen sein durch den Erfolg gewerkschaftlicher Kämpfe... Für unmöglich wird es gehalten, in Warenabgabestellen der K o n s u m g e n o s s e n- s ch a f t e n die 40-Stundcn-Woche vor der gesetzlichen Regelung bzw. vor einer gleichartigen Regelung im gesamten Kleinhandel einzu- führen... Das AfA-Ortskartell ist der Meinung, daß von den gewerkschafi- lichen Spitzenorganisationen alles getan werden muß, um zu oer- hindern, daß sich die Propaganda für die 40-Stunden-Woche»m- kehrt in das Gegenteil ihres ursprünglichen Sinnes, nämlich in den Versuch zur weiteren gewaltsamen Intensivierung der Arbeit und zum Druck der Löhne und Gehäller. Belgien recht viel historisch zittert, aber es nicht um seine Meinung befragt. Es habe in Wirklichkeit niemals eine Zollunion vor- geschlagen noch angenommen. Nach Abschluß der Debatte wurde der Antrag Hendersons aus Befragung des Haager Schiedsgerichtshosss einstimmig an- genommen. Llnversöhnllche Gegensätze. V. 8ck. Genf, 19. Mai.(Eigenbericht.) Mit der einstimmigen Annahme des Antrages Henderson— Ueberweisung der Zollunion an den Internationalen Gerichtshof im Haag und Einholung eines Rechtsgutachtens über ihre Vertrags- mäßige Zulässigküt— ist dieser Punkt der Tagesordnung des Völkerbundsrats heute mittag einstwellen erledigt worden. Einstweilen nur, denn der Konflikt ist größer denn je, darüber darf man sich nicht durch die Lachsalven hinwegtäuschen lassen, die in der letzten halben Stunde der Debatte immer wieder ausbrachen, sie wurden hervorgerusen durch einen wahren Weil- bewsrb von witzigen Bemerkungen zwischen Briand, Eurtius, Henderson und Hymans. Eurtius hatte gestern eine Note des längst vermoderten französi- schen Außenministers Guizot, der im Jahre 1842 die Ungefäl)r- lichkcit der damals geplanten Zollunion zwischen Frankreich und Belgien betont, und insbesondere die völlige Unan- tastbarkeit der belgischen Unabhängigkeit beteuert hätte, angeführt. Briand meinte dazu, daß in den letzten Tagen auf beiden Seiten man die»großen Toten des anderen Landes' zitiert hätte: Eurtius durch eine Berufung auf seinen berühmten Vorgänger Guizot, Poncet durch ein Zitat aus dem Friedrich Naumannschcn Buch„Mitteleuropa". Vielleicht würden aber diese Toten, wenn sie in unserer Mitte weilten, Einspruch gegen diese Auslegung ihrer Worte in der gegenwärtigen Debatte einlegen. Eurtius zitierte daraufhin einen anderen Toten und zwar den österreichischen Außenminister Grafen Beust. der im Jahre 1869 erklärt hatte, daß der erste denlsche Zollverein die einzelnen deutschen Staaten nicht davon abgehalten hätte, auf ihre staatliche Unabhängigkeit ganz besonders eifersüchtig zu achten, und nicht einmal. den Krfeg von 1866 verhindert hätte. Diese geschichtliche Redeschlacht versetzte natürlich die Rats- Mitglieder und die Zuhörer in heiterster Laune. Nichtsdestoweniger blieb das Kernproblem ungelöst. Eurtius wies die Unterstellung energisch zurück, als lasse sich Deutschland von Prestigerücksichtcn leiten. Deutschlands Politik sei ebenso sehr auf Ausgleich und europäische Solidarität gerichtet, wie die einer jeden anderen Macht. Noch einmal verkündete Briand seinen gestrigen Standpunkt: versöhnlich im Ton, unoersöhnlichinderSache. Die Frage der Zollunion sei längst über den juristischen Rahmen hinausgewachsen. Sie habe zahlreiche Staaten tief beunruhigt. Der Ar- tikel 11 des Statuts gebe jedem Staat das Recht, Fragen, die den Frieden gefährden, vor den Rat zu bringen. Der Friede fei aber wichtiger als alles ändere usw. Eurtius hätte darauf antworten können, daß es eine ganze Reihe von Problemen gebe, die Deutschland beunrnhlgken, zum Beispiel die polnisch- französische M i l i t ä r a l l i a n z, die Militärkonvention zwischen Frankreich und Belgien, die Verein- barung zwischen der Kleinen Entente usw., und daß Deutschland mit ebensolchem Recht alle diese Fragen unter Bezug aus den Artikel 1t vor d e n R a t b r i n g« n t ö N n t e. Er hat es nicht getan, denn es hätte doch keinen Zweck ge- habt und nur eine unnötige Schärfe in das letzte Stadium der Debatte hineingetrogen. Er begnügte sich mit der Feststellung,, daß der Rat es heute nur mit der juristischen Seite, nämlich mit dem Antrag Hendersons auf Einholung des Rechtsgutachtens zu tun habe. Damit ist der politische Streit nicht entschieden, sondern nur vertagt. Man wartet einstweilen den Spruch des Haager Gerichts- Hofes ab. Sollte er aber der deutschen und der österreichischen juristischen Auffassung recht geben, dann droht der Sonflikl mit noch größerer Gewoll als bisher ober- mals auszubrechen, falls Frankreich, Italien und die Kleine Entente auf ihrer Absicht bestehen, oder falls nicht sonstwie auf andere Weise bis dahin ein Ausgleich gefunden wird. Deutschland wird es sich ernsthaft über- legen müssen, ob es nicht nunmehr seinerseits eine ganze Reihe von Problemen vor den Rat bringt, die den Ententemächten höchst peinlich sein könnten: denn es hat mindestens ebenso sehr wie Frankreich Veranlassung, sich durch gewisse Erscheinungen in Europa „b e u n r u h i gt' zu fühlen. Die Borgänge in Scheuen. Berufungsverhandlung vor der Strafkammer. Die Klage der Stadträtin W e y l gegen den Chefredakteur Dr. Frei vom„Berlin am Morgen', der die Vorgänge in der Erziehungsanstalt Scheuen zugrunde liegen, beschäftigt jetzt in drei- tägiger Verhandlung die Berufungsinstanz, und zwar die Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz von Landgerichts- rat Stecket. Die Anklage wird von Staatsanwaltschaftsrat Fischer vertreten. Als Nebenklägerin ist wieder Frau W e y l unter dem Beistand von Rechtsanwalt Dr. Otto Landsberg erschienen. Von dem Gericht erster Instanz ist Dr. Frei wegen übler Nach- rede zu S00 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Gegen dieses Urteil hat er Berufung eingelegt. Als Sachverständige sind zugegen der Direktor des Jugendgefängnisses in Eisenach, der Göttinger Honorarprofessor Dr. Bondy, der Direktor des evangeli- schen Johannisstifts in Spandau, Dr. Schreiner, der Direktor des Erziehungsheims Lindenhof, Krebs. Der Rechtsanwalt Dr. Löwca- thal beantragt die Ablehnung des Sachverständigen Krebs wegen Befangenheit. Als Angestellter des Landesjugendamtes müsse er in seinem Gutachten unfrei sein. Staatsanwalt Dr. Fischer und Rechts- anwall Landsberg bitten, den Antrag abzulehnen. Direktor Krebs erklärt sich auf Befragen des Vorsitzenden für unbefangen: er sei gewohnt, auch seiner Behörde gegenüber die Selbständigkeit seines Urteils sich, zu bewahren. Das Gericht lehnt den Antrag der Verteidigung ab. Es folgt die Verlesung des Urteils der ersten Instanz. Rechtsanwalt Dr. Löwenthal stellt darauf neue Bewcisanträge. Toscanini als Gefangener. Im Hause eingeschlossen.— Ein Vivat im Theater. Lugano. 19. Mai.(Eigenbericht.) Toscanini wird in Mailanö zur Zeit von der Polizei scharf bewacht. Bor dem Eingang des Patrizierhause?, wo Toscanini wähnt, halten nicht weniger als 18 Kriminalbeamte und vier uniformierte Karabmieri mit einem Offizier Wache. An den Zugangsstraßen sind ebenfalls Posten aufgestellt und der Neben- eingang des Hauses wird von fünf Geheimen beobachtet. Alle Be- fucher des Kapellmeisters müssen über ihre Personalien der Polizei genau Aufschluß geben. Diese scharfe Maßregeln haben natur- gemäß die Veranlassung gegeben, daß sich vor der Wohnung Tos- caninis Haufen von Neugierigen einfinden, die stets von der Polizei zum Auseinanoergehcn aufgefordert werden. Wie erlautet, ist Toscanini bereits fein Pa ß e n t z o gen worden� Di« Entrüstung über die Behauung de? Meisterdirigenten ist allgemein. In der Mailänder Scala erscholl während des zweiten Sinfonie- konzerts der Frühjahrsspielzeit unter der Leitung de? bekannten Amsterdamer Dirigenten Wbert van Roalte plötzlich aus einer Studentengruppe der Ruf:„Vivat Toscanini!' Dieser Ruf wurde vom ganzen Haus mit Beifall aufgenommen. Von allen Seiten stürzten die Geheimpolizisten auf den Rufer zu und ver- hafteten ihn sowie mehrer« andere junge Leute, die in seiner Näh« standen.__ Schlangenbiß in der Rar. Oer Verletzte durch rechtzeitige Behandlung gerettet. Ein sellsamer Fall, der noch der Anfklärung bedarf, hat sich am Monlagabend in einem Anlomakenreslanranl in der Zoachimsthaler Straße abgespielt. An der Bar saßen mehrere junge Leute, u. a. auch ein Student Bill Sch öttler und ein Engländer Manch a, der in der Bleib- treustrahe 35 wohnt. Mancha ist Kaufmann und steht im Anfang der vierziger Jahre. Schöttler erzählte, daß er in seiner Akten- tasche eine lebende Schlange habe. Mancha war begierig, die Schlange zu sehen. Die Vorgänge, die sich darauf abgespielt haben, stehen einwandfrei noch nicht fest. Nach der einen Dar- stellung soll Mancha in die Tasche hineingefaßt haben, um die Schlange gegen den Willen des Besitzers herauszuholen. Nach An- gaben anderer Zeugen soll Schöttler dem Engländer die Papiertüte, in der die Schlange war, hingehalten haben. Auf jeden Fall hat das gereizte Tier ManchaindenFingergebiffen. Schöttler gab die Tasche mit der Schlange seiner Begleiterin und bemühte sich um den Gebissenen. Er band ihm den verletzten Finger ab. Mancha selber sog sich sofort die Wunde aus. Trotzdem wurde er schwach und erlitt einen Ohnmachtsanfall. In einer Droschke wurde er sofort nach dem Achenbach-Krankenhaus gebracht. Schöttler war mitgefahren und konnte den Aerzten eine Erklärung geben, um welche Schlangenart es sich handelte. Es ist nicht eine Kreuzotter, sondern eine südeuropäischeVipcr.diein den Balkanländern heimisch ist. Nach der Schlangenart richtet sich die Behandlung. Trotzdem von der Minute des Bisses bis zur Einlieferung in dös Krankenhaus nur etwa 20 Minuten verstrichen waren, zeigten sich sehr schnell die Wirkungen des Giftes, Schwellungen im Gesicht, Veränderungen der Herztätigkeit usw. Mancha erhielt sofort Zltropineinspritzungen, die auch die gewünschte Wirkung erzielten. Die Untersuchung durch die Kriminalpolizei ist noch nicht abgeschlossen Es muß festgestellt werden, wie Schöttler in den Besitz der gefähr- lichen Schlange gekommen ist und ob er sich einer Fahrlässigkeit schuldig gemacht hat. Vor zwei Jahren wurde in Heiligensee durch die Unvor- sichtigkeit eines Schlangenfreundcs ein zehnjähriges Mädchen durch eine Balkanviper gebissen. Das Kind wurde sofort in das Robert Koch-Jnstitut eingeliefert. Auf telegraphischem Wege forderte man aus Paris ein Serum an, das mit einem Flugzeug nach Berlin ge- bracht wurde. Auch diese Behandlung zeigte gute Wirkung, das Kind wurde gerettet. Intendant Ebert ab 25. Mai im Amt. Znlendanl Eberl hal� Oberbürgermeister Dr. 5 ahm tele- graphisch milgelelll, daß er' seine Wohl zum Leiter der Berliner Stüdlischen Oper mik großer Freude annehme. E? steht zu crwarken, daß Eberl sein neues Amt am 25. Mai antreten wird. Massenhaft in Braunschweig. Eine ungeheuerliche Provokation. Minister Franzen in Braunschweig hat den Eltern, dcrcn Kinder am 11. und 12. April am Schulstreik der weltlichen Schule. teilnahmen, einen S t r a f b e f c h l übermitteln lassen, wonach sie eine Haftsträfe von drei Tagen antreten müssen. Hu n- derte vön Strafbefehlen sind bereits durch die Polizei ausgetragen worden. Bei früheren religiösen Schulstreiks der Rechtskreise war eine Geldstrafe von zwei Mark verhängt worden. Der weltliche Elternbund wird eine richterliche Entscheidung be- antragen. Hunderte von Braunschweigern aus Franzens Befehl in Haft— da werden wohl schleunigst Gesängnisneubauten in Braunschweig durchgeführt werden müssen! Herr Franzen wird nächstens jeden einsperren lassen wollen, der. nicht Hakenkreuzler ist! Heber das Aufreizende einer derartigen Strasaktion ist kein Wort zu ver- lieren. Es ist eine Provokation— zumal diese Massenstrafbefchle von einem Manne ausgehen, der gegen die Strafgesetze verstoßen hat und demnächst prozessiert werden wird. Gtrafenregen bringt Segen. Als Minister von Formate Hat es Franzen jetzt geschafft: Braunschweig blüht durch Strafmandate, Jedes auf drei Tage Haft. Tausend Dissidenten-Eltern Läßt er wandern ins Kaschott, Ihren Schulstreik zu vergeltern Gegen Obrigkeit und Gott. Grimmig geht er über Leichen, Faust zum Racheschwur geballt.— Werden auch die Zellen reichen In der Landesstrafanstalt? Als der Schulzucht strenger Rächer Franzen strahlt im Glorienschein. (Nur wird leider für Verbrecher Nicht mehr Platz im Kerker fem.) Doch dies ist kein Grund für Franzen, Denn der weise Mann baut vor: Selber stehn ihm die Instanzen Im Prozesse G u t h bevor. Werden ihm drei Monat Kittchen Dort durch Urteilsspruch versetzt,— Niemand kann ihm ans Schlawittchen, Denn— s'ist alles schon besetzt! /onatban. Sozialistische Arbeilerschafl tu der modernen Rundfunkreportage. Unter dem Vorsitz von Staatssekretär Heinrich Schulz und der Leitung von Professor Richard Woldt veranstaltet der Ausschuß für Rundsunkhörstunden im Anschluß an einen gemeinsamen Emp- fang der Reichssendung„Das ist Schlesien' am Mittwoch. 20. Mai, 20 Uhr, im Vortragssaal des Parte chauses, Lindenstraße 3, einen Ausspracheabend über das Thema:.. Sozialistische Arbeiterschaft in der modernen Rundfunkreportage'. Eine begrenzte Anzahl tosten- lose r Teilnehmerkarten ist noch erhältlich in der Buchhandlung Dietz, Lindenstraße 2 und beim Arbeiter-Radio-Bund, Vorckstr. 1t (Bergmann 768). modeme Musikschau in Bremen Neue Werke— alte Wege. Der Musikausschuh des 2IDM21, der alljährlich die Werke für das Programm des„T o n k ü n st l e r f e st e s" auszuwählen hat, ist vor eine schwere Ausgabe gestellt. Es gilt nicht nur, ans hun- derten eingereichter Partituren das beste herauszufinden; es sollen gerade auch neue Namen, Arbeiten noch nicht Anerkannter zur Dis- kussion gestellt, der Fortschritt soll gefördert werden, und als Ganzes soll sich ein Gesamtbild vom jeweiligen Stand der gegenwärtigen Musikpro duktton ergeben. Unmöglich aber, zu sagen, welche Musik lmd welche Musiker heute am ehesten den Begriff des..Gegen- w ä r t i g e n" repräsentieren. Es können die Zwanzigjährigen sem oder die Fünfzigjährigen, die Vertreter der Jugend oder ihre Lehr- meister. Und mit gleichem Recht wie die Ueberwindung der„To- nalität" mag sich heute ihr Widerspiel, die Ueberwindung der„Ato- nalität", als wahren Fortschritt gebärden; mit gleichem Recht die Romantik, die stark genug ist, sich gegen den Alltag einer mechani- sierten Welt zu behaupten, wie jene vermeintliche wirklichkeitsnahere Kunst, die ihren stärksten Antrieb aus dem„Rhychmus der Zeit' gewinnt— aus einem Rhychmus, der in Wahrheit doch wieder nur künstlerisch-unwirkliche Verklärung der Gegenwart ist, ein roman- tisches Symbol und heute schon so abgenützt, daß nur der schöpserisch Inspirierte sich seiner ohne Gefahr, ins schemenhaft Leere zu ge- raten, bedienen darf. Die anderen, und die gerade, die sich am modernsten vorkommen, musizieren heute ganz so konventionell und gesichert durch Ucbereinkommen wie auch in anderen Zeiten die Mitläufer und Mitmacher, mögen die Konventionen sich noch so ohrenfällig geändert haben. Aber mehr als je wäre es zur Stunde müßig, sich in den Streit um äschetische Definitionen einzulassen. Nur auf die Werte des Persönlichen, persönlich Echten, des Ucber-Durchschnittlichen kommt es an: das hat sich in dieser Woche des Wettbewerbs der Richtungen und Generationen von neuem er- wiesen. Orchester- und Chorkonzert. Nach dem ersten Occhestertonzert, über dessen Verlauf hier kurz berichtet wurde, kamen an einem zweiten Orchesterabend vor allem die Jüngeren zu Wort. Unter ihnen ein Meister und überragend Be- gabter: Hermann R e u t t e r, dessen Konzert für Orchester und Äla- vier als bedeutendste Leistung an erster Stelle zu nennen ist. Hier spürt man in den Allegro-Sätzen eine gestaltende Kraft, die nicht durch den unerbittlich stampfenden Rhychmus der bekannten Sorte vorgetäuscht, sondern vom rhythmischen Einfall entfesselt und zu überzeugender Steigerung chrer selbst fortgerissen wird: im Adagio mischt sich lyrische Empfindsamkeit mit dem subtilen Klangsinn eines erfahrenen Orchesterkönners. Durch saubere, reizvoll« Arbeit, gip- selnd in einem wirkungsvollen Rondo-Finale, und durch sachkundige Behandlung des Soloinstruments, aber auch durch Ehrlichkeit der künstlerischen Haltung empfiehlt sich das nicht eben stark inspirierte Violinkonzert des jungen Russen N. Berezowsky. Mehr Per- sönlichkeit spricht freilich aus der lyrischen Orchestersuite seines Landsmannes L. K n i p p e r: vier knappe Sätze, sparsam in den Mitteln, impressionistisch Dahinschwebendes. eigenartige starke Klang- Visionen von außerordentlicher Eindringlichkeit: eine ungewöhnliche Talentäußerung. Aom Berliner Komponisten W. Jacob» haben wir schon Besseres kennengelernt als den in Bremen uraufgeführten. musi- kalisch dürftigen Zyklus von fünf„Barockliedern' für Tenor und Kammerorchester. H. Brehmes Concertv sinfonico interessiert vor allem als aufschlußreicher Beitrag zur inneren Situation des stmgcn Musikers. Er hat in Berlin studiert, und aus seiner Musik glaubt man herauszuhören, daß damals Bruckner und Strawinsky sein« stärksten Eindrücke gewesen. Aber wie er sich müht, die ex- tremen Gegensätze stilistisch zu verschmelzen, auch, sinfonisch« und suitenhafte Elemente zu binden, das spricht mehr für seine Be- gabung als sein Versuch, verbrauchte Jazzessekte konzertmäßig zu verwerten. Abzulehnen aber ist H. Wunsche, des oft Erprobten, Entgleisung ins Witzigseinsollende: abzulehnen, trotz lautem Beifall, den sie fand, diese.Kleine Lustspielsuite', die mit grobem Or- chesteraufwand und hohlem Poltern angeblich den Ablauf eines— Puppenspiels illustriert. Das soll alles parodistisch klingen, Parodie ist große Mode. Wenn sie sonst nichts zu sagen haben, jazzen sie em bißchen, und dann parodieren sie das eigene Gejazze: mir haben genug davon. Eine Matinee war der Kammermusik gewidmet, ein großes Abcndkonzert der Chormusik. Den feierlichen Auftakt und fast die Hälfte eines langen Programms bildete, dem Gründer des Vereins zum Gedächtnis, Franz L i s z t s schönes, eindrucksvolles Requiem für Männerstimmen. Orgel, Blechinstrumente und Pauken; aller- dings für die Kirch-, nicht für den Konzertsaal geschaffen, den meisten Hörern fremd und in so vollendeter Wiedergab« gewiß als Novität willkommen. Aber lebhafteres Interesse weckten die aktuellen Neuheiten: E. Peppings„Deutsche Choralmess«', ein frommes, enthaltsames /c-cepells-Stück, in ernstem, fast klösterlich strengem Geist kunstvoll und eigenwillig gearbeitet; eine dreisätzige Motette A. Moeschingers. der in klangvollem Chorsatz und mit fesselndem Detall an einem Gedicht Stefan Georges seltsam vorbei- komponiert. Und, Hauptstück des Abends, der 90. Psalm für Bariton-Solo, sechsstimmigen Chor und Orchester von Kurt Tomas. Ungleich im Wert und Stil der einzelnen Teste, doch ein Wurf als Ganzes;«in Werk von großem Format, voll innerer Spannung, strotzend von musikantischer Vitalität. Endlich, im zweiten Orchesterkonzert nicht glücklich untergebracht R. Siegels .�eldenfeier' für Männerchor, Knabenchor und Orchester. Ur- spriinglich zum Gebrauch für einen festlichen Anlaß bestimmt, groß- zügig entworfen und gewiß von unfehlbarer Massenwirkung, wo immer die Verherrlichung des Soldatentodes fürs Vaterland will- kommen ist; als Partitur, ohne eigentlich schöpferischen Willen zu offenbaren, ein Muster kluger Disposition und guter Arbeit. Künstlerisch« Bilanz: Zwei schon Anerkannte sind in Erfolg und Geltung gestärkt: Reutter und Tomas. Zwei Namen, eben noch unbekannt, wird man sieh merken müssen: L. Kauffmann und L. Knipper. Und viel Können, großes Wollen, vielerlei Begabtes, sehr achtbares Gesaintnioeau. Mehr dursten wir nicht errvarten; Genies gibt es nicht alle Jahre zu entdecken. Mufikstadt Bremen. Stärkster Faktor des Gelingens war: die höh- Musik- kultur Bremens, die in dieser Woche vollkommenen Muflzierens ossenbar geworden ist. Bürgerliche Kultur, selbstverständlich; aber bürgerliche Kultur ist sie auch lange Zeit gewesen im Gegensatz zur hösischen der deutschen Hauptstädte, ein Stück angedeutete Demo- kratie zwischen zwei Dutzend regierender Fürsten Aus solchem Bode!» vollzieht sich die Anpassung an die Neuzeit leichter als anderswo. Heute find es die Sozialdemokraten, denen die Stadt Bremen die Fortführung ihres Operabetriebe» dankt. Aber auch nur bei einheitlicher, stetiger Konzentrierung der Kräfte(wie sie sich in Berlin nie durchsühren ließe) ist eine Gesamt- leiswng möglich wie die dieses Tonkünstierfestes. Führender Kopf des Musiklebens ist Ernst Wendel, Generalmusikdirektor, Leiter des Orchesters, das er in langen Arbeitsjahrcn zu einem der besten in Europa erzogen hat; Dirigent und. künstlerischer Führer der großen Chöre, deren— wie endlich auch aller mit- wirkenden Solisten— unter ihnen Flesch, Gieseking, der Baritonist Watzke und, ein neuer Name, die herrliche Altistin Else Schürhoff — mit einem Wort vorbehaltloser Anerkennung zu gedenken ist. Die Musiker unter sich. Die Hauptversammlung absolvierte ihr Pensum ohne Zwischenfall. Nur die Vorstandswahl erregte längere Debatten. Schließlich wurde der Vorstand fast ganz in seiner bisherigen Zu- sammenfetzung bestätigt, allein der Berliner Professor H. I. Moser als Beisitzer neu gewähll. Kurz zuvor hatte er Gelegenheit gesucht und gefunden, in der Oeffentiichkeit des Vereins seine jüdische Her- kunft lächelnd zu verleugnen. Damit ist der Charakter dieser Wahl hinlänglich gekennzeichnet und nicht nur der Charakter der Wahl. Alle Probleme, die den heutigen Musiker unmittelbar berühren, seine sozialen und wirtschaftlichen Nöte, wurden nur im Var- übergehen gestreift. Und nichts von Rundfunk, Tonfilm, Schall- platte, von neuen Formen und Wegen der Musik; nichts von heutiger Wirklichkeit. Man läßt den Heldentod vorm Feind fest- lich besingen, aber in diesem Kreis von unserer Gegenwart reden, etwa vom gegenwärtigen Staat und feinen Klaffen, gar Worte wie „Republik' oder„Arbeiterschaft' in den Mund nehmen: das hieße hier schon, politisch werden. Und Politik ist verpönt im ADMB. KIsus Pnngsheirn. Neues van den Berliner Museen. Die neue Abteilung des Kupfer st ichkabinetts stellt ab 1. Juni im Zusammenhang mit der zur Zeit stattfindenden Bau-Ausstellung graphische Blätter von Berliner Bauten der letzten beiden Jahrhunderte aus. Von Mittwoch, dem 20. Mai, an bleibt das Kupferstichkabinett Mitt» wachs und Freitags bis abends 7 Uhr geöffnet. Es wird da- mit der werktätigen Bevölkerung Berlins dos erste Mal die Mög- lichkeit gegeben, die graphischen Schätze des Berliner Kabinetts auch in den Abendstunden im Original kennenzulernen. Die Antiken-Abteilung stellt mehrere Neuerwerbungen aus. Noch immer steht das Pergamon- Museum im Mittel» punkt des Interesses. Die Ausstellung der Meißener Porzellan- Manufaktur im Weißen Saal des Schlosses bleibt bis Ende Juni bestehen. Die Polizei in der Demokratie Tagung der Vereinigung für polizeiwiffenschastliche Foribildung Der Polizeitag Berlins, der von der Bereinigung für Polizei- wissenschaftliche Fortbildung veranstaltet wird, und heute morgen in den Kammersälen eröffnet wurde, steht unter dem Leitsatz:„D i e Fähigkeit zu polizeilichen Höchstleistungen muß das Kennzeichen einer Volkspolizei fein.' Dieser grundlegende Satz fand seinen Ausdruck bereits in den Begrühungsworten, die der Vorsitzende der Vereinigung Krimi- nalrat Klingelhöller an die Versammlung richtete.„Die Polizei ist kein Machtfaktor an sich, sondern Instrument des Staates für das Volksganze' sagte er. Darauf sprach Reichstagsabgeordneter Peter Graßmann über das Thema„W as verlangt das Volk von seiner Polizei?'. Er legte dar:„Es liegt mir als Laien fern, mit Ihnen über technische Einzelheiten aus Ihrem Arbeitsgebiet zu sprechen. Das Niveau der Polizei ist heute höher, als es früher in Kommunen und Staat war. Ein stärkeres Einfühlen in Leben und Wünsche der Bevölkerung ist unver- k e n n b a r. Gleichwohl sind gewisse Reibungsflächen, die noch heute zu abwegiger Beurteilung polizeilicher Tätigkeit durch das Volk führen, nicht wegzuleugnen. Ob jemals eine Gesellschaft be» stehen wird, die ohne Polizei auskommt/ wissen wir nicht. Sie ist das Ziel der Anarchisten und nur zu erreichen, wenn der Mensch nach dem Worte des Dichters wirtlich edel, hilfreich und gut ist. heute brauchen wir die Polizei, uad die Frage heißt: wie steht das Volk zu ihr? Es wird nietnals zu hundert Prozent wohlwollend und objektiv fein. Die asozialen Elemente, die die Gesellschaft hassen, werden sich gegen jede Polizei stellen, und auch die politischen Extremisten, ganz rechts und ganz links, die Struktur und Fassade des Staates mit Gewalt ändern wollen, werden die Polizei bekämpfen. Die überwältigende Mehrheit des Volkes aber will die Demokratie. Sie verlangt Sicher- heit von Leben und Eigentum und Schutz vor Uebergriffen asozialer und extremer Elemente und die Aufrechterhaltung der Ordnung. In England ist der Londoner Bobby der Liebling des Publikums, der König der Straße, den die Bevölkerung unterstützt und dem sich auch Angehörige der sogenannten höchsten Stände immer fügen werden. Das ist'nicht von ungefähr so. In der Vergangenheit war die englische Polizei eine Art freiwilliger Bllrgerschutz, und wer sich heute dem Polizisten widersetze, müßte fürchten, daß er morgen auf gleichen Widerstand stoßen würde, wenn er selbst die Hellebarde trägt. Zudem ist England seit mehr als einem Bierteljahrtausend politisch frei. In Deutschland aber gab es den Bürger nur in libe- ralen Blättern. Der Deutsche war Untertan. Wir hatten einen mühsam maskierten Absolutismus. Bis in den Krieg hinein richtete sich das Wirken der Regierung gegen die breiten Volks- Massen, namentlich der Arbeiterschaft. Vor 41 Jahren erst wurde ein Ausnahmegesetz gegen eine Partei aufgehoben, die auf durchaus gesetzlicher Grundlage die Aenderung der Staatszustände erstrebte. Diese Partei war diffamiert. Erst zwölf Jahre haben wir ein Versammlung», und Vereinsrecht und haben wir gleichberechtigte Bürger. Deutschlands größter Bundesstaat Halle eine Wahlrecht, das nur den Besitz und nicht Intelligenz und Gemeinnützigkeit berücksichtigte. Das muhte Verbitterung schaffen. Hinzu kamen Reden, die diesen Volts- kreis, indem es ihn außerhalb des deutschen Volkes stehend erklärte, noch mehr diffamierten. Diese Diffamierung ging in Fleisch und Blut der ausführenden Organe über. Und von dieser Ver- bitterung sind heute noch Reste geblieben. Wenn 1865 in Augsburg 68 Schneidergesellen, die eine Lohnerhöhung berieten, durch die Polizei verhastet wurden, wenn 1870 in Ham- bürg bei einer Streikversammlung von Maurern 6 Arbeiter schwer verletzt wurden, wenn 1898 der Schießerlaß des Ministers v. d. Recke wirksamsten Gebrauch der Waffe und die Unterlassung von Schreck- schüssen befahl, so ist das alles heute noch nicht ganz vergessen. Als 1913 in England die Frauen für das Wahlrecht sehr energisch de- monstrierten, umarmte die Polizei die einzelnen von hinten und der Bobby trug sie aus dem Getümmel. Bei uns aber haben wir Ge- werkschafter z. B. allein durch den S t r e i k p o st e n« r l a h er- leben müssen, wie Verbitterung und Haß gegen Staat und Polizei geschaffen wurde. Gerade die Polizei»vor der prellbock, und aus der Einstellung de» Staates voa früher ist der sogeuauale Blaukoller zu erklären. Diese Erinnerungen aber erschweren es auch dem Wohlwollenden, alte Vorurteile zu beselligen und eine gerechte Beurteilung Platz greifen zu lassen. Die Republik rnandelle den Untertan in den Bürger und beseitigte plutokratisch« Vorrechte und Vorrechte der Geburt. Run muß der Schutzmann durch Geduld und Selbstüber- windung dahin kommen, Schutzgeist der Bevölkerung zu werden. Erfreulicherweise wird die Tüchtigkeit nicht mehr abgewogen nach der Zahl der erstaüeten Anzeigen, sondern nach der Fähigkeit, auf- zuklären, zu raten und zu Helsen. Das Volk will eine unparteiisch« Polizei. Wenn die Extremisten mit Gewalt gegen Einrichtungen des Staate» vorgehen, will das Volk, daß die Polizei mit gleicher Objektivität und Energie gegen rechts oder links vorgeht. Es wäre eine der schwersten Kata- strophen, und das Ansehen der Polizei würde untergraben, wenn das Volk das Gefühl hätte, daß die eine Celle geduldet, die andere aber um so schärfer angepackt wird. Das Volk verlangt Treue des Beamten zum Staat. Der Staat gibt ihm Vorrechte und Sich«- rungen. Das schafft ein Vertrauensverhältnis. Wer den Staatsdienst sucht, der muß auch Staalsgesinnuug haben. Wer mll dem Staat unzufrieden ist, muß als aufrechter Mann den Dienst liquidieren und gehen. (Anhallender Beifall.) Gewiß erkennen wir an, daß die Tätigkeit des Beamten nicht immer ausreichend entlohnt wird, und die An- forderungen, die an feine Nerven- und Körperreseroe gestellt werden, groß sind. Aber unendlich viele außerhalb der Beamtenschaft stehen in ähnlichen oder schweren Schicksalen. Auch sie halten aus in hartem Kampf um bessere Zukunft. Dasselbe muß von den Be- amten oerlangt werden. Nicht immer winken Lob und Anerkennung im Leben, nicht immer eine ausreichende Entlohnung. Aver größer als das ist das Gefühl freiwillig übernommener uad erfüllter Pflicht. (Lebhafter Beisall.) lieber„Presse und Polizei als Organe der staatlichen Ordnung' reserierte der Vorsitzende des Bezirksverbandes Berlin im Reichsverband der deutschen Presse, Redakteur Kranz Klühs. „Polizei und Presse, diese zwei Machtfaktoren unseres öffent- lichen Lebens, die allgemein anerkannt, vielfach gefürchtet, tellweije sogar gehaßt, aber wenn überhaupt, dann nur iu sehr beschränktem Maße geliebt werden, haben vieles gcineinsom. Sie unter- stehen dauernd der Kritik, sie haben dauernd be- reit zu sein, einzugreifcu, sie werden gerufen, wenn sie nicht da sind, und oft gescholten, wenn sie ihre Pflicht erfütllten. In gewissem Sinne also sind Polizei und Presse schicksalsverbunden, und doch prallen sie oft aufeinander, oft trübt eine unfreundliche Atmosphäre ihr Verhältnis. Dabei ist jeder Teil überzeugt, dem anderen mit voUcirderer Objektivität gegenüberzustehen. Eine leidenschaftslose Untersuchung der gegen- selligen Beziehungen scheint mir zum Verstehen nützlich zu sein. Die Polizei ist die ältere Einrichtung von beiden, leitet sie doch Namen und Ausgabe vom Staate selbst ab und leistet Staatsdienst im engeren und rveiiesten Sinne. Die Beziehung der Polizei zum Staat hat mll der Staatsform an sich nicht zu tun. Derändert wird ihr Verhältnis jedoch zu den Miedern des Staates, den Volksgenossen, je nachdem diese Untertanen oder vollberechtigte Staatsbürger sind. Anders daher ihr Verhältnis zum Untertan In Deutschland vor der bürgerlichen Revolution von 1848, anders in der konstllutionellen Monarchie und anders zum Volk der Republik, dem Träger der Staatssouveränität. Ihre Funktionen sind dem Wechsel der Zeit und der gesellschasllichen Anschauungen unterworfen. Vor hundert Jahren hotte die Polizei noch zahlreiche Ausgaben zu erfüllen, die heute den gesetzgebenden Körperschaften obliegen. Aus der Zelt der pollzeiallmachl stammen auch die Beziehungen zur presse, die aus einer gewissen Tradition heraus manchmal recht kühl, ja sogar gespannt sind. Die Entwicklung der Presse zu einem Organ des ösfeilllichen Willens und der Bildung öffenllichen Willens ist im Kamps gegen staatliche Hemmungen vor sich gegangen, deren ausübendes Organ die Polizei war. Der Kampf gegen die Zensur gehört zu den interessantesten Kapiteln der Entwicklungsgeschichte deutscher Presse- freihell. Ein Kleinkrieg war es, der zuletzt mit dem Siege des Neuen enden mußte. Die Funktionen der Polizei und der Presse als Gesamtheit berühren alle Punkte des öffent- lichen Lebens. Die Presse ist Neuigkeitsvermilllung, und der Nachrichtendienst steht heute an erster Stelle im Leben der Zeitung. Auch die Polizei weiß ja in ihren vielfachen Verzweigungen diesen Nachrichtendienst zu schätzen, wenn sie auch zeitweise mll ihm un- zufrieden ist. Die wichtigste Funktion der Presse aber ist die kritische Behandlung der Ereignisse. Kritik ist durchaus nicht mit Nörgelsucht zu verwechseln, aber offene kritische Aussprache hat oft schon ungeheuer anregend auf den Blutumlauf der Geselljch.ift gewirkt. Gewiß fühlt sich der einzelne im Scheinwerferlicht der Kritik nicht immer wohl. Im ganzen fallen trotz vielfacher Gegen- jätzlichkellen die Interessen der Polizei und der einzelnen Polizei- beamten mll den Interessen der Presse und der Journalisten zu- sammen. Leide haben da» gleiche Ziel: den im Staat orgauiflerleu Volke, jeder nach besten SrSfleu und mit dem Aufgebot von Herz oud Seist, zu dienen,(wchaltender Beifall.) Ruhiger Sireikverlauf in Frankreich. Varls. 19. Mai.(Eigenbericht.) Die Zahl 0er im nordfranzösischen Textilgebiet streitenden Ar- beiter hat sich nach amtlichen Feststellungen am Montagnachmittag auf 107 90 0 erhöht, wobei allerdings zu beachten ist, daß in verschiedenen Fabriken die Arbeit am Montag stets ruht. Man rschnet mit einer Zunahme der Zahl der Streikenden. Der Montag- nachmittag und-abend sind ruhig»erlaufen. Nur in H a l l u i n versuchten Kommunisten«ine öffentliche Kundgebung zu veran- stallen, die aber schnell aufgelöst wurde. Das Textilkonsortium hat am Montagabend eine Mitteilung «rhsfentlicht, in der es die Ausrufung des Streiks bedauert und die Arbeitergewerkschaften dafür verantwortlich macht. Dos Kon- sortium habe den Gewerkschaften am Sonnabend ausdrücklich mit- geteilt, daß die Frage einer weiteren Kürzung der Löhne nicht vor drei Monaten aufgeworfen und die Anwescnheits- prämte erst vorn 23. Mai an nicht mehr gezahlt werden solle. Da- durch, daß die Arbeiter eine Woche früher in den Streik getreten seien, Höllen sie einen Lohnverlust erlitten, der einem Sechsmonats- betrag der Anwesenheitsprämie entspreche. Die sozialistischen Gewerkschaften haben ebenfalls«ine Kund- gebung veröffentlicht. In ihr wird besonders die ruhig« chal- tungderArbeiter begrüßt und gegen das starke Truppen- aufgebot im Streikgebiet protestiert. Ein schwacher Lichtschimmer. Aus dem Siegerland kommen erfreulich« Nachrichten. Im cherdorfer Grubenbezirk soll zum 1. Juni auf der Grube San Fernando mit 200 bis 250 Mann wieder eingefahren werden. Auch die alt« cherdorfer Hütt« hat ihre Oese» wieder an- geblasen. Man hofft hier innerhalb der nächsten Woche bis 400 Mann in Arbeit zu bringen. Schließlich will auch die Friedrich- Hütte ihren Betrieb in den nächsten Tagen wieder aufnehmen. Rundfunk am Abend. Rückschau. Ibsens„Volksfeind' brachte der Berliner Sender als Gedächtnisausführung zum 25. Todestag des Dichters. Man hälle kaum eine glücklichere Wahl treffen können. Ibsens.Streitruf gegen die„kompakte Majorität", gegen eine stumpfe Masse von Dummköpfen und Egoisten, die immer nur einen Haufen von Interessenten, nie eine Gemeinschaft darstellt, klingt heut« noch sehr aktuell. Der Badearzt Dr. Stockmann,„Bolksseind", weil er Ver- antwortungsgesühl gegen andere von den Mitgliedern eines engeren Kreises fordert, hat noch ünmer seine Nachfolger. Das Milieu des Schauspiels wird auch im Hörbild gut verständlich: die Haupt- Personen gewinnen im Dialog Gestalt. Eugen Klopfer sprach Pen Dr. Stockmann: der Mensch, der sich seiner Pflichten und seiner Verantwortung gegen alle in jedem Augenblick bewußt ist und der dabei doch eben ein wirklicher Mensch Ist, nicht frei auch von kleinen Schwächen und Fehlern, wurde dem Hörer lebendig. Klopfers Dar- stellung war einer der stärksten Impulse dieses Sendeabends. Alfred Braun führte die Regt«: er hall« mit sehr sorgsamer Hand gewaltet. Die Szenen gaben geschlossene, eindrucksvolle Hör- bilder. Nur die Szene im Versammlungssaal hätte stärker kam- primiert, rascher gesteigert werden müssen: hier verebbte die Dramatik der Vorgänge dem Ohr etwas. Fühlbar machte sich leider auch die Gebundenheit aller Sprecher an chr R o l l e n h c f t. Berlin sollte mit den Proben für solche Aufführungen nicht allzu sparsam sein. Die Sendung begann gegen �10 Uhr und dauert« bis #12 Uhr. Auch wenn der Beginn sich nicht infolge einer Ueber- tragung au» Genf verzögert Hölle, wäre der Hörer nur zwanzig Minuten früher ins Bell gekommen. Di« Funkstunde muß von dem Werktag eines Arbeiters eine sehr seltsame Vorstellung haben, wenn sie ihm zumutet, einem Sendespicl zuliebe bis Millernacht aufzubleiben. Dr. Fritz Engel gab eine Einführung zu dem Werk, die in wenigen Sätzen die Entwicklungslini« von Ibsens Schaffen bis zum„Volksfeind" klar legte, und zwar auch für solche Hörer, denen der Name„Ibsen" sonst kaum einen Begriff bedeute!?. _ Die„Reise stunde" brachte Vorschläge für billige Sommer- reisen, d. h. für solche, die für einen vierzehntägigen Aufenthalt höchstens hundert Mark einschließlich Fahrgeld und aller Unkosten erfordern. Die sehr nützlichen Hinweise sollen in späteren Vor- trägen fortgesetzt werden. Der Redner sollte aber dann viel lang- samer sprechen und besonders die einzelnen Namen und die Fahr- und Pensionspreise so herausheben, daß dem Hörer auch Zeit zu einer raschen Notiz bleibt. Eine Sondcranregung für den Sommer gab Franz G. S ch u l h o f f, der vom„W ildwasserpaddeln" so an- schaulich zu berichten wußte, daß wohl jedem seiner Zuhörer die Sohnsucht nach solch herrlich abenteuerlichem Urlaubssport packte. Tes. Dienstag, 19. MaL Berlin. Ii?.05 Mat Cnhen-ReuB, M. d, RWR.: Prednlrtive Gestaltnng der Wirtschaft. 16.30 Leiprig: Allerlei 1 in/e 17.30 Interview mit Jean Paul.(Dr. Ilse Masbaeh.) 16.00 KoIoratureesSnse. I. Moeart.?. Meyerbeer.(Lucy Siesrist. Sopran; Fiögel: Julius Barger.) 16.30 Böeherstunde. Büchcf rur Errlefiung und Bildung.(Ära Mütrophon: Höing Monzel.) 16.50 Bach; I. Sonaie E-MoII. 2. Sonate Q-Dur.(Pro*. Gustav Haveraann, Violine und Hans Martin Theopold. Flttgei.) 10.20 Dr. Mai Osborn: Von der bildenden Kunst. 19.30 Bltso-cbester-Konzert 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Karl Kraus liist Raimunds„Alpenkönig und Menscheufelod". 22.15 Wetter-, Tages- and Sportnachrichten. Königs■»■asterhause«. 16.00 Künstlerische Handarbeiten. 16.20 Leipzig: Konzert. 17-30 C. Asper: Venezuela und Deutschland. 18.00 Dr.-Ing. Petri: Di« Eisenbetonbauweise im Hochdan. 16.30 Wegener: Deutschlands Gaue. 19.00 Französisch für Aniäncer. 19.30 Dr. Adolf Caspary: Weltwirtschattskrise— Reparationskrise? 20.00 Brandenburg. Ouerscbnltt durch eine Stadt. 21.10 München; Antigene. Anschließend: Wetter-, Tages- und Sportnsch richten. Anschließend bis 24.00: Von Hamburg; Konzert. Bei wir; Unendlich viel rassige Modelle Unsere Preise vertragen sich mit dem Geldbeutel auch der Kunden« die für wenig Geld elegant und schick gekleidet sein wollen PROORAMH fflr die Zeit vom 10. bis 21. Mai KINO-TAFEL für die Zeit vom 19. bis 21. 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Roberts T onbetprogramm Will iifiersderr Atrium Bcba-Palast Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Tlglich 7, 9.11 Uhr, Stga 5. 7. 9,15 Uhr Uraufführung: Pet und Patachon auf Freier Stögen— Bühne; Maria Ney, Willi Prager u. a— Uta-Tonwoche Tönendes Dciprogramm Sctiön-rtecrs Titania Schöncbg. UU Hauptstraße 149 100 proz. Tonfilm I Harry Plel» neuester Tonfllmetfolg; Schatten der Unterwelt- Tonbeiprogramm- Woche Kroocn-Ucfatsplcle Rheinsir. 65 W. 7, 9. Sonnab.. Stg. 3,7. 9 Tonlustspiel: Die Dlnmautra» von Lindl na> mit Ren. Möller Niese— Gutes Deiprcgrzi Jugendliche haben Zutritt I StUBlItl Titama-Palast Steglitz, Schloßstr.i, Ecke Qutsmuthsstr. Dienstag: Das Lied vom Leben gie Alexis Granowskl Ab Mittwoch; Die Lladcnwlrttu mit KSthe Dorsch Tönenda Beiprogramm g Zehlundorf-Mltto M V-klf Wochentags 7, 9 Uhr Sonntage 5, 7, 9 Uhr Potsdamer Str. 50 Stg. 3 Uhr: lugendv. Der keusche Jcuef m. Felix Dressart TonfilmposSe: Besuch Im Karzer g Marlundore> Mz» T i Maliendorfer Wochentg. 1 Itt«lel Lichtspiele ab 7 Uhr Chausseestr. 305 100 proz. Tonfilm:(chatten der Unterwelt mit Harry Plel TonbeiprogrDmm Tivoli Berliner Str. 97 Beg. 5, 7, 9 U. Stgs. 3 Uhr: Jug.-Vorst IM proz. Tonfilm: Skandal um Eva mit Heany Portens— Tonhetpr. B Nuukölln Mercedes- Palast Hermannstraße 212. Ecke JigerstraSe Tigllch 6"i, 9 Uhr Der lustige Tonfilm-Schwankr Brantigams wltwe mit Georg Alcxanda. Fritz Kampers, Martha Bggertb Wann wirst Du mir gehören 7 Zw«! Stunden Lachen Internationale BObneuschau • MMwurtw.■ Lichtspiele Südwest BlÜCherstr. 12 W. 5. SO. ab 3 Uhr iMptaf. Tonfilm: Das ßdiidssal dar Renate Lengen mit Mady Chrlztians Beiprogramm y Tonwothe FUm PaiÄit Kammersäle Teltower Str. i W. SM. Stg. 3 30 U. TonfllmOperettt: Die Faschingsfec, Walter iansicn 'axi mit Tom Mix mit Anny Ahlers, Walferjansirn Goldmine v. Santa P »Oelun Primus-Palast Am Hermßnnplßtz. Urbanstr. 72(76 Wo. 6.43. 9 u„ Sonnt*0 3 U. Des Riesen erfo'ges wegen nur noch bis Donnerstag! Oer große Lacherfolg: Wenn die Soldaten.... mit Herrn. Thlmlg. Grell Theimer Böhne: Internationale Th. am Moritzplatz Bega Wöchig, ab 630, Sonnt ab 430 U. Grefe Garbo spricht deutsch in: Anna CbrisHe— Gutes Beiprogr. Dornt: Schatten d. Unterwelt m. Plel ■«üctostun■ Filmeck Skßlltzer Straße, am Görlitzer Bahrt hol Beginn Wochentags: 6J0 und 9 Uhr Sonntags: 3, 5. 7, 9 Uhr Tonfilm; Die Maske fallt mit Llsst Area, Anton Polet» er Beiprogramm— Böhne Luisen-Theater Reichen berger Str. 34 Anf. W. 630 u. 9 U. Stg. 3.5. 7.9 U. Tonfilm; Dämonen de* Meere* m. Wilhelm Dieterle— Böhncnccfaae Stella-Palast Köprtnicker Straß« 11—14 Wochtgs. 6JÖ, 9 U., Sonntags ab 3 Uhr SensationsfUm: Schalten der Uuler- weli mit Harry Plel Bühne: Drei erstklas*. Attraxilooen Sternwarte- Treptow Donnerst 8 U: Spanten, ein Film von d.Sehönheltu.dem Volkstum Spaniens Mord loaton »Elyslum Prenzlauer Allee 36 W.(.15. 7, 9.15. S. 3.15. S. 7.15. 9.15 Uhr Tonoperette: Oer Bettelatndent mit H. H. Dollmann- Böhncnachau Foxtonwoche Flora-Lichtsp. vVo. 6.30, 9. Sonnabg. 5. Sonnt ab SLL Tonfilm: Zwei Menschen mit Kayöler, Th. Loo*(nach dam Roman von Voß)— Toabciprogramm oatji Germania-Palast Frankfurter Allee ßl4 Woehemgg. 630 U„ Sbds. 5, Sonnt 3 U- Der große russische Film Drd« Natur- und Bergfilm: Htmatschal, der Thron der Götter Töa. Beiprogramm— Deullgwoche Jugendlich« haben Zutritt Luna-Palast SS�sjouSt Gr. Frankfurter Str. 121 Wegen Riesenerfolg verlingert: Tonfilm: Voruntersnehang mit Gast. Fröhlich, Alb. Bassermann Bühnen schau Frankenburg, stg. W. 6,9, Stg. ab 5 l- 3 Jgo.-V. Große Frankfurter Straße 74 Varlingen: Tonfilm: Oer wahre Jakob Neu; Oer große Russenfilm: Der Maan. der das GacUchtnU verlor— Böhne Schwarzer Adler a»«« Woch. 5, 7, ca. 9, Sonnt ab 3 Uhr 5 Tage Mittelarrest mit Fr.(chnU. Brcssarl, L. Englisch Tonhclprogramm V. T. Lichtspiele vu�Ma Frankfurter Alles 48 W. 5, Stg. 3 Uhr Die Marquli« von Pompadour mit Anuy Ablers Großes Bciprogra Zuntrum Babylon, am Bfilowplatz wochentags 630 Uhr Sonnabends u. Sonntags ab 5 Uhr 100 proz. Tonfilm; Die Llndenwfrfln mit Käthe Dorsch, H. H, Bollmann Böhuegsdhau Donnerstag Arbeitsiosentagl fl MBu-Uchtenbe�'"� Kosmos-Lichtspiele Llickstr. 70 WoCheot 7, 9 Uhr Sonntag 5, 7, 9 U. Tonlustspiel: Karcraauzauber mit Loci« Englisch, Fritz Schal» Großes Tonhclprogramm q Walo«n«etu« Schloßpark FUm. Bühne Berliner Allee to�-2io Tonfilm; Greta Garbo spricht deutsch in Anna CbiizHa Großes Tonbci Programm � FrtediichnMrtda�Jk Kino Busch Alt-Frledriehsfelde 3 100 proz. Tonfilm: Das(cfaicksal der Renate Langen mit Mady Christtan*, Lederer Seiprogramm ■—■ Albambra Wochent 5, 7, 9 U, Sonnt 3, 5, 7, 9 U. Tonfilm: Der keusche Joseph mit Felix Brcscart, Ltedlke Tonbciprogr am m Pharus-Licbtspiele Müllers tr, 142 W.5,7.9U, Stg. 3.3.7. 9V. Tonfilm: Die Blumenfrau von Un- Donnerstag: Wenn die Soldaten mit Heidemann Jugendliche haben Zutritt! Panlce £13 Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 7 u. 9, Stg. 3,7,9 Tonfilm; Alraune mit Brigitte Helm. Albert Basscrmann, Harald Paulaen Beiprogramm Tsnmls Wochent 63a 9 Uhr, 1 IVCm Sonnt. 5, 630, 9 Uhr. Berliner Straße 27 lOd proz. Tonfilm: Uebe auf Defehl mit Olga Tcchccfaowa Abwege mit Brigitte Helm > TgBal» Filmpalast Tegel Stgs. 2 D Jgd.-VOrst W. 6 Stg. 4'-,. U. Tonoperette: Der Betfeistudent mit Bellmann. Scholz. Novotna Oer König der Walder fl Huwniasttorf 3 Filmpalast Stg, Berliner Straße 59 Stg. 2 U. jug.» Vorst Mittwoch. Donnerstag: So Ist Paris mit Monty Blue, Roth MMer KÄSrtÄJT"4 (Beilage Dienstag« 19. Mal 1931 Bfi'WywS -�►s toAiteW� Erbschaden diarch Aikohel Ergebnisse der modernen Forschung/ Ton Professor»r. v Klatt Die Ausführungen van Dr. B. F ernte in der Nummer vom LI. April des.Abend", die auf einer van mir in den.Sozialhygie» Nischen Mitteilungen" veröffentlichten Arbeit fuhcn, haben chans H y a n veranlaßt, in der Nummer vom 5- Mai das Wort zu einer Entgegnung zu ergreifen. Au dem Aufsatz von Dr. Fernte hotte ich eine berichtigend« Bemerkung zu machen, die die Schriftleitung in der Nummer vom 12. Mai abgedruckt hat. Eo viel über dos „Geschichtliche". Wenn Hans Hyan in seinem Aufsatz seinen Aorn gegen den Volksfeind Alkohol zum Ausdruck bringt, so teile ich sein« Gesin» nung in diesem Punkte durchaus. Nun enthält ober sein Aufsatz einig« Aeußerungen. die mir vor der heutigen Dererbungswisfen- schast nicht völlig standzuhalten scheinen, und so begrüße ich die Auf» furderung der Schriftleitung, mich meinerseits zu dem Gegenstand zu äußern. vis Hauptbegriffe der Tererbungslehre Es find nicht ganz einfache Ding«, mit denen wir es zu tun bekommen, wenn wir uns um ein Verständnis der Grundlagen der Vererbungslehre bemühen. Versuchen wir einmal, uns die Haupt» begriffe klarzumachen. Wenn wohlmeinende Volksfreunde heute die Jugend ermahnen, durch Turnen und Sport ihren Körper zu stählen, so bekräftigen sie diese Mahnung gern durch den Hinweis auf die Nachkam» m e n: Was ihr für euren Körper tut, das kommt euren Kindern zugute. Aber dies« Meinung enthält einen grundsätzlichen Irrtum. Di«.Körperübungen, die-in Mensch betreibt, beeinflussen seine Muskeln und mittelbar auch verschieden« ander« Organ« seines Körpers, unbeeinflußt aber von den äußeren Einwirkungen bleiben die Keimzellen— die Samenzellen oder Eizellen— und unbeeinflußt das in ihnen gelegen« Keimplasma, in dem alle körperlichen, geistigen und seelischen Anlagen ihren Sitz haben. Es liegt«in Einwand nahe. Seht doch, sagt man, wie der Schmied die kräftigen Arme, die er seiner Arbeit verdankt, aus seinen Sohn vererbt. Aber bei diesem Hinweis läßt man außer acht, daß der Schmied, als er fem Handwerk ergriff, bereits kräftige Arme hatte. Er hat sie mit auf die Welt gebracht, die Anlage dazu rvar in dem Keimplasma der befruchteten Eizelle, aus der fein Organismus ent- standen ist, vorhanden, diese Anlage ist auch wiederum in dem Keimplasma seiner Geschlechtszellen enthalten und dies« Anlage ver» erbt er aus seinen Sohn. Gewiß kräftigt er seine Armmustulatur auch während seines Lebens durch sein« Arbeit, aber diese V«r- anderung überträgt er nicht auf seinen Sohn. Aeußere Cinwir- kungen oermögen den P h ä n o t y p u s, das heißt die Eigsnschaf- ten, die lediglich dem Individuum anhaften und nicht vererbt wer- den, zu verändern, sie können dem G e n o t y p u s. den Merkmalen. die von einer Generation an die andere weitergegeben werden. nichts anhaben. Man hÄ�Manzen., die ig der Ebene�zu Haufe sind, ins Hochgebirge verpflanzt und hat dadurch deutlich« Per- önderungcn in dem Aussehen der Pflanzen erzi«lt(niedrigeren Wuchs, kleinere Blätter usw.). Die Nachkommen dieser Pflanzen zeigten die gleichen, neucrworbenen Eigenschaften. Wurd« aber nach mehreren Generationen ein Nachkomm« in di« Ebene zurück» geführt, so bildete er wieder die alten Eigenschaften aus: der Geno. lizpus war unverändert geblieben und dies, obwohl die verändern» den Einflüsse mehrere Generationen hindurch gewirkt hatten. Wenn wir bisher sagten, daß äußere Elnflüss« das Kelmplasma nicht zu beeinsluffen vermögen, so müssen wir ein« Ergänzung vor- nehmen. Es gibt nämlich Fälle, in denen äußere Einwirkungen doch eine solch« Veränderung zur Folge haben. So hat man zum Beispiel festgestellt, daß sich gewisse Hunderassen in Indien ebenso wi« in anderen Ländern rein weiterzüchten lassen, daß dagegen andere Rassen neue, der Rasse nicht zukommende Eigenschaften ent- wickeln. Bei diesen üben demnach irgendwelche klimatischen Ein- flüsse eine Wirkung auf das Keimplasma aus, die dann natürlich von bleibendem Bestand ist. Solch« den Genotypus betreffenden Aend-rungen der Eigenschaften bezeichnet man als Mutationen. Von diesen Mutationen sind gewiss« Fälle zu unterscheiden. die zunächst eine Aehnlichkeit erkennen lassen. Es kommt nämlich vor. daß die Nachkommenschaft eines Elternpaares eine Bcetn- flufsung durch irgendeine beide Eltern oder einen von ihnen tref- sende Einwirkung erfährt, daß ober diese Veränderung im Laufe von ein paar Generationen wieder verschwindet. Man hat die Auf. sassung. daß in diesem Falle nicht das in d«m Zellkern liegende Keimplasma, sondern nur das Zcllplasma von der Einwirkung ge- troffen sei und bezeichnet eine solche sich ollmählich ausgleichende Abänderung als D a u e r m o o i f i k a t i o n. Man hat sich mit der gelegentlichen Beobachtung- des Auf- tretens von Mutationen nicht begnügt, sondern ist der Frage mit Hllse des Versuchs nachgegangen, und es ist gelungen, durch künft- lich gestaltete Bedingungen das Kcimplasma gewisser Tiere zu bs» einslussen. Man hat zum Beispiel Käier sehr hohen und sihr niedrigen Temperaturgraden ausgesetzt, und«s hat sich ergeben. daß di« Nachkommen der Tier» gewisse Veränderungen zeigten. Hier muß also von der anormalen Temperatur d«s Kein, plasma beeinflußt worden fein. Alkohol und Erbmasse Mit diesen Kenntnissen ausgerüstet, treten wir nun an die Frag« heran, ob der Alkohol erhebliche Schädigungen hervor- ruft. Zunächst ist«s ein« immer wieder bestätigte Totfaä)-. daß Trinkcrkinder allerhand Minder««rtigkellen auf körperlichem und geistigem Gebiete aufweisen, wie Epilepsie. Geisteskrankheiten usm. Mit dieser Tatsache ist aber für die Frag« der erblichen Schädigung noch gar nichts gewonnen. Zunächst sst ein, zu bedenken. Wenn die Kinder eines Trinkers in geistiger Beziehung irgendwelche Abweichungen von der Norm aus» weisen, so besteht immer die Möglichkeit, daß d- r B a t« r s e l b e r ein Psychopath war. Zwar können wir nicht behaupten, daß alle Trhnker Psychopathen I«i«n. ober so lang« in einem bestimm. ten Falle nicht das Gegenteil festgestellt ist. müssen wir immer mit der Möglichkeit rechnen. Trifft sie ober zu. dann ist di« Minder- Wertigkeit der Kinder nicht«in« Folge dos väterlichen Mtoholismus. sondern dieser Alkoholismu» war bereits eine Aeuheriing der psychopathifchen Veranlagung des Daters und diese ist es, die der Bater auf die Kinder vererbt hat. Man sieht, wie vorsichtig wir in der Beurteilung der Erscheinungen sein müssen, wenn«s sich um die Frage der Vererbung handelt. Noch ein ganz anderer Gesichts- punkt nmß beachtet werden. Es ist bekannt, daß der elterliche Alkoholismus in sehr vielen Fällen die wirtschastlichen Ver» h ä l t n i s s e der Familien in Unordming bringt. Darunter haben dann die Kinder nicht nur körperlich, sondern auch seelisch zu leiden, und so kann ez sich ergeben, daß man für einen Ausdruck der Ver. erbung hält, was tatsächlich«ine Wirkung der Umgebungsein» flüsse ist. In der Frage, inwieweit Kinder durch den elterlichen Alkoholismus geschädigt werden können, können wir un, auf keinen Fall ohne weiteres auf die Seite der Volksmeinung schlagen, die eine Schädigung als schlechtweg selbstverständlich ansieht. Sehr bs- achtenswert sind Untersuchungen aus neuer Zeit, die von Pah- lisch, von Boß und von Pause angestellt worden sind; auf Grund deren werden wir zwar nach wie-vor annehmen dürfsn, daß öfters ein« Schädigung der Kinder stattfindet, ober wir werden nicht mehr von einer selbstverständlichen, unausbleiblichen Wirkung der elterlichen Trunksucht auf die Kinder überzeugt sein, vor allem. wir werden nicht mehr fegliche Minderwertigkeit, di« wir an Trinkerkindern beobachten, unbesehen auf das Konto der Vererbung setzen. Die genannten Untersuchungen mahnen jedenfalls zur Vor- ficht in der Beurteilung der Frage und weisen auf die Wichtigkeit der Abrigen Einflüsse— Vererbung psychopathischcr Veranlagung und wirtschaftliche sowie seelisch« Einwirkung— hin. Im Hinblick auf den Aufsatz von Hans Hyan kann ich die Bemerkung nicht unterdrücken, daß es nicht als richtig gelten kann, auf Grund vor- gefaßter Meinungen den Wert wissenschaftlicher Untersuchungen dieser Art anzuzweifeln, ohne sie kennengelernt zu haben. Es geht auch nicht an, mit der alten Anschauung zu arbeiten, daß alle Rauschgifte die Erbmasse in hohem Grade schädigen. Das ist gänzlich unbewiesen, hinsichtlich de, Alkohols steht ja die Frage gerade zur Besprechung. Ob Zeugung im Rausch«ine Schädigung des Kindes hervorzurufen vermag, ist wiederum«ine Frage, die mit der Beeinträchtigung durch Trunksucht nicht verwechselt werden darf, sondern eine gesondert« Betrachtung verlangt. Wir können hier nicht genug Vorsicht walten lassen. Soweit scheint die Sache des Alkohols nicht ganz ungünstig zu stehen, und so kommt es schließlich dahin, daß derjenige, der dies« Fragen aus Grund der gegenwärtigen Ergebnisse der Wissen, schast vorurteilsfrei und kritisch behandelt, alz Anwalt des Alko» hals dasteht. Wenn er besonderes Glück hat, findet er sich«in«« Tages als Kronzeuge und Eidcshelfer der Alkoholfreunde im„Gast- Haus" und weiß nicht, wie er zu der Ehr« gekommen ist. Aber noch ist nicht alles gesagt, was uns über den unmittelbaren Einfluß des Alkohols auf die?!achkoinmenschaft bekannt ist, vor allem ist immer noch nicht die Frage nach der keimschädigenden Wirkung des Alko- hols beantwortet. Um zur Beantwortung dieser Frage zu gelangen, müßte man solche Fäll« verfolgen, in denen sich die Nachkommen von Trinkern durch mehrer« Generationen hindurch de, Alkohols enthielten, da. mit jede erneute Schädigung durch den Alkohol ausgeschlossen bliebe. Versuche dieser Art lassen sich begreiflicherweise am Menschen nicht durchführen. Man hat daher zum Tierversuch gegrisfen. Zwar liegen solche Dersuch« bereits aus den letzten Jahrzehnten vor, ent- scheidende Ergebnisse aber hat in ollerjüngster Zeit Dr. 21 g n c», Bluhm erzielt, di« in großem Umfange mit weißen Mäusen experimentiert«. Sie alkoholisierte nur die Männchen, eine 2lltoholi- sierung der Weibchen könnte es mit sich bringen, daß das in der Eizelle reichlich vorhandene Zellplasma durch den Alkohol beer»-- trächtigt würöe, und diese Beeinträchtigung de, Zellplasmos könnt, eine Schädigung des Embryos bewirken', die von einer Schädigung des Keimplasmas nicht zu unterscheiden wäre. Auf diese Weis« macht« Agnes Bluhm die Feststellung, daß gewisse austretende Schädigungen sich bis zur siebenten Generation erhalten, so war vor allem bei den Alkoholikernochkommen dauernd«ine geringere Wurfgröße zu beobachten al, bei den Nachkommen nicht alkoholi- fierter Tiere. Damit ist der Beweis erbracht, daß der Alkohol in der Tat«ine erheblich« Schädigung verursacht. Da wir grundsätzlich berechtigt sind, die an Säuge- tieren gemachten Beobachtungen auf den Menschen anzuwenden. so müssen wir damit rechnen, daß der Alko hol beim Men- schen tatsächlich erhebliche Schädigungen her- vorruft. Wir wußten, wenn wir es recht besahen, schon bisher nichts zugunsten des Alkohols zu sagen, jetzt müssen wir ihm zu allem übrigen auf sein Konto setzen, daß er ein Berderber des kostbaren Gut«, der Erbmossc ist. Gesimdheilsfilrsorg-e in Engiandi Ein Ueberblick/ Von keo Blum In SZtanJffatt e. M. ictl vom 19. fct» 24. Mai fcle»»«lisch» ffitfeH. schast at public He»W.. M««xcsillschaft umfaßt s»IS«nd» sich» iSdtmiwa: 1. JKftWVuvtlowfcn un, ftottnnimctZuaicM, 2. Hausbau uni fitab tplonun«. 3.©«nretiusbimlo«*,< ffrawit». Sräbet. ii ob Dollsmabl-akrt, S. Tuberkulös». 8. SaÜertoIagie, tfetberggte, Bln. chemi*. Di« Ta,un«. btz bec fcObtu Vieckjinia wn Indien. Lorb A» a b i na vrüsidiert. med Anlaß m einer Uebersicht über da» Oasunb. boitapefen ra Enalanb sein. Die Entwicklung der öffentliechn Gesundheitspflege und der Gesundheitsfürsorge in England ist sehr aufschlußreich. Bor 100 Jahren kümmerte sich der Staat überhaupt nicht um die Ae- sundheit der Mitbürger und lehnt« di« staatliche Fürsorge ab. E» gab keine staatlichen Einrichtungen für die Gesundheitspflege. Es herrschte„private Mildtätigkeit". Erst mit der Entwicklung des Kapitalismus, hervorgerufen durch die industriall« Revp- lution, änderten sich diese Zustände. Di« Clendsquartier« der Arbeiter wurden zu gefährlichen Krankheitsherden und bildeten günstigsten Boden für die Ausbreitung von Epidemien. Di« wiederholten Heimsuchungen durch Cholera, Typhus, Pocken und andere Seuchen haben der besitzenden Klasse Englands di« Not- wendigkcit gezeigt, di« Städte gesund zu machen. Im Jahr« 1848 existierte in England bereits ein recht umfassendes Gesetz zur„Förderung der öffentlichen Gesund- h e i t". Dieses Gesetz bildete einen Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung des Gesundheitswesens. An der Spitz« de» englischen Gesundheitswesen» steht heutzutage das Gesundheitsministerium(Miriistr> ot Health). Es ist jedoch irrig, anzunehmen, daß in England da» Gesundheitswesen scharf zentralisiert und für alle Fragen das Defundheitsminiflerium zuständig wäre. Dies ist nicht der Fall. Eine ganze Anzahl anderer Behörden und Ministerien beschäftigen sich mit einzelnen Gebieten der Gesundheitspflege und Gesundheitsfürsorge. So überwacht z. B. das W i r t f ch a f t s m i n t ft e r i u m den Gesundheitszustand der Bergleute und der Handelsmarine, dos U n t« r r t ch t« m i n i st e- r i u m das schulpflichtige Aller. Dos P o l i z« i m t n i ft« r i u m sorgt für di« Fabrikhygien«, Einwanderungskontroll«. Strafgefange- ncn, eine besonderen Behörde Hot die Aufsicht über die Irrenanstalten u. a. m. Die Zuständigkeit ist somit recht kompliziert. Das d1>nistr> of Health hat die Kontrolle über die gesamt« Medizinalverwaltung in den Bezirken und Grasschaften, die allgemeine Gesundheitspflege, Statistik, wissenschaftliche Forschung, Beaufsichtigung des Hellwesen». Es gehören ferner zu den Ausgaben des Gesundheitsministeriums Müller- und Kinderschutz. Bekämpfung der Tuberkulose und Ge- schlcchtskrantheiten, Bekämpfung der übertragbaren Krankheiten, gesundheitliche Armenfürsarge und schließlich das wichtige Ressort der Krankenversicherung, der Wohnungspolizoi und des Wohnungsbaues. Die Medizinalverwaltung ist in England sehr breit ausgebaut. 6242 Beamte mit einem Gehalt von 37 Millionen Mark sind im Gefundheitsminifterium beschäftigt. Die Bedeutung des Ge- fundheitsminifteriums geht aus der Tatsache hervor, daß es die gesamte Aufsicht über die Kommunalverwaltung und die Kommunalfinonzen besitzt und so gewissermaßen den Mittel- punkt der gesamten Verwaltung bildet. Erwähnenswert ist die gut« Zusammenarbell zwischen dem Ministerium und den örtlichen Be- Hörden. Es herrscht das sogenannt«„S y st e m d« r st a a t l i ch« n Z u s ch ü s s«"(srant in»ick). Um die örtlichen Behörden zu höheren Leistungen anzuspornen und zugleich sich«in« gewiss« Kontroll« möglichkell zu sichern, erstattet das Gesundhellsminiftsrium den ärt> lichen Behörden einen Teil der Kosten, den sie für bestimmt« Zweck« verausgabt haben, zurück. So werden beispielsweise bei Tuberkulose- bekqmpfung. Mutter- und Kmderschutz 50 Prpz.. bei der Bekämpfung der Gefchlechtskranthellen sogar 75 Proz. zurückerstattet. Dieses System der Zuschüsse hat sich in England gut bewährt. Di« Mutter« und Säuglingssürforg« ist m England rocht gut ausgebaut und hat,«benso wie in Deutschland, zur V«» kämpfung der Säuglingssterblichkeit viel beigetragen. Bei der Be- kämpfung der Tuberkulose spielen dt« Heilstätten nicht dte Roll«, wi« sie in Deutschland spielen. Vorbeugende Maßnahmen durch vernünftige Wohnungspolitik(Ausräumung von Glums, Woh- nungsbau!) hoben auf den Rückgang der Tuberkulgsesterblichtell ent, scheidend eingewirkt. Im Kampf« gegen di« Geschlschtstrant» h« t t e n wurde schon 1016«in« Verordnung zur unentgelllichen Be- Handlung der Geschlechtskranken erlassen. Ein Zwang zur- BeHand« lung, wie er in Deutschland besteht, besteht in England nicht. Di« geschaffenen Behandlungsstellen für Geschlechtskranke sind in Eng- lanh nicht befugt, den Infektionsquellen nachzugehen. Dies ist offen- sichttich«ine Lücke m der Gesetzgebung. Der Zwang zur Pocken- s ch u tz i m p f u n g ist nicht so streng durchgeführt wie in Deutsch- land. Der Impfzwang ist durch die sogenannte„Gewissensklausel" gemildert: danach können die Ellern die Impfung ihres Kinde» ver- hindern. Die Anzahl der nicht geimpften Kinder ist sehr groß. Sie beträgt über 50 Proz.! Größere Pockenepidemicn kommen jedoch in England nicht vor. Einen sehr wesentlichen Bestandteil in der Gesundheitsfürsarg« eine» Landes bildet die K r a n k« n v e r j i ch e r u n g. Di« englisch« Krankenversicherung unterscheidet sich in ntehreren wesentlichen Punkten von der deutschen. Bei der Schaffung der englischen Krankenversicherung versuchte man die Schwächen der deutschen Ver» stcherung zu vermeiden. Was tatsächlich vermiede» wird, da» sind die dauernden Kämpfe zwischen den Krankenkassen und den?l«rzt«n. Kämpfe, die sich sehr zum Nachteil de» Versicherten auswirken. In England haben die Krankenkassen mit den Aerzten nichts zutun. Die Krankenkassen find lediglich Kassen für die Versicherten zur Verwaltung der Geldmittel für Krankenhilfe, Krankengeld. Wochenhilse und sie sind nicht Arbeitgeber für Acrzt«. Dies ist ein Vorteil der englischen Versicherung. Dogegen erreicht sie nicht die sachlichen Leistungen der deutschen Krankenversicherung. Der Versicherte hat weder Anspruch aus spezialärzlliche Behandlung noch auf di« Krankenhausbehandlung. In einem Punkt ist jedoch die englische Krankenversicherung weitgehender— in der Vereinigung der Krankenversicherung mit der Invalidenversicherung. Ist z. B. der Versicherte länger als 26 Wochen arbeit»- unfähig,' so erhält er«ine Invalidenrente. Da» Recht de» Ver» sicherten auf ärztliche Behandlung bleibt auch mährend der Inoaltdi- tat erhalten. Die Zahl der Versicherten betrug im Jahr« 1029 15 Millionen= über ein Drittel der gesamten Bevölkerung. Wa» die gesundheitliche Armonfürsorge anbetrifft, so wird sie bis jetzt noch einem ganz veralteten System gersgelt. Erst das Gesetz von 1930 brachte eine Reform des Armenwescns mit sich. Das Gesetz bedeutet einen großen Schritt zum Abbau der besonderen Armenpflege und Ihre Einreihung In di« übrig« Fürsorge, eine Forderung, die die L a b o u r Party vertritt. Al» eine der wickstigsten Ausgaben des englischen Gesundheit»« wesens sei erwähnt der Wohnungsbau und die W'v h n u n g s- f ü r s o r g e. Auf die Fragen der Wohnungspalitik hier näher einzu- gehen, ist au« Raummangel nicht möglich- Seit dem Kriege wurde» etwa 1 800 000 neue Wohnungen errichtet, zum großen Teil au» staatlichen und kommunalen Zuschüssen. Alle neuen Wohnungen besitzen«inen Baderaum und dl« meisten einen kleinen Garten. Welch« große Bedeutung die Errichtung solcher Wohnungen für di« Hebung der Vnlksgesundheit hat�-braucht nicht erst aufgeführt zu werden. Der hohe Stand des englischen Wohnungswesen» ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß in England im Gegensatz zu Deutschland da» Einfamilionhaussystem vorherrscht. lier-Rasenspiele Fußball- Handball— Hockey Alis Anlaß des LSjährigen Stlstungsfestes hatten sich die Wilmersdorfer Turner zum Sonntag die Fußballer des Skr- eins Adler aus Coswig verpflichtet Die Coswiger waren den WUmersdorfern technisch und spielerisch weit überlegen, mehr als es das Resultat erkennen läßt. Dem schnellen Sturm der Gäste waren die Verteidiger der Einheimischen keineswegs gewachsen. Schon bei der Pause führten die Coswiger sicher mit 2: 0. Aller- dings gab der sonst aufmerksame Schiedsrichter ein sicheres Tor für Wilmersdorf nicht. Einen Eckball lenkte der Torwart ins eigene Tor. Nach der Pause kamen die Wilmersdorfcr kaum aus Ihrer eigenen Spiclhälfte heraus, erst beim Stande von 3: 0 gelang es dem Linksaußen, eine Steilvorlage des linken Läufers zum Ehren- tor zu verwandeln. Fünf Minuten vor Schluß konnten die Gäste durch ein viertes Tor das Resultat auf 4: 1 stellen. Weitere Resultate: Pankow gelang es, seinen Gegner Dutab mit nicht weniger als 5:3 zu schlagen. Allerdings liegt hier «in Protest der Butabler vor, da die Pankower mit mehr als zwei Stunden Verspätung antraten. Es zeigt sich wieder einmal, daß man bei Sportfesten keine Serienspiele ansetzen soll, da die Fuß- baller stets zurückgedrängt werden. Lichtenberg 1 weilte bei Weihen- see, um sich hier mit beiden Mannschaften eine hohe Niederlage abzuholen. Die ersten Mannschaften trennten sich mit 7: 0 und die zweiten gar mit 9: 3. Vorwärts-Wedding gegen Eintracht-Reinicken- darf kombiniert?:l). Vorwärts 2 gegen Schwarz-Weiß 1:1. Wacker 30 gegen Minerva 28 4: 7. Wilmersdorf 2 gegen Eintracht- Spandau 2 5:1. Der Bezirk Nordost der FTGB. veranstaltete Sonntag einen Werbespieltag für alle Spielarten. Die Handballer absolvierten ihr Serienspiel gegen Altruppin, das Altruppin mit 7: 4 gewann. Pankow konnte in den ersten zwölf Minuten schon einen Vorsprung von zwei Toren herausholen, aber schnell hatten sich die Altruppmer eingespielt. In blendender Manier wurden die Angriffe vorgetragen und dem Pankower Torhüter reichliche Arbeit gegeben. Der Erfolg war Gleichstand des Spieles zur Pause mit 2: 2. Einige Minut»n nach der Pause ging Pankow wieder in Führung, mußte sich aber bald den Ausgleich und einige Minuten später das Führungstor gefallen lassen. Nachdem Altruppin den Vorsprung auf 6 Tore er- höht hatte, konnte Pankow noch ein viertes buchen. Di« Altruppmer waren es dann noch, die mit einem siebenten Tor den Sieg end- gültig für sich entscheiden konnten. Bei den Pankowern war Rechts- außen der ausfallende Mann: die Ruppiner konnten aus dem dich- testen Gewühl heraus nach präziser Kombination Tore erzielen. Freie Turnerschaft Groß-Berlin-Nordring — Freier Hockey-Club Spandau 8:0(3:0). Beständig und jederzeit sicher gewannen die Nordring- Hockey- Spieler diesen interessanten Kamps. Wenn auch etwas hoch, ist das Resultat das Ergebnis eines besseren Mannsckiaftsgefüges und besserer Spielerfahrung.— Die Leipziger Gäste, derVfL. Leipzig-Südost, konnten ihr Gastspiel gegen die Freie Turnerschast Groß-Berlin Pankow mit 8:1 siegreich gestalten. Die Leipziger waren eine schnelle, stocksichere und schußfreudige Mannschaft. Die Pankower erzielten den Ehrentreffer kurz noch Halbzeit und hatten in der letzten Viertelstunde sogar«inen zügigen Angriff. Aber zum exakten Torschuß langte es nicht. FTGB. Osten und FTGB. Pankow kombiniert 1:1. Di« Ostenmannschaft zeigte Fortschritt« und konnte gut gefallen. Aber gegen die starke Hintermannschaft der Pankower langt« es noch nicht zum Sieg.— Die Frauen der FTGB. Pankow und von Volkssport Neukölln- Britz trennten sich 6:0(4: 0). * Di« Hockeyspieler sind mit dem Serienbetrieb in größter Terminschwierigkeit. Bei der Mehrzahl hat der Sommersport be- reits begonnen und so geraten die fünf noch ausstehenden Serien- kämpfe ins Hintertreffen. Aber ganz unmöglich soll der Abschluß doch nicht sein. So greifen nun die Dereine zu den Wochentags- Abendspielen. Morgen, Mittwoch, 18'/S Uhr, wird die Freie Turnerschaft Groß-Berlin Nordring und Tenlpelhof auf dem Platz in der Schönhauser Allee das Serienspiel nachholen. Schiedsrichter Moabit 1. Die Tempelhofer haben sich trotz des Verlustes gegen Moabit gut vorangebracht und dürften dem Tabellenzweiten einen interessanten Kampf liefern. Be! der Meisiersdiafi Wie Hamburg Arbeiter-Fußballmeister wurde Unser Lerichlerstalter beim Z u ß b a l l s p l e l um die Meisterschaft im Arbeiter-Turn- und Sport- b n n d am Sonntag in Hamburg schildert hier seine Eindrucke von dem großen Ereignis. Mittags 1 Uhr in Hamburg! Reges Leben auf den Straßen. „Was rennt das Volk, was wälzt sich dort die langen Gassen brausend fort?" So könnte man den Dichter hier zitieren. Es muß doch etwas Großes vor sich gehen? Aus aufgefangenen Brocken der hastig hineilenden Menge erfährt man den Grund der Aufregung: Auf dem Sportplatz der„Viktoria" in Hamburg-Hoheluft findet das Endspiel um den Meisterschaftstitel des Arbeiter-Turn- und Sportbundes statt. Di« Gegner sind„Lorbeer 06"-Hamburg und.Leipzig- Pegau". Selbstverständlich schwört alles auf Lorbeer. Etwa auf, tretend« Pessimisten, die einen Sieg der Leipziger in Erwögung ziehen, werden mit dem bekannten„kalten Blick" abgefertigt. Wagt man dann den Einwand, daß Lorbeer im Spiel gegen Luckenwalde doch gerade keine Meisterleistungen gezeigt hat, Leipzig dagegen sehr eindrucksvoll gegen den vorjährigen Bundesmeister Nürnberg-West gewann, so erfährt man sofort die sachverständige Lösung: Da haben sich die unserigen im vollen. Siegesbewußtsein gar nicht erst an- gestrengt. Heute aber werden sie zeigen, daß nur die.�hambocher" das Recht haben, den Titel zu führen! Unter solchen Gespächen kommt man sehr schnell zum Platz. Aufgeregtes Treiben. Ein Summen und Surren wie in einem Bienenkorb. Der Lokalpatriotismus feiert Orgien:„Nur Lor- beer wird Sieger, nur Lorbeer macht das Rennen!" Als die Mannschaften den Platz betraten, wurden sie mit lebhaftem Beifall empfangen. Dann intonierte der Großchor der Hamburger Spielleute den Sozialistenmarsch. Mit einem Male war jede Meinungsverschiedenheit vergessen. Wie ein Mann erhoben sich 22 000 Menschen, damit ihre innere Verbundenheit mit der politischen und sportlichen Arbeiterbewegung kundgebend. Kaum waren die letzten Klänge verhallt, gab der Schiedsrichter den Ball frei. O weh! Wo war aus einmal der Optimismus der Eingeborenen geblieben? Man hatte kaum richtig Luft geholt, da hieß das Resultat auch schon 2: 0 für Leipzig. Nur einige ganz große Optimisten glaubten jetzt noch an einem Aufkommen „ihrer" Mannschaft. Ihr Glaube wurde allerdings auf eine sehr harte Probe gestellt. Nachdem der Schiedsrichter zwei reelle Tore, „r««ll" nach der Meinung der Zuschauer, nicht gewertet hatte, ge- lang es den Hamburgern, wenige Minuten vor der Pause, das Anschlußtor zu erzielen. Da ging ein Ausatmen durch die Reihen der„standhasten" Optimisten: die Gesichter hellten sich auf. man nickte sich lächelnd zu:„Siehst du wohl, ich hatte doch recht, Lorbeer kommt doch." Die zweite Halbzeit gab diesen Standhasten denn auck) recht. Durch lebhaftes Anfeuern ermuntert, gewann Lorbeer mehr und mehr an Boden. Als der Ausgleich errungen war, wollt« der Jubel kein Ende nehmen., Bei jedem neuen Angriff der Hamburger war es. als wollten die Zuschauer mitmachen, so weit bogen sie sich noch vorn. Gab es aber einen Angriff der Leipziger, so bog sich alles nach hinten, als wollten sie die Sachsen zurückhalten. Doch dann kam der erwartete Führungstreffer. Nicht so laut als beim Aus- gleich war diesmal der Beifall. Desto schlimmer wurden die An- feuerungen für die Hamburger Mannschaft. Waren einmal di» Leipziger in gefährliche Tornähc der Hamburger gekommen, dann war Mäuschenstille aus dem Platz: gelang es dagegen einem Spieler der Hamburger Hintermannschaft, den Ball wieder nach vorn zu befördern, so herrschte wieder eitel Freude unter den Zuschauern. Schon rüstet sich alles, um den neuen Bundesmetster zu beglück- wünschen, da gelang es den Hamburgern, noch den vierten Treffer einzusenden. Schlußpfiff! Unter brausendem Jubel der Zuschauer begaben sich beide Mannschaften zur Spielmitte, wo sie das Resultat entgegen nahmen. Freudestrahlend zogen die 22 000 Hamburger Interessenten nach Hause, am freudigsten dabei die standhaften Optimisten, sie hatten wieder einmal recht behalten. Zu wünschen ist nur, daß sicl) der n«ue Bundessußballmeister seines Titels recht würdig erweist. Gelegenheit dazu wird ihm oft genug geben werden. Z. Eine Sportstislung. Konsul Fritz Grocnewoid- Genf, ein gc- bürtiger Ostpreuße, hat dem Institut für Leibesübungen an der Universität(Böttingen«ine Stiftung in Höhe von 100 000 M. ge- macht, die dazu dienen soll, dem Institut große zentrale Sport- anlagen zu schassen. i Sonntag auf den Plätzen Auftakt für die Sonuncrsaison Zum Eröffnungssportfest de? 18. Bezirks der Arbeiterfportler in Weißens«« hatten über 250 Sportler Mel- düngen abgegeben. Die einzelnen Konkurrenzen ergaben folgende Resultate: 75 Meter, fttmien: Loni Obranttirr cgTGB. tolitirfdwittjaufeiO 14:1.— 75 Mrter, ältfi* cpoctlcr:©teffen(WS®®. Otttn) 11:1.— ICO Meter. OTtfniwr: MMcr cReetun Wri Kensee) 1Z:».— 1000 Meter: Maler lNeptun WciKensee) 3:6.— 10 mal 50 Meter, Ninder: kinhenschönkausen.— isaustball:!?S0>B. Osten II 6 Vuntte.— Handball: Neptun Tenni»»Not 16:0. — Fast ball: Weistensee I qcgen Lichtenbera T(1. Mann st« tt 7:0(4:0). Weiften- see II aeaen Lichtenbe?« II 9:3<9:0.»— �wshboll: Neptun aro«n IsTSB. Hoden- lchöndausen 5:3. Der Turn- und Sportverein Eiche-Köpenick hielt fein Sportfest zur Eröffnung der Sommersaison auf seinem eigenen Platz ab. Die erzielten Zfosultate gaben den. Beweis, daß das Wintertrainkng in der Holle die Sportler in guter Form belassen hat. Ergebnisse: Mäiritrr, Mnltamps: 1. Ditrsch(AGG.) 353,73 Vuntte: 2. Lanpau(WS!.) 350,81 Punkte.— ssrauen, Dreikampf: 1. Schul»(ASS.) und Sallino(Eiche) 239 Punkt«: 2. H. Slockmann(Webdiua) 228 Punkt«.— Iuaenb l männlich), Vierkampf: 1. E. Schlaa(Eiche) 373.75 Dunve: 2. Dad»(ASE.) 284.75 Punkt». — Männer(älterer Iadrqanq), Mnkkonrpf: 1. Röbel(Eiche) 2S77ÜR Punkte: 2. Mietdlina, H.(Eiche) 279,80 Punkte.— ffustdaller, Dreikampf: Becker(Eich«) 191,53 Punkt«.— Schiller, Dreikampf: Selm(Eick«) 24l Punkte.— SchMe- rinn«n, Dreikampf: 1. I. Durtb(Eiche) 1885 Punkte: 2. ff. Simmrist(Eiche) 167 Punkte.- Stafetten. Männer, 4 mal 100 M«ter: L BSE. I 47: 2.?SD. Weddin« l 48,2.— ffrauen. 4 mal 100 Meter: 1. ASE. I 50,3: 2. Eich« T 56,5. - Zuarnb. 4 mal 100 Wetrr: 1.«SC. I 49,7; 2.«übe M4.- Männer. 1000.M«ter-Lauf: Braun(AS«.) 2:44,4. In der Festveranstaltung, die sich am letzten Sonntag zur E i n- weihung des Freikörperkulturgeländes der Freien Turnerschast Groß-Berlin am Pätzsee eingefunden hatte, erkannte man die ideale Gesinnung der Menschen, die sich trafen, um im sozialistischen Sinne zu wirken. Der Hauptredner des Tages be- tonte dies denn auch in seiner Festrede und verwies auf die Arbeit, die im Dienste der Bolksgesundheit verrichtet wird. Di« Leitworte der Bundesschule in Leipzig„Mach Dich frei" siiiben in der Frei» körperkultur ihre beste Verwirklichung. Ein Rundgang zeigte die Nutzungsmöglichkeiten dieses Geländes. Ein schöner, zweckent- sprechender Baumbestand und weit« Grünflächen laden zum Ber- weilen ein. Und wem es vergönnt ist, hier die Abendstunden zu genießen, der hat das, was dem Großstädter fehlt: Ruh«, unbedingte Ruhe. .Autbord-Re�atta Ein glücklich verlaufener Unfall Die erste Veranstaltung des Deutschen Autbord- Klubs in Grünau kann nicht als restlos geglückt bezeichnet wer- den. In der Organisation haperte manches. Für die Zukunft wäre es sehr wünschenswert, das Programm, das nahezu sechs geschlagen« Stunden dauerte, bei flotterer Abwicklung aus di« halbe Zettdauer herabzumindern. Autbordrennen sind noch«in junger Sport, das merkte man an dem Besuch. Trotzdem ist er interessant. Dröhnendes Motorengeknatter kennzeichnet« weithin die Stätte der Autbordrennen. Der Abschnitt des Langen Sees vor den Re- gattatridünen war die denkbar idealste Rennstrecke, die so ziemlich von allen Plätzen klar zu übersehen war. Die mit großer Ge- schwindigkeit dohinjagenden Boote waren ein prächtiger Anblick. Wenn nur der furchtbare Motorenlärm nicht wäre, der einem die ganze Angelegenheit verleiden könnte. Der kurz vor 14 Uhr startende Magdeburger Etterwendt wurde unmittelbar vor den Tribünen aus seinem Boot geschleudert, das mit unverminderter Schnelligkeit führerlos weiterrast«. Kreuz und quer jagte das Boot im Zickzackkurs über den See. Durch Segel- und Paddel- boote hindurch, bis das mit dem Bug weit ans dem Wasser hinaus- ragende Rennboot über ein mit vier jungen Leuten besetztes Paddel-- boot glatt hinwegfuhr und es zum Kentern brachte. Auch das führerlose Rennboot schlug glücklicherweise um, so daß weiteres Un- hell nicht geschehen konnte. Di« verunglückten Wassersportler blieben wie durch ein Wunder unverletzt. Der Vorfall sollte den Veran- staltern zu überlegen geben, welche technischen Maßnahmen zu ergreifen sind, um beim nächsten Mal ähnliches unmöglich zu machen. Sonst verliefen die zum Tell spannenden und hartumslrittencn Rennen ohne Zwischenfall. Der groß« Turm auf den Tribünen zeigte die schwarzrotgolden« � Flagge und die Klubfahn« des Aut- bord-Klubs, einen gelben Propeller auf blauem Grunde. Die Deuischlandfahrt Nach einem Ruhetage begaben sich die Deutschland« fahrer am Sonnabend auf die 268,6 Kilometer lange 10. Etappe von Berlin-Wannsee über Wittenberg, Bitterfeld. Leipzig, Halle, Bernburg nach Magdeburg. Der in Zehlendorf vorgesehene Start mußte nach Wannsee verlegt werden, da die Zehlendorfer Behörden Schwierigkeiten machten. Alle noch in Kon- turrenz befindlichen 27 Bewerber stellten sich bei herrlichem Früh- lingswetter zum Ablauf. Aufregendes gab es auf der Strecke nicht und so rückte fast wieder die ganze Meute— bis auf die zurück- gefallenen Ruferenz-Schweiz und Frascarelli— geschlossen in Magdeburg ein. Der Franzose B a r t h e l e m y errang hier seinen dritten Etappensieg, indem er die beiden Deutschen Buse und Stöpel schlug. Am Sonntag hatten die Teilnehmer die 11. Etappe von Magdeburg noch Homburg über 245,4 Kilometer zu erledigen. Zum 4. Mole konnte sich der Franzose Barthelemy als Etappensieger einschreiben. Aus einer 26köpfigen Gruppe siegte er aufgerichtet gegen den im Gesamtergebnis sührenden Dortmunder Metze. Die Leistungen der Akteure waren auf dieser Tagesstrecke jedoch mehr als mäßig. Auf dem Wege über Braunschweig durch die Lüne- burger Heide nach der Hansestadt sank das Tempo unter 17 Stunden- kilometer und die Marschtabelle wurde um mehr als 11� Stunden überschritten. Die Tagesstreckcn der Deutschlandrundfahrt ähneln einander wie ein Ei dem anderen. Einige kurze Plänkeleien, damit der sportliche Ruf der Fahrt wenigstens etwas gewahrt bleibt, dann wieder recht lange Atempausen, damit die Abgefallenen wieder nach vorn ge- langen können, und zum Schluß Massenankunft am Etappenziel. Auch die 12. Tages strecke, die am Montag von Hamburg über Harburg, Bremen, Celle nach Hannover führte und 269,2 Kilo- meter lang war, nahm den gleichen Berlauf. 24 Fahrer engagiertzn sich in Hannover zum Endspurt, den der Berliner Kurt Stöpel überlegen gegen den Wiener Bulla gewann. In der Gesamtwertung ist die Situation noch wie vor die gleiche. »-rt«llie»irl Sentptliof. Mittwoch. 20. Meli. 19� Ilftr, flartcfflitiiino.„S-jt kwä-". Wert erste. 12. Dtcnstoa, 19. Mai. 30 Uflt, Wiemabrer der ffreien Turnerschalt Temvelliof �ur Linde". Arbeitersport. AnrtcO, Bezirk Witte. Sitlung Mittwoch, 20. Rai, 20 tlhr, bei Prasser, Michaelkirchstr. 29a. Lartellbe»!rt Schöllederg-ssiiedenau. ssortcllssftunn nicht Montaa. sondern Donnerslaa. 2l. Mai. 30 lll>r. bei Hochaeschur», Mühlenstr. 9. Wiewfabrer und Interessierte: Dienstag. 19. Mai, 21 Uhr, bei Hvdlgeschuw. MLhl-nstr. 9, Zu- farntncnlunft. ffTEB.. Betirl Teuipelhos. Dienstaa, 19. Mai. 20 Uhr, Zusauunenlunit aller Wienfahrer und Intereisscrter,„Zur Linde", Tcinpelhof, ffriedrich-Kar!. Ecke Werderstrafte ffTSB.. L»rwalt«uq,timmer. Mittwoch. 20. Mai. lO'-ö Uhr. Arrisgeschäft». stelle.— Be,irt Norden 3. Plofe Huinboldthain steht Mittwochs und Sonnabend« tur Berfllgung. Turnbetricb geht weiter. Männer und Jugend Dienstag und ffreita« um 20 Uhr. ffrauen und Iunglnädchcn Montag und Don- nerslag um 20 Uhr. Knaben Dienstag und ffreitag um 18 Uhr. Mädchen Montag und Donnerstag um 18 Uhr. Sämtlich Putbusscr Str. 22. Mittwoch und Sannabend Plaft Humkoidtbain. In den Hondballmannschafton werden Mitglieder jederzeit aukgcnainmen.— Benirl Nordrtng. Wintfahrer liefern ffestbcitraq ffreitag, 23, Mai, 22 Ubr, im Lolal Uteri, Gleimstr. 56, ab. »Solidarität." Set Iugendausschus, de« Beeirl« 1 Groft-Berlin veranstaltet fstr olle Iungradler und Iugendgenossen für Pfiugftvi ein« Rodvariie nach Guben. Abfahrt Sonnabend, 23. Mai. unt 9 und um 15 Ubr, ab Biift(Bufchtrug). Schwächer« ffahrrr fahren bis Sürfwn. wold« per Bobn. von dort per Rad bis Guben. Start 16 Uhr Schleftschcr Bahnhof. Gäste williommen. Anmeldungen für Bahnfahrer bei ff. Wolter, Waldstr 27.— Uebungiabeab für Sprechchor. Lollstan, und W-ltdolmen- fpicler 19. Mai, 20 Uhr. Jugendheim Ebertnstr. 12. Die schönsten Schuh-Mo belle Berlins zu lächerlich billigen Preisen bringt das bekannte Groß-Detail-Schuhlokal Behrndt, Münz- stroße 25, größte Schühousstellungssront Deutschlands. Di« Firma hat in ihren 21 Schaufenstern und Schalfkästen die rassigsten Modell« ausgestew, wie sie noch nie in Berlin zu solchen Preisen gezeigt wurden. Berantwortl. für die Redaliion: Herbert Leper«, Berlin: An, eigen: Tb. Glocke. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag D. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Derlagsanfwlt Paul Singer öl Co., Berlin£23 68. Liadenstrafte 8. Hier» 1 Beilage. Thaaiez. Lidtlspiele usw. Dienstag, 19. 5. Stsats-Oper Unter d. Linden 260. A.-V. 19-ä Uhr Sdiwanda, der Dudelsackpfeifer Ende 21 ff, Uhr Dienstag. 19. 5. städt. oper Bisrnarckstr. Turnus III 19', b Uhr flonraaims Erzahlimgea Ende 22ff, Uhr steats-oper 1» Püü In lüpnMü. V.-B. 20 Uhr Falslalf OitteotL hrtunrUol Ende£23 Uhr StaatL Schaaspti. (io Cnlaraacurvl). 223 A.-V. 20 Uhr Die Portugale- sisete toladif Ende g. 23'.', Uhr WUMSk-MetMW. 20 Uhr Die SekehniDg des Ferdys Pistora Ende gegen 22', i Uhr VoiKsblllute Thealu an Kllowplitz. 8 Uhr Die Ehe Staatüdiiller-'ni. 8 Uhr Ole BeReUrnug des Ferdys Pistora Staatsoper Am Pl.d.Republlk 8 Uhr Falsfad Elite-Sänger— i Kottbusser Str. f Täglich •V, Uhr Im Jteyarten der Liebe Vorher: Ein erstftl. Soloted. kesonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN im „Vorwärts"* und trotzdem Ubllllfitl Nor Kurse£«iti Je üini FraoMorler" Lustspiel von Carl Rößler Montag bis Freilag 6>5 Sonnabend 700 tOlS Sonntag 230 5*5 900 Eröffnung de» Rose-Gartens am x. Pfingstfeicrtag An beiden Feiertagen 600 da» traditionelle Frühkonzen 1 mit Variet6 50D nachm. Konzert# Vericte u. oL Operettenachwaak: Das Liebesverbot" Reichshaiien-Theater Allabendlich(5 An beiden Feiertagen nachm. Q33 Stettsner Sänger ä>as grosse ZPfingsi Programm Kadmittags sinäftigte frei«! Große Frankfurter Straße 132 1 U-Bahn Strausberger Platz 6tägiger Vorverkauf täglich ! von 11— 1 Uhr und 4—9 Uhr Telefonische Bestellungen: E? Weichsel 342» Cl aoefifd Wurst. ■ LaCdllla fabrik Petersburger Platz 8 empfiehlt täglich: Pfund scrnnKenfiintemelne 25 Pf. schweliieschwänze.85, scnuteineiuiocti.3pu.25.