BERLIN Mttwoch 20. Mai 1931 10 Pf. 7!r. 231 B 116 48. Jahrgang ers-ktinttSgltch»vk-rSonnt-g«. Zugleich Abendausgabe de«.Dorivürtt'. Bciug«»rels beide Ausgaben SS Pf.»roWvche. 8,60 M.»rv Monat. Kedaktion und Txoedition: BerlinSWKS.Lindenftr.S Fernsprecher: Dönhoff 292—29? SjrfUcuibgajße x(ß6 ffibwusfa flniel9tnpr«l«:J)tt einspaltigeNonparellleieile so Pf.. Reklamezeile SM. Ermäßigunaen nach Tarif. Poftscheekkonto- Vvrwärt«-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr.»? SSK.— Der Verlag dehilt sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Wendung im Kalt Bullerjahn Die Vernehmung des Zeugen v. Gontard angeordnet Italien gegen Deutschland Grandi läßt Curtius im Stich In der Strafsache Bullerjahn ist dem Verteidiger Dr. Kurt Rosenfeld folgender Beschluß zugestellt worden: 1. Der Antrag des Rechtsanwalts Dr. Kurt Rofeufeld auf Wlederaufuahme des durch rechtskräftige» Urteil des 4. Strafsenats de, Reichsgerichts vom 11. Dezember 1925 geschlossenen Versahrens ist a n s i ch z u l ä s s i g. 2. Der Generaldirektor Paul von Gontard in Berlin W 10. vendlerstr. 41. soll als Zeuge vernommen werden. und zwar insbesondere darüber, ob er den Zeugen Krüger. Geyer und Köppner, die in dem Urteil als Angaben des unbekannten Gewährsmannes bezeichneten Erklärungen gemacht hat und ob diese Angaben richtig sind. Die Vernehmung der Zeuge« soll, soweit zulässig, gemäß ß Z69 Abs. 2 StPO. eidlich erfolgen. Mit der Vernehmung de, Zeugen wird der Berichterstatter Reichsgerlchlsrat Eoenders und im Falle seiner Verhinderung Reichsgerichtsral Dr. Klimmer beaustragt. 3. Di« Beschlußfassung über die Anordnung der Er- Hebung weiterer Beweis« bleibt vorbehalten. 4. Dem Antrage aus Aussehung der Strasvollstreckung wird nicht stattgegeben, well zu einer solchen zur Zeil ein Anlaß n i cht vorliegt. gez. Schmiß. Eoenders. Klimmer. Der Beschluß des Reichsgerichts bedeutet noch nicht die Wieder- ausnähme des Verfahrens, wohl ober den nach der Strafprozeßord» nung der Wiederaufnahm« vorangehenden und für sie entscheidenden Schritt. Wird nämlich ein Antrag auf Wiederaufnahme an sich für zulässig befunden, wie es hier der Fall ist, so beaustragt das Ge- richt einen Richter mit der Aufnahme der im Antrag angetretenen Beweise. Don dem Ergebnis dieser Beweisaufnahme hängt es dann ab, ob die Wiederaufnahme des Verfahrens verordnet wird. Bringt die Beweisaufnahme keine genügende Bestätigung der in dem Wiederaufnahmeantrag aufgestellten Behauptungen, so wird der An- trag als unbegründet verworfen. Andernfalls ordnet das Gericht die Wiederaufnahme des Verfahrens und die Erneuerung der chaupt- Verhandlung an. In der erneuten chauptverhaNdlung wird dann endgültig über die Schuld oder Nichtschuld des Angeklagten ent- schieden. Wenn es sich hiernach im Fall Bullerjahn auch zunächst nur um ein Vorverfahren zur Erreichung der Wiederaufnahme handelt, so ist dieses doch nur von besonderer Bedeutung, weil schon dieses Vor- versahren— wenigstens zum Teil— den wesentlichsten Mangel heilt, an dem das Urteil des Reichsgerichts in Sachen Bullerjahn vom Jahre 1925 gekrankt hat. Man mag zur Schuld- frage an sich stehen wie man will, auf jeden Fall war es ein un- erträglicher Austand, daß Bullerjahn im wesentlichen aus das nur indirekt— nämlich durch Mittelsmänner— vorgetragene Zeugnis eines„unbekannten Gewährsmann« s" hin. zu 15 Iahren Zuchthaus verurteilt worden ist. Der Angeklagte kannte in der chauptocrhandlung die Person des Belastungszeugen nicht. Es wurde ihm dadurch unmöglich gemacht, die Glaubwürdigkeit dieses Zeugen anzuzweifeln, ihn auf etwaige Irrtümer hinzuweisen. ihn anderen Zeugen gegenüberzustellen usw. Ein solcher Zustand bedeutet für jeden Angeklagten eine unerträglich« Ein- fchränkung des Verteidigungsrechtes, und es war für die Rechtsprechung ein aeradezu katastrophaler Zustand, daß das höchste deutsche Gericht im Falle Bullerjahn ein derartiges anonymes Belastungsverfahren sanktioniert hat. Später hat sich herausgestellt, daß der anonyme, in der Hauptoerhandlung nicht genannte Zeuge der nunmehr vielgenannte Herr v. Gontard gewesen ist. Seine Vernehmung, wahrschein- lich unter Eid, wird jetzt erfolgen. Was sie ergeben wird, können wir nicht voraussagen,«s bleibt abzuwarten. Mit Recht wird man sich fragen, was denn nun verloren gewesen wäre, wenn Herr v. Gontard schon im Jahre 1925 unter Eid vernommen und dem Angeklagten in der Hauptverhandlung gegenübergestellt worden wäre. Das Reichsgericht muß sich selber heute sagen, daß durch die damalige übergroße Rüetsichtnahme aus die Person des reichen Generaldirektors, die bei weniger vermögenden Personen wohl kaum erfolgt wäre, fast sieben Jahre long dos Gefühl peinlicher Rechtsunsicherhelt erzeugt worden ist. Die Klorhe-t, die das Reichsgericht sich jetzt durch die Vernehmung v. Gontards ver- schaffen will, hätte es schon im Jahre 1925 haben können. Der Vorwurf, daß«in Gericht verurteilr— und wie hier zu 15 Jahren Zuchthaus, was praktisch die Auslöschung eines Menschenlebens Di« heutig« Ratssitzung brachte den Anhänger« eines Zusammengehens mit Italien eine neue bittere Ent- täuschung. Mit einigen beschönigenden Reden ließ Herr Grandi Deutschlands Antrag auf vollständige Riistungs- angaben für die Abrüstungskonferenz falle» und sprach sich mit England. Frankreich, Polen und Japan gegen Deutschland aus. Curtius fand sich mit seinem Antrag völlig isoliert. Die Sitzung begann mit Berichten über wirtschaftliche Fragen. Dann verlas' L e r r o u x- Spanien den Kommissionsbericht über Kontrolle der privaten und staatlichen Waffenfabrikation: die Bodgetsachversländigcn haben keine Methode für ein« detaillierte Veröffentlichung de, Materials«ach Kategorien gefunden. Es soll daher der Abrüstungskonferenz überlassen bleiben, die Veröffentlichung der Daten über die Wosfenfabrikation zu beschließen. Henderson forderte di« Staaten nochmals auf, die noch nicht in Kraft bestehende Konvention über private Waffen- fabrikation zu ratifizieren. Lerroux fugte hinzu, das neue Spanien werde an den Arbeiten des Völkerbundes mit größtem Interesi« teilnehmen. Curtius dankte sehr warm; der Völker- In Braunschweig Segen hunderte von Eltern, die an dem Schul- streik der welilichcn Schulen beteiligt waren, wurden dreilägige Safistra en verhängt. f/MI t»-» 43 �ranzen:„Ich baue eben solange neue Flügel ans Zuchthaus an, bis es für vie gesamte marxistische Be- vöiterung reicht." bedeutet— ohne sich den ihm hoch st erreichbaren Grad von Klarheit verschafft zu haben, wiegt außer- ordentlich schwer, doppelt schwer, wenn er gegenüber dem obersten Gericht erhoben werden muß. Der Gesundheitszustand Bullerzahns, der fein« Strafe jetzt Im siebenten Jahr verbüßt, fall außerordentlich schlecht und seine Haft- fähtgkeit in Frage gestellt sein. Die Nichtunterbrechung der Straf- hast bedeutet, zumal fast die Hälfte der Strafe schon oerbüßt ist, ein« erhebliche Härte. bundsrat begrüße die warme Mitarbeit Spaniens. Herr Lerroux habe gesagt, Spanien sei mit dem Völkerbund. Im Rainen aller erklärte Curtius, der Völkerbund fei mit Spanien. Südslawien ließ erklären, daß es die von Henderson er- wohnte Konvention nicht ratifizieren könne ohne Abänderungen, di« seiner Sicherheit Rechnung tragen. Den Bericht über die Vorbereitung der Abrüstungskonferenz erstattete Lerroux, doch wird die wichtige Frage der Tabellen für den Rüstungestand als besonderer Punkt behandelt. Ueber den Tagungsort wird eine geheime Ratssitzung entscheiden, da Spanien nochmals die offizielle Einladung Barcelonas wiederholte. Henderson begründet den englischen Vorschlag, als gemeinsame Tabellen für di« Rüstungsongaben jene Tabellen zu nehmen, die im Vorentwurf der vorbereitenden Abrüstungstommission enthalten sind. Deutschlands Tobellen seien genau ausgearbeitet und gewiß eine Idee, aber das fei ihr größter Fehler, da es sich nicht um Ideen, sondern um praktische Arbeit handle. Da auch die Budgetsach- verständigen sich für die Tabellen des Vorentwurses ausgesprochen haben, schlug Henderson vor, der Rat möge jene Tobellen für alle Staaten empfehlen. Curtius begründete den deutschen Tabellenvorschlag mit dem Fehlen wichtiger Angaben in den Tabellen des Vorentwurss, nämlich des lagernden Materials und der ausgebildeten Reserven. So könne kein Vergleich möglich sein. Er glaube daher, daß Deutschlands Vorschlag der bessere sei und empfehle desien Annahme. B r i a n d hielt dem deutschen Vorschlag entgegen, er enthalte Angaben, die den Prinzipien entsprächen, welche die vorbereitende Abrüstungskommission angenommen hat. Um die Arbeiten nicht zu komplizieren und zu gefährden, müsse man sich an die vorbereitenden Arbeiten halten. Daher sei es Frankreich unmöglich, die deutschen Porschläge anzunehmen. Während Z a l e s k i- Polen völlig für den englischen Vorschlag eintrat, sllhrte Grandi- Italien einen regelrechten Eiertanz auf; Deutschlands Vorschläge seien zwar vollständiger, aber sie könnten Schwierigkeiten hervorrufen. Während Italien früher für die deutschen Vorschläge gewesen ist, nimmt er„aus praktischen Gründen und um besser vorwärts zu kommen", jetzt den englischen Vorschlag an, unter dem Vorbehalt, auf der Konserenz Erweiterungen anzu- regen. Auf Antrag Lerroux' wurde die Entscheidung auf Freitag ver- tagt. Der Rest der öffentlichen Sitzung war. von Berichten über Hygiene-, Frauen- und Kinderschutz-, sowie statistische Fragen aufgefüllt. Der Völkerbund hat in nichtöffentlicher Sitzung heute mittag zum Tagungsort der Abrüstungskonferenz Genf bestimmt. Antimarxisten, kusch! Befehl vom Hakenkreuz Oldenburg, 20. Mai.(Eigenbericht.) Die Nationalsozialisten sind durch ihren Wahlerfolg in Oldenburg wieder einmal größenwahnsinnig geworden. Sa erklärt dos Oldenburger Hitlerblatt Nordwestdeutscher Freiheitskämpfer", die Nationalsozialisten seien selbstverständlich bereit, für die oldenburgische Regierung und für die Leitung des Landes die Verantwortung zu übernehmen. Es liege nur bei den Mittel- Parteien, ob ein regierungsfähiges Kabinett zustande komme oder nicht. Die Nationalsozialisten würden ihre Forderungen sor- mutieren und diese dann den Nichtmarxisten zur Unter- schrist vorlegen. Würden diese Forderungen abgelehnt, dann würden die Nationalsozialisten mit allen denkbaren versassungs- mäßigen Mitteln der O b st r u k t i o n versuchen, die b ü r g e r- lichen Parteien zu zwingen, auf den Willen des Volkes z» reagieren. Es heiße also entweder: Zusammengehen der nicht- marxistischen Parteien oder aber Sturz der Regierung und Neuwahlen! Allem Anschein noch soll sich in Oldenburg das national- sozialistische Regierungsexperiment, wie in Thüringen, wiederholen. Unter Felsmassen begraben. I Naturkatastrophe in Frankreich. Varls, 20. Mai.(Eigenbericht.) Auf dem Hofe eines Schlosses bei Tours, deifen Stallungen zum Teil in einen Felsen eingehauen sind, erfolgte am Dienstag nachmittag ein furchtbarer Felssturz, durch den eine Scheune vollständig zerstört wurde. Ein Knecht und seine Frau sowie ein auf dem Schloß zur Zeit als Gast weilender amerikanischer General namens D u n l o p. die sich ge- rade in der Scheune befanden, wurden unter den Zelsmaffen be- graben. An eine Rettung der drei Verschütteten war nicht zu denken, da sich in dem Felsen neue Risse bildeten, die weitere Stürze befürchten lassen. Bei den Rettungsarbeiten ist es bisher nicht möglich gewesen, auch nur den geringsten Anhaltspunkt sür die Lage der drei Opfer zu finden. Mit einem M i l i t ä r t a n k wurden verschiedene Fels- blocke fortgeschleppt und dabei der Wagen und das tote Pferd geborgen, die zusammen mit dem Manne der Haushälterin bei den Rettungsarbeiten verschüttet wurden. Die Gattin des ver- schütteten amerikanischen Generals erlitt einen Nervenzusammen- bruch und mußte in eine Klinik übergeführt werden. Man hat jede Hoffnung aufgegeben, auch nur eines der Opfer lebend zu bergen. Es besteht auch die Gefahr weiterer Erdrutsche. Zwei französische Generale aus Toitts und mehrere Offiziere, die auf die Nachricht von dem Unglück hin ihrem amerikanischen Kameraden zur Hilfe geeilt sind, beteiligen sich an den Bergungsarbeiten. Hungersnot in Kaukasien. Nor noch Schleichhandel. Genf, 20. Mai. sGigenberieht.) Das georgische Pressebüro erhielt aus Tiflis die alarmierende Nachricht über eine weitere Verschärfung der Hungersnot. Die Magazine der Konsumvereine seien völlig leer, selbst auf Karten könne niemand mehr Lebens» mittel erhalten, sondern nur noch im Tchieberhandel. Die Preise für Lebensmittel im Schleichhandel seien un- erschwinglich, so kosten 400 Gramm Zucker 20 Mark, 400 Gramm Brot 3— 6 Mark. Gier gebe es rationiert nur noch für Kinder, Fleisch schon lange nicht mehr, auch nicht für Kranke. Auch llleider und Schuhwerk seien kaum mehr zu beschaffeg. Sturm gegen prager Sittlichkeitserlaß. Zehntausende Touristen protestieren gegen Verhaftungen. Prag. 20. Mai. Der böhmische Landespräsident Dr. K u p a t hatte kürzlich das gemeinsame Uebernachten von nicht miteinander oerehelichten Per- sonen verschiedenen Geschlechts in Zelten, aber auch in W o ch e n- endhäusern verboten. Dieses Verbot hat in den davon vor- nehmlich betroffenen Wander- und Touristenvereinen einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen und zwar um so mehr, als die Zelte und Wanderunterkünfte in der Umgebung von Prag wiederholt von Gendarmen durchsucht und mehrere hundert Personen verhaftet, worden warey.-- DI« Wandervereine der ganzen Republik— Tramp genannt — veranstalten jetzt Protestoersammlungen. An der Protestver- sammlung in Prag am Dienstag nahmen ungefähr 2S 0 00 Menschen teil. Es kam zu Zusammen st äßen zwischen der sehr erregten Masse und der Polizei, die mit Steinen beworfen und beschimpft wurde. Als berittene Polizei aus dem Wenzels-Platz mit blankem Säbel vorging, wurde sie mit einem wahren Stein- Hagel überschüttet. Zahlreiche Fensterscheiben der Häuser auf dem Wenzels-Platz und der umliegenden Straßen gingen in Trümmer. Es fielen mehrere Schüsse. Die Polizei nimmt an, daß sich kommu- nistische Eleniente der Bewegung bemächtigten und chr einen rcvo- lutionären Charakter zu geben versuchten. Der Protestaktion der Tramp-Bereine haben sich zahlreiche ähnliche Vereine sowie die Liga für Menschenrechte angeschlossen. Kestigung der Republik Spanien. Mitarbeit führender Bürgerlichen. Madrid, 20. Mai.(Eigenbericht.) Santiago Alba, der frühere Parteiführer der Links- liberalen, erklärt in einem Manifest, er werde an der Festigung der Republik mitarbeiten, vielleicht auch als Abgeordneter der National- Versammlung. Mehrere Konstitutionalistenführer der Königszeit sind den neuen bürgerlichen Parteien beigetreten, um weiter tätig sein zu können. Das Kriegsgericht in Malaga hat drei bei Niederbrennung von Klöstern in tlagraini ertappte Personen zu lebenslang- licher Zwangsarbeit bzw. zu 20 und 12 Jahren Gefängnis verurteilt. Der Innenminister hat das Erscheinen der klerikalen Zeitung ».El Debate" wieder gestattet, jedoch nicht das Erscheinen des man- archistifchen ABC.". Anerkennung Gowfetrußlonds. Genf. 20. Mai.(Eigenbericht.) Außenminister L e r r o u x hat mit L! t w i n o w die gegen- scitige Dejure- Anerkennung vereinbart. Ein Regierungsdekret sieht die Einführung der Kollektiv- bcwirtschaftung ländlicher Betriebe durch Bauern- Vereinigungen vor. Man erhofft davon bessere Beschäftigung und die Beseitigung des Bermittler- und Unterpäckter- Unwesens in der Landwirtschaft. Schwerer Zugunfall in Bayern. Lokomotivführer getötet, Zugschaffner verletzt. München. 20. Mai. Di« Reichsbahndirektion teilt mit: Nach einer Meldung, die von der Regentalbahn Biechtach bei der Reichsbahndirektion München am Mittwoch vormittag eingetroffen ist, hat sich in der Station Teisnach ein schwerer Zugunfall ereignet, der auch ein Menschenleben gefordert hat. Um 8 Uhr morgens ist der Güter- zug 203 auf der Einfahrtweiche des Bahnhofs Teisnach entgleist. Die Lokomotive ist umgestürzt, der Packwagen hängt zur Seite. Der Lokomotivführer Christel wurde getötet, der Oderzugschafsner Brunner verletzt. Reisende kamen nicht zu Schaden. Der Verkehr wurde durch Umsteigen aufrechterhalten. Bei tat Regentalbahn Handell es sich um«ine private Lokalbahn. Balkan-Terror hört nicht auf. Polizeibestialität im Agramer Präsidium. Seit dem 4. Mai verhandelt das Strafgericht in A g r a m unter dem Borsitz eines Präsidenten aus Belgrad gegen 23 Kroaten. Angehörige aller Volksklassen, darunter auch«ine Frau, die der Berschwörung und des Terrorismus gegen den Staat, d. h. die serbische Diktatur, angeklagt sind. Obwohl den Angeklagten v e r b o t e n ist, über ihre Behandlung bei der Polizei zu sprechen und der Vorsitzende gegen Zuwiderhandlung und die wiederholten Demonstrationen der Angeklagten für Kroatien brutal und sogar gesetzwidrig vorgeht, haben sie doch die Wahrheit hinaus- geschrien über die grauenhaften Mißhandlungen, die sie von der Polizei, selbst von ihrem Präsidenten Dr. Bede- k o w i t s ch persönlich, erdulden mußten. Der jetzt in Berlin von Slaoko Cihlar herausgegebene„Kroatische Nachrichtendienst" bringt darüber hinaus genaue Mitteilungen der Gemarterten. Faschistenregierung in Bulgarien. Sofia, 20. Mai.(Eigenbericht.) Die neue nationaliftisch-reaktionäre Regierung L i a p t s ch« w- S m i l o w ist ein Gebilde schlimmster Reaktion.„Dieses Kabinett", schreibt der sozialistische„Narod"(Die Nation),„ist eine neue K a t a st r o p h e für das Land. Jene nationalliberalen Abenteurer und Revanchepolitiker, die Bulgarien in mehrere Kriege und Kala- strophen gestürzt haben, haben sich mit dem Sgowor(Regierungs- block), der ihr Zerstörungswcrk während der letzten acht Jahre gründlich fortsetzte, ohne Plattform und ohne Programm zusammen- gefunden, um a l l e s zu vernichten. Jetzt fehlt nur noch der Koburger Ferdinand und ein neuer Radoslawow. Diese Herausforderung ist ungeheuerlich." In schärfster Form wenden sich auch die übrigen Linksparteien und die gesamte bürger- liche Opposition gegen die„Koalition der Reaktion»- und Kata- strophenpolitiker". Die rechtsradikalen Nationalliberalen um S m i l o w, die Ueberrefte der damaligen Radoslawowpartei, die im Bunde mit den, Koburger Ferdinand Bulgarien jahrzehntelang ein Terrorregime aufzwangen, verstärken durch den Eintritt ihrer beiden Führer Smilow uiÄ Sta t e w in die bisher homogene Sgoworregierung deren faschistische Elemente. Die Folge wird ein noch schwererer Polizeidruck auf die Bauern- massen und Arbeilerschafl sein, der sich bei den nahen Sobraose- wählen in seinem ganzen Ausmaße zeigen wird. Sgowor und Nationalliberale haben beretts ein W a h l b ü n d- n i s geschlossen, wobei den Nationalliberalen, die bisher nur 7 Ab- geordnete im Parlamente hatten, �0 Mandate zugesichert wurden. Der Polizei des„demokratischen" Ministerpräsidenten und Innenministers Liaptschew steht in den kommenden Wochen des Wahlkampfes keine leichte„Arbeit" bevor. Rumänische Wahlmache. Bukarest. 20. Mal. Schon in den ersten Tagen des Dahlkampfes sind Tote und A e r l e tz t e zu melden. Das Innenministerium zeiht die national- zaranistischen(bauernparteilichen) Agenten der Schuld, die überall von der Bevölkerung mit Mißtrauen empfangen, während die Kandi- baten der Nationalen Einheitsliste überall begeistert begrüßt würden! #11- »Es wird fortberichtigt"— wünscht Karl Kraus. Auf Grund des Z 11 des Preßgesetzes läßt uns der Wiener Schritssteller Karl Kraus durch einen Berliner Rechtsanwalt fol- grnde„Berichtigung" zugehen: Sie schreiben in Ihrer Ausgabe vom 23. April 1931 unter dem Titel„Der Grubenhund beißt Hitler", daß das im„Völkischen Beob- achter" abgedruckte und Grillparzer zugeschriebene Gedicht: Sie haben Epochen Im Sturme zerbrochen, Nicht jedem, nicht allen Sind st« zu Gefallen. Sie malen Gedichte, Sie bauen an Blldern, Die sind nicht zu schildern. Die Juden, sie wildern In deutscher Kunst— Doch nimmer umsunst. Wir Blinden, wir Tauben, Wir müssen dran glauben. Sie wissen, dem Juden kann nichts gescheh'n, Man wird doch, man wird doch da seh'n. „von dem Wiener Literaten KarlKraus.der noch lebt, stammt". ' Dies« Behauptung ist unwahr. Wahr ist, daß dieses Gedicht nicht von Karl Kraus stammt, sondern daß der„Chor der Bäcchanten" aus der Satire„Literatur" von Karl Kraus,'der im „Bölkischen Beobachter" als Gedicht von Grillparzer verwendet wurde, folgendermaßen lautet: Wir haben Epochen Im Sturme zerbrochen. Was sollen die Formen Den Neuen, Enormen! Nicht jedem, nicht ollen Sind wir zu Gefallen. Wir malen Gedichte, Wir bauen an Bildern, Wir haben Gesichte, Die sind nicht zu schildern. Wohl aber zu lallen. Wir bellen, wir ballen. Wir malen, wir dickten, Ohne uns zu verpflichten: Die Blinden und Tauben, Die müssen dran glauben. Wir wissen, es kann uns nix gescheh'n. Man wird doch, man wird doch da seh'n. Karl Kraus. Unsere Leser haben sicher aus dem Zusammenhang unserer Ausführungen entnommen, daß ein Gedicht von Karl Kraus als Grundlage für den zum Zweck der launigen Irreführung ab- gewandelten Text gedient haben, den man als antisemitischen Erguß Grillparzer? ausgab, ebenso wie das Heinc-Gedicht„Deutschland" als Grundlage für den angeblichen Fund aus Grienen diente. Herr Karl Kraus legt aber anscheinend Wert daraus, daß seine Name öfter genannt wird, als der Mehrzahl der Leser notwendig erscheint. Kirchenverirag angenommen. Zustimmung im Staatsrat. Nach kurzer Aussprache stimmte der Preußische Staatsrat heute dem Ktrchenvertrag gegen die Kommunisten und«inen Teil der Arbeitsgemeinschaft zu. Am 23. Juni will der Staatsrat zu einem weiteren Tagungs- abschnitt zusammentreten, dessen Tagesordnung noch nicht feststeht. Kronzeuge Vogi. Oer erfundene„Leutnant und S'potführer". Königsberg i. 20. Mai.(Eigenbericht.) In dem Beleidigungsprozeß, den die führenden So- zialdemokraten Ostpreußens Hermann Schulz. Wyrgatsch. Endrulat, Meißner. Polizeipräsident Brandt und der Reichstagsabgeordnete Paul Hertz gegen den Gauleiter der oft- preußischen Nationalsoziali st en Koch angestrengt hatten, sagte einer der berüchtigsten Zeugen Kochs, der Sprithändler Vogt- Berlin, unter Eid aus, er fei Leutnant und Depotführer gewesen und habe mit Wels in der Berliner Kommandantur Sitzungen abgehalten, in denen auch Hermann Schulz zugegen gewesen sei. Diese beeidigte Zeugenaussage hat sich bei der Nachprüfung durch amtliche Stellen als Lüge herausgestellt. Der schwer vor- bestraft« Bogt war weder Leutnant noch Depot- f ü h r e r, noch hat er mit Wels und tzermann Schulz an den Sitzungen in der Berliner Kommandantur teilgenommen, weil diese Sitzungen niemals stattfanden. Die Partei hat gegen Bogt Anzeige wegen wissentlichen Falsch- eides erstattet. Wegener tot aufgefunden. Trauerkund- aus dem E.se. Wie wir erfahren, ist der Leiter der deutschen Grönland- expcdilion, Professor Alfred Wegener, dessen letzte Spuren 150 Kilometer von der sogenannten Slalioa Elsmiile kürzlich von der nach den Forschern suchenden hiljsexpedition festgestellt wurden, nunmehr tot aufgefunden worden. Die Leiche war von Eingeborenen geborgen worden, sie hatten Ihr eine pielölvolle Behandlung zuteil werden lassen. Man fand den deutschen Forscher sorgfältig in Felle eingenäht. Vom ltnglück verfolgt. OaS Ende eines ehemaligen Berliner Grobkaufmannes. Der Selbstmord des 4LjährIgen ehemaligen Großkauf- manncs Adolf M a n h e i m e r hat in der Berliner Geschästs- well erhebliches Aussehen erregt. Manheimer, in der Jäger- Ecke Oberwallstraße, war in den IVt Jahrzehnten vor dem Kriege das Berliner Damenmodenhaus. Bald nach dem Kriege setzte der Abstieg des auch im Auslande be- kannten und renommierten Geschäftes ein. Die Inflation gab dem Unternehmen noch einmal einen— allerdings nur scheinbaren— Auftrieb, knapp drei Jahre später war der endgültige Konkurs nicht mehr aufzuhalten. Der große Geschäftspalast stand jahrelang leer, nur ein Teil der Parterreräume wurde vost einer Konfektionssirma nach einem völligen Umbau gemietet. Der Chef des Hauses Adolf Manheimer ging nach Magdeburg, wo er ein bestehendes Modengeschäft übernahm, das sich aber gleichfalls als Fehl- spekulation erwies. Bor nicht allzulanger Zeit mußte auch die Magdeburger Firma ihre Pforten schließen. Die dauernden Schick- falsfchläge ließen in Manheimer den Plan reifen, seinem Leben freiwillig ein Ende zu machen. Er begab sich in das ehemalige Privatbüro des leerstehenden Geschäftshauses in der ILgerstraße, und in demselben Raum, von dem aus er den Aufstieg seines Hauses- organisiert und geleitet hatte, brachte er sich den tödlichen Schuß bei._ 2000 Kilomeier Nohölleiiung. Oas Zrakpetroleum. London, 20. Mai. Der zwischen der Irakregierung und der Jrak-Petroleum-Com- pany am 24. März abgeschlossene Vertrag über die großen 2000 Kilo- meter langen Oelrohrlcitungen ist vom Jrakparlament ratifiziert worden. Die Konzession läuft 70 Jahre und stellt ein« direkte Ver- bindung der Irakölfelder mit den Häsen von Tripolis(dem tn Klein- asien, türkisch Tereboli) und Haifa in Palästina her. Die Kosten werden auf wenigstens 240 Millionen Mark veranschlagt. Sie muh bis spätestens 1936 fertiggestellt sein. Das Abkommen sieht vor, daß für das Gebiet westlich, des Tigris von der Irakregierung die Oelausnutzung anderen Interessenten angeboten werden kann. Die Irak-Petrokeum-Gesellschaft besitzt dagegen alle Rechte in den ehemaligen Bezirken Bagdad und Mossul östlich des Tigri«. Erdbeben in Portugal. Lissabon, 20. Mai. Heute früh um 3.55 Uhr sind hier zwei starke Erdstöße verspürt worden. Mehrere Gebäude stürzten zusammen: ein größerer Sachschaden ist aber nicht entstanden. Auch in anderen Teilen des Landes, insbesondere in Porto und E o i m b r a sowie auf der Insel Madeira war das Beben zu spüren. Die Erdbebenwarte in Ravensburg hatte Fernbeben gemeldet. Die Hamburger, die Züricher, die Hohenheimer und die Erb- bebenwarten auf dem Kleinen Feldberg im Taunus melden sämtlich „außerordentlich heftige Erdbeben", die sich aber offenbar auf das anscheinend nicht katastrophale Beben in Portugal beziehen. Abschied der dänischen poltzeiveamten. Die dänischen Polizeibeamten, die Berlin einen Gegenbesuch abgestattet haben und sich bei der Gelegenheit die modernsten industriellen Anlagen, die polizeilichen Einrichtungen und einige Waren- Häuser angesehen hoben, sind wieder in ihr« Heimat zurückgekehrt. Zahlreiche Offiziere der Berliner Schutzpolizei hatten sich zum Ab» schied auf den Bahnhöfen eingefunden, und eine uniformierte Schutz- volizeikapelle spielte den Gästen einen Abschiedsgruß. Die dänischen Polizeibeomten ließen durch den Vorsitzenden des dänischen Polizei- vercins Paustian erklären, daß der Empfang und die Ausnahme in Berlin alle ihre Erwartungen weit Übertrossen hätten. Manche Polizisten hätten erklärt, daß die Berliner Tage die schön st en ibrcs Lebens gewesen seien. Aber auch über die srcundliche Ausnahme durch die Berliner Bevölkerung waren die Dänen hocherfreut. Severins be Rüstzeug des Geistes und Auf der Tagung der Vereinigung für polizeiwissenschastliche Fortbildung nahm heute morgen, mit lebhaftem Beifall begrüßt, der preußische Minister des Innern. Karl Severing, das Wort. „Ich bin", sagte er,„nicht nur gekommen, um Ihnen guten Tag zu sagen und Erfolg zu wünschen. Ms ich am 4. Oktober 1930 auk der rheinischen Tagung Ihrer Vereinigung in Cleve sprach, sagte ich, daß für die Polizeibeamten nicht allein berusliche Ausbildung er- forderlich wäre. Ich führte aus, daß der kommende Winter harte Aufgaben für die Polizei bringen würde. Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit brächten chunger und Elend, die ärgsten Nährväter für kriminelle Gesetzesbrecher und politische Exzedenten. Ich meinte, daß man dann nach Möglichkeit mit dem Hirn und mit warmem Herzen an die Menschen heranzukommen versuchen solle und zunächst nicht gleich sich nur auf den Gummiknüppel verlasse. Diese Worte sind mir dahin ausgelegt und umgedreht worden, daß Gummiknüppel und Maschinengewehre nicht in Ruhe gestellt werden sollten.(Pfui- rufe.) Diese Verdrehung hat vor allem auch in Berlin Resonanz gesunden, und ich hoffe, daß mein« Berichtigung im ganzen Lande gehört wird. Ich habe Ihre Organisation immer begrüßt. Sie will au» Polizeibeamlen Oualiläksbeamte machen. Das ist notwendig, weil wir in der Quantität arg begrenzt sind. Man hat von der Neueinstellung von 3000 Kriminalbeamten gesprochen Ich würde mich freuen, wenn das geschehen könnte. Es mär' so schön gewesen, aber der Finanzminister hat hinzugefügt: es hat nicht sollen sein. Qualität muß Quantität nach Möglichkeit er- setzen. Wer hieran mitarbeitet, leistet trotz oder gerade wegen der Nöte der Zeit wertvolle Staatsarbeit. Was wir im letzten Winter erlebten, wird sich nach meiner Befürchtung im kommenden Winter vielleicht in noch schwererem Umfange wiederholen. Wenn der Sommer, die Zeit der Saisonarbeit für Landwirtschast und Bau- gewerbe, nur einen geringen Rückgang der Arbeitslosigkeit brachte, und die Herbstmonate diese wenigen Beschäftigten wieder in die große Armee der Arbeitslosen einreihen, dann müssen wir besürchlea, daß der von uns als llebergang gedachte Zustand Dauerzustand wird. Arbeitslosigkeit als Dauerzustand ist aber der beste Nährboden für Verbrechen aller Art. Hier muß die Polizei mit Rüstzeug versehen sein. Ich bin nicht Pazifist genug, um den Beamten zu sagen, sie sollten ihre äußeren Waffen in die Ecke stellen. Das wäre leicht- fertig gegen Vaterland und Volk und vor allem verbrecherisch gegen die Beamten selbst. Sie können nicht abrüsten, wenn die anderen mit Revolver, Schlagring und Schlimmerem rüsten. Aber wenn auch die Arbeitslosigkeit verbreche» hervorruft, so sind doch die vier Millionen Arbeitslosen keineswegs Verbrecher schlechtweg. Nein, unter ihnen befiuden sich die besten Kräfte unseres Volke». Um Menschen, die aus Not straucheln, zu fördern und z» holten, ist das best« Rüstzeug für den Beamten Bildung des Geistes im polizeitag »es Herzens ist notwendig." und des Herzens. Der Staat kann ihnen Gummiknüppel, Re- voloer und Karabiner geben. Für die Schaffung der Bildung von Herz und Geist ist aber gerade Ihre Vereinigung in besonderem Maße mit berufen. Bei der Erfüllung dieser Ausgab« haben Sie immer die Unterstützung der gesamten preußischen Staatsregierung. So ruf: ich Ihnen denn einen Gruß aus meiner westlichen Heimat zu, der unter schwer arbeitenden Kumpeln im Bergwert üblich ist den deutschen Gruß„Glück a u f 1" Im Anschluß an seine Ansprache gab Severing bekannt, daß zu seiner Freude Vorverhandlungen im Flusse wären, um die 0r- g a n i so t o r i sch e Zersplitterung der Berufsver» bände der Polizei zu beseitigen. Er wünsche diesen Bestrebungen den besten Erfolg, da Einigkeit der Polizeibeomten in ihren Derufsaufgaben und auf den Staat und seine Einrichtungen hin das Ziel seien. Vorträge des Medizinaldirektors Dr. Klausner über die Fortbildung des Polizeirechts in Preußen, des Kriminalkommissars Dr. Bartsch über die Bedeutung der Kri- minalpolizei für die Rechtsfindung und des Oberregierungsrats Dr. O e h l e r über die Auswirkung des preußischen Allgemeinen Polizei- rechts auf die deutschen Länder folgten. Verschmelzung der polizeiverbände? Di« Gründung einer JieiÄlSorqanisation geplant. In der Veröffentlichung einer Berliner Mittagszeitung, wonach ein Zusammenschluß der beiden Preußischen Polizeibeamtenverbände dicht bevorstehe, teitt der All- gemeine Preußische Polizeibeamtenverbond folgendes mit: Di« Meldung ist in dieser Form verfrüht. Richtig ist, daß die im Der- band Preußischer Polizeibeamten organisierten Polizeibeomten dem Deutschen Beamtenbund angehören, während der Allgemeine Preußische Polizeibeamtenverband mit seinen Mitgliedern dem frei- gewerkschaftlichen Allgemeinen Deutschen Beamtenbund ange- schlössen ist. Von dem sreigewerkschaftlichen Allgemeinen Preußischen Polizei- beamtenvcrband wird seit Jahren versucht, eine Reichsorgani- sation der Polizeibeamten zu bilden. Der Verband Preußischer Polizeibeamtcn Hot dem Allgemeinen Preußisch:» Polizeibeamtenverband erneut«inen Zusammenschluß vorgeschlagen. Der Allgemeine Preußisch« Polizeibeamtenverband kann aber diesem Vorschlag nur dann nähertreten, wenn damit die Bildung einer Reichsorganisation verbunden ist. Auch wird als weitere Voraus- setzung gefordert, daß beide Verbände aus ihren Spitzen- organisationen austreten. Nachdem die Rcichsgewerk- schast Deutscher Polizeibeamten gebildet ist und einige Zeit besteht, wird darüber«in Beschluß zu fassen sein, welcher gewerkschaftlichen Spitzenorganisation sich diese Reichsgewerkschaft anzuschließen hat. Im übrigen hat die maßgebliche Körperschaft des Allgemeinen Preußischen Polizeibeamtenverbandes zu dem Vorschlag des Ver- bandes Preußischer Polizeibeamten noch kein« Stellung genommen. Diese erfolgt vielmehr erst in nächster Zeit. Hoffnung für Toötanl'ni. Zwar kann sich Toscanini brüsten, Ein Herr zu sein im Reich der Noten, Jedoch im Reiche der Faschisten Gehört er nur zu den Heloten. Die reine Kunst, die ungedämmte, Di« kriegt Italien immer dicker. Der Mensch beginnt beim schwarzen Hemde Und Kunst beim Militärmusiker., Was soll jetzt Toscanini machen, Auf daß er gut war angeschrieben? Er lasse hübsch die schweren Sachen Und soll mal fleißig Hymne üben. Auch mag er beim Faschistengruße Die Hand vom Boden mehr entsernen: Ein Studium für feine Muße! Da kann er noch vom Dümmsten lernen! Jetzt ist nur Toscanini eben Der größte Dirigent auf Erden, Doch braucht man ihn nicht aufzugeben. Er kann, wenn sie ihm welche kleben, Auch noch was Ordentliches werden. Hans Lauer. Ein neuer Angriff der Reaktion. Linlsgerichtete Kunstwerke aus der Großen Berliner entfernt. Aus der großen Berliner Ausstellung im Schloß Bellevuc sind auf höheren Bsfehl drei Kunstwerke von linksgerichteter Tendenz be- seitigt worden: das Gemälde.8 218" von Alice Lex,»Die Po- l i t i s ch e n" von Paul Fuhrmann und die„Propaganda- Plastik" von Haacker; die beiden letzten aus Grund der Notver- ordnung,.§ 218" auf Wunsch der RegKrungsstelle, die über das Schloß Belleou« oerfügt, ohne weitere Verordnung, augenscheinlich nur. weil ihr„die janze Richtung nicht paßt". Diese» fürchterliche Bild stellt nämlich nichts wester dar als«ine Gruppe Frauen, die ein Kreuzmat mit der Bezeichnung ß 218 umstürzen: ein offenbar ganz neue« Verbrechen, dessen Todeswürdigkeit die betreffend« Re- gierungsstelle völlig aus dem Häuschen gebracht hat Anderen hohen Stellen kamen etliche Paragraphen der Notoerordnung derart zupaß, daß sie eine etwas geschärfte Darstellung polstischer Gefangener und «ine abstrakte Propagandaplastik mit den schwer verdälhtigen Buch- stoben R. F. B. ärger fürchteten ol» die Blamage eines Eingriffs in künstlerische Harmlosigkeiten. Es liegt System in diesen neuerlichen Verboten von Filmen urtd Kunstwerken. Ich will die künstlerische Qualität der drei Werke. welche erst 14 Tag« nach Eröfsnung der Großen Berliner da» Miß- fallen irgendwelcher Bratenröcke erregt haben, nicht als allzu groß bezeichnen. Ihre Gesinnung ist vielleicht größer als ihr künstlerischer Wert. Aber da» steht weder bei jenen Dcrbotsorganen noch bei uns in Frage. Es scheiot vielmehr so, daß in geradezu chaotischer Weise von allerhand Stellen au? Jagd gemacht wird aus alle freiheitlichen Regungen von Künstlern, mal nach politischer, mal nach medizini- scher, mal nach erotischer oder anderer Richtung, immer wie cs den betreffenden kleinen Unbekannten in den Kram paßt. Daß ehrliche und relativ harmlose Bildwerke nun auch schon an der Reihe sind, ist ein recht böses Zeichen dafür/ wie i.eit sich die effektive Macht der Reaktion ins Subalterne hineingefresien hat.?. L. Lob. „pat und paiachon auf Zreiersfüßen." Atrium. Pat und Patachon haben im Laufe der Jahre schon viele, viele Menschen zum herzlichen Lachen gebracht. Darum haben si« ein dankbares Publikum, das bei einer Uraufführung keineswegs ein großes Erlebnis erwartet, sondern sich beifällig zeigt, wenn ihm keine Enttäuschung bereitet wird. Es handelt sich diesmal um«inen stummen Film(man hört unter Paul Dessaus Leitung ein gutes Orchester) und Lau Lau- ritzen führt nach seinem eigenen Rezept die Regie. Er ist noch immer d«r beste Regisieur, den die beide» je gesunden haben: denn er Holl das letzte an urkomischen Wirkungen aus ihnen heraus, ohne sie gar zu ousdringlich in den Vordergrund zu schieben. Inmitten junger, schöner Menschen, die immer die beste De- toration sind, richten Pat und Patachon durch ihr tölpelhaftes Be- nehmen viel Unheil an bis zwei Paare sich gefunden haben, zwei Banditen um ihren Raub gebracht sind und Pat und Patachon mit einer Belohnung abzichen. Es wird in alter Clownmanier gespielt, die keine Weiter- und Höherentwicklung und auch kein Sich-Selbst- Ausweichen zuläßt. Im Vorprogramm gab es eine Bühnenschau, die leider unge- schickt zusammengestellt war. Drei Nummern sind nicht zuviel, aber drei Vortragsnummern nacheinander sind nicht gut ertragbar. Den Ansang macht die resolute, gewinnend frische Maria Ney, den Schluß bildeten Theo Körner, Owe Behrens und Thea Degen, die sich in ihrer Eigenart als Optimisten durchsetzten, und in der Mitte stand, offenbar sehr müde und bedenklich schlapp. Willy Prag er._ e. b. Die Bekämpfung der Krebskrankdeii. Di« Krebsbekämpfung ist«ine der großen Aufgabe» der Er- Haltung der Volksgesundheit. Die Erfolg« der Chirurgie, ergänzt durch die Strahlenbehandlung berechtigen jetzt zu der Auffasiung: der Krebs Ist heilbar und zwar um so bester, je früher er erkannt und behandell wird. Der Reichsausschuß für Krebsbekämpfung be- schäftigt sich im Einoernehmen mit den Regierungen der Länder und den Ausschüssen der Krebsbekämpfung mit der Durchführung der organisatorischen Maßnahmen, die für eine planmäßige Krebs- bekämpfung notwendig sind. Mit Rücksicht auf die große Bedeu- tung, die hierbei der Strahlendehandlung zukommt, Hot der Reichsausschuß«inen Sachverständigen-Ausschuh einberufen, um die Frage der Beschaffung und Derteilung der radioaktiven Substanzen, Radium und Mesothorium, zu klären. Ll» Ergebnis der Berhand- lungen sind gemeinschaftlich vom Deutschen Zentralkomitee zur Er- sorschung und Bekämpfung der Krebstrankheit und dem Reichs- ausschuß für Krebsbekämpfung Richtlinien aufgestellt worden, die für die Beschaffung und Berteilung der DeHandlung der Krebs- kraftken wichtigen, aber sehr kostspieligen Stoffe die Richtung weisen sollen. In jedem Land und in Preußen in jeder Provinz sollen je einige oder wenige Zentral st ellen in Universitätskliniken und großen Krankenanstalten vorhanden fein. Diese sollen mit 200 bis 500 Milligramm radioaktiver Substanz ausgestattet werden. Einige dieser Zentralstellen sind auszubauen, um neben ihrer Aufgabe als Zentralstelle besondere Aufgaben der Erforschung und Bekämpfung des Krebses dienen zu können. Ein Zentralinstitut sollte nicht weniger als 20 ausschließlich für die Behandlung von Krebskranken mit radioaktiver Substanz bestimmte Bellen und 1000 Milligramm radioaktive Substanz haben. Das Institut für Völkerpädagogik in Mainz. Don dem Institut für Völkerpädagogik, das dee Stadt Mainz auf der ehemaligen Zitadelle errichtet, sind nunmehr-das Lehrmittelhaus und zwei Gast- Häuser fertiggestellt worden. Diese wurden der Oefsentlichkeit über- geben. Der Leiter des Instituts, Schulrat Niemann, gab einen Ucberblick über die Pläne und die Anlagen des Instituts und führte u. a. aus, daß mit dem„L e h r m i t t e l h a u s Deutschland", das als erste Etappe nunmehr vollendet sei, eine pädagogische Stätte geschaffen worden sei, die Ihresgleichen nicht habe. In dem Institut für Völkerpädagogik soll ein Haus entstehen, das uns und unseren Nachbarn die Möglichkeit gibt, vergleichende Erziehungswissenschast mit wirklichem Erfolge zu studieren. Zu diesem Zweck werden aus den einzelnen Ländern alle erforderlichen Anschauungsobjett« er- warben, Sachverständige zu gemeinsamen Aussprachen herangezogen Lehrpläne, Schulbücher, Statistiken und Tabellen sollen in einer dauernden Ausstellung aufgebaut werden. In etwa 30 Sälen werden vom Kinderhort bis zum Gymnasium alle Arbeiten gezeigt. Wieder Staa'ssubvenlion für das Straßburger Stadtthealer. Der 1929 auf Betreiben Poincaräs gestrichene Staatszuschuh für das Straßburger Stadttheater wird für die kommende Saison wieder gewährt werden. Nachdem der Gcmeinderat sick einstimmig dafür ausgesprochen hat, das vor 1929 bestehende Ausführungsverhältnis zwischen deutschen und französischen Stücken im Stadttheater wieder herzustellen, hat die französische Regierung ihre Zustimmung zur Wiederbewilligung des Zuschusses bereits erteilt. Der Beschluß be- deutet einen Sieg der deutschen Theaterfreunde, die in den beiden letzten Saisons bewiesen hoben, daß auch ohne Berücksichtigung der sronzösischen Regierungswünsche sich das Stadttheater mit deutschen Vorstellungen halten kann.- Gräberfeld aus der Eisenzeit in der Prignih. Ein äußerst wichtiger prähistorischer Fund wurde vom Heimatmuseum Heiligen- grabe in der Meyenburger Gutsforst gemacht. Man entdeckte dort große Grabanlagen der früh.'» Eisenzeit, also aus der Zeit um 800, bis 600 v. Ehr. Es handelt sich um kreisrunde Gräber, die einen Durchmesser bis zu 15 Metern haben und rein germanischen Ursprungs sind. Grabanlagen dieser Art sind in der Prignitz zum ersten Male beobachtet worden. Das in der Meyenburger Forst freigelegte Grab war leider nicht mehr in seinem ursprünglichen Zustand erhalten. In der Nähe der Fundstelle wurden weitere Gräber festgestellt, doch wurde von einer Untersuchung wegen der. hohen Grabungskosten vorläufig Abstand genommen. Einstein Ehrendoklor von Oxford. Der Senat der Universität Oxford beschloß, Professor Albert Einstein ehrenhalber zum voctor ol science zu ernennen. Das Diplom wird Emstein am nächsten Sonnabend In einer feierlichen Sitzung überreicht werden. Professor Einstein hält zur Zeit mehrere Vorlesungen an der Universität Oxford ab. Die Ehe Max Reinhardts geschieden. Das Rigaer Bezirks- aericht hat die Ehe Max Reinhardts und der bekannten Schau- spielerin Else Heims wegen dreijähriger Trennung der Ehegatten geschieden. Das Ehepaar, das sich im Jahre 1910 in England hatte trauen lassen, lebte bereits seit 10 Jahren getrennt. Reinhardt ist um der Scheidung lettischer Staatsbürger geworden. Esperankowellkonoreß in Krakau. Der 23. Weltkongreß der Esperantisten ist nach Krakau einberufen wordeü, wo er vom 1. bis zum 8. August tagen wird. Es wird das Eintreffen von mehr als. 2000 Kongreßteilnehmern und Gästen in Krakau erwartet. Die pol- Nischen Konsulate werden ausländischen Teilnehmern kostenfrei.die Visa ausstellen. Gedächlnlsse'er lür tiipa Pick. Unter dem Protrklorat der Dachoiga- ntsalion der.lilmllbossendeii DeulIcklandK findet tn der.aomero� DonneiS- tag eine lrelcr zum GcdSidtni» llupu P öS statt. Szenen seiner bedeuiciidllcn Werte iotlc» eineul gezeigt werden ebenso wie ainti eine setner Haupt- rollen. Die GcdächlniSiroe hält G. W. Pabst. Beginn um lt Uhr, Ende '/.l Uhr. vensamlno G!all wird in diesem Monat zwei Gastspiele an der Linden- opcr absolvieren. Der Künstler sinat am Mai den Herzog in«Rigoletlo" und am 29. Mai den SUsred in.Tiavinta". Zur Einberufung der Frattion. Eine Erklärung Kurt Rrsenfrlvs Genosse Kurt Rosenfeld schreibt uns: „In der gestrigen Morgennummer des„Vorwärts" vom 19. d. M. wird den Genossen Seydewitz, Strocbel und mir der Vor- wurs gen'acht, daß wir im.Llassenkamps" lediglich unseren Antrag auf sofortigen Zusammentritt der Fraktion veröffentlicht hätten, daß wir es„jedoch nicht für notwendig gehalten haben", auch die Antwort der Fraktion zu veröffentlichen. Diesen Vorwurf muß ich als völlig unbegründet zurückweisen, da ich das Antwortschreiben erst an dem Tage erhielt, an welchem die letzte Nummer des„Klassenkamps" nicht nur bereits gedruckt, sondern sogar schon in den Händen der Abonnenten war. Es bestand also gar keine Möglichkeit, das Ant- wortschreibcn im„Klassenkampf" zu veröffentlichen." LLGA.-�egierung gegen Lohnabbau. Davon will man hier nichts hören Washington, 20. Mai. Der Unterstaatssetrctär im Arbeitsministerium William D o a k betämpst in einem Konnnuniquö die von der Industrie geplante Senkung der Löhne und Gehälter. Eine allgemeine Herabsetzung der Löhne und Gehälter würde nach der Ansicht der Regierung nicht nur eine schwere Erschütterung des Vertrauens zur Folge haben, sondern auch die 1929 abgeschlossenen Tarisvcrlräge verletzen. William Doak verweist weiter auf die Zusage, die Prä- sident Hoooer Ende 1929 von den Gewerkschaften und der Industrie erhalten habe, wonach während der Dauer der Depression die b e- stehenden Löhne aufrechterhalten werden sollen. Schließlich gäbe ein solches Vorgehen der Unternehmer den Arbeitern und Angestellten die Berechtigung, ihrerseits Lohn- und Gehalts- erhöhungen zu verlangen. Vor einiger Zeit erst hat der ameri- kanisch-- Gewerkschaftssührer Green mit dem Generalstreik ge- droht, falle die Löhne auch nur um einen Cent herabgesetzt würden. Die deutschen Unternehmer haben sich wohl mit Feuereifer darauf gestürzt, die amerikanischen Rationalisierung»» Methoden nicht nur nachzuahmen, sondern sie noch zu über- treffen. Sie haben damit nicht zuletzt zu dem Ausbruch dieser schweren Krise in Deutschland beigetragen. Diese Wort« aber, di« setzt aus dem„Musteriande" zu ihnen herübertlingen, verklingen ungehört an ihrem Ohr, wie di« Erfahrung täglich zeigt. 24 Millionen Rundfunkempfänger in der Welt. Nach einer Mit- teilung der„New Park Times" sind in der ganzen Welt nicht weniger als 24 Millionen Nundsun kapparate im Gebrauch. Von dieser Zahl entfallen allein 10,2 Millionen gleich 45 Proz. auf die Vereinigten Staaten von Amerika. Zottwucher ist Wirischastsruin. Hendersons Appell an Europa. �>ie Generaldebatte des Europa-Komitees über die -�.ropäische Wirtschaftskrise hat mit der Annahme einer englischen Entschließung geendet; danach wird sofort ein U n t e r k o m i t e e ge- bildet, das die Prozedur festlegen soll zur Vorbereitung endgültiger praktischer Vorschläge im Sinne der verschiedenen An- trgge. Dieses Unterkomitee soll seinen Bericht dem Studienkomitee am Mittwoch oder spätestens Donnerstag unterbreiten. Die Debatte begann mit Ausführungen des dänischen Außen- minister? Münch, der nichts gegen das Zollpräferenzsystem ein- zuwenden hatte, wenn sie zeitlich begrenzt seien und die M e i st- begünstigungsklausel nicht verletzen. hendersons eindrucksvolle Rede über die Krise gipfellc in einem Appell an alle Mächte, jetzt noch Im letzten Moment zur wirk- lichen Tot zu gehen und Europa den wirtschaftlichen frieden wiederzugeben. Er brachte darauf seine Entschließung ein. Im einzelnen führte Henderson aus: Erste Voraussetzung für das wirtschaftliche Wohlergehen der Völker ist eine Atmosphäre inter- nationaler Sicherheit und Freiheit. Di« Abrüstungskonferenz wird daher wesentlich zur Beendigung der Wirtschaftskrise beitragen können. Trotz aller Enttäuschungen muß an der unbedingten Not- wendigkeit gemeinsamer wirtschaftlicher Aktionen festgehalten werden. Ein großer Teil Europas benötigt dringend Kredite, andere Länder verweigern trotz vorhandenem Ueberfluß an Geld die Hergabe von Krediten. Deshalb müssen Maßnahmen gefunden werden, um eine Aktivierung dieser Kredite zu ermöglichen. Don entscheidender Bedeutung ist weiter das Problem der Zoll- tarifpolitik. Die fortgesetzten Erhöhungen der Zolltarife haben die Weltwirl- schoftskrise weiter verschärft. Die Zölle stellen heute geradezu die Schraube gegen das wiedererblühen der Wirlfchasl dar. Die hauplgläubigcrslaaten bestehen zwar aus Zahlung der inter- nationalen Schulden, lehnen jedoch die Annahme der waren der Schuldnerstaaicn ab. Den Schuldnerslauten muß daher die Mög- iichkeit gegeben werden, ihre Produkte zu verkaufen. Statt dessen bestehen die Gläubiger aber auf der Bezahlung der Schulden in Gold. Die dadurch entstandene Aufhäufung des Goldes ist mit eine Hauptursache der gegenwärtigen Katastrophe. Diese Dinge untergraben die Grundlagen des gegenwärtigen Wirtschaft?- systems. Europa kann auf die Dauer nicht mehr Millionen von Arbeits- losen ertragen, daher der dringliche Appell an sämtliche europäischen Staaten, sich unverzüglich unter Hinansetzung aller Sonderinteressen zur gemeinsamen Arbeit zusammenzufinden, um den Ausweg aus der gegenwärtigen wirtschaftlichen und politischen Krise zu finden. Da man auf der gegenwärtigen Tagung aber eine Lösung noch nicht finden kann, schlägt er die Schaffung von Einzelausschüisen vor, die diese Fragen durchberaten sollten. Z a l c s k i-Polen: Eine der Hauptursachen der Weltwirtschaftskrise ist die Krise der euro- päischen Landwirtschaft. Nicht regionale Zollunionen, eine Lösung der Schwierigkeiten ist nur auf dem Wege genereller wirtschaftlicher Verständigung oller Staaten zu finden. Schiteßlich bittet Zaleski Litwinow, zu glauben, daß irgendein Plan einer europäischen Koalition gegen Sowjetrußland nicht bestehe. In den Unterausschuß wurden 17 Staatenvertre- ter gewählt, darunter auch Deutschland und Rußland. Diesem Untertomitee werden sämtliche Vorschläge überwiesen: nur das Agrarkreditproblem wird in der nächsten Plenarsitzung behandelt. Briand schloß die Generaldebatte mit einem warmen Appell für den wirtschaftlichen Nichtangriffspakt, wie ihn Litwinow vorgeschlagen hat. Reichsflagge in Arensdorf. Sine widerspenstige Gemeindevertretung. Als der Schulvorstand in Arensdorf(Kreis Seelow) am 6. Juli 1928 die Anschaffung einer Rcichsflagge nebst Fahnenstange und der zum hissen nötigen Vorrichtungen be- willigte, erklärte die Gemeindevertretung von Arensdorf diesen Beschluß für ungültig, da der Schulvorstand im Sep- tember 1927 eine solche Anschaffung abgelehnt habe, und beschloß mit 19 gegen 6 Stimmen, daß das Schulgebäude am Ver» fassungstage usw nicht zu beflaggen sei und den Bewohnern der Schulgebäude verboten werde, zu slaggen. Schließlich hatte die Gemeindevertretung am 1. Oktober 1928 noch beschlossen, daß auf Gemeindegebäuden und-grundstücken, ins- besondere aus der Schule bei allen fesllichen Gelegenheiten nur in den preußischen Landesfarben zu flaggen fei; der Ge- meindevorsteher wurde aufgefordert, gegen den Zwang zum Floggen iu anderen Farben und am Verfassungstage mit allen gesetzlichen und strafgesetzlichen.Mitteln vorzugehen. Als der G e m e i n d e v o r st e h e r von Arensdorf diesen B e- fchluß beanstandete, erhob die Gemeindevertretung Klage beim Kreisausschuß, welcher aber die Klage abwies und annahm, daß die Gemeindevertretung ihre Befugnisse überschritten habe; ins- besondere verstoße der Beschluß gegen das später ergangene Gesetz vom 17. März 1929. Ohne Erfolg war die Berufung der Gemeinde- Vertretung beim Bezirksausschuß, welcher betonte, die Gemeinde- Vertretung sei nicht befugt gewesen, dem Gemeindevorsteher ein be- stimmtes Vorgehen vorzuschreiben. Gegen dieses Urteil legte die Gemeindevertretung Revision beim Oberverwaltungsgericht«in und vertrat den Standpunkt, daß das Gesetz vom 17. März 1929, welches vorliegend an stch nicht anwendbor fei, der preußischen Verfassung widerspreche. Das Oberverwaltungsgericht bestätigte aber die Vorent- s ch« i d u n g und führte u. a. aus: Den Kern des beanstandeten Beschlusses bilde die Beflaggung der Schule; es handle sich ein- schließlich der an den Gemeindevorsteher gerichteten Aufforderung zum Vorgehen gegen den Flaggenzwang um einen einheitlichen Beschluß. Im Hinblick auf die Vorschriften des Volks- fchulunterhaltungsgesetzes sei nun anzunehmen, daß die Gemeinde- Vertretung nicht zuständig gewesen sei, den beanstandeten Be- schluß zu fassen. In§ 46 dieses Gesetzes werde klar ausgesprochen, welche Aufgaben der Gemeindevertretung obliegen, z. B. Feststellung des Schulhaushaltsplanes, Bewilligung der für die Schule erforder- lichen Mittel, die vermögensrechtliche Vertretung der Schul« nach außen. Da alle außerhalb dieser Grenzen liegenden Aufgaben der Schul oerband zu ersüllen habe, so sei der Beschluß der Ge- meinde'vertretung mit Recht beanstandet worden.(Aktenzeichen: II. C 198. 30.) Gieuergesehe in neuer Raffung. Beschlüsse des Reichsrats. Der R c i ch s r a t hielt am Dienstag unter dem Vorsitz des Staatssekretärs Zweigert eine Vollsitzung ab, in der eine Anzahl von Steuerverordnungen zur Beratung stand. Alle dieje Vorlagen stützen sich auf die Notverordnung vom Dezember. Zu- nächst einmal handelt es sich um neue Fassungen der Reichsabgaben- Ordnung, des Reichsbewertungsgesetzes und des Vermögenssteuer- gesetzes. Materielle Aenderungen enthält die Neufassung nicht, da es sich lediglich darum handelt, den klaren Wortlaut der ver- fchiedenen Steuergesetze, der in den letzten Iahren durch zahlreiche Novellen und Verordnungen vielfach geändert worden ist, neu bckanntzumachen. Der Reichsrat stimmte der Neufassung gegen die bayerischen Stimmen zu. Die Ablehnung Bayerns wurde damit begründet, daß die Rechtsgrundlage der neuen Fasiung vor dem Staatsgerichtshof angefochten sei und der Ausgang dieses Verfahrens zunächst einmal abgewartet werden müsse. Ebenso stimmte der Reichsrot einer Neufassung des Kapitalverkehrssteuer- gesetzes zu..c../_____ Als wichtigst« Vorläge standen dann die Durchführungsbesti.n- mungen zum Relchsbewertungsg äs e tz und zum Ver- mögenssteuergesetz für die Einheitsbewertung und Vermögenssteuer- Veranlagung nach dem Stande vom 1. Januar 1931 zur Beratung. Der Entwurf lehnt sich im wesentlichen an die Durchführungsbestim- mungen von 1928 an und verwendet zum Teil die bei der letzten Einheitsbewertung gemachten Erfahrungen. Grundlegend geändert sind dagegen die Bestimmungen über die Grundstücke und Betriebs- grundstücke. Die bisherige Bewertungsmcthode nach einem hundert- satz des Wehrbeitragswertes wird zugunsten einer Neuregelung ver- lassen, die eine mehr individuelle Bewertung gewährleisten soll. Als Bewertungsmaßstab ist grundsätzlich die Iahresrohmiete vor- gesehen und bestimmt, daß die höhe des Vielfachen der Jahres- rohmiete, mit dem die Grundstücke zu bewerten sind, aus den tat- sächlich getätigten Grundstücksverkäufen der letzten Zeit abgeleitet wird. Der Schwerpunkt der Bewertung wird bei den Normalsätzen der Iahresrohmiete liegen, welch« die Landesfinanzämter für die verschiedenen Bezirke und Grundstücke festzusetzen haben werden. Es kann bestimmt werdek, daß Villen mit einem hundert- satz des Wehrbeitragswertes zu bewerten sind. Für nichtzwangsbewirtschaftete Grundstücke soll der bisherige Ertrags- wert zugrunde gelegt werden. Aber auch hier können die Landes- finanzämter das Verfahren mit der Rohmiete anwenden. Der Reichsrat stimmte den Durchführungsbestimmungen zu. Ebenso wurde zugestimmt einer Verordnung über die Steuer- befreiung gemeinnütziger W o h n u n g s u n t e r- nehmen, die die Durchführungsbestimmungen den neuen Vor- schriften der Gemeinnützigkeitsverordnung anpaßt, ferner einer Der- ordnung über Gemeinnützigkeit und Mildtätigkeit bei der Kapital» verkehrssteuer, die Voraussetzungen festlegt, unter denen eine Ge- sellschaft als gemeinnützig oder mildtätig im Sinne der Notverord- nung anzusehen ist. und endlich einer Steuerausschutzordnung, wo- nach zukünftig bei jedem Finanzamt nur noch ein Steuerausschuß mit besonderen Abteilungen für Grundbesitz und Gewerbe gebildet werden soll. Die Vierzigstunden-Woche. Forderung ves Eäcdsiscken Landtags Dresden, 29. Mai.(Eigenbericht.) In der Dienstagsitzung des Sächsischen Landtags wurde mit den Stimmen der Sozialdemokraten, der Kommunisten, der Nationalsozialisten und der Volksnationalen ein Antrag ange- n o m m e n, der von der sächsischen Regierung fordert, bei der Reichsregierung und dem Reichsrat für die Durchführung des Reichs- tagsbeschlusses vom 17. März betreffend Einführung der 49>Stunden-Woche zur Entlastung des Arbeitsmarktes einzu- treten. Ferner wird von der sächsischen Regierung verlangt, daß in den sächsischen Betrieben und Verwaltungen die 49-Stunden- Woche beschleunigt durchgeführt wird. Bei den dem Staat gehörenden Sächsischen Werke A.-G., sowie bei der staallichen Kraft- verkehrs-Gesellschaft, an der das Land Sachsen beteiligt ist, und bei den sonstigen Betrieben soll in diesem Sinne eingewirkt werden. Bei der Durchführung von Notstandsarbeiten soll die Einhaltung der Höchstarbeitszeit von 49 Stunden pro Woche verlangt und nötigen- falls die Bczuschussung hiervon abhängig gemacht werden. Bei der Erteilung von staatlichen Aufträgen soll bei den mit der Lieferung bedachten Firmen die Durchführung der 49-Stunden-Woche verlangt werden. Der Landtag nahm weiter mit den Stimmen der K o m- munisten, der Sozialdemokraten und der National- s o z i a l i st e n«inen kommunistischen Antrag an, die sächsische Re- gierung zu beauftragen, bei der Reichsrcgierung und dem Reichs- Präsidenten zu oerlangen, daß die Notverordnung des Reichs- Präsidenten vom 28. März 1931 zur Bekämpfung politischer Aus- schreitungen zurückgezogen wird. Zur Begründung der Stellung der Sozialdemokratie hotte Land- tagsabgeordneter Edel in der Aussprache erklärt, die Notverord- nung wäre nicht notwendig, wenn die bestehenden gesetzlichen Bs- stimmungen richtig angewandt würden. Die Kommunisten und Nationalsozialisten hätten allerdings kein Recht, sich über die Not- Verordnung zu beschweren, weil sie erst d i e Methoden in das politische Leben gebracht hätten, die den Erlaß der Notverordnung vcranlatzten. Die Notverordnung bilde einen zu weitgehenden Ein- griff in die Versammlungsfreiheit, finde eine außerordentlich ver- schiedenartige Anwendung und diene dazu, die moderne Kultur- bestrebung, die schlechthin als Gottlosenpropaganda bezeichnet werde, zu hemmen. Der Minister des Innern, Richter, erklärte, die sächsische Rc- gierung habe gegen die Bestimmungen der letzten Notverordnung Verwahrung eingelegt, da die Rechte der Länder durch sie ein- geschränkt würden. Sie habe Vorschläge darüber gemacht, daß diese Rechte bei der Durchführung der Notverordnung gewahrt werden könnten. Abgelehnt wurde ein kommunistischer Antrag, der forderte, daß die Regierung sich für die Aufhebung des Gotteslästerungs- Paragraphen einsetze. Angenommen wurde mit der bürgerlichen Mehrheit ein Antrag der deutschen Volkspartei, der die sächsische Regierung ersucht, zur Verhinderung; der Gottlosen- p.ropagan.dä von. den. staatlichen Machtmitteln Gebrauch zu machen.- Oer Streit in Nordfrankreich. Bor einer Ausdehnung des Kampfes. Pari», 29. Mai.(Eigenbericht.) Der Streik der nordfranzösischen Textilarbeiter ist, abgesehen von zwei geringen Zwischenfällen, auch am Dienstag ruhig ver» laufen. Im Anschluß an eine Vorstandsocrsammlung der sozio» listischen Textilarbeitergewerkschast wurde«ine Mitteilung veröffent- licht, in der es heißt, daß die Streitenden ihre Sache für absolut ge- recht halten und sich daher einstimmig für die Fortsetzung des Kampfes ausgesprochen haben. Man rechnet damit, daß sich der Streit heute noch weiter ausdehnt und auch alle die Betriebe ihre Tore schließen müssen, die die bisherigen Löhne weiterzahlen wollen. Wetter für Verlin: Teils heiter, teils wolkig, nachts kühl, am Tage mäßig warm, mäßige Nordostwinde.— Für Deutschland: Im Südosten noch vielfach Regenfälle, sonst meist trocken, wenig Tcmperaturänderung. Verantwortl. kür Sie RelxlkUsn: SeeSeet gtpttt, Berlin: Än»eigen: Zb.«locke, Berlin. Berlin,- Vorwärts Verla« ffl. m. h. S.. Berlin. Druck! Vorwärts Bucki- drucke rci und D-rlagsanllalt Vau! Sinaer& Sa.. Berlin 63B 68. Lindenftrak« 8. Pirna 1 Beilade. ROSE THEATER Je HI Mforter Nur bis 31. Mai 1931 Bit krall.« A" Sonnabend 7 und 10 u An beiden Ptln«tlfelert.«en 1, S". 9 Uhr Rose-Garten An beiden Feiertagen 6 00 das traditionelle F r ü h- I Konzert mit 12 großen Va- I riet�Nummern SOO nachm. Konzert, Variete o. d. Operettcnscbwamk: „Pas Liebesvcrbot" Große Frankfurter Straße 13a U-Bahn Strausberger Piatz 6 t flgiger Vorverkauf tlglich von xi— x Uhr und 4— 9 Uhr Relchshallen-Theater Allabendlich jT) An beiden Feiertagen nachm. QI2] Stettiner Sänger S)as grosser �ftngsl-«Programm! Kjdimitlags nQiligti Preise! Beatidies M\i\ 8 Uhr Der Hauptmann von KOpeniik e Carl Zuckmayet tigie: Heinz Hilpart Komische oper 8'b Uhr Alt-Heidelberg lotii Enjliuh, Weittmiiir HJ-Moeliis, Peskert i um-fueaiei Freitag, den 22. Mai Promier« Oer rasende Sperling Ktnz, Vihrog, Mejrn Rex iMerd. WM läglich SV* Uhr Das Velimon von lütonimanre Dzr»ral» Opeltileierlol} von Kaiman Restaurant Berlins KEMPIHSKlWJ Berliner VVlkTriO N•■ k 0 1 1■, w Lahnau 74/1U V /Vi In den Maschen des Strafgesetzes mit Leitfaden für Schöffen u. Geschworene. Von Rechtsanwalt Dr. T ich au er. M. 3,— gbd. Eine volkstUmliche Darstellung fflr Jedermann. Zu beziehen durch J. H. W. Dietz Nachf. GmbH. Berlin SW, Lindenstr. 2, Abt. Sortiment und sömtliche VorwHrts-Speditionen dSeiloge Mittwoch, 20. Mai 1931 SivAbnÄ Zwei Frauen und ein Mann Drei Interviews um Gandhi von Paat Beer-Bombay Im schmalen dunklen Gang der Wohnung Riwashankars stoße ich auf Gandhi.(Die Inder nennen ihn Gandischi, die B iten: cherr Gandhi.) Ehe ich ihn begrüßen kann, fällt mir eine etwas schroff« Stimme vors Wort und sagt:„Der Mahatma kann nur nach vorheriger Anberaumung eine Unterredung gewähren." Der T-Sger dieser Stimm« ist ein Weißer mit ganz kurzgcschorenem Kopfhaar, einem dünnen Bartanflug auf der Oberlippe und einer Brille. Wie kommt denn der Europäer in dies chaus voll Inder? frage ich mich. Es ist wohl ein neuer Sekretär Gandhis, gebe ich mir zur Antwort. Frau. Gandhi Wenn Gandhi am Gange steht, so kann Frau Gandhi nicht ferne sein, und so werfe ich einen Blick in jedes Zimmer, das in diesen schmalen Gang mündet, und da saß sie auch in einem, ganz allein am Steinboden, und drehte das Spinnrad, die S ch a r k a. Ich setz« mich vor sie und beginn« sie zu zeichnen. Ohne mich zu ltören, läßt sie mich gewähren, und ohne sich stören zu lassen, spinnt ie fort. Sie denkt nicht daran, still zu halten, sondern blickt bald ->a, bald dort hin, wendet den Kopf, wie das so ihre Arbeit er» ordert. Aber auch wenn andere Besucher ins Zemmer treten, kurbelt sie stets das Holzrad weiter, mehr vertieft in besten Schwung als in den der Redner, die ihre Grüße entbieten. Fertig, bitte ich um ihre Unterschrift auf ihr Bild. Als sie es erblickt, sagt sie:„die» good! Nein, nein, das ist nicht gut. Ich sehe darauf viel zu alt aus. Ich bin sechs Monate jünger als Herr Gandhi. Da» Bild ist na goc>d." Dessenungeachtet läßt sie sich zur Unterschrift bewegen. Das geht ober nicht so rasch, denn die Kunst des Schreibens ist eine seltene in Indien, besonvers bei Frauen. Die Unterschrift kommt mit vereinten Kräften zustande, das heißt, jemand anders setzt den fehlenden.i-Punkt' dazu und was sonst noch gebricht. „Wie haben Sie Ihren Mann kennengelernt?" frage ich Frau Gandhi, die, wenn auch nicht glänzend, so doch verständlich englisch spricht. „Das fft schon 47 Jahre her. Ich war damals 74 Jahre alt. Damals ist mein Dater zu einem seiner Nachbarn in Porbundar xe- gangen und sagt« ungefähr: ich habe eine Tochter und ich biet« sie deinem Sohn als Frau an. Nun ist dieser Nachbar zu uns ge» kommen, um vorerst zu sehen, wie ich bin, ob ich für seinen Sohn gut genug bin. Dann hat er von meinem Vater mein Horo- skop verlangt:(Das Horoskop wird van jedem Hindukind sofort nach der Geburt vom Familienastrologen gestellt.) Dom, hat er es zu Hause mit dem Horoskop seines Sohn«» verglichen, um zu sehen, ob ein« günstig« Beziehung zwischen den Sternen besteht, unter welchen er und ich geboren sind. Das war wohl der Fall, und deshalb habe ich Herrn Gandhi geheiratet." »Und sind Sie glücklich?" „Ves, very happy." �Haben Sie nie mit Ihrem Mann gestritten?" „Nein, man kann nicht mit ihm streiten." „Wie lange haben Sie ihn vor der Hochzeit gekannt?" „Das erstemal habe ich ihn am Hochzeitstage gesehen." „Werden Sie, wenn Ihr Mann zur Konserenz mit Macdonald nach London fährt, mitfahren?" „Ich weiß nicht, ich glaube nicht." „Wollen Sie mitfahren?" Nach einer Pause sagt sie gedehnt:„Nein." „Aber warum nicht? Waren Sie schon in Europa?" „Noch nie." '„Sind Sie nicht neugierig, Europa kennenzulernen?" „Nein, Indien ist besser." „Worum wollen Sie nicht Europa besuchen?" „Herr Gandhi sagte, Europa ist kalt." Ich glaube, sie würde doch gern Europa sehen wollen, ober sie wird e» niemal» verlangen. �„Was denken Sie über die Verwendung ausländischer Stoffe?" '„Alles können sie in Indien machen, wir hoben viel Baum- wolle hier. Sie müssen nicht an Japan und England Aufträge geben." Dabei blickt sie vorwurfsvoll auf meinen Anzug und weist auf ihren Sari mit dem fünf Zentimeter breiten schwarzen Rand. �Der ist in Indien erzeugt." Mir fällt die Tätowierung ihrer beiden Hände auf, und ich frag«, was die Zeichnung darstellt. „Blumen." sagt sie. „Wann wurde das gemacht?" „Als ich fünfzehn Jahre war," und sie zeigt mir noch mehr blaue Blumen an den Füßen und einen blauen Punkt am Kinn und erläutert eifrig:„Alles wurde gleichzeitig gemacht, es wurde »nit einer Nadel in die Haut geritzt." „Tut dos nicht weh?" „-D KU" � JUab paapi tat mos dos doim?" «r Ihre Antwort ist«in Lachen. Ohrringe trägt sie keine, dafür zwei billige rot« Glasringe um die Handgelenke. Ihre grauen Haar«, auch weiß gewordene sind darunter, sind in Unordnung. Ihr Ge- ficht zeigt die Spuren der Wechsclfälle ihres bewegten Daseins, ein Gesicht, wie man ihm auf deutschen Bauernhöfen begegnet, wenn die alt« Bäuerin die Brille aufgesetzt hat, um zu lesen. Die vielen parallelen Sorgenfurchen auf ihrer Stirn künden von den Tagen, die ihr Mann hinter Gesängnisstäben aus die Befreiung seines Landes gewartet hat. „Wie oft im Leben", frage ich,„war er" und ich weise auf fein Gemälde an der Wand,„gefangen?" Nun zählt sie mir vor, als handle es sich nur um dos Aufzählen von Erholungestrien.„Einmal neun Monat«, einmal zwölf Mo- nate, einmal drei Monate,«inmal zwei Monat«, einmal drei und jetzt wieder neun Monate." Ich mache eine Addition und sage ihr die Summe.„Es wird mehr sein," meint sie,„ich kann mich nicht so genau erinnern." „Und was taten Sie, während Ihr Mann im Gefängnis weilte?" „Ich habe weitergearbeitet." und emsig dreht sie an der Kurbel ihrer Scharko. fdira Sellin Ein junger Inder fragt mich, ob ich nicht auch Fräulein Madelaine Slade, die englische Anhängerin Mahatma Gandhis, kennen lern«n will.„Selbstverständlich," erwidere ich und kann kaum meine Freud« über dieses Zusammentreffen ver» bergen, denn schon seit Iahren war«s mein Wunsch, dieser Frau, von der ich ab und zu in kurzen Zeitungsartikeln Merkwürdiges er- fahren Hobe, persönlich zu begegnen. Der junge Inder führt mich au» dem Zimmer Frau Gandhis, das auf dem linken Trakt des schmalen dunklen Ganges liegt, der die Hauptoerkehrsoder Bomboys darstellt, wenn Gandhi in W Stadt ist, in den Raum gegenüber. Da sitzen in bünte Tücher ge- hüllt, einige 5iiNdufrauen aus Teppichen und schauen zu, wie«in« in weiß gehüllte Genossin Datteln entkernt und sie in eine Aluminiumdose legt. Ich sehe nur ihren Rücken, zu dem sich jetzt der Inder beugt, um meine Anwesenheit mitzuteilen. Freundlich lädt sie mich«in, mich neben sie zu setzen. Wer ist das? Da» ist ja doch der neue Sekretär Gandhis, der mich vorhin schroff abgewiesen hat! „Sind Sie das Fräulein Slade?" frage ich ungläubig. „Nein," sagte der Mann in Frauenkleidern.„das Fräulein Slade ist vor fünf Iahren gestorben, ich heiße Mira B c h i n." „Was bedeutet dieser Name?" frage ich verwirrt. „Er bedeutet: deine Schwester, Gandhischi hat ihn mir gegeben." Ich werde immer verwirrter, während der Mensch neben mir ruhig sein« Datteln entkernt.„Waren Sie schon in Wien?" frag« ich, um irgend etwas zu fragen. „Ja, zwei Wod)en lang, ich lieb« Wien sehr, weil ich Beet- Hoven liebe. Ich habe sein Hau» in Döbling gesehen. Das Haus, wo er sein« wundervollen Melodien niedergeschrieben hat." „Sie holten sehr viel von Musik?" „Ja, ich wollte zuerst Sängerin werden und zur Oper, ich habe Gesang stumert, aber ich hatte zu wenig Talent." „Nun sind Sie ja dennoch ans Theater gekommen," falle ich ein,„an eine Bühne, vi« noch viel größer ist als alle Theater der Erde." „Ja, das ist wahr," sagt Mira Behin, und ich fühle in dem wärmer und weiblicher werdenden Ton ihrer Sopranstimm«, daß sie sich verstanden weiß. Di« anfängliche Eisdeck« der Engländerin war geschmolzen. „Ezäh!en Sic mir etwas aus Ihrer Kindheit und besonder» gern möchte ich wissen, wie Sie zu Gandhi gelangt sind." „Meine Jugend verbrachte ich auf ein�n großen Landgut reicher Verwandter, ich war viel allein, mein« Eltern waren streng konservativ. Aber das ist alles ganz gewöhnlich und uninteressant. Mein Leben ist ganz gewöhnlich bis zu d«m Tage, wo mir das Buch Romain Rollands über Gandhischi in die Hände siel. Nachdem ich e» gelesen hatte, fuhr ich zu Romain Rolland, um mich mündlich zu vergewissern über alles, was er geschrieben hatte. Sein Gespräch erweckte in mir immer stärker werdend den Wunsch, Gandhischi persönlich kennenzulernen. So bat ich bries- lich, in seine Aschramschul« ausgenommen zu werden. Er ant- wort«te mir. Er beantwortet jeden Brief, den er bekommt. Er teilte mir die Regeln der Aschramschule mit, die strenger sind als die Gesetze mittelalterlicher Klöster, und falls ich diese Regeln an- nehmen könne, war ich«ingeladen,«ine Prüfungszeit in seiner Schule zu verbringen." „Wenn Sie mit Romain Rolland verhandelt hoben, sprechen Sie wohl auch französisch?" „Ich bin ganz aus der Uebung, ich spreche es schlecht." Ich frage sie dennoch französisch, welchen Eindruck Gandhi aus sie machte, al» sie in Indien ankam. «II est un livrfi flu'oa nc ünit zamais de fre* öas OB f'appliquc ä contempkr sa vie plus on y trouve ä apprendre." (Er ist ein Buch, das man nie ausliest. Je länger man seinem Lebenslauf folgt, je mehr findet man daraus zu lernen.) Und da- bei legt sie wieder eine Dattel in die Dose.„Diese Datteln sind für Gandhisckii," sagt sie,„«r hat Datteln besonders gern." Jetzt verstehe ich auch, was in den vielen Paketen ist, die un- bekannte Leute von Zeit zu Zcit an der Tür abliefern Die Inder wetteifern darin, ihrem Führer Früchte zu senden, da- mit ihr magerer ausgemergelter Mahatma ihn«n nicht in der tiiti- fchen Periode ihre» Befreiungskampfes weghungert. Fräulein Mira Behin ist der Küchenchef Gandhis, und stolz erklärt sie mir, daß sie auch seine Wäsche in Ordnung hält. Ich blicke aus ih e Hände. Sie stehen zu dem kultioie't«n, durchgeistigt«n Profi: im Widerspruch. Es sind Hände der Arbeit. 5)ände, die jn krä'tige Unterarme übergehen und in muskulöse männliche Bizeps. Auä) dieser Stie� nacken ist durchaus männlich. Und das Mussolinikinn. — Jemand ruft sie. D«r Mahatma war zurückgekeh t und mußte sein Mahl einnehmen... Es ist ein weiter Weg, den die Tochter de» konferva- tiven englischen Admirals Slade d«r im Peisischsn Meerbusen mit Panzerkreuzern manövrierte— gegang n ist. Ein» gewaltlos« demütige D e s ch S e o i k a, die den Schwadeschi-Schwur abgelegt hat, keine britischen Stoffe zu tragen, die Hindustani spricht, in Sandalen läuft, unter Indern lebt, speist, schläft, die Leiden und Freuden dieser indischen Menschen teilt, ist aus einer aristokra- tischen Bürgerin Groß-Britanniens geworden. Eine der Heroinen der indischen Volksbewegung ist diese englische Miß. Wir müssen viele Seiten im Buch der Geschichte zurückblättern, bis wir solchen Gestallen begegnen wi« der Mira Behins. Wieviel Massen- und Rassenvorurteile hat diese Frau niedergeschlagen! Wieviel stummer Mut und männlicher Wille ruht hinter ihrer weißen Sari! Wieviel verschmiert«» Verzichten in einer Epoche frivoler Genußsucht und unersättlicher Geldgier. Dies« Engländerin ist tiefer in den Sinn von Gandhis Botschaft an die Menschheit eingedrungen als vüle ihrer indischen Brüder und Schwestern. Darum: es ist ein weiter Weg vom Admiral des Persischen Meerbusens zur Zlschramschül« in Mira Behin. Jawabalcd fttebra „Delch«r Mensch von allen, denen Sie jemals begegneten, hat Sie am tiefst«« beeindruckt?" frage ich den Präsidenten des Indischen Nationaltongresses Pandit I a w a ha l al' N e h r u.� d\' ....� Nach kurzem Nachdenken sagt er:„Einstein." 1)1 „Wegen der Relativitätstheorie?" „Nein, wegen seiner Bescheidenheit." „Wie lange waren Sic in Deutschland?" „Etwa drei Monat«." „Welches Volk beurtcilen Sie als das höchst zivilisiert« dcr Erde?" „Das französische." „Glauben Sie, daß, wenn Gandhi nach London geht, er er- reichen wird, was er will?" „Nur, wenn dabei der Druck Indiens auf England fortbesteht." „Und wenn Sie die nationale Unabhängigkeit erstritten haben, was werden Sie dann tun?" „Versuchen, eine sozialistische Republik aus Indien zu machen." „Wenn Sie in dieser Republik einen Ministerposten sich aus- wählen könnten, nach welchem würden Sie greifen?" Nach langem Nachdenken sagt er:„K r i« g s m i n i st e r." .Kriegsminister?" frage ich erstaunt. „Nein, Minister des Innern" nimmt er sofort zurück. „Wie alt sind Sie?" „41 Jahre." Er sieht jünger aus. Sein Temperament macht lyn>unger und wohl auch der Umgang mit der Jugend, denn er ist d«r eigentlich« Führer von Iung-Indien. Briefe indischer Iugendverbände häufen sich auf seinem Tische, Abordnungen kommen, von denen kein Glied über 20 Jahre alt ist. Und wie überall, stehen die Jungen am linken Flügel. Iawahalal Nehm hat eine Zeit in Sowjetrußland verbracht, was seine sozialistische Einstellung noch verständlicher macht. „Was wird Ihre erste Verordnung sein, die Sie als Minister des Innern erlassen werden?" „Es wird viel««rst« Verordnung«« geben." „Wer ist Ihr bester Freund?" „Das ist«ine sehr indiskrete Frage." „Wieso denn? Als ich Mahatma Gandhi dieselbe Frage stellt«, sagte er ohne Umschweife und ohne irgendeinen Anstoß zu nehm««, Gott sei sein bester Freund." Lachend gibt Iawahalal Nehm zur Antwort:„Ich fürchte, ich tzche«jt dm Llkuächttg-N«cht gut jo Ach» Lutze Wie � Bg/at Uleyers fflüitdailas In 8. Auflage erscheint, neu bearbeitet und um 31 Karten ver- mehrt, Meyers Geographischer Handatlas, jetzt kurzweg„Meyers Handatlas" genannt.(106 Haupt- und 141 Nebenkarten, mit einem alphabetischen Register von 72000 Namen und einem Lese» glas. Ganzleinen 28 M., Bibliographisches Institut A.-G., Leipzig 1931.) In der großen Fülle der Karten sind nicht nur gute Uebersichten über alle Erdteile und Länder enthalten, sondern auch zahlreiche wert- volle Spezialkarten, so z. B. über den Luftverkehr in Mitteleuropa, über Landwirtschaft, Mineralfundstättcn, Industriestandorte, über Staatsformen, Sprachen, Völker. Verbreitung der Deutschen und was dergleichen Wirtschaft?- und kulturgeographischer Karten mehr sind. Angenehm berührt bei den Uebersichtskarten die Heraushebung be- sonders wichtiger Gebiete in vergrößerten Nebenkarten, und daß viele der neuesten geographischen Veränderungen des Erdbildes im kleinen wie im großen schon berücksichtigt sind(so zum Beispiel die Entdeckungen am Südpol, die kommunale Umgliederung des Ruhr- gebiete? u. a.). Die technische Ausstattung des Atlas ist ebenfalls vorzüglich. Die Farben sind deutlich, ohne aufdringlich zu sein, die Schrist ist klar und gut lesbar trotz der Geländedarstellung in Schroffen auf den topographischen Karten. Ueberrascht ist man von der Güte der Höhenschichtenkarten(leider Amerika noch in alter Roupendarstellungl und der Auswahl der wirtschaftsgeographischen Karten Der bedeutendste Vorzug dieses Wertes liegt aber in der Menge des Stofses, die es bringt. Vor allem sind die Länder Europas so ost aufgeteilt, daß jede nur ein kleines Gebiet umfassende Karte eine Fülle von Angaben enthält. Ein Register vyn 72 000 Namen er» möglicht ein schnelles Ausfinden des Gesuchten auf der betreffenden Karte. Eine Leselupe leistet hierzu gute Dienste. Die Form des Hand atlas ist bei dem leicht handlichen, falzgebundenen Buch ge- währt. Hier ist ein Werk geschaffen, das weite Verbreitung verdient und bei dem an der Güte gemessenen billigen Preis sicher finden wird. Wilhelm Dietgenz. Oskar Itöhrles SSatdamus Man muß dem„B ü ch e r k r e i s" dankbar sein, daß er«ine Neuauflage von Oskar Wöbrles„Der Baldamu» und sein« Streiche" herausbringt. Wöhrle hat dem Buch« eine neue Fassung gegeben und der Verlag ein-, anständige Aufmachung. Der Balda- mus ist eines von den Büchern, die Lebenssaft in sich haben. Solche Bücher bleiben jung wie der Sch«llmufssky, der mit seinen herrlich naiven Ausschneidereien die Ahnenreihe eröffnet, die sich dann über den romantischen Taugenichts zum Daldamus fortsetzt, und zu denen in neuester Zeit noch die Povenzband« hinzugekommen ist. Das Buch ist vor dem Kriege geschrieben. Von seiner Ur» fprünglichkeit Hai es nichts verloren. Es tst erlebt und in einer Sprache geschrieben, die plastisch und lebendig ist und die Dinge in ihrer Unmittelbarkeit erstehen läßt. Der Baldamus tst da? Persönlichste, was Wöhrle geschrieben hat. Der Baldamus kriegt viel Prügel und soll ein anständiger Mensch,«ine gut bürgerliche Existenz, werden. Aber er revoltiert und wird ein Kunde, der die Landstraßen Europas kennen lernt. Cr kommt zu der Lebenswahr- heit, daß es auch im Kundenleben nicht anders ist als im biirger- lichen Lebest. Dieser alemannische Eigenbrötler wird zum Anarchisten gegen Obrigkeit und Gewalt. Nach vielen Abenteuern kehrt er in die Heimat zurück und wird von den Eltern wieder anerkannt! aber ich wette, er ist nie ein guter Bürger geworden und ein Kämpfer geblieben. Arthur Toldstein hat für den„Bücherkreis" Humo- resken und Grotesken zusammengestellt:„Das lustige Buch". Mir scheint das Buch ein«n wichtigeren Zweck zu erfüllen als viele ernsthafte und langwierige Romane. Es ist bei all seinem Humor gesellschaftskritisch und bissig, und das laute Lachen ist immer nur ein verstecktes Weinen. Denn die größten Lacher ihrer Zeit sind immer ihre größten Weiner gewesen, und ihr« Wahrheiten waren immer bitter zu verdauen. S. Pepper. ICIerae Heivachiunefen Die vevläslevle ffewianaucbl Aus dem Bericht über einen in der vergangenen Woche zur Verhandlung gekommenen Prozeh:„Das Schwurgericht Elblng ver- urteilte den Gespannführer Franz Sarrach wegen Morde» an dem Kaufmann Nickel zum Tode. Besonders erschwerend fiel ins Gs- wicht, daß das Motiv der Tat nackte Gewinnsucht war." Mord ist Mord und immer etwas Abscheuliches. Und Gewinn- sucht ist Gewinnsucht und keinesfalls etwas Erhebendes. Aber man darf doch vielleicht einmal die Frage auswerfen, wieso denn die Gewinnsucht von den deutschen Gerichten allemal dann, wenn sie das Motiv eines Verbrechens bildet, mit so ganz besonderer Gering- schätzung betrachtet und als äußerster Ausbund einer verworsenen Gesinnung gebrandmarkt wird. Die Gewinnsucht, die in der Regel freilich den well weniger anrüchigen Titel Erwerbstrieb führt, ist das anerkannt treibende Prinzip der kapitalistischen Gesellschaftsordnung. Unsere ganze Wirtschast ist auf Gewinnsucht abgestellt. Wo kein Profit ist, da raucht kein Schornstein, hat Bebel gesagt, und damit Profit sei. werden Löhne gedrückt, Millionen der Rot der Arbeitslosigkeit ausgeliefert, Kriege entfesselt. Gewinnsucht ist der wahrhafte Triumphator aller Regungen. Um Gewinnes willen ruinieren die MenschSn ihre Gesundheit, setzen sie sich Demütigungen aus, ver- raten sie den schäbigen Rest ihrer Ideale, verbringen sie schlaflose Nächte. Die Gesellschaft billigt da» nicht offiziell: jedoch unter allen Kräften, die im Menschen wirksam sind, bringt sie dem Willen zum Reichtum ein denkbar großes Maß von Verständnis entgegen. Zu- gegeben: Es ist ein Unterschied zu machen zwischen der legalen und der illegalen Gewinnsucht, und ein Mensch, der mordet, oerstößt unter jedem Gesichtspunkt gegen die Gesetze, aber im Rahmen des geltenden Bürgerkodexes ermangelt es der Logik, ein Motiv, das die Achse der Weltordnung bildet, plötzlich zum verwerflichsten aller denkbaren Motive zu erklären, wenn zur Deball« steht, worauf, anstatt siner beneideten Stellung in der Gesellschaft, ein Mordoer- brechen zurückzuführen ist. Woher dieser Stolz? Um Himmelswillen soll hier für diesen Sarrach, der gewiß ein übler Bursche ist und einen Sozialisten am allerwenigsten angeht, keine Lanze gebrochen werden: aber wenn beispielsweise irgendein nationalsozialistischer Rohling einen Menschen, der ihm nie etwas zuleide tat, um seiner Nase oder seines Abzeichens willen über den Haufen schießt, so erhebt sich doch die Frage, ob mit dem Begriff der Ueberzeugungstäterschaft heutzutage nicht ein beispielloser Unfug getrieben wird und ob es nun eigentlich ein Minus oder ein Plus an Unmoral bedeutet, noch nicht einmal aus Gewinnsucht sondern aus bloßer Lust an der Sache einen Menschen zur Strecke zu bringen. Hau» Bauer. Hadicf€ms cellez? Weif Dadie In. Drei Fahre„Sturmvogel" WcrkfSgigc treiben Flugsport! Der„Sturmvogel", Flugverband der Werktätigen«. V.. beginnt da» dritte Jahr semer Tätigkeit. Bei diefer Gelegenheit darf man einen Blick zurückwerfen auf die Zeit seines Entstehens: „Luftfahrt— Sache de» ganzen Volkes, Flugsport muß Volkssport weiden", mtt diesen Leitsätzen trat der junge Fliegerverbond in di« Oesjentlichkeit. Damals lächelten nicht nur die Laien mitleidig über ein so schweres Unterfangen. Mögen auch die Grundideen de» „Sturmvogel" manchem Sportfreund schon nahegelegen haben, ihre Ausführung erschien jedoch auf Jahrzehnte hinaus unerfüllbar im Hinblick auf die hohen Kosten, die bisher mit dem Fliegen verknüpft waren. Aber die Rechnung, daß auch auf diesem Gebiet eine Massen-Organisation der Werktätigen das schier Unerreich- bare verwirklichen könne, hat sich als richtig erwiesen. Allein der äußere Bestand des Sturmvogel" bewiese e, schon. Ueberall in ganz Deutschland sind Ortsgruppen des Verbandes emporgewachsen und noch immer mehr totendurstige alte und junge Sportfreunde melden sich an. Im G a u B« r l i n beijpielsweise ist der„Sturmvogel" überhaupt die größte aller Flugsportvereinigungen. Nicht jedoch nur in den Großstädten und Luftverkehrszentren, auch in kleinen und kleinsten Orten haben sich genügend Flugbegeisterte zpsammengesunden. Die Zahl der Gruppen ist nach wie vor im Wachsen und beträgt zur Zeit 193. Biel praktische Zlrbeit ist in primitiven Bastel-Werkstätten mit bescheidenen Mitteln geleistet worden, lieber 200 Segelflugzeuge wurden von diesen Gruppen bisher gebaut. Ja, es gibt Gruppen, die bereits vor der Vollendung des dritten und vierten Flugzeuges stehen. Hunderte von Flugschülern wurden ouf den Segelgeländen des Verbandes in die Kunst des Gleit- und Segelsliegens eingeweiht und im kommen» den Nhön-Segelflug-Wettbewerb wird der „Sturmvogel" zum ersten Mal« am Start er- scheinen. Daß der Flugverband der Werktätigen auch über eine stallliche Zahl von Verkehr»- und Sportmaschinen verfügt, ist bekannt. Daß er aber auch erfolgreich den Selb st bau von Motorflug» zeugen begonnen hat, darf der Verband heute mit Stolz re- gistrieren. Am Himmelfahrtstage wurde in Berlin das Leichtflugzeug der Gruppe Friedrichshain geweiht, da« nach eigenen Konstruttions- planen mit geringste» Mitteln, buchstäblich aus den opferwillig ge- sparten Groschen der Werktätigen geschaffen wurde. Andere Gruppen sind dabei, diesen Typ eines Bollflugzeuge,, das nur wenige hundert Mark an Baukosten oerlangt, weiter zu entwickeln. In Kürze hofft der„Sturmvogel" so viel« dieser Maschinen zu besitzen, daß in seder Gruppe jeder praktisch zum Fliegen kommt. So ist durch das Wirken des„Sturmvogel" der Flugsport trotz der bitteren Not schwerer Krisenjahre heute schon ein gesunder und billiger, ein wahrer Bolts- jport geworden. So macht man Kinder froh! Neukdlln-Britzer und Ludcenwalder als Freunde .Freundschoftstreffen Luckenwald«— Neukölln-Britz" nannte sich schlicht und einfach die Veranstaltung, die»Bolkssport Neukölln- Britz" anläßlich des Besuches der Kinder der Luckenwalder Turnerschaft arrangierte. Die sürsorgliche Vorbereitung ge- staltete das Kindertreffen zu zwei Festtagen für dl« Kleinen. Schon dl« Ankunft Sonnabendnachmittog in Blitz war ein Fest. Der Empfangsabend in Beckers Gejellschaftshaus brachte ein volles Haus. Abgesehen von den ausgezeichneten Rezitationen Schmor» sows, wurden all« Borführungcn von Kindern ausgeführt. Es war eine Dühn«nschau der Knaben und Mädchen, wobei Turnen und Gymnastik, Tanz und Singspiel zu ihrem Rechte kamen. Die Luckenwalder ernteten mit den Keulenübungen, die-Volkssport- Mädel mit der Sprungseilgymnastik besonderen Beifall. Die Lucken- walder Kinder pflegen, unterstützt durch die umsichtige Leitung des Lehrers Kühn, auch mehrstimmigen Chorgesang. Die vorgetragenen Lieder fanden ungeteilte Anerkennung.(Wie wär's, Volkssport- Mädels, könntet Ihr das nicht auch?) Zwei ausgezeichnete Filme ergänzten das Programm:„Weißes Blut", ein Lehrfilm der Er- nährung des jungen Menschen, und der wundeifchöne Wanderfilm: „Ich fahr in die Welt...", der Bilder fröhlichen Wanderleben» zeigte. Der erste, ganz neue Film fand bei den größeren Kindern und den Eltern ganz besonderen Anklang. Sonntag früh wurde zu einer.G e s« l l s cha s t» f a h r t„Drei Stunden durch Berlin" gestartet, die bei den Luckenwalder Gästen großen Jubel auslöste. Und nachmittags ging's„mit Kind und Kegel" zum schönen Sonnenplatz. Da gab's Kinderlachen uno Jubel ohne Ende. Aufnahme und Bewirtung waren herzlich, Dar» bietungen und Unterhaltung gut, so daß beim leider zu frühen Ab- schied manches Tränlein über di« Wangen floß!— Das Kinder- Freundschaftstreffen war für alle— Gäste und Gastgeber— ein Erlebnis! So macht man Kinder froh, so pllegt man den Gemein- schastagedonken und di« Solidarität!— n. „Dahme" und„Cirünau" Zwei neue Reliungsboote Die Rettungsgesellschaft der Wassersport» oereine von Berlin und Umgegend Hat dieser Tage zwei neue Motorrettungsboote getauft, di« ihren Dienst auf der Dahme versehen sollen. Bereits im vorigen Frühjahr konnte die Werft Brumm in Ober- schöneweide zwei Boote,„Müggel III und IV", im Auftrage der Gcsellschasl bauen. Jetzt haben die ehrenamtlich tätigen Retter auch da, Dahmegebiet übernommen. Die Boote erhielten die Namen Oer Landtag blieb hart Trotz aller Bemühungen der Turn- und Sportführer hat der Preußisch« Landtag in seiner Schlußsitzung, in der er den Haushalts- plan annahm, mit diesem auch die Herabsetzung des Spart- f o n d» auf eine halbe Million Mork und die Streichung des Dar- lehnssond» für den Bau von Uebungsstätten und Jugendherbergen beschlossen.—- Schädel Die Freie Lehrersportoerewigung hat für das Sommerhalb- jähr folgende Uebungszeiten eingerichtet: Neukölln: Montags Sportpark Neukölln: Prenzlauer Berg: Dienstags„Einsame Pappel": Wedding: Dienstags Bolkspark Rehberge: es werden ab 18 Uhr leichte Spiele und Sport betrieben Für älter« Sportler werden besondere Faustballmannschaften aufgestellt. Die Tennis- abtcilungen spielen ebenfall» auf den drei bezeichneten Plätzen. außerdem im Humboldthain. Vom 3. bis 5. September ist eine „Freizeit am Uedersee" In Au«stcht genommen worden, i» der abseits vom Lärm der Großstadt praktisch und theoretisch Leibe»- erziehung betrieben wird. Auskunft bei 5). Holze, Norden 65. Dubliner Str. 14, Telephon D. 6 Wedding 6977. Große schwedische veleiligung bei der Internationalen Motor- bootsregatta. Für die Internationale Motorbootsregatta vom 4. bis 7 Juni auf dem Templiner See bei Potsdam haben nicht weniger als 19 schwedische Autbordrennboote ihre Meldung abgegeben. Die Schweden werden bereits Ende Mai auf dem Regattarevier eintreffen, um ihre sehr sorgfältigen Vorbereitungen zu treffe» und die letzten Trainingssahrten durchzuführen. Die Schweden sind die Inhaber des großen Wanderpreise» von Carlshagen, den sie zweifei- los mit großer Energie verteidigen werden,»rn ihn endgültig zu gewinnen. Arbeite e- Juaendaruvp« Huwbildtbain: Pauk- Ecke Wicsenstrobe. chriwnenfranrn und sirlNonerbesprechtin«.— Abt. Slidrll: Brider Str. V- Irtetilpie labend.— Abt. Edarlottenbur»! Itniendbeim Svreestr.«o. Unter- baltunaeabend.— Abt. Lichtenrade: Bei Behlam,?o>k- Ecke Bahndofstraib. Biblische Scfchichtcn.— Abt. Bri»: Iuaendb-tin Cdausseektr. 4«ouÄ>. H 218.— Abt. Treplow: Heim Slttntte. 1 fam Bab»b»9. Lieder»benb. Pfinsiltfabrtcn! N. bin 2I>. Mai: Faltbaoiabtetluna: Eeldbttg. Lnchen usw. Aal. Uittc: 24. und Zü. Mai. Eonulanvriicksabrkarte nach Fürstenbcrn.— Abt. Tiera«rt?n: Ruäpiner Schwciü.— llelilaner«m lleberfee 123. dt» 31. Mail der Ratursreundelnsand. Abi. Humboldtbain, Osten, Jugend, Osten.— A»!. Norden: 2:i. bis ZA, Mai noch Temvlin. Abt. Brentlaucr Bern: Srausnickderae.— Abt. Ciidwest: Oranienburg, Luchbiirt« und s>,i Tage ins SÄlaubrtal.— Ebarlaitenburn: Schwank«.— Neukölln: Sramzawrr garki. Metallarbeiter stehen fest? Rück- und Ausblick in Berlin. Die Äahresgeneraloerjammiung d«r Verwaltungsstelle Berlin des Deutschen Metallarbeiterverbandes am Montagabend bewies »ufs neue die unerschütterte Festigkeit dieser großen Organisation� Wie Genosse U r i ch als Berichterstatter aussührte, ist es durch die ausopsernde Tätigkeit der Verbandsfunktionäre ge- hingen, den Mitgliederbestand der Berliner Verwallungs- stelle mit 78035 Männern und Frauen zu halten. Diese erf.eulichc Tatsache mußte auch der Redner der KPD.-Opposition anerkennen. Das Jahr 1930 war eins der schwierigsten. Die große Lohn- o b b a u w e l l e, die in der Nordwestgrupp« begann, schlug über Mitteldeutschland auch nach Berlin. Der DMV. befand sich In einem permanenten Zlbwehrfamps. der sich in 98 Einzelbewegungen widerspiegelte. Der größte Kamps ivar dabei die Abwehr gegen den Lohnabbauoorstoß de� V B M I. Aus dieser Bewegung hat die Organisation ihre Lehren gezogen. Die Unternehmer haben sich jedoch geirrt, wenn sie glaubten, angesichts der Krise keinen nennenswerten Widerstand mehr zu finden. Wenn die Berliner Verwaltungsstelle des DMV.«inen Vergleich mit der Vorkriegszeit zieht, dann muß zum größten Bedauern fest- gestellt werden, daß die Organisation heute gegen zwei Fron- j«n kämpfen muß. Zu den Unternehmern hat sich die KPD. gesellt. die im vergangenen Berichtsjahr ihre Maske fallen ließ und offen ihr Spaltungzprogramm enthüllte. Als erste zu erstür- mende Position hatten sich die Kommunisten den Berlincr DMV. ausgesucht. Aber schon heute kann festgestellt werden, daß sich die RGO. an dein festgefügten Block des DMV. den Schädel«ingerannt hat. Dies beweisen vor allem die Ergebnisse der hinter uns liegen- den Betriebsräte wählen. Das ist nicht zuletzt der uner- müdslichen Aufklärungsarbeit aller Funktionäre zu danken, die 1930 in nicht weniger als 21624 Versammlungen und Zusammen- künften für die Idee der freien Gewerkschaften geworben haben. Die Nebenabteilungen des Verbandes haben sich weiter befrie- digend entwickelt. So hatte zum Beispiel die K u l t u r a b t e i l u n g 77000 Besucher mehr alz 1929, und die Bibliothek 14 000 neue Leser, was größtenteils auf die groß« Erwerbslosigkeit zurückzu- führen fein dürfte. Die Erwerbslosigkeit ist nach wie vor drückend. Bon der Verwaltungsstelle Berlin des DMV. waren in der«'.sten Maiwoch« dieses Jahres noch immer rund 15 000 organisiert« Mit- glieder erwerbslos, das ist fast«in Fünftel der gesamten Mitglieder- zahl, ungerechnet die Kurzarbeiter. Die Unternehmer wollen ihre Angriffe wcitertragen, diesmal auf das sozialpolitische Gebiet. So hat der VBMI. entsprechend« Wünsch« in dieser Richtung schon vorgetragen. Es handelt sich dabei um eine Aenderung der tariflichen Bestimmungen über den U r- l a u b. Darüber hinaus haben die jüngsten Reden verschiedener Kabinettsmitglieder alarmierend gewirkt. Von einem Preis- abbau als wirksamen Ausgleich für den Lohnabbau ist nichts zu sehen, die Aussicht auf Arbeit für die erweibslosen Kollegen ist trüber denn je. Es wird zur Sicherung des Lebenshaltung-stondar.s der Arbeiterschaft des größten Abwehrwillens der Gewerkjchajtcn bedürfen. Die Diskussion stand auf einer beträchtlichen Höhe. Bei den Neuwahlen zur Ortsverwaltung wurden die ausscheidenden Ee- nassen Urich(Bevollmächkigters, Wilhelm Schmidt(Kassierer), Köh- ler und Großmann(Revisoren), Greil und Otto Schmidt(Beisitzers wiedergewählt. Weiter fand nach längerer Debatte eine Entschließung Annahme, die sämtlichen Funktionären des DMB. empfiehlt, s i ch politisch zu organisieren. Riickschau. Ueber den Deutschlandsender kam diesmal der„Quer- schnitt durch eine Stadt". Die Hörer wurden nach Branden- bürg a. d. H. geführt. Die Veranstaltung war wesentlich frischer als die vorausgegangenen dieser Art. Man erfuhr, daß Brandenburg den Kampf gegen die Wohnungsnot aufgenommen hat durch Schaffung von über 1200 Neubauwohnungen, hauptsächlich Woh- nungen zu 2'A Zimmern, die Monatsmieten von 26 Mark auf- wärts kosten. Durch einen Kinderchor wurde man mit Hilf« des schönen Liedes vom Fritze Bollmann, dem Firfeur aus Brandenburg, der im Beetzfe« angelte und ersuff, mit der näheren Umgebung der Stadt auf das eingprägfamste bekannt gemacht. Aber die ganze Reportage hätte noch weit weniger offiziell zu sein brauchen. Die landschaftlichen und architektonischen Schönheiten werden viel an- schaulicher, wenn sie in solchem Bericht aus ihrer gegenwärtigen Um- welk herauswachsen und nicht nur von ihr losgeEst als Reliquien de? Vergangenheit gezeigt werden. Und man sollt« sich künftig nicht gar zuviel Behördenvertreter vor das Mikrophon holen. Zahlen zum Beispiel über die Arbeitslosigkeit lassen sich auch vor der Reportage beschaffen. Will man sie anschaulich machen, so wird der Leiter des Arbeitsamtes, der täglich die Not der einzelnen Menschen vor sich hat, dazu viel eher imstande sein, als das Oberhaupt der Stadst dem die steigende Arbeitslosigkeit in erster Linie ein kommunal- politisches Finanzproblem darstellt. Außerdem war die Reportage zu reichlich mit Kirchenmusik belastet, von der nur«in»-cspeiU- Chor„Gott ist die Liebe" den Ohren wirklich erfreulich klang. Di« übrigen Vorträge waren schon infolge akustischer Mängel un- zureichend. Zur Charakterstik der Stadt trug diese Musik bestimmt nicht wesentlich bei. Karl Krauß las im Abendprogramm des Berliner Senders Szenen aus Raimunds„Alpenkönig und Menschen- f e i n d". Krauß ist einer der Sprachvirtuosen, deren Technik auch vor dem Mikrophon mit Glanz besteht. Trotz des beständigen Wechsels in Tonhöhe und Tempo blieb jede Silbe sprachlich edel und klar. Raimunds Märchenspiel, in dem sich tiefer Sinn und Naivität seltsam milchen, wurde von Krauß nicht seiner dramatischen Ein- fältigkeit entkleidet. Aber da Krauß sie für dieses Werk als natürlich empfindet, wurde sie in seinem Vortrag auch dem Hörer selbst- verständlich Am Nachmittag sang Lucy Siegrist Koloraturarien. Ein schöner Sopran von besonderer Mikrophoneiqnung. In den Mozart- Arien aus der„Zauberflöte" und der„Entführung aus dem Serail" klang die Stimme bezaubernd, hauchzart im Ansatz, weich in den Uebergängen. Te«. Mittwoch, 20. Mai. Berlin. 16.05 Dr. Hans Rosenbert: Gervinus und die deutsche Demokratie. 16.30 Strub-OnaHctt 1. Louis Spohr: Streichquintett Q-M6IL 2. Dvoriic: Streichquartett T-Dur, op. 96. 17.30„Der junge Pianist".(Karl Rockstroh, riögel.) 17.50 Oberstcucrsekrctär Schorch: Umsatz- und Gewerbestener 18.10 Balladen.(Carl Loewe, Kammersänger Franz Kgenreff. Flügel: Julius Bürger.) 18.35 Aktuelle Abteilung. 18.55 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 19.00 Unterhaltungsmusik. 20.30 Breslau: Reichssendung: Das ist Schlesien. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königswusterhauseu. 16.00 Wilh. Kirchner; Landschnlarbeit. 16.30 Hamburg: Konzert.. 17.30 Das Melodram.(Einführung: Prof. Dr. h. c. Joachim Moser. Sprecher: Karl Oraef. Flügel: Prof. Julias Dahlkc.) 18.00 Edwin Clemens: Technische Kurzweil während der Bahnfahrt; 18.30 Prof. Dr. Otto Hoctrsch: Die großen Mächte der Gegenwart 19.00 Direktor Winters: Internationale Beamtenfortbilduhg. 19.20 Prof Dr. Bredt, Prof. Dr. M. J. Bonn: Vorherrschaft des Staates. 20.00 Wetter für den Landwirt. 20.05 Weichmann: Vom heutigen Rußland. 20.30 Orchestcrkonzcrt. � dkfehüfie'Jtnsefgsr --- (Qeziwk MfUden-lVefien 9 ebviidei? flzlz 9taMcbinentabHM tt. Seperrcrfccr- Vferlwiaif.f.OroclBeretaDaffclrincn Bcaaf fragrie der-Scbne/IpreereB- tabrik KSnig A Scraer für Montagen und Reparaturen Berlin SW.61. Belie-Allinnce-StraBe 92 Tdcphta; F. 5. Bergnau 4091- Noditrul Blrvaio 0030 alousie-Fabrih Seil 1910(241 Ernst Garf, Inb. E.& J. Garf SO. 38. Brifzer Str. 7. Tel. F 1 Morilzpl. 3070. (226 Eisenhuth ffarzkäse Eisenhuth Spitzlinge l)ie Käse des köstlich milden Wohlgeschmackes! Gebr. Eisenbuth, Klsefabrfk, Bln.-Reinickendorf C-Kartseil, Wäsche-Verleih Telephon: Morltzpl. 918. S 42, FSratenatr 20 Wäsche aller Art Gute Bescbaffcnhelt, kulante Bedingungen! Kurl PStz' O, Bödikerstr. 10 Telephon: Andreas ES. 5017 Bautischlerei mit elektrischem Betrieb Werkstaiien für Möbel u. Innenausbau Haben Sie Bedarf In; Herrenaerderobc(ierdß und aadi Hai». Beralshleldnnd. Herrenartiltel, BeidisiMnner'Aasrflstaiid, so erapliebit sldi FriMz HamiBlbure SdecKlldae. ScflaloasdradSe 102�103 Fahrverbindung: Autobus B und 30, StraOenbahn: 40, 43, 74, 174, 77, 177. 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