BERLIN Donnerstag 21. Mai 1931 10 Pf. Nr. 233 Bill 4». Jahrgang ErscheinttSglichaaßerSvnntas«. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben SS Pf. pro Woche, Z.soM. pro Monat. Kedattion und Expedition: Berlin SWSS.Liodenstr.S Fernsprecher: Dönhoff 292—297 Aoz«Ig enprei«: Die einspaltigeNooparetllezeile «oPf�Neklamezeile SM. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: VorwärtS-Derlag G.m. b.H.. Berlin Nr. s? sss.— Der Verlag behält sich bat Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Das Brot bleibt teuer Schiele ist ohnmächtig gegen Brotfabriken RejchsernShrnngsmrnister Schiele Hot sich nun zur B r o t p r e i s- frage öffentlich geäußert. Er weist auf die große Verschieden» heit der Brotpreise in Groß-Berlin hin, deren Vereinheit- lichung nur mit einer diktatorischen Macht vielleicht möglich wäre, die aber Minister Schiele für sich selbst gar nicht haben möchte. Man hat für ein« Weizenmenge, die das Doppelte der Weizeneinsuhr im Monat April 1931 darstellt, den Einfuhrzoll um 50 M. ermäßigt, und zwar unter verschiedenen Bedingungen, darunter auch, daß die Müller sich verpflichten, dieser Zollermäßigung auch in den Mehl- preisen Rechnung zu tragen. In welchem Maße von dieser Möglichkeit und von dieser Vor- schrist Gebrauch gemacht worden ist, läßt sich noch nicht endgültig sagen, weil noch Uebergangserscheinungen vorhanden sind. Zu der Weigerung der Brotfabriken, die Brotpreisherabsetzung mitzumachen, teilt Minister Schiele mit, daß die Brotfabriken erklärt haben, wenn das gesetzliche Aachtbackverbot beseitigt werde, dann könnten und würden sie den Vrvtpreis um 8 bis 10 Prozent herabsetzen! Ja selbst wenn diese sozialreattionäre Maßnahm« zum Schaden der Gesundheit der Bäckereiarbeiter und zum Nachteil für ihre Familie nur in bestimmte Aussicht gestellt würde, versprechen diese Fabrikanten eine Brotpreisherabsetzung um 4 bis 5 Prozent! Gemessen an dem Ernährungsindex, der den Durchschnitt der Jqhre 1925 bis 1929 mit 100 ansetzt, sieht Schiele eine seither eingetretene ollgemeine Preisermäßigung. Allerdings gibt er zu, daß seit Anfang April eine Erhöhung von 85,9 aus 86.7 eingetreten ist. Aber das sei immer noch unter dem Stand vom Jahresanfang vom Jahre 1931, wo er 88,9 betragen hat. Der Ernährungsindex sei gegenwärtig auch niedriger, als er jemals seit dem 1. Januar 1925 verzeichnet wurde. Schiele gibt im einzelnen die Meßzifsern für Fleisch, Fleisch- waren, Fisch, Eier, Milch, Margarine usw. an, die diese Behauptung bestätigen, ebenso für Nährmittel, die von 92,3 auf 89,5 zurückgegangen seien und den niedrigsten Stand seit 1925 erreicht hätte. Diese Derbilligung von Graupen, Haferflocken, Erbsen und Speise- bahnen sei geeignet, die saisonmäßige Steigerung der Kartoffel- preise in gewissem Umfang auszugleichen. Diese Karwffelpreissteigerung, die im Mai 86,4 erreicht hat, geht zwar ein wenig über die Steigerung des Vorjahres hinaus, bleibt ober noch immer beträchtlich unter der Frühjahrsverteueruag in den Jahren 1927 bis 1929, und ähnliches gelte auch für die In- dexerhöhung beim Gemüse. Gegenüber all den„reichlichen Ersparnissen" spiele die Brot- Preiserhöhung von 93,7 im Januar auf 96,8 im Mai nur eine ver- hältnismäßig geringe Rolle und bleibe auch noch unter dem Stand von 1927 bis 1930. Der schon erwähnte allgemeine Rückgang des Index beweise schließlich auch, daß die Brotpreiserhöhung nicht in dem vielfach befürchteten Sinne zu einer allgemeinen Preisverteue- rung geführt habe. Nach all diesen Erklärungen, zu denen auch„beruhigende" Aus- künste über das Vorhandensein einer ausreichenden Geireidemenge bis zur neuen Ernte gehörten, geht recht deutlich hervor, daß Schiele d!« Möglichkeit einer spürbaren Brotverbilli- g u ng kaum als gegeben ansieht und von ihm energische Maßnahmen kaum zu erwarten sind. Henderson nimmt an. Die Präsidentschaft der Abrüstungskonferenz. Genf. 21. Mai. Henderson teilte zu Beginn der heutigen Vormittagssitzung des Völkerbundsrates mit, daß Macdonald ihn telegraphisch ermäch- tigt habe, die Präsidentschaft auf der Abrüstungskonferenz anzu- nehmen. In seiner Eigenschaft als Präsident der Ratstagung erklärte Dr. C u r t i u S. er fei überzeugt, die Gefühle sämtlicher Mitglieder de» Rates zum Ausdruck zu bringen, wenn er dem englischen Kabinett seinen Dank für diesen Entschluß ausspreche. Der eng- lische Außenminister übernehme mit diesem Amt eine schwere Ver- antwortung. Er sei überzeugt, daß sämtliche Mitglieder des Völker- bundsrotes mit ihm die Auffassung teilten, daß der englische Außen- minister zweifellos für diesen Posten die geeignete Persön- lichkeit sei. Damit sei nun zum erstenmal ein wirklich ent- jcheideoder Schritt in der Richtung der Abrüstung getan. Die Salzsäure im Kaffee Ein 20jähn'ger wegen �Mordversuchs" vor Gericht Diese„Mordanklage" steht in krassem Gegensatz zu der Persön» lichkeit des zwanzigjährigen AngeNogten T., der sich vor dem Landgericht III zu verantworten hat.„Ein kindischer Junge" sagt von ihm der Sachverständige Dr. Dyrenfurth, die Eltern und Verwandten haben ihn nie für voll genommen. Er war stets gut- artig, gefügig und anhänglich. Auch der Stiefmutter gegenüber, diö� er angeblich„vergiften" wollte. Am 4. Oktober verspürte Frau T., die Stiefmutter des Angeklagten, beim Trinken des Kaffees, der von dem zwanzigjährigen Stiefsohn Hans zubereitet worden war, einen salzigen Geschinack. Als der Junge nach Hause kam, stellt« sie ihn zur Rede; er kostet« auch selbst vom Kaffee, bestritt, etwas hinzu» gesetzt zu haben, leugnete auch später dem Vater gegenüber, es getan zu haben. In Wirklichkeit hatte er in die Kanne Kaffee einige Tropfen Salzsäure getan, eine Meng«, die, wie durch die chemische Untersuchung festgestellt wurde, unter keinen Umständen ausreichte, um einen Menschen. zu vergiften. Von Gewissensbissen und Angst geplagt, fuhr Hans aber am nächsten Morgen zu seinem Onkel nach M., arbeitete hier für einige Tage, entwendete 590 Mark, wurde der Tat überführt und vom Landjäger vernommen. Jetzt fuhr er nach Berlin zurück. Der Sachverständige Dr. Dyrenfurth unterstreicht, daß die ethischen Vorstellungen bei dem Angeklagten gut entwickelt seien, daß er aber geistig auf der Stufe eines Fünfzehnjährigen stehe, daß er die Einsicht in die Folgen seiner Handlungen nicht besitze und ihm auch die Ueberlegungsfähigkeit eines vollentwickelten Menschen fehle. Wie war er aber zum„versuchten" Mord an der Stiefmutter gekommen? Hans T. hat im Alter von acht Jahren seine leibliche Mutter, im Alter von zwölf Jahren seine erste Stiefmutter verloren. Seine Eltern gaben ihn zu einem Onkel nach M., wo er Schmied lernte. Der Onkel hatte zu wenig Arbeit, der Junge kam nach Berlin zurück, wohnt« bei seinen Eltern, half der fußkranken Stief- mutter im Haushalt, war anhänglich, freundlich, mit einem Wort ein guter Junge. Weil er den Eltern nicht zur Last fallen wollte, ging er stempeln und lernte beim Arbeitsamt zwei junge Burschen kennen, Fritz und Artur. Man besuchte zusammen das Kino, und als eines Tages keiner von den dreien Geld hatte, drangen die beiden Freunde in Hans, er soll ihnen doch auf irgendeine Weise Geld besorgen, er könne ja welches von den Eltern nehmen. Hans e n t w e nde t e 59 Mark: in drei Tagen waren sie durchgebracht: er fürchtete nach Hause zu gehen und wurde von einem Berliner Onkel den Eltern zurückgebracht. Der Vater be- gnügte sich mit einer ernsten Verwarnung. Die Freunde drangen einige Zeit hernach wieder in Hans, er möchte doch Geld be- schaffen: er könnte doch seine Stiefmutter vergiften, dann würde er das Haushaltsgeld vom Vater bekommen. Hans wies diesen Vorstoß gegen die Notverordnung .Diese infame Gottlosenprovaganda? Leht will sich selbst der Panzerkreuzer nicht taufen lassen!" Gedanken von sich und entwendete diesmal 39 Mark. Der Vater begnügte sich mit einer Verwarnung. Einige Zeit ging alles gut. Aber eines Morgens wurde in Hans die Vorstellung an feine Freunde vom Arbeitsamt übermächtig: er erinnerte sich an ihren Vorschlag, die Stiefmutter zu vergiften. Nachdem der Vater zur Arbeit gegangen war, goß er einige Tropfen Salzsäure in die Kaffeekanne. Der Angeklagte,«in schmales, blasses Bürschchem mit weichen Gesichtszügen, erzählt vor Gericht in ganz kindlicher Art, wie olles gekommen ist und wiederholt immer wieder, daß er von seinen Freunden wie gefesselt gewesen sei. Vater und Mutter stellen dem 29jährigen das beste Zeugnis aus. Es wäre unbegreiflich, wie er es hätte tun können. Nach der Tat hätten sie zwei Monate glücklich miteinander verlebt, dann sei aber die Angelegenheit zufällig zur Kenntnis der Polizei gelangt, und der Staatsanwalt hätte sich der Sache angenommen. Der Junge wurde abgeholt und in Untersuchungshaft gesteckt. Sie würden ihn sofort wieder zu sich nehmen. Der Staatsanwalt ließ die Anklage wegen versuchten Mordes fallen und beantragte wegen versuchten Totschlags 1 Jahr 3 Monate Zuchthaus. Verfügung gegen Fabricius. Gr schreibt unverschämte Briefe. Der sattsam bekannte, disziplinierte nationalsozialistische Regie- rungsrat Dr. F a b r i c i u s, jetziger Reichstagsabgeordneter, ließ sich von dem gleichfalls nationalsozialistischen Rechtsanwalt Dr. Becker verteidigen, als er wegen seiner Beteiligung an dem Goebbels» Radau gegendenAntikriegsfilmvor dem Schnellgericht stand. Gegen das damalige Urteil des Schnellgerichts hatte Fabricius Berufung eingelegt. Unterdessen war aber der Zwist Hitler- S t e n n e s ausgebrochen. Fabricius blieb h i t l e r t r e u, Dr. Becker nahm Partei für S t e n n e s. Die Folge war Entziehung der Vollmacht durch Fabricius. Di« Folge war Entziehung der t u n g s a r b e i t e n, die er für den Berufungstermin geleistet hatte, zu dem bereits bezahlten Honorar von 199 Mark ein Zusatz- Honorar in Höhe von 59 Mark. Diese 59 Mark sollten auf Wunsch Beckers der SA.- Hilfe zur Verfügung gestellt werden. Fabricius schickte darauf an Rechtsanwalt Dr. Becker ein Schreiben folgenden Inhalts: Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt! Die in Jhrein Brief vom 17. April 1931 enthaltene Behauptung, ich hätte das Fehlen einer Honorarsvereinbarung dazu benutzt,„berechtigte" Honorarfordc- rungen abzustreiten, würde ich als unverschämt bezeichnen, wenn ich es nicht vorzöge, höflich zu bleiben. Von einer Berecht!- gung, nach Empfang von 199 M. weitere 59 M. nachzufordern, kann nach Lage des Falles gar keine Rede sein. Daß Sie über einen Betrag, der Ihnen nicht zusteht, zugunsten der SA.-Hilfe verfügen, finde ich außerordentlich großmütig. Das Recht, von„unseren" SA.-Leuten zu sprechen und auf ihnen ge- brachte Opser hinzuweisen, haben Sie gründlich verwirkt, nachdem Sie durch Unterstützung des Herrn Stennes die nationalsozialistische und damit die deutsche Sache verraten haben und in den D i e n st Frankreichs und des Zudcntums geirrten sind. Unter wirtlichen Nationalsozialisten ist es niemals üblich gewesen, sich gebrachter Opfer zu rühmen. Ich verbleibe, sehr geehrter Herr Rechtsanwalt, gez. Fabricius, Regierungsrat. Weitere Zuschriften, gleich welchen Inhalts, werde ich weder beachten noch beantworten. Rechtsanwalt Dr. Becker hat nach Empfang dieses Briefes beim Landgericht III einen Antrag auf Erlaß einer einst- weiligen Verfügung gegen Dr. Fabicus gestellt. Er be- gründete seinen Antrag mft dem Hinweis daraus, daß di« Behauptung, er stehe im Dienste Frankreichs, eine schwere B e- l e i d i g u n g darstelle, gegen die er, der Antragsteller, sich nur im Wege zivilrechtlicher Auseinandersetzung wehren könne, da der Anlragsgegner als Abgeordneter immun und nicht greifbar sei Die Gefahr künftiger Wiederholungen derartiger Behauptungen ergab sich Mter anderem aus den Allen.Slennes gegen Hitler und Genossen des Landgerichts l. Aus diesen Atten ersehe man„mit erschreckender Deutlichkeit, mit welcher gewissenlosen Ver» l e u m d u n g von prominenten Vertretern der NSDAP- gegen bisherige politische Freunde vorgegangen Ist. Der Schluß ist nicht nur nahe, sondern nach dem Inhalt des Schreiben» vom 2l. April 1931 sogar zwingend, daß auch der Antmgsgegner dieses Versahren fortsetzen werde, zumal angesichts der Behauptung, der Antragsteller sei in den Dienst Frankreichs getreten, eine Be- hauptung, die so i r r s i n n i g ist, daß sie nur einem zu allem sähigen krankhaften Gehirn entspringen kann�. Das Landgericht III hat dem Antrag des Dr. Becker auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung stattgegeben. Bon Dr. Fabricius ist gegen diese einstweilige Verfügung Einspruch erhoben worden. Somit wird das Landgericht III sich in öffentlicher BeHand- l u n g mit dem neuesten nationalsozialistischen Skandal zu befassen haben. Es kann däbei lustig werden. Armengeldempfänger... Oer Ttazi.Zranzen läßt Erwerbslose verhöhnen. Braunschweig. 21. Mai.(Eigenbericht.) Der Hakenkreuzminister Franzen. der«» für sein gutes Recht halt, der preußischen Polizei die Unwahrheit zu sagen, hat die braunschweigische Arbeiterschaft nicht nur durch H a f t st r a f e n für den Schul st reik provoziert, sondern er hat es auch fertig gebracht, die Arbeiterschaft verhöhnen zu lassen, indem die Strafmandate an die ausgesteuerten Erwerbslosen mit der Adresse versehen wurden: „An den Armengeldempsäuger.. Das Parteiblatt Franzen» bringt e» fertig, die verhängten Strafen, die insgesamt 22'/h Jahre Freiheitsentzug darstellen würden, als eine„besondere Milde" hinzustellen. Die Brutalität der Gesinnung schwitzt den Hakenkreuzlern au» allen Poren. Stahl mit Goldplomben. Disziplinarverfahren, Stadtschulrat, Strafgericht. Leipzig, 21. Mai. Als im Frühjahr v. I. die Neuwahl des Schulamts- dezernenten beim Rote der Stadt Leipzig notwendig wurde, stellte sich zunächst der bisherige Inhaber des Amte», Stadtrat Prof. Dr. Stahl, zur Wiederwahl. Di« Sozialdemokratie stellte als Gegenkandidaten den Stadtverordneten Land auf. Die Sozial- demokratie trat mit Mitteilungen über Stadtrat Stahl hervor, deren Erweislichkeit geeignet fein mußte, die Aussicht der Wiederwahl Stahls zu zerstören. In der„Leipziger Volks- zeitung" war zu lesen, daß die schulpflichtigen Söhne des Stadtrats Stahl widerrechtlich sich in der S t ä d t i- schen Schulzahnklinik hätten behandeln lasten, daß ihnen Goldplomben eingesetzt worden seien, und daß Stadtrat Stahl von dieser Verletzung der Bestimmungen gewußt, sie geduldet und gefördert habe. Diese Vorwürfe wurden, nachdem ein D i s z i p l i« narverfahren angeblich ihre Haltlosigkeit ergeben hatte, kurz vor der Wiederwahl wiederHoll und noch dahin erweitert, daß Stahl selbst sich widerrechtlich habe in der Schulzahnklinik be- handeln lassen. Nach erfolgter Wahl erschien in der„Leipziger Voltszeitung" noch ein Artikel, in dem Stadtrat Stahl G e- sinnungswechsel im Sinne der Gesinnungslosigkeit vorge- warfen wurde. Am 19. und am 29. Mai verhandelte nun das Erweiterte Schöffengericht Leipzig über die Klage, die wegen dieser Vorwürs« gegen den Stadtverordneten Rauch als verantwortlichen Schriftleiter der„Volkszeiwng" eingereicht worden war. Dos Urteil lautet« wegen öffentlicher Beleidigung des Stadtrats Prof. Stahl in einem Fall zu 1S9 Mark Geldstrafe. Im übrigen erfolgte Freisprechung. In der Begründung wurde im wesentlichen gesagt: Soweit es sich um den Vorwurf der Gesinnungslosigkeit Handell. haben die bereitgestellten Beweismittel zur Führung eines Le- weises nicht als geeignet angesehen werden können.?a der Zrage der Goldplomben ist da» Gericht der Ansicht, daß hier eine onbe- rechligle Inanspruchnahme der Schulzahaklinik vorliegt, den Wahrheitsbeweis für die Behauptung, daß Stadtrat Stahl darum ge- wüßt habe, hat der Angeklagte nicht erbringen können. Trotzdem ist ihm für diesen Fall die Strafausschließungsbestiinmung des§ 193 zugebilligt worden. Soweit eigene Behandlung des Stadtrats Stahl in der Schulzahnklinik behauptet wurde, ist der Wahrheitsbeweis dafür erbracht, daß sie unberechtigt in Anspruch genommen»vor- den ist. Ratifikationen und Konventionen. Ausbau des Schiedsgerichtsverfahrens. Genf, 21. Mai.(Eigenbericht.) Bei dem üblichen Bericht über die erfolgten Ratifikationen von Konventionen teilten England. Frankreich und Indien ihren Bestritt zur G e n e r a l a k t e für die schiedsgerichtliche Regelung iuternatio- »aler Streitfälle mit. Grandi versprach die baldige Ratifikation durch den italienischen Senat. Nach dem Beitritt zweier der mächtigsten Länder könne man mit größerer Sicherheit und erhöhtem Vertrauen an die Begrenzung der Rüstungen gehen. Curtius betonte, es per- diene das größte Interesse, wenn jene Länder das Bekenntnis zur sriedlichen Regelung der Konflikte abgelegt hätten. Der Völkerbund habe den Mitgliedern zwei Wege dafür offen gelassen, die General- l>ktcn oder zweiseitige Schiedsverträge. Die genannten Staaten hätten sich für den ersten Weg entschieden, und«s sei zu hosscn, daß der Ausbau des Schiedsgerichtsverfahrens weitergehe. Die Vorschläge des Finanztomstees in der Europakommission über die Errichtung der Internationalen Hypothekenbank für Agrar- kredit sowie Regelung de» Hypothetenrechts in den Balkanläirdern wurden debattclos angenommen. Da Polen und Litauen in ihren direkten Verhandlungen nicht zu einer Regelung ihrer Grenz- schwierigkeiten gekommen sind, wurden sie vom Rat energisch auf den bestehenden Beschluß hingewiesen, wonach der Rat bei neuen Zwischenfällen alle Maßnahmen zu ihrer Unterdrückung treffen kann. Zum Schluß wurde der Bericht über den Borentwurf eines Ab- kommens zur Verstärkung der Kriegsverhütungsmistel angenommen. Briand sott bleiben. Die Regierung drängt Paris. 21. Mai.(Eigenbericht.) Briand, der am Mittwoch«ine lange telephonischs Unterredung mit Lapal hotte, wird wahrscheinlich erst am Freitag oder am Sonnabend noch Pari» zurückkehren. Wie der„Exzelfiar" mitteilt. soll das gesamte Kabinett di» Absicht Höpen, den Außenminister um die Zurückziehung seines Demissionsgesuche» zu bitten. nachdem er in Genf den ihm durch da, Vertrauensvotum d«r Krön««ctesttta Auftrag so tatkräftig ausgssührt hat. Moderner Strafvollzug Vorirag des Anstaltsleiters Kieist-Celle bei den sozialdemokratischen Juristen Bei den saztaldemokralischen Juristen sprach ein Berufener, der Direktor der Strafanstalt Celle, Genosse Kleist, über den modernen Slrasvollzug. Kleist gab ei» anschauliches BUd von der Praxis der Straf- anstaltsarbeit. Der Ausgangspuntt jeder Arbeit am Gefangenen muß die genaue Kenntnis seiner Persönlichkeit sein. Alles, was an Tatsachenmaterial in dieser Hinsicht beschafft werden kann, wird herangeholt. Grundlegender Erziehungssaktor ist und bleibt die Arbeit. Der Wert der Arbeit dokumentiert sich aber durch seine Betrieb«. Der Gefangene muß Lust an der Arbeit empfinden und auch einen gewissen Nutzen haben. In der Anstalt Celle ist sein einigen Tagen der Achtstundentag eingeführt. Die Arbeitsleistung ist gestiegen. Die gewonnenen zwei Stunden fließen nicht in der Einsamkeit der Zell«, sondern in den Unterricht, in die Eelbstbeschästi» g u n g und ins Gemeinschaftsleben. Die Gefangenen er- balten Vorsd)üsse, damit sie sich Arbeitsgeräte kaufen können, sie basteln in ihren Zellen und gelangen so zu einem Nebenverdienst; verschiedene von ihnen besitzen ein Konto von über tausend Mark. Es werden Sparbücher angelegt, und zu Weihnachten ist an die Familien der Gefangenen mehr Geld hinausgegangen als Geld ins Gefängnis geschickt wurde. Die Zahl der am Unterricht Teil- nehmenden hat sich fast verdreifacht. Das Vereinsleben in Turn-, Gesang-, Musik- und dergleichen mehr Gruppen erzieht zur Selbst- Verwaltung. Die Verein« haben Vorsitzend«, Kassenwarte usw. Während im Jahre 1921— 20,8 Proz. aller Gefangenen bestrast werden mußten, waren es im Jahre 1939 nur 4,9 Proz. Tätlicher Widerstand wurde dagegen im Jahr« 1921 t» 29 Fällen geleistet, im Jahr« 1939 in keinem einzigen Fall. Schwere Disziplinarstrafen wurden im Jahre 1924 in 213 Fällen verhängt, im Jahre 1939 bloß in 21 Fällen. Die Zahl der gerichtlichen Bestrafungen von Gefangenen wegen Verbrechen im Gefängnis betrug im Jahre 1923 49. Im Jahre 1939 war sie gleich 9. 144 Beschwerden im Jahre 1923 standen 1939 bloß 87 gegenüber. Und da, alle» bei einem Menschen- Material, das viel schwieriger ist als früher. Von den 189 neu Ein« gelieferten waren im Jahre 1939— 150 vorbestraft, und zwar ein- mal 29 Gefangene, zweimal 10, drei- bis fünfmal 34. mehr als zehnmal 42, von zehn- bis dreihigmal 39. Der moderne Straf- Vollzug, der in der Crmunkerung der Gefangenen, in der Schaffung«euer gesunder Bindungen zwischen ihm und der Außenwelt seine haupkaufgabe erblickt, bringt es auch mit sich, daß die Anstaltsinsassen in viel höherem Maße als früher mit der Außenwelt Fühlung nehmen und di« be- stehenden Beziehungen aufrechterhalten. Dadurch wird der spätere Ucbergang zur Freiheit erleichtert, di« Gefahr des Rückfalls ins Verbrechen gemindert. Während im Jahre 1924 die Gefangenen bloß 2499 Briefe empfingen, waren es im Jahre 1930— 8000; 1099 abgegangenen Briefen standen 4990 gegenüber. Die Zahl der Besuch« betrug entsprechend 159 und 289. Da« viel bessere Wohl- verhalten der Gefangenen ermöglicht eine erhöhte Zahl von Straf- aussetzungen; diese haben um 12 Proz. zugenommen. Die Ge- Währung von Urlaub hat in keinem einzigen Falle zu einer un- pünktlichen Rückkehr in di« Anstalt verleitet. Im Jahre 1939 er- hielten 99 Gefangene Urlaub; in vielen Fällen haben sich die Ur- lauber selbst Arbeitsplätze besorgt. Eine der größten Sorgen bildet die Entlassenenfürsorge. Hier entsteht für die Arbciterwohlfahrt «in große» Aufgabengebiet. Das neue System, das durch die letzte preußische Verordnung den Vollzug von Strafen in Stufen ermöglicht, hat sich dur6)weg bewährt. Das Gefängnis hat den Charakter der Strafe durchaus nicht verloren; letztere dient aber allein der Erziehung. Die Beamten, die sich aus eigener Anschauung überzeugen konnten, daß es besser geht als früher, stellen sich gern in den Dienst des neuen Strafvollzugs, sie opfern sogar aus eigenem Antrieb den Gefangenen ihre Freizeit. Eine große Unterstützung erhält die Anstaltsarbeit durch die Willigen aus dem Volke. Nach dem Vortrag fand eine angeregte Diskussion statt. an der Juristen, Strafanstaltsbeamte, Wohlfahrtspfleger und Für- sorger teilnahmen. Todesopfer in Lichtenberg. Unter entsehlichen Schmerzen gesiorben. Da» schwere Brandunglück in den Lichtenberger Mineralöl- werken ln der Herzbergstraße 35 hat leider ein Todesopfer ge- fordert. Der Arbeiter Erich Kuppler aus der Rüdersdorfer Straß« 34. dem dl« Kleider buchstäblich vom Leib« brannten, ist in der vergangenen Nacht seinen furchtbaren Verletzungen im St. hubertuskrankeuhau» erlegen. Die polizeiliche Untersuchung über die Ursache und Schuldsrag« der verhängnisvollen Explosion ist noch nicht zum völligen Abschluß gelangt. Das tkinsturzunglück in Wernsdorf. Im Befinden der beiden Arbeiter Heckert und Scharfen- berg, die bei dem Erdrutsch in der Kiesgrub« von Wernsdorf verschüttet und schwerverletzt wurden, ist ein« leichte Besserung zu verzeichnen. Di« Verletzten, die im Köpenicker Kreiskrankenhau» Ausnahm« gefunden haben, befinden sich zur Zeit außer Lebenz- gefahr. Die Leichen der tödlich verunglückten Schachtarbeiter Gregor. Marfchnsr und Lange sind beschlagnahmt worden. Di« Untersuchung über die Zusammenhänge, die zu dem verhängnisvollen S)ie llnglückssläUe Erdrutsch gefülhrt haben, wird von der Staatsanwaltschaft II vor- genommen. Der erste Staatsanwalt L a u tz hatte sich noch gestern an die Unglückostätte begeben, um die notwendigen Ermittelungen anzustellen. Bisher Ist nur der unverletzt gebliebene Arbeiter vernommen worden. Aus Grund seiner Bekundungen und der Besichtigung der Unfallstelle ist der Staatsanwalt zu der vorläufigen Annahnie gekommen, daß Witterungseinflüss« und die Erschlltte- rungen aus der Chaussee durch vorüberfahrende Lastautos das Unglück verursacht haben. Bereits am Abend zuvor war ein kleiner Erdrutsch zu verzeichnen. Dabei wurden die Gleise der Schmalspurbahn verschüttet. Als die Kolonne am anderen Tags gerade mit der Freilegung der Gleis« beschäftigt war, erfolgte der gewaltige Erdrutsch mit seinen katastrophalen Folgen. Weitere Klarheit tan erst die Vernehmung der übrigen Verunglückten er- geben. Immerhin hat die Untersuchung ergeben, daß der Kiesabbau bis auf sechs Meter an dt» Chaussee heranreichte. Allein hierin scheint schon eine grobe Fahrlässigkeit zu liegen. Kind im Rouillontopf verbrüht. Ein eigenartiger Unfall hat sich in dem Restaurant Ger- lach in Potsdam im Alten Markt zugetragen. Vorgestern fiel die 3jährige Tochter des Wirts in einen Bauillontopf und verbrühte sich derart schwer, daß sie jetzt an den Folgen gestorben ist. Eigenartig hat sich die Potsdamer Polizei bei diesem Vorfall, der sich in einem ausgesprochen rechtsgerichteten Lokal ereignet hat, verhalten, denn sie hat bis zur Stunde keinen Bericht über diese Angelegenheit herausgegeben. Warum dies« Hewllichtusrert Sechs Züge vollFlugzeuge geschmuggelt Was Zokker erzählt. Londou, 21. Mai. In seinem Buch„Der fliegende Holländer" erklärt Fokker, daß die Entente ihm während des Krieges 49 Millionen Mark an-- geboten habe, falls er aus Deutschland in seine Heimat Holland zurückkehren und für die Alliierten Flugzeuge bauen würde. Dieses Angebot sei jedoch in die Hand de? deutschen Geheimdienstes gefallen und habe ihn niemals«rreicht. Fokker habe schon vor dem Kriege England seine Erfindungen angeboten. Sie seien aber damals abgelehnt worden. Als die Entente die Auslieferung aller Fokkerflugzeuge nach dem Waffenstillstand verlangte, sei es ihm gelungen sechs Eisenbahnzüge mit Fokker-Flug- zeugen nach Holland zu schmuggeln. Die Zollbeamten seien damals bestochen worden._ papstanklage gegen Kaschistenterror. Wegen ver Unterdrückung katholischer Studenten. Rom, 21. Mai.(Eigenbericht.) Bei einem Empfang von Vertretern der katholischen Studenten- Vereinigungen erkundigte sich der Papst eingehend über die neuesten Terrorakte der Faschisten gegen die katholischen Studenten. Der Papst oerlangte, daß ihm sofort jeder neue Terrorakt mitgeteilt werde. Er werde dann sofort die notwendigen Schritt« unternehmen. Ferner müsse jeder Terrorfoll sofort durch die Presse der ganzen Welt be» kanntgegeben werden.— In verschiedenen Städten waren in jüngster Zeil die katholischen Studenten gefährlichen Bedrohungen von fetten d«r Faschisten aus- gesetzt. Dos katholische Klubhaus in Parma wurde von der faschistischen Studentenschaft z e r st ö r t. Die dem großen katholischen Verband angeschlossenen Studenten wurden aus der offiziellen, vom Staat unterstützten Studentenvereinigung ausgeschlossen. Die Spannung zwischen Faschismus und Vatikan scheint nach all diesen Vorgängen und nach den scharfen Aeußerungen des Papstes zu schließen, zugenommen zu hoben. Frankreichs Nervenzusammenbrüche. Englische Labour-Kritik. London, 21. Mai.(Eigenbericht.) Der„Daily Herald", das Organ der Labour Party, also der Re- gierungspartei, bringt im Anschluß an die Genfer Entscheidung seine Mißstimmung gegen Frankreich deutlich zum Ausdruck. Es betont, Frankreich habe nun bis zum Herbst Zeit, darüber nachzudenken, daß es mit der Würde der Republik unvereinbar sei, auf jede po« litische Aktivität Deutschland» mit einem Nervenzusammen» b r u ch zu reaglerin. Es könne unmöglich auf die Dauer jede wirt- schaftspolitische Maßnahme bekämpfen, di« ihm unang-nehm er- scheine. E» könn« sich nicht der Tatsach« verschließen, daß seine Po- litik«in« gefährliche Reaktion tn Deutschland wachrufen müsse. Aus der anderen Seite mühten Deutschland und Oesterreich bedenken, ob ihre Vorschläge nicht zum Kernpunkt eines umfassen- deren Reorganisationsplans für Europa gemacht werden könnten. Abrechnung mit Nazis und Kommunisten. In einer ösfenllichen Versammlung des Kreises Weddinz im„Swinemünder Gesellschaftshaus" wurde am Mittwochabend mit der Politik des Faschismus abgerechn«t. Genosse Robert Breuer sprach über da» Thenw„Gegen den Faschismus". Als Genoss« Breuer auf die Grenzen des Aufstiegs der National- sozialisten hinwies, die dort gezogen sind, wo sie ihre verlogenen und phantastischen Versprechungen in die Wirklichkeit umsetzen sollen, konnten einige kommunistische Zwischenruser sich nicht enthalten, für die gewaltsam» Auseinandersetzung mit den Nazis in einem Bürgerkrieg zu plädieren. Ein kommunistischer Diskussion»- redner beschwerte sich trotzdem über die Anwendung der Notver- ordnunz gegen kommunistisch« Terrorversuch«. Der Redner forderte di« Kommunisten auf, sich den politischen Methoden westeuropäischer Zioilfsation und Demokratie anzupassen, ebenso wi««r den Russen unter ihren rückständigen Verhältmssen ihre eigenen politische# Methode« zugestehe. „Das ist Schlesien" Protokoll einer Hörstunden-Diskussion Zu einer Rundfunk-Hör stunde hotte der Arbeiter- Radiobund eingeladen. Zur Diskussion stand die von Breslau aus verbreitete Reichssendung„Das ist Schlesien", die auch vom Berliner Sender übernommen wurde. Die Leitung der Hör- gemeinschaft hatte Staatssekretär Dr. Heinrich Schulz. Bor Beginn der Sendung wies er daraus hin, daß«s das erstemal sei, daß eine Reichssendung von der Hörgemeinsckiaft empfangen werde. Es gelte, Erfahrungen zu sammeln, zur Verbesserung der funtischen Arbeit nach Kräften beizutragen. Gerhard Menzel, Verfasser des Textes der Hörfolge, betont«, daß er nicht ein dramatisches Spiel niit einer konstruierten Handlung, sondern eine historische Bilderreihe geben wolle, in der ohne Steigerung ein Bild neben dem anderen sieht. Als seine Aufgabe habe er betrachtet, die Provinz Schlesien allen Hörern gegenwärtig zu machen. Nach Aichören der Sendung entwickelte sich ein lebhafter Meinungsaustausch über Werk und Aufführung. Der folgende Ueberblick bringt einige charakteristische Stimmen. Die Namen der Diskussionsredner sind nur in den Fällen wichtig, wo Amt oder Beruf sie in unmittelbare Beziehung zu Rundfunkfrogen stellt. Bruno Schönlanck: Historie sei in der Hörfolge anein- andergereiht wie in einem armseligen Geschichtsbuch. Dos Gestern sei unlebendig, das Heute fehle fast ganz. Dr. Heinrich Schulz bittet schon aus Rücksicht für den als Gast anwesenden Autor um sachliche, ober nicht persönlich oggressioe Kritik.(Zu Schönlanck): Sie dürfen von einer Reportage nicht eine tiefgründige Untersuchung verlangen. Diskussionsredner A.: Die Sendung wirkte als Aktion einer Reichszentrale für Verkehrswerbung. Die Menschen im Reich wurden aufgefordert: kommt nach Schlesien. Mit wirtschaftlichen Angaben belästigt man zahlend« Gäste nicht. Die Wirklichkeit blieb unsichtbar. Zuviel unverständlicher Dialekt. B.: Realistische Geräusche störten. Wiedergabe von Maschinen- lärm ist auf die Dauer nicht zu ertragen, raubt die Illusion, erwsijt den Eindruck von Sende- oder Empfangsstörungen. Zuviel billiger Optimismus in dem historischen Aufbau. Kriege der verschiedensten Epochen werden zitiert mit dem Unterton: es wird trotzdem alles wieder gut. Schlesien kann heute nur mit nationaler Grundstimmung gesehen werden. Aber sie darf nicht in Volkstumsromantik ausarten und statt typischer Dinge hübsche und interessante unterschieben wie in diesem Spiel. Arbesterführer hätten neben den Amtspersonen zu Wort kommen müssen. C.: Unterstreicht die Aeußerungen von B. Arbeit im Granit- bruch wurde ausführlich hörbar gemacht, ebenso Glasbläserei. Im Granitbruch aber liegt heute die Arbeit zu 100 Proz. still: Glas- industrie ist ebenfalls im Eingehen begriffen. Was uns geboten wurde, war der Gipfel der Unsachlichkeit. Der schwerblütige, stille Schlesier wurde als ausgelassener, stets zu Heiterkeit gestimmter Mensch geschildert. Der Weberaufstand wurde nicht als historische Begebenheit erfaßt. Katholisch« und evangelische Kirche wurden zu breit berücksichtigt. Den Schlesier Lassall« zitierte man zwar mit einem Satz, aber man erinnerte mit keiner Silbe daran, wer er eigentlich war. Dr. Heinrich Schulz Höst das Experiment für völlig ver- fehlt. Aus Ehrgeiz versuchen die einzelnen Sender sich zu über- trumpfen. Der Hörer will gar nicht soviel neues, er will Oualität. Die Fülle des vorliegenden Stoffes ließ sich in diesem Fall gar nicht in eine Reportage pressen. Die Red« von Kerr paßte schlecht in die Sendung, die statt dessen besser einige Worte des in Breslau ge- borenen Reichstagspräsidenten Lobe gebracht hätte. Mängel der funktechnischen Regie: In Lücken, die von der Reportage gelassen wurden, schob man ziemlich wahllos repräsentative Schallplatten. Vorsitzender des Arbeiter-Rodiobundes Segall: Es handelt sich bei der Aufführung um eine Reichssendung. Das bedingt besondere Rücksichten. Das Werk wäre bei nur lokaler Sendung wahrscheinlich kraftvoller herausgekommen. Regierungsrat Professor Dr. W o l d t: Das Hörspiel war zu wenig gestrafft, zu lang. Die historische Einleitung unbefriedigend, bestimmte wirtschaftliche Epochen(Weber) recht eindrucksvoll. Der Stosf zu vielseitig: erfolgreicher hätte man einen Bezirk des Landes zusammenfassen können. Die Kerr-Rede störte. Zuviel Lärm.„Ich kann nicht so hart urteilen wie die meisten Redner, weil ich weiß, wie schwer solche Reportagen zusammenzustellen sind." D.: Regie unzureichend. Im historischen Teil hätten statt Militär- marschklänge weniger schabloncnhaste Laute gewählt werden müssen, um die Stimmung von Krieg und Kriegsschrecken heraufzubeschwören. Auch der Weberausstand wirkte matt. Bruno Schönlanck findet den Bericht des schlesischen Hand- webers eindrucksvoll. Der Einzelmensch im Brennspiegcl der Zeit vermittelt stärkeres Erlebnis als die hörbar gemachte Masse. Die schlesischen Menschen hatten in dem Spiel aus dem Leben des Johann Eristian Günther, das Schlesien vor einiger Zeit brachte, viel klarere Gestalt als in dieser Reportage. Gen. Fla tau vom Arbeiter-Radiobund glaubt, daß vielen Arbesterhörern das Spiel gefallen habe. Die literarischen Akzent« haben gestört: der Arbeiterhörer muß ohne Vorkenntnisse imstande sein, solcher Sendung zu folgen. Der Autor Gerhard Menzel nimmt zum Schluß zu Ein- wänden Stellung, die gegen sein Manuskript gemacht werden. Durch Vorlesen einzelner Stellen daraus beweift er, daß mindestens manche Szenen viel plastischer waren, und daß ihm z. B. in der geschichtlichen Einführung die Gestaltung von Kriegsvisionen vorschwebte an Stelle einer nichtssagenden Aufzählung, die geboten wurde. Die eingefügten Schallplatten waren ihm zum größten Teil gar nicht bekannt. Des. Alfred Wegeners Forschertod. Der 1881 geborene Berliner Geophysiker Alfred Wegener ist, ol» Opfer allzu kühner Forschung, den weißen Tod im hohen Norden gestorben. Wegener ist einer der sympathischsten Führer der Natur- Wissenschaftler der Gegenwart gewesen. Da man die Skier Wegeners etwa 150 Kilometer westlich der Station Eismitte gefunden hat. kann man den Todestag auf etwa den S. November 1930 annehmen. Wegener war durch seine 1911 aufgestellte Kontinental. verschiebungstheori« bekannt und berühmt geworden. Nach dieser Anschauung Hot sich der Kontinent Amerika durch Loslösung von einem gemeinsamen Urkontincnt Europa-Asicn-Afrika gebildet, und die heute noch sichtlich gleichartigen Konturen der einander zu» gekehrten Leiten dieser Ländermassen sind der offenbare Beweis für diese geniale und doch so einfache Annahme. Obgleich dies« Theorie nicht bewiesen ist, auch kaum bewiesen werden kann, ist sie doch plausibel. Wenn nämlich in Urzeiten an der eurasischen Westküste ein neues Küstenland au» der Tiefe gestiegen war, so hätte dies gemäß der geringeren Drehgeschwindigkeit der tieferen Schichten eine Tendenz zum Zurückbleiben gegenüber der Erddrehung, also eine Drift nach Westen. Es ist dies einJ Erscheinung von der Art wie die bekannte Polslucht der Eisberge, die auch zu einer Polflucht der Kontinente werden kann, daß nämlich an sich geringe Kräfte durch Iahrmillionen hindurch ein« groß« Wirkung ergeben. Die Kontinente' sind dabei nach Wegener ungefähr wie Schlacken oder Schollen an- zusehen, die auf einem quasi flüssigen Untergrund schwimmen. Der Prozeß der späteren Erhebung Amerikas aus der Tiefe der Erde kann als eine Folgeerscheinung chemischer Vorgänge vermutet werden. Wegeners Sonderinteresse galt seit 1912 der Erforschung Grönland», wohin er wiederHolle Reisen unternahm. Er galt als sehr erfahren und zuverlässig, hat aber doch offenbar zuletzt einen schweren Fehler begangen, indem er aus der Station Eismitte in der Polarnacht des November aufbrach, um mit Hundeschlitten in Begleitung des Grönländers Rasmusscn ein« Reise von 400 Kilometer nach Westen zu machen. Man vermutet, daß er Nahrungs- mangel befürchtete für den Fall, daß sie alle auf Station Eismitte überwintern sollten, wo �schon Georgi, Loewe und Sorge waren. (Loewe war mit Wegener gekommen.) Durch«ine zufällige Häufung kleiner Mißgeschicke war nämlich alles in der Organisation dieser Expedstion verspätet worden, und die Station Eismitte, K00 Kilometer von der östlichen Küste entfernt, war nicht ausreichend ver- prooiantiert worden. Trotzdem hätte es bei sparsamer Bewirt- schaftung gelangt, zumal ja noch etwa 20 Hunde vorhanden waren, die notfalls geopfert werden kannten. Es war vor allem wohl Rück- ficht auf die andern, die nicht unter dem Mißgeschick leiden sollten, daß Wegener sich zu der gefährlichen, noch nie gemachten Reise mitten im Polarwinter durchs grönländische Hochlandeis entschloß. In Nacht und Sturm auf 3000 Kilometer Mecreshöhe eine Strecke von 400 Kilometer zurückzulegen, war auch dem erprobten Wegener nicht möglich, so erreichte ihn der Tod mitten aus seinem Arbeitsfeld im 51, Lebensjahr._ Münchener Festwoche: Neue Mufik. Sie begann mit der Uraufjührung von Franc«»co Mali» p i e r o s Musikdrama„Komödie des Todes"(Torneo notturno) im Nationaltheater bei Anwesenheit des Komponisten. Malipiero neigt bewußt zu einer neumusikalischen Ausdruckssorm und nähert sich diesmal einem Oratorium. Dieses in sieben Stationen gegliedert« Gemälde zweier symbolischer Gestalten(der Hoff- nungslose und Sorglose) erscheint als Operntext ungeeignet. Die Handlung vollzieht sich programmatisch: der am Leben Ver- zweifelnd« erhofft durch Tötung des Sorglosen neuen Lebensmut. erfährt aber nicht den Frieden der Seele. Trotz großen Können, gelangt der Italiener, der sich an Puccini und Debussy änlchnt, nicht zu jener Kongruenz von Ton und Wort, die das Ganze als einheitlich empfinden läßt. Bei der folgenden, mit größter Erwartung aufgenommenen Veranstaltung kam Alois Habas Viertelionoper„Die Mutter" zur Uraufführung. Seit Monaten hörte man von der mühseligen Probearbeit, für die ganz neue Instrument« benötigt wurden(Piano, Harmonium. Klarinette, Trompete und Harfe auf Dierteltön« eingerichtet), und von der Unermüdllchkeit des Dirigenten Scherchen. Regie. Bühnenbild und Einstudierung besorgten Prager Künstler.(Haba lebt in Prag.) Der Text, vom Komponisten gleichfall» verfaßt, bringt wenig Handlung. In den zehn Szenen steht die Mutter im Mittelpunkt, die Kinder zur Welt bringen will, um sich als Mutter auszuleben, die aufgeht in Fürsorge und seeli- scher Anteilnahme und so zur Ueberwindung aller Schwierigkeiten im Leben die Kraft hat. Haba hat in seiner Oper, die den reinen unthematischen Stil repräsentiert, bei der kein melodischer Einfall wiederholt oder variiert wird, bewiesen, daß das Dierteltonsystem nicht nur in der Kammer- musik, sondern auch in der Oper anwendbar ist. Dem Hörer wird diese Kunstart in ihren KompUzierthetten gar nicht recht spürbar. höchstens in einzelnen Solopartien. Es ist alle» auf Rhychmu» ge- stellt, und in dieser Beziehung begegnet man Längen von aufdring- licher Monotonie. Das Experiment schien das mit Musikern stark durchsetzte Publikum sehr zu interessieren, besonders die ungewöhn- lichen Klänge der Anfangsszenen. Der Komponist, und die Seele der Aufführung, Dirigent Scherchen, sowie die sich hingebend wid- wenden Sänger und die Darstellerin der Mutter, TinyDebuser, nahmen viel Beifall entgegen. Alfred Mayer. Die vier großen Operulheater Zkalieus schließen sich zusammen. Die vier größten Operntheater Italiens, die Mailänder Scala, da» Theater San Carlo in Neapel, die königlich« Oper in R o m und das Opcrntheater in Genua, beschlossen den Zusammenschluß zu einem künstlerischen und finanziellen Konzern. Der Konzern ver- pflichtet die Künstler für olle vier Bühnen zusammen. Di« Sänger treten abwechselnd in Mailand, Genua, Rom, Neapel auf. Keine verschaudelung der Akropolis. Der Bund Deutscher Archi- ickien hatte vor einiger Zeit in einer Kundgebung gegen die Absicht Stellung genommen, am Fuße der Akropolis ein Justizministerium zu erbauen. Ausländische Architektenverbänd» haben sich in der- selben Richtung bemüht. Erfreulicherweise haben die Vorstellungen der Architekten bei den maßgebenden Stellen Erfolg gehabt. Wie aus Athen gemeldet wird, ist der Plan aufgegeben worden. Di« erste Wohlfahrtsplatte der Deutsche« Dühnengenossenschast. Die Elektrola-Platte E. W. 100, gespielt von Marek Weber und ge- sungen von Marcell Wittrisch, ist soeben zum Preise von 4.S0 M. in allen autorisierten Verkaufsstellen zu haben. Da die Her- stellungsfirma wie die mitwirkenden Künstler auf alle Gewinne aus dieser Platte verzichtet haben, werden von jeder Platte 20 Pro- zent an die Wohifahrtskasse der Bühnengenossenschast abgeführt. Der 6. Juni Staaksfeierlag in der Somselunioa. Wie das Prä- sidium des Vollzugsausschusses der Sowjetunion mitteilt, ist der 6. Juni, der Jahrestag der Einführung der Räteverfassung, zum Staatsfeiertag bestimmt worden. An diesem Tage darf nicht ge- arbeitet werden. Aasftellvog von Schüler ar bellen graphischer Seruseschnlea. Seit der Umwandlung der Mberln FortbildimaSschulen in Veruitschulen wird dem Fachuliierricht in diesen Schulen erhöhte Ausmerksamkeit entgegengebracht. Einen Einblick in die Leistungen der graphischen Aachklalsrn birtrt die Ausstellung, die zur Zeil im Bu chgewerbesa al zu Berlin SV. 61. Drei- bundstrase 6, gezeigt wird. Di« dort ausgestellten Werkstück« find Lehr- ImgSarbeiien, nach denen der Stand der Berufsschule« wie auch der Lehrlingsausbildung im Buchdruckgewerde beurieilt werden kann. Der Buch- gewerhesaai Ist bei freiem Eintritt täglich von S bis 18 Uhr, Sonnabends von s bi» 14 Ubr, und am Sonnlag. dem 7. Juni 1931, von 11 MI 13 Uhr geöffnet, sonst Sonntag« geschlossen. Do» Vollner-Thealer wurde gestern plötzlich geschlossen, weil PiScator die Miele nicht ausbringen konnte. ES bleibt vorläufig geschloffen und dürste in ein Tonfilm-Theater umgebaut werdev. Heinrich Nest und Ordnerschafi. Eine Erwiderung. Zu dem in der„Vorwärts">Ausgabe vom 20. Mai veröffent- lichten Artikel„Die Berliner Volksbühne" von Robert Breuer, sehe ich mich, was den Abschnitt über meinen„Konflikt" mit der Orvnerschast anbetrifft, zu schärfstem Protest veranlaßt. Breuers Formulierung:„Der Streit, der sich hier aufgetan hat, ein« menschlich tiefbetrübliche Angelegenheit, ist wirtlich nichts, was irgendwie mit Kunst zu tun hat", muß, auch wenn Breuer es selbst nicht gewollt hat, zu der Meinung führen, es handell sich hier um persönliche, gor um ehrenrührige Dinge. Es handelt sich in diesem Streit selbstverständlich nur um Kunst, um nichts ander«-». Denn in einem Theater, auch in einem Verein, der seinen Ausdruck und seinen Zweck im Veranstalten von Theatervorstellungen findet, geht es nur um künstlerische Dinge. Geschäftliche Fragen sind von den künstlerischen nicht zu trennen. Diese Auffassung scheint ja auch die Verwaltung, in der die Ordner die Majorität haben, zu teilen, da sie den Rückgang der Mitglieder, zahl auf den verfehlten Spiel- plan der beiden letzten Jahre zurückführt, und mich— nicht Herrn Martin— für diesen Spielplan verantwortlich macht. Ihm gegen- über hätte ich auch mehr Energie im Verhindern von Ausgaben zeigen müssen.� Worin aber diese überflüssigen Ausgaben, wo» r i n die falsche Geschäftsführung besteht, konnte nicht festgestellt werden. Im Gegenteil, es mußte konstatiert werden, daß im letzten Spieljahr trotz des„verfehlten" Spielplans von Mariin eine in diesen heutigen schwierigen Theaterverhältnissen gewiß nicht ein« fache Ausbaiancicrung des Etats zu verzeichnen ist. Eine Aus- balancierung. die nur durch peinlichstes und knifflichstes Hand-in- Hand-arbeitcn der geschäftlichen mit der künstlerischen Gestaltung des Theaters zu erreichen war. Aus dieser Tatsache wird nun rückwirkend wiederum geschlossen, daß in früheren Iahren die Ge- schäftsfllhrung«ine allzu verschwenderisch« gewesen sein muß, da der Etat damals höher war als heute. Worin aber diese„Verschwen- dung" gelegen Hai, konnte im einzelnen wiederum nirgends fest» gestellt werden. Daß ich seit fast 35 Jahren mich— mit Erfolg— bemüht habe, oft durch nicht weniger schwierige Situattonen als die heutigen die Volksbühne hindurchzusteuern, sollte meiner unmaß- geblichen Meinung nach eher zu einer Anerkennung, als zu einer Vertraucnsentziehung führen. Das Fazit meiner jahrzehntelangen, organisatorischen, ge- schästsführenden, aufbauenden Bemühungen um die Volksbühne muß also für mich leider in der Feststellung liegen, daß an sich ehrenwerte, aber theaierfremde Elemente der Volksbühne der Schwierigkeiten wirtschaftlicher Krisenzeiten, wie der heutigen, nicht Rechnung zu tragen vermögen. Einen oder wenige für eine an- normale Zeit verantwortlich machen und nicht begreifen können, daß mit den Zeiten sich auch die Formen aller Institutionen ändern müssen. Im übrigen stelle ich noch einmal fest, daß dem Konflikt zwischen der Verwaltung und der Führung des Theaters keine persönlichen, sondern nur sachliche Motive zugrunde liegen. Heinricl,"Nelt. «« « Hierzu schreibt uns Robert Breuer: Heinrich Nest hat recht: Ich habe nichts sagen, auch nichts andeuten wollen, was irgend an seine Ehre rühr« oder auch nur rühren könnte. Ich habe den Streit zwischen Nest und den Ord» nern„eine menschlich tief betrübliche Angelegenheit" genannt. Dabei muß ich bleiben, denn es ist menschlich tief betrüblich, wenn Gesinnungsfreunde, die jahrzehntelang miteinander arbeiteten und kämpften, sich auseinanderleben, sich einfach nicht mehr sehen können. Darum aber handelt«s sich bei dem Streit zwischen Nest und den Ordnern, oder besser gesogt, bei dem Streit der Ordner gegen Nest. Es vollzieht sich das Schicksal einer brüchig gewordenen und auseinanderfallenden Ehe. Meines Erachten? gehl es hierbei weder um die Kunst, noch um die Verwaltung, noch um die Wah» rung des Budgets._ Das Wasser gibt die Toten wieder. Leichenfnnd am Mühlendamm. An der Mühlendammschleuse wurde heute früh die Leiche eines etwa 25 bis 30 Jahre alten Mannes aus der Spree gezogen. Der Tote, bei dem es sich zweifellos um einen Selbstmörder handelt, hat etwa 14 Tage im Wasser gelegen. Der bisher Unbekannte war bekleidet mit grauer Jacke, buntem Oberchemd, roter Krawatte und dunklen Hofen mit Sportgürtel. Er trug neu«, rötlich-gelbe Schuhe und graue Strümpfe. Die Leiche des SOjähvigen Friseurs Gerhard N e i s e aus der Kaifer-Wrthelm-Str. 24 in Lankwitz, der am Himmelfahrtsiage bei einem Segelbootunglück ertrank, wurde gestern von Wasser- sportlern aus dem S e d d i n s e e gelandet. Die Leiche des bei dem Unfall ebenfalls ertrunkenen 22jährigen Zeichners Rudolf P f i tz n e r au» der Rubensstr. 24 in Lankwitz konnte dagegen noch nicht ge- funden werden. * In W a n n s e e war gestern abend das Gerücht voneinem Bootsunglück verbreitet. Possanten hatten auf der Havel, un- wett der Pfaueninsel starken Feuerschein wahrgenommen, der nach einigen Mimiten wieder erlosch. Da vermutet wurde, daß einem Motorboot«-in Unglück zugestoßen sei, wurde der Reich«. wasserschutz und ein Feuerlöschboot alarmiert. Die Boot« suchten den betreffenden Flußabschnitt längere Zeit ob, konnten aber Spuren eines Unfalles nicht entdecken. Benzinexplosion in Katiowih. 40 Personen erlitten Brandverletzungen. Kalkowih, 21. Mai. Am Donnerstag gegen 3 Uhr morgen geriet wahrscheinlich durch Selbstentzündung das O e l- und B e n z i n l a g e r der Firma Schwielcwski in Kattowitz in Brand. Obwohl sämtliche Feuerwehren der Umgebung bald am Brandort eintrafen, war das Oelloger nicht mehr zu retten. Mit Hilfe des Schaumlöfchoerfahren» gelang es den Feuerwehren, das groß« Lsnzintanklager vor den Flammen zu retten. Bei der Explosion einiger Benzolfässer wurden zwei Feuerwehrleute durch den Luftdruck vom Dach gefchleu- dert und schwerverletzt. Außerdem erlitten weiter« 4 0 P e r- fönen, zum Teil Rettungsmannschaften, durch herumspritzendes brennendes Benzin Verletzungen. Der Schaden geht in die Hundert- tausend« und ist nur zum Teil durch Versicherung gedeckt. Der spanische Zinanzmiaisler hat mit den Vertretern der ruf- fischen Naphcha-Co. einen Doroerttag abgeschlossen, der die Beliefe- rung der spanischen Monopolgesellschaft mit russischem Petroleum vorsieht. Die russischen Lieferungen sind 18 Prozent billiger als die der Standard Shell-Gruppe. VerbeerendeAuswirkungen derKrise Äon 3S0V0 Berliner Holzarbeitern fast �6 OVO arbeitslos Iis gibt in Berlin wohl keine Organisation mehr, auf der die Wirtschaftskrise mit solcher Schwere lostet wie auf dem Deutschen Holzarbeiter-Verband. Der Geschäftsbericht, den Genosse Frei- gang am Mittwoch in der Generalversammlung der Berliner Holz- arbeiter über das erste Quartal gab, ist geradezu erschreckend. Etwa 35 OOO Holzarbeiter gibt es in Berlin, und davon waren am 15. Mai 25 974 arbeitslos. Allein im Laufe des ersten Quartals ist die Zahl der arbeikslofen Berliner Holzarbeiter von 23 858 auf 26232 gestiegen. und dann bis zum 15. Mai nur um 258 zurückgegangen. Dieses ge- ringe Sinken der Arbeitslosenzahl ist aber allem Anschein nach nicht auf eine Besserung der Beschäftigung zurückzuführen, sondern darauf, daß die älteren Holzarbeiter wegen„Berufsunfahigkeit" auf dem Arbeitsnachweis als Arbeitslose gestrichen worden sind. Hinsichtlich der Arbeitslosigkeit log Berlin während der drei Bcrichtsmonate auch weit über dem Reichsdurchschnitt. Im R e i ch s- durchschnitt waren im Januar 49,6 Proz. der Mitglieder des Holzarbeiter-Berbandes arbeitslos, in Berlin dagegen 55,7 Proz., im Februar im Reichsdurchschnitt 50,4 Proz., in Verlin immer noch 55,7 Proz. und im März im Reichsdurchschnitt 49,4 Proz. und in Berlin 55,4 Proz. Angesichts dieser trostlosen Beschäftigungslage war es kein Wunder, daß die Unternehmer auch in Berlin auf der ganzen Linie zum AngriffaufdieLöhne übergingen. Mit Ausnahme der ollgemeinen Holzindustrie, wo der Tarifstreit im ersten Quartal noch schwebte, ist fast keine Branche des Holzarbeiter-Berbandes um den Lohnabbau herumgekommen. Geradezu verheerend hat sich die Arbeitslosigkeit auf die K a s s e n v e r h ä l t n i s s e ausgewirkt. Die Hauptkasse mußte der Lokalkasse im ersten Quartal 192 000 M. zu- schießen, damit sie ihre statutarische Berpslichtung gegenüber den Mit- gliedern erfüllen konnte. Schlaglichtartig beleuchtet die Tatsache die schwierige finanzielle Situation der Ortsverwaltung, daß sie im ersten Quartal insgesamt rund 255 000 211. mehr ausgab, als sie überhaupt einnahm. Daß der Holzarbeiter-Berband eine solche finanzielle Belastung aushallen kann, ist ein Zeichen seiner ungeheuren Leistungsfähigkeit und inneren Stärke, die auch den Unternehmern Respekt eingeflößt hat. Erfreulicherweise hat die Mitgliederbewegung nicht in dem Maße gelitten wie die Finanzen der Organisation. Der Mit- gliederbestand ist nur um 263 auf 2 700 7 zurückgegangen. Angesichts dieser erstaunlichen Leistungen der Organisation, die daneben auch noch schwere Abwehrkämpfe mit den Unternehmern zu bestehen hotte, wogte sich die„Opposition� diesmal nicht hinter dem Busch hervor. Die Generaloersammlung verzichtete auf jede Diskussion über den Geschäftsbericht. Die„Opposition" machte sich lediglich lächerlich mit ihrer„Kritik" an den anschließenden Bericht des Genossen Boese über die Tarisverhandlungen mit den Berliner Holzindustriellen, über deren Abschluß durch die Entscheidung des Schlichters wir am Donnerstag im„Vorwärts" bereits berichteten. Trotz der Totsache, daß von den 35 000 Berliner Holzarbeitern fast 26 000 arbeitslos sind, brachte sie einen allgemeinen Streik der Berliner Holzarbeiter zur Erkämpfung der 40-Stunden- Woche mit Lohnausgleich in Vorschlag. Die zum Schluß der Generalversammlung vorgenommene Wahl eines Delegierten zum Gewerkschaftskongreß in Frankfurt am Main ergab mit 248 Stimmen gegen 29 Stimmen der„Opposition" die Wahl des Bevollmächtigten, Genossen F r e i g a n g. Die Gtreiklage in Krankreich. Belgische Textilarbeiter zum Streikbruch animiert. Paris. 21. Mai.(Eigenbericht.) Das Textilkonsortium von Roubaix-Tourcoing hat an den Arbeitsminister ein Schreiben gerichtet, in dem es für eine Wieder- aufnähme der Verhandlungen mit den belgischen Textilarbeitern eintritt, die nach angeblich zuverlässigen Nachrichten mit der Abschaffung der Anwesenhettsprämie einver- standen seien. Die Unternehmer haben also anscheinend die Absicht, sich der belgischen Arbeiter, deren Zahl sich auf 43 000 belauft, als Streikbrecher zu bedienen. Es ist zu erwarten, daß die belgischen Arbeiter auf dieses Manöver nicht eingehen werden. Der Verwaltungsausschuß des allgemeinen Arbeiterbundes (EGT.) hat am Mittwoch«ine Kundgebung erlassen, in der erklärt wird, daß er die nordfronzösischen Textilarbeiter in ihrem Kampfe in jeder Weise unterstützen werde. Die chrisllichen Gewerkschaften haben den Arbeitsminister und den Ministerpräsidenten an> Mittwoch um eine Vermittlung s- a k t i o n gebeten. Di« sozialistischen Gewerkschaften wollten einen derartigen Antrag nicht stellen, erklärten aber, daß sie sich der Re- gierung zur Verfügung stellen würden, falls diese sie zu hören wünsche. Die kommunsstischen Gewerkschaften sind dagegen zu keinem Annäherungsversuch bereit. Schießerei auf Streikende in Pole«. 6 Tote und 15 Schwerverlehte. Hattowitz. 21. Mai. Am Dienstag kam es auf den Gruben in Iaworzno im Krakauer Kohlenrevier zu blutigen Zusammen st äßen zwischen den streikenden Bergarbeitern und der Polizei, wobei sechs(nach anderen Meldungen vier) Arbeiter getötet, 15 Arbeiter schwer und eine An- zahl weiterer Personen leichter verletzt wurden. Während der L o h n v e r h a n d l u n g e n, die zwischen den Arbeitervertretern und der Grubendirektion im Verwollungsgebäude stattfanden, sammelten sich vor dem Gebäude etwa 7000 bis 8000 Arbeiter, um dos Ergebnis der Besprechungen abzuwarten. Aus der Menge heraus wurden drohende Zurufe laut. Vom Balkon des Direktionsgebäudes versuchte ein Arbeiteroertreter die Massen zu beruhigen und ermahnte sie, auseinanderzugehen. Kommunistische Agitatoren forderten daraus die Arbeiter auf, nach dem Elcktrizlläts- werk zu gehen und den Betrieb einzustellen. Als sich die inzwischen herbeigerufene Polizei dem Demonstrationszuge in den Weg stellte, kam es zu folgenschweren Zusammenstößen. Der Streik dauert noch an, doch hofft man, die Arbeiterschaft, die insolge der Vorgänge stark erregt ist, zur Wiederaufnahme der Arbeit bewegen zu können. kattowih, 21. Mai. Zu den blutigen Ausschreitungen während des Streiks in Iaworzno im Krakauer Kohlenrevier wird noch bekannt, daß am Mittwochmlltag eine groß« Kundgebung wegen der blutigen Vorgänge am Dienstag stattfand. An der Kundgebung nahmen auch der Krakauer Wojewode und der Londrat des Kreises Ehornow teil. Der Wojewode erklärte, daß die Bekannt- machung der Grubendirektion, die den direkten Anlaß zu den tragischen Vorfällen gab, zurückgezogen und der Berg- inspektor, der die Bekanntmachung über die neuen Arbeits- bedingungen veröffeMlichen ließ, seines Amtes enthoben werden wird. Di« Beerdigung der Opfer findet am Donnerstag stall. An der Beerdigung werden sämtliche Bergleute der umliegenden Gruben teilnehmen. Am Frellag soll die Arbeit wieder in vollem Umfange aufgenommen werden. Wetter für Berlin: Wechselnd bewölkt mit etwas Regen und ziemlich frischen, nördlichen Winden. Für Deutschland: Im Westen und Süden allmählich Besserung, im Osten noch vorwiegend bewölkt und zeitweise Regen. Ueberall kühl. v-rantwortl. fite dl» Redalti-n: Setbtti Scf-rt, Berlin: An, eigen: Tb. Slocke, Berlin. Verla«: Vorwärts Berlag(8. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Bsrlagsanstalt Paul Singer& So., Berlin£38 68, Lindenstrage 3. Lierzu 1 Beilage. kilW-M MMMm M M NMM Köpenick. Hiermi! laden wir die Mitglieder des ?Iussch»lscs zu der am Zrsila», dem 29. Mai d. abends 7". Ahr. im„.«iatseriiof", Ziövenick, Grllnltroße 10 ltleinen Snal) staufindenden oußerordentl. Ausschußsitzung »in. Tagesordnnng: l. iSatmngeilnderung. 2 Geichäftliches. Berlin» Köpenick, den 20. Moi 1961. Oer vorstand Otto Nickel, Vorfchender. MMUO Rgsfautönt Berlins BETRIEB- KEMPIHSKri MlCamcrnberl Me führende rtarhe Erhältlich in eilen Leben«- mitte!- and Feinkoct�ecchäften Donnerst., 21. S. Stuts-Oper Unter d. Linden 262. A.-V. 20 Uhr Timnih». Yn«« ti- orji- HanU Riciirbn] Die Planeten Pavana Letraln bleu itndej£22ülu Staats-Oper la mtr in botblik. 112. A.-V. 20 Uhr nadame Bnilertiy OtffutL KirtnentHl Ende g. 22',"i Uhr Donnerst. 21. S. sttidt. Oper Bismarcksir. Turnus III 20 Uhr Tiefland Ende 22'/, Uhr toatl Sthausph. (n GniUnuaiwitl. 225 A.-V. 20 Uhr Oer blaue Boll Ende n. 23 Uhr ttaatücbilln'Mer.Qiarltbg. 20 Uhr Bürger Schippel Ende 22", Uhr Vouubtlhne Theain an NllmM. 8 Uhr Die Ehe Staati.Sdiiiier-Tli. 8 Uhr Bürger Schippel B esonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN im „Vorwärts und trotzdei NdUUdN iFranz Mltzutl konz. Buchmacher | Centrale C 25, Alexanderslr. 51/52 M Telephon E 2, Kupfergraben 0802/03 Nebenstellen; » Berlin, Alexandersir, 29/40(Pasiage) „ Koppenstrahe 1 „ Dirckscntlr. 20/27 „ Boxhattener Ztr. 132 Obenchöneweide, WUheimlnenhofstr. 22 12 Monatsraten IS taddiaiz Berlin W8. LeioziQer Stf 1�-125- — Elite-Singer— Kottbusser Str. 6 Täglich «>/« Uhr Jm Rosengarten der lielie Vorher: Ein srsiRl. soloicll. ONtidtes MM 8 Uhr Der Haopunann von KögenliK v. Carl Zuckmayer aqia: Bai» Hilpert | 8'/, Uhr j Alles Schwindel iio Martelltu Säitfar. Musik von Mischa Spoliansky. liqi»; liest»! Giiutgrai Barnowskü-ßUhnen rnsater in flet Strcstmangsir. Täglich 8'/» Gestern n. 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Mai 1931 Bis Frellag 8 15 Sonnabend 7 and 10u An beiden Plingslf ei erlagen 1 2 x 5« 9 Uhr Rose-Garten An beiden Feiertagen O® das traditionelle Früh- Konzert mit 12 großen Va- Tietä-Nummem 000 nschm. Konzert, Variete u. d. Operettenscbwuk:. Das Liebesverbot<( Worten Sie nicht lange! Denn cm 24. Ist Pfingsten. Alles, was Sie brauchen, um die Feiertage und sich selbst zu verschönern, halten wir für Sic bereit Sommerlich leichte Kleidung, alles in besten Qualitäten zu ungewöhnlich billigen Preisen. Besuchen Sie uns schon heute oder morgen, Sie werden erstaunt sein über die gewaltige Auswahl und die nicht zu überbietende Preiswördigkeit. Kaufhaus Wilhelm Joseph Berltn-Schöncberg, Hauptstraße 163 PS Große Frankfurter Straß« iza U-Bahn Strausberger Platz «tägiger Vorverkauf tiglich von ix— i Uhr und 4— 9 Uhr Telefonische Bestellungen: Er Weich»«! 3422 Reichshallen'Theater Allabendlich sT) An beiden Feiertagen nachm. 213 Stettiner Sänger Sa» graste tPflngtl ZProgramm! 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Optische Eindrücke sind überzeugender und leicht faßlicher als noch so gut formulierte schrift- liche oder mündliche Darlegungen, wir nehmen widerstandsloser durch dos Auge als durch das Ohr auf. Die gute bildliche Darstellung einer Sache ist auch gegenständlicher, unmittelbarer als ein« schriftliche oder mündliche Schilderung: ein paar gute Photos von einer Industrieanlage z. B. können einen besseren Eindruck des Werkes vermitteln als ein noch so erschöpfender Bericht. Neben das Bild a�s Anschauungsmaterial tritt als wichtiger Bildungssaktor die S ch a u st e l l u n g, das M u s e u m. Die über- wiegende Anzahl der Museen stellt Gegenstände aus dem Gebiete der Kunst, der Natur oder der Technik zur Schau. Man sammelt Material aus vergangenen Zeiten und der Gegenwart, um dos Ver- ständnis für die Vergangenheit oder die Gegenwart zu wecken. Pe- strebungen, Museen und andere Schaustellungen pädagogischen Zwecken mehr als bisher dienstbar zu machen, werden gerode heute wieder mit besonderem Eifer vertreten. Große Gebiete der Wissen- schaft sind jedoch bisher der musealen Schaustellung verschlossen ge- wesen. es sind dies vor allem Gesellschafts- und Wirt- schaftswissenschaft. Diese Wissenschaften handeln nicht vom Menschen als Einzelgebilde, sondern vom Zusammenleben der Men- schen und ihren Handlungen, von Beziehungen der Menschen also, die schwer sichtbar gemacht werden können. Die vielen Ausstellun- gen, die in unserer Zeit veranstaltet werden, beschränken sich jedoch nicht mehr wie die ivduseen auf Gebiete der Kunst, Naturwissenschaft od�r Technik: bei dem großen Interesse der breitesten Oessentlichkeit für soziologische und wirtschaftliche Zusammenhänge sind es gerade diese Problem«, denen das Publikum in immer neuen Schaustellungen reges Interesse entgegenbringt. Die bisherigen Mittel und Möglichkeiten der bildlichen Darstellung von Wissensgebieten er- wiesen sich hier jedoch als unvollkommen und unzureichend,«s muß- ten für die Veranschaulichung dieser Fragen neue Lösungen gesucht werden. Wenn man die verschiedenen Ausstellungen, die Buch- und Zeit- schriftenillustrationen, die Reklamepfakote auf die Methoden ihrer bildlichen Darstellung betrachtet, so findet man Willkür und System- losigkcit. Die komplizierten Beziehungen, die veranschaulicht werden sollen, werden meist gar nicht auf die konkrete Wirklichkeit zurück- geführt, sondern durch Kurven, Linien. Winkel, Rauminhalte usw. dargestellt. Die meisten dieser Veronschaulichungen kommen dem Verständnis eines ungelehrten Menschen nur wenig entgegen, ihr pädagogischer-Wert ist sehr gering. Bereits seit einigen Iahren gibt es nun ein Institut, das sich ganz systematisch mit der Ausarbeitung einer Methode befaßt, sozio- logische Tatsachen in Bildern darzustellen. Es ist das Gesell- fchafts» und Wirtschaftsmuseum in Wien, ein Volks- bildungs- und Forschungsinstitut, das in mehreren ständigen Aus- stellungen in Wien volksbildnerisches Anschauungsmateriol über wirtschaftliche und gesellschaftliche Tatsachen zur Schau stellt. In Deutschsand ist dieses Museum durch seine Beteiligung an einigen großen Ausstellungen bekannt geworden, so z.B. an der Gesolei in Düsseldorf, der Hygieneausstellung in Dresden usw., in verschiedenen deutschen Städten hat es in Wanderausstellungen einen Teil seines Materials gezeigt. In Verlin hat es im Gesundheitshaus Kreuz- berg eine kleine Dauerausstellung«ingerichtet. Dem Gesellschafts- und Wirtschaftsmufeum sind angegliedert eine technische Abteilung, in der die Ausstellungsgegenstände � selbst hergestellt werden, und ein„Internationales Alu,. für bildhafte Pädagogik". Damit sind die Vorausseßun- gen gegeben, unter denen experimentell und wissenschafllich eine Methode entwickelt werden konnte, die vom Standpunkt der Päda- gogik und der Fachwissenschaft, aber auch in bezug auf das künstle- rische Niveau befriedigt. Bei der Ausarbeitung der Methode wurde darauf Rücksicht genommen, daß Symbole, die allgemein bekannt sind, Verwendung fanden, daß die Wirkung von Form und Farbe genau ausprobiert wurde, und daß die bildliche Darstellung der wissenschaftlichen Erkenntnis entspricht. Denn diese bildhaste Päda- gogik ist keine Spielerei, sondern eine ernste Erziehungsangelegenheit. Als letztes Ergebnis der Arbeit des Gesellschasts- und Wirt- schaftsmuseums liegt jetzt unter dem Titel„Gesellschaft und Wirt- schaft" ein Atlas sozialwissenschaftlichen Anschau- ungsmoterials vor, herausgegeben vom Dnektor des Museums, Genossen Otto Neurath. Die hundert farbigen Bild- tafeln und dreißig Texttafeln dieses bildstatistischen Elementarwerks sind„der erste systematische Versuch, auf Grund sorgfältiger Be- arbeitungen und Verknüpfungen vorhandener Daten und Kombina- tionen aller Art, den Augen ein buntes Bild der heutigen Mensch- heitszivilisation und ihrer Entwicklung zu geben". Die sehr gut ausgestattete, allerdings auch sehr teure Mappe enthält: 31 Bild- tafeln über die wichtigsten Weltreiche seit 5000 Iahren, über Heere. Kriege und Regierungsformen: 33 Bildtafeln über Produktion, Der- brauch, Handel und Verkehr: 12 Bildtafeln über Bevölkerung und Siedlung: 17 Bildtafeln über Arbeit, Organisation und soziale Lage; 0 Bildtafeln über Wirrschaftsformen und Religionen: dazu 30 er- läuternde und ausführende Texttafeln. Die Ausarbeitung der Tafeln ist so erfolgt, daß sich die einzelnen Bildtafeln miteinander vergleichen lassen, im Vergleich ergeben sich dann neue Zu- sammenhänge, die eine Einzeltafel nicht zeigen kann. Die Einheit- iichkeit der bildlichen Wiedergabe ist stets eingehalten worden, für denselben Gegenstand gilt dasselbe Zeichen, Abweichungen in der Form sollen auch Abweichungen im Inhalt aufzeigen. Diese Einheitlichkeit der Tafeln beruht aus der vom Gesell- schafts- und Wirtschaftsmufeum ausgearbeiteten„Wiener M e- thode": unter dem Motto:„Vereinfachte Mengenbilder sich merken ist besser als genaue Zahlen vergessen" setzt die Wiener Methooe an Stelle statistischer Zahlenreihen, die dem Laien langweilig und un» verständlich sind, einprägsame„M«n genbilde r", d. h. sorbige Symbole für eine bestimmte Menge Menschen, Maschinen, Roh- stofse usw.: Mengenverhältnisse werden nach dem Grundsatz anschau- lich gemacht„Eine größere Zahl von Gegenständen wird durch «ine größere Zahl von Zeichen wiedergegeben". Soll z. B. eine Ucbcrsicht über die Völkergruppen der Erde gegeben werden, so sind nicht große und kleine Figuren nebeneinandergestellt, wie die frühere Bildstotistik Größenunterschiede auf, zeigte, sondern Reihen gleichförmiger Figuren werden nebeneinandergestellt und mitein- ander verglichen. Auf diese Weise werden Tatsachen, bisher meist nur Fachwissen- schaftlern bekannt und dem Laien schwer zugänglich, bildhaft so dargestellt, daß sie von jedermann begriffen werden können. Das Problem,«ine Fülle von Wissen Volksgut werden zn lassen, ist hier fast spielerisch gelöst und damit ist diese Mappe ein wertvolles Unterrichtsmittel für Schulen und Erwachsenenbildung. Das Gesellschafts- und Wirtschastsmufeum hat mit dem Mundo- neum in Brüssel im Auftrage des Kongresses des Weltverbandes der pädagogischen Vereinigungen in Genf 1329 das Orbis- Institut gegründet, um einen internationalen Zivili- fationsatlas(Orbis) vorzubereiten und Ausstellungen und Museen zu schaffen, die als Glieder eines Weltmuseums („Mundancum") die Völker der Erde einander näher bringen sollen. Rickiarck Junge. föeiloge Donnerstag, 21. Mai 1931 A«ö trohdem: Freie Vah«! Ä«e Erklärung öee Krbeiterstndente« In Nr. 66 der„Vossischen Zestung" zeigt Dr. P ü tz f e l d am Tage der Beratung des preußischen Kulturetats in einem Leitartikel „Freie Bahn— wozu?" fürsorgliche Anteilnahme an den Schicksalen der Arbeiterabiturienten. Da wir Arbeiterstudenten nur selten die Ehre haben, in der Oessentlichkeit auf so wohlgemeinte Beachtung zu stoßen, gehen wir mit besonderer Freude auf diese Ausführungen ein. Dr. Pützfeld nennt die drei Einrichtungen von Arbeiter- obiturientenkurfcn in Frankfurt, Hamburg, Neukölln und betrachtet ihre Ergebnisse. Er erweckt durch seine Darstellung den Anschein, als ob das eine von ihm genannte Staatsexamen und der erfolgreiche Abschluß eines Arbeiterabiturienten an der Pädagogischen Akademie in Frankfurt— der übrigens in normaler Zeit erfolgte und ■nicht, wie es fälschlich heißt,„fast die doppelte Vorbereitungszeft gebraucht" hat— die einzigen Ergebnisse dieser drei Kurse seien. Der Eingeweihte aber weiß, daß die Angaben von Dr. Pützfeld nur die vorläufigen Resultate der Neuköllner treffen, und daß längst zwölf Hochschulerfolge z. B. der Hamburger Kursisten be- kannt sind. Er hat ferner verschwiegen, daß im Augenblick einige Neuköllner Arbeiterstudenten im Staatsexamen bzw. in der Doktor- Prüfung stehen. Uns scheint daher die Sorge um den Abschluß unserer Studien zum mindesten ein wenig verfrüht zu sein. In dem Artikel vergaß man weiter zu erwähnen, daß bisher zehn Semester seit den ersten, neun Semester seit den zweiten Reife- Prüfungen der Neuköllner Kursisten verflossen sind. Da die meisten von ihnen vier bis fünf Semester, einige sogar während der gesamten Studienzeit ihren Lebensunterhalt mit Erwerbs- arbeit bestreften mußten, war natürlich nicht zu erwarten, daß gerade sie sich nach der günstigsten Mindestsemesterzahl zum �Examen meldeten. Wenn nach dem Urteil der Professoren etwa zwei Semester mit Erwerbstätigkeit einem davon freien Studiensemester gleichzu- setzen sind, dann wäre diesen Studenten in Wirklichkeit nur etwa fünf bis acht Semester Vollstudium anzurechnen. Berücksichtigt man ferner, daß der D u r ch s ch n i t t s st u d e n t der Philologie und Medizin, der also mit der angeblich allein ausreichenden Vorbildung auf die Universität kommt, auch erst noch 12 Semestern (Durchschnitt 12,1) das Examen macht, so gewinnt das abschließende Urteil Dr. Pützfelds über die„am Wage liegen Gebliebenen" immer mehr den Charakter einer sehr merkwürdig anmutenden Schwarz- seherei. Es fei Dr. Pützfeld zugegeben, daß bei einer relativ so kurzen Vorbereitungszeft zum Abiturium einige Lücken im rein gedächtnis- mäßig anzueignendem Wissen vorhanden sein mögen, wie sie übrigens auch jeder Normalschüler je nach dem Schulsystem während des Studiums aufzufüllen Hot. Keineswegs aber werden'Neuköllner Arbeitertursiften über„geringe Schulung in geistiger Arbeit" klagen, weil wissenschaftliche Arbeitsmethoden, kritische Stellungnahme und selbständiges Urteil in einem Maße gerade in den Neuköllner Kursen gepflegt wurde, daß wir Kursisten nur allzuoft Gelegenheit hatten, uns über den Mangel an geistiger Schulung der in neun Schul- jähren„Ausgereiften" zu wundern. Wsrm Dr. Pützfeld wörtlich schreibt:„Man kann die Kandidaten selbst bitter genug darüber klagen hören, daß sie bei ihrem unzulänglichen Wissen und ihrer geringen Schulung in geistiger Arbeit aus der Hochschule einfach nicht mitkommen", so täuscht er fälschlich eine gute Bekanntschaft mit den Arbeiterstudenten und ein Wissen um die Dinge vor. Ein Dr. P ü tz f e l d ist in Kreisen der Arbeiterstudenten unbekannt. und man wird nie einen Arbeiterstudenten in angeführter Weise klagen hören. Alsdann enthält die Darstellung der Neuköllner Kurse mehrere Unrichtigkeiten. Irreführend ist beispielsweise der Satz„Mit der Empfehlung der Partei melden sich die jungen Arbeiter zur Aufnahmeprüfung. Da die Parteien durch persönliche Verbindungen einen gewissen Einfluß auszuüben vermögen, bleibt die Entscheidung über den Wert der Leistungen davon nicht immer un- berührt." Dies zeigt, daß Dr. Pützfeld von den Verhältnissen im Kursus keine Ahnung hat. Selbst der angesehenste Parteifunktionär hätte bei den wiederholten scharfen Prüfungen keine Sonder- behandlung erfahren. Unzutreffend ist u. a. auch die drei- bis vier- jährige„G y m n a f i a l"-Ausbildung: die Neuköllner Kurse bereiten ebenso wie die Homburger auf die Reifeprüfung für die Deutsche Oberschule vor, doch verzichten wir hier auf die Richligstellung der zahlreichen falschen Angaben und Ungcnauigkeitcn, die Dr. Pützfeld in seiner Besorgtheit unterlaufen sind. Es genügt der Hinweis, daß der„Vossifchcn Zeitung" mehrere Berichtigungen zu- geschickt wurden, von denen allerdings nur zwei ausgesucht und auch diese nur in kleinem Druck an verborgener Stelle erschienen sind. Wenn Herr Dr. Pützfeld aufrichtige Teilnahme an den Schicksalen der Arbeiterstudenten verspürt/sind wir gerne bereit, chm die Unterlagen zu einer Beurteilung der Verhältnisse zu geben. Aber wir müssen uns ganz energisch dagegen ver- wahren, daß man die in dem Artikel so zahlreich aufgestellten Unrichtigkeften und falschen Behauptungen zur Grundlage eines vor- schnellen Urteils darüber macht, ob die Arbcitsrabiturientenkurse in der bisherigen Form fortgeführt werden sollen. Der immer- währende Zustrom zu diesen Kursen beweist, daß der Bildyngsdrang des von den geistigen Gütern bisher ausgeschlossenen Proletariats so groß ist. daß diese Einrichtungen trotz der Anstrengungen und Eni- behrungen, die an den einzelnen herantreten, zu einem ständigen Bedürfnis geworden sind. Unstatthaft ist auf jeden Fall, die Ueberfüllung der Hochschulen und akademischen Berufe mit den Aufstiegsmöglichkeiten des Proletariats in Verbindung zu setzen. Es dürfte Dr. Pützfeld kaum entgangen sein, daß die Gefahr der „proletarischen Ueberslutung" der Hochschulen noch der Statistik auf 1,2 Proz. der gesamten Studentenschaft eingeschätzt ist. Im übrigen wendet sich seit einigen Jahren etwa die Hälfte der Arbeiter- abiturienten bewußt nichtakademischen, ebenso notwendigen Wirkungsseldern zu. Uns Arbeiterstudenten ist nach allem die rührend-mitleidige Anteilnahme an unseren Schicksalen sehr verdächtig. Sehen wir doch, daß der Artikel geschrieben war, um einigen Rednern im Preußischen Landtag billiges Material gegen den Kulturwillen der Arbeiterschaft ZU liefern. Was schadet es. daß es falsch ist? Es wirkt im Zlugenblick, die Berichtigung kommt ja doch zu spät! So enthüllt sich die Anteilnahme des Herrn Dr. Pützfeld als ein politischer Schachzug, diktiert von der Angst des Bürger- tums, die Arbeiterschaft könne in stärkerem Maße in die akademischen Funktionen vorstoßen und tatsächlich dao Bildungsprivileg des Be- sitzes brechen. Herr Dr. Pützfeld darr überzeugt sein, daß wir zu diesem Ziel unseren Weg fortsetzen werden. Im Namen der Neuköllner Arbeiterstudenten: Umdreit, Gutjahr, Tietgcni, Grcube. Sozialphilosophie und Sozialsorschung An Stelle des seit Iahren erkrankten Professors Carl Grün- berg. des oerdienswollen Herausgebers des Archivs für Geschichte der Arbefterbewegung, ist jetzt Max Horkheimer Leiter des Frankfurter Instituts für Sozialforschung geworden. Glcichzeftig ist Horkheimer als Professor für Sozial Philosophie an die Universität Frankfurt berufen worden. In einer Antrittsvorlesung, die soeben im Verlage Englert u. Schlosser, Frankfurt, erscheint, hat Horkheimer „Die gegenwärtige Lage der Sozialphilosophie und die Aufgaben eines Instituts für Sozialforschung" mit besonderer Ausrichtung auf das ihm nunmehr anvertraute Institut umrissen. Nach Horkheimer ist die Aufgabe der Sozialphilosophie„die philosophische Deutung des Schicksals der Menschen, insofern sie nicht bloß Individuen, sondern Glieder einer Gemeinschaft sind". Staat, Recht, Wirtschast, Religion, kurz die gesamte materielle und geistige Kultur der Menschheit, die nur im Zusammenhang mit dem gesellschaftlichen Leben der Menschen verstanden werden können, sind die Gegcnstandsbereiche dieser Soziolphllosophie. Den Ausgabenkreis des Frankfurter Instituts will Horkheimer folgender- maßen aktualisieren. Es sollen zunächst die Zusammenhänge er- forscht werden, die sich bei qualifizierten Arbeitern und Angestellten in Deutschland und in den anderen hochentwickelten europäischen Ländern„zwischen der Rolle dieser Gruppe im Wirtschaftsprozeß, der Veränderung in der psychischen Struktur ihrer einzelnen Mit- glieder und den auf sie als Gesamtheit im Ganzen der Gesellschaft wirkenden und von ihr hervorgebrachten Gedanken und Ein- richtungen". Ein zeitgemäßes Forschungsprogramm, dessen Resullaten man mit Erwartung entgegensehen wird. J. P. Mayer. Großstadt/ Familie/ Jugend Die„Deutsche Akademie für soziale und pädagogische Frauen- orbeft" setzt ihre Forschungsarbeiten mit einer Untersuchung von Günther Krolzig:„Der Jugendliche in der Groß- st a d t f a m i l i e" fort. Das Material lieferte eine schriftliche Um- frage bei Schulen und Berussschulen innerhalb Berlins. Die Jugendlichen äußern sich— natürlich anonym— mehr oder weniger ousftchrlich, in welchem Verhältnis sie zu ihrer Familie stehen. Es ist zuzugeben, daß ein so gewonnenes Material zunächst einen Ucberblick über die Beziehungen des jungen Menschen zu der Familie, speziell zu den Eftern geben kann. Auch wenn man ! berücksichtigt, daß bei fast ollen Niederschriften ein gewisser Geltungs- trieb in Erscheinung tritt, bleibt gentig Objektives, ja erschreckend objektives Materiol. Der Verfasser versucht in den Niederschriften, die naturgemäß in verschiedenen Richtungen lausen(es sind 2100 Niederschriften), und darum schwer statistisch zu erfassen sind. dadurch stoffliche Einheit zu schaffen, daß er das Verhältnis des Großstadtjugendlichen zur Familie nach drei Hauptbcgriffen for- mutiert: nach den gefe st igten, gelockerten und gelösten Beziehungen. Wenn sich zahlenmäßig ergibt, daß die gefestigten Beziehungen in der Mehrheit vertreten sind, so ist das noch kein Argument für den festen Bestand der Familie überhaupt. Vielleicht ist das Gegenteil richtiger, denn die Zahl der Niederschriften, die sich vollständig negativ zur Familie einstellt, ist leider so groß, daß es erklärlich wird, wenn sich diese jungen Menschen dem Radikalismus, sei es.in der Politik, in sexuellen Beziehungen oder überhaupt„begrisslich" in die Arme werfen. Ist es nicht bezeichnend, wenn ein Lehrling schreibt:„Ich bin nur bei meiner Familie, um zu essen und zu schlafen."? Dieses absolut negative Bekenntnis wiegt schwerer als positive Einstellungen, die vielleicht der Autoritäts- glaube diktiert hat. Sehen wir in der Familie das Fundament des Staates, so müssen wir mit dem Verfasser die Ausgabe erkennen, ihrer fort- schreitenden Erschütterung entgegenzuarbeiten. Es darf nicht ver- kannt werden, daß ein großer Teil der Jugend infolge der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse die Familie verneint, dennoch ist bei Vielen das Nein grundsätzlich. Nur eine verständnisvolle Pädagogik im Elterirhause und in der Schule kann hier ändernd eingreisen. dlarga Kunze. Die Ueberfüllung der Universität Nach den offiziellen Mitteilungen des Verbandes Deutscher Medizinerschaften im„Prämedicus" ist die Zahl der Lzörer zu den vorhandenen Plätzen derart ungünstig, daß von einem geordneten Vorlesungsbetrieb nicht. mehr gesprochen werden kann. In Bonn lind 120 Plätze vorhanden, ober 140 Hörer in der medizinischen Klinik. In München entfallen auf 300 Plätze 500 Hörer, in Prag auf 100 Plätze 675 Hörer. Nicht wesentlich besser sind die Verhältnisse bei der Ausbildung der Chirurgen. In Bonn kamen im letzten Semester auf 120 Plätze 185 Chirurgiehörer, in Prag gor aus 180 Plätze 925 Hörer. Der„Prämedicus" bedauert, daß er die entsprechenden Zahlen der großen deutschen Universitäten nicht zur Hand hat: denn hier ist die Ueberfüllung bekanntermaßen noch viel größer. Dr. S. Berlin— New Y ork in 22 Stunden!!! Hallo! Ewsteig« n zum Flug noch New Aork� Bald donnern 10 000 PS los. Nach 500 Meter Startstrccke hebt sich das Trans- azeanflugzeug„Rumpleria" vom Wasser ab, nach 4 Stunden ö Mi- nuten ist Plyinouth erreicht, wo die planmäßige Jwischenlandung vorgenommen wird. Nachdem Fluggäste und Fracht aus England und Frankreich aufgenommen sind, wieder ein Mordsgetöse der 10 000 PS und schon entschwindet die„Rumplena" am Horizont. Sind ja nur 5400 Kilometer über den Atlantik nach New?1ork. 18 Stunden und die Freiheitsstatuc ist ereicht. Also gut 22 Stunden von Berlin nach New Vork. Verblüffend. Kleine Weekendrcise! So ungefähr stellt sich Dr.-Äng. Rumpler den Ozeanflug vor, wenn erst einmal sein Ozeanflugzeug fertiggestellt ist. Darüber, wie dieses Flugzeug aussieht, vielmehr aussehen soll, sprach er dieser Tage im Automobilklub von Deutschland. Weitgehendste Dezentralisierung aller Lasten und weitere Verminderung des schäd- Itcheii Stirnwiderstandcs bildeten die Grundlage für den Entwurf des projektierten Flugzeugs. Motoren, Passagierräume(verschiedene Klassen selbstverständlich'), Frachträume werden innerhalb des Flügels untergebracht. Uebrigens soll ein gewisser Professor Junkers auch schon einmal auf diese Idee gekommen sein! Der gesamte Brennstoff wird in den beiden Bootsrümpfen verstaut. Wie der Vortragende an Hand einer Reihe Lichtbilder zeigte, liegen seinein Projekt eine Reihe Versuche und Messungen in äro- und hydrodynamischer Hinsicht zugrunde, die in Hamburg und Göttingen auf Reichskosten vorgenommen worden sind. Diese sollen in jeder Beziehung zufriedenstellend ausgefallen fein. Nun, auch dem„Do. X" find ganz tiefgründig« Versuche und Messungen an Modellen vorausgegangen, und trotzdem hat sich in der Praxis ge- zeigt, daß die tatsächlichen Leistungen von den erwarteten nicht un- erheblich abweichen. Der„Do. X" bringt es auf eine Reife- geschwindigkeit von 160 bis 170 Kilometerstunden. Rumpler nimmt für sein Projekt eine solche von 300(in Buchstaben: dreihundert) Stundenkilometern in Anspruch. Nach allem, was bisher von er- fahrenen Konstrukteuren herausgebracht worden ist, muß man diese Zähl etwas skeptisch betrachten. Aus vielerlei Gründen können wir dos Problem des Ozean- lufwerkehrs noch nicht in„greifbarer Nähe" finden, wie es dargetan wird. Es sind noch viele Fragen ganz grundsätzlicher Bedeutung erst zu klären. Besonders auch in motorischer Hinsicht. Und wer den Vortrag genau verfolgt hatte, konnte die Wahrnehmung machen, daß Dr. Rumpler eine Reih« von Dingen für sein Projekt als gelöst unterstellt, die aber erst noch der Lösung bedürfen. Das„Wenn" zog sich durch den ganzen Vortrag hindurch. Nur schrittweise wird der ganze Fragenkomplex, der das Problem heute noch umgibt, gelöst werden können. Da der Bau solcher Riesenkähne enorme Kapitalien verlangt, muß man besonders vorsichtig zu Werke gehen, um nicht am Schluß doch nur eine große Enttäuschung(und solche soll es schon manchmal in der Fliegerei gegeben haben) zu erleben. Und so nmß die Eröffnung des„Transozean-Lufverkehrshafens Wannsee" vorläufig noch verschoben werden. Der Ozean-Lufwerkehr * wird vorderhand noch in den Vortragssälen durchgeführt. Pritr Wittekind. Deuischlandflug 1931 Das deutsche Flugzeug-Handicap-Rennen Die Fed-ration Aeronautique Internationale hat auf deutschen Antrag beschlossen, den internationalen Rundflug in Zukunft nicht mehr jährlich, sondern in Abwechselung mit dem„Schneiderpokal" nur alle zwei Jahre auszutragen. Diese Pause benutzt der A e r o- klub von Deutschland, um in diesem Jahre ein Handikap- rennen für deutsche und österreichische Leichtflugzeuge„Rund um Deutschland" zu organisieren. Der„Deutschlandflug 1931", der vom 11. bis 16. August statt- findet, besteht aus einer technischen Prüfung und einem Streckenflug. Die technische Vorprüfung(vom 11. bis 14. August) erstreckt sich auf die Geringstgeschwindigkeit und auf den Brennstoffverbrauch. Die Gutpunkte, die die Bewerber in der tech- nischen Prüfung erhalten, werden ihm als Gutminuten beim Handikap für den Streckenflug berechnet, d. h. der Beste in der technischen Prüfung fährt als Erster. Um den Grundgedanken des Handikaps zu erreichen, werden für jeden Tag feste Etappen vor- geschrieben und auf allen Zwangslandeplätzen allen Bewerbern be- stimmte Zwangsaufcnthalte erteilt. Der Streckenslug geht vom 15. August vom Flughafen Berlin-Staaken nach Lübeck, Münster, Duisburg, Stuttgart nach München. Hier werden die Teilnehmer nach Absolvierung der ersten Tagesetappe(insgesamt etwa 1140 Kilometer) übernachten. Am zweiten Tage geht es von München nach Wien, Breslau und zurück nach Berlin. Insgesamt werden also innerhalb von zwei Tagen etwa 2130 Kilometer durch- flogen. An Preisen stehen vorläufig 75 000 Mark zur Verfügung. Die Deutschlandfahrt Ohne besondere Zwischenfälle oerlief auch die 13. Etappe der Deutschland-Rundfahrt von Hannover über Hameln und Paderborn nach Dortmund über 215,3 Kilometer, die nach einem Ruhetag am Mittwoch erledigt wurde. Ganz im Gegensatz zu ihren bisherigen Gepflogenheiten schlugen die 27 Fahrer von Beginn an ein sehr flottes Tempo an. Die einzigen Nachzügler waren hier der Italiener Piccin sowie Geyer, der kurz vor der Stadt einen Reifendefekt zu beheben hatte. Beide konnten aber bald wieder zum Felde aufschließen. Nach kurzem Aufenthalt ging es dann von Paderborn weiter über Soest und Unna nach Dort- mund, der Hochburg des rhcinifch-westfälischen Radsports. Der Ehr- geiz ließ den Dortmunder Metze nicht ruhen, als Träger des „weißen Trikots" auch als erster in feine Heimatstadt einzuziehen, wo mehr als 40 000 begeisterte Zuschauer die Deutschlandfahrer erwarteten. Kurz hinter Soest, einige dreißig Kilometer vor dem Etappenziel, machte sich Metze plötzlich davon, da er aber von seinen Landsleuten nicht unterstützt wurde, hatte ihn die Meute bald wieder eingeholt. Bereits eine halbe Stunde vor der in der Marschtobelle berechneten Zeit trafen alle 27 Mann geschlossen am Ziel ein. Metze fand in dem starken Feld zu spät freie Bahn und so mußte er den Etappensieg dem Belgier Degraeve überlassen, der ganz leicht mit zwei Längen Vorsprung gewann. kür Amateurphotographen Die von der Freien Photovereinigung veranstaltete Photoaus st ellung in den Rehbergen hatte einen vollen Er- folg. 5000 Besucher sahen sich die Leistungen dieser Arbeiter- amateure an, zeitweise war der Andrang so stark, daß abgesperrt werden mußte. Alle Arten photographischer Motive kamen in der Auestellung zu ihrem Recht, so daß die Vereinigung, die erst seit kurzem besteht, auf ihre bisher geleistete Arbeit zufrieden blicken kann. Anläßlich der Ausstellung haben sich viele Photofreunde in technischen Dingen ratsuchend an die Vereinigung gewandt. Um ifyaea die Qnmbtogrifff der Photographie z» oermlttew. werden Schulungskurs« eingerichtet, deren erster am 19. Mai, 20 Uhr, I im Schulphysikzimmer, Pank- Ecke Wiesenstraße, beginnt. Für die! photographische Kritik am Einzelphoto wird eine Arbeitsgemeinschaft eingerichtet, eine andere wird sich mit den sensitometrischen Grund- lagen der Photographie befassen. Dem photgraphischen Anfänger und Fortgeschrittenen bieten die V c r e i n s a b e n d e, die jeden Donnerstag Pank- Ecke Wiesenstraße stattfinden, Belehrung und An- regung. An den ständig Dienstags an gleicher Stelle stattfindenden Albeitsabenden werden alle Photoarbeiten von dem Amateur selbst unter fachkundiger Anleitung ausgeführt. Jeden Sonntag finden Motiowanderungen statt, die sich regen Zuspruchs erfreuen. Die Freie Photovereinigung ist dem Arbeiter-Lichtbild-Bund angeschlossen, sie will nicht nur zu ihrem Vergnügen photographisch tätig sein, sondern zum besten der werttätigen Bevölkerung. Bürgerliches„fair play" Verschämte Anerkennung von Arbeitcrsport- leistungen Die Deka-Filmgesellschaft hatte mit der Leitung des Berliner Kreises vom Arbeiter-Turn- und Sportbund ein Abkommen ge- troffen, Kunstreigenbilder der Berliner Arbeiter- s ch w i m m e r i n n e n zu filmen. Die ausgezeichneten Auf- nahmen der mit 64 Teilnehmerinnen durchgeführten Reigen liefen dann in der Emelka-Wochenschau mit der Ueberschrift:„Aufgenom- mcn im Stadtbad Mitte, Berlin: ausgeführt von Mitgliedern des Ar- beiter-Turn- und Sportbundes". Die bürgerliche Tagespresse und verschiedene illustrierte Zeitun- gen brachten Bilder aus diesen Vorführungen. Sie vergaßen aller- ding» hinzuzufügen, wer die Teilnehmerinnen waren. Bei bürger- lichen Kanonen wird das bekanntlich nie vergessen. Der„Jugend- ichwimmer" Nr. 6, das Beiblatt zur Zeitung„Der Schwimmer", Amtsblatt des bürgerlichen Deutschen Schwimmverban- des, bringt ebenfalls eines dieser Reigenbilder mit der verschämten Unterschrist:„Berliner Schwimmerinnen führen einen schwierigen Reigen vor". Scnst ist man in diesem Beiblatt nicht so zurück- haltend mit Angaben von Namen, Vereinen und Rekordleistungen. Es ist doch auch zu peinlich, wenn man zugestehen soll, daß diese -sich Arbeiterschwimmer etwas Hervorragendes leisten können. Aber immerhin: So hervorragend waren die Leistungen der Arbeiter- schwimmerinnen, daß die Bürgerlichen sie im Bild bringen mußten. Zu begrüßen ist der Entschluß des I.Kreises, endlich einmal die Qualitäten der Arbeitcrsportler vor eine weitere Oesfentlichkeit zu bringen. Arbeitersportler haben gar keine Veranlassung, gegenüber dem blöden Rekordquatsch der Bürgerlichen ihr(Film) Licht unter den Scheffel zu stellen. 5chviimner für Erfurt und Wien Die besten Arbeiterschwimmer Berlins versammelten sich im Stadtbod Schöneberg. Sie trafen sich, um die Kreisbesten festzustellen, die zu den Bundesausscheidungen nach Erfurt und später ihre Sportart zur Olympiade in Wien zu vertreten haben. Von den Gemeldeten haben nur Braun im Frauenrücken-, Ehringhausen im Männerbrust- und Kuphal im Frauencrawlschwim- men die Pflichtzeiten nicht erreicht und müssen der Ausscheidung in Erfurt fernbleiben. ZHänn», beliebt«, lbvo Meter: Krause. Berlin XII, W:?«.— Minner, Brust, IM Meter: Tieble, Berlin XII, 1:24,7.— graue», Rticken, 100 Meter: l. grohn. Neukblln. 1:Z0,Z! Z. Broun. Lichtender«, 1:45.«.— Männer. Rilckrn, 100 Reter: 1. Dunsel, Neutölln, 1:15,5; 2. grobn, Neukölln, 1:17,6; 3. Neminler, Lcllas, 1:18.— Männer. Brust. 200 Meter: 1. Brillit»». Charlottenbur«. 8:16,4: 2. Meincrt, griedrichebain, 3:16,5: 3. Chrinahausrn, Union, 3:24,4.— grauen, Crarnlen. 100 Meter: 1. grobn, Neukölln. 1:24; 2. Sbrinabausen, Union, 1:281: 3. Suvbol, Hello», 1:33,6.— Männer, Svrinqen, 8 Sorilnq«: L Sreu- sin«, Lichtenber«. 61tz Punkte: 2. Rachti«all, Hcllai, 60>l Punkte.— Männer, Crnwlen, 100 Meter: 1. Richter, lZreiheit, 1:08,8: 2. siwhn, Neukölln, 1:10,3; 8 Tchlöttke, Neukölln. 1:10/4.— grauen. Brust, 160 Meter: Braun, Lichten. der«. 1:41,4.— Männer, Rücken, 200 Meter: 1. Dunkel, Reukölln. 2:52,2: 2. Renmrler, Hella», 2:52.— Männer, Crarnlen, 200 Meter: Srichn, Tbar. lottenbur«. 2:3«._ Arbeiter-Hockey ZIGB. Tcmpclhof gegen JZ(BB. Nordring 2: 1. Das am Mittwoch ausgetragene Serienspiel konnte überraschenderweise Tcmpelhof für fiel) entscheiden. Nordring glaubte mit einer Sommermannschaft den Gegner beherrschen zu können. Wenn auch der Ausfall des Läufers noch hinzunehmen war, so konnte der Verteidiger nicht wirkungsvoll ersetzt werden. So nützte Tempelhof die Schwäche geschickt alts und konnte beide Tore er- beuten. Wenn Nordring im technischen Spiel etwas besser war. so konnte Tempelhof das durch größeren Eifer ausgleichen. Das Resultat von 2: 1 entspricht dem Spielverlauf vollauf. Die Tempel- hofer Mannschaft konnte trotz einzelner Schwächen, besonders im Spielaufbau, gefallen, was auch das Eckenverhältnis von 11:6 deut- lich erkennen läßt. Kein Wohltätigkeits-Radrenncn Das für Pfingstdienstag, 26. Mai, vorgesehene Radrenney „Rund um die Brandstätte", dessen Erträgnis den beim Brande der Rütt-Arena geschädigten Rennfahrern zugute kommen sollte, kann nicht stattfinden, da der Besitzer des Geländes feine Genehmigung versagt hat. Als Grund wird angegeben, daß bei der Meisterschaft der Zeitungssahrer verschiedene Schäden an Bau- lichkeiten verursacht worden sind. Um den Rennfahrern aber dennoch weiter zu helfen und über die vom Bund Deutscher Radfahrer zur Verfügung gestellten 4000 Mark hinaus noch weitere Mittel zu be- schaffen, sind neue Aktionen im Gange, deren VerwirNichung in naher Aussicht steht. Kleiner Sport von überall Zrauensport am weddiug.„Volkssport Wedding" ruft alle turn- und sportfreudigen Frauen des Weddings zur Gründungsoersamm- lung einer 3. Frauenabteilung heute Donnerstag nach dem Sport- Haus im Stadion Rchberge, Zimmer 22, um 19� Uhr. Auskunft durch Richard Toppel, Berlin-Reinickendorf-Ost, Luisenweg 18. Telephon D 9 0688. Arbeilerschach. Heute, Donnerstag, 20 Uhr, veranstaltet die Abteilung Kreuzberg, Planufer 75/76, einen Werbeabend. Vortrag über„Eröffnungslehre". Anschließend Blitzturnier. Sonnabend. 30. Mai, findet im Norden eine große Werbeveranstaltung statt im Lokal„Oswald Berliner". Brunnenstr. 131. Es findet ein Weit- kämpf Weddiug I gegen Friedrichshain I und ein Kampf Lichten- berg I gegen Humboldthain I statt. Pfiugstzeltlager an der Krampnitz. Die 5?avelaktionsgruppe Schwarzrotgold Potsdam veranstaltet ein großes Pfingfttreffen im Zeltlager an der Krampnitz(Westuser). Reichsbanner-Wassersport- Abteilung Havel und Freie Kanu-Union haben bereits ihr Erscheinen zugesagt. Alle anderen Bundesoereine sind als Gäste willkommen. Betriebszeil märkischer Schleusen am ersten Psingstfeierlag. Das Wasserbauamt Köpenick gibt bekannt, daß am ersten Pfingstfeiertag die Betriebszeit a» de» Schleuse» Neue Mühle, Lummersdorj, Storkow und Wendisch-Rietz durchgehend für den Sportverkehr out die Zeit von 7 bis 21 Uhr und für die Schleuse Woltersdorf auf die Zeit von 7—13 und 17 bis 20 Uhr festgelegt ist. Unterkunft von jugendlichen Ruderern und Aanusahrera au den Schleusen. Der Wassersportbeirat teilt mit, daß fiskalische Räume an den Schleusen usw. für die Unterbringung von jugendlichen Ruderern und Paddlern zur Verfügung gestellt werden können, wenn ein Unterkunstsschein vorliegt, der bei der Verwaltung der Märkischen Wasserstraßen zu beantragen ist, unter der ausdrücklichen Versiche- rung, daß die Verwaltung jedoch keinerlei Haftpflicht übernimmt. Turn- und Sportsest der deutschen Lehrer. Das alljährliche Lehrer-Turn- und Sportfest findet diesmal am 26. und 27. Mai in Frankfurt a. M. statt. Die Beteiligung aus allen deutschen Gauen ist mit 700 Nennungen ausgezeichnet ausgefallen. Allein die Hälft« davon entfällt auf die leichtathlctifchen Prüfungen. 70 Nennungen wurden für die Schwimmwettbewerbe abgegeben, der gemischte Siebenkampf bringt 30 Bewerber zusammen, die gleiche Anzahl wurde für die Tennisspiele eingeschrieben. Freie Faltb»ots<>I>rer Berlin. Danncrsta«, 21. Moi. 20 Ustr, Fahrten» 1.clprcKun«cn der Kruope» Noröen ira Iu«endl>cim Schönsteölstr. 1. Nordeste» bei Schädel. Prenzlauer«llee. Tüdosten.Svortdaus". Dircksenstr. 1. mchrlen »nO Abfall rt»leiten rocrden in den Gruppen bctannt«««rben. Arbeitersport, Kartell«cddin«. lVreita«. 22. Mai, 19'/» Uhr. B-te>lr«>m, an der SÄg.»Versanrmlun« in der Littven-Brauerei, Hochstr. 2.»Segen Faschi»- mu» und Wirtschaftsnot." Frei- Sport, und Schühenoereiniau»« S roh. Berlin,«bt. Prenzlauer Bcr«. Heute, Dvnnersta«, Gästeschießcn im Friedrichshain. FreUag, 22. Wa:, Bei- einsfchiesten. Eännabend fällt aus. � �, »rbeitri-Schäb'-bund.«bt. Seddin«. Donnerstag. 21. Mai, Uebungs- abend in der Turnhalle Triftstraste. Freitag. 22. Mai. Wir stellen zur»und. gcbuna der TAI. um 19 Uhr in der Löwenbraueret, Hochstvaste, Ordner. Schwim»«»sparte. Mittwoch. Tl. Mai, 20 Uhr, eisäss-r Str.«6, Sparten. vorftandsststun«..... Frei««ao». Union»rost. Berlin,«bt. Oberspre«. Pfingstsahrt nach Freien. brint.—«bt. Saoel. Pfingstfahrt nach»rampnist. »Soli-,»roftfahrcr. Tonren zu Pfingsten,«bt.»renzber«: Brcolau�rahrcr. Start: 23. Mai. 7 Uhr, Neichens, crger Str. 91. Buschmsthle, Frankfurt a. d. O. 24. und 23. Mai. 7 Uhr Warschauer Eck- R'valcr Strohe. ZMVensee. 25. Mai, 18 Uhr, Schlest sches Tor.—«bt. Friedrichahain: Rheinsbera. Zechliner Hütte. 24. und 25. Mai. 5 Uhr Landsöcraer Plast.—«bt. Neukölln: Ueder Tor«au nach Wörlist. 24. und 25. Mai. 3 Uhr Sohenoollcrnplost.—«bt. Norden: Sag» lEchwarzer Adler) im Sternberper Land. 24. und 2S. Mai. 6 Uhr Seestr. 62.— Abt. Wilmersdorf: Rilaen. 2t. bis 26 Mai. Start nach Berelnbarun«. Fahrt >»» Blaue. 26. Mai. S Uhr. Sil»e«arbstr. 14.--«bt. Sharliottcnbur«: Ahlbeck. 23. bis 26. Mai. I» Uhr. und 24. bt« 26. Mai. Sorz. 4 Uhr. Beide Start, Wil»ner«borf?r Str. 21.— Abt. Oberfchöneweibe: Muskauer Park. 24. Mai. ö Uhr. Wildelminenhofftr. 64.— Abt. T-mpeldof.Maricndorf: 24. Rai. Kiel am Start. 6 Uhr. 2S. Mai. Fiel am Start. 6 Uhr. Beide«uosürsten.<27- Schiistenstraste.— Abt. Treptstn.Bau!nschulenw«g: 24. b!» 25. Mai. Schlaubetal. Start»ach Bereinbarun«.—«bt. Moabit: Frauensee. 23. bis 25. Mai. 20 Uhr Wiclefstr. 17.— Bcrfammlun«sn: Abt. Oberfchöneweibe: 21. Mai, 20 Uhr, Wil- helmincnhokstr. 04.— Abt. Tempelhof.Marienborf: 21. Mai, 20 Uhr.»ureürft'n. tfcke Schüstenstraste.— Abt. Charlottenbnr«: 21. Mai. 20 Uhr. Wilmersdorfer ötraste 21.— Wienfahrer! Die Zusammenkunft findet Mittwoch, 27. Mai, 20 Uhr, Seeadler, Seestr. 02, statt. «Iterorieaen, 1.»wio. Sonniaq. 7. Juni, 9 Uhr, Spielt«« im Siadia.t am Faulen See, Hohenschönhausen. jV, ÄB[N!> Rückschau. Der dritte Rußlandvortrag von Dr. Herbert Weich- männ im Programm der Deutschen Welle: das Thema hieß„Neuer Aufbau". Wie sehen die praktischen Leistungen des neuen russischen Staates aus? Aufbau angestrebt wurde im wörtlichen Sinn: Woh- nungen und Ktuts für den einzelnen: Industriebauten für dep Staat, also für die Gemeinschaft. Die Häuser und Klubs sind modern und sachlich in der äußeren wie in der inneren Gestaltung: die Fabriken gewaltige Bauwerke, oepsehen mit allen Errungenschaften der Technik, auf die rationellsten Arbeitsmethoden eingestellt. Hat sich den russischen Menschen hierin schon etwas von dem Zukunfts- ftaat geoff«nbart? Der Wohnungsbau ist vorläufig für das ruffffche Volk mir ein Versprechen. In Moskau, der Repräsentationsstadt der Sowjetunion, ist erst ein einziger dieser modernen Wohnblocks erstanden, der als„Kommunehaus" alle Familien zu einer Art Gemeinschaft zusammenfaßt. Die gesamten neugeschaffenen Wohnungen von Moskau und Leningrad entsprechen ungefähr dem Wohnungsbau einer mittleren deutschen Stadt. In Moskau beträgt die Zahl der Wohmingslosen etwa 250 000, in anderen Städten bis zu einem Drittel der Einwohnerschaft. Aber die Wohnung ist eine Angelegenheit der einzelnen Familie, und die kleine Gemeinschaft muß in Ruhland hinter der größeren zurücktreten. Bessere praktische Erfolge als im Wohnungsbau zeigen sich bei der Sehaffung von Klubhäusern. Diese Bauten fallen im Straßenbild auf durch ihre monumentalen Fassaden, hinter denen sich ein Stück wirklicher Smojetkultur verbirgt. Es gibt hier Büchereien, Verfammlungs-, Turn- und Speiseräume. Doch die Bildungsziele der Klubs sind heute längst vergessen oder wenigstens stark in den Hintergrund ge- treten: der Klub wurde zur politischen Kaserne, in der es keine freie Aussprache mehr gibt und in die nur Zutritt findet, wer bereit' ist. kritiklos die Anordnungen der Regierung hinzunehmen und zu be- folgen. Der Schwerpunkt des ruffischen Aufbaues liegt jedoch auf industriellem Gebiet. Großartige Anlagen sind hier«nt- standen. Auf Kosten der Lebenshaltung der breiten Masse ist der Fünfjahresplan sundamentiert worden. Er ist ein Wechsel auf die Zukunft. Heute läßt sich noch nicht voraussehen, wie hoch sein Realwert sich beläuft. Aber die Schwierigkeiten, die Industriegebiete wirtlich rationell zu bewirffchaften und die Erzeugnisse rationell zu verwerten, sind sehr groß. Es fehlen der Sowjetunion die qualifizierten Arbeiter für diese Betriebe: es fehlen die Absatz- gebiete, die für bestimmte Produktionen in dem von Rußland angestrebten Maße heute gar nicht zu schaffen sind. Des. Ooanerstax, 21. dtai. Berlin. 16.05„Junge und Alte**. Ein Dreiicspräch. 16.30 Solistenkonrcrt 1. Aubert: Sonate.(Cndre Oertier, Violine.) Bach: Priludium ond Fuge. C-MoII.(Carl Robert Blum, Flügel.) 3. Schillings: Vier Olockcnlieder(Carl Spittcler).(Paul Stieber- Walter, Tenor.) 4. Niemann: Kleine Suite op. 102(Carl Robert Blum). 5. a) Mozart: Rondo; b) Zsolt: Libelle; c) Hubay: Mazurka.(Endre Gcrtlcr. Flügel: Julius Bürger.) 17.30 Theodor Kappstein: Palästina. 17.50 Alfons Goldschmidt: Weshalb wanderp die Menschen? 18.20 Carlo vön Bremen liest eigene Dichtungen. 18 40 Aus den Archiven der Männergesangvcrcinc. 19.00 Studenten diskutieren(I.): Die Aufgaben des Volksstaates.(Ltg.: Prof. Dr. Hennann Heller.) 19.40 Tanzabend. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Abcndunterhaltung. Königswusterhausen 16.00 Prof. Dr. Friedrich- Feld: Bcnifsschulerzichung. 17.30 Mersmann: Hausmusik. 18.00 Dr. Traub: Ouerdurchschnitt durch deutsche Zeitschriften. 18.25 Prof. Dr. R, Saitscbick: Fausts Ringen um das Kulturideal und die innere Not unseres Zeitalters. 19.05 Englisch für Fortgeschrittene. 19.30 Dr. Wachs: Der Niederungsmoorboden, ein Schatz fflr den landwirtschaftlichen Betrieb. 20.00 Leipzig:„Das Liebesverbot'*. 21.30 Deutscblandsender: Aus Eisenach: Tagung des Frauenbundes der Deutschen Koloniaigcsellschaft Dr. Schnee, M. d. R.;„Deutschlands über- seeische Zukunft", 2245 Wetter-, Tag»- tnd Sparte ackricton,