Morgenausgabe Freiiag i®.,«....-if### tt «öch-nmch SV?,. Mon-Mch�ko M W> I SM/ wi'T/ n B SB W> Hb''«k......- iLSSUiSUAUK« M fiJI■■■ b. I■■ Hl uHz W 72 PI.Postbestellgedühr-n. Zluslands- �MDsI\CJSm B raU jg9 BB MD DM DM DM obonnem-nl 6,— TO. pro ÜRonai; mBBMKJ fr fOH IQ>> WW|B MW WW(ZB KB MM MM mit trmäßigt-m�Dtucklach-n- l j�B �B �B IBI WB .votmirl,'«richkii» rnochentig- �M ll. lich zweimal, Sonntage und Montags UUm.\~/'/ s MMMV einmal, die Adendausgad« für Betlin/ und im Kandel mil dem Titel.Der »Technik".„Blick in die Bücherwett". bF B H �1 SB B �8 El W�W DgMW B B Der Verlag behält sich das Necht der .Jugend-Borwärts'li..Stodtbeilage� WW� Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vvrl Jenttawvsan der GoziatdemoSvattsOen Partei Deutsrblmws Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Ltndenstr. 3«1 ft iS Postscheckkonto: Berlin 87 5Z6.-Banttonlo: BankderArbeiier.Angestelllennn» Fernsprecher: Dönboss L9Z— 297 Telegranim-Adi l Sozialdemokrat Berlin. nV V» tvU t*V' v l IUU V_/» III< V« �/» Beamten, Lindenstr.g,Dt.B.u.Di»c.-Ge!.,DepostIenk.,JerusaIcmer Str.KZ'VK. ÄUSWanv 2.Z �s. Die einspalt. Nonparetllezeile 80 Pf. Ketlamezeile 5,— RM.„Kleine An« zeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), sedes weitere Wort l2 Pf. Rabatt lt. Taiis. Stellengesuche das erste Wort lö Pf� jede» weitere Wort 10 Ps. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwe, Worte. Nrbeitsmarkt Zeile öl) Ps Familien- anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahme lm Hauptgeschäft Lindenstrahe 3. wochen- nnn Äl/- hi« 17 Uhr. Vorstellungen bei Brüning. Ernste sozialdemokratische Mahnung an den Reichskanzler. Der Vorstand der sozialdemokratischen Reichstags- fraktion beschlos» am Donnerstag, die Reichstagsfrattion ans Tonnerstag. den 28. Mai. nach Berlin einzuberufen. CPc beschäftigte sich ferner mit der politischen Lage und erörterte in mehrstündiger Aussprache die gegenwärtig im Vordergunde stehenden innen- und austenpolitischen Probleme. Ter Vorstand beschlost unter anderem, bei dem Reichskanzler Dr. Brüning erneut ernsteste Vorstrllun- gen in der Brotpretsfragc zu erheben und zu der- langen, dast die Regierung durch eine allgemeine Senkung des Weizen» und Roggenzolls binnen kürzester Frist die Gewähr fiir die Vermeidung weiterer Brotpreiserhöhungen und für die Rückgängig- machnng der bisherigen Preissteigerungen schaffe. Ter Reichskanzler soll dabei nachdrücklichst auf die p o l i t i- Räch dem johl vorliegenden Berich» der Beichsonstalt hol sich die Cntfcstimg des Zlrbeilsmarkles im ganzen Reich forlgesehl, sz daß sich in der Zeil vom ZO. April bis 15. Mai die Zahl der Erwerbslosen um weitere 140000 Personen vermindert hat. Die Enllaslung in den einzelnen. 14 Tage umfassenden Berichlszeilen slelll sich wie folgt: 15. bis Zt. März...... 226 000 Personen 1. bis 15. April...... 120 000 15. bis 30. April...... 240 000 1. bis 15. Mai...... 140 000 Seit dem Höhepunkt der winterlichen Arbeitslosigkeit, die mit 4 072 000 Erwerbslosen die 5-Millioneu-Grcvze fast erreicht«, sind also in den vergangenen acht Wochen rund 726000 Erwerbs- lose wieder in den Produktionsprozeß eingestellt worden. Am Stichtag, dem 15. Mai, waren somit noch 4 211 000 berufstätige per- sonen in Deutschland arbeitslos, eine für die jetzige Zahreszeil er- schreckend hohe Zahl. Der Pessimismus über die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands in diesem Jahr kann auch durch die Talsache nicht ge- mildert werden, daß die Entlastung des Arbellsmarktes diesmal in der e r st e n M a i h ä l f t e so stark war wie lm vergangenen Iahr imganzcnMonalMai. Dielleberlagervngder Arbeits- Brüssel, 21. Mai.(Eigenbericht.) Di« Regierung ist zurückgetreten, infolge der Debatte über die Festungsentwürfe. Die katholisch-liberale Mehrheit hatte vorher mit St? gegen 77 Stimmen den sozialistischen Antrag auf Vertagung bis nach der Abrüstungskonferenz abgelehnt. Die katholische Fraktion forderte von der Regierung Herabsetzung der Festungs- kreditc von 300 aus 175 Millionen und Entfestigung Antwerpens. Der Ministerpräsident hatte diese versprochen, jedoch ohne Wissen der liberalen Fraktion, deren Führer Deoeze in der Kammer er- klärte, seine Fraktion weigere sich, die Kreditherabsetzung zu ge- nehmigen. Darauf erklärte sofort der neue Kriegsminister D o o« s s e seinen Rücktritt. In der Kaininer entwickelte sich ein unbeschreiblicher Tumult. Die Opposition r,ef unaufhörlich:„Demission, Demission 1" Der Präsident hob die Sitzung auf: eine Viertel- stunde später war die Regierung zurückgetreten. Obwohl der Rück- tritt Iaspars in erster Linie ein s o z i a l i st i s ch e r Triumph ist, wird unsere Partei an der Bildung einer neuen Regierung nicht teil- nehmen, ehe die in der Neuwahl von 192? verloren gegange- scheu Folgen aufmerksam gemacht werde«, die durch ein Versagen der Reichsregierung in dieser politisch und psychologisch so ungemein bedeutungsvollen Angelegen, heit entstehen würden. Tre Vorstand erörterte sodann die Gventualitäte«, die sich aus dem geplanten Erlast einer neuen Not» Verordnung ergeben könnten. Lhnc den Beschlüssen der Fraktion im einzelnen vorzugreifen, stellte er sich auf den Standpunkt, dast die überaus ernste Finanzlage der öffentlichen Körperschaften nicht zu einem Abbau der sozialen Einrichtungen benutzt werden darf. Tie Finanzsanierung müsse mit Mitteln erzielt wer- den, durch die eine weitere Verschlechterung der Lebens» Haltung der durch die Wirtschaftskrise im besonderen Mäste geschädigten Volksschichten vermieden werde. losigkeil gegenüber der gleichen Zeil 1030 Hot sich zwar jetzt zum ersten Male spürbar ermäßigt, bleibt aber mil 1,51 Mill. immer noch enorm hoch. Die durch die verschärfte Gesetzgebung zunehmenden Ausstene- rungen kommen auch in der Berichlszeit darin wieder zum Ausdruck. daß die Hauplunlerstühungsempfönger in der Arbellslosenversiche- rung um 174000 auf 1,71 Mill. zurückgegangen sind. Andererseils hat sich die Zahl der krisenunterstützlen noch um rund 11 000 erhöhl vnd beläuft sich damit auf 014 000 Personen. Im einzelnen hat die Aufnahmefähigkeit der Saisonberuse nach- gelassen. Dies hängt vor allem mll der Beendigung der Frühsahrs- beslellung in der L a n d w i r l s ch a f l zusammen, bei der um diese Zeil regelmäßig eine gewisse Arbeitspause bis zum Ernlebeginn ein- »rill. Am L a u m a r k k hat die Täligkeil langsam zugenommen, doch bleibt der Beschäftigungsgrad hinter dem Vorjahr erheblich zurück. Zm Bekleidungsgewerbe hat auch in der Berichlszeit die Belebung angehalten, während die Entwicklung in der Schuhindustrie wenig befriedigend ist. Die Lage in der Schwerindustrie ist trostlos geblieben. Obwohl seil Anfang 1030 bereits über 100 000 Bergarbeiter auf die Straße gesetzt wurden, hat der Beleg- schaftsabbau im Steinkohlenbergbau sich auch in der ersten Maihälfle noch forlgesehl. Auch in der Eisen- und Stahlindustrie ist bisher noch keine Vesierung zu sehen. nen Mandate zurückgewonnen sind. Iaspar ist erledigt: die demokratische Mehrheit des Landes erträgt keine persönlichen Regierungsmethoden. Alfonsos Vermögen. 36 Millionen Peseten. TU. Madrid. 21. Mai, Der Finanzminister gibt eine Aufstellung über das Vermögen des gewesenen Königshauses nach dem Stande von Ende 1929 bekannt. Danach betrug das Vermögen des Königs 3 6 Mil- lionen Peseten, davon 24 Millionen in Wertpapieren. Von letzteren liegen 14 Millionen, darunter 9 Millionen spanischer Pa- piere, im Ausland. Die Königin hatte 2,3 Millionen Peseten, davon zwei Drittel ausländischer Werte, der Kronprinz 13 Millionen, die übrigen Prinzen und Prinzessinnen je 2,5 Millionen. Dazu kommt das Vermögen der verstorbenen Königin-Mutter von 34 Millionen Pesten! Kampf um Curiius. Von Eudolk Breitscheid. Die heftigen Angriffe, die die Rechtspresse und nament- lich die„Deutsche Allgemeine Zeitung" gegen den Minister Curtius richtet, und die in der Forderung nach seinem Rücktritt gipfeln, werden von amtlicher Seite mit der ge- reizten Bemerkung zu parieren versucht, daß die Zlutorität des Reichsaußenministers nicht durch die Genfer Vorgänge, son- dern eben durch die Presseäußerungen erschüttert werde, die in einem Augenblick erfolgten, wo der deutsche Vertreter mitten im Kampf für deutsche Interessen stehe. Diese Art, eine Kritik abzuwehren, ist nicht besonders glücklich, und es ist sehr zweifelhaft, ob sie an den Stellen, für die sie bestimmt ist, den gewünschten Eindruck machen wird. Der Kampf um das Projekt der Zollunion ist ja noch keineswegs abgeschlossen. Er geht weiter, und man wird schwerlich verlangen können, daß in all den Monaten, in denen noch um die Verwirklichung des Planes gerungen wird, die Kritik um der Autorität des Herrn Curtius willen schweigen soll. Im übrigen aber hätte die Regierung und hätte insbe- sondere das Auswärtige Amt die Entwicklung der Dinge vor- aussehen können, nicht nur den Beschluß des Völkerbunds- rats und die ihn begleitenden Reden, sondern auch die Schluß- folgerungen, die die sogenannte nationale Presse aus den Genfer Verhandlungen ziehen werde. Es stand sehr bald nach dem Bekanntwerden des Paktes mit Oesterreich fest, daß der Rat die Prüfung der Rechtsfrage on den Haager Gerichtshof verweisen werde, und daß die in Genf versammelten Vertreter der Mächte mit scharfen Aeuße- rungen über das deutsch-österreichische Vorgehen nicht zurück- halten würden. Wenn die Regierung jetzt zu verstehen gibt, sie habe von Anfang an mit diesem Ergebnis gerechnet, so kann man ihr zunächst den Vorwurf nicht ersparen, daß sie die Oeffeirtlichkeit von ihrer Auffassung der Dinge nidst mit genügender Deutlichkeit in Kenntnis gesetzt hat. Sie ließ es im Gegenteil zu, ja sie förderte es, daß in der Presse im wesent- lichen nur diejenigen ausländischen Stimmen Wiedergabe fanden, die der Idee der Zollunion günstig lauteten, während die andersgearteten nach Möglichkeit verschwiegen wurden. So konnte eine ganz falsche Vorstellung über die Stimmung in England, in Italien, in Jugoslawien und in anderen Ländern entstehen, und es wurde auch der Eik�nick erweckt, als ob ganz Oesterreich in einmütiger und heller Begeisterung hinter Curtius und Schober stehe. Diese Methode war ebenso be- denklich wie die der diplomatischen Vorbereitung der ganzen Aktion. Aber diejenigen, die jetzt das schärfste Geschütz gegen den deutschen Außenminister auffahren, sind sicher niäzt beredstigt, die Enttäuschten und Getäuschten zu spielen. Sie wußten Be- scheid, aber sie verschwiegen ihre Wissenschaft und b c- mühten sich, Herrn Curtius vorwärtszu- stoßen. Ob der Minister diese so nachdrücklich betonte Zu- stimmung zu seiner„aktiven Außenpolitik" für ehrlich ge- halten hat, entzieht sich unserer Kenntnis. Aber heute wird er sich wohl selber fragen, ob die freundliche Unterstützung, die man ihm gewährte, nicht gerade dem Wunsche entsprang, ihn in eine diplomatische Niederlage hineinzutreiben, um diese dann als Beweis für die unzureichende Vertretung der natio- nalen Belange durch das Kabinett Brüning auswerten zu können. Diese Mitschuld der Rechtspresse entlastet nun freilich Herrn Curtius in keiner Weise. Ihm hat von der ersten Stunde der deutsch-österreichischen Union das psychologische Verständnis für die internationale Lage Deutschlands ge- fehlt. Er hat einem Ziel zugestrebt, das im Grunde von jedem Deutschen gebilligt wird, aber er hat die mannigfalti- gen Gefahren, die ihn auf seinen Wegen bedrohten, nicht in Rechnung gestellt. Die Sozialdemokratie hat sich in den letzten Monaten in der Beurteilung seiner Politik große Reserve auferlegt. Sie tat das, um nicht den Gegnern im Ausland Material gegen die deutsche Regierung zu liefern, und uin den Antimarxisten in Deutschland nicht die Möglichkeit zu geben, ihr die Schuld an dem ungünstigen Genfer Resultat in die Schuhe zu schieben. Es gab ja Leute genug, die bereits eine neue Dolch st oßlegende vor- bereiteten. Sie würden dann wieder erklärt haben, daß die Sozialdemokratie die Geschäfte des Auslandes besorge, daß sie einer selbständigen deutschen Außenpolitik iin Wege sei und was dergleichen zur Genüge bekannten Angriffe mehr sind. In Wahrheit war es und ist es uns heute nur darum zu tun, schwere Nachteile vom deutschen Volte Roch 4211000 Arbeitslose. Baumarkt versagt.— Bergbau seht Entlassungen fort. Die belgische Regierung gestürzt. Konflikt über Vüflungsfragen. a 6 z u w e � r e n. Das Recht Deutschlands und Oesterreichs, eine Zollunion abzuschlichcn, halten wir grundsätzlich für ge> geben. Niemand hat außerdem entschiedener als wir jene Vertragsbestimmungen bekämpft, die das vollständige Jnein- airdcraufgehcn der beiden Staaten verbieten, und dabei gehen wir sogar weiter als das deutsche Auswärtige Amt, das es sich zuletzt sehr angelegen hat sein lassen, den Zusammen- hang zwischen Zollunion und Anschluß abzustreiten und das sogar zu verstehen gab. daß nichts geeigneter sei, den An- schluß hintanzuhalten, als eben die Zollunion. Aber jede Aktivität in der Außenpolitik hat doch nur Sinn, wenn das angestrebte Ziel erreicht werden kann, ohne daß die Nachteile größer werden als die Vorteile, und wenn außerdem die Jagd nach dem einen Objekt nicht die Gewin- nung anderer und wichtigerer Erfolge erschwert oder un- möglich macht. Solange die Gefahr bestand, daß der mit so ungeschickter Plötzlichkeit in die Debatte geworfene Unionsplan Wirtschaft- lichc und politische Repressalien im Gefolge haben könnte, daß die Einleitung von Revisionsoerhandlungen über den Doung-Plan behindert werde, daß die an sich schon geringe Geneigtheit der anderen zur Einschränkung ihrer Rüstungen noch mehr verringert werde, solange war es bedenklich, die Aktivität auf diesen Punkt zu konzentrieren. Damit machen wir uns in keiner Weise weder den Inhalt noch die Form zu eigen, in der von verschiedenen Delegierten in Genf an dem Zollplan und an den Absichten seiner Urheber Kritik geübt worden ist. Wir stellen nur fest, daß die bisher erzielte Wirkung keinerlei Ueberraschung bedeuten kann. Wer sie nicht voraussah und trotzdem die Sache mit Eifer und Be- geisterung vertrat, kann dem Lorwurf großer politischer Leicht- fertigkeit nicht entgehen. Wer aber im vollen Bewußtsein dessen, was kommen müsse, den schwierigen Weg betrat, dem muß die ernste Frage vorgelegt werden, ob er ihn, koste es, was es wolle, zu Ende gehen will. Wer diese Frage bejaht, der kann sich dann freilich auch über die Angriffe aus dem Lager der Rechten nicht wundern» denn er würde dann in der Tat folgerichtiger handeln, wenn er ohne Rücksicht auf den Völkerbundsrat und den Haager Gerichtshof die schnelle und restlose Verwirklichung seines Planes betriebe. Wenn wir Herrn Curtius recht verstehen, so will er sich weder in die eine noch in die andere Kategorie einordnen lassen. Er gerät aber auf diese Weise in eine einigermaßen zweideutige Position, und er sollte es sich angelegen sein lassen, sich möglichst bald aus ihr zu befreien. Sein Rücktritt, wie ihn die Freunde seiner Politik von gestern fordern, würde nur eine Lösung für ihn, aber nicht für das Land bedeuten. Er- forderlich wäre vielmehr, daß er und das Gesamtkabinett seine auswärtige Politik und die Lage, in der Deutschland sich befindet, einer ernsthaften und genauen Nachprüfung unter- zögen. Mißtrauensvotum durch Zeitungsstimmen? Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" sucht ihre Front gegen Curtius zu verbreitere Aus den Kam- mentaren der Berliner Presse konstruiert sie ein„all- gemeines Mißtrauensvotum" gegen Curtius: „In einem Punkte jedoch stimmen, ausgesprochen oder unouz- gesprochen, die Kommentare überein: eine breite Front von der.Sozialdem.okratie bis zu den Nationalsozia- listen hat unser« Darlegung als das rechte, Wort zur rechten Zeit empfunden. Wenn etwa im Reichstag abgestimmt würde, so wäre das Mihtrauensvotum über Genf, dessen die deutsche Politik im Interesse ihres Prestige« vor der Well und dos Kabinett Brüning zum Zwecke der Konsoltdisrung seines inneren Ansehens bedarf, einer überwältigenden Mehrheit sicher. Es tut nicht» zur Sache, daß die Motivierung in den verschiedenen Bezirken des Parteilebens naturgemäß verschieden ist." Wir haben für unseren Teil allerdings ein Mißtrauens- notum ausgesprochen— nämlich gegen die„Deutsche Allgemeine Zettung", ihre Hintermänner und deren außen- polltische Aspirationen. Im übrigen unterscheiden wir uns von der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" sehr gründlich in der Zielsetzung. Die„breite Front von der Sozialdemokratie bis zu den Nationalsozialisten" erscheint nur in der Phantasie der„Deutschen Allgemeinen Zeitung". Oer Zwickauer Gotieslasterungöprozeß Angebliche Gotteslästerung- im Christliche!: Verlagshaus verlegt. Zwickau. 21. Mai.(Eigenbericht.) Der nach einem vom Reichsgericht wieder aufgehobenen Frei» sprach wegen angeblicher Gotteslästerung zu vier Monaten Gesängni» verurteilte Redakteur Genosse Walter Victor vom„S ä ch s i- sch e n A o l k s b l a t t" in Zwickau hatte gegen das ossensichtliche Fehlurteil Berufung«ingelegt, die am Donnerstag vor dem Gemein- samen Zwickauer Schöffengericht verhandelt wurde. Victor wies in der Verhandlung nach, daß die der Anklage zugrundeliegende Satire Paul Körner», die von einem„zwischen zwei Halunken" sterbenden Zuchthäusler handelt, lediglich das Plaglot eines anekdotischen Ge- dichtes von August Lämmle sei, das im Schwedischen schon vor dem Kriege allgemein verbreitet war und sogar Schullettüre ist. Victor konnte das Buch, das das Gedicht enthält und das im Christlichen Verlagshaus in Stuttgart gedruckt worden ist. vorlegen. Er wies auch nach, daß das angebliche Aergernis, das an der„Gotteslästerung" genommen worden sei, auf die Hetz« politischer Gegner zurückgeführt werden müsse. Di« Staatsanwaltschaft suchte unter dem Eindruck, den diese Beweisführung machte, den Prozeß mit Beweisanträgen zu verschleppen, wonach verschieden« Redakteure und Geistlich« al» Zeugen dafür geladen werden sollen, daß sie an der Satire Aergernis genommen hätten. Da das Gericht, obschon der Prozeß nun schon fast zwei Jahre lauft, sich darauf seltsamerweise einließ, stellt« Rechts- anwalt Dr. Kurt Rosenfeld, M. d. R., als Verteidiger demgegenüber ebenfalls Beweisanträge, wonach Sachverständige und Zeugen dafür geladen werden sollen, daß die fragliche Satire gor keine Gottes- lästernng darstelle und demzufolge auch kein Aergernis erregt haben könne. Der Prozeß wird also im Herbst weltergehen. Ob der Kirch« damit gedient ist, ist«ine andere Frage, denn die Protest- bewegung gegen diese Gotteslästerungshetze in Zwickau wächst und eine steigende Zahl von Kirchenaustritten ist die Folge. Da? geheime lvahlrechl in Ungarn will die Regierung, wie Bethlen im Parlament erklärte, erst dann weiter ausdehnen, wenn-- da» Land nicht mehr von Brotproblemen be- herrscht sei! Gchieles„Brotpreisrummel". Ltnveraniworiliche Herausforderung der Konfumenien. Herr Schiele hat auf der Tagung des Deutschen Landwirtschafts- rotes die skandalösen Vorgänge der BrotpreiserhShungen zu baga- tellisteren oersucht. Er hat damit seiner agrarischen Presse das Stich- wort gegeben, die, wie gestern die„Deutsch« Tageszeitung" in einer die städtischen Massen aufreizenden Weise von„B r o t p r e i s- rummel spricht. Auch in der gestrigen Pressebcsprechung, die Herr Schiele zu einer öffentlichen Erklärung über die Brotpreisfrage benutzt hat, versuchte der Reichsernährungsminstcr den Kampf u m den Brotpreis als eine parteipolitisch« Ange- legenheit hinzustellen, die maßlos aufgebauscht werde. Man muß schon gestehen, daß ein Minister selten eine gröber« Un- kenntnis von der Vvlksstimmung offenbarte als Herr Schiele, der die Erregung der durch Arbeitslosigkeit und Lohndruck augepowerten Massen in der Brotpreisfragc für eine parteipolitische Angelegenheit erklärt! Es sollte aber noch besser kommen. Nach den Ausführungen über die im Lande vorhandenen Getreidevorräte, die wir bereits in der gestrigen Abendausgabe wiedergaben, erging sich Herr Schiele. über die von ihm ergriffenen Maßnohmen, um ein allzu starte» An» steigen der Brotpreise zu verhindern. In der Frage der Berliner Preise stellte er sest, daß in der Reichshauptstadt unberechtigt hohe Spannen vorhanden seien. Wenn der Minister aber in seinen weiteren Ausführungen das Geständnis ablegte, daß es äußerst schwer sei, diesen Preisspannen mit behördlichen Eingrifsea zu Leibe zu rücken, und ein Abbau dieser überhöhten Preisspannen nur durch entsprechendes Verhalten der Konsumenten möglich wäre, so muß man sich erstaunt fragen, wie ein« Regierung noch Autorität im Lande erwartet, wenn eines ihrer promincritesten Mitglieder vor aller Oeffentlichkeit seine völlige Ohnmacht erklärt! Es ist wirklich der Gipfel, wen» ein Minister den klaren Text des Gesetzes in einer Weise umdreht, wie Herr Schiele es tut. Im März dieses Jahres hat der Reichstag die Regierung zu neuen Zollerhöhungen nur unter der Bedingung ermächtigt, daß sie jeder Erhöhung des Brotpreises vorzubeugen l)at. Schon im April sind in(50 Proz. der preußischen Städte BrotpreiserhShungen vor» gekommen. In keinem einzigen Orte ist es der Regierung gelungen, den Brotpreis wieder auf den früheren Stand zurück.stidrücken. Anstatt das einfachste Mittel anzuu�nden und die Zölle zu senken, hat Herr Schiele in endlosen und größtenteils fruchk- losen Verhandlungen mit den Müllern und Bäckern eine Berbtlli- gung des Brotes zu erreichen versucht. Zum Teil sind die Brot- Preiserhöhung«» über vier Wochen in Kraft, und wir er» inner» nochmals nachdrücklichst an die Klausel des Zollermächti- xungsgesetzes, daß die Regierung einer Verteuerung des Brotcs vorzubeugen hat! Hakenkreuz-Polizeiffandal. Oie Stuttgarter Polizei schlägt gemeinsam mit Hakenkreuzlern auf Arbeiter ein. , s i ll t t g a r l. 21. Mai.(Eigenbericht.) Das Stuttgarter Naziblatt halte in provokatorischer Meise eine Bekanntmachung„Marsch durchs rote Heslach", einem Stuttgarter Arbeitervorort, veröffentlicht. Dieser Aufforderung sind die Nazis getreu nachgekommen und schon an der Einfallspforte nach Heslach, dem Marienplah. kam es zu erusten Zu. sammenstöhen. Mit Slilctmessern. Schlagringen und sonstigen„legalen" Mordwerkzeugen schlugen die Dcmou- stranteo aus die Passanten ein und diese Ausschreitungen sehten sie während des ganzen Marsches durch Heslach fort. Die ganze Provokation spielte sich unter den Augen der Stuttgarter Schupo ab. Ein Augenzeuge berichtet, daß an d«r Mothäuskirch« aus pseisrnsignal hin die gesamte SS. ausschwärmte und das Publikum wiederholt mit Schlag- und hiebwasieo auseinander. zutreiben versuchte. Die Polizei ober schwenkte ln die Angriffslinie der Nazis«iu und schlug Schulter au Schulter mit ihnen auf die Bevölkerung ein. obwohl sie wiederholt daraus aufmerksam gemacht wurde, daß die stürmenden Nazis hieb- und Schußwasien mit sich führten. Die Polizei ist mit daran schuld, daß es in Heslach zu größeren Unruhen gekommen ist! Hakenkreuzterror in Gera. Gera, 21. Mai.(Eigenbericht.)' In einem Vorort von Gera überfielen 60 Nationalsozia- listen ö landwirtschaftlich« A'rtseiter, die mit Geschirr von der Landarbeit auf dem Heimwege sich befanden, ohne jeden Grund. Einer der landwirtschaftlichen Arbeiter, der sich gegen den feigen Uebersall zur Wehr setzte, wurde so schwer mißhandelt, daß er ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Die sozialdemokratische Landlagssraktion hat eine Anfrage an die Regirrung gerichtet und oerlangt, daß gegen die Schuldigen streng vorgegangen werden soll. Es vergeht in Thüringen nicht ein Tag. wo nicht aus irgeicheinem Gebietsteil nationalistisch« Heber. fälle auf Andersdenkende gemeldet werden, ein Zustand, der auf die Dauer unerträglich wird. Die Millionen für den Osten. Abschluß der Vorarbeiten für das Osthilfegefeh. Amtlich wird mitgeteilt: Durch das Osthilfegesetz vom 31. März 1931 wird das Werk der Oschils« auf«in« breite Basis gestellt. Di« Reichsregierung hat, in enger Fühlung mit den zuständigen Landes- regierungen in Verbindung mit den beteiligten Kreisen die Vor- arbeiten für seine Durchführung zu einem vorläufigen Abschluß gebracht. In organischer Fortentwicklung der Hilf?- maßnahmen, die bisher für den Osten getroffen worden sind, wird das Gebiet der einzelnen Betreuungsvorgänge im Rahmen der ge- botenen Möglichkeiten«riveitert, ihre möglichst wirksame Aus- gestaltung wird unter Verwendung der inzwischen gesammelten Er- sahrungen angestrebt. Die Mitteilung der Reichsregierung legt nun weiter dar, auf welche Gebiete sich die Lastensenkung erstreckt. Neu hinzu tritt die teilweise Befreiung der gewerblichen Betriebe von der Aufbringungsumlage. Dadurch werden in den in Frage kommenden Betrieben 96 Proz. aller bisher aufbringungspflichtigen Betriebe befreit. Ferner werden die Gebiete festgestellt, in denen die Kre- d i t e verteilt werden. Zur Durchführung der ländwirtschaftlichen Entschuldung ist eine erste Durchführungsverordnung erlassen worden. Die amtliche Mitteilung schließt: Die Beschlüsse lassen wesent- lich weitere Gebiete des hart bedrängten Ostens als bisher der Vor- teile des Osthilfewcrkes teilhaftig werden. Sie schöpfen die Möglich- ketten aus, die dem Reiche und den Ländern in der harten Krisenzeit gegeben sind. Sie lassen den Weg offen für noch welter- gehende Hilf« für den Fall, daß sie von der öffentlichen Hand bei einer Besserung ihrer Lage verantwortet werden kann. Der Erfolg der Bemühungen um die Errettung des Ostens wird nun davon abhängen, daß die Beschlüsse durchgeführt werden in ver. antwortungsbewußter und verständnisvoller Zusammenarbeit aller Beteiligten. Ihr« Mitwirkung bei den wescnllichsten Entscheidungen ist durch die neuen organisatorischen Maßnahmen gesichert. Die beste Mitarbeit mit den öffentlichen Hilf-nnaßnahmen ist wirtschaftliche Selbsthilfe der hart bedrängten Berussstönde des Ostens in jeder möglichen Form. Wenn sie durch die Maßnahmen von Reich und Ländern weiteren neuen Antrieb erhält, dann ist die Hoffnung berechtigt, daß der wirtschaftliche Niedergang der Ost- gebiete ausgehalten und, wenn auch langsam, ihre Wiedercrstarkung im Interesse des gesamten Vaterlandes in die Wege geleitet wird. Ausschreitungen in Essen. CrwerbSlosenzusammenstöße mit der Polizei. Essen, 21. Mai.(Eigenbericht.) Im Anschluß an eine Erwerbslosenkundgebung kam es am Donnerstagnachmittag zu Ansammlungen vor dem Rat- hau». Von den Demonstranten wurden mehrere Schaufenster- scheiben zertrümmert. Ein Polizeibeamter wurd« von der Meng« überfallen, abgedrängt, entwaffnet und schwer miß- handelt. Ein zweiter Beamter wurde durch Messerstiche schwer verletzt. Am Kopstadtplatz kam es zu einer Schießerei. Als ein Beamter seine Angreifer durch Schreckschüsse zurückholten wollte, erhielt er einen Sd)Iag auf die Haich. Di« abirrend« Kugel durchschlug die Schaufensterscheibe eines Metzgerladen« und ver- letzte den Sohn de» Inhabers schwer am Kopf. Zwei weitere Per» sonen wurden durch Schüsse schwer verletzt. Sechs Demonstranten wurden verhaftet. Hakenkreuztheater vor Gericht. Der nationalsozialistische Zkeichstagsabgeordnete Brückner zu 400 Mark Geldstrafe verurteilt. Peulhen(Oberschlesien). 21- Mai Da» hiesig« Erweiterte Schöffengericht oerurteilte am Mittwoch den nationalsoziali st ischen Reichstagsabgeord». n« t e n und schlesischen Gauleiter Helmuth Brückner wegen Be- leidigung des Reichstages zu 3l>l> Mark und wegen Beleidigung eines Kriminalbeamten zu weiteren 199 Mark Geld st rase. Die Beleidigungen werden in Ausführungen erblickt, die der Ange- klagte in öffentlichen Versammlungen in Bebrek und Beuchen gemacht Hot. In der ersten Versammlung soll er u. a. behauptet haben, daß sich im Reichstag nur etwa 199 anständige Menschen befanden, die übrigen seien Lumpen und Landesverräter. Bei der Berhandlung kam es mehrfach zu Zwischenfällen. Zahl- reiche Anhänger des Angeklagten, die in Uniform und mit Abzeichen im Gerichtsgebäude erschienen waren, wurden auf Anordnung des Vorsitzenden durch die Schutzpolizei entfernt. Brückner selbst, der trotz Aufforderung des Gerichtsvorsitzenden das Hakenkreuzabzeichen nicht ablegte, wurde in eine Ordnungsstrafe von 39 Mark genommen. Ein Antrag der VerteidigAng auf Ablehnung des Gerichtsvorsitzenden wegen Besorgnis der Befangenheit wurd« als unbegründet abgelehnt. Arbeiier und Kirche.; Cin lehrreicher Beschluß. Stuttgart, 21. Mai(Eigenbericht). � Die vor kurzem neugcwählte Evangelische Landes« kirchenversamm lung Württembergs ist zu einer Tagung zusammengetreten. Bei den Wahlen haben die Religiösen Sozialisten es wohl auf etwa 39 999 Stimmen gebracht, aber kein Mandat erhalten, da die Wahlen nicht nach dem Berhältniswahl-, sondern nach dem einfachen Listenwahlsystem stattfanden, bei dem zur Erlangung eines Mandats die absolute Mehrheit erzielt werden muß. Nun hat aber die Landeskirchenversammlung nach ihrer Ver» fassung das Recht der Zuwahl von 6 Abgeordneten nach freiem Ermessen. Aus der Mitte des Landeskirchentagcs wurde beantragt, wenigstens einen Vertreter der Religiösen Sozialisten auf diesem Wege zur Mitarbeit an der Landeskirchcnversammlung hcronzuziehen. Es wurde sehr viel darüber hl» und her geredet. Dia Mehrheit machte in einer von ihr abgegebenen Erklärung auch schöne Redensarten darüber, daß sie der Arbeiterschaft die Kirche zur Heimat machen und für ihr« sozialen Anliegen eintreten wolle, in der schriftlichen Abstimmung wurde der Antrag jedoch mit 33 gegen- 23 Stimmen abgelehnt. Zum parieiiag! Da» Parteitagskomitee macht darauf aufmerksam, daß die zum Parteitag noch Leipzig kommenden Teilnehmer(Bezirke, Orts» gruppen sowie alle sonstigen Arbeiterorganisationen), soweit sie in geschlossenen Zügen mit Fahnen und Transparenten oder mit Transportautos eintreffen, die Bestimmungen der Rotvcrord» nung beachten wollen. Die Anmeldung muß von jedem Be- zirk(Ortsgruppen, Bereinsvorstände) für thre Gruppen rechtzeitig bei der zuständigen Behörde eingereicht werden. Wir ersuchen drin- gend um Beachtung. Die Agrarpoliiit der Sozialdemokratie. Erste Tagung des Reichsausschusses der Zlgrarpolitischen Zentrale beim parteivorfiaad. Nachdem Organisation und Austau der Ag rarpolitischen Zen- trale beendet waren, berief der Parteivorst and den Reichs- ausschuß der Agrorpolitischen Zentral« zu einer Tagung, die als einwöchiger Kursus stattsand. Von den 32 Mitgliedern des Reichs- ausschusses(je ein Vertreter der Außenbezirke der Partei) waren 27 zum Kursus erschienen, unter ihnen lZ Landwirt« und ein Wein- bergsbcsitzer. Die anwesenden Landwirte bewirtschaften zusammen 53S Morgen Land. Der Weinbergsbesitzer, gleichzeitig Weinbergs- arbeiter. verfügt über 4 Morgen Weinberge. Es waren in der chauptsach« Klein- und Mittelbauern als Vertreter der Landwirtschaft bei tU!r ersten Tagung des Reichsausschusses anwesend, außerdem An- gestellte des Deutschen Landorbeiterverbandes, Parteisekretäre und einige andere Genossen, die in amtlicher Stellung ständig Fühlung mit der Londwirtschaft haben. Der Reichsausschuß soll, wie Genosse Vogel vom Partei- vorstand in seiner Begrüßungsansprache ausführte, der Agrar- politischen Zentrale und dadurch dem Parteivorstand die Fühlung mit der landwirtschaftlichen Praxis geben, damit aus dieser Fühlung- nähme Anregungen für die Belebung der Landagitation und für ein einheitliches Vorgehen in ollen wichtigen Fragen der Agrar- Politik geschöpft werden können. Außerdem soll der Reichsausschuß diejenige Stelle sein, der der Partei vorstand agrarpolitische Fragen von besonderer Bedeutung zur Klärung unterbreiten wird, um daran immer wieder die Agrarpolitik der Partei neu orientieren zu können. Die auf dem Kursus gehaltenen Vorträge gaben auf der ersten Tagung dem Reichsausschuß Gelegenheit, zu den aktuellen Agrar- fragen Stellung zu nehmen. Es sprachen Genosse K w a s n i k vom Deutschen Laudarbeite roerband über.Land- und Forstarbeiterfragen', Genosse Reichstagsabgeordneter Tempel über, Landagitation unter besonderer Berücksichtigung der bäuerlichen Bevölkerung', Genosse Oberpräsident Lüdemann über„Agrarpolitik in Gemein- den und Kreisen', Genosse Direktor P o s s« l von der Preußenkosie über„Das landwirtschaftliche Genossenschaftswesen unter besonderer Berücksichtigung des direkten Verkehrs von Erzeuger- und Vec- brauchergenossenschaften", Genosie Dr. W i l b r a n d t über„Die Agrarkrise und die Mittel zu ihrer Behebung', Genosse Staatssekretär Krüger über„Einführung in die landwirtschaftliche Ver- waltung'. Genosse Dr. L i p s ch i tz über„Die Steuern in der Land- Wirtschaft'. Als besonderes Ergebnis der Agssprach« tonnt« festgestellt werden, daß einmütige Abneigung gegen die grohagrarisch« Schutzzollpolitik von Schiele be- steht, in der auch die parteigenössischen Landwirte kein Mittel zur Behebung der Agrarkrise sehen. Während des.Kursus wurden drei Güter der Stadt Berlin unter fachkundiger Führung von Generaldirektor Ruths und Vermessungsrat Breiter sowie die Versuchsstation Miincheberg des Kaiser- Wilhelm- Institutes unter Führung von Professor Dr. Baur besichtigt. Es wurde der Wunsch laut, in Zukunft den Reichsausschuß bei ollen wichtigen agrorpolitischen Entscheidungen zu hören und auch den stellvertretenden Mitgliedern des Reichs- ausschusses alsbald durch einen ähnlichen Kursus die Möglichkeit zur Erweiterung ihrxr..Kennttzisje unh zur Bereicherung der ljfrfahrunzen der' Agrorpolitischen Zentrale durch Fühlungnahme mit ihnen zu geben.■•**"••'' A.Z. Indiens Verfassung. Die zweite Londoner Konferenz. Laadon. 21. Mai.(Eigenbericht.) Die Konferenz„am runden Tisch', die Indien die neu« Verfassung geben soll, wird am 29. Juni ihr« Arbeiten in London aufnehmen. An diesem Tage wird der Unterausschuß, der die bundesstaatlich« Verfassuno zu bearbeiten hat. zusammentreten. die Vollversammlung erst Anfang September. Diese Termine sind das Ergebnis der energischen Verhandlungen des neuen Vizekönigs feit seiner Ankunft in Indien mit Gandhi und den Kongressisten. Der Unterausschuß sür die bundesstaatliche Verfassung tritt früher zusammen, weil er die größten Schwierigkeiten vor sich hat, besonders die Minderheitenfrage. Der Gegensatz zwischen den Forderungen der mohammedanischen Minderheit und den Zugeständnissen der Hindu» ist seil dem Abschluß de» ersten Teile» der Zndienkonserenz keineswegs über- brückt worden. Die blutigen Zusammenstöße zwischen den beiden Religionsgemeinschaften vor einiger Zeit in Sauupur zeigen, daß diese» größte Hindernis sür ein« indische Selbstregierung noch besteht. Im zweiten Teil der Indienkonferenz werden zum Unterschied vom ersten die Vertretung der radikalen Parteien des indischen Kongresses da sein. Die Arbeiten werden dadurch sicher nicht er» leichtert werden, ober ihr« Ergebnisse werden größere Gültig» k e i t haben ol» ohne Zustimmung dieser Parteien. Es ist des Ver- dienst des vorigen Vizekönigs Lord Irwin, daß er den Kongreß zur Teilnahm« an den Arbeiten und vor allem zur Anerkennung der bundesstaatlichen Verfassung, form bewogen hat. Dagegen hat der Kongreß bisher die seinerzeit in London vereinbarten Ein- schränkungen der indischen Selbstregierung, vor ollem in der Außenpolitik, Armee und Finanzen, noch nicht angenommen, und man muß damit rechnen, daß hierüber noch heftig« Kämpfe geführt werden. Gerade dies« Einschränkungen haben die Radikalen in Indien schon während de» ersten Teiles der Londoner Konferenz scharf kritisiert. Die konservative Partei Englands will, so wird seit einiger Zeit behauptet, ihre weitere Mitarbeit van eiuee vorherigen An- erkeunung dieser Einschränkuagea durch dea Kongreß abhängig wachen. Bekanntlich wird die Indienfrage von den drei Parteien Englands gemeinsam behandelt, und es wäre überaus bedauerlich, wenn diese überparteilich« Zusammenarbeit durchbrochen würde. Ob Gandhi als Vertreter de» Kongresse, im Unterausschuß für die bundesstaat- liche Verfassung End« Juni in London erscheint, steht noch nicht sest. Man sieht also, daß, wenn auch die Wiederaufnahm« der Ver- sassungsarbeit gesichert ist, die Schwierigkeiten keineswegs verringert worden sind._ Besprechungen über da« Stenervereinheitlichungsgeseh. In der R«ich«kanzlei wurden am Donnerstag unter dem Vorsitz des Reichs- konzlers die Besprechungen mit den Führen de» Bayerischen Bolls- parte! über das Eteueroereinheitlichungsgesetz fortgesetzt. Zu dem Ergebnis dieser Besprechungen wird der Londesvarteionsschuß der Bayerischen Lolkspartei End« dieses Monats endgültig Stellung Ein trauriger Held. (Oer Razi-Reichswehrsoldat Löwe verstümmelte sich selbst und gab dann an, von Kommunisten überfallen zu feln.) ,3ä) darf mir nur die linke Hand zerschießen, die rechte brauche ich, um Oennnziantenbriefe zu schreiben." Litwinows Nichtangriffspakt. Schluß des Europakomiiees. Genf, 21. Mai.(Eigenbericht.) In der Schlußsitzung der Europakommifsion blieb von dem großen konstruktiven Wirtschaftsplan Frankreichs und allen übrigen Vorschlägen nichts weiter übrig, als die Bildung eines st ä n d i g e n Komitees sür wirtschaftlichen Augleich; drei Unterkomitees aus Fachleuten für die Verfolgung der Kredit-Zollpräfercnz- und Kartell- ide« kommen dazu. Oesterreich kann sich mit Dorfchlägen für feine Unterstützung an den Europaausschutz wenden. Zum russischen Vorschlag des wirtschaftlichen Nichtangriffspaktes sagt das Resolutionskomitcc nichts, da er weitgehende grundsätzliche Probleme enthält, die dos Mandat der Kommission nicht ausreichend umMe. In der Bereitung dieses Ergebnisses widersprachen Eng- lanSs. Skaitbinavien und Holland der Zollpräserenz der Anagror- stoaten. Trotzdem wurden dies« Bedenken nur in den Bericht an den Rat und die Vollversammlung ausgenommen: die Borschlog« auf Bildung von Komitees wurden angenommen. Likwinow evkwickelte dann noch einmal den wirtschaftlichen Richlangriffspakt: Generell« Prinzipien müssen jeder Mdglichkeü einer wirtschaftlichen Verständigung vorausgehen. Die Regierungen müssen sich oller feindlichen Wirtschostsmaßnahmen enthalten, der Wirtschaftskrieg muß feierlich verdammt werden. Er schlägt die Annahme von Regeln gemeinsamer Zusammenarbeit im Wirtschaftssrieden vor. Das werde kein Land der Freiheit zum Abschluß von Verträgen mit anderen Ländern berauben. Die Feststellung, daß zwei Systeme der Wirtschaft friedlich nebeneinander bestehen können, wäre damit ebenfalls getroffen. Das Unterkomitee hat keinen Wcg gezeigt zur Verwirklichung des russischen Vorschlags. Run muß die Voll- s i tz u n g sofort entscheiden. Die hier versammelten Minister werden doch alle die Politik ihrer Regierungen kennen! Es kann also ein solches Abkommen sofort unterzeichnen werden, zumindest kann jeder sein« Meinung sagen. Sosort unterstützte der Vertreter der Türkei den Wirtschaft- lichen Nichtangriffspakt. Hcnderson regte an. diesen Dorschlag in der Unterkommission nochmals zu behandeln. Dr. Evrtivs erklärt« die vollste Sympathie Deutschland« für cilwinow, Richlangrissspakt: er begrüß« diese Idee aufs wärmste und spricht die Ileberzeugvng au», daß dl« Verurteilung jeder feindlichen WIrtschastshandlung überall gut aufgenommen wird. Die deutsche Delegation Hobe sich bemüht, zu einem baldigen Er- gebni» zu kommen. Andere Minister wollten jedoch erst mit ihren Kollegen zu Hause verhandeln. Man müsse Zeit lassen, um den Gedanken zu prüfen: das sei kein Zeichen einer unfreundlichen Auf- nahm«. Er stelle daher den Antrag, diese Idee auf die Tagesordnung der nächsten Europatagung am Z. September ,u setzen. in der Hoffnung, daß dann alle Mitglieder des Ausschusses zu- stimmen. B r i a n d stellt in seiner Schlußred« fest, daß vor allem das Protokoll Litwinows unverändert in den Händen des Unter- komitees sei und somit automatisch zur nächsten Tagung zurückkehren werde. Er unterstützt aus» Wärmste die Idee eine» Weltwirtschafts- friedens, der gewiß nirgend» widersprochen werde: aber in cilwinow« Plan seien noch Bestimmungen, die nicht ganz unschuldig wäre« und erst noch geprüft werden müßten. Da» habe nichts mit Unfreundlichkeit zu tun und er werde alle Anregungen dieser Art mit wärmster Sympathie begrüßen. Hier sei im Geiste des Friedens und der Solidarität gearbeitet worden. Es bleibe die Hauptausgcrb« des Komitee» bestehen, die gegen- s« i t i g« Hilf«, vollsten Dank sagt Briand für die Unterstützung seiner Vorsitzsührung. die chm ein Glück und eine Befriedigung gewesen sei. Hausbau für Abrüstungskonferenz. Zürich, 21. Mai.(Eigenbericht.) Für die Vorbereitungsarbeiten zur Wcltabrüswngskonferenz verlangt die Genfer Regierung vom kantonalen Parlament 2 M i l- l tonen. Die Schweiz wird dem Kanton Genf diese Summ« gegen pwffährig« Amortisation vorstrecken, vorerst soll ein große« Gebäude in der Nähe des Völkerbundssekretariats, mit diesem verbunden, errichtet werden. Frankreich und der Haag. Lehrreiche Diskussion Älum-Herriot. Paris, 2l. Woi(Eigenbericht). Die Wahlniederlage Briands hat eine ausgedehnte Fehde zwischen den Führern der Sozialisten und der Radikalen Leon Blum und Herriot nach sich gezogen. Blum hatte Herriot de- schuldigt, zwar nicht direkt, ober durch seine sehr nationalistische Rede," gegen den Zollplan Perlin-Wen- zu diesem Wahlausgang beigetragen. zu haben. Herriot antwortet nun auf Blums Kritik an der Herriotschen Art von Pazifismus, er brauche sich mcht darüber be» lehren zu lassen, daß die Probleme andere Gestalt angenommen hätten und die Beziehungen unter den Völkern ein« gewiss« Schmiegsamkeit verlangen. Die Friedensverträg« hätten«in« neue Rechtsprechung geschaffen, zu der er Vertrauen habe, nämlich die des Völkerbundes. Deutschland und Oesterreich hätten sich in den Friedensverträgen und Oesterreich dazu noch im Genfer Protokoll vom 4. Oktober 1922 verpflichtet, alles zu unterlassen, was der wirtschaftlichen ober polilischen Unabhängigkeit Oesterreichs Abbruch tun känule.> Trotzdem hätten beide Länder den Anschluß vorbereitet. Damit könne er sich nicht einverstanden erklären, denn wenn man ein Land daZu ermächtigt, selbständig die Verträge abzuändern, so bedeute das die Verneinung jeder internationalen Moral, die Rückkehr zu den alten Mißbrauchen und die Hcrausbefchmörung neuer Kriegs- gcfahr. Er, Herriot, habe dafür gearbeitet, daß Deutschland in den Völkerbund aufgenommen wurde. Deutschland habe jetzt dessen Eni- scheidung anerkannt: das sei umso besser, ober man habe es erst dazu veranlassen müssen, dieses Verfahren anzunehmen. Diese Antwort Herriots �lcht an dem Kernpunkt vorbei. L ä o n Blum halt« in feinem Artikel ausgeführt, daß kein Land da? Recht habe, aus eigener Macht Verträge zu verletzen: aber er hatte sich dagegen gewendet, daß Herriot oder die französisch« Kammer schon vor den Entscheidungen des Völkerbundes und des Jnter- nationalen Gerichtshofes„feststellen", Deutschland und Oesterreich hätten mit dem Zollabkommen die Vertröge verletzt. Daß diese Kritik Läon Blum? durchaus berechtigt war, beweisen die in- zwischen eingetretenen Ereignisse.- Aus den Genfer Berichten geht unzweideutig hervor, daß Frankreich aus das Urteil des Internationalen Schiedsgerichts gor keinen wert legt, sondern sich nur an di« Entschließung der Kammer halten will. Und wenn das Haager Urteil für Deutschland günstig au?» fallen sollte, will Frankreich die Durchführung des Zollprojektes doch verhindern. Di« von Herriot so gepriesene„neue Recht- sprechung' soll also nur anerkannt werden, wenn sie für Frank-. reich günstig ist! Die einzige bürgerliche Zeitung, die diesen Standpunkt bekämpft, ist die radikale„Republik", die zwar die von Deutschland und Oesterreich bei dem Zollabkommen an- gewandten Methoden verurteilt, aber erklärt, daß, wenn sich der Gerichtshof gegen die These Frankreichs.und der Kleinen Entente ausspricht, es die Pflicht der französischen Pazifisten sei, Frankreich und seine Alliierten zu zwingen, den Urteils- spruch anzunehmen. Der Provinzialattsschuß der Provinz Sachsen, der infolge eine» Formfehlers in der legten Landtagstagung neu gewählt' werden mußte, nahm jetzt auch eine Neuwahl des Vertreters der Provinz Sachsen zum Rcichsrot vor. Zum Vertreter wurde der Magpeburger Regierungspräsident Paul Webe rJSoz.) wiedergewählt, zu seinem Stellvertreter der Magdeburger Stadtrat und Gastwirt Kockel (Wirtschaftspartei). neugewöhlt. Bisheriger Stellvertreter war der frühere deutschnational« Reichstagsabgeordnet« und Präsident des Landgemeindeoerbandes Dr. Gericke. Dr. Friedrich Wolf und Frau Dr. Jakobowitz-Kienle hoben mit Zustimmung des Untersuchungsrichters in Stuttgart die Ausreiseerlaubnis nach Rußland erholten. Dr. Wolf besindet sich bereits in Moskau, wo er an einem Film mitarbeitet. Frau Dr. Jakobowitz-Kienle wird demnächst dorthin reisen. Beide hoben sich jedoch oerpslichtet, gerichtlichen Ladungen, die in ihrer Prozeß- jache an sie ergehen, jofort Folge zu leisten. Organisation bedeutet Sicherung! Ein Beitrag zur Aot der erwerbslosen Jugend. Darüber, daß die Erwerbslosigkeit gerade am jugendlichem Menschen furchtbar« geistige und seelische Verwüstungen anrichtet, dürste kaum noch ein Zweifel bestehen. Diese Verwüstungen brechen um so früher und um so ärger auf den Jugendlichen herein, je isolierter dieser im Leben steht. Sie werden zurückgehalten und gemildert, wenn der Jugendliche sowohl wirtschaftlich als auch geistig einer in sich gefestigten Gemeinschast verbunden ist. Die natürlichste Schutzgemeinschaft in dieser Beziehung war einst die Familie. Doch gerade sie versagt gegenüber den Nöten unserer Zelt heut« am ehesten. Häufig deswegen, weil die Belastung über ihre natürliche Tragfähigkeit hinausgeht. Wenn nicht nur eins der erwachsenen Familienmitglieder untätig ist und weder seinen sinan- zielten, noch seinen sonstigen Verpflichtungen nachkommen kann, sondern wenn sich die Erwerbslosigkeit auf mehrer« Familien- angehörige zugleich erstreckt, kann die Familie auch beim besten Willen der Beteiligten den an sie gestellten Anforderungen nicht nachkommen. Nicht selten freilich ist es auch der Gejst des Un- Verständnisses, die Unfähigkeit der noch arbeitenden Familienmit» glieder, sich in Denken und Führen des Erwerbslosen versetzen zu können, was den Wert der Familie als Schutzgemeinschaft mehr als fragwürdig macht.»Nun', begann mein Vater, der noch nie arbeitslos war und noch keinen Tag Arbeit versäumt hat,»bist du wieder spazieren gewesen und hast du wieder einen Tag tot- geschlagen? Du könntest dich auch bald wieder um Arbeit küm- mernf" Das ist eine Stimme unter Hunderten, vielleicht unter tausenden, ist die typische Klage des jungen Menschen, der vom Erwerbslosen zum Vagabunden wird, weil jede Stunde, die er zu Haus« verbringt, für ihn«ine Stunde am Pranger wird. So schwach nun in der Regel der Schutz ist, den der Iuj�nd- fiche an der Familie findet, um so wesentlicher wird ihm nicht selten der Halt, den ihm die Organisation gibt. Mehr als anderthalbtausend junge Erwerbslose lernte ich in den letzten drei Jahren durch meine Tätigkeit als Freizeitlehrer einer großstädtischen Voltshochschule kennen. Aus dieser großen Zahl sind mir als die erfreulichsten Typen jene Jugendlichen in be- sonderer Erinnerung geblieben, die sich mir in unserer jewells vierzehntägigen Arbeit als Angehörige, sehr oft auch als Funk- tionar« einer Organisation verrieten. So auffällig zeichneten sich die beiden Typen der Organisierten und Unorganisierten vonein- ander ab, daß es nicht schwer fiel, allein aus der Art, wie sie ihr Erwerbslosenschicksal trugen, die richtige Unterscheidung zu treffen. Wann immer ein junger Mensch besonders verzweifelt, verbittert war, jede Neigung zu einer«rnfthasten geistigen Arbeit, die ja der Zweck unserer Kurse war, verleugnete, sich aber zugleich auch maß- los radikal verhielt, ohne doch recht zu wissen, was er wollte, dann war es meist ein Mensch, der nicht nur keine Beziehungen mehr zur Familie hatte, sondern dem auch sonst jede Art von Bindung fehlte. Im Gegensatz zu diesen Typen zeigten die Organisierten bei durchaus gleicher sozialer Lage eine manchmal ganz erstaunliche Zähigkeit des Lebenswillens und es war oft überraschend, mit welchem Fleiße sie sich trog allem der geistigen Arbeit widmeten, eben dadurch auch die anderen zu dieser anregend. Aus drei Quellen fließt die Kraft, die die Organisation dem sungen Erwerbslosen gibt. Einmal ist es die Aufgabe, die sie ihm stellt, und die In Zeiten langer beruflicher Untätigkeit besonders an Bedeutung gewinnt.»Für mich ist es ein Glück, daß ich mit der Arbeiterbewegung verwurzelt bin. Dort hole ich mir immer wieder Kraft. Wenn ich vom Kinderturnen nach Haus« komme, ist mir «rdentlich wohler zumute. Hat man doch in der Vereinsarbeit für einen Augenblick die Trostlosigkeit der Gegenwart vergessen.' Dies bekennt ein junger Schlosser, der schon schwer unter seiner Er- «erbslosigkeit gelltten hat und sich doch nicht unterkriegen läßt. Nur muß die Aufgabe, die seine Organisation dem Jugendlichen pellt, groß genug sein, um sein gesunkenes Lebensgefühl wieder beleben zu können. Dem einen gibt diese Aufgabe die Jugend- organisation mit ihrem Bildungsleben und ihrem politischen Kampf. Der andere sindet sie im Sportverband, der dritte bei den Natur- freunden,«in anderer schon in seiner Partei oder Gewerkschaft, wieder einem anderen schenkt sie die Arbeit in der Kinderfreunde- gruppe. Die zweite günstig« Wirkung der Organisation aus den Jugend- lichen ist noch mehr psychologischer Art. Sie dürfte in folgenden Sätzen zum Ausdruck kommen.»Die Abende', gesteht ein acht- zehnjähriger Maschinenbauer,„verbringe ich bei der sozialistischen Arbeiterjugend und bei den Arbeitersportlern. Dort fühlt man sich wenig st ens wieder alz vollwertiger Mensch, während man den Tag über als Mensch zweiten Grades angesehen wird.' Und ein neunzehnjähriger Metallstanzer schreibt in einem Auf- satz:„Nur. in unserer Jugendbewegung fühle ich mich noch wohl. Dort kann ich Lebenskräfte sammeln.' Ebenso bekennt ein zwanzig- jähriger Tischler:»An verschiedenen Togen der letzten Zeit hätte ich meinem Leben am liebsten ein End« gemacht. Ich habe diese Krisen nur durch Arbeit in der Jugendbewegung und in den letzten Wochen durch Arbest im Wahlkampf überwinden können.' Schließlich liegt der Wert der Organisation für den jungen Erwerbslosen noch in der erzieherischen und bildne» tischen Wirkung, die sie ausübt. Dies gilt besonders van der politischen und gewerkschaftlichen Organisation. Dadurch, daß dem Jugendlichen hier die tieferen Ursachen seiner persönlichen Not ge- lehrt werden, daß er dazu erzogen wird, gesellschaftliche, Wirtschaft- liche und soziale Zusammenhänge zu sehen, lernt er sich und sein« Not eingliedern in die Gesamtsituation. Das mildert zwar nicht die Schwere seiner persönlichen Not, nimmt ihm aber doch ejwas das Gefühl besonderer Benachteiligung. Die bindende Kraft der Organisation dauert aber auch an, ja, tritt häufig dann erst ganz in Erscheinung, wenn der junge Er« werbslose sein Glück auf der Walze versucht, was durch die Aus- gäbe von Wanderscheinen durch die Arbeitsämter immer mehr ge» schieht. Während dem unorganisierten, keiner Gemeinschaft ver- pflichteten Menschen die Landstraße nicht selten der Weg in die Ver- kommenheit bedeutet, weil eben nichts da ist, was ihn hält, bleibt der Organisierte auch unterwegs seiner Iugendgemeinschast, seinem S�ortbund, seiner Naturfreundebewegung oder irgendeiner anderen Organisation verbunden. Er findet, wo immer er auch hinkommt. Menschen, in deren Gesinnung er lebt, deren Wollen ihm vertraut ist, die seines Geistes sind und die ihm Heimat bedeuten, denen gegenüber er sich aber eben darum verpflichtet fühlt, sich selbst zu behalten. Karl Ullrich. Llrieil im literarischen Hochverraisprozeß Kommunist DRemmele zu zwei Jahren neun Monaten Festungshast verurteilt. Leipzig. Sl. Mai. Im Hochverratsprozeß gegen den kommunistischen Reichstags- abgeordneten und Parteisekretär Rem m.e I e hat der 4. Strafsenat des'Reichsgerichts am Donnerstag wie folg! entschieden: Remmele wird zu zwei Iahren neun Monaten Festung wegen Vorbereitung zum Hochverrat in Tateinheit mit Vergehen noch§ 4 Ziffer 1 des Republikschutzgesetzes verurteilt. Das neue Spanien. Amtsantritt seines BotschasterS. Anläßlich der Ueberreichsng des Beglaubigungsschreibens an den Reichspräsidenten führte Botschafter Dr. Amerigo C a st r o in seiner Ansprache aus: jzeute freut es uns, jene edlen Worte Goethes an Schiller vom Jahre 179S in Erinnerung zu bringen:„In den Novellen des Cervantes habe ich ein wirtliches Kleinod gefunden. Welche Freude, wenn wir selbst das gutheißen können, was die anderen anerkennen und für gut halten.' Die spanische Republik tritt, glücklich, das langersehnte Ziel erreicht zu haben, hinein in das Leben, umgeben von Problemen, die eine vorsichtige Behandlung erfordern. Ihr vornehmstes Be- streben besteht vor allem darin, den Frieden und das menschliche Verständnis innerhalb wie außerhalb seiner Grenzen zu pflegen, und zu diesem Zweck möchte sie sich die Erfahrungen der großen Demokratien zunutze machen und deren Weg nachfolgen. Von diesem Standpunkt aus blickt die spanische Republik mit festem Glauben und Optimismus in die Zukunft, weil sie sich getragen fühlt von einem edlen Volke, das heute mit voller Verantwortung Herr seines eigenen Geschickes ist. vi- Republik wird, ohne die große spanische Tradition zu vergessen, doch zu vermeide« wisiea, daß eben diese Tradikion für die von der heutigen Zeit und der sozialen Gerechklgkeit ge- forderten Umwandlungen ein Hindernis darstellt. Die herzlichen Worte über deutsch-fpanische Kulturbeziehungen und Freundschaft kehrten in der Antwortrede des Reichspräsidenten wieder._ �32 Millionen Mark für die Ansiedlung. Drei Gesehentwürfe der Preußenregierang. Die Preußische Stoatsregierung hat dem Landtag soeben drei Gesetzentwürfe vorgelegt, die sich mit der F ö r d e r.u n g der An- s i e d l u n g beschäftigen im Zusammenhang mit der von Reich und Preußen gemeinsam gegründeten Deutschen Siedlungsbank. Der eine Entwurf bedeutet lediglich eine Erweiterung der Funktionen der Landesrentenbank. Dieses Institut tonnte sich bisher Kapital nur durch Ausgabe von Landesrentenbriefen oder durch Aufnahme von Darlehen beschaffen. Jetzt soll die Landesrentenbank befugt werden, durch Landesrentenbank-Renten gedeckte Landesrentenbriese oder durch Hypocheken gedeckte Pfandbrief« oder Obligationen auszu- geben, ferner Darlehen aufzunehmen und sich an Unternehmungen zur Beschaffung von Krediten zu beteiligen. Der zweit« Entwurf, der den Titel„zur Förderung der Ansied- lung' trägt, bringt Ermächtigungen, wonach für die nächsten fünf Rechnungsjahre von 1931 bis 193S zur Ge- Währung von Zwischenkrediten bei Rentenguts-Gründungen ins- gesamt132 Millionen Mark zur Verfügung gestellt werden können. Der dritte Entwurf bringt die Genehmigung des Landtags für die Durchführung des zwischen dem Reich und Preußen zur Regelung eines einheitlichen Zwischen- und Dauerkreditwesen« für die ländliche Siedlung abgeschlossenen Abkommens. Drei ostoberfchlesische„Aufständische' wurden wegen Beteiligung an den Novemberexzessen gegen die deutsche Minderheit und ge- waltsamem Eindringen in die Wohnung des Arbeiters K z i u t, den sie niederschossen, zu je— einem Monat Gefängnis, der dritte sogar zu— zwei Monaten oerurteilt, aber alle mit zweijähriger B e- währungsfristl Deutsche Kommunisten im Ausland verhaftei. Bei einem Straßenkrawall in Stockholm wurde der Kommunist G ü t t n e r vom Berliner Kominternbüro oerhaftet und an der lettischen Grenze der deutsche Kommunist Adolf B e t h k e, der keine Einreiseerlaubnis hatte. «-rantw-rtlich fit Politik: ffiaai ttlit«;»trtsch-kt:«. ftümgelftölrt; SewirkschaftSbeweguna: I. Blcintt; tftuillcton: D«. Zoh« Schii»w»ki: Lokales und Tonftiaes! fiiift RorftoW; Anzeigen: Zh. ffiloäe; sämtlich in Berlin. Berlaa: Borwarts-Berlag D m. d. H.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckeret und BerlcgsansUtlt Paul Sinaer n. Co.. Berlin SW«8. Linden strafe S Li-mn 3 Beiloaen«ab»StoblbeUaae*. WERTHEIM Zusendung von 5 M an. Obst, Cemüs« u.(«kW verderblich« Artikel werden nicht xugesendt Sctvnft(Dcrratt 'Billige ßehenstnhtel Frisch. Fleisch Wurstwaren Kausmadi.-Sülxe pm.0.48 Dampfwurst wuE�pm. 0.85 MetfWUrSt(Brauiud 11»»«,»»«> mi lim.» um Templin ist ein« der drei uckermärkischen Kreisstädte. Der Ort wurde an der Stelle einer alten wendischen Niederlassung errichtet und erhielt in der Mitte des 13. Jahrhunderts Stadtrechte. Die alte, fast vollständig erhalten gebliebene Ringmauer ist eine der besten in der Mark. Sie wird von zahlreichen halbrunden und' zwei vollrunden Türmen, dem Eulenturm und dem Pulverturin, olle S<1 Meter unterbrochen. Dazu kommen drei Tore, von denen das Prenzlauer Tor das eigenartigste ist. Templin liegt an der Eüdwestecke des Templiner Sees, der durch einen Kanal und durch andere Seen mit der Havel in Verbindung steht. Dadurch ist die Stadt an das märkische Wasserstraßennetz angeschlossen. Durch das Berliner Tor betreten wir die Stadt. An das Tor schließt sich die Stadtmauer an. Ein Rundgang innerhalb des Mauerrings wäre zu empfehlen. Man erhält einen Einblick in die äußerst beschränkten Wohnverhältnisse einer alten Kleinstadt. Die Berliner Straße führt an der St. Georgs-Kirche, dem ältesten Bauwerk der Stadt, vorüber zum Markt mit dem Rathaus. Vom Markt geht links die M ü h l e n st r a ß e, die Hauptgeschäftsstraße der Stadt, an der nach dem großen Brande von 1749 neuerbautcn Marie,Magdalenen-Kirche vorüber, zum Mllhlentor. Nördlich vom Markt führt die Prenzlauer Straße zum Prenzlauer Tor, dem be- deutend�ten Bauwerk seiner Art. Außentor und Jnnentor sowie der mit einem Dach versehene Vorhos sind noch erhalten. Beim Prenzlauer Tor verlassen wir die Stadt. Wir bleiben kurze Zeit auf der Prenzlauer Chaussee und wenden uns dann links zum Templiner See. Eine schöne Promenade zieht sich um den See hin: rechts auf der Anhöhe das vor mehreren Jahren hierher oerlegte Joachimsthalsche Gymnasium. Bei dem Wirtshaus Fährkrug haben wir das Ende des Templiner Sees erreicht, der sich östlich im Fährsee und nördlich im G l e u e n- fee fortsetzt. Diese Seen sind von schmaler, langgestreckter Gestalt. Sie gehören zur Gattung der Rinnenseen, die von den Schmelz- wassern des eiszeitlichen Eises ausgewaschen und zum Abfluß nach den großen Urstromtälern benutzt wurden. Auf der Prenzlauer Chaussee wandern wir über die Bahn und wenden uns bald links ab in einer Viertelstunde zum Gleuensee. Durch eine ehemalige Ziegelei führt der Weg steit hinab zum Ufer. Ein schmaler Fuß- pfad bringt uns um den von alten Buchen bekränzten See zur Chaussee zurück. Wir wandern auf dieser nach links weiter, bis sich zur Rechten«in breites Wiesental auftut, in das wir auf dem ersten Weg« einbiegen. An der engsten Stelle des Tales liegt die Kloster wald er Mühle. Lychen. Von der Tlosterwalder Mühle wandern wir nördlich, links von dem schön gelegenen Kleinen Dolgensee vorüber, «ach Klosterwald«. Bon hier führt die Landstraße nord- wesllich, meist durch Aecker, an einigen Ausbauten vgrllber, nach Warthe, zwischen dem Großen Warthesee im Osten und dem Kleinen Warthcsee im Westen gelegen. Wir befinden uns hier im Gebiet der mecklenburgifch-uckermärkischen Endmoräne. Das Ge- lände ist äußerst hüglig und von Steinen bedeckt. Diese sind Grüße aus dem skandinavischen Norden, die dos Eis der Eiszeit von dorther mitgebracht und beim Abschmelzen hier niedergelegt hat. Die Senken in den Geländefalten find meist von Seen erfüllt. Wir verlassen Warthe auf der gen Nordwest.hinausführenden Straße und kommen am Rathenowsee(rechts) und später am Stoitzsee(links) vorüber nach Mahlendorf, am Ostende des Großen Küstrinfecs gelegen. Auch dieser See ist ein Ninnensee, der sich etwa S Kilometer in ostwestlicher Richtung erstreckt. Er ist van schönem Wald umgeben. Die Straße führt in der Nähe des Süd- ufers gen West nach K ü st r i n ch e n. In der Nähe liegt die Schäferei Fegefeuer. Wir wenden uns nun westlich zur Chaussee und kommen auf dieser, am Oberpsuhl(links) vorüber, nach L y ch e n. Die Stadt blickt ebenso wie Templin auf ein ehrwürdiges Alter zurück. Bereits 1248 wird fie als Stadt genannt. Lebhafter Ver- kehr, zum Teil auch hervorgerufen durch die zahlreichen Kuranstalten in der Nähe der Stadt, macht sich hier bemerkbar. Aber die Seen sind so groß, die Wälder so weit, daß auch noch genügend Raum � für den beschaulichen Wanderer bleibt. Himmelpfort und Bredereiche. Ueber Hohenlychen wandern wir in der Nähe des Großen Lychensees vorüber zum Forsthaus Woblitz. Hier beginnt eine geradezu spreewaldähnlich anmutende Landschaft. Durch schönen Wald, vorwiegend Laubwald, in dem noch Reiher horsten, zieht die Woblitz still dahin. Paddelboote tauchen auf, mitunter auch eine Zille. Aus schönem Pfad am Ufer der Woblitz wandern wir weiter. An ihrer Mündung in den Haussee verlassen wir sie und wenden uns links ab nach Himmelpfort. Vom Ufer des Haussees grüßt uns die Ruine des Klosters, das 1299 als Zisterziensermönchskloster gestiftet wurde und eine Pforte zum Himmel sein sollte(Codi porta). Als alten Volkswitz erzählt man, daß Lychen eine gute Lage habe, weil es zwischen Himmelpfort und Fegefeuer liege. Von Himmelpfort wandern wir um das Ostufer des Stolpsees gen Süd durch hügliges Gelände(Endmoränengebiet) nach Bredcreiche, einem großen Dorf an der Havel. Das Dorf Bredereiche gehörte dem Kloster Himmel- pfort, in dessen Besitz es schon 1397 gelangte. Der Sage nach stand auf dem nordwestlichen Ende des Dorfes ein Eichenwald, der die „Brlldereichen"(platt: Vrödereicken) hieß: daraus ist wahrscheinlich der Name Bredereiche entstanden. Wir llberscheiten die Havel und folgen der nord- westlich abgehenden Straße. Sie führt teilweise durch Wald. Das Gelände ist sehr hüglig, wir sind auch hier im Endmoräuengebict. Die Hügel und Senken schaffen ein bewegtes Landschaftsbild, das äußerst belebend wirkt. Hier führt auch die mecklenburgische Grenze hindurch, die wir überschreiten. Schließlich kommen wir nach Fürstenberg, einem mecklenburgischen Städtchen in sehr schöner wald- und seenreicher Umgebung. Auch hier brandet der von der Reichshauptstadt ausgehende Wochenendverkehr äußerst heftig. Mit einem Rundgang durch diese ehemalige„Dorchläuchtings- residenz" beschließen wir unsere Pfingstfahrt. Länge der Fuß- Wanderung etwa 58 Kilometer. Wer weniger Zeit zur Verfügung hat, kann die Heimfahrt bereits in Lychen oder Himmelpfort an- treten. Wanderkarten: Reichskartc 1:199 999, Blast. 215, Rheins- berg, und 219, Templin. kscis des Stadtkämmerers. um die Biersleuereriiohung/ Sladtparlameni nach Radau auigeliogen. Bedeutsam an der gestrigen Stadtverordnetensihung war allein die Rede des neuen Stadtkämmerers von Berlin, der gestern zum erstenmal vor dem Sladtparlament sprach. Er begründete die Forderung des Riagistrales auf Verdoppelung der kommunalen v i e r st e u e r. Zn der augenblicklichen Situation, wo alles getan werden müsse, um für die Arbeitslosen die nötigen Gelder Herbeizuschassen, komme die Stadt um eine Erhöhung der Biersteuer, die auf Grund der Rotverordnung des Reichspräsidenten erhoben wird, nicht herum. Unter den drei Möglichkeiten, die der Stadl bei der gegenwärtigen Gesamtlage bleiben, nämlich einer Erhöhung der Liersteuer oder eines dauernd wachsen- den Defizites nnt kassenschwieripkeiten oder einer Erhöhung der Bürgersleuer sei die stärkere Besteuerung eines Genußmiltels für die minderbemittelte Bevölkerung noch am ehesten erträglich. Er wies in diesem Zusammenhang aus eine Rede des Reichssinanzministers hin, der kürzlich erklärte, daß Deutschland eine Verringerung der Reparationslasien solange kaum erreichen werde, als die Genußmitlelbeftcuerung in unserem Lande niedriger sei als in den Siegerstaaten. Asch fügte hinzu, daß die Stadt weder beim Reich noch bei Preußen Verständnis für die Röte der Berliner Finanzen finden und eine Verbesserung des jetzt für Berlin so ungerechten Finanzausgleiches nicht erreichen werde, bevor die Stadt nicht alles getan habe, die vorhandenen Einnahmequellen voll aus- zuschöpfen.— Zu einer Beschlußsassung des Stadtparlaments kam es nicht. Räch der Rede des Stadtkämmerers, bei der es, abgesehen von einigen Zwischenrufen, denen Asch sehr geschickt zu begegnen wußte, ziemlich ruhig verlies, wollte der deutschnationale Stadtverortmete v. 3 e ck l i n sprechen. Seine Ansangsworte blieben wegen einer starten Unruhe im Sitzungssaal aus der Pressetribüne völlig unverständlich, plötzlich begann auf der Zuschauertribüue ein Kommunist eingepaukte Phrasen laut in den Saal zu brüllen. Kommunistische Stadtverordnete beantworteten das Geschrei mit wohlwollenden Zurufen. Die Folge war ein allgemeines Durch- einander. Die Ralionalsozialisten brachen in Rufe„Deutschland erwache" aus. was die Kommunisten mit„Hitler verrecke" beanl- warteten. Zu dem allgemeinen Tumult unterbrach der stell- vertretende Vorsteher Dr. Caspar! die Sitzung, nachdem er die Räumung der Tribüne« angeordnet hatte. Lei Wiedereröffnung führten die Radauparteien die Beschlußunfähigkeit des Hauses herbei. «- Mit einstündigsr Verspätung begann die Versammlung ihre Be- ratungen: in schneller Folge wurden eine Reihe Vorlagen ohne Debatte verabschiedet. Ueber die Neubesetzung der Stelle eines besoldeten Magistratsmitgliedes— es handelt sich um die durch das Ausscheiden des Genossen Reuter frei- gewordene Stelle— und die Wahl eines unbesoldeten Maggistratsmitgliedes an Stelle des nicht bestätigten Kommunisten Lange wird ein Wahlausschuß beraten. Zugestimmt wurde der Ausführung von Bauvorhaben in den Bezirken Reinicken- darf und Weißensce und am Kinderkrankenhaus Reinickendorfer Straße. Bei der Beratung der Vorlage über die Weitersührung des Um- und Erweiterungsbaues an der Höheren Fachschule für Frauenberufe machte die Kommunistin Sandtner merkwürdige- Ausführungen. Die Ausbildung von Handarbeitslehrerinnen(an der Fachschule) sei uynötig, weil der Handarbeitsunterricht an den Volks- schulen auch überflüssig sei! Und warum soll er überflüssig sein? Nun, Frau Sandtner sagte: Wenn die Kinder schon Handarbeitsfähigkeiten erwerben, so können sie sich doch nichts nähen, weil die Eltern kein Geld hätten. Die Fortführung des Baues wurde beschlossen.— Die debattelose Verabschiedung von Grund st ückssachen schloß sich an. Um die Verdoppelung der Biersteuer gab es eine lange Debatte, in der die Stadtverordneten koenen (Komm.), Fuchs(Wirtschaftsp.), Sünzer(D. Vp.) und v. Zecklin (Dnat.) sprachen. Schließlich nahm Stadlkämmerer Genosse Asch das Wort, um den Magsstrat gegen den Vorwurf o. Jecklins zu ver- leidigen, der Magistrat lasse der Oeffentlichkeit früher Nachrichten zu- kommen als den Stadtverordneten. Es hätte sich gezeigt, sagte der Kämmerer, daß Nachrichten aus den geheimen Sitzungen des Magistrats in die Oeffenttichkeit gekommen seien.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Um Legendenbildungen vorzubeugen, seien Nachrichten herausgegeben worden. Selbstverständlich werde dafür k __ SN 26 123 Als Brotaufstrich: die feine PREISWERT WIE KEINE Gegen Wansleben und vomsschuie nie nrben der Obersiute der voiKsschuie. Eine Innere Wandlung hak sich ohne Zweifel im letzien Zahrzehnl in der Volksschule vollzogen. In allen pädagogischen Kreisen werden die Jorderungen der Gemeinschaftserziehung und der Arbeilserziehung anerkannt, wenn auch noch nicht überall gestaltet. Mit der inneren Wandlung hat jedoch die Umformung der äußeren Organisation nicht Schritt gehalten: Noch immer ist das Gesetz der Einheitsschule nicht verwirklicht. Akte und neue Organisationsformen müssen jedoch zu organischer Gestaltung gebracht werden. Mit diesem Gedanken leitete der Minister für Volksbildung, Genosse Adolf Grimme, wie schon berichtet wurde, programmatisch die Tagung ein, die das Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht im großen Saale der Philharmonie über die Arbeit der Oberstufe der Volksschule vor fast 2000 Lehrern veranstaltete. Leider wurde die praktische Durch- führung des Gedankens der Einheitsschule— vielleicht die lebenswichtigste pädagogische Aufgabe der Gegenwart— in den folgenden Vorträgen nicht gezeigt, obgleich doch schon Ansätze zu dem weiteren Ausbau der Volksschule gemacht worden sind. � So hat bekanntlich Berlin die Ausgestaltung der Volksschule um weitere drei Jahre verwirklicht und plant außerdem einen großzügigen Versuch im Sinne der hier besprochenen Paulsenschen Pläne. In diesen Vorschlägen soll das siebente Schuljahr wesentlich der Berufs- findung dienen, während in dem 8., 9. und 19. Lebensjahr neben der allgemeinen Durchbildung in besonderen Kursen berufsbetonter Unterricht gegeben werden soll. Neben der äußeren Organisation wird die V o l t s s ch u l» o b e r st u f e vor eine lebenswichtige Frage von der Wirtschafts- krise der Gegenwart her gestelltl Kann die Schule es aber ver- antworten, daß sie in der Jugend alle produktiven Kräfte weckt und gestaltet gleichzeitig mit dem Bewußtsein, daß dieselben Kräfte später auf dem Arbeitsmarkt brach liegen werden? Leider war der Auseinandersetzung mit dieser Situation zu wenig Raum gegeben. Die Schule kann allerdings die Wirtschaft nicht umgestalten, sie muß aber auf Grund der Erkenntnis dieser Lage der Freizeit- gestaltung eine immer größere Bedeutung beimessen, worauf Ge- nosse Ministerialrat Professor Woldt in seinem Vortrag„Das Gegenwartsleben und die Volksschule" mit Recht hinwiesen. Die Jugend muß schon in der Schule lernen, in der Freizeit nicht nur zerstreuende Unterhaltung zu suchen, sondern ihre Kräfte planvoll zu bilden und im Sinne der Gemeinschaft auszuwirken. Wie wird die Schule der Wirtschast gerecht? Ganz allgemein war die Erkenntnis, daß die Volksschule und ihre Oberstufe sich völlig auf das Gegenwartsleben e i n st e l l e n müssen. Eindringlich und anschaulich wurde diese Ansicht an vielen Beispielen von Genossin Professor Käte Feuer- st a k für den Mädchenunterricht und von Rektor Albert P i e t s ch, Woltersdorf b. Berlin, für die Landschule gezeigt und durch einen Lichtbildervortrag von Oberschulrat Dr. Hilter über das Schul- leben des Auslandes ergänzt. Noch immer ist aber ein Konflikt nicht gelöst: Die Schule ruft überall die Selbsttätigkeit und Initiative des Schülers wach, Ziel ist ihr der Mensch, während der heutigen Wirtschaft der Mensch noch immer nur Mittel ist für die kapita- listische Produktion. Noch immer bleibt diese Frage offen, wenn auch die heutige Jugend unter Rationalisierung und Sachlichkeit— wo wurde vielleicht mit Recht behauptet— weniger leidet als frühere Jugendschichten, die auf Romantik eingestellt waren. Wie setzt sich die Schule ferner auseinander mit den pädagogischen Bestrebungen der Industrie, durch die die Arbeiter von der Ge- burt— ja schon vor der Geburt— bis zum Tode im Sinne der „Werkgemeinschaft" betreut werden sollen? Diese Frage wurde leider auf der Tagung nicht behandelt. Bei der Frage der Gestaltung des Unterrichtes wurde von allen Rednern auf der Tagung die Ueberspannung der Forderung„Vom Kinde aus" bekämpft. Der Schüler darf die Welt nicht nur hinnehmen, sondern hat auch die Pflicht zur Weltdurchdringung und Weltgestaltung. Der jugendliche Mensch muß den Platz finden, an dem er aktiv an der Vollendung von Staat und Gesellschaft mitarbeiten kann— dieser Gedanke klang in fast allen Vorträgen wieder, darin sah Ministerialrat Erich H y l l a zuletzt den Sinn und die Aufgabe der Oberstufe und Schulrat Erich Wolfs verlangte geradezu vom Lehrer, daß er Führer sein müsse zu einer aktiven Gesellschaftsbildung. Berichte aus der praktischen Arbeit. Besonders anregend waren die kurzen Berichte, die am Schluß der Tagung von Teilnehmern aus ihrer praktischen Arbeit gegeben wurden. Es zeigte sich, daß der Schüler der Oberstufe gemäß seiner psychologischen Entwicklung ganz anders arbeiten muß als der Grundschüler, was eingehend und an vielen charakteristischen Beispielen der Tübinger Professor der Psychologie Kroh darlegte. Diese Einblicke in die tägliche Schularbeit zeigten die ganze Problematik des heutigen Unterrichts, die am Schluß der Tagung von Schulrat Karl Eckardt,'Koblenz, eindringlich auf- gewiesen wurde. Diese Beispiele und Vorträge ließen eine gewisse Wandlung und Klärung in der Gestaltung des Unterrichts erkennen: Gesamtunterricht heißt nicht wirres Nebeneinander, sondern plan- mäßig aufgebauter Unterricht, Aufbauen auf dem Lebensraum des Kindes und ihn durchdringen heißt nicht Verengerung des Blick- feldes und Ueberspannung des Heimatgedankens. und vor allem Begrenzung des Stoffes heißt nicht los von jedem Stoff, frei von jeder Aufgabe, sondern die Entwicklung des Menschen zum aktiven Mitglied m der Gemeinschaft verlangt vor allem auch— L e i st U n g. Dr. Else Hildebrandt. Tod im Gasschacht. Folgenschweres Arbeitsunglück auf Schwanenwerder. Auf der hcwelinsel Schwanenwerder, gegenüber der Ortschaft Eladow, ereignete sich in den gestrigen späten Abend- stunden ein schweres Gasunglück, das ein INenfchenleben forderte. Zwei weitere Gasvergifteke mußten durch die freiwillige Feuerwehr Schwanenwerder ins Hindenburg-Sranken- haus gebracht worden. Die auf der Insel befindliche Gasverteilungsanlage, die in einem etwa zwei Mete? tiefen Schacht untergebracht ist, war undicht geworden und der Schaden sollte noch gestern abend be- hoben werden. Der 4Sjährige Inspektor der Gaswerke, Hans Wolf aus der Mrelitzer Straße 43 und zwei Gasarbeiter, der 43 Jahre alte Otto Schulz aus der Kirchstraße 28 in Charlotten- bürg und der 48jährige Hermann Steinfurth aus der Kaiserin- Augusta-Allee 52 in Charlottenburg waren mit den Arbeiten be- traut worden. Als gegen 29.45 Uhr Passanten an dem Verteilungs- schacht vorübergingen und hineinsahen, entdeckten sie die drei Alänner regungslos auf dem Loden. Die Schwanenwerder Feuer- wehr wurde alarmiert, und unter Leitung des Brandmeisters Neu- mann wurden die Verunglückten aus dem vergasten Schacht geborgen. Die Wiederbelebungsversuche waren nur bei Stein- surth und Wolf von Erfolg. In bedenklichem Zustande wurden beide ins Hindenburg-Krankenhaus gebracht. Die Leiche des töd- lich verunglückten Arbeiters S d) u l z wurde beschlagnahmt. Die Ursache des Unglücks ist auf ein undichtes Gasrohr zurück- zuführen._ Grober Unfug auf der Havel. Das vermeintliche Motorbootunglück auf der Havel in der Nähe der Psaueninsel hat sich als ein Dummerjungenstreich herausgestellt. Da von der Wasserpolizei und dem gleichfalls alarmierten Feuer- 'löschboot trotz stundenlanger Suche in der Dunkelheit nichts fest- gestellt werden konnte und sich auch sonst nicht die geringsten Spuren eines in Flammen aufgegangenen Motorbootes zeigten, wurde die Aktion schließlich abgebrochen. Um aber die Ursache des weithin sichtbaren Flammenscheins zu ergründen, beschäftigte sich die Krimi- nalpolizei mit der Angelegenheit. Dabei wurde folgendes ermittelt: Mehrere junge Leute wollten am jenseitigen User trockenes Schilf verbrennen. Sie verfertigten ein größeres Floß aus Schilf und zündeten es an. Das brennende Schilffloß wurde dann angeblich von einer leichten Brise erfaßt und nach der Mitte des Stromes getrieben, wo es lichterloh brannte und untersank. Sorge getragen werden, daß die Stadtverodneten ebenfalls ständig und zeitig informiert sind. Zur Frage der Erhöhung der Biersteuer bemerkte der Stadtkämmerer, daß bei der augenblicklichen Finanzlage Verlins jede Mark eine Rolle spiele. Die Biersteuer sei der Stadt durch die Notverordnungen der Regie- rung aufgezwungen worden, sie sei aber als eine Genußmittel- st euer erträglid).(Lärm bei den Kommunisten, die überhaupt in Gemeinschaft mit den Deutschnationalen und Rationalsozialisten den Redner fortgesetzt zu stören versuchten. � Im Vergleich zu anderen Städten, seien die Genußmittel- wie auch andere Steuern in Berlin noch lange nicht erschöpft, deshalb könne Berlin auch kaum auf Entgegenkommen bei der Regierung hoffen.(Wiederholter Lärm.) Gegenüber den Behauptungen einiger Diskussionsredner stellte Ge- nosse Asch fest, daß der Rückgang des Vierkonfnws absolut nicht eine Folge der Biersteuer sei. Er belegte das mit Zahlen, und zog daraus den sich ergebenden Schluß, daß die Wirt- s ch a f t s k r i s e viel früher schon die Bevölkerung zur Herabsetzung des Biergenusses veranlaßte, als die Steuer. Wenn man die Wahl habe zwischen einem Defizit mit großen Kassenschwierigkeiten und der Erhöhung der Bier- und Bürgersteuer, so müsse man letzteres wählen.(Großer Lärm ganz links und rechts.) Die Sitzung wird verlagt! Während dex. nun folgenden Rede des Stadtv. v. Zecklin(Dnat.) erhob sich ein Tribünenbesucher und hielt eine Ansprache an die Stadtverordneten. Die Kommunisten Im Saal ossistierten ihn ge- hörig, so daß der Sprecher schließlich entfernt werden mußte. Auf der Tribüne entstand ein wüster Lärm, ein Teil der Besucher weigerte sich, den Anordnungen der Beamten Folge zu leisten, die kommuni- stischen Stadtverordneten Müller und S a l z s t e d e r eilten auf die Tribüne und ermunterten die Krakeeler, während die im Saal verbliebenen die Internationale anstimmten. Dann gab es noch ein liebliches Wechselspiel zwischen Kommuni st en und National- s o z i a l i st e n mit Hoch- und Niederrufen,„Juda verrecke" und „Rot Front erwache" und dann vertagte der amtierende Vorsteher- stellvertreter Dr. Easpari die Sitzung. Die Tribüne wurde geräumt, der Aeltestenausschuß trat zusammen Nach Wiedereröffnung der Sitzung rief Vorsteherstellvertreter Dr Easpari nachträglich die Stadtv. Tilgner(Wirtschaftsp.) und U r i ch(Soz.) zur Ordnung. Ein Antrag der Kommunisten, die Oeffentlichkeit wiederherzustellen, wurde abgelehnt. Um sich zu revanchieren, verliehen Kommunisten, Deutschnationale und Nazis den Saal. Damit war die Beschlußunfähigkeit herbeigeführt. Der Vorsteherstellvertreter schloß darauf die Sitzung um 29.45 Uhr. „Es lebe der Friede!" Besuch deutscher Kinder arbeitsloser Eltern in Frankreich. Paris, 21. Mai 1931.(Eigenbericht.) Zweihundert Kinder arbeitsloser Ellern aus Berlin, Hamburg und Leipzig trafen heut« abend unter Führung einiger Lehrer und Lehrerinnen in Paris ein, um auf Einladung des vom Allgemeinen Gewerkschaftsbund gegründeten Aktionskomi- tees für den Frieden einen Monat kostenlos in einem Ferienheim auf der Insel Oleron zu verbringen. Die Kinder wurden auf dem Nordbahnhof von zahlreichen Kindern des Aktionskomitees des Gewerkschaftsbundes und der Sozialistischen Partei, darunter I o h a u x und der Abgeordnete G r u m b a ch, und dem verdienst- volled Organisator der Reif«, dem Vorsitzenden der französischen Lehrergewerkschaft, L a p i e r r e, begrüßt. Ein Vertreter der deut- schen Botschaft war gleichfalls anwesend. Die Kinder, die die Reise bisher sämtlich gut überstanden haben und bei bester Gesundheit sind, strahlten vor Freude über die ihnen bevorstehenden Erlebnisse. Nachdem sie in verschiedenen Gruppen photographiert worden waren, wurden sie von einer zahlreichen Menschenmenge mit dem Ruf„Es lebe der Friede" begrüßt, zu den vor dem Bahnhof bereitgestellten Autobussen geführt und nach einem Festsaal des Gewerkschaftshaufes geführt, wo ihnen an weißgedeckten und mit roten Nelken geschmückten Tischen ein warmes Abendessen gereicht wurde. Während des Essens hielt der Abgeordnete Grumbach eine kurze Rede, in der er auf den Zweck der Reise hinwies und die Kinder ermahnte, später dafür zu sorgen, daß es zwischen Deutschland und Frankreich keinen Krieg mehr gebe. Roman aim dem Uagarisdien von Alexander von Sacher-Masoch. Soviel Sorgfalt und Ruhe hatten aus dem Komödianten schon fast einen anderen Menschen gemacht. Er war noch immer matt und furchtsam und schämte sich besonders seines nächtlichen Zustandes. Aber in seinen Augen war nicht mehr jene tölpelhafte Stumpfheit. Er verstand auch so ziemlich, was man zu ihm sprach, und drückte sich leichter aus, wenn euch in einem mörderischen Kauderwelsch. Jedoch— und das schien hier die Hauptsache— die Erinnerung an gemeinsame Tage mit dem Lehrer kehrte ihm deutlicher wieder, so daß sein Freund immerfort die aufsteigenden Tränen hinabwürgte. Draußen fing es eben zu dämmern an. Die Frau Lehrer schlief noch im anderen Zimmer, nur die Magd begann in der Küche zu rumoren. Mit ihrer Hilfe richtete der Lehrer, wie abends vorher, ein schnelles Frühstück. Der Lqhrer mußte, da es Sonntag war, beim Gottesdienst seinen Orgänistenpflichten nachkommen. Bis dahin lohnte es nicht, sich noch hinzulegen. Er schlug einen Spaziergang vor. Inzwischen wollten sie, während sie den Hilfsnotar nach Hause brachten, etwas über das Schicksal des Komödianten aus- knobeln. Sie zogen los, aber vorläufig berichtete auf die Fragen des Lehrers der Komödiant in seiner seltsamen Redeweise von einem noch seltsameren Schicksal, während sie durch den frostigen, reinen Novembermorgen schritten. Die fliegende Familie errang erst seit jenem Tage phan- tastische Siege und klingenden Erfolg, an dem sie aus jener Kleinstadt fortgezoaen war. Sie durchstreiften wieder halb Europa und dann Ruhland. Hier kamen sie wieder etwas ins Gleiten. Erst starb Mister Jack und mit ihm schien das Glück der Familie zu sinken. Sie hielten sich noch immer wacker, be- kamen aber nicht mehr so gute Verträge. Zum endgültigen Verfall führte dann der jähe Tod Mister Adams. Die Todesursache war Herzschlag, das ge- wohnte Gespenst der Muskelkünstler. Auch Frau Griselde begann zu kränkeln. Mit dem Fliegen war es Essig. Fretchy und sein jüngerer Bruder konnten keinen Ersatz finden und mußten sich mit anderen Nummern, Akrobatenstückchen, ja, Pferde- und Hundedressur befassen. Damit hatten sie jedoch nur zweitklassige Erfolge. Ueberdies mußten sie auch ihre Mutter erhalten und ärztlich behandeln lassen. Mit einer Gesellschaft wurden sie auf den Balkan ver- schlagen und von dort in die Türkei. Hier starb Frau Griselde und hier ging Freddy seine erste Ehe ein. Aber auch damit hatte er Pech und trennte sich bald von der Frau. Um das Unglück voll zu machen, erkrankte er an einem Bruch. Zu seinem Glück trat sein Bruder um dieselbe Zeit in ein verhältnismäßig gutes Engagement. Er sandte ihm Geld, damit er sich im Krankenhaus pflegen konnte und be- zahlte feine Operation. Als er jedoch genas, war er nicht mehr der alte. Die Gesellschaft, der sein Bruder angehörte, engagierte ihn nicht mehr, und sie mußten sich wieder trennen. Freddy zog mit einer kleineren Truppe wieder nach dem Balkan. Damals vernachlässigte er sich bereits und begann auch zu trinken, das war der größte Fehler. Dennoch erreichte der Tod seinen Bruder zuerst mit dem Erbe des Vaters und Onkels: dem Herzschlag. Freddy tonnte nicht einmal dem Begräbnis beiwohnen. Drei Länder lagen zwischen ihnen. Freddy verheiratete sich dann noch einmal, von linker Hand, um die Scheidung von seiner Frau abzuwarten. Aber sie ließen einander früher stehen, als die Scheidungsklage ablief. Von da an taumelte er aus«wem Elend ins andere. Es war ein paar Jahre her. daß eine Gesellschaft die vier Leutchen entließ und sie zu selbstandigech von Dorf zu Dorf tippelnden Komödianten gesunken waren. Einen davon holte der Teufel, die anderen beiden, Mister Tom und Miß Palma, waren gestern zu sehen im Dorfwirtshaus. Und jetzt war er hier. * Diese Begebenheiten erzählte Mister Fred seinen zwei Begleitem, gerade im Augenblick endend, als sie vor dem Gemeindehaus angelangt waren, wo der Hilfsnotar ein be- scheidenes Zimmerchen innehatte. Sie blieben zum Abschied ein paar Augenblicke lang vor dem Haustor stehen. Der Lehrer richtete jetzt an den Komödianten die Frage, ob er sich an die beiden anderen gebunden fühle und am Wanderleben hänge. Wenn nämlich nicht, in diesem Falle könnten sie ihm vielleicht irgendwo eine Existenz verschaffen? „Gerne, gerne!" Mister Fred nahm den Vorschlag bereit- willigst entgegen. Damit im Zusammenhang fiel dem Hilfsnotar ein, daß eine Möglichkeit dadurch gegeben sei» Mister Fred zu managen, weil er Pferdedresseur war. Die Gemeinde besaß zwei Hengste, und ihr Wärter, ein ehemaliger Husar, war sonst«in wohlhabender Besitzer. Der hatte genug Arbeit mit seinem eigenen Viehstand und hielt die Hengste nicht gerade gut. Er ritt sie unregelmäßig, putzte sie schlecht, und in der Vorsteherei waren mehrere Klagen gegen ihn laut geworden. Was aber das Wichtigste war, er selbst schien sich nicht sehr an diese Stellung zu klammern. Wenn man mit ihm redete? Oder ihn entließ und an seine Stelle den Komödianten setzte? Es wäre nicht schwer, die Vorsteherei zu überzeugen, daß es einem, der im Galopp den Handstand zu machen fähig ist. nichts bedeute, zwei Hengste richtig zu halten. So geschah es, daß der Lehrer und sein Freund noch am gleichen Vormittag die Sache mit dem Besitzer und den Ge- meindebonzen beim Morgenschoppen erledigten. In der Sonntagabendvorstellung traten nurmehr Mister Tom und Miß Palma aus. Mister Fred nahm Abschied von den Komödianten und vom Vagabundenleben. Fünfundzwanzig st es Kapitel schließt die Geschichte mit„der Moral", so ähnlich, wie sie be- gann, was. gleichgültig ist und nur überflüssiges Geschwätz zeitigt. Denn wer aus der Geschichte nichts gelernt hat. dem wird auch die Moral nichts nützen. Tatsache ist, daß der Lehrer und sein Freund mit ihrem Schützling bei der Gemeinde keine Schande ernteten. Denn bis dahin hatten sie noch keine Ahnung davon, daß man irgendein Tier der Gemeinde so pflegen konnte, wie es dieser hergelaufene Komödiant tat mit den zwei Hengsten. (Schluß folgt.) Siedlersorgen. Veffchtigungsfahrt mii dem Verkehrsverband an der Gkeitiner Bahn. Berlins größtes Siedlungsgebiet im Norden, das sich an der Stettiner Bahn entlang bis Bernau erstreckt, strebt nach Entwick- lung. Tausende haben sich im grünen Tal der Panke sehhast ge- macht, vornehmlich Arbeiter, Handwerker und kleine Beamte, die ihre. Familien aus der Großstadtenge in günstigere Verhältnisse verpflanzen wollten. Den wenigsten ist es geglückt. Siedeln kann nämlich ohne Schaden nur der, der die schwieligen Fäuste und harte Nerven besitzt und zuletzt auch einiges Geld, um nicht an den Verpflichtungen, die imzner und immer wieder an den Siedler herantreten, zu ersticken. Wer der Besichtigungsfahrt des Verkehrsverbandes an der Stettiner Bahn beiwohnte und von Vormittag bis Nach- mittag in den vielen alten und neuangelegten Kolonien nur Klagen und Klagen hören mußte, der könnte den Eindruck bekommen, daß BeiZins Siedlungswesen einer Katastrophe zusteuert. Es geschieht nichts seitens der Gemeinden und auch der Reichs- b e h ö r d e n, um den dringlichsten Wünschen der Siedler gerecht zu werden. Sie sind nur auf Selbsthilfe angewiesen, die sie in ihren strafsorganisierten Siedler- und Grundbesitzerverbänden finden. Die Fahrt geht über Pankow zuerst nach Blankenburg. Hier ist eine der schönsten Siedlungen, trotz der verdächtigen Nähe der städtischen Rieselfelder entstanden, nicht zuletzt durch die tatkräftige Initiative des Grundbesitzervereins. Ueber die Wünsche Blanken- burgs haben wir bereits kürzlich berichtet, sie betreffen in der Haupt- fache die Verlegung des alten Bahnhofs oder die Neuanlage eines Bahnhofs im Siedlergebiet, da der alte Bahnhof im Rieselungsgebiet vor dem Städtischen Gut 20 bis 30 Minvten von den Kolonien entfernt liegt. Die etwa 1400 Siedler in Blanken- bürg wollen sich finanziell an dem Bahnhofsbau beteiligen, wie sie auch für diesen Zweck bereits das Gelände zur Verfügung gestellt haben. Es fehlen nur ein paar 100 000 M. In Blankenburg ist auch die berüchtigte Unglücksecke im Zugang von der Bahnhofschausiee auf die Bernauer Straße, die trotz der schweren Gefahren für Fuß- gänger und Gefährte bis heute noch besteht. Die Kolonie Berlin-Karow umfaßt etwa 1700 P a r- z e l l e n: besonders stark ist die Entwicklung am Karower Damm. Bodenreformerische Ideen, die man hier verwirklichen wollte, erlitten k l ä g l i ch e n S ch i f f b r u ch. Die Stadt verkaufte das Land nur unter der Bedingung des Rückkaufsrechts, damit jeder Bodenwucher ausgeschaltet wurde. Es hatte zur Folge, daß die Siedler keine Hypotheken zum Bauen erhielten. Die Verträge muhten zum Schaden beider Teile geändert werden. Eine Kolonie von 30 Häusern ist von den Anliegern in eigener Arbeit nach Feierabend errichtet worden: jeder der Genossen war oerpflichtet, dem anderen so lange zu helfen, bis das Dach unter Fach war. Dafür ist diese Kolonie auch eine der gesündesten. In Berlin-Buch wünschen die Siedler die Weiterlegung des Autobusses 42. In N e u- B u ch sind die W e g e o e r h ä lt n i f s e der Lindenberger Chaussee im Winter so schlecht, daß die Kinder nach Buch, auf einem dreiviertelstündigen Wege, zur Schule gehen müssen. Da die Kolonie nicht eingemeindet ist, so erhebt Berlin das volle Schulgeld und gibt den Anliegern auch nicht die sonst übliche stafselmäßige Ermäßigung. In Al penberge wartet man ouf billige Hypotheken, um bauen zu können: es ist den Siedlern, die seit 27 Iahren hier sitzen, noch nicht möglich gewesen, einigermaßen gangbare Straßen anzulegen. „Aber! Onkel Ottol Herz ist doch Trumpf!" „Ja, Kinder, mit meiner Zerstreutheit und Nervosität wird da» immer schlimmer." „Dann versuch'» doch mal mit dem co(Feinfreien Kaffee Hag. Der wird Deinen Nerven gut tun. Kaffee Hag schmeckt wirklich genau so gut, wenn nicht besser, als der herrliche Mokka, den es bei Euch immer gibt." „Das will allerdings viel heißen. Also schön, noch heute wird Kaffee Hag probiert. Herz ist Trumpf! Kaffee Hag schont das Herz." Zepernick als größter Siedlungsort mit etwa 2S00 Parzellen hat durch die vielen Siedlungen seine Einwohnerzahl in den letzten zehn Jahren verdreifacht. Verzehnfacht haben sich aber die Bedürfnisse der Siedler, die in keiner Weise erfüllt werden. Da klagen Kolonien über schlechte Schulverhältnisse(über 70 Kinder in einer Klasse), über schlechte postalische Verhältnisse, über Grund- Wasserschäden. Die„Panke"' mußt« endlich reguliert werden, denn man glaubt gar nicht, was dieses kleine Flüßchen für Unheil und furchtbare Berwüstungen anrichtet. Zum Schluß erfolgte noch eine Einkehr in Bernau, das durch umfangreiche Siedlungen im Stadtgelände ein neues Gesicht erhält; nur zeigt Bernau selbst wenig Verständnis für diese neuzeitliche Entwicklung und manche Bernauer möchten am liebsten, daß die Stadt immer eine„altertümliche" bleibt. Es ist ein Spiel der oer- schiedenartigsten Interessen, die ineinander oerflochten sind. Wenn nicht der gute Wille bei den Behörden vorhanden ist, mit den Siedlern Hand in Hand zu arbeiten und ihnen trotz der Leere der öffentlichen Kassen im Notwendigsten Hilfe zu bringen, so wird das Siedlungswerk Groß-Berlins auf Jahrzehnte schweren, kaum wieder gutzumachenden Schaden leiden. Millionenschwindser verhastet. Er verschob nahezu vier Millionen Marl. Auf Veranlassung der Sluklgarter Staat». anwalkschaft wurde in Oberbayern der Filialleiter der Deutschen Automobiloersicherungs-A.-G., Dr. R a n. R i h a u, wegen großer Schwindeleien verhaftet. Er hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. 1897 in Elberfeld geboren, gründete Ritzau im Alter von 22 Iahren, zusammen mit seinem noch jüngeren Bruder, eme offene Handelsgesellschaft. 1922 riefen die beiden die R i tz a u- B a n k ins Leben, die fünf Versicherungsgesellschaften mit über 100 Angestellten und an 4000 Vertretern schuf. Zwar hatten sie vom Reichsaufsichtsamt keine Erlaubnis, machten auch falsche An- gaben über ihre Prämieneinnahmen, kurzum, sie öffneten jedem Schwindel Tür und Tor. Nachdem die Bank zusammengebrochen war und Ritzau eine über ihn wegen Betruges verhängte Ge- fängnisstrafe verbüßt hatte, gelang es ihm, das Vertrauen der Deutschen Automobiloersicherungs-A.-G. zu erlangen. Er hat dann etwa 3 bis 4 Millionen Mark auf dem Besitz der Gesellschaft ins Ausland, vor allem in die Schweiz, wandern lassen. Weiter flog durch ihn die Stuttgarter Deutsche Autoversicherungs-A.-G. auf. Die U n t e r b i l a n z der durch ihn in Konkurs gegangenen Auto- versicherungs-A.-G. beträgt 0,8 Millionen Mark, so daß selbst die Angestellten um ihr Gehalt geprellt sind. Dr. Ritzau alias Rau hatte sechs falsche Pässe. Er benutzte sie, um zumeist mit dem Flugzeug zwischen Stuttgart und Zürich hin- und herzufahren. Seine Verhaftung erfolgte auf einen Zufall hin: Einem Rechtsanwalt, der zwei Akten aus dem Ritzau- Zusammenbruch von 192S und aus dem Konkurs der Auto- versicherungs-A.-G. in die Hände bekam, fiel die Aehnlichkeit der Namen und der Unterschrift Ritzau und Rau auf. Auch die Vor- gänge in den Akten ähnelten sich. So kam es zu der Verhaftung des Millionenschwindlers._ Flugzeugunglück in Bayern. Eine Fliegerin und ihr Begleiter schwer verletzt. München. 2t. Mal. Am Donnerslagvormittag startete auf dem Flugplatz Ober- wiesen feld bei regnerischem Wetter die erste bayerische Fliegerin, Fräulein Christel Marie Schulte» aus Bad Tölz, in Begleitung des Piloten S a ck m a n n aus Canstatt, dem die kleine zum Wellslug ausersehene Sportmaschine gehörte, wie die Süddeutsche Lufthansa mitteilt, ist die Maschine um 12.30 Ahr in Scheibling im Bezirksamt wegfcheid abgestürzt und völlig zertrümmert worden. Die beiden. Insassen wurden schwer verletzt und mußten im nächstgelegenen Krankenhaus operiert zverden._ pfingstzüge an die Ostfee! Zur Bedienung des Pfingstverkehrs nach der Ostsee werden einige der für die Hauptsaison vorgesehenen Bäderzüge auch schon zu Pfingsten verkehren. So verkehren nach den Bädern aus Usedom, Swinemünde, Heringsdorf usw. vom 22. bis 24. Mai der Eilzug L31, ab Berlin Stettiner Bahnhof 8.10, an Swinemünde 11.23, am 22. und 23. Älai der Eilzug �33, ab Stettiner Bahnhos 11. öS. an Swinemünde 14.30 und der Schnellzug D 35, ab Stettiner Bahnhof 13.38, an Swinemünde 16.39. Nach Rügen verkehrt am 22. und 23. Mai der Schnellzug V2S Berlin— Lauterbach, ab Stettiner Bahnhos 9.15, an Lauterbach 14.43 Uhr. Nach Stettin wird am 22. und 23. Mai der Eilzug L 45, ab Stettiner Bahnhof 9.50, an Stettin 12.00 Uhr gefahren. Nach Warnemünde verkehrt am 22. und 23. Mai der Eilzug L 115, ab Stettiner Bahnhof 13.42, an Warnemünde 17.47 Uhr. 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In Jarrenwisch wohnte einmal, vor hundert Iahren und etwas mehr, eine Bauers- tochter mit Namen Wilhelmine Haak, sehr jung ist sie gestorben, ihr Name wäre in keinem Buch der Nachwelt erhalten geblieben. Aber ein junger Mann, der Sohn eines Maurers, der Schreiber beim Kirchspieloogt in einem der Nachbarorte, hat sie geliebt: er hat seine Liebe zu ihr— die er aus Gründen gesellschaftlichen Ab- stands nie hatte offen bekennen können— und den Schmerz um ihren frühen Tod in Bersen ausklingen lassen, die jener frühen Periode in seinem Leben noch nach einem halben Jahrhundert ein Andenken bewahren. Der Name des jungen Kirchspielschreibers war Christian Fried- rich Hebbel. In einer Zeit, welche die Grenzen zwischen den Gesellschafts- schichten noch unerbittlicher absteckte als die unsere, gelang es ihm, von Ehrgeiz getrieben, von Trotz gestützt, von Verzweiflung immer wieder vorwärts gcpeischt, au» seiner Klasse auszubrechen und sich den Platz zu erkämpfen, der ihm, traft jenes rätselhaften und früh- bewiesenen Genius, zukam. Und wie der Betrachter dieses fünfzig- jährigen Lebenslaufes auch zu dem Mann in feinen späteren Iahren stehen mag, wie kritisch auch der Vollendete in seinen festgefügten Lebensmaximen betrachtet werden muß, in seiner Stellung zu so- zialen Forderungen und gesellschastlichekt Formen—: den Jüngling, den auf Schritt und Tritt die Abkunft hemmt, können wir in seinem Kampf um die Freiheit nur lieben. Und so kam es, daß ich, als die Kirche von Wesselburen über die Wiesen herübergrühte, kurzerhand beschloß, an dieser Stell« auszusteigen, um in dm. Straßen zu gehen und da» Hau» zu sehen. von dem aus der kleine Friedrich jenes gefährliche Wettrennen mit Hindernis, Sturz und halsbrecherischen Kurven begann, da» wir j.Seben" nennen. Ich ging vom Bahnhof die Straße in den Ort hinein, und die Phantasie spielt mir den Streich, daß sie mir dies Wesselburen in jedem Haus und jedem Fleck in eine Beziehung zu dem Jüngling fetzt, der es vor hundert Jahren oerlich, um in der Reisekutsch« nach Hamburg zu fahren. Zwischen diesen Einzelhäusern geht es sich eigentlich nicht wie beim Eingang in einen kleinen Ort, sondern «her wie im Vorort einer größeren Stadt. Um die Wahrheit zu sagen, erwarte ich in jedem Augenblick, ihn höchsteigen um die Ecke kommen zu sehen. Selbstverständlich würde ich den Hut vor ihm ziehen. Wenn er mich fragte: Wohin mein Freund?— würde ich antworten:„Zu Ihrem Geburtshaus, Herr Hebbel."— Bsrdammt, da habe ich doch wahrhaftig laut mit ihm(d. h. mit mir selber) gesprochen, und eine junge Wessel- burenerin mit blondblitzendem Haar wundert sich über mich. Eist- schuldigend seh« ich zu ihr hinüber— aber sie lächelt nur und blickt weg. Dann kam er, weiß der Himmel, mit einem Mal um die Ecke — in Marmor, mitten in einem Garten, die Straße zum Bahnhof hinuntersehend: der Gopten gehört zu einem Hause, das das Hebbel- Museum enthält, nebenan ist ein alkoholfreies Käsfeehaus. Nun ging ich die Süderftraße hinunter.. Sauberkeit, reine Luft und freundliche Fenster. Und indem ich die Leute betrachte. selbstbewußte Dichmarschengesichter, die ihr Interesse an der An- kunst eine. Fremden nicht in aufdringlicher Neugier verraten, dazu ihr» gepflegten Straßen und Häuser—; da korrigiert sich in mir mit einem Schlag das Borurteil, als könnte ein Fleckchen, abseits van den Hauptstraßen der Kultur, höchstens auf dem Wunder- und Gnadenweg« einen bedeutenden Mann gebären. Dieser Menschen- schlag ist wohl sähig, einem Bogel die Flugkraft auf die Lebens- reise mitzugeben, mit der sich ein hohes Ziel erfliegen läßt. Zu Hebbels Zeit hatte Wesselburen 1600 Einwohner, die Zahl ist um etwa 1000 gewochsen. Die Kirche auf dem Marktplatz stand damals wie heute. Was damals von seiner Hand in die Ehor- knabenbank eingeschnitzt wurde, ist noch jetzt zu sehen. Auf dem Marktplatz hat der Betrachter den Eindruck, als strahlten von hier sämtliche Straßen des Ortes aus. Hebbelstrahe Nr. 10 wohnt der Stellmacher und Wagenbauer Ernst Busche. Einstöckig ist da» Haus, oben neben dem Fenster ist eine Votivtafel angebrocht. „Hier stand das Haus, in welchem Christian Friedrich Hebbel am 18. März 1813 geboren wurde. Er lebte bis März 1833 in seiner Heimath und starb am 13. Dezember 1863 in Wien als einer der größten deutschen Dichter der nachgoetheschen Periode." Eine alte Frau mit verschwimmenden blauen Augen kam her- aus, um zum Garten hinter dem Hause zu gehen. Hier steht jener Brunnen, von dem gesogt wird, daß er das llrbtld zu dem Brunnen sei, in den sich die Tischlerstochter Klara stürzt: er wird der Maria- Magdalena-Brunnen genannt. „Darf ich einmal Ihren berühmten Brunnen sehen?" fragte ich die vom Alter gebeugte Frau. „Ja, berühmt is hei wol", gab sie zur Antwort,„aber viel los i» mit ihm nich. Hei ward seit lange Tied nich benützt." Ich sah hinunter. Schwarzes Wasser, grünes Holz,«in steinernes Rund. Dann bedankte ich mich, ging die Straße zurück, über den Markt, durch die Glockenstraße, um auf dem Friedhof die Grabstatt seiner Mutter zu sehen. Kaum ist man neben der Kapelle durch die Pforte aus dos Gräberfeld gelangt, so zieht dies Grab, abgesondert und aufmerksam umhegt, sogleich die Aufmerksamkeit auf sich. Eine goldene Inschrift:„Hebbels Mutter."— Sonst kein Wort. Diese beiden sogen alles. „Und wo liegt der Dater begraben?" ftagt« ich. Es wurde allmählich dunkel, ich ging durch die schweigenden Gräberreihen. „Ganz am Ende der Stadt", antwortete mein Beglester,«in weiß- bärtiger Handwerkermeister aus dem Ort. Ich meinte nun. ich hätte noch einen gehörigen Marsch vor mir. Aber die Begriffe richten sich nach der Lokalität— in Berlin hätte man„Nebenan!" zur Antwort erhalten. Denn in weniger als zehn Minuten war das Ziel erreicht. Auf diesem alten Friedhof sind so wenige Gräber, daß man Ihn«her für«ine Parkwiese hält. Dos Auge geht von hier aus ungehemmt über die Ebene hin, gar nicht weit entfernt liegt der Deich vor der Nordsee. Ich gehe allein auf dem dunkelnden Wiesen- ftiedhof und suche nach Gräbern. Aber nichts als ungepflegtes Ge- büsch und Gros. Endlich ein Stein, als Grabstein kaum kenntlich, und wie ich ihn mit der Taschenlampe umleuchte, finde ich eine Inschrift, verblichen, schwach noch zu lesen: „Htbbels Dater." Warum liegen Vater und Mutter getrennt voneinander? Was sie im Leben trennt«, war die Armut. Der Mann hatte sein Haus, in dem ihm der Junge und noch ein zwetter geboren worden war, als ein bankerotter Flüchtling verlassen müssen: eine Bürgschaft, die er gutherzig übernommen hatte, war zum entscheidenden Ver- hängnis geworden. Die frühe Jugend der Kinder— vor allem des empfindlichen Christian Friedrich— war von Eindrücken voll, die aus den unglücklichen wirtschaftlichen Verhältnissen resultierten. Der Vater in höchster Nervenreizbarkeit, die von Schulden verursacht ist und vom Alkohol noch gesteigert wird, schüttet die Flut seiner Flüche über die Mutter aus, die ihren letzten Trost in Tränen findet. Wo sie sich aber dem Zorn ihres Mannes entgegenstellt, bieten sich dem Auge des kleinen Friedrich verwirrende, aufwühlende Szenen. Diese einfache Frau, die selber zur Arbeit in anderen Häusern aus- ging— wie hätte sie wissen können, daß aus ihrem Schoß ein Kind gekommen war, das ihren Namen über die Welt hin berühmt machen würde? Nein, sie wußte dos nicht, aber— sie ahnte es wohl. Wo es sich darum handelte, das zarte Kind vor den derberen Absichten des Vaters in Schutz zu nehmen, konnte der Kleine ihres Beistandes gewiß sein. Und bei ihr findet der Junge auch Rettung, wie er sich dem Maurerhondwerk als Beruf gegenübergestellt sieht. Der Vater nimmt ihn mit auf die Arbeit, Friedrich mauert auch richtig eine Wand auf. Aber dann verstockt er sich, er geht nicht wieder zur Arbeitsstelle. Die Hände der Mutter sind über ihm und sie führen ihn auf den Weg, wohin es ihn drängt. Aber die Not und Enge und Ungesichertheit lassen Kämpfe aller gegen alle, auch zwischen Sohn und Mutter, auskommen.— Der Vater starb jung und ver- bittert, Friedrich war damals noch ein Kind. Die Mutter erlebte wenigstens den Ansang der Laufbahn ihres Sohnes. Sie starb während seiner Münchener Studentenzeit.— Im Hause, in dem ehemals der Kirchspielvogt Mohr amtierte, wo Hebbel als Schreiber am Pult gestanden hat, wohnt setzt ein Arzt. Er zeigt mir einen Raum unter der Treppe, den die auf- steigenden Stufen, die absteigende Wand und der Fußboden be- grenzen— hiek hat Hebbel mit dem Kutscher Christoph auf einem Lager geschlafen. Diese Art von Schlafgelegenheit war zur Zeit des jungen Schreibers durchaus keine Absonderlichkeit; es gab auch Türen, die den Verschlag zu einer Art von Kammer machten. Ein Schlafraum nach modernen Prinzipien ist dies fteilich nicht... Am nächsten Morgen sprach ich im Hebbel-Museum vor. Der Leiter, der mit bienenhaftem Fleiß Dokumente sammelt, die dem Besucher Hebbels Leben wahrhaft lebendig machen, erzählte, wie er selber noch den Kirchspielvogt Mohr als steinalten Mann im Schlaftock vor seinem Hause hatte spazieren gehen sehen. Bon den Wänden der wenigen Räume sehen die frühen und späten Freunde her, dazu lausend Erinnerungen, Briefe ans den imlchVfcni« Perioden seines Lebens, Protokolle aus semer Schreiberzeit. Wenn sich kein Besuch in diesen Räumen befindet— und allzu oft verart sich hier niemand her—. so liegen sie. von Vorhängen verschattet, im Dunkel, um die Handschrift auf den vergilbenden Bogen zu schützen. Der relativ geringe Umfang des Museums übt gewiß auf manchen, der unter der Ueberfülle und pausenlosen Geschwätzigkeit eines Riesenbaues in der Großstadt geseufzt hat, eher wohltuend. Selbst die Wände an sich sind bemüht, durch den Wechsel von Farben in den verschiedenen Räumen des Beschauers Stimmung zu beeinflussen, seine Intensität des Erlebens zu stärken und un- vermerkt jene Entspannung zu bewirken, die der Besucher mancher anderen Ausstellung, umkerkert von eintönig grauen Wänden, oft verzweifelt sucht. Ich ging zum Marktplatz zurück und in die Kirche hinein. Die Decke von Holz in der Höhe ist ttefblau gestrichen, einige goldene Sterne darauf: die Kanzel mit Schnörkeln überladen; kriegerische Fahnen und Gewehre über dem Eingang, an dieser Stätte ganz gewiß deplaciert: links und rechts vom Altar hängen Bilder von Honoratioren... Was haben die bloß hier am Altar zu tun— denkt man unwillkürlich. Dann suchte ich den Platz der Chorknaben, wo der Knabe Hebbel gestanden hat, wenn er nach dem blassen Gesicht der kleinen Emilie spähte, der Tochter des Kirchspielschreibers Voß. Als win- ziger Junge, in der Klippschule der Jungfer Susanna, war er dem ersten Sturm der Liebe verfallen, und wenn er am Sonntag in die Kirche ging, so zwang ihn dazu einmal die bezahlte Pflicht, dem Küster hilfreich zur Hand zu sein—; vor allem aber die Sehn- sucht, Emilie zu sehen. Das Haus ihrer Eltern steht drüben, quer über dem Markt. Es ist das Bürgermeisteramt— zwei Fahnenstangen, schwarzwciß» Masten: oben im Dach ein Fenster,«in freundliches Giebelchen sizk wie ein Hütchen darauf. Emilies Zimmer. Die jetzige BewohnexZx, die mich herausgeführt hat, läßt mich allein. Draußen rauscht Jfc Ulme. Es ist still. Ach Emilie, ein Schreiber Hebbel hat dich geliebt. Du ober hast einem Schneider best Vorzug gegeben. Wie ein Falter vorin erhellten, aber leider verschlossenen Fenster hat die Eifersucht des Schreibers diesen Giebel umtanzt. -- Die winzige Lokomotive zieht ihre drei altertümlichen Waggons von Wesselburen nach Büsum. Wiesen, Kühe, Mühlen, Wiesen, Bauern, Arbeit... Ich erwache aus meinem Hebbel- Traum. Da liegt die Gegenwart— politische Leidenschaft, der Kampf des Neuen gegen das Alte, verschwiegenes unerbittliches Ringen auch hier. Die Zeit ist um hundert Jahre weitergerollt. Das Proletariat, auch hier, kämpft um Brot, Recht und Freiheit. Srich Qrifar: Sin&eft, in derlflatur mu feiern Es gibt keine bessere Zeit für ein Fest als die Pfingstzeit, denn um diese Zeit ist die ganze Erde mit allem, was auf, über und unter chr lebt und liebt, ein einziges Fest. Da blühen die Blumen und die Bäume sind, was sie jedes Jahr im Mai tun, ausgeschlagen, und die Mädchen, na ja, man weiß ja. Man muß sich nur bemühen. Manche verloben sich zu Pfingsten. Und dos ist nun nicht so besonders an- genehm. Für die Verwandtschaft nämlich, denn statt nun den vdli- gatorischen Pfingstausflug zu inachen, hockt sie den ganzen Tag in der guten Stube, macht den Teppich dreckig, und am ättderen Tag hat sie einen Kater. Also, so sehr ich jeder Jungfrau einen Mann wünsche, Pfingsten Verlobung seiern ist nicht schön. Aber wenn man gerode keine Verlobung mitzufeiern hat, dann kann man sich Pfingsten so recht nach Herzenslust in der Natur ergehen. Am besten ist es, wenn man schon Sonnabendnachmittag loszieht, sich draußen in den Busch legt, und fo sachte in die Frühsingsnacht entschlummert. Am anderen Morgen, wenn die Böget singen und der Lorenz durch die Zweige knistert, steht man auf. spritzt sich etwas Ouellwasser ins Gesicht und denkt daran, daß man vergessen hat, Spiritus auf den Kocher zu tun, dann zieht man weiter. Kinder, ist da» schön, so am Pfingstmorgen durch die Dörfer zu wandern. Die Bauern, die uns, wenn wir spät nachmittags mit verstaubten Stiefeln und zerzaustem Haar an ihren offenen Fenstern vorbeiziehen, ein bißchen von oben herab anblicken, schlafen alle noch, die Hähne tun, als wäre kein Feiertag und die Hühner holen noch, was sie Ostern versäumt haben. Der Tag glitzert aus den Zweigen und Bäumen und alle Wege sind von Spinnensäden überspannt, an denen blanke Perlen aufgereiht sind. Also man kann direkt lyrisch werden, so schön ist es an einem Pfingstmorgen draußen in der freien Natur. Mittags jedoch, wenn unter dem durchfichtigen Blau des Himmels, der von weißen Wölkchen zart unterlegt ist, wie eine kuppellose Bogenlampe die weiß« Sonne hängt, legt man sich in den Schatten der Bäume und lauscht auf das feine Geräusch, das wie dos Wehen seidener Kleider mit dem Winde geht. Das kommt von den Bäumen, durch die der Wind mit sanftem Rieseln fährt. Und die das Kleid der Erde sind, die zum Pfingstfest sich mit ihren schönsten Kleidern schmückte. Oder aber wir rasten unter dunklen Tannen, durch die hindurch unser Blick aus graue Felsen fällt, die durchfurcht und rissig sind wie alte Oelgemälde. Tief unten liegt ein grünes Tal. Ein silberner Bach oder ein Fluß blitzt auf. Flichend stürzt er über ein Wehr, vor Wut schäumend schreit er dumpf auf. Nebenher zieht eine Straße ihre krummen Wege. Ein Auto überholt sie knatternd. Als lache sie über das prustende, schnaubende Untier, das zu besitzen wir alle uns sehnen, wenn wir es auch ver» fluchen, solange wir keins haben, öffmt die Straße ihren Mund und läßt zwei Reihen schimmernder Zähne sehen. Das smd die Kilometersteine. Wütendes Hupengekreifch gibt Antwort. Ein paar rote Dächer, die sich vorher kaum bemerkbar machten, lachen. Bei uns oben aber, auf dem Berge unter den Bäumen ist es still. Die Flut der Pfingstwanderer erreicht uns nicht, und nur eine dick« Fliege-summt vorüber. Metallisch glänzen ihre Flügel in der Sonne. Sonst ist kein Getier zu sehen. Die Mittagssonne trieb olles Lebende in den Schotten der Bäume zurück. Unten liegt dos Tal in seiner Ruhe. Silbern steht der Glanz des Wassers in der Luft. Dann geht ein Schatten über dos Bild. Eine Wolke, die sich dunkel vor die Sonne schob, weckt uns au« unserem Traum. Fuß- gänger stören unsere Einsamkeit und auch wir erheben uns. Ein letztes Stolpern über ausgewachsen« Baumwurzeln, die dick wie da» Geäder alter Arbcitshänd« auf ollen Wegen liegen, dann treten wir aus dem Walde heraus. Die Stille der Mittagsstunde ist gebrochen. Mit festen Schritten und bewegtem Herzen schreiten wir zu Tal, von wo das Wasser uns entgcgenblitzt. Das kann der Rhein sein oder irgendein anderer Strom, an dessen Ufern wir liedersingend und Zupfgeig« zupfend weiter wandern. Ueberoll ist es schön und über- all sind weite Wälder nahe, die man durchwandern kann, stunden- lang. Und wenn man des Laufens müde ist, haut man sich hin, irgendwo ist immer noch ein grünes Plätzchen, das man mit Butter- brotpopicr und Eierschalen besäen kann, wenn man dazu verpflichtet zu sein glaubt. Und wenn's dann so richtig warm ist, dann„runter mit die Brocken",„Raus aus dem Hemd" und frei noch Dieffcnbach und Fidus durch die Gegend gesprungen. Da weiß man erst, was Pfingsten ist, da fühlt man erst, daß man auch ein Kind der Erde, ein Sohn der Sonn« ist und nicht nur eine Hand am Federhalter. ein Arm an einem Hammer, ein Kopf zu einer Rechenmaschine. Also, wenn ich mir das jetzt bei dem rhythmischen Geklopper memer Schreibmaschine so ausmale, dann kriege ich selbst Lust, meine zwei Zentner mal wieder in die Sonne zu legen und sie von ollen Seiten anbraten zu lassen. Aber wenn schon, dann in die Heide, da ist's stiller. Da ist man der Natur noch näher, wenn man di«s in dieser köstlichen Jahreszeit überhaupt sein kann, und die Stimmen in uns singen lauter. Das Herz spricht, und so man Glück hat, wächst ein Gedicht aus der Füllfeder. Und dann noch eine Nacht unter freiem Himmel oder in einer billigen Herberge. Es ist ja jetzt für alles gesorgt, und noch einen Tag in der Sonne und dann mit neuer Kraft zurück in den Alltag. 3)08„dunkle Mler* des Winden Dr. Cyril Burt, der Psychologe des Londoner Grafschaftsrats, hat in einer Denkschrift über den derzeitigen Zustand der englischen Volksschulen Eltern, Aerzten und Erziehern dringend ans Herz ge- legt, sich eingehender als bisher mit der Periode der Entwicklung zu beschäftigen, die das Kind zwischen dem sechsten und elften Lebensjahre durchmacht, und die Dr. Burt als das„dunkle Alter der Kindheit" bezeichnet. „Während sich Aerzte. Psychologen und Erzieher angelegent- lich mit der frühesten Kindheit und der späteren Jugend der Mensch- heit beschäftigen, ist die dazwischen liegende Zeit vollständig ver- nachlässigt geblieben." heißt es in dem von der englischen Regierung der Oefsentlichteit bekanntgegebenen Bericht.„Und doch umfaßt ge- rad« di« Zeit zwischen dem sechsten und elften Jahr eine Periode, die die«inschneidendsten Veränderungen im ganzen Verlauf der menschlichen Geistesentwicklung herbeiführen. Vor dem siebenten Lebensjahr vermag beispielsweise da» Kind im Durchschnitt nur«in geringes Maß der angespannten geistigen Aufmerksamkeit anfzu- bringen, die wir als„Konzentration" bezeichnen. Gerade diese Fähigkeit, die sich für olle Formen der intellektuellen Tätigkeit im späteren Leben als so bedeutsam erweist, entwickelt sich ausgesprochc- nermaßen in diesem„dunklen Alter". Eine weitere wichtige Veränderung macht sich dadurch bemerkbar, daß di« rein mechanische Denktätigkeit immer logischer wird. Der Sinn für Folgerichtigkeit und geistige Zusammenhänge beginnt mehr und mehr an die Stelle der Eindrücke für Bilder von Personen oder Dingen zu treten. Ein drittes geistiges Kennzeichen des Durchschnittskindes zwischen dem sechsten und elften Lebensjahr stellt sich in der außerordentlich ge- steigerten Eindruckssähigkeit dar. Dos Dunkel der Unkenntnis, das sich über die Vorgänge breitet, die sich im Geistesleben des Kindes während dieser dunklen Epoche vollziehen, kann nur durch die gesteigerte Aufmerksamkeit der Sachkenner auf dem Gebiete der Kindespsycholvgie erhellt werden." SeuerlöU'hweien als SchullehrgeQenUond Die..Verkehrsstunde" ist in den großstädtischen Schulen längst zu einer stehenden Einrichtung geworden, aber das Feuerlöschwesen ist in Deutschland noch nicht Schullehrgegenswnd. England geht hier andere Wege. Es Hot bereits vor einigen Iahren auf Ber- anlassung einer Spezialkommission für Feuerlöschwesen Feuerlösch- künde als Lehrgegenstond in den Schulen eingeführt. Die Schul- jugend wird durch Wort und Film über die schrecklichen Folgen der Feuersbrünste aufgeklärt, zur Vorsicht im Umgang mit Feuer erzogen und darüber hinaus auf den Feuerhilfeschulen praktisch unterwiesen, damit sie bei vorkommenden Bränden tatkräftig« Hilfe leisten kann. Bcxlis c r Mcfc Rubrik sind <8, Lindenftraßl 3, Parieinachrichten/M� fürGroß-Verlin stet»»» de« B«,Irk»sekret»riat 2. Hos, 2 Treppe» recht», z» richte» Beginn aller Veranstaltungen 19% Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! Heule, Areilag, 22. Mai: 2t. Att. Die Gruppe nsMrer werden ersucht, bestinunt deute abeich die Tin. ladunpen»ur nächsten Witgliederversamnllung»om Abteilungslaslierer ad. »ubole». 13.»reis Srei»mitnlieden>ers«nn-lu»a in Tempelbos, Rantensselstrabe, i« .Birkcnwäldchen". arri»o-rstaad V, Stunde frnber slS Uhr). -1° >2.»rei». Bestchtigunq.Eturmvoae�. Mnahafen Tenrpelbds. Sonnta«. den 31. Mai, U Uhr. Treffpunkt 10 Uhr vor Unter«rundbahnhof Hauptstrah« NachzIIglcr 10% Uhr vor Untergrundbahnhof T'ucchafen. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groh-Verlin. Prob«,eltlager! Beginn Sonnabend, 23. Mai, I« Uhr. Die Gruppen treffen In der Zeit von IS— 18 Uhr ei». Anntorsch inöqlichst Ireisweisc, Dahnen nicht initfllhren und auf der Straße nicht stnpen. Die Zelt« und da» Zeltinaterial Irinnen am Zreitag bis löli Uhr noch in der Zentral« ftir den tlutotransport obgelicfcrt werden, später nur noch in der Z«it von 17—20 Uhr direkt im Jugendhaus Tegel, Scharnweberstraße. Sltcrnbesuch im Probeiteltla««»! Am Sonntag. A. Mai. von 17—20 Uhr. Um 1» Uhr offen« Singcfwnde fitr Eltern und Falken. Eltern und Partei. freunde einladen. JtMt, fitcuchcrg. Alle Zeltlaacrteilnckm«r treffen sich om 23. Mai um 17 Uhr vor dem Sportplah»Tegel". «reis Renkälln. Prodelag«r: Zeltlagerteilnehmer Pflichtvcranstaltung. Treffpunkt Sonnabend, 23. Mai, lö Uhr, U-Bahnhof Rathaus Neukölln. Un- kosten'2,30 Mark.— Pfingstfahrt: Falken, die nicht ins Lager fahren, beteiligen sich an der Pfingstfahrt des Kreises»ach Ticfenfce vom 23, bis 20, Mai. Ansier Mitiagesien imd Getränken Verpflegung mitbringen. Treffpunkt Eonnabend, 23, Mai. li% Uhr Bahnhof Neukölln. Unkosten 3,30 Mari.— Grnvve Licht- kämpf«! Zeltlagerteilnehmer heute Freitag, 17 Uhr, Btsprcchung, öonnenallcc. Jungfalken ebenda. � Sterbetafel der Groß«Berliner Partei- Organisation 54. Abt. Unser lieber Genosse Kau» Pik, ist plöhlich verstorben. Wir verlieren in ihm einen treuen, bewährten Funktionär und Freund, Sein An- denken wird ltet, in Ehren«ehalten werde», Einäscherung am Sonnabend, 23. Mai, 10 Uhr. in Wilmrrsdorf. Um reg« Beteiligung wird gebeten.— Der Abteilungsvorstand. B Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serlio «Zinsendong«» tttr diese Rldrtl nnr m bfli Zvoendieteetmi« ZierN»«W«. Tindengrod« 3 Se» Ecke Streichorchester Srosi-Berltn: Heut« IS'.h Uhr Pflichtprob«, Turiner Strasi». Für die Fahrt pu» Parteitag»ach Seipzig«UN ZI. Mai sind noch Karten Z» 0,00 Mark ssttr Sin. und Rst-ksahrt) erhältlich. Di« Bilde»»»« Rai.Iugeudtag liegen»ur Ansicht und Bestellung im Sekretariat an». Heule. Freitag. 19% Uhr. Arkoemplottt«Msabethkirihsir. ISr„Togespolitik".—«hewerksihast,»-»»! Köp-niikrr Str.»2:»Frau und Politik".—»öllatslher Part: Waiscnstr. 18: »Die Auswirkung der Zlotvevorbnung".— Oranienburger Tor: Tieikstr. 18: »Moderne Dichter".— Roscnthaler Vorstadt: Elisabethkirchstr. 19:»Unsere Waldewserstr. 20:»Unser Wirten. Einfithrung in die Poli-i".— Moabit I:..,. s«»iolistisch« Gedankenwelt".— Moabit U: Lehrter Str. 18—19; .Unser Zelt- loger".— Arnimplad: Sonnenburger Str. 20:»Sernelle Fragen".— Arn». walder Plag I: Rastenburger Str. 10:..USSR."—«altan: Mandelstr. 2: ..Der Iugcndli'. X. F.:«anner Straße:»Seruelle Fragen". 1. Teil.—«eniöl» VII:«MS.: Politlsch.satiris»r Abend.(Lieder. bllcher mitbringen.)— Nenköln VM: Rsttlischevle:.Entinicklung de» S»,,iali». mu, von der Uwpi«»ur Wissenfthoft".— RenZbll» X: Bergftr. 29, R. 3:»Wie diskutier« ich mit Kommunisten?"— Bonmschnlenweg: Ernstftr. 1«:»Wir und da. Wandern"— Z-hannisth-l: Berliner St» 31;..Politische Tagesfragen".— «chöneweide: Berliner Str. 31:..FreikörperFiltur".— Trepto«: Elfenstr. 3: »Deuts ch.östrrrr,es Zollabkommen".— Fallcnberg: Jugendheim der«Sarten. stobt:„Arbeiterdichter".— Frirdriihafel»«: Heimobend fällt heute au».— Nen. Lichtenberg: Hanffstrasie: Besprcchuna des: Zeltlagers".— Lichtenberg.N-rb: Gunterftr. 44:„Paneuropa".— Aanl,dors: Atolfstr. ZS:„Rusiland".— Her,»». dors: Roonstrasic: Fahrtbesprechung.— Niederschönhauscn:«indenstr. 47: »Kaineradschaflsehc". Morgen, Sonnabend, Treffpunkie für Pfiagstfahrten: Arnimplah: I9\i Uhr Stettiner Bahnhof, Vorhalle. linke Ecke,- Hasenheid«: l« Uhr Kottbusser Tor.— Brisi: I. Gruppe: lbssi Uhr Stettiner»ahnlmf: 2, Gruppe: 21 Uhr Bulchkrug.— N-uk-ll» I: Uhr Reuterplasi.— Neu. iölln Vll: 17% Uhr vor der KMS,, 1814 Ahr Görlisier Bohnhob— Renköl» IT: I« Uhr Bahnhof Neukölln.— Friedrich»s«ld«: I0)i Uhr U-Bhf. Liihtenhei,.— Hallesche» Tor: Sonntag 5H Uhr«Stettiner Bahnhos,— Eteglisi I: 19'ö Uhr Rathau» Steglisi, 20 Uhr Stettiner Fernbohnhof. Mitte der Halle, «erbebe, irk Lichtenberg: Zeltlager bei Wendisch-Buchhol,. 17'.h und 30 Uhr Dahnhof Strolau.Rummrldburg, Musikinstrumente mitbringen. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner �Schwarz-Rot-Goid'. «eschlktistell»: Btrlkn E, 14. Eedastionstr. 37—38. S»s 8. Tr. ebarlottenbnvg. Kameradsehart Westend: Freitag. 22. Mai, 30 Uhr. Lokal Slhellbach, Königin-ClrsabrtlHZtr. 6, Mitglied« rverstunmlung. — Wassersportabtellung. Zug Oberfpree:«gemeinsame Pfingstfahrt nach dem ftrossinsee. Woldseite, kum hinter der Siedlung Rouchsangewerder. SM, w Eltern chor der weltlichen Echnle». Dansiger Straße. Der Frauenchoe üb. Freitag, 22. Mai. Am Dienstag. 2. Juni, gemeinsam« Uebungsstunde. singegemeinlchast Moabit. Die erste Uebunasstnnde de» neu gegründeten Kwderchore» findet am Freitag, 3. Juni, von 17%— 19 Uhr in der Waldenser. schule statt. Freie»rreinianna der Dentsihe» Zeit»»«», nnd DrnSschrlstenhändler,«. »isi Berli». 3. Hauvttagnng am 24. und 23. Mai in Magdeburg, Stein» straße 4. Sport. Rennen zu Sarlshorst am Donnerstag, dem 21. Mai. 1. Rennen. I. Nrber(Iah). 2. Adler von Bayern, 3, Geri. To!»: 77: 10. Platz: 26, 31, 20: 10. Ferner liejen: Sturm, Oclavia, Jnstructor, SchwkrUUie. L. Rennen. I. Teneriff«(vlehlke), 3. Jlna. S. Leuchtturm. Toto: 72: 10. Platz; 24, 16, 28: 10. Ferner Uesen: Fiametta, Donizettt, Meute, Musketier, San Marco, Eidora. 3. Rennen. 1. RStzllng(vehme), 2. Fleiß, 3. Lorendurg. Toto: 64:10. Platz: IS, 18, 36:10. Ferner liefen: Crsdulitä, Tornado, Monte Godello. Dorn IL Otts. 4. Rennen. 1. Mißgriff(Kolffl, 2. Thymian. 3. Immer, it. Toto: 22: 10. Platz: 12. 21. 14: 10. Ferner ltifen:«esellc. Hella X. Araber, Achmed, Annchen. S. Rennen. 1. Eva(Daist). 2. MenelaoS, 3. Gawan. Toto: M: 10. Platz: 27, 20:10. Ferner liefen: Laoaietta, SimpiarS. 6. R e n n e n. IZ-. Trianon(Fronimonn), If. Luftballon(Sajdik), 3. AmSnenwarte. Toto: 27(Trianon), 29(Lustballon); 10. Platz: 14. 14, 14: 10. Ferner Uesen: Marketenderin, Randglosse, Islam, Kolonne. Totes Rennen. 7. Rennen. 1. Sonntagmorgen(Noritz). 2. Fascist, 3. Szin-aranh. Toto: 40:10. Platz: 19, 20, 3b: 10. Ferner Uesen: Letzter Versuch, Rote Nelke, Vi«, Schloßuhr, Miun«klang. Kern, Severus, Thea..t... Allgemeine Wetterlage. Jwsscontez.« heMst.chMbtedccia 9mB(i9,ebeilcdit»RfeMft&BD|»»ln 'Softnco.sHiAri�fieiicht�piWatoilsi Unter dem Einfluß der mitteleuropäischen Depression bestand am Donnerstag in der südöstlichen Hülste Deutschlands recht schiechtes und kühles Wetter mit verbreiteten Regenfällen. Nur im Rhein- gebiet war es etwas freundlicher, dort stieg' auch das Thermometer über 20 Grad Celsius, während Z. B. in Mitteldeutschland stellen- weise nur 11 Grad Celsius erreicht wurden. Das erwähnte Tief dürste sich langsam in nordöstlicher Richtung verlagern und so auch in den nächsten beiden Tagen noih das Wetter unseres Bezirkes beeinflussen. Wir müssen daher kühles und wolkiges Welter mit etwas Regen erwarten. Wetterausfithken für Berlin: Weiterhin kühl, wechselnd be- wölkt, etwas Regen, mäßige nordöstlich« Wjude.— Für Deutschland: Ueberall kühl, im mittleren und nordöstlichen Deutschland noch vielfach Regenfälle: im Westen und Süden des Reiches vor- wiegend trocken und zeitweise heiter. Ziegen»der Sonne?— Wie wird da» Wetter»» Pslugfte»? Prophettsih« Gab« besisien wir leider nicht, aber«in» wollen wir verraten: Pfingsten wird immer schon, wenn man über einen qenügenden Vorrat von Locier.u.>WoIff. Zigarren disponiert hat! Wird das Wetter schön, werden sie Stunden er- höhten«henussc» während der Erholung bieten— wird es regnen, werden sie durch ihre eigen« Tabal/miainmenstellung nicht nur über Langeweile hinweg, helfen, foadcrn Pfingsten auch den rechten Fcstcharaktcr geben. Dafür bürgt die S�u.•«.■Qualität I Di« Firma Temmler». Bleybeeg A.-hru.O,4Q Eisbonbons gemucht..«/tmO.SS Geleemischung 0,35 Pfefferminz-Fondants»pm. 0,35 Maiweinblätter ittrk gntwi. m 0,50 Fruchtkissenj«tiinti,hPipi».iPM. 0,35 voiimiich- Relief Schokolade...*m0,55 Vollmilch» Nussbruch8chokoladetfti0,55 Vi Brot wgwdm.Cwlo«... 0,40 72 Brot mgMCltr. G«>leU...0j20 Fische, Räucherwaren •Kabeljau gn»», i.» ns. 0, 1 2 •Zeelaohs gr,».r-pt, t.>.?!«. 0,1 4 •Zchellfisch m, t g. m0,16 •Rotbars.................... Pf4 0,32 •Kabeljaufilet............ pm. 0,20 •Amur-Lachs gefr,tf.pi4Toii 0,58 •Lebende Aale..... Pftmd to» 0,90 •Lebende Hechte..Pia.*« 0,75 Seelachs gerinchert....... Ptd. 0,36 Stückenflundern ger....Pia. 0,42 Makrelen geriachert...... Pfd. 0,42 *ln allen Häusern ausser Andraasstrasse Kolonialwaren Auszugmehl......... Pia. yon 0,28 Auszugmehl 5-Pfa..Ba 1,55, 1,45 Sultaninen........\pid. o.bb, 0,40 Korinthen..............-..ph. 0,48 Süsse Mandeln......... Pia. 1 ,60 Kartoffelmehl........ �..Pia. 0,18 Eier-Fadennudeln..~..Pfd. 0,50 Eier-Bandnudeln—...Pia, 0,44 Eier-Makkaroni......... pm. 0,56 Italienischer Reis...... Pfa.0,20 Backobst.............Pfd. tob 0,36 Aprikosen getrocknet...... Pfd. 0,64 Pfirsiche getrocknet....... Pfd. 0,55 Pflaumen getrocknet,... Pfd. Ton 0,28 Kaffee................... Pfa.ren 1,80 Wurst waren Gekochter Schinken'/»Pia. 0,35 Sülze..................... Pta. 0,48 Sülzwurst..... �......„.pfa. 0,68 Fleischwurst..~.....>.....Pfd. 0,74 Dampfwurst...........„.Pfa.0,85 Knoblauchwurst......... Pfa. 0,95 Mettwurst». Brannech*. Art PM. 0,96 ff. Leberwurst............ Pfd.1,08 Schinkenpolnische....pra. 1,|1 5 Zervelatwurst........... pra. 1,25 Salamiwurst.............. Pfd. 1,25 Zervelat w Pettasm»....... pra. 1,45 Fetter Speck............ Pia. 0,68 Magerer Speck..Pia. 0,88 Schinkenspeck......... Pia. 1,38 Nußschinken.............. Pia. 1,48 Delikatesswurstch.s-Pisr.Bose 0,85 Obst und Gemüse Amerikan. Aepfelpfd.0,48,0,52 Bananen................. s Pia. 1,00 Zitron en..............»Dtza, von 0,36 Apfelsinen s pta. 0,78 Tomaten............... pia. 0,43 Salat grosce Köpf«....... 2 Kopfe 0,25 Gurken............... stock yon 0,35 Rhabarber �...«,«....4 Pfa.0,10 Radieschen........... s Bona 0,10 Spinat..................... 4 Pia. 0,1 5 Möhren.................... Bund 0,48 Schoten................. 2 Pia. 0,35 Grüne Bohnen________ Pia. 0,38 Neue Kartoffeln..... s Pia. 0,58 Frisches Fleisch Schweinebauch«. Ben, Pia. 0,62 Schweineblatt........... Pia. 0,68 Schweineschinken.„0 mit Bein........................ Pfd. 0,10 Schweinekamm»d.-sck«fl,pfa. 1,08 Eisbein mltSpIfrhein.gepOkelt.Pld. 0,44 Hammel vorderfleisch Pia.?. 0,82 Kalbskamm o. Beilage, Pfd. von 0,68 Kalbsbrust-a.-rücken Pf a.y. 0,78 Kalbskeulen g�geVutm 0,98 Kalbsroulade gereut. pid.Ton 1,34 Roastbeef c. Knochen, Pfd. yon 1,33 Schmorfleisch n-ciear».?«.»» 1,14 Roulade..................... Pia. 1,32 Suppenfleisch...... Pfd.yon 0,64 Rinderleber............... Pia. 0,88 Rinderbacken o. Knochen, Pia. 0,34 Rinderherzen............ Pia. 0,44 Euter......................... Pia. 0,20 Schweinenieren........ Pia. 0,78 Schweineköpfe».Backe. Pia- 0,28 Gefrierfleisch Hammelvorderfl......... Pia. 0,54 Hammelrücken.......... Pia. 0,68 Hammelkeule............ Pia. 0,78 Suppenfleisch....... Pia. yon 0,54 Schmorfleisch«. Kn.pfa.yon 0,98 Geflügel Hühner gefroren......... Pfd. yon 0,88 Tauben irisch__________ Stack 0,68 Brathühner........... Pia. y«» 1,15 Gänse frisch............. Pia yon 1,40 Enten Irisch............... Pia yon 1,20 Konserven �vose Kaiserschoten............ Junge Erbsen»ebyMn...... Junge Erbsen................ Gemischtes Gemüse iew Gemischtes Gemüse»Huit Junge Karotten—......... Sellerie t&ieusrtig Apfelmus...................... Aprikosen«f. FmcM.......... Erdbeeren.................... Gemischte Früchte........ Sauerkirschen»it stein.... Süsskirschen ohne Stein..... Pfirsiche v, Pmeht............. Pflaumen mit stein............. Ananas TOOOrnnm............. 1,15 1,10 0,54 1,20 0,84 0,58 0,65 0,65 0,88 1,50 1,50 0,95 1,10 1,30 0,68 1,25 Käse und Fette Frühstückskäse stach 0,10 Camembert...........«i.teuig 0,48 Alg. Stangenkäse 20%.pfa 0,38 Tilsiter Blockkäse»•/,. Pia. 0,68 Steinbuscher Toiiiett....pia 0,72 Holländer ao«,«..�..�..... pia 0,72 Edamer___....Pia 0,72 Tilsiter yoiiie«...............Pia. 0,80 Margarine.....«...�...2 Pia 0,75 Kokosfett................2 pia 0,75 Allerfelnsle deutsche Molkereibutter........... Pia 1,48 Allerfolnste deutsche Markenbutter........... Pia 1,52 Dänische Butter....... Pia 1,53 Eier...................... io Stack 0,60 Festkuchen Napfkuchen iitautMiu. st 0,85 1,20 » s n altdeutsch, nuScho-� NaptKUCnen koud«, stück 1,35, ü,yo Grosse Hefekuchen Stack 1,20 r,■"y- i'Obst-, Moklo-, TrjflH-.».». U iv. Torten ructi-�kfi!«-).».!.?», 0,95 Marzipan-, TQrklsche, Pückler-Schnitte..... Stack 0,95 Königskuchen m. sohokoi, st 0,95 Schlosskuchen n. Soefnan, St 0,95 Käsetorten............. staek 1,15 Streusseikuchen lAAski! 0,75 Daumkuchen A ca.!1!, Pia sshwer, gnt«'V J � Qn&Iitlt........... Stack Delikatessen Fleischsalat.........— Pia 0,75 Heringssalat.............. Pia 0,70 Heringe in Tomaten...»«« 0,58 Sardinen..............* v««» 0,95 Tafelöl..............«io enmin 0,38 Russ.Gurken>fI-«MaM.M40ft. 1 ,35 Gurkensalat............ �»«s« 0,53 Weine Preis« ohn« FIsache t PU 10 FL Oberhaardt. Maikamm.___ zur Bowle.................. 0,75 7,00 1929« Wiltinger Mosel 1,10 10,50 1929«Siefer8heim.Horn1,25 12,00 1929« Lies.Schlossb. Stall ,60 15,00 1929«2elting. Himmelr.1,86 17,50 1929er Graacher Domprobst Spitie««..... 2,10 20,00 1929er Nierst.Rehbacher Steig Spatlese........... 2,2521,00 Hertie-Gold rridiiieh«iimi«1,50 14,00 Himbeersalt........... 1,20 11,50 Schloss Ayler Herrenberg 5 F1 Auslese Traebestcheunwela, A r\ IT„n r>i emschllstslicbSteo«,.,1!, Ruche T", Z O' 1 Liter 5 Liter Spez.-Apfelwelnhett,«ir«ir0,58 2,75 Cider süsser Apfelwein..... 0,75 3,50 Johannisbeerw. tet,ieOtaiitO,86 4,00 Rot. Tarragona«ehr gute(Joel 1,25 6,00 Malaga danket eBss........ 1,45 7,00 Sonnengartner ffMutuekmi« 1,60 7,50 Kassler gerollt, ohne Knochen Pia 0,94 Rackenfett bratfertig Pia. 0.52 Suppenhühner frische, Pld. yon 0,90 Tauben gefroren, 0,50 st Sport» und Wochenend» Konserven zu blinsiten Preisen! Gulasch 0,78 Vi Dose Inlandbutter 1,28 Pia. Spargel 0,06.. Pfd. 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Iuaendsimppe See« Zentralverbande« der Anqrstellten Leute find klnende Seunstaltnneen; Norden: Zuaentchestu ftrofic 19. Bunter Abend.— Südwest: Iuaendhet» Povckstr. U(3. Queraebiiudc 1 Treppe, Rmtmet 5). Bortra«:.Au» der Geschichte der deuti isreidenierbeeveffun«". Referent Schneider.— Die Uedunasfirma.Berliner Druckerei, und BerlaawGekellschaft IN. b. S." taat von 39—22 Uhr im Zogend. heim Sbertristr. 12. A Am 19. Mai verschied vbllig überraschend im Alter von 50 Jahren unser langjähriger Bncbhaltorei-A'orsteher- Stellvortreter Herr Hans Ril Wir verlieren in ihm einen äußerst tüchtigen Mid- arbeiter, der in vorbildlicher Pflichterfüllung seine ganze Arbeitskraft in den Dienst der Kasse gestellt hat. Sein Andenken werden wir stets in Khren halten. Der Vorstand and die Verwalhing der Allgemeinen Ortskrankenkasse Charlottenbarst Charlottenbar g, den 20. Mai 1931. Die Tranerfeier findet statt am Sonnabend, dem 23. Mai, 16 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf, Berliner Str. 101. Am 19. Mai 1931 verschied unerwanei unser lieber Kollege, der Kassenangesiellte in den Maschen des Strafgesetzes mit Leitfaden für SehOffen u. Q e ach woran e* Von Rachtaanwalt Dr. Tichauar. M. 3f— gbd. Eine volkatamlieha Darstellung fflr Jadarmann. Zu bazlahan durah J. H. W. Dietz Nachf. GmbH. Barlin SW, Llndanatr. 2, Abt Sortiment und aSmtlicha Vorwärta-SpedlMonan Hans Pil: 3 k'l i m.'üi a b M Ulier- Ecke Seeatr. 17 Uhre im Dienste der Allgemeinen Ortskranken- m hat. Wir verlleren In dem Dahingeschiedenen Dahmge Betrieb: svertretung der mehr als kasse gestanden einen treuen Kollegen, der sich auch In der stets bewährt hat Sein Andenken werden wir stets in Ehren halten. Der Betriebsrat and die KoUedeascbaft der AUstemeinen Ortskrankenkasse Charlottenbarst. Die Trauerfeier findet am Sonnabend, dem 23. Mai 1931, 16 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf, Berliner StraBe 101/103, statt Sonnabend, den 22. Mai, nachmittags 3 Uhr Pflngstsonntag, vorm. ö Uhr, 12 Uhr, nachm. 3 Uhr Pfingstmontag, vorm. 0 Uhr, 12 Uhr, nachm. 8 Uhr 3. Feiertag, vorm. 9 Uhr, 12 Uhr, nachm. 8 Uhr Deotsdier Metallarbeiter-Verbanii Verwalhmdsalclle Berlin Todesanzeige Den Mitgliedern ,ur Nachricht, daß unter Kollege, der Einrichter i�uxust Strehlau am 19. Mai gestorben ift ffi'.'K seinem Andenken! Di» Beerdigung findet am Sonn» abend, dem 2! Mai, nachm 4 Ufie, von der Leichenhalle des Zohannts- Kirchhofes in Pldhentee aus statt. Neg« Beteiligung erwariet Die Ort, ver Wallung EüitiitollallaMlei-Maiiil Adttontil ddüunäl Ad niitliuod). dem IT. Mol. wird der Siuganst zum verdaadshaus, Cinienitraste 83/85, bis auf weitere» flefdhIoHtn und befindet sich der «Ingaug ja dem VecbanbsbQto» in der«IsSsser Sie. SS/M,«iugung B. Die OrS»uu ualtuust. Au deu 3 VfiupsifeiedaQeu 10_ Th&zeui S(H*dcc- Hü&üii! 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In der Adoptionszentrale.— Mutterarme strecken sich aus... lausende» von Kindern haben durch TZermilkwng der Adop- Nouszeuiaale der Siadi Berlin ein gutes, liebevolles Elten». Haus gesunde«: viele von ihnen haben auch noch in wirtschaftlicher Beziehung das grohe Los gezogen und aus dem Neineo, städtischen Schützling wurde ein mit aller Liebe. Freude und Sorgsalt umgebenes Sind wohlhabender Leute. Daß soviel Licht au» all dem Schatten »oird. daß soviel junges, unschuldig dem Elend preisgegebene» Leben gerettet wird, das ist und bleibt da» ungeschmälerte Verdienst von Slara w e y l. die in unermüdlicher Arbeit von drei Jahrzehnten sich für da» Wohl der pflege- und sonstwie HUssbedürftigen Jugend in hervorragende« Maße eiagefehl und große, bleibende werte auf dem Gebiete der sozialen kullurenlwicklung Berlins geschaffen hat. Im Landesjugend- und Wohlfahrtsamt in der Poststraße be- findet sich die städtisch« Zldoptionszentrale; da sind Frauen an der Arbeit, die ihr schweres, aber zugleich menschlich so schönes Amt auch richtig anzupacken oerstehen.„Eigentlich sind wir ja nichts weiter als eine Kartothek mit dem dazugehörigen Bildermaterial und den sich daraus entwickelnden schriftlichen, mündlichen und telephonischen Auseinandersetzungen� meint die Letterin. Aber hinter der scheinbar bürokratische» Abwicklung des Arbeitspensums steht wärinstes, mütterliches Empfinden für Glück und Elend, das sich hier, n»o alle Fäden Mfammenlaufen, offenbart. Jedes Aktensafzikel enthält irgendein tragisches Menschenschicksal, jedes Kinderbild ist die stumm» lebendig« Anklage„was kann ich dafür?' So wird mit jedem Kind, das gut untergebracht wurde, ein wertvolles Stück sozialer Arbeit geleistet: es werden im Monat zwischen 30 und 40 Rinder vermittelt, im Jahre etwa gegen 500. Hierbei muß in bezug auf die Bertrauenswürdigkeit und Zuverlässigkeit der künftigen Eltern ge- mmest« und sorgfältigste Erkundigung«ingezogen werden und wo nicht alle Bedingungen erfüllt sind, sowohl in wirtschaftlicher, wie in gesundheitlicher und moralischer Beziehung, da wird der Adoptionsantrag a b gelehnt: so haben sich beispielsweise im ersten Vierteljahr 1SZ1 130 Eltern gemeldet, wovon jedoch nur 56 berück» sichtigt wurden. Die Adoptionsvermittlung ist sich ihrer oerant- wortungsvollen Aufgabe voll und ganz bewußt! Meistgefragt find dreijährige Mädchen. tuA niedlich«» Lockenköpfchen. Knaben sind weniger b«> gehrt. Es kommt auch vor, daß Eltern später noch ein zweite» Kind dazu adoptieren, zur leichteren Erziehung und(Sesellschast: auch Zwilling« finden ihre Abnehmer. Aus allen Bevölkerungsschichten setzen sich die Adoptiveltern zusammen, Arbeiter, Handwerker, Angc- stellt«, Kausleute und reich« Leute. Aber nicht nur Eltern erfaßt die Sehnsucht nach dem Kinde, auch alleinstehende Frauen, beispiels- weis« Lehrerinnen, Aerztinnen, Studienrötinnen usw. adoptieren Kinder, die ihrem einsamen Leben dann einen schönen Inhalt geben. Als seltener Fall wurde sogar die Adoption eines Kindes bei einem älteren, alleinstehenden Mann vermittelt, der damit sich und dem Kinde ein glückliches Leben bereitet hat. Im Sinne der Eltern wie der Vermittler besteht für Adoptivkinder«ine Probezeit von 6 bis 12 Monaten, die aber selten oder nie zu einer Aenderung des Verhältnisses führt; dafür bürgt auf der einen Seite die gewissen- haste Beratung und Auswahl der Adoptionsvermittlung, auf der anderen Seite die gründliche Erkundigung über das Milieu, in das das Kind gebracht werden soll. UeberallausdemReichundselbstausdemAns- landmeldenfichEltern.im vergangenen Herbst gingen sogar 4 Kinder nach Amerika; für Holland, von wo häufig Adoptions- anträg» eingehen, besteht leider kein Adoptionsrecht. Es werden natürlich auch Berliner Kinder in Berlin selbst adoptiert, aber die Vermittlung arbeitet weit lieber mit auswärtigen Eltern, weil hier doch weniger die Möglichkeit besteht, daß sich die Mutter, trotzdem sie sich ja durch den Adoptionsvertrag sämtlicher Rechte an ihr Kind begeben hat, plötzlich ihrer Muttergefühle besinnt, woraus ebenso tragische wie unangenehme Folgen entstehen können. Sehr viel wird nach dem Rheinland und nach Süddeutschland vermittelt. Diskrat und mit aller Vorsicht werden nach Ueber- gäbe de» Kindes alle Auskünfte, etwaige Anfragen oder Besuche erledigt, denn da» Kind soll ja in dem festen Glauben leben, daß es bei den e t g e n e n E l t e r n lebt, ebenso wenig erfährt die eigentliche Mutter jemals Namen und Adresse der Adoptiveltern. Darum wird bei jedem Adopttonsanttag, den die eigene Mutter stellt, dieser gründ- lich und ernsthaft vor Augen gehalten, ob es denn auch wirklich ihr« feste und unabänderliche Absicht ist, sich von ihrem Kinde gänzlich loszusagen; wo Bedenken bestehen, oder wo die Vermittlungsstelle den Eindruck hat, daß sich die Mutter darüber selbst noch nicht im klaren ist, rät man ihr zu einer Bedenkzeit. Oie Tragödie der ledigen Mutter. Wer sind die Mütter all dieser kleinen'städtischen Schutz- befohlenen, au» welchen Kreisen stammen sie, wie alt, oder besser gesagt, wie jung sind diese Frauen? Das ist die tieftraurige Schatten- sette dieser späterhin meist glücklich verlaufenen Fälle, hier offenbaren sich tragische Menschenschicksale. 8000 neugeborene un- eheliche Kinder nennt die jährliche Statistik, das sind 15 Proz. aller Neugeborenen überhaupt. Bei den Adoptivkindern handelt es sich ausschließlich um solch«— davon sind es etwa 2000, deren Mütter aus bsruslichen, allgemein wirtschaftlichen und sonstigen Gründen sich von ihrem Kind« lossagen müssen. Fast durchweg sind«»junge Mütter, der größte Teil von ihnen sogar unter 20 Jahren: das Haupt- kcmttngent stellen die Hausangestellten, dann sind es vielfach Studentinnen, Lyzealfchülerinnen, in der Berufsausbildung befindliche Mädchen, die nun nicht aus und nicht ein wisien. Verzweiflungsrufe armer Eltern. 15 Millionen jährlich zahlt die Stadt Berlin für den Unter- halt ihrer pflege- und sonstwie hilfebedürfttgen Minderjährigen, wo- von 10 Millionen auf Uneheliche entfallen: sie ist rechtliche Beschütze- rin von 50 000 schutzlosen kleinen Wesen: 20 000 Kinder sind städtische Pflegekinder, die in Heimen, Säuglingsanstalten usw. leben, Kwa 10 000 in privaten Pflegestellen. Ein tieftrauriges Zeichen der Zeit ist, daß, außer den unehelichen Müttern, sich Tausende von Eltern an die Adopttvvermittlung wenden, weil ihre trostlose Wirt- schaftslag« ihnen den Unterhalt ihrer Kinder einfach unmöglich macht: hier schreibt ein Vater, daß er zwei Jahre arbeitslos ist, lediglich Krisenunterstützung bezieht, drei Kinder sind schon da, da» vierte unterwegs, er kann es einfach nicht mehr schaffen, dort wieder der verzweifelt« Ruf einer Mutter, daß der Mann krank, sie ebenfalls ohne Arbeit und außerstande ist, ihre Kinder zu ernähren. Abgesehen von der Schwierigkeit der Unterbringungemöglichkeit größerer Kinder, bedeutete hier die Adoption einen zu tiefen Eingriff in die allerpersönlichsten Elternrechte und man versucht in solchen Fällen, durch das Wohlfahrtsamt eine finanzielle Aufbesserung der Bezüge zu erreichen. Gewarnt sei bei' dieser Gelegenheit vor jenen Zeitungs- inse raten, die„Kinder zu adoptieren, Kinder zu verschenken" vorgeben, weil es sich hier vielfach um gewissenlose, erpresserische Menschen handelt, die den mit aller Macht bekämpften Kinder- Handel immer wieder auf Umwegen betreiben. Die Adoption durch die städtische Vermittlungsstelle, die durch die einzelnen Bezirks- jugendämter die Adoptionsanträge erhält, erfolgt vollständig kostenlos; jedes Kindchen, das adoptiert wird, wird durch die Adoptivvermittlung vollständig neu eingekleidet, sind die Adaptiv- eltern nicht in allzu gllnstigeu wirtschaftlichen Vorhältnissen, dann kriegt e» al» erste Aussteuer auch noch ein-Bettchen und alles sonst Notwendige mit auf den Weg. Di« Adoptionsvermittlung erledigt auch den ziemlich komplizierten Instanzenweg einer Adoption, an dessen Vereinfachung, hauptsächlich in bezug auf die Altersbesreiung der Eltern— das Gesetz schreibt bekanntlich die Erreichung des 50. Lebensjahres vor— eifrigst gearbeitet wird. Die Arbeit im Rathaus. Stadtverordnetenvorsteher Genosse Ha� über das neue Berlin. 3n der neuesten Nummer der Kommunalen VlSkker' der Berliner Sozialdemokrafle schreibt der vor- stehe? de» Berliner Stadtparlament». Genosse haß. au»- führltch über„Die Arbelt unter der neuen Regelung de» Gesetze» Groß-Verfln'. Nachdem er noch einmal die kom- psizierte Vorgeschichte de» Gesehe, dargelegt hat. sagt er: Der Präsident des Deutschen Städtetages, Dr. Mulert, hat in seinem Schreiben an die Stadwerordnetenversammlung von der neuen Gesetzesnovelle gesagt:„Die Korrekturen werden sich als belanglos, zum Teil al» widerspruchsvoll, zum Teil als weitere Verschlechterungen erweisen." Er weist darauf hin, daß durch die Erhaltung des Zweikammersystems eine Machtoerteilung statt- gefunden hat. Ihm war der ursprüngliche Gedanke des F 41 des Grzesinskischen Entwurfs sympathischer. Er wollte, daß die Stadt- verordnetenversammlung als eine Körperschaft endgültig Beschluß zu. fassen hat. Er hat die Befürchtung, daß die Arbeitskraft der leitenden Personen absorbiert wird zur Ueberwindung von Reibungen und Hemmungen, die durch die jetzige Organisation entstehen müssen. Diese» vernichtende Urteil Dr. Mulert» ist nach meiner Auffassung nicht zutreffend. Auch unsere kommunalpolitisch tättgen Genossen sind durch diese Gesetzesnovelle nicht befriedigt. Welche» aber sind nun die Vorteil« dieser neuen Ver- fassungsänderung für Berlin? Sie bedeuten zunächst für die Stadt- verordnetenversammlung, daß die politischen Erörterungen über Reich»- und Landespolitik aus dem Stadtparlament verschwinden und an die zuständigen Parlamente verwiesen werden. Der bis- herige§ 35 der Preußischen Städteordnung wird verschärft und eindeutig formuliert durch§ 11 des neuen Gesetzes. Dieser% 11 formuliert die Ausgabin, die der Stadtverordnetenversammlung zur Erledigung vorbehalten sind. Alles, was in diesem Katalog nicht enchalten ist, gehört zur Zuständigkeit des Gemelndeausschusse». Dl« Stadtverordnetenversammlung hat all« Gesetze zu schaffen. noch denen die Verwaltung zu führen ist. Sie hat den Haushalt zu verabschieden, die Besoldung»ordnung der Beamten zu ge- nehmigtn, über Anstalten, Betriebe und Vermögen der Stadt zu entscheiden. Dem Gemeindeausschuß oerbleibt, was nicht im§ 11 angeführt ist, also neben kleineren Vorlagen die Entscheidung über die Tarlfoerhältnisse der Angestellten und Arbeiter; ferner werden Im Gemeindeausschuß auch die Initiativanträge der Frak- tionen zur Verhandlung kommen, die unter Einschränkung durch den§ 35 der Preußischen Städteordnung bisher in der Stadt- verordnetenversammlung die großen Debatten hervorgerufen haben. Da der Gemeindeausschuß nicht öffentlich tagt, dürften dl« auf- regenden Verhandlungen über Initiativanträge nicht mehr in dem bisherigen Maße vorkommen. .Sämtlich« Vorlagen, die der Stadtoerordetenversammlung und dem Stadtgemeindeausschuß zugehen, müssen nach 8 14 Abs. 1 vom Magistrat vorbereitet und beschlossen sein. Hier entscheidet also nach wie vor die kollegiale Behörde, der Magistrat. Der Ober- bürgermeister kann nicht selbständig von sich aus Vorlagen an die Stadtverordnetenversammlung und an den Stadtgemeindeausschuß bringen. Der Magistrat hat dann ferner alle Beschlüsie, die von der Stadtverordnetenversammlung in Abweichung der Vorlagen be- schlössen worden sind, nochmals zu behandeln und darüber Beschluß zu fassen. Ferner bedürfen auch nach§ 12 der Novelle die Be- schlüsse des Gemeindeausschusses der Zustimmung des Magistrats, sofern sie nicht von ihm selbst herrühren. Die Vorlag» de» Magistrats, denen die Stadtverordnetenver» sammlung oder der Stadtgemeindeausschuß zugestimmt hat, werden nach§ IS Abs. 2 der neuen Novell« vom Oberbürgermelster allein ausgeführt. Der Oberbürgermeister hat also die gesamte Exekutioe, er führt dllein die Verwaltung. Der Gemeindevorstand besteht jetzt au» zwei Körperschaften: dem Magistrat und dem Ober- bürgermeister. Nachdem Haß die Funkttonen der einzelnen Organe an Bei- spielen klar gemacht Hai, schreibt er zum Schluß: Wir werden versuchen müssen, mit den neuen gesetzlichen Bestimmungen aus- zukommen. Der Angriff auf die Selbstverwaltung der Stadt Berlin ist abgeschlagen. Wollen wir die Selbstverwaltung.er- halten, dann müssen wir auch Selb st Verantwortung zejge». Die Berliner Stadtverordnetenfraktion hat dies« Selbstverantwortung bisher gezeigt, sie wird es daran auch in Zukunft nicht mangeln lassen._____ Das Berliner Sladtverfassungsrechi al» kommunalpolitischeZ Buchwerk. In Kürze erscheint, zusammengestellt und erläutert von Dr. Carl H« r z, Bürgermeister, und Walter B r e l l, Stadtamtsrat, das Berliner Stadwerfasiungswerk als Buchwerk. Das Buch gibt ein« ausführliche Erläuterung des für Berlin geschaffenen neuen Stadtverfassungsgesetzes, das am 31. März d. I. in Kraft getreten ist, nud legt insbesondere eingehend den organisatorischen und rechtlichen Zusammenhang klar, der zwischen dem neuen Gesetz und den auch weiterhin geltenden Bestimmungen de» Gesetzes über die Bildung einer neuen Stadtgemeinde Berlin vom 27. April 1920, sowie der gleichfalls noch maßgebenden preußischen Städteordnung von 1853 besteht. Das Werk erscheint im Verlag Alfred M e tz n e r, Berlin SW. 61. Gitschiner Str. 109. ür ihn Xa haben in allen leistangSfähigen Hnt-Spezialgeschäften foöVjMfyfindsim und-- vecyessm Sie nicht JJice AMidiaSlandacd! KPO. für Wochenhilfe-Abbau! Oer Scheintote in Orih! Schimpfen können die Kommunisten, aber an sich selbst arbeiten, Gesetze und Verordnungen studieren, das überlassen sie den Sozial- demokraten. So kommt es, daß sie mit ihren Anträgen sehr oft schwer hereinfallen. Das geschah erst wieder in der letzten Neuköllner Vezirksversammlung. Da hatten sie einen Antrag— bescheiden nannte ihn ihre Nednerin— gestellt, das Bezirksamt solle jeder unbemittelten Mutter während der Stillzeit ein Wochengeld von 3 M. und pro Tag einen Liter Milch gewähren. Die Begründung war einzigartig. Der Reichs- tag habe 50 Millionen für die Familienwochenhilfe gestrichen und nun stehen die unbemittelten Mütter vor dem Nichts. Der gesamten kommunistischen Fraktion war unbekannt, daß diese 60 Millionen den Krankenkassen gewährt wurden, die jetzt durch die Notoerord- »ung eher in der Lage sind, die Kosten selbst zu trogen, was auch geschieht. Die Stadt Berlin gibt an stillende unbemittelte Mütter. die nicht von den Krankenkassen betreut werden, zunächst 10 M. Ent- bindungsgeld, Wochengeld sür 71 Tage, pro Tag 1 bis 1,S0 ZN., und pro Tag ein Stillgeld von 50 Pf. Genossin B o r m a n n konnte der KPD. mit Recht sagen, daß da von einem bescheidenen Antrag nicht gesprochen werden kann, sondern höchstens von einem sehr unbe- scheidenen. Die KPD. will also den armen Müttern die Unter- stiitzungssätze abbauen, das konnten wir nicht und lehnten den Antrag ab. Die Bezirksoersammlung beschäftigte sich dann mit dem Schein- toten im Städtischen Krankenhaus Britz. Der kommunistische Dezernent Stadtrat Dr. S ch m i n ck e gab die Fahrlässigkeit des Arztes zu und hat seine Versetzung an eine andere Station oerfügt, oersuchte aber wieder, wie so oft schon, die Verantwortung von sich auf andere abzuwälzen. Einmal war es die Schwester, die nicht korrekt oerfahren sei, ein andermal machte er den Direktor des Krankenhauses verantwortlich. Dann wollte er der Versammlung das Märchen auftischen, daß heute noch in der Provinz die Leichenfrauen Totenscheine ausstellen. Jetzt sei Anweisung gegeben, den Toten- schein erst auszustellen, wenn sichere Anzeichen, Leichenstarre usw. eingetreten seien. Im übrigen führte er den Kampf der Presse auf politische Hintergründe zurück. Wohlweislich schwieg er auf die An- klage des Genossen Großmann, daß er als Dezernent erst von ihm aufgefordert werden mußte, sich um den Fall zu kümmern. Auch die Fragen des Genossen Arndt, warum die Presse nicht recht- zeitig informiert wurde, glaubte er damit abtun zu können, daß er sagte, dem Nachrichtenamt sei rechtzeitig eine genaue Darstellung ge- geben worden. Warum er sich noch nicht bei den Angehörigen ent- schuldigt habe, gab er nur die kurze Antwort, daß es noch geschehen sollte. Die KPD. wollte aus diesem traurigen Vorfall, der im „Vorwärts" durchaus loyal besprochen wurde, politisches Kapital schlagen, in dem sie sich nur mit der Sozialdemokratie auseinander- setzte, der Fall selbst interessierte sie herzlich wenig. Sich über unsere Kampfesweise zu beschweren ist eitel Heuchelei, denn nirgends wird so viel verleumdet wie tagtäglich in den kommunistischen Blättern, daß die KPD. diese Methode am besten versteht, bewies die Schluß- bemerkung des nicht mehr ernst zu nehmenden Lange, der der Ge- nossin Käthe Frankenthal eine unoerschämte Beleidigung zufügte. Die Versammlung wählte dann zu unbesoldeten Stadträten die Genossen Aschenbrenner und Händel sowie den Demokraten Fourier. Oer grüne Kanal. Oie Gartenanlagen im Engelbecken.— Fortführung der Arbeiten. Die gärtnerischen Anlagen de» früheren Luisenstädtischen Kanals im Bezirk Mitte werden im Laufe dieses Sommers fertiggestellt. Es sind rund 13 000 Arbeitslosentagewerke vorgesehen. Die Erd- und Wegearbeiten sollen zu Ende geführt werden, ebenso die Trepp e-n anlagen. Außerdem ist die Fertigstellung des Wasserbeckens geplant. Die Sohle hatte bekanntlich durch den starken Frost-des Winters 1929/3V Risse erhalten und soll nunmehr abgedichtet werden. Die Pumpanlagen sür die vor- gesehenen kleinen Springbrunnen sind bereits feit einem Jahr«in- gebaut. Im Bezirk sind die Restarbeiten bereits im Sommer 1330 be- gönnen worden, und zwar sind große Kinderspielflächen im früheren Wassertorbecken angelegt worden. Außerdem werden die gärtnerischen Arbeiten beiderseits des Oranienplatzes beendet. Damit wird im Lause des Jahres 1931 der ganze Zug des früheren Luisenstädtischen Kanals vom Urbanhafen bis zur Köpenicker Brücke gärtnerisch ausgebaut sein. Alle Anlagen sind mit Blütensträuchern, teilweise mit Wpengewächsen und Stauden bepflanzt und mit zahl- reichen Bänken ausgestattet. Wegen der beschränkten Mittel können die Anlagen während der Nacht nicht beleuchtet werden. Sic werden daher bei Eintritt der Dunkelheit geschlossen. Es wird gebeten, die Anpflanzungen zu schonen und bei der Aufrecht- crhaltung der Ordnung und Sauberkeit mitzuwirken. Wozu Vcrkchrszählung? Verwöhnlc U-Bahnlahrer.- Ein sinnvolles sysiem.das dem Fahrgast dienf. Verkehrszählung bei der U-Bahn— das ist ein Tag des Mißvergnügens für die Fahrgäste. Da gibt es an der Sperre noch einen kleinen Aufenthalt, der Schaffner drückt uns eine weiße Karte in die Hand, da drängeln schon ein paar nach:„Na, wie lange dauerts denn?"; besonders die Inhaber von Monatskarten sind un- geduldig, denn sie gehen sonst einfach durch, zeigen flüchtig ihre Karte und der Schaffner sagt auch noch„danke". Beim Aussteigen muß man wieder die Zählkarte heraussuchen, das gibt wieder eine kleine Störung, denn die meisten fangen erst an der Sperre an zu suchen. Wir sind eben ein bißchen verwöhnt, seit wir die Fahr- karte nicht mehr abzugeben brauchen. Heute wird so ein Zähltag als eine unnötige und überflüssige Quälerei empfunden, eigens von der Verwaltung der BVG. er- sonnen, um die Fahrgäste zu ärgern. Lächerlich, denkt mancher, hat ja überhaupt keinen Sinn, und ein also Verärgerter schrieb auf die Rückseite seiner Zählkarte:„Weih denn die Hochbahn immer noch nicht, wieviel Fahrkarten sie oerkauft?" Nun, um festzustellen, wie- viel Fahrkarten verkauft werden, dazu wäre die Zählung nicht not- wenhig, das würde sich ja einfach aus der Zahl der verkauften Fahr- karten feststellen lassen. Aber der Sinn der Zählung ist ja viel weiter- gehender, und kann bei der eisenbahnmäßig betriebenen U-Bahn, die durch Sperren abgegrenzt ist, also ein in sich abgeschlossenes Netz darstellt, nach den verschiedensten Richtungen hin ausgewertet werden. Da wird Anfang und Zielpunkt jeder Fahrt festgestellt, die Belastung der Bahn durch die verschiedenen Fahrgäste: mit Einzel- karten, Block- und Monatskarten, Umsteiger von der Straßenbahn und vom Omnibus; die Reiselänge der einzelnen Fahrten; der Ver- kehr zwischen den verschiedenen Bahnhöfen und besonders die Ver- kehrsbelastung der einzelnen Streckenabschnitte. Danach wird die Zahl der notwendigen Züge und Wagen bestimmt. Auch die Ver- kehrsstärke zu bestimmten Stunden des Tages wird ermittelt; die Feststellung der Verkehrsspitzen im Laufe des Tages— zu Büroanfang und Büroschluß, abends der Vergnügungsverkehr— ermöglicht eine sinngemäße Verteilung und das verstärkte Einsetzen von Betriebsmitteln während der Hauptverkehrsstunden. Oer«.Vertehrswert" der Bahnhöfe. Sehr wichtig ist auch die Zählung nach Eröffnung neuer Strecken, da läßt sich im Vergleich mit früheren Zählungen die Verkehrsoerschiebung feststellen, bei Tariswechsel unterrichtet sie über Steigerung oder Rückgang des Verkehrs. Auch die Ermittelung der Zahl der zu- und abgehenden Fahrgäste auf den einzelnen Bahn- Höfen ist wichtig. Der Vertehrswert der Bahnhöfe wird danach beurteilt, auch der Wert und der Umfang der Reklame inner- halb der Bahnhöfe. Aber auch die wirtschaftliche Bedeutung des umliegenden Stadtgebietes kann man daraus ersehen. Die Verkehrsmittel innerhalb der Stadt haben auch eine ganz andere Bedeutung als früher. Es ist heute kaum noch möglich, den Wohnort dorthin zu legen, wo sich die Arbeitsstätte befindet. Ar- beitsstelle und Wohnort müssen miteinander verbunden werden, und die U-Bahn ist eins der wichtigsten Verbindungsmittel. Ihre Linien führen durch Stadtteile mit ganz verschiedener Bevölkerungsdichte und sozialer Schichtung. Aus den dichtbevölkerten nördlichen Arbeiter- bezirken fährt sie ins Geschäftsviertel, Hunderttausende Angestellte morgens und, abends befördernd, und an den Sonntagen wird ein gewaltiger Teil des Ausflugsverkehrs in westlicher Richtung von der U-Bahn bewältigt. Um nun aber die verschiedenartigen Verkehrs- beziehungen zwischen den einzelnen Stadtteilen genau zu kennen und bei der Verkehrsgestaltung zu beachten, werden sie bei Verkehrs- Zählungen besonders herausgearbeitet. So wird festgestellt der Jnnenstadtverkehr. der die Bahnhöfe Wittcnbergplutz, Stettiner Bahnhof, Kottbusser Tor und Hallesches Tor umfaßt; der Verkehr von der Innenstadt nach den übrigen Teilen des Bahnnetzes und umgekehrt; der Durchgangsverkehr zwischen Stadtteilen, die einander entgegengesetzt außerhalb der Innenstadt liegen; der Lokalverkehr zwischen den Bahnabschnitten, die außerhalb der Innenstadt liegen. Man dient dem Interesse des Fahrgastes. Alls diese verschiedenartigen Zählungen, deren Zweck es letzten Endes immer ist, eine Anpassung der Verkehrsmittel an die Bedürf- nisse des Verkehrs herbeizuführen, lassen sich gerade bei der U-Bahn im weitesten Maße durchführen. Denn hier ist der Fahrgast, dem das Ergebnis der Zählung ja auch wieder dient, selbst Träger der Zählung. Der Schaffner an der Sperre teilt die Karten aus und sammelt sie ein, der Fahrgast erhält eine der verschiedenartigen Karten, je nachdem, ob er Inhaber einer Monatskarte oder Einzel- � kgrte, oder vom Omnibus oder der Straßenbahn umgestiegen ist. Bei der Straßenbahn und dem Omnibus läßt sich dieses System natürlich nicht durchführen. Hier teilt man das Netz der. Oberflächenverkehrsmittel durch Zählpunkte in Abschnitte ein, deren Länge in der Innenstadt einen Kilometer, in den Außenbezirken zwei Kilometer beträgt. Der Schaffner muß hier neben seiner sonstigen Arbeit auch noch die Verkehrszählung bewältigen. Auf vorgedruckten Formularen trägt er die Besetzung sein� Wagens an den ver- schiedenen Zählpunkten ein, und zwar ohne Rücksicht darauf, ob seine Fahrgäste Einzelfahrkarten, Umsteiger oder Monatskarten besitzen. Aus den gesammelten Formularen stellen dann die Betriebs- inspektionen die stündliche Verkehrsbelastung, die Reiselänge auf den einzelnen Linien und auf dem Gesamtnetz fest. Oie sauberste Stadt. Noch immer Berlin!— Gebirge von Kehricht. Berlin steht nicht umsonst in dem Ruf, die s a u b e r st e Stadt der Welt zu sein. Ein Heer von mehreren tausend Arbeiter ist— hauptsächlich in den frühen Morgenstunden, wenn die Großstadt aus dem Schlaje erwacht— unermüdlich tätig, um die Unmengen von Papier, Abfällen usw., die sich im Laufe des vorhergehenden Tages in den Straßen der Viermillionenstadt angesammelt haben, zu be- seitigen. Wenn die berufstätigen Berliner zu gewohnter Zeit in ihre Büros oder Arbeitsstätten in die City fahren, sind alle Spuren von Schmutz und Unrat bereits entfernt und die Straßen erstrahlen in schönster Sauberkeit. Welches Gebirge vonKehricht ollein aus den Fahrdamm- flächen im Lause eines Jahres zusammengefegt wird, ist daraus zu ersehen, daß sich der gesamte Schmutzhausen des vergangenen Jahres in den Straßen der Reichshauptstadt auf nahezu eine halbe Million Kubikmeter(454 973 Kubikmeter) Unrat belief. In dieser Menge sind nicht enthalten die je nach den Witterungs- und Schneeverhält- nisten im Laufe des Winters zu beseitigenden Schneemasten. Unter den einzelnen Verwaltungsbezirken hat— abgesehen von den 6 In- nenbezirken, die zusammen über 711 Hektar(oder 20,8 Proz. von der Gesamtmenge) zu reinigende Fahrdammfläche verfügen, vor allen Dingen das Bezirksamt Spandau große Aufwendungen zu machen zur Säuberung seiner 207 Hektar Straßenfläche. Am glück- lichsten können sich Schöneberg, Köpenick und Weißensee schätzen, die mit 36, 76 und 63 Hektar relativ keine Fahrdammflächen zu säubern haben. In allen übrigen Außenbezirken der Reichshauptstadt schwankt die zu reinigende Straßenfläche(Fahrdammfläche) zwischen 200 und 100 Hektar. Umleitung der Omnibuslinie A 10. Wegen Gleisbauarbeiten wird die Jnvalidenstrahe zwischen Chaussee- und Hessische Straße vom 27. Mai 1931 ab auf etwa drei Wochen gesperrt. Die Auto- buste der Linie A 10 fahren daher in beiden Richtungen Chaussee-, Hannoversche, Hessische Straße. meVeMS f sc�seln' SelIeine siasl kS�PIrkurö040" V�iterc Preissenk fClSSCflKUng unserer Sckokoladen I 3 Tafeln%u je 100 g Vollmilchschokolade (Scricnpackung)................ 50 Pf. Edcl-Vollmilch X EdeUVollmilch-Nuß Tafeln?u 100 g statt 35 Pf. nur noch.... 30 Pf. Mokka«Sahne X EdeUSahne X EdcUHcrh Tafeln tu 100 g statt 40 Pf. nur noch.... 35 Pf. Kakao«PuIver lose, Ä Pfd. statt 40 Pf. nur noch 30 Pf. 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