BERLIN Dienstag 26. Mi 1931 10 Pf. Nr. 240 8 120 45. Jahrgang Srsckeiatttzlich außer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bejug«»rei« beide Ausgaben SS Pf. pro Woche. s.soM. pro Monat. Kedaktion und Exredition: Berlin SWss.LindenKr. 3 Fernsprecher: Dönhoff 292— 29? ,f\£iWaS& Anzetgenprei«: Die etuspaltigeNoopareMeieile so Pf., Reklameieile s M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Dorwärtt-Verlag G. m. b.H» Berlin Nr. S7 S36.— Der Verlag dehült sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Die schwarzen pfingsttage Ursache des Einsiurzunglücks in Greifswald G r e i f s w a l d. ZS. Mal. Lei dm llnterstlchungm über da» Einsturzuaglück in Greifs- wald ist mau fehl zu folgenden, Ergebnis gekommen: Die in einer Breite von 12 Metern eingestürzte Mauer bildete eine wand eine» Stalles, in dem die mit Kraftwagen zu dem Sportfest heraugekommmeo Arbeiterfportler ihre Autos und Motorräder untergestellt hatten. Das Slallgebäude war als bau- fällig befunden worden.(Es ist noch den bisherigen Feststellungen durch die heraofahrendeu schweren Lastkraftwagen, die mit Arbeitersportlern dicht besetzt waren, so stark erschüttert worden, daß die Mauer ihren halt verlor. Nachdem schließlich noch ein Lastauto mit Berlinern einaetrossm war, ereignete sich kurz daraus da» Unglück, wie jetzt festgestellt werden konnte, erlitten im ganzen 30 Personen Verletzungen. 20 von ihnen jedoch nur leichte Hautabschürfungen. Diesem Unglück ging am Vormittag ein schweres Sraftfahrzeugunglück voraus. Der Besitzer de» verhängnisvollen Staugebäudes brachte mit einem Kraftwagen eine größere Anzahl Mitglieder de« Sportvereins au» Anklam nach Greisswald. Als er schon in Greisswald angelangt war, stieß er in Schuhhagem einer engen Hauptverkehrsstraße, mit einem Mo- lorradsahrer zusammen. Bei dem heftigen Anprall wurde der Führer de» Kraftwagens, der Feinmechaniker Arlur Hermann aus Borulm bei Potsdam und fein Mitfahrer, der Maler Günther Kümmel, schwer verletzt, während die Sportler unverletzt blieben. Rootsunglück auf dem Chiemsee. Traunstein. 26. Mai. Em schweres Bootsunglück, bei dem zwei Brüder den Tod fanden, ereignete sich am Pfingstmontag auf dem Chiem» see. Der siebzehnjährig« Hans Stark fuhr in einem schadhaften Boot mit seinem achtjährigen Bruder Herbert etwa 4t) Meter in den See hinaus. Plötzlich stürzte der Kleine aus dem Kahn. Als fein Bruder ihm zu Hilfe kommen wollte, versanken beide vor den Augen der Mutter in den Wellen. Einer der Brüder wurde gebor- gen, doch blieben Wiederbelebungsoersuche erfolglos, die Leiche de» anderen Bruders konnte noch nicht gefunden werden. Opfer der Berge. München, 26. Mai. Der starke Pfingfiverkehr in den Alpen hat drei Tote. drei Schwerverletzte und mehrere Leichverletzle als Opser gefordert. 3m Gebiet de» wilden Kaiser ist am Psingstsonn- tag der Müncheuer Karl Iren dl tödlich abgestürzt: die Leiche wurde geborgen. Am P e u d l i u g bei Kusstein verunglückten die beiden Münchener Joses M a y r und Rosa Brand st etter durch Absturz. Mayr ist tot. seine Legleiterin schwer verletzt. 3m Gebiet de» Schachen bei Parlenklrcheu wurde der Tourist F r S n k e l au» der Gegend von weUheim tot aufgefunden. An der Fleischbank- Ostwand verunglückten zwei Touristen aus Innsbruck durch Absturz, einer derselben, namens Aufkirchner, trug da- bei schwere Armverlehungen davon. Am Wasserschloß de» walchen- seewerke» stürzte der Münchener Franz Ritt ab und blieb mit schweren Verletzungen liegen, weiter hat sich noch eine Reihe von Unfällen zugetragen, die aber glimpflich abgelaufen sind. Zwei Todesopfer der Cibe. Hamburg, 26. Mai. Am Sonntagnachmittog verunglückten beim Baden in der Elbe bei Riffen zwei Personen tödlich. Eine jung« Frau war von dem starten Elbstrom gefaßt und mitgerisien worden. Ihr Mann wollte sie retten, geriet aber ebenfalls in die Strömung und beide ertranken. Das dreijährige Kind mußte vom Ufer aus dem tragischen Ende seiner Eltern zusehen. Zugunglück in Paris. Fünfzig Personen verletzt. Pari». 26. Mai. Auf dem Pariser Bahnhof V a st i l l e hat sich am Abend des zweiten Pfingfifeiertages ein Eisenbahnunglück ereignet. Infolge falscher Weichenstellung fuhr ein einlaufender Zug aus einen auf dem Bahnhof haltenden Personenzug auf. Der Zusammenstoß war so heftig, daß mehrere wagen aus den Schienen sprangen. Da» Splittern der Fensterscheiben und die aus den wagen ertönenden Schreie riefen unter den Reisenden eine Panik hervor, doch erwies es sich zum Glück, daß man es mit keinen schweren Verletzungen zu tun hatte. Etwa 50 Personen wurden mehr oder weniger schwer verletzt. Nach zwei Stunden konnte der normale Verkehr wiederhergestellt werden. Zwei-Milliarden-Anleihe Englische Meldung über einen Lteberbrückungstredit London, 26. Mai. Der diplomatische Korrespondent des„Daily Herald" meldet, daß jetzt die Frage einer internationalen Anleihe in Höhe von zwei Milliarde« Mark für Deutschland ernstlich erwogen werde, die durch England, Frankreich und Italien z« garantieren wäre. Berant» wortliche Kreise erachteten dies als die einzige Möglich» keit, um einen Zusammenbruch des Boung-Planes und der Reparationszahlungen zu verhindern. Der Fall der Weltmarktpreise und die wirtschaftliche Krise in Deutsch- land hatten eine Lage hervorgerufen, die man im Haag nicht vorausgesehen habe. Da Deutschland in Gold z« zahle« habe» so hätten sich die Laste»«m SV Proz. über de« Betrag erhöht, den das Bonug-Komitee als die höchste Grenze der Zahlungsfähigkeit Deutschlands fest» gesetzt habe. Hinzu komme noch der Fehlbetrag im Reichshanshalt. Es stche außer Zweifel, daß die deutschen Minister in Ehequers auf die Verzögerung der Durchführung des öfterreichisch-deusichen Zollabkommens hinweisen würden, und daß daher Deutschland einen anderen Ausweg finden müsse. Deutschland könne zwar ein Moratorium für die ungeschützten Zahlungen fordern, aber es fei wahrscheinlich, daß Dr. Brüning lieber für eine vollständige Revision der Zahlungen in höhe von 1620 Millionen Mark ein- treten werde, die fast überwiegend nach Frankreich gingen. Selbst für den Fall, daß eine Revision oerweigert werden sollte, sei es wahr- scheinlich, daß Deutschland sich außerstande erklären werde, seine Gssamtoerpflichtungen oder auch nur einen Teil derselben begleichen zu können. Deshalb, wende die Aufnahme einer Z-Milliarden-Mark- Anleihe für Deutschland erwogen, die zu einem niedrigenZins- s a tz herausgebracht werde und durch die anderen großen«uro- päifchen Mächte garantiert werden solle. Dies« Frag« werde durch das neue Komitee für internationale Anleihen nachgeprüft werden. Sollte bis zum Zufainmentritt der Völkerbunldsversamm- hing im September keine Antwort vorliegen, so sei es kaum zweifelhast, daß dann Deutschland die Gläubigermöchte von der Unmöglichkeit unterrichten werde, die vollen Zahlungen zu leisten. Man könne mit der Erklärung eines Moratoriums kurz darauf rechnen, falls bis dahin keine neue Regelung erfolgt fei. * halbamtlich wird zu der„Daily-Herald'-Moldung gesagt: Di« Anleiheidee wäre nur die Fortsetzung des unnatürlichen Austandes, daß wir die Reparationen durch Au s la nd sa nle ih en bezahlen. Bon solchen Anleiheplänen sei hier nichts bekannt; Schritte noch dieser Richtung feien nicht in Aussicht genommen. Heute 31 Grad Wärme. vack schöne Wetter soll anhalten. Mt 31 Grad wärme im Schatten wurde die bisher höchste Temperatur la diesem Jahre gemessen. Am 1. Feiertag betrug da» Maximum 2S und gestern 30 Grad. Di« schönen Pfingstfeiertoge des Vorjahres sind diesmal durch einen völlig wolkenlosen Himmel und ein erhebliches Temperatur- plus noch übertrofsen worden. Ueberall im Reich herrschte sonniges und warmes Wetter. Ganz Mitteleuropa und erheblich« Teile Ost- europas stehen zur Zeit unter dem Einfluß eine» sehr kräftigen ausgedehnten Hochdruckgebietes, dessen Ausläufer bis nach Skandinavien und dem Atlantischen Ozean reichen. Diese» hoch oerbürgt für die nächsten Tage weiterhin schönes Sommerwetter. Vom Amtlichen Wetterdienst wird uns mitgeteill, daß die Wetterauskünfte, die jeder durch Fernsprecher von der Reichspost (Telegrammaufnahme) gegen eine Gebühr von 20 Pf. erhalten kann, täglich ab 11 Uhr für den nächsten Tag erteilt werden. Millionen unterwegs. Di« BVG. hatte an den beiden Pfingstfeiertagen einen Riesenverkehr zu bewältigen. Annähernd 5 Millionen Fahrgäste wurden auf der Straßenbahn, U-Bahn und den Autobuslinien befördert. Eine beängstigende Fülle herrschte bei dem prachtvollen Wetter zeitweise auf den zahlreichen Ausflugs- linien. Am ersten Feiertag wurden rund 2 460 000 Personen be- fördert, mit der Straßenbahn 1 496 000, mit dem Autobus 444 000 und der U-Dahn S20 000 Fahrgäste. Der zweite Feiertag liegt mit 2 441 000 Beförderten um 19 000 hinter dem Vortage zurück. Wie die Reichsbahn mitteilt, ist im Fernverkehr, gemessen an den Zahlen des vergangenen Jahres, ein Rückgang von 22,6 Proz. zu verzeichnen. Das wird in erster Linie auf das schlechte Wetter am Donnerstag und Freitag voriger Woche und zum anderen auf die verschlechterte Wirtschaftslage zurückgeführt. Im Fernreiseoerkehr wurden diesmal rund 100 000 Karten weniger ver- kauft. Auf der S-Bahn, im Vorort- und Stadtbahnverkehr wurden 3 800 000 gegen 4 Millionen im Borjahr befördert. Am ersten Feiertag wurden 1 800 000 und gestern 2 Millionen abgegebene Karten gezählt. Er läßt sich bitten. Der Liegnitzer Regierungspräsident Dr. Poeschel ist zum Oberbürgermeister von Stettin gewählt. Bald nach der Wahl verkündete er bei einer Festveranstaltung, er denke nickt daran, die Wahl anzunehmen, da ihm die Mehrheit bei weitem nicht groß genug sei. Jetzt aber traf am Montag in Stettin die Mitteilung Poejcheis ein, daß er die Wahl doch annimmt. Kursstürze an der Börse. Auf die Schwierigkeiten der Wiener Bankhausse Auspitz, Lieben u. Co. und die allgemein schwache Verfassung der ausländischen Börse reagierte am Dienstag die Berliner Börse mit Kurs- stürzen der alten Papiere in einem Ausmaße von 5 bis 10 Prozent. Einer der Inhaber der Wiener Bant, hofrat Dr. Ludwig Schüller, ist seit einigen Tagen verschwunden. Man befürchtet Selbstmord. Auch«in anderer Mitinhaber der Firma hat einen Selbstmordversuch unternommen. Appell an Joel. Soll Bollerjahn weiter in Hast bleiben? Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld hat als Verteidi» ger Bullerjahns an den Staatssekretär Joel nachstehendes Schreiben gerichtet: „In dem Wiederaufnahmeverfahren gegen den Lagerverwaller Bullerjahn hat der 4. Strajfenat des Reichsgerichts zwar den Antrag auf Wiederaufnahme für zulässig erNärt, zugleich aber meinem Antrag auf Aussetzung der Strafvollstreckung nicht statt- gegeben. In den diesem Beschluß vorausgegangenen Schriftsätzen hatte der Herr Oberreichsanwalt gegen die Zulassung des Wiederaufnahme- antrages Stellung genommen und demgemäß auch der h a f t e n t- lassung Bullerjahns widersprochen. Durch den Beschluß des Reichsgerichts ist aber in dem Wieder- aufnahmeverfahren eine Wendung zugunsten Bullerjahns eingetreten, die auch zu einer Beränderung des Standpunktes der Reichsanwalt- jchaft gegenüber dem Alttrag auf Unterbrechung der Straf- Vollstreckung führen muß. Denn die Zulassung des Wieder- aufnahmeoerfahrens bedeutet immerhin, daß das Reichsgericht eine Nachprüfung des gegen Bullerjahn ergangenen Urteils für notwendig ansieht. Es wird deshalb nicht Ihre Auf- f a s f u n g sein, daß ein Urteil weiter voll st reckt werde, dessen Richtigkeit nicht mehr über jeden Zweifel erhaben ist. Gerade weil Sie, sehr geehrter Herr Staatssekretär, sich im Reichstag für eine durch keine Formalien gehemmte Nachprüfung des Berfahrens ausgesprochen haben, erwarte ich, vor allem bei Ihnen Derständnis zu finden für meinen Antrag aus so- fortig« Unterbrechung der Strafvollstreckung. Ich appelliere an Sie, als den derzeitigen Berweser der deutschen Justiz, den Herrn Oberreichsanwall anzuweisen, seinerseits beim Reichsgericht die so- sortige Unterbrechung der Strafvollstreckung zu beantragen. Die Haftentlassung Bullerjahns halte ich auch deshalb für u n- aufschiebbar, weil bereits das Gutachten des bekannten Nervenarztes Dr. K r o n s e l d vorliegt, nach welchem Buller- jahn haftunfähig ist. Ohne dem Gutachten des Herrn Samtäts- rates Leppmann vorgreifen zu wollen, der feine Beobachtung des Gesundheitszustandes meines Klienten in diesen Tagen abschließen dürfte, möchte ich nicht unterlassen, schon auf Grund des von mir empfundenen Nachlassens der physischen Kräfte meines Klienten auch die Bitte an Sie zu richten, den Herrn Oberreichs- onwalt zu veranlassen, seinerseits jetzt, wo noch eine völlig« Wiederher st ellung Bullerjahns möglich scheint, die so- fortige Unterbrechung der Strafvollstreckung anzuordnen. Es darf doch nicht dahin kommen, daß das Recht zu spät triumphiert...* Deutschland erwache...! Die Kulturträger mit dem Hakenkreuz wüten. Brannschweig.Zö. Mai(Eigenbericht). Me losgelassene Schwerverbrecher hausteu zu Pfingsten die Parteifreunde des Herr» Zrauzen in dem Arbeiter. vororte Rautheim. Dort feierte die Dorsjugend ihr alljährliches Pfingstvergnügen. während in einem anderen Saal eine Sturm- obtcilung der Vraunfchweiger Hiller-Sarden angeblich ein Tanzvergnügen veranstaltete. Im Laufe des Abends kam es wiederholt zu Anrempelungen durch die provozierend in den Dorfstraßen sich herumtreibenden Nazis. In später Nachtstunde gab der SA..Zührer den Befehl zur gewaltsamen Räumung des Saales, in dem die vorfjogend versammelt war. Mit Eisen- slangen, Schlagringen, Messern und Revolvern in der Hand traten etwa 50 Nazis überraschend ein und schlugen ohne weiteres auf die völlig Ahnungslosen ein. E» entstaub ein großer Tumult. Die mit einem Hakenkreuz gekenozeichueten Verbrecher schlugen Züng- linge, Zraueu und Mädchen nieder. Eine Arau wurde bis zur Bewußtlosigkeit aus dem Boden geschlagen, anderen Ironien wurden die Kleider vom Leibe gerissen, junge Mädchen wurden ge- würgt und getreten, die iu der Minderheit befindlichen überfallnea Män- ner wurden schwer mißhandelt. Einer erhielt eine klaffende Kopfwunde, ein anderer wurde mit dem Messer gestochen. Die Saaleiurichtung haben die Nazis in Trümmer geschlagen. Zugleich gaben die draußen- stehenden Hakenkreuzler scharfe Schüsse ab. Auf einen am Boden Liegenden stürzten sich die Bestien mit dem Ruf:„Messer raus, schneidet ihm die Kehle durch". Die vraunschweiger Land- jägerei, die ausdrückfich von dem Wirt um Schuh angerufeu worden war. gab die Antwort, er solle sichnurandie S.-A.- Zührung wenden, die würde für Ruhe und Ordnung sorgen... Angesichts solchen verhalteus der dem Polizei-Hakeukreuz- minister unterstehenden Organe nimmt es nicht wunder, wenn die Hilter-Garden ihre kriminellen Talen von Tag zu Tag steigern. politischer Totschlag. Karlsruhe, 26. Mai. Am Pfingstmontag fand in Karlsruhe ein Propagandamarsch der NSDAP. Mittelbadens statt. Nach dessen Beendigung kam es in der östlichen Kaiserstraße zu einem Zusammenstoß zwischen Na» tionalsozialisten und Kommunisten. Dabei erlitt der National- foziatist Paul Billet aus Lahr auf bisher noch unaufgeklärt« Weise einen Schädelbruch, der seine sofortige Uebersührung ins Krankenhaus notwendig machte. Dort ist Billet noch am Abend gestorben. Drei Kommuni st en wurden vorläufig f e st- genommen, bis der Sachverhalt restlos geklärt ist. Zu dem Zusammenstoß meldet der Polizeibericht: Ein uniformierter Motorradfahrer der NSDAP, aus Lahr wurde zwischen Adler- und Kreuzstraße während eines kurzen Halt» v�vn einem Kommunisten durch einen Stockhieb vom Rade geschlagen. Der Motorradfahrer kam unter seine Maschine zu liegen und erlitt einen Schädelbruch. Um S Uhr abends ist der Ueberfallene im Städtischen Krankenhaus seinen Ber- letzungen erlegen. Der Täter, dessen Persönlichkeit festgestellt werden konnte, ist f l ü ch t i g. Der Propagandaumzug der NSDAP. verlies ohne ernstlichen Zwischenfall. Spiel mit„Dienstpflicht" Freiwilliger Zwang— das neueste patent. Bautzen. 26. Mai.(Eigenbericht.) Der Iungdeutsche Orden betreibt seit längerer Zeit bei der sächssschen Regierung die Einführung der Arbeitsdienst- Pflicht. Die bürgerliche Presse brachte vor einiger Zeit eine Notiz, daß die Arbeitsdienstpflicht z u n ä ch st bei der Regulierung des Albrechtsbaches in Bautzen ausprobiert werden sollte. Die Bautzner Gewer kschaften haben sich sofort gegen diese Ab- sichten gewehrt und in einer Entschließung jede Mitarbeit und jede Verantwortung abgelehnt. Jetzt hatte sich das Bautzner Stadtverordnetenkollegium mit einer formellen Vorlage zu beschästigen. Aus den Darlegungen des Berichterstatters konnte man ersehen, wie die Dienstpflicht praktisch durchgeführt werden soll. Die„freiwillige" D i e n st p s l i ch t, so nannte man die Vorlage verschämt, sollte ver- richtet werden von jüngeren, unverheirateten Leuten, um diese von der Arbeitslosigkeit loszulösen und sie wieder in den Arbeitsprozeß «inzuschalten. Grundsatz solle sein, daß„junge Männer jeder Partei- färbung" sich in den Dienst der guten Sache stellen. Die Leute sollten in 10 Kolonnen zu je 10 Mann eingeteilt und in Baracken untergebracht werden. Sie erhalten für ihre Ar- beit freie Kost, freie Wohnung(in den Baracken) und Kleidune, und ein Taschengeld von täglich 50 Pf.! Im übrigen soll die Arbeit von einem Unternehmer, der die Soziallasten zu tragen und das Handwerkszeug zu stellen, als Notstandsarbeit auzge- führt werden. Der auf Grund der niedrigen Bezahlung der Arbeits- kräfte ersparte Lohnanteil soll dem Unternehmen— in diesen, Fall« der Stadt Bautzen— zugute kommen. Die Kosten pro Mann und Tag sind wie folgt veranschlagt: 2,40 M. für den Unter- nehmer als Gewinn und Tragung der Soziallasten und für die Werkzeuge, 2.S1 M. für die Beköstigung und Kleidung der Arbeiter, 0 Pf. �ür Wohnung in den Baracken und 50 Pf. Taschengeld, zu- sammen 5.90 M. Die Ersparnis durch die Ausführung der Arbeiten mit Hilfe der freiwilligen Arbeitsdienstpflicht wird mit 60 000 M. berechnet. Der Bautzener Stadtrat hatte beschlossen, der Regulierung zuzustimmen und zwei Drittel der verbleibenden lausenden Kosten mit höchstens lOOOO M. zu übernehmen. Die Begrenzung der Summe hielt der Stadtrat für nötig, um«in- Ueberschreitung der Ausführungskosten zu verhüten. Bei der Beratung der Vorlage im Bautzener Stadtverordneter»- kollegium führten die Vertreter der Sozialdemokratie aus, daß das Problem der Arbeitsbeschaffung unmöglich durch die Einführung der Arbeitsdienstpflicht gelöst werden kann. Der vorgelegte Plan sei ein glatter Verstoß gegen die Tarifpolitik, gegen alle Freizügigkeit und gegen die Grundrechte der Arbeiter, die in der Reichsverfsssung gewährleistet sind. In Schlesien v In Polen spitzt Zur zehnjährigen Erinnerung an die Kämpfe in Oberschlesien wurde am Pfingstmontag in Annaberg eine Feier abgehalten, an der Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden, unter ihnen der Oberpräsident Lukaschek und der Reichswehrkonunandant Nierst o. Jagow teilnahmen. Es waren mehrere zehntausend Menschen oersammelt, darunter viele Teilnehmer des ehemaligen Selbstschutzes. Die Teilnahme offizieller Behöbdenvertreter mußte die Redner zu einiger Vorsicht in außerpolitischen Fragen verpflichten. Leider wurde diese Verpflichtung nicht von allen Rednern anerkannt, am wenigsten von dem General a. D. v. Hülsen, über dessen Rede die Hugenberg-Presse berichtet: Der Redner forderte zum Schluß seiner Ausführungen die ehemaligen Selbfffchutzkämpfer auf, auch heute erneut den Schwur abzulegen, daß sie bereit feien, wenn«s darauf ankomme, wieder die Waffen zu ergreifen und um deutsches Land zu kämpfen: „Was wir verloren haben, darf nicht verloren sein.' Seien wir aufmerksam, daß nicht wieder gierig« Hände sich zu neuem Raub aussprechen; holten wir uns bereit, damit wir nicht wieder überrascht werden. Fest und stark seien unsere Herzen, eisern und unerschütterlich unser Wille. Wir schwören, alles daran zu setzen, um jedem begehrlichen Räuber ein neues„Anna- berg" zu bereiten." Niemand wird behaupten können, daß Veranstaltungen, bei denen solche Reden gehalten werden, dem friedlichen Nebeneinander- leben der beiden Nachbarvölker dienlich sind. Gewiß, auch auf polnischer Seite werden ähnliche Ausschreitungen begangen, das kann Die Arbeitsdienstpflicht ist nichts anderes als die Vorbereitung der Militarisierung und Kasernierung der jungen Arbeiter. Bei der Abstimmung wurde die B o r l a g e des Stadtrates mit 17 gegen 15 Stimmen abgelehnt. Gegen die Erledigung der Arbeiten durch die Arbeitsdienstpflicht stimmten die Vertreter der Sozialdemokratie, der Kommunisten, zwei Nationalsozialisten, der Altsozialist und ein Demokrat. Gozialdemokraiische Juristen. Reichskonferenz in Leipzig. Die Bereinigung sozialdemokratischer Juristen veranstaltet am 31. Mai, vormittags 10 Uhr, in Leipzig im Gebäude des Zoolo- gischen Gartens, Pfaffendorfer Straße, ihre Reichskonferenz mit folgender Tagesordnung: Ansprache des Genossen Longuet, Paris; Vortrag des Ersten Staatsanwalts, Genossen Dr. H o e g c r- München, M. d. R-, über das Staatssystem des National- sozialismus; endlich Geschäftsbericht und Wahlen. Gelegentlich dieser Reichskonferenz soll eine zwanglose De- sprechung der parteigenössischen Juristen und Verwaltungsbeamten des Freistaates Sachsen zur Aussprache über die besonderen sächsi- schen Justiz- und Organisationsfragen stattfinden. Vn'and bleibt. Gr soll den Zluffordernngen nachgegeben haben. Parks. 26. Mal. s Eigenbericht.) Wie das..Echo de Paris" aus zuderläsfiger Quelle erfahren herbe» will, soll sich Brkand auf die Bitte« des Prasidente« Douurergue. des«eue« Präsidenten Douuier und des gesamte» Kabinetts bereit erklärt haben, sein Amt als Außenminister beizubehalte«. Dieser Entschluß soll nach der am Mittwoch stattfindenden Sitzung des Ministerrats, der fast ausschließlich de« Genfer Beratungen gewidmet sein wird, bekanntgegeben werden.__ Oer pfingstparieitag in Krakau. Warschau, 26. Mai.(Eigenbericht.) Im Mittelpunkt der letzten zwei Beratungstage des PPS.- Kongresses in Krakau stand die Frage der künftigen inner- politischenHaltung der Partei. Während der Parteiausschuß für die weitere Aufrechterhaltung der Verbindung mit den übrigen demokratischen Parteien Polens eintrat(des sogenannten„zentro- linken Blocks" während der Wahlzeit), sprach sich ein Teil der Kongreßteilnehmer anstatt dessen für eine engere Fühlungnahme mit den sozialistischen Minderheitsparteien Polens aus. Es siegte schließlich nach längerer Debatte der Standpunkt des Partei- ausschusses, dem auch in der Schlußresolution des Kongresses Aus- druck gegeben wurde. Als eine der Hauptaufgaben der PPS. wurde weiter der Kampf gegen die herrschende Diktatur und den Faschismus in Polen bezeichnet. Zum Vorsitzenden des Parteivorstandes wurde der ehemalige Sejmmarschall Ignacy D a s c y n s k i gewählt, zu stellvertretenden Vorsitzenden die Genossen T o p i n e k und Z i e m i e n s k i sowie die Genossin W o s c z y n s k a. Vermöbele psychotechnik. Der Mißbrauch einer Wissenschast. Ein« Anzahl von deutschen Kurverwaltungen plant zur ,.Be- lebung" des Geschäfts die Einführung van Spielbanken in ihren Kursälen. Das gewerbsmäßige Glückspiel ist in Deutschland bekanntlich durch Strafgesetz verboten. Schlaue Unternehmer haben sich seit je zu helfen gewußt, indem sie sogenannte„Gcschicklichkeits- spiele" einführten. Nach dieser Methode wollen nun die Kur- Verwaltungen feudaler Bäder(Weißer Hirsch, Wiesbaden, Baden- Baden usw.) vorgehen. Das Raulettespiel, bei dem der Zufall der rollenden Kugel entscheidet, soll durch eine Art Geschicklichkeits- roulette ersetzt werden, wobei angeblich die Hand des Spieler» den Lauf der Kugel mitbestimmt. In Homburg o. d. Höhe hat e, so etwas schon vor einigen Iahren gegeben, und jeder Besucher konnte sich davon überzeugen, daß dieses angebliche Geschicklichkeits- spiel einfacher Nepp war, wobei die„Geschicklichkeits"- spielbank sich eine vierfach höhere Gewinnchance ein- räumte als die„Glücks"bank von Monte Carlo. Das Tolle bei der Geschichte ist, daß der Leiter des Psychötechnischen Instituts an der Berliner Technischen Hochschule, Prof. Dr. Mode, ein Gutachten erstattet hat, wonach es sich bei den geplanten Spielen tatsächlich um ein gesotzlich erlaubtes Geschicklichkeitsspiel handeln soll. Prof. Möde hat schon einmal erhebliches Kopjschütteln erregt, als er in seiner Zeitschrift den Unternehmern methodische Ratschläge erteilte, mit Hilf« derer man mißliebige Angestellte auf psycho- »irb getrommelt man die Ohren jedoch kein Grund sein, sich mit Polen in einen Detttompf des nationalistischen Maulausreißerwms einzulassen. Und wenn die polnffchen Rationalisten bei nächster Gelegenheit zeigen, daß sie es noch besser können, soll man nicht allzu entrüstet tun, sondern sich sagen, daß so etwas eben von so etwas kommt. Die Regierung kann auch aus den Annaberger Vorgängen die Lehre ziehen, daß ein Versuch, mit auf der nationalsstffchen Well« zu schwimmen, für sie vollkommen aussichtslos bleiben mußte. Die Taffache, daß sie sich an der Annaberger Feier beteiligte, hat den Nationalfozialfften nur zu Pöbeleien gegen sie Anlaß gegeben. Wenig hat insolgedcssen daran gefehlt, daß die nationale Erinnerungs» feier zu einer solennen Keilerei zwischen Deuffchen ausgeartet wäre. Der Annaberger Selbstschutztag soll übrigens nur ein Vorspiel gewesen sein zu dem großen Stahlhelmtag, mit dem am nächsten Sonntag Breslau beglückt werden soll. Eine polnische offiziöse Erklärung hat auf gewisse Rückwirkungen hingewiesen, die durch proookatorffche Deranstaltungen in der Stimmung der Bevölkerung von Polnisch-Oberschlesien hervorgerufen werden können. Daraus wird in der„nationalen Presse" nach einem gemeinsamen Diktat geantwortet, daß die Veranstaltung derartiger Aufzüge eine inner- deutsche Angelegenheit sei. Ja, aber wenn ein neuer Krieg gegen Polen angekündigt wird, so ist das doch nicht ganz und gor eine innerdeuffche Angelegenheit, sondern es geht in gewissem Sinne wohl auch Polen ein wenig an. Es sei denn, man stellte sich auf den Standpunkt, diese Ankündigungen seien ein derart blödes Geschwätz, daß sich Polen nicht im geringsten darum zu kümmern brauchte! technischem Wege aus dem Betrieb hinausekeln könne. In aller Breite führte Möde damals aus, wie man es z. B. anstellen muß, um der Ehrlichkeit des Angestellten Schlingen zu legen, wie man ferner den Angestellten dadurch ducken kann, daß man ihn vor unerfüllbare Aufgaben stellt, wie man sogar den Urlaub des Angestellten ausnutzen fall, um hinter seinem Rücken ungünstige Urteile seiner Mitarbeiter über ihn einzusammeln und was dergleichen hochmoralische und saubere Tricks mehr sind. Die merkwürdige Einstellung des Prof. Möde droht die durchaus ernste Wissenschaft der Psychotechnik in ärgsten Mißkredit zu bringen. Wir haben gar nichts gegen eine vernünftige und sozial kontrollierte Anwendung psychotechnischer Methoden im Wirtschaftsleben. Aber eine„Wissenschaft", die ihre Ziele darin sieht, auf der einen Seite den Reichen das gesetzlich verbotene Amüsement des Glücksspiels unter der Maske von Geschicklichkeits- spielen zu gewähren, auf der anderen Seite Wirtschastsbetriebe in Spionagebüros umzuwandeln, eine solche Wissenschaft kann bei den Arbeitnehmern aus keine Sympathie stoßen. Der Möde-Kurs in der Psychotechnik muß entweder aufhören, oder die Psychotechnik selber wird für die deutsche 2lrbeitnehmerschast erledigt sein. Philipp Langmann gestorben. 1897 erregte ein junger Dramatiker, offenbar durch Gerhort Hauptmann angeregt, mit seinem Stück aus der Wirklichkeit „B artet Turaser" zunächst in Wien und dann auch an reich?- deuffchen Bühnen berechtigtes Auffchen. Dieses Drama aus dem Arbeiterleben, das den Verrat eines Streikbrechers und die er- schütternd« Sühne mit der unerbittlichen Wahrheit des Naturalis- mus gestaltete, machte tiefen Eindruck(auch die Berliner Dolksbühne hat es gespielt), und man glaubte Großes von dem Verfasser für die Bühne erwarten zu können. - Diese Erwartungen haben sich leider nicht erfüllt. Villip? Langmann. 1862 in Brünn geboren, gab zwar seine Stellung als Versicherungsbeamter in seiner Heimafftadt auf und siedelte nach Wien über. Als Schriftsteller hat er einen harten Kampf kämpfen müssen; er hat noch manche Volksstucke geschrieben und auch vor- übergehend Erfolge damit erzielt(„Die vier Gewinner".„Korporal Stöhr", ein soziale- Schauspiel„Die Herzmarke", die auch im Berliner Schauspielhaus gegeben wurde). Aber er hat nie mehr den Erstlingserfolg zu erreichen oder gar zu überbieten vermocht. Später hat er sich der Novelle, womit«r übrigens vor seinem Erstlings- drama schon begonnen hatte, erneut zugewendet und in sehr feiner Gestaltung allerlei Absonderliche, Eingänger, Verstiegene gestattet. Die Stadt Wien hat sich Philipp Langmann im Alter angenommen und ihm einen Ehrensold und später einen Sitz in einem Ver- sorgungShaus zugewendet. Viele seiner Erzählungen und auch der „Bartel Turoser" werden das Andenken an den aufrechten Mann noch länger lebendig erhalten. Auto rast gegen Baum. Gin Toter und drei Schwerverletzte. Auf der Chaussee bei Onkel Toms Hütts ereiguele sich heule früh ein schweres Autounglück, das ein Todesopfer forderte. Drei weitere Znsassen wurden lebensgefährlich verletzt. Kurz nach K6 Uhr entdeckten Automobilisten hart am Rande der Chaussee ein völlig zertrümmertes Prioatauto: neben dem Autowrack lagen vier schwerverletzte Personen, zwei Männer und zwei Frauen, die zum Teil das Bewußtsein verloren hatten. Di« Ursache des Unglücks konnte noch nicht geklärt werden; der Befund an der Unfallstelle läßt jedoch darauf schließen, daß der Wagen infolge zu hoher Geschwindigkeit ins Schleudern geraten und mit ungeheurer Wucht gegen«inen Baum geprallt ist. Die Verunglückten, der Autobesitzer Linas B r d r i l aus Steglitz, der Z3jährige Kellner Alfred Funk, die 29jährige Hertha O st aus der Neuen Ansbacher Straße und die 30 Jahre alle Tänzerin Anita P i o n t e k aus der Regensburger Straße, fanden im Zehlendorfer Hindenburg-Krankenhaus Aufnahme. Funk ist dort im Laufe des Vormittags seinen Verletzungen erlegen. Wahlen in Hamburgs Ende September. Nach Meldungen Ham- burger Blätter hat der Senat als Termin der hamburgischen Bürgerschaftswahlen den 27. September in Aussicht genommen. Ein« amtliche Mitteilung darüber ist jedoch erst in einigen Wochen zu erwarten, so daß bis dahin noch eine Aenderung ein» treten kann. Die amerikanischen Slaalsichnlden sind von 25 Milliarden Dollar im Jahre 1919 auf 16 Milliarden durch Zurückzahlung gefallen. Peru pleite. Die peruanische Regierung gibt bekannt, daß sie am 1. Juni die fälligen Zinsen für die amerikanische Anleihe nicht zahlen, sondern eine Revision der Anleihebedwgungey beantragen werde. Parteidebatte in Krankreich Weiiere 500 deuische Arbeiislosenkinder werden zur Erholung. eingeladen pari». 26. Mai.(Eigenbericht.) Am pfiogstsonnlag begann in Tours der ZS. Landes- kongreh der Sozialistischen Partei. Das Lokal, in dem der Songrejz tagt, ist mit roten Fahnen und Transparenten ans- geschmückt: aus der Tribüne sind die Lüsten von Karl Marx, ZaurSs und G u e s d e aufgestellt. lieber 700 Delegierte nehmen an den Beratungen teil, darunter fast alle Mitglieder der Parlamentsfraktion. Paul Boncour ist d a g e g e n n i ch t a n m e s e n d. Er ist mit sechs seiner Kollegen in einen Konflikt mit der Fraktion geraten, da er sich bei der Debatte über das deutsch-österreichische Zollabkommen nicht gemäß dem Frattionsbeschluß der Stimme enthielt, sondern für die Re- gierung gestimmt hatte. Zahlreiche ausländische Parteien sind durch Delegierte vertreten, darunter die deutsche Sozialdemokratie durch Abg. Crispien, die spanische Partei durch Fabra Ribas vom Arbeitzministerium, die belgische Partei durch von Roosbroek, die englische Arbeiterpartei durch Compton, die holländische Partei durch Oudegeest und die schwedische Partei durch Georg Branting. Für den Vorstand der Internationale ist der belgische Senator de Broucktre anwesend. In der ersten Sitzung wurden nach den üblichen Begrüßungz- reden eine Dankkundgebung an den Generalsekretär der Partei, Paul Faure, eine Solidaritätsentschließung zugunsten der streikenden Textilarbeiter und eine Sympathieadreste an die spanische Republik einstimmig angenommen. In der Sonntagnachmittagsitzung, in der Abg. Vincent Auriol den Borsch führte, bat der Bürgermeister von Le Bourget die sozialistischen Stadtverwaltungen und die Vor- stände der Bezirksoerbände, durch Subventionen den Aufenthalt von 300 Kindern deutscher Arbeitslosen auf der Insel O l t r o n zu er- leichtern. Es müßten noch etwa 80 000 Franken aufgebracht werden, um die Kosten zu bestreiten. - Im Anschluß daran wurde nach längerer Debatte, in der be- sonders die Ernennung eines noch bis vor kurzem der kommunistischen Partei angehörenden Mitgliedes zum Leiter des Propaganda» und Informationsbüros der Partei scharf kritisiert wurde, der Geschäfts- bericht des Parteivorstandes mit allen gegen eine Stimme onge- nommen. Abg. Comp�re-Morel erstattete darauf als kaufmännischer Direktor des„Populaire* den Bericht über das Parteiorgan und kündigte an, daß er aus Gesundheitsgründen sein Amt nieder- legen müste. Trotz dringender Bitten von Leon Blum, Re- n a u d e l und anderen Delegierten hielt Compere-Morel seinen Entschluß aufrecht. Während der Debatte über den Bericht kam es zu einer längeren Auseinandersetzung über die Frage, ob der„Populoire" weiterhin Annoncen von Lunken und Aktiengesellschaften an- nehmen solle. Manche Delegierte waren dafür, andere dagegen, so daß man beschloß, diese Frage in der letzten Sitzung des Kongrestes zu regeln. Eine weitere Debatte entstand über die Stellungnahme des„Populaire' zum Fünfjahresplan der Sowjetregierung, der in mehreren Artikeln von dem außenpolitischen Redak- teur Rosenfeld auseinandergesetzt worden ist. Mehrere Delegierte warfen der Redaktion Mangel an Objek- timkät vor. Diese Kritiken wurden von L i o n Blum in einer mit großem Beifall aufgenommenen Rede widerlegt und der Bericht über das Parteiorgan einstimmig angenommen. Der Wortführer des mit den Bolschewisten sympathisierenden linken Flügels der Partei, Alleaume, bedauerte in der Debatte über den Bericht, daß sich die Internationole nicht mit der Haltung der deutschen Sozialdemokratie anläßlich der Bewilligung der Kredite für den Panzerkreuzer 8 beschäftigt habe. Nachdem Bracke erklärt hatte, daß diese Frage nichts mit dem Bericht zu tun habe, wurde der Bericht einstimmig angenommen. Am Pfingstmontag stand die Beratung des Tätigkeitsberichtes der Parlamentsfraktion auf der Tagesordnung des sozialistischen Kongresses. Verschiedene Delegiert« des Seinedepartements oer- langten den Rücktritt B u i s s o n s als Kammerpräsident, weil die Ausübung dieses Amtes mit der sozialistischen Doktrin unverein- bar sei. Der Bürgermeister von Roubaix, Lebas, wandte sich gegen Paul Boncour und die sechs Parlamentarier, die airläßlich der Debatte über das deutsch-österreichische Zollabkommen für die Regierung gestimmt haben, und verlangte, daß sich Parlamentarier und NichtParlamentarier den Parteibeschlüsten fügen oder aus der Partei austreten. Abg. Frot, einer der sieben An- gegriffenen, erklärte, er habe für die Regierung gestimmt, weil die Fraktion vorher keinen formellen Beschluß über ihre Haltung gefaßt habe und weil die von Leon Blum vertretene Those der internationalen Politik der Sozialisten widerspreche, wonach kein Staat das Recht habe, Verträge abzuändern ohne sich mit den anderen Staaten darüber verständigt zu haben. Im übrigen hätten seine Freunde und er nur Briand und nicht der ganzen Re- gierung das Vertrauen aussprechen wollen. Leon Blum verteidigte die Tätigkeit der Parlamentssraktion. Die sozialistischen Abgeordneten— so sagte er— hätten sich stets bemüht, den Interessen des Sozialismus zu dienen. Die Behaup- tungen der nationalistischen Presse, daß die Sozialisten für die Niederlage Briands verantwortlich seien, wäre phantastisch. Die Tagesordnung, die die Debatte über das Zollabkommen ab- schloß, habe der ganzen Regierung und nlchl speziell Lrkmd das Vertrauen der Kammer zum Ausdruck gebracht. Die Sozialistische Partei werde im nächsten Jahre sicher Erfolge haben, aber man dürfe nicht zu optimistisch sein. Auf keinen Fall werde trotz der Konzentration oller antisozialistischen Kräfte die Wahltaktik der Partei geändert. Die Parole werde für den zweiten Wahl- gang weiterhin lauten:„Die Reaktion muß mit allen Mitteln geschlagen werden.* Am Schluß seiner Rede richtete Läon Blum einen Appell an die Einigkeit der Partei, der vom gesamten Kongreß mit stürmischem Beifall ausgenommen wurde. Der Bericht der Parlamentsfraktion wurde schließlich mit allen gegen eine Stimme angenommen. Die Regelung des Falles der sieben Abgeordneten wurde einer Komission übertragen. Anschließend begann di« Debatte über die Landesverteidigung und die Abrüstung, die am Dienstagvormittag fortgesetzt wird. parsevals erster Flng 25 Jahr«„Peall-Lustschiff« Der bayerische Major August von Parseoal hatte zusammen mit dem Hauptmann Hans Bartsch von Sigsseld, der später bei einem Freiballonflug in Belgien abstürzte, im Jahre 1884 den Drachenballon erfunden, der im Weltkrieg bei Freund und Feind zu Beob- ochtungszwecken weitgehende Verwendung fand. Zur gleichen Zeit, da Graf Zeppelin über feinen Plänen saß, beschäftigte sich auch Parseoal mit dem Bau eines Luftschiffes. Dieses sollte aber, im Gegensatz zu dem starren System Zeppelins, ein h a l b st a r r e s werden. Die starre Form sollte bei seinem Luftschiff aus Gondel und Maschine beschränkt bleiben, womit das tote Gewicht auf ein Minimum kam und eine geringere Antriebskraft notwendig wurde. Vor allem sollte das Parseoalsche Luftschiff leicht zu verpacken und leicht zu transportieren sein: das geboten die militärischen Zwecke, in deren Interesie ja der Luftschiffbau zunächst ins Werk gesetzt wurde. Parsevals Patente und Konstruktionen wurden im Jahr- 1906 von einer„Motorluftschiff-Studiengesellschast* erworben, und sogleich wurde auch mit dem Bau begonnen. Am 26. Mai 1906 erfolgte der erste Aufstieg des neuen Fahr- zeugs vom Berliner Schießplatz Tegel aus, in dessen Nähe auch damals das erste Luftschifsbataillon der preußischen Armee in Garnison lag. Obwohl die Geldgeber zum Luftschiffbau der Ber- liner Finanz angehörten— Walther Rathenau war ein eifriger Förderer der Parsevalschen Idee— spielte sich der erste Flug des „Motorballon*, wie das spätere Militärschiff zuerst genannt wurde, noch im engsten militärischen Rahmen ab. Man war sehr vor- sichtig, denn ein gescheiterter Probeflug hätte den Kreis der Par- seval- Förderer verstimmen können. Große Freude herrschte ober, als das neue Luftschiff bald eine Höhe von 300 Metern erreicht hatte und. mit vier Personen besetzt, unter denen sich der Erfinder selbst befand, über dem Schießplatz von Tegel hin- und herflog. Achtmal wurde eine 8 geflogen, was damals eine große Sensation war und in den Zeitungen lauten Widerholl fand. Noch dem ersten geglückten Flug folgten noch andere Probe- fahrten, jedoch nur bei gutem Wetter. Ein bereits angesetzter Flug fiel an einem Maitage 1906 au», weil es regnete, worunter das Luftschiff hätte leiden können. Das im Jahr 1906 erbaute Luftschiff hatte eine Länge von 48 Metern, einen Durchmesier von 9 Metern und einen Inhalt von 2500 Kubikmetern, seine Maschine 90 Pferde- kräste. Die Geschwindigkeit betrug 46 Kilometer in der Stunde. Das zweite, 1908 in Bau gegebene Luftschiff hatte bereits 58 Meter Länge und einen Inhalt von 3800 Kubikmetern. Dieses blieb auch bereits 1114 Stunden in der Lust. Das letzte Parseoal-Lufifchiff der Vorkriegszelt war„Rl.. 19", mit 10000 Kubikmetern Inhalt, zwei Maybachmotoren von 360 PS und einer Stundengeschwindigkeit von 76 Kilometern. Parsevals Erfindung fand auch im Aus» land volle Anerkennung. Dos beweist die Tatsache, daß Enzland kurz vor dem Kriege ein solches halbstarres Luftschiff aus Deutsch- land bezog. Auch Oesterreich, Italien, die Türkei, Rußland und Iapag hatte« �rsL-LuMÄe*. Vit MjevÄ jelbtz Jeiw Schöpfungen nannte, lange Zeit im Heeresdienst verwandt. Ein Parsevalluftschiff Nr. 28 ist erst vor kurzer Zeit auf der Luftschiff- werft in Seddin(Hinterpommern) entstanden und führt über Deutschland Reklamefüge aus. So hat der greise Erfinder die Genugtuung, daß sein Werk noch immer Daseinsberechtigung hat. Kausts„Verdammung". 6. Symphoniekonzeri der Lindenopcr. Fast 20 Jahre lagen zwischen dem ersten Entwurf des Werkes und seiner Vollendung. Die erste Fassung, 1828, damals gewiß nicht nur als ein Entwurf gemeint—„Acht Szenen aus Faust*—. war unmittelbarer Niederschlag des überwältigenden Eindruck», den Goethes Dichtung, eben zum erstenmal in französischer Uebersetzung erschienen, auf den 26jährigen Hektar B e r l i o z gemacht hat. Der Ueberschwang seiner empfänglichen Jugend, die Fülle musikalischer Visionen, die jener Eindruck auslöste, blieb lebendig, verdichtete sich zu dem Werk seiner höchsten Meisterschaft— einer Meisterschaft freilich, zu der doch immer die Gelassenheit des Meisters, die be- freiende Harmonie, vollkommenen Ausgleichs zwischen Gewolltem und Gekonntem fehlen mußte. Der dämonisch treibende Wille, unter dessen Zwang Berlioz geschaffen hat, ein Wille zum Großen. Hohen, aber auch zum Gewagten, Niedagewesenen, stieß immer wieder an die Grenzen seines unbeständigen, widerspenstigen Formtalent». Seine Arbeit war allemal äußerste Anspannung seiner produktiven Kräfte, war fieberhaftes Ausschöpfen seiner Phantasie und oller instrumentalen Mittel, durch die sie sich in Tönen verwirklichen ließ. Nie hat ein solcher Musiker die Gestalt Gretchen» mit Klängen von so ergreifender Innerlichkeit, von so zarter, herber Schönheit verklärt, wie der Franzose Berlioz. Leidenschaftlicher als er hat keiner unter den zahllosen Faust-Komponisten des 19. Jahrhundert» sich in die Welt Goethes versenkt, in ihre menschlichen Bereiche, ihre Mörchenatmosphöre, ihren legenden Zauber,— mag auch der mehr symphonisch als dramatisch inspirierte Künstler den Stoff noch so naiv nach seinem Musikerbedürfnis zugeschnitten haben. Aus der Bühne könnten wir diesen Faust nicht ernst nehmen: nicht ernster als jenen, den Meilhac und Haleoy für Gounod zurechtfrisiert haben. Auf dem Konzertpodium bleibt Fausts„Verdammung* ein Gipfel- werk feiner einsamen Art. Dieses letzte Konzert in der Lindenoper, übrigen» auch das best« besuchte, war bei weitem das beste der Saison. Wohl gab es bei Kleiber ein paar fragwürdige und oirtuofisch übersteigerte Tempi (Ungarischer Marsch, Mephistos Ständchen. Höllenfahrt), doch alle» in ollem war es mit dem Orchester und dem Chor dc» Hauses, den Knaben des Domchors in sehr guter solistischer Besetzung— neben dem wahrhast schön singenden Helge Roswainge vor allem Elfriede Mar Herr und Theodar Scheid!— eine durchaus lebendige, ausgeglichene, eindrucksvolle Ausführung.' __ Xbat EiinfrViffh Am Gchlageier-Oenkmal. Die schmarzweißroten Fahnen wehten. Die alten Preußenmärsche klangen. Di« Reaktion war voll vertreten. Kurz: ganz neutral ist's zugegangen. Herr Cuno au, der Schiffahrtsbranche Empfahl, den Opfersinn zu pflegen. Es muffte sauer nach Revanche. Herr Iarres, der war auch zugegen. Die Männer rings mit Ordensschnallen Bekamen Ruhrkampf-Hochgefühle Und ließen es sich gern gefallen. Daß man in alten Wunden wühle. Sie dachten bei den Reden leise: Gewiß: es waren böse Zeiten, Jedoch für die potenten Kreise, Da hatten sie auch gute Seiten. Sie ließen die Gedanken streichen: Schlggeter fiel im Feuerbogen... Die Mark indessen fiel desgleichen Und das hat alles aufgewogen. Han» Bauer. Allgemeine Unabhängige Zuryfreie. Sine poisdamee Tagereise zur Kunst. Die Iuryfreien haben sich mit unserer Erwartung schon manchen netten Scherz erlaubt: keinen mag man passender oder ungemäßer finden, je nach dem Uebersluß an Zeit, über den man verfügt, als ihren neuesten Trick: uns nach Potsdam, oder besser, sonnigste Kilometer weit hinter Potsdam auf den weltverlorenen Flughafen zu locken, um in der fabelhaften„Festhalle" ihre güngste Ausstellung vorzufinden. Alle Strapazen würde man freilich gern um einer fulminanten Kunstwirkung willen auf sich nehmen. Aber, was muß man erleben? Einen zweiten Iuryfreien Scherz, der durch schon mehrfache Wiederholung kaum reizvoller geworden ist. Alle Einsprüche, alle offenbare Unwirksamkeit können die Iuryfreie nicht von ihrer Originaiidee abbringen: der Verlosung gleich großer Wandflächen an die einsendenden Maler. In die bretterne Riesenhalle bei Potsdam wünscht man sich jene entzückende Miniaturbahn der Vauausstellyng versetzt, um an den nach unerforschlichem Ratschluß labnrinthtsch hingezackten Querwänden voll von Bildern entlang gefahren zu werden. Es bleibt nur übrig, aus dem Gewimmel von Einsendungen ein paar Rosinen aufzulesen. Man sieht mit Freuden einige prominente Bekannte: P u d l t ch. Zankel Adler, Annot, Nußbaum. Iacoby haben schöne Arbeiten geschickt; fast zu schade für das Experiment in der Potsdamer Luftschifshalle(so sieht sie ungefähr aus). Bon Jüngeren sind sehr gut vertreten Hanna Nagel mit ihren Zeichnungen voll unheimlicher Visionsgewolt, Erna Pe t r i s farbige Amnut, kräftige Zeichnungen von B o u s s e t und Paul Dobers, interessante Experimente des begabten Thilo Maatsch, und schöne Stilleben von R a tz a l l in einer eigentümlich hellen Moder- nität. Dann ist's aber endgültig aus. Das tolle Dilettantenstückchen von O. Viertel,„Barbarossas Erwachen*, inmitten schwarzweiß- roter Fahnen und Stahlhelmer in einer Tropfsteinhöhle wird man hoffentlich als einen freiwilligen Witz bezeichnen dürfen. Allerdings ist es mit so unendlicher Liebe durchgepinselt, daß der Ruf: Barbarossa erwache! vielleicht auch ernstlicher Beweggrund seiner Kuriosität gewesen sein kann. Es wäre der dritte und herzlichste Witz der Iuryfreien. p. k. scd. „Die Sache August Schulze." Mozart-Saal. Noch der Novelle„Kinder vor Gericht" hat Georg Klarens da» Manuskript verfaßt und die durch den Prozeß Frenze! und mancherlei andere Vorkommnisse wieder aktuell gewordene Frage der Kinderaussage vor Gericht filmisch gestaltet. Im Vorspruch und in der ganzen Anlage erhebt sich der Film zur deutlichen War- nung, er will durch ein Bild nach der Wirklichkeit die Unzuverlässig' keit der Kinderäussage erweisen. Der Straßenhändler August Schulze wird das Opfer seiner minderjährigen eigenen Tochter aus erster Ehe, weil er sie, von der Stiefmutter aufgehetzt, verprügelt hat und sie unter dem Banne des Schlafgängers steht, der sich in Wirk- lichkSit an ihr vergangen hat. Die Untersuchung der Polizei und die Gerichtsverhandlung führen in die Irre; der im Grunde gut- mutige Vater kennt sich in der Welt nicht mehr aus, und selbst als feine Tochter unter der Einwirkung eines älteren Hausgenossen die Bezichtigung zurückgenommen hat und seiner Freilassung aus dem Zuchthaus nichts mehr im Wege steht, flieht er aus dem Leben. Die eindringliche Darstellung(Ellen Schwanecke als Tochter ganz naturecht, Hermann Speelmanns als gemütlicher, wenn auch nicht immer taktfester Dater und die sehr gut durch Karl Ballhaus, Ernst Bröckel, Aribert Mag und Carla Vartheel besetzten Nebenfiguren) hinterließ einen erschütternden Eindruck. Der Film war in seiner ersten Fassung von der Zensur ver- boten worden und ist erst nach erheblichen Aenderungen— auch der Titel wurde geändert— freigegeben. Die Mittagsblätter, die ez so darstellen, als ob der Film jetzt in seiner ursprünglichen Fassung freigegeben sei, zeigen, wie ahnungslos sie der Filmzensur gegenüberstehen. Der berechtigte Kampf gegen die Auswüchse der Filmzensur wird durch die Leichtfertigkeit der Presse� die jedem Filmfabrikanten ins Garn hüpft, nur erschwert. r. Der 20. deutsche Esperantokongreß tagte während der Pfingst- feiertage in Hamburg. Im Rahmen dieser Tagung fand die 25jährioe Jubelfeier des Deutschen Esperantobundes Berlin statt. Am Pfingstmontag fand die Iubfläumzsttzung des Deutschen Efperatobunde» statt, bei der Karl Minor-Hamburg den Feflvortrag in Esperoton hielt. Wagner».Meistersinger* in Buenos Aires. Die Ausführung im Theatro Colon am Freitag war ein starker Erfolg. Das Publi- kum spendete der von Hofmüller inszenierten und von Klemperer geleiteten Darbietung begeisterten Beisall. Lrofessor Exner, der Senior der österreichischen Technik, ist in Wien im Alter von 92 Jahren gestorben. Exnar war Professor der Technik und Leiter des Technischen Museums und ist der Be» grün der des technischen Bersuchswesen» in Oesterreich, das auch den deutschen Einrichtungen vielfach als Vorbild gedient hat. SlgN-Gastsplel abgesagt. Beosamino Gigli bat seine beiden Gastspiele am IL..Zitgnletio" und o« 28.»Traviata* krantbeilshalber abgesagt. An den betreffenden Abenden wird fich die Belebung der R»ll« Gtgl,» ent- lprechend ändern. Die bereit« gelösten Eintritlskarien werden an der«aste der Staattopcr zuräckgenosimen. 9. Abt. Zahl, und Diskutierabend findet gm Mittwoch ISX Uhr statt. 1. Zohiobend bei Faber, Stephanstr. U: 2. Zahl abend bei HnjwlbqK, P erlebergar&BC» 64, Keiner dgxj jchstm. Waffenfabrik brennt WWW _;____ In der Lütticher Dorstadt Sewing ereignete sich in den weltbekannte» Tockerill-Werken aus noch unbekann- ten Ursachen ein« schwere Explosion, in deren Folg« auch der Werkgas o. meter in die Luft flog. Das Feuer, das nach der Explosion ausbrach. breitete sich mit ungeheurer®e- schwindigkeit aus und erfaßte die be- nachbarten Teer-Destillationsbetriebc. Unser Bild zeigt das brennende Cockerill-Werk. Naturtheater in Zriedrichshagen. Das Bezirksamt Köpenick schuf eine schöne Kunststätte. Im schönen alten Schloßpark zu Friedrichshagen spukt es von fröhlichem Volk; Liebesleute, die sich ewige Treue geloben, aber plötzlich spinnefeind sind, weil ein boshafter Pan irgendein Zauber- kraut über sie streute, übermütig« Elfenkinder, die sich mit dem Waldgeist balgen. Grimmiges Degenkreuzen und zärtliches Mädchen- lachen, Liebesleid und Liebesfreud im sommerlichen Märchenwald: die Vöglein jubilieren mit den Geigen um die Wette, die Abend- sonne bricht golden durch die Waldszenerie, ein prächtiges Relief für Shakespeares„Sommernachtstrau m", der hier im neueröffneten Naturtheater Friedrichshagen auf- geführt wurde. Wunderhübsch klang die Mendelssohnsche Musik, von einem unsichtbaren, im Gebüsch eingebetteten Orchester gespielt: spitzbübisch umgirrt« chermia ihren Lysander. die Bohnenstange chelena hatte mit dem wetterwendischen Mannsvolk ihren Aerger, und der schlimme Puck hatte alle Hände voll zu tun, nach Oberons Befehl Unheil in allen Herzen zu stiften. Zettel, der Weber, saint seinen Getreuen stapft« fröhlich durchs Geschehen, es klang alles so echt und wirkte so entzückend in der romantisch-naturhaften Um- rahmung. Die Darsteller gaben ihr Bestes, vor allem viel Munter- keit und ftohe Laune: sehr hübsch die tanzlustige Elfenschar, gute Kostüme und saubere Regie. Aber über allem das zauberhafte Bühnenbild der Natur. Am Nachmittag wurde Hauptmanns„Vor- sunkene Glocke" ebenfalls mit starker Wirkung gespielt und fand bei dem zahlreich erschienenen Publikum viel Beifall. Diese vom Bezirksamt Köpenick ganz auf dem Boden sozialer Hilfe geschaffene Kunststätt«— von Erwerbslosen erbaut, e r w e r b s- losen Künstlern als Wirkungskreis gedacht— bietet einen starken kulturellen Anziehungspunkt, und.man braucht ihr nur das eine zu wünschen: eine lange Reihe sonniger Tage! Sommertheater am Kreuzberg. Nun hat auch der Südwesten Berlins, seine Sommerbühne er- halten: im Garten der Patzenhofer-Brauerei, Fidicin- straße, fand am Pfingstfonntag die Eröffnungsvorstellung mit einem reichhaltigen künstlerischen Programm statt. Bon 4 Uhr nachmittags an gab es Konzert, dem ein lustiger Einakter„So- linger will heiraten" folgte: nach vielen Verwechslungen und ulkigen Situationen kriegt Solinger schließlich doch noch die Richtige. Im zweiten Teil des Programms wurden gute artistische Darbietungen gezeigt und zum Schluß startete„die kleine Sünderin", Zerletts lustiger Operettenschwank, der nach langem Winterschlaf hier fröhliches Auferstehen feierte. Eine lustige Verwechslungskomödie von Diener und Jose, die auch gerne einmal Herrschaft spielen möchten und dabei in allerhand Schwulitäten geraten. Dolly Falbe und Theo Lucas als Pseud, Herrschaft, Wolfgang N e u s ch und Inge K a r l s e n als die richtige Garnitur, holten sich im Verein mit ollen übrizm Darstellern viel Lachen und Beifall. Gilberts schmissige Musik und ein paar handfeste alt- bewährte Schlager taten das Ihrige. In den Pausen vergnügte sich das Publikum auf einer hübsch angelegten Tanzfläche, Würfel- und Schießbuden vervollständigten die sommerliche Vergnügungs- stätte. Der prächtige Tag hatte viel Publikum und gute Laune gebracht. Lehrertagung in Frankfurt. Abendfeier in der Paulskirche. Aus Anlaß der Deutschen Lehrerversammlung Pfingsten 1931 in Frankfurt a. M. fand am Abend des zweiten Feiertages in der Paulskirche eine Abendfeier statt. Nach Orgel- und Gesangsvorträgen hielt Professor Dr. G i e s e- Frankfurt die Festrede über das Thema:„Deutsche Einheit, deutsche Bildung". Professor Giese erinnerte an die großen Ereignisse, die sich im vergangenen Jahrhundert in der Frankfurter Paulskirch« abspielten und oersuchte eine Brücke zu schlagen zwischen dem Geist« der Poulskirche und dem Geist, von dem er die Tagung der Lehrer in Frankfurt a. M. erfüllt sehen möchte. Der historische Geist der Paulskirche, der 191S zum lebendigen Geist der deutschen Republik und deutschen Verfassung geworden sei, sei allein der Geist, in dem der deutsche Beamte und deutsche Lehrer mit Erfolg seines Amtes walten könne. Die Aufgabe des deutschen Lehrers sei die: den Geist des heutigen Staates recht zu ersassen und ihn den khm anvertrauten fungen Staatsbürgern zu fibmnätAt, wn ttt zu verantwortungsbewußten, freudigen Mitarbeitern am Staate und an der deutschen Einheit und Freiheit zu erziehen. * Am Pfingstmontag tagte der Hauptausschuß des Deutscheu Lehreroereins. Seine Arbeiten galten der Vorbereitung der Haupt- Versammlung und der Besprechung der geschäftlichen Vereins- angelegenheiten. Im Rahmen der Besprechungen nahm auch der Vorsitzende des Deutschen Beamtenbundes, Flügel, zur augenblick- lichen finanzpolitischen Lage des Reiche» und der Länder und ihrer Auswirkungen Stellung. Gleichzeitig tagte der Vorstand des vereinigten Prüfungsausschusses für Iugendfchristen. BVG.-Gchiedsspruch verbindlich. Neue Löhne für das Fahrpersonal. Der Schiedsspruch des Schlichtuugscrusschustes vom 12. Mai für das Fahrpersonal der Berliner Verkehrs- M.-®. ist. nachdem die nochmaligen Einigungsverhand- lange» zwischen de» Parteien gescheitert stnd. für der» bindlich erklärt worden. Damit tritt die sechs- prozentige Kürzung der Löhne des Fahrpersonals, die wir in unserer Sonnabendausgabe veröffentlicht haben» ab 16. Mai in Kraft._ Verschärfung des Texiilstreiks. Die Werkmeister schließen sich an. Paris, 26. Mai.(Eigenbericht.) Di« Werkmeister der nordfranzösischen Textilindustrie haben be» schlössen, am Dienstag in den Ausstand zu treten. Wird dieser Be- beschsuß von allen Werkmeistern befolgt, dann dürften auch die Fabriken, in denen noch tellweise gearbeitet wurde, zum Stillstand kommen._ Neuer Erster Staatsanwalt für Potsdam. Zum Ersten Staatsanwalt nach Potsdam ist Staatsanwalt, schaftsrat Debenthal von der Staatsanwaltschaft I Berlin er» nannt worden. Der neue Staatsanwalt übernimmt auch das p o l i- tische Dezernat in Potsdam. Staatsanwaltschaftsrat Dr. G y s a«. der Bearbeiter der militärischen Strafsachen in Potsdam, wurde am Freitagabend von einem Schlaganfall betroffen und linksseitig gelähmt. Er hat einen Urlaub von drei Monaten erhalten._ Fahrkaiastrophe auf der Weichsel. LZ Personen ertrunken. Warschau, 26. Mai. Wie aus Krakau gemeldet wird, ereignete sich stromabwärts von jirakau ein tragischer Unfall, dem elf Menschenleben zum Opfer fielen. Zwischen Miele« und Tarnobrzeg wird die Ueberfahrt über die Weichsel mit einer Fähre bewerkstelligt. Da der Andrang besonders groß war, nahm der Zährmann statt der vorgeschriebenen 25 Personen 32 mit. Als sich die Fähre einige Meter vom Ufer entfernt hatte, kenterte sie infolge der lieber- belasluag. Da die Weichsel an der Unglücksstelle besonders tief und das Ufer sehr steil ist, konnten elf Personen, meistens Arbeiter. nicht gerettet werden. Bis jetzt sind neun Leichen geborgen worden. Der Fährmann wurde festgenommen. In der Nähe von Warschau wurde ein Boot durch einen besonders starten Stromwirbel der Weichsel zum Kentern gebracht. Die beiden Insassen sind ertrunken. Bcrantwortl. Mr die Redoktion: Kerbeet 8e»fte, Berlin: Anzeigen: Zi.»locke. Berlin. Berlag: Borwärt» Berlag<8. m. b. s. Berlin. Druck: Borwärt» Buch- druckeret und Derlogoanstalt Paul Singer& S.o.. Berlin SW 88, Lindenstrake 3. Hierzu 1 Beilage. •«« ©OK* Potsdamer Strafe 35 W. 5. 7, 9 Uhr Tontitm: Der falsdte Ehem. am mit Mari. P vidier, Job. Riem vui Rheimtrafjc 14 KiMU W. ab 3.15 Uhr Die drei Frauen de, Urban Hell mit Mona Mario, Fred DAderleln Der Mongole«ad die TSuerin Odeon, Potsdamer Str. 75 W. 5,7,9 Uhr — and da» M die Haapbadw(Eine Bailnacht) mit Nora Oregor, Uedlkc TurmstraJße 12 w.s.7.9u. Wiener Ueb-dhaüen mit Alexander Zlrltn» mit Chart ie Chaplin Alexanderstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnet Scfaaiten der Unler�rcli mit Harry Plel c Westen Primus-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Msrgaretenstr. W. 5.13, 7.13, 9.15 Uhr Der Schrecken der GarnUon mit Felix Breoari- Jgdl. Zutritt D Prledrlcnstedt M Franziskaner Tageskino QeorgenstraBe(Ecke FriednehstraBe) 3 Tage Mitlelarrest mit F. Brcuarl Achlang I Zag In Gefahr Beipro gr, fl Moabit> W.«. 5J0 Uhr Sab 3 Uhr Artushof"ihne Perleberger Str. 29 Tonscfwank: Pension Schüller mit E. Brink, Heldcmann, Kamper» ftahnrnichan— Beiprograi Weit-Kino Woebent 6.48, 9.03 Sonntags ab 4 45 Alt-Moabit 99 lOOpror. Tonfilm: Der wahre Jakob mit Felix Bresaarl, Ralph A. Roberl, Beiprogramm— Vedw �__CKeMettenburg_ H Kant-Lichtspiele Kantstr. 54(an derWilmersdorler Str.) W. 5, 7, 9 Uhr Stg. ab 3 Uhr Schneider Wibbel mit P. Hendtcls, Hogo F Udler• Klippe Schlüter-Theater SchlQterstr. 7 Beginn; 5, 7, 9 Uhr Stg. 3 Uhr: Jugend-Vorstellung lOOproz. Tonliltn: 3 Tage Liebe mit Hans Albere, KClbe Dorsch Tonbeiprogramsn Atrium Beba-Palast Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Täglich 7. 9.15 Uhr, Stg». 5. 7. 9,15 Uhr Urauffflhrung: Pal and Patachon aal Freier, fügen— Bühne: Maria Ney, Willi Prager u. a— Ufa-Tonwoehe Tteende» Beiprogramm ■ Bchaneberg fj Titania Scfaönebg. Zi'kl Hauptstraße 1 49 100 proz. Tonfilm! Die heilige Flamrae mit Goslar Frfibllcfa, Dila Parin Tonbeiprogramm— Woche Kroncn-Licfatspiele Rheinstr 65 W. 7, 9. Uhr Sonnab. und Sonntag ab s Uhr Voranlersochung mit Albert Bassermann, G. Fröhlich Toniilmbeiprogramm Hegllti i Titania-Palast stk.»,«w o. Steglitz. Schloßstr.S. Ecke Gutsmuthsstr Bis Dienstag 26 Mai, 3. Pfingsifeiertag- Kohlb.escis Tfichler mit Hennr Porten, Fritz Kampers Regie: Harn Behrendt TSecnde* Beiprogramm W Zehlendorf-Mitte M 7a»U Wochentags 7, 9 Uhr "waa Sonntags 5, 7, 9 Uhr Potsdamer Str. 50 Stg. 3 Uhr: Jugendv. Der Herr auf Bestellong mit Willi Forst, Paal HArblgcr Beiprogramm Ms» f» Marlendorfer Wochentg. 1 Ja-L,i Lichtspiele ab 7 Uhr Chausseestr. 305 lOOproz. Tonfilm: Di« Btamcnfraa ▼on Lindenau mit Renale Müller, Hans Niese— Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt! Tivoli Berliner Str. 97 Beg. 5, 7, 9 U. Sfgs. 3 Uhr: Jug.-Vorst lOOproz. Tonfilm: Der Liebesexpreß mit Joseph Schmidt. Dfna Gralla, G. Alexander- Beiprogramm » Nauköiin j Mercedes- Palast Hermannstraße 212, Ecke Jägerstraße Täglich 6V». 9 Uhr, S, 3 Uhr Des großen Erfolges wegen bis Donnerstag verlängert: Militärtonschwank: Wenn die Soldaten... mit Chart. Ander, Verebes Internationale Bübncnschaa gj Sti d we-TTc n fc Lichtspiele Südwest Blücherstr. 12 W. 5. So. ab 3 Uhr lOOproz. Tonfilm: Der Herr auf Be- ftteliang mit Willi Fort! Beiprogramm— Tob woche Film-Palast Kammersäle Teltower Str. 1 W. 5-30, Stg. 3 30 U lOOpror. Tonfilm; Tänzerinnen für Südamerika gesodil mit DitaParlo, Harry Frank— Sein letzter Gang mit George BancroH Rüden Primus-Palast Am Hermannplatz, Urbanstr. 72/76 Wo. 6.45, 9 U, Sonnt ab 3 U- Wegen Riesenerfolg verllngertl Richard Eichberg. Tonluslspiel: Die BränUgamiw Uwe (Wann wirst du mir gehären) m. Georg Alexander, Fritz Kampers, Senla SÄneland, A. Paalig. Bclpr. Bühne; Internationale Bübneiuehaa Th. am Moritzplatz Beg.: Wochtg. ab 6.30, 9l Stg. ab 4.30 U. Tonfilm: Das Schicksal der Renale Langen mit Mady Christians Beiprogramm Luis en-Theater Reichenberger Str. 34 Anf.W. 6.30 U Tonfilm:________________ Soldaten,.. mit Charlotte Ander, H. Thiemlg Wildwestfilm: Flammen des Hasses Stg.3,5. 7, 9U. Tonschwank: Wenn die Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Wochtgs. 6-30, 9(1., Sonntags ab 3 Uhr Tonfilm: Die Blnraenfraa rXindenaa mit Renale Malier— 2 Varle.4- Altraktiooen— Jugend haben Zutritt Sternwarte— Treptow Donnerstag 8 Uhr: Kariben Erlebnisse eines indianischen Jägerstammes in Nordamerika »LlySlUIU*' Prenzlauer Allee 56 W.5.1S,7. 9.15. S. 3.15,5. 7.15, 9.15 Uhr Wenn die Soldaten... mit CharL Ander, Heidemann, Verebes Bühne: G.E. Schmidt, neue Soldatenszene— Foxtonwochr Flora-Licfatsp. Wo. 630. 9. Sonnabd. 5. Sonnt, ab 3 U. Dienstag, 3. Feiertag, ab 5 Uhr: Tonfilm; Schicksal der Renate Langen mit Mady Cbrtslians Belprogri Osten Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochcntgs. 6.30 IL, Sbds. 5, Sonnt 3 U. Sexualtonfilm: Feind Im Blol (Aus dem Intimen Leben der Gescnlechter) Tönendes Beiprogramm ¥ ssf» ja„ Ozkln ef Woch. ab 6 Uhr L,Ulia~a OlÖSl Sbd, � Stg. 3«;, u Gr. Frankfurter Str. 121 Tonfilm: Der Uebesexpreg m. Joe. Schmidt, Dlna Gralla. Bühne: Brono Kästner. Liest Tlersch. |..b5 Frankenburg» stFz'jA Große Frankfurter Straße 74 Tonfilm: Der Verleidiger bat da» Wort— Beiprogramm— Bahnen- sehen Schwarzer Adler XßS« Woch. 5, 7. ca. 9. Sonnt ab 3 Uhr Tonlustspiel; Die PrlTalsekretlrin mit Ren. Maller, Breese rt, Thlmlg T on bclprogramm V. T. Lichtspiele vÄ. Frankfurter Allee 48 W. 5, Stg. 3 Uhr Tonfilm: Er oder ich m Harry Fiel Grobes TonfUmbelprogramm Babylon, am Bfilowplaiz Wochentags 63» Uhr Sonnabends u. Feiertage ab 5 Uhr 100 proz. Tonfilm: Dfraon d. Meeres mit Wllh. Dlctcrlc— Harry Wey. man and s. Jazz-Glrls— 3 Bären. musikalische Delikatessen c Neu-tl«iitettbera W Kosmos-Lichtspiele Lückstr. 70 Woebent. 7. 9 Uhr Sonntags ab I U Tonlustspiel: Der wahre Jakob mit Felix Bresaart, Roberts, Ablers Großes Beiprogramm Schloßpark Film- BQhnc Berliner Allee 206—210 Ibr lange m Mazda Sonja, H. Feber Oer Raab Im Westexpreg Kino Busch SrU'Ä Alt-Friedrichsfelde 3 lOOproz. Tonfilm; Das Weib Im Dchongel m. Charlotte Ander» Stahl. Nacfabaar— Beiprogramm 9s.sa._!!S££Sl— ao-wP Alhambra WM.'.» Woebent 5, 7. 9 U, Sonnt 3, 5, 7, 9 U. Tonschwank; Wolaerparadles mit Ch. Susa, Tbehncr Tonbeiprogramm Pharus-Licfatspiele Müllers tr.142 W.S,7,9U, Stg. 3,5,7,9». Tonfilm: Wenn die Soldaten.. mit Chari, Ander, Paal Heldcmann Beiprogramm Pank« 513 Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 7 u. 9, Stg. 5, 7,9 Tonfilm: Drei Tage liebe m. Hau A Ibers, Käthe Dorsch— Bctprogr. Teael Filmpalast Tegel»t«� 2*" Stgs. 2 U- JgcL-Vorst W. 6. Stg. 4>« U Tonfilm: Die Maske fällt m. W. Die« tcrle, L. Arne- Tonbeiprogramm wennia«HorF F> -ilacl Beg. W. 6, MO aiosi stg. 4>-s. 6»6. w« a aße 59 Stg. 2 U. Ing.-Vorst. Du gote Z-Schlagcr-Pzogramm (Beilage Dienstag, 26. Mai 1931 SprMmd %�laaXgoSa'j6% b&atA J)et nfeiße �Ced J)a& fiefieinttth der Ehtcu&ten SlonCands Presse und Radio verbreiteten in diesen Tagen die Nachricht, daß die Leiche Prof. Wegener<-, des berühmten Grönlandforjchers, gefunden fei. Damit ist das bange Ahnen, das seit dem Vermißt- werden der Expedition den ganzen Winter über das Schlimmste befürchten ließ, durch die bittere Todesnachricht bestätigt. Der Kampf um die Geheimnisse der Eiswüst« hat wieder zwei Opfer gefordert, denn wir dürfen wohl kyum annehmen, daß Rasmus, der grönländische Begleiter Wegeners, noch am Leben ist, fehlt doch von ihm bisher jede Spur. Was trieb nun die Männer, den Kampf mit den Noturgewal- ten der Eiswüste aufzunehmen und jsibst den gesteigerten Gefahren und Strapazen eines Nordpolwinters zu tragen? Welche Aufgaben hatten sich Wegener und die Mitglieder seiner Expedition gestellt und warum hielten sie es für nötig, inmitten des Inlandeises während der Polarnacht zu überwintern? Damit ist zugleich die Frage gestellt, was überhaupt immer wieder die Forscher anzieht, die Geheimnisse des Nordpolgebietes zu enthüllen. Grönland ist, so wie wir es heut« kennen, eine riesige Insel von etwa der vierfachen Größe des Deutschen Reiches <2.14 Mill. Quadratkilometer). Nur etwa 13000 Menschen, zumeist Eskimos, bewohnen die westliche Küste, und nur 600 den östlichen Rand. Den Namen Grönland(grünes Land) gaben dem Gebiet die Eismeerfahrer, die von ihren Schiffen aus nur die vom Eis« freien, im Sommer grünen Küsten sehen konnten, während das eisstarrende Inner« nicht bekannt war. Jetzt wissen wir, daß dieses ausgedehnte Gebiet bis auf di« schmale Randzone mit einem mäch- tigen, 1500 Meter dicken E ispanzer bedeckt ist(s. Skizze). Zum Gebiet der ständigen Eisbedeckung gehört auch die Inselwelt im äußersten Norden Nordamerikas, und ebenso ist das ganze Polarmeer mit Packeis ausgefüllt. Mit entsprechenden Eismassen müssen wir auch für die so- genannt«.Eiszeit' unserer Gebiet« rechnen, also für jene Periode der Erdgeschichte, in der ganz Norddeutschlgnd bis nach Skandina- vien hinauf sowie jetzt Grönland von Eis bedeckt war. In dieser Eiszeit wurde im wesentlichen das Landschaftsbild des n o r d- deutschen Flachlandes ausgebaut, besteht doch unser Gebiet fast nur aus den Schuttmassen, die dos Eis vom Norden mit sich führt«. Wenn es möglich wird, dos grönländische Inlandeis ein- gehend zu studieren und vielleicht auch Schlüsse auf seinen Unter- grund zu ziehen, so muß dadurch unser Wissen von der nord- europässchen Eiszeit wefenllich gefördert werden. Solche ungeheuren Eismaffen können nur entstehen und sich er- halten in einem Klima, das wesentlich anders geartet ist als das unfrige. Die Klimaverhältnifse des Inlandeises, die bis heute noch nahezu unbekannt sind, eingehend zu erforschen, war daher die Hauptaufgabe aller Expeditionen, die zum Norden vor- stießen. Unsere Wetterverhöltnisse werden dauernd von den Aus- strahlungen"des Polarklimas beeinflußt. Die kalten Luftströmungen, die von den Eisfeldern südwärts wandern, brechen als störende Elemente in die wärmeren Luftmassen unserer Breitengrade ein. So ergibt sich ein ständiger Kampf der Luftströmun- gen, es entstehen unregelmäßige Mtterungsverhältnisse, und für unser« Meer« sind oft plötzliche Stürme di« Folg«. Di« Wetterkunde ist noch nicht in der Lage, diese Störungen mit Sicherheit voraus-" zusagen, weil eben die nördlichen Klimate zu unbekannt und in nördlichen Breiten kaum meteorologisch« Stützpunkt«(Wettersta- twnen) vorhanden sind. Wir können den.Einbruch der lal. ckenPolarsront', wie die Wetterberichte oft sagen, erst feststellen, wenn die Luftmassen schon in unseren Bereich gekommen sind. Oft geht dieses vielfach von Stürmen begleitet« Nordringen so schnell, daß beispielsweise den Hochseesischern oder der Schisfahrt überhaupt keine Warnungssignale mehr gegeben weroen können. Mancher Allantikfahrer hat dieses unser Unvermögen mit dem Leben bezahlen müssen. Auch die Wettervorhersage für die Landwirt- fchaft wie überhaupt all« vom Wetter abhängigen Beruf« erhält durch dieses noch unvollkommene Wissen einen hohen Grad der Unsicherheit. Ferner ist die Schiffahrt zwischen Europa und Nordamerika durch die Nebel an der Grenz« zwischen den kalten Nordströmen und den warmen Südströmen(etwa an der Neufundlandbank) und durch die südwärts treibenden Eisberge zum mindesten zeitweilig stark gestört, so daß beispiÄsweis« beim Südwärtsrücken dieser Grenze die nach New Jork fahrenden Schiffe südlich ausbiegen müssen. In Erinnerung wird noch sein, daß kurz vor dem Kriege das R i e f e n s ch i f f i t a n i a* gegen einen Eisberg fuhr und '—— mir\AqoA ..... mut HundeuhUrt*« i' f m frei es Geb»«» sofort unterging, wobei an tausend Menschen ertranken und Millionenwerte verloren gingen. Neuerdings erheischen auch di« Bestrebungen, einen sicheren Luftverkehr noch Amerika«in- zurichten, unbedingt zuverlässig« Wettervorhersage, ist doch gerade die Luftschiffahrt von der Kenntnis der klimatischen Verhältnisse abhängig. Aus all diesen für die Wirtschaft wichtigen Gründen ist es unumgänglich, die meteorologischen Verhältnisse im Polargebiet ein- gehend zu erforschen. Am Ende des vorigen Jahrhunderts wurden die ersten Vorstöße in das Innere Grönlands gemacht. 1888 durch- querte als erster Frithsof Nansen in kühner Schneeschuhwaude« rung die südliche Insel in ihrer Breite(s. Skizze), wovon er uns in seinem bekannten Buch.Auf Schneeschuhen durch Grönland' so packend erzählt. Damit war der Wissenschast der Weg ins Innere gewiesen. 1312/13 durchquerten Koch und Wegener Grönland an der breitesten Stelle, in einer Entfernung etwa von Köln bis Königsberg(s. Skizze, zum Vergleich ist die Lustlinie Berlin-». Königsberg, etwa 550 Kilometer, mit eingetragen). Wegener, der schon 1906/08 als Meteorologe an der Nordostküfte Grönlands gearbeitet hatte, setzte die Forschungen der Koch-Wegener-Expedition fort. 1929 nahm er das Inlandeis von Westen her in Angriff(f. Skizze, Lager West und Wanderungen) und Halle, durch neue. Instrumente und Forschungsmethoden unterstützt, zahlreiche wertvolle Ergebnisse. Von dieser Arbeit berichtet er in seinem Buch.Mit Motorboot und Schlitten in Grönland". Er kam aber zu der Erkenntnis, daß die bisherigen wissenschaftlichen Ergebnisse notwendigerweise begrenzt sein mußten, weil die Expeditionen auf das Inlandeis immer nur während der Sommerzeit gearbeitet hatten und den völlig ver- änderten Derhältnisien des Pcllorwinters ausgewichen waren. Es mußte«in großer Unterschied zwischen Polarsommer und Polar- winter angenommen werden, weil während des ganzen Sommers die Sonn« Tag und Nacht nicht untergeht, so wie sie während des ganzen Polarwinters überhaupt nicht über den Horizont aufsteigt. Schneestürme und enorm« Kälte(bis zu 50 Grad!), verbunden mit der halbjährigen Dunkelheit, hallen bisher jede wissenschaftliche Ar- beit im Innern der Insel während des Winters verwehrt. Trotz dieser Schwierigkeiten entschloß sich Wegener, im Som- mer 1930 inmitten des Inlandeises(s. Skizze, Lager Mitte)«in« Station aufzurichten, di« bis zum nächsten Sommer dort arbeiten sollte. Die Beobachtungsstation Eismitte hat, wie wir jetzt wissen, die Schwierigkeiten des Winters über» standen. Wegener selber aber ist mit Rasmus, seinem Begleiter, den Schneestürmen erlegen, als er vom Lager Mitte nach dem letzten Lebensmittellransport zur Weststation zurückkehren wollt«. Warum er trotz hereinbrechender Polarnacht die gefährliche 400 Kilometer lange Fußwanderung noch wagte, ist vorläufig ungeklärt.. Vielleicht hatte er Besorgnis, die Lebensmittel des Lagers Mitte würden nicht ausreichen, mehr aber noch wird ihn die Verantwortung getrieben haben, die wissenschaftlichen Arbeiten der West- station, die unter seiner Leitung standen, zu überwachen. Er hat nur wenig über die Hälfte des Weges zurücklegen können, bis ihn der weiße Tod übermannte(s. Skizze, Fundstelle). Sein grön- ländischer Begleiter hat ihn in Pelze eingenäht begraben und die Grabstelle durch die aufgerichteten Schneeschuhe gekennzeichnet. So war es möglich, die Stelle trotz des winterlichen Neuschnees und der Schneewehen wiederzufinden. In der Hoffnung, die Westküste doch noch zu erreichen, hat Rasmus die Tagebücher Wege» ners mitgenommen. Doch fehlt bis heute von ihm jede Spur. �Vildelm Tietxens. Wten&cften vom Zwischen Tau und Tag, sommers und winters, ausgenommen die schneereichsten Tage, traben von den Dörfern der S a n d st e i n- g e b i r g e gebeugte Gestallen, Brottaschen und Kosfeekrüg« in schwieligen Händen, nach chren Arbeitsplätzen. Oft hoben sie Stunden zu gehen und zu steigen, bis sie in die steilaufragenden, weitflüchtigen Brüche gelangen. Da schreiten neben stattlichen, rot- bäckigen Jungen hohlwangige Alle brett und schwer, schweigsam dahin. Keiner spricht. Das Schaffen mit den stummen Steinen hat sie still gemacht. Worüber auch sollen sie reden? Ihr Leben ist von stetem Gleichmaß. Alle haben dieselben Freuden und Leiden. Vielmals sind sie miteinander verwandt, so daß sellen etwas Außer» gewöhnliches zu berichten ist. Und morgens ist man müde! Also!... Wenn aber einer neu hustet bis er blau anläuft und nach Luft schnappt, dann öffnet sich ein Mund lakonisch:.Den hat der Stein- bruch erwischt!' Das ist nichts Neues; denn der Steinbruch erwsscht all« ohne Ausnahme. Früher oder später haben sie alle die L u n- gentubertulos«. Das ist der Fluch der Steinbrecherarbeit. Das sst ihre Arbeitsstätte, der Sandsteinbruch: Fels- labyrinth von lotrechten grauen oder bunten Mauern. Ein Chaos von Blöcken und Felstrümmern. Ein« Sandhalde, groß oder klein. Schutzhülle. Pulvermagazin. Offene Schmiede. Gleisgewirr. Kipp- loren und Plattwagen. Hölzerne Transportpritschen. Säcke. Knie- kissen. Schlaghammer. Meißel. Keile. Bohrer. Winden. Seil«. Wie fvhd das Wettet? Bin Weqnf eiset gut SeCßsioticntietung Von alters her hat man versucht, aus gewissen Anzeichen das Wetter vorauszusagen, und aus den Beobachtungen des Wetters und der Himmels- und Lufterscheinungen sind dann die Wetter- und Bauernregeln entstanden. Aber die Zeiten des„100jährigen Kalenders" sind vorüber. Mit der Erfindung des Barometers und des Hygrometers begann die wissenschaftlich« Aera der Wettervoraussage; im Jahre 1873 trafen sich Delegierte fast aller Kulturstaaten auf dem ersten internationalen Kongreß in Wien, und heute ist die Meteorologie ein wichtiger Zweig der Naturwissen- schaften. In allen Ländern befinden sich meteorologische Stationen und Observatorien, di« untereinander in Verbindung stehen und da- durch in der Loge sind,«ine umfassende Uebersicht des Verlaufes der meteorologischen Erscheinungen über große Teile der Erdober- fläche zu sammeln, zu verarbeiten und zu verbreiten. Viele Menschen haben an der Wettervorhersage ein großes Interesse: der„kleine" und der„große" Gärtner, der Landmann. der Förster und der Jäger, der Seemann, der Sportfreund und der Wandersmann. Für sie oll« sind die wissenschaftlichen Wetterregeln, die auf Wind- und Wolkenbeobachtung, auf Untersuchungen der Strohlenerscheinungen und der optischen und akustischen Erscheinungen der Atmosphäre beruhen, von großem Wert; da sie ober nicht immer und überall«in Barometer oder einen Wetterbericht oder«ine synopttsche Karte zur Hand haben, seien hier einige wissenschaftlich« Wetterregeln wiedergegeben. Federwolken, di« langsam von Westen her heranziehen, kündigen in ein bi» zwei Tagen Niederschläge an. Auch H a u f e n w o l k e n, di« sich gegen Abend nicht verziehen und auflösen, bedeuten schlechtes Wetter und Regen. Wenn im Frühjahr. Sommer und Herbst vereinzelte Wolken am Tage sichtbar sind und gegen Abend verschwinden, so ist das ein Zeichen von klarem, trockenem, beständigem Weller. Wenn der Himmel stühmorgens unbewölkt ist, gegen 10 oder 11 Uhr aber abgerundete Haufenwolken erscheinen und sich bis in die Nachmittagsstunden immer mehr sammeln, um gegen Abend wieder zu verschwinden, so darf man schönes Wetter erwarten. Wenn die Nächte w i n d st i l l sind, morgen» aber vor Sonnen- aufgang sich ein l e i s e r W i n d erhebt, der gegen Mittag st ä r t e r wird und der sich gegen Abend wieder legt, so ist das ein Vor- bot« für anhaltend klares, trockenes Wetter. Verstärkt sich jedoch der Wind gegen Abend, so kann man beinahe mit Sicherheit Niederschläge und Sturm erwarten. Dreht sich der Wind am Vormittag nach der Sonne herum, am Nachmittag aber ihr entgegengesetzt, so wird gutes Wetter ein- treten. Starker Tau ist stet» ein Zeichen von gutem Wetter; wenn die Morgenröte Purpurfarbe annimmt, so ist Regenwetter voraus- zusagen. Wenn man das Läuten der Glocken aus weiter Ferne hört, so ist das ein Zeichen von hohem Fcuchtigkettsgrad der unteren Luft- schichten und so mit der Möglichkeit eines Gewitters oder von Niederschlägen zu rechnen. Wenn im Winter nach einem Naren Tage gegen Abend bei Windsttll««ine niedrige Schichtwolke wie ein nebliger Schleier den ganzen Himmel bedeckt, so ist da» ein Zeichen von anhaltendem Frost. Dem Bauern» und demjenigen, der einigermaßen mit der Wetterkunde vertraut ist, sind diese Regeln nichts Neues. Wer sie im Leben wirklich anwendet, wird sich von ihrer Richllgkeit bald überzeugen. Wem das aber zu mühsam erscheint, für den bleibt nur die einzige und unbedingt richtig« Wetterregel übrig:„Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie'» ist.. JH. Fr. E, Und: steinerne Ware. Die Hauptsache! Große und kleine Stücke. Behauen und unbehauen.. Eckig und rund; Lang und kurz. Für Kanaf mit Deichbau. Mauersteine und Torsockel: Zum Häuserbau und zu bildhauerischen Zwecken. Das Lager ist nicht groß. Stein- brüche arbeiten sellen auf Vorrat. Die Ware Stein ist schwer zu normen. Bestellung heißt Bruch! Arbeit im Sandsteinbruch heißt: Zupacken, fest zupacken. Die Zähne zusammengebissen. Die Muskeln gestrafft. Hart arbeiten! Schweiß muß aus den Poren schießen. Auf Wunden kann nicht geachtet werden, und über Blasen bilden sich Schwielen. Arbeiten ist kämpfen mit dem Gestein, das tückisch ist. Der Kampf ist blutig und gefahrvoll. Steinbrecher schert das nicht. Ein jeder an seinem Platze, in Wind und Regen, Jbei Sonnenbrand und Kälte: Da liegen sie auf dem Bauche vor einer Wand und treiben Meißel und Keile in das spritzende Gestein. Hoihlmachen! Ruck-Zuck! Ruck-Zuck! Hammer auf den Meißelkopf. Gefühl in den Händen. Stein ist weich und auch hart! Meißel drehen! Ruck-Zuck! Meißel anheben. Ruck-Zuck! Meißel weg. Keil hinein. Ho! Ruck-Zuck! Ruck-Zuck! Neuer Schlag! Minieren! Los! Akkordarbeit! Lockerl Locker! Liegen, auf dem Bauch, auf dem Rücken. Knien. Bücken. Schlagen! Die Wand zum Bruch freimachen! Stöhnendes Schaffen. Und dabei das(zwar gewohnte, aber drückende) Gefühl, daß die Wand vorzeitig herunterkommt!... Dort treiben sie einen Bohrer. Gleichmäßiges Stoßen und Ziehen. Armarbeit. Langatmig und anstrengend. Los! Die Hände an die Bohrstange. Und miffchaffen im Rhythmus. Schweigend. Stunde um Stunde. Aufatmen, wenn der Bohrer gereinigt wird. Neidvoller Blick auf die Kameraden, die gebrochenes Gestein behauen. Die brechen und behauen. Die dem Stein di« Marktform geben. Neid ist falsch: Denn behauen heißt Bücken, krumm hocken und, Brille auf der Nase, Augen anstrengen. Kunst- volles, genaues Schaffen. Mit Hammer, Meißel und Keilen. Fast BMhauerarbeit. Nur grob... Dann: Hilfsarbeiter. Stein- transport. Wälzen. Heben. Winden. Tragen. Fahren. Aufladen, ab- laden und verladen. Bohrer und Meißel nach der Schmiede schaffen. Geröll und Trümmer beiseite räumen. Platz schaffen für neue Blöcke. Notwendig« Arbeiten, die Männer erfordern. Die Menschen vom Steinbruch haben dies gemein: Staub erfüllt die Lust. Gefährlicher, heimtückischer Staub, der in die Lungen dringt und den Boden bereitet für die Tuberkel. Tücher vor den Mund zu binden, ist nichts nütze. Mit Masken läßt es sich nicht arbeiten. Mit dem krankheitbringenden Staub hat sich abzufinden— und Steinbrecher haben sich damit abgefunden—, wer im Steinbruch schaffen will. Das ist das bitter-groteske: Sandsteinbrüche sind in land- schaftlich schönen Gegenden. Dort, wo viele Fremde der bizarren Seltenheit wegen hinkommen..., wohltuende, ozonreiche, heilsam« Lust zu atmen! Tausend« finden Erholung und Genesung da, wo Hunderte an Tuberkulose erkranken. Trotz der reinen Luft. Trotz gesunder Lebensweise. Trotz Enthaltsamkeit in narkotischen Dingen. Trotz alledem! Di« schwere, ermüdend« Arbeit, die drohende Krankheit, die oft noch patriarchalischen Arbeitsverhältnisse zwingen den Menschen vom Steinbruch ein Denken und Handeln auf, das matt, müde, desinteressiert an ollen Dingen erscheint. Daß das nur zum Teil richtig ist, zeigt di« bewußte Teilnahme der Steinbrecher an politi- schen Aktionen der Arbeiterschaft, zeigt der gute organisatorische Zu- sammenschluß. Mit dem Vordringen der Stahl- und Betonbauweise, durch das Umstellen der Grabmalskunst auf metallene Gegenständ« geht di« Sandsteinproduktion stark zurück, so daß die Steinbrecher ein Unterkommen suchen müssen als Waldarbeiter bei zwar schlichterer Entlohnung, aber gestufterem Schaffen. „Ein Boot ging unter!" „Etwa 200 Meter vom Großen Breiten Horn entfern«, zwischen Gatow«ad Eladow, wurde am ersten Feiertag nm 9.50 Uhr der 20 Quadratmeter große Segelkreuzer„Xaisnn" von einem Motorboot„fj- S. M." gerammt, wobei der vordere Teil des Segelboote» durchschnitten wurde. Der Kreuzer ging sofort unter, während die Znsassen vom Motorboot aufgenommen wurden. Späterhin wurden die verunglückten Segler von einem Rolea-Sreuz-Voot übernommen." Go meldet heute morgen kurz und bündig der Lokaldienst einer großen Korrespondenz. Gerammt, aufgerissen, untergegangen, Leute an Land gebracht— fertig! Mehr kann ja auch der Normalleser nicht erfahren, denn die Korrespondenz hat? eilig und der Leser auch. Was ist geschehen? Der„Taifun", ein Boot au» dem Segler- verein Stößensee, der dem Freien Seglerverband angeschlossen ist, macht seine Pfingstfahrt. Der„Kappen", selbst Tischler und Liebhaberbootsbauer, Hot sich mit seiner Frau den Kahn vom Munde abgedarbt, wenn man so sagen darf. Ganz individuell sollte er werden, so für die zwei Leutchen passend— nicht zuviel und nicht zu klein. Ein festes, steifes Boot, ohne Renneigenschaften, aber selbstverständlich mit dem Luxus, der so ein kleines Sommer- idyll zieren muß: Eine Spiritusglühlichtlampe, ein Klapptischchen mit einer netten, bunten Decke(lichtecht bitte, wegen der„recht viel Sonne"!), kleine Gardinchen, wie in der Puppenstube mit blauen Schleifchen dran und dann zwei Schlafbänke, sooo breit! Sprungfedermatratzen waren zu teuer, da taten es dann Auflage- Matratzen eben auch. Und richtige Betten waren an Bord. Und kleine Schränkchen und Kästchen und Schubfächer! Alles war fein blank lackiert; der Körper weiß, ganz unten rot, das Deck und die Kajüte mit Bootslack. So träumte es der Tischler und seine Frau und so war es endlich Wirklichkeit geworden---. Mit unendlicher Liebe und Sorgfalt wurde das alles gepflegt, der Besitz erhalten. Pfingsten wollte man zwei Tage ausspannen. auf dem Wasser, im Freien. Bei gutem Wind gings vorwärts, der Käppen führte sein Schiff sicher— der Vater war schon Wassersportler—, er verstand seine Fahrt. Segler haben immer Wegerecht, Kraftboote müssen ausweichen, Platz machen. Wußte das der Führer des Motorbootes ,L. K. M.", der sein Boot voll- geladen hatte und nun sorglos fein Benzin verfuhr? Wie auch immer— er rammte den„Taifun", das Privatideal des freien Seglers und zwei Minuten später lag die ganze liebe, nette cherr- lichkeit auf dem Grunde der Havel: Schiff und Lampe und Betten und tausend Krimskrams! Sozusagen das nackte Leben rettete der Tischlersmann und seine Frau. Sie konnten gleich übersteigen in das Motorboot, so fest saß es im Körper des Seglers. An Land gebracht wurden sie auch, jawohl, aber das Sommsridyll ist futsch, versenkt. Wenn selbst nun Versicherungen und Motorbootsbesitzer entschädigend helfen, können sie das Boot ersetzen, können sie die tausend« Stunden Arbeit vergüten, können sie den Idealismus, der den„Taifun" ent- stehen ließ, bezahlen? Ganz zu schweigen von den Betten und den Schränkchen und Schubfächern mit ihrem Inhalt persönlichster Art. Ein Boot ging unter! J. Die IOOOO Kilometer Stari der großen Wagen Die kleinen Wagen, die sich auf der 1 0 0 0 l>- K i l o m e t e r- Fahrt des Automobilclub von Deutschland befinden, haben sich in- zwischen in Lissabon eingefunden und werden in der letzten Nacht nach Barcelona gestartet sein. Ein ganz anderes äußeres Bild, als bei der im Morgengrauen bei bedecktem Himeml erfolgten Abfahrt der.�leinen", bot sich dem Beschauer beim Start der W ertungs- gruppe II, der Wagen über 2 Liter Hubvolumen, am Pfingst- sonntag früh. In drei langen Rechen standen die 47 abgenommenen Wagen abfahrbereit im Innenraum der Nordkurve der Avus. Pünktlich um 8.48 Uhr setzte sich der kleine Steyer mit P. von Guilleaume am Volant in Bewegung, in Minutenabständen folgten die anderen Wagen. Zunächst zwei Mercedes-Benz, dann drei Wanderer, wieder ein Steyr, NAG.-Protos, Steyr, Horch, zwei tschechische Walter-Wagen. zwei belgische Minerva, dann ein von Sportjournalisten besetzter offener Mercedes-Benz mit einer riesigen Schneeschaufel vor dem Kühler, sechs Ford. Horch, zwei Brennabor usw. und den Beschluß der langen Kette machten die Gebr. Birnholz mit ihrem Wanderer und der Holländer Polls auf Renault. Während die kleinen Wagen 42 Stunden Zeit hatten, um über die Zwischenkontrolle Saarbrücken nach Genf zu gelangen, müssen die„Großen" die 1180 Kilometer nach der Völkerbundstadt mit einer Mindestgeschwindigkeit von 85 Stundenkilometern in längstens 33� Stunden bewältigen. In Genf sind inzwischen alle Wagen bis auf den von der Dänin Heß gesteuerten Marmon eingetroffen. Boxkämpfe in der Provinz Der bundestreue Athletenklub„Eichenkranz" in Riesa brachte Pfingsten Boxkämpfe zum Austrag, an denen auch zwei Berliner bttelligt waren. 800 Zuschauer wohnten den spannenden Kämpfen bei. Im Monnschostskampf standen sich Meißen gegen die Kam- bination Dresden-Riesa gegenüber. Die äußerst starke Mannschaft von Meißen konnte den Sieg nach Hause bringen, indem sie mit 9:5 der Kombination das Nachsehen gab. In den Einladung»- kämpfen starteten von Berlin Preller(Lichtenberg-Friedrichs- selde) gegen Rößler(Riesa) im Leichtgewicht: der Kampf wurde un- entschieden gegeben, sah aber den Berliner knapp im Vorteil. Im Halbschwergewicht konnte Peter(Lichtenberg-Friedrichsfelde) gegen den Lokalmatador Körnig(Riesa) nichts ausrichten, die 20 Pfund Uebergewicht seines Gegners waren zu viel, bereits in der ersten Runde erlag er einem lc. c>. Gespannt darf man nach diesen Kämpfen auf die Turnee der Sportlichen Vereinigung Lichterberg-Friedrichs- felde durch Sachsen sein. Lichtenberg-Friedrichsfelde erteilt un- entgeltlichen Boxkursus. Anmeldungen nimmt die Geschäftsstelle. Willy Henze, Stralauer Allee 17 E, täglich entgegen. Arbeiler'Fu�baU Dänen in Schlesien.„Fix" Kopenhagen weilte in Schlesien und verlor gegen Freie Sportfreunde Dittersbach tz: 0, spielte gegen Sparta-Striegau 2: 2, verlor gegen Union Deutsch-Lissa 3: 2, gegen VfL. Oels mußten sie ebenfalls eine Niederlage 3: 2 einstecken. Die Spiele der Dänen machten trotzdem einen guten Gesamteindruck, jedoch fehlte es an der Schußfreudigkeit der Stürmer. Der Bundesmeister in der Lausitz. Im Forster Stadion zeigte der neue Burebesmeister Lorbeer-Hamburg vor 3000 Zuschauern ein glänzendes Spiel und gewann gegen Forst-Süden 9: 1. Am zweiten Feiertag stand Lorbeer dem Meister der LausitzMto. Weißwasser gegenüber. Räch wechselvollem Spiel siegte Lorbeer 5:3 vor 4000 Zuschauern. Kurz und gut Kleiner Arbciiersport und anderes An dem Internationalen Sportfest des niederländischen Arbeiter- sparlbundes in Arnheim, das an den Psingsttagen vor sich ging. beteiligten sich auch viel« hundert Sportfreunde aus Deutschland. Im Handballwettstreit Deutschland-Holland siegte Deutschland mit 12:2 Toren. Das Tenniswettspiel England-Holland gewann die englische Mannschaft mit 5: 0. Volkssport wedding. Als der rührige und größte Arbeiter- sportverein des Weddings im Jahre 1890 die erst« Frauenabteilung in Berlin gründet«, setzte er sich die Pflege der Leibesübungen für die Frau zum besonderen Ziel. Durch mehr als 40 Jahre wurde dieser Grundsatz hochgehalten und in diesen Tagen durch Gründung einer 3. Frauenabteilung erneut bekräftigt. Am 21. d. M. wurden auf der Eröffnungsversammlung nach einem ausgezeichneten Refe- rat über die Bedeutung der Leibesübungen für die Frauen fast 50 Neuaufnahmen gemacht. Die neue Abteilung betreibt Turnen, Gymnastik. Sport, Spiel und Wandern unter sachkundiger Leitung und übt bis auf weiteres jeden Donnerstag ab 19 Uhr im Bolkspark Rehberge. Weiter« Auskunft durch Richard Toppel, Reinickendorf- Ost, Luisenweg 18; Tel. V 9, Reinickendorf 0688. Wien- West gewinnt den Höllriegel- Wanderpreis. Eine der größten Konkurrenzen des österreichischen Arbeitkraftsport-Verbande» ist stets der Kampf um den„Hollriegel-Wairderpreis" im heben. Die diesjährig« Veranstaltung wurde wegen der Olympiade vom Herbst auf das Frühjahr vorverlegt. Am Sonntag trugen 12 Mann- schaften die Wettkämpfe um diesen wertvollen Preis aus. Favorit in dieser überaus starken Konkurrenz war wieder der auch in Deutschland bekannte Bundesbahner Sportklub„W i e n- W e st". Sieger blieb Wien-West mit 5283 Kilogramm vor Höllriegel, Boeren, Achilles und Herold. Im Mittel-K-Gewicht«rreichte Hala (Wien-West) ein« neue internationale Höchstleistung im Beidarmig- reißen von 106 Kilogramm. Da» Fahrzeug„Einst und Zetzt" betitelt der Deutsche Reichs-Auto-Club«inen Festzug. den er anläßlich seiner 4. internationalen Auto-Schönheits-Konkurrenz am 7. Juni auf der Rennbahn im Grunewald dem Berliner Publikum zeigen wird. In diesem Festzug sieht man alle Transportmittel für Personen und Lasten. Industrie und Handel werden ihre Erzeugnisse vorführen und da auch bei den staatlichen und kommunalen Behörden leb- hafte» Interesse für diesen Festzug vorliegt, wird man hinter dem alten„Sechseromnibus" den neuesten sechsrädrigen Autobus sehen und die alte Postkalesche wird sich merkwürdig genug neben dem luxuriösen Ueberlandauto ausnehmen. Für die Automobilindustrie ist in diesem Festzug ein besonderer Korso vorgesehen. Die ältesten Fahrzeuge werden neben den neuesten Schöpfungen gezeigt. Als Startplatz des Festzuges ist der Winterfeldplatz vorgesehen; die ge- naue Route wird rechtzeitig bekanntgegeben. Auskunft über Teil- nähme am Festzug erteilt die Reichsgeschäftsstelle des Deutschen Reichs-Auto-Clubs E. V., Berlin-Charlottenburg 2, Hardenbergstraße 18; Telephon E. 1 Steinplatz 8066. grete»vbtttr sab«-»»sehr«, l. SwU. Mittwoch. 2T. Mai, 30 Uhr. Svarttnauoschuöliiiunq. Är-i-peschäft-N-llc,(EMoITcr Str.«S-SS. Arbeiter.Photoailb«. Doniwrotaq, 28. Mai. 20 Uhr. Wageriorstr. 9. Dunkel- kammerarbrit.— gtete Photo-r-r-inianaa. Donorr-taa, 28. Mai. 20 Uhr, Schule Paul. Eck« Wiesenstraüe, Ausstrllulutsnachles«. Zontiftemieieia.Die S>at»rsr6«ün Znuftntz Str. 2.— Anfraaeu an Erich Kenbrich. SberschSneiveib«,—'SNttwU■STrMal/ ärRJe. Snßerfi« «tun»« Oücn; Suflcrebhemi ssronflurter All«« 307. Solchäftltch«» nni Stnflfana. — Donnerstag, 28. Mai. Streichorchrsier: Uebutissabsnb 19 Uhr bet aBttgcn. betsrr, ffreiliarathftr. 9, rara 1 Trepp«.— Manbaline:uirch«st-r ab 19 Uhr Iobannisstr. lö.— 20 Uhr. Natuckuudliche Abteilung: Iohanursktr. IL. � Abt. Rc-s-nÄal-r Porstabt: Schul« Weiiunersierstr. 18—17. Winke für hi» lt-ri-nsahrten.— Abt. Ti«raarten: Iugentcheim Lehrter Str. 1b— 19. Desckwf:. litbes.— Abt. Prenzlauer Berg: Abenbwanbenuira. Treffen 19 Uhr Iunaerrn. Heid«.— Adt. Silbwest: Seim Porckstr. 11. Lustiger Singsang.— Abt. Spairdau: Jugendheim Lindenufer 1.— Abt. Lichtenberg: Jugendheim Gunter. straste 44.— Adt. Weihenfe«: Iugenbheim Piltoriusstr. 2«. Kartei für Arbeitersport und»«rperpflege Pankow. KarteAsthuna Mlti- wach, 97. Mai. iy'g Uhr. bei Lehmann, Milhlcn. Ecke Maximilianstrahe. Prvles. Altersriegen unb Frauen: Uebungaabenb Mittwoch. 27. Mai. Irrirbenstr. ZI, fallt aus. Auf Plag 8 im lfriebrichshain ist aber ab 18 Uhr Evirlabenb..„ ,,, BSG©., graneuansschusi. Sitzung mit Portrag Mittwoch, 27. Mai, 20 Uhr, Kr-isgeschäftsftell«.— Be,>rl Bestru: Sportplatzbetrieb jetzt regelmätzig Donner� tag ad 18 Uhr Tiergarten-Sportploti. Turnbetrieb Soll« Kulmer Straße auch wiihrrnb der Sornmermonate Dienstags 20 Uhr. Rückscha«. Eine„Unterhaltsame Betrachtung" oerhieß am Sonnabend den Hörern der Berliner Funkstunde Dr. Karl W i l c z y n s k i. „Haben Schlager künstlerischen Wert?" fragte er. Natürlich muh die Antwort darauf, wer auch immer sie gibt, ver- neinend lauten, und der Bortragende fand sich mit dieser Tatsache auch von Anfang an ab. Den Titel hatte er eigentlich nur um der dekorativen Formulierung willen gewählt.„Sind alle Schlager Kitsch?" Mit diesem Problem beschäftigten sich seine Ausführungen. die durch eine unwesentliche, aber ziemlich anspruchsvoll hergerichtete Einleitung über Gebühr belastet wurden. Wenn man von diesem Auftakt absieht, der wichtiger gedacht war, als er wirkte, so war die Deranstaltung recht nett. Sie bracht« eine Verteidigung des Schlagers, den der Vortragende als„modernes Kunstge- werbe" deklarierte. Er hätte sogar, auf seine zum Teil recht gut gewählten Beispiele gestützt, einen weniger anrüchtigen Begriff als Kunstgewerbe dafür einsetzen können. Reben dem Schlogerkitsch, zu dessen Produttion leider noch sehr oft Musiker und Textschreiber sich treu verbünden, steht heute doch schon manches Bessere, un- sentimentale Gebrauchskunft mit Tanz und singbaren Melodien, die sich von schmalziger Gefühlsseligkeit und stumpfem Blödsinn gleich fernhalten. Als bestem Beispiel für diese Sorte Schlager hörte man zwei Kompositionen von Micha Spoliansti zu Texten von Marcellus Schiffer. Der Bortrag hätte mit diesen Dar- bietungen schließen und den Wunsch des Kapellmeisters, noch einen eigenen Schlager spielen zu dürfen, unberücksichtigt lassen sollen. Sehr hübsch war die pfingstliche Märchenstunde, in der Anna H ö l l e r i n g sprach. Die kleinen Geschichten von C l a r i s s a Meidtner, die sie las, erinnern an die der Amerikanerin Dorothee Canfield. Beide nehmen den Stoff aus dem All- tag, aus dem sie wie in kindlicher Fabulierlust das Unwahrscheinliche herauswachsen lassen, um es dann wieder in reale Alltäglichkeit zurückzuführen. Dorothee Canfield schrieb für größere, auch schon technisch interessierte Kinder. Clarissa Meidtner für die Allerkleinsten. In jede ihrer Geschichten ist ein kleiner pädagogischer Gehalt ein- gewickelt. Um den nicht zu entwerten, wäre es besser gewesen, die übrigens sehr zeitsremde Einleitung zu den Märchen nicht zu lesen. Zum Pfingstprogramm, das die Funkstund« ihren erwachsenen Hörern bot, ist eine angenehme Feststellung nachzutragen: es fand einen guten Abschluß mit O f f« n b a ch s„Blaubart". Dix musikalische Leitung des Abends hatte Generalmusikdirektor Paul B r e i s a ch, Regie führte Cornelis Bronsgeest. Offenbachs geistvolle Musik beschwingte als außerordentliches amüsantes Spiel, in dem ganz im Geist Offenbachs die Handlung nicht,— die einzelnen Szenen alles waren. Man sah den primitiven Don Juan Blaubart, der unter dem Pantoffel der robusten Boulotte seine Abenteuererlaufbahn kläglich endet, den trottelhaften König Bobeche und sein trautes Familienleben leibhaftig vor sich. Der Text- bearbeiter der Operette, Karl Krauß, sei nicht verschwiegen. Des. Dienstag, 26. Mai. Berlin. 16.05 Sonka liest aus eitenen Werken. 16.30 Blasorchcster-Kontert. 17.30 Ruderers Wochenende(Hans Marschflc). 17.50 Bücherstunde. Politische Romane.(Am Mikrophon: Dr. Mosty Jacobs.) 18,20 Hans Dörfler, München; Der bayerische Frankenwald. 18.35 Thesen-Diskussion. Graf Klinckowstroem und Frhr. R. von Maitzahn, München; Hat die Wünschelrute praktische Bedeutung? 19.00 Orchesterkonzert. Dir.; Bruno Scidlcr-Winkler. 1. Weber: Ouvertüre zu ..Preziosa". 2. Fritz Lubrich: Romantische Terzine(nach Gedichten von Hermann Hesse) für Tenor und Streichorchester(Erstaufführung).(Anton Maria Töplitz, Tenor.) 3. Haydn: Sinfonie„Mit dem Paukenschlag". 4. Paul Qraencr: Vorspiel und Arie(nach Versen von Max Dauthendey) für Tenorsolo, Viola und Kammerorchester(Uraufführung).(Anton Maria Topitz.) 5. Rcspighi: Antike Tänze und Arien.(Berliner Funkorchester.) 20.00 Aktuelle Abteilung. 20.30 Komiker aller Art, Ein heiterer Abend. Königswnsterhansom. 16.00 Künstlerische Handarbeiten. 16.30 Leipzig: Konzert.'>'. 17.30 Mersmann: Neue Musik.''• 18.00 Ob.-Ing. C. Kcrstcn: Holzbau-weisen. 18.30 Pater Marianus Vetter: Albertos Magnus, der Magier des Abendlandes. 19.00 Französisch für Anfänger. 19.30 M. Müller-Jabusch: Weltpolitische Stnndc. V' 22.00 Dr. J. Rtuschcr: Politische Zeitungsschau. Anschließend: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Unterhaltungskonzert. Krankentransporte führen zu behördl. festgesetzten Preisen und sür alle Krankentassen K o p p' s ch e Krankenwagen aus— Bestellungenannahme in den Apotheken oder Sammel-Rr. Ol— Norden 3422— kostenloser Bettennachweis— Tag und Nacht. W l IS Jackson fiirls j Tora, Peter v-| PI«. Zelllnl, PlAgA IÄlagl.| >Su» I cSosiB REVUE LIEBE MICH! [233 Tapeten Linoleum Tapslenhaos HossacE N0,W0riherslr.30 1 Diu. Flora 3431 Umdeii rtlaaM Dayelma- Ballett Original Pariser Cancan Kuban- KosaKen- Chor LeKinHIiiatei Täglich S'U Uhr Der rasende Sperling Klnr, Vihrog, Meyn, Kes Theater Im ÄOinlnilsDalast Tiglicli 8>/> Uhr Der lustige Krieg Asni Ablers, Schoüwer, Lilien, PYem Denhdies TBeater 8 Uhr Der Hauptmann von Köpenidc v. Carl Zuctzmayer Begw: Heinz Klperf Die Komödie Täglich 8'h Uhr Dienst am Kunden in Cvt hm und Maz Heuen Regie: HansDeppe WNS.VMi Täglich S'k Uhr Schön Ist die Welt mit Kammersänger Otto Fassei Kartürstenflamm- Töealer Bismarck 449 L�UhrJ Alles Schwindel m Nvunus Sdtiffer. Musik von MIscha Spoüansky. Rtgi«: Cnjljf Gräjijm Lustspielhaus Tägl.«-/, Uhr Das Spiel raitdwv Feuer Musik. Einlagen vOn Willy Rosen pMM. Rdtirec, Filier Brutittlle. Pralsliate gratis »ll. Pumpenfabrik KRÜH R 65. «155 BamowslcHlton Tfewuer m der Streseoiaaniir. Täglich g'U fieslern n. Henle KomSdionhaus Täglich 8V» Uhr Schwengels mit PelixSressart Bock Rasa TaieMl IHUTü P A R K i. Auch am 3. Feiertag Feuerwerk und dr** Fest-Programm I'.lntr. ftp. Sfempelfabrih Werner& Schade Berlin N, Kastanienallee 43 FernsprechanschluE Humboldnon-ioii liefert KutrtiHid H&il&stsl iraspt IS1 schränke elektrische Kühlschränke Bis zu 18 Monatsraten? Itaddatea — Berlin W8. Leiozioer Str. 122-123'-— nistropol-TiieaiBr Täglich 8". Uhr Die Toni aus Wien Mady Christians, MJcluel Bobnea 1 GROSSES SCHAUSPIELHAUS 1 Täglich 8 Uhr: im weissen rössi. in der Prtniefäutesstzääg nr ndt 6 Tty Regie; Erik CharelL