Morgenausgave Nr. 241 A 122 48.Iahrgang Wöchentlich 8S Pf., monatlich 3,60 TL im voraus zahlbar, Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands« obonnement 6.— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen» porto S.— M. * De?..Vorwärts� erscheint wochentäg» lich zweimal. Sonntags und Montaus einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend". Illustrierte Beilage.Volt und Zeit-. Ferner.Frauenstimme-. �Technik-.Blick in die Bücherwelt-, .Iugend'Vorwärts-u.»Stadtbeilage� |P-G> w#- berliner voltsblatt Mittwoch XI. Mai 1931 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die eins�alt. Nonpareillezeile Sv Pf. Neklameztil« v.— RM.„Kleine An- zeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Taiif. Stellengesuche das erste Wort 15 Pf, jede« weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstoben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien- anzeigen Zeile 40 Pf. 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Schon seit Wochen wußten Eingeweihte, daß sich Slawe! mit Dcmifsionsab sichten trage, um wiederum die Leitung des Regierungsblocks im Sejm zu übernehmen. Die schwere Finanzlage des Staates sowie die Schwierigkeit, eine Einigung dohiu herbeizuführen, daß nach den Beamten- auch die Ossiziersgehälter um 15 proz. gekürzt werden. haben die Amtsmüdigkeit Slaweks gesteigert. Als vermutlicher Nachfolger Slaweks gilt Oberst Prystor, der ebenso wie der zurückgetretene Ministerpräsident zum Kreise der engsten Der» trauten Pilsudskis zählt. Oberst Prystor, der u. a. als Arbeits- minister den Arbeitern die Verwaltung der krankeakaffeu geraubt und unwissende, aber„zuverlässige- Leute in die Veamlenstelleu geseht Hot, war Personolreferenl Pilsudskis nach dem Maiumsturz bei der Neuorganisierung der polnischen Armee. Das Regierungsblatt„Gazeta Polfka- schreibt u. hat schon viele gute Früchte getragen. Die durch den Zusammenschluß geschossene, eigen- artige Struktur dieser Großorganisation hat sie das Krisenjahr 1930 viel besser überstehen lassen als fast alle anderen Verbände, die mehr oder weniger nur einen bestimmten Berufszweig erfassen. Der Gesamtverband ist weit mehr als die übrigen Verbände eine Gefahrengemeinschaft. Der Geschäftsbericht der Berliuer Orts- und B.ezirksoerwaltung des Gesamtverbandes für das Jahr 1939 gibt dasür das beste Beispiel. Während in arideren Verbänden zum Beispiel am Jahresschluß 1939 die Zahl der konjunkturell arbeits- losen Mitgliedr bis auf fast 39 Proz. des gesamten Mitglieder- bestandes anschwoll, waren von den Berliner Mitgliedern des Ge- samtoerbandes Ende 1939„nur" 7,98 Proz. arbeitslos. Der auch sehr hohe Prozentsatz von arbeitslosen Mitgliedern aus der Metall- industrie, verschiedener Branchen des Transportgewerbes usw. wird beträchtlich herabgodrückt durch die nicht so stark von der Arbeits- losigkeit betroffenen Mitglieder, die in den st ä d t i s ch e n und st a a t l i ch e n Betrieben beschäftigt sind. Aus dem gleichen Umstände erklärt sich auch der günstige finanzielle Abschluß der Orlsvcrwallung. Der Bestand der Lokalkasse ging im Lause des Geschäftsjahres nur um rund 12399 Mark auf 1928 495 Mark zurück, ist also fast' stabil .geblieben, obwohl die Lokalkasse zur Weihnachtsunterstützung der erwerbslosen Mitglieder über 194 999 Mark zuschoß und außerdem noch für Lohn- und Tarifbewegungen sowie sür Agi- totionszwecke fast eine halbe M i l l i o.n ausgab. Trotz der verhältnismäßig geringen Arbeitslosigkeit waren auch die aus der ch a u p t k a f s e gezahlten Unterstützungen nicht gering. Von den 3 365 999 Mark, die aus Beitragseinnahmen der Haupt- kasse überwiesen wurden, flössen 1 595 999 Mark an Unterstützungen zurück, wovon allein auf die Arbeitslosenunterstützung 359 226 M. entfallen, auf die Krankenunterstützung 599 448 M., auf Streit- Unterstützung 153 814 M., auf Todessallurrterstützung 124 865 M. usw. Beachtlich, wenn auch geringer als in früheren Jahren, in den noch nicht verschmolzenen Verbänden, ist auch noch der lohn- politische E r s o bg des Gesamtoerbandes. Es konnte trotz der Krise immerhin noch sür 75 491 Arbeiter und Arbeiterinnen eine wöchentliche Lohnerhöhung von 198 338 M. oder 1,43 Mark pro Kopf erzielt werden. Wenn schließlich auch noch der INikgliederbestand nur um 707 auf 125 775 Mitglieder zurück- gegangen ist, also ebensall» stabil geblieben ist, dann ist damit der Beweis erbracht, daß die Schaffung dieser Großorganisation in jeder Be- ziehung ein Vorteil gewesen ist. * Ganz anders wirkte sich die Krise auf die Berliner Orts- Verwaltung des Metallarbeiter-Verbandes aus, die durch die Schaffung des Gesamtoerbandes hinsichtlich der Mir- gliederstärke in Berlin von der ersten an die zweite Stelle gerückt ist. Der Mitgliederbestand ist hier von 82 967 auf 78 935, also um rund 4999 Mitglieder zurückgegangen. Der Mitgliederver- lust des Metallarbeiter-Verbandes ist aber fast ausschließlich auf die ungeheuer große und lang anhaltende Arbeitslosigkeit zu- rückzusühren. Neben der Krise hat zwar auch die Hetze der NGO. den Zustrom neuer Mitglieder gehemmt, ohne aber der NGO. selbst eine nennenswerte Mitgliederzufuhr zu bringen. Durch den Spal- tungsverfuch der KPD. ist der Ortsverwaltung des Metollarbeiter- Verbandes ober ein guter Ueberblick darüber geschaffen worden, welcher Mitgliederstamm in jeder Situation unbedingte Treue hält. Der beste Beweis gegen die Richtigkeit der Haupt- sächlich in Versammlungen immer wieder aufgestellten kommu- nistischen Behauptung, daß in den„reformistischen" Gewerkschaften vorwiegend nur noch ältere Arbeiter wegen ihrer Ansprüche aus die Jnvolidenunterstützung der Verbände geblieben sind, ist die Tat- sache, daß von den 78 035 Mitgliedern rund 40 000 im Alter von 16 bis 35 Jahren stehen. Di« ungeheure finanzielle Belastung der Organisation kommt am deutlichsten zum Ausdruck in den Ausgaben im Jahre 1939. Für die Hauptkasse wurden insgesamt 3 198 168 M. an Beiträgen eingenommen: das ergibt pro Mitglied eine Beitragseinnahme von 39,83 Mark. An Unter st ützungcn wurden jedoch sür die Hauptkasfe in Berlin ausgezahlt 3 722 269 Mark, also pro Mitglied 47,79 Mark. Die Lokalkasse hatte bei einer Gesamteinnahme von 1 149 321 Mark oder 14.73 Mark pro Mitglied eine Ausgabe an II n t e r st ü tz u n g e n von insgesamt 499 361 Mark oder 6,28 Mark pro Mitglied, so daß ihr nur noch 8,45 Mark für alle anderen Zlusgaben verblieben. Daß infolge dieser starken Beanspruchung der Lokalkasse ihr Bestand im Laufe des Geschäftsjahres von 1 398 569 Mark auf 773 511 Mark zurückging, nimmt nicht Wunder. Die Krise drückte fast allen Bewegungen den Stempel auf: Abwehr gegen Verschlechterungen. Fast alle Tarife wurden von den Unternehmern gekündigt und nur in wenigen Fällen gelang es, die Abbauwelle aufzuhalten. Der Hauptkamps war der große Abwehrstreik in den Betrieden des Verbandes Berliner Metallindustricller, der leider mit dem Ab- bau der Berliner Metallarbeiterlöhne um 8 Proz. endete. Das Ab- sinken der Konjunktur machte sich auch in der Rechtsschutz- a b t e i l u n g bemerkbar, wo die Anträge auf Gewährung von Rechtsschutz gegenüber dem Vorjahr ganz erheblich zunahmen. 1929 wurde in 1993 Fällen Rechtsschutz gewährt, 1939 dagegen in 2159 Fällen. 1929 wurden durch Urteil oder Vergleiche 191 261 Mark erstritten, 1939 dagegen 269 635 Mark. Die gewaltigen Leistungen des Metallarbeiter-Berbandes im Jahre 1939 sind jedenfalls auch ein Beweis dafür, daß noch mehr als in Zeiten guter Konjunktur die Arbeiterschaft der Organisation in wirtschaftlich trüben Zeiten bedarf. Um so größer ist das V e r- brechen der KPD., den Versuch zu machen, diese stärksten Ab- wehrstellungen der Arbeiterschaft zu schwächen. Noiverordnung und Kranke. Oas erste statistische Resultat. Das Statistische Reichsamt veröffentlicht jetzt die Einnahmen und Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für das 4. Viertel- jahr1929und 193 9. Durch Vergleich dieser beiden Vierteljahre sind bereits die ersten Auswirkungen der Juli-Rotverord- n u n g klar zu erkennen. Auf den Kopf der Versicherten sielen die Einnahmen der gesetzlichen Krankenkossen von 29,79 Mark im 4. Vierteljahr 1929 aus 26,46 Mark im 4. Vierteljahr 1939. Die Ausgaben haben sich gegen 1929 gesenkt von 28,15 Mark aus den Kops des Versicherten auf 23,69 Mark im 4. Vierteljahr 1939. Das Krankengeld fiel von 9,91 Mark auf 6,28 Mark. Dagegen hat das Konto für Behandlung durch approbierte Aerzte nur unwesentlich ab- genommen. Von 5,49 Mark sank es auf 5,14 Mark je Mitglied. Für Arznei- und Heilmittel fielen die Unkosten von 3,23 Mark aus 2,24 Mark im Jahre 1939. Die Krankenhauspslege er- forderte 1939 3,98 Mark statt 3,93 Mark im Jahre 1929. Wie reimt sich das mit der amtlichen SenkungdesJndcxderLebens- Haltungskosten zusammen? Beim Vergleich dieser Zahlen muß man nun noch natürlich be- rücksichtigen, daß auf das Sinken und Fallen der einzelnen Ein- nahmen und Ausgaben nicht nur die Auswirkungen der Not- Verordnung eingewirkt haben, sondern auch in erheblichem Um- fange der Abbau der Löhne und Gehälter, die Ar- beitslosigkeit und die Kurzarbeit. Am gewaltigsten ist, wie zu erwarten war, der Rückgang bei den Ausgaben für Krankengeld, und das ist bestimmt fast nur eine Folge der lltotverordnung. Ebenso ungeheuer groß ist auch der Rückgang für Aufwendungen an Arznei- uni» Heilmitteln� was durch die 5ieranziehung. der Versicherten zu den Unkosten zu erwarten war. Daß die Auswendungen für approbierte Aerzte nicht wesentlich ge- ringer geworden sind, liegt am Vcrrechnungssystem der Kranken- kosten. Di« meisten Kassenärzte hoben mit den Krankenkassen Pauschalvcrträge, die nicht so schnell umgestellt werden konnten. Der Teil der Aerzte aber, der Einzelbezohlung von den Krankenkassen erhält, scheint noch dem geringen Rückgang der Aerzte- kosten durch gesteigerte Arbeitsleistung das ausgeglichen zu hoben, was er früher für den Einzelfall mehr an Bezahlung erhielt. Was jedem einsichtigen Sozialpolitiker von vornherein klar war, ist eingetreten. Die Versorg ungdcrVersicherten ist durch die Notverordnung in einem so großen Umfange beschnitten worden, wie es sich vom Standpunkt der Volksgesundheit aus bestimmt nicht verantworten läßt. Erst wenn man sich bei den genannten Zahlen vor Augen führt, daß die Zahl der gegen Krankheit Pflichtvcr- sicherten mindestens 15 Millionen beträgt, kann man den Rückgang an Leistung um 2,73 Mark je Kopf und Mitglied ermessen. Es werden also allein an Krankengeld bei pflichtversicherten Mitgliedern, d. h. bei Leuten, die nur bis zu 399 Mark im Monat verdienen, ungefähr 499 Millionen Mark im Vierteljahr ge- spart. Das ist das wahre Gesicht der Juli-Notoerordnung. Genfer Arbeiisiagung. Arbeitslosigkeit und Arbeitszeit sind das Programm. Genf, 26. Mai. Di« 15. Internationale Arbeitskonserenz, die am Donnerstag beginnt, ist heute mit einer Sitzung des Verwaltungsrats des In- ternationalen Arbeitsamts eingeleitet worden. Für die Arbeits- konferenz haben sich bis jetzt 45 Staaten angemeldet. Die deutsche Regierung wird den früheren Arbeitsminister Dr. Brauns und den Ministerialdirektor Dr. Sitzler entsenden. Für den Vorsitz ist diesmal Polen an der Reihe. Die Konferenz dürfte in ihrer Eröffnungssitzung am Donnerstag den ständigen Vertreter Polens beim Völkerbund, S o t a l, zum Präsidenten wählen. England ist durch S hin well vertreten, der in den vergangenen Monaten wiederholt mit dem deutschen Arbeilsminister Stegerwald über bt< Hauptfrage, die die Konferenz beschäftigt— die Regelung der Ars beitszeit in den Bergwerksbetrieben— verhandelt hat. Argens t i n i e n. das in den letzten drei Jahren keinen Vertreter entsandt hatte, hat nach dem Regimewechsel beschlossen, auch die Beziehungen zum Internationalen Arbeitsamt wieder aufzunehmen und wird Delegierte entsenden. Auch die norwegisch« Regierung, die in den letzten zwei Jahren nicht vertreten war, weil das Parla- ment das Geld für die Beteiligung an der internationalen Arbeits- Organisation verweigert hotte, wird wieder teilnehmen. D a n z i g wird auch diesmal wieder fehlen, weil die Frage der Mitgliedschaft Danzigs zur internationalen Arbeitsorganisation infolge der zögern- den Haltung Polens immer noch unentschieden ist. Die Konferenz wird ungefähr drei Wochen dauern. Die Hauptberotungsoegcn- stände sind die schon genannte Frage der Arbeitszeit in den Berg- baubetrieben und die Frage der Arbeitslosigkeit. Washingion bleibt fern. Washington, 26. Mas. Der Slrbeitssekretär Hot an die Leiterin der Frauenabteilung des Arbeitsdepartements, Mary Anderson, die sich gegenwärtig in Genf aufhält, telegraphiert, an der Internationalen Arbeitskonserenz, die am 28. Mai in Genf tagt, nicht teilzunehmen. Dieser Beschluß wurde auf Betreiben des Arbeitsdepartements gefaßt, das der Mei- nung ist, die Vereinigten Staaten sollen weder offiziell noch offiziös bei der Konferenz vertreten sein. Dänischer Gewerkschnstskongreß. Die Vereinigten Gewerkschaften Dänemarks hielten dieser Tage in Kopenhagen ihren Kongreß ob. Wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht, zählt der>«nd heute 259 995 von etwa 399 999 organisierten Arbeitern, und zwar in 57 Hauptorgani- sationen. Vor zwei Jahren betrug die Zahl der Organisationen 53 und die Mitgliederziffer 155 978i Die Zunahme ist hauptsächlich auf den Anschluß der Organisation der ungelernten Arbeiter des Dänischen Arbeiterverbandes, zurückzuführen, der rund 89 999 Mitglieder umfaßt. Einer der Hauptberatungspunkte der Generaloersammlung war der große Arbeitskonflikt, der vor kurzem beigelegt wurde. Die Organisation der Schuharbeiter, die sich dem Schieds- Vorschlag des Schlichters im Gegensatz zu der Leitung der Vereinig- ten Gewerkschaften nicht anschloß und deshalb in eine zurzeit noch andauernde Aussperrung geriet, brachte eine Entschließung ein, die die 5ialtung. der Hauptleitung im Konflikt nicht billigt. Diese Entschließung wurde jedoch mit 622 gegen 28 Stimmen v e r- warfen, während der Bericht des Vorsitzenden mit 647 gegen 3 Stimmen gutgeheißen wurde. E i n st i m m i g nahm die Generalversammlung eine Eni- schließung an, worin.sie dem Madrider Beschluß des JGB. auf Einführung der 49-Stunden-Woche beitritt. In einer weiteren, einstimmig angenommenen Entschließung, fordern die Ge- werkschasten eine Verschärfung des Kampfes gegen die Warenverteucrung infolge der hohen Zwischengewinne. Eisenbahnerstreik in Japan vermieden. Tokio. 26. Mai. Die durch die L o h n k ü r z u n g s p a l i t i k der Regierung her- vorgerufen« Krise und insbesondere der befürchtete Elsen- bahnerstreit scheinen fürs erste beseitigt zu sein. Zwischen dem Verkehrsminister und den Eisenbahnern kam eine Einigung zu- stände, wonach die Regierung«Ue Reihe von Z u g e st ä n d- nissen, vor ollem hinsichtlich des geplanten Abbaues zahlreicher Beamter machte. �FreieGewerkschafts-Iugend Verlin Kcul«, MtNvoch. 19V4 USr, toqrn die(Sttitwen: B-uMlchuleinoeft! In. «endbelm(Ernffftt. 16. Abendlixvlierqvne.— SculoIIn: ffituop.-nlicirt Berater. 29, Sof. Baul.Eimmcl.'Zlbend.— SLdwestcn: Stödt. Iuaend- beim Borditc. 11, tZobrltaebäude.»Die s-uvertschakten in Italien."— iiliic.- dafeu: Iuaendbeim NeuiWn, tNuabafenitr. 66. Iran im Berufoleben."— Weisiensee: Iuaendberm Barlstr. 36.»Die Kirche»».!> wir."— Rordriaq: In» «entcheim Eonnenduraer Str. 20. Lustiaes Monatsende.— Schonebrrfl: Iuqcnd- heim Sauntstr. l.j.„Die freien dx-rnrrf fchoften inti die REO."— Sumbolbl: Iugendbeim Graun- ESe LorZtinqttrabe. Äo— 91a— Sozi.— Tegels Iuqend. beim Schiinebcrqer Str. 4. Buntes Allerlei.— Spandau: Iuaendbeim Linden» nier 1...Gewerkschailen und Arbeitsdienftvilichi."— Inpendgrupp« d«, DMA. Kulturoeranftoltuna. Iugendciruppe desZeniralverbondeS der Angestellten Heule fvlaende Deronstailunaen: Getuadbrunaen: Iuarndd'im Willde- nowftr. 5.„Unsere Madel baden da» Wort."— Neinidendort: Inaend- beim Lindauer Str. 2. Bortraa:„Arbeiterdichtunaen." Beferenl: Lewinski.— Charlotte»»»»«! Iuaendbeim Spiclbaaenstr. 4...Bon lrohen Jährten."— SchSaeber«: Iuaendbeim Hauptltr. 13 tHofaedäude. Sachten, immer). B-irira«: „Iuaend und Staat". Aeferent: Giaderich.— Schinhattser Borstadt! Inaend» heim der Schule ltattonienallee kll. Kurzreferate.— Obcrspree: Niederichanc» weide. Berliner Str.»1 s Schule).„Sireitzllae durch die Literatur."— Nordaft: Iuaendbeim Ganziaer Str.i>cr durch die Dürftigkeit der Umgebung gezwungen sind, non alters her als Hausierer zu reisen. In einem solchen Darf von 800 Einwohnern kauften sich innerhalb einesJahrcs 32 Hausierer je einen Traktor. Klappert dann solch ein fliegender mit Eisenwaren oder Töpfen behängter Laden recht lustig auf der Chaussee, dieses Klappern ist Musik für die Ohren der Leute, die ihren Nutzen davon haben. Der Neuheitenhändler und Spezialist mit seiner großen Rednergabe darf nicht unerwähnt bleiben, der manchem unscheinbaren Gegenstand zu einem Welt- erfolg vcrholscn hat. In Berlin stellt die Finanzbehörde 16 0 0 0 Straßen handels-Steuerhcftc aus. Die Zahl der Straßcnhändlcr und Hausierer in Deutschland wird mit 80 000 Men- schen nicht zu hoch geschätzt. Wir dürfen nicht verkennen, daß es ebenso viele Familien sind, die auf ehrliche Weise ihr Brot suchen und aych.finden.....,.......... TICTU OJI"! Jpw• IC- r-'- r. 5ast eine Biertelmillion lebt davon. Die Leute mit den Karussells und den Buden voll Sehenswürdig- leiten ziehen auch nicht mehr wie ehemals im Zigeunerwagen im Lande umher. Heut« sind es geräumige, mit allem Komfort aus- gestattete Wohnwagen, vor die ein Motor gespannt ist, die Menagerie oder die Geräte für den Karussellaufbau hängen hinten daran. Sieht man einmal hinter die Kulissen dieser modern auf- gezogenen Unternehmungen, so wird man erstaunt sein über die Riescnsummcn an Werten, die in dem Gewerbe investiert liegen. Auch der Umsatz ist nicht gering, den sie niachen. Nach einer Er- j Hebung des Reichswirtschaftsrats schätzt man den Gesamtumsatz der Wandergewerbetreibenden mit einer Milliarde Mark ein. An Gc- wcrbcstcucr vereinnahmt das Reich nach Erhebungen des Verbandes etwa 8 336 000 Mark vom„fahrenden Volk", dazu kommen andere Steuern, konimunale Abgaben, Landesstcuern, die teuren Stand- gclder, Bahnsrachtcn usw., Riesensummen, die das Wandergewerbe aufbringt. Die statistische Erfassung des Wandergewerbes vom Jahre 1026 ergab annähernd eine Viertel Million Mensche«. Es nimmt nicht wunder, wenn man«rfährt, daß ein einziges Schau- stelleruntcrnehmen, wie das einer Münchener Firma, die n u r Berg- und Tal bahnen aufstellt und eine solche, die größte in Europa zur Zeit, in Schloß Schönholz bei Pankow c». richtet, mit Millionen rechnet, die im Betrieb stecken. Ein anderes Unternehmen, das ethnologische und andere Schaunummern bringt, muß ebenfalls mit Millionen umspringen, wenn es sremde Völker- stämme zur Schau stellt, wie jetzt die Lippcnneger, die nach dem„Zoo" kommen. Schon die Hastung für die fremden Menschen an ihren ein- heimischen Staat beträgt Hunderttausende. Neben diesen Großen des Gewerbes finden viele kleine ausstrebende Existenzen ihren Platz; ein jeder ist bemüht, für die wenigen Groschen Eintrittsgeld Vollwertiges zu bieten. Die Karussells, Spielbuden, Schießbuden, Würstchen- Verkäufer, Flohzirkusse usw. machen das Bild vollständig. Eine seltene Verbundenheit eint das muntere Volk, das so untrennbar mit seinem Beruf verwachsen ist. Mögen die Ge- schäfte im Wechsel der Zeitenläuse gut oder schlecht gehen, man hilft sich gegenseitig immer wieder auf die Beine und kämpst gemeinsam für das Ansehen des Standes. In der öffentlichen Meinung gilt es viele eingewurzelte Vorurteile zu bekämpfen. Das Schaustellergewerbe wehrt sich selbst energisch gegen Auswüchse in seinen Reihen und einpsindct es als Schande, wenn die Polizei eingreisen muß. Selten wird dazu der Anlaß geboten, und in Wirklichkeit geht es recht harmlos auf den Berliner Rummelplätzen zu. Bekannte Städtebauer sordern mit Recht das bunte Bild belebter Volksfeste inmitten der Stadt. So läßt Goebbels Mordhehe treiben! Das Märchen von der durchschnittenen Kehle. Vor einigen Tagen wurde in der Nähe der Ortschaft Buch ein SA.-Mann namens Fedde angeblich von Kommunisten überfallen und durch einen Messerstich am Halse verletzt. Der„A n g r i f f", das Berliner Organ des Herr Goebbels, nahm den Vorfall als An- laß zu einer wüsten Mordhetze gegen das„rote Gesindel". In großen Lettern war in dem nationalsozialistischen Skandal- blatt zu lesen, daß„einem SA.-Mann die Kehle durchschnitten sei". . Im allgemeinen pflegen Menschen mit durchschnittener Kehle das - Zeitliche zu segnen. Dieser SA.-Mann Fedde läuft aber bereits seit dem 1. Feiertag wieder quietschvergnügt umher und trägt nicht einmal mehr einen Verband, woran man erkennen kann, wie „schwer" die Verletzung gewesen sein mutz. Er hat kaum zwei Tage im Krankenhaus zugebracht. Recht interessant sind die folgenden Feststellungen: Fedde, der Mann mit der durchschnittenen Kehle, begab sich nicht etwa gleich in ein Krankenhaus, sondern er suchte erst einmal das Parteibüro in der Hedemannstratze auf, um dort seinen lebensgefährlichen Zu- stand zu demonstrieren. Er erklärte dort, daß alle Aerzte von der SPD. verseucht seien und er als„deutscher Mann" sich nicht in 3n den Rahmen des Wandergewerbes fügt sich heule, was im Gegensah zu dem stehenden Gewerbe aus wessen, wärkten, Volkssesten, aus Straßen und Plätzen, auch im Hausierhandel und sonstigen Gelegenheiten tälig ist. Ebensalls zählt zu ihm der Stand der reisenden Schausteller und die Unternehmungen großer Volksbelustigungen, die mit Lichlerglanz und wusik die Menfchenmassen anlocken. 1 Geschichtlich betrachtet hat das„fahrende Volk" nur zeitweise und meist- nur in den Zeiten bigotten Muckertums unter dem Odium der Herabsetzung gelitten, wie sich auch heute seine Organisation, der„R c i ch s v e r b a n d ambulanter Gewerbetreibender", mit Energie gegen Anfeindungen solcher Art zu wehren versteht. Im Mittelalter wie noch heute waren die reisenden deutschen Kaufleute gern- gesehene Gäste aus allen großen Handelsplätzen der Welt, die hochwertige Produkte deutsche» Fleißes mitbrachten. Sie vermittelten Zeitungen und Nachrichten und sorgten so für Aufklärung: der gehemmte Bildungstricb jin Volk wurde durch Schaustellungen seltener Tiere, Wissenschaft- lichcr Erfindungen u. a. angespornt, was heute in abgeschlossenen Landgegenden noch geschieht. Man braucht nur an die großen Erfindungen des letzten Jahrhunderts: Dampskraft: Elektrizität, Film und Sprechmaschine, zu denken: immer waren es Schausteller, die diese Erfindungen populär machten. Die Budenmänner und Aus- rufer auf dem Podium ihrer bunten Zelte zeigten den breiten Massen zuerst das Wunder der Voltaschen Induktion, der Influenzmaschine und anderer physikalischer Experimente, sie brachten auf Ausstellungen die ersten elektrischen Bahnen heraus und waren es selbst, die für ihre Plätze und Wagenparks als erste Dampf- und Explosionsmaschinen in Dienst stellten. Die große Wanderung. Heute fallen dem Wandergewerbe andere Ausgaben.zu, und diese Veränderung gibt ihm auch ein anderes Gesicht. Die Schau- steller auf den Märkten, die Hausierer und Straßenhändler sind Ventile in dem großen Handelsorganismus, den der Staat in sich darstellt. Bei stockenden Märkten beleben sie die Wirtschaft und bringen noch Waren an den Mann, befördern den Geldumsatz, wo ein anderer die Hoffnung schon aufgibt. Bei der Errichtung des Hamburger Doms, des bekannten norddeutschen Volksfestes, werden eine Million Mark ausgegeben für 5) alz- bauten, Arbeitslöhne und Sonderanschafsungen. Keber 400 Zimmerleute, über 300 Maler, über 1600 Handarbeiter find nötig,, um einen, vierwöchigen Mejhpachli.>»qrkt. atifzobauen. 400 Wohn- und Packwagen, 500 andere Betriebswagen erscheinen auf der genannten Budenstadt, die ein gewaltiges Kapital repräsen- tieren. Eine Sparte der großen Organisation, die in viele Gruppen geteilt ist, der Straßenhandel für Obst und Gemüse, vermittelt etwa 70 Proz. der leicht verderblichen Ware in die Hände der Konsumenten. Seit in Hamburg aus Verkehrsgründen die Fisch- Händler von den Straßen der inneren Stadt verschwunden sind: leiden die Finkenwärder Fischer Not. Geschäftsleute, die aus Kon- kumnzgründen durch Eingaben an die Behörden die Straßen- Händler vor ihren Geschäften vertrieben haben, kamen bald mit Eingaben an die Behörden gelaufen, die Straßcnhändler wieder zuzulassen, weil sich durch sie die Frequenz des Straßenverkehrs und somit auch ihr Umsatz hob. So ist das Wandergewerbe als lebenswichtiger Faktor gar nicht aus dem deutschen Wirtschostsleben hinwegzudcnken. Auch der H a u s i e r e r hat sich gewandelt. Fristen nach tausende kleine Existenzen mühselig durch Trepp-auf-Trepp-ab- Steigen ihr Leben, so hat sich doch eine große Zahl modernisiert. Fahrrad und Motorrad genügen nicht mehr, jetzt muß es schon ein Traktor sein, an den man seinen Laden anhängt und von Ort zu Ort zieht. Es gibt ganze Dörfer in Deutschland, in denen die Copyright Paul Zsolnay Verlag Berlin-Wien. Die drei„Nymphen" sahen einander an und seufzten laut auf. Derartige Gespräche hielten Worobjew auf und er kam, ganz gegen seine Gewohnheit, etwas zu spät ins Büro.— Er entnahm der Schublade ein blaues Filzpolsterchen, tat es auf den Stuhl, zwirbelte feinen Schnurrbart parallel zur Tischlinie zurecht und ließ sich auf dem Pölsterchen nieder, so daß er etwas höher saß als seine drei Kollegen. Worobjew fürchtete sich nicht vor Hämorrhoiden, aber er wollte� nicht die Hose durchwetzen, deshalb benützte er den blauen Filz. Zwei junge Leute, ein Mann und ein junges Mädchen, warteten bereits und verfolgtem verlegen die Manipulationen des Sowjetangeftellten. Der Mann"im wattierten Tuchrock war durch die Büroatmosphäre, den Geruch der Tinte, die Wanduhr, die schwer und oft seufzte, und besonders durch die an der Wand befindliche strenge Inschrift—„Wenn du deine 2lngelegenheit erledigt hast, so entferne dich!"— ziemlich niedergedrückt. Schon wollte er sich, ohne erst über sein Anliegen zu sprechen, entfernen. Seine Sache erschien ihm jetzt so nichtig und es war gewissenlos, einen so ansehnlich- grauhaarigen Bürger wie Worobjew ihretwegen zu beunruhigen. Für Worobjew indes war es selbstverständlich, daß die Angelegenheit des Besuchers nicht wichtig war und daß er warten könne, und so schlug er eine Foszikelmappe auf und vertiefte sich in die Papiere. Das junge Mädchen in langer Jacke, mit glänzenden schwarzen Borten benäht, flüsterte ihrem Gefährten etwas zu und näherte sich Worobjew zaghaft, vor Scham errötend. „Genosse", sagte sie.„wo ist hier..." Der Mann im wattierten Rock atmete erleichtert auf und stieß unerwartet hervor:„Heiraten!" Worobjew heftete den Blick aufmerksam auf die Holz- Karriere, hinter der das junge Paar stand:„Geburt? Tod?" „Heiraten", wiederholte der Mann im Rock und blickte pcrloren umher. Dos junge Mädchen begann unmotiviert zu lachen. nunfr* ffb mit bar SeLmSiMeck emes Tgjchea- fpielers an die Arbeit. Er schrieb mit seiner Altweiberschrift die Namen des Bräutigams und der Braut in die dicken Bücher, befragte streng die Zeugen, die die Braut vom Hof heraufholte, behauchte lang und zärtlich die viereckigen Stempel und drückte sie auf die schmierigen Pässe. Dann nahm er von den jungen Eheleuten zwei Rubel entgegen und sagte lächelnd:„Für die Erfüllung des Sakraments." Er erhob sich und streckte gewohnheitsmäßig— er hatte vor Iahren ein Mieder getragen— die Brust heraus. Leuchtend gelbe Sonnenstrahlen lagen wie Epauletten auf seinen Schul- lern. Er sah etwas lächerlich, aber ungewöhnlich feierlich aus. Die konkaven Gläser seines Zwickers glänzten weiß. Die jungen Leute standen da wie Lämmer. „Junge Leute", sagte Worobjew feierlich,„erlaubt mir, euch, wie man früher sagte, zur legalen Eheschließung zu gratulieren. Es ist sehr, sehr erfreulich, junge Menschen, wie ihr es seid, zu sehen, die einander an der Hand halten und der Erfüllung ewiger Ideale entgegenschreiten. Sehr, sehr erfreulich." Nachdem er diese Rede gehalten hatte, drückte er den Neuvermählten die Hand, setzte sich nieder, mit sich selbst äußerst zufrieden, und nahm die Lektüre seiner Papiere wieder auf.-- Der Arbeitstag neigte seinem Ende zu. Vom benach- harten Kirchturm läuteten die Glocken. Die Fensterchen erzitterten. Die Dohlen flogen vom Glockenturm, schwirrten über dem Marktplatz und verschwanden. Der Abendhimmel verdunkelte sich über dem leergewordcnen Platz. Alles was an diesem Tage geboren werden sollte, wurde geboren und in die dicken Bücher eingetragen. Die heiraten wollten, waren verheiratet und kamen in die dicken Bücher. Nur gab es, zum Schaden der Sarggeschäste, keinen Todes- fall. Worobjew legte seine Papiere zusammen, tat sein Pölsterchen in die Lade, kämmte seinen Schnurrbart zurecht und bereitete sich schon vor wegzugehen, von der dampfenden Suppe träumend, als sich die Bürotür ösfncte und auf der Schwelle der Sarghändler Bezentschuk erschien. „Meine Hochachtung, teurer Gast", lächelte Worobjew. „Was haben Sie mir zu erzählen?" Das wilde Gesicht des Händlers leuchtete in der Däm- merung. er sprach aber nichts. „Nun", sagte Worobjew etwas strenger. „Verflucht noch einmal, kann denn die„Nymphe" gute Ware liesern?" fragte der Sarghändler.„Kann sie den Kunden zufriedenstellen?" „Was wollen Sie eigentlich?" fragte Worobjew. „Von der„Nymphe" spreche ich. Drei Familien leben aap wyw emztgeu AMM. Wie könne» Sft ta gUteK Material geben, die Ornamente sind ordinär und die Quasten schütter, verflucht noch einmal. Meine Särge aber sind aus- gewählt gut, wie junge Gurken für Liebhaber..." „Bist du verrückt geworden?" sagte Worobjew kurz und schritt zur Tür.„Du wirst noch mitten unter deinen Särgen den Verstand verlieren." Bezuntschek öffnete zuvorkommend die Tür, ließ Worob- jcw vorausgehen und folgte ihm dann, vor Ungeduld zitternd. „Ja, als noch die Firma„Zu ihren Diensten" existierte, da war's etwas anderes. Keine andere Firma, weder hier noch in Twer,"konnte Särge liefern wie sie, verflucht noch ein- mal. Jetzt aber, ich sage es Ihnen offen heraus, ist meine Ware die beste." Worobjew wandte sich ärgerlich um, sah Bezentschuk eine Sekunde lang an und ging weiter. Die drei Besitzer der„Nymphe" standen in derselben Stellung vor dem Laden, wie sie Worobjew am Morgen ver- lassen hatte. Es machte den Eindruck, als hätten sie seither kein Wort miteinander gewechselt. Der seltsame Ausdruck ihrer Mienen und die geheimnisvolle Befriedigung, die träu- merisch in ihren Augen glänzte, ließen erkennen, daß sie von etwas Außergewöhnlichem wußten. " Als Bezentschuk seine kommerziellen Feinde erblickte, fuchtelte er verzweifelt mit den Händen und flüsterte etwas hinter Worobjew. Der verzog das Gesicht und ging rasch weiter. „Sie können ihn auch auf Kredit haben", äffte Bezentschuk den andern nach. Die drei Besitzer der„Nymphe" aber sagten nichts. Sie setzten sich in Bewegung und schritten schweigend hinter Worobjew einher, lüfteten andauernd ihre Mützen und grüßten höslich. Worobjew, außer sich gebracht durch die dummen Reden des Sarghändlers, eilte schneller als gewöhnlich die Treppe hinauf und betrat mit großem Appetit das Vorzimmer. Ihm entgegen kam der Pope der Laurentiuskirche, Vater Fedor. Der hob mit einer Hand den langen Schoß seines Priester- mantels gnd lief fiebernd, ohne Worobjew zu beachten, dem Ausgang zu. Jetzt erst fiel Worobjew eine ungewohnte Sauberkeit in der Wohnung auf, eine andere Anordnung der wenigen Möbelstücke, und er fühlte ein Kitzeln in der Nase, verursacht von starkem Medizingeruch. Im ersten Zimmer fand er die Nachbarin, die Frau eines Agronomen, Frau Kuznezowa. Sie zischte etwas und winkte mit der Hand.„Es geht ihr schlecht, sie hat soeben gebeichtet. Vater Fedor war eben bei ihr. Machen Sie kein Geräusch mit den Stieseln." ___________.... jotM J ihre Hände begeben wolle. Fedde wurde darauf bedeutet, er möge sich in die Universitätsklinik begeben, denn dort sähen die richtigen Leute. Es scheint, daß dies tatsächlich der Fall ist und man so der Quelle der Ente von der durchschnittenen Kehle sehr nahe kommt. Don dem angeblich Ueberfallenen wurde ein Kommunist der Täterschaft bezichtigt. Dem Betreffenden tonnte bisher nicht das geringste nachgewiesen werden. So wird Mordhetze betrieben! Zum Greifswalder Llnglück. Lag eine Fahrlassigleit der Baupolizei vor? Da» schwere Einsturzunglück in Greifswald hat ein weiteres Todesopfer in der zehnjährigen Ursula Schneider aus Verlin gefordert, die an den Folgen ihrer Verletzungen in der Klinik gestorben ist. Wie wir zu dem Einsturzunglück in Greifswald, dem zahlreiche Angehörie« der Sportvereinigung Fichte zum Opfer fielen, weiter erfahren, spricht die Wahrscheinlichkeit mehr und mehr dafür, daß die Katastrophe durch die Bausälligkeit der Mauer am Gartenrand des Gewerkschaftshauses hervorgerufen ist. Daß die Mauer baufällig war, unterliegt kaum mehr einem Zweifel. Aus diesem Grunde sind auch von den Sportlern, wie uns von ihnen nahestehenden Kreisen mitgeteilt wird, auf dem Grundstück Nr. 26, das mehrere Garagen enthalt, nur Motor. räder untergestellt worden. Die Spartler bestrei- ten, daß auf beiden Seiten der Mauer schwere, zum Transport der Teilnehmer verwendete Lastwagen aufgefahren feien und daß darauf der Zusammenbruch zurückgeführt werden könne. Weiter wollen die Sportler wissen, daß die letzte Ucberprüfung der Anlage erst vor wenigen Wochen, nicht aber, wie die Polizei be- hauptet, vor mehreren Jahren erfolgt sei. Aus dem uns zugegangenen Bericht heben wir weiter hervor, daß die Sportler die Verunglückten vor dem Eintreffen der Polizei und der Feuerwehr geborgen hatten, weiterhin aber die dann in Erscheinung tretend« Hilfe der Angestellten der Univcr- s i t ä t s k l i n i k anerkennen, die in wenigen Minuten vierzehn Aerzte zusammenbrachten. Im übrigen sagt die kommunistische„Kampfgemeinschaft für Rote Sporteinheit" zu dem gegen sie erhobenen Vorwurf, daß sie die sportliche Veranstaltung nach dem Unglück nicht abgebrochen und abgesagt habe, folgendes:„Die Veranstaltungen wurden durchgeführt... auf Grund der Erkenntnis aller Anwesenden, daß diese Durchführung mit dem Ziel der Leistung einer ersten Hilse für die Angehörigen der Verschiedenen und der Verletzten praktische Solidarität bedeutet." Wir können nicht umhin, zu sagen, daß wir eine Sammlung für die Betroffenen für wirkungsvoller, prole- torischcr und solidarischer halten als eine sportliche Veranstaltung angesichts des Todes. Das furchtbare Geschehnis von Greifswald muß se,lbstverständ. ltch den Behörden Anlaß zu einer gründlichen Untersuchung und Verfolgung geben. Zigeunersterben im Gefängnis. Das Ende der Menschenfresser von Moldova. Preßburg, 26. Mai. Man erinnert sich noch des großen Prozesses gegen die Zi» geuner von Moldova, der vor zwei Jahren vor dem Schwurgericht in K a s ch a u zur Verhandlung kam. IS Angeklagte hatten stch damals wegen einer Reihe von Raubmorden und Raubüberfällen zu verantworten. Der Fall erregte deshalb besonderes Interesse, weil den Zigeunern zum Vorwurf gemacht wurde, daß sie das Fleisch ihrer er- mordeten Opfer gegessen hätten. Die Erörterung dieses Punktes wurde jedoch in der Verhandlung nicht zugelassen. Da» Urteil lautete auf lebenslängliches Zuchthaus für die beiden Führer und langjährige Zuchthausstrafen für die anderen Mitglieder der Bande. Nun kommt aus der Strafanstalt in Leopoldov die Meldung, daß der zu 8 Jahren Zuchthaus verurteilte taubstumme Zigeuner Adalbert Rybar gestorben ist. Es ist dies bereits der fünfte Zigeuner der Bande von Moldova, der in den letzten zwei Jahren im Gefängnis starb. Der Tod der fünf bildet eine Be- stätigung der Tatsache, öaß die freiheitsgcwohnten Zigeuner die Hast nicht vertragen können und im Gefängnis schon nach kurzer Zest zugrunde gehen. Ein stramm nationaler Hauswirt. Durch die Zuschrift eines Lesers unseres Blattes erfahren wir von folgendem Erlebnis: Seit langem sucht unser Gewährsmann, der sich einen Woh- nungsschein besorgt hat, eine passend« KleinwohmlAg. Endlich findet er eine Wohnungsanzeige des Inhalts: Eine Zweizimmer- und eine Einzimmerwohnung nebst Küche vermietet(folgt Name), Albertinen- str. 3, Weißensee. Er macht sich auf den Weg und sieht vor dem Hause an der Straße eine Grünanlage, die mit Schutzgittern um- zäunt ist. Da sitzen drei junge Leute, etwa sechzehn Jahre alt, Koppel und Brotbeutel umgeschnallt, und plaudern. Ein Herr tritt aus dem Hause, die drei jungen Leute springen auf, stehen stramm, schlagen die 5)acken zusammen wie ein Rekrut vor dem Feldwebel und sagen Worte, wie„Jawohl, Sjerr Hauptmann" oder so ähnlich. Meine Frage, ob es sich um den Hauswirt handelt, wird bejaht und wir besehen uns zusainmen eine recht nette Wohnung. Der Haus- wirt erklärt:„Ja, die Miete wird wohl etwas teurer kommen, doch darüber werden wir uns schon einigen. Aber nun zum Kern der Sache. In Frage kommen für mich nur nationale deutsche Leute, die sich schriftlich ausweisen können, daß sie nationalen Organisationen angehören und die mitkämpfen, daß die Lotterwirtschaft aufhört und mit dem Gesindel Schluß gemacht wird." Ich bin natürlich gegangen, da Ich fürchtete, ich müßte etwa auch, wie die jungen Leute im Vorgarten, vor diesem Hauswirt strammstehen und Männchen machen. Da» liegt mir als freien Mann nicht. Jeder Mieter ober möge erkennen, in welchem Loger diese Sorte von Hausbesitzern zu Haus« ist." Umleitung der Omnibuslinie A 16. Wegen Erneuerung der Gleise in der Schlesischen Straß« zwischan Oppelner Straße und Euvrystraße, die in zwei Bauabschnitten ausgeführt wird, werden die Omnibusseder Linie A 16 wie folgt umgeleitet: Vom 1. Juni bis 12. Juni in beiden Richtungen über k u v r y- Vernrädrinks« der Eiszeit Wie märkische Landschaftsschönheit entstand. Die Mark Brandenburg ist keineswegs arm an geologi- schen Erscheinungsformen, die meist als Vermächtnis der Eiszeit uns überliefert worden sind. Dahin gehören die wohl jedem in der norddeutschen Tiefebene Wandernden auffälligen Höhenzüge, die man als Endmoräne bezeichnet und die immerhin eine Meeres höhe von 200 Meter erreichen können. Die land- schaftliche Schönheit einer solchen, in sanften Konturen verlaufenden und mit Wäldern bedeckten Hügelkette vermag man erst dann voll zu würdien, wenn einem die„Berge ein Gefühl" sind,'wie es Byron einmal ausgedrückt hat. Das Auf und Ab oder selbst die Kamm- Wanderung läßt uns mcht zur Ruhe kommen, immer«röffnen sich neue Ausblicke, immer wieder fesselt uns ein Fernblick, tauchen am Horizont neue Ortschaften auf. Die innere Spannung envacht und hält unser Interesse lebendig. Moränen als Landschastsbiider. So lohnt es sich gewiß, die verschiedenen Bögen der u ck c r- märkischen Endmoräne, angefangen vom Joachims- thaler Bogen über den Senftenhütter, Ehoriner, L i e p e r bis zum Oderbergcr Bogen einmal zu verfolgen. Ganz besonders reizvoll wird die Aussicht,' wenn sich, wie beifpiels- weise von, Pfingstberg nördlich von Liepe, vor unseren Füßen die ausgedehnte Weite des breiten Tales ausdehnt, das man gleich- falls mit der Eisz«it in Zufammenhang gebracht Hot. Es wird als eine Art Urstromtal gedeutet, in dem sich die Gletscherwässer nach ihrem Durchbruch durch die Endmoräne sammelten, nachdem sie gelegentlich dos Vorland in tiefen Rinnen durchflössen haben. Erst am fernen Horizont taucht aus dem Dunst di« Randlage des anderen Ufers auf. Unserer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt: auch sie darf Hinüberschweisen ins ferne Land der Vergangenheit und darf sich die damalige Landschaft ausmalen. So verbindet denn gerade dies« Landschaft uns noch mittelbar mit der Vorzeit. Das weite Tal ist allerdings heute meist trocken gelegt, die einstigen stagnierenden Wässer sind versickert oder abgeflossen. Nur ein schmales Silber- band durchzieht noch die Ebene, der F i n o w k a n a l, auf dem lebhafte Schiffahrt herrscht. Zwei gewaltige Stromnetz« werden hier miteinander verbunden, das der Elbe mit dem der Oder. Also auch rein räumlich dehnt sich unser Anschammgsvermögen aus und gewinnt neue Perspektiven. An anderer Stelle dort in der Nähe beim Dorfe Brodowin fallen uns bei einer Wanderung über Pehlitz nach Lüders- darf die stachen, in Verlandung bcgristenen Senken und einzelnen Bergkuppen auf. Es handelt sich um die hinter der Endmoräne ge- legen« G r u n d in o r ä n e n l a n d s ch a f t, die ganz besonders ab- wechslungsreiche Bilder bietet. Nach Norden zu befindet sich ein großes Staubecken, der P a r st e i n e r S e e, in dem sich die Wasser, die keinen Abfluß finden konnten, aufgestaut haben. Lappig sind die Umrisse eines solchen Sees, Buchten wechseln mit Landzungen ab, die weit in den See hineinreichen. Auch kleine Inseln tauchen hin und wieder auf. Das Eis hat bei seinem Hingleiten über die Landschaft das Gelände unregelmäßig ausgchobett und bezeichnende Wellenformen geschaffen. Dadurch wird Leben in die Landschaft getragen und sie erfreut uns durch ihre reiche und bunte Gliederung. »Teufelssteine." Und.wenn wir dann vielleicht auf«incr Wanderung noch die groß'en Stefne antreffen, die nian als Findlinge bezeichnet und die vom Inlandeise über gewaltige Entfernungen hinweg, selbst von Finnland und Schweden her, getragen worden sind, so ergreift uns ein tiefes Erstaunen vor der gewaltigen Nawrkraft, die solchö Massen transportieren konnte. Umfaßt doch der größte dieser Findlinge, der„kleine" M a r k g r a s e n st e i n auf den Rauen- schen Bergen südlich von Fürstenwalde etwa 22 Meter. Da tauchen die alten Sagen aus vom Teufel, der dem Müller eine Windmühle aufbauen sollte und zum Pfand dafür seine Seele erhielt. Aber der Pakt kam nicht zustande, der Teufel wurde genarrt und ließ aus Wut und Aerger die gewaltigen Blöcke aus der Luft, durch die er in rasendem Fluge herangeflogen kam, fallen. Ja, noch zu Goethes Zeiten hielt man die erratischen Blöcke für Auswurfbomben erloschener Vulkane und sprach die vielen kleinen Tümpel von kreis- runden, Durchmesser, die man allenthalben in der kuppigen Grund- moränenlandschast antristt, als die Ärateröffnungen der einft feuerspeienden Vulkane an. Erst Tiefenlotungen ergaben einwandfrei, daß davon keine Rede sein könne und daß eben nur die Inland- eistheorie des schwedischen Geologen Torr«l uns eine Er» klärung ftir das Vorkommen der Findlinge im märkischen Sande zu geben imstande sei. Gerade an diesem Beispiel sehen wir deut- lich, wie unser Wissen eine Bereicherung erfahren hat und daß wir über die ErNärung ein iittellckwellcs Lustgestihl empfinden, während wir ohne Kenntnis der Zusanmnmhängc blind unchcrtappen würben. Im Land der braunen Kohle. Verrufen sind die großen Jndustriebezirkeder Nieder- l a u s i tz, wo man in umfangreichen Tagbauten die braune Kohle zutage fördert, lind dock? liegt auch über dieser Landschaft eine Poesie, allerdings ganz anderer Art. Durch die tiefen Gruben mit ihren Einblicken in das Erdinnere, durch die aufgettirmten Schutthalden, di« rauche riden Schornstein« der Brikettfabriken, durch de» Lärm der Sirenen und Signalpseifen erklingt zu uns empor da» Lied der Arbeit. Die Nacht wird zum Tag«, wenn über dem Ganzen die elektrische Lichtfülle ausgebreitet liegt, weil man hier eben rast- los arbeitet und weil hier die Wirtschast regiert. Ileberrascht wird der werden, der zum«rstenmal vor«mein Ab bau profil steht, wo die braune Kohle unterlagert wird von herrlich weißen, Sande, der so rein ist, daß er leuchtendem Schnee vergleichbar wird. Auch hier kann nur die Geologie uns Auskunft darüber geben, daß über den Alllagerungen eines Meeres sich eine Sumpf- Vegetation mit Bäumen bildete, die langsam unter Lust- obschluß vermoderte und zur Kohlenbildung führte. Uns werden volkswirtschaftliche Zufammenhänge erschlossen und dos Wert des Menschen ersteht lebendig vor uns, uns zur Achtung und An- erkenming menfchlichcr Leistungsfähigkeit zwingend. Bei Rüdersdorf schauen wir in dem großen A l v e n s» l e b e>>- B r u ch hinein ins Mittelalter der Erde, in läiegst verflossene Jahrhunderttausende. Dort wird Kalkstein gebrochen, der gleichfalls der Industrie zugute kommt. In einer großartigen Berg- szenerie ist seit der Tätigkeit der Mönche im 16. Jahrhundert das Gelände aufgeschlossen und nütten in der norddeutschen Flachland- schast ersteht vor uns ein Mittelgebirge durch die Horstbilduiia des Mufchelkakts, der an die Erdoberfläche tritt. Wir fühlen uns verbunden mit der fernsten Vorzeit durch die Reste einstiger Lebe- wesen, die versteinert dort geborgen weren. Vor unseren Augen versinkt die Gegenwart und die Ewigkeit der Natur zwingt uns m ihren Bann.■, Jede Landschaft vermag uns nicht nur zu erzählen, sondern si* spricht so anschaulich zu uns, daß wir nie müde werden, zu schauen. Die Lairdfchan ist lebendig, ist ewiges Werden und Vergehen im Kreislauf des Lebens unserer Mutter Erde. Dr. Kurt Kägler. st r a ß e, Wrangel-, Oppelner Straße und vom 13. bis 20. Juni d. I. in beiden Richtungen über Falken st ein st rohe und Oberbaum st raße. TreckerunfaN bei Hannover. Sin Todesopfer, zwei Menschen schwer verletzt. Hameln, 26. Mal. heule vormittag ereignete sich aus der Straße noch Hannover kurz vor Rohrsen ein schweres Verkehrsunglück, dem bis jetzt ein Menschenleben zum Opfer gefallen ist. Ein Tretkcr der W e s e r m ü h l e, der einen mit Mehlsäcken beladenen Wagen zog, fuhr plötzlich aus noch nicht geklärter Ur- fache auf den nebenherlaufenden Fußweg. Hier stieß er gegen einen Prellstein, der durch die Wucht des Anpralles aus der Erde gerissen wurde. Der Trekker stürzte dann die etwa 25 Meter tief« Böschung hinab, wobei er sich zweimal überschlug. Der Führer wurde unter dem Wagen begraben und war sofort t o t. Die beiden Mitfahrer wurden herausgeschleudert. Einer von ihnen hat so schwere Verletzungen erlitten, daß er kaum mit dem Leben davonkommen dürste. Bei dem anderen sind die Verletzungen anscheinend weniger schwer. Warum, Stadi Verlin? Ein„Vorwärts"-Leser schreibt: Schon oft wurde in den Zeitungen Berlins Klage über den Mangel an öffentlichen Bedürfnisan st alten geführt. Wenn die Stadtverwaltung auch bemüht war, durch moderne, unterirdische Bauten dem Mangel Abhilfe zu schaffen, ist es doch unverständlich, daß ein Teil der alten Bedürfnisanstalten entfernt wurde, ohne daß für entsprechenden Ersatz gesorgt worden war. Im Bezirk Kreuz- b e r g zwischen Höllisches Tor und Viktoriaplag sind es allein drei Anstalten(Uorck- Ecke Grohbeereiistraße, Bellc-Alliance-Straße Ecke Vorckstraß�. Kreuzbergstraße Ecke Belle-Alliance-Straße, die abgc- rissen wurden. Im Bezirk Mitte ist z. B. die Anstatt auf dem Wer- derschen Markt entfernt worden. Abhilfe scheint hier dringend not- wendig. Zwei tödliche Badeunfälle. In der Nähe de» Restaurant»„M ü g g« l s ch lö ß ch en" ging gestern nachmittag der 21jährige Schuhmacher Hermann Barbar aus Köpenick, beim Schwimmen plötzlich unter und ertrank. Seine Leiche wurde durch du» Feuerwehr geborgen und in die Köpe- nicker Friedhofshalle gebracht.... Der zweite tödlich« Badeunfall er- eignete sich in der Nähe des Freibades Konradshöhe bch T« g e l o r t. Ein Schwimmer, der sich offenbar zu weit in die Havsk hinausgewagt hatte, versank lautlos im Wasser. Sofort unternom» mene Rettungsversuche verliefen ergebnislos. Das alarmierte Feuem löschboot, das die Unfallstelle stundenlang absuchte, mußte die Bcr- gungsarbeitcn bei Einbruch der Dunkelheit aufgeben. Ltnweiter bei Hamm. Hagel fällt in Taubeneiergröße. 3n den späten Nachtstunden des Pfingstmontag kam auf der Strecke zwischen Gütersloh und Hamm ein schweres Ge- witter zum Ausbruch, das von starkem hagelschlag begleitet wurde. Der Hagel ging fast in der Größe von Taubeneiern nieder, so daß auf den Feldern großer Schaden angerichtet wurde. Das Gewitter erstreckte sich vom Bergischen Land über den I e u t o- b u r g e r Wald bis zur Weser. Elch und Wisent im Zoo. Unmittelbar vor dem Fest hatte der Zoologische Gartett eine neue Freianlage erösfnet, nämlich das Elchgehege. Das Publikum hat also und hatte bereits in den Feiertagen ausgiebig Gelegenheit, diese vier Elche, äußerst seltene und seltsame Tiere, sich in einem verhältnismpßig geräumigen Gebiet ziemlich frei bewegen zu sehen. Elche sind sowohl in der Freiheit als auch in den Zoologi- schen Gärten eine große Seltenheit. Außer deni Berliner hat nur der Stockholmer Garten Elche, In Deutschland kommen sie in der Freiheit nur noch in einem Schutzgebiet in der Memelniederung vor. Die Tiere, die der Berliner Zoo hat, sind noch jung und erst im Laus der Jahre werden die männlichen Tiere ihre prachtvollen breiten Schaufeln entwickeln. Ein besonderes Ereignis war für den Zoo auch die Geburt eines W i s e n t k a l b e s. Während der Elch eine Hirschart ist, ist der Wisent das Wildrind und wie auch der Elch im Aussterben begriffen. Vor dem Krieg hielt der Fürst Pleß in Oberschlesien ein Wisentgehege. Das Kälbchcn im Zoo hat einen Wert von 20000 Mark. Wohl oder übel hat der Zoo bei seiner Modernisierung in seinen Erfrischungsstätten auch T o n z g e l e g e n h e it e n. im ganzen drei, einrichten müssen, die natürlich eifrig benutzt werden. Berlin beteiligt sich am Stresemann-Ehrenmal. Der Magistrat hat beschlossen, für da» S t r e s e m a n n- Ehrenmal, das in Mainz errichtet wird, eines der beiden Tors namens der Stadt Berlin zu stiften. YiKQVoti- fivi das � „Nur ein Scherz." Bon der Anklage des Diebstahls freigesprochen. Vorgesetzte sollten in ihren Scherzen Untergebenen gegenüber besonders vorsichtig sein. Diese goldene Regel verschmähte der Post- assistent(3. und kam auf die Anklagebank— wegen Diebstahls eines Portemonnaies. Und das geschah so: G. war mit zwei Postschassnera die ganz« Nacht im Postwagen durchgefahren und erreichte gegen ö Uhr morgens die Stadt K. Uebernächtigt, begaben sich alle drei in ein Lokal und frühstückten hier. Der Postschaffner N. legte seine Börse auf den Tisch und ließ sie liegen, als er hinausging. Nach seiner Rückkehr war der P o st- assistent verschwunden, mit ihm das Portcmon- noie. Die Wirtin schlug die chände über den Kopf zusammen: Un- möglich, daß der Herr Postassistent Ihr Portemonnaie genommen haben sollte. Der Postschaffner M. meinte: untersuch' mich, ich habe es nicht. Also konnte es nur<3. gewesen sein; es war ja niemand sonst da. N. ging zu G. in die Wohnung, dieser schlief. Er kam nach einiger Zeit wieder; G. war ausgegangen. N. brauchte unbedingt sein Portemonnaie: die 18 Mark, die sich darin befanden, waren sein letztes Geld. Nachts ging sein Zug nach Berlin. Gegen 10 Uhr, kurz vor Abgang des Zuges, kam G. und überreichte N. das Portemonnaie.„Ich habe ja bloß einen Scherz gemocht", meinte er.„Ein schöner Scherz", antwortete darauf N.„Gut ich werde keine Anzeige erstatten". Und er erstattet« wirklich keine Anzeige; die Sache schien vergesien. Dann entstanden aber im Dienste des G. irgendwelche Verwicklungen: Es wurden ihm schlimme Verfehlungen nachgesagt. Im Laufe des Verfahren«— es verlief im Sande— stellte man fest, daß er im Verdacht gestanden habe, aus. der Arbeitskleidung seiner Kollegen Geld entwendet zu haben. Auch der Scherz mit N. wurde ruchbar. Der Staatsanwalt erhob Anklage wegen Diebstahls und so stand G- vor Gericht. Die beiden Postschaffner schilderten den chcrgong jenes Scherzes ihres Borge- setzten, der sonst durchweg nicht zu Scherzen geneigt war. Die Frau des Angeklagten erzählte, daß ihr Mann, als er erfuhr, daß N. dagewesen sei, erklärt habe: Donnerwetter, ich habe ja ganz ver» gesien, warum hast du es mir nicht früher gesagt, der Geldbeutel steckt doch in meinem Lodenmantel." Der Staatsanwalt wollte ober an den Scherz nicht recht glauben. Er meinte, daß der Angeklagte angesichts der verschiedenen Verdachtsmomente, die gegen ihn in anderen Fällen vorgelegen hätten und angesichts seiner Neigung zum Alkohol, für den er viel Geld brauchte, es in allem Ernst auf die 18 Mark seines Untergebenen abgesehen hatte. Die Frau erlitt«inen hysterischen Anfall, der Mann wischte sich verstohlen eine Träne und das Gericht sprach ihn frei. Schuh den Blumen! In Berg und Tal, Garten und Feld grünt und blüht es wieder, und auf Wiesen, Feldern und Mooren leuchtet es schon in allen Farben! Die Wanderlust setzt wieder ein, und deshalb ergehe hiermit der Mahnruf an alle nuirrischen Wanderer und Wochenendfahrer, bei ihren Wanderungen und Ausflügen den Schutz der hei- mischen Flora besoders zu beachten; denn durch das Abbrechen von Blütenzweigen und durch das Zertreten von Pflanzen auf Aeckern und Wiesen gehen viele Werte verloren. Ebenso ist das Abpflücken, Ausreihen und Niederschlagen von Blumen, was man ja häufig beobachten kann, verwerflich; dadurch wird nicht nur dem nachfolgenden Wanderer die Freude an der Natur entzogen, sondern auch die zu Heilzwecken dienenden Pflanzen der leidenden Menschheit geraubiL. In' der Sommer-' nrS' Resfrzest suchen Taufende von Touristen die Alpenländer auf, und diesen sei dringend ans Herz gelegt, die Alpenflora zu schonen und zu schätzen. Leider wird dieser Wunsch viel zu wenig beherzigt; denn oft genug trifft man in den Bergen Touristen, die gcraßezu den Eindruck fliegender Blumenhändler tmcheil, und die Zierden des Hochgebirges(Edelweiß, Almenrausch, Alpenrosen, Enzian, Disteln usw.) büschelartig an Hüten, Eis- pickeln und Bergstöcken tragen. Ein Beweis, wie notwendig diese Mahnung ist._ Das Mikrophon im Arbeitsgericht. Der Ausruf der Termine beim Arbeitsgericht und auch bei anderen Gerichten vollzieht sich bis jetzt so: Der Richter drückt auf einen Knopf. Manchmal nach kurzer, meistens aber erst nach längerer Zeit— er hat ja mehrere Säle zu betreuen— erscheint der Justizwachtmeister. Der Richter weist ihn an, die nächste Sache aufzurufen. Der Wachtmeister geht hinaus. Man hört ihn rufen- „Krause gegen Lehmann, Parteien und Zeugen bitte eintreten."— Sie treten ein. Inzwischen sind fünf bis zehn Minuten vergangen. Diese etwas umständliche und zeitraubende Prozedur wird wesentlich vereinfacht und abgekürzt durch eine Einrichtung, die jetzt in einem Sitzungssaal des Arbeitsgerichts probeweise installiert ist. Da steht auf dem Gerichtstisch ein Mikrophon, das verbunden ist mit einem im Warteraum angebrachten Laut- spreche?. Mit Hilfe dieses Apparates ruft der Richter selbst die Parteien und Zeugen auf. Nach einigen Sekunden hat er sie vor sich. Oder er stellt durch nochmaligen Ausruf fest, daß die ein« oder die andere Partei nicht erschienen, wodurch die Voraussetzung für ein Versäumnisurteil gegeben ist. Jugend gegen Reaktion. Die Jugendliga für Menschenrecht« hatte zu einer Kundgebung unter dem Motto:„Die Jugend im Kampfe gegen die Reaktion" in den Plenarsaal des Reichswirtschastsrats g«rufcn. Der Redner der republikanischen Studenten, Hubertus Prinz zu Löwenstein, gestaltete sein Referat zu einer eindrucksvollen Bekundung für den neuen Staat der demokratischen Republik und seine Symbole. Konrad R o s e n st c i n behandelte die soziologischen Grundlagen der Reaktion, namentlich für ihre Werbung unter den Jugendlichen. Werner Burmeister verlangte von den republi- konischen Parteien ein stärkeres Bekenntnis zur Idee der Demokratie. Die Redner der älteren Generation, Leo Lania und Professor Alfons Goldschmidt begaben sich leider in die Riede- rung kommunistischer Parteipropaganda. Arbeiisgemeinfchast sozialistischer Künstler. Im Konferenzzimmer des G e w e r k s ch a f t s h a u f e s fand ein D i s k u s s i o n s a b e n d der neugegründeten„Arbeitsgemein- jchaft sozialistischer Künstler" statt, zu dem vom ADGB. Genosse Bredow und von der Voltsbühne Genosse W i n k l e r erschienen waren. Hauptthema war„Das Theater als politischer Faktor". Ein Schauspieler bezeichnete das Theater als„Ware": die große Masse suche Zerstreuung nach nervenaufreibender Tätigkeit in Fabrik und Büro. Die zahlreichen Kinos, die über die ganze Stadt zer- Oeffentliche Versammlung am Mittwoch, dem 27. Mal, 2V� Uhr, im Gese'lschafis- haus, Friedrichshagen, Friedrichstrafjc 137 Thema:„Der Kampf um Preußen" Redner; Landlagtahge ordneier Ernst Heilmann Volksgenossen! Folgt unserem Rufe!— Kommt zur Versammlung!— Helft den Faschismus bekämpfen! streut, auch in den Arbeitergegenden, mit starker Reklame locken, kämen der Masse entgegen. Heute ist der Geschmack des Kinos der Geschmack überhaupt. Aber wenn man wieder Schauspieler- Ensembles zusammenstellen würde, die aktuelle Zeitstücke brächten, mit vorheriger intensiver Reklame, auf zahlreichen, kleinen Bühnen, mit kleinen Eintrittspreisen, so würde das eine große Propaganda für die sozialistische Idee bedeuten. Gleichzeitig den vielen beschäftigungslosen Schauspielern ihre einzige Sehnsucht, „Theater spielen" zu können, verwirklichen. Bildhauer Selbig sprach über das zweckmäßige Bühnenbild des modernen Zeitstücks, Musiker Pohl über die Musik als Stimmungsbereiter. Genosse Bredow vom ADGB. warnte vor übertriebenem Optimismus. Nicht nur der Künstlerschaft, auch der Arbeiterschaft geht es heute schlecht. In einzelnen Berufszweigen herrsche bis zu 89 Proz. Arbeitslosigkeit. Trotzdem würde man die Arbeitsgemeinschaft unterstützen, sobald sie�mit einem durchführbaren Projekt auf den Plan trete. Aus die Schwierigkeit, ein geeignetes Stück zu finden oder zu schreiben, das sozialistische Ideen bühnenwirksam mache, kam zum Schluß Genosse Winl'lcr von der Volksbühne zu sprechen. Eröffnung eines UebergangsheimS. Das Rcichsjugendwohlfahrtsgefetz sieht leider für die Fürsorge- erziehung eine konfessionelle Gliederung vor. Die Juden haben für ihre männliche gefährdete Jugend ein Heim gegründet und zwar in Wolzig. Wolzig hat als Heimleiter einen Mediziner, Dr. L u b i n s k i, der bemüht ist, die Anstalt nach den Grund- sätzen der modernsten Heilpödagogik zu leiten. Dr. Lubinski erachtet es zur völligen Entspannung seiner Zöglinge aus der Atmosphäre der häuslichen Miseren für unbedingt notwendig, daß die Iungens durch Beherrschung eines Handwerks zur Erstärkung ihres Willens gelangen. Um dies zu erreichen, find in Wolzig eine Tischlerei, eine Schneiderei, eine Schuhmacherei, eine Gärtnerei und eine Konfektions schneideret eingerichtet worden, wo die Jungen« unter sachgemäßer Leitung eines Handwcrksineisters für jeden Betrieb eines dieser Gewerbe erlernen können. Die Ver- mittlung in Lehrstellen geschieht dann durch den jüdischen Arbeits- Nachweis der Gemeinde Berlin. In notwendiger Ergänzung der Erziehungsarbeit in Wolzig wurde nun jetzt das Jugend- wohirheim in der Holz markt st ratze 64 eröffnet. Hier sollen nun die in Berliner Lehrstellen befindkichen Jungen Halt und Unterkunft in der Großstadt finden. Man verspricht sich von der Wiedereingliederung in die menschliche Gesellschaft einen länger anhaltenden Ersolq, wenn den Jungens in der ersten Zeit in diesem Uebergangsheim Gelegenheit geboten wird, sich noch mit Führern zu besprechen. Dieses Heim in der Holzmarktstraße hat Raum für etwa 30 Jungens. Es ist schlicht aber fehr geschmackvoll einge- richtet._ Fernsprechrechnungen. Es empfiehlt sich, während der Urlaubs- und Sommerreise zur Vermeidung von Unzuträglichkeitcn, die bei nicht rechtzeitiger Bc- Zahlung der Fernsprechrechnungen entstehen können, die Bezahlung der Fernsprechrechnung einem Familienangehörigen, Angestellten usw. zu übertragen oder die Nachsendung der Rechnung beim Fernsprechamt zu beantragen. Es genügt aber auch, einen ausreichenden Betrag zur Deckung der bis zur Rückkehr fällig werdenden Fernsprechgebühren auf das Postscheckkonto des Fern- sprechamts einzuzahlen. Auf dem Abschnitt der Postanweisung oder Zählkarte gibt man dann die Vermittlungsstelle und Nummer seines Anschlusses an. Der Tourist und Wochenendler braucht unbedingt ein Hand- liches Eisenbahnkursbuch. Der von der Reichsbahn- direktion Berlin jetzt zum erstenmal herausgegebene Amtliche Taschenfahrplan für Berlin und die Mark Bran- d e n b u r g(70 Pf.) enthält alles für den aus Berlin Fahrenden Wichtige, z. B. auch Fahrpläne der Kleinbahnen, der wichtigsten Dampferlinien und der Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen, ferner eine Zusammenstellung der großen Fernverbindungen, sämt- liche in Berlin ankommenden und abfahrenden Fernzüge und eine Preistafel für den Fernverkehr und die Sonntagsruckfahrt- karten. Die Redigierunz dieses Fahrplanbuches kann als aus- gezeichnet gelobt werden. Der Fahrplan ist an den Bahnhossschaltern und den Bahnhofsbuchhandlungen zu haben. ReqclmSbig«»nd qriindliche Rclniqunq der Kopfhaut ist die Erundlaqe kllr flcfund«# und schönes Saar. Ramentlich für solckie Personen, die an Schuppen und Schinnen leiden, und deren Saar anfiinat sich su lichten, ist es wichtig, mindestens TDiMenitich einmal den Haorboden arilndlich ju waschen und»u massieren, tsian, besonders dazu aeeignet und wegen seiner belebenden Wie. lung geschäht ist das seit gahrtehnten bekannte PIraoon»ndPiravon�f.honipoon. Berlin ist stol, daraus, dag die giaaretteutabri? Envcr Ben auf der vor- silbrigen stnlernationalcn?akolausstcliu»a in Saloniki sMaredonien) die nwldcne Medaille mit Belobung erbaltcn bal. LS ist dies ei» Beweis der erst- Ilassigen, von Fachleuten anertanntcn Qualität der Enver-Bey-Fabrlkotc, kinsendungen für diese Rubrik sind Berit» SB SS, Lindenstratze 3, parieinachrichten für Groß-Berlin stet, a» da» Bezirk-sekretarlat e. Hos. 2 Treppen recht». ,» richte». 4. Are!» sArbeiteewohlsahrt). Bonnersiag, 2k!. Mai, 20 Uhr, im Alters» beim.?a»,iger Str. 02. Berfammiuna aller Heiser der Arbcitrrwohlsabrt und. Mitglieder der WoblKhrtskommission. Vortrag des Genossen Rofcmonn itber: »Pi« neuen Erundiätle der Berliner Woblsahrts- und Iugendkommission im seiialistischan Sinne". Die ssunttionnrc treffen sich gu einer wichtigen Be> siprechung und Aktenerledigung ein« Stunde früher. 18. Ärei». Mittwoch, llll. Mai.-20 Uhr. Areismitgliederversammlung im Rcstaueant„Zum Pserdemarft". Genosse Karl Schräder spricht über:„Knllur- bolschewiemns". U4. Aot. Zablabend Mittwoch. 27. Mai. 1»',« Uhr. 1. Gruppe bei Kohring, Main,, er Sirasie Ecke sfrankfurtcr Allee. 2. Gruppe bei Kubsch. Simon-Sach- Ecke Grlinberger Strasse. 3. Gruppe bei Schwär., er, Eabriel-Mar-Str. 17. 4. Gruppe bei Schubert, Wsilillchstr. 36. Arbeiksgemeinschafi der Hinderfreunde Groß-Berlin. Zentrale. Arbeitslose läelfer, heute. Mittwoch. 15 Uhr, siir Transport des Zelt- lagcrmaterial», Aorwärtsgedäude(Schuppen) einfinden. j Sterbetafel ver Groß- Berliner Partei« Organisation so. Abt. Am 23. Mai verstarb unsere sieb« Genossin Martha Becker, Neu- kössn. ftaldastr. U— 15, im 52. Lcbensiahr. Wir werden dieser stets tätigen Mitkämpferin ein ehrendes Anhenten bewahren. Einäscherungsfeier nm Bon- nerztag, 28. Mai, 17!ä Uhr, im streinaiarium Paumfchulenwcg. Zahlreiche Beteiligung crbclcn. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin ckiasendungen für diese rRnbrlf nur an das Jugendsekretarfat. ÄerNn GW 68. Ülntenfhaüe 3 heule. ZMkiwoch, 19'A Uhr: Gelundbruunen B; Christianiastr. 36. JtTosscitfantpf."— Gesundbrupren sR.»K.): Eotenburger Str. 2. sfahrtenerlebnisse.— Petersburger Viertel: Ebertnstr. 12. sfahrtrnbeeicht.— Wanasee: Restaurant Lindcnhof, Wilbelnrplah. Zack-London-Abend.— Lichtenrade: Noonstrasse. Zahrtenberichie.— Tempclbos: Gössstrasse...Rnsslonds Weg vir Diktatur."— Gollenberg: Jugendheim der Gartenstadt..Aitohol und Nikotin."— Zriedrichsselde: Sunterstr. 41.„Unsere Hcimzeitung."— Lichtenberg-Mitte: Scharnweberstr. 26.„Die politische Lage." — Lichtenberg-Nordwest: Tossestr. 22...Wir und die bürgerlich« Zuaeni."— Mohlsdors: Melanchthonstr. 63. ly Minuten-Ncierate. LSG. Westen: I8>z Uhr Rosinenitr. 4. jenseits des Marxismus." Werb»be,ill Neukölln: EWB.-Borftandssissung im Parteibüro. Sprechstunde und Sprechchorprob« fallen aus.__ Vorträge,Nerelne undVersammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rok Gold". Geschäftsstelle: Berlin S. 14. Eebastianstr. 37—38. Lok 2. St Mittwoch, 27. Mai. Prenzlauer Berg fIungbanncr). 20 Uhr Zu- fammenkunft aller Kameraden in bekannter Turnhall«. Sportler Turn.vua mitbringen.— Donnerstag. 28. Mai. Wilmersdorf lOrtsoerein). 20 Uhr Woiuttsversamtnlung bei Äuika. Lauendurger Str. 21.— Zrcitag. 29. Mai. Tiergarten(Iunqtonner). 19% Uhr Werbeabend in der Aula de» ssilm. und Bildamtes. Levessowstr. 1—5. Vorführung des Theaterstückes:„flrach um Leutnant Blumcnthal". Eintrittskarten im Eaubüro erhältlich.— veeeiaianng ehem. jg-icgsgclangcner, Berlia-ssdc«. Donnerstag, 28. Mai, 26sh Uhr, hei Kriiger. Erimmftr. 1. Kurzschriftoerein ,u Eharlottenbura E. B.(Einheitskurgschrift). Jeden Diens- tag und Zreitag von 19?« bis Z\'A Uhr Anfänger-, Korihildungs- und Rede- schrifNehrgänge. Ucbcrttagung der EinheitskurKchrift auf das Englische. Siemens-Oheercasschule. Schlossstr. 27.__ lonefellow Enelish Dcbaiing Club: Mittwoch, 20 Uhr, Zahnärztehaus, BOlowstraBe 104, Guttmannsaal: Dr. James Murphy, Dublin:„Europe's De dt to ireland" Allgemeine Wetterlage. 26. Mai-fSS�abds. =r2* «To« ®£5* G wolkenlos� hsiler.O hslbbedeckr ewolkig�bedei�RegofVoGrsupelii !Schn«t=Nebcl,'KGewinec@'WiiJstiIl0 •"-X- l:fi Auch am Dienstag war es in Deutschland sehr warm. Nur direkt an der Küste war es bei Seewinden kühler. Im Binnenlande stiegen die Temperaturen auf 27 bis 32 Grad Celsius. Vereinzelt tani es in Westdeutschland zu Gewittern, die aber meist ohne Regen niedergingen. Das Hoch über Europa verflacht sich jetzt allmählich, so daß die Gewitterneigung zunehmen dürfte. Sonst ist vorläufig mit keiner wesentlichen Aenderung zu rechnen. Ivetteraussichten sür Berlin. Weiterhin warm und ziemlich heiter, Gewitterneigung.— Für Deutschland: Allgemein beständiges Wetter mit einzelnen örtlichen Gewittern, namentlich in der west- lichcn Reichshälfte und in den Gebirgsländern. ■M»'rVSSSZ&OSt iS- Stumpsak ulLuae*— Berliner Arbeitsmarttkatastrophe. Di« Reichshaupistadt Krisenzentrum in Neutschland. Reuer Bankzusammenbruch. Auswirkungen des Wiener Riesenkrachs. Der Zusammenbruch der gröhten Bank in Wien, der van Roch- schich beherrschten Creditanstalt, hat jetzt ein weiteres Unternehmen in den Strudel gerissen. Es hat sich gezeigt, daß die sosort von der österreichischen Regie- rung angesetzte Stützungsaktion durch den plötzlichen Abzug aus- löndischcr Gelder schwer gestört wurde, so daß sie ihren Zweck nicht in dem vorgesehenen Maße erreichte. Jedenfalls ist es nicht ge- hingen, das nervös gewordene Auslandskapital in Oesterreich sest- zuhalten. Im Zusammenhang mit dieser Flucht des ausländischen Kapitals steht auch die neue Pleite bei der Bankgruppe Auspitz-Lieben. Bei diesem Unternehmen sollen die Verbindlichkeiten weit mehr als 25 Millionen Mark betragen. Auch hier kommt, wie im Falle der Wiener Crcditansialt, das Ungesunde des ganzen österreichischen Bankwesens zum Ausdruck. Auspitz-Lieben wurde vor etwa tv Iahren gegründet und umfaßte eine Anzahl von Banken, die schon seit einem Jahrhundert die Vermögen der alten adligen österreichischen Familien verwalteten. Sa erklärt es sich auch, daß gerade die Wiener Patrizier- samilien ihre Gelder der Auspitz-Lieben u. Co. anvertrauten. Mit diesen Geldern hat die Bankfirma spekulative Geschäfte gemacht, vor allem Börsengeschäfte. Hierbei sollen in letzter Zeit an der Amster- damer und der New-Porker Börse größere Verluste eingetreten sein. Wenn man den Kursrückgang an den ausländischen Börsen zeitlich feststellt, dann stellt sich heraus, daß Auspitz-Lieben schon seit Wochen pleite gewesen sind. Es gelang der Firma, diese Tatsache nach außen hin zu verbergen. Erst als ausländische Kapitalistenkrcise im An- schluß an die Pleite der Wiener Creditanstalt ihre Gelder zurück- zogen, wurde der Konkurs von Auspitz-Lieben offenbar. Daraus läßt sich schließen, daß der Abzug fremder Gelder aus Oesterreich sehr umsangreich gewesen sein muß. Ursache wie auch Folge des neuen Bankkrachs in Oesterreich ist, daß das Sanierungswerk bei der Creditanstalt gestört wird. Zwei große Bankpleitcn in einem Monat mit Verlusten von über 150 Millionen Mark müssen den Kredit des kleinen Oesterreichs heftig erschüttern. Die österreichische Regierung sah sich gezwungen, sich an Noteninstitutc des Auslands zu wenden. Man hosft, mit ihrer Hilfe sogenannte Stillhaltekonsortien zu bilden, d. h. die großen Banken sollen sich zusammentun, die drängenden kleinen Gläubiger im Aus- land auszahlen und ihre Forderungen zunächst stunden.(Im Zu- sammenhang damit spricht man auch von einer Uebcrnahme öfter- rcichischer Aktien aus dem Besitz der Creditanstalt und den Beständen der Auspitz-Lieben u. Co. durch eine dcutsch-österreichische Gruppe.) Gelingt es der österreichischen Regierung, diese Konsortien zustande zu bringen, dann läßt sich ohne Zweifel die Sanierung der Credit- anstalt— Auspitz-Lieben dürfte wohl nicht mehr zu retten sein— durchführen. Man darf aber nicht darüber im Zweifel sein, daß die Aktion der österreichischen Volkswirtschaft ungeheure Opfer kosten wird. Nach neuesten Meldungen aus Wien ist unter Zustimmung der Bank von England ein internationales Finanzkonsortium gebildet worden, das der Oesterreichischen Creditanstalt Mittel über die ent- zogenrn hinaus zur Verfügung stellen soll. Dem Konsortium ge- hören das Londoner Haus Rothschild, die Anglo- Intcrnational-Bank sowie das französische Bank- haus Lazare Frcres an. Im Zusammenhang hiermit ver- lautet, daß ein französisch-deutsches Bankenkonsortium Interesse für die in Regierungsbcsitz befindlichen Aktien der Kreditanstalt bekunde; der französische Vertreter soll bereits auf dem Wege nach Wien sein. �Cina. Bestätigung dofük,v dost Deutschland oder deutsche. Banken .�gemeinsam mit französischen Banken«ine. Stützungsaktion, jür fdie Kreditanstalt eingeleitet haben, war in Berlin nicht zu er- halte n. Ebenso ist hier nichts von einer Beteiligung an dem englischen internationalen Bankenkonsortium durch deutsche Banken bekannt. 9 proz. Dividende bei Tack. Preisabbau hat die Gewinnspanne nicht verringert. Die Schuhfabrik Conrad Tack u. Co. in Berlin und Burg hat auch im vergangenen Jahr ihre seit Jahren hohe Rentabilität aufrechterhalten können. In der ersten Hälfte von 1930 lagen die Umsätze sogar noch über dem Stand des Vorjahres und auch im zweiten Halbjahr ist trotz der im Herbst eingetretenen wesentlichen Preissenkung für Schuhe der wertinäßig« Umsatz nurumIProz. hinter 1929 zurückgeblieben. Der Betriebsgewinn ist von 4 auf 3,4 Millionen Mark zurückgegangen, zugleich aber sind die Unkosten in noch stärkerem Verhältnis von 3,3 auf 2,8 Millionen Mark gosunken. Der Rein- gewinn, der mit 535 000 M. ausgewiesen wird, liegt sogar noch um mehr als 11 Proz. über dem Gewinn des Vorjahres. Es fällt dein Unternehmen daher nicht schwer, die hohe Dividende von 1929 mit 9 Proz. auch fiir das Berichtsjahr aufrechtzuerhalten. Im neuen Geschäftsjahr hat sich die B e t r i e b s l a g e auch weiterhin befriedigend entwickelt und die Umsätze holten sich auf «inem verhältnismäßig günstigen Stand, da die Preislagen der ver- Schon in den vorhergehenden Iahren ließ sich feststellen, daß der Arbcitsmarkt der Rcichshauptstadt in seiner Entlastung weit h i nt c r dem Reichsdurchschnitt zurückblieb. Die Gründe hierfür waren in den einzelnen Jahren verschiedenartiger Natur. Von wesentlicher Bedeutung war die außerordentlich starke Zu- Wanderung nach Berlin, die erst im letzten Jahr in ihr Gegen- teil umgeschlagen ist und einer geringen Abwanderung Platz ge- macht hat. Zum Teil sprach auch die schon 1929 in Erscheinung getretene F i n a n z n o t Berlins mit, die in der zweiten Hälfte des Jahres 1929 und besonders im Frühjahr 1930 zu außerordentlich starken Einschränkungen kommunaler Aufträge zwang. Bei der Bedeutung Berlins als Auftraggeber vornehmlich im Baugewerbe mußten diese ebenso notwendigen wie bedauerlichen Drosselung?- maßnahmen schwere Rückwirkungen auf den Arbeitsmarkt zeitigen. Die Entwicklung des Berliner Arbeitsmarktes in der Saison- belcbung dieses Frühjahrs übertrifft ober bei weitem alle bösen Ersah rungen der letzten Jahre. Auch der ärgste Pessimist dürfte eine derartig katastrophale Lage, wie sie der Berliner Arbeitsmarkt jetzt in der zweiten Maihälfte aufweist, nicht erwartet haben. Nach dem jetzt veröffentlichten Bericht des Landesarbcitsamtes Brandenburg(Bcrlin-Brandenburg-Grenzmark) sank vom 1. bis 15. Mai die Zahl der Arbeitsuchenden im Bereich des Landcsarbeits- amtes um 9072 auf 614 952 Personen. Während die Arbeitsämter in Brandenburg und der Grenzmark einen Abgang von 11 860 Arbeitsuchenden verzeichneten, ist in der gleichen Zeit in Berlin die Arbeitslosigkeit noch gestiegen und weift einen Zugang von 2788 Personen, fast ausschließlich Iveib- lichcn Arbeitsuchenden, auf. Insgesamt waren am 15. Mai in Berlin noch 449 356 Erwerbslose vorhanden, so daß in den acht ringertcn Kaufkraft der Konsumenten angepaßt worden seien.— Der Abschluß der Conrad Tack A.- G. beweistt, daß auch die immerhin bemerkenswerten Preissenkungen für Schuhe die Gewinn- spannen bei den Fabriken nicht im geringsten beeinflußt haben. Dies ist sicher in erster Linie der seit Jahren ständig erhöhten Leistung der Schuharbeitcr zu verdanken, wodurch der Anteil der Lohnkosten am Produkt erheblich verringert wurde. Um so schärfere Zurückweisung verdienen die von den Schuhfabrikanten angesetzten Attacken auf die Löhne, die in diesem Fall auch vom Unternehincrftandpunkt glatte Dcsperadopalitit dar- stellen, da kaum ein anderer Gcwcrbezweig so unmittelbar von der Koufkroftdrosielung betroffen wird, wie die Bekleidungsindustrie. Verschärste Hypoihekenaufslchi. Erlaß über Bilanzkontrolle bei Hypothekenbanken. Die Hypothekenbanken unterstchen bereits seit dem Jahre 1899 einer verhältnismäßig strengen Staatsaufsicht. Aber die Entwicklung der Wirtschaft geht unaufhalffom dahin, daß sich der regulierende Einfluß des Staates als immer notwendiger er- weist. Man den in diesem Zusammenhang an die vor kurzem erfolgte Verschärfung der Aufsicht über die Privatverficherung und �Einführung Set Stoatsaufsicht; über dir Bausparkassen/. 7 Im Zuge dieser Entwicklung wird jetzt sogar die staatliche Kontrolle über die Hypothekenbanken verschärft. Der preußische Minister für Volkswohlfahrt hat einen Erlaß herausgegeben, wo- nach in Zukunft alle preußischen Hypothekenbanken ihre Bilanzen�regellnähig durch geeignete unabhängige Treu- Handgesellschaften revidieren lassen müsien und die Revisionsberichte dem Ministerium einzuschicken sind. Damit wird die regelmäßige Staatsaufsicht über die Hauptgeschäste der Hypo- thekenbanken hinaus, die schon bisher streng geprüft wurden— Gewährung von Hypotheken und kommunalen Darlehen einerseits, Ausgabe von Pfandbriefen und kommunalen Obligationen anderer- seits— auf die Nebenqeschäfte, nämlich die Anlage flüssiger Gelder und Reserven, ausgedehnt. Auflösung des Enqueteausschusses. Einer Veröffentlichung im „Deutschen Reichsanzeiger" zufolge hat die Reichsregierüng die Auflösung des Ausschusses zur Untersuchung der Erzeugungs- und Absatzbedingungen der deutschen Wirtschaft(Enqueteausschuß) zum 30. Juni 1931 verfügt.— Wenn die Untersuchungsergebnisse des Ausschusses auch wiederholt unsere Kritik herausgefordert haben, so muß doch festgestellt werden, daß er sn den fünf Jahren feines Bc- ftehens werrvolle Forschungsarbeit zur Durchleuchtung der deutschen Wirtschaft gelefftct hat. Tagung des europäijchcn Stahltartells. Die Internationale R o h st a h l g e m e i n s ch a f t hat sich in ihrer Parffer Sitzung dieser Tage dahin geeinigt, daß bei der bevorstehenden Fest- setzuirg der Exportquoten das Jahr 1927 zur Grundlage gcnomnien wird. Wochen der Saisonbclebung die Erwerbslosigkeit in der Reichs- Hauptstadt, die am 15. März mit 486 434 Personen ihren Höhepunkt erreicht hatte, nur einen Rückgang von 37 078 Personen aufweist. Mit einer Entlastung des Arbeitsmarktes von 7,6 Proz. bleibt Berlin gegenüber dem Reichsdurchschnitt, der seit Mitte März 14,5 Proz. beträgt, f a st um di e Hälfte zurück. Dieses Er- gebnis ist ebenso katastrophal für die werktätigen M a ss e n der Reichshaupfftadt, wie es für die Finanzen Berlins vernichtende Zolgen haben muß. da über 200 000 Personen als Wohlfahrtserwerbslofe der Stadt zur Last fallen. Im einzelnen führt der Bericht des Landesarbcitsamtes aus, daß die Nachfrage nach Arbeitskrästen aus der Landwirtschaft nach Beendigung der Frühjahrsbestellung nachgelassen l?at. Nur die Spargelernte übte belebenden Einfluß aus. Im Braunkohlen- b c r g b a u scheint sich eine Besierung anzubahnen; während einige Betriebe von der Kurz- zur Vollarbeit übergingen, nahmen andere bereits Wiedereinstellung von Arbeitskräften vor. Auch in der G l a s i n d u st r i c fetzte sich ein« gewisse Belebung durch. Die für den Berliner und auch Brandenburger Arbcitsmarkt entscheidende Lage in der Metallindustrie hat sich dagegen nur wenig geändert. Zwar konnten im Werkzeugmaschinenbau und in der Autoindustrie zahlreiche Spezialkräfte untergebracht werden. Dagegen fanden in der Radio- und Tclephonindustrie zahlreiche Entlassungen statt. In der Textilindustrie und im Bcklerdungsgeiverbc hat die Belebung noch angehalten. Völlig un- genügend blieb die Aufnahmefähigkeit des Baugewerbes, da in einigen Arbcitsomtsbezirken die Neueinstellung von Arbeitskräften bereits zum Stillstand gekommen ist. Oeckungsrekord bei der �eichsbank. Weiterer Rückgang der Kreditbeanspruchung. In der Woche zum 23. Mai hat sich die Beanspruchung des Rcichsbankkredits um rund 100 Millionen Mark auf 1600 Millionen Mark verringert. Damit ist ein neuer Tiesstand er- reicht. Der mit Hilfe von Handelswechseln und Hondelsschecks ver- schaffte Kredit zeigt allerdings«ine Zunahme um 13 Millionen auf 1430,5 Millionen. Weiter liegt eine stärkere Zunahme der Devisenbestäüde um fast 30 Millionen Mark vor, so daß sich die Gold- und Devisenbestände insgesamt auf 2567 Millionen Mark erhöhen. Die Deckung der Roten durch Gold allein beträgt 60,6 Proz. gegenüber 63,2 Proz. in der Vorwoche, die durch Gold und Deckungsdcviscn 65 Proz. gegenüber 68,4 Proz. Oevisenieuerung. An der gcstrig«ii Börse trat ein mißergewöhnffch starker Be- darf nach ausländischen Devisen ,n Erscheinung, der ein Anziehen des Dollarkurses bis auf 4,206 zur Folge hatte. Englische Pfunde erreichten 20,46 Mark. Diese starke Devisennachfrag« hat verschieden« Gründe. Zu- nächst handelt es sich um Deckungen für verschiedene Baisse-Engagc- mentZ, dazu kommt,.daß das.. Ausland. in seinen Leidevisenbcstänhcn .stärkere. A u� tn in in u n ge u vornimmt'itld seine Engagements in Deutschland' Zu vermindern sucht. Auch die umfangreichen Efsektenverkäufe des Auslandes dürsten hierbei mit- sprechen, denn der Gegenwert für diese abgcsttißenen Papiere muh in Devisen bereitgehalten werden. Die Reichsbank sah sich ge- nöttgt, den Devisenbedarf im wesentlichen zu befriedigen, da aus dem freien Markt nur ganz geringes Angebot vorlag. Schriftgießerei in der Krise. Für das Geschäftsjahr 1930 weist die H. Berthold, Mcssinglinienfabrik und Schriftgießerei A.-G., Berlin(Kapital 5,5 Millionen Mark), einen Verlust von 0,3 Mil- lionen Mark aus, der aus dem Reservefonds gedeckt wird. Die Wirtschaftskrise hat bei diesem Unternehmen, das Schriften und Messinglinien für Buchdruckereien fabriziert, zu einem Umsatz- r ü ck g a n g von 20 Proz. geführt. Infolgedessen sind im Laufe des Jahres die Werke Stuttgart und Leipzig stillgelegt worden, so daß der Betrieb auf die beiden Berliner Werke kon- zentriert wurde. Wie weit dabei die Beschäftigtenzahl(1929 etwa 900 Leute) verkleinert wurde, ist nicht bekannt. Andererseits fft die Konzernmacht, die sich auf mehrere deutsche und ausländische Unternehmen der gleichen Art erstreckt, durch Zukauf von Aktien und Uebernahme von Kapital- erhöhungcn verstärkt worden. Die dauernden Beteiligungen erhöhten sich demgemäß von 0.8 auf 1,3 Millionen Mark. Im neuen Geschäftsjahr hat sich die Geschäftslage noch nicht gebessert. STORKER ALS WORTE SIND TATEN! G ® MERCEDES«BENZ bedeutet Rekord; die„1000 Mellen* won Br«»- cle gewinnt Ceracciola In tollster Fahrt— Tag und Nacht, Kurven- und Geblrgsstrecke- mit Ober 100 km Stundendurchschnitt gegen der Welt beste Fabrikate, schnellste Rennfahrzeuge und beste Fahrerl MERCEDES«BENZ bedeutet SpKzenquailtSti auch In dar kleinsten Type zu RM. 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Das Zimmer ist klein, weiß und kahl, von klösterlicher Einfach- heit: ein paar Stühle, ein Bett, ein kleiner Tisch. In einer Ecke zwei kleine Koffer, weiter nichts. Es wäre auch gar kein Platz da für mehr. Aber überall sind Blumen, Blumen und wieder Blumen: Nelken, Veilchen, Flieder. Dieser kalte Wiener Frühling hat mich nicht an solche Pracht gewöhnt, und ich sage unwillkürlich: „Wieviel Blumen!" „Ich schenk« ihnen davon," sagt Krishnamurti energisch, und sucht— trotz all meines Einspruchs— einen großen Strauß von Nelken und Flieder zusammen, während er verstohlen und knabenhaft ein paar Sandalen unter das Bett stößt, die sich frech mitten im Zimmer brest gemacht hatten. Dann setzt er sich und lächelt be- friedigt. Wenn ich nicht aus seinem Munde wüßte, daß er vierunddreißig Jahre alt ist, würde ich«s nicht für möglich halten. Es ist soviel echte Kindlichkeit in seiner Erscheinung und in seinem Wesen. Da- bei nicht die Spur von Pose, nichts Prophetisches oder Hierarchisches. Mit dem dunklen schmalen Gesichtchen, aus dem zwei riesige schwarze Augen neugierig und strahlend in die Welt sehen, mit den zarten Schultern und den winzigen, nervösen Händen mutet er einen nicht an wie ein Erwachsener. Und knabenhaft sind seine raschen Bewegungen, ist sein Enthusiasmus und seine Schüchternheit. Es wird mir schwer, zu glauben, daß dieser Krishnamurti, der da mit mir spricht— in einem energischen, von Fehlern strotzenden Französisch, das er vor. Zeit zu Zeit unterbricht, um mich zu fragen: „Bous comprenez, Madame?"— derselbe Mann ist, der vor Jahren den„Orden des Sterns" aufgelöst hat, der viele Tausende von Büngern zählte und ihn als sein Oberhaupt ansah: derselbe, um den sich Jahr für Jahr in Eerde Castle dreitausend Personen scharen, die aus allen Teilen der Welt zusammenkommen, um«ine Woche in seiner Nähe zu oerbringen: derselbe, der— wenigstens nach den Berichten seiner zahllosen Interviewer— an diesem einzigen Tage seines Wiener Ausenthalts soviel Geheimnisvolles und Tiefes gesagt hätte. „Ach, daran haben die Journalisten keine Schuld", sagt Krishnamurti lochend.„Das kommt nur daher, daß ich nicht deutsch kann, und sie nicht englisch. Da ist es schwierig, sich zu verständigen. Morgen, bei der Konserenz, wird es noch schlimmer sein. Wer weiß, wie viele da gähnen werden. Aber daran bin ich schon gewöhnt. Fast alle kommen nur, um mich zu sehen, als ob ich ein Kinostern wäre, und bilden sich ein, mich in orientalischer Gewandung zu erblicken. Sobald dann die erste Neugier befriedigt ist, fangen sie an, sich zu langweilen." Und nach einer kleinen Pause fügt er schelmisch hinzu:„Manche hallen es gar nicht bis zu Ende aus. Sie brauchen mich nicht so entsetzt anzusehen. Früher hätte ich mir wohl solches Mißgeschick zu Herzen genommen. Aber seit dem Tode meines Bruders Nityananda haben diese Dinge für mich jeden Wert verloren. So habe ich auch auf das Schloß verzichtet und auf alles, was ich befaß. Jetzt bin ich arm. Wenn ich eine Vortragsreise mache, fahre ich dritter Klasse." Krishnamurti sogt,„ich bin arm" mit demselben strahlenden Lächeln, mit dem ein anderer die Erringung eines großen Ver- mögens verkünden würde, und begleitet jedes seiner Worte mit Be- ivegungen seiner zarten, durchsichtigen, nervösen Hände, den Händen des Inders der oberen Kaste. „Ja, ich bin arm. Das heißt, nicht ganz arm, denn der Trust, dem ich dos Schloß Ommen übergeben habe, gibt mir jährlich zwei- hundert Pfund Sterling, die für mich reichlich genug sind. Für meine Vorträge lasse ich mich nicht bezahlen: nur die Reise und vier Tage Aufentholl. Ich will nicht mehr haben als das Notwendige. Trotzdem bietet man mir von Zeit zu Zeit an, Millionen zu ver- dienen. Das letztemal war es eine amerikanische Kinosirma, die mich als Hauptperson für«inen Film haben wollte!" Wie oft und wie von Herzen lacht dieser kleine Inder, den alle mit einer Atmosphäre voll Geheimnis und exotischen Dunst umgeben wollen! Und mit wie klaren, dankboren, glücklichen Augen blickt er ins Leben! .La, wirklich, ich bin«in ganz einfacher Mensch. Ich bin weder ein Messias noch ein Prophet und bin auch kein Philosoph. Ich lese olles, was mir in die Hände fällt, alles, nur keine philosophischen Bücher. Wenn mich meine Mutter, als ich noch ein Kind war, nicht im Buddhismus erzogen hätte, würde ich nicht einmal den kennen. Man soll nicht über das Jenseits grübeln und sich fragen, ob es noch etwas nach dem Tode gibt. Man muß leben und an das Leben glauben, keine Angst davor hoben: lieben, leiden, genießen und vor allem, sich selbst vergessen. Nur. wer sich selbst vergißt, über sich selbst hinausgeht, kann glücklich fein. Und das kann man nicht aus den Büchern lernen, nur aus dem Leben. Bous comprenez, Madame?" Ich verstehe, daß viele diese zarte exotisch« Gestalt lieben können, die in diesem skeptischen, grausamen Jahrhundert des Sports und der Jagd nach dem Gelde. in unserer entweihten und profitgierigen Well schüchtern und mutig hingeht, um Liebe, Armut und Altruismus zu predigen. Ich versteh, auch, daß einige an ihm glauben können. „Aber ich verlange von den Menschen gar nicht, daß sie an mich glauben. An sich selbst sollen sie glauben. Alle können den Weg gehen, den ich gegangen bin, das Glück erlangen, das ich erlangt habe: ein vollendetes inneres Glück, das kein Schmerz, keine Angst, keine Trauer zerstören oder trüben kann. Alle können das, ohne Unterschied des Geschlechts, der Kaste, der Rasse, der Religion." Wie immer, wenn e» vom Kern und Wesen seiner Lebensweis- hell spricht, findet Krishnamurti auch in der fremden Sprache schlichte, lebendige, wuchtige Worte. Ich betrachte ihn schweigend. Ob und in welchem Ausmaß er sich täuscht, wenn er anderen die Möglich- kellen zuschreibt, die vielleicht nur er besitzt— ich kann es nicht wissen. Aber ich glaube wirklich, daß Krishnamurti einen Zustand milder Brüderlichkell mll allem Lebenden erreicht hat und gleichzeitig eine Ablösung von allem, ähnlich der, in die Doswjewsky seinen Fürsten Nilchkvn versetzt, der für alles Liebe«mviindet und doch im Grunde allem fremd ist, allein und unantastbar. Daß er in diesem Zustand glücklich ist. glaube ich, aber ich glaube nicht, daß diese Art von unmenschlichem und übermenschlichem Glück, wenn sie wirklich allen zuteil werden könnte,«inen Schritt vorwärts, einen Aufstieg zu höherem Menschentum bedeuten würde. Und während Krishnamurti spricht, liegt e« wie ein Schatten auf mir. daß ich mich «ich nicht einen Augenblick überzeuge« und hinreißen lassen kam, von seiner Glut und Aufrichtigkeit, daß ich mit kalten, fernen Augen auf sie schauen muß. Und auf einmal fällt es mir ein, daß viele Leute auf ihn warten, auch solche, die von weither kommen, um mit Krishnamurti zu sprechen, und die sicher mit anderem Sinn« auf dieselben Worte lauschen würden. Ich spüre etwas wie Gewissensbisse und stehe traurig auf: „Es ist spät, ich muß gehen. Dank für die Blumen. Aber, Sie haben ja eiskalte Hände! Warum haben Sie mll nicht gesagt, daß Ihnen kalt war, und haben das Fenster offen gelassen? „Dann wäre Ihnen zu warm geworden, im Pelz", antwortet er mit seinem nüchternen Lächeln. Gegen das fahle Grau des Himmels hebt sich sein Kopf ab wie ein byzantinisches Mosaik mit den riesigen Augen und den stilisierten, reinen, unirdischen Zügen. Wir gehen durch den weihen Korridor und das kleine grüne Empfangszimmer, wo einige Damen geduldig warten. Als sie Zkrishnamurti sehen, erheben sie sich und lächeln ihm zu. Draußen ist alles grau und trostlos, als wäre dieser Frühling ein Herbst. Von der Karlskirche schlägt eine Turmuhr sechs. Ein Paar geht eilig vorbei, beide zusammengedrängt unter einem kleinen Schirm. Ein Bettler kommt langsam über den Platz, unter dem Regen. Ich denke an Krishnamurti und plötzlich habe ich die Emp- findung, klar und endgültig, wenn ich sie auch nicht gedanklich ab- leiten kann, daß er das Leben nicht kennt, von dem er soviel spricht, daß er an seinem Rande lebt, ohne seine wahren Probleme, seine Bedürfnisse und Gesetze zu kennen, und die Welt nach sich selbst beurtellt, wie ein Kind, sie für brüderlich und hilfreich hält, weil sie ihm brüderlich und hilfreich war, daß er die wenigen Probleme, die ihm das wohlwollende Schicksal ausgab, für die einzigen Mensch- heitsprobleme hält. Und daß er durch die Welt zieht, unbewußt des wirklichen Lebens, das um ihn herum bebt und wütet: gewaltsam, mühselig, erbarmungslos. So daß er unwahr ist, bei aller Aus- richtigkeit. gerdiand: 3)i e SiochmeHsreife Das kleine Kino an der Ecke, das jetzt auch eine Apparatur bekommen hat und daraufhin von dem derzelligen Besitzer stolz und euphemistisch„Tonfilm-Palast" tituliert wird, bringt mit seinen Plakaten und der Lichtreklame über dem Eingang etwas Farbe und Buncheit in das llostlose Einerlei der grauen Straßen an der Peripherie der Weltstadt... Sonntagnachmlltags, eine' halb« Stunde vor Kasseneröffnung für die„Große Kindervorstellung mit Verlosung" zittert sogar ein Hauch von Jugend und Frohsinn durch das verlassene Viertel, das an roten Brandmauern, fauligen Bretterzäunen, endlosen Bahnübergängen und geschmacklosen Faun- statuetten so reich ist... Jetzt ist wieder einmal ein neuer Besitzer mit neuen Hoffnungen eingezogen, und, wahrhaftig, er scheint eine Spürnase zu haben, denn er plakatiert einen Film, der jetzt noch in westlicheren Gefilden läuft und dem ein großer Erfolg beschieden ist... Da die Besitzer des„Tonfilmpalastes" so häufig wechseln, hat das Kino kein Stammpublikum... Nur ein altes Paar, eine alte Dame und ein alter Herr, kommen zu jedem Programmwechsel. Scheinbar ist es die einzige Abwechslung, die sie haben. Sie sprechen nie ein überflüssiges Wort, auf alle Anbiederungsversuche haben sie nur ein höfliches, kühles, konventionelles Lächeln in ihren zerknitterten. gegerbten, feinen Gesichtern. Sicher haben sie nicht zeit ihres Lebens in dieser Gegend gewohnt, sicher haben sie einmal bessere Tage gesehen. Sie hungern vielleicht für diesen Kinobesuch, der ihnen den Kontakt mit der großen Welt, die ihnen gehörte, erhält. Der Abend dämmert. Die erste Vorstellung des kleinen Kinos wird bald beginnen. Die alte Dame und der alte Herr, angetan mit einer versunkenen, verschollenen Eleganz, stehen wieder vor dem Kino und betrachten die Bilder in dem Schaukasten vor dem Ein- gang. Das find Aufnahmen aus dem Film, der noch jetzt im Westen läuft, aus einem Hollywooder Russenfilm mll Gardeobersten und Hoffesten, mit einem Zarkomparsen, einer Pappmocherevolution, goldlockigcn Liebchen, dem Wiedersehen im Sumpf llgendeiner Weltstadt und dem butterweich zerfließenden bsppy euch bei dem kein Auge tränenleer bleibt: Schablone! Die beiden alten Leute, die an sonnigen Vormittagen im Park, bei den täglichen winzigen Lebensmittelbesorgungen, in der Leih- bibliothek und hier im Kino immer umgeben sind von einer eisigen Höflichkeitsmauer, die kein Mensch durchdringen kann, haben lange, lange auf diesen Film gewartet, dessen Voranzeige schon wochenlang an dem schwarzen Brett klebt. Hundertmal schon hatten sie von dem Geld, das die Tochter, die in Paris Modistin ist, ihnen schickt, nach dem Westen fahren wollen in einer der Luxustheater mit Marmortreppen und Perserteppichen, Foyerbor und Damostsesseln, um sich diesen Film anzusehen. Aber es ist immer etwas dazwischen gekommen. Die Trinkgelder, die sie groschenweise mll Märchen- hafter Geste verteilen, ließen sie nicht dazu kommen. Außerdem haben sie Angst vor diesem Film, wahnsinnige würgende Angst, nicht etwa vor dem Spiel ihrer Enkelin, der Prin- zessin Mascha, die unter dem Nomen Loui Poutoll eine Chargen- rolle(goldlockiges Liebchen), durch Vermittlung des Rußland- sachverständigen der Produktllnsfirma, de» ehemaligen Garde- obersten Petschakoff, spielt... Sie haben nicht Angst vor diesem Spiel ihrer Enkelin, die der„Grande mere", der fürstlichen Groß- mutier, die jetzt unter dem kühlen Winde zitternd, vor einem glyzerintränenüberströmten Großaufnahmephoto Loui Poutolls Saison eröffnet arn �Ld öftrem d... Ällf Grube„Concordiu" wechselt die Schicht. Lwischen deu L�uiupels— mit hagreru Gesicht— Häuer Kokoschka.— c5nt 5Xorkärruel versteckt hält traiupfhaft er einen bunten Prospekt, den er anr'Wege iur Rinnstein fand: —„Saison eröffnet arn 5idostraud!"-- Ein Glockenflgnal. Der Zörderkorb schwankt. Das Dunkel jäh aus der Tiefe rankt.— Einhundert SOtctcr,— Kokoschka sinnt nach, — Erholung für alle, die krank und schwach!— Lweihnndert rölcter,— es sickert und rinnt, — iru Pyjawa alles,— H&tib und Älttbl— Dreihundert DUctec,— nur schweigender Fels, — ständig£Ölufif in allen Hotels!— Vierhundert fBletcr,— es wächst das Grau'n, — Palmen, Lagunen,— woudänste Fran'n!— Fünfhundert LLleter,— Kokoschka schreckt ans, rings um ihn der-Sinrnpel schweres Geschnauf. Sekunden,— ein Ruck,— der Förderkorb hält. Ein bunter Prospekt, zerknittert, entfällt der schwieligen, rauhen LCIännerhand:— —»Saison eröffnet am Ltdostrand! ÜTtriTr steht, vor vierzehn Jahren zum letzten Male die eiskalten Finger- spitzen küssen durfte... Nur davor flattern die abgebrauchten Herzen so erregt, nur davor, ein« halbe Stunde lang vor der Lein- wand eines Vorstadtkinos wieber Durchlaucht und Exzellenz zu fein, wieder in Gobelinsesseln zu sitzen, statt auf den harten Klapp- stühlen, nur davor, eine Viertelstunde einen schwachen Aufguß des Schrecklichsten zu erleben, gegen das der Tod em yohsäugiger Waisenknabe ist, um dann zehn Minuten lang einem fabulierten, verbogenen bappx end entgegen balanciert zu werden... Sie treten ein, der alte Herr kauft zwei Billetts, sie nehmen Platz in dem ungastlichen, kahlen, trüb? erhellten Raum, wie sie wohl in der Hofloge der Moskauer Oper Platz gemmmen habe» mögen. Das Kino ist nur schwach besucht. Es ist ja noch früh. Draußen rattern Züge, keift ein Weib, bellt eine 5hundetöle, wimmert ein Kind... Draußen dämmert der Abend... Die Dame und der Herr schweigen. Das Licht erlischt. Eine alte Wochenschau läuft, stumm, ohne synchronisierte Musik. Als ein Voileführer auf dem veriegnkten Bild den Mund aufreißt, um vor dem Mikrophon zu einer jubeln- den, unübersehbaren Menschenmenge zu sprechen, gähnt im Kino ein ungeschlachter Mann lange und ausdauernd... Dann wieder Licht! Und dann: ein Kulturfilm. Ein Reise- film ist das, der in sonnige Gegenden führt. Und hier, angesichts der ersten Einstellungen dieses Films, Dampfer, Meer, Möwen, Stewards, nordafrikanischer Hasen, Palmen, Hotelterrasse, im Auto durch die Wüste, schlägt eine heiße Welle über den beiden alten Mensche« zusammen. Sie sehen ihre Hochzeitsreise vor sich, die sie damals, vor vielen Jahren, vor vielen Ewigkeiten gemacht haben. Wie lange ist das her? Fünfzig Jahre: goldene Hochzeit, vielleicht?! Ach, sie haben jede Zeitrechnung verloren, die Alten. Ja, diese Strecke, die die Filmoperateure im Boot und Dampfer,' Auto und Flugzeug gefilmt haben und die sie jetzt wiedersehen, ist ihre Hochzeitsreise gewesen. Damals...: Fürst und Fürstin, Leutnant des Zaren, damals: devote Buckel, knisternde Seiden, klimpernde Orden, damals...: Mütterchen Rußland... Das wird jetzt wach, das steht jetzt auf, wird lebendig, übermächtig. Als der Kulturfilm zu Ende ist, sitzen beide ganz straff und mit leuchtenden Augen da Die knöcherne, weihe Hand des Herrn streicht erregt den schütteren weißen Bart, der okkerfarbene Puder auf den verhutzelten Wangen der Dame duftet seltsam in dem nüch- ternen Raum. Da sagen sie sich einige russische Worte, die sicher heißen:„Mein Täubchen!" und.Liebster!". Und dann projiziert der Scheinwerfer die ersten Titel des Hollywooder Russenfilms auf die Leinwand... Schönheit An einem späten Vormittag im Sommer gehe ich durch schatten- losen Kiefernwald. Die rotlichen Sandkörner des Weges glänzen zart im Sonnenlicht und aus dem krausen Moose am Straßenrand heben sich steif die lackierten Blättchen chcr Preißelbeeren. Der Sommerwind dröhnt, saust und orgelt in den Kronen der Kiefern, und als ich den Kops langsam hebe, um diesem Dröhnen und Orgeln zu lauschen, da sehe ich ein seltsames zitterndes Leuchten und Blitzen zwischen den fernen Stämmen. Es ist ein schillernder Glanz, der aus einem Gewoge grüner, blauer, goldener Funken besteht, aus zahllosen kleinen Blitzen, die ausglühend und verlöschend über dem Waldboden miteinander spielen, winzige Brüder himmlischer Dä- monen. Immer schimmernder wird das Spiel, wie ich näher komme, bunter und wirbelnder. Noch einige Schritte weiter und ich sehe: Eine flache Sandgrube im strengen Mittagslicht, in der sin Pferdekadover liegt. Er ist schon fast ganz zerstört. Fetzen weißlichen Fells hängen über die entblößten Rippen und decken noch einen Teil des Rückens. Der Kopf ist noch teilweise erhalten, nur die Zähne sind entblößt und die Augenhöhlen schwarz eingefallen. Und diese Ueberreste eines Wesens, das im letzten Zerfall zur Erde zurückkehrt,� sind bedeckt von schimmernden grünen Schmeißfliegen. Wie schön sind die Dinge, wenn sie, erlöst von Namen und Zweck, die Vielfalt gebogener Oberflächen dem gleitenden Lichte darbieten— herausgeschleudert aus dem sich drehenden Rad des Geschehens, der Ursachen»ich Zwecke— in sich ruhende erlöste Form. �lagda Acharya. Da» Ergänzungsstück. Mark Twain, der nicht nur amüsant schreiben konnte, sondern auch i»n Leben überaus witzig war, hatte. wie viele Leute seiner Art, die Gewohnheit, i» seiner Kleidung manchmal etwas nachlässig zu sein. So gejchah es, daß er eines Tages der gleichfalls berühmten Harriet Beecher Stowe einen Be- such abstattet«, ohne sich zuvor eine Krawatte umzubinden. Das Fehlen dieses in Gesellschaft unerläßlichen Kleidungsstückes bemerkte «r aber erst, als ihn sein« Frau bei seiner Rückkehr voller Entsetzen darauf aufmerksam machte. Ein Weilchen später lieferte ein Bote bei Mrs. Stowe ein kleines Paket ab. Sie öffnete es und fand darin eine schwarze Seidenkrawatte und folgendes Schreiben:„An- bei eine Krawatte. Nehm«» Si« sie bitte heraus und sehen Sie sie sich an. Ich glaube, ich bin heut« morgen etwa eine halb« Stunde ohne dies« Krawatte bei Ihnen geblieben. Wollen Sie so freundlich sein, sie nach Ablauf dieser Zeit wieder zurückzuschicken, es ist näm- lich die einzige, die ich besitze. Ihr Mark Twain." Eröffnung der Neuen AleshaUe Donnerstasi, den 28. Mal, öUhrvorni. Lebensmittel jeder Art in besten Qualitäten zu allerbilligsten Vorkriegspreisen Am Eröffnungstage erhält jeder Käufer bei einem Einkauf von 1,00 M. an'jz Pfd. ff. Margarine als Graliszugabc! Im Erfrischungsraum konzertiert das Erwerbslosen-Orchester'— Beachten Sie unsere Preisliste in dieser Zeitung am Freitag, dem 29. 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S'l Uhr Das Spiel mit dem Feuer Musik. Einlagen von Willy Rosen Theater 1 Weiteos Täglich SVt Uhr Schön ist die Welt mit Kammersänger Otto Fatsel metropoi-Ttieatir Täglich 8«. Uhr Die Toni aus Wien Mady Christians. Mich sei Bohnen Komische oper i'h Uhr Alt-Heidelberg ladt EgglisdL Westenneier. LI. Moebis.| Penkert »» EUte-Sänger— i Kottbusser Str. 6 Täglich SV, Uhr Jm Vorher; Ein tnikl. solottil. MIZA QoUlangs-.Kaball- B.Beklanemtrken gegen Nachahmung gesetzt, gesch. fertigt seit 45 Jahr als IpesUIUU Conrad HflUer| telarlt- Schkeudlix Nach kurzem Krankenlager verschied am 22. Mal unsere Sangesschwester Hartha Becker Wir verlieren In Ihr ein pfllchtelfrlgea, hilfsbereites Mitglied und werden Ihr stats ein ehrendes Andenken bewahren. Berliner Volks-Chor Die Einäscherung findet am Donnerstag dem 28. Mai. IT'/, Uhr, im Krematorium Baumschulenweg atatt Es ist uns eine schmerzliche Pflicht, hiermit anzuzeigen, daß uns am 23. d. M. plötzlich infolge eines Herzschlages der Prokurist, Herr Max Reim, allzufrüh durch den Tod entrissen wurde. Seit über 20 Jahren in unseren Diensten, hat er sich durch zähen Fleiß und Tüchtigkeit eine außerordentliche Stellung in unserer Gesellschaft errungen und sich bei Vorgesetzten wie Untergebenen einer besonderen Wertschätzung erfreut Wir bewahren dem Verstorbenen ein ehrendes Andenken weit über den Tod hinaus. Berlin, den 23. Mai 1931. Direktion der Berliner Kindl Brauerei Aktiengesellschaft. Für die so herzliche Teilnahme beim Heimgange meines lieben, guten Mannes, unseres treusorgenden Vaters Hans Pilz Allen Wanzen Tod und Teufel Danzenfluib /Olurtial- tötet jede OTatzje auf der Stell« und zerstört die Änilnester restlos. Nicht fleckend, überall anwendbar. Flasche ZM.-.75, MF. US und MF. 2.13. Zn OrogirUn erhölflich, sonst durch Off» Reichel, Äerlin SO. Slsenbahnstr. 4. >n den Maschen des Strafgesetzes mit Leitfaden für Schäften u. Qeechwo- rene. 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Dem Privat, (leger wird die Befugnis zugesprochen. den verfündenden Seil de« Urteil» binnen 6 wachen nach Zustellung der vallfireck- daren Urteil»gung auf Rosten de» Angenagten in den ZeUschtislen:.West. iaienwachf in Bochum.„BöiZischer Beod. achler- in MUnchen und-Vorwärts- in Berlin zu vetäfienllicheir." Die Richtigkeit der Abschrist der Urteil». formet wild deglaudtgt und die Vollstrelf. barieii de» UrteU» bescheinigt. Berlin NW 49. den ZS. Mai 183L Ait-Moadil 11. (LS) Urtnnbsbeamtei der Seschäftsfielle de» Amtsgerichts Berlin-Mitte, Abt. 149. gez. Unterschritt, sprachen vir alle» Freunden und Bekannten, dem Freidenker-Verband. den Genossinnen und Genossen der SPD. Charlottenburg. den Kolleginnen und Kollegen de- AOKK. ChaOottertburg, der Konsumgenossenschaft.demVerelnfürnaturgem uesundhei'spfiegc und dem Deutschen Buch drucker-Verbana unsern innigsten Dank aus Oartrud Pilz und Kinder. 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