Morgenausgabe 3fr. 243 A 123 4S.Iahrgang Wöchentlich SVPf� monatlich Z.6O M. tm voraus zahlbar, Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitun gs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslandsabonnement 6.— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen- portv 5.— M. * Der„Ponoärts* erscheint wochentäg» lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend" Illustriert» Beilage.Volk und Zeit". Ferner.Frauenstimme" �Technik".Blick in die Bücherwelt". »Iugend-Vorwärts"u..Stadtbeilage" Berliner Volksblatt Oonnersiag 2S. Mai 1931 Groß-Äerlin 10 pf. Auswärts 15 pf. Die eins palt Nonparetllezelle 80 Pf. Retlamezeile 5,— RM.„Kleine An« zeigen" das fettgedruckte Wort 2b Pf. UMWWIWW_■_ ulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Äort 12 Pf. Rabatt lt. Tarif. Stellengesuche das erste Wort 15 Pf, jede» weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeiismartt Zeile 60 Pf. Familienanzeigen Zeile 40 Pf Anzetgenannohm« tm Hauptgeschäft Lindenstraße 3. wochen- täglich von 81/» bis 17 llhr. Der Verlag behält sich das Recht der vblebnuna nicht genehmer Anzeigen vor! der Sozialdemokratischen Oavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Fernsprecher: Dönboil 292—297 Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 536.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3, Dt. B. u. Diic.-Ges., Depositenk., Jerusalemer Str. 65/66. Lebt piccard noch? Sein Ballon noch nicht gelandet.— Nachts über Italien. Der gewagte Ballonflug des Stratosphärenforsehers Professor Piccard und seines Assistenten Dr. Kipser scheint einen verhängnisvollen Verlauf zu nehme«. Bis lv Uhr abends war die Landung des Ballons nirgends beobachtet worden. Mit unter« gehender Sonne wurde er noch in sehr großer Höhe etwa in der Gegend der Oetztaler Alpen gesichtet. Die zunehmende Dunkelheit machte dann weitere Beob- achtungen unmöglich. Flug im Kreise. München. 27. Mai.(Eigenbericht.) Picrards Ballon hat den Tag über folgenden Weg ge- n o m m e n: Von Augsburg, wo er gegen l Uhr frich gestartet war, wurde der Ballon zunächst in südwestlicher Richtung ins Allgäu getrieben, wo er um sieben Uhr in Äaufbeuren, um 8,30 Uhr in Kempten und eine Stunde spoter in Ismz an der württcmbergischen Grenze gesichtet wurde, lzier wurde der Ballon durch lsähenwolken den Blicken entzogen. Dazu erklärte die Augsburger Bollonfabrik Riedinger, auf deren GLländ« der Aufstieg erfolgte, daß der Ballon noch ihren Beobachtungen und Berechnungen am Mitwoch um die Mittagszeit die höhe von lbOOO Metern überschritten haben müsse. Ueberaschend wurde der Ballon um l4,M Uhr in der Gegend von Garmisch-Parteu« kirchen als winziger, glänzender Punkt in außerordentlicher fiföc gesichtet.. Die, Windrichtung hotte inzwischen gedreht und den Ballon itn Abstieg nach Südosten getrieben. Aber auch hier änderte er wieder die Richtung und trieb in nördlicher Richtung gegen das Flachland hinaus, wo er um 13,30 Uhr zwischen Ober- ammergau und Pelscnbcrg in einer Höhe von etwa 4000 Metern beobachtet wurde. Einige Aeit später wurde er über Landsberg am Lech gesichtet, dos schon ziemlich im Flachland liegt. Dann trieb der Ballon wieder in südlicher Richtung dem Gebirge zu und wurde um 17 Uhr über dem 1800 Meter hohen Wank gesehen, auf den von Partenkirchen aus eine Seilschwebe- bahn führt. Aus der Tatsache, daß Piccard sich bereits in den frühen Nachmittagsstunden ülber Flachland befand, ohne zu landen, wird in Fachkreisen geschlossen, daß die beiden Znsassen nicht mehr am Leben sind, weil sie sonst vermutlich in der Ebene eine Landung versucht hätten. Gegen 19.30 Uhr besand sich der Ballon über dem I.n n- tat in der Gegend von Jmst. Die letzten Baobachtuogsmeldungen flammen von dem Metterwart des Zugspiße-Odserootoriums, nach desien Aussasiung der Ballon abend» gegen 19,30 Uhr In rund 7000 Meter höhe in eine nordsüdliche Swrmschicht geraten ist. Um 19,43 Uhr wird aus Innsbruck gemeldet, daß der Ballon in etwa 3000 Meter höhe zwischen dem Pitztal und dem Oetztal steht und sich offenbar in sinkendem Zustande befindet. Don der Bollonfabrik Rieding« in Augsburg wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die Insassen, die für zwei bis drei Tage Proviant und auch genügend Sauerstoff mit sich führten, vielleicht doch noch am Leben seien. Es sei nicht ausgeschlossen, daß sie die Abkühlung der Luft am Abend zum Abstieg und zur Landung benutzen wollen. Besorgnisse überall. Augsburg, 27. Mai. Bei der Riedingcr Ballonfabrik laufen unaufhörlich aus Roh und Fern Anfragen nach dem Schicksal Piccards ein. Unter anderen hat auch die Universität Brüsiel bereits fünfmal tele» phonische Erkundigungen cmgezogen. Bei der Leitung, der Rie- dinger Ballonfabrik glaubt man aus dem Umstand, daß der Ballon in den letzten drei Stunden seinen Standort nur wenig verändert Hot und in fast gleicher höhe geblieben ist, daraus schließen zu könn«n. daß er in eine heiße' Luftschicht geraten ist. die ein Ablassen des Gases unmöglich macht. Flugzeug zur Ballonbeobachtung aufgestiegen. München 27. Mai. Die Süddeutsche Lufthansa teilt mit: Um 19.23 Uhr ist eine Maschine des Leichtflugzcugklubs München, Führer Fechncr, vom Flugplatz München-Oberwiesenfeld in Richtung Garmisch- Parten- kirchen gestartet, um Piccards Ballon zu beobachten. Es ist möglich, daß noch weitere Apparate starten werden. . Botsignase?. 3 n n s b r u ck. 27. Mai. wie der Leiter des Innsbruck« Flughafens Hauptmann Jtooi. der den Ballon Professor Piccards vom Znasbrucker Flughafen aus beobachtet, mitteilt, hat der Flughosen, während der Ballon süd- westlich von Innsbruck schwebte, Signale gegeben, die. wie man glaubt, aber nicht bestimmt sagen kann, vom Ballon aus mit einem Signal beantwortet wurden. Seit Einbruch der Dunkelheit, gegen OIO llhr abends, ist der Ballon nicht mehr sichtbar, hat ab« unzweifelhaft Kurs noch Süden genommen. Er ist bereits auf etwa 3000 Met« niedergegangen. Der Ballon wurde auch von d« Ikordketlenalm am hafelekar gesichlet. Nachts über Italien. München, 27. Mai. Um 22.15 Uhr wird der Telcgraphen-Union von der Ballonfabrik Riedinger die Mitteilung gemacht, daß der Ballon Piccards nach Meldungen auS Garmisch bc- reitsinJtaliengesichtet worden sei. Ter Ballon. der sich in großer Höhe befand, wurde eine Zeitlang von Automobilen verfolgt. Mehrere Schweizer Freunde deS Professors, die in Garmisch wohnen, sollen sich bereits mit den italienischen Behörden in Verbindung I gesetzt haben. Zechengeld für Hitler. Oer Bergbauverein Essen gibt eine halbe Million Mark. Köln. 27. Mai. k Eigenbericht.) Die„R heinische Zeitung" meldet in ihrer MittwochauSgabe aus Gsien: „Bor kurzer Zeit hat der Bergbauverband in Esien, im wesentlichen identisch wit dem Zechenverband, der schon vor den Septcmberwahle« deS vorigen Jahres gewaltige Summen in die Kassen der Nationalsozialisten gegeben hat. der national- sozialistischen Parteileitung wiederum eine halbe Million bewilligt. Zwar fanden die Antragsteller, die führenden Leute des Verbandes, in der Sitzung der Zerhengcwaltigen einigen Widerspruch, aber schließ- lich wurde der Antrag mit- unerheblicher Mehrheit an- genommen und beschlossen. d�'Snmme im UmlcgungS- verfahren nach einer bestimmte» Verrechnung s- Methode auf die angeschlossene« Zeche« zu verteile». Einige Persönlichkeiten deS Bergbaues hatten Bedenken gegen die Bewilligung des Geldes. Sie wiesen ans sozialistische Forderungen im Programm der National- sozialiste« hin. Hohnlachend wurde ihnen von den Wisienden versichert:..Ach was Programm, man weiß doch. waS das bei dieser Bewegung besagen will, und wir habe« auch entsprechende Garantien." Sozialfortschriit der Republik. Arbeitslosenvnierstühung und Mutterschastsversicherung in Spanien. Madrid, 27. Mai.(Eigenb«icht.) In einem Erlaß der Regierung wird bestimmt, daß alle E r- werbslosen zwischen dem 16. und 63. Lebensjchre und zwar männlichen und weiblichen Geschlechts, soweit sie jährlich bisher nicht mehr als 6000 Peseten(4800 Mark) verdient hoben, künftig A r- beitslosenunterstützung bezieben können. Ausgenommen von der Unterstützung sind öffentliche Beamte und Hausangestellte. Ausländer sollen gemäß dem Washingtoner Abkommen behandelt werden. Außerdem hat die Regierung eine Muttcrschutzoersiche- rung beschlossen, die am 1. Oktober in Kraft treten soll und noch der alle Arbeitnehmerinnen vierteljährlich 1,90 Peseten<1,30 Mark), die Arbeitgeber 1,83 Peseten<1,43 Mark) als Dersicherungsquote zu entrichten haben. Dafür wird im Falle der Schwangerschaft cnt- sprechende Hilfe gewährt. BuNerjahn wird freigelassen. Auf Anordnung des Oberreichsanwalts. Zn dem Wiederaufnahmeverfahren gegen Bullerjahn hat der Oberreichsanwalt dem Antrag des Verteidigers, Rechtsanwall Dr. Kurl Rofenseld. aus sofortige Unterbrechung der Strasooll- streckung stattgegeben. B u l l e r j a h n wird am Donnerstag aus der Sttafhaft entlassen. Epaliung?— Nie wieder! Zum Leipziger parieitag. Von FYnbs Künstler. Sozialdemokratische Parteitage haben schon in der Vor� kriegszeit bei Freund und Feind stets das lebhafteste Inter- esse gefunden. Kaum je hat eine Tagung anderer Parteien so im Mittelpunkt der politischen Diskussion gestanden wie der regelmäßig wiederkehrende Vertretertag der größten deutschen Arbeiterpartei. Oft gingen ans Parteitagen die Wogen der Auseinander- setzungen sehr hoch, und die Gegner erwarteten und prophe- zeiten als Folge den Niedergang der Sozialdemokratie. Das war so auch damals schon, als noch August Bebel anerkannter Führer der deutschen Arbeiterbewegung war. Mit ganz besonderem Interesse werden nun die Gegner den bevorstehenden Leipziger Parteitag verfolgen. Mit leicht erkennbarer Absicht wird von ihnen seit Monaten von dem angeblichen Abstieg der Sozialdemokratie gesprochen. Man glaubt durch Stimmungsmache die Tatsachen zwingen zu können, die eine ganz aiidere Sprache sprechen. Geben doch die Berichte des Parteivorstandes und der einzelnen Bezirke einen bis ins kleinste gehenden Aufschluß darüber, wie trotz Wirtschaftskrise und Erwerbslosennot die Partei organisatorisch immer mehr erstarkt. Mit- gliederzahl und Finanzen der Partei sind vor aller Oeffent- lichkcit so übersichtlich und eingehend aufgezeigt worden, daß die gegnerischen Parteien, vor allem Nationalsozialisten und Kommunisten, gut tun würden, auch ihrerseits einen so klaren Bericht über die eigene Stärke den politisch interessierten Kreisen Deutschlands vorzulegen. Mit allgemeinen Redens- arten kann man Tatsachen nicht ersetzen., Auch das vom Zentralkomitee der KPD. soeben heraus- gebrachte Referentenmaterial„zum Parteitag der SPD. in Leipzig" und eine kommunistische Ägitationsbroschüre„W o b l e ib t der z w e it e Mann'?" sind kein Ersatz für ein kommunistisches Handbuch über Mitgliederbewegung und Stand der Finanzen der Kommunistischen Partei. Die KPD. hat allerdings Grund, ein Handbuch nach Art des sozial- demokratischen nicht herauszubringen, aus dem sich ergeben würde, daß die Zahl der organisierten Kommunisten viermal kleiner ist als die Zahl der organisierten Nationalsozialisten. Was aber die Nationalsozialisten betrifft, so möge doch endlich einmal Herr Hitler in einem Bericht darlegen, mit welchen Geldmitteln die braunen Paläste in München gebaut werden. Es wäre für die politische Welt nicht uninteresiant zu erfahren, woher die Gelder fließen,� die die SA. finanzieren. Wenn die Sozialdemokratie sich nicht scheut, die Einnahmen und Ausgaben des letzten Parteibezirks der Oefsentlichkcit vorzulegen, so sollte eine wirklich starke und sauber geführte nationalsozialistische Organisation jede Gelegenheit benutzen, das auch zu tun. Nun hat man auch wieder einmal die Frage auf- geworfen, ob die Sozialdemokratische Partei nicht v o r e i n e r Spaltung steht. Gewisse Literaturhusaren haben schon vor Monaten in einer Halbmonatsschrift sehr„ernsthaft" diese Frage diskutiert. Die große Masse d.'r werktätigen Bevölke- rung, die jahraus, jahrein einen zähen aber zielbewußten Kampf für sozialistische urro republikanische Forderungen und Ziele führt, lehnt alle Ratschläge einer bestimmten Sorte von Salonrevolutionären, die zu einer Spaltung führen sollen oder zu ihr führen könnten, ganz entschieden ab. Diese Masse weiß ganz genau, daß das Verbreiten von Flugblättern von Haus zu Haus, treppauf und treppab, weit mehr bedeutet als ein paar mehr oder weniger gut stilisierte Artikel aus dem neuen Westen Berlins. Die Sozialdemo- kratie ist und bleibt infolgedessen trotz aller Meinungsver- schiedenheiten im einzelnen, trotz aller gelegentlichen Diffe- renzen über taktische Fragen nicht nur eine Partei wie die anderen auch, sondern die fe st e st gefügte politische Organisation Deutschlands. Zwischen ihr und ihren Hauptgegnern von heute gibt es freilich einen großen grundsätzlichen Unterschied. National- sozialisten und Kommunisten werfen imbequeme Kritiker hinaus, ohne ihnen auch nur die Möglichkeit gegeben zu hoben, ihre Auffassung innerhalb der Organisation einer breiten Oeffentlichkeit darzulegen. Die demokratische Verfassung derSozial- demokratie erlaubt nicht nur, sondern ver- pflichtet, jede sachliche Opposition zu Worte kommen zu lassen. Was hätte wohl Adolf Hitler oder das Zentralkomitee der KPD. mit Abgeordneten getan, die gegen die Mehrheit ihrer Fraktion gestimmt hätten? Gewiß hätten solche Abgeordnete keine Möglichkeit mehr gefunden, Brünings plane. Sozialdemokratische Forderungen an den Kanzler. Am Mittwoch fand zwischen dem Reichskanzler Dr. Brüning und Vertretern der sozialdemokratische» Reichs« tagsfraktion— Wels, Breitscheid. Hertz und Auf- Häuser— eine Besprechung statt, in der außer der Haltung der Reichsregierung zu de« Brot» Preiserhöhungen vor allem der beabsichtigte Er- laß einer neuen Notverordnung zur Sanierung der öffent- lichen Finanzen erörtert wurde. Von den Vertretern der Sozialdemokratie wurde daraus hingewiesen, daß das Frühjahr weder ein« psychologische noch eine wirtschaftliche Entlastung gebracht habe. Die Arbeitslosigkeit sei nur unwesentlich gesunken, die Aussichten auf wirtschaftlich« Be- lebung seien gering, so daß die lange Arbeitslosigkeit und der trübe Ausblick in dt« Zukunft schwer auf allen Schichten der werk- tätigen Bevölkerung lasteten. Dieser Zustand sei um so ernster zu nehmen, als sich herausgestellt habe. daß die von der Reichsregierung im Dezemberpro» gramm in Aussicht gestellte Ankurbelung der Wirt- schaft durch Senkung der Produkttonskoste« ge» scheitert ist. Die Löhne seien zwar erheblich gekürzt worden, eine entsprechende Preissenkung, eine rücksichtslose Bekämpfung der Kartelle und die Schaffung vermehrter Arbeitsgelegenheit ober feien ausgeblieben. Die nun durch die neue Notverordnung drohenden Gefahren würden infolgedessen bei der Masse der Bevölkerung ungleich größeren Widerstand finden als die Dezember-Notverordnung. die zu einer Zeit erging, in der statt der jetzigen Enttäuschung Hoffnung auf Besserung bestanden habe. Die Sozialdemokratie kenn« den ernsten Zustand der öffentlichen Finanzen. Sie halte auch nach wie vor ihre Sanierung für unbedingt erforderlich. Die Sanierung dürfte aber nicht erfolgen durch eiueu Abbau der sozialen Leistungen, deren Umfang und Höhe in Zeiten langandauernder Krise des vermehrten Schuhes bedürften. Reichskanzler Dr. Brüning gab sodann Aufschluß über die tatsächliche Finanzlage, deren Entwicklung unter dem Einfluß der Wirtschaftskrise ungünstiger sei, als man im Vorjahre hätte annehmen können. Die Reichsregierung strebe nach einer Lösung der Ftnanzschwierigkeiten, die verhinder«, daß die sozialen Einrichtungen wegen Mangel an Mitteln zusammen- brechen. Bisher seien irgendwelche Beschlüsse des Reichs» kabrnetts noch nicht gefaßt. Es hätten bisher nur Be- sprechungen in einem Ausschuß des Kabinetts stattgefunden, und diese Besprechungen seien noch nicht abgeschlossen. Di« Einzelmaß» nahmen mußten nach Meinung der Regierung so gestaltet werden, daß sie von den Massen des Volkes als erträglich angesehen werden könnten. Was besonders die Brotpreise angeht, so halte die Reichsregierung ihre Senkung in kürzester Frist für unbedingt erforderlich. Würden die bisherige» Maßnahmen nicht ausreichen, so müsse man zu einer Senkung der Zölle schreite«. Es ist damit zu rechnen, daß die neue Notverordnung noch vor der Abreise des Reichskanzlers und des Reichsaußenministers nach Chequers fertiggestellt wird, daß aber ihr Erlaß erst nach der Rückkehr von Chequers erfolgt. ch Dazu erfahren wir, daß die bisher von uns veröffentlichten Einzelheiten über die Pläne der Reichsregierung im wesentlichen den Absichten des Kabinetts entsprechen. Was zunächst die Arbeits» losenversicherung angeht/ so wäre also ihre Sanierung zum Teil durch eine Erhöhung der Beiträge, zum Teil durch ein- Aenderung der Leistungen zu erwarten. Endgültige Beschlüsie dar- über dürften aber ebenso wie über die Vereinheillichung der Arbeits- losensürsorge erst nach dem Abschluß der Arbeiten der Brauns-Kom» Mission gefaßt werden. Für die Krisenunterstützung sollen höhere Beträge als im Etat vorgesehen zur Verfügung gestellt werden. Eine Aenderung in den Leistungen der Invalidenversicherung ist nicht be- absichstgt. Bei den Ersparnissen in Höhe von etwa 20« Millionen dürste es sich um eine KürzungderRenten einiger Kategorien von Kriegsbeschädigten und um eine Verringerung der Sachausgaben handeln. Darunter befinden fich auch 3v Millionen, die durch Nichtansgabe von bewilligten Mitteln im Wehretat erspart werden solle». Bei der Kürzung der Bezüge der Beamten, für die anscheinend eine Mehrheit im Kabinett erwattct wird, ist jedoch im Gegensatz zu der Dezember-Notverordnung mit einer Staffelung zu rechnen, durch die die unteren Gehälter geringer, die oberen Ge- hälter stärker belastet werden. Auch ist eine Beschäftigten- st e u e r geplant, die allerdings über den Kreis der beschäftigten fest- angestellten Arbeitnehmer hinaus allgemeinen Charakter tragen soll. Es trifft auch zu. daß die Reichsregierung eine Er- höhung der Zucker st euer plant. Ob gleichzeitig eine Er- Mäßigung des Höchstpreises für Zucker erfolgen soll, um eine Preissteigerung und einen Konstnnrückgang zu verhindern, steht noch nicht fest. Unbestimmt ist nach wie vor auch, auf welchem Wege die Sanierung der Finanzen der Länder und Gemeinden erreicht werden soll. vor der ganzen Partei für ihre Auffassung zu kämpfen, wie das in der Sozialdemokratie der Fall ist. Allerdings ist in der Demokratie mehr als sonstwo eine freiwillige Disziplin notwendig. Sozialdemo- kratische Parteimitglieder sollen und dürfen keine politischen Rekruten sein, die einfach die Befehle und Richtlinien eines unfehlbaren Führers oder eines geheiligten Zentralkomitees entgegenzunehmen haben. Aber demokratische Rechte legen jedem einzelnen ganz besondere Pflichten auf. Die Frage, ob die jeweilige Mehrheit oder Minderheit die allein richtige Politik und Taktik verfolgt, scheidet dabei vollständig aus. Jeder, der freiwillig zur Sozialdemokratie kommt— und keiner ist dazu gezwungen—, gibt im Interesse einer großen idealen Bewegung ein Stück seiner persönlichen Freiheit auf. Will er das nicht, so kann er nicht Sozial- demokrat sein, kann er nicht in kollektiver Arbeit mit seinen 'Klassengenossen wirken. Trotz schärffter Auseinandersetzungen darf an den Grundfesten der Partei nicht gerüttelt werden. Gerade als ehemaliger USPD.-Mann will ich im Hin- blick auf die bevorstehenden Beratungen des Parteitages meiner Auffassung dahin Ausdruck geben: Wir haben uns 1922 in Nürnberg nicht vereinigt, um bei der ersten sachlichen Differenz wieder auseinanderzulaufen. Jeder, der die Vereinigung der beiden sozialdemokrati- schen Parteien angestrebt und mitgemacht hat, mußte sich darüber klar sein, daß mit der Vereinigung nicht alle politi- schen und taktischen Differenzen aus der Welt geschafft werden konnten. In dieser schweren Notzeit muß das aber ganz besonders klar herausgestellt werden: Keine noch so ernsten politischen und taktischen Differenzen dürfen jemals die Möglichkeit einer neuen Spaltung abgeben. Wer mit einem solchen Gedanken auch nur spielen würde, gleichviel zu welchem Flügel in der Partei er sich zählt, würde damit nur für die Gegner arbeiten. Die in der Sozialdemokratischen Partei organisierten Männer und Frauen sind sstets bereit, sachliche Kritik auch an der eigenen Parteiführung anzuhören. Aber niemand soll sich darüber täuschen: in dem Augenblick, in dem Pläne bekannt würden, die nur den Verdacht einer Spaltung aufkommen ließen, würden sich gerade auch d i e Parteigenossen, die nicht immer mit der Politik und Taktik der Mehrheit einverstanden waren, diesen Plänen mit leidenschaftlicher Energie ent- gegenstellenl Wer den Parteitag der Unabhängigen Sozialdemokrati- schen Partei in Halle 1920 miterlebt hat und unter der Spaltung seelisch zu leiden hatte, wird alles tun, um auf diesem Gebiet auch den kleinsten Anfängen zu wehren. Das ist in der Sozialdemokratischen Partei die ganz all- gemein verbreitete Meinung. Die Gegner sollen diesen Dar- legungen eines Kritikers innerhalb der Partei entnehmen, daß ihre Hoffnungen vergeblich sind! Das ist der Faschismus! Der Hakenkreuzterror von Fehmarn. kiel. Z7. Mai.(EigevberichiL) Zw verlauf der nationalsozialistischen Exzesse auf der Znsel Fehmarn wurden elf Personen, darunter ei» neun Monate altes Sind, schwer verletzt. Die Vorgänge kenn» zeichnen das Banditentum der Nazis in ihrer ganzen Größe. Zn dem Städtchen Vurg waren von den Nazi» Doppel- poflcn aufgestellt und Rollkommandos bereit gehalten worden. Miederholl wurden harmlose Passanten angerempelt. Mcnn sich einer wehrte, erschienen auf einen Pfiff die Roll- kommandos in Stärke von 40 bis 50 Mann. Als drei lleberfalleue in eine Wohnung auf dem tebensmitkelamt flüchtete« und die Türen hinler sich verschloffea, brachen die Razis die Türen auf und demolierten die ganze Wohnungseinrichtung. Auch ein B e t t, in dem Kinder schliefen, wurde au»- einandergeriffen. Einer der verfolgten wurde von den Razis gefesselt und nach dem Rathaus gebracht. Die Polizei sah dem Treiben untätig zu. weitere lleberfälle leisteten sich die Nazis nach dem Abmarsch aus Burg in dem Ostseebad Heiligenhasen. Dort über- siele» sie zwei Zungbannerkameraden, die in dem Stall eine» Rentners Schuh suchten. Die Razibanditen durchsuchten das Hans, und als sie die Verborgenen nicht fanden, drohte« sie mit der Demolierung de» Gebäudes, worauf die eingeschüchterte Frau des Rentner» das Versteck preisgab. Die Nazi» schlugen aus die beide» Zuugbannerkameraden ein, bl» sie zu Boden stürzten, wo«an ihnen noch Fußtritte oersehte. Mit Gewalt führte man sie dann aus die Straße. Der Nazipastor Nlssel beobachtete die Gewalttätigkeiten von seinem hau» aus, in der einen Haud eine hakenkreuzfahve. die andere zum Hitlergruh erhoben. Zu der Stadt selbst schlugen die Nazis dann noch auf eine 75 Zahre alte Frau ein. Wettere Enisrickung. Der Erlaß Fricks„Wider die Ttegerknlfnr" aufgehobe». Weimar, 27. Mai. Gegen den lebhaften Widerspruch der äußersten Rechten wurde im Landtag mit Unterstützung der Deutschen Staatspartei und der Deutschen Volkspartei«in Antrag der Linken ange- n o m m e n, die im Jahre 1930 von dem damaligen Vvlksbildungs- und Innenminister Dr. Frick erlassene Verordnung„Wider die Regerkultur— für deutsches Volkstum" wieder aufzuheben. Die Verordnung hatte den Verfuch unternommen, Jazzmusik, Neger- tänzs u. a. aus den Vergnügungsstätten zu verbannen. Zu dem Kapitel Volksbildungsmini st crium wurde ein Antrag der Sozialdemokraten angenommen, in dem die Regie- rung ersucht wird, zu verhindern, daß öffentliche Schulen. KunstaNstalten, Theater, Universitäten und sonstig« Staat sanstalten durch rechtsradikale Parteien und Organisationen zur Propa- ganda gegen den verfassungsmäßigen republi- kanischen Staat mißbraucht werden. Die Annahme des Antrages erfolgte mit den Stimmen der Sozialdemokraten und des Vertreters der Deutschen Staatspattei gegen Nationalfozia- listen. Landvolk Partei. Deutschnationale und Wittschaftspartei bei Enthaltung der Dentsche« Volkspartei und der Komm« nifi ea. Kaifer-Wilhelm-GeseNschast. Warum heißt sie ooch immer so? Eines Tages, lang vor dem Krieg, besucht« Wilhelm IT. die deutsche Südpolexpedition unter der Leitung der Professoren G a u ß und v. Drygalski auf ihrem Schiff, bevor sie die weit« Reise antrat. Es herrschte starker Seewind, als Wilhelm das Deck betrat. auf dem ihn die Forscher mit entblößtem Haupt ermatteten. Leut- selig lachend, geist- und takwoll wie immer, äußette der Imperator Rex huldvoll zu den Gelehrten:„Aber setzen Sie nur die Hüte auf. mein« Herren, sonst weht ihnen der Wind die wenigen Haar« auch weg. die ihnen die Wissenschaft noch gelassen hat!" Nach diesem Mäzen heißen heute noch, im 13. Jahr der Republik, unsere führenden wissenschaftlichen Forschungsinstitut«. Das Waffenlager des Narons. sinn, den nur der Jude aushecken konnte." Ob der Nazi Franke den Herausgeber de»„Angriffs', Dr. Goebbels für irrsinnig oder für einen Juden hält? veutsch-unaaeische Handelsvertragsverhaadlungen. Die deutsch« und die ungarische Delegation für die Handelsnertragsverhandluw gen sind in Berlin zusammengetreten. Die diesmaligen Befprechungc» haben zum Ziele, zunächst die prinzipiellen Grundlagen für den Ausbau des zur Zett gellenden provisorischen deutsch-ungarischcn Handelsabkommens vom Jahre ISA) zn erörtern. VorwärtsCi-Ausgabestellen u. Insaraten-Annahme Ltndenstraße 3, Laden. Dön- am Kappenplatz, v 2 Weiden- Kur- 99 Hauptexpcdition: Berlin. Haff 292— 297. 'Zentrum: Ackerstr. 174, dämm 2135. „ N e n m a n n. Grünstr. 21 fAusgobe: stratzc 25). E 1 Berolina 1371. „ Walter, Ww., Kronenltr.2. � 2 Flora 9283. Westen: Steglitzer Str. 37. Ecke iviagdeburger Stratze. 'Iii den: Baerwaldftr. 47, a. d Gneisenaustraße. F Baerwald 6918. 'Prrnzenstr. 63, Laden. F 7 Iannowitz 4438. 'Osten: Marknsstr. 36. E 4 Alexander 9735. •„ Petersburger Platz 4. E 4 Alexander 9734. Siidosten: Lausitzer Platz 14/15. F 8 Qbcrhaum 0894. 'Nordosten: JmmanuelNrchstr. 24. E 4 Alexander 9736. „ Carmen-Svlva-Str. 57, G t t 1 m a n n. 'Roabit: Wilhelmshavener Str. 48. C 5 Hansa 4095. „ Huttcnstr 67. bei Bitterling. 'Wedding: Müllerstr. 84, Ecke Utrechter Straße. D G Wetting 8094. 'Nosenchaler und Oranienburger Vorstadt: Wattstr. 9. v 4 Humboldt 7875 'Gesundbrunnen: Bastienstr. 7. O 4 Humboldt 7874. 'Schönhauser Vorstadt: Greifenhagener Str. 22. v 4 Humboldt 7805. Adlcrshos: Hermann P e tz o l d, Gemeinschaftsstr 10 Alt-Glienicke: Lnua Hallmann, Nudotrer Sir. 54. 'vaumschulenweg: Strahl. Ki«fhol,str. 179. F 3 Oberspree 1073. Bernau. Röntgental, Zepernick, Schönbrück, Karow und Buch: Heinrich Bros«, Bernau, Mühlenstr. 5. vergseld«: Hermann Thicß, Bergfelde, Bcltheimer Straße 15. BieSdors-Nord: Karl Kellermann, Königstr. 17. BieSdors-Süd: Georg Winkler, Fortuna-Allee 40. virkenwerder: Frau Z o o r, Rathausstr. 6. vohusdorf: Karl Kuske. Eichbuschstr. 9. vorfigwald«: Max Gehrmanu, Borsigwalde, Reuschstr. 51, vorn 1 Tr. Vnchholz-Blankenburg: Wagner, Blankenburg. Burg. Wallstraß« 71. 'Tharlottruburg I: Sesenheimer Str. 1. C 1 Steinpl. 4156. 'Eharlottenburg II: Eisfeld, Tauroggener Str. 11. C 4 Wilhelm 7798 'Charlottcnburg III: I o a ch l m t, Kaiserdamur95, Eingang Rognitzstroße.<3 3 Westend 3154 Charlottendurg IV: Pusental, Augsburger Str. 47, Portier. Charlottenburg V: Schulz, Droysenstr. 12, l. Garten- Haus 3 Tr Charlottenburg VI: Kantstr. 128, Laden. Geösfnet 2 bis 6 llbr. Dabendorf: Walter Hohl«, Dabendorf, Provinzial- Chaussee. Eichwalde: Hans Düll, Waldstr. 24/27, Siedl. DBB. Erkner: Poikc, Ahornallee 31. Fichtenau: Soblcrajski, Hauvtstr. 36. Falkcnbcrg: S a l z m a n n, Falkenberg, Gartenstadt- straße 10. Fredersdors-PeterShageu: Otto WiltnSkt, Freders- dors, Arndtstraße. Friedenau: Gebr. Petermann, Rönnebergstr. 8 Rheingau 9054 u. 3027. Wilmersdorf, Lauenburger Straße 23, Laden. Rheingau 9054 Friedrichshageu: Mitten zw et. Lindenallee 14. Frohnau: Adcli Z u r I i e s. Hermsdors, Schloßstr. 8. Glienick- a. d. Rordbahn: Willi Engler. Hohen- zollernallce 208. Grätzwalde: M ü h l b a ch, Fichtenau, Mittclstr. 14. Grünau: Frau P f i tzn e r. Bahnhofstr. 9a III. Halense«, Grunewald, Eichkamp: Frau N o a ck, Kiosk Henriettenplatz. Privatwohnupg: Katharinenstr. 4. HeinerSdors: Schulz. Hildestr. 28. Hennigsdorf: Frau R u d a t, Altendorfstr. 18. Hermsdors: Gustav Schley, Moltkestr. II. Hohenneuendors: Frau Werner, Hohenneuendorf, Berliner Str. 28. Hoheuschöuhauieu: Frau S a h r. Orankestr. 19. Hof Part. Hoppcgarten: Rausch, Hoppegarten-Birkenstein. Bar- zelle Nr- 119. Johannisthal: Lehmann, Kaifer-Wilhelm-Str. 13. Karlshorst: P e r s i ck e. Hentigstr. 35. und Kiosk am Bahnhofplatz. Kaulsdors: Bogt, Bredereckstr. 19. Königswusterhauseu: E. M e v e r Potsdamer Str. 9. Köpenick. Hirschgarte«, MahlSdors-Süd: Schlag, Kö- venick. Kictzer Str. 6 lLadenl. 'Lichtenberg I: Lichtenberg. Wartenbergstr. 1. E 5 Lichten- barg 1536. 'Lichtenberg II, Rummelsburg. Stralau: Boxhagener Straße 62. E 8 Andreas 733. Lichtenberg III, Friedrichsfclde, Frau Groß, Prinzen- Allee 66. v. I. 'Lichterselde-Ost, Lankwitz: A Wenzel. Lankwitz. Zietenstr. 15. Tel.: Lichterfelde G. III 2703. Lichterselde-Weft: Hohn, Zehlendorf. Teltower Str. 3. Telephon: Zehlendors 1853. Lichtenrade: Frau Lenz, Bahnhofstr 20. Mahlsdors: Ulrich Haese, Am Rosenhag 28. Amt Kaulsdorf 9022. Mariendors: Frau L e i p. Chausieestr. 29. Marieuseld«: Alfred Pöschk, Berliner Str. 85. Marzahn: Siedlung der Kinderreichen. Gimper- lein, Landsberger Chaussee 39c, Block 1, Wohnung 4 R-uenhageu: Wenzke, Ziegelstr. 1. 'Neukölln I: N-ckarstr. 2. F 2 Neukölln 5707. 'Neukölln II: Siegfriedstr' 28/29 F 2 Neukölln 5706. Neukölln III: Winklet, Hobrechtstr. 40, v. 1 Tr. 'Neukölln-Britz: Mittag. Britz. Chausseestr. 82. F 2 Neukölln 2550. Neuschulzendors. Zeuthen: Franz Kühl, Neuschulzen- dors, Ernststr. 54. Nicderlehme: Hermann Schultz«, Zernsdorf, Ziegelei. Niederschöneweid«: Hermann Bindig, Sedan- straße 62. Niederlchönhausen-Ost: Frau G o I d b a ch, Schloß- allee 4a, v. 3 Tr. Rowawes: Eisenbahnstr. 10. Oranienburg: Heinr. Leonhardt, Stralsund« Straße 6. Oberschöncweide: Robert Paul, Wilhelminenhos- straße 44a. F 3 Oberspree 0621. Pankow: R i ß ma n n, Mühlenstr. 70. D 8 Pankow 2452. Potsdam: Gebr Schubert, Junkerstr. 26. Rahnsdorf, 11 r b a n i a k, Straße 7, Haus 4. Reinickendors-Ost: Wahle, Provtnzstraße 56. Ge- öffnet 2— 6. Reinickendorf- West: B e ndt, Scharnweberstr. 114, Bolkshaus. v 9 Reinickendorf 3621. Roseuthal: Fritz Kosjeri, Kronvrinzenstr. 4. Rudow: Otto Kaiser. Waltersdorser Chauffe«. Eadowa, Kaulsdors-Süd: H e n f ch k e, Kaulsdors-Stid, Waldstraße 66.„., 'Schmargendorf I: N e h a l>, Breite Str. 3. R 1 Psalxe bürg 3541. Schönblick: N e u e» d o r f, Swönblick. 'Schöneberg: Bclzigcr Str. 27.<11 Stefan 7409. Senzig, Gussow, Grädendors: Fricdewald, Senzig, Chausseestr. 54. Siemensftadt: St en zel, Brunnenstr. 6, v. 1 Tr. Steglitz: Frost Schadenrute 2. Strausberg: Alfred Bannick«. Strausberz, Dirschouer Straße.. Tegel. Tegclort. Heiligensee, Schul, endors: Spieß, Tegel, Scblicperstr. 52. Teltow: Hösel, Ritterstr. 29. Tempelhos: Horsdorf, Werderstr. 3l v. Port. Neutempelhos: R i n d s l e l j ch. Fidicinstr. 35. v. ptr. Trebbin: G ö r i n g, Parkstr. 22. 'Treptow: Meckelburg, Graetzstr. 50. F8 Ober« bäum 8048. Waidmauusluft: R o h d e, Oraniendamm 10. Wannsce: Wolter Glienick« Str 29 Wtzißensee: Anton Wiese, Lehdcrstr. 2. E 6 Weißen- sec 3772. Wildau, Hoherlehme; R u d. Lettow, Hoherlehme. Friedrich-Ebert-Str 66. Wilmersdorf 1: Lauenburger Str. 23. Laden. Rhein- gau 9054. WilmerSdors II: Friedrich Bauer. Paulsborne, Straße 22. l. Stfl IV Wilhelmshagen. Hesieuwlnkel: Schulze, Wilhelms« Hägen. Wilhelmstr. 3l. Witteoau: Z> d e l l. Houptstr. 65. Wollersdorf: Frl. Mathias. Werderstr. 50 III. 'Zehlendors, Schlachteusec, Nikolassee: Höh». Zehlen- darf. Teltower Str. 3. V 4 Zehlendors 1853 Zerusdors, Niederlehme, Cablow, Reue Rühle: Otto L i e s c g a n g, Zernsdorf, Breite Str. 105. Zosien: Witt. Baruther Str. 12. Sämtliche Literatur low:« all« willenschastlichen Werk« werden geliefert. Sonntags llnd die w-schästsstelle» geschlolleu. Die mit einem' versehenen Ausgadestcllen sind nachmittags von 2—6 Uhr unter der angegebenen Rum» mer telephonisch zu erreichen. UM Verwaltiangssiclle Berlin Todesanzeigen Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser Franz Glomm geboren 5. August 1874, am 23. Mai gestorben ist. Die Einölcherunq findet Frettag. den 29. Mai. 18 Uhr. im Kremaio- rwm Derichtstrafie statt. Am 23. Mai starb unser Kollege, der Schnittarbeiter Karl Splittgerber Die Einäscherung findet Sonnabend, 30. Mai. I91,', Uhr, ün Krematorium Serichtstraße statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Wecki'ut Am 14. Mol starb unser Kollege, der Dreher Kermann Bogge geboren 26 April 1871. Die Einäscherung Hot dereit« statt- gesunden. Ehre ihrem Andenke»! Die Ort, vrr Wallung XUealer, Lichlspiele usw Am 26. Mai verschied plötzlich in- folae Herzschlag meine liebe Frau, unsere liebe Mutter. Schwieg er- und Grotzmulter LiesbethHelbinggübDrevs Mach kurzem Krankenlager. In lielem Schmerz IU«t>»rck Heidt»« und TOditer und Angehörige. Einäscherung am Sonnabend, dem 38. Mai.>4 Uhr. im Krematorium Banmschulenweg. Am 26. Mai wurde nach langem Leiden unser lieber Bater. Schwieger. und Grotzoater, Schwager und Onkel Emil Peters im 80. Ledenssahr durch den Tod erikist. Im Namen der trauernden Hinter- bliedencn Alired Peter» Neukölln, Fuldastr. 3132. Die Einäscherung findet am Sonn- abend, dem 3V. Mai, nachmittag« 6 Uhr, im Krematorium Baumschulen- weg, Kiesholzstr. 2Zt. statt. Kranzspenden dankend»erbeten. B«i der großen Fülle der Bel- leidskundgebungen aus Anlaß des Todes meiner lieben Frau und unserer unvergeßlichen Mutter ist es uns unmöglich, jedem einzelnen zu danken. Wir bitten, auf diesem Wege unseren herzlichen Dank entgegenzunehmen. Für�tenwalde, Spree, 26 Mai 1031. Erster Bürgermeister Carl Stoll, Lisa. Gerhard nnd Susi Stoll. ailidierHIIarlieHM Aval tag, den 23. Mai mittag« 12 Ahr, im Kosenkhater Hof, Aosenkholer Straf,- 11 12: »rdeSttwzen-verzsmmlllaS !SmUlS.er Mes&inen, Motor, »lUQ- o. EsparpJur-SCilGaser Tagesordnung. 1. Di« wirlichaltlichs Lage. Reiereni: Kollege Fritz Zimmermann. 2. Diekuifion. 3. Verschiedenes Ohne Miig iedsbuch kein Zutritt! Das Erscheinen oller Kollegen ist not- wendig. VervalluaSs»ML»s0er! Freitag, den 2S. Mai, abend» 7 Uhr, Sitzung der Rtltieren Ortsverwaltung. Die OrUvcrwaltun g. Donnerst., 28 5. Staats-Oper Unter d. Linden Außer Ab. S. R�S. 20 Uhr la Iiaviata Endeg.ZJ'/jUhr Donnerst. 28. 5. staut. Oper Bismarckstr Turnus IV 20 Uhr Cavallerta rubticana losephslcgenda Ende g 22' i Uhr Staats-Oper Im Platz dir Rapoblik V.-B. 20 Uhr Perichole Ocffcnfl. Rartennitaat Ende 23 Uhr Staat). Sdiaosp!i. (am Geodarmznmarkil 231. A-V. 20 Uhr Wilhelm Teil Ende n.221/« Uhr Staat). SiliillBr-Itieatsr, Cliarltlig 20 Uhr Evnilia Galotti Ende gegen 22'/« Uhr 16__ � | Jackson Girls Togo, Peter Plet, Zellini, Lord Ain osw. »Täql 6 u. L-d _G R Os'�El R E V U E[ L8EBE mich! fjAiSMAND nugungs Resfaiuant ißerlins r75TT3 THEATER Biel Sonnabend 8 16 Sonntag 91. Mal die drei lelzi. Aut fOhr�n.» 2" 5« 9� j>! Obr. Flora 343i Raudien irlanbl Dayelma- Ballett Original Pariser Cancan Knban« Kosaken- Chor VolKsbtttme Tbnttrui BQlowplat:. 8 Uhr Zum I. Mal Lumpazivagabundus Possevon Nestroy Bearbeitet ron Anton Knh Regio: i. H. libnalt Mutik: Theo Hidebeo StaatLSdiiller-Hi. 8 Uhr EtniBia Galotti Staatsoper Am PI.d.Republik 8 Uhr Perichole I e«ing-TliHtet Täglich 8V« Uhr Der rasende Sperilnd Kim, Vlhrog. Meyn Rex OiBtidtei Tfieiter 8 Uhr Der Raaplmano von KOpentik i. Carl Zuckmayer Btgii: Boioz Hilgert Die SomSdle Täglich S',": Uhr Dienst am Kunden voi Cmt Bob Nil Mai Bauseo Regie: Hans Deppe St „Die Hui FraBklarlcr ISoseGarten Wocfaenlads: 5" Uhr Somiiags: 500 Uhr Konzert nnd tnter» naflonalerVarieteieii JasLIebmerirai" Der lustigste Operettenschwan b. Wochentags Kafteekodiea an gedeckten Tischen Preise f. d.Garten: 0,60— M. 2.— Große Frankfurter Straße 13» U-Bahn Strausbcrger Platz Ctficiger Vorverkauf tAglfch vtra iz-�z Uhr und 4—9 Uhr Telefonische Bestellungen l E7 Weichsel 342a iiüriörsiBDflamni- Theater Bismarck 449 J�JJhrJ Alles Schwindel voo Marcel los Wille. Musik von Mischa Spoliansky. Regia; Cutaf Griadgoaa Komiscna oper Si/a Uhr Alt-Heidelberg Locie Eoglisdi. Westenneier. H.J.Moebis, Peukcrt Tigl. 8»ä Uhr Die goldene mono Lori Leux, Sikia, Hendrik Mrd. Weiteos Täglich 86. Uhr Schön ist die Welt mit Kammersänger Otto Fusel metropoi-Theaier Täglich 8", Uhr Die Toni aus Wien Mady Christians, Michael Bohnen nn 1 Bit DM WIIlB'f Nur iRross- Berlin [ Alexenderplet« GROSSES SCHAUSPIELHAUS Täglich 8 Uhr: im weissen ROSSl. In der Premiereiibssstzüiig nur nodi 4 Tage Regie: Erik Charcil. ER E D V biiliOfie B E BC 1 Beza csa neue! 10 Sick. v. 58, 64 Pf. Ausnahmetage Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag W. Mewe» N«dif., nur Prinzenstr 101. Gegründet 1866 Tel. Moritzplatz 1412. � Elite-Singer— j Kottbusser Str. 6 Täglich «'/. Uhr Jm der Liehe Vorher: Ein erslkl. Solotell. Rennen Grunewald Heute 28» Hai. Z30 U. Preis von Walbnrtj. KLEINE ANZEIGEN Jedes Wort 12 Pt. Fettjülniilr Wart 25 Pf. (nllui] 2(lltj«2ni±ti Wwtl).- Slellngcsidu dai I. Vstl(lahgulnidtt) ISPt, smlBwaitira Wtri II Pf. lliorli mit malir ah Ii Bidatatn dilni fSr nai Varia. toisign. ml du fit dl, nldist; Nummer tatlmmt tind.müssin blsspitustmu 4'/, llbr uadimittags la dar Haupt-Eipiditlge d« Vorvlrh, Liodtastrali 3, ab�juban mrden.Diiulbe Iii wcdurtagi tuq murtjeiu P/a Uhr bis«adim. S Uhr gaunletbrodtn geöffnet. I veritöuiB j KieidongsstocKa, u/asene usw.i Ttteater Im idmlralsDBlast Täglich 8% Uhr Deriustige Krieg Adiü Ahlen, Schollwer, Ulien, Priem Banevskr-Biltiiieii Theater la «gWk8llc!le> Zabngebifi«, Blatinabkälle, Queckülder, Zinn» Metalle. Silber. schmelze. Goldichmel. zerei. Edristionat. Köpenickersiraße 39 Saltestelle Adaldert. straße. I umerriGtii| Jeder Che! zieht Bewerber mit «prachkenntnifien vorl Drum leru» Sprachen in d:a Berlitz School. LeiP- »wer Straße 110. Kurfürsten- dämm 26a. Einzel» Unterricht, Zirkel. Breisabbau: 10'I», vep- hell. 65 Quadratmeter. Röhe Mo. ritzplatz, Seiten» flüget, II. Etage, preiswert sofort zu oermieten. Buckower Stratze 6. 3lr. 243* 48. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 28. Mai 493� llS8 vVSUMMl IN 0«' 5WSW8VNSW. ssorsekungsn unter t.ed«n»g«kskr. Das Unternehmen P i c c a r d s und seines Assistenten K i p f e r geht zweifellos weit über den Rahmen einer sportlichen Veranstal- hing hinaus. Es ist ein ernsthaftes Experiment, das nach langen und sorgfältigen Vorbereitungen durchgeführt wurde. Piccard wollte in die sogenannte Stratosphäre eindringen, die in etwa IZOOll Meter Höhe beginnt und bis zu etwa 65 000 Meter reicht. Während die darunter liegende Troposphäre das Gebiet der wetterbildenden Kräfte darstellt, ist die Stratosphäre das Gebiet der Dämmerungserschei- nungen. In ihr wirken die kurzwelligen Sonnen st rahlen und die langwelligen Erd st rahlen zusammen. Es findet hier«in gewisser Wärmeausgleich statt. Piccard beabsichtigt« daher vor ollem, Messungen dieser kosmischen Strahlung vorzunehmen und Untersuchungen über die Luftelek- t r i z i t ä t anzustellen. Außerdem sollte seine Fahrt in bisher von Menschen noch nicht erreichten Höhen den Konstrukteuren wichtige Aufschlüsse über den Bau von Fahrzeugen für die Stratosphärenflüge geben. Man plant zum Beispiel, den Flugverkehr in diese höchsten Luftschichten zu verlegen, weil man hier unabhängig von meteorologischen Einflüssen ist. Der Ballon Piccards hat einen Durchmesser von 30 Metern und einen Rauminhatt von 14 000 Kubikmetern. Er hat mit einer Füllung von 2300 Äubihnetern Gas seine Reise angetreten. Das Gasventil ist so«ingestellt, daß der Ballon in einer Höhe von 16 000 Metern zum Äbstiez entsprechend entleert werden kann. Die Gondel ist mll ewem Fallschirm ausgerüstet Bnd mit einer Reißleine versehen, durch die der Ballon ebenfalls zum Sinken gebracht werden kann. Sie selbst ist vollkommen ver- schlössen, so daß das Leben der Insassen bis zu einem gewissen Grade geschützt ist. Sie hat einen Durchmesser von 2,l0 Metern und ist aus Aluminiumblech von 3,5 Millimeter ge- arbeitet. In der Gondel sind sämtliche Apparate, die zur Durch- führung von Luftmessunnen benötigt werden, zweckmäßig angeord- net. Es gibt in ihr eine Ionisationskammer, einen Elektrometer, Photometer, Höhcnmester, überhaupt alle zur Luftfahrt crforder- lichen Instrumente und Geräte für die Sauerstoffatmung. Piccard nahm vor dem Ausstieg an, daß in der Gondel stets ein« Tempera- tur von 20 bis 25 Grad vorhanden sein werde und hoffte, die Temperatur im Innern mit Hilfe der Sonnenstrahlen durch einen fchwarzgestrichenen S ch u tz s ch i r m, der den halben Kugel- uvrfang der Alurniniumgondel mngibt und erstellt werden kann, regulieren zu können. Sollte die Temperatur im Innern der Kugel zu gering werden, so wollte er den schwarzen Schirm auf die Sonne richten, ihre Strahlen cinfangcn und dadurch ein« orößcre Wärme- menge ansammeln. � Der Versuch Piccards geht weit über alle bisherigen 5)öhen- flüge hinaus. Der Franzose Jan Ealliza erreichte mit einem Flug- z e u g bereits eine Höhe von 12 442 Meter. Alle übrigen Höhenflüge sind mit Freiballons durchgeführt worden. Im Jahre 1804 stieg der berühmte Physiker Gay-Lusiac zu einem Flug auf, bei dem es ihm fast ohne Hilfsmittel glückte, 7000 Meter hoch zu gelangen. Im Jahre 1850 versuchte der Engländer John Welsh ebenfalls einen Höhenflug. Auch er mußte sich nach Erreichung von 7000 Metern zur Rückkehr entschließen. Der englische Physiker Glaisher unternahm in den Jahren 1862 bis 1866 nicht weniger als 28 Ballonaufstiege, von denen ihn einer bis zu einer Höhe von 8500 Meter emporführte. Die Meßgeräte, die er bei diesen Flügen benutzte, waren so unzulänglich, daß der wissenschaftliche Wert seiner Fahrten erhebliche Einbußen erlitt. Der im aerologischen In- stihlt in Lindenberg wirkende Professor Artur B e r s o n unternahm am 31. Juli 1001 zusammen mit dem Meteorologen Rein- hard S ii h r i n g einen Höhenflug, bei dem es ihm gelang, sine Höhe von 10 800 Meter zu erreichen. Die größte von Menschen bisher erreichte Höhe beträgt annähernd 13 000 Meter und wurde im Jahre 1928 von dem Amerikaner C. Gray mit dem Ballon „Belleville Hl" erreicht. Die Meßgeräte zeigten eine Höhe von 12 945 Meter an. Hat Piccard eine noch größere 5)öhe erreicht? Die Ballon- sachverständigen behaupten es vorläufig und dach wird über d> e wirklich erreichte Höhe nur der Höhenmesser in dem Ballon Piccards genaue Auskunft geben können. Aber kehrt der Ballon heil zurück? Fast hat es den Anschein, als ob auch Piccard fein Experiment mit dem Leben bezahlen muß oder bereits bezahlt hat. Der Donnerstag dürfte darüber cnd- gültigen Aufschluß geben. vis große Umgestaltung. Eine Geschäftsanweisung des Magistrats für städtische Werke. 3n seiner gestrigen Sitzung hat der Berliner Blagistral das vorgehen de, Bürgermeisters Dr. Elsa, gebilligt, das dahin zielt, einige leitende Beamte städtischer Gesellschoflen wegen verquickung ihres Amte» mit privaten Rebengeschösten au, ihren Stellungen zu entfernen. Wie wir erfahren, wird Direktor Golde von der Bcrolina- Grundstücksgesellschaft, einem Tochterunternehmen der Berliner Ver- kehrsgesellschaft, bereits mit dem 31. Mai aus seiner Stellung aus- scheiden. Auch das Vorgehen des Bürgermeisters Elsas gegen den technischen Direktor der Städtischen Gaswerke Dr. Ludwig, über das wir im Abendblatt berichteten, wurde vom Magistrat ge- billigt. Es ist wahrscheinlich, daß auch noch gegen andere leitende Angestellt« der städtischen Werke vorgegangen wird. Der Magistrat hat weiterhin gestern dem Erlaß einer G e- schästsanweisung für die Direktoren und Geschäftsführer der städtischen und überwiegend städtischen Gesellschaften zugestimmt. Die Vorsitzenden der Aufsichtsröte dieser Gesellschaften werden ersucht, diese Geschöftsanweisung längstens innerhalb von Zwei Monaten durch Aufsichtsratsbejchluß einzuführen und dem Ober- bürgermeister über die Einführung zu berichten. Diese Geschöftsanweisung regell die Stellung der Direktoren zur Gesellschaft, zum Aufsichlsrat und zum Anfsicht»ral»oorsihenden. ferner die Stellung der Direktoren untereinander und die Stellung der Stadt Berlin. Nach der Geschästsanweisung muß«in Beschluß des Auf- sichtsrats rechtzeitig u. a. über folgende Angelegenheiten herbei- geführt«erden;'Die Ausstellung des Geschäftsberichtes mit der Bilanz sowie der Gewinn- nnd Verlustrcchniing über das abgelaufene Jahr, dieAufstellnngdesWirtschaftsplansfür das kommende Jahr, Anträge auf Zlendcrungen der Abgaben an die Stadt, T a r i f- änderungen, Erwerb und Veräußerung von Grundstücken Neu-' und Ausbau von Gebäuden und Anlagen, die Gründung von Unter- und Tochtergesellschaften und die Be- telligung an anderen Unternehmen, die grundsätzliche Stellungnahme zu dem Recht, wechselmäßige Verpflichtungen zu übernehmen, die Einstellung der Direktoren und ihrer Stellvertreter und die Regelung ihrer Bezüge, schließlich die Erteilung von Prokura. Dem Aussichtsratsvorsitzenden ist über alle wichtigen Geschäfts- Vorgänge sofort Mitteilung zu machen. Die Zustimmung des Aufsichrsratsvorsitzenden ist rechtzeitig für alle wichtigen Geschäfts- Vorgänge herbeizuführen, besonders für Eingaben nnd Berichte von größerer Bedeutung an die übergeordneten städtischen Dienststellen, für Miet- und Pachtverträge für längere Zeit als 1 Jahr, für Rechtsstreitigkeiten, deren Gegenstand eine bestimmte Summe über- steigt oder die grundsätzliche Bedeutung haben, für Dienstreisen der Vorstandsmitglieder und Geschäftsführer, die länger als drci Tage dauern, und Reisen ins Ausland, ftir den Urlaub der Direktoren und die Regelung der Vertretung, für die Einstellung von Personal, dessen Vergütung einen bestimmten Betrog jährlich übersteigt, und schließlich für Abweichungen vom Wirtschaftsplan. Dem Aufsichtsralsvorsitzenden ist rechtzeitig Kenntnis zu geben ron Einkäufen, Bestellungen. Aufträgen und Verkäufen, deren wert eine bestimmte Summe übersteigt, und zwar unter gleichzeitiger Vorlegung von Auskünften über die Firmen, mit denen die gcfchästlichen Verbindungen ausgenommen worden sind. Ohne Rücksicht auf den Wert der Einkäufe, Bestellungen und Aufträge ist ihm ferner Kennt- nis zu geben, wenn der Auftrag an Firmen erteilt werden soll, die entweder Mitgliedern der städtischen Körperschaften oder Vorstandsmitgliedern oder Geschäftsführern ftädlifcher oder überwiegend städtischer Gesellschaften gehöre». Der Aufsichtsrots- Vorsitzende ist berechtigt, jederzeit Revisionen der Gesell- schaft anzuordnen. Die Einführung der Bürgersteuer. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst einem gemeinsamen Runderlaß des preußischen Innenministers und des preußischen Finanzministers vom 22. Mai 1931 entnimmt, bedarf die Einführung der Bürgersteuer mit einem höheren Zuschlag als 100 Proz. des Landessatzes- fttfso die--Erhebung- von inechr als dem Doppelten des Landessatzes) auch dann der Zulassung durch die Aussichtsbehörde höherer Instanz, wenn die Bürgerfteuer durch die Aufsichtsbehörde mit Zustimnmng der Bejchlußbehörde ein- geführt wird. Der Runderlaß ist sür die Einführung einer erhöhten Bürger- steuer in Berlin von starker Bedeutung. In der Badeanstalt ertrunken. In der Spandau er Badeanstalt in der Schäierstraße ereignete sich gestern ein bedauerlicher Unfall. Der neunjäyrige Schüler Harry Staffion aus der Strelitzer Straße 19 ging beim Schwimmen plötzlich lautlos unter. Der Vorfall war bemcrkl worden, und obgleich das Kind schon nach kurzer Zeit geborgen werden konnte, blieben die Wiederbelebungsversuche ohne Erfolg. Loprrixln Paul Zaolnay Verlas Bcrlin-Wiea. „Ich bin ganz still", sagte Worobjew gehorsam.„Was ist denn geschehen?" Frau Kuznezowa zog die Lippen zusammen und wies mit der Hand auf die Tür des nächsten Zimmers.„Ein sehr heftiger Herzanfall." Und sichtlich die Worte von jemand ande- rem wiederholend, die ihr durch ihre Wichtigkeit aufgefallen waren, sagte sie:„Ein letaler Ausgang ist nicht ausgeschlossen. Ich bin heute den ganzen Tag auf den Beinen. Heute morgen kam ich mir die Meischmoschine ausborgen und sah, daß die Tür offen stand und kein Mensch da war, weder in der Küche noch im Zimmer. Da dachte ich, Klawdia Iwanowna sei Mehl holen gegangen.»." Das Stöhnen, das aus dem Nebenzimmer tönte, griff Worobjew ans Herz. Er bekreuzigte sich und ging in das Zimmer seiner Schwiegermutter. Der Tod der Madame Pjetuchowa. Klawdia Iwanowna lag da und hielt eine Hand unter dem Kopf. Sie hotte ein Häubchen von intensiver Aprikosen- färbe an, wie sie zu einer Zeit modern waren, da„Ehante- clair" die Devise war und die Damen eben begonnen hotten, den argentinischen Tango zu tanzen. Klawdia Iwanownas Gesicht war feierlich, drückte aber Vichts aus. Ihre Augen waren auf die Diele gerichtet. .Klawdia Iwanowna!" rief Worobjew. Die Schwiegermutter bewegte rasch die Lippen, statt der gewohnten Trompentöne aber vernahm Worobjew ein so leises, dünnes, mitleidcrregendes Stöhnen, daß sein Herz erbebte. Tränen stiegen ihm in die Augen und rollten wie Quecksilber über seine Wangen. „Klawdia Iwanowna", wiederholte er,„was fehlt Lhnen?" , Er bekam aber wieder kerne Antwort. Die Alte schloß Die Agronomenfrau kam leise ins Zimmer, faßte ihn an der Hand und führte ihn weg, wie einen Jungen, den man zum Waschen führt.„Der Arzt hat strengste Ruhe angeordnet. Sie, mein Lieber, gehen jetzt in die Apotheke und holen Eis- blasen." Worobjew unterwarf sich Frau Kuznezowa in allem, da er ihre Ueberlegenheit in diesen Dingen fühlte. Es war ein langer Weg bis zur Apothske. Wie ein Schüler hielt er das Rezept in der Hand. Es war schon fast dunkel. Dort hinten in der Dämmerung sah man die Umrisse der kleinen Gestalt Bezentschuks, der an der Ladentür lehnte und sein Abendbrot, das aus Brot und Zwiebel bestand, ver- zehrte. Nebenan saßen die drei Besitzer der„Nymphe", aßen Brei aus einem gußeisernen Töpfchen und leckten die Lössel ab. Als sie Worobjew erblickten, erhoben sie sich und stellten sich wie Soldaten in Positur. Bezentschuk zuckte beleidigt die Achsel und brummte:„Berslucht noch einmal, immerfort kom- men sie einem zwischen die Füße." Wieder zu Hause angelangt ging Worobjew, von der Aufregung ermattet, im Zimmer herum. Allerlei unange- nehme wirtschaftliche Gedanken gingen ihm durch den Kopf. Er überlegte, daß er jetzt wohl gezwungen sein werde, im Büro einen Vorschuß zu nehmen. Daß er den Popen holen und die Veileidsbriefe der Verwandten werde beantworten müssen. Um sich ein wenig zu zerstreuen, ging er auf die Treppe hinaus. Im grünen Mondlicht stand der Sarghändler Bezentschuk. „Wie wünschen Sie ihn also, Herr Worobjew?" fragte der Meister und drückte seine Mütze mit beiden Händen an die Brust. „Meinetwegen", antwortete Worobjew düster. „Und Sie wissen,„Nymphe", verflucht noch einmal, gibt doch keine gute Ware", regte sich Bezentschuk auf. „Geh' schon zum Teufel! Ich bin deiner satt." „Ich sage ja nichts. Ich will nur wissen, was für Stoff und Quasten ich liefern soll. Erste Sorte, prima? Oder wie?" „Ohne Quasten und ohne Stoff. Einen einfachen Holz- sarg. Aus Tannenholz, verstanden?" Bezentschuk legte den Finger an die Lippen, eine Geste, die bedeuten sollte, daß er alles verstanden habe, er wandte sich um, drehte seine Mütze in den Händen und entfernte sich wankend. Jetzt erst sah Worobjew, daß der Sarghändler tod- betrunken war. Wieder stieg«in Ekel in ihm ans. Der Gedanke, seine nun «Wommen öde, schmutzige Wcchwmg zw betrete�««r ihm unvorstellbar. Es schien ihm, daß mit dem Tode seiner Schwiegermutter alle kleinen Bequemlichkeiten und Gewohn- heiten dahin waren. Alles, was er sich nach der Revolution, die ihm alles geraubt hatte, mit solcher Mühe geschaffen hatte. Heiraten— überlegte Worobjew. Wen? Vielleicht die Nichte des Milizchefs Warwara Stefanowna, oder Fedorows Schwester? Oder eine Bedienerin aufnehmen? Kommt nicht in Frage! Sie wird viel Geld kosten und mich jeden Moment bei Gericht verklagen.— Das Leben malte sich ihm plötzlich sehr düster. Voll Ekel und Widerwillen gegen die Welt kehrte er heim. Klawdia Iwanawna phantasierte nicht mehr. Sie lag hoch auf dem Polster und sah klar und streng, wie ihm schien, auf den eintretenden Worobjew. „Ipolit", flüsterte sie deutlich,„setzen Sie sich neben mich. Ich muß Ihnen etwas sagen..." Worobjew setzte sich mißgelaunt nieder, blickte auf das eingefallene Gesicht seiner Schwiegermutter mit dem Schnurr- bart. Er versuchte zu lächeln und etwas Muteinflößendes zu sagen. Sein Lächeln aber war wild und er fand keine Worte. Nur ein unbeholfenes Zischen kam aus seinem Hals. „Ipolit", wiederholte die Schwiegermutter,„erinnern Sie sich noch an unsere Möbel" „Welche Möbel?" fragte Worobjew mit jener Zuvor- lommenheit, wie man sie nur gegen Schwerkranke findet. „An die... die mit englischem Zitz überzogenen..." „Ach so. in meinem Haus?" „Jawohl, in Stargorod..." „Ich erinnere mich, ich erinnere mich sehr gut. Ein Sofa, ein Dutzend Stühle und ein rundes Tischchen mit sechs Beineu. Die Möbel waren ausgezeichnet. Von Gambs... Warum sprechen Sie aber jetzt davon?" Klawdia Iwanowna vermochte aber nicht zu antworten. Ihr Gesicht ward allmählich blaurot. Auch Worobjew begann schwer zu atmen. Er sah deutlich das Zimmer in feinem eigenen Haus vor sich, die Nußholzmöbel mit den gebogenen Beinen, den gebahnten Parketten, das altmodische braune Klavier und die schwarzen ovalen Rahmen mit den Daguer- reotypen der vornehmen Verwandten. Nun sagte Klawdia Iwanowna mit einer monotonen blechernen Stimme:„Ich habe damals meinen Schmuck in den Sitz eines dieser Stühle eingenäht." Worobjew schielte nach der Alten. Frauenmord aus Rache. Ein Siebzehnjähriger als Mörder. „Älumenerde.. Von früh um sieben bis wieder um sieben Uhr des Zlbends schallt jetzt in allen Modulationen und tiefen männlichen Tonlagen dieser Schlachtruf des Frühlings: Blumenerde... feine Blumen- «erde! Nirgendwo ist man sicher vor diesem Ruf, der alle anderen 5)ausiererschreie und Stcntorrufe um Lumpen, Altpapier und Ocifen übertönt,— er allein füllt die Straßen und Höfe jener Viertel, in denen man Balkons und Loggien in den Häusern sieht. Und wem es vielleicht infolge Fehlens neuer Lenzeskleider und in Ermangelung allen Bargeldes noch nicht ganz frühlingsmäßig zumute fein sollte, dem wird dieser Ruf, mit dem sich die Erdehändler direkt ein An- recht darauf erwerben, Conferenciers des Frühlings genannt zu werden, gewiß das Herz wärmen. Die Händler, die starke propa- gandistische Wirkung der warm brennenden Sonne ausnutzend, haben ihren Betrieb auf große Nachfrage gestellt. Sie ziehen in ganzen Kolonnen herum. Aber es gibt da auch Eingänger, die solo ihre Erde an den Mann, der da seine Blumenkästen schon gestrichen und den Balkon frühlingsmäßig hergerichtet hat, bringen wollen. Aber diese« gefährliche Einzelgeschäst riskieren nur Neulinge, die nicht ahnen, daß, wenn sie oben irgendwo in einem dritten Stock ihre Ware verhökern, ihnen indes unten der halbe Wogen ausgeräumt wird, wie das zuweilen schon vorgekommen istl Beliebter darum ist die Tour zu dreien. Man arbeitet sicherer und lukrativer in Kompagnie. Einer gibt den Wagen, einer das Pferd, der dritte die Erde, zweie schreien abwechselnd, jeder bis zu seiner höchsteigenen Heiserkeit— und der restlich oerbleibende Partner schippt ein und trägt die„seingesiebte" Erde in die Wohnungen, „wo sie gewunken haben". 30 und oft auch nur 25 Pfennige kostet so eine Ladung, wobei zu bedenken ist, daß diese Ladung Platz in einem ausgedienten Marmeladeeimer hat, der allgemein als lande»- übliches Maß gilt. Mit.seingesiebt" ist da« manchmal so, wie man aus eigener schmerzlicher Erfahrung erzählen kann: Es sollte feingesiebte Erde sein, allerbeste Qualität! Aber wa» war e»? Eine tolle Mischung von kleinen Steinen, vermoderten Arsten, Ziegelscherben, rostigen Nägeln und Schutt. Sagen wir ruhig: Bauschuttl Mit Erde hotte da» nicht» mehr zu tun. Es war ein Gemisch aus hunderterlei Ge- steinsproben,«in wahrer Prachtfund für einen Geologen, aber ein Aergernis für den, der darin Stiefmütterchen oder Pelargonien pflanzen wollte— geliefert von einem, der sicherlich nur„wild" mit Erde handelte und sie sich irgendwo auf einein freien Platz zusammengeklaubt, nicht aber aus den großen Gärtnercien ehrlich getauft hatte, wie die» die soliden Händler tun, die man alle Jahre wieder in seiner Straße sieht. Manch« Familien kaufen seit Jahr und Tag von ihrem alten Händler und sind um keinen Preis der Welt zu bewegen, e» mal mit einem neuen Mann und einer neuen Erde zu versuchen. Dies« ihre alte Liebe hält selbst dann auch noch an. wenn der Blumen- erdemann sich mit seinem Wagen einmal verspäten sollt« und erst zu einer Zeit kommt, wo man rundum in der ganzen Nachbarschaft schon oll« Blumenkästen voll der schönsten Blüten sieht, indes der eigen« Balkongorten und die Fensterbeete noch winterkahl und öd« stehen. Liebe Landsleute. Spihenarbeiterin um ihre Ersparnisse betrogen. Einen gemeinen Streich hat ein Gaunerpaar einer jungen Polin gespielt. Do» Mädchen hatte als S p i tz» n a r b«i t e r i n mehrere. Jahre in B rü j j e l zugebracht undi sich' dort- nach-' und'� itach 1 5�00 b e l g i.fch e Fra n ten erf-pa rt. Mit diesem Schätz und einer Aussteuer an Wäsche usw. wollte sie jetzt nach Czenstochau zurückkehren und heiraten. Unterwegs im Zuge macht« das Mädchen, das kein Wort Deutsch spricht, die Bekanntschaft eines Ehepaares, die sich für L a n d« l e u t e ausgaben. Sie erboten sich, dem Mädchen Berlin zu zeigen und sich seiner h i l f r e i ch a n z u n e h m e n. Bei der Ankunft in Berlin nahmen sie die Polin mit in ihre Wohnung und ließen sie übernachten. Vertrauensvoll erzählte sie von ihren Ersparnissen und ihren Heiratsabsichten. Am nächsten Morgen be- gleitete sie der Mann zur Bahn. Er führte die gänzlich Ort»- unkundige nach dem Lehrter Bahnhof, nahm ihr für Fahrkarte und Gepäckbösorgung 30 M. ab und setzte sie in einen Zug. Während der Fahrt, bei der Kontrolle, erfuhr die Polin zu ihrem Entsetzen, daß sie nicht auf dem Wege nach Czenstochau, sondern nach H a m- bürg war. Die Vahnbeamten sorgten dafür, daß die Betrogene nach Berlin zurückkam, und hier erstattete sie Anzeige. Der betrüge- rische Landsmann hat ihr Gepäck nicht aufgegeben. In einem Korbe war das ganze Geld und die Hab« der Betrogenen. Wer die diebischen Landsleute waren, weiß sie nicht. Sie konnte die Wohnung nicht wiederfinden, und es ist anzunehmen, daß das Schwindlerpoar irgendwo möbliert wohnt. Der Mann war etwa 3S Jahre alt und ließ sich Josef rufen, seine Frau war etwa 40 Jahre alt und nannte sich Marie. Es sind zweifellos Polen gewesen, da die Bestohlene das an der Sprache erkannte. * Ein 8 2 Jahre alter Mann ist wieder einmal da» Opfer von Gesundbeterinnen geworden. Im RummeJl»« b u r g e r Part saß er auf einer Bant und sonnte sich, nl» er von zweiFrauen.die etwa 50 Jahre alt waren, angesprochen wurde. Sie wollten ihn mit„Beten" von seiner Gicht kurieren, und der Gut- gläubige nahm sie mit in feine Wohnung. Hier schwatzten sie ihm den Rest seines Geldes, 43 M., ab und verschwanden. 4v00OLidtn Tisch fällt. Ist diesem Uebel abzuhelfen? Zu einem gewissen Teil bestimmt. Wenn z. B. noch wochenlanger Paust, wie die» neulich geschah, sämtlich« drei Landgerichte an tin«m Tage �Schwur- gerichrs"sitzungen anberaumen, so wäre da» leicht zu ver- meiden, indem sich die Dorsitzendeu unter, sich über die Schwur- gerichtstermine verständigen. Geschieht das nicht, trotz wiederholter Lorftelungen, so wird der.Grund für diese» geringe Entgegen- kommen der Presse gegenüber nicht ganz verständlich erscheinen. "Am'lS. JuNl.h�giniMÄWDM vor dstn Landgericht ll und Land- - gbrtcht Tll'cine Mihe�st aflf t ffch« r Pr�je�. Es besteht tri«®<< fahr,' daß eine reguläre Berichterstattung wegen Zusanunenfallen der Termine wieder nicht gut möglich sein wird. E» soll deshalb schon jetzt an dieser Stell« der Wunsch ausgesprochen werden, daß die Vorsitzenden nach Möglichkeit die Termine so anberaumen, daß der Beginn der Prozesse auf verschiedene Tage fällt. Aehnlich wie b«i d«n Schwurgerichten liegen di« Dinge bei den dessen, was sich mit seinem Verdienst oder Ersparnissen erklären ließ. In den letzten Tagen hatten sich die Derdachtsmomenta gegen ihn aber doch so verstärkt, daß er oerhaftet wurde. Der junge Bursche gibt an, daß er von Frau Burmeister mehrmals auegescholten worden sei und sich für diese„schlechte Bc- Handlung" rächen wollte. Außerdem reizte ihn das Geld, das er Im Laden wußte. Von der Beute Hot er bisher 200 M. versus- gabt, der Rest— 400 Mark— wurde zwischen den Dach- s p a r r e n eine» Holzschuppens auf dem Grundstück versteckt auf- gefunden. Gottke stammt aus Jüterbog, wo er bei seiner Mutter wohnte. Starkstrom tötet drei Arbeiter. Beim Arbeiten an einer Telephonleitunc». Oldenburg. 27. Mai. Beit«. Deshalb Hab« er auch den Drohungen der Mutter von Grete nach- gegeben und sei mit ihr nach Berlin gefahren. Das Gutachten der Sachverständigen brachte keine volle Klarheit über den eigentlichen Schuldigen am Tode der Unglücklichen. Nach den früheren Eingriffen der Frau W. zu urteilen, konnte sie auch in diesem Falle trotz, ihres Leugnens die Schuld an der Blutvergiftung treffen; andererseits konnte dos Auftreten der Vergiftungserscheinungen die Folge von Manipulationen durch die Mutter gewesen sein. Als der Kreisarzt die schrecklichen Ber- önderungen schilderte, die die Blutvergiftung an diesem von Natur aus außerordentlich widerstandsfähigen Mädchen hervorgerufen hotte— zwei Wochen hat sie mit dem Tode gerungen—, da weint« die Mutter bitterlich. Sollte sie wirklich am Tode ihres Kindes mit- schuldig sein? Das Urteil wird erst heute gefällt. /ituf? Zwei Menschen versinken... Krankheit, Arbeitslosigkeit und tieftraurige Familienverhältnisse haben das Schicksal einer Familie von Mutter und Tochter zur Tragödie gemacht. In Staaten, Cäcilienhof, hatte Frau D. mit ihren beiden Töchtern, 17« und löjährig, eine Wohnung von Stube und Küche inne: die Frau, die von ihrem Manne getrennt lebt, betrieb früher einen Milchhandel, den sie, genötigt durch schwere, lang- wierige Krankheit, aufgeben mußte. Monate, halbe Jahre verbrachte die Frau im Krankenhaus, inzwischen zeigte sich bei der jüngeren Tochter ein schwerer Herzfehler, der ebenfalls Krankenhausbe- Handlung erforderte! die ältere, damals siebzehnjährige Tochter war und blieb alleiniger Ernährer der Fa- m i l i e. Miel« konnte von ihrem kleinen Gehalt natürlich nicht regelmäßig bezahlt werden, der Hausherr bewies darin sogar eine ziemliche Langmut, bis er eines Tages, als die Schuld 200 Mark überstieg, die Räumungsklage einreichte. In der Zwischen- zeit hatten sich Frau und Tochter oftmals, jedoch stets vergeblich, an ihre Wohlfahrtsbehörde wegen Unterstützung gewandt. Nun hatte das Elend seinen Höhepunkt erreicht: die Exmittierung war da, die Frau saß samt ihrem Hausrat auf der Straße und niemand schaffte Rat; schließlich nahm sich die Polizei der Obdachlosen an und wies ihnen als Notunterkunft eine kleine Kammer. knapp an Luft und Licht und ohne Kochgelegenheit, an. Hier haust nun die krank« Frau, die eine Tochter wurde bei Bekannten unter- gebracht, die andere fand glücklicherweise ein« Dienststelle. Unaus- gesetzt lausen die beiden verzweifelten Menschen von Pontius zu Pilatus: da die Frau selbständige Gewerbetreibende war, hat sie keinen Anspruch auf Erwerbslosenunterstützung, ebenso weist ihre Invalidenkarte, die sie von früher her besaß und jahrelang fleißig geklebt hatte, in letzter Zelt Lücken auf. Nach Aussage des Vertrauensarztes ist die Frau dauernd erwerbsunfähig. Schlecht« Augen hindern sie auch am Nähen und so vegetieren zwei Menschen von 70 Mark pro Monat, dem Gehalt der Tochter. Das Mädchen, das täglich stundenlang nach ihrer Arbeitsstätte in der Stadt zu laufen hat, verschleißt eine Menge Schuhsohlen und wenn auch die Mutter selbst so gut, oder so schlecht es geht, die Stiefel besohlt, es muß doch Material und auch einmal ein neues Paar angeschafft werden. Die Neunzehnjährige, die den ganzen Tag im Büro sitzt, sollte reichliche», kräftiges Essen haben, die kranke Frau erst recht: die Möbel stehen in einem feuchten, modrigen Stall, die Notwohnung ist nur für 14 Tage gedacht, denn bis zu diesem Zeitpunkt sollte Wohngelegenheit geschaffen werden. Aber die maßgebenden Stellen wissen auch keinen Rot. Stelle eins sagt „wenn wir allen, die keine Wohnung hoben, eine beschaffen sollten, ja wie sollen wir dos machen?" und Stell« zwei meint„wir sind arm. wir können keine Unterstützung geben!" Was geschieht hier? Da» zuständige Wohlfahrtsamt ist Nauen, Gcmeindebezirk Osthavelland. Mcuschliches Bein aus der Gpree gelandet. Einen grauenhaften Fund machte«in Arbeiter am Roland- v f e r in de'r Nähe der W a i s e n b r ü ck c. Er sah im Wasser der Spree ein menschliches Bein treiben und brachte es an Land. Die Polizei wurde benachrichtigt. Nach den Feststellungen handelt e» sich um das rechte Bein eines Mannes, das schon stark in Verwesung übergegangen ist. Der FUß ist noch mit einem Schuh bekleidet. Dafür, daß ein Verbrechen vorliegt, hat man noch keine Anhaltspunkte gesunden. Wahrscheinlicher ist vielmehr, daß dos Bein infolge des starken Pfingstverkehrs der Obersprccdampfer von dem Rumpfe abgerissen und im die Oberfläche getrieben ist. Der Fund wurde dem Schauhause zugeführt, wo ihn die Acrzt« unter- suchen werden. �___ Drei Stunden Berlin-Paris. Paris, 27. Mai. Der amerikanische Fliegerhauptmann H a w k s, der heute noch 14.15 Uhr in Berlin aufgestiegen war, ist drei Stunden später auf dem Pariser Flugplatz Le Bourget gelandet. Zoiulerug nach Leipzig am Sonntag, dem 31. Mai 1931 Abfahrt ab Anhalter Bahnhof 6,96 Uhr Karten ä 6.60 M. für Hin- und Rückfahrt sind noch heute bis 17 Uhr ausschließlich im Büro des Bezirksverbandes, Berlin SW 68, Lindenstr. 3, 2. Hof, II Treppen(Kasse und Jugendsekretariat) erhältlich Alle näheren Angaben Freilag früh im„VorwArls" Schupo macht Sommer. Das für die Jahreszeit außerordentlich warme Wetter hat dem Kommando der Berliner Schutzpolizei schon jetzt Veranlassung ge- geben, die Verkehrspolizisten, die stundenlang in brennender Sonnen- glut ihren anstrengenden Dienst versehen müssen, mit der bereits in den Vorjahren bewährten Sommcrtleidung zu versehen. Seit gestern tragen die Beamten die leichte blaue Rockblus« mit Tuäihose. Heute ist man sogar noch einen Schritt weitergegangen und ein« große Zahl der Verkehrsschupos hat die helle und gegen Sonnenstrahlung sehr wirksame K a k h i j a ck e erhalten. Daneben kommen selbstverständlich auä) die zum großen Teil aus geflochtenem Stroh bestehenden Sommcr-Tfchakos wieder in Anwendung. Das Ehepaar Hermann und Minna D enzner. wohnhaft Weiden- weg 24, feit über 30 Jahren Leser des„Vorwärts", feiern am heutigen Tage das Fest der Goldenen Hochzeit. Dem Jubelpaar unsere besten Wünsche. 100 erwerbslose Künstler unter Leitung der Dirigenten Bruno Seidler- Winkler und Arlur Guitmann lplelen auf" dem am Freitag, dem SS. Mai. im Lokal„Krumme Laute" statlsindenden WohltitigkeltSfest der Berlündeten Bereine für MittelstandSfürlorge S V.(mit der Künstler-kllterShilse) und des Frauen-HilsSvereinS Sei der Staatlichen Polizei. Aus der Partei. Der Parteitag der polnischen Sozialdemokratie, über dessen Ver- lauf wir schon berichtet haben, tagte im Bergarbeiterheim zu Krakau. Das Rathaus, in dem die PPS. schon in der österreichischen Zeit ihre Parteitage abhalten konnte, wurde ebenso wie andere äffent- liche Gebäude auf Befehl der Pilsudski-Regierung versagt. Wie aber der Bericht des Partcivorftandes zeigt, ist die PPS. un- crsdzütieri: in 37 Bezirken bestehen.4.7? Ortsgruppen, in der Berichts- zeit wurden 2981 öffentliche und 12 700 Parteiversammlungen ab- gehalten. Selbstverständlich hat die Krise eine"Verringerung der Beitragszahlung gebracht. Für die deutschen Sozialdemokraten Polens begrüßte Krön ig-Lodz, für den jüdischen„Bund" Ehr- t i ch- Warschau den Kongreß. parteinachrichten fürGroß-Berlin »infeudunoes für diese Rubrik find Berlin SS SS, Lindenstraße i. stet« an da»»«»trkesekeetaria, . Hos, i Stttvtn rechts, zs richte» Beginn aller Veranstaltungen 1 Uhr, sofern keine besondere Zeitangabel Heule, Donnerstag. 25. Mai: B. ftTeis. Die Abteilunqskasgcrer rechnen dl« Aalrnbcr sofort mit dem fteeifc taliierer ab. Die Biltet!» und Plakate ,um Soiitaicvitit sind bei der fla. lenbcrabttcfmü.ia in Gmpfaita»u nehmen.—«rwerdslosenjmlamn-entonst Im Heim TitfUcr Sit. 4—5, l»',i Ul)t. Borirag Sr nasse®tir|anb:.«urapa als Wirtschaftscincheit". Morgen, Freitag. 29. Mai: 1. Ärcia. Verliuinnlun« aller acbeiUlaton Genossen und G-nasssnn«» im Sackescheu Hof. Pa sc» Ilm! er Str.»-41. Vartra» des Genassen ssrIA Seinemann Uber:„Wirtschaftslrife und Ard«ii»lalia«eit". Mitalledsduch und Etempelkart- werden vam Nreiekalsserer kantralliert. Das Erschein-«! auch anderer Mtglicber ist crwUnscht....... ». Srci». 20 Uhr im PittaiiaoaN'n.»ilhclmaaue 114—113,«r-tadelesierle». uetsamroluna. Mitaliedsduch und Mandatalartr le«itimi«rt. Z.«dt. Alle»rbeilslasen(Henassen u»b ssuicktianäre find nerpflichtet, am jVteitao an ber Arbcilelasemiersammluna bes 1. Rttisf« Im Sackoichen Sa f. Sboiyutbolet£tr. 40-41, ieilounrdmen. Auch ssnd all« lNteressserten Ge. nassmnen und Genasse» ba/m dimalaben. 31.«bt. 20 UIk Ardeisskre!, iimaer ttnb neu jut Partei oekammener G«. nassen bei Galdschmibl. SiaWlch« Str. 36, 33. Abt. Ritoliedcrvcrlammlnna ausnahmawrise am ssrcilaa im Hochbahn- resiaurant, Warschauer Pia« 12. Stabtuerardnet«, Paul R»binla»!„Die Ainaneniirlschalt Berlin«". Die Fnnttianür« trelle» sich»benbart bereit, »m 19 Uhr. 35. Abt. Diskusssa-adenb der sUnaeren Parl«!a-nossen mit ber SAZ. im In- mndhcim ssrankfurier Allee 307. San« Kamm:„Der IZaschlsmus". 34. Abt. 20 Uhr ssunklianärsshunq bei Kasper, Gucrickestr. 1. Frauenveranstattungen. 24. Abi. und 24. Abi. 3. und 4.»rn»»,. Dannersian, 1t,. Mai, 19 Uhr, Pe- fichtiavmt be« Parleiarchws, Liitbfnftt. 3. Der sstautncbeiib im Mai fäut aus. 51. Abi. Der ssrancnabenb im Ma! sillll aus. Dassir deleiligen sich die Ge- nasssune» oeichlassen am Dannersia«, dem 23. Mai, a» der Keeiaveran- slolluna um 19 Uhr im Türkischen Zelt, Berliner Sic. 53. 82. Ab«. Drr ssranenobend füllt aus. Daktlr lxliilioett sich die Genassinnen am Sannton. bellt 91. Mai. an der Brsichliwmo bes iZluopIades. Treffpunkt 10 Uhr U-Bahn Schöncbero-Saupiftrasse. 137. Abk. Der ffrouenadettb Im Mai füllt aus. Wir deleiliaen uns an dem PisktrsslanaabeiTb der Abteilima am 29. Mai im Palkshau» und am 8. Juni am Krtiskafftrfochcn im Reichsbanncrbaatshau» in Teael. 141. Abt. Heute, Toniierstag,?3. Mai. so Uhr. bei Hofsmann. Rosembal, Ebcswciftstr. 5. Vortrap:..Sa»iaIhnoienische fferbctunBcn für die Präs«. iarierfrau". Rrfcrcniin: Dr. ssrieba Alrrander. Bezirksausschuß für Arbeilerwohlsahrt.. 7. Jttai». ssretlaa. 2«. Mai. l»1.. Uhr, Sialhaus. Gifiunseatnwwt 3, Bar- trag!..Schubauklicht". 138. Abi. Deiniterrtag, 28. Mai, lau, Mr. Ratbaus, Rassben,- Eck« Eoven. daetener GtiaSe, litftuna der Arbeilerwohlsahrt. Um A Uhr kaeanittnal« Wohl- fahctflftÄuna- Sozialistische Skudenkenschaft Bcrfin. Die Teilnehmer am Sander inia aar Erf'fitumukunhncbnna de, Pa-tviaae» tn Leipzig Irrffcn sich ent Eonntag, dem 31. Mai, pii.iitlich 6% Hljt wot ärm i'iilKiltDf." Trofspunkt filc b\t ftrritaö. 29. Mni, pünktlich S Uüc am Sarumnnplak, NeutvLn, vor der„Nttisn Weit". Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde Groh-Verlin. Achtun«: Znsammenkunst der GiMnastikdclser für Zeltlager am ssrei'au. dem 29. Dia!. 20 Uhr, in ber Cchui« Kais-r.ssricbrich-Str. 4, Rcuiälln INähr Aermannplah). Sterbetafel der Groß- berliner Partei- Organisation 20. Abt. Unser Mitolieb der Gastwirt Emil Schnitte, Salbinet Str. 29, ist ntrftotbcn. Ehre keinem Anbrnken. Die Beerbiauno hat bereiis ftattoefunden. Die Abkeilunasieitunn. 40. Abt. Am 24. Mai ist unser Genosse Richard Gabriel im 83. Lebenssabr nach lannem schwerem Leiben aesierben. Er bat 37 Jahre ber Partei die Treue aehallen unb werben wir sein Andencken stets In Ehrrn halten. Be- erbiauna findet am Dannersta», dem 29. Mai. 10 Uhr. auf den, IWebhaf der Lueas-Gemelubc, Bris, Temepthafcr Wen. statt. Um zahlreiche BeteilipUna wirb aedeten. 109. Abt. Unser alter, betBÜHrier Genosse Emil Wissler ist nach schwerer Krankheit am 20, Mai verstorben. Ehre seinem Anbenken. Die EiniUcherunq findet am Ddnnabend, dem 30. Mai, 15 Uhr. im Krematarium Baumschulen- wen Natt. Wir bitten um reue Beteillauna. 117. Abt. Unsere liebe Gonvsssn Anna Graina, Saphietistr. 7, ist im Alter von 40 Jahren nach schwerem Leiben verstarben. Ehre ihrem Andenken. Ein. üicherunq heute, Donnerstag. 16'i Uhr, Krematorium Baiimschuleniveg. Utn rege Beteiligung wirb«ebnen. Der Abteilungsvorstanb. SS Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Einsen bangen fir diese JtadrtT mr an da« ssuaend-eeirt-wm Tftrth«w«. CinbolOraSt, Heule, Donnerstag, ZS. Mai, 19 Vi Ahr: Norde»: Lorhlng. Ecke Graunstrahe.„Warum««»crkfchastliche Organ!» fation?"— Wedding-Rarb: See- Ecke Turiner Strasse, ssunktiantirversamm, lung.— Arnimptass: Sonnenburger Sir. 20. Arbeilsgemeinschast.— Arn»- »alder Hllass II! Rastrnburgrr Sir. 16. Bunter Abend.— frillxlaft Ft Sonnen. durger Str. 20.„Die Konsumgenossenschaft." Roedafte»>tl Dantiger Str. 62, B. 3. Rabiaabenb.— KSpenicker Viertel: Wrangelstr. 120.„Warum Arbeiter- ingenb?"— Kottbusser Tar: Brisser Str. BT— 30. Kur, refe rate.— Südwest: Lindenstr. 4.„Was ist tn Russlanb los?"— Westend: Sparlplass.„Wirtschaft'-. palitik."— Reuköln VII: KMS. ssiinktianarstivin«.— MahUdorf;!su»k- tianürsthnnq. 20 Uhr bei H. Springer.— Haseahetde: Treffpunkt 19 Uhr Kaiferpavpel. Trmpelhofer Tekd. Werbe de, irl Neukölln: Rnbelkurfus. Eteinmessstr. 114. Vorträge, Vereine undVersammlungen. „?de sIe«m»p.kpxI>»d-SocI«t5 I0ZI". sszir-PIov. VVono«««. lacken klonnars- <»». 6.30 p. m.. im Caf« zur alten Post, Wannscc, Königstr. TO, Social gatbering. Gäste willkommen. Geiaugsdewegunga.Studta Naseberg dArguta. Die TAI..Teilnehmer 1934, abös. Dva>Iil»tile>s. Mllba--- Ran ist es ein« erfreuliche Hilfe, welche b,« Tirma Rnorr mit ihrer Kratan. sosse in Wstr'eso brinak. Mit b-r Knorr Bratonsosse hat man ohne j'b« Zutaten in h Minuten ein« auaalchifle unb»ohttchmeckenb« Tunke tischbereit. bie auch ohne Meisch voitzllotich schmeck,. Ein Wiirsei zu 14 Pf. gibt s- viel Sosse wie 2 Pkt. Brotrn. Armin T. Wegner: •Die gehei&i i. Sechs Uhr morgens. Der weite, mit einer dichten Staudschicht bedeckte Flugplatz jenseits des Tigris glitzert wie«ine Platte von zartem Silber. Die Sonne steht schon hoch, aber ihre Kraft ist um diese Stunde noch schwach. Wir sitzen und warten auf das Eintreffen der deutsch-persischcn Luftschiffahrtsgesellschaft aus der neu eröffneten Postlinie Teheran- Bagdad. Es wird sieben Uhr, und noch immer warten wir. Wir sind erst in der Mitte des April, aber die Glut des mefapotamifchen Sommers beginnt schon, sich bemerkbar zu machen. Vom Flusse her naht eine Staubwolke. Das wcißglänzende Auto dos deutschen Konsuls halt vor dem Haus, und im selben Augen- blick läßt sich das Surren des Flugzeugs aus der Luft vernehmen, das auf dem Platz in einer zweiten Staubwolke verschwindet. Die Post von Teheran ist pünktlich eingetroffen. Dem Flugzeug entsteigt eine merkwürdige Gesellschaft. Zuerst Mrs. Moor, eine einundsiebzigjährige Amerikanerin. Ihr folgen ihre Freundinnen, die lange Miß Enders, ochtundsechzig Jahre alt, und Mrs. Nordlin, dreiundsiebzig Jahre. Zuletzt Dr. Webster, ihr Reise- begleiter und Unternehmer, der sogleich im Automobil in der Rich- tung nach Bagdad verschwindet. Mrs. Moor, die Gattin eines amerikanischen Millionärs, ist seit zwei Jahren Witwe. Durch den Tod ihres Mannes in den Besitz eines ungeheuren Vermögens gelangt, hat sie begonnen, die ganze Welt zu bereisen. Sie ist soeben in China und Indien ge- wesen. Erst vor zwei Wochen traf sie mit ihren Freundinnen in Persien ein. Dort hat Mrs. Moor ein Junkersflugzeug gechartert, und vierzehn Tage haben ihr und ihren Freundinnen genügt, um ganz Persien zu bereisen. Alle zwei Tage um drei Uhr morgens haben sie sich in die Lüfte erhoben, haben den Elbrus, die Clwant- tette, das schneebedeckte Chanugebirge überflogen, um wenige Stun- den später in Teheran, Hamadon, Benderabas und Schiras am frühen Vormittag niederzugehen, noch ehe die Hitze des Tages ein- gesetzt hatte. In der gleichen Weife werden sie Mesopotamien, Babylonien und die syrische Wüste in einem englischen Flugzeug bereisen. Sic haben fünf Tage dafür festgesetzt. Diese Zeit wird ihnen genügen, nicht nur Bagdad zu besuchen, sondern auch die Ausgra- bungsfclder aller antiken Städte Mesopotamiens, die oft Tausende von Kilometern voneinander entfernt in der Wüst« liegen. Im Laufe weniger Minuten, von Herrn Webster geführt, der Pläne und Karten schon zur Erklärung bereit hält, werden sie Ruinen, Basare und Heiligtümer betrachten, für deren Erreichung und Erforschung die Gelehrten Europas noch vor kurzem im Schweiße monatelanger Karawanenreisen und mit dem Opfer ihrer Gesundheit ihr halbes Leben hingaben. Ohne ein« Spur von Ermüdung werden die drei Greisinnen ihren Weg nach Syrien fortsetzen. II. Schon in Amerika hat Mrs. Moor für alle Länder ein genaues Programm entworfen. Tage. Stunden und Minuten der Abfahrt und Ankunft wurden im voraus darin bestimmt und so eingerichtet, daß die gewohnte Ordnung ihres Lebens fast nie unterbrochen zu werden braucht. In einem kleinen, wenige Seiten umfassenden Heft wurde dieses Programm in Amerika in englischer Sprache gedruckt. Die Seite über Mesopotamien lautet in Aer Uebersetzung folgender- maßen:. „Den tS. April. Früh acht Uhr Ankunft in Bagdad. Tag in Bagdad. � Dgn 20. April. Abslug zehn Uhr vormittags. Rückkehr vier Uhr. Den 21. April. Babylon, Nedschef und Kerbela, Abflug Bagdad acht Uhr früh. Ankunft in Babylon ein halb ein Uhr vormittags. Besichtigung der Ruinen van Babylon. Weiterflug Nedschef zehn Uhr vormittags. Rückkehr nach Bagdad fünf Uhr. Den 22. April. Mossul, Ninive und Assur. Abflug von Bagdad früh acht Uhr. Auf dem Rückwege Besichtigung von Samarra. An- künft in Bagdad fünf Uhr nachmittags. Den 23. April. Oase Palmyra. Abflug von Bagdad früh sieben Uhr. Ankunft in Palmyra elf Uhr vormittags. 5)otcl Palmyra. Die Zeiten müssen pünktlich innegehalten werden!" Dieses Heft ist ein kleines Zeichen der Zivilisation unserer Zeit, ebenso wie es die„Monographie einer Postschnecke" von Ludwig Börne vor hundert Jahren gewesen ist. Man könnte das Heft die „Monographie einer Postschwalbc" nennen. Aber es ist in völlig anderem Stil geschrieben, sozusagen im Telegrammstil verfaßt. Welch ein Unterschied, wenn wir an die Auszeichnungen Ludwig Börnes denken! Denn einen unerschöpflichen Quell für Witz und Heiterkeit bildete für ihn das langsame Tempo, in dem man damals mit der Post befördert wurde. Er selber gibt mit dem Eifer eines gründ- lichen Journalisten den Kursbericht einer Fahrt von Frankfurt nach Stuttgart wieder. Die Fahrzeit betrug vierzig Stunden und die Aufenthalte waren diese: Nicht mit Unrecht übersetzt Börne diese Statistik der Postwagen mit„Sttllstandslehre". Die Fahrzeit von Berlin nach Zchlendorf dauerte in jenen Tagen drei Stunden, und nach Potsdam gelangte man um acht Uhr abends, wenn man Berlin um neun Uhr in der Frühe verlassen hatte. Das ganze Königreich Preußen besaß nur wenig« hundert Meilen Chaussee, unt die Berichte häuften sich von steckengebliebenen Wagen, gelegentlich sogar von Postknechten, die im Sumpfe erstickt waren. Das ist drei Menschenalter her. Die Welt hat seitdem nicht nur das Straßenleben Europas, sondern auch die Wüstenwege Meso- potamiens mit neuem Tempo erfüllt. Damals fuhr man von Berlin nach Leipzig anderthalb Tage, nach Breslau vier Tage und nach Königsberg sogar eine Woche. Das ist die gleiche Zeit, die man heute zu einer Reise nach Amerika oder nach Indien braucht. Die drei Greisinnen haben das Flugzeug verlassen. Sie wenden de» Beamten der Fluggesellschaft und de» Derttetern der Behörden de» Röcke» zu. Denn sie habe««ine abergläubisch« Furcht vor dem ß g>oUfchwälbe Photographieren. In ihren unscheinbaren schwarzen und grauen Mänteln, so stehen sie da. die Köpfe zusammengeneigt, wie drei alte Vögel mit hängenden Schultern und flüstern miteinander. Die drei Amerikanerinnen betteten die Flugzeughall«. Langsam stolzieren sie um das gewaltige, mit drei Motoren versehene Riesen- flugzeug, das vor zwei Tagen aus Aegypten ankam. Mißtrauisch prüfend, blicken sie nach der Kabine und den Propellern hinaus. Sie nicken befriedigt, während sie das Automobil nach Bagdad besteigen. „Die Zeiten müssen pünktlich innegehalten werden." Diese Worten finden sich auf jeder Seite � ihres Programms wieder, das an alle Fluggesellschaften, alle Automobilunternehmer und Hotel- besitzcr zur Versendung kam. Und ohne Zweifel wird ein ööser Blick aus den scharfen Augen über Mrs. Moors Zldlcrnase Herrn Webster oder den Piloten strafen, wenn die Damen nicht zur verabredeten Stunde in Mossul oder Palmyra ihren Tee einnehmen können— in Sin lllenfch unter uns Don 3Hurl SRudolf lleuherl „Was ist' eigentlich mit Müller los?" fragen die Leute im Hause. Nie sieht man ihn anders als stumm, ernst und in Gedanken. Wenn man ihn im Hausflur trifft, macht er kaum den Mund auf zu einem„Guten Morgen!"—„Guten Abend!" Morgens um halb acht verläßt er seine Wohnung, Abends um halb acht kehrt er zurück. Immer stumm, ernst, in Gedanken. Und an Sonntagen sieht man ihn überhaupt nicht. Alle anderen Leute im Hause fahren nach dem Müggelsee oder in den Grunewald, was Herr Müller macht, weiß man nicht. Er sitzt zu Hause. Er geht höchstens rüber ins Restaurant, um Mittag zu essen. Von ein bis zwei Uhr. Frau Hellwig im Hochparterre kann es vom Fenster aus sehen. Um zwei Uhr kommt Herr Müller gewöhnlich zurück. Er hat das Gedeck zu 1,50 M. gegessen, weil Sonntag ist und ein Glas Mosel- wein dazu getrunken. Jetzt geht er in sein Zimmer hinauf, um auf der Chaiselongue eine Zigarre zu rauchen. Das weiß man von Herrn Müller. Das ist alles, was man von ihm weih. „Was ist mit Herrn Müller los?" fragen die Leute im Hause. Sie haben eigentlich andere Sorgen. Die Männer sind arbeitslos. Die Kinder brauchen neue Sachen. Und bei den Abzahlungs- geschästen sind sie mit mehreren Roten im Rückstand«. Wenn sie also mit solchem Gesicht herumlaufen würden, wie Herr Müller, dann hätten sie auch Grund dazu. Aber Herr Müller? Er hat doch Stellung! Er ist dach Beamter! Haben Sie schon mal«inen Ge- richtsvollzieher zu Herrn Müller kommen sehen? Nein, das haben Sie nicht. Hat man ihm den Schrank aus der Wohnung geholt, weil die Möbelratcn nicht mehr bezahlt werden konnten? Rein. Und muß man vielleicht dreimal, viermal wegen der Miete zu ihm laufen? Nein, er bezahlt gleich. Er bekommt doch am Ersten sein Gehalt. Er hat dach Stellung. Er ist doch Beamter. Jawohl, denkt Müller, jawohl, ich habe Stellung, bin Beamter, bekomme am Ersten mein Gehalt. Der Gerichtsvollzieher komint zu mir nicht, die Miete bezahle ich pünktlich, warum also laufe ich mit solchem Gesicht herum? Müller weiß es auch nicht ganz genau,«r denkt nur manchmal: „Mein Gott, aibt �s�, denn, kein« anderen Sorgen, Wünsche, Sehn- süchte als Stellung' haben? Ist das alles? Ist es das'Höchste, Lebenswerte? Manchmal möchte Müller die Kollegen im Büro fragen: Ist das nun der Sinn Ihres Lebens, daß Sie am Ersten Ihre Miete bezahlen können und sonst über den ganzen Monat vor Hunger und Obdachlosigkeit geschützt sind? Und.im Jahr vier Wochen Urlaub haben, wozu Sie seit Weihnachten sparen? Er fragt nicht. Sie würden ihn nicht verstehen. Sie würden ihn für verrückt halten. Denn kann man nicht froh sein, daß man seine Miete pünktlich bezahlt und Essen und Trinken hat in dieser Zeit? „Miete, Essen. Trinken!" denkt Müller,„das ist dos Glück!" Aber er begreift dieses„Glück" nicht. Seine Stellung wird ihm immer fremder. Manchmal fällt chm ein: Meine Arbeit könnte «igenllich ein anderer machen! Am Ersten steckt er das Geld in die Tasche, ohne das Gefühl, das er vor zehn Jahren hatte: Das Leben ist schön! Sein Leben verrinnt. Er ist jetzt vierzig Jahre alt. Er hat das Gefühl, etwas, das ihm entgleiten will, festhalten zu müssen. „Es geht zu schnell!" grübelt er in schlaflosen Nächten über den Ablauf der Lebenszeiten.„Es geht zu schnell!" denkt er, wenn er die Jahre an sich vorüberziehen läßt. Wie Schisse ohne Fracht sind sie nutzlos in See gestochen. Ohne Ziel. In solchen Nächten kommt ihm der tollkühne Gedanke, seine Stellung einfach aufzugeben. Einmal nicht mehr ins Büro gehen. Er stellt sich das vor: nicht mehr ins Büro gehen: eine wunder- volle, große, tiefe Ruhe. Ein Gefühl, wie nach einem langen Schlaf, wach, frisch, hungrig. Die Sonne bricht durch dos Fenster. Die Uhr ist stehengeblieben, aber man hat es nicht nötig, aufzuspringen und sie zu stellen, man kleidet sich langsam an, schlendert zum Bahnhof und fährt mit dem ersten oder mit dem zweiten Zug in die weite Welt. Er weiß nicht, daß in der Wohnung unter ihm ein Arbeits- loser im Bett liegt und sich vorstellt: wieder ins Büro gehen dürfen: der Wecker klingelt Man springt rasch auf, kleidet sich an, als wäre man zu einem Fest geladen und sieht, wenn man aus dem Haufe ttitt, die ganze weite Welt offen: Arbeit! Arbeit! Müller wird seine tollkühnen Gedanken niemals ausführen, sie sind am Morgen schon verflogen. Die Uhr weckt ihn pünktlich zum Dienst, er springt auf, kleidet sich rasch an, und man sieht ihn im Hausflur, wie man ihn immer sieht: stumm, ernst, in Gedanken. Kaum, daß er den Mund zu einem Guten Morgen! öffnet.„Was ist mit Müller los?" fragen die Leute. Am Sonntag sieht ihn Frau Hellwig wieder vom Hochparterre aus ins Restaurant gehen und nach einer Stunde zurückkehren. Man kann annehmen, daß er auf der Chaiselongue eine Zigarre rauchen wird. Wenn man das kleine Fräulein aus der Leih- bibliothek von drüben fragte, würde man vielleicht erfahren, daß sich Herr Müller am Sonnabend ein neues Buch von Jack London geholt hat... Fingerabdrücke zur Feststellung der Persönlichkett wurden in China schon vor etwa 2000 Jahren gebraucht. Noch heutigentags unterzeichnen übrigens die nicht Schreibkundigen in Indien und anderswo Schriftstücke mit einem Daumendruck. Es wird angenommen, daß man erst unter 6400 Millionen Fingerobdrücken zwei gleiche finden kann, daß also das Erkennungsmittel unbedingt zu- verläfsig ist. Der erste Wolkenkratzer wurde in Chikago im Jahre 1882 gebaut und halt; zehn Stockwerke. Palmyra, das kaufend Meilen tn der Wüste«nkfar»! Mg!. Na» de> nach der Uhr bestimmten Gesetzen ihrer Lebensweise werden sie in keinem Augenblick abweichen. Fünf Tage später wird Mrs. Moor mit ihren Begleiterinnen in Damaskus eintreffen, um zwei Tage darauf in Haifa pünktlich ihre eigene Jacht zu besteigen, die dort bereits seit einer Woche wartet, um sie weiter nach Aegypten zu bringen. III. Zehn Uhr. Der deutsche Pilot erhebt sich. Es ist Zeit für die Post nach Teheran. „Diese Amerikanerinnen müssen so reich sein", sagt er und blickt den Davonfahrenden durch das Fenster noch.„Ich denke mir, wenn sie des Nachts aufwachen, müssen sie brüllen vor Geld." Der Pilot, das Gesicht noch von der Hitze gerötet, ist wieder in seinen Pelz gestiegen, sich mit der einen Hand am Flügel des Flugzeugs haltend, in dem die Reisenden schon Platz genommen haben. Der Schweiß bricht auf seiner Stirn aus. Klein, eine in der Sonne tanzende Mücke, verschwindet das Flugzeug wenige Augenblick darauf in der Richtung nach den Schnecbergen von Luristan, die fern über der Steppe schweben, zart und durchsichtig wie der Rand einer Wolke an den Himmel gemalt. SDie Schlangen erwachen Die europäischen Schlangen sind aus dem Winterschlaf erwacht, der sie sechs Monate lang allen Nahrungs- und sonstigen Daseins- sorge» Mkrklckt hat. Sie waren ausgeschieden, um jetzt von neuem in die FrMUngssonne zu blinzeln und die angenehme Bekanntschast mit Fröschen. Mäusen, Vögeln oder sonstigen Genüssen zu erneuern. Ja, so ein Frosch... nicht nur die Menschen gewinnen den Froschschenteln Geschmack ab. auch einem Schlangengaumen ist der Frosch eine gute Speise, die jedoch so sättigend ist, als wenn ein Wolf ein Lamm er- beutet. Nach einem fetten Frosch ist ein Schlangenmagen lange, lange Zeit befriedigt. Auf allen Schlangen lastet das Gehaßt- und Verobfcheutwerden. Niemand mag mit Schlangen zu tun haben. Man meidet sie, wo man kann. Und doch sind die Schlangen nützlich, vertilgen sie doch allerlei Getier, das uns sonst sehr lästig werden würde. Eine Schlange ist so etwas wie ein Ordnungspolizist. Friedlich quakend sitzt der Frosch auf dem Wasserrosenblatt. Die Schlange, die im Grase sich windet, erspäht ihn, leise gleitet sie bis an das Wasser, schnellt mit ein paar Schlägen bis an dos Blatt, schnappt zu, Hot den Frosch erwischt, denn der arme Kerl Hot ja an- gesichts seines Feindes, der mit hochcrhobencm Kopf durch das Wasser schwimmt, vor Entsetzen kein Glied rühren können. Er sitzt wie versteinert. Aber als die Schlange seinen Hinterschenkel mit den Kiefern umspannt, schreit er schrill auf. Den Frosch verschlingt die Schlange lebend. Das Schlangen- maul ist wie aus Gummi, es kann sich zu ungeheurer Weite dehnen. Das nächste große Ereignis im Schlangenleben ist die Häutung, die zwei bis dreimal im Jahre vor sich geht. Aber das ist eine recht unbehagliche Zeit siir die Schlange. Sie sühtt sich gor nicht mehr wohl in der alten Haut, sie wird blind, schlapp und elend. Bis end- lich die alte Haut am Halse platzt. Dann ist die Zeit gekommen. Di- Schlange schlüpft in dichtes Unterholz und Zwängt sich unter Aestcn und Steinen so lange durch, bis sie die Haut glücklich abgestreift hak, so daß die Innenseite nach außen gekehrt ist. Im dichten Gestrüpp findet man solche Schlangenhäute in Menge an den Zweigen. Dann kommt die Zeit der Paarung und— für das Schlangen- weibchcn— das Eierlegen, was auch nicht einfach ist. Etwa zwanzig Eier legt dos Weibchens in- emett» klebrigen, ichlcimigcn Haufen, aber dann ist dieser Fall erledigt. Das Auskriechen aus. dem Ei geht die Eltern nichts an, das mögen die Jungen allein besorgen. Und wenn sie zwei Monate später aus den Eiern kriechen, stehen sie wie kleine Waisenkinder in ton Welt, und da ist keiner, der sich um sie kümmert. Ganz allein müssen sie alles lernen, das Vorwärts- kriechen mit Hilfe der Schuppen, das Eräugen der Beute, das Auf- spüren durch Geruch und Tasten mit der empfindlichen Zungenspitze. Wenn der Herbst kommt, wird die Schlange schläftig und sucht sich einen Unterschlupf für den Winter, möglichst versteckt, sonst kann sie — wehrlos— zu leicht getötet werden. Einen noch schwereren Stand haben die harmlosen und nützlichen Blindschleichen neuerdings, da viele Leute der Meinung sind, daß Kreuzottern sich mit Blind- schleichen kreuzen, so daß also die Blindschleiche zur Vermehrung der gesürchtetcn und schlimmen Kreuzottern ein gut Teil beitrage. Die Annahme ist aber irrig, denn die Blindschleiche, die zu den Eidechsen gehört, hat mit der Schlange außer der Gestalt— sie ist dazu viel kleiner als all« Schlangen— nichts gemein. H. B. DCeltsenlrum des Dierhandels: im Jfars Die intcrnatioyalen Beziehungen zwischen Zoologischen Gärten und im Tierhandel macht Professor Ludwig Heck, der langjährige Leiter des Berliner Zoologischen Gartens, zum Gegenstand einer Betrachtung, die in der neuen kulturpolitischen Zeitschrift„Jntcr Nationes" erschien. Heck hebt mit Nachdruck die zoologischen Leistun- gen der Römer hervor, die aus Zlsrika wilde Tiere für ihre Zirkusspiele in großen Massen einführten. Berücksichtigt muß vor allem der Umstand werden, daß die Waffen und Transporttnöglichkeiten in der Antike für heutige Verhältnisse äußerst primitiv gewesen sind. Der Beginn der Neuzeit hat wilde Tiere vor allem an den fürstlichen Häsen als Prunkstücke gesehen. In der„Menagerie" des Prinzen von Oranien gab es den ersten lebenden Schimpansen in der Gefangenschaft. Der erste Zoologische Garten im heutigen Sinn entstand im Jahre 1829 in London. Am Tieraustausch und Tier- Handel beteiligte er sich aber nicht. Um so mehr tat dies der 1843 gegründete Antwcrpcner Zoo, der vor allem km Vogclhandcl bis zum Weltkrieg eine Weltbörse war. Im Großtierhandel liefen ihm ober die deutschen Firmen Hagenbcck-Hamburg und Reiche-Ruhe in Alfeld bei Hannover den Rang ab. Hagcnbccks Tiersongsexpeditionen in Afrika, den, gelobten Lande des Ticrhandels, waren für die ganze Welt Pioniertaten. Wenn das Harzstädtchen Alfeld heute im Tier- Handel«in internationales Zentrum geworden ist, so ist diese Tat- fache der Harzer Kanarienvögclzucht zu danken. Wir vor 100 Iahren gehen von dort aus Jahr für Jahr Hunderttausende der gelben Sänger über den Ozean nach Amerika. Im gesamten Vogelhandel spiett heute Deutschland eine führende Rolle, da gerade überseeische Vögel wegen ihres bunten Gesicders in den deutschen Wohnungen gern gesehene Gäste sind. Trotz der Ungunst der Verhältnisse kann Prof. Heck in seinem Artikel feststellen, daß„der internationale Tier- Handel wieder wesentlich in deutschen Händen" ist. Linden werden in der Regel höchstens vier- bis fünfhundert Jahre alt, während Kastanien meist sogar nur eine Lebensdauer von hundert Iahren hoben. Eichen werden in Nordeuropa selten älter als tausend Jahre, während in Südfrankreich solche von zweitausend Jahren k.eine Seltenheit sind. S-rantworttich wr Politik: St.»ort®cott; Wirtschaft: S. aiiaatlWftt; Sewerkschaftsbrweaunq: 3. Kcllillcton:®t. Zohm Schikowoli: Lotalco "Tö eenftUtts: Ätt*»arstädt;«iijriflcn: T».»lock«: fanttlirf) in Berlin. Verla«: D-rwSrts.««rIai,®. nt. b. S.. Berlin. Druck: B-rwärt-�uchdrncker� und Berlagsan stall Paul Sinaer n. Co. B-rlin öS. 68, Tiiitii�ufci«, bttrjtt 2 Balaguu Nr. 243» 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 28. Mai 4934 9 Europäische Kohlenpolitik in Genf. Oie Gefahr einer sozialen Gchlagwetierkatastrophe. Daß Äi« diesjährige Internationale Arbeits- konjerenz trotz der herben Enttäujchungen, die allen Betsijiz- ten bei der bisherigen Behandlung dieser Angelegenheit wider- fahren sind, es noch einmal unternimmt, die Arbeitszeit im Kohlenbergbau international zu regeln, zeugt von Sem starken sachlichen Bedürfnis nach internationaler Ver- ständigung in diesem vielleicht wichtigsten Zweige der euro- päischen Wirtschaft. Wohl wird dieses Bedürfnis nicht allenthalben offen eingestanden und gerade ans dem deutschen Unternehmer- lager konnte man letzthin Stimmen vernehmen, die das Interesse des deutschen Bergbaus an der Heilung der chronischen internatio- nalen Kohlenkrankhcit wemgstens für den Augenblick als nicht sonderlich dringlich hinstellen wollen. Dennoch können solch« tnk- tischen Auslassungen die Tatsache nicht verschleiern, daß die durch die allgemein« Weltwirtschaftsdepression arg verschlimmerte Sohleukrise zu wlrlschafis- und sozialpolitischen Entschlüssen zwingt. die unaufschiebbar sind. Schon kündigen sich am Horizont ernste soziale Verwick- lu n g e n in den einzelnen Bergbauländern an. In England wird es sich in den nächsten Wochen entscheiden, ob der kritisch« li. Juli ohne Erschütterungen überstanden wird. An diesem Tage läuft dort dos berüchtigte B ai 0 w i n-(sksetz ab, das seinerzeit den Bergleuten eine einstündige Arbeitszeitoerlängerung auferlegte, die erst durch dos neue Berggesetz seit einiger Zeit— und das noch nicht mal in allen Revieren— zur Hälfte rückgängig gemacht war- a«n ist.' Die englischen Bergarbeiter wollen ihren Sieben- stundentag wiederhoben, ja, sie wollen einen gesetzlichen Mindestlohn. der ihnen den Friedensreallohn, über den Lcben�haltungs- index berechnet, sichert. Die Arbeiterregierung ist dabei in einer um so heilleren Lag«, als die Bergarbeiterschaft durch die laxe Handhabung des neuen Gesetzes in manchen Revieren und durch allerdings noch vereinzelte Lohnkürzungen, nicht zuletzt durch den ständig zurückgehenden Beschäftigungsgrad— England zählt beinahe(KX) voll- oder zeitweilig arbeitslose Berg- l e u t e— stark verprellt ist und andererseits die Unternehmer zu keinem Zugeständnis bereit sind, im Gegenteil, ollgemeine Lohn- senkungen fordern. Daher sucht die englische Regierung über Sie jetzigen Genfer Arbeitszeitverhandlungen ein«n Ausweg zu ge- «innen. Aus dieser Sachlage aber schließen zu wollen— wie das unsere Unternehmer tun—, daß Deutschland desto widerspenstiger sich verholten dürfe, weil die Engländer unter allen Umständen die alte Arbeitszeit wieder einführen müßten, ist absolut irrig und bedeutet eine böse Derkennung der politischen Derhältniss« Eng- lands. Di« Rückkehr Englands zu oer Arbeitszeit, wie sie vor dem großen Streik von 1926 bestanden hat,, führt über G>> n j\. Jedoch nicht nur in England, auch bei uns in Deutschland ist die Arbeitszeit eine akute Frage, die zur Entscheidung drängt und an der Ruhr im Herbst auch entschieden wird. Daß da» längst übersiändlge Mehrarbeitsabkommen nicht noch einmal verlängert werden kann, wissen Unternehmer und Regierung. Man sollte meinen, daß dieses Wissen ihr« Haltung m Genf beeinflußt, wo. wahrscheinlich zum letzten Male, sich ein« einzigartige Möglichkeit zur Verminderung ungleicher B«l a st u n g von der Arbeitszeitseit« her bietet. Den Borteil dieser Möglichkeit müßten eigentlich selbst Leute einsehen, die noch völlig im Banne nationaler Ideologien stehen. Scheitert nämlich Genf noch einmal durch die Sabotage der Zechenbesitzer, wi« im vergangenen Jahre, dann scheiden sie damit für die bevorstehenden deutschen Arbeitszeltverhandlungen internationale Vergleiche von vornherein selber aus. Wie bedrohlich im übrigen die sozialen Spannungen in den Bergbaugebielen inzwischen geworden sind, zeigt der jüngste Bergarbeiterstreik in den innerpolnischen Revieren von Dombrowa und Krakau. wobei es bereits zu Blutvergießen gekommen ist. Wenn man serner die Diskussionen auf den kürzlich abgehaltenen Verbands- tagen der belgischen und französischen Bergarbeiter be» trachtet, so kann keinem Einsichtigen die Gefahr verborgen bleiben, die bei einer weiteren Verschleppung des internationalen Kohlenproblems droht. Dej ardin, einer der führenven Köpfe der Bergarbeiterinternationale, hat sie den Unternehmern gegenüber so formuliert: „Ihr habt jetzt zu wählen zwischen Vernunft und Ausbruch der Masseuverzweiflung! Eine soziale Schlagwetterkatastrophe aber wird dann schwerlich auf den Bergbau beschränkt bleiben.- Sie bedeutet ollgemeine Zersetzung. Die diesjährigen Genfer Lrbeitszeitberatungen stellen den letzten Versuch dar, auf dein Wege der Bernunst ein Stück voran zu kommen. Di« Marschrichtung dafür hat die Zehnte Völker- bundsoersammlung 1929 in einer Entschließung angegeben, die in Anerkennung der großen Dringlichkeit der internationalen Kohlenfrage sozialpolitische und wirtschaftliche Lösungen anregte und damit auch den Anstoß für die Inangriffnahme der Arbeitszeitrege- lang im Kohlenbergbau durch die Internationale Arbeitsorganisation gab. Die Zweigleisigkeit dieses Weges hat jedoch unverständlicher- weis« zur Folg« gehabt, daß die Wirtschaftsorganisation des Völkerbundes. die schon vordem durch eingehende Untersuchungen und Sachverstän- digenvernehmungen nützliche Vorarbeit für eine großzügige Kohlen- wirtschastsverständigung geleistet Halle, seitdem kurz getreten hat, angeblich um die Ergebnisse der Zlrbellszeitverhandlungen abzu- warten. Das lag gewiß nicht im Sinne der Bölkerbundsentschließung und war auch sachlich nicht gerechtfertigt. Die Arb�itskonfe- r« n z von 1930 hat das— bemerkenswerterweise mit den Stimmen der Regierungen und der Unternehmer— einstimmig zum Ausdruck gebracht, als sie die Wirtschoftsabteilung des Völkerbundes auf die Möglichkellen zum baldigen Abschluß eines Wirtschaftsabkommen» hinwies, und zwar:„unabhängig vom Wert der Internatio- nalen Arbeitsorganisation". Außer«in paar unverbindlichen Rede- Wendungen des Italieners Li Nota, der gegenwärtig den Vorsitz im Wirtschaftstomitee führt, ist auch daraufhin nichts erfolgt, wiewohl die Mllgüedsstaaten der Arbeitsorgantsation. die das beschlosien haben, dieselben sind wie die Völkerbundsstaaten, die im Wirtschost»» komitee vertreten sind. Eine solche Zwiespältigkeit innerhalb der Völkerbundsorgaue führt zu nichts Gutem. Die Bergarbeiterinternational« hat immer wieder Anstrengungen gemacht, den festgeklemmten Genfer Kohlenwagen flott zu bekommen. Sie hat jetzt eine außerordentliche TagungimIuliin Aussicht genommen, um die unterbrochenen wirtschafllichen Kohlenarbeiten des Völkerbundes wieder in Gang zu bringen. Die deutschen Bergbauunternehmer machen schon sell einiger Zeit in ihren Organen dagegen mobil und suchen die einzelnen Reichsressorts gegeneinander auszuspielen, ja sie verlangen sogar, daß das Auswärtige Amt(!) die Sache in die Hand nehme. Damit wäre— bei oller Anerkennung der hohen außen- politischen Bedeutung einer vernünftigen Kohlenverständigung— zunächst nicht viel zu gewinnen. Di« bisherigen Erfahrungen und gerade die letzte Genfer Zolldebatt« beweisen, wi« wenig man mit einer allzu diplomatischen Behandlung international«? Wirtschaftsfragen erreicht. Darauf kommt es den Unter« nehmern ja auch nicht an. Sie verstehen die Sohlenverständiguug als Errichtung eines privatwirlschastlicheu internationalen Sohlenmonopol,, das nicht ein Element der Stabilität, sondern der ständigen sozialcu und poNlischen Unruhe werden würde. Aber selbst das werden sie in dem außerordentlich kostspieligen und den Inlandsmarkt schädigenden KampfderQuotenundKon- tingente nicht fertigbringen. Demgegenüber bleibt die dringliche Aufgabe bestehen, die Linie, die von den Bergarbeitersachoer ständigen im Jahre l929 aufgezeigt worden ist— übrigen der einzige positive Vorschlag, der überhaupt vorliegt—, weller zu verfolgen, um so zu Lösungen zu gelangen, die unter Wahrung der Arbeiter- und Konsumenten- interesien der internationalen Kohlenwirtschast zu dem sozial, wirt- schaftlich und kohlentechnisch gleichermaßen erforderlichen Gleich» gewicht zu verHelsen. Das geht nicht ohne den Völker- b u n d, von dem ja die Internationale Arbeitsorganisation ein Teil ist. Genf hat jetzt«ine Bewährungsprobe abzulegen, von deren Ausgang die Einstellung eines großen TeUs der Arbeiterschaft zum Völkerbund abhängt. Deshalb reicht die Bedeutung der jetzigen Arbellskonferenz weit über das Sozialpolitische hinaus, wie so auch der Ausgangspunkt dieser Aktion in der wirt- schaftspolitischen Eben« des werdenden Europa» gelegen ist. Dr. Berger. Bochum. Ganierungsarbeit in Wien. Günstigere Lage nach der Gründung de« aosiändischea Stühvngskonsoriiums. Di« Situation in Wien, die nach den starten Kreditabzügen ausländischer Gläubiger bei der Credit anstatt am Drenotag ein« recht prekäre Lage geschaffen hall«, hat sich am Mittwoch wesentlich gebessert. Wie wir in der gestrigen Morgenausgab« bereit» berichteten, hat sich in London mit Zustimmung de» englischen Roten- bankpräsidenten und unter Beteiligung de» Londoner Groß- bankiers Lionel Rothschild ein Konsortium gebildet, da» seine Aufgabe nicht nur in der Wahrung der Interesien brillscher Glau- biger, sondern zugleich in einer wirksamen Stützung»- a k t i o n bei der österreichischen Credllanstall sehen dürfte. Jedenfalls hat die Gründung diese» Konsortium» gestern berett» zur Foig« gehabt, daß die Kreditabziehungen der Da« lutagläubiger sich am Mittwoch nicht mehr fortgesetzt haben, so daß damit die wesentlichste Störung bei den Samerungsarbetten beseillgt ist. Nach Wiener Meldungen nehmen die Verhandlungen der Credit- ansiall mit diesem Stillhaltekonsorllum, die in erster Linie auf die Ueberbrückung des Mai-Ultimo» abzielen, einen günstigen Fortgang. Allerdings haben die ausländischen Gläubiger an die Belassung der Dalutakredite die Bedingung geknüpft, in die Verwaltung der Credllanstall«wen Vertrauensmann zu entsenden. Vermutlich wird dies der Dtrekwr der Amsterdamer Lank van He»gel sein. Ferner fordern die ausländischen Gläubiger, daß der österreichische Staat für diese Kredit« dieAusfallgaranti« übernimmt. Wenn es dieser unter englischer Führung stehenden Banken- gruppe gelingen sollte, alle ausländischen Valutagläubiger der Credll- anstatt zum„Stillhalten" zu bewegen, so wäre das bei der Meng« dieser Gläubiger eine große Leistung. Ob die» allerdmg» auch bei den amerikanischen Gläubigern durchzuführen ist, erscheint zweifelhaft, da in amerikanischen Finanzkreisen die Ver- stimmung über den gänzlich unerwarteten Zusammenbruch der größten österreichischen Bank um so größer war, al» der lellend« Direktor des Unternehmens, Pollack, noch vor ganz kurzer Zeit neu« Kredite in USA. nachsuchte, ohne die tatsächlich« Lage des Unternehmens auch nur im geringsten anzudeuten. Di« Ve- teiligung deutscher Banken an der Stillhalte- und Stützung». oktion, die etwa 100 Millionen Schilling an neuen Krediten er- fordert, dürfte sich auf etwa 13 Millionen Schilling belaufen. Verschwundene Arbeiierkaufkrast. Weitere« scharfe« Absinken der Wochenumsatz« im Konsum. Di« Wachenumsätze der deutschen Konsumgenossen» s ch a f t e n. die jetzt für die Zell vom 6. April bi» 2. Mai oer- öffenllicht werden, zeigen in noch schärferer Form al» im März da» unaufhaltsame Abgleiten der Masienkaufkraft. So wird der Wochenumsatz de» Z e nt ra lv« r b an d e» deutscher Konsumvereine j« Mitglied mtt«,70 V. gegen 7,40 M. im März angereben, während im April vorigen" Jahres noch jedes Mitglied je Woche 8,78 W. und im April 1929 sogar noch 8,90 M. umsetzte. Der Rückgang gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres beträgt also 23,7 Proz. Bei den einzelnen R e v i s i o n» oe rb ä n d« n zeigt sich die gleich« Entwicklung. So weist Bayern mtt einem durchschnitt- liehen Wochenumsotz von 6,58 M. je Mitglied im April«inen Stück- gang von 20,? Proz. gegen April 1930 auf, Mitteldeutschland einen Rückgang von 20,6 Proz., Ostdeutschland von 23,3 Proz., Rheinland-Westsalen von 18,9 Proz., S ch l e- s i e n von 21,1 Proz. und Thüringen von 24,6 Proz. auf. Am schärfften ist der Umsatz in Nordwestdeutschland mtt einem Rückgang von 29,1 Proz. und in Sachsen mit 31,5 Proz. zurückgegangen. Verhältnismäßig am günstigsten haben S ü d w« st- deutschland mit einem Rückgang von 12,2 Proz. und Würt- t e m b e r g mit einem Rückgang von 8,5 Proz. abgeschnitten. Diese Entwicklung der durchschnittlichen Wochenumsätz« beweist, daß die Grundlage der Güterversorgunr bei den Konsumgenassen- schasten des Zentralverbondes um so mehr geschmälert wird, je länger die Krise in Deutschland anhält. Gchuhexport bleibt stark. Von Januar bis April S Millionen M. Ausfuhrüberschuß. Die jetzt für den Monat April vorliegend« Außenhandelsbilanz der deutschen Schuhindustrie weist eine Einfuhnnenge von 54152 Paar auf, wo» gegenüber dem gleichen Monat de» Bor- jahres«inen Rückgang um 41,5 Proz. bedeutet. Der Export von Lederschuhen blieb auch im Berichtsmonat sehr stark. Er stellte sich auf 370 699 gegen 387907 Paar« April 1930, ist also»« 42» Proz. gesunken. Dieser verhällms- mäßig geringe Ausfuhrrückgang beweist, daß die deutsche Schuh- industrie trotz de» ollgemein gedrosselten Bekleidungs» k o» s u m» in der Welt ihren Ausfuhrstand gut behaupten konnte. Dies zeigt sich auch in dem Ergebnis der vom Januar bis April durchgeführten S ch u h e x p o r t«. die mit 1,37 gegen 1,42 Mit- lioneo im Vorjahr insgesamt nur um 4 Proz. niedriger gewesen sind.— Einem Einfuhrwert von 2,61 Millionen steht von Januar bis April ein Exportwert von mehr als 11,6 Millionen Mark gegenüber, so daß die Außenhandelsbilanz der deutschen Schuh- industrie in den ersten vier Monaten dieses Jahres einen Export- Überschuß von 9,03 Millionen Mark ergibt. Weliirust für Vleististe. Die drei bedeutendsten Firmen der Dleistiftindustri« der Well planen, sich zusammenzuschließen. Es find dies: A. W. Faber Castell-Bleistift-Fabrik A.-G., Stein bei Rürn- berg: Bleistiftfobrik vorm. Johann Faber A.-G., Nürnberg, und Koh-i-noor-Bleistiftfabrit L. u. E. Hardtmuth, Budweis. Diese Firmen führten bisher eiven erbitterten Konkurrenzkampf gegeneinander. Jetzt wollen sie zur Verminderung der Lagerhaltung, zur gemeinsamen Bearbeitung de» Exports, Aufstellung eines Fabrikationsprogramms, ihre Unter» nehmen in einer Dachgesellschaft zusammenfassen. Dies« wird auch die Tochtergesellschaften der bisher selbständigen Unternehmen in Krakau, in Hermann st adt(Rumänien), in S a o Carlos (Brasilien) und in W i l m i n g t o n(USA.) aufnehmen Natürlich wird sofort verbrellet, daß keinMonopol und keine Preistreib«» reien beabsichtigt seien. Die Konsumenten erinnern sich schmerzlich, daß das Gleiche bei Gründung des Linoleum-Trusts gesagt wurde. Nähere» über die Organisation des Trusts ist noch nicht bekannt: aber man will wissen, daß die Kapitalisierung in Schweizer Franken erfolgen und der Sitz des Unternehmens in der Schweiz sein soll. Das wäre dann ein neuer Beweis dafür, wcks die deutschen Kapitalisten unter praktischem Patriotismus verstehen! Ein weißer Vobe. Millionär fordert höhere Vermögenssteuer. E» gehört sicher zu den größten Raritäten, daß Steuer- zahl«? von sich aus den Staat animieren, ihnen höhere Steuern abzuknöpfen. Eine einzigartige Ausnahme aber dürfte es wohl sein, wenn dies Millionäre und Wirtschaftsführer tun, wie dies jetzt au» den Vereinigten Staaten gemeldet wird. Danach hat der Senator James Couzon, einer der reichsten Männer der Vereinigten Staaten, vorgeschlagen, die Steuer für die großen Der- mögen und großen Erbschaften so zu erhöhen, daß der Staat jähr- lich« Mehreinnahmen von über eine Milliarde erzielen könnte. Der Senator hofft, daß mit seinem Vorschlag das D« f i z i t im amerikanischen Budget ausgeglichen werden könnt«. Der deutsche Staatshaushalt leidet noch well mehr als der amerikimisch« unter einem chronischen Defizit. Man würde aber vergebens darauf warten, daß einer von unseren deutschen Millionären und Wirtschaftsführern sich öffentlich bei der Regierung für Heraustchraubung der Erbschofts- und Vermögenssteuer einsetzt. Wahrscheinlich würde der brave Mann, der sich in Deutschland hierzu aufschwingen würde, von seinen Älassengenossen wie von seinen Erben al» ein»ölltg unzurechnungsfähiger Narr erklärt «erden. Agrarstatistik. Sine Arbeit de« Landwirtfchastsrate«. Die Preisberichtstell« des Deutschen Landwirtschaftsrates ver- öffentlicht soeben ein Agrar statistisches Handbuch(604 Sellen, Deutsche Verlagsgesellschast in. b. H., Berlin EW. 11), das um so mehr begrüßt werden wird, als hier zum ersten Mal« das Zahlenmaterial für die Weltprobleme und Weltzusammenhänge der Agrarwirtschaft zusammengestellt ist. Für jedes Teilgebiet wird ein Ueberblick gegeben: danach die Zahlen für Produktion und Absatz, Preise, Organisationswesen usw. für Deutschland und die wichtigsten oußerdeutschen Länder Sehr eingehend ist der Außenhandel berücksichtigt worden: die Zahlen für Ein- und Aussuhr werden in der Aufgliederung noch Einsuhr. und Aussuhrländern gegeben. Folgende Hauptgebiete sind in der Deröfsentlichung erfaßt: Brotgetreide, Futtergetreid«. Kartoffeln, Erzeugnisse de» Obst- und Gartenbaues, Vieh und Vieherzeugnisie, Milch und Molkereierzeug» nisie, Flechtweiden. Auch sonst ist die Preisberichtstelle dabei, ihre Ermittlungen aus» zudehnen und zu vertiefen. Don 30 000 Landwirten fordert sie reget- mäßig Fragebogen ein. Jetzt sucht sie möglichst umfassend die Preis«, die der Erzeuger erhält, zu ermitteln. Es sind nämlich große Preisunterschiede für Produtte gleicher Qualllät, gleicher Frachtparttät zu» gleichen Zeitpunkt festgestellt worden. Erst bei Borkte gen umfasiender Richtziffern wird«ine erfolgreiche Ve- ratung der Landwirte für Produktion und Absatz möglich fem. Geistiger Bankrott. Aber die Machtpofltion des Kapitals ist noch unerschüttert. Betrachtet man die Wirtschaftskrise und die Mittel, die zu ihrer Bekämpfung von den Unternehmern, den bürgerlichen Parteien und der Regierung vorgeschlagen und angewendet werden, um schließlich zur Verschärfung der Krise zu sichren, dann mutz man zur Feststellung des geistigen Bantrott» des kapitalistischen System» und seiner Versechter kommen. Worin äußert sich die Krise? Zunächst in ständig sich mehrender Ausstoßung von Arbeitskräften au» dem Produt» tionsprozeß, während die Produktionsziffern noch steigen. Man vergleiche die Arbeitslosenzochlen von 1927 bis 1929 mit den Produktionsziffern. Die Rationalisierung wirkte sich aus. Sie wurde mit Hochdruck fortgefetzt. Werte wurden aufgekauft und stillgelegt. Die.Lapiialbildung" blähte. Die durch die Rationalisierung gesteigerte» Produktivnserträg« wurden zur weiteren Produktionssteigerung verwendet. Di« Zahl der Arbeitslosen stieg von Jahr zu Jahr. Die Vereinigung der deutschen Arbeitgeberoerbände, der Reichsoerband der deutschen Industrie e tutti guanti sahen in der ansteigenden Arbeitslosigkeit nur den Anlaß, über den„Miß» brauch" mit der Arbeitslosenversicherung zu schreien. Statt Arbeit»- zeit und Löhne der gesteigerten Produktivität anzupasien, ging man der Arbeitslosigkeit zu Leibe, indem man durch den Abbau der Arbeitslosenversicherung da» Elend der Arbeitslosen steigerte. Roch blühten Selbstfinanzierung, Dividenden und Tantiemen. Also brauchte man sich über die steigende Arbeitslosigkeit nicht den Kopf zu zerbrechen, zumal man mit der„Reform" der Arbeitslosen» Versicherung sich vor steigenden Beitrögen geschützt glaubt«. Daß man die Ästen auf die Gemeinden abwälzt«, dies« dem Ruin zu» trieb, da» fiel den politischen und wirtschaftlichen Vertretern der Unternehmer nicht ein oder ließ sie kalt. Um die Jahreswende 1929 bis 1939 gab es«inen fühlbaren Knacks. Es gab einen wachsenden Leerlauf der Vrodukklonsaulagev. Di« Rationalisierung, wie sie die Unternehmer verstehen, begann unrentabel zu werden. E» lag auf der Hand, daß die Rationali» sierung zur Erweiterung der Kapitalmacht— statt zur Derbilligung der Produkte— sich in ihr Gegenteil oerkehrt hatte. E» war höchste Zeit zur Umkehr. Statt dessen erfolgte die Verschärfung des bisherigen Systems. Wurden die Löhne bisher nur relativ gedrückt, indem man den Arbeitern und Angestellten den Ertrag der Rationalisierung vor- enthielt, so setzte nunmehr der absolut« Lohndruck ein. Ja, die Unternehmer forderten außerdem noch«in« Verlängerung der Arbeitszeit! Erst wurden die übertanflichen Löhn« abgebaut, dann begann— genau vor Jahresfrist— der Abbau der Tarif- löhne mit Hilfe der staatlichen Gchlichtungsinstanzen. Zwangs» schiedssprüch«, gegen die die Unternehmerverbände bis dahin Sturm gelaufen waren, sind nunmehr der UMernehmerweisheit letzter Schluß. Die„Reform" de» Schlichtungswesens modert in der Rumpeltammer der Vereinigung der deutschen Arbeitgeber- verbände. Die Reichsregierung, die dies« Katastrophenpolitik durch« führte, kündete an, daß gleichzeitig auch die Preise abgebaut würden, eine Senkung des Reallohnes nicht eintreten solle. In- zwischen waren nämlich die Preis« auf den Rohstoffmärkten zu- sammengebrochen, was unweigerlich zu einer Senkung der indu- striellen Fertigfabrikate, der Fleischpreise und schließlich der ge- samten Lebensmittelpreise führen mußte. Die Bindung de» Preis- abbaues an den Lohnabbau bedeutete aber die Eindämmung de» preisabbaue». da man diesen von oben zu regulieren versprach Die Zollpolitik der Reichsregierung hat wesentlich zur Eindämmung de» Preis- abbaues beigetragen. Was vorauszusehen war, trat ein: die Arbeitslosigkeit stieg und liegt heute um gut Millionen Arbeitsuchender höher als zu Beginn der Lohnabbaupolitik. Die Wirtschaftskrise hat sich fast hoffnungslos verschlimmert und die gesamten öffentlichen Finanzen in eine uferlose Defizitwirtschaft gebracht. Der Reallohn auch der Vollarbester—- von den Kurzarbestern nicht zu reden— ist wester gesunken, während das Elend der Arbestslosen unerträglich ge- worden ist. Denkt die Regierung nun endlich an ein« Umkehr? Erlnnerk sie sich an ihr verspreche», die Arbeitszeit z» verkürzen? Sehen die Unternehmer nun endlich«in, daß Löhne und Arbeits- zeit dem Rationalisierungsergebnis angepaßt werden muffen? Nichts von alledem ist zu merken. Man sprüht sogar ernsthast von einem neuen Abbau der Beamtengehälter, und di« Unter- nehmer fordern wester« Lohnsenkungen von beispiellosem Ausmaß. Dies« geistige Sonkursanmeldung bedeutet freillch noch lange nicht den Konkur» de« kapitalistischen Systems. Solang« die Millionen der Enttäuschten und Verbitterten den Glauben an dos Kapstal vertauschen mst dem Glauben an das Hakenkreuz und den Sowsetstern, wird zwar das Elend wester anschwellen, aber di« Machtposition der Kapitalisten unerschüttert bleiben. An uns, an den sozialdemokratisch denkenden freien Gewerkschaften, liegt es, durch «ine zur geistigen Offensive übergehend« Agitation ein« Wendung herbeizuführen! Protestkundgebung des DBB. Stürme im Sportpalast. Im Anschluß an eine Führertagung de» Deutsche» Be« amtenbunde» fand gestern abend im Sportpalast ein« gleich- falls vom DBB. einberufene Protestkundgebung gegen den drohen- den Gehaltsabbau statt. Die Kundgebung, dl« sehr gut besucht war, nahm leider im Anfang nicht den Verlauf, den man von ihr nicht zuletzt im Interesse der Beamten selbst erwarten durfte. Anstatt zu einer wuchtigen und«inmüttgen Protestkundgebung zu werden, artete sie anfänglich zeitweise in Radau aus. Der Referent des Abends, Bundesvorsitzender Flügel und Bundesdirektor Lenz vom DBB. konnten sagen, was sie wollten, nach jedem Satz setzte Krakeel«in. Da die Kundgebung eine öffenüiche war, kann man allerdings kaum annehmen, daß es sich bei den Krakeelern um Beamte handeste, sondern daß der Krach von rechts- und links- radikalen Elementen in Szene gesetzt wurde. Die Erregung der Beamten über das, was gegen sie geplant ist, ist allerdings be- greiflich Aus den Referaten ging hervor, daß man offenbar nicht nur einen neuen Abbau der Beamtengehälter plant, son- dern daneben auch noch die Kinderzuschläge abbauen will, mindestens aber den Zuschlag für das erste Kind, lind gegen diesen Abbau wenden sich die Beamten. Sie wollen bei der Linderung der Volksnot nicht beiseste stehen. Sie verlangen nur, daß allen Volk»treisen entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit Opfer auferlegt werden. Erfreulicherweise zeigt« wenigstens der letzte Teil der Kundgebung ziemliche Einmütigkeit, die dann auch in der ein- stimmigen Annahm« einer Entschließung zum Ausdruck kam, deren entscheidender Wortlaut lautet:„Die neuesten Vorstöße, die sich nicht nur gegen da» Gehalt, sondern unbegreiflicherweise auch gegen die sozialen Zuschläge richten, lösen hellste Em- pörung aus. Die Beamtenschaft versteht derartige Maßnahmen um so weniger, als die Preissenkungsaktton in keiner Weise die angekündigte Entlastung gebracht hat. Sie betrachtet e» als w i r t- fchaftlichen Widersinn, die Kaufkraft und damst den Jnnenmarkt immer mehr zu schwächen und da» Steueraufkommen empfindlich zu beeinträchtigen. Keine G«halt»kürzung. keine Sonder- belastung, sondern, wenn es di« Rot der Zeit erfordert. Maß- nahmen, welche die Aufbringung der Mittel auf alle Volksschichten nach Maßgabe.ihrer Leistungsfähigkeit verteilt. Außerdem ist die Beamtenschaft der Auffassung, daß in Zesten einer solchen allge- meinen Volksnot politische Zahlungen nicht geleistet werden können." Die Löhne bei der Reichspost. Kommunistische Schwindelmelsungen. Kommunistische Blätter behaupteten dieser Tag«, di« Löhn« bei der R e i ch» p o st würden vom 17. Juni ab a u s» neue gekürzt und die Kinderzulagen würden ganz oder teil- weise gestrichen. Ebenso sei an ein« allgemeine Urlaubsoerkürzung gedacht. Diese Fragen seien bereits in Verhandlungen zwischen dem Postministerium, dem Gesamtverband und der Deutschen Post- gewerkschaft besprochen worden. Don maßgebender Stell« wird uns versichert, daß dies« An- gaben in keinem Punkt der Wahrheit entsprechen. E» hätte» weder Erörterungen oder Verhandlungen über«in« weitere Herabsetzung der Arbeiterbezüge und eine Kürzung de» Er- holungsurlaub» stattgefunden, noch lägen solche Maßnahmen in der Absicht de» Reichspostmimstenums. Wie es bei den Llnterbeamien aussteht Sin Notschrei. Em Unterbeamter schreibt uns: Mein Gehalt beträgt 227 M Meine Familie besteht au» drei Köpfen, davon ein Kind von 7 Jahren. Habe«in« Neubauwohnung: di« Miete beträgt 47 M Wein« Eltern unterstütze ich mit 10 M. monattich. Mein Vater ist 16, mein« Mutter 68 Jahre alt. Dar- lehnsschuld zur Zeit 225 M Amtlich« Abzüge 43L0 M. Es ergibt sich folgend« Rechnung: Miete. Eltern. ..... 47.— TO. ..... 10.-�» <.•«• 9.— M Holz, Kohlen, Gas 10.—. 76.—' Gehalt....... 227.— TO. Amtlich« Abzüge■■-43.90, 183.10 TO. Laufend« Ausgaben.— 76.—, 107.10 TO. Do» diesen 107.10 TO. soll ich noch bestretten: Schuhwerk, Beklei- düng, Waschmittel, Kirchensteuer(10,20 M.) und«inen Monat lang leben. Meine grau ist seit langem trank. Ich erlaub« mir nun- mehr die Frag«: Wie sollen drei Personen sich damit durchs Leben schlagen? Und nun soll nochmal» Gehaltskürzung«intreten? Was soll nun bloß werden? Unter 250— 300 TO. Druttogehalt darf kein Abzug mehr eintreten. Di« Lage bei den unteren Beamten ist sehr ernst. Helft uns au» unserer Rot! Ich kann doch bald keine Miete mehr zahlen. Hat denn gar keiner mehr Gehör für uns? Wir gehen bei voller Arbeit zugrunde. Die gelben Landbündler überführi. Fälschung der Mitgliederlisten. In Nr. 537 de»„vorwärts" vom 15. November 1929 ver- öffenllichten wir einen Aufsatz unter der doppelten Ueberschrift„Die Grundlag« der Gelben. Betrug und Urkundenfälschung." In dem Artikel wurde im wesenllichen ein Rundschreiben veröffent- licht, da» der Angestellte Wagner der Geschäftsstelle Stettin des Pommerfchen Landbundes verschickt hatte und in dem der Sozialsekretär des Landbund«» in K ö s l i n aufgefordert wurde, bei der vom Landesarbeitsamt zu veranstaltenden Kontrolle der Mitgliederlisten den„Nachweis" für die gegenüber dem Landesarbeitsamt angegebene Mitgliederzahl von 12S2 zu führen. Dem Empfänger wurde bedeutet, ein« Liste anzufertigen, in die auch, ohne daß die» erkenntlich wird, die Frauen der Mitglieder aufgenommen werden sollen:„Die H a u p t s a ch« i st, daß di« genannt« Zahl nachgewiesen wird." Man kann durchaus verstehen, wenn e» in dem Rundschreiben heißt:„Dieses Schreiben ist sofort nach Kenntnisnahme zu ver- nichten." Wir haben dazu u. a. geschrieben:„Im gemeinen Leben nennt man das Betrug und Urkundenfälschung. Auf dieser Grund- läge ist der„wirtschaftsfriedliche" Landbund aufgebaut. Hoffent- lich erkennen die' Behörden jetzt endlich, daß den Angaben des Land- gegenüber eine weit größere Narsicht als bisher est Platz« fft." Der Sekretär des Pommerfchen Landbunde» spielt« den Be- leidigten und verklagte deshalb den„Vorwärts". Er bestritt durch» au» nicht, das Rundschreiben verfaßt zu haben. Er wollte aber wenigstens der Form halber eine Verurteilung, um dann behaupten zu können, was der„Vorwärts" geschrieben habe, sei nicht wahr. Der Pommersche Landbund hat aber mit dieser Methode kein Glück gehabt. Unser verantwortlicher Redakteur, Genosse Steiner, ist in erster und zweiter Instanz freigesprochen und Herr Wagner kostenpflichtig abgewiesen worden. Nun hat er zu allem Ueberfluh auch noch Revision beim Reichsgericht beantragt, woraus man ersehen kann, daß die pommerfchen Landarbeiter zwar Hunds- miserabel bezahlt werden, daß aber— vielleicht auch gerade des- halb— der Pommersche Landbund sehr viel Geld übrig haben mutz. Kommunistische Fronarbeit. Unter Berufung auf die Neichsregierung. Dieselben Kommunisten, die sich Tag für Tag nicht genug über die Gewerkschaften ereifern können, weil dies« nicht die 40-Stunden-Woche„bei vollem Lohnausgleich" forderten und sich unter di-„Schlichtungsdiktatur des Reichsarbeitsministers' beugten. bringen es fertig, sich in ihren eigenen Betrieben bei der Erpressung von Lohnabbau auf— Brüning und den Reichsarbeitsminister zu berufen. So hat in dem Betriebe der kommunistischen„Sächsischen Arbeiterzeitung" bei dem Versuch, über die tariflich vorgesehenen Lohnkürzungen hinaus noch weitere Abbaumaßnahmen vorzunehmen, ein Herr Gauß, Mitglied der Geschäftsleitung, in einer wörtlich fest- gehallenen und bisher nicht dementierten Aeußerung zynisch erklärt:„Wenn die Reichsregierung di« Kürzung der Gehälter an- ordnet, können wir dasselbe in einem kommunisti- schen Betriebe machen. Es ist das ebenfalls nur eine Folge der Wirtschaftskrise." Wer sich diesem gesetzwidrigen Gehaltsabbau widersetzte, erhielt die bezeichnende Antwort:.�Da nn flieg st du aus der Arbeit!" In einer Frattionssitzung der KPD.-Zelle des SAZ- Betriebes hiell der kommunistische Parteisekretär Schwarz eine groß« Rede, um die Belegschaft zu oeranlassen,„wöchentlich sechs freiwillige Ueberstunden zu leisten". Wer nicht mitmachen wollte, wurde beschimpft und gekündigt. Die größten Lumpereien sind noch stets idealistisch maskiert gewesen. Wie die„Erneuerer" Deutschlands mit Hilfe eines vn- freiwilligen oder freiwilligen Arbeitsdienstes zur größeren Ehre ihrer nationalen Velange«ine neue Art von Fronarbeit ein- führen wollen, genau so soll der arme Teufel, der zufäDg in einem kommunistischen Dettieb arbeitet, Ueberstunden fronen und eine Extralohnkürzung hinnehmen— alles zur größeren Ehr« des allein seligmachenden Kommunismus und der Moskauer Götzen und Götzendiener. „Revolutionärer" Klempnerladen. Sowjetorden für russische Eisenbahner und Arbeiter. Der„Trud"(Nr. 135 vom 18. Mai 1931) veröffentlicht einlange Liste russischer Eisenbahner und Arbeiter, di« mtt dem Orden der Roten Arbeitsfahne und dem Lenin-Orden aus- gezeichnet werden. Es Handell sich um 27 Eisenbahner, vor allem Lokomotivführer, und 27 Lrbeller, darunter eine Arbeiterin. Durch diesen Ordenssegen sollen anscheinend die russischen Eisenbahner zur Beselligung der großen Mißstände auf dem Gebiet« de» russischen Verkehrswesens angefeuert werden. Auch einig« Fabriken sind mit Orden ausgezeichnet worden. Foridauer des franzöfischen Texiilstreiks Vermittlung bisher ergebnislos. Pari», 27. Mai.(Eigenbericht.) Nachdem Jouhaux und der Arbettsminister Landry den Ministerpräsidenten Laval über den Verlaus der Verhandlungen unterrichtet hatten, wurde am Abend halbamtlich bekanntgegeben. daß die Verhandlungen zu einem Ergebnis nicht geführt hätten. und daß der Arbeitsminister die von den beiden Parteien abge- geben«» Erklärungen als Grundlage für ein« neut Bermitt» lungsaktion benutzen werde. Lei den Betriebsrätewahleu im Bereich der vberpostdlrektion Dresden stimmten von 3409 Wahlberechtigten für den Gesamt- verband 2226(im Vorjahr ebensoviel), für die Ver- einigten Christen und Nationalsozialisten 242(240), für di« List« der weiblichen Angestellten 472(525) und für di« RGO. 73(14). Städtisch« 6asat*U lRob-wct). i�räktlo-.sztisammlAn« beut«, 19% Ißt,»um.Schwia.Vast", Kaftaniemille« 54. Vit Genossen müssen erscheinen und SompatliilMtenbe nutbiinuen. Seijiilttact SchSnedir». LPD.-Ureltio». Morgen. Freitag. 20 Uhr, Loläl Will, Martin-Lutliei�Gtr.«9. Stadtverordneter Siesiert Locwn: .Das Kesetz Groft-Berlin". «ES. Droutheimer Steele und Kydro. Werte, ssraktionmeersamm. Iium mi: Snmvatdisierenden ffreiteg, 15� Udt, bei Wende, Kolonie. fttosie 147. zZolleddlig«- Erscheinen ist nstwendi«. See Fr«ktion„orftand. m Freie Gewerkichafts-IuaenüDerltn Leute, Tonnersta«. ISlz lldr. toaen die Eruvsen:»dvenick: Zueend. beim Grünauer Str. 5. Eetverl �tasten vor dem Weltkriege.— SchS». taufet Tor: Iuacndlieim Tlcckitr. 18. Keimdesvrechuuo..— Sesund- brnuueu! Iuaendtaim, Bote Schule, Gotenduroer Str. Z. Misch. Masch. Äuül und luftiaeo Merlei.— Südosten: Iuoenddeim Beichenderocr Str. 6t. Die Burschen gestalten einen beiteren Abend au».— Tempeldos: Zuoenddeim. Snteum G-rmaniastr. 6, Einaano Dödsirade. Erlebnisse eines Ledrlinae.— Moabit! Iuaenddeim Lelirter Str. 18—19. Warum bin ich In der ffGj?— Ren-Lichteudero: Zuoendheim Gunterstr. 44. Vollol! oder, und Musttadend.— iichtenber«! Iuaendbeim fauffftraSe, an der Lesstnostraste. Die Burschen«e. stalten den Abend au».— Land»beiger Bio»! ltuoenddeim Diestelmeversir. 5. Bunter Abend.— Staaten: ZuoendbetM der 17. Bolloschule, Etaaltn.Garten- stadt, Sirchrrlcd. Vom ssischkutter jum O,eairdampfer.— Meldet die Teil- neluner für den LichbildvorMhrertursuo an. .'iluaenvoruppe Se«?e»'perk'ont>es der Anoesteilten Heut« sind solaende Beranstattunoan: Pantow-Airderschdutaule»: Zu- »enddeim Ekrschstr. 14(gtofte» Zimmer). Lichtbilderoortraa:.Aus nach Lübeck". Referent: Seilbrunn.— Osten; Auoendbe.m in der Schule Litauer Straße 18.„Seuf laßt un« sinnen und sr üblich sein."—«eepto»! Zu, rrt- ficirn der Schule Wildendruchstr. 88 Guaana von der Graeßstraße in Zrlvtvw). Borlvaa:.Rot aeaen Rot". Referent: Weioelt.— Die Freie«»«rsteltentanl Berlin c.& b. t, ch, taat von 20 die 22 Übt im Berbandotau». „ T&hoVi,n Bratensoße Für fleischlose Mahlzeiten, z. B. mit Knorr- Makkaroni, Spagetti oder Eiernudeln, kür Klöße und für Kartoffel-Gerichte! 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