BERLIN Zreitag 29. Mai 1931 1©Pf. Hr. 246 B 123 43. Jahrgang SrscheinttSzlich avßer S-nntag«. Fugleich Adcndau«gabt dt«.Dorwärt«'. Bezugspreis beide Ausgaben«ü Pf. pro Woche.».KvM. pro Monat. Redattion und Expedition: Berlin SW W, Lindenstr.» Fernsprecher: Dönhoff 292— 29? Anzeizenpret«:Die einspaltige Nonpareillezeile «o Pf.» Reklamezeile s M. Ermäßigunoen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorirärts-Verlag G. m. b. Berlin Nr. S? 536.- Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor? Resultate des Höhenflugs piccard erzielie wertvolle Ergebnisse bei seiner Korschungsfahrt lieber seine Zallonsahri äußerte sich Professor Piccard sowohl in oeroaaulischer wie in wissenschaftlicher Beziehung äußerst besriedigl. Er habe wertvolle Zeslstellungen gemacht, über die er berichten «erde, sobald er im Besitze seiner Instrumente sei. Er sowohl wie Dr. Sipfer seien wohlauf, nur sehr erschöpft, da sie nahezu <5 Slunhen ohne Schlaf geblieben seien. Der Ballon liege r-ÄlUs« 4»#� SH)r\ Gurgl, Im Minlergrund der.ferner' in ziemlich geschützter tage. Besonderen Wert legten die beiden Gelehrten auf die Meßapparale der Gamma st rahlen. jener geheimnisvollen Strahlen, die radiumhaltig sind und nach den bisher noch unbestätigten wissenschaftlichen Forschungen von den Gestirnen ausgesandt werden. Die Gelehrten hassen, daß ihre Messungen dieser noch unbekannten Strahlen einen neuen Schrill für die Er- forschung dieser Dinge sein werden. Professor Piccard äußerte sich ferner über die Landung folgendermaßen: Es sei höchste Zeit fürdieLandunggewesen. denn siehättennichtmehr viel Souerstoss. höchstens noch für zwei oder drei Stunden. gehabt, und wären dann wahrscheinlich erstickt. Auch die Leben». mittel seien ihnen ausgegangen. Besonder» aber hätten sie unter der Hitze gelitten. Er werde nie vergessen, wie gut ihm der Schnee geschmeckt habe, den er nach verlassen der Gondel auf dem Gurgler Ferner gegessen habe. Ein Stück Ei», gerieben an dem Rand einer Zitronenschale, sei eine Delikatesse, wenn man zehn Stunden hindurch Durst gelitten habe, besonder» bei einer Tempera- tue von 50 Grad. So heiß war es nämlich in der Gondel. Sie KocHn-««. lindau�Ob. Amjrqau S Jmst « JTy/ .} fsTUBAI-OLinCH %*\.vucgl V— SCHWEIZ � ; ITALIEN Boren X Landungs steile r atreu» und Querflugs von Augsburg bis Gurgl-Glelfeher »um hätten buchstäblich geschwitzt, während draußen im weltenraum eine ganz grimmige Kälte geherrscht habe. Professor Piccard wohnl jetzt im holet in Ober-Gurgl. Obergurgl, 29. Mai. Profestor Piccard, Dr. Kipfer und Unioersitätsprofessor Dr. Wagner aus Innsbruck als Ballonsachverständiger bereiten mit Hilfe der durch die Tiroler Landesregierung zur Berfügung ge- haltenen Militärabteilung den Abtransport des Ballons vor, der am Sonnabend durch die Firma Riedinger in Augsburg, der herstellerin des Ballons, erfolgen wird. Das Wetter ist wieder bester geworden. Allenthalben macht stch größtes Interesse des Aus- landes an den Borgängen bemerkbar. Innsbruck, 29. Mai.(Eigenbericht.) Piccard hielt stch nach seinen Erklärungen insgesamt sechs Stun- den in einer höhe von 15 000 Metern. Interessant sei vor allen, die Beobachtung der Höhenstrahlung gewesen, die wahrscheinlich auf die Radioaktivität der Sterne zurückzuführen sei, und die sich steigere je mehr der Mensch den Sternen näher rück«. Gegen End« der Fahrt hat Piccard und sein Begleiter Sauerstofsmangel gehabt. In Innsbruck herrscht seit Donnerstagnachmittag Hochbetrieb. Aus allen Gegenden treffen Flieger«in.>11. a. weilt auch der schweizerische Asrikaflieger Mittelholzer.in Innsbruck. Das Telephonamt hat seit gestern weit über 1900 Verbindungen in alle Richtungen der Welt herstellen müssen. An der Landungsstelle. heute früh um 5 Ahr hat sich ein Ausschuß der Tiroler Landesregierung zusammen mit den in Gurgl bereit» an- wesenden 50 Zournalisten des Ja- und Auslandes zur Lau- dungsstelle begeben. Piccard und sein Assistent kipfer begleite- Sei' Qurgler Serner len die Gruppe. Am Landungsplatz will Piccard noch genaue Auf- tlärungea über verlauf und Ergebnis seines Fluges an Hand der Instrumente geben. Dann werden sofort die Bergungsorbeilen be- ginnen, die Piccard persönlich leiten wird. Der Ort Gurgl, der durch die Landung Piccards Welt- berühmtheit erlangt hat, liegt im südlichsten Winkel des O e tz t o l e s, eine Krastwagenfahrt von drei Stunden führt von Innsbruck nur bis Zwieselstein, dann ist ein Fußmarsch von sast drei Stunden notwendig, um das 2700 Meter hochgelegene Gurgl zu er- reichen. In Gurgl herrscht Hochbetrieb. Der Bertehr auf den Zu- sahrtstrahen ist ungeheuer. Fast stündlich treffen aus dem Flugplatz in Innsbruck Flugzeuge ein, die weitere Journalisten aus aller Herren Länder bringen. Angekommen sind bis jetzt Pressevertreter aus Deutschland, Oesterreich, England, Amerika, Ungarn. Polen usw. Ein Amerikaner ist in Gurgl selbst glatt gelandet. Pros. Piccard kam während eines Gespräches auch auf die modernen Weitstrecken- flüge zu sprechen. Er meinte, wenn Flugzeuge in Zukunft große Strecken in kürzester Zeit zurücklegen wollten, dann müßten sie un- bedingt in der Stratosphäre fliegen. Natürlich müßten die Kabinen der Flugzeuge dann völlig luftdicht abgeschlossen sein. Wie schon berichtet, haben Piccard und Kipfer auf ihrem Fluge ungeheuren Durst gelitten. Als der Durst sich ins Unerträgliche steigert«, blieb den beiden in ihrer Verzweiflung nichts anderes 3torf Gurgl übrig,, als die Propfen abzulecken, die von der Metallwand der Kabine herabsickerten.„ Glückwünscke an Profestor piccard. In Augsburg, wo Profestor Piccard während seines langen Verweilens und wegen seines gewinnenden Wesens schon längst zu einer populären Erscheinung im Straßenbild geworden war, war die Anteilnahme der Bevölkerung an dem Start des kühnen Forschers besonders groß, und die Nachricht von dem glück- lichen Gelingen des Fluges löste überall Jubel aus. Die Stadt hat anläßlich des Erfolges Piccards das Rathaus f e st l i ch b e- flaggt und an Professor Piccard folgendes Telegramm ge- sandt: Dem kühnen Erobeker des Luftraums und seinem treuen Begleiter sendet die herzlichsten Glückwünsche zum guten Gelingen sowie zur glücklichen Landung die Startstadt. Die Riedinger Ballonfabrit drahtete sofort nach dem Eintreffen der Landungsmeldung:„Gratulieren herzlich zum großen Erfolg." heute sandte die Fabrik folgendes weitere Telegramm: „Aufsichtsrat und Vorstand der Ballonfabrik Riedingen gratulieren Ihnen herzlichst zum wundervollen Gelingen Ihres Fluges und zur glücklichen Landung. Mit Ungeduld erwartet man hier die Rückkehr der kühnen Luftfahrer." Ausgleich für Berlin« Defizit. Deckung für die im Etat fehlenden 92 Millionen. Der Oberbürgermeister läßt nunmehr der Stadtverordneten- Versammlung die Vorlage über den Haushaltsplan für 1931 zugehe«. Der Haushaltsplan soll, wie wir bereits mitgeteilt haben, in Ein- nähme und Ausgabe auf 1 385 876 780 IN. festgesetzt werden. Der vom Magistrat am 20. Mai verabschiedete Entwurf schließt in der Einnahme mit 1 293 876 780 M. und in der Ausgabe mit 1 385 876 780 M. ab, so daß 92 Millionen Mark ungedeckt bleiben. Zum Ausgleich ist eine Einnahme aus einer schwebenden Schuld in gleicher höhe vorgesehen. In einem Berliner Mittagsblatt war heute die Meldung zu lesen, der Magistrat wolle die„B e r e k, Berliner Anschlag- und Reklamewesen G. m. b. h." entkommunalisieren und verkaufen. hierzu ist zu sagen, daß der Stadt Berlin zwar von privater Seite ein Angebot zum Verkauf der Gesellschaft, die fast sämtliche Berliner Lttfaßsäulen vergibt, vorgelegen hat, im Magistrat ist man diesem Angebot aber überhaupt nicht nähergetreten. Weiter schönes Wetter. Kaum merkbare Abkühlung. Di« angekündigte Abkühlung ist leider so gering, daß ein Unter- schied, gemessen an den Vortagen, kaum festzustellen ist. Um 8 U h r früh herrschten heute 2 3 Grad, und bis um 12 Uhr war dos Thermometer bereits wieder aus 26 Grad gestiegen. Für die Abendstunden wird mit vorübergehender Bewölkung gerechnet. Ob e» zu einem Gewitter kommen wird, erscheint jedoch noch fraglich. Iedensall» ist ein Ende de» schönen Wetter» nach de« vorliegenden Anzeichen bisher nicht zu erkennen. Arbeiterjugend im Vormarsch. Erfreuliche Erfolge der Werbearbeit. Di« sozialistische Arbeiterjugend, über deren nahes Ende die Kommunisten fast täglich fabeln, hat im ersten Vierteljahr einen sehr erfreulichen Erfolg ihrer Werbearbeit zu verzeichnen. Es liegen bis jetzt aus 11 Bezirken, also einem Drittel aller Bezirke, die Berichte über die Mitgliederentwicklung im ersten Bierteljahr 1931 vor. Diese 11 Bezirke berichten über eine absolute Mit- gliederzunahme von IS39 Mitgliedern. Das fft ein sehr beträchtlicher Erfolg, wenn man bedenkt, daß, abgesehen von den gegenwärtigen allgemeinen politischen und wirt- schaftlichen Schwierigkeiten, das erste Quartal immer das schwierigste Werbequartal für die Jugendorganisation darstellt. Die Ergebnisse der F r ü h j a h r s w e r b u n g, die in diesem Jahr in besonders großem Umfang durchgeführt Worten ist, sind in diesen Zahlen noch nicht einbegriffen, da sie erst in den Berichten über das zweite Quartal in Erscheinung treten. Es kann daher mit Sicherheit angenommen werten, daß unsere Jugendorganisation mit einem erheblichen Mitglieder- Zuwachs aus der gegenwärtigen Krisenzeit hervorgehen wird. Notberaiung über Rotverordnung. Vrünings Kabinett. Das Reichskabinelt ist heule vormillag um 11 Uhr zur Beratung der neuen Rotverordnung zusammengelrelen. Llnglücksfatl in einer Redaktion. Die„Rote Zahne" hat„großen Krach" gehört. Die unmenschlich große Hitze hat am Donnerstag ein schweres Opfer gefordert. Das Thermometer war auf 32 Grad im Schatten geklettert, als sich das Gräßliche ereignete. Man sah gerade in der Redaktion der„Rote Fahne" gemütlich bei eisgekühlter Limonade zusammen, teils mit aufgekrempelten Aermeln, teils im neumodischen Sporthemd, als sich ein großer Krach vernehmen ließ. Man riet hin, nian riet her, woher das Getöse wohl kommen tonnte. War etwa im ZK., im Agitprop, oder in der Org. eine Reinigungsaktion im Gange? Sollte Stalin in Moskau gerade furchtbare Abrechnung mit Wer- rätern, Renegaten und Spezialisten halten? Hatte sich gar in der Stratosphäre ein Zusammenstoß zwischen Piccard und einem schweifende» Himmelskörper ereignet? Endlich kam der erlösende Gedanke: Im Reichstag ist die sozialdemokratische Fraktion zu einer Sitzung versammelt, dort muh es den großen Krach gegeben haben. Der diese Lösung fand, war ein Spaßvogel, der genau wuhte, daß man bei der Redaktion der„Roten Fahne" ebenso wenig Kennt- nis der wirtlichen Berhältnisse voraussetzen darf, wie beim Goebbel- schen„Angriff", sondern er setzte noch hinzu, daß die Sitzung unter Tumultgeschlossen habe. Das alles wurde von der Redaktion nicht nur geglaubt, sondern noch für so wichtig gehalten, daß man die Ueberschrift zu einem dreispaltigen„Balken" gestaltete. Erst in der Nacht, als die Temperatur zurückgegangen war und verläßliche Nach- richten aus dem Reicheckag vorlagen, erfuhr man. daß weder ein großer Krach noch«in Tumult stattgefunden hatte. Aber das Unglück war jetzt nicht wieder gutzumachen. Bor Wiederholungen solchen Unsinns schützt aber die spätere Erkenntnis durchaus nicht— trotz Eislimonade. Blutige Schlägerei in Hagen. Sowjetstern und Hakenkreuz keilen einander. Hagen, 29. Mai.(Eigenbericht.) In der Nacht vom Donnerstag zum Freitag kam es hier zu schweren blutigen Zusammen st äßen zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten. Eine unbeteiligte Person wurde durch einen Schuß getötet. Einer der Verletzten starb im Kranken- haus, ein dritter schwebt in Lebensgesahr. Insgesamt wurden 21 Personen ins Krankenhaus geschafst. Der Vorgang ereignete sich anläßlich einer nationalsozialistischen Kundgebung für den§ 218. Als die Nationalsozialisten durch die Straßen zogen, wurden sie von den Kowmunisten angegriffen. Die Polizei konnte die Ordnung jedoch bald wiederherstellen. Der eigentliche Zusammenstoß ereignete sich dann nach Beendigung, der natio- nalsozialistischen Veranstaltung zwischen Ii und 12 Uhr nachts In der Mittelstraße. Angreifer waren die Kommunisten. Sie gingen mit Stöcken aus die Nationalsozialisten los. Auch wurden mehrere Schüsse abgegeben. U. a. wurde auch ein Auto der Nationalsozia- listen, das von Hagen nach Hohenlimburg fuhr, von den Kommu- nisten wiederholt beschossen. Kaum verurteilt, schon erschossen. Wegen eines Attentatsplanes gegen Mussolini. Rom, 29. Mai. Im Prozeß gegen den Anarchisten Schirru, gegen den vor dem Sondergerichlshof wegen eines Anschlags aufMusfo- l i n i verhandelt wurde, erklärte der Angeklagte im Laufe seines langen Verhörs, er sei im Jahre 1939 ein erstes Mal nach Italien gekommen und habe in Mailand aus einem Brief seines Vaters crfahren, daß die Polizei in Aix eine Haussuchung vorgenom- inen habe, weil sie den Verdacht hatte, daß Schirru nach Italien abgereist sei, um ein Attentat auf Mussolini zu verüben. Das habe ihm den Gedanken nahegelegt, dieses Attentat wirklich zu be. gehen, über das er niemals mit irgend jemand gesprochen habe. Schirru machte mehrere Angaben über die Vorbereitung, er habe Mussolini mehrere Mal« in der Nähe des Palazzo Venezia er- wartet, um die Möglichkeiten des Attentats zu studieren. Ueber die Gründe für ein Attentat befragt, legte Schirru ein a n a r ch i st i- s ch e s Glaubensbekenntnis ab. Er habe Mussolini als Vertreter der seinen Ideen zuwiderlaufenden Strömung beseitigen wollen. Schirru stellt entschieden in Abrede, daß er irgendwelche Mit- w i s s e r gehabt habe, weih aber auf die Verlesung des Briefes feines Komplicen Polidori nichts zu erwidern. In diesem Brief inacht« ihm Polidorf von London aus genaue Angaben über die Orte, wo man Mussolini trefsen könnte, und warf ihm vor, die Gelegenheit der saschistischen Parade vor der Villa Borghese in Rom nicht wahrgenommen zu haben. Der Sondergerichtshof verurteilte den Angeklagten gestern abend zum Tode durch Erschießen. In einem Innenhose des Forts Brajchi ist heute früh um 4H Uhr das Todesurteil durch Erschießen vollstreckt worden. Der Prozeß gegen die Intellektuellen. Rom, 29. Mai. Heute nachmittag beginnt vor dem Sondergcrichtshos der Pro- zeß gegen zehn Angeklagte(von denen drei flüchtig sind), die de- Zrauenmord in Bluttat eines Verlassenen Ein schweres Derbrechen wurde in den gestrigen späten Abend- stunden in der Rigaer Str. 58 im Osten Verlin» verübt. Die 51jährige Witwe Klara Richter wurde dort im Schlafzimmer ihrer Parterre. wohnung mit zertrümmertem Schädel tot aufgefunden. Als Täter kommt der 55jährige Schlosser Emil Herrmann in Frage, der nach der Vlullal flüchkele und heule früh am Köllnischen Park fest- genommen wurde. Frau Richter, die mit ihrem 19jährigen Sohn im Seitenflügel des zweiten Hofes eine aus Stube und Küche bestehende Wohnung inne hat, lernte vor etwa zwei Jahren Herrmann kennen. H. er- zählte, daß auch er Witwer und Besitzer eines Grundstücks sei und sich mit Heiratsabsichten trage. Zwischen den beiden Leuten entspann sich ein Verhältnis, das sich aber kurz vor Pfingsten wieder auflöste, als Frau Richter erfuhr, daß Herrmann völlig mittellos war. Mehrmals erschien der Mann in der Rigaer Straße und drohte Frau Richter umzubringen. Gestern abend gegen 1411 Uhr verschaffte sich der Abgewiesene auf noch ungeklärte Weise in die Wohnung seiner früheren Freundin Einlaß. Etwa um �11 Uhr hörten Mieter im ersten Stockwerk in der Richterschen Wohnung heftigen Wortwechsel, dem plötzlich laute Hilferufe folgten. Als eine Mieterin ans Fenster eilte, sah sie, wie sich Herrmann, der im Hause bekannt war, aus dem Schlafstubenfenster schwang und davonlief. Die Frau glaubte zunächst an nichts böses. Da es zwischen Frau Richter und Herrmann wiederholt heftige Ausein- andersetzungen gegeben hat. Erst als der Sohn um 1�12 Uhr helmkehrte, wurde das Der- brechen entdeckt. Der junge Mann fand seine Mutter auf dem Fuß- boden des Schlafzimmers, wo sie mit gespaltenem Schädel in einer Blutlache regungslos lag. Die Mordwaffe, ein Handbeil, befand sich neben der Toten. Die Mordkommission Lippik-Groschik nahm den Befund auf und leitete sofort die Nachforschungen nach dem flüchtigen Täter ein. Wie die ärztliche Untersuchung ergeben hat, ist Frau Richter durch mehrere, mit ungeheurer Wucht gegen den Schädel geführte Beilhiebe getötet worden. Zwischen dem Täter und seinem Opfer muß sich ein er- bitterter Kampf abgespielt haben, denn der Tisch und mehrere Stühle waren umgeworfen, Porzellanvasen lagen zertrümmert am Boden. Die Festnahme des Täters. Auf ganz eigenartige Weise gelang heute früh die Festnahme des Mörders. Ein Bekannter des Herrmann kaufte am Köllnischen Park ein« Zeitung, in der er von der Mordtat las. Als sich der Mann über den Platz begab, um feine Arbeltsstelle aufzusuchen,«nt- deckte er zu seiner Ueberraschung auf einer Bank des Parks Herr- mann, der dort eingeschlafen war. Eine Polizeistreife wurde alar- miert und nahm den Täter fest. Auf dem Präsidium gab Herrmann die Bluttat zu, bestreitet aber, mit Vorsatz gehandelt zu haben. Er behauptet, im Verlaufe des Streites so in Erregung geraten zu sein, daß er In sinnloser Wut das Beil ergriff und auf Frau Richter ein- hieb. Dieser Darstellung schenkt die Polizei bisher wenig Glauben. schuldigt sind, im Jahre 1939„untereinander und mit anderen Per- sonen Anschläge gegen die verfassungsmäßige Ordnung des Staates verabredet zu haben". Zwei von ihnen gehört«» als Leiter der Gehelmgesellschaft„Gerechtigkeit und Freiheit" an, die nach der Anklage u. a. auf den bewaffneten Ausstand in Italien hinarbeitete. Unter den Angeklagten befindet sich ein Unteroffizier der italienischen Fliegertruppe, der über Rom revolutionäre Flugschriften abwerfen sollte. Auf der Anklagebank befinden sich heute der Kaufmann Bauer, geboren 189k, der Professor der' National- ökonomi« Ernst R o s s i, geboren 1897, der Professor der Literatur Z a r i, geboren 1993, der Ingenieur D a m i a n i, geboren 1992, der Ingenieur C o l a c», geboren 1895, der Kaufmann Bernardino Roberto, geboren 1886, und der Flieger Viezzoli, ge- boren 1919. Der 24. Angeklagte, Ceva, hat im Gefängnis Selbst- mord begangen. Keine Llebertreibnngen! Erklärung des Iustizministers gegen Prof. Aschassenburg. Essen. 29. Mal. Mit Rücksicht auf die Ausführungen des Universttälsprofesiors� Aschaffenburg bei den Verhandlungen der Internationalen Kriminalistischen Vereinigung machte heute im weiteren Verlauf dieser Berhandlungen Ministerialdirektor H u b e r vom preußischen Justizministerium längere Ausführungen und teilte dabei folgendes Zahlenmaterial mit: In den Iahren 1928 bis 1939 seien in Preußen durchschnittlich etwa 429 999 Personen jährlich gerichtlich verurteilt worden. Von ihnen hätten jährlich etwa 3899 Personen, also etwa 1 P r oz., durch das Staatsministerium einen Gnadenerweis durch teilweisen oder völligen Erlaß der Strafe erhalten. Im gleichen Zeitraum seien von den Gerichten und den Justizministerien jährlich etwa 35 999 Strafen bedingt ausgesetzt worden, an den Strafaussetzungen sei der Justiz- minister nur mit etwa 5 bis 6 Proz. beteiligt. Bon den Verurteilten. denen eine bedingte Aussetzung zuteil geworden ist, hätten sich 75 bis 89 Proz. bewährt. Der Rechtsausschuß des Land- tages habe in der Zeit vom Januar 1928 bis Februar 1931 von 3599 Petitionen nur 118, also nur etwa 33 Proz., dem Staatsministerium zur Berücksichtigung empfohlen. Vergleiche man mit dieser Zahl die Gesamtzahl der vom Staatsministerium in den Jahren 1928 bis 1939 erteilten Gnadenerweise und bedingten Aus- setzungen. so ergebe sich, daß höchstens in 9.7 Proz. der Fälle ein Wunsch des Parlaments überhaupt in Frag« gekommen fei. (Sechstausend Mark im Autobus gestohlen. In einem Autobus der Linie 9 wurde heute vormittag gegen 11 Uhr ein Kaufmann aus der Münzstraß« empfindlich be- stöhlen. Der Kaufmann suhr von der Alten Schönhauser Straße Ecke Münzstraßs nach der Friedenstraße und stellt« zu seinem Schrecken beim Aussteigen fest, daß ihm während der Fahrt die Gesäßtasche aufgeschnitten und die Brieftasche mit 5999 Mark ge- stahlen worden war. Dem Kaufmann ist während der Fahrt nichts aufgefallen und es war ihm auch nicht möglich, bei der Vernehmung der Polizei irgendwelche Fingerzeige zu geben. > Offen Berlins - Oer Täter festgenommen Vater tötet vier Kinder. Furchtbare Bluttat bei einem Tobsuchtsanfall. K a t t o w i tz, 29. Mai. In K n u r o w im Kreise Rhbnik, dicht an der neuen deutsch-polnischen Grenze, ereignete sich am Freitagmorgen eine furchtbare Bluttat. Der Berg- arbeiter Skoruppa erlitt, als ihn seine Frau weckte, einen Tobsuchtsanfall. Er ergriff eine Axt und schlug damit sinnlos auf seine sechs minderjährigen 5t i n d e r ein, die in ihren Betten schliefen. Drei Mädchen und einen Jungen tötete er, zwei Mädchen wurden lebensgefährlich verletzt. Nach der Bluttat sprang Skoruppa aus dem Fenster. Er blieb mit zerschmetterten Gliedern auf dem Hof liegen. Man schaffte ihn ins Krankenhaus, wo er in hoffnungslosem Zustande daniederliegt. Todessturz eines Künfjährigen. Aus dem 3. Stockwerk auf die Straße gestürzt. Auf tragische Weise kam heute früh der fünfjährige Horst Wagner ums Leben. Der Junge weilte bei seiner Großmutter in der Lausitzer Straße 49 zu Besuch. Als die alte Frau in der Küche zu tun hatte, machte sich der Kleine unbemerkt Jim Fenster des Wohnzimmers zu schaffen. Er klettert« auf einen Stuhl und beugte sich weit zum Fenster hinaus, daß er das Gleichgewicht verlor und au» dem 3. Stockwerk auf die Straße stürzte. Schwerverletzt wurde das Kind durch die Feuerwehr in das Marienstift gebracht, doch konnte bei der Einlieferung nur noch der Tod festgestellt werden. *' Die immer wiederkehrende Unsitte des Aufspringens aus eine fahrende Straßenbahn hat wieder ein Todesopfer gefordert. Bor dem Hause Brunnenstraße 138 oersuchte der 17jährige Haus- diener Heinz Spoert aus der Rheinsberger Straße 31 auf eine Straßenbahn der Linie 88 zu springen. Sp. kam zu Fall und geriet unter die Räder des Anhängers. Der Unglückliche wurde auf der Stelle getötet._ Vier Opfer der Sirecke. Unter den Rädern eines Personenzuges. Warschau, 29. Mai. Tn der Rühe der Eisenbahnstation W i t a s ch ü h bei Posen er- eignete sich am Donnerstag ein tragischer Unfall, dem vier Menschenleben zum Opfer sielen. Aus der zweigleisigen Strecke waren zwölf Eisenbahnarbeiler beschäftigt. Ais sich ein Güterzug näherte, zogen sie sich aus das zweite Gleis zurück. Zu diesem Augenblick b r a u st e ein Personenzug von der entgegensetzten Richtung heran. Rur ochl Arbeiter waren imstande, rechtzeitig zur Seite zu springen. vier wurden vom Zuge erfaßt und getötet. Das Attentat im Bankiersbüro. Die Verzweiflungstat eines Betrogenen? Das Revolverattentat auf den Bankier Willy Pohle, worüber wir ausführlich berichteten, scheint sich als R a ch e a k t eines offenbar Betrogenen herauszustellen. Der Täter, ein 55iähnger Kaufmann Otto Haertelt aus Birtenf«lte. erzählte bei seiner Vernehmung auf dem Polizeipräsidium, daß er in Barcelona jahrelang seinen Geschäften nachgegangen sei und dort ei» kleines Vermögen von rund 29 999 Mark erworben habe. Das Geld legte er in Aktien an und übergab sie dem Bankhaus Pohle u. Co. Durch Fehlspekulationen soll dann das ganze Geld verloren gegangen fein. Der Brief an die Staatsanwaltschast ist inzwischen geöffnet und Kriminalkommissar Lissigkeit übergeben worden. Das Schreiben enthält die gleichen Beschuldigungen, die Haertelt bei seiper möni- lichen Vernehmung gemacht hat. Eine Stahlhelmblüte. Etahlhelmführer unter Anklage des Betruges und der Erpressung. Ein für die Patentpatrioten äußerst peinlicher Bctrugsprozeh wurde vor dein Potsdamer Schöffengericht verhandelt. Angeklagt war der vierzigjährige frühere Krcisgruppenführer des Stahl- Helms Neubabelsberg, der frühere Bankoorslcher Karl Blum« aus Neubabelsberg, dem Betrug und versuchte Erpressung zur Last gelegt sind. Der Angeklagte war im Stahlhelm mit einem Leutnant a. D. Hans Georg v. H. aus Potsdam bekannt geworden, in dessen Häus» lichkeit der Angeklagte öfter Zeuge sehr peinlicher Vorgänge war. Die Anklage nimmt an, daß Blume auf Grund seiner Kenntnisse oersucht habe, sich Geld von Herrn v. H., und zwar 9999 Mark, zu ver- schaffen. Eines Tages suchte Blume dxn Freund des Herrn v. H. auf, einen Potsdamer Rittmeister, und ließ diesem gegenüber durch- blicken, daß er sehr viel von Herrn o. H. wisse, er schrecke vor nichts zurück, die Sachen in die Oeffentlichkcit zu bringen. Der Angeklagte verlangte nun von dem Rittmeister, daß er bei Herrn v. H. vorstellig werden solle, auf die Rückgabe der 9999 M. nicht zu drängen. Tat- sächlich stundete nun Herr v. H. das Geld weiter. Dem Geldgeber hatte der Angeklagte vorgeschwindelt, daß er noch immer bei der Kommerz- und Privatbank in Berlin beschäftigt sei, was längst nicht mehr der Fall war. Auf die Frage des Vorsitzenden, weshalb der Zeuge Herr v. H. dem Angeklagten nach und nach soviel Geld gegeben, erklärte Herr v. H.:„Ich dachte, daß ich einen echten deutschen Mann, einem früheren Stahlhelmtomeraden, helfen mußte." Der Staatsanwalt beantragte nicht nur wegen versuchter, sondern wegen vollendeter Erpressung und Betrugs vier Monaie Gefängnis. Das Gericht ließ seltsamerweise die Anklage der Er- pressung fallen und verurteilte Blume wegen Betruges zu einem Monat Gefängnis. Wie wir hören, wird der Staatsanwalt Be- rufung einlegen. 4.2 Riilliarden Fehlbetrag in Amerika. Der Fehlbetrag im amerikanischen Staatshaushalt soll 1 Milliarde Dollar(4,2 Mit- liarden Mark) überschritten haben.. Ziele der Berufsschule. preußischer Berufs- und Kachschultag. Altona, 29. Mai. Anläßlich des preußischen Berufs- und Fachschultages hielt der p r e u ß i s ch e M i n i st e r für Handel und Gewerbe, Schreiber, in Altona einen Vortrag Über die Z i e l e und Wege der beruflichen Bildung. Der Vorsitzende Sielass richtete im Anschluß an die Ausführungen des Ministers einen Appell an die Gewerbelehrer, Mitkämpfer zu sein sür den neuen Bildungsweg. Darauf schloß sich ein Rundgang durch die Ausstellung „Im Hause der Jugend" an. Die Ausstellung steht unter dem Thema „Die Schul werk statt als Bildungsmittel in der Be> rufsschule". Zum ersten Male ist es gelungen, dieses Thema durch Bildwerk, Statistik und Untemchtsarbeitsergebnis in einer anschaulichen Form zu behandeln. Aussteller sind 16 preußische Städte. Gezeigt werden die Einrichtungen der Werkstätten, die Aufgaben, die die Werkstatt zu erfüllen hat und ihre Beziehungen zu den anderen Unterrichtsfächern, die Methode, die zur Lösung der Aufgabe führt. Weiter werden Kostcnaufstellungen über Einrichtungen und Er- Haltung der Werkstatt gegeben. preußischer Rekiorentag. Am Mittwoch und Donnerstag tagte in Königsberg die Haupt- Versammlung des Preußischen Rektorenvereins, die alle zwei Jahre stattfindet. Nach der im Jahre 1927 in Köln abgehaltenen Tagung war sür die diesjährige Tagung Königsberg als Kongreßort vor- gesehen. Nachdem am Mittwoch interne Besprechungen stattgefunden hatten, leisteten die Rektoren einer Einladung der Stadtverwaltung zu einer Hafenrundfahrt Folge. Am Abend vereinigten ste sich zu einem Beisammensein in den Räumen des Blutgerichts. Der Donnerstag war der eigentlichen Hauptversammlung gewidmet. Nach der Eröffnungsansprache des ersten Vorsitzenden, Luche- Berlin, wurden die Tagungsteilnehmer von dem Regierungspräsi» denten, dem Stadtschulrat und einer Reihe von Vertretern befreun- deter Organisationen begrüßt. Einstimmig wurde ein« Kundgebung angenommen, in der die preußischen Rektoren den vom Reich ge- trennten Brüdern die Treue zu wahren geloben. Alsdann hielt Professor Scheibner von der pädagogischen Akademie Erfurt einen Vortrag über das Thema„Der Arbeits- schulgedanke in der sreien geistigen Tätigkeit in der kritischen Auseinandersetzung". Den zweiten Vortrag der Hauptversammlung hielt der Vorsitzende des oft- deutschen Heimatdienstes Allenstein, Schriftsteller Max Worgitzke, über da, Thema„Grenzland-Deutschtum und Grenz- l a n d s ch u l e*. Am Abend vereinigte ein vom Königsberger Rektorenoerein gegebener Unterhaltungsabend die Tagungsteil- nehmer. Den Abschluß werden am Freitag Fahrten auf die Kurische Nehrung und an die Samlandküst« bilden. David Baer gestorben. An den Folgen eines Schlagansalls ist der Seniorches der be° kannten Berliner Firma Baer Sohn A.-G., David Barr, plötzlich gestorben. Baer gehörte seit Jahrzehnten der Sozialdemokratie an. Man darf dem Toten nachsagen, daß er stet- in vorbildlicher Weise bemüht war, die Not der Armen zu lindern. Au» kleinsten An- sängen hat David Baer seine 1890 gegründete Herrenbekleidungs- jirma zu einem großen Unternehmen entwickelt. Der Tod de, rüstigen Geschäftsmannes, der zuletzt noch als Präsident des Detaillistenverbandes der Bekleidungsindustrie Groß-Beriin hervor- rägend wirkte, ist tief zu beklagen. Am letzten Montag hatte David Baer bei einem Unfall starke seelische Aufregungen, die bald darauf zu einem Schlaganfall führten. Ein zweiter Schlagansall machte dem arbeitsreichen Leben David Baers dann ein Ende.- �Oie goldene Motte" im Lusispielhans. Das neue Stück des Lustspielhauses ist nach dem traditionellen Operettenschema gebaut. Eine Liebesgeschicht« mit- der tragischen Verwicklung gegen den Schluß, die sich dann zu allgemeiner Befriedigung auslöst. In der„Goldenen Motte" von P o r d c s- Milo und Kempner-Hochstädt handelt es sich um einen Bühnenstar, der sich einen Herzog und einen Bankier als Liebhaber hält, aber von der wahren Liebe gepackt wird, als er einen jungen und selbstverständlich armen Dichter kennenlernt. Da» umstürzend Neue an dem Liistsplel besteht darin, daß diese tragische Verwicklung nicht wie üblich am Ende des zweiten Aktes, sondern erst im dritten erfolgt. Da droht der Diva der endgültige Verlust des Geliebten, und der lockere Ton des Lustspiels wird an dieser Stelle dramatisch und geschwollen. Im übrigen ist die Ideenarmut der Handlung so groß, daß sich die Verfasser gezwungen sehen, einige Gesangstexte cinzu- legen, in denen„Von einer Nacht mit dir allein" und so ähnlich die Red« ist. Publikum und Schauspieler benehmen sich am heißen Premierenabend nahezu heroisch. DI« Darsteller spielen in bester Laune und die Zuschauer quittieren jeden der mageren Witze mit dankbarem Gelächter. Lori Leux, die goldene Motte, schlägt diesmal die tesse Note an. Solange sie auf der Buhne steht, teilt sich ihre ausgekratzte Stimmung ihren Partnern und dem Publikum mit, wobei sie vor allem von dem immer noch gelenkigen Fern, S i k l a unterstützt wird. Der junge Geliebte— John Hendrik— verfügt über eine sympathische Stimme, vergreift sich aber ab und zu im Ton. indem er eine Oktave zu tragisch wird. v«r. Das erste deutsche Filmtheater in den Vereinigten Staaten. Die Ufa hat gestern abend da» von ihr übernommene Cosmopoliton Tbeatre in R e w P o r k als eigenes New-7)orker Heim feierlich eröffnet. Diese, erste deutsche Filmtheater In den Bereinigten Staaten ist dazu bestimmt, eine bleibend« Stätte zur Pflege deutscher Film- tunst zu werden. Der neue Jannings-Film„DergroßeTenor" bildete noch zahlreichen Ansprachen den künstlerischen Teil des Abend». Eine 3eonne-dÄrc-Au,stellung in Rouen. Im Museum von Rouen findet zur Feier de, 599. Todestages der Jungfrau von Orleans eine Ausstellung statt, in der einige der wichtigsten Reliquien zu sehen sind. Die Ausstellung enthält u. a. einige Briese, die das Zeichen der Jungfrau tragen, die umfangreichen Prozeßhandschriften und das von Pierre Cauchon unterzeichnete Todesurteil, sowie ein Bild Johannas, das Rubens zugeschrieben wird. Toscanini dirigiert bestimmt in Bayreuth. Die Leiterin der Bayreuther Festspiele, Frau Winesred Wagner, erklärt aus Anfrage, daß Toscanini bestimmt im Rahmen der diesjäkrigen Bayreuther Festspiele all«„Parsifal", und„Tannhäuser"-Aufsührungen diri- gieren werde. waNer Sirchhosf. der«a» SS Jahren in den Vciband her bamaliflen Hos oder eintrat, obiolpiert VienStaq ein Ebrengaftspiel al,.Tritlan- und verabschiedet sich gleichzeitig an diesem Abend von der deutichen Opern- blihne Tie.Isolde' singt Frieda Leider crslnialig nach ihrer Amenka- , iminiee. Des ttupserslichkabinett(im Venen Museum) ist jehi, wie von vielen Seiten geiriiuscht wurde, am Mittwoch und Freitag auch von 3— 7 Uhr geöffnet. Die Probleme der Ostsee Auf dem 24. Deutschen Geographentag vanzig, 29. Mai. Unter der Teilnahme von fast 899 Gelehrten aus dem Reich und dem benachbarten Ausland fand vom 26. bis 28. Mai in der Freien Stadt Danzig der 24. Deutsche Geographentag statt. Der Kongreß, mit dem der Deutsche Geographentag zugleich sein Sojähriges Bestehen feiern kann, wurde mit einer Ansprache des Borsitzcnden des Zentralausschusses, Prof. Dr. Friederichsen- Breslau, eröffnet. Die Wahl dcs ersten Themas„Die Ostsee und ihre deutschen Küstenländer" hatte den der polnischen Regierung nahestehenden„Jlnstrowany Kurser Lodzienny" veranlaßt, von „antipolnischcn Provokationen unter wissenschaftlichem Vorwand" zu schreiben und zu einem gleichzeitig in dem 14 Kilometer von Danzig entfernten Gdingen stattfindenden polnischen Geographentag einzu- laden, der das gleiche Thema behandelte. Dieser Zwischenfall ist symptomatisch sür die Atmosphäre des Hasses, die im Osten herrscht. Zu verhindern, daß das Pulverfaß im Osten eine« Tage» explodiert, ist dringende Aufgabe aller Sozialisten und Friedensfreunde. Prof. Dr. Braun- Greifswald behandelte die E n t w i ck- lungsgeschichte der Ostsee und die Schwankungen des Landes in Nordeuropa. Während der Eiszeit hat sich unter dem Drück de» Eises Im Norden Europas eine Senkung gebildet, an deren Rande sich Schmelzwasser ansammelten. Dieser„Baltisch« Eissee" hat das südliche Ostseebecken ausgefüllt und zeitweise mit dem offenen Meer in Verbindung gestanden. Durch Hebung de» vom Eise be- freiten Landes bildete sich ein Süßwassers««, die deutsche Küste lag damals südlich von Bornholm. Durch immer stärkere Hebung de» Landes im Norden wurde das ganze Gebiet bis zur heutigen Ostsee- küste mit Wasser ausgefüllt. Dieser Vorgang erfuhr noch dadurch eine Beschleunigung, daß Sund und Belte sich al, Wasserstraßen öffneten und da» Schmelzwasser de» Eise, au» dem Ozean in die Ostsee brachten. Außerdem wirkte aber auch eine tektonische Be- wegung mit. Der Direktor der Hamburger Seewarte. Prof. Dr. B. S ch u l z, machte interessante Ausführungen über Fischereifragen. Cr teilte mit, daß durch zu starke Befischung der südlichen Ostsee der Fischbestand sehr nachgelassen habe. Im April diese» Jahres kam es zu einem Internationalen Abkommen zwischen Dänemark, Danzig, Teutschland. Schweden und Polen, daß die Schonung der Schollen- und Flunderbeständ« bezweckt«. Es ist Aufgabe der Internationalen Kommission für Meeressorschung. die wissenschaftlichen Grundlagen für«in« gesund« Fischwirtschaft zu schaffen. Der Leiter de, Danziger Staatsarchiv,, Dr. SB. Reck«, behandelte die völkerkundlich en Fragen des Ostseegebiets. In den ältesten Zeiten war das Ostland von germanischen Stämmen bewohnt, während der Völkerwanderung gingen große Deränderun- gen vor sich, bedingt durch die Züge der Wickinger und schwedischen Normannen. Damals haben rege Handelsbeziehungen selbst mit dem Orient bestanden. Nachdem Dänen und Engländer starken Einfluß ausgeübt hatten, setzte mit den Hansegründungen der Siegeszug des deutschen Kaufmanns ein. Dann hat sich ein slawisches Zwischen» stück gebildet, und durch Eingreifen der Schweden begannen die Kämpfe um den schwedischen Einfluß im Ostseegebiet. Heute gehört das Ostseeland fünf verschiedenen Staaten und eine Ruhelage ist noch nicht eingetreten. Prioatdozent Dr. H a r t n a ck- Greifswald sprach in seinem Referat über O st p o m m e r n, den eigenartigen Rest westslawischen Volkstums, der sich als K a s ch u b e n in Pommern erhalten hat. Ueber Ostpreußen sprach Prof. Dr. A. Schultz- Königsberg, dessen Ausführungen über das Deutschtum Ostpreußens nicht dadurch über- zeugender wurden, daß sie in übertrieben nationalistischer Form, statt mit der nötigen wissenschaftlichen Objektivität vorgebracht wurden. Als zweiter Verhandlungsgegenstand war„Danzig und sein Hinterland" gewählt worden. Prof. Kreutzburg» Danzig hielt den einleitenden Bortrag, in dem er schilderte, wie seit dem 12. Jahrhundert immer weitere Gebiete in den Bereich des Danziger Hinterlandes einbezogen sind. Im Mittelalter hat sich Danzigs Hinterland bis weit über die Weichsel hinaus im Innern Rußlands ausgedehnt. Durch die Lösungs Danzigs vom Reich hat das Hinterland Danzigs eine starte'Einengung erfahren. Dr. O u a d e» Danzig referierte über den Danziger Hafen, in dem In den letzten Jahren die modernsten Umschlagseinrichtungen ge» schaffen seien. Außerhalb der Tagesordnung hielt sodann Dr. P e i s e r, der Wirtschaftsreferent beim Senat der Stadt Danzig. einen öffentlichen Vortrag über„Danzig und Gdingen". Mit der Abtrennung Danzigs sei zugleich die Verpflichtung verbunden ge- wescn, den Hafen auszubauen. In den ersten Jahren habe der Tanziger Hasen an Bedeutung gewonnen. Der Kohlenumschlag und Holzexport sei stark angeschwollen. Die Einsuhr habe sich nicht in dem Maße entwickelt. Nach der Modernisierung des Hafens, die 89 Millionen Gulden gekostet habe, begann der Pulsschlag des Hafen» langsamer zu werden. Die Ursachen dafür seien nicht allein in der Wirtschaftskrise zu suchen, sondern auch im Ausbau des polnischen Konkurrenzhafen, von Gdingen, der dicht bei Danzig liegt. 14. Grönevvalä. piccard. Während noch die kleinen Hirn« Sturer Dölkerhaß oerklelst«rt, Hat den Borhof der Gestirne Schon der erste Mensch gemeistert. Unten lagert dumpser Schimmel. Patrioten steh'n verbissen. Droben ist der Weg zum Himmel Schon ein Stückchen ausgerissen. National« Ladenhüter Werden sauer aufgestoßen... Und schon brechen Grenzen nieder In dem Reich des Grenzenlosen. In, der Mensch braucht Abenteuer, Doch nicht die der Landstnechtsphrase. Sondern die am Weltschiffsteuer: Wagnis aus der Sternenstrahe! Hoch hinauf zum Raum der Räume Hat dag Gas Piccard gezogen Und die alten Menschenträume Waren Ihm vorangessogen. Hans Lauer. Nestroys„Lumpazi-Vagabundus". In der Volfsbühne. Die Wiener Polizei spionierte die Bürger sleißig au». Die Alt- wiener Spitzel denunzierten an Metternichts Gnaden alles, was die Wiener aßen, tranken, lasen, kannegießerten, liebten und anbeteten. Trotzdem ging den Casehausstammgästen der Humor niemals aus. Es herrschte gegen Reaktion, gemildert durch Schlamperei, eine herrliche Staatsbürger- und Spießeratmosphäre sür Leutchen, die freudig zum Herrgott hielten und besonders gern ihre Komödianten und Theaterdichter bejubelten. Dabei waren die Wiener Dichter meistens sehr melancholisch> und zum Selbstmord geneigt. Nichts- destoweniger wuchsen die Theatertalente an der blauen Donau immer wieder nach, und sie trugen unermüdlich zur Erheiterung der Stadt bei. Johann N e st r o y war unter diesen Glücksstiestindern einer von den genialsten. Er war bald ein Magnet der Kasse und bald der Liebling der Psändungsbeamten. Er war ein Possenreißer vom alten Schlag und doch im Vormärz ganz modern. Er schlängelte sich zwischen den Fängen der Zensur äußerst geschickt durch und spuckte der Polizeimeute manche Giftpille in die schöne, fette, berühmte Wiener Nockerlsuppe. Al, ein Prinzipal de» Voltsstück» beherrschte er da, Vorstadttheater. Der Durchschnitt, den er durchbrach, auch die Herzen, die er öfter brechen wollte, als er tonnte, feine Witzigkelt, seine ewig behauptete Volkstümlichkeit, seine Unerschöpslichteit, all diese wundervollen Theatertugenden, brachten ihn aus die vlachwelt. Man soll ihn spiele», wie man ihn heute auch noch gern spielt, denn cr ist kaum veraltet, wenigstens nicht so veraltet, daß er es nötig hätte, von Anton Kuh literarisch gesteinacht zu werden. Kuh merkt gar nicht, daß seine Verjüngungsoperation die sadistischste Roßkur an einem träumerischen Volksgenie ist. Kuh ist stolz darauf, daß er ein ganz untaugliches Objekt für seine Literatenmarottc mit erschütternder Kindlichkeit malträtiert. Wäre Kuh ein kluger Mann, er müßte sich bald sagen: Restroy vertrug sich ganz gut mit seiner Zeit. Nur dann, wenn es dem Alt-Wiener Genie schlecht ging, dacht» Nestroy daran, daß«» tausend armen Hunden auch besser gehen müßte. Wa» also Kuh in Nestroy hinein- gedichtet und hineingereimt hat an modernen Couplet, und kleinen Efelsfußtritten gegen das bescheidene Heute, dos ist wiederum nur Gelegenheit»macherei, das ist nur sozialer Jux. Es ist übrigen» auch im Texte gründlich mißlungen und nur verschimmelten Kabarett- schmusereien und geistigem Kleinkapitalismus nachgeäfft. Die drei liederlichen Brüder, die ihr großes Los verludern, ver- saufen und sonstwie verplempern, die wieder Vagabunden«erden und nichts anderes sein wollen, diese drei Hauptpersonen, die den Monarchen der Sparsamkeit und Spießigkeit zur Abdankung zwingen, ssnd reinstes Alt-Wiener Geblüt. Der Neu-Mener Kuh, schon durch Spreewasser ins Berlinische umgetauft, ändert daran nichts. Er wirkt nicht komisch, sondern nur entwaffnend kindlich und leider auch— unsinnlich und langweilig. Außerdem nimmt der setzt in die Neugierde der Theater- »eforinatoren hincingeschwemmte junge Regisseur Rabcnalt den Jux wie ein Trauerspiel. Es ist nicht seine Schuld, daß sein Stromerkleeblatt, dargestellt von S p e e l m a n s. Busch und Greller, in ollen Dialekten zu Hause ist, nur nicht in dem entzückenden wienerischen. Aber Rabenalts Schuld ist es. daß die Posse geschleppt und gedcht und großmäulig gedeutelt und aus- geblasen wird. Spielen die Hauptpersonen aufeinander los, dann steht oder hockt stets zwischen ihnen das gemeingefährlichste Zauber- possengespenst: die Langeweile. Nur wenn Edward S u h r s famose Bühnenattrappen anrollen, nur wenn M a ck e b e n, der prächtige und wild pulsierende Pianist, seine Begleitmusik taktiert oder selber dirigiert, kämmt etwas Leben. Sonst-- die Sommerposse der Volksbühne brachte nicht die Erfrischung, die in diesen verfrühten Hundstagen und Krisentagen nötig wäre. dl. Ii. „Die Hose." Theater in der Klosterstroße. Hans Behrendt, der vor ungefähr drei Jahren„Die Hose" als stummen Film mit Werner Kraus und Jenny Jugo inszenierte, führt nun die Bühnenregie der Sternheimschen Komödie. Er geht von der Sprache aus, von dieser verkrampften, zerhackten und gegen die Grammatik kämpfenden Sprache, er entdeckt ihre ins Groteske gehende Komik und stilisiert hierauf auch die Menschen, die, von Sternheim in zeichnerischer Manier entworfen, nur zuckender Umriß sind. Man kann heute„Die Hose" kaum noch auf breite, natural!- stische Grundlage stellen, denn der Bruch zwischen der Inszenierung und dem Stil dieser Komödie wäre zu offensichtlich. Sternheim» Bllrgerhaß, aus einer kalt-leidenschoftlichen In- tellcktualität geboren, treibt die Figuren ins Extreme, sucht gewisser- maßen ihren Extrakt. Sie sind Ueberspitzungcn bestimmter Eigen- schasten, Typen skurriler Prägung, aus einer Idee stammend und nicht aus dem Leben. Die Wirklichkeit wird erst nnchtrqglich an- geklebt.„Die Hose", dieser Sturm im Wasserglas um eine verlorene Frauenhoso, ist eine Groteske des Alltags. Sternheim nimmt Elemente der Wirklichkeit, jongliert mit ihnen und setzt sie neu zu- sammen. Er sammelt die Dummheit, die Verschrobenheit, die Lächerlichkeit In einem Brennglos, und diese Momente arbeitet Hans Behrendt in seiner Inszenierung klar heraus. Er geht denselben Weg wie Sternheim. Monomanen stehen auf der Bühne, die ihre Wünsche ihre Ge- danken herauszischen und toben. So gerät das Terzelt der drei Männer im dritten Akt fast ins Phantastische. Sonst gute schau- spielerische Leistungen. Kaiser, Sondinger, Meixner, Maria Borchardt und Maria Meißner bilde» ein geschlossenes, einheitliches Ensemble. xr. 8cb. Haupkocrsammlung der Soelhe-Gesellschas«. Zu ihrer 49. Hauptversammlung trat in Weimar am Donnerstag die Gocthe-Gescll- schast zusammen. Weimar war nur für den geschäftlichen Teil vor- gesehen. Ueber die Weimarer Weltfeier 1932 wird mitgeteilt, daß die vorgesehenen Gastspiele namhafter deutscher Bühnen in der Ge denkwoche nunmehr als gesichert anzusehen sind. Auch der Erweite- rungsbau de» Goethe-Nationalmuseums kann nunmehr m aller Kürze in Angriff genommen werden: Eine Lotterie ist bewilligt, deren erste Ziehung zum Januar 1932 stattfindet. Der Ertrag dieser Lotten. soll auch zum Teil der Erhaltung von Goethes Frankfurter Geburts Haus zugeführt werden. Aus dem Jahresbericht geht hervor, daß die Goethe-Gesellschaft rund 4900 Mitglieder zählt und daß ihre Kassen Verhältnisse nicht ungünstig sind. Gustav Hemke| Am Dienstag ist plötzlich Gustav H e i n k e, den man wohl am besten als den Vater des Bauarbeiterschutzes bezeichnen kann, Plötz- lich in Ilmenau in Thüringen gestorben. Der immer regsame, geistig und körperlich fast unverwüstliche Achtzigjährige, befand sich auf einer Erholungsreise, ist in den Thüringer Bergen herum- geklettert, was offenbar sein Herz nicht mehr aushielt. Gustav Heinke war ein Berliner, geboren am 7. Oktober 185». Von Beruf Töpfer, hat er sich schon unter dem Sozialistengesetz innerhalb der sozialistischen Arbeiterbewegung betätigt. Von 1893 bis 1894 war Heinke Redakteur des Fachorgans der Töpfer und wurde darauf vom damaligen Maurervcrband, dessen Sitz in Hamburg war, zum Vorsitzenden der Bauarbeiter- schutzkommission berufen. Zu der gleichen Tätigkeit ist er im Jahr« 1919 von der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands(heute der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund) berufen worden. Heinke war bis zum Jahre 1923 aktiv tätig und nahm dann, man kann wohl sagen, nur widerstrebend, mit 72 Iahren seinen Abschied. Aber auch als Pensionierter hatte Gustav Heinke nicht einen Augenblick aufgehört, mit seinem ganzen Herzen und seinem immer beweglichen Geist sich für die Arbeiterbewegung und in dieser besonders für den Vauarbeiterschutz zu interessieren. Wenn in Deutschland der Bauarbeiterschutz mehr entwickelt ist als in den meisten, wenn nicht in allen anderen Ländern, so ist das nicht zum geringsten Gustav Heinke zu danken. In Wort und Schrift— er hat eine ganze Reihe umfangreicher Schriften über den Bauarbeiterschutz veröffentlicht— hat Heinke für das, was er als seine Lebensaufgabe betrachtet hat, bis zum letzten Atemzuge gewirkt. Er hatte sich schon darauf gefreut, auf dem bevorstehenden Bauarbeiterschutzkongreß, der vom ADGB. einberufen ist, zu erscheinen und dort aus der unerschöpflichen Fülle seiner Kenntnisse und Erfahrungen mitzuwirken. Diese Freud« ist ihm versagt geblieben. Verleumder am Pranger. Unbegründete Angriffe gegen die Bühnengenosseaschast. Seit einiger Zeit schon werden in der Oeffentlichkeit gegen die Leitung der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehörigen und ihres Bezirksverbandes Groh-Berlin Angriffe gerichtet, die offensichtlich darauf hinzielen, das Ansehen der Führer dieser Gewerkschaft der Schauspieler bei ihren Mitgliedern zu diskreditieren. In der Haupt- fache gehen diese Angriffe von dem Mitglied der Dllhnengenossen- schaft Käte de Reuf aus, gegen das von der Leitung der Ge- nossenschaft außer einem Gerichtsverfähren auch das Ausschluß- verfahren aus der Organisation eingeleitet ist. In mehr oder minder versteckter Form wurde der Leitung der Bühnengenossenschaft der Vorwurf des Betruges der Mit- glieder und der Unterschlagung von Verbandsgeldern gemacht. So sollten in der Bilanz über das Schauspieler- heim der Genossenschaft, das aus Rentabilitätsgründen geschlossen werden mußte, 29 999 oder gar 39 999 Mark Ausgaben verbucht worden sein, die aber gar nicht ausgegeben worden seien und dem- zufolge irgendwie in irgendwelche Taschen leitender Personen der Genossenschaft geflossen sein müßten. Das gleiche wurde von der" Abrechnung über die von der Genossenschaft mit Unterstützung der Behörden durchgeführten Erwerbslosen- Tourneen bfe- hauptet und noch verschiedenes mehr. Anscheinend nur ganz nebenbei, aber mit bestimmter Absicht, wurden über die Besol- düng der beiden Präsidenten der Genossenschaft und ihr« Reise- und sonstigen Spesen maßlos übertriebene Summen genannt, so daß jedenfalls der Eindruck erweckt wurde, die Leitung der Bühnen- genossenschaft sei eine ganz korrupte und nur auf persönliches Ge- winnstreben eingestellte Gesellschaft. In einer mehrstündigen Pressebesprechung am Donnerstag wurde von den besoldeten und unbesoldeten Führern der Bühnen- genossenschaft an hieb- und stichfestem Material die völlige Haltlosig- keit dieser ehrenrührigen Behauptungen nachgewiesen und als eine ganz gemeine Ehrabschneiderei gebrandmarkt. Von den zahllosen Behauptungen der Frau Käte de Reuf und ihres geringen Anhanges stellte sich nicht eine als wahr heraus. Mit Recht wurde diese infame Art von„Opposition" als ein Verrat an den Mitgliedern der Bühnengenossenschaft bezeichnet, die gerade jetzt vor einem schweren Kampf um ihre ohnehin schon so unsichere Existenz stehen, da aller Voraussicht nach von der jetzt in Berlin tagenden Generalversammlung des Bühnenvereins die Kündigung des seit 1919 bestehenden Tarifvertrages für die Bühnen- angehörigen beschlossen werden wird. Es ist nur zu wünschen, daß sich die Leitung der Bühnengenossenschaft im Interesse ihrer Mit- glieder schnellstens einer solchen„Opposition" entledigt. Ltmgehung des Arbeiisgenchts. Mit Hilfe einer Vertragsklausel. Das Arbeitsgerichtsgesetz vom 23. Dezember 1926 ist geschaffen worden, damit Arbeiter oder Angestellte möglichst schnell und möglichst billig ihr Recht finden können. Der§ 9 des Gesetzes verlangt, daß das arbeitsgerichtliche Verfahren in allen Rechtszügen zu beschleunigen ist, daß zum Beispiel Gerichtsferien auf das Ver- fahren� ohne Einfluß sind. Die bei den ordentlichen Gerichten vor- gesehenen K o st e n v o r s'ch ü s s e fallen im Arbeitsgerichtsverfahren fort. Erst nach der Enffcheidung werden Kosten fällig. Vor den Arbeitsgerichten sind als Prozeßbevollmächtigte oder Beistände Rechtsanwälte und Personen, die das Verhandeln vor Gericht ge- schäftsmäßig betreiben, ausgeschlossen. Alles das sind Bestimmungen, die den Minderbemittelten schützen vor der Macht des Geldbeutels. Rur scheint leider noch den neuesten Erfahrungen auch das Arbeitsgerichtsgesetz eine große Lücke aufzuweisen. Die großen Konzerne gehen dazu über, die Rechte ihrer Arbeiter und Angestellten in diesem Punkte zu be- schneiden und dem Arbeitsgerichtsgesetz ein Schnippchen zu schlagen. Derartige Großunternehmen haben Filialen und Niederlagen, die über das ganze Reich verstreut sind. In ihren Verträgen mit den Arbeitnehmern und zum Beispiel durch Anerkennung der Dienst- oder Arbeitsordnung verlangen sie, daß in Fällen von a r b e i t s- rechtlichen Streitigkeiten als Sitz des Konzerns oder Trusts das Arbeitsgericht Berlin zu gelten habe. So harmlos wie diese Bedingung aussieht(und bestimmt wird sie oft unterschrieben), so verhängnisvoll wirkt sie sich im Falle der Anrufung des Arbeitsgerichts aus. Wenn zum Beispiel ein An- gestellter in Gelsenkirchen sich in seinem Recht«ingeschränkt glaubt. so muß er einen Rechtsstreit beim Arbeitsgericht Berit» anhängig machen. Der Unternehmer hat natürlich in Berlin seine jurfftische Zentrale und wird sich nun von seinen Syndizi hier aufs beste ver- treten lassen können. In jedem Arbeitsgerichtsverfahren spielen persönliche Momente eine große Rolle. Sie fallen hier notwendig unter den Tisch. Denn welcher Arbeiter oder Angestellte hat wohl die Möglichkeit, von München oder Breslau zur Vertretung seines Verfahrens nach Berlin zu kommen? Der Schutz des Minderbemittelten, den das Arbeitsgerichtsgesetz bewirken wollte, wird durch diese Art Verträge illusorisch. Der Weg zum Recht ohne Unkosten wird unmöglich ge- macht. Es wird Zeit, daß diesem Unfug gesteuert wird. Denn es handelt sich in Wahrheit um eine Umgehung des Arbeitsgerichts- gesetzes._ Jinr Faulenzer gehen stempeln. Sine nationalsozialistische Gemeinheit. „Millionen Faulenzer gehen stempeln, well das bequemer ist als zu arbeiten. Das ist die Freiheit und Würde, die man dem Volke versprochen hat. von dem angeblich alle Gewalt ausgehen soll." Diese Frechheit steht zu lesen in der„Lausitzer Landeszeitunx" (Nr. 129 vom 26. Mai), d. h. in einem Organ, das zu 99 Pro;. nationalsozialistisch ist. Der Erguß des„nationalen" Schreiberlings wird ganz be- sonders die SA.-Stützen der NSDAP, mit Heller Begeisterung er- füllen, die„mit zerfransten Hosen und zerrissenen Schuhsohlen" sich für die„Arbeiter"führer Hiller und Goebbels die Füße wundlaufen. Die wirklich klassenbewußte Arbeiterschaft hat für solche Beschimp- fungen nur ein einstimmiges„Pfui" übrig. Genossin Marie Kunerl ersucht uns um Veröffentlichung der folgenden Zeilen: Aus Anlaß meines sechzigsten Geburtstages sind mir Glückwünsche in so großer Zahl zugegangen, daß ich muh außer- stand« sehe, jeden dankend zu beantworten. Ich spreche daher aus diesem Wege allen, die in so kameradschaftlicher Weise meiner ge- dacht, meinen herzlichsten Dank aus. Marie Kunert. Seinen 75. Geburtstag feiert heute unser alier Genosse E rm st Schröter, Elisabethstr. 61. Wetter für Verlin: Teils heiter, teils woWg, mit Gewitter- neigung und noch warm.— Für Deutschland: Im Osten Fortdauer des sehr warmen, heiteren Wetters, im Westen größtenteils wolkig mit Gewitter._ Berantoortl. wr die Red-kli-n: ttibnt»l-ck«. Berlin. Verlag: Vorwärt» Verlag<5. m. b.&» Berlin. Druck: Buch. druckerei und Berlagsaustalt Paul Singer& Co., Berlin SW Äk Lindenstrage 8. Hierzu 1 Beilage. VolKfbtthne Nmw ii niniiati. 8 Uhr Lumpazivagabundus StaatÜdiillei-Tli. 8 Uhr Die Bekeörunu des Ferdn Pistora Staatsoper Am PI.d.Republik Vft Uhr Ans einem Tolenhaos I Stoffe, Fabrikablä llc für leib- und Beflwäsdie VarkaurszaK 8— S Uhr, SonnabMds 8— 2 Uhr—— KleMar und SaManstt---- � Mechanische FuinwebBrui Adlershof A.-G. m. w nnterortnllA billigen Pniun) Klaidar und SaManstoffa aller Art Betten-Fürst BerllB- NenKOIIn Hermannstraße 33 Berlln- Tempelbot Berliner Gegründet 1908 Straße 132 Telephon: F2 Neukölln 1414 Margarete uialKotte Bln.-Steglitz, Fichtestr. 10. Tel. Stegh 3681 Iiieder zur Lante- Beaitatlonen Rekhshollen-Theater Allabendlich£5] Dhr• Stettiner Sänger Der neueste Sctiuianh „Alles veirDcktl" r- Elite-Sinzer— Kottbosser Str. 6 TIglieh »»/»Uhr Jm der liebe Vorher; «a anu. saiutii. SS»— SMS» BObna. NUet laotittUc. PrtWlit» qrall« ib. Pumpenfabrik UPtUR RH. O.» PROGRAMM für die Zeit vom 29. Mal bis 1. Juni K I N O-T A F E L für die Zeit vom 29. Mai bis 1. Juni ©IOIO Potsdamer Strafe 36 W. 5, 7, 9, S. 3. 5, 7, 9 Uhr 4 lustige Tage: Pal and Patechon.af FreierrfHen Außerdem: Die UnzcriresnUdien Jugendliche haben Zutritt RheinstraJfjc 14 Ka(fcÄ/ W. ab 5.15, S. ab 3.15 Uhr 6 lustige Akte; Bankhaoi Pal und PalachoB Außerdem; Der Schrecken von Okl« boma mit Rath Mix Jugendliche haben Zutritt Turmstradc 12 4 lustige Tage: OdcOD, Potsdamer Sir. 75 W. 5,7,9. S. 3,5,7, 9 Uhr Vornnienucfaan« mit Albert Bawer- —— Gustav Fröhlich W. 5, 7. 9 U. S. 3. 5, 7, 9 U. Pal and Paiachon auf FreierstO�en Außerdem; Die ünzertrennliciicn Jugendliche haben Zutrittl Alexandersir. 39-40 (Pastage) Den ganzen Tag geöffnet, Stgs. ab 3 Uhr Wiener Liebschaften mit Alezander Außerdem: Zirkus m. Charlf eChaplin i w.t«n a Primus-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretenstr. W. 5.15, 7.15, 9.15, Stgs. ab 3.15 Uhr Der Schrecken der Garnison mit Felix Bressart— Jgdl. Zutritt Friedlichstadt > Franziskaner ab TiThr�rm, Ceorgenslraße(Ecke Friedrichstraße) Seemannsliebchen mit D. Maekalll Die Drei gros chcnoper mit Rudolph Forstfers Carola Neher— Belprogrr. Moabit Artilthrk# FUm u. W. a. 6-30 Uhr /«rifUSnOI BOhne S. ab 5 Uhr Perleberger Str. 29 Neuester Tonfilmerfolg: Schaffen der Unfcrwclf mit Harry Plel Beiprogramm St e g 1 1 1 z Welt-Kino F00*«* 6*5,9*5 Sonntags ab 4 45 Alt-Moabit 99 lOOproz. Tonfilm; Mortlx seil Glück mit Siegfried Arno Beiprogramm— Tonwoche tharlottenburg Kant-Licfatspicle Kantstr. 54(an der Wilmersdorfer Str.) W. 5. 7, 9 Uhr Sfg. ab 3 Uhr Tonoperette; Walzerparadiet mit Ch. Susa, G. Thelmer, J. Wcdora Schlüter-Theater Schlüterstr. 7 Beginn: 5, 7, 9 Uhr Stg. 3 Uhr: Jugend-Vorstellung lOOproz. Tonfilm: Oer falsche Ehemann mit Maria Paadler, loh. Riemann— Töne, die nie ▼erklingen mit Richard Tauber > WllmarsdörT""! Atrium Bcba-Palast Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Täglich 7. 9.15 Uhr, Stgs. 5, 7. 9,15 Uhr Nenanffahrang, der lustige und erfolgreiche deutsche Tonfilm; Zwei Herzen im Vc-Takt mit Grell Theimer, Irene Eisin Beiprogramm— Bft Jugendliche haben Zutrittl d Schönabarg TitaniaScfadnebg. �3 Hauptstraße 149 Di na Gratia_ 100 proz. Tonfilm I mit Joacf Schmidt, ronbelprogramm Friedenau Kronen-Liditspielc Rheinstr. 65 W. 7, 9. U hr Sonnab. und Sonntags ab 5 Uhr Ve rlän gert: Vonmlemchimil mit Cu Fröblichp Albert Ran» i m»mi (nach dem Theaterverk) Gute« Tonftlmbci programm Titama-Palast�Ä� Steglitz; Schioßstr.S, Ecke Gutsmuthsstr. Nenaufführnng: Tonoperette: Unter den Di ehern Ton Paris(Sous le toits de Paris) mit Ren 6 Clalr, Alb. Pri/ean— Tönendes Beiprogramm Zahi«iid»rr-Mitte Zeli Wochentags 7, 9 Uhr Sonntags 5, 7, 9 Uhr Potsdam er Str. 50 Stg. 3 Uhr: Jugendv. Neuester Tonfilmerfolg: Schatten der Unterwelt mit H. Plel Beiprogramm a Martendorf M Vf-_ f i Marlendorfer Wochentg. na— X-l Lichtspiele ab 7 l" Chausseestr. 305 lOOproz. Tonfilm; Der Liebesexpreü mit Joseph Schmidt. Dina Gratia, G. Alexander- Beiprogramm M Tempeihoe_ M Tivoli Berliner Str. 97 Beg. 7, 9 u. Stgs. 3 Uhr: Jug.-Vorst. lOOproz. Tonschwank: Wenn die Soldaten... mit Chart. Ander, O. Wallbarg, Ida Wüst Beiprogramm Mercedes- Palast Hermannstraße 212, Ecke Jägerstraße Täglich 6ib Uhr,& 5 Uhr. 100 prozentiger Tonfilm: Seltensprflnge mit Gerda Maurus Beiprogramm Gr. Bühncnsdiaa Lichtspiele Südwest Blücherstr. 12 W. 5. So. ab 3 Uhr lOOproz. Tonoperette: Dos Lied Ist aas mit Liane Haid, W. Forst Tonwoche—Beiprogramm FUm-Paiast Kammersäle Teltower Str. 1 W. 6J0, 9, Stg. ab 5 U. 100 proz. Tonfilm: Aschermittwoch mit Eva Holt, Hans Sttlwe Letzter stummer Erfoig: Wilde Orchideen mit Greta Garbo Primus-Palast Am Hermannplatz, Urbanstr. 72/76 Wo. 6.45, 9 U, Sonnt, ab 5 U lOOproz. Tonfilm: Die Heilige Flamme m. Dita Parto» Gustar Fröhlich Grotes tönendes__ r Bühne; Internationale Th. am Moritzplatz Beg.: Wochtg. ab 6J0, 9. Stg. ab 4J0 U. Tonfilm: Das Schicksal der Renate Langen mit Madj Christians Beiprogramm Luisen-Theater Relchenberger Str. 34 Anf. W.7 u. 9 U. Stg. ab 5 U. Tonfilm: Wenn die Soldaten... mit Charlotte Ander Vogeifrei mit Tom Mix Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Wochtgs. 7, 9 v., Sonntags ab 5 Uhr T onqperette; Die Königin einer Nadit mit Fried! Haerlin Beiprogramm— Bühnen schau Sternwarte— Treptow Sonnabend 8, Sonntag 4, 6, 8 Uhr: „Kaiibou" Erlebnisse eines indianischen Jägerstammes in Nordamerika JElySlUm" Prenzlauer Allee 56 W. 5.15, 7, 9.15. S. 3.15, 5, 7.15, 9.15 Uhr Pal und Paiachon auf Frciersfögen Urwaldxympkonle— Foxionwoche Jugendliche h?-ben Zutritt Flora-Lichtsp. ÄW Wo. 5J0, 9. Sonnabd. 5» Sonnt ab 3 U. Farbentonfilm: Der König der Vagabunden— RUf und Raff als KeTolrer beiden— Beiprogramm Ogt8N Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochentgs. 6J0 U, Sbd». S, Sonnt 3 U. Sexualtonfilm; Feind im Blut (Aus dem intimen Leben der Geschlechter) Tönendes Beiprogramm Luna-Palast KstÄ Gr. Frankfurter Str. 121 Tonfilm: D-Zug 13 bat Verspätung Bühne: Paul M. Cramcr, Richard Drescher in. Schall i od Rauch Frankenburg, sWK?" Große Frankfurter Straße 74 Kriminaltonfllmc Der Verteidiger hat das Wort— Beiprogramm— Bühnenschau Schwarzer Adler AF,£� Woch. 5, 7. ca. 9, Sonnt ab 3 Uhr lOOproz. Tonfilm; Die Blumenfrau ▼on Lindenau mit Renate Müller. Haast Niese— Tönendes Beiprogramm- Jugendliche Zutritt V. T. Lichtspiele V�rto?. Frankfurter Allee 48 W.S, Stg. 3Uhr lOOproz. Tonoperette: Die Posch fee mit Ann? Ahlers Beiprogramm e Faschings- — Groges m W1B—«« a Schloßpark FOm. Bohne Berliner Allee 206—210 Tonfilm; Eine Stunde Glück mit Wiih. Dieierie. Erelyn Holt— Wer hat Robby gesehen 7 m. Carlo Aldlnt Kino Busch SrVSf? X Alt-Friedrichsfelde 3 100 proz. Tonfilm; Der wahre lokob mit Felix Bressart, V. Werkmeister, R. A. Roberts— Betprogramm m Höre« an m Alhambra KSÄS5Ü34, Wochent 5, 7. 9 U., Sonnt 3. 5. 7. 9 U. Tonbeiprogri Pharus-Lichtspiclc MO llerstr. 142 W.S, 7,90, Stg. 3,5,7, 9 U. Kriminaitonfitm: Schalten der Unterwelt mit Harry Piel— Das Geheimnis seiner Frau mit Jonaings Panko w- fc Zentrum Babylon, am Bülowplalz Wochentags 6.30 Uhr Sonnabends u. Sonntags ab 5 Uhr lOOproz. Tonfilm; Das Lied tc Leben mit Granowski-Tonnig— Toabeiprogramm Bühnenschau Kosmos-Lichtspiele Lückstr. 70 Wochent 7, 9 Uhr Sonntags 5, 7, 9 U. Tonlustspiel; Er und seine Schwester mit Anny Ondra. VI acta Burtaa- Micky Maos Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 7 u. 9, Stg. 5, 7, 9 lOOproz Tonfilm: Die Blumenfrau ▼oa Lindenau mit Renale Müller, Haust Niese, Paul Otto- Bciprogr. Teaa' Filmpalast Tegel Stgs. 2 U. Jgd.-Vorst W. 6, Stg. 4>/c U. Tonschwank: Wenn mit Ch. Ander, O. Gutes Beiprogramm die Soldaten Wallborg- Hennigsdorf Filmpalast stg. Berliner Straße 59 Stg. 2 U. Jug�-Vorsu Tonoperette; Ihre Hafestlt die Liebe mit Küthe ▼. Nagy, Franz Lederer Grones Beiprogramm äüeilage Freitag, 29. Mai 1931 IivÄbimA StuiLiuk4aJ&a ibhoatik Vergiß, um zu lernen! Von den Heheimniffen unseres GeöächtmlleS/ von vr. Bruno»ltman« Das Vergesien vollbringt eine Leistung, die bei ihm geradezu als widersinnig erscheint. Wir eignen uns nämlich die ersten Kennt- nisse und die Grundlagen der Lebensorientierung durch das V c r- g e s s e n von Leistungen an, die wir einmal fertiggebracht haben und fertigbringen mußten, um in den Besitz jener Elementar- kenntnisse zu kommen. Wir lernen sprechen. Das geschieht, von der psychologischen Seite betrachtet, auf dem Umweg einer selbst erdachten Sprache. Die Laute, die das Kind den Aeuherungen der Umwelt nachlallt, um sie als Bezeichnungen zu verwenden, sind gewiß ein dürftiges Sprachgebilde, aber diese Sprachkompositionen bilden die notwendige Vorübung zur Erlernung einer Muttersprache. Kein Erwachsener weiß, wie er als Kind Personen und Dinge seiner Umgebung, wie er etwa Vater, Mutter, Schwester, Milchflasche, Katze benannt hat, wenn es ihm seine Angehörigen nicht hinterher mitteilen. Er mußte aber auch diese Brücke abbrechen, muhte seine Hilfssprache vergessen, um im Geiste das große Gebäude der Muttersprache zu errichten. Das Vergessen ist hier keine Schwäche des Gedächt- nisses, sondern eine Bedingung seiner zweckmäßigen Verwendung. Voraussehung des Könnens Aehnlich steht es mit dem Erlernen einer Fremdsprache. Wir brauchen, um das zu bewältigen, vielerlei Hilfsmittel. Wir müssen uns Tausende von Vokabeln einprägen, bedürfen einer Reihe grammatischer Regeln und vielleicht noch weiterer Mittel, um uns Worte und Regeln zu merken. Mit dieser Methode bringen wir es ober niemals zur vollen Aneignung der Fremdsprache, sondern höchstens zu der Fähigkeit, einen Text aus ihr in unsere Muttersprache zu übersetzen bzw. umgekehrt. Die wirkliche Beherrschung der fremden Sprache erringen wir erst durch Einleben un!»Eindenken in den Sinngehalt der Worte und in die Eigenheiten des sprachlichen Aufbaues; und dazu müssen wir wiederum die Einschaltungsmittel des Studiums, hier also des Vokabulariums und der grammatischen Anwendungen, möglichst vergessen. Keine leichte Aufgabe; besonders nicht für den, der viel Mühe auf das Studium der Grammatik und des Vokabulariums verwendet hat und für den sich daran noch Erinnerungen an allerhand ärger- liche oder komische Zwischenfälle knüpfen. Wer dieses Vergessen aber nicht zuwege bringt, dem wird die angelernte Sprache immer eine Fremdsprache bleiben, auch wenn er das Vokabularium von A bis Z kennt und keinen Verstoß, gegen die Grammatik begeht. Im Lesen, Rechnen, Schreiben, im Klavierunterricht ergeht es uns nicht anders.' Wir lernen diese Aufgaben und Fertigkeiten erst, wenn wir viele Dinge vergessen, die wir zur Erlernung brauchten. Der Vorschüler buchstabiert Silben oder Worte aus Silben. Lesen wird er aber erst, wenn er verlernt hat, die Worte in ihre Bestand- teile zu Zerfällen.• Es hätte nie«inen Virtuosen auf einem musikalischen Instru- ment, ja, niemals einen erträglichen Durchschnittsspieler, infolgedessen auch nie ein« T o n k u n st gegeben, wenn es nicht gelänge, vielerleiTeilhandlungender musikalischen Einübung all- mählich auszuschalten. Wir müsien verlernen, das Noten- bild zuerst in seine Schristbedeutung zu übertragen, wie wir das als Anfänger tun: Ton C zwischen dritter und vierter Linie. Wir müsien verlernen, die einzelnen Töne durch ihre Lage im Tonsystem eines Instruments zu bestimmen: F auf der Klaviatur zwischen E und G. Wir müssen verlernen, den Takt abzuzählen, wenn wir gute Rhythmiker des Spiels werden wollen. Und alle die ver- bindenden Tätigkeiten von der Aufnahme der Notenschrift bis zum Anschlag der Töne müssen wir einschränken oder ausschalten, so daß die vielfach gegliederte Sukzesiionstätigkeit des Anfängers in der einen Simultanaktion erledigt wird: vom Blatt spielen. Das alles geht, wie Oswald Külpe sagte, nach den„Gesetzen der Zu- sammenziehung des Wichtigen unter Ausschei- dung des Ueberflüfsigen vor sich", und es bleibt hinzuzu- fügen, daß diese Ausschaltungen auf ein Vergessen des Ueber- flüssigen hinauslaufen. Die Psychologen halten es für die größte Wohltat, daß unser Bewußtsein die Fähigkeit hat, sich sofort von den meisten Eindrücken zu befreien, die auf uns einstürmen. Gewiß ist das so. Man er- wäg« doch, mit welcher Stoffmasse wir unseren Geist belosten würden, wenn er alles aufbewahren sollte, was etwa bei einem Spaziergang durch eine belebte Großstadtstraße in unsere Sinne dringt und uns mit Vorstellungen und Gemütsbeeinflusiungen zu- geführt wird. Theodor Lipps hat schon recht:„Man müßte glatt verrückt werden, wenn nichts dem Bewußtsein entglitte, was es einmal eingefangen hat."! t Das Wesen der 4rugramme Ebenfalls als ein Segen ist zu preisen, daß wir eine Menge von Kenntnissen aus früheren und späteren Tagen ver- g e s s e n können, deren Aufnahme ms Gedächtnis einstmals ziemlich viel Mühe kostete. Solches geschieht meistenteils, wenn wir sie längere Zeit nicht verwendet haben und der Meinung sind, sie vor- aussichtlich überhaupt nicht mehr brauchen zu können. Sie werden freilich nicht völlig vergessen, auch wenn ihre Inhalte dem Ge- dächtnis so abhanden gekommen sind, daß der Versuch, sie in Er- innerung zu rufen, mißlingt. Es bleibt das Wissen um die Tat- fache, daß wir diese Dinge einmal gekonnt haben, und, was wich- ttger ist, es bleiben„Spuren" des Gewußten zurück. Man spricht in der Naturwissenschost von solchen Spuren als von „E n g r a m m e n"(Eingrabungen). Darunter versteht der Physio- löge Reizeinwirkungen, die eine dauernde Veränderung im Organis- mus erzeugen. Hierauf beruht die Möglichkeit der Vererbung von erworbenen körperlichen Eigenschaften. Auch der Psychologe darf von Engrammen reden und darunter die nachhaltigen Wirkungen geistiger Uebungen auf den sich dabei entwickelnden Geist begreifen. Das Inhaltliche mag verschwinden, die„Spur" im höheren Sinne bleibt. Das Organ des Geistes wurde«estärkt. Diefe Verhällnisie machen die Begabungsvererbung Durch Geschlechterfolgen von Familien und bei Völkern möglich. Es ist ein Unsinn sondergleichen, zu behaupten, was tatsächlich be- hauptet worden ist: daß auch die Feuerländer zur Zeit des Dreißig- jährigen Krieges einen Beethoven hätten hervorbringen können. Be- vor ein Genie ans Werk geht, muß die Begabung sich schon lange Zeit— sei es in der Ahnenreihe, sei es unter den Volksgenossen— „engrammatisch" entfaltet haben. Vergellen und 4rrlebnisfähigkeit Wir haben weiterhin die Gabe, uns an eine Lehre, an ein Kunstwerk usw. nur noch in der Weise zu erinnern, daß wir wissen: wir wurden in sie eingeweiht. Zugleich jedoch besinnen wir uns, wenn auch alles oder das meiste Inhaltliche dem Gedächtnis ent- glitt, des Eindrucks, den jene Lehre, jenes Gedicht, jenes Drama oder Tonwerk auf uns ausübte. Dieses Aussallen alles Stofflich- Inhaltlichen bei erhaltener Erinnerung an die affektiven Bestür- münzen ist eine ganz großartige Einrichtung im geistigen Haushalt des Menschen. Sie ermöglicht uns, in größeren Zeitabständen immer wieder mit gestärkter Urteilskraft und gesammelter Eindrucksfähigkeit an jene Schöpfungen heranzutreten. Von solcher Einsicht aus läßt sich erst ganz ermessen, wie ver- fehlt eine Pädagogik war— oder vielleicht noch ist—, die dem Schüler die Werke der klassischen Literatur geradezu zeilenweise aufzudrängen suchte. Durchsprechen von Satz zu Satz, Aus- Wir v«ri>ffe»ili der Staatsbürgerkunde*u identlfisieren. Wie alle Teilgebiete menschlichen Zusammenlebens, so hat auch dos Erziehungs- und Unterrichtswesen seine periodisch wechselnden Schlagwort«. Nachdem sich die unter dem Schlagwort„Arbeits- schule" zusommengesaßten methodischen Strömungen im Unter- richt der modernen Schule ausgewirkt und— unter Abwerfyng gekünstelter und unrationeller Arbeitsweisen— durchgesetzt hatten,. taucht jetzt ein neues Schlagwort auf: Gegenwartsunter- richt. Nicht nur die Richtlinien für die Ausstellung von Stoffplänen, wie sie die Volksbildungsministerien der verschiedenen deutschen Länder aufgestellt haben, fordern,„der Unterricht soll gegenwarts- nah sein", sondern eine ganze Reihe von Fachleuten wünscht ein besonderes Unterrichtsfach„Gegenwartskunde". Ich nehme an, daß damit ein Fach gemeint ist, das die Zeitgeschichte mehr als bisher in den Dienst der Staatsbürgerkunde und der staatsbürgerlichen Erziehung stellt. Vor solchem be- sonderen Fach ist dringend zu warnen! Einmal ist die Schule aller Arten mit„Fächern" reichlich gefüttert, zum anderen sollte jeder Lehrende so stark in der Gegenwart stehen und alle Fragen des täglichen Lebens so verfolgen, daß es ihm möglich ist, ohne beson- deres Fach überall die Gegenwart zum Brennpunkt unterrichtlichen Erlebens zu machen! Gegenwart und Zeitung gehören zusammen. Nichts liegt darum näher, als endlich einmal die Zeitung zur Gestaltung der Gegen- wart im Unterricht heranzuziehen. Man soll damit nicht warten, bis die staatsbürgerlichen Belehrungen an die Schüler herantreten! Wir haben schon im zweiten Schuljahr vorsichtige Versuche unternommen und eine Form gefunden, die es uns ermöglicht, in jedem Augenblick die Hilfe der Tageszeitung in Anspruch zu nehmen. Die Not hat uns dazu getrieben. Es ist kein pädagogisches Neuland mehr, daß neben das Lesebuch die Ganzschrift treten muß, daß die Kinder gar nicht früh genug an die Quellen des täglichen Lebens herangebracht werden können. Aber wo das alles hernehmen, wenn in unseren Klassen über die Hälfte der Ernährer arbeitslos ist? Dabei richten sich ja auch außerdem die Sachgebiete, die der Lehrende noch dem Willen der Kinder formt, nicht gerade nach den Quellen, die im Bücherschrank der Schule stehen. Bei der Suche nach kostenlosem aktuellem Lesestoff stießen wir auf die Zeitung. Sie ist auch den Arbeitslosen zugänglich, wenn oftmals auch erst in zweiter Hand. Winter war's, und die Lesestücke unseres sonst recht netten und brauchbaren Lesebuchs waren„alle". Zudem wollten sie in diesem Jahre gar nicht auf den Berliner Winter passen. Also frisch ans Werk, das heißt an die Zeitung!„Was unsere Zeitung vom Winter schreibt" war die Ausgabe zum nächsten Tage. Was die Kleinen da alles gesunden hatten: Berlin im Schnee. Der Schneesturm tobt weiter. Schneesturm über Berlin. Berlin im Schneesturm. Im Kampf gegen den Schnee. Ein schwerer Tag für die Straßenbahner. Opfer der Kälte. Winterreise durch Berlin. Schneestürme im März. Märzschnee in der Großstadt. Heut« regnet's. Opfer des Nebels. Wo bleibt der Frühling? Wir hotten nun für eine ganze Zeit Lesestoff, bis der Früh- l i n g uns zu neuer Umschau zwang. Und wieder war die Ausbeute recht reichlich: Vorftadtfrühling. Der erst« Gast. wendiglernen, Stilistik an ihnen üben, Aufsätze über Aussätze schreiben, vielleicht noch Vorträge darüber halten,— all das heißt, die Werke dem Schüler für immer verleiden. Sie haben sich lediglich ins Gehirn eingesenkt, ohne dem Geist etwas Rechtes zu sagen und dem Gemüt etwas zu bedeuten. Das Gedächtnis wird sie niemals mehr so los, daß man auf gereifter Entwicklungsstufe zu ihnen wie zu lange vermißten Freunden zurückkehren kann. Auch der Ehrgeiz, gewisse Werke, die kein Gegenstand der Schul- lektüre sind, auswendig zu können, wie etwa den Goetheschen„Faust". verdirbt diesen Schöpfungen die Möglichkeit, ein Besitz für immer zu sein. Man kann sich nie völlig von ihnen befreien, auch wenn Lebcnsstimmungen und Berufsobliegenheiten ihrem Wertgehalt nicht mehr angemessen sind. Die E i n d r u ck s f ä h i g k e t t für sie stumpft sich ab; alles ist Sentenz und Deklamationsstoff ge- worden. Wie lästige Bekannte, die einmal gute Freunde waren, begleiten diese Werke einen Menschen, der sie nie vergessen konnte, weil eine falsche Methode sie ihn zwangsmäßig eintrichterte. Man hat in den letzten Jahrzehnten gar manche„Abkehr"bewe- gung erlebt. Abkehr von Schiller; Abkehr von Goethe; Abkehr von Lessing. Vielerlei Ursachen mögen dabei zusammengewirkt haben. Zweifellos ist aber auch eine Unterrichtsart mit schuldig, die keine Rücksicht auf den Anspruch des Geistes nahm, diese Werke vergessen zu können, sofern sie sich den übrigen Lebensinhalten nicht mehr einfügen. Schüchterner Frühling. Es wird Frühling in Berlin. Berlin sonnt sich. Frühlingsanfang. Das Schneeglöckchen. Maiglöckchen im Bockofen.- Die sichersten Frühiingszeichen der Großstadl. Das dickste Lesebuch hätte uns nicht reichlicheren Stoff geben können, der zugleich aus der allerengsten Heimat der Kinder stammte. Von nun an war der Montag der Tag, an dem das Zeitungsmaterial für die Ausgabe der Woche vorbereitet und auf seine Verwendbarkeit hin geprüft wurde. Einige Mißgriffe kamen vor. Unwichtige Dinge und politisch gefärbte Berichte drohten sich einzuschmuggeln. Das stellten wir ab, indem wir in einer Klassenelternversammlung die Eltern für unser neues Leseheft interessiert und ihre Mitarbeit gewonnen hatten. Die Frage der Ausbewahrung unseres Lesestoffs wurde schnell gelöst: Wir nahmen alte Schreibhefte und schnitten die Seiten so heraus, daß am Heftrand 2 Zentimeter stehen blieben. Auf diese Streiten klebten wir die Zeitungsausschnitte, deren Inhalt noch einmal nach lautem Vorlesen durch die Klasse überprüft wurde. Es ist klar, daß die Anwendbarkeit der Zeitung sich bald mehrte Wir gestalten auch unseren Rechenunterricht nicht an den Aufgaben des Rechenbuches, sondern an den Preistafeln des Marktes, der Ladengeschäfte und der Zeitungsanzeigen. Es wu-de selbstverständlich, daß bei der Einführung neuer Rechnungsarten die Zeitung uns den Stoff geben mußte. Für die Rechnung m.t Zehnern oder nach Mark und Pfennig, mit Metern und Zentimetern. mit Dutzend, mit Stück, standen uns ja ausgezeichnete Tabellen zur Verfügung in Form der Inserate. Lebensmittel- und Aus- Verkaufspreise der großen Firmen werden in unserem Heft täglich ernduert, und sehr bald haben die Kleinen nicht nur eine Fülle von Aufgaben aus diesen Tabellen gebildet, sondern auch schnell unauf- gefordert herausgefunden, daß es mit der Preissenkung, die ja das Tagesgespräch aller Familien ist, nicht weit her ist. Man soll den Kindern diese unverlangte Kritik nicht verwehren. Wir sind jetzt dabei, Zeitungsausschnitte für den heimatkundlichen Unterricht zu sammeln. Einige liegen vor: Erziehung zur Tierliebe. Reise durch Berlin. Freibad Müggelsee. Bauerngehöft in Berlin W. Freien Raum für die Tiere im Zoo. Wursthof und Schlachthaus(Viehhof). Wetteraussichten. Ich kann mir denken, daß wir auch in den aussteigenden jziajscn nicht an Stoffmangel leiden werden, insbesondere dann nicht, wenn die Zeitungen erkannt haben, welche dankbare Aufgabe sie mit lösen helfen, wenn sie bei der Auswahl der Stoffe Rücksicht nehmen auf das stürmische Verlangen der Kinder nach Aktualität. Welche Fülle von Material bieten z. B. die gegenwärtigen Auseinandersetzungen über die deutsch-öfterreichische Zollunion und über den Völkerbund für die gegenwartsnahe Gestaltung des Unterrichts auf der Ober- stufe. Es wird nicht an Gegnern fehlen, die sich am sogenannten Zei- tungsdeutsch stoßen oder dem Journalisten ein falsch gesetztes Komma verübeln. Aber schließlich gilt noch immer das Wort der Schapen- hauerschen Zeit:„Auf einen schlechten Zeitungsschreiber kommen zehn schlechte Gelehrtenschreiber." Im übrigen sind die großen Tageszeitungen bereits in ihrem Stil zu einer lesewerbenden Kraft geworden. Schließlich ist die Zeitung für einen großen Teil der Menschen das einzige, was sie lesen. Wir werden fortfahren, den Unterricht zu aktualisieren mit Hilfe der Eltern und der— Zeitungen. y. Malina. j Das Tntungsheft Anregung für gegenwartsnah«« Unterricht S evhavf UeiemaLTim ffllosicLv: 0ie ffescbicble«2er Wccbe: Was ist Wahrheit? Vor fünf 5!of>rcn wurde in das italienisch« Irrenhaus C o l l e g» o ein Mann einaeiiefert, welcher anaab, feinen Namen verftessen und jede Erinncruna an feine Vcraanaenheit verloren l>u haben. Seine Photo» araphie wurde i» allen italienischen Icilunaen veriisfeiillicht, und die Iran des im Krieae verschollenen Bcroneser Professors C a n e l l a alaubte in ihm ihren Mann lw erkennen. Beide lebten nun jahrelan» alilcklich miteinander, und sie qcbar ihm»wei Kinder. Da wurde der Mann auf Grund eines Steckbriefes als ein bctrüaerifchcr Buchdrucker aus Turin namens B r u n e r i erkannt und verhaftet. Julia Canella kann das nicht ernst nehmen. Sie lacht die beiden .Kriminalbeamten an: lacht sie aus.„Aber meine Herren: Sie müssen doch einsehen, daß das ein Irrtum ist. Ein unbegreiflicher. ein komischer Irrtum. Ich habe vor dem Kriege mit meinem Mann zusammengelebt, jahrelang, und ich lebe jetzt seit bald fünf Iahren mit ihm zusammen: glauben Sie denn wirklich, daß man eine Frau so betrügen könnte? Also lassen Sie mir meinen Mann hier, suchen Sie Ihren Turiner Buchdrucker anderswo und gehen Sie Ihrer Wege!" „Wir haben den strikten Befehl, gnädige Frau—*— „Glauben Sie mir etwa nicht...?!" „Wir glauben Ihnen durchaus, gnädige Frau. Aber wir müssen unseren Instruktionen gemäß verfahren." „Ja— wie können Sie nur ernst bleiben? Müssen Sie denn nicht selbst lachen? Warum— warum lachen Sie denn nicht...? Sie können ihn doch nicht im Ernst— Sie können mir doch meinen Mann nicht einfach wegschleppen, nur Ihres Irrtums wegen? Wir haben doch zwei Kinder, meine Herren, kommen Sie, ich will Ihnen die Kinder zeigen, Sie werden dann selbst sehen, daß das nicht geht... Sie— ja, was tun Sie denn— warum läßt du dir denn das gefallen, warum wehrst du dich denn nicht, warum gehst du denn... was sollen die Kinder denken... bleib', bleib'..!" Cr ist nicht geblieben: er konnte nicht bleiben. Er ist abgeführt worden, ist vernommen worden, hat darauf bestanden, daß er jede Erinnerung an alles, was vor seiner Einlieserung ins Irrenhaus geschah, vergessen habe. „Sie waren schon vor dem Kriege ein Simulantengenie, Mario Brunen!" sagt der Kommissar.„All Ihre kleinen Diebstähle und Betrügereien haben Sie mit Hilfe Ihrer Verstellungskunst ausgeführt. Dies ist Ihr ganz großer Schlag. Aber Ihre phänomenale Aehnlichkeit mit Professor Canella täuscht uns nicht. Brunen: sagen Sie uns die Wahrheit. Professor Canella ist im Felde ver- schollen. Sie, Bruneri: Sie und nur Sie müssen wissen, wo er ge- blieben ist!" Der Kommissar tritt dicht an den Mann vor ihm heran. Er sucht den Blick der Augen hinter den Brillengläsern. Dieser Blick weicht aus, aber er zittert nicht. Nur die Haut der Backen hat irgend etwas bleich gemacht. Irgend etwas: ist das der Verdacht, der furchtbare Verdacht, der hinter den Worten des Kommissars ist? Der Verhaftete schüttelt den Kopf.„Ich weiß nichts mehr von damals, Herr Kommissar. Quälen Sie mich nicht länger. Eni- lassen Sie mich. Ich habe zu tun." Aber der Kommissar entläßt ihn nicht... Der Staatsanwalt sagt: „Frau Canella ist unseres Mitgefühls sicher. Sie ist nach wie vor überzeugt, mit Leidenschaft überzeugt, daß Bruneri nicht Bruneri, sondern Canella ist. Die übrigen Mitglieder ihrer Familie neigen zum größeren Teil zu derselben Ansicht. Das ist psychologisch verständlich. Es erscheint fast unmöglich, daß ein Buchdrucker jähre- lang einen Professor spielen kann. Und doch ist dem so. Wir haben untrügliche Beweise. Gewiß: für die Familie Canella ist es schwer, an solche Täuschung zu glauben: für Frau Canella aber ist es über- menschlich. Sie will nicht an einen Betrug glauben: sie darf es gar nicht wollen: sie muß sich belügen, muß es um ihrer an diesen Mann gewandten Liebe, um der fünf Ehejahre, um ihrer Kinder willen. Aber das darf Sie, möine Herren Geschworenen, in Ihrem Spruch nicht beeinflussen. Es geht hier nicht um Julia Canella, es geht um Mario Bruneri: es geht nicht um das Ergreisende dieses Lügen- niüffens, es geht um die unerbittliche Wahrheit. Sie haben die Wahrheit zu finden, meine Herren Geschworenen!" Die Geschworenen ziehen sich zurück. Frau Canella bleibt auf ihrem Platz in der Zeugenbank, sie blickt mit Augen, die unnatürlich groß geworden sind von Leid und Liebe, zu dem Mann auf der Anklagebank hinüber: aber das zarte Lächeln ihrer Lippen ist das Lächeln einer Vertrauenden. Wenn hier die Wahrheit gefunden werden soll, dann hat�sie keine Furcht. Dann muß man ihr den Mann wiedergeben. Sie denkt an die Kinder, sie schmeckt die Freude daheim voraus. Das Gericht kommt zurück. Dos Urteil wird verkündet. Die Geschworenen haben den Angeklagten Mario Bruneri zu Gefängnis verurteilt. Frau Canella springt auf. wankt, faßt sich ober, ehe man hinzu- springt, lacht gellend, und schreit hinüber zu ihrem Mann: „Wir appellieren! Wir appelliere» nach Florenz!" In diesen Frühlingstagen versammelte sich das Bcrufungs- geeicht in Florenz, um Recht zu sprechen, um Wahrheit zu finden. Hier wollen beide nur dies eine, höchste, nur Wahrheit: beide, Julia Canella und das Gericht. An ebensolchem Frühlingstage, fast zwei Jahrtausende zuvor, auch da war solch eine Gerichtsoerhandlung, bei der es beiden Parteien um nichts ging als um Wahrheit. Die Menschheit hat diese Verhandlung nicht vergessen können, zwei Jahrtausende lang. Da fragte der römische Richter den, der dornengekrönt vor ihm stand: „Warum tatest du das alles?" Und da antwortete der andere:„Um der Wahrheit willen.". Der Richter aber, müder Skeptiker aus einem gealterten Volke, fragte zurück:„Was ist Wahrheit?" Und der große Mensch, der größte Mensch antwortete nicht, senkte das Haupt und schwieg... Als aber hier, in Florenz, der Staatsanwalt wiederum nach Wahrheit verlangte— da schrie Julia Canella mit zerrissener, zer- iiuälter Stimme die müden Worte des römischen Skeptikers an- mgend dem Gericht zu: „Wahrheit! Was ist Wahrheit?" Und die Richter neigten den Kopf, wie sollten sie Antwort . Jen, da selbst jener Wissendste geschwiegen hatte vor zwei- usend Iahren? j Und sie zogen sich zurück und kamen wieder und sprachen Mario iruneri schuldig. Zum zweitenmal, zum vorerst endgültigen Male. Julia Canella aber weinte, wimmerte auf, riß die zitternden Hände an die hämmernden Schläfen und lief aus dem Saal, ein armes Wild, gehetzt von dem unerbittlichen Jäger Gerechtigkeit,' und war untergetaucht im steinernen Dickicht der Stadt, ehe mitleidige "'ände sie tzglteu konnten. Man suchte sie, aber man fand sie nicht. Manche hatten sie gesehen, wie sie hart am Rande der Fußwege stand, den zitternden Fuß erhoben zum Sprung auf die Fahrstraße, über welche die Autobusse stampften, hinlauschend mit gestrecktem Kopf auf das dumpf sausende Heranrollen der großen Räder, gewiß, daß ihr Schrei in diesem Dröhnen fast ungehört verflackern würde, und doch weiterschreitend, weiterschwankend... Andere wußten zu sagen, daß sie hingeeilt war an die Ufer des Arno, den Blick in die Glätte der Flut gesenkt, welche die sanft- schimmernde, verfließende Grenze war zwischen dem schmerzgejagten Hinflüchten hier oben und dem weichen Getragenwerden ins stumme Nichts da unten: man suchte in den Wellen, aber sie brachten nichts mit auf ihrem wankenden Wege zum Meer. Sie blieb diesen ganzen Tag und die Nacht, die ihm folgte: am Morgan aber jagte sie die marmornen Treppen der alten Paläste hinauf, bis sie an ein Fenster kam. Sie lehnte den armen Kopf an die kühlen Scheiben und sah hinab in das wirre, unrhnthmische Treiben der Straßen, und als sie so bis zum höchsten Stock des Iustizgebäudes gekommen war, tat sie das Fenster auf... Aber unten, vor dem Portal, spielten Kinder. Kinder... da löste sich das verzerrte Gesicht, das aus dem Fenster sah, in ein Lächeln: es schien flüchtig zuerst, aber dann blieb es. Sie schloß behutsam das Fenster wieder zu, als könnte das Klirren der Scheiben die Kinder da tief unten im Spiele stören. „Kind", sagte ihre alte Mutter, als sie zu Hause ankam,„Kind, wo warst du..?" Die Itahrheil über Serajewo? Die Bedeutung des Buches von Bruno Adler:„Der Schuß in den Weltfrieden, die Wahrheit über Serajewo"(Verlag: Dieck u. Co., Stuttgart, 1S31) steht im umgekehrten Verhältnis zu den An- sprächen, mit denen es auftritt. Neue wesentliche Tatsachen über das Attentat, das 1914 den Weltkrieg»inleitete, werden nicht mit- geteilt. Der Verfasser hat das vorhandene Material über die Vor- bereitung des Attentats, über die Ermordung Franz Ferdinands, über den Prozeß gegen die Attentäter und über deren Schicksal ganz geschickt, aber mit wenig Kritik zusammengestellt. Die Quellen seiner Darstellung nennt Adler nicht. Das ganze ist im Stil einer sen- sationellen Dctektiogeschichte geholten. Der Verlag bemerkt aus- drücklich auf der Rückseite des Titelblatts:„Alle Rechte, insbesondere das der Uebersetzung in andere Sprachen, der Uebertragung im Radio und der Bearbeitung für Film und Theater, vorbehalten." Der Sie antwortete nicht. „Du darfst nicht verzweifeln!" sagten ihre Verwandten.„Es wird Wege zur Wiederaufnahme geben. Die Wahrheit—" Sie schüttelte lächelnd den Kopf.„Die Wahrheit ist dort nicht. Sie kann dort nicht sein. Sie kann nur hier sein." Und sie zeigte auf ihre Kinder. Man verstand sie nicht. „Daß ich ihn liebe, daß ich die Kinder von ihm habe, daß diese fünf Glücksjahre da sind und gemeinsam waren, das ist die Wahr- heit. Das ist so schön, das ist so groß, daß es gleichgültig wird, ob er Bruneri heißt oder Canella." „Du willst— du willst doch nicht den Kampf aufgeben..?" „Ich will bei ihm bleiben. Auch wenn er ins Gefängnis geht. Er ist mein Mann, wie er auch heißen möge, ich liebe ihn, was er auch— was er auch getan haben möge. Unser Gefühl ist größer als wir selbst, und das ist gut so. Ich will zu ihm und mit ihm sprechen: er wird mich oerstehen, wer und wie er auch sei. Das ist die Wirklichkeit, und das ist die Wahrheit." Das höchste Gericht Italiens, der Kassationshof in Rom, wird im Prozeß Bruneri ein letztes Urteil sprechen. Wahrscheinlich wird es verurteilen. Vielleicht wird man begnadigen. Die rechte Ent- scheidung aber haben nicht die Richter: die rechte Entscheidung hat Julia Canella gefällt. Denn die Liebe ist größer denn die Ge- rechtigkeit. Das ist Wahrheit. Andrang der Radio- und Kinointeressentsn auf dieses Buch wird kaum sehr groß sein, denn die bekannten Tatsachen über die Er- eignisse von 1914 braucht man nicht gerade von Bruno Adler ab- zuschreiben. Ein herzlich überflüssiges Buch! �rtbur Uosenberg. OUo lIlHnchen: Steife ins afiaiifche Tuwa Tuwa liegt auf der geographischen Breite von Thüringen, aber im Herzen von Asien, zwischen Rußland, Mongolei und Tsungarei. Ein Land, gleich dem dritten Teil von Deutschland, reichlich un- bekannt und seit einem Jahrzehnt russischer Gliedstaat, oder wenn man will, eine russische Kolonie mit Eingeborenenparlament als Atrappe. Mänchen-Helfen hatte Gelegenheit, mit einer russischen Regierungsrommission dorthin zu reisen. In Tuwa sind zahlreiche Reste einer alten Kultur vorhanden, es gibt riesige Bewässerungs- anlagen aus der Zeit um SO« n. Chr. Blonde Kirgisen waren die Erbauer dieser Anlagen. Viele interessante Fragen tauchen hier auf— Heimat der Germanen, Heimat der Weißen überhaupt. Der Verfasser schildert alles recht bunt und anschaulich. Dr. R. Lämmel. *) Verlag der Bücherkreis. 1931. Berlin. PUtf DEN KLEINGÄRTNER ■uuuiiiiiuiuiiiuiimiiiuiiuuiiiuuiiiiuiuiiiiuuiiiiiiniiiuuiniiuiiiiuiiiiuiiiiioiuiiiiiiiiiiiuuiuiuiiimiraniiiiniiiimiraiHuiiinuiHiiuiRmiuiuiuiiiiiuiiiikiiiiuuiiuiiuiui]uuiiiiinimijuiuiiiiiiniu Arbeitskalender für Juni Die heißen Tage brachten dem Klsingartenbesitzer ein beträchtliches Maß an Arbeit, denn wenn bei diesem warmen Wetter nicht fleißig und ausgiebig gewässert wird, verbrennt die Sonne unbarmherzig alle die zarten Neupflanzungen. Auch den Rasen kann man nur durch regelmäßige, gründliche Bewässerung in seinem frischen Grün erhalten, sonst gibt es kahle Stellen und häh- liche Brandflecken. Wird der Schnitt an solchen Tagen ausgeführt, so läßt man das geschnittene Gras zum Schutze— zur Schattierung würde der Großgärtner fachmännisch sagen— bis zum Abend liegen, fegt es dann zusammen und wässert die Rasenfläche gründ- lich. Auch im Gemüsegarten gibt es in diesem Monat viel Arbeit durch fleißiges Ausjäten des Unkrauts, Behacken, Behäufeln und Verdünnen. Besonders die Acr- tilgung des Unkrauts ist von großer Wichtigkeit: läßt man die Unkräuter erst zum Samentragen kommen, dann wird man später überhaupt nicht mehr damit fertig. Heute vernichtet man mit einer Pflanze noch zwanzig andere Nachkömmlinge. Aber für all die Mühe und Arbeit liefert der Garten in diesem Monat für die Küche schon reiche Ernten, aus dem Mistbeet und aus dem Freien: Blumen- kohl, Glastohlrabi, frühen Kopfkohl und Wirsing, Kartoffeln, Spinat und Salat, Karotten, Bohnen, Erbsen, Rhabarber, Gurken, Gewürz- kräuter und Spargel. Beim Spargel kann inan auf älteren Beeten mit dem Stechen der Pfeifen bis Johanni fortfahren, dann aber sollte man damit aushören, um die Pflanzen nicht zu sehr zu schwächen: die hügelig aufgeworfene Erde wird nun wieder gleichmäßig auf die Beetfläche verteilt. Junge Spargelbeete und die mit Sämlingen bepslanzten Anzuchtsbeete werden gelegentlich bei trüber Witterung gejaucht. G e w ü rz kr ä u te r werden in voller Blüte stehend ab- geschnitten, an einer lustigen, schattigen Stelle gut getrocknet und danach in Kisten oder Schachteln bis zum Gebrauch trocken auf- bewahrt. Der Kleingärtner sollte sich aus einmal intensiver mit dem An- bau von Heilpflanzen beschästigen, der viel zu sehr vcrnach- lässigt wird. Derartige Heilkräuter— in erster Linie ist an Pfeffer- minz, römische Kamillen, Melissen usw. gedacht, für deren Einfuhr jährlich Millionen deutschen Geldes ins Ausland wandern— bieten eine sehr willkommene und aussichtsreiche, in jedem Falle rentable Erwerbsmöglichkeit. Eine besonders günstige Voraussetzung für die angeratenen Kulturen ist der ertragreiche Moorboden, den man sich gegebenenfalls mit Hilfe von Torfmull selbst schaffen kann. Speisekür biss« kletternder Sorten müssen fortwährend an ihren Geländerstäben nachgebunden werden, ohne daß dabei die Ranken verdreht werden dürfen. Auch die Erbsen müssen mit starken Stützreisern gestiefelt werden, zu den Stangenbohnen Stangen gestellt werden. Neue Aussaaten von Winterendivien, Herbstrettichen, Rabies(im Halbschatten) und Blätter- und Rosenkohl werden vorgenommen, dgl. von Kopfsalat, Sommerrettichen, Erbsen, Zwerg- und Stangenbohnen, Rüben. Die früher erfolgten Saaten von Möhren, Pastinaken, Zichorien, Wurzelpetersilie usw. werden behackt und verdünnt, so daß sie auf 15 bis 25 Zentimeter zu stehen kommen. Monatsradieschen und Sommerrettiche werden zur Samenzucht auf ,39 Zentimeter verzogen und bei trockener Witterung gründlich gegossen, um das Abfallen der Blüten zu verhindern und den Samenansatz zu fördern. Im Juni marschiert im Gemüsegarten ein Heer unge- betener Gäste auf: Schnecken, die man in geteilten, aus- gehöhlten Kartoffeln oder Rüben fänK: Engerlinge, Drahtwürmer und Erdraupen, die beim Umgraben sorgfältig ausgelesen und ver- nichtet werden: Kohlraupen, wie der Kohlweißling(Lieri- brassicae), der kleine Kohl- oder Rübenweihling(?. rapae), deren gelbe Eierhäufchen oder junge, noch zusammensitzende Räupchen an der Unterseite der Kohlblätter abgesucht und zerdrückt werden. Auch im Obstgarten heimsen wir die ersten Erträgnisse ein. Es reifen Kirschen, Brom- beeren, Himbeeren, Stachel- und Johannisbeeren, Erdbeeren. Vor der Fruchtreife der Erdbeeren, deren Ranken nach wie vor ent- fernt werden müssen, bedeckt man den Boden zwischen den Pflanzen mit Torfmull oder Holzwolle, damit die Früchte bei Regengüssen nicht mit Erde beschmutzt werden und vor allem dem Boden die nötige Feuchtigkeit erhalten bleibt. Auf die jetzt bei den Stachel- und Johannisbeeren überhand nehmenden Spannerraupsn, die in wenigen Tagen alles kahl fressen, ist aufmerksam zu achten: ein wenig Kalkstaub vernichtet diese gefräßigen Schädlinge. Nach der Vollendung des ersten Triebes der Pfirsich- und Aprikosenbäume werden die Zweige, soweit es sich uni Form- obst handelt, wieder durchgesehen und entsprechend angeheftet. Zweige mit Früchten werden auf etwa drei Augen über der letzten Frucht zurückgeschnitten, wodurch nun der Saft den krästig wachsen- den Früchten zuströmt. Gleichzeitig wird auch das Ausdünnen der Früchte, sobald diese die Größe einer Erbse erreicht haben, vor- genommen. Zuerst nimmt man nur da etliche weg, wo sie gehäuft beisammen stehen, später, wenn sie die Größe von Stachelbeeren erreicht haben, verdünnt man sie nochmals und zum dritten Male vor Abschluß der Steinbildung. Bei Busch- und Formbäumen des Kernobstes beginnt man mit dem Ausdünnen des überflüssigen Fruchtansatzes, sobald die Früchte etwa kirschgroß sind: sie sitzen in Dolden zu 4 bis 5 Stück zusammen, von denen schließlich, wenn man feines Tafelobst ziehen will, nur � bis 2 bleiben dürfen. Die Pflege des Ziergartens ist von der im vorigen Monat nicht verschieden. Die Gehölzgruppen müssen, sobald sich wieder Unkraut zeigt, behackt werden, verpflanzte Bäume und Ströucher des Abends gegossen werden. Feinere Koniferen sind an heißen Tagen für eine Brause sehr dankbar. Knollen und Zwiebeln verblühter und verwelkter Ranunkeln, Ane- monen, Hyazinthen und Tulpen werden aus den Beeten genommen, zum Nachreifen eingeschlagen, und nachdem sie eingezogen sind, zum Abtrocknen in einer trockenen, luftigen Kommer ausgebreitet. Rosen sind gegen Meltau und Rost bei Windstille, warmem, sonnigen Wetter mit Schwefelblüte einzupudern oder mit einer Lösung der verschiedenen Schwefelpräparate zu bespritzen, gegen Läuse mit Tabakbrühe. Es beginnt jetzt im Garten ein reicher, herrlicher Blütenflor. Zahlreiche Stauden und fast alle Sonnenblumen wetteisern in Farben, und Formenpracht: für die stolzen Gartengehölze ist der Juni der Hauptblütemonat. Rosen, Flieder, Schneeball, Weigelien, Spiraecn, Robinien, Alpenrosen, Roßkastanien u. a. m. entfalten jetzt ihren ganzen Blütenreichtum. So ist im Juni Müh- und Arbeit, Freude und Lohn gerecht verteilt. Erinnern wir uns aber noch einmal an die Stadtmcnfchen, die am Sonntag hungrig in die Natur hinausfahren, so bleibt uns der Garte» als Quell reinster Freude». LI. �r. Poblcnz. Vorolympiadc in Berlin Sonnabend und Sonntag treten die besten Arbeiterleichtathleten an Am Sonnabendabend beginnt der große Tag der Arbeiter- Leichtathleten im Neuköllner Stadion. In drei Etappen, Sonnabend von 18 bis 20 Uhr, Sonntag von 10 bis 12 Uhr und Sonntag von 13 bis 18 Uhr, steigen die Auswahltämpfe für die Wiener Olympiade. Jede einzelne der Etappen bietet ein sehenswertes Programm für sich, so daß es sich auf jeden Fall lohnt, die Abschnitte der Veranstaltung zu besuchen. Die Karten gelten sür beide Tage. Die ausgezeichnete Besetzung der Sonnabendtämpse in der Kurz-, Mittel- und Langstrecke führen den Besuchern guten Sport vor. Mit wenig Worten gesagt: Der Sonnabend wird als Auftakt ein Kampftag größten Formats sein. Dafür bürgen die Namen, Wagner, Theim, Krllger-Leipzigi Birkholz. Gülle, Höwler, Grünthal-Stettin: Engelmann, Konzack-Guben; Leps-Magdeburg: Sparkäse-Braunschweig: Neumann-Forst; Heidt, Wienicke, Traxel, Huwe, Kintscher, Kittler-Berlin und die weiteren, vielen Olympia- So springt SchuLee-�eiHwasser 1,70 Meter kandrdaten. Die technischen Geräte kommen am Sonnabend durch die Austragung des Zehnkampfes hervorragend zur Geltung. Vom Sonntagvormittag ist ähnliches zu sagen. Bor allem treten die Sportlerinnen im Dreikampf, Speer- und Schleuder» ballwerfen in Konkurrenz. Ferner tragen sie die 100-Meter- und 200-Meter-Läuse aus. Die Sportlerinnen von auswärts haben in Dietrich-Stettin, Winkler-Leipzig, Kreiseler-Burg ihre stärksten Stützen. Berlin bringt alle leistungsfähigen Frauen an den Start. Zu nennen sind im Bordergrund Schulz, Rau, Geschwister Bleul, Dumke, Zaein, Weidlich. Piepenburg, Berniter usw. Bei den Sportlern setzen die Zehn- und Fünstämpser ihre Arbeit fort. In der Entscheidung des S000-Meter-Lauses dürfte Wagner-Leipzig kaum zu schlagen sein. Außerdem sind der 110-Metsr-Hürdenlags, 200-Meter-Borläufe und das Kugelstoßen in die Bormittagszeit gelegt. Slkso ist auch der Sonntagvormittag schon ein Fest für. sich. Ain Svnntagnachmittag um 13 Uhr finden zunächst die Borkämpfe statt. Um ein Beispiel von der riesigen Besetzung zu geben, führen wir folgende Zahlen an: Der 100-Meter-Lauf hat 220 Meldungen: der 800-Meter-Lauf sür die Jugend 21: 3000-Meter- Lauf 22: Speerwerfen 33: Kugelstoßen 69: Weitsprung 83: Hoch- sprung 45 Meldungen. Die 4X100-M«ter-Stafette bringt 62 Mann- schasten an den Start: 10Xl00-Meter-Stafette 23: Olympische Stafette 13: Schwedenstasette 20: 10X14 Runde bzw. 20X14 Runde 11 und 8 Mannschaften. Um 14 Uhr fügen sich bereits wieder die Olympiakämpfer ins Programm mit dem Hochfprung ein. Der Bundesmeister Görsch-Berlin wird gegen Wilde- Magdeburg, Wilde-Forst, Schulze-Weißwasser einen schweren Stand haben. Alle haben bereits Höhen über 1,70 Meter erreicht. Einen weiteren Höhepunkt bringt der Stabhochsprung mit Schulze- Weißwasier, Bergens und Hetz-Schönow, Wilde-Magdeburg, Legeler- Dresden, Friedrich-Leipzig usw. Drei Meter ist Anfangshöhe. Bei 3.30 Meter wird voraussichtlich die Konkurrenz ihren Endpunkt erreichen. Um 15 Uhr marschieren alle Teilnehmer zur Begrüßung ein, darauf setzen die noch verbleibenden Endkämpfe im Stabhochsprung, Diskus- und Speerwerfen, 200- und 800-Meter-Laufen ein. Die Werfer dürften bisher in Berlin selten ge- sehene Wurfweiten zeigen. Eine sportliche Delikatesse verspricht der 800-Meter-Lauf zu werden. Mit Huwe, Gülle, Birk- höh, Braun, Schirdewahn, Gersöhne, Apel, Konzak, Langer stellen Leipzig, BcrNn, Stettin, Guben die auserlesensten Vertreter des Arbeiter-Turn- und Sportbundes. Das 20Y.Meter-Rennen bringt die erweiterte Auflage des am Sonabend ausgetragenen 100-Meter- Laufes. Die stark besetzten Stafettenselder sollen das Haupt- Programm wirkungsvoll beleben. Hier tragen die Berliner Bereine ihr Debüt auf der Kampfbahn aus. ASC.. Wedding. Ostring und Nordring befinden sich wieder im offenen Rennen. Aber auch die L- und E-Vereine zeigen ihre Vorarbeit. Die Jugend ist vollzählig vertreten. ASV.-Neukölln wird den Ansturm der anderen Abteilungen abwehren müssen. Als weitere Abwechslung bringen die Arbeiterathleten eine Schaunummer der Artisten. ASV.- Neukölln wird eine seiner stärksten Gymnastiknummern vorführen. Zur musikalischen Untechaltung spiell während der Hauptvcranstal- tung ein starkes Blasorchester. Nebenher steht das Musikkorps der SAJ.-Neukölln anertennenswcrterweise zur Verfügung. Die Jugendtruppe wird auch die Spitze des Einmarsches bilden. Nach Schluß der Veranstaltung Resultatverkündung und geselliges Bei- fammenfein in Kliems Festsälen in der Hasenheide. Alles in allem: Berlin hat in den Olympia-Ausfcheidungs- wettkämpfen und im Frühjahrssportfest seinen„Großkampftag". Darum am Sonnabend und Sonntag auf nach der Neuköllner Kampfbahn!_ Arbeiter- W asserball-Serie Hcllasl-Union 8:4 /Charlottenburg-Neukolln 13:3 Um die Serie 1930/31 noch im Monat Mai zum Abschluß zu bringen, wurden am Dienstag- und Donnerstagabend zwei noch aus- stehende Spiele im Lunabad durchgeführt. In beiden Spielen setzten sich die Favoriten erwartungsgemäß durch. Hellas mußte sich am Dienstag sehr ins Zeug legen, um die in der ersten Halbzeit sehr spielfreudigen Unionleute zu stoppen. Nur 3: 2 beendete Hellas die erste Spielhälfte. Hellas zeigte von Ansang bis Ende gleichbleibend gutes Kombinationsspiel, zu dem die schnelle und ballsichere Verteidi- gung durch gut angelegte Vorstöße viel beitrug. Nach anfänglicher Ueberlegenheit von Hellas kam Union durch gutes Zuspiel stark auf und nur der sehr aufmerksame Hellastorwart verhinderte so manchen fast sicheren Erfolg. In der zweiten Hälfte spielte Union dann leider zu zerfahren, um seinem schwimmschnellen Gegner gefährlich werden zu können. Hellas wurde gegen Schluß klar überlegen und konnte einen zahlenmäßig verdienten Sieg buchen. Die gewohnte überlegene Partie lieferte Charlottcnburg seinem Gegner Neukölln. Die Neuköllner hatten eine veränderte, schwimm- schnellere Mannschaft ins Feld gestellt, die zunächst nicht nur guten Widerstand leistete, sondern zeitweilig sogar mit 2:1 in Führung ging. Charlottenburg ließ in der ersten Spielhälfte sein gutes Zu- spiel vermissen und kam lediglich durch einige fabelhafte Einzel- leistungen zur 5: 2-Halbzeitführung. Erst in der zweiten Spielhälfte fanden sich die Charlottenburger zu einheitlichen Aktionen und wurden dann allerdings stark überlegen. Neukölln kam nur noch einmal durch Verschulden des etwas leichtsinnigen Torhüters von Ch. zum Erfolg, dagegen langte es beim Gegner mühelos zu weiteren 8 Toren. Im letzten Spiel der Winterserie werden sich am Sonnabend, 2114 Uhr, im Lunabad Weißensee und Berlin 12 zum Kampf um die Punkte gegenübertteten. Ein spannendes Spiel ist zu erwarten, die Spielweise beider Mannschaften ähnelt einander stark. Aller Voraussicht nach dürfte Weißensee jedoch einen klaren Sieg landen. ADAC- Motorboot- Frühjahrsregatta Die Matorboot-Frllhjahrsregatta, die der ADAC, am Sonntag, 31. Mai, gemeinsam mit dem Deutschen Autbord-Club veranstaltet. wird infolge Her vielen Nennungen bereits um 8.50 Uhr im Luft- schiffhafen Potsdam beginnen, und zwar mit dem Start der Außenbordrennboote mit Seitenbordmotoren. Diese Klasse um- faßt die kleinsten und am meisten verbreiteten Motoren in der Preis- läge von etwa 250 M., wie man sie auch als Hilfsmotoren für Bei- boote, Kanus usw. verwendet. Anschließend wechseln Touren- und Rennbootklassen in der Weise miteinander, daß nachmittags die stärkeren Klassen zum Start kommen. Besonders interessant dürste um 14.50 Uhr das Rennen der großen Boote der Klasse III bis 30 Kilometer Geschwindigkeit werden, da hier 10 Boote gleichzeitig starten werden. Es folgt dann das Rennen der 500er und der unbeschränkten Außenbordrennboote, sowie der großen Tourenbootklassen mit Geschwindigkeiten von 30 bis 60 Kilometer. In letzteren haben alle deutschen Boote genannt, die zur Zeit startbereit und seit langem als erfolgreich bekannt sind. Die Regatta wird voraussichtlich um 16.15 Uhr ihr Ende erreichen. Der Eintritt ist kostenlos. Die 10000 km Neue Ausfälle bei den Teilnehmern Die 10 0Y0-Kilom«ler-Fahrt des AvD. ist nicht nur für die Fahrzeuge eine Zerreißprobe allergrößten Stils, sondern auch an die Teilnehmer selbst werden Anforderungen gestellt, wie sie bisher noch bei keiner Veranstaltung verlangt worden sind. Schon nach dem ersten Drittel des langen Weges inachte sich bei den meisten Fährern eine starke Ermüdung bemerkbar. Dazu kommt noch die fast unerttägliche Hitze, die sich bleiern über die Glieder legt. In der Großen Gruppe gab es auf der Fahrt nach Lissabon nicht weniger als acht Ausfälle. Wie schon berichtet, ist kurz vor der spantsch-portugiesifchen Grenze der Brennabor-Fahrer Hörde tödlich verunglückt. Sein Beifahrer liegt mit schweren Verletzungen im Krankenhaus von Badajoz. Wegen Ver- spätung sind weiterhin ausgeschieden A. Ruhstrat(Wanderer), der Belgier R. Engels(Minerva), E. Hannemann(Ford), G. Schrof (USU.) und Dr. I. Löwongard(Fiat). Der NAG.-Protos von Frau Gocht schlug um, die Insassen kamen mit dem Schrecken davon, tonnten jedoch die Fahrt nicht fortsetzen. Es befinden sich also von den 47 in Berlin gestarteten Bewerbern in der Wertungsgruppe ll am Donnerstag nur noch 38 in Wettbewerb. Auch in der Wertungsgruppe I haben sich die Rethen der Teilnehmer weiter gelichtet. Auf der Fahrt nach Barcelona sind dret»Bewerber ausgeschieden. Der von H. E. Vormann ge- steuerte BMW. überschlug sich bei Madrid infolge einer Reifen- panne, ohne daß jedoch die Insassen ernstliche Verletzungen erlitten. Der Vierzylinder-DZtW. von H. Simons blieb mit verbogener Hinterachse liegen, und auch der DKW.-Frontanttiebswagen mußte nach einem Zusammenstoß mit einem Lastwagen, der jedoch für die Fahrer glimpflich verlief, auf die Weiterfahrt verzichten. So waren es denn schließlich nur noch 35„Kleine", die in den ersten Morgen- stunden des Donnerstag die längste Etappe der ganzen Fahrt von Barcelona über die Riviera nach Rom(1455 Kilometer) in Angriff nahmen. Zranzäsisches Bundesfest. Das Fest des französischen Arbeiter- Sportverbandes in Roubaix war ein großer Erfolg. Ueber 8000 Arbeitersportler marschierten im Festzug, darunter Verttetungen von mehreren ausländischen Verbänden der Sozialistischen Arbeiter- Sport-Jnternationale. Die Massenfreiübungen wurden von 2000 Sportlern und Sportlerinnen vorgeführt. Im Fußballspiel Frank- reich- Belgien, das vor 20 000 Zuschauern stattfand, siegte Belgien mit 5: 0. Bei den leichtathletischen Wettkämpfen wurden Sieger im 5000-Meter-Lauf Vandermolen(Belgien) 15 Min. 47,4 Sek.: 100- Meter-Lauf Neumann(Deutschland) 11,2 Sek.-, 400-Meter-Lauf Ha- meon(Frankreich) 53,2 Sek.; I50v-Meter-Lauf Leroux 4 Min. 36,3 Sekunden. Arbeiter-Rasenspiele Die Fußballspiele Wer gewinnt? Fußballer oder Schwimmer? Ein« Frage, die nicht so leicht zu beantworten ist. Auf dem Sportplatz in der K y n a st st r a ß e, am Bahnhof Stralau- Rummelsburg, treffen sich nämlich am Sonnabend die Freien Schwimmer und die Bezirksmannschaft von Lichtenberg I. Die Schwimmer wollen hier beweisen, daß sie nicht nur im nassen Element zu Hause sind, sondern auch von der Kunst des Fußball- fpielens einen Stich weghaben. Bei den bisher ausgetragenen Spielen der Lichtenberger waren sie stets begeisterte Zuschauer, so daß sie glauben genügend Zlhnung von Technik und Ballbehand- lung zu haben. Das Spiel, das um 17.30 Uhr beginnt, wird von der Handballschiedsrichterkapazität Hanne Ramp geleitet. Er hofft, seinen Mangel an Fußballregelkenntnissen durch sehr wenig Pfeifen verdecken zu können. Zlnschließend an dieses Tresfen werden sich die ersten Mann- schasten der L i ch t c n b e r g c r und Hansa 31 im friedlichen Gesellschaftsspiel gegenüberstehen. Die Hanseaten haben erst im Psingstturnier in der Christianiastraßc gezeigt, daß sie trotz der Kürz« ihres Bestehens schon über eine nicht zu unterschätzende Spielstärke verfügen. Gelang es ihnen doch, dem Vertreter der Kreisklasse, Butab, mit dem Resultat von 5:2 das Nachsehen zu geben. Die Lichtenberger werden mit einer sehr veränderten Mann- schaft den Kampf austragen. Durch den Ausschluß zweier Spieler erfährt die Mannschaft ein« Umstellung bzw. Auffrischung aus den Reihen der Jugendtichen. Zu wünschen wäre es, wenn dieser Ersatz sich dem Rahmen des ganzen einpassen würde. Das Spiel beginnt um 19 Uhr.— Ein weiteres interessantes Treffen steht auf dem Platz 4 in der Scharnweberstraße in Reinickendorf bevor. Hier treffen zwei der spielstärksten Mannschaften der Kreisklasse A und B aufeinander, Eintracht- Reinickendorf und E iche-Köpe- nick. Die Reinickendorfer haben erst am vergangenen Sonnabend gegen Minerva 28 ihre derzeitig« Spielstärke unter Beweis gestellt. Wird es ihnen gelingen, auch gegen Eiche einen so eindrucks- vollen Sieg herauszuholen? Da- Spiel beginnt um 18 Uhr. -i- Serienspiele am Sonnlag: Pankow gegen Luckenwalde V, in Pankow,.Sportplätze Kissingenstraße. Normannia gegen Wacker- Storkow in Lichtenberg, Normannenstraße. Wildau gegen Britz 88. Wacker 30 gegen FTGB.-Osten. Deutsch-Wusterhausen gegen Friedersdorf. Hoppegarten gegen Herzfelde. Kogel gegen Straus- berg. Wansdorf gegen Eintracht 2. Saxonia gegen Schwarz-Weiß. Dannenberg gegen Freienwalde. Neuenhagen gegen Oderberg. Alt- glietzen gegen Alt-Ranft. Brieselang gegen Nauen. Eintracht- Spandau gegen Brandenburg. Staaken gegen Caputh. Charlotten- bürg gegen Werder 88. Netzen, gegen Altbensdorf. Lehnitz gegen Jeserig. Zweite Mannschaften: Normannia gegen Storkow. Wildau gegen Britz 88. Storkow 3 gegen Selchow 1. Hoppegarten gegen uneuibelujidies Klei Jungsstück Sommerbcinklcider Moderne Golfhosen •u» teiaem mituljnuen und mod« 1 1 V praktudm Ertimunesbaioklcid iüt Tie tirbigem FUnalUaudi(emustert M. IS* m, 1 Sport, VodKtieo Uhr. Als die voraussichtlichen Sieger sind die Gäste anzu- sprechen. Weiterhin spielen am Sonnabend Reinickendorf-West gegen Nord-Ost im Serienspiel und Rosenthal 1 gegen Wedding 2 im Ge- sellschaftsspiel. Am Sonntag spielen in der 1. Klasse Nowawes gegen Schöne- berg um 16 Uhr in Nowawes, Priesterstraße. Hier ist auch die Gast- Mannschaft sicher der Sieger. Die weiteren Spiele sind in der 2. Klasse: Baumschulenweg gegen Fürstenwalde: Nordring-Turner 2 gegen Tegel 1: Wilmersdorf 1 gegen Schöneberg 2. 3. Klasse: Sperenberg gegen Lankwitz: Neuruppin gegen Falke: Südost gegen Müncheberg. Frauen: Bohnsdorf gegen Mahlsdorf: Hennigsdorf gegen Nordring: Wedding 2 gegen Tegel 1. ftottcB&cjit! ScMtinfl. Situm« Montag, 1. Juni,„Zur Stirbt", Ufcrftr. 13. 30 Ulir. Nortrllvorstanb 19 Uhr. Arbeittt-Ttnnio-Strit 1931. Wtgtn Icchnischer Schwitrigktiltn konnltn in der Nrtisgcschäflssltllt nicht olle Spiclrrväffe abgestempell werben. Slu» biesein Gruitbc erfahrt bie Porschris! Uber bie Pässe fllr ben kommcnben Counlag eine Auflockerung. Acnberung in her Mannsäiaftstadelle: Zraucn: Zriedrichehoin III find mi streichen. Jrauen: �friebrichshain sl sännen am lommenben Sonntag nicht antreten. De»l>alb Webbiug Ii spielfrei. Kartell be,jet Treptow. Leiter u»b Delegierte her Vereine und Abteilungen erscheinen Montag, 1. Juni, Ifl'ä Uhr, Zur Kartcllsihung bei O. Pomp, Rieber» schoncweibc, Hassclwerbcrstr. 12. ttampsrichter. Vereinigung. Leichtathlet«»! Zu« ssrllhlinchosportfeft unb Dlnmpio.Ausschcibungen treffen sich all« Kampfrichter Conntagvormittag 9 Uhr im Neuköllner Stabion..... ASV. Schönclxrg.äricbenau«7. Teilnehmer»um Jrühlahrsfportfclt IM Neuköllner Stabion. Treffpunkt Sonntag, llih Uhr, Innsorucker Platz. Ziele Photo-Vereinigung. Eonnabenh. 30. Mai, Motivwanberung nach .Königswuftcrhaufcn— Motzen. Treff 1Z Uhr unb 18% Uhr Lorortbahnhot Siebte- lchöneweidc. Dienstag, 2. Juni, Fortsetzung bes Anfängcrkurfus. Treff 19 Uhr Kirche Humbolbthain._.. „Salibarität", Kraftfahrer. Touren Mr Sonntag, ZI. Mai. Abt.»rcuiberg: Schorfheibc lForfthausl. Start 8 Uhr Warschauer Ecke Nevaler Stratze.— Adt. Friedrichshain: Döllnfee. Start 7 Uhr Landsberger Platz.— Abt. Norden: Spcchthaufen— Nannenflieii. Start 7 Uhr Seeftr. 62.— Abt. Wilmersdorf: Mecklenburg. Start 7 Uhr Lilbcgardftr. 14. Freie Ruberer unb Kanufahrer 1. Krei». Nächste Technikrrfitzung Montag, 1. Juni, 20 Uhr. Kreisgeschäftsstelle, Elfäffer Str. 86-88. Vormeldungcn»ur Regatta sind einZurcichen.. �. Tonristcnnerei».Die Ratursrennbe",«ruppe Pren, lauer Berg. Sonnabend, 30. Mai. Fahrt»um Heibesee. Treffpunkt 17% Uhr lnicht 18% Uhr) Bahnhof Berlin-Schönewelbe. Rückschau. In dem Zyklus„Menschen und ihre Arbeit" sprach am Mitt- woch ein L o k o m o t i v h e i z e r. Ein Mensch au- der Schar der Werttätigen stand vor dem Mikrophon und berichtete von seinem Tagewerk. Er hott« viel zu sagen: von dem Objekt seiner Arbeit, der Lokomotive, und von den Menschen, die in ihrem Dienst stehen. Und weil ihm die Lokomotive nicht aus wissenschaftlichen Theorien. sondern aus der Arbeitspraxis heraus ihr Wesen enthüllte, wurde sie ihm lebendiges Geschöpf. Von diesem sprach er. Der Hörer bekam ihre charakteristischen Züge zu sehen, die sie dem Heizer zeigt, und er begriff damit mehr von ihr, als es ihm mit Hilfe des schönsten Vortrags möglich gewesen wäre. Sachlich und einfach erzählte der Heizer: auch von seiner mühevollen Arbeit sprach er ohne Pathos. Er zeigte sie nur auf, zeigte nur den Menschen, der sie schafft und der heute oft weiter keine Berufsaussichten hat als die: vorläufig Beschäftigung zu haben. Der Aufstieg in die Be- amtenstellung des Lokomotivführers ist heute für viele Heizer nicht mehr möglich. Ebenfalls am Mittwoch brachte Berlim den Vortrag„Schal l- platten aus Rußland" von Dr. N. F e i n b e r g. Er gab eine Folge von Klangbildern, die zumeist von der bekannten Schablone weit abwichen. Nicht das sentimentale russische Lied, eine bunte Summe der verschiedensten imisitojlischen Ausdrucks- formen der russischen Völker wurde hörbar. Der Hörbericht gab> so einen wirkungsvollen volkskundlichen Ueberblick über die Völker-- stämm«, die das Wort„Ruhland" umfaßt. Man hätte nur ge- wünscht, daß der Vortragend« immer die geographischen und die Stammesbeziehungen zu den Völtern Asiens deutlich gezeigt hätte. Am Donnerstag, sprach Genosse Willi Möbus über„Ar» beiterschaft und Rationalisierung". Er schilderte di« Rationalisierung, die heute den Arbeitsvorgang aus vielen Gebietm in ein Tempo gebracht hat, das Leerlauf bringt: denn es fehlen: wirtschaftlich- Konsumkraft oder wirtlicher Bedars. Die Rationali- sierung ist über den Menschen hinweggegangen: das beginnt sich nun zu rächen. Erst durch Umgestaltung der gesamten Arbeits- Verhältnisse, durch verkürzte Arbeitszeiten, nicht als Notmaßnohme. sonder» als Zeitgewinn für den Werktätigen infolge der Rationoli- sierung, läßt sich eine Gesundung der Produktion herbeisühren. Das kann nicht der einzelne Staat, sondern nur«ine internationale Zusammenarbeit erreichen. Freitag, 29. Mai. ist:-"■"t Berlin. - 16.05?. von Le Fort: Alpine Erlebnisse. 10.30 Konzert zugunsten der Wohlfahrtskassen des Polizei-Frauen-Hilfs-Vcrcl«» und der vereinigten Mittelstands-Verbände und Künstler-Altershilfc.. 17.30 Das neue Buch. Erik Reger: Union der festen Hand(E. Rowohlt, Berlin). (Am Mikrophon: Dr. Georg Schwarz.) 17.40 Schallplatten für Kinder. IS.l'O Regina Ullmann liest eigene Dichtungen. 18.30 Arien. Beethoven, Ponchielli, Berlioz(Marcella Röseler, Sopran; am Flügel: Julius Bürger). 18.50 Paul Eippcr: Zurück zur Natur. 19.15 Räuscher: Politische Zeitungsschau. 19.30 Aktuelle Abteilung. 20.00 Breslau: Komödie in Schlesien. 21.10 Praktische Wochenend-Ratschläge. 21.15 Tages- und Sportnachrichten 21.25 Anton Bruckner: II. Sinfonie. C-Moll(Berliner Funk-Orche«ter. Dir.: Generalmusikdirektor Dr. E. Kunwald). 22.20 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. Königswusterhausen. 16.00 Dr.-Ing. Werner Lindner und Stud.-Rat Dr. Hans Klose: Heimatschatz und Schule. 16.30 Leipzig: Konzert. 17 30 Hcllmut: Elektrizität im Haushalt. 18.00 Prof. Dr. A. Reichwein: Rohstoffproduktion und Weltwirtschaftskrise. 18.30 Dr. K. D. Marcus: Skandinavien in der Weltliteratur. 19.00 Wissenschaftlicher Vortrag für Acrzte. 19.30 Eine Sprechstunde bei der Fürsorgeärztin(Lchrspiel). 20.00 Weichmann: Vom heutigen Rußland. 20.25 Hamburg:„Brigade-Vermittlung". föeslrfi Jlorden-Cften Konkurrenzlos! Rollfilm-Klappkamera. 6X9, Lederbezua mit Aplanat 1:8 in Vario nur 20.00; dito mit Anastigmat 6,3 nur 27.50; 9X12 Kamera. Triebeinstellung, Rahmensucher mit Anastigmat 6,3 in Vario nur 33.00; dito mit AnasL 4,5 nur 44.00; Metallmessingstativ, 4-teilig, nur 5 60; dito, 5-teilig. nur 7.20; Metailkassette 9X12 0.65; FHnipackkassett« 9X12 nur 2.40; I Rollfilm 6X9 nur 0.75; Filmpack 6X9 nur 2 10,9X12 mir 3.101-1 Dtzd. Extra-SpeziaWlatten.9Xl2 nur 1.60; I Dtzd. Brorasilberortholicbi Platten 9x12 nur 1.80; 10 la Postkarten nur 0 40 Verlang Sie unsere Liste V kostenl. Gegründet 1900 r Berlin N. es. Chausseestrasse 89. 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