Morgenausgabe Dienstag s'ÄfÄüÄÄs■■! MM■Fl1■ MMM?. Allsw-ris�-pf� emschließlich 60 Pf. Post�eitungs- und JSSß l f�SHf W» Bfi EH U\ HHj BH HH X/ �H 72$f.<£iiftbrite0ge6&�rtn. Sutlanb» dttti Lt�H Dl IW■■ H9 W> HB �D«> f-- � I>fe elnlpalt. notnonUIneV« 80$(. obonntmtnt 6,— 2R. pro TKonat; fü> �BSlS fr��B WD j�H DW WW W> �D �»1 WD I Sirllorn«z-il» S,— RjR.„Klein f An- Länder mit ermäßigtem Drucksachen. WDW I H WI DU VW|K WV Hi �W— � �D 1 jelgtB" da« fettgedruckte Wort 28 Bf. porto 6.— tDL•flÜH 1 H �D B B. v. B �D ijukoffig jwei fettgedruckie Worte». «SB j I B B ÄÄV. ck�M By r" B B weitere Wort 12 Pf. Zlabatt u. Tarif. VW I WD �BWy �D ��r�W Stellengesuche da« erste Wart 18 PU Der.Porwärts-«rfcheiiu wochentäg. WM �Wf // sede» wettere Wart lO Pf. Worte Uber lud zweimal. Sanntag« und Montag, EB�>>7 WW 15«uchstaben zählen füt zwei Worte. »inmal. die Hbenbausgod, für«erim DM«rdetwmar« Zeil««0 Pf. Samilien. und im Handel mit dem Titel.Der k anzeigen Zelle 40 U. Lnzeigenannabrne WMWA � rSWÄ�I .Iugend-Aorwarfu..Stadwellage» � DDDv� � G G Ablehnung nicht genehmer«n, eigen pari Jentrawrgan der Soziawemokvatischen Vaetei Deutschtands BDWBBB>BBBBWB>BBBBBBBBB>BBBBB»BB>BDBBBDDBIBBBBBBM>BBB>>B>BW>WW>BBBBBBBW>BBBBBBBB>B>DBB»BW>BBBBB>B>BBBBBBBBBBBB>WBBB>BBBBBBBBBBBBBWWBBBDBBWBBBBBB>BBBBBBDBBWBBW»BBWBWWB>> Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 kfernsprecher: Dönhoff 292—297. Telegramm-Ldr.: Sozialdemokrat Berlin. Leipzig, t. Zuni.(Eigen berichk.) Der Parteitag«ahm zum ersten Punkt der Tagesordnung „Kapitalistische Wirtschastsanarchie und Arbeiterklasse" die folgende Resolution an: „Die gegenwärtige ökonomische Krise liefert einen neuen furchtbaren Beweis für die zunehmende Unfähigkeit des kapitalisti- schen Systems, die Versorgung der Gesellschaft mit den vorhandenen Versorgungsmöglichkeilen in llebereiastimmung zu bringen. Eine gewallige Steigerung der produktive« Leistungsfähigkeit in allen Wirtschaftszweigen und in oller Welt ist die unmittelbare Ursache der Massenverelenduog. die sich in ollen kapitalistischen Ländern ausgebreitet hat. Den überquellenden Reichtum an Lebens- mittel», Rohstoffen und verarbeitenden Kräften verwandelt die kapitalistische Oekonomie in grausame Hungersnöte und in eine unerhörte Vermehrung der Armut, wie in der Vergangen- heil, weih auch seht der Kapitalismus von sich aus keinen anderen weg ous der Krise al» den der massenhaften Vernichtung von Produktionsmitteln, der künstlichen Verstopfung von Rohstoffquellen, der planmäßigen Einschränkung der Lcbensmittelproduklion. Gleich- zeitig aber werden ZNillionen und aber Utilliouen aus ihrer Existenz und der Versorgung herausgeschleudert und dem Hunger überant- wortet. Aus diesen wahusinnigen Widersprüche« der geltenden Wirtschaftsordnung kann die Menschheit nur durch die lieber* Windung des kapitalistischen Systems und die verwirNichung des Sozialismus befrei« werden. Viesen vesreiungskamps zu führen und dafür die ArbeiterNasse zu organisieren, ist hie Aufgabe der Sozialdemokratischen Partei und der mit ihr verbundenen Gewerk- schaften. Dabei ist sich der Parteitag bewußt, daß der Sturz des KapilaNsmus nicht ein einmaliger kurzer Akt sein kann: er voll- zieht sich als ein Umwandlungsprozeß im steten Kamps zwischen der organisierten Arbeiterklosse und den großkapitalistischen Wirtschaft». mächten. Der Kamps für den Sozialismus kann nicht geführt wer- den. ohne gleichzeitig den Kampf um die Verbesserung der Arbeiter. tage in der Gegenwart zu führen. Die surchlbarea sozialen Au»- Wirkungen der Krise legen der Partei insbesondere die Pflicht aus. sich mit aller Kraft für die lleberwindung dieser Röte einzusehen. Die deutsche Wirtschaft ist aus» engste verflochten mit der Weltwirtschas«. die durch den Krieg, die Friedens- und Reparolionsverträge, den Rüstungswohnfina. den wirtschaftlichen Rom. 1. Juni.(Eigenbericht.) Alle Jugendvereinigunge«. die nicht der faschistischen Partei unterstehen, wnrde» von der Re- gierung aufgelöst, wie heute abend offiziell mitgeteilt wird. Das ist der große Schlag gegen die katholische« Jugendverbände, der in diesen Tagen vorbereitet wurde. Aber es sind noch nicht alle Verbände der unter dem Schuhe des Konkordats stehenden katholischen Aktion aufgelöst. Das muß mau in dieser Lage genau unterscheide«. Der P a p st mandt« sich in einer großen Rede mit den denkbar schärfsten Ausdrücken des Protestes gegen olle fachistischen Gewalt- toten. Sie seien die ersten Früchte der faschistischen Jugenderziehung, die sich als Gegensatz zu jeder christliche« und zivilisierten Er» ziehung erwiese» habe. Denn systematisch werde die faschistische Zugend zum haß. zur Beschimpfung und zur Gewalttat erzogen. Der Papst sagte u. o.: „Man kann von uns verlangen, daß wir sterben, nicht aber, daß wir schweigen", nämlich von oll den faschistischen Gewalttaten. Er erhob laut seine Stimm«, um vor der ganzen Welt zu protestieren durch die diplomatischen Schritte, die bereits im Gange feien. Totsachlich haben das Zentralblott der faschistischen Gemerk- schaften und der„Osservatore Romano' haut« abend ihre Polemik mrgen dieser diplomatischen Schritte eingestellt. Di« Sache soll Vorwärts-Derlag G. m. b. H. Protektionismus und die mangelnde Bereitwilligkeit zu friedlicher Zusammenarbeit der Völker völlig desorganisiert ist. Daraus ergibt sich die Rotwendigkeil einer Politik für die Sicherung des Friedens. internationale Abrüslung. Streichung der internationalen Kriegs- schulden uud Reparationen. Beseitigung oller Hemmnisse im inler- nationalen Güteraustausch. Abbau der Zollmauern. Abschluß lang- fristiger Handelsverträge, inleruationale Regelung des Kapitalstrom» uud Maßnahmen gegen die Kapital, und Steuerflucht. Für die innere wirtschastspolilik sind vor- dringliche Aufgaben: scharfe Kontrolle de» Monopolkapi- lalismus, herabsehung der Zölle, systematische Konjunktur- und Arbeitsbeschafsungspolitik. planmäßige Auftragsregelung durch die össenttiche Hand, Verstärkung de» öffentliche« Einflusses aus die Banken und Kreditinstitute, Regelung de» Kapilalverkehrs zur Verhinderung von Fchlanlagcn. Ausbau der öffentlichen Wirtschaft und Abwehr der privalisierungsbeslrcbungen. Heranziehung von Au»- landskrediten zur Förderung des Wohnungsbaues und gemeinnühi- ger Arbeitsbeschaffungspläne. Der Parteitag fordert die gesetzlich« Verkürzung der zulässigen Arbeitszeit auf 4k> Stunden in der Woche. Er brandmarkt die Lohnabbauoffensioe des Unternehmertum» alz Ausfluß sozialer BrutalllSl und al» unvereinbar mit den volkswirtschaftlichen Interessen. die zur lleberwindung der Krise eine Stärkung der Massen- kaufkrast erfordern. Die Sozialpolittk und die sozialen Einrichtungen müssen geschützt und erweitert werden. Der Parteitag ist sich bewußt, daß die Durchsehung dieser Ge- genwartssorderuagcn ebenso wie die Verwirklichung de» Sozialismus politische Machtstagen sind. Er beklagt auf» tiefste, daß das Proletariat, da» al» Volksmehrheit nach der demokratischen Verfassung der Republik dazu berufen ist. die entscheidende politische Macht zu sein, von diesem Rechte noch keinen ausreichen- den Gebrauch gemacht hat. Die Verteilung der poNNschea Macht steht deshalb noch im Gegensatz zur sozialen Struktur. Viesen Widerspruch aufzuheben ist die wichtigste Voraussetzung für die Durchführung einer sozialeren Politik und der schnelleren lleber- Windung des Kapitalismus. Zu dieser Erkenntnis ruft der Parteitag da» arbeilende Volk auf. sich seiner Macht bewußt zu werden uud unter dem Banner der Sozialdemokralischen Partei in ge- schlosiener Organisation de« Kamps gegen die kapitalistische Wirt- s«haft»anarchie und für die Verwirklichung des Sozialismus zu führen. jetzt auf diplomatischem Wege erledigt werden, soweit dies möglich ist. Das Kardinalkollegium war heute vormittag zu einer Sondersitzung beim Papst wegen der Schwere der Situation einberufen� Di« Kardinäle erttärten sich alle mit dem Papst in seinem Vorgehen völlig solidarisch. So werden damit wie mit anderen Erklärungen die Mitteilungen der faschistischen Presse widerlegt, wonach es angeblich schwere Unstimmigkeiten im Vatikan wegen dieser Streitfrage gebe. Anonyme Drohbriefe an den Vatikan. Lugano, 1. Iuni.(Eigenbericht.) Im vatikanischen Staatssekretarial sind eine Reihe von anonDmen Briefen mit wilden Beschimpfungen eiugelroffen, die drohen, daß der ganze Vatikan in Brand gesteckt werde. Das Staatssekretariat hat daraufhin, nach den Erfahrungen der letzten Tage, nach all den neuerlichen Verwüstungen und Gewalt- taten durch Faschisten, polizeilichen Schutz angefordert. Die Brückeawpse. die zum Vatikan führen, wurden von starken posizei- aufgeboten beseht. Ablenkungsmanöver von Spitzeln? Rom, 1. Juni.(Eigenbericht.) In Vologna sollen sich die ausgefundenen Bomben, die an mehreren Stellen der Stadt in der Nacht explodierten und einen Polizisten töteten, als Versuch« zu antisaschistischen Bombenattenta- ten erwiesen haben. So berichtet heute abend die faschistische Press« selber, ohne die Attentäter und andere Einzelheiten angeben zu können. Postscheckkonto: Berlin Z7S3K.— Bankkonto: BankderArbeiler.Angestellientind Beamten, Lind«nstr.Z,Dt.B.».DiSe.-Ges.,Debosit«nk., Jerusalemer Str.KSKS. Tarnows Sieg. Ein glänzender erster Tag in Leipzig. Leipzig. 1. Juni.(Eigenbericht.) � Es scheint nicht, als ob die Gegner der Sozialdemokratie an diesem Parteitag viel Freude erleben sollten. szat der unvergleichliche Aufmarsch am Sonn- tag die Behauptung der Gegner, die Sozialdemokratie befinde sich im Rückgang und ihr fehle die Jugend, auf das herrlichste widerlegt, so hat die große Wirtschaftsdebatte am Montag gleich zwei Behauptungen der Gegner totgeschlagen: die Sozialdemokratie leide Mangel an führenden Köpfen und sei von zersetzenden inneren Gegensätzen bedroht. Ist in dem Hauptredner des Tages, dem Vorsitzenden des Holzarbeiterverbandes, Fritz Tarnow, nicht eine ver- hältnismäßig noch zu wenig bekannte Führerpersönlichkeit in den Vordergrund getreten? Richtiger darf man sagen: ein Mann, der in der Gewerkschaftsbewegung längst als einer der Besten bekannt ist, steht von heute ab auch in der vordersten Reihe der politischen Führer. Seiner Leistung vor allem ist es zu danken, daß die Partei auf den ersten Verhandlungstag in Leipzig mit einem Gefühl stolzer Befriedigung zurückblicken kann. Tarnow erinnert in seiner wohlüberlegten, plastischen Art, die Dinge darzustellen und hie und da ironische Lichter aufzusetzen, an I g n a z Auer, nur daß seine Ironie noch liebenswürdiger ist. Die Art, wie er mit entwaffnender Liebenswürdigkeit seinen Meinungsgegnern ein Argument nach dem anderen aus den Händen wand und sie auf den einigenden Boden seines eige- nen Antrags zwang, verriet den Meister. Auch die Debatte bot die stärksten Spannungsreize. Denn fand Tarnow einige glänzende Sekundanten, wie besonders Erik N ö l t i n z und Kurt H e i n i g, so ließ es auch die Opposition an ge- schickten Künsten des Gegenspiels nicht fehlen. Einen Mißton brachte eigentlich nur Ziegler-Breslau in die Debatte. Hier fand sich für zehn Minuten auch ein Niveau, das wenig erfreulich war. Es muß aber hervorgehoben werden, daß dieser Rede zwei von den 399 Delegierten Beifall bezeugten und daß die geradezu einmütige Ablehnung durch den Parteitag bloß durch den Beifall einiger Tribünen- besucher verdeckt wurde. Abgesehen von diesem unerfreu- liehen Zwischenspiel verlief die ganze Debatte ausgezeichnet. Sie endete mit der f a st« i n st i m m i g e n A n n a h m e der von TarWow eingebrachten, vom Parteivorstand und Partei- ausfchuß empfohlenen Resolution. Sachlich bedeutete die Debatte und ihr Ergebnis einen ganz gewaltigen Fortschritt, einen Fortschritt sowohl in der lleberwindung vermeintlicher theoretischer Gegensätzlichkeiten wie auch in. der praktischen Auffassung und Behandlung der drängenden Wirtschaftsprobleme. Als gewiß darf man ent- nehmen Stärkung und weitere Ausbreitung der Erkenntnis, daß der Sozialismus kein Wunderglaube und keine Sammlung von Wundermitteln ist, die alle Nöte de? Zeit mit einem Schlage zu beheben vermöchten, daß er aber Entwicklungsprozeß und Methode ist, deren For- derung und beharrliche Anwendung zum Ziele führt. Tarnow und feine Mitkämpfer in diesem geistigen Tur» nie? haben gezeigt, daß Besonnenheit und Ueberlegsamkeit keineswegs gleichbedeutend sind mit einer willenzerstörenden Skepsis. Die verschiedenen„Richtungen", wie manche es gern nennen— Tarnow spricht von Schattierungen—. fanden sich zum Schluß in einem ganz starken mitreißenden Bekenntnis zum Sozialismus! (Bericht siehe 2. Beilage.) Die Berliner in Leipzig. Leipzig. 1. Juni.(Eigenbericht.) In dem gewaltigen Demonftrationszuge, mit dem die Leipziger Arbeiterschaft nach der ersten Kundgebung auf dem Messeplotz die Eröffnung des Sozialdemokratischen Parteitages begrüßte, mar- schierten Zehntausend« von Männern und Frauen, Jungen und Mädeln mit, die mit der Eisenbahn, dem Lastkraftwagen, dem Fahr- rad oder zu Fuß von weither gekommen waren, � um das erhebende Schauspiel dieses einzigartigen M a ff e n au f m a rsch e s mitzuerleben. In besonders stattlicher Zahl waren die Berliner Parteigenossen vertteten. Ueber lSOll Parteimitglieder waren zum Teil schon am Sonnabend aus der Reichshauptftadt ge- kommen, um die Delegierten des Parteitags mitzubegrüßen und wieder ein Treuegelöbnis für Sozialismus und Frieden abzulegen. In dem endlosen Zug« bildete sich ein kleiner eigener Demon- strationszug, dem«in riesiges Transparent, da» dos Berliner Wappen und den Namen der Stqdt zeigt«, vorangetrogen wurde. Ayf einem Riesenplakat, dg» die Berlmer Studenten trugen, stand An das arbeitende Volk! Veschluß des Parteitags zur Wirtschaftskrise. Mussolinis Schlag gegen den Vatikan. Katholische Zugendverbände anfgelSst.- Kampfansage des Papstes. Selbflanprangemng. Die Gchwerindustriellen über die Kolgen ihrer Politik. Die kapitalstärkste und zugleich sozial reaktionärste deutsch« Untergruppe, der Arbeitgeberverband für den Bezirk der Nordwest- lichen Gruppe des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller, veröffentlicht soeben seinen Bericht über das A. Geschäftsjahr, in dem die Herren Syndizi sich wieder einmal über die Lohn-, Sozial- und Wirtschaftspolitik äußern. Nach dem Auszug, den die schwerindustrielle Telegraphen-Union darüber veröffentlicht, kennzeichnet dieser Bericht als Folge der bisher geübten Sozial- und Wirtschaftspolitik den Schwund des Inlands- Marktes, den Ausfall � der landwirtschaftlichen Kauftraft, Verlustpreise am Weltmarkt, das heißt also überhöhte Inlandspreise, sinkende Er- zeugungs- und Betriebsziffern, Arbeiterentlasiungen und Feierschichten. Dieser Kennzeichnung der Folgen einer Politik, die von den Schwerindustriellen gefordert oder befolgt worden ist, l)afien wir nichts hinzuzusetzen. Sie trifft ins Schwarze. Wer aber nun meinen sollte, daß die Schwerindustriellen aus ihrer Erkenntnis die notwendigen und logischen Konsequenzen ziehen würden, der kennt diese bornierten und verbissenen Scharfmacher schlecht. In dem Bericht wird ausdrücklich ausgesprochen, daß der O e y n- hausener Schiedsspruch vor Jahressrist mit einer Lohn- senkung von 1% Proz. in d°r Schwerindustrie die allgemeine Lohnsenkung eingeleitet hat. Der Schiedsspruch Hab« jedoch seine Ausgabe nicht erfüllt, weil im Bereich der öffentlichen Hand Preisnachlässe nicht erfolgt seien und weil infolge „überspannter S e l b st k o st e n" ein wirtschaftliches Arbeiten nicht möglich sei. Der Bericht sagt allerdings nicht, wo die„über- spannten Selbstkosten" liegen. Eine Untersuchung darüber, besonders in der nordwestlichen Schwereisenindustrie. wäre sehr ausschlußreich. Für die Schwerindustriellen hat der Produklionserlrag nicht denen zuzukommen, die die Produkt« herstellen. also den Hand- und Kopfarbeitern. Was diesen zugebilligt wird, sind für die Herren Generaldirektoren und Großaktionäre, deren Einkommen sich nur in sechs- und siebenstelligen Zahlen ausdrücken laßt,„überspannte Selbstkosten". Die k a p i t a l i st i s ch e n F e h l- leitungen, die der Wirtschaft Milliarden tosten, sind da- gegen für die Schwerindustriellen naturnotwendige Erfordernisie. In dem Bericht heißt«s nach der Telegraphen-Union wörtlich: „Es ist nicht sozial, eine Lohnpolitik zu treiben, die die Wirtschnst langsam absterben läßt und damit die Existenzgrundlage des Voltes vernichtet." Diese bis zum Zynismus gesteigerte unbewußte Selbst- kritik ist ein vernichtendes Urteil der Politik der Schwertndusirlellen. Gemeint ist freilich, daß die Elendslöhne der deutschen Arbeiterschaft, gemessen an den Löhnen in der Schwerindustrie, noch viel zu hoch seien! Um das zu demonstrieren, lassen die Schwerindustriellen die Löhne, die sie selbst zahlen, noch niedriger erscheinen, als sie ohnehin schon sind und stellen damit Vergleich der Spitzenlöhne des Facharbeiters im Baugewerbe. Bei Lohnverhandlungen aller- dings warten dieselben Syndizi mit einer ganz anderen Rechnung auf, nämlich mit den Löhnen der sogenannten Spitzenreiter, die auf Grund von Akkordzuschlägen und Prämien einen relativ hohen Lohn erzielen. Wie schwach es um die Argumente der Schwerindustriellen bestellt ist, zeigt dieses Zahlenkunststück, das jedem Einsichtigen nur ein verächtliches Achselzucken ablockt. Wir haben hier an die Unter- nehmer wiederholt die Frage gestellt, wie hoch oder vielmehr wie niedrig eigentlich die Löhne und Gehälter sein wüßten, wie tief die Löhne noch abgebaut werden sollen, um damit die Wirtschaft wieder„anzukurbeln". Wir haben darauf weder eine Antwort er- wartet noch bekommen. Die Unternehmer wissen selbst am besten, daß der Lohnabbau zum Zweck der Ankurbelung der Wirtschast ein aufgelegter Schwindel ist. Die Schwerindustriellen hüten sich auch, irgendeine Zahl zu nennen, ja sie verzichten scheinbar sogar auf jeden weiteren Lohn- abbau. Sie verlangen,„sämtlichen Tarifverträgen von Gesetzes wegen einen Lohnspielraum geben, so daß die einzelnen Be- triebe durch Vereinbarung mit ihren Belegschaften die Tariflöhne um einen gewissen Prozentsatz unterschreiten dürfen". Anders ausgedrückt, verlangen die Unternehmer die Beseitigung des Tarifwesens überhaupt. Diese Forderung ist ja im Munde der Leute, die von jeher die erbittersten Feinde des Tarifvertrags gewesen sind, keine Ueberraschung. Sie zeugt nur für die absolute Geistesarmut von Leuten, die für sich das Prädikat der Wirtschafts- führer in Anspruch nehmen, daß sie angesichts der größten Wirt- schaftskrise nichts anderes zu sagen wissen, als die ältesten Laden- Hüter aus der Rumpelkammer hervorzuholen. Damit niemand über die Forderung der Schwerindustriellen im Zweifel ist, sagen sie aus- drücklich, daß es„für die Wirtschaft"— die Herren sind so be- scheiden, sich selbst für die Wirtschaft auszugeben, wie Ludwig XIV. von sich sagte:„Der Staat bin ich!"—. daß es also für sie darauf ankomme,„eine zweite allgemeine und schleunige" Senkung der Tariflöhne" herbeizuführen. Dieses geradezu greisenhafte Wiederholen von Forderungen, die durch die Tatsachen -6»dsuräum geführt worden sind, zeigt, daß heute im Unternehmer- tum der befruchtende wirtschaftliche Gedanke abgestorben ist. üer Satz:„Arbeiter und Studenten brechen dijs Bild ungsmono pol der Besitzenden!" Die Berliner wurden freudig begrüß!, und überall schallte ihnen im Sprechchor das„Freundschaft" der Leipziger Kinderfreunde entgegen, das sie ebenso freudig erwiderten. Die Grüße der Internationale an die itSOOOO. Ueber die gewaltige Kundgebung auf dem Messegefijnds am Eonntagnachmittag haben wir im gestrigen„Abend" berichtet. Aus den Ansprachen, die von einigen der ausländischen Gäste ein die 150 000 gerichtet wurden, geben wir noch einige markante Stellen wieder: Longuei-Paris überbringt die Grüße der französischen Arbeiter- schaft. Euer Kampf ist auch unser Kampf. Ihre Demonstration bezeugt den Willen zum Widerstande gegen den Faschismus. Auch wir führen den Kampf gegen den Faschismus in unserem Land«. .....—................. Jean Longuet. DI« Aufrüstungspolitik beherrscht die gesamte Welt. Wenn nicht die Abrüstungskonferenz in Genf eine Erleichterung bringt, dann werden die nach st en französischen Wahlen zeigen, daß das französische Volk mit uns Sozialisten geht.(Stürmischer Beifall.) Austerlih-Wien: Wir in Oesterreich verfolgen Ihren Kampf mit größter Aufmerksamkeit. Der Faschismus trägt in jedem Lande Firmenschilder besonderer Art. Hier Nationalsoziali st en, dort„Erwachende Ungarn", bei uns die Hahnen- f ch w ä n z l e r. In Wahrheit ist ihr gemeinsames Ziel nur die Wiederherbeiführung der alten Despotie. Bewaffnen wir uns gegen die Urgewalt, die aus der Tiefe dringt. Niemals sich beugen, Kräftig sich zeigen! Das ist immer unser Mahnruf gewesen. Es lebe die deutsche Sozial- demokratie. Soukoup-Prag: Wir sind überwältigt von diesem gewalligen Bild. Es ist das größte, das ich je im Rohmen der Sozialistischen Internationale gesehen habe. Die deutsche Sozialdemokratie wird siegen. Dandervelde-Lelgien: Ihr seid die Demarkations- l i n i e des Kampfes gegen den Faschismus in Europa. Die deutsche Sozialdemokratie ist die größte Partei der Internationale, ja die größte Partei überhaupt. Wir sind mit vollem Herzen bei Emile Vandervelde. dem Kampfe der deutschen Sozialdemokraten. Die Sozialisten in Belgien und Frankreich sind der Ueberzeugung, daß Deutschland nicht länger als das Volk der Besiegten betrachtet werden darf. Es gilt, die Kriegslasten, die Reparationen gerechter- weise auf die starken Schultern zu übertragen. Ein« Sicherung ober insbesondere des Friedens wird nur möglich sein durch die Ab- r ü st u n g in allen Staaten. Generalversammlung der Arbeiierpreffe Die politischen Aufgaben der Zukunft. Der Verein Arbeiterpresse hielt am Sonnabend und Sonntag in Leipzig sein« Generalvevsaminlung ab. Der Bor- sigende, Genosse Robert Schmidt, wies in seiner Bericht- erstattung darauf hin, daß die Bereinigung der in den Parteiunter. nehmungen tätigen Redakteure und Angestellten den Zweck ver- folge, die einzelnen Berussfragen zu erörtern und etwaige Diffe- renzen durch gütlichen Ausgleich zu regeln. In einer Anzahl von Fällen hat der Lorstand Schiedsverfohren durchgeführt, die zur vollen Befriedigung der Beteiligten führten. Durch die Diskussion in den„Mitteilungen" und durch besondere Veranstaltungen tonnte aus die Ausgestallung der Parteipresse hingewirkt werden. Bei den, Thema„Agitation und Presse" erörterte Genosse Hauschild, der Leiter der Werbeabteilung der Sozial- demokratischen Partei, die großen politischen Aufgaben der nächsten Zeit, an der alle soziatdcniokratischen Zeitungen mit der stärksten Aktivität mitarbeiten müssen. Genosse I. Müller ergänzte diese Ausführungen durch einen Bericht über die Entwicklung des Materndienstes, der zur Unterstützung vor allem für die kleineren Blatter bestimmt ist. Abschließend gab Genosse Rupp- recht, der Leiter der„Konzentration", einen Ueberbiick über den wirtschaftlichen Stand sder Parteiunternehmungen. Di« schwere Krise geht auch an den sozialdemokratischen Zeitungsbetrieben nicht spurlos vorüber und es wird der opferbereiten Mitarbeit aller an der Arbeiterpresse tätigen Parteigenossen bedürfen, um die geistig« Masse der Arbeiterschaft für die unserer wartenden schweren Kämpfe scharf und blank zu erhallen. In einer ausgedehnten Aussprache wurden zahlreiche Anregungen für die journalistische Arbeit m der Partei gegeben. Die Volkspartei murrt. Kritik der Reichstagsfraktion an der Krisensteuer. Die Reichstagsfraktion der Deutschen Dolkspartei beschäftigte sich mit der polltischen Lage und insbesondere mit der Notverordnung. Die Stimmung der Fraktion war sehr scharf gegen wesentlich« Teile der Notverordnung gerichtet, insbesondere gegen die Krisensteuer und.überhaupt dagegen, daß die Finanzen durch neue Belastungen der Wirtschaft saniert werden sollen. Die Beamten bei Brüning. Information über die Rotverordnung. Der Reichskanzler empfing im Lauf« des Montag- vormittag in Gegenwart der Reichsminister Dietrich, Wirth, Schätze! und von Gucrard Bertteter de« Deutschen Be- amtenbundes, de. Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes und de» Reichsbundes der höheren Beamten zu einer vertraulichen Aussprach« über die Frage der weiteren zwischen vier bis acht Prozent gestaffelten Gehaltskürzung der Beamten. Der Reichskanzler legt« den Standpunkt der Reichs- regierung dar und nahm die Auffassung der Bertteter der Beamten- schaft entgegen. Am Dienstag morgen werden die Minister- Präsidenten der Länder in Berlin sein, um auch ihrer- seits insormiert zu werden. Wann die Notverordnung in der Fertigstellung ihres Wortlautes endgültig abgeschlossen sein wird, kann gegenwärtig noch nicht gesagt werden. Fest steht nur, daß der Reichskanzler zusammen mit dem Relchsaußenminister Mittwoch- abend Berlin verlassen wird, um sich zum Besuch der englischen Re- gierung nach Chequers zu begeben. Auch über den Termin der Beröffentlichung der Notverordnung ist Bestimmtes noch nicht bekannt._ „"Die Legaliiät" des Herrn Goebbels! Sr hat Vefehl zur Bewaffnung gegeben. Im sogenannten Edenpalast-Prozeß hat bekanntlich Herr H i t- l e r nach dem Borgang in Leipzig unter Eid ausgesagt, die NSDAP, verfolg« rein legal« Wege und jedes Parteimitglied werde rücksichtslos entfernt, das gegen die bestehenden Gesetze über den Besitz und dos Tragen von Waffen verstoße. Herr Hitler hat jetzt die best« Gelegenheit, die Ernsthaftigkeit seines Eides zu beweisen: in dem Blatt des abtrünnig, und indiskret gewordenen Haupmanns Stennes(Nr. 14 vom 28. Mai 1931) wird versichert,„Goebbels habe nachgewiesener- maßen den direkten Befehl gegeben, daß die zu seinem Schutz bestimmten SA.-Leute bewaffnet werden". Zu diesen Beschuldigungen schweigen sich bisher der„An- griff" des Herrn Goebbels und der parteiamtlich«„Böl- k ifch e Beobachter" völlig aus; nicht einmal den Mut zu einem in der Hitter-Partei doch immerhin billigen Dementi hat man gesunden, nachdem Herr S t« n n e s für seine Behauptungen den „Beweis durch mehrfachen Zeugeneid" anbietet. Gegen Goebbels ist in dieser Sache durch die Berliner Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren«ing«- leitet worden. Der Präsident der französischen Republik. Doumergu«, hat sich in aller Stille mit Frau Graves, einer ehemaligen Gymnasiallehrerin, vermählt. Das Geheimnis dieser Hochzeit war so streng gehalten worden, daß selbst die Press« erst in den späten Abendstunden durch ein Kommunique de« Elysee von der vollzogenen Tatsache in Kennt- nis gesetzt wurde. Doumergue steht im KS. Lebensjahr. Internationale Verbundenheit. Parteitagsausgabe ver„Leipziger Volkszeitung". Zur Begrüßung des Parteitages hat die„Leipziger Bolkszeitung" eine vornehm ausgestattete, geistig gehaltvolle und an- regende Sondernummer herausgebracht, die mit Recht starke Beachtung bei allen Teilnehmern des Parteitages gesunden hat. Bei- träge von hervorragenden Vertretern fast aller Sektionen der Sozia- Friedrich Austerlitz listischen Arbeiter-Internationale dokumentieren ihre innige Per- bundenheit in sozialistischem Zielstreben und demokratischer Gegen- wartsarbeit. Neben Otto Wels, dem Borsitzenden der Sozialdemokrat!- fchen Partei Deutschlands, äußert sich Emil Vandervelde unter dem schlichten Titel„Wir verstehen Euch": Leon Blum (Frankreich) versichert gleichfalls, daß er dem schwierigen und harten Kampf, den die deutsche Partei gegenwärtig zu führen hat, vollstes Verständnis und Anerkennung zolle. Morris H i l l q u i t(Amerika). Theodor Dan(Rußland), Julian B c st e i r o(Madrid), Karl H. Will(Finnland), Treues und T u r a t i(Italien), Julius Deutsch(Wien), Topalowicz(Belgrod) und noch zahlreiche andere ttogen durch ihre Auffotze neue Bausteine bei zum gemein- somen Aufbau der Kampffront gegen den internationalen Faschismus. Karl Kaut-ky behandelt die Frage:„Was ist zu tun?" mit wissenschaftlicher Klarheit. Wir geben aus seinen geschichtlich fun- vierten Darlegungen einige Abschnitte wieder: „Je schwerer unsere Partei durch die Politik de? kleineren Hebels belastet wird," sagt Kautsky,„um so weniger darf sie ver- gessen, daß sie trotz aller praktischen Aufgaben, di« sie zu lösen hat, die Ausgaben der Propaganda nicht ver- nachlässigen darf, die so lange für sie in erster Linie standen. Wo es unvermeidlich wird, Kompromisse zu schließen, da muß man darauf bedacht sein, ihnen eine Form zu geben, die unsere Propaganda nicht beeinträchtigt. Diese Propaganda wird ohnehin schon sehr erschwert durch die heutige Situation, durch die Krise und durch das Gleichgewicht der Dort liegt... Zur Kncgshetze auf dem Stahlhelmtog. Vundesführer Seldte:„Stahlhelmkameraden, dort liegt der deutsche Osten, dort liegt Deutschlands Schicksal, dort liegt.. Tarifrecht soll zerschlagen werden. Gozialreaktion stößt im preußischen Landtag vor. Der l)auptausschuß de�z Preußischen Landtags trat am Montagoormittag zusammen, ugr die ihm überwiesenen Antrag« zu beraten. Zunächst wurde über zwei Anträge der Deutsch- national«» und der Wirtschaftspartei' verhairdelt, in denen aus An- laß der Stillegung der Hütte Duisburg-Meiderich eine e l a st i- schere Gestaltunx, d«s Tarifrechts für Zeiten der Not verlangt wird, damit Stillegungen von Betrieben möglichst einge- schränkt werden. Abg. Brückner(Soz.) sprach sich gegen diese Anträge aus und erklärte, die Anträge bezweckten lediglich einen Abbau der Arbeiterrechte. Abg. v. Waldthaus«n (Dnat.) trat dieser Auffassung entgegen. Ziel der Anträge sei, für die Zukunft Unsinnigteiten zu verhüien, wie sie in Dutsburg-Meide- rich sich gezeigt hätten, wo infolge starrer Tarifbestimmungen über 8000 Menschen brotlos geworden feien, obwohl die übergroße Mehr« zahl der Belegschaft sich durch Abstimmung zu einer Aenderung des Tarifvertrags bereit erklärt habe. Abg. Schmidt-Höpke(Wp.) sprach sich in gleichem Sinn« aus. Abg. Brückner(Soz.) er- widerte, daß die Sozialdemokraten aus grundsätzlichen Erwägungen den Anträgen nicht zustimmen könnten. Der Zechenoerband habe 500 000 AI. für die Nationalsozialisten gestiftet, damit diese eine Zersplitterung der Arbeiterschaft herbeiführen. So sehe die Notzeit aus. Auch der Abg. Benscheid(Komm.) lehnte die Anträge ab. Abg. Dr. Schmidt-Höpke.(Wp.) hob noch hervor, daß neben die Kollektivvereinbarung in Form der gegenwärtigen Tarife die Betriebsvereinfachung treten müsse, d. h. die mit der Belegschaft. vertreten durch ihren Betriebsrat, abgeschlossene Vereinbarung. Die bevorstehende Notverordnung beweise wieder, daß Deutschland sich nicht den Luxus vermeidbarer Stillegungen, die die öffentlichen Lasten um Millionen vermehren, leisten könne. Abg. Dr. Neu- mann(D. Vp.) sprach sich aus wirtschaftlichen Gründen für die Anträge aus. Abg. Gast(Z.) erklärte sich gegen die Anträge. Das bestehende Tarifrecht sei beweglich genug und habe zu Ew- kommcnsverminderungen bis zu 50 Proz. geführt. Die Anträge wurden mit den Stimmen der Regierungsparteien und der Kvm- munisten abgelehnt. Klassen, die es unmöglich machen, augenblicklich für die Massen j große neue Fortschritte zu erringen. Di« Razi» und die Kozis sind natürlich auch nicht imstande, solche Fortschritte herbeizuführen. Im Gegenteil, ihr praktisches Wirken lief bisher stets auf eine Ber- schlechterung der Arbeitsverhältnisse hinaus. Aber weder Wissen noch Gewissen beschwert sie, den Massen die gleißendsten unerfüll- baren Versprechungen nach Quacksalberart zu machen und dadurch nicht wenige an sich zu locken. Auf diesem Gebiet des Voltsbetrugs können, dürfen, wollen wir nicht die Konkurrenz mit ihnen aufnehmen. Unsere Propaganda muß erfüllt sein von dem Drang nach Wahrheit, muß den Massen die Dinge zeigen, w i e s i e s i n d. Wir müssen ihnen aber auch zeigen, wie sie sein werden. Die Gegenwart ist zu niederdrückend, wenn sie nicht betrachtet wird als U ebergang zu höheren, besseren Gesellschasts- formen. Und nur dann kann unsere Tätigkell in der Gegenwart die Massen anziehen und fesseln, ihnen Selbstvertrauen und Enthusiasmus einflößen, wenn sie erkannt wird nicht für sich allein, sondern im Zusammenhang mit dem großen Welt- geschehen, da» zur Befreiung des Proletariats, zum Sozialismus hindrängt. Je schwierigere Problem« uns die Gegenwart auferlegt, je not- wendiger die Politik des kleineren Uebels wird, je weniger sie für sich allein die Massen befriedigen kann, desto niedriger ist es, diese Politik zu ergänzen durch kompromißlose P r 0 p a g i e- rung unserer hohen Ziel« und ihrer theoretischen Begrün- dung. Das gilt vor allem der Jugend gegenüber,' die wir zu ge- winnen haben." Sozialistischer Aerzietag. Grundlegende Forderungen für Erhaltung der Volks- gesundheit. Der sozialdemokratisch« Aerztetag fand im Zusammenhang mit dem sozialdemokratischen Parteitag in Leipzig am Sonntag, dem 31. Mai, statt. Er wurde mit einer Begrüßungsansprache des Bor- sitzenden, Stadtarzt Genosse Dr. K 0 r a ch- Berlin, eröffnet. Das Hauptreferat hielt sodann Professor Knack- Hamburg über das Thema:„Der bürgerliche und der sozio- listische Arzt". In der Gegenwart kommen die Unterschiede zwischen bürger- lichem und sozialistischem Arzt stärker als in der Vorkriegszeit zur Geltung. Die bürgerliche medizinische Wissenschast erschöpft sich noch vorwiegend in der Erkennung und Behandlung von Krank- hellen vom Einzelfall ausgehend, ohne ausreichend die so- zial« Umwelt zu berücksichtigen. Die Ursache hierfür liegt in der engen Denkweise der bürgerlichen akademischen Schichten im Hinblick auf die Zusammenhänge des gesamten sozialen Lebens. Der bürgerliche Arzt fühlt sich' aber auch i n t e r- effenmäßig verbunden mit der bürgerlichen kapitalistischen Ordnung und ist, wenn auch gewissenhaft und erfolgreich im Kampf gegen die Krankheiten, ohne genügendes Verständnis für die For- derungen des Sozialismus. Die Erkenntnis der sozialen Bedingtheit von Krankheitsentstehung und Kranthellsheilung erfordert eingehende Beschäftigung mit den politischen Problemen der Gegen- wart und Stellungnahme hierzu. Klar erkennen kann die Zu- sammcnhänge der Medizin mit der sozialen Umwelt nur der so- zialistisch organisierte Forscher. Vorwärts treiben kann die medizinische Wissenschaft zu einer restlosen Auswirkung ihrer Forschungsergebnisse für da» soziale Gesamtgeschehen des Volkes nur der sozialistisch überzeugt« ärztlich« Fachmann. Hier— in dieser Einstellung zur kritischen Betrachtung und Erforschung der Be. .Ziehungen der Medizin zur sozialen Umwell— liegt der grund- legende Unterschied zwischen bürgerlicher und sozialistischer medizinischer Arbeitsmethodik und Arbeitsintensität. Für die sozialdemokratischen Aerzte und di« ganze Soziakdemo- kratisch« Partei gllt«-, folgenden Zielen zuzustreben: Ueberführung des heil- und Gesundheilswesen» In den Gr» meindebelrieb. Danu kann sich der Arzt wirklich u n a b- HSngig im Dienste der Gesamtheit uuswirkcu. Systematische öffentliche Gesundheitspflege und Ge- sundheitsfürsorge. Geburtenregelung nach eugenifchen und sozialen Gesichtspunkten. Planmäßige Vorbeugung und Srankheitsbekämpfong unter Verücksichligung der soziale« Um- well. Soziale krankhcitssarschvug und soziale Therapie. Ferner weilgehende, dem Verständnis der breiten INassen angepaßte hygieuisch-medizinische Belehrung und Ausklärung. Amgestallung der heutigen volksgesvndheiMche« Arbeit in um- sassende volksgesnndheltspslege. Ausdehnung aller gesundheitsfördernden Alaßnahmen auf sämtliche Teile der De- völkerung. Di« sozialdemokratischen Aerzte fordern in diesem Sinne B e- tätigung in der wissenschaftlichen Lausbahn und stärkere Heranziehung als Fachleute in der Verwaltung des Gesundheitswesens, um der gesundheitlichen Versorgung der arbeitenden Bevölkerung besser dienen zu können. Ihre Mitarbeit in ollen Organisationen der sozialistischen Arbeiterbewegung, bei Arbeiter-Samariterbund, Arbeiterwohlsahrt, Arbeitersport, Frauen- bewegung, Arbeiterobstinentcichewegung und vielem anderen ist schon heute weitgehend vorhanden. Sie fordern Umgestaltung des medizinischen Stu- d i u m s an den Universitäten, um nicht den Minderbemlltellen vom Arztberuf auszufchließen: deswegen auch ausreichend« Besoldung der Medizinalpraktikanten und Schaffung genügend besoldeter Stellen zur Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses. Sie fordern Forschung und Lehr« auf dem Gebiet der sozialen Hygiene in einem ihrer Bedeutung entsprechenden weiten Umfang« und für den Studenten die Möglichkell, sich auf der Hochschule auch mit der historisch-materialistischen Betrachtungsweise vertraut zu machen. Der Kamps gegen wirtschastliche und kulturelle Reaktion, um Erhaltung und Ausbau der sozialen Versicherung wird von einer immer mehr zunehmenden Zahl von sozialdemokratischen Aerzten, die sich organisatorisch in der Arbeitsgemeinschaft sozial- demokratischer Aerzte zusammengeschlossen hoben, gemeinsam mit den anderen Organisationen der Sozialdemokratischen Partei ge» führt. An das Referat schloß sich«in« länger«, sehr lebhaste Aus- sprach«. Die Forderungen des Genossen Knack fanden allseitige Zustimmung._ Schober Zustizmimsler»an Oesterreich. Der österreichische Bundespräsident hat den Iustizminister Dr. Schürff vom Amt enthoben und gleichzeitig den Bizetanzler Dr. Schober mit der vor- läusigen Führung der Geschäft« de» Justizministers betraut. Rqkoro darf wieder reden. Zum ersten Male nach einer längeren Pause tritt der frühere Vorsitzende des Rate» der Volkskommiisare der Sowjetunion. Rykow. der bekanntlich vor kurzem zum Post- kammissar ernannt wurde, wieder in der Oefsentlichkeit hervor. Auf der Vundeskonferevz der Arbeiter des' russischen Post, und Tele- araphenwesen« in Moskau hielt Rykow«in- längere Red«, di« sich allerdings ausschließlich aus paftosische Frag« beschränkt«,______ piccard vor dem Mikrophon. Oer Flog ins llnendliche. Vor dem Mikrophon des Münchener Senders wurde Professor Piccard interviewt. Seine Worte drangen über ganz Deutschland, bis nach Oslo, bis in die Schweiz. Die Entfernungen, die sie überbrückten, scheinen nicht mehr so groß, wenn man bedenkt, daß sein Ballon ihn in Person innerhalb von 2-5 Minuten in 16 Kilometer Höhe emportrug. Piccard bekannte sich m dem Interview als geübter Ballonfahrer, der mll diesem Stratosphärenstug seinen drei- zehnten Aufstieg unternahm. Schon vor zehn Jahren hat er die Pläne dazu erwogen, auch Versuche für einen Aufstieg mll Raketen- antrieb gemacht. Bei seinen Untersuchungen über Gammastrahlen wurde der Wunsch wach, diese komische Strahlung eingehender zu untersuchen, was erst unter einem Druck von einem Zehntel Atmo- sphäre, also in 16 Kilometer Höhe etwa, möglich ist. Das Raketenflugzeug, dem Professor Piccard eine Zukuirst prvphezett, ist technisch noch nicht erprobt: also kam nur der mit Wasserstoff gefüllte Ballon in Frage. Augsburg wurde als Aufstiegsort gewählt, weil es in der Gegend Europas liegt, die am weitesten vom Meer entfernt ist, und außerdem, well die große dort befindliche Ballonfabrik das ge- eignete Hilfspersonal stellen konnte. Der etwas überstürzte Ausstieg des Ballons wurde von seinen Insassen weniger störend empfunden als das Flattern der ungefüllten Teile, die auf die geschlossene Gondel Hämmer- ten. Aus der Höh« von 16 Kilometern war die Erde nur in kleincn Ausschnitten sichtbar: nur der Lech blieb lang« im Blickfeld. Die über ihr lagernde Dunstschicht wurde vom Blick in senkrechter Rich- tung gut durchdrungen: wenn man jedoch aus den Seitenluken auf sie blickte, erschien sie undurchsichtig verdickt. Der Himmel war schwarzblau. Di« nicht von der Sonne beschienenen Teile der Gondel bereiften von innen bei einer Außentemperatur von etwa 55 Grad unter Null. Dagegen stieg bei Besonnung die Jnnentemperatur bis auf 42 Grad Warme. Bald nach dem Aufstieg stellten die Balloninsassen fest, daß das Ventil nicht in Ordnung war. Im Bordbuch befindet sich um 9,46 Uhr die Feststellung, daß das Ventil bei dem Versuch, es zu ösfnen, versagt. Etwas später:„Wir sind Gefangene der Lust: verurteilt zu warten, vielleicht bi» 2, 3 oder 4. Dann kommen wir herunter." Zehn Stunden in einer engen Gondel eingeschlossen, studieren die beiden Gelehrten das langsame Sinken des Ballons am Barometer Es erscheint ihnen als kein großes Unglück, etwas länger in der Luft bleiben zu müssen. Sie wissen, daß mit unter- gehender Sonn« der Ballon sinken muß. Er ist so gut gearbeitet, daß keine unbeabsichtigte Gasabgabe durch die Nähte eintritt. Gesahr droht erst, wenn der Sauerstoff knapp oder in zu großer Hohe die Gondel undicht wird. Gegen 8 Uhr hielt der Ballon noch immer «ine Höhe von zwölf Kilometern: dann siel er rascher. Piccard bracht« den inneren Druck allmählich in Einklang mit dem Aeußcren, so daß er bei 43rvit. S>i»nfl4a(X. folflenA« IkranfMIluiifflcn: Xattaxfl: Zuaevdbeim L-chrter Stt. itz— 19.— Achtender«: Wir besuchen die v-rsammluna b«, ZSerbebeeiris.— vfte»: Wir besuchen die Setfammfiin« de» äBftbedejitfs.',• ZZerantwortlich fllt Politik:£r. Smi«eqer! Wirtschaft:b>w«ki: Lokale» und Öonftifle«:«rif, Ratflobt; Zn�eia-n: Id. Sl»S«! sämtlich in Berlin. Berla«: DorwLrt»-Berla«®. m. b.©.. Berlin. Stuck: Bormärts.Buchdruckeret und Lerlaa»instalt Paul Sinqer u. 1.08 Sdiinkenpolnisdie 1.08 Holsfeiner L*i!�i'*'ptund 1.30 Teewurst fein« u. grob* 1»35 Speck'»»0.68 mazae. Pfd. 0.88 Schinkenspecfc1� PnfnS 138 Gekochter Schinken A ,Q geschn� o» Sdiwart«, V* PW. Konserven � _ OoM Gemischtes Gemüse 0.60 Apfelmus........ 0.65 Aprikosen»->©» p-u-b» 0.95 Ptlaumen-Xonfitüre 0.90 Käse u» Fett Camembert 0.20 HarzerkSse pm.>»»»1,0.32 Briekäse-->>">>"..Pfund 0.55 Hollander �flÄnd 0.72 Tilsiter voll,»H, Pfand v, an C./S Margarine"'�«0.75 Molkereibutter Pfand 1.26 Markenbutter allar- feinste 1.48 3lr. 251» 45. 3öfjr0äitfl Dienstag, 2. Luni 1931 Mlznungselena mmg gevesserl. I'agung 6er Kommunalen Vereinigung für Wohnungswesen. Die Kommunale Vereinigung für Wohnungswesen halte zu Ihrer lZ. Hauptversammlung nach dem Sladlver- vrdnelensitzungssaale Im Verllner Rathause geladen, wie der Vor- sihende Sladlbaudlrekkor Dr. Gut- München In seiner VegrüHungs- anspräche hervorhob, waren der Einladung sehr zahlreiche Mit- glieder aus allen Teilen der deutschen Republik und auch des Aus- landes gesolgl. Als Vertreter der Stadl Verliu war Bürgermeister Dr. Elsas anwesend. Im Namen Berlins und der städtischen Körperschaften hieß Dr. Elsas die Vereinigung willkommen und wünschte den Vsr- Handlungen guten Erfolg. Er wies daraus hin, daß die finanzielle Lage in den deutschen Gemeinden im Widerspruch mit der Not- wendigkeit der Behebung des Wohnungselends stehe. Da» sei be- sonders in Berlin der Fall. Wichtig sei die Lösung de» Problem« der großen und mittleren Alt-Wohnungen, damit eine Katastrophe vom Grundbesitz ferngehalten würde. Zur Einführung in. das vielseitige Wohnungswesen der Stadt LerNn hielt der stellvertretende Geschäftsführer der Wohnungsfürsorge- gcsellschast Berlin, Dr. Heinrich, einen interessanten Bortrag. Die Wohnungssürsorgegesellschaft, so führt« der Redner au«, ist ein reine» städtische» Finanzierungeinstitut. Es unterscheidet sich grundsätzlich von den staatlichen Wohnungefürsorgegesellschaften. die in der Provinz arbeiten. Während die Berliner städtische Ge« sellschaft selbständig über die Wohnungsbaumittel verfügt, haben die staatlichen Gesellschaften in der Provinz mit der Berteilung der Hauszinssteuermittel nichts zu tun. Die Fürsorgegesellschaft in Berlin hat in ihrer VjäHrigen Tätigkeit 750 Millionen M. allein an Hauszinssteuermitteln dem Wohnungsbau zugeführt. In dieser Zeit sind in Berlin etwa 135 000 Wohnungen finanziert worden, in denen eine halbe Million Menschen Unterkunft gefunden haben. Beeinträchtigt wurde der Wohnungsbau in Berlin durch die Abführungen an den staatlichen Wohnungsfürsorgefond«, die di« zum Jahre 1930 bereite 315 Millionen M. umfaßten, da« sind Mittel für 50 000 Wohnungen, die den Berliner Steuerzahlern und der Berliner Wirtschaft verloren gegangen sind. In diesem Jahre kommen weitere 50 Millionen hinzu. Die Zukunft de« Berliner Wohnungsbaue» ist noch immer ungeklärt. Die plötzliche Abdrostelung des Wohnungsbaues bringt die Berliner Bauwlrischaft in eine äußerst schwierige Situation. Trotzdem zur Zeit noch 20 000 Wohnungen im Bau begriffen sind, sind im Berliner Baugewerbe schon 70 000 Arbeiter erwerbslos, gegenüber 30 000 im Vorjahr. Wie sich di« Lerhältnisie im Herbst gestalten werden, ist nicht auszudenken. In den früheren Jahren wurden etwa 800 Wohnungen in Einzelsiedlungen mit Hauszins- steusr'yypocheken finanziert. Diese Tätigkeit mußte jetzt sehr«in- geschränkt werden. Erheblich« Bedenken steigen auf bei der„Neuen Politik" des Reiches im Wohnungsbau. Der Wohnungsbestand Berlins, der insgesamt IL Millionen umfaßt, wie« 192? bereit« 266 000 Wohnungen zu zwei Räumen und über 56 000 Wohnungen nur zu einem Raum, also ein Drittel an Kleinstwohnungen auf. Ein weiteres Drittel umfaßten Mittelwohnungen der kleinsten Kategorie bis zu drei Zimmern. Die Stadt hielt e« daher für de- sonder« notwendig, auch die einfachere Mtttelwohnung zu pflegen. Gerade für diese Mittelwohnungen besteht ein großer Bedarf. Im letzten Jahre tonnten unter schwierigsten Lerhältnisten 40 000 solcher Wohnungen geschaffen werden. Infolge der schwierigen Geldoerhält- nisse macht sich bei den Bauherren eine weitgehende Zurückhaltung bemerkbar: die privaten Bauherren scheinen da« Interesse für di« Zukunft völlig verloren zu haben. Die weitere Zu- tunst über da» laufende Baujahr hinaus erscheint wenig aussichtsvoll. Oberbürgermeister Dr. Luppe- Nürnberg sprach sich dann über die Wohnungsfrage in den Großstädten au». Cr vertrat die Ansicht, daß die herbe Kritik, die der Enqueteausschuh de» vor- läufigen Wirtschaftsrates an der Finanzierung des Wohnungsbaues geübt habe, sich durch den eingetretenen Preissturz als vielfach falsch erwiesen habe. Auch der eigene Vorschlag des Ausschusies auf Be- schräntung der Gewährung fester Mietszuschüsie ist nicht gangbar, weil es«in ungeheures Geschenk aus Steuermitteln an alle Haus- erbauer darstellt. Zur Deckung des Zehlbedarfs ist der Wohnungsbau mit ösfenl- lichen Mitteln noch mehrere Zahre zu versorgen, daher müssen aus- reichende Hauszinssteuermittel noch auf Zahre hinaus zur Verfügung gestellt«erden. Die Gewährung zweiter Hypotheken für den Kleinwohnungsbau wird ohne Mithilfe der Gemeinden noch un- möglicher sein als wie vor dem Kriege. Noch dringlicher wird die Ge- Währung öffentlicher Mittel sein für Wohnungen für Kinderreiche, Tuberkulose und Obdachlose. Für diese Aufgaben wird ein Teil der hauszinssteuer noch lange verwendet werden müssen. Die Wünsche der deutschen Mittelstände brachte Oberbürger- meister Dr. Fresdorf-Brandenburg/H. zur Sprache. Er trat für den Bau billiger Kleinwohnungen ein und forderte zur Be- friedigung der Bautätigkeit ausreichende hilf« der öffentlichen Hand. Er betonte mit Nachdruck die Beibehaltung der hauszinsfleuer. Besondere Bedenken erregte die vom Reich gefordert« Verkleinerung der Wohnungsgrößen vom gesundheitlichen und bevölkerungs- politischen Standpunkte. Die Hauptsache einer gemeindlichen Woh- nungspolitik müsse die Erzielung einer tragbaren Miete sein. die Mittelstädte sind zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Stadtrandsiedlung zu fördern ist in Form von kleinen Eigenheimen mit Gartenland, die von Selbstsiedlern mit hilf« der Stadt gebaut und stnanziert werden. Ueber die Wohnungsnot in Kleinstädten äußert« sich Dr. Schröter, Bürgermeister von Selb in Bayern, der u. o. ausführte: Auch die Kleinstadt benötigt Wohnungshilfe: zunächst durch Wohnungsbau, und zwar durch Errichtung billiger Kleinwohnungen. Armut und Arbeitslosigkeit lassen die Kleinst- wohnung von nur einem Zimmer und Küche gegenwärtig di« meist begehrte Wohnung in Jndustriebezirken sein. Der Bau kleinster Zweifamiltenhäuser in Reihenform mit Garten erscheint als günstigster Wohnungstyp. Die Finanzierung ist in Kleinstädten nur durch S t a a t« darlehen aus der hauszinssteuer mögliche Zum Schluß sprach noch Landrot K n u tz e n- Wandsbek über die Wohnungsfrage in den Landkreisen. Auf dem Lande treten besonder» die UeberMung der Wohnung und da» Wohnungselend hervor. Die Landflucht entblößt da» flache Land von Menschen, vergrößert aber stet» da» soziale Elend in den Großstädten. Die Umsiedlung von Teil«, der städtischen Bevölkerung auf da» Land ist wichtig für die Erhaltung den Landbevölkerung. Die Landkreise können sich nicht mit der Kürzung der Wohnungsbau- mittel einverstanden erklären. Das ist gleichbedeutend mit dem völligen Aufhören der Bautätigkeit auf dem Lande. Ohne staatliche Hilfe ist keine Fürsorge auf dem Lande möglich. Die Landkreise fordern daher weitere Ueberweisung von Staatsmitteln. Nach Schluß der Vorträge stellte der Vorsitzende Dr. Gut fest. daß sämtliche Redner darüber einig waren, daß Wohnungsnot und »elend leider gleichmäßig fortbestehen, daß die Mitarbeit der Ge- meindeverwaltungen zur Behebung der Not weiter dringend erforderlich ist und daß Hauszinssteuermittel, überhaupt Gemeindemittel. für die Wohnungsbedürfnisie weiter sichergestellt werden müsien. .Ja ist Nichte dabei, Sie werden mich gleich verstehen. Einen Moment." Er zog die orangefarbenen Stiefel über die nackten Füße, schritt durch das Zimmer und begann:„Welche Grenze haben Sie überschritten? Die polnische? französische? rumänische? Das muß ein teures Vergnügen sein. Ein Be- kannter von mir wollte unlängst über die Grenze. Cr wurde von der Grenzwache arretiert, saß sechs Monate im Gefäng- nis und nachher wurde er aus dem Fachverband ausgeschlossen. Sind Sie auch über die polnische Grenze gekommen?" „Mein Ehrenwort", beteuerte Worobiew. Plötzlich fühlte er sich irgendwie abhängig von dem redseligen jungen Mann. der ihm bei der Suche nach den Brillanten den Weg vertrat. „Mein Ehrenwort, ich bin Sowjetuntertan. Schließlich kann ich Ihnen ja meinen Paß zeigen..." „Bei der jetzigen Entwicklung der Druckindustrie im Westen ist es eine ziemlich leichte Sache, einen Sowietpaß zu fälschen. Es ist lächerlich, davon zu sprechen. Ein Bekannter von mir hat sogar Dollars gedruckt. Und Sie können sich denken, wie schwer es ist, Dollars zu fälschen! Da braucht man schon ein gehöriges technisches Wissen. Cr hat sie mit Erfolg auf der Moskauer schwarzen Börse vertauft. Später kam es heraus und der Käufer, sein Großvater, ein bekannter Bankier in Kitzw, wurde finanziell total zugrunde gerichtet. Aehnlich kann es Ihnen auch mit ihrem Paß geschehen." Worobjew verdroß es. daß er jetzt, statt sofort energisch auf die Brillantensuche zu gehen, in einer übelriechenden Hauemeisterwohnung saß und die Erzählungen eines jungen Frechlings anhören mußte, der über die dunkeln, kriminellen Handlungen seiner Bekannten schwatzte. Die Befürchtung stieg in ihm auf, der indiskrete Mensch könnte in der ganzen Stadt von der Ankunft des gewesenen Vorsitzenden de« Gudernial- Adel« erzählen. Dann war alle» zu Ende. Dann fiel er der GPU in die Hände. .Sagen Sie doch, bitte, niemandem, daß Sie mir de- gegnet sind", bat Worobjew.„Man könnte am Ende wirtlich glauben, ich sei Emigrant." „Das ist genial. Ersten«, Tatsache: ein Emigrant ist da. der in seine Gsburtsstadt zurückgekehrt ist. Zweitens: er fürchtet, man könnte ihn arretieren." .�ch habe Ihnen doch hundertmal gesagt, daß ich kein Emigrant bin!" „Was sind Sie also? Wozu sind Sie hergekommen?" „Zch komme aus R. in einer wichtigen Angelegenheit." .Ln welcher Angelegenheit?" „In einer privaten Angelegenheit." „Und dann wollen Sie noch behaupten, daß Sie kein Emigrant sind? EiNer meiner Bekannten ist auch gekommen." Jetzt aber war Worobjew durch die Bekanntengeschichte an den Rand der Derzweifuing gebracht. Er sah ein, daß er Ostap aus seiner einmal eingenommenen Position nicht ver- drängen konnte und er ergab sich in sein Schicksal.„Run gut", sagte er.„ich werde Ihnen alles erzählen." — Schließlich ist es schwer, ohne irgendwelche Hilfe— überlegte Worobjew— nnd er scheint mir ein durchgetriebener Mensch. So einer kann hier von Nutzen sein.— Worobjew nahm den fleckigen Hut vom Kopf, kämmte seinen Schnurrbart, der bei jeder Berührung des Kammes Funken sprühte, räusperte sich energisch und erzählte Ostap Bender, dem ersten besten, alles, was er von den Brillanten seiner Schwiegermutter wußte. Im Laufe der Erzählung sprang Ostap einige Male auf und kreischte entzückt.„Meine Herren Geschworenen, das Eis hat sich in Bewegung gesetzt, die Kugel kommt ins Rollen!" Und etwas später saßen die beiden schon gemeinsam am wackeligen Tisch und studierten, während sich ihre Kövse de- rührten, die lange Liste der Schmucksachen, die einst Finger. hals, Busen und haar der Schwiegermutter geschmückt hatten. Worobjew schob seinen Zwicker zurecht, der ihm nicht fest genug auf der Rase saß und konstatierte mit Betonung:„Drei Perlenschnüre... Ja. ich erinnere mich. Zwei zu vierzig Perlen und eine mit hundertzehn. Ein Brillantanhänger. Klawdia Iwanowna sagt«, er sei vierzigtausend Rubel wert, alt« Arbeit." Dann kamen die Ringe, nicht dicke, läppische, billige Ehe- ring«, nein, feine, leichte, mit reinen Brillanten, schwere, blitzende Ohrgehänge. Armbänder in Schlangenform, mit Smaragdenschuppen. Ein Kollier, das den Wert einer Ernte von zweitausend Morgen Korn hatte. Ein Perlentollier, das Wohnungsnot in aller Welt. Internationaler Kongreß für Wohnungsbau. Am Montognochmittag fand in den Kroll-Festsälen ein Empfang des Internationalen Kongresses für Woh- nungswefen und Städtebau durch die Reichsregierung, die preußische Regierung und die Stadt Berlin statt. Der preußische Wohlsahrtsminister hirtsieser als Ehrenpräsident des Kongresses begrüßte die Anweisenden, die sich zusammengefunden hoben, um die Probleme der Wohnreform und des Städtebaues zu besprechen. Der Druck der Wohnungsnot lastet auf fast allen Kultur- Völkern. Die Wege zur Abhilfe können verschieden sein,>doch wird die zielbewußte staatliche Führung nirgends zu missen sein. Alle Rationalisierung der Bautechnik kann nur zum Ziele haben die Verbilligung der Miete und die Schaffung neuer Wohnungen, die dem Einkommen der breiten Masse ongemesten sind. Reichsarbeiteminister Stegerwald betonte, daß von ollen Ländern die deutsche Wohnungswirtschaft am schwersten zu leiden gehabt hat. Im Gegensatz zu früher wird heute viel öffentliche, Kapital zum Wohnungsbau besonders für die ärmere Bevölke- rung oerwandt. Wohl find gewaltige Ansätze zu sehen, aber immer noch ist die Zahl der Wohnungssuchenden groß und wir können leider immer noch viele Beispiele übervölkerter Wohnviertel zeigen. Auch Oberbürgermeister Sa hm wies auf die wirtschaftlichen Schwierigkeiten hin, die sich auch in Berlin dem Wohnungsbau in den Weg stellen,, und begrüßte es darum lebhaft, daß nicht nur die Neubaufrage, sondern die ganze sozialpolitische Bedeutung der Woh- nungswirtschast und-pflege zum Gegenstand der Beratungen de» Kongrestes gemacht würden. Weitere Begrüßungsreden hielten der Präsident des Deutschen Städtetages. Dr. Mulert, der Präsident de» Internationalen Verbandes für Wohnungswesen und Städtebau (Sitz London), Dr. Unwin, und der Präsident des Internationalen Verbandes für Wohnungswesen(Sitz Frankfurt), unser Genast« W i b a u t aus Amsterdam. Am Vormittag fanden im Marmorsaal des Zoo Lichichilder- Vorträge über da» Thema: Das Vertehrsproblem in den Großstädten, statt. Stadtbaurat Dr. Adler sprach über die Berliner Verhältnisse, zeigt« die Entwicklung de» Omnibus- und Gtraßenbahnnetzes und der Untergrundbahn und wies auf die wichtig« Aufgab« der Stadt-, Ring, und Borortbahn zur Erschließung von Vororten und Gartenland hin. Neue Projekte zur Verkehrsentlastung wurden im Bild gezeigt, der Bortragende betonte jedoch, daß bei der jetzigen schlechten wirtschaftlichen Lage keine Mittel zur Durchführung vorhanden seien. Ein Vertreter aus England zeigte an Londoner Bildern die verkehrstechnischen Pro- bleme der englischen Hauptstadt. Neichsiagung der Zreien Hausbesitzer. Das soziale Mietrecht muß gewahrt bleiben! Der Reichsoerband der Freien Hausbesitzer Deutschland» hielt im Gewerkschaftshaus sein« Reichs- tagung ab, zu der zahlreiche Vertreter aus ollen Teilen des Reiches erschienen waren. Seine Hauptaufgabe sieht der Verband darin— was auch in den Bortrögen und der lebhaft geführten Diskussion zum Ausdruck kam—. im Rahmen der Reichsoersossung zu einem gedeihlichen Zirfammenardeiten mit der Mieterschast zu kommen. wobei der Hausbesitz auch der gesetzlichen Schutzmaßnahmen bedarf, damit er nicht in wirtschaftlich schweren Zeiten aufgerieben wird. Fast all« Mitglieder sind Sozialdemokraten, di« als Funktionär« in den zahlreichen Miete- und Wohnungsfragen der Partei treu« Dienste leisten. Ein Referat des Genossen T u r e k au» Freital in Sachsen behandelte„Werbung und Organisation de» Verbandes". wobei der Rebner vornehmlich für di« Schaffung einer eigenen Haftpflichtversicherung eintrat. Aus der Tagesordnung des Sonn- tag« ist der Dortrag de« Genosten P r ei ßl er-Altenburg zu er- wähnen, der über das Verhältnis de» Reichsverbandes der Freien sich eigentlich nur eine Operndiva leisten konnte. Ein Diadem aber, im Wert von vierzigtausend, krönte alles. Worobjew sah sich um. In den dunkeln Winkeln der Hausmeisterwohnung leuchteten und zitterten die Strahlen der Frühlingssonne. Ein undefinierbarer Dunst lag im Raum. Perlen rollten über den Tisch und hüpften auf der Diele. Ein köstlicher Zauber ließ die beiden erbeben. Der erregte Worobjew kam erst zu sich, als Ostap sich zu ihm wandte:.Leine schlechte Wohl. Ich sehe, daß die Steine mit Geschmack ausgesucht waren. Was war der ganze Krempel wert?" „Siebzig bis fünfundsiebzigtausend." „Mhu... Jetzt also hat das olles einen Wert von hundertfünfzigtausend." „Wirklich, so viel?" fragte Worobjew sreudig. „Nicht weniger. Nur müssen Sie, teurer Genosse aus Paris, da» alles laufen lassen." „Wieso laufen lassen?" „Es würde ja doch nichts Gutes dabei herauskommen", antwortete Ostap. „Warum denn nicht?" „Darum. Wieviel Stühle sind es gewesen?" „Zwölf. Eine Zimmergarnitur." „Ihre Garnitur ist sicher schon längst in den Ofen ge- wandert." Worobjew erschrak so sehr, daß er vom Sitze ausfuhr. „Sachte, sachte. Die Sache werde ich deichseln. Die Sitzung dauert weiter. Wir beide müssen ober einen kleinen Vertrag schließen." Der schwer atmende Worobjew nickte zum Zeichen des Einverständnisses. Dann begann Ostop Bender seine Bedin- gungen auszuarbeiten. „Im Falle des Zustandekommens des Schatzes bekomme ich. als technischer Leiter des Unternehmen», sechzig Prozent." Worobjew wurde bleich.„Das ist eine Räuberei." „Wieviel wollten Sie mir denn anbieten?" „R— nun. fünf Prozent, schließlich auch zehn Prozent. Da» wären doch fünfzehntausend Rubel!" „Weiter fehlt Ihnen nicht»?" „R— nein." „Bielleicht möchten Sie auch noch, ich soll Ihnen den Schlüssel von der Wohnung geben, wo der Schatz liegt. Und Ihnen obendrein noch den Ort angeben, wo Sie vor der Miliz sicher sind?"(Fortsetzung folgt.) Hausbesitz«? zu dem rechtsgerichteten(Lodendorf fschen) Hausbesitzer- Verband sprach. Die einseitige politische Einstellung des Verbandes erfuhr man durch die Mitteilung, daß Lodendorff aus der Ver- bandskafse 3000 Mark als Beitrag zum Stahlhelm-Volksbegehren gestiftet hat; jedenfalls ein« recht eigenartige Verwendung der Mit- gliederbeiträg«. Im Dortrag« des Senatspräsidenten Zl. Frey- m u t h- Berlin wurde betont, daß das neue Miet- und Wohnrecht ein soziales Werk sein muß, das den Schutz der wirtschaftlich Schwachen in sich saßt. Gleichzeitig soll es neben den Interessen des Mieters den berechtigten Interessen des nicht spekulativen Haus- besitzers dienen. Der Verband legt den größten Wert darauf, daß die Frage des Miet- und Wohnrechts im Einvernehmen mit den Mieterorganisationen geregelt wird. Auch der Verband der Freien Hausbesitzer verlongt eine baldige gesetzliche Verabschiedung des Wohnheimftättengesetzes. Tragödie eines SO jährigen. Mordversuch und Selbstmord. Einen gefährlichen Kampf mit einem 80jährigen Mann hatte ein Berliner Kriminalsekretär zu bestehen. In der Ortschaft Drewitz besitzt der 60 Jahre alte Kriminal- sekretär Richard W i e n e ck e in der Potsdamer Straße 22 ein kleines Häuschen, das er an einen 80 Jahre alten Rentner Max Herz- b a ch vermietet hatte. Da der Kriminalsekretär pensioniert wird, brauchte er die Räume für sich selbst und kündigte dem Mieter. Er hatte auch noch einen anderen Grund, der ihn zur Kündigung veranlaßte. Herzbach hotte die Wohnung vollkommen verwahrlosen lassen. Der Mieter weigerte sich, auszuziehen, und es kam sogar zu einem Prozeß, der jedoch für den Kriminalsekretär günstig endete. Herzbach hätte am 1. Juni die Wohnung rärunen müssen. Am Sonntag suhr Wienecke hinaus. Herzbach bat ihn» in seine Räume zu kommen, da er die Miete bezahlen wollte. Als Wienecke sich setzte, um die Quittung zu Unterschreiben, schlich sich her Greis mit einem Beil h intdr den Stuhl und hieb auf den Kriminalbeamten ein. Zum Glück wehrte dieser den Schlag mit dem erhobenen Arm ab, so daß er nur eine leichtere Verletzung davontrug. Als der rabiate Mann den Hausbesitzer noch mit einer Pistole bedrohte, holte Wienecke sich den Landjäger und den Amts- vorsteber als Beistand. Beiden gelang es nicht, den Wüterich, der mit Beil und Schußwaffe drohte, zu bewältigen. Das herbeigerufene Ucberfallkommando entschloß sich, die Tür des Zimmers aufzu- brechen. Ehe noch die Beamten eindringen und Herzbach festnehmen konnten, jagte er sich aus der Pistole eine Kugel in den Kopf. In den Mvrgenstunden des Montag ist er an den Folgen der Der- letzungen gestorben. Lteberfalle auf Lebensmiitelgeschäste. Bedenkliche Symptome der Not. Sechs jung« Burschen drangen am Montagmittag gegen 12.45 Uhr in das Lebensmittelgeschäft von Norb- st« r n. Gerichtstraße 8, ein und«Mwendeten Lebensmittel in oller- dings nur geringer Menge. Die Diebe sind unerkannt entkommen. Etwa anderthalb Stunden später drangen zehn Personen in die Verkaufsräume der gleichen Firma in der Ofener Straße 14 ein. Hier gelang es ihnen» etwa 25 Kilo- gramm Wurst- und Fleischwaren zu erbeuten. Auch hier sind die Täter unerkannt entkoinine«. »PMWvr.-.-:--.•««••—...... Aestätigies Todesurteil. Gegen den Büdner Koge» Potsdam. Leipzig, l. Juni. Das Schwurgericht Potsdam oerurtellte am g. März l931 den Büdner Friedrich Kage wegen Mordes zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Kage hat in der Rächt zum 5. Januar 1930 den schwachfinnigen 86jährigeu früheren Besitzer seines Anwesens, der ihm aus vielen Gründen lästig geworden war, mit einer Axt erschlagen. Gegen das Urteil hatte Kage Revision eingelegt, die vom zweiten Strafsenat des Reichsgerichts am 1. Juni verworfen wurde. Das Reichsgericht konnte keinen Rechtsirrtum in dem Urteil der Borinstanz finden, namentlich aber erachtete es die Ueberlegung beider Tat für geuügend festgestellt. Das Todesurteil ist damit rechtskräftig geworden. Anschlag auf einen D-Zug. 1000 Mark Belohnung für die Ergreifung der Täter. Hannover. 1. Juni. In der Nacht zum 1. Juni wurden zwischen den Bahnhöfen Oebisfelde und Borsfelde von unbekannten Tätern zwei eiserne Eggen und«in Hemmschuh auf die Gleise gelegt. Der D-Zug 6 schleifte diese Gegenstände eine Strecke mit, konnte ober nach Halten auf fteier Strecke und Wegräumen des Hinder- nisies unbeschadet seine Fahrt fortsetzen. Die Reichsbahndirektion Hannover hat für die Ergreifung der Täter eine Belohnung von 1000 M. ausgesetzt. Hausangestellte erschießt Olenstherrin. Liegalh, 1. Juni. Am Montag» ormittog wunde hie Frau des Obertelegrophen- fekveiörs Menzel von ihrer Wohirung aus erschossen, während sie in ihrem Garten weilte. Als Täterin wurde die Housan gestellte der Fron Metzzel, Hilde Arnold aus Berlin, verhaftet. Frau Menzel war kürzlich verreist und hatte nach ihrer Rückkehr be- merkt, daß in der Wohnung Verschiedenes fohlte. Sie schloß deshalb am Vormittag. dos Mädchen m seinem Zimmer vin und be- nachrichtigte die Kriminalpolizei. Roch bevor die Polizei eintraf, schoß das Mädchen ihre Dienlscherrn, durch das geschlossene Fenster des Zimmers nieder. Fliegerbombe in ein Wohnhaus gefallen. Krakau» 1. Juni. Gestern vormittag fand«in Uebungsflug eines Bombengeschwaders über Krakau statt. Bon einem Flug- zeug löste sich eine Fliegerbomb« und fiel auf das D a ch eines Bororthanfes, durchschlug dieses und explodierte im Treppen- Haus, das vollständig vernichtet wurde. Das Haus wurde auch sonst stark beschädigt. Personen wurden nicht verletzt. »wserllmer Hodislaplcr als Adliger. Freund einer Prinzessin und Ehrengast der Hapag. vor dem Schöffengericht Berliv-Mitte stellte sich ein Hans Karl Demut als Arnim von der Mühleu vor. ein Mann mit ver- fchiedeoen Vorstrafen, u. a. auch solche vo« 2 und 4 Jahren Gefängnis. Bevor er in Amerika sich den Ikameu von der Mühlen zulegte. hatte er in Europa unter seinem eigenen und fremden Namen tolle Dinge getrieben. Sein erstes Debüt gab er als Neunzehnjähriger, indem er seinem Bater, einem Juwelier, mit Brillanten nach Amerika durchging. Man holte ihn zurück und setzte ihn für 10 Monate ins Gefängnis. Aus dem Heer desertterte er. Das Verfahren gegen ihn wurde au» dem§ 51 eingestellt. Er versuchte sich in verschiedenen Betrügereien und in Flugzeug- fabriken, heiratete die Tochter eines Rittergutsbesitzers und hatte ein Jahr später, im Jahre 1918, die gesamte Mitgift, etwa 100 000 Mark, in einer von ihm gegründeten Flugzeugfabrit verschleudert. Gleich darauf begann seine adlige Bettügerlaufbahn in München. Er rettete hier angeblich den Prinzen Joachim, den jüngsten Sohn des Exkaisers und dessen Frau aus den Händen der Spartakisten, freundete ssch ganz besonders mit der Prinzessin an und machte ihr nach dem Tode des Prinzen, obgleich noch verheiratet, einen Heirars- antrag. Er verkehrte in Potsdamer adligen Kreisen, kaufte ohne ewe» Pfennig Geld in der Tasche für 150 000 M. ein landwirtfchaft- liches Anwesen, legte sich eine Pferdezucht an. versprach u. a. der Prinzessin ein monatliches Taschengeld von 10 000 M. und beschwindelte eine Reihe von Leuten um fast 200 000 Mark. Als er schließlich verhastet wurde, gelang es ihm unter Mit- nähme seiner Akten nach Salzburg zu flüchten! er wurde hier zum zweiten Male als Graf Münsterberg hinter Schloß und Riegel ge- setzt. Die Akten, so erklärte er, habe er mitgenommen und vernichtet» weil sich darin intime Briese der Prinzessin befunden haben. Nach seiner Strafverbühung ging er im Jahre 1923 nach Amerika:«in Dampfer der Hapag nahm ihn alsEhrengast in der ersten Klasse mit. Was er jenseits des Ozeans getrieben, weiß man nur aus seinen eigenen Erzählungen. Dies« klingen aber sehr phantasttsch Er will eine Gesellschaft mit 4 Millionen Dollar gegründet haben. «in« andere mit Millionen Dollar und schließlich in Los Angeles 33 Proz. der Anteile einer Gesellschaft besitzen, die mit 23 Flug- zeugen den Flugverkehr zwischen Mexiko und Vereinigten Staaten bestreitet. Den Namen von der Mühlen behauptet er mit Fug und Recht zu tragen: ein Besitzer ausgedehnter Goldminenfelder habe ihn adoptiert Er sei nach Europa nur aus dem Grunde zurückgekehrt, um im Reichspatentamt die Patente für sein« Erfindungen anzu- melden, u. a. die Konstruktion eines fechsmotorigen Flugzeuges, das SO Personen zu befördern imstande sei. Also kam er mit einem Paß, ausgestellt vom deutschen Konsulat in Beracruz, auf den Namen Arnim von der Mühlen zuerst nach London, von da nach Berlin, mietete hier Unter den Linden ein Büro für das zu gründend« deutsch-amerikanische Luftjchls-ijyndikat, nahm einen Portier 3000 M. Kaution ab, stellte seinen Lieferanten unzedeckt«, vordatierte Schecks aus, betrog ein Ehepaar um mehrere tausend Mark trnd landet« int Gefängnis. Das Gericht konnte trotz oll dieser fabelhaften, wie Ausschnitt« aus einem Abenteurerroman anmutenden Dinge nicht umhin, Herrn Demut alias von der Mühlen, den Freund einer Prinzessin und Ehrengast der Hapag, aus 7 Monate ins Gefängnis zu schicken. Die Spielgefährtin der Prinzessin. Reinfall einer Klatschbase. Einen kläglichen Rückzug trat vor dem Schöffengericht Lichterfelde eine Frau Irmgard Weber an. die sich wegen Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung des städtischen Reviersörsters Brede zu verantworten hatte. Seit Iahren verfolgte Frau Weber den Förster mit ihrer Rache. Sie hatte anonymeBriefe geschrieben, gegen ihn A n z e i g e n beim Magistrat und bei der Staatsanwaltschaft er- stattet und ihm die schwersten Verfehlungen nachgesagt. Frau Weber war früher Spielkameradin einer Prinzessin Reuß gewesen und hatte von dem Prinzen Friedrich Leopold von Preußen eine Freiwohnung in seinem Iagdschlöhchen„Drei Linden� erhallen. Der früher prinzliche, jetzt städtische Reviersörster Brede hatte seine Dienstwohnung in einem Nebengebäude des Schlößchens, und durch die enge Nachbarfchast war zwischen den beiden eine große Feind- schaft entstanden. Frau Weber stellte sogar Ermittlungen über den Förster an und bediente sich dazu auch mehrerer anderer Frauen. Die erhaltenen Auskünfte kehrte sie in ihr Gegenteil um und be- haupiete in ihren Anzeigen, daß der Förster Holzdiebstähle, Amts- Unterschlagungen und Berschiebungen von Forsteigentum oerübt habe. Das Tollste war, als sie ihm einen Drohbrief mit den ungeheuer- lichsten Anschuldigungen und Beschimpfungen übersandte, der die Unterschrift trug„Im Namen des Prinzen". Der Förster halle ein Schriftgutachten eingeholt, das einwandfrei Frau Weber als Briefschreiberin feststellte. In der Derhandlung räumte sie auch unumwunden dies« Tat- sachen ein und bat zur allgemeinen Ueberraschung ihren Anwalt, Justizrat Solomon, die Sache im Bergleichswege beizulegen. Sie gab auch zu, daß alle ihre Anschuldigungen gegen den Förster frei erfunden und ohne Grundlage seien. Sie erklärte sich bereit, ihrem Gegner die weitestgehende Ehrenerklärung abzugeben. Rechtsanwalt Dr. Arras, der den Nebenkläger Brede vertrat, verlangte nun ober die Kosten des gerichtlichen Verfahrens, des Schriftgutachtens und des Anwalts des Nebenklägers, die ins- gesamt mehr als 1000 M. betrugen, von ihr erstattet. Eine wettere Bedingung des Vergleichs sei auch, daß das Ehepaar Weber so schnell wie möglich sein Freilogis aufgeben und aus der Nachbarschaft des Schlosses„Drei Linden" verschwinden müsse. Mit all diesen Forde- rungenn war die Angeklagte einverstanden, so daß Brede unter Vor- aussetzung der Zustimmung des Oberbürgermeisters, der Sttafantrag gestellt hotte, sich mit der Einstellung des Strafverfahrens gegen Frau Weber einverstanden erklärte. Dafür, daß diese Frau einen ehrenhaften Mann jahrelang in der gemeinsten Weis« und, wie sse genau wußte, grundlos verfolgte,.ist. sie noch billig genug weggekommen. Nazi~Kollatz sticht sich selber So entstehen die Märchen von den Ueberfällen. Erst kürzlich wurde an dieser Stelle die Haftentlassung des Hakenkreuzlers Kollatz, der an der Ermordung unserer Parteigenossen Schröder und Gras in der Silvesternacht aktw beteiligt war, als unverständlich« Mild« der Strafkammer und des Äannnergerichts entsprechend gekennzeichnet Dieser Neunzehnjährige, ein aussichtsreiches Mttglied der notw- naksozialisttfchen Serbrechertrupps, zog am Sonntags rüh gegen 4 Uhr betrunken und sohlend durch die Chodowieckistraße; in der rechten Hand hielt er ein aufgeklapptes Messer, mit dem er rnifi» in der Lust herumsuchtelle. Bewohner, die durch den Lärm aus dem Schlaf geschreckt wurden und ans Fenster eillen, hörten, wie der Bursche immerfort schrie:„TU es« verfluchte SPD., diese oerfluchten Juden, wenn ich nur mein« Kanone(Revolver d. Red.) mithätte. Wenn ich erst rauskomme, muß jeden Tag einer fallen." Beim Hantieren mtt dem Messer brachte sich Kollatz in der Trunkenheit selber Schnittwunden an der Hand bei. Als das Ueberfallkommando, das von Bewohnern der Straße wegen des Ruhestörers alarmiert worden war, erschien, war der Bursche verschwunden. In einem Hausflur konnte er dann entdeckt und ins Präsidium gebracht werden. Der Hitler-Jünger hatte sich inzwischen nach bekannten Borbildern das Märchen von einem Ueber- fall, der auf ihn verübt worden sei, zurechtgelegt. Zu feinem Unglück nmrde aber das Messer von der Polizei gefunden und als Eigentum des„Ueberfallenen" festgestellt. Es muß dringend gefordert werdet daß Kollotz, bevor noch schlimmeres Unheil geschieht, unschädlich gemacht und wieder hinter Schloß und Riegel gebrocht wird. Polizei auf der Mördersuche. Kommunistisches Waffenlager entdeckt. Die Ermittlungen der Politischen Polizei des Polizeipräsidiums nach den Mördern des Polizeihauptwachtmeisters Zänkert, der am Senefelder Platz niedergeschossen wurde, haben bisher, trotz der ausgelobten Belohnung von 3 000 Mark, leider zu keinem positiven Erfolg geführt Die Nachforschungen gestallen sich schon aus dem Grunde sehr schwierig, da von den beiden Tätern nur höchst mangelhafte Personal- beschreibungen vorliegen. Zur Zeit wird einer Rech« von Spuren nachgegangen, und es ist zu wünsche«, daß die Mörder des Schupo- beamten recht bald dingfest gemacht werden. Einen anderen Erfolg hat die Aktion der Politischen Polizei aber gezettigt In einem Kelleroersteck im Norden Berlins, unweit des Tatortes, sind nämlich etwa 20 moderne Revolver und über 1000 Schuß Munition bei einer Durchsuchung des Gebäudes entdeckt und beschlagnahmt worden. Das geheime Waffenlager fft. wie zweffels- frei feststeht, von Kommunisten eingerichtet worden. Der Ort des Waffensundes wird aus begreiflichen Gründen von der Polizei vor- läufig noch gcheim gehallen. Genosse Reißner sehr schwer verletzt. Di« Verletzungen des sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten, Gen. Anton Reißner, der am Freitagabend bei den Tumulten in der Skalitzer Straß« von Kommunisten niedergeschlagen wurde, sind doch weit ernsterer Natur, als es zuerst den Anschein hatte. Genosse Reißner hat an der linken Kopfseite hinter dem Ohr einen tiefen Messerstich erlitten; außerdem ist ihm der rechte Oberarm gebrochen worden, so daß der ganze Arm in Gips gelegt werden mußte. Von den Rohlingen, die Reißner in dieser viehischen Weise zurichteten, fehlt bisher leider jede Spur. Wie wir noch erfahren, wohnt Genosse Reißner schon seit längerer Zeit nicht mehr in Eichwald«. Ein Mordschütze verhastet und geständig. Bei den Tumulten in der Skalitzer Straße war bekanntlich ein 62jähriger Maurer August Hahn aus Friedrichsfelde, der zur Stahlhelmiagung nach Breslau fahren wollte, von kommunistischen Gegnern durch einen Kopfschuß, getötet worden. Als Täter wurde von der Politischen Polizei der 18 Jahre alle Arveiter Willi U n r u h aus der Rigaer Straß« 89 ermittelt Der fugend- liche Täter hat bereits gestanden, den tödlichen Schuß auf Hahn ab- gefeuert zu hoben. Unruh wurde gestern abend festgenommen: be- reits heute soll er dem Richter vorgeführt werden. * Heute, Dienstag nachmittag, um 5 Uhr, findet auf dem Garni- sonfriedhof.Hasenheide(Eingang Rahe Flughafen) die Bestattung unseres treuen Parteigenossen, des von Kommunisten schändlich er- mordeten Polizeibeamten Paul Zänkert statt Dem Hausmeister S. Sttrke, Lichtenberg, Lückstraße S3. wurde am Montag im Lichtenberger Rathaus feine Tasche mtt wichtigen Dienstakten' und Invalidenmarken gestohlen. Der Bestohlen« bittet den Dieb wenigstens um Rückgabe der Akten. « Baukongresse in Berlin. Wohnungsbau und(Siraßenbau.— Korderungen zur Arbeiisbefchaffung. Im Rahmen der Berliner Bauausstellung Hot am Sonntag und Montag eine Reihe von Kongressen begonnen. Der I n t e r n a t i o- nale Wohnungskongreß, für den der Reichsarbeitsminister und der preußische Wohlfahrtsminister das Protektorat übernommen haben, wird vom Internationalen Verband für Wohnungswesen und Städtebauverein veranstaltet. Die Kommunale Vereini- gung für Wohnungswesen tagte bereits am Sonntag und brachte Ausführungen des Berliner Bürgermeisters Dr. Elsaß über die Bedeutung des Wohnungswesens der Großstädte. Der Nürnberger Oberbürgermeister Dr. Luppe referierte über die Woh- nungsfragen in den Großstädten, während Dr. Fresdorf, Bürger- meister in Brandenburg a. d. f)., die Bedeutung der Wohnungs- frage in den Mittelstädten beleuchtete. Di« Studiengesell- schaft für Automobil st raßenbau, die am Montag ihr« Tagung begann, hat es besonders mit den dringenden Problemen des Straßenbous und seiner Finanzierung zu tun. Dos Schwergewicht der Verhandlungen dieser Kongresse liegt einerseits auf der Betonung, daß die Wirtschast eines Landes nur dann leistungsfähig sein kann, wenn chr genügende Hilfsmittel (Straßen usw.) zur Verfügung stehen, andererseits wird die alte Tatsache unterstrichen, daß leistungsfähige Menschen nur in g e- sunden Wohnungen gedeihen können. Wirtschaftspolitische und sozialpolitische Gründe und Ueberlegungen führen hier zu einer Initiative, die sich gegen die Drosselung aus dem Bau- markt wendet und für Millionen, die heute aus dem Pro- duktionsprozeß ausgeschaltet sind, Arbeit schassen will. Auf dem Internationalen Wohnungskongreß sagte der preußisch« Wohlsohrtsminister H i r t s i e f e r, daß der Druck der Wohnungsnot neben den Jragen des Arbeits- markts das wichtigste Problem der Staatspolitik sei. Di« Rationalisierung in der Bouwirtschaft könne nur den Sinn haben und müsse darauf hinauslaufen, die Mieten zu verbilligen und die Mietpreise an das Einkommen der breiten Devölkerungsschichten anzupassen. In diesem Zusammenhang sei das Genossenschaftswesen besonders zu würdigen und für die Zukunft zu vertiesen. In den Altwohnungen seien erhebliche Teile des Volksoermögens angelegt. Der Staat habe die Aufgab«, darüber zu wachen, daß dieses Vermögen nicht der Vernichtung an- heimföllt. Damit ergeben sich Probleme der Enteignung und der Entschädigung, der Umlegung und vor ollem der Umsiedlung, die die Gesetzgebung in nächster Zeit beschästigen werden. Der Reichsarbeitsminister Stegerwald wies darauf hin, daß sich in der Nachkriegszeit die Notwendigkeit von Eingristen durch den Staat in das Wohnungswesen ergeben habe. Dos gelte besonders für die Klein- und Kleinstwohnungen. Schon vor dem Kriege hätte hier der Staat finanziell einspringen müssen. Noch dem Kriege sei ein solcher Eingriff notwendiger als je ge- wesen. Der neue Oberbürgermeister Berlins, Dr. Sahm, zeigt« in wenigen Zahlen die Furchtbarkeit der Berliner Wohnungsnot. Zwölf Jahre nach Friedensschluß könne Verlin immer noch nicht daran denken. die Zwangsbewirtschaftung der kleinen Wohnungen abzubauen. Berlin Hobe einen jährlichen Neubedarf von 35 000 Wohnungen, aber nur eine Wohnungsproduktion von 20000 bis höchstens 25000 Woh- nungen. In diesem Jahr habe sich die Reichshauptstadt sogar ge- nötigt gesehen, die Produktion aus etwa die Hälfte herabzumindern. Der Kongreß habe nur recht gehandelt, daß er sich nicht nur mit der Neubausrage, sondern auch mit der sozialpolitischen Bedeutung der Wohnungswirtschast und der Wohnungspfleg« beschäftige. Die Tagung der Studiengesellschaft für den Auto- mobil st raßenbau knüpft« an den vom Internationalen Arbeitsamt in Genf und auch von der Brauns-Kommission über- nommenen Gedanken an, die Arbeitsmöglichkeiten durch Straßenbau zu steigern. In einem großzügigen Referat wies Baurot Dr.-Ing. R i e p e r darauf hin, daß bereits in den Vorjahren, u. a. durch Direktor Dr. Fischer von der Reichskreditgesellschast, die theoretischen Grundlagen einer Finanzierung des notwendigen Strichen netzes in Deutschland ausgearbeitet worden seien. Die Vorschläge stellen die Auslands- onleihe in den Mittelpunkt, Seitdem hätten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse derart verändert, daß an eine Verwirklichung dieser Vorschläge bisher nicht zu denken gewesen sei. Ueber die Tatsache, daß der Straßenbau als produktiv anzusehen ist, dürft« wohl heute kein Zweifel mehr bestehen. Produktiv sei er besonders in dem Sinne, daß eine zweckentsprechende Kapitalanlage im Straßenbau den Wirkungsgrad der Wirtschast erhöht und den Gesamtertrag der Wirtschast steigert. Ebenso sei die arbeitsmarktpolitische Bedeutung des Straßenbaus unumstritten. Der Straßenbau ist äußerst arbeitsintensiv. Don den für den Straßenbau auf- gewendeten Mitteln entfallen rund zwei Drittel auf Löhne und Gehälter. Sowohl die produktive wie auch die arbeitsmarktpolitisch« Bedeutung forderten gebieterisch die Förderung des Straßenbau». Bilanz bei Tieh und Karstadt. s Prozent Dividende bei Leonhard Tietz,— Bei Karstadt Mitlionenverluste. Die deutschen Warenhäuser find von der Wirtschaftskrise, von dem starken Kaufkraftschwund im Jahre 1030 nicht verschont geblieben. Das abgelaufen« Geschäftsjahr wurde zu einem Prüf- stein für die Geschäftspolitik. Es wurde offenbor, daß die stür- mische Expansion des Karstadt-Konzerns der letzten Jahre mit unzureichenden Mitteln finanziert wurde: es zeigte sich aber auch. daß andere Unternehmen bei vorsichtiger Finanzpolitik selbst dieses Krssenjohr mit erheblichem Gewinn überstehen konnten. Daß der Absatz der Leonhard ließ A.- G., Köln, an letzte Konsumenten sich von 100 Millionen Mark im Jahre 1029 auf 205,6 Millionen Mark im Jahre 1930 erhöhte, tonnten wir schon früher mitteilen. Diese Steigerung ist auf die Eröffnung dreier neuer Häuser zurückzuführen, wäh> rend der Absatz der a i t« n Häuser unwesentlich gegenüber dem Vor- jahve zurückging. Entsprechend dieser verhältnismäßig günstigen Entwicklung der Umsatzziffern ist der Roh gewinn von 60,15 auf 63,06 Millionen, also um 3,82 Millionen Mark gestiegen. Da aber gleichzeitig die U n k o st e n und die Steuern(erhöhte Umsatzsteuer� auf Groß- betriebe!) gestiegen sind, außerdem die Abschreibungen von 2,34 auf 2,83 Millionen Mark erhöht wurden, wird ein von 4,81 aus 3,58 Millionen Mark ermäßigter Reingewinn ausgewiesen. Die Dividende auf das Aktienkapital von 37 Millionen Mark wird deshalb von 10 auf 8 Proz. herabgesetzt. Schon diese Ziffern zeigen, baß der Abschluß für Unternehmen und Aktionäre doch recht erfreulich aussieht. Wir glauben ober, daß die Lag« des Unternehmens in Wahrheit wesentlich günstiger erschienen wäre, hätte man nicht bewußt große Borsicht beim Ansatz der Bilanzzifsern wallen lassen. Der Wert des Warenlagers Hot bereit« stüher groß« stille Reserven entholten: jetzt ist ein« abermalig« Herobwertung vorgenommen worden. Es steht nur noch mit 27,25(33,82) Millionen Mark zu Buch, macht also nur noch 11,2 Proz. des Umsatzes gegen 14,2 bzw. 15,3 Proz. in den Vorjahren aus. Das Lager wäre bei diesen Ziffern nach dem Endwert des Geschäftsjahres(11,2 Proz.) gerade neunmal, nach dem Anfangswert(14,2 Proz.) siebenmal umgeschla- gen worden. Es ist aber au« den Untersuchungen des Instituts für Konjunkturforschung für den Warenhausverband bekannt, daß das Lager in Großbetrieben im Durchschnitt nur 3,8mal umae- schlagen wird(also etwa 26 Proz. des Umsatzes ausmacht). Wir glauben gern, daß die Umschlagsziffern bei Tietz etwas günstiger find: aber trotzdem wird man nicht fehlgehen, wenn man an- nimmt, daß das Warenlager nur etwa zum halben Wert angefetzt ist. Demgegenüber will die geringfügige Er- mährgnng von Reingewinn und Dwidende nicht« besagen. Ganz anders bei Karstadt— 25 Millionen Verloste. Ein ganz anderes Bild als der Tietz-Abschluß bietet der der Rudolph- Karstadt- A.-G., Hamburg. Die Gesamtumsätze sind von 327,8 Mill. Mark im Jahre 1929 auf 310,6 Mill. Mark im Jahr« 1930 zurückgegangen. Dem- entsprechend ermäßigte sich der Rohgewinn von 118,7 aus 111,7 Mill. Mark. Die allgemeinen Unkosten tonnten zwar auf 78,94(85,6) Mill. Mark herabgedrückt werden, aber die Zinsen und Bankprovisionen erhöhten sich von 6,3 auf 13 Mill., die Steuern von 7,4 auf 13,1 Mill.(Sondersteuer!) und die ordentlichen Abschreibungen von 4,7 auf 5,2 Mill. Es wurde somit nur«in Geschäftsüberschuß von 2,05 Mill. erzielt. Nun müssen ober außerordentliche Abschreibungen in Höhe von 25,2 Mill. Mark vorgenommen werden, so daß als Ergebnis«in Verlust von 23,10 Mill. Mark herauskommt. Im Vorjahr wurde aus einem Reingewinn von 15,1 Mill. Mark«in« Dividende von 12 Proz. verteilt! Die in dieser Höhe überraschenden außerordentlichen Abschreibungen hoben zwei Gründe: einmal müssen einige Neben- betrieb«, die unrentabel geworden sind, stillgelegt werden: zum anderen müssen Kredite, die an einige Vorstandsmitglieder gewährt wurden, abgeschrieben werden. Dieses Kreditgeschäft zeigt eine merkwürdige Derquickung von Privatgeschäften der Vorstandsmitglieder mit denen der Gesellschaft. Es handelte sich dabei um die Angliederung des Worenhauskonzerns Lindemann u. Co., Berlin, im Jahr« 1029. Damals hoben einige Leute des Karstodt-Dorstandes, die zugleich Großaktionäre ihrer Gesellschaft waren, Lindemann-Aktionären gegenüber ein« G a r a n. tie für den Kurs der Karftodt-Attien(gegen die die Lindemann- Aktien umgetauscht wurden) übernommen. Di« Karftadt-A.-®. Hot dann diesen Vorstandsmitgliedern Kredite in Höhe der über- nommenen Garantie eingeräumt(also genau besehen: der Vorstand hat sich selbst einen Teil der ihm zur Verwaltung anvertrauten Mittel der Gesellschaft zu Privatgeschästen geliehen'). Run ist der Börsenkur, der Karstadt-Aktien im letzten Jahr außerordent- lich gesunken, so daß die Garantie fällig wurde. Dadurch find, wie der Geschäftsbericht sagt, die Dermögensverhöltniss« dieser Aktionärs so schlecht geworden, daß die Gefellschaft größer« Abschreibungen auf die ihnen gewährte« Kredite vornehme« muß. Wi�>er eiuwak muß also eine Gesellschaft(die Gesamtheit der Aktionär«) für in« Geschäfte einzelner Großaktionär« einspringen. Der Verlust von 23,19 Millionen Mark wird aus Mitteln des Reservefonds gedeckt, der sich dadurch auf 0,24 Millionen ermäßigt. Zur finanziellen Entlastung sollen dann 20 Mil» lionen des Stammkapitals von 80 Millionen in Vorzugsaktien nm- gewandelt werden in der Art. daß auf jede Aktie von 1000 Mark eine Zuzahlung von 510 Mark erfolgen soll. Dadurch fließen der Gesellschaft also 10,2 Millionen Mark zu, die vor allem zur Beendigung der begonnenen Neubauten(darunter das Der- waltungsgebäude in Berlin) verwandt werden sollen. Die„E p a', Einheitspreis A.- G-, deren Kapital voll» ständig im Besitz von Karstadt ist, verteilt aus einem Reingewinn von 1,4(0,56) Millionen Mark wieder 12 Prozent Dividende auf das erhöhte Kapital. Es werde jetzt 45 größere und 5 kleinere Filialen betrieben. Keine neuen Liebesgaben! Zu der geplanten Erhöhung der Treibstoffzölle. Nach den bekanntgewordenen Plänen will die Reichsregierung im Rahmen ihres Deckungsprogramms auch die Einfuhrzölle auf Mineralöle, also in erster Reihe auf Benzin und Benzol, erhöhen. Wir halten eine stärkere Ausschöpfung der Treibstoff- besteuerung, wie sie eben auch von England vorgenommen wurde, in der gegenwärtigen Finaizzsituation für zweckmäßig und angesichts der hohen Aufwendungen für die Straßenunterholtung auch für gerechtfertigt. Es muß aber dafür Sorg« getragen werden, daß diese Steuerquelle voll den R e i chs f i na nz« n nutzbar gemacht wird und nicht wieder, wie bei der letzten Erhöhung, zur privaten Bereicherung von Interessenten auf Kosten der Reichstasse dient. Bei der vorjährigen Erhöhung und Neuregelung der Treidstoffsteuern ließ man zunächst eine ungeheure Voroersorgung und Voreinfuhren der Treibstoffkonzerne zu, die die Reichskasfe um mindestens 20 Millionen Mark schädigten und den Oelkonzernen, die prompt ihre Preise heraussetzten, entsprechend« Mehr» gewinne verschafften. Außerdem wurde aber noch den inländi» schen Treibstofferzeugern eine Sonderzuwendung zuteil, indem für die inländischen Treibstoffe die Ausgleichsabgab« wesentlich niedriger festgesetzt wurde, als es der Zollerhöhung entsprach. Diese Sonderzuwendungen dürfen sich nicht noch ein zweites Mal wiederholen. In genau dem gleichen Um- fange, in dem die Einfuhrzölle für ausländische Mineralöle erhöht werden sollen, muß auch die Ausgleichsabgabe für inländische Treibstoffe heraufgesetzt werden. Da in Deuffchland etwa 450 000 Tonnen inländisch« Treibstoffe verbraucht werden, so muß ein« Er- höhung der Ausgleichsabgab« um 5 Pf. pro Liter(das„Berliner Tageblatt' weiß von einer Zollerhöhung für Benzin um 7 M. pro Doppelzentner zu melden, das entspricht einer Erhöhung um 5 M. pro Hektoliter bzw. 5 Pf. pro Liter) der Reichskaffe Steuer- einnahmen von rund 22 Millionen Mark erbringen, ein Betrag. auf den diese in der gegenwärtigen Finanznot unter keinen Um- ständen verzichten kann. Desgleichen muß diesmal den Vor- einfuhren«in Riegel vorgeschoben werden. Der englisch« Schatzkanzler Snowden hat die Erhöhung der englischen Treibstoffsteuer am Tage seiner Budgetveröffenllichung sofort in Kraft gesetzt, und das Parlament wird nachträglich dies« Maßnahme genehmigen. Erst recht ist die Regierung Brüning, die mit Notverordnung die neuen Finanzregelungen treffen will, in der Lag«, unverzüglich die neuen Abgaben wirksam werden zu lassen. Auf diesem Wege lieh« sich am sichersten der Borversor- gung und damit der Schädigung der Reichskasse vorbeugen. In jedem Falle sollte aber jetzt schon unmißverständlich zum Ausdruck gebracht werden, daß etwaig« Voreinfuhren diesmal»>»» bedingt der Rachversteuerung unterliegen werden. Anleihe gegen LlEA.-Nefiz«. Daq Mffhiagloner Schatzamt legt eine 800- Millionen» Dollar- Anleihe auf, die znr Abdeckung de» Fehlbetrag» und zur teilweisen Fundierung der kurzfristigen Z-Milliarden- Schuld dienen soll. Die Anleihe, die 194« fälllg wird, hak einen Zinsfuß oo« 3% Pro». Gegen Kapitalflucht in Spanien. Madrid, 1. Juni.(Eigenbericht.) Die Regierung veröffentlichte«in längeres Dekret, das strenge Maßnahmen zur Verhinderung der Kapitalfluch! enthüll. Unter anderem ist die vorläufige Aushebung internationaler Wertbriefe vorgesehen: ferner sollen Postanweisungen ins Ausland nur bis zum Höchstbetrage von 1000 Peseten gestattet sein. Auf Grund des Fallens der Peseta, die in den beiden letzten Taxen 10 Proz. verlor, reichte Finanzmimster Prieto fem« Demission ein. Der Minffterprästdent nahm die Demission nicht an und bot den Finanzminister, bis auf weiteres im Amte zu verbleiben. Die Sonkuri« im Mai. Nach Mitteilung des Statistischen Reichsamt» wurden im Monat Mai 1931 956 neu« Konkurse ohne die wegen Massemangel» abgelehnten Anträge aus Konkurseröffnung und 655 eröffnete Bergleichsversahren bekannt gegeben. Die ent- sprechenden Zahlen für den Vormonat stellen sich aus 972 bM.«55. KÖNIGIN von SABA nie echte GABBÄTY Arbeiter in sswei Srdteilen tlorberl Jacques: Gchiffszieher amIangtsetiang Ölt waren in der Frühe an der ersten Schnelle. Haufen von Boaten lagen da und warteten. Wir sahen sie eines nach dem anderen hineingehen, die großen, steifen Dschunken und die kleinen. schaukeligen Wupan», und dachten mit Aufregung an den Augen- blick, wo unser großes Hausboot in den schießenden Strudel ge- zogen würde, gegen den wir bergan mußten. Auf allen Booten brannten die Schiffer Pulverfrösche ab. um die Aufmertsamkeit de, Gottes herabzurufen. In der Mitte de» Strome» schaffen die zu Tal gehenden Schiffe im Strudel vorbei wie in einem rasenden Tanz. Endlich kamen wir selber dran. Wir lagen noch hinter einer Felsenecke vor dem Strudel geschützt. Dann rief der Führer des Schiffes etwa» zu den Ziehern, die sich am Ufer an dem verästelten Ende des langen Taue» zu einer Traube zufammenknäuelten. Der kleine Chinese, der wie ein Seehund aussah, schlug wie besessen auf ein« Trommel. Alle», was an Lord war. stieß mit Stangen dos Boot vom Ufer. Alle brüllten auf einmal. Das Seil schnellte, un- sichtbar gezogen, über den hohen Steinen straff auf. Es hing nun fast in der Tophöhe de» Mastes. Das Schiff neigte sich tief über. glitt erst zurück und legt« sich dann wütend in die Schnell«, in der es aufsprang und— am Seil straff gehalten— hin und her ging. Jetzt warfen sich alle unsere Schifter an Bord über den mächtigen Ruderbaum, der vorn« angebrocht war, um mit ihm da» Schiff in der Schnelle zu halten, und sangen schreiend den Takt zu der ge- waltsamen Arbeit. Als das Boot mitten in die Schnelle kam. waren alle auf ein- Mal ganz stumm. C» bete in der Gewalt de» reibenden Master». Die Trommel klang eintönig und wild weiter. Da» Seil fuhr straff gespannt über die Ufersteine: manchmal schoß ein Krachen hindurch, als ob es bersten wollte. Mir sahen nun wieder die Zieher, die ein« Meile zwischen den Steinen verschwunden waren. Sie hatten fremde Hilf« bekommen, und wenigstens fünfzig Menschen hingen tief zu Boden gebeugt am End« des Taue». Wir sahen nicht, daß wir vorwärts kamen. Lauter und eindringlicher ging die Trommel. Nun schollen auch Geigen in überhastet gestrichenen Takten vom Ufer her. Di« Musikanten saßen unter einem Dach. Auf einem nahen Felsen zogen zwei Fischer gleichmäßig geduldig kleine Netze an Holzgobeln immer wieder durch» Wasser und schauten nicht einmal herüber zu uns Bor uns hing eine mächtige Dschunke wie sestgewachsen im Schnellen. Da« Master spritzte vorn an ihr hoch. Ein nackter Chinese stieg im Uferwaster hinter einem Seil her. da« sich immer wieder an den Steinen verfing. Wenn jetzt da» Tau ristel Wenn die Schnelle die riesenhafte Dschunke auf unser Boot Würfel Am Ufer richtet« sich ein gestrandete» Schiff hoch. E« war an» Land gezogext worden. Da» Tal scholl von dem Geschrei der Zieher. Auf der großen Dschunke vor un» schlug man den Tamtam und brannte heftig« Reihen van Puloerfröschen ab. Wir siegten un« lanzsam durch die Schnell« hindurch. Wir brauchten dreiviertel Stunden, um hundert Meter zu machen. Die Kwaz« glitt oberhalb der gefährlichen Stelle an» Ufer. Jetzt mußt« ich an Land, um den Zithern zuzuschauen, die die Boote, die noch zahlreich nach uns kamen, durch die Schnslle zu bringen hotten Sie kamen aus einer Mulde im Steingeröll her« auf: schrien zwischen den Felsen, und al» dann da« Boot im Strudel war. legten sie sich flach zwischen dt« Stein«. Sie krallten sich an die Blöcke fest, bahrten sich in» Geröll hinein wie Schrauben. Sie prsßKn die Bestie gegen die' Felsen und spannten eine jede Muskel ihre» Körpers in den steinernen Rahmen, zogen und schwitzten und wandten ihr» Augen nicht ob von der nackten, nahen Erde, an der ste festgeschraubt hingen und die ihnen da» Salz in die Muskeln gab. dies Werk zu vollbringen. Ihr« Muskeln sprangen in Kögen au» Beinen und Flanken. Da» Schiff hing fest und minutenlang unverrückbar am Tau in der Schnell«. Das Tau federt« und krachte. Die Auffehervögte gingen von Mann zu Mann. Sie streichelten ihnen über die Rücken, um zu fühlen, daß alle Muskeln in der Arbeit waren. Mit Geieraugen bewachten sie diese Muskeln und fangen, sie anzufeuern: ..Zo oh ohee! Je ueh uh«! I« wei o ho!" Und dt« Zieher preßten sich in die Seile und skandierten da» Lied der Bögt« mit kurzem, hart heraufgeswßenen:„Hä. hä! Hä, ha!" Für sich liehen sie so in der Tief« chre» Wesen« die an- gespannte Kraft de« Körper» zu einem Laut werden. Di« Lögt« brüllten und drohten und schössen wie Bluthund« von einem zum andern. Die Pambusruten sangen und klatschten auf. Da» Schiff g-.ng longsam hoch. Die Zieher bohrten sich von Stein zu Stein weiter. Da» hatte ich nie gesehen: dies« selbstvergessene Wucht der Arbeitskraft, diese Totkraft der Muskeln, diese Selbstverleugnung und rasende Einordnung de» Willen» in den Zweck. E» waren alte Männer unter den Ziehern mit altersmageren Beinen und Knaben mit glatten, hageren Körpern, verlumpt« Weiber Ein« schwanger,«in« ein« idiotisch« Greisin... Und über dem Taumel der Arbeit standen da» Schreien und Rauschen de« schnellenden Flusse« wie eine Raserei im Tal. zugleich nah und fern Zwischen den Steinen sang der Willen de» Menschen wütend und laut:.Lo dh ohee!". und die Muskeln knirrschten kurz. hart und wild wie eine bergan stampfend« Lokomotive:..HS. hät HS. hü!" Das war eines der größten Menschenerlebmsie der Erde und meines Daseins. So gab es Hunderte von Millionen Kräfte in diesem Land. Da» Land war so alt, und sein« Menschen führten ihr Leben in Formen, die uns fofsilenhaft nürrisch erschienen und hotten sich doch dies« Urtrast des Willen» und diese Brutalität der Natur bewahrt Was vom kommenden Srdenschicksal halten sie in ihrer Kraft gebunden? 3n der Südsee wird Kopra geladen Der Dampfer ankerte vor einer der Hermiten-Jnseln. Wir sahen Boote vom Ufer stoßen, in denen Haufen von Schwarzen lagen. saßen und standen, und zwischen ihnen hielten sich einige weiße Europäeranzüge. Auf Leichtern wurden hohe Stöße von Säcken zum Schiff gebracht. Wie eine Schar von Fledermäusen sprangen schwarze halbnackte Burschen von ihnen hoch, als sie da« Schiff de- rührten. Die Winden trachten to». Die Schwarzen schlangen Schlingen um die Säcke, die Winden donnerten wieder an. die Sacke rutschten in den Seilen zu einem Haufen zusammen. Der Haufen schwankte empor und sank dann in den»auch de» Schifte», während die weißen«uropäeranzüge all« hastig in das klein« Rauchzimmer verschwanden und nicht» mehr von sich hören ließen als ein oft wiederholtes: Lambeck, sechs Stück mehr, große. Üambeck war der chinesische Stewart, und die sechs Stück große waren stets sechs halbe Bier. Während so dieser Lambeck mit vollen Händen und eiskaltem Bier dem Durst der in tropischer Hitze«tslo» vereinsamten Europäer zu Leide rückte, flatterten die Fledermausschare» der Schwarzen in den Leichtern und dem Laderaum immer wieder auf die Sack- hausen. Sobald ein Pack fertig gemacht wurde oder wenn einer unten ankam, erhob sich-in farbiges Gebell. Zehn, zwanzig Kehlen jappten und zwitscherten nach Arbeit. Zwanzig, dreißig, vierzig Arm« schnellten auf drunten in der halben Dunkelheit des Lade- räume» oder oben in der Weißglut auf dem Leichter. In tanzender Begehrlichkeit, in beseligter Wut die Muskeln spielen zu lassen, in Liebe umarmten sie die Säcke. Sie schienen beglückt, sie tragen zu dürfen und bellten, huppten, meckerten, purzelten sich auf die Säcke, hackten mit vollen Armen hinein wie in einen Frauenleib... und wenn man genau hinschaut«, so sah man, daß sie nichts anderes taten wie die Säcke liegen zu lassen, wo die Windentaue sie hin- geschuppst hatten. Alle» war nur Spielerei. Erst nach langer Zeit waren die Säcke verstaut. Dann hatte sich der weiße Aufteher vom Schont- tisch gelöst und war dazwischengefahren, wild vom Bier. Alsbald begann»in süßfetter Geruch die Decks zu bestreichen. Aber dieser Geruch war Gold, da» Gold der Südsee, denn die Söck« strömten ihn au», und in den Säcken war Kopra, das getrocknete Fleisch der Kokosnuß, das Europa brauchte, um Speisefett«. Oele. Seifen zu machen. Deshalb wurde geladen, was geladen werden tonnte. Di« fleißigen Nichtarbeiter bellten, wogten durcheinander und worfen sich wie leidenschaftlich« Bälle, die sich selber schleu- derten, immer wieder neben die Arbeit, deren Lärm stieg oder fiel, je nachdem der weiß« Aufteher da» Gewicht seiner Anwesenheit auf die Schworzen drücken ließ oder am Hinterfenster der Schenke seinen Durst stillt«. In der Nacht hatte man die Arbeit nicht be- wältigen können, und der Dampfer mußte noch einen Tag zugeben. Der Kapitän ließ da« Motorboot zu Wasser, und wir glitten quer durch die Lagune auf die größte der Inseln zu. Als wir landeten. gingen einige Männer ein paar Schritte mit uns und blieben dann untätig im Schatten eine« Baumes stehen. Am Ufer lagen einig« vermorscht« Kanu«. Ein kleiner Kreis von Hütten breitete sich unter Palmen au». An einer lag ein nacktes, räudiges Weib. Ihre Haut löste sich in Kringeln, und Überall stoßen sich Geschwüre heraus. Dann kam«in Beri-Leri-kronter junger Mann auf Krücken au» dem großen Junggesellenhaus. Er sprang auf seinen langen Strichbeinen wie ein« Gchneiderspinn«. „Wieviel Weiber sie noch im Dorf „Vieri"—„Und wieviel Männer? Kinder?"—„Drei!"— hätten?" fragten wir.— -„Dreißig!"-„Und Das war das Dorf Luf. Las war alle», was Lan iSntvS Stamm geblieben, der einmal die Kraft hatte, drei groß««uro« päische Segler zu erledigen, der mit einer großen Kriegsflotte von Kanus das Meer befuhr und beherrschte. Der letzte erhaltene Zeuge dieser Macht schläft in Berlin im Bölkermuseum. Die Männer meckerten uns nach. Es war alles Totengernch. Rundum schloß sich der Ring des Urwaldes und flocht in rasender Fruchtbarkeit Stämme. Aest«, Palmen, Lianen durcheinander. Nur die Menschen waren von dieser Triebkraft ausgeschlossen... Als wir zum Dampfer zurückkamen, donnerten seine Winden noch immer achtlos in die Hitze hinein. Wir sahen wieder die Lasten schwankend steigen. Der Geist Europa» krachte an ihm mit hundert Explosionen in der Minute... Und dort hinten starb eingehüllt in die fleischig« Fruchtbarkeit des Waldes das Dolk, dem dies Heimat gewesen. Das Volk, an dem es starb, aber oersammelte sich hinter dem Pflanzer, dem diese Kopra gehörte, und mit Lambecks, des Stewart«, Geist stieg man hinter dem vorantanzenden Fürsten der Kopra zu dem Bungalow hinauf Dieser Fürst war ein blasser. noch junger Mann mit einem angelsächsischen, blonden Scheitel. So« bald wir in der Hall« seines Bungalow um die Bierflaschen ver- sammelt waren, gab er Kabinettstücke entfesselten Temperaments. So betrunken er war, er ließ einen Teller flach auf seinen Kopf nieder und stellte eine leere Bierflasche darauf, woraufhin sofort Teller und Flasche zu Boden stürzten und zerbrachen. Da nahm er zwei Teller und eine volle Flasche. Doch daran wuchs seine Ge- schicklichkeit nicht, sondern der Inhalt der Flasche machte die Kleider der zunächst sitzenden Damen bierstinkend. Neben mir saß ein Japaner. Er hatte Unternehmen im Norden und war mit seinem Motorboot und einem jungen Deutschen her- gekommen. Streng und schweigsam saß er da, ja bedeutend, und und da er zur Arbeise gehen mußte, war das auch uns willkommen, um au» dem Bereich des Equilibristen zu entweichen. Wir gingen im Schatten von Palmen und Bananen und hörten Erzählungen von einer einsamen Insel... Unten am Dampfer arbeiteten die steiesten Menschen, die die Schöpfung auf der Welt gelassen hatte, als Sklaven des Bier- flaschenmörders. Es kam mir nun vor. al» ob das belfernde Juchzen, mit dem sie im Angesicht der weißen Aufpasier sich über die Säcke stürzten wie über Bälle zum Spiel, um sie dann doch liegen zu lassen, Hohn sei gegen Europa. Europa wollte von ihnen die Bitternis der Arbeit. Sie aber hatten den Sündenfall nicht mitgemacht und vermochten mit ihrem von Resten de« Paradiese» noch angeschatteten Blut Arbeit nicht zu geben. Sie gaben statt ihrer— die Geste. Ueber diesen witzigen Ausweg waren sie so be- glückt, daß sie sich wie ausgelassene junge Hund« benahmen. Marl von Jlslani: ftlS AdUtfl Der erste Mensch war Adam Da» steht fest. Wäre Reisebüro- diener Fatklink der erst« Mensch gewesen, so gäbe«» heut« kein« Menschheit. Wir hätten kein Vaterland, das Vaterland hätte kein« Hauptstadt, die Hauptstadt keine Lotale. die Lokal« kein« Gäste, die Gäste kein Geld, das sie übrigens auch so nicht haben, Eva aber wäre noch heut« keusch, wie der neugeborene Schnee, denn Fatklink-.. Gatt schuf die Erde. Aus der Erde entstanden Reisebüro». Ein Reisebüro engagiert« Fatklink, Fatklink nahm die Bürste. Di« Bürste schob den Staub au» dem Büro. Der Staub kehrte in die Erde zurück. Da» ist«in Krei». Ein« Kette. Ob Fatklink em wichtige« Glied dieser Kette ist oder nicht,«erden wir sogleich feststellen können. Well— sagen wir einfach—. Gott schuf die Erde. Auf der Erde entstanden Reisebüro». Ein Reisebüro engagiert««in« Bürste. Di« Bürste schob den Staub hinau«...? Stimmt das? Nein, das stimmt nicht. Da fehlt etwa». Es fehlt Fatklink, mit seinen SÖ Mark Monatsgehalt und seinem Fleiß. Fehlt er? Rem. Denn«» gibt sehr viel« Fatklink» auf Erden. und keiner kann durch den anderen ersetzt werden. Das ist wirklich praktisch«ingerichtet. m Nehmen wir an. so«in Fatklink wäre der erste Mensch gewesen. Warum auch nicht?! Ist. daß Adam der erst« war. nicht auch nur «me Vermutung?! E» kann ebensogut«in Gustav,«in Oskar, vder gar ein Ed« gewesen sein. Oder auch Fatklink. Bersuchen wir un» es vorzustellen. Gott schuf die Erde. Da» hat sechs Tag« gedauert. Knapp vor Weekend schuf er Fatklink(oder Adam, oder doch Fatklink?!) und Fatklink machte gleich einige Schritt« vorwärts, räuspert« sich und geriet in große Verlegenheit, denn er wußte nicht, bei wem er ange- stellt war. auch nicht, wa» er zu tun hatte, und wa» sein Dasein überhaupt dezweckte. Er lag bald auf seinem Rücken ausgestreckt und wußte nicht» mit seinem schlummernden Vfltchtgefühl anzufangen. So wurde er dick, entsetzlich dick und dumm, und die großen und kleinen Tier« kamen zu ihm. beschnüfselten ihn und gingen köpf- schüttelnd weiter, denn sie tonnten seine Unbeweglichkeit nicht de- greifen. Da kam ein« Stimme durch die Lust geflogen und rief 'hm zu: „Adam(oder Fatklink) steh« auf und arbeite! Du mußt arbeiten. du mußt schaffen und wirken, denn du bist die Krone der Schöpfung und bist dennoch so dick, daß die Tier« allen Respekt vor dir verlieren müssen. * Do stand er auf und ging an die Arbeit. Er kletterte von einem Baum auf den anderen. Er riß Pflanzen au» der Erde, grub groß« Löcher hinein, brach Stangen, zündet« Weiden an. Er stand auf dem Kopf, lief dann wütend herum, fuchtelt« mit den Händen und rang nach Atem. Di« Tier« kamen und schauten ihm beängstigt zu und gingen topfschüttelnd weiter, denn Ei« konnten fein« sinnlose Beweg- lichteit nicht begreifen. Fatklink wurde mager und krank, sein« Augen hatten einen fieberhasten Glanz bekommen. Er ließ den kleinen Kopf hängen. während er auf- und abging und sich öfter» höflich verbeugt«, obwohl m«mand zu sehen war. * Run verlor er sein seelisches Gleichgewicht und fiel der Lange- seile zum Opfer. Er lernte englisch, französisch, weanerisch und plattdeutsch(wozu?!), spielte Geige und Banjo und las die Klassiker. Doch die Einsamkeit zehrte an ihm. Er wurde sentimental, schrieb romantische Sachen, dann machte er kehrt und schuf den Naturalis- mu». Doch er zweifelte oft an feinem Talent, und daß die Tiere ihn, zwar in taktvoller Weife, aber entschieden ablehnten, mißver- standen, verachteten und mieden, das tat ihm besonders weh. Da fing er an zu philosophieren. Damit konnte er aber seinen inneren Trieb, etwa« Wichtige«. Bleibendes zu schaffen, nicht befriedigen. Er schlug Felsen auseinander, wühlte in der Erde, brach alle» zu- sammen und baute alles wieder auf. Di« Tier, kamen mit ihre» Frauen und Kindern und schauten ihm entrüstet zu. denn sie konnten seine Sehnsucht nach der Ewigkeit nicht begreifen, da sie doch alle schon Kinder erzeugt und damit chre Schuldigkeit dem Unendlichen. gegenüber getan hatten. Doch sie wußten, daß noch ein« Möglichkeit der Besserung im Zustande Fatklinks bestand. Denn sie sahen Cva, die soeben den Wald verrietz, herankommen. » Fatklink sah nun auch da« selftam« Geschöpf. Es war«in weiblicher Fatklink. Ein Doppelgänger: viel schöner und schlanker als- Fatklink, doch mit dem selben dummen Blick und denselben ratlosen. Bewegungen. Run stand Fatklmk(nicht Adam) von Ekel, Wut, Scham und Furcht gepackt, mit aufgerissenen Aug«, da und wollte sie schlagen. Eva ließ die Handtasche fallen und kletterte auf den nächsten Baum. Von da schaut« sie beängstigt, doch neugierig aus Fatklink herunter und wartete erregt auf den nächsten Annäherungs- versuch. Doch Fatklink kehrte che den Rücken und murmelte etwa» aus Strtndberg. Im Schutz« der Nacht brach er jäh auf, wanderte über Berg und Tal und gönnt« sich erst, al« er bestimmt wußte, jene Person werde ihm hierher nicht mehr folgen können. Rast. Sie kriegten sich nicht, hatten keine Kinder und starben als die Letzten eines unmöglichen Geschlecht«. Asso: Happh-end. So wäre es gekommen, wäre Fatklink und nicht Adam der erste Mensch gewesen. Oder habe ich ihn etwa überschätzt, indem ich an- nahm, daß er nie so gehandelt hätte, wie jener rücksichtslose erste Mensch, der nur an da» eigens Wohl und nicht an die Verhinderung der Fortpflanzung der Menschheit gedacht hatte?. Möglich. Watt«- AppeUi Die Siftusapoiheke frschiedne Fläscheln?" Hamm s« dn da fr tauber .Das i» unfr« Hausabbedehke." .I» das bratdifch?" .Nu klar." .Hamm Je da ooch ä Middel gegen Magenfrfchdnnmung? Mir isses nämlich gar nich fo exdra zumuhde. Forhin, wo ich bei Ihn' de Drebb« raff bin. da war mirfch, als wollde sich innewendj olles umfchdichen. Wenn f« mir da filleicht ä baar Drobben zähm tennden, oder ernte Lille..." .Kenn' fe Hamm. Suchen fe sich nr was rausi De Nummern schdehn iewroll dran. Bloß Rummer siem derfen f« nich nemm, da» is gloowich Gift. Da» ,« bloß«ißerlich, wemmer sich gefchnidden hat, zum Lludfchdilln.'S kann awr ooch Nummer nein« gewesen sinn, oder enne andre. S« kenn' ja forsichdshalwer«rscht mal dran riechen. Unn wenn'» Ihn' recht in de Rase beißt, da nemm' je liewer was andres. Awr ksene Salwe. Die i» gegen oftgeschbrungne Libden." .Filleicht sinn da» hier Magendrobben?" .Nummer drei«, nee, da» wern wohl keene sinn. Das heeßt. ich weeß nich. Awr das Hot unsre Lodde jetzd mal gegen Zahn- schmerzen genomm'. Da dähd ich Ihn' liewer roden, nemmse was andres gegen Jhr'n stschdimmden Magen. Se kenn' ja ooch Frschied, nes ausbrowiern. So mach ich da« nähmlich immer— da werd schon nachher'« richdje drbei fein." „Awr wenn ich nu da» gifds« mit erwisch? Unn iewrhaudt, is denn das n« richdje Hausabbedehke?" .Warum fall d'n da» keene richdje sinn?" .Nu, weil mr da«e Middel nach'n andern durchbrowiern muß, di« mr denkt, mr had'» dassende. Ich habb mr das gans anderfch forgeschdelld. Daß mr nich so oft« Gradewohl unn oftn Zufall an- gewiesen i». So tammer sich doch heechsden« noch kränker machen al» mr schon i«. Da hädde ich mr da» Zeich nich gekoost an Ihrer Schdelle." ..Wo mier da» getvaft Hamm, da war das doch noch gans an- dersch. Da wußde mr gans genau, wie mr dran war." .Da ie Ihn' das wohl tlibb unn klar erklärt worden?" .Ree. Awr das war ooch gans iewrflissig. Sondern da lag ä Zeddel drbei, wo die eenselnen Nummern drofftchdanden unn fr was se gud sinn. Unn wiefiel mr allemal nemm' mußde. Awr den Zedbet Hamm mjer frschmisjea.. Nr. 2S�» 4S. Iahrgang 01�11�(11�0 Dienstag, 2. Juni 1931 Sozialismus als Wachstum. Grundsätzliche Klärung in der partettagsdebaite über die kapitalistische Krise. Leipzig, 1. Juni,(Eigenbericht.) Nach dem Referat von Tornow wurde die Debatte eröffnet. Strobel-Chemnitz: Nack) den beirwhe zweistündigen Ausfüh- rungen des Referenten kann ich in zehn Minuten nur stichwortartig sprechen. Die deutsche Krise war kein unvermeidliches Schicksal. Die deutsche Krise hat ihre ganz besonderen Ursachen und Umstände, die sich als eine Art k a p i t o l i st i s ch e r S c l b st z e r st ö r u n g s- w ll t charakterisieren lassen. Nach dem.Ruhrkrieg hat Curt Geyer eine Broschüre darüber gegen die drei Verderber Deutschsands ge- schrieben, die Stinnes, Helfserich und Havenstein. Auch heule haben wir drei Derderber Deutschlands: Schacht, hugenberg und Hitler. Aber dos Unglück ist. daß man diese drei Namen auch durch drei beliebige Vertreter der jetzigen Reichsregierung ersetzen kann, weil sie zum großen Teil die Politik der Verderber treiben.(Lebhafter Beifall.) Wie steht es mit den deutschen Krisen ursach c n. Der New-Dorker Bankkrach traf nur das deutsche Kapital, das dorthin verschleppt war. Davon abgesehen, hätte er die Kapital- Versorgung Deutschlands erleichtern können, wenn nickst gerade die Verderber die Kopitaieinfuhr künstlich verhindert hätten. Auch die.Konsumjerstorung durch die Weltagrarkrise war für die deutsche Krise nicht wesentlich. Der durch sie verursachte Konsumou-foll betrug nur etwa SstO Millionen, der gesamte Ausfall an Kaufkraft aber 12 Milliarden. Auch die Ausfuhrstdppung spielte eine Rolle. Erst 19Z0 ist die deutsche Aüssuhr zurückgegangen. Deutschland Hot bereits 1926 eine?lr° beitsmarktkrrse als Folge der Fehlrat, onalifierung gehabt. Bei Einführung ausländischen Kapitals und Hochhaltung der Löhne wurde sie rasch überwunden. Die Schwere der aeaenwärligen Krise in Deutschland beruht auf der Aehlrationolisierung. der übermäßige� Freisrtzuyg von Arbeit-krösten, der Ausschaltung von Avsland.-krediten, der Kapitalslucht und dem seil ISZg einsehenden verhängnisvollen Lohnabbau. Wir haben«ine Steigerung der Kapitalbildung und eine gewaltige Vermehrung des Volkseinkommens. Eine ganz außergewöhnliche Hochkonjunktur in Deutschland kam, bis die drei Verderber Deutsch- lands die durch weltwirtschaftliche Umstände nicht bedingte Krise mit ihren furchtbaren Zerstörungen über Deutschland brachten. Wir stehen vor der Gefahr, daß die drei Verdcrbcr ihr Werk vollenden und uns in eine unüberwindliche Krise stürzen, die Zahl der Ar- beitslvsen vielleicht aus 6 oder 7 Millionen steigern. Diese Gefahr ist durch die einsichtslose Politik Srürnngs außerordentlich gesteigert, und diese Politik haben wir leider nicht mit der gebührenden Energie vxbrondmarkt und bekämpft.(Lebhafter Beifall.) Von den Mitteln zur Krifenbekämpfung will ich nur die Kapital- injektion herausgreifen. Wir können die dringend notwendigen Notstandsarbeiten nickt ollein aus Steuerlichem durchführen, son- dern brauchen dazu Milliarde nkredit« aus dem Aus- land, vielleicht eine Zwangsanleihe an das aus Deutschland ge- flüchtete Kapital und die zwei Milliarden, von denen der„Daily H««nW gesprochen hat.-.....••■• st, diese Wittel können wir aber nur erlangen, wenn wir eine wirkliche curopölschc Friedenspolitik treiben. Deshalb hätten wir auch dem sriedenstärenden Z o l l un i o n s- Projekt nicht so fatalistisch gegenüberstehen und es ohne Gegen- wehr über uns ergehen lassen müssen. Es ist ein Skandal, daß der„Vorwärts' dazu überhaupt keine Stellung genommen hat. Wir müssen auch Acht geben, was in Ehequers geschieht. Wir müssen in Deutschland eine große politische und gesell- schaftliche Massenbewegung zugunsten der Aus- landsanleihen entfesseln und dürfen uns bei ollem Kampf gegen die Reparationen nicht in die nationalistische Einheit?- front hineindrängen lassen. Die Zollunion ist keine juristische, sondern ein« eminent politische Frage. Wir dürfen nicht wie 1914 aus den Lokalisierungsrummel hineinfallen. Nur eine ganz klare und fest« Europopolitik erreicht Kredite. Für diese Politik iuter» nationaler Versöhnung müssen wir eine ganz andere Aktivität ent- falten, ol« wir bisher getan haben.(Lebhafter Beifall.) Gras-Leipzig(mit Beifall empfangen): Genosse Tornow ist gegen Wirtschostsanorchie mit großer Energie zu Felde gezogen, und ich konnte manchmal die Empfindung nicht unterdrücken, daß da aus einem Saulus ein Paulus geworden sei. Aber über die Wirt- schaftskrise gehen die Ansichten oller Theoretiker auseinander. Auch innerhalb der Linken, und ich glaube, auch innerhalb der Jor- schungsstelle. Auch dort hat man in den letzten Iahren wiederholt den Standpunkt geändert. Ich will deshalb nicht gegen Tornow polemisieren. worauf es ankommt, ist die Feststellung, daß hier keine Kon- junktur-, sondern eine Slrukturkrise der wellwirlschasl vor- liegt, deren Folgen nicht von heute aus morgen climinierl werden können. Wir müssen uns auf die Dou erfolgen des Krisen- zustandes einstellen. Gewiß können auch wieder Perioden besserer Konjunktur komme«, aber die Tendenz wird fortbestehen, das Niveau der Massen herunterzudrücken. Die Strukturknje der Wirtschaft ist noch stärker in der Landwirtschaft als in der Industrie/ Dort haben sich Veränderungen eingestellt, die überhaupt schwerlich wieder verschwinden werden. Die Industrialisierung der Welt hat nicht nur die.Kolonialländer ergriffen, sondern es ist auch im balkanisierten Europa des Nachkrieges eine Industrie künstlich hoch- gepäppelt worden. Es scheint mir auch, daß wir uns dem Problem Sowjet ruß land gegenüber viel sachlicher einstellen müssen,(l�eilweiser Beifall.) Wir sollten viel weniger pharisäerhaft sein: es gibt auch bei uns Woh- nungselend und verelendete Massen. Wir dürfen nicht den deutschen Arbeiter mit dem russischen Arbeiter vergleichen, sondern der richtige Vergleich geht zwischen dem russischen Arbeiter von heute und dem russischen Arbeiter der Zarenzeit. Wir hotten vier Jahre Krieg, Ruhland acht Jahre. Auch das darf nicht vergessen werden. Ruß- land baut sich im Wege der Seldstsinanzierung aus, und damit ist natürlich eine Verelendung der Bevölkerung unvermeidlich ver- Hunden. In der Landwirtschait hoben wir einen Zusammenbruch der Latisundien auf seudaler Basis erlebt. Aber die Kleindauern- Wirtschaft, die sie ersetzt hat. wird durch den Kapitalismus zu neuen Latisundienwirtschaften zusammengefaßt, und so kommt es. daß die überseeischen Staaten mit niedriger Bodenrente viel billiger produ- zieren können als wir. wenn die wellmarktpreise sür Weizen von 241 M. aus Illll M. gesunken, in Deutschland aber gleichzeitig aus Z4Y w. gestiegen sind wenn aus dem Wellmarkt die Tonne Roggen aus 7g w. gesallen. iv Deutschland aber aus 250 M. gestiegen ist. sa haben wir unter dem überhöhten Zollschuß in Deutschland eine gesell- schaftlich nicht mehr haltbare Produktt«», die ein Raubbau öm Volksoermögen geworden ist. (Beifall.) Wir dürfen auch bei der Beurteilung der Krise nicht „k-rje�n. dgß die Technik sich heute jo rasch entwickelt, daß die Industrieanlagen häufig noch nicht abgeschrieben sind, während sie doch schon technisch erneuert werden müssen. Das nicht abgeschrieben« Kapital wird natürlich in die künftige Kalkulation einbezogen. In der kapitalistischen Gesellschaft ist eben jede R-a t i o n a l i s i e- r u n g eine F e h l r a t i ö n a l i s i« r u n g, dos hat niemand besser auseinandergesetzt als Otto Bauer in seinem Werk„Kopitolis- mus und Sozialismus noch dem Weltkrieg". Jude Rationalisierung begünstigt heute den einzelnen Unternehmer,, ivährend die gesamte Gesellschaft die Opfer zu tragen hat. Die Lost der Krise und der Fehlrationalisierung wälzen jetzt die herrschenden Klassen auf die breiten Massen der Bevölkerung ab. Dazu haben auch Fehler der deutschen Politik beigetragen, auch Fehler unserer Politik.(Beifall und Widerspruch.)"Ich bin überzeugt, daß wir heute noch nicht mit einem Zusammenbruch des Kapitalismus zu rechnen haben, wohl aber besteht die Gefahr eines Zusammenbruches der Massen. Die Rebellionen in der ganzen Welt sind ein Menetekel auch für uns. Wenn, die Massen sich in Bewegung setze», wird es darauf ankommen, wer sie sührt, ob sie Vertrauen hoben zu uns oder zu Hitler und Thälmann. Wir müssen unsere Politik darauf ein- stellen, daß wir die Führung beholten. Dgzu müssen wir olle Maß- nahmen danach einrichten, Ahwehrmaßnahmen vorzuschlagen, die schnell wirken.(Lebhafter Beifall.) Zensen-Tinz: Die kommunistischen Zusammenbruchstheorien sind für uns ohne Belang. Kein Soziolist will den Zusammenbruch des Kapitalismus, der unter seinen Trümmern die Arbeiterklasse be- graben würde. Was wir wollen, ist etwas anderes: Wir wollen die Kraft zum Kampf gegen den Zusammenbruch, die Kraft zum Kampf gegen den Kapitalismus gewinnen. Wir werden eine solche kapita- listiscbe Hochkonjunktur wie oon 1896 bis 1916 nicht wieder erleben. Die Arbeitslosigkeit wird bleiben und die Tendenz zur Berelendung der Massen steigen. Aus ökonomischen und politischen Erwägungen müssen wir deshalb die Erweiterung des gemeinsamen Wirtschaft- lichen Sektors mit aller Energie anstreben. Der Sozialismus wird nur in Etappen verwirklicht worden. Aber wir müssen ihn als eine Wirtschastssorm darstellen, um dadurch die Einsicht und Kraft der Massen zu steigern. Wir müssen auf die Psychologie der Massen viel größeren Wert legen. Wir müssen ihnen sagen, daß sich die kapitalistische Krise zwar mildern kann, daß Rettung dafür aber nur der Sozialismus ist. Deshalb hoben wir das Scklagwort aus- zugeben: Sozialismus ist in unserer Zeit die praktische Zlufgabe jener Zugend. aus die am Sonnlag huysman sein hoch ausbrachte und die unsere Hoffnung sein wird, wenn wir sie mit dein Geiste des Marxismus und mit dem revolutionären willen erfüllen können. (Lebhafter Beifall.) Erlspien: Wir stehen grundsätzlich zur europäischen W i r t s ch a sit s g e m e i ns cha f ti Damit ist unsere Stellung zur deutsch-österreichi'schen Zollunion gegeben. Wir erstreben den Züsam- meüschtuß aller europäischen Staaten. Wir fördern daher jeden Zu- sammenschluß, der in der Tendenz der allgemeinen europäijchen Ver- siändjgpng Ii»gb.r In der Reparationssrage- sind«vir.- niemals ein« einer,bEmh«itsfxoitt"nut'"d«n' Nationalisten, gowefem-e Wir haheu- unscre Bereitschaft zur friedlichen Verständigung mit den Sieger- ländern gegen alle bürgerlichen Parteien einschließlich der Kommü- nisten durchgekämpft. Erispien: In der Stellungnahme zu Sowjetruß- land Hobe ich bei den Vorrednern nicht nur die Solidarität für unsere russischen Porteigenossen, sondern die internationale Soli- darität überhaupt vermißt. Zch kann es nicht verstehen, wann ein Sozialdemokrat nicht hochgeht, nienn er daran denkt, auf wessen kosten die Experimente in Rußland gemacht werden. Ist sür uns, wie in Rußland, der Mensch wirklich nur Nebensache, nur Objekt der Machtpolitik juner Führerclique von unerhörter Brutalität, dann hat der Sozialismus seinen Sinn verkoren. Sozialismus ist für uns nicht möglich ohne bewußte freudige Mit- arbeit der breiten Massen, ohne Achtung vor den Menschen. Wer in dieser Kardinal frage nicht unerschütterlich fest bleibt, schädigt die Internationale, schädigt den Sozialismus.(Lebhafter Beifall.) Zluch die Darstellung kann ich nicht zulassen, daß bei der Rückständigkeil der russischen Verhältnisse diese russischen Kosten eben unvermeidlich waren! Graf nennt eine kapitalistisch« Rationalisierung Fehlrationalisierung. Dos war der Standpunkt der Maschinen- stürmer in der Vorsozialistenzelt, das ist Gandhis Standpunkt in Indien. Aber die Rationalisierung ist ein Fortschritt in der Entwicklung der Produktivkräfte und bleibt es, auch wenn das Kapital die Lasten auf die breiten Massen abzuwälzen versucht. Unsere sozialistische Aufgabe ist es, die Massen dagegen kampfsähig zu machen. Graf hat mit Recht gesagt, daß wir dazu vor allem das Vertrauen der Massen brauchen. Wenn ober einzelne Parteigenossen die ungeheuerlichen Schwierigkeiten unserer Ausgabe verkennen, wenn sie das Vertrauen der Partei- genossen zu der Führung untergraben, wie sollen wir das Per- trauen der Massen erwerben, die heute noch in blindem Unverstand leben. Zeder Parleisunklionär muß ausnahmslos sich verantworllich suhlen für das vertrauen der Massen zur Sozialdemokratie. Seiner kann und darf die Derantwortung als Parleilakkik ablehnen. Jeder wirkliche Sozialdemokrat nimmt jederzeit volle Witver- antwortung auf sich Hobe» wir diese Solidarität, dann werden wir mit allen Widerständen fertig werden. Petrich-Gera: Die Meinungsverschiedenheiten in der Partei haben mit Verantwortungsscheu gar nichts zu tun. In dem aus- sührlichen Referat von Wels habe ich vermißt die Stellungnahme zu den unmittelbar drohenden sozialpolitischen Gefahren(Erispien: Sie nimmt den Hrniptteit seiner Rode ein!). Die schwere Be- drohung der Sozialpolitik ist gegenwärtig dos Kernstücs: der Lage in Partei und Gewerkschaften. Uebcr den organisierten Kapitalismus und die Wirtschaftsdemokratie hat Tornow zur Zeit der Hoch- kanjunktur ganz anders gesprochen als heute. Aber auch heute bat er nur Theorien geredet und war völlig wirklichkeitsfern. Die Massen draußen warten ungeduldig auf praktische Lösuno. Unsere widerspruchsvolle Haltung gegenüber den ökonomischen Schwierig- ketten verkennen die psychologischen Voraussetzungen und stürzen uns in drohende Gefahren. Wir klagen die WirkschastspoNtik Brünings an. daß sie die krije verschärft und die Rot der Massen steigert. Aber wir tolerieren Brüning. Wenn die Partei diese Widersprüche nicht löst, so sehe ich trübe in die Zukunft. Die Partei sollte im Kamps gegen die Wirtschaftskrise ihre Kraft konzentrieren. Was der Parte, jetzt nottut, ist Klarheit, Sammluno und Kühnheit.(Lebhoiter Beifall.» vieliqk- Leipzig: Ubier den Fo'gen der Wirtschaftskrisiv richten sich Pft Augen, vieler Arbeiter wcht nur nach Deutschland, jondern auch nach Rußland. Alle Wahlen seit dem 14. September vorigen Jahres haben den Kommunisten Erfolge gebrocht, nicht nur wegen der Enttäuschung über unsere Politik, sondern auch wegen der Hoffnung, auf Sowjetrußland. Ich weiß mich oon jeder krftik- losen Begeisterung sür Sowjetrußland frei, aber bedeutende Kreise erblicken im Fünsjahresplan einen gigantischen Versuch und ver- sprechen ihm einen gewissen Erfolg. Ich übersehe in Sowjctruß- land nicht den Lohndruck und die sozialistische Reaktion, den Lebens- mittelmangel und die Not. Aber deswegen dürfen wir Sozialdemokraten niemals auf das Niveau der niederen bürgerlichen Hetze gegen «owjetrußland heruntersinken Wir hoben an den Beschlüssen der Internationale in Marseille festzuhalten und jeden Intervention?- gedonken abzuweisen. Wir sollten unsere Gedanken nicht aus die Kritik Sowjetrußlonds konzentrieren, sondern aus die Maßnahmen, durch die wir Deutschland durch das Höllental der Krise durchführen können. Dadurch müssen wir die Macht der deutschen Arbeiterklasse steieern und die?lrbeiterklasse nicht nur apporotmäßig, sondern wirklich politisch aktivieren zur Ergreifung her politi- s ch e n Macht. Damit würden wir auch der gesamten Arbeit-'rschaff Rußlands ein Helfer und kein Feind mehr sein. Mäder- Altenburg: Der Referent hat«ine ganze Reihe palitisch taktischer Maßnahmen genannt Zur Milderung der augenblicklichen, Krise. Aber darüber hinaus will die Arbeiterschaft etwas Grundsätz- lichez von uns hören. Sie will wissen, wie der Marxismus aus- sieht, welche besonderen Maßnahmen abweichend non ollen bürger- lichen Resormvorschlogen die Sozialdemokratie zudem hat, um das. Elend an der Wurzel zu fassen. Auf die Währungs- und gesöpolf-, tische Frage ist Tornow so gut wie gor nicht eingegangen. Wir leben in der Zeit einer ungeheuren Goldauswertung, v. h. einer Deflation. Ich halte auch das iür verfehlt, was die Russen gemacht haben. Ick war im Jahre 1926 scldst in Rußland, Hobe mjch mit dem russischen Finanzminister über sinanzpositische Pro- Meine unterhalten und ich sehe gegenwärtig, daß eine ganze Fülle van Fehlschlügen der russischen Politik, geradezu Bockiprünge. aus dem Gebiete der Währunas- und Finanzpolitik zu verzeichnen sind. Wenn die Produktionsmittel zu 190 Proz. verstaatlicht werden. mos in Rußland noch nicht der Fall ist, sa wäre es trotzdem noch durchaus möglich, daß es kapitalistische Ausbeute gäbe. Das Finanz- kapital in Rußland verzeickmct heute zum Teil mehr als 20 Proz. arbeitsloses Einkommen. Das beweist, daß man aus der Zlrheiter- klasse die Zinsen herauspreßt und auf diese Weise somir mit der üblichen Dumpingwirtschaft versucht, die russischen Verhältnisse zu sanieren. Der gesamte wirtscbaftliche Aufbau in der Sowjetunion geht fast ausschließlich o»f Kosten der Arbeiter. Worie Zuchacz: Was den Fünfjahresplan anlangt, so habe ich Respekt vor der Leistung, die dem russischen Volk mit gewaltigen Staatsmitteln aufgezwungen wird. Dos»ngehcnre Elend, das aus der Literatur über den Fünfjahresplan hervorgeht, hat mir doch zu denken gegeben, ah eine andere Arbeiterschaft der Welt, die nicht durch die Geschichte der Entwicklung gezwungen ist, eine ganze Wirtschastsepoche zu überspringen, überhaupt nach in der Lage wäre eine solch ungeheure Last zu ertragen, wie e? dem russischen Volk und besonders den Frauen ausgezmunaen ist. Wir stell'» uns sicher- sich nicht, au die-Seite der biirsterlichen Hetzer(Sehr mal)"'), die die riissische Euiwicklung. uicktt. nur begrüßen, londern auch�gle..Beisvi-l sür die deutschet). Verhältnilse nehmen. Auch mir drangh.sich ideg Vergleich auf mit dem Frübkapitalismu?. Die Resolution zur Frage der Erwerbsarbeit ver Frauen stellt eigentlich eine Sglbsioerständlichkeit dar, wie sich auch � unausgesprochen ans dem Tornowschen Referat ergibt. Wir betonen damit noch einmal einen Punkt de-. Parteiprogramms und einen Beschluß des letzten: Parteitags in Magdeburg. wir wünschen, daß es kein Sanderrecht iür die Frmtenerwerbs arbeit geben darf und betonen, daß wir die Reaktion in ihrem Bestreben,»och weitere Zerstückelungstendenzen in die Arbeiterschaft hineinzutragen, nicht unterstützen dürfen. Man kann den Frauen nicht Helsen, in-'em man, ihnen die Erwerbsarbeit entzieht, sondern aus sozialpolitische Weise.. (Lebhafte Zustimmung.) Nach Verlesung der Begriißungsschreibcn von Finnland, der Schweiz und aus Ungarn und oes Arbeiterradiobundes gibt der Vorsitzende Lipinski davon Kenntnis, daß die Vorsitzenden des Parteitags dem Polizeipräsidenten von Leipzig für die Unterftützung der Posizei bei der Sonntagsdemonstration den Dank des Parteitags. ausgesprochen haben. Weiterberatung 3 Uhr. Nachmittagfitzung. Die Debatte über das Referat Tornows wird sortgesetzt. Dittmaun(Parteivorstond): Der Parteitag kann sich dazu b.- glückwünschen, dos vorzügliche Referat Tarnows an den Anfang seiner Verhandlungen gestellt zu haben.(Sehr richtig.) Ich hätte gewünscht, daß auch von dem Kreise der Parteigenossen, die gestern abend ein Korreferat zu seinem Wort gewünscht hatten, nach ddm Referat Tarnows ofsen anerkannt worden wäre, daß ein Korreferat nicht notwendig ist. Leider haben die Genossen diesen Mut nicht aufgebracht und deshalb habe» ihre Ausführungen einen recht«> wollten Eindruck gemacht. Das Referat war durchleuchtet von den Grundsäßen des Marxismus und ich habe nicht gehört, daß die Genossen aus jenem Kreise in der Lage gewesen wären, von diesem Gesichtspunkt aus die Debatte zu bereichern. Wenn Petrich-Gera davon sprach, daß er solche Aus- führungen von Tornow bisher nicht gehört habe, so liegt dag wohl daran, daß diese Genassen die Ohren leider immer nur spitzen, wenn sie glauben, Gegensätze herausfinden zu können.(Beifall.) Man sollte sich mehr an das erinnern, was uns allen trotz der Gegensätze in allen Fragen gemeinsam ist.(Lebhafter Beifall.) Wäre das geschehen, so wäre von vornherein eine gün» stigere Stimmung auf diesem Parteitag sür diese Genossen geschaffen worden. Gewiß sollen wir, wie Petrich sagte, auf die Stimmung der Massen Rücksicht nehmen. Aber das darf nicht bedeuten, daß die Genossen, die aus einer Gefahr heraus urteilen, weil sie durch die kapitalistische Wirtschaft bedrückt sind, die Führung ausschalten. Es muß vielmehr bedeuten, daß die Genossen, die mit der Führung betraut sind, ihr besseres Wissen und ihre größeren Erfahrungen BAD EMI Katarrhe, Asthma, Emphysem. Grippefolgen, Rück» stände von Lungen- und Rippenfellentzündung, Merz- und Kreislaufstörungen Trink*. Bade«. Inhalationt«. Terrain knren Unterhaltungen und Sport jeder Art ✓ Zeitgemäße Pneisf EMSER WASSER l�>/ PASTILLEN/ QUELLSALZ . Nur echt mit Schutzmarke den Massen übermitteln. Mäder-Leipzig meint«, die Arbeiter wott. ten wissen, wie der Sozialismus aussieht. Die Sozialdemokratische Partei hat es stets abgelehnt, ein Phantafiegebilde zu malen. In den tagelanren Debatten über den Zukunftsstoat hat vor Iahren schon Bebel unsere Gegner wegen dieser Forderung verhöhnt. Wir stehen auf dem Boden der organischen gesellschaftlichen Entwicklung. Wir wollen nicht erst alles niederreihen, sondern die gegenwartigen Verhältnisse vorwärtsentwickeln. Somit können wir immer nur die allgemeine Tendenz der Entwicklung heraus- stellen und müssen uns hüten, auf lang« Sicht hinaus Detailmalerei zu treiben. Was Bieligks Stellungnahme zu Rußland betrifft, so weise ich hin aus die Rede, die C r i s p i e n 1 920 geholten hat, als Criapien und ich von Moskau zurückgekommen waren, wo wir im Auftrag der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei an den Verhandlungen der Z. Internationale teilgenommen hatten. Wir müssen die deutschen Arbeilermassen vor den Zllusionen behüten, daß wir in Deutschland da» russische Beispiel nach. ahmen müßten. Daz wirkt irreführend auf die Arbeiter, wenn man ihnen sagt, wir hätten 1918 auch den Mut haben müssen, das Bürgertum zu ver- Nichten und alles neu aufzubauen, dann wäre eben alles anders bei uns. Wir haben una damals in Moskau mit Tschitscherin unter- halten und Tschitscherin sagte uns, daß man russische Berhältnisse auf Deutschland nicht übertragen könne. Wir haben 1318 auch nicht die Möglichkeit gehabt, di« wirtschaftlichen und politischen Ding« so zu gestalten, wie wir da; für richtig gehalten haben, von den innerwirtschaftlichen und psycho. logischen Möglichkeiten gar nicht zu reden. Ich bitte Sie, das Rese- rat Tornows als Grundlage für die Aufklärung unter den Massen, die aus wirtschaftlicher Angst dem Faschismus nach- laufen, zu benutzen, so wird unsere Agitation von Erfolg begleitet sein.(Lebhafter Beifall.) Ziegler» Breslau: Nach dem ausgezeichneten Referat Tar- nows und den Diskussionsreden kann ich«s mir ersparen, Ausfüh- rungen über die Krisenursachc zu machen. Bei uns in Breslau hat die Krise besonders schwer eingesetzt, wir haben 63 000 Arbeitslose. davon 35 000 beim Wohlfahrtsamt. Jeder dritte Einwoh- ner l«bt von Unterstützung. Ich fürchte, daß in anderen Großstädten die Lage ähnlich ist. Die Stadt Breslau steht vor dem finanziellen Zusammenbruch. Aber was soll werden, wenn die Te- meinden die Arbeitslosen nicht mehr unterstützen können? � Freiwillig werden sie dos Schicksal des allmählichen Verhungerns nicht auf sich nehmen. Trotz aller Propaganda gegen den Sturz der Wiri- fchaftsordnung werden sie eines Tage? handeln, wie 1318 die Kriegs- teilnehmer gehandelt haben und mit den unhaltbaren Zuständen Schluß machen.(Beifall.) Die Stimmung der Massen kann nur feststellen, wer täglich mit den Arbeitskollegen zu tun hat. Was schwankt, da» soll man nicht heilen, sondern stürzen, vernichten. (Lebhafter Beifall.) Wir sind verantwortungsbewußt, aber nicht für Brüning und die Regierung. Wenn ein« Notverordnung Ar- beitslos« und Kranke benachteiligt, dann fragen wir nach den In- teressen der Massen und nicht nach Hindenburg, Brüning und Groener. Pölling-Frankfurt: Bei der Betrachtung der Rede Tornows scheint mir durch eine Aeußerung interessantes Licht auf die national- sozialistische Bewegung zu fallen, das fruchtbare Agitationsmöglich- ketten beleuchtet. Wir müssen den Nationalsozialismus aufgreifen als die erste mlßleilel« Form der sozialistischen Rebellion der kapita- listischen Zwischenschtchien. Wir müssen selbst den Nationalsozialismus sehen als ein E n t w i ck- l u n g s m o m« n t. Trotz aller Verwirrung und Unklarheit vollzieht sich jetzt die seelische Ablösung weiter bürgerlicher Kreise vom Kapita- lismus. Das Kapital verliert seine Massengrundlage. Dem ent- gegenzuarbeiten bleiben nur zwei Möglichkeiten: entweder es rückt non der Demokratie ab, und in der Tat ergeben sich weitere kapita- listische Kreise den Putschstimmen, oder aber der Kapitalismus ver- sucht sich neue' Truppen zu schassen, aber mit 100 Prozent bsirger- lichen Parolen kann er leinen Mann mehr in Bewegung setzen. Di« Heiligkeit d«» Prioatvermogens macht heute keinen Eindruck mehr auf hie Massen. Es ist unser stärkster Triumph gegen den Ratio- nalismus. daß sogar Hitler sich als ein verkrüppelter Enkel-Knirps non Mar� ausgeben muß. Das kleinbürgerliche Plüschsofa wackelt. da? Kleinbürgertum beginnt, dos kapitalistisch« Problem zu begreifen. Die Mittelschichten begreifen die Prolctarisiorung noch nicht als Schicksal. Deshalb suchen sie nach dem Schuldigen, dem Juden, dem Poung-Plan oder dem Morxis- rnus. Oder die ersten Sozialrebellen gehen meist am Richtigen vorbei, treiben historisch Falschmünzerei. Die soziale Tuchfühlung, die das Sleiubürgerlum mU der Ar- beiterNasse genommen hak. muß ihm auch eines Tages politisch bewußt werden. Für diesen Tag brauchen wir ein« Partei von genügender sozialer Weikrcumigkcil. Ich möchte die Freunde von der anderen Schattierung— von Rich- tungen sollen wir ja nicht sprechen— daraus aufmerksam machen, daß die Arbeiterklasse 1907 noch 56 Proz. der werktätigen Bevölke- rung ausmochte, heute aber nur noch 45 Proz. Die rein p r o l«- t a r i s ch e Front reicht nicht au», um mit der Demokratie di« Mehrheit zu gewinnen. Wir brauchen ein« Front- erweiterung. Je tiefer sich der Kapttalismu» im jetzigen Staate in die Wirtschaft hineinfrißt, desto klarer muß die Front der Ar- bettenden gegen den Besitz, gegen die Renten der Schassenden, gegen die Ausbeuter werden. Wer ober wird die neue Massenbewegung führen? Das wird zu einem großen Teil von uns selbst ab- hängen: wir können eme Verwilderung erzeugen, daß die Massen un» entgleiten müssen. Darum keine trügerischen Illu- s i o n e n! Vor ollem nicht der Trug von der letzten Krise de» Kavitalismu». Wenn im Sommer«in besonder« schwere« Gewitter niedergeht, spricht kein naturwissenschaftlich Gebildeter vom Welt- Untergang. Genau so weiß ich, daß dies nicht die letzt« Krise des Kapitalismus ist. 1l«n fort mit dem Trug vom Arbeiterparadie» Rußland. Selbst. wenn der Fünfjahresplan gelänge— drei Fragezeichen am Rande— würde es uns gar nichls bedeuten. Rußland kämpft um die Erweiterung einer unzureichenden Pro- duktion und führt dazu ein« brutale Konsumdrosselung durch. W i r leben in der Ueberdimensionalitat des Produktionsopparates. Unsere Wirtschast hat also eine völlig andere Problematik. Rar keine nncrsüllbaren Versprechungen. Unerfüllte ver- sprechunge» sind da» fürchkerlichste Dynamit für den Block der Arbeiterbewegung, und die oufgepuiverien Radikalinski» von henke sind die veserkeure von morgen! (Lobhast« Zustimmung!) Wir wollen nicht den Elan nehmen, nicht da« Feuer des Sozolismus auslöschen, aber wir wollen keine Der» wilderung der Geister. Sozialismu» als Traum ist nicht» Neues, er ist 2000 Jahre alt. Was wir wollen und herausstellen müssen, ist der Sozialismus als Wachstum!(Lebhafter, lananholtender Beifall.) «irchner-Bauheo: Die Ausführungen Zieglers hotten etwas Demagogisches. Es wird aber auch ihm nicht gelingen,, jetzt auf einmal bessere Verhältnisse für die Arbeiter herbeizuführen. Ich gehöre nicht nur zu den Leuten, die mit der Arbeiterschaft„Füh- lung" haben, sondern ich bin selbst Arbeiter und gehöre zu den 5 Millionen Erwerbs- tosen, sogar schon seit 51 Jahren, aber trotzdem wache ich mir keine Illusion, daß man in der Lage wäre, von heute auf morgen andere Verhältnisse zu schassen. Das Referat Tarnows hat in allen Zügen dos getroffen, was uns bewegt. Ganz unsinnig sind die van der jetzigen Regierung ge> troffenen Maßnahmen zum Lohnabbau und zur Preissenkung. In der Entschließung zu Tarnows Referat sollte auch sestgelegt werden, daß der Parteitag erkannt hat, daß die Krise von der Reaktion de- wüßt betrieben wird, um di« Vorwärtsbewegung der Arbeiterschaft zu vernichten.(Lebhafter Beifall.) Sleineibst-Lodou: Tornow hat mit vollem Recht erklärt, daß er keine Richtlinien zur Hebung der Wirtschaftskrise zu geben hat. Ein solches Produktionsprogramm kann natürlich auch von uns Zehn-Minuten-Rednern nicht verlangt werden. Alle Redner haben gesagt, der Sozialismus sei heut« populär. Ich sage, er ist heute vor die Frage seiner Bewährung gestellt. Die Zeit schreit nach Etappen weiterer Verwirklichung des Sozialismus. Wir haben eine Verwirlichung von Kartellen und Trust», ober diese haben heute den Staat unter ihrer Botmäßigkeit. Wir aber wollen den Staat als Kontrollorgan einschalten. Ein Vorschlag zur Er- qänzung wäre die steuergemeinschoftliche Zusammenfassung der Induttri«. Mit dieser Zusammenfassung folgen wir dem Gang der Entwicklung. Wir tun dasselbe, was die Kapitalisten tun, aber mit einem anderen Ziel. Wir verlangen, daß der StaatdieProfit» sucht einschränkt. Kapitalsflucht und Steuerhinterziehung können nur wirklich verhindert werden, wenn der, der sie verhin- der» will, im B e t r i e b s i tz t. Wichtig ist auch die Einwirkung de» Staates auf die Reichsbank. Ein Getreidemonopol müßte ausgebaut werden zu einem Ernährungsmonopol. In dieser Weis« muß«in konkretes Programm ausgearbeitet werden. Das ist die Ausgabe der Gemeiiiichastsorbeit. nicht eine» einzelnen. Ich würde di« kapi- talistische Wirtschaft nicht mit einem Patienten vergleichen, den man nicht sterben lassen kann, sondern mit einem schlecht geführtem Unternehmen, dos man nicht sanieren kann, indem man, die Pleite machen, die Verfügungsgewalt gibt. Wir können es nur sanieren, indem wir uns einschalten. Natürlich kann man das alles nur durchsetzen, wenn wir die Massen für un» gewinnen. Hier berühren sich die wirtschaftlichen Fragen mit den politischen. Wir müssen die Einheit nicht auf weite Sicht, sondern auch auf nahe Sicht mit unserem Handeln herstellen, dann werden wir die bereits sozio- listisch infizierten Massen hinter uns bringen, statt daß sie Scharia- tanen nachlaufen.(Lebhafter Beifall.) Eirsten-Breslau: Wenn dieser Parteitag seine historische Auf- gäbe erfüllen will, dann darf um das Grundproblem nicht herumgeredet werden, dann müssen Parolen von diesem Parteitag aus- gehen, die die Möglichkeit eröffnen, für die Arbeiterklasse Entscheiden- des zu leisten. Tornow hat nicht gesagt, daß die augenblickliche Krise eine Krise des Niedergangs des Kapitalismus ist, sondern alle vorhergegangenen Krisen im Aufstieg des Kapitalismus waren. Di« Arbeiter werden nicht verstehen, warum wir den kranken Körper des Kapitalismus noch irgendwie verarzten wollen und au» Blut und Knochen der Arbeiterklasse die Medizin liefern sollen, damit der Kapitalismus gesundet. Dieser Parteitag muh Neue» schaffen. Das, was in der Resolution Tornow fehlt, ist in der Resolution Perrich enthalten. Ich habe den moralischen Mut, mich zu dieser Resolution zu betennen. Alle die, die wirkliche» Interesse für di« Höhersührung der Arbeiterklasse haben(lebhaftes Hört, hört! und Unruhe), sollten sich auf den Baden dieser Resolution stellen und ein« Politik treiben, die die Massen der Arbetter eint. heinig-verlio: Unsere Verantwortung liegt darin, ein« Wirt- schastsvolttii zu treiben, die immer zuerst an da» Schicksal der Menstfaen denkt und nicht an irgendein- Idee oder den schünklingen- den Wunsch: dieses System mutz sterben.(Sehr gut!) Wenn man das so einfach sterben lassen könnt«— einen Außenhandel in der Größenordnung von 20 bis 23 Milliarden Mark, von dem die deutiche Industrieorbeiterschast lebt, mit dem Schlichtungswesen, mit der Arbettslosenunterstützung! Das. wo» in Rußland seit zehn Jahren«ik beispielloser Aufwendung an Srast und menschlicher Energie vor sich geht, unter Vorgabe, es sei Sozialismus, ist in Wirklichkeit ein Sterbe». da» Millionen von Menschen mit ihrem Lebe« bezahlen. Und uns ist der letzte Arbeiter zu schade, daß er bei ciuem Experiment sein Leben lassen soll.(Sehr wahr!) Die Schwierigkeit der Agitation in dieser Zeit liegt für uns darin. daß wir immer an die Vernunft der Massen appellieren müssen. Es gibt auch in der Politik Leute, die olles wie der Prophet Weißenberg mit weißem Käse hellen möchten. Wenn man anfängt, solche Einzel- heilen herauszunehmen, wie Mädcr-LItenbuvg.(Mäder:„Was sogt die Gewerkschoftsinternotionole?*) Sie hat mit Recht davon ge- sprachen, daß Preise und Zoll dann am ehesten zu ertragen sind, wenn sie stabil sind. Das ist ein richtiger Gedanke.(Mäder: Dar- über hat Tornow»der nichts gesagt!) Tornow war nicht verpflichtet, alles zu sagen, aber er hat«in« ganz« Meng« Vernünftige» gesagt. Es ist doch ein Irrtum, daß da» kapitalistische System nur daran krankt, daß die Währung nicht in Ordnung ist. Wenn da» Thermometer korrigiert wird, wird die Temperatur nicht anders. (Heitertest und sehr gut!) Wir dürfen uns über die Lebensfähigkeit der kapitalistischen Wirt- schaft nicht täuschen-, schon auf allen Parteitagen ist angekündigt worden, daß der Kapitalismus im Sterben liegt. In Wirklichkeit ist etwas ganz anderes geschehen. Aus dem preußischen Dreiklassen- Wahlrecht ist die Demokratie geworden, aus dem Hahenzollern- staat die Republik, au» der tariflosen Zeit ein w« i t u m- spannende- Arbeitsrecht. In der Weimarer Verfassung ist der Gedanke der sozialen Verantwortlichkeit gegenüber der All- gemeinheit verankert. wir wären viel glücklicher daran, wenn jeder«inzelue den Mut häkle, auch clnmal das zu loben, was die Sozialdemokraiie geleistet hak.(Stürmischer Beifall.) Man muß aber immer erst ins Ausland kommen, um zu hären, mit welchem Respekt man dort von den Leistungen der deutschen Arbeiterbewegung spricht.(Sehr wahr!) Di«-fechilldenremsions- frage ist auch nicht von uns allein zu lösen, denn di« ganz« zivilisierte Welt ist mit den Kriegsschulden belastet und muß eben die Zinsen tilgen. Vor ollem müssen wir also die Massen zur Erkenntnis bringen, daß die deutsche Arbeiterbewegung auch etwa» zu verlieren Hot! Unser Grundsatz soll sein: Was wir haben, wird behalten!(Lebhafter, langonholtender Beifall) Luaade-Lerliu: Wir haben im Referat und Debatte einmütig festgestellt, was geschehen wird und wir dürfen nicht mst bosschewifki» schen Experimenten die Wirtschaft zerschlagen, von der wir alle leben. Aber nicht dies« Feststellung, dieses Ertragen und Tolerieren zügeln ist«ine ungeheure Kraflanspannung unserer Nerven. Darum müssen wir zur Ergänzung auch Positives sagen, und das finden wir, wenn wir den Blick über den Berg hinwegsenden. Wir leben ja nicht uister einem rein kapitalistischen System. Die starten politi- schen Kräfte des Proletariats arbeiten ja tagaus, tagein dem Kapitalismus entgegen. Und wenn diese Krise nicht die letzte Krise de» Kapitalismus ist. wie wird denn die Welt nach dieser Krise aussehen? Ich denke, daß wir dann die 4 0- S t u n d e n- Woche erreicht haben und sie mit aller Macht verteidigen werden. Täuschen die Zeichen nicht, so wird das deutsche Proletariat aus der Wirtschaftskrise mit geminderter Arbeitslast hervorgehen. Wir hatten vor dem Krieg vierzig lange, schwere Kampsjahre. Die zehn Jahre nach dem Krieg war di« Erntezeit: wir haben die politische Freiheit und wirtschaftlichen Fortschritte durchgesetzt, an die wenige Jahre zuvor noch niemand geglaubt hätte. Jetzt stehen wir wieder in einer ganz schweren Krise, aber dahinter blüht eine neue Ernte. Wir hoben noch niemals so positiv und erfolgreich sozialistisch ge- arbeitet wie gerade in dieser Notzeit, nicht zum wenigstens durch di« Hilfe der preußischen Regierung, deren Erhaltung ein besonders wichtiges Ziel unserer politischen Kämpfe war. Gewiß, jetzt müssen wir stillhalten, jetzt müssen wir wirtschaftliche Rückschläge in den Kauf nehmen, aber das können nur Episoden im Kampf um den Sozialismus sein. Arndl-Dresdev: Die Opposition hat weder in der Analyse der Krise noch in der Nochweisung von Rettungswegen etwas gesogt, was über Tarnows Referat hinausging. In dem einen Ziel, dem sozialistischen Fortschritt waren sich alle einig. Aber wenn wir aus den Reden der Opposition zu hören glaubten, daß wir möglichst rasch sozialistische Fortschritte durchsetzen könnten, antwortete man uns: Rettung bringt allein der Sozialismus. Dos wissen wir alles, uns ist dieser Plan Wunschziel. Wir werden also weiterhin politisch und wirtschaftlich kämpfen, die Lebenslage der arbeitenden Massen zu bessern suchen und dadurch die Voraussetzun- gen für den Sozialiemus verstärken. Wir werden die Methoden und die Wirkung der Arbeit zu bessern suchen und werden weiter unseren Kampf innerhalb des Sozialismus führen. Und wir werden weiter die Arbeiterklasse nicht gewinnen mit Wechseln auf die Zukunft, sondern mit realen Gegenwartserfolgen. Weh-Frankfurk a. ZU.: Ich glaube, daß die Resolution Tornow in ihren ausgesprochen praktischen Borschlägen uns auch agitatorisch eine wirksame Hisse sein wird. Der Hauptstoß der politischen und wirtschaftlichen Macht der Arbeiterklasse muß jetzt auf die B c r- kürzung der Arbeitszeit gerichtet sein. Zieglcr-Bresla» hat uns ein ergreifendes Bild des Arbeitslosenelends, namentlich bei den Metallarbeitern, gezeichnet. Und wir haben seit Monaten daran gearbeitet und werden in der nächsten Woche hoffentlich zum Abschluß kommen, den 10 000 arbeitslosen Arbeitern von Linke-Hoff- mann im Waggon- und Lokomotiobau Arbeit und Brot zu ocr- schaffen. Wir alle sind bei dieser praktischen Arbeit der Ueber- zeugung. daß wir damit den Arbeitslosen mehr nützen als bei allen Racheschwüren von Ziegler gegen den Kapitalismus.(Sehr gut!) wenn wir die Wenschheil stall mit praktischer Arbeit mit Parolen glücklich machen könnten, hätten die Kommunisten uns schon längst in die Erde gestampft.(Heiterkeit.) Gros hat uns ermahnt, uns nicht pharisäerhast gegen Rußland zu erheben. Keiner van uns hat je im Traum daran gedacht. Wir hielten es nur für nützlich, wenn Graf und sein« Freunde ihre Auf- merksamkeit der Tatsache zuwenden würden, daß Rußland und die deutschen Kommunisten seit zehn Jahren unsere Arbeit in Deutschland mit schamlosen Beleidigungen her- unterreißen, daß sie die deutsche Sozialdemokratie, die deutschen Ge- werkschosten und alle sozialistischen Arbeiterorganisationen zu spalten und zu zertrümmern suchen. Ein Teil der über- flüssigen Kritik, di« an der Partei geübt wird, auf da» verbrecherische Treiben dieser Weltreoolutionäre gewendet, damit könnten Graf und seine Freunde der deutschen Arbeiterklasse einen gröhereu Dienst erweisen. Die Auffassung Tarnows, daß wir da» kapitalistische System bekämpfen und die Ueberwindung über die Gesellschoftsschicht in Gong halten wollen, ist zweifellos die Auffassung der gesamten auf- geklärten Arbeiterklasse in Deutschland. Taiber-waldenburg(Schlesien): Zehn Jahre praktisch« Er- fohrung als Betriebsrat in Bergwerken haben mich gelehrt, daß es nicht leicht ist. die Massen zu zügeln. Natürlich jubelt di« Maii« allen Versprechungen zu, die ihr ein geschickter Redner macht, die man aber nicht verwirklichen kann. Dann ertönt sehr rasch das kreuziget ihn! Sachsen und Mitteldeutschland hätten doch eigentlich genug Erfahrungen sammeln können. Die Massen sind auf Ver- sprechunaen hin den Kommunisten zugeströmt und enttäuscht, wieder zu den Indifferenten zurückgekehrt. In der Ekstase. Menschen zum Zertrümmern der Wirtschast zu zwingen, wäre gewiß nicht unschwer. Ich gestehe offen, daß das Zentrum seine Kräfte noch viel besser anstrengen kann, ober allerdings hat das Zentrum auch nicht so viele Leute, deren ganze Tüchtigkeit in der Kritik an der eigenen Partei besteht. Ziegler hat Tornow sehr verübelt, daß er zwar das kapita- listisch« System bekämpfen, ober nicht die Wirtschaft ruinieren will. Weiß Ziegler wirklich vichi. daß. wo Bekrirbe stillgelegt werden follen, die Arbeiter bei verlängerter Arbeitszeil arbeiten, nur um nicht arbeitslos zu werden? Mit der Parole, die Wirtschast zu zerschlagen, würden wir bei den Arbeitern kein Echo bekommen. Leider ist vieles nicht govz geklärt genug, um alle wissenschoftlichen Teilfragen der Theoretiker m den Einzelheiten zu verfalgev. Um so größer ist die Verantwortlichkeit der Führer, damit es nicht schließ- lich in der Arbeiterbewegung so zugeht, wie beim Turmbau zu Babel. Weniger Kritik, mehr Selbstkritik und geschlossenes Vorwärts zur soziallstischcn Arbeit.(Beisall.) Schlußwort Tornows: Ich Hab« von grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten über Wirtschaftstheorie und Wirtschoftspolitit im Verlaus der Debatte nichts gemerkt. Graf hat diese in eigentlicher Uebereinstimmung der Entscheidungen durch meinen Gesinnunasmangel zu erklären versucht. Petrich-Gera hat gemeint, ich hotte früher über Wirtschaftsdemokrarie ganz anders gesprochen. Nein, auch was ich heute gesagt habe, waren lauter Rezepte der Wirtschattsdemekrati? Was hat sich sonst Petri unter Wirtschaftsdemokratie vorgestellt? Den Monopol- dcmokratismus habe ich nie für einen Teil der Wirtschaftsdemokratie erklärt. Ich habe auseinandergesetzt, daß wir an ein zersplittertes privatkapitalistisches Unternehmertum mit ges«llscl?aftlicher Macht nicht herankommen, wohl aber an den konzentrierten Kapitalismus. Diese Forderung aus Kartell, und Monapolkontrolle haben die Gewerkschaften 1927 aufgestellt. Wenn hier der Redner gemeint bot, er könne sich darunter nichts vorstellen, so soll er nur unseren Gesetzentwurf zur Kartell- und Monopolkoittrolle lesen, so mn Ihr« Teppiche sollten Sie denken. Wtr reinigen und eulanisteren(Mottenschutz). Aufbewahrung. Abholen und Zustellen kostenlos. nrfrb er schon eht klares Bilb bekommen. Ich stelle also fest, die angeblichen Meinungsverschiedenheitsv waren nur Mißverständnisse. Mein Referat hat festgestellt, daß wir eigentlich alle das Gleiche wollen. Da möglicherweise die Leute draußen nicht so schnell begreisen werden, daß wir restlos einig sind. will ich noch einmal formulieren, worüber wir einig find: l. Die Theorie vom automatischen Zusammenbruch der kapita- vstischen Wirtschast hat niemand vertreten. Zenflen formulierte sogar, sie sei niemals von einem Sozialdemokraten vertreten worden. 2. Die Theorie, daß dies die Endkrise de, Kapitalismus sei, wird von niemandem verteidigt. Z. Alle erkennen an, daß der Uebergang vom kapitalistischen zum sozialistischen System kein einmaliger und kurzfristiger sei. sondern ein longsam andauernder. 4. Tliemaud glaubt, daß es ein Generalrezept gibt, dos alle Hebel und Röte so augenblicklich beseitigen und den Sozialismus verwirklichen könnte. Viele Parteisreunde draußen werden überrascht sein, daß wir in diesen Grundfassungen einig sind. Sie werden geglaubt haben, es bestünden hierin grundsätzlich verschiedene Auffassungen. Ich stelle fest, daß das nicht der Fall ist. Nun.zu meiner Rolle als Arzt des Kapitalismus.(Heiterkeit.) Ich Hobe gesagt, daß wir am Krankenlager der kapitalistischen Wirt- schaft nicht mir als Diagnostiker stehen können, sondern als Aerzte und Erbe. Ich habe ausdrücklich hinzugesetzt, die Arbeiter- klasse wolle den Sturz des kapitalistischen Systems, aber nicht die Vernichtung der Wirt- schaft. Den Kapitalismus wollen wir lieber heute als morgen beseitigen, aber wir dürfen nicht die Wirtschast zerstören, von der willionen leben, die wir nicht in physische Vernichtung hineinstürzen dürfen. So habe ich über die Vernichtung der Wirtschaft gesprochen und nur, wenn jemand den Sinn meiner Worte verdreht, kann es draußen anders aufgefaßt' werden. Man sagt, wir verraten unsere Grundsätze, wenn wir uns als Arzt des kapitalistischen Systems fühlen. Die Resolution, die von der„anderen Schattierung" vorgelegt ist, ist in dieser Beziehung außerordentlich interessant und aufschlußreich. Da heißt es an einer Stelle:„Die Arbeiterschaft steht an einem entscheidenden Wende- punkt. Die Zeit, daß ihre Lebenshaltung mit der Entwicklung des Kapitalismus emporsteigt, gehört der Vergangenheit an." Das heißt: von jetzt ab wird, solange das kapitalistische System existiert, kein Emporstieg der Arbeiterklasse erfolgen. Diese Behauptung ist nicht neu in der Geschichte der Arbeiterbewegung. Ich erinnere an die Diskussionen über die Sisyphusarbeit der Gewerk- s ch a f t e n, die wir vor dem Kriege leider geführt haben.(Sehr gut!) Jetzt taucht diese Behauptung neu auf. Ich halte sie für einen Irrtum. Er fragt sich nur, ob die Genossen, die diese Anschauung haben, sich nicht täuschen lassen durch eine vorübergehende Stimmung oder durch das Bedürfnis, eine ähnliche Formulierung zu finden, die den Beifall der Tribüne leichter hervorruft, als eine Verstandes- gemäße Formulierung. Auf diese Frage komme ich deshalb, weil später in der Entwicklung eine ganze Anzahl von positiven Vor- schlagen enthalten sind, die im übrigen vollkommen identisch sind mit meinen Vorschlägen, wo z. B. eine gesetzliche Verkürzung der Arbeitszeit mit Lohnausgleich, eine Erhöhung der Reallöhne usw. gefordert wird. Run kann es doch nur eines geben: entweder keine weiteren Der- beffernngen mehr für die Arbeiterklasse, und dann kann man solch« Forderungen erheben, oder eben die TNöglichkeit einer weitereu Hebung der Lebenshaltung auch im kapitalistischen System. Also dieser Widerspruch ist ein klarer Beweis von der Unoollkommenheit der Deukungsweise dieser Genossen. Sie lassen sich immer wieder von dem Gefühl hinreißen, aber wenn sie gezwungen werden, mit den Mitteln logischen Denkens die Tagesförderungen für die Arbeiterschaft zu formulieren, stehen sie wieder mit uns in derselben Linie.(Sehr gut!) Dorf man über- Haupt, wem, man den Kapitalismus überwindet, irgendetwas tun, was diese Kapitalisten nur noch weiter stützen könnte? Die ganze Entwicklungsgeschichte der Arbeiter» »ewegnng ist doch nichts weiter als ein Stützung?- ''" pttalist"".........--■ prozeß der kapi der istischen Wirtschaft! Nach Theorie des Zusammenbruchs muß dieses kapitalistische System an seinen inneren Widersprüchen zugrunde gehen. Ich halte diese Theorie auch für richtig, aber die Arbeiterbewegung hat die kapita- listische Wirtschaft niemals an diesem Widerspruch zugrunde gehen lassen. Wir hoben vielmehr immer Gegenmaßnahmen gegen diese Widersprüche des kapitalistischen Systems durchgesetzt. Wir haben z. B. zu diesem Zweck die sozialen Funktionen des Staates entwickelt: wir haben den Lohnkampf der Gewerkschaften organisiert, und die These der kapitalistischen Wirtschaft, daß auch der Preis der Arbeitskraft sich auf dem freien Markt entwickeln muß, ein Widerspruch, an dem das System zugrundegegangen wäre, ist durch unsere Gewerkschaftsbewegung unwirksam gemacht. Ich weiß nicht, ob ich Ströbel richtig verstanden habe in seiner Forderung, daß man das Kapital in einer Zwangsanleihe erfassen soll. Das ist sicher eine ausgezeichnete Idee. Ströbel wird vielleicht so freundlich sein, der Fraktion nähere Möglichkeiten dafür zu nennen. Es wäre jedenfalls nicht zweckmäßig, daß wir hier der Oeffentlichkest den Modus dieser Erfassung bekannt geben.(Sehr richtig.) Man hat mir schließlich vorgeworfen, ich sei in der Be- urteilung der russischen Frage nicht sachlich genug gewesen. Ich habe das Gefühl, daß ich an die Grenze dessen gegangen bin, was man an diesen Dingen oerschweigen darf. Auch hier liegt es an der gefühlsmäßigen Einstellung der Genossen von der anderen Schattierung. Sie haben die von mir vorgetragene These nicht als falsch bezeichnet, sondern nur angedeutet:....... nie~"-—- nicht unter Brüdern." „Darüber spricht man Dieses Gefühl der Solidarität gegenüber den Sozialisten in der ganzen Welt ist gewiß eine schöne und große Forderung, aber ihre Verwirklichung hängt nicht von uns allein ab. ZNan kann uns wirklich nichk zumuten, Solidaritsft denen gegenüber zu üben, die das Gegenteil von der Solidarität uns gegenüber zeigen. (Sehr gut!) Der Gegensatz, der vorhanden ist. scheint mir lediglich der Beurteilung der politischen Methoden zu dienen.(Sehr wahr!) Wir werden aber die Massen nicht mit Parolen gewinnen, an die wir nicht selbst glauben können. Wir würden bei solchen Parolen auf jeden Fall den Kern der organisierten Arbeiterschaft, den wir heute hoben, zerstören. Wenn wir unsere Organisation geschlossen und einig machen, werden wir aber vorwärts kommen!(Lebhafter Beifall.) Der Antrag des Parteioorstandes hinsichtlich der Frauenwerbe- arbeit wird angenommen. Die Resolution Petrichs wird mit großer Mehrheit abgelehnt. Di« Resolution Tornow wird fast einstimmig mit stürmischem Beifall angenommen. Schluß 6 Uhr.— Weiterberotung Dienstag, 9 Uhr. SoziaKsfisac SdifllergerneinsdiaNen der Soziallstüdien Arbeifer-Jugend Grofj-BerUn Am Donnentaö. dem 4. Ion! 1931, 19V, Dhr. In der Anla der Sdinle Berlin SW, Hodistr. 13 Oelfcntiidie Sdittiervmanuniuig Profettor Heller wird sprechen über: «Jugend und Faschismus". Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Sivsendlmgen für diese Itubrik nur: Ticckltr. 18.— Roscnthaler Borstadt:(SUfabol&fitdtdr. 19.— Stunncnpla,;-pcnlftr. 2E.— iZratrum: Landsberger Str. 50.— toetundbrunitcn I: Gotenbuigrr Str. 2.— Snmdoldthain: Putbusser Str. 8.— Leopolbplat,: Cccstr. 81.— Schillerpart: SchSninattr. 17.— Sebdiag-Rord: Turiner Ecke Seeslrotze.— Brnswaldrr Platz Ii Ralienbnrgcr Str. 1«.— Baltaa: Mnnbclstr. 2— Kelmholtzplatz: Danaiger Stranc OL,?. 2.— ftninonnplati: GIcimstr. 33—35.— Rordostcn I: Dannger Straße 02, B. 3.— Weißens«: Wörthstr. 2.— Kaseaheide: Wasseriorstr. S.— Reichrndey»er Biertcl: Reichenberger Str. 00.- Süden: Llorckstr. 11.— Süd. westen: Lindenstr. 4.— Schöaeberg I: Sonptstr. 15.— Schitneber« Ilt Haiwt. straft« 15.— Schbneberg rV; Hauvtstr. 15.— Schönebera V: Lauotstr. 15.— Westend:©portploft.— Siemensftadt: 11. Volksschule.— Steglitz 1: Albrecht. strafte 47.— Renkolln I: Sander. Ecke chobrechtstrafte.— Neukölln II: Steimnetz. strafte»4.— Reuköl» III: ziechenstl. 50.— Rcukölln Vll: KME.—«et,- ISBn VIII: Rtttlischule.— Renköll« IX; Schierkcstr. 44.-»övenick I: Grünauer Straft« 5.— Sorloborst: Trestowallee 44.— Rcinickendors-vst: Liirdaucr Strafte.— Wittenau: Hanptstr. 13. * Ar»i»q>latz: Smrnendurger Str. 20:»Das vrolctariich« Kind in der tütrger» lichen Gesellschaft�.— Köpenlcker Viertel: Wrangelstr. 128: Badeabend. 18 Ubr Schlostsches Tor.— Edarlottenbxrg: Rosinenstr. 4: Arbeitsgemeinschaft.— Cftat. lottenburg Süd: Wallstr. 76:»Zugend und Partei".— Reu-Tempelbos: Wintqensstrafte:..Sexuelle ssragen". 2. Teil.— Neukölln X: Bergstr, 29;„# 218". — Bilmetabotf, Jüngere: Wilchelmsaue 123:..Sovales Wandern".— Frieden»»: Offrnbacher Str.„Zweck und Ziele der SZIJ." SS». Schöneberg: 17— IS Uhr Sauptstr. 15, Schwabenlandzimmer:»Jugend. bklege und»sürsorgc"._ Vorfrage, Vereine und Versammlungen. FA» Reichsbanner„Schwarz-Rok-Gold'. ÄspSTO»eschSktskellr: Berlin£. 14, Sebasiianstr. 37—98, Los 2. St. �jnVjr Dienstag, 2. Zuni. Mitte, 1. Kameradseliaft: Um 20 Uhr Mitglieder. w*» oersamarlung. Schöneberg. Friedenau. Kameradschaft Rubens: Ilm 20 Übt Mitgliederoersaimiilumg bei Erarnalbke, Canovastraftc. Pankow: 20 Ubr Mtgliedervtrsammlungen. Kanicradichoft Nord im Türkischen Zelt: Kamerad. schaft Süd bei Kaber: Kameradschaft Schönbaulsrn: Lokal..Wolssftchlucht": Käme. rcdlchaft Blankenburg�tarow-Buchliolö an aewobnter Stelle. Gransttfahrer müssen erscheinen.— Mittwoch, z. Jmii. Mitte, 4. Kameradschaft: Um 20 Illtzc Mitgliederversammlung, Belveddre, Alexanderstr. 21. Bernau: IgZb Uhr An- treten in Bundeskleidung am Bereinslokal»um Uebungsabent. zentralverband der Arbeitsinvaliden und Witwen Deutschlands,»au»roft- Perlin. Geftchüfts stelle: Berlin W. 57, Bülowstr. 4V, rechter Sertcuflügel 1 Tr. Dienrtag, 2. Juni. Eharlottenbur«: Lokal Grase, Kantstr. 31, 18 Uhr, Pankow: Schulaula Grunvwsiroftr, 14 Uhr. Tiergarten I: Arminius-Festsäl», Bremer Strafte 72. 15 Uhr. Referent Eaulestcr.Kollcge Voigt. Bohnsdorf: Lokal Vetter, Dorfrlatz 10. WVr Uhr. SBerftertsec: Echulaula Wilhelmstr. 42, 18 Uhr. Ober. lchöneweid«: Bereinnklause, Frischen, Eck« Luiscnstraftc, 16 Uhr. Friedrich» Hagen: Stadtthealer, Friedrichs». 112, 10 Ubr. Atlersftof: Lokal Schmidrbauer, Msmarckstr. 74. 19 Uhr. Temoelhof: Lokal Binger. Dorfftr. 30. 18 Uhr. Wilmerodors: Lokal Albert,»üntzelstr. 37». Ecke Pfaltzburger Strafte. 17 Uhr. »Sturmnogel", Flugverdand der Werktätigen, e. B. Mitaliederverfammlung am kommenden Freitag, 5. Juni, SO Uhr. Lokal Schmidt, Wielefsir. 17. Gälte millkonnnen. Sprachklub„Tbe Engllsb Speakers". Meetings take place on every af nKrtiif ninA In tH o KInrrl\i/oct-l�aci nrt MW ÖT Atf.MnKK:« K.K Tuesday at about nlne o'clock in the Nordwest-Kasino, NW 87. Alt-Mobbit SS (near Qotikowsky Bridge). Topics and debates of general inb — Ladies and Qentlemen— will experience a cordial welcome. Allgemeine Wetterlage. d.dun>>1934, abds. 3 wotkanloft,® heiler.»goft:»Di« Frau tn Politik und Wirtfehaft", Arbeiter. Bildunge- schule. Lindenstr. 3, 2 Tr., 2. Lwf. Arbeiksgemeinschast der kindersreunde Groß-Berlin. Borstaadssitzung am Freitag. S. Juni. 20 Uhr, in der zentrale. Kafssereekonfeeenz Donnerstag, 4. Juni. IS!» Uhr, in der Geschäftsstelle. Ausgab- der Sammellisten. FIi»nk»rsus Donnerslag, 20 Uhr, in der Karl-Marr-Schnle, Neukölln, Aais«r�tr>edriStr. 208— 210. Die neuen Flöten sind eingetroffen. Krei, strenöberg. Unser Filmabend findet beut«, Dienstag, statt: von 18—20 Uhr st» Kinder und von 20—22 Uhr für Erwachsen« im Gesundheit». bau- Am Urban. Programm 25 Pf. Tempekhof. Dien-Iag, 2. Juni, von 17—19 llhr. spielen olle Gruppen auf dem Sportplatz in der Bofestraft«. gegewilder dem„Reuen Park". K«i» Reuköll».»ruppe Avanti: Wir besndicn Heu», Dienstag, um 17 Ubr. Schul« Weifcstrafte.—»rnppen Falke und LichtkgMpfer: Heut« ssnd wir auf dem Sportplatz Sonnenollee ad 17 Uhr. Bei Regenwetter im Seim. Betztrk Friedtichahaill. Achtung, Helfer! Heute. Pünktlich 20 Uhr, Ke:m DiestelinenerNr. 5-0.— Mittwoch: 18—19!� Uhr Spielen auf dem Spor:plotz in, Friebrickishain. Helfer und Falke» nur mit Ausweis Jutritt. Sannabend: Kreishelferfahrt nach Melchow lUedershe). steltfahet. Koste» 2 M. Sonnabend, 13. Juni, und Sonntag, 14. Juni: Kreistref fahrt nach Jugendherbergen Rüder». darf. Erkner und Schwimmende Herberge Beetzsee. Anmeldung sofort in den Gruppen. Kosten 70 Pf. für Rote und Junqfalken, 40 Pf. für Nestfatken.«in- fchlieftlich««»ante.— Gruppe Margarete Wengeka: Dienstags und Freitags. 18— 1»>4 Uhr. Gruppenabende, Jugendheim Tilsster Str. 4.—»ruppe Robert Blum: Heute, Dienstag, 18— 1914 Uhr, Musikgruppt.—»ruppe Laad« berget Platz: Freitag, 18 Uhr, GruppeuvoSversammluna. Alle Falken lruö Heller müssen erscheine«:—. �■, Sport. Branco zu Ruhleben am Mouiag. dem 1. Juni. 1. Rennen. 1. Beta Su sKruiihos jun.), 2. Serz-Ah. 3. Querulant. Toto: 67:10. Ptatz: 20, 16, 15:10. Ferner liefen: Pedonia, Jonnh. Putte, Eliie, KönigSborn, Feodorg, Eudoxia, Mikosch, Kavalla. 2. Rennen. 1. EtriiSker fZknöpnadel jun.). 2. Antwort, 8. Oda WattS. Toto: St: 10. Platz: 15, 12, 36: 10. Ferner liefen; Heureka, Bergamotte, Mimose, Herzblatt, Heldin, Alma Mater, Harsnerw. 3. Rennen, t. Steinkauz(Iautz jun.). 2. Selamlik. 3. SrasfuS. Toto: SS: 10. Platz: 18, 22, 20: 10. Ferner liefen: Pinder, Morgengruft l, Rusbaga Boy, Prachtpeter. Niederländer, Langemann, Lberamtmann. Eulenspiegel. 4. Rennen. 1. Semper idem(I. MillS), 2. Britto». 3. Florian. Toto: 27: 10. Platz: 14, 14, 13. Ferner Uesen: Möglich, KöniaSadler, Lindowgold(o. W.), Eckstein, Rentmeister. 5. R e n n e n. 1. Lerche(Ch. MillS), 2. Trifolium. Z. Union, 4. Ohlen- dorff. Toto: 61:10. Platz: 16, 13, 11, 14:10. Ferner licien: Donia, Kimiko, Pol, ikrieger, Range(o. B.), Kreuzträger. Walter Stolzing. Pa» trizier, Fasan,«lt-r Ego, Blttta, Margarete. Rothkelchen, Witz. Dialog, Kassette, Ali(o. W.), Duncan(o. W.). 6. R e n n« n. 1. 5könig Lear(Ch. Mill«), 2. Nimmersalt. 3. Charlie M. Toto: 27:10. Platz: 13, 20, 64:10. Ferner liefen; Carol, Ouebeck, Perlenkette. Bandit, Dr. Wagner, Mephisto, Paulinus. 7. R e n n e n. 1. Karola(W. KrauS), 2. Champignon, 3. Urania, 4. Herbstaster. Ferner Uesen: JaSmin, Peschkesch, Grete!, Komtesse Isabell. Erich L., BIhambra, Etmra, Arosa, Fata Morgmra. Werbewoche der Leipziger Straße. Der anläßlich der Werbe- wach« der Leipziger Straße veranstaltete Schaufensterwett- b e w« r b, an dem 1S8 Fenster beteiligt waren, war auch Gegenstand eines Publikumspreisausschreibens. Das Publikum hatte durch Stimmzettel darüber zu entscheiden, welches der beteiligten Fenster ihm am besten gefiel. Insgesamt wurden etwa SO 900 gül- tige Stimmzettel abgegeben. Am besten schnitt das Seidenhaus Michels n. C i e. ab, auf das von den neun besten Fenstern das erste Fenster SlvZ Stimmen, das sechste 4171 und das siebente Fenster 3954 Stimmen erhielten. Die zweitgrößte Anzahl Stimmen, nämlich Sl)86, entfielen auf ein Fenster des Warenhauses A. Wert- heim G. m. b. ch. Albert Rosenhain erhielt mit 4492 Stimmen das viert«, f). Leiser Nochf. mit 4216 Stimmen das fünfte und P. Raddatz u. Co. mit 2149 Stimmen das neunte Fenster zuerkannt. Diese Auszeichnung des Publikums bedeutet aber auch eine An- erkennung für das hohe technische und künstlerisch« Können der Dekorateure. »üblich j m«e,»enltse! Nim kann Hie Hausfrau da» Mittagsmahl wiebcv abwecksslu ngoreicher gestalten. Die zarten Gemüse stnd allerdings an und für ssch etwas fad«. Maqtzi» Würze erwetft stch mich hier als treuer Rvthelfer. Schon wenige Trvpfen bringe, den Eigengeschwack der tischfertigen Gemüse in üdeerosthender Weise tat vollen Entfaltung. i J w OlentUu nd Mittvoek! Frisches Fleisch Schweinebauch 0,66 Schweineblatt..... pm. 0,72 SchweineschinkenptdO.TS Rückenfett 0,50 Kassler mild...... m tob 1,08 Bratwurst Berliner Art, m 0,80 Eisbein spitiw«,««sä. m. 0,40 Schweineköpfe�pfÄ 0,28 Schweinenieren...Pia 0,68 Gehacktes........... pm.0,68 Kalbskamm o.B..pfA tob 0,74 Kalbsbrust•d,rp?d,";oB 0,84 Suppenfleisch pm. tob 0,58 Hammelvorderfl.PM.TOB0, 86 Rinderleber......... pm. 0,88 Rinderbacken o.kb..pm. 0,34 Rinderherzen....... ph.0,44 I Ausserdem: 118 Fleltch»d lelchtrerderbllcke Waren Obst und Gemüse Zitronen..... DntMBd tob 0,58 Amerik. Tafeläpfel pm. 0,50 Apfelsinen........ s pia 0,68 Bananen.......... s pr 0,98 Radieschen...... 4 Bund 0,10 Rhabarber........ s pa 0, 1 2 Salat.............. s Kopf« 0,1 0 Stachelbeeren-m««-. pm. 0,22 Grüne Gurken Stack tob 0,30 Karotten ohne Grün, s pa 0,26 Schoten.............. pm. 0,30 Grüne Bohnen....pm.0,30 Kohlrabi.......... Maodei 0,30 Blattspinat........ s pm. 0,28 friscli.......... Üd. von Sportkonserven l: sr _______ i ll ii dGKO i»d «ind vom Versand ausgsschlosien. Vsrkant soweit Vorrat Hengenabgalio rorbebaltea. Lebensmittel Wurstwaren Gek. Schinken...1/« pia 0,35 Rohschinken.....'/«Pia 0,48 Schinkenspeck.... pia 1,33 Zervelat oa Salami p/a 1,30 Fette und Käse Allerfeinate deutsche Molkereibutter....pia 1,48 Margarine, Kokoaiatt, i pm. 0,75 Holländer, uamor,«>>,«. nd. 0,72 Blockkäse TilsAArt, SO'o.Pld. 0,58 Eier................ m Stack 0,55 Kolonialwaren Hartgriess........... pia 0,28 Weizengriess...... pia 0,30 Bruchreis............pia 0,1 4 Italienischer Reis..pia 0,22 Kakao Stark entilt.... PIA 0,48 Kaffee............ pia tob 1,80 < Zusendung*. 6 M. an Konserven>,. vo-. Gemischte Früchte... 1 ,40 Hawai-Ananas too g... 1,25 Fische 'Kabeljau gT,o.K,i.g.,PfA 0,1 2 'Schellfisch Lganzen, PIA 0,12 'Seelachs r-«•*. U-. pm- 0,1 2 'Rotbars.*............ pia 0,1 4 'Filet................... pia 0,20 *ln allen Häusern ausser Andreasstr. Räucherwaren Seelachs gerinchert, PIA 0,38 Seeaal geräscbert.... PIA 0,55 Tafelöl... Flasche 0,55, 0,38 Sardinen iiart8.,nsrtie-.De««». 0,45 Makrelen t-Tomat, dosst. 0,58 ossär Auswahl Illgsten Preisen Hühner o 8& gefroren......... Pfd. von 0,88 Waldtauben n 50 gefroren....... Stück von Hammeivorder- r« Fletsch, gelroren, Pfd. v. wr jewwr Inlandsbutter i oß Pfd.■ f*" Neue Kartoffeln a aa ti PIA Sparsei billisstl ÄtSKÄ»FÜR REISE UND SPORT« verbunden mh einem Preisausschreiben im Werte von 10000 M. Bedingungen zum Prelsausi chreiben geben wir in allen Häusern an allen Kassen kostenlos ab. Raten Sie mitl Dienstag, 2. 6. Staats-Oper Unter d. Linden 274. A.-V. 19 Uhr Tristan n. Isolde Ende 231/a Uhr staats-Oper Im Plsli dsr RsciUlk 123. A.-V. V.-B. 20 Uhr Aus einem Toteahavs Dsflsstl. Ksttennrtssl Endeg. 221.> Uhr Dienstag. 2. 6. staut. Oper Bismarckstr. Turnus I I8>- Uhr von Noniberg Ende 23>H Uhr StaatL Sthaaspö. (in CnilinHHuntl. 235, A.-V. 20 Uhr Ende n. 22 Uhr MI. kbiller-meatEr. Oiang. 20 Uhr NORA. Ende 22»/« Uhr WM PL Aza TA3L5u8B VbmMSJuni GASTSPIEL Oes Bertiner Metrcpoltheotef5 VIKTORIA UND IHO HUSAR Sonntag, den 7. Juni 1931 1 Unwiderruflich letzIcrTag> HOPPEGARTHN Heute 2s JUIlieS'/.Ubr Fels-Rennen d« Sole KapUfin- Kanlabakä'�TSä: Cm Röckcr. Berlin . LICHiaDerger Strahe 22. KOntgst. 3851; TolKsbttlme Thatirinniravlati. 8 Uhr Lumpa#- vagabundus StaatLSdiillfr-Th- 8 Uhr Nora Staatsoper Am PI. d. Republik 8 Uhr Ans einem Tofenhans Daittdiii miatir ....8 Uhr Der HBUDimano von KApenlik e. Carl Zuckmayer Reste: üstaz Hilprt Die Konrödie Täglich 8-8 Uhr Dienst am Kunden vn tait lab ond MiiHimi Regie; Hans Deppe Korlflniendamm Theater Bismarck 449 > 5 8 Uhr| Alles Schwindel voi Ibinlh» Sdtifta. Musik von Mischa Spoliansky. üsits! Gsstsf Brüdssu Täglich 8>/. Uhr Zum goldenen Anker Wiemann, Vaiettl, Tiedtk c. 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ZuBl, obenbs I Ahr. im Corot„Schlesische Qeimat*, Jtrue Sciebcld)flta&c 1 (nahe Iannowigdzuäe) Versammland der Aaloden n. UdttbogensdiwelOer sowie -sdiweiOerliiiien Tag esordnung: L Die Berufsausbildung her Schwetber. 2. Aussorache. 3. Derichiedene« Ohne Mitglirdsbuch fein Zutritt. Es wird vollsähliges Erfcheinrn erwartet Interrffinie Rolleaen aus anderen Benifen ldnne» an dieser Berfammiung teilnehmen. Punktionsre! Ol« verrr»uen»mSBBer»S»sit«renz b-s 2.. e.. 9. nnb 12. 8c]lc(e fallt Im Atonal ZuB> au». B@lriebsräte3 SU Belnedsrfite.Zeitfchrllt Nr. 10 tf erschienen und!ann gegen Vorzeigung der fftgltimalionafarte bn Betr>eb«raI,»Ob. manne» m unserem Büro, Zimmer 5 täglich bis 4 Uhr, Freitag, bis 7 Uhr. entgegengenommen werben. Die OrtoTerwaUang. Am Mittwoch, dem 27. Mal, ent- schlief an ben Folgen eine» Verkehrsunfall» unser lieber guter Vater, Großvater und Schwiegervater Carl Hirsch im Alter von 8t Fahren. E« bitten um still« Teilnahme hie trauernden Rinder Familie E. Scfahpkc Familie P. Hlrsdi Familie A. Hlnch Berlin-Ziosenthal. den I. Juni 1931 Die Einäscherung findet am Z. Juni, 19>,, Uhr, im Rremalvrium Baum- schutenweg statt. IMh Melallarbeiter-Yerbain! VerwaUungastetle Berlin Todesanzeige Den Mitgliedern zur Nachricht, daß untere Rollegin. die Arbeiterin Gertrud Habel gebore« am lt. Februar 1880, am 21. Mai genorben ist Die Einäscherung findet Dienstag. den 2. Inni. 15 Uhr, im Rrematarium Baumschulenweg statt Rege Beteitigung wirb erwartet. UseNpu» Am 26. Mai starb unser Rollege, der Gürtler Osker Schulze Die Einäscherung hat bereit» statt» gesunden. Ehr« ihrem Anbrät« n! Die OriarerwaUang Statt Karten I Fllr bi« un» anläßlich de» Hin- scheiden» unsere» lieben Bater», Schwieger- und Großvater» Emil Peters erwiesene Teilnahme sagen wir alle» Verwandten, Freunden und Be» kannte», ebenso dem Zsedner de» Verbände» der Freidenker aut diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Im Namen der Hinterdttebenen A. Peter». Neufiilln. Fuldastr. 31/32. Danksagung. Für die erwiesene Tetlvahme bei der Einäscherung meine» lieben Manne» und Bater» Max Reusch sagen wir allen Freunden. Bekannten. sowie den Rollege» der Ortslronken. koste und de» Verbände» unseren herzlichsten Dank. Klara ftensd» und Kinder. *» GEHAG >( GemetBBOtciEe Helmslätten Spar- und Ban- AklleageteUsdtajt, Berlin. Die Desellichafl lad i hierdurch ihre Aktionäre>u der am Aloufog. dem 15. Zisnl 1931, 17 Ahr, im(Bemert- s>ha|i»huuB Berlin. Saal 1. Enget- Blee 24-26. stattfindenden ordeulllchen Generalversammlung ein— Die Generalversammlung wird Beschluß lasten über folgend« Tagesordnung: l. Aenderuna de» Gesellschastsoerttage» (ISS 2, 3, 5, B detr). !. Geschosiebericht für da» Jahr>930 3 Geuedmigung der Bilanz. Gewinn» und Berlusirechnuno für da, Jahr 1930 iowie Beschlußfassung über die Gewinnverteilung. 4 Entlastung de« Vorstände». 5. Entlastung de» Autfichtsraie». 6. Ergänzung»- und Neuwahlen zum Auf- stchiprat. Berlin, ben 29. 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