Morgenausgabe Nr. 2SZ.. �, Ai26 4S.Iahrgang WöchentNch 86 monatNch 3,60 M im voraus zahlbar. Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitun gs« und .72 Pf. Poftbestellgebuhren. Auslands« obonnement 6,— M. pro Monat; fii» Länder mit ermäßigtem Drucksachen- vorto 5.— M. * Ter„Poraärls* erscheint wochentSg« Irch zweimal. Sonntags und Montags emmal. die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Beilage„Volk und Zeit". Ferner„Frauenstimme". »Technik".„Blick in die Bücherwelt". .Iugend«Vorwärts"u.»Stadtbeilage" P- G. Berliner Vottsvlatt Mittwoch 3. 3um 1931 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die etnspalt. Nonparetlle�eile 80 Pf. Vkeklamezeile 5.— RM.„kleine An- zeigen" das fettgedruckte Wort Zä Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), jed�s weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Tarif. Stellengesuche das erste Wort>5 Ps» jede» weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstoben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien- anzeigen Zeile 40 Pf. 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Wie wir erfahren, gibt es im Kabinett sehr ernste Aus- etnandcrsctzungcn um die 4l1-Stunden-Wochc. Reich-arbeitsminister Sieger mal d ncrlongte eine allgemeine Ermächtigung, bei bestimmten Wirtschait-gruppen die 4ll-Stunden. Woche einzuführen. Dagegen erhob der stellvertretende Wirtschatts- minister Trcndelcnburg aus allgemeinen Erwägungen Wider- spruch, und der Reichsfinanzminister Dietrich schloß sich ihm an, da er bei Einführung der 40Stunden-Woch« einen wesen t- lichen Rückgang der Lohnsteuerertröge fürchtete. Soviel wir erfahren, ist eine Entscheidung über die 4l>-Stunden- Woche bisher noch nicht gefallen. Das Kabinett will im übrigen aus Anlaß der neuen Rot- Verordnung eine weitere Senkung der Minister- g e h ä l t e r oornehinen. Putschversuch der Llnternehmer. Oacl Tarisrecht sott zerschlagen werden. Der Reich? verband der deutschen Industrie yer- öfsenilichi enie Erklärung, die zu den provokatorischsten Vorstößen zählt, die das Unternehmertum in der Nachkriegszeit gegen den Staat und seine Gesetze gerichtct Hot. Diese Erklärung verdient besonderes Interesse nicht nur wegen der Stellungnahme des Reichsverbandcs zu der bevorstehenden Notverordnung, sondern oyr allem auch deswegen, weil sie einen Gegenstoß gegen die starke Willenserklärung des sozialdemokratischen Parteitags gegen die Sozialreaklion darstellt, gegen das sozialistische Wirtschastspro- gramm, das der Gejamtwirtschast dienen will und sich deshalb gegen den bisherigen Kurs der einseilig aus die Stärkung der Unkernehmermochk gerichteten Mrtschastspolitit richtet. Die Veröffentlichung des Rcichsverbondes lautet: „Wie der Reichsverbond der deutschen Industrie mitteilt, Hot der bisher bekanntgewordene Inholt der bevorstehenden Rotoerord- nung in ollep Kreisen der Industrie eine starke Enttäuschung und schwere Besorgnisse hervorgerufen. Man sieht in der Absicht, im Wege einer K r i s e n st c u e r eine neue direkte Belastung des Ein- kommcns zu schaffen, einen überaus verhängnisvollen Entschluß, der sich dahin auswirken muß, daß zum Nochteil aller schaffenden Stände weitere Mittel der K a p i t a l b i l d u n g entzogen werden. Damit wird die Mutlosigkeit nur vergrößert und jeder Ansotz zu einer allmählichen Besserung der Wirtschaftslage erneut gefährdet. Bei oller Würdigung der Schwierigkeiten in den össentlichen Finan- zen kann die Absicht der Regierung, eine neue Besteuerung des Einkommens einzuführen, insbesondere deshalb nicht verstanden werden, weil die Regierung wiederholt und in programmatischer Form selbst erklärt Hot, daß sie jede neue steuerlich« Belastung für einen schweren Fehler hält. Die Erklärung des Reichsarbeitsministers. daß er nicht in der Lage fei. die staatlichen Schlichtungsin- stanzen für weitere ollgemeine Lohnsenkungen zur Verfügung zu stellen, wird in der Industrie dahin verstanden, daß der Arbeitsminister selbst von der Ueberflüssigkeit dieser Schlichlungs- instanzen überzeugt ist. Auch in Deutschland werden die Löhne und Preise trotz aller politischen Hemmungen ganz von selbst auf dag Niveau sinken, das wirtschaftlich tragbar ist, wenn erst einmal die Tarifverträge von dem politischen Zwange befreit werden, so daß wieder wie früher Arbeitsverträge unter der ausschließlichen Verantwortung der vertragschließenden zustande kommen können." Die Berufung, auf die Kapitalbildung ist allmählich zum Hohn geworden. Dalsinter verbergen sich die soziolreaktionären Absichten de? Unternehmertums, sie ist die Proklamation des Klaffenkampfes von oben. Di« Stellungnahme gegen die sogenannte Krisensteuer ist schamlos. Diese Steuer wird zum größten Teil von Lohn- und Gehaltsempfängern getragen werden, nicht von den Besitzenden in Deutschland. Das Opfer, das dem Besitz durch diese Krisensteuer zugemutet wird,!st lächerlich gering! Aber der Reichsverband als Vertreter des industriellen Besitze? will die GefamUast der deutschen Rat aus die Schultern des arbeitenden Volkes legen, er will auch nicht einen einzigen geringfügigen T:ii der Last auf die eigenen Schultern nehmen. Krasser ist noch niemals der Besitzegnismu? zutage getreten! Die höhnischen Warte gegen den Reichsarbeitsmlnister lassen dre Absicht erkennen, die Politik des Lohndrucks forizusegen nicht nur gegen die wirtschaftliche Vernunft, sondern auch gegen das Tarifrecht. Sie sind nicht mehr und nicht weniger als die Ver- kündung der Absicht de? Rechtsbruchs und eines bevorstehenden Bersuchs des Unternehmertums, auf die Schlichlungsordnung zu pfeifen und unter Bruch des Torifrechts der Arbeiterschaft den Unter- nehmerwillen zu diktieren. Wenn Rcichsarbeitsminister Stegerwold nicht die Schlichtungsinstanzen in den Dienst einer zweiten Lohn- obbouwellc stellen will, so wollen die Unternehmer einen Putsch gegen das Arbeitsrecht unternehmen. hier ist das Signal, dos der Arbeiterschaft deutlich zeigt, was ihr unter der Herrschaft de? Faschismus in Deutschland bevorstehen würde. Als Tarnow auf dem Parteitag der Sozialdemokratie dos Drängen der sächsischen Industriellen auf eine neue Lohnabbau- ossensivc brandmarkte als Sabotage an der Wirtschaft und als bewußte soziale und politische Provokation von höchster Gemeingesährlichkeit, hat er bereits die treffenden Worte zur Kennzeichnung dieser Kundgebung, des Reichsoerbandes gefundey. Länderminister bei Brüning. Information über die Notverordnung. Reichskanzler Dr. Brüning empfing heute im Beisein der zu- ständigen Reichsminister und des Reichsbankpräsidenten in der Reichskanzlei die Staats- und Ministerpräsidenten der deutschen Länder zu eingehender Aussprache über die von der Reichsregierung in Aussicht genommenen Sanierungsmaßnahmen. Die Aussprach« diente lediglich der Orientierung, Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Allgemeines Volfsopfer gefordert. Die Bundegleiiung des Deutschen Beomtenbundes nahm am Dienstag, dem 2. Juni, den Bericht ihrer Vertreter über die Aus- spräche beim Reichskanzler entgegen. Sie erblickt, wie der Deutsche Beamtcnbirnd mitteilt, noch wie vor in einem all- gemeinen Volksopfer eine gerechte Lösung, wozu jeder nach seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit beitragen soll. Sie erwartet, daß die Reichsregierung auf dieser Grundlage ihre endgültigen Entscheidungen trifft. Elendsbild aus Thüringen. Aufruf zur öffentlichen Sammlung. Weimar. 2. Juni. Der Landrot des Kreises H i l d b u rg h a u s c n hat unter der Bezeichnung„Simmersbergspende" ein« Sammlung für die in bitter st er Rot lebende Bevölkerung der Gemeinden Schnett, Heubach und Fehrenbach im Thüringer Wald eingeleitet. klOOll Menschen müssen dort Entbehrungen schlimmster Art, buchstäblich Hunger leiden und die seelische Qual der hoff- nüngslosigkeit und Aussichtslosigkeit ihrer Lage erdulden. In Schnell haben von 297 vorhandenen Haushaltungen nur noch 59 eigenes Einkommen. ISS oder SO.l proz.(!) der Haushaltungen leben von Milkeln irgendwelcher Unterstützungen, die die erwerbslosen Familienmitglieder beziehen. Die Wohlfahrtserwerbslosen von Schnett liegen durchschnitt- lich schon zwei und noch mehr Jahre aus der Straße, ohne die Aus- ficht zu haben, jemals irgendwo aus dem Thüringer Wald wieder Arbeit finden zu können. Vier Fünftel der Bevölkerung leben in kümmerlichen Verhältnissen: im Durchschnitt imiß sich eine vier- köpsige Familie von knapp 34 Mk. Monotslohn ernähren und kleiden. Mehr als 76 Proz. der Kinder haben nur abgetragene oder geschenkte Sachen. Rur rund 30 Proz. der Kinder schlafen allein in einem Bett, über 7» Proz. schlafen zu zweit, dritt und mehr. Aerztliche Untersuchung der Schuljugend ergab im Borjahr, daß 33 proz. der Kinder tuberkulös gefährdet. 17 proz. hochgradig schwächlich und über 55 proz. stark untergewchtig sind. Auch in h e u b a ch ist der Gesundheitszustand der Kinder lata- strophal. An einem Tage wurde festgestellt, daß 24 proz. der Kinder ohne Morgenimbiß und ohne Frühstücksbrote in die Schule ge- kommen waren. In Fehrenbach leben annähernd 2 der 2S4 Haus- Haltungen von Unterstützungen. Auch hier sind über 31 Proz. der Schulkinder tuberkulös gefährdet, mehr als 29 Proz. in Behandlung wegen Wirbelsäulenkrümmung, hochgradig schwächlich sind 13,4, sehr unterernährt und daher spejsungsl'edürsiig mehr als 41 Proz. der Kinder. Die Schlafverhältnisse sind die schlechtesten und über- treffen die schon bei de» anderen Gemeinden jeder Hygiene Hohn sprechenden Zustande noch bei weitem. Dos ist ein Bild der höchsten Rot, eh«r zu flüchtig und nüchtern gezeichnet. Taktik und Disziplin. Oer zweite Verhondlungsiag des Parteitags. > 8t. Leipzig. 2. Juni.(Eigenbericht.) An die Aufnahmefähigkeit seiner Teilnehmer stellt dieser Parteitag starke Anforderungen. Den spannungsreichen Verhandlungen des Montag folgte am Dienstag eine fast fünfstündige Bormittagssitzung, die mit dem Referat Breit- s ch e i d s über den Kampf gegen den Faschismus und dem Bericht S o l l m a n n s über die Tätigkeit der Reichstagsfraktion ausgefüllt war. Wenn während dieser langen Sitzungszeit nicht die ge- ringfte Unruhe entstand und die Tische des Erfrischungs- roumes nebenan ziemlich unbesetzt blieben, so spricht das am besten für die rednerische Meisterschaft, mit der die beiden Referenten ihre Aufgabe erledigten. Auch die Zeitungen, von denen die Tische belegt waren, blieben so gut wie unberührt. Nur ein Berliner Sensationsblatt, das in dicken Lettern von „Stürme auf dem Parteitag" berichtete, ging von Hand zu Hand. Solche Sensationsmache im Interesse des Straßenverkaufs hat weder mit einer ernsten Berichterstattung noch mit Politik etwas zu tun. Breitscheids groß angelegtes Referat wird politisch ge- kennzeichnet durch eine sehr scharfe D i st a n z i e r u n g von der Regierung Brüning und den bürgerlichen Reichstagsparteien. Es hat vollkommen klargemacht, daß die Haltung der Sozialdemokratie in keinem Augenblick bestimmt wird durch Hinneigung zu bürgerlichen Ausfassungen und Plänen, sondern daß für sie ausschlaggebend ist die Absicht, d e in Faschismus den Weg zur Macht zu verlegen. Daß Breitscheid als ein Mittel zu diesem Zweck auch eine Reform des bestehenden Ver- h ä l t n i s w a h l r c ch t s in Erwägung zieht, fand stürmische Beachtung. Bon derselben Generallinie wie Brcitscheid ausgehend, erklärte und rechtfertigte S o l l m a n n, mehr ins einzelne gehend, die Tätigkeit der Reichstagsfraktion. Mit den neun Disziplinbrechern rechnete er ab, maßvoll in der Form, scharf in der Sache. Der stürmische Beifall, mit dem die übergroße Mehrheit der Delegierten den Redner gerade bei dieser Stelle überschüttete, zeigt, wie der Parteitag ent- scheiden wird. Er wird das Verhalten der Neun mißbilligen und gegenüber der neuen Nowerordnung der Fraktion die Entscheidung überlassen. Zu Beginn der Nachmittagssitzung nahm der Parteitag die Mitteilung entgegen, daß der frühere sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Jakobshagen gestern hier in Leipzig mit Aplomb seinen Einzug in die KPD. voll- zogen hat. Jakobshagen war bei den letzten Reichstags- mahlen wegen m angeln dergei st igerundmora- lischer Qualifikation von seinem pfälzischen Heimatkreis nicht mehr als Kandidat aufgestellt worden: er stand unmittelbar vor dem Ausschluß. Aus dieser Situation hat er sich durch einen Sprung ins kommunistische Lager gerettet... Ilm in der Debatte Licht und Schatten gleichmäßig zu verteilen, beschließt der Parteitag, immer einen Redner für die Politik der Reichstagsfraktion und einen g e g e n sie reden zu lassen. Der Aufruf der 49 zum Wort Gemeldeten ergibt, daß eine Reihe sächsischer Delegierter, unter ihnen Toni Sender, Arzt- Dresden und L i e b m a n n- Leipzig, für die Reichstagsfraktion sprechen wollen. S e y d e m i tz, der ein Gegenreferat bei 30 Minuten Redezeit hält, wird von der Galerie mit stürmischem Beifall begrüßt, während der Parteitag sich reserviert verhält. Das gleiche Bild wiederholt sich, als Seydewitz die Rednertribüne verläßt. Er nimmt für sich und seine Mit- angeklagten die ehrliche Ueberzeugung in Anspruch, die ihm niemand bestreitet. Aber seine Ueberzeugung auch auf den Parteitag zu übertragen, gelingt ihm nicht. Immerhin kann man von seiner Rede sagen, daß sie nicht verschärfend gewirkt hat. Toni Sender, die vor ihrer Abreise von Berlin einen noch glücklich abgelaufenen Straßenbahnunfall erlitten hat, spricht mit verbundenem linkem Arm, aber mit unverminder- tem Temperament. Sie ermahnt aufs eindringlichste Re- gierung und bürgerliche Parteien, den Bogen nicht zu über- spannen. Es folgt noch eine kurze bunte Reihe. Per Rechtsanwalt R o s e n f c l d kreuzt die Klinge mit dem Staatsanwalt H o e g n e r, aber der Staatsanwalt ist gar nicht staats- anwaltlich, redet nicht über Disziplinbruch, sondern warnt vor den Gefahren des Faschismus, wie er sie aus Bayern kennt. Die beiden Berliner. Künstler und Er i spien, haben sich, der eine gegen, der andere für gemeldet und tauschen kameradschaftlich kleine Meinungsverschiedekcheiten aus. In der Verurteilung des Disziplinbruchs sind sie einig. Fleiß- ner-Dresden wendet sich unter starker Zustimmung gegen die Handelspolitik der Brüning-Schiele-Rcgierung. Dann oertagt sich der Parteitag etwas vorzeitig, well zahlreiche Delegierte noch am selben Abend in den verschieden- sten Orten Sachsens als Redner erwartet werden. Sie werden sagen können, daß der Parteitag bisher einen glänzenden Verlauf genommen hat und daß nach seinem Schluß die Partei einigerund geschlossener sein wird, denn je. Das Recht der Krau. Beschluß de« Parteitags zur Frauenerwerbsarbeit. Der Parteitag hat die folgende Resolution zur Frage der Freuenerwcrbsarbcit angenommen: Der Kampf um die Behebung der Arbeitslosigkeit ist von Unternehmertum und Reaktion dazu benutzt worden, um die Kampfbasi« zu verschieben und die Massen von den eigentlichen Ursachen der Arbeitslosigkeit und von den wirksamen Möglich» keiten, sie zu bekämpfen, abzulenken. vi« 5 ozlaldemokra tische Partei bekämpfk aus» schärfste die hetze gegen die arbeitende Frau— gleichviel, ob sie ledig oder verheiratet ist. Vicht die erwerbstätige Frau ist schuld an der anwachsenden Arbeitslosigkeit, sondern das kapitalistische System, das es mit voller Energie zu bekämpfen gilt. Wir verwerfen die Versuche, von welcher Seite sie auch kommen mögen, einen Keil in die Arbeiterschaft hineinzutreiben und bekennen uns erneut zu der bereits in unserem Heidelberger Programm aufgestellten Forderung: „Gleiches Recht der Frau auf Erwerbsarbeit". Daß bei Entlassungen die soziale Lage des einzelnen Beriicksichti- gung finden muß und daß vor allem der wirtschaftlich Schwächere seinen Arbeitsplatz behalten soll, ist selbstverständlich und sowohl von der Partei wie auch von den Gewerkschaften zu wiederholten Malen zum Ausdruck gebrocht worden. Ebenso selbstverständlich ist es aber auch, daß der wirt- schaftlich Stärkere absolut nicht die Frau, auch nicht die verheiratete Frau sein muß. Wir wenden uns aufs entschiedenste gegen die Versuche, auf diesem Wege einen Kampf der Arbeiter untereinander zu inszenieren. Unsere Forderung heißt nicht„Kampf gegen die Cewerbs- arbeit der Frau", sondern..Kamps gegen da» kapitalistische System, da» allein die Schuld an der wachsenden Arbeil». losicckcit trägt". Zu diesem Kampfe brauchen wir olle Männer und Frauen. Di« Frauen werden nur dann geschloffen und kampfsrcudig in den Reihen der kämpfenden Massen des Proletariats stehen, wenn sie gleichberechtigt sind und nicht unter ein Sonderrecht gestellt werden. Oer KallIakobshagen. Eine unrichtige Berichtigung der Deutschen Friedens' . gesellschast. In unserer IKotiz..Bombenseger und Radikal- Pazifisten bei der KPD." teilten wir mit, daß e» sich bei dem zur KPD. ubergetretenen früheren Reichstagsobgeordneten Iatobshagen um«in., Präsidialmitglied der Deut- schen Friedensgesellschaft" handelt, hierzu sendet uns die Deutsch« Friedensgesellschaft E. V. lolgende Berichtigung: C» ist nicht wahr, daß der früher« Reichstagsabge- ordnet« Iakobshagen Vorstandsmitglied der Deutschen Friedens- gesellschast ist. Wahr ist vielmehr, daß dem Vundesvorstand de? Deutschen Friedensgesellschaft die Herren von ventionen. Ueber diele Unterstützungen, an denen das Reichswehr- Ministerium mit 1420 M. und das Reichsarbeitsministerium mit 400 M. beteiligt ist, weitz die sozialdemokratische.Münchener Post" interessante Einzelheiten mitzuteilen. Den ersten Betrag mit 220 Mk. zahlt« das Reichswehr- Ministerium am 13. September 1924 mit einer Postanweisung an Röhm, der diese Summe zum Ausgleich einer Forderung des Ver sorgungsamtes München-Stadt als Rückerstattung für zuviel gezahlt« Pension verwenden sollte. Röhm führte ober keinen Pfennig ab und als er vom Versorgungsamt wiederholt gemahnt wurde, bat er das Reichswehrministcrium um eine neue Unterstützung von 500 Mk. Er begründete dies damit, datz ihm durch seine Verurteilung im Hi t l« r- Prozeß 1700 Mk. Gerichtskosten und 6000 Mk. Anwalts- kosten entstanden seien, weshalb er sich jetzt in großer Not befinde. Außerdem sei ihm auf einer Reise von Berlin nach München« i n Koffer im Werte von 1300 Mk. gestohlen worden. Das Münchener Verforgungsamt befürwortete die Gewährung einer größeren Summe und das Dezirkswohlfahrt-amt, das die Verhält- niste des Röhm nachzuprüfen hatte, bemerkte ebenfalls:„Die Ge- Währung einer größeren Summe als einmalige Untsrützung wird befürwortet." Das Reichswehrmin�terium war daraufhin außerordentlich ent- gegenkommcnd und zahlte an Röhm„durch besondere Verfügung" nicht nur 300 sondern sogar 700 Mk. Unterstützung aus(6. Mai 1923). Ein Jahr später, am 20. April 1926. öffnete dann das Reichs- wehrministerium den Beutel für Röhm und gibt ihm 100 Mk. ein- malige Unterstützung, dann am 1. Juli des gleichen Jahres wieder das Reichswchrministerium mit 300 Mk., dann am 3. April 1S27 dos Arbeitsministcrium mit 300 M. und am 17. Januar 1928 noch- mals das Reichswehnrnnisterium mit 200 M. Die anscheinend letzte Unterstützung mit 200 M. bezog, Röhm am 23. Mai 1928, doch steht nicht fest, woher er dieses Gelb bekommen hat. In Wirklichkeit war es dennoch so. daß die Republik ihrem eigenen Würger«inen bedeutenden Zuschuß für die Deckung derKosten des Prozesses gab, den sie gegen ihn als Hoch- vcrrätcr angestrengt hatte! Das ist wahrlich«ine groteske Situation. Auffallend ist, daß die Suboentionierung Röhms in die Aera G e ß l e r s fällt. Als Groener in das Reichswehrministerium einzog, unterließ der Hochverräter offenbar sein« Anträge und zog e» bald darauf vor. von München nach Bolivien überzusiedeln, bis ihn Hitler als„Wehrminister der Na�jpgrki'- nach Deutschland zurückholte. Die Spannung in Iialien. Faschistisches parteldirektorium einberufen. Rom, 2. Zun». Das Direktorium der faschistische« Partei wurde auf Mlkkwochaachmittag unter dem D o r f i ß Alvssolinl» in den Palazzo Veaezia einberufeo. Man«ißt dieser Sitzung im Zu- samwenhana mit den zwischen der italienischen Regierung und dem Botikau entstandene« Konflikt besondere Bedeutung bei. da Er- kläruagen de» italienischen Regierungschefs über die Entwicklung de» Streite, mit der katholischen Atktoa ermortel werden. AuflösungderkaiholischenZugendvereineinSudtirol Innsbruck. 2. Juni. Bei den Vorständen sämtlicher katholischer Jugend- vereine Südtirols erschienen Abgesandt« der Ouästur und teilten ihnen mit, daß die Regierung die Auflösung der Vereine und die Beschlagnahm« der V«retn»vcrmög«n versügt habe. Jeglicher Bereinsbetrieb hob« aufzuhören. Das Vermögen der Vereine wurde aufgenommen, auch olle Jnventurstücke genau auf- geschrieben und den Präsiden verboten, irgend etwas von dem Vereinsvermögen zu eMfernen. Di« Präsiden wurden für die genaue Einhaltung des Auftrages für verantwortlich erklärt. In Kalter« erklärte die Behörde das Vereinshaus für ge- schlössen und nahm auch die Schlüssel selbst in Verwahrung. In Bozen war für Sonntag, den 31. Mai, ein Wi-sensest des Katho- lischen Desellenvereins anberaumt, zu dem die katholische Vereins- kgpelle von Meran erscheinen sollte. Das Fest, für das die behörd- liche Genehmigung bereits erteilt war, wurde verboten. In Bozen wurde auch die katholische Jugendkapell« aufgelöst. Der Auf- trag wurde begründet mit einer allgemeinen Verfügung, die gegen sämtlich« katholischen Jugendverein« Italiens ergangen sei._ Rumänische Wahl. Gesiegt wie gewollt. Mit den landesüblichen Wahlmechoden Hot die Putschregierung de« Herrn Jorga«in willfährige» Parlament er— wählt bekommen: die 40 Proz. der Stimmen, die man in Rumänien braucht, hat sie weit überstiegen, mit 70 Proz. hat st« sogar den wackeren Pilsudski übertrumpft und sich dem Herrn und Meister Mussolini genähert. Di« Maniu-Partei der Nationalzaranisten hat nur in den ehemals ungarischen, stark deutschen und madjarischen Gebieten sich halbwegs halten können. Ueberrafchcnd ist der Erfolg Georg Dratianus, der viele liberale Stimmen auf sich vereinigte und gegen 14 Mandat« haben dürste. Di« Antisemiten des Pogromprofessors Euza haben Erfolg« erzielt. Unter anderem haben sie in der Stadt Sutschawa in der Bukowina die absolut« Mehrheit erlangt. Di« Kommunisten, die als Arbeiter und Bauernblock auftreten, dürften zum ersten Male ins Parlament einziehen. Die Sozialdeinokroten find verschiedentlich von den Kommunisten überholt worden. An manchen Orten stimmte nurdie Hälfte der Wahlberechtigten, manchmal sogar n u r e i n Drittel.___ In Eupen-AIalmedy ver hastet wurde der Kapitularkanoniker Dr. Steinwender(Salzburg) festgehalten und zur Wache in Evnatten gebracht, obwohl er«inen regelrechten Paß hat. Er sollte im H e i m a t b ii n d« Eupen-Malmedy einen vortrog über Religion und Bolkstum halten. Di« Polizei verweig-rt« segliche Auskunft. Angeblich soll für Ausländer«in Redeverbot bestehen. Der dentfche Schulstreik im palnischen«reife Schwetz ist«in- gestellt worden, da die Anordnung erteilt wurde, den Religion?- Unterricht deutsch zu erteilen, wem, die Eltern„unbedingt darauf bestehen". Bombenleger-«- Pazifismus- KPD. Oer radikale Pazifist Jacobshagen trat der Kpv. bei. Gleichzeitig schrieb der Bombe«leger ft. valomon feinen Slückwunschbrief an die KPD. �eitergeneral Thälmann:«-Willkommen, Ihr wackeren Bombenleger. Meldet Euch gleich zum aktiven Dienst bei Leutnant Ocheringer. An dem miesen Pazifisten hier braucht Ihr Euch nicht zu stoßen, der tut nur l�eklamedienst." Sommertagung des Unterhauses. Wahlreform/ Budgetverabschiedung/ Sanierung der Arbeitslosenversicherung. tcmdon. 2. Juni.(Eigenbericht.) Das Unterhaus ist nach den Pfingstferien zu einer Sitzungsperiode zusammengetreten, die reich an gesetzgebe- rischen Aufgaben und schwierigen Situationen sein wird. Zunächst hat das Haus die lvahlreform zu erledigen. Die Hauptbestimmungen dieses Gesetzentwurfe» sind trotz des konservativen Widerstandes bisher bestehen geblieben, näm- lich da» A l t« r n a t i o- W a h l r e ch t. nach dem der Wähler neben Kqnhidaten �jtzer,.Pa.rfei noch einen zwyiten bezeichne« kann für den Fall, daß erster« keine Mehrheil erlangt. Dies« Ke- ftimmung soll in erster Linie den Liberalen und der Arbeiter- parte, zugute kommen. Ferner schafft das Gesetz da» Pluralwoftl« recht ab. Der Widerstand der Konservativen wird sich noch einmal im Unterhau» entfalten, die Regierung ist jedoch sicher, datz das Gese« mit Hilfe der Liberalen angenommen wird. Welches Schicksal es aber im Oberhaus haben wird, ist ungewitz, wenn auch die Lords bemüht sind, der von der Arbeiterpartei für die nächsten Wahlen vor- bereiteten Parole, die gegen das Oberhaus lauten wird, nicht noch mehr Unterlagen zu geben. Die Hauptaufgabe des Unterhauses wird die Verabschiedung de» Budget» sein. Für seine Behandlung hat die Regierung«inen Plan«inge- bracht, der die einzelnen Etappen der Diskussion beschränkt. Sie ist dazu genötigt, damit das Gesetz noch«inen Monat vor dem End« der Session, die wahrscheinlich.Ende Juli liegen wird, ins Oberhaus kommen kann. Die Opposition wendet sich gegen diese Matznahm«, da sie reichlich Zeit zur Bekämpfung der im Finanzgesetz enthaltenen Grundwert st euer haben will, der wichtigsten gesetzgeberischen Tot der Arbeiterregierung. Da aber dies- Steuer ein alter Pro- grommpunkt der Liberalen ist und die Arbeitv-.egierung sich damit die Unterstützung dieser Partei gesichert hat, braucht die Regierung nichts zu befürchten. Ueberhaupt ist ihre Lage, wie der Verlauf des diesjährigen liberalen Parteitages gezeigt Hot, bedeutend gefestigt. Datz die liberale Stütze der Arbeiterregierung unerschütterlich ist, kann man nicht sagen. Sie wird noch in dieser Sitzungsperiode eine hart« Prüfung auszuholten hoben, wenn es sickz darum handelt, die Verschuldungsgrenze für den Acbeilsloseaversichecungsfonds zu erhöhen. Heute ist dieser Fonds mit 83 Millionen Pfund Sterling bei der Staatskasse verschuldet. Zuletzt wurde die Grenze, bi» zu der der Fonds heim Schatzamt lechen darf, auf 90 Millionen Pfund «höht. Da das. Parlament Ends Juli füy mehrere �Monat« in F«ien geht, mutz vorgesorgt und eine weitere Erhöhung bean- tragt werden. Bei der Diskussion über diesen Antrag wird d« vor- läufig« Bericht der Verwaltnngskommission üb« die Sanierung dieses Fonds ein« grohe Rolle spielen. Der Bericht wird in dieser Woche veröffentlicht werden. Wir haben bereits die Haupt- matznahmen, wie Herabsetzung der Arbeitslosenunter- st ü tz u n g, die er wahrscheinlich vorschlagen wird, dargestellt und auch den Widerstand geschildert, der sich in den Gewerkschaften, die das Houptelement der Arbeiterpartei bilden, dagegen vorbereitet. Solche Borschläg« sich zu eigen zu machen ist für die Arbeiterregierung so gut wie unmöglich. Auf der anderen Seite stärken sie, da sie von einer so autoritativen Seite wie einer unparteilichen Verwaltung»- kommission kommen, nicht nur den Widerstand der Opposition gegen ein« weitere Erhöhung der Verschuldungsgrenze des Arbeitslosen- Versicherungsfonds, sondern auch das Verlangen der Liberalen, datz die Regierung großzügiger« Reformen in ihrer Arbeitslosenpolitik unternimmt, Lienen der Finanzminister Snowden sich bisher erfolgreich widersetzt hat. Allerdings bleibt der Regierung, bevor sie gezwungen ist, auf dem Gebiet der Arbeitslosenversicherung irgendwelche gesetzliche Matznahmen zu ergreifen, noch eine Atempause bis zum Erscheinen des endgültigen Berichts, der nicht vor dem Herbst zu erwarten ist. Nichiangriffspati Krankreich— Rußland? Zum Sckutz der polnischen Ostgrenze. vi«„lelegraphen-llnion" meldet au» Pari«:> In hiesigen politischen Kreisen find änßerft anfsehea«regeade Gerüchte»«breitet, von denen die Presse jedoch— wie ans höheren Beseht— keine Notiz nimmt. S» wird von qu tunirr- richtet« Seite hartnäckig behauptet, daß in Pari, schon vor der Genfer Tagung zwischen dem Quai d'Orsay und der Sowjetbotschast gewisse Vorverhandlungen üb« den Abschluß eine» französisch. russischen Nichlangrissspakte»— i*t in seinen Folgerungen auf ein« Garantie der polnischen Ostgrenze hinanetausen müßte— in Gang gekommen feien. In Gens Hab« man bereit» wirtschaftliche bzw. handelspolitische Besprechungen ausgenommen, die vermutlich den rein politischen Verhandlungen gleich lausen. Am 5. Juni werde angeblich ein« sowjetrnsfische Ab- ordnnng in Pari» eintreffen und die Besprechungen im hiesigen Handelsmiuislerinm fortsehen. Begründung: Rußland braucht Geld? Eine weitere Pariser TU.-Meldung besagt: Zu den Gerüchten über angeknüpfte oder noch bevorstehendz französisch-sowjetrussische Verhandlungen über den Abschluß eines Nichtangriffspaktes glaubt man in hiesigen politischen Kreisen, daß der kürzlich« Besuch des polnischen Außenminister» Z a l e s k i bei Briand möglicherweise mft dieser Frage in Verbindung zu bringen sei. Der Vorschlag gehe angeblich von Moskau au» und werde von der Räteregierung zur Borbedingung für eine entgegenkommende Regelung des Dorkriegsschuldenprobiem» gemacht. Andererseits brauche die Sowjetunion jetzt Kredite und habe«in großes Interesse daran, sich mft Frcmkreich Handel»- politisch zu einigen. Natürlich könne«ine solche Verständigung nicht c.nseitig zugunsten Rußlands ausfallen. Die ganz« Ange- legenheit sei Ichon von langer Hand vorbereitet, da Mi- nisterpräsidcnt L a v a l einigen französischen Parlamentariern be- reit» vor mehreren Wochen«ine Wiederaufnahme der sran- zöstsch-russtschen Berhondiungen in Aussicht gestellt Hobe. Bon anderer Seite will man den Eindruck abschwächen und unterstreicht daher die einer Einigung entgegenstehenden großen Schwierigtciten. Ganz unabhängig von diesen Gerüchten weiß die hiesig- russische Emigrantcnprcsse zu berichten, do" in letzter Zeit Sowjetwechsel mit dem Giro deutsch« Banken od« großer deutscher Iadustrieuaternehmuagen tu Pari» aufgetaucht seien. Gewisse Pariser Kreise bemühten sich, diese Wechsel zu diskontieren, mos ober bisher auf die Schwierigkeit gestoßen sei, daß die französischen G r o tz b a n k c n van der französischen Re- gierung angeblich den Wink erhalten hätten, keine Geschäfte mit russischen Wechseln vorzunehmen. Moskau wolle jetzt durch Mittelspersonen erreichen, daß die französische Regiening ihren Ein- spruch zurückzieh« und darüber hinaus eine gewisse Sicherheit übernehme. Als Gegenlei st ung seien die Bolschewisten bereit, Frankreich groß« Iadustrieansträge zu erteilen. Wenn die französische Regierung sich damit einverstanden erkläre. würden die heutigen Einnahmen der deutschen Banken in bedeutendem Maße auf Frankreich üb«g«hen. Sowjetrußland habe die Hoffnung, auf diesem Wege in absehbarer Zeft französische Kredite zu «halten, und bringe die Frage der Vortriegsschulden mit diesem Plan in Zusammenhang. v« irische Außenminister Patrick TNc. GUligan und der Staats- sekretär im irischen Außenministerium Joseph P. Walshe hoben noch mehrtägigem Aufenthalt in der Reichshauptstadt Dienstognachmittag Berlin oerlassen. Es beginnt zu tagen. Das Echo des fchwerindustnellen Vorstoßes. Der Vorstoß der Schwerindustriellen, die in dürren Worten zur„Lösung" der Wirtschaftskotastrophe einen zweiten allgemeinen scharfen Lohnabbau und die Beseitigung des Tarifrechts fordern, hat nicht ein sehr freundliches Echo gefunden. Der Reichs verband der deutschen Industrie s6?licßt sich den Schwerindustriellen natürlich an, worüber wir an anderer Stelle berichten. Der Langnam-Verein wird folgen. Es sind immer dieselben Akteure, wenn auch in wechselnder Verkleidung. Das ist aber auch der einzige Unterschied. Sonst sind es dieselben anspruchsvolle« Reden, dieselben zum Ueberdruß wiederholten Forderungen, die man schon seit Jahrzehnten gelesen hat. Der Ziisammenbriich des Kaiserreichs, die Inflation, die Rationalisierung, die Weltwirtschaftskrise, die un- geheure Umschichtung der Wirtschast, alles scheint aus die Gehirne der führenden deutschen Unternehmer nicht die geringste Wirkung aus- geübt zu haben. Eine derartige Verkalkung ist nur noch in ihrem Ausmaß zu vergleichen mit der absoluten llniformüöt, mit der das gesamte deutsche Unternehmertum stumm und ergeben den Schorf- machern an der Ruhr nachläuft. Wir verstehen durchaus, wenn die Unternehmer rücksichtslos ihre Interessen wahrnehmen. Das ist nun einmal der Ausdruck des Klassenkampfes, den dieselben Unternehmer wegleugnen möchten. Aber ist es noch ein« Wahrnehmung der Unternehmerinteressen, wenn man, als wenn nichts geschehen wäre, Forderungen vertritt, die zu einer ungeheuren fiapitalenlwertung führen! Etwas anderes ist es doch nicht, wenn die Produktionsanlagen zum großen Teil stilliegen. Wenn ein Unternehmer, dessen Produktions- anlogen einen Wert von lü Millionen repräsentieren, nur zur Hälfte beschäftigt ist, so ist das etwa so, wie wenn dos in die Produktions- anlagen hineingesteckte Kapital zur Hälfte verloren ist. Schon deshalb, aber auch um die hohen Sozial- und Steuerlasten, über die die Unternehmer ständig klagen, abzubauen, müßten diese oll« Hebel in Bewegung setzen, die ungeheure Arbeitslosigkeit zu bannen. Solche Gedanken liegen den Unternehmern weltenfern. Sie wehren sich im Gegenteil mit Händen und Füßen gegen jeden Vorschlag, der aus die Ein. dämmung der Arbeitslosigkeit hinousläust. Diese sture und stupide Politik hat selbst sonst treue Verfechter der Unternehmerinteressen in Harnisch gebracht. Es beginnt zu tagen. Mit verdoppelter Kraft müssen wir deshalb jetzt an der Aufklärung der großen Mosten herangehen. Die„Vossisch« Zeitung" schreibt zu den Forderungen der Schwer industriellen: „Das also ist der Vorschlag van Nordwest: Zersck, lagung des Toriflohnsystems. Umgehung der Unobdingbarkeit durch Einschal- tung eines„Spielraums", von dem man als einigermaßen sickzer annehmen kann, daß er unter den gegenwärtigen Verhältnissen in erster Linie noch der unteren Grenze zu ausgenutzt werden würde. Das ist alles, was einer der stärksten und, man kann sage», der repräsentativst« deutsche Arbeitgeberoerband zur lieber- Windung einer Krise, die nicht nur die Eisen- und Stahlindustrie, sondern das ganze Volk, die ganze Welt an dem Lebensnerv ge- troffen hat. vorzuschlagen weiß. Sein wart»an Reformen im eigenen Hanse. von Anstrengungen, die vielleicht gemocht werden könnten, um von zu hohen Bilonzkopitalicn oder zu hohen Kapazitäten herunter- zukommen." Das„Berliner Tageblatt" bemerkt:„Dieser Vorschlag bedeutet nichts anderes, als daß die Löhne allgemein um einen gesetzlich zu bestimmenden Prozentsatz herabgesetzt werden sollen. Denn bei der heutigen Arbeitsmarktlage würde es bei Freigabe der Lohnverhandlimgen natürlich jedem Betrieb ohne Schwierigkeiten gelingen, seiner Arbeiterschaft die Lohnbedingungen zu diktieren. Der Vorschlag ist vor ollem deshalb vollkommen indiskutabel, weil er die Gewerkschaften entrechten und ähnliche Zustände schaffen würde, wie in der„guten alten Zeit", in der die Arbeiterschaft noch kein Koolitionsrecht hotte. Aehnlich sieht Mussolinis Sozialpolitik aus. Die Schwerindustrie will offenbor auch in dieser Hinsicht den Weg zum Faschismus weisen." Die Frage der Nordwestlichen, was aus der Kombination von Kostenabbou und Preisabbau im Interesse der Wirtschastsbelebung geworden sei, beantwortet„Der Deutsche", dos dem Reichs- arbeitsminister nahestehende Organ der christlichen Gewerkschaften, folgendermaßen: „Es wurde daraus ein allgemeiner von den staatlichen Schlichtungsinstanzen durchgeführter Lohnabbau, es wurde daraus«in unerhört willkürlicher und scharfer Abzug der Akkordlöhne und Lei st ungs zu lagen, es wurde daraus in fast ollen Wirtschaftszweigen ein Abbau der Angestellten- gehälter, der sich in sehr vielen Fällen über jede tarifliche Bindung hinwegsetzte und der noch dem.,Vogel-friß-oder-stirb"-System ge- handhabt wurde, es wurde daraus ein schwerer, oft erfolgreicher Druck auf die Urlaubsvergünstigungen und sozialen Zulagen." Die Genfer Kohlenverhandlungen. Llm die Arbeitszeit im Vrauntohlinbergbau. Genf, 2. Juni. Die Kohlenkommission der internationalen Arbeitskonferenz Hot heute ihre Beratungen über die Dauer der Arbeitszeit in den Stein- kohlenbergwerken und die Frage der wirtschaftlichen Ueberstundcn abgeschlossen. Wie bereits gemeldet, hat der Kohlcnausschuß gestern beschlossen, sür die Arbeitszeit im Kohlenbergbau unter Tage die 7?4-Stunden-Schicht vorzuschlagen. Heut« hat der Ausschuß ent- sprechend einem deutsch-englischen Antrag weiter beschlossen, daß drei Jahre nach dem Inkrafttreten der Konvention über die weitere Verkürzung der Arbeitszeit nochmals verhandelt werden soll. Sodann ist der Ausschuß in der Frage der Ucberstunden, die im vorigen Jahre zum Scheitern der Konvention führte, zu einer Entscheidung gekommen, und zwar derart, daß die Behörden den Unternehmern aus wirtschaftlichen Gründen 60 U e b e r st u n d e n im Jahre zur Verfügung stellen können. Die Ueberstunden werden von den öffentlichen Behörden nach Befragung der Berufs- verbände für jeden Bezirk festgesetzt. Sie müssen um mindestens SS Proz. höher gezahlt werden. Der Ausschuß wandte sich sodann der Arbeitszeit in den Braunkohlenbergwerken zu. Der deutsche Regierungsver- treter begründete sodann einige Abänderungsantröge, die im wesent- lichen daraus abzielen, die Zahl der Ueberstunden im Braunkohlen- tiefbau von lOO auf]50 und im Braunkohlentagebau von 150 a u s 250 zuerhöhcn! Wenn diesen Anträgen stattgegeben werde, so sei die deutsche Regierung bereit, im Braunkohlentiefbau einer Arbeitszeit von 1% Stunden zuzustimmen.(Womit praktisch die Arbeitszeit auf 8?� und 8>- Stunden verlängert werden würde.) Ist das etwa kein Lohnabbau? Oer Schiedsspruch für Bolle. Die Meierei Bolle hotte, wie von uns bereits mitgeteilt, sowohl den Monteltarif als das Lohnabkommen für dos gewerb- liche Personal zum 15. Mai gekündigt und neben einem Abbau der Löhne um l0Proz. ganz erhebliche Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen gefordert. Hinsichtlich des generellen Lohn- abbaues um 10 Proz. ist ihr von dem Schlichtungsausschuß zwar ein direkter Erfolg nicht beschieden gewesen, jedoch ist man ihr bei der Neufestfetzung der Arbeitsbedingungen sehr weit entgegenge- kommen, so daß auf Umwegen ein erheblicher Lohnabbau entsteht. Der vom Schlichtungsausschuß gefällte Schiedsspruch läßt zwar die Löhn« in ihrer jetzigen Höh« formell bis zum 30. September bestehen, wandelt jedoch ine Wochen löhne in Stundenlöhne um, wodurch die Feiertagsbezahlung in Zukunft wegfällt. Noch viel rücksichtsloser geht der Schiedsspruch aber über die bisherige Regelung der Arbeitsbedingungen hinweg. Die Bestimmung im bisherigen Manteltarifvertrag, wonach die um 2 Stunden verkürzte Arbeitszeit an den Tagen vor Ostern, Pfingsten und Weihnachten voll bezahlt werden muß, nimmt der Schieds- fpruch in den neuen Tarifvertrag nicht mehr auf. Die Verpflichtung der Meierei Bolle, bei U e b e r z e i t a r b e i t von 2 Stunden an eine bezahlte Pause von M bis Vt Stunde einzulegen, sowie für die Einnahme einer Mahlzeit bei längerer als dreistündiger Ueberzeitorbeit ,dic Auslagen zu ersetzen, soll gleichfalls aufgehoben werden. Wegfallen soll in Zukunft auch der Zuschlag von 50 Proz. sür die Arbeit an den gesetz- lichen Feiertagen! Während bisher bereits noch 1t jähriger Beschäftigung«in Urlaub von drei.Tagen gewährt wurde, soll es fortan erst Urlaub nach einjähriger Beschäftigung geben und zwar vier Xaje. Die anderen neuen Urlaubsbestimmungcn sehen teilweise eine Ber- schlechterung, teilweise eine geringe Verbesserung gegenüber dem alten Zustand vor. Die über den fj 616 BGB. hinausgehenden Abmachungen im alten Tarifvertrag werden durch den Schiedsspruch nicht nur ganz aufgehoben, sondern dieser Paragraph wird noch durch die Ausnahme einer Bestimmung unwirksam gemacht, wonach nur die tatsächlich geleistete Arbeit bezahlt zu werden braucht. Durch diese Neufassung fällt der Zuschlag zum Krankengeld gänzlich weg, was ganz besonders die Kutscher und Chauffeure schwer trifft, die bei Tag und Nacht und bei jedem Wetter unterwegs sind und sich demzufolge leicht eine Krankheit zuziehen. Die bisher achttägige Kündigungsfrist soll in ein« tägliche umge- wandelt werden, ebenso soll keinem Arbeiter mehr Schutz- k l e i d u n g gegeben werden, wa» natürlich einen größeren Kleiderverschleiß der Arbeiter und infolgedesten erhöhte Ausgaben für die Neuanschaffung von Kleidung zur Folge haben muß. Für die Kutscher und Chauffeure tritt außerdem noch ein ganz erheblicher Lohnabbau dadurch ein, daß ihnen die E x t r a b c z a h l u n g, die je noch ihrem Tourentreis einen Holben bis 1H Stundenlohn pro Tag betrug, abgebaut wird. was für sie einen Lohnausfall von 3,45 TO. b i s 10,35 TO. pro Woche ausmacht. Es soll zwar der Provisionssatz erhöht werden, jedoch macht diese Erhöhung den Lohnabbau durch die Abschaffung der Extrovergütung nicht wett. Die Funktionäre der Arbeiter der Meierei Bolle haben den Schiedsspruch abgelehnt. Die Stellungnahme der Direktion der Meierei Bolle steht noch aus. Da zur Zeit nach Verhandlungen über die Abänderung des Schiedsspruchs schweben, ist die Erklärungsfrist für den Schiedsspruch bis zum 6. Juni verlängert worden. Sinkt die Arbeitslosigkeit in Frankreich? Die offiziellen Zahlen. Pari», 2. Juni.(Eigenbericht.) liche Unterstützungen, d. h. 2460 weniger als in der vorletzten Woche. weiter abgenommen. Zur Zeit beziehen nur 42 823 Arbeitslose staat- liche Untcrstützugncn, d. h. 2469 weniger als in der vorletzten Woche. * Aus diesen Zahlen darf man nicht schließen, daß es in Frank- reich nur 43 000 Arbeitslose gibt, noch ohne weiteres auch eine Ein- dämmung der Krise daraus folgen. Di« Zahl der„sichtbaren" Arbeitslosen dürfte bei 300 000 liegen. Dazu kommt die„unsicht- bare" Arbeitslosigkeit durch Abwanderung und unter- bundene Zuwanderung. Immerhin scheint in Frankreich die Wirtschaststrste nicht nur milder, sondern auch von kürzerer Dauer zu sein als in den meisten anderen Industrieländern. Das dürfte in erster Linie auf die vorsichtige Ratio nalisierungs- und Lohnpolitik der französischen Unternehmer zuriickziu führen sein._ Das sind die Folgen! Wie sich Ziationalisierung und Lohnabbau auswirken. Die staatliche Luitpold Hütte in Amberg. neben der Moxhütte in Rosenberg der einzige Betrieb mit Hochösen in Eisenerzcrzcugung in Boyern, wird ob 1. Juli nahezu völlig stillgelegt. Die Stillcgungsanzeigc wurde bei der Regierung der Oberpfalz bereits eingereicht: sie ist damit begründet, daß durch Auftrags- und Absotzmangel die Logerbestände außerordentlich an- gewachsen sind. Von der Belegschaft des Werkes, die gegenüber der Borkriegszeit schon von 2700auf1200Mann eingeschränkt war, bleibt kaum der zehnte Teil zur Aussührung der notwendigen Unterhaltsorbeiten. des Versands und der etwa anfallenden Bc- stellungcn im Betrieb. Di« Stadt Arnberg wird»an dieser Maßnahme schwer betroffen, da mit dem 1. Juni der Betrieb der Deutschen Präzisionswerkzeug- A.-G.(die frühere Gewehrsabrik) vollständig stillgelegt worden ist und eine der größten bayerischen Bausirmen, die in Amberg ihren Sitz Hot, nur mehr 500 Arbeiter gegenüber 2600 beschäftigt. Texiilsrbeikerstreik in Augsburg. Gegen neue Lohnkürzung. Augsburg.?. Zuni. heute früh sind inderVaumwollfpiunereiom Stadt- b a ch. die zur Zeit nach mit einer Pflegschaft von über 1700 Mann arbeitet, 600 Arbeiter und Arbeiterinnen in de« Streik getreten. Der Grund sind Dohndifferenzen. Der Lohnvertrog ist von den Unternehmern mit der Ankündigung neuer, niedrigerer Löhne ge- kündigt worden. Die Verwaltung wird im Laufe des heutigen Tages mit den Organisationen wegen Beilegung des Streiks vcr- handeln.__ Einigung im Bielitzer Texiilkonflikt. Oer bisherige Tarif bleibt unverändert. Bielitz. 2. Juni. Verhandlungen im Arbeitsministerium führten zu einer Elm- gung auf der Grundloge, daß der bisherige Tarif der Weber unner- ändert bleiben soll. Die Arbeit wird noch in dieser Woche auf- genommen werden. Oer Streik in Aordfrankreich. Bemühungen zu seiner Beilegung. Paris, 2. Juni.(Eigenbericht.) Nach einer Meldung des„Temps" aus Lille bemüht man sich sowohl auf feiten der Unternehmer wie der Arbeiter, dem Streik in der Textilindustrie ein Ende zu machen. Heute vormittag haben mehrere Beratungen zwischen dem Präfektcn und Vertretern der Unternehmer stattgefunden, auf dem eine Einigungsbosis versucht aber noch nicht gefunden wurde. Die Liiler Stadtverord- nctenversammlung hzt einen Kredit von 50 000 Franken sür die Streikenden bewilligt. Die Nachricht von einer bevorstehenden Lohn- kürzung in der Metallindustrie in Rouboix ist nach dem„Journal des Debats" unzutreffend. Die Industriellen hätten gestern nur einen Meinungsaustausch im Anschluß an die Deröftentlichunz des neuen Index für den Lebensunterhalt vorgenommen. f= SPD.-Kraltio» Beim Skiirlwuni Berlin-Ritte. Seilte mn 18 Wr Fj fi-i im Sl.scnthalee Hof, Rokdntäoler«ir. 11, Berkanrmlunil aller Partei- aenofftfd) oraanitierten Ärbeiter. Anqestellten un8 Beamten t-es Be. ca Airfeelmt*. csenoge Mar Brinitlet:..Bolltikche Taaesfrvaen". Mit- �4 � Uliehabud)(Hit alf- AllÄpeis. 1 g]«rleit»qcmcin!cqaft fojialbcnujftottWcz ZnstiAai-achörijrer. Moeqen, S R Bninierstaa, IS'? Uhr. in Lanhre» Weifibierstuben lfrither Nauch- sA m mufenm). Nene tZriedriit,. Eck« Srvneestrokc. Genosse Mar Brinitter „Partei unt> Gewerkschaften". Musrtcr! Heute um 11 Uhr im Gemerkschaftshaua Sssenkliche Musikerver- sammlunq.„Arbeiislasiateit unh Mukiterberuk". Referent De�irksleiter sirih Rappen aus Etettin. Bollzähliaes Erscheinen aller Berufsmusiker rrwitnfcht. �reie Gewerkschafts-Luaend Berlin Heus«. Mittwoch. Illli Uhr. taaen die Gruppen: Bauwschulenaieg: Iuaendheim Ernstste. ie>. Hkimbesprechunii:..Hie aewertschastlichrn Richtlinlcii her RSBAP."— Rentölln: Grupveiihkiln Berastr. ZS. Sei. Heimhesprkchuna. Gutheit kommt mit seiner Miikn-Maus.— Siidwesten: Stadt. Iiiaendhejm Portkstr. 11. ITahrilaekäiihc. Seinibesprechunil. Anschließen h Lauten- klana und Heiterkeit.— zinoloten: Iuqembheim Reukdllu. �luadafenstr. RS. Keimtu-sprechuna. Danach Borlesunaen. Muiil lind Gcsana.— Weißensec: Iuqendheim Parkstr. SR. Keimdesprechuna.— Rordrina: Iua.'nhheim Sonnen. durqcr Sir. 20. Keimhesprechun«.— Schonehera: Iiia-nddeim Hoiiptstr. lö. Heimdesprechuna.- H»lr Haidt: zuiwndhesm Groun. Eck- Lorhinastraße. Heimbetprechuna:»Unsere Beruse". Zedirminutenreseraie.— Tcqel: Iuaend- heim Schhneheraer Str. t. Heimdesprechuna. Wie diekutieren über neraanaene Ardeit.— Spandau: Iuqenddeim rindenufer 1. Heimdesprechuna. @)uaendaruvpe SesZeniralverbandeS der Anaesiellten Am Mittwoch sinden kolacude Beeanstoliunaen statt: Gosiinddrunacn: guarndlleim Schön stedtltr. 1. Auosprachcadend:..Alkorol". Reinickc». dort: Iuaend deim Lindauer Str. 2 sBaraikel. Bretthpielabrnd.— Charlotten. dura: Wir krsuchen die Bersanmeluna des Werdederirk-..- Kchonedera: Iiiaer d» heim Hauptstr. IZ sHofaeböud«. Sochsenrimmer). Aussprachead-nd.... Schon» ho ns er Vorstadt: Iuaendfteiar der Schul- äaslanieiiallee 81. Bortraa:„Arbeits- schuh— Arbeitsrecht". Referent Dcrkow. Oderspre«: Riedersö-öneweidr, Ber. lnier Str. Zll s Schul«), Einaana Hasseswerderstraße. Liederabend.— Nordost: Iuaendhrim Daiwaer Sir. 62 sB-rackr 3). Hoimdesprca'uina.— Stralau: Iuaendhcim der Schule Eoßlerstr. Rl. Borlraa:„Die sreien Ger>:rtschasten als Nuliuroraanitationen". Referent Bernstein.-- Renlölln: Wir beftichrn die Ber. sannnluna des Werdederirks.— Südost: Iua:ndhcim Wranaelftr. 12s: Grupve"- desprechuna.— Spandau: Iuaendheim Lind'nufer>. Werdeodend:„Roter Adler". Leiter Rost.— Votodam.Rowawe»: Iuaendherderae in Rowawes, Vriestcrftroße. 91 rbc ilsarm c i n irtw h:„Der cotinlismus als ps'iiifch.- und kul. turelle Bewraiina". Lciler Lcwinski.— Nilpcnirk: Iuaendhrcht Dahlmihrr Straße 15 i Gasanstalt, am Bahnhol Nöpenick). Wir lesen„Das kommende Manifest", Leiter Hol». Berantwort'ich für Politik: Dr. Curt Geyer! Wirtschaft: S.»linaelhöter; Gewerkschaftsdeweauna: 3. Steiner: Feuilleton: Dr. John Schitowsii: Lokales und Sonstiges: Friß»arftädt; An, eigen: Zh. Slock«! sämtlich in Berlin. Berlaa: Borwärts-Derlaa S. m. d. H.. Berlin. Druck: Borwäris-Buchdruckeret und Verlagsanstalt Paul Einaer u. Eo.. Berlin SW. 68, Linden straß« Z. Hier, II z Beilagen. Reisegarderobe baldigst erbeten. Jetzt auch Pfundwüsche, Pfund 36 Pfg.— Filialen In allen Stadtteilen.— Tel.: F 7 Jennewitz 6436. ?lr. 253* 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 3. Luni 4931 kerlin suk Krsdzjsgci. vi« chinesische Soldaten der Roten Armee sind dabei ums Leben gekommen. Tie Kommunisten behaupten, daß das Feuer ans Prand- stiftung der Purgerwehr zurückzuführen ist. Von I. ILF UND F. PETROW „Nun denn, verzeihen Sie", sagte Worobjew näselnd. ,Lch glaube, ich werde schon allein mit meiner Angelegenheit fertig werden." „Nun dann, verzeihen Sie", erwiderte der blendende Ostap.„Ich glaube, auch ich werde mit Ihrer Angelegenheit allein fertig werden." „Schuft!" schrie Worobjew zitternd. Ostap blieb kaltblütig.„Hören Sie, Herr aus Paris, wissen Sie auch, daß Ihre Brillanten fast schon in meiner Tasche sind! Und daß Sie mich nur so weit interessieren, als ich Ihre alten Tage sicherstellen will?" Jetzt erst begriff Worobjew, welche Eisenkrallen ihn an der Kehle gepackt hielten.„Zwanzig Prozent", sagte er düster. „Und freie Kost und Wohnung?" fragte Ostap ironisch. „Fünfundzwanzig Prozent. Das macht siebcnunddreißig- einhalbtausend." „Warum so pedantisch? Nun gut, sagen wir also fünfzig Prozent. Eine Hälfte Ihnen, die andere mir." Das Feilschen dauerte an. Ostap ließ noch etwas nach. Aus Achtung für Worobjew war er gegen vierzig Prozent Anteil zur Mitarbeit bereit. „Sechzigtausend!" schrie Worobjew. „Sie sind ein ziemlich banaler Mensch", erwiderte Bender, „Sie lieben den Besitz mehr als nötig ist." „Und Sie lieben das Geld nicht?" winselte Worobjew wie eine Flöte. „Ich nicht." „Wozu brauchen Sic also sechzigtausend?" „Prinzip. Setzt sich also das Eis endlich in Bewegung?" fügte Ostap hinzu. Worobjew räusperte sich und sagte folgsam:„Jawohl." „Also abgemocht, Herr Vorsitzender der Komantschi! Meine Herren Geschworenen, das Eis hat sich in Bewegung gesetzt!" Da sich Worobjew durch die Apostrophierung„Borsitzender der Komantschi" beleidigt fühlte und eine Entschuldigung for- derte, hielt Ostap eine Entschuldigungsrede und nannte ihn Feldmarschall, dann begannen sie die Dispositionen auszu- arbeiten. Der Hausmeister Tichon wanderte gegen Mitternacht zurück in seine Höhle. Dabei hielt er sich mit den Händen an allen Zäunen fest und umarmte die Telegraphenstangen. Zu seinem Pech war Neumond und ringsum dunkel. „ijallo, da kommt ja unser trefflicher Soziologe!" rief Ostap, als er den torkelnden Hausmeister sah. Der knurrte mit tiefer, leidenschaftlicher Stimme. „Ihr Hausmeister ist ein etwas schwächlicher Mensch", meinte Ostap.„Wie ist es möglich, sich für einen Rubel so zu betrinken?" „E— es ist m— möglich", sagte der Hausmeister, der Plötz- lich zu sich kam. „Höre, Tichon, mein Freund", begann Worobjew,„ist dir vielleicht bekannt, was mit meinen Möbeln geschehen ist?" Ostap hielt Tichon vorsichtig aufrecht, um den Worten aus dem weitgeöffneten Mund freien Weg zu bahnen. Worob- jew wartete gespannt. Aus dem Mund kam aber nur ein sinn- loser Sang:„Es waren f— frohe T— tage..." Dann brüllte er auf, wankte im Zimmer hin und her, kroch unter den Tisch und fiel schließlich in die Knie. Dabei amüsierte er sich köstlich. Worobjew ward ganz verlegen.„Wir sind gezwungen, das Verhör des Zeugen auf morgen zu vertagen", sagte Ostap. „Gehen wir schlafen." Der Hausmeister, schwer wie ein Kasten, wurde auf die Bank gelegt. Worobjew und Ostap schliefen im Bett des Haus- meisters. Ostap hatte unter der Weste ein Cowboytrikot an, schwarz und rot kariert. Unter dem Trikot gab es nichts mehr. Worobjew dagegen trug unter seiner mondscheinfarbenen Weste noch eine zweite gestrickte aus hellblauer Wolle. „Herrlich, Ihre Weste, direkt zum Anbeißen", sagte Bender neidisch,„sie wird mir gerade passen. Verkaufen Sie sie mir." Worobjew konnte seinem neuen Gesellschafter nicht gut etwas abschlagen und er erklärte sich, wenn auch mit ge- runzcltcr Stirn, bereit, die Weste zum Selbstkostenpreis, also acht Rubel, zu verkaufen. „Das Geld werden Sie nach Realisierung unseres Schatzes erhalten", sagte Bender und griff nach der noch warmen Weste. „Das kann ich nicht machen", sggte Worobjew errötend. „Lassen Sie mir meine Weste." Ostaps feine Natur empörte sich.„Sie benehmen sich wie ein Krämer", schrie er.„Sie wollen eine Sache unter- nehmen, die Aussicht gibt auf hundertfünfzigtauscnd Rubel und streiten wegen einer solchen Bagatelle'! Lernen Sie doch endlich frei und großzügig zu leben!" Worobjew wurde noch verlegener, nahm ein kleines Notizbuch und trug mit kalligraphischer Schrift ein: 25.-t. 27. Genossen Bender acht Rubel geliehen. Ostap sah ins Büchlein.„Oho! Wenn Sie mir schon ein Konto eröffnen, so muß es präzis sein. Schreiben Sie Soll und Haben. Ins Haben kommen die sechzigtausend, die Sic mir schuldig sind, und ins Soll die Weste. Bleibt immer noch ein hübscher Saldo zu meisten Gunsten. Davon kann man schon leben." Sodann schlief Ostap seinen stillen Kinderschlaf. Worob- jew nahm die wollenen Pulswärmer und Stiefel ab. behielt nur die Iägerwäsche an und kroch ächzend unter die Decke. Wirkung des„Titani k" Worobjew wachte gewohnheitsgemäß um halb acht auf, murmelte ein„Guten Morgen" und ging zur Wasserleitung, die sich gleichfalls in der Hausmeisterwohnung befand. Er wusch sich mit Begeisterung, spuckte und schüttelte sich, um das Wasser aus den Ohren z» bekommen. Das Waschen war ihm sehr angenehm. Als er aber das Handtuch vom Gesicht nahm, sah er, daß es mit der radikalen schwarzen Farbe beschmutzt war. Die Farbe, mit der sein Schnurrbart zwei Tage vorher gefärbt worden war. Worobjew ward sofort nüchtern. Er griff nach seinem Taschenspiegel. Da sah er die große Nase und die linke Schnurrbarthälste, grün wie junges Gras. Wo- robjew rückte den Spiegel nach rechts. Auch alles andere hatte dieselbe ekelhafte Farbe. Er neigte den Kopf, als wollte er den Spiegel mit den Hörnern stoßen, und konstatierte, daß der Kopf nur oben, in der Mitte, radikal schwarz war, an den Seiten aber war das Haar wieder grasfarben. Worobjew stieß van tief innen her ein so lautes Stöhnen aus, daß Ostap ...... Ali....... seine klaren blauen Augen weit öffnete. „Sind Sie verllckt geworden?" rief er und schloß gleich wieder die schläfrigen Augen. „Genosse Bender", flüsterte das Titanikopfer flehend. Erst nach vielen Püffen und Beschwörungen von feiten Worobjews war Ostap vollends wach. Er sah Worobjew auf- merksam an und grinste begeistert. Dann mußte er sich ab- wenden, und er, der angehende Generaldirektor,, hielt sich zitternd am Bettrand fest, brach in ein schallendes Gelächter aus und schrie:„Ich kann nicht mehr", und lachte immer wieder. �-(Fortsetzung folgst) i| Der Herr�Reparati onsagenf Das Berliner Gastspiel eines Schweizers. Man erlebt dt« wunderlichsten Dinge in Moabit; das seltsamste Schauspiel bieten aber Angeklagte, die in keiner Weise in Einklang zu bringen sind mit dem Auftreten, durch das sie ihre Mitmenschen rinzuwickeln verstanden haben. So sah man z. B. gestern vor dem Schöffengericht Berlin-Schöneberg das Jammerbild eines Menschen: und doch hatte er als elegant gekleideter Hochstapler in zehn Fällen Zimmervermieterinnen um Summen in Höhe von SO bis IM M. gebracht. Unbegreiflich, daß dieser Mann mit seinem wilden Bart und schütteren Haar, der hohläugig und mit eingefallenen Wangen stets mit so großem Erfolg den„Reparotlonsagenten" gespielt hatte. Mag sein, daß auch seine Haltung vor Gericht nur Spiel war, nur Flucht in die Krankheit. Als der Vorsitzends ihm seinerzeit sagen ließ, er möge das Simulieren eines Wahn- sinnigen im Untersuchungsgefängnis lassen, da war er wirtlich aus einmal gesund.... Der Angeklagte ist Schweizer Bürger. Sein Vater war Gastwirt, er selbst in der Lehre bei einem Viehhändler: er wurde früh strafsällig und zählt l3 V o r st r a s e n— in der Hauptsache wegen Diebstahls und eine von 2 Jahren Gefängnis wegen Trunken- heit(so etwas soll es in der Schweiz geben). Er kam nach Berlin, nachdem es ihn« gelungen war, einem Gefangenen- transport zu entweichen und verwandelte sich plötzlich vom rückfälligen Dieb in einen„Reparationsagenten", der Vieh- transporte entgegenzunehmen Hab«. Cr mietete Zimmer, faßt sofort zu seinen Wirtinnen das größte Vertrauen und gab ihnen Wert- briefe zur Zlufbewahrung mit 12 Ml) und ISMO Schweizer Franken Inhalt: er müsse seine Koffer von der Bahn holen: er habe aber kein Kleingeld bei sich, er brauche nicht mehr als SU bis 100 M.: erhielt das Geld und kehrte nicht zurück. War es aufgebraucht, so wiederholte er das Spiel. Es war nicht gerade eine sichere Existenz, doch immerhin eine auskömmliche. Zwischendurch gab es noch eine heitere Episode. Im Jahre 1920. hatte er einen Kaufmann um 50 000 M. betrogen: der Verlust war längst verschmerzt. Da erschien eines Tages bei ihm fein Betrüger und stellte sich als reicher Mann vor, der in Amerika schweres Geld verdient habe: man einigte sich, den Verlust vom Jahre 1920 mit einem Scheck in Höhe von 10 000 M. wettzumachen. Als der Kaufmann im Hotel Kaiserhof den Scheck entgegennehmen sollte, war der freigebig« Scheckaussteller selbstverständlich nicht da. Und schließlich sollte noch ein« Logis- Nachbarin beglückt werden. N. wollte sie heiraten, mit ihr nach Amerika gehen und dort sechs Wochen lang im Glaskasten sich als Hungerkünstler produzieren. Als aber eines Tages die Freundin seiner zukünftigen Frau ihn des Portemonnaiediebstahls verdächtigte und Anzeige erstattete, da brach die ganze Herrlichkeit des Reparationsagenten zusammen: er entpuppte sich im Polizeipräsidium als der 13nml vorbestrafte schweizerische Dieb. Das Gericht verurteilte den tüchtigen Mann zu IX I a h r e n Gefängnis. Ein Auslieferungsantrag der Schweiz harrt der Erledigung...._ Es war doch wohl Totschlag! Nochmals die Vorgänge in der Naugarder Straße. Infolge Zurückverweisung durch das Reichsgericht hat sich das Landgericht III seht noch einmal mit den vor- ganzen in der Raugarder Straße zu beschästigen. Am 16. Mai vorigen Jahres war es in der Naugarder Straße zu einem Zusammenstoß zwischen Nationalsozialisten, die von einer Geburtstagsfeier aus ihrem Verkehrslokal kamen, und Mitgliedern des Fußballklubs„Germania" in Weißensee, die sich auf dem Heimweg befanden, gekommen. Von feiten der Nationalsozialisten wurden scharfe Schüsse abgegeben, und es wurden die unbeteiligten Arbeiter Selinowski und Schumann getötet. Vom Schwurgericht III waren dann die National- sozialisten Meier, Prüfte und D ö m p k e wegen Raufhandels und Vergehens gegen das Schußwaffengesetz unter Freisprechung der Anklage des Totschlages zu je zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Reichsgericht hat auf die eingelegte Revision das Urteil aufgehoben und zur erneuten Prüfung der Frage, ob vorsätzliche Tötung oder mindestens fahrlässige Tötung vorliege, an das Schwurgericht zurückverwiese». Im Reichsgerichtsurteil heißt«s u. a., die fahrlässige Ueber- sch r e i t u n g der Verteidigung, wie sie den AngeNagten durch die nach ihrer Vorstellung bestehend« Notwehrlage erforderlich erscheinen konnte, würde wenigstens eine Verurteilung wegen fahr- lässiger Tötung zur Folge haben. Dieser Gesichtspunkt des Reichs- gerichts ist zu billigen. Man erlebt es ja immer wieder, wie die Schiehhelden zur Waffe greifen, weil sie glaubten, sich auf andere Weise ihrer Gegner nicht erwehren zu können. Das war auch der Fall bei der Schießerei in der Naugarder Straß«. Zum ersten Urteil schrieb damals der„Vorwärts":„Das außerordentlich milde Urteil gegen die drei Nationalsozialisten ist geeignet, die größte Verwun- dcrung hervorzurufen. Wozu hatten die drei Nazis überhaupt Re- voloer bei sich und war es erforderlich, selbst ongenomm«», daß es tatsächlich Raufhandel gewesen ist, von d«n Waffen Gebrauch zu machen? Wo blieb das Geld? Sine llnlerschlagung mit einfachen Mitteln. Auf wie einfache weise man zu Geld kommen kann, zeigte eine Urkundensälschung, die seht bei einer Verliner Lank aufgedeckt wurde und dem Täter da» runde Sümmchen von 10 000 Rl. eingebracht halte. Da. wurde tzämlich ein ehemaliger Bankbeamter, der 30 Jahre alte Otto T.. von den Krimmalbeamten der Dienststelle F. 7 in seiner Wohnung in Schöneberg ermittelt und verhaftest T. kannte von seiner früheren Tätigkeit her die Verhältnisie bei der Banst Mit Hilfe fingierter Adressen und gefälschter Unterschriften erreichte er es, daß ihm vor drei Tagen 10 000 M. bar ausgezahlt wurden. Als der Schwindel herauskam, konnte die Kriminalpolizei auf Grund der Beschreibung feststellen, daß T. der Täter gewesen war. Bei seiner Vernehmung erklärte T., er habe von dem Gelde gut gelebt und besitze nichts mehr. Da er jedoch auf so raffinierte Weise in den Besitz der Summe kam, ist anzunehmen, daß er den noch vorhandenen Rest in Sicherheit gebracht hat, um, wenn er aus der Haft entlassen wird, die„guten Tage" fortzusetzen. Wahrscheinlich ist das Geld unter einem falschen Namen irgend- wo eingezahlt worden. Aber die wichtige Frage ist: Wo? Berlin-Frantfurt a. ö. O. im Segelsiug. Der Darmstädter Segelflieger Fuchs kreuzte wiederholt in längeren Segelslügen mit seinem Flugzeug„Starkenburg" über Berlin und erreichte über dem Zentrum eine Höhe von 1000 Meter. Mit Fuchs befindet sich ein großer Teil der Segel- fliegcrgruppe Darmstadt zur Zeit in der Reichshauptstadt. Der Zweck der Flüge ist der Nachweis, daß Segelflüge von längerer Dauer nicht nur über Flachland oder Gebirge, sondern auch über Großstädten möglich sind. Am Dienstagnachmittag landete das Segelflugzeug ..Starkenburg" nach 2� stündigem Scgclflug ab Berlin in Frankfurt a. d. O. Die Insel Ostpreußen. Die städtisch« Schulverwaltung veranstaltet in der Zeit vom 4. bis 3 0. Juni im Hause der Lehrerfortbildung in der Klosterstraße 75 eine Ausstellung„Die Insel Ostpreußen". Die Ausstellung ist täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet. Außerdem finden an jedem Donnerstag des Monats Juni von 8 bis 10 Uhr Vorträge, Filmvorführungen und Darbietungen ostpreußischer Dichtungen bei freiem Eintritt statt. Am Donnerstag, dem 4. Juni, wird Magistrats- fchulrat Dr. Kalischer über das Ostproblem sprechen. Am 1l. Juni läuft der Film„Die Insel Ostpreußen", außerdem sind Gesangsvorträge vorgesehen. An diesem Tage wird ein Unkosten- beitrag von 50 Pf. erhoben. Am 18. Juni erzählt Lehrer B o r ch e r t von ostpreußischer Wesensart. Gleichzeitig werden Lichtbilder von der Kurischen Nehrung gezeigt. Am 25. Juni wird Direktor O. Schultz Ostpreußen in der Dichtung zeigen. Zwei schwere Verkehrsunfälle. Auf der Kreuzung Bismarck- und Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg wurde gestern die 48jährige Hausdame Frieda M a i w a l d aus der Mommsenftr. 20 von einem Last- a u t o überfahren und schwer verletzt. Die Bcrunglückte st a r b auf dem Transport ins Krankenhaus.— In Niederschöncweid« stürzte gestern der 45jährige Mitfahrer Oswald U l b r i ch aus der Eitel- straßc in Lichtenberg so unglücklich von seinem fahrenden Fuhrwerk. daß ihm ein Bein abgequetscht wurde. In bedenklichein Zustande wurde U. in das Elisabeth-Hofpital in Oberschöneweide gebracht. Erwerbslosentorlen zur Bauausstelluag werden bereits vom 1. I u n i ab ausgegeben. Durch einen ärgerlichen Druckfehler war im gestrigen„Abend" der 1. Juli angegeben. Bombenflugzeug abgestürzt. Vier französische Soldaten getötet. pari», 2. Zum. Wie havas aus AI e h meidet, ist ein Bombenflugzeug der vierten Staffel des 11. Fliegerregiment» au, Metz, das mit vier Sol- daten besetzt war, 2 Kilometer südlich von Metz zwischen herny und vatimont abgestürzt. Die vier Znsassen, zwei Unter- offiziere und zwei Soldaten, sind um, Leben gekommen.- Arbeiterbildungsschule. Ferienkurse im August und September. Die Arbeiterbildungsschule veranstaltet auch in diesem Sommer wieder drei Firicnknrse, die, m«? in den vorigen Jahren, im Ferien- heim der Naturfreund«„Reiherhorst" in Klein-Köris stattfinden. Jeder Kursus dauert eine Woche und kostet einschließlich Fahrt ab Berlin und zurück, Verpflegung, Quartier und Lzörgeld 3 3,50 M. Die Kurse sind so gelegt, daß, wer die Möglichkeit hat. an zwei oder drei Kursen teilnehmen kann. Die Unterrichtszeit ist so bemessen, daß auch noch reichlich Zeit zur Erholung bleibt, und dazu ist im Heim selbst sowie auch in der schönen Umgebung Gelegenheit vor- handen. Anmeldungen zu den Kursen werden recht bald an die Adresie: Arbeiterbildungsschule, Lindenstr. 3, 2. Hof 2 Treppen Zimmer 9 erbeten. 1. Kursus vom IS. bis 22. August. Lehrer: Dr. Hermann Brill- Weimar, Thema:„Das sozialdemokratische Programm". 2. Kursus vom 23. bis 29. August. Lehrer: Dr. Karl Mieren- dorf-Darmstadt, Thema:„Der deutsche Parlamentarismus, was er ist und wie er arbeitet". 3. Kursus vom 30. August bis 5. September. Lehrer: Dr. Arkadij Gurland-Berlin, Thema:„Das Proletariat in der Krise". Ein Hausfraueukolleg. Im„Ring der Frauen" auf der Bauausstellung hielten die städtischen Gaswerke«ine ihrer launigen hausfraulichen Unterrichtsstunden ab, die das Praktische mit dem Fröhlichen ver- binden. Unter dem Titel„Der goldene Mittelweg" erteilte der Hausdienst der Städtischen Gaswerte Winke für die Hausfrau, wie sie sich am besten Plackerei, schlechte Laune und unnötige Geld- ausgaben sparen kann. Es wurde gezeigt, daß weder die alleinige Theorie modernster Ernährungswissenschaft, noch die konservativ« " he Denkweise von anno dazumal das einzig Wahre sind, .....---- andern daß die kluge und praktisch denkende Hausfrau sich Fort- schritt« auf technischem und wirtschaftlichem Gebiet überall da zu- nutze machen soll, wo sie tatsächlich eine Vereinfachung und Ver- besserung ihres Arbeitsgebietes bedeuten. Ihr mit Rat und Tot hierbei an die Hand zu gehen, sei es in bezug auf Vorführung der verschiedenen Apparaturen, der Zubereitung und Zusammen- stellung der Mahlzeiten, des ökonomischen Gasoerbrauchs und fach- gemäßer, möglichster Reduzierung der Arbeitszeit, ist Sache des Hausdienstes der Gaswerke. Jede Hausfrau soll sich in allen Fragen und Nöten an diese Stelle wenden, der Besuch und die Beratung sind kostenlos: manch Fingerzeig wird auf diese Weise der Hausfrau zugute kommen und ihr das Wirtschaftsproblem vielfach erleichtern helfen. Die zahlreich erschienenen ZuHörerinnen lachten herzlich über ihre Leidensgenossinnen am Kochheerd und � an der Waschmaschine, deren Sorgen und Nöte sich zum Schluß in eitel Freude verwandelten. Reichshallen-Thealer. Mit einem sehr kurzweiligen Programm unterhalten die„Stettin er Sänger" ihr�Publikum im Juni. Alles ist vertreten im Repertoire: ein bißchen Sentimentalität, ganz leichte politische«atyre, Aktualität und der„guten ollen Zeit" wird leichte politische Satire, Aktualität und der„guten allen Zeit" wird darauf verwendet und in den dazu gehörigen Rahmen gekleidet(ge- schmachvolle Dekorationen und Bühnenbeleuchtung sorgen für die Stimmung). Ein lustiger Schwank„Alles verrückt" mit vielen Vsr- wechslungen, buntem Durcheinander und effekwollem Schluß läßt die Zuschauer aus dem Lachen �nicht herauskommen. Sprechchor für proletarische Feierstunden. Donnerstag. 4. Juni, 19.30 Uhr, im Gesangssaal der Sophienschule, Weinmeisterftr. 16/17, Uebungsstunde. Florath ist bestimmt anwesend. Sport. Rennen zu hoppegarten am Dienstag, dem 2. Zum. I.Rennen. 1. Waflerqucll«(Hehler). 2. Immerfort, 3. Randglosse. Toto: 15:10. Platz: 29, 12: 10. Ferner liefen: Abschied, GeschästZfreund. 2. Rennen. 1. Symmetrie(Böhlke), 2. Machbuba, 3. Sintflut. Toto: 17: 10. Platz: 12, 15, 55: 10. Ferner liefen: Stammeslahne. Dovpelwaise, Rose voii Jericho«, Instanz, B�srciungsseier, Prunella, Taub« nessel, Manitoba, Rotkäppchen. 3. Rennen. 1. Freiwcg II sRastenberger), 2. Tarnschild, 3. Hella X. Toio: 18:10. Platz: 11. 13:10. Ferner liesem ScapoZ, Stolzenfels. 1. Renne n. 1. Wollcnslug(Erabsch), 2. Groll, 3. Priester. Toto: 16: 10. Platz: 10, 11: 10. Ferner liefen: Helmut, Nero. 5. Rennen. 1. Lord Nelson(Böhlke). 2. Don Riccardo, 3. Jngemar. Toto: 15:10. Platz: 13, 21, 4l:>0. Ferner liesen: Karsunkel. Flug- schnler, Petulans, Tenor, Gardejäger, Glanz, Pommcrnländer, Priamos, Reisemarschall. 6. R e n n e n. 1. Makrele(O. Schmidt), 2. ClematiS, 3. Thüringen. Toto: 70:10. Platz: 27, 25:10. Ferner liesen: Filmenau, Teutschc. 7. Rennen. 1. Hanslein(Huguenin), 2. Kamerad, 3, Frohwal«. Toto: 39:10. Platz: 17, 27, 32:10. Ferner Uesen: Nomos, Felek, Bill, Wotan, Sützkiriche, Melisse(bl. st.), Berenice, Göltersage. Wetteraussichlen für Berlin: Mäßig warm, teils heiter, teils wolkig ohne erhebliche Niederschläge.— Für Deutschland: Ueberall langsam fortschreitende Besserung, nur noch vereinzelt leichte Gc- witterschauer, im Binnenlande am Tage mäßig warm. Siasenduagen für diese Rubrik sind « e r I i u SW SS, Lindenstrahe 3, parteinachnchien für Groß-Verlin stelz an da» Bezirkzsekretarlol 2. Hof, 2 Treppen recht», zu richten. Beginn aller Veranstaltungen 19� Uhr. sofern teine besondere Zeitangabe! 6. sttei«»reuzberg. voran,«ine! Die»»taa,». Znni. i*M IIb', streirmit. aliedcrnersammlunn bei Stabe. Fichteitr. A.«cricht»°m«artritaa. Heule, Milwoch, 3. Juni. 7. sttei». vetsenilich««undgebuna parteiaenölsilcher Mter»«tften Kultur- reaktion auf schulpolitischem Gebiet in bor Aula ber Seitliche» Schale. Posta lozzistr. 40(zwischen silmetsdotfet uab Äoifet-fftiebttdj-Sttafc« a'- leflcn). 1.„Tie sozialistische Erzieh»«» und unsere Voltoschnle«. 2. Licht. bllbserie:.Aus dem Lrbrn der mxbernen schule». Reserent 9 half Kaue'«. 27. 9bt. Zusammentunlt jitnaerer Parteigenossen Boltzspoisestelle Hlrimstr. 37. Wir machen einen Spazierganq.«Also am Mittnxxh.) 28. 9W. ILnqere Genossen: ro Uhr bei Barielt, Wiiriher Str. 1». Otto Mohr. mann:„Das Stonvmumftifdic Manifest". 90. Abt. Gruppe junper Parteigenossen: Heute, 20 Ilhr, bei SSffler. Deichsel. Elte Ollastrahe. Referat der Genosssn Torborst über„Die politische Siiua- tion und der Parteil«»". 118.«dt. Tempel. Gudrun ftr. 7, Funiklionärsstzuiui. 136. Abt. gusommenkunft der sunaen Genossen bei stiechne, Refldenzssr. 9. Rlorgen. Donnerstag. 4. Juni. 3. Abt. Sool 5 des Gemcrtscha»»Hauses, Cnflelufet 34—26, nnchtiae Uunk> tionärsitzunq. 4. Abt. stunelionärsstpin» bei Brandis. Eiralauer Str. 10. 33. Abt. Tunttionärlirmn» bei Loiack, Benmeslr. 8. 36. Abt. Tunktionärsitzun» bei Busch, Tilsiter Str. 27. 38. Abt. Lorsland», und Dinllionäviitzun», LolaI ssrangen. stalckrauthsir. 5. 99. Abt.-inlmnme»kirnst der jünfleren Parteimitglieder im Sistmigsraum. Kannemannstr. 40. 114. Abt. 1914 Uhr Tunkt, onäesittima bei Cchwarzer, GabrieDMax-Str. II, 117. Abt. Tunttionarsitzung bei Klose. 119. Abt. Tunftionarfittun» bei Portz, MMendorffir. 43. 136. Abt. Die Kassier»»» beim Genossen Meiler findet in dieser Dache nickt Treita». sondern ausnadmoweur am Donnersiag. 4. Juni, von 15 bis 20 Uhr, statt. Frauenveranfialtungen. 85. Abt. Der ssrauenobend kann nmsiSndehatber erm Donnerstaq, 4. stuni. ntdn ftattfinben und wird auf den 18. Juni verlegt. Nähere Mitteilung ee'olgt»och. 99. Abt. Britz. Freitag. 3. Juni. IVA Uhr. wichtige ssunktionärinnensitzuna im steller, Sannemannstr. 40. Die Damoferlarte» ssni» abzurechnen. 105. Abt. Die Genossinnen, welche a» der Damvfersahrt de» lö. Kreises teil- nehmen, tresten«ich Sonnabend, 6. Juni, pünktlich 984 Uhr i» Käpeniä. Lnlsenheim.?on dort Abfahrt nack» Alt-Buchhorst. 126. Abt. Keule. Mittwoch. 3. Juni. Busflua nach Vierde bucht. Zrefsmi»!'. 14 lh Uhr Bahnhof Wuhlheide. Rsickfahrt 19 Uhr. Arbeitsgemeinschast der Kinderfreunde Groß-Verlin. Gruppe Lichteeselbe: Freitag, 3. Juni. 1714—19'-) Uhr. Rote und Zungfalken bei Ewald Wolter. Tahlemer Str. 79, Unterhaltimgsnachmitto, mit Willi Döring. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei« Organisation 53. Abt. Unser alter Genosse. Borkämpfer unter dem Soziale sienge-etz, Wilhelm Kaase, ist, 70 Jahre alt, am 80. Mai plötzlich verswrbe». Wir werden lein Andenken stets in Ehren bewaheen. Die Sinafchernng findet am Mittwoch. 3. Juni, imi 12 Uhe, Im sttonatonirm Gerichtstrahe, statt. Regste Beteiligung erwartet der Adteilungsoorstand. 1 Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Einsendungen lir diese Ztnbrst Nor an dotz Z-gendletrrtaNatz Ztrlki«ZV«8. kJabeitssrait 9 vrsfrntliche Schüleroersammlung morgen. Donnerstag. 19'? Uhr, Schulaula st ochste. 13. Refcten: Professor Keller:»Jugend und Faschismus". Abteilungsmiigliederversammlungen, Mittwoch. 19H Uhr. Wannlee:„Lindenhof".— Adlershof: Bismariistr. 1.— Ariedrichsdaqen: sZricdrichstr. 87.— sir'rdrichsfeldc: Lichtenberg, ffiuntetftt. 44.— stailsbors: Schule Adolfftr. Zs.— Lichtenberg. Mitte: Echarnwe berste. 29.— starow:„Zum Pantgegien".— Pastow. 9t. 5f.: stissingenftr. 48. SSS. Westen: Rosinenstr. 4. 18'A Uhr. * Kesten: Genthinee Str. 17: Aebeiiskrei»:„Das Recht de» Aebeitees".— stottbusser Tor: Britzee Str. 27—30:»Rinder erziehe» ihre Eltern".— Lichten. berg-Roed: Gunterftr. 44: ,Lst die Arbeit der Roten Talken notwendig?"— Lichtrnbeeg.Rordwest: Dosseftr. 23;..Jugend und Tlegeliahre".— Mahl, dort; Melanchthonstr. 63: lg'.- Uhr Sritndungsfcier.— Reulöll» IX; Treffpunkt zur Werbung WA Uhr beim Genossen stloko. SSS. Reulöll N. Heitere: Bergstr. 29:»Religiöser Sozialismu»". Pünktlich erscheinen. Werbebeziri Reukölln: Sprechstunde von llsh— 19)4 Uhr Ganghoferstrahe. Sprechchorprobe 19>,7 Uhr Kaniier Slrahe. Werbebezirk Prenzlauer Berg:»Rote Rotte" tagt im AS. Danziger Strahe. Vorträge, Vereine undVersammtungen. Reichsbanner„Schwarz-Rol-Gold". Sefchllktsstello: Berlin S. 14. EebaNianstr. 87—38. Kok 2. St. Mittwoch, 3. Znni. Ariedeichshai», stameradilchaft Frankfurt: 20 Uhr Mltgliederveelammlung bei Graupner. Poigtstr. 25. Passtve stgme- raden sind besonders eingeladen.— strestag. 5. Juni, steeuzberg, Zug I: 20 Übe Mitgliederuersammluug bei Seehak, Willibalb-Aleris.Str. ö. Weihenser (Ottooecein): 20 Uhr Mitgliederversammlung. Berliner Hof. starten fllr dos Sommerfeft gelange» zur Ausgabe. Technische Tunktionöre 19 Uhr.— Ehar- lottenbnrg: Die Uebungostunden de» Tambonrtorp» finde» jeden Donnerstag vo» 20—22 Uhr im Etenpalaft statt. „Siurmoogel", sslugoerband der Werktöligen. e. V. vrtogruppe Neulilln» Britz: Sitzungen am 3. und 17. Juni, 20 Uhr, Restaurant M. Schröder, Neukölln, Steinmetzstr. 52. Neichsdund der striegobeschädigte», strieasteilnehmer und steiegeed'nter. Wiebenen. Sau Berlin, Bezirk Osten V. Mitglieheroersammlung Mittwoch, 3. Juni, Schmidt» Gefellschaftsbau», Teuchtftr. 36,. stentraloerdarb bor Arbeit»iav»Ilben und Witwen Deutschlands, Gau Sroh. Berlin. Geschäftsstelle: Berlin. W..57. Bükowstr. 49, rechter Seitenflügel. Ritt- wach. 3. Juni. Schönederg: Lokal Gross, staiser.Friedrich�Str. 9. 17 Uhr. Niederschönhaul:»: Schulau.a Biomarrkhr. 2, 14 Uhr. Ebarlottenburg: Lokal Boumqgrte», A»»bacher Str. 58. 19 Uhr. Neserentin stollegln Koos. Prenz. lauer Berg I: Lokal GlieOche. stooenhagener Str. 74, 16 Uhr. Referentin Kollegin»oa». Reinichendors-Lltt Lokal st lohn, Residttizstr. 31, 18 Uhr. Referent Kollege Steindeiss. nach jeder Zigarette schützt vor Katarrh nimmt dem Atem den Tabakgeruch Ernste Bilder vom Bausparen. Gtittstand bei Wüstenroi.— Rückblick auf die„Oevaheim"pleite. Die gröhte, alz erste kollektive Bausparkasse in Deutschland 192� lns Qeben gerufene Bauspartasse Gemeinschaft der Freund« Wüstenrot(GdF.) veröffentlicht soeben ihren Ge- schäftsbericht für das Jahr 1939. Wenn einer der bekanntesten A n- Hänger des Baufpartosfengedankens. der Baurat Weiß, 192S von dieser Kasse sagen konnte:„Sie flunkert mit Zahlen in einer Weise, die geeignet ist, ihre Bausparcr dauernd in Täuschung zu halten", so muh man jetzt feststellen, daß die TdF. ihre in den Bor- jähren schärfste ns kritisierte unzulängliche Berichterstattung nur um weniges verbessert hat. Die Zahl der Bausparer, die ihre Verträge ausgegeben haben und die für das Borjahr mit 7,4 Proz. des Vertragsbestandes beziffert wurden, sucht man in dem diesjährigen Geschäftsbericht vergebens. Sie kann jedoch nach den Angaben der GdF. für die Halbjohrsberichte der Deutschen Bau- und Bodenbank annähernd ermittelt werden. Danach betrug die Zahl der Bausparer bei der GdF.(in Deutschland und Oesterreich) am Sl. 12. 1928 81. 12. 1929 31. 5. 1930 31. 12. 1930 45 232 57 400 58 771 57 600 Die von Sachkundigen seit langem vorausgesagte rück- läufige Bewegung hat als» bereits eingesetzt. Da noch den Angaben der Kasse im Berichtsjahre allein in Deutsch- land 7503 Bausparer neu angeworben wurden, so muß eine noch größere Anzahl alter Bausparer— schätzungsweise 18 bis 20 Prozent— ihre Verträge rückgängig gemacht haben. Das ist ein Symptom dafür, daß viele Bausparcr die bei Vertrags- obfchluß unterschätzten Bausparoerträge in der Wirtschaitskrise nicht mehr weitcrtragen können und auch ein Zeichen der tiefgehenden Vertrauenskrise unter den Bausparern, die in ihren chosf. nungen auf baldige Zuteilung eines billigen Eigenheimkredits zwangsläufig getäuscht werden mußten. Von den 45 491 reichs- deutschen Bausparern der GdF., die bisher insgesamt rund 136 Mil- lionen Mark Spareinlagen aufbrachten, erhielten bisher nur 8421 ihr Bauspardarlehcn zugeiteilt. Das sind nur 18,5 Proz. des Gcsamtbeftandes. Die übrigen— unter ihnen 7547, die seit 1924/25 warten— tragen das Risiko, bis zu 28 Jahren auf d i e Z u t e i l u n g warten zu müssen. Auch der diesjährige Bericht der GdF. zeigt anschaulich, daß der Betrieb einer Bausparkasse ein außergewöhnlich gutes Geschäft— für ihre Gründer ist. Bei einem Gesellschast-- kapital von nur 110 000 M. erzielte die GdF. 1929«inen„G c- winn" von 867 500 M. 1930 brachte das deutsche Geschäft dieser „gemeinnützigen" Gesellschaft 607 377 M. ein, die taktvoll als Zu- wejstingen an die Rücklage ausgewiesen werden. Die Gewinne er- laubten der GdF. außerdem, einen riefigen Verwaltungs- palast in Ludwigsburg zu errichten, der unter den nach„aus- reichenden Abschreibungen" mit rund 1 250 000 M. ausgewiesenen (gegenüber dem Borjahre um 915 000 M. erhöhten) Betriebsanlagcn erscheint. Die Werbe kosten, zu denen noch 1360 000 M. Verwaltungskosten kommen, haben sich gegenüber 1929 mehr als v c r- doppelt. Sie stiegen von rund 529 000 M. auf rund 1 081 900 M. Die Riesengewinne und die großzügigen Geschäftsspesen der Ge- mcinschaft der Freunde, die ja die Bausparcr ausbringen müssen, beweifep den Baujparinteresscnten, daß kollektive Bausparkassen alle» andere sind als für den Sparer billige Spareinrichtungen. Was lehri der Oevaheim-Skandal? Es ist jetzt ein Jahr her, daß die freien Gewerkschaften in einer eingehend begründeten Entschließung die Arbeiter, Ange- stellten und Beamten mit alleni Nachdruck vor den Bauspar- lassen gewarnt haben. Die Entwicklung hat ihnen nur zu sehr recht gegeben. Von den rund 300 Bausparkassen, die in den letzten Jahren wie die Pilze aus dem Boden schössen, sind bereits 35 Institute zusammengebrochen, darunter die den National- sozio listen nahestehende Frankfurter Bausparkasse „S e l b st h i l f e der Zl r b e i t", deren„Siegcszug zur Befreiung Deutschlands von der Zinsknechtschaft" mit dem Konkurs endete, der Tausenden von Kleinsparern ihre letzten Spargroschen— insgesamt rund 15 Millionen Mark— kostete. Das letzte Glied in dieser Skandalreihc war die Zahlungs- «instellung bei einer der größten deutschen Bausparkassen, der Devahetm(Deutsche evangelische cheimstättengesellschast m. b. f).), zu der drei weitere Gesellschaften, die Baugenossenschaft des deutschen evangelischen. Voltsbundes e. G. m. b. H., die Deutsche cheimstätten- und Bodenkredit-Anstalt gem. A.-G. und die Deutsche Entschuldung?- und Zweckspar-Aktiengesellschast(Deutzag) gehören. Nachdem vor mehreren Wochen die dem Baukonzern der evangelischen Kirche nahestehende Baugesellschast„Stephansdach" in Schwierigkeiten geriet, mußten die Devaheim und die Dcutzag jetzt ihren rund 21 000 Bausporcrn, zu denen viele christliche Arbeiter zählen, mitteilen, daß sie ihren Verpflichtungen nicht nachkommen können. Die Devaheim hatte 15 678 Mitglieder und Bausparer, mit denen Bausporverträge über 1 3 5,5 9 Millionen Mark ab- geschlossen waren. Rund 10 Millionen Mark waren bereits als Ein» Zahlungen geleistet. Die 5489 Bausparer der Deutzag hatten auf Bausparoerträge von rund 96 Millionen Mark insgesamt 5.4 Millionen'Mark eingezahlt. An der Spitze dieses Unternehniens standen Personen, die außerordentlich geringe Erfahrungen in der Führung schwieriger Sparkafsengeschäft« hatten und auch rein persönlich zur Leitung eines solchen Unternehmens wenig geeignet waren. Zluf Zweifel- hafte Grundstücksgeschäste in Berlin-Lichterselde und Betternwirt- schast wurde bereits vor zwei Jahren in der Oesfentlichkeit hin- gewiesen. In Hunderten von Fällen hat nian sich bei Banspar- Zuteilungen nicht an die satzungsgcmäßen Bestimmungen gehalten, sondern Baukredite und Hypotheken an Prominente d�s evangelischen Bereinslcbens gegeben, die bei ordnungs- gemäßer Durchführung des Geschäftsplanes noch keinerlei Zuteilun- gen beanspruchen hürften. Zahlreichen Baulustigen wurden Bor- schüsie aus 5)auszinssteuermittel gegeben, deren Bewilligung aus- geblieben ist. Für Eigenheime wurden Hypotheken in einer solchen Höh« bewilligt(90 bis 85 Proz. des Bau- und Bodeinoertes), daß hie Gelder zwangsläufig gefährdet wurden. Voreilige Zusagen für Bausparzuteilungen(bei 10 Millionen Mark Einzahlungen wurden 15 Millionen Mark von d» Devaheim zugesagt) haben die Schwierig- keiten vermehrt. Vorläufig ist mehr als ungewiß, ob und in welchem Maße die jahrelangen Ersparnisse der kleinen Bausparer bei der Devaheim, die sich um den Anschluß an die den katholischen Organisationen nahestehende größte deutsche Bausparkasse, die„Ge- meinschaft der Freunde", bemüht, gesichert werden können. Der Zusammenbruch des Devaheimkonzerns ist ein neues Warnungssignal. Wenn weitere schwerwiegende Schäden für breite Sparerfchichten vermieden werden sollen, so muh energischer als bisher an die Durchführung einer wirksamen Staatsaufsicht über die Bousparkassen gegangen werden. Der Kladderadatsch der Devaheim hat auch bürgerliche Kreise von der Richtigkeit der von der Sozialdemokratie aufgestellten Forderung einer Ausgestaltung der Bau- sparkassengesetzgebung in der Richtung materieller Vorschriften über die Propagandaformen, die Geschäftsverfahren und die Sicherung der Sporgelder durch Festsetzung von Beleihungsgrenzen für Bau- sparhypothekcn überzeugt. Die Gesetzgebung muß den Sparer sichern gegen den Unfug der Wettspar- und Schnee ballsy st eme bei den meisten Bausparkassen, in denen stets der Kapitalstärkere vor seinen ärmeren„Spargenosscn" siegt und den letzten die Hunde beißen: sie muß mit den langen Spar- und Wartezeiten, die jetzt bis zu 68Jahren(!) gehen, aufräumen und damit das Lotterie- spiel um Baudarlehcn, auf dem jede Bausparkasse beruht, ein- dämmen. Sie muß zugleich durch Borschriften über die Propaganda- formen der Bausparkossen Sicherungen gegen die Verführung von Baulustigen durch die maßlosen Versprechungen der Bausporinstitute und ihrer Vertreter schaffen. Rur so können die Sparer vor ihren eigenen Illusionen und vor der Spekulationswut, die viele zum Abschluß eines Bausparvertragcs veranlaßt, geschützt werden. K. Brocksclimidt. Neue Brücken AEG.-Giemens Badiokonzentration in Deutschland. In diesen Tagen verhandeln Siemens. AEG. und die Telefunten- Gesellschaft über eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet des gesamten Nachrichtenfunk- und Rundfunkwesens. Die Telefunken-Ke- s e l l s ch a f t soll die gesamten Laboratoriums- und Entwicklung»- arbeiten bei sich konzentrieren und auch den Vertrieb der Funk- gerate und-einrichtungen übernehmen, die von Siemens und der AEG. hergestellt werden. Eine derartige Vereinbarung würde aus der Telefunken-Gesellschaft etwa das machen, was in den Vereinigten Staaten die Radio Eorporation ofAmerica ist. Die Telefunken-Gesellschaft, eine gemeinsame Gründung der AEG. und des Siemens-Konzerns, ausgestattet mit einem Aktien- kapital von nur 2 Millionen Mark, ist im Besitz der w i ch t i g st e n Patente auf dem gesamten Gebiet des Funkwesens. Diese monopolartige Stellung verschasst«'der Gesellschaft große Gewinne, von deren Höhe in der Oesfentlichkeit ebenso wenig etwas verlautet, wie etwa von den Gewinnen des Glühlampengeschäfts. Die Lage der aus dem Rundfunkgeräte- und Röhrengcbiet arbeitenden Kon- k u r r e n z s i r m e n würde durch die jetzt vorgesehene Konzentration des Vertriebs bei der Telefunken-Gesellschaft noch schwieriger werden. Diese Vereinbarung würde eine neue Brücke zwischen Siemens und der AEG. schlagen. Außer der Telesunken- Gesellschaft gibt es bereits eine Reihe gemeinsamer Unternehmungen, in denen die Interessen beider Konzerne konzentriert sind. Derartige Unternehmungen sind die O s r a m G. m. b. H. für das Glühlampengeschäft(Beteiligung je 33V3 Proz.), Vereinigte Eisenbahn- S i g n a l- W e r k e A.-G. für da» Eisenbahnsignalwesen(Beteili- gung der AEG. 33'/! Proz., Siemens unter 50 Proz.), Vereinigte Lausitzer Glaswerke A.-G. in Wcißwasser(Beteiligung je etwa 25 Proz,), Deutsche Fernkabel G. m. b. H.(je unter 25 Proz.) und die Deutsche Vetriebs-Gesellschaft für drahtlose Tclegraphie(Beteiligung je 25 Proz.). Die»er- stärkte Konzentration der Jytcressen auf dem Fimkgebiet würde darauf hindeuten, daß auch auf anderen Gebieten«ine Fortsetzung der Jntercssenzusommenlegung auf Spezialgebieten zu erwarten ist. In den Vereinigten Staaten wurde zu Beginn de? Jahres 1930 die Radio Corporation o f Zl m e r i k a, die bis dahin den Vertrieb der Funkgeräte der beiden großen Konzerne General Electric und Westinghouse innegehabt hatte, auch zur gemeinsamen Fabrikationsgcsellschaft gemacht: beide Firmen gaben gleichzeitig ihre Funkgerätefabrikotion aus. Ucber 51 Proz. des Aktienkapitals der Radio Corporation wird von den beiden großen Konzernen be- herrscht. Spekulaiionsprofiie! Die Terrain-Gesellschaft am Teltow-Kanal Rudow-Johannisthal A.-G. beschwert sich in einer Zu- schrift an uns, daß unsere in Nr. 230 gegebene Bilanztritik die Lage der Gesellschaft.zu rosig dargestellt habe. Zwar werden unsere Be- rechnungcn in keinem Punkte beanstandet. Aber die Gewinne seien „rein rechnerisch", nicht effektiv, nämlich nur eine Folge der scharfen Kapitalzusammenlegung nach der Inflation, die im Verhältnis 50: 3 erfolgt sei. Die Zuschrift verschweigt aber, daß von 1913 bis 1924 der Grundstücksbesitz sich von 3,94 aus 1,25 Millionen Quadratmeter, also auf weniger als ein Drittel verringerte. Wenn also bei der Gold- markumstellung eine Unterkapitolisierung stattfand, dann nur im Verhältnis 16: 3, nicht ober im Verhältnis 50: 3. Nun hätten wir allerdings gerne gewußt, weshalb die Gesell- schast damals ihr Kapital so scharf zusammenlegte. Vielleicht war die Bewertung 1924 richtig. Ist aber seit 1924 die von uns berechnet« Wcrtsteigerung etwa nicht eingetreten?(Daß ein« Wertsteigernng durch die Neuausstellung des Bebauungsplans eingetreten ist. hat die Gesellschaft durch die Gcländeabtretung an die Stadt ja selbst be- stätigt!) Selbst wenn die Unterbewertnng des Bodenbesitzes und die Herabsetzung des Kapitals sich zur Zeit(die Bodenwcrtsteigerung wird sich fortsetzen!) nur ausglichen, dann ist der Hinweis erlaubt, daß die Gesellschaft ihr Vermögen unversehrt über die Inflation gebracht hätte im Gegensatz zu ollen Besitzern von Forde. rungen, im Gegensatz auch zu Besitzern von bebauten Grundstücken, die nachträglich ihre Jnflationssteuer in Form der Hauszins- fteuer wenigstens teilweise zu entrichten haben. Schlechtes Lahr für wen? 6% Bheinstahl-Oividende.— Belegfchastsabbau um 35% Das Ende März abgeschlossene Geschäftsjahr 1930/31 der Rheinischen Stahlwerke A.-G., Essen, wird im Ge- schäftsbericht als das schlechteste seit Bestehen des Kohlen- Syndikats bezeichnet. In der Tat ist der Gesamtumsatz van 103,2 Millionen Mark im Jahre 1929/30 auf 74,74 Millionen Mark in dem abgelaufenen Jahr, also um 27,5 Proz. zurückgegangen; mengenmäßig war der Rückgang allerdings wegen der Preissenkung nicht so stark. Die Abgabe von Kokereigas und elektrischer Energie erhöhte sich sogar etwas. Der Rohgewinn ist weniger stark als der Umsatz, von 20,15 auf 15,09 Millionen Mark, also um noch nicht 25 Proz., ge- funken. Allerdings ist nach dem Bericht der Gewinn aus den Kohlenbetriebcn stärker zurückgegangen, so daß die Ein- nahmen aus den Beteiligungen sich auf der alten Höhe gehalten hoben müssen. Der Reingewinn ist infolge niedrigerer Ab- schreibungen um 20 Proz. gesunken, von 12,55 auf 10,07 Millionen Mark; dementsprechend wird eine Dividende von 6(nach 7,3) Prozent auf das Kapital von 142,95 Millionen(daneben bestehen Borratsattien in Höhe von 7,95 Millionen) verteilt. Für die Aktionäre ist das Ergebnis also durchaus nicht so schlecht: die Herren Aufsichtsräte haben im Vorjahr freiwillig auf einen Teil ihrer Bezüge verzichtet, bekommen aber durchschnittlich jeder 10 000 Mark— für schlechte Zeiten genug— für eine Nebenbeschäftigung! Aber bei der Belegschaft sieht die Sache anders aus— ihre Zahl wurde stärker vermindert als der Reingewinn, Rohgewinn und Umsatz, nämlich um volle 35 Proz. Das ist der beste Beweis, wie stark Ration a'lisierung und Mechani- s i e r u n g fortgeführt wurden: der Wert der Kohlengruben erscheint daher auch von 106,2 auf 111,2 erhöht. Damit nicht genug, die in Arbeit gebliebenen Arbeiter mußten durch die eingelegten Feier- schichten eine Kürzung ihres Lohnes um 13 Proz.(außer der 6prozcntigen ob 1. Januar) sich gefallen lassen. Fürwahr ein mise- rables Jahr für die Arbeiterschaft! Schon die Verbesserung der Anlagen zeigte, daß die Rheinischen Stahlwerke trotz der Krise über beträchtliche Kapitalsummen verfügen. Man konnte den Besitz an eigenen Aktien, an Aktien der Vereinigten Stahlwerke und der I. G. Farben so vergrößern, daß das Konto Beteiligungen von 105,6 auf 120,6 Millionen sich erhöhte. Da» bedeutendste mitteldeutsche Kohlenunternehmen, die A. Riebeckschen Montanwerke A.-G., ist jetzt mit fast dem dem ganzen Kapital im Besitz von Rheinstahl. Die I. G. Farben hat ihren Besitz an Rheinstohl-Aktien weiter vergrößert, so daß sie jetzt über mehr als die Hälfte des Kapitals verfügt. Sic hat dadurch den Vorteil, ihren ganzeü Kohlcnbcdarf als W c r k s s e l b st- verbrauch decken zu können: darauf ist nämlich nur der er- m ä h i g t e Umlagesatz des Kohlensyndikats zu zahlen. Die politisierte Oiskontfrage. Schwache Neichöbonkbelastung zum Maiende. Di« Reichsbank wurde zum Moiultimo recht wenig sn Anspruch genommen: die Wechselbeständc stiegen um 361 auf 1791,4, die Lombarddarlechen, um 100 auf. 167,2 Millionen, Reichsschatzwechsel... werden rund 25 Millionen neu ausgewiesen. Der Geldmarkt blieb flüssig, was sich auch aus der geringen Abüahmc der fremden Gelder auf Girokonto um 21 auf 353,3 Millionen ergibt. Der Nstenumiaus stieg um 548 auf 4299,1, der Umlauf an Rentenbankscheinen um 30 auf 422,7 Millionen. Das Deckungsverhältnis wurde weiter vcr- bessert. Die Deckungsdevisen nahmen zwar um 10,4 auf 186,2 Mit- lionen ab, dafür stiegen die Goldbestände um 10,9 auf 20 390,3 Millionen. Durch Gold und Devisen waren die umlaufenden Noten Ende Mai mit 59,9 gegen 68,4 Proz. gedeckt, so daß dix gesetzlich vor- geschriebene Deckung um 50 Proz. überschritten blieb. Eine Diskontsenkung ist immer noch nicht eingetreten. Gewiß hat die Reichsbank den Druck auf die Reichsmark, der durch die ausländischen Kreditkündigungen in Zusammenhang mit' den Vorgängen in Wien und Prag und vielleicht auch durch politische Finanzmanöver von Paris aus vorübergehend eingetreten ist, zu berücksichtigen. Man gewinnt aber je länger, desto mehr den Ein- druck, daß auch außenpolitische Momente in der Diskont- Politik der Rcichsdank eine wachsende Rolle spielen, und zwar derart, daß die volkswirtschaftlichen Notwendigkeiten stärker ver- nachlässigt werden, als es die Situation auf dein Geld- und Devisen- markt rechtfertigt. Auch die außenpolitische Entwicklung kam dadurch nicht gefördert werden. Schwarzer Tag in New �ork. An der New-Porker Börse erfolgte am Montag ein neuer schwerer Kurssturz. Bei den Jndustrieaktien find die niedrigsten Durchschnittskurse seit 1925 erreicht worden. Der seit etwa vier Wochen beobachtete Kursrückgang auf allen internationalen Börsen, der ein deutliches Zeichen dafür ist, daß die wirtschaftliche Depression in der Welt immer noch nicht überwunden ist, vielleicht sogar ihren Tiefstand noch nicht erreicht hat, dürste durch die New- Torker Vorgänge eine weitere Verstärkung erfahren. Dabei ist bemerkenswert, daß anä�die festverzinslichen Anleihen, die in Krisen- zeiten eine Tendenz zur Kurssteigerung haben, von dieser inter- nationalen Börsenboisse stark in Mitleidenschaft gezogen sind. Das gilt auch für die deutschen Dollaranleihen, deren Kurse in New T0rE in den letzten vier Wochen ständig stark sanken. „Seine Feier ohne T/.eycr"— 6 Proz. Dividende. Der Abschluß der Hermann Meyer u. Co. Ä.- G., Berlin, rechtfertigt die Meinung, daß in heutigen Krisenzeiten doch auch einige Feiern ohne„Meyer" begangen werden. Im Geschäftsjahr 1930 betrug der Bruttogewinn nur 1,54 Millionen gegen 1,68 Millionen im Jahre 1929. Da die Unkosten sich noch erhöhten, ging der Rein- gewinn von 0,39 auf 0,20 Millionen zurück, aus dem diesmal nur 6 Proz. gegen 12 Proz. Dividende im Vorjahr(auf 2,8 Mil- lionen) gezahlt werden. Kassenbestände und Bankguthaben blieben aber mit 0,59 nach 0,88 Millionen immer noch recht ansehnlich. Der Absatz van Spirituosen, Wein und besonders von Mineralwasser ist zurückgegangen, der von Frucht- und Gemüsekonserven und Lebens- mittel» konnte gesteigert werden. Qerhari Jierrm. niosinr: Ais Sifrc/fcrkröfe Die Geschichte mit der Kröte begann für uns in der Silvester- nacht, als wir gleich noch zwölf Uhr von draußen, wo wir den Kiefern ein frohes Neujahr zugslärmt hatten, wieder hineinstürmten ins Haus, faß sie in der Feststube an der Schwelle. An der Schwelle der Stube und an der Schwelle des Jahres zugleich, als fein erster, jäher, sonderbarer und häßlicher Eindruck eine Kröte..., nun, mit dem Tier, das aus der winterlichen Erde, aus dem winterlichen Schlummer gekommen fein mußte, stieg in uns allen der Aberglaube herauf: der schläft ja nicht mal sa fest im Winter dieser sachlichen Zeit wie so ein Reptil: er gewann in jedem von uns eine andere Gestalt, aber wir stritten bald darüber, ob eine Kröte zu Neujahr Glück bringe oder Unglück. Natürlich lächelten wir, fanden auch nach vielem Raten eine glaubhafte Erklärung für die plötzliche Er- fcheinung: es waren vor einer halben Stunde Kohlen aus dem Keller geholt worden, in diesem Keller hatte sie wohl den Winter ver- bringen wollen und war versehentlich mit hinaufgenommen worden in die festliche Menschenwärme und darob erwacht. Ein Rusie küßte sie, das bringe Glück, behauptete er— und trug sie dann wieder in den Keller hinunter, während wir anderen noch schwankten, ob wir nicht vorsichtshalber den Kuß nachahmen sollten oder nicht: das heißt offiziell schwankte natürlich keiner, es wäre zu lächerlich ge- wesen, und nur die Furcht vor der Lächerlichkeit läßt uns ja sicher erscheinen beim Hingehen oder Hingewehtwerden über die allzu kühn gewölbte Brücke dieses Säkulums____ Wir einigten uns vielmehr darauf, daß die Kröte erstens nichts zu bedeuten habe und zweitens dem Aberglauben nach Glück bringe, und dann redeten wir nicht mehr davon; ich weiß aber aus manchem Geständnis, daß seither jeder von uns bei einem unerwarteten Zufall des Pechs oder Glücks automatisch an die Silvesterkröte denkt. Indessen war unser Eingriff in das Krötenlebcn größer ge- wesen als der ihre in das unsre. Der zufällige Schub der Schaufel hatte sie aus der Kühle in die Wärme und also aus dem Schlaf in das Wachen gebracht: ober der Rücktransport in den Keller brachte ihr nicht den neuen Schlaf. Der seltsame Zustand, den die Natur als einzige Waffe gegen den nahrungslosen Winter ihr ermöglicht hotte, war unterbrochen worden: die im Herbst ausgesparten Kräfte reichten nicht aus für einen neuen Beginn. So mußte sie versuchen, zu wachen, wachend zu warten aus die Wärme des neuen Früh- lings— versuchen also, Nahrung zu finden. Ihre schönen, tief- braunen Augen mit dem goldenen Ring, in denen alle Schönheit dieses scheußlich behauteten, schwerfälligen Schleimkörpers gesam- melt schien, suchten sich durch das Halbdunkel des Kellers: mit leisem Schlurfen zogen sich die halberstarrten, plumpen Beine über die feuchtkalten Steine: und dem vielfältigen Jnseltenleben da unten er- wacht« ein furchtbarer Feind. Damals, im Herbst, als die erste Frostnacht den Saft in den weißfleischernen Leibern der Käfer und Spinnen hotte erstarren lassen, gleichsam ein probender Griff aus der Faust des Todes: da- mals hatte die große Flucht der Insekten begonnen, die Flucht ums Leben. Der Herbst war nichts als ein einziger Kampf, ein ein- ziges verzweifeltes Suchen nach Orten der Wärme und der Stille: zwischen Rinde und Holz hatten diese sich geborgen, zwischen Feld- stein und Erde jene: und«in ganzes Volk winzigen, hilflosen Lebens hatte sich in unseren Keller gestürzt, der ja mitten im Walde log, wie wartend auf solchen Besuch. Zu den Mücken, die bloß und schmal im zersprungenen Putz der Decke hingen, zu den Ohr- würmern, die in den Mauerritzen schliefen, hatten sich unzählige kleine Spinnen gesellt: die waren mit dem Brennholz, gekommen. das ich im November aus dem Freien hinunterbringen ließ: und zuletzt war auch noch die Kröte vom Fenstersims auf den Böden geplumpst und hatte sich zwischen den Kohlen verkrochen. Und nun schliefen sie alle: ganz, ganz langsam nur zogen die Säfte durch die starren Körper, in einem ernsten und feierlichen Rhythmus atmeten die Leiber, ganz, ganz langsam nur nahm der Borrat an Fett ob, der im Sommer gesammelt worden war. Es war der Frieden im Keller, der zwischen Schlaf und Tod ist; aber der kalte Tod ging draußen vorbei und erreichte sie nicht. Im Anfang hatte es für die Spinnen wohl«inen anderen Tod gegeben: den hatte ich gebracht. Tag um Tag holte ich Holzscheite herauf und legte sie in den Ofen. Zwischen Rinde und Holz saß oft eine Spinne, und ich wußte es nicht. Einmal, als ich das Feuer anblies, sah ich es zufällig. Während die umliegenden Kienspäne schon brannten, stürzte plötzlich«in kleines graues Etwas, geweckt von der Wärme, getrieben nun schon von der Hitze, aus der Rinde hervor: es lief in wahnsinniger Hast das Scheit entlang, wich einer spitzen Flamme aus, auf die nächste, breite zu____ noch ehe die Flamme selbst es erreicht hatte, glühte die Hitze der Luft die dünnen jagenden Beinchen ab, der beinlose Körper rollte, eine sinnlose Kugel, die Rundung des Holzes ab und verging in der Glut... Bon jenem Tage an hatte ich mir die Mühe genommen, die Rinde jedesmal zu lösen und im Keller liegen zu lassen. Die Spinnen wachten nicht auf dabei. Seither war Frieden gewesen um das stumme Leben im Keller. Nun aber war die Kröte erwacht. Sie mußte leben, mußte Nahrung haben. Sie fand zuerst die Spinnen in der Rinde, die auf dem Erdboden lag. In ihrem Maul erwachten die Spinnen, halb zerbissen schon, für«ine kurze, entsetzliche Sekunde. Es konnte keine entrinnen, denn im Schlaf überfiel sie der Tod. Auch die Ohr- würmer, die den schweren Füßen, dem breiten Maul erreichbar waren, selbst die Mücken, Fliegen. Feldkäfer-- nicht für sie ging draußen die Zeit mit schleppendem Schritt von Frost zu Schnee und von Schnee zu Morast. Nur die Kröte kämpft« verzweifelt mit der unverständlich sinnlosen Gewalt, die den Rhythmus ihres langsamen Lebens zerstört und ihr die Eile der Todesangst auf- gezwungen hatte. An den Tagen verbarg sie sich, so daß ich sie nie bemerkte: die Nächte wurden kürzer, karger die Beute, faltiger das Häutchen zwischen Breitmaul und Ilachbauch, mühsamer das Ge- schleif der Füße über den Stein. Dann kamen Nächte, die waren so warm und voll eines be- kannten und lockenden Geruchs— die Kröte suchte das Freie. Sie fand es nicht. Aber dos Suchen machte sie so schlaff, daß sie eines Nachts kein Bersteck mehr erreichte. So entdeckte ich sie aus der Treppe noch oben. Ich nahm sie in die Hand, hauchte sie an: sie lebte. Ich be- griff noch nicht, was jener Schub mit der Schaufel, was jene Sil- vesternacht ihr angetan hatte, ihr und all dem Leben da unten im Keller. Ich sah nur, daß ihr häßlicher Leib trocken und saltig war wie der eines ölten Mannes, und mir schien, als fühle sie sich merk- würdig heiß an: aber das war sicher eine Täuschung. Die Augen waren trübe, der goldene Rand blind, ohne Glanz. Sie wollte aus meiner Hand fliehen, aber die Füße führten den Befehl ihres Hirns kaum aus. Draußen war ein blauer Himmel, noch mit Einschränkung blau, verdächtig feucht wie ein« eben gestrichen« Wand, aber es schien doch eine schon warme Sonne. In der Nacht zuvor waren mit ge- spenstischem Gekreisch die ersten Wildgäns« über unser Haus nach Norden gezogen, und der erste Zitronenfalter war am Morgen um das Fenster geflattert. Es mochte also sein, daß die Kröte schon leben konnte im noch halbwinterlichen Draußen: ich trug sie hinaus und setzte sie in die Sonne. Sie hockte lange da. Ihr Atem schien manchmal lange ganz auszubleiben, um sich dann in mehreren heftigen Stößen zu er- schöpfen. Die traurigen Märchcnaugen hotten einen verwunschenen Blick. Ihr gleichmäßiges Dahocken dauerte mir zu lange, und ich ging weg. Als ich wiederkam, nach zwei Stunden, hatte sie nur einen Holben Meter zurückgelegt, in den Schatten hinein. Da lag sie, sie saß nicht mehr— die Beine, waren unter dem Leib nach außen weg- gerutscht, der Köpf lag aus den Steinen, sie war tot. Gönz kurz vor dem ersten Schluck aus dem wieder bereiteten Trank der Wärme und des Lichts war sie zusammengebrochen: gerade zu diesem ersten Schluck hatte ihre arme Kraft nicht mehr gereicht. Die Geschichte hat für die Kröte selbst ihr End« schon gefunden. Die Silvestergäste werden noch bis zum nächsten Neujahr an sie denken, wenn sie dem Glück ins Gesicht sehen oder dem Unglück. Der erste, verfrühte Goldschmied hastet über den Weg, an der toten Kröte vorbei: das Gleichmaß des Werdens wird dos winzig« Loch vergessen machen, das menschliche Empfindsamkeit in die dünne Decke des Lebens gerissen hat. fr ich Qriiar: 3)iC Eine Jugenderinnenmg Auf dem gleichen Flur mit uns wohnten Steppkes. Die Frau wog wohl zwei Zentner und kam oft zu uns, um sich eine halbe Tasse voll Zucker oder was ihr gerade fehlte, zu leihen, aber es dauerte gewöhnlich zwei Stunden, bis sie fortrannte und rief:„Um .Himmelswillen, mein Mann kommt gleich, und ich Hab' noch kein Essen auf dem Feuer. Nicht, daß sie Angst gehabt hätte vor ihrem Mann, der, gut gerechnet, seine hundertzivanzig Psund wiegen mochte und aus der Hütte als Walzer beschästigt war, aber es steckt: eben doch ein gewisses Pflichtbewußtsein in ihrer als solche leicht er- kcnnbaren Brust. Und vielleicht auch ein Gedanke daran, daß ein Mann, der de» ganzen Tag vor der Walze gestanden, wenn er am Abend nach Hause kommt, Hunger hat. Uebrigens war Herr Steppke kein übler Mann: er war gewohnt, daß seine Frau das Essen auf den Ofen schob, wenn er kam, und da er müde war, wenn er kam, sagte er nur:„Reich mir die Pulle, Mutter, einen Dreck Hab' ich im Halse, muß ich mal wegspülen." Dann reichte Mutter Steppke ihrem Mann die Biertelliterflosche mit dem Münsterländer Korn. Das war das einzige, was Steppke vom Leben hatte. Jeden Abend einen Biertelliter Korn. Und wenn er sich auch über nichts auf- zuregen vermochte, wenn er nach Hause kam und seinen Korn nicht vorfand, regte er sich auf.„Was Hab' ich denn vom Leben", versuchte er zu brüllen,„nicht mal ein'n Schnaps gönnstc mir.* Und Essen ist auch nicht fertig." So kam es, daß Frau Steppke in erster Linie immer dafür sorgte, daß ihr Anton abends seinen schnaps hotte. Eines Tages nun, ich mochte damals neun oder zehn Jahre alt gewesen sein, kam Frau Steppke kurz vor sieben ganz aufgeregt zu uns.„Haben Sie Ihren Jungen da?" fragte sie meine Mutter. „Ja, was soll er denn?"„Ach, ich habe ganz vergessen, Hab' keinen Schnaps im Hause, wenn mein Mann kommt. Und ich kann auch nicht weg." „Na ja, denn kann er ja gehen."„Aber daß du mir nicht den halben Schnaps aussäufst", mahnte sie mich noch. Das wollte ich ihr gerne versprechen, denn den halben würde ich bestimmt nicht trinken, obwohl ich schon lange mal darauf brannte, zu probieren, wie Schnaps schmeckt. Ich bekam zwanzig Pfennige und zottelte los. Gleich an der Ecke war die Kneipe, zu der man mich geschickt. Der dicke Wirt zog das Schatterfenster hoch:„Na, Kleener, was willst« denn?"„Für zwanzig Pfennig Münsterländer Korn." Ich hatte die Mark« gut behatten. Der Wirt pumpte den Schnaps in die Flasche. Di« Flasche war nach nicht ganz voll, da begann er zu fluchen.„Minna", rief er, „Minna." Ein verschlamptes Mädchen kam aus der Küche,„'s is denn", rief sie. „Geh' mal in'n Keller. Sieh mal nach, was los is. Der Schnaps läuft nich." Minna schlurfte davon. Nach einer Weil« begann der Wirt � wieder zu pumpen, aber es lief immer noch nicht.„Muß ich runter, � neues Faß anstecken", brummt« er und blickte zu mir herüber. Er I mußte wohl glauben, daß ich nicht hinsehe odek was sonst war, jedenfalls ging er mit der Flasche zum Wasserkran und ließ sie voll laufen. „Da haste dein'n Schnaps", reichte er mir dann die Flasche rüber.„Und sauf'n unterwegs nicht aus." Dann ließ er die Schalterklappc sollen. Ehe ich jedoch die Kneipe verließ, löste ich den Korken und roch einmal an der Flasche. Das roch gut, und eh« ich noch richtig über- legte, was ich tot, hatte ich die Flasche am Hals. Ein kurzer Schluck, dann spuckte ich schon aus. Donnerwetter, das brannte. Ich schüttelt« mich, aber wie ich den Korken wieder aufsetzte, sah ich, daß ich ein ziemliches Stück getrunken haben mußte, jedenfalls mehr, als daß ich mich mit„knapp gemessen" hätte herausreden können. Run war Holland in Not. Abliefern konnte ich den Schnaps so nicht. Aber ich hatte nicht umsonst gesehen, daß der Wirt den Korn mit Waffer getaust, und so tat ich dann desgleichen. Wenn Frau Steppke was merken sollte, konnte ich ja immer noch erzählen, was ich gesehen. Mich würde man bei der Sache schon übergehen. Ich brachte den Schnaps nach Hause. Frau Steppke stellte ihn in den Küchenschrank, wo er jeden Abend stand, und gab mir zwei Pfennige. Zwei Pfennige waren damals üblich für eine Besorgung. Ich ging dann wieder an meine Schularbeiten, aber ich merkte bald, daß es mit mir nicht so war wie sonst. Plötzlich packte ich den Krempel zusammen und dachte mir, die kannst du morgen früh auch noch machen, da hörte ich, wie Frau Steppke in die Küche stürzte. Mir wurde plötzlich übel, aber ich wußte nicht, kam das von dem Schnaps, den ich getrunken, oder hatte das plötzliche Erscheinen der Frau Steppt« mich krank gemacht. Aber sie kümmerte sich gar nicht um mich. „So'n verrückter Kerl", schimpfte sie. „Was's denn los?" fragt« mein« Mutter. „Was los is? Verrückt ist der Kerl. Reine verrückt. Denken Sie mal an. Ich wollte doch meinem Mann das Schnopstrinksn abgewöhnen, un da Hab' ich wochenlang schon jeden Abend einen Schluck aus der Pulle genommen un Wasser zugegossen, nich. Er hat auch nichts gemerkt. Di« ganzen Wochen nich. Ich Hab' so immer jede Woche zwanzig Pfennig gespart. Ich Hab' nämlich den Schnaps, den ich rausnahm, verwahrt, un wenn ich genug hatte, Hab' ich keinen gekauft und ihm die Refter gegeben. Wenn man gut zukorkt, machl das den Schnaps gar nichts. Und es is ja auch nicht wegen die zwanzig Pfennige. Gott, er verdient's ja. Und er Hot auch nie was gemerkt, aber gerade heute muß er's merken.„Das soll Schnaps sein", knurrt er mich an, gleich als er den ersten Schluck getan hatte. „Wasser is das. Reines Wasser." Und meinen Sie, ich hätte ihn beruhigen können. Und dabei Hab' ich nur so'n ganz kleinen Schluck rausgenommen. Wissense, so'n ganz kleinen Schluck. Nich der Red« wert." Frau Steppke setzte ihre Litanei fort:„Und was dos Schlimmste ist", sagte sie,„er will hingehen zu dem Wirt und sich beschweren. Er hat ihn schon lange im Verdacht, daß er den Schnaps tauft, ehe er ihn verkauft, sagt er. Wenn ich ihn davon nicht abbringe, fall' ich nochmal rein. Dann gibt's erst richtigen Krach. Bis jetzt Hab' ich nämlich alles abgestritten." Ich hatte Mühe, daß ich nicht losplatzte, und ich verdrückte mich. „Ich geh' noch'n bißchen auf die Straße", sagte ich. „Aber bleib' nicht so lange", rief die Mutter mir nach. „Bin gleich wieder da", rief ich zurück und rutschte schon am Treppengeländer herunter. Frau Steppke kam in Zukunft nicht mehr so oft zu uns herüber. Sie hatte viel Aerger mit ihrem Mann, der, wenn er nach Hause kam, sein Essen verlangte. Mit Schnaps war er nicht mehr zu besänftigen, er trank das Wasser jetzt direkt aus der Leitung. Da hatte er es wenigstens frisch. Und das bekam ihm ganz gut. S>ie Sirahlen, die 3>iccard gemessen hal Wie der glückliche Stratosphärenbesucher Prof. Piccard selbst erklärt hat, bestand die Hauptausgabe, die er bei seinem kühnen Flug zu lösen unterndmmen, in der Messung der kosmischen Strahlung, und e? ist ihm geekückt, diese Strahlen in einer Höh« von 16 000 Metern nachzumessen. Bisher war dies nur bis zu einer Höhe von 9000 Metern erreicht worden. Was sind das nun für mertwürdige Strahlen, deren Messung in solcher Höh? iür die Wissenschost von so großer Bedeutung ist? Der Entdecker dieser kosmischen Ultrastrahlung, Prof. Mctor B. Heß. hat sich gerade jetzt in einem Aussatz der Frankfurter Wochenschrift„Die Umschau" über ihre Erforschung des näheren ausgesprochen. Die Erscheinung, die man zunächst bald Heß'sche Strahlung oder Höhenstrahlung, Weltraumstrahlung, Ultraaamnwftrahlung nannte und für die jetzt die Bezeichnung„Kosmische Strahlung" allgemein eingeführt ist, wurde 1911 vom Heß als eine Strahlung nachgewiesen, die vie: durchdringender ist als die bekannten Gomma-Strohlen der radio- aktiven Stoffe: er fand, daß diese neue Strahlung Tag und Nacht gleich wirksam ist, daß sie also in der Hauptsache nicht von der Sonne herkommen könne. Di« weiteren Forschungen haben diese Annohm« bestätigt und, wenn auch vieles noch ungeklärt ist, die hohe wissenschastliche Bedeutung der Strahlen erwiesen. Sie be- sitzen auch praktischen Wert, denn durch ihre Wirkung kommt auch bei Nacht in Höhen von 80 bis ZOO Kilometern eine gut elektrisch leitend« Schicht in der Atmosphäre zustand«, die eZ ermöglicht, unsere Rundsunknachrichten rund um den Erdboll zu senden. Die Inten- sität der Strahlung ist außerordentlich gering, und so bedarf es -einer äußerst verfeinerten elektrometrischen Meßtechnik, uns,-sie im Weltraum nochzuweisen. Dagegen ist ihr DurchdringungsoopmpLen ungeheuer groß, so daß es kaum einen wirksamen«chutz gegen die Strahlung gibt. Man hat sie im Bodens«« noch in 230 Meter Tiefe deutlich nachweisen können und zur vollständigen Absorption dieser äußerst harten Strahlen sind Schichtdicken von 20 bis 30 Meter Blei oder 300 Meter Wasser notwendig. Ueber den Ursprung der Strahlung läßt sich vorläufig nur sagen, daß sie wohl hauptsächlich von den Sternen kommen: Heß konnte nachweisen, daß ein kleiner Prozent- satz, etwa einhalb Prozent, von der Sonne stammt. Daraus kann man schließen, daß alle Fixsterne diese Strahlung abgeben, am meisten aber wohl die jüngeren Riesenstern«. Die Herkunft von den Ster- nen läßt sich deswegen annehmen, weil eine regelmäßig« periodisch« Aendening ihrer Stärke je nach der Stellung des Fixsternhimmels zu erfolgen scheint. Ueber di« vielen noch ungestörten Fragen, die dies« neue Strahlung ausgibt, dürften wir durch die Forschungen Piccards einigen weiteren Aufschluß erhalten. Sttuiregen Der Bolksmund weiß von einer � seltsamen Naturerscheinung zu berichten, die unter der Bezeichnung„B l u t r e g e n" bekannt ist. Es soll zu manchen Zeiten vorkommen, daß es Blut vom Himmel regnet, das den Häusern, Straßen usw. eine eigentümliche rote Färbung gibt. Die wissenschastliche Forschung hat. allerdings von diesem interessanten Naturereignis«ine ander« Auffassung. Es ist nämlich bei bestimmten Wetterlagen möglich, daß Sand- und Staubmassen vom Sturme ersaßt, emporgehoben und fortgetragen werden. Der Sturm rast mit diesem Staub über die Erde, und erst in einem Abstand« von Tausenden von Kilometern sinken die Massen wieder zu Boden. Dieser Niederschlag erregt bei den Beobachtern natürlich nicht geringes Erstaunen, besonders, wenn der herunter- kommende Sand und Staub«ine auffallende Färbung hat. Häufiger aber werden die Staubteilchen durch Regen oder Schnee aus der Lust herausgewaschen. Im Hinblick auf die rötliche Färbung eines solchen Regens spricht man dann von„Blutregen". Bor wenigen Iahren ereignete sich dieses nicht alltäglich« Natur- ichaufpiel in der italieinschen Stadt Bordighera an der Mittelmeer- küst«, nahe der französischen Grenze. Dort ist in großen Mengen ein roter Regen gefallen. Das Ttraßenpttaster, die Gärten und Becker, die.Hausdächer, alles überzog sich mit einem rotbraunen Niederschlag, der nach dem Trocknen lochsfarbig aussah. Der Blut- regen dauert« mehrere Stunden und war von einem Strome heißer und feuchter Luft vom Osten begleitet. G. H. Bryan hat diesen Staub mikroskopisch untersucht. Nach seiner Beröffentlichung in der englischen Zeitschrist., Natur«" handelt e, sich bei diesem merk- würdigen„Regenfall" um Wüstensand aus der Sahara. Ein ahn- sicher Staubfall spielte sich in der Zeit vom 9. bis zum 12. Mär; 1901 ab und wurde von den Meteorologen Hellmann� und Meinardus sorgfältig»�rtersucht. Damals hat der Sturm im Sudan und in der Sahara gewaltige Staubmassen«mporgewirbelt und mit einer Geschwindigkeit von 20 Metern in der Sekunde nordwärts getragen. Man schätzt, daß von diesen Staubmassen damals 1,8 Millionen Tonnen auf Europa und etwa ISO Millionen Tonnen auf Afrika niedergegangen sind. Da» größte Amphitheater der Welt ist das ehemalig« Kolosseum in Rom, das bis zu 50 000 Zuschauer saßt«. Di« Feierlichkeiten anläßlich seiner Einweihung dehnten sich auf 100 Tage au». Dabei wurden 3000 wilde Tiere getötet. Ttr. 253* 45. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, Z. Juni 4934 Oer Kampf um die Fraktionspolitik. Grundsätzliche Aussprache auf dem Parteitag. Leipzig, 2. Juni.(Eigenbericht.) Am Beginn der Nachmittagssitzung des Parteitages stellte hammer-Ludwigshafen als Vorsitzender für die Bezirksorgani- sotion Pfalz zunächst fest, daß der frühere Reichstags- abgeordnete Iakobshagen, der nach einer Mitteilung des Ludwigshafener kommunistischen Blattes am Montag in einer kommunistischen Versammlung erklärt hat, daß er auf Grund der Haltung der Opposition auf dem Parteitag zu den Kommunisten übergegangen sei, bereits seit zwei Wochen mit einem von der KPD bezahlten Auto in der Pfalz herumgefahren ist und Organi- sationen bzw. Einzelmitglieder zum Abfall von der Partei zu be- wegen versucht hat. Dem gegen ihn schwebenden Ausschluß- verfahren ist Iakobshagen durch seinen Austritt nur zuoorge- kommen. Wie man die Qualitäten dieses Ueberläufers in der Pfalz eingeschätzt hat, beweist die Tatsache, daß seine Kandidatur zum Reichstag bei der letzten Wahl mit überwiegender Mehrheit a b- gelehnt worden ist. Zur Debatte über die Referate Vreitscheid und Sollmann wird auf Vorschlag Wels' beschlosien, nach dem üblichen Brauch ab- wechselnd einen Redner für und einen gegen die Fraktionspolitik zu Worte kommen zu lasien. Zunächst spricht mit einer Redezeit von einer halben Stunde Gepdewitz-Zwickau (von den Tribünen mit Beifall empfangen): Uebereinstimmend mit Sollmann kann ich feststellen, daß die sozialdemokratische Fraktion gegenwärtig in einer so schwierigen Lage ist, wie sie frühere Fraktionen nie zu meistern hatten. Hieraus ziehe ich die Konsequenz, daß man die Entscheidungen nicht einfach mit schwarz und weiß beurteilen kann. Die Frottionsmehrheit hat sich soviel auf ihr V e r- antwortungsbewußtsein zugute getan. Unter Berufung auf die Voraussetzung guten Glaubens, die Sollmann getroffen hat, erkläre ich, daß die Minderheit genau so verantwor- tungsbewußt gehandelt hat wie die Mehrheit der Fraktion. (Beifall auf den Tribünen.) Gemeinsam mit Sollmann treffe ich auch die Feststellung, daß es bei der Entscheidung um den Panzer- kreuzcr nicht, wie er formuliert hat, um die paar Millionen ging, nicht um einzelne nebensächliche Fragen, sondern daß auch die Minderheit diese Einzelfragen im Zusammenhang mit der Gesamt- Politik der Fraktionsmehrheit beurteilt hat. Auch unsere Eni- scheidung ist erfolgt auf der Basis der gesamtpolitischen und gesamt- ökonomischen Loge. Ich kann die wirtschaftliche Situation jetzt nicht ausführlich dar- stellen, aber die Vertreter der Froktionsmehrheir haben in zahl- reichen Versammlungen den Parteigenossen gesagt, in Zeiten der guten Konjunktur sei die Arbeiterklasse im Vormarsch, jetzt aber hätten wir Krise und schlechte Konjunktur, jetzt sei uns der Zwang auferlegt, abzuwarten und auszuweichen, durchzuhalten, bis die wirt- schaftliche Konjunktur sich wieder bessert und wir wieder zur Offensive übergehen können. Dieser Gedankengang ist logisch, aber die Ge- nassen im Lande fragen: wann tritt der Zeitpunkt der neuen Offensive ein? Und da will ich nur den einen Satz aus Tornows Referat zitieren:„Ich glaube, daß der Kapitalismus die Krise über- winden wird, aber ich kann nicht sagen, wie und wann." Wenn auch Sachkenner und Theoretiker so denken, muß man daraus die prak- tischen Schlüsse für die ganze Politik ziehen. Die bisherige. Taktik glaubte, daß wir in naher Zukunft über die Krise hinwegkommen. Ist das aber nicht der Fall, dann muß die Verzweiflungs- ftimmung der Massen wachsen, je weiter wir den Wieder- beginn der Offensive hinausschieben. Zu» Ungewisse verlängert muh das Abwarten und Ausweichen den Elan und die Begeisterung der Massen töten, wenn dann in unabsehbarer Zeit der Kampfruf erschallt, wird Zaghaftigkeit und Gleichgültigkeit die Aktion hemmen. Tornow sagte weiter, er und wir hätten kein Generalrezept, um aus den Schwierigkeiten herauszukommen. Bei dieser Frage müssen wir aber beachten, daß unsere kapitalistischen Klassengegner für sich ein solches Rezept haben. Sie gehen zielbewußt den Weg, um für sich die Krise zu überwinden, sie wollen über die Schwierig- keiten hinwegkommen auf Kosten der Arbeiterklasse, dadurch, daß sie alle Lasten dieser Krise auf die Arbeiterklosse abwälzen. Ich bin überzeugt, daß der herrschende Monopolkapitalismus nicht daran glaubt, daß er sein Klassenziel bis zuletzt auf dem Wege der Demo- lratie erreichen kann und weil er mit der Möglichkeit rechnet, andere Weg« zur Durchsetzung seiner Ziele zu gehen, hat er sich die faschistische Bewegung geschaffen.(Sehr richtig! bei der Mehrheit), um im gegebenen Augenblick mit brutaler Gewalt das Ziel zu verwirklichen.(Sehr richtig! bei der Mehrheit.) Ich hoffe, daß Sie auch die Schlußfolgerungen, die ich daraus ziehen werde, ebensowenig bestreiten werden. Di« Schlußfolgerung aus dieser Fest- stellung ist: es ist dem Kapitalismus bei der Verfolgung seiner Slasseninteressen vorgeschrieben, sich eine, Tages mit den Ralionalsozialisten zu verbrüdern gegen die Arbeiterklosse. Und in diesem Zeitpunkt wird die Arbeiterklasse in ihrem Abwehr- kämpf einzig und allein auf ihre eigenen Kräfte angewiesen sein. Darum sagen wir, mit der Politik des Ausweichens schwächen wir die Position der Arbeiterklasse für den Zeitpunkt, an dem sie allein auf ihre ganze Kraft angewiesen ist. Sollmann hat gesagt, es gibt für uns Grenzen der Tolsrie- rungspolitik. Nach unserer Meinung war diese Grenze erreicht bei der Entscheidung über den Panzerkreuzer. Wenn die Regierung in einem Punkte der Sozialdemokratie Konzessionen machen wollte, so tonnte sie es in b i e s e m Punkte. Denn als im Oktober und im Dezember über die Notverordnungen abgestimmt war, Ist uns gesagt worden, diese Notverordnungen müssen geschluckt werden. denn darin seien die finanzpolitischen und sonstigen Maßnahmen enthalten, bei deren Ablehnung die Gehälter der Beamten und die Arbeitslosenunterstützung nicht be, zahlt werden können, und dann komme die Katastrophe. Ich frage: hat die Regierung die Bewilli- gung des Panzerkreuzers auch gebraucht, um die Gehälter usw. auszuzahlen? Die Panzerkreuzerfrage ist nicht eine Frage der Sloalsraison gewesen, sie war keine Lebensfrage für die Regierung in dieser Rotzelt, und wenn die Regierung Brüning in dieser Frage uns keine Zugeständnisse machen wollte, so wird sie auch in allen anderen für die ArbeilerNalse wichtigen Fragen keine Zugestand. nisse machen. (Zuruf: Sie hat sa Zugeständnisse gemacht!). Man sagt, wenn wir den Panzerkreuzer abgelehnt hätten, wäre die Regierung Brüning zurückgetreten. In diesem Argument liegt ein Widerspruch. Aus der einen Seit« erklärt man uns, diese Politik der Tolerierung habe dw« geführt, die Nationalsozialisten zu isolieren, es sei aelungen, die" Regierung Brüning al» Schutzwall gegen die Nationalsozialisten auszustellen. Wenn ober die Regierung Brüning ein Schutzwall gegen den Faschismus ist und Kampfabsichten gegen die Faschisten hat, muh sie auch ein Interesse daran haben, daß der stärkste Wall gegen den Faschismus, die Sozialdemokratie, nicht geschwächt wird; da hätte sie der Sozialdemokratie in der Panzerkreuzerfrage entgegenkommen müssen bzw. hätte die Sozialdemokratie diese Kon- Zession von der Regierung Brüning fordern können. Wenn man aber sagt, hätten wir diese Konzession gefordert, so wäre eine Regierung mit den Nationalsozialisten gekommen, so besagt das eben, daß die Regierung Brüning kein Schutzwall gegen die N a t i o n a( s o z i a l i st e n ist, wir aber können nicht Männer stützen, die morgen mit den Nationalsozialisten zusammengehen. WM Während der Ferien- und Reisezeit ■ Kann der„Vorwärts" und der„Abend" auf jede Daner allerorts bezogen werden Touristen und Wanderer ■ fordern das Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutsch lands bei den Bahnhofsbuchhandlungen, Zeitungs- Kiosken, Buchhandlungen und sonstigen Verkaufsstellen. Sommerfrischler lassen sich den„Vorwär's" bei einer Aufenthaltszeit bis zu einer Woche per Kreuzband nachsenden Das Porto beträgt wochentass 10 Pf., Sonntags 15 Pf.(pro Woche 70 Pf). Bei längerem Aufenthalt ist der „Vorwärts" auf dem billigeren Wege der Postüberweisung zu beziehen, welche die Hauptexpedilion vornimmt In diesem Falle kommen zu dem Abonnementsbetrage nur die Postbestellgebühren von 72 Pf pro Kalendermonat. Wenn Nachsendung der Zeitung gewünscht wird, ist die in Frage kommende Ausgabestelle oder die Hauptexpedition des„Vorwärts", Berlin SW 58, LindenstraBe 3, möglichst eine Woche vorher zu benachrichtigen. Laubenkolonisten wird der„Vorwärts" durch Boten zugestellt Genaue Bezeichnung der Laube ist erforderlich. Postabonnenten i müssen die Nachsendung unter Beifügung von 50 Pf. in Marken mindestens 2 Tage vor dtr Abreise schriftlich bei der Zustell- Postanstalt beantragen W._ Barlin SW 68, LlndsnstraBa 3 vorwarrs- Verlag Fernsprachar D8nho« 292-297 Ich glaube, daß die Entwicklung seit der Abstimmung über den Panzerkreuzer unserer Ausfassung recht gegeben Hat. Wir Haben in der Steuerfrage keinerlei Entgegenkommen er- reicht, wir Haben dem Etat zugestimmt, aber acht Wochen später stehen wir vor einem neuen Defizit von 1% Milliarden. Wie wird Brüning dieses neue Defizit decken? Sollmann hat gemeint, wir könnten zu den neuen Notverordnungen nicht Stellung nehmen, ehe wir nicht den Wortlaut haben. Aber in zwei bis drei Tagen werden sie-endgültig fertig sein, noch ehe der Kanzler nach England fährt. Und da solle man zwei Tage vor dem endgültigen Abschluß der stärksten Partei des Reichstages nicht sagen können, was in den Notoerordnungen steht? Die Sozialdemokratie hätte die Pflicht gehabt, zu fordern, daß dieser Parteitag die Möglichkeit zur Stel- lungnahme hat. In der letzten Fraktionssitzung haben wir eine Entschließung angenommen, die ein großer Teil der Fraktion schärfer formuliert wissen wollte. Da hat uns Breitscheid erklärt, wir dürsten dem Parteitag nicht vorgreifen. Jetzt erzählt man dem Parteitag, er dürfe keine Entscheidung treffen, das werde hinterher die Fraktion tun(Unruhe). wir wissen von den Rolverordnungen genug, um ohne den Wortlaut entscheiden zu können, wir wissen, daß die Leistungen der Arbeitslosenversicherung erheblich herabgesetzt und die Leistungen an die Wohlfahrtserwerbslosen stark gekürzt werden. Da hat der Parteitag die Pslichl, zu sagen, daß mit der weiteren Verschlechterung der Sozialversicherung die Grenze der Tole- rierungspolitik erreicht ist. (Beifall, besonders auf den Tribünen.) Das Ziel der Politik der Fraktionsmehrheit ist in den letzten Monaten gewesen, die National- sozialisten von der Regierung fernzuhalten und zurückzudrängen. Für dieses Ziel haben wir alle Opfer gebracht, aber die letzten Wochen haben uns bestätigt, daß es n i ch t gelungen ist, die National- sozialisten zurückzudrängen und die Gefahr ihres Eintritts in die Regierung ist größer als jemals. Sollmann hat wieder einmal ge- fragt, welchen Weg wir denn der Arbeiterklasse weisen wollen, wenn wir den Sturz Brünings herbeigeführt haben. Ich möchte eine Gegenfrage stellen(Heiterkeit!): Sollmann hat zuaegeben, daß die bürgerlichen Parteien uns in eine andere taktische Situation hinein- zwingen können. Welchen Weg wollt Ihr denn dann gehen? Dann seid Ihr gezwungen, denselben Weg zu gehen, den wir freiwillig einschlagen wollen. Oder glaubt Ihr, dann wäre der Himmel ein- gefallen und die Arbeiterbewegung nicht mehr? Die Sozialdemo- kratische Partei muß damit rechnen, daß sie von der Regierung Brüning in die Ovposition gezwungen wird. Dann muß sie den Weg gehen, den wir für richtig halten. Wir fürchten, die Arbeiterschaft wäre sonst nicht mehr kampffähig(lebhafter Widersvruchis. Ja, warum denn dann diese Angst vor den Nationalsozialisten?(Leb- hafter Beifall auf den Tribünen!). Der Sinn unserer Abstimmung im Reichstag war. die Grenze der Tolerierung zu zeigen. Wir freien nicht reumütig vor den Parteitag: wir sind von der Richtigkeit unserer Auffassung überzeugt. lBeifall). Ob uns die Mehrheit morgen niederstimmt, die Entwick- lung wird schon in den nächsten Wochen die Kesamtpartei auf den Weg zwingen, den wir gehen wollten. Nicht Leichtfertigkeit und Verantwortungslosigkeit hat unser Handeln be- stimmt, sondern die Sorge um die Partei und um die Arbeiterbewegung, die Sorge um die E i n h e i t der Partei!(Wider- spruch und Unruhe, stürmischer Beisoll, besonders auf den Tribünen). Toni Sender: Sendewitz hat geklagt,«s sei uns nicht gelungen, den Faschismus zurückzudrängen. Di« ungeheure Demonstration am Sonntag hat bewiesen, daß die deutsch« Arbeiterklasse nicht g-e- willt ist. freiwillig dem Faschismus das Feld zu räumen. Trotz der Tolerierungspolitik sind wir seit dem M. September erstarkt. Es war gewiß eine der schwersten Entscheidungen im Leben der Partei, eine Regierung zu tolerieren, die wir auf; schärfste be- kämpft hatten und weiter bekämpfen müssen. Aber andernfalls hätten wir dem Kapitalismus neue Waffen in die Hand gegeben. (Sehr wahr.) Eine andere Haltung nach dem 14. September hätte alsbald die saschistische Diktatur bedeutet, die vernickituna der Freiheit. die Vernichtung aller kulturellen Werte der Menschheit, ein Dasein bar jeder Menschenwürde, den Tod jedes freien Lebens und Denkens. Der Sinn der Erhaltung der Demokratie ist auch die Erhaltung der sozialen Errungenschaften.(Sehr richtig!) Wenn es uns nicht gelungen ist, alles, was wir geschaffen haben, zu erhalten, so soll man aber auch nicht das von unseren Genossen Erkämpftx gering schätzen. Es scheint, daß die verantwortlichen Stellen der deutschen Republik noch immer nicht begrifen haben, zu welchen Gefahren es führen kann, wenn Millionen immer nur ein Leben der Not und der Hoffnungslosigkeit führen müssen. Es ist eine Herausforderung der Arbeitslosen, wenn die sozialen Einrich- tungen gerade in der Notzeit abgebaut werden, wo sie doch gerade für diese Notzeit geschaffen worden sind!(Sehr richtig!) Wir kennen den Wortlaut der neuen Notverordnung noch nicht, wohl aber die Tendenz und die wesentlichsten Bestandteile dieser Not- Verordnung. Und darum müssen wir auf dem Parteitag zu den Absichten der Regierung Stellung nehmen. Der Parleitaa muß dieser Regierung ein hall entgegenrusen. Sie darf diese reaktionären Maßnahmen nicht durchführen, sofern sie Wert darauf legt, daß Deutschland nicht in«in Chaos gerät. Di« neue Notverordnung erreicht in ihren wesentlichen Teilen die Grenze des für die Sozialdemokratie Ertragbcrren.(Stür- Mischer Beifall.) Dr. Kurt Rosenfeld- Berlin: Wir sind alle einig in der Ueber- , zeugung, daß es gilt, den Faschismus zu besiegen und die Demo- trat!« zu behaupten. Aber über den ricktigen Weg gehen die Mei- nungen auseinander. Sollmann sagte, ohne Soziofdetnokrati« keine starte Demokratie. Gewiß, aber das parlamentarische System be- ruht nicht darauf, daß ein Parlament da ist, sondern auf dem V« r- trauen der Massen zu diesem System. Und die Politik der Mehr- heit ist geeignet, das Vertrauen der Partei zu erschüttern. (Widerspruch.) Ich verweis« auf die letzten Wahlen und darauf, wie schnell sich die Prophezeiungen von den Entscheidungen der Fraktion bewahrheitet haben. Wenn Sollmann in der Panzer- kreuzerfrage von ein paar Millionen sprach, so weiß er doch genau, daß es sich in dieser Frage um eine hochpolitische Frage handelt. Wir stehen auf dem Boden der Partei und der Inter- nationale, die immer den Militarismus bekämpft hat. Wo waren die Genossen, die von Disziplin reden, als unsere vier M i n i st e r am A. August 1928 zum erstenmal von dieser alten Linie der Partei abwichen?(Zuruf: Fraktionsbeschluß!) Als vor dem Krieg« die Budaetbewilligung zur Entscheidung stand, tauchte auch die Frage des Disziplinbruchs auf, und wer weiß, ob wir nicht bei Kriegsausbruch und nachher die ganze Parteisvaltung vermieden hätten, wenn etwas mehr Toleranz bei der Mehrheit vorhanden gewesen wäre.(Zuruf: Sie waren doch damals für den Ausschluß!) Ich warne davor, die Disziplin zu überspitzen. Das kann nur die Partei schädigen. Will man das Vertrauen der Massen, so muß man mit der Tole- rierungspolitik Schluß machen. Entscheiden wir uns im Geist« der Entschlossenheit eines Bebel und Wilhelm Liebknecht, aber auch eines Karl Liebknecht und einer Rosa Luxemburg.(Leb- hafter Beifall bei der Minderheit und aus den Tribünen.) hoegner- München: Ich will nicht vom Panzerkreuzer sprechen. sondern von den Gewehren und Maschinengewehren der Haken- kreuzler, die in Bayern auf uns gerichtet waren und morgen in ganz Deutschland aus die Arbeiter gerichtet sein können. Unsere Brüder nördlich des Mains hoben dies« Gefahr jahrelang sträflich unterschätzt. Sie haben mit staunendem Lächeln gelesen, wie hinten in der oberboyerischen Türkei Nazis und Kozis aufeinanderschlagen. Viele norddeutsche Genossen glauben noch jetzt, Faschismus sei gar nicht so schlimm, man müsse ihm vor allem eine stark- proletarisch? Macht gegenübersetzen. Aus Grund meiner Ersahrungen sage ich euch, es ist sträflicher Leichtsinn, und wenn es in der inneren Varteitaktik geschieht, eine kapitale Dummheit und ein polilisches verbrechen. (Beifall.) Agitatorisch sind wir gegenüber den Nazis durch die u n- geschickt« Behandlung der Reparation? frag« ins Hintertreffen geraten. Natürlich tonnten wir in der Außenpolitik angesichts der Machtverteilung ein- ander? Linie nicht ein- halten, aber wir haben uns doch allzu fatalistisch mit den Kriegslasten abgefunden und allzu einseitig die Vorzüge der einzelnen Pläne entwickelt. Gegen den Bruch der 14 Vunkte Wilsons haben 1918/19 gerade die Sozialdemokraten dbn schärfsten Einspruch erhoben. Seitdem haben wir unsere grundsätzliche Stel- lungnahme viel zu wenig betont. Wieviele deutsche Wähler mögen wissen, daß bereits 1922 gerade die sozialistische Fllnfländerkonferenz die Annullierung aller Kriegsschulden gefordert hat. .Ich bestreite gegen Hölting, daß man heule mit nationalen Tönen keinen Hund mehr hervorlockt. Di? wertvollsten Hräste der deutschen Zugend sind aus rein nationalen Gründen im Lager der Hiller-Partei, weil sie deren nationalen Betrug noch nicht durchschaut und noch nicht erkannt haben, daß die Ver- änderung de» Antlitzes der Erd? vor allem durch die geistigen und sittlichen Kräfte herbeigeführt wird. (Beifall.) Die Führerschaft der Nationalsozialisten besteht zum Zeil aus Leuten, die einstmals zu uns gehört haben und jetzt den Minderwertigkeitskomplex abreagieren, ten sie bei uns bekommen haben.(Heiterkeit.) Der nationalsozialistischen Aktioi- tat gegenüber haben wir zu lange die Hände in den Schoß gelegt. Di« Faschisten sind ke i n e Feinde, mit denen man ritterlich die Kling? kreuzen kann. Sünstler-Berlin: Auch die Minderheit der Reichstagsfraktion be- kennt sich zu verantwortungsvoller Arbeit. Wir halten den Panzer- schiffbau in dieser Notzeit nicht nur für eine Verschwendung sondern für eine Provokation der notleidenden Erwerbslosen, hie alle Opfer an Gut und Blut für die Republik nicht gespart haben. Treibt die Regierung Brüning eine gegenüber dem Volk und der Republik verantwortungsbewußte Politik? Die Frage stellen, heißt sie verneinen. Vor der Abstimmung über die panzerkreuzerrale haben Groencr und Brüning für den Fall der Ablehnung ihren Rücktritt ange- kündigt. Sie wollten es auf eine Regierungskrise und eine Staatskrise ankommen lassen: unsere Forderungen auf Gegenleistungen haben sie abgelehnt. Aber der Panzerkreuzer war doch ein Politikum ersten Ranges, schon weil er nur ein Stück aus dem Flottenersatzbauprogramm ist, das bis 1938 reicht. Den breiten Massen kürzt man die Sozialleistungen und sogar die Kriegerrenten: und dann fordert man von ihnen Staats- gesinnung und Staatsdisziplin. Ich hätte lieber den Wehrminister in die Wüste geschickt, als das Vertrauen der Masse in die Republik gefährde! Aber gleichviel welchen Standpunkt wir einnehmen, es ist unanständig, einem Parteigenossen abzustreiten, daß er aus Sorge um den Bestand der Partei und der Arbeiterklasse handelte. Niemand hat das Recht, Beschlüsse der Mehrheit allein für sich umzustoßen. Gerade in schwerer Zeil stehen Disziplin und Einigkeit im Kampfe über allem. (Lebhafter Zustimmung.) Wäre nicht der Disziplinbruch gekommen, hätten wir hier unsere Sache scharf vertreten und zum Siege führen fönnen. Jetzt steht der Disziplinbruch im Vordergrund. Was macht Seydewitz im Zwickauer Bezirk, wenn einzelne Ortsgruppen mut- willig Beschlüsse der Bezirksleitung sabotieren? Zch kann nicht von den einfachen Genossen Disziplin verlangen, wenn ich als Bezirksvorsitzender und Abgeordneter nicht mit gutem Beispiel vorangehe. (Stürmischer Beifall.) Der Disziplinbruch hat der sachlichen Kritik an der Politik der Fraktionsmehrheit den größten Schaden zugefügt. Mit Disziplinbrüchen und Sonderbesprechungen hat von jeher die Spaltung der Partei begonnen. In der deutschen Sozialdemokratie wird es in Zukunft Sonderkonferenzen und Disziplinbrüche nicht m e h r g e b e n. Als iin Reichstag einmal Genossen, die rechts stehen, entgegen dem Beschluß der Fraktion einer Abstimmung ferngeblieben sind, waren Seydewitz und Rosenfeld die schärfsten Kritiker dieses disziplinwidrigen Verhaltens. Ich erhebe meine warnende Stimme dagegen, daß in Zukunft alle in Anspruch nehmen, was die Neun getan haben. Schon wird im„New Leader" berichtet, daß die linken Flügel aller sozialdemokratischen Parteien zur Vorbe- reitung des Wiener Internationalen Sozialistenkongresses eine Z u- s a m m e n k u n f t abgehalten habe. Ich hoffe, daß Rosenfeld und Seydewitz mit mir derartigen Treibereien entgegentreten. Ich bitte, daß die Reichstagsfraktion daran festhält, daß, wenn einem die Teil- nähme an der Abstimmung nicht möglich erscheint, man schweigend hinausgehen kann. Wir müssen Fraktionsdisziplin halten, aber die Fraktionsdisziplin soll uns kein Joch auferlegen. (Stürmischer Beifall.) Lrispicn(Parteivorstand): Seydewitz hat uns prophezeit, eines Tages käme doch der Bruch mit der Regierung und dann müßten wir seinen Weg gehen. Die Reichstagsfraktion hat Seydewitz eine be- sondere Redezeit gegeben, damit er ihr endlich diesen seinen Weg be- schreibe. Aber er hat es bis heute nicht getan. In Wahrheit läuft der Plan Seydewitz' darauf hinaus, die Macht den Faschisten aus- zuliefern und der Arbeiterklasse nur die illegalen Kampfmittel zu erhalten. Demgegenüber kämpfen wir dafür, der Arbeiterklaffe die legalen Kampfmittel zu bewahren, sollte man versuchen, sie ihr zu nehmen. Aber selbst dann ist es noch ein großer Unterschied, ob wir von der Gewalt des Feindes auf diesen Weg gezogen werden, oder ob wir freiwillig den Verlust der gesetzlichen Sicherung der Arbeiterrechte herbeiführen. Rosenfeld hat sich auf Bebel, Marx und Wilhelm Liebknecht berufen. Ich möchte ihm dringend empfehlen, einmal Marx als Politiker zu studieren: gerade von dem Politiker Marx stammt die Anweisung, alle Gegensätze im bürgerlichen Lager auszunützen, den minder schlimmen Teil der Bourgeoisie gegen den schlimmsten Feind auszuspielen. Gerade Marx ist der Vater der Taktik des Aus- weichens und Abwarten», und gerade Karl Marx ist seinerzeit genau so al» entschlußloser Opportunist kritisiert worden, wie heute dm Vertretem derselben Taktik geschieht. Bei der Panzerkreuzerfrage ist das einzig Richtige: kann ich gegen die Fraktion stimmen im offenen Kampfe gegen den Faschismus in einer Zeit, wo es gilt, den breiten Massen ein Beispiel der G e- schlossenheit der Sozialdemokratie zu geben.(Lebhafte Zu- stimmung.) Ich hoff«, daß der Parteitag einen Beschluß saßt, der solches für die Zukunft unmöglich macht, chat Rosenfeld sich im Unterbewußtsein etwa vorgenommen, eine solche Handlung noch ein- mal zu wiederholen? Ich sage, es gibt eine Grenze der Toleranz, wenn sich die Partei nicht aufgeben will im Kampfe um die nackten Lebensinteressen des Proletariats.(Lebhafte Zu- stimmung.) Unsere Taktik muh auch Verständnis zeigen für die Millionm, die noch nicht bei uns find. Der Kampf gegen den Faschismus darf nicht entbrennen an der Panzerkreuzerfrage, sondern er soll entbrennen an der sozialen Frage, um eine klare Front zwischen Kapital und Arbeit in diesem Kampfe herzustellen.(Lebhafter Beifall.) Fleißner-Dresden: Die Zoll- und Handelspolitik der Reichsregierung findet leider viel zu wenig Beachtung in der Partei. Man scheint zu denken, es komme auf etwas mehr oder weniger Zoll gar nicht mehr an. Das ist gefährlich. Man hat gewisi'e Hoffnungen auf das Zollermächtigungsgesetz gesetzt, dem die Sozial- demokratie nur zugestimmt hat, nachdem einige Vorbehalte aufge- nommen waren. Man sprach davon, daß sie einen Berbraucherschutz bedeuteten. Diese Illusion muß nach den Erfahrungen mit der Brotverteuerung aufgegeben werden. Unsere Parole muß sein: herunter mit deu Zöllen! Gerade in dieser Frage nimmt die Regierung Brüning nicht die geringste Rücksicht auf unsere Partei. Brüning hat sogar erklärt, es sei bemerkenswert, daß trotz der großen Arbeitslosigkeit Tumulte nicht entstanden seien. Das klingt wie Hohn und ist ein Spiel mit dem Feuer.(Sehr wahr!) Welcher Widersinn besteht zwischen der prcisverteuernden Zoll- und Wirtschaftspolitik und den angeblichen Preisabbaubestrebungen! Diese Zollpolitik bringt nicht einmal den Landwirten Hilfe, sondern nur einer kleinen Schicht von Großgrundbesitzern. Diese Zollpolitik muß zu einer vollständigen Zerrüttung des deutschen Wirtschaftslebens führen. Auch hier sind wir bis an die äußerste Grenze der Tolerierung der Regierung Brüning gegangen und müssen Schluß mit dieser Tolerierung machen! (Beifall bei der Minderheit.) Die Debatte wird auf Mittwoch früh vertagt. In einer persönlichen Bemerkung sagt Rosenfeld gegenüber Künstler, daß keiner von den Gegnern der Fraktionspolitik an einer Linkenkonferenz in Cmersforts teilgenommen habe: wir haben erst durch Künstler erfahren, daß eine solche Besprechung ge- tagt haben soll. Schluß 17.30 Uhr. Weiterberatung Mittwochvormittag 9 Uhr. � Theater, Lichtspiele usw.| ( Winter �Qarren� 8.15 Diu klon 3454»««dn irtanbt Kirdivelb«m TegcnMC RebU— Kcmple— BoaU Kr eh an— Tudaer£ Co. 91W. ) Sonntag, den 7. Juni 1931: Unwiderruflich letzterTag I l Reichshailen-Theater Allabendlich| w[ Uhr Stettiner Sänger Der neueste sctnuank „Alles verrückt!" PI/AZa TÄGL5u8!5 Vtifr1-15Jorii GASTSPIEL Des Berliner Wetropolttieater5 VIKTORIA UND IHR HUSAR »• Elite-Sänger•m Kottbusser-Str. 6 Tägl«>/, U Dil grab in- itattungs* Rnu Posa LaSt sdiäne Frauen um midi»in! von HarryWalden mmm tonugungf Restaumnt Berlins BETRIEB rfK KEMPIHSKIfJ licht: Berlin'GeäundbrnD neu DM idMia untsrhiitungMUN« lur leaermänn Ein msSberbletbarc* Programn 5 Namen Wellrvf Im DflhaenlcU Olmstag, 2. Im» bis Montag, t. im» BÜHNEi LldUbarg-Ordinslnr. Leitung: Paul Hmcl »lack and Wnlte, der Blitz im Zeichenttift. Ward and Mltrenga, American comedy Cancers. ä-ndwlsc Tranimann, der beliebte Filmkünstler Hugo Viaeher-KDppe, der bekannte Bahnen- und Filmschauspieler, m. seinen Solovorträgen Hacelate, der bekannte Film- Sensationsdarsteller. FILMTEIL Eine altbekannte Operette— ein neuer Tonfilm-Eriolgl Kaiserliebchen mit Liane Haid, Waller)an»en Beginn der Vorsiellnngea I Wochentags S'/i u. 8'.« Uhr, Sonntag 3, 5"i, gib Uhr. Preise der Plätze Im Parkett und Rang 0,80 bis 1,30 M.. Balkon und Logen 2—, 2 30. Sonntag 3 Uhr Einheitspreis: Parkett u Rang 0,80 M.. Balkon und Loge 1,20 M. Tel.: Humboldt 1636-1637 VoihsöUime IIiNtir im Bainpiilz. 8 Uhr Lumpazivagabundus Staatl.Sdiillir-Ife. 8 Uhr Liebe au! dem Lande 33 Minuten In 6rQneberD Staatsoper Am Pl.d Republik 8 Uhr Falsfali Ad mm Hein Bnlienl Oar wunderschön is's bei Roses im Osten.# Für mich noch wert, dort froh zu sein, � Denn würd' ich rasten. wOrd" ich rosten � Und mich des Ostens nicht er- freun,#Nehmdrunr den Wanderstab wie Moses � Und rufe: .Lebe wohl mein Schatzi'�Ich pürsch mich jetzt vergnügt zu„Roses",+ Dort ist der„wahre |ak ob"-Platz.+ iilo midier Vom 1. bis 23. Juni Mont b, Sonnab. 8« Sonntag. 3». o® ROSE THEATEH Große Frankfurter Straße 132. U-Bahn Strausberger Platz d iiiiger Vorrer- kanf täglich tob ti l Uhr n. 4-9 Uhr Telefon. Bestellung: E7, Weichsel 3411 ROSE-GARTEN Wochentags Sf Uhr Sonntags 3°° Uhr Konzert, Variete 8» Operette Me! MW 8 Uhr Der Hanplmaan von Köpenidt v Carl Zuckmayer Rigie: Heinz Hilpert Die Komödie Täglich 8 Vi Uhr Dienst am Kunden in Cnit Hell nD Hai Hansen Regie: Hans Oeppe RnrIQrstendamm- Theater Bismarck 449 | 8'i» Uhr| Alles Schwindel Tse Marcellm Sdriffer. Musik von Mischa Spoliansky. bell: Etttaf ErüiSe» Theater im Admlraispaiast Täglich 8>>i Uhr Der lustige Krieg Schollwer, Carola Lilien, Priem Komisch« oper Heute geschlossen Morgen, 8 Uhr: EnfavIMbraBg Frauen haben das gern... Sommerpr 0.60- 7.00 metropol-Ttteater Täglich 8"« Uhr Die Toni aus Wien Mady Christians. Michael Bohnen Tbeaterd. WeiteDs Täglich 8! In tfefem Schmerz Ernst vier tag nebst TOchter aad Sebwiegersoba Aerltn 81 58, Dunderftr. 71 Die ttinäftbetunp findet Freitag, den 5. Juni, normittags 10 Uhr, im Rrematorium Serichtstrafie statt Ileiittilief Relsllstlieilef-Iieiliiiiii! Verwaltanflssielle Berlin Todesanzeigen t Den Mitgliedern zur Nachricht: daß unser Aalleze, der Schlosser Artur Nnlack am 31. Mai gestorben Ist. Die Einäscherung findet Donnerstag den i. Juni. 14 Uhr, im Krematorium Serichtstraße statt. Am 31. Mai starb unser Kollege. der Arbeiter Rudolf Falkenberg geboren 27. Aprii 1863. Die Einäscherung findet Donnerstag den 4. Juni, 18 Uhr. im Krematorium Baumschulenweg statt. Ehre ihrem«ubealea! Siege Beteiligung wird erwartet. Dia Ortsverwaltaag Für die überaus zahlreichen Be- weise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden meines lieben Mannes. unleres guten Vaterß, Grofioaters und Schwiegervaters, des Arbeits- amtsangeuellten Lmil Wlßler lagen wir hierdurch unseren herz- lichsten Dank Insbesondere danken wir der Dieettion. der Betriedssraktion der SPD. und dem Personal des Ardeiisamts Ost. serner der 108. Ad- teiiung der SPD. sowie dem Turn- und Sportverein„Stche* 1896 e. V. Ww. Anna WlHler nebst Kindern. Bin-Käpenich. den 1. Juni 1931. DeDtsdieililttallAiteMaiii! Sonoübcnb, den 6. Juni, naehnt. 1 Ahr, im Cafai oon FSrster Förster 6 fräste IS VerssmmluoS der kßekaildrUdter und Polierer Tag esordnungt Aussprache über die heutig« Arbeits- Vermittlung. Ohne Mitgliedsbuch kein Rutritt. CEs ist Pflicht eines jeden Kollegen, an dieser Persammiung teilzunehmen. ROMAN ILF-PETROW,„DIE 12 STÜHLE" erschien soeben IN BUCHFORM erhältlich BEI Buchhandlung I. H. W. In Leinengeschenkband M 6,— brosch.„ 3,50 BERLIN SW 68 LINDENSTR. 2 DIETZ IS « I r k s a■ sind die KLEINEN ANZEIGEN In derGesamtauilage des„VorTiru** und Funktionäre! vi« Occtrattaasmaaaat-tlonfatcn) de» 1., 6.. 6., 0., II. na» 14. vajirl» sdUI im Sanol Juni aus. Die Ortsverwaltang. M.u. Kapitän- Kautabak scbneckt mir doch am besten! 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