Morgenausgabe Nr. 255 A 129 4S.I« kommende Abrüstungskonferenz. 29 Millionen Arbeitslose in oller Welt seien zweifellos die Folg« der jetzigen R ü st u n g s- Politik, die mehr Gelb verschling«, als je zuvor. Paris, Z. 3uni.(Eigenbericht.) Di« kürzlich in einer hiesige« russischen Emigrantenzeitung ver. breitete Zftclduvg von einer Wiederaufnahme der fronzSslsch. russischen WIrtschafisverhandlungen ist heute halbamtlich bestStigt worden. Der stellvertretende voltstommiffar für den Handel wird in den nächsten Tagen in Paris erwartet, um die Verhandlungen zu führen. Zu gleicher Zeit fall auch über den Abschluß eine« Uichl- aagrissspatte» zwischen Frankreich und Sowjetroßland ver- handelt werden. Keine Ausdehnung auf Frankreichs Bundesgenossen Moskau(über Koumo), 3. Juni. Wie die TU. von gutunterrichtcter Seite erfährt, werden die .Handelsvertragsverhandlungen Sowjetrußlands in Paris vollkommen unabhängig von den politischen Verhandlungen über den Abschluß eines Richtangriffs- Paktes geführt werden. Jedoch dürste es wohl noch gute Weile haben, bis die Verhandlungen greifbare Gestalt gewinncn. Der französische Botschafter in Mostau. her bette, der Mitte Mai noch Moskau zurückkehren wollte, weilt zur Zeit noch in Frontreich. Sein« Rückkehr wird etwa Mitte Juni erwartet. Erst danach dürften die Verhandlungen wester fortschresteu. Di« russisch« Einstellung zu dem Nichtangriffspakt mst Frankreich kann im übrigen wie folgt formuliert werden: 1. Der Pakt soll von den zwei Portnern ohne Rücksicht auf Dritt« abgeschlossen werden: 2. der Pakt soll nicht ausgedehnt werden auf die Verbündeten Frankreichs, also etwa auf Polen, S ü d s l a w i e n und Rumänien; 3. er soll nicht nur einen militärischen Nichtongrissspakt, sqndern auch einen Wirtschaft- lichen Vertrag umsossen: 4. Moskau lehnt den Völkerbund und dos Gericht im Hoog als Schiedsgericht ab; 3. olle politischen Fragen zwischen Ruhland und Frankreich sollen noch dem Muster der deutsch-russischen Konvention geregelt werden: Kranzosen fliegen über deuische Küste? Sin Militärflugzeug notlandet bei Kaiserslautern. Rorderoey. 3. Juni. Drei französisch« Kriegsflugzeug« haben sich heute vormittag über der Deutschen Bucht aufgehalten. Eurer der- selben flog dabei über Norderney. Auch an anderer Stell« sind, wie wir von zuständiger Stelle erfahren, die fremden Flug- zeug« bemerkt worden, so um 3.35 Uhr morgens von Bord des Stationstendcrs Frauenlob über dem Vortrapp-Tief südlich der Insel Sylt in 130 Meter höhe, um 9,33 Uhr wurden der Kom- mondantur Borkum zwei Flugboote südlich der Insel M e m m e r t gemeldet. Um 9,43 Uhr überflogen zwei Flugboote den Hafen von Borkum, gleichzeitig wurde ein Doppeldecker über der Insel I u i st gesichtet. Kaiserslaukern. 3. Juni. Ein französisches Militärflugzeug, das mst zwei Unterojfizieren besetzt war, ging heute nachmittag gegen 12Vs Uhr bei Enkenbach nieder. Di« Gendarmerie Enkenbachs nahm beide Insassen fest, die dann später von der Schutzpolizei Kaiserslautern dorthin über- geführt wurden. Die Militärflieger erklären, auf dem Wege noch Weißenburg gewesen zu sein, wobei sie die Orientierung verloren haben. Gleichzeitig haben zwei ander« Flugzeuge die Gegend über- flogen. Man nimmt an. daß es sich auch hierbei um französische Maschinen gehandelt hat. * Schon vor mehreren Tagen Hollen sich stanzösische Militär- flieger verflogen und waren bei S ch w e i n f u r t niedergegangen. Kurz darauf wurden stanzösische Militärflugzeug« über Kehl ge- meldet: von französischer Seite wurde aus die deutschen Vorstellungen hin allerdings betont, daß ein« besonder« Kontroll««ingerichtet gewesen sei und die französischen Kriegsflieger auf elsässischem Gebiet geblieben seien. Nachdem nun bei Kaiserslautern wieder ein« Notlandung eines stanzösische» Militärflieger» stattgefunden Hot, ist festzustellen, daß die Fliegertätigkeit an den deutschen Grenzen hoch st unerwünscht ist. Wir nehmen an, daß der stan- zösischen Außenpolitik diese Zwischenfälle unwillkommen sind— der Leitung der stanzösische« Kriegsfliegerei aber muß gründlich klar- gemacht werden, daß solch« Zwischenfälle zu vermeiden sind. Und sie können ein für alle Male dadurch unterbunden werden, daß 6. vor ollem will die Sowjetregierung keinerlei Verhandlungen ein« gehen, die in Beziehung zu einem etwaigen deutsch-sranzösischen Zu- fammenstoß stehen könnten. Das gleiche gilt auch bezüglich der Garantie der ö st lichen Grenze Frankreichs oder der we st lichen Grenze Polens. Interpellation über den Gtahlhelmrummel. Paris, 3. Juni.(Eigenbericht.) Der der Fraktion des Kriegsministers M a g i n o t angehörende Abg. Lorin hat in der Kammer«ine Interpellation eingebrocht, m der er die Regierung um Auskunst über die Maß- nahmen bittet, die sie nach der Kundgebung der Stahl- Helmleute nahe der polnischen Grenze in Gegen. wart zahlreicher Generale und Fürsten der ehemaligen deutschen Dynastien zu ergreisen gedenkt. Giahlhelmiag und parieiiag. i£on Blum klärt die Franzosen auf. Parts, 3. Juni. Im„Popiiloire' hält Leon Blum der rechtsstehenden stan« zösischen Pvesi« vor, daß sie zwar die Stohlhelmkundgebung in Breslau groß aufmache, aber den sozialdemokratischen Parteitag in Leipzig so gut wie übergehe: Gewiß sind„150 000 Faschisten vom Typ Hitlers' am Sonntag in Breslau im Porade« schritt vor dem früheren Kronprinzen, Mackensen und von Sceckt vorbeimarschiert, aber am gleichen Sonntag zur gleichen Stund« hoben sich 13 00 00 sozialistische Arbeiter in Leip- zig gelegentlich des Parteitages um ihre Führer und die Der- treter der sozialistischen ausländischen Parteien geschart. Beide Schauspiele hielten sich mindestens die Waage. Das eine werde jedoch vollkommen im Dunkeln gelassen, das andere ober hervor- gezerrt und in erschreckenden Farben ausgemalt. Wer also, fragt Blum, mißbraucht die ösfentliche Meinung und wer fälscht die Wahrheit? sämtlich« Kriegsflugzeuge den Befehl erhalten, keinerlei Ma« növer in der an der deutschen Grenze anstoßen- den Zone abzuhalten. Was die Meldung über das Ueberfliegen de» norddeutschen Küstengebietes durch französische Marineflugzeuge anlangt, so wollen wir bis zum Eingang näherer Einzelheiten annehmen, daß es sich um Irrtümer der beobachtenden Stellen Handell:«in« Verwechselung der französischen mit den holländischen Farben liegt hier besonders nahe. Sollten jedoch die Mitteilungen über die Nationalität der zum Teil sehr niedrig fliegenden Wasserflugzeug« zutreffen, so wäre ein solcher Besuch— am Tage vor der Fahrt der deutschen Reichsminister nach England auf dem Wege über die Nordsee— eine militari st ische Provokation, die um so auffälliger wirkt, als es sich um einen Uebergriff gegen einen Staat handelt, der eine Kriegsluftfahrt nicht besitzt. Vorläufig ober erfordert die Erinnerung an die Flicgerpsychose vom August 1914, daß zunächst einmal die Tatsachen zwcifelsstci festgestellt werden. Goniard im Verhör. Das' Wiederaufnahmeverfahren gegen Vullerjahn. Leipzig. 3. Juni.(Eigenbericht.) In dem Wiederaufnahmeverfahren gegen Buk» l e r j a h n Hot am Mittwoch die Lemehmung des Herrn von G o n- t a r d durch den Reichsgerichtsrat Eoenders begonnen. Nach Ansicht des Reichsgerichts ist es unzulässig, daß die Prozeßbeteiligten der Vernehmung beiwohnen. Infolgedessen nahm der Oberreichsanwall an dem Termin nicht teil, und auch der Verteidiger Dr. Kurt Rosen- seld, der im Reichsgericht erschienen war, wurde nicht zugelassen. Lediglich die von dem Verteidiger schriftlich eingebrachten Fragen wurden dem Zeugen vorgelegt. Erst nach dem Abschluß der Verneh- mungen des Zeugen wurden dessen Aussagen dem Oberreichsanwall und dem Verteidiger zugänglich gemacht, die sich dann beide zur weiteren Behandlung des Wiederaufnahmeantrages äußern können. Reuer Posten für Bucharin. Beim Präsidium des Obersten Bolkswirtschaftsrates der Sowjetunion ist eine besondere Abteilung für produktionstechnische Propaganda gebildet worden. Die Abtei- lung soll die technische Ausbildung der Sowjelarbeiter durch Dorträa« und Literatur fördern. Zum Leller der Abteilung ist Bucharin ernannt worden. Arbeitsgericht für Fünftagewoche. Entlassung ohne Arbeitsstreckung ist unbillige Härte. Das Statistische Reichzamt hatte vor einiger Zeit Personal- entlassungen xorgenominen mit der Begründung, daß es auf Grund des Sparprogramms der Reichsregierung zu diesen Entlassungen gezwungen sei. Unter den Entlassenen befand sich auch eine Reinemachefrau, die gegen die Entlassung entsprechend dem 8 84 BRG. tunbillig« Härte) Einspruch erhob und beim Arbeits- gericht auf Wiedereinstellung klagt«. Das Berliner Arbeitsge- richt unter Borsitz des Amtsgerichtsrats Dr. Heuer hat dem A n- trag der Klägerin entsprochen und das Statistische Reichsmnt zur Wiederei nftellung der Reinemachefrau und im Falle der Nichtwiedereinftellung zur Zahlung von 222,30 M. Entschädigung verurteilt. In dem bemerkenswerten Urteil heißt es unter anderen,: „Daß die Entlassung von Reinemachefrauen aus den vorstehen- den Gründen notwendig und zwingend erfolgen mußte, hat das Gericht nicht anerkennen können. Der Kündigungsschutz des§ 84 BRG. richtet sich inhaltlich gegen Kündigungen, die sozial zu miß- billigen sind. Es ist aber in der gegenwärtigen Zeit größter A r b e i t s l o s i a k e i t sozial zu mißbilligen, wenn ein Arbeitgeber, insbesondere aber eine Behörde als Arbeit- geber, bevor sie Kündigungen ausspricht, nicht jedes Mittel prüft und, soweit es die Verhältnisse des Betriebes nur irgendwie er- möglichen, auch zur Anwendung bringt, um dem einzelnen Arbeit- nehmer seinen Arbeitsplatz zu erhalten. Lediglich eine Verringerung der dem Statistischen Reichsamt zur Verfügung stehenden Haushalts- mittel allein rechtfertigt ober nicht schon ohne weiteres eine cnt- sprechende Verringerung des gesamten Personals. Es kann sehr wohl die Möglichkeit bestehen, auch mit geringeren Geldmitteln die gleiche Anzahl von Arbeitnehmern weiterzubeschäftigen, wenn man die Arbeit in einer verkürzten Arbeitszeit unter ent- sprechender Kürzung der geldlichen Bezüge auf die einzelnen Arbeit- »ehmer verteilt, soweit dies noch der Art der zu leistenden Arbeit erfolgen kann. Besteht diese Möglichkeit, bedingen die Verhältnisse des Betriebes keine Kündigungen von Arbeitnehmern. Werden trotzdem Kündigungen ausgesprochen, so sind diese sozial zu miß- billigen.� Das Gericht kommt dann weiter zu der Feststellung, daß bei oiner Verkürzung der Arbeitszeit um nur eine Stunde je Tag nicht nur die seit dem 1. April 1930 ausgesprochenen Entlassungen hätten vermieden werden können, sondern daß dann noch die N e u e i n- stellung von 16 Frauen möglich gpwesen wäre. Für die 81 bisher beschäftigten Frauen wäre eine Minderung ihres wöchent- lichen Verdienstes von 29,52 M. auf 17,19 M.. also um 3,42 M., eingetreten, der jedoch die Beschäftigung von 16 Frauen mit einem Wochenerdienst von 17,19 M. gegenüber gestanden hätte. Dann heißt es wörtlich in dem Urteil des Arbeitsgerichts: „Die Anordnung einer Verkürzung der Arbeitszeit, die nicht nur durch eine Verkürzung der täglichen Arbeitszeit, sondern auch durch den Fortfall einer ganzen Tagesjchicht von sechs Stunden erreicht werden kann, sowie die mit dieser Verkürzung ver- bundene Verkleinerung und Neueinteilung der Reviere sind reine Organisationsfragen, die bei dieser Art von Arbeiten bei gutem Willen des Arbeitgebers ohne Schwierigkeiten gelöst werden können. Solange daher in dem Betriebe des Statistischen Reichsamts bei der Beschäftigung der Reinemachefrauen nicht von dem Mittel der Arbeitszeitverkürzung Gebrauch gemacht wird, kann die Kündigung von Reinemachefrauen nicht darauf gestützt werden, daß sie etwa durch die Verhältnisse des Betriebes bedingt sei." Kassen und Aerzie. Die Äeitragseinnahmen sinken, aber nicht die Honorare. Die Krankenkassen-Spitzenoerbände haben an den Reichsarbeitsminister das Ersuchen gerichtet, so rasch wie möglich ein« Senkung der Ausgaben für ärztliche Behandlung herbeizuführen. Trotz erheblichen Rückganges der Zahl der Krankheitsfälle hätten es die Aerzte verstanden, sich ihre frühere Einnahm« aus der Kassenpraxis zu erhalten. Die Kranken- kassen hotten auf Grund der Notverordnung die B c i t rä g e er» heblich gesenkt, um die Wirtschast zu entlasten. Dieser Zweck der Notverordnung sei gefährdet; denn die meisten Kranken- kassen stünden vorderNotwendigkeit einer Beitrags- erhöhung, weil sie nicht mehr in der Lage seien, mit den durch die Herabsetzung des Beitragssatzes, durch Abbau der Löhne und durch Einführung der Kurzarbeit erheblich zurückgegangenen Bei- tragseinnahmen die Ausgaben zu decken. Die Anträge der Spitzen- verbände beim preußischen Wohlfahrtsminister auf Senkung der Winde st sätze der preußischen Gebührenordnung hätten zu keinem Erfolg geführt. Die finanzielle Lage der Kassen habe sich ober derart zugespitzt, daß ihnen unter allen Umständen eine Erleichtc- rung verschafft werden müsse. Das sei nur noch möglich durch«ine Herabsetzung der Einkünfte der Kassenärzte. Der Reichsousschuß für Aerzte und Kranken- kassen, der vor kurzem nach einjähriger Pause wieder zusammen- getreter. i�t, hat beschlossen, einen P l a n w i r.t s ch o ft s a u s s ch u ß, bestehend aus drei Aerzten- und drei Kafsenvertretern einzusetzen, um die erforderlichen Vorarbeitn für eine Planwirtschaft des ärztlichen Dien st es zu erledigen. Angenommen wurde ferner auf der Tagung des Reichsausschusses— aus Antrag der Aerzte— ein« Entschließung, worin Reich, Länder und Selbstverwaltungs- körperschaften ousgesordert werden, dafür zu sorgen, daß die van ihnen f« st a n g e st e l l t e n Aerzte, die ein regelmäßiges Dienst- einkommen über eine bestimmte Höhe hinaus beziehev, für die Daner dieses Einkommenbezugs keine K a s s e n p r a x i s ausüben dürfen. Der Antrag der Kassen-Spitzenverbände, die beschränkt freie Arztwahl als das allgemein gültige Arztsystem einzuführen und überhaupt das Selbbestimmungsrecht der Kassen in der Arztsroge wieder herzustellen, wurde an den engeren Reichsausschuß zur Be- ratung verwiesen. Die Frage der Zulassung ausländischer Aerzte in den Grenzbezirken will man durch örtliche Arztvcrträge so regeln, daß gegen eine gelegentliche Tätigkeit solcher Aerzte für Mit- glieder deutscher Krankenkassen nichts eingewendet werden soll, falls die Gegenseitigkeit verbürgt ist. Eine förmliche Zulassung nach deut- schem Recht wurde nicht als erforderlich bezeichnet. Schwarzarbeit und Arbeitslosenelend. Das Elend der Berufsmusiker. Die Not der Berufsmusiker steigt unaufhörlich von Woche zu Woche. 79 Proz. der Berliner Berufsmusiker sind jetzt schon beschäftigungslos und kaum die Hälfte davon bezieht irgendwelche Unterstützung. Der Tonfilm und der infolge der allgemeinen Krise starke Rückgang oller Lust. borkeiten, die den Berussmusikern noch einige Beschäftigungs- Möglichkeiten boten, haben in der Musikerschast ein unbeschreibliches Elend erzeugt. Obwohl die oerzweifelte Lage der Musiker den Behörden bekannt ist, wird es noch immer geduldet, daß Militär-, Polizei- und Beamten- kapellen konzertieren dürfen, als ob ein Mangel an Zioilmufikern bestände. Die wenigen Arbeitsplätze, die den Zivilmusikern trotz des Tonfilms und der übrigen Konservenmusik in den Bädern, aus Dampfern und in den Easäs noch geblieben sind, werden ihnen durch diese Konkurrenz noch streitig gemacht.'Alle Proteste des Deutschen Musikeroerbandes an die zuständigen Behörden verhallen ungehört und werden besonders von einzelnen Kommandeuren der Reichs- wehr oftmals geradezu hohnooll beantwortet. Selbst im Rundfunk, auch in der Berliner Funkstunde, läßt man den MUitär- und Dilet- tantenmusikern die Verdienste zukommen, anstatt den Zivilmusikern und ihren darbenden Familien den verzweifelten Kampf ums Leben ein wenig zu erleichtern. Angesichts dieser Tatsachen war es daher kein Wunder, daß in der öffentlichen Protestoersammlung, die der Deutsche Musikerverbond zu Mittwoch nach dem Gcwerkschaftshaus einberufen hotte, harte Worte über die Untätigkeit der Behörden sielen. Der Bezirks- leiter des Musikerverbandes, Genosse Koppen, ermahnte die Berliner Musiker in seinem Referat mit Recht, nicht resigniert das Elend der Arbeitslosigkeit über sich ergehen zu lassen, sondern sich durch den strassen freigewerkschastlichen Zusammenschluß endlich die organisatoriscl)« Kraft zu verschaffen, die zur wirksamen Bekämpfung der Arbeitslosigkeit nötig ist. Die RGO.-Apostel, die in der Ver- sammlung für die weitere Zersplitterung der Berliner Musiker Pro- poganda wachten, fanden erfreulicherweise selbst bei diesen am Rande der Verzweiflung stehenden Menschen keinen Anklang. Di« Versammlung nahm bei etwa zehn Stimmenthaltungen eine Ent- schliehung an. deren Schlußabsatz lautet: „Die versammelten arbeitslosen Berufsmusiker fordern, daß vom Arbeitsamt genügend Kontrolleure mit den notwendigen Macht- befugnissen zur Verfügung gestellt werden, um die Arbeitsplätze für die arbeitslosen Berufsmusiker freizumachen. Es wird ferner fest- gestellt, daß die Berliner Funkstunde als gemeinnütziges Unter- nehmen die Interessen der arbeitslosen Berufsmusiker nicht genügend beachtet. Schallplattenmusikdorbietungen und die Beschäftigung von Beamten-, Militär- und Dilettantenkapellen müssen im Programm der Funkstunde völlig verschwinden und arbeitslose Berufsmusiker dafür beschäftigt werden. Die arbeitslosen Musiker, von denen die Hälfte keine Unterstützungen erhält, sind nicht mehr gewillt, länger zuzusehen, wie ihnen mit Duldung der Behörden die Arbeitsmög- lichkeiten durch Doppelverdiener und Schwarzorbeiter weggenommen werden. Sie erwarten von ollen Behörden, daß sie die vom Deutschen Musikeroerband seit langem erhobenen Forderungen endlich und restlos erfüllen." Ausländerbeschäftigung. Nur mit Genehmigung des Landesarbeitsomts. Noch§ 1 der Verordnung über die Einstellung und Beschästi- gnng ausländischer Arbeit dürfen ausländische Arbeiter nur in Arbeitsstellen eingestellt und beschäftigt werden, für die dos Landes- arkleitsamt die" Befchöftigung genehmigt hat. Äer den Bestimmungen der Verordnung zuwiderhandelt, wird mit Geldstrafe oder mit Ge> fängnis bis zu 6 Monaten bestraft. Bei der katastrophalen Arbeits- Marktlage im Bereiche des Landesarbeitsamtes Brandenburg muß diese Verordnung jetzt mehr denn je streng durchgeführt werden. Jeder Arbeitgeber, der ausländische Arbeitskräfte beschäftigen will, muß vor der Einstellung und vor Abschluß eines Dienstver- träges die Genehmigung des Landesarbeitsamtcs einholen. Nach einem Runderlaß des preußischen Ministers des Innern müssen die Polizeibehörden vor Erteilung der Einreise- sowie der Aufenthalts- erlaubnis für ausländische Arbeiter und Angestellte in nicht leitender Stellung das Landesorbeitsamt hören und dürfen die Aufenthalts- erlaubnis nur für eine bestimmte Arbeitsstelle und für eine fest- umgrenzte Zeit erteilen. Diese Bestimmung gilt besonders für die Beschäftigung ausländischer Musiker, die erfahrungsgemäß häufig an verschiedenen Stellen und für mehrere Arbeitgeber tätig sind. Das Landesarbeitsamt wird in Zukunft feine Zustimmung immer nur für eine Arbeitsstelle erteilen und Arbeitgeber, die uner- loubt ausländische Arbeitskräfte beschäftigen, zur gerichtlichen Ver- antwortung ziehen. Die„revolutionäre" Methode. Der Metallorbeiterverband muß beschimpft werden. Der Verband Berliner Metollindustrieller hat den Termin zur Kündigung des Lohntarifs verstreichen lassen, so daß der Lohn- tarif der Berliner Metallarbeiter für die nächst«» vier Wochen weiterläuft. Dem revolutionären Tatendrang der KPD. sind diese vier Wochen jedoch unerträglich. Dei„Rote Fahn«" erzählt deshalb ihren Lesern, es sei ein u n- geheurer Fehler, anzunehmen, daß sie in diesen vier Wochen keinen Angriff der Unternehmer zu befürchten hätten. Die Nicht- kündigung sei weiter nichts, als ein zwischen dem Deutschen Metoll- arbeiter-Berband und dem VBMI. abgekartetes Manöver. Sllfo— folgert die„revolutionäre" Logik aus ihrer lügnerischen Phantasie—„K a m p f v o r b e r e i t u n g e n", un> den Lohnroub- wünschen der Unternehmer, jedoch mit der schärfsten Waffe, mit dem Streik entgegentreten zu können. Der„ungeheure Fehler", über den die KPD. die Arbeiterschaft hinwegzutäuschen sucht, liegt darin, ihr einzureden, sie könne jederzeit einen erfolgreichen Streik führen. Dabei läßt die KPD. nichts unoersucht, um durch ihr« niederträchttge Gewerkfchaftshetze die Borbedingung jeder er- folgversprechenden gewerkschaftlichen Aktion, die o r g a n i s a- torische Einheit der Arbeiterschaft, zu erschüttern. Was bei peek& Cloppenburg möglich ist Weil die Arbeiterschaft nicht mehr gut organisiert ist Neben dem Hauptgeschäft in der Gertraudtenstraße unterhält die Firma Peek u. Cloppenburg«ine Konsektionsfabrik in der Lynarstraße. Rund 359 Schneider und Näherinnen sind dort mit der Anfertigung von Herrenoberbekleidung in Tellokkvrd be- schästigt. Die Geschäftsleitung hat zwar wiederholt erklärt, daß die Firma mit dieser Abteilung ihr«? Unternehmens nicht Mitglied des Arb«ttgeb«rverbandes sei� dennoch hat sie die am 7. April durch Schiedsspruch eingetretene Kürzung des Stundenlohnes sofort für sich in Anspruch genommen. Diese Lohnoerschlechterung gemiat« Gr ober noch nicht. Nachdem sie st»«stier Abtekbrng Mi Akkorde bereits abgebaut hatte, will sie jetzt in den anderen Abtei- lungen«in zweites Mal die Löhne kürzen, und zwar bis zu 29 Proz., obwohl der Schiedsspruch bis zum nächsten Frühjahr befristet ist. Diese„Großzügigkeit", mit der die Firnia Peek u. Cloppenburg um die Kundschaft wirbt, findet ihre Kehrseite in der B«hand- lung der Belegschaft. Nichts bleibt unversucht, um den drei- mal heiligen Werksportvercin hochzupäppeln, und dazwischen schallt es von früh bis spät im F«ldwebelton:„Wem es nicht paßt, der kann gehen." Es wird„umgestellt" und ab- gebaut. Arbeiterinnen werden an andere Arbeitsplätze versetzt, und da sie aus die neue Tätigkeit nicht eingearbeitet sind, verdienen sie dann nicht einmal den Zeitlohn. Aber die.Leitung" funktioniert! Das all«s bei einer 47�stundigen Fünftagewoche— und in einem Arbeitstempo, bei dem sich niemand auch nur um- sehen kann. Durch die ungeheure Erwerbslosigkeit in der gesamten Bekleidungsindustrie ist die Arbeiterschaft behindert, den Rat, zu gehen. zu befolgen. Dennoch hat sie es in der Hand, die Mißstände ab- zustellen, wenn sie sich so gut organisiert, wie es im Jahre 1928 der Fall war. Leider ist dos Orgonisationsverhältnis der Belegschaft durch alle möglichen Treibereien geschwächt worden— hierzu gehörte in erster Linie das Aufziehen des Werksportvcreins—, und nun zeigen sich die Folgen. Man droht jetzt damit, die einzelnen Zlbteilungen stillzulegen. Di« Arbeiterschaft hat die Wahl, sich ent- weder ihrer gewerkschaftlichen Organisation anzuschließen und damit Einfluß auf die Lohngestaltung zu gewinnen, oder aber sich der Willkür des Unternehmers zu unterwerfen. Noch ist es Zeit zur Selbstbesinnung! Konflikt im Kölner Einzelhandel. Sämtliche Angestellte gesündigt. Im Kölner Einzelhandel kämpfen die kauf- männischen Angestellten zurzeit einen schweren Kampf um die Neuregelung des Rahmenvertrages. Der Bertrag ist vom Arbeitgeberverband gekündigt ward«». Bis jetzt haben die VerHand- lungen noch zu keiner Lösung geführt. Wohl liegt«in S ch i e d s« f p r u/h vor, der in der Hauptsache eine Ablehnung der Forde- rungen der Angestellten brachte, allein di« Nachverhondlungen mußten ergebnislos abgebrochen werden, weil es in der Frage der Kurzarbeit zu keiner Verständigung kam. Der Arbeitgeber» verband Hot feine Mttgliedsfirmen nunmehr angewiesen, s ä m t- lichen Angestellten den Dienstvertrag zum 39. Juni zu kündigen. Von dieser Kündigung wurden zunächst 5999 An- gestellte bctrofsen. In einigen größeren Kölner Firmen wurde von den Angestellten gefordert, sich binnen wenigen Stunden untcrschristtich mit der sofortigen Einführung von Kurzarbeit«inverstanden zu erklären. Di« Kurzarb citfrag« hätte wahrscheinlich nicht zu«iner Kompli- kation des Torisstreiis geführt, wenn di« Unternehmer von vorn- herein etwas mehr Augenmaß beHollen hätten. Sie haben durch Hemmungslosigkeiten die Angestelltenschaft herausgefordert. So haben sie verlangt, daß die Festsetzung von Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit nicht mehr sür den ganzen Betrieb einheit- l ich, sondern mit jedeni Angestellten besonders vereinbart werde. Angestellte, für di« während des Tages ein« ausreichende Be- ichäftigung nicht vorhanden sei, sollt«» dafür auch über 7 llhr abends tätig sein. Weiter verlangten die Unternehmer Abgeltung der Ueber« stunden nicht mehr durch Bezahlung, sondern durch Freizeit und Verpflichtung. zur S o nnt a q so r b« i.t ohne Bezahlung. Man sollt« erwarten, daß d«r Kölner Einzelhandel bis..zum 8. Äm— bis dahin sind die Verhandlungen vertagt— wieder zur Vernunft kommt. französische und belgische Textilarbeiter einig. Das Zersplitterungsmanöver der Unternehmer angeprangert Part». 3. Juni.(Eigenbericht.) Das Streikkomitee der Textilarbcitergewerkschaften von Rou>- b a i x Hot am Dienstag einstimmig eine Entschließung an- genoinm««, in der gegen di« Mitteilung des Textilkonsortiums pro» testiert wird, daß di« belgisch«« Arbeiter«ntschlossen seien. sich mit der Abschaffung der Anwesenheitsprämi« einverstanden zu erklären. Es handele sich dabei nur um ein Manöver, um Zersplitterung in die Reihen der Arbeiter zu tragen. Di« sozialistischen Textilarbeiterorganisotionen in Belgien seien stets mit den französischen Organisationen darüber « i n i g gewesen, sich jeder Lohnkürzung energisch zu widersetzen. Eine ähnliche Entschließung ward« von den Textilarbeitern von Tourcoings angenommen, die sich außerdem für di« Fort- setzung des Streiks bi-z zur vollen Durchsetzung ihrer Forderungen aussprachen. Ein Borstondsmitglied der Textilorbeitergewerkschost Hot dem Rerichterstottcr des„Petit Parisien" erklärt, dos Manöver des Arheitgeberverbandes stütze sich auf du Meldung, daß Die belgischen Arbeiter(ich als„unfreiwillig" Streikende bezeichneten; das sei nur geschehen, damit sie vom des- zischen Staat Unterstützungen erhalten. Di« sronzösijchen Arbeiter seien aber überzeugt, daß ibre belgischen Kameraden nur in vollem Einvernehmen mit ihnen die Arbeit wieder aufnehmen würden. Auch Australien will eine Notnerordnung durchführen. Geplant ist eine Kürzung aller Löhne. Gehälter und Penjionen um 29 P r o z., seruer eine einheitliche Herabsetzung der Z i n? s a tz e der stoollichecvund städtischen Anleihen sowie der privaten Hypo- t h« k e n. �lllso dort geht man auch den Kapitalrentnern zu Leibe. lSd» freie Gewerkschalis-Zuaen dB erlin s™»-. Tenniratofl. I»>z!I!>r toorn di« guaind- ieim(Sritrflu«« 0tr. 5. �rimbcivri'änuia.— EckL: hauier Tsr. Iugerd. dcim Ti-tfttr. IS...Wo» irrtcrtffirrf drn aninten aus ntcinrnt■•Bctuf?" (flurjrtfstale.)—®«fuaW>nut»tn: juamdbeim Siatc Echul«.©otcnbucfift Straft« 2. s«imb«sprccknma. SirtKrabonb.— Südoftcn; Iugendbcim Reich« II. Ixtnct Str.(56(SeutciDfbtbaus). ßtintbcfurrcbunfl und DiskuMon-abend ilbft die 40.etuiibsn-aJixt)«.— lempclbof: Iua«ndb-im En* um©ttmamafU. 4— 6, fitnaena©öftstrafte. Seimbesprechnng:„Die Mäb»Is am Sender-.— Moabit: Iuaendbeim Lehrter Str. IS— 19. Heimbelbirechirna, Liederabend.— Ren. Lichten. btt«: Iiiaendixim©untcrftr. 44. Kur»r«ferate.— Lichtenberp:?ue.rndbcim Lauffftroft«. an der Lessinastrafte. Unsere Tatnpkrrsabrt.— Landtberaer Ploft: Inaendbeim Diestelmenerstr. 5. Heimbesprechun«:„iRctC. und S'av'. Siaaftr: fiiKKnbbcira 17. Boiioschule, Staaten�r-artenstadt. Schnlstrafte. tS-'N-u inrrdnina. — Bell eidvra-arbeitee. fugend � 9m 9uar"bbf.m Skdastianftr. 37- /S Vortrag bfs floDtorn Lebmann: Las ist di« M??.?" @3uaenfrortU)pe PesZeMralverbandes der Anoefteltten Seute find«» folaench« Veranstaltunae» statt: Pantaw-Süeberschönbaulc»! Zua-ndbeim Sörschitr. 14 iaroftes nimm erb„Was Icfen wir". Ltitctm Wost.— Osten: Schule Litauer Str. 18. Miialiedernersammluna.— iMptcni: Schule Wildendruchstr. 53 lguaana von der Geaeftstrafte in Treptow).„In Treptow blllbt der ülacks."- Schöneberg: Wir dewchen die V-r'ammluna de» Werdeb«»ir4s.— Tie„ssreie Anaestellten-Bank. e. Id. m. b. h." leat rsn 21 di» UM im Verbau d»bau>»- Verantwortlich fstr Politik: tt. Sart Geyer! Wtrtschalt:®. fllir.aclbötctj GcmertidiaftSbemrauna: ä®t«f««t; fftutOtton; St. Job» Schikowski: Lokole» und Sonstige»: grift flarftäbt; Rnteigen: Tb. Glocke: sämtlich in Berlin. Verlaa: Vorwilrls-Verlaa® tu b. S-, Berlin. Druck: Vorwart«. Buchdruckeret unb Verlagsaustalt Paul Sinaet u. Co. Berlin SäB 68, Cinbcii straft« t, . Kiers» 2 Beilagen nnb �sraueustimma-. Nr. 255* 48. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 4. Inn» 4934 Berlin ringt sich durch I Programm des Siadthammerers/ Weg mit dem Unrecht/ Appell an Reich und Staat In der gestrige« Sitzung des Stadtparlaments. in der wieder bestellt« Radaumacher die Arbeit zu stören versuchten, brachte der Stadtkämmerer, Genosse Bruno Asch, den Haushaltsplan für das laufend« Etatsjahr ein. Berlin zahlungsfähig zu erhalten, um Löhne. Gehälter und soziale Unterstützungen auch in der schwer- sten Krise weiter auszahlen zu können, ist die Aufgabe, die es zu lösen gilt. Die sachlichen, klugen und von hoher Verantwortung getragenen Ausführungen des Kämme» rers wurden oft von den Anhängern der Radauparteien unterbrochen, wobei die Störer im Plenum und auf der Tribüne sich eifrig sekundierten. Schreien können diese Maulhelden alle ausgezeichnet, keiner der Hetzer aber weiß einen besseren Weg zu weisen. Im Rathaus wird in den nächsten Tagen und Wochen mit Hochdruck gear- bettet werden müssen, um den Etat der Viermillioneu- stadt unter Dach und Fach zu bringen. Für morgen und Sonnabend sind bereits vom Vorsteher außerordentliche Stadtverordnetensitzungen angesetzt worden. Trotz aller Deckungsversuche und rigoroser Sparmaßnahmen bleibt im Etat ein Defizit von 92 Millionen. Dabei wachsen die Sozialausgaben der Riesenstadt, in der jeder Ver» elendete, jeder Abgerissene noch Unterschlupf zu finden hofft, von Tag zu Tag. Und die Steuereingänge gehen weiter zurück! Wie lange wollen Reich und Staat noch tntt der dringenden Hilfe warten? Die Rede des Etadikämmerers Genosse Asch führte aus: Der Haushaltsplan schließt in der Ordentlichen Verwaltung mit 1098 000 000 M. ab gegenüber IIIS 000 000 M. im Jahre 1930. in der Außerordentlichen Berwallung mit 287,3 Mill. M. gegen 41,9 Mill. M. im Jahre 1930. Auf allen Gebieten der städtischen Verwaltung sind einschneidende Sparmaßnahmen durchge» führt, die den Haushaltsbedarf der einzelnen Kapitel zum Teil er- heblich gesenkt haben. So haben sich die laufenden Aufwendungen für die Bauverwaltung von 38,S Mill. auf 34, S Mill., für da» Wohnungs- und Siedlungswesen von 141 Mill. auf 79,5 Mill.(wegen Wegfall eines erheblichen Teils der Hauszins- steuer), im Schulwesen von 148 Mill. auf 132,7 Mill., im G e- sundheitswesen von 12S,6 Mill. auf 115,6 Mill. gesenkt. (Hört, hört im Haufe.) Alle Ersparnismaßnahmen aber sind in ihrer Wirkung mehr als ausgeglichen durch den ständig steigenden Bedarf des Wohl- fahrtsetats, der für das Jahr 1931 den gewaltigen Zuschuß- bedarf für Wohlfahrtserwerbslose in Höhe von 158 Mill vorsieht gegenüber einem Voranschlag für 193Y von 46 Mill und einer Ist- Ausgabe für 1930 von 78 Mill M. Durch diese Entwicklung der Wohlfahrtserwerbslosigkeit und die gleichzeitig steigenden Zahlen der übrigen Hilfsbedürftigen steigt der gesamt« Wohlfahrtsaufwand der Stadt auf einen Zuschußbedarf von 352 Mill. M. Das ist mehr als der 6 X fache Betrag des llahres 1924. (Lärm bei den Komm, und Nazis.) Während die Aufwendungen der Stadt, insbesondere auf dem Ebnete der Wohlfahrtspflege, fest der Stabilisierung der Währung eine ständig steigende Tendenz zeigen, hat sich die Finanz- ausgleichsgesetzgebung fortgesetzt zuungunsten der Stadt verschlechtert.(Sehr richtig! bei den Soz., Lärm bei den Komm.) Das Anrecht an Berlin. Bei allen finanziellen Ausgleichsmaßnahmen zeigt sich die e i n- seittge Wirkung gegen Berlin. Bei der H a u s z i n s st e u e r sind die bisherigen Verhältnisse bekannt. Sie sind empfindlich ver- stärkt durch die neuen, im Jahre 1930 erlassenen Bestimmungen der Notverordnung und der Preußischen Finanzausgleichsgesetz- gebung. Berlin liefert au« seinem bisherigen Wohnungsbananteil weitere annähernd 60 Mill Tll au die preußischen Ansgleichsfonds zur Realsteuerfenkung und zum Wohnungsbau. Da die Realsteuersenkung in Preußen nicht schematisch, sondern nur bis auf den Landesdurchschnitt erfolgt und Berlin bei der Gewerbe- steuer unter dem Landesdurchschnitt bleibt, erhält es bei der Ge- Werbesteuersenkung überhaupt kein« Rückvergütung, bei der Grund- oermögenssteuersenkung eine Vergütung von rund 150 000 M. Wenn auch in diesem Jahre erstmalig ein größerer Bettag aus dem Woh- nungsbau-Ausgleichsfonds der Stadt Berlin zufließen wird, so bleibt doch eine erneute Schädigung der Reichshauptstadt um rund 45 Will. M. festzustellen. Bei der Kraftfahrzeugsteuer wird Berlin, obwohl es nach seinem ungewöhnlich hohen Aufkommen und der Größe des Stadtgebietes Anspruch darauf hätte, wie eine preußische Provinz behandelt zu werden, erheblich beeinttächtigt, so daß die Berliner Straßenverhällnisse sich fortgesetzt verschlechtern und wesentlich hinter denen zahlreicher Provinzen zurückbleiben, die aus dem Ver- liaer Auskommen unterstützt werden. Die schwere Wirtschaftskrise wirkt sich im Etat der Stadt in besonders starkem Maße bei den Steuereingängen aus. Legt man die Steuersätze und die bis zum 31. März 1930 erhobenen Steuern zum Zwecke des Vergleichs zugrunde, dann be- trägt das Soll im Etat 1931. rund SS bis 90 Millionen Mark weniger als im Haushaltsjahr 1929 vereinnahmt wurden. Der Rückgang der Einnahmen auf der einen Seite, die Steige- rung der Wohlfahrtslasten auf der anderen hat, wie oben bereits dargelegt, zu einer erheblichen Einschränkung auf allen anderen Arbeitsgebieten geführt. Das bedeutet für die Berliner Wirtschaft, daß die Stadt in stärkstem Maße als Auftraggeber auf den verschiedensten Se- bieten ausfällt und durch diese Notwendigkett, mit eigenen Investierungen zurückzuhalten, die Wirtschaftskrise leider weiter steigert. Die Kassenlage der Stadt ist durch die Bewag-Transaktion vorübergehend erleichtert, es bleibt aber zu berücksichtigen, daß durch den Fehlbettag des Haushalts 1931, sowohl in der Ordentlichen Verwaltung, als auch in der Außerordentlichen Verwaltung erhebliche Kassenbedürfnisse Nur keine Arbeit schaffen! Die Kommunisten im Bunde mit den Arbeiterfeinden. wie ernst es die Kommunisten mit der Fürsorge für die Er- werbslosen und mit der Beschaffung von Arbeit und Arbeits- gelegenheil nehmen, zeigte sich gestern abend in der Stadtverordneten. Versammlung mit einer Deutlichkeit, wie sie eben nur die kommu- nisten liefern könuen. Sie lehnten den Neubau für das Ar- beltsamt Südost ab und fanden dabei eine Mehrheit in der Gemeinschaft aller Reaktionäre, den Deutschnationalen. National- sozlalisten und der wirtschastspartei. Dl« Stadt Berlin ist gesetzlich verpflichtet� der Reichs- anstatt für Arbeitslosenversicherung für ihre Arbeitsämter Näume zur Verfügung zu stellen; das Arbeitsamt Südost war mangels anderer freier Räume in einem allen, baufälligen Lag.erschup- p«n in der Hermanttsttaße untergebracht und deshalb war die Er- stellung eines Neubaues gerade für dieses Amt besonders nötig. Unter den furchtbaren räumlichen und sanitären Vechältnissen hatten nicht nur die Angestellten des Amtes zu leiden, sondern auch die Er- werbslosen, die in diesem„Amtsgebäude" abgefertigt werden muß- ten. Sehr oft haben sich in turbulenten Szenen auch kommu- n i st i s ch e Erwerbslosendeputationen über die schrecklichen Ver- Hältnisse beschwett, oft genug haben Kommunisten und Sozial- demokraten eine Aenderung der Zustände gefordert. Jetzt war es endlich so weit, daß Berlin 900 000 M. im Wege einer Anleihe bewilligte, wozu der fast ebenso hohe Zuschuß der Reichsanstalt kommen sollte. Man kann sich einfach nicht vorstellen, daß«ine Patte i. die ihr« angebliche Fürsorge für die Erwerbslosen nicht laut genug in die Well hinausschreien kann, ein solches Projekt ablehnt. Herrn Bänsch, selbst Angestellter eines Arbeitsamts, blieb es vorbe- behalten, die ablehnend« Haltung seiner Fraktion zu begründen. Nun sollen also nach dem Willen der Kommunisten die Erwerb». losen weiter in dem baufälligen Lagerschuppen abgefertigt werden. die Angestellten sollen weiler guter den- unwürdigsten Berhältnissen arbeiten, ein Bau im werte von über{& Millionen Mark soll ün- gebaut bleiben und Tausenden von Bauarbeitern soll diese will- kommen« Arbeitsgelegenheit entgehen. So setzen die Kommunisten ihr Arbeitsbeschassungsprogramm in die Tat um, ihr Programm, das sie erst in der vorigen Woche bombastisch in ihrem Hetzblatt oerkündeten! Schade, daß dies« arbeiterfeindliche, verräterisch« Haltung die Tribünenbesucher nicht miterleben durften: ihnen wäre vielleicht doch ein Licht aufgegangen über die Erwerbslosensürsorxe der Kommunisten. In der Oeffentlichkeit aber, auf den Stempelstellen, ganz besonders aber im Baugewerksbund werden unsere Genossen jetzt dafür zu sorgen haben, daß den Kommunisten die Heuchler- maske vom Gesicht gerissen wird. Von I. ILF UNO FPETROW „Das ist nicht schön von Ihnen, Genosse Bender", sagte Worobjew und sein grüner Schnurrbart bebte. Diese Motte flößten dem schon ermüdeten Ostap neue Kraft ein. Sein herzliches Lachen dauerte noch zehn Minuten. Dann wurde er plötzlich ernst.„Warum sehen Sie mit so bösen Augen auf mich, wie der Soldat auf die Laus? Sie wissen ja nicht, wie Sie ausschauen!" „Der Apotheker hat mir doch versichert, es fei eine radikal schwarze Farbe. Daß man sie weder mit kaltem, noch heißem Wasser, noch mit Seife oder Petroleum herunterbringt. Ge- schmuggelte Ware..." Worobjew war mutlos. Jetzt erhob sich der Hausmeister. Als er seinen Herrn mit dem grünen Schnurrbart erblickte, bekreuzigte er sich und erbat Geld, um den Katzenjammer zu verjagen. „Geben Sie dem Märtyrer der Arbeit einen Rubel," sagte Ostap,„aber bitte, nicht auf mein Konto. Das ist Ihre Privatsache... Warte, Väterchen, geh noch nicht, wir müssen noch etwas besprechen." Ostap fragte den Hausmeister wegen der Möbel aus, und fünf Minuten später waren die Konzessionäre über alles orientiert. Im Jahre 1919 hatte man die Möbel ins Woh- nungsamt geschafft, mit Ausnahme eines Stuhles, der zuerst bei Tichon war und sodann vom Verwalter des Hauses für Altersfürsorge übernommen wurde. „So befindet sich dieser Stuhl hier im Hause?" „Sehr richtig." , Sag' mir, mein Freund," fragte Worobjew mit ge- heimer Angst,«hast du den Stuhl in der Zeit, da er bei dir war. nicht... repariett?" , Es war nicht nötig, ihn zu reparieren. Das war noch gute,' alte Arbeit. So ein Stuhl kann dreißig Jahre über- dauern." „Nun geh, mein Freund, hier hast du noch einen Rubel und erzähle niemandem, daß ich in der Stadt bin." „Wie ein Grab, Bürger Worobjew." Und schon war er draußen. Ostap rief aus:„Das Eis fetzt sich in Bewegung", und er begann, sich mit dem Schnurrbart Worobjews zu beschäf- tigen.„Wir werden ihn neu färben müssen. Ihr.Titanik' ist nur zum Hundefärben gut. Und jetzt geben Sie mir Geld, ich hole etwas Besseres." Bald kam er mit einer neuen Mixtur wieder,.Najade'. „Hoffentlich ist sie besser als Ihr.Titanik'. Ziehen Sie den Rock aus." Das Mysterium des Umfärbens begann. Ostaps nette braune Farbe aber vermischte sich mit dem grünen Titanik- Überbleibsel und verlieh überraschenderweise dem Kopf und Schnurrbart Worobjews die Farben des Sonnenspektrums. „Einen solchen Schnurrbart hat nicht einmal Aristide Briand", bemerkte Ostap munter.„Ich würde Ihnen aber nicht raten, mit dem lila Schnurrbart hier in Rußland herum- zulaufen. Wir werden gezwungen sein, ihn abzunehmen." „Das lasse ich nicht zu", sagte Worobjew betrübt.„Das ist ausgeschlossen. «Ist Ihr Schnurrbart vielleicht ein teures Andenken?" „Es darf nicht sein", wiederholte Worobjew und ließ den Kopf hängen. „Also bleiben Sie Ihr ganzes Leben lang in der Haus- meisterwohnung sitzen und ich werde selbst die Stühle holen. Der eine Stuhl befindet sich knapp über unserm Kopf." „Also rasieren!" Bender fand eine Schere und im Moment siel der Schnurrbatt, den Worobjew jahrzehntelang gehätschelt hatte, geräuschlos zu Boden. Und vom Haupt das radikal schwarz, grün und ultraviolette Haar. Als der Generaldirektor mit dem Haarschneiden fertig war, nahm er eine alte Gilette- klinge aus der Tasche und begann Worobjew, der dem Wei- nen nahe war, zu rasieren. „Die letzte Klinge opfere ich für Sie. Vergessen Sie nicht, zwei Rubel für Haarschneiden und Rasieren auf meine Habenseite einzutragen." Mitten in seinem Kummer, vor Schmerz bebend, konnte Worobjew doch die leise Frage nicht unterdrücken:„Warum so viel? Ueberall kostet es vierzig Kopeken." � „Für meine Verschwiegenheit, Genosse Feldmarschall." Es ist unbeschreiblich, wie sehr ein Mensch leidet, der mit einer alten Giletteklinge rasiert wird, Aber alles nimmt ein Ende.... »Fettig. Ueberästhttifche Menschen werde» ersucht, nicht hinzusehen! Jetzt sehen Sie Bobottkin ähnlich, dem Darietä- sänger." Worobjew putzte die Haarreste weg und sah sich heute schon zum ixtenmal in dem Spiegel. Was er sah, gefiel ihm aber. Ein immerhin junges Schauspielergesicht, durch Leiden geläutert. „Vorwärts also!" rief Ostap.„Ich gehe ins Wohnungs- amt, besser gesagt in das Haus, wo es sich einmal befand, und Sie gehen zu den alten Weibern." „Ich kann nicht," sagte Worobjew,„mir bricht das Herz, wenn ich jetzt mein eigenes Haus betreten soll." „Ach, sieh mal! Eine rührende Geschichte! Der ver- jagte Herr Baron. Nun gut, gehen Sie ins Kommissariat und ich werde hier arbeiten. Rendezvous hier in der Haus- meisterwohnung. Allez." Der Dieb Der Wirtschaftsverwalter des Versorgungsheims war«in verschämter Dieb. Sein ganzes Wesen sträubte sich gegen das Stehlen, er konnte aber nicht anders, es drängte ihn immer dazu. Er stahl und schämte sich. Er stahl andauernd, und seine rasierten Wangen wurden dabei schamrot. Er hieß Alexander Iakowlewisch, seine Frau Alexandra Jakowlewna. Er nannte sie Saschi, sie ihn Alchen. Ostap Bender öffnete die mächtige Eichenholztür zu Wo- robjews Haus und befand sich im Vestibül. Ein Geruch von angebranntem Brei war hier zu spüren. Von oben her tönte Stimmengesumm. Niemand war da und niemand kam. Eine ehemals lackierte Holztreppe führte nach oben. Ostap stieg die Treppe hinauf. In dem ersten Zimmer, das hell und geräu/nig war, saßen fünfzehn alte Frauen im Kreis. Alle in billigen grau- leinenen Kitteln. Die Alten streckten neugierig die hageren Hälse, sahen den Mann an, der plötzlich in ihre Mitte trat und sangen dabei: „Ich höre eine Troika läuten Und rings liegt Schnee wie weißes Kleid." Der Dirigent mit Bluse und Hosen, gleichfall» aus Leinen, gab den Takt mit beiden Händen, drehte sich herum und ttef: „Leiser! Kokuschkina— leiser!" Er sah Ostap, konnte aber den Schwung seiner Hände nicht unterbrechen. Er blickte ihn nur ungehalten an und dirigierte weiter.(Fottsetzung folgt.) efnfrrfen, so diaß die rechtzeitige Bereitstellung weiterer Mittel ein« der wichtigsten Aufgaben der städtischen Finanzwirtschaft bleibt. (Zurufe bei den Nazis, Glocke des Vorstehers, der sie ermahnt, bis zur Aussprache zu warten.) Der Kämmerer schloß mit folgenden programmatischen Sätzen: Die Aufgabe der nächsten Zukunft ist: dringender Appell an Reich und Staat(Zuruf des Stadtv. Kasper(Komm.):„Die Der- waltung Berlins abzubauen 1" Genosie Asch:„Herr Kasper, auch mit Ihrem Abbausystem würden Sie nur einen so geringen Teil des Haushalts treffen, daß auch Sie den Etat nicht balancieren könnten!"— Beifall bei den Sozialdemokraten.), über ihren eigenen Sorgen die Bedürfnisse der kommunalen Verwaltungen als der wichtigsten Zellen des Staates nicht außer acht zi�. tasten, ins- besondere bei der Finanzausgleichsgesetzgebung die Bedllrfniste der Großstädte, vor allem Berlins, angemessener zu berücksichtigen, als es bisher der Fall war. Vor allem aber Ordnung im eigenen Hause, vorsichtige Verwendung der zur Verfügung stehenden Mittel, rationelle Gestaltung des Verwaltungsapparates, gutes Kon- trollsystem, Beschränkung der städtischen Arbeit auf die wirklich für die Bevölkerung wichtigen und bedeutsamen Gebiete— unter Aufgabe weniger wichtiger—, um über die schwere Krise in erträglicher Weise hinwegzukommen und die eingeleitete Konsolidierung der städtischen Finanzen im Interesse des Berliner Kredits und der gesamten Berliner Wirtschaft nach und nach sicherzustellen. Die Krachmacher waren bestellt. Noch ehe der Kämmerer seine Rede beendet hatte, nahmen die Einmischungen gewisser Tribünenbesucher eine so laute und an- haltende Form an. daß der Vorsteher, Genosse Haß, nach mehr- maliger Ermahnung die Tribünen räumen lassen mußte und die Sitzung unterbrach. Dann machte der Vorsteher'bekannt, daß morgen, Freitag, 17 Uhr. die Generaldebatte über den Haushaltplan stattfindet. Für jede Fraktion soll eine Stunde Gesamtredezeit zugelassen sein. Dagegen protestierten die Kommunisten, oerlangten unbeschränkte Redezeit, fielen aber damit durch. Ein deutschnationaler Antrag, eine Stunde Redezeit nur für die Generaldebatte gelten zu lassen, wurde mit wenigen Stimmen Mehrheit angenommen: der Borsteher beraumte daraufhin eine weitere Sitzung auf Sonnabend an. Das hatten die deutschnationalen Antragsteller und ihre kam- munistisch-nationalsozialistisch-wirtschaftsparteiliche Gefolgschaft er- reicht! «- In schneller Folge wurden vor der Kämmercrrede eine Reihe Vorlagen erledigt. Cinc Vorlage des Magistrats, die eine tolerantere Anwendung der Wertzuwachssteuer vorsieht, war im Ausschuß mit geringen Aenderungen angenommen worden. Gestern begrüßte Stadtv. Dr. Eyck(Staatsp.) die Herabsetzung der Wertzuwachssteuer, weil dadurch der Grundstücksmarkt, der vollkommen daniederliege, neu belebt werde. Stadtv. Locwy(Soz.) betonte, in einer Zeit, wo alle Steuern bis an die Grenze des Er- träglichen angespannt sind, mußte auch die Weltzuwachssteuer, die letzten Endes doch eine Steuer auf arbeitsloses Einkommen ist, so hoch wie möglich sein. Die Sozialdemokraten bezweifeln, daß nach einer Ermäßigung der Steuer eme Besserung auf dem Grund- stücksmarkt einttitt. Ein Beispiel dafür biete Frankfurt am Main. Die neue Steuerordnung wurde mit geringen Aenderungen ange- nommen. Der der Versammlung schon mehrfach vorgelegte Nachttag zur Vergnügung? st euer wurde in namentlicher Abstimmung " angenommen.______.', Als sechstes Mitglied für den Aufsichtsrat der neuen Berliner Kraft- und Lichtaktiengesellschaft wurde Dr. Birk(Z.) gewählt.— Die Genehmigung zur Aufnahme einer Anleihe von 900 000 M. als Betrag für den dringend nötigen und sowohl im Interesse der Arbeitslosen wie aller Angestellten geplanten Neubau des Arbeits- amts Südost wurde von den Kommunisten abgelehnt. Ueber dieses skandalöse Verhalten berichten wir gesondert. Schluß der Sitzung 21 Uhr. Brücke stürzt in die Tiefe. Zwölf Todesopfer I— Furchtbares Stnsturzunglück. Paris, Z. Juni. Wie aus Bordeaux gemeldet wird, hat sich in St. Denis de Pilex ein schweres Unglück ereignet, das vorläufig 12 Todesopfer gefordert hat. Bei der Belastungsprobe einer neuen, über die Jsle gelegten Brücke, stürzte der Bau plötzlich ein und rieft die zahl- reichen auf der Brücke befindlichen Personen mit in die Tiefe. 12 Personen wurden getötet, IS Personen wurden schwer verletzt. Zwei Verletzte sollen bereits auf dem Wege zum Krankenhaus verschieden sein. Unter den Toten befindet sich hauptsächlich das Begleitpersonal der zehn schwer beladenen Lastautos, mit denen die Be- lastungSProbe vorgenomemn wurde. Die reißende Strömung riß die ins Wasser Gestürzten mit sich. Augenzeugen der Katastrophe gelang es, in großer Hast Boote los- zumachen und die Opfer nach und nach zu bergen. Das Unglück soll darauf zurückzuführen sein, daß die Stahltrosse der Brückenpfeiler unter dem Gewicht der Lastautos und vielleicht auch unter dem Druck der Strömung riß. Die Art des Brückenbaues läßt sich vor- läufig aus den widersprechenden Meldungen nicht klar feststellen. 10 Leichen sollen sich, wie verlautet, noch unter den Trümmern der Lastkraftwagen im Flußbett befinden. Wahnsinn der ZoNmauern. Zwei Tote wegen 44 Kilo Dörrobst. Warschau, Z. Juni. Wie aus I h o r n gemeldet wird, sind im Abschnitt p r a s ch k a au der deutsch-polnischen Grenze drei polnische Schmuggler von pol- nischen Grenzwächtern se st genommen worden. Als sie flüchten wollten, machte die Grenzwache von ihren Schußwaffen Ge- brauch. Zwei Schmuggler waren auf der Stelle tot, der dritte wurde verhaftet. Bei den Getöteten fand man 12 Silo getrocknete Pflaumen und 32 Silo Rosinen... Weder StraBenkrawalle. Erwerbslose, ihr werdet mißbraucht.— Arme Fensterstürmer. Zn den gestrigen Abendstunden versuchten zahlreich« Trupps Erwerbsloser unter kommunistischer Führung vor dem Rathaus in der Sönigstraße wieder einmal Krawalle zu entfachen. Die Polizei war von der Absicht der Demonstranten offenbar unterrichtet, denn es waren alle Maßnahmen getroffen, um Zwischenfälle im Keime zu ersticken. Die Demonstranten, von denen es nur wenigen gelang, bis auf den Rathausvorplah vorzudringen, wurden sehr schnell zerstreut. Mehrere Fensterscheiben in der König- und Alexanderstraße wurden im verlaufe der inszenierten Tumulte ein- geschlagen oder durch Steinwürse zertrümmert. Es ist ein mehr als frevelhaftes Spiel, das die kommunistischen Dunkelmänner aus der Kleinen Alexanderstraße nun schon feit Monaten mit der Not der Erwerbslosen treiben. So wie gestern vor- mittag die Plünderungen im Norden Berlins systematisch organisiert waren, ebenso planmäßig wurden die Erwerbslosentrupps gestern abend in das Stadtinnere dirigiert. Während in den Außenbezirken starke Polizeipatrouillen die Straßen durchfuhren, um ähnliche Vor- kommnisse wie am Vormittag zu verhüten, glaubten die Kommunisten den Augenblick für gekommen, unter dem Schutz des starken Fuß- gängerverkehrs am Rathaus Tumulte zu entfesseln. Schon bald nach Geschäftsschluß war die Ruhe in der City wiederhergestellt. Mehrere Radfahrer hatten durch Steinwürfe die Schaufensterscheiben der Konditorei Gumpert, der Schuhfiliale Leiser und des Lebensmittelgeschäftes Jenkner zertrümmert und waren dann geflüchtet. Als ein Polizeibeamter einen der Täter festnehmen wollte, kam er zu Fall. Diesen Augenblick benutzte die verhetzte, irregeleitete Meng«, um über den Polizisten herzufallen. Der Ueberfallene konnte erst von hinzueilenden Kameraden befreit werden, nachdem eine Reihe von Schreckschüssen abgegeben wprden waren. Dabei wurde einer der Rädelsführer von einer Kugel in den Unterschenkel getroffen. Der Verletzte wurde als Polizeigefangener in das Staatskrankenhaus in der Scharnhorststraße gebracht. Bei einem weiteren Zusammen- stoß zwischen Polizeibeamten und Kommunisten an der Ecke der Kaiser-Wilhelm- und Münzsttaße wurde der kommunistische Land- tagsabgeordnete Paul G r a s s e r zwangsgestellt und der Ab- teilung I.A des Polizeipräsidiums eingeliefert Wie noch bekannt wird, drangen gestern gegen 16 Uhr etwa 20 bis 2S Personen im Hause Müllerstraße 12f» in die Butterfiliale der Firma„Nordstern" ein, verletzten die Filialletterin und stahlen größere Mengen Wurstwaren. Zwei Täter wurden durch Beamte des Ueberfallkommandos ergriffen und der Politischen Polizei übergeben. Selbfhnord Dr. Hävers. Verfdiwnndener Rcdifsanwall erfdioffen aufgefunden/ Sein lefzfer Wille Der feit gestern früh verschwundene Rechtsanwalt Dr. Häver hat sich am Mittwochnachmittag um 4)4 Uhr auf der Toilette eines Hotels in der Berliner Strafte in Charlottenburg durch einen Revolverschuft getötet. Der Schuft ging in den Kopf und hatte den sofor- tigen Tod zur Folge. Das Hotelpersonal, das den Selbst- mörder auffand, hat die Kriminalpolizei von dem Fall benachrichtigt. Die Leiche ist beschlagnahmt. Der Prozeß gegen den Rechtsanwalt und Notar Dr. Häver, den ehemaligen Syndikus der Interessenvertretung der Deutsch- südwestafrikaner, hat durch seinen Freitod eine sensationelle Wendung genommen. Während die Kriminalpolizei sämtliche Rettungsämter und Krankenhäuser alarmierte und von überall Mit- teilungen eintrafen, daß nirgends ein Unfall mit Dr. Häver ge- meldet worden sei, während sämtliche Grenzen für ihn gesperrt wurden und auch über die Grenzen Deutschlands hinaus Ermitte- lungen vorgenommen wurden, während Dr. Häver in Berlin unhsr- irrte in der Suche nach einem Hotel, wo er sich das Leben nehmen konnte, hielt die Frau des Angeklagten Dr. Häver einen Brief in der Hand, der die Ueberschrift trug: „Mein letzter Willem .. In dem Schriftstück hieß est Ich setze meine Frau als meine Urbin em. Leider muß ich ihr das Ausschlagen der Erbschaft empfehlen. Zum Testamentsvollstrecker ernenne ich Rechtsanwalt Dr. v. Damm. Durch ihn werden die Angelegenheiten meiner Mandanten ordnungs- mäßig erledigt werden. Mit Peines Tat(Peine ist einer der Mit- angeklagten. D. Red.) habe ich nichts zu tun. Trotzdem ist ein End« mit Schrecken besser als ein Schrecken ohne Ende. Ich bedauere, ungedeckte Verpflichtungen hinterlassen zu müssen: ich kann aber nicht noch mehr Opfer von meinen Freunden verlangen. Ich danke ihnen für alles, was sie für mich getan haben, insbesondere auch Zabel(er hatte die Kaution gestellt. D. Red.). Meine Beerdigung bitte ich so einfach wie möglich zu gestalten, auch kein« Anzeigen zu erlassen." Nach der Vernehmung der Frau Häver glaubten einige Skep- tiker, daß das von ihr überreichte Schriftstück nicht ernst zu nehmen sei, daß das ganze bloß dazu dienen solle, die Behörden aus eine falsche Spur zu leiten. Sie sollten Unrecht behalten, Dr. Häver hat es vorgezogen, aus dem Leben zu scheiden. Er mag wohl gewußt haben, weshalb. Er wird von seinem Mitangeklagten Peine aufs schwerste belastet. Die Abhebung der SO 000 M. von der Reichs- schuldenverwaltung auf Grund der gefälschten Vollmacht des Afrikaners Kaiser ist auf die raffinierteste Weise geschehen. Wie verlautet, ist sogar einer der Angeklagten speziell nach Hamburg gefahren, hat sich hier im besten Hotel für eine Nacht eingemietet und am nächsten Morgen vom Briefträger sieben eingeschriebene Briefe in Empfang genommen, die angeblich das abgehobene Geld enthalten sollten, in Wirklichkeit Papierschnitzel auswiesen. Es wird dem Mitangeklagten nun nach dem Tode Dr. Hävers ein Leichtes sein, die Hauptschuld von sich abzuwälzen. Der Staats- anwalt mag doch recht gehabt haben, als er noch zwei Tage vor der Verhandlung beim Gericht beanttagte, Dr. Häver wegen Flucht» verdacht in Haft zu nehmen. Run ist er tatsächlich geflüchtet aller- dings aus dem Leben. Er hat den T o d der Schmach und Schande und der ruinierten Existenz vorgezogen. Vielleicht wäre es doch richtiger gewesen, ihn in S ch u tz h a f t vor sich selbst zu nehmen. Vielleicht hätte er den Prozeß und das Gefängnis überstanden und sich doch noch nach Rückkehr- in die Freiheit eine neue Existenz aufgebaut. Nun wird es auch ungeklärt bleiben, welch ttagifche Verkettung von Umständen ihn zu seinen Berfehlungen gebracht hat Die Avus-Kaiastrophe. Mzepräsident des Deutschen Beichsautoclubs freigesprochen. Das schwere INokorradunglück, das am 14. 5ep- lember auf der Avus geschah und das gestern vor dem Der- kehrsfchöffengericht dem Vizepräsidenten des Deut- fchen Reichsautoclubs zur Last gelegt wurde, wurde von dem Gericht dahin aufgeklärt, daß den Angeklagten keine Schuld treffe. An jenem Sonntag hatte sich beim Training für ein Motorrad- rennen ein tödlicher Unfall ereignet, und an der von der Polizei abgesperrten Stelle war kurz darauf Dr. M i s ch l e r auf seinem Motorrad vorbeigekommen. Auf den Wink des Verkehrs- Postens fuhr er langsam auf die andere Seite, als der hinter ihm fahrende Motorradfahrer Frey auf ihn herauffuhr, so daß beide Maschinen zu Fall kamen. Frey wurde getötet, und die Staats- anwaltschaft war der Ansicht, daß diese Tötung von Dr. M i s ch l e r fahrlässig verursacht worden sei, weil er zu langsam an der Unglücksstelle vorbeigefahren sei. Demgemäß beantragte Staats- anwaltschaftsrat Wolff 1500 Mark Geldstrafe, da jeder Fahrer auf der. Avus eine gewisse Geschwindigkeit einhalten müsse, um den Verkehr dort nicht zu hindern. Rechtsanwalt Dr. Brandt verteidigte den Angeklagten damit, daß er an einer derart unüber- sichtlichen Stelle nichts anderes tun konnte, als möglichst lang- sam zu fahren. Das Gericht kam auch durch die Beweisaufnahme zu der Er- kenntnis, daß den Angeklagten keine Schuld träfe, und sprach ihn daher von der Anklage der fahrlässigen Tötung frei. Die Schuld an dem Unglück treffe in erster Linie die A v u s, da die Absperrungsmaßnahmen nach dem ersten Unglück völlig unzu- reichend gewesen seien. Ein weiteres Verschulden treffe den getöteten Fahrer selbst, weil er mit übergroßer Geschwindigkeit ohne Beachtung der dort aufgestellten Verkehrsposten an der gefähr- lichen Stelle vorbeigefahren sei. Reuer Direktor Im Rudols-Virchow-Srankenhaus., Der Magistrat wählte zum ärzttichen Direktor der ersten inneren Abteilung des Rudolf-Virchow-Krankenhauses den bisherigen Direktor des Altonaer Krankenhauses, Professor Dr. L i ch t w i tz. Güierzug fährt auf Lokomotive. Eisenbahnunglück in polen.— 4 Tote, S Schwerverlehte. Warschau, 3. Juni/ Am frühen Morgen des Mittwoch ereignete sich«mf der Eisen- bahnstation Gawrolin— Pilawa in der Röhe von Demblin eine Eisenbahnkatastrophe. Ein beschleunigter Güter- z u g stieß in voller Fahrt mit eiizer auf demselben Gleis« fahrenden Verschublokomotive zusammen. Beide Lokomotiven wurden zertrümmert und zehn Wagen, die gleichfalls schwer beschädigt wurden, c n t g l e i st e n. vier Personen wurden aus der Stelle g e- tötet, sechs Personen erlitten sehr schwere Verletzungen und mußten bewußtlos ins Krankenhaus übergeführt werden. Drei Per- sonen trugen leichtere Verletzungen davon. Einer von den Toteu ist ein Soldat, der einen Militärtransport als Wache begleitete. Ein zweiter Soldat Kug schwere Verletzungen davon. Der Verkehr auf der Strecke mußte infolge starker Beschädigung und des Trümmerhausens wegen eingestellt werden. Drei Toie beim Kalibooiunglück. Auf der Isar bei Icking geriet ein mit drei Personen besetztes Faltboot in die Strömung eines Wehrkanals, wurde von dem starken Strudel am wehr erfaßt und unter diesem durchgerissen, wobei alle drei Insassen, ein Mann und zwei Frauen, den Tod fanden. Die Berliner Sinfoniker im Zoo. Die Direktion des Zoologischen Gartens hat das Berliner S i n f o n i e- O r ch e st e r, dessen Konzerte im vorigen Jahr bei den Besuchern des Gartens so lebhaften Beifall fanden, für diesen Sommer in der doppelten Anzahl von Konzerten verpflichtet. Die Sinsonie-Konzerte, die bereits am Dienstag ihren Anfang genommen haben, finden unter der Leitung von Dr. Hellmuth Thierfelder Dienstags und Donnerstags abends 20 Uhr statt. Bei den Konzerten wirken— wie im vergan- genen Jahr— namhafte Solisten mit. Das erste Konzert dieser Art findet als Opernabend am Donnerstag, 4. d. M., statt, als Solist singt Kammersänger Arthur Fleischer(Berlin). Das Programm der 24 Sinsonie-Konzerte im Zoo umfaßt volkstümliche Abende, Opern, Märchen und Legenden, Rhapsodien, Singspiele, Operetten und anderes mehr. „ TZhoW, Bratensoße Enthalt in konzentrierter Form alle natürlichen Bestandteile einer selbst gemachten, gut schmeckenden Bratensoßel Ein Würfel ergibt V4 Liter wohl* schmeckende Soßel Zöglinge hinter Gittern. Straube ist frei— seine Opfer hinter Schloß und Siegel. Der Prozeß gegen den Erziehungsdirektor Straube aus der Erziehungsanstalt Scheuen, dem Körperverletzung, schwere Miß- Handlung mit Todeserfolg und eine Reihe weiterer Mißhandlungen als Amtsverfehlungen zur Last gelegt werden, beginnt am 18. Juni vor dem Schöffengericht in Lüneburg. Es handelt sich um die be- kannten Vorgänge in Scheuen, die damit endeten, daß der Zögling Ledebour bei einer Schlägerei so unglücklich getroffen wurde, daß er einig« Tage später starb. Straube wird zum Vorwurf gemacht. diese Prügeleien angezettelt, geduldet und sogar geleitet zu haben. Jetzt sind alle an der Schlägerei beteiligten Zöglinge in Unter- suchungshaft genommen worden. Man begründet das mit Fluchtverdacht, der unmittelbar vor Prozehbeginn bei den Mitangeklagten Jungen vorliege. Während also der Hauptschuldige, Straube, frei umherläuft, setzt man die Opfer seiner falschen und gefährlichen Erziehungsarbeit hinter Schloß und Riegel. Zugegeben, daß die Jungen jetzt un- mittelbar vor dem Termin größere Angst haben als vorher, so sollten aber Gerichte und Untersuchungsbehörden andere Mittel und Wege kennen, jugendliche Missetäter zur Verantwortung zu ziehen. Um so mehr, als die Jungen wegen ihrer„Straftaten", für die doch in erster Linie ihr Erziehungsdirektor verantwortlich ist, nur sehr geringe Strafen zu erwarten haben. Den ebenfalls noch jugendlichen K o l l a tz, den Mörder unserer Genossen Schneider und Graf aus der Hufelandstraße, hat der Untersuchungsrichter jeden- falls freigelassen, obwohl ihm der Weg über die Grenze bekannter ist und offener steht als den armseligen Fürsorgepfleglingen aus Scheuen. Der bevorstehende Prozeß mutet überhaupt sehr seltsam an: auf der Anklagebank sitzen neben Straube nicht nur sein«„Tops- kratzer", die eben die meuternden Jungen zu mißhandeln geholfen haben, sondern auch die arg mißhandelten Meuterer. Es soll ein auf vier Wochen berechneter Monsterprozeß werden. Als hätte die Staatsanwaltschaft nichts wichtigeres zu tun, als sich mit der kin- dischen Scheuener„Revolte" zu befassen. Es hätte wahrlich genügt, wenn Straube und die an den Mißhandlungen schuldigen Jungen zur Verantwortung gezogen worden wären. Oer zweiie Wckling-prozeß. Wie die Zöglinge mißbandelt wurden. Segebcrg, Z. Zum.((Eigenbericht.) Der Rickling er Fürsorgeerziehungspro- z e ß hat nun doch seine Wiederholung erlebt. Die drei Auge. geklagten und die Staatsanwaltschaft haben im letzten Augenblick ihre Berufung zurückgezogen, aber der Reben- klüger O l t hält sie in vollem Umfange ausrecht. Es handelt sich bei diesem Prozeß um die Zustände im christ- lichen Erziehungsheim Rickling, die schon einmal Gegenstand einer Gerichtsverhandlung waren, bei der sehr oer- urteilenswerte Dinge ans Tageslicht kamen. Am Mittwoch, dem zweiten Verhandlungstag, wurde in die Beweisaufnahme eingetreten. Unglaublich, wie der Erzieher Christopher den da- mutigen Fürsorgezögling Ott behandelt hat. Die Zeugen schildern, ij» welcher Werse Christoph er die Zöglinge mißhandelte. Ott, der in- folg« Erkrankung an Bettnässen litt, muhte fast täglich seine Matratze mit ausg« st reckten Armen aus dem Fenster oder gegen die Heizung halten. Vevsagien ihm dann die Kräfte, so bekam er noch Fau st schlage oder Fußtritt« hinzu. Von einem anderen Fürsorgezögling wird berichtet, daß an ihn der Erzieher Christopher das Ansinnen gestellt habe, sich geschlechtlich mißbrauchen zu lassen. Als der Zögling dies ablehnte, soll Chrrstopher die Mißhandlungen gegen dsesen Zeugen noch g e st e i g e r t haben. Ein anderer Zeuge, der zum erstenmal vernommen wird, schildert ein« ganze Reihe von Mißhandlungen, die der Erzieher Christopher gegen ihn begangen haben soll. Christopher hat ihm einmal das Ohr voll» ständig durchgeknifsen; der Zeug« hat noch heute eine Starb«. All« Zeugen nehmen ihre Aussagen aus ihren Eid. Weitere Zeugen sollen telegraphisch herbeigerufen werden. Der Prozeß schreitet nur langsam vorwärts, mtt dem Urtell ist erst am Donnerstag zu rechnen. volkssluglag in Tempelhof. Am 7. Juni wird in Berlin-Tem- pelhof ein Volkssluglag abgehalten, der gleichzeitig der Ernährung?- Propaganda, durchgeführt von den milchwirtschaftlichen Verbänden und dem Rcichsmilchausschuß, dienen soll. Das Programm ist außerordentlich reichhaltig. Jeder Schüler und jedes Kind erhalten in der ausgerichteten Zeltmilchstadt einen Gratisbecher Milch oder Milchmischgetränk, ein entsprechender Gutschein ist der Eintrittskarte <3(1 Pf.) beigefügt: der mit besonderem Flugzeug kommende„Milch- onkel" wird gegen S Uhr eine lustige Conference halten. Die Kanzlei des Postscheckamts wird am 8. Juni aus den Räumen am Reichstagsufer 12-14 in das Gebäude Dorotheenstr. 22 übersiedeln. l-eichsbanner Schwarz-Ret-Goli», I. Kameradschaft, KreiS Berlin-Mitte, veranstaltet am 6. Juni ab Waisenbrncke, SO Uhr. eine Mondschein- partie nach Ziegenbai S. Der Preis für Hin- und Rückfahrt inkl. Konzert ist 1,Sl) M. Karten bei der(Saststätte Hundert, Elsäfser Straße 86/88. SozIailKiMhe SchOlertfemebiMhaHcn der Sozialislüchen Arbeiter-Jugend Groß-Berlin Beate. Donnerstag, den 4. innl, 19, rar, In der Anla der Sdinle Berlin SW, Bodislr. 13 Ocdenilidic Sdittierversammlmig Professor Heller wird sprechen Ober: «Jugend und Faschismus". Allgemeine Wetterlage. Der größte Teil Deutschlands stand noch unter dem Einfluß des finnländischen Tiefs, das sich im Lause der letzten 24 Stunden ge- bildet hat. Der Himmel war meist stark wolkig, und die Temperaturen blieben meist unter 20 Grad. Vielfach kamen Nieder- schlüge vor, die jedoch nur an der Elbemllndung etwas ergiebig waren. Im Südwesten des Reichs brachte dagegen ein kleines Hoch- druckgebiet vielfach heiteres Wetter; mit Höchsttemperaturen von 20 bis 22 Grad war es hier wärmer als im übrigen Reiche. Der Druck steigt jetzt über Skandinavien, der Nordsee, über einen Teil des Nordmeers und über Nordwestdeutschland, so daß sich also das von Grönland nach Nordfrankreich reichende Hoch nach Osten aus- dehnen dürfte. Trotzdem dürfte aber der Kaltluststrom auf der West- seite des sinnischen Tiefs noch anhalten. Wetteraussichten für Berlin: Wettere Abkühlung, meist wolkig, jedoch zeitweise aufheiternd, einzelne Schauer. Nordwestwinde.— Jüi Deutschland: Im Südwesten noch gröhtentell» heiter bei wenig veränderten Temperaturen, sonst kühles Wetter, vielfach Regen- schauer._ (inlenbangcn für dies« Rubrik sind • c 1 1 i■ S««6. LiudeuNruße 3. parieinachrichten für Groß-Verlin stet,(a d»,»ezirkesekretoriai T. Hos, 2 Treu pen recht», zu richte» Beginn aller Veranstaltungen 1914 Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! Heute, Donnerstag. 4. Juni. 19. Kreis, gusammentunft der erwerbslosen Parteiaenolsen bei Reimumn. Pankow, Mendelstraße, 15 Uhr. 19. 9lbt. 2V Uhr Ausspracheabend bei Stemel, Schwede nstr. 13. Thema: JWI- Politik". 38. Abt. 19 Uhr ssnnktloniirkonferen, bei Bartus». ssriedenstr.«. Vor allen ©innen müssen alle Vorstandsinitnliedcr nur Stelle dein. 89. Abt. 20 Uhr bei Ihlenfeld, Uhland- Ecke Sünhelstrak«. Iusammeniunft der Iugendqenollcn. Aussprache und Referat über die Todesstrafe. 128. Abt. 20 Uhr hei Kober ssunktionärsthun«. Morgen, Freitag. 5. Juni. 39. Abt. ffurlktionärkonferenz bei Pohst, Lnchener Str. 193. Jeder Bezirks» filhrer muh erscheinen. 33. Abt. Tas Reichsbanner SchwarvRot.Sold veranstaltet in der»Alten Taverne" einen Mlmabeni. Barteiaenosten und Genossinnen sind berUich einaeladen.— Die Bezirkssllhrer neben die Dücherkreis-Bänd« für da- 2. Quartal in der Fuilktieniirstfcuna an. 35. Abt. Abteilunasvorstandssthuna mit den Gruppenleitern. Lokal Lemble, Cchreinerstr. 38. 19 Uhr. TSb. Abt. sfunktionärsthuna bei Iiewann, flarlstr. 11. Achtung! Es wird nur noch im„Vorwärts" einaeladen. 78. Abt. Lokal Rath-, ffeurifl» Ecke Vrinz�Seora-iStrak«, Vorstand ssthuna mit den Be»irksslldrern. 79. Abt. 29 Uhr ssunklionärsthuna bei Reimann. Sedanstr. 17. 85. Abt. 20 Uhr erweitert- Vorstand ssthuna bei Vommerening. 89. Abt. llunktionärsthuna bei Drommcck, Sanderstr. 19. «£ ffJrnmonMSSnw im Lokal von ssleckwa«. des Genossen Gürtler.._.■ 93. Abt. ssunktionärsitmna bei Schauer, Treptower Str. 90, Ecke«eserstrast» Vi Stunde früher ebenda siusammenlunft der zeituilaskommlsstonsmrtalieder. 95. Abt. 20!4 Uhr im Lokal Sase, Steimnchstr. 7«. ssunktionärstwrng. Material. Giisfföb'e... 97. Abt. Funktionärsi�ung bei Rohe, Siegln edftraße. 98. Abt. ssunktionärsthuna fällt au».._ 120. Abt. 20 Uhr ssunktionärsthuna bei Schwert,, CaprttJigle«»i. 129. Abt. 20 Uhr Funktionärsthuna im Türkischen 8«lt, Brette Strate. Vor» standssthuna 19 Uhr dortselbst. 141. Abt. Tunktionärsihuna im Lokal Loffmann, Welwelststr. 3 Sonntag, 7. Juni. 7. ftrei». Der Bildni-osau-schust veranstaltet Donntaa, 7. Saat,«i»« Mbr,oa durch die Bunbesschuli Bernau des«DGB. T--fw»nkt«Dt dem Bahabol Bernau>9 Uhr. Rur für Parteimitalieder und TAI. 17. Kreis, graktion der sozialbemskratische» Elternbeirat- und Lehrer: 9% Uhr Bestchtiaunq de» Schulqartcn». Steffen 9% Uhr Lokal Normanne». Ecke Rusche strafte. Interessierte Parteioenosse» sind einaeladen. Frauenveranstaliung. 15. itrei». Sonnabend, 6. Juni, pünktlich 9 Uhr. Abfahrt tarn der Treskow. brücke in Ob-rschönew-id«. 911 Uhr Köpenick, Lursenhain. sitr die Abteilun» gen Adlershof und Alt-GNenicke. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Grotz-Berliu. Jtrei» Echönebeea. Die Spielführer ,um Geländespiel trefsrn sich. Jtrt Ber. losuna am ssreitoa um 17 Uhr im Iuqendheim Hauptstr. 15. pelferatbert»- aemeinstchaft am Donnerstaa im Iupendheim Sühaeländ«. Bealnn 29 Uhr. Sonnabend/Sonnto«, 8.s7. Juni, Rotes sseldpostspiel m der Zostener Heid«. Alle Gruppen im Kreise deteiliaen sich. Lehter Meldetermen am Kreitaa bei den Gruppenhelfern.....»., Weddina, Gruppe Gesundbrunnen. Helscrpersanmiluna Donnerstaa. 4. Juni. 29 Uhr, beim Genossen Peters, Soldiner Strafte. Gruppe Reinickendorf.West! Rote Talken und Iunqsalken treffen sich«Ml Sonnabend, 6. Juni,»ur Jährt nach Briesclana- Treffpunkt Schwarzer ZL«, lHartmanns Brauerei) pünktlich 4 Uhr. Rüekfahrt Sonntaa abend. Unkosten» beitraa l Mark. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation| 52. Abt. Am 1. Juni verstarb unser Genosse Mar Bäsch« im Alter von 85 Jahren. Ehr« seinem Andenken. Einäscheruna ffreltag, 5. Juni, 1414 Uhr Krematorium Wilmersdorf. Sozialistische Arbelterjvgend Sroß-SerUa Gwsendnngeu für diese Ztubr» nur an da, Zuaendsefeetoelat LerNn SW 8». rinbaifleafe 3 Oefseutlich« Schülerpersammluna der SSG. in der Schulaula Kochstr. 1914 Uhr. Professor Heller spricht über„Iuflend und Tastchismus". Abteilnna-lciter, holt umacbend die Karten Mr die Eonnenwendfeier ab! Abteilungsmitgliederversammlungen, Donnerstag.\9H Uhr. Veen, lauer Vorstadt: Gleimstr. 83— ZS.— Köpenicker Viertel: Wranael» strafte 128.— Kottbusser Tor: Beiher Str. 27— 30.— Tea-l: Bahnhofstr. 15. -b" Aruimplah: Sonnenburaer Str. 29:»Di« Erfolqe der SPD. seit 1918".—- Arnswalder Plan II: Rastrnburqer Str. 16:»8 218".— Falkplah I: Sonnenburaer Str. 29:„SAI. und Treikörverlultur".— Rordasten II: Dan,iaer Str. 62: »Arbeiterschaft und Sowjetruftland".— Schönhauser Vorstadt: Sonnenburaer Strafte 29: Elternabend.— Hallesche» Tor: Porckstr. 11: Politisch-satirischer Abend.— Vasenheid«: 19 Uhr Kaiserpappel.— Westend: Sportplob:»ssrei- lörperkultur".— Karlshorst: Treskowallee 44: Werbefeier der»Roten Falken".— Lichtend« ra-Rorb: Gunterstr. 44; Funknonärkonferen,.— Neukölln I: Treffpunkt ,ur Versammluna 18>/h Uhr Reuterplntz.— Neulalla SU: Alle Genossen müssen um 18?l Uhr in der Echulaula Kochstr. 13 stein.— W«rhel>e,irk Mitte: Käpcnicker Sir. 92: Wandcrlelterkonferen,. Werbebe,irk Reutölln: Alle erwerbslosen Genossen sind>nn 19 Uhr vor dem Seim Berastr. 29. bei Rea-nw-tter um 11 Uhr.— 29 Uhr Werbeausschuftsttrung. Parteibllro. Alle Werbcvbleute müssen erscheinen. Werbe l>e,irk Teltowkanal: 29 Uhr W.-B.-V.�Sihuna, St-alih, lslemmtn»- straft« 14b. Werbebezirk Kreuzberg: Morgen, 19 Uhr, Porckstr. 11: W.-B.-V.-Sihung. Voriräge, Vereine und Versammlungen. /A A Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Geschäftsstelle: Berlin S 14. Scbastianstr 37—38. Hot 2. Tr. RSfnW Donnerstaa, 4. Juni. Schönebera-Kriedenau(Iunabanner): M Uhr Mitaliederversammluna bei Will, Martin-Luther�tr. 69. Reinicken- darf, Kameradsckmst»isreie Scholle": 29 Uhr Mitqliebervsrsammluna im Schollen. krua. Bortraa des Kameraden Solthaus.— greitaa, 5. Juni, lsriedrichthai», Kameradschaft Stralau: 19>H Uhr Mitaliederversammluna in der Alten Tavevn«, Alt-Stralau. jsilmvortraa. llnkostenbeitraa o» Pf. Kameraden benachbarter Kameradschaften sind mit ihren Anaehöriaen einaeladen. W>lm«r»dors(Iuna- banner): 29 Uhr Iuaenbheim Wilmersdorf, Wilhelmsau« 123, Kimmer 7. Lichtcnbera: Achtuna, Iunamannschaft! 181� Uhr Antreten des aefamten Iuna- danners am Saupteinaona des Kentralkriedhofcs Friedrichsfelde. Riederleaung einer Blumenspende am Grabe des verstorbenen Kam. Perh. Brieftke. Iuna» bannettleiduna. ohne Mühe. Um 29 Uhr haben in idren Lokalen Mitalieder- versammluna die Kameradschaften Rummelsburq und Borbaaen. Wasscrlpart» abteiluna. Kua Teael: 29 Uhr Mitaliederversammluna im Bootshaus. Wichtia« Taaesvrdnuna.— Sauuabend, 6. Juni. Mitte, 1. Kameradschaft: Mondstcheiu» fahrt nach Zicaenhals. Abfahrt 29 Uhr Waisenbrücke. Fahrpreis 159 Mark. stentralverband der Arbeitsinvaliden und Witwen Deutschland», Gau Groß. Berlin. Geschäftsstelle: Berlin W. 57, Bülowstr. 49. rechter Seitenflügel. Donnnee»taa, 4. Juni. Buchholz: Lokal Rossack, Hauptstr. 71, 19 Uhr. Mitte ll: Lokal Schulz, Elisabethstr. 39. 17 Uhr. Charlottenburg: Lokal Wachs, Rehring. straft- 23—24, 18 Uhr. Referent Kollcae Hoffmann. Friedrichshain: Lokal Gaul. Borhaaener Str. 114, 16 Uhr. Reserent Kollege Pints. Tiergarten II: National- Hof, Bülowstr. 37. 16 Uhr. Nicderfchöneweide: Lokal Tomalla. Berliner Str. 38, 18 Uhr.. Deutscher Arbeiter-Abstinenien-Bund, Gruppe Friedrichsha». Donnerstag, 4. Juni, 29 Uhr, Gruppenabend im Iuaendheim der weltlichen Schule Diestel» menerstr. 5. Bund deutscher hirnperlehter»ri-aer. e. B., Bezirksgrupp« Berlin und der Pro». Brandenbueg, Berlin 0. 112, Nlederda-nimstr, 5, 3 Tr. r. Am Frmtag. 5. Juni, pünktlich 19', h Uhr. findet die'l.-matsversammluna im Lokal von E. Brandenbura. Berlin E. 2, Stralaner Str. 3—6, statt, das Erscheiurn aller Kameraden ist von Wichtiakeit, dasein lehrreicher Vortrag gehalten wird. Aebeiter-Schühenbund, Abt. Wedding. Uebnnqsabend 4. Juni. 13—29 Uhr, im Jugendheim Lediaenhein: Schönftedtstraftc. Auftcrdem jeden Montaa und Freitag Sport auf der Wiese im Schill-rpark. Landsmannschaft der Schleswig-Kolsteincr zu Berlin. Donnerstag, 4. Iniri, 19—23 Uhr, im Fcstfaal des»Dresdener Gartens", Dresdener Str. 45, Au» ftellung: Reiseführer durch die Bäder der Nord» und Ostsee. Die Singegemeinschast Moabit iMitglied des Deutschen Arbeiter-Sänge» Bundes) hat einen Kindcrchor ins Leben aerufen. Die Uebungsstunden finde» Freitags von 1714—19 Uhr in der Echulaula Woldenserstr. 29 statt. Partei» genossen und Gewerkschaftskollegen von Moabit, schickt eure stangesfreudige» Kinder zu uns. Anmeldungen während der Uebungsstunden oder an de» Eangesbruder R. Krüger, Bcusselstr. 81. erbeten. Donnerstag, Freitag, Sonnabend! Für 3 Tage die folgenden Sonder-Angebote deren Güte und Billigkeit keines weiteren empfehlenden Wortes bedürfen. Ein Riesen- Sortiment prachtvoller I Damen-Siriiinp aus vorzüglicher künstlicher Waschseide, mit verstärkter Sohle, Ferse und Ballen, in modernsten Farben, in allen Größen. nur ÄO Kfe Sport- eider 1 aus prachtvollen oe- j streiften Vistra-Geweben | mit reicher Falten- I garnier, u. 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Herren, 1 auch für stArfcst« Figuren| Badeanzige in unzähligen Mustern{ BadeMppen in originellst. Formen] Trikot- Badeanzüge 1 Oiurl ffiudolf Heubert: 3)ie �rauergc/cll/cliafl Eine Trauergesellschaft, die nach einem Begräbnis in dem kleinen Eafe gegenüber dem Friedhof landete, wo ich meinen Nachmittags- kaffee trank, lenkte meine Gedanken auf ein ziemlich fernes Gebiet: ich dachte an meine Beerdigung Ich stellte mir vor: ich wäre ge- starben und diese Damen und Herren kämen soeben von meinem Begräbnis. Die Damen und Herren kamen durchaus nicht leise und gedrückt, wie es sich nach einem Begräbnis geziemt, in die stille Konditorei, ziemlich umständlich nahmen sie Platz, nachdem man zwei Tische zusammengestellt hatte, denn man wollte an einer Tafel sitzen. Die Zylinder der Herren hingen in einer etwas grotesken Feierlichkeit aus dem Garderobenständer, der bereits einen hellen Hut— von mir—, eine Boxermütze und eine Kreissäge trug. Die Damen, während sie den Mantel ablegten, Stühle rückten, sich niederließen, die Speisentarte über den Tisch langten, knisterten vernehmlich in ihren Kleidern, die wohl schon mehrere Todesfälle in der Familie und im näheren Bekanntenkreis erlebt hatten und jedesmal moderni- siert worden waren. Ich schnupperte ein wenig in der Luft herum und bemerkte noch den letzten Hauch von Kränzen, Grabreden und Tränen, der von der Trauergcsellschaft ausströmte. Inzwischen hatten die Damen in den modernisierten Trauerlleidern und die Herren in den Gehröcke.r sich sämtlich für Apfelkuchen mit Sahne und Kaffee entschieden. Der rüstige Herr im weißen Haar bestellte noch eine Zigarre zu dreißig. „Apfelkuchen mit Sahne!" dachte ich. Ich war merkwürdig traurig. Ich versuchte— in einer gewissen Notwehr— mir die alten Damen mit den langen Trauerschlelern als Bajaderen vorzustellen oder wenigstens in Trikots als Tanzgirls eines Vergnügungs- etablissements, aber mein Bemühen war vergeblich: die Damen blieben steif und schwarz und aßen Apfelkuchen mit Sahne, während sie noch auf Einzelheiten der Beerdigung zu sprechen kamen und sich schon nach den Fahrtverbindungen erkundigten, die man von hier aus hatte. „Hat Pastor Götz nicht wundervoll gesprochen?" hörte ich eine Dame fragen, bevor sie den Löffel mit der Sahne in den Mund schob. „Ganz wundervoll!" beteuerte ihre Nachbarin, die ihren Löffel eben aus dem Mund gezogen hatte. Am oberen Ende der kleinen Tafel nahm der rüstige Herr im weißen Haar die 3l)-Pfennig-Zigarre aus dem Gesicht und warf ein: „Besonders gut fand ich die Stelle, wo Pastor Götz von Bergers Sohn sprach..." „Tja, sehen Sie," bemerkte ein anderer Herr,„Heldentum ist ganz schön, und als Achtzehnjähriger, wie Bergers Sohn damals, des E. K. 1 vor Maubeuge kriegen, das ist eine Sache, die man erwähnen kann, aber, hinwiederum, stellen Sie sich vor: wenn Bergers Sohn damals nicht gefallen wäre, könnte er seiner Mutter beute eine Stütze sein.... Das wäre auch— Heldentum, allerdings ohne E. K. 1." „Lassen wir doch die Politik aus dem Spiel!" rief jemand. „Ganz recht!" pflichtete eine joviale, korpulente Dame bei, die bereits die zweite Portion Apfelkuchen mit Sahne aß. Löffel klirrten. Die Damen und Herren sahen alle schweigend vor sich hin und beschäftigten sich mit ihrem Kuchen. Sie hatten Hunger, da die Beerdigungsfeierlichkeit drei Stunden gedauert hatte. Am liebsten hätten sie wohl Würstchen mit Sauerkraut bestellt, aber das wurde in dieser Konditorei nicht geführt. Für ein« Weile schien es, als hätten alle dtn Trauerfall ver- geffeivfie. beschäftigten sich in ihren Gedanken bereits wieder mit den Pflichten des Lebens. Die eine Dame dachte gewiß daran, was sie zum Abendbrot auf den Tisch bringen würde. Ihr Mann kam um sieben aus dem Büro und war ziemlich mäklig. Die Kohlrouladen heute mittag hatten ihn zu leisem Protest veranlaßt, aber ihre Entschuldigung, daß sie durch das Begräbnis nachmittag etwas in Eile hatte kochen müssen, entkräftigte seinen Aerger. Er sah vielleicht ein, daß er dem verstorbenen Better ein Opfer bringen müsse. Aus einem unerklärlichen Grunde fiel plötzlich ein Zylinderhut vom Garderobenständer, das Mädchen eilte herbei und hob ihn wieder auf. Der Herr, dem der Zylinderhut gehörte, war ebenfalls aufge- standen und bürstete mit dem Rockärmel die Decke des Hutes von etwaigem Staub sauber. Eine Beschädigung ließ sich glücklicherweise nicht feststellen. Bei diesen schweren Zeiten mußte dieser Zylinder- Hut noch für diverse Beerdigungen geschont werden. Der kleine Zwischenfall hatte das Schweigen gebrochen. „Cr war doch«in guter Kerl!" sagte jemand. „Ja." seufzten die Damen, und die Herren nickten ernst mit dem Kopf. „Und wie wird Paula jetzt allein mit dem großen Geschäft fertig werden? fragte eine Dame unvermittelt. Man zuckte mit den Schultern, sah sich an, als wüßte man es allerdings nicht, aber als hätte man sich darüber auch schon Gedanken gemacht. „Der neue Prokurist soll ja sehr tüchtig sein," sagte der Herr im weißen Haar. „Ein ganz reizender Mensch, dieser Prokurist Leuloffl Und noch so jung!" bemerkte ein« andere Dame, die das letzte Stück Apfelkuchen auf die Gabel zu bringen suchte. Alle schwiegen. Der alte Herr nahm nachdenklich den letzten Zug aus seiner Zü-Pfennig-Ztgarre und zerdrückte sie im Aschbecher. Da die Menschen sich jetzt bemühten, peinlichen, unausgesprochenen, aber unabwendbaren Dingen gegenüber eine ahnungslose Miene aufzusetzen, lächelten nur die Zylinderhüte am Garderobenständer ironisch über das, was hier eben gesprochen und verschwiegen wurde. Ein würdiger Gehrock lenkte schließlich»in, indem er die Dame an seiner Seite fragte, welche Elektrische sie eigentlich benutzen mühte? Die Gehröcke und die Trauerschleier gerieten plötzlich in Be- wegung. „Mein Mann erwartet mich!" „Meine Frau wollte heute früher zu Abend essen, da wir ins Theater gehen!" „Fräulein, zahlen!" „Fräulein, verkehrt hier die 62?" Die Trauergesellschaft brach rasch auf. Es war wie eine Flucht. Jeder sehnte sich fort, zu seinen Gewohnheiten. Vielleicht hatten sie dunkel Angst um ihre täglichen, alltäglichen und sonntäglichen Ge- wohnheiten. Die Trauerschleier wallten an mir vorbei. Die Zylinderhüte glänzten über den Gehröcken. „Auf Wiedersehen!" „Kommen Sie gut heim!" „Grüßen Sie ihre Frau schön!" Der allerletzte Hauch von Kränzen, Grabreden und Tränen ver- zog sich. Di« 62 fuhr draußen vor. Der alte Herr im weißen Haar nahm ein Taxi. Das Cafe war plötzlich ganz still und leer. Ich sah der großen Fliege zu. die über einem Kuchenrest auf der Tafel der eben aufgebrochenen Trauergesellschaft summt«. „Setz dich schon!" dachte ich.„Friß schon!" Di« fortgerückten� Stühle hasten einen Ausdruck, von. Verlassen- heit. Sie waren wie Gräber. Ich faß da, wie nach einem schlechten Film und empfand deutlich eine sonst nie gekannte Furcht vor dem Tod, weil ich chn plötzlich ver- Kunden sah mit Trauerschleiern, Gehröcken, spiegelnden Zylindern, Paswren, Prokuristen und Apfelkuchen mit Sahne... Mann Wedell: ZPfingHen im SchneeHurm Heiß strich der Föhn über Innsbruck. Die kochende Luft flimmerte über der Maria-Theresien-Strahe, und nur die heilige Anna stand unbekümmert und reglos auf ihrer Säule inmitten der Glut. Blaß wie ein Nebelbild hing der Serles im Dunst. Es war drei Tage vor Pfingsten. Der Plan für die Ferienfahrt war fertig; wir wollten in die Silvretta, wo wir eine alte Scharte auszuwetzen hatten. Auf der Jnnbrücke standen wir drei und prüften die Wetteraussichten.. Schlimm! stellten wir fest. Tage schon ging der Föhn von Süden herüber. Er bedeutet stet» die Borderseite einer Depression. Die Rückseite bringt unweigerlich den Wettersturz. Wann wird er kommen? „Ueber die Feiertage hälts schon noch," meinte der Franzi. Er studierte damals Meteorologie, war also Wettermacher vom Fach. Deshalb trauten wir ihm am wenigsten. „Na schließlich— schlimmer als letzthin am Zuckerhütl wirds nicht kommen." beruhigt« lch uns. „Alsdann— geh» wir!" setzte der Toni den Schlußpunkt. Am Samstag in der Früh stiegen wir von Galtür au» über die Bielerhöhe auf. Der Luftdruck war gefallen, die Hitze aber steigerte sich noch. Wie Bleiglanz hing der Himmel über dem Tal. Die Sonne schwamm darin wie eine gelbe Messingscheibe und sog den letzten Schweißtropfen aus uns heraus. Wir liehen uns Zeit, schnauften gewaltig und schimpften unchristlich auf das Gepäck. Erst um zwei Uhr am Nachmittag erreichten wir unseren eissten Stütz- punkt, die Wiesbadener Hütte, hoch über der Zunge des Großfermunt- Gletschers in 2500 Meter Höhe auf den Felsen geklebt. Der Nachmittag war der Faulheit gewidmet. Auf dem schwarzen Felslurm der Kaiserspitze, hoch über der Hütt«, brieten wir in der Sonne und machten Pläne. In prachtvollem Zirkus ringsum die zerrissenen Eisströme, die wilden Gipfelgestalten der Siloretta Am Abend hingen hauchdünne Streifen wie lang« Wimpel am Himmel. Wir betrachteten sie kritisch und kauten schweigend an den Pfeifen.„Was ich euch sag—'s hält schon noch!" orakelte Franzi. Trotzdem beschlossen wir mit Rücksicht auf die unsichere Wetterlage, für den Pfingsttag kein« schwere Tour anzusetzen. Wir einigten uns auf den Piz Buin. Aus Sicherheitsgründen sollte ganz früh aufge- brachen werden. Schon gegen halb drei Uhr morgens stolperten wir mit der Laterne über den blockigen Hang auf den Gletscher zu. Der Phleg- matiker Tom brummt« etwas von„merkwürdiger Feiertagsruhe", aber bald riß auch ihm der Zauber der erwachenden Hochgebirgswett in seinen Bann. Unten im Tal lag noch die Nacht. Die Gletscher aber glimmten in einem geisterhaften, milchigen Licht, das allmählich die Farbe des Opals annahm, je mehr die apfelgrüne Helle von Osten heraufwuchs und die Sterne auslöschte. Auf dem müßig ansteigenden Gletscher kamen wir rasch vor- wärts. Erst als wir scharf nach Südwesten einbiegen mußten, gegen den Wiesbadener Grat, legten wir wegen der Spallengefahr da» S«U an und die Steigeisen, da der Eishang stellenweise aper erschien. Der Uebergang über die Randklust zum Grat und vom Grat auf die jenseitige obere Firnmulde vollzog sich auf guten Schneebrücken ohne Schwierigkeit. Die zerrissenen Cisbrüche gegen das Silvrettahorn brennen im aufkommenden Licht des Tage» in allen Perlmutterfarben. Fast be- drückend die Einsamkeit, die trächtige Stille. Die Pickel klirren zu- weilen, die Eisen graben sich knirschend in den Firn. Sonst nur die Laute, die von dem unheimlichen Leben des Hochgebirges zeugen. Irgendwo das Dröhnen stürzenden Wassers. Hohles Krachen und Klappern fallenden Gestein». Die Wände des Kessels vervielfachen den Klang. Unter dem Ferner das Gurgeln unterirdischer Schmelz- wasserströme. Denn hier oben ist die Erde noch im Fluß und im Werden. Man tut Blicke in die Werkstätte der Natur. Urkräfte sind am Werk, graben, zersägen, feilen, modellieren. Ein Stück Schöpfungsgeschichte in der Gegenwart. Als wir an der Buinlück«, wo wir Rast machten, den Westgrat erreichten, sprang mit zischenden Stößen der Wind herüber, der aus dem Felsgrat ständig an Heftigkeit zunahm. Endlich— gegen sieben Uhr— der Gipfel! Unendlich« Schau über schmerzhaft gleißenden Firn, über tausend Grate, Spitzen. Türme. Rings am Horizont wuchsen gewaltig« Wolkentürme herauf. Weiße Watte lag in den Tälern des Südens. Der Ortler war verschwunden. Von den Firn- feldern der Bernina schimmerten nur ein paar rosa Flecke hindurch. Um alle näheren Gipfel rauchten weiße Nebelfahnen.„Schad um die Aussicht!" sagte Franzi.„Aber heut— heut hält? schon noch." Nach dieser tröstlichen Versicherung suchten wir etwas abseits einen windgefchützten Platz in einer Nische, fielen über die Vorräte her, rauchten genießerisch die Gipselzigarre, legten uns in die Sonne und überließen uns für Stunden einem paradiesischen Nichtstun und Träumen. Pfeifende Sturmstöße wecken uns aus der Verfunkenheit. Grau- weiß« Nebelarme langen vom Gletscher herauf, die Sonne steht trübe hinter jagenden Dampfschwaden. Alarm! Schnell die Wollwesten und Windjacken heran», die Rucksäcke gepackt. Auf dem Gipfel wirft uns die Gewalt des Sturmes fast um. Und er ist plötzlich eisigtalt, schneidet wie mit Messern. Wolkenmauern und brodelnde Nebel in der Runde, über uns, unter uns. Die Sonne ertrinkt darin. Nur die nächsten Gipfel sind noch frei. Um sie her quirlen in rasender Eile die Nebel.„Aber heut hält» noch, gell Franzi?" „Na— ich glaub schon— bis zur Hütte wirds— vielleicht— noch halten!" „Alsdann— an geht»!" Di« geplante Traversierung gegen den Fermunt-Paß geben wir auf, da sie mehr Zeit kostet. Schon springt ein erste» Donnergrollen herüber. Mit möglichster Beschleunigung wird er Abstieg wieder über den Westgrat angetreten. Plötzlich beginnen die Pickel zu sprühen und zu knistern, in der elektrischen Spannung der Atmo- sphäre. Verdammt! Und wir könne sie nicht entbehren. Nur erst von dem unangenehmen Grat herunter, denn die Donnerschläge kommen näher. Aber dos geht nicht im Sprung. Der Nebel, der un» völlig einhüllt, fordert größte Aufmerksamkeit. Ein Fehltritt kann zur Katastrophe werden. Da wächst es vor uns empor aus dem Kessel des Plan Rai— schwarz, ungeheuer— Schallen jagen im brüllenden Sturm— es ist völlig dunkel. Feuer flammt blendend vor uns auf, berstendes Krachen folgt. Unwillkürlich haben wir uns geduckt wie früher im Feld. Ein zweiter Einschlag hart neben uns. Beizend brandiger Geruch.„Sakrament! Eisen weg!" Wir legen die Pickel und Eisen ab, kriechen, klettern tastend ein Stück vom Grat herunter. Unter einem überhängenden Block kauern wir uns zusammen. Jetzt peitscht der Regen herunter, der bald in Eisregen und dichtes Schneetteiben übergeht. Mit ungeheurer Gewalt fegt der Sturm den Flockenwirbel vor sich her. Schneesturm! Das Atmen wird schwer, die Glieder erstarren. Und immer noch die Ein- schlüge in größter Nähe! Die Wände werden lebendig. Stein- lawinen und Gießbäche brechen los. „Es hält noch, Franzi— das Gewitter nämlich!" „Ja— da kann man nix machen!" Di« elekttischen Entladungen lassen nach. Wir kriechen zu den Pickeln zurück. Wir müssen abwärts, wir müssen durch, wenn wir der Gefahr des Erfrierens entgehen wollen. Der Schneesturm hält an, die Felsen sind verschneit und vereist, man sieht kaum zwei Schritt weit. Als wir das Gefühl haben— denn zu sehen ist nichts— in der Buinlücke zu stehen, atmen wir auf. Die Anstieg- spuren im Firnschnee sind natürlich verweht. Wir tasten uns nur nach dem Kompaß vorwärts, am sorglich gesttafften Seil, bei jedem Schritt erst mit dem Pickel sondierend. Trotzdem verfehlen wir die Richtung, geraten in«in Spaltengewirr, das jeden Durchstieg un- möglich macht. Mit ein paar saftigen Flüchen biegen wir hart nach Osten ein. Die Hände sind erstarrt, die Eisnadeln brennen wie Feuer im Gesicht. Endlich verschneiter Fels: der Wiesbadener Grat. Jetzt kanns nicht mehr fehlen. Mit der Sicherheit von Nachtwandlern queren wir den Fermuntgletscher, erreichen— wandelnde Schneemänner— den Blockhang, die Hütte. Da» Seil ist knochenhart ge- froren, die Hände sind so steif, daß wir allein die Knoten nicht lösen können. Erst der dampfende Hüttenpunsch, extra stark gebraut, taute uns ollmählich auf und löste die Spannung intensivster seelischer und körperlicher Beanspruchung. Der glühende Ofen strahlte eine beruhi- gende Pfingstwärme aus, draußen aber tobte unentwegt der Schnee- stürm gegen die Fenster. Wir waren wieder einmal entwischt! „Prost, Franzi, du neunmalg'scheiter Wettermacher!" „Prost! Und fröhliche Pfingsten mitsam'I" Qeburi der'niichilHaus Die„United-Art ists" haben für da» Filnyahr 1SS1/Z2 wieder zwölf neue Micki-Maus-Filme in Auftrag gegeben, da der Siegeszug dieser eigenartigen Trickfilme noch lange nicht zu End« ist. Micki- Maus hat«in eigenes großes Filmatelier, und es ist von besonderem Reiz, nach der Schilderung eines Augenzeugen, die Geburt dieser siegreichen Maus aus dem Nicht» zu betrachten. Micki-Mau» gehört zu den erfolgreichsten Filmstar», und sie hat darum einen wahren Hofstaat, der eifrig um ihr Wohlergehen bemüht ist. In den Zeiten de» stummen Film, waren die Hundefilmstars die groß« Sorg« von Hollywood, denn die brachten den Besitzern und Unternehmern e« Vermögen ein, mußten also vorzüglich verpflegst werden, um stets bei bester Gesundheit zu bleiben. Million« nbeträg« wurden in Versicherungen abgeschlossen.. 7 � Mit Micki-Mau» ist e, verhältnismäßig einfacher. Sie bekommt nichts zu essen und braucht weder Aerzte noch Versicherungen. Aber trotzdem beansprucht sie rund chuniert Menschen, die stets zu ihrer Verfügung stehen müssen. Sobald in einer Filmkonferenz mit den Leitern der Stoff zu einem neuen Film entworfen ist, bekommen ungefähr 40 gute Zeichner Arbeit. Di« einzelnen Zeichnungen müssen erst auf einzelnen Bogen Pausleinewand hergestellt werden. Ein Film von gewöhnlicher„Vorspiellänge" enthält zwischen 15 000 und 20 000 derartig« Zeichnungen. 15 Mann arbeiten an dieser Riesen- zahl einzelner Blätter. Nun werden diese mit Bleistift hergestellten Zeichnungen von besonderen Pausern auf Zelluloidplatten durch- gepaust. Dies alles setzt natürlich eine lange gemeinsame Arbeit der Zeichner, Manuskriptverfasser und Tricksilmregisseure voraus. Bevor die endgültige Form des Films festgestellt ist, vergehen mitunter Wochen. Wenn es nun soweit ist, kommt der Komponist und Kapell- meister, einer der wichtigsten Persönlichkeiten de» Micki-Maus- Films, zur Geltung. Micki-Maus sst nicht stumm, im Gegenteil, sie entzückt die Menschheit mit mehr oder weniger schönen Gesängen und Tanzen. Das wichtigste ist nun di« Herstellung der Musik, die genau zu den Bewegungen der Mäuse und ihrer Genossen passen muß. Ist nun alles zur Aufnahme bereit, dann beginnt das große Werk der Ausnahme, die viel schwieriger ist als bei den gewöhnlichen Filmaufnahmen. Bei diesen werden 16 Teilbilder in der Sekunde aufgenommen. Bei den Trickfilmen wird jede» einzelne Teilbild besonders aufgenommen und der Kameramann hat eine besondere Fußvorrichtung, um di« Hebeldrehung für Fertigstellung der einzelnen Teilbilder zu bewirken. Die 20 000 Zelluloidtafeln werden nun dem Photographen vorgelegt, der genau die Zusammen- geHörigkeit der einzelnen Bilder kennt. Im allgemeinen wird die Figur ohne Arm«, Beine und sonstiges Zubehör festgehalten. Diese Teile, die sich ständig ändern, um die«inzelnen Phasen der Be- wegung zu ermöglichen, werden dann ausgewechselt, und so entsteht die Bewegung der Tiere, die so verblüffend wirkt. Kein Bild kann ausgelassen werden, wenn die gute Wiedergabe der Bewegung be- absichtigt ist. Jedes Bild muß besondere aufgenommen werden. Ist der Film vorführungsbereit, dann wirt) er mit Ton und Laut versehen. 25 Musiker stehen bereit, um die ausgelassenen Abenteuer der kleinen Mau» mit Musik zu begleiten. Der Kapellmeister Hot vorher di« Musik zusammengestellt. Nun muß er darauf achten, daß BeWegung und Ton genau zusammenpassen. Dos sst heute eine leichte Arbeit, denn die Synchronist« rung sst eine häufig geübt« Tätigkeit. Die Musik muß auch Geräusche zu malen ver- stehen, wenn ein« ganze Menagerie von Tricktieren ihre Stimmen erschallen läßt. Ist nun der Film vorführungsbereit, dann muß er erst das Urteil der Fachleute über sich ergehen lassen. Micki-Maus muß oft viele Bilder ihrer kleinen Persönlichkeit einbüßen, bevor es ihr oergönnt sst, vor einem vergnügten Publikum ihre tollen Ge- schichten vorzuführen und sich so ausgelassen zu betragen, wie es für ein gutes Geschäft«rfovderlich ist. Dafür hat aber auch diese Maus ein Millioneneinkommen. Für den ersten Micki-Maus-Fiim wurden 1000 Dollar gezahlt. Heute erhält das Mäuschen für die Einleitung des Filmprogramms die schöne Summ« von 1 200 000 M. im Jahr ausgezahlt. Ein Filmstar, der Millionenverdienste aufzuweisen hak, ohne zu leben. Supfer wurde schon 1500 0. Chr. auf der Insel Cypern ge- wannen; daher wurde es Cyprium genannt. Daraus entstand das lateinische cuprum und hieraus das deutsche Wort Kupfer. Rr. 255• 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Vonnersiag, 4. Inn! 4934 Sietiger Kurs! Ende der politischen Aussprache.— Glänzende Schlußreferate von Breitscheid und Sollmann. In der gestrigen DormittagsNtzung des Parteitags, über die wir r größten Teil im Abendolatt berichtet haben, wurde die wir zum größten Teil im Abendblatt berichtet haben, wurde die Debatte üb er die Parteitaktik im Anschluß an die Rese> rate Breitscheids und Sollmanns fortgeführt. Nach Kirch- n e r- Frankfurt erhielt das Wort Frölich-Weimar: Di« große Mass« der Partei hat die Taktik der Fraktion verstanden. Die Disziplin mußte von den neun unter allen Umständen aufrechterhalten werden. Roscnseld Hot übrigens auch gegen einen Parteibeschluß verstoßen, denn der Thüringer Parteitag hatte beschlossen, daß die beiden Abgeordneten der Minder- heit aus Thüringen sich bei der nächsten Abstimmung der Mehrheit zu fügen hätten(hört, hört). £):«« ha« in Thüringen erklärt:.wir gehen einem großen Bürgerkrieg entgegen" und ein andermal,„wenn mir mar- schieren, heißt es:„Polizei, gib die Straße frei." wie die Nazis, zur Macht gelangt, regieren würden, haben ivir in Thüringen erlebt. Unsere Presse wurde dort verboten auch ohne Notverordnung. Die Fürsorgesätze der Gemeinden wurden um«in Viertel herabgesetzt. Die Minderbemittelten wurden am meisten durch Steuern velastet. Voraussetzung für den Kamps gegen den Faschismus ist, daß die Parteigenossen einig nach außen zusammenstehen. Wer diese Einig. keit stört, erbeilet für den Faschismus, deshalb muß der Parteitag die Entschließung Hamburg annehmen.(Beifall.) Portune-Frankfurt a. M.: Wir neun fühlen uns nicht als An- geklagte, auch nicht moralisch, sondern find überzeugt, daß unsere Handlung den Grundsätzen der Arbeiterbewegung entsprochen hat. Man hat von dem Kapitalismus als kranken Mann und von seinen Erben gesprochen. Aber es könnte schließlich so kommen, daß die Erben eher zugrunde geben als der kranke Mann. Wenn Dittnwnn von einer Sucht zur Kritik gesprochen hat, so weiß ich nicht, ob er durch seine Vergangenheit zu einem solchen Vorwurf besonders prä- destiniert ist. Die Partei sollte sich bei den Proletariermolscn in- formieren, wie sie denken, was sie fühlen und was sie wollen. Die Massen wissen besser, was ihnen frommt als die Akademiker(Zuruf: Sogar�besser als Dr. Rosenseld und Dr. Eckstein). Wenn wir in der«ozialdemokratischen Partei die Demokratie hätten... Vors. Wels: Zch kann nicht zugeben, daß ein Parteitags- delegierter seine Rede dazu mißbraucht, die unwahre Behauptung aufzustellen, daß in der Partei keine Demokratie bestünde! da» Gegenteil beweist dieser Parteitag selbst. Ein Blick in die Partei- presse vor dem Parteitag kann jedem Parteigenossen zeigen, wie weit die Demokratie in der Partei geht. Zch muß in der Aeußerung Porlunes etwas ganz andere, erblicken als die Absicht. Znleressen und Einigkeit der Partei zu fördern.(Lebhafter Beifall.) Portune(sortfahrend): Die Wahlen zum Parteitag haben be- wiesen, daß große Arbeitermassen denken wie die neun. Die Grundlage der Arbeiter ist ihre materiell« Lage. Auf ihr muß sich die Taktik der Partei aufbauen. Bei einem Lohnabbau von IM Milliarden, bei dem Abbau aller sozialen Leistungen, bei der Kürzung der Ueberweisungen an die Gemeinden um hundert« von Millionen rührt man an dem Bestand der materiellen Basis der Arbeiterklasse, und das ist das Gift, das man gegen die Partei in die Massen trägt. Sollmann hat gemeint. Brüning Hab« noch nicht den Beweis erbracht, daß er Staatsmann sei. Vielleicht kommt es ihin darauf gor nicht an: jedensalls ist er ein guter Sachwalter der kapitalistischen Gesellschaft gewesen.(Beifall.) Sein Feind ist nicht der Faschismus, sondern die verhaßte Sozialdemokratie. Ich stehe im Betriebe, ich kenn« die Ansichten und Gefühl« der Arbeiter. Wenn die KPD. bei den nächsten Wahlen«inen Austrieb bekommt (Zuruf: Dann tragt ihr die Schuld!)— ihr kommt uns nicht mit der Verantwortung gelaufen, die die Parteileitung trägt, dann fürchte ich. wird auch da? Gcfüge der Gewerkschaften in Frage xe- stellt. Dann wird Partei und Gewerkschaften erschwert, die Massen zu halten. Diese Warte mußt« ich euch sagen, die ihr die Veront- wortung tragt!(Lebhafter Beifall.) Röhle-Frankfurt a. M. Portune hat gesagt, er fühle sich nicht als Angeklagter. Auf Anklage kam es uns gar nicht an: Wir ver- langen nur. daß die Arbeiten und Handlungen der Partei von der Frage getragen werden, wie sie der Partei nützen und die Partei vor Schaden bewahren können. Diese Frage haben sich die Neun nicht gestellt oder nicht genügend überlegt. Auch die Bemerkungen Portunes über Akademiker und Mass« treffen nicht zu D i e o u s- gesprochenen Führer der Opposition in Frank- furt, die keinen Erfolg der Partei anerkennen und jede Leistung verkleinern, sind nur Akademiker. Die Haltung der Neun Disziplinbrecher haben die Werbeaktion schwer geschädigt. Auch wenn man mit vielen Entscheidungen der Partei nicht einoerstanden ist. dürft« nicht mit den Kommunisten gegen die sozialdemokratische Fraktion gestimmt werden.(Lebhafter Beifall.) Nosenseld gehörte aus dem Parteitag tSW in Magdeburg zij der Gruppe, die den Ausschluß der Budgetbewilliger aus der Partei y«- fordert hoben,(hört! hört!) Wir wollen keinen Ausschluß, wir brauchen kein Scherbengericht, ober der Parteitag muß klipp und klar aussprechen, daß jeder der Partei sich unterzuordnen hat. D i« Arbeiterklasse ist nur kampffähig, wenn auch die Führer sich der Demokratie unterordnen.(Lebhafte Zustimmung.) S t r ö b e l hat vor drei Wochen in Frankfurt o. M. in öffentlicher Versammlung gesogt, er würde, wenn er jung wäre. e? sich überlegen, ob«r sich der SPD. anschließen würde.(Zuruf: Wir halten ihn nicht. Er kann gehen.) Junge Leute, von d«n«n man noch nicht soviel Verantwortungsgefühl ver- langen kann, wie von einem Parteiführer, werden diese Aeußerung lebhaft unterstreichen. So wirbt man nicht für die Parteu So raubt man den Indifferenten den Glauben an die Partei. In derselben Rede Hot Ströbel geäußert,«ine Regierungsbeteiligung der Nationalsozialisten wäre noch nicht das A l l« r s ch l i m m st.e. Später hat er dann ausgeführt, sie würde«ine latent« Kriegsgefahr bedeuten. Also Ströbel, der Mann der Friedens- gesellschoft. hält es iür gar nicht so schlimm, wenn die ärgsten Kriegs- Heger an d«r Regierung beteiligt sind. Glaubt er etwa, unter der Nozirsgierung wirksam für d«n Pazifismus arbeiten zu können? (Sehr gut.) wir können na, im Preußisch«« Landtag«ich« de« Luxus erlauben. den sich die Nenn im Relchskag gestatte« haben, häkle« wir«s getan, wären Braun, Severmg und Grimme länast erledig«. Wir werden Im nächsten preußischen wahlkompf alle Sräfi» der Arbeiterklasse dafür einsehen, nn» den Prcnßeneinsluß zu erhallen und nicht zum Avsma- schplaß der Reaktion werden zu lassen.(Stürmischer Beisäll.) Ist es denn noch nicht nach Breslau gedrungen, daß wir ohne Preußen tatsächlich töngst den Boden der D-rfasiung verloren hätten? heut« aber besteht dieser Boden noch und trägt un» und unseren Kampf für die Arbeiterklasse. Sorgen wir dafür, daß wir nicht diesen Boden unter den Füßen verlieren.(Beifall.) Was die Partei im letzten Jahre getan hat, war vielfach zwangsläufig und durch die Verhältnisse erzwungen. Den neuen Tatsachen muß man einig« neue Gedanken entgegen- bringen. Was wir seit der letzten Reichstagswahl an Mitgliedern gewonnen haben, hätten wir ohne die Aktivität auch der Fraktion, nicht gewonnen. Darum müssen wir der Reichstagssraktion Vertrauen entgegenbringen. Auch ich maße mir an, die Stimmung der Arebiter zu kennen. Ich kenne Tausende von Proletarier, in den traurigsten Wohn- gebieten, die von innigster Liebe zur Partei erfüllt sind. Dieses vertrauen soll ihnen von niemandem gestört und geraubt werden. ver Parteitag hat dafür zu sorgen, daß der Glaube zur Partei und dir Stoßkraft der Partei nicht geschwächt wird. (Lebhafter Beifall.) Oettinghaus-.hagen: Zwischen der Auseinandersetzung in der Fraktion und mxf dem Parteitag besteht ein gewaltiger Unterschied. In der Fraktion wurde allgemein anerkannt, daß weder die Schot- tierten, noch die Unbefleckten mit Bestimmtheit sagen konnten, welches der wahre Weg ist. hier aber spricht man von Bequemlichkeit und Mangel an Mut. Wir verteidigen draußen unsere Genossen gegen die Vorwürfe der Kommunisten, als würden ihre Entscheidungen von Rücksicht auf Ministerposten bestimmt. Aber dann haben wir auch das Recht, daß man unsere Motive nicht verdächtigt. Man hat davon gesprochen, keine Illusionen zu wecken. Aber hat nicht Wels auf dem Magdeburger Parteitag die Losung ausgegeben:„Wenn schon Diktatur, dann unsere." Ich bin von dieser Illusion kuriert. Roch gefährlicher ist die Illusion, al» könnlen wir mit Demo- krakie und Parlamenkarismus unsere Ziele erreichen. Ich schätze die Demokratie, um die Massen aufzurütteln und zu schulen. Aber wenn die Demokratie uns keine Macht verleiht, müssen wir uns so oder so einstellen. Die besitzende Klasse wird nie zulassen, daß wir ihr mit Hilfe der Demokratie ihr« Rechte nehmen. Und Derfassungsfragen sind auch heute nocb Machtfrogen. Und die Macht unserer Partei liegt für mich nicht in klugem Regieren und schlauem Pattieren, sondern in den Betrieben, Schächten und Hütten. Dort hat unser Vorgehen unsere Macht nicht vermehrt, dort wird unsere Macht wachsen, wenn wir gegen die neue Notverordnung den schärfsten Kampf fuhren. Dort wird unsere Macht geschwächt, wenn wir schweigen und zurück- weichen. Wir sollen alle einig sein? Einig werden wir nie im Zurückweichen sein. Aber im schärfsten Kampf gegen die Brüning- Regierung wären wir sofort einig. Sollmann sprach von der geheiligten Disziplin der Partei. Ich habe kein Bedürfnis nach Heiligtümern: aber ich verehre die alte Tradition und das Programm der Partei und darin steht nichts, was mich verpflichten könnte, für den Panzerkreuzer einzutreten.(Beifall.) Ich bin jederzeit bereik, ViszIpNn zu hallen, wenn dl« Beschlüsse im Einklang mik den heiligen Zielen de, Sozialismus stehen. ober ich bin«ich« bereik zum Sadavergehorfam gegenüber dem, was wir seli Bestehen der Partei auf, s«härfske bekämpft haben. (Lebhafter Beifall auf den Tribünen.) Die Gewerkschaften haben sich seit dem letzten Wahlkampf voll für die Partei«mgesetzt. Auch daraus erwachsen der Partei Berpslichwngen. Für die Gemerk- schaften sind die neuen Notverordnungen, die noch«ine Lohnobbau- welle einleiten können, untragbar. Deshalb muß der Parteitag klar aussprechen, was er will: Er muß im Interesse der gesamten Arbeiterklasse jede weitere Belastung des Proletariats energisch zurückweisen. Ein Schlußantrag wird abgelehnt. Kloser-Äeudietendorf: Ich bin weder Abgeordneter noch Partei- angestellter. Aber ich muß mich doch sehr wundern, daß es Partei- tagsdelegierte gibt, die aus der Vergangenheit rein gar nichts ge- lernt haben. Daß führende Genossen hier auftreten, die keine Ahnung davon haben, daß die deutsche Arbeiterklosse noch nie so von Feinden umdroht war, wie heute. Leider hak erst der l4. September die Partei dazu getrieben. die nötige Energie bei dem Kampf gegen die faschistische Gefahr zu enlfalleu. Aber die Masse steht in diesem Kampf hinter uns und der unvergleichliche Idealismus der Rcichsbannerkamcraden (lebhafter Beifall!) läßt sie jeden Sonntag und jeden Wochentag mit einem Stück trockenen Brotes in der Tasche marschieren. Jede Woche, jeder Tag fordert Todesopfer aus unseren Reihen, durch das Mordbanditen- tum des Stahlhelms und der Nationalsozialisten. Und da sollten wir nicht chand anlegen, um die elend traurigen Justizoerhältnisi« endlich zu verbesfern. Dies« Mordbrut wird an den deut- schen Hochschulen gezüchtet! Justiz und höhere Schulen unterminieren planmäßig den republikanischen Staat Und da sollten Arbeiterführer nicht begreisen können, daß geschlossene Abwetzr nottut? wie harmlos stellt ihr euch eigeullich de« Hillerstaol vor. wenn feine Lumpen und Mordbanditen schon jetzt in der Republik jeden Tag Proletarier morden?(Sehr guk). Der Ruf der Masten an die Fraktion lautet: Einmütiger Kampf gegen die elementaren Feind« der Arbeiterklasse.(Lebhafter Beifall.) Die Kommunisten mit ihren schnöden Beschimpsungen und Ver- leumdungen sind uns keine Bruderportei. sondern ein Ekel. S i e sind die Spalter der Gewerkschaften und aller Kulturorganisationen der Arbeiter. Sie sind die Todfeinde unserer Organisationen.— Einigkeit, Einigkeit im Komps. Einigkeit unter ollen Umständen!(Lebhafter Beifall) Slemsen: Gegenüber dem Dorwurf des Genosten Frölich, daß Rofenfeld und ich gegen den Beschluß des Thüringer Parteitages gehandelt haben, stelle ich fest, daß Frölich und ich hier gl, Del«- gierte auf dem Parteitag sind, weil wir dos Vertrauen der Genossen haben. Den Genosten Wefti bitte ich. dafür zu sorgen, daß der Soü-i- listische Pressedienst objektiver berichtet. Eine Rede de» Geno'sen Dittmann ist sebr ausführlich wiedergegeben, von nyderen Reden nur wenige Zeilen,(Widerspruch:) Da,>st nicht Demokratie, sondern Apparat, Genosse Sollmann hat die Disziplin geheiligt. Wir können bei der Kürze der Redezeft leider den Begriff der Disziplin nicht grundsätzlich erörtern. Iedenfalls ist«in Unterschied zwischen milftärischer Disziplin und sozialistifch-proletarischer Disziplin.(Sehr wahr bei der Mehrheit.) Die englischen Genossen haben für dies« Heiligsprechung des Disziplinbegrisfe? in der deutschen Partei kein Verständnis.(Widerspruch.) Sie haben auch eine ältere Demokratie als wir in Deutschland. Aus dem letzten Parteitag wurde«ine au»fled«hnte Kultur- Debatte geführt, tpeil das Preußenkonkordot feine Schatten vor- auswarf. Heute stehen andere Problem« im Vordergrund, Aber ein paar Worte zu Kulturfragen sind doch am Platze. Unsere schweren Bedenken gegen dos Konkordat haben recht behalten. Di« Ver- kirchlichungderdeutfchenRepublikhatungeheure Fortschritte gemacht. Wirth hat im Reichstag eine bewußt provokatorische Rede gegen die Freidenker und die antikirchliche Bewegung gehalten. Das Echo in unserer Presse war sehr gering. Es blieb dem„Berliner Tageblatt" vorbehalten, die Frage aufzu- werfen, ob Wirth Reichsinnenminister der deutschen Republik oder katholischer Minister sei. Unsere Parteipreste ist jedensalls durch die Rücksicht aus die Koalitionspartner gelenkt worden. Die Frei- d e n k e r erwarten von der Partei, daß sie energisch gegen dos Ausnahmerecht der Notverordnung Stellung nimmt. Heilmann hat noch Material für das Vorgehen gegen die Freidenker im„Freien Wort" vorgebracht, aber einen Artikel von freidenkerischer Seite gegen die Ausschr'eitungen der Kirchenfreunde abgelehnt.(Hört, hört!) Das ist nicht mehr sozialistisch. Er hat auch merkwürdige Auf- fastungen über den 8 218 im„Freien Wort" vertreten.— Um die Schulen müssen wir uns ebenfalls mehr kümmern. Es ist ein Skandal, wenn in Preußen dissidentische Lehrer nicht angestellt werden. Aus dem Gebiete der Schule herrscht trotz des Kieler Parteitagsbeschlusses noch viel zu viel Rücksicht dem Zentrum gegenüber. Was den päpst- lichen Rundbrief anlangt, so ist die Kirche nie kapitalistisch gewesen, sondern vertritt eine ständische Mittelstandspolitik. Aber das be- deutet noch nicht, daß sie sozialistisch ist. Der„Vorwärts" hat aber zu dem Papstbrief geschrieben:„Es wird nicht abermals vierzig Jahre dauern, bis die katholische Kirche sich zum Sozialismus be- kennt." Dann werden wir also am 1. Mai mit kirchlichen Emblemen marschieren.(Zuruf: Umgekehrt.) Mit der Kirche tolerieren wir auch das Zentrum, von dem Breitscheid gesprochen hat, daß es sich auf das Bündnis mft den Nationalsozialisten einstellt. Demgegen- über müsten wir den Kampf aufnehmen, zu dem man uns zwingt. (Lebhafter Beifall bei der Minderheit.) Um 12.50 Uhr wird ein Antrag ans Schluß der Debatte angenommen. Es folgen eine Reihe persönlicher Bemerkungen. Wels stellt gegenüber Oettinghaus fest, daß er von seinen Aus- führungen über die Diktatur bei seiner Begrüßungsansprache auf dem Kieler Parteitag kein Wort zurückzunehmen habe. Niemand könne behaupten, daß die Wahl des 14. September die Partei schwach ge- macht habe. Das Gegenteil beweise die geistige Aktivität. Die Frage der Disziplin sei sehr einfach zu klären und dieselbe Pflicht, die jedes Mitglied einer Gewerkschaft in noch so schwerer wirtschaftlicher Loge im Falle eines Streikes, die jeder Abgeordiyte eines Kommunal- oder Londesparlaments habe, müsse auch für Reichstagsabgeordnete gelten. (Sehr gut!) Oettinghaus-Dortmund stellt zur Geschäftsordnung einen A n- trag, die Schlußworte und die Abstimmung zurückzustellen, bis die neue Notverordnung vorliegt und wenn notwendig, den Parteitag länger zusammenzuhalten, damit er als höchste Instanz entscheiden könne oder ob mit der neuen Notverordnung die Grenze des zu Tole- rierenden erreicht sei, Der Antraq Oettinghaus wird mik großer Mehrheii abgelehn». Das Schlußwort erhält Ludolf Areitscheid. Kleineibst hat bedauert, daß die auswärtige Politik zu kurz gekommen sei. Ich glaube nicht, daß Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Reichstagssraktion über unsere Haltung zur aus- wärtigen Politik bestehen. Die Auffassung der Fraktion kann man dahin zusammenfasten, daß unsere Aufgabe dahin geht, die Friedens- und Berständigungspolitik auf internationaler Grundlage nach wie vor zu betreiben, jeder nationalistischen Anwandlung und jedem Zu- geständnis in Worten und Handlungen an die Forderungen des Nationalismus mit Entschiedenheit entgegenzutreten. Jensen hat mir vorgeworfen, ich hätte mich nicht auf den Boden der moteria- listischen Geschichtsauffastung, insbesondere bei der Schilderung des Werdeganges Mustolinis gestellt. Ich gebe zu, ich bin ein recht schlechter Theoretiker, aber deshalb gehöre ich zu den Bewunderern der Theoretiker. Aber ich habe den Eindruck, daß auch die Theo- retiker, wenn man darunter alle diejenigen versteht, die immer ein marxistisches Zitat bei der Hand haben(Heiterkeit) und die glauben. daß man jede neue Situation mit Zitaten schützen oder bekämpfen könne, die für diese Situation nicht geschriebn waren, auch nicht einig sind, sobald es sich um Fragen der Gegenwartstaktik handelt. D e s- halbistesschwer.dieForderungaufzustellen.wir sollen uns in der Praxis nach den Theoretikern richten oder nach denen, die glauben, den Marxis- mus mit Löffeln gefressen zu haben.(Heiterkeit.) Ich weiß auch, daß Mussolini nicht die faschistische Bewegung ist: wenn er trotz seiner Charakterlosigkeit, trotz seiner Progrommlosigkeit. trotz seines Hinüberwechselns zum Kapitalismus die Macht erlangte, war das nur möglich aus der Basis einer vorhandenen Bewegung. auf der Basis bestimmter soziologischer Tatsachen. Mussolini war nur Exponent dieser Totsachen, aber trotzdem glaube ich, bah der menschliche Wille und die menschliche veesönlichkei« mindestens für einige Zelt Politik und Schicksal der Völker stark bestimmt.(Sehr wahr!) Auch die Unterschied« in den sozialen Voraussetzungen in Italien und Deutschland habe ich nicht übersehen. Ich weih, daß S3 Proz. der italienischen Erwerbstätigteit in der Landwirtschaft tätig ist, kenn- die Zahl der Analphabeten der Landarbeiter aus Latifundien, kenn« die Dergleichszahlen der industriellen Entwicklung. Aber was folgt daraus? In Italien mag der Faschismus die kleinere Gefahr sein als die Zeitdauer seiner Herrschast. Für den Augenblick ist die faschistische Gefahr auch in Deutschland unendlich groß(lebhafte Zustimmung) angesichts der Wirtschaft- lichen Situation, anqcjichts der Demoralisierung der Geisler in die Klassen der Gesellschasl. oogesichls der Tatsache, daß auch die. die nicht eigenklich saschistisch denken, jetzt in ihrem Kamps gegen die Arbeiterklaste den Faschismus benutzen wolle», ist die Zuiensi- «äk der faschistischen Gefahr im Augenblicke riesengroß und niemand hat das Recht, leichtfertig darüber zu reden.(Lebhafter Beifall.) E ck st e i n kann die Rednertribüne nicht vertragen.(Heiterkeit.) Aus dem Parteitag mutz man wirklich das Dramatische zugunsten des Sachlichen ein wenig in den Hintergrund drängen können. Ich liebe eine Opposition in der Partei und in der Fraktion, wenn sie nicht den Eindruck erweckt, als trennten uns riesengroße wellanschauliche Gegensätze, und wenn sie wenigstens ein bißchen geschest ist.(Heiter- keit.) Die Opposition muß ihre Sache so gut und geschickt führen, daß sie die Mehrheit zum Nochdenken und Nachprüfen anregt. Aber sich hier einfach herstellen und erklären, Brüning sei die Schwer- industrie, Brüning sei genau dasselbe wie Hugenberg und Hitler, ho» ist doch ein bißchen unmarxistisch.(Sehr gut!) Mit so törichten Redensarten schwächt man nur unseren Kamps gegen den Faschismus ob.(Zustimmung.) Haben wir denn gar nichts für die Arbeiterklasse gerettet und erhallen? Glaubt ein Delegierter, die Notverordnungen würden ebenso aussehen wie jetzt, wenn nur sie cjar mcht beeinflußt hätten, wenn sie lediglich nach den Diktaten des Schwerkapitalismus und der Nationalisten ergangen wären. (Sehr gut!) Gewiß, unser Einfluß war zwar gering, ober wenn nur die Deutsche Volkspartei allein den Zuhält der Notverordnung bestimmt hätte, dann wäre von der deutschen Sozialpolitik schon lange viel weniger übrig, als heute übrig ist. �(Sehr wahr!) Wer Brüning mit 5)ugenberg und Hitler gleichstellt, macht sich einfach lächerlich und bringt den Parteitag der deutschen Sozialdemokratie in den Verdacht, über die wirklichen Tatsachen und die Machtverhältnisse des politischen Lebens nicht unterrichtet zu sein.(Lebhafter Beifall.) Jensen hat begeistert nach einem lebendigen Parlament gerufen. Wir hatten keine allzugroße Freude an dcr�Lebendigkeit des Reichstags vom 14. September.(Heiterkeit und Zustimmung.) War denn das noch ein Parlament, der Boden, aus dem politische Gegensätze geistig ausgefochten werden? Daran, daß der Deutsche Reichstag kein wirk- liches Parlament war, ist weder die Sozialdemokratie noch Brüning schuld. Das hat die deutsche Wählerschaft zu verantworten.(Sehr wahr!) Ich habe schon in meinem Referat gesagt, wir mußten gewisse Formen der Demokratie etwas einbuchten lassen, um nicht die Demokratie für unabsehbare Zeit zu vernichten. Wer Eckstein fragt, was besteht denn eigentlich noch von der Reichsverfassung? Das würde selbst Eck st ein schon merken, wenn Hugenberg und Hitler wirklich regierten!(Lebhafte Zustimmung.) Dann würde er nicht mehr so hörenswerte Parteitagsreden halten können und würde sich nicht einmal die schönen Aufträge von seinen Wählern geben lassen können, auf die er sich hier berufen hat. Die Sorge um die Erhaltung der Freiheit ist die Frage, die wir uns immer gestellt haben und in Zukunsl auch stellen werden. Portune beruft sich auf die Stellung der Masse. Wenn sich jemand auf die Masse beruft, meint erdieMasse.diemitihm einverstanden ist. Die nicht mit ihm einverstanden ist, ist gar keine richtige Masse.(Heiterkeit.) Wir wollen uns von der Masse nicht trennen. Wir wollen ihren Willen er- forschen, wir wollen ihrem Willen Rechnung tragen, aber wir wollen uns nicht leiten lassen von augenblicklichen Gefühlswallungen. Anderenfalls wären wir Puppen in der Hand der Masse oder gar nicht einmal in der Hand der Masse, sondern in der Hand derer, die über die nötige demagogische Fähigkeit verfügen, im geeigneten Augenblick die Massen mitzureißen.(Lebhafte Zustimmung.) Es ist wirklich nicht so, daß hier auf dem Parteitag oben auf der Galerie die Blassen und unten Im Saal die Bonzen sähen. Zhr Jugendlichen da oben entscheidet mit dem Gefühl, wir müssen versucheu, Gefühl und Verstand einigermaßen in Einklang zu bringen. Wir haben gar keine Angst vor dem Radikalismus der Jugend, ober wir halten auch«ine Jugend ganz ohne Bescheidenheit nicht für sehr zukunftsreich.(Sehr gut!) Bildet Euch ruhig ein, daß Ihr olles besser wißt, aber vergeht nicht, daß uns Sozialismus und Partei durch ein ganzes Leben ans Herz gewachsen ist. Versucht in gemein« samer und praktischer Tagesarbeit mit uns Eure Auffassung durch- zusetzen.'(Zuruf auf der Tribüne: Dann werden wir abgehalftert!) Abgehalftert wird immer nur der, der nur das Maul aufreißen kann. Noch nie ist in der Sozialdemokratie jemand abgehalftert worden, der sachlich mitgearbeitet hat und schließlich— abgehalftert wird immer nur der, der sich abhalftern läßt.(Zustimmung, leb- hafter Beifall.) Wir wollen uns gern von den Massen belehren lassen, aber wir haben auch die Massen aufzuklären. Wir haben alles Verständnis dafür, daß die Masse in Not und Leid nach so- fortiger Hilfe schreit, aber wir haben die Pflicht, ihr zu sagen: hier sieht mehr aus de« Spiel. Ihr habt nicht da» Recht, die ganze Zu- fünft der Arbeiterbewegung zu zerstören, selbst, wenn wir im Augen- blick Opfer bringen müssen, die uns alle gleich schmerzlich sind. (Beifall.) Portune freilich beruft sich darauf, daß er im Betriebe steht und daß Akademiker den Willen der Masse nicht begreifen. Aber i st die Opposition nicht stolz auf ihre Akademiker? Nicht, weil wir Akademiker sind, haben wir die Berufung, die Mass« zu führen, aber als Parteigenossen haben wir all« flleich« Recht«.(Portune: Die Warnung vor den Akademikern tammt von Bebel.) Ich bitte um Entschuldigung, daß ich den Ge- nassen Portune einen Augenblick mit Bebel verwechselt habe. (Heiterkeit.) Unter den Akademikern sind heut« un» zählige Proletarier und P r o l e t a r i e r k i n d« r. und wir haben nicht das Recht, sie durch unüberlegte Redensarten den Faschisten zuzutreiben.(Sehr wahr!) Ein« weitere Meinungsverschiedenheit betrifft den Begriff der Demokratie. Genosse Portune glaubt nicht daran, daß sie uns zum Ziele führt. Wer was soll uns denn zum Ziele führen? Irgend- eine andere Form der Despotie? Mit solchen Redensarten stärkt man nur die antidemokratischen Strömun- gen im Volk und das dient nicht uns. sondern dem Faschismus.(Lebhafte Zustimnumg.) Wir halten an der Demo- kratie fest und glauben an Sie. Ich empfehle Ihnen die„Grund- begriffe" der Politik von Friedrich Stampfer. Stampfer sagt mit Recht, daß es für die ungeheure Mehrzahl der Menschen Politik treiben wollen bedeute, die Demokratie wollen. Jede andere Staatsfarm gibt die Möglichkeit zu politischer Tätigkeit nur einigen wenigen. Demokratie ist die Voraussetzung jeder Arbeiterpolitik. Ohne Demokratie kein Sozialismus von Dauer, ohne Demokratie keine politische und wirtschaftliche Befreiung der Arbeiterklasse. (Stürmischer Beifall.) Seydewitz hat uns geschickt die Frage-zurückgegeben, was wir nach dem Sturze Brünings tun wollten. Selbstverständlich muß dann die gesamte Kraft der Arbeiterklasse im schärfsten Kamps eingesetzt werden und Einzelheiten zu formulieren wäre unklug. Aber das oben wir die Opposition gar nicht gefragt. Wir wollten von hr nur hören, was sie nach Brünings Sturz er- wartet. Auf diese Frage hat Eckstein— vielleicht verdanlt er die Prophetengabe seinen Beziehungen zum Alten Testament— geantwortet: Nach Brüning kommt Brüning. Eg kann auch ganz anders kommen! Es kann eine Beamten- regierung. eine vlililärdiklatur, eine Regieruno mit National- sozialisten oder mit ihrem deulschnationalen Sachwalter werden. linser« Frage sollte die Opposition nur zwingen, die Situation ernst- Haft und nachdrücklich zu prüfen. Dos hoben wir stets getan und werden wir wieder tun, wenn die neuen Notverordnungen vorliegen. Eckstein scheint es ober für eine Gemeinheit und Boshest der Fraktionsmehrheit zu holten, daß uns heute die Notverordnungen nod> nicht vorliegen. Aber bis heute früh war sich die Regierung noch nicht über den Inhalt der Notoerordnung einig, und der Parteitag wird sich wirklich nicht dazu bestimmen lassen, über etwas Politisches zu entscheiden, was noch gar nicht feststeht. In der Fraktion ist gesagt worden, die Fraktion solle sich vor dem Parteitag nicht festlegen: dieser werde seine Meinung zum Ausdruck bringen. Do» kann der Parteitag natürlich nicht, bevor die Notverordnung vorliegt. Aber der Parteitag ist auch nicht die Znstonz. in einer sslchen Frage in ollen Einzelheitea das letzte cnsscheid-mdr wort zu sprechen, was er uns geben kann, sind die großen Richtlinien. die Beschlüsse müssen wir fassen, sonst müßte alle vier Wochen ein Parteitag einberufen werden. Eure Richtlinien sind uns wert und gut und sind nolmendig. der letzte Entschluß, die letzte Verantwortung liegt bei der Fraktion. Ihr könnt uns dann in die wüste schicken, aber zunächst hoben wir die Verantwortung. (Sehr gul!) Ich habe in der Fraktion gegen den Panzerkreuzer gestimmt, aber es ist«ine Unwahrheit, zu behaupten, dos Geschehenlassen des Panzer- kreuzerbaus komme einer Ausrüstung gleich. Wir halten uns durchaus im Rahmen des Dersaiüer Vertrages, wir ersetzen ein alles Schiff durch«in neues. Wenn wir anderen dagegen waren, so vor allem, weil wir es für unverantwortlich hielten, eine solch« Maß- nähme in diesem wirtschaftlichen Elend durchzuführen.(Sehr gutl) Wer mit Aufrüstung oder mit einem Bruch aller Programm- fordeningen hat das nichts zu tun, obgleich ich sagen muß, ich wäre auch bereit, einen Bruch alter Pro- g r a m m s o r d e r u n g e n auf mich zu nehmen, da die Zeit und die Verhältnisse ganz andere geworden sind.(Lebhafte� Zustimmung). Man muß unterscheiden zwischen Programmforderunzen und zwischen unzerstörbaren Grundsätzen seiner Partei. Rosenfeld behauptet, die Neun haben recht in der Sache gehabt, und daher Recht mit ihrer Taktik. Nein, ich spreche gar nicht dar- über, ob ihr Neun Recht gehabt habt. Selbst wenn ihr im Recht «vorl. so mußte gerade in dieser Zeit Diszipstn gewahrt werden. (Stürmische Zustimmung.) Ihr konntet nachher an den Parteitag appellieren, kanntet sagen, die Mehrheit hat sich vergangen gegen die Prinzipien der c-ozial- demokratie, über sie muß der Parteitag zu Gericht fitzen. Wer bis zu diesem Moment hattet ihr euch unterzuordnen, zu fügen, w i e sich manch einer in der Fraktion bei anderen Gelegenheiten gefügt hat(stürmische Zustimmung), weil ihm die Einigkeit und Geschlossenheit der Partei höher stand, als das, was man mit Recht und häufig auch mit Unrecht das Gewissen nennt. Wenn Siemfen auf die englische Partei hinwies, so frage ich ihn, ob er in allen Beziehungen der englischen Labourparty zu folgen bereit ist. Mit seiner Kullurrede würde er wohl bei vielen englischen Parteigenossen wenig Anklang finden(sehr gut!). Im übrigen gibt es im englischen Parlament keine kommunistische Fraktion und keine Nationalsozialisten, und gerade angesichts dieser Gefahren von rechts und links, mit denen wir zu rechnen haben, müssen wir alle bereit sein, auch einmal ein Opfer unserer besseren Ucberzeugung zu bringen und haben das zu tun, was die KörpeZchast, der wir angehören, von uns verlangt(sehr wahr!). Wer in ein Parteiamt und in die Fraktion eintritt, gibt damit schon von selbst etwas von seiner inneren Ueberzeugung auf. (Lebhafte Zustimmung.) Keine Partei und keine Fraktion deckt sich vollkommen mit den Ueberzeugungen jedes einzelnen, sonst müßte das ein langweiliger Stiefel sein.(Heiterkeit.) Indem ich etwas von meiner Freiheit ausgebe, nehme ich die Verpflichtung der Unter- ordnung in diesem Moment auf mich, wo diese Unterordnung die dringeüdfte Forderung des Tages ist. Da oben auf der Tribüne sitzen die Ehrengäste, die der Pariei- vorstand eingeladen hat. die Männer, die geworben haben für die Partei, die ihr laufende neuer Mitglieder zugeführt haben. (Stürmischer Beifall.) Ich weiß nicht, ob diese Männer und Frauen In jeder Bezlchuna mit dem Standpunkt der Fraktionsmehrheil einverstanden sind. Zch weiß nur, daß sie sich gesagt haben: was auch immer geschehen mag. e» gilt»e Partei, die varlei der Arbeitert Sie sind in den stampf gegangen und haben für die Partei gearbeitet.(Ernenke. stürmische Zustimmung.) Sie haben vielleicht ihre persönliche Ueberzeugung zu- rückgeslellt, wa» Ich von der Opposition nie verlangt habe. Zch verlange nur. daß sie auch den anderen gerecht wird. Aber sie haben jedenfalls nicht gesagt: jetzt werfen wtr die Arbeit hin, denn die Partei Hai sich von ihren Grundsätzen abgewandl. Zhr Neun, nehmt euch ein Beispiel an diesen Mikgliedern der Partei! (Stürmische» Bravo.) Ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß wir über all« Meinungs- Verschiedenheiten hinweg, wo es um ine Zukunft der Arbeiter- bewegung geht, einig und geschloffen bleiben. Ich sage euch, als ehemaliger Unabhängiger: das war damals«in schwerer Fehler von 1S16!(Lebhafter Beifall.) Ich halte unsere Ansicht von damals über die Kriegs- Politik noch wie vor für die richtig«: und trotzdem war es ein Irrweg, daß wir'die Fehler begangen haben. Sorgt dafür, daß so etwa» nicht noch einmal wiederholt wird!(Minutenlanger, stürmischer Beifall.) Damit schließt die Bormittagssitzung.— Schluß 13.30 Uhr. Nachmittagsfitzung. In der Nachmittagssitzung wird zunächst da» Schlußwort Sollmann» entgegengenommen. Wilhelm Gollma»«: Ich muß den Partettag um Entschuldigung bitten, daß ich nach der großen rednerischen und politischen Leistung unseres Fraktitms- führers überhaupt noch da« Wort nehme. Ich hatte gewünscht, daß unmittelbar unter dem Begeisterungsrausch, den Breitlcheid erzeuch hat, der Partettag zur Abstimmung geschritten wäre. Ich bin über- zeugt, daß selbst Seydewig und Portune dann in ihrer Haltung zwei feihast gewesen wären.(Heiterkeit.) Ich möchte nur noch in einigen Punkten den Frokttonsbericht ergänzen und schiefe Anschauungen der Diskussion richtigstellen. Ich freue mich, daß einige Redner das wichtige Gebiet unserer Wirt- chastspolitik angeschnitten hoben, weil ich den Eindruck habe, daß oft genug die wichtigsten wirtschaftlichen, finanz- und ozialpolitischen Fragen in den Parteidiskussionen zu kurz kommen. Es wäre gut, wenn gerade unsere Jugend sich mit diesen Fragen beschäftigt, was rcilich mancherlei Studium und Wissen voraus- etzt. Im übrigen ist im Reichstag eine Mehrheit für eine Hoch- Hutzzollpolitik vorhanden Wir bekämpfen dies« Polttik und ver- treten damit nicht nur Arbetter-, sondern auch Bauerninteressen. Ich muß aber der Minderheit auch hier die Frage vorlegen: glauben Sie. daß die Zollpolitik besser wäre, wenn wir da» Reichskabinett Brüning nollständig in die Arm« der hochschntz- Zöllner»hineintreiben würden? Ein unüberlegte» Ausgeben der Tolerierungspolilik würde die ksochschutzzöllner im Zentrum und ans der Rechten in eine Front bringen, und da» würde von den Verbrauchern mit Milliarden bezahlt werden müssen!(Sehr wahr.) Seydewitz ist nicht nur mit Geschick, sondern auch mit Käme- rodschaftlichkeit an unseren Froltionsbericht herangegangen, Würde seine Feststellung, daß die Entscheidungen der Fraktion oft ehr schwierig sind, so daß man nicht einfach mtt schwarz oder weiß darüber urteilen kann, überall beachtet werden, dann würden in Zukunft die Parteidebatten ganz anders geführt werden.(Sehr richtig!) Mit welcher Rechthaberei, mit' welchem Pharisäer- tum, mtt welcher Anmaßung und Ueberhebung Hot hier Eckstein über Severing gesprochen!(Lebhafte Zustimmung.) Auch Severing untersteht natürlich der Kritik der Partei; aber ich oerlänge von einem Manne von der Bildung und geistigen Reise des Genossen Eckstein, daß er von der Tribüne des Parteitages über Minsstergeuossen mir urteilt unter Anerkennung der vollen Schwierig- leiten und der Tatsache, daß dieser Genosse seine volle Kraft für das Wohl der Arbeiterklasse einsetzt!(Erneute, lebhoiic Zustimmung.) Elve solch« strikik wirkt positiv, aber ich protestiere gegen diese hämische Art der Polewik. die e« so hinstellt, al» wenn Severing der Zerstörer der Demokratie wäre! Ich beneide niemanden um den demonstrativen Beifall einiger jungen Gäste des Parteitages aus den Tribünen. Aber im Hinblick aus die heutige furchtbare Situation des deutschen Proletariats olltsn doch die Empfänger dieses Beifalls sich darüber klar werden, >oß es heute leichter ist nein zu sagen, als ja zu sagen.(Sehr wahr!) Wenn Eckstein in diesem, die Gegensätze aufreißenden und vertiefenden Zorn vor dem Parteitag spricht, ist der Schaden nicht sehr groß: denn die Delegierten sind alles atts geschulte Genossen. wenn«« aber draußen dt« Parleidebatten mit der gleichen veberhsblichkeik und llnkameradschasllichkeit führt, dann wundere ich mich nicht wehr, daß z.V. in Breslau so hefSge kämpfe innerhalb der Partei Platz greifen.(Sehr wahr!) Die einfachen, abgeorbetteten und müde« Parteimitglleder wollen keine Parteioersammlungen mit Zank und Streit. Sie wollen auch einmal hören, was die Partei Positives geleistet hat. Wenn ihr ihnen immer nur sagt, die Führung habe es salsch gemacht, dann muß dos Vertrauen zur Partei verschwinden.(Lebhafte Zu- stimmung.) Seydewitz Hot gemeint, unsere ganze Taktik sei aufgebaut ge- wesen auf der Hoffnung baldiger Ueberwindung der Wirtschaftskrise. Gewiß, wir haben immer danach gestrebt und tun es noch, die wirtschaftliche Lage der Massen zu erleichtern. Aber unser Hauptziel war doch, daß mau nicht die Wirtschasls- krise zur Vernichtung der Demokratie ausnützen könne. Wir haben wieder ein Milliardendefizit: ober wenn wir im März nicht den Etat verabschiedet hätten, stünden wir mitten in einer Finanzkatastrophe von unabsehbaren Folgen. Wiederhott hat man uns die Frage entgegengeschleudert, ob unsere Opfer sich gelohnt hätten. Meine Frage, ob es ein zweites großes Industrieland mit so viel Sozialpolitik wie Deutschland gebe, hat niemand beantwortet. Ich habe den Mut zu sagen, daß dieCrhaltung der Demokratie und derSozialpolitik alsErsolg die Taktik der Fraktion vollkommen recht- fertigen.(Beifall.) Sagen sie doch endlich allen deutschen Ar- beitern, daß wir jährlich mehr als sieben Milliarden für Sozialpolitik ausgeben, davon fast 2Vk Milliarden Reichszuschüsse. Und was würde geschehen, wenn wir Brüning stürzen! In der Entschließung der Genossen Jensen und Bieligk lesen wir darüber, die politischen Folgen dürften nicht überschätzt werden. Das Zentrum würde in einer Koalitionsregierung mit den Faschisten diese hemmen. Soweit geht mein Radikalismus nicht, daß ich die wichtigste Debatte de» sozialdemokratischen Parteitages mit einer Ver- trauenskundgebung für das Zentrum beenden lasse,(heiter- keit und Zustimmung.) R o f e n s e l d hat vor den Gefahren der Aufrüstung gewarnt. Aber die französischen Genossen hoben die Taktik unserer Reichs- tagsfraktion vorbehaltlos gebilligt, und die Red« des Genossen Grumbach in der französischen Kammer ist die klassische Dar- legung der Gründe, die uns geleitet haben.(Hört, hört!) Gewiß haben wir im alten Staat die Rüstungsausgaben grundsätzlich-�b- gelehnt und«ine besondere Stellung zur Landesverteidigung eine genommen. Aber selbstverständlich kann diese Stellung nicht un- oerändert bleiben, wenn wir selbst die Staatsgewalt in die Hand nehmen wollen. In den Erläuterungen zum Erfurter Programm können Sie lesen, daß kein Volk frei ist, das nicht die Waffen zu führen versteht und für seine Frei- heit mit Blut und Leben einsteht. Ich möchte in der Zeit der Kinderfreunde und der Roten Falken derartige Sätze gar nicht im Parteiprogramm haben. Aber wer sich bei'Militärforde- rungen der Stimme enthält oder aus staatspolitischen Gründen zustimmt. begeht noch lange keinen Verrat an sozialdemokratischen Grundsätzen. Den Parteigenossen, die von wortradi kalea Pazisisie« die eigene Partei besudeln und bestänkern lassen, muß endlich einmal klar- gemacht werden: e» gibt nur eine große Friedenspartei und nur eine Frledensgesellschost. das ist die Deutsche Sozialdemokratie.(Lebhafter Beifall.) Rosenfeld hat davor gewarnt, auszusprechen, daß ein wieder- Holter Disziplinbruch parteischädigendes Verholten sein würde. Er hat in der Presse den Grundsatz aufgestellt: je größer die Freiheit, desto stärker die Einheit. Wenn jeder tun kann, was er will, hätten wir zwar größere Freiheit, aber auch größere Uneinigkeit. Auf dem Magdeburger Parteitag von 1910 wurde ein Antrag eingebracht, wer noch einmal ein Budget bewillige, stelle sich damit ohne weiteres außerhalb der Partei. Dieser drakonische Antrag war unterzeichnet von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, deren Andenken Rosenfeld hier beschworen hat, von Bieligk, S t r ö b e l und Dr. Kurt Rosenscld.(Stürmische Heiterkeit und großer Beifall.) Da bin ich, glaube ich mehr für den modernen Strafvollzug— ich schließe den Weg einer Bewäh- rungsfrist nicht aus.(Heiterkeit und Zuruf: Der Fall ist hoifnungslo»!) Wir stehen gegenüber der Gefahr, daß derartige Aktionen sich wiederholen. Rosenfeld Hot zwar erklärt, er wisse von dem Lorkongreß für Wien nichts: ober er hat leider nicht hinzugesetzt, daß er derartige Versuche mißbilligt und nicht mit- macht. Wer ober derartige Truppenbildungen unterstützt, kann nicht dafür einstehen, daß in zugespitzten Situationen die Partei- einheit gehemmt wird.(Sehr wahr!) Oettinghaus will gern Disziplin halten, solange die Beschlüsse in Einklang mtt unseren Grundideen stehen. Aber darüber bestimmt eben nicht Oettinghaus und nicht Seydewitz, sondern allein die berufene Vertretung der organisierten deut- schen Arbeiterklasse.(Lebhafter Beifall.) Unmöglich können wir jedem einzelnen Genossen die Entscheidung darüber überlassen, ob unsere Beschlüsse grundsätzlich richtig sind.' Wenn Oettinghaus als Gewerkschaftsführer auf Grund eines Kompromisses mit den Unternehmern einen Streit abbricht, überläßt er es auch nicht jedem Gewerkschaftsmitglied, ob es das sür richtig hält oder nicht. Der Parteitag muß klarstellen, daß, wenn Fraktion s- zwang beschlossen wird, jedes Fraktionsmitglied sich zu fügen hat.(Sehr richtig.) Jensscn hat von einer Hetze gegen die Theoretiker gesprochen. Ich habe keine Hetz« getrieben, aber ich habe betont, daß die Arbeit der Genossen, die in den Kommissionen der Parlamente Tag für Tag um jede Mark kämpfen, genau so Klassenkampf ist. wie das Schreiben non theoretischen Artikeln. Ich. schätze ihre erzieherische Arbeit. Ge- nosse Jenssen, schon deshalb, weil Sie wie ich Alkoholgegner sind. (Heiterkeit.) Seid doch froh, Genossen, daß in der Partei solche Ouer» Verbindungen bestehen. Aber es besteht die Gefahr, daß ein Teil unserer Zugend zu einem geistigen Hochmut erzogen wird gegenüber Parteigenossen, deren aufreibende Tätigkeit ihnen feit Jahrzehnten keine Zeit mehr läßt, alle Theorien zu»erfolgen.(Sehr wahr!) Ich habe manch- mal den Eindruck, daß in einem Teil unserer Zugend ein pharisäerhafter wortglaube gezüchtet wird, der sie untauglich macht, in der praktischen Arbeit mittätig zu sein. Di« Entschließung, welche wünscht, daß die Verordnung gegen politisches Rowdytum sofort aufgehoben wird, bitte ich abzulehnen. Wir würden damit nur den Nationalsozialisten einen Gefallen tun. Was die Gefahren für die Freidenkerbcwe- g u n g anlangt, so stelle ich fest, daß in dem Besitz des Genossen Hertz ein Brief der proletarischen Freidenkeroroonisation an die Reichs- tagsfraktion ist, in dem der Reichstogssraktion der Dank dieser Organisation dafür ausgesprochen wird, daß es uns gelungen ist, die allermeisten Mißstände auf diesem Gebiet zu beseitigen.(Hört, hört!) Siemsen hat Kritik geübt an einem Aufsatz im..Vorwärts" über die p ä p st l i ch e E n z y l l i k a. Ich habe den Artikel nicht gelesen. aber es ist schon möglich, daß man in Berlin nicht genau über die Geschichte des Katholizismus orientiert ist. Vielleicht ist Siemsen damit einverstanden, wenn ich Stampfer vorschlage, einen tüchtigen katholischen Sozialisten in die Redaktion des„Vorwärts" zu nehmen. (Heiterkeit.) Passiv gegen die katholische Kirche habe ich mich niemals verholten. Ich bin dafür, daß wir religiöse Toleranz üben. Wo ober die Kirche den Sozialismus angreist, hat sich jeder Sozialist entschieden dagegen zu wehren. Der politische Fuhrer des Hochkapitalismu» in Deutschland, Herr Dingeldey von der Deutschen Bolksportei hat am Dienstag in Hamburg zu der neuen Notverordnung folgendes gesagt: „Der Reichskanzler habe die Verpflichtung übernommen, weitere Ausfälle durch weitere Ausgabenkürzungen und Reformen zu decken. Wo» man ober jetzt hört, bedeutet den Bruch der vom Reichskanzler bisher bekundeten Grundsätze. Es scheint, daß man auch dem Wunsche der Sozialdemokraten folgen und die 40-Stun- den-Woche dekretieren wolle. Der Reichskanzler habe bisher im In- und Auslande Vertrauen genossen, weil sein Programm sich oo» sozialistischen Einflüssen ferngehalten habe. In dem Augen- dllck, m dem dieser Zkurs verlassen werde, seien für alle diejenigen, die.bisher in Deutschland der Regierung Vertrauen geschenkt hätten, neue politische Tatsachen geschaffen.(Hört, hört!!)" Zn einer solchen Situation wäre es wohl die größte Dummheil, wenn der Parteitag die Resolution Roseufeld-Seydewitz annehmen würde! Wir stehen nun am Ende des großen, inneren Kampfes über die Methoden der Partei. Vor dem Parteitag war in gegnerischen Blättern viel die Rede von der angeblichen Verbonzung und Verkalkung der Sozialdemokratie und ihrem allbeherrschenden Apparat. Ich svage nun: welche Partei Deutschlands wäre in der Lage, bei der breiten Oeffenllichkeit die großen, politischen und Wirtschaft- lichen Probleme so zu diskutieren, wie das hier geschehen ist? (Sehr gut!) Ich bin auch überzeugt, wenn Breitscheid seine Rede vom Vormittag vor einer Arbeiterversammlung gehalten hätte, daß ihm die sozial- demokratischen Arbeiter genau so zugejubelt hätten, wie der Partei- tag.(Zustimmung.) Alles, was wir hier i« Leipzig erlebt haben, zeigt, baß die Sozialdemokratie geradezu geladen ist von Energie, und daß es keiner wagen kann, mit dieser Partei anzubinden. Also hinweg mit allem Pessimismus und aller Kopfhängerei und auch mit dem Wahn» es sei in Deutschland zn Ende mit der Demokratie und der Republik. Was wir au Demokratie zeitweilig habe« auf» gebe« müssen» werden wir zurückholen. Dieser Parteitag beweist dem deutsche« Bolke und der ganzen Welt: es kommt kein Drittes Reich, es kommt kein Sowsetdeutsch- land» es kommt ein Deutschland des Arbeitervolkes unter Führung der Sozialdemokratie.(Stürmischer Beifall.) In einer persönlichen Bemerkung bemerkt Rosenfeld, daß seine Haltung im Jahre ISIl) gegenüber den badischen Budget-Be- willigern nicht im Widerspruch stehe mit seiner Haltung auf diesem Parteitag, weil er und seine Freunde nach ihrer Meinung gegen keine Parteitagsbeschlüsse verstoßen hätten, während 1910 ein Verstoß gegen die Beschlüsse der Parteitage in Dresden, Lübeck, Nürnberg vorgelegen habe. Vor der Abstimmung über die entscheidenden Entschließungen gibt Wels dem Parteitag bekannt, daß bereits am Sonnabend vor dem Parteitag in der.Leipziger Volkszeitung" mitgeteilt worden ist, daß die Kommunistische Partei die Absicht habe, mit soziaUe�mokratijchau Mitgliedsbücheru ver» sehen« Jugendliche und evtl. auch kommunistische Parteimitglieder, die mit den an die kommunistische Press« ausgegebenen Pressekarten verschen werden sollen, auf der Tri- düne des Parteitages zu verteilen, die dann nach den ent- scheidenden Beschlüssen gegen die neun Abgeordneten der Minderheit ihre sozialdemokratischen Mitgliedsbücher zerreißen und in den Saal hinabschleudern sollen. Sollte also eine solche Aktion wirklich vor- kommen, so stelle ich von vornherein fest, daß sie im Dien st e der Kommunistischen Partei erfolgtl Es folgen die Abstimmungen. In der D i s z i p l i u s r a g e gelang! zur Abstimmung ein Antrag vom Parieivorskand und Parleiaucschuß. dessen erster Sah das Verhallen der neun Reichslagsabgeordnelen bei der Abstimmung über den Panzerkreuzer B mißbilligt. Dieser Sah wird in gewöhn- «icher Abstimmung mit überwälkigender Mehrheil angenommen. Der Schluß der Resolution, der den Fraktionen einheitliches Auf- treteu zur Pflicht macht und ihnen das Recht gibt. Fraktionszwang zu erklären und Zuwiderhandlungen dagegen als parteischädigendes Verhalten erklärt, wird in namentlicher Abstimmung mit 234 gegen 62 Stimmen angenommen. Damit sind alle anderen Anträge zur Disziplinfrage erledigt. Die sozialen Forderungen des Parteitages sind in einer Resolution Aufhäuser-Gerlach zusammengefaßt, die einstimmig an- genommen werden Die meisten Anträge auf sozialpolitischem Gebiet sind dadurch erledigt. Der Rest der Anträge wird dem Partei- vorstand überwiesen. Zur Bekämpfung des Faschismus siegt ein Antrag von Bersiu vor: er wird mit dem Zusahantrag der Frauen einstimmig angenommen Zu den Anträgen über Beeinträchtigung des Freidenker- t u m s durch die letzte Rolverordnung wird eine Refolusion vom Parleivorsland und Parleiausschuß angenommen, die von der Reichslagsfraklion weiteren energischen Kampf gegen Mißbrauch der Rolverordnung fordert. Die übrigen Anträge sind dadurch erledigt. Zu den neu bevorstehenden Notverordnungen wird ebenfalls mit überwältigender Mehrheit eine Resolution vom Partelvorstand und Parteiausschuß ange- n o m m e n, wonach die Fraksion alsbald nach vorliegendem Wort- laut zusammentreten und entscheiden soll. Ebenso wird mit großer Mehrheit eine gemeinsame Resolution angenommen, die die sozial- potttischen Gesichtspunkte betout, die die Fraktion bei ihrer Ent- scheidung beachten soll. Mit überwältigender Mehrheit nimmt dann der Partei lag den Antrag 187 an. der der Reichslagsfraktiou die Dilti- g u n g zn ihrer Haltung und die Anerkennung in ihrem Kampfe ausspricht. Die Anträge bezüglich der weltlichen Schule und eiuer Reihe anderer Fragen werden durch den Hinweis auf die entsprechenden Beschlüsse des Kieler Parteitages für erledigt erklärt. Endlich wird er Antrag, über die bisherige Politik der Partei eine Urabstimmung zu veranstalten, einstimmig abge- lehnt,(heiterkeil.) Damit ist dieser Gegenstand der Tagesordnung erledigt. Es folgt der Bericht der Mandatsprüfungskommission. Krüger stellt über die Zusammensetzung des Partei- tages folgendes fest! Der Parteivorftond ist durch 17 Mitglieder vertreten, darunter drei Genossinnen. Es fehlt der erkrankte Genosse Ludwig.— Von der Kontrollkommission sind 7 stimmberechtigte Mit- glieder, darunter eine Genossin anwesend. Der Parteiausschuß ist mit insgesamt 44 Mitgliedern, darunter 11 Ge�Msinnen, vollständig vertreten. Von der Reichstagsfraktion, die aufgrund des Organi- sationsstatuts ein Fünftel ihrer Mitglieder entsenden darf, sind 29 Mitglieder anwesend, darunter zwei Genossinnen. Von den Be- zirksverbänden sind 297 Delegierte entsandt. Danach sind insgesamt auf dem Parteitag 394 stimmberechtigte Mitglieder anwesend, darunter 98 Genossinnen.(Bravo!) Krüger bemerkt dazu, daß, gemessen am Reichsdurchschnitt der Frauenmitgliedschaft, diese Zahl der Delegiertinnen noch zu gering ist und daß die Kommission bedauert, daß einzelne Be- zirksverbände den berechtigten Ansprüchen der Genossinnen nicht in genügender Weise ent- gegenkommen.(Bravo!) Delegierte ohne Stimmrecht sind 19 vorhanden, darunter drei Frauen. Ferner sind 19 ausländische Gäste anwesend und drei Gäste von deutschen Bruderorganisationen sowie drei Parteitagsreferenten. Gegenüber den Behauptungen der politischen Gegner von der alten, verkalkten Sozialdemokratischen Partei stellt die Kommission fest, daß 210— 52,3 Prozent der Anwesenden im Alter bis zu 45 Jahren steht und über 60 Jahre nur 13. � Auf Vorschlag des Büros wird dem Genossen Ludwig unter lebhaftem Beifall ein Telegramm übermittelt, das die baldige Genesung wünscht. Schluß 6 Uhr.— Weiteroerhandlung Donnerstag 9 Uhr. Schwerindustrie gegen die Demokratie. Die Tagung des Langnamvereins.— Schuldige klage« an. Wtatm rn itt fchwerflen Mrkschostskrsse der Nwchknegszeit. mäfceab die Arbeitslos eurnasseu bald der Verzweiflung nahe sind. hat in Düsseldorf mit anderthalb tausend Manu das Unter- nehm er Parlament de» Langnmnvereius getagt» in dem unter entscheiderider Führung der Schwerindustrie die Unternehmer von Rheinland und Westfalen zusammengeschlossen sind. Wer er- wartet hätte, daß dieses Parlament ernsthaft Wege zur lleber» winduug der Wirtschaftskrise sucht, wie es auf dem Parlament der Arbeiterklasse in Leipzig geschieht, und daß die Unternehmer auch bereit»od fähig wären» eigene Fehler zu erkenuen, der irrt sich. Die llnternehwertogung in Düsseldorf versiert kein Wort über Ursache« uvg» Wege zur Heilung der Weltkrise: sie stellt in der welchistorischen Stunde» in der die wirtschaftliche Liquidation des Weltkrieges gefunden werden müßte, nur«ine krämerhaft« Berteidigwvg des Unternehmer- und Prositstandpunktes in den Mittelpunkt ihrer Berhandlungen und proklamiert, indem sie auch die Reichsregierung für ihre» Standpunkt verpflichten will, den Klassenkampf von oben gegen die Arbeiterschaft, dem die Machdnkttel des Staates zur Verfügung gestellt werden sollen. Die Hauptredner» Dr. Springorum. Paul Reusch, Fritz Thyssen, Albert Vogler, Dr. Siloerberg. stellt die Schwer- Industrie. Kleine Leute aus der Textilindustrie und der verarbeiten- den Industrie sind Staffage. Springorum» vom Hoesch-Konzern, macht den verant- wortlichen L eilen» der deutschen Politik den Vornmrf. daß sie weit- gehend versagt haben. Damit meint er aber nicht die Unterlassung der notwendigen Kar- tell- und Monopoltontroll e, durch die die Wirtschafts- kris« verschärst wurde, sondern er ninunt die Kritik einer kom- Menden Notoerordnung vorweg mit der Bemerkung, daß jede neue Belastung der Wirtschaft die Erfolgsmöglichkeit der Not- Verordnung zerschlagen müsse. Die gesamten Lasten zum Ausgleich des Slaatshaushalts müssen der Arbeikerschast überlastet werden, wenn..voll uud Parteien" den Maßnahmen der Regierung keinen Widersland entgegensetzen sollen.(!) Nach zweiLohnsenkun- gen, der der außertariflichen und der tariflichen Löhne, nennt es Springorum eine verhängnisvolle Selbsttäuschung,„einen Real- lohn und eine Lebenshaltung aufrechterholten zu wollen, die unter besseren wirtschaftlichen Verhältnissen ihre Berechtigung haben mögen, die aber heute eine Unmöglichkeit sind". Das sagt Sprin- gorum, nachdem die Lohnsenkung eine zusätzliche Arbeits- l o s i g k e i t von anderthalb Millionen gebracht hat und der ver- ontwortlich« Reichsarbeitsminister selbst sich jeder weiteren Lohn- senkung entgegenstellen mußte. Von der Reichsregierung werden entschlossene Führung. Zielklarheit und Härte verlangt. Un- mißverständlich werden die polilisch-porlamenlarischen Methoden bekämpft uud preisgegeben zu dem Zweck, die soziale« Garantien der Demokrakie, deren verkrelern der Kamps angesagt wird, zugunsten der„nolwendi- gen freien wirtschastsbctätigung", zu beseitigen. Neuer Lohn- und Gehallsdrnck genügt Herrn Springorum nicht, er ver- lanol vom Reichskanzler,„daß er sich mit den besten und tüchtigsten Männern des Volkes umgibt und in kürzester Frist der freien Enlfalfung der wirtschaftlichen Kräfte dtc Wege ebnet, wir oerlangcn ganze Arbeit!" Dr. Paul Reusch von der Gutehosfnungshütte des Hantel- Konzerns bringt es fertig zu erklären, daß der Rückgang des Lohn- und" Geholtsaufwandes„in der.Hauptsache leider auf die gestiegene Arbeitslosigkeit und auf Kurzarbeit zurückzuführen" sei und l e u g- ne t damit, daß die Lohnsenkungen eine Enilasiung der deutschen Unternehmungen gebracht haben. Herr Reusch scheint nicht zu ahnen, daß er daont die Lohnsenkung selbst als Krisenheilungsmittel ad absuidum führt; er muß aber freilich so refeotg da auch er«wen neue« Lohnabbau fordert. Reusch findet freundsiche Worte für den Reichskanzler Brüning, zugleich aber spricht er ihm den Mut ab, mit der notwendigen Rücksichts- losigkeit vorzugehen. Aber wie Springorum wendet sich auch Reusch gegen das System der Demokratie und fordert Männer, die den Weg ihrer eigenen Erkennwis gehen können, um die Gefahren zu bannen. Nachdem die Schtveriniustrie selbst die verhängnisvollsten Fehler gemacht und insbesondere durch ihre Preis- und Selbftsinanzierungspolitik die Krise verschärft hat, fordert Reusch, daß„mir uns nach oben hungern müssen". Das wagt die Echwerindustrie, nachdem bisher sämtliche Krisenopfer fast ausschließlich von der Arbeiterschaft getragen worden sind. Dem sozialreaktionären und antidemokratischen Programm der Schwerindustrie Hot, wie zu erwarten war, Dr. Franz Thyssen von den Bereinigten Stahlwerken den schärfsten Ausdruck oerlichen. Nalionole Volksgemeinschaft unter Ausschluß der orga- nisierten Arbeiterschaft und gegen die organisierte Ar- beiterschaft ist Thyssens Forderung. „Es ist der Sinn der Dollsgemeinschaft und jeder nationalen Re- gierung» daß das Ziel aller Politik eine gesunde und starke deutsche Nation sein muß. Das bedingt, daß die Auswüchse der Parleiwirt- schasl beseitigt werde« Es sind Parteiauswüchse, wenn heule die Maßnahmen der Regierung unter dem Druck einer Nebcnregieruug, nämlich der Gewerkschasten, erfolgen." Dr. Fritz Thyssen, der an der Spitze der Schwerindustrie bisher noch jede Reichsregierung unter das schwermdustrielle Diktat zu zwingen suchte, spricht von einer Nebenregierung der Gewerkschaften! Ueberflüssig zu sage», daß Thyssen die Ausschaltung des Staates bei allen Tarif, und Lohnfragen verlangt und die Erfüllung des Wunsches„unseres erwachenden Volkes" nach einem nationalen großen und einigen Deutschland. Die brennendste Frage der deutschen Gcsamtpolitik, die Repa- rationsfrage, zu behandeln, war Dr. Vogler von den Vereinigten Stahlwerken bestellt. Mit der Bemerkung, daß sich der Wegfall der im Dawes-Plan vorgesehenen Goldklausel heute bitter gerächt habe, setzte er sich in Widerspruch mit der Rede Schachts in Dresden, der die Bedeutung der Goldklausel, die die deutschen Zahlungen erheblich verringern könnte, bagatellisiert Hot. Vögler wiederholt die kurzsichtige Politik, dem Ausland mit falschen Zahlen über die öffentlichen Ausgaben und sozialen Ausgaben.zu imponieren. Aber er ist nicht blind dafür, daß es unmöglich ist, die Reparationszahlungen ohne weiteres einzustellen und daß nur der Weg neuer Verhandlungen übrig bleibe. Die Scharfmacher- Versammlung in Düsseldorf wird enttäuscht darüber gewesen sein, mit welchem Nachdruck Dögler der Forderung Schachts nach sofortiger Ein- stellung der Reparationszahlungen entgegentrat: „Jtuu ist es sehr leicht", so sagte vögler,„in die Welt zu schreien: Weg mit den Tribute« Es wird leider dabei vergessen. daß hier bindende, feierlich eingegangene Abmachungen vorliegen. aus denen die Zusammenarbeit großer Völler beruht. Was wir als Ausgaben bitter empfinde« buchen sie als Einnahme« Ich bin nicht so optimistisch, anzunehmen, daß die Krisenstlmmung in der Welt sie veranlassen wird, aus diese zu verzichten, obgleich e» fichersich zu ihrem heil sich auswirkte, was bleibt also übrig: neue Verhandlungen." Vögler fordert auf Jahre hinaus einen deutscheu Wirt- schaftsplan, der die Umstellung der ganzen Wirtschafts- und Finanzpolitik zur Stärkung des Binnenmarktes und der eigenen Kopitalbildung vorsieht, die Befreiung Deutschlands von ollen Tributzahlungcn auf Jahre hinaus zum Ziel hat und die Repa- rationsempfänger zu einer Politik verpflichtet, Deutschland bei der Gewinnung neuer Absatzmärkte zu unterstützen. Wer Vögler und die.Schwermdustri« kennt, wird freilich nicht so naiv sein, anzu- nehmen, daß die von ihm geforderte Stärkung d-s Binnenmarktes einem größeren Wohlstand der arbeitenden Massen zur Voraus- setzung haben sollte. Der letzte schwerindustrielle Redner war Generaldirektor S i l v e r b e r g, der im Westen die ganze Braunkohle und die wichtigsten Posittonen der Steinkohle beherrscht. Er sagte, daß man sich an England«in Beispiel nehmen könne, wie wichtig eine gute staatliche Finanzwirtschast für das Volksganze sei. Ganz sicher hat Silverberg damit Recht. Aber ebenso sicher kann man auch annehmen, daß er die viel schärfere Besteuerung der englischen In- dustrie sowie des Einkommens und Vermögens in England und die unvergleichlich viel geringere steuerliche Belastung des Konsum» nicht von England auf Deutschland übertragen wissen will; denn Silverberg fordert ausdrücklich, daß man in Deutschland zugunsten des Besitzes viel früher und stärker entbehrliche Konsumgüter hätte besteuern müssen. Natürlich hat das Unternchmerparlament des Langnamvereins auch eine Entschließung gefaßt. In dieser Entschließung heißt es, daß die schwere Notzeit keine parteipolitischen Rücksichten mehr vertrage und daß vom Reichskanzler eine entschlossene Führung und die Wahl von Mitarbeitern verlangt wird, die nur nach Sach- kenntnis und Befähigung vorzunehmen ist. Also in dieser Ent- schließung auch die Forderung an die Reichsregierung, anti- parlamentarisch und gegen die Arbeiterschaft zu regieren. Wir sind auch der Meinung wie die Entschließung des Langnamvereins, daß mit Halbheiten die Wirtschaftskrise nicht zu überwinden und daß klares und entschlossenes Handeln nötig ist. Aber wir sind der Meinung, daß nicht nur die Arbeiterschaft, sondern die gesamte deutsche Oeffentlichkeit sich die Einmischung der Schwerindustrie in die Staatspolitik, nachdem die schwerindustrielle Politik die wirt- schafttiche Lage Deutschlands am nachteiligsten beeinflußt hat, ver- bitten muß. Es wäre die ärgste aller Halbheiten, wenn der Schwer- industrie, die in Deutschland abgewirtschaftet hat, von der Reichs- regierung auch nur ein Teil des Einflusses zugestanden würde, den die Herren von der Ruhr für sich verlangen. Die Gewinne der ZG.-Farben. ZOO Mill. M. Löhne und Gehälter.— Teilweise gebesserter Geschäftsgang. In Frankfurt o. M. hat gestern die Generalversammlung der IG.-Farbenindustrie A.-G. stattgefunden. 332 Aktionäre oertraten auf dieser Versammlung ein Kapital von 565 Millionen Mark! Die Abschreibungen in Höhe von 57,3 Millionen Mark(auf Anlagen von 494 Millionen) bezeichnete Dr. Schmitz selbst als reichlich. Die zum Konzern gehörigen Unter- nehmen könnten ihre Dividenden aus eigenen Gewinnen bezahlen; die Rorsk-Hydro in Oslo erhöhte die Dividende vom 6 auf 8 Proz. Die Belegschaft zählte am 1. Mai 1931 79772 Kopse, ist also gegenüber dein Stande vom 1. Januar(79 963) nur wenig zurückgegangen. Im Laufe der Debatte erklärte die Verwaltung, daß die Rationalisierung rücksichtslos fortgeführt werde. Eine Verschärfung der Arbeitslosenfroge soll dadurch nicht hervorgerufen werden; als„einziger und bester Ausweg dafür scr die Kurzarbeit erkannt" wordenl Wenn darin ein Bekenntnis zur 40-Stunden-Woche zu erblicken ist(die ja bei den IG.-Farben teil- weise bereits durchgeführt ist), so ist es zu begrüßen. Man muß aber wohl betonen, daß darüber der im Gefolge von Rationalisierungsmaßnohmcn notwendig und mögliche Preis- a b b a u(nicht allein für das Ausland!) nicht vergessen wcrdcn darf/ Das Prinzip, m ö g l i ch st wenig aufschlußreiche Bilanz- und gar keine Umsatzzisfern anzugeben, wurde nur in einem Punkte durchbrachen: die Summe der Löhne und Gehälter wurde für das Jahr 1930 mit rund 300 Millionen Mark angegeben. Diese Ziffer' fla6 man bekannt, um zu zeigen, daß für Soziallasten (17,4 Millionen), Pensionsfonds, Abfindungen usw. insgesamt 61,4 Millionen Mark oder 20,5 Proz. der Lohn- und Gehaltssumme aufgewendet wurden. Gesamtaufwendungen für Arbeiter und Angestellte in höhe von rund 360 Millionen steht ein Reingewinn von 89,2 Millionen Mark gegenüber: der Reingewinn macht also fzst genau 25 Proz. der Löhne und Gehälter aus. Es werden wie im Vorjahre 12 Proz. Dividend« verteilt. Die Aktionäre erhalten also den gleichen Gewinnanteil wie im Jahre 1929: die Arbeiter ober mußten sich erhebliche Abzüge(Abbau der übertariflichen Zu- schlage, Herabsetzung der Tarife)„infolge der Krise' gefallen lassen. Konnte man nicht die Dividende auf den immer noch recht anständigen Satz von 8 Proz. herabsetzen? Dann hätte man nämlich die Nettosumme von Löhnen und Gehältern (300 Millionen) um nicht weniger als 10 Proz. erhöhen können! Daß die Gewinne in Wahrheit viel höher als ausgewiesen, daß unerhörte st i l l e Reserven vorhanden sind, so daß von einem Zwang zur Ermäßigung der Lohnsumme keinesfalls ge- sprachen werden kann, zeigt die Bewertung der eigenen Aktien Die großen Mittel der Gesellschaft gestatteten es, im vorigen Jahr nicht weniger als sür 85,6 Millionen eigene Aktien zu kaufen. Sie find in die Bilanz zum Werte von 100 Proz.(letzter Börsenkurs 129 Proz.) eingesetzt worden, das heißt, man hat sofort auf diesen Posten nicht mehr und nicht weniger als 24,94 Millionen Mark abgeschrieben, und zwar, wie ausdrücklich bemerkt wurde, aus stillen Reserven! Oer Abschluß von Wayß& Kreyiag. Große Sonderabschreibvnqen und Verluste. Der Gesamtumsatz der Baufirma Wayß u. F r e y ta g, Frankfurt, ist von 80 Millionen Mark im Geschäftsjahr 1929 (1. Februar 1929 bis 31. Januar 1930) auf 58 Millionen Mark im Jahre 1930 zurückgegangen, vor allem wegen des Umsatzrückgangos im Jnlande. Während im Vorjahr ein Reingewinn von 1,04 Millionen Mark erzielt wurde, aus dem 8 Proz. Dividende auf das 12-Millionen-Kapital verteilt wurde, wird für das Berichtsjahr ein V e r l u st aus dem Geschäftsbetrieb in höhe von 1,3 Millionen Mark ausgewiesen. Außerdem sind aber Forderungen aus größere Bauten in München und aus Bauten für die Stickstoffwerke Waldenburg nicht mehr einzutreiben, so daß Sonderabschrei- b u n g e n auf größere Bauten in höhe von 2 Millionen nötig wur- den. Mit einer weiteren Abschreibung von 0,15 Millionen auf Materialien und Vorräte ergibt sich ein G e s a m t o« r l u st von 3,48 Millionen Mark. Zur Deckung dieses Vcrlusts wird die Reserve von 3,07 Millionen aafgelöst: 0,41 Millionen Mark werden vorgetragen. Die Tochtergesellschaften in Buenos Aires und Rio de Janeiro haben mit Gewinn gearbeitet, den Gewinn ober nicht ausgeschüttet. Die Wayß-Freytag A-G. ist ferner an Straßen- und Kanalisationsbauten in Costa Rica, Zentralamerika, und in der Türkei beteiligt. Der Reparationsauftrag zum Ausbau des Hafens Dünkirchen ist noch nicht voll ausgesührt. Rundfunk und Glühlampen. Starker Gewinnschwund bei Philips. Der holländische Philips-Konzern, der in den letzten Jahren mit Dividenden von 21 Proz. aufwarten konnte, hat im Jahre 1930 einen jähen Rückschlag erlebt. Bei einer Erhöhung des Aktienkapitals von 86,7 auf 90,7 Millionen Gulden(dos sind etwa 150 Millionen Mark) und der Aufnahme einer Anleihe im Betrage von 30 Milli- onen Gulden, also bei erheblich vergrößerter Kapitaldecke, haben sich Umsätze und Gewinne ganz erheblich verringert. Der Rohgewinn ist von 43,0 auf 12,8 und der Reingewinn von 21,5 auf 5,4 Millionen Gulden zusammengeschrumpft. Daher wird auch die Stammakticndividende von 21 auf 6 Proz. und die Vor- zugsaktiendioidende von 9 auf ebenfalls 6 Proz. heruntergesetzt. Vor einigen Wochen hieß es noch, daß die Stammaktiendividende auf nur 11 Proz. gesenkt werden würde. Die Umsatz- und Gewinn- schrumpfung bei Philips rührt hauptsächlich daher, daß sich diese Gesellschaft auf die Herstellung von Glühlampen und Rundfunk- geräten beschränkt und im Gegensatz zu den anderen großen Elektro- konzernen keine Ausgleichsproduktion vorhanden ist. Es entspricht dem Umsatzrückgang, wenn die wöchentliche Arbeits- zeit in den Philipschen Betrieben von 48 auf 42 und vor einigen Wochen weiter auf 40 Stunden gekürzt worden ist, abgesehen von den in der letzten Zeit mehrfach vorgenommenen größeren Eni- lassungen. Wie die Bilanz zeigt, ist der Philips-Konzern jedoch t r o tz des Geschäftsschwundes in einer verhältnismäßig recht gun- stigen Situation. Die Vorräte haben sich von 49,9 auf 30,7 Millionen Gulden vermindert, der Kassenbestand ist von 14,3 auf knapp 19 Millionen angewachsen. Die Krediwren haben sich nur in ganz geringem Ausmaß vermehrt. Die Gesellschaft ist also sehr flüssig. Eine Ueberraschung bringt das Bilanzbild insofern, als sich der Wert der Betelligungen des Konzerns von 23,5 auf 110,8 Millionen Gulden vermehrt hat. Es handelt sich jedoch nur um einen scheinbaren Zuwachs, da in diesem Posten diesmal Wert« untergebracht sind, die bisher unter den Debitoren(Ausleihungen an Konzerngesellschaften) aufgezählt wurden. Parallel zum Anwachsen der Beteiligungen haben sich dann auch die Debitoren von knapp 104 aus nur noch 10,3 Millionen Gulden verringert.. Das Ber- h ä l t n i s des Philips-Konzerns zu den großen deutschen und ame» rikanischen Elektrokonzernen, das in den letzten Jahren zeitweis« nicht recht geklärt erschien, hat sich in der letzten Zeit wieder gefestigt: mit der O s r a m G. m. b. h. wurde ein Patentaustausch- und Arbeitsgemeinschaftsoertrag für das Leuchtröhrengebiet abgeschlossen, und eben erst wurde das Internationale Glühlampenkartell, in dem Philips neben Osram den hauptsächlichsten Faktor bildet, bis zum Jahre 1952 verlängert._ Bei Mannesmann neuer proöukiionsruckgang Sapag-Qoyd im Aujsichtsrat. In der Generalversammlung der Mannesmannröhren« Werke führte der Generaldirektor Dr. Bierwes aus, daß die Beschäftigung in den ersten Monaten des Jahres 1931 gegen- über der im letzten Quartal 1930 noch zurückgegangen ist. Bei Mannesmann war der Rückgang allerdings geringer als sonst in der Schwerindustrie. Die Stahlproduktion bei Mannesmann hielt sich auf der höhe der letzten Monate des Jahres 1930. Die Er- zeugung von Röhren ging aber um 10 Proz., die Kohlenförderung und Koksproduktwn um 6 Proz. zurück. Es folgte die übliche Polemik gegen die„verfehlte' Sozial- und Wirtschaftspolitik: von den Sünden der Schwerindustrie wurde geschwiegen. In den Aussichtsrat wurden als Vertreter de» Schiffahrtstrustes Generaldirektor B ö g e r von der Hamburg- Amsrika-Linie und Geheimrat Stimming vom Norddeutschen Lloyd gewählt. Hermann ließ In Magdeburg. Der Berliner Warenhauskonzern Hermann Tietz übernimmt mit Wirkung ab 1. Juli das größte Warenhaus der Provinz Sachsen, die Firma Siegfried Cohn in Magdeburg. Gleichzeitig wird vom Karstadt-Konzern das Warenhaus R. Wittkowski übernommen. Die Geschäfte sollen vor- läufig unter den bisherigen Namen fortgeführt und später durch einen großen Neubau ersetzt werden. Norwegische Studiengesellschast für Eleklrlzitälsausfnbr. Auf einer Konferenz wurde eine Studiengesellschaft für die Aussuhr von Elektrizität aus Norwegen gegründet. Der Gesellschaft wurde die Unterstützung der deutschen Zentralstell« für Elektrizitätsversorgung, der Elektrowerke A.-G. und der offiziellen dänischen und schwedischen Gesellschaften zugesagt. Das Kapital der Gesellschaft beträgt 170 000 Kronen. Die Untersuchungen sollen vor dem 1. Juli 1934 beendet sein. � Tlteaier, Lidtlspiele usw. j PLAZA TÄ3L5u8B VfcmMbJvW Des Beriiner Mehüpoltheater8 VIKTORIA UND IHR HUSAR margarete uuaikotta Bln.-Stegl itz�Fich testr. 10. Tel. StegU 3684 I/Ieder zur T.nntr- Rezitationen Korlflrslen flamm Tbealer Bismarck 449 i Ziehung, Ton 17. Us 23. Jasl 1931 Aditzenntc ßroo« Volkswohl- Lokfterlel 49098 Gewinn« und 2 Primi«n im| Gesamt- ▼on RM 1 Hficbst- jcw.a. elnH jüoppeUos. Är.7500C| 2 Haupt- |ew. tu| 50 000 RA._ i'ÄsSOOOO e.feSÄ,4®U0ö| io�[g||__Wun8-ch 90*/� her TolKsbllline Tbtalw in BOlovplatt. 8 Uhr Lumpazivagabundus Slaatl.Sdiiller-Tb. 8 Uhr Nora Staatsoper Am Pl.d.Republik 8 Uhr Ans einem Tolenhans 8 Uhr Der Haaptmani von ROpenlik . Carl Zuckmayer Iqlt: Btiu Bilpert Die Komödie Täglich 8>l» Uhr Dienst am Kunden ras Cart Bob nt flu Bausen Regie: HansOeppe | 8 Vi Uhr| Alles Schwindel m Maraltas JiUffv. Musik von Mischa Spoliansky Btji«: tntif Crüidjm netropol-meater Täglich S'k Uhr Die Toni aus Wien Mady Christians, Michael Bohnen tH and MlitgT Nur Bross- Berlin Alexonderplatz JUERGENS Alexander platz Neue Kdnigstr.43 An ne ilieo WKii Gar wunderschön isi's bei Roses im Osten. ♦ Für mich noch wert, dort froh zu sein, � Denn würd' ich rasten. wQrd' ich rosten+ Und mich des Ostens nicht er- Ireun.eNehm drum den Wanderstabwie Moses« Und rufe .Lebe wohl mein Schatz!'4lchpflrsch mich jetzt vergnOgl zu..Roses",# Dort ist der„wahre |akob"-Platz. 4 Soldo MM in Vom 1. bis 25. Juni Mont. b. Sonnab. 8,s Sonntag: 5", 9°° ROSE THEATER QroBe Frankfurter StraBe 132. U-Bahn Strausberger Platz « tigiger Vor*er- kanf täglich von 11-lUhrn. 4-5 Uhr T elefon. Bestell u ng: E 7, Weichsel 3427 ROSE- GARTEN Wochentags 5" Uhr Sonntags 5" Uhr Konserl. Varl et« gw Operette Das liiedmM Preise; 0,60 bis 2 M. p— Elite-Singer- Kottbusser Str. 6 Tägi gr/r U Die trete 1b- LäBt«M« Frauen um midi sainl von HarryWalden Homiscna Oper Frledcjchstr. 104 Heute 8 Uhr: Erataafftlhnmg Tauen haben das gern... Muslkat. Schwank von Arnold Musik t. Wall. Kollo So tnmerpr. 0.50- 7.00 Täglich 8V« Uhr Der rasende Sperlfnä Ktnz, Vihrog, Meyo Rex ajfnfteate fcn ü vorwärts lcheru Erfolg! Kartoffeln führen wir noch nicht, da die deutsche Landwirtschaft genügend und gute Speisekartoffeln zu angemessenen Preisen zurVerfügung stellen kann. Aus wirtschaftlichen Gründen empfehlen wir daher ia deutsche weiße SpeiseKartoffeln 10 Pfund 38 Pfennige Rofschalige Kartoffeln... 10 Pfund 40 Pfennige Gelbfleischige Kartoffeln. 10 Pfund 58 Pfennige KLEINE ANZEIGEN lunuiiiuijiiuiuuiiamiiuuuuiiiiuiuiuuuiiumuiiuuj Ueberschriftswort 25 Pf., TeztwortlZPf. W!ederholung«rabatt:10mal5Proz. 20 mal oder 1000 Worte AbschluB 10 Proz., 2000 Worte 15 Proz, 4000 Worte 20 Proz./ Stellengetuche; Ueberechrlftswdrt 15 Pi, Textwort 10 Pf./ Anzeigen, welche lOr die nächste Nummer bestimmt sind, müsten bis 4t/) Uhr nachmittags Im Verlag, Undenstr. 3, oder auch In sämtlichen Vorwärts•Filialen und •Ausgabesteilen abgegeben sein | verneme| GENOSVENKHAFT BERLIN u.UMQEGEND E G M-B- H Die Mitgliedschaft kann in jeder Abgabestelle erworben werden Ben}« qrttaotn« ftctxtl'.etnatbttobt von Millionären. Aerzten. Anwälten. ffdbelbaft billige Preise. empfehle Tdillenmäntel.Daie tote. SZcods, 6ms. kings,(Ecbrnian. Züge, Solen, Sport., Sebpelje. Gelegen beitelnute in neuer Saiherobe. Weite. Her Weg lobneni. Lotbringerltrake 3«, 1 Treppe. Rosen tbaler Dlnh.' Müll« Ttstcntnutuken .Drirnissima-, Me. tallbetten. Auflege. mgtraken,<5 baue- longues Walter. StntflacbetllioSe adttAebn. Jtemgaixn Ab nachm. 4 Uhr Gr. Konzert | Tanz Im Freien Aul dem Schausxliungsplalz: Tier-Kindersarlen und Tier-Schule Aquarium— Hund u. Katze In der Knust Reichshallen-Theater Allabendlich| w[ Uhr Stettiner Sänger Zum SchiuB: „Alles verrückt!" KüMi. 10. 6.: WieikrisUretto Paul UfiHnn. Am 22. alloi oerflarb unerwartet an Herzschlag unser lieber Vater. Ontei u. Großanfel, der Echristsezer-Inoalide Lmil Roloff im 75, Lebensjahre. Sie trauernden Hinterbliebenen Wilh. Roloff, als Sohn Familie Brendel Einäscherung Sonnabend. 6 Juni. 16 IL, Krematorium Baumschulenweg. Kennen Grunewald Heule 4» Juni, S�U. Amazonen- Saitdrennen mmmt tögnugung* Kgstaumnt Berlins BETRIEB � Rk KEMPIHSKlO SMSliieliettüeMU TerwaUnnSflmllslieder! Freitag, den 5. Jnni. keine Sitzung der Mittieren vrteoerwnttunz. Die OrtsTerwallnng. Oanksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Einäscherung meines lieben Mannes, unseres guten Bater» Lrnst Hagedorn lagen wir allen, besonder» den che» nassen der 11. Abteilung, sowie dem Reoner Serrn Hennig, unseren herz» lichl'len Dank. Hedwig Hagedorn n. Kinder Berlin. Alt Moabit 17, den 80. M-t. Orlskrankenkasse der Gürtler zu Berlin Bekanntmachung Sie vom Barstand und Ausschuß ix schlossene 4. Abänderung der Satzung, oelr. die Kh 11, 18 und 30 ikt unter dem 33. Mai 831 vom Oberoersicherungsami genehmigt worden. Die Abänderung tritt am 15. Mai 1S31 in Uralt. Dtudejcmp ate find in unserem Kassen» lokal erhällllch. Berlin, den 3. Zqni 1331. Der Vorstand «b. ZUsener. Otto Bierwirth. Borsitzender. Echrtstfiihrer. ftllchen. weis,. Tariert, prodern, billigst. Moritz chirschvwitz. Ska. litzerstraße 23. Koch- bahn Rottbusser Tor: im Osten: An» dreaostratze 30, ge. aemlber Leiser._* Büfett», Vitrinen, anrichten. Echreibtische, Standuhren, Nutz. dainn, billig. Moritz Kirschowitz, Ska. litzerstraße 25. Koch- bahn Äottbusser Tor: im Osten: Andreassiratze 30. gegenüber Leiser.* «Scheu 96,—, Spiegel- schranke 105,—. Nie. senoiiswahl. Seil- tahlung.«amer. ling. Kastanien. aller 36. musiK- instrumentB Liukpiano«, Mietpianos über. aus preiswert. Diano'adrik Link. Brunnenttratze 33- Lossinaua. Pianos 810,—, gebrauchte 250,— an. Stets Selegenheitrn auch in Wtaeln. IZabrik. garantie. Teil�-H. lung. Alte Insiru- mente Anrechnung. EW. 53. Leipuiger, strotz- 57(cpifiel. markt).» Ballonrenner. Ballontouren», Bai» londamen. Maschs- nen 58.—, 03.—, 75.—. Oriainal- Brennabor- Ballon- rüder 85.—. Mach» now, Weiirmeister- stratze 14. f Bamnascmnen] ssadenreitzen, ollen Dehlern an Sbrer Nähmaschine Helsa ich sofort ab. ssran. ke. Tilstierstratze 38. PosUarte erbeten. ssohnaebisse. Dlatinabialle. Oneckstlber. Rinn- metalle. Silber- schmelze. Soldschmel» terei. Christionat, Röpeniikerstratze 83. Saltestelle Adalbert» stratze. iimei'i'ilüii I Zeder«de, Hiebt Betverbcr mit Svrackikenntnissen vor! Drum lerne Cvrachen in d?r Berlik Sthool, Leiv- »iaer Strake U0. Kurfllriten- domm Lks. Einzeln unterrichte Kirkel. Preisabbau: 1.0 0'o. 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