Kür die Opfer der Arbeit! Oer parieiiag gegen Verschlechterung in der Invaliden- und Ltnfallversicherung Ei« entsetzliches Verbrechen würbe gester« in der Neuen Bahnhof st ratze 5 in Lichtenberg verübt. Während der Abwesenheit ihres Mannes, des 38jährigen Weichenstellers Kurt Potzke. erdrosselte seine I4jährige Frau Anna ihren 10 Jahr« alte««tiefsohll Maufred mit einer Gardineuschnur. Antzerdeu» brachte die entmenschte Ttiefumtter dem Kinde furchtbare Schnittwunden an der linken Pulsader bei. Die Kindesmörderin ist von Mietern das letztemal gestern gegen 16 Uhr gesehen worden, als sie mit einem kleinen Handkoffer das Haus verließ. Der Mord mutz wenige Stunden zuvor passiert sein. Di« Tat wurde von Poßke entdeckt, als er gegen 22.30 Uhr von seinem Dienst heimkehrte. Die ganze Wohnung war in größter Unordnung. Als Poßke das Schlafzimmer betrot, sah er zu seinem Schrecken fein Kind regungslos auf den Dielen liegen. Der Kopf mar in ein Unterbett gedrückt. Um den Hals des Jungen war eine Schlinge aus neuer Gardinenschnur fest zusammengezogen. Der Dater alarmierte sofort dos zuständig« Polizeirevier. Kurz« Zeit daraus trafen auch die Mordkommission unh«in Gerichtsarzt am Tatort ein. Der Befund ließ den Tatbestand fast im Augen- blick erkennen. Krau Poßke hat den ziemlich kräftigen Zungen hinterrücks ge- packt und mit dem Kopf in das Unterbett gedrückt, um ihn am Schreie» zu verhindern. Mit der Gardinenschmtr erdrosselte' sie dann das wahrscheinlich schon vor Angst halb bewußtlos gewordene Kind. Die schweren Schnitte an der Pulsader sind dem kleinen unglücklichen Opfer nach dem Obduktionsbefund erst, nachdem der Tod eingetreten war, bei- gebracht worden. Die Mörderin ist flüchtig, und entgegen der ersten An- nähme, daß auch sie sich ein Leid angetan habe, steht mit ziemlicher Sicherheit fest, daß sie das Weite gesucht hat. Die Kindesmörderin, die mit Poßke seit etwa Jahren in zweiter Ehe, die kinderlos blieb, verheiratet ist, besaß ein Sparkassenbuch über 10 000 Mark. Das Geld ist von der Täterin abgehoben worden, ein Beweis mehr dafür, daß der Mord schon seit längerer Zeit geplant sein muß. Poßke hat den Weltkrieg mitgemacht und trat als H i l f s w e i ch e n st e l l e r bei der Eisenbahn ein, nach- dem er aus dem Heere entlassen worden war. Er war auf dem Verschiebebahnhof Rummelsburg tätig. Seine erste Ehe, aus der der jetzt 10H Jahre alte Sohn Manfred hervorging, wurde im Juni 1928 geschieden. Der Hauptteil der Schuld fiel der Frau zu, und insolgedesien blieb der Sohn beim Vater. Ein Jahr später, 1929, heiratete Poßke zum zweitenmal die aus Angermünde ge- bürtige Anna Glatz. Die Ehe scheint aber nicht sehr glücklich gewesen zu sein, denn Hausbewohner haben des öfteren Streit zwischen Poßke und seiner Frau gehört. Das Motiv zu dem schrecklichen Derbrechen ist noch unge- klärt, durch Zeugenvernehmungen, die bisher sehr widersprechend waren, hofft man das Dunkel um den gewaltsamen Tod des Kin-des zu lichten. Verkehrsunglück in Schleswig. Zwei Äertinerinnen schwer verletzt Schleswig, 4. Zuni. Am Donnerstagmorgen um 7Vj Uhr hat sich an der weg- kreuzung Schleswig— w o l d e n i t beim Bahnübergang der Sr eisbahnstrecke nach Satrup an der Haltestelle Sankt Zürgen ein schwerer Zusammenstoß zwischen einem Triebwagen der Schleswiger Kreisbahn und einem Kraftwagen aus Schleswig ereignet. Der Kraftwagen wurde vom Triebwagen erfaßt und S0 Meter mitgeschleift. Die Karosserie des Kraftwagens wurde abgerissen und stürzte einen 10 Meter hohen Bahndamm herunter. Dabei erlitten drei Personen, und zwar eine Frau Hering aus Berlin, ihr« Schwester Fräulein Dr. Lehrend- fen aus Klensby und die achtjährige Tochter der Frau Hering schwere Verletzungen. Zwei andere Kinder und der Chauffeur wurden leicht verletzt. Sämtliche Verletzten bis auf den Chauffeur wurden dem Schleswiger Krankenhaus zugeführt. Der Chauffeur hatte die Signal« de» Triebwagens nicht gehört. Der Parteitag nahm den folgenden Antrag der Sozialpolftischen Kommission zum Bericht der Reichstagsfraktion an: Der Pareitag stellt fest, daß die anhaltende Wirtschaftskrise in der Invaliden- und Unfallversicherung eine Verschlechterung der Finanzverhältnisse hervorgerufen hat, die der Sozial- reaktion ein erwünschter Anlaß zu sein scheint, mn einen Abbau der Leistungen erzwingen zu können. In der Unfallversicherung, die keinerlei Reichszuschuß bekommt, ergeben sich aus der Verringerung der Belegschaften höhere Umlagesätze, die den Anlaß zur Kürzung der kleinen Renten und der Auferlegung von Kosten im Rechts- mittelverfahren bieten sollen, obwohl das Unternehmertum in feinen Beiträgen zur UV. lediglich ein« Ersatzeinrichtung für seine allge- meine Haftpflicht und Schadenersatzpflicht finanziert. In der JB. haben Krise, veränderter Altersaufbau und nicht ersetzte Jnflations- Verluste in Verbindung mit entzogenen Reichszuschüssen uitd vermehrten Fürsorgelasten das Eintreten der finanziellen Notlag« be- fchleunigt. Der Parteitag erwartet von der Reichstagsfraktion, daß sie An- griffe der Unternehmer aus die Leistungen der beiden Versicherungen Etahihelmismus Oer Schwerindustrielle: Nach diesem Rezept ä In Statin werden wir— bezw. werden die Arbeiter uns schon emporhungern zurückweist und für eine rechtzeitige und ausreichende Sanierung eintritt. In der UV. ist zu diesem Zweck die Einführung einer G e m e i n l a st für alle Träger der Berussgenossenschaft und die Ersparnis an Verwaltungskosten anzustreben, die heute 10,07 Prozent der Gesamtausgaben betragen. Ebenso sind die Ausdehnung des Geltungsbereiches und die Verbesserung der Unfallverhütungs- Vorschriften geeignet, die Tragfähigkeit der UV. zu stärken. In der IV. sind eine Steigerung des Beitragsauf- k o m m e n s insbesondere auch durch Aufstockung weiterer Beitragsklassen und Reichszuschüsse unerläßlich. Gegenüber dem Verlangen auf Rcntenkllrzung verweist der Parteitag auf die Tatsache, daß heute die Durchschnittssätze der Renten nur 36 Mark monatlich betragen und 30 Prozent der Invalidenrentner die öfsentliche Fürsorge in Anspruch nehmen müssen. Der Versuch, in der Unfall, und Invalidenversicherung Ersparnisse auf Kosten der Rentner machen zu wollen, müßte zur weiteren Belastung der gemeindlichen Wohlfahrt führen. Der Parteitag hält die Sanierung der Invalidenoer- s i ch e r u n g um so dringlicher, als sie die Voraussetzung für den längst notwendig gewordenen Ausbau der Bersicherungsleistungen ist. Der Parteitag fordert für die gesamte Sozialversicherung die Schaffung unabhängiger Selbstverwaltungskörper- s ch a f t e n unter maßgeblicher Mitwirkung der Versicherten. Die Enttäuschten. Kommunisten, Satonbolschewisten, Hugenbergianer. Die Kommunisten und die Hugcnberg-Leute weinen gemeinsam, weil der Leipziger Parteitag ganz anders verlaufen ist, als sie es gewünscht hatten. Der starte Eindruck von Macht und Geschlossen- heit, von Kampfwillen und geistiger Beherrschung der Probleme der Zeit paßt nicht in das Bild, von dem sie geträumt haben! So trösten sie sich, indem sie die unbesonnensten Sprecher der Opposition als Schwurzeugen aufrufen dafür, daß die„innere Zer- rissenheit" nur noch einmal„einigermaßen zurechtgebogen" worden sei Die„Rote Fahne" sucht aus der Diskussionsrede von Eck- stein agitatorischen Stoff gegen die sozialdemokratische Preußen- Politik herauszuschlagen, und der„Lokal- A n z e i g e r" benutzt die Rede von Portune, um letzte Hoffnungen auf soztaldemo- tratische Spaltung zu retten. Der Aerger der Enttäuschten tritt jedoch ganz deutlich hervor. Die„Rote Fahne" berichtet über die Annahme des Antrags gegen die Disziplinbrecher:„Das Ergebnis wird bei den Delegierten und auf der Galerie mit betroffenem Schweigen auf- genommen." Wunderbar erfunden! Di« 342 Delegierten, die dem Antrag zugestimmt haben, waren offenbar„betreten", daß ihr Antrag angenommen wurde? Dümmer kann man nicht lügen! Einer war freilich sicher betreten: der Kommunist Torgler, den die KPD. in ihrer Hoffnung auf sozialdemokratische Spaltung als Be° obachter nach Leipzig gesandt hat! Der„Lokal-Anzeiger" redet von „dem siegreichen Parteiapparat". Wie gut ihm die Phraseologie der linksradikalen Angreifer ansteht! Man darf die Salonbolschewisten nicht vergessen, die sich im „Berliner Tageblatt" des Herrn Lachmann-Mosse betätigen. Sie reden davon, daß die„S P D.- O p p o s i t i o n nieder- gestimmt" worden sei. Niedergestimmt— das klingt so hübsch nach Vergewaltigung und läßt die Position dieser BT.-Leute er- kennen. Sie arbeiten für ein bürgerliches Blatt und sympathisiere» mit dem Linksradikalismus. Oer Kampf um Preußen. Carl Severins in der Parteitagsnummer des„Freien Wort*. Da» Heft 22/23 des„Freien Wort" ist dem Leipziger Parteitag gewidmet. Die Probleme, die auf dem Parteitag erörtert wurden, werden darin von den Genossen Tony Sender, Hugo Saupe, Eurt Geyer, Philipp Scheidemann, Wilhelm Krüger, Karl Renner, Julius Deutsch, Fritz Baad« besprochen. HansVogelhat dem Heft ein Ge- leitwort zum Parteitag vorausgeschickt. Im Mittelpunkt steht ein Aufsatz von Karl Seoering über„Verwaltungsmacht gegen Reaktion". Darin heißt es: „Die vor uns liegenden Monate werden an politischen wich- tigen Entscheidungen bringen den Volksentscheid über die Auflösung des Preußischen Landtags, im Frühjahr nächsten Jahres die Reichspräsidentenwahl und die Neuwahl des Landtages selbst. Der vom„Stahlhelm" betriebene Volksent- scheid richtet sich gegen das heutige Preußen, dessen Regierung und dessen Verwallung der Reaktion ganz Deutschlands so wesentlich er- scheint, daß sie seit Iahren immer wieder dagegen anstürmt. Man soll auch in der Politik von seinen Gegnern lernen,— und wüßten wir es nicht schon, dann würde dieses leidenschaflliche und beharr- lich« Bemühen der Reaktionäre aller Schattierungen, Preußen zu erobern, uns zeigen, was Preußen auch der Reichspolitik wert ist. In Preußen ist seit dem November 1918 ein fester republikanischer Kurs gesteuert worden. Die Stetigkeit der Regierung hat es er- möglicht, die Verwaltung Preußens, die einst ein Werkzeug in der Hand der Reaktion war, zu einem sicheren Bollwerk der Republik Kindesmord in Lichtenberg Stiefmutter erdrosselt elfjährigen Stteffohn BERLIN Donnerstag 4. Zun! 1931 10 Pf. Ar. 256 B 125 48. Jahrgang An»etsen?ret«: Die einspaltige Nonpareilleieile so Pf., Reklameteil« s M. Crmüßiguneen nach Tarif. Postscheckkonto: VorwärtSanisation Europas nach dem Kriege, unter der aber wiederum die mittel- europäischen Länder am schwersten leiden, weil hier das Bedürfnis nach einer weiter ausgreifenden Zusammenfassung der wirtschaftlichen Kräfte sich schon vor dem Kriege fühlbar gemacht hatte. Mehr als ein Jahrzehnt war dahingegangen, ohne daß die Wiederausbauarbeit gerode an diesem entscheidenden Punkte begonnen hätte und hielten wir«? für unsere Pflicht, nicht nur gegenüber unserem Volke, sondern gegenüber ganz Europa, die Initiative zu ergreisen. Als ich in Genf die An» regung gab. mit einem regionalen Wiederaufbau der europäischen Wirtschaft zu beginnen, ward mir allgemeiner Beifall zuteil, in dem Zlugeublick aber, in dem dieser Gedanke greifbare Form anzunehmen begann und die deutsche Reichsregierung und die österreichische Bundesregierung sich bereit erklärten, die Grundlage für eine zoll- und handelspolitische Ungleichung aller Staaten zu schaffen, die oermöge ihrer wirtschaftlichen Streik- tur an einer solchen Interesse haben, in diesem Augenblick erhoben sich Widerstände über Widerstände. Man beschuldigte uns, unter, hem Deckmantel.wirtschafsticher Maßnahmen macht-. politische Absichten zu oersolgen. Man sprad) von einem neuen deutschen Imperialismus, von einem politisdzen und wirtschafiliche» Imperialismus, ja sogar von einer Bedrohung des Friedens in Europa wurde gesprochen. Uns lagen und liegen derartige Gedanken vollständig fern, wir wollen leben und das verbieten uns weder die Friedensverträge, noch liegt in dem Bedürf- ins zu leben etwas imperialistisches, und der europäische Friede kann beruhigt der Hut des deutschen Volkes anvertraut werden. Von ihm kommt keine Störung und keine Bedrohung. Allen denen aber, die uns bewußt oder unbewußt andere Absichten unterschieben, die sollen wissen, daß die Wort« Bölkerbund und Paneuropa seit einem Jahrhundert dem deutsäien Volke vertraute Begriffe sind, unter daß das, was wir heute wollen, nichts anderes ist als die gradlinige Entwicklung von Ideen, die bereits zu Beginn des vorigen Jahrhunderts im Sinne europäischer Universalität in der deutschen politifdzen Literatur propagiert wurden. Ich bin mir bewußt, daß derartige Hinweise in einer Diskussion, die vielfadz von Vorurteilen beherrscht wird, nicht allzuviel Gewicht und Wirkung haben, allein ich fühlte mich zu dieser Bemerkung verpflichtet, um dadurch deutlich zu machen, daß die von uns verfolgte Wirtschaftspolitik ihre Eni- slehung nicht einem flüchtigen Einfall verdankt, daß sie kein Impromptu, kein zusälliges augenblickliches Extempore ist, sondern durch die ganze geschichtliche Entwicklung Europas bestimmt, durch die Rot der Gegenwart als historisch« Notwendig- k e i t gefordert wird. Und darin wurzelt aud) unser unerschütterlicher Glaube daran, daß wir uns trotz der Schwierigkelten des Tages herausarbeiten werden. Wir dürfen das Ziel, das uns der heiße Wunsd) nach Rettung unseres Volkes und der abendländischen Kultur überhaupt gesetzt hat, nicht aus den Augen verlieren. AmenkasAußsmmnisierbesuchtEuropa Stimsons AbrüstungS« und?ieparation6reise. Rew JJork. 4. Juni. Die Ankündigung Stimjons, daß er während feines„E r h o- lungsurlaubs" in Europa mit den Außenministern Deutsch- lands, Englands, Frankreichs, Italiens und Belgiens Fühlung nehmen lverde, erregt hier größtes Aufsehen, obwohl der Staatssekretär selbst die politisdi« Bedeutung seiner Reise herabzumindern versucht. Zln- gesichts des ungeheuren Interesses der Hoover-Regierung an der 'A b r ü st u n g und der allgemeinen Erhaltung des Londoner Flotten Paktes im besonderen wird Stimson das Schwergewicht seiner Besprechungen mit den europäischen Kallegen zweifellos auf das 2l b r ü st u n g s p r ob l e n, legen und er wird sich besonders bemühen, die von einzelnen Mächten angestrebte Vertagung der 2lb- rüftungskonferenz zu verhindern. Der Staatssekretär begibt sich zuerst nach Rom, um sich mit Mussolini und Grandi zu besprechen. Die Annahme scheint daher gercdstfertigt, daß er versuchen wird, die Bei- legung des französisch-italienischen Flottenkanflikts zu fördern, natürlich ohne«ine offizielle Vermittlerrolle zu übernehmen. New-Dorker Finanzkreisc sehen die entscheidende Ve- deutung der Ministerreise in der Tatsache, daß Stimson Gelegenheit bekommt, das Problem der internationalen Kriegsoerschut» du n g mit den beteiligten Regierungen zu erörtern. Die Washing- toner Berichte der hiesigen Blätter unterstreichen Zwar, daß Hoover dem Staatssekretär keine Vollmacht geben werde, über die Rc- porationen und die interalliierten Schulden zu verhandeln. Doch glauben weder Wallstreet noch maßgebende diplomatische Kreise, daß Stimson sich einer Aussprache entziehen könne. Ltoier dem Eis zum Nordpol. U-Boot„Nautilus" tritt die gefährliche Fahrt an. Sir Hubert W i l k i n s hat mit feinem Unterseeboot Nautilus New London in den Vereinigten Staaten verlassen und seine Nordpolexpeditton angetreten. Nach kurzem Ausenthalt in Provincetown(Massachussetts) wird das Uboot am Sonnabend nach Spitzbergen weiterfahren. Wilkins will tatsächlich versuchen, mi: seinem Uboot unter das Eis zum Nordpol zu gelangen. Riefenpeiroleumbrand in Rumänien. An 500 Waggons explodieren. Bukarest, 4. 3uni. Mehrere Reservoire der Sleana Romano- Raffinerie bei Borau wurden gestern vom Blitz getroffen und e x p l o- d i e r l e n. 3n wenigen Sekunden war die ganze Umgebung ein einzige» Flammenmeer. Aus allen benachbarten Orlen sind die Feuerwehren und Truppenabteilungen an die Brandslälte enl- sandt worden. Bis Millernacht war jedoch noch keine Eindämmung de« Riesenbrandes möglich. Die Katastrophe bei der Stearni Romana-Raffinerie, der größten Petroleum-Raffincrie Rumäniens, hat sich nach weiteren Meldungen so abgespielt, daß der Blitz zuerst in ein Reservoir, das 80 Waggons Rohöl enthielt, einschlug. Durch die Explosion grisf dann das Feuer auf drei Reservoire mit Z50 Waggons Oel über, die ebenfalls in die Lust slogcn. Nach stundenlangen Be- mühungen ist es nunmehr gelungen, den Brand zu lokalisieren. Der Schaden wird ans über 50 Millionen Lei geschätzt. 15 Toie bei dem Brückeneinsturz. Baris. 4. Juni. Wie aus Bordeaux gemeldet wird, hat der Brückeneinfturz bei St. Denis-de-Pil« im ganzen 15 Todesopfer gefordert. 19 Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Da die Brücke während der Belastungsproben gefilmt wurde, hofft man aus dem Filmstreisen wichtiges Material über die Ursache des Iin- glucks und die Schuldsroge zu gewinnen. � Schüsse auf Stadtbahnzug. Aus der Strecke zwischen Warschauer Straße und Stralau-Rummelsburg wurde am Mittwachabend gegen 10'A Uhr ein nach Mahlsdors fahrender Stadtbohnzug beschossen. Die Kugeln zertrümmerten mehrere Scheiben in dem letzten Abteil 3. Klasse, Fahrgäste wurden zum Glück nicht verletzt. Von den Schützen sehit jede Spur. Nationalversammlung einberufen. Spanische Wahlen am 28 Juni/ Anklage gegen den König. Madrid, 4. Juni.(Eigenbericht.) Das Amtsblatt veröffentlicht das Dekret über die Einberufung der versassunggebenden Nationaloersammlung. Der Zusammentritt des am 28. Juni zu wählenden Parlaments soll am 14. Juli er- folgen. Die vorbereitende Sitzung findet am 13. Juli, abends 7 Uhr, statt. Das Dekret ist von sämtlichen Mitgliedern der provisorische» Regierung unterzeichnet. Das Kabinett tritt sofort nach Zusammen- tritt der Nationalversammlung zurück. Die Versammlung soll sodann einen provisorischen Staatspräsidenten wählen und eine Ueberprüsung der Amtshandlungen der jetzigen provisorsschen Regierung vornehmen. Außer der Lersassung soll der Nationalversammlung das Statut für Katalonien vorgelegt werden, dos im Rahmen der spanisdzen Einigkeit die Sonderrechte Katalonien» ausbauen wird. Dieses Statut soll kein« Sonderrechte verleihen, sondern al> anderen Regionen werden das Recht haben, ihm zufolge ihr eigene Verwaltung ebenfalls auszubauen. Ferner soll die Nationalver- sammlung über die neben der Verfassung einhergehenden wichtigen Gesetze Beschluß fassen und über die Verantwortlichmachung des ge» stürzten Regimes«ntsd)eiden. Am 14. Juni wird in St. Sebastian eine Sitzung der ver» einigten Stadtverttetungen der Provinz Guipuzroa stattfinden, in der über eine Vorlage zum Ausbau der b a s k i s ch e n Selb» st ä n d i g k e i t innerhalb dos spanisd)«» Staates beraten werden soll. Die übrigen baskischen Provinzen sind aujgcsordert worden, sich ihrerseits auch auf eine bestimmte Vorlage zu einigen, die dann später gemeinsam mit den Wünschen Katalonien« an die Rational- Versammlung gehen soll. Der Generalstaatsanwalt hat eine gutfundierte Anklage gegen den Exkönig und seine Regierungen ausgearbeitet. Die Kanzlerreise nach England. Morgen Ankunft in Southampton. Reichskanzler Dr. Brüning und Reichsaußenminffter Dr. E u r t i u s sind gestern abeich 11 Uhr 32 Min. mit dem fahrplanmäßigen Hamburger Zuge nach London abgereist. Zur Berobsckie» dung war auf dem Lehrter Bahnhof eine Reihe prominenter Per- sönlichkeiten erschienen, so der englische Botschaster Dir Horaee R u m b o l d mit dem Stab der Botschaft, sowie zahlreiche Regie- rungs- und Pressevertreter. Nach Eintteffen in Cuxhafen wurden der Reid)staiizler und Reichsaiißenminister von Vertretern der Hamburg- Amerika-Linie begrüßt. Der Dampfer„Hamburg", auf dein die Ueberfahrt stattfindet, trifft morgen mittag in South- a m p t o n ei». Jugend und Partei Ollenhauer spricht über die Lugend— Löwenstein über Kinderfreunde Leipzig, 4. Juni.(Eigenbericht.) Heute besinnt die Verhandlung mit dem Tagesordnungspunkt: Narlci und Jugend. Darüber spricht der Vorsitzende des Verbandes Ar'' �• sozialistischer !rbeit«r-Iugend-L«reine, Erich Ollenhauer: Breitscheid hat bereits«inen starken Appell an den Parteitag gerichtet, der Jugend in der Partei mehr Mum zu geben. Auch das Recht auf Kritik hat Breitscheid der Jugend zuerkannt und hat damit besonders den Beifall der Jugend gefunden. Di« Jugend muß aber auch selbst bereit sein, an sich Kritik zu üben. Ich möchte zunächst die Stellung der Jugend in Wirt- schaft und Gesellschaft beleuchten. l82ä standen rund 9 Millionen Menschen in Deutschland im Alter von l4 bis 21 Jahren, mehr als ein Siebentel der Gefamtbevölkerung. 8l)Prnz. dieser jungen Menschen standen im Wirtschaftsleben. Wir hatten also damals mehr als 7 Millionen erwerbstätige Zugendliche. In den letzten Jahren ist die wirtschaftliche Bedeutung der Jugend durch die Rationalisierung noch mehr gestiegen. Einen erschütternden Beweis für die enge Berflechtunq von Zugend und Wirtschaft erleben wir jetzt in der Krise. Im Herbst wurde die Zahl der erwerbslosen Jugendlichen auf fiOOOOO geschätzt und davon waren nicht weniger als 75 Proz. im Alter von 1f> bis 21 Iahren. Es waren otfo Ausgelernte, die keine Aussicht aus Arbeit haben. Die materielle und vor allem die seelische Rot dieser Jugendlichen ist ungeheuer groß. (Sehr wahr!) Dazu kommt die große Steigerung der politischen Bedeutung der Jugend durch die Festsetzung des Beginnes der Wahl- berechtigung mit 2» Jahren. Es wachsen innerhalb jeder Wahl. Periode 5 Millionen Zugendliche heran, die zum ersten Male aktiv in den wahlkamps eingreifen. Daher die großen Bemühungen auch aller bürgerlichen Parteien um die Zungwähler. Der Ausgang der Reichstagswahl vom 14. September bedeutete eine weitere Verschärfung dea Kampfez um die Jugend. Ich erinnere weite? an die W« r k s j u g e n d p s l e g« der Schwerindustrie, auf Volks- schulen, Berufslchulen und Hochschulen, die immer öfter in den Brennpunkt politischer Forderungen gestellt werden. Nicht umsonst ist vor allem auch das Zentrum ständig bemüht, die entscheidenden Positionen der I u g e n d k u s t u r und Jugenderziehung für sich zu sichern. Die Zahl der Jugendoerbände wird iinmer größer. Auch wir in der Partei haben eine wahre Inflation an Iugendverbänden.(Sehr wahr!) Selbst die Brief» markensammler brauchen ihre eigene Jugendorganisation. (Heiterkeit.) Jede politische Organisation muß heute die Jugendarbeit in den Bereich ihrer wichtigsten Gegenwartsarbeit einbeziehen.(Sehr richtig!) Neben der Sozialistischen Arbeiterjugend verzeichnen wir heute eine gut ausgebaute Jugendbewegung bei den freien Gewerkschaften und im Arbeitersport. Vor dem Kriege hotten wir rund 100 000 Abonnenten der �Arbeiterjugend', heute haben wir 55 000 Mitglieder in der SAI und rund die zehnfach« Zahl Jugendlicher bei den Gewerkschaften und Arbeitersportiern. Dazu als neuere Erscheinung für dos jüngere Alter die aufgeblühte Kinderfrcundbcwegung und au? der anderen Seite die Sozialistischen Studenten, die mit großem persönliäien Mut und frischer Tatkraft in der vordersten Front des Kampfes gegen die Reaktion stehen. Diese Jugend müssen wir so erziehen, daß st« die Ausgabe der Verwirklichung unsever Ideale lösen kann. Nicht nur die Zahl unserer Anhänger, sondern auch die Reise unserer Der- treier wird das Tempo unserer Fortschritte in der Zukunft be- stimmen.(Sehr wahr!) Die Partei muß alle Angelegen- Helten der Jugend als ihre eigenen Angelegenheiten be- trachten. Dos republikanlfche Deutschland muß der sozialistischen Zueend Arbeit, volle Freiheit der Enlsallvng und jede Unterstützung gewähren. Parteiorganisatorisch müssen wir die Jugend trennen in die eieent- liche Jugend von 14 bis 20 Jahnen und in die nach dem Kriege mündig gewordene jüngere Organisation zwischen 20 und 35 Jahren. Leider stehen noch viele Jugendlich« abseits von unseren Organisa- llonen, denen die s o z i a l i st i s ch e Erziehung im Eltern- bans den Weg in sie ganz naturgemäß weisen mußte. Di« Partei will keine Zwanasmaßrcgeln in dieser Richtung er- greifen! aber jeder Parteigenosse muß es als Verletzung der Partei- hflicht ansehen, wenn er seine Kinder nicht in die sozialistische Jugendbewegung bringt oder sie gar davon fernhält.(Lebhafte Zustimmung.) Die Parteiorganisationen müssen sich ständig der Verantwortung für die Mitglieder bewußt bleiben, die sie mit der Jugendarbeit betrauen. Leider hat gerade i n dieser Richtung in vielen Parteiorganisationen der not wen- dig« Ernst durchaus gefehlt. Wir muffen die Spannung der Jugend umsetzen in den Willen, in der Partei mit zuarbeiten. Nichts ist heute leichter, als in den Iugendgruppen die aller- ra d i k a l st e n Entschließungen durchzusetzen! dqzu gehört keinerlei pädagogisches Geschick.(Sehr wahr!) Aber taktische Entscheidungen sind weder Aufgabe der Jugendorganisationen, noch ihrer parteigenösischen Mitarbeiter. Wir haben die Jugend nicht leichtfertig vorzeitig festzulegen! wir haben sie vielmehr vor dem Glauben zu bewahren, da ßman auch die schwierigste Situation mit ein paar Schlagworten meistern könne.(Sehr gut!) Die Parteimitglieder, die in der Zagend arbeilen, haben Mittler zwischen Partei und Zugend zu sein. Die Parteiwerbung in der Jugend wird unmöglich, meun man immer nur kritisch von der Partei spricht. Unsere Iug.nd- verbände sind keine Werbevcrbändc. Di« Kritik an der Partei g�- hört in die Parteiorganisation. Wer die Geschichte der mternotio- nalen proletarischen Jugend kennt, muß willen, daß die Hinein- Ziehung der Jugendorganisationen in innerparteiliche Auseinander- setzungen, m mc r dos Ende der Iugendorganisatio- n c n bedeutet hat./ Seien wir uns all? und jederzeit der pädagogischen Verant- Wartung, vor der Jugend bewußt! Um der Verantwortung will?» müssen wir über alle Streitfragen in der Partei vor der Jugend ganz obsektio berichten: aber auch wenn wir nicht unmittelbar vor der Jugend stehen, sollten wir nie vergessen, wie unsere Worte und Schriften auf di? Jugend wirken. Wenn die Chemnitzer„D o l k s st i m in e" Tornows Schlußwort ein Gemisch von Demagogie und Zynismus nennt, hat sie vor der Jugend die Schrift Tarnows, die die Partei ' t c t � sein? ,? o? a u s > g s l o s g- teit gegenüber der Jugend gegeben, das für all- g-wissenhaften Parteigenossen ein abschreckendes Beispiel sein sollte. Nach einem Beschluß des Reiäisausschusses der sozialistischen Arbeiterjugend sollen über20Jahr« alteParteigenossen, die in der SAI. agitieren, zurAusübung ihrerFunktion neben dem Vertrauen her Jugendlichen auch die Zustimmung ihrer Parteiorganisation einholen. Wir wollen dadurch Fälle verhindern, die wir erlebt haben, daß I u n g s a z i a l i st e n die Jugendorganisation benutz! haben. um für die Kommunisten Propag an da zu machen. Usber diesen Bc- schtuß sind auch innerhalb der SAI. Memimosverschiedenheiten cnt- standen Diese Meinungsverschiedenheiten haben wir in der SAI. selbst ausgetragen. Aber es haben sich auch Parteiorganisationen gefunden,' die die Funktion der Partei in die Organisation der Jugend tragen möchten. Das Borbildlichste ist in dieser Beziehung der Antrag Zwickau, der eine Aufhebung des Beschluises mit der Begründung fordert, daß er das Selbstverwaltungsrecht der Jugend beseitige. Dabei handelt es sich um einen Beschluß, den die Körper- schasten der Jugendorganisation gesaßt haben. Im übrigen hat es niemals eine autonome" Sozialistische Arbeiterjugend ge- geben. Richtung und Inhalt der politischen Erziehungsarbeit der SAI. werden durch das Programm der Partei und die grundlegenden Parteitagsbeschlüsse bestimmt. Denn die Partei ist die höhere Einheit. Die Jugendorganisation ist nicht Selbstzweck. Ein anderes Problem ist die Eingliederung der jungen Generation über 20 Jahre in die Parteiarbeit, und dies« Arbeit muß die Partei über» Amerika studiert deutsche Arbeitslosigkeit Arthur Woods, der von Präsident Hoover«ingesetzte Notstandslommissar, ist in Berlin eingetroffen, um das deutsche Arbeitslosenproblem zu studieren und die Mittel kennenzulernen, mit denen Deutschland die Not der Erwerbslosen zu lindern sucht. nehmen. Gegenüber dem Argument unserer Gegner, die Sozial- demokratie sei eine Partei ohne Jugend, stell« ich fest, wir hoben in der Sozialdemokratie 60 000 Mitglieder unter 25 Zahren und 520 000 unter 35 Zahren, und behaupte, daß weder di« Nationalsozialisten noch die Kommu- nisten eine so hohe Zahl organisierter Mitglieder haben. Wir haben in der Partei mehr Junge, als die kommunistische Mitgliedschastsziffer enthält. Die Spannung zwischen jung und alt ist in der heutigen Zeit besonders stark und Revolutionen haben die Jungen ganz ver- schieden beeinflußt und umgeformt. Die Jugend kann auch nicht zwischen heute und gestern Vergleiche ziehen, weil sie das Gestern nicht erlebte, und da die Alten die Organisation aufgebaut haben, die für die Jungen eine Selbstverständlichkeit bedeutet.(Sehr wahr!) Wir haben jetzt schon die richtige Praxis gefunden, ober die Sprache ist noch vielfach die alte, und die Folge davon ist eine große beiderseitige Unsicherheit der gegen- seitigen Beziehungen. Die Zugend ist heute stark politisiert. Dabei übersteht sie oft die Selbstverständlichkeit, daß auch eine poli- tisierte Jugend immer noch Jugend mit ihren besonderen Eigenschaften ist. Und die Jugend ist selbst irritiert durch ihre Er- folge. Sie meint, es sei schon gut, wenn sie marschiere, und begreift nicht, daß Politik mehr ist als D e m o n st r a t i o n.(Sehr gut!) Die Jugend muß selbst lernen, das politisch Mögliche zu begreifen. Neben dem Idealismus und dem Willen zur gesell- schaftlichen Mitarbeit erfordert die Politik viel Einsicht, Erfahrung und Umsicht, die man sich eben nur erarbeiten kann. Die nationalsozialistische Reichstagssraktion ist die weitaus jüngste, sie zählt 45 Abgeordnete unter 35 Jahren. Aber soviel Zugendllchkeik ist nur vor den Reichslagswahlcn zu erlragen. Zm Reichstag zeigt sich, daß der Geburlsschein ohne wert ist und selbst nicht ausreicht zur Erlangung mildernder Umstünde. Ich bin überzeugt, daß Hitler nicht zuletzt aus dem Reichstag des- halb auszog, um mit seinen Jungen wieder in die romantischeren Gefilde der Agitation zurückkehren zu können. Auch die jungen kommunistischen Neichstagsabgeordneten sind im allgemeinen im Pfeif konzert tüchtiger als in der politischen Arbeit. Also erst wenn die Jugend die Praxis der Politik anwenden wird, wird der Elan der Jugend p o l i t i s ch e K r a f t. Der Be- schluh des Kasseler Parteitags aus Bildung der jungsozialistischen Vereinigung war damals berechtigt. Heute stellt da, Urteil der Partei das Versagen dieser Vereinigung sest. Eine wesentliebe Ursache dieses Versagens der Jungso-iolisten ist die Eni- saltung der Vereinigung zu einer reinen Richtungsorganisotion. Dabei hat eine Reihe erwachsener Parieigenosten leider sehr tot- kräsiig mitgewirkt. Andererseits mutz es Ausgabe der Partei sein, der Jugend Ausgaben zu geben, sie an Plätze zu stellen, wo sie sich erproben kann. Wir müssen die furchtbaren Lücken schließen, die die Schwere der Kämpfe der letzten Zeit in die Reihen der Partei gerissen hat. Jetzt haben wir noch die Möglichkeit, die Tradition der Arbeiterbewegung ohne Bruch fortzusetzen. Aber neben der Poll- tisierung und Mobilisierung der Jugend darf ihre geistige Ausbildung nicht vernachlässigt das Schlagwortwissen hinaus zu jeder sich einzeln erringen muß. Ei werden. Wir müsien über politischen Bildung, di«,—---------- erheblicher Teil der Jungwähler hat im vorigen veptember nicht an», sondern die Nationalsozialisten und Kommunisten gewählt. Krieg, Revolution, Inflation und Weltkrise heben in ihrer atem- raubenden Folge auch die Unentschlossenheit und Labilität junger Menschen getroffen. Die Jugend hat den Steg der brutalen Gewalt über Kultur und Menschlichkeit, den täglichen aufreibenden Kampf um das nackte Leben miterlebt. Rationalisierung und Arbeitslosigkeit haben die Jugend in-ine neue geistige und seelische Krise gestürzt. Die jnnge Generation erlebt in ihrer' Gesamtheit dos proletarische Schicksal. Auch der Jugend de- Bürgertums ist die ganze Well der überkommenen Vorstellungen zusammen- gebrochen. Selbst die akademische Bildung eröffnet ihr nicht mehr 1:m Weg ins Land der Privilegien. Sogar die B a u e r n> u g e n d kft in die Agrarkrise aus allen alten Vorstellungen herausgerissen uns vor die völlige Ungewißheit der Zukunft gestellt. Trotz mancher äußeren Erleichterungen hat die ganze Jugend die Werte der Vergangenheit verloren und steht heute vor einem Nichts. Ein großer Teil der Jugend hat kapituliert und resigniert, es gibt keine Jugendbewegung im alten Sinne mehr. Die„neue Sachlich- keit" ist der vorzeitige Friedensschluß der neuen Jugend mit allem bestehenden Unreäzt. Der kleinere aktive Teil der Jugend rebelliert gegen das Schicksal, gegen Demokratie und Republik, gegen außenpolitischen Druck, rebelliert gegen olles! Nur der schärfste Radikalismus, nur die unbedingte Negation kann sie befriedigen. Dieser unpolitischen Stim- w u n g�entspricht der unpolitische Wunderglaube, der in Generation wahre Triumphe dieser Zeit bei der jungen Die Jungen haben die feiert. Mcnkaliläl der Maschinenstürmer aus der damaligen Zeit. Die Thälmann und Hitler werden zu Helden erhoben, die mit einem Schlage olles wandeln werden. Nicht die kontreten politischen Ziele, noch weniger die politischen Leistungen der extreme» Parteien haben die Jugend fasziniert, sondern ihre Glaubenssätze. Die Form ihres politischen Kampfes spricht die Sprache der Jugend hemmungslos und Verantwortung s- l o s. Die Sozialdemokratie kann diese Sprache der Jugend nicht sprechen. Die Sozialdemokratie hat seit zwei Menschenaftern, aber vor allem seit 1918, die Phase der Rebellion und ihrer Propa- ganda verlassen. Die Sozialdemokratie ist in die Phase der Verwirklichung und praktische» Gestaltung eingetreten, die mehr erfordert als Elan, die Einsicht und Er- fahrung voraussetzt. Müssen wir deshalb aus die Ge- winnung der jungen Generation für den Sozialismus verzichten? Nein, durchaus nicht. Die soziale Not hat die Jugend zur politischen Revolution getrieben: sie strebt mit allen Kräften nach politischer Zl« n d e r u n g. Die kann ihr der Radikalismus nicht geben, und unter den Verbrechen der Nationalsozialisten droht der Entwicklung der Jugend eine schwerste Schuld.(Lebhafte Zu- stimmung.) Wir müssen verhindern, daß die vom Radikalismus ent- täuschte Jugend in politische Indifferenz versinkt. Wir müssen ihr immer wieder den demokrcttscheu Sozialismus als einzigen Ausweg aus der Rot zeigen. Mit einer großen aufgeschlossenen Partei kann die Jugend an Inhalt und Form einer neuen Welt arbeiten. Gerade im Kamps um die junge Generation müssen wir die sozialdemokratische Zielsetzung mit aller Deutlichkeit zum Ausdruck bringen. wir erstreben heule wie Immer den Sozialismus voo ganzem herzen.(Lebhafter Beifall.) Wir wallen die well nicht uur erlragen, wir wellen sie verändern. Wo das radikale Wort aus- hört, beginnt osl unsere Arbeil. Und radikaler als jede» Wort ist unsere Arbeit an der Gestaltung einer neuen Jugend. Niemals ist die Jugend vor eine größere Aufgabe gestellt worden als die heutige Sozioldemolratie. Für die Schaffung der neuen Welt der Arbeit braucht man den ganzen Menschen, und wir müssen gerade den ganzen Menschen für die junge Generation ein- setzen. Nur durch uns kann die Jugend eine neue Zielsetzung,«inen Lebcnvsinn finden. Der Sozialismus hat e r st d i e M ä n n'e r her- ausgeführt aus der blassen Elendsftunde des Proletariat» und die Kämpierformationen formiert. Er hat dann die Frau in den Kampf geführt gegen doppelle Lasten in Wirtschaft und Gesellschaft. Jetzt gilt es die d r i t t e g r o ß« A r m e c, die Jugend, in ihrer Ge- samtheit unter der Fahne des Sozialismus zu sammeln und mit der Sozialdemokratie in den Kampf zu führen.(Langanhaltender Beifall.) Mit verlängerter Redezeit erhält zunächst da» Wort für Aus- führungen über die Sinderfreundebewegung der Leiter dieser Be- wegung Nr. Kurt Löwenstein: Wir bewundern die organisatorische Hingabe und Treue de» Stammes unserer alten Parteigenossen. Diese Treue stammt aus der gesellschaftlichen wie politischen Ab- und Ausgeschlossenheit der Sozialdemokratischen Partei der früheren Zeit Heute ist das anders «worden. Wir wirken heute an und in der bürgerlichen Gesell- hast, daher können wir nicht mehr aus der Substanz aus der Heroenzeit leben. Wir brauchen Elastizität: ober Elastizität ohne Grundsätzlichkeit führt zur Charakterlosigkeit, und Grundsätze ohne Elastizität führen zum Dogmatismus. Beide Gefahren müssen ver- mieden werden. Aus diesen Grundgedanken heraus ist die K i n d e r s r e u n d c- bewegung, die sozialistische Erziehungsbewegung her- vorgegangen. Sie erfüllt eine geschichtliche Aufgabe. Heute sind schon nahezu 1000 Orte von der Kindersreundebeweaung ersaßt. Ueber 200 000 Kinder werden heute von un» in sozialistischen Ge- dankengängen erzogen. Das ist ein Erfolg, wie ihn keine Kinder- bewegung zu verzeichnen hat. Dieser Erfolg ist nichk nur den Mc- thoden romantischer Art der Kindertümlichkcit zuzuschreiben, mit denen wir unsere Arbeit vollziehen: er ist auch nicht allein«in Erfolg unserer Helfer. wir haben 10 000 helser, die, ehrenamttich, von ihrem kargen Lohn und von ihrer Zeit für diese Ausgabe opfern. Ein großer Teil unserer Helfer betrachtet diese Arbeit nicht als Nebenbeschäftigung, sondern als Lebensberuf. Wir haben Arbeiter und Arbeiterinnen, Akademiker, Lehrer, Aerzte, Ehemiker usw., aber in unserer Mitte sind sie das nicht, sondern Helfer. Ich bedauere nicht die Politisierung der Jugend, sie gehört zur gesell- schoftlichen Gestaltung. Als das Bürgertum gegen den Feudalismu» kämpfte, war die Jugend nicht weniger politisiert als heule. Wir müssen die Erziehungsarbeit so einstellen, daß die Jugend aus ihrer Erfahrung, ihrem Willensimpuls heraus die Gestaltung ihrer Ver- Hältnisse wahrnimmt. Erziehung kann nie nur sein ein Heranreisen für diesen Zustand van übermorgen, sondern muß sein ein Wachs- tumonden Lebens. und Kampfbedingungen, an den Aufgaben dieser Zeit. Da» hat unserer Kinderfreundebewegung ihren starken Gehalt gegeben. Wir lassen die Kinder arbeiten an ibrer eigenen A l a ss e n l a g e. In der Familie des Arbeiters ist der Platz zu eng für eine soziale Lebensgestaltung. Bei uns, in ihren Gruppen, bei ihren Treffen finden die Kinder den Raum, wo die F u n d a- mente des Klaff«»ibewußtseins erlebt werden. Bon bürgerlicher Seite wirft man uns vor, wir zerstörten die Familie. Wir ziehen aber nur die gesellschaftlichen Folgerungen aus einem vorhandenen Tatbestand.(Sehr richtig!) wir brauchen eine Erziehung für den organisierten Menschen. ein« Erziehung aus der Tat heraus für die Selbstverwaltung. Deshalb erziehen wir auch Jungen und Mädchen zusammen. Die Emanzipation der Frau ist nur ein Privileg einzelner wenn wir nicht von Grund auf das Verhältnis von Mann und Frau gesell- schastlich anders gestalten.(Bravo!) Erst wen wir die Hegemonie des Geschlechtlichen in der Gesellschaft ausheben, wird die Emanzi- pation der Frau eine lebendige Tatsache. Gegen die Verleumdungen von bürgerlicher Seite über die angebliche Unsittlichkeil dar Kinder- freundebewegung wäre die Anwendung der Notverordnung am Volksbühnenwerbuna beginnt! Kür das Theaier des Volkes Die Berlinee Voltsbühne hat mit ihrer Werbearbeit für das nächste im September beginnende Spieljahr eingesetzt. In einem Teil der Presse waren während der letzten Wochen abenteuerliche Nachrichten über Gegensätz innerhalb der Volksbühne zu lesen. Tatsächlich vorhandene Meinungsverschiedenheiten zwischen den maßgebenden Instanzen des Vereins Volksbühne und K. Sj. Martin, dem künstlerischen Leiter des Theaters am Bülowplatz, wurden dabei gewaltig aufgebauscht, zum Teil auch noch völlig falsch dargestellt. Wer sich für den wahren Sachverhalt interessiert, der sei auf ein F l u g b l a t t t der Volksbühne verwiesen, das den Mitgliedern des Vereins zugesandt wurde, aber auch jedem Nicht- Mitglied in den Zahlstellen oder in der Geschäftsstelle des Vereins ausgehändigt wird. Hier fei nur soviel hervorgehoben: Niemals hat es einen„Putsch der Ordner" gegen den künstlerischen Leiter des Theaters am Bülowplatz gegeben. Niemals hat irgendeine Stelle in der Bereinsleitung irgendwo auch nur andeutungsweise die Forderung vertreten, das Haus der Volksbühne solle ein„reines Amüsiertheater" werden. Richtig ist zwar, daß von den leitenden Körperschaften des Vereins wiederholt der Wunsch geäußert wurde, der Spielplan des Theaters am Bülowplatz möchte noch mehr als bisher„volkstümlich" werden und neben ernsten Werken auch heitere, unterhaltsam« Stücke bringen. Aber dabei dachte selbstver- ständlich kein Mensch je an eine Unterhaltung ohne Sinn und Idee. Jeder war sich stets darüber klar: Was die Volksbühn« bietet, muß immer der Zensur des künstlerischen Geschmacks standhalten und vor der kulturellen Idee der Volksbühne zu verantworten sein. Der bisher vom künstlerischen Leiter des Theaters am Bülowplatz und dem künstlerischen Ausschuß entworfene Spielplan für 1931/32 kommt nun dem Wunsch nach einem lebendigen, anregenden, dabei künstlerisch bedeutsamen Repertoire weit entgegen. Er sieht u. a. vor: Shakespeare:„Timon von Athen", Nestory:„Freiheit in Krähwinkel", Anzen- gruber:„Das vierte Gebot", Shaw:„Androklus und der L ö w e", Kaiser:„Nebeneinander"— und für die Sonderabteilungen, die nach wie vor einige eigene Ein- studierungen im Sinne des politischen Zeittheaters erhalten sollen, Kraus:„Die Unüberwindlichen" und Rostand:„D e r Mann, den sein Gewissen trieb". Dieses reizvolle Programm wird seine Ergänzung finden durch Vorstellungen im Schiller-Theater, das an Neueinstudie- rungen für das kommende Jahr u. a. ankündigt: Schiller:„D i e Räuber", eine Komödie von G o l d o n i, Rostand:„C y r a n o von Bergerac", Hirschfeld:„Agnes Jordan" und Kyser: „Schicksal um Port". Vor allem aber gewinnen die Darbie- tungen des Vereins Volksbühne im nächsten Jahr dadurch an An- ziehungskraft, daß die Mitglieder erstmalig Gelegenheit erhalten, auch die Oper Unter den Linden zu besuchen. Die General- intendanz hat zugesichert, daß die Vorstellungen für die Volksbühne hier ein« Auswahl der besten Leistungen des Hauses bringen sollen. Die Aufführungen der Linden-Oper werden ihre Ergänzung finden durch eine Operettenspielzeit, die der Verein Volksbühne am Schluß des Spieljahres in seinem eigenen Haus durchführen wird. Natürlich, ist auch wieder eine lange Reihe bedeutsamer. Sonderveranstaltung«« vorgesehen. Vor allem dürsten dji Konzerte und die T»n z-m a ti n"e e n Hervorragenties 4»$?. Dem Wunsch nach„Preisabbau' kommt die Volksbühne insofern entgegen, als sie die einmalige Einschreibegebühr, die jedes neue Mitglied zu zahlen hat, ermäßigt. Die Vorstellungsbeiträgc, die den Mitglieder zugleich Anspruch auf kostenlose Aushändigung eines Programmzettels und auf unentgeltliche Zusendung der Ver- einszeitschrift bieten, bleiben die gleichen wie bisher. Die Mitglieder zahlen also für jede Schauspielvorstellung abends 1,70 M., nach- mittags 1,30 M., für jede Opernvorstellung abends 2,50 M. Die Plätze werden nach wie vor ausgelost. Von besonderer Bedeutung ist eine völlige Neugestaltung der Abteilungen, in die die Mitglieder eingruppiert sind. Während bisher alle Abteilungen die gleiche Anzahl und die gleiche Zu- sammenstellung von Aufführungen boten, erhalten die Mitglieder künftighin die frei Wahl zwischen Abteilungen der verschieden st en Art. Wer nur über geringe Mittel verfügt, braucht sich bloß zum achtmaligen Theaterbesuch im Laus des Winters zu verpflichten. Daneben stehen Abteilungen mst 11, 13 und 16 Vorstellungen. Innerhalb dieser Gruppen ist teilweise noch wieder die Zusammenstellung der Vorstellungen verschieden. Hochwillkommen wird es endlich zahlreichen Interessenten sein, daß sie sich künftighin auch in Abteilungen eingliedern können, deren Vorstellungen stets an einem bestimmten Wochentage bzw. an einem Sonntagabend stattfinden. Dieser Neuaufbau der Organisation macht es aber nun not- wendig, daß jedes Mitglied der Volksbühne, das dem Verein weiter- hin angehören will und jeder, der als neues Mitglied beizutreten gedenkt, sofort seine Willenserklärung für das nächste Jahr abgibt. Nur dann ist es möglich, daß die Wünsche hinsichllich der Einreihung in bestimmte Abteilungen berücksichtigt werden. U m m e l d u n- gen alter und Anmeldungen neuer Mitglieder werden schon jetzt in sämtlichen Zahlstellen der Volksbühne wie in der Hauptgeschäftsstelle, Linienstr. 227(O 1, Norden 2341) entgegengenommen. Neue Mitglieder haben mit der Anmeldung zugleich die Einschreibegebühr von 1,20 M. zu entrichten. In ollen Zahlstellen und in der Hauptgeschäftsstelle werden Prospekte ver- abfolgt, die noch ein genaueres Bild von den Einrichtungen und Plänen der Volksbühne im nächsten Jahr vermitteln. Bei ihrer Mitgliederwerbung sieht sich die Volksbühne den Bs- mühungen zahlreicher anderer Stellen gegnüber. Abonnenten für ihr Theater zu gewinnen. Jede dieser Stellen preist natürlich nach Möglichkeit ihre Darbietungen. Eins aber ist gewiß: Die Volksbühne ist die einzige Einrichtung, bei der die Entretenden nicht nur Platz- mieter sind, sondern als Mitglieder des Vereins auch Mitbesitzer des Theaters, das den größten Teil der Vorstellungen liefert, und mitbestimmende Träger aller Darbietungen. Ja. die Volksbühne allein stellt eine groß« Genossenschaft der Theaterbesucher dar, bei der die Mitglieder durch ihre ge- wählten Organe die Geschäftsführung bestimmen und auf den Spiel- plan einwirken. Alle privaten Erwerbszwecke sind dabei selbstver- ständlich ausgeschlossen. Hinzu kommt, daß die Volksbühn« aus der Berliner Arbeiterschaft herausgewachsen ist. Wenn sie auch keiner Partei dienstbar ist, so dient sie doch in erster Linie den Bestrebun- gen der Werktätigen um Ihren'kulturellen Aufstieg. Das muß d:e 'Mitgliedschaft in der Volksbühne für jeden denkenden Arbeiter.und Angestellten besonders wichtig erscheinen lassen.; platz«.(Sehr gut!) Wer darüber hinaus küßt das lebendig« Tu» unserer Falten all diese Vorwürfe zuschanden werden. Wenn wir heute die blauen Falten mit dem christ» Uchen Kreuz sehen, so erblicken wir darin die Bejahung eines Jesunden Gedankens, der aus unserem Gestaltungswillen ge- kommen ist.(Sehr gut!) Mit aller Energie protestieren wir gegen da» Verbot der bayerischen Regierung, gegen das Verbot, wonach schulpflichtige Kinder an den Veranstattungen der Kinderfreunde Nicht teUnehmen dürfen.(Lebhafte Zustimmung!) Wenn man von nn» fordert, wir sollten die roten Fahnen aufgeben, sollten den Kindern nicht von Sozialismus erzählen, so sagen wir, daß die Vegeiflerung für den Sozialismus erst die Verfassung geschaffen Sit. Wir lassen uns von der bayerischen Reaktion und von den ationalisten nichts verbieten, was in der Verfassung als legales lkrziehungsgut gilt. Auch bei den Wohlsahrtsbehörden usw. finden wir Schwierigketten. Deshalb wenden wir uns an unsere Partei- Senosien: Helft uns mit, diesen Erziehungsbund der !inderfr«undebewegung weiter auszubauen. Wenn ihr Mitwirkt an diesem Erziehungsgedanken, wenn er zur Ideologie unserer gesamten Arbeiterklasse wird, dann wird er nicht nur Jdeo- logie sein, sondern die materielle Macht zur Schaffung des Sozia- lismus.(Lebhafter, anhaltender Beifall!) Berichtigung. In unserer Mitteilung über den Inhalt der Notver- «rdnung muß ein Druckfehler berichtigt werden. Auf der ersten Lette, letzter Absatz, zweite Zeile muß es heißen: S1Z Millionen Einnahmeerhöhung und nicht 1813 Millionen. Verlag Lehmann auf dem Rückzug. Sin neues Verfahren gegen die„Gefesselte Justiz.' In der Reihe der Prozesse, die um das von Unwahrheiten protzende Buch„Gefesselte Justiz" entstanden sind, stand am Mitt- wach vor dem Landgericht I eine Klage des Justizrats Dr. W>»r t- Hauer gegen den Verleger des Buches, I. F. Lehmann in München, «m. Iustizrat Dr. Wert Hauer hatte gegen den Lehmonn-Verlag am 11. April eine ein st weilige Verfügung erwirkt, nach der dem Verlag verboten wurde, bei Vermeidung einer siska- Ilschen Strafe von 500 M. für jeden Fall des Zuwiderhandelns ge- wisse in der„Gefesselten Justiz" aufgestellten Behauptungen zu wiederholen. Es handelte sich in der Hauptsache um beleidigende An- würfe, die sich auf die Anwaltstötigkeit des Rechtsanwalts Dr. Wert- Hauer in der Sache K u t i s k e r bezogen. Gegen diese einstweilige Verfügung hatte der Verlag Lehmann Einspruch erhoben. Sein Rechtsanwalt legte eine eidesstatttiche Erklä- rung des„Sachverständigen" Bücherrevisor L a ch m a n n vor, durch die die Behauptungen des Lehmannschen Buches bestätigt werden sollten. Dem Bücherrevisor Lachmann ist seinerzeit von der Ber- liner Handelskammer wegen völliger Unzuverlässigkeit die Sachverständigenqualifikation entzogen worden. In mehre- ren Prozessen ist er selber bereits verurteilt worden, die von ihm jetzt beeideten Behauptungen gegen Iustizrat Werthauer bei Strafe zu u n t e r l a s s e n. Es ist bezeichnend für den Lehmann- Verlag und den Autor Moritz, daß sie für ihre Behauptungen nur Zeugen von der Art des Querulanten Lachmann, des vom Deutschen Prauerverband bestochenen Abstinenten D a v i d s o h n usw. finden körnzen. Im übrigen wendete der Verlag Lehmann eine ganz neue Takiik. an: er behauptete, daß ein Wahrhettsbeweis nicht erforderlich fei, denn das Moritz-Zarnowsche Buch enthalte überhaupt keKne Beleidigungen, es richte sich nicht gegen Persönlichkeiten, sondern nur gegen die Justiz als solche! Es enthalte nur Tatsachen. Auf die wiederholte Aufforderung des Vorsitzenden, doch die Be- weise für die Richtigkeit der Moritz-Zarnowschen Behauptung zu erbringen, blieb der Vertreter des Verlages Lehmann dabei, dies nicht nötig zu haben, weil keine Beleidigungen vorlägen! Das Gericht setzte Verkündungstermin für den 10. Juni fest. * Rtoritz-Zarnow hat gegen die verantwortlichen Redakteure des „Vorwärts" und des„Abend", gegen die Genossen Geyer und Lepere, die PrivatbeleidigungsNage angestrengt. Die Klage bs- zieht sich sowohl auf die Tatfachen, die wir über das eigenartige politische Vorleben des Herrn Moritz ans Licht gezogen haben sowie auf die seinem Buch zuteil gewordene Charakteristik einer Lügenschrift. Unsere angeklagten Redakteure werden in vollem Um- fang der Klage den Wahrheitsbeweis antreten. Dabei wird sich besonders Gelegenheit bieten, die politische Vergangenheil des Herrn Moritz, sodann aber auch den von Unwahrheiten und Ver- leumdungcn wimmelnden Inhalt seines Buches vor aller Oeffentlichkeit zu beleuchten. Die„Schwarze Kahne" in Schlesien. Krawall bei Zwangsvollstreckung. Dünzlau, 4. Juni. Zu schweren Zwischenfällen kam«s heute bei der Durchführung einer Zwangsvollstreckung bei einem Landwirt in Neun- darf, Kreis Bunzlau, die wegen einer kleineren Geldsuimme von etwa SO M. durchgeführt werden sollte. Don dem Termin hatten Mit- gliefcer der sogenannten„Schwarzen Fahne" Kenntnis er- hallen. Etwa 200 Leute zogen infolgedessen heute früh nach Neun- darf, um die Zwangsvollstreckung zu verhindern. , Der Dollstreckungsbcamle wurde tätlich angegriffen und gegen den Landrat, die anwesenden Landjägereibeamten und die Regierung wurden grob« Beschimpfungen laut. Der Landrat bat daraufhin die Schutzpolizei in Görlitz um Verstärkung. Das Erscheinen der Schutzpolizeibeamten genügte, um die Demonstranten zu zerstreuen. Wird die Staatliche Schauspielschule geschlossen? Der Haupt- ausschuß des Preußischen Landtages hat den Anttag des Staats- Ministeriums, die Staatliche Schauspielschule zum nächstmöglichen Termin zu schließen, erneut angenommen. Die Kosten waren von der Generalintendanz bereits auf 30 000 M. ermäßigt worden. Doch setzte sich der Hauptausschuß über die Bedenken gegen die Schließung hinweg. Der Beschluß läßt kaum noch Hoffnung, daß die von der Vühnengenosscnschaft eingeleitete Vermittlung, die ein Zusammen- gehen mtt der Reinhardt-Schule befürwortet hatte, verwirklicht werden kann. va, Ze«t> altbeater. da» vorige Woche neu eröffnet wurde, mutzte de- retts wieder schiietzcn. Die Maiburger Zlestiplele 1S31, die außer dem.SommernachtStranm' den»Piiiizen von Homburg" und den»zerbioibenen Krug" zur Auiführjing bringen, uinsaffen diesmal LS Aufführungen, beginnen am lk>. Luni und dauern bis zum S. Juli. vi« Larnowsly- Sühnen, die nun auch den Ernst der Zeit zu spüren bekommen habon, stehen in aussichtsreichen Unterhandlungen, um ihren Setrieb auch in der nächsten Saison fortsetzen zu lönnc». „Bandiienlied." Eapitol. Ein aufrechtes Bekenntnis zum Kitsch. In einem süßlieblich kolorierten Rußland gehen merkwürdige Dinge vor. Ein Räuber, der in entscheidenden Momenten aus unbekannten Gründen singen muß, raubt«ine Prinzessin, die sich wie ein«ingeschüchtertes Gir: benimmt und auf angelsächsisches Postkartenidyll stilisiert tst. Außer- dem ein« Sammlung von Ueberfällen, Entführungen, Rachefäulten, Auspeitschungen und ähnlichen schönen, romantischen Filmsaihen. Lehnrs„Zigeunerliebe" liefert die Musik. für den brüllfreudigen Räuberhauptmann. Wenn die Amerikaner entgleisen, gibt es immer eine Katastrophe mit unkenntlichen Masten. John Barrymore, der Star für kühne, historisch« Aben- teuer im amerikanischen Stil, führt eine pompöse Regie. Er kann sich im Dekorativen nicht genug, tun und scheint eine unüberwind- bare Neigung für himbeerfarbene Himmel zu haben. Dagegen überläßt er die Schauspieler ihrem eigenen Schicksal, und die Herr- schaften stellen auch Schauriges an. Lawrence Tilbett, das Programm bezeichnet ihn als Star der Metropolitain Oper in New Port, singt den schönen Räuber. Bon Spielen kann nicht du Rede sein. Aber seine Stimme ist schwer und wird in der Höhe übervorsichtig behandelt. Sie tastet sich an den Noten empor. Als Partnerin erscheint Catherine D a l e Owen, die ungefähr das Hififlosefte darstellt, das der amerikanische Film bisher servierte. Nur L a u r e l und H a r d y, die beiden Groteskdorsteller, sind erfreulich. Da- Publikum amüsierte sich bei den tragischen Stellen wunder- voll; die Amerikaner scheinen durch den Tonsilm jedes künstlerische Format verloren zu haben.?. Lch. Ein„drahtloses" Klugzeug. Der Erfinder einer Vorrichtung zur drahtlosen Lenkung von Kraftwagen und Flugzeugen, Robert E. Autrey, führte dieser Tage zu Houston in Texas einen fünffitzigen Eindecker vor, der während seines Fluges von einem andern Flugzeug aus auf drahtlosem Wege gesteuert wurde. Das Flugzeug gehorchte 15 Minuten lang allen Anweisungen, die Autrey von der anderen Maschine aus ihm gab, führte Schwenkungen, Drehungen und anderes aus. Um den Bs- ftimmungen der Regierung für das Fliegen über Städten zu ge- nügen, stieg das Versuchsflugzcug zunächst mit einem Führer auf, der es in einer Höhe von 1000 Meter verließ. Dann übernahm der Erfinder von seiner Maschine aus die weitere Leitung. Als die Flugzeuge einmal 800 Meter voneinander entfernt waren, gehorchte die Verfuchsmofchine plötzlich dem drahtlosen Antrieb nicht, aber dieses Versagen dauerte nur einen Augenblick. Vor dieser Vor- führung in der Lust lenkte Autrey einen Kraftwagen auf drahtlose Weise, zuerst von einem Lastkraftwagen aus und dann von einem fliegenden Flugzeug. Die Mundharmonika als Volksinstrument. Im letzten Jahr hat die deutsche Hormonika-Industrie rund 47 Millionen Harmonikas hergestellt. Im Dezember wurde das 4000. Mundharmonika-Orchsster gezählt. Lm letzten Jahre haben nach einer statistischen Erhebung 300 000 Schulkinder ihre erste musikalische Unterweisung mit der Mimdharmonika erhalten. Noch einen Schritt weiter ist dos bulgarische Unterrichtsministerium gegangen, dos der Lehrerschaft die Verwendung der Mundharmonika" im Unterricht offiziell emp- fohlen Hot. Ltm das Polizeirevier S2. Oi« Zivilisten'Mßhandlungen vor der Äemfungsinstan?. Vor der Strafkammer de» tandgericht, I begann heul? die verufungsoerhandlung gegen den Pollzeioberwachlmeisl?: Gertner. Volizeioberstleutuanl Moder und den Polizei- Hauptmann Alsdorf. Die skandalösen Vorfälle im Polizeiremer 82 am 1. Mai 1929 haben am 25. November v. 3. vor dem Schöffengericht Bcrlin-Mitte zur Verurteilung des PÄizeioberwachtmeisters Gertner wegen ge- meiraschaftticher gefährlicher Körperverletzung zu vier Monaten Gefängnis und zum Freispruch der beiden Polizeiofsiziere geführt. Das Gericht hatte damals ausgesprochen, daß auch die beiden letzteren vieles unterlassen hätten, um die Mißhandlungen der Verhafteten zu verhindern. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen da- Urteil Berufung eingelegt. Der Tatbestand, der den Vorfällen zugrunde lag, ist noch in Erinnerung. Am 1. Mai 1929 während der kommunistischen Demonstration gingen sieben Personen mit um- gehängten Gewehren aus der Landsberger Allee kommend über den Landsberger Platz. Der Oberleutnant Waldow, der hier Dienst tat, glaubt« es mtt einem bewaffneten Trupp zu tun zu haben, er ließ die Leute festnehmen. In Wirklichkeit waren es bloß Mitglieder eines Arbeiterschützenbundes, die von einer Schießveranstaltung kamen, die Gewehre waren Luftdruckgcwehre. Im Polizei- revier 82 wurden die Verhafteten in Gegenwart des Polizeiober- leutnants Mader und des Polizeihauptmanns Altdorf von dem Polizeiwochtmeistcr derartig mißhandelt, so daß sie schwere Ver- letzungen davontrugen. Dem Polizeioberleutnant Mader wurde u. a. der Vorwurf gemacht, daß er nicht für soforttge Fest- stellung der betreffenden Beamten Sorge getragen und seiner vorgesetzten Dienstbehörde über den Dorfall keine Mitteilung gemacht habe. Wiedererkannt wurde schließlich von den Miß- handelten nur der Oberwachtmcister Gertner. Die erste Verhandlung bat zwei Tage gedauert. Di« Berufungsinstanz hofft, dos Urteil bereits heute abend fällen zu können. Regierungsaffessor amisenihoben. Wegen national, oz'.alistischer Llmtriebe. Breslau, 4. Juni. Gegen den 2lssessor Hrimuth Nicolai von der Regierung in Oppeln wurde durch Verfügung des preußischen Innenministers Seoering vom 29. Mai 1931 das Disziplinarverfahren mit dem Ziel der Entfernung aus dem Amt eingeleitet und gleichzeiti!! sofortige Suspension vom Amt« verfügt mit der Begründung, daß Nicolai hinreichend verdächtig sei, sich für die Nationalsozialistische Partei betätigt zu haben, obwohl er den Ministerialdeschluh vom 29. Juni 1930 über die Unzulässizkeit derartiger politischer Betäii- gung gekannt habe. Auto 209 Meter tief abgestürzt. La Paz(Bolivien), 4. Juni. Ein Lastauto, das über den höchsten Paß der Anden fuhr, stürzte auf der Straß« zwischen Sucre und Potosi einen 200 Meter tiefen Abgrund hinab. Fünf Personen wurden getötet. Aetloge Donnerstag, 4. Juni 193! iitrSSMÜ ShAlaukQa&e ito*io&f4k J)ie iMctCandfafiter (faemfuiudia von Hetßoxi faeinfooCd lieber Land fahrende Lastautos waren noch vor wenigen Iahren eine seltene Erscheinung auf deutschen Landstraßen. Heute rattern Tag und Nacht, zu jeder Jahreszeit, Lastwagen auf Lastwagen aus den Straßen zwischen den Städten und in Industriezentren. Die Neroollkoinmnung der motorischen Leistung der Autos, erhöhte Fahr- ficherheit, die Rationalisierung im Transportgewerbe, die hohen Eisenbahnfrachten, Umstellung im Kundendienst: das alles hat Anteil an dem bedeutenden, raschen Aufschwung des Güterferntrans- partes mittels La st wagen. Nach dem Möbeltransport- gewerbe hat vornehmlich die Nahrungs- und Genußmittelindustrie den Ueberlandlastwagen in ihre Dienste gestellt, um ihrem Kunden- kreis schnellste Zulieferung frischester Ware gewährleisten zu können. Außerdem werden durch Lastwagentransporte Ersparnisse gemacht. Z. B.: Eine Zigarettenfabrik transportiert mit einem S-Tonnen- Lastwagen 4 bis S Millionen Zigaretten, die von einigen Arbeite- rinnen in kurzer Zeit ein- und ausgeladen werden, in der halben Bahnfrachtzeit bei weitaus geringeren Unkosten und bei sicherem und sauberem Transport. Die Nahrungs- und Genußmittelkonzerne unterhalten heute in eigenen Transportgesellschaften große Lastwagenparks, die aus» schließlich dem Ueberlandtransport dienen. In Großgaragen stehen in langen Boxreihen fahrbereit Wagen an Wagen, betreut von Chauffeuren mit langjähriger Fahrpraxis. Ein Garagen- Meister überwacht das Ganze und gibt auf Anruf der Betriebs- expeditionen Fahranweisungen aus. Zwei-, drei- und viermal in der Woche treten die Chauffeure mit ihren Lastwagenzügen Fern» fahrten an, die sie oft über hunderte Kilometer weit führen. Be- laden wird zumeist während der Nachtstunden gefahren, damit die Fabritniederlagen in den Morgenstunden die Waren weiter ver- schicken können. Auch sind die Straßen des Nachts für schnelles Fahren geeigneter, weil der Tagesverkehr wegfällt. Der Rückweg wird dann tagüber gefahren, so daß der Wagen am Abend neu beladen werden kann. Es ist keine leichte Sache, Fernfahrer zu sein. Nacht um Nacht, Tag um Tag am Steuer eines vielpferdigen Lastwagens zu fitzen, ist überaus anstrengend und aufreibend. Ein Fernfahrer hat keine Zeit zu Bergnügungen, hat wenig Zeit, bildende und künstle- rische Deranstaltungen zu besuchen. In der kargen Freizeit widmet er sich seiner Familie oder er nützt die Stunden zum Ausschlafen. Ein Fernfahrer lebt zwischen den Orten, stets ist er unterwegs: sein Leben ist bewegt unregelmäßig, ohne Ordnung. Gewiß, der Ber- dienst ist gut— neben dem Lohn werden Auslösungsgelder bezahlt—, aber der langen Arbeitszeit und der großen Berant- Wartung angemesien ist selbst der höchste Lohn unbefriedigend. Das ist die Wochentätigkeit eines Fernfahrers(im Durchschnitt gesehen): Montags früh bis nachmittags Garagendienst, d. h. irgendwelche Werkstatt- oder Reparaturarbeit: abends Abfahrt, an- strengende, nerventötende Nachtfahrt bis in die frühen Morgen- stunden hinein. Schlaf während der kurzen Au-ladezeit. Mahl- Zeiten werden während der T a n k r a st e n eingenommen. Rück- fahrt Dienstagmorgen. Ankunft im Heimatsort gegen Mittag. Wagen übergeben. Nach Hause eilen, für wenige Stunden zu schlafen. Abends wieder Abfahrt. Mittwoch oder Donnerstag Garagendienst. Freitag letzte Wochenfahrt. Rückkehr Sonnabend- mittag. Oft jedoch bedingt die Strecke doppelte Tag- und Nachtfahrt: dann liegt ein Fernfahrer während der ganzen Woche auf den Landstraßen. Fernfahrer müssen Männer mit eiserner Gesundheit sein und gute Nerven haben. Nicht allein das Sitzen am Steuer, das fort- währende Durcheinanderschütteln, der Benzin- und Oelgeruch, das Anstrengen aller Sinne, das Schauen auf die von Scheinwerfern erleuchteten Straßen strengen an: es drückt auch dieLastderBer- antwortung: die Ware muß sicher befördert werden, Pannen dürfen nicht allzu oft vorkommen, Unfälle müssen vermieden werden. Fährt ein Beifahrer mit, dessen Aufgabe es ist, bei etwaigen Pannen oder Unfällen mit zur Hand zu gehen, dann ist die Gefahr der Uebermüdung nicht so groß. Mit Unterhaltungen bringt man sich über aufkommenden Schlaf hinweg. Aber sehr selten ist der Bei- fahrer mit vorn im Führersitz, meistens hockt er im Bremshäuschen des Anhängers und besorgt die Bremsvorrichtungen. Daß die Ueberlandfahrer— soweit sie in Großbetrieben und in Städten beschäftigt sind— stets Zeit für Beranstaltungen ihrer Organisation finden, ist anerkennenswert. Sie, die die Welt vom Steuer ihres Wagens aus sehen: sie, die viel herumkommen und dabei Schaffende aller Berufe kennenlernen: sie, die wissen, was hart arbeiten heißt: sie haben ein weites Blickfeld für die Geschehnisse unserer Tage. Die Fernfahrer— gerade in ihrem Berufe sind Tarif- drückereien der außenberuflichen Konkurrenz nicht selten— wissen, daß Solidarität und Gemeinschaftsgeist die höchsten Güter der Arbeiterschaft sind! Studien§afntcn SeftuCer der Had-WlatX'Sc&uCe ßexichien Ueber Schülerstudienfahrten ist schon manches g«- schrieben worden. Hier hat der Schüler selbst das Wort. Kein Bericht über«ine einzelne Fahrt— über Wesen und Sinn der Einrichtung äußern sich die Schüler! I. Gespannt lauschten wir einmal als jehnjährige Sextaner der Vorlesung aus Max Tepps Büchlein„Meeressohrt des Wende- kreis�. Begeistert waren wir von dieser Horde Jungens, die es fertig gebracht hallen, für einige Wochen der Schule den Rücken zu kehren und auf einem Segelkutter von Hamburg nach Lübeck zu gondeln. Da gab es für uns nur den einen Gedanken: Aehnliches zu unternehmen, und würden di« Erwachsenen auch noch so vor- wurssvoll die Stirne runzeln oder ironisch lächeln! Bekanntlich ist ja nun der Wille die Macht, die Himmel und Erde versetzen kann. Kommen aber noch 50 M. hinzu, so ist sogar eine Reise in das Waldecksche Bergland möglich. Und so standen wir am 4. Mai 1925 marschbereit für drei Wochen auf dem Bahnhof. Marschbereit ist vielleicht nicht ganz der richtige Ausdruck: denn wir nocAmaü: ffSe�teekse�üssc in(faeCgien" CtgeßniAAo einer Unicuucßung üßer die �anßtheuxftage Don Herrn Oberstleutnant a. D. F o n ck erhalten wir folgende Zuschrift: In der Beilage zum.Abend' vom 11. Mai 1931 ist die unter dem obigen Titel kürzlich erschienene Schrift eingehend besprochen und es sind daher einige Bedenken in bezug auf die in ihr be- kanntgegebenen Ergebnisse geäußert worden, zu denen nachstehend «Stellung genommen werden soll. Zunächst sei betont, daß die Schrift sich bewußt und ausschließ- lich daraus beschränkt hat, den Nachweis dasür zu erbringen, daß deutsche Offiziere und Soldaten in den ersten Kriegsmonaten in Belgien durch aus Jagdflinten abgegebene Schrotschüsse getötet und verletzt Aorden sind. Es mußte deshalb darauf ver- zichtet werden, bei dieser Stellungnahme aus andere mit der deut- fchen Kriegssührung in Belgien in Zusammenhang stehende Fragen einzugehen. Wenn eine auf den Diagnosen der Aerzt« beruhende Unter- fuchung über durch Schrotschllss« verletzte Deutsche erst jetzt und nicht schon im Jahr« 1914 oder 1915 gemacht worden ist, so liegt dos daran, daß bei der im Laufe der letzten Jahre erwiesenen Aussichtslosigkeit, dem bisherixen deutschen Beweismoterial in Bei- gien Beachtung zu verschaffen, nach neuen Beweisen gesucht wer- den muht«. Weil bisher noch niemand auf den Gedanken gekom- rnen war, die 1914 festgestellten ärztlichen Diagnosen über Verletzungen mit Jagdflinten hierzu heranzuziehen, ergab sich die Vornahme einer solehen Nachprüfung von selbst. Wenn diese Untersuchung damals schon angestellt worden wäre, würden ihre Ergebnisse jedenfalls noch bedeutender gewesen sein als dies jetzt der Fall ist. Deshalb ist dem Verfasser der Besprechung, H. Wendel, durchaus zuzustimmen, wenn er diese Untertasiung bemängelt. Die Tatsache häusiger Schrotschußverletzungen in jener Zeit in Belgien ist damals selbstverständlich auch schon den Militär- örzten aufgefallen, viele vorhandene Berichte sprechen davon. Bei dem schnellen Bonnorsch mit dem dauernden Wechsel der täglichen Ereignisse legte man diesen Erscheinungen aber nur eine unter- geordnete Bedeutung behauch dachten damals wohl nur wenix Aerzte daran, daß ihre Feststellungen später noch einmal «ine besondere Wichtigkeit erlangen könnten. Die 1915 von der damaligen Untersuchungsstelle für Verletzungen des Kriegsrechts im Kriegsministerium angefertigte Aufstellung über Tötungen und Verwundungen deutscher Soldaten durch Schrot- jchüsse gründete sich auf eine Sammlung von Zeugenaussagen ohne Be i f ü g u n g irgendwelchen ärztlichen Beweismote- rials. Diese Ausstellung ist für die jetzt angestellte Untersuchung nur insoweit benutzt worden, als sie weitere Nachforschungen in den Krankenpapieren der Verletzten ermöglichte. Wenn die Ernte der jetzt angestellten Ermittlungen von H. Wendel als etwas mager hingestellt wird, so darf auf die mit ausführlicher Begründung in der Schrift selbst angeführten Be- gleitumstände hingewiesen werden, die bei der Beurteilung der g«- fundeneir Zahlen notwendigerweise mit in Betracht gezogen werden müssen und die dafür sprechen, daß die tatsächlich vorgekommenen Verwundungen weit höher gewesen sein müssen. Herr Wendel glaubt ferner eine unterschiedlich- Bewertung der Angaben über di« Art der Verwundungen machen zu müssen. je nachdem sie im„Krankenbuch' oder im„K r a n k« n b l a t t' gefunden worden seien. Wenn ihm auch darin zuzustimmen ist, daß das Krankenbuch vorwiegend(nicht lediglich)„Derwaltungs- zwecken zu dienen' bestimmt ist, so läßt die Vorschrift der Kriegs- sanitätsordnung keinen Zweifel darüber, daß auch im Kronkenbuch selbst die Bezeichnung der Verwundung durch den Arzt persönlich einzutragen war. Tatsächlich sind in den meisten der durchgesehenen ftrankenbücher diese Eintragungen auch von den Aerzten gemacht worden, wie dies an dem Unterschied der Schriftzüge deuttich erkennbar ist. Allerdings ist auch vorgekommen, daß Ein- tragungen über die Art der Verwundung von anderen Mitglieern des Lozarettpersonals gemacht wurden. Wie dem aber auch sei, der im Krankenblatt vom Arzt eingetragene ärztliche Besund mußte mit der im Krankenbuch hierüber gemachten Eintragung überein- stimmen. Tatsächlich hat sich bei der vorgenommenen Untersuchung in dieser Hinsicht keine Verschiedenheit herausgestellt. Die Annahme, daß das Krankenbuch nicht als ärztliche Urkunde anzu- sehen sei, ist nicht zutreffend. So haben die Eintragungen in ihm z. B. für Versorgungszwecke urkundliche Beweiskraft. Die jetzige Nachprüfung hat sich trotzdem mit den Angaben im Kranken- buch nicht begnügt, sondern es sind auch die Krankenblätter, schon wegen Feststellung des weiteren Krankheitsverlauss, zum Vergleich herangezogen worden. Nur in wenigen Fällen war es nicht mchr möglich, den Verbleib der seinerzeit ausgestellten Krankenblätter zu ermitteln. Diese Fälle sind aber nur dann berücksichtigt wor» den, wenn keine Zweifel bestanden haben, daß es sich um eine Schrotschuhverletzung gehandelt hat. Die geringe Zahl der in der Liste ausgenommenen Röntgen- bilder erklärt sich zwanglos aus der Totsache, daß die Röntgen- platten aus der damaligen Zeit fast sämtlich vernichtet sind. Der Frage, ob Bleispritzer eines geplatzten Infanterie- oder an- deren Geschosses schrotschußähnliche Verwundungen hervorrufen, ist gleichfalls eingehende Beachtung geschenkt worden. Die Schrift enthält hierüber auf S. 9 di« nötigen Ausführungen. Alles in allem ist das Beweismoterial namentlich im Hinblick darauf gesammelt und zusammengestellt worden, daß es einer neu- trolen Sachverständigenkommission unbedenkiich zur Prüfung vorgelegt werden und zu Beanstandungen keinen Anlaß geben kann. * Dazu schreibt uns Hermann Wendel: Das Urteil darüber, ob diese Ausführungen geeignet sind, di« Einwände des Artikels„Schrotschüss« in Belgien' gegen die Schrift des Herrn Oberstleutnant a. D. F o n ck zu entkräften oder zu wider- legen, darf ruhig den Lesern überlasten bleiben. Erwähnt sei nur, daß sich inzwischen einer der belgischen Ex- perten in der Franktireurfrage, der Iefuitenpater L e m a i r e, in neun Artikeln des.Rappel' in Charleroi eingehend mit Foncks Schrift auseinandergesetzt hat. Uns interessiert im Augenblick am meisten der Schluß sein s letzten Artikels, der die Erwartung ausspricht, es genüge»eine offizielle oder offiziöse Untersuchung unter deutscher und belgischer Kontrolle und unter der Leitung eines Neutralen in Dinant und nur in Dinant. um endgültig die Franktireurlegende zu erledigen'. Auch wir haben des öfteren eine solche Untersuchung durch un- voreingenommen« Personen ai�s beiden Ländern vorgeschlagen: schon eine Aussprache auf Grund des vorliegenden Materials könnte von Nutzen sein. Aber wird sie endlich zustande kommen? Elfjährigen wurden förmlich erdrückt von unseren unförmlichen Ruck- säcken. Darin war allerlei Mögliches und Unmögliches von den besorgten Eltern oerstaut worden, um uns die Reise so„angenehm' wie nur möglich zu machen. Viel fehlte nicht, und jeder hätte sein eigenes Bett, seine Wärmeflasche und seine(Windel hätte ich beinahe gesagt) mitgebracht. Die ehrwürdigen Erwachsenen kannten eben nur die Ferienreisen mit dem Schrankkosser. Die Fahrt verlief zunächst ganz den Naturgesetzen entsprechend. Mit einem geradezu fabelhaften Mute oermöbelte der Stärkere den körperlich Schwächeren, wenn es galt«inen Eckplatz in der Eisenbahn zu erkämpfen, oder die größte Estensportion zu er- gattern. Man sieht: wir waren klein, aber oho! Anstatt nun bei dieser Mechode zu bleiben, die doch eine ver- blüfsenide Aehnlichkeit inst dem Darwinschen„Kampf ums Dasein' hatte, bekam man plötzlich einen Fimmel und suchte nach neuen Umgangsformen. Es kam vor, daß sich ein Stärkerer frei- willig für einen Schwächeren einsetzte. Manche oerrichteten Arbeite.« für die Allgemeinheit ohne gleich dafür entsprechend belohnt werden zu wollen. Ganz allmählich griff dieses Gemeinschaftsgesühl immer weiter un« sich. Zuxir hatten wir auf der ersten Fahrt noch nicht so sehr darunter zu leiden, wohl aber spürte man immer mehr davon auf den folgenden fünf Fahrten,, die wir unternahnzert. Das ging schließlich so weit, daß einige Jungen auf einer Skudlenhihrt ihr. sehr.ungleichmäßig, verteiltes ,Ta s che ng e l d zusammen- warfen, und es untereinairder genau aufteilten. Und der Lehrer unterstützte derartige Bestrebungen! Das ist der„verderbliche' Einfluß der Studienfahrten auf die Schüler. Nicht minder gefährlich wirkte es sich auf die E l t e r n aus. Man lese und staune: Unsere Sttrdienfahrten führten uns in die verschiedensten Gebiete Deutschlands. Jede Reise kostet für den ein- zelnen 60 bis 80 M. Nun konnte selbstverständlich nicht jeder in unserer Klasse diese Smnme aufbringen. Da spendeten wohl- habender« Eltern, als wenn es das Selbstverständlichste der Welt wäre, fünf bis dreißig Mark für minderbemittelte Schüler, so daß alle Mitglieder der Klasse in jedem Jahre mi:- gehen konnten. Wirklich herrlich hätten diese Reisen werden können, wenn wir während dieser drei Wochen irgendwohin verduftet wären und«in recht romantisches Vagabundenleben geführt hätten. Aber nichts von alledem— da verfolgt uns das Gespenst der Arbeit auch auf der Studiensahrt. Auf den ersten beiden Fahrten nach Waldeck und Sylt hielten wir am Bormittage regelrechten Unterricht. Das ging ja noch. Die neue Umgebung wirkte aber so anregend auf die Mitschüler ein, daß viele so verdreht wurden, eigene Phantasie- und Erlebnisaussätze zu schreiben, ohne daß der Lehrer hierzu auf- gefordert hätte. Ebenso stieg die Produktion der Zeichnungen ins Ungeheuerliche, und das besonders auf der Sylt- und Hamburg- Fahrt, wo man so liebliche hellroso-, lila-, orange-, himbeerfarbene Sonnenuntergänge malte, daß der Fachmann staunte und er Laie sich wunderte! Aber noch verrückter wurde es auf unserer dritten und vierten Studienfahrt nach Schlesien und O st preußen. Die Schüler begnügten sich nicht mehr mit Erlebnisaufsätzen, sondern sie wollten wissenschaftlich arbeiten. Fast der gesamte Unterricht stellte sich auf die Fahrt ein, unzählige Themen wurden für die Reise selbst festgelegt, so daß jeder zwei bis drei Studien- arbeiten übernehmen mußte. Da wurde dann besichtigt, gefragt. beobachtet, notiert und nach der Fahrt die Arbeit fertiggestellt. Und all das Gesehene wlirde im Untericht verarbeitet und verwertet. Ost «varen da Dinge beobachtet worden, die in keinem Buche standen. Aber gerade das ist ja das Schlimme: denn schließlich müßte der Unterricht doch vom Lese- und Geschichtsbuch ausgehen und dürfte vom Selbstgesehenen bestimmt werden! Die Einsicht kommt zu spät, wir glitten weiter auf der schiefen Ebene. Unsere vorletzte Studienfahrt ging ins rheinische In- du st riegebiet und in die Eisel. Grund: In der Geschichte und im Deutschen wurde die Gegenwart behandelt. Man besprach politisch-wirtschastliche Fragen der Jetztzeit, serner die neuzeitliche Literatur, u. a. die Industrie- und Arbeiterdichtung. Wie sehr die Moral und der Idealismus bei uns in Gefahr waren, wird man sich leicht vorstellen können! Nun wurden wir ins Industriegebiet ge- schickt, dainit wir uns selbst von den Verhältnissen der Gegenwart überzeugten. Man fragte den Arbeiter A. über seine sozialen Berhälr. niste, man erkundigte sich beim Lehrer B. über die Schulen und beim Pater C. über die Organisation seines Klosters. Wir be- sichtigten Maschinenfabriken, fuhren in ein Kohlenbergwerk ein und besuchten Schulen während des Unterrichts. So machte uns die Reife vollkommen mit den gegenwärtigen Verhält- niisen vertraut: aus Kosten der Vergangenheit, wird der Zweifler einwenden. Unsere letzte Fahrt führte uns nach Bayern und Oesterreich. Unser Jahresthema für den Unterricht war das Mittelalter in feinem Einfluß auf die Neuzeit. Durch die zahl- Qevbavl Xfermcxn» Dlcslctv: 2>ie Qcscbicbte cZei? Wccbe: Das Qewitlev von Qucvando Sn bft ctften. Krllbe bts Eonnfass tobte über der ftotuSfifdKn Salbiirsel Ouetanic ein starke» Drwitter. Es bniterlieh im elektrische» tieitunamet, bei gaimen Halbinlel Lerwilstunaen, die tu derartigem Ausmaft bieder nie beobachtet wurden und schließlich m sslucht und Aufstand der Bewohner fithrten. Das dumpfe Gebrüll, das wild schmetternde Gelächter der Donner hatte sich gesänftigt zu einem fast friedlichen Murren, ähn' lich dem satten Brummen eines wilden Tieres. Man konnte da» dünn« Rufen der Frühglocke vom Kirchturm in Trefoalan hören: es rief alle Bauern und Fischer der ganzen, flachen Halbinsel zu sich hin, und sie schritten ihm entgegen über Feldwege und Straßen, stumm, den Blick nur selten losreißend vom regenfeuchten Boden und dann schweifen lassend über das graue Gewühl des Atlantischen Ozeans: dorthin glitten die letzten Gewitterwolken wie schwarzblaue Segel. Sie gingen alle schneller als sonst. Sie redeten sich ein, daß sie sonst zu spät kommen würden. Aber i« Wahrheit trieb sie die Angst: die Angst vor den Masten und Drähten der elektrischen Leitung, die neben der Straße war. Aus fast jedem der kleinen, weißen Por- zellanköpfchen rings um die Mäste schlugen knisternde, knatternde Flämmchen.„Sankt Elmsfeuer!" sagten manche, die auf See ge- fahren waren; sie meinten es beruhigend: sie erzählten, wie manch- mal während eines Gewitters auf See solch kleine Flamme aus dem Schiffsmast getanzt hatte. Aber sie mußten sich zugeben, daß sie nie so hell, nie so laut gewesen wären, diese Flämmchen, und sie gingen selbst mit schneller. Ueberdies ließ das Brennen und Knattern nicht nach, obwohl das Wetter schon weit weg war, eher nahm es zu: sie blickten nicht mehr hin, aber sie konnten ihre Ohren nicht verschließen, ihre zu schnell schlagenden, einfältigen Herzen nicht ruhiger machen. Die Frauen begannen zu trippeln, zu laufen, die Männer weit auszuschreiten: es wurde ein stures, stummes, unheim- l'ches Flüchten an dem flackernden Gitter entlang in die kleine Kirche hinein, in den Schutz Gottes. Drinnen war der Friede: denn die Orgel war da, die mit ihrem zitternden Gepfeif lauter war als das Knattern von draußen, und dann fielen die dünnen Vogelstimmen des Knabenchors ein. Auch in diesen Stimmen schien das Unheimliche von draußen nachzu- flackern: selbst die Sonnenstrahlen, die über die Emporen schwankten, noch bedrängt van letzten, ziehenden Wolkenfetzen, hatten nicht Ruhe und schenkten nicht Ruhe. Manche von den alten Bauern und Fischern hatten sich damals, vor ein paar Jahren, der Elektrifizierung widersetzt, daran dachten jetzt viele: unter ihnen war der alte Priester gewesen, der nun tot war; der neue, junge Kaplan hatte sogar an die Stolle der Kirchenkerzen Glühbirnen gesetzt— nun, er mußte wissen, was er tat; er war der Diener Gottes, Gottes, dem auch die Gewitter Untertan waren und die Ströme der Elektrizität. Der Priester trat an den Altar: verirrte Sonne glänzte im Gold feines Kleides und auf den Silberhemden der Mesnerbuben. Diel- leicht fühlte er die Angst der Menschen in den Bänken und das ganz tief in dieser Angst aufglimmende Mißtrauen gegen seine Neuerungs- sucht, vielleicht hörte auch er das Knattern von draußen, das wieder deutlich wurde, nun die Orgel schwieg, vielleicht auch war es chm nur zu dunkel in den Ecken der kleinen Kirche— er schritt zum Hauptschalter, der neben dem Altar war, er streckte die Hand aus, die Frauen begannen zu zittern, er drehte lächelnd am Kontakt. Ein Zischen sauste im Raum wie von tausend Schlangen,«in Mantel jähen, gleißenden Feuers umlohte den Altar, der Priester schrie auf und schwang«ine verbrannte Hand, geschwärztes Bündel Haut gegen die Gemeinde, ein hundertfacher Aufschrei antwortete ihm-- und in irrem, sinnlosem, verzweifeltem Flüchten stürzten die Menschen dem Ausgang zu, kehrten die beherztesten Männer um mitten im Fliehen, dem Priester zu Hilfe, schlugen mit Messern gegen die Leitungen, schrien verbrannt auf... Draußen auf dem Platz vor der Kirche sammelten sich die Menschen, drängten sich zusammen in einem verstörten, kleinen Häuflein, blieben eine zitternde, winzige Herde mitten in der großen, majestätischen Frllhsonne. Aus dem Kirchtor stürmte zwischen sie der Lehrer, der von der Orgel kam: „Ruhe!" schrie er,„nur ruhig bleiben! Nicht die Leitungen berühren! Es kann sich nur um Kurzschluß handeln! Um viele Kurzschlüsse... das Gewitter... man wird das feststellen..." Da löste sich aus dem Haufen einer, ein Alter, einer von denen, die keine Elektrizität hatten haben wollen damals, ein Frommer— reichen mittelalterlichen Ueberreste im Süden Deutschlands sollte uns die Zeit der Minne, der Burgen und Ritter näher gebracht werden. Daß dabei auch moderne Einrichtungen(in Wien) be- sichtigt wurden, ist selbstverständlich. Und wir rannten mit unseren Bleistiften und Notizbüchern umher, um die nötigen Notizen für die Studienarbeiten zu sammeln. Diese gaben einen ausgezeichneten Ueberblick über das Land und seine Bewohner. Wo bleibt das„Schulwissen" nun? Ja, vielleicht hat es wirklich dabei Schaden gelitten, sofern es überhaupt noch heute als wertvoll empfunden wird. Fragen wir uns lieber, was haben wir dafür eingetauscht? Unmittelbare Berührung mit den Aus- Wirkungen des Eegcnwartslcbens, Anschauungsunterricht, der dauer- Halter ist als Examensgedächtnisstoff. Das theoretische Wissen er- hält eine Crfahrungsgrundkbge, die es in diesem Jahre frisch nie besessen hat. tt. L. ül. Jede Fahrt ist lange vorbereitet, auf Tag, Stunde und Minute ist die Zeit eingestellt. Was fehlt nun noch? Das Geld! Ja, das Geld, das einzige, was uns von der Reise wieder zurückholen tann, wenn es nämlich alle ist. Alle Eltern geben mit bestem Willen nach ihren Kräften, keiner scheut sich, auch mehr als den Durchschnitts- betrag zu zahlen. Niemand darf zurückbleiben. Das Ergebnis einer «iniährigen Spartätigkeit für nur ein Kind in der Familie. Nicht alle Eltern können trotz des Sparjahres die Summe herbeischaffen. Hier hilft die Klassengemeinschaft. Ueber- schüsse einzelner Eltern, Stadtzuschüsse(früher mal) und die Klassen- kass« springen hier ein. Nicht jeder Teilnehmer erhält und verbraucht für sich die Gelder. Eine Kasse, von der niemand von un» weiß, wie hoch die Beträge einzelner Eltern sind, verwaltet die Summe, zahlt Bahnfahrten, Verpflegung und Unterkunft. Das Geld ist nun da, und los geht's im Mai. Lange Hose läßt man zu Hause verstauben, Krawatte verbleichen, auch die Abschieds- bonbontüte ist nunmehr historisch. Der Wert einer zweck- mähigen Ernährung ist schon lange allgemein anerkannt, be- sonders bei größeren sportlichen Leistungen, Tagesmärschen. Auf in seinen Augen war Angst, war auch Ueberzeugung, war etwas auch wie Irrsinn. Er faßte den Lehrern an beiden Schultern: „Kurzschluß! Sag', Lehrer, was ist denn das: Kurzschluß?" „Die Elektrizität—" Der Alte ließ ihn nicht weiter reden. „Sag', Lehrer, was ist denn das: Elektrizität...?" „Elektrizität... man weiß das noch nicht so..." Die Fäuste auf des Lehrers Schultern wurden so schwer, daß sie den schmalen Mann fast niederdrückten:„So! Ihr wißt das noch nicht einmal, und ihr bringt uns das in die Wohnungen, in die Kirche, das, was ihr nicht einmal kennt? Das heißt Gott versuchen, Lehrer...!" Aus einem Hause neben der Kirche gellte ein Schrei. Der Alte ließ von dem Lehrer ab, er trat, von anderen gefolgt, in das Haus, tat eine Tür auf, blieb davor stehen, trat nicht ein: Auf dem Boden vor seinem Bett lag ein alter Bauer, der nicht in der Kirche gewesen war: er war aus seinem Bett aus den feuchten Boden gesprungen und war gelähmt... „Der Boden ist ja feucht!" rief der unverzagt« Lehrer.„Seht ihr nicht, daß er feucht ist? Daher... der Blitz... das Wasser..." „Der Blitz!" schrie der Alte, und der Wahnsinn sprang aus seiner Furcht kreischend auf.„Das ist es, ihr habt den Blitz gefangen in eurem verdammten Netz aus Draht! Ihr wißt nichts, aber ihr macht allesl Nun tötet er uns. der Blitz! Laßt den Blitz frei, damit er nicht uns alle tötet!" Ein Mann griff nach einem Stück isolierter Leitung, riß es von der Waich, seine Hand war verbrannt, ein zweiter griff zu, die Weiber schrien:„Macht sie kaputt, die Leitungen! Laßt den Blitz los! Gott will es!" „Faßt die Drähte nicht an!" brüllte der Lehrer— Der Alle schlug ihn nieder. Aus der Kirche kam der Pfarrer. Er lief an der Meng« vorbei, die sich schreiend in die Häuser zerstreute, er lief in das Schulhaus, ans Telephon. Er riß init der heilgebliebenen Hand den Hörer vom Apparat, er rief:„Die Zentrale... die Zentral« des Elektrizität-- werkes in Gueronde... stellt den Strom ab... schallet den Strom aus... den Strom für Tresoalan...«vir oerbrennen in Trefoalan..." Draußen rannten Männer mit schmerzgekrümmten Händen vor- bei, die Straßen entlang, die Wege entlang, über die Felder, irgend- wohin ins Land, gefolgt von wimmernden Frauen. Der Alte schritt über die Straße, schwang ein Beil:„Fällt die Mäste! Sie wissen nichts, und sie wagen alles! Es ist Teufelswerk, der Strom... befreit euch!" Der Priester rief noch immer ins Telephon, unaufhörlich:„Die Nach seinem erfolgreichen Kricgsroman hat Erich Maria Remarque den Roman der Heimkehrer geschrieben.(„D e r Weg zurück", Propyläcn-Berlag, Berlin.) Noch einmal beweist Reniarque schriftstellerisch sein virtuoses Können, aber das Objekt der Gestaltung ist geringfügiger geworden: nach dem großen, fest- umrissenen, pathetischen Erlebnis einer Generation, dem Erlebnis Krieg, geht es jetzt nur noch um den Abklang, das Verfchweben, das Auszittern einer Glocke, um das Wieder-Wurzel-Fassen der Zurückgekehrten in der neuen alten Heimat. Der Grundton des Buches ist. eine Weiterführung des in seinem ersten Buch ausgesprochenen Satzes von der Generation, die durch den Krieg vernichtet wurde, auch wenn sie ihren Granaten entkam. Wir Frontsoldaten, sagt Remarque, kehrten in den Frieden zurück, unendlicher Hoffnungen voll, angefüllt mit Lebenswillen, aber wir fanden uns daheim nicht zurecht, es war alles klein, niedrig, beengt: die Menschen, die Dinge. Unsere Jugend war dahin und die Kameradschaftlichkeit, dieses herrliche, dieses einzige Kleinod des Krieges, zerfloß in den Schmutzrinncn des Alltags. Hier stimmt jeden Fall ist die Ernährung wichtig. Weshalb wohl? Essen schafft Stimmung oder Verstimmung, die Haltung und Aufnahmesöhigkeit begünstigt oder beeinträchtigt. Das System der Gruppenver- p f l e g u n g für die kleineren Mahlzeiten ist vorteilhaft. Es finden sich die Krautfresser, die Wurstliebhabcr und die„Allesfresser" mit dem„Schweinemagen". Das Gelingeil einer Fahrt liegt nun weder am Essen, Geld« oder Wetter, sondern an der Zucht, die die Klasse hält. Welche Uebung dazu gehört, daß sich eine dreißigköpfige Klasse als Quinta oder Untertertia in der Bahn, Jugendherberge, bei Besichtigungen, selbst auf Wanderungen diszipliniert benimmt, kann nur der leidende Mitreisende, der zufällig in der Bahn vor Lärm oder froher Aus- gelassenheit nicht einmal lesen kann, urteilen. Die Fahrt, die meist im Frühjahr zu Ansang des Schuljahres unternommen wird, gibt den Auftakt unserer Jahres- arbeit in der Schule. Die schriftliche Auswertung Ist stets bis zu den Herbstferien fällig, die mündliche dauert mindestens ein Jahr. Auch dann, wenn schon die nächsten Fahrten gemacht sind, sind immer noch verwertbare Eindrücke für den Unterricht vorhanden. Unsere Fahrten bezwecken, uns ein Bild unseres Landes zu oer- schaffen, uns ist es nun also möglich, nach Schulabganz ein gut Teil von Deutschland wenigsten« einmal gesehen zu haben, wozu viel« vielleicht sonst niemals in ihrem Leben Gelegenheit haben. Es Ist der große Vorteil der Fahrten, daß nicht nur für den Unterricht, für unsere Gesundheit und für die K l a f s e n g e m« i n s ch a f t, sondern vor allem für unser späteres Leben starke Ein- drücke, Anregungen und vielleicht Entscheidungen getroffen werden können. Mit der Besichtigung des Schiffbaues, de» Verzbauwesens oder aber mit dem Studium der Kultur heutiger oder früherer Zeiten ist jedem in irgendeiner Weise gedient. Und wenn die Fahrten in den Primen sogar ins Ausland gehen sollen, dann ist uns auch in unserer politischen Entscheidung, durch persönliche Eindrücke ein wichtiger Fingerzeig gegeben. So gesellt sich zu der Wissenschaft- lichen, sozialen, innerpolitischen Seite unserer Fahrten schließlich auch die außenpolitische. J. N. Ul. Zentral«... hören Si« doch... Strom abstellen für Tresoalan..« Strom ab... l!" Cr rief umsonst. Es hörte ihn niemand. Es konnte ihn nie- mand hören. Die Bauern hatten alles demoliert, was Leitung war. Die Verbindung war längst unterbrochen. Irgendwo, im Frühwind, schwang ein zerrissener Draht hin und her. * Erst als die ersten Flüchtenden, Derbrannten im Nachbardorf an- kamen, erst als von dort nach Gusrande telephoniert worden war, wurde der Strom abgestellt. Es hatte kaum noch Sinn: die Moste an den Straßen waren gefällt, die Leitungen zerstört. Die technischen Sachverständigen, die, von der Regierung gesandt, schon am nächsten Morgen eintrafen, mußten unter polizeilicher Be- deckung arbeiten: die Bauern nahmen ein« drohend« Haltung ein. Der Bericht, den die Sachverständigen nach langer, sorgsamer Unter- suchung absandten, war sehr ausführlich. Sie schlugen vor. die Lei- tungen in unterirdische Kabel zu verlegen und, obwohl das eigentlich ihre direkte Zuständigkeit überschreite, für bessere Aufklärung der Bevölkerung in bezug auf technssche Dinge Sorge zu tragen. Fast olles würde, so meinten sie, ohne jeden Schaden abgegangen sein, wenn man jede Berührung mit den Leitungen vermieden hätte. Es wäre dann nur der Fall des gelähmten Bauern übriggeblieben, der sich aus einer Undichtheit der Leitung und der einwandfrei fest- gestellten Feuchte des Bodens im Zimmer ohne weiteres erklären lasse. Was die Tatsache der vielen hundert Kurzschlüsse in allen möglichen Stellen der Leitung onlang«, so ließe sich darüber infolge der von den Bauern verursachten Zerstörung nichts mehr feststellen. Jedenfalls sei etwas derartiges in der ganzen Geschichte der Elektrizi- tät noch nicht vorgekommen; vielleicht lasse es sich aus den besonderen Lerhällnissen einer an drei Seiten vom Ozean umgebenen Halbinsel erklären. Der Leiter des Depariemeitts Niederloire, dem die Haftinsel von Guerande untersteht, und dem dieser Bericht zuging, verglich ihn mit den Worten d«s Bauern, der zum Demolieren der Leitungen aufgefordert hatte: sie fanden sich im vom Lehrer inspirierten Polizei- bericht. Er verglich lange; und er fand einen Unterschied nur in der Ausdrucksweise. Es gibt nur eine Erklärung, dachte er. nur eine Entschuldigung für dies ganze, mystische und grauenhaste Ge- schehnis: daß es eben tatsächlich geschehen ist, geschehen in diesem Jahre einunddreißig des Jahrhunderts der Elektrizität— der Elektrizität, deren Wesen niemand kennt, und die von der UnHeimlichkeit und der Gewalt des eingefangenen Blitzes ist. Sonderbar, dacht« er weiter, daß wir so fetten daran denken und uns so selten fürchten— und er wiederholte für sich, l>evor er die Berichte weitergab, den Satz: „Wir wissen nichts, und wir wagen all??." etwas nicht. Remarque lehnt, in diesem zweiten Buch noch weit deutlicher und betonter ass im ersten Buch, den Krieo ab. Er deklassiert ihn, zeigt seine Fratze, desillusioniert Sas Heldenpathos. Trotzdem ist ihm ober der Krieg auch wieder das große Bezugs- system, der Angel- und Richtpunkt, und er findet es durchaus in der Ordnung, daß die Heimkehrer mit der an sich zwar richtigen, aber doch gerade im Sinne Remarques nichts beweisenden Begründung. es fei draußen alle Stunden um Tod und Leben gegangen, sich letzten Endes, unter ewiger Berufung, auf ihr« Schlachtfelder-Erleb- nisse, furchtbar erhaben über das Zivilistenpack fühlen. So kommt ein« merkwürdige Zwitterstellung zustand«. Remarques Front- so) baten denken sehr unehrerbietig von ihresgleichen. Si« wissen, daß die Freß-, Saus-, Sexualgedanken donttn irrten und sie sind auch dahintergekommen, daß der Krieg selber kein Spiel mystischer Weltideen widereinander war, sondern ein ganz ordinärer Dreh der großen Geschäftemacher zu Haus, eine Schweinerei, bei der die Wesensgleichen aller Länder, die Jungen und Begeisterten, sich gegenseitig im Interesse der ihnen Wesensfremden in einen elenden und unromantischen Tod schickten. Und doch hängen sie an den ver- gangenen Jahren, streicheln sie, träumen ihnen nach, stellen gewisser- maßen die rauhen Muschkotenmanieren unter Glas aufs Vertiko und werfen ihnen backfischhaste Schmachtblicke zu. Die von Remarque aufgepiekten Heimkehrer gehen entweder seelisch oder gar physisch zugrunde. Si« irren ausgebrannt umher, wechseln die Berufe, können nie wieder sroh werden im Leben. Hier decken sich kaum Roman und Wirklichkeit. Remarque unterschätzt die Anpassungsfähigkeit der Menschen, und er überschätzt ihr Erinne- rungsvermögen. Banz gewiß hat sich in allzuviel Fällen, man möchte sagen: leider, das Hinübergleiten aus der Begriffswett des Trommelfeuers in die des Zivilen reibungs- und fentimentloser ab- gespiett, als daß Remarques Demonstrationsobjekte den Anspruch aus Allgemeingültigteit erheben könnten. Andererseits sind Remarque wieder einige außerordentliche Szenen gelungen. Da ist die Feier in der Aula des Gymnasiums mit dem Rektor, der limonadiges Phrasengeklingel über Heldentod und Vaterlandsliebe verzapft und mit den auf die Schulbank zurück- gekehrten Kriegsfreiwilligen, die chm keine schlechte Lektion darüber lesen, wie der Krieg denn nun in Wahrheit war. Da ist diese ge- spenstische erste Regimentszusammenkunft nach dem Krieg: alles ist vertauscht, nun die Uniform verschwunden ist. Die Kompagnietrottel präsentieren sich als piekfeine und weltgewandte Leute, und die ehe- mals Mächtigen sind zu armseligen Schächern zusammengeschrumpft. Da ist die Bürgerkriegsszene, bei der die ehemaligen Regiments- kameraden sich plötzlich als Feinde gegenüberstehen. Auch einzelne Bettachtungen, die Remarque diesen oder jenen anstellen läßt, schürfen tief und fangen Vieles Grundsätzliche jener turbulenten und zerrissenen Zett«in, die dem Kriege folgte, andere Betrachtungen wieder scheinen allein um der stilistischen Effekte willen da zu sein und grenzen manch- mal sogar ans Weinerliche. Im ganzen«In Buch, das um seiner rein artistischen Vorzüge und um seiner keineswegs billigen, sondern erlebten pazifistischen Grundausfassung willen zu bejahen ist, das aber denen, in deren Hand es voraussichtlich kommt, nichts Ueberwältigendss mehr zu geben hat und nur denen eine Offenbarung bedeuten würde, die es vermutlich niemals erreicht. Hans Bauer. Dez? Weg zuviieh 'Beinerhungen xu-einem Meimhehrerhuch Das Parlament der Samariter 12. Bundestag des Arbeiter-Samariter-Bundes in Heidelberg Die bei der Cröffnungsjeier anwesenden Vertreter der Regie- rnng Badens und anderer Behörden, wie Berufsgenossenschaften, ärztliche Landeszentrale, der Allgemein« Deutsche Gewerkschastsbund, die Sozialdemokratische Partei, die Zentraltommission für Arbeiter- sport und Körperpflege und ihre Verbände und die Stadt Heidelberg durch ihren Oberbürgermeister, bestätigten durch ihre Teilnahme: de» A r b ei te r s a m a r it e r b u n d verdient die An- ertennung der Oefsentlichkeit. Zwei Vorträge über die „Aufgaben der Arbeitersamariter bei Erkennung und Verhütung von Berufskrankheiten" und über die„Abwehr der Unfallgesahren", kurz gesprochen, aber gründlich abgcsaht, waren der Auftakt einer ösfent- liehen Kundgebung. Die Verhandlungen des Bundestages zeigten die vielseitige Tätigkeit der Samariter. Von der„Oppo" will man nichl mehr reden, praktische Arbeit ist das Gebot der Zeit. So dachten die 87 Delegierten, wovon vier der KPD. angehörten. Der Bund ist von 42 656 Mitgliedern im März 1923 aus 49 666 Mitglieder im Mai 1VZ1 emporgestiegen. Ein guter Ausk.'ang der politischen Reinigung. Die Moskauer Filialen können nun nach eigener Fasson selig werden. Im öffentlichen Leben leistete der Bund bei Unfällen 1929 in 464 363 und 1336 in 565 221 Fällen Hilfe. Ebenso trat er in Tätigkeit bei 345 654 Betriebsunsällen im Jahre 1929, bei 268 669 im Jahre 1936. Auch Krankenpflege, WSch- nerinnenpflege und Kindcrhilfe wurden geleistet. Krankenpfleg« wurde 1929 in 12 876 Fällen geleistet, davon 9187 ohne jede Vergütung. Im Jahre 1936 nahmen 19 883 Fälle 232 626 Pflegestunden in Anspruch. Alle Tätigkeiten zusammengenommen ergaben 1 159 335 Dienststunden für 1929 und 1 636 316 Dienst- stunden für 1936. Katastrophen in Bergwerken und bei Hochwasser, die großen Feste der Arbeitersportverbände und die Lager der Kinderrepubliken nahmen ein Teil dieser Dienststunden in Anspruch. ünsgesoml ist festzustellen, daß der Arbeiler-Samanter-vund über seine Ausgaben in der Gründungszeit weit hinausgewachsen ist und mit Recht Anspruch aus öffentliche Anerkennung hat. Die Arbeit der Bundesleitung fand durch einstimmige Wiederwahl der bisherigen besoldeten und unbesoldeten Vorstandsmitglieder An- erkennung. Im Mittelpunkt der Tagung stand ein gutes Referat des Bundesarztes über die Frage der Einrichtung von Ehe- und Sexual- beratungsstellen. Auf Grund der Erfahrungen in einer bestehenden Beratungsstelle konnte diese zeitgemäße Frage von verschiedenen Seiten beleuchtet werden. Die meisten Besucherinnen der Beratungs- stelle sahen darin ein Institut, das von ungewollter Schwangerschaft befreien könnte, was nach den heutigen Gesetzen unmöglich ist. Die Beratungsstelle kann nur eine Ausklärungsstelle sein über allgemeine Ehe- und Sexualfragen im Interesse der Volksgesundheit und muß MUkämpfer in Verbindung mit anderen Organisationen sein zur Aenderung solcher gesetzlicher Bestimmungen, die in die Jetztzeit für die behandelten Fragen nicht mehr hineinpassen. Dazu gehört auch der§ 218 und 184 des deutschen Strafgesetzbuches. Der Bundestag erledigte seine Arbeiten in genösstscher Art und begab sich zur Niederlegung eines Kranzes an die Grab- stelle des 1. Präsidenten der Deutschen Republik, Fritz E b e r t, wo die schwere Arbeit des Mannes gewürdigt wurde, der sich hergab, die Republik durch die stürmischen Werdejahre zu führen. Von der ,,Soli"-Gauarbeit Vorwärts in der Provinz Brandenburg! Dos Jahrbuch des Gau 9(Berlin-Brandenburg) des Ar- beiter-Rad- und Kraftfahrerbundes„Solidarität" liegt jetzt vor. Annähernd 36 Bezirke geben hier kurze Berichte über den Stand der Organisation, die trotz schwerster Wirtschaftskrise ihre nach langer Kleinarbeit errungen« Position in den meisten Städten, Orten und Dörfern nicht nur halten, sondern oft verbessern tonnte. 1566 Mitglieder wurden im Berichtsjahr 1336 hinzugewonnen, 1566 neu« Mitkämpfer, die nun ebenfalls bemüht fein werden, für die Idee de» Arbesterradsports zu wirken. Nach diesen Neuaufnahmen mustern die 386 Ortsgruppen des Gaugebiet» 18666 Mitglieder. Auch in der Jugendsparte wurde fleißig gearbeitet. Wenn auch in den Berichten einiger Bezirksleiter der Stand der Jugendbewegung als nicht befriedigend bezeichnet wird, so kann doch die überwiegende Mehrzahl der treuen und arbeitsfreudigen Funktionäre über Fort- fchrstt und Aufbau Mitteilungen machen. U« b e r 4666 Jugend- liche und Schüler befinden sich in den Reihen der Organi- satid».„Die Ärgend war", so lesen wir im Bericht des 4. Bezirks «Kreis Luckau) bei allen Fahrten prozentual am stärksten vertreten", mährend wir vom 9. Bezirk(Kreis Sarau, Stadt Forst und Somnier- feld) erfahren, daß sich dort für die. Jugendbewegung jetzt stärkeres Interesse zeige. Aehnliches teill der Bezirk 4s(südlicher Teil des Kreises Kalau) mst:„Unsere Jugendspart« macht erfreulich« Fort- schritte— trotz der schlechten Wirtschaftslage, durch die die Braun- kohlenarbesterschaft unseres Bezirksgebiets am schwersten getroffen wurde: die Mitgliederzahl könnt« gesteigert werden. Im Werbemonat wurden 148 Mitglieder aufgenommen." Der 8. Bezirk(Kreise Gu- ben, Krassen, Weststcrnberg, östlicher Teil Lebus) meldet u. a. die Gründung einer Saalsport-Kinderabteilung. In einigen Bezirken glaubt die Reaktion durch schikanöse Maß- nahmen die stetige Weiterentwicklung der Massenorganisation hemmen zu können. So berichtet der Kreis Angermünde, daß eine Ortsgruppe aufgelöst werden mußte, weil die Lokalinhaber sich weigerten. Räum« zur Verfügung zu st e l l e n! Wo die Leute zu suchen sind, die die Wirte in diesem Sinn« beeinflussen, ist nicht schwer zu erraten. Die Herrschaften irren aber gewallig, wenn sie glauben, durch Lokalsperre gegen„Soli- darität" etwas zu erreichen. Unaufhaltsam werden die„Roten Radler" ihres Weges ziehen! Der sportliche Betrieb ist rege, die Ausfahrten sind fast immer gut besetzt, und die Pflege des schönen Saalsports läßt kaum zu wünschen übrig. Dann und wann konnten Ortsgruppen sogar mit sauer ersparten Mitteln einige Saalmaschinen aus der in Offenbach am Main gelegenen bundeseigenen Fahrradfabrik„Frifch-Aus" er- werben. Auch der Rennsport findet immer mehr Anhänger. Einige Worte zur„Opposition"(lies: KPD.). Während draußen in der Provinz die„Einhestssrontler" es schleunigst vor- zogen, ihr Liebeswerben um die ach so verhaßten„Bundestreuen" infolge nicht mißzuverftehender Abfuhren einzustellen, versuchten sie im Berliner Bezirk immer wieder ihr Hell. Die Berliner Genossen des Bundes„Solidarität" hatten angestrengt zu tun, um diese„Anch-Sportler" abzuschütteln. Es war, wie der Berliner Be- zirksleiter berichtet, im Jahre 1936 reiche Arbest zu leisten, di« nur dank der rührigen Mitarbeit aller Funktionäre bewältigt werden tonnte. Der Aufbau der Berliner Organisation geht infolge des Zu- sammenschlusses der Abteilungen und Ortsgruppen zu einer Orts- gruppc rüstig vorwärts. Erwähnt sei schließlich noch der Bericht des Gauntotorradfährerobmannes, der ebenfalls den Zu- gachx neuer Mitglieder verzeichnet. Die Unterstützungseinrichtnngen des Bunde«, über deren Leistungen wir uns schon kürzlich verbreitet haben, wurden auch im Gaugebiet Berlin-Brandenburg stark beansprucht. * Soweit der Auszug aus dem Gaujahrbuch.„Solidarstät" ist die Pflegestätte des Arbeiterradsports. Für den vierteljährlichen Bundes- beitrag von nur 55 Pf. kommen die Mitglieder in den Genuß zahl- reicher Vergünstigungen, die eben nur eine Organisation zu gewähren vermag, die in dieser Art die größte in der Welt ist. Wer im Monat Juni, der vom Bundesvorstand zum Werbe monat für ganz Deutschland erklärt wurde, dem Bunde beitritt, braucht kein Eintrittsgeld zahlen. Die Gaugeschästsstelle, Ernst Seeger, Berlin O 34, Romintener Str. 36, Telephon Zlndreas 3579, erteilt gern alle gewünschten Auskünfte.— or. Die Strafe dem Auto! Diese drei Punkte schälte Dr.-Ing. Rappaport-Essen in seinem Referat gelegentlich der bei Kroll stattgefundenen 7. Hauptver- sammlung der Studiengesellschaft für Auto- mobil st raßenbau besonders heraus: sind doch gerade sie für die reibungslose Abwicklung des Verkehrs von besonderer Bedeu- tung. Bei Stadterweiterungen und Neubauplänen wird man der Schaffung geeigneter Parkplätze und Unterstellräume besondere Auf- merksamkeit schenken müssen. Sehr umstritten ist die Anlag« von Tankstellen. Ob dies« auf, an oder neben der Straße Aufstellung finden sollen, wird in hohem Maß« von den an den betreffenden Stellen herrschenden Verkehrsverhältnissen abhängig sein. Weder der Fahrverkehr, noch der Fußgängerverkehr darf durch die Tantstellenonlagen behindert werden. Dies betonte vor allen Dingen auch der Vertreter des Berliner Polizeipräsidiums, Regierung?- und Baurat Schuppan. in- dem er die Dinge von der verkehrspolizeilichen Seit« au» darltgtc: Fahrzeuge, di« nicht benutzt werden oder Brennstoff einnehmen, dürfen in keiner Weise den fliehenden Verkehr hemmen. An Hand zahlreicher Lichtbilder zeigte Schuppan, in welcher Weis« man dem Problem de» P a r k« n s in den verschiedenen Städten beizukommen versucht, wobei er besonders auf verschiedene amerikanische Beispiel« einging. Die beiden nächsten Redner widmeten ihre Ausführungen be- sonders dem Straßenbau. Baurat Dr.-Ing. Riepert-Berlin hat das Thema„Straßenbau und Volkswirtschaft" zu seinem Referat gewählt. E» braucht kaum heute noch besonders darauf hingewiesen zu werden, in welchem Maße der Kraftverkehr an Ausbreitung gewonnen hat. Diesen Beanspruchungen ist unser Straßennetz bei weitem nicht gewachsen, besonders ist das darauf zurückzuführen, daß von 1914 bis 1924 di« Landstraßenunterhaltung vollkommen vernachlässigt worden ist— wurden doch erstmals 1925 wieder größere Mittel für den Straßenbau aufgewendet. Es gilt, diese Unterlassungen der Vergangenheit nachzuholen. Möglich ist da» aber nur, wenn dem Straßenbau die Mittel zu- geführt werden, di« dem Kraftverkehr al» Be» last un g auferlegt sind. Die Inangriffnahme eines groß- zügigen Straßenbauprogramms kann In bohem Maße zur Linde- rung der Arbeitslosigkeit beitragen, eine Auffassung, die sich auch der Direktor des Internationalen Arbeitsamts in Genf, Albert Thomas, zu eigen gemacht hat. Dr. Brandt-Berlin betonte, daß unser« Straßen ursprünglich für den Fuhrwerksverkehr geschaffen, aber nicht den veränderten Verhältnissen und den Bedürfnissen des neuzeitlichen Kraftverkehrs angepaßt worden sind. Drei leipziger bei den Olympia- Ausscheidungen in Berlin Naumann, Zehnkampfmeister— Krause, 16 666-Meter-Sieger— Wagner, S666-Meter-Sieger. yuiwjiJoaJiJU Ein Auswahlspiel Die Arbeiterhandballer veranstalteten am gestrigen Mittwoch ihr Auswahlspiel zur Ermittlung einer Städtemannschaft. Ein Teil der angesetzten Spieler war nicht angetreten, so daß die L-Mannschaft mit mehreren Ersatzleuten spielen mußte. Die �-Mannschaft fand sich sehr schnell zusammen und belagerte zum größten Teil das Heiligtum der L-Mannschaft. Die Erfolge blieben dann auch nicht aus, den gewaltigen Schüssen war der Torwart der L-Mannfchaft nicht gewachsen. Auch die L-Monnschast konnte gelegentlich Besuche machen, sie brachten jedoch nicht viel ein: im Sturm der L-Mannschaft fehlte der Zusammenhalt. Das übrige zerstörte die Hintermannschaft. Mit 16: 4 für die-�-Mannschaft wurden die Seiten gewechselt. Zur zweiten Halbzeit wurden die Torwarte ausgetauscht, der Torwart der A.-Mannschaft kam zu B, und der Ersatztorwart trat neu ein. Das erwies sich als Borteil. Die B-Mannschaft zeigte schließlich noch ein besseres Spiel und führte schöne Angriffe aus. Di«-�-Mannschaft kam dadurch nicht mehr soviel zum Schuß, so daß auf jeder Seite nur noch drei Tore erzielt wurden. Das Endresultat lautete 13:7 für die �.-Mann- schaft- In der.�-Mannschaft war der Halbrechte durch seine Links- schüsse.der gefährlichste Mann. Der Mittelläufer erfüllte seinen alt- gewohnten Posten vollständig, während die Außenläufer ausfielen. Von den Verteidigern stellte nur der rechte seinen Mann. Bei der B-Mannschaft fehlte das genaue Zuspiel, während die Hintermann- schaft gute Störungsarbeit leistete. Bei beiden Mannschaften man- gelte das Bedienen der Außenstürmer. Pur �Viei» Olympia-Ausscheidungen im Gerafehirncn In Gera, der Gründungsstadt des Arbeiter-Turn- und! -Sportbundes, finden am 14. Juni die Ausfcheidungswett- kämpfe im Geräteturnen für die 2. Arbeiterolympiad« in Wien statt. 18 der besten Geräteturner aus allen Teilen des Reiches, die bereits in den Kreisen geprüft wurden, werden in Gera Geräte» turnen in seiner Vollendung zeigen. Die deutsche Mannschaft für Wien soll aus 13 Zehn- und Siebenkämpfern bestehen. Nach den von den Kreisen eingesandten Resultaten der Bewerber stehen die Thüringer an der Spitze. Es folgen die Hessen, Sachsen, Schlesier und Bayern. Die Punktunterschiede sind sehr gering, so daß in Gera«in scharfer Kampf um die Führung bevorsteht. Der Kampf beginnt bereits am 14. Iunt, vormittags 11 Uhr, mit den leicht- athletischen Uebungen der Zehnkämpfer und mit den Pferdsprünge». Das Turnen an den Geräten beginnt um 15 Uhr. Der Mittel- deutsche Rundfunk bringt am 14. Juni von 26 bis 26.26 Uhr ein« Reportage über das Ausscheidungsturnen mit den Ergebnisse». Bin neues Bootsbaus Di«„F r e i en W a f f e r f a h r e r Aufwärts" habe» am Ostufer des Tegeler Sees auf dem Gelände der Wasserwerke, Ber- nauer Straße, ein neues Bootshaus gebaut. Gegenüber der Insel Lindwerder gelegen, bietet es einen Ausblick auf die schöne Land- schaft und wird dazu beitragen, das Wochenende der Vereins- Mitglieder genußreicher zu gestalten. Das Beengtsein in den Privat- ständen wird fortfallen: die Mitglieder � werden ihr neues Heim so bequem wie möglich gestalten und so auch bei ungünstigem Wetter ein Ziel haben, wo sie die freie Zeit verbringen können. Der Verein wendet sich an alle parteigenössischen und sreigcwertschaftlichen Wasserfahrer mst der Mahnung, den„Freien Wasserfahrern Auf- wärts E. V." beizutreten. Wer im Monat Ium oder Juli kommt, ist für diese Monate vom Beitrag sowie vom Eintrittsgeld befreit. Anmeldungen und Slnfragen an Fritz Dietrich. N. 65, Dubliner Straße 64. erbeten. WerföLM" tM i Die nächsten Ferienfahrten des Touristenoereins„Die Natur- freunde" finden statt: Vom 13. bis 28. Juni durch den Schwarzwald zum Bodensee: 25. Juli bis 9. August nach der Insel Bornholm und nach Kopenhagen: 2� bis 16. August„Dreiländerfahrt". Auf dieser Fahrt werden folgende Orte berührt: Dresden, Pilsen, Zwiesel, Scharrebcn, Dreisessel, Passau. Dampferfahrt Linz— Wien. Vom 9. bis 16. August geht es ins nordböhmische Mittelgebirge: 15. bis 23. August durch die Lüneburger Heid«; 22. August bis 6. September vier Alpenfahrten, und zwar durch das Dachstein- gebirge, das Salzburger Land und das Kaisergcbirge in die nörd- lichen Kalkalpen nach Vorarlberg mit Rhätikon und Silvretta- grupp«: Stubaier und Oetztaler Alpen. Ferner findet vom 5. bis 26. September«in« Fahrt durch die Schwäbische Alb statt. Bom 18. bzw. 21. Juli bis 2. August Sonderfahrt zur Olympiade nach Wien und durch die Steiermark. Alles Nähere enthält der Haupt« Prospekt, der auf Wunsch bei Einsendung von 35 Pf. jedem durch das Reisebüro des Touristenvereins„Die Naturfreunde", N. 24, Johannisstraße 15, zugesandt wird. Telephon: Norden 4177.— Das Reisebüro nimmt auch in diesem Jahre Partei- und Gewerk- schaftsmitglieder, Sportler und»Borwärts"-Les«r, die sich keiner Ferienreise anschließen wollen, bei den Bahnfahrten zur Verbilli- gung der Fahrpreise mit. Näher« Auskunft ebenfalls im Reisebüro. Ein Triumph moderner Rachrichlcnverbreitung. Ein Triumph moderner Nachrichtenverbreitung wurde heute im Anschluß an das große englisch« Derbyrennen erzielt, da dessen Ergebnisse bereits 2 Sekunden, nachdem das Ziel durchlaufen war, Indien und Aegypten erreicht hatten Zum erstenmal wurde das Derby auch durch Fernsehen verbreitet, so daß viele Radiohörer dem Rennen auch mit den Augen folgen konnten. ZI«ich»S«»»er-ltaSeRieg« Serli*. Donner»!«», 4. Juni, Uebung«»nt>»n» 9oet�)au«inciift IS Uhr ün kootehau» Wcndenschlohstr. U2. fttcito», S. Juni. OTenafgoetfamtnlim« im ffiaubüto, Sebaltiansir. 37—38. Sonnla». 7. Juni. Da oormtlt-oa» SIuaMniAimfltn der floranafitet für Olympiade und nadmiitiofl» Pootolause ist, besteht gahrtenkperr«. Alle Kameraden» Uhr Bootohau». Salldarität, Nraftsahrer. Lonnta», 7. Juni. Sau�ternsahrr nach PeNe. ber». Da*u treffen di« Adt«ilun»«n»wiseiten 7 und 3 Uhr in Nauen«in. Di« Abteilunaen starten: Abt. Äreu,bera: 6 Ubr Laus, per Platt.— Abt. sprird- i richobain: 5H Uhr Landeberqer Platt-— Abt. Rorbeni 8 Uhr Dccstr. 62.- i Abt. Pankorn: 7 Uhr Pankow. Deri-in-er Str. 8«.— Abt. Lichtender»: 6. Juni. � 2U Uhr, Ober. Ecke Rnowstrahe.— Abt. Oberschöneweid«: 6 Uhr Wilheltnrnen. Iiofstr. 64.— Abt. Tempelhaf-Marirndorf: Z Uhr«urfllrstcn. Ecke Schllucnstraße. — Abt. Charsottenbur»: 6 Uhr Wiluxrsborfer Str. 21.— Bersanrmlun»rn Abt. Nreiuber»: 5. Juni Reieixnderaer Str. 91.— Abt. ssri«trichshain: 5. Juni Strau»ber»«r Str. 3.— Abt. Norden: 5. Juni Scestr. 62.— Abt. Pankow: 3. June Pankow, Dersiner Str. 86.— Abt. Lichtender»: 3. Juni Oder- Ecke ssinowstrah».— Abt. Oberschöneweid«: 5. Juni Wilhelmineichosstr. 61.— Abt. Tempelhof.Mariendorf: 4. Juni Nurftirfren» Ecke SchUttenstrahe. Srupp« Mitte der Arese» Schwimmer E-ross. Kerlin. Im Sommerhaibiahr Uebunaebetrieb im Stadtbad Mitte, Eartenslrahe. Menota»» 26 Uhr: ferner eben Areita», l?i, Uhr, Wassersportplatt-Biöttcnfc«. Auobildun» von Nicht» chwimmcrn. Freie Sassersahre« Aufwärt». Somit»«. 7. Juni, Pflichtfuhrt nach dem Seländ«, dort Arbeitsöi-rvst. Notverordnungen gegen Portiers Räumungsklagen, Lohndruck, Rot und Elend sind die Kolgen Durch die Notverordnun-gen des preußischen Wohlfahrtsministers vom 10. September und die Notverordnung des Reichspräsidenten vom 1. Dezember 1930 ist den Hausbesitzern Tür und Tor zu Schi- kanen geösfnet. Die Herausnahme der porlierwohnungen aus dem Mieterschutz ist für die Aermsten der Armen zur Plage geworden. Rücksichtslos werden die Hausreiniger und Portiers gekündigt. In Tausenden von Fällen müssen sich Amts- und Arbeitsgericht« mit den Räu- mungsklagen beschäftigen und die Wohnungsämter wissen nicht, wo sie Wohnungen für alle die zur Räumung oeruteilten Hausbesorger hernehmen sollen. Ohne jeden erfindlichen Grund wird gekündigt, ohne Rücksicht darauf, ob die Leute erst kurze Zeit eine Portierstelle haben oder schon 10, 20 und mehr Jahre für den Hausbesitzer und feine Nachfolger tätig waren. Für viele der Hausbesitzer ist der Grund zur Kündigung die Absicht des L o h n d r u ck s. So fordert man, um nur ein Beispiel anzuführen, daß ein Portierehcpaar, das bis jetzt einen monatlichen Barlohn von 165 M. erhielt, für 65 IN. arbeilen soll. Da dies ein Ding der Unmöglichkeit ist, kündigt man und Holl Leute aus Mecklenburg, die diese Stelle übernehmen sollen. Das Interesse der Hausbesitzer, billigere Leute von außerhalb heranzuholen, ist allgemein zu beobachten. Di« Hausbesitzercrganisation und ihre politische Bertretung, die Wirtschastspartei, reden und schreiben viel vom Sparen bei anderen. Daß durch die Räumungsklagen Unsummen oerschleudert werden, kümmert sie jedoch nicht. Denn zahlen muh nicht der Hausbesitzer, sondern der arme Portier. > Der parlier wird auf Grund der Verordnungen glalt verurteill und muß die Gerichts- und Anwaltskosten bezahlen und dann die Kosten für seinen Umzug. Die seelischen Erschütterungen, die mit diesen Prozeduren verbunden sind, überläßt ihm der Hausbesitzer als Beigabe. Vielen Portiers ist es einfach unverständlich, daß, nachdem sie ein Jahrzehnt und länger zur Zufriedenhell der Mieter ihre Pflicht erfüllt haben, sie jetzt einfach gekündigt und exmittiert werden können. Rücksichten aus Krankheiten oder Todesfälle kennt der Hausbesitzer nicht. Die Frau eines verunglückten Portiers, der nach«inigen Wochen starb, bekam die Kündigung, bevor ihr Mann bestattet war. Wer Not und Elend, wer die Rücksichlslosigkeil der Hauswirte kennenlernen will, besuche die Räumungskammern der Amts- und Arbeitsgerichte. Die Verordnungen habe« Unheil ge- bracht über Zehnlausende von Arbeitnehmern. Sie waren nicht notwendig, um geordnete Zustände im Haus zu schaffen. Das war auch möglich ohne Aufhebung des Mieterschutzes. Die gesamte Oeffentlichkeit muß sich der Sache der Portiers an- nehmen. Aus dem Treiben gegen die Portiers kann die Mieter- schaft ermessen, welche Zustände einreißen würden, wenn der volle Mieterschutz nach den Wünschen der Hausbesitzer ausgehoben würde. Die Folgen dieser Verordnungen sind zu einem Skandal aus- gewachsen. Hieran ändert auch die Verfügung des preußischen Wohl- sahrtsministers nichts, die besagt, daß den gekündigten Portiers vorzugsweise Wohnungen zugewiesen werden sollen. Seine Ver- ordnung treibt die Hausreiniger und Portiers zur Verzweiflung. Es muß daher alles darangesetzt werden, um diese unnütz« und ge- meinschädliche Verordnung zu beseitigen. Ben Turner„geadelt" «... Ben Turner, der bekannte englische Gewerkschaftsführer und einer der Führer der Labour-Partei, wurde anläßlich des Ge- burtstags des Königs von England„in den Adelsstand erhoben". Damit ist vor allem eine Stärkung der Labour-Partei im Ober- haus beabsichtigt. Englische Kritik in Genf. Gegen Albert Thomas. Genf, 4. Juni.(Eigenbericht.) Der Bericht des Direktors Albert Thomas wurde in der Bollsitzung der Arbeitskonferenz am Mittwoch von den eng- tischen Regierungs- und Unternehmervertretern scharf a n g e- griffen. Der Regierungsvertreter L a w s o n erklärte, die Be- hauptung des Berichts, die englische Regierung sei in der humani- tären Reformarbeit indifferent, entspreche in keiner Weise den Tat- fachen. Die Arbeiterregierung könne auf zwei Jahre harter Sozial- arbeit stolz sein, die in schwerster Krise durchgeführt worden sei. Die Ratifizierung der Washingtoner Konvention werde in der nächsten Parlamentssession erfolgen. Die britische Unternehmergruppe wies mit einer bis jetzt in der Konferenz noch nie gehörten Härte die Aussetzungen des Direktors an dem Verhalten der englischen Unternehmer gegenüber dem Ka- binett Macdonuld zurück. Die allgemeine Aussprache soll am Sonnabend abgeschlossen werden. Das Schlußwort von Albert Thomas erfolgt am Montag. Oen Ltnternehmern ins Siammbuch. Brentano über die Wirtschaftskrise. Der Ruf der Unternehmer nach einer Verschärfung des Lohnobbaus wird in dem neuen Heft der„Sozialen Praxis" von Lujo Brentano, dem großen Münchener Ratio- nalökonom, als wahnwitziges Beginnen charakterisiert. Brentano schreibt: „Man spricht kaum einen Unternehmer, der nicht überzeugt wäre. bei unbegrenzter Lohnsenkung— 60 Proz. ist ungefähr die geringst« Forderung— die Krise überwinden zu können. Das muß die Be- forgnis aller, denen die Zukunft Deutschlands am Herzen liegt, im höchsten Maße erregen. Der Reallohn ist heute bei uns schon außerordentlich geringer als in unseren Hauptkonkurrenz- ländern, und von der den Arbeitern als Gegenleistung für die Steigerung des Preises von Brotgetreide auf 230 Proz. des Welt- Marktpreises versprochenen Senkung der Preise ist in Wirklichkeit nichts zu spüren. Heute werden die Kosten der nicht produzie- r enden Kapitalanlagen zu den Kosten der hergestMen Produkt« gerechnet, während die Selb st tosten derjenigen, die das Produkt wirklich herstellen, so gedrückt «erden sollen, daß deren menschenwürdig« Existenz ausgeschlossen erscheint! Am 15. Mai hat Papst Pius XI. die Welt vor der Herab- setzung der Arbeitslöhne gewarnt; er hat die Entproletarisierung der Proletarier der Well als Ziel hingestellt. Bei uns dagegen künst- lich« Derteuerung des Lebensunterhalls und Senkung der Löhne! Sollte im Kampf zwischen Profitminimum und Lohnminimum das erster« triumphieren, so dürfte das kapitalistische System seinem Untergang bei uns entgegengehen, und nach furchtbaren Hunger- revolten wird die sowjetistische Planwirtschaft sein Ende sein. Aber noch kann ich nicht glauben, daß eine deutsche Regierung sich findet, die so etwas wird kommen lassen." Kommunistische Sireikireiberei. Gegen die spanische iHepvblik. 8000 Bergarbetter der Gegend von O v Ue d o, die dem kommu- nistischen„Einheits"-Syndikot angehören, sind in den Ausstand ge- treten. Sie fordern den Siebenstundentag und eine Lohnerhöhung. Die 13 000 dem Gewerkschaftsbund angehörenden Berg- arbeiter haben dagegen beschlossen, die Lohn- und Arbeitszeitsrage von den zu wählenden Cortcs prüfen zu lassen. Rückschau. Die zweite Veranstaltung in der Reihe„Studenten dis- kutieren" bildete eine Aussprache über„R e i chs r e f o r m". Ein mitteldeutscher und ein bayerischer Student standen sich gegen- über. Der Mitteldeutsche trat ein für den dezentralisierten Einheits- staat, der Bayer für den föderativen Bundesstaat. Aus dem Wort- gefecht der beiden gewann der Hörer den sympathischen Eindruck, daß hier Jugend staatspolitische Probleme erörterte, geleitet von einem starken Verantwortungsbewußtsein gegenüber dem Volksganzen. Der Verfechter des Einheitsstaates zeigte die Gefahren des Föderolis- mus, die vor allem auch in einer außenpolitischen Auflockerung de» Reiches bestehen, und seine großen verwaltungstechnischen Nachtelle. Der Süddeutsche gab das zu; auch er wollte gewisse Zurückhaltung der Einzelstaaten auf dem Gebiet der Außenpolllik. Die kleinen mitteldeutschen Staaten hält er ebensowenig für lebensberechtigt wie die zahlreichen Konklaven und Exklaven. Aber er forderte stammes- politische Rücksichten gegenüber den großen süddeutschen Staaten, deren kulturelles Eigenleben er in einem Einheitsstaat für be- droht hält. Der Vertreter des Einheitsgedankens wies darauf hin, daß in einem dezentralisierten Staat von solcher Gefährdung keine Rede sein könne. Alle diese Fragen seien durch Verwaltungskörperschäften zu lösen: dazu sei nicht Staatseigenschaft der einzelnen Länder mit den heute bestehenden 17 Landesparlamenten nötig. Hierdurch«nt- stehe ein sinnlos aufgeblasener Derwaltungsapparat, der in Lebens- fragen des ganzen Reiches oft genug hemmend eingreift. In Berlin zum Beispiel sitzen 11 Reichs- und 8 preußische Ministerien, die über alle Angelegenheiten getrennt beraten und sich durch hin und her gehende Noten darüber auseinandersetzen. Neben dem Zeitverlust, den solche Verhandlungsführung auf jeden Fall bedeutet, erwachsen sehr beträchtliche überflüssige Kosten durch die Aufrechterhaltung der Staatseigenschaft der einzelnen Länder. Professor Dr. Hermann Heller, der geschickt und takwoll die interessante Aussprache leitete, wies in seinem Schlußwort dar- auf hin, daß trotz der grundsätzlichen Gegensätzlichkeit der beiden Einstellungen in den Wünschen nach Reichsresorm sich doch sehr viel Gemeinsames gezeigt habe. Unter dem Titel„Segen der Erde" gab die literarische Abteilung der Funkstunde einen Querschnitt durch europäische Bauernromane, zusammengestellt von Hans Georg Brenner und Ernst Bringolf. Sie wollten den in die Erde verwurzelten Menschen zeigen, dem das Land, das Korn trägt, Heimat ist, wo immer es liegt. Eine Gestalt glllt in die ander« hinein, ein wenig verändert von der Atmosphäre der veränderten Landschaft, und doch im Kern immer dieselbe, in Flandern wie an der Wolga, in Deutschland wie im Norden Skandinaviens. Diesem Beweis zuliebe wurden die Grenzen zwischen den einzelnen Werten völlig ausgelöscht. Damit wurde zwar eine eigenartige künstlerische Geschlossenheit der Veranstaltung erreicht, ihr Verständnis aber für viele Hörer sicher sehr erschwert, so daß es doch nützlich gewesen wäre, mindestens einleitend«inen Hinweis über den Aufbau der Veranstaltung zu geben. Ein« sinnvolle, fast immer unaufdringliche musikalische Untermalung vertiefte das Hörbild. ll'es. Donnerstag, 4. JnnL B e r 1 i a. 16.05 Oberbranddirektor Poetblech: Sicherheit— da» erste Gebot! 16.30 Künsllernacbwucbs des Sternschen Konservatoriums. U llardn: Streichquartett C-Dur, 00. 54. Nr. 2. 2. Brahms; Zwei Klavierstücke au» op. US. 3. Nicolai: Brielduett ans„Die lustigen Weiber von Windsor". 4. 0 raener: Suite für Violine und Klavier. 5. a) Ravel: Jeux d'eau; b) Liszt; Etüde. Es-Dur. 17.30 Autorität und Freiheit(Günther Krolilf). 17.50 Dr. Weber: Das Saargebiet. 18.15 Unterhaltungsmusik. 19.00 Pohl: Sozialpolitische Umschau. 19.25 Mitteilungen des Arbeitsamts. 19.30 Literarische Moden. Ein Gespräch zwischen Oskar Loerke und Rudolf Kayser. 19.55 Staatsoper Unter den Linden;„Eine Nacht in Venedig", Komische Oper von Johann Strauü. Musikallictae Leitung: Erich Kleiber. Anschlieüend; Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Abend Unterhaltung. KSnlgswnsterhansen. 16.00 Stud.-Assessor 0. Ried: Die Tagung des deutschen Philologen-Verbandes. 17.30 Mersmann: Hausmusik. 18.00 Dr. Otto Köcher: Reiseerlebnisse in Mexiko. 18.30 Prof. Dr. Th. Steinbüchel: Nietzsche und die Gegenwart. 19.00 Englisch für Fortgeschrittene. 19.30 Hans Hummel: Bauer und Sozialversicherung. 20.00—23.00 Ucbertragung von Hamburg. Wetter für verlin: Ziemlich heiter und nach kühler Nacht am Tage neue Erwärmung: schwache Luftbewegung.— Für Deutschland: Im äußersten Nordosten noch etwas veränderlich, sonst meist trocken und im Südwesten warm. Verantwor«. wr die RrbeMnn: perteet 8e»««,»erlin:«meinen: th.«lacke. »erlin. Veila«: VorwSrt» Berlag«. m. b. S..»erlin. Druck: LnrwSrts Bud>. hrutftcei unb Verlugaauftalt Paul Singet& Co.. Berlin SW«. Lindenftruhe 8. piertn 1 Beilage. ytr-s-c XlteAltt, Lidtispiele usw. j «Jg.M.«i-Jil I— BETRIEß ,1 K KEMPIHSKlU? Margarete UlaiKotte Bln.-Steglitz, Fichtestr. 10. Tel. Stegl. 3684 Lieder aar Leute- Resitationen Volks bdline DmiIh io Btlnrgliti. 8 Uhr Lumpazivagabundus Staatl. SAillir-Ib. 8 Uhr Nora Staatsoper Am Pl.d.Republik 8 Uhr Ans einem TolenhaDs 8 Uhr ler HaaDtmann von KöDeniik Carl Zuckmayei Rigie; Heinz ffileert Theater Bismarck 449 Alles Schwindel m Martiltat Sdntfir. Musik von Mischa Spoliansky. Heile: Gmlel Iirili4gen rjAfä ifZifTtnl. und «t/jl M I E4fflee4 Frltr' SingingBabias Mae Wynn u. Buddy, M Detlen ee* Mm Bniineil Gar wunderschön ist's bei Roses im Osten.« Für mich noch wert, dort froh zu sein,« Denn würd" ich rasten. würd* Ich rosten« Und mich des Ostens nicht er- freun,«Nehmdrum den Wanderstab wie Moses � Und rufe: .Lebe wohl mein SchatzWch pürsch mich letzt vergnflgi zu„Roses", ♦ Dort ist der„wahre |akob"-Platz.« Gnldo Mite in wmwwd Vom I. bis 25. Juni Mont. b. Sonnab. 8'» Sonntag: 5". 9°° ROSE THEATER Große Frankfurter Straße 132. U-Bahn Strausberger Platz • tauiger Vorver- teaur ttglldi tob it-l Uhr a. 4-0 Uhr Telefon. Bestellung; E 7, Wclduel»*il ROSE-GARTEN Wochentags 5» Uhr Sonntags S® Uhr itonaert, Variete 8» Operette Das LiebesTerbot Preise; 0.60 bis 2 M Schwerhörige HOrea so h>rl wieder mit dem irztllch empfohlenen 0 BICU KAI- AHMTUI- APPU AT mit nen eitern ttietaiMrert — Noch Besseres gibt es nicht!— DentsAe Akustik Msttiaft n LR. Aelteste u- fahrende Spezialfabrik Verkauf u. Vorführung: Mrim-wiimridort, metatr.43 Bin„ Kiostentr.«4. Elng.trmentr. 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