Morgenausgabe Nr. 257 A 130 48.Jahrgang Böchentlich 85 B1, monatfié) 3,60 im voraus zahlbar, Boftbezug 4,32 m. einschließlich 60 Pf. Boftzeitungs- und 72 Bf. Boftbestellgebühren. Auslands abonnement 6,- pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drudfachen porto 5- M * Der Bormarts" erscheint mochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend" Illustrierte Beilage Bolt und Zeit" Ferner Frauenstimme", Technif",„ Blid in die Bücherwelt", Jugend- Borwärts" u. Stadtbeilage Vorwärts Berliner Boltsblatt Freitag 5. Juni 1931 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die einspalt. Nonpareillegeile 80 31. Reflamezeile 5,- RM. Kleine An zeigen das fettgedruckte Bort 25 Pf. Guläffig zwei fettgebrudte Borte), jedes weitere Bort 12 Pf. Rabatt It. Tarif. Stellengesuche das erste Wort 15 Bf. fedes weitere Mort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Seile 60 Pf. Familien. anzeigen Zeile 40 Bf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3, wochen. täglich von 8 bis 17 Uhr. Der Berlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vorl Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Vorwärts- Verlag G. m. b. H. Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Tag der Jungen. Das Jugendprogramm auf dem Parteitag. F. St. Leipzig, 4. Juni.( Eigenbericht.) Genau genommen, war dieser Donnerstag der zweite Tag der Jungen auf dem Leipziger Parteitag. Der erste war jener Sonntag, an dem die Zehntausende und aber Zehns tausende junger Menschen in blauen Blusen mit roten Schlipsen, im Sportdreß oder in Reichsbanneruniform an dem Volkshaus vorbeimarschierten. Jener Tag hat bewiesen, daß die Partei nicht ohne Erfolg von neuen Mitteln Gebrauch gemacht hat, um die Jugend an ihre Fahnen zu fesseln. Aber bunte Farben und blinkendes Metall, Fan faren und Trommeln fönnen nur loden, nicht binden. Binden fann nur die gemeinsame Idee, für die das festliche Gepränge der Ausdruck sein soll. Am Donnerstag ging es um das geistige Band, das die Jugend mit der Partei verbindet. Vielleicht wäre es zu dieser wichtigen und interessanten Aussprache nicht gekommen, wenn nicht die Jungsozia I isten durch ihr fatastrophales Bersagen den unmittelbaren Anlaß zu ihr gegeben hätten. Insofern fann man ihnen ein gemisses Berdienst zusprechen ein legtes und vielleicht ein einziges. Damit soll natürlich nichts gegen die einzelnen Mitglieder der Jungsozialistengruppe gesagt sein ihnen können die Erfahrungen, die sie mit einer mißglückten Organisation gemacht haben, für ihre fünftige Arbeit in der Partei nur von Nuzen sein.. Der Jungsozialismus ist an dem Versuch, eine Richtung in der Partei sein zu wollen, zugrunde ge gangen. Für den jungen Sozialismus und die jungen Sozialisten eröffnet sich in der Sozialdemo fratischen Partei ein desto freieres Betätigungsfeld. Nach den rednerischen Meisterleistungen Tarnows, Breitfcheids und Sollmanns stand Ollenhauer vor feiner leichten Aufgabe. Indes fann man mit gutem Gewissen sagen, daß der Dreißigjährige mit seinen älteren Borbildern erfolgreich tonfurriert hat nicht bloß, was die Länge des Referats, sondern auch was seinen Inhalt und seine red nerische Form betrifft. Leichter als er hatte es der folgende Redner Löwenstein. Ihm war für seinen Bericht aus der Bewegung der Kinderfreunde Sympathie und Beifall des Barteitages ohne Unterschied der Richtung oder wie man seit Tarnoms Rede sagt, der Schattierung" von vorn herein gewiß. In der folgenden Debatte fand die Rede des Vertreters der Sozialistischen Studentenschaft, Berlowig, besondere Beachtung. Es war das erstemal, daß ein Repräsentant der studierenden Jugend auf einem sozialdemokrati schen Parteitag zum Bort fam. Aber nicht bloß deshalb mar Einberufung der Reichstagsfraktion. Beratung über die Notverordnung am fommenden Freitag. Die neue Notverordnung wird voraussichtlich erst am tommenden Montag veröffentlicht werden. Der Borstand der sozialdemokratischen Reichstagsfrattion tritt zur Beratung der durch die neue Notverordnung geschaffenen Lage am fommenden Mittwoch zusammen, die sozialdemo fratische Reichstagsfrattion ist für Freitag einberufen worden. Die Sigung des Aeltestenrats des Reichstags, die über das Verlangen der kommunistischen Mitglieder auf Einberufung des Reichstags zu entscheiden hat, ist für Mitt moch oder Donnerstag in Aussicht genommen. " Der Angriff" verboten. Wegen Beleidigung der Polizei und wegen Aufforderung zur Gewalt. Der Berliner Polizeipräsident teilt mit: Die nationalsozialistische Tageszeitung Der Angriff" murde heute bis einschließlich 4. Juli 1931 verboten, und zwar auf Grund des§ 1, Abs. 1, Nr. 1 und 2, und§ 12, Abs. 2 der Notverordnung des Herrn Reichspräsidenten zur Befämpfung politischer Ausschreitungen. Das genannte Blatt hat troß der eingehenden amtlichen Darstellung über bas sogenannte Femebild erneut dem Bolizeipräsidenten von Berlin eine Fälschung vorgeworfen. Weiterhin hatte das Blatt in Besprechung der Borgänge anläßlich der Enthüllung des Postschedkonto: Berlin 37 536.- Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3, Dt. B. u. Disc.- Ges., Depofitent., Jerusalemer Str. 65/66. Vor Chequers. Vorspiel zur Revision des Houng- Planes? der Parteitag geneigt, ihm die Redezeit mehrfach zu verheiten Henderson, die zum erstenmal bereits während der längern, sondern auch, weil das, was er zu sagen hatte, ungewöhnlich interessant war. Bei Beginn der Nachmittagssigung billigte der Parteitag den Vorschlag von Bels, aus der unendlich langen Reihe der zum Wort Gemeldeten die jüngsten herauszuholen und voranzustellen. So sprachen Fliege- Dortmund, Keller- Eisleben, Bigner- Nürnberg, Renner- Gelsenkirchen. Auch diese Redner reihe bot ein Bild, mie es bisher noch kein Parteitag erlebt hatte, und ein ungewöhnlich erfreuliches dazu. Es war ein glückliches Zusammentreffen, daß bei dem folgenden Punkt der Tagesordnung Bericht des Parteivor standes" das jugendfrische Gesicht Mar Westphals auftauchte, der vor vier Jahren als Vertreter der Jugend in den Parteivorstand gemählt worden war. Die Sozialdemokratische Partei ist nicht überaltert, sie hat in ihren Reihen viel Jugend, mehr als irgendeine andere Partei. Aber freilich nicht so viel wie sie haben will und braucht. Wer die Jugend hat, der hat die Zukunft." Dieses Wort ist auf dem Parteitag oft zitiert worden. Es ist aber nicht unbedingt richtig. Bei den Kommunisten und Nationalsozialisten treibt sich viel verlaufene Jugend herum und doch haben sie nicht die Zukunft. Was an dieser verlaufenen Jugend mert voll ist, wird früher oder später in die Straße einbiegen, auf der unsere Jugend marschiert. In dieser Zuversicht hat uns der Leipziger Parteitag be: stärkt. Wels- Crispien- Vogel. Die Wahl des Parteivorstandes. Die Wahl des Parteivorstandes der Sozialdemokra tischen Partei durch den Parteitag ergab für Otto Wels die größte Stimmenzahl. Crispien und Hans Bogel erhielten die gleiche Stimmenzahl. Der Kandidat der Opposition zum Parteivorsitzenden, ber Reichstagsabgeordnete Seydewik, erhielt nur 54 Stimmen; er ist nicht gewählt. Wiedergewählt wurden die bisherigen Sekretäre. Die Wahl der Beisitzer erfolgte nach dem Vorschlag des Parteivorstandes. Die bisherigen Mitglieder wurden wiedergewählt. Neu hinzugewählt wurden Breit. scheid und Litte Berlin. Der Kontrollkommission tritt neu bei der Leipziger Reichstagsabgeordnete 2ipinski. Nicht wiedergewählt murde Frau Agnes. fogenannten Schlageter Denkmals zur Berprügelung Andersdentender aufgefordert. Beide Gründe waren für das Berbot und seine Dauer maßgebend. Auch die Bessische Bolfswacht" auf 4 Wochen verboten. Kassel, 4. Juni. erscheinende Der Oberpräsident der Provinz Hessen- Nassau hat die in Kaffel nationalsozialistische Tages. eitung effische Wolfswacht wegen Bergehens gegen die Berordnung des Reichspräsidenten zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen vom 28. März 1931 auf die Dauer von vier och en verboten. In der Begründung des Verbots heißt es u. a.: Die Heffische Boltswacht hat in einer fortlaufenden Reihe von Artikeln ein im Jahre 1925 in der Presse erschienenes Feme bild" zum Anlaß genommen, um den Regierungspräsidenten Dr. Friedensburg in Kassel in äußerst verletzender und be teidigender Weise anzugreifen. Die ganze Form, der Inhalt der Artikel lassen deutlich die böswillige Absicht des Artikelschreibers er, fennen, den leitenden Beamten des Regierungsbezirks Kaffel in der öffentlichen Meinung herabzusehen und als der Achtung der Bolts. genossen unwürdig hinzustellen. Leichenschänder Stahlhelm. Girafantrag der Witwe Eisners. München, 4. Juni.( Eigenbericht.) Ein Münchener Rechtsanwalt hat bei einem Stahlhelm. a bend in Immenstadt im Allgäu den ermordeten bayerischen Revolutionsminister Kurt Eisner bezichtigt, er sei durch aus. ländische Gelder best och en worden. Die Bitme Eisners hat Strafantrag wegen Berleumdung gestellt. Heute betreten Reichskanzler Dr. Brüning und Reichs außenminister Dr. Curtius englischen Boden. Sie folgen einer privaten" Einladung des Premierministers Mac= donald und des Staatssekretärs für auswärtige AngelegenJanuartagung des Völkerbundes in Aussicht gestellt wurde. Ihre Verwirklichung ist durch das 3ollunionsprojekt um mehrere Wochen verzögert worden, und vielleicht ist auch die Stimmung in England nicht mehr ganz so günstig wie vor diesem deutsch- österreichischen Diplomatenstreich. Die englische Arbeiterregierung, die außenpolitisch ihre ganze Kraft auf den Erfolg der kommenden A brüstungstonferenz fonzen trieren wollte, empfand dieses Zwischenspiel schon deshalb als bedauerlich, weil es den Militaristen aller Länder einen willkommenen Vorwand bot, gegen die Abrüstungsbestrebungen Stimmung zu machen. Hoffentlich wird in Chequers nicht allzuviel Zeit darauf verwendet werden, die Lösungsmöglich= feiten für diese leidige, durch den jüngsten Genfer Beschluß nur vertagte Angelegenheit zu besprechen. Um Daß die ursprüngliche Absicht der englischen Minister in der Hauptsache dahin ging, mit ihren deutschen Kollegen die brüstungsfrage zu erörtern, ergibt sich schon daraus, Aussicht genommen waren. Die letzte Tagung der Vorberei daß nur Macdonald und Henderson als Gesprächspartner in tenden Abrüstungskommission hatte zu einer fast völligen Isolierung Deutschlands geführt, wobei der deutsche Bertreter Graf Bernstorff und der englische Delegierte Lord Cecil öffentlich in einen recht scharfen Gegensatz geraten waren. nämlich überhaupt zu einem Ergebnis zu gelangen und die lichen, hatte der Engländer in verschiedenen nicht unwesentbaldige Einberufung der Weltabrüstungskonferenz zu ermöglichen Einzelfragen sich dem französischen Standpunkt angeschlossen. Bernstorff aber hatte stritte Anweisung, unnachgiebig zu bleiben, so daß zur größten Genugtuung der frankopolnischen Gruppe die Vorfonferenz mit einem schrillen deutsch englischen Mißflang geendet hatte. Diese Mißhelligkeiten aus der Welt zu schaffen, war und ist wohl heute noch die Absicht der englischen Staatsmänner. Gerade in den Tagen vor der Abreise von Brüning und Curtius haben sich übrigens 3 wischenfälle gehäuft, die den deutschen Unterhändlern die Möglichkeit bieten werden, die Inhaltbarkeit der gegenwärtigen Rüstungsungleichheit überzeugend darzulegen. Wir meinen damit dieses fortwährende Ueberfliegen deutschen Gebietes durch fremde Militärflugzeuge, das an sich ziemlich gleichgültig ist, denn bei uns gibt es nichts zu ,, spionieren", das aber auf die Dauer psychologisch deshalb unerträglich ist, weil eben Deutschland allein, neben vielen anderen einseitigen Rüstungsbeschränkungen, feine Militär- und Marineflugzeuge besitzen darf. Die Stellung der deutschen Minister, die ihre englischen Kollegen von der Notwendigkeit einer mirklichen, allseiti gen Abrüstung überzeugen wollen, wäre freilich noch viel günstiger, menn nicht die geradezu verbrecherischen nationalistischen Provokationen auf dem Stahlhelm treffen in Breslau vorangegangen wären, die den Franzosen und Polen die willkommene Gelegenheit zu einem Gegendruck auf London geboten haben. Das war wieder einmal das flassische Beispiel eines von deutschen Nationalisten geführten diplomatischen Dolch stoßes in den Rücken deutscher Unterhändler. Heute steht es aber außer 3weifel, daß die Abrüstungsfrage nicht mehr im Vordergrund der Gespräche von London und Chequers stehen wird. Vielmehr erblickt die ganze Welt in dieser Zusammenkunft den Auftakt zu einer abermaligen Aufrollung der Reparationsfrage. Eigentlich ist für eine verbindliche Besprechung dieses Fragenkomplexes auf englischer Seite der Schazkanzler Philip Snowden unentbehrlich, aber es ist zweifelhaft, ob er, der erst fürzlich eine schwere Krankheit durchgemacht hat, an den Zusammenfünften mit den deutschen Ministern teilnehmen wird. Dennoch erwartet die gesamte englische Presse, vor allem der„ Daily Herald", der der Regierung am nächsten steht, daß die Frage einer baldigen Revision des Young Planes den eigentlichen Beratungsstoff von Chequers bilden wird. Allgemein wird in England anerkannt, daß eine Wiederaufrollung des Reparationsproblems berechtigt ist. Die Entwicklung der Weltwirtschaft seit den Haager Konferenzen hat die Voraussetzungen für die Durchführbarkeit des Young- Blanes vollkommen erschüttert. Einmal hat durch das beträchtliche Sinten der Weltmorttpreise, das gleichbedeutend ist mit einer entsprechenden Steigerung des Mordhetze der Hakenkreuzfraktion. Ltngeheuerliche Beschuldigungeu gegen die Polizeibehörden und �eichsregierung. Die aus dein Reichstag entlaufene nationalsozialistische Reichstagsfraktion hat am Donnerstag eine Sitzung abgehal» ten. in der sie zwei Entschließungen faßte. Die erste dieser Entschließungen lautet: „Der Terror marxistischer Mördcrbanden gegen Angehörige rechtsstehender Organisationen, insbesondere Nationalsozialisten, Hot in den letzten Wochen unter der Herrschast der Not- Verordnung des Reichspräsidenten von Hin den» bürg vom 28. März zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen jedes Maß überschritten. Selbst bürgerliche Blätter, die bisher grundsätzlich von marxistischen Mord- und Gewalttaten kaum Notiz nahmen, mußten in diesen Tagen nach der Ermordung mehrerer Stohlhelmmitglieder feststellen, daß seit der genannten Verordnung nicht weniger als IS deutsche Männer— in Wirklichkeit sind es noch weit mehr— durch das organisierte marxistische Untermenschentum ihr Leben verloren haben. Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, daß sich in der deutschen Bevölkerung immer mehr die Ueberzeugung verbreitet, daß die für die öffentliche Sicherheit v e r- antwortliche Polizeibehörde weder den Willen, noch die Kraft habe, die marxistische Mordpest insbesondere durch Berfolgung der geistigen Urheber und Anstifter der Verbrechen (vergleiche ihre Parole:„Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft!") wirksam zu bekämpfen, und daß die Notverordnung des Reichspräsidenten von Hindenburg im Vollzug und in ihrer Wirkung tatsächlich zum Schutz politischer Aus- schreitungen marxistischer Verbrecher und zur Unterdrückung der nationalen Opposition dient. Die nationalsozialistische Reichstagsfraktion erachtet es für ihre Pflicht, den Herrn Reichspräsidenten und die Reichsregierung auf die hierüber von Tag zu Tag wachsende ungeheure Erbitte- r u n g nationaler Kreise aufmerksam zu machen, die sich schutzlos diesen Verbrechern ausgeliefert fühlen, und macht sie für alle daraus mit Notwendigkeit entstehenden Folgen schon heute verant- wortlich." Eine solche Häufung von demagogischer Heuchelei und widerlicher Verleumdung ist selbst m nationalsozialistischen Verlautbarungen bisher noch selten erreicht worden! Die Verleumdungen gegen die Polizeibehörden und der versteckt angebrachte Angriff aus den Reichspräsidenten ist jedoch noch nicht das bemerkenswerteste daran! Diese Verlautbarung isteinDokumentderMord- hetze selbst, sie stellt sich würdig der Hetze der nationalsozia- listischen Presse an die Seite! Die Nationalsozialisten sind die Väter des politischen Mordes in Deutschland. Sie haben Terror und Mord in die Straßen, ja in die Wohnungen ihrer Gegner getragen. Ihre Schuld wiegt nicht weniger leicht als die der Kommunisten, die mit ihnen wetteifern! Täglich schreit die nationalsozialistische Presie„Blut! Blut! Täglich peitscht sie die Blut- und Mord instinkte auf in Bild untr Wort! Das Wort vom.Köpferolle ti". das Hitler geprägt hat, die fortgesetzte Ankündigung von Köpfen. Hängen. Erschießen, die die Führer der Nationalsozialisten gegen ihre Gegner geschleudert haben, hat fr/tematisch die Blut- und Mordatmosphäre geschaffen. Die Partei der Mord- hetze hat wahrlich kein Recht, sich heuchlerisch darüber zu be- klagen, daß ihre blutige Saat aufgeht! Der letzte Satz dieser Entschließung aber ist eine dreiste Aufforderung zum Gesetzesbruch, eine unverhohlene Drohung mit dem organisierten Mord. Die nationalsozialistische Reichs- tagsfraktion kennzeichnet sich damit selbst als geistige Urheberin des blutigen Treibens. Wir erwarten, daß die Reichs- r e g i e r u n g die ungeheuerliche Beschuldigung, die die Väter der Mordhetze gegen sie geschleudert haben, mit der größten Schärfe zurückweist! An Heuchelei übertrifft die zweite Entschließung noch die erste. Sie lautet: Die Reichsregierung hat in der Gewißheit, abermals die Zu- stimmung des Herrn Reichspräsidenten zu erlangen, eine neue volksfeindliche und verfassungswidrige Notoer- o r d n u u g vorbereitet, die neue Lasten auf das gequälte deutsche Volk häuft und sogar vor einer Verschlechterung der Lage der Aermsten der Armen, der Erwerbslosen und der Kriegs- verletzten, nicht zurückschreckt, nur um weiter dem Tributmoloch Mil- Karben über Milliarden in den unersättlichen Rachen werfen zu können. Die Reichstagsfrattion der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei legt gegen diese neuen angeblich der Sanierung der Reichsfinanzen dienenden Maßnahmen feierlich Ver- wahrung ein, weil sie nur zur weiteren Verelendung der werk- tätigen Massen des deutschen Volkes und zur völligen Vernichtung der deutschen Wirtschaft führen, und verlangt zum Zwecke ihrer Aus- Hebung die sofortige Einberufung des Reichstag s." Die Leute, die die Schuld an der Verlängerung der Krise, an dem Wachsen der Arbeitslosigkeit tragen, vergießen Kroko- dilstränen über das Elend des Volkes! Sie wollen die neue Notoerordnung ausheben— aber wozu? Damit das Chaos erntritt, das sie zur Macht bringen soll, damit das D i r e k- torium nach dem Herzen der Schwerindustrie jeden Schutz des Volkes gegen die Not zerschlägt, damit alle Lasten auf die Schultern des arbeitenden Volkes gelegt werden sollen! Sie wollen die Notverordnung des Kabinetts Brüning aufheben, um durch eine Diktaturoerordnung einer faschistischen Regierung die werktätigen Massen grausamstem Elend preiszugeben! Das ist die Absicht, wenn die Söldlinge der Scharfmacher sich als Freunde des gequälten deutschen Volkes aufspielen! Wertes des Goldes, die tatsächliche Höhe der deutschen Repara- tionslasten wesentlich zugenommen: andererseits hat die Ver- schärfung der Wirtschaftskrise und die damit zusammen- hängende wachsende Zahl von Erwerbslosen die Reichs- finonzen dermaßen in Anspruch genommen, daß die Durch- führung der Haager Verpflichtungen immer schwieriger wird. Mit dem im Plan vorgesehenen Moratorium, das Deutschland von sich aus für einen Test der Zahlungen an- melden darf, ist uns nicht gedient. Wohl könnte uns eine große Anleihe im Augenblick helfen, sie muß sogar im Znteresse der Arbeitsbeschaffung jedenfalls erstrebt werden, aber eine wirkliche Lösung der Krise bringt sie nicht. Was not tut, ist eine Generalrevision der Rcparationsoerpflich- tungen. Mit Recht wird allerdings auf englischer Seite schon jetzt darauf hingewiesen, daß England allein darüber nicht entscheiden könne und daß die Zustimmung der übrigen Mitunterzeichner des Haager Abkommens für die Einbe- rufung einer neuen Reparationskonferenz erforderlich sei. Aber England kann uns sicherlich dabei helfen, vor allem, indem es auf Frankreich und noch mehr auf Amerika in diesem Sinne einwirkt. Es wird die Aufgabe des Reichs- kanzlers und des Reichsaußenministers sein, ihre britischen Partner für diese Idee zu gewinnen. Deshalb war es auch richtig, daß noch vor der Englandreise das Reichskabinett di« Notverordnung verabschiedet hat, durch die ver- sucht wird, die ungeheuren Fehlbeträge zu decken, die die Fortdauer der Wirtschaftskrise im Reichsetat verursacht hat. Mögen die einzelnen Bestimmungen dieses Sanierungs- planes noch so angreifbar sein, es war notwendig— besonders in dem Augenblick, in dem man die Revision des Doung-Planes beantragt—, der Welt den Beweis zu liefern, daß Deutschland von sich aus die äußersten Anstrengungen macht, um seine zerrütteten Finanzen in Ordnung zu bringen. Diese Maßnahmen, die freilich nach unserer Ueberzeugung in vielen Punkten verfehlt und ungerecht sind, werden aller- dings naturgemäß eine weitere innerpolitische Zuspitzung zur Folge haben, deren Ernst man in Eng- land immer deutlicher erkennt. Die Hungerkrawalle und Plünderungen der letzten Tage, so bedauerlich sie auch sind und so wenig sie auch geduldet werden können, wenn nicht allgemeine Anarchie einreißen soll, sind dennoch ein e r n st e s W a r n u n g s s i g n a l für die ganze Welt. Sie beweisen, daß Deutschland zu einer Katastrophe treibt, wenn es nicht gelingt, die Weltwirtschaftskrise und ihre Folgen in absehbarer Zeit zu überwinden. Die Repara- tionslasten mögen dabei durchaus nicht der entscheidende Faktor für die Fortdauer dieser Krise in Deutschland sein, aber sie bilden jedenfalls inmitten der Krise ein psycho- logisches Element, dessen Auswirkungen verhängnisvoll wären, wenn man das deutsche Volk nicht bald von einem wesentlichen Teil dieser Lasten befreit. Mehr als eine erste geistige und diplomatische Vorbereitung der Revision des Doung-Planes ist aus den Besprechungen dieser Tage nicht zu erhoffen. Dennoch dürfte dieser persönliche Kontakt von größtem Nutzen sein, und man darf wohl hoffen, daß er das Vorspiel bilden wird für einen weiteren Fortschritt auf dem Wege zur Liquidierung der Vergangenheit. Alles hängt von Amerika ab. eondoii. 4. Juni.(Eigenbericht.) Der„Daily Herald" veröffentlicht in äußerst fensationeller Auffassung das Programm der Minifterbesprechung in Chequers. Sein Hauptpunkt ist natürlich die Repara- t i o n s f r a g e. welche die deutschen Minister im Rahmen einer Schilderung der deutschen Wirtschaftsnot berühren werden. Darüber hinaus ober glaubt das genannte Blatt mitteilen zu können, daß Dr. Brüning dem englischen Premierminister Mac- donald sagen wird:„Wenn wir nicht dauernd von einem großen Teil der Reparationslasten befreit werden, können wir gezwungen fein, nicht nur die Reparationszahlungen einzu- stellen, sondern auch den Dienst für alle auswärtigen Anleihen." Das Blatt knüpft an diese Aussicht einen Appell an Amerika, in eine Schuldenreoision einzuwilligen, die allein es den anderen Ländern ermöglichen könne, in eine Herabsetzung der Repa- rationszahlungen einzuwilligen. In einem Leitartikel begrüßt dasselbe Blatt die deutschen Mi- nister und deutet ihren Besuch als ein Zeichen dafür, daß die Vergangenheit endgültig begraben und die Beziehungen England» zu Deutschland dieselben sind wie zu irgendeiner anderen Macht. Es warnt dann davor, angesichts der zu erwartenden Schilderung der deutschen Wirtschaftsnot in Panik zu geraten. Ein nicht geringer Fehler ober wäre, die Augen vor dem Ernste der deutschen Lage und vor den Folgen, die sie für Europa mit sich bringen könne, zu verschließen. Ueberhaupt kann man in der englischen öffentlichen Meinung feststellen, daß man der deutschen Notlage gerecht zu werden versucht. Sogar«in Blatt wie die„M o r n i n g p o st" gibt zu, daß Deutschland einer verzweifelten Krise gegenüberstehe. Gleichzeitig aber wird allgemein sehr stark unterstrichen, daß die Möglich- keiten Englands, Deutschland zu helfen, gleich null sind. Man muh sich daher in Deutschland hüten, von dem Besuch in Chequers irgendeine Lösung oder auch nur eine Aussicht auf eine Lösung zu erhoffen. Die Engländer werden das größte Verständnis für Deutschlands Lage zeigen, aber nichts unternehmen, was den intcrallierten Charakter der Reparationsfrage durchbrechen würde. Sie werden auf ihre Schuldenverpflichtungen gegenüber Amerika hinweisen, die ihnen nicht erlauben würde, auf ihren Reparationsanteil auch nur vorübergehend zu ver- zichten. Amerikanisches Interesse für Chequers. Washington. 4. Juni. .Einer Erklärung im Staatsdepartement zufolge betrachtet die l/ÄAerung der Bereinigten Staaten die Zusammenkunft in Chequers als eine rein privat« Unterhaltung zwischen den deutschen und britischen Staatsmännern. Trotzdem Hab« sie aber«in großes I n- t e r e f s« an dieser Konferenz, da sie ihr— gleichgültig, welches Resultat sich dort ergebe— einen bedeutenden Einfluß auf die außenpolitische Gestaltung während der nächsten Monate beimesse. Richter Lau in Glogau. Lau gegen Hakenkreuzler, scharf gegen Sozialdemokraten. Bei den Beratungen des Justizyaushalts für 1931 im Preußischen Landtag isOmchr als einmal der Nam« des Landgerichts- direktors Dr. Lau in Glogau genannt worden. Unter fernem Vorsitz sind wiederholt Nationolscyiolisten, die in wüstester Weis« die Republik und ihr« führenden Männer beschimpft hatten, frei- gesprochen oder zu ganz geringen Geldstrafen ver- urteist worden. Besonders empörend waren dabei die Begrün- düngen, die Dr. Lau feinem Urteil mitgab und die feine einseitige innere Einstellung noch klarer als das Strafmaß zum Ausdruck brachten. Dieser Tage hotte Herr Lau einmal Gelegenheit, seine richter- liche Unparteilichkeit nach der anderen Seite zu beweisen. Dar dem Erweiterten Schöffengericht in Glogau standen fünf sogialistisch« Arbeiter, die nach einer Bersammlung in Roßwitz mit National- sozialisten einen Zusammenstoß gehabt hatten. Die Stimmung war besonders erregt, well am Vortage in Brostau«in« Saalschlacht stattgefunden hatte, bei der die Nationalfogialisten wie die Dandalen gehaust hatten. Auch an dem Zufammeststoß in Noßwitz waren die Nazis keineswegs unschuldig. Ihr herausorderndes Verhalten, ihr« Kommandos„Straße frei!" usw. mußten von der Arbeiterschaft als Provokation empfunden werden. Schlimme Folgen hat dieser Zusammenstoß nicht gehabt. Durch«inen Steinwurf wurde die Fensterscheibe des Nazilokals zertrümmert und ein Nazimann leicht verletzt. Vor Gericht kennzeichnete sich die Obsektivität des Vorsitz«�>«n Landgerichtsdirektor Lau zunächst dadurch, daß er die Angeklagten im Nazijargon als„M a rxift« n" bezeichnete. Es muß das Vertrauen des Angeklagten zu feinem Richter gewaltig steigern, wenn dieser ihn mit einem Ausdruck anredet, der von feinen politischen Gegnern als Ausdruck bewußter Gehässigkeit gebraucht wird. Die Beweisaufnahme ergab die Mitschuld der Nazis an den Zu- sammeirstößen. Drei Angeklagten tonnte keine Schuld nachgewiesen werden, dos Gericht mußte sie freisprechen. Um so schärfer ging es gegen die beiden übrigen Angeklagten vor. Der Korbmacher Josef Metzker und der Arbeiter Arthur Grätz wurden zu je S vkoaaten Gefängnis verurteilt. Hier merkte man nichts von der Mild«, die in Glogau gegen nationalsozialistisch« Angeklagte üblich fft. Es handelte sich eben um„Marxisten". Münchmeyer belohnt. Strofkammerurteil: 100 Mark statt 3 Monate Gefängnis. Kassel, 4. Juni. Das hiesige Schöffengericht verhandelte am Donnerstag über die Berufung des früheren Pfarrers und jetzigen nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten Münchmeyer wegen Vergehens gegen das Republikjchutzgefetz. Münchmeyer war in erster Instanz zu drei M o n a t� n Gefängnis verurteilt worden. Das Gericht hob das erstinstanzliche Urteil auf und erkannte auf eine Geld- strafe von 100 M. Der Verurtellung zugrunde liegen Aeußerungen des Angetlag- ten in einer öffentlichen Versammlung, u. a.:.Kein Deutscher, der einen Funken Ehre im Leib« hat. kann diesem System noch Achtung entgegenbringen", außerdem sollte Münchmeyer die preußische Re- gierung eine„feige Regierung" genannt haben. Die Zahl der unterstützten Arbeitslosen in Wien in der zweiten Hälft« des Monats Mai ist um 2149 ans 87 903 gesunken. Damit ist der Stand um 12 639 höher als im Vorjahre, in welchem in der gleichen Zcitperiode ein Fallen um 2660 zu verzeichnen war. Grabschänder an der Arbeit. Vandalistische Zerstörungen auf Friedhöfen. f 1*.,*:, halle. 4. Juni.(Eigenbericht.)-.r In der vergangenen Nacht haben bisher noch unbekannte Ban» dalen auf dem Nordfriedhof 32 Grab st eine umgeworfen und zum Teil zerstört. Unter den 32 Grobsteinen befindet sich nur «in einziges Kreuz, alle» andere sind groß« Steine. Platten- oder Grabmonumente mit Aufsätzen. Auf dem gegenüberstegenden jüdischen Friedhof wurden acht groß« Steine und Säulen umge- stürzt. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß die Töter in den Reihen der Nationalsozialisten zu suchen sind, die die beiden Fried- Höfe, die sich gegenüberliegen, nur verwechselt haben. Oer Eindruck von Leipzig. Was die andern sagen. Die„Kölnische Zeitung", dos führende volksparteiliche Organ Westdeutschlands, schreibt über die Auseinandersetzungen auf dem Leipziger Parteitag: „Ausschlaggebend für den Ausgang des Kampfes war die Tat- fache, daß die Partei trotz mancher Mißerfolge der letzten Jahr« nichts von ihrer straffen Disziplin und nichts von ihrem klassenmäßig unterbauten Zusammengehörigkeitsgefühl eingebüßt hat. Die Partei teilt zwar, wie nicht zu bestreiten ist, das Schicksal jeder älter werdenden Organisation, ober sie ist doch noch nicht so alt. daß nicht bittere Erfahrungen und Enttäuschungen für sie eine hellsame Lehre geworden wären. Ihre jetzige schwierige taktische Lage ist eine Folge ihres leichtfertigen und rein parteipolitisch ein- gestellten Verhaltens im Frühjahr des vergangenen Jahres. Das Wort Hilferdings:„Wir brauchten jetzt nicht so viel zu tolerieren, wenn wir damals etwas mehr toleriert hätten", legt Zeugnis ab dafür, daß die Partei sich heute nicht mehr im unklaren darüber ist, wohin man als Partei gelangt, wenn man immer und ausschließlich an die Interessen der Partei denkt. Aus dem Worte HUferdings hat der Parteitag in Uebereinstimmung mit der Mehrheit der Reichstagsfraktion die Nutzanwendung gezogen, daß nur die Disziplin innerhalb der Partei eine Rückversicherung gegen neue Fehlschläge und gegen die Wiederholung taktisch falscher Manöver darstellt. Wer heute den stürmischen, fast jubelnden Beifall miterlebt hat, den der Parteitag dem Abgeordneten B r e i t s ch e i d spendete, als er öffentlich Buße tat für die Spaltung der alten Partei im Jahre 1916, dem drängte sich mit zwingender Klarheit die Erkenntnis auf, daß die Sozialdemokratische Partei in dem immer noch starten Klassencharakter der Organisation sich ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl bewahrt hat, das in der Wiederbefestigung der Disziplin greisbor zutage tritt. Im Zeichen der wiedecgcsesiigten Parleidisziplin wird also die Sozialdemokratie in ihre nächsten politischen kämpfe eintreten. Zur die bürgerlichen Parteien liegt in dieser Talsache eine ernste Warnung vor der UnterschZhnng des Gegners und eine dringende Mahnung zu rechtzeitiger Selbstbesinnung." Die Bombeniener im Zuchthaus. Da die neuen Bemühungen um die Begnadigung der im sogenannten großen Bombenlsgerprozcß Verurteilten Clous Heim, Johnsen und Schmidt, a b- schlägig beschiedcn worden sind, hat man sie heute morgen aus dem Altonaer Untersuchungsgefängnis in das Zuchthaus von Cell« übergeführt, wo sie ihre Strafe verbüßen werden. Gandhi ist auf einem Spaziergang über einen Eisenbahndamm gekommen und dabei versehentlich aus ein noch glühendes Kohlen- stück getreten, feine Verletzung soll nicht ollzuschwcr sein. Vrandstistung im Konsumverein Kalle? Zwei Tage vor der Zwangsversteigerung. halle, 4. Ium.(Giganbcridtf.) In her Nacht zum Donnerstag brach in dem Keller des Zentral- gebäudes des Konsumvereins Halle, in dem sich Kisten mit Baumwolle, Spirituosen, Farben und andere leicht brennbare Stoflc befanden, ein Brand aus. Die gesamte Bevölkerung von Holle, soweit sie nicht auf die KPD. schwört, ist der Usberzeugung, daß dieser Brand angelegt worden ist und dah ein allzu getreuer Fridolin des kommunistischen Geschäftsführers das von ihm in der letzten Vertreterversammlung gesprochene Wort:„Die Sozialfaschisten sollen nur die nackten öden Mauern bekommen!" allzu wörtlich genommen und das Feuer angelegt Hot. Am Sonnabend sollen bekanntlich die Gebäude des Konsumoereins Halle zwangsweise oersteigert werden. Brüderlich vereint. p. Solomon biedert sich bei der KpO. a». Oer Kall Oavidsohn. Als Abstinent im Solde des Braolapitals. Bor kurzem konnten wir feststellen, dag der„Korrupiionsbe- kämpser" Georg D a o i d s o h n alz Führer einer Splitterbewe- gung der A b st i n e n t e n gleichzeitig im Solde des Alkohol- k o p i t a l s gestanden hat. In einer Zuschrift an den.Vorwärts" ging Davidsohn am Kern dieses Vorwurfs vorbei. Jetzt bringt das Amtsblatt des deutschen Guttemplerordens„Neuland" in seiner neuesten Nummer eine Berichtigung des Deutschen Brauerbundes e. V., Propaaandaabteilung, gezeichnet Dr. Ilgenstein, worin unsere Behauptung in vollem Umfange von Daoidsohns heimlichen Geldgebern bestätigt wird. Di« dem„Neu- land" zugeschickte Berichtigung des Deutschen Brauerbundes sagt nämlich: „Es entspricht nicht den Tatsachen, daß die Propagandazen- trale..aus Sem Lager der Alkoholgegner einen gesürchtetei, literarischen Kämpen mit einem entsprechenden Betrag« zum Schwei- gen gebracht hat". Wahr ist vielmehr, daß dieser„gefürchtet« Kämpser", wie sich erst spater zu unserer Uebcrraschung herausstellte, der Verfasser der Dabelstein-Broschüre, Herr David- söhn, sich dadurch bei der Propagandazentrale einführte, daß er uns aus eigene ni Antrieb und unter Hinweis darauf, daß er sich von der Abstincnzbewegung endgültig zurückgezogen, seine MitarbMterschaft uno sogar aus Grund seiner im alkoholgegncrischen Lager gewonnenen intimen Kennt- niss« u. a. eine Schrift gegen Herrn Professor Dr. Reinhard Strecker anbot, welch letzteres van uns aus s e l b st v e r- st ä n d l i ch c n Anstandsgründen abgelehnt wurde." Di« Zeitschrist„Neuland" fügt dieser Entlarvung Davidsohns durch feine bisherigen Patrone vom Alkoholkapital noch hinzu: „Inzwischen hat nun der„Vorwärts" in seiner Morxennum- nur vom 23. Mai die Tatsache sestgestellt, dah Herr Daoidsohn mit dem Brauerbund Geschäfte gemocht hat. Leider konnten wir an dieser Totsache selbst nicht mehr zweifeln, weil auch in einem Brief« von Herrn Dovidsohn an uns vom 3. Mai«in mittel. b-ares Zugeständnis enthalten war und weil wir Einblick in Schriftstücke genommen haben, die diese Tatsache außer Zweifel stellen." Damit dürften die Akten über den Fall Davidsohn ge- schloffen sein. - Oer Arbeiispia« des Londiages. Tagung bis Ende Juni vorgesehen. Der Preußische Landtag wird om Montag sein« Vollsitzungen wieder ausnehmen, um vor allem den Vertrag mit der evangelischen Landeskirche zu verabschieden. Mit der B«. rotung soll auch das neu« Pffarrbefoldungsgefotz ver- buriden werden. Di« beiden Borlagen werden om Montag in erster Lesung beroten werden. Am Dienstag wird voraussichtlich keine Vollsitzung stattfinden, damit der hauptausschuß dies« Vorlag« vorderoten kann. Di« zweit« Beratung wird am Mittwoch, die dritte om Sonnabend nächster Woche erfolgen. Der Aeltestenrot wird om Montag noch die Einzelheiten des Beratungsplanes festlegen. Neben kleineren Borlogen und Anträgen sollen auch die neuen Siedlungsgesetze zur Beratung gestellt werden, die«ine Aenderung des Landesrenten- bankgesetzes und der gesetzlichen Bestimmungen über das Kredit- mesen für die ländliche Siedlung umfassen. Der Aeltestenrot wird auch die Frage zu entscheiden haben, wenn der Landtag zu seiner letzten Tagung vor de r� Sommerpause zusammentreten soll, um die Vorloge des Stoatsministeriums über den Volks- entscheid zu beraten. Man rechnet damit, daß diese Tagung in der Woche vom 22. bis 27. Juni stattfinden wird. Es sollen dann auch die Siedlungsgesetze verabschiedet werden. Krankreich und deutscher Ifoiionalismus Eine Mahnung Blums Parts, 4. Juni.(Eigenbericht.) Leon Blum verteidigt im Leitartikel des sozialistischen Partei- organs die Haltung der Sozialdemokratie gegenüber dem Kabinett Brüning. Er führt den Nachweis, daß die Sozialdemokratie alles tut, um die Ausbreitung des Nationalismus in Deutschland zu ver» bindern. Di« deutschen Sozialdemokraten hätten, so schreibt er, alles für den Kampf gegen den Nationalismus und für den Frieden ge- opfert und keinen Augenblick nachgegeben. Di« französischen Sozia» listen fühlten sich solidarisch mit ihnen, da st« die Gefahren des deutschen Nationalismus für Europa, trotz der gegenteiligen Be bauptungen der nationalistischen Presse nicht unterschätzten. Di« Hauptsrage sei. wie der deutsche Nationalismus außerhalb Deutsch- lands mit wirksamen Mitteln bekämpft werden könne. Es hänge zum größten Teil von Frankreich ob. durch eine entsprechend- hol' tung die Bemühungen der deutschen Sozialdemokraten zu unter stützen.-.* Die Kammer wird am Freitagnachmittag die Interpellationen debatte über die Außenpolitik fortsetzen. Aus der Tagesordnung stehen die Interpellationen der Abg. Margaine(Radikal) und Gignoux(Fraktion Maginot) sowie die vom Abg. Lorin neuerdings eingebracht« Interpellatwn über die Stahlhelmkundgebung in Breslau. Di« sozialistische Fraktion hat den Abg. F r o s s a r d ermächtigt. ein« Interpellation über die Lag« in Indochina und über die Koloniolpofitik der Regierung einzubringen. Oer Korruptionsprozeß. Parts» 4. Juni.(Eigenbericht.) Die Unterfuchungskommission des Staatsgerichtshofes hat den früheren Minister Peret über feine Roll« bei der Einführung der Sinia Liscosa-Attien an der Poriser Börse vernommen. Da die Beratungen streng geheim sind, ist darüber nichts zu erfahren. Am Freitag werden die drei übrigen AngeNagten Lesnard, Lidal und Favre oeruowme». ... und, wissense, Herr v. Solomon: �922, wie die Kopede am Kurfürstendamm gegen die �athenau-Mörder demonstriert hat, da ha' ick schon innerlich ne stille Sympathie for Sie gehabt. Entmilitarisierte Lustzonen! Schluß mii den Provokationen durch fremde Kriegsflieger. Seit einem Monat wiederholen sich zum vierten oder fünften Mal« Grenzübcrschreitungen durch französische Kriegsslieger. Das kann kein Zufall mehr sein, sondern ist nur als ein von den» Pariser Luftfahrtministerium geduldetes Borgehen und Darausonkommen- lassen der französischen Grenzsliegertruppen zu erklären. Es ist doch kein Zufall, daß im ganzen verflossenen Jahr nur je ein schweizerisches und dänisches unsere Landesgrenzen überschritten, während monatelang die polnischen Kriegsflugzeuge und jetzt plötzlich — nachdem so etwas jahrelang nicht vorgekommen ist— die französischen Kriegsflieger sich auf deutsches Gebiet„verfliegen". Daß provokatorische Absichten militärischer Stellen dabei vorliegen muffen, ist um so sicherer, als nach deutschen Einsprüchen gegen- über der polnischen-Regierung und Einwirkungen der Warschauer Zentralbehörden auf die Fliegerkorps die Grenzverletzungen dort so gut wie aufgehört hoben. Di« nationalistische Presse oerlangt bereits, daß in zukünftigen Fällen scharf geschossen und fremde Kriegsflieger exemplarisch bestraft werden, ohne Rücksicht darauf, ob es sich um eigenes Per- sehen, eigen« Schuld oder Schuld vorgesetzter Stellen handelt. Dem- gegenüber ist es wohl für einen Staat, der«in««igen« Kriegs- lustflott« nicht besitzt und eine wirklich« Friedenspolitik treibt, an- gemessen, noch würdigeren und zugleich wirksameren Abwehr- Methoden zu suchen. Was die Veranstaltung von militärischen Luftübun- g e n in unmittelbarer Grenznähe anlangt, so sollt« die bisher mir gegen Deutschland angewandte Idee der entmilitarisierten Zone um Deutschland verwirklicht werden. Aus der Erde ist sie zwar angesichts des französischen Festungssystems gescheitert: ohne weiteres aber wäre sie in der Lust zu verwirklichen. Durch Ver- Handlungen müßte darauf hingewirkt werden, daß Lust- manöver in unmittelbarer Nähe der Landesgrenzen in Zukunft unterbleiben. Die fortgefetzte Beunruhigung und nationalistische Verhetzung von Nachbarvölkern, die die Folge ist von Luftmanöoern an den Landesgrenzcn, kann mir durch eine internationale Ver- ftändigung darüber unterbunden werden, daß militärische Flicgerübungen nur noch eine große Zahl von Kilometern von den Grenzen entfernt stattfinden dürfen. Ebenso wäre dafür zu sorgen, daß die G a r n i s o n i e- rung von Fliegertruppen in Grenzstädten aufhört: für sie können militärische Gründe nicht, gegen sie aber alle Gründet freundnochbarlichen Zusammenwirkens ins Feld geführt werden.� Eine entmilitarisierte Luftzone um Deutschland könnt« einen ge- wissen ersten Ausgleich für die entmilitarisierten Zonen in Deutsch- land darstellen. Vrotest in Ztans'. Di« amtliche Nachprüfung hat ergeben, daß totsächlich fron« zösisch« Marineslugzeuge die Nordsee-Inseln Borkum und Norderney überflogen haben. Die Flugzeug« befanden sich auf dem Wege van Kopenhagen nach den Niederlanden, wohin sie Einflugerlaubnis hatten. Eine Ueberfliegungserlaubnis für die deutschen Inseln war nicht eingeholt worden. Der deutsche Botschafter in Paris ist angewiesen worden, scharfen Protest gegen die Ueberfliegung einzulegen. Amerika und Nußland. ?lew-ssorker Handelskammer fordert Abbruch der Handelsbeziehungen. Ztav Jork. 4. Juni. Die einflußreiche Handelskammer des Staates New Bork nahm mit 210 gegen 3 Stimmen eine Entschließung an, in der der sofortig« Abbruch der Handelsbeziehungen zu Rußland ge- fordert wird. Die Maschinenausfuhr nach Rußland, die Mitarbeit von amerikanischen Ingenieuren am Aufbau Sowjet- rußlands sowie die Einfuhr sowjetruffischer Waren sei aus morali- schen, sozialen, wirffchastlichen und politischen Gründen u n g c- rechtfertigt. Kabinett Nenkin in Belgien. Sine reaktionäre Notlösung. Brüssel. 4. Juni.(Eigenbericht.) Nach genau zwei Wochen anhaltender Regierungskrise ist es dem rechtskatholischen Führer Renkin am Mittwoch gelungen, die k o th o li sch- l i b e r a l e Mehrheit wieder zusammenzubringen. Er hat demgemäß den Auftrag zur Regierung?- bildung angenommen. Ueber die vermutliche Zusammensetzung der neuen Regierung ist zunächst noch nichts Bestimmtes zu sagen. Nur soviel scheint sicher, daß de Broqueville als Kriegsminister aus dem Kabi- nett ausscheidet. Man wird ihm keine Träne nachweinen. Man denke nur an die klägliche Roll«, die er anläßlich seiner Be- hauptunge» über die angeblichen Geheimrüstungen Deutschlands gespielt Hot. Im übrixen war er ein gefügiges Werkzeug des belgischen und sranzösischen Militärklüngels. Allerdings ist auch von der neuen Regierung kein Widerstand gegen die übertriebenen Forderungen der Militärkreise zu erwarten. Die volle Ausrecht- erhaltung der M i li tä r f o r d e ru n g e n und Besesti» gungobauten Iaspars ist einer der Hauptpunkte des neuen Regierunosprogromms. I a s p a r oerschwindet in der Der- senkung, sein Nachfolger Renkin steht ihm politisch sehr nahe. Er dürste ihm trotz seiner 68 Jahre an autoritärer Brutalität kaum nachstehen, wird aber in schwierigen Situationen wohl mehr tat- tische Geschmeidigkeit aufbringen. Für sein« politische Stellung ist die Totsache bezeichnend, daß er der belgische Vertreter an einer i» Lausanne gegründeten internationale» faschistenfreund» l i ch e n Organisation ist. Wie die katholischen Flamen und die Demokraten bei der neuen Regierung auf ihr« Rechnuno kommen wollen, ist ihr Geheimnis. Di« wichtigsten Streitpunkte in der Sprachensrage werden einfach vertagt. Ueber die Fi» nanzen wird zunächst überhaupt nicht gesprochen. Ein langes Leben wird der Regierung Renkin ebenfalls nicht beschieden sein. Kürten und der Nechtsausschuß. Oer Landtag nicht zuständig. Der Rechtsausschuß des Preußischen Landtags nahm om Donnerstag seine Beratungen wieder auf. Er beriet den deutsch- nationalen Antrag, wonach das Staotsministerium ersucht wird, das gegen Kürten rechtskräftig gewordene Urteil voll- strecken zu lassen. Abg. Dr. Kaufmann, Berlin(Dnot). empfahl als Berichterstotter, daß der Ausschuß dem Landtag die Annahme dieses Antrages empfehlen soll«. Es komm« der deutsch- nationalen Fraktion vor allem darauf an, ein« Erklärung der Re- gierung darüber herbeizuführen, inwieweit die frühere Erklärung des Iustizmimsters, daß er keine Todesurteile vollstrecken lassen werde, eine grundsätzliche Stellungnahme bedeute. Gerade der Fall Kürten zeige, daß die Todesstrafe nicht entbehrt werden könne. Es fand nur eine kurze Beratung statt. Die Abgg. R h i e l(Ztr.) und Riedel (Staatsp.) erklärten, der Landtag sei nicht zuständig dafür, einen solchen Beschluß zu fassen. Abg. Eich ho ff(D. Vp.) wies darauf hin. daß er Anhänger der Todesstrafe sei. Der Landtag könne aber dem Staatsministerium nicht im Einzelfall sein« Di« rektiven auferlegen. Abg. Kuttner(Soz.) wies auf die Konsequenzen hin. Wenn man den Antrag annehme, dann würde auch umgekehrt das Mi- nisterium jeden einzelnen Fall dem Landtag zur Beschlußfassung unterbreiten und damit die Verantwortung von sich weisen können. Abg. F r h r. v. W a n g e n h e i m(Dt.-Hann.) betonte, daß auch er. besonders im Falle Kürten, für die Todesstrafe sei, der Landtag könne ober hier nichr eingreifen. Abg. Dr. M a r e tz k y(Dnat.) brachte hierauf einen Ergänzungsantrag ein. wonach entgegen der Erklärung des Iustizmimsters das Staatsministerium ersucht wird, die Vollstreckung der Todesstrafe künftig grundsätzlich nicht abzu- lehnen. Dieser Antrag wurde gegen die Deutschnationalen und die Deutsche Volkspartei abgelehnt. Annahme fand der sozialdemo- krotische Antrag, den zugrunde liegenden deutfchnationalen Antrag ab zu lehne», da der Landtag wicht z«siS»dig sei. Unternehmertum und Jugend. " ,, Dolmetscher gesucht!" ,, Auf der Tagung Unternehmertum und Jugend" fand die Jugend zwar viele Einwände gegen das Unternehmertum, aber fein einziges Wort der Anerkennung." Mit dieser ehrlichen Enttäuschung fennzeichnet Dr. Karl Düssel das stimmungsmäßige Ergebnis einer Tagung, die am 28. und 29. November 1930 auf Beranlassung des von ihm geleiteten Wirtschaftspolitischen Schulungsfreifes" stattfand. Wer ist dieser Wirtschaftspolitische Wer ist dieser Wirtschaftspolitische Schulungstreis? Wer den gedrudten Bericht liest, braucht nicht lange auf Antwort zu warten. Die Geleitworte hat Geheimrat Duisberg, der Borsigende des Reichsverbandes der deutschen Industrie, geschrieben, und die einleitenden Ausführungen der Ges schäftsführer des Reichsverbandes, Herr Dr. Herle. Was mit dieser Veranstaltung eigentlich bezweckt wurde, tommt in Dr. Düffels eigenem Beitrag, sowohl im Titel ,, Dolmetscher gefucht", wie in einzelnen Säßen deutlich zum Ausdrud. Am ein deutigsten vielleicht erhellt das Ziel aus folgenden Worten:„ Das Ziel wäre, in Gruppenaussprachen zwischen Unternehmertum und Jugend eine Ausleje von Bertrauensleuten der Jugend freie Wirtschaft zu danken. Daher müßten die Eingriffe des Staates auf ein Mindest maß beschränkt werden, insbesondere im Schlichtungswesen und in der Wohnungswirt| fchaft." In Anbetracht des Zugeständnisses, daß die Wirtschaft als dann den Staat freundlicherweise als höchfte Instanz anerkennen wolle, müsse ihr aber als Gegengabe das Vertrauen zum Unter nehmertum, Optimismus und Arbeitswilligkeit entgegengebracht werden. " ,, Ob die Ausdehnung des gebundenen Wirtschaftssektors zur Ueberwindung dieses Wirtschaftssystems führen werbe?"- Antwort: Ueberwindung dieses Wirtschaftssystems führen werde?"- Antwort: Bor Ueberschäßung des gebundenen Wirtschaftssettors sei zu marnen und im übrigen sei die Wirtschaft bereit, auf viele Kartelle und Konventionen zu verzichten, wenn der Staat feinerseits auf das Recht verzichtet, den Lohn durch Schiedsspruch verbindlich festzusetzen. Im übrigen ( leichter Wink an die jungen Mittelständler) sichere das Kartellwesen die Existenz fleinerer Betriebe. Wobei die Herren vergaßen, hinzu zufügen, daß dadurch auch die dauernde Ueberhöhung der Preise, die von den mit Kartellhilfe fünstlich am Leben gehaltenen un rentablen Betrieben gefördert wird, zustande kommt. Die Jugend warf trotzdem das Problem der Monopol preispolitit und die auftraftfrage auf. Sofort wurde Das interessanteste ist, daß diese Tagung, die offensichtlich eine ihr eingehend dargelegt, daß es sich nicht um einen einseitigen Lohn abbau handle, da die Unternehmergehälter durch Kürzung Ehrenrettung des Unternehmertums bezweckte, damit begann, daß all ihrer Bestandteile weit stärker als die Löhne ge= der erste Redner der Jugend ausdrücklich von einer Vertrauens= sunten seien.(!) Im übrigen müsse die Lohnsentung der frife gegenüber dem Unternehmertum sprach. Selbst übrigen Senfung der Kostenelemente zeitlich vorausgehen, bei aufmerksamer Lettüre fann man- und das mag der Hauptda das Sinten der Rohstoffpreise erst in längeren Zeiträumen wirf grund für die Ergebnislosigkeit der Tagung sein, feststellen, daß fam gemacht werden könne. zmar versucht wurde, zu befähigen, den Nachwuchs wirtschaftspolitische Schulung knapper Brägung zu vermitteln." Wie diese wirtschaftspolitische Schulung aussehen soll, darüber fann wohl fein Zweifel bestehen. die Unternehmerfunktion zu idealisieren, daß auch mancherlei reale Einzelbilder gegeben worden sein mögen, daß aber nirgends eine wirkliche schöpferische Lebenskraft des Unter nehmertums in Erscheinung zu treten vermochte. Besonders intereffiert es dahin, daß man sich vor allem an die mittelständische Jugend wandte, die unter dem Namen ,.bündische Jugend" mehr oder weniger romantisch eingestellte Organisationen der verschiedensten Art von den wandervogelartigen Freischaren" bis zu den Pfadfindern und den konfessionellen Jugend verbänden umfaßt. Man hat dabei wohl einen ganz guten Instinkt bewiesen. Es ist schon so, wie Dr. Düssel fagt: Die Luftigteit der Konstruktion gerade der mittelständischen Jugend hat das Gute, daß sie in ihnen noch nicht festgelegt ist... Ihre Wirtschaftsforderungen sind größtenteils als gefühlsmäßige Ausbrüche einer Wirtschaftsgesinnung zu verstehen, die noch nicht zur Klarheit und Konsequenz sich durchdrang." Diese jungen Menschen, die tatsächlich zumeist ehrlich um die noch fehlende Klarheit ringen und die zugleich als der neue Mittelstand der hohen Berufsbildung ohne Befih", von uns schlichter als proletarisiertes Akademikertum", definiert von uns schlichter als proletarisiertes Akademikertum", definiert merden, haben tatsächlich einen ausgeprägt antitapitalisti schen Sinn. Jeder, der einmal bündischen oder studentischen Veranstaltungen der verschiedensten bürgerlichen Richtungen beigewohnt hat, wird wissen, wie gerade hier die hellen Quellen fließen, die nachher allzu leicht in das schlammige Staubeden des Nationalsozialismus abgeleitet werden. Lehrreich und sogar amüsant ist es, wie auf die nicht formu lierten Einwände der Jugend von Vertretern der Unternehmerseite erwidert wird: Ob die jeßige Krise zur fortschreitenden Berelendung der Massen und zum Untergang des herrschenden Wirtschaftssystems führen werde?" ,, D, nein, der gegenwärtige Rüdschlag sei nicht dieser Wirtschaftsverfassung, sondern den ungewöhnlichen Wirtschaftsbelastungen durch Krieg, Niederfage und Inflation, vor allem aber Staatlichen Zwangseingriffen in die feit 1914 ja feineswegs mehr Zur Frage des Arbeitnehmers im Betrieb wurde von der Jugend mit Recht auf den Mangel an elastischen Aufstiegs möglichkeiten und. die ungenügende menschliche Bewertung der Arbeitsleistung hingewiesen. Von Unternehmerseite wurde der solche Erscheinungen bedingende überragende Anteil des Großbetriebs an der Wirtschaft abgestritten und zur Frage der Aufstiegsmöglichkeiten betont, daß sich hier nur der verengte Lebensraum als Kriegsfolge auswirke. Das also, was eigentlich die Aufgabe der Tagung war: der Jugend zum Bewußtsein zu bringen wie Präsident Brau meiler ausführte-,„ daß in dieser Wirtschaftsform unserer Jugend noch die größte Chance ihrer eigenen Entwicklung gegeben lei", scheint mit solch faden Limonadenreden nicht gelungen zu sein, und wenn man obendrein fonsequent sein will, so wird man die Aeußerung des Herrn Abraham Frowein:„ Eine kapitalistische Wirtschaft, die nicht zum Ziel hat, daß eine möglichst große Zahl von selbständigen Eristenzen in Landwirtschaft, Industrie, Handwerk und Hanbel geschaffen merbe, und die dieses Ziel nicht erreicht, arbeitet falsch". durchaus mit dem Zuruf bejahen können: Ja, sie arbeitet falsch,- auch, und besonders vom Standpunkt der liberalen Wirtschaftstheorie aus! Das heißt in Bahrheit: die heutige Wirtschaft arbeitet nicht nur vor allem falsch, fie arbeitet auch anders als die frühere Wirtschaft, und es wäre unverständ ich, wenn nicht die im bürgerlichen Lager stehende Jugend all mählich merken würde, daß fie unter Verwerfung der Wirtschaftsdemokratie auf dem besten Wege ist, sich einem wirtschaftlichen Feudalismus zu beugen. Maschinenbauanstalten, Karl Lange, zog, für einen Sozialisten Darum ist das Fazit, das der Direktor des Vereins deutscher nicht erstaunlich: Nahezu die gesamte Jugend, so sehr auch in gewissen Einzelfragen ihre Meinungen auseinandergehen mögen, ist sich einig, in der schärfften Krifit an dem individualistischen Kapitalismus und in der Forderung nach einem mehr oder weniger follettivistischen Wirtschaftssystem." Wenn dem aber fo fft, fo entsteht für uns Sozialisten in voller Schwere die Frage: Warum haben wir es nicht vermocht, alle diese jungen, dem Kapitalismus feindlichen Kräfte in unsere Reihen zu ziehen? Gerode aus dieser Berspektive gewinnt auch das Thema Jugend und Partei" auf dem Leipziger Parteitag ein brennendes Interesse. Wir haben mehr als zwölf Jahre hindurch in stiller und erfolgreicher Arbeit einen Staat der deutschen Arbeit geschaffen, der in sozialpolitischer Leistungsfähigkeit in der Welt nicht seinesgleichen hat und darum in einer Wirtschaftskrise, die wie faum eine vor ihr die Kraft der Arbeiterschaft schwächt, von dem Generalansturm des Unternehmertums bedroht wird. unsere Propaganda für diese Arbeit so gut wie die Politik, durch die sie geschaffen wurde? Ist es uns gelungen, die Jugend für die Berteidigung dieses langsam werdenden sozialen Staates in Kampfbereitschaft zu bringen? War Bir find allezeit eine gute Organisation gewesen. Eine Jugend, die meniger die Erfolge der Nachkriegszeit mit den Mängeln der Borfriegszeit, sondern die Unzulänglichkeiten der Gegenwart mit den leuchtenden Wünschen der Zukunft vergleicht, fann nur dann gewonnen werden, wenn Gegenwart und Zukunft zueinander in Beziehung gesetzt werden durch die bestimmte Linie eines zielbemußten Handelns. In diesem Sinne muß aus der Organi. sation aber auch wieder eine Bewegung werden. Die Gegenwart mit ihren taktischen Notwendigkeiten der Verteidigung und eines in der Defensive unumgänglichen gelegentlichen Zurüdweichens wird auf den vorwärtsdrängenden Sinn der Jugend nicht so zu wirken vermögen, wie die Haltung unbekümmerten Ansturms. Da aber die Verteidigung dessen, was wir errungen haben, nicht nur eine Verteidigung einzelner Maßnahmen ist, sondern da gegen den Faschismus eines irregeleiteten Mittelstandes und gegen den antidemokratischen Machttrieb seiner fapitalistischen Gönner die Entscheidungsschlacht auf deutschem Boden ausgetragen Aggressivität der Jugend in den direkten Dienst der Propaganda der zu werden droht, so muß es trotzdem möglich sein, die Aktivität und Partei und des Kampfes um Demokratie und Sozialismus zu stellen. Dann werden nicht wirtschaftspolitische Schulungstreife" und auch nicht die Truggebilde der„ Dinta" und ihrer Wertgemeinschaftsideologie die Jugend erobern, sondern der alle Zeit aufbauende und tämpferische Sozialismus. Von ihm laßt zu der Jugend sprechen! Otto Friedländer. Alkoholische Abweichung. Abfägung schweizerischer Oberbolschewiki. Zürich, 4. Juni.( Eigenbericht.) Bartei der Schweiz sind ihres Amtes enthoben worden, da sie an Zwei Mitglieder des Politbüros der Kommunistischen einem Saufgelage mit einem als Scharfmacher berüchtigten Internehmersetretär in Basel teilgenommen haben. Ein drittes Mitglied ist, wie das rechtsoppofitionelle Schaffhausener Kommunistenblatt mitteilt, schon vor einiger Zeit wegen Un= fähigkeit aus dem Politbüro entfernt worden, so daß die ganze erst vor einem Jahr nach der Schwenfung in der Parteitaftik neu. gewählte Parteispitze wieder verschwunden ist. Auch in Aegypten Regierungswahlfieg. Die Regierungspartet Eidly Baschas hat 81 Gige, die sogenannte Königspartei, die die Regierung in allen wesentlichen Fragen unterstützt, 38, die Natio= nalen oder Wafdanisten( regierungs- und fremdenfeindlich) 8, Unabhängige verschiedener Richtung 17, im ganzen 144. fehlenden 6 Size verteilen sich auf entfernte Dasen, deren Ergeb riffe erst in einigen Tagen eintreffen, das Gesamtergebnis aber nicht beeinflussen werden. Gewerkschaftliches fiehe 3. Beilage. Die noch Verantwortlich für Politik: Tr. Curt Geyer; Wirtschaft: G. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: S. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schitowski; Lokales und Sonstiges: Frik Karstädt; Anzeigen: Th. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchbruceret und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin SW 68, Lindenstraße& Sierzu 3 Beilagen und Stadtbeilage. WERTHEIM Billige Zusendung von 5 M an. Obst, Gemüse u leicht verderbliche Artikel werden nicht zugesandt Frisch. Fleisch Pfund Pfund Kalbskamm Pfund 0.62 u. Rücken 0.68 Kalbsbrust Kalbskeule is 9 Pfd., Pfd. ganz u.geteilt 0.84 Kalbsschnitzel Pfund 2.00 u.-Brust, 0.78 Rinderkamm Brust, 0.78 Querrippe Pfund 0.66 Schmorfleisch Pfund 1.14 Roastbeef mit Knoch, Pfd. 1.00 Fr. Rinderzungen Pfd. 1.10 Gulasch 0.90 Liesen 0.54 Gehacktes... Pfund 0.70 Rückenfett braffertig, 0.50 ohne Kn., Pfund Hammel- Vorderfl. 0.86 Schweinebauch Pfund 0.60 Schweineblaff. Pfund 0.68 Schweineschinken Pid. 0.74 Kafler ohne Knochen, Pfd. 0.88 Spezialität Fr. Bratwurst 0.95 Pfund Nierentalg ausgelassen, 1.50 5 Pfund Fische Kabeljau Fische, Pfd. v. an a. Kopf, ganze 0.12 u. Schellfisch Pfund von an Rotbars 0.14 Kabeljaufilet Pfd. v. an 0.20 Bratschollen 2 Pid. v. an 0.35 Leb. Schlele Pid. von an 0.65 Lebende Aale Pid.v.an 1.10 Konserven span., o. Zucker Dose Apfelmus..... 0.65 Saure Kirschen.... 0.90 Aprikosen halbe Frucht 0.95 Pfirsiche kalif., halbe Frucht 1.18 Ananas ca. 1000 Gr. bruto 1.35 Aprikosen Frucht, 5/, D. 2.75 Senfgurken Dose 52.25 0.58 Sellerie. Dose 0.40 0.65 Brechbohnen I 0.48 0.54 Gemischtes Gemüse 0.60 Junge Erbsen..... 0.50 Junge Erbsen sehr fein 1.05 Olsardinen 2 Klubdosen 0.75 Würstchen Dose 5 Paar 0.75 Corned Beef ca. 500 Gr. 1.10 brutto Konfitüre, Eimer, Pflaumen 0.90 Johannisbeer, Aprikosen, Orange 1.10 Kirschen 1.20, Erdbeer, Himbeer 1.30 Kolonialwaren Bruchreis..... Pfund 0.14 Tafelreis Pfund 0.26, 0.22 0.16 Hartgriefs Pfund 0.30 0.28 Schnitt- Nudeln Pfd. 0.56 0.44 Makkaroni Bruch, Pfd. 0.52 0.46 Pflaumen Pfund 0.52, 0.40 0.28 Backobst Pfund 0.75, 0.58 0.36 Aprikosen Pid. 1.18, 0.9 0.64 Soweit Dorrat: Lebensmittel Stachelbeeren unreife, Pfund 0.20 Austral. Tafeläpfel Pfund 0.52 Tomaten spanische... Pfund 0.45 Zitronen... Dutzend von an 0.52 Bananen 2 Pfund 0.78 Spargel.. Pfund 0.03 0.14 0.48 Salat. 4. Kopf 0.10 Radieschen 4 Bund 0.10 Rhabarber 4 Pfund 0.10 . Blattspinat.... 2 Pfund 0.25 Neuer Wirsingkohl. Pfund 0.15 Kohlrabi Mandel 0.30 Blumenkohl Kopf von an 0.25 Grüne Gurken Stück von an 0.25 Junge Schoten... 2 Pfund 0.35 Neue Kartoffeln. 5 Pfund 0.55 Matjesheringe 2 Stück von an 0.25 Hering- Salat Pfund 0.70 Italienischer Salat Pfund 0.75 a • Brot vorgeschr. Gew. 1, 0.20, 0.40 Gebrannter Kaffee eigene Rösterei Pfund 1.90 2.40 2.80 3.20 Wurstwaren u. Fleischfeine, u. Filetwurst Zervelat u. Hausmach. Sülze Pfd. 0.48 0.85 Dampfwurst wurst, Pid. Mettwurst( Braunschw.Art) 0.92 Leberwurst( Hausmach.) 1.08 1.08 Schinkenpolnische 1.08 Kümmelwurst Pfund 1.20 Leberwurst 1.30 Holsteiner salami, Pfund 1.30 Teewurst feine u grobe 1.35 Zervelatwurst Fettdarm 1.45 Speck fett 0.68 mager, Pfd. 0.88 Schinkenspeck Pfund 1.30 Gekochter Schinken geschn., o. Schwarte, Pid. 0.38 im 1.Stücken 0.70 Schacht. 6 Käse u. Fett Camembert of., 6 Port. 0.20 Emmenthal.Artine 0.60 Harzerkäse Pak. ca. 1 Pfd. 0.30 Briekäse vollfett.. Pfund 0.52 Holländer vollfeit, Pfund u. Edamer, 0.70 Steinbuscher vollfett, Pid. 0.72 0.76 Limburger 0.42 Tilsiter vollfett, Pfund y. an 0.72 vollfett Margarine u. Kokosfett, C.75 2 Pfund Molkereibutter Pid. 1.44 1.24 Markenbutter 1.48 1.48 Dän. Butter allerfeinste la Qualität Pfund 1.58 Geflügel Tauben frisch geschlachtet, 0.70 Hühner Stück von an frisch u. gefroren, 0.88 Pfund von an Enten ungar., Pfund von an 0.78 Brathühner Pfund v. an 1.15 Reh- Kochfleisch u. Rücken Plurd V. an 0.26 Reh- Blatt Pfund von an 0.38 Rehkeu.e- Pfund von an 1.50 Frische Eier 10 von an 0.55 Stück Räucherwaren u. Seelachs Pfund von an Flundern 0.36 Makre en Pfund von an 0.42 0.45 Kieler Bücklinge Aale Bund von an Pfund v. an Pfa. v. an 0.38 2.20 Wein Preise für Flasche, ohne Glas Rackies Urquell Frankfurier Apfelwein 0.60 1930 Oberhaardier 1928 Senheimer Mosel zur Fruchischaumwein 0.73 0.80 Bowie 1.20 mit Steuer u. Flasche 1928 Liebfraumilch Blaukapsel 1.25 1928 Oberemmeler Riesling 1.30 1928 Schloz Böckelheimer 1.60 1921 Médoc Bordeaux.... 1.50 Himbeer: att mit Kirsch gedunkeli, mit Sakflascio 1.20 Weln vom Faj Johannisbeerwein Liter 0.70 Maikammerer Lifer 0.80 Tarragona u. Wermut Liter 1.00 Nr. 251* 48. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Frettag, 6. Imn 4934 Wss isS cisr Unterschied...? Die Domeliade des Bäckergesellen. Dar Zeven war« ein beliebtes Gesellschaftsspiel, Scherzfragen zu stellen, beginnend mit der Formel:.Was ist der Unterschied...* Beispielsweise:.Was ist der Unterschied zwischen einem Polstersessel uno einem Kaktus?" Antwort:.Man setze sich erst auf den Polster- sessel und dann auf den Kaktus, so wird man den Unterschied mer- ken."(Nebenbei: es empfiehlt sich, diese Scherzfrage allen Kom- munisten aufzugeben, die an einen die sinnreiche Frage richten. was denn schon der Unterschied zwischen der Demokratie und dem Faschismus sei.) Zur Zeit aber legt ein Vorfall, der sich in den Kreisen der Er- wählten, in der gesellschaftlichen Elite, abgespielt hat, uns folgende Frag« vor:.Was tft der Unterschied zwischen einem p r i n z l i ch e n Kammerherrn und einem arbeitslosen Bäckergc- seilen? Die Antwort darauf ist schwer, denn der Familie eines Berliner Großindustriellen ist dieser Unterschied in wochenlangem Verkehr mit dem 42jährigen arbeitslosen Bäckergesellen Otto Laake, der sich als Baron Edgar von Alten. Kammerherr des Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen, bei ihr eingeführt hatte, keineswegs aufgefallen. Wir können also unsere Frage:.Was ist der Unterschied zwischen einem prinzlichen Kam- merherrn und einem arbeitslosen Bäckergesellen?" höchstens dahin beantworten: Es ist der gleiche Unterschied wie zwischen Harry Domela und dem Kaiserenkel oder wie zwischen einer Kuhmagd aus Erfurt und der Prinzessin Margarete von Preußen, nämlich: gar keiner. Der Vorgang ist kurz der: Das Fabrikantentöchterlein(leider unterschlägt uns der Bericht den Namen) lernt den„Baron" auf einer Tanzgesellschaft kennen. Nachdem dieser ihr ins Ohr geflüstert hat, daß er in Langfuhr bei den Totenkopfhusaren gestanden habe und seit dieser Zeit enge Beziehungen zum Kronprinzen unterhalte, ist das Töchterlein Feuer und Flamme. Wie auch nicht? Sollte nicht die kronprinzliche Unwiderstehllchkeit durch den freundschaftlichen Verkehr auf den Herrn Baron abgefärbt haben?! Der Baron wird im elterlichen Hause eingeführt. Bei Fabrikantens hält man noch auf Tradition und Untertanensinn, man ist durch sein Erscheinen be- glückt und tiefgeehrt. Als der lang erwartete Heiratsantrag kommt, schwimmen Fabrikantens in Wonne und die Schwiegermama schenkt dem Bräutigam in spe ein Auto für 40 009 M. als kleine Ver- lobungsgabe. Leider hat der Herr Baron beim Verkauf seiner großen Güter, die„irgendwo in Mecklenburg" liegen, ärgerliche. Schwierigkeiten. Mama ist beglückt, ihm mit einem U e b e r- brückungskredit von 100 000 M. unter die Arme greifen zu dürfen. Und da man einmal im Geben ist, so soll der künftige Schwiegersohn gleich Generalvollmacht für den Fabrikbetrieb erhalten, denn— welch Ideal von Kammerherrn— er interessiert sich brennend„fürs Geschäft". Aber in der Fabrik ist ein alter Prokurist, der etwas nüchterner und kühler denkt als seine Herrschaft, die sich an der Vorstellung eines Barons als Schwiegersohn berauscht. Gerade als der Kammer- Herr vor dem Notar die Generalvollmacht zur Unterschrift vorgelegt erhält, erscheint Polizei auf der Bildfläche. Binnen Sekunden wird aus dem Kammerherren ein arbeitsloser Bäckergeselle. Und die Moral von der Geschicht? Was gehört schon eigentlich dazu, um als Mitglied der aristokratischen Elite zu gelten? Ein Domela, eine Kuhmagd,«in Bäckergeselle, brauchten sich nur einen tönenden Namen beizulegen und alles schwor auf ihre fürstliche Herkunft. In Oels und Sybillenort bei Breslau ober paradiert der Stahlhelm vor dem echten Kronprinzen und dem echten Geenich. Sie hätten? vor einem verkleideten Bäckergesellen mit der gleichen Begeisterung getan. �sonatbao. Aufregung um„Do X Falsche Meldungen von einem UnglücksfalL it Ueberall in der Welt wurden gestern Meldungen über einen angeblichen Unglücksfall des„Do X", der sich augenblicklich auf dem Wege nach Brasilien befindet, verbreitet. Dem.�Vorwärts" wurde aus Paris gedrahtet: Nach einer Meldung aus P o r t o- P r a y a ist der„Do X" ekiva eine Stunde nach seinem Start. 60 Meilen von der Hauptstadt der kapverdischen Inseln entfernt, ins Meer gestürzt. Das Unglück soll auf die übergroße Belastung mit Brennstoffen zurückzuführen sein, die bereits den Start sehr schwierig gemacht hatte. Dos Flugboot konnte erst nach mehreren oergeblichen versuchen vom Wasser loskommen. Einzelheiten über das Unglück fehlen bisher. Ein Telegramm aus London meldete: Wöhrend britische Meldungen aus Lissabon nur besagen, daß „Do X" am Donnerstagnachmittag von Porto-Praia(Kapverdische Inseln) zu einem Fluge aufgestiegen sei und 60 Seemeilen von der Insel niedergehen mußte, spricht eine Reuter-Meldung davon, daß das Flugschiff„ins Wasser gefallen� sei. Die drahtlose Station in Porto-Praia hat zuletzt ein Funktelegramm der„Do X" ausgenommen des Inhalts, daß sie zu einer Notwasserlandung ge- zwungen sei. Weitere Versuche der drahtlosen Station, mit der „Do X" in Verbindung zu treten, haben bisher keinen Erfolg gehabt. Aus Porto-Praia sind— wie gemeldet— Schlepper nach der Unglücks st elle ausgelaufen. Es ist verständlich, daß angesichts dieser Sensationsmeldungen in allen Redaktionen der Weltpresse größte Aufregung herrschte, bis Havas aus Lissabon drahtete: Die irrtümliche Nachricht von dem Absturz des deutschen Flug- schisfes„Do X" wurde von einem Dampfer verbreitet, dessen Mannschaft geglaubt hotte, das Flugschisf abstürzen zu sehen. Sowohl eine Mitteilung der Aero Pastale Station in Paris wie auch eint. Meldung aus Lissabon bestätigen die Talsache, daß das Aug- schiff seinen Flug in Richtung auf das S ü d k a p fortsetze. Reuter veröffentlichte dazu eine neue Meldung aus Praia(kapverdische Inseln), daß die Nachrichten über einen Unfall des Flugschiffes „Do X" unzutreffend seien.„Do X" sei auch nicht aus die Meeresoberfläche niedergegangen. Sonntagswanderungen in die schöne Mark. Die nächste Wai de- rung veranstaltet das Bezirksamt Schöneberg am 7. Juni nach Tiefensee— Gamengrund— Jhlandsee— Strausdergcr Forst. Abfahrt: 8,25 Uhr Schlesischer Bahnhof, Wriezeuer Bahnsteig. lSonntags- Rückfahrkarte nach Tiefensee.) Auskunft: Cornelius 2780. Selbstmord der Mörderin. Aus der Havel als Leiche gelandet. Der Mord an dem zehnjährige« Manfred P o ß k e. der am Mittwoch von seiner Sttefmutter erdrosselt wurde, hat eine schnelle Sühne gefunden. Die Täterin wurde am Donnerstagnachmittag aus der Havel zwischen Konradshöhe und Tegelort als Leiche aus dem Wasser gezogen. Ausflügler sahen dicht am Schilf«ine weibliche Leiche treiben, die mit Hilfe von Anglern geborgen wurde. Da bei der Toten keine Papiere gefunden wurden, die auf die Personalien Schlüsse zuließen, wurde die Leiche ins Schauhaus gebracht. Hier glaubte man auf Grund der Kleidung, die nach der Mordtat seit Mittwochnachmittog flüchtige Frau Proßke aus der Bahnhofstraße 5 in Lichtenberg zu erkennen. Die letzten Zweifel an der Identität der Toten wurden behoben, als eine nahe Verwandte in der Leiche Frau P. einwand- frei erkannte. Die Polizei glaubt, daß Frau P. nach der furchtbaren Tat zunächst planlos umhergeirrt und dann nach Konradshöhe hinausgefahren ist, wo sie in den späten Zlbendstundcn den Tod im Wasser suchte. Wie noch ermittell werden konnte, trägt der Weichensteller Poßke viel Schuld an der zerrütteten Ehe. So nahm es P., als seine Frau zu Ostern einige Wochen verreist war, mit der ehelichen Treue nicht allzu genau. Die schlechten ehelichen Verhältnisse mögen zweifellos dazu beigetragen haben, die Frau seelisch aus dem Gleichgewicht zu bringen. Vielleicht ist die Tat als ein Akt der Vergeltung für die Vorkommnisse während der Osterreise der Frau anzusehen. Mutter erschlägt vier Kinder. Alle mit der Axt umgebracht. Hilzingen bei Singen am Hohenfroiel, 4. Juni. Am Donnets tagmorgen kurz vor 6 Uhr hak die Frau des Land- wlrls und Skraßenwarks Emil Meier in einem Anfall von geistiger Umnachtung nacheinander ihre vier Kinder im Alter von 0 bis 2 Zahren mit der Axt erschlagen. Alle Sinder sind kurz nad) der Tat gestorben. Der Vater befand sich, während das verbrechen verübt wurde, im Stall und war mit dem VIehsüttern beschäsllgt. Die Frau klagte in den letzten Tagen über heftiges Kopfweh. Sie wurde gleich nach der Tat in die heil- und Pflegeanstalt Reichenau gebracht. Erwerbsloseniragödie auf Rügen. Selbstmord eines Vaters von 7 Kindern. Stralsund. 4. Juni.(Eigenbericht.) Eine Erwerbslosentragödie spielte sich in dem Rügenschen Dorfe Nipmerow ab. Ein Erwerbsloser, der sieben Kinder und zwei Kindeskinder zu versorgen hat, stand it; to-. Nacht auf und trank, ohne daß die Familie es merkte, Lysol.' Als die Angehörigen am Rlorgen erwachten, lag d e r�. E r h ä,ßr�� tot im V e t t. Der Mann hatte sich das Leben geUoltlmen, da er seit längerer Zeit als Erwerbsloser ausgesteuert war und nicht. mehr mußte, wie er feine Angehörigen vor Hunger schützen sollte. Straßensperrung. Das Engelufer von der Schillingsbrücke bis zur Köpenicker Straße ist für den gesamten Fährverkehr wegen Umpflasterung bis auf weiteres gesperrt. Die Sperning der Weise st raße in Neukölln ist aufgehoben. Der Relchsverband des deutschen Gartenbaues hält in der Zeit vom 6. bis S. Juli seine Sommertagung in Berlin ab. MSw' � kU'• UND w � F.PETROW „Bitte, wo kann man hier den Genossen Verwalter sin- den?,, fragt« Ostap in der ersten Pause. Er reichte dem Di- rigenten die Hand und fragte sreundfchastlich:„Volkslieder? Sehr intereffont. Guten Tag. Ich bin Inspektor der Feuer- kontroäe/ Der Verwalter wurde verlegen.„Ja, ja," sagte er stockend, „das paßt mir sehr. Ich wollte eben eine Bericht machen." „Sie brauchen sich nicht zu bemühen," sagte Ostap groß- mutig,„ich werde selbst einen Bericht schreiben. Lassen Sie uns setzt das Haus inspizieren." Alchen hieß den Chor mit einer Handbewegung sich ent- fernen, und die Alten zogen mit kleinen, muntern Schritten ab. „Bitte schön, folgen Sie mir", lud der Verwalter ein. Bevor ihm Ostap folgte, musterte er die Möbel des ersten Zimmers. Ein Tisch, zwei Gattenbänke auf eisernen Füßen und ein braunes Harmonium. „Werden hier keine Spirituskocher angezündet? Keine Lesen geheizt?" „Nein, durchaus nicht. Hier beschäftigt sich der Chor und die Theater- und Musikabteilung." Indem er das Wort„Musik" aussprach, errötete Alexan- der Iakowlewitfch. Alchen schämte sich sehr. Er hatte schon sängst alle Blasinstrumente verkauft. Ohnedies war nur ein Hundegewinsel herausgekommen, wenn die schwachen Lungen der Alten bliesen. Das ganze Metallzeug war so komisch anzusehen. Alchen konnte nicht anders, er mußte es stehlen. Und jetzt schämte er sich sehr. Zwischen zwei Fenstern an der Wand war ein Stoff- streifen gespannt, darauf die Devise:„Blasorchester ist ein Weg zur kollektiven Macht." Sehr gut", sagte Ostap.„Dieses Zimmer ist vor Feuers- gefah'r ziemlich sicher. Gehen wir weiter." Ostap durchschritt mit schnellen Schritten olle Räume des Worobjewschen Hauses» erspähte aber nirgends den Nußholz- stuhl mit gebogenen Beinen, überzogen mit englischem ge- blumten Stoff. An den Wänden hingen die Anordnungen der Verwaltung. Ostap las sie und fragte von Zeit zu Zeit energisch:„Werden die Ofenrohre regelmäßig geputzt? Sind die Oefen in Ordnung?" Er bekam ausführliche Antworten und ging weiter. Der Inspektor der Feuerkontrolle suchte ein Plätzchen im Hause, wo er Feuersgefahr hätte konstatieren können. Ver- geblich, alles war in schönster'Ordnung. Auch die Suche nach dem Schatz war erfolglos. Ostap trat in den Schlafraum der Alten, die sich bei seinem Kommen erhoben und ihn begrüßten. Hier standen Eisenbetten mit haarigen Decken, zottig wie Hundefell, an deren einem Ende das Wort„Füße" einge- brannt war. Die Ausstattung des Hauses war außerordentlich befchei- den. Die Möbel bestanden fast ausschließlich aus den Garten- bänken, die man vom Alexanderboulevard herübergeschafft hatte, dann gab es kleine Petroleumlampen und jene Decken mit der wenig anheimelnden Aufschrift:„Füße". Bei seinem Nachspüren nach etwas Feuergefährlichem kam der Inspektor auch in die Küche. Dort kochte man in einem großen Waschkessel einen Brei, dessen Geruch den gro- ßen Kombinator schon im Vestibül empfangen hatte. Ostap rümpfte die Nase und fragte:„Ist das Maschinenöl?" „Bei Gott, reine Butter," sagte Alchen und errötete,„wir beziehen alles von einer Milchfarm." Er schämte sich bis zu Tränen. „So so. Uebrigens ist es nichts Feuergefährliches", be- merkte Ostap. Auch hier in der Küche war der Stuhl nicht zu sehen. Auf einem fettbeschmierten Stockerl saß der Koch mit Leinenschurz und ebensolcher Kappe. „Warum ist hier die Bekleidung so graufarben und von eipem so dünnen Stoff, wie er sich eigentlich nur zum Fenster- wischen eignet?" Alchen verdrehte die Augen:„Ich habe ein allzu beschei- denes Budget." Er fühlte einen Widerwillen gegen sich selbst. Ostap sah ihn mißtrauisch an und sagte:„Hoffentlich wird hier nicht gespart, wenn es um die Sicherheit des Lebens geht. Ich meine in bezug auf Feuersgefahr. Alchen erbebte. Sie gingen weiter. Ostap beschloß in seinem Innern, dieses Leinwandschloß nicht eher zu oerlassen, bis er alles er- fahren hatte» Und während Inspektor und Verwalter auf dem Dachboden herumkletterten und für alle Einzelheiten, für Röhren und Kamine interessierten, nahm das Leben im Ver- sorgungshaus seinen gewohnten Verlauf. Das Mittagessen war fertig. Der Geruch des angebrann- ten Breies verstärkte sich und trug über alle andern Übeln Gerüche, die das Haus erfüllten, den Sieg davon. Es raschelte auf allen Gängen. Die alten Weiber kamen aus der Küche und trugen Blechschüsselchen mit Brei in den Händen. Sie setzten sich im gemeinsamen Speisezimmer zum Essen und blickten krampfhaft zur Seite, um die Inschriften an den Wän- den nicht zu sehen. Die waren von Alexander Iakomlewitsch zusammengestellt, von Alexandra Iakowlewna künstlerisch ausgeführt und lauteten:— Essen ist die Quelle der Gesund- heit.— Ein Ei enthält genau denselben Fettgehalt wie ein halbes Kilo Fleisch.— Fleisch ist schädlich.— Alle die heiligen Worte weckten in den alten Frauen die Erinnerung an ihre Zähne, die schon vor der Revolution nicht mehr existiert hatten, an das Fleisch, das in seinem Fettgehalt den Eiern angeblich nachstand und das sie schon lange nicht gegessen hatten. Außer den alten Frauen saßen auch noch Isidor Jakow- lewitsch, Oleg Iakowlewitfch und Pascha Emiliewitsch bei Tisch. Weder ihrem Alter noch dem Geschlecht nach gehörten sie in diesen Kreis. Dafür aber waren die beiden Jakow- lewitsch Alchens Vettern und Pascha Emiliewitsch Frau Alexandra Iakowlewnas Neffe. Diese jungen Leute(der älteste von ihnen, Zascha Emiliewitsch, war zweiunddreißig Jahre alt) sahen ihr Leben in diesem Altersversorgungsheim als ein ganz normales an. Sie hatten dieselben Rechte wie die Alten, die gleichen Betten und staken ebenso wie sie in grauen Leinenkitteln, nur sahen sie. dank ihrer Jugend und Kraft, besser als die Zöglinge aus. Sie stahlen alles rm Haus, was Alchen übrig ließ. Pascha Emiliewitsch aß zweieinhalb Kilo Fisch auf einem Sitz und konnte in diesem optimalen Fall das ganze Haus ums Mittagessen bringen. Kaum hatten die alten Frauen ihren Brei verzehrt und die jungen Leute ihre Ratton verschlungen, als die letzteren auf der Suche nach etwas Nahrhaftem in die Küche gingen. Indes dauerte das Mal weiter. Die allen Frauen konnten jetzt ungezwungen plaudern."... und Pascha Emilicwitsch hat heute dein Trödler einen Stuhl verkauft." Mitten im Gespräch wurden die Zöglinge durch ein schnarrendes Ge- räusch unterbrochen, man vernahm eine schallende Stimme, die eine Rede hielt.(Fortsetzung folgt.) Mann ist Mann? Frau Margarete ist jedenfalls sehr skeptisch. Benn Walter Be., von Beruf Raffenbote, nach anstrengendem Dienst nach Hause fam, empfing ihn seine Frau regelmäßig mit den Worten: Bist du schon da? Und so etwas will ein Mann sein!" Um den tieferen Sinn dieser tränkenden Worte zu verstehen, hätte man dabei sein müssen, als vor etwa zehn Jahren der freudestrahlende Walter die liebliche, aber sehr selbstbewußte Margarete heiraten durfte. Er durfte es: denn es hatte lange gedauert, bis sie entschlossen war, diesem ziemlich unansehnlichen, dafür aber ihr völlig ergebenen Mann die Hand zu reichen. Und gleich nach der Trauung erklärte sie ihm:„ Eines vertrage ich nicht, wenn nämlich der Mann fortwährend an der Schürze seiner Frau hängt. So etwasist tein Mann." Walter gelobte alles, was sie wünschte, aber halten fonnte er es nicht! So entstand die regelmäßig wiederkehrende Kränkung. Walter fand sich auch damit ab; seine Frau leider nicht, denn sie verlangte eines Tages die Scheidung. Mit so etwas tann ich nicht länger leben", erklärte sie einfach. " Worauf Walter ertranfte. Frau Margarete pflegte ihm wechenlang, wie es sich für eine mitleidige Gattin gehörte. Bas sie nicht hinderte, am Tage, an dem ihr Mann das Bett verließ, wiederum die Scheidung zu verlangen. Walter legte sich aber gleich wieder ins Bett und das Spiel rollte von neuem ab: Er murde gepflegt, er genas, Margarete verlangte die Scheidung. ,, Sieben Mal habe ich das mitgemacht", meinte Frau Be. vor dem Scheidungsgericht, wo sie heute endlich erscheinen tonnte; aber jetzt habe ich es endgültig fatt. So etwas ist tein Mann!" Ich bin genau so ein Mann wie jeder andere!" rie Herr Walter entrüftet; aber du bist leider nicht die Frau, die meine große Bärtlichkeit, mein Bedürfnis nach Freundschaft vertragen fann Ich finde auch, daß Herr Be. genau so ein Mann ist wie jeber andere", sagte der Richter. Versuchen Sie es doch noch einmal mit ihm. Vielleicht wenn er einem Turnverein beitritt, daß er da..." Die Idee leuchtete der energischen Frau Be. ein. Mit einem sehr fritischen Blick umfaßte sie die schmächtige Figur ihres Mannes, zuckte mit den Achseln und sagte schließlich: ,, Wenn Sie meinen, Herr Richter." Dann schob sie ihren Arm unter den des fleinen Mannes und zog ihn davon. Der überfallene Kinobesitzer. Ringvereinsmitglieder auf der Antlagebant. Der Ueberfall auf den Kinobefizer Thomas und dessen Ehefrau am 15. März hat jetzt zur Erhebung der Anklage durch die Staatsanwaltschaft III gegen fünf Angeklagte, unter denen sich mehrere Ringvereinsmitglieder und Schwer verbrecher befinden, geführt. Bie die Ermittlungen ergeben haben, ließen sich die Eheleute Thomas, die Inhaber von fünf Berliner Kinotheatern sind, nach erfolgter Kassenabrechnung unter Mitnahme der Kasse von dem Droschkenfahrer Otto Büttner regelmäßig nachts nach Hause fahren. Jetzt ist erst bekannt geworden, daß der Droschkenchauffeur Mifglied des Ringvereins Alte Frische" war. " Büttner machte von seinen Wahrnehmungen seinem Freunde, dem 3apfer Franz Schwertfeger, der wiederum dem Ringverein Rosenthaler Borstadt" angehört und von diesem wegen hervor. ragender Verdienste" die goldene Vereinsnadel erhalten hat, Mitteilung. Schwertfeger griff den Plan sofort auf und bereitete einen Raubüberfall vor. Man suchte sich aber noch Gehilfen für das schwierige Unternehmen und fand sie in Bruno Schulz, der kurz vorher aus dem Zuchthaus ausgebrochen war, und Max Frante. Diese beiden waren die Hauptbeteiligten an dem Tempelhofer Kassenraub gewesen. Frante ist Mitglied des Das 25- Pfennig- Wochenende Zum Havelparadies mit Autobus und Straßenbahn Der Tarif der BVG. ist in den letzten Monaten erheblicher| Pichelsmerder öffnet sich der Blick auf Schildhorn, Kritit ausgefeßt gewesen. Aber darüber dürfte es feinen Streit geben, daß eine Beitftredenfahrt nirgends so billig ist wie in Berlin. Zum Stößensee fahren die Straßenbahnlinien 58 und 75. Man fann auch mit der Intergrundbahn bis zum Reichs tanglerplat fahren und dann auf eine dieser Linien umDer Grunewald bei Schildhorn steigen oder auch den kurzen Weg zu Fuß gehen. Kurz vor der weitgespannten Brücke, die sich über den Stößensee schwingt, hälf die Straßenbahn. Von der Brücke aus hat man bereits einen herr lichen Blick auf die schimmernde Wafferfläche, über die weißen Segel-, Motor- und Paddelboote dahingleiten. Der Stößensee ist ein Wasserparadies für sich. Im Norden grüßen die Häuser von Tief werder, das sich selbst im Rahmen des großen Berlin seinen eigenen dörflichen Charakter bewahrt hat. Im Süden leuchtet die weite Fläche der Havel. Gegenüber liegen die vielen fleinen Häuser von Gatow. Bir verlassen das Ufer des Stößensees, an das sich Bootshäuser auf der einen, Gastwirtschaften und Parts auf der anderen Seite schmiegen, umschreiten die Südspitze und kommen zum Havelgemünd, das einen fast feemäßigen" Eindrud macht. Ein richtiges Leucht. feuer zeichnet auch dann, wenn die Dunkelheit die Landschaft einhüllt, die schmale Wasserstraße, die hier in die seenartig verbreiterte Havel mündet. Das Gemünd ist gut reguliert und fanalartig ausgebildet. Am Wochenende tummeln sich hier ungezählte Sportboote, die in Spandau oder auch in Pichelswerder beheimatet find. Wir tehren mun zur Stößenfeebrüde zurüd, überschreiten sie in füdlicher Richtung, gehen auf der Chauffee am Ostrand des Stößensees entlang nach Schildhorn.( Etwa 2 Kilometer.) Der Halbinsel sind Gasthäuser vorgelagert. Wafferräder tummeln sich neben Booten auf der kleinen Bucht zwischen der Halbinsel und dem festen Ufer. Dann klettern wir die viel betretenen Pfade zum Denkmal empor, das an alte Vergangenheit erinnert, an jene Zeit, als noch feine Brücke über den Stößensee führte, als noch niemand daran dachte, daß Berlin sowohl an der Spree als auch an der Havel liegen könne. Im Jahre 1157 soll sich der Wendenfürst I ac zo von Kö penid hier vor der Verfolgung Albrechts des Bären gerettet haben. Damals pflegten die Fürsten bei Kämpfen immer noch an der Front zu sein. Als Jaczo Pech gehabt hatte, soll er den alten Wendengöttern geflucht und die Abficht befundet haben, es munmehr mit dem Christengott zu versuchen. Seinen Schild soll er an eine der Eichen gehängt haben, die hier früher an Stelle der ärmlichen Kiefern gestanden hatten. Als Eichenersah, zum Gedenken an jenes Ereignis, steht nun auf Schildhorn eine steinerne Eichenfäule. Von der Höhe der Halbinsel zeigt sich wieder das schöne Bild der Havel. Im Norden die Türme von Spandau, das als Hauptsitz eines ausgedehnten Berliner Verwaltungsbezirkes erhebliche Bedeutung erlangt hat. Auf dem anderen Ufer fauft der Autobus, der von Spandau fommend für 25 Pf. nach Cladow, gegenüber der weiten Wasserfläche des Wannsees fährt. Zwei Kilometer südlich von Schildhorn ragt der Karlsberg auf, dessen höchster Punkt 79 Meter über dem Meere liegt. Ihn front der Grunewaldturm, der eine ausgezeichnete Landmarte an den Ufern der Havel ist. Von der Höhe des Turmes ( Aufstieg 10 Pf.) schweift der Blick weit über die grünen Wipfelwogen des Grunewalds hinweg zum Funkturm, dem Wahrzeichen Berlins, und darüber hinaus zu den anderen Steintürmen der Riesenstadt. Im Süden grüßen die Kuppeln Potsdams, die über einen Schleier von Wäldern emporzuſteigen scheinen. Davor liegt Schwanenwerder und dicht unter dem Turm das ganze Havel fleine Eiland Lindwerber: Das paradies ist ausgebreitet. Bom Grunewaldturm aus fann man zur Stößenfees brüde zurüdwandern( 4 Kilometer) oder aber über Wir schreiten über die Brüde und gehen dann fints zum Försterei Saubucht und den eingezäunten Barssee, der Pichelswerder. Bald fallen die von märkischen Kiefern be- zum Naturschußgebiet erflärt worden ist, und dann über standenen Höhen steil zum Ufer hinab. Verzweifelt suchen die den Teufelssee nach Bahnhof Grunewald( etwa 5 Kilometer) Wurzeln der Bäume nach einem Halt. Und der Wind spielt mit j zurückwandern. Man fann auch zum Hundefehlenfee wan dem Sand. Märkische Dünenlandschaft, umgeben von Schilf und bern, wo man den Anschluß an die Straßenbahnlinien 76 und 176 Wasser und blumigen Wiesen. Bon der Südspite des erreicht. Revier 82 freigesprochen. Ringvereins„ Einigkeit". Weitere Berbündete waren auch noch ein Die Misshandlungen Unschuldiger. gemiffer Thimm, der noch nicht ergriffen ist, und der Kraftwagenbefizer Ignaz Kloos. Dieser fuhr die Spießgesellen zu dem Hause, in dem das Ehepaar wohnte und wartete auch mit seinem Wagen, um die Flucht nach vollbrachter Tat ins Wert zu setzen. Der Ueberfall verlief planmäßig. Die Berbrecher hatten sich einen Nach schlüssel verschafft und lauerten dem Ehepaar auf der Treppe auf. Sie flüchteten, nachdem sie Frau Thomas die Handtasche mit 3800 m. entriffen hatten, wurden aber auf die Hilferufe verfolgt und zerstreuten sich nach allen Richtungen. Schulz wollte in die Droschte von Kloos flüchten, wurde aber zunächst als einziger festgenommen. Die fünf Angeklagten werden sich vor dem Schöffengericht Wedding wegen gemeingefährlichen schweren Raubes zu verantworten haben. Fünf Wochen im Waffer gelegen. Verschwundener Oberlandesgerichtspräsident aufgefunden. Der feit dem 1. Mai vermißte Oberlandesgerichtspräsident Bruno Krüger, der in der Rothenburgstraße 10 in Steglitz wohnte, ist gestern an der Nonnendammschleuse aus der Spree gelandet worden. Ein unbefriedigendes Urteil. Die Berufungsfammer des Landgerichts I sprach gestern| Beamten aber, die als Zeugen auftraten, zeigten eine falsche nach zehnftündiger Berhandlung den Polizeioberwachtmeister Kameradschaft. Sie bewiesen, daß in diesem Revier der Schutz Gärtner von der Anklage der gemeinschaftlichen gefähr- polizei Bertlettung und Verfilzung vorlagen. lichen Körperverletzung und die beiden Polizeioffiziere, den Polizeioberstleutnant Mader und den Polizeihauptmann Alsdorf frei. Eine Das Gericht erster Instanz hatte Gärtner zu 4 Monaten Gefängnis nerurteilt. Der Staatsanwalt hat gestern die Anklage gegen Mäder fallen gelassen und sowohl gegen Gärtner als auch begründung führte der Vorsitzende u. a gegen Alsdorf Gefängnisstrafen beantragt. In der Urteilsa. aus: Der Angeklagte Gärtner sei mangels Beweises freizusprechen gewesen, da eine Verurteilung auf Grund der Aussage bloß eines Zeugen, bei dem ein Irrtum nicht ausgeschlossen erscheine, nicht ausgesprochen werden fonnte. Die beiden Polizeioffiziere mußten aus rechtlichen und teilweise aus tatsächlichen Gründen freigesprochen werden. bewußte Bertuschung oder einen Versuch, die Beamten der Strafe zu entziehen, haben sie sich nicht zuschulden kommen lassen. Das fei fubjettiv unwahrscheinlich, da sie sich hätten sagen müssen, daß sie wegen der Vorfälle disziplinarisch zur Rechenschaft gezogen wer den würden, daß nachgeprüft werden würde, ob sie ihre Pflicht verlegt hätten. Buzugeben sei, daß der Hauptmann Alsdorf in den irren jenes Tages vielleicht nicht in allen Momenten das Richtige getan habe, andererseits sei er es aber gewesen. der ganz energisch gegen die Mißhandlungen eingeschritten ist. Dieſes ſtelle das Gericht im Gegensatz zum Urteil der ersten Instanz fest, das es als erwiesen erachtet habe, daß die Mißhandlungen in Gegenwart der beiden Polizeioffiziere stattgefunden hätten. Krüger war das letztemal am 1. Mai gegen 12 Uhr nachts an der Autobushaltestelle in der Joachimsthaler Straße gesehen der Autobushaltestelle in der Joachimsthaler Straße gesehen worden, von wo er, nach der Sitzung einer juristischen Vereinigung, offenbar nach Hause fahren wollte. Von diesem Zeitpunkt ab fehlte jede Spur von ihm. Zunächst wurde vermutet, daß Krüger, der unter starter Nervosität fitt, planios umherirre. Als die Suche der Polizei nach dem Vermißten jedoch erfolglos blieb, mußte damit gerechnet werden, daß Krüger seinem Leben freiwillig ein Ende Unschuldige Menschen sind auf dem Polizeirevier auf das ges gemacht hatte. Diese Annahme scheint sich durch das Auffinden feiner Leiche zu bestätigen. Da der Tote, dem fast sämtliche Kleider fehlten, bereits start in Bermefung übergegangen war, fonnte die einwandfreie Identifizierung erst durch den Zahnarzt erfolgen, der Krüger an dem Gebiß ertaimte. stormion te Die Angehörigen glauben, daß ein Berbrechen vorliegt, die Leiche ist darum zur Sektion beschlagnahmt worden. Drei Arbeiter verschüttet. Schweres Unglüd in Nordschweden. Stodholm, 4. Juni. In der Nähe von Göple in Nordschweden waren heute früh vier Arbeiter in einer Tiefe von 4 meter mit Kanalifationsarbeiten beschäftigt. Plötzlich gerieten die Erdmaffen ins Rutschen und begruben die Arbeiter. Nach dreiffündiger Rettungsarbeit wurde ein Arbeiter lebend geborgen, die übrigen drei waren bereits fof. meinste mißhandelt worden. Der Polizeipräsident 3örgiebel hat sich damals, sobald ihm die Einzelheiten bekannt wurden, veranlaßt gesehen, das Revier aufzulösen. Dem Gericht, ebenso in der ersten wie in der zweiten Instanz aber war es nicht möglich, einwandfrei einen einzigen Beamten festzustellen, der auf die wahre losen Häftlinge eingeschlagen hat. Wie ist das zu erklären? In der ersten Instanz trat ein Beamter nach dem anderen auf und erflärte, nichts gesehen zu haben. In der zweiten Instanz widerholte fich das gleiche Schauspiel. Beidemal fah sich das Gericht gezwungen, einen großen Teil der Beamten unvereidigt zu lassen, weil sie entweder der Mittäterschaft verdächtig schienen oder in Gefahr stan: den, einen Meineid zu leisten. Die Mitglieder des Arbeiterschüzenbundes sind auf der Revierstube in viehischer Weise geprügelt worden. Aber von den etwa 40 Beamten hat niemand angeblich einen der Prügelnden festzustellen vermocht. Das ist beschämen, und es ist geradezu erschreckend, daß auch der zuständige Borgefeste nicht in der Lage war, durch energische Rückfrage die Schuldigen festzustellen. Jeder Mensch hat für seine Taten einzustehen, und das verlogene Nein des Schuldigen ist eine Feigheit. Die Wir sind die leßten, die zu unberechtigten Angriffen gegen die preußische Schußpolizei neigen. Aber wir verlangen eine saubere Volkspolizei im besten Sinne des Wortes. Der Polizeipräsi dent 3örgiebel hat damals ohne Verzug energisch durchges griffen. Wir wissen, daß sein Nachfolger, Polizeipräsident Grze finsti, in gleicher Weise bestrebt ist, dem Berliner Polizeiförper unlautere Elemente fernzuhalten und sollten sie angetroffen werden, für ihre Entfernung aus dem Dienst zu sorgen. Vergleich im Ricklinger Prozeß. Die Innere Mission fommt zur Einsicht. Kiel, 4. Juni.( Eigenbericht.) Im Ricklinger Fürsorgeerziehungsprozeß tam gestern ein Ber gleich zustande. Man kann nicht gerade sagen, daß dieser Bergleich zugunsten der Inneren Mission ausgefallen ist. Die Innere Mission hat, solange das Verfahren schwebt, von der Anklageerhebung bis zu dieser Berufungsverhandlung, ihre ganze Verteidigungstaftit darauf eingestellt, die als Zeugen vernommenen ehemaligen Fürsorgezöglinge als unglaubwürdig hinzustellen. Sie hat, um das zu beweisen, das ganze Leben der Für forgezöglinge wieder aufgerollt. In dem Vergleich nimmt sie jetzt alles zurüd und erflärt, daß sie auch in Zukunft diese Zöglinge nicht mehr als unglaubwürdig hinstellen will. Auf Grund dieses Vergleichs zog der Nebenkläger Ott seine Berufung zurück. Das Berfahren wurde daraufhin eingestellt. Im Interesse der allgemeinen Fürsorgeerziehung und vor allen Dingen der guten modernen Fürforgeerziehung hätte die Innere Mission sich für diesen Schritt beffer schon nach der ersten Berurteilung, die so vernichtend für fie ausgefallen ist, entscheiden sollen. Wieder Plünderung am Görliger Bahnhof. In die Filiale der Butterhandlung„ Nordstern" in der Reichen berger Straße 138, unweit des Görliger Bahnhofes, drangen gestern abend wieder etwa 12 bis 15 junge Burschen ein und raubten größere Mengen Lebensmittel. Eine Polizeipatrouille, die gerade des Weges Täter wurden ergriffen und der Abteilung I A des Polizeipräsidiums tam, nahm die Verfolgung der flüchtenden Plünderer auf. Zwei zugeführt. oble 100906 Führung durch Alt- Berlin. Die nächste Führung durch die vergessenen Winkel des ältesten Berlin veranstaltet das Bezirksamt Schöneberg unter der bewährten Leitung des Echriftstellers Georg Bamberget am Sonntag, 7 Juni. Treffpunkt 10% Uhr auf dem Epittelmarkt, Ausgang Untergrund bahn. Teilnahmte 50 Pfennig. Liebe mit Hindernissen. Ein Meineid im Alimentenprozeß. Der Meineidsparagraph ist hart umfämpft: der Eid foll nicht wegen jeder Belanglosigkeit abgenommen werden. Aber auch die Gegnerschaft gegen den Meineidsparagraphen schließt nicht die Forderung nach Strafbarkeit der falschen Aussage aus. Auf dem Gute G. ist die Hausangestellte Bublib beschäftigt. Obgleich sehr wenig schön, erfreut sie sich bei den männlichen Gutsangestellten großer Erfolge. Im Jahre 1928 bis Februar 1929 ist der Landwirt Cerom ihr Bräutigam, Ende Februar verlobt sie sich mit dem Lehrer Elle, im März tritt der Landwirt Raate in den Dienst. Ein Hüne von Mann, mit der Figur eines Schwerathleten, hatte er es leicht, den Lehrer auszustechen. Zwischen feinem Zimmer und dem Zimmer der Bublik entwickelte sich ein reger Tag und Nachtverkehr. Es bestand für niemanden ein Zweifel: die beiden unterhielten ein intimes Verhältnis. Aber auch Carow stattete zuweilen feiner früheren Braut Besuche ab. Eines Tages hörte der Landwirt Weiler, wie die Bublih dem Raate sagte, fie sei in anderen Umständen.„ Na, das tut nichts," meinte dieser ,,, wir fahren eben nach Berlin, heiraten, du sagst, das Kind ist von Carow, und wir bekommen die Rente." Er nannte die Bublitz seine Braut, nahm sie gegen den Gutsherrn in Schutz, und als dieser fie fündigte, zog auch er mit ihr nach Berlin, obgleich der Gutsherr ihn zu bleiben bat. In Berlin dauerte der Verkehr zwischen beiden an: die Bublib besuchte den Raate in seinem Zimmer, blieb bei ihm über Nacht, alle Welt wußte, wie die Dinge zwischen ihnen standen. Das Kind tam zur Welt, das Jugendamt forschte nach dem Vater, die Bublik teilte dem Amt mit, daß nicht Raate, sondern Carom der Vater sei. Carom bestritt seine Baterschaft, Raate beschwor im Alimentenprozeß, daß er mit der Bublitz nichts vorgehabt habe, diese machte die gleiche Aussage. Als Mutter des Kindes blieb sie unvereidigt. Carom erstattete gegen Raafe Anzeige wegen meineides; die Bublik wiederholte vor dem Untersuchungsrichter ihre frühere Aussage. Dann geschah aber etwas unerwartetes. Raate brach mit der Bublik und heiratete; die Bublik schwor Rache und rief ihm eines Tages nach: Jeht werde ich aber den Spieß umdrehen, nicht Carom, du bist der Vater des Kindes." Sie ging zum Untersuchungsrichter und widerrief ihre Aussage. In der Berhandlung vor dem Landgericht Idie Antlage gegen Raate lautete auf meineid und Berleitung zum Meineid blieb sie bei der belastenden Befundung: Raate habe mit ihr auf dem Gute ein Verhältnis unterhalten und es in Berlin fortgesetzt; er habe für sie den Brief an das Jugendamt geschrieben und fie unter Drohungen gezwungen, vor Gericht und Untersuchungsrichter die unwahrheit zu jagen. War das die Wahrheit, oder hatte sie früher die Wahr heit gefagt? Der Angeklagte bestritt irgendwelche Beziehungen zur Bublib. Obgleich die Zeugen einer nach dem andern auftraten und ihn der Unwahrheit ziehen, obgleich der Brief an das Jugendamt unzweifelhaft von seiner Hand herrührte, blieb er beim Zeugnen. Er tat es mit einer Sturheit, die erst verständlich wurde, als seine Frau im Gerichtssaal erschien. Sie mußte hören, daß ihr Mann, bereits mit ihr verlobt, noch in Beziehungen zur Bublik stand, und ihre Tränen übermannten fie in einer Weise, daß sie den Saal verlaffen mußte. Um seiner Frau willen hatte Raate geglaubt, den Meineid leiften und das Gericht gestern in der plumpesten Weisc belügen zu müssen. Der Staatsanwalt beantragte 2 Jahre Zuchthaus. Das Urteil des Gerichts lautete: 1 Jahr 3 Monate 3uchthaus, 5 Jahre Ehrverluft und dauernde Eidesunfähigkeit... Piccard in Brüffel. Begeisterter Empfang. Wie hoch waren die Forscher? Brüffel, 4. Juni.( Eigenbericht.) Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation 117. Abt. Die Ueberführung der Urne der verstorbenen Genoffin Grams Wfindet heute, Freitag, auf dem Rentralfriedhof Friedrichsfelbe statt. Treffpunkt 14% Uhr vor dem Friedhof. Bei einem vorangegangenen Schweizer Empfangsabend erklärte Piccard, daß die amtlichen Höhenmesser lediglich eine Höhe von etwa 14 000 Meter registriert hatten, während seine Barometer mit unfehlbarer Genauigkeit eine Höhe von 16 000 Meter zeigten. Die Differenz beruhe auf einer sehr starken Beeinflussung der amtlichen Meßinstrumente durch die fosmische Strahlung, die jedoch auf seine Barometerapparate feinen Einfluß hatte. Piccard erklärte:„ Es lag mir nur daran, zu beweisen, daß man in der Stratosphäre leben fönne, weil in dieser Höhe die ganze Zukunft der Luftschiffahrt für ismobil größere Entfernungen liegt. Schulstrafen nicht mehr vermerkt. ste Nach dem Erlaß des preußischen Kultusministers vom Dezember 1930 tommen bekanntlich die Rubriken ,, Be tragen" und ,, Aufmerksamkeit" in Fortfall. Auf eine Anfrage des Groß- Berliner Philologenverbandes an das Provinzialschulkollegium, ob nach dem Wegfall der Zeugnisse für Betragen und Aufmerksamkeit auch ein Vermerk über die Zahl der Schulstrafen auf den Zeugnissen unterbleiben solle, ist folgende Antwort eingegangen: Nach unserer Ansicht widerspricht eine Angabe über die Zahl der erhaltenen Schulstrafen auf dem Zeugnis dem Geiſt des Erlasses des Herrn Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung vom 22. Dezember 1930( U II Nr. 1930). Die Wilmersdorfer Tageserholungsstätte im Grunewald nimmt vom 8. Juni 1931 wieder gesundheitlich gefährdete Kinder auf. Die Rinder besuchen vormittags die Schule, werden mittags in Gruppen hinausbefördert und fehren gegen 7 Uhr abends wieder zurüd. Sie werden gut verpflegt, ärztlich beaufsichtigt und von Lehrern und Hortnerinnen beschäftigt. Ihre Schularbeiten machen sie unter Aufsicht und Leitung in der Tageserholungsstätte. Meldungen nehmen die Schulen, die Fürsorgerinnen und auch unmittelbar das Bezirksjugendamt Wilmersdorf, Berliner Straße 40 II, entgegen." Parteinachrichten Binfendungen für diese Rubrit find Berlin G 68, Sindenstraße 3, Meldungen für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat 2. Sof, 2 Treppen rechts, zu richten Beginn aller Veranstaltungen 19% Uhr, Modi sofern keine besondere Zeitangabe! Heute, Freitag, 5. Juni. 32. Abt. Die Funktionärßigung heute, Freitag, fällt umständehalber aus. Dafür Treffpunkt Montag, 8. Juni, auf der Kreisfunktionärhikung in Schmidts Gesellschaftshaus. Nottz des 5. Kreises bitte beachten! 77. Abt. Funktionärversammlung. 92. Abt. 20 Uhr Funktionärversammlung bei Wolff, Raifer- Friedrich- Str. 173. Die Raffierer und Bezirksführer der Bezirke 51, 53-55, 58, 62, 81, 82 and 85 nehmen an der Borbesprechung bei Simon teil. 96. Abt. Funktionärsigung fällt heute aus. Morgen, Sonnabend, 6. Juni 1. Abt. Funktionärsihung Lotal Witte, Boststr. 29. 131. bt. Rolonie Rosenthal- Blankenfelde, Kleingärtner! 20 Uhr Rablabend, Alte Zentrale", Solzplag. 17. Streis. Freie Schulgemeinde, Drtsgruppe Sichtenberg. Conntag, 7. Juni, 9% Uhr, Besichtigung des Schulgartens der 34. Bollsfchnle( Rufchestraße). Treffpunkt 94 Uhr Rusche. Ede Rozmannenstraße( Sportrestaurant). Ein. leitender Vortrag: Genoffe Waldemar Schulz. 81. Abt. Sonntag 9 Uhr Treffpunkt zum Familienausflug Friedrich- Wilhelm Blah, Ede Wiesbadener Straße. Für Nachgügler Albredyts Teerofen, am Teltowkanal, ab 16 Uhr. 11. Kreis. Montag, 8. Juni, im Gesellschaftshaus Schöneberg, Sauptstr. 30-31, Kreismitgliederversammlung. Sandzettel hieran finb in ber Spebition Belziger Straße abzuholen. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß- Berlin. Kreis Charlottenburg. Rote Falten treffen sich am Sonntag 7 Uhr Wilhelm. vlak zur Fahrt. 35 Bfennige. Kreis Wedding. Alle Teilnehmer am Reltlager und Restfaltenfahrt kommen am Montag, 8. Juni, 17% Uhr, ins Jugendheim Schönstedtstr. 1, zur Unterfuchungseinteilung und zum Wiegen und Messen. Genoffin Dr. Joseph hat die Untersuchung übernommen. Die Gesundheitsbogen müssen mitgebracht werden. Dienstag, 9. Juni, 20 Uhr, Kreiseltetnversammlung im Jugendheim Schönstedtam Dienstag, 16. Juni, statt. Biccarb umb Ripfer wurden bei ihrer Antunft am Brüsseler Nordbahnhof von einer gewaltigen und begeisterten Menge traße L. Unsere Restfaltenfahrt. Die Kreishelferversammlung findet erst begrüßt. Auf dem Perron des aus Basel tommenden Zuges hatten fich eine große Anzahl von bekannten Personen der amtlichen, missenschaftlichen und politischen Welt eingefunden. Kurz darauf Gruppe Bauvolt: Alle Falten find heute, Freitag, im Heim Steinmekſte. 114, ab fand in der Universität ein amtlicher Empfang zu Ehren der beiden Forscher statt. Kreis Neukölln. Neftfaltenhelfer: Bon allen Gruppen benötigen wir noch die namentlichen Listen der Nestfalten, die an dem Reichslager teilnehmen. Gruppe Lichtkämpfer, Jungfalten: Seute um 17 Uhr im Seim Bergstraße 29. Am Sonntag gehen wir auf Fahrt. Fahrgeld 60 Pfennige. Treftpunkt um 6% Uhr Bhf. Neukölln. Siel: Oranienburg. SEJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Finfendungen für diese Rubrif nur an bos Jugendiekretariat. Berlin SB 68. Lindenstraße 3 Abteilungsleiter! Solt umgehend die Karten ab für die Connenwendfeier am 20. Juni auf dem Jugendgelände in Briefelang. Karten zum Raft" zu 30 Bf. für Sonntag, 28. Juni, find ebenfalls zu haben. Diese Kartei werden Streichorchester! Seute 19% Uhr Pflichtprobe, Heim Gee. Ede Turiner jedoch nur gegen fofortige Bezahlung ausgehändigt. Straße. Abteilungsmitgliederversammlungen, Freitag, 19½ Uhr. Sansa: Bochumer Str. 8b. Moabit II: Lehrter Str. 18-19. Arnimplag: Gonnenburger Str. 20.- Wörther Plak: Parkstr. 36. Baltenplay: Tilsiter Straße 4-5. Frankfurter Viertel: Frankfurter Allee 307. Petersburger Bierbel: Ebertnstr. 12. Stralaner Biertel: Gozlerstr. 61. Warschauer Biertel, R. F.: Litauer Str. 18. Luisenstadt: Wafferiorstr. 9. Charlotten. burg: Rosinenftr. 4. Lantwig: Schulstr. 19-21. Steglik II: FlemmingStraße 14b. Mariendorf 1: Dorfstr. 6. Baumschulenweg: Ernststr. 16. Schöneweide: Berliner Str. 31. Köpenick II: Dahlwiger Str. 15. Nen. Lichtenberg: Sauffftraße. Lichtenberg- Nord: Gunterstr. 44. Buchholz: Berliner Str. 19. Niederschönhansen: Lindenstr. 47. Arlonaplah: Elisabethkirchstr. 19: Religion". Gewerkschaftshaus: Köpe nider Str. 92: Freitörperfultur". Köllnischer Part: Waisenstr. 18: Der Bölkerbund" Rosenthaler Borstabi: Elisabethkirchstr. 19: Unsere Polizei". Rentrum: Landsberger Str. 50: Einführungsabend. Moabit I: Waldenfer traße 20:„ Wir und die Kommunistische Internationale". Moabit III: Lehrter Gtraße 18-19: Rarl Kautsky". Westen: Genthiner Str. 17: JüngerenArbeitsgemeinschaft. Arnswalder Plan I: Rastenburger Str. 16:„ UGS." Baltan: Mandelstr. 2: Der Bolschewismus". Fallplag II: Connenburger Straße 20: Das Mädel in unserer Bewegung". Selmholgplak: Danziger Straße 62: Wehretat". Hohenschönhausen: Freienwalder Str. 6: Frei förperkultur". Sumannplah: Gleimstr. 33-35: Freitörperkultur". Nordosten I: Danziger Etraße 62:„ Die Todesstrafe". Weißenfee: Parkstr. 36. Politischer Informationsabend. Friedenan: Offenbacher Straße 5a: Seiterer Abend. Schöneberg I: Sauptstr. 15:„ Einführung in den Cozialismus". Schöneberg IV: Hauptstr. 13:" Tagespolitische Umschau". Schöneberg V: Sauptstr. 15: Modernes Wandern". Charlottenburg- Süd: Wallstr. 76: Jugend und Bartei". Neukölln 1: Gander, Ecke Sobrechtstraße: Arbeitsgemeinschaft, 1. Teil. Neukölln III: Siethenstr. 58: Einführungsabend. Reukölln IV: Wir gehen werben. Treffpunkt 18 Uhr vor dem Heim Schierte straße 44. Neukölln VII: KMS.: Marrismus", 1. Teil. Neukölln VIII: Rütlischule: Arbeitsgemeinschaft. Neukölln IX: Spielen im Stadion 17% Uhr Plaz 6. Reukölln XI: Flughafenstr. 68: Seguelle Fragen", 1. Teil. horst: Treskowallee 44: reikörperkultur". Hermsdorf: Noonstraße: politit". Reinidendorf- Oft: Lindauer Straße: Die Konfumgenossenschaft". Werbebezirk Kreuzberg: 19 Uhr Vordstr. 11: W.- B.- V.- Sigung. Karls TagesMorgen, Sonnabend, Treffpunkte für Fahrten. Westen: Genthiner Str. 17: 18.20 Uhr Potsdamer Borortbahnhof. Arnim plag: 20 Uhr Bhf. Schönhauser Allee. Steglig 1: 20% Uhr Rathaus Steglik. Fahrgeld 1 M.. Neukölln IV, Veltere: 18 Uhr Bhf. Neukölln. Unkosten 1 M. Rentölla IV, R..: 20 Uhr Bhf. Neukölln. Untosten 1 M. Neukölla IX: Alle Rad- und Eisenbahnfahrer 18 Uhr Bhf. Neukölln( nicht Sonntag). UnToften 1 M. Vorträge, Vereine und Bersammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". 99 Gefchäftstelle: Berlin G. 14. Gebaftianftr. 37-38. Sof 2. It. Freitag, 5. Juni. Mitte, 5. Kamerabschaft: 20 Uhr Mitgliederver. fammlung, Rosenthaler Sof. Ziergarten( Jungbanner): 20% Uhr Bollversammlung bei Bessel. Neuwahl des Jugendführers. Reinickendorf, Ram. Reinickendorf- West: 20 Uhr Mitgliederversammlung im Verkehrslokal. Bor. fband 19 Uhr. Ram. Freie Scholle: 20 Uhr Mitgliederversammlung im Schollen. Erug. Vortrag des Ram. Soltau. Ruberriege: 191 Uhr wichtige Mitglieder. verfammlung im Gaubüro.- Sonnabend, 6. Juni. Friedrichshain( Jungbanner): 14 Uhr Antreten in Bundeskleidung( grünes Hemb) mit großem Marschgepäc an bekannter Stelle. Köpeuid, Jungbanner Bohnsdorf- Grünau und Köpenick: 18 Uhr Gemeinschaftshaus Faltenberg in Bundeskleidung. Alle Jungba. Rameraben antreten. Sonntag, 7. Juni. Neukölln- Brig( Ortsverein): 9% Uhr Treffen am Dsteingang Flughafen Tempelhof zur Besichtigung der SturmvogelWerkstätten. Rivil mit Bundesnadel. Angehörige tönnen mitgebracht werden. Eintritt fret. Wassersportabteilung: 14 Uhr Antreten aller Rüge im Bootshaus Wendenschloß zur Bootstaufe. Su erreichen über Grünau und dann Fähre oder bis Röpenick und Straßenbahn 83( Umsteiger). Rug Oberspree und Ruderriege: 9 Uhr Arbeitsdienst. Sturmvogel", Flugverband der Werktätigen, e. V., Bezirksgruppe Frieb. richshain. Freitag, 5. Juni, 20 Uhr, Monatsversammlung im Petersburger Sof, Petersburger Str. 57. Jeden Dienstag und Freitag Bauabende Diesteĭmener firaße 5, Gdyule, von 18%-20 Uhr. Reichsvereinigung ehemaliger Kriegsgefangener, Ortsgruppe Charlottenburg. Freitag, 5. Juni, 20 Uhr, Monatsversammlung, Suarez- Klause, Suarezftr. 11. Reichskartell Republit. Orisverein Köpenid: Sonntag, 7. Juni, ab 9% Uhr, Uebungsschießen im Wilhelmshof, Sirschgartenstr. 1. Typographisches Orchester. Dirigent Erich Gutzeit. Uebungsstunden jeben Freitag 20%-22 Uhr im Jdeal- Kafino, Neukölln, Weichselstr. 8. Bläser und Streicher willkommen. Rentralverband der Arbeitsinvaliden und Witwen Deutschlands, Gan Grok. Berlin. Geschäftsstelle: Berlin W. 57, Bülowstr. 49, rechter Seitenflügel. Freitag, 5. Juni. Kreuzberg III: Reichenberger Sof, Reichenberger Str. 147, 17 Uhr. Kreuz Baumschulenweg: Lotal Saß, Baumschulenstr. 72, 18 Uhr. berg II: Oranien- Festfäle, Oranienstr. 180, 17 Uhr. Brenzlauer Berg I: Bogen Festfäle, Schwedter Str. 23-24, 16 Uhr. Tegel: Lokal Lehnhardt, Ber Liner Str. 84, 18 Uhr. Reinickendorf- West: Boltshaus, Scharnweberstr. 115, 19 Uhr. Referent Gauleiter Kollege Boigt. Klub ber Hettstedter. Nächste Monatsversammlung am Dienstag, 9. Juni, 21 Uhr, im Klublokal Weißes Rößl, Berlin, CO. 36, Glogauer Str. 17. Anfchließend Schpäd. un Rippeltuchen". Gäfte willkommen. Intereffen- Berband der durch Automobil. und andere Verkehrsunfälle Ge. fchädigten, e. B. Geschäftsstelle: Berlin NW. 40, Rathenower Str. 4( am alten Kriminalgericht). Sprechstunden und tostenlose Auskunftserteilung täglich von 17-19 Uhr. Unser Programm In Wort und Bild Eine Folge von 140 Bildern Begleittext: Das Heldelberger Programm der SPD. 84 Seiten, moderne farb. Photomontage Mit einem Vorwort von Hermann Müller Reichskanzler a. D. Was will die SPD.? Zu haben Für ganze 90 Pfennig in der Buchhandlung J. H. W. Dletz Lindenstraße 2 u. sämtlichen Vorwärts"-Speditionen Die Beratungen über die neuen Notverordnungen. Die neueste Schöpfung der Regierung heißt ,, Krisensteuer". Rund 4 Prozent werden die Beamtengehälter gekürzt. Glaubt man wirklich, daß diese populären" Mittel für die Dauer helfen? Merkt man nicht, daß damit die Kauftraft noch weiter vermindert und dadurch die Wirtschaftskrise noch weiter verschärft wird? Anturbelung der Wirtschaft! Preisabbau! Das waren die Schlagworte der letzten Wochen, aber es waren nur Versprechungen. Deshalb ist es zu begrüßen, wenn die Herrenkleiderfabrik Wagner mit allen Mitteln bestrebt ist, ihre Erzeugnisse unter restloser Ausschaltung des Zwischenhandels und unter voller Ausmuzung moderner Arbeitsmethoden zu billigsten Preisen direkt dem Verbraucher zuzuführen. Biele Kreise der Bevölkerung haben diese Vorteile ausgenutzt. Tatsächlich verkauft diese Fabrik bereits für 49. 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Kartenverkauf Ende n. 222 Uhr ( am Gendarmenmarkt). 238. A.-V. 20 Uhr Die Portugalesische Schlacht Ende n. 23 Uhr Staat. Schiller- Theater, Charltbg. oning 20 Uhr Liebe auf dem Lande s33 minuten in Grüneberg Ende 22 34 Uhr SCALA Tagl. 5 und 81/ 2U. Edmund Fritz' Singing Babies Mae Wynn u. Buddy, 10 Deblars usw. PLAZA TÄGL5u815 Vom 1-15 Juni GASTSPIEL Des Berliner Metropoltheaters VIKTORIA UND IHR HUSAR Reichshallen- Theater Allabendlich Uhr Stettiner Sänger Zum Schluß: ,, Alles verrückt!" Mittwoch, 10. 6.: Wiederauftreten Paul Britton. TRAUMLAND SCHÖNHOLZ Dienstag u. Freitag: Gr. Feuerwerk Mittwoch: Kinderfest Straßenbahn 47, 57, 88, 119 Vorortb. Schönholz- Reinickendf yya Z Juni Letzter Tag! Sonntag, den 7. Juni 1931: Unwiderruflich letzter Tag! HAUS VATERLAND KURFÜRST 7460 Da Vergnügungs Restaurant Berlins KEMPINSKI BETRIEB Mein KapitänKautabak schmeckt mir doch am besten! Volksbühne Deutsches Theater 8 Uhr Der Hauptmann von Köpenick v. 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Ern. d. Bormärts Bieter haben auf Berlangen bes Gläubigers in der Regel eine Sicherheit von 10 v. 5. des Bargebots in bar oder Wertpapieren zu leisten. Die Nachweisungen über Bezeichnung, Lage und Größe pp. fönnen hier, Sim mer 16, eingesehen werden.. TK 82/27 Berlin- Lichterfelde, den 11. Mai 1931. Das Amtsgericht. DAS TAGEWERK DER FLIEGE Krankheiten verbreiten ist: Das Tagewerk der Fliege. Die Gefährlichkeit der Fliege kann nicht bestritten werden, denn es ist nachgewiesen, daß Typhus sich überall da ausbreitet, wo die Fliegen gedeihen. Die Typhusgefahr verschwindet beim Eintritt kalter Witterung, wenn auch die Fliegen absterben. Fliegen übertragen aber noch andere gefährliche Krankheiten, deshalb vernichtet die Fliegen durch Zerstäuben von Flit. Flit vernichtet Fliegen, Mücken, Schnaken, Flöhe, Ameisen, Motten, Bettwanzen, Schaben und deren Eier. Flit- Zerstäubung ist für Insekten tödlich, für Menschen jedoch unschädlich. Bequem anzuwenden, fleckt nicht. Verwechseln Sie Flit nicht mit anderen Insektenvertilgungsmitteln, Zerstäubt 092 oib FLIT FLIT Nur echt in der gelhen Packung mit schwarzem Band 5!r. M7. 4«. Iahrgans 2» �(0<901*10(1 ff � Srcifog, 5. Ium 1931 Oer Tag derLugend. partettagsdebatte über die Zugendfrage.— Der Bericht des Parteivorstands. Für die Studenten spricht Lerlowih-Lerlin: Die freundlichen Worte, die mehrere Refe- renten des Parteitags den sozialistischen Studenten gewidmet haben, haben uns erfreut und beschämt. Wenn man sich erinnert, daß die Kieler Studenten«inen alten Theologen wie Baumgarten be- schimpft und körperlich bedroht haben, weil er sich zur Republik und zum Frieden bekennt, oder wie man in Heidelberg G u m b e l verfolgt, der doch ein Wissenschaftler von Rang Ist, dann muß man den Worten Macdonalds zustimmen, daß sich der erfolgreiche Universitatsbesuch darin erweise, daß sich tiefes Dunkel über einem menschlichen Geist verbreitet und sein staatsbürgerlicher Wert' sich sehr vermindert habe.(Heiterkeit und Zustimmung!) Ja der Tal sind Bedeutung uud Anseheo der llniversiläten stark gesunken und dle llniversiläten hoben noch nicht begriffen, daß gerade in der Demokratie selbst der Bestand der Hochschulen abhängig Ist von der öffentlichen Meinung, abhängig davon, daß sie sich in deu Rahmen der Republik einfügen. wenn die geistige Bedeutung der Universitäten herabgemindert ist, so ist ihr politischer Einfluß gewachsen. Die soziale Schichtung auf den Universitäten und Hochschulen überhaupt entspricht genau der sozialen Schichtung des deutschen Bolkes. Akademisierung und Proletarisierung gehen aus den Hochschulen in geradezu grotesker Weise Hand in Hand. Dazu beigetrogen hat die sinnlose Ueberspitzung des Berechtigungswesens, die Ueberspitzung der aka- demischen Bildung auch in der Arbeiterklasse und im Mittelstand. Die Zahl der Studenten an den Universitäten ist um 5f) Proz. gewachsen, an den Technischen Hochschulen und Handelshochschulen nahezu oerdoppelt. Eine große Rolle spielt dabei allerdings d'e Anstauung der Hörerzahl durch die älteren S e m e st e r, die mangels jeder Anstellungsmöglichkeit einfach ihr Studium fortsetzen. S o ist die Universitätskrise mit der Wirtschast eng verbunden. Unter den Studenten sind nur 2,4 Proz. Arbeitersöhne, ober über 45 Proz. Beomtensöbne. Das Ideal des kleinen Beamten besteht eben darin, seinen Sohn auf den Posten zu bringen, den sein Borgesetzter hatte. Ueber 50 Proz. der Stu- denten gibt als ihr Ziel Anstellung im Staat und in der öffentlichen Verwaltung an. Ueber 50 Proz. der Studenten sind nationalsozia- listisch beeinflußt. Das zeigt die ganze Größe der akadeiyjfchen Gefahr für Republik und Staat.(Sehr wahr!) Es ist falsch, zu sogen, daß die Universitäten Monopol der besitzenden Klasse seien. Richtig ist, daß Beamte und Mittelstand auf dem Umweg über die Hochschulen Anschluß an die führende kapiialistische Schicht suchen. Es ist auch nicht richtig, zu behaupten, die Studentenschaft wäre reaktionär: sie ist im tiefsten revolutionär. Aber die Not der eigenen Familie, die Sorge um die eigene Zukunft und die Angst vor der Konkurrenz der Außenseiter hat bei ihnen jedes Solidaritätsgesühl gegenüber der Arbeiterklasse erstickt. Diese Einstellung bringen die Studenten bereits von den höheren Schulen mit und die Kultus- Verwaltungen der Länder haben der politischen Beeinflusiung der Jugend nicht die genügende Aufmerksamkeit geschenkt.(Sehr richtig!) Bob den nationalsozialistischen Studenten geht eine starke Rück- Wirkung aus auf die Jugend überhaupt und auch auf die Eltern. die durch die Studenten' aus ihrer früheren staatspolitischen Ein- stellung herausgerissen und radikalisisrt worden find. Die Professoren bätten die Aufgabe aehabt, die antikopitalistischen Aspekte der. jungen Generation in die Bahnen fruchtbarer Erkenntnis zu lenken Aber sie haben dabei fast restlos versagt. Dabei würde die Republik schon über genügenden Nachwuchs verfügen. Wenn man bedenkt, wieviele Anwälte der Industrie Lehraufträge erhalten, muß man sich wirtlich wundern, daß nicht längst«ine ganz« Reihe von Gewerkschaften Auftrag erhalten hat, wirtschaftliche und sozialpolitische Fragen vor der akademischen Jugend zu besprechen.(Lebhafte Zustimmung.) Aber der ganzen Sozialoersicherung wird heute auf deutschen Hochschulen noch nicht so viel Beachtung geswenkt. wie der interessanten Juristen- frage des Zusammenstoßes von Schiffen auf hoher See!(Heiterkeit.) Trotzdem sind die Universitäten nicht ganz der Reaktion aus- geliefert. Mr haben In Deutschland und Deutschösterreich 5000 sozialdemokratische Studenten und Studentinnen organisiert und etwa 10 000. fast 10 proz. der Gesamtzahl, stimmen für uns. Diese sozialistischen Studenten stehen meilensern den Leuten aus der Bourgeoisie, die in die Arbeiterbewegung kommen, um sich prole- tarischer auszuspielen als die Proletarier selbst. Wenn w i r i n die Arbeiterversammlungen gehen wollen. machen wir uns nicht vorher den Kragen schmutzig! (Heiterkeit.) Wenn Asvhaltliteraten in der„Weltbühne" sich nicht genug über mangelnden Geist der Sozialdemokratie entrüsten können, dann ist es mir eine Ehrenpflicht, ihr zu erklären, daß Partei und Gewerk- schaften in den letzten Jahren der sozialistischen Propaganda und Idee unter den Studierenden eine Aufmerksamkeit zugewendet haben, wie nie zuvor und in keinem anderen Lande des Kontinents. Es ist mir eine Ehrenpflicht, der preußischen Fraktion für ihre Kulturarbeit zu danken und der Prosessoren Radbruch, Lederer und der zahlreichen anderen sozialistischen Professoren zu gedenken. Wenn die Literaten der„Weltbühne" das Maul so aufreißen können, verdanken sie es nur der Kraft, mit der die Sozialdemokratie die Republik schützt. Gerade die Akademiker hätten die Aufgab«, ihre besser« Erkenntnis in der Arbeit' zu verwerten. Sie sollten nicht aus dem Faschismus einen Popanz machen, mit dem man alles und aar nichts beweist. Wie unsere Gegner alles, was ihnen nicht paßt, für Marxismus oder Kulturbolschewismus erklären, so dürfen nicht unsere akademisch gebildeten Genossen in den gleichen Fehler ver- fallen und jede ihnen unbequeme Regierung und Regierungstätig- keit als Faschismus bezeichnen. Damit erzeugt man nur Defaetismus und verhindert jede ernsthafte Betrachtung des faschistischen Pro- blems! Man hat der Partei oft vorgeworfen, daß sie den geistigen Bedürfnissen der Jugend nicht genug Rechnung traae. Aber auf der ander»n Se>te werden d!-> jungen Meiilchen, die völlig fest- gefahren sind, nie zu den besten der Arbeiterbewegung gehören. Wer nicht mehr zweifelt, wer seine Meinung gor nicht mehr ändern kann, ist ge Ist ig tot. Wer blind auf Seydewitz schwört, kann sich nicht mehr entwickeln. Ich gesteh« ganz offen daß die Jungen vor dem Parteitag unsicher waren, ob die Partei noch die innere Kraft besitzt, wieder offensiv zu werden. Auch wir haben gedacht, jetzt müsse einer aufstehen und die Fahne voran- tragen. Aber die Referate von Tornow und Zossmann nnd besonders das Schlußwort von Br-isicheid haben uns doch wieder befestigt:' wenn die Demokratie fähig«st. solche Männer herauszustellen. hat sie doch nicht versagt, haben«ir doch allen Anlaß sie und ihre Zormen zu verleidigen!(Stürmischer Beifall.) Unser« Studenten haben in den Parteiversammlungen oft angeeckt. Genossen, messen Sie dem keinen Wert bei! Die jungen Menschen hoben es heute schwer, immer den richtigen Weg zu finden. Unsere Partei leidet an den großen Spannungen, daß sie an den Grund- festen der Gesellschaft rüttelt-und doch wie ein neuer Herkules das ganze Gesellschaftsgebäude trägt. Heute kann man den jungen Aka- demitern nicht mehr vorwerfen, wie 1918, daß sie um der Kon- junktur willen zur Sozialdemokratie kamen, ober doch sind die jungen Akademiker noch nie so stolz darauf gewesen, daß sie Sozialdemo- kraten sind, wie jetzt, da wir dem Unflat und dem Terror der Gegen- seite die ewigen Postulote der Freiheit und Menschenwürde entgegenstellen.(Lebhafter, langanhaltender Beifall.) Kleineibst-Ostsachseu: Der Referent hat mit Bedauern feststellen müssen, daß ein nicht geringer Teil der Jugend zu den National- sozialisten übergleitet. Das hat wirtschaftliche, aber auch psychologische Gründe. Wenn die Nationalsozialisten sich Fetzen aus unserem Programm für ihr Lumpenkleid gerissen haben, so haben auch wir AnleihenbeidenNationalsozialisten gemacht.(Unruhe. Wels: Wirnicht, vielleicht Sie!) Ich protestiere gegen diese Störungen in der Ge- schästsleitung. Ich finde wenig Demokratie darin, daß man mich nicht einmal in meinen 10 Minuten sprechen läßt.(Beifall auf der Tribüne.) Ich meinte damit, daß wir dem Nationalismus nicht genügend stark entgegentreten. Die Jugend wird vom Gefühl be- stimmt, und wenn sich jetzt schon unsere Parteipresse verleiten läßt, von Tributlaften zu schreiben, wird das Gerechtigkeitsgefühl der Jugend irregeführt. Die Tribute nach innen sind an unserem Wirt- schaftselend viel mehr schuld, als die Reparationen nach außen. (Vorsitzender Livinski bittet den Redner, nicht wieder in die außenpolitische Debatte einzulenken, er möge zur Iugendsrage sprechen.) Wenn wir die Jugend der Parte: nähersühren wollen, müssen wir sie vom Nationalismus ablenken. Dann darf nicht das Auslandskapital der Feind sein, sondern das Kapital. Vorsitzeuder Dipiafki: Ein Deballeredaer auf dem Parteilag darf in keinem Zusammenhang erklären, die sozialdemokralische Reichstogssraklion Hobe die Agitation der Nationalsozialistischen Partei unlerstützl. Die Sozialdemokratie hat von jeher die Behauptung von Deutschlands Alleinschuld am Kriege bekämpft. Auf dieser Unwahrheit ist die deutsche Reparalionsverpflichlung begründet, wir hoben vielmehr jederzeit gegen die Reparationen gekämpft und praktisch für das deutsche Volk eine erhebliche Herabsehung der Reparalionslost erreicht. Die Sozialdemokratie hat von jeher eine gerechte Verteilung der Losten des Krieges gefordert, die im Einklang mit der deutschen Leistungs- fähigkeit steht, wenn wir in dieser Weise das Gesamtinteresse der deutschen und der internationalen Arbeiterklasse wahrgenommen haben, da ist es unerhört, wenn ein Parteilagsdelegierler und Wissen- fchafller wie Sleineibst uns Konzessionen an den Rationalismus unterstellt, bloß um neue Vorwürfe gegen die Relchslagsfraktion zu schleudern. In der Zurückweisung dieser Entgleisung weiß ich mich mit dem gesamten Parteitag einig. (Lebhafter Beifall.) Hölting: Das Iugenbproblem ist für uns nicht identisch mit der Frage der Iungfozmlisten. Wenn wir den jungsozialistischen Laden schließen, verschütten wir damit keinen Weg zur Partei, sondern riegeln nur eine Sackgass« ab.(Sehr wahr!) Wir richten hier keinen Galgen auf, sondern vollziehen mir ein Urteil der Geschichte. Der Zungsoziolismus ist gestorben an einer sturen Orthodoxie. einem ungeheuren Kult des Gestrigen und vorgestrigen und andererseits an einer unsympathischen lleberheblichkeil.(Sehr gut!) Das Iugendproblem bleibt, weil das Generationenproblem bleibt. (Sehr wahr!) Und es Hot sich verschärft, weil ein« junge Generation heranwächst, der Krieg und Revolution nur noch ein Lesebucherlebnis ist. Der jung« Radikalismus muß bleiben, und wir dürfen nicht versuchen, ihn dadurch abzubiegen, daß wir den Jungen Funktionär- Posten geben. Die Jugend, die am Sonntag mit uns demonstrierte, war, richtig verstanden, radi- kaler als die Jugend, die hier von der Tribüne lärmt.(Lebhaste Zustimmung.) Ich sehe folgende Aufgaben für die Jugend: Stärkung des nüchternen Sinnes für Machtpolitik,, ein Abgehen von dem allzu starken gefühlsmäßigen Betrachten des Ge- schehens. Bonzentum bedeutet Apparatur um ihrer selbst willen, bedeutet organisatorischen Fettansatz.(Heiterkeit.) Das fehlt der Jugend. Die Aufgab« ist hier, nicht Saboteur zu sein, sondern Gegenspieler. Die dritte Aufgabe ist: Helft uns, heranzukommen an die kapitalistischen Zwischenfchicbten. Dazu brauchen wir eine große geistige Wendigkeit und Geschlossenheit. Helft uns weiter im Kampfe gegen den rüden Nationalismus, nicht nur durch den Ruf„Nie wieder Krieg!"— der macht auf die Jugend einen erstaunlich ge- ringen Eindruck—, sondern dadurch, daß ihr den nationalistischen Verhetzungen euer gutes Europäerbewußtsein gegenüberstellt. Spottet über die Grenzstein«, über die man mit einem Flugzeug in wenigen Stunden hinwegfliegen kann! Helft uns auch gegen die Verfinsterung und Dermuckerung, die wieder über Deutschland bereinzubrecben drobt. Die Menschen, die man nicht mehr unbeain- sichtigt ins Kino und ins Theater gehen lassen will, wird man bald nicht mehr unbeaufsichtigt in die Wahlzelle gehen lassen. Arbeitet mit än neuen Werbemögssichkeiten. W i r mij ssen dem Sozia- lismus einen neuen kultischen Ausdruck ver- schaffen. Er darf nicht zu verstandesdürr sein. (Sehr richtig!) Die schönste Aufgabe der Jugend ober ist, daß sie dem Sozialismus die visionäre Schau, die Zielgläubigkeit erhält. Be- megunq ist nur Ziel, wenn das Ziel olles bleibt. Den jungen Freunden auf den Tribünen möchte noch fasen: Wir baben Aul- neben für euch, wir Kaden Aufgaben für euch alle. Wir wellen euch die gleichen Rechte aeben. aber. Ihr jungen Freunde, übernehmt dann auch die gleichen Pflichten.(Stürmische Zustimmung.) Edel-Dresden: Der Resolution über die Jungsozialisten werden wir zustimmen, aber mit dem Bedauern, daß es durch die Ab- lehnunq aller Vermittlungsvorschläge durch die Leitung der Jung- sozialisten dazu kommen mußte. Es herrschte dort ein aus- «eblähtes Kraft gefühl, genährt von älteren Parteigenossen. Es ist ein Mißbrauch der Tugend, wenn ibr fol-k- Reden serviert werden, wie die des Genossen Kleineibst. Gewiß, Fehler find auch von uns gemacht worden. Die Iungfozio- listen wurden stark hofiert, als sie noch eine politisch genehme Hol- tung einnahmen. Der Eingriff mußt« erfolgen nach dem 14. Sep- tember, im Augenblick höchster Not der Partei. Da nützt« keine elegiscke Ueberleaung, wie wir in die Schwieriakeiien hineingekommen waren, sondern wir mußten heraus aus den Schwierigkeiten, zum Kampf gegen die Nationalsozialisten Die Verjünoung des Parteiapparates könnte wohl etwas lchnellcr erfolgen. Sic muß erfolgen für die Juqend und mit der Jugend, aber nicht durch d'e Jugend gegen die Partei.(Beifall.) vietrich-tkrsurl: Die niübterne Tagesorb eit übt natürlich nich: die Anziebunaskraft auf die Jugend aus. Bei der Darstellung des sozialen Elends der Jugendlichen schlägt die Gefühlswollung noch höhere Wogen als bei den drei von Nölling erwähnten Punkten. Und diese Gefühlswollung wird sich nach den Gefühlsauswirkungen der neuen Notverordnung vor den Stempelstellen noch verstärken. (Sehr wahr!) Es darf nirgends die Auffassung auskommen, als gingen die politischen Fragen die Tugend nichts an. wenn wir begreifen. daß die Jugend alles angehl, wird manche Spannung vermieden werden. Tic größte Gefahr sehe ich darin, daß durch organisatorische Maß- nahmen verhaltene Aktivität geschaffen wird. Sie geht dann ihre eigenen Wege. Wer etwa glaubt, die Schwierigkeiten seines Arbeits- gebietes durch Schaffung von Arbeitsgemeinschaften beheben zu können, wird bittere Enttäuschungen erleben. Die Hauptsache ist die Verantwortung der einzelnen Funktionäre als Mensch, als Beispiel für die heranwachsende Jugend.(Lebhaste Zustimmung.) Meitmann-Hamburg: Zunächst müssen wir feststellen, wodurch wir die Jugend nicht gewinnen: nicht mit postoraler Belehrung, nicht mit Ileberheblichkeit oder mit mimosenhafter Empfindlichkeit. Ein wichtiges Problem ist, wie die Hundert, tausende aus der Kinderfreundebewegung in unsere Bewegung hineinzuführen sind. Die'Poli» tisierung der Jugendbewegungen bejahe ich. Aber man kann auf ver- schieden« Weise politisieren. Entweder, wenn man seine eigenen, mit guten Gründen erarbeiteten Grundsätze vorwegnimmt, oder indem man wie ein guter Pädagoge den Stoff und die Problematik an den jungen Menschen heranbringt. Zur Frage der H-ranholunq der Jugend zur Mitarbeit weis« ich darauf hin, daß Wels und Hermann Müller mit dreißig Jahren in führende Aemter der Partei gekommen sind. Darum sollte unsere jetzige Leitung nicht allzu ängstlich sein. Geben wir unserer Tugend eine Ehance! Wenn der Jugendliche sich dann nicht bewährt, dann muh er, eben,,» wie der allere Genosse, der nichts leistet, verschwinden. Ich warne davor, den Nachwuchs nach seiner taktischen Haltung auszuwählen. Ltebmann: In der von dem Referenten vorgelegten Entschließung ist nicht konkret genug gesagt, wie die Mitarbeit der Jugendlichen aussehen soll. Auch auf dem Parteitag sind zu wenig Genossen, die eigentlich als Hauptbeteiligte zum Thema der Jugend reden könnten. Die mangelhafte Berücksichtigung der jüngeren Generation in der Organisation hat einzelnen überalterten I u- g e n d l i ch e n, einzelnen Porteiführungsaspiranten ohne Derani- wortungsgefühl Gelegenheit gegeben, einen währen Jugcndkull zu treiben und diese Jugendlichen zu mißbrauchen. Wenn die Jugend- lichen keine Wortführer mehr nötig haben, penn wir ihnen in der Organisation den gebührenden Platz geben, dann hört dos von selbst aus. Was hier oben auf den Tribünen seinen Gesühlen recht laute« Ausdruck verleiht, ist weder ein wesentlicher Bruchteil der Leipziger Tugend, noch sind es leider sozialistisch organisierte Jugendliche. Zu dieser Feststellung vor dem Parteitag fühle ich,.mich doch, pflichtet. Im übrigen hat der Parteitag seine Pflicht zu tun, sind noch unserer Ueberzeugung dienen wir der Partei, wenn wir die Jugend in der Organisation und bei ollen Knndidätenaufstellnngen praktisch mitbestimmend berücksichtigen. Die Verhandlungen werden auf nachmittags 3 Uhr vertagt. Nachmittagsfitzung. Vorsitzender Wels: Zur Rednerliste sind 40 Redner gemeldet. lauter gewichtige und schwere Namen.(Heiterkeit.) Auf diese Wesse kämen die wirklichen Iugenddelegierten überhaupt nicht zu Wort, da wir unsere Arbeit hier auch zu Ende bringen müssen. Ich erbitte deshalb vom Parteitag die Ermächtigung, zuerst den vier jüngsten gemeldeten Delegierten— sie sind 2l, 24 und 26 Jahre— das Wort zu geben. Die Mitglieder des Parteivorstandes sind zu ihren Gunsten bereit, von der Rednerliste zurückgetreten. Der Parteitag stimmt diesem Vor- schlag zu. Fliege-Dortmund: Wir danken dem Genossen Wels für die Möglichkeit der Aussprache. Als jüngster Delegierter des Parteitags darf ich stolz erklären, daß der Bezirk„Westliches Westfalen" mich einstimmig gewählt chat.(Beifall.) Wir wollen der Partei unsere Aktivität und unseren Willen zur Arbeit geben: denn die Sozial- demokratie ist eine Partei der Jugend, ist eine Partei der Zukunft. Die jugendlichen Wähler haben am 14. September dem politischen Leben Deutschlands«in neues, wenn auch nicht schönes Gesicht ge- geben. Aber wir müssen die Gründe begreifen. Gerade die Arbeits- lostgkeit hat den Drang der Jugend nach Betätigung übersteigert. Wir dürfen uns nicht wundern, wenn sie in dieser Lage der Parole nicht widersteht, Schaufenster einzuwerfen. Dazu kommt der un- gesunde Einfluß des Sports, da, wo er auf die Züchtung von Sportkanonen ausgeht Und namentlich in den Werkssportvereinen. Auch da, wo wir mit der Entscheidung der Partei nicht ohne weiteres einverstanden fein tonnten, haben wir nns ehrlich bemüht, die Gründe zu verstehen nnd die sngendsichen Genossen obsekliv darüber zu unterrichten. So wollen wir mit den älteren Genossen Schulter an Schulter für unsere Tdee kämpfen. Plrner-Rürnberg: Wir brauchen zwischen Partei und Jugend eine Atmosphäre des Perstehens, des gegenseitigen Vertrauens. Es ist seit dem Weltkriege ein neuer Typ der Jugend herangewachsen. Nicht nur Krieg und Revolution haben ihre entscheidenden Merk- male geprägt: es kam dazu die Technisierung, die Typisierung und die Normung. So entstand die Jugend für die auch äußere Norm der Unform, die ja auch der Ausdruck gemeinsamen Willens sein kann. Die Schulzeit dieser fetzigen Tugend lag während des Krieges. Als wir ausgelernt halten, stieß man uns in das Millionenheer der Arbeltslosen. Noch stärker als die proletarische Jugend Hot sich die junge Ange- stellten- und Bauernschaft der Verzweiflung und dem Radikalismus in die Arm« geworfen. Sie alle sind Kinder der verworrenen Zeit. Kinder der Maschinen, Kinder der Rationalisierung. Die Partei muß diese Jugend zu verantwortlicher Tätigkeit heran- ziehen. Sie darf die Funktionen in der Partei nicht nach dem Alter vergeben, sondern dem Willen und Können der jungen Generation Raum schaffen. Das wird für die Jugend psychologisch ein gewaltiger Anreiz sein. Den relativen Radikalismus der Jugend wird die Sozialdemokratie nur überwinden durch r a d i t a- len Positiotsmus, durch entschlossene Tat.(Beifall.) Kellcr-Eisleben: Leider hat es pie Republik versäumt, die jung« Generation an das jetzige System zu binden. Sie hat der Jugend keine Selbstverantwortung auferlegt. Raumnot ist es, die große Teil« der jungen Wählerschaft zu den Feinden der Republik ge, trieben hat Die Republik hat den Acker der Jugend brach liegen lassen: ihre Feinde haben ihn bestellt und abgeerntet. Deshalb erscheint uns die lleberwindung des Faschismus de- sonders schwer, wir werden sie nur erreichen, wenn Sie den jungen krästen in der Partei den weitest gehenden Raum geben. Sie dürfen die Jugend nicht als Konkurrenz betrachten, die Sie ver» drängen will. Die Jugend hat hohe Anerkennung z. B. für unseren erkrankten Genossen Ludwig, der in schweigsamer Arbeit eine starke Verjüngung in den Zentralstellen der Partei herbeigeführt hat. (Wels: Nicht nur Ludwig, der ganze Parteivorstand!) Die Akitioität der Jugend muß in verantwortungsvolle Arbeit umgesetzt werden: das ist die Anmarschstraße der Partei zum Herzen der Jugend. Lassen Sie die Mitarbeit der Jugend nicht sein einen rethorischen Tafelaufsatz bei festlichen Anlässen, sondern machen Sie sie zur Tat unh Wirklichkeit!(Lebhafter Beisall.) Reuaer-Gelsenkirchen: Gewisse jugendliche Tribünenbesucher des Parteitags, die uns in den letzten Tagen so eifrig mitgespielt haben. zeigen heute durch ihre Abwesenheit, daß das Thema„Partei und Jugend" sie wenig interessiert. Das überrascht uns nicht sehr: denn wer sein Urteil für unbedingt entscheidend für die hohe Politik hält, kann sich für die Klärung der Jugendfrage nicht sehr erwärmen. Die uns nun bereits bekannten Gesichter, die so schöne Zwischen- rufe machten und so demonstrativ bestimmten Parteitagsrednern Bei- fall klatschten, haben ihre hohe politische Mission aus dem Parteitag erfüllt und damit ist ihr Interesse an ihm erloschen. Wir bitten Sie daher sehr, die SAJ. nicht nach dem Maßstab dieser Tribünen- besucher zu messen.(Beifall.) Die Arbeiterjugend verlangt nicht nur Rechte, Je ist zu schwerster Pflicht und Arbeit bereit. Die vierzehn- bis Achtzehnjährigen, die Severing und wissell einfach ad acta legen, sind nicht die deutsche Arbeiterjugend. und wenn die Zäjöhrigen Zugendlichen jetzt eine besondere Zeil- schrist für die proletarische Zugend Herausgaben und ihr vorpredigen, die Sozialdemokratie wolle den Sapilalismu» nicht mehr bekämpfen, Sowjeldeulschland müsse das Zdeal fein— nun. auch für diese Zugendführer kommt hie Stunde, wo sie einmal keine Steigerung mehr wissen, wir haben ja erlebt, wie klein der Schritt vom sanalifchen Kommunisten zum Standartenführer der SA. ist! Wir sind, allen älteren Genossen dankbar, die der Jugend aus dem Schatz ihrer Erfahrungen spenden. Aber wir sagen euch, die älteren Genossen können nicht mit der Zunge der Jugend sprechen. Die Arbeiterjugend hörte jenen Berzwetflungsschrei jenes Schlosierlehr- lings, der seinem Leben ein Ende machte, weil kein Staat und keine Behörde ihm helfen konnte, weil er verzweifelte. Damals ist die Arpeiterjugend gegründet worden, um der gequälten proletarischen Jugend teils ein Sprachrohr zu sein. In diese Arbeiter- jugend gehören vor allem die Kinder der Partei- genossen. Lassen ste unsere Organisation nicht immer von vorn anfangen, sondern schicken sie uns vor allem die, die bereits vom Elternhaus her Sozialisten sind. Wir haben den Bau des neuen Staats der Arbeit begonnen und gefördert. Nehmen Sie das starke und ehrliche Bekenntnis der proletarischen Jugend entgegen, daß sie bereit ist. diesen Bau zu vollenden.(Starter anhaltender Beifall.) Ein Schlußantrag wir angenommen. Das Schluß- «ort erhält Ollenhauer. Die Politisierung der Jugend ist eine Tatsachs, mit der wir rechnen müssen. Aber in einem gewiß nur scheinbaren Gegensatz Oer Bericht des rn.SIuf Vorschlag von. Wels werden. zunächst.die Wahlen. deL Parteivor.standes ,U-p.d der Kautrollko mm i.fsi o n vorgenommen.. Die Wahl erfolgt durch Stimmzettel. Dos Resultat der Wahl wird am Freitag bekanntgegeben. Dann erstattet« den Bericht des Parteivorstandes Genosse Westphal. Max Westphal: In allen Kämpfen, die wir in der Berichtszeit zu führen hatten, haben wir unsere Position im großen und ganzen gut ge- Hollen. Mit diesen Resultaten dürfen wir unter den obwaltenden Umständen zufrieden.sein. In dem Kampfe vor den Reichstags- wählen löäl) haben wir sogar recht gut abgeschnitten. Bei den Land» tags- und Kommunalwahlen nach den Reichstagswahlen war das Resultat im allgemeinen ungünstiger. Der Umschwung der Wähler- fchaft zugunsten der radikalen Parteien hat im Frühjahr 1930 ein- gesetzt. Die Gewerkschaften haben 1928 noch 763 Streiks geführt. 1930 nur 314, davon waren 1928 nur 4 Proz. erfolglos, 1939 aber 66 Proz. Das bat seinen Grund in den 3 Millionen Erwerbslosen. Die Kämpfe der Partei waren im wesentlichen Kämpfe zur Erhaltung des Be stehenden. Das hat natürlich viele enttäuscht, zumal andere Parteien sehr viel größere Versprechungen machen als wir tun dürfen(sehr out). Der Kampf um die Massen wird eben auch heute von den Kreisen geführt, die im kaiserlichen Deutschland als privllegiert« Kreise die Masse mißbrauchten. Dazu kommt der Wandel in der Stellung der Sozialdemokratischen Partei, der sich in der Nach- kriegs.zeit vollzogen hat, dadurch, daß sie in der deinokratischen Republik ein großes Maß von Verantwortung zu tragen Hot. Zn über 1300 Stadt- und Gemeindeverwaltungen haben wir Sie die absolute Mehrheit, und in vielen anderen großen Ein- j. 25 Proz. aller Bürgermeister in Deutschland sind Sozial- demokraten(hört! hört!). Durch diese Verantwortung ist natürlich unsere Agitation in ge- wissem Maße gehemmt, aber niemand von uns wird deshalb diese Position wieder aufgehen wollen, nicht etwa aus dem Drang nach der Futterkrippe, den man uns nachsagt, sondern um von diesen Positionen aus Erfolge für die Arbeiter zu erringen und um sie als Positionen zu benutzen, von denen wir weiter zur Erreichung unseres Zieles vorstoßen. Wie gegen uns vorgegangen wird, beweist zum Beispiel die eine Broschüre„Totgeschwiegene Wahrhelten. Sünden der Sozialdemokratie". Donach haben wir sogar Paradies- betten, eigene Autos und Flugzeuge den Arbeitern versprochen (Heiterkeit) und haben sie nun um diese. Versprechungen betrogen. Eine besonders große Hetze ist die der Korruption, die die zu Löwenstein bin ich außerstande, alle Formen dieser Politisierung rückhaltlos zu besahen. Wenn Kommunisten Kinder gegen die Sozialdemokratie reden lassen, wenn sie im Wahlkampf Kinder- sprechchöre auf Lastwagen laden, wird die Politisierung zur Ver- wilderung der Jugend. Auch Politisierung und politische Reise sind zweierlei. Die Ausgabe der sozialistischen Arbeiterjugend besteht darin, die politisierte Jugend zur politischen Reife zu bringen. Die Ausführungen von Kleineibft haben mich überzeugt, daß ich unsere Erziehungsaufgaben zu eng gefaßt habe, wenn ich sie auf die Jugend beschränkte. Es scheinen auch den älteren Parte ige- nassen manchmal noch die einfach st en politischen Grundbegriffe zu fehlen.(Lebhafte Zustimmung und > Widerspruch.) Wir wollen die Jugend keineswegs von einer Betätigung ihrer radikalen Gesinnung abdrängen. Wir wollen im Gegenteil der Jugend die weitesten Möglichkeiten eröffnen, zu beweisen, daß hinter ihren radikalen Worten mehr als nur Worte«stecken. Eine größere Möglichkeit können wir der Jugend nicht eröffnen. Ge- nasse Dietrich wird mir zugeben, daß ibir nie oersucht haben, gegen- über der Jugend durch organisatorische Maßnahmen einen Zwang auszuüben. Wir haben immer pädagogisch gewirkt. Wenn wir aber in den letzten Zahren erlebt haben, daß schlechte Politiker, die in den Parteiorganisationen nicht auf die Beine kamen. Zugendorganlsationen benutzten, um sich und ihre Auf- sassuna durchzusehen, dann mußten wir erklären: dazu ist die Zugend nicht da. daß man in sie die Ouernägel einschlägt, die die Partei nicht brauchen kann. Setzt die Partei ältere Funktionäre in die Jugend, dürfen es nicht die unbrauchbarsten sein, es müssen die besten sein, die wir haben. (Lebhafte Zustimmung.) Gerade die Arbeit in der Jugend setzt pädagogische und politische Fähigkeiten voraus.(Sehr wahr!) Weil nicht alle Parteiorganisationen die Jugendarbeit so ernst genommen haben, deshalb war der Beschluß notwendig, daß die Organisationen die Verantwortung für die älteren Jugendfunktionäre tragen. � Wer kann gegen eine solche Selbstverständlichkeit mit guten Gründen angehen?(Sehr wahr!) Unsere Entschließung verpflichtet die Organisationen zur Jugend- arbeit in unserem Sinne. Demgegenüber wäre jede Einzelaus- führung im Sinne Liebmanns eine Einschränkung. Wir bitten Sie deshalb, alle Anträge durch Annahme der Entschließung für erle- digt zu erklären. Der Zusatzantrag 296 kann dem Parteivorstand überwiesen werden. Aber es kommt keine Neuauflage der Jung- sozialistischen Formen in Betracht, sondern nur Richtlinien für die Parteiorganisation und ihre jüngere Arbeit. Ich bitte Sie, unsere Entschließung ein st immig anzunehmen und damit zu bekunden, die Sozialdemokratie gewährt der jungen Generation Raum zu praktischer Arbeit und ruft sie zum Kampf für die Verwirklichung des Sozialismus auf.(Lebhafter anhaltender Beifall.) Ein Antrag Müller-Ehemnitz über den Absah des Refolutious- entwnrfs, der bestimmt, daß die Parteiorganisationen die älteren Zugendfunktionäre verantwortlich auswählen, gelrennt abzustimmen. wird gegen eine kleine Minderheit abgelehnt. Gegen dieselbe Minder- heit wird die Resolution Ollen Hauer und der Aulrag vom Parleiausschuß und Parleivorstand auf Auf- lösung der Zungsozialiflengruppe angenommen. Antrag 206 wird dem Parleivorslaud überwiesen. Alle übrigen Anträge werden für erledigt erklärt. parteivorstandes. Sozialdemokratie betreibe. Diese ganzen Anschuldigungen beruhen zum größten Teil auf gemeinem Mißtrauen. Es sind auch keineswegs immer Sozialdemokraten, die bei solchen Fällen in Betracht kommen und es hat auch schon früher Korruption gegeben. Jedenfalls war die Sozialdemokratie immer die schärfste Be- kämpferin jeder Korrnption. wo sie sich auch immer breitmacht. (Lebhafte Zustimmung.) Si« ist der Ausfassung, daß Sozialdemokraten selbstverständlich nicht in öffentliche Aemter kommen, um sich Reichtümer zu erwerben, sondern, um dort für die Interessen des Volke» zu wirken. Wir wollen den Genossen in diesen Aemtern sagen, daß sie zwar alles, was notwendig ist, auf dem Gebiete der Repräsentation durchaus erfüllen sollen, ober in den Grenzen, die der heutigen Zeit und die unserer sozialdemokratischen Aussasiung«ntsprechen. Der Kampf gegen die Sozialdemokratie ist gerade in der letzten Zeit mit großer Leidenschaft geführt worden. Man versucht, ihr mit aller Kraft den Todesstoß zu versetzen. Dabei lzaben wir es mit einer ungeheuren Verrohung und B eschmutz ung des politischen Kamps es zu tun.(Sehr wahr!) Die politische Tobsucht hat selbst in den Parlamenten zu ungeheuerlichen Szenen geführt. Die Gemeinheiten des Kampfes nehmen zu, je nationa- sistischer sich eine Bewegung gebärdet. Aber die Kommunisten nehmen im Kampfe um diese Siegespalme die stärkste Konkurrenz mit den Nationalisten auf. Sie hoben sich sogar nicht gescheut, das Begräbnis Hermami Müllers in der schamlosesten Weise zu glossieren. (Hort, hört!) Wir lehnen es ob, uns in� unserem Abwehrkampf auf dasselbe medrige Niveau zu begeben!(Sehr gut!) Es gibt in der Sozialdemokratie nur eine Meinung darüber, daß wir unser Ziel, so lange es irgend möglich, mit friedlichen Milleln erreichen wollen. Daß wir aber dem. der uns mit Ge- wall entgegentritt, auch mit Gewott zu begegnen bereit sind, dazu brauchen wir eine organisierte Abwehrsront, und dabei kommt es vor allem aus die Stärkung des Reichsbanner» an. (Lebhafte Zustimmung.) Wir sprechen den Kameraden des Reichsbanners, die uns in diesem Kampf unterstützt haben, unseren herzlichsten Dank aus. (Lebhaftes Bravo!) Wenn heute in den nationalst) zialistijchen Kreisen ein Legalitätsfimmel ausgebrochen ist. wenn Goebbels seine Broschüren, in denen er wie ein dummer Narr seine blutrünstigen Revolutionsphantasien losgelassen hat, einstampfen läßt, so ist das gewiß zurückzuführen auf den Dersuch, sich koolitionsreif zu machon, aber auch auf diese gewallige Mobilmachung in unseren Reihen gegen den Faschismus. Die Mobilisierung unserer Kräfte muß aber noch mit viel größerer Einheit durchgeführt werden.(Sehr richtig!) Die Auseinandersetzunge» der Partei dürfen die Kampfkraft der Partei niemals brechen.(Sehr> wahr!) Diese Worte sind nicht gegen diejenigen gerichtet, die irgend- wie oppositionell eingestellt sind.(Der Redner zähll eine ganze Reihe von Schmähungen gegen die Partei durch Organe der Linken inner- halb der Partei auf.) Wir müssen auch in dieser Zeit den Kamps gegen den Faschismus mit aller Krait führen, aber wir müssen uns auch den Kommunisten entgegenstellen. Man liest jetzt oft von Straßenkämpfen zwischen Nazis und Kommunisten. Aber das be- weist imr, daß beide Parteien einen großen Prozentsatz rauslustiger Elemente enthalten. Die hauptsront der Kommunisten ist nicht gegen den Faschismus gerichtet, fondern gegen uns. Die Kommunisten haben ihre Wahlerfolge und man muß es bei dieser Rot beinahe bewundern, daß sie nicht größer sind. Aber schon bei einem Volksentscheid haben sie ihre Anhänger nicht hinter sich und gar erst, wenn sie von ihnen revolutionäre Entschlossenheit forderten! Nein, General Thälmann wird sein. Schlachtrotz im Stalle lassen und nicht auf die Barrikaden reiten.(Große Heiterkeit und Beifall.) Aber wenn wir in Deutschland Schödüngsprozefse durchführen könnten, dann würden die Kommunisten und ihre Helfershelfer wegen Sabotage an den Znteresfen des werktätigen Volkes zu schwersten Strafen verurteilt! Die Sozialdemokratie wird sich gegen alle Gegner behaupten, wird alle Feinde überwinden. Wir haben die Kraft und Entschlösse»-. hell, zum Gegenstoß überzugehen. Man hat dem Parteivorstand den sinnlosen Vorwurf gemacht, er arbeit« aus eine Entpolitisterung der Partei hin. Keine Partei gibt ihren Funktionären und Mitglieidern soviel politisches Jnformationsmaterial wie wir, keiner hat soviel Kurse, keiner diskutiert so Wehrproblem, Koalitionsfrage und Außenpolitik. Unter der Parole:„Wo bleibt der zweite Mann?" ist die Reserve freudig begrüßt in Reih und Glied eingerückt. Wir müssen immer weiter werben für die Kraft, Kommunismus und Faschismus niederzuschlagen. Wir müssen prüfen, wo die Massen noch am meisten der Beeinflussung unserer Feinde unterliegen, wo wir die Mehrheit erringen können, welches die nächsten Bastionen sind, die wir stürmen. Die Front darf nicht wieder erstarren, sie muß lebendig bleiben! Die Ucbcrwindung der kommunistischen und faschistischen Gesahr wird ein Sieg für uns sein. Aber nur die Dorbereiwng eine» schöneren Sieges, des Sieges unserer Zdeale, des Sieges der Sozial- demokratie.(Lebhafter Beifall.) Die Weiterberatung wird auf Freitag früh 814 Uhr vertagt. Zur Finanzuot der Gemeinden. Zum Bericht der Reichstagsfraktion nahm der Parteitag bcn folgenden Antrag Kirchner an: Der Parteitag erkennt die schwierige Finanznotderdeut- sch e n Gemeinden und die dringende Notwendiakell der finanziellen Hilfe durch das Reich an. Er ist überzeugt, daß die Ge- meinden die Fürsorge für die Wohlsahrtserwerdslosen nur noch auf- rechterhalten können, wenn eine andere Lastenverteilung bei der Arbeitslosenfürsorge unter angemessener Beteiligung des Reichs durchgeführt wird. Die Aufrechterhaltung der Fürsorge für die Wohlsahrtserwerbs- losen durch die Gemeinden liegt im unmittelbaren Interesse der Arbeiterklasse. Ein Zusammenbruch der kommunalen Fürsorge wäre nicht nur ein unübersehbares Unglück für die unmittelbar Betraf-- fenen, sondern auch von folgenfchwerster Wirkung aus das Lebens» Niveau der gesamten Arbeiterschaft. Bisher hat die Reichsregierung lediglich versucht, die Reichs- finanzen zu sanieren und hat dabei den Gemeinden neue Lasten auferlegt. Eine solche Politik ist im Interesse des Voltsganzen un- trogbar. Das Reich hat die Pflicht, auch an der finanziellen Sicher- stellung der Gemeinden mitzuwirken. Der Dersuch, durch die B ü r g e r st e u e r den Gemeinden..zg.. helfen, hat sich— ganz abgesehen von ihrem unsozialen Charawr/ — als unzulänglich erwiesen. Die Bürqersteuer betastet die minder- bemittelten Voiksschichten aufs schwerste: ihre Anwendung müsse schon deshalb eine natürliche Begrenzung finden. Der Parteitag begrüßt den Gesetzentwurf der sozialdemokrati- sehen Reichstagzsraktion zur Arbeitslosenfürsorge, der eine Zujam- menfosiung der Krisenfürsorge und der Wohlfahrtserwerbslosen. sürsorge und»ine andere Lastenverteilung vorsieht. Er ersucht die Fraktion, unverzüglich bei der Reichsregierung daraus hinzuwirken. daß im Sinne dieses Gesetzentwurfes baldigst Maßnahmen ge- troffen werden, die den Gemeinden die Möglichkeit geben, ihre Aufgaben aus dem Gebiet der sozialen Fürsorge zu erfüllen und sie vor dem finanziellen Zusammenbruch zu schützen. Aus der Partei. Genossin Elisabeth tzue, die Frau des früheren Bergarbeiter- führer», ist in Essen im Alter von 79 Jahren gestorben. Sie war seit frühester Zeit für die sozialistische und froigewerkschaftliche Ar- beiierbewegung tätig. Vorübergehend war sie sogar ehrenamtlich? Kassiererin des Metallarbeiterverbandes in Essen. Mit ihrem Manne, der ihr im Tode vorangegangen, wird auch ihr ein ehrendes Andenken in der Partei bewahrt werden. Sport. Rennen zu Grunewald am Donnerstag, dem 4.)uni. I. Rennen. 1. Bockel Ichittz(ffloljf), 2. Hella, 3. Patriarch. Solo: 61: 10. Platz: 3t, 22: 10. Ferner lief: ServuS. 2. Rennen. 1. Surva(Dr. Licbrecht), 2. Mabadöb, 3. Thermidor. Toto: 14: 10. Platz: 12. 12: 10. Ferner lief: Leuchtturm. 3. Rennen. 1. Sternkunde kHartwichl, 2. Helman. 3. RadameZ. Toto: 62:10. Platz: 20, 15:10. Ferner liefen: Gradiva. Eldon. 4. Rennen. 1. Donnerkiel(ltzrabsch), 2. Malvolio, 3. Lustballon. Toto: 20:10. Platz: 42, 16,13:10. Feiner liefen: Vardar, Lysandcr, Immerzu, Tunguse. ».Rennen. 1. Eva kUnterbalzner), 2. SimplarS, 3. Merkur ll. Toto: SS: 10. Platz: 17, 31, 39: 10. Ferner Itcren: Fleitz. Sonnlagmorgcn, Gerwin, st. Rodert, Lichtblick, MnSkalellcr, Persea, Ztnnchen. 6. R e n n e n. 1. Ina(Müjchcn). 2. MetrodoruZ. 3. Grane. Toto: 17:10. Platz: 13, 19:10. Ferner liesen: Winlermärchen, Pelleerino, Hidigcigel. 7. R e nn e n. 1. Maufi(Sajdik), 2. Rosenau, 3. Eidora. Toto: 56: 10. Platz: 17, 17. 26:10. Ferner Uesen: Eroica, Varra, MuKketier, GcschäslS- sreund. Majcsto, Roxana, Aoa. Eine einzige schlechte Kaffeebohne kann den ganzen Kaffee verderben... Irinken Sie den vorzüglichen Kaffee Hag. 3ede Sohne ist auserlesene Qualität. Dabei ist Kaffee Hag coffeinfref und vollkommen unschädlich. 1/5 Milliarden neue Einkommensverluste. Das Konjunkturinfiitut über das 1. Vierteljahr 1931. Vorgestern hat die Tchwerindustrie, schon vorher haben andere Unternchmerorganisationcn einen neuen Lohnabbau gefordert. Reichsarbeitsminister Stegermold schätzt den gesamten Lohnausfall für 1931 auf 7?-� Milliarden Mark. Die Folge der bisherigen Lohn- kürzungsn war keine Belebung, sondern eine katastrophale Ver- schlechterung des Zlrbeitsmarktes. Das Institut für Konjunktur- forschung veröffentlicht in seinem Wochenbericht vom 3. Juni eine Darstellung über Einkommen und Verbrauch im 1. Quartal 1931, die die gefährlichen Wirkungen von steigender Arbeitslosigkeit und Lohnsenkung im einzelnen erkennen lassen. Diese Feststellungen, die wir im Wortlaut zum größten Teil wiedergeben, sind eine neue ernste Warnung. Das Institut schreibt: „Der kor.sunklurelle Rückgang des Arbeitseinkommens hat sich in den letzten Monaten außerordentlich verschärft. Ave Faktoren, die die höhe des Arbeitseinkommens bestimmen, drängen noch unten. Die Arbeitslosigkeit steigt— in ihrer Konjunkturtendenz— noch weiter an. Die Kurzarbeit ist neuerdings zwar wieder etwas eingeschränkt worden: sie ist trotzdem aber noch erheblich größer als im Vorjahr. Zu diesen Einschränkungen im Arbeitsvolumen kommt nun noch die Senkung der Lohn- und(Schaltsätze hinzu, die während der letzten Monate in fast allen Wirtschaftszweigen durchgeführt worden ist. Arbeitslosigkeit. Die Zunahme der Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahr gibt uns etwa an, um wieviel sich die Zahl der Einkommensbezieher vermindert hat. Die Arbeitslosigkeit war größer als im Vorjahr(in 1000): Ende Januar 1931....... um 1669 Ende Februar 1931......„ 1606 Ende März 1931.......„ 1703 Ende April 1931........ 1571 Demnach ist die Gesamtzahl der Einkommensbezieher sowohl im Durchschnitt des ersten Vierteljahres wie der ersten vier Monate dieses Jahres um gut 1,6 Millionen kleiner gewesen als im gleichen Zeitraum 1930. Daraus ergibt sich, wenn man noch die durch Kurz- arbeit entstandene Einkommensminderung in Rechnung setzt, eine Verringerung des Arbeilseinkommens, die schätzungsweise für das erste Vierteljahr im Vergleich zum Vorjahr 1.2 Milliarden Mark betragen dürste. Die Lohnsenkung. Die Senkung der Tariflöhne hat— nach dem Stand vom 1. April— in den wichtigsten Industriezweigen meist S bis 7 Pro,;, ausgemacht. Der April hat weitere Lohn- f e n k u n z q n gebracht, die in der Uebersicht noch nicht ent- halten sind; sicherlich werden auch die folgenden Monate noch neuen Lohnabbau bringen. Die tariflichen Gehälter der Angestellten dürften im ganzen den Arbeiterlöhnen gefolgt sein. Die tarifliche Senkung der Löhne und Gehälter wird verstärkt durch den Abbau der äberlariflicheu Verdienste. Zahlenmäßige Unterlagen über die Große dicles. das Arbeitseinkommen ver- kleinernden, Faktors sind freilich nicht vorhanden. Aber die Reagibi- litht dieses Postens und das nachweisbar frühere Einsetzen der Senkung der nicht tariflich gesicherten Einkommen lassen vermuten, daß die Einkommenzminderungen, die sich hieraus auch in den letzten Monaten noch ergeben haben, nicht gering sind. Ausgenommen müssen allerdings die Landorbeiterlöhne werden, bei denen über- tarifliche Bezahlung kaum bekannt ist. Berücksichtigt man weiter die durch die üprozenügc Gehalts« k ü r z u n g eingetretene Senkung des Beamteneinkommens. so wird man noch vorsichtige� Schätzung den Einkommensaussoll der Ar- beiler, Angestellten und Beamten für das erste Vierteljahr dieses Jahres aus ungefähr 1.5 Milliarden Mark oder 15 Proz. de» Einkommens der gleichen Zeit im Vorjahr veranschlagen können. Arbeitslosenunterstützung. Mit Lohnabbau und Verkürzung der Arbeitszeit find aber die Einkommsnsmlnderungen bei den Beschäftigten noch nicht erschöpft: denn die Erhöhung der Vetragsleistung zur Arbeitslosennersicherung hat außerdem noch das verfügbare Einkommen geschmälert. Das gleiche gilt selbstverständlich auch für die eingetretenen Steuer- erhöhungca. Alles das— und hierher gehört auch die Kürzung der Bs- cmtengehälter. die oben nur der Vollständigkeit wegen ausgeführt wurde— gewinnt bei volkswirtschaftlicher Betrach» t u n g ein anderes Gesicht. Denn hier handelt es sich um Maß» nahmen, die zur Linderung der Folgen der Arbeitslosigleit not- wendig geworden sind, Maßnahmen, die— volkswirtschaftlich be- trachtet— eine einschneidende Einkommensverschiebung bedeuten. Ihr Umfang ist nicht gering. Der Unterstützungsaufwand für die Arbeitslosen betrug im ersten Vierteljahr 1931 rund 0,8 bis 0,9 Milliarden Mark. Infolge der hohen Arbeitslosigkeit vollzieht sich also eine Ein- kommensverlagerung großen Stils: denn die Bc- träge, die auf der einen Seite aufgebracht werden, werden auf der anderen Seite dazu verwendet, den Arbeitslosen in Form ihrer Unterstützungen einen Konsumtionsfonds zur Verfügung zu stellen, der es ihnen gestattet, wenigstens die notwendigsten Lebensbedürf- niste zu befriedigen. Gleichzeitig damit geht ober eine Verlagerung derNach- fraae auf den Konsumgütermärtten vor sich: die Einkommens- bezieher, deren Einkommen durch die erhöhten Abzüge reduziert worden ist, sind als Käufer nichtaufden gleichenMärtten ausgefallen, auf denen die Arbeitslosen nun als Käufer auftreten. Die Reduktion der Einkommen auf der einen Seite hat eine Ein- schränkung in der Nachfrage nach Gütern des elastischen Bedarfs zur Folge: auf der anderen Seite verwenden die Arbeitslosen ihre Unterstützungsgelder in der Hauptsache dazu, zunächst ihre Miete zu bezahlen, sodann ihren Ernährungsbedarf zu befriedigen und ge- lcgentlich den allerdringendsten Bedarf an Kleidung usw. zu decken. Preise und Einkommen. Die Schwierigieiten. die stch durch die nominelle Senkung und durch die Verlagerung des Arbeitseinkommens auf den Konsum- gütermärttcn ergeben, werden durch die Senkung der Preise ver- r i n g e r t. Nach der Bewegung der amtlichen Indexziffer sind die Lebenshaltungskosten im ersten Vierteljahr dieses Jahres um 7,5 Proz. und in den ersten fünf Monaten um 7,1 Proz. gegen- über der entsprechenden Zeit des Vorjahrs zurückgegangen. Am stärksten gesenkt haben sich die Preise für Bekleidung mit 14,6 (15,1) Proz., während zur Deckung des sehr starken Wohnungs- bedorfs immerhin 3,9(3,6) Proz. mehr ausgegeben werden müssen. Internationale des Kabelbaus. Fetten Ä Guilleaume an der Epihe einet neuen Kombination. Die Felten u. Guilleaume Cavlswork A.-G. schloß dieser Tage nit einigen ausländischen Kabel- Unternehmungen einen Interessengerneinschastsvertrag. Es handelt sich in den Vereinigten Staaten um die American Cable Co., m England um die British Wire Ropes Ltd., in Australien um die Australian Wire Ropes Co. und einige kanadische Unternehmungen. Patente und Lizenzen zwischen den vertragschließenden Gesellschaften werden ausgetauscht, wahrscheinlich auch Interessen- gebiete abgegrenzt. Das wickitigstc Glied dieser internationalen Kabelgruppe ist zweifellos die deutsche Felten u. Guilleaume.Gesellschaft mit einem Aktienkapital von 66 Millionen Mark und einem Umsatz von 250 Millionen Mark einschließlich ihrer Tochtergesell- schaften. Fobrikationsunternehmungen des Felten- u. Guilleaume- Konzerns finden sich außer in Deutschland auch in Oesterreich, Un- garn, Polen, Argentinien usw. Die K a p i t o l k o n t r o l l e des Konzerns liegt bekanntlich seit 1920 bei dem luxemburgischen Montankonzern Arbed, der wiederum von sranzösischem Kapital(Schneider-Creusot) beherrscht wird. Demgegenüber sind die erwähnten ausländischen Kabelgesellschaften nur mittleren Formats. Die erwähnte American Cable Co., die ihrerseits von der American Chain Co. kontrolliert wird, beschäftigte im Jahre 1929 nur 400 Mann. Dem jetzt abgeschlossenen Gemeinschaftsvcrtrag, mit dem irgendwelche finanzielle Verbindungen nicht hergestellt werden, kommt angesichts des auch im Stark- und Schwachstromkabclgeschäst verschärften Wettbewerbs erhebliche Bedeutung zu. Im Oktober 1929 schlössen die wichtigsten deutschen Speziolfirme», zu denen jedoch die großen Konzerne wie Siemens, AEG. und auch Felten u. Guilleaume nicht gehörten, miteinander einen Jnteresten- gemeirrschaftsvertrag und gründeten gemeinsam eine mit 500 000 M. ausgestattete G. m. b. H.(Jndeska): die Deutschen Kabelwerke Rheydt, die Hackethal Draht- und Kabelwerke, die Osnabrücker Kupferwerke, die C. I. Vogel Draht- und Kabelwerke sowie fünf andere Firmen gehören dieser Sonderorganisation an. Abgesehen davon ist bekanntlich die gesamte deutsche Stark- und Schwachstrom- kabelindustri» in zwei die gesamte Industrie umfassenden Kar- Der Verbrauch der breiten Masse ist in seiner Gesamtheit mengenmäßig nicht so stark gesunken wie das Einkommen. Immer- hin ist das gesamte Verbrauchsniveau in Deutschland beträchtlich ge- schrumpft: denn die Preisrückgänge haben die Einkommensminderung— ganz roh eingeschätzt— nur etwa zur Hälfte ausgeglichen. Dieser Verbrauchsrückgang hat sich aber nicht gleichmäßig auf die einzelnen Aerbrauchszweige verteilt: die Verschiebungen im Einkommensgefüge haben die Zusammensetzung des Verbrauchs ent- scheidend verändert: Der„starre" Bedarf, d. h. der Verbrauch von Gütern für den dringendsten Lebensunterhalt, tritt mehr und mehr in den Vordergrund." Eine Tabelle gibt wertvolle Anhaltspunkte darüber, wie stark auf einzelnen Gebieten der Verbrauchsausfall durch Arbeitslosigkeit sowie Lohn- und Gehaltssenkung im ersten Quartal 1931 gegenüber dem Vorjahr gewesen ist. Die Ziffern sind gerade deshalb sehr charakteristisch, weil sie nicht den a l l e r d r i n g l i ch st e n Ernährungsbedarf betreffen Der Verbrauch von Kaffee ging Im ersten Quartal 1931 gegen die gleiche Zeit des Vorjahres von 183 100 auf 148 600, der von Tee von 8800 auf 5300, der von Südfrüchten von 848 000 auf 781 700 Doppelzentner zurück. Der Bierverbrauch ist von 3,9 auf 3,0 Millionen Hektoliter gesunken. Die versteuerten Zigarettenmengen find von 2,4 auf 1,3 Milliarden Stück, die Zigarrenmengen von 530 auf 270 Millionen Stück halbiert. Bei Kautabak erfolgte ein Rück- gang von 19 700 auf 16 000 Doppelzentner. Bei der Bekleidung zeigte sich ein wertmäßiger Berbrauchsrückgang von etwa 15 Proz. Man sollte annehmen, daß diese Zahlen schrecken. Aber die Erkenntnis von der wirtschaftsdrostelnden Wirkung der Lohnsenkung ist in die Büros der Unternehmerverbände und der Ruhrherren, die neue Lohnsenkungen fordern, noch nicht vorgcdrun- gen. Um so nachdrücklicher wird sie die R e i ch s r e g i e r u n g beachten müssen. leiten organisiert, die im März vorigen Jahres um weitere vier Jahrs verlängert worden sind. Die jetzt neu sich bildende internationale Gruppe unter Führung des Felten u. Guilleaume-Konzerns dürste zunächst dazu beitragen, den Wettbewerb insbesondere im überseeischen Kobelgeschäst zu verschärfen. Das Weltstickstoffsyndikai. Ein neues Jahr EIA. Das Anfang August 1930 abgeschlossene Internationale Stick- stoff-Synditat(Convention cke l'lnduslrie de I'Azote— C. I. A.) ist jetzt in Paris, wohin Vertreter aller beteiligten Gesellschaften zu- sammengc kommen waren, aus ein weiteres Jahr verlängert worden. Eine Ausdehnung dos SyNdikatsoertrags auf 10 Jahre, wie es von verschiedenen Mitgliedern gewünscht worden war, tonnte nicht erreicht werden. Von europäischen Ländern geWim' Deutschland, Frankreich, Belgien, England, Holland, Italien, Nor- wegen, Polen und die Tschechostowokei dem Syndikat an. Gleichzeitig mit der Syndikatsorganisation wurde eine g e- meinsame Ausgleichskasse gegründet, um einen Fonds zur Entschädigung für Produktionseinschränkungen ansammeln zu können. Auch diese Organisation wird bestehen bleiben. Ob die vor- Uäufig noch lose Syndikatsform angesichts der viel ernster gewordenen Krise ausreichen wird, ist eine Frage für sich. Jedenfalls steht fest, daß der Stickstoffindustrie zur Belebung ihres Absatzes nichts anderes fehlt als ein radikaler Abbau der'Dünge- mittelpreise. Die Reichsbahn im April. Im April hat sich der wirtschaftliche Tiefstand bei der Reichs- bahn weiter ausgewirkt. Gegenüber dem Vorjahr betrug der Rück- gang im Güterverkehr 14, gegenüber April 1929 sogar 26,5 Proz. Der Personenverkehr war durch die Osterfeier- tage gegenüber März etwas lebendiger. Die Einnahmen betrugen 326,4, die Ausgaben 343,1 Mil« lionen, davon 19,7 Millionen für Erneuerung der Reichsbahnanlagen und 75,0 Millionen für deren Unterhaltung. Die Einnahmen gingen gegen März n i ch t w c i t« r zurück. Gegenüber dem April des Vor- jahrs beträgt der Einnahmenrückgang 14,3 Proz. V/e!H-l.sinsn-5pong.- T /"N Schuhe rn. Ledersohlen I 85 Schuhe m. Ledersohlen 3.85; dto. mitGummi- O"5 sohlen und Absatz.. O Hübsche Spangen- A schuhe in Lack.. ab Elegante sommerliche Z. 45 Trotteurschuhe..... ü Fesche Pumps in verschiedenen Ausführungen— echtChevroau Tu r n s ch I ü p f e r mit OiromsohleGr-2i-<6 i C Gr. 43-46 0.85;GrJl-24 8 85 Pf. ER i- Präparate für die Schuhpflege und die preiswerten Liwera-Strümpfe nicht vergessen I ex�ra billige TackscHuh-Tage vom 5. � 15. Juni Eleg. brauner Herren- schuh. Solide gearbeitet r dtCLÜi schwarz u. Lade. fteliebter Spangenschuh in brauo Boxkalf.... Slacfe 140 eigene Verkaufsstellen, davon 23 In Groß-Berlin und Potsdam Patriotische Ausbeutung. Das Inland trägt die Verluste- das Ausland bekommt die Gewinne. Das Tollste sowohl bei der Transaktion des Polyphon- Konzerns wie bei den Maßnahmen innerhalb des Linoleumfonzerns ist, daß beide darüber flagen, fie seien Immer offenherziger wird Deutschland durch seine sogenannten| Schröder- Bant. Im übrigen befindet sich auch in dieser Gesellschaft Baterlandsfreunde geschäftlich verraten. Das zeigen die Abschlüsse ein früherer Minister, herr von Loebell, Staatsminister a. D. zweier bedeutender Industriekonzerne, die in der vergangenen und Exzellenz des alten Regimes. Woche veröffentlicht wurden. Ihre Beröffentlichung ist auch unter dem Gesichtspunkt interessant, daß beide sich über die Marten artifel Notverordnung des Kabinetts Brüning betlagen. In der Aufsichtsratssitzung der Polyphon Werte A.-G., Leipzig Wahren, wurde beschlossen, für 1930,, angesichts der schlechten Geschäftslage" nur noch 12 Prozent Dividende zu verteilen gegenüber 20 Prozent im Jahre vorher. Im übrigen ist aber beschlossen worden, von den vorhandenen reichlichen flüssigen aber beschlossen worden, von den vorhandenen reichlichen flüssigen Kapitalien = eine Anzahl Millionen Mark in das Schweizer Tochterunternehmen zu überführen. Diese Polyphon Holding A.-G., Basel, verwaltet ben gesamten Auslandsbefiz des Polyphon- Konzerns. Im Handelsteil des Berliner Tageblattes" heißt es ganz offen, diese Schwer gewichtsverschiebung nach der Schweiz sei in ihren Motiven fein Geheimnis. Die hohen Lasten und Untoften in Deutschland hätten die Neigung zur Umlagerung von Geschäften nach dem Auslande" start wachsen lassen. In Deutschland wird von diesem Großfonzern der Sprech maschinen und Schallplattenindustrie also eine verminderte Dividende verteilt und entsprechend gejammert. Nebenher werden erhebliche Kapitalien auf die einfache Art und Weise nach dem Auslande transferiert, daß, wie schon einmal im Vorjahre, den Aktionären auch dieses Mal ein Teil der Dividende nicht in barem Gelde, sondern in Aktien des Schweizer. Konzernunternehmens ausgezahlt wird. Auf diese angenehme Art haben zugleich die Attio näre die Möglichkeit, ihre Einnahmen in Zukunft im Auslande vermalten zu lassen. Die patriotischen Führer dieser Transaktionen find feine gewöhnlichen Leute. Der Aufsichtsrat der Polyphonwerke A.-B. besteht aus fünf Personen. Der Borsigende des Aufsichtsrates ist der Mitinhaber des bekannten Bankhauses Gebrüder Arn hold, Dresden- Berlin. Im übrigen sigt im Aufsichtsrat auch der frühere Reichswirtschaftsminister und frühere volksparteiliche Reichs tagsabgeordnete von Raumer. Die fünf Herren des Aufsichts rates erhielten in den jüngst vergangenen Jahren jeweils Tantiemen in Höhe von zusammen 110 000 bis 220 000 Mart. Dafür fann man schon als Patriot entsprechende Mengen Kapital über die Grenze tragen. Bei der Deutschen Linoleum Werte 2.-G., die ebenfalls das wichtigste Glied eines europäischen Konzerns ist, hat das Jahr 1930 einen Rückschlag der Dividende von 15 auf 5 Prozent gebracht. Auch hier wird selbstverständlich behauptet und begründet, daß dieser Rückgang im schlechten Geschäft zu suchen sei. Bei genauerer Nachprüfung ergibt sich aber, daß das nur zum geringen Teile der Wahrheit entspricht. In Wirklichkeit hat man sich seit Jahren in fühne europäische Finanzfpekulationen eingelassen, die verschiedentlich außerordentlich hohe Berluste mit sich gebracht haben. Zum anderen sind die eigentlichen Herren des Konzerns dauernd bemüht gewesen, zu ihren eigenen Gunsten erhebliche Beträge des Probuftionsfapitals dieses europäischen Linoleumkonzerns in Form von finanzfapitalistischen Sondertransattionen zu sich hinüber zu ziehen. So haben sich diese deutschen Herren Eber und heitner, Generaldirektoren der Deutschen Linoleum- Werke A.-G., und ihr Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Kurt Schoeller im Einvernehmen mit den Großbanten eben erst wieder zur Gründung einer holländischen Gesellschaft zusammen gefunden. Diese ,, Oleum" hat ein Aktienkapital von 10 Millionen holländischen Gulden. Die Berliner Börsen- Berichte" meinen dazu, daß die neue Gründung nichts anderes sei als ein jogenannter„ Verschiebebahnhof" wie es im Börsenjargon so schön heißt. Auch hier ist der Hinter grund und eigentliche Zwed der Auslandsgründung nichts anderes, als die Auslaugung der deutschen Produktionsunternehmen auf dem Wege über Transferierung von Attien, also eine Flucht der patriotischen Geldsäcke aus ihrem Vaterland. Der Aufsichtsrat der Deutschen Linoleum- Werte A.-G. besteht aus 16 Personen. Die Mehrzahl von ihnen find Direttoren| ber Deutschen Bant und Discontogesellschaft und der Bremer worden. durch die Notverordnung des Kabinetts Brüning geschädigt. Die armen Polyphon- Werke mußten ebenso wie die Deutschen Linoleum- Werte mit ihren Preisen um 10 Proz. herunter. gehen. Diese Notverordnung hat aber überhaupt erst Anfang 1931 das Licht der Welt erblickt und mit dem Geschäftsjahr 1930 nichts zu tun. Der Rückgang der Dividende für 1930 wird so auch als vorsorgliche Maßnahme gegen die Verminderung der Verdienste im Jahre 1931 dargestellt. Mit solchen Bemerkungen wird die unpolitische Deffentlichkeit abgelenkt. Das ist die Politit der Geschäfts leute. Das sind meist die gleichen, die über die hohen Lasten der Sozialversicherung und darüber flagen, daß sich der Staat zu viel um die Armen fümmere. Kurt Heinig. Obligatorische Buchprüfung. Eine alte Forderung, die endlich erfüllt werden muß. Nach den Feststellungen des Reichsfinanzministeriums haben die von der Reichssteuerverwaltung durchgeführten Buch- und Betriebsprüfungen Mehrerträge an Reichssteuern und Landessteuern in der Größenklasse von über 180 Millionen Mart ergeben. Angesichts solcher Erfahrungen gewinnt die im sozialdemo fratischen Finanz- und Steuerprogramm schon seit dem Heidelberger Parteitag enthaltene Forderung nach obligatorischen Buch- und Betriebsprüfungen eine besondere Bedeutung. Nicht allein, daß diese Frage bei der so ernsten Lage der öffentlichen Finanzen hodjaftuell geworden ist, vielmehr dürfte sie auch mit Rücksicht darauf, daß die Abstrichapostel am Ende ihres Lateins find, cine finanzwirtschaftliche Frage ersten Ranges sein. Als eines der wirksamsten Mittel der heutigen Steueraufsicht dient die behördliche Buch- und Betriebsprüfung bekanntlich der ueberwachung der Steuerdeklarationen des einzelnen Zensiten. Ihre innere Berechtigung braucht in einer Zeit so start gefuntener Steuermoral nicht erst bewiesen zu werden. Neben den bereits ermähnten günstigen Wirkungen auf die Staatseinnahmen und die Steuerlast der breiten Massen birgt diese Einrichtung einen unschätzbaren Gerechtigkeitswert. Einmal liegt sie im Interesse der Wirtschaft, die ja ständig behauptet, die auf dem tatsächlichen Ertrage beruhenden Steuern gern zahlen zu wollen. Nun, der Fiskus fammt diesen Steuerpflichtigen durch seinen Prüferdienst entgegen. Denn eine forrette Buch- und Betriebsprüfung bietet schließlich die beste Gewähr für eine richtige Ertragsermittlung. Zum anderen ertappt eine regelmäßig wiederkehrende Prüfung den Drüdeberger bei seiner Schande und stärkt auf der anderen Seite in dem ehrlichen Steuerzahler das Bewußtsein einer ausgleichenden Anwendung des formalen Rechts. Diese Wirkung ist nicht nur für die große Zahl der LohnSteuerpflichtigen bedeutsam, hie den Borzug einer freien Beranlagung nicht genießen, sondern auch für die vielen leinen, selbständigen Eristenzen, die sich, obschon nach den Bor schriften des Handelsgesetzbuches zur Führung von Büchern niche verpflichtet, in der Mehrzahl der Fälle der sogenannten( kleinen) Umsatzsteuerbuchführung bedienen, um dem rohen Veranlagungs verfahren nach Normalfägen nicht unterworfen zu sein. Sie, die sowieso schon nicht in der Lage find, größere Steuer ,, ersparnisse" zu machen, brauchen die Prüfung von Amts wegen nicht zu scheuen. Voraussetzung für die Ausgestaltung der Buch- und Betriebsprüfung im obigen Sinne ist zweierlei: einmal die Abänderung der unzulänglichen gesetzlichen Grundlage dieses Rechtsinstituts, zum anderen eine gewisse Reform des bestehenden Buch- und Betriebsprüferdienstes. Was das erste betrifft, so sieht§ 162 Abf. 10 der Reichsabgabenordnung, der dem§ 162 AD. alter Fassung durch Beleg vom 10. 8. 1925 angefügt worden ist, für ausgesprochene Großbetriebe zwar eine alle drei Jahre wiederkehrende ordent liche Buch- und Betriebsprüfung" vor. Jedoch ist das fachliche Anwendungsgebiet ein viel zu begrenztes und der Passus feibst ( Soll vorschrift) für die Praris nicht viel tauglicher als die voran. gehende Borschrift des§ 162 26. 9 20., melde fogar mur afs Rann vorschrift die Prüfung der großen Maffe der übrigen Betriebe in das gänzlich freie Ermessen der Beranlagungsbehörde stellt. Die immer wiederholten Bemühungen der Sozialdemokratie, diese Borschriften in zwingendes Recht umzuwandeln, find wie viele andere steuerliche Reformen bislang gescheitert. Zum zweiten ist nur soviel zu sagen, daß, weil ein Gefeß mit seiner Ausführung und praktischen Handhabung steht und fällt, in Butunft auch auf die Auswahl der für die Buch- und Betriebs. prüfung eigens bestellten Beamten weit größeres Gewicht gelegt werden müßte. Der Zustand, daß auch mit den Zenfiten oft bluts. oder gesinnungsverwandte, vielfach fachunkundige frühere Offiziere in diesem wichtigen Zwelge der öffentlichen Verwaltung Berwendung finden. wie ich auf dem Lande feststellen konnte, müßte bei dem heutigen Ueberangebot steuerrechtlich und betriebswirtschaftlich vorgebildeter Kräfte endgültig der Bergangenheit angehören! Wie in so vielem anderen, so liegt auch auf steuerlichem Gebiete die Entscheidung darüber, ob soziale Umgestaltungen Wirklichkeit werden sollen, legten Endes bei der Wählerschaft. Nicht nur die Teile der Arbeiterklasse, die lezzthin noch gewissenlosen Großsprechern ihre Stimme gaben, sondern auch der fleine Mittelstand, dessen Bertrauensseligkeit gerade in steuerlicher Hinsicht nur dazu ausgenügt wird, damit die Leistungsfähigen sich ihrer sozialen Verpflichtungen entziehen fönnen, werden zu erwägen haben, ob es den eigenen und den staatlichen Interessen nicht dienlicher ist, mit der Sozialdemokratie für die Erreichung tonfreter 3iele eines fozialen Steuerrechts zu tämpfen! H. K. Prozeß gegen Gelbfifinanzierung. Attionärsprotefte bei den Adlerwerfen. Jahrelang haben die Aktionäre geduldet, daß die Berwaltungen ihrer Gesellschaften die Reingewinne nicht auswiesen, um sie zur Erneuerung und zum Ausbau ihrer Anlagen zu verwenden. Allmählich ist nun auch bekanntgeworden, daß es gerade diese Methode der Selbstfinanzierung" war, die eine große Rapitalfehlleitung ermöglichte, weil durch die Seltstfinanzierung die Festlegung von Kapital nach rein technischen Gesichts. puntten begünstigt wurde. " In der Generalversammlung der Adlerwerte pornt Heinrich Kleger AG., Frankfurt, bestritt ein Aktionär die Richtigkeit der Bilanzen seit 1927. Seit diefem Jahre seien Investitionen in Söhe von 41 millionen Marf erfolgt. Zur Finan zierung habe man aber nur einen Banktredit von 15 Millionen Mart aufgenommen, also die Differenz von 26 Millionen aus laufenden Gewinnen bezahlt. Diese Gewinne feien in feiner Bilanz erschienen, sondern durch Unterbewertung der Aktiven zur Bildung von stillen Reserven benutzt worden, die dann im Laufe des Ausbaues der Werte aufgelöst wurden. Die Verwaltung vermied es, hierüber Aufschluß zu geben und erklärte, daß über diese Frage ein Prozeß schmere. Bekanntlich mußte vor etwa zwei Jahren das Aktienkapital der Adlerwerfe zur Sanierung zusammengestrichen werden. Bur jezigen Lage des Unternehmens wurde mitgeteilt, daß der Bestand an fertigen Wagen niedrig sei und daß man größere stille Reserven hätte bilden können. 24 Milliarden Kilowattstunden. Der Morganfche Elettrizitätstrust. Nachdem vor furzem die New York United Corporation gegründet worden war, eine Tochtergesellschaft der vom J. P. Morgan fontrollierten United Corporation, finden jegt weitere Borbereitun gen zum Zusammenschluß der großen oftamerikanischen Elektrizitätsfonzerne zu einem Riesenenergietrust statt. Bertreter des Baathauses 3. B. Morgan und ebenso der National City Bank find soeben in den Aufsichtsrat der Confolidated Gas Co. in New Yort eingetreten, einer der größten Elektrizitätsgesellschaften der Bereinigten Staaten. Der tommende Energietruft wird eine Elektrizitätserzeugung von etwa 24 milliarden Kilowattstunden haben, etwa ebensoviel wie Frankreich und Italien zusammenge nommen. 3mmer noch schlechter Kaliabsatz. Die Abladungen der zum Deutschen Kalisyndikat gehörenden Kalimerte im Mai 1931 betrugen 575 384 Doppelzentner Reintali gegen 771 775 Doppelzentner Reinfali im gleichen Monat des Borjahrs. In den ersten fünf Monaten des laufenden Kalender. jahres wurden von der Kaliwerfen insgesamt 5 709 384 Doppelzentner Reintali gegen 7 332 833 Doppelzentner Reintali in der gleichen Zeit des Borjahrs versandt. Heute zu Tietz: billige und gute Lebensmittel einkaufen Mengenabgabe vorbehalten. Verkauf soweit Vorrat Preise nur Freitag und Sonnabend. Waren sind vom Versand ausgeschlossen. Kalbskeule ganz u. geteilt, Pid. 0,80 bis 9 Pfd. schwer, Eisbein pökelt... Pfd. 0,38 mit Spitzbein, geEier 10 Stack 0,55 Deutsche frische Butter Pid. 1,24 Zitronen Dizd. 0,52 * Schlaraft.- Apfelsaft naturrein, alkoholfrel, hervorragende Qualität Flasche 0,95 10 FL 9,00 * Himbeer-, Kirsch- oder Zitronensaft m. Raffinade Flasche 1,20 10 FL 11,50 * Orangeade vorzügliche Qualität, eigene Abfüllung Flasche 1,35 10 FL 13,00 Fleisch und le chtverderbliche Die Zusendung von Lebensmitteln erfolgt bei Bestellung von 5.00 Mark an. Frisches Fleisch Kalbskamm o. Blge, Pfd.v. 0,62 Kalbsbrust u.-Rücken, Pfd.v. 0,68 Kalbsroulade gerollt, Pfd.v. 1,28 Kalbsschnitzel..... Ptd.v. 1,90 Hammel- Vorderfleisch, Pid.v. 0,86 Hammel- Rücken u.Keule, Pfd.v. 1,12 Schweinebauch o. B., Ptd. 0,60 Schweineblatt o. B.... Ptd. 0,68 Schweine- Schink., m.Bein, Pfd. 0,74 Schweineleber....... Pfd. 0,78 Schweinenieren... Ptd. 0,68 Schweineköpfe m. Backe, Pfd. 0,28 Rückenfett bratfertig, Pfd. 0,48 Suppenfleisch....... ..... Pfd.v. 0,58 Schmorfleisch Keule, e, Kn., v. 1,14 Rouladen. Pfd. 1,28 Roastbeef a Kn., Pid. von 1,38 Gulasch gemischt....Pfd. 0,80 Gehacktes........... Pfd. 0,68 Rinderbacken o. Kn., Pfd. 0,38 Rinderlunge .Ptd. 0,28 Rinderherzen Pid 0,44 ..Ptd. 0,20 Euter........ Hammelvorderfl. gefr., Pfd.v. 0,58 Hammelrücken getr..Ptd. 0,68 Hammelkeulen gefr... Pid. 0,78 Suppenfleisch gefr., Pfd. v. 0,54 Schmorfleisch gefr... Pid. 0,98 Rinderleber gefr...... Ptd. 0,88 Wurstwaren Schinken gekocht.... Pfd. 0,35 Schinken roh..... Pfd. 0,48 Sülze...... .Pfd. 0,48 Sülzwurst. ..Pfd. 0.68 Feine Leberwurst... Ptd. 1,08 Schinkenpolnische..Ptd. 1,08 Zervelat .Pid, 1,30 Salami........ Pfd. 1,30 Fetter Speck.......... Pfd. 0,68 Magerer Speck...Pid. 0,88 Schinkenspeck Pid. 1.38 ......... Pfd. 1,55 Nußschinken....... Würstchen.... 5- Paar- Dose 0,85 Gulasch....... Dose 0,78 Königsberger Fleck Dose 400 Gramm...... 2 Dosen 0,95 Huhn i. Reis.......... Dose 0,95 Fische * Lachs gefroren...... Pfd. 0,58 * Zander gefroren....... Pid. 0,28 * Kabeljau gr., o.Ko., 1. g., Pfd. 0,12 * Seelachsgr., o.Ko., i.g., Pid. 0,14 * Schellfisch f. g....... Ptd. 0,14 * Kabeljaufilet Ptd. 0,20 In allen Häusern ausser Andreasstr. Hazzer. Käse und Fette Camembert.......... Stck. 0,15 3 Pid. 0,58 BlockkäseTils.Art, 20%, Pfd. 0,53 Briekäse volifett.. Pfd. 0,52 Edameru. Holländ. 40%, P.d. 0,70 Steinbuscher vollfett, Pfd. 0,72 Tilsiter vollfett......... Pfd. 0,72 Münster vollfett........ Pfd. 0,58 Italien. Käse 45-50%, Pfd. 0,95 Schweizer.. .Pfd. 1,23 Allerfeinste deutsche Molkereibutter....... Fid. 1,44 Aller einste deutsche Ma kenbutter.... Margarine Kokosfett.... Pid. 1,48 2 Pid. 0,75 2 Pfd. 0,75 Räucherwaren Schellfisch geräuchert, Pfd. 0,32 Seelachs geräuchert.. Pid. 0.36 Flundern geräuchert... Pfd. 0,36 Rotbars geräuchert.... Pd. 0,38 Makrelen in Tomaten, Dose 0,50 Fleischsalat... Pid. 0,75 Heringssalat.......... Pfd. 0,70 Schlemmer- Roulade in Burgunder/ Tomatentunke, Dose 0,80 Sardinen Marke Hertie, Dose 0,45 Sardinen... 5.Portionsdosen 0 95 119 Obst und Gemüse Apfelsinen...... Bananen. Tafeläpfel... Ananas .3 Ptd. 0,58 .2 Pfd. 0,78 Ptd. 0,52 Ptd. 0,85 Stachelbeeren unreif, Ptd. 0,20 Radieschen 4 Band 0,10 Grüne Gurken..Stück von 0,25 Kopfsalat........ 3 Köpfe 0,10 Rhabarber........ 4 Pid 0,10 2 Ptd. 0,25 3 Pfd. 0,40 ...... Bund 0,28. Spinat Schoten Kohlrabi. Neuer Wirsingkohl Pid. 0,15 Neue Kartoffeln 5 Pfd. 0,55 Spargel billigst Konserven Dose Kaiserschoten............ 1,15 Junge Erbsen mittelfein.. 0,78 Gem. Gemüse fein 1,20 Junge Karotten 0,58 Stangenbreck bohnen.. 0,60 Sellerie tafelfertig.. 0,65 Aprikosen ohne Stein 0,95 Gemischte Früchte 1,40 Pfirsiche Frucht, geschält 1,30 Wild und Geflügel Rehkochileisch. Pfd. 0,26 Rehblätter. Pid. 0,88 Rehkeulen. .... Pfd. 1,5 J Junge Tauben...... Stück 0,70 Suppenhühner frisch, Pfd. 0,88 Hühner gefroren........ Ptd. 0,88 Enten fisch. Pra. 0,98 Waldtauben gefroren, St. 0,50 Gänse frisch...... Pfd. von 1,15 ***** Kolonialwaren Bruchreis........... Pid 0,14 Burmareis........ Pid. 0,18 Italienischer Reis.... Ptd. 0.22 Blue- rose- Reis.......Pid. 0,32 Buchmakkaroni..... Ptd. 0,46 Eierbandnudeln..Pid. 0.46 Eiersternchen......Pid. 0,54 Harigriess Pid. 0,28 Weizengriess........ PIL 0,30 Pilaumen getrockn., Pid. von 0,28. Pfirsiche getrocknet... Ptd. 0,62 Kakao stark entolt..... Pid. 0,48 KrümelSchokoladenpulver Pid.von 0,85 Kaffee.... Pfd. von 1,90 * Weine 1 Fl. 10 Fl. 1929er Edenkobener.. 0,75 7,00 1929 ar Obermoseler... 0,85 8.00 1928er Ingelheim. Rotw. 0.5 8,00 1929er Siefersheimer.. 1.25 12,00 1923er Brauneberger.. 1,45 14,00 1928er Piesporter Lay. 1,85 17,50 1928er Chât Bechevelle 2,00 18,50 1925er Haut Sauternes 2,75 25,00 1 Liter 5 Ltr. Spezial- Apfelwein..... 0,58 2,75 Cider, süsser Apfelwein 0,75 3,50 Rot. Johannisbeerwein L Qualität, süss...... Deutscher Wermut ., Rilano .0,85 4,00 1.10 5,25 Insel Samos, II. Qualität 1,20 5,75 Roter Tarragona, 6,00 7,50 absehr gute Qualität.... 1,25 Sonnengartner, vorzuglicher Frühstückswein 1,60 Deutscher Weinbrand, gelagerte Qualität...... Liter 4,60 * Preise ohne Flasche. Rr. 257 48. Jahrgang 3. Beilage des Vorwärts Gegen die Arbeitslosigkeit. Der Tag der Arbeitervertreter in Genf. Genf, 4. Juni( Eigenbericht). In beiden Bollfigungen der Internationalen Arbei tertonferenz famen am Sonntag am stärksten die Gedanken der Arbeiterschaft zum Ausdrud. Neben den vom Bericht des Direktors empfohlenen Mitteln zur Behebung der Arbeitslosen not stellten besonders hermann Müller und Jouhaug die Berkürzung der Arbeitszeit und die Erhöhung der Löhne in den Vordergrund, nicht ohne vor den Ausbrüchen der Verzweiflung bei den verelendeten Arbeitermassen eindringlich zu warnen. Der englische Arbeiter Hayday schloß sich der Kritik des Direktors über die Nichtratifikation des Washingtoner Abkommens durch England an unter schärffter Ablehnung der englischen Unternehmerpraftifen. Ein sofortiges Mittel, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, sei die Herauffezung des schulpflichtigen Alters, wie es im britischen Parlament vorgeschlagen worden sei und die Versorgung der Arbeiter über 60 Jahre. Serrarens, christlicher Gewerkschafter aus Holland, empfahl der Konferenz Sie päpstliche Enzyfliken zur Lösung der Krise. Einen starten Eindrud hinterließ die flare Rede des deutschen Arbeiterdelegierten Hermann Müller. Er verteidigte das Recht des Direttors Thomas zur Kritik an Rüd ständigkeit. Wenn der Direktor sich mehre gegen die Haltung der englischen Unternehmer, dann habe er sich durchaus im Rahmen feiner Pflicht gehalten. Die Arbeiter sähen, daß weder die Unternehmer Englands noch Deutschlands für den Fortschritt seien. Sie hemmten im Verwaltungsrat und in der Konferenz die Arbeit des Internationalen Arbeitsamtes. Er habe auch fein Berständnis für die Empfindlichkeit der englischen Arbeiterregierung. Ihr Gewicht hätte die Ratifitation des Washingtoner Abkommens beschleunigt in anderen Ländern. Müller vermißt indessen in dem Bericht des Direktors den Elan für die große Arbeit. Die Entschließungen des Berwaltungsrates gingen der Krise nicht auf den Grund und brächten feine Lösung. Die vorgeschlagenen Maßnahmen würden feine Hilfe Der Gesamtverband. Was gewerkschaftliche Kraft vermag. bringen. Die Arbeitslosenversicherung müsse da sein, aber sie beseitige nicht die Arbeitslosigkeit. In der Arbeitszeitverkürzung und Lohnerhöhung werde der Bericht sehr zaghajt. Die 40- Stunden- Woche müsse unbedingt eingeführt werden. Gewiß sei das auch kein Allheilmittel, aber es wäre ein rasch wirfender Anfang. Wirklich zu Leibe gehen könne man dem Problem nur durch Hebung des Massenfonsums, durch Steigerung der Kauffraft. Cohnerhöhung und Senfung der Preise müßten Hand in Hand gehen. Hier sägten die Unternehmer den Ast ab, auf dem sie fizen und die deutschen Unternehmer bemühten sich, den Reford dabei zu halten. Die Krife habe bewiesen, daß der Kapitalismus unfähig geworden fei, die alleinige Leitung der Wirtschaft zu behalten. Die Produktion müsse unter die Kontrolle des Staates gestellt werden. Entzöge sich die Regierung dieser Pflicht, dann wäre das Chaos und der Bürgerkrieg die Folge. Taylor Australien warnte ebenfalls davor, ohne tonfrete Maßnahmen auseinanderzugehen. Namentlich forderte er eine planmäßige Beseitigung der industriellen und agrarischen Ueber produktion. In einer großangelegten Rede legte Jouhaug Frankreich dar: die Arbeiter hätten die Rationalisierung als notwendig bezeichnet. Jetzt wandten sich die Arbeiter mit Recht an die Führer mit der Anklage, e die Arbeiterklasse jei befrogen worden. Die Unternehmer hätten die Rationalisierung nur als Klassenfampfmittel ausgenutzt. Lohnerhöhung und Arbeitszeitverkürzung müßten gegen die Arbeitslosigkeit eingesetzt werden neben allen anderen Mitteln, die im ausgezeichneten Bericht des Direktors empfohlen seien. Geschähe das nicht, dann sei die größte Gefahr, daß die ausgehungerten Massen zur Revolte griffen und die werde dann brutal sein. Die wenigen Unternehmervertreter, die heute sprachen, bewegten sich in bekannten Gemeinplägen, ohne irgend einen praktischen Weg aus der Krife zu zeigen. gebracht werden. Auch die Beamtenschaft sei stets bereit gewesen, zu ihrem Teil an der Aufbringung dieser Lasten teilzunehmen. Sie lehne aber nach wie vor die Sonderbesteuerung ab. Der Bundesvorstand unterstreicht aus diesen Gründen nochmals ausdrücklich den Standpunkt der Beamtenvertreter in den Berhandlungen mit dem Reichskanzler und erklärt unter Ablehnung der Gehaltskürzung, daß die zur Steuerung der allgemeinen Not der Erin die auch die Beamten einbezogen werden, aufgebracht werden müssen. Hierdurch würde auch die ungeheuerliche Ungerechtigfeit vermieden werden, die in dem von der Reichsregierung anscheinend vorgesehenen Plan, eine Kürzung des ersten Kinderzuschlags vorzunehmen, liege. Das erste Quartal dieses Jahres war auch für die Berliner Ortsverwaltung des Gesamt- Berbandes ein Jahresabschnitt, in dem mit Ausnahme einer einzigen Lohnbewegung alle Lohn- und Manteltariffämpfe im Zeichen der Abwehr von Verschlech| werbslosen erforderlichen Mittel durch eine allgemeine Krisensteuer, terungen standen. Für rund 10 000 Mitglieder, das sind etwa vier Fünftel der Gesamtmitgliedschaft, war die Organisation bemüht, die mühsam errungenen lohn- und tarifpolitischen Positionen erfolgreich zu verteidigen. Dieses Bemühen war zwar nicht voll erfolg. reich, aber immerhin, wie aus dem Geschäftsbericht des Genossen Schaum in der letzten Quartalsgeneralversammlung des GesamtBerbandes hervorging, von beachtlichen Teilerfolgen getrönt. So war es 3 B. möglich, für die städtischen Arbeiter nicht nur den geplanten Lohnabbau abzuwenden, sondern durch Berfürzung der Arbeitszeit die Entlaffung von 15 000 Arbeitern zu verhindern und obendrein noch rund 1300 Arbeitslose wieder in Arbeit zu bringen. Auch bei der Partnerwaltung fonnte durch Berhandlungen die Entlassung von etwa 1400 Arbeitern abgewendet werden. Die Einführung der 44- Stunden- Woche für das technische Personal der BVG. diente dem gleichen 3wed. Der im Schwer fuhrgewerbe auf dem Wege des Diktats versuchte Lohnabbau von 12 Broz. wurde durch einen Streik verhindert. In allen übrigen Branchen und Sektionen gelang es, die Lohnabbauwünsche der Unternehmer auf ein Mindestmaß zurückzudrängen. In das Berichtsquartal fielen zum größten Teil auch die Betriebsrätewahlen, bei denen sich der Gesamt- Berband im allgemeinen nicht nur gegenüber der RGD. gut behauptete, sondern ihr zum Teil wieder Boden abgewonnen hat. Im Zusammenhang mit der Betrachtung der gegenwärtigen Abwehrtämpfe, insbesondere des Kampfes um die Verkürzung der Arbeitszeit, kam Genosse Schaum auf die Beräußerung der Bewag zu sprechen. Infolge der bedrängten finanziellen Lager der Stadt Berlin hat hier die öffentliche Wirtschaft eine Schlacht verloren. Die Organisation hat alles getan, um wenigstens die erworbenen Rechte aus den Arbeitsverträgen zu sichern. Wenn die Mitglieder trop der Tatsache, daß die Abwehr gegen die Verschlechterungen nicht voll erfolgreich war, der Organisation die Treue gehalten haben und der Mitgliederbestand stabil geblieben ist, ist das ein Beweis dafür, daß sie die Notwendigkeit des firaffen gewerkschaftlichen Zusammenschluffes gerade in diesen schweren Krisenzeiten erfannt haben. Der Kassierer Genosse Bregte teilte mit, daß trotz der Krise und der großen Erwerbslosigkeit die Kassenverhältnisse zufriedenstellend find. Bon der finanziellen Leistungsfähigkeit des Gesamtverbandes zeugt allein die Tatsache, daß im Laufe des vorigen Jahres an Unterstützungen rund 9% Millionen Mark ausgezahlt wurden. In der kurzen Diskussion machten sich einige grundsätzlich ,, Oppositionelle" durch eine belangloje, an den Haaren herbeigezogene Kritik der Taktik der Gewerkschaften bemerkbar, fielen aber bei der Bersammlung gänzlich ab. ADB. gegen Gehaltskürzung. Eine Erflärung des Bundesvorstandes. Der Bundesvorstand des Allgemeinen Deutschen Be. amtenbundes hat mit äußerstem Befremden davon Kenntnis genommen, daß die Reichsregierung zur Dedung des Defizits der öffentlichen Finanzen wiederum die Kürzung der Beamten gehälter in Aussicht genommen hat. Er betont: Die Erfahrung habe gezeigt, daß Lohn. und Gehaltsabbau infolge Sentung der Maffentauftraft nur geeignet feien, den Schrumpfungsprozeß der Wirtschaft zu verstärken und den Steuerrückgang zu vermehren. Infolgedessen könne auch die reuerdings beabsichtigte Sentung der Beamtengehälter weder der Gesundung der öffentlichen Finanzen noch der Anfurbelung der Wirtschaft dienen. Wenn zur Versorgung ber Arbeitslosen weitere Mittel erforderlich seien, so müßten sie auf bem ardentlichen Bege der Befteuerung aller Leiftungsfähigen auf Die Berliner Erwerbslosen. 3lluftration zum Bericht des Stadttämmerers. Wie aus unserer Graphit ersichtlich ist, wächst die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen in Berlin beständig. Ende Dezember 1929 waren es 44 400, Ende Dezember 1930. fchon 116 200 und Ende April 1931 bereits 152 600 Wohlfahrtserwerbslose, d. h. also, daß die Zahl derselben sich von Ende Dezember 1929 bis Ende April 1931 fast 3½mal vergrößert hat. Haben die Wohlfahrtserwerbslojen Ende Dezember 1929 rund 20 Proz. der Gesamtzahl der Erwerbslosen in Berlin ausgemacht, so hat diese Prozentzahl Ende April 1931 bereits rund 38 Proz erreicht. Und alle Anzeichen sprechen dafür, daß die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen in Berlin noch weiter steigen wird. Die 221.3 44.4 176.9 Erwerbslosen in Berlin Stand: Ende jeden Monats. In 1000 Personen 298.4 72.0 226.4 381.6 116-2 265.4 Wohlfahrtserwerbslose 400.3 152.6 247.1 Bei den Arbeitsämtern betreute Erwerbslose DJ FMAMJJASOND JFMA 3 1929 1931 1 9 0 Z Durchschnittlich rechnet man mit etwa 185 000 Wohlfahrtserwerbslosen. Werden die Jugendlichen unter 21 Jahren aus der Arbeitslosenversicherung ausgeschieden, dann bedeutet dies, pon allen sonstigen Nachteilen abgesehen, eine weitere Belastung des Berliner Wohlfahrtsetats. Kraftdroschten Lohntarif gekündigt. Freitag, 5. Juni 1931 Das Ziel der Berliner Droschtenbesizer scheint zu sein, das unwürdige Entlohnungssystem der nur prozentualen Beteiligung an der Bruttoeinnahme wieder einzuführen, das bis 1929 als das schändlichste Entlohnungssystem in ganz Deutschland bestand. Diese) Art der Entlohnung wälzt das gesamte Betriebsrisiko auf den Kraft= droschkenführer ab. Es seht ihn nicht in den Stand, vor Beginn der: Schicht seiner Familie sagen zu fönnen, was er ihr nach dem Schichtlohn zum Bestreiten des lebensnotwendigsten Unterhalts auf den Tisch legen kann. Dieses schändliche Entlohnungssystem macht den Berdienst des Kraftdroschtenfahrers völlig vom Zufall abhängig. Das Gros der Berliner Kraftdroschtenfahrer verdient heute nur noch den färglichen Garantielohn von 4,50 mt. pro Tag, und zwar bei zwölfftündiger. Arbeitszeit. Nach Abzug: der Sozialbeiträge verbleiben ihm dann nur noch 3,50 Mt., wooon er sich und seine Familie ernähren muß. Es war daher kein Wunder, daß in der Funktionärversammlung der im Gesamtverband, organisierten Berliner., Kraftbroschfenführer die Wogen der Erregung über den Anschlag der Draschtenbefizer sehr hoch gingen.. Einmütig wurde die Branchenleitung beauftragt, fein gewerkschaftliches Mittel unversucht zu lassen, um die mit Sicherheit zu ers wartenden Lohnabbauanträge, der Droschtenbesizer zu Fall zu bringen. Wie wir erfahren, soll die Kündigung des Lohntarifes nicht mit Zustimmung der Mehrheit der in der Arbeitsgemeinschaft zujammengeschlossenen Verbände der Berliner Droschfenbesizer erfolgt sein. Sollte diese Mitteilung zutreffen, dann wäre es interessant, zu erfahren, wer eigentlich die Vollmacht zur Kündigung des Tarifes und zur Entfachung des Konfliktes erteilt hat. Die reaktionäre Reichsanstalt. Unerträgliche Scharfmacherallüren. Immer wieder muß man sich mit der Personalpolitit der Reichsanstalt für Arbeitsvermitlung und Arbeitslosenverficherung befassen. Die Reichsanstalt scheint Wert darauf zu legen, nicht hinter den Abbaumaßnahmen der schärfsten Arbeitgeberverbände zurückzustehen. Im Augenblick ist die vorsorgliche Kündigung" verbunden mit der Urlaubsfürzung und die Eintaffierung von Gehaltsüberzahlungen" an der Reihe. Zu den verschiedenen Kündigungsterminen werden jeweilig eine größere Anzahl Angestellter vorsorglich gekündigt megen des zu erwartenden Rüdganges der Arbeitslosigkeit". Diese Maßnahme berührt in Berlin zumindest recht eigenartig, da es sich eigentlich bei der Reichsanstalt schon herumgesprochen haben müßte, daß nach den amtlichen Mitteilungen der Reichsanstalt in Berlin nicht nur ein Rückgang der Arbeitslosigkeit festzustellen ist, sondern sogar ein für den Sommer erheblicher Zugang. Die Durchführung des Personalabbaus infolge der Erhöhung der Meßziffer ist erfolgt, nichtsdestoweniger werden auch jetzt noch Angestellte mit der obigen Begründung gefündigt, obwohl nun erst meist als Ent lassungstermin der 30. September in Frage kommt. Bei Durchsicht der eigenen Statistit fönnte die Reichsanstalt unschmer feststellen, daß zu diesem Termin wegen bereits wieder einsetzender berufsüblicher Arbeitslosigkeit noch nie Entlassungen vorgenommen werden konnten. Was bezwecken denn nun eigentlich die Kündigungen? Will man etwa den Angestellten die Urlaub vergünstigungen rauben? Oder hat man versehentlich jene Tarifvertragsbestimmung vergessen, daß in gefündigtem Berhältnis nur anteiliger Urlaub zu gewähren ist, also bei Beschäftigung bis zum 30. September nur sechs Zwölftel der zustehenden Urlaubstage? Noch offensichtlicher asozialer aber ist das Verhalten der Reichs anstalt gegenüber den Angestellten, die entlassen werden und die noch irgendeine Schuld zu tilgen haben. Es gibt da Schulden aus lleberzahlungen" infolge falscher Eingruppierung und vor allem aus„ leberzahlungen des Gehalts bei Krankengeldbezug. weil ja das Reichsarbeitsgericht jene denkwürdige Entscheidung gefällt hat, daß infolge der Julinotverordnung auch ein Krankengeld, das der Angestellte nicht erhält, auf das Gehalt angerechnet werden muß. In solchen Fällen versendet die Reichsanstalt vorgedruckte Zettel des Inhalts, daß die Gesamtschuld summe nach einer Verfügung des Reichsfinanzministers vom legten Gehalt in Abzug gebracht werden muß. Sämtliche Arbeitsschußgefeße einschließlich des Bürgerlichen Gesetzbuches. werden durch diese Verfügung einfach außer Kraft gesetzt. Pfändungsfreier Gehaltsbetrag, Pfändungsgrenze, das Verbot der Aufrechnung mit Lohn- und Gehalts forderungen usw. existieren für diese Sozialversicherungsbehörde nicht. Die Hauptsache ist, daß das Konto des Angestellten bei seinem Weggang bereinigt" ist. Was der Angstellte, der ja nun durch die Arbeitslosigkeit sowieso der Berelendung anheimfällt, macht, das fümmert die Reichsanstalt nicht. Der doppelte Drud, unter dem die Angestellten der Reichsanstalt stehen, muß zu Entladungen führen, wenn die Reichsanstalt dazu übergeht, sich über Gesetz, Recht und Moral einfach hinwegzusetzen. So geht es nicht! Sächsischer Metallschiedsspruch. 3weite Auflage der Lohnfürzung. In dem Lohnstreit in der sächsischen Metall. industrie murde nach langen Verhandlungen von der Schlichterfammer gegen die Stimmen der Gewerkschaftsvertreter ein Schiedsspruch gefällt, der einen neuen Lohnabbau für die Metallarbeiter bringt. Die Ausgangsziffer für die Zeitlohnarbeiter wird im Spruch von 78 auf 76 und die für Affordarbeiter von 77 auf 75 Bf. herabgesetzt. Für den Bezirk Bauzen sind die Ausgangsziffern 2 Pf. niedriger. Diese Regelung soll mit ein monatiger Frift erftmalig am 30. November gefündigt werden. FFUTT AF ZOLFOTLLETTILETTORE Achtung, BVG., U- Bahn- Berkehr! Alle Genoffinnen und Genossen treffen fich am Eonnabend. 6. Juni, 20 Uhr, im Cäcilienfaal der Rammerfäle, Teltower Str. 1-4, zum geselligen Rusammensein. AnEgehörige und Bekannte der Genoffen und Genoffinnen find herzlich Der Fraktionsverftand. Die Fahrer sollen das Betriebsrisiko tragen. Der Lohntarifvertrag der Berliner Kraftdroschtenfahrer ist von Arbeitsgemeinschaft Berliner Kraftbroschtenverbände zum der 30. Juni gekündigt worden. Obwohl dem Gesamtverband nur die formale Kündigung übermittelt wurde, ist die Absicht der Berliner Kraftdroschytenbefizer ziemlich flar. Sie halten angesichts der hahne eingeladen, ebenfalls die Genoffen der anderen Fraktionen der BBG. büchenen Entscheidungen des Berliner Schlichtungsausschusses in der legten Zeit offenbar die Zeit für gekommen, den Tarifahrern nunmehr das letzte Recht auf einen festen Lohn gänzlich zu rauben, das ihnen nach dem Streit zu Anfang des vorigen Jahres noch geblieben it. Man und sich nod; taran erinnern, daß dieser Streit mit dem Abbau des erst 1929 erfämpften Garantielohnes von 8 Mt. je Schicht auf 4,50 mt. und noch einigen anderen Berschlechterungen der Sohn und Arbeitsbedingungen endete Juaendaruppe des Zentralverbandes der Angestellten Seute, Fretoa. firben folgende Veranstaltungen statt: Morben: Wir befuidhen die Bersammlung des Werbebegirts. Gabweft: Sugendheim Nordstr. 11( 2. Sof, Quergebäude 1 Treppe, Zimmer 5). Ausfpracheabend über Tagespolitische Fragen. Leiter: Bernstein. Druderei und bel Ebertol Die Uebungsfirma Berliner nos Geſellſchaft m. A. S beat on 20-22 Uhr im Jugend b'st diese Ausgabe löst und sie nicht aTTvrirn überläßt. Freudeniag der Kinder. ?as Warenhaus der Konsum-Genossenschast in der Orauienstraße veranstaltet jetzt in regelmäßiger Folge Kindertage, an denen gewissermaßen das ganze Warenhaus dem Kind unterstellt worden ist. Alle Abteilungen bevorzugen dann Kinderanikel: die Besucher werden überrascht sein, wie viele Kauf- ortikel sich mit den Bedürfnissen des Kindes befassen. Und alle dies« Dinge zeigen ein gewisses Niveau: Sie müssen trotz chrer Billigkeit geviegen und praktisch sein, damit Arbeitereltern ihre Kaufgposchen nicht unnütz verplempern. Die große Attraktion des Kindertages sind aber die Kinder selbst. Sie sind an solchem Tag« Gäste des Konfum-Waren- h a u se s. Der ganze Erfrischungsraum ist mit Fähnchen drapiert. An den Wänden hängen lustige Bilder vom Struwelpeter und dem schwarzen Mohren. Väterlich besorgte Angestellte nehmen die Kleinen in Empfang und placieren sie Reihe an Reihe, während die Angehörigen für diese Zeit vollständig abgemeldet sind. Immer mehr Linder kommen, die Lücken in den Reihen füllen sich. Bald ist es eine große Volksoersammlung nur von Kindern. Bald werden von fleißigen Helferinnen ganze Berge des leckersten Konsumkuchens herangeschleppt. Andere schenken aus riesigen Kannen Schokolade rrn. Mit dem Kuchen in der Hand wird die Sitzung nicht eher unterbrochen, bis das Bäuchlein gespannt voll ist. Neben den Tafelgenüssen warten noch andere Freuden. Eine seine Spiel- wiese breitet sich vor dem Wirtshaus„Zum weißen Rössel" aus; es darf dort ebenfalls gratis und franko geritten, geschaukelt und getanzt werden. Den Müttern und Anverwandten der Kinder sind mittlerweile in einem anderen Teil des Erfrischungsraumes ebenfalls Ueberraschungen ausgebaut worden. Hier placiert sich ein Stand mit den bekannten GEG.-Erzeugnissen in Puddingpulvern, Vanillezucker, Backpulver usw., und die Mütter haben Gelegenheit, die vorzüglichen Erzeugnisse der GEG. an ungezählten Gra- tisproben zu erproben. Diese Kindertage des Konsums, die all- monatlich wiederholt werden, sind eine gute Werbeidee, die durchaus die Erwartungen rechtfertigen, die man an sie knüpft, nämlich, daß die Arbeiterfrau als Käuferin in das Konsinn-Warenhaus gehört! Achtung, Kraftfahrer! Beim Kraftverkehrsawt findet vom 2. Juni d. I. ab am Dienstagnachmittag jeder Woche ein besonderer Abfertigungsdienst für die behördlicherseits angeordneten Nach- kontrollen von Kraftfahrzeugen statt. An diesen Nachmittagen können in der Zeit von 16 bis 26 Uhr auch solch« Kraftfahrzeuge vorgestellt werden, bei denen lediglich die Kennzeichen neu gestempelt werden sollen. Es empfiehlt sich, bei Nachstempelungen von dieser Möglichkeit schnellerer Abfertigung ausgiebig Gebrauch zu machen. Staatliche porzellanmanufaktur. Am Mittwoch, dem 10. Juni, veranstaltet das Bezirksamt Schöneberg eine Führung durch die Staatliche Manufaktur mit ihren mannigfachen Werkstätten, alten Sommlunaen und Verkaufsräumen. Treffpunkt: 14 Uhr, Haupt- eingang Wegely-Straße 1(nahe Bahnhof Tiergarten). Vorverkauf in den bekannten Buchhandlungen. Auskunft:' Rheingau 816, An- schluß 9. Da» Bezirksamt Wedding hat über die Ursachen des Mieler streik» im Ledigenheim in der Schön- st e d t st r a ß e der vezirksversammlung wedding einen ve- richt zugestellt, dem wir folgendes entnehmen: Das Berliner Ledigenheim Schönftedtstr. 1, am Brunnenplatz, zwischen den Nordringbahnhöfen Wedding und Gesundbrunnen, wurde von dem Verein„zur Beschaffung von Klein- Wohnungen und zur Bekämpfung des Schlaf- st e l l e n u n w e f e n s" in den Iahren 1911 bis 1917 errichtet. Die Stadt Berlin stellte dem Verein das Grundstück kostenlos zur Ver- fügung: die städtische Sparkasse gab eine 1. Hypothek von 1 Million Mark, beides mit der Maßgabe, daß bei der Auflösung des Vereins oder im Falle von Zahlungsschwierigkeiten und des Konkurses das Heim in das Eigentum der Stadt übergehen solle. Am 4. November 1929 wurde das Heim infolge der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, in denen sich der Verein befand, von der Stadt übernommen. Das Ledigenheim ist zwar eine soziale Einrichtung, aber ein Unternehmen, das wirtschaftlich auf sich selb st gestellt ist Anträge auf Zuschußleistungen durch die Stadtgemeinde wurden durch Magistratsoerfügungoom2 9. September 1921 mit der Begründung abgelehnt, daß das He im seiner Einrichtung und Zweckbestimmung nach sich selb st erholten müsse. Demnach seien die Mieten den� derzeitigen Verhältnissen anzupassen. Für ein 8 Quadratmeter großes Zimmer wird zur Zeit an Gefamtmiete 2 3 Mark(von Arbeits- losen bei Erlaß der Hauszins st euer 29,79 Mark) inkl. Reinigung, Heizung, Beleuchtung, Warm- wasser, Gaskochgelegenheit, erhoben. Das Ledigenheim unter steht in rechtlicher Be- ziehung nicht dem Reichsmietengesetz. Auch die Wird die Molle kleiner? Starkbierverbrauch geht zugunsten des Ma'zbiers zurück. Die Berliner sind nächst den Münchenern allen Deutschen in der Trinkfestigkeit voran. Die größten Brauereien Deutsch- lands besitzt Berlin, und der jährliche Bierausstoß kommt der weltbekannten Massenproduktion der bayerischen Metropole ziemlich nahe. Kein Wunder, daß die jüngste Bescherung der verdoppelten Biersteuer eine abfällige Beurteilung gefunden hat. Der Rückgang des Bierverbrauchs ist nicht zu leugnen. Schon vor dem Kriege und erst recht in den Zeiten der In- und Deflation hat das Berliner Gastwlrtsgewerbe einen starken Kon- junkturrückgang zu verzeichnen. Die Zahl der Schankwirtschaften mit Vollbetrieb ging in diesen Iahren(1923/25) um ein Zehntel zurück und von den Schankstätten mit beschränkter Konzession ver- schwand fast ein volles Fünftel. Der Rückgang dieser Halbkonzessio- nierten, die sich gegenüber den anderen Schankstätten nicht halten konnten, ist bis zum Jahre 1929 auf 35 Proz. des Jahres 1923 zurückgegangen. Das verflossene Jahr hat diese Entwicklung ver- stärkt. Dagegen sind in der gleichen Zeit die Schankstätten, die nur alkoholfreie Getränke oerkaufen, um 63:2 Proz. gestiegen. Diese Abkehr vom Gerstensaft, die auf die wachsende Sportbetäti- gung zurückzuführen ist, macht sich auch in den Brauereibetrieben bemerkbar, wo der Ausstoß des alkoholarmen Malz- und Jung- bieres stärker zugenommen hat, als der des Starkbieres. Immerhin entfällt in Berlin noch auf je 289 Einwohner eine Wirtschaft, in Alt-Berlin sogar auf je 248 und in einzelnen Bezirken auf noch weniger Einwohner, aber schon sind Bezirke, wie Mitte, Tiergarten, Charlottenburg, Reinickendorf, Kreuzberg, Wedding, Neukölln und Treptow prozentual stark mit alkoholfreien Gasthäusern durchsetzt. Die Einführung der G e t r ä n k e st e u e r hat auch diesen Be- trieben einen Konsumrückgang gebracht, und erst die Aufwärtsbewe- gung des Wirtschaftsbarometers und die damit verbundene Hebung der Konsumkraft der Bevölkerung wird eine stärkere Sicherheit für den tatsächlichen Eingang der berechneten und für den Ausgleich des Berliner Haushaltsplanes sehr wichtigen Steuerbetrages ergeben können. Berlins Wasserversorgung. Millionen Kubikmeter Wasser verkaust. Der Geschäftsbericht nebst Bilanz und Gewinn- und ver- luftrechnung für das 7. Geschäftsjahr— Kalenderjahr 1930— der Berliner Städtischen wasserwerte A.-G. wurde von dem Aussichtsrat in der Sitzung vom 1. Zuni 1931 genehmigt. Im Geschäftsbericht 1939 ist das Verfvrgungsgebiet der Gesell- schaft durch Uebernahme des bisher von der Charlotten- bürg er Wasser- und Industriewerke A.-G. versorgten Ortsteiles Grunewald am 8. Oktober 1939 mit einer Grundfläche von 259 Hektar, 833 Grundstücksanschlüssen und 7946 Einwohnern er- w e i t e r t worden. Der Wasserverkauf belief sich auf rund 168 Mill. Kubikmeter Wasser, ist also im Vergleich zum Jahre 1929 um fast 6 Mill. Kubikmeter— 3,4 Proz. gesunken. Der Rückgang ist teils auf das Zurückgehen des Wasserverbrauches in den industriellen Bestimmungen des Mieterschutzgesetzes finden aus die Mieterdes Heimes keine Anwend u.n g. Das Damenbesuchsverbot, einer der Hauptbcschwerdepunkte ein- zelner Mieter, besteht seit der Einrichtung des Heims und liegt in der ganzen Struktur des Hauses begründet. Mit vorübergehenden Versuchen, den Damenbesuch zu gestatten, wurden die denkbar u n- günstigsten Erfahrungen gemacht, die sogar zum Ein- schreiten des Oberstaatsanwalts führten. Dabei sind in geeigneten Fällen trotz dieses Verbotes Ausnahmen gemacht worden, um Härten für die Angehörigen, besonders wenn es sich um solche außer- halb Berlins handelte, zu vermeiden. Die Mieterschaft hatte mit wenigen Ausnahmen sich mit der erfolgten Regelung abgefunden. Dies wurde anders, als am 26. April 1939, anscheinend durch einige Mieter des Heims veranlaßt, die Fraktion der KPD. in der Vezirks- Versammlung den Antrag stellte, Beschwerden und Mißstände abzu- stellen. Von einem von der Bezirksversammlung gewählten zwölfgliedrigen Ausschusse wurden die Beschwerden der Mieter nach- geprüft und durch Beschluß der Bezirksversammlung vom 18. Juni 1939 erledigt. Inzwischen hatte ein Teil der Mieter sich in dem„M i e t e r- und Wohnungsuchenden-Verband Reimann" organ,- siert. Mieterzeitungen, die früher hin und wieder erschienen, wurden jetzt eine regelmäßige Einrichtung und sorgten für die nötige Beun- ruhigung der bis dahin ruhigen Mieter. Die von der Verwaltung vorgenommenen ordnungsmäßigen Kündigungen einiger Mieter, die die Hausordnung verletzt hotten oder ohne stichhaltigen Grund mit der Mietzahlung im Rückstand geblieben waren, nahmen die Un- ruhestifter zum Anlaß, die übrigen Mieter aufzuhetzen. Die größere Zahl der Mieter hat trotz Terror und Belästigung durch streikende Mieter ihre Miete wie bisher pünktlich und ohne Vor- behalt gezahlt. Betrieben infolge der allgemeinen Verschlechterung der Wirt- s ch a f t s l a g e, teils auf die Witterungsoerhältnisse in der zweiten Hälfte des Jahres 1939, die im Vergleich zu der gleichen Zeit des Jahres 1929 erhebliche Niederschläge brachten, zurückzuführen. Der tarifmäßige Wasserpreis betrug im Geschäftsjahr 2 9 P f. je Kubikmeter: Wassermessergebühren oder Aufschläge irgend, welcher Art, Mindestgebühren oder dergleichen wurden nicht erhoben. In Betrieb befanden sich 1 3 W e r t e mit Wassergewinnung, 2 große Zwischenpumpwerke und 3 Ueberpumpstationen ohne Wassergewin- nung. Durch den Ausbau der Werke ist deren tägliche Gesamt- leistungsfähigkeit innerhalb des 1 Mill. Kubikmeter Tageshöchst- leistung anstrebenden Bauprogramms auf etwa 959999 Kubilmeter gebracht worden, entsprechend einer jährlichen Förderung von schätzungsweise 229 Mill. Kubikmeter. Die Gesamt- länge des Straßenrohrnetzes betrug am Schlüsse des Geschäftsjahres 3719 Kilometer. Die Gesamtsumme der für die Durchführung der Bauprogramme aufgenommenen Kredite belief sich am Jahresschluß aus insgesamt 18 Mill. Mark. Die Zahl der Angestellten betrug 639, die Zahl der Arbeiter 1263. Die Bilanz schließt mir 5 9,8 Mill. Mark ab. Das Aktienkapital der Gesellschaft ist unverändert geblieben. Der Wasscrverkauf im ersten Viertel- jähr des laufenden Geschäftsjahres ist gegenüber derselben Zeit des Vorjahres etwas zurückgegangen: eine Hebung des Wasser- Umsatzes wird von einer Belebung der Wirtschaftslage und von den Witterungsverhältnissen des Sommers abhängig sein. Saisonbeginn im Freilichttheater Lungfernheide. Da hatte sich doch zur Eröffnungsvorstellung am Mittwoch der böse Wettergott mit dem bösen Zwerg Rumpelstilzchen verbündet: so schwebt nicht nur das wacker« Müllerstöchterlein Käthe, das sich dem arglistigen Rumpelstilzchen verschrieb, sondern auch seine gesamte Gefolgschast auf und vor der Gartenbühne in allerlei Nöten, denn es regnet und regnet ohn' Unterlaß, bis sich schließlich Rümpel- stilzchen wie Petrus für besiegt erklärten. Mit viel Geschick entledigten sich die Darsteller ihrer Aufgabe: Irina Bodo war ein beherztes Müllerskind, dos sich mit Anmut und spinnerischem Ge- schick ein königlich Herz erobert«: Paul Heim, ihr Vater, ein humoriger Blaublut-Spätling. Harry Berber, der Held der Ge- schichte, wirbelte mit faunischen Sprüngen und furchterregendem Strubbelbart durchs Geschehen, und der kugelrunde Peter(Max Mendsen) führte mit Allotria und spaßiger Gebärde die Sache zum guten Ende. Das V o l k s b i l du n g s a m t Charlottenburg zeichnet als Veranstalter des fröhlichen Märchenspieles, das den kleinen Besuchern alltäglich um 19 Uhr vormittags, Mittwochs und Sonnabends auch nachmittags um 5� Uhr, zu einem Eintrittspreis von 25 Pf. vorgeführt wird. Im Rahmen der sommerlichen Schul- ausstüge nach der schönen Jungfernheide wird ein Besuch bei „Rumpelstilzchen" der kleinen Gesellschaft sicherlich viel Spaß bereiten. Boa Monte Earl» duuh Mirnow hoch hinauf führt her Wen»um juniin d'ciotique. Dieser«harten ist zVeifellos eines der Nakteenparadiesc her Welt. Einen ähnlichen Eennh, stakicenschönheiten aus Bolivien. Afrita. Mexiko, Peru unh den Schluchten des Hitalgo in bawundern, bietet»ur 3?it für Berlin Kar. stadt«un Serlnannvlah im 2. Stock. B E SU C H T DAS NEUE LEBENSMITTELKAUFHAUS AM AI exANDEM ATZ, ALTE SChÜTZENSTR, 3-4 ECKE KEIBELSTR. ERFRISCHUNÖSRAÜM• PREISE i' UNTcR:HALTb'N(jSMUSlK