Morgenausgabe 7lv. 261 A 132 4S Iahrgang wichküllich 66 VU monatlich 3,60!Dt im ooton«»ahlbar. Softtuug 4,3538. »wschli-hllch 60 Ps. Paltzawuig»- uah 75 Pf. Postdefttllgedühnn. Ausland»- »bonnemtia 6,— 95. pro SteMt; für Linder mit ermäßigtem Drucksach»- vart» 6,— 95. * Der.Vorwärts*«richetm wachenttg- 6ch zweimal. Sonntag» und Montag» einmal, die At>«»dan»gad» für»er»» und im Handel mit dem Titel.Ar» Adend* Illustriert» Beilage.Volt und Zeil* Ferner.Fraaemtimm«*, Technik*..Blick in die»üch-rw-tt*, �ugend-Lorwärt»*»..Stadtdellage* Berliner VoltSblatt Sonntag 7. Zuni 1931 Groß-Äerlin 15 Pf- Auswärts 20 pf. Die efnfpatt Nonpareilleielie 80 Pf. Retlamezeile 5,— RM.„Kleine An. zeigen" das fettgedruckte Wort 25 (zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Tattf. Stellengesuch» das erste Wort IS Pf, jede» weitere Wort 10 Pf. Worte Ober 15 Buchstaben zählen flu zwei Worte. Llrbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien- anzeigen Zeile 40 Pf. 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Unterzeichnung des Friedens- Vertrags von Versailles, Annahme oder Ablehnung des Londoner FinanzMimatums, Ermächtigungsgesetze zwecks Wiederherstellung einer festen Währung mit Steuernotoer- oxdnungen und Beamtenobbau, Tolerierung oder Nicht- tolerierung der Mittelregierung Marx, Bedingungen der Bildung der Regierung Hermann Müller. Panzerschiff. bau, Annahme oder Ablehnung des Kompromisses Brüning- Meyer zur Arbeitslosenversicherung. Aufhebung oder Nicht- aufhebung der ersten Brüningschen Notverordnung, der zweiten Brüningschen Notverordnung— und jetzt der dritten!- Der sozialdemokratischen Reichstagsfrattion fehlt es wahrlich nicht an Uebung im Tragen schwerer Verantwor« tungen und nicht an Erfahrungen. Seit siebzehn Jahren gleicht sie einem Schiff auf Sturmfahrt durch die Klippen. Dieses Schiff ist sicher nicht schlecht gebaut und war auch sicher bisher nicht schlecht geführt— sonst wären längst mir noch Trümmer von ihm vorhanden! »> Alle schweren Enffcheidungen, die die Sozialdemokratie seit 17 Jahren zu leisten hatte, sind auf ein und dieselbe Ursache zurückzuführen: auf das große Weltbeben, das mit dem Jahre 1914 begonen hat. Und fast immer handelte ej sich um dasselbe Problem: w'a nämlich einem Ustheil, das white Zutun der Sozialdemokratie entstanden� pon anderen angerichtet worden war. durch soziatdemvtratische Arbeit.Halt geboten werden könnte. Wie es sonst war, ist es auch diesmal. Eine Regierung,' in der die Sozialdemokratie weder Sitz noch Stimme hat und deren Abhängigkeit von groß» industriellen und großagrarischen Kreisen offensichtlich ist, hat aus der Tatsache der großen Wirtschafts- und Finanzkrise auf ihre Art die Konsequenzen gezogen. Wir verkennen keinen Augenblick, daß es im Hinblick auf diese Krise sehr bittere Notwendigkeiten gibt, denen sich keine Regierung, sie sei zusammengesetzt wie immer, entziehen kann. Wie weit die neue Notverordnung diesen großen Notwendigkeiten folgt, wie weit sie andererseits, von Jnter- essen der Jnteresientenhaufen beeinflußt ist, das bedarf einer gründlichen Untersuchung, die an anderer Stelle begonnen wird und fortgesetzt' werden soll. Hier genügt es. als Er- gebnis festzustellen, daß die Notverordnung in vielen Punkten den Forderungen sozialer Gerechtigkeit ins Gesicht schlägt. * Für die Sozialdemokratie ist es eine platte Selbftver- ständlichkeit, daß sie den antisozialen Inhalt dieser Not- Verordnung nicht will, daß sie ihn bekämpft, daß sie ihn so rasch und so gründlich wie möglich beseitigen will, lieber die Methoden einer gründlichen Beseitigung wird man in der Fraktion ausführlich sprechen. Der Reichstag kann in der nächsten Woche beschließen, daß die Notverordnung aufzuheben ist. Für ein solches Vorgehen lassen sich gute Gründe anführen— nur wird natürlich kein vernünftiger Mensch glauben, daß mit einem solchen Beschluß die Finanzkrise beseitigt wird oder daß durch ihn Maßnahmen, um den Reichshaushalt in Ordnung zu bringen, überflüssig gemacht werden. Da der Reichstag ohne arbeitsfähige Mehrheit ist, also yur negativ, nicht positiv entscheiden kann, erhebt sich hinter der Aushebung dieser Notverordnung durch den Reichstag sofort die Frage: wer soll die neue Notverordnung erlassen, und was soll darin stehen? Die erste Notverordnung Brünings wurde bekanntlich vom Reichstag aufgehoben. Dann folgte die Auflösung des Reichstags und der Erlaß der zweiten Not- Verordnung Brünings, die fast genau so aussah wie die erste. Nach den Wahlen vmn 14. September lehnte die Sozial- demokratie die Aufhebung dieser zweiten Notverordnung ab, erreichte aber für sie eine Ausschußberatung, die zu einer erheblichen Milderung sozialer Härten führte. » lieber die Verurteilung der sozialen Hörten, die in der dritten Notverordnung enthalten sind, gibt«e in der Sozial- demokratischen Partei keine Meinungsverschiedenheiten. Es besteht auch vollkommene Einigkeit in dem Wunsche, die Re- zierung V-ümng so bald wie möglich durch eine sozial verständnisvollere, weiter linksgerichtete zu ersetzen. Es kann sich für uns um gar nichts anderes handeln als darum, den Kampf um dieses Ziel zu führen— das heißt ihn richtig zu führen unter sorgfältiger Berück- sichtigung der gegebenen Machtverhältnisse und der zur Ver- fügung stehenden Kampfmittel. Die Not der Massen steigt. Ihr« Erbitterung wächst. Wehe den Führern, deren Ohren für den Schrei der Massen taub sind! Aber die Aufgabe der Führer erschöpft sich nicht darin, zu hören und mitzurufen, sie müssen ganz ruhig, ganz kaltblütig erwägen, was praktisch getan werden kann, um drohenden Schaden abzuwehren, aussteigende neue Ge- fahren zu beschwören. Nationalsozialisten und Kommunisten können sich damit begnügen, ihren sogenannten Kampf mit leeren Luftstößen zu führen. Von der Sozialdemokratie aber soll man wissen, daß sie, wenn sie schlägt, auch trifft. Je länger der Anschaungsunterricht dauert, desto besser werden unsere Volksgenossen den Unterschied zwischen Maulhelden und Kämpfern verstehen lernen. Die sozialdemokratischen Arbeiter kennen ihn längst, und darum erwarten sie von ihrer Reichstagsfraktion mehr als bloßen Theaterdonner. Aufgabe der sozialdemokratischen Reichstags- fraktion wird es sein, gegen den antisozialen Kurs der Re- gierung Brüning einen Kampf zu organisieren, der vielleicht nicht im Handumdrehen zur Entscheidung kommt, aber in der Eiidwirkung den Erfolg bringt. Die neue Notverordnung. Die Ablehnung aller Auslandskredite.- Llnsozialer Geist. Dis- Reichsregierung bat die Verkündung der Notocrord- nung mit einem Aufruf begleitet. Er verfolgt den Zweck, einmal dem deutschen Volke den unabweisbaren Zwang zur Uebernahme neuer schwerer Lasten begreiflich zu machen, und zum anderen das Ausland von der Notwendigkeit einer Be- seitigung oder zum mindesten einer beträchtlichen Herab- setzung der Reparotionsverpflichtvngen zu überzeugen. Mit den Worten, die an die Adresse der G l ä u b i- germächte gerichtet werden, können wir uns im wefent- sichey einverstanden erklären. In der Tat ist die Grenze dessen, was Man dem deutschen Volke' an Entbehrungen äuszüerlegen vermag, erreicht. Die Wirtschaftskrisis hat es verhindert, daß der Poung-PlaN die erwarteten Erleichterungen brachte. Die Reparationszahlungen schwächen unsere Kaufkraft und nötigen zur Drosselung der Einsuhr. Die Fehlleitungen des Kapitals schädigen die wirtschaftlichen Interessen der ganzen Welt. Nicht einverstanden können wir uns freilich erklären mit der scharfen Ablehnung weiterer Aus- landskredite. Wir verstehen nicht, warum dieselbe Re- gierung, die noch vor kurzem dem Ausland aus seiner Zurück- Haltung in der Gewährung langfristiger Anleihen einen Vor- wurs machte, jetzt eine Inanspruchnahme fremder Hilfe für unmöglich erklärt. Sicher fürchtet sie, daß ein Zusammen- strömen ausländischen Geldes nach Deutschland die an sich schon recht wenig aussichtsreichen Revisionsverhandlungen noch weiter ungünstig beeinflussen werde. Aber sie muß sich doch auch darüber klar sein, daß selbst im besten Fall solche Verhandlungen eine sehr lange Frist in Anspniä) nehmen, und daß es sehr zweifelhast ist, ob wir über diese Zeit mit Hilfe der drakonischen Bestimmungen der Notverordnung hinwegkommen. Zwar heißt es in dem Ausruf, nach dem festen Willen der Reichsregierung solle diese Notverordnung der letzte Schritt sein, um den Reichshaushalt für das laufende Jahr ins Gleichgewicht zu bringen. Aehnliche Ver- sicherungen hat man schon häufig gehört, und wer ihnen ge- glaubt hat, ist schon allzuoft enttäuscht worden. Aber außer- dem hängt die Erreichung des gesetzten Zieles nicht von einem noch so festen Willen der Regierung ab. sondern es ist die Entwicklung der Wirtschaft, die das letzte und entscheidende Wort spricht. Nochern st ere Bedenken haben wir gegen den Teil des Appells zu erheben, der sich an das eigene Volk wendet. Es wird da von den Härten gesprochen, die alle Kreise treffen, und davon, daß die Einsichtigen ihre Unoer- meidlichkeit begreifen würden. Gewiß wird es an dem Be- greifen der finanziellen Not- und Zwangslage ganz allgemein nicht fehlen. Aber ebenso bestimmt wird die Frage aufge- warfen, ob ihr« Beseitigung nur auf dem Wege erreicht werden konnte, den die Regierung eingeschlagen hat. Die Härten mögen alle Kreise treffen, aber sie treffen sie bestimmt nicht mit der gleichen Schwere. Die Sanierung der Finanzen erfolgt weit weniger zu Lasten der Besitzenden als zu La sten derer, die ohnehin schon in erster Linie das wirtschaftliche Elend am eigenen Leibe zu spüren haben, und von ihnen wird die Mahnung,„die Größe und den Idealismus des deutschen Volkstums wie in früheren Schicksalsstunden zu beweisen", nur mit Bitterkeit aufgenom- men werden. Der Idealismus der Notleidenden ist schon gar zu oft in Anspruch genommen worden, und es wäre wohl Zeit gewesen,«ichlich einmal an die P fl i ch t d e r Befitzenden zu erinnern! In den Maßnahmen der Regierung fehltderWille, auch die Besitzenden zu den Lasten der Sanierung her- anzuziehen, so gut wie vollständig. Sieht man von der Er- höhung der Miueralölzölle und von der beschleunigten Zah- mag Der Umsatzsteuer ab, so bleibt als einzige Belastung für die Besitzenden nur die Heranziehung zur K r i s e n st e u e r. Das ist gewiß eine Preisgabe des bisherigen Standpunktes der Reichsregierung. den Etatausgleich nur durch Ausgabe- kürzungen herbeizuführen. Wir verstehen es, daß ihr diese Kapitulation, die von dem harten Druck der Tatsachen er- zwimgen und nicht aus Einsicht und besserer Erkenntnis er- folgt ist, sehr schwer fällt. Wir sind auch nicht überrascht, daß die g r o ß e n K a p i t a l i st e n, die nun trotz ihres Geschreis über unerträgliche Steuerlasten mehr als bisher zahlen sollen, diese Maßnahme der Regierung heftig bekämpfen. c Aber beides ist keine Rechtfertigung für die Heuchelei, mit der dieser, neue Vorschlag als eine soziale Leistung gepriesen wird.' Di« Krisensteuer der Veranlagungspflichtigen soll für den Gedanken der Volksgemeinschaft zeugen und ein Betrag der Besitzenden„nach Maßgabe ihrer Leistungsfähigkeit" zu den Lasten der Arbeitslosigkeit sein. Soviel Worte, so- viel Unwahrheiten. Die Krisensteuer ist nicht auf- gebaut auf dem Maßstab der Leistungsfähigkeit. Die Krisen- steuer, die in zwei Teile zerfällt, belastet die Lohn- und Ge- Haltsempfänger mit Steuersätzen, die im Durch- schnitt zweimal bis dreimal so hoch sind wie die Sätze, die dem freien Einkommen aufer- legt sind. Dieses Unrecht wird noch verstärkt, weil bei der Krisenlohnsteuer das Brutto einkommen, bei der Krisen- steuer der Veranlagten aber das Netto einkommen zugrunde gelegt wird. Beim Lohnsteuerpflichtigen gibt es keine Rück- erstattung, während dem ZZeranlagten die Steuern zurück- gezahlt werden, wenn er zuviel entrichtet hat. Von den 386 Millionen, die im Rechnungsjahr 1931 aufkommen sollen, tragen infolgedessen die Lohnsteuerpflichtigen mindestens drei Viertel! Der Ertrag der Krisensteuer soll zum Teil für die Finan- zierung der Mehrlasten der Krisenfürsorge dienen. Ein Rest von etwa ILO Millionen soll aber zurSubventionandie EisenindustrieundandereWirtschaftszweige dienen. Es ist nicht sicher, ob dadurch eine erhebliche Eni- lastung des Arbeitsmarktes eintritt. Selbst wenn das der Fall märe, könnte man mit Recht die Anschauung vertreten, daß die Subvention an hochkapitalistische Wirtschaftszweige mit Mitteln, die aus Arbeitergroschen zusammenge- kratzt worden sind, kaum als eine erträgliche Finanzierungs- Methode angesehen werden kann. Die Krisensteuer kann nur auf Verständnis stoßen, wenn man ihre Erträge zur Siche- rung der bisherigen sozialen Leistungen verwendet! Aber gerade das will die Reichsregierung nicht. Der ganze Fehlbetrag bei der Arbeitslosenversiche- rung mit rund 400 Millionen für den Rest dieses Jahres soll durch Lei st un gs kürzungen eingespart werden. Eine Erhöhung der Beiträge der Arbeitslosenversicherung wird durch die Krisensteuer oerhindert. Nicht nur, weil man den Abbau bei der Arbeitslosenversicherung durchsetzen wollte, sondern auch, weil die Aufbringung der Beiträge für die Ar- beitslosenversicherung zu gleichen Teilen von Versicherten und Unternehmern erfolgte, während bei der Krisensteuer der Löwenanteil der neuen Last von Arbeitern und Angestellten getragen werden muh. Einschränkung der Leistungen der Arbeitslosenversiche- rung und der Krisenfürsorge zieht die Einschränkung bei den Wohlfahrtslei st ungen der Gemeinden un- weigerlich nach sich. Es fehlt aber in der Notverordnung auch nicht an einem von verschiedenen Seiten ausgehenden und dem Ziel gewaltsamer Drosselung der Wohlfahrtsausgaben dienenden Druck. Obwohl den Gemeinden einige hundert Millionen neuer Mittel zugeführt werden, die teilweise, wie der Ertrag aus der Beseitigung der Lohnsteuererstattunge», den Arbeitslosen selber genommen worden sind, so bleibt dennoch ein Fehlbetrag von mehreren hundert Millionen übrig, der wegen Mangel an Krediten nur durch Kürzung bei den Leistungen an die Aennsten der Armen gedeckt werden kann. Oer Inhalt öer Notverardnung. Die neue Notverordnung bringt vor allem Bestimmungen über die Beschaffung von Einnahmen und die Senkung von Ausgaben zum Zwecke des Ausgleichs der großen Fehlbetrags. Auf der Einnahmeseite wird zunächst eine Verdoppelung der Z u ck e r st« u e r von 10,50 M. je Doppelzentner auf 21 M. verordnet. Die Herabsetzung des Höchst- preise? für Zucker, die eine Abwälzung der Steuererhöhung auf die Verbraucher verhindert hätte, ist in der Verordnung nicht entHallen. Demgegenüber steht eine Erhöhung der Mineralölzdlle von 10 auf 17 M. Bei der letzten Erhöhung dieser Zölle nor einem Jahre war es dem sozialdemokratischen Einfluß gelungen, den aus dieser Zollerhöhung sich ergebenden Mehrgewinn der inländischen Oelerzeuger wenigstens teilweise durch eine Ausgleichsteuer sür die Reichskasse zu sichern. Diesmal unterbleibt die Erhebung einer inländischen Ausgleichsabgabe vollständig, die Großindustrie verdient an der Zollerhöhung auf Kosten der Verbraucher. Das Kernstück der Beschaffung neuer Einnahmen ist die Krisensteuer. Sie zerfällt in eine Steuer für Lohnsteuerzahler und in eine Steuer für Veronlagungspslichtige. Die Krisenlohnsteuer wird vom Brutto arbeitslohn erhoben, die Krisensteuer der Beranlazien vom Netto einkommen. Bei den Lohnsteuerpflichtigen werden also Wer bungskosten und Sonderleistungen nicht freigelassen, bei den Der anlagungspflichtigen bleiben sie frei. Von der Krisenlohnsteuer sind außer den Beamten alle Personen befreit, die weniger als 1200 M. verdienen. Die Krisensteuer der Veranlagten ist nicht zu zahlen, wenn steuerpflichtiges Einkommen nicht festgestellt worden ist. also auch dann nicht, wenn der Steuerpslichttge Zehn» tausende Mark für seinen Lebensunterhalt ver» braucht hat! Geht das Einkommen über 1200 M. hinaus, so wird es zu beiden Steuern in voller Höhe herangezogen, ein steuer- freies Existenzminimum und Familienermäßigungen werden also nicht berücksichtigt: nur die Landwirte genießen das Sonderprivileg, daß bei ihnen in allen Fällen 6000 M. von der Krisenstcuer frei bleiben. Die Krisenlohnsteuer beträgt bei Jahreseinkommen bis zu.... 3 600 SR. 1 Proz. „ von 3 600 bis zu »** 4 800„. . 6 000.. „„„*- 200 m„ «,»* 8 400„„ m m m 12 000„„ ,, 18 000.. über Chequers und die Revision. „Times,, halten die Schuldthese aufrecht. Die Krisensteuer der Veranlagten bei Jahreseinkommen bis zu...» „„ von 3 600 bis zu beträgt 3 600 M. 0.75 Proz, 6 000 20 000 100 000 250 000 500 000 über 6 000 20 000 100000 250 000 500 000 1000 000 1000000 1 IV, 2 2V. s 3V, 4 Ei« Iprozentig« Krisenfteuer haben also zu zahlen der Lohn- steuerpflichtige mit einem Jahreseinkommen von 1300 M., der Der- anlagte mit einem Jahreseinkommen von 6000 M.: I�h Proz. find zu entrichten von einem Lohnsteuerpflichtigen mit 4000 M. Jahres- einkommen, während ein Beranlagter bis zu 20 000 M. nur denselben Satz zu zahlen hat. 2 Proz. Ärisenlohnsteuer werde» schon bei 6000 M. Arbeitslohn erhoben. Bei den Veranlagten kommt dieser Steuersatz erst bei Jahreseinkommen zwischen 20 000 und 100 000 M. zur Anwendung. Die Krisenlohnsteuer wird im Wege des Lohnabzugs durch den Arbeitgeber einbehalten. Sie wird in keinem Fall erstattet. Die Krisensteuer der Veranlagten wird in vier Bor- auszahlungen entrichtet, die insoweit erstattet werden, als die Abschlußzahlung auf Grund der Veranlagung niedriger ist. Zu alledem kommt die Beseitigung der Lohn st euer- er stattungen. Während in den letzten Jahren 70 bis 80 Mil- lionen zu viel gezahlter Lohnsteuer an rund 3 bis 4 Millionen Ar- bellslose und andere notleidende Lohnsteuerzahler ausgezahll worden sind, findet für das Jahr 1S31 ein« Erstattung nicht mehr statt. Statt dessen erhalten die Gemeinden einen Reichszuschuß von 60 Millionen sür die Unterstützung der Wohlfahrtserwerbslosen. An sonstigen Maßnahmen auf der Einnahmeseit« find vor- gesehen: Der Reichsfinanzminister wird ermächtigt, die Lebensmittel von der Sondersteuer für Warenhäuser und Konsumvereine zu befreien, wenn dadurch eine Preissenkung ein» tritt. Für buchführende Einkommensteuerpflichttg« wird«ine Steuerbegünstigung für Rücklagen geschaffen. An Stelle des bis zu 40 Proz. gehenden Einkommensteuertarifs tritt eine Besteuerung mit 20 Proz. Kapitalverwaltungsgesell» s ch a f t« n, sogenannten Investment-Trusts wird ein« umfassende Steuererleichterung dadurch gewährt, daß chre Gewinne nur mit einem Zehntel des tatsächlichen Bettages zur Steuer heran- gezogen werden. Eine umfassende Kürzung der Ausgaben erzwingt die Notverordnung durch zwei entscheidend« Mahnahmen. 1. Die neue Gehaltskürzung und 2. der Abbau aller Zweige der Arbeitslosenunterstützung. Von der Gehaltskürzung werden nicht nur die Beamten und Pensionäre de» Reichs, der Länder und der Gemeinden betroffen, sondern auch die Angestellten und Arbeiter aller öffentlichen Körperschaften bis auf wenige Aus- nahmen. Die Kürzung, bei den Beamten wttd nach der Höhe des Einkommens und nach den Ortsklassen gestaffelt. Sie bettägt bis zu 3000 M. Jahreseinkommen in der Sonderklasse und der Ortsklasse A 4 Proz.. in den übrigen Ortsklassen 5 Proz. Zwischen 3000 und 6000 M. in der Sonderklasse und der Ortsklasse 5 Proz. und Im übrigen 6 Proz. Bei Einkommen zwischen 6000 M. und 12000 M. 6 und 7 Proz., über 12 000 M- 7 und 8 Proz. Di« Kürzung wird nicht von dem jetzigen Gehalt berechnet, sondern von dem früheren Gehalt, das vor der ersten Gehaltskürzung gezahtt wurde. Außerdem wird der Kinderzuschlag für da» erste Kind von 20 auf 10 M. monatlich gesenkt, während die Zuschläge vom dritten Kind ob etwas erhöht werden. Für Angestellt« und Arbeiter ist eine ähnliche Regelung vorgesehen. Neben der allgemeinen Gehaltskürzung werden Ländern und Gemeinden und sonstigen öffentlichen Körperschaften noch beson- dere Kürzungsverpflichtungen auferlegt. Ei« müssen die Dienstbezüge der Beamten und Angestellten herabsetzen, soweit sie höher liegen al» die Dienstbezüge gleichzubewerttstder Reichs- beamter. Außerdem müssen Angestelltengehälter und Lrbetterlöhne Londou. 6. Juni.(Eigenbericht.) Nachdem am Freitag abend der offizielle Empfang der englischen Regierung und am Sonnabend vormittag der Empfang durch die deutsch« Kolonie in der Boffchast stattgefunden hatte, reisten Dr. Brüning und Dr. C u r t i u s im englischen Regierungsauto am Sonnabend mittag nach Chequers. Die bisherigen Gespräch« hielten sich an das Allgemeine und auch in bezug auf die folgenden Tage kann nur immer wieder darauf hingewiesen werden, daß es sich nur um einen freundschaftlichen Besuch und«ine persönliche Fühlungnahme handelt und nicht um eine politische Konferenz. Dieser Tatbestand darf auch dadurch nicht verdunkelt werden, daß außer den Politikern einige Vertreter der Wirtschaft mit den deutschen Herren in Fühlung kamen und noch kommen werden. Am Freitag abend hatten die deutschen Minister Gelegenheit zu einer kurzen Unterhaltung mit Montague Norman, dem Gou- oerneur der Bank von England. Am Sonntag wird Mr. Leath Roß als Sachverständiger des Schatzamtes sich in der Nähe von Chequers bereithallen, damit die Politiker, falls sich dies als nötig erweisen sollte, das nötige Zahlenmaterial zur Hand haben können. Außerdem findet an dem einzigen noch freien Abend, am Sonntag, ein völlig privates Diner bei einem Politiker der Liberalen Partei statt, zu dem auch einige GrößenderLon» doner City eingeladen sind. Di« Presse wiederholt die freundlichen Kommentare, mit denen sie den Besuch der deutschen Minister von Anfang an begrüßt hat, allerdings mit einer wichtigen Ausnahme. Die„Times' schlägt einen äußerst unhöflichen Ton an, und obwohl die neue Notverordnung dem Schreiber des Artikels bekannt gewesen sein muß, findet er es nötig, ausdrücklich als Be- dingung für«in« internationale Hilfe durch Revision des Poung Planes die Forderung aufzustellen, daß Deutschland sein äußer- st es tun müsse, um sich selbst zu helfen. Der Leitartikel der„Times nennt ein« zweite Bedingung, die geradezu an die Töne erinnert, die man aus der französischen Presse zu vernehmen gewohnt ist. Deutschland müsse europäischer denken lernen, d. h. den in Ver- sailles geschaffenen Zu st and von Europa be dingungslos anerkennen. Selbst die moralische Berechti- gung der Reparationszahlungen wird ausdrücklich behauptet, denn die Reparationen seien eine völlig gerechte Wiedergutmachung des angerichttten Schadens. Dasselbe Blatt veröffentlicht einen langen Bericht seines Washingtoner Korrespondenten, der wieder einmal die völlige A b g e n e i g t h e i t der amerikanischen Regierung, die internationale Schuldenfrage wieder aufzurollen, be- kündet. Eine Aenderung in dieser Haltung, sagt der Berichterstatter, könne nur dann eintteten. wenn die amerikanisch« Regierung die Ueberzeugung gewinne, daß«in« Revisiou der Schulden Deutschland vor de« völligen Zusammenbruch rettta könne. Di« amerikanischen Regierungstreise seien jedoch nicht der Meinung, daß ein solcher Ausammenbruch bevorstehe. Sie seien der Ansicht, daß die Reparationsfrage ein« innerpolitische An- gelegenheit Deutschlands sei. Ein Sturz der Regierung Brüning werde in Amerika bei wettem nicht für so verhängnisvoll gehatten wie man behaupte, da die deutschen Industriellen, die die nationalsozialistische Bewegung unterstützten, ebenso daran inter- esfiert seien, die sozialen Ausgaben zu vermindern wie die Repara» üonslasteu herabzusetzen. Brüning schildert Deutschlands Lage. tonton, 6. Juni. „Schwarzer Samstag in Deutschland",„Mehr Steuar» und weniger Erleichterung", Deutschland hat die Grenze der Entbehrungen erreicht", so lauten einig« der Ueberschnften, unter dem» heute in der Abendpresse an hervorragender Stell« die Bestimmungen der neuen deutschen Notverordnung der englischen Oeffenilichkeit mitgeteilt werden. Di« Blätter geben auch die Be» fürchtungen wieder, daß die neuen Maßnahmen ernst« Un- ruhen in verschiedeneu Teilen Deutschlands auslösen können. Die deutschen Minister wurden in Chequers an der Tür des Hauses vom Premierminister und semer Tochter Jsabell, die als Hausfrau auftritt, begrüßt. Sie war ewige Zeit vorher mit dem Außenminister Henderson und der Prioatfetretärin des Premierministers» Miß Rosenberg, eingetroffen. Die Besprechungen zwischen den deutschen Ministern und Mae« danald und Henderson begannen während des Kaffees nach dem Frühstück. Dr. Brüning war der Wortführer. Cr erklärte die heftige Wirtschastsdepression und die unüberwindlichen Finanzlasten Deutschlands. Später setzte Brüning, Arm in Arm mit dem Premierminister wandelnd, seine Schilderung fort. Dorah für Revision. NewZork.6. Juni. wie hier verlautet, ist SenalorBorah heute in Washington für eine Revision in der Aiage der deutschen Reparationszahlungen eingetreten. Der Senator erklärte, eine Regelung der Reparattoasfrage scheint mir eine wirffchaflliche und auch sonst in ihren Grundlagen gejuodeMaßuahme zu sein. Die Rationen. die von Deutschland Reparationszahlungen erhallen, haben hiervon keinen Dorteil. Ebenso wird niemand einen Vorteil davon haben, wenn man Deutschland durch Zwangsmaßnahmen in den vollkommen wirffchafttichen Zusammenbruch hineintreibt. Bei einer Betrachtung der Revision der Schulden und der deuffchen Zahlungsfähigkeit darf man nicht außer acht lassen, daß der eine Hauptgrund der wirtschastsdepression in Europa, die es für Deuffchland schwieriger gemacht hat. seinen Verpflichtungen nachzukommen, die ständig anwachsende Last der Rüstung ist. die von anderen Rationen als Deutschland ausgehen und die eine klare uud abiichi- liche Verletzung des Versailler Vertrages darstellen. Or. Weriheimer endgültig bestätigt. Auf dem bisherigen Posten.— Zusammenbruch einer rechtsradikalen Hetze. Wie wir aus Genf erfahren, ist der deutsche Bertreter in der Informationsabteilung des Völkerbundes, Dr. Egon Wert- h e i m e r, nunmehr endgültig, d. h. mit dem üblichen siebenjährigen Vertrag, auf seinem bisherigen Posten b e st ä t i g t worden. Di« von uns am Dienstag wiedergegebene Nachricht, daß er nach dem vorgeschriebenen Probejahr zwar bestättgt. aber aus einen anderen Posten versetzt sei, war unrichtig. Dr. Wertheimer hatte auch unmißverständlich zum Ausdruck gebracht daß er jede andere Entscheidung als die soeben endgültig gettoffene als un- annehmbar empfunden und daraus die Konsequenzen gezogen hätte., Mtt dieser Entscheidung des Völkerbundsettetariats, die im Einvernehmen mtt den lang« hin und her schwankenden deutschen Stellen getroffen worden ist, ist eine maßlos« Hetze der Rechtspresse endgültig zusammengebrochen, bei der die Drahtzieher vor keiner persönlichen Verleumdung des So- zialdemokraten Wertheimer zurückgeschreckt waren. Man be- ttuerte zwar scheinheilig, daß politische Gesichtspunkte bei diesen Angriffen auf ihn keine Rolle spielten, und verkroch sich dabei hinter das bequeme Argument, daß Wercheimsr„sachlich ungeeignet" wäre, eine Behauptung, die den Vorzug hatte, daß man sie nicht zu beweisen brauchte und jeden Gegenbeweis ablehnen konnte. Aber das Verhallen des Völkerbundssetretariats. das seit langem mtt steigender Empörung das Kessellrsiben gegen Wertheimer und die ängstliche Passivität den deutschen Amts- stellen beobachtete, war der beste Beweis, daß auch diese„sachliche" Behauptung von jenen richtig eingeschätzt wurde, die am besten in der Lage waren, über die Fähigkeiten Wertheimers ein Urteil abzugeben. Bon sozialdemokratischer Seite war in nnmißverständlicher Wesse zum Ausdruck gebracht worden, daß man eine K a p i t u- l a t i o n der deutschen Amtsstellen vor dem Treiben der Rechts- radikalen in diesem Falle als symptomatisch für den Kurs der Außenpolttik des Reiches ansehen müßte. Nachdem Dr. Eurtiuz sich kürzlich in Genf persönlich davon überzeugen konnte, daß die an- gebliche„einmütige" Ablehnung Wertheimers durch die dortigen deutschen Pressevertreter ein pures Märchen war, und daß wettere Behauptungen persönlicher und polttischer Natur glatte B e r l e u m- düngen waren, hat er sich schließlich aufgerafft und seine Zustim» mung zur endgültigen Bestätigung gegeben. Mtt den daraufhin zu erwartenden neuen Angriffen der Rechtspresse wird er sich abfinden müssen. Möge er sich dabei mtt dem Gedanken trösten, daß eine ander« Entscheidung sür ihn noch vielunangenehmereFol- gen gehabt hätte. gesenkt werden, soweit sie die entsprechenden Sätze der Reichsangestellten und Arbetter übersteigen. Di« Dorschristen der Notverordnung über s- >ie Arbeitslosenversicherung und die Krisenfürsorge bringe« den Unter st ützungsabbau auf der ganzen Linie. Der ganze Fehlbetrag der Arbeitslosenversicherung von 400 Millionen soll ausschließlich durch Leistungsabbau gedeckt werdenl Jugendliche unter 21 Iahren erhallen kein« Ver- icherungsunterstützung mehr. Für Saisonarbeiter wird die Höchstdauer der Unterstützung au» der Ziersicherung von 26 Wochen auf 20 Wochen verkürzt und die Unterstützung aus die Sätze der Krssenfürsorge gesenkt. Verheiratete Frauen werden der Bedürsttgkettsprüfung unterworfen und für die Krisenunterstützung wird allgemein die Erstattungspflicht eingeführt. Dazu kommt eine allgemeine Senkung der Unterstützung?- ätze um 5 Proz., eine Verschärfung der Anrechnungsvorschrtst und die Verlängerung der W a r t e z e i t um acht Tage. Schließlich bringen eine ganz« Reihe von Vorschriften, die vor allem auf die Verschärfung des Arbeitszwanges abzielen, eine weitgehende Durchlöcherung des Dersicherungscharakters. Der Reichsanstalt wird die Aufgabe übertragen, den freiwilligen Arbeitsdienst zu fördern, wofür sie Mittel der Arbeitslosenversicherung und der Krisenfürsorge verwenden darf- Di« Gemeinden können zur Unterstützung dieses Arbettsdienste» ge» zwungen werden. Die Reichsanstalt erhält die Auto» nomie und damit die Verpflichtung, rechtzeitig den finanziellen Ausgleich durch eigene Maßnahmen sicherzustellen, sei es durch Erhöhung der Beiträg«, Abbau der Unterstützungen oder Kürzung der Unterstützungsdauer. Die Reichsregierung wird ermächtigt, dem Steinkohlenbergbau die Beitragsleistungen der Arbeitnehmer und Arbettgeber abzunehmen, wenn dadurch ein« angemessen« Senkung des Kohlenpreises erreicht wird. Der Beitragsousfall wird aus Steuermitteln gedeckt. Der Abbau der Lrbeitsloseuversicheruug und der Krisenfürsorge wird ergänzt durch die Set» Minderung der Wohlfahrtsleistungen. Diese Der- Minderung wird erzwungen dadurch, daß den Gemeinden nur un» zulängliche Mittel für die Unterstützung der Wohlfahrtserwerbslosen zur Verfügung gestellt werden, und zwar auch nur unter besonderen Bedingungen. Den Gemeinden fließen zu 60 Millionen durch die Beseittgung der Lohnsteuererstattungen, außerdem die Ersparnisse au» ihren eigenen Gehaltskürzungen und schließlich der größte Teil der Ersparnisse aus der Gehaltskürzung bei den Ländern. An dem 60-Millionen-Fonds aus der Lohnsteuererftattung werden sie aber nur beteiligt, wenn sie ihre Steuern in der erforderlichen Höhe ausgenutzt haben,„die Ausgabewirtschaft den Grundsätzen der Spar- samkeit und Wirtschaftlichkeit ensspricht,".chie Richssätze für die laufende Unterstützung das Maß des Erforderlichen und Ange- messenen nicht überschreiten" usw. Reben der Verschärfung der all- gemeinen Staatsaufsicht, die gleichfalls oerordnet wird, bringen diese Vorschriften die stärk st e Einschränkung der Selbst- Verwaltung. Der Sozialabbau wird vervollständigt durch die Beseiti- gung der Tabakarbeiterunter st ützuug auf Grund der Gesetze von 1930 und 1929. Die Ensschädigung für die Tabak- fadrikanten wird aufrechterhalten. Bei der Kriegs- Versorgung tritt ein Wegfall der Kinderzulage für Leichtbeschä- digt«. eine gestaffelte Senkung der Ortszulagen, die Anrechnung der Renten auf öffentliche Einkommen und eine ganze Reihe anderer Verschlechterung ein. Di« Knappschaftsversicherung wird durch unzureichende Reichshllfe zu einem Abbau ihrer Leistungen gezwungen. Keine Kürzung hoher Pensionen. Im Entwurf der neuen Notoerordnung war ursprünglich eine Bestimmung über die Kürzung hoher Pensionen enthalten. Die Notverordnung enthält diese Bestimmung nicht, da sie angeblich verfassungsändernd sein würde. Das Reichsfinanz- Ministerium wird nunmehr per«ingeschriebenen Brief die Empfänger hoher Pensionen auffordern, freiwillig auf einen Teil ihrer Bezüge zu verzichten. Schwere Krawalle in Weihwasser. 2 Polizeibeamte verletzt. weihwafler, 6. Juni. Gestern abend sollte hier eine nationalsozialistische Versammlung im Hotel zur Krone stattfinden, in der der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Fillusch aus Hinderiburg sprechen sollte. Da ober schon vor der Versammlung die Lage einen sehr bedrohlichen Charakter annahm, und Tausende von Menschen, darunter zahl- reiche Kommuni st en, vor dem Lokal einen Demonstrations- zug bildeten und stürmisch Einlaß zum Versammlungslokal begehrten, wurde die Versammlung wegen Gefährdung der öffentlichen Sicher- heit verboten. Es kam darauf zu schweren Zusammenstößen zwischen den zu- sammengerotteten Kommunisten und der Polizei, wobei die Beamten, die mit Pflastersteinen beworfen wurden, von der Schuß- waffe Gebrauch machen mußten. Sieben Polizeibeamte wurden durch Steinwürfe verletzt, außerdem erhielten einige Be» amten Schläge mit Knüppeln. Zahlreiche Verhaftungen wurden vor- genommen. Zusammenrottungen in Düren. Düren. 6. Juni. Slm Freitag stand die Dürener Polizei dauernd in Bereitschaft und mußt« in der Stadt mehrfach eingreifen, um tommu- nistische Demonstrationsabteilungen aufzulösen. Morgens fand unter freiem Himmel eine Versammlung statt, an der sich etwa 300 Personen beteiligten. Da die Polizei den ganzen Tag über unterwegs fein mußte, wurde eine für den Nachmittag auf einen Platz in Nord- düren angesetzte Versammlung des Antifaschistischen Bundes unter- sagt. Der Führer einer kommunistischen Radfahrerabteilung von etwa 30 Mann wurde festgenommen. Gegen Abend rotteten sich auch Me Nationalsoziali st en zusammen, doch konnten Zwischen- mlle verhindert werden. Anhaltende Unruhe in Essen. Essen, 6. Juni. Gestern abend sind, wie das Polizeipräsidium meldet, im Stadt- -il Eflen-West und im Segeroth-viertel von der Polizei Razzien urchgeführt worden, bei denen über 200 Personen si stiert nd vernommen worden sind. In Essen-Steel« versuchten etwa 500 Anhänger der KPD. zu demonstrieren. Die Polizei konnte jedoch die Menge zerstreuen. Ein Trupp von etwa 70 bis 30 Personen riß in der Geksenkirchener Straße in Essen�ray das Straßen- p f! a st e r auf. Das Ueberfalttommando schnitt ein und stellte die Ordnung her. Gefängnis für Nazi-Schimpfbold. Wegen Beleidigung des Ministers Severins. Made». 6. Juni.(Eigenbericht.) Bon dem Schöffengericht Minden wurde der nationalsozialistische Wanderredner Schatz au» Jena wegen Beleidigung des Mi- nister« Severing zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt. Er hatte in einer Versammlung die Aeußerung getan:„Severing ist nicht grippekrank, sondern f u t t e r k r i p p e n kr a n k. der Hund!" Der Staatsanwalt hatte drei Monate Gefängnis bean- tragt. Republikanische Justiz! Freisprvch für schamloseste Verleumdung. Hannover, 6. Juni.(Eigenbericht.) Der nationalistische Redakteur«ine» berüchtigten Skandal- blättchens hotte behauptet, daß Oberpräsident N o s k e seinerzeit den B a l t i k u m t ru p p en einen Dolchstoß in den Rücken versetzt habe. Auf die Klage Noste» war das Schöffengericht in erster Instanz zu einer Geldstrafe von 800 Mark gekommen, weil es richtig annahm, daß Noske mit diesertBehouptung die Ehre abgeschnitten werden sollte. In der heutigen Berufungsoerhandlung setzte die Strafkammer die Strafe auf 100 Mark herab. Der Redakteur des hiesigen Hugenberg-Blättchens war am 20. März zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt worden, weil er aus drr üblen Schmähschrift des Moritz-Zarnow ein Kapitel abgedruckt hotte, in dem Noske der Vorwurf gemacht wird, daß er als Reichs- wehrminister dos Schleifen von Festungen gegen ein Festmahl an eine befreundete Firma verschachert habe. Noske konnte den Nachweis erbringen, daß er als Reichswchrminister mit derartigen Dingen niemals zu tun gehabt habe. Obwohl der Staatsanwalt-in« Gefängnisstrafe von 4 Monaten beantragt hatte. sprach das Gericht den Verleumder frei, weil dieser sich darauf hinausredete, daß der Schmähartikel nur in öfsent- licher Anfrage zur Aufklärung beitragen sollte und das Gericht, dessen Vorsitzender, Landgerichtsdirektor Haars, dem Angeklagten diese Verteidigungeargumente geradezu in den Mund gelegt hatte, glaubte ihm sein« Ausrede. Dieser skandalöse Freispruch ist« i n e P r ä m i e aus schmutzigste politische Verleumdung. Das preußisch« Justiz mini- sterium sollte sich diesen samosen Lorsitzenden einmal näher an- sehen und sich mit seinen mehr als merkwürdigen Verhandlungs- Methoden etwas eingehender b-fasien. Schnellwahl in Llngaru. Mitten in der Landarbeit. Budapest. 6. Juni. Ministerpräsident Graf Dethlen verlas gleich zu Beginn der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses einen„aller!>ächsten" Erlaß des Reichsverwefsrs. Er erklärt das Haus für aufgelöst und beruft das neue Haus für den-3. Juli«in. Der Präsident hielt«ine Schluß- rede, die von den Sozialisten mft dem Ruf„E, lebe das all- gemeine Wahlrechl!" umerdrschen wurde Bon rechts kamen Gegenrufe„Sowjetfrechen!" Am Schluß der Sitzung brachten die Regierungsparteien Hochrufe auf den Ministerpräsidenten Bethlen aus. Runtius aus Liiauen ausgewiesen. Befehl zum sofortige» Verlassen des Landes. ftowno, 6. 3unL Der päpstlich« Runklu» Darkvlaoi, der. wie bekannt. von der litauischen Regiervag schon seit längerer Zeit alch« mehr empfangen wurde, hat heute morgen von der Regierung die schriftlich« Anweisung erholt«», da» c SlllenilCmod.Mw4er, 1| Q fee e e■ e■ Oaafeiltarbe« I«eee» Douppten_ aus Kunstseide,■»ödere« iQS Streifen ued Koros| mh Reinseidener Satin-Foulard bedruckt, nevesteJ� J Muster, ca. 80 cm breit Bedruckter Ninghai reinseidene asiatische Qualität, neue Muster, � J c«. 80 c m b r 0 i fjmimmm CrBpe de Chine Kunstieide, neu. mod.rna Salden- minier, CO, ICO e« breit \2* Reinseidener Crdpe de Chine bedruckt, schöne neue Muster, ca. 100 cm breit Reinseidener Crdpe Georgette bedruc kt, neue Muster,< ca. 100 cm breit" 3z* 422 Kleid wie Abb., kunstseid Doupplon, mod. Forbon mit Lackgurtel bis Grösse 52 Neuheit1 Kaffeedecke mit weiineii. 4|)assend> Ta$sent Decke 110/110 cm, i n d a n t h r e n. j |pa»tellfarbig, zmammen Psaaend. Kaffeekanne 1,60 MUchkdnnch.n 0,60 FÜR DIE DAME 2« Sportbluse ohneAermel, herren- mössig verarbeitet Kleid aus bedrudierWosdikunst- seide mit mod. Garn!tur,dL � Q flotte jugendliche Formürmmae Damen- Hut jugendliche Form JIqq aus Rabanasgeflecht*yIBHBBV Damen- Strümpfe künstlich« Waschseide, feste Flor- s ohle, geschmeidiges»» schönes Gewebe, ein- H 23 wandfreie Qualitöt> ,»WM Damen- Strümpfe künstliche Waschseide mit Florsohle undZehenverstörkung.fein-■—— fädigevorzöglicheOualität, 1/3 mod. Hochsommerfarben■■■■0 Sportsöckchen für Damen, kraftig � Baumweile, welts�d�MM FÜR DEN HERRN Oxfordhemd mit festem Krogen und Krawatte, das proktlsdio 1 Hemd für Rebe und Sport| Oberhemd N. J.-Sonderklosse, farbig gestrelft,aus vorzügl. Popeline, mit 2 Paarabknöpfbar. Manschetten und 1 Kragen 921 S p o r t h e m d aus feinst, porösen Gewebe mit fest. Kragen und Sportman->»__ sehen., das eleg. Som-■ �Ä50 merhemd für die Reise I �Pame Reise h u t federleicht, elastisch qe- m arbeitet, mit passender*�90 Fiizbandgarnitur Damen- Badeanzug »Marke Goldfisch«, reine Wolle, fein- gestrickt, tiefer Rücke n oussch n in,2f a rb. mit hübsdienGurtelstrerten oder einfarbig mit apart Cff g 5 geringeltem Oberteil �Dr mmmm Herren- Badeanzug reino Wolle, felngaairickt. elnforblg.marlae.rott.bleu, g* f K • zur»dar aehwarztkffMe. Frottierhandtuch gezwirnte Qualität., Indanthren, kariert, Bademantel dunkel gamualerie__ Frottloritoff fü 7 5 Damen und H.rren�PaM. Badetasche e%7. innen gummiert, grosse Form mt■ il9i£ Hut au» Waschtfoff ] HCIII UM wnJI MM BERLIN C2« KDNJOSTRA5SI« SPANDAUER STRASSE« GEGRÜNDET 1815 Nr. 26il» 4S. Jahrgang Sonntag, 7. Juni 1931 Niemond wird von einem Derdandstagsdelegiertev, sagen wir des Deutschen Baugewerksbundes, verlangen, daß er ein Haus mit ins Tagungslokal geschleppt bringt. Und von Metallarbeitern wird auch niemand verlangen, daß sie mit Drehbänken beladen zu ihren Kongressen anrücken. Wir könnten überhaupt getrost die ganze Skala des Allgemeinen Deutschen Gewertschaftsbundes durchgehen, kein Mensch wird auf den Gedanken kommen, daß sich diese oder jene Kollegen mit den Produkten ihrer Branche zu bewaffnen haben, wenn sie sich gegenseitig etwas sagen wollen. Mit einer Ausnahme. Nämlich: die Hutarbeiter. Uns ist ja wohl zeitlebens ein Schweigegebot für einen bestimmten Fall auserlegt worden, ober da er auch einen ernsten Hintergrund hat, sei ein Auge zugedrückt. Im Jahre 1923 hält der Deutsche Hutarbeiter-Derband seinen Ver- bandstag in Köln am Rhein ab. Aus allen Gauen Deutschlands rücken die Dertretcr der Hutarbeiteif an, auch ein Kollege aus der vielleicht prominentesten Hutstadt Norddeutschlands. Nein, wir sagen den Namen lieber nicht. Dieser Mann legt den weiten Weg nach Köln ohne Hut zurück. Zum Entsetzen oller anwesenden Hutarbeitcr marschiert er barhäuptig in die Rhcinmctropole ein, immer in Richtung Kämmereigafse, nur, daß dieser Zustand keine zehn Minuten gedauert hat. Woher damals in Köln ein Hut für diesen abtrünnigen Zunstgcnosicn gekommen ist, weiß kein Mensch mehr zu sagen, aber in noch nicht zehn Minuten hotten ihn die Kölner Hutarbeitcr mit einem Hut versorgt. Man kann vieles machen, man kann alles machen, ober als Vertreter einer Hut- arbeiterstadt barhäuptig auf einen Hutarbcitcr-Vcrbandstag kommen, das darf man nicht. Arme Hutarbeiier. So wie ihren Kollegen würden die Hutarbeiter gerne jeden Menschen„behüten". Aber es steht denkbar schlecht um die Aussichten der Hutindustrie. Es ist eine Weltkrise in Hüten, es ist, als wären die Männer des Hutes überdrüssig. In Frankreich, genauer in Esperaza, einein Zentrum der französischen Hutindustrie, verdienten sich immer SOOO Hutarbeiter ihr Brot. Heute liegen 3000 ganz auf der Straße und die übrigen arbesten nur noch wenige Tage im Monat. Selbst im geldgesegnetcn Paris beginnt man die Krise zu spüren: 1928 wurden noch für 8IX> 000 Dollar Hüte nach den Vereinigten Staaten exportiert, 1930 nur noch sür 470 000 Dollar. Beinahe der halbe Export ist kaputt. Im gleichen kurzen Zeitrauin sind in"Itälien 3000 Huttltbeiter sang- und klang- los verschwunden: bän den" übrig tzcbliebellen 13 000 arbetten drei Viertel verkürzt. Der Export an H e r r e n st r o h h ü t e n ist gänz- lieh zusammengebrochen, November/Dezember 1929 wurden noch bald anderthalb Millionen Herernstrohhüte verschickt, November/De- zember 1930 keine Biertelmillion mehr. In England das gleiche Bild, auch hier ist der einstmals riesige Export um die Hälfte ge- funken, nirgends eine richtige Konjunktur, alles lebt mühselig von der Hand in den Mund. Wir könnten auch in die K o m m a nd a nt« n st r a ß e gehen, wo das Zentrum der Berliner Hutindustrie ist, und uns beim Hutarbeiterverband über die Konjunktur erkundigen. Nun, wenn dort der kleine Aufschwung in der Damenputzbranch« nicht wäre, dann wäre es zum Aufhängen. Am schlimmsten sieht es in der Woll- und Haarhutbranche aps, da standen früher 2O0 Männer und 400 Frauen in Lohn und Brot, jetzt ist alles tot, wer nicht bankrott gemacht hat hier in Berlin, der ist'ab gewandert. So hat die Zahlstelle Berlin des Deutschen Hutarbeitcrverbandcs nicht weniger als SO Proz. Dauererwerbslose, wozu in schlechten Zeiten noch 10 bis 20 Proz. vorübergehend Erwerbslose kommen, so daß manchmal 70 Proz. der Mitgliedschaft aus der Straße liegt. Die huilose Mode. Wie ein Uebcrbleibsel aus uralten Tagen hängen in einigen Hutgcschäften ein paar„Kreissägen" oder„Butterblumen", wie sie auch noch hießen. Für 9Z Pfennige wären sie zu haben, ober kein Mensch kaust sich eine„Kreissäge". Weil jeder, der«ine .„Kreissäge" hat, Gefahr läuft, daß man oirf ihn mit Fingern zeigt. Die„Kreissäge" ist tot und nichts wird mehr diesen runden, schweren, harten und unbequemen Deckel lebendig machen. Wenig- stens in Deutschland nicht. Denn die englischen Butterblumen- sabrikanten haben noch mal eine Galgensrist erholten, seitdem der Prince of Wales nach Südamerika mit einer„Kreissäge" gefahren ist. Jetzt sind alle Londoner Hutgeschäfte mit„Kreissägen" vollgestopft. Das nebenbei. Daß bei uns der Strohhut— gleich, ob Kreissäge oder Fassonhut— so sehr ins Hintertrefsen geraten ist, liegt auch viel an der Konkurrenz der Filzhutindustrie. Sowohl die Haarhut- wie die Wollhulleuie haben sich beizeiten nach der Decke gestreckt und äußerst leichte Formen hergestellt, die den Stroh- Hut verdrängt haben. Dazu etwas anderes, was jeder selber deutlich genug beobachten kann: die hutlose Mode. Die Männer rebellieren einfach gegen ihre unsinnige Kleidung: was den Frauen schon längst recht ist, soll ihnen nur billig sein. Als erstes Hot der Hut daran glauben müssen, das Nächste wird der Kragen sein. Die Hutfabrikanteu haben übrigens schon eingesehen, daß es sich hierbei nicht um eine vorübergehende Modeerscheinung handelt, sondern um eine beachtenswerte Auswirkung der immer tiefer sich einwurzelnden Anschauungen über eine naturgemäße Lebensweise. So schreibt die„Deutsche Hutmacher-Zeitung": „Dieses ohne Kopfbedeckung gehen, ist direkt ein Bedürfnis geworden. Nun hieße es aber gegen den Strom schwimmen. wollte man dieses Bedürfnis zu unterdrücken versuchen. Das Resultat müßte immer, gleichviel welch« Mittel, welche Reklame in Anwendung gebracht würde, negativ sein und Unsummen von Reklamegeldern wären nutzlos verausgabt." Mehr kann man von den Hutmachern, die doch samt den Arbeitern am schwersten von der hutlosen Mode betroffen werden, wirklich nicht oerlangen. Dessen ungeachtet suchen die Hutfabrikanten nach Wegen, die hutlose Mode irgendwie abzubiegen. Wiedergeburt des Strohhuts? So sind in diesem Sommer in der Schaufensterorena der Hut- geschäste zum Kampf angetreten: der noch das Feld behauptende, leichte, weiche, helle Filz Hut gegen den Panama- und den Woll- bortenhut. Beide passen sich in der Form vollkommen den Filzhüten an, wobei der Wollbortcnhut entgegen seinem Namen, allerdings nichts mit Wolle zu tun hat, sondern aus einem modernen Baum- wollgeflecht besteht. Sieger wird derjenige 5)ut sein, der das geringer« Gewicht und die weichere Garnitur auf, zuweisen hat. Jedenfalls ist man in der Heimat der Strohhüte für Herren, Linden- berg im Allgäu, wo 26 Fabriten mit 6000 Arbeitern bestanden haben und von wo auch srüher die jetzt abgetakelten„Kreissägen" kamen, recht zuversichtlich über die Wiedergeburt des Strohhuts. So haben die Allgäuer Fabrikanten vor einigen Wochen eine Umsatzstatistik ausgestellt, die diese Zuversicht nur bestätigt. Nehmen wir zum Beispiel die Umsatzziffern von 1924 gleich 100 an, dann ergibt sich folgendes Bild: 1925 sinkt der Umsatz noch beträchtlich. er beträgt mir noch 71 Proz. von 1924: im Jahre 1926 sogar nur noch 54 Proz., 1927 werden die Verhältnisse geradezu katastrophal mit 12 Proz. und 1928 will kein Mensch mehr etwas vom Strohhut wissen, der Umsatz beträgt geg«nüber 1924 noch ganz« 3 Prog. Im salg««d«n Jahr 1929 beginnt langsam ein Wiederaufleben der Herrenstrohhut-Fabrikation, der Umsatz steigt aus 4 Proz. und im vorigen Jahr. 1930, wurden schon wieder 10 Proz. des Wertes von 1924 umgesetzt. In diesem Jahr hat die Auswärtsentwicklung weiter angehalten. Der Fiizhut befindet sich seit einigen Jahren in einer unverkennbaren Dertcidigungsstellung. In diesem Zusammenhang ein kurzes Wort zum Panama- Hut. Der echte Panamahut ist«in« sündhaft teure Sache: der Hut, den Prosesior E i n st e i u aus seiner Durchfahrt durch den Panama- kanal geschenkt bekam, hotte einen Wert von 700 Mark. Denn der echte Panama ist nicht aus Strohgeflecht, sondern aus Palmblatt und in mkihsesiger, gesundheitsschädlicher Arbeit von Eingeborenen hergestellt: cr isi jo weich und so leicht, daß man thn durch einen Fingerring ziehen kann. Bon Tientsin zum Spittelmarki. Di« Renaissance des Strohhuts findet übrigens ein« Stütze in einer anderen Tatsache, dos ist der Tiefstand des Silberkurses. China Hütt immer noch an seiner unglücklichen Silbcrwährung fest und da China das erste Lieferland sür Strohgeslechtc ist, ergeben sich für die europäischen Sttohhutsabrikanten verhältnismäßig günstig« Einkaufsmöglichkeiten sür Strohgeslechtc. Es kommt hinzu, daß selbst ein steigender Silberpreis die deutsche Chance nicht sonder- lich berühren dürste, da ostasiatische Strohgeslechte in Deutschland mit keinem Einstihrzall belostet sind. Die Strohflechterei ist in China ein Nebenerwerbszweig der Landwirtschaft, als Rohmaterial dient Weizenstroh. Zu den bedeutendsten Flechtbezirken gehören die Provinzen Schantung und Schansi: Tsinansn und Tientsin sind die Haupthandelsplätze. Es ist interessant, wie die prophezeite Stroh- Hutmode für 1931/32 nicht zuletzt weitab im Fernen Osten entschieden wird, wo es darauf ankommt, neue Ideen für die Vor- arbeitung des Weizenstrohs in die WirNichkeit umzusetzen. Und nicht minder staunenswert ist es, wie ein einfacher Strohhut tiefste Ausammenhänge der Weltwirtschaft offenbart.„Warum bringen eigentlich die Hutmacherzeitungen die Dampferankünfte aus Ostasien?" haben wir gefragt. Jetzt wissen wir es, was die „Pasukuni Maru" oder die„City of Shanghai" oder die „Nordmaxk" von Ostasien gemächlich nach Hamburg schleppen: Ballen von Strohgeflechten, die, aus gut berlinisch gesagt, dem Filz- Hut demnächst zeigen wollen, was eine Harke ist. Trauertag deutscher Kunst Der Brand des Glaspalastes in München Zum Brande des Glashauses, der allgemein als eine nationale Katastrophe für die ganze deutsch« Kunst empfunden wird, ist zusammenfassend zu melden. das im ganzen 73 Ausstellungssäle mit etwa 3VOV B i l- dcrn vernichtet worden sind. Gerettet wurden nur 8V Bilder. Bei den Löscharbeiten wurden SV Feuerwehrleute verleht, die in die chirurgische Klinik eingeliefert werden mußten. Was verloren ging. München. S. Zum.(Eigenbericht.) Die ungeheure Schnelligkeit der Brandkalostrophe, die den Müachener Palast aus Glas und Eisen innerhalb weniger Stunden völlig vernichtete, erklärt sich daraus, daß die Innenausstattung der eingebauten 75 Bäume ausschließlich aus holz and Leinwand bestand. Nachdem die ersten Scheiben gesprungen waren. ging ein starker Lustzug durch das Gebäude, der für die Ausbreitung des Zeuer» geradezu ideale Vorbedingungen schuf. Dazu kam, daß die angesammelten Staubmengen, die sich bei den Einbauten von Leinwand und Bupfenstosfen nie vermeiden lassen, dem Feuer besondere Nahrung bieten mußten. Der rasche Einsturz des Gerüstes war«ine Folge der durch die hihe erfolgten Ausdehnung der E i s e n t e i l e, die die Auslage und Befestigung sprengten und die zusammenhängende Konstruktion ins wanken bringen mußten. Einen Begriff der schnellen Ausbreitung des Feuers gibt die Talsache, daß eine Gruppe Studenten kurz nach 3 Ahr morgens die Zrontstraße des Glaspalastes passierte, ohne daß sie irgend etwas bemerkte, während bei ihrer Rückkehr schon nach einer Bierlelslunde die lodernden Flammen fast aus allen Teilen des Gebäodes schlugen. Die im Jahre 18S4 in der Rekordzeit von acht Monaten erbaut« Eisenhalle bedeckte rund 11000 Quadratmeter des in unmittelbarer Näh« des Bahnhofs befindlichen Alten Botanischen Gartens. Sie war gedacht als eine Halle für alle möglichen Aus- stellungen. erhielt aber ihr« Weltberühmtheit erst durch die epochalen internationalen Kunst aus stellungen in den achtziger Iahren. Seitdem war sie zu einem Wahrzeichen Münchens geworden, das auf die Fremden große Anziehung ausübte. In der letzten Zeit war die Zweckmäßigkeit des Glaspalaftes wiederholt umstritten. Wie sich jetzt herausstellt, wurden von den 3000 Gemälden nur etwa 50 unversehrt geborgen, ferner einige Plastiken, darunter solche von R 0 d i n. Die Retter waren neben dem Hausverwalter des benachbarten Chemischen Instituts vor allem Arbeiter, die auf dem Weg zu ihren Werkstätten gegen}44 Uhr am Glaspalast vor- beikamen. Wohl den schwersten Verlust sür die Kunst bedeutet die Vernichtung der Gemälde der deutschen Romantik, die zwar mit 1,3 Millionen Mark versichert sein sollen, was aber nicht einmal dem .Handelswert, geschweige denn dem Liebhaberwert entspricht. U. 0. sind drei interessante Landschaftsbildcr von Karl Blechern aus der Berliner Nationalgalerie vernichtet worden, ferner acht Werke Kaspar David Friedrichs und eine Reihe der beliebtesten Bilder von Moritz von Schwind, z. B.„Die nächtliche Fahrt",„Des Knaben Wnnderhorn",„Ritter Kurts Braunfahrt", schließlich auch eine Reihe von Bildern von Joseph Anton K 0 ch und Peter Cornelius. Sehr schwer betroffen ist auch der weltbekannte Schweizer Maler Am i e t, der mit einer Ausstellung seines Lebens- wertes gekommen war. Der schon bejahrte Künstler wird kein einziges werk seiner Lebensarbeit wiedersehen— ganz abgesehen davon, daß seine Bilder auch nicht versichert gewesen sein sollen. Hilfsattion eingeleitet. Im bayrischen kultusmini st eriu in sand eine Besprechung über den Brand des Glaspalastes statt: dazu wäre» erschienen sämtliche bayerischen Slaalsministec und ihre Stellvertreter, Vertreter des Landtages und der Stadt München, der Polizeipräsident, die oberste Baubehörde. Vertreter der Künstlerschosl und des Halssbundes für die Einwohnerschaft München. In der Besprechung wurde beschlossen, sofort eine Hilfsaktion durch öffentlichen Aufruf an das ganze deutsche Volt einzuleiten. Ferner wurde vereinbart, eine Ersahaus st ellnng zu veranstalten, zu welcher die Kunstverwaltung die Bäume der Neuen Pinakothek zur Verfügung stellen wird. Den ganzen Sonnabend über war die Brandstätte am Glas- p dürft das Ziel Tausender von Menschen. Ueberall in der Stadt wird das traurige Ereignis in Gruppen besprochen, und an den Anschlagtafeln der Zeitungen sammeln sich immer wieder Menschen- massen, um Einzelheiten über die Katastrophe zu erfahren. PIX AVON selbst|iOi das fettste PIX AVON SiLammiön Reutet 25iS Sic war in Doom! Nikolines Nimbus.— Wie die Kaisertreuen geneppt wurden. Der Einbrecher im Seif. Lange gesucht und endlich gefaßt. Cia seit langem gesuchler Einbrecher, der erst 21 Iahre alle Kurt V., konnte gestern in der Wohnung seiner Vraut in der 5 r i e d e l st r a tz e in Neukölln, wo er sich in einem Bett versteckt hatte, durch Beamte des Einbruchs- dezernates festgenommen werden. B., der verschiedentlich auf Rummelplätzen als Boxer auf- getreten war, wird wegen mehrerer Einbrüche feit etwa einem Jahr gesucht. Fast immer gelang es ihm, sich dem Zugriff der Polizei zu entziehen. Bor etwa vier Monaten war er schon einmal fest» genommen worden. Aus der Zelle des Polizeireviers brach er jedoch aus, und als der Gefangenentransportwagen anrollte, mar das„Nest" leer und der Vogel ausgeflogen. Kurz darauf erkannten Kriminalbeamte einer Streife den Gesuchten auf der Straße und nahmen ihn fest. Auch diesmal gelang es ihm wieder, zu fliehen. Die Polizei hatte mm in Erfahrung gebracht, daß sich B. in der Wohnung seiner Braut verborgen hielt. Mehrere Beamte vcr- schafften sich gestern Einlaß in die Wohnung, von B. war jedoch zunächst k e i n e S p ur zu entdecken. Da die Beamten ihrer Sache aber ziemlich sicher waren und der Gesuchte sich in der Wohnung befinden mußte, sahen fi« sich das Bett einmal näher an, wo B. dann auch entdeckt wurde. Widerstandslos ließ er sich abführen. Wegen mehrfachen Einbruches wird B. dem Richter vorgeführt. Amokläufer auf einem Dampfer. Zwei Menschen getötet. 3ll verleht. c o o d o u. ö. Juni. Aus dem kanadischen Dampfer„Expreß of Canada" wurde auf hoher See im Stillen Ozean ein Philippine plötzlich wohn- sinnig, rannte mit einem Messer einen dichi besetzten Gang entlang und stach sinnlos auf die Menschen ein. so daß zwei chinesische Mitglieder der Besahung gelötet und zwei britische Malrosen verwundet wurden. Der Amokläufer verwundete weitere 29 Personen, davon neun so schwer, daß sie ins Schiffs- lazaretl gebracht werden mußten. Drei Verwundete liegen hoffnungslos danieder. Der Philippine konnte von der Besahung erst mit l)ils? eines heißen Wasserstrahles gebändigt und in Eisen gelegt werden. Er wird den Behörden in Hongkong übergeben werden. Lleberall lauert der Tod! Schrecklicher Llnfall eines Weichenwärters. Auf den Gleisen des Ringbahnhofes Hermannstraße in Neukölln wurde gestern der 44jährige Weichenwärter Max Gräber aus der Gnstav-Freitag-Straße 8 in Schönebcrg ohne sichtbare Verletzungen tot aufgefunden. Die Untersuchung durch einen hinzugerufcnen Zlrzt ergab, daß dem Eisenbahner der Brustkorb völlig eingedrückt war. Es wird angenommen, daß der Verunglückte beim Rongieren zwischen die Puffer zweier Gllterwaggons geraten ist. Der Tod mutz auf der Stelle eingetreten sein. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach der Buckower Friedhosshalle geschafft. Ein zwetter tödlich verlaufener Unfall ereignete sich gestern auf der Charlottenburger Chaussee, unweit der Lejsrngstraße. Dort wurde der 20 Jahre alte Angestellte Helmuth E rxl e b e y aus. der Bnrgsdyrfstraße 13 mit seinem Fahrrade von einem Straßenbahnwagen der Linie 73 angefahren und zu Boden ge- schleudert. E. kam so unglücklich zu Fall, daß er einen schweren Schädelbruch erlitt, an dessen Folgen er aus dem Wege ins Moabiter Krankenhaus starb. Schreckschüsse auf Plünderer. In den gestrigen Nachmittagsstunden drangen etwa zehn junge Burschen in der A r o s a- A l l e e in R e i n i ck e n d o r f- O st in die Butterfiliale der Firma Thürmann ein, bedrohten die anwesenden Verkäuferinnen und raubten größere Mengen Lebensmittel. Das alarmierte Ueberfallkommando nahm die Verfolgung der Plünderer Das Geld aber nahm er und ging, ohne sich von Alexander Jakowlewitsch zu empfehlen, zur Ausgangstür. Die Tür, die mit einem mächtigen Schließapparat versehen war, gab nur langsam nach und versetzte Ostap einen gehörigen Schlag. „Das war ein Volltreffer", sagte Ostap, und rieb die schmerzende Stelle.„Die Sitzung geht weiter!" Wo sind Ihre Locken geblieben? Während Ostap das Versorgungshaus inspizierte, verließ Wvrobjew die Hausmeisterwohnung und trat auf die Straße. Der rasierte Kopf war jetzt gegen Kälte doppelt empfindlich. Während er so durch die Gassen schlenderte, spürte er plötzlich ein fieberndes Kribbeln in den Handflächen und ein seltsames Kältegefühl in der Magengegend. Direkt auf ihn z\j schritt ein ihm unbekannter Bürger mit gutmütigem Gesicht. Dieser Mann hielt einen Stuhl wie ein Cello vor sich hin. Wo- robjew, den ein Schlucken befiel, sah aufmerksamer hin und er- kannte sofort seinen Stuhl. Zweifellos! Es war ein Sessel von der Firma Ganibs, mit dem geblümten, in der Revolutionszeit etwas nachgedun- kclten Stoff bespannt. Ein Nußholzstuhl mit gebogenen Beinen. Worobjew hatte das Gesllhl, als hätte man ihm das Ohr angeschossen. Er näherte sich mit einem Leopardcnsprung dem empörten Unbekannten und zog ihm schweigend den Stuhl aus den Händen. Der aber riß den Stuhl wieder an sich. Nun klammerte sich Worobjew am Stuhlbein fest und löste gemalt- sam die dicken Finger des Unbekannten vom Sessel ab. „Raub", flüsterte der Unbekannte und hielt sich krampfhast am Seffel fest. „Verzeihung, Verzeihung", n'.urmeltc Worobjew und fuhr fort, die Finger des Fremden vom Sessel wegzureißen. Einige Fußgeher wurden aufmerksam, sammelten sich um sie und verfolgten mit größtem Interesse die Entwicklung des Konflikts. Die beiden sahen sich erschrocken um und gingen dann, „Sie war in Doorni Sie hat den Kaiser gesehen, sie kennt eine Prinzessin!"� Das war der Nimbus, der die„Kranken- schwester" Nikoline Hansen umgab, wenn sie bei Kreisen des Hofadels und jener Bürgerlichen, die nichl olle werden, hausieren oder, nennen wir die Sache, wie sie ist, s ch w i u- d e l n ging. Als Einführung dienten zwei Broschüren„Doorner und Wieringer Tage, Eindrücke van Besuchen, von Nikoline Hansen" und„Wer hat die Schuld?— D u selbst! Bilder aus trüben Tagen, van Nikoline Hansen". Und dann kamen'Er- Zählungen, daß sie Kinderärztin sei und unter wohlwollender Unter- stützung der H o h e n z o l l c r n ein Kinderheim errichten wolle. Dann kaufte sie ohne Geld eine Besitzung bei A l t- R n p p i n, die 330 000 M. kosten sollte. Nikoline warb, immer unter Berufung aus ihre guten Beziehungen, ein Dutzend Angestellte, kaufte aus Kredit Möbel und lebte auf der Besitzung 14 Tage lang in Saus und Braus. Als dann die Lieferanten Lunte rochen und ihre Rechnungen vor- weifen wollten, war die Freundin des Hauses Doorn über alle Berge. Der Schwager des Ex-Ka!sers, Friedrich Leopold Prinz von Preußen, stand in der Tat mit der Schwindlerin wegen eines Verkaufes seines Schlosses Klein-Glicnicke in Korrespondenz. Auch diese Briefe boten Nikoline Gelegenheit zu weiteren Schwindeleien. Besonders niedcrirächlig zeigte sie sich bei dem Betrug an einer Sö llahre allen Frau. Ihr schwindelte sie vor, daß ihr„eine Prinzessin" eine Villa in der Weinmeisterstraßc in Potsdam für ein Krüppelheim überlassen habe. Die alte Frau war von diesem Edelmut einer Prinzessin so begeistert, daß sie Nikoline ihre sömtlickien Möbel überließ. Die saubere Nikoline hatte natürlich nidsts Eiligeres zu tun, als die Möbel zu verpfänden und den Erlös in die auf. Noch einer wilden Jagd durch die Straßen Reinickendorfs wurden sieben Burschen, nachdem die Polizeibeamten hinter den Flüchtenden mehrere Schreckschüsse abgegeben hatten, in einer Laubenkolonie am Echönholzer Weg gestellt und festgenommen. Sie wurden der Zlbteilung I A des Polizeipräsidiums übergeben. Akademische Querköpfe machen Lärm. Die Sozialistische Studentenschaft schreibt uns: Die„Rote Fahne" feiert den Uebertritt der Opposition der Sozialistischen Studentenschast, ohne merken zu wollen, daß sie es mit ausgeschlossenen O u e r k ö p f e n zu tun hat. Die immer den Blick vorwärts gerichtet, weiter, als ob nichts vor- gefallen wäre, ohne aber den Stuhl aus den Händen zu lassen. — Was geschieht da?— dachte Worobjew verzweifelt. Was der Unbekannte vorhatte, war rätselhaft, sein Gang aber war fest und entschlossen. Sie gingen immer schneller, und als sie in einer Seiten- gasse ein menschenleeres Plätzchen erblickten, das mit Schutt und Baumaterial angestopft war, lenkten sie ihre Schritte wie auf Kommando hin. Hier verdoppelte sich Worobjews Kraft. „Aber erlauben Sie mir!"" schrie er, jetzt schon ohne Rücksicht. „R— a— u— b!!" preßte der Fremde kaum hörbar hervor. Und da die Hände der beiden den Stuhl festhielten, stießen sie mit den Füßen gegeneinander. Die Stiefelabsätze des Frem- den waren mit Eisen beschlagen und so erging es Worobjew anfangs sehr schlecht. Bald aber fand er sich zurecht, sprang nach rechts unv links, wie im Tanz, um den Stößen des Gegners zu entgehen. Dabei versuchte er, ihm einen Stoß in den Magen zu oersetzen. Es gelang ihm aber nicht, da der Stuhl ihn daran hinderte, dafür aber traf er ihn so tüchtig ins Knie, daß der Feind jetzt nur noch mit dem linken Bein kämpfen konnte. „O mein Gott", flüsterte der Unbekannte. Und in diesem Moment erkannte Worobjew, daß der Mann, der auf so freche Weise seinen Stuhl gestohlen hatte, niemand anderes war, als der Priester der Kirche zum heiligen Laurentius— Vater Fedor Wostrikow. Worobjew war bestürzt.„Vater!" rief er aus und in seiner Uebcrraschung ließ er die Hände vom Stuhle. Vater Wostrikow errötete und seine Finger gaben noch. Jetzt ohne Halt, sank der Stuhl zu Boden und fiel auf einen Schittlhaufen. „Wo haben Sie eigentlich Ihren Schnurrbart gelassen?" fragte der Pope äußerst bissig. „Und wo sind Ihre Locken geblieben? Cs hat doch einmal Locken bei Ihnen gegeben?" Eine unsagbare Verachtung lag in Worobjews Worten. Er warf Vater Fedor einen unbeschreiblich erhabenen Blick zu, nahm den Stuhl unter den Arm, wandte sich um und wollte sich entfernen. Der Pope aber, der seine Verlegenheit indes überwunden hotte, ließ Worobjew nicht so ohne weiteres Oberhand gewinnen. Mit dem.Ruf:„Rein, was fällt Ihnen ein", riß er den Stuhl an sich. Die Situation von vorhin war wieder her- Tasche zu stecken. Dem Eingreifen der Verwandten der betragenen Greisin gelang es dann im letzten Augenblick, das bißchen Hab und Gut der allen Frau zu retten. Natürlich hat Nikoline ouck) gewissen� Kreisen der evangelischen Geistlichkeit ihre Besuche ab- gestattet. Der Hinweis auf ihre Beziehungen zum Hause Dvorn genügte oft zur Uebersührung beträchtlicher Geldbeträge von der g-ist- lichen in die weltlich« Hand. Daneben arbeitete Nikoline mit einem Sparkasscnbucki über 350 000 M., das nur den einen Fehler hatte, daß es gefälscht war. Nikoline besaß trotz ihrer oft sehr beträcht- lichen Einkünfte keinerlei Ersparnisse. Jetzt ist Nikoline Hansen auf Veranlassung eines ihrer Opfer in der Bülowstraße festgenommen und bei der Kriminalpolizei eingeliefert worden. Dos Nachsehen haben die Kaisertreuen, die auf jeden hereinfallen, der ihnen mit Beziehungen oder gar mit Berwandtschafi zu den allerhöchsten Kreisen imponiert, mag es sich nun um Doinela, um die Kuhmagd Margarete, um den Bäckergesellen Rittmeister von Alten oder um Nikoline Hansen handeln. „Die persomsiz'.erte Ritterlichkeit.� Das Amtsgericht Deggendorf(Bayern) verurteilte F ü r it Joachim von Cantacuzene zu drei Wochen Gefängnis, weil er die 70jährige Gräfin von 5)ohenthal und Bergen, mit der er zusammen auf Schloß Egg wohnt, anläßlich eines Worr- Wechsels auf offener Straße vor den Augen des„niederen" Volkes so kräftig geohrfeigt hatte, daß sie halb ohnmächtig zusammen- brach. Das Deggendorfer Amtsgericht begründete seinen Spruch mit den originellen Worten:„Ein Mannsbild, das sich an einer alten gebrechlichen Frau vergreist, gehört schwer bestraft, noch dazu, wenn er sich Fürst nennt und als solcher die personifizierte Ritterlichkeit sein müßte." üenters Nachfolger. Die Sozialdemokratie schlägt Dr. Heuer-Magdeburg vor. Die sozialdemokratische Stadtverordneten- f r a k t i o n hat einstimmig beschlossen, für den durch den Weg- gang des Genossen Reuter freigcwordenen Magistratsposten den Genossen Stadtrat Dr..Heuer aus Magdeburg vorzuschlagen. Harold Heuer steht zur Zeit in der Mitte der Dreißig, ist in Kiel geboren und studierte in Kiel, München, Hamburg und Berlin Rechtswissenschaft und Bolkswirtschaft. In Berlin machte er auch sein Gcrichtsassessorexamcn. Er war vorübergehend Volkswirtschaft- licher Assistent an der Technischen Hochschule in Aachen, serner Assessor beim Magistrat in Altona, wie auch Kreissyndikus, im Jndustriekreis Essen-Land. Seit mehreren Jahren ist er Stadt- rat in Magdeburg, wo er vorzugsweise, und zwar unter all- gemeiner Anerkennung, das G r u n dst ü ck s d e z er n att neben dem Wohnungsbaudezernat verwaltete. Er ist auch in Wort und Schrift durch die Behandlung der Frage der Schaffung moderner taufmännisch-wirtschaftlickzcr Revisionsstellen bei den Gemeinden her» vorgetreten. Zur Zeit verwaltet er in Magdeburg das Finanz- d e z e r n a t. Dr. Heuer wird weit über die Kreise der Sozial- dcmokrotte hinaus das Zeugnis eines ausgezeichneten Berwalwngs- juriften und eines sehr befähigten und erfolgreich arbeitenden leiten- den Kommunalbeamten ausgestellt, der für den Berliner Magistrot eine sehr glückliche Ergänzung bedeuten würde. Vorzugsweise käme ja auch in Verlin die Leitung des umfangreichen Grundstücks- dezernats in Betrocht, für das Dr. Heuer praktische Erfahrungen und beste sachliche und juristische Kenntnisse mitbringt. Genosse Dr. Heuer gehört der deutschen Sozialdemokratie seit seiner Studienzeit an. Opposition, die aus ganzen 7 Leuten bestand, wurde bereits Anfang Mai, wie im„Vorwärts" vom 11. Mai bekanntgegeben,.aus der Sozialistischen Studentenschaft ausgeschlossen. Ursache dazu war ihre Zusammenarbeit mit Stahlhelm, Nationalsozialisten und Kam- munisten im gemeinsamen Arbeitsausschuß. Die Sozialistische Studentenschaft, die trotz aller Bestrebungen der Hochschulreaktion ständig wächst, gratuliert den Kommunisten zu diesen neuen Mitkämpfern. Villiger Sonntag im Zoo. Sontag. den 7. Juni, kostet der Eintritt in den Zoologischen Garten für Erwachsene nur 30 Pf., für Kinder unter 10 Jahren nur 25 Pf.; dieselbe Ermäßigung gilt für das Aquarium. gestellt. Beide Gegner klammerten sich an den Stuhl und blickten einander, von der gleichen Gier besessen, ins Gesicht, Eine atemberaubende Pause. „Sie sind es also, heiliger Vater, der nach meinem Eigentum jagt?" zischte Worobjew. Dabei versetzte er dem heiligen Vater einen Stoß in die Hüfte. Vater Fedor zielte und stieß den Obmann des Adelsklubs so wuchtig in den Bauch, daß er sich duckte und flüsterte: „Das ist nicht Ihr Eigentum." „Wessen denn?" „Ihres nicht." „Wessen denn?" „Ihres nicht." So zischten sie und stießen mit den Füßen nach einander. „Wessen Eigentum ist es?" rief Worobjew und sein Fuß hieb den heiligen Vater ins Knie. Der Pope überwand den Schmerz und sagte fest:„Das ist verstaatlichtes Eigentum." „Verstaatlichtes?" „Jawohl, nationalisiertes!" Sie sprachen so rasch, daß die Worte sich übcrhaspelten. „Wer hat es nationalisiert?" „Die Sowjetmacht!" „Welche Macht?" „Die Arbeitermacht!" „A— a— a!" sagte Worobjew und sein Ton war eiskalt. „Also die Macht der Bauern und Arbeiter." „I— a— a!" „Hm... Sind Sie, heiliger Dater, vielleicht zur Partei übergegangen?" „V— vielleicht!" Jetzt hielt sich Worobjew nicht mehr zurück und mit dem Ruf„Vielleicht?" spuckte er Bater Fedor in das breite Gesicht. Unverzüglich spuckte nun auch Vater Fedor Worobjew ins Gesicht und traf gut. Den Speichel tonnten sie nicht abwischen, da ihre Hände mit dem Stuhl beschäftigt waren. Worobjew ächzte und stieß seinen Feind mit ganzer Kraft, so daß der zu Boden fiel und den schwer atmenden Worobjew mit sich riß. Der Kampf setzte sich nun ebenerdig fort. Plötzlich hörte man ein Krachen, die beiden Stuhlbeine brachen gleichzeitig ab. Die Gegner ließen einander los und gingen sofort daran, den hölzernen Schatzbewahrer in Stücke zu brechen.(Fortsetzung folgt.) A rbeiter und Bamusstellmg Die Schau der Gewerkschaften � Photostadt der Dewog €in Rundgang durch die Kollektivschau der freien Gewerkschaften auf der Deutschen 2 a u a u s st c l l u n g shalle Vi Stand öZ4) vermag mehr als Bücher. Vorträge und Leitartikel ein Bild von den gewaltigen sozialen Leistungen der modernen Arbeiterbewegung im Dienste der werktätigen Blassen zu vermitteln. Viele hoben ver- gejsen. wie es noch vor wenigen Zahrzchnten mit dem Arbeiter und seinem Anteil am Leben bestellt war. Vor den Schauobjektcn dieser Ausstellung begreift man. worum es dem organisierten Unter- nehmerlum troh der herrschenden ungeheuren Arbeitslosigkeit nicht gelingt, die Arbeiterbewegung zu zerbrechen. Mächtige Bernss- verbände, soziale Baubetriebe, soziale Bauherren, soziale Banken: alle vereinigt in der zweifachen Aufgabe, die Lebenshaltung der Arbeiter, Angestellten und Beamten ständig zu verbessern und das Erreichte zu erhalten. Die Tatsache allein, daß es den ausstellenden Gewerkschaften und gewerkschaftlichen Wirtschaftsbetricben in dieser Notzeit möglich war, rund 900 Quadratmeter Ausstellungssläche zu belegen und durch die bedeutendsten Ausstattungsfachleute zu einem der meistbeachtetsten und bedeutsamsten Höhepunkte der gesamten Bauausstellung zu machen, erweist die wirtschaftliche und kulturelle Macht des Soli- daritätsgedankens. Die freigewerkschaftliche Ausstellungs- gemeinschaft besteht aus dem Deutsichen Baugcwertsbund, dem Fabrikarbcrterverband, dem Butab, dein Werkmeisterverband, dem Verband sozialer Baubetriebe, der Dewog, der Arbciterbant und der Hannoverschen Bodenkrcdit-Bank. Diese Organisationen und Betriebe haben das ihre zur Belebung der darniederliegenden Bauwirtschast tun wollen. Sie haben durch ihre Beteiligung an der Deutschen Bauausstcllung bewiesen, daß sie zu schwersten Opfern bereit sind, wenn es gilt, an der Schaffung der Boraussetzungen tatkräftig mitzuarbeiten, unter denen die Millionen Erwerbsloser wieder in die Produktion eingerecht werden können. Für die künstlerische Formung der sreigcwerkschaftlichcn Abteilung entstand das schwer zu lösende Problem, die acht ausstellenden frcigcwcrkschaftlichen Gruppen ohne das übliche Kojensystein so zur Darstellung zu bringciudatz dem. einzelnen Aussteller seine Eigen- a r t gelassen und doch das gemeinsame Ganze zusammengefaßt in Erscheinung tritt. Professor Walter G r o p i u- hat diese Ausgabe in wahrhaft großzügiger Weise zu lösen verstanden. Die beiden Graphiker Moholy-Nagy und Herbert Bayer hoben die künst- lerische Ausgestaltung bis in die letzten Einzelheiten mit großem Ideenreichtum, Witz und Geschmack durchgeführt. Das Kino der Arbeit. Di« recht« Hälfte des Raumes und die architektonisch prachtvoll in den Raum komponierte Rampe, die den mittleren Durchgang überbrückt und ein kleines Kino beherbergt, wird vom Deut- schen Baugewerksbund mit der Darstellung der sozial- politischen Leistungen des Bundes im Dienste seiner Mitglieder ein- genommen. In großartig gestalteten Photomontagen und graphi- schen Aufbauten werden die Aufwendungen des Verbandes für Rechtsschutz, Kranken-, Invaliden-, Wanderunterstützung. Arbeitslosenschutz, Sterbefälle usw. gezeigt. Sehr aufschlußreich ist die Arbeitslosen-Statistik. Erfreulich die Leistungen des Ver- bandcs für die Lehrlingsausbildung. Man erfährt überaus he- achtenswerte Besuchsziifcrn- der freigewertfchaftlichen Bildung?- anstalten. In eindringlicher Darstellung wird die berufliche Benach- teiligung der Bauarbeiter gegenüber anderen Berufsgruppen auf- gezeigt. Auf der Rampe, die eine äußerst günstige Uebersicht übe? die gesamte Kollektivschau gestattet, wird auf freischwebenden runden Glastafeln die Hygiene bei der Arbeit behandelt. Der Vulab registriert seine Unterstützungsleistungen. Auch der Deutsche Werkmeisterverband und der keramische Bund(Fabrik- orbeitervarband) demonstrieren in guten, bildlichen graphischen und symbolischen Darstellungen, daß der feste Zusammenschluß in starken Berufsvcrbänden die Voraussetzung für den geistigen und Wirtschaft- lichen Ausstieg der gesamten Arbeiterschafr iit. Die Arbeiterbank weist in graphischen Darstellungen die erfolg- reiche Entwicklung der Einlagen nach, die 1930 168 Millionen Mark betrugen. Durch Zwischenkredite wurden 1930 10 500 Wohnungen finanziert. Die der Arbeiterbank angegliedert« Hannoversche Boden- kredit-Bank zeigt, in welch großem Umfange sie den gemeinnützigen Kleinwohnungsbau unterstützt hat. Die Pionierarbeit der Bauhütten. Außerordentlich sinnreiche Apparate hat der Verband sozialer Baubetriebe aufgestellt, um der Oefsentlichkeit de» organisatorischen. kaufmännischen und technischen Aufbau des VfB. und der ange- schloffenen Bauhütten zu erklären. Eine Art Kartothek aus riesigen Schiebetafeln kann vom Publikum mühelos bedient und studiert werden. Eine mechanisch-optische Konstruktion soll die in vielen Bau- Hütten eingeführte wirtschaftliche Betriebsführung veranschaulichen. In der Dewog-Koje fällt eine Photostadt auf. die aus Bauten und Siedlungen der Dewog-Tochtergesellschaften zusammengestellt ist. Die Weiträumigkeit der Bebauung, Einrichtung von Spiel- und Planschanlagen für die Kinder, Zentralwäschereien, Konsumläd.-n usw. sind als charakteristische Attribute des freigewerkschaftlichen Kleinwohnungsbaues deutlich erkennbar. Bemerkenswert ist hier noch eine Deuts chlandkarte, die durch eine optisch-mechanisch wirkende Apparatur das Beispiel eines finanziellen Betreuung?- Vorganges zeigt. Dem Laien werden die Phasen der Betreuung van Baugenossenschaften vom Hypothekenantrog bis zum Baubeginn deutlich gemacht. Daneben sehen wir eine graphische Kurve, die das Wachsen der Dewog-Arbeit zeigt. Ein gewaltige» Anschauungsmaterial breitet sich hier vor den Augen des Ausstellungsbesuchcrs aus. Wenn irgendwo in der Aus- stellung, dann lohnt es sich hier, bei der Schau der freien Gewer?- schaftcn länger zu verweilen. Zum mindesten sollte jeder organi- sierte Arbeiter, Angestellte und Beamte, der die Ausstellung besucht, dem Stand 634 sein ganz besonderes Augenmerk zuwenden. Viel« werden hier zum ersten Male eine deutliche Vorstellung von der gewaltigen Kraft der Organisationen bekommen, viele zum ersten Male jene Einrichtungen ihrer Gewerkschaften kennenlernen, deren Aufgabe es ist, den Lebensstandard des Arbeitnehmers nicht nur von der lohnpolitischen Seite her zu beeinflussen. Freigewerkschaftliche Wohnungsfürsarge, sreigewerkschaftlichc Baubetriebe, sreigewerk- schaftliche Finanzierungsquellen halten das Vaufpekulantentum in Schach und verbürgen auch den wirtschaftlich Schwachen«in m e n- schenwürdiges Wohnen. So verwirklicht die Arbeiterbews- gung in ihren verschiedenen Organisations- und Unternehmung?- formen heute schon einen Teil ihrer sozialistischen Ziele. Diese Er- k-nntnis zur f e st e n II e b e r z e u gu n g zu Machen, ist das größte Verdienst der freigewerkschaftlichen Kollektlbschiu auf der Deutschen� Bauausstellung. Ein gespaltener Mensch. Vom polizeibeamten zum Räuber. Ein seltsamer Wensch stand vor dem Schösfengerichl Schöncberg unter der schweren Anklage des Raubes. Selbst der Staatsanwalt nannte ihn eine„gespaltene Persönlichkeit". Vor Jahren war St. Beamter der Sicherheits- Polizei. Er war entlassen worden, weil er wegen um sang- reicher Betrügereien zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Er erhielt ober Bewährungsfrist, verschaffte sich eine Stellung im Äohlengeschäft und lebte mehrere Jahre hindurch derart, daß ihm in der jetzigen Verhandlung das beste Zeugnis von den Firmen und seinen Kunden ausgestellt wurde. Er war der sleißigste und zuverlässigste Arbeiter, dem man Rechnungen in jeder Höhe anvertraute. Im Sommer mußte er seine Beschäftigung wegen Arbeitsmangels aufgeben. Da er sich verlobt hatte und seine Braut ein Kind erwartete, geriet er in bitterste Not. Eines Tages trieb er sich in der Nähe des Postscheckamtes herum und ver- folgte eine 6Sjährige Botenfrau, die dort 37S M. kassiert hatte, mit der Straßenbahn bis vor ihr Haus. Im Hausflur entriß er ihr die Tasche mit dem Gelde und stieß sie, so daß die alte Frau gegen die Wand taumelte. Auf ihre Hilferufe wurde der Räuber g c st e l l t und ihm die Beute abgenommen. � Vor dem Schöffengericht Schöneberg bereute er seine Tot sehr und behauptete, daß er nur durch das Gerede arbeitsloser Kollegen sich dazu habe verleiten lassen. Seine Arbeitgeber behaupteten vor Gericht, daß sie den Angeklagten derart schätzen, daß sie ihn s o- fort wieder einstellen und ihm auch weiterhin ruhig Gelder anvertrauen würden. Das Gericht gewährte dem Angeklagten mildernde Um- stände und verurteilte ihn wegen Raubes zu einem Jahr Ge- fängnis. Verufungsverhandlung gegen die Lfa. Geldstrafen gegen MaSlowfki und Krankenbach verringert. Vor der Strafkammer des Landgerichts 1 stand gestern die Berufungsverhandlung in der Sache der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Arbeitcrkultur, der sogenannten Jfa, eines kommunistischen Unternehmens statt. Dos Schöffengericht Berlin-Mitte hatte den Schriftsteller Peter Maslowfki und den Zeichner Theodor Franke nbach wegen Gotteslästerung und Beschimpfung kirchlicher Einrichtungen, den ersten zu 1000 M., den letzten zu 200 M., verurteilt. Die Jfa hatte im Pschorrbräu eine A u s st e l l u n g veranstaltet, an der auch die kommunistische Freidenkerorganisation teilnahm. Unter den Ausstellungsobjekten befanden sich u. a. eine Nachzeichnung des bekannten Georg-Grosz-Bildes, das Christus am Holzkreuz in Gasmaske und Soldatenstiefeln mit der Aufschrift„Maul halten und weiter gehen" darstellt, und auch«in anderes Bild, auf dem ein predigender Pfarrer und ein Offizier mit blutbeflecktem Degen zu sehen waren. Das Bild trug die Usber- schrift:„Bohre den Feinden das Bajonett in den Leib. Das ist der wahre Gottesdienst: Pfarrer Scheckler", und die Unterschrift:„D i e Kirche i st der wahre Friede." An diesen beiden Bildern, wie an einigen weiteren hatte der Prälat Heinrich Wienken Anstoß genommen. Die Strafkammer gab der Berufung der Angeklagten insofern statt, als sie die Geldstrafe für Maslowfki auf 200 M. verringerte und diejenige für Frankenbach auf 30 M. In der Urteilsbegründung hieß es u. a.: Das Gericht habe im Gegensatz zur ersten Instanz in dem Bilde, das den Pfarrer und den Offizier darstelle, keine Beschimpfung der kirchlichen Einrichtung erblicken können, da durch dieses nicht dos Priestertum als solches, sondern bloß einzelne Vertreter des Standes getrosfen werden sollten. Das nnißte aber bei der Strafzumessung berücksichtigt werden. Demnach hat also auch die Strafkammer das Christusbild von Georg Grosz, an dem die Siegert-Kammer nichts auszusetzen hatte, als anstößig erachtet... Automarder auf der Badewiese. Drei Burschen im Alter von 18 bis 20 Jahren hatten in C h a r- l o t t e n b u r g das Privatauto einer Firma ohne Aufsicht stehen sehen und waren sofort mit dem Wagen nach den Bade wiesen bei Spandau gefahren. Hier taten sie sich auf ihr schönes Auto nicht wenig zugute. Ihre Kleider ließen sie im Wogen zurück und stürzten sich wohlgemut ins Bad. Zufällig kam ein W e r l m e i st e r der Firma an der Badcstelle vorüber und erkannte das Auto des Betriebes, obwohl die Bürschchen die Nummer bereits geändert hatten. Der Werkmeister rief einen Polizeibeamten herbei, es war aber nicht möglich, unter der großen Schar der Badenden die Autodiebe herauszufinden. So mußte man bis zum Abend warten. Erst dann kehrten die Drei aus dem Wasser zurück, kamen zum Wogen und zogen ihre Kleider wieder an. Als die Toilette beendet war, griffen der Beamte und der Werkmeister zu und nahmen die jungen Herren am Kragen. Mitsamt dem Auto wurden sie zur Polizei gebracht. Eine Diebstahlsobsicht haben sie wohl nicht gehabt, sie wollten nur bequem und elegant noch Spandau kommen. Der Gefäll,'gkeiismeineid. Ein FreundschafiSdienst mit sehr üblen Folgen. Schwerhörig« Menschen finden sich im Leben schwer zurccht: sie tun mitunter das direkte Gegenteil von deip, was für sie in der gegebenen Situation gut wäre. Solch Mn schwerhöriger Mensch war der Angeklagte N.; so gab es in feinem Leben einen ganzen Rattenschwanz von Verwicklungen. Die Sache begann mit einem Freundschaftsdienst. Der Tischlermeister B. wurde von einer Möbelfabrik durch den Gerichtsvollzieher gepfändet. Um wenigstens seine Maschinen zu retten, stellte er sie bei N, unter. Das war Pfandbruch und hatte eine Strafanzeige zur Folge. In dem Psandbruchprozeß leistete R. den zweiten Freundschastsdienst. Er beschwor, daß die Maschinen ihm als Sicherheit für ein Darlehen von 500 Mark übergeben seien und legte einen fiktiven Darlehcnsvertrog vor. B. wurde trotzdem verurteilt. So weit, so gut: daß R. einen Meineid» geleistet hatte, wußten ja außer ihm nur B. und dessen Schwiegereltern. Zwischen diesen und N. entstanden aber Differenzen. Schwerhörig und nervös, war N. auch dieser Situation nicht gewachsen: aus Acrger gegen die Undankbaren, für die er seinen„Gefälligkcitsnieineid" geleistet hatte, begab er sich zum Staatsanwalt und erstattete Anzeige gegen sich wegen Meineides und gegen B. und dessen Schwieger- eltern wegen Verleitung zum Meineid. Gegen die Schwiegereltern wurden die Ermittlungen gar nicht eröffnet: das Verfahren gegen B. wurde eingestellt, gegen N. dagegen Anklage wegen Meineides erhoben. N. sah dem Gerichtstcrmin recht optimistisch entgegen: sein Gewissen war wenig belastet. Hatte er etwa den Meineid in eigenem Interesse geleistet? Hätte er irgend jemand geschädigt? Am Mittwoch, dem 3. dieses Monats, konferierte er in bester Stimmung mit seinem Anwalt. Der Donnerstag stimmte ihn ober bedenklich. Das Landgericht l, vor dem er am Sonnabend erscheinen sollt«, hatte soeben wegen Meineides'ein Zuchthaus-, urteil gefällt. So hatte er sich die Sache nicht gedacht. Es wurde ihm gar ängstlich zumute. Und so beschloß er, statt selbst zum Termin ZU erscheinen, an das Gericht einen Brief zu senden:„Die An- klageschrift— schrieb er da— ist einseitig gegen mich verfaßt: ich befürchte eine ebenso einseitige Einstellung des Gerichts. Ich komme deshalb heute nicht und werde mir zu gegebener Zeit dem Gericht stellen." Das Gericht war jedoch der Ansicht, daß es selbst über die „gegebene Zeit" zu bestimmen habe und erließ gegen den«igen- mächtigen Angeklagten einen Haftbefehl, Auch diesmal hotte N., ebenso wie mit seiner Strafanzeige, nicht das Richtige getroffen. Er wird seinen ,.G e f ä l l i g k c i t s in c i n. c i d" noch schwer zu bereuen haben. Die Moral von der Geschichte: Leiste nie einen falschen Eid aus Gefälligkeit,.. Lteberfall in Frankfurt a. M. Ein �viterieeinnehmer gefesselt und beraubt. Frankfurk o. M., 6. 3unL Auf den Lolkericeinnehmer S l u r m in der S ch i l l e r st r a h c, einer der belebtesten Straßen der Stadl, wurde gestern abend ein schwerer Raubübcrsall verübt, kurz nach Geschäflsschluß drangen zwei junge Leute in dos Lolteriegeschäsl ein. zwängen den Inhaber mit vorgehaltener Pistole, sich aus den Boden zu legen, und s c s s c l l e n ihn. Um ihn an, Schreien zu verhindern, verklebten sie ihm den Blund mit L e u k o p l a st. Die Täler nahmen von einem .Tsisch, auf dem der Inhaber seine Tageseinnahme aufgezählt holte, 2500. Mark und entwendete,� aus dem kaffenschrank noch 500 Mark. Dann schlössen sie die Tür von außen ab und entkamen unerkannt. Sturn, konnte sich später befreien und die Polizei benachrichtigen, die sofort die Ermittlung und Verfolgung der Töler in Angriff nahm. Faschismus ist Kapitalismus! In einer von mehreren hundert Jugendlichen besuchten Der- sammlung der Sozialistischen Schülergemeinschaft sprach Genosse Professor Hermann 5z e l l e r über Jugend und Fa- fchismus. Bis weit in die bürgerliche Jugend hinein wird der Ka- pitalismus heute abgelehnt: weite Kreise vor ollem der Studenten- schast, die heute dem Nichts gegenüberstehen, deklassierte Schicksten, die aus ihrem Unglück ein falsches Bewußtsein entwickeln, fallen der geschickten faschistischen Propaganda zum Opfer. Das antikapita- listische Gefühl der Jugend wird in ein antisemitisches umgebogen, an die Kampfinstinkte der Jugend und ihr Bedürfnis nach Führung wird appelliert—„geistlos, aber wirkungsvoll". Im ersten Teil des Programms fängt man die Jugend mit der Vergemeinschaftung, aber in> zweiten Teil wendet man sich gegen jede Art von Snziali- sierung. Es muh deswegen immer wieder festzeftellt werden und kann mit dem italienischen Beispiel bewiesen werden: Faschismus ist Kapitalismus! Das müssen wir der Jugend sagen, deren ernst- Haftes Wollen und Suchen von den Nationalsozialisten verfälscht wird, und wir müssen ihnen auch immer wieder sagen, daß ihr Nationalismus so lange Schwindel ist, bis die geforderte Bolls- gemeinschaft nicht Wirtschaftsgemeinschaft ist. Wir müssen ihr auch immer wieder beweisen, daß eine sozialistische Bewegung niemals von Kapilalsgeldern gespeist werden kann. An das Referat schloß sich eine lebhaste Diskussion an, in der natürlich nationalsozialistische Vertreter nicht sprachen, desto eifriger leierten jedoch die Kommu- nisten ihre Parteiwolze ab. Genosse Heller forderte die Jugend zum Schluß auf. sich ernsthaft zu überlegen, wie sie-es besser machen kann, und sich nicht mit fruchtlosem Theoretlsiercn zu begnügen. Die italienisch« Arbeiterschojt weiß, was sie mit der Demokratie verloren hat. Die Jugend inuß dafür sorgen, daß wir nicht selbst diese Er- fahrungen machen müssen. Guter Besuch der Bauausstellung. Die großen internationalen Kongresse und nationalen Tagungen des Vau- und Wohnungswesens verleihen der Bauausstellung zur Zeit eine besondere Note. Neben einer beachtenswerten Hebung des Besuches, der bereits zu einem Durchschnittsbesuch von 10000 Per- sonen an Wochentagen angestiegen ist, hat sich auch der Prozentsatz o» auswärtigen und ausländischen Besuchern stark vermehrt. Di« Anerkennung, die hierbei Ausbau und Inhalt der Ausstellung durch die in- und ausländischen Gaste erfährt, wird sich zweifellos jür eine weftere günstige Entwicklung des Ausstellungsbesuches auswirken. WOLLPLÖSCH BETIVODLAGEN reine Kammgarn- Wol! plüsch mit \voil3,gute0'jcimcis Franse ca 60�-lckO GADDINENSTOPFE indanihren.modeme/JiT�o Muster co 13Ccm brt° BOUCLE'I Jacquard, mod.| Muster« KOI | PERISTAN-TEPPICHE ä| | rein« Wille m.Franse, getraue Cbpienvon Perser! WERTHEIM Leipziger Str. CVersand-AhtO Königetr. Bosentfaaler Str. 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Mai von Rei- nickeadorf-Ost, Holländer Straße 126, nach Holländer Straße 13/14 Maßnahmen war es höchste Zeit: ober sie können nur als«in An- fang begrüßt, nicht als ausreichend« Maßnahmen zur Förderung der bäuerlichen Veredelungswirtschast angesehen werden. Sehr unerfreulich sind die wirtschaftlichen Wirkungen au? zwei finanziellen Maßnahmen, nämlich aus der Verdoppelung der Zuckersteuer und au» der Zollerhöhung für ZNineralöle. Die Verdoppelung der Zuckersteuer, deren zweimaliger Abbau bisher von der Sozialdemotratie durchgesetzt wurde, well sie eine der ungerechtesten, schlechtesten und wirtschaftlich unvernünftigsten Steuern ist, muß sich letztlich gegen die Landwirtschaft selber richten, bedeutet eine schwere Belastung der Derbraucher, ver- teuert die Lebenshaltung und wird in ihrer sozial- und politisch beunruhigenden Wirkung nicht einmal dadurch gemildert, daß man die längst fällige Herabsetzung des Zuckerhöch st preise» durch- geführt hat, die von der Sozialdemokratie immer wieder gefordert worden ist. Die Regierung hat auch offenbar ein schlechtes Gewissen dabei, denn sie hat die Senkung des Zuckerhöchstprcises, um wieviel wird nicht gesagt, wenigstens durch den Mund ihres Finanzininisters Dietrich ich Radio versprochen. Ein böses Kapitel ist wegen der in ihr steckenden Sub- ventionen die Erhöhung der Mineralzölle von 10 auf 17 M. An sich ist die Auswirkung dieser Erhöhung wirtschaftlich nicht allzu ernst, weil die Preise beträchtlich zurückgegangen waren, aber es steht jetzt schon fest, daß auch in diesem Falle die Preiserhöhungen die Zollbelostungen wieder übertreffen werden. Darüber hinaus aber begeht die Reichsregierung wieder den unbegreifljchen Fehler, daßkeineAusglcichsabgabcvcrlangt wird, wodurch der Schwerindustrie und der Chemie wieder eine Liebes- gäbe im Betrage von mindestens 30 Millionen zur Verfügung gestellt wird, ganz abgesehen von dem enormen Schutz- zoll, der jetzt für die inländische Industrie aufgerichtet worden ist. Zu erwähnen sind auch zwei Kartellmaßnahmen. die von der Reichsregierung getroffen worden sind. Von einer An- wendung der alten, sehr weitgehenden Kartellermächtigung zur Preis- senkung ist hier freilich keine Rede. Diese Ermächtigung klingt lyir ganz bescheiden bei der Maßnahme an, daß die Regierung zur Fest- legung von Richtlinien mit den Handwerkerinnun- gen ermächtigt wird, die in die Preishochhaltung durch Ordnungs- strafen gegen Innungsmitglieder«ine Bresche zu schlagen versuchen sollen. Immerhin werden durch diese Maßnahme die Innungen als Kortellorganisationen auch von der Regierung bezeichnet. Beim Kohlenbergbau wird der Reichswirtschaftsminister ennächtigt, aus stetem Ermessen die Bildung eines Zwangs- syndikats zu verfügen oder aber es auch zu unter- lassen. Das wird sicherlich die freiwillige Bildung des Kartells fördern, auf der anderen Seite aber auch die Position der kleineren Zechen schwächen. Es wird hier darauf zu achten fein, daß diese neuerliche Aushöhlung der Kohlewirtschaftsgesetzgebung nicht der erste ernste Schritt zu ihrer Beseitigung werden wird. verlegt unter Vereinigung mit der 206. Lebensmittelabgabestelle: am gleichen Tag« erfolgte die Eröffnung einer Fleischabgobe» stelle in Reinickendorf-Ofd- Holländer Straß« 12/13. Oiskonierhöhung in Wien. Die österreichische Nalionalbank Hot den Bankdiskont von 5 auf 6 Proz. erhöhl. Diese Maßnahme ist ein österreichisches Rot- s i g a a l. Die Loakzusammeubrüche haben da» vertrauen des Auslandes in die österreichische Wirtschaft völlig erschüttert. Die>ehk erfolgte Sredilkeuerung muß Oesterreich« Wirtschafk weiter er- schweren. Oeuische Lusthansa A.-G. In der Aufsichtsratssitzung der Deutschen Lusthansa A.-G. wurde der Geschäftsbericht sowie Bilanz mit Gewinn- und Verlustrechnung für das Geschästsjahr 1930 vorgelegt. Die Gewinn- und Ver- lustrechnung weist Einnahmen und Gewinne in Höhe 26 672 286 Mark(im Vorjahre 30 311 076 M.) und nach Abzug der Betriebs- kosten von 19 824 265 M.(im Vorjahre 21 734 002 M., einschließlich Zinsen) und der Handlungsuntosten von 1 620 317 M.(im Vorjahre 2025817 M.)«inen Rohüberschuß von 5 227 704 M.) im Vor- jähr 6 539 255 M.) aus. Der Verringerung der Betriebs- und Handlungsunkosten um 2315 237 M. steht ein Rückgang der von der öffentlichen Hand gewährten Beihilfen um 4 611 583 M. gegenüber. Hierauf ist der um 1,3 Millionen geringere Rohüberschuß des Jahres 1930 zurück- zuführen. Don dem Rohüberschuß sollen für Abschreibungen 5 219 280 M.(im Vorjahr 6 537 221 M.) verwendet werden und der übrigbleibende Betrag von 8423 M.(im Vorjahr 14044 M.) der gesetzlichen Reserve zugewiesen werden. Wieder 5 prozenk Mitropa-Dividende. Das Geschäft der Mitropa(Mitteleuropäische Schlafwagen- und Speisewagen- A.-G.) wurde im Geschäftsjahr 1929/1930(1. Dezember bis 30. November) durch die Krise wenig beeinflußt. Erst im Herbst 1930 sei ein stärkerer Rückgang eingetreten. Die Gesamteinnohmen sind von 45 aus 43,3 Mill. Mark zurückgegangen: aus dem kaum ver- änderten Reingewinn(1,01 gegen 1,05 Millionen) wird wieder eine Dividende von 5 Proz. auf das Kapital von 9,6 Millionen gezahlt. Im Juli 1930 liefen täglich 234 Schlafwagen und 248 Speisewagen. Im ganzen Geschäftsjahr wurden 92,7 Millionen Nutzwägenkilometer (1929: 90,3 Millionen) gefahren. Die Tochtergesellschaft Elite A u t o f a h r t G. m. b. H. i n B e r l i n, hat beftiedigend gearbeitet. Lvsou Htthnerangea Hornhaut, verdiä!« Kornschwielen an Händen und Mhen hat sich„L«lllin"al« souberstes und bequemstes Mittel zur gründlichen Beseitigung aller harten Haut- Wucherungen bestens bewährt. Packung für mehrmaligen Gebrauch mit genauer Stbrauchsamvtistmg SO Ps. La all«» Wov�ont-Lertaustvell«» zu habe». Was den Arbeitslosen geschieht. Allgemeine Leistungskürzung und Arbeitspflicht. Oer Reichsarbeitsminister nimmt in einem Artikel im„Deutschen" Stellung zu dem Teil der Notverordnung der Reichsregierung, der sich aus die A r b« i t s l o s e n o e r s i ch e° rung bezieht. Er sagt dort u. a. wörtlich: ,Me Arbeitslosenversicherung ist überwiegend von der Aus» g a b e s e i t e her in Balance gebracht worden, während dieses bei der Krisenfürsorge fast restlos von der Cinnahmeseite her geschehen ist." Das stiinmt fast. Es ist richtig, daß bei der Arbeitslosenoerfiche- rung die Leistungen in exorbitanter Weise gekürzt worden sind. Wenn auch formell die Beiträge nicht erhöht werden, so ist doch durch die Einführung der Krisensteuer eine Erhöhung der Beiträg« vorgenommen worden, die allerdings die Unternehmer weniger stark belastet. Aber auch in der Krisenfürsorge sind„Einsparungen" vor- genommen worden. Im nachfolgenden geben wir die wesentlichen Äenderungen bekannt, die durch die Notverordnung in der Arbeits- losenversicherung eintreten: Heimarbeiter und Hausgewerbetreibende wer- den grundsätzlich von der Arbeitslosenversicherung a u s g e- schlössen. Es besteht allerdings die Möglichkeit, daß der Ver» waltungsrat der Reichsanstall hiervon einige Ausnahmen zuläßt. Jugendliche unter 21 Jahren erhalten keine Arbeitslosenunter- ftühung mehr, wenn sie einen familienrechtlichen Unterhaltsanspruch, also Eltern besitzen. Bei der Prüfung der Arbeitslosigkeit kann auch dann schon die Arbeitslosenunterstützung entzogen werden, wenn der An» tragsteller im Betriebe eines Verwandten die Möglichkeit hat, sich teilweise zu beschästigen. Die Schutzfrist für hochguallfizierte Berufe, eine nicht quali- stzierte Arbeit annehmen zu müssen, die bisher neun Wochen betrug, fällt in Zukunft ganz weg. Für alle Unter- stützungsempfänger kqnn die Auszahlung der Unterstützung von einer Arbeitsleistung abhängig gemacht werden. Die Reichsanstalt ist verpflichtet worden, den„frei- willigen Arbeitsdienst" zu fördern, und zwar durch Bodenver» bessertingsarbeiten, Herrichtung von Sicdlungs- und Kleingarten- land, örtliche Derkehrsverbesferung und Arbeiten, die der Hebung der Bolksgesundheit dienen. Die Ausnahme, daß regelmäßige Arbeit, die fortlaufend die Arbeitstätigkeit eines Arbeitnehmers be- anfprucht, nicht im Wege der Pflichtarbeit ausgeführt wer- den dürfe, ist gefallen. Lohn oder Entgelt bekommen diese Arbeitsdienstpflichtigen nicht, aber dafür Verpflegung und Woh- imng, die von den Kommunen besorgt werden müssen. Arbeit wird dadurch für die VA Millionen Arbeitsloser zwar nicht beschafft, höchstens für ehemalige Offiziere und Unteroffiziere. Sicher wird Mit dieser faktischen Arbeitsdienstpflicht ein moralischer Gefahrenherd von unabsehbarer Wirkung geschassen. Zur Verhängung der Sperrfrist genügt nach der Notverordnung schon, daß das Arbeitsamt„aus bestimmten Tatsachen" die Schlußfolgerung zieht, daß der Arbeitslose arbeits- unwillig ist. Bisher mußte«ine unberechtigte Ablehnung einer an- gebotenen Arbeit oder eine unberechtigte Aufgabe einer vorhandenen Arbeit vorliegen, um eine Sperrfrist zu rechtfertigen. Jetzt genügt schon die Auffassung eines«Sachbearbellers oder Arbellsamtsdirck- tors, um eine ganze Familie sechs Wochen und mehr zmn Hungern zu verurteilen. Eine Berufung gibt es nicht, ein Nachweis braucht nicht geliefert werden. Krisenunterstützung ist in Zukunft kaum besser als Wohlfahrtsunterstützung. Sie ist genau so wie jene später zurück. zuzahlen. Die Unterstützungssätze werden um 5 proz. gekürzt und können vom Vorstand der Reichsanstalt noch weiter ge- kürzt werden. Die Reichsregierung kann anordnen, daß der Vorstand einen derartigen Beschluß faßt. Weigert sich der Vor- stand, so hat die Reichsregierung das Recht, eine weitere Verkür- zung der Unterstützungssätze von sich aus vorzunehmen, auch unter Ausschaltung des Reichstags auf einfachem Derordnungs- weg«. Der einzeln« Hauptunter st ützungsempfänger Scheitert die Kohlenregelung? Die Verantwortung der Reichsregierung. Am Montag finden inderGenferKohlenkommifsion, die die Arbeitszeitfrage lösen soll, die entscheidenden Abstimmungen statt. Wird das Ergebnis der Verhandlungen abermals gleich Null sein? Ein solcher Ausgang der Arbeit der Kohlenkommission mühte auf die Arbeiterschaft der großen europäischen Kohlenländer einen verheerenden Eindruck machen. Die Tatenlosigkeit der Regierungen und die ewigen Quertrsibereien der Unternehmer sind schuld daran, daß es in Genf nicht vorwärts geht. Im Augenblick sind es wieder einmal die deutschen Unter- nehmer, die sich in der Rolle des„sturen Bocks" gefallen. Ein erheb- l-cher Teil der Verhandlungsschwierigkeiten der Kohlenkommisiion ist aus die halsstarrige Haltung der Braunkohlen- industriellen zurückzuführen. Nicht von ungefähr sah sich der britische Bcrgarbeiteroertreter Cook zu der Feststellung veranlaßt. daß„die deutschen Unternehmer die reaktionärsten der ganzen Welt" seien. Die Herren Generaldirektoren haben wie der Ochse im Por- zellanladen gewütet. Die deutschen Arbeitgeber sind, wie ein Genfer Bericht der„Bergbauinduslrie" mitteilt, aufgetreten wie Sttnnes in S p ci a, und haben damit der deutschen Sache viel mehr geschadet wie genutzt. Geradezu beschämend war ihre Bezugnahme auf einen Artikel des Versailler Vertrags, wonach die Länder, in denen die „unvollkommene Entwicklung der wirtschaftlichen Organisation" und dergl. die Verhältnisse wesentlich abweichend gestalten, eine Sonderregelung beanspruchen dürfen. Wollten die Unternehmer der Welt vielleicht einreden, daß eine Industrie wie die der Braunkohle, die trotz der Wirtschaftskrise in Deutschland noch zu den ertragreichsten Gewerbezweigen zählt, eine Sonder- regelung der Arbeitsbedingungen haben muß? Die Braunkohlenfragc ist die gefährliche Klippe der Kohlenkommission. Anscheinend besteht eine Mehrhell für die Ein- beziehung der Braunkohle in das Abkommen. Die Arbeitergruppe will keine Differenzierung zwischen Braunkohlentiefbau und Steinkohlentiefbau. Nur für den Tagebau häll sie gewisse Abweichungen kür möglich. Die deutsche Regierung war nicht gut beraten, als sie für den Braunkohlentiefbau 150 Ueberstunden und für den Braunkohlentagebau sogar 250 Ueberstunden pro Jahr an- melden ließ. Bleibt sie dabei, dann hat sie den Ruhm, die Kon- vention zum Schellern gebracht zu haben. verliert nach der Neuregelung 30 Pfennig bis 1,10 Mark pro Woche. Die geringste Unterstützung ist also jetzt 5,70 Mark und die höchste 20,95 Mark für den Hauptunterstützungsempfänger. Die Saisonarbeiter erhalten nur noch Krisen- unter st ützung und außerdem kann angeordnet werden, daß die Bezugszeitcn erheblich verkürzt werden, auch noch unter20Wochen. Die Wariezeiien werden verlängert, und zwar von drei, sieben und vierzehn Tagen auf. sieben, vierzehn und 21 Tage. Die Frist zur Verkürzung der Wartezeit bei Kurz- arbeit, Krankheit usw. ist verdoppelt worden von zwei Wochen auf vier Wochen. Kriegsbeschädigtenrenten werden in Zukunft bei Bezug der Arbeitslosenunterstützung auch angerechnet, des- gleichen die Zusatzrenten. Von den anrechnungsfähigen Renten war bisher meist ein Betrag von 30 Mark anrechnungsfrei: dieser Betrag ist auf 15 Mark oerkürzt. Der Verdienst des Ehemannes darf in Zukunft auf die Unter- ftützung der Ehefrau nicht mehr oerrechnet werden, umgekehrt muß aber eine Verrechnung stattfinden. Endlich greift die Versicherung noch auf die Abfindungen aus den Arbeitsverhältnissen jeglicher Art zurück. Selbst Abfindungen nach§§ 84 und 87 des Betriebsrätegesetzes werden in Zukunft voll auf die Arbeitslosenunterstützung verrechnet werden. . Der Vorstand der Reichsanstall wird ermächttgt, bei einer Gefahr, daß die laufenden Ausgaben die laufenden Einnahmen übersteigen, rechtzeitig den stnanziellen Ausgleich herzustellen, d. h. die Unterstützung herabzusetzen und die Beitragssätze zu erhöhen. Wie vorhin schon gesagt, kann die Reichsregierung den Vorstand zwingen, innerhalb einer Frist derartige Beschlüsse zu fassen oder von sich aus das Notwendige selbst anordnen. Genau so kann die Reichsregierung mit Zustimmung des Reichsrats schon nach An- hörung des Vorstandes das ganz« Gesetz ändern,„soweit dadurch nicht wesentliche Grundsätze des Gesetzes aufgehoben werden". Praktisch kann die Regierung alles ändern. Der Steinkohlenbergbau kann sowohl für Arbeitgeber wie für Arbeitnehmer von der Beitragszahlung zur Reichsanstalt befreit werden, wenn eine entsprechend« Preissen- k u n g der Produkte durchgeführt wird. Die Notverotdnung tritt mit dem 29. Juni 1931 in Kraft und erstreckt sich auch auf lausende Anträge und Unterstühungssälle, und zwar derart, daß spätestens vom 13. Juli 1931 ab sämtliche Vorschriften dieser Notverordnung allgemein anzuwenden sind. Dies sind die wesentlichsten Bestimmungen der Notverordnung, soweit sie die Unterstützung der Arbeitslosen betrifft. Sie ist eine Folge des Lohnabbaues. der die Arbeitslosigkeit um mehr als 1,5 Millionen Arbeitsuchender gesteigert hat. Dadurch sind alle Berechnungen über den Haufen geworfen worden. Für die Fchsgen der.Politik des Lohnabbaues will nmn jetzt, die Arbeits lasen büßen l a s s e n. Die kühnsten Fstderungen der Unternehmer bei der sogenannten„Re- form" der Arbeitslosenversicherung sind weit übertroffen. Wird damit aber die Arbeitslosigkeit beseitigt oder eingeschränkt? Der Reichsarbeitsminister wird ermächtigt, mit Zustimmung des Reichsrats für bestimmte Industrien und Verwalwngszweige d i e Vierzigstundenwoche anzuordnen. Hier gibt es eine Möglichkeit der Eindämmung der Arbeitslosigkeit. Da der Reichs- arbeitsminister seinerzeit im Reichstag angekündigt hat, daß er eine Verkürzung der Arbeitszeit vorschlagen werde, wenn bis zum Monat April die Arbeitslosigkeit nicht wesentlich zurückgegangen sein würde, muß man annehmen, daß im Reichsarbeitsministerium schon fertige Vorschläge über die Einführung der Vierzig- stundenwoche bestehen. Die Ausarbeitung dieser Vorschläge muß allerdings ganz geheim vorgenommen worden fein, denn man hat davon bisher nichts gehört. Worauf wartet der Reichs- arbeits mini st er also! Deutsche Kinder in Frankreich. Pioniere deö Friedens. Das stanzösifche Gewerkschaftsorgan„Le Peuple" veröffent- licht den B r i e f, den der zur Zeit mit 250 Kindern deutscher Arbeitsloser auf der Insel Oleron wellende H a m b u r- ger Lehrer Weiß an das Aktionskomitee gerichtet hat, das den Aufenthalt der deutschen Kinder in Frankreich ermöglichte. Weiß schreibt u. a.: „Sie haben die groß- Liebenswürdigkeit gehabt, 250 deutschen Kindern Gelegenheit zu geben, eine Entdeckungsreis« durch Frankreich zu machen. Ja, es ist eine wahre Entdeckungsreise, denn man zeigt den kleinen Deutschen in dem Lande des„Erb- feindes" das Kostbarste und Schönste, nämlich Leute, die d i e s e l- den Gefühle haben und von derselben Liebe für den Frieden erfüllt sind, Leute, die nichts anderes verlangen, als über die Grenzen hinweg Bekanntschaften anzuknüpfen. Die Kinder stellen so fest, daß Ihr Franzosen jene Gefahr erkannt habt, die die Unkenntnis der Sitten anderer Völker darstellt. Und Ihr habt zeigen wollen, wie sehr es Euch am Herzen liegt, dieser Unkenntnis und zugleich ihren Folgen ein Ende zu machen, die in Mißtrauen. Haß und Furcht bestehen. In Erkenntnis desien, daß der beste Ausgangs- punkt für eine nützliche Friedensarbeit die Feststellung war, daß sich die kühnsten Pioniere unter den Kindern befmden, habt Ihr Cure positive Aktion internationaler Solidarität damit begonnen, daß Ihr Kinder deutscher Arbeitsloser zu einem kostenlosen Aufent- halt in Frankreich eingeladen habt. Ihr selbst gebt uns zu verstehen, daß diese Reise eine Geste ist, die zeigen soll, daß alle Menschen Brüder sind, eine Geste, die uns die Verbundenheit aller Völker sehen läßt und die interessante Rückwirkungen auf die zukünftigen deutsch-französischen Beziehungen haben wird." Gegen Zwangearbeit in Nußland. Ein Vorstoß in Genf. Genf. 6. Juni. Der Schweizer Arbeitgebervertreter Tzaut richtete auf der internationalen Arbeitskonferenz einen ungewöhnlich scharfen Vor- stoß gegen die Dumping-Politit der Moskauer Regierung und for- derte, daß der Völkerbund und die internationale Arbeitsorganisation sich mit den gegenwärtigen Arbeitsbedingungen in Sowjetrußland befassen müßten. Die Moskauer Regierung habe die Zwangsarbeit in der brutalsten Form im eigenen Lande eingeführt und sich damll die Mittel geschaffen, die Wirtschaftslage sämtlicher übrigen Länder zu untergraben. Aus amtlichen Veröffentlichungen des englischen Außenministeriums gehe einwandfrei hervor, daß m Sowjetruhland heute die Zwangsarbeit als Strafe für die geringfügigsten Vergehen, Steuerübertretungen, Verletzung der Verordnungen über den Religionsunterricht und andere kleine Vergehen eingeführt worden sei. Ferner würden die von der GPil. aus politischen Gründen in die Konzentrationslager deportierten Gefangenen zur Zwangsarbeit gezwungen. Auf diese Weise sei die Moskauer Regierung in der Lage, den Wettbewerb mit den übrigen Ländern auf der ganzen Linie auszunehmen. Die sowjetrussischen Behörden verwendeten, ins- besondere in den nördlichen russischen Waldgebieten, die wenig be- völkert seien, politische Gefangene zum Holzfällen und könnten auf diese Weise die Holzweltmarktpreise fortgesetzt drücken. Elektrolux- ein Musterbetrieb. Aber im Geiste des Rückwärtsertums. Die Elektro lux G. m. b. H., die neben anderen Tochter- Gesellschaften, wie die Elektrolux A.-G., bzw. Elektrolux-Berttiebs- E m. b. H.. dem bekannten schwedischen Kreuger-(Zündholz-)Trust angehört und im Laufe der letzten Jahre wiederholt durch ihr un- soziales Verhalten gegenüber den Angestellten die Oeffentlichkett be- schäftigte, hat jetzt Massenkündigungen aller Ange- st e l l t e n der Elektrolux G. m. b. H. vorgenommen, weil angeblich aus organisatorischen Mahnahmen dieser Bettieb liquidiert werden soll und als Ersatz die Vertriebs-G. m. b. H. gegründet wurde. Da stch unter den Gekündigten die an Dienst- und Lebensjahren ältesten Angestellten aller Elektrolux-FirMen befinden, wird von den davon Bettoffenen mit Recht angenommen, daß diese„organisatorische Not- wcndigkeit" nur dazu dienen soll, die unbequeme deutsche So- zialschutzgesetzgebung zu umgehen, um nicht mehr an die langen Fristen des Kündigungsschutzgesetzes für ällere Angestellte gebunden zu sein.— Die Anohme, daß— wie in anderen Fällen— die Verttiebs-G. m. b. H. als Rechtsnachfolgerin diese an Dienst- und Lebensjahren älteren und eingearbeiteten Kräfte über- nimmt, hat sich nicht verwirklicht. Wenn auf der anderen Seite festgestellt wird, daß durch die dauernden organisatorischen Umänderungen die Angestellten in einer ständigen Unsicherheit ihrer Existenz gehalten werden, die noch da- durch wesentlich beeinflußt wird, daß in einzelnen Abteilungen ein Umgangston des preußischen Militärs der Vorkriegszeit herrscht, wird sich die Elektrolux nicht wundern dürfen, wenn sich die Oeffent- lichkeit mit den unsozialen Geschäftspraktiken dieses vom Auslands- kapital beherrschten Unternehmens stärker beschästtgt, als diesem viel- leicht angenehm sein kann. Was geht bei der„Gefat" vor? Ans Angestelltenkreisen wird uns mitgetellt, daß die„Gesa t" (Gesellschaft für automattsche Telephonie A.-G.) unter Verletzung der gesetzlichen Schutzbestimmungen fast alle kaufmännischen Ange- stellten zum nächst zulässigen Termin gekündigt hat. Darunter sogar die Mitglieder der gesetzlichen Angestelltenvertretung. Da die Gesellschaft Wert darauf legt, zu ihren Hauptkunden die Betriebe der öffentlichen Hand und auch Partei- und Gewerkschafts- Unternehmungen zu zählen, mutet dieses Verhallen, das nicht mit irgendwelchen wirtschaftlichen Notwendigkeiten des Betriebes be- .gründet werden kann, um so herausfordernder an. Es wird Aufgabe der Angestellten fein, durch«inen restlosen� freigewerkschaftlichen Zusammenschluß dafür Sorge zu tragen, daß die Kündigungen zurückgezogen werden. Norwegischer Arbeiiskampf dauert an. Seit vrei Monaten im Ausstand. Oslo, 6. Juni.(Eigenbericht.) Der große Oorwegifche Arbeitskonflikt, der nun schon drei Monate dauert, bietet noch immer keine Aussicht auf Beilegung. Von den 137 000 Mitgliedern der Landesorganisatton sind 90 000 von dem Arbeitsstteit betroffen, davon in Oslo allein 30 000(bei 44 000 Mitgliedern). Die Unternehmer verlangen eine Lohnsenkung von 15 bis 20 Proz., in verschiedenen Fällen sogar bis zu 40 Proz. Darüber hinaus fordern sie eine Kür- zung der Urlaubszelt, obwohl sie in der Regel sowieso nur acht Tage beträgt und schließlich eine Verminderung des Ueber- stundenlohns. Eine derartige Lohnsenkung ist für die Arbeiter undistutabel, da der Lebenshaltungsindex zur Zeit auf 175 steht, d. h. viel höher als in Schweden, Dänemark und Deutschland ist. Die Stimmung der Arbetter ist gut. Streikbrecher sind kaum zu entdecken. Die wöchent- liche Unterstützung der Gewerkschaften beträgt 1?L Millionen Kronen (etwa 2 Millionen Mark): bis jetzt wurden 14 Millionen Kronen ausgezahll. Znierpellaiion in der Kammer. lleber den französischen Textilstreik. Paris, 6. Juni.(Eigenbericht.) Sechs sozialistische Abgeordnete aus dem nordfranzösischen In- dustriegebiet haben in der Kammer eine Interpellation über die Bedingungen eingebracht, unter denen der Textilarbeiter- st r e i k ausgebrochen ist und unter denen er weitergeführt wttd. Am Montag beginnen unter Leitung des Liller Präfekten neue Eini- gungsoerhondlungen. Driitsch« B«milnl»gs<»bc>tlr. Verband. Morgen, Montag. Uhr, fllr die Zuschrneider und Zuschneidevinnen, Schneider, Bllgler und Näherinnen der Serren», llnaben» und Burschenlonfektion Mitaliederversanimlung in den Neftden».ir-ft?älen. Landsberger Sir. Sl. l-ausarbeitsaeieh und Heimarbeiten schuh, Nesereniin:!Zcou Maah. Mtaliedsousweiz legitinriertl Di« Branchen- kommisswn. @�uoendaruppe des�entralverbandes der Anqesteltten Heute finden folgende Veranstaltungon statt: Unsere Sportabteilung be- teiligt sich an der W-Zahr-sZeier der Arbeitersportler in Kijpenick.— Ausierdem TrainingohaAdball für Lübeck von 9—11 Uhr Sportplah Echillcrpark. — Morgen, Mo»tag, finden folgende Veranstaltungen statt: Wedding: Jugend. beim Turiner Ecke Eeestraste. Vortrag:„Mt-Berliner Humor". Referent Heil- brunir.— Brist: Städtisches Jugendheim iRathaus). Mitgliederveriammlung.— Urban: Jugendheim Hobrecht- Ecke Eanderstraste. Bortrag:»Die Arbeitnehmer- orgonnfationen von rechts und lincks". Referent Vcrnstoin.— Weihensee: Jugendheim Pifwrtusftr. 24. Bunter Abend._ Unsere Musikanten Üben Jugendheim Spandau, Neuendorfer Straft« iSchühenhaus).— Spiet« im Freie» ab 19 Uhr Domivicus-Spielpiast, SchSnebevg. An Zucker sparen, gru n d verkehrt! Der Körper braucht ihn— Zucker nährt! Die Präzisions-Marke in höchster Vollendung. Die bekanntesten Kennfahrer dcrWelt benutzten zu den grössten und schwierigsten Rennen das gute zuverlässige leicht laufen de Areonn-Rnd. Die W eltniolsterschnf t wurde auf Arcona- Rad gewonnen. 15. Berliner Seelistagc-Renncn wurde [auf Arcona- Rad gewonnen. 17. Berliner Sechstago- Rcr nen wu» de auf Areonn-Rnd gewonnen. Welsterscliatt von»eutsclilnRd* Meistcrscliaf t von Prenssen sowie weitere gr�sste internat. Danen en neu wurden auf Areona- Bad gewonnen.— Wollen Sie ein gutes Fahnad kaufen, so wählen Sie die Marke Arcona; in elegantester ruxas-Auslülirung, jetzt 95.- Mk. 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Die Einäscherung findet am Dienstag, dem 9 Juni, l1,'« Uhr mittags, im Krematorium Gerichtstraße(Große Halle) statt Nicht prüde, meine Damen! Was Uber.CameNa" geschrieben wirb. svNen Sie rtthlg lesen. Es handelt sich um Ihr Wohlbesinben. um die Befreiung von alten Beschwerben in Uilifchen Jetten, um die neue Reinheit und Freiheil der Frau. Fall« Sie noch nichl zur großen ,CcimeIia"-cSemeinde gehören(vieNeichi au« Sparsamkeil«- Rücksichten), bann wirb Sie folgendes interessieren: Da< Eameiio-Werk fabriziert jetzt, den heutigen Wirt- schaftlichen Berhältnisfen Rechnung tragend, neben seinen bekannten.Packungen eine besonders billige Packung der Reform-Damenbinde„Eameliav nämlich: ..Cann«lia"-SocBal (6©tiief 30 Pfennig) Diese Packung weist fast alle BorzUge der Übrigen„CameNa"- _ Packungen aus._ „Camclia** crffillt alle Wünsche: Höchste Saugfähigkeit. Cieruchbindend. Wunderbar weich, ansdbmiegend. Schutz vor den Beschwerden der warmen Jahreszeit, ebenso vor Erkältungen. 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Für die herzliche Anteilnahme bei dem Heimgang unsere« liehen Baler» und Eroßvater» Carl Hlrsdt sagen wir allen Freunden und Be- konnte» unseren fiesgesühitesten Dank. Familie E. Sdtflpke Familie P. Hindi Familie A. r.lndS Berlin- Rasenthal, den 7. Juni I«l BclrieBiiU'ftiikeniia»»« der Stadl Berlin. Der VI. Nachtrag her Satzung, he- treffend Aenherung her W Ib a. 21. 3S». 33, ist vom Oherverficherungoamt Berlm am 23 Mai 1331 genehmigt worden. Druckstücke der Satzungsänderung fänite» nach• erfolgtet Drucklegung im itaff«»- lokal abg-langt werden. B e r I i n. dest 30. Mai IZSl. Der Vpnkanck. Eivladuog ,»r ordentlich. Oetciasertfammlnag (Generalversammlung). 62. Jahrgang>W0 »»«mach. 24. Foul 1931. aad)m.« IL, im Alnl in der Wiesenstr. 35 in Berit». Tagesordnung! 1. Jahresbericht(Berichterstatter: Georg Noack. Vorsttzender). 2. Raffend ericht(Berichferstafter: nungsprüfer Herr Warfenberg). 3 Entlastung des Borstandes. 4. Wahlen zum Borsland und Verwal tungsrat S Bdretnsangelegeuhelten. 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SvieUeul« mit Iuflrumenten. veddi»» adfobradtetIunk)! 20 Ufte aufterordentliche Siftuna bei Londtte. Schulstr. 7t. Preo�looe« Bor»(SungbaiUMt); 20 Uhr fWanuncnlunft im bekannten Hoini. Obleute werden bestimmt erwartet. Gchö»»l>»»»>ikried«»ck»i 20 Udr Mitglieder« uerfammlunaen. Nameradichoft lsriedenau bei Kaft, Friedenau, Bornstr. z. Rcfvtnt: Kamerad Dr. Sudertu« Bring gu LÄvensrein. ttder.Reichsbanner und Elaatoirise". Kamera bschast Rdllrndsrs(20*6 Ulft) bei Jürgen», Bar. "------......—- im Ä----- darostastr, 5». Referent; Ltadlweeordneter Wilde Im Koche, Palodam, übet.,Wie iünae wollen wir Vuich schlafen 7� Diese Persammlung ist Pslichtneranstallung für alle Kameraden der Kameradschaft.— Kameradschaft Zlntdaue, Mliftien« strafte 8. Rnatullaus«. Tempelhof(Ortsvercin): 20 Udr Miigliederversamm- �' � Referent: Kamerod Dr. Landach.— B»»»«r»> Kr Uebung in der Durndall» Ringstr. >.._________ ,. M... I Juni. 20 lchr. Mitgliederaersamm. Ivttst im Ideal-Kosino, Äeichselstr. 8. Iring Warkgrafenstraft»(IM stein). Referent: k tag. II. Juui. Steglitz(Vrtaverein)! 20 Uhr I Ncutdllo.Hritz«stungbanneri: Montag. 8. sll Z-»trel»«e»ood de»»lbeiloiaoatide»»«d Witwen Dentlchloabs. Sau»eoft. «erli». Geschäftsstelle: Berlin W BT, Blllawstr. 40, rechter Settenflitgel.- Sonata». 7. Znnt. Prenzlauer Berg II, Älterodaii», Danziger Str. 62. vorm. 3 Uhr. Referent! Gauleiter Kolleg« Boigt. kreugbeeg!. Lakai Miirkisüicr Lok, AdmiraMr. 18. vorm.. 10 Udr. Reukoll», Iugeirddeiin, Steiinnetzstr. 114 vorm. 10 Udr.— Montag. 8. Zu»I. Iohanniothol. Lokal Sobian, Rvanstr. 2, nachm. K Uhr. Referentin: Kollegin Saas. Lichierfelde. Lokal Ratj«, Hindenburgdamm eck- Roonstrafte, nachm. 8 Uhr, Referent: Gauleiter Kollege Voigt. Grünau, Lokal Werner,«öpenicker Str. 12ö, nachm. 6 Uhr. Charloltrnburg, vokal Selm» tialzguell«. Lelmhol-str. 21, nachm. S Uhr. Arbeiter. Stadis-Bnud Dcutschtaud» e. B„ vetogruppe Beelin. Charlotten- bürg: Lokal Lehviann, Könrgsw«» 8, ssreitgg, 12. stuni, füllt aue.— Ilricdvich«. seid«: Lokal Demvcl, Gudrunstr. 7, Montag, 8. Juni. 20 Uhr, Technisch dcrei.— isrledrichrahain: Lakai Wertalla, chohenlohcskr. 3, Donnerstag, 30 Uhr, Kraswerftürker-Bauabend und Mitgliederversanunlung.— isch« Plan» , Ii. Juni, - GeÖurtd» btumten: Lokal Miingberg, Stettiner Str. b?, ssreitag, 12. Atini, SO Uhr, Au«- spracheabend,— Areuzberg-Temvelhof: Lokal Thiele, ssitrbllnger Str. g. Isrei- tag, 12. Juni, 30 Uhr. Bastelabend.— Lichtenberg: Lokal Lllmmerlein, Rigaer Strafte äO-äl, ssreitog, 12. Juni, 20 Uhr, Bauabend.— Neukdlln-Treptaw! Lokal Eggers, Kaiser-�riedrich-Str. 8, Freitag, 13. Juni, Anpassungstragen von der Rohr« zum Lautsprecher. Referent Genosse Kirsch.—'Prenzlauer Berg: Lokal Klug, Tanztger Str, 71. fällt am»Dienstag auo, dafür Dienstag, 9. Juni, 20 Uhr, Erperimentiervortrag über Kurzwellenempfang» Phpsttsaal der weltlichen Schule, Danziger str. 22<162. Gemeindefchule). als Ernlettnng zur Gründung einer Kurzwelleiigruppe. Reichsdund der Kriegsbeschädigte», Kriegsteilnehmer und kriegeehinter- dliebenc», Bezir! Wedding: MitgUederverfammluilg am Dienstag, 3. Juni, um 20 Ahr, im Ldlal Paftenhdfrr, Ehausteeftr. 04,- Ortsgruppe Westea- Be- glrk«. und WerbeversgOtMIuN» Dienstag, 3. Juni, 30 Uhr, im Schuberl-Sgal, Bülowstr. 104. Roch einmal:„Revue der 1000 Tassen-. Bieisachen Wünschen au» den Kreisen der Sammler und Kun st freunde ent« sprechend wiederholt jetzt die Firma P. Raddatz u. C o. ihre im Äorsahre, wie erinnerlich, mit sehr großem Erfolge oeranstaltete „Reoue der 1000 Tassen", Es wird, hierbei die Malerei, d. h. die künstlerische Ausschmückung des Rosenthal-Porzellans in der Praxis gezeigt werden. In Vitrinen werden eine große An- Tassen von höchstem künstlerischen Wert gezeigt, vom ältesten til bis zum modernsten! Sicherlich wird diese Veranstaltung wie in» Borjahr« allseitiges Interesse erregen. Di» Fiema Sachs«!». Stadler, Berti», Landsberger Str. 48—47, weist in ihrem heutigen Inserat auf tbreu graften Pteisabba» tn Bettfedern, Inletts tifi». hin. Da die Firma dafür betannt ist, nur vorzüglich« Onalitäten zu die MAWW führen, lohnt st»«In Besuch. «ouneudurchflutet» Tag« werfen uns Groftftädtrr letzt verhaiftungsvoll auf den Sommer uns die imhen Ferien hin, und die Reis« und Badewoche, die Wertheim ab Moniag, 8. Juni, rechtzeitig in seinen vier Berliner Häusern ver. onstaltet. bietet unvergleichliche Gelegenheit, die nötigen Ding« für d!« Reise, wie Koffer und stubehör, Lederware!: und dergleichen, ebenso Badesachen — diesmal zu Preisen von 1381, also billig wie nie zuvor— zu erstehen. Bei den Badeanzügen hat sich das praktisch« nnd schön« Wovtrikot längst durch Eleganz de» Sitzes und schick« Farben die Borliebe der Strand- und Wasser. freunde errungen, wie«t, der üStreue reWÄctttgen AnnwaM M SSerfteim ersichtlich wird. «itse Shoe» Fitz«»— Hilfe gegen alle Fuftschmerzen— bei allen Fuft. leiden— bringt Ihnen das Dr.-SchalWSnstem. In dr Jett vom 8. bl« 13. Juni ist im ganzen Reich«in, Reichsworbewocho für das Dr.�choll-FuftpflegoSnftcm angesetzt, bei der all-„demUchen" Fragen und ihre Lösungen erörtert werden. In Berlin bat bekanntlich im» Schuhwarenhau, Carl Stiller die Alleinvertretung für die Dr.. Scholl. Artikel. Es soll anläftlich dies«? Woche eine iSrat,«Verteilung dr» millionenfach bewährten Dr. Scholl» Fuftbadesal» beim Einkauf von Dr.-Schwll.Artileln im Wert« von 1 M. an ersolgen. 0S5 verliner pksirädiisf-�mt. Bekanntmachung« Aus Grund der HZ S und I» de, Nachfrage« betreffend die Ausgabe von Ab- findungs- und Liquidations-Soldpfandbriefen vom St. Juli 25. September 1328 zu der Satzung de» Berliner Pfanddrief-Amtes(Berliner Siadtschaft) sind I 579 ibo Goldmark 5°'« ige Berliner Liquidations-Boldpfanddrief« Serie A Ii. 28300 Soldmarl bfteige Berliner Adffndungs-Golopfanddriei« Serie L dure > das Los ihren die ausgelol hren Ii Nen Bs> r gmsfi Nhabern zum l. Zult ISllt gelllndigt worden andbriek« sind nebst den dazugehörigen, nach dem 1. Juli lS3t fällig werdenden ginsscheinen und Erneuernngsfcheinen in kursfähigem Zustande zur Berlallzeit dei der Kaffe des Berliner Pfandbrief-Amtes oder dei der Berlwer Stadl- fchattsdani A. G., beide zu Berlin W. 9. Eichbvrnstr. 5, gegen Zahlung des Nenn- wertes einzuliefern. Die dei her Serie A ausgegebenen Anteilfchetne sind nicht mit einzureichen.. � Der Betrag fehlender Zlnsfcheine wird von dem Nennwert in Abzug gebracht. Es wird ferner dekanntgemacht, daft von ben zum 1. Juli 1329 und zum 1. Juli 1930 aufgerufenen 5«/» igen Berliner Liquidalions-Doldpfandbriefeu Serie A 5».»igen,, Zertifikate» »»/«igen„ Abfindung«- Goldpfandbriefen weris B 5»o igen.» gertifikatrii noch Restanten im Umlauf sind, Die Veröffentlichung der Siummern der ausgelosten Pfandbriefe sowie der Restanten ist tn Nr, 123 beb Deutschen Reichs- und Preuftifchen Siaatsnnzeiaers vom 30, Mal d, z. und in Nr, 247 der Berliner Vvrsen-Zeitung vom 31, Mai d, i, erfolgt, Auslosungslisteii sowie die für d.e Einlösung der Pfandbriefe bzw. Zertifilate erforderlichen Formulare liegen bei den obigen Emlösungsstellen zur Einsichtnahme bzw. Entnahme bereit. Berlin, den 4. Juni 1931. I. B.: Drej er. /.-V e ...■gt* Damenstrümpfe •eh» ägyetiuh Mako«Av Herreneodt. gut« tzogmwoll* t/tz mit kuns»««id. Effekten Rf. Selbstbinder CQ vomnst U, t« lAtinv omtom««• Strumpfhalter- Görtol. bM. f*~" mit 4 Haitoni. SSt4oI. bot.«eto OteoliMt�Q Hemdenpassen a. sähe guter laSgpoMmitat. IZ t\ oder Stidcerai........... Pf. �\J a. 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Bei einer Pressebesprechung mit den Vorstandsmitgliedern konnte man Näheres über die Aufgabe und die Ziele des Bauschulbundes er- fahren. Er setzt sich aus ehemaligen Schülern mittlerer Bauschulen zusammen, also den sogenannten Praktikern, wie sie von tech- Nischen Lehranstalten und Baugewerkschulen herangebildet werden, die ohne eigentliches Hochschulstudium doch den Kern verantwor- tungsvoller Tätigkeiten bilden, sei es später als eigene Unternehmer, Angestellte oder Behördenoertreter im Bauwesen. Das Wertvolle, was die auf den Bauschulen herangezogenen Kräfte gegenüber manchem Akademiker auszeichnet, ist, daß sie vollständig aus der Praxis herauswachsen, daß zum Beispiel zur Absoloierung der 2�jährigen Ausbildung auf einer Bauschule eine mindest zweijährige Lehre im Gewerbe vorausgesetzt wird. So sind führende Archi» tekten wie Höger-Hamburg und andere diesen mittleren Lchran- stalten entwachsen, wie auch den diesjährigen Schinkelpreis ein ehe- maliger Bauschüler oerliehen bekommen hat. Man kann es verstehen, daß diese Kräfte nach Objektivierung und Anerkennung streben, insbesondere fordern sie für die Schulen die Anerkennung der„Höheren" Lehranstalten. Nach den Mit- teilungen der Vortragenden ist es dem Bestreden des deutschen Bgu- schulbundes gelungen, den Begriff„Baumeister" für Deutschland generell zu regeln, ein Titel, den der erfolgreiche Schüler einer Bau- schule nach bestandenem Examina tragen darf. Selbstverständlich bezieht sich die Haupttätigkeit des Bundes auf die Mitwirkung bei der Erziehung des technischen Nachwuchses und den Ausbau der deutschen Bauschulen entsprechend den hohen Anforderungen der heutigen Technik. Interessant sind die einer Tabelle der aus der Festschrift entnommenen Zahlen über Ergebnisse der Abschlußprüfung bei der Höheren Technischen Staatslehranstolt Neukölln. Hier be- standen von 236 ehemaligen Volksschülern 224 ihr Examen, davon vier mit Auszeichnung und 43 mit„gut". Von 246 Schülern der „mittleren Reife" waren die Ergebnisse ähnlich, so daß man hier mit Recht vom„Aufstieg" der unteren Klassen sprechen kann, wenn der Wille zum Weiterkommen im Handwerk vorhanden ist. Sport. Rennen zu Sarlshorst am Sonnabend, dem ö. Juni. I. Rennen, t. Anastasia(H. Bartels), 2. Lavaleita, S. Trutzig. Tolo: 31:10. Platz: 12, II, 13:10. Ferner Uesen: Oruk, Segur, Liliput, Futurist. 2. Rennen. 1. Kbedive kSchäser), 2. Judith. 3. Donizetti. Toto: 25:10. Platz: 13, 15:10. Ferner liefen: Fiametta. Kocrner lgef.. tot). ».Rennen. 1. Fritz Fromm(Thiel), 2. Bandola, 3. Oper. Toto: 12: 10. Drei Uesen. 4. R e n n e n. 1. Amara(Graf®. Lehndorff zun), 2. Antin, 3. Caesar II. Toto: 182: 10. Platz: 72, 143: 10. Ferner Uesen: Laxenberg(ges), Kern (ges.), Adler von Bähren(gef). ».Rennen. 1. Araber(Harllvich), 2. Mißgriff, 3. Amalfi. Tolo: 45: 10. Platz: 15. 18, 14: 10. Ferner Uesen: Geselle, ManncSlreue(auSgebr.), Zig-Zag, Aqullon III, Tcneriffe, Elahleck(gel.). �>elgaländer. 6. R e n n e n. 1. Tpitzweg(Müschen), 2. Marburg. 3. Rheinart. Toto: 13: 10. Platz: 11, 14,: 10. Ferner lief.: Me.ergnädchen. 7. Rennen. 1. Lotosblume(Psörtkc), 2. RcgierungSrat, 3. Rot» käppchen. Toto: 71:10. Platz: 20,15,15:10. Ferner Uesen: Fredschar, Flugschüler, Tanzgras, Urfehde, Amön. Einsendungen für dies, Rubrik sind »« r l t a 2« 68, Linde-stratz- 3, partemachrichien�M� fürGroß-Berlin 1,1» an da» B,jlrl»s,tretarlal ; Hof, 2 Treppen recht», zu richten Beginn aller Veranstaltungen 19�6 Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! Morgen, Monlag. S. Juni. I, ltrei». Nrelifunkti-närsitzung in Tageearduung: 1. Srej»-ugclegenhe! idt» S«sellschalt»hau», Feuchtste. 3«V> Uhr, im aleicheu Lokal. 13. itrci». 20 Uhr Froktionositzuag Dorsstr. 42, 1 Tr. 13. ttrei«. itreiioorstaudofitzuag mit«dteiluagoleiter» in»iederschzueweide, Berliner Str. 33. 13. tirel». ttre>»delegierteu»ersomwlu»g bei Meyer. Türkische« Zelt, Breit« Strotze. Srei,o»ritaad»sitzuax 1 Eiandc vorher<13>,', Uhri im alcichen Lotol. 13. ttrei». Froktivnosiduvg mit den Dürgerdcvntierten Rathaus Pankow. Mit Rücklicht onf die tireiodelegiertenlitzung begiont die Araktionsnersammlung bereit» um 13 Übe. Fuuktionärsitzungen in nachstehenden Lokalen: 7.«bt. Bei Bärwasde- Schlegelstr. 3, Sitzung de» Abteiwngevorstandez mit de» Fahlabendleitern. 3. Abt. Borstondssitzung b»t Hübner, Dllsnacker Str. 34. 20 Uhr Funktionär» iitzung im seiden Lokal. 13. Abt. Obiglo. Stralsunder Stratze. Tagesordnung: Abieilungean gelegen. «bü"l»'/> Uhr hei Dose, Nordhofen 6. «bt. Schrepel. Drllnthaler Str. 1». Abt. 20 Uhr Pohse, ttoloniestr. 15. Abt Kroll, Unechter Str. 21. Borstand ein« Stunde früher(18'/, Uhr). Funktionärversammlung an bekannter Stell«. lci Grunewald, Kameruner Str. 13. 17. 13. 26. 21. 22. 24. Abt. Bei Räoner, Immanuclkirchstratze. ez-j e>- r X. 8* t- �__« A. U M(Z4««• m a r* t» Thnfrt' 2b'. 27. 33. 41. 43. 44. 45. 48. 53. Abt. . Abt. Bei Riisner, Immanuelki, W Abt. 2» Uhr Fmiktionärsitzuna an bekannter Stelle. Abt. Bogen, Schwedtcr Straße. Abt. Reetz. Sonncndurger Str. 1.. � �. Abt. Juristische Sprechstunde. Mormarken müffcn unbedingt abgerechnet werden._ Abt. 20 Uhr bei Lipfcrt. Moriendorfer Str. 6. Abt. Funkiiouärützung dci Krepp. «bt. Funtiianärsitzung bei Ewald...... Abt. 13 Uhr Abteilungavorstandssitzuna mit den Gruppenleitern bei Thielert, Liegnitzer Sir. 3. Um 20 Uhr Funktionärkonferen, daselbst. Abt. 20 Uhr bei Reibe, thilschiner Str. 88. Abt. Montag. 20 Uhr, Abteilungsvorsiandssitzuna mit den Fablabendlcitern und?<>>,irtsfül>rer» bei Lux, Hurtenstr. 26.— Dienstag. 8. Juni, nehmen alle Mitglieder an der Krei»mitglicdervcrsammlung teii. Die Zahiabend« am Mitüwoch fallen an». 73. Atl. Abteilunasmitgliederversaimnluna bei Kulk«, Die innerpolitische Lage und die faschistisch« Gefahr. Louenbarger Str. il. I_________.»W>Wl„_______.Jl_____ öi« sekadr. 86.«bt. 20 Uhr bei Gahlke, Ehausscrstr. 43. 34. Abt. Bei Schräder. Sleinwetzstr. 52. 108.». 103». Abt. Junge Partelgenosse». Der siir heute festgelegte Dlzkussions» abend mutz wegen Verhinderung des Referenten auf später verlegt wcrdrn. 115.«bt. Bei Siöbcr. Dienstag. 9. Juni. 3. Krei». Dienstag, 3. Juni, 13 Uhr, Kreistonseren,, Lokal Wende, Kolonie- 145.— Voranzeige! Freitag, 12. Inuii, Krei-mitglieberverlommlnng stratze in der n bei Patzenhofer-Brauerei, Ehanisccstr. 64. Bericht vom. Parteitag. Krei». Erwerbslosen, usawmenkunst 15 Uhr pünktlich im Keim, Tilsiter Stratze 4 5. Genosse Polgaon.Pari» hält bestimmt seiuen bereit» für»er, gaugcurn Dienstag angekündigten Bartrag über Fraukeeich. Sorgt alle dafür, datz mindestens 100 Senoffe» anwesend lind, jeder bring- arbeitslose Genoflen mit. 6. Krei». Kreismitgliederoersammluug bc! Rabe, Fichtestr. 23. Tagesordnung: Bericht vom Parteitag. Refereutia Senofft» Li-beth Meyer. 7. Kreis. Kreismitgliederversammlunq, Restaurant Ahlert» Fcstsöl«, Berliner Stratze 3« Ecke Brauhosstratzr. Bericht»NM Parteitag in Lei», ig. Au». sprach«. Mitgliedsbuch ist am Saaltingang vorzuzeigen. I Inssis werten Leser und Freunde werden gebeten, In allen Gaststätten, Kaffeehäusern, Zeitungsverkaufsstellen usw., sowohl in Groß-Berlin als auch im Reich und im Ausland, ausdrucklich den „VORWÄRTS" und den „ A BEND" zu verlangen. Das Parteiinteresse fordert, Uberall fUr die Parteipresse zu werben und das Auslegen des Zentralorgans der SPD. in allen Verkehrsstätten zu veranlassen. Sollte der„Vorwärts',' an Kiosken, Bahnhofsbuchhandlungen usw. nicht erhältlich sein, so wären wir für entsprechende Mitteilung dankbar „VORWÄRTS"- VE RLAG Berlin SW 68, Llndenstr. 3/ Fernspr. Dönhoff 292-297 10. Abt. Funktionärversammsung bei Sandow, Flensburger Str. 3. 13. Abt. 20 Uhr wichtige Funktionärsitzung bei Lausch, Wiclef» Ecke Bredow» stratze., 37. Abt. Funktionärsttzung bei Raschke.... 56. Abt. Di« Abteilunasversammiung am Dienstag fällt au». Sämtliche Ge» Nossen beteiligen sich an der Krcismitgliedervcrsammlung. 63. Abt. 20 Uhr bei»ulka. Loucnburger Str. 2l. Zahlabend. Rescrrnt Genosse Regierunasrat Dr. Robert Kentuer: Tad-sstrafe. 85. Abt. 20 Uhr Zahlabend. 4. Bezirk. Lokal Ponunerening, Berliner Str. 100. Referent Genosse Tollsdorf: Innere Berwaltung. 134. Abt. Borstandssstzunq mit Funktionären bei Sennet, Parkftratze. 13«. Abt. 20 Uhr bei Kiehnc. Ressdenzstr. 3. Funktianärsstzung. Die Vorstand». sitzung findet eine Stunde srühcr, also um 13 Uhr. statt. 137. Abt. Borstandssitzung mit Bezirksführern Voskshau», Schornweber Str. 114. Mittwoch. 10. Juni. 37. Abt. Zahlabende.!»., 100., 125. Bezirk: Kutzli, Scrmoiin. Ecke Leinestratze. 128., 134. Bezirk: Klcistner. Hermann. Ecke Echicrkestratzc. 123.1130. Bezirk: Helmke, Warthestr. 46. 131-/133. Bezirk: Grotzjahn. Siegfriedstr. 54. Tage». ordnung in allen Bezirke»: Ergebnisse des Parteitage». Referenten: Zlölte, Drotzmann, Echoodt, Micheli». Lahn. Donnerstag. 11. Juni. 5. Krei». Erwerb»l»se«zusammeakuast. Zwangloser Unterhaltuug»., Lese, und Spielobend im Heim, Tilfitcr Str. 4/5. >; Zrcitag. 12. Juni.£-■, 3. Krei». Kreiomitgliedcroersammlung im Patzeuhofer, Ehausseestr. 64. Berichterftattnug vom Parteitag. Referent Bruno Lösche. 133».«bt. 23 Uhr im Scholleutru«, Kermodorfee Stratze. Ritgliederversamm. luvg. Kurt Kietzmanu: Der Kamps u» die deutsche Sozialuerficherung. 3- 12. ttreis. Souutag, dcu 14. Iuui, Waldtrefscu aller Parteigeuosseu im Grün«. wald, Räh« de« Ferieuspielplatz«.«ronpriuzeuallee.«egiu» 3 Uhr. Ge- meiusamee Abmarsch 14 Uhr ab Steglitz, Düppelpl-tz. Sountag. de» 5. Juli, 13 Uhr.«esschtigun« der«auousstcllung uuter Führung»o» G-. nassen Her»-». Ermätzigter Einteilt i M. Anmeldungen unter gleich. zeitiger Zahwng de» Eintritt-qelbc» bei de» B«»irt,sLhreru.. � 7. Abt. Voran, eige. Kamili«na»»slua nach Hobenucuendors, Walbschauke. Tressen: Vormittag» 3 Üb-, St-ttiaer Vorort.«ohnhos. Fahrt bi» F-oha-n. dann Waldweg bi» zum Ziel, Rachzüglee treffen fich im Restaurant Wald. schä-ke. Gäste stnd»erzlich willkommen. Für»iuderbelustigung ist gesorgt. Um rege Beieilignng bittet die Abteilungolcituag. Arauenveranstaltungen. 13. trei». Montag. 8. Juni. 20 Uhr. im Lokal„Zum Pferdemarkt". Weitzel'. lre, Echönstratzc: Dre Zölle als Feinde der Sausfrau. Referent Mar 13.«rei»?"M°ntag. 8. Juni, 18 Uhr. im.Türkischen Zell". Breit« Stratze, wichtige Besprechung der �sunktionSrinnen., �~ r 20. fttci«. Montag. 8. Juni, ab 15 Ubr, im Relchsbannerbootshau» tn Tege�, Ufcrftr. 1, Kaffeekochen.._.'. � «.«bt. Montag, 8. Juni, 20 Uhr. bei Dobroblaw. Ewinemünder Str. 11, Heiterer Abend. VortrcLgenbe: Schauspielerin Mattba Iobn. 22. Abt. Montag. 8. Juni. Besichtigung der im Betrieb befnrdlichen Anlagen der Konsumgenossenschaft. Treffpunkt 9 Ubr. See- Ecke Milllerstraße, oder 19 Ubr vor dem Bcnval-Wngsgebäude in Lichtenberg, Rittergi�tstr. 15-31. 28. Abt. Der Frauenabend findet wegen der großen ssunltionarinnenoer. sammlung erst am 23. Juni statt.. 130. Abt. Anstatt des �rauenabends beteilig.«» wir uns am Montag. 8. Juni, geschlossen am Kreiskaffeekochen. Näheres s. KreisnotiZ.. 1392. Abt. Die Genossinnen beteiligen sich am Montag. 8. Ium, am Krers« kaffeekochen. Räberes s. Krcisnotu. �. 140s. Abt. Asse Genossinnen beteiligen sich mit chren Kindern am Montag, 8. Juni, am Kreiskaffeekochen. Näheres f. ÄccisnofU. vezirksausschlch für Arbelterwohlfahrl. i. Kreis, 3.«bt. Montag, 8. Juni. 29 Uhr. Restaurant. Rungestr. 30, Kom- munale Kommission, praktische Hebungen. �...., Aunktionore der Arbeiterwohlfahrt»ud Helfer der soziale« Gerichtahilfe! Dienstag. 9. Juni. 20 Uhr, im Hörsaal der Uninersstät 228. Vortrag mit Licht- bildern des Genossen Negierungsrat Otto Krebs über: Strafvollzug und Kultur. ftaat Die Funktionäre der Arbeiterwohlfahrt sind tku dieser Veranstaltung freundlichst eingeladen durch die sozialistische Studentenschaft, juristische ssachschaft. � � 20. Krei«. Montag, 8. Juni, 19� Uhr, im Jugendheim. Hermsdorf. Roon- siraße 10, Sitzung aller Funktionäre und Helfer der Brbeiterwohlfohrt. Alle Abrechnungen müssen endgültig erledigt werden. Sozialistische Studentenschaft Berlin. Montag. 8. Juni. Arbeitsgemeinschaft der Medizinergruppc: Marrismu, und Psnchologie. E» spricht Dr. Mette über Pspchaanalnse. 20 Uhr im..Bund, Aldr-äststr. 11 Gth. II. Zllontaa. 3. lluni, Geographilcher Arbeltskreis: Morpho- logisch- Ucbung lTi-tg-ns), 10Vj—12M> Uhr im..Bund". Di-n»t°g. 3. Juni. Gedenkstunde für Karl«areis und Matteotti. 14 Uhr im„Bund". Dlensw». 3. Juni. Juristische Fachschaft: Moderner Etrasoollzug.«ortrag mit Lichtbildern. Referent Rcgierungsrnt Genosse Otto Krebs, Leiter des Erziehungshelms Lindenhof- 20 Uhr. Hörsaal 228 in der Universstät. Dienstag. 3. Juni. Philo. saphilche Fachschoft. Arbcilsqemcinschast: Sozialpädagogische Probleme de» Zu. eendlichen. E» spricht Prof. Paul Hildebrandt über: Entwicklungsalter und höhere Schule. Teilnahme aus allen Falultäten erwünscht. 20 Uhr im„Bund". Dienstaq.!>. Juni. Kistorilchc Arbeiwgemeinschost lProf. Arth. Rosenborgl. I3'.i> bi» I5!ü Uhr im.Bund". Dienstag, 3. Juni, Mitgliederversammlung im..Bund", 8 Uhr. Dienstag. 3. Juni, Mitgliederversammlung der Mediziner» gruppe. Wichtige Informationen über die Tagungen in Karlsbad>>h Ubr vor der Schul« »um Spielen. IS. Parole.) Gruppe Lichtkäinpfer Jung, und Rote Falken. Am Dienstag stnd alle ab 17 Uhr Wiese Sonnenallee.-- Iastrumcutalkrei». Donnerstag wie üblich Probe. Erscheinen aller sehr wichtig. Krei« Krcuzberg. Di« gcltobleute der Jung, und Rotsolkcn kommen Rton» tag, 8. Juni, 18 Uhr, im Jugendheim Lindenstr. 4 zusammen. Gruppe Hermann Müller. Heute 7 Uhr Bahnhof Schönhauser Alle« Treff» M»ikt zur Fahrt noch Brieselang. Unkosten 60 Pf. Dienstag ist das Heim ge» schlössen, dafür Beteiligung am Turnen der Gruppe Freiheit, Turnhalle Sonnen. burger Str. 20. Mittwoch ab 18 Ubr Spielen, Exerzierplatz. Freitag im Heim Gleimstratze 35 Lieberobend. Gruppe Freiheit. Montag, 11 Uhr, Schule Eberswalber Str. 10, Unter» luchung der Zeltlagcrteilnebmcr sIungfalken). Keine darf fehlcn, da kcinr Ziarh. untersttchnng. Mittwoch ah 18 Ubr Spielen auf dem Exerzierplatz, Gaud». Ecke Rudolf.Mosse.Etratzc. Freitag, 20 Uhr, in der Schule Sonnrnburgcr Str. 20, 2. Stock, wichtige Helfersitzung. Krei» Weitzeule«. Wichtige Krcishelfersitzunq am 3. Juni, 20 Uhr, bei Ge» Nossen Schulz, Hohenschönhausen, Am Faulen See 3. Bestimmtes Erscheinen ist Pflicht. Hohenschöuhäuse«. Gruppe Gemeinschaft. Unsere Zusammenkünfte stnd Montag» von 17 bis 13 Uhr in der Siedluna der Kinderreichen. Schulbarackc. Donnerstag von 17 bis 13 Uhr im Jugendheim Frcienwalbcr Str. 6. Eltern, schickt auch eure Kinder im Sommer pünktlich zu unseren Peranstaltungen. Schlutzmcldetrrmin für Zeltlager und Nestfalken fahren am 14. Juni. Anzah. lungcn erbeten. Sterbetafel der Groß> Berliner Partei- Organisation} 20. Abt Am Mittwoch, Juni, verstarb nach schwerem Leiden unsere Ge- nosfin Hedwig Stütmann im Alter von 33 Jahren. Di- Beerdigung findet statt am Dienstag, 3. Juni, 15'/» Uhr, Gcmcindcsriedhof Reinickendorf, Humboldt. stratze. Um reg- Beteiligung bittet die Abteilungsleitun«. IIS. Abt. Unsere langjährige treue Genossin Anna Ealm, Lichtenberg» Eonntaastr. 6. ist unerwartet am 1. Juni verstorben. Ehre ihrem Andenken. Di- Trauerfcier ist am Montag, 8. Juni. 13'/, Uhr. im Krematorium Baum- schulenweg. Um reg- Beteiligung bittet die Abteilungsleitung. SozialiUche Arbeiterjugend Groß-Berlin Eins-ndnnatn stie diese Ztndrit am an da» Fnoendsekreta-tm Btelta«SS««. ZlndRiftrafte> Sitzung de» B>ldilng»au»lchusse» gemeinsam mit den Bildungsobleuten ber Werbebezirke und Bildungsobleuten der Abteilungen, am Dienstag, dem 9. des Monats lS'h Uhr im Bortraqssaal des PB., EM«8. Lindenstratzc 3. Abteilungsleiter! Holt umgebend die«arten für die Sanne, iwendfcicr ab. SAZ.'Iungbuchdrucker: Alle müssen morgen 17 Uhr im Jugendheim, EW. Lindenftratz« 4, vorn 1. erscheinen. heute, Sonntag. Aenimplatz: Troffpunkt Mit Worbunc» 10 Asir TelcpbonzeLe. Dorstadt: 19'? Ulvr Heimabend SchSnflresier Str. 7. Morgen. Montag, 19 1/2 Uhr. Moabit l: Woldenferstr. 20: Löns-Abend.— H-chplatz: Ledigenheim Schön- st-dtstr. 1: Mitglicdcrpcrsanwrlunq.— Aenimplatz: Connenburger Str. 20: Fiinktionäroerswnmlung.—«raowalb«- Platz II: Rastenbuvger Str. 15: „Anarchismus— Snndikalismu»".— Fallplatz I und II: Eonncnburger Str. 20: Lichtbilder:„Frankfurt o. M."— Liordoften II: Danziger Str. 62, Baracke UI: „Proletarische Lebensgestaltung".— Preuzlauer«orstabt: Gleimstr. 33—35: Heiterer Abend.— Schönhauicr Vorstadt: Eoirnenburger Str. 20:„Die Frau in der Bewegung".— Hall-schc» To«: Porckstr. 11: lO-Minuten-Referate.— Andrea«platz. R. F.: Brommvstr. 1:.Hat Deutschland Schuld am Kriege?". Werbebezirk Reutölla: All- erwerbslosen Genossen ssnd um 11 Ubr im Heim Bergltr. 23...Sexuell« Fragen II". Werbe bezirk Reiuickendors: 20 Uhr, Wittenau. Sauptstr. 13: W.-B.-Mit- gliederversammlung. 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Und sie haben sich eine sehr nette Sache ausgeknobelt, um die Berliner für eine Fahrt nach Westfalen zu gewinnen. Einschließlich der Bahnfahrt wird es möglich sein, 14 Ferien- und Urlaubs- tage in Westfalen für rund 1 M. zu verbringen. Da für die Fahrt 32 M. draufgehen, kann man für 68 M. auf 14 Tage volle Penston(täglich vier Mahlzeiten) nehmen. Und Westfalen, das ist das herrliche Sauerland mit dem Ebbe-, Lenne- und Rothner- gebirge und dem Teutoburger Wald. Bisher haben die West- falen in Berlin nicht viel Propaganda gemacht, weil ihnen aus dem Industriegebiet genug Feriengäste zuströmten. Die Ungunst der Zeit hält aber auch dort viele zurück, und so denkt man jetzt auch mal an die Berliner, die, wenn sie es selber noch können, eine Reise in dieses wirklich schöne Land nicht scheuen sollten. Die Gastfreundlichkeit der Westfalen wird seit aller Zeit gerühmt. Oer Harz ist immer schön. Jawohl, er ist immer schön, aber wo soll man hinfahren? wird einem geantwortet. Nun, wir nennen ein paar sehr beachtenswerte Ziele: A l« x i s b a d, das Stahlbad des Harzes; Blankenburg am Rande des Harzes in herrlicher Lage; G e r n r o d e, ein tlimatt- scher Luftkurort; Harzgerode in 4M Meter, Elbingerode in 8M Meter Höhe, das letztere unterhalb des Brockens und in den letzten zehn Iahren für den Fremdenverkehr immer besser geworden; Bad Suderode, ein Idyll des Harzes, mit heilsamem Kalk- und Solbad, und W i l d a. der hübsche Luftkurort des Südharzes. Werbe- schriften in allen Reisebüros und durch den Harzer Verkehrsverband in Wernigerode. Für Wochenend-. Gesellschosis- und vereinsfahrken ist der Spreewald das schönste Wald-, Wasser- und Trachtengebiet unserer Heimat. Die herrlichen Wiesen und Wälder, durchzogen von Hunderten Armen der Spree, bieten so recht Gelegenheit, Stunden fern von Landstraße und Eisenbahn zu verleben. Der Spreewald teilt sich in Ober- und Unterspreewald, beide Gebiete besitzen ihren eigenen Charakter. Zeichnet sich der Oberspreewald durch seinen wendischen Hausbau und Trachten aus, so erfreut der Unter- s p r e e w a l d die Besucher durch seine herrlichen Erlen- und Buchenwälder, die in ihrer Unberührtheit einem Urwald? gleichen. Gut organisierte und auch gut geleitete Sprewald-Fahrten bedürfen der Erfahrung aus diesem Spezialgebiet und einer persön- lichen Verbundenheit des Fahrtenleiters mit Land und Leuten und deren Geschichte.„Liuba" die Werbestelle für Spreewald-Fahrten übernimmt die Organisierung und Leitung von Gesellschastssahrten. 1�-Tagessahrt. Eisenbahnfahrt von und bis Berlin, Kahnfarten an zwei Tagen, Uebernachtung. Zimmer mit zwei Betten, Morgenkaffee, Führung und Vortrag 10,75 M. Anfragen an H. Arlt, Berlin N 58, Kremmener Str. 1(Vineta 17S3). sowohl die der Kraftverkehrsgesellschaft wie auch der Oberpost- direktion, wird an alle Interessenten kostenfrei geliefert durch die Das illustrierte Kursbuch der Kraftomnibusse im harz für 1931, ................... 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Humoresle. In der Boche oow 22. di» 26. Juni: 1. Der Fall Sonja Petrowa. sRusfilcher Sexuaistlm.% 216.) 2. Konsumfilm 6. Humorekle. Zn der Boche oom 2». Juni bis 5. Juli 1. Da» Lied vom alten Martt. 2. Technilcher Film. Z. Humoresle. Anfragen wegen Bcluch und Heber laisung der Abteilung sind ltelephonisch oder schristlichj an die Kulturabletlung, Büro Linienftr. 83/8», Zimmer 20, zu richten. Achtung! Die kullurobleilung bleibl vom ?. Zu» 1931 ab geschlossenl 01« Ortsverwaltung. t&fe. Preisahhau! Billig wie noch nie! Inltetfief Oberbeii.. Mk. 9.60, 10.-. 12.- Kissen____. 2.,«. 2.8J, J.SO rot, lOrklsdi. Makko. Steppdecken..... Mfc. 19,50 Daaneedeckca.■ 1•.. 52.— Wender-, WoAenend- Decken in ollen Preislagen I Beiifedern und Daunen eu den bekannten billigen Preisen. Bei Einkauf Gratlsr etnlgu»« I BOhm. Beitledern- Spezlamaas Sächsele Stadler Berlin C., LandsBeroer Str. 43-4? 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Zum 1931 Stictoard'Muellenbeck: StOftPy�JOC'S ffiflV Die berühmte Bar des Herrn Sloppy Joe, des schmutzigen Seppl, wie er sich selbst bezeichnet, liegt in einer Seitenstraße des Pröda in Havanna: jedes Kind kennt sie, nicht nur in Kuba, fondern auch in den Staaten. Wenn man jemanden fragt, etwa einen der Herum- treiber vor den Hotels, die Fremdcnnepp und Fremdenausbeutung zu ihrem Beruf gemacht haben, heißt es: „Ach, zum schmutzigen Seppl-Sloppy Joe, da haben Sie nicht weit zu gehen, weiß Gott, laufen Sie man immer den besoffenen amerikanischen Schweinen nach, da werden Sie's schon finden...* In der Straße, wo Sloppy Joe's Bar liegt, sind vor einiger Zeit sechs Bomben explodiert, die dem Präsidenten Machado galten. Sie wurden von einem gut angezogenen jungen Mann geworfen, der einige Zeit vor der Kneipe des Chinesen Winglingwing stand und der so aussah, als hätte er sich gerade bei Sloppy Joe besossen und wolle nun noch einmal zurückkehren, um die in der schnellen Be- säufnis vergessenen Spezialcocktails nachzuholen. Das kommt hier alle Tage vor. Wenn die Clerks, die in Miami so viel Geld zu- sammengespart haben, daß Sie einmal nach Havanna kommen können, bei Sloppy Joe sich besoffen haben, können sie nicht nach Hause finden. Die kubanischen Schutzleute, von denen ein Teil Höf- lichcrweise auf betrunkene Amerikaner gedrillt ist, führen sie dann am Arm langsam in das Lokal des schmutzigen Sepp! zurück, allwo sie mit lauten Begeisterungsrufen wieder empfangen werden. Dieser junge Mann aber war weder ein Filmschauspieler aus Hollywood noch der Sohn eines reichgewordenen Staubsaugerfabrikanten aus Miami, sondern ein Mitglied der geheimen studentischen Liga, die es sich zur Ausgabe gemacht hat, den Tyrannen Machado umzubringen. Machado ist ein Gewalthaber ersten Ranges: das heißt, alle die- jenigen, die ihm nicht paffen oder die es wagen, ein Wort gegen seine Regierung zu sagen, sind ihres Lebens nicht sicher. Er war früher General, und da er keine anderen Methoden als die Gewalt kennt, hat er seinen besonderen Haß auf die Studenten und ander« Intellektuelle geworfen, die mit geistigen Mitteln für ein freies Kuba kämpfen. Am meisten verhaßt aber sind ihm die Journalisten und Karikaturenzeichner: diese Leute sind genötigt, wie die Zigeuner zu leben, um sich den Häschern des Präsidenten zu entziehen. Obwohl die Redaktionen der Zeitschriften alle paar Tage in einen anderen Hinterraum verlegt werden, gelingt es den Osfizierstrupps doch hin und wieder, sie aufzustöbern, und dann fließt unweigerlich Blut. Sowie die vielen Tausende von amerikanischen Ausflüglern, die täglich von den Staaten in Havanna ankommen, ihre Koffer in den Hotels abgelegt haben, pilgern sie zur Bar des schmutzigen Seppl, um sich über die Prohibition lustig zu machen und einen zu heben. Es ist die Pflicht jedes anständigen Kerls, denken sie, sich bei Sloppy Joe m Havanna zu befaufen. Sloppy war früher Barkeeper in San Franziska, und er weiß einen guten Stoff zu mischen. Wenn die Puritaner in Washington und die Altweibervereine in Boston, die die Prohibition auf dem Gewissen haben, auch nur entfernt ahnten. was bei Sloppy Joe vorgeht, würden sie in Ohnmacht fallen. Ein dicker Amerikaner in zerknittertem rohseidenen Anzug und mit schief ausgesetztem Hut sagte mir:„Sloppy Joe ist die Quelle, wo die Ayierikaner, die sich durch die Prohibition versündigt haben, durch Einverleibung zahlloser Gin-Cocktails eine moralische Reinigung.vor- nehmen müssen.' Ein anderer schrie triumphierend:„Alle Versuche in Kuba, diesem freien Lande denselben Unsinn, die Prohibiiion, einzuführen, werden wir zu verhindern wissen. Wir werden ein Heer von Alkoholfreiwilligen bilden, und wenn es nötig ist, für den schmutzigen Seppl unser Leben in die Schanze schlagen!" Als die Bomben vor Winglingwings Restaurant zur Explosion kamen, herrschte bei Sloppy Joe einen Augenblick Aufregung.„Was ist das?" lallten die besossencn alten Damen, die es gewagt hatten, auf die Schöße gänzlich sremder Herren zu klettern.„Sei nihig, altes Kind", antworteten diese.„Was geht uns freie besoffene Amerikaner die Politik eines schmutzigen Landes an? Sollen sich diese vermale- decken Kubaner die Schäden wegen ihres Präsidenten Machado ein- schlagen, das kann uns gänzlich gleichgültig sein, solange es Sloppy Joe noch gelingt, Mary Pickfords zu mischen."(Mary Pickford ist einer der berühmtesten Spezialcocktails des schmutzigen Seppl.) Die Aufregung dauerte nicht lange: es wurde weiter gesoffen. Schon früh am Morgen, wenn ein anderer Teil der amerikanischen Ausflügler seinen Rausch ausschläft, treffen die ersten Besuche? in der Bor ein. Da die Zecherei die ganze Nacht hindurch dauert und nur gegen sechs Uhr eine Art Atempause eintritt, ist am frühen Morgen noch nichts gereinigt. Der schmutzige Seppl macht durch de» Anblick seines Lokals seinem Namen Ehre: der Steinboden liegt voll von Papicrresten, Flaschensplittern, den Resten zerrissener Damen- Handtaschen, Pappkartons, die, weiß Gott zu welchem Zweck gedient haben, Billets, die den Besitzern am Tage vorher die Tore des Renn- platzes öffneten. Von der weiblichen Besucherschaft sind zu dieser Zeit nur noch einige alte Dirnen übrig geblieben, die es nicht ver- standen haben, einen der so distingiert aussehenden grauhaarigen Direktorentypen auszutun, die zu Hause in Washington Mitglied der Baptistenkirche sind. Verschlafene Barkeeper hängen über der Tete und stieren in die druckfeuchten Morgenbläller, um sich über die neuesten Taten des Präsidenten zu unterrichten. Auf der breiten Holzteke, die das ganze Lokal durchläuft und an der vorn eine gelbe Messingstange befestigt ist, stehen Batterien von Gläsern. In den Gläsern sind klebrige Getränkereste, blaue, gelbe, grüne, rosafarbene: breckc Lachen von Gin und Whisky haben sich über das Holz er- gössen, laufen zwischen den Armen der Barkeeper durch und tröpfeln wie Ocllropfen schwer und fett zu Boden. Wenn man zu dieser Morgenstunde kommt, muß man die Luft einatmen, die die ganze Nacht von betrunkenem Atem, Zigarrendunst, Schminktöpfen. Menschenschweiß und achtlos auf die Seite geschobenen Sondwichs gebildet wurde. Es ist zum Umfallen, man muß rudern und schwimmen, und es dauert eine ganze Weile, che man sich zurecht- gefunden hat. Hinter der Tete ist die ganze Wand von Flaschen bedeckt. Da gibt es hohe, lange mit Schnabelhälsen, die den Jamaikarum in sich haben, andere dicke, kleine beherbergen den Rum Bacardis, des größten Schnapsfabrikanten der Well, der seine Fabriken in Santiago da Kuba hat. Der Gin steht wie träges Teichwasser in viereckigen, grünen Buddeln, und der weiße Rum Haitis hat Spezialflaschen mit dem rotblauen haitianischen Wappen. Es ist alles da vom Cognac Martell bis zum deutschen Kümmel, vom süßen Schnapsgebräu der Benediktinermönche und der klebrigen Chartreuse bis zum japanischen Sali.— Hinter der dicksten Säule von Sloppy Joe's Bar läßt sich gegen Abend, wenn die schnapshungrigen Rennbesucher vom Seesttand zurückkehren, eine Negerkapelle nieder: ein Bagno, eine Gitarre und eine Geige. Sie singen und spielen von der Lust und der Wehmut, die einen ausgewachsenen Amerikaner befällt, wenn er aus der Prohibitionstrockenheit in ein Land gerät, das sich die hochromantische Bar des schmutzigen Seppl leisten kann. Manchmal singen sie auch ein sentimentales Negerlied, das von der Unterdrückung des weißen Mannes und dem nie endenden Kummer der kraushaarigen, schwarzen Bevölkerung handelt, und dann schlagen die Männer und Frauen, von denen viele Nachkömmlinge der Sklavenbesitzer des amerikanischen Südens sind, begeistert in die Hände. Die Amerikane- rinnen, die zu Hause daran gewöhnt sind, die erste Flöte zu spielen, tun sich auch hier hervor. Sie legen die Beine auf die Tische, gröhlen und schimpfen betrunken auf die nordamerikanische Heuchelet, die ein solches Benehmen dort nicht gestattet. Ueber alle» Trubel wacht das Sprtt-Auge des schmutzigen Seppl, des früheren Barkeepers aus San Franziska, der in dem Augenblick, als das Alkoholverbot kam, die Klughett besaß, nach Havanna auszuwandern und ein feuchtes Paradies für seine aus- getrockneten Landsleute zu schaffen. Joe ist ein Herr mittleren Alters, sehr gesetzt, würdig, erfüllt von dem Bewußtsein seiner Nützlichkeit und seiner Einzigkeit. Er hat ein rundes Gesicht, das von kamerad- schafttichem Entgegenkommen erfüllt ist, wie es die Amerikaner der Pionierzett besaßen und das heute noch, obwohl die Pionierzett längst einer anderen gewichen ist, als Maske sehr geschätzt wird. Es ist die Maske der amerikanischen Demokratie: sie wird auch vom Präsidenten in Washington getragen, der verpflichtet ist, jedem Landstteicher an einem gewissen Jahrestage in aller Höflichkett die Hand zu geben. Joe kommt zum Beispiel auf dich zu, und ohne dich je gesehen zu haben, setzt er sich zu dir, klopft dir auf die Schuller und wecht dich in irgendeine seiner Sorgen ein. Er sagt„Old Boy" und„Altes, infames Scheusal" zu dir, und dann macht er einen Witz, und du lachst so, daß dir die Tränen herunterlaufen, und du hälft den alten Joe für den besten Kerl der Welt. Der alte Joe ist aber nur ein großer Schlaukopf. Den ersten Dollar, den er verdient hat, hat er unter Glas über seinen Schnaps- flaschen an der Wand aufgehängt, und alles, was er jetzt noch tut, ist darauf gerichtet, die Zahl seiner Dollars zu vermehren. Er wird jetzt schon für einen schwer reichen Mann gehallen: aber er gedenkt noch viel reicher zu werden, und deshalb ist seine Freundlichkeit noch lange nicht erschöpft, und er wird noch lange„Alles Scheusal" zu seinen Besuchern sagen, weil er weiß, daß sie davon entzückt sind. CjoHfried Jßochmsmn: lll*l llltliidc} Sin kleines Srlebnis Es ist Frühling. Irgendwo draußen im freien Land, wo Wälder, Bäche und Felder sind, da fühlen die Menschen schon die sanfte Wärm« einer gütigeren Sonne, da schmiegen sich Blumen und Sträucher dem Licht entgegen zu neuem Leben. Doch das ist hinter jenen dunklen Mauern, fern, fern— Hier liegen Häuser, grau in grau, hier hocken die dunklen Klötze der Fabrikgebäude und unerbittlich mahlen und rattern ihre Maschinen. Hier ragen Wälder von Schornsteinen in die Lust. Und macht sich der Himmel wirklich einmal strahlend, klar, dann schneiden sie mit ihren langen, dunklen Hälsen hinein und verwölken ihn mit grauem Rauch. Es ist Mittag. Ich gehe die große Straße entlang, auf die um diese Zeit die Fabriken ihre Menschenströme ergießen und sinne darüber nach, wie schwer es hier der Frühling hat. uns zu erHellern. Kaum, daß man seine wohlige Wärme wie ein sanftes Grüßen aus fernem, schönen Lande spürt. Wie ich so vor mich hinsinne, fährt ein lustiges, herzhaftes Lachen in meine Gedanken. Ich blicke auf und bemerke drei Fabrik- mädel, die unter anhaltendem, munteren Gezwitscher dahinschlendern. Sie sind sehr ärmlich angezogen. Abgegriffene rote und schwarze Kappen sitzen verwegen auf ihren Köpfen, strähniges, kurzgefchnit- tenes Haar lugt darunter hervor. Ihre dünnen Beine stecken in dicken, handgcsttickten Sttümpfen und die Füße in abgetretenen Schuhen. Wieder ein sonniges Auflachen. Und dabei gebärdet sich die Rotbemützte von ihnen ganz seltsam, während sich die anderen beiden vor Lachen kaum halten können. Ich bin verwundert, denn das trübe, rauchige Dunkel der Häuserwände und die müde Stille der Mensche», die von ihren Arbellsstätten heimziehen in ärmliche Mietskasernen, das alles sieht so gar nicht nach Lustigkeit aus. Das Lachen der Mädchen kommt mir vor wie ein schöner, seltener Vogel, der sich aus dem glänzenden Eebargensein des Waldes in die trübe Steinwüste der Menschen verslogen hat und nun einen Schimmer von seiner Heimat, der Freude, verbreitet. Denn alle, die in der Nähe des Kleeblattes gehen, tragen eine leichte, wenn auch besinnliche Fröhlichkeit auf den Mienen. Meine Neugier ist geweckt, und ich schiebe mich näher an die drei heran. Zuerst fällt mir auf, daß jedesmal die von ihnen, die gerade das Wort führt, versucht,„fürnchm" zu sprechen und in dem Bestreben, die graziösen, eleganten Bewegungen einer mondänen Dame nachzuahmen, die unmöglichsten Verrenkungen macht. Die mit der roten Mütze spricht wieder:„Ja, wenn mein Mann kommt, dann sage ich: Hör' mal zu, Männe.--" Da muß sie lachen und der Schelm leuchtet ihr aus den Augen. Sie hat ein ebenmäßiges, klares Gesicht. Man könnte sie schön nennen, wenn die Sorge ums tägliche Brot nicht allzu tiefe, dunkle Augcnringe in ihr Gesicht gegraben hätte. Doch die kleine, dicke mit der schwarzen Kappe hat ihre Worte schon aufgenommen. Sie nimmt eine lässige Haltung an und vec- sucht, mit ihrer Stimme möglichst gleichgültig und unbekümmert zu wirken, als handle es sich um eine Lappalie:„Ja, da sag' ich: Hör' mal Männe, du, ich muß dich um eine Kleinigkeit bitten--" Doch die dritte unterbricht sie, indem sie einen kleinen, runden Taschenspiegel wie ein Monokel ins Auge zu klemmen sucht, mit knarrender Stimme: Na ond--?" „Ich möchte einen neuen Pelz hoben", fährt die Schwarze fort. Das„Monokel" sitzt:„Aber selbstverständlich, Liebling, wieoicl brauchst du denn?" Und nun folgt wieder minutenlanges Lachen. Ich bin sellsam berührt von dieser Art Unterhallung. Die drei sind glücklich in ihrer Spielerei. Und ich würde sie zu den glücklichsten Menschen rechnen, wenn mir nicht ihre bleichen Wangen verrieten, wie bewußt sie sich ihrer Armut sind und wie sie darunter leiden. Und das müde Dunkel um ihre Augen kann auch das kinderhellste Lachen nicht wegbringen. Doch die mit der roten Kappe plappert schon munter weiter: „Aufwaschen? Ihr seid wohl meschugge?! Kommt gar nicht aus die Platte. Da rufe ich(und sie wirft sich in Pose)„Hallo, Minna! Säubern Sie mal den Tisch, aber flott, waschen Sie das Geschirr!— Und wenn sie nicht spinnt, da fliegt sie eben. Ich meine, wir tönnen's uns doch leisten. Man ärgert sich doch nicht mit so einem Mädchen herum! Ein Wink, sage ich euch, nur ein Wink, und--" Sie stolpert über einen Stein und locht laut auf. Doch schon redet eine andere. So geht es ununterbrochen weiter. Und alles kommt dran, was zum glanzvollen Leben und vermeintlichem Glück der reichen Leute gehört: das Luxusauto, die Villa, das kostbar ausgestattete Boudoir(wie sie es wahrscheinlich im Film gesehen hatten), Schmuck, teure Zigaretten usw. Ich staun« über diese grandiose Selbstironie der drei Proletarier- tinder und mache mir Gedanken darüber. Da klingt vornehm gedämpft eine AutoHupe und langsam und elegant biegt eine Luxuslimousine in die Straße ein.— Die Mädchen sind stehen geblieben. Aller Uebermut ist aus ihren Gesichtern gewichen. Bleich und verhärmt glotzen sie aus den glitzernden Wagen, auf die tadellos angezogene Dame, die ihn long- sam vorüberlenkt. In ihren großen Augen ist der Blick von Kindern, die vor einem erleuchteten Schaufenster stehen und Herrlichkeiten bestaunen, an deren Besitz sie selbst nicht glauben. Nur ist der Blick nicht so kinderrein und groß, es ist noch etwas darin, ein wenig Verbitterung. Dann wenden sie sich mühsam, wie gequält, zum Weitergehen, drei Glieder im großen Zuge der Arbeitsleute, nun stumm und verbissen wie olle andern, mit einer großen Sehnsucht im Herzen.— Bald kann ich sie nicht mehr sehen. Ich wünsche ihnen, daß sie auf ihrem Wege einmal den Frühling sehen und von ihm aus ihrer dumpfen Bedrücktheit gelöst werden. Vielleicht streift sie ein Strauch, dessen Knospen zartes Grün angesetzt haben, vielleicht nehmen sie sich ein paar Zweige mit in ihre niedere Stube, untrügliche Zeichen kommender Wärme und Schönheit, kein lügnerisches Gaukelspiel sehnsüchtiger Phantasien. Vielleicht verblaßt vor diesem wahren Zeugnis für einige Zeit auch die Freude am Tand dieser Erde,— vielleicht.--- Als ich dann nach wenigen Stunden durch das erste, frische Grün wandere, in Sonnenwärme gehüllt, blauen Himmel und kleine, weiße Wolken über mir, da kann ich des Frühlings nicht recht froh werden. Ich sehe im Geist immer noch die qualvolle Wandlung ihrer Züge und ihr Lachen klingt mir noch in den Ohren, jenes seltsame Lachen.—„Ein Wink, sage ich euch, nur ein Wink---" 3000 Aufnahmen in der Sekunde. Ein neuer kinematographischer Aufnahmeapparat, mit dem in einer Sekunde 2000 bis 3200 Aufnahmen gemacht werden können, wurde in der Pariser Akademie der Wissenschaften von den Erfindern Dr. Magna» und Huguenard vor- geführt. Bisher war man mit der„Zeitlupe" nur imstande, etwa 2S0 Bilder in der Sekunde festzuhalten. Der neue Apparat gestattet nun eine viel genauere Beobachtung der Naturvorgänge, so wurden bei der Vorführung die einzelnen Flügelschläge von Vögeln und In- selten ganz genau gezeigt. Auf einem Film konnte man den Flug einer Schmeißfliege beobachten, deren Flügelschläge sich auf 90 in der Sekunde beziffern. Auch die feinsten Einzelheiten bei dem Flug kleiner Vögel sind auf diese Weife zu erkennen. Man erwartet, daß dieses Studium der Flugvorgänge in der Natur, das bisher mit solcher Genauigkeit nicht Mötzlich war, für die Flugkunst von Stutzen sein wird. Die Erfinder bedienen sich bei ihrem Apparat einer Serie von vier Linsen, die nebeneinander angebracht sind und von denen jede ein Viertel des Filmbandes einnimmt: sie öffnen und schließen sich in außerordentlich schneller Abfolge, und auf diese Weise wird die Menge van 2000 bis 3000 Aufnahmen bei einem Filmband von normaler Brette erzielt. Mit einem breiteren FUmband hoffen die Erfmder, die Zahl der Aufnahmen bis auf 10 000 zu steigern. MP»el..wmk-wqche // FÜR IHR HEIM« C E I N R 1 CHTUNGD E I N R I C H T U N G A SAIafa. Mahoaoni 780'~ feayattgi»: RM 740- RM 820.— RM 1680�1 äii2i ■ AM HOCHWERTIG IN QUALITÄT, NIEDRIG IM PREIS. DAS SIND DKWfl mom HHVL: CTD 37 AM©«A.IMM4 1°« Itlagda Jlclmrya: SSlftöCt V Durch die großen Wälder, die Wiesen und Felder Nordostruß- lands zieht sich«ine vor Jahrzehnten traurig berühmte Landstraße, die»große Wladimirka"— zahllose, zur Verbannung nach Sibirien und zur Zwangsarbeit verurteilte Verbrechcr, in ihrer Sträflings- tracht mit dem Karo-As auf dem Rücken, haben diesen„W«9 der Tränen" gehen müssen—, zu jener Zeit, da es noch keine Eisen- bahnen gab. Wer die große Wladimirka wird noch bis heute von jenen benutzt, die sich eineü Fahrschein nicht leisten können, also von sehr, sehr vielen. Ein endloser Strom von Menschen wandert durch? große Rußland: Bauern und Arbeiter, Pilger, Bettler und Land- streichcr. Sommerstaub bedeckt ihre Kleider, lehmiger Herbstschmutz haftet an ihren nackten Füßen, und alle haben denselben Gang, den Gang derer, die viele Tage, viele Wochen auf gehorsamen und müden Füßen wandern müssen— schnell, gleichmäßig, nicht an- mutig und nicht schwerfällig, ein wenig, nach vorn gebeugt. Wie oft habe ich sie vorbeigehen sehen, als ich noch in der Nähe dieser alten Landstraße lebte: Die Bauern, bärtig, in ver- schossenem, tiefgegürtetem Hemd, in Bastschuhen oder barfuß, die Stiefel an einem Stock über die Schulter hängend. Die Landstreicher in von Sonne und Staub gebeizten Lumpen, die die sonnen- verbrannt« Haut nur notdürftig verhüllten. Die Pilger in schwarzer Mönchstracht, die schon längst grün geworden war. Die Bauern und Tagelöhner wanderten auf der Suche nach neuen Arbeitsstellen, die Pilger zogen von einem Wallfahrtsort zun, anderen, die Land- stveicher trieb dunkle Hoffnung oder tiefste Enttäuschung, die sie aus der Gemeinschaft der Menschen löste. Seltsamen Bettlern konnte man da begegnen. Besonders merkwürdig waren zwei von ihnen, die immer wiederkamen. Der eine hieß Pugatschow,«in Name, der zu manchem verpflichtete und zweifellos seinen Charakter beeinflußt hatte. Er kam immer auf einem Schimmel angeritten, der wie das Gespenst eine? Pferdes aussah und unwahrscheinlich dünn und hochbeinig war. Er war wie ein müder Toter, der auch nach den, Tode weiterschuften muß in ewiger Fron. Man konnte sich vorstellen, wie in hellen Nächten das Mondlicht durch sein fahles Fell hindurchschimmerte, so daß man alle Rippen und dünnen, spitzen Knochen dieses jenseitigen Geschöpfes zählen konnte. Auf seinem ausgebuchtetcn Rücken saß Pugatschow, ohne Sattel und barfuß, in offenem, zerrissenem Hemd. Seine Augen in dem wilden blassen Gesicht waren ebenso blicklos wie die erloschenen seines Pferde?, nur daß sie nickst dunkel waren, sondern blau und wie aus Porzellan gemalt, undurchsichtig, mit kapm sichtbarer Pupille Merkwürdig war die unbäuerliche Blässe seines Gesichts, die grün- lich erschien, neben dem zerzausten, rostroten Haarschopf. Wenn er betteln wollte, so hielt er vor einem Hause, ohne vom Pferde zu steigen, verfluchte die Einwohner und drohte mit Brandstiftung(es war keine leere Drohung), dann verlangte er nach einem Glase Branntwein und altem Brot; beide Forderungen wurden meistens erfüllt. Den Branntwein trank er sofort aus, das Brot steckte er in einen Sock, der quer vor ihm auf dem Rücken des Pferdes lag. Darauf entfernte er sich langsmn, da sein Pferd keine andere Gang- art kannte al? Schritt. Vor dem nächsten Hause wiederholte sich dieselbe Szene. So terrorisierte er monatelang eine ganze Gegend. Das alt« Brot verkaufte er als Schweinefuttcr und hatte, wie es scheint, Abnehmer dafür. Jedes Frühjahr, bis zum letzten Vor- kriegssommcr, tauchte er auf und verschwand wieder im Herbst. Wo war er im Winter? Wie brachte er sein Pferd durch, das stets auf der Grenze zwischen Leben und Sterben zu sein schien? Un° lösbare Fragen. Im weiten Rußland tonnt« man oerschwinden wie ein Tropfen im Meer. Eine ganz andere Art von Mensch war der kleine Michails Markelow. Seine schmalen, grauen Augen lächelten uns aus der Tiefe feiner letzten Armut stets«in wenig spottisch an, denn er hielt nicht viel von den Menschen und hatte wohl auch seine Gründe da- zu, groß aber war sein Interesse für verschiedene Naturphänomene, und da er nie die Möglichkeit gehabt hatte, etwas zu lernen, so sucht« er alles auf seine Weise zu erklären.»Weißt du was ein Regenbogen ist?" fragte er wohl.„Wenn die Erde friert, dann wickelt sie sich in einen Schal und das ist eben der Regenbogen. Und die Sterne? Sie sind Bewohner des Himmels, genau so wie wir Bewohner der Erde sind." Dann zwinkerte er ein wenig mit den Augen und meinte:»Wie die Läuse im Haar, so laufen die Menschen ans der Erde herum. Nun, die Laus ist ja auch ein Geschöpf Gottes." Damr leiser:»Ob die Sterne wohl schöne, blanke Läuse auf des Herrgotts Kopf sind?" Markelow bettelte nicht immer. Manchmal stahl er und manch- mal borgte er ein paar Kopeken, wobei er seine Schulden stets pünktlich bezahlte: entweder in bar oder er brachte eine Schale voll winzig kleiner Fische, denn er oerbrachte seine Zeit gern mit Angeln. Da er nicht gerade sauber war, so bot ihm einmal eine mitleidige Frau«in Stück Seife an, ober er schüttelte nur den Kops und meinte ernsthaft:»Seife? Nein, ich will meinen Körper nicht ver- wöhnen!" Nach der Revolution wurde er seßhaft, bezog«in verlassenes Badehäuschen in der Nähe de? großen Sägewerks und verpflichtete sich, den Kehricht aus den Höfen der Arbeiter wegzuschasfen. Er gefiel sich sehr in seinem neuen Amt, und als der Herbst kam. da beschloß er, sich einen Pelz anzuschaffen, der seiner Würde entsprach. Gelo hatte er nicht, daher durfte der Pelz nichts kosten. Was tun? Schließlich gelang, es Markelow, das Problem auf eine eigenartige Weise zu lösen. Zuerst lieh«r sich beim Waldwüchter ein altes Jagdgewehr. Dann kaufte er jür ein paar Kopeken den Kadaver eine? Schafes, das an irgendeiner Krankheit eingegangen war, schleppte es in den Wold und legte sich in der Nähe auf die Lauer Was er erwartet hatte, geschah. Die hungrigen Dorsköter, deren Tolk der Stofenanbeler Die Rose, die Königin der Blumen, beherrscht wieder eimnal die Gärten, und die Rosenzeit ist da, die von so vielen Dichtern als die schönste�des Jahres gepriesen wird. Diese Blume hat stets eine besondere«tellung im Menschenleben eingenommen, und auch bei uns ist sie von altersher beliebt, in Mythos und Religion, Brauch und Kunst bedeutsam verwertet. Aber die größten Roscnverehrer der Weltgeschichte sind doch die Perser. Goeche sagt im West- östlichen Divan. daß Rose und Nachtigall diesem Volk die fehlende Mythologie ersetzen, und wirklich ist die Rose ihm Sinnbild der Gottheit geworden, zu der es betet. Sie hat in Pcrsien ihren reichen Kult gesunden. Die Rosengärten von Kaschmir mit der.Hundert- blättrigen Rose" sind durch den ganzen Orient berühmt; den Rosen- reichtum von Peschawar bewunderte Timurs Enkel Babur, als er das Land 1519 eroberte. Schiras nennt der Dichter Hafis wegen seiner die Stadt umhüllenden Rosenbüsche„das Schönheitspflaster auf der Wange der Welt", und in Teheran versetzt uns die Kultur der Rose in märchenhaste Zaubergärten, von denen z. B. ein Reisender erzählt:„Beim Eintritt erstaunte ich über den Anblick der Rosenbäume, bis zu 14 Fuß hoch, mit Tausenden von Blüten be- lostet, in jedem Grad der Entwicklung und von einer Zartheit des Duftes, daß die ganze Lust mit den ausgesuchtesten Wohlgerüchen gewürzt war." Jede gärtnerische Anlage erhielt in Persien von allershcr einen besonderen Teil, den Gulistan oder Rosengarten: eine große schattige Allee, in der Mitte mit fließendem Wasser, zu beiden Seiten mit Rosensträuchern. Diese Blume ist diesem Volk das Maß aller Dinge geworden, so daß nicht sie mit den Menschen, sondern der Mensch mit ihr verglichen wird. So heißt es etwa bei dem Dichter Emvcri: „Die Rosenknospe, halb geöffnet vom Zephir, glich einer jungen Schönen, die mit halbgeöftneten Lippen dem Geliebten entgegen- lächelt." Sein Mädchen nennt der Jüngling liebkosend„Rosenblott", ihre Wange„Rosenstrcuerin": chre Lippen entzünden ein„Rosen- feuer"; ihr Wuchs ist ein„langer Frühlingsatem van Rosensluren". So hat die Rose in der Phantasiewelt der Perser jede andere Blume verdrängt: Araber und Osmanen find darin nur ihre Nachahmer. Die persische Dichtung ist ganz von Ro-senduft erfüllt, so schon das persische Nationalepos, das Schachnameh des Firdusi. Die Poeten besingen dann immer wieder die Mythe von der Liebe derNachtigallzurRose. Blume und Orient sind die schönen Kinder des Frühlings. Der Vogel, der im Persischen männlich ist, bewohnt die Rosengärten und liebt die Rose so schwännerisch-leidcn- schaftlich, wie nur ein Mensch soisst lieben mag. Berauscht von ihren Düften stürzt er trunken vom Ast und stirbt, wenn sie ihn nicht erhört. Die Sehnsucht der Nachtigall nach der Rose und ihre Ver- mählung wird als Sinnbild für die Vereinigung der Seele mit dem All ausgedeutet, und so erfüllt viele persische Poeten eine verzückte Rosenmystik. So hat Mahmud Schehbesteri in seinem„Rosenflvr des Geheimnisses" religiös« und philosophische Lehren zusammen- gefaßt. In 182 Gaselen des Hafis kommt die Blume 2kl mal vor, und dii�es poetische Schwelgen in Rasen dauert in der osmonischen Dichtung fort. Die Perser haben aber nicht nur den Dust der Rose und ihre Schönheit verewigt, sondern auch ihren Anbau im Großen nutz- einziger Traum es war, sich einmal s anzufressen, nstvcrten bald bot Freitisch und erschienen in Scharen: große und klein«, kurz- und langhaarig«, weiße, schwarze, rote, braune, graue, getigerte und gefleckte. Die zuerst Angekommenen knurrten die Nachzügler an und bald war der Komps aller gegen alle in vollem Gange. Die Bauern im nächsten Dorf hörten das Geheul, Gebell und Gewinsel, das aus dem Walde schallte, und wußten nicht, was in ihre Hunds gefahren war. Als tüe Schlacht ihren Höhepunkt erreicht hatte, schoß Markelow in? wildeste Getümmel. Die Meute stob sofort auseinander, jedoch zwei zu Tode Getroffene wälzten sich verendend auf dem Kampfplatz. Markelow zog ihnen an Ort und Stelle die Felle ab. So trieb«r es mehrere Tag«, denn die dummen Hunde wurden nicht alle. Schließlich brachte er die erbeuteten Fell« zum Gerber und näht« sich dann selbst einen Pelz, ein Unikum unter den Pelzen, denn er war bunter alz eine Landkarte. Der«ine Aermel war schwarz und zottig, der andere gelb und glatt, der Rücken war halb braun, halb weiß, und der Vorderteil bestand aus einem gefleckten, einem rötlichen und«incm schwarzen T«il. Markelow war sehr stolz auf sein Machwerk und es stört« ihn nicht, daß die Arbeiter vom Sägewerk behaupteten, der Pelz fang« allnächtlich um die zwölfte Stunde zu heulen und zu winseln an und höre bis zum Morgengrauen nicht auf. bringend gestaltet durch die Bereitung von Rosenwasser und Rosenöl, die von dort auch nach dem Abendland gekommen sind. Das echte Rosenöl, das sich von dem schon im Altertum bekannten Gemisch von Blumenblättern und Baumöl unterscheidet, soll noch der Sage zu Anfang des 17. Jahrhunderts entdeckt worden fein. Es wird erzählt, daß die Prinzessin Nurmahal, die in leidcnschast- licher Liebe zu dem Prinzen Djihongue ihren ersten Gemahl um- brachte, am Hochzeitstag mit dem Geliebten ein Fest gegeben habe, bei dem die Kanäle ihres Gartens mit Roscnwasser gefüllt waren. Als sie an den duftigen Wassern lustwandelte, bemerkt« sie daraus eine Art Schaum, der sich, abgeschöpft, als ein Stosf von herrlichstem Wohlgeruch erwies. So war das eigentliche Rosenöl gefunden, während man vorher nur die Auflösung von Rosenblättern in Wasser als Rosenwasser gekannt hoste. Von der zufälligen Eist- deckung ging man zur künstlichen Herstellung über. Wenn man nämlich die mit Wasser durchtränkten Rosen in flachen Gefäßen recht kühl ausstellt, so sondert sich auf der Oberfläche des Wassers das Ocl in kleinen Tröpfchen ab, die man abschöpfen kann. Während das Rosenwasser schon sehr früh in persischen Quellen erwähnt wird, hören wir vom Rosenöl erst seit dem 17. Jahrhundert. Man schrieb dem Roscnwasser eine reinigende, ja heilende Kraft zu. Als der Kalif Omar Jerusalem eroberte, ließ er den ganzen Felsen, auf dem der Tempel Salomos gestanden haste, mst Rosenwasser abwaschen, bevor er Allah dort eine Moschee errichtete. Die Christen übernahmen im Orient diesen Brauch, und so wird in der Grabes- kirche zu Jerusalem der Stein, der vom Grabe Christi herstammen soll, alljährlich mit Rosenwasser Übergossen. Schon im Königsbuch des Firdtisi erscheint dos Rofenwasser unter den kostbaren Geschenken. Den Schönen wurden mit dieser Flüssigkeit die Füße gewaschen, bei den Roscnfcsten, die alljährlich im Frühsommer begangen wurden, träufelte ein duftender Regen auf die Gäste hernieder, und die Leichen der Helden wurden in Rofenwasser gebadet. DI« Temperaturen in Meeren und Seen. Erwärmung und Er- kaltung gehen in den Weltmeeren und auch in Binnenseen viel lang- samer vor sich als im Boden. Daher fallen auch größte Wärme und größte Kälte in den Meeren und Binnenseen nicht mit den kältesten und wärmsten Jahreszeiten zusammen. Ist auf der nördlichen Erd- Hälfte der Januar der kälteste Monat, so erreicht das Wasser erst im Februar und im März seine größte Kühle, dagegen ist auch das Mecrwasser nicht im Juli am wärmsten, sondern im August und veptember. Dabei sind aber die Schwankungen zwischen Land und Meer viel geringer. Schwanken die Temperaturen der Bodensläche im Jahre zwischen 25 und 49 Grad, so macht der Unterschied im Meerwasser nur 6 bis 12 Grad aus. In der Mitte zwischen Boden- fläche und Meerwasser halten sich die Schwankungen in Binnenseen. Im Genfer See macht der Unterschied zwischen kältestem und wärmstem Wasser 14,9 Grad aus, im Bodensce 16,1 Grad. Der Mond stört die Uhren. Würde man eine theoretisch absolut genaue Uhr in einem luftleeren, wärmegeschützten, erichüttcrungs- freien Raum aushängen, so würde diese Uhr trotzdem bald vorgehen, bald zurückbleiben. Die unvermeidlichen Störungen werden durch die Anziehungskraft des Mondes verursacht, die aus den Pendel bald von der einen, bald von der anderen Seite wirkt und sonnt ihn bald schneller, bald langsamer schwingen läßt. Die Abweichungen im regelmäßigen Gang der Uhr, die auf ditse Störungen zurückzusühren sind, betragen allerdings nur15 Sekunde in 24 Stunden. Eine weitere Steigerung\ unserer Leistungren in b«zug auf OualllälderstoifcAflswaMundBilliöheti der Waren erkennen Sie aus unsem heutigen Angebotenj die eineWoärc lang(SsfillfigKeil Kaden. Jede Figfur findet das Fassende; unsere Spezial- kundinnen, die starken Damen, wissen, daß auch für sie in besonderem Maße gesorgt ist. 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