BERLIN Montag s. Zum 1SZ1 10 Pf. Nr. 262 B131 48. Jahrgang erscheint ttglich aoterSonntag«. Zugleich Abendautgabe de«.Vorwärts'. Bezuzsprels beide Ausgaben 8ü Pf. pro Woche. s.evM. pro Monat. Sedaktion und Erpedition: Berlin SW68,Lindenstr.S Fernsprecher: Dönbvfs 292—29? ,�/ofwwtib Sn«etseo?ret«:Di« einspaltigeNonpareilleieile 80 Pf., Reklametkile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. d. H.. Berlin Nr. S7SZS.-- Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Ameigen vor! Die Konferenz im Landhaus Das Ergebnis von Ehequers: Auf Amerika kommt es an! London, 8. Juni.(Eigenbericht.) Nach der britifch-deutschen Ministerbefprechung in Ehequers wurde folgende gemeinsame Mitteilung veröffentlicht: Wahrend des Wochenendes haben der Reichskanzler und der Reichsalißenminister ihren Besuch in Chequers abgestattet. Von englischen Ministern waren anwesend, der Premierminister, der Außenminister und der Handelsminister. Am Sonntag gab der Premierminister ein Frühstück, bei dem folgend« Herren zum Teil mit chren Damen zugegen waren: der deutsche Botschafter, der Erste Lord der Admiralität Alexander, der Gouverneur der Bank von England, Bernard Shaw, der Unter- staatssekretär im Foreign Office, Sir Robert Vansittart, der Privotsekretär des Königs, Sir Clive Wigram. Sir Frederick Leich- Roß aus dem Schatzamt, Botschaftsrat Graf Bernstorff, Mr. Mal- colm Macdonald, sowie Fräulein Jstzbel Macdonald. Der Besuch war vor einigen Monaten zum Zweck« persön- licher Fühlungnahme vereinbart worden. Bei Gelegenheit dieser zwanglosen Zusammenkunft wurde i« freundschaftlicher weise die Lage erörtert, m welcher sich das deutsche Reich uud andere Industriestaaten gegenwärtig befinden. Die deutschen Minister betonten mit besonderem Rachdruck die Schwierigkeiten der augenblicklichen Lage in veutsckftand und die Notwendigkeit der Schaffung von Erleich. terungen. Die englischen Minister wiesen auf den internatio- oolen Charakter der derzeitigen Krise und ihre besonderen Rückwirkungen auf England hin. Beiderseits herrschte Uebereinstimmung darüber, daß neben den Maßnahmen, die jedes einzelne Land für sich zu ergreifen hätte, die Wiederherstellung des Vertrauens und die wirtschaftliche Wiederbelebung von internationaler Zusammenarbeit abhängig seien. In diesem Sinne werden beide Regierungen sich bemühen, die gegenwärtige Krise in enger Zusammenarbeit mitden anderen beteiligten Regierungen zu bekämpfen. Der Gouverneur der Bank von England wird noch diese Woche mit dem amerikanischen Staatssekretär Mellon in London eine Besprechung haben, wobei natürlich auch das internationale Schulden- Problem und Mahnahmen zur Behebung der Weltwirtschaftskrise erörtert werden. CtariiitS erläutert das Kommunique. London, 8. Juni. Reichsaußenminister Dr. C ur t i u s gab den Vertretern der deutschen Presse zum Kommunique folgende Erläuterung: Im Vordergrund der Aussprache hat die Lage Deutschlands und die ollgemeine Krise gestanden. Wir, insbesondere der Herr Reichs- tanzler haben«ingehend die finanziellen und wirtschaftlichen Ver- Hältnisse Deutschlands, die i n n e r e und äußere Lage, die Notwendig- kein von Erleichterungen in aller Offenheit besprochen und haben freundliches Verständnis gefunden. Worauf die englischen Kollegen Wert gelegt hoben, ergibt sich aus dem Kom- munique. Einzecheiten mitzuteilen verbietet die Vertraulich. keit und Freundschaftlichkeit der Aussprache. Wir sind übereingekommen, daß neben den Maßnahmen, die jedes Land für sich zu treffen hat. ein internationale» Zusammenwirken erforderlich ist. Darauf stellen sich beide Teile ein. Wir haben den englischen Kollegen, besonders Macdonald und seiner Tochter, unseren herz- lichsten Dank ausgesprochen und den Wunsch hinzugefiigt, ihre Gast- freundschaft zu vergelten. Wir hoffen, daß dies bald nwglich sein wird. Auf eine Frage hinsichtlich der internationalen Zusammen- arbeit erklärte der Außenminister: Wir haben die Perpftichtung. alles in Bewegung zu setzen um der gegenwärtigen Krise Herr zu werden. Die Anwesenheit des Gouverneurs der Bank von Eng- lang, des permanenten Unterstaatssekretärs des Foreign Office, Vansittart, und des englischen Finan.zsaclwerständigen Roß, ist van besonderem Wert gewesen. Die Besprechungen haben im wescnt- lichen der Wirtschaftskrise gegollen. Andere Probleme, wie z. B. das der Abrüstung wurden gestreift, aber nicht vertieft. Es war das erstemal, daß seit dem Kriege außerhalb einer internationalen Kon- ferenz deutsche Minister von englischen Ministern eingeladen worden sind. Diese Tatsache allein ist von außerordentlicher Bedeutung. Noch kein gemeinsames Borgehen. London, 8. Juni.(Eigenbericht.) Der Verlauf der Besprechung in Chequers wird von der ge- samten englischen Presse als„überaus glücklich" bezeichnet. D«„D-'Uh Telegraph' fügt als einziges Blatt hinzu, daß die«ng- lische und deutsche Regierung wahrscheinlich bald in Paris, den anderen europäischen Hauptstädten und auch in Washington vorstellig würden, um gemeinsame Mittel und Wege zur Behebung der deutschen Wirtschaftsnot und zur Lösung der Weltwirtschaftskrise zu finden. Wie aus der englischen Preste hervorgeht, ist eine gemein- same internationale Aktion zunächst nicht verabredet. Englische Warnung an llSA. Das Arbeitersonntagsblatt„The People" bringt unter der Ueber- fchrift„Was Deutschland» Ruin Amerika kosten würde" einen Artikel seines diplomatischen Korrespondenten, der eingangs auf die ungeheure Bedeutung des Besuchs der deutschen Staatsmänner hin-' %ur Chequers-ZKonferena; Pressevertreter warten vor den geschlossenen Toren des Land- schlösse? Chequers, wo die Konferenz der deutschen und eng- tischen Staatsmänner unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt- findet. wies. Es handele sich dabei um den zukünftigen W o h l st a n d eines jeden Briten. Das Unglück eines deutschen Bankrotts würde fast gewiß von einer Revolution begleitet sein. Eine deutsche Umwälzung könnte ganz Europa in Brand setzen, wobei Rußland gewiß nicht den untätigen Zuschauer spielen würde. Für Großbritannien würde es bedeuten, jährlich 33 Millionen Pfund Sterling zur Zahlung an Amerika aufzutreiben. Die Folgen für die Vereinigten Staaten würden noch ernster sein. Deutschlands Zahlungseinstellung würde die kleinen amerikanischen Kapitalisten Süll ZNillionen Pfund Sterling kosten, was die ohnehin schlimme Lage auf die Spitze treiben, vielleicht so- gar ein« Revolution zur Folge haben würde. Der Mann der kleinen amerikanischen Staaten des mittleren Westens, der geistig S0 Jahre hinter der Zeit zurück ist, lasse sich nicht erweichen, von seiner Forderung auf Zahlung der Kriegsschulden abzugehen. Er aber bilde bei weitem die Mehrheit der amerikanischen Wählerschaft. „S u n d o y Times" veröffentlicht ein Interview mit dem englischen Wirtschaftssührcr Sir A. B a i l e y, worin dieser anregt, England falle die wiederaufrollung der Reparationssrage durch Ausschiebung seiner Kriegsschuldenzahlung an Amerika erzwingen. Weltfrieden und Beseitigung der lähmenden Ungewißheit, so meint er. werden nur durch ein engeres Verhältnis zwischen dem britischen Weltreich, Deutschland und den Vereinigten Staaten kommen. „Daily Herald" schreibt im Leitartikel: Die Besprechungen von Chequers haben ihren Zweck erfüllt. Wenn in einigen Kreisen Ent- täuschung darüber herrscht, daß die Zusammenkunft der britischen und der deutschen Staatsmänner keinen Plan für eine so- fortige Aktion gezeitigt hat, so nur, weil man falsche Erwar- tungen gehegt hat. Zweck der Besprechungen war nicht, Pläne zustandezubringen oder endgültige Maßnahmen zu beschließen oder sie auch nur zu erörtern. sondern die Lage zu prüfen und jede Seite mit Standpunkt und Problemen der anderen Seile vertraut zu machen. Die Tatsache, daß dies geschehen, ist genau in dem Maße wert- voll, wie sie verwertet wird. Die Problem» sind erörtert worden; aber sie sind dadurch uicht verschwunden. Der nächst« Schritt ist, den Satz des amtlichen Kommuniques zu verwirklichen, der besagt,„in diesem Sinne werden beide Regierungen sich b e- mühen, die gegenwärtige Krise in enger Zusammenarbeit mit den anderen beteiligten Regierungen zu bekämpfen". Während der nächsten Monate müssen die Regierungen entweder direkt oder durch Genf oder in der vom Poung-Plan vorgesehenen Weise Mahnahmen ergreifen, um den drohenden Sturm ab- zuwenden. Es würde eine Katastrophe werden, wenn man warten würde, bis der Sturm losbricht, d. h. bis Deutschland von seinem Recht Gebrauch macht, den Transfer eines Teils seiner Reparationszahlungen anzuhalten, damit ein Loch in die Budgets jedes Gläubigerlande» zu reihen und die Zahlung der Kriegsschulden an Amerika unsagbar schwierig, wenn nicht unmöglich zu machen. Mit jedem Tage wird es deullicher, daß im Herbst eine solche Lage möglich oder beinahe u n v e r m e i d l i ch ist. Die Folgen würden unberechenbar, die indirekten Wirkungen auf den Kredit er- schütternd fein. Stockung der Reparationszahlungen würde nur der erst« Teil einer ganzen Kette wirtschaftlicher Erschütterungen werden. Die Frist wird mit jedem Tage kürzer, und die Unter- redungen in Chequers werden gar nicht abzuschätzenden Wert haben, wenn sie in absehbarer Zeit zu internationaler Zusammen- arbeit führen, um der Krise zu entgehen, deren Schatten die Welt bedeckt. Paris behauptet deutsches Oruckmanöver. Poris, 8. Juni.(Eigenbericht.) Das Chequers-Kommunique wird von der französischen Presse allgemein als der Beginn neuer Verhandlungen über das Reparationsproblem bezeichnet. Ein Teil der Pariser Presse kritisiert es, daß die Kund- gebung der Reichsregierung zu der neuen Notver- ordnung zu gleicher Zeit mit dem Beginn der Konferenz in Chequers veröffentlicht wurde. Die Kundgebung habe, so schluß- folgert der Sozialist Leon Blum, die englischen Minister gewisser- maßen vor eine vollendete Tatsache gestellt. Er fragt des- halb, warum man die Veröffentlichung nicht bis zur Rückkehr Brünings zurückgestellt habe. Der Sonderberichterstatter des„Matin" behauptet, daß Mac- donald und Henderson durch die Veröffentlichung der Notverordnung während der Konferenz in Chequers in Verlegenheit gebracht worden seien. Der„Temps" bezeichnet die Veröffentlichung während Chequers als ein Manöver, dazu bestimmt, den englischen Staats- männern die Hände zu binden und der„freundschaftlichen Unter- redung" mit den deutschen Staatsmännern jenen Charakter einer Verhandlung zu geben, de» die Londoner Regierung ihn«« niemals habe geben wollen. Erdbeben in England! Alarm in London. Glasgow, Edinburgh. London. S. Iuni.(Eigenbericht.) In England, Schottland und Teilen von Wales wurde in der Nacht zum Sonnlag gegen l.ZO Uhr ein starker Erdstoß v�e- spürt. Das Beben soll das größte gewesen sein, von dem Englavv bishcr betroffen wurde. Die Erschütterung war so stark, daß Kamine von den Dächern stürzten. Die Jeuerwehren und Sanitulsstationen der englischen Hauptstadt standen die ganze Nacht über in Alarm- b e r e i t s ch a f t. Größerer Schaden ist nirgends angerichtet worden. Der Herd des Bebens lag, noch amtlichen Jeststellua.icn, 140 Kilometer entfernt. Zu dem Erdbeben wird ergänzend gemeldet, daß es sich von der Südküste bis nach Glasgow und Edingburgh erstreckte. Aus Norfoll wird gemeldet, daß zur Zeit des Erdbebens der Himmel eine eigen- artige Färbung annahm und ein unterirdisches Getöse zu hären war. Ileberoll an der Küste sammelten sich am Strand die Bewohner, di« sich aus ihren Häusern geflüchtet halten. Trotz der Heftigkeit des Stoßes wurde bisher aus keiner Gegend, außer geringen Gc- bäudeschäden, nennenswerter Schaden gemeldet. Verluste a» Menschenleben sind bisher nicht bekannt geworden. Leichtes Erdbeben in Nordfrankretch. Pari», 8. Juni.(Eigenbericht.) In mehreren Stödten Nordfrankreichs, so u. a. ni Dünkirchen, Lille und Cherbourg, wurden am Sonntaj früh gegen'A2 Uhr mehrere leichte Erdstöße oerspürt. Die Häusel wurden erschüttert; Schaden wurde nirgends angerichtet, Fraktion und Notverordnung. Gemeinsame Sitzung mit dem Vorstand des AOGB. Der vorstand der sozialdemokratischen Reichslagssratlion und der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaslsbundes werden sich am Donnerstag in einer gemeinsamen Sitzung insbesondere mit den sozialen Bestimmungen der neuen Votverordnung beschäftigen. Am Freitag tritt dann die sozialdemokratische Reichstagssraktion zusammen. Vorher werden die Führer der Fraktion den Reichskanzler um eine Besprechung ersuchen, und zwar um zunächst näheres über den Verlauf und das Ergebnis von Ehequers zu erfahren und um klarzustellen, ob der Reichskanzler bzw. die Reichsregierung die Votverordnung als unveränderlich betrachten. Am Mittwoch wird sich der Aeltestenrat des Reichstags mit den Anträgen der Nationalsozialisten und Kommunisten, die von Hugen- berg und anderen rechtsradikalen Grüppchcn unterstützt werden, befassen. Da die sozialdemokratische Reichstagsfraktion sich erst am Freitag über ihre Haltung zur Notverordnung schlüssig werden wird, dürfte die Einberufung des Reichstags am Mittwoch kaum beschlossen werden. Giaaisverirag mit der Kirche. Heute wieder Landtagssitzung. Oer Preußische Landtag tritt heute um 13 Uhr nach mehr' wöchiger Pause wieder zusammen, um in einem kurzen SitzungS' abschnitt in erster Linie den Staatsvertrag mit dcn evan' gelischen Landeskirchen zu verabschieden. Heimgefunden. Die„Zievolutionäre" bei der KpO. gelandet. ' In dem Zentralblatt der deutschen Stalin-Partei fand man neuerdings folgende Mitteilung: SPD.-Studentenopposition zur KPD. Der Vorstand des„Arbeitskreises revolutio- närer sozialdemokratischer Studenten" sendet der „Roten Fahne" eine Erklärung, unterschrieben von Boppel, Dr. Heidenreich, Kampfert, Pütt und Schnaufer. In dieser Er- klärung, erklärt der Arbeitskreis revolutionärer sozialdemokra- tischer Studenten, dessen Mitglieder bisher ausnahmlos in der SPD organisiert waren, angesichts des Resultats des Leipziger Parteitags seinen Uebertritt zur Kommunistischen Partei. Das ist ja ein gewaltiger Zuwachs, den die Stalinisten da er- zielt haben! Aber sie haben ihre Erfolge nur zur Hälfte mit- geteilt. Denn tatsächlich haben sich die jetzt Uebergetretenen schon seit längerer Zeit in der sozialistischen Studentenschaft ganz im Sinne der kommunistischen„Linie" bewegt. Der sozialdemokratische Bezirksvorstand hat ihnen deshalb bereits am 12. Mai folgenden Brief geschrieben: Berlin, den 12. Mai 1931. Herrn Walter Plitt. Berlin NW. 87. Klopstockstraße 19. Der engere Bezirksvorstand hat sich in seiner letzten Sitzung mit Euerm Schreiben vom 23. April d. I. beschäftigt und be- schlössen, daß die Zugehörigkeit zum„Arbeitskreis revolutionärer sozialdemokratischer Studenten" mit der Parteizugehörigkeit unvereinbar ist. Er ersucht Euch, diesen Arbeitskreis auf- z u l ö f e n, da die taktischen Auseinandersetzungen nur im Rahmen der Parteiorganisation besprochen und behandelt werden können und nicht in einer Sonderorganisation der sozialistischen Studenten. Aus dem uns zugegangenen Rundbrief Nr. 1„Der revolutionäre Sozialdemokrat" erscheint uns auf Seite 7 die Tendenz dieser Organisation in der 6. und 7. Zeile durchaus eindeutig hervorzugehen. Sofern die Auflösung bzw. das Ausscheiden der beteiligten Parteimitglieder ans dieser Organisation nicht innerhalb 14 Tagen erfolgt ist, behalten wir uns weitere Schrille auf Grund des Organisationsstatuts vor. Die„revolutionären Studenten" hatten also nach berühmtem Muster sich als Sozialdemokraten ausgegeben, um ihre k o m m u- nistifche Zellenarbeit betreiben zu können. Um dem sicheren Hinauswurf— der nur durch das Stattfinden des Parteitags verzögert wurde— zu entgehen, haben die Zellenbauer es vorgezogen, gerade noch rechtzeitig„freiwillig" dorthin zu gehen, wohin sie schon lange gehörten. Der„Siegesjubel" bei der KPD. ist deshalb verständlich... Hochbetrieb im Rachaus. Haushaltsausschuß bei der Etatsberatung.- Dauersitzung. Der Haushallsausschuß der Slodlverordneleuver- sammlung begann heule vormittag die Beratungen über den Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1931. Die schwierigen Beratungen werden in fast täglichen Sitzungen den ganzen Juni hindurch fortgesetzt werden." Die Etatsberatung begann zunächst mit der Besprechung der Kapitel, die sich mit der Polizei beschäftigen. Dann ging man zur Beratung der Kapitel über das Vermessungswesen und die Tiefbauverwaltung über. Die Beratungen dauern zur Zeit noch an und werden auch in einer sllr heute nachmittag anberaumten Sitzung fortgesetzt werden. Beschlüsse wurden natürlich noch nicht gefaßt. 4- Heute tagte im Stadtoerordnetensitzungssaal die Schul- Vereinigung deutscher Städte unter dem Vorsitz von Stadtoberschulrat Dr. Schmitz- Düsseldorf. Oberbürgermeister Dr. S a h m begrüßte die Gäste im Namen der Stadt Berlin und des Deutschen sowie des Preußischen Städtetagcs, und wünschte ihnen für ihre Tagung, deren Hauptthema sich mit dem organischen und unorganischen Sparen auf dem Gebiete des Schulwesens besaßt, volles Gelingen. Im Schnee erstickt. Drei junge Menschen in den Alpen umgekommen. Paris. 8. Juni. Bei der Jean-Collet-Hütte(2200 Meter) im Belledonneumassiv stürzte gestern ein junges Mädchen, das deutscher Herkunst sein soll und mit fünf Gefährten einen Ausflug unternommen hatte, ab und fand auf der Stelle den Tod. Ferner gerieten neben der La-Pra- Spitze(2300 Meter), gleichfalls im Bellcdonnenmassiv, ein junger Mann und ein junges Mädchen aus Grcnoble in eine Schneewehe und erstirtten. Sie tonnten nur noch als Leichen geborgen werden. Gtraßenkampf in Chemnitz. Zwei Aaiionalsozialisten erschossen/ Zahlreiche Verletzte C h e m n i tz, S. Juni.(Eigenbericht.) 3n Chemnitz kam es am Srmntagmorgen zwischen vier und sechs Uhr anläßlich eines Gautages der sächsischen Rationalsozialisten zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern Hitlers und Sommnnisten. Zwei Rationalsozialisten wurden gelötet und zehn zum Teil außerordentlich schwer verletzt. Sechs davon mußten sofort in ein Krankenhaus geschafft werden. Der Gautag war für Sonabend und Sonntag angesetzt. Am Sonnabend marschierten die Hitlerianer auf. Schon bei dieser Ge- legenheit kam es wiederholt zu Geplänkeln zwischen Nationalsozia- listen und Kommunisten. Als dann am Sonntag morgen kurz nach fünf Uhr mehrere Nationalsozialisten die kommunistische Buchhand- lung im Hause Brühl 16 passierten, wurden sie zunächst mit Pflastersteinen beworfen. Einer der Nationalsozialisten wurde nach einem kurzen Wortgeplänkcl in das Haus gezogen und dort mißhandelt und festgehalten. Die übrigen alarmierten sofort das Hauptquartier der NSDAP., das etwa 40 Mann zur Befreiung des von den Kommunisten festgehaltenen Hitlcrianers entsandte. Die Nationalsozialisten wurden wiederum mit einem Steinhagel empfangen, auch wurden Schüsse abgegeben. Ais sie dann in das Haus eindringen, kam es im Erdgeschoß und auf der Treppe zu wüstem Handgemenge. Es wurden Pistolen, Dolche und Seitengewehre benutzt. Auch von der Straße aus wurde geschossen. Der 19jährige Oberprimaner S t e i n b a ch erhielt einen tödlichen Schuß. Steinbach ist der Sohn eines Chemnitzer Musikdirektors. Ein Ingenieur G u t f ch e aus Mittwcida wurde durch einen Bauchschuß schwer verletzt, an dessen Folgen er im Krankenhaus kurz nach seiner Einlieferung gestorben ist. Die übrigen Verletzten erhielten erhebliche Stich- und Schlag- Verletzungen. Unter ihnen befinden sich außer zehn Nationalsozia- listen auch mehrere Kommunisten. Die Polizei oerhaftete kurz nach dem Zwischenfall 6 8 Kommunisten, von denen später etwa zehn wieder cnt- lassen wurden. Außerdem beschlagnahmte sie in dem Gebäude der kommunistischen Buchhandlung Dolche, Seitengewehre und zahlreiche Hieb- und Stichwaffen. Mehrere Kommunisten, die an dem Vor- fall beteiligt waren, sind entkommen. Drei versuchten über die Dächer zu flüchten, konnte jedoch gefaßt werden. Andere, die über Mauern und Zäune zu entkommen versuchten, wurden von der Polizei beschossen. Mehrere Personen sind dabei leicht verletzt worden. Chemnitz, 8. Juni. Zu der Schießerei am Sonntag morgen wird ergänzend ge- meldet, daß sich in dem Hause am Brühl 16, wo der Zusammenstoß stattfand, eine kon. munistische Buchhandlung befindet, aus der die Schüsse fielen. Ein Schupokommando sperrte sofort das ganze Viertel ab. Die Kommunisten versuchten, über Mauern und Zäune zu fliehen. Da sie auf die Halterufe der Schutzleute nicht stehen blieben, schössen die Polizeibeamten, wobei sieben K o m- munisten verletzt wurden. Bei der polizeilichen Durchsuchung der kommunistischen Buchhandlung fand man Schuß- und Hieb- waffen, die beschlagnahmt wurden. Mehr als 70 Personen sind festgenommen und der Polizei zugeführt worden. Keuergefecht bei Aachen. Mit kommunistischen Demonstranten. Köln a. Rist. 8. Juni. Am Sonntagnachmittag kam es in Alsdorf zu schweren kom- munistischen Ausschreitungen. Die KPD. hatte einen Demonstrations- zug geplant, der jedoch von der Polizei nicht genehmigt wurde. Trotzdem versammelten sich etwa 600 Personen auf dem Marktplatze und zogen zum Kriegerdenkmal, wo sich ihnen Polizei und Land- jäger entgegenstellten. Als die Beamten versuchten, den Zug aufzulösen, wurden sie zunächst mit Steinen beworfen und, als sie den Gummiknüppel zogen, auch beschossen. Nunmehr griffen auch die Beamten zur Schußwaffe, so daß ein regelrechtes Feuergefecht entstand. Von den Demonstranten sind etwa 30 bis 30 Schuß abgegeben worden. In» zwischen hatte man das Ueberfallkommando in Aachen alarmiert, das in kurzer Zeit zur Stelle war und die Menge zerstreuen konnte. Später nahm man bei einzelnen Demonstranten eine Durchsuchung noch Waffen vor, die jedoch ergebnislos blieb. Von den Landjägern ist einer durch einen Steinwurf gegen den Unterleib schwer verletzt worden. Mehrere andere Beamte wurden gleichfalls durch Stein- würfe leicht verletzt. Nach Ansicht der Polizei müssen einige Kommunisten durch Schüsse verletzt, worden sein. Nähere Fest- stellungen lassen sich hier nicht machen, da die Verwundeten von den Demonstranten fortgetragen wurden. Kommunistische Llebersalle in Reuthen. Leulhen. 8. Juni. Wie das Polizeipräsidium Beuthen mitteilt, zogen am Sonntag mittag die Beuthiner Nationalsozialisten, verstärkt durch Gleiwitzer und Hindenburger Gruppen, gelegentlich der Einweihungsfeier ihres SA.-Heimes zum Moltke-Platz. Unterwegs versuchten Kommunisten Mitglieder ditz NSDAP, aus dem Zuge zu ziehen und rissen sie dabei zu Boden. Als die folgenden Gruppen des Zuges zu Hilfe eilten und den Kommunisten nachliefen, wurden bei der einsetzenden Schlägerei fünf Nationalsozialisten leicht am Kopf verletzt. Bei dem Eintreffen der Schutzpolizei stoben die Kommunisten auseinander. Kurz nach dem Auftreten des nationalsozialistischen Versammlungs- redners auf dem Moltke-Platz begannen erneut kommunistische Störungsoerfuche, so daß die Polizei den Platz räumen mußte. Hierbei griff eine größere geschlossene Grupe der KPD. die Vcr- sammlungsteilnehmer mit Stöcken an. Dabei wurden zwei an- scheinend Unbeteiligte durch Messerstiche verletzt. Sie mußten im Krankenhaus Aufnahme finden. Außerdem wurde ein National- fozialist mit einem Eisenstiick leicht am Kopf verletzt. Tapferkeit eines Nazimajors. Diäten nimmt er, Vorladungen nicht. Der Major a. D., Herr Walter Buch, Mitglied des Reichstages, lvar, wahrscheinlich weil seine Partei ihn anderweit nicht verwenden konnte, lange Sitzredakteur des„Völkischen Beobachters". Von dieser Zeit her schwebt gegen ihn bei dem Amtsgericht Berlin eine Be- lcidigungsklage. Das Amtsgericht Berlin ersuchte das Amtsgericht München, in dessen Bezirk Buch wohnt, um seine verantwortliche Ver- nehmung. Am Tage vor dem Termin zur Vernehmung reiste Buch nach Berlin und entzog sich ihr auf diese Weis«. Das Amtsgericht München beraumte einen neuen Termin an, war aber nicht im- stände, Herrn Buch die Ladung zuzustellen, da er in München nicht zu finden war. Nunmehr setzte das Amtsgericht Berlin Hauptoer- Handlungstermin an. Herr Major Buch ließ sich durch einen der Berliner nationalsozialistischen Anwälte verteidigen, der mit der Begründung, daß er ohne jede Information sei, um Verlegung des Termins bat. Nachdem der Herr versprochen hatte, binnen einer Woche anzeigen zu wollen, wann und wo Buch vernommen werden könne, wurde ihm die Vertagung bewilligt. Seitdem sind sechs Wochen ins Land gegangen, ohne daß der Verteidiger sein Versprechen erfüllt hat. Herr Buch läßt sich in München zwar von dem Geldbriefträger finden, der ihm die Reichs- tagsdiäten bringt, nicht aber von dem Postboten, dessen Mappe ihm unbequeme Zustellungen enthält. Die nationalsozialistischen Freunde Buchs werden seine Adresse kennen. Vielleicht benutzen sie ihre Wissenschaft, um ihn darauf auf- merksam zu machen, daß eine Kneiserei der von ihm beliebten Art eine Ilnwürdigkeit ohnegleichen ist. Ende eines Martyriums. Der Sohn erschlägt den Stiefvater. Da» Siedlungshaus Greveweg 18 in Tempelhos war gestern Schauplatz einer furchtbaren Familicnlragödie. In dem Hause wohnte der etwa 50jährige Gärtner Ernst G e s ch, der bei der Gemeinde Britz angestellt war. Gesch war starker Trinker, und es ist oft zwischen seiner Familie und ihm zu Streitig- keiten gekommen, die in Tätlichkeiten ausarteten. In den letzten Wochen war Gesch nur noch mit verkürzter Arbeitszeit be- schäftigt Er versuchte durch private Arbeiten bei Gartenbesitzern und Siedlungsnachbarn den wirtschaftlichen Verlust auszugleichen. Sorgen und drohende Arbeitslosigkeit steigerten die alkoholischen Neigungen des Mannes immer mehr. Auch seine Streitsucht wuchs und machte das Familienleben zu einem schier unerträglichen Mar- tyrium. Hinzu kam, daß die zweite Ehe, die Gesch vor kurzem ein- ging, sich als ein Fehlschlag erwies. Als gestern Gesch wiederum betrunken nach Hause kam und mit seiner Frau in Streit geriet, sprang der 35jährige Stiefsohn, der Friseur Ernst Graß, dazwischen. Mit einem schweren Hammer schlug er auf seinen Stiefvater ein, bis dieser blutüberströmt zusammenbrach. Dann schintt er ihm mit einem Rasiermesser die Kehle durch. Der Tod des Gärtners erfolgte auf der Stelle. Groß wurde von der Polizei verhaftet und gab bei seiner Ver- nehmung an, daß er seine Mutter vor den Mißhandlungen ihres Mannes hatte schützen wollen. Er führt seine Tat auf die innere Erregung zurück, die in ihm seit langem über die Behandlung seiner Mutter durch den Stiefvater wurmte und wütete. Groß gibt an, daß sein Stiefvater während des Streites an einen Schrank ge- gangen sei, in dem ein kleines Hackbeil aufbewahrt wurde. Die Untersuchung der Polizei geht dahin, festzustellen, ob bei der Tat des Groß Notwehr bzw. Notstand oder Ueberschreitung und damit Mord aus Jähzorn vorliegt._ Der Reichstags-Einbrecher. Und fein Einbruch bei der„Gefellschast gegen Einbruch"- Der aussehenerregende Einbruch in die Bibliothek de» Reichstags- gebäude» in der Rächt vom 24. zum 25. 3ull vorigen 3ahres. bei dem u. a. die Urkunde der deutschen Reichsverfassung vom 28. Mär; 1849 und andere wichtige Schriften und Bücher entwendet wurden, hat jetzt zur Erhebung der Anklage gegen den inzwischen ermittelten Täler, den Slrchenmaler Waller wohlgcmuth, geführt. Wohlgemuth ist vielfach vorbestraft und hat zuletzt eine Strafe von 3% Iahren Zuchthaus und 8 Jahren Ehroerlust erhalten. Bei dem Einbruch in die Bibliothek hatte er die Schreibtischkästen er- brachen und Gold- und Silbcrsachen im Werte von 3000 M., die der Direktor der Bibliothek während seines Urlaubs dort auf- bewahrte, mitgenommen. Als er diese Wertsachen bei einer Pfandleihe versetzen wollte, erregte er Verdacht. Vor seiner Verhaftung flüchtete er aber und hielt sich lange Zeit verborgen, bis er ermittelt wurde. Die Urkunden fand man bei einer Haussuchung in seiner Wohnung. Er behauptete nun, daß er von der kommu- nistischcn Fraktion des Reichstags beauftragt gewesen sei, zusammen mit einem gewissen Rosenkranz das Fraktionszimmer der National- sozialistischen Partei nach Papieren zu durchsuchen. Dabei sei er in das Bibliothetzimmer gerate» und habe den Diebstahl verübt. Man fand außerdem in seinem Zimmer eine Reihe von Dietrichen, Werk- zeugen und anderen Gegenständen, die aus Einbrüchen herstammten. Eigenartig ist dabei, daß wohlgemuth einen Einbruch bei der „Gesellschaft gegen Einbruch" in der Eledltschstrahe sowie einen anderen Einbruch in die Sakristei der Kirche in der Tannenberg- allee verübt hatte. Der Zlngeklagte spielte im Untersuchungsgefängnis, wie in früheren Gerichtsverhandlungen, den Geisteskranken, er ist aber bisher immer von den Aerzten für zurechnungssähig erklärt worden.« Eisenbahnunglück in Oberschlesien. Zwei Personenzüge zusammengestoßen. Beuthen, 8. Juni. In den späten Abendstunden des Sonntag fuhren auf der Bahn- strecke Beuthen— Brynnck am Ausgang von Pilzendorf zwei Per- sonenzüge zusammen. Dabei wurden, soweit bisher festgestellt werden tonnte, 12 Personen schwer und 15 leicht verletzt. Besonders schwer ssnd die Verletzungen des Lokomotivpersonals und einiger Reisender aus den ersten Wagen. Ein Lokomotivführer konnte erst% Stunden noch dem Zusammenstoß aus seiner ge- sährlichen Lage befreit werden Die Maschinen, Tender und die ersten Wagen der beiden Züge wurden stark beschädigt. Bald noch dem Unfall trafen ein Hilfszng der Reichsbahn sowie zahlreiche Feuerwehren, Sanitätslolonncn und Polizcibeamte an der Unfall- stelle ein. Die Schwerverletzten wurden durch Polizeilraftwagen in das Knappschaftslazarett Rokittnitz gebrocht. Die Leichtverletzten fanden zunächst Ausnahme im Hilfszug. lieber die Ursache he- Unglücks ist noch nichts bekannt. Stimmen über Leipzig Oer parieiiag im Spiegel der presse Die Katastrophe von München. Llntersuchung der Ursache: Selbstentzündung wahrscheinlich. München, 8. Iuni(Eigenberichlj. Die Untersuchung über die Ursache der Vrandkalaskrophe im Müuchcaer G las pa last ist noch nicht abgeschlossen. Nach einer amtlichen Mitteilung der Polizei ergaben die bisherigen Zest- stellungen keinerlei Anhaltspunkte dafür, dosz vorsätzliche Brand- stislung am Werke gewesen ist. Dagegen deuten die Ergebnisse mit großer wahrscheinlichkeil daraus hin. daß Selbstentzündung durch chemische Borgänge die Ursache des Brandes ist. In einem der Räume, in denen die Gemälde der Romantiker hingen, waren am Freitagabend von 6 bis S Uhr auftragsgemäß Maler damit beschäftigt, die graue Tönung der cholzlamperie zu entfernen und durch eine andere Farbe zu ersetzen. Das Entfernen geschah in der üblichen Weise mit Lappen aus Nesseltuch, die mit einer Mischung von Leinöl und Terpentin getränkt waren. Nach Arbeitsschluß, der durch die eintretende Dunkelheit bedingt war, wurden diese Lappen in dem dazu bestimmten Aufbewahrungs- räum für die Malergeräte gelassen, der an den Kopistensaal im Parterre grenzte. Nach übereinstimmenden Aussagen der Beobachter soll der Brand tatsächlich auch in dieser Gegend ausgebrochen sein. Der mit den Arbeiten betraute Malermeister, der mit mehreren Ge- Hilfen arbeitete, bestreitet allerdings auf das entschiedenste die Mög- lichkeit einer solchen Selbstentzündung. In seiner mehr als 20jäh- rigen Praxis sei ihm kein einziger derartiger Fall vorgekommen oder bekannt geworden. Seine Leute seien über die Feuergefährlich- keit im Glaspalast eingehend unterrichtet gewesen und deshalb hätte auch keiner von ihnen Streichhölzer bei sich geführt. Das Rauch- verbot sei strikte eingehalten worden. Die Sachverständigenkommission wird im Laufe des Montag an der Brandstätte selbst ihre Unterkuchungen fortsetzen. Auch werden die Versuche über die Möglichkeit einer Selbstentzündung mit den gleichen Materialien, die die Maler am Freitagabend ver- wendeten, neuerdings durchgeführt. Die Verluste der Naiionalgalerie. Die Katastrophe des Münchener Glaspalastes hat eine ganze Reihe deutscher Kunstsammlungen unmittelbar geschädigt, olle diejenigen, die zu der großen Romantikerschau beigetragen haben. Den schwersten Verlust hat die Hamburger K u n st h a l l e zu verzeichnen, aus deren Reihe von Meisterwerken Philipp Otto Runges, eins der Hauptstücke verbrannt ist: das Selbstbildnis des Künstlers mit seiner Gattin und seinem Bruder, einst im Jahre 1906 auf der Deutschen Iahrhundertausstellung allbewundert. Von München hatte man auch die Berliner Nationalgalerie um die Herlcihung einer Reihe von Hauptbildern ihrer Romantiker- sammlung ersucht, den Werken von Caspar David Friedrich, von Julius Schnorr von Carolsfeld. Geheimrat Iusti lehnte das ab und beschränkte die Herleihung aus Berlin auf fünf Werke, die nun zu Grunde gegangen sind. Eins davon ist ein besonders schmerzlicher Verlust. Die Nationalgalerie hatte aus ihrem großen Bestände an Bildern des Altberliner Karl Blechen drei Bilder geschickt, darunter als Hauptwerk den„Einschlagenden Blitz" aus der letzten Zeit des Künstlers— das in der Farbe dramatische Bild gehört leider zu denjenigen Blechens, von denen er keine Wieder- holung gemalt hat. Die anderen beiden Blechens sind kleine Studien, eine davon war in der Galerie nicht ausgestellt: das „Felsentor" und der„Durchblick in einen zerfallenen Klosterhof", wofür dieser interessanteste Berliner Romantiker die damals ver- wahrlost liegende Klosterruine von Chorin verwertet hat. Von Schinkel hatte die Nationalgalerie nur eine Replik seines Bildes eines Gotischen Domes nach München geschickt. Das fünfte Werk. das sie verloren hat, ist ein erst vor ein paar Jahren erworbener kleiner„David als Hirtenknabe" von dem Wiener Romantiker Joseph von F ü h r i ch. Jedenfalls muß die Münchener Katastrophe den deutschen Galerieleitern und Sammlern eine Lehre sein, in der Herleihung ihrer unersetzlichen Werke größere Vorsicht zu üben. Kür die Münchener Künstler! Ein Aufruf der bayerischen Regierung. Das Gesamtministerium und die Münchener Künstlerschaft er- lassen einen Ausruf, um die durch den Brand des Glaspalastes eingerissene Not zu lindern. Staatsregierung, Volksvertretung und Stadtrat München sind mit der Künstlerschaft darin einig, daß sofort Hilfe eingeleitet werden muß. Geholfen werden muß denen, die in den heutigen Zeiten drückender Not nun auch noch die Werte ihres künstlerischen Schaffens verloren haben. Geholfen werden muß der Kunststadt München, deren Kunstgeltung mit der Möglichkeit steht und fällt, ihr Kunstschaffen in einem Ausstellungsbau regelmäßig umfassend zu zeigen. Staatlicherseits ist für diesen Sommer sofort die Neue Pinakothek zur Durchführung einer Ersatzausstellung angeboten worden. Vordringlichste Ausgabe ist es, den durch die Brand- katastrophe in ihrer Existenz gefährdeten Künstlern durch rasche materielle Hilfe das Fortarbeiten zu ermöglichen. Wir richten da- her an alle, denen deutsche Kunst am Herzen liegt, den dringenden Aufruf, ihre Mithilfe an der Lösung dieser schweren Aufgabe nicht zu versagen. Gütige Spenden werden erbeten auf das Konto „Glaspalast-Hilfswerk" bei der Bayerischen Statsbank München. Bernard Ghaw:„Haus Herzensiod". Schiller-Theater. Die Familie zerfleischt sich selbst, obwohl es ihr an äußerer Behaglichkeit nicht fehlt, und obwohl die Bank von England jedem Mitglied stattliche Renten auszahlt. Die eine Tochter wurde durch Che eine Lady. Die andere hält sich einen Gatetn, der nichts anderes übt als Flirt und Ehebruchsversuche. Der Vater, so um die achtzig, abgedankter Seebär, Anhänger des Rums, also noch rüstig, wenn auch etwas oerrückt. Die drei malträtieren sich schauderhast, sie wollen sich nicht kennen, obwohl ein einziges Dach ihre Wutanjälle ausfängt. Vater und Töchter sind iinheilmagneten. Di« Lady schleppt hinter sich einen weibischen Anbeter, im Nebenberufe Diplomat. Die zweite bringt um den Verstand einen Narren, im Nebenberuf Industriekapitän. Der Alte bringt zur Vernunft ein junges Mädchen, erzogen für den Heiratsschwindel, im Hauptberufe tugendhaft und gesund. Dos ist ein Komödienstoff für Shaw. Denn er nimmt ja keinen ernst� er macht ja jeden locherlich. Aber diesmal wollte er etwas anderes. Er wollte jede Dame und jeden Herrn dieses Klüngels ernst nehmen und sogar tragisch-ernst. Jeder sollte seelisch ver- kümmern, weil er in einer falschen und verlogenen Welt lebt, in einer Kompromißwelt, wo der Anstand nach außen die Regel sein soll, und wo deshalb die Umständlichkeit nach innen die Regel wird. Man denke: In der englischen Komödie exemplisiziert das eine ganz ajigcitfchemftch. Schon reißt er den Frack von den Schultern, schon Max Rainer in der„V o s s i j ch e n Z e i t u n g": Die Sozialdemokratische Partei ist, trotzdem sie nahezu ein- gekreist ist und seit Jahren ununterbrochen berannt wird, nicht e r n st h a f t erschüttert. Gewiß, sie hat bei den September- wählen an Stimmen verloren und seither hier und da weitere Ein- buhen erfahren. Aber diese Schwankungen halten sich innerhalb des Durchschnitts der Wahlen seit 1920. Die Parteiorganisation selbst ist gewachsen, die Reservearmeen der Jugendlichen in den Sport- und anderen Verbänden recht bedeutend. Die innere Spann- kraftscheintnichtgelittenzuhaben.Abspaltungs- tendenzen sind nicht zu erkennen. Man hat den Ein- druck einer elastischen Widerstandsfähigkeit, eines echten Glau- b e n s a n d i e Z u k u n f t. Es ist offenbar eine ganz irrige Vor- stellung, daß die Partei alles tolerieren werde, weil sie müsse. Was man mit Schwächeanzeichen verwechselt, ist in Wirklichkeit eine in der deutschen Parteipolitik allerdings erstaunliche Wendigleit bei den taktischen Bewegungen, die nur als Resultat jahrzehntelangen poli- tischen Drills zu begreifen ist. Die Sozialdemokratische Partei ist trotz ihrer bedrohten Stellung eine sehr reale und große Macht. Rudolf O l d e n im„Berliner Tageblatt": Ob sie an der Regierung teilnimmt, ob sie die Regierung stützt, oder ob sie in der Opposition gegen die Regierung steht,— immer ist die Einigkeit dieser Partei von höchster Wich- t i g k e i t für alle, denen die Republik am Herzen liegt. Es ist, während die Taktik der Partei, des Parteioorstandes und der Reichs- tagsfraktion von vielen Seiten und aus mehreren Gesichtspunkten scharfer Kritik unterworfen wird, notwendig, festzustellen, daß dies Ergebnis des Parteitages jedenfalls von der größten Bedeutung ist. Der Faschismus hat in Italien ge- siegt, als dort die Sozialisten in viele Gruppen zerspalten waren. Wem unter den Republikanern, bürgerlichen oder sozialistischen. der Parteitag mit seiner Regie nicht gefallen hat, der möge sich den Jubel der Goebbels und Hitler vorstellen, wenn in Leipzig eine Sezession der sogenannten Linken erfolgt wäre. „B. O. Bachtel" in der„Kreuzzeitung": Werden die Gewerkschaftsführer die sozialpolitischen Ansprüche der Massen aus das durch die deutsche Lage gebotene Maß zurück- schrauben können? Die Frage muß offen bleiben, doch sei soviel gesagt, daß die Gewerkschaften im Bewußtsein der Arbeiterschaft tief als ihre Selbsthilfeorganisation verankert sind, demgemäß auch nicht zu erwarten ist, daß hier bei weiterer sozialpolitischer Ent- töuschung etwa eine Massenflucht einsetzen wird. Eher wird un- '.Kurl(fareis der von Hakenkreuzlern in München ermordete Sozialist, dessen Todestag sich am Dienstag zum zehnten Male jährt. legt er die Hand an den Westenknopf, an den Hosenknopf, da.... Da explodiert eine Zeppelinbombe. Denn es ist ja Krieg, Herbst 1914. Die teuflischen Luftschiffe beginnen schon, der Londoner City und ihrer lieblichen Umgebung erhöhte Aufmerksamkeit zu widmen. Weil Shaw diese etwas peinlichen Ereignisse bereits vor dem August 1914 ahnte, begann er seine Komödie. Sie schien ihm ein besonderes Bedürfnis, diese„beste" Gesellschaft mißfiel ihm. Er sah in ihre Häuser, wie Totenhäuser kamen sie ihm vor. Und gedieh darin einmal ein gradgewachsenes Gennit, dann mußte es ein» schrumpfen, wie etwa das junge Mädel, das keinen anderen Herzens- tröstcr findet als den vom Alkohol beschwingten Kerl. Shaw dachte aber nicht nur daran, die englische Gesellschaft bloßzustellen, sein Zorn richtete sich gegen die gesamte Bürgerlichkeit, die ihn höchlich anwiderte durch ihre Verlogenheit und Dekadenz. So ist diese britische Familie nur Symbol für das übrige Europa. Während die britischen Tommys sich im Herbst 1914 aus dem Festland gegen die deutschen Stahlhelmcr eingruben, stand Shaw an seiner Komödie, die eigentlich eine verkrachte Tragödie ist. Sein Humor wurde immer verbissener und verstiegener, die Leute auf der Bühne tun sich alle grundlos iveh. Shaw vergrößert die Gemeinheit der Welt, so wie es etwa Tolstoi und Tschechow, die genialen Ver- gröberer der Menschenbarbarei, taten. Shaw gab übrigens zu, von diesen großartigen Pessimisten zeitweise angekränkelt worden zu sein. Nur vergaß er zuzugeben, daß er Tolstoi und Tschechow nannte und eigentlich das genialste Monstrum dieser Dichtergattung, nämlich August Strindberg, meinte. In der Vorrede zu dem gedruckten Stück legt Shaw alles als Tragödie aus. Leopold Jehner, auch s6,on früher Theodor Tagger am Renaissance-Theater, kümmert sich nicht darum und steuert und stößt alles in die Karikatur hinein. Keines von den herzlosen gefähr das Gegenteil der Fall fein. Darin entscheidet sich aber auch das weitere Schicksal der Sozialdemokratie: solange sie die Gewerk» schaften hinter sich hat, ist ihr nicht beizukommen, ja, verbleibt ihre politische Führung in der Hand der Gewerkschaftsführer, so wird Deutschland bald eine um vieles gefährlicher« Sozialdemokratie haben. „Germania": Es war zu erwarten, daß sich die Parteiführung im Kamps um den politischen Kurs behaupten und durchsetzen werde; und es war auch kaum ernstlich zu bezweifeln, daß die Haltung der Frak- tion, deren Entscheidungen im einzelnen stark umstritten waren, Verständnis und Billigung finden würde. Der vorsichtige Skeptiker konnte eine iieberraschung höchstens insoweit erfahren, als er in Leipzig sehen mußte, daß die Vorstöße der Opposition nur auf sehr schmaler Front erfolgten, und der Erfolg der Parteiführung von den ersten Debatten an überhaupt nicht zu erschüttern war. So hat die Sozialdemokratische Partei die erste große Probe auf eine, subjektiv gesehen, sehr entsagungs- reiche Politik mit gutem Erfolg bestanden. Die Parteiorgani- sation ist trotz der scharfen Kämpfe der letzten Monate und trotz eines psychologisch überaus schwierigen Frontwechsels intakt ge- blieben; sie hat sogar«ine so ernste Belastungsprobe, wie die Re» bellion der neun Radikalen und ihre scharfe Verurteilung durch den Parteitag, ohne größere Schwierigkeiten überstanden. Die Po» sition der Parteiführung war gegenüber der Opposition so stark, daß sie es wagen konnte, den Machtgedanken der Autorität ohne jede Sentimentalität durchsetzen und gegen künftige Rebellionen die Sicherung weitgehender disziplinärer Maßnahmen aufzurichten. Die Partei ist gefestigter und disziplinierter von der Leipziger Tagung in den politischen Kampf zurückgekehrt. „Rote Fahne": Die Sozialdemokratie faßte ihre Beschlüsse in Leipzig alz Beauftragte, als Befehlsempfänger, als Knecht des herrschenden Systems. Sie mußte ihre sozialfaschistisch« Brüning-Politik fortsetzen, obwohl ihr ganzer Parteitag im Zeichen des politischen Bankrotts und einer dumpfen Angst vor den revo- lutionären Massen, im Zeichen einer matten Verteidigung an allen Fronten stand. Das Gespenst des Kommunismus warf seinen Schatten über diese ganze Tagung. In allen Reden und Debatten widerspiegelte sich die steigende Bedrohung des Masseneinslusses der Sozialdemokratie durch den kommunistischen Vormarsch. Geschöpfen des Stückes behält sein natürliches Gesicht. Alle werden zu Fratzen und Gespenstern, zu expressionistischen Ungeheuern. Die Natur, die Shaw noch in der Unnatur sah, bleibt für Ießner ganz undurchsichtig. So spielen die Künstler, wie das schon so oft aus Ießners Anordnung geschah, eher etwas Ausgeklügeltes als etwas Kluges. Von diesen spitzen, allzu schnell eintönig werdenden Karikotu- rrstentönen und Groteskgesten machen sich nur fre- die routinierte Naturalistin Maria Fein und Genia Nikolajewna, die junge Künst- lerin, die vor kurzem noch Ballett tanzte. Sie kann wcchl«ine liebliche Sentimentale des Schauspiels werden, wenn sie ihren slawischen Mund fleißig nach den deutschen Sprachgesetzen formt. Die übrigen, Frau Molly W e s s e l y, neulich noch Operettenstar, heute nicht ohne Erfolg zum Fach der Salondamen wechselnd, Elsa Wag- n e r, ferner die Herren Wäscher, Trutz, Florath, Donath, G r a n a ch und L e i b e l t, liesern sich widerstandslos, befremdend unselbständig, ihrem Regisseur aus. dlax Hochäorl. Oie Aoi des deutschen Theaters. Besserungsvorschläge. Die Vereinigung künstlerischer Bühnenvor» stände, die Berufsorganisation der Regisseure, Kapellmeister, Dramaturgen und Bühnenbildner, hielt Sonntag im Theaterwissen- schaftlichen Universitätsinstitut seine Hauptoersammlung ab. in der auch die Notlage der deutschen Theater zur Sprache kam. Man be- schloß, alle Berufsorganisationen des Theaters aufzufordern, zur Notlage der deutschen Theater Stellung zu nehmen, um dann in gemeinsamer Beratung Wege zur Wicdergesundung der Theater zu suchen. In einer nichtöffentlichen Sitzung wurde dann das Thema der Notlage der deutschen Theater allgemein zur Diskussion gestellt. Regisseur Karl Weißer behandelte das Thema in Hinblick vor- wiegend auf die privaten Theater. Ihr Niedergang fei nicht nur die Folge der schlechten wirtschaftlichen Lage und der Konkurrenz der Lichtspieltheater und des Rundfunks, sondern beruhe zum größten Teil aus inneren materiellen und künstlerischen Mißständen, die in den letzten Jahren im Thcaterbetriebe eingerissen seien. Er verwies insbesondere auf das Starsystem und das Rabattunwesen bei den Eintrittspreisen. Eine Besserung sei möglich durch die Rückkehr zur Reellität in künstlerischer und wirtschaftlicher Beziehung und durch das Zurücktreten, auch der Prominenten, zum Besten des Ganzen. Intendant Kronacher beleuchtete dann die Zustände an den gemeinnützigen Theatern. Die gesamte Atmosphäre be» dürfe auch hier der Reinigung. Das Theater müsse unparteiisch aber frei sein. Alle Theater müßten in der Abwehr unberechtigter Angriffe eine Schicksalsgemeinschast bilden. Der Verwaltungs- apparat sei zu beschränken. Das Theater müsse zum Volkstheater werden, in dem für billiges Geld wirkliche Qualität geboten werde. Der geschäftsführende Vorsitzende Dr. Sartori-Neumann unterstrich dann die Forderungen an die Presse noch ganz besonders. Er empfahl eine endgültige Stellungnahme zu neuen Stücken erst nach zweimaligem Besuch oder durch die Zusammenarbeit zweier Kritiker. In der Aussprache kamen noch mancherlei Auffassungen zur Geltung. Einig war man über die Vielseitigkeit der Gründe, die die gegenwärtige Notlage herbeigeführt haben. Die Vereinigung hat beschlossen, eine Denkschrift über die ganze Frage vorzubereiten. In der Hauptversammlung wurde auch noch eine Sympathie- kundgebung für Toscanini beschlossen sowie an den Preußische» Landtag ein Appell gerichtet, die einzige staatlich« Schauspiel» schule in Deutschland nicht eingehen zu lassen. Bücheravsstellung, Die Bibliothek NavolconS I. und der Kaiserin Marie Luise, die kürzlich austauchte, wird in einer Auswahl prächtiger Bände vom 11. Juni ab in den AuSstellungSrSumen der Staatsbibliothek zu sehen sei». Not der stellungslosen Schauspieler Kommunisten kochen Parieisuppe Die revolutionäre Gewerkschafts-Opposition(91(90.) hotte am Eonnabentmachmittag die Bühnen-Angehörigen zu einer Versamm» lung eingeladen. Es war eine ganze Anzahl von Künstlern er- schienen, die auf Grund der Propaganda der NGO. wohl erwartet hatten, daß man ihnen hier einen gangbaren Ausweg aus der gegenwärtigen Notlage zeigen würde. Davon konnte nun allerdings keine Rede sein. Vielmehr war die ganze Veranstaltung nichts weiter als ein herzlich ungeschickter Versuch, die anwesenden Künstler für kommunistische Ideen zu gewinnen. Der Hauptreferent, ein der KPD. angehörender Herr Warnke, brauchte eine Redezeit von annähernd einer Stunde, um die unerhörte Neuigkeit mitzuteilen, daß die Theaterkrise eine Begleiterscheinung der Weltwirtschaftskrise, und daß die Weltwirt- schaftskrise eine Folge des kapitalistischen Systems sei. Selbstverständ- lich befahl er zur Beseitigung aller Not die Gründung des allein seelig machenden kommunistischen Staates im Stile der Sowjet- Republik. Es folgten dann ebenso heftige wie unsachlich geführte Angrisse gegen den amtlichen Bühnennachweis, die Kollege N e r- k i n g, der als Vertreter des Nachweises erschienen war, in ruhiger, vornehmer und durchaus sachlicher Form zurückwies. Er führte aus, daß der Bühnennachweis natürlich kein Allheilmittel gegen die Arbeitslosigkeit darstelle, sondern daß er lediglich in der Lage sei, die bestehenden Vakanzen zu besetzen. Nachdem aber für 80 Positionen 22 000 Anwärter vorhanden seien, müßten bedauerlicherweise 4000 ohne festes Engagement bleiben. Eine Logik, der sich auch der ärgste Querkops nicht verschließen konnte. Der Clou der Veranstaltung war aber die Totsache, daß der der RG0. angehörende Kollege R. den aus Arbeitern gebildeten Agitproptruppen das Wort redete. Das heißt: Man ent- blödete sich nicht, einer Versammlung von arbeitslosen Schauspielern, die man für kommunistische Ziele zu gewinnen sucht«, mit allem Nachdruck darauf hinzuweisen, daß die kommunistische Partei in ihren Veranstaltungen beileibe nicht voran denkt, Künstler zu be- schästigen, sondern daß sie prinzipiell Dilettanten den Aarzug gib«. Die Schauspieler wissen also ungefähr, was sie von der KPD. und der RGO.-Untergruppe zu erwarten haben. Volksbühnenschauspieler als RGO.-Leute? Der Lokalausschuß der Berliner Volksbühne teilt uns mit, seine Mitgliederversammlung vom 4. Juni habe erklärt, daß der einstimmige Beschluß vom 22. Mai, geschlossen der RGO. beizutreten, nicht zulässig sei— laut Statut der RGQ., dos nur den Jndividuolbeitritt zulasse. Der Uebertrittsbeschluß sei außerdem von einem Genossenschaftsmitglied angefochten worden, weil die Versammlung am 22. Mai nicht satzungsgemäß einberufen worden war. „Der spontane Entschluß vom 22. Mai sollte in erster Linie ein Protest gegen die Leitung der Genossenschast Deutscher Bühnen- angehöriger sein und eine innerhalb der RG0. zusammengefaßte straffe Opposition bewerkstelligen. Eine Geheimahstimmuyg in der Lokalverbandssitzung vom 4. Juni hat ergeben, daß sich die überwiegende Mehrheit der bei dieser Versammlung anwesenden Volksbühnenfchauspieler für die RGO. ausgesprochen hat. Der Lokalausschuß der Volksbühne erklärt noch, daß er sich auf Anfrage eines RGO.-Vertreters offiziell gegen düe REO. ausgesprochen hat." Hierzu erfahren wir, daß die Versammlung am 4. Juni von etwa 30 Personen besucht war, von denen nur 11 von 30 Schauspielern im vertraglichen Verhältnis zur Volksbühne stehen, die Mehrheit der übrigen IS Versammlungsteilnehmer also nicht zur Volksbühne gehört. Die Leitung der Volksbühne hat die Volksbühnenfchauspieler nicht im Zweifel darüber gelassen, daß sie nur mit der zuständigen gewerkschaftlichen Organisation, der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehörigen, verhandeln kann und verhandelt und nicht mit der RGO. Will die KPD. neben ihrem Affentheater ein richtiggehendes kommunistisches Theater schaffen, mag sie es tun. Die große Mehr- heit der Mitglieder der Volksbühne läßt sich jedoch kein kam- munistisches Theater vormachen und sie wird auch«ine Zerschlagung der Volksbühne durch kommunistische Quertreibereien zu verhindern wissen. Oer französische Textilarbeiierstreik. Warnung vor Sen Manövern der Unternehmer. Paris, 6. Juni(Eigenbericht.) In verschiedenen Orten des nordfranzösischen Textilgebietes wurden am Freitag Generalversammlungen der sozialistischen Ge- werkschaften abgehalten, die sehr stark besucht waren. In der Ver- sammlung von R 0 u b a i x wurde einstimmig eine Ent- s ch l i e ß u n g angenommen, in der die Arbeiter vor den Manövern der Unternehmern gewarnt werden, die die Einig- keit der belgischen und französischen Arbeiter zu stören versuchten. Die Entschließung spricht dem Streikkomitee das volle Vertrauen der Arbeiterschaft aus und fordert es auf, die Ver- Handlungen mit den Unternehmern und der Regierung zur Bei- legung des Konfliktes fortzusetzen. Nach der Versammlung ging ein Umzug durch die Straßen von Roubaix vor sich. Ein Großindustrieller von Roubaix hat der Arbeiterschaft mit- geteilt, daß er sich verpflichte, die Löhne für ein Jahr nicht zu kürzen, falls die Arbeit am Montag wieder ausgenommen würde. Die Arbeiterdelegierten haben von diesem Angebot Kenntnis ge- nommen und werden darüber den Gewerkschaften berichten. Ltrlaub als Lohndmckmiiiel. Worauf ein Llnternehmersynditos verfällt. Dem Syndikus des Berliner Arbeitgebervevbam>es des Groß- Handels, Dr. Engel, ist es sehr unbeguem, daß sich der Ge- s amtverband nicht zu einer Herabsetzung der Lohne der Ar. beiter im Altmetallhanbel bereitfinden will. Um auf die Organi- sation und die nicht gefügige Arbeiterschaft einen Druck auszu- üben und zugleich sein Mütchen zu kühlen, hat er zu einem dikta- torischen Mittel gegriffen. Auf Grund der Tatsache, daß fest dem Jahresschuß 1930 für die Arbeiter des AltmetaAhandels ein Manteltaris nicht mehr besteht, hat er die Mitglieder dieser Fachgruppe im Arbeitgeber- lu-rband des Großhandels in einem Rundschreiben darauf hin- gewiesen, daß„für dieses Jahr die Bahn für eine neue Verein- barung über den Urlaub frei ist". Er fordert die Unternehmer auf, nach«man von ihm aufgestellten Schema die U.rboubs- sätze zu kürzen. Da dieser Syndikus aber ganz genau weih, daß die Arbeiter nach dem 1. April bereits einen gesetzlichen Anspruch aus Urlaub, und zwar in der Höhe des Vorjahrs erworben haben, empfiehlt er den Unternehmern, mit ihren Ar- beitern Sonderabmachungen zu treffen, wofiir er ihnen gleichfalls einen Entwurf übermittelt. Die Arbeiterschaft des Berliner Großhandels ist von ihren Uitternehmern, besonders aber von Herrn Dr. Engel, schon allerlei gewöhnt. Die gut organisierte Arbeiterschaft des Zlltmetallhandels wird ihm aber nicht den Gefallen tun, auf Ansprüche zu ver- ziehten, auf die sie ein klagbares Recht hat. Der Gesamt- verband hat seine Mitglieder aufgefordert, in keinem Betriebe San- derabmachungen über den Urlaub zu treffen, sondern die Kewäh- rung des Urlaubs in der vorjährigen Höhe zu verlangen. Er wird gegen die Unternehmer klagbar vorgehen, die sich weigern sollten, ihren Arbeitern den gleichen Urlaub zu gewähren wie im Vorjahr. I�eichsbahndirektor und„nationale" Arbeiter. Die TU. berichtet über eine von einem„Reichsverband notio- naler Eisenbahner"(Sitz Frankfurt) einberufene Werbeversammlung in Berlin, Bebrenstr 51/52. In dieser Werbeversommlung, unter Vorsitz eines Herrn Max Krüger, Frankfurt a. d. 0., hielt der Herr Reichsbahndirektor Laoerrenz(M. d. R.) das Referat. Wir beneiden weder die„nationalen" Eisenbahner um den Vor- trag des Herrn Reichsbahndirektors über den Poung-Plan, noch diesen um sein lammfrommes Auditorium, wollen vielmehr nur „das gute Einoernehmen" zwischen dem Reichsbahndirektor und der „nationalen" Splittergruppe der Eisenbahner hervorheben. Rücksechau. HannesKüpper und ErikReger- Essen unterhielten sich im Programm der Funkstunde über die Aufgaben der P u b l i- z i st i k. Sie schickten ihrer Darlegung eine Definition voraus, die den Begriff„Publizist" klären sollte. Redakteur und Journalist seien heute, so glaubten die Redner feststellen zu können, in ihrer Arbeit wesentlich bestimmt vom technischen Apparat und daher zu Hand- langern degradiert. Das mag für die amerikanische Presie umfassende Geltung haben, die, wie der Zeitungskönig Hearft einmal äußerte, Papier verkaufen will und die es bedruckt, weil es in dieser Form erfahrungsgemäß den günstigsten Absatz findet. Für die deutsche Presse trifft das aber sicher nur zum kleinen Teil zu. In den ernst- haften Zeitungen sitzt hier noch immer der verantwortungsbewußte Redakteur, dem Sinn und Zusammenhänge seiner Veröffentlichungen wichtiger sind als der absolute Schnelligkeitsrekord! für diese Zeitungen arbeiten noch immer Journalisten, dt« keinesfalls bloße Zuträger oder feuilletonistische Bearbeiter von Nachrichten sind, son- dern die' sie verantwortungsbewußt kommentieren und die das«in- mal angeschlagene Thema, dessen Behandlung in der Oeffentlichkeit ihnen wichtig erschien, nicht nach einem hitzigen Anlauf lange vor dem Ziel zurückziehen, nur um dem Lesepublikum etwas Neues als Sensation zu bieten. Es war bedauerlich, daß sich das Zwiegespräch auf diesen Ueberspitzungen aufbaute, die die Leistungen der deutschen Presse vor ihrem Publikum in eine sehr schiefe Perspektive rückten. Der Vortrag hätte in seinen positiven Darlegungen sonst ein Stück nützlicher Lesererziehung leisten und zur Abkehr von der Sensatwns- presie mahnen können. Der Zeitungsleser hat heute nicht mehr die Muße zur Lektüre wie früher. Die ameritanische Erfindung des in fettgedruckte Schlagzellen aufgelösten Textes erfaßte diesen Mangel. Statt aber dem Leser durch einzelne herausspringeude Zeilen Appetit auf das gründliche Studium des ganzen Artikels zu machen, nehmen diese heute vielfach den Inhält in primitiver Form vorweg, so daß dadurch bisweilen der Eindruck sensattonssüchtiger Oberflächlichkeft geweckt wird, auch wenn es sich um sehr eingehend behandelte Pro» bleme handelt. Daß ein Teil des Zeitungspublikums heute für ein vertieftes Zeitungsstudium durch solchen Schlagzeilenmißbrauch und durch die Sensationspresse verdorben ist, muß jeder ernsthafte Iour- nolist bedauern. Küpper und Reger forderten, daß allgemein die Grundsätze zielbewußter Publizistik wieder deutlich in den Vorder- grund gerückt werden. Sie stellten dem Publizisten, der sehr offen die Dinge beim richtigen Namen nennt, den Schimpfbold gegenüber, der aus Sensationsmache mit Kraftausdrücken in seinen Artikeln um- herwirft. Auch wiesen sie in ihrer Unterhaltung auf die großen Dichter hin, die früher vielfach als beherzte und leidenschaftliche Publizisten Heroortraten, während heute kaum noch einer sich dazu bereit findet. Erscheinen Artikel von bekannten Menschen, so sind sie bisweilen nur um der Zugkraft des Namens willen gedruckt und nicht, weil ihr Inhalt für die Leser wesentlich sachliche Bedeutung hat. Am Sonnabend brachte die Berliner Jugendstunde einen Vor- trag ausStefanZweigs Buch„DerKampfumdenSüd- p 0 l". D 0 r a S a l 0 s ch i n las mit stiller Eindringlichkeit die Schilderung von Scotts Wanderung durch das ewige Eis, besten un- endliches Schweigen eine Handvoll Menschenleben mit ihrem brennenden Forscherdrang lautlos aussog. Der Sonntag bot für Berlin eine Abendveranstaltung„Ber- liner in der Sommerfrische", die allerälteste Witze zum tausendundersten Male aufwärmte.„Ein heiterer Abend", kündigte die Funkstunde die Darbietungen an; man kann den Ausspruch ver- schieden betonen. Mit„Platten, die man nicht mehr kaufen kann", trat Hans Reimann vor das Mikrophon. Er brachte den Hörern, die Nachdenklichkeit und Komik solcher historischen Hörmenus zu würdigen wissen, manche Schauplattendelikatesse, die zwar nicht immer schmackhaft, aber doch meist eigenartig und pikant war. Des. Montag, 8. Juni. Berlin. 16.05 Prof. Franz Landsberser. Breslau: Die iroBe Epoche der Berliner Kunst. 16.30 I. Mozart; a) Rondo D-Dur: b) Fantasie D-Moll.(Erdniuthe Lindeiner- Wildau, Flügel.) 2. a) Bach; Arioso: b) Faur<: Apris un r4ve.(Hans Botterniund, Cello. Flügel: Julius Bürger.) 3. Schubert; Impromptu Es-Dur.(Erdmuthc Lindeiner-Wildau.) 17.0! Unendliche Woge. Kleine Kammerkantate nach Oedichten von Klabund, op. 14. von Karl Marx.(Robert Bröll, Tenor; Martin Busse, Klarinette; Hans Roltermund, Cello.) 17.30 FuBbailiugend vor 40 Jahren und beute.(Richard Qirulatis.) 17.50 Carl Sennewald: Wirtschaftsrundschau. 18.20 Unterhaltungsmusik. 19.25 Fritz Kortner und Hans Katka: Theaterkrise— Rolienkrise. 19.55 Mitteilungen des Arbeitsamts. 20.00 Orchesterkonrert. 22.00 Zeltberichte. Um die englische Sonntagsruhe. Weltkampi nm das Getreide. Aul der internationalen Weizenkonferenz in Rom am 27. März 1931. (Bearbeitet von Actualis.) 22.40 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königswusterhausen. 16.00 Prof. H. W. Michel: Förderung künstlerisch Begabter in der Volksschule. 17.30 Dr. Konrad Dürre. Lotte Theiie. Gesang; Lieder zur Arbeit. 18.00 Prof. Dr. Loewe: Der jüdische Volkshumor. 18.30 Dr. Gerhard Masur: Bildung und Oesellschaft in Deutschland im 19. Jahrhundert. 1S.5S Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Englisch für Anfänger. 19.25 Gartenbauinspektor Götz: Die Behandlungen«ngepfropfter Bäume im Frühjahr und Sommer.''..... C 19.45 Wetter für die Landwirtschaft. AnschlieBend: Ob.-Ing. Nairz: Viertelstnnde Funktechnik. 20.00 Frankfurt a. O.(Juersthnitt durch«ine Stadt. 21.00 Langenberg: Abendkonzert mit Franz Baumann. 22.00—24.00 Uebertragung von Langenberg. Krankentrausporte führen zu behördl. festgesetzten Preisen und für alle Krankenkassen K o p p' s ch e Krankemvagen aus— Bestellungenannahme in den Apotheken oder Sammel-Rr. vi— Norden 3422— kostenloser Bettennachweis— Tag und Nacht. Veranwnrtl. für hie Redaktion: Keebeet Lept«, Berlin:«nzelgen: Th.»lock«. Berlin. Verla«: Vorwörts Verla«®. m. b. S>.. Berlin. Druck: Sonnärts Surf), druckerei und Verlagsansialt Paul Singer& Co., Berlin SW ÖS. Lindenstrahe 3. Sierzu 1 Beilage. Montag, 8. 6. staats-Oper Unter d. Linden 280. A.-V. 20 Uhr Splsl oder Ernst Cznmalhihdi.TnBaili Gionni SdHean Ende g.22Vi Uhr Staats-oper In Pili] der RiffUil V.-B. 19', i Uhr Hoffmanns Enaniunoen OeffnU. Hirtnnrtul Ende n.22'/a Uhr Montag. 8. 6. staut. Oper Bismarckstr 19 Uhr Geschi.Vorstllg. Die WalKflre Ende n. 23 Uhr Staat). Stbansph. (in Bndirninnirkt). 47. R.-S. 20 Uhr Die Portugale- sisebe Sthladit Ende 23 Uhr Staat). ScliiHeater. Oiarlttig. 20 Uhr Emilia Galotli Ende nach 22'ö Uhr Reichshailen-Theater Allabendlich| w| Uhr Stettiner Sänger Zum Schluß: „Alles verrückt!" dilfvnit, 10.(.: Vinlenuftntn Panl BrltlOD. ftpigung* Rerfaurani Berlins BETRIEB* KEMPIHSKltJ Guido Thielscher _ erntet SlOrm« Mr Begclslening im Rose-Theater „DerJuM ist groß und berechtigt.*4(Tempo) Kur noch 14 Ta�e: „Der wahre Jakob1« Woehent. 8«, Sonnt. 5*6 u. 9 Uhr Rose-Garten Das erste Sommertheater Berlins! Woehent. S» Uhr, Sonnt. 5 Uhr Großes Konzert und internationaler Varielöteii. SUIetzte Woche;Die Schwankoperette:„Du Liebesverbot". Ab 15. Juni voilatAndig neuer Varietöteil u. die Operette von Joeef Snaga;„Der Hutmaoher Sr. Durchlaucht" Qr. Frankfurter Str. 132 E 7 Weichsel 3422 C-Bahn Strausberger Fiats BiUettkaeee geöffnet von 11— 1 und 4— 9 Uhr. Dienstag, den 9. Juni nachm. 4 Uhr Voilubtliine Hinter in nkivpliti. 8 Uhr Lumpazivagabundus Staat). Miiller-Tli. 8 Uhr Emilia Galotli Staatsoper Am PI.d.Republik Uhr Holtmanns ErzAblanaen p- Elite-Singer— Kottbusser Str. 6 Tlgf.SVi U. Die gnti ün- sUttbogi- Rme Pos« litt SdliM Fmien diu mkk»in! von HarryWalden Biumenmen Jeder Art liefert preiswert Paul Golletz rormete Robert Meyer Marlannenstr. 3 FS, Oborbaum 1303 JUERGE� Alexanderplatz Neue König« tr.4S Dasr_ köstlich erfrischende Sinalco ■felscraai zu T Generalvertreter S t a r i ck£ Krüger Landsberger Allee Ö— 7. Tel.: Alexander 4703, Königstadt 1666 Kautgesücnel liahngebM«, Bfatinchiiille. Quedftlbct Sinn- meialle. Silber- schmelze. Kolhschmel- aetti. Gbriftionot, Röpenirferfttafie 89. Haltestelle Adalbero strafte. Pninpen. Rührsn. Filter Eraafztille, Preisliste eritlt KottlaohD!. ipumpenfabrik MERLIII R 65. ku&tmbdif Sh. 95 (Beilage Montag, 8. Juni 1931 VprMM SinVmilfrTfSi Da- Buch will etwas Richtiges, sehr Einleuchtendes. Im Rahmen einer umfassenden psychologischen Volkshygiene habe als Ziel gesundheitlicher Erziehung der„gesunde Mensch" vorzuschweben. Verfasser will mit dieser Betonung der heute üblichen Ausklärungs- literatur über medizinische Fragen entgegentreten, durch die oft nur Bildung krankhafter Vorstellungen und Fixierung bestehender Be- fchwerden erreicht werde. Demgegenüber käme es vielmehr darauf an, sich in Leidenszuständen auf ein absolut positive» Ziel einzustellen, in sich das Bild zu entwickeln, nach dem man strebt. Alle; ander« bleibe Sache des Arztes Schon hier ist«inzuwenden, daß durch breiteste Besprechung von Krankheitserscheinungen neben einigen nachteiligen Folgen schließlich auch ein« größer« Beachtung geringfügiger Leiden allge- mein hervorgerufen wurde, wodurch so mancher Krank« früher und mit größerer Aussicht auf Erfolg in die Hand des Arztes kam. Trotzdem bleibt der Standpunkt des Verfassers anzuerkennen. Durch geeignet« Erörterungen über Fragen d«r Ernährung, der Genuß- mittel, Atem- und Bewegungskultur, Ruhe und Schlaf, Hautpflege und anders läßt sich der Boden bereiten für eine Körperschulung, die um so tiefer geht, je mehr die Anregung dazu zum Erlebnis führt. Hier erst entsteht für den Autor das Problem, wenn er nicht schnell vergessen werden will: Stil und Art der Schreibweise sichern erst breiten Erfolg. Hier aber verrammeln zuviel große Worte und lehrhafte Weit- schweifigkeit den Weg. Wir sind ja zuerst all« bereit, der Ankündi- gung zu folgen. Aber Seite um Seite wird uns die Lust daran verdorben. Die wenigsten von uns haben Zeit, über die medizinische Problematik der Erkenntnistheorie zur Gesundheit zu gelangen. Wendet sich aber Verfasser nur an diejenigen, die er vom„In- tellektualismiw" befreien will, so ist auch hier sein Erfolg Zweifel- hast: denn er bleibt selbst intellektuell. Außerdem vermissen wir manche wichtigen Fragen, z. B. Kultur des Geschlechtslebens und die sozialen Beziehungen der Dolksgesundheit. Heine.Adam. *) Dliels Kampmann Verlag, Freiburg i. Vr. Preis S M. WAS DER TAG BRINGT ■iiuniiiiiimnuiiiiiiiHimimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuniiniiimiiiiniinmiiiiiumniuiiiiiiinimiroiuunNmiimimiiiMiiiiitiiiiiumwmnt»iiittiiii morgens gegen fünf hören sie aus. Die guten Marrower wissen das darum so genau, weil sie vor lauter Gesang keine Nacht— schlafen können... Sie haben oll ihre Schuhe nach den übereifrigen Sängern versäileudert, es kräht kein Hahn— pardon: es schlägt keine Nachtigall danach, und sie wollen jetzt, zum äußersten getrieben, mit Schießgewehren gegen ihre Quälgeister zu Felde ziehen. Du lieber Himmel, denken wir, die wir dies lesen: so was gibts! Bei uns ziehen die RunfcfunkgeseUschaften mit ihrem Mikrophon in den Wald, um ihren von aller Natur abgesperrten Hörern den Genuß einer Nachtigall zu verschaffen, und die Nachtigall schweigt sich natürlich in allen Trillern aus, so daß man statt dessen ein Schall- pkattenkonzert einlegen muß, was einem sowieso schon zum Halse raushängt—— und in Marrow knallt man sie nieder! Gibt es denn gar keine Möglichkeit, mit Marrow halb und halb zu machen, etwa so, daß die Hälfte der Marrower Nachtigallen eingetauscht wird gegen die Hälfte der Berliner Motorradfahrer, die nachts ausgerechnet vor meiner Haustür ihren Motor anzukurbeln pflegen? Was sage ich: ich gebe die sämtlichen Berliner Benzinnachtigallen gegen eine einzige richtige Nachtigall aus Marrow, sofern sich selbe verpflichtet, die ganze Nacht vor meinem Fenster zu singen! Und warum, fragt mein empörtes Herz, ist es gestattet, die Nachtigallen einfach niederzuknallen, wohingegen man mllternächtlich ankurbelnde Motorradfahrer nicht niederknallen darf?? (NB; Ich besitze nämlich leider noch kein Motorrad!) Arbcitcr-Rascnspsele -ARBEiTEH TUSSBALL Minerva gegen Hertha 2:3(1:2) Im Neuköllner Stadion standen sich Minerva 28 und Hertha- Luckenwalde zum lcjjten Serienspiel gegenüber. Auch hier trat wieder daz zutage, was wir schon am vorigen Dienstag, kritisierten: Serienspiel« in der jetzigen Jahreszeit werden stets einen harten Charakter annehmen. Beide Mannschaften spielten von Anfang an auf Sieg, so dah es in der erste» Halbzeit«inen sehr flotten Kampf gab. Von einer Ueberlegcnheit einer Mannschaft konnte keine Rede sein, nur waren d«« Angriffe der Neuköllner etwas durchdachter. Einige Versuchsschüsse auf die Tore wurden eine sichere Beute der beiderseitigen Torwart«. In der 3. Minute schosz Minerva» Linksauhen scharf aufs Tor; Luckenwaldes rechter Verteidiger wehrt« absichtlich mit der Hand ab: Elfmeter! Scharf und flach geschossen prallte der Ball am Pfosten ab. Bevor aber ein Luckenwalder Spieler eingreisen konnte, hatte der MiUelstürnier zum Führungstor für Minerva eingelenkt. Hertha versnchte nun den Vorsprung aufzuholen, Minerva verteidigte aber sehr stark. Erst in der 2t. Minute konnte der Mittelstürmer einen von rechts gut vorge- legten Boll scharf am Torwart vorbei einsenden. Schuld an diesem Ausgleich hat Minervas vielbeinig« Verteidigung. Beiderseitige schnell« Vorstötz« wurden rechtzeitig von den Hintermannschaften unterbunden. Die Herthaoerteidigung versuchte ihr Heil im Ab- sestsstellen. Bei einem weiteren Versuch rutschte der Verteidiger vom Ball ob: Minervas Halblinker erfaßte schnell di« Situation und rannt« mit dem Ball auf und davon, seiner Mannschaft so zur völligen Führung verhelfend. Dann waren es wieder die Lucken. walder, die durch einen schnellen Durchbruch kurz vor der Pause den alten Stano wieder herstellten. Halbzeit 2:2. Die zweite Halbzeit stand 30 Minuten lang unter dem Zeichen der Luckenwalder. Immer gefährlicher wurden ihre Angriffe, so daß di« erwartet« Führung mehr alo einmal in der Lust hing. Aber erst in der 29. Minute tonnte di« Mitte«inen sehr gut einge- gebenen Eckball oerwandeln. Minerva warf dann die Mannschaft nach vorn, nur der Torwart blieb einsam hinten stehen. Doch durch das schnelle Ten'po der ersten Halbzeit waren beide Mannschaften reich- lich abgekämpft: alle Versuche, das Resultat zu ändern, scheiterten. So blieb es bei dem knappen, aber verdienten 3:2-Si«g der Luckenwalder. Weiter« Resultat«: Lichtenberg I g«gen Hoppegarten 2: 1. Eintracht-Reinickendorf gegen Hansa 6:2(3:0). Schwarz. Weiß gegen Weißensee 2 0:0. Sparta-Nauen gegen Eintracht- Spandau ö: 0. Elsthal gegen Volkssport Neukölln 1: 1. Weißen- see gegen Drewitz 2: t. Schöneberg gegen Staaten 6: J. Blankenburg gegen Schwarz-Weiß 2 11:0. Vorwärts- WeRüng gegen Freie Scholl« 0: 3. Teltow gegen Wilmersdorf 9: 0. Nauen 2 gegen Eintracht-Spandau 0: 7. Schönberg 2 gegen Saxonw 2 1: t. Vor- wärts 2 gegen Frei« Scholle 1: 3. Teltow 2 gegen Wilmersdorf 2 1:3. Iugendmannschasten: Minerva gegen Staaken 9: 1. Vorwärts- Wedding gegen Saxonia 1: 3. Minerva 2 gegen Brandenburg 2:1. Dienstag: Pankow gegen Wilmersdorf. Morgen stehen sich auf dem Sportplatz in der Kissingenstraße in Pankow der dortige Bezirk der FTGB. und Wilmersdorf in einem Fußballtreffen gegen- über Beide Mannschaften werden in ihrer stärksten Aufstellung antr«ten, so daß das Spiel, das um 18.30 Uhr beginnt, einen inter- esianten Verlauf zu nehmen verspricht. V�XJYdJoCKlUU Mahlsdorf gegen Osten 4:4 Eintracht- Mahlsdorf und F T G B.- O st e n standen sich gestern im einzigen Serien spiel der l. Klasse gegenüber. Beide Mannschaften teilten sich In die Punkte. In der ersten Halbzeit waren die Mohlsdorfer überlegen und setzten Schuß auf Schuh gegen Ostens Heiligtum. Trotzdem gelang es ihnen, nur einmal er- folgreich zu fein, denn der Torwächter von Osten meisterte alles. Bald nach der Pause hatte Mahlsdorf das zweite Tor errungen, während Osten erst dann Gelegenheit hatte in kurzen Abständen den Ausgleich zu erzielen. Wieder waren es die Mahlsdorfer, die mit dem dritten Tor in Führung gingen, doch zog Osten bald gleich. Dann waren es wieder die Ostenstürmer, die ihrer Mannschaft zum Führungstor verhalfen. Lange sollte die Freude aber nicht dauern: Mahlsdorf stellte wiederum den Auegleich her. Bis zum Schlußpfiff war es dann keiner Mannschaft mehr möglich, etwas zählbares zu schießen, so daß das Schluhresultat 4: 4 lautete. Bei Osten mangelte es an der nötigen Zusammenarbeit des Sturms: die ganze Mannschaft konnte sich auch nicht mit dem Boden abfinden. Bei den Mahledorfern war der Mittelläufer die treibende Kraft. FTGB.-Süden veranstaltete ein Blitzturnier für Jugend- Mannschaften, wobei folgend« Resultate erzielt wurden: Süden 2 gegen Reinickendorf 0:S(0:1); Kaulsdorf gegen Süden 1 0:9 (0:6): Reinickendorf gegen Wedding 0:4(0:0): Süden 2 gegen Kaulsdorf 2:4(1:1); Süden 1 gegen Wedding 0:2(0:2): Kaulsdorf gegen Reinickendorf 3:1(3:0): Wedding gegen Süden 2 8:1 (3:0): Reinickendorf gegen Süden 1 1:7(0:3): Wedding gegen Kaulsdorf 13: 0(7: 0): Süden 1 gegen Süden 2 1:0(bei Halb- zeit wegen Gewitter abgebrochen). Der Stand de» Turniers: Wedding 8:0 Punkt«(27:1 Tor); Süden 1 6:2(17:3): Kauls- dorf 4: 4(7: 2S): Reinickendorf 2: 6(7: 14): Süden 2 0: 8(3: 18). AItcrs-Riegcii~FausibalItuniier Auf den schönen Plätzen am Faulen See in Hohenschönhausen trafen sich am Sonntag die Altersriegen des 1. Kreise, im Arbeiter-Turn- und Sportbund. 17 Mannschaften stellten sich um 9 Uhr der technischen Leitung, insgesamt 100 Spieler der älteren Iahresklassen. In 56 Spielen konnten sich die Luckenwalder Turner mit beiden Mannschaften und je fünf Spielen und Siegen ungeschlagen an die Spitze bringen. E» folgen FTGB.- Osten und ASV.-Neukölln mit je drei gewonnenen und einem oer- lorenen Spiel. Den nächsten Rang belegten FTGB.-Hohenschön- hausen und FTGB.-Osten 2 mit je zwei gewonnenen und zwei ver- lorenen Spielen. Wien-Ausscheidungen der Kanufahrer Boofsweihe beim Reichsbanner Am gestrigen Sonntag fanden vor dem Reichsbanner-Bootshaus in Köpenick die Ausscheidungskämpfe der Kanufahrer zur Wiener Olympiade statt. Beteiligt hatten sich FTGB.- Kanubezlrk, Freie Kanu-Union Berlin, Freie Faltbootfahrer Berlin und Freie Schwimmer Charlottenburg vom 1. Kreis, sowie die Freien Kanusahrcr Spremberg vom 16. Kreis. Stettin und Guben hatten abgesagt. Das Bootshaus der Reichsbonncr-Wasserfportabteilung stand in großem Festschmuck. Sieben hohe Masten mit schw orzrot- goldene ni Flaggenschmuck sowie mit den Bundes- und Vereinsflaggen der Arbeiter-Ruder- und Kanuvereine zeigten an der Grünauer Wasserstraße, daß bei den Arbeiter-Wassersportlern etwas ganz Besonders los ist. Es war deshalb ein glückliches Treffen, daß man die Olympiadeausscheidungen zusammenlegte mit der B o o t s t a u f e, die beim Reichsbanner stattfand. Die Wettkämpfe, die durch einen plötzlich einsetzenden Sturm und Platzregen in den Zeiten sehr beeinträchtigt wurden, nahmen trotzdem einen guten sportlichen Verlauf. Im ersten Rennen starteten die Männer im Faltboot- einer über 1000 Meter. Zwei Boote der Freien Faltbootfahrer Berlin und eins vom FTGB.-Kanubezirk fanden sich am Start ein. Willy Kotze vom Kanubezirk ging gleich in Führung und konnte durch feinen ruhigen langen Schlag einen nicht mehr einzuholenden Vorsprung erreichen: 50 Meter zurück folgte Raschke von den Freien Faltbootfahrern Berlin. Im Alleingang fuhr eine Union-Monnschaft im Zweierkajak(unbeschränkte Holzboote). Die Zeit dürfte allerdings nicht für die Olympiade ausreichen. Im Faltboot- zweier für Männer(1000 Meter) starteten je eine Mann- schaft von der FTGB., den Freien Faltbootsahrern und den Freien Konufahrern(Spremberg). Noch geschlossenem Start fanden sich alle drei Boote bis zu 600 Meter immer noch Bord an Lord. Im Endspurt erst machten sich die Sprembcrger frei, gefolgt von FTGB. und 2 Sekunden später van den Freien Faltbootfahrern. Im 'Faltbooteincr für Frauen über 600 Meter paddelte Margarete Scholz von den Freien Schwimmern Charlottenburg ein« sehr gute Zeit, sie dürste für Wien in Frage kommen. Da Deutsch- land für die Olympiade 28 Kanufahrer zu stellen hat, die in vier Berbandskreisen ausscheiden, kommen aller Wahrscheinlichkeit für Wien in Frag«: Faltbooteiner für Männer: Willy Kotze(FTGB.) 0: 24,2 Minuten: Faltbootzweier für Männer: S ch m i e d ch e n und K o s s a ck(Spremberg) 6:18.1 Minuten: Faltbooteiner für Frauen: Margarete Scholz(Freie Schwimmer Eharlottenburg) 4: 23,0 Minuten.— Die endgültig« Entscheidung trifft der Bundes- wasierfportwort in Leipzig. Anschließend an die sportliche Veranstaltung fand di« Taus« von vier vrreinseigenen Booten der Wasser- sportabteilung des Reichsbanners statt. Zahlreich hatten sich die Gäste, Vertreter der Behörden und der Dundesoerein«, letztere größtenteils in ihren Booten, eingefunden. Die Kapell« de» Reichsbanners Treptow gab di« musikalisch« Einleitung. Stelling, MdR., Gauvorsitzender des Reichsbonners, hielt di« Festansprache, Bürgermeister M i e l i tz vom Bezirk Friedrichshatn taufte die Boote. Als da« Reichsbanner das letzte Mal aufmarschierte, hotte es Trauerflor um fein Banner: es galt unserem Genossen Müller die letzte Ehre zu erwelsen. Sein Name soll auch hier nicht vergessen sein und so heißt der erst« Doppeldreier des Verein» Hermann Müller". Den Namen eines anderen treuen Republikaners trägt der erst« Kanuvierer des Reichsbanners:„W a l t h« r R a t h e n a u." Wir gedenken ferner der Stadt.« der die VerjaKmg der Republik da« Licht der Welt erblickte, die für die alte Herrschaft das Ende bedeutete:„Weimar" fei deshalb der Name des Kanuzweisr». Immer stürmischer rennt diese alte Herrschaft wieder gegen die Republik an. Reichsbanner und Arbeitersportler werden mit der übrigen sozialistischen Arbeiterschaft den ewig Gestrigen entgegen- treten und ihnen Halt gebieten: so heißt der andere Kanuzweier „Frei Heil". Nachdem noch O e l s ch l ä g e r vom Kartell für Arbeitersport und Körperpflege und S z u m a n n für die Ruder- und Kanuspart« im 1. Kreis, sowie die Vereinsvertreter ihre Glück- wünsche ausgesprochen und Freundschastswimpel überreicht hatten, gingen die Boote zur ersten Fahrt zu Wasser. Sawall— Maroimicr Gestern auf der Olympiabahn Das Treffen Sawall— Maronnier und der Start der Deutschlandfahrer auf der Olympiabahn brachte nicht den«rhosften Massenbesuch: nur etwa 2500 Besucher mochten er- schienen sein. Di« Steher— außer Sawall und Maronnier, starteten Manera, Hille und Wolke— stritten in drei Läufen über 20, 30 und 50 Kilometer um den„Preis der Deutschlandrund- fahrt", deren längster Lauf vier Kilometer vor Schluß infolge Regens abgebrochen werden mutzte. Die Veranstalter kamen so noch in den Genuß der Regenversicherung. Im Gesamtresultat des Dauer- rennen, wurde Sawall Steger, der einmal die beiden ersten Läufe gewann und bei Abbruch de» dritten an zweiter Stelle hinter Maronnier log. Im ersten Lauf, der in der Reihenfolge Wolke, Manera, Hille, Sawall und Maronnier gestartet wurde, arbeiteten sich Sawall und Maronnier bald nach vorn und hielten den ersten bzw. den zweiten Platz mühelos bis zum Schluß. Während des zweiten Laufes, der in umgekehrter Reihenfolge begann, nahm Sawall nach mehrmaligen Angriffen den führenden Maronnier die Spitze ab. Anders der dritte Lauf. Wolke, der anfangs di« Führung vor Hill«, Manera, Maronnier und Sawall hatte, wurde sofort durch Hille von der Spitze verdrängt, der wiederum Maronnier Platz machen mußte. Dann drehte Sawall auf, um sich in kurzer Zeit dicht hinter den Franzosen zu legen. Seine Bemühungen, diesen zu passieren, scheiterten aber an der Widerstandstraft des Führenden, bis dann der Regen den Zweikampf beendet». Von den übrigen gefiel Manera am besten. Das vorange- gangene Matsch„Omnium der Deutschlandfahrer" wurde ein« Beute Thierbach». Ein Mannfchaftsverfolgungsrennen Bahnfahrer gegen Straßenfahrer— behaupteten sich die letzteren. Die Resultate waren folgende: Pvel» der D-utsch�ind«ai>rt. 1. Louk. A ÄilowetrtJ l Soswll 17:49,*: 2. Man-ra 7* M«tN! 3. Waronni« 86 t. biüt 47« Mrtcr:». N. Wo Sc 750 Sftritt»uifttf. 2.«auf. 80 Äilomrtcr: 1. Dowall 25:80,6: 2. Moronnl-r 190 Mrt-r:*. Slon-ro 220 SSUtoi: 4. Kilir 290 Meier: 5. 5R. TeNe 1*10 M»t-r jmrilrf. 3. Sauf. SO Aitoiretrt ibti 46 Jülom-lrt abftttrt.): 1. M«ron»ir, 9*:.M! I. SaaraH 40 Meter: 3. Manrra 260 üfrttr; 4. fflolte SSO Meter: 5. Hille 510 Meter aurürf. Sesam t: 1. Sawall 17 IRuirtU: J, Marrnnler 1«: S, Manera 13: 4. Hill' 8: 5. WoSc 7 Punkte. MatS-Oimnum: 1. Lauf, Malfatirrn: 1. Stbvcl: llllierdach: 3. eienti; 4, Bulc: 5. Metze: 6. Scner. 2. Sauf, 10«llunde» ziunktrfaliren: 1. Ititerbach 5:41, 12 P.: 2. Sener 10 P.t 9. Aietz« 9 St.: 4. Sttipel 8 U: s. öieael 8 P.: 6.»use S P. 3. Lauf Versatau»,»r»,lil,n! 1. Thierbach 5:44,3: 2. Srner: 3. Ltövcl: 4. Buke, 5. Metze: 6.©Iffltl. Gesamt: 1. Thierbach 22 P.: 2. Etiy»! 17 P.: 3. Scner 15 P.: 4. Metze und Siesel j- 12 P.: fi. Bulle 11•$.•Monnfchaftsnctfolqunsäwmwn: 1. Metza-Seyer-Thierbach» SiesthStBoel-Sule 6:20,6; 2. Lehinatrv-WiIsel-EngtIinaim.Dorii.Grbr. Nickel 30 3Äritc 67 Wagen am Ziel. Die 10 000~km-Fahrt beendet. Die Nordschleise der Avus in Berlin bot am Sonnabendnach- mittag ein festlich beevegtes Bild, galt es doch, die Teilnehmer der vom Automobil-Club von Deutschland veranstalteten 10 00 0 Kilometerfahrt in Empfang zu nehmen. Schon wenige Minuten nach 15 Uhr rollten als erster der Wertungsgruppe 1 die DKW.- Frontantpiebwagen von G Wimmer und H. Rasmufsen heran. Nur schrittweise kamen die Fahrer bis ans Ziel: man überreichte ihnen Kränze und Blumen und Hunderte von Händen streckten sich ihnen zur Begrüßung entgegen. Der Tatra- wagen von Hückel und der Riley der Engländerin Mrs. Mosttague- Iehnstone waren die nächsten und dann folgten in kurzen Abständen die übrigen. Schon kurz nach 15'� Uhr passierte E. Vallcntin mit seinem Mercedes-Benz als erster der Großen die Ziellinie. Wenn auch die letzte 930 Kilometer lange Etappe von Budapest über Wien und Prag nach Berlin keine nennenswerten Schwierig- leiten mehr geboten hatte, so merkte man doch allen Fahrtteil- nehmern deutlich an, daß sie froh waren, diese strapaziöse Fahrt durch fast ganz Europa glücklich überstanden zu haben. Ein großer Teil der Bewerber war bereits im Laufe der Vormittags- und Mittagsstunden vor den Toren der Reichshauptstadt eingetroffen. Die Wartezeit bis zur Eröffnung der Zielkontrolle wurde von vielen dazu benutzt, dle Wogen zu reinigen und so sahen viele Fahrzeuge aus, als ob sie soeben frisch aus der Garage gekommen wären und nicht von einer fast vierzehntägigen 10000-Kilometer-Fahrt. Ge- schloffen fuhren die verschiedenen Teams, so von BMW., Wanderer, Fiat, Walter und Ford, durchs Ziel, jedes einzelne lebhaft begrüßt und mit Blumen empfangen. Viel Aufsehen erregte die „F a m i l i e n t u t s ch e" der Wolfs, die von den fünf Insassen des Wandererwagens mit Girlanden geschmückt worden war. Aber auch andere, über und über mit Staub bedeckte Wagen konnte man sehen. In der Minervalimousine des Belgiers Pifart schlief der Monteur den Schlaf des Gerechten, auch noch, als der Wagen von den Zielrichtern in Empfang genommen wurde. Um 15.50 Uhr hatte als letzter der„Kleinen" der Aero-Zweizylinder des Tschechen Turet die Zielkontrolle passiert. Anschließend vollzog sich ebenso glatt die Ankunft der„Großen", von denen nach Vallentin die beiden Mercedes-Benz von E. Bieber und C. von Schubert sowie P. v. Guilleaume auf Steyr die ersten waren. D i e Preisträger: 1. Peels«. Gruppe t: G. Wimmer sDKW), L. J!a»mussen IDkiW.l, G. Macher IDktW.). N. Sasse iWauderer). Siickel(Tatra),{ftou Montaaue» Isdnstime(Nilen), C. Calbach(GMW.l. M. Nudat(BMW.). A.«ahlMI. 9), L.».•iHoffan(Sonsinas). fl. Maiutchavskn(Prosa),<5. Lander.(Adler). A. Guiknecht(Adler), M. Livpmann IWairderer) W. Bau(Mondcrcr), E. Loch« (Wanderer). G. L. yrickl-itideintdol(Tatra), D. M. Senlrn(Nilen). H. Soff- mann(Brennabor). G. Leandord(Brennabar), I. Grat Sptcsel.Diesenbers (Drasa). 0. Watt(Wanderer), 0. Sfikcmcl(Atta). B. Wosener(Fiat), S. fflelf (Rat). A. Klein fr.(Iiat). A. Baillat(Peusevt), H. Ltubcr(Peuscot). B. Türe«(Aerp), t>. Petit(Licarna). Gruppe II: P. v. Gvilleaum»< St rar), H. G. Lonsen(Mercedec-Beni), ss.»> Schubert(Mercebes-Ben,). s. I. Bernek(Wanderer), D. v. Bitzn(Anstra- Daimler)., G. Hannamann(Tard), Tri. e. Mann(Tard), I. van dar Meuleu(Tard), A. Grmimüllcr(Audi). ffi. Schrat(Audi),«. Baue(NSU.). Dr. g. Ldwonqard(TiaO, CJ). Bali» raitnoult), Wassersportliches Internationale Motorbootregatta beendet Am letzten Tage der i»f e rnä tiona l e n Motorboot r e g a t t a auf dem Templiner See gab es bei schönem Wetter mck» vienig bewegtem Wasser noch einmal interessante Rennen. Der Glanzpunkt war das Outbordrennen der Klasse bis 1000 Kubik- Zentimeter, das über 14 Runden(42 Kilometer) ging, und in dem infolge zu starker Beanspruchung der Motoren nur zwei Boore ans Ziel kamen. Als Sieger ging der Spanier Ivanray aus dem Rennen hervor, der sehr gleichmäßig fuhr, vor dem Berliner P. Bartz. Den Landerkampf gewann Schweden durch den knappen Steg von Lindquist gegen Dr. Kann, hinter dem der Schwede Oldenburg dritter war. Schweden erreichte 2461 Punkte, während sich die deutsch« Mannschaft mit 1970 Punkten begnügen mußte. Die deutsche Meisterschaft fiel an den Franzosen Vasseur, der den Schweden E. Persson und den Spanier Ivanray als die Nächsten hinter sich ließ. Berliner Frühjahrsregatta. Auf dem Langen See bei Grünau wurden am Sonntag die Haupttämpfe'zur Berliner Frühjahrs- regatta der bürgerlichen Vereine abgewickelt, di««inen reibungs- losen Verlauf nahmen und zum Teil schön« Positionskämps« brachten. Im Riemenzweier v. St. übernahm der Berliner RC. so- fort die Führung und gab sie vermöge seiner guten Arbeit auch nicht mehr ab. Einen sehr interessanten Verlauf nahm der Brandenburgvierer, in dem die Breslauer Wratislavia bis 1500 Meter an der Spitze lag. Dann ging Hcllas-Berlin mit energischem Zwischenspurt in Front und gewann leicht mit einer Bootslänge gegen die Breslauer und Sport-Boruffta, di« in totem Rennen endeten. Der Doppelzweier bracht« Sport-Borufsia dafür einen überlegenen Sieg oor der RR. der Berliner Unioersitöt. Hart wurde im Maiochter gekämpft. Der RK. am Wannst« lag bis 1000 Meter an der Spitze, dann übernahm die Berliner RG. v. 1884 das Kommando und siegt« knapp gegen da» auf den letzten 100 Metern fabelhaft spurtend« Boot von Hellas. ?otüei geviimt Potsdam— Berlin. Unter großer Anteilnahme sowohl der aktiven Sportler- wie auch der Zuschauer wurde am Sonntogoorinittag.»er bekannte Staffellauf Potsdam— Berlin zum 24 Male durchgeführt, lieber- rafchend siegte der Polizei-SC., und zwar in neuer Rekordzeit von 56:55,1 oor dem favorisierten SC. Charlottenburg, dem Deutschen SC. und dem Berliner SC, Montag 8. Juni 1931 Nr. 262 48. Jahrgang George Stephenson Zu seinem 150. Geburtstage am 9. Juni Zahriausende kannten keine raschere Bewegung von Ork zu Ork als das Beiken auf dem Satiel, das Fahren im Pferdefuhrwerk, im Segelschiff. Man reiste zu Bapoleons Zeilen so wie in den Tagen der Pyramidenbauer Aegyptens. Die Eisenbahn erst brachke eine neue Anschauung von Raum und Zeil, begründete das Tempo des technischen Zeitalters, veränderte das Bild der Kultur grund- sohlich. Gewitz, die wirtschastlichen Vorbedingungen für solchen Mandel muhten vorhanden sein— aber die Lösung, die entscheidende Tat—, sie vollbrachte durch Genie und Ausdauer George Stephenson, der Protetariersohn aus Rorlhumberland. Am 9. Juni 1781 wurde dem Kesselheizer Robert Stephenson (ausgesprochen Stihwensen) der zweite Sohn geboren. Er erhielt den Namen George. Sein Geburtsort war das Dorf Wylam im englischen Kohlengebiete von Northumbrien. In einer Bergarbeiter- wöhnung mit unbeworsenen Wänden, rohem Lehmboden, nackten Dachbalken kam George zur Welt. Der Wochenlohn des Vaters, 1? Schilling, reichte knapp zum sparsamsten Lebensunterhalt für die ochtköpfige Familie— nach George waren noch vier Geschwister gekommen, Lebensmittel waren auch damals teuer im Bergwerks- gebiete. Für Schulunterricht seiner Kinder konnte Robert Stephen- wn nichts erübrigen. Als Analphabeten muhten sie aufwachsen, wie die meisten Kinder seiner Kollegen. Dagegen erlernte George vom Voter die Beobachtung der Natur und die Liebe zu den Tieren, be- sonders zur Vogelwelt. Mit acht Jahren verdient George als Hirten- junge sein erstes Geld: Zwei Pence(Pfennige) täglich. Schon damals packt ihn die grohe Liebe seines Lebens: Die Maschine. Er sieht die noch unbeholfenen Maschinen des erwachenden tech- nischen Zeitalters. Aus Holz, Lehm und Stroh bastelt er Maschinchen. Maschinenführer werden, das ist feine Sehnsucht, es glückt ihm, als Hilfsheizer anzukommen. Mit IS Jahren ist er erster Heizer, bald darauf Maschinenwärter. Er ist sparsam, meidet das Wirtshaus. In seinen Freistunden untersucht er seine Maschine, dringt in ihre Geheimnisse ein, abends nimmt er Unterricht. Mit 19 Jahren kann er seinen Namen schreiben. Er wird' Bremser am Förderschacht, er repariert Schuhe und Uhren, erfindet, bastelt und liest. Schwere Zeiten kommen. Nach kurzem Eheglück stirbt Georges junge Frau. Der Vater erblindet durch gräßlichen Arbeitsunfall. Der Krieg mit Frankreich, die Kontinentalsperr« bedeuten Lohndruck, Steuerlast, Albeitslosigkeit für die englischen Arbeiter.'Jeder siebente Engländer bezieht Armenunterstützung! George denkt an Auswanderung. Da kommt die Wendung: An einer Pumpe versagt die Kunst der Ingenieure. ,-..»» e<. George bringt die Pumpe in Ordnung, rettet den Schacht, wird der gesuchteste Maschinenmeister der Gegend. 1312 ist er„Maschinenmacher" in Killingworth mit 1lX> Pfund Jahresgehalt.— Schlagwetterexplosionen sind damals der Schrecken des Bergwertsgebietes. Unter lebensgefährlichen Versuchen erfindet Stephenson ein« Sicherheitslampe. Sie bewährt sich. Unab- hängig davon bringt der Chemiker Davy eine ähnliche Lampe her- aus. Die Gelehrtenwelt verdächtigt voll Entrüstung den ungelehrten Maschinenmacher des geistigen Diebstahls! Doch Daten und Schrift- stücke beweisen: Stephensons Lampe war schon fertig, als Davy erst mit seinen Versuchen begann! Es gibt schon damals in England ein paar unbeholfene Lokomotiven. Immerfort versagend, immer wieder auf elendem Gleise zusammenbrechend, schleppen sie Kohle- karren mit der Geschwindigkeit eines Fußgängers. Stephenson baut eine befiere Lokomotive, den„Blücher". Er erkennt rasch die Fehler früherer Erfinder, die Vorbedingungen der Entwicklung des dampfbetriebenen Zuges zum Verkehrsmittel: Leistungsfähige Maschine und festes Gleis auf starkem Unterbau(das hatten alle Vorgänger übersehen!), möglichst ebene Streckenführung. „Zug und Schiene gehören zusammen wie Mann und Weib!" Eduard Pease, ein fortschrittlich denkender Kaufmann, kämpft um Genehmigung eines Schienenweges für den Kohletransport zwischen Stockton und Darlington. Hart sind die Widerstände im Parlament. Aber Pease ist Quäker. Die Quäker setzen den Bau durch, geben auch das Geld. Man denkt natürlich nur an Pferde- betrieb. Da besucht Pease eines Tages der bescheidene Maschinen- mdcher von Killingworth. Er rät zur Verwendung von Lokomotiven, erzählt von seinem„Blücher", der seit Jahren vortrefflich arbeitet. Pease reist nach Killingworth, ist überzeugt, begeistert. Er gründet mit Stephenson die erste Lokomotivfabrik der Welt! Am 27. Sep- tember 1825 läuft der erst« Dampfzug auf der„Quäkerlinie" Stock- ton— Darlington. Indessen werden auf dieser Strecke die Wagen meist noch durch Pferde gezogen, und von regelmäßigem Verkehr ist keine Rede. Schon 1821 beschließen die Kaufleute von Liverpool und Manchester, beide Wirtschaftszentren durch eine Schiencnbahn zu rerbinden. Stephensons Ruf ist schon so groß, daß man ihn zum leitenden Ingenieurs des Bahnbaus ernennt. Stephenson will die Bahn mit Lokomotiven betreiben. Er will die Strecke durch Berge, über Flußtäler, ja mitten durch das riesige Chatmoor führen. Alle Techniker Englands stehen gegen ihn. Kanalaktionäre, Fuhrunter- nehmer, Grundbesitzer entfesseln in Presse und Parlament eine wilde Hetze gegen Stephenson und seine Pläne. Man erklärt seine Ideen für verbrecherischen Wahnsinn, man oersucht ihn in Kreuzverhören zu verwirren. Stephenson läßt sich nicht beirren. Er arbeitet, zeigt, was er kann und findet nach und nach Anhänger. Stephenson hat kein Vor- bild, kann sich auf keine Erfahrung früherer Techniker stützen. Gleis und Bahnkörper, Weichen, Signale, Fahrzeuge, Bahnhöfe. Tunnels, Eisenbahnbrücken, Bahnanlagen in Sumpf und Felsengrund— alles muß erst erdacht, gebaut, erprobt werden. Es gibt keine gelernten Bahnarbeiter, Stephenson muß sie anlernen. Es gibt keine Eisen- bcchntechniker, Stephenson muß sie heranbilden. Tag und Nacht »rbeitet er gemeinsam mit seinem Sohne Robert. Er hat Robert zum Ingenieur ausbilden lassen: Robert hat sein technisches Genie "geerbt, er ist des Daters stärkste Stütze. Die Bahngesellschast hat ein Preisausschreiben für die beste Lokomotive«klaffen. Die Stephensons bauen die„Rakete". Sie hat den Flammrohr- i keffel. die Anordnung der Teile, da» Anfachen des Feuers durch KL.,, � d» Abdompi wie die heutigen Masch tuen. Im berühmten„Lokomotivrennen von Rainhill" im Oktober 1829 versagen alle Konkurrenten, aber die„Rakete" braust mit 46-Stun- den-Kilometer über die Bahn! Und am 15. September 1839 kann die Linie Liverpool— Manchester, die erste wirkliche Eiscnbahnstrecke der Welt, feierlich eröffnet werden!(Wir brachten im„Abend" vom 15. September 1939 eine ausführliche Schilderung dieser ersten Eisenbahn.) Der Bann ist gebrochen. Allenthalben beginnt man den Bau von Eisenbahnen. Zuerst in England, bald auch im Auslände. Uebcrall wird Stephenson als Leiter, als Berater begehrt. Sein Sohn, seine Schüler, seine Arbeiter erobern als«ine friedliche Armee dem neuen Verkehrsmittel immer neue Provinzen.'' Stephenson bleibt ein schlichter Mann. Er trägt keinen Orden, er lehnt alle Titel ab. Er schafft Arbeiterbibliotheken, richtet Unterrichtskurse und Schulen ein. Die Bildung, die er so schwer erkämpfen mußte, will er der kommenden Generation erschließen. Er gründet auch einen Arbeiter- sportklub, weil er selbst in seiner Jugend ein guter Sportsmann war. Auf einer Berufsreisc nach Spanien zog Stephenson sich ein Leiden zu, dem er am 12. August 1848 erlag. Das englische Volk hat seinen Namen in Westminister in Stein verewigt. Es hat feine ersten Lökomotiven als Denkmäler aufgestellt. Dr. Wolfgang Mejer. „Elektrische Unfälle" Zu dem kürzlich gemeldeten Unfall, dem die Angestellte eines Friseurgeschäfts zum Opfer fiel, schreibt uns ein Fachmann: „Elektrische Unfälle", wie der Gemeldete, sind zum Glück sehr selten, wenn mar. die Riesenmengen der in Gebrauch befindlichen elektrischen Apparate in Betracht zieht. Es müssen mehrere Umstände zufällig zusammenwirken, damit der Strom überhaupt zu gefährlicher Wirkung gelangen kann. Nur defekte Apparate oder Leitungen können Stromaustrittsstellen sein, niemals aber Geräte, die sich in Ordnung befinden. Aber auch bei zufälliger Berührung einer Defekt- stelle erfolgt nur selten ein heftiger Stromschlag, denn die Elektrizität geht nur dann mit entsprechender Stärke auf den Körper über, wenn er im Augenblick eine gut leitende Verbindung zur Erde bietet. Der Widerstand des menschlichen Körpers ist in der Regel zu groß, als daß er dem Strom als Durchgangsleiter zur Erde dienen könnte. Erst wenn durch große Hautfeuchtigkeit der lektrische Widerstand des Körpers stark herabgesetzt ist, kann ein Stromübergang erfolgen, ober selbst in diesem Fall muß noch eine gute Strombrücke zur Erde vorhanden sein, also der Betreffende muß zufällig mit durchnäßtem Schuhwerk auf naffem Boden stehen oder er muß eine Metalleitung berühren.(Wasserrohr, Heizungsrohr, Ent- und Belüftungsrohr.) Deshalb kommen elektrische Unfälle nur in solchen Räumen vor, die besonders naß sind und wo Personen nach längerem Verweilen die besprochene psysischen Voraussetzungen ausnahmsweise erfüllen, als» in Kellern, Waschräumen, Badezimmern und in den gewerblichen Räumen der sogenannten„nassen Betriebe", z. B. Fleischereien, Lederfabriken, Brauereien. Immerhin soll man im Gebrauch elektrischer Apparate einige Sorgfalt aufwenden, besonders die Anschlußschnüre pfleglich behandeln, zerbrochene Schutzdeckel ersetzen und keinesfalls Geräte aller Art und auch Beleuchtungskörper naß abwaschen und dabei den Strom eingeschaltet laffen. Im Baderaum haben die für sie nicht gebauten kleinen Heizsonnen nichts zu hm und das Haar mit der elektrischen Heißluftdusche trocknen, wenn man noch in der Wanne sitzt, ist eine ganz bedenkliche Sache. Wenn elektrische Geräte„elektrisieren", lasse man sie sofort reparieren und warte nicht erst, bis sie gänzlich oersagen. Auf diese Weise werden Unfälle sicher oermieden. H. K. Drahtlos aufgenommene Schallplatte Ein Amateur, der sich damit beschäftigt, Schollplatten von den Rundfunkdorbiewngen selbst aufzunehmen, machte kürzlich soleen- des interessante Experiment: Da an seinem Empsongsort(Karls- ruhe) der Sender Mühlacker in besonders guter Tonqualität und konstanter Lautstärke zu empfangen war, zeichnete� er vom Sender Müh�acker gesendete Schallplattenmusik hinter seinem Empfangs- gerät wieder auf Schallplatten auf. Dann beschaffte er sich die von ihm drahtlos aufgenommenen Schallplatten im Original und führte Unbefangenen beide Platten vor, mit dem Resultat, daß die Hörer überhaupt keinen Unterschied feststellen konnten. Die vielfachen Energieumformungen von der Schollplatte über den Tonabnehmer, Berstärker, Sender, Empfänger, Tonschreiber, Schallplatte, wiederum Tonabnehmer. Empfänger, Verstärker und Lautsprecher waren also mit einer solchen Verzerrunessreiheit durchgeführt, daß das mensch- liche Ohr zwischen Originalmusik und Wiedergabe keine Ulsterschied« mehr feststellen konnte. Intereffant ist es, daß für diese Versuche nicht etwa ein hierfür besonder- hergestellter Spezialverstärker be- nutzt wurde, sondern ein normaler Wechselström-Empsänger, Tele- funken 49-Spezial. Elektrotagung. Der Verband Deutscher Elektrotechniker und die Vereinigung der Elektrizitätswerke haben beschlossen, ihre Tagungen gemeinsam abzuhalten und sie zu einer Elektrotagung auszugestalten. Sie findet vom 21. bis 23. Juni in Frankfurt a. M. statt. Ailantik'Fahrt des Flugboots Der zukünftige Ozeanflugverkehr. Als am 5. Tum der Draht die Nachricht von der glücklich er- folgten lleberquerung des Südatlanlik durch das Dornier-Flug schiff„Do X" brachte, fand ein Unternehmen seinen vorläufigen Abschluß, dessen Ansang unter keinem allzu günstigen Stern stand. Groß und manchmal fast entmutigend waren die Schwierigkeiten, die vom ersten Probeslug bis zu der glücklichen Landung in Südamerika zu überwinden waren. Wie jedermann weiß, ist die„V o X" das erste Flugschiff der Welt, das in diesen großen Abmessungen erbaut worden ist. Daß es dem schwer um seine Existenz ringenden deutschen Flugschiffbau be- schieden war, auf diesem Wege bahnbrechend voranzugehen, hat die allseitige Achtung des gesamten Auslandes gefunden. Die befriedi- gend verlaufenen Probeflüge, u. a. mit 179 Passagieren, ließen er- kennen, daß„Do X" doch nicht so schlecht sein kann, wie sie anfangs gemacht worden war. Wie Dr. Dornier seinerzeit vor dem Hau»- Haltsausschuß des Reichstags auseinandersetzte, ist das Flugschiff nicht für die lleberquerung des Ozeans gebaut worden.„Do X" wurde mit Mitteln der Steuerzahler durch sogenannte Subventionen hergestellt. Aus diesem Grunde ist auch die von den Dornier-Werken gezeigte übergroße Vorsicht in bezug auf Ausschaltung jeglichen Risikos verständlich. So waren die Dornier-Werke nicht in der Loge, Schiffe zur Sicherung der Flugroute auf dem Ozean bereitzustellen, wie es bei ähnlichen Ozeanüberfliegungen bisher der Fall war: sie trugen viel- mehr die gesamten Kosten der Erprobungsflüge, die in die Zehn- tausende gingen, selber und mußten naturgemäß bei der Notlage der deutschen Flugzeugindustrie jeden Pfennig dreimal umdrehen, bevor sie ihn ausgaben. Es ist wenigen bekannt, daß seit geraumer Zeit Verhandlungen über eine Kombination des„Zeppelins" und der„Vo-X"-Flugschiffe für den zukünftigen Ozeanflugverkehr nach Amerika schweben. Diesem Zweck mußte eine überaus sorgfältige und gründliche Erprobung der „Do X* in verschiedenen Wasser-, Luft- und klimatischen Verhält- nisten vorangehen. In diesem Zusammenhange sei darauf hingewiesen, daß auch der alte Graf Zeppelin, dessen Mitarbeiter Dornier seit 1914 war, von Beginn seiner Laufbahn an mit den größten Wider- wärtigteiten und dem Gegenarbeiteu engstirniger Bierbankpolitiker und Cliquen zu kämpfen hatte. Die Leute, die das Gras wachsen sehen und sich immer bemüßigt fühlen, als„Fachleute" aufzutretim, gaben Zeppelin damals den Beinamen„der närrische Graf", während das Volk, nicht so dumm, wie es immer hingestellt wird, mit weit mehr Vorausblick veranlagt, schon damals herausgefunden hatte, daß die Ideen Zeppelins für die Menschheit künftiger Zellen von großem Segen sein würden. Die Geschichte des Luftschiffs und die Flüge Eckeners haben dem alten Grafen recht gegeben. Die Zukunft wird lehren, daß der Transozeanoerkehr in Dornier einen guten und berufenen Pionier gefunden hat. Selbstverständlich können auch, wie beim Zeppelin seinerzeit, Kinderkrankheiten nicht ausbleiben. Wenn alles das, was sich bei der Erprobung neuer Seeschiffstypen ereignet, ebenso an die große Glocke gehängt worden wäre, wie es jetzt beim„Do X" der Fall war. so würden wir niemals im Leben einen Ozeanschiffsoertehr erhallen hoben. Die Kritiken zeugten von wenig KennMis des technischen Entwicklungsganges und der ungeheuren Forfchungs- und Erpro- bungsarbeit, die zu leisten ist. bevor das endgültige Produkt fix und fertig vorliegen kann. Bei dem heutigen Stande der Technik stellt eine Ozeanüberquerung mit Flugzeugen eben noch ein großes Risiko dar: solange wir nicht andere Antriebsmittel haben als den Benzin- motor. Ein„Do X" mit Dieselmotoren hätte niemals unter der riesigen Menge toter Benzinlast zu leiden gehabt, er hätte mll fast dem dritten Teil des Betriebsstoffes auskommen können. Hier zeigt sich der Weg, den die verantwortlichen Stellen unbedingt gehen müssen, sollen wir nicht in unserer Volkswirtschaft dabei zu kurz kommen. Deshalb ist eben nur mit systematischer Forschungsarbell das Problem seiner Lösung näherzubringen. Columbus hätte Amerika niemals entdeckt, wenn man an sein Schiff dieselben Ansprüche ge» stellt hätte, wie man sie heute an unsere Ozeonschiffe zu stellen ge» wohnt ist. Nicht zuletzt verlangt es die Fürsorge für unsere hochqualifiziert« Facharbeiterschaft, daß alle die Bestrebungen begrüßt werden, di« darauf hinzielen, durch Exportmöglichkeiten im Auslande neue Absatz- gebiete und damit Arbeit für tausende jetzt feiernder Hände zu schaffen. Wer hierbei tätig mithilft, ist der Freund der arbeitenden Klaff« und«in Helfer beim Aufbau des neuen Staates.